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B978-3-437-58376-6.00001-7

10.1016/B978-3-437-58376-6.00001-7

978-3-437-58376-6

Abb. 1.1

Prozentuale Verteilung der Themenbereiche in der schriftlichen Prüfung (2006–2016)

Abb. 1.2

Erlebnisorientiertes Lernen

Abb. 1.3

Farbige Unterteilung des Lösungsbogens

Tipps und Tricks für die Prüfung

Psychologische und neurologische Erkenntnisse über das Lernen

Bei der Vorbereitung auf die PrüfungsvorbereitungPrüfung haben Sie wahrscheinlich die Erfahrung gemacht, dass mühsam Gelerntes innerhalb kürzester Zeit verblasst oder gar aus Ihrem Gedächtnis verschwunden ist. Diese Erkenntnis ist nicht neu: Schon Ende des 19. Jh. konnte der Psychologe Hermann Ebbinghaus in verschiedenen Lernexperimenten nachweisen, dass wir bereits 20 Minuten nach dem Lernen sinnloser Silben 40 % des Gelernten nicht mehr abrufen können; nach einer Stunde haben wir über die Hälfte, nach 1 Tag zwei Drittel, nach 6 Tagen mehr als 85 % des Gelernten vergessen – vorausgesetzt, es waren sinnlose Wörter, vorausgesetzt auch, das auswendig Gelernte wurde nicht wiederholt.
Inzwischen haben Lernpsychologen auf der Grundlage der Ebbinghaus-Ebbinghaus-LernkurveLernkurve unser Wissen über erfolgreiches LernstrategienLernen erweitert und hierbei wichtige Erkenntnisse gewonnen, die nachfolgend stichpunktartig zusammengefasst sind:
  • Neu Gelerntes wird umso besser erinnert, je mehr es sich mit Bekanntem verknüpft, sich also in ein bereits vorhandenes neuronales Netzwerk „einwebt“. Dabei ist es wichtig, möglichst viele „Eingangskanäle“ einzusetzen (Hören, Sehen, Lesen, Sprechen, Schreiben, Zeichnen, Malen, Riechen, Schmecken usw.), damit sich das Gelernte an vielen verschiedenen Teilen des Gehirns mit den dort vorhandenen „Schaltkreisen“ verbindet. Wichtig in diesem Zusammenhang: Hören, Lesen, Schreiben, Sprechen, Zeichnen, Malen usw. werden an ganz verschiedenen Stellen des Gehirns abgespeichert, aber dennoch miteinander verknüpft. Die logische Konsequenz: Wenn Sie nur im Buch oder Skript lesen, wird im Sprachzentrum der Bereich „Leseverständnis“ angesprochen. Wenn Sie das eben Gelernte in eigenen Worten aufschreiben, laut aussprechen oder ein Bild dazu zeichnen, haben sie drei weitere Hirnareale eingeschaltet. Damit prägt sich das Gelernte um ein Vielfaches besser ein. Eine Möglichkeit, wichtige Begriffe besser zu vernetzen, sind Links-Rechts-Bewegungen der Links-Rechts-Bewegungen der AugenAugen zusammen mit dem lauten Sprechen bestimmter Wörter oder Sätze in Verbindung mit einem dazu passenden inneren Bild. Auf diese Weise werden abwechselnd Bereiche der linken und rechten Gehirnhälfte aktiviert, sodass wichtige Begriffe in beiden Hemisphären abgespeichert werden.

    • Sie haben z. B. Schwierigkeiten mit dem Begriff „Parästhesien“ = „Missempfindungen wie Kribbeln, Nadelstiche, Taubheitsgefühl“. Stellen Sie sich Ihren „eingeschlafenen“ Arm oder Fuß mit geschlossenen Augen bildlich vor; spüren Sie, wie er sich anfühlt, wenn er „aufwacht“! Öffnen Sie dann die Augen und sprechen Sie laut den Satz: „Parästhesien → Nadelstiche oder Taubheitsgefühl“. Gleichzeitig suchen Sie sich zwei Punkte im Raum und bewegen mehrmals ihre Augen nach links und rechts (evtl. in Form einer liegenden Acht). Wenn Sie das Wort „Parästhesien“ das nächste Mal lesen oder daran denken, taucht i. d. R. sofort das innere Bild dazu auf.

