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B978-3-437-55914-3.00002-6

10.1016/B978-3-437-55914-3.00002-6

978-3-437-55914-3

Abb. 2.1

Ablaufschema. Linke Seite: systematisches Vorgehen bei der Wahl eines Arzneimittels. Rechte Seite: Fundstellen für Arzneimittel, Ursachen, Symptome und Modalitäten in diesem Buch.

Die praktische Anwendung der homöopathischen Heilmethode

Die Wahl des Arzneimittels

ArzneimittelwahlErfahrene Ärzte und Homöopathen wissen, wie schwierig es sein kann, das SimillimumArzneimittelSimillimumSimillimum zu finden, das ähnlichste Arzneimittel, das schließlich zur Heilung führen wird. Die Wissenschaft und Kunst, das passende Arzneimittel zu finden, erfordert ein phantastisches Gedächtnis, ausgezeichnete Beobachtungs- und Kombinationsgabe und lange Erfahrung. Es ist wirklich eine Kunst, an der der Homöotherapeut sein Leben lang lernen muss und worin er nie aufhören kann zu lernen und zu beobachten1

1

Risch, G.: Der sanfte Weg – eine Information über Homöopathie für jedermann. München 1994, S. 62.

. Gemeint ist damit insbesondere die Wahl der Arzneimittel bei der Therapie von chronischen und tief sitzenden KrankheitchronischeKrankheiten. Es geht hier darum, eine Vielzahl von oft nur schwach ausgeprägten Symptomen und Modalitäten zusammenzutragen, richtig zu gewichten, d. h. zu „hierarchisieren“ und zum passenden ArzneimittelbildArzneimittelbild zusammenzufügen – wahrlich ein anspruchsvolles Puzzlespiel!
Bei akuten KrankheitakuteErkrankungen und in Notfällen richtet sich die Wahl des Arzneimittels nach den gleichen Grundsätzen, doch ist das ähnlichste Arzneimittel in der Regel leichter zu finden. Die Symptome präsentieren sich meist in scharfen Konturen, und in vielen Fällen führen auffallende Symptome sehr schnell auf die richtige Spur. Allerdings wird die Wahl des Arzneimittels erschwert, wenn der Patient zuvor Medikamente eingenommen hat und dadurch Symptome verschleiert worden sind. In solchen Fällen stehen auch erfahrene Praktiker vor schwierigen und oft unlösbaren Aufgaben.
Wir werden nachfolgend zeigen, wie wir bei der Fallaufnahme das Krankheitsbild des Patienten erfassen. Mithilfe der Modalitätentabelle (z. B. Kopiervorlage hintere Buchinnenseiten), des Vereinfachten Repertoriums (Kap. 4.2) und der Materia medica (Kap. 3) gelangen wir dann schrittweise zum passenden Arzneimittel, genauer zum ArzneimittelbildArzneimittelbild, das dem Krankheitsbild am ähnlichsten ist. Drei Fälle aus der Praxis werden die dargestellte Methode veranschaulichen.

Fallaufnahme

Bei der FallaufnahmeFallaufnahme wird das Krankheitsbild des Patienten erfasst und schriftlich dokumentiert2

2

Die individualisierende Untersuchung eines Krankheits-Falles, schreibt Hahnemann, […] verlangt vom Heilkünstler nichts als Unbefangenheit und gesunde Sinne, Aufmerksamkeit im Beobachten und Treue im Aufzeichnen des Bildes der Krankheit (Organon, § 83).

. Das Krankheitsbild umfasst die Ursache der Krankheit, falls sich eine solche erschließt, sowie die allgemeinen und individuellen Symptome und die Modalitäten. Es dient als Grundlage für den Repertorisationsprozess, d. h. für die Suche nach dem passenden Arzneimittel. Hier lohnt es sich, genau und systematisch zu arbeiten. Ein Krankheitsbild, das ohne die nötige Sorgfalt und unvollständig erfasst wurde, wird uns das Auffinden des richtigen Arzneimittels unnötig erschweren oder unmöglich machen.
Spontanbericht
Spontanbericht, FallaufnahmeDie Konsultation in der ärztlichen Praxis beginnt mit dem Spontanbericht, d. h. mit den spontanen Aussagen des Patienten über seine Beschwerden. Der Spontanbericht ist die Grundlage für das Gespräch mit dem Patienten sowie für gezielte Fragen, die wir zu den Beschwerden und zum seelischen Zustand stellen. Wir notieren uns alle Symptome, am besten wortwörtlich so, wie der Patient sein Leiden schildert. Jedes einzelne Symptom hat eine eigene Zeile. Dabei lassen wir genügend Raum offen für die Modalitäten, die wir im Verlauf des Gesprächs erfragen. Ganz oben auf der Seite sparen wir genügend Raum aus für die Ursache der Krankheit, da sich diese oft erst während oder gegen Ende des Gesprächs erschließt.
Während des Gesprächs gilt die ungeteilte Aufmerksamkeit dem gegenwärtigen körperlichen, seelischen und geistigen Zustand des Patienten. Auch scheinbar nebensächliche Details wie Mimik, Händedruck, die Art zu sprechen, auffallende Verhaltensweisen in Wartezimmer und Praxis können wichtige Hinweise geben. Das Auge des Arztes, so fordert Hahnemann, ruht auf dem Patienten!3

3

Eine gute Homöopathie-Software liefert viele nützliche Daten bei der Repertorisation und ist tatsächlich oft unentbehrlich – nach der Konsultation! Der Arzt, der sich während des Gesprächs über den Bildschirm seines Computers beugt, kann wichtige Reaktionen des Patienten und dadurch das richtige Arzneimittel verpassen.

Entgegen seinem gewohnten Verhalten ist der Patient vielleicht mürrisch oder gereizt, oder er reagiert aggressiv auf Fragen. Oft werden in das Krankheitsbild auch Beobachtungen einfließen, die dem Arzt durch Angehörige des Patienten mitgeteilt werden und in vielen Fällen hilfreich sind.

Merke

Der seelische und geistige Zustand, als wichtiger Teil des Krankheitsbildes, ist besonders zu beachten.

Checkliste
Checkliste, FallaufnahmeDas Krankheitsbild des Patienten, d. h. die Ursache, die allgemeinen und individuellen Symptome sowie die Modalitäten, müssen vollständig erfasst werden. Dabei empfiehlt sich ein systematisches Vorgehen anhand einer Checkliste, die sich in der Praxis ausgezeichnet bewährt hat:

  • Ursache der Krankheit

  • Auffallende Symptome

  • Weitere Symptome und ihre Modalitäten

  • Begleitende Beschwerden und ihre Modalitäten

  • Lokalisation der Symptome

  • Wertung der Symptome

Ursache der Krankheit
KrankheitUrsache„Was ist geschehen?“ Diese Frage ist zentral und darf beim Gespräch mit dem Patienten unter keinen Umständen vergessen werden. Jedes Leiden hat seine Vorgeschichte. Welches Ereignis, welcher Unfall, welche Kränkung könnten den Anlass zur akuten Störung gegeben haben? Die Ursachen einer Krankheit können beispielsweise Liebeskummer sein, Schikanen am Arbeitsplatz, ein böser Traum, eine erlittene Demütigung, Heimweh, Schreck, kalter Nordostwind. Nicht immer werden solche Ereignisse vom Patienten in ihrer Bedeutung für das Leiden erkannt, sodass sie oft unerwähnt bleiben. Es kommt auch vor, dass Patienten aus Scham oder Angst über gewisse Geschehnisse nicht berichten wollen. Wir dürfen uns deshalb nicht scheuen, durch wiederholtes Fragen oder durch Umformulieren einer Frage während des Gesprächs die wahre Ursache der Krankheit zu ergründen.
Die Ursache der Beschwerden kann körperlicher, seelischer oder geistiger Natur sein. Liegt den Beschwerden eine seelisch-geistige Ursache zugrunde4

4

Bei Patienten, die in Städten und städtischen Agglomerationen wohnen, stehen bei akuten Krankheiten häufig seelische und geistige Ursachen im Vordergrund, während bei der „typischen“ Landbevölkerung (Landwirte) klimatisch und körperlich bedingte Krankheitsursachen überwiegen.

, so erhält sie für die Wahl des Arzneimittels ein besonderes Gewicht.
Beispiele
Bei einer akuten Erkrankung, die durch Ärger ausgelöst wurde, finden wir das passende Arzneimittel mit einer hohen Wahrscheinlichkeit in der Gruppe der sogenannten ArzneimittelÄrgermittelÄrgermittelÄrgermittel. Diese Gruppe umfasst Bryonia, Chamomilla, Colocynthis, Hepar sulphuris, Nux vomica und Staphisagria. Ist Zorn infolge einer Kränkung die Ursache einer Erkrankung, so wird mit großer Wahrscheinlichkeit $$ColocynthisÄrgermittelColocynthis helfen. Colocynthis nimmt als einziges Arzneimittel die seelisch-geistige Ursache „Zorn durch Kränkung“ auf. Für den Patienten, der auf eine Kränkung zornig und entrüstet reagiert hat und nun unter heftigen Bauchkoliken leidet, die sich durch Wärme und harten Druck bessern, wird deshalb wahrscheinlich Colocynthis das passende Arzneimittel sein.
Auch ein gut gewähltes Arzneimittel kann versagen, wenn es die Ursache nicht aufnimmt. Das zeigt der folgende lehrreiche Fall:
Eine Patientin kommt mit starken OhrenschmerzenOhrenschmerzen in die Praxis, nachdem sie soeben eine Grippe überstanden hat. Die Grippe ist nicht homöopathisch behandelt worden. Die Schmerzen im Ohr, erzählt sie, seien plötzlich aufgetreten. Klare Symptome fehlen, eine Ursache – außer vielleicht der Grippe – lässt sich nicht finden. Diagnose: Mittelohrentzündung links mit spontanem, schnellem Durchbruch. Sulphur bringt keinen durchgreifenden Erfolg. Mit einem AntibiotikaAntibiotikum bessern sich die Beschwerden langsam, die Patientin leidet jedoch noch an einem Druckgefühl im Ohr.
Zwei Tage später erscheint ein weiterer Patient mit Ohrenschmerzen in der Praxis. Auch dieser Patient ist gerade von einer Grippe genesen. Er berichtet, dass er am ersten Tag nach überstandener Grippe den Friseur aufgesucht habe. Wenige Stunden später seien heftige Ohrenschmerzen aufgetreten. Könnten die Ohrenschmerzen vielleicht etwas mit dem Friseurbesuch zu tun haben, will er wissen? Eine gute Frage, die uns auf die richtige Spur führt! Die Ursache für die Beschwerden ist das Wechselbad zwischen der Wärme im Friseursalon, der Feuchte beim Haarewaschen und der winterlichen Kälte draußen: Kalte Luft trifft auf den feuchten Gehörgang und bewirkt Ohrenschmerzen. Zu den wenigen Arzneimitteln, welche diese Ursache aufnehmen, gehört $$Ledum palustreOhrenschmerzenLedum. Auch die Symptome „ungewöhnliche Blässe“ und „stechende Schmerzen“ weisen auf Ledum hin. Eine Gabe Ledum C 30 befreit den Patienten innerhalb von wenigen Stunden von seinen Ohrenschmerzen.
Könnte dieser Fall der Schlüssel sein für den noch ungeklärten Fall der Patientin mit Mittelohrentzündung? Die Ärztin ruft die Patientin an. Diese erzählt, dass sie nach der überstandenen Grippe beim Friseur war, bevor am Abend desselben Tages plötzlich die Ohrenschmerzen einsetzten. Bingo! Nach einer Gabe $$Ledum palustreLedum C 200 verschwinden die restlichen Beschwerden der Patientin sehr schnell. Hinweis: Diese nicht seltene Ledum-Ursache kann insbesondere bei Patienten mit rheumatischer Veranlagung auftreten.
Diese Beispiele zeigen, dass es sich lohnt, hartnäckig nachzufragen, wenn die Ursache unklar ist.

Das hilfreiche Arzneimittel finden wir oft über die Ursache der akuten Erkrankung.

Die Ursache darf jedoch nie konstruiert werden, auch wenn sie noch so schön zu einem Symptom passen würde! Die Homöopathie ist eine präzise Erfahrungswissenschaft, und Wunschdenken wird immer zu falschen Resultaten führen. Erschließt sich uns keine Ursache, lassen wir die für die Ursache reservierte Zeile leer.

Auffallende Symptome
SymptomeauffallendeWenn der Patient sein Leiden schildert, wird er gewisse Symptome erwähnen, ohne dass er erst dazu aufgefordert werden muss. Meist berichtet er über ein körperliches Symptom, das ihn besonders stört. Beispielsweise erwähnt er spontan eine der folgenden Beschwerden:
  • „Jedes Mal wenn ich lache, muss ich husten“.

  • „Ich muss beim Herumspringen husten“.

  • „Ich habe das Gefühl, als hätte ich eine Feder im Kehlkopf“.

Patienten berichten auch spontan, wie ihre Stimmung umgeschlagen hat, seitdem sie sich krank fühlen. Besonnene Menschen reagieren auf die unbedeutendsten Ereignisse plötzlich mit Panik, liebe und sanfte Kinder benehmen sich unvermittelt aggressiv gegenüber Eltern und Mitschülern.
Beispiele
  • „Meine Frau sagt, ich sei seit zwei Tagen nicht mehr zum Aushalten“. Das Symptom „stark gereizt“ ist ein Hinweis auf eines der folgenden drei Arzneimittel: $$Bryonia albaBryonia, Hepar $$Hepar sulphurissulphuris oder Nux $$Nux vomicavomica.

  • „Ich bin gestern zu Hause wegen einer Kleinigkeit ausgerastet“. Auf Nachfrage hin erzählt dieser Patient, dass ihn zuvor ein Kollege beim Training kritisiert hätte. Beim Symptom „schnell beleidigt durch Kritik“ denken wir zuerst an $$StaphisagriaStaphisagria.

  • „‚Lasst mich doch alle in Ruhe‘, hätte ich am liebsten geschrieen und mich in den hintersten Winkel verkrochen.“ Eine solche Reaktion ist ein wichtiger Hinweis auf $$GelsemiumGelsemium.

Im Spontanbericht des Patienten oder während des anschließenden Gesprächs werden bei den meisten akuten Erkrankungen solche auffallenden Symptome zum Vorschein kommen. Wir notieren uns diese Symptome sorgfältig.
Nicht alle Patienten beobachten sich und die Reaktionen ihres Körpers gleich aufmerksam. Bei manchen Patienten muss der Arzt die für die Wahl des ArzneimittelwahlArzneimittels wichtigen Symptome durch gezielte Fragen herausfinden. Durch aufmerksame Beobachtung wird er beim Patienten zudem gewisse Verhaltensweisen registrieren, ohne dass er überhaupt erst Fragen stellen muss. So gibt beispielsweise die Reaktion des Patienten auf Trost bereits wichtige Hinweise auf mögliche Arzneimittel. Wenn der Arzt einen Patient z. B. mit den Worten zu trösten versucht: „Das tut mir leid“ oder: „Ich weiß, das ist eine schwierige Situation für Sie“, und dieser reagiert entweder gereizt-aggressiv oder verschlossen, so kann diese Reaktion bereits ein erster Hinweis auf Ignatia oder Nux vomica sein und die Arzneimittel Phosphorus und Pulsatilla ausschließen, deren Beschwerden sich durch Trost bessern.
Erwähnt der Patient ein ganz ungewöhnliches und speziell merkwürdiges Symptom, wird der erfahrene Praktiker direkt nach dem ArzneimittelwahlArzneimittel suchen. Das merkwürdige und seltene Symptom „Ich habe das Gefühl, als würde das Herz zu schlagen aufhören, wenn ich mich nicht bewege“ wird die Anzahl der möglichen Arzneimittel bis auf ein einziges, nämlich Gelsemium reduzieren. Dieses, übrigens nicht erfundene, Beispiel zeigt, dass jedes besonders ungewöhnliche Symptom eine unschätzbare Hilfe ist. Doch selbst wenn der Arzt felsenfest überzeugt ist, das richtige Arzneimittel gefunden zu haben, ist er klug beraten, wenn er das Arzneimittel abschließend anhand der Materia medica auf die Ursache sowie auf alle Symptome und Modalitäten hin überprüft.
Weitere Symptome und ihre Modalitäten
ModalitätenNeben den auffallenden Symptomen beobachten wir am Patienten normalerweise auch allgemeine AllgemeinsymptomeSymptome, beispielsweise Husten. Diese allgemeinen Symptome sind für die Wahl des Arzneimittels erst dann wertvoll, wenn sie durch Modalitäten individualisiert worden sind. Modalitäten beziehen sich auf die Art und Weise, wie sich ein Symptom durch Tageszeit, Lage oder Umstände verschlimmert (Symbol <) oder verbessert (Symbol >) (Kap. 1.1.9). Sie werden durch die zwei Fragen „Schlimmer durch …?“ bzw. „Besser durch …?“ erschlossen. Ein oft vorkommendes, allgemeines Symptom wie Übelkeit kann durch Erbrechen deutlich besser oder nicht besser bzw. verschlimmert werden. Im ersten Fall prüfen wir Nux vomica, im zweiten Ipecacuanha.
Klagt ein Patient, dass er am heftigsten husten müsse, sobald er sich abends hinlege, erhält dieses Symptom für die Wahl des Arzneimittels eine große Bedeutung. Die Modalität muss allerdings klar vorhanden sein! Nicht alle Antworten helfen uns weiter. Vielleicht reagiert der Patient auf die Frage nach den Modalitäten des Hustens mit einem Schulterzucken oder mit einem „Ich weiß es nicht so genau“. Das allgemeine Symptom „Husten“ wird in einem solchen Fall nicht vorbehaltlos durch eine Modalität näher beschrieben und darf deshalb für die Wahl des Arzneimittels nicht verwendet werden.
Es kann vorkommen, dass ein Patient erwähnt, dass der Husten vor einigen Monaten schlimmer gewesen sei, wenn er sich abends hingelegt hat, seit einiger Zeit müsse er allerdings immer etwas husten. In einem solchen Fall wird eine Therapie nach den Regeln für akute Erkrankungen nicht helfen. Ein Symptom mit unklarer Modalität darf nur ausnahmsweise verwendet werden, nämlich dann, wenn der Patient eine Ursache für den Husten nennen kann, etwa „Seit dieser Nahrungsmittelvergiftung muss ich husten, ist das nicht seltsam?“.

Merke

Als Regel gilt: Nur ein Symptom mit klaren Modalitäten ist ein „gutes“ Symptom!

Erscheinen zur gleichen Zeit viele Patienten mit ähnlichen Symptomen in der Praxis, wie es oft bei einer Grippewelle im Winter vorkommt, müssen wir die charakteristischen Symptome dieser epidemischen KrankheitepidemischeKrankheit5

5

Wer das passende Arzneimittel bei Epidemien finden will, braucht dazu ausgezeichnete Kenntnisse der Materia Medica. Nur in Ausnahmefällen wird sich das Epidemiemittel unter den 44 in diesem Buch beschriebenen wichtigen Arzneimitteln auffinden lassen.

studieren (Kap. 1.1.9, „Epidemien – Genius epidemicus“).
Begleitende Beschwerden und ihre Modalitäten
ModalitätenDie Krankheit des Patienten kann begleitet sein von Beschwerden wie Erbrechen, einem Gefühl von Kälte, von brennender Hitze oder von Durstlosigkeit. Diese „begleitenden Beschwerden“ oder „Begleitsymptome“ treten meist zusammen mit den Hauptsymptomen auf, können aber auch vorher oder nachher erscheinen. Wie die Symptome werden auch die begleitenden Beschwerden durch Modalitäten näher beschrieben und auf diese Weise individualisiert.
Eine genaue Befragung zu den begleitenden Beschwerden und ihren Modalitäten ist insbesondere dann erforderlich, wenn das Gespräch bisher weder Ursache noch auffallende Symptome oder durch klare Modalitäten näher beschriebene allgemeine Symptome zutage gebracht hat. Mitunter zeigt ein Patient erst bei den Fragen nach eventuell begleitenden Beschwerden und ihren Modalitäten seine Gereiztheit (Colocynthis, Nux vomica, Bryonia) oder, ganz im Gegenteil, seine Freude, dass er endlich ernst genommen wird (Arsenicum).
Wichtige Fragen
  • Durst: Hat der Patient Durst? Falls ja: stärker als normal? Will er lieber kalt oder warm trinken? Möglicherweise hat der Patient Durst, trinkt aber nicht oder der Patient ist durstlos trotz trockenen Mundes.

  • Wärme und Kälte: Bessern oder verschlimmern sich die Beschwerden durch Wärme oder Kälte? Wenn sich brennende Schmerzen durch Hitze bessern, weist dies auf Arsenicum hin, während eine Abneigung gegen Wärme bei gleichzeitigem Kältegefühl Pulsatilla als mögliches Arzneimittel anzeigt.

  • Bewegung und Ruhe: Werden die Beschwerden schlimmer oder besser durch Bewegung? Bewirkt Ruhe eine Verschlimmerung oder Besserung?

  • Lage: Wie wirkt sich Liegen, Sitzen oder Stehen auf die Beschwerden aus?

  • Erbrechen: Muss der Patient sofort nach dem Essen oder Trinken erbrechen (→ evtl. Arsenicum); bzw. erst fünf Minuten nach dem Essen oder Trinken (→ evtl. Phosphorus).

Es ist wichtig, die Fragen so zu stellen, dass wir dem Patienten die Antworten durch die Fragestellung nicht suggerieren. Das erreichen wir, indem wir die Fragen offen formulieren, also beispielsweise: „Wie steht es mit dem Stuhlgang?“ oder: „Wie steht es mit dem Durst“?
Lokalisation der Symptome
Die SymptomeLokalisationSymptome eines homöopathischen Arzneimittels manifestieren sich vorzugsweise in bestimmten Organen bzw. Körperregionen6

6

Die für ein Arzneimittel charakteristischen Körperregionen und Organe finden sich in Bogers A Synoptic Key to Materia Medica (New Delhi 1995) und in der Synoptic Materia Medica von Vermeulen (Haarlem 1994).

, die bei den Arzneimittelbeschreibungen in einer speziellen Rubrik aufgeführt sind. Diese Angaben können wichtige Hinweise für die Wahl des ArzneimittelwahlArzneimittels geben oder die Wahl bestätigen. Die Symptome des Arzneimittels $$CausticumCausticum etwa treten vorwiegend im Gemüt, im Atmungssystem und in der Blase auf.
Wertung der Symptome
Während des Gesprächs und der Befragung anhand der Checkliste (s. o.) haben wir uns die allgemeinen und individuellen Symptome sorgfältig notiert. Als eiserne Regel merken wir uns, dass wir für die Wahl des ArzneimittelwahlArzneimittels nur ausreichend individualisierte SymptomeSymptomeindividuelle verwenden dürfen. Diese auffallendern, sonderlichen, ungewöhnlichen und eigenheitlichen (charakteristischen) Zeichen und Symptome des Krankheitsfalles fasst Hahnemann für die Wahl des ArzneimittelwahlArzneimittels besonders und fast einzig fest in's Auge (Organon, § 153). Hahnemanns prägnante Anweisungen sind zugleich die beste Zusammenfassung unserer Checkliste! Bei der nachfolgenden Repertorisation verwerten wir:
  • die Ursache,

  • die auffallenden Symptome,

  • die Symptome und begleitenden Beschwerden, denen eine klare Modalität zugeordnet werden kann.

Allgemeine AllgemeinsymptomeSymptome, für die wir keine Modalität gefunden haben, scheiden aus und werden bei der Suche nach dem passenden Arzneimittel nicht berücksichtigt.
Für die Arzneimittelwahl dürfen wir auch keine Symptome verwenden, die vor der gegenwärtigen akuten Erkrankung vorhanden waren. Meist wird uns der Patient ohnehin nur die akuten Symptome mitteilen.

Der Prozess der Repertorisation

RepertorisationArzneimittelRepertorisationNun suchen wir das Arzneimittel, welches heilen wird. Aus der großen Anzahl von Arzneimittelbildern wählen wir dasjenige Arzneimittelbild aus, das dem Krankheitsbild des Patienten, d. h. der Ursache, den wichtigen Symptomen und Modalitäten des Krankheitsfalls, am ähnlichsten ist. Diesen Suchprozess nennen wir Repertorisieren.
Dieses einzig passende Arzneimittel hat zuvor bei gesunden Prüfern ähnliche SymptomePrüfsymptomePrüfsymptomeSymptome erzeugt, wie wir sie am Patienten beobachten. Wir können auch sagen, dass das richtig gewählte Arzneimittel die Symptome des Patienten „aufnehmen“ bzw. „abdecken“ muss. Nur dann dürfen wir das Arzneimittel als SimileArzneimittelSimileSimile – als ein den individuellen Symptomen ähnliches – bzw. als Simillimum,SimillimumArzneimittelSimillimum d. h. als das den individuellen SymptomeindividuelleSymptomen ähnlichste Arzneimittel, bezeichnen. Dieses Arzneimittel wird den Patienten entsprechend dem homöopathischen Gesetz Similia Similia similibus curentursimilibus heilen.
Hilfen beim Repertorisieren
Dem Praktiker stehen heute als Hilfen verschiedene umfangreiche Repertorien zur Verfügung. Der kundige Umgang mit einem RepertoriumRepertorium will allerdings gelernt und geübt sein. Dazu bedarf es der gründlichen Anleitung. Im vorliegenden Buch, das sich als Einführung in die homöopathische Heilmethode versteht, kann diese fortgeschrittene Technik nicht vermittelt werden. Wir haben deshalb ein vereinfachtes Verfahren der Repertorisation gewählt und diesem Buch die Arzneimittelbeschreibungen von 44 wichtigen Arzneimitteln beigegeben (Kap. 3). Als weitere Hilfen beim Suchprozess benutzen wir eine Modalitätentabelle (z. B. Kopiervorlage hintere Buchinnenseiten) und ein Vereinfachtes Repertorium (Kap. 4.2). Mit den Arzneimittelbeschreibungen, der Modalitätentabelle und dem Vereinfachten Repertorium werden wir das passende Arzneimittel in der Regel schnell und sicher finden, immer vorausgesetzt, das Arzneimittel gehört zu den 44 Arzneimitteln, die sich bei akuten Erkrankungen bewährt haben.
Arzneimittelbeschreibungen (Materia medica)
Materia medicaDie Beschreibung von 44 wichtigen Arzneimitteln in alphabetischer Reihenfolge (Kap. 3) hat die Funktion einer Materia medica, die auf ihre wichtigsten Elemente komprimiert worden ist. Zusammenfassend werden die folgenden Elemente eines jeden Arzneimittels beschrieben: seelischer und geistiger Zustand, Beschwerden infolge von (Ursache), Organe/Körperregionen, spezielle Symptome, Modalitäten, Folgemittel. Außerdem ein typisches Fallbeispiel und eine Rubrik „wichtige Frage/Beobachtung“, die sich in vielen Jahren Praxiserfahrung herauskristallisiert hat und einen ersten, unmittelbaren Zugang zum Wesen des Arzneimittels erschließen kann.
Modalitätentabelle

Die Modalitätentabelle (z. B. Kopiervorlage hintere Buchinnenseiten) ist das Ergebnis der langjährigen praktischen Erfahrung einer homöopathisch tätigen Ärztin und speziell für die Bedürfnisse dieses Lehr- und Praxisbuches entwickelt worden. Sie enthält neun Symptome bzw. Zustände und 22 Modalitäten, die bei akuten Erkrankungen erfahrungsgemäß besonders oft vorkommen. Die Modalitätentabelle ist ein vielfach getestetes und unverzichtbares Arbeitsinstrument. Mit ihrer Hilfe ist es möglich, die Anzahl der Arzneimittel bei einer akuten Erkrankung schnell und sicher auf einige wenige, im besten Fall sogar auf ein einziges Arzneimittel zu reduzieren.

Vereinfachtes Repertorium
Im Vereinfachten RepertoriumRepertorium (Kap. 4.2) finden wir für ein bestimmtes Symptom alle Arzneimittel, die dieses Symptom geprüft haben. Einen großen Teil des Repertoriums beansprucht die wichtige Rubrik „Gemüt – Beschwerden durch“, in welcher die Symptome und Arzneimittel für die auslösenden seelischen Ursachen einer Erkrankung aufgelistet sind. Das Vereinfachte Repertorium mit den 44 in diesem Buch beschriebenen Arzneimitteln ist eine nützliche Hilfe bei der Suche nach dem passenden Arzneimittel, entweder allein oder – in den meisten Fällen – in Kombination mit der Modalitätentabelle.
Das Vorgehen Schritt für Schritt
Wie finden wir nun das SimileSimile, das ähnliche ArzneimittelSimileArzneimittel? Wir wissen, dass das Arzneimittel nur dann richtig gewählt ist, wenn es sowohl die Ursache als auch alle Symptome und Modalitäten des Krankheitsbildes abdeckt. Der Weg zur Lösung ist somit vorgezeichnet. Wir suchen das Arzneimittel, das sich wie ein roter Faden durch die Ursache und alle Symptome und Modalitäten hindurchzieht.
1. Schritt: Ursache
Zuerst fragen wir nach der KrankheitUrsacheUrsache. Nicht immer finden wir eine solche. Es kann auch vorkommen, dass wir zwar eine Ursache finden, diese aber nicht verwerten können, weil sie zu allgemein ist und deshalb nicht in das Vereinfachte Repertorium (Kap. 4.2) aufgenommen wurde. Dazu gehört z. B. ein Virusinfekt oder die Ursache „Schwangerschaft“, die allein mehr als 100 Arzneimittel umfasst. Gibt es eine spezifische Ursache, notieren wir uns alle Arzneimittel, die diese Ursache abdecken. Wo finden wir die Arzneimittel?
  • Im Vereinfachten Repertorium: Hier sind u. a. die besonders wichtigen seelisch-geistigen Ursachen – in der Rubrik „Gemüt – Beschwerden durch“ – und die wetterbedingten Ursachen aufgeführt.

  • Wenn die Ursache eine Verletzung ist, kommt eines der zwölf Verletzungsmittel infrage. Die zwölf Verletzungsmittel schlagen wir nach:

    • in der Übersichtstabelle der vorderen Buchinnenseite,

    • in der Übersicht bei den „Bewährten Indikationen“ (Tab. 5.1) oder

    • in der Modalitätentabelle (z. B. Kopiervorlage hintere Buchinnenseiten; jeweils farbig ausgezeichnet).

2. Schritt: Symptome und Modalitäten
ModalitätenNachdem wir uns mit der Ursache befasst haben, wenden wir uns den Symptomen und Modalitäten zu. Die dazugehörigen Arzneimittel holen wir uns aus der Modalitätentabelle (Kap. 4.1) und dem Vereinfachten Repertorium (Kap. 4.2). Aus praktischen Gründen verwenden wir für die Ursache, für jedes Symptom und jede Modalität jeweils eine eigene Zeile. Ganz am Schluss unterstreichen wir die Arzneimittel, die in jeder Zeile erscheinen, d. h. bei der Ursache, falls eine solche vorhanden ist, bei jedem Symptom und jeder Modalität. Das richtig gewählte Arzneimittel muss sich unter den unterstrichenen Arzneimitteln befinden.
In vielen Fällen lässt sich durch dieses Verfahren die Anzahl der möglicherweise passenden Arzneimittel auf ein einziges reduzieren, das sich durch die Ursache und alle Symptome und Modalitäten hindurchzieht – ein Haupttreffer! Die Chance dazu ist vor allem dann gegeben, wenn die Symptome gut gewählt worden sind.
In anderen Fällen bleiben zwei oder mehr Arzneimittel in der engeren Wahl. Diese Arzneimittel nehmen wir unter die Lupe, indem wir in der Materia medica bei den Beschreibungen der betreffenden Arzneimittel nachlesen und das zutreffende auswählen. Können wir uns nicht mit Sicherheit für ein Arzneimittel entscheiden, dann bleibt uns die Möglichkeit, den Patienten gezielt mit Bezug auf die noch zur Wahl stehenden Arzneimittel zu befragen – ein elegantes und anspruchsvolles Verfahren, bei dem es darum geht, die Fragen geschickt so zu stellen, dass sich aus den Antworten und Reaktionen des Patienten das passende Arzneimittel herauskristallisiert. Die erfolgreiche Anwendung dieser Methode setzt allerdings ein vertieftes Wissen über die Arzneimittel und auch etwas kombinatorische Begabung voraus – der Arzt als Hercule Poirot der Homöopathie!
Beispiel
In der Auswahl sind als einzige Arzneimittel Nux vomica$$Nux vomica und $$IgnatiaIgnatia verblieben. Welches Arzneimittel wählen wir? Nux vomica und Ignatia weisen einige gemeinsame Symptome auf: „gereizt“, „ertragen keinen Widerspruch“, die Symptome werden „schlimmer durch geistige Anstrengung“, „besser durch Beschäftigung“.
Zudem zeigen Nux vomica und Ignatia als typische Nervenmittel starke Reaktionen auf äußere Reize. Wir wollen nun wissen, wie der Patient auf Lärm reagiert. Ohne zu zögern gibt er zur Antwort, dass er durch Geräusche furchtbar „genervt“ würde. Die Wortwahl und die knappe, kurz angebundene Antwort sprechen für Nux vomica. Bei Ignatia hätten wir ein Seufzen und Klagen zu hören bekommen. Wir haben nun – gefühlsmäßig – ein Indiz für Nux vomica, das jedoch nicht ausreicht, um Ignatia auszuschließen.
Als nächstes stellen wir die offene Frage: „Wie steht es mit dem Stuhlgang?“ Der Patient antwortet, dass er Mühe mit dem Stuhlgang habe, „es will einfach nicht“. Ein Nux-vomica-Symptom wie aus dem Lehrbuch! Zudem bestätigt er ein weiteres Symptom für Nux vomica, nämlich das Gefühl, als ob sein Kopf vergrößert wäre. Dieses Symptom finden wir in der Rubrik „Spezielle Symptome – Kopfschmerzen“. Da unser Patient während des Gesprächs zudem nicht ein einziges Mal seufzt, scheidet der Mitkonkurrent Ignatia aus. Seufzen ist ein untrügliches Leitsymptom von Ignatia. Nux vomica ist das passende Arzneimittel.
3. Schritt: Sicherheitscheck
Das ausgewählte Arzneimittel muss immer und ausnahmslos den Sicherheitscheck bestehen. Deckt es sowohl die Ursache der Erkrankung als auch die wichtigen Symptome, Modalitäten und begleitenden Beschwerden umfassend ab? Um ganz sicher zu sein und einen Irrtum bei der Wahl auszuschließen, studieren wir das Arzneimittel deshalb abschließend in der Materia medica.
Fehlerquellen
Es kann vorkommen, dass wir trotz aller Bemühungen kein Arzneimittel finden, das Ursache, Symptome und Beschwerden vollständig abdeckt. Ein solcher Misserfolg kann verschiedene Gründe haben:
  • Wir haben die Ursache, ein wichtiges Symptom oder eine Modalität übersehen.

  • Die Angaben des Patienten waren ungenau.

  • Der Patient hat uns ein wichtiges, oft seelisches Symptom verschwiegen.

  • Wir haben den seelischen und geistigen Zustand des Patienten nicht richtig beurteilt, beispielsweise als $$StaphisagriaStaphisagria statt als $$CausticumCausticum.

  • Es sind nicht genügend verwertbare Symptome vorhanden, wie es der Fall sein kann bei Befindlichkeitsstörungen wie Schnupfen oder Husten. Regel: abwarten, bis klare Symptome erscheinen! Eine Ausnahme sind Notfälle und Verletzungen. In diesen Fällen geben wir das Arzneimittel sofort, wenn möglich noch am Unfallort.

  • Die akute Erkrankung ist epidemisch – eine Grippeepidemie, Cholera, Typhus etc. (Kap. 1.1.9, „Epidemien – Genius epidemicus“).

  • Das Leiden ist chronisch, d. h., wir haben es mit einer tief sitzenden Störung zu tun, die nicht gemäß den Regeln für akute Erkrankungen behandelt werden darf.

  • Das passende Arzneimittel gehört nicht zu den 44 Arzneimitteln, die in diesem Buch näher beschrieben werden.

Das Ablaufschema in Abb. 2.1 zeigt zusammenfassend das Vorgehen bei der Wahl eines Arzneimittels, das mit der Frage nach der Ursache beginnt und durch den Sicherheitscheck abgeschlossen wird. Wenn die Überprüfung positiv verläuft, gibt uns das die Gewissheit, dass wir das gewählte Arzneimittel mit gutem Gewissen geben können.
Auf den folgenden Seiten wird das oben beschriebene Vorgehen für die Wahl des Arzneimittels anhand von drei Beispielen illustriert. Und da bekanntlich Übung den Meister macht, enthält dieses Buch 41 Übungsfälle (Kap. 11.1) mitsamt Lösungen und Lösungsweg (Kap. 11.2) – eine gute Gelegenheit, diese bewährte Methode einzuüben und zu vertiefen.

Drei Fälle aus der Praxis

Drei Beispielfälle sollen veranschaulichen, wie wir vorgehen, um das Arzneimittel sicher zu finden.
Fall 1
Eine Patientin, in der neunten Woche schwanger, klagt über häufiges Erbrechen seit Beginn der Schwangerschaft. Beim Erzählen weint die Patientin und klagt, es gehe um ihr Kind, das so nicht gedeihen könne. Es sei ihr dauernd übel, und diese Übelkeit verschlimmere sich in einem warmen Raum und nach dem Essen. Eigentlich fühle sie sich nur dann besser, wenn sie draußen an der frischen Luft Spazierengehen könne. Wenn der Ehemann an Wochenenden zu Hause sei und sie kuscheln könne, fühle sie sich glücklich. Überhaupt brauche sie viel mehr Zuwendung, seit sie schwanger sei. Auf die tröstenden Worte der Ärztin, man werde ihr bestimmt helfen können, lächelt sie dankbar. Mühe mache ihr auch das Trinken, da sie einfach keinen Durst habe.
Fallaufnahme
Ursache
Wir notieren uns „Schwangerschaft“ als offenkundige Ursache der Beschwerden.
Auffallende Symptome, weitere Symptome und ihre Modalitäten
  • Die Patientin ist liebebedürftig, anhänglich, was wir uns als wichtigen seelischen Zustand bzw. als wichtiges Symptom notieren.

  • Auf tröstende Worte reagiert sie dankbar, mit einem Lächeln. Wir notieren uns die Modalität „besser durch (>) Trost“.

  • Auffallend ist auch die Durstlosigkeit. Die Patientin trinkt sehr wenig, obwohl sie sich bemüht. Ihre Übelkeit wird schlimmer in einem warmen Raum und besser durch Gehen an der frischen Luft. Wir notieren uns das Symptom „kein Durst“ und die Modalitäten „schlimmer durch (<) Wärme“, „besser durch (>) Bewegung“, „besser (>) an frischer Luft“.

  • Die Patientin klagt ferner über häufiges Erbrechen und über Übelkeit nach dem Essen, was wir ebenfalls aufschreiben.

Begleitende Beschwerden und ihre Modalitäten
Keine.
Lokalisation der Symptome
Die Beschwerden manifestieren sich im Gemüt und im Magen-Darm-Trakt. Wir können nun das Krankheitsbild aufgrund des Gesprächs wie folgt zusammenfassen:
  • Ursache: Beschwerden infolge Schwangerschaft

  • Symptome und Modalitäten:

    • anhänglich, liebebedürftig

    • > Trost

    • Durst, kein

    • Übelkeit nach dem Essen

    • Übelkeit < Wärme

    • Übelkeit > Bewegung

    • Übelkeit > frische Luft

    • Häufiges Erbrechen

Wertung der Symptome
SymptomeWertungWir konzentrieren uns auf die wichtigen Symptome und Modalitäten des Krankheitsbildes. Nicht dazu gehören die beiden Symptome „häufiges Erbrechen“ und „Übelkeit nach dem Essen“, die bei Schwangerschaft nicht ungewöhnlich sind. Wir fassen sie deshalb nicht besonders und fast einzig fest in's Auge (Organon, § 153) – als allgemeine Symptome scheiden sie aus. Bei der nachfolgenden Repertorisation werden wir deshalb nur die folgenden Symptome und Modalitäten verwerten:
  • anhänglich, liebebedürftig

  • > Trost

  • Durst, kein

  • Übelkeit < Wärme

  • Übelkeit > Bewegung

  • Übelkeit > frische Luft

Wahl des Arzneimittels
ArzneimittelwahlWir suchen nun nach dem Arzneimittelbild, das der Ursache sowie den wichtigen Symptomen und Modalitäten des Krankheitsbildes am ähnlichsten ist. Dabei gehen wir vor, wie im Folgenden dargelegt.
Ursache
Ursache der Krankheit ist die Schwangerschaft. Diese Ursache ist zu allgemein; sie umfasst im Synthesis, Repertorium Homoeopathicum 125 Arzneimittel und ist im Vereinfachten Repertorium (Kap. 4.2) deshalb nicht aufgeführt. Für die Suche nach dem Arzneimittel werden wir die Ursache nicht verwenden. Wir wenden uns nun den Symptomen und Modalitäten zu.
Symptome und Modalitäten
ModalitätenAls Hilfen dienen uns die Modalitätentabelle (Kap. 4.1) und das Vereinfachte Repertorium (Kap. 4.2). Bereits ein Blick in die Modalitätentabelle zeigt, dass alle wichtigen Symptome, Zustände und Modalitäten dort aufgeführt sind. Dieser Umstand wird uns die Arbeit mit Sicherheit erleichtern.
Modalitätentabelle
Liebebedürftig, anhänglich (Spalte 3) Phosphorus, Pulsatilla
Durst, wenig bis keiner (Spalte 8) Apis, Arsenicum, Cantharis, Pulsatilla
<Wärme (Spalte 11) Aconitum, Allium cepa, Apis, Bryonia, Drosera, Euphrasia, Glonoinum, Mercurius, Pulsatilla, Sulphur, Tabacum
>Bewegung (Spalte 26) Arsenicum, Drosera, Dulcamara, Pulsatilla, Rhus toxicodendron, Ruta, Sulphur
>An frischer Luft (Spalte 31) Aconitum, Allium cepa, Apis, Cactus, Carbo vegetabilis, China, Drosera, Euphrasia, Gelsemium, Glonoinum, Ipecacuanha, Ledum, Phosphorus, Pulsatilla, Sulphur, Tabacum
Wir unterstreichen die Arzneimittel, die bei allen Symptomen und Modalitäten vorkommen (in unserem Beispiel farbig hervorgehoben) und stellen schnell fest, dass einzig Pulsatilla diese Bedingung erfüllt.
Vereinfachtes Repertorium
Da wir alle Symptome und Modalitäten erfasst haben, benötigen wir das Vereinfachte Repertorium nicht zur Lösung des Falls.
Ein schneller Weg …
Im vorliegenden Fall sind ausnahmslos alle Symptome und Modalitäten in der Modalitätentabelle enthalten. Wir haben deshalb die Möglichkeit, ein schnelles Verfahren zu wählen. Anstatt die zahlreichen Arzneimittel handschriftlich von der Modalitätentabelle auf das Arbeitsblatt zu übertragen, markieren wir die Spalten 3, 8, 11, 26, 31 auf einer fotokopierten Modalitätentabelle (Kopiervorlage hintere Buchinnenseiten) von oben bis unten mit einem Leuchtstift. Ein Blick in die Tabelle zeigt schnell, dass einzig Pulsatilla $$Pulsatillaalle fünf Symptome und Modalitäten abdeckt.
Sicherheitscheck
Um die Arzneimittelwahl zu bestätigen und sicher zu sein, dass wir mit Pulsatilla gut gewählt haben, lesen wir in der Materia medica (Kap. 3) bei der Arzneimittelbeschreibung von Pulsatilla $$Pulsatillanach. Wir stellen fest, dass Pulsatilla sowohl den seelischen Zustand der Patientin – anhänglich, liebebedürftig, besser durch Trost – als auch alle Modalitäten des Krankheitsbildes aufnimmt.
Ein einfacher Fall! Pulsatilla geht meistens einher mit Magen-Darm-Beschwerden und wird bereits seit zwei Jahrhunderten bei Schwangerschaftsbeschwerden erfolgreich eingesetzt.
Nach einer Gabe Pulsatilla wird sich die Übelkeit bessern und die Patientin wird sich, befreit von ihren Beschwerden, auf eine glückliche Schwangerschaft freuen können.
Fall 2
Heiserkeit Ein Patient kommt in die Praxis. Er ist heiser und klagt über einen Husten, der ihn stark störe, vor allem morgens beim Erwachen und nachts, besonders vor Mitternacht. Er finde nachts keine richtige Ruhe, da er wegen des Hustens immer wieder aufwache. Wenn er einen Schluck Wasser trinke, beruhige sich der Husten leicht. Dieser Husten dauere jetzt bereits seit drei Tagen, und seit vier Tagen sei er heiser.
Zunächst will die Ärztin wissen, was in den letzten Tagen passiert sei. „Nichts Besonderes“, antwortet der Patient. Nun leuchten alle Alarmlämpchen auf! Mit dieser Antwort, die er in der Praxis oft zu hören bekommt, darf sich ein Arzt niemals zufrieden geben. In diesen Fällen heißt es nachfragen! Nun erinnert sich der Patient, dass die Heiserkeit erstmals nach einer Sitzung im Geschäft aufgetreten ist. „Was ist in dieser Sitzung geschehen?“ Der Patient erzählt, es sei ihm ungerechtfertigt ein Vorwurf gemacht worden, der ihn nach zehn Jahren loyalen Verhaltens gegenüber dieser Firma sehr getroffen habe. Die Geschichte, berichtet der Patient weiter, beschäftige ihn, er denke immer daran und komme dabei „ins Grübeln“.
Fallaufnahme
Ursache
Wir fragen nach der Ursache der Krankheit. Auf Nachfrage hin hat der Patient die Antwort gegeben: Er fühlt sich durch den Vorfall im Geschäft gekränkt. Diese Kränkung ist die eigentliche Ursache seiner Heiserkeit. Wir notieren uns deshalb das Symptom „Beschwerden infolge Kränkung“ als auslösende Ursache seiner Beschwerden.
Auffallende Symptome
  • Seit diesem Ereignis grübelt der Patient, er ist kummervoll. Wir notieren uns „kummervolle Gedanken“.

  • Die anderen Symptome sind „Heiserkeit“ sowie „Husten morgens“ und „Husten vor Mitternacht“. Für sich allein genommen, sind diese Symptome nicht besonders auffallend. Wir benötigen deshalb Modalitäten, welche die Symptome näher beschreiben und dadurch individualisieren.

Weitere Symptome und ihre Modalitäten
Wir fragen den Patienten, was die Heiserkeit und den Husten verschlimmere, und was sie bessere. Wir erfahren, dass die Heiserkeit am Morgen schlimmer sei und sich auch durch Reden verschlimmere. Morgens müsse er stark husten, bis sich etwas Schleim löse, dann hätte er Ruhe. Der Husten vor Mitternacht werde besser, wenn er einen Schluck Wasser trinke. Wir notieren uns folgende Symptome/Modalitäten:
  • Husten < morgens, > Abhusten von Schleim

  • Husten < vor Mitternacht, > Trinken eines Schlucks kalten Wassers

  • Heiserkeit < morgens

  • Heiserkeit < Reden

Begleitende Beschwerden und ihre Modalitäten
Wir fragen nach eventuell begleitenden Beschwerden und ihren Modalitäten, insbesondere nach 1. Durst, 2. Wärme/Kälte, 3. Bewegung, 4. Ruhe, 5. Lage (Liegen, Sitzen, Stehen). Der Patient erklärt, alles sei „normal, wie immer“.
Lokalisation der Symptome
Die Symptome des Patienten manifestieren sich in zwei Organen/Regionen: im Gemüt durch kummervolle Gedanken nach Kränkung und im Atmungssystem durch Heiserkeit und Husten.
Damit wir das Arzneimittel sicher finden, hätten wir noch gerne ein oder zwei weitere Symptome. In dieser Situation hilft dem Praktiker das Wissen um die Leitsymptome eines Arzneimittels sowie das Gefühl für die Stimmungslage des Patienten. Er weiß, dass Kränkung als Ursache eines Leidens, verbunden mit kummervollen Gedanken und „Grübeln“, fast unfehlbar typische Symptome für Causticum sind.
Causticum$$Causticum hat als spezielle Organe/Regionen das Gemüt, das Atmungssystem und die Blase. Sowohl die Gemütssymptome, d. h. der seelische und geistige Zustand, als auch die Symptome des Atmungssystems wie Husten und Heiserkeit sind durch die Befragung bereits bestätigt worden. Für die Blase fehlt uns noch ein Symptom. Aufgrund aller Indizien, die auf Causticum schließen lassen, stellen wir nun die offene Frage: „Wie steht es mit der Blase?“ Der Patient ist überrascht. Zögernd antwortet er, es sei ihm peinlich, es zu erwähnen, aber es sei so, dass sich beim Husten jeweils einige Tropfen Urin lösten, und außerdem auch immer dann, wenn ein Kollege einen guten Witz erzähle. Voilà!
Das Krankheitsbild steht nun deutlich umrissen vor uns. Wir fassen es wie folgt zusammen:
  • Ursache: Beschwerden infolge Kränkung

  • Symptome und Modalitäten:

    • kummervolle Gedanken

    • Husten < morgens, > Abhusten von Schleim

    • Husten < vor Mitternacht, > Trinken

    • Heiserkeit < morgens

    • Heiserkeit < Reden

    • Urinabgang beim Husten, Lachen

Wertung der Symptome
Das Krankheitsbild zeigt uns eine seelische Ursache, ein auffallendes Symptom sowie ausnahmslos durch Modalitäten näher beschriebene Symptome.
Bei der nachfolgenden Repertorisation können wir deshalb alle vorstehend genannten Symptome und ihre Modalitäten verwerten.
Wahl des Arzneimittels
Ursache
DieArzneimittelwahl Arzneimittel für die Ursache holen wir uns aus der großen Rubrik im Vereinfachten Repertorium „Gemüt – Beschwerden durch“.
Gemüt – Beschwerden durch Kränkung, Demütigung Aconitum, Arsenicum, Belladonna, Bryonia, Causticum, Chamomilla, Colocynthis, Gelsemium, Ignatia, Mercurius, Nux vomica, Pulsatilla, Rhus toxicodendron, Staphisagria, Sulphur
Symptome und Modalitäten
Modalitätentabelle
<Nachts (Spalte 18) Aconitum, Arnica, Arsenicum, Bryonia, Cactus, Cantharis, Causticum, Chamomilla, China, Drosera, Dulcamara, Euphrasia, Hamamelis, Hepar sulphuris, Hypericum, Ledum, Mercurius, Rhus toxicodendron, Silicea, Staphisagria, Sulphur
Für die Modalität „schlimmer morgens“ ist in der Modalitätentabelle keine Spalte reserviert.
Vereinfachtes Repertorium
Die Hustensymptome schlagen wir im Vereinfachten Repertorium nach.
Husten, Auswurf bessert Belladonna, Causticum, China, Hepar sulphuris, Ipecacuanha, Phosphorus, Sulphur
Husten, Trinken bessert Bryonia, Causticum, Euphrasia, Spongia tosta
Die zwei Heiserkeitssymptome und das auffallende Symptom „Urinabgang beim Husten, Lachen“ finden wir trotz längeren Suchens nicht im Vereinfachten Repertorium.
Wir unterstreichen nun alle Arzneimittel, die bei der Ursache, bei der Modalität „schlimmer nachts“ und bei den beiden wichtigen Hustensymptomen vorkommen (in unserem Beispiel farbig hervorgehoben). Wir haben Glück! Als einziges Arzneimittel nimmt Causticum Ursache, wichtige Symptome und Modalitäten auf. Wir dürfen Causticum allerdings erst dann als das ähnlichste Arzneimittel bezeichnen, wenn es auch die drei wichtigen Symptome abdeckt, die wir bis jetzt noch nicht gefunden haben. Die Suche muss also weitergehen. Wir wenden uns nun der Arzneimittelbeschreibung von Causticum zu.
Bestätigung der Arzneimittelwahl
  • Wir lesen bei Causticum $$Causticumnach und finden bestätigt, dass Causticum ein wichtiges Mittel bei Beschwerden mit Heiserkeit und Husten ist. Zugleich fällt auf, dass die unter „wichtige Frage/Beobachtung“ aufgeführte Frage: „Ist eine Ungerechtigkeit geschehen, die Sie bedrückt?“ den seelischen Zustand des Patienten besonders gut zu treffen scheint.

  • Causticum „hängt kummervollen Gedanken nach“, hat die Modalität „schlimmer nachts“ und deckt alle Organe und Körperregionen sehr gut ab.

  • Schließlich finden wir in der Arzneimittelbeschreibung auch die drei Symptome, die uns noch fehlen: „Unwillkürlicher Harnabgang beim Husten“, „Heiserkeit schlimmer morgens“ und „Heiserkeit nach Überanstrengung der Stimmbänder“.

  • Causticum ist das Arzneimittel, das heilen wird.

Bei akuten Erkrankungen Krankheitakutewird das Arzneimittel, wie bereits mehrfach erwähnt, meist über die körperlichen Symptome ausgewählt. Gerade dieser nicht ungewöhnliche Fall jedoch zeigt, wie bedeutsam seelisch-geistige Symptome sein können. Causticum gehört zu den Arzneimitteln, die sich uns vielfach erst über den seelischen und geistigen Zustand erschließen.
Fall 3
Zerrung Muskelzerrung Sonntagnachmittag auf dem Fußballplatz. Andreas, ein schneller und dribbelstarker Stürmer, wird durch ein grobes Foul eines gegnerischen Verteidigers zu Fall gebracht. Mit schmerzverzerrtem Gesicht bleibt der junge Mann am Boden liegen. Kurz darauf humpelt er vom Spielfeld, gestützt durch zwei seiner Freunde. Er verspürt starke Schmerzen in der Leistengegend, ein Ziehen und Reißen im Hüftgelenk und in der Oberschenkelmuskulatur. Der Masseur behandelt ihn mit dem Kältespray, das er bei Verletzungen immer anwendet und das gewöhnlich hilft. Dieses Mal aber werden die Beschwerden des verletzten Spielers nicht besser. Andreas tut es bereits weh, wenn er nur den Fuß auf dem Boden aufsetzt. Die Schmerzen sind so intensiv, dass er sich nicht einmal niederlegen kann. Auch im Stehen und im Sitzen verspürt er starke Schmerzen.
Als er zum Auto seines Freundes humpelt, der ihn zum Röntgen ins Krankenhaus fährt, lassen die Schmerzen zu seiner Überraschung etwas nach. Aufgrund des Röntgenbildes lassen sich glücklicherweise ein Knochenbruch und eine Gelenkverletzung ausschließen. Die Diagnose lautet: schwere Zerrung des Musculus iliopsoas. Die darauffolgende Nacht erlebt der junge Mann trotz vieler Schmerzmittel als eine einzige Tortur. Die fürchterlichen Schmerzen zwingen ihn, im Bett alle paar Augenblicke die Stellung zu wechseln. Schließlich hält er es nicht mehr aus. Er erhebt sich mühsam und humpelt während der halben Nacht auf den Krücken durch die Wohnung. Am nächsten Tag erscheint er frühmorgens als Notfallpatient in der Praxis.
Fallaufnahme
Ursache
Wir notieren uns als Ursache eine Verletzung, spezifisch eine Verletzung der Muskeln und Sehnen durch eine Zerrung. Das passende Arzneimittel wird sich somit mit großer Wahrscheinlichkeit unter den zwölf in diesem Buch dargestellten Verletzungsmitteln finden (hintere Buchinnenseiten). Wir können darauf vertrauen, dass wir – wie immer bei einer Verletzung – das passende Arzneimittel schnell finden werden.
Auffallende Symptome, weitere Symptome und ihre Modalitäten
Der Patient schildert spontan die fürchterlich lange letzte Nacht. Die Modalitäten sind klar und springen ins Auge:
  • Besser (>) durch fortgesetzte Bewegung, schlimmer (<) in der Ruhe.

  • Zudem haben sich die Beschwerden trotz der sofortigen Applikation eines Kältesprays nicht gelindert. Diese Beobachtung gibt uns einen zusätzlichen Hinweis, der ebenfalls weiterhelfen kann: „nicht besser durch Kälte“.

Begleitende Beschwerden und ihre Modalitäten
Der junge Fußballer ist auffallend unruhig. Er kann nicht ruhig sitzen oder liegen.
Lokalisation der Symptome
Sehnen/Muskulatur. Wir können nun das Krankheitsbild wie folgt zusammenfassen:
  • Ursache: Beschwerden infolge einer Verletzung

  • Symptome und Modalitäten:

    • große Unruhe

    • > fortgesetzte Bewegung

    • < Ruhe

Wertung der Symptome und Modalitäten
Das Symptom „große Unruhe“ und die beiden Modalitäten treten klar hervor und dürfen deshalb bei der nachfolgenden Repertorisation verwertet werden.
Die negative Modalität „nicht besser durch Kälte“ kann uns eventuell als zusätzliches Unterscheidungsmerkmal helfen, das passende Arzneimittel schnell zu finden.
Wahl des Arzneimittels
Ursache
Verletzung. Die Beschwerden von Andreas haben ihre Ursache in einer Verletzung, was uns erlaubt, die Auswahl der möglichen Arzneimittel auf die zwölf Verletzungsmittel einzuschränken (z. B. hintere Buchinnenseiten).
Zwölf Verletzungsmittel: Apis, Arnica, Arsenicum, Calendula, Cantharis, Hamamelis, Hypericum, Ledum, Rhus toxicodendron, Ruta, Staphisagria, Symphytum.
Symptome und Modalitäten
Modalitätentabelle
Große Unruhe (Spalte 2) Aconitum, Apis, Arsenicum, Belladonna, Cantharis, Carbo, vegetabilis, Causticum, China, Colocynthis, Ignatia, Mercurius, Nux vomica, Phosphorus, Rhus toxicodendron, Ruta, Staphisagria, Sulphur, Sulphuricum acidum
<Ruhe (Spalte 12) Arnica, Colocynthis, Drosera, Dulcamara, Pulsatilla, Rhus toxicodendron, Sulphur
>Bewegung (Spalte 26) Arsenicum, Drosera, Dulcamara, Pulsatilla, Rhus toxicodendron, Ruta, Sulphur
Wir stellen fest, dass von den zwölf Verletzungsmitteln einzig Rhus toxicodendron das Symptom und die beiden Modalitäten aufnimmt. Arnica$$Arnica montana ist hier nicht erste Wahl, weil sich die Schmerzen von Andreas durch das Kältespray nicht gelindert haben. Die wichtige Arnica-Modalität „besser durch Kälte“ trifft hier somit nicht zu. Eine Arnica-Verletzung bessert sich immer durch die Anwendung von Kälte. Das Kältespray hat deshalb im Sport seinen festen Platz.
Da alle Symptome und Modalitäten des Falls in der Modalitätentabelle enthalten sind, wenden wir das elegante Schnellverfahren an. Wir fotokopieren die Vorlage der Modalitätentabelle (Kopiervorlage hintere Buchinnenseiten) und der dazugehörigen Legende auf ein DIN-A4-Blatt und markieren die drei Spalten 2, 12 und 26 von oben bis unten mit einem Leuchtstift. Ein Blick in die Tabelle zeigt schnell, dass von den zwölf farbig ausgezeichneten Verletzungsmitteln einzig Rhus toxicodendron alle drei Symptome/Modalitäten abdeckt.
Vereinfachtes Repertorium
Das Vereinfachte Repertorium wird zur Lösung des Falls nicht benötigt.
Sicherheitscheck
Wir lesen in der Materia medica (Kap. 3) bei Rhus toxicodendron nach.$$Rhus toxicodendron Alles stimmt! Die Schmerzen zwingen den Patienten, sich dauernd zu bewegen. Rhus toxicodendron ist das klassische „Arbeiter- und Athletenmittel“ und ein hervorragendes und vielfach bewährtes Arzneimittel bei Muskel- und Sehnenverletzungen.
Die Ärztin verabreicht sofort eine Gabe Rhus toxicodendron C 200. Noch in der Praxis wird der Schmerz erträglicher, Andreas wird ruhiger und muss sich nicht mehr unablässig hin- und herbewegen. Der Gesichtsausdruck wird von Minute zu Minute entspannter. Wegen der Schwere der Verletzung wird das Arzneimittel je 1 × täglich über 4 Tage verordnet, zudem wird dem Patienten ein Trainings- und Spielverbot für zwei Wochen auferlegt. Entgegen der ärztlichen Anordnung steht der fußballverrückte junge Mann am nächsten Wochenende wieder auf dem Fußballplatz und schießt sogar ein Tor! Hinweis: Die C-30-Potenz hätte genügt, wenn das Arzneimittel auf dem Fußballplatz oder auf der Notfallstation gegeben worden wäre. Auch Arnica hätte die Schmerzen, wenn nicht ganz genommen, so doch wenigstens gelindert.
Aufgrund der Ursache, nämlich einer Verletzung, der Modalitäten „schlimmer in der Ruhe“ und „besser durch (fortgesetzte) Bewegung“ sowie der großen Unruhe ist Rhus toxicodendron im vorliegenden Fall klar angezeigt. Der hier übungshalber Schritt für Schritt geschilderte Ablauf der Repertorisation hat sich in der Praxis innerhalb einer Minute abgespielt.
Da bei Verletzungen nicht nach der Ursache geforscht werden muss, ist die Anwendung von Verletzungsmitteln eine ausgezeichnete Übung für Anfänger. An einem Verletzungsmittel kann jeder sehr schnell und eindrücklich die phänomenale Heilkraft eines homöopathischen Arzneimittels erfahren. Bei Unfällen geben wir sofort Arnica, wenn$$Arnica montana möglich noch am Unfallort. Anschließend haben wir genügend Zeit, das ähnliche Arzneimittel zu suchen, sei es nun Rhus toxicodendron bei $$Rhus toxicodendronVerletzungeiner Zerrung, Hamamelis bei $$HamamelisVerletzungeiner schweren Schürfung oder Ruta bei $$Ruta graveolensVerletzungnächtlichen Schmerzen nach einem Schlüsselbeinbruch. Alle Verletzungsmittel VerletzungsmittelArzneimittelVerletzungsmittelvollenden die Arbeit von Arnica!

Die drei Fälle aus der Praxis zeigen, dass das richtige Arzneimittel durch methodisches Vorgehen mit den Hilfen in diesem Buch sicher gefunden werden kann. Irrtümer kommen erfahrungsgemäß dann vor, wenn im Gespräch nicht nach der Ursache der Beschwerden gefragt worden ist oder wenn die Ursache nicht zum übrigen Symptomenbild passt.

Um Fehler zu vermeiden, muss als letzter Schritt immer die Überprüfung anhand der Arzneimittelbeschreibung durchgeführt werden.

Die Anwendung der Arzneimittel

Einnahme und Dosierung

DosierungArzneimittelDosierungDie Gaben werden auf zwei Arten verabreicht:
  • Als Globuli, trocken.

  • Anfangs als Globuli, trocken, später in Wasser gelöst.

Einnahme trocken bei akuten Notfällen und Verletzungen
  • Die Gaben werden als Globuli, trocken, eingenommen.

  • 1 Gabe = 2 bis 4 Globuli.

  • Gabe unter die Zunge legen und zergehen lassen.

  • Eine halbe Stunde vor und nach Einnahme des Arzneimittels – ausgenommen in Notfällen – nicht essen, trinken, Zähne putzen, rauchen.

Wie lange dürfen Globuli bei akuten Erkrankungen eingenommen werden? Der Patient reagiert meist ausgezeichnet auf 2 Gaben täglich über 2 Tage. Als maximale Dosierung merken wir uns die Dreier-Regel.

Merke

DosierungDreier-RegelDreier-Regel, DosierungDreier-Regel: täglich 3 Gaben des Arzneimittels über die Dauer von 3 Tagen.

Es ist ratsam, diese Faustregel zu beachten. Bei Einnahme des Arzneimittels über eine längere Zeit können bei überempfindlichen Patienten Prüfsymptome auftreten, die unangenehm sind. Oder hätten Sie etwa Lust, Hepar sulphuris zu prüfen? Ein solches Experiment wäre für Ihre Familie sicher ein unvergessliches Erlebnis!
Hahnemann war überzeugt, dass Arzneimittelprüfungen, bewusst durchgeführt, die Gesundheit des Menschen unterstützen und fördern. Aus Erfahrung kann ich bestätigen, dass man sich dabei selber besser kennenlernt und mehr Verständnis für andere Menschen bekommt.
Einnahme trocken und in Wasser gelöst
ArzneimittellösungEinnahme der ersten Gabe(n) trocken, der weiteren Gaben in Wasser gelöst. Zur Herstellung der Lösung wird ein Globulus in einem Glas kaltes Wasser aufgelöst.
  • Vor der Einnahme die Arzneimittellösung jeweils mit einem Plastiklöffel (nicht mit Silber- oder Metalllöffel) 10-mal umrühren, den Schluck eine Minute lang im Mund behalten und hinunterschlucken.

  • Glas wieder mit Wasser auffüllen, wenn sich noch ca. 1 Zentimeter Lösung im Glas befindet – keine weiteren Globuli zugeben!

Bei schwerem und schnellem Krankheitsverlauf, z. B. bei einer schweren Fischvergiftung oder bei Hirnhautentzündung, die Lösung 100-mal umrühren.
Wir unterscheiden bei dieser Darreichungsform zwei Fälle im Verlauf:
  • Dem Patient geht es deutlich besser, nachdem er 2 bis 3 Gaben als Globuli täglich über 2 bis 3 Tage eingenommen hat. Er fühlt sich jedoch noch nicht ganz gesund. Weiteres Vorgehen: Arzneimittel am 3. und 4. Tag als Lösung einnehmen, 3- bis 5-mal täglich je einen Schluck.

  • Bei schnell oder heftig verlaufenden Erkrankungen wie Nierensteinkolik, Vergiftungen (z. B. durch Stiche und Bisse von Tieren) etc.:

    • Erste Gabe des Arzneimittels trocken, die weiteren Gaben in Wasser gelöst einnehmen, je nach Heftigkeit der Beschwerden viertelstündlich bis stündlich einen Schluck, bis sich die Beschwerden bessern. Wiederholen, wenn die Beschwerden später wieder auftreten.

    • Vergiftungen: Arzneimittel wiederholen, auch nachdem die Beschwerden verschwunden sind!

Merke

Als Faustregel merken wir uns, dass wir im Falle einer VergiftungenVergiftung das Arzneimittel insgesamt etwa über die Dauer von drei Tagen einnehmen. Die Anwendung eines homöopathischen Arzneimittels bei einer Vergiftung unterscheidet sich dadurch von der Anwendung bei einer Erkrankung, wo das Arzneimittel nur so lange eingenommen wird, wie die Symptome bestehen.

Die oben erwähnte Beschränkung der Dreier-Regel gilt nicht, wenn das Arzneimittel in Wasser gelöst eingenommen wird.7

7

Da sich die Potenz durch das Umrühren der Lösung unmittelbar vor der Einnahme immer wieder leicht verändert, treten bei dieser Verabreichungsform keine Prüfsymptome auf.

Potenz
Bei akuten Erkrankungen und KrankheitakuteVerletzungen gebenVerletzungen wir das homöopathische Arzneimittel in der Regel in der C-30-Potenz. C-PotenzAusnahme: Arnica C 200.8

8

Die C-Potenzen bringen bei akuten Krankheiten ausgezeichnete Resultate und sind zudem für den Anfänger leicht zu handhaben. Schon Bönninghausen verschrieb die C-200-Potenz, später arbeiteten die Schule von Kent und die Indische Schule erfolgreich mit C-Potenzen. Die ausgezeichneten Resultate haben sich in meiner Praxis bestätigt. Hahnemann verwendete in seinen späteren Jahren Q-Potenzen (= LM-Potenzen), die ich ebenso gebrauche, insbesondere bei chronischen Störungen und Exazerbationen von chronischen Störungen. Ausnahmsweise wende ich auch bei akuten Krankheiten LM-Potenzen an.

Zu Spezialfällen in Bezug auf Potenz/Dosierung sei auf das betreffende Arzneimittel in der Materia medica verwiesen (Kap. 3).
Unfälle und Verletzungen im Besonderen

Merke

VerletzungenUnfallDosierungVerletzungenArzneimittel sofort geben, wenn möglich noch am Unfallort.

  • Eine Gabe = 2 bis 4 Globuli

  • 1. Gabe sofort, danach:

  • 2. Gabe nach 2 bis 4 Stunden,

  • 3. Gabe am Abend

  • evtl. 4. in der Nacht – oder Wechsel zu Folgemittel

  • In schweren Fällen: Arzneimittel alle 5 bis 10 Minuten wiederholen, bis Ambulanz/Rettungshelikopter eintrifft. Das homöopathische Arzneimittel kann in schweren Fällen lebensrettend sein und Folgeschäden verhindern.

Das wichtigste und herausragende Notfallmittel ist NotfallmittelArzneimittelNotfallmittelArnica. Wir $$Arnica montanageben es bei Unfall und Schock in der C 200, bei einem schweren Schädel-Hirn-Trauma oder einer Rückenmarkverletzung in der XM-(= C 10 000)Potenz. Zu Potenzen und Dosierungen der Arzneimittel bei Verletzungen Kap. 5.1.
Der Unfall liegt bereits einige Zeit zurück
Das richtig gewählte homöopathische Arzneimittel hilft auch, wenn das Unfallereignis Monate oder Jahre zurückliegt.
  • Arnica bzw. das Arzneimittel der Wahl (z. B. Hypericum): 1 Gabe C 200, täglich über 4 Tage, morgens auf nüchternen Magen,

  • C 10 000 bei Schädel-Hirn-Trauma oder Wirbelsäulenverletzung.

Wiederholung und Zweitverschreibung

Wenn das Arzneimittel hilft, aber nicht vollständig heilt,
  • wählen wir die höhere PotenzPotenzen, homöopathischePotenzen, homöopathische₍ₓₑsee₎siehe auch C-, D-, LM-, Q-Potenz₍ₓₑend₎ des gleichen Arzneimittels, wenn die Symptome unverändert sind – z. B. erst Hypericum C 30, dann Hypericum C 200;

  • wechseln wir auf das FolgemittelFolgemittelArzneimittelFolgemittel, wenn sich das Hauptsymptom deutlich bessert und ein anderes Symptom in den Vordergrund tritt. Beispiel: Ein elfjähriger Junge, kurz vor der Abreise in die Sommerferien mit seiner Familie, turnt im Flughafen an einer Absperrung und stürzt auf das Gesicht. Er beißt sich die Lippe durch, die oberen Schneidezähne wackeln. Der Junge erhält sofort Arnica C 200. Er wird zum Flughafenarzt gebracht, der die Lippe näht. Im Verlauf der nächsten 2 Tage erhält er Arnica C 200, 2 × täglich. Da die Schleimhaut der Lippen nicht schön ausheilt, sorgt danach Calendula C 200, 2 × täglich über 2 Tage, für eine gute Wundheilung an dieser heiklen Stelle. Einige Tage später erhält er schließlich Symphytum C 30, 2 × täglich über 4 Tage, als Schutz für die oberen Schneidezähne. Die Zähne wachsen gut an und verfärben sich nicht.

Bessern sich die Beschwerden nicht, dann ist das Arzneimittel falsch gewählt worden oder es liegt eine chronische Krankheit vor, die nicht nach den Regeln für akute Erkrankungen therapiert werden darf.

Abschließende Hinweise zur Anwendung

Unwirksame Arzneimittel, Antidote
Gewisse Substanzen können die Wirkung von homöopathischen Arzneimitteln antidotieren, d. h. aufheben. Ein sehr starkes AntidotAntidot ist Kampfer. KampferKampfer, Antidot ist hauptsächlich in Produkten der Sport- und Krankenpflege enthalten (z. B. Dul-X®, Pulmex®) und lähmt die Lebenskraft des Menschen. Das heißt, die Lebenskraft des Menschen kann nicht auf die Heilwirkung der homöopathischen Arzneimittel reagieren. Somit behindert Kampfer die gute Wirkung der homöopathischen Arzneimittel. Es empfiehlt sich deshalb, kampferhaltige Produkte zu meiden. Auch stark riechende Substanzen wie Räucherstäbchen, Menthol oder gewisse ätherische Öle können die Lebenskraft des Menschen schwächen und seine Reaktion auf homöopathische Arzneimittel herabsetzen.
Einige homöopathische Arzneimittel werden durch bestimmte Substanzen besonders leicht antidotiert. Dazu gehören Calcarea carbonica durch ätherische Öle und Sepia durch$$Sepia, Antidotierung Essig. Nach der Einnahme von Nux vomica und $$Nux vomicaAntidotierungPsorinum $$Psorinum, Antidotierungsollte auf Weißwein und Kaffee, von Natrium muriaticum auf $$Natrium muriaticum, AntidotierungPfefferminztee verzichtet werden.
Akutmittel während einer konstitutionellen Behandlung
Eine konstitutionelle Behandlung kann Monate oder Jahre dauern. Was tun wir, wenn während dieser Zeit eine akute Erkrankung auftritt? Als Regel gilt, dass wir ein Arzneimittel nur dann geben, wenn der Patient leidet und das Arzneimittel klar angezeigt ist, wenn also eindeutige Symptome und Modalitäten vorliegen. Zuerst vertrauen wir wenn immer möglich auf bewährte Heilverfahren wie Bettruhe, Wickel etc. Bei einer Verletzung dürfen wir das homöopathische Arzneimittel sofort geben. Hier ist die Ursache klar, und eine homöopathische Behandlung unmittelbar nach dem Unfall wird eine zusätzliche Verstimmung der Lebenskraft verhindern.
Arzneimittel überlegt einsetzen!
Medikamente sind nicht harmlos. Auch homöopathische Arzneimittel können schaden, wenn sie unüberlegt angewendet werden. Arzneimittel, die nicht nach den Regeln der homöopathischen Heilkunst ausgewählt worden sind, können Arzneimittelprüfungen verursachen. Diese sind in leichten Fällen bloß unangenehm. In einer hohen Potenz kann ein unpassendes oder falsch ausgewähltes Arzneimittel jedoch heftige Symptome PrüfsymptomeArzneimittelPrüfsymptomeauslösen. Wer einmal an einer Arzneimittelprüfung teilgenommen hat, weiß davon zu erzählen! Nicht richtig ausgewählte homöopathische Arzneimittel in tiefen und mittleren Potenzen können Symptome verwischen mit der Folge, dass das passende Arzneimittel schwieriger oder im ungünstigen Fall überhaupt nicht mehr zu sehen ist.

Merke

Das ausgewählte Arzneimittel muss in jedem Fall anhand der Arzneimittelbeschreibung (Materia medica) überprüft werden.

Homöopathische Arzneimittel sollten mit Bedacht und zurückhaltend eingesetzt werden. Homöopathie anzuwenden heißt nicht, sich bei der geringsten Unpässlichkeit einige Globuli „einzuwerfen“. In vielen Fällen hilft eine Therapie aus Großmutters Hausapotheke, Wickel, Fuß- und Armbäder etc. Zu diesem Thema gibt es viele gute Bücher, die weiterhelfen.

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