© 2020 by Elsevier GmbH

Bitte nutzen Sie das untenstehende Formular um uns Kritik, Fragen oder Anregungen zukommen zu lassen.

Willkommen

Mehr Informationen

B978-3-437-56313-3.00009-1

10.1016/B978-3-437-56313-3.00009-1

978-3-437-56313-3

Homöopathisches HeuschnupfenmanagementHeuschnupfenhomöopathisches Heuschnupfenmanagement

Tab. 9.1
Behandlungsbeginn Vorgehen
Während der Saison Der Patient hat bereits massive Heuschnupfenbeschwerden (Kasuistik Akutbehandlung).
  • Die akuten Symptome aufnehmen und mit dem akuten Mittel behandeln:

    • In Niedrigpotenzen bis D/C 12 in wiederholten Gaben nach Bedarf bis zum Ende der Saison oder

    • Akutmittel in Hochpotenz (ab C 30) in seltenen Gaben bis zum Ende der Saison,

  • Anschließend konstitutionelle Behandlung

Außerhalb der Saison Der Patient keine akuten Beschwerden (Kasuistik Heuschnupfen mit Asthma).
  • Behandlung sofort mit dem Konstitutionsmittel beginnen.

  • In der folgenden Saison kann der Heuschnupfen schon milder ausfallen. Wenn dann noch Handlungsbedarf besteht, kann man wie in Fall 1a zusätzlich ein geeignetes Akutmittel palliativ in Niedrigpotenz dazugeben oder die konstitutionelle Behandlung während der Saison aussetzen und wie in Fall 1b verfahren.

  • Günstig wirkt oft auch die erneute einmalige Gabe des Konstitutionsmittels in einer sehr hohen Potenz, etwa XM oder CM (Herscu mündlich Mitteilung).

Überblick über wichtige Heuschnupfensymptome mit einer Auswahl ihrer häufigsten Mittelhomöopathische ArzneimittelHeuschnupfenmittel

Tab. 9.2
Symptom Lokale Homöopathische Heuschnupfenmittel
Bindehautreizung all-c euphr ars puls nux-v lyc gels
Tränenfluss all-c euphr ars puls nux-v arund lyc gels
Chemosis euphr ars nux-v apis
Fließschnupfen
wässrig
all-c euphr ars puls nux-v gels
Fließschnupfen
dicklich
all-c ars puls
Nase verstopft all-c ars puls
abends
nux-v lyc gels
Niesen all-c agar ars nux-v sabad euphr sang arund lyc gels
Juckreiz
Niesen innen
all-c agar ars puls nux-v sabad ran-b sang wye arund lyc
Juckreiz
Choanen
puls nux-v ran-b wye gels
Juckreiz
Bindhäute
euphr ars nux-v ran-b
(im Haus)
euphr wye
(links)
arund
Juckreiz Canthi euphr puls nux-v euphr sang
(Schmerz)
wye lyc
Juckreiz Lider euphr puls nux-v sabad euphr ambro lyc
Juckreiz
Ohrmuscheln
agar ars puls nux-v sabad sang wye
(rechts)
arund
Juckreiz
Gehörgang
agar sabad arund
Juckreiz
Eustach. Tube
agar nux-v sil gels
Juckreiz
Gaumen
puls nux-v sabad wye arund
Juckreiz
Kehlkopf
puls nux-v sabad euphr sang wye
Juckreiz
Trachea
puls nux-v sabad euphr sang
Juckreiz Zunge nux-v sang
Taubheitsgefühl
Zunge
ars nux-v sabad lyc gels
Heuasthma all-c euphr ars puls nux-v sabad euphr sang wye ambro lyc gels

Der Grad der Schattierung gibt die Wertigkeit der Arzneimittel an: hell (1-wertig), mittel (2-wertig), dunkel (3-wertig)

Homöopathisches AsthmamanagementAsthma bronchialeAsthmamanagementhomöopathisches

Tab. 9.3
Stadium I
  • Die konstitutionelle Behandlung kann sofort begonnen werden.

  • Je nach der vorliegenden Akutsymptomatik wird sollte der Patient zusätzlich ein homöopathisches Akutmittel und sicherheitshalber einen bronchialerweiternden Notfallspray (SABA, s. o.) in der Reserve haben.

Ab Stadium II
  • Bei stärker unterdrückender Behandlung, z. B. mit ICS, OCS, LABA, LTRA kann man auch diese zunächst belassen, in diesem Fall aber mit dem homöopathischen Konstitutionsmittel in täglichen Dosen von Q-Potenzen parallel behandeln.

  • Dies hat den Vorteil einer Vermeidung von allopathischer Antidotierung sowie homöopathischer Erstverschlechterung (3.8).

  • Gleichzeitig kann man bei Bedarf ein homöopathisches Akutmittel als Alternative oder zusätzlich zum schulmedizinischen Notfallspray (SABA) einsetzen.

Einige Asthmamittelhomöopathische ArzneimittelAsthmamittel mit Modalitäten

Tab. 9.4
Symptom Homöopathisches Mittel
Erstickungs-/Todesangst acon ars ip ant-t puls samb cham nat-s kali-s spong iod Bro lach naja nux-v Lob aral bell hyos
stram
cupr laur carb-v
Zyanose ars ip ant-t samb spong iod lach naja nux-v bell hyos
stram
cupr laur carb-v
< Liegen, nach dem Hinlegen acon ars ip ant-t puls samb cham nat-s kali-c kali-s spong iod Bro lach naja nux-v lob aral dulc bell carb-v
> Aufsetzen acon ars ip ant-t puls samb cham kali-c spong Bro lach nux-v aral hyos laur
> + <
carb-v
< Anstrengung acon ars puls nat-s kali-c spong iod Bro lach naja nux-v lob dulc laur carb-v
< Laufen, Rennen ars ip puls kali-c iod hyos
Erkältung, bei/nach acon ars ip ant-t puls cham nat-s kali-c kali-s spong lach naja nux-v lob aral dulc bell cupr carb-v
< Trocken-kaltes Wetter acon samb cham kali-c spong Bro lob
< Kalt-feucht-nebliges Wetter ars ant-t puls nat-s spong iod lach dulc bell stram cupr carb-v
< Wetterwechsel ars ip ant-t kali-s dulc
< Winter ars ip ant-t cham kali-c nux-v dulc carb-v
< Warmes Zimmer acon ars ip ant-t puls cham kali-c kali-s spong iod Bro lach nux-v lob dulc bell cupr laur carb-v
< Staub ars ip ant-t puls cham kali-c Bro lach nux-v dulc bell laur carb-v
< Gemütserregung/Emotion acon ars puls cham kali-s spong lach lob cupr
Hautausschläge gleichzeitig/abwechselnd ars ip ant-t kali-c lach dulc cupr
Hautausschläge, nach unterdrückten acon ars ip ant-t puls dulc cupr carb-v
Periodisch acon ars ip ant-t nat-s kali-c lach nux-v cupr
< morgens ars ant-t puls cham nat-s kali-c iod Bro lach nux-v dulc bell stram carb-v
< nachmittags ars ant-t puls samb kali-c lach naja lob
mittags
bell laur carb-v
< abends kali-s naja lob bell stram
< vor Mitternacht acon ip puls cham nat-s iod Bro lach naja nux-v lob aral dulc bell stram carb-v
< nach Mitternacht ars ip ant-t samb cham nat-s kali-c kali-s spong iod Bro lach naja nux-v lob dulc hyos
stram
cupr

Primärallergene und assoziierte NahrungsmittelallergeneAllergeneInhalationsallergeneNahrungsmittelallergene

Tab. 9.5
Primäre Inhalationsallergene Assoziierte, kreuzreagierende Nahrungsmittel-Allergene
Haselnusspollen Haselnuss (in 50 % der Haselpollenallergiker)
Birkenpollen
Antigenverwandtschaft mit Hasel-, Erlen-, Ulmen-, Ahorn-, Pappel-, Eschen-, Beifuß, Ragweedpollen, Latexallergen
Apfel (50–93 % der Birkenpollenallergiker, oft nur bestimmte Sorten), Pfirsich, Aprikose, Pflaume, Kirsche, Birne, Haselnuss, Mandel, roher Sellerie, rohe Karotte, beim Kartoffelschälen, Walnuss, Fenchel, Kümmel, Liebstöckel, Dill, Koriander, Tomate, Chili, Mango, Pistazie, Cashewnüsse, Kiwi, Litschi, Avocado, Basilikum, Majoran, Oregano, Banane, Weizen
Beifußpollen
Antigenverwandtschaft mit Gräser-, Birken-, Ahorn-, Ragweedpollen
  • Sellerie, roh oder gekocht

  • Gewürze: grüner und schwarzer Pfeffer, Fenchel, Koriander, Petersilie, Senf, Basilikum, Oregano, Majoran, Thymian, Pfefferminze, Anis, Dill, Liebstöckel, Artischocke, Sonnenblume, Estragon, Kamille, Wermut, Paprika, Anis, Kümmel, Curry, Ingwer, Knoblauch, Muskat

  • Karotte, Tomate, Kartoffel, Mango, Pastinake, Pistazie, Kiwi, Litschi, Avocado, Melone, Kürbis, Gurke, Zucchini

Gräserpollen, u. a.: Wiesenlieschgras, Knäuelgras, Wiesenrispengras, Glatthafer, Wiesenschwingel, Wiesenfuchsschwanz
  • Alle untereinander und mit

  • Roggenpollen kreuzreagierend

Getreidemehle: roher Weizen, roher Roggen, Soja, Gerste, Hafer, Hirse, Mais
Kartoffel, Tomate, Erdnuss, Erbse, Linse, andere Hülsenfrüchte, Zuckerrohr, Reis
Ragweedpollen (Ambrosia artemisiifolia, Traubenkraut), Antigenverwandtschaft mit Birken-, Beifußpollen Wassermelone, Zucchini, grüner Salat, Bananen
Hausstaubmilben
Dermatophagoides pteronyssinus, kreuzreagierend mit Dermatophagoides farinae
Andere Gliederfüßler wie
  • Schalentiere: Garnelen, Hummer, Languste, Krebse, Krabben

  • Austern, Napfschnecken

Primäres Kontakt-Allergen Assoziierte, kreuzreagierende Nahrungsmittel-Allergene
Naturlatex (in Babyschnullern, -saugern, Untersuchungshandschuhen, Beatmungsbeuteln, Spritzen, Gummistiefeln, Gummitextilien, Matratzen, Kondomen) Avocado, Banane, Feige, Esskastanie, Kiwi, Papaya, Buchweizen, Tomate, Karotte, Sellerie, Kartoffel, Apfel, Birne, Melone, Passionsfrucht, Ficus benjamini
Plasmaexpander
(in Volumenersatzmitteln)
Gelatine aus Kollagengewebe, z. B. in Gummibärchen, auch in gelatinehaltigen Impfstoffen

Fett hervorgehoben: relativ große klinische Bedeutung

Polychreste und ihre Unverträglichkeit von Speisen

Tab. 9.6
Homöopathisches Mittel Nahrungsmittelunverträglichkeit
Calcium carbonicum Milch, Eier, Karotten
Aethusa, Natrium carbonicum, Magnesium carbonicum, Antimonium crudum, Acidum nitricum, Sulphur, Sepia, Tuberculinum (Hautausschläge) Milch
Natrium muriaticum Fisch, Salziges, Alkohol, Mehlspeisen
Alumina, Veratrum album, … Kartoffeln
Lycopodium Kaffee, Hülsenfrüchte, Zwiebeln, Karotten, Austern
Nux vomica Kaffee, Bier und alle anregenden Speisen und Getränke
Argentum nitricum, Lycopodium, Sulphur, Calcium carbonicum, Graphites, Ignatia, Natrium phosphoricum, Mercurius solubilis, Zincum, Selenum, Belladonna, … Zucker und Süßigkeiten
Lycopodium, Kalium carbonicum, Carbo vegetabilis, China, Bryonia, Pulsatilla, Petroleum Kohl
Arsenicum album, Antimonium crudum, Colocynthis, Natrium sulfuricum, Kalium bichromicum, Veratrum, Pulsatilla, Acidum phosphoricum, Acidum sulfuricum, Sulphur Obst
Natrium muriaticum, Natrium sulfuricum, Natrium carbonicum, Pulsatilla, Lycopodium, Carbo vegetabilis, Carbo animalis, Sulphur Mehlspeisen
Pulsatilla Fett, Öl, Butter, Buchweizen, Eier, Sauerkraut, Fisch, Zwiebeln, Kohl, Mehlspeisen und vieles mehr
Acidum nitricum, Carbo vegetabilis, Natrium muriaticum, Natrium carbonicum, Sepia, Sanguinaria, Pulsatilla, Thuja können Migräne bekommen durch fettes Essen Fett, Butter

Atopische Erkrankungen

Maria Bormann

Michael Drescher

Neurodermitis, atopische Dermatitis

Michael Drescher

Maria Bormann

Grundlagen

atopische DermatitisNeurodermitisDer Begriff Neurodermitis wurde 1891 geprägt unter der damaligen Annahme, der Hauterkrankung liege eine Nervenerkrankung zu Grunde. Da der Begriff weiterhin dem aktuellen Sprachgebrauch der Patienten entspricht, hat ihn die Kommission der „Leitlinie Neurodermitis“ beibehalten. Historisch wurden bis zu 50 weitere Bezeichnungen verwendet; heute spricht man auch – ebenso wie im angloamerikanischen Sprachraum – von atopischer Dermatitis (AD) oder atopischem Ekzem. Es handelt sich um eine dem atopischen Syndrom zugeordnete meist chronische oder in Schüben verlaufende entzündliche Erkrankung der Haut. Sie beginnt häufig im Säuglings- oder Kleinkindalter. Prinzipiell ist die Progredienz unberechenbar. Es gibt spontane Besserungen, mehrheitlich leichtere, aber leider auch in ca. 2 % sehr schwere Verläufe mit schlechter Prognose, was ständiges Leid für den Patienten und die gesamte Familie bedeuten kann. Der Autor hat dies immer wieder in der Praxis gesehen.
Die eigentliche Ursache des atopischen Ekzems ist nicht endgültig geklärt und multifaktoriell, wobei Allergien nur einen Teil der Genese ausmachen. Primär wird von einem weiterreichenden Immundefekt ausgegangen.

Klinik und Erkrankungsverlauf

NeurodermitisKlinikDas atopische Ekzem ist charakterisiert durch erythematöse, papulöse, psoriatiforme Veränderungen auf der Basis einer trockenen, schuppigen oder lichenifizierten Haut. Das führende Symptom ist der quälende Juckreiz, besonders nach Ablegen der Bekleidung, der durch intensives Kratzen weitere Hautläsionen zur Folge hat.
Die Erkrankung verläuft schubweise in unterschiedlicher Ausprägung. Während eines Schubes kann der Juckreiz so heftig sein, dass er zu Schlafstörungen und zur Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens führt. Erfahrungsgemäß sind bei Säuglingen vorwiegend Kopf, Gesicht, Hals und Rumpf, bei älteren Kindern dann mehr die Ellenbeugen, Kniegelenke, Handgelenke und Hände betroffen. Differenzialdiagnostisch ist aufgrund der polymorphen Ausprägung auch folgende Hauterkrankungen zu denken: seborrhoisches Ekzem, Kontaktekzem, Urtikaria (18.5), Herpes zoster (7.7), Mollusken (18.4 Warzen) und Psoriasis (18.6). Häufiger kommen bei Kindern Superinfektionen mit disseminierter Impetiginisation durch Staphylococcus aureus, virale Infektionen oder Mykosen dazu.
In der Familienanamnese findet man häufig atopische Erkrankungen wie allergische Rhinitis, Asthma oder Urtikaria Die genetische Veranlagung ist neben zahlreichen anderen Auslösern ein schon lange bekannter Risikofaktor. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind eine Neurodermitis, einen Heuschnupfen oder ein Asthma bronchiale entwickelt, ist am höchsten (60–80 %), wenn beide Elternteile unter der gleichen atopischen Erkrankung leiden. Es wurden eine Reihe von genetischen Veränderungen beschrieben, die mit einem erhöhten Risiko für die Neurodermitis und Ichthyosis assoziiert sind, etwa Mutationen im Filaggrin-Gen sowie Polymorphismen von Barriereproteinen und Molekülen des angeborenen und des adaptiven Immunsystems. Vermutlich sind verschiedene Gene auf mehreren Chromosomen für die Veranlagung zur Neurodermitis und zu einer Barrierestörung der Haut verantwortlich (Werfel et al. 2008). Interessant ist auch, dass hier Übereinstimmungen mit Genlokalisationen für respiratorische atopische Erkrankungen und für Psoriasis gefunden wurden.
Neben der genetischen Disposition spielen offenbar auch Umweltfaktoren eine große Rolle, etwa übertriebene Hygiene, häufige Einnahme von Antibiotika, Impfungen und industriell veränderte Nahrungsmittel. Gehobener sozialer Status und kleine Familien sollen das Erkrankungsrisiko ebenfalls erhöhen (Leung 2000).
Wie bei allen chronischen Erkrankungen gewinnen mit der Dauer des Verlaufs auch psychische Einflüsse an Bedeutung. Einerseits können seelische Belastungen Krankheitsschübe (9.1.3) auslösen, andererseits kann die Reaktion der Bezugspersonen auf die juckreizbedingte Unruhe oder das Kratzen den Krankheitsverlauf sekundär verstärken.

Info

Komorbiditäten: Etwa NeurodermitisKomorbiditätenein Drittel der Säuglinge und Kleinkinder mit atopischem Ekzem leidet unter einer assoziierten Nahrungsmittelallergie, wobei sich am häufigsten Allergien gegen Milch, Ei, Weizen, Soja und Erdnuss nachweisen lassen (Reese 2002). Im Kindergartenalter gewinnt die aerogene Sensibilisierung gegen Hausstaubmilben, Pollen oder Tierhaare an Bedeutung, und mit ihr der „EtagenwechseEtagenwechsel, Allergienl“ hin zu allergischen AllergienEtagenwechselKrankheiten der Atemwege, bei ca. 50 % der seit dem Säuglingsalter an Neurodermitis erkrankten Kinder.

Diagnostik

Die Diagnose der AD wird nach dem klinischen Bild gestellt. Es existiert kein sicher beweisender oder ausschließender Labortest. Für die Suche nach Sensibilisierungen sind die anamnestischen Angaben vorrangig. Gegebenenfalls werden RAST- oder Pricktests hinzugezogen. Allerdings zeigen ca. 20–30 % der Erwachsenen und ein unbekannter Prozentsatz der Kinder ein phänomenologisch und klinisch identisches Krankheitsbild, ohne dass jemals Sensibilisierungen nachgewiesen werden konnten, gewissermaßen eine atopische Dermatitis ohne Atopie, oft nur der Anfang eines „allergischen Marsches“ hin zu Nahrungsmittelallergien, Asthma und Heuschnupfen.
Sowohl bei der konventionellen als auch der homöopathischen Anamnese sind folgende Punkte von besonderer Wichtigkeit:
  • Umfassende Eigenanamnese und eine atopische Anamnese aller Blutsverwandten

  • Exakte vollständige körperliche Untersuchung, insbesondere der Haut, inkl. einer Entwicklungsanamnese

  • Crusta lacteaIn einem atopischen Umfeld findet man manchmal spezielle Hautstigmata als Vorzeichen oder Minusvarianten einer atopischen Veranlagung (Tab. 2.1) sowie manifeste Vor- und Sonderformen der Neurodermitis wie z. B. Milchschorf1

    1

    Auch beim Milchschorf gibt es eine nomenklatorische Verwirrung. Milchschorf (Crusta lactea) ist eine echte Sonderform der Neurodermitis mit trockenen oder teigigen, stark juckenden Schuppen am Kopf und Gesicht. Er entsteht erst nach dem dritten Lebensmonat, ist chronifizierend, und kann in eine AD übergehen. Dagegen entsteht das seborrhische Ekzem oder Kopfgneis, Grind (Eccema infantum), eine Störung der Talgdrüsen, oft schon in den ersten Lebenswochen, auch durch noch vorhandene mütterliche Androgene mitverursacht. Es verschwindet spontan meist innerhalb des ersten Lebensjahres. Hier kaum Juckreiz und niemals chronische Verläufe. Weiche und fettige Schuppen, mit Öl gut ablösbar. Beide Formen sehen sich ähnlich, werden von den Eltern oft verwechselt und einfach „Milchschorf“ genannt.

    und Minimalvarianten wie Cheilitis (wunde, rissige Lippen), Perlèche (entzündete Mundwinkel), Rhagaden am Ohrläppchenansatz und Finger- und Zehenkuppen (Pulpitis sicca), Ekzeme der Mamillen (alles nach Altmeyer 2016), ausgeprägte Unterlidfalten, dunkle Augenringe, weißer Dermographismus, Lichen vidal. Solche Details müssen ggf. anamnestisch erfragt werden.

  • Bisherige Therapien, ihre Effizienz oder Nebenwirkungen

  • Mögliche psychosomatische, ernährungsabhängige oder durch andere Umstände bedingte Auslösefaktoren einschließlich Impfungen; ebenso Umstände, unter denen sich der Verlauf gebessert hat

Konventionelle Therapie

Eine kausale Therapie der Neurodermitis ist nicht möglich. Die therapeutischen Empfehlungen der konventionellen Medizin beziehen sich auf Prävention, Allergenvermeidung und medikamentös auf topische Haut-Basispflege, Antipruriginosa, antiinflammatorische und immunmodulierende Anwendungen, Ernährungsempfehlungen und psychologische Begleitung.
Parallel zu den rasanten Erkenntniszuwächsen bei der Pathogenese chronischer Erkrankungen entwickeln und eröffnen sich entsprechende Therapiestrategien mit noch tiefer in den Organismus eingreifender Medikation. Für die Neurodermitis wurden seit 2002 zwei T-Zellen-selektive Immunmodulatoren aus der Transplantationsmedizin vom Typ der Calcineurininhibitoren zur topischen Anwendung (TCI) zugelassen, Tacrolimus (Protopic ®S.) und Pimecrolimus (Elidel®Cr., Dougan®Cr.).
Im Gegensatz und alternativ zu den schon lange etablierten aber limitierten weiter in der first line stehenden topischen GlukokortikoidenGlukokortikoideNeurodermitis (topische GC) können mit den TCI längere Kuren z. B in den Kortisonpausen bestritten werden. Die Bewerbung der Cremes als „garantiert kortisonfrei“ machte seinerzeit auch wegen des schnell eintretenden Erfolges Furore. TCI sind aber erst ab dem 3. Lebensjahr zugelassen. Das Monitoring bei Einsatz von TCI sollte wegen ihres phototoxischen und kanzerogenen (Hauttumoren und Lymphome) Potenzials von Kollegen begleitet werden, die Erfahrung mit Immunsuppression haben.
Für Härtefälle der Stufe 4, die schlecht oder nicht mehr ausreichend auf die vorausgegangenen Stufen angesprochen haben, hält die Leitlinie einen dritten Vertreter aus der Gruppe der Calcineurininhibitoren bereit, Cyclosporin A, welches nicht topisch, sondern nur systemisch (oral oder i. v.) eingesetzt werden kann. Es gibt allerdings einige Ausschlusskriterien für den Einsatz von Cyclosporin A, dazu gehört u. a. die Behandlung von Kindern.

Stufentherapie

NeurodermitisStufentherapieDie konventionelle Therapie der Neurodermitis nach der „Leitlinie Neurodermitis 2015“ wird den unterschiedlichen individuellen Phasen je nach Schwere und Chronizität angepasst. Das folgende Stufenschema ist deshalb kein starres Korsett, sondern lediglich eine Vorgabe, die je nach Alter, Verlauf, Lokalisation und Leidensdruck der Patienten adaptiert wird.
  • Stufe 1 – trockene Haut, oft ein „nicht-atopisches“ atopisches Ekzem (Diagnostik, s. o.) im Gesichtsbereich (Abeck):

    • Neutrale topische Basistherapie: Hydratation der Haut, Emollentien (feuchtigkeitsspendende Externa ohne pharmakologische Wirkstoffe)

    • Vermeidung oder Reduktion von Triggerfaktoren

  • Stufe 2 – leichte Ekzeme:

    • Antipruriginöse und antiseptische Wirkstoffe, topische Glukokortikosteroide der Klasse 1 (schwach wirksam) bis 2 (mittelstark wirksam)

    • Und/oder TCI (ab 3. Lj.!)

  • Stufe 3 – moderate Ekzeme:

    • Maßnahmen der vorherigen Stufe und zusätzlich:

    • Topische Glukokortikosteroide der Klasse 2 (stark wirksam) bis 3 (sehr stark wirksam)

    • Und/oder topische Calcineurininhibitoren (TCI, erst ab 3. Lj.!)

  • Stufe 4 – persistierende, schwer ausgeprägte Ekzeme:

    • Maßnahmen der vorherigen Stufe und zusätzlich:

    • Systemische immunmodulierende Therapie, mit Cyclosporin A systemisch (nicht für Kinder!)

Basistherapie zur Hautpflege

NeurodermitisHautpflegeDie Hautpflege bildet die pflegerische Therapiegrundlage ab Stufe 1 und gestaltet sich von Stufe zu Stufe aufwändiger und komplexer. Ziel ist es, die Integrität der Hautbarriere wiederherzustellen, den transepidermalen Wasserverlust zu verringern und die Hydratation zu verbessern und letztendlich dazu beizutragen, den Stufenverlauf Schritt für Schritt nebenwirkungsarm retrograd zu führen.
Zur Basistherapie stehen Emollentien zur Verfügung, die Wasser binden und der trockene Haut zuführen können. Eine aktive Befeuchtung kann etwa durch hydrophile Cremes mit Glycerinzusatz erreicht werden. Ein zusätzlicher Okklusionseffekt wird z. B. durch Paraffine erreicht. Die Wasserbindung kann auch durch Harnstoffzusatz verbessert werden. Harnstoff sollte jedoch erst auf einer kleinen Hautfläche geprüft werden, denn bei Kleinkindern und Säuglingen kann er zu einer akuten Rötung mit Juckreiz führen (Stinging-Effekt). Wenn dieser vorliegt, verbietet sich der Einsatz.

Info

Harnstoffzusätze, ebenso Gerbstoffe, Zinksalben und Kortison sollten nicht angewendet werden, denn sie wirken aus Sicht der Homöopathie unterdrückend. Auch auf ätherische Öle (z. B. Teebaumöl) sollte verzichtet werden, da diese wegen des Mentholgehalts als Antidot (3.7.2) wirken.

Als Basispflegeprodukte bieten sich zunächst wirkstofffreie Externa an. Die Wahl des richtigen Externums richtet sich nach dem individuellen Hauttyp, dem Grad der Entzündung und den äußeren Bedingungen. Während der kalten Jahreszeit empfiehlt sich eine fetthaltigere Salbe, um der oft vorhandenen Trockenheit der Haut gerecht zu werden („Wintercreme“), in der warmen Jahreszeit eine mehr wasserhaltige Creme. („Sommercreme“, z. B. Unguentum emulsificans aquosum). Angeraten ist eine mehr fettende Behandlung bei trockenen Ekzemen, hydratisierende Öl-in-Wasser-Emulsionen bei weniger trockener Haut und eine feuchte Behandlung bei feuchtem Ekzem. Je entzündeter die Haut, umso weniger fetthaltig soll die Salbengrundlage sein. Doch diese gut nachvollziehbaren Empfehlungen lassen sich nicht immer umsetzen. Hat man ein Externum gefunden, das gut geholfen hat, muss das nicht immer so bleiben. So begibt man sich erneut auf die Suche und probiert aus. Auch die Akzeptanz spielt bei den geplagten und extrem empfindlichen neurodermitischen Kindern eine große Rolle („Mama, die Salbe ist ekelig“).
Neutrale Basisexterna
Aus homöopathischer NeurodermitisBasisexternaSicht unproblematisch sind neutrale Basisexterne, die als Rezeptur oder als Fertigpräparat erhältlich sind. Es folgen einige Beispiele, die sich in der Praxis des Autors bewährt haben:
  • Unguentum emulsificans aquosum („Sommersalbe“): Rp. Ugt. emuls. aquos. 100,0 + 5 % Glyzerin – ist eine optimale Basispflege!

  • Rp. Physiogel A. I. Creme®: angenehmes Präparat mit guter Wirkung, fakultativ (+ 5 % Urea) + 5 % Glyzerin

  • Rp. Unguentum leniens: emulgatorenfreie, kaum irritierende, kühlende Pflegecreme für sehr empfindliche Haut

Hydrophile Cremes
Cremes mit einer wässrigen äußeren Phase sowie Öl-in-Wasser-Emulgatoren, z. B. mit Glycerinzusatz, welche die aktive Befeuchtung durch Wasserbindung verbessern. Eine Kombination mit NaCl-Lösung ist in Studien geprüft und ebenfalls gut wirksam.
  • Neuroderm-Pflegecreme®: (20 % Glyzerin + 30 % Lipide) Basispflege für jeden Hauttyp

  • Neuroderm-Pflegecreme-Lipo®: (20 % Glyzerin + 50 % Lipide + Mandelöl) für sehr trockene Haut

  • Neuroderm akut 0,1-prozentige Creme® (Hydrocortisonbuteprat): wenn ein begrenztes Kortison-Intervall unumgänglich erscheint.

  • Neuroderm-Mandelölbad®: besser hydratisierend als emulgierende Ölbäder!

Fett-Feuchte Verbände
Diese Verbände sind bei akuter Verschlimmerung, ob nässend oder nicht, hervorragend antiinflammatorisch und antipruriginös wirksam!
Anleitung: Ein fetthaltiges Basisexternum reichlich auf die betroffenen Hautareale auftragen. Darüber eine Lage eines flexiblen, feuchten Baumwollverbandes (z. B. Tubifast®) ziehen und hierüber eine trockene Lage desselben Verbandmaterials. Alle zwei bis vier Stunden kann der innere Schlauchverband z. B. mit einer Blumenspritze mit warmem Wasser wieder angefeuchtet werden. Das Basistherapeutikum sollte ca. alle sechs Stunden erneuert werden. Der Verband kann über Nacht bis hin zu 24 Std. täglich getragen werden.
Ölexterna
Tägliches Einreiben von Risiko-Säuglingen mit nativem Kokosöl oder biologischem Sonnenblumenöl verbessert die Funktion der Hautbarriere und kann den Ausbruch einer Neurodermitis verhindern. Natives Kokosöl ist ein exzellentes Emolliens mit entzündungshemmenden und antiseptischen Eigenschaften (Goddard 2015). Das Öl der Sonnenblumenkerne verbessert die Integrität des Stratum corneum, die Barrierefunktion und die Hydratation der Haut. Olivenöl hat demgegenüber eher nachteilige Eigenschaften (Danby et al 2013, 2016).
Aryuvedische Ölmassage
Anwendung nach R. Murphy (Autor des gleichnamigen homöopathischen Repertoriums), der sich viel mit komplementärer Medizin befasst hat: Fußsohlen und Unterschenkel mit viel Kokosnussöl massieren; dies reguliert und speichert die Feuchtigkeit in der gesamten Haut, beim Autor praxiserprobt.
Homöopathische Anwendungen
Bei entzündeten Hautarealen haben sich homöopathische Wickel bewährt: Einige Globuli in D2 des indizierten homöopathischen Mittels wie etwa echi, calend, hep, pyrog, gunp, calc-s u. a. in ein ½ Glas hautwarmes Wasser einrühren und auf die Haut oder die innerste Verbandsschicht bringen. Alternativ solche Mittel auch in höheren oder Hochpotenzen einnehmen lassen, wenn es eine andere momentane homöopathische Medikation nicht stört.
Potenziell bedenkliche Basisexterna
Die folgenden Externa NeurodermitisExterna, bedenklichesind aus homöopathischer bzw. allergologischer Sicht teilweise problematisch:
  • Bittersüßstängel aus Dulcamara (in Cefabene®): Brennen, Rötungen möglich

  • Gerbstoffe aus Eichen-und Buchenrindextrakten – Cave: Tannine in Tannolact®, Tannosynt® wirken unterdrückend.

  • Harnstoff (Urea)-Zusätze aus homöopathischer Sicht vermeiden, denn sie gelten ebenso wie Zinksalben, Gerbstoffe, Tannine und Kortison als Unterdrückungsmittel. KamillenblütenextrakteCave: potenziell sensibilisierend

  • Tierprodukte wie Murmeltierfett und Nerzöl – Cave: enthalten beide natürliches Kortison!

  • Omega-6-Fettsäuren, Nachtkerzen- und Borretschsamenöl, auch Linol- und Gammalinolensäure – diese müssten in sehr hohen und entsprechend teuren Konzentrationen gegeben werden, bei fehlendem Wirkungsnachweis.

  • Umschläge mit gekühltem Schwarz(kümmel)teeCave: unterdrückende Gerbstoffe

  • TeebaumölprodukteCave: starke ätherische Öle, Reizungen, Allergisierungen auf der Haut, Vergiftungen beim Verschlucken!

  • Olivenöl kann bei längerer Anwendung die Haut reizen und austrocknen – das Gegenteil von dem, wofür es meistens angepriesen wird. (Alison, Danby et al.)

  • Kortisonanwendungen gehören seit langer Zeit zu den Standardtherapeutika ab Stufe 2. Gefürchtet ist die nach längerer Anwendung zu erwartende irreversible Hautatrophie. Deswegen kommt lediglich eine zeitlich limitierte Intervallanwendung infrage. Diese sollte nach spätestens 7–10 Tagen unterbrochen und durch alternative kortisonfreie Maßnahmen ersetzt werden. Ein Ausschleichen, insbesondere nach systemischer Gabe kann so aussehen: Mit dem Aussetzen der Anwendung mittags beginnen, dann schrittweise abends, zuletzt morgens.

  • Teerhaltige Zubereitungen (aus Holz-, Stein-, Braunkohle und Torf) sind schon sehr lange sehr bekannt für ihre hervorragende Wirkung auf Ekzem und Juckreiz. Das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) warnt vor Kontaktekzemen bei einer Konzentration von >1 %. Weitere Nachteile sind Geruch und Verfärbungen von Haut und Wäsche, passagere Reizung nach dem Auftragen, Sonnenbrandgefahr und eine bisher nur im Tierexperiment gefundene kanzerogene Potenz.

Unterstützende Maßnahmen

Allergenkarenz

  • NeurodermitisAllergenkarenzReduktion von Nahrungsmittelallergenen: Längerfristige Karenzmaßnahmen sind nur nach individuellem Nachweis einer Nahrungsmittelallergie (RAST, Prick, Karenz und Provokation 9.4.1) indiziert.

  • Neurodermitis-Schulungen sind zielführend zum Erlernen der Basispflege, zum Erfahrungsaustausch und zum Aufarbeiten des Leidensdrucks

  • Kurmaßnahmen in allergenarmer Meeres- oder Gebirgsluft sind bei chronischem Verlauf evtl. sinnvoll. Milieuwechsel und Patientenschulung tragen zum Kurerfolg bei.

Psychosomatische Seite

Neurodermitispsychosomatische AspekteEine schwere kindliche Neurodermitis zieht unter Umständen die ganze Familie in Mitleidenschaft. Die Eltern stellen sich tausend Fragen über das Warum, besonders dann, wenn das Kind schon kurz nach der Geburt erkrankt ist. Es entwickeln sich eigentlich unberechtigte Schuldgefühle, endloses und fruchtloses Nachdenken, Erschöpfung durch den hohen Pflegeaufwand und schlaflose Nächte von Eltern und Kind. Wechselweise treten Aggressionen und kompensatorische Überbesorgnis auf. In Sankarans Materia medica „Die Seele der Heilmittel“ kann man über derartige Dekompensationszustände von homöopathischen Mitteln nachlesen.
Viel Geduld wird auch den Geschwistern abverlangt, die in vielen Situationen zurückstehen müssen. Manchmal kann man auch bei den Angehörigen mit homöopathischen Krisenmitteln etwas ausgleichen. Neurodermitis-Kinder reagieren viel stärker als andere Atopiker empfindlich auf atmosphärische Veränderungen und Spannungen in ihrer Umgebung, und zwar zuerst mit Haut- und Juckreizverschlimmerung. In Einzelfällen kann man beobachten, dass durch die Hypersensibilität der Haut auch eine zärtliche Berührung Schmerzen verursachen kann. So kann sich aus einer Barrierestörung eine sekundäre Kontaktstörung entwickeln. Entsprechend hartnäckig gestaltet sich der Verlauf, wenn es nicht gelingt, derartige Heilungshindernisse zu beseitigen.
Eine psychotherapeutische Begleitung kann Eltern und Kind in die Lage versetzen, psychische Belastungen besser zu erkennen und die Krankheit angemessen zu bewältigen. Empfohlen werden auch Verhaltenstherapie und Entspannungstechniken, um mit Juckreiz und Kratzen besser umgehen zu können.

Komplementärmedizinische Maßnahmen

Neurodermitiskomplementärmedizinische MaßnahmenDie Übergänge zwischen konventioneller und komplementärmedizinischer Behandlung sind fließend, weil bei leichten Krankheitsformen z. T. dieselben Maßnahmen empfohlen werden. Die in der der Erfahrungsmedizin angewendeten Therapieformen sind allerdings meist nicht genügend validiert.
  • Darmsanierungsprogramme beruhen auf der Annahme, dass nicht primär die Haut, sondern das enterale Schleimhautsystem erkrankt ist. Durch Behandlung mit mikrobiologischen Präparaten etwa aus Lactobacillus, E. Coli oder Enterococcus faecalis soll die Mikroökologie des Darmes verbessert und eine Modulation des enteralen Mukosasystems erreicht werden (Schmidt-Fuchs 2001). Der mikrobiologische Therapieansatz gewann zuletzt durch die Studie von Kalliomäki über Lactobacillus GG zur Prävention an Aktualität (s. u. „Prävention“).

  • Von Imhäuser wurde die Behandlung mit homöopathisch potenziertem Eigenblut eingeführt, die häufig zur Linderung der Beschwerden führt (9.2).

Prävention

  • Kleidung: WolleNeurodermitisPrtävention irritiert prinzipiell die Neurodermitishaut und verstärkt den Juckreiz. Das liegt am Material selbst, z. T. auch an der Verarbeitung. Von Wolle-Kontakt auf der Haut ist abzuraten. Baumwollkleidung oder Seidenwäsche, evtl. mit einem antiseptischen Zusatz, sind die Alternativen.

  • Ernährung: In einer Reihe von Studien konnte gezeigt werden, dass ausschließliches Stillen in den ersten sechs Lebensmonaten einen protektiven Effekt hat (z. B. Van Odijk et al. 2003). Einerseits wird durch die ständige Zufuhr kleinster Mengen von Nahrungsmittelallergenen über die Muttermilch beim Säugling Toleranz erzeugt, andererseits wird das Immunsystem durch Botenstoffe in der Muttermilch gezielt zur Reifung gebracht (Gdalevich et al. 2001). Bei nicht gestillten Säuglingen haben nur extensiv hydrolisierte Formulanahrungen (eHF) eine ähnlich hohe Schutzwirkung. