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B978-3-437-58705-4.00015-8

10.1016/B978-3-437-58705-4.00015-8

978-3-437-58705-4

Schädel eines Neugeborenen mit Fontanellen.

[S007-3-23]

Entwicklung von Körpergewicht und Körperlänge.

Tab. 15.1
Alter Körpergewicht Körperlänge
Geburt 3,3 kg (2,5–4,2 kg) 46–54 cm
5–6 Monate Geburtsgewicht verdoppelt + ca. 15 cm
1 Jahr Geburtsgewicht verdreifacht + ca. 25 cm
2,5 Jahre Geburtsgewicht vervierfacht
6 Jahre Geburtsgewicht versechsfacht
10 Jahre Geburtsgewicht verzehnfacht

Übersicht über motorische, sprachliche und soziale Entwicklung des Kindes.TrotzkindSchaukindSaugkindKrabbelkindIch-KindGreifkindGehkind

Tab. 15.2
Alter Soziale Entwicklung, Spielverhalten Motorische Entwicklung Sprachliche Entwicklung Primitivreflexe
1.–3. Monat (Saugkind)
  • Antwort mit Lächeln bei Anlächeln

  • Fixieren und Verfolgung von Gegenständen, die im Gesichtsfeld bewegt werden

In Bauchlage Drehen des Kopfes zur Seite Seufzen und Lautieren im zufriedenen Zustand (gesättigt)
  • Reflektorisches Schreiten

  • Rooting-Reflex

  • Palmargreifreflex

  • Babinski-Phänomen

  • Moro-Reaktion

3. Monat (Schaukind)
  • Spontanes Lächeln

  • Anschauen der eigenen Finger und Spielen mit ihnen

  • Kopfkontrolle in Bauchlage vorhanden

  • Kopf kann von der Unterlage sicher gehoben werden

Spontane Vokalisation
  • Rooting-Reflex

  • Palmargreifreflex

  • Babinski-Phänomen

6. Monat (Greifkind)
  • Freude über Zuwendung

  • Greifen nach Gegenständen und Transferieren von einer Hand in die andere

  • Sichere Kopfkontrolle in jeder Körperhaltung

  • Aufrechtes Sitzen mit Unterstützung möglich

Antworten mit Vokalisation
  • Rooting-Reflex

  • Palmargreifreflex

  • Babinski-Phänomen

9. Monat (Krabbelkind) Fremdeln
  • Intensive Untersuchung von Gegenständen mit Händen, Augen und Mund

  • Scherengriff

  • Freies Sitzen möglich

  • Robben, Kriechen

Bildung von Silbenketten, z. B. wawawa
  • Rooting-Reflex

  • Babinski-Phänomen

12. Monat (Gehkind)
  • Zeigen von Zuneigung gegenüber vertrauten Personen

  • Schütteln von und Werfen mit Gegenständen

  • Pinzettengriff

  • Stehen mit Festhalten möglich

  • 12.–18. Monat freies Gehen

  • Bücken nach Gegenständen

  • Imitation von Sprachlauten und Bildung von Doppelsilben, z. B. mamam, papap

  • Mit 18 Monaten gezielte Verwendung von Mama und/oder Papa

Babinski-Phänomen
2 Jahre (Trotzkind)
  • Versuche, sich durchzusetzen, „Verteidigung“ des eigenen Besitzes

  • Imitation von Handlungen der Erwachsenen

Sicheres Rennen und Umgehen von Hindernissen
  • Gebrauch von ca. 20 Worten

  • Verstehen einfacher Aufträge

3 Jahre (Ich-Kind)
  • Teilen mit anderen, zumindest nach Aufforderung

  • Andauerndes und konzentriertes Rollenspiel

Kurzes Stehen auf einem Bein Korrekte Benutzung von Singular und Plural

Pränatale Infektionen und Auswirkungen auf das Kind (Merkhilfe: TORCHELL).ToxoplasmoseRötelnLuesListerioseInfektionen:pränataleHerpes simplexZytomegalie

Tab. 15.3
Erkrankung Kindliche Symptome der pränatalen Infektion
Toxoplasmose
  • Totgeburt (1. Trimenon)