    • Angenommen, Sie können sich die Bedeutung des Wortes „Dissimulation“ = „absichtliches Verbergen von Symptomen, um für gesund gehalten zu werden“ nicht merken, dann stellen Sie sich innerlich eine Szene vor, in der jemand z. B. in gekrümmter Haltung vor dem Zimmer des Chefs steht, sich beim Öffnen der Tür aufrichtet und sagt: „Mir geht es super gut.“ Bewegen Sie dann die (offenen) Augen etwa zehnmal hin und her; sprechen Sie dabei mehrmals laut den Satz: „Dissimulation → jemand verbirgt absichtlich seine Erkrankung, um als gesund zu gelten“.

  • Bei Dingen, die uns emotional stark berühren, genügt ein einmaliges Erleben, damit sich das Ereignis für immer einprägt: Die erste Liebe, der erste Kuss, ein wunderschöner Urlaubstag, aber auch traumatische Erlebnisse aus der Kindheit oder dem Erwachsenenalter bleiben oft so intensiv in unserem Gedächtnis haften, dass wir uns ein Leben lang daran erinnern. Warum funktioniert das nicht bei mathematischen Formeln, englischen Vokabeln oder den typischen Merkmalen psychiatrischer Krankheitsbilder? Die Erklärung hierfür findet sich in einem Merksatz, den wir uns beim Lernen zunutze machen sollten:

Merke

„Was uns emotional nicht berührt, wird schnell vergessen.“

Oder umgekehrt: Je mehr Sie an dem, was Sie lernen, emotional beteiligt sind, desto besser und länger prägt sich das Gelernte ein. Das könnte damit beginnen, dass Sie Teile des Skripts in Stichworten zusammenfassen und dann laut aussprechen, vor dem Spiegel vortragen, in einer Arbeitsgruppe erläutern oder auf ein Diktiergerät bzw. ein Smartphone aufnehmen. Oder aber Sie tippen wichtige Teile des Skripts nochmals in den Computer und erweitern Ihr Wissen durch Selbsterlebtes, Filmausschnitte oder lebensnahe FallgeschichtenFallgeschichten. Auch das Erstellen von MindmapsMindmaps zu gewissen Themenbereichen zählt zum handlungsorientierten Lernen mit starker emotionaler Beteiligung. Wichtig hierbei ist, dass Sie solche Mindmaps selbst erstellen und nicht einfach aus Büchern übernehmen.
  • Auf neuronaler Ebene können wir uns die Grundlagen für emotionales LernenemotionalesEmotionales LernenLernen vereinfacht folgendermaßen vorstellen: Aus den unzähligen auf uns einstürmenden Sinneseindrücken wählt das Gehirn die Informationen aus, die es für wichtig erachtet; andere werden von vornherein abgeblockt. Die neuen Informationen werden über eine kleine Hirnregion, den Hippokampus („Seepferdchen“), verarbeitet. Der HippokampusHippokampus unterscheidet nochmals zwischen „wichtig“ (emotional erregend) und „unwichtig“ („emotional unbedeutend“), ordnet die eingetroffenen Informationen und transferiert sie nach einigen Stunden bis Tagen in die „zuständigen“ Areale der Hirnrinde, das Langzeitgedächtnis. Das funktioniert allerdings nur, wenn nicht ununterbrochen neue wichtige Informationen den Hippokampus überfluten: Dann nämlich werfen die neu ankommenden Lerninhalte die im Hippokampus kreisenden Informationen aus dem System – das vor ein paar Stunden Gelernte ist verschwunden. Ähnliches gilt, wenn jemand sich in einer emotionalen Krise befindet: Die ständig kreisenden emotional „aufgeladenen“ Gedanken lassen kaum zu, dass neue – emotional weniger „erregende“ – Lerninhalte aufgenommen werden; falls dies doch geschieht, wird das soeben Gelernte schnell von den belastenden Gedanken verdrängt und aus dem „System“ entfernt.