  • Frühgeburt

  • Hydrozephalus, zerebrale Verkalkungen, geistige Retardierung

  • Chorioretinitis, Katarakt

  • Krampfanfälle

Röteln
  • Embryopathie: Gregg-Trias mit Katarakt, Innenohrschwerhörigkeit, Herzschäden (Pulmonalstenose, persistierender Ductus Botalli)

  • Geistige Retardierung

Cytomegalie
  • Hydrozephalus, intrazerebrale Verkalkungen

  • Hepatitis

  • Sepsis

  • Geistige und motorische Retardierung

Herpes simplex Enzephalitis
Lues
  • Hutchinson-Trias: Keratitis, Hörstörung, Zahnmissbildungen

  • Gedeihstörung, Entwicklungsverzögerung

Listeriose
  • Fetopathie durch Infektion im letzten Trimenon

  • Granulomatosis infantiseptica (Hepatosplenomegalie, Meningoenzephalitis)

Impfempfehlungen der STIKO (Ständige Impfkommission) für Säuglinge und Kinder bis 2 Jahren (Stand August 2012). Grundimmunisierung mit 4 Teilimpfungen, ∗∗ Grundimmunisierung mit 2 Teilimpfungen.STIKOImpfempfehlungen

Tab. 15.4
Impfung Alter in vollendeten Monaten
2 3 4 11–14 15–23
7-fach Impfstoff mit
  • Diphtherie

  • Tetanus

  • Pertussis

  • HiB

  • Polio

  • Hepatitis B

  • Pneumokokken

x x x x Nachholimpfung bei nichtgeimpften Kindern bzw. bei unvollständigem Impfschutz
Meningokokken x (ab dem 12. Lebensmonat)
4-fach Impfstoff mit
  • Mumps

  • Masern

  • Röteln

  • Varizellen

x∗∗ x∗∗

Impfempfehlungen der STIKO (Ständige Impfkommission) für Kinder ab 5 Jahren und Erwachsene (Stand August 2012).STIKOImpfempfehlungen

Tab. 15.5
Impfung Alter in Jahren
2–3 5–6 9–11 12–17 ab 18 ab 60
Tetanus,Diphtherie,Pertussis Nachholimpfung bei nichtgeimpften Kindern bzw. bei unvollständigem Impfschutz x (Auffrischimpfung) x (Auffrischimpfung) x (Auffrischimpfung alle 10 Jahre)
Polio x (Auffrischimpfung) x (ggf. Auffrischimpfung)
Hepatitis B Nachholimpfung für alle nicht geimpften Kinder
Pneumokokken x (Standardimpfung)
Meningokokken Nachholimpfung für alle nicht geimpften Kinder
Masern Nachholimpfung für alle nicht geimpften Kinder Einmalige Impfung für alle nach 1970 Geborenen mit unklarem Impfschutz
Mumps,Röteln Nachholimpfung für alle nicht geimpften Kinder
Varizellen Nachholimpfung für alle nicht geimpften Kinder
Influenza x (jährlich)
HPV Grundimmunisierung in 3 Teilimpfungen für alle Mädchen

Differenzialdiagnostik von Exanthemen.VarizellenScharlachRötelnRingelrötelnMasernKoplik-Wangenfleckeninfektiöse MononukleoseHimbeerzungeHeubner-Sternenhimmel

Tab. 15.6
Beginn Exanthem Besonderheiten
Masern
  • Hohes, zweigipfliges Fieber

  • Husten

  • Halsentzündung

  • Makulo-papulöses Exanthem

  • Konfluierend

  • Von oben nach unten ausbreitend

  • Hinter den Ohren beginnend

Koplik-Wangenflecken
Röteln
  • Leichtes Fieber

  • Mäßiges Krankheitsgefühl

Schwaches, nicht-konfluierendes Exanthem v. a. am Stamm Stark geschwollene nuchale und retroaurikuläre Lymphknoten
Varizellen
  • Leichtes Fieber

  • Mäßiges Krankheitsgefühl

  • Beginn überall in Schüben

  • Auch an Kopfhaut und Schleimhäuten, aber nicht an Handflächen und Fußsohlen

  • Entwickelt sich über einen Fleck zur Papel, zum Bläschen und zu Krusten = Heubner-Sternenhimmel

Starker Juckreiz
Scharlach
  • Hohes Fieber

  • Angina tonsillaris

  • Feinfleckiger Ausschlag

  • In Leisten und Achseln beginnend

  • Periorale Blässe

Himbeerzunge
Infektiöse Mononukleose
  • Fieber

  • Angina

  • Krankheitsgefühl

Masernähnlich
  • Petechiale Blutungen am Gaumen

  • Stark geschwollene Lymphknoten

Ringelröteln
  • Leichtes Fieber

  • Krankheitsgefühl

  • Schmetterlingsförmiges Exanthem im Gesicht

  • Girlandenförmiges Exanthem am Körper

Normwerte für Kinder für Blutdruck, Puls und Atemfrequenz.Blutdruck:Kind

Tab. 15.7
Alter Blutdruck [mmHg] Puls [Schläge/Minute] Atemfrequenz [pro Minute]
Neugeborene 80/45 100–180 40–60
1 Jahr 90/65 80–160 20–40
4 Jahre 95/55 60–150 20–40
6 Jahre 100/60 60–120 15–30
12 Jahre 115/60 50–100 15–26

Untersuchung des Kindes

  • 15.1

    Besonderheiten141

  • 15.2

    Meilensteine der Entwicklung141

    • 15.2.1

      Körperliche Entwicklung141

    • 15.2.2

      Primitivreflexe142

    • 15.2.3

      Kindliche Entwicklung142

  • 15.3

    Erster Eindruck143

  • 15.4

    Ausschluss eines Notfalls143

  • 15.5

    Anamnestische Anhaltspunkte143

  • 15.6

    Körperliche Untersuchung144

    • 15.6.1

      Untersuchung des Kopfes144

    • 15.6.2

      Lymphknotenuntersuchung145

    • 15.6.3

      Untersuchung des Rachens145

    • 15.6.4

      Untersuchung der Ohren145

    • 15.6.5

      Untersuchung der Haut145

    • 15.6.6

      Untersuchung der Lungen und des Herzens145

    • 15.6.7

      Untersuchung des Abdomens145

    • 15.6.8

      Untersuchung von Nieren, Urin und Genitale145

    • 15.6.9

      Untersuchung des Bewegungsapparates146

    • 15.6.10

      Neurologische Untersuchung146

Untersuchung:Kind Kind:Untersuchung

HINWEIS PRÜFUNG

Die Kenntnis über die körperliche, sprachliche, soziale Entwicklung des Kindes, Primitivreflexe, Impfempfehlungen der STIKO, pränatale Infektionen der Mutter und die Differenzialdiagnostik von Exanthemen sind prüfungsrelevant und sollten sicher beherrscht werden.

Besonderheiten

Die Untersuchung des Kindes unterscheidet sich von derjenigen bei Erwachsenen:
  • Die Reihenfolge mit erstem Eindruck, Ausschluss eines Notfalls, Anamnese usw. bleibt erhalten, wobei aber unangenehme Techniken wie Racheninspektion oder Otoskopie zum Schluss erfolgen.

  • Zusätzlich wird der Entwicklungsstatus erfasst, u. a. durch Messung der Körpergröße und des Gewichts, Prüfung der Fein- und Grobmotorik, der Sprache, des Intellekts, des Sozialverhalten sowie des Seh- und Hörvermögens.

  • Besonders wichtig ist die Kommunikation mit dem Kind. Untersuchungsgrund und Durchführung den Kindern grundsätzlich genau erklären.

Merke

Das häufigste Symptom bei Kindern ist der BauchschmerzenBauchschmerz. Dabei muss die Ursache nicht zwangsläufig Bauch liegen. Denn häufig können Klein-, aber auch Schulkinder den Ursprungsort der Schmerzen nicht exakt benennen. Die häufigsten Erkrankungen bei Kindern, an die man bei „Bauchschmerzen“ denken muss, sind:

  • Otitis media

  • Pneumonie

  • Zystitis

  • Abdominale Erkrankungen, v. a. Appendizitis

Deshalb empfiehlt es sich immer, nicht nur das Abdomen systematisch zu untersuchen, sondern ebenfalls den Urin, den äußeren Gehörgang mit Trommelfell und die Lunge zu auskultieren.

Eine orientierende Untersuchung des Kindes wird zwar beschrieben, es sei aber an dieser Stelle ausdrücklich darauf hingewiesen, dass detaillierte Untersuchungen von Pädiatern durchgeführt werden sollten. In der naturheilkundlichen Praxis ist die Kenntnis der Basisuntersuchungen jedoch wichtig und notwendig.

Meilensteine der Entwicklung

Körperliche Entwicklung

Entwicklung:MeilensteineEntwicklung:körperlicheDas Wachstum eines Kindes kann durch objektive Größen festgehalten werden. Die wichtigsten Parameter sind:
  • WachstumWachstum: Ein Kind ist bei der Geburt im Durchschnitt 51 cm lang, nach 12 Monaten 75 cm (Tab. 15.1).

  • GewichtGewicht: Ein Kind ist bei der Geburt im Durchschnitt ca. 3,3 kg schwer, hat mit ½ Jahr das Geburtsgewicht verdoppelt und mit 12 Monaten verdreifacht (Tab. 15.1).

  • ZähneZähne: Die ersten (Milch-)Zähne erscheinen im Durchschnitt mit ca. 6 Monaten (untere Schneidezähne). Das Milchgebiss besteht aus 20 Zähnen, im Alter von 6–8 Jahren werden sie allmählich durch bleibende Zähne ersetzt.

  • KopfumfangKopfumfang: Der normale Kopfumfang des Neugeborenen beträgt 33–37 cm. Er wird frontookzipital gemessen. Am Ende des 1. Lebensjahres beträgt er ca. 47 cm.

Primitivreflexe

PrimitivreflexePrimitivreflexe sind unwillkürliche und reflektorische Bewegungsmuster, die im Neugeborenen- und Säuglingsalter auftreten und physiologisch sind. Sie erlöschen mit zunehmender Reifung des zentralen Nervensystems. Zu den Primitivreflexen zählen u. a.:
  • Reflektorisches Schreitenreflektorisches Schreiten: Das Kind mit beiden Händen seitlich am Brustkorb fassen und die Füße wechselseitig geringes Gewicht übernehmen lassen. Das Kind imitiert Schreitbewegungen. Physiologisch ist der Reflex in den ersten 3 Monaten.

  • Rooting-ReflexRooting-Reflex: Reflektorisches Brustsuchen.

  • PalmargreifreflexPalmargreifreflex: Bestreichen der Handinnenflächen mit dem Daumen führt zur Greifantwort bzw. zum Faustschluss. Physiologisch bis zum 6. Lebensmonat.

  • Babinski-ReflexBabinski-Reflex: Beim Bestreichen der lateralen Fußsohle von der Ferse zu den Zehen geht der große Zeh in Dorsalextension, die Zehen 2–5 spreizen sich. Physiologisch bis zum 18. Lebensmonat.

  • Moro-ReaktionMoro-Reaktion: Laute Geräusche oder eine plötzliche Veränderung der Kopfposition führen zunächst zur Streckung und dann zur Beugung des Körpers und Kopfes. Physiologisch in den ersten 3 Monaten.

Kindliche Entwicklung (Tab. 15.2)

Erster Eindruck

Entwicklung:sprachlicheEntwicklung:sozialeEntwicklung:motorischeerster Eindruck:KindBeim ersten Eindruck sollten u. a. folgenden Kriterien beurteilt werden:
  • Allgemeiner Eindruck vom Kind: lebhaftes, stilles, schreiendes, kontaktfreudiges Kind?

  • Benehmen in der Spielecke: Interesse an Spielsachen, Kinderbüchern?

  • Kranker oder gesunder Eindruck: Ist das Kind fiebrig, blass, dehydriert?

  • Wie ist der Ernährungszustand?

  • Exantheme oder sonstige Hauterscheinungen, z. B. Ekzeme im Rahmen der Neurodermitis?

  • Nägelkauen: Kann Hinweise auf Konflikte geben.

Ausschluss eines Notfalls

Notfall:KindDie wichtigsten und häufigsten pädiatrischen Notfälle sind:
  • Krupp-SyndromKrupp-Syndrom: Leitsymptome bellender Husten und inspiratorischer Stridor

  • AppendizitisAppendizitis: Fieber, Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen

  • InvaginationInvagination: akuter Beginn, kolikartige Bauchschmerzen und blutig-schleimige Durchfälle

  • Meckel-DivertikelMeckel-Divertikel: akute peranale Blutungen

  • HodentorsionHodentorsion: plötzliche skrotale oder abdominale Schmerzen, Hodenhochstand und Entzündungszeichen

  • MeningitisMeningitis: Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Lichtscheu, Petechien

Anamnestische Anhaltspunkte

Anamnese:KindEinige anamnestische Angaben sind wichtig für Beurteilung der kindlichen Entwicklung:
  • SchwangerschaftsverlaufSchwangerschaftsverlauf: Dauer der Schwangerschaft, eingenommene Medikamente, Erkrankungen während der Schwangerschaft (Tab. 15.3), Blutungen, sonstige Komplikationen

  • Alkohol, Drogen, Nikotin: Genuss während der Schwangerschaft kann eine kindliche Entwicklungsverzögerung zur Folge haben

  • GeburtsverlaufGeburtsverlauf: Spontangeburt, Sectio caesarea, Zustand des Kindes bei der Geburt, Größe, Gewicht, Kopfumfang, Apgar-Index

  • Erbkrankheiten: z. B. Mukoviszidose, Missbildungen, Klumpfüße

  • Sozialer Status und Berufstätigkeit der Eltern, Geschwister

  • Gewichtsentwicklung, Längenentwicklung, Kopfumfang, Zahnung, motorische Fähigkeiten seit der Geburt

  • Ernährungsanamnese: gestilltes Kind, wenn ja wie lange

  • Durchgemachte Erkrankungen: Kinderkrankheiten, häufige Erkältungskrankheiten, Traumen, Krämpfe

  • Allergien oder Unverträglichkeiten: Glutenunverträglichkeit, Laktoseintoleranz

  • Impfstatus: Wann sind welche Impfungen appliziert worden, Reaktionen auf die Impfung (Tab. 15.4, Tab. 15.5)

Körperliche Untersuchung

Untersuchung des Kopfes

Untersuchung der Fontanellen
Untersuchung:KindKind:UntersuchungFontanellenBei der Untersuchung des Kopfes ist bei Neugeborenen Säuglingen die Palpation der Schädelnähte und der Fontanellen wichtig (Abb. 15.1). Die große Fontanelle ist rautenförmig, befindet sich zwischen Stirn-, Pfeil- und Kranznaht und schließt sich bei 80 % der Kinder bis zum 2. Lebensjahr. Die kleine Fontanelle ist dreieckig, befindet sich zwischen der Pfeil- und Lambdanaht und schließt sich spätestens mit dem 5. Lebensmonat.
Durchführung
Den Kopf des Kindes in beide Hände nehmen und sanft palpieren. Der Bereich der Fontanellen ist sehr weich. Zu achten ist auf Vorwölbungen oder Einsenkungen.
Normalbefund
Offene, weiche, weitgehend im Knochenniveau liegende Fontanellen.
Pathologische Befunde
  • Eingesunkene Fontanelle: bei Exsikkose

  • Vorgewölbte Fontanelle: bei Hydrozephalus, Hirndruck, Meningitis

Lymphknotenuntersuchung

Die Erhebung des Lymphknotenstatus ist bei Kindern wegen der häufigen Erkältungs- und Kinderkrankheiten sehr wichtig. Zum Vorgehen 14.1.5.

Untersuchung des Rachens

Die Untersuchung des Rachens entspricht der allgemeinen Racheninspektion (8.1.4). Zur Differenzialdiagnostik von Rachenbefunden Tab. 8.1.

Untersuchung der Ohren

Die Untersuchung der Ohren entspricht der allgemeinen Ohruntersuchung (13.4, 13.5, 13.6).

Untersuchung der Haut

Die Untersuchung der Haut entspricht der allgemeinen Hautuntersuchung (11). Besonders wichtig ist die die differenzialdiagnostische Beurteilung der ExanthemExantheme (Tab. 15.6).

Untersuchung der Lungen und des Herzens

Die Untersuchung der Lungen und des Herzens entspricht der allgemeinen Untersuchung (4, 6). Für Kinder gelten jedoch andere Normwerte für Blutdruck, Puls und Atemfrequenz (Tab. 15.7).

Untersuchung des Abdomens

Die Untersuchung des Abdomens entspricht der allgemeinen abdominalen Untersuchung (8.2–8.9)8.28.2.18.2.28.2.38.2.48.2.58.2.68.2.78.2.88.2.98.38.3.18.3.28.3.38.3.48.3.58.3.68.3.78.3.88.48.4.18.4.28.4.38.4.48.4.58.4.68.58.5.18.5.28.5.38.5.48.5.58.5.68.5.78.5.88.68.6.18.6.28.6.38.6.48.6.58.6.68.6.78.6.88.6.98.78.7.18.7.28.7.38.7.48.7.58.7.68.88.8.18.8.28.8.38.8.48.8.58.8.68.8.78.9.

Untersuchung von Nieren, Urin und Genitale

Untersuchung:GenitaleGenitale:UntersuchungZur Untersuchung von Nieren und Urin 9.
Bei der Untersuchung des Genitales sind insbesondere die Reifezeichen von Bedeutung:
  • Bei Mädchen sollten die großen LabienLabien die kleinen zum Zeitpunkt der Geburt überdecken.

  • Bei Jungen sollte der Descensus testisDescensus testis zum Zeitpunkt der Geburt erfolgt sein. Bei bis zu 3 % der männlichen Neugeborenen erfolgt der Descensus bis zum 1. Lebensjahr. Ein ausbleibender oder inkompletter Descensus kann wie folgt eingeteilt werden:

    • KryptorchismusKryptorchismus: Ausbleiben der Hodenwanderung in der Embryonalzeit.

    • LeistenhodenLeistenhoden: Der Hoden ist bei der Wanderung im Leistenkanal stecken geblieben.

    • GleithodenGleithoden: Der Hoden befindet sich im äußeren Leistenring, lässt sich kurzzeitig unter manuellem Zug ins Skrotum verlagern, wandert aber wieder zurück.

    • PendelhodenPendelhoden: Nicht behandlungsbedürftige Normvariante. Der Hoden liegt im Skrotum, kann aber unter dem Kremasterzug bis zum äußeren Leistenring wandern, wandert aber wieder spontan zurück.

  • PhimosePhimose: Bis zum 3. Lebensjahr physiologisch. Die Vorhaut bis zu diesem Alter daher nicht reponieren.

  • Ferner muss bei der Inspektion der Genitale auf MissbrauchMissbrauchshinweise geachtet werden, z. B. Hämatome, Blutungen, Fluor, Kondylome.

Untersuchung des Bewegungsapparates

Zur Untersuchung des Bewegungsapparates 3. Besonderes Augenmerk ist zu legen auf:
  • Entwicklung der Füße bzw. Fußanomalien: Sichelfuß, Klumpfuß, Spitzfuß

  • Skoliose

  • Morbus Scheuermann

  • Angeborenen Hüftgelenksdysplasie: typische Befunde sind

    • Asymmetrische Falten im Gesäßbereich und am Oberschenkel.

    • Ungleiche Beinlänge.

    • Das betroffene Beinchen wird deutlich weniger bewegt.

    • Positives Ortolani-Zeichen: Schnappen in der Hüfte bei Abduktion und Außenrotation im Hüftgelenk beim auf dem Rücken liegenden Kind. Diese Untersuchung sollte erfahrenen Pädiatern vorbehalten sein.

Neurologische Untersuchung

Die neurologische Untersuchung entspricht der im Kapitel 10 beschriebenen Untersuchung. Relevant ist die Erfassung der Primitivreflexe (15.2.2).

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