Konsequenzen für das Lernen

  • LerntippsMachen Sie sich bewusst, dass Ihr Gehirn nur eine begrenzte Aufnahmefähigkeit hat. Beschränken Sie sich deshalb beim Lernen auf jene Themen, die für die Prüfung wichtig sind. Wenn Sie aus einem Buch oder Skript lernen: Konzentrieren Sie sich auf das Wesentliche! Verschieben Sie Themenbereiche, die Sie persönlich sehr interessant finden, die aber nicht oder kaum in der Prüfung vorkommen werden, auf die Zeit nach der Prüfung. Je mehr Sie sich in der kurzen Zeit der PrüfungsvorbereitungPrüfungsvorbereitung (meist 6–12 Monate) verzetteln, desto weniger können Sie von dem Gelernten in der konkreten Prüfungssituation abrufen. Die Überblicksgrafik in Abb. 1.1 soll Ihnen helfen, sich auf das zu konzentrieren, was in den letzten Jahren häufig gefragt wurde und deshalb auf Ihrer „Lernliste“ weit oben stehen sollte. Vielleicht vermissen Sie einige Themen, die Sie gelernt haben: z. B. Psychosomatik oder Sexualstörungen – sie waren in den letzten 20 Jahren (also in 40 Prüfungen) nie Thema, werden also aller Wahrscheinlichkeit nach auch in Zukunft nicht mehr in der schriftlichen Prüfung auftauchen. Auch Fragen zu den Phasen der psychosexuellen Entwicklung nach Freud, zu Störungen des Sozialverhaltens, zur Bindungsstörung, zu Stottern und Poltern oder zur zönästhetischen Schizophrenie waren in den letzten 15–20 Prüfungen nicht oder nicht mehr zu finden. Sie sollten sich also auf die Themen konzentrieren, die schwerpunktmäßig immer wieder vorkommen – nicht zu vergessen die zahlreichen Fragen zur Verhaltenstherapie und zur Psychoanalyse, die in jeder Prüfung bis zu viermal gestellt wurden.

  • Denken Sie beim Durchgehen Ihres Skripts oder Lehrbuchs daran: Durch farbiges Unterstreichen wichtiger Begriffe geben Sie schon ein wenig vor, was wichtig und was unwichtig ist. Diese einfache Technik hilft Ihrem Gehirn, aus der Fülle des Neuen das Wichtige herauszufiltern.

  • Beim Lernen sollten Sie Pausen einlegen, damit das Kurzzeitgedächtnis (der Hippokampus) genügend Zeit hat, die neuen Informationen zu ordnen und an die dafür zuständigen Hirnareale weiterzuleiten. Besonders günstig zum Lernen wichtiger Dinge ist die Zeit vor dem Schlafengehen, denn in der Nacht hat der Hippokampus genügend Zeit, das neu Gelernte zu verarbeiten.

  • Sorgen Sie für eine entspannte Atmosphäre. Angst und Stress bewirken, dass Ihr Gehirn auf „Gefahr“ umschaltet – ein Zustand, in dem die kognitiven Instanzen weitgehend ausgeschaltet werden und Ihr Hippokampus kaum Neues aufnehmen kann. Versuchen Sie deshalb, eine LernatmosphäreLernatmosphäre zu schaffen, in der sie Ihre Alltagsprobleme für einige Zeit beiseiteschieben, indem Sie sich bewusst eine gewisse Zeit zum Lernen reservieren, vorher kurz meditieren oder sich entspannen oder das Lernen durch Entspannungsmusik untermalen.

  • Bitte vergessen Sie bei all dem nicht: Je stärker Sie beim Lernen emotional beteiligt sind, desto besser ist die Behaltensleistung! Was Sie hier alles für sich tun können, ist in Abb. 1.2 zusammengefasst.

Praktische Tipps für die schriftliche Prüfung

Wie Sie in der Prüfung ganz bei sich bleiben

Schriftliche Prüfung, praktische TippsJe nachdem, in welchem Gesundheitsamt Sie Ihre schriftliche Prüfung ablegen, werden Sie in einem Raum mit 50, 100, 200 oder mehr Prüflingen zusammen sein, die alle aufgeregt sind und Angst haben vor dem, was da auf sie zukommt. Angst ist ansteckend! Es genügt, wenn Sie mit Ihrer eigenen Aufregung und Angst umgehen müssen – die der anderen sollten Sie von sich fernhalten, indem Sie sich ganz auf sich und Ihr Wissen konzentrieren. Bewährt hierbei haben sich ein paar relativ einfache Dinge:
  • Besorgen Sie sich Ohrstöpsel für die Zeit, in der Sie den Bogen mit den Prüfungsfragen bearbeiten. Auf diese Weise schützen Sie sich vor lauten Geräuschen oder Fragen des Nachbarn. Musik aus dem Smartphone oder MP3-Player ist i. d. R. nicht erlaubt.

  • Um Ihr Wissen abrufen zu können, sollten Sie gedanklich und energetisch ganz bei, besser noch „in sich“ sein. Vielen Prüflingen hat es geholfen, sich während der Prüfung mehrmals zu „erden“, ihren Atem, ihren Körper, ihre Füße bewusst wahrzunehmen und sich selbst in einem Haus vorzustellen, dessen Tür nach draußen sie für einige Zeit verschließen, oder in einer Art Ei, das sie schützend umschließt. Bewährt hat sich hierbei der Satz: „Ich bin in mir.“

  • Auch in der Zeit des Lernens vor der Prüfung hat der Satz „Ich bin in mir“ vielen geholfen, gedanklich nicht „wegzugehen“, sondern körperlich und geistig ganz „hier“ zu sein und so mit voller Konzentration den Lernstoff zu verinnerlichen.

Kleine Erfolgserlebnisse schaffen

Denken Sie daran, sich in der Prüfung selbst zu „belohnen“, indem Sie zunächst nur die Fragen beantworten, bei denen Sie sich sicher fühlen. Alle Fragen, die Ihnen beim ersten Durchlesen Schwierigkeiten bereiten, überspringen Sie im ersten Durchgang, kennzeichnen die jeweilige Frage allerdings mit einem farbigen Marker, um sich in einem zweiten oder dritten Durchgang damit zu beschäftigen. Auf diese Weise geben Sie Ihrem Gehirn zu verstehen: „Wir haben jetzt schon 12, 14 oder 16 Fragen beantwortet – den Rest schaffen wir auch noch.“

Lösungsstrategien für den Umgang mit Multiple-Choice-Fragen

Wenn Sie sich beim Lösen einer Multiple-Choice-Multiple-Choice-FrageFrage unsicher sind, helfen Ihnen vielleicht ein paar Erfahrungswerte aus den vergangenen Prüfungen:
  • Schon in den einzelnen Aussagen (manchmal auch in der Fragestellung) gibt es bestimmte SignalwörterSignalwörter wie z. B. „immer“ oder „nie“, die Ihnen „signalisieren“, dass die Aussage aller Wahrscheinlichkeit nach falsch ist, denn in der Psychiatrie wie auch in der Medizin ganz allgemein gibt es viele Ausnahmen von der Regel.

  • Wenn Sie bei einer AussagenkombinationAussagenkombination“ ganz sicher wissen, dass eine bestimmte Aussage richtig oder auch falsch ist, hilft Ihnen ein Verfahren, mit dem Sie automatisch bestimmte Lösungsvorschläge ausschließen können. Hierzu ein Beispiel:

    Merke

    Beispiel: Aussagenkombination

    Welche der folgenden therapeutischen Verfahren werden im Rahmen einer kognitiv-behavioralen Verhaltenstherapie verwendet?
    1. Bewusstmachung automatisierter Gedanken und ihrer Verzerrungen
    2. Freies Assoziieren
    3. Konfrontation mit dem Widerstand
    4. Graduierte Exposition
    5. Antizipation
    □ A: Nur die Aussagen 4 und 5 sind richtig.
    □ B: Nur die Aussagen 2 und 3 sind richtig.
    □ C: Nur die Aussagen 1, 2, 3 und 4 sind richtig.
    □ D: Nur die Aussagen 1, 4 und 5 sind richtig.
    □ E: Alle Aussagen sind richtig.

    Sie sind sich sicher, dass Aussage 2 falsch ist. Damit entfallen die Lösungen B, C und E. Richtig ist in Ihren Augen in jedem Fall die Aussage 1. Damit entfällt auch Lösung A. So bleibt als richtige Lösung nur D.

  • Und noch ein Erfahrungswert: Sollte in einer Aussagenkombination der Lösungsvorschlag „Keine der Aussagen ist richtig“ auftauchen, ist dies nahezu immer anzukreuzen. Auch wenn nur eine von fünf Aussagen vorgeschlagen wird (z. B. „Nur die Aussage 2 [oder 4 oder 5] ist richtig“), ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass dies die richtige Lösung ist.

Übertragungsfehler vermeiden

In den meisten Bundesländern haben die Prüflinge ein Geheft mit meist 28 Prüfungsfragen vor sich liegen, dazu einen Lösungsbogen, auf den die Antworten übertragen werden müssen. Wenn Sie das Übertragen der Lösungen am Ende der Prüfung unter Zeitdruck durchführen, kann es leicht zu ÜbertragungsfehlerÜbertragungsfehlern kommen. Deshalb ist es ratsam, nach dem Lösen einer Aufgabe die entsprechenden Buchstaben (A, B, C, D, E) sofort auf das Lösungsblatt zu übertragen.
Damit sich auch hier keine Übertragungsfehler einschleichen, hat es sich bewährt, das Lösungsblatt – wie in Abb. 1.3 – mit farbigen Querstrichen in Gruppen zu je fünf Antworten zu unterteilen.

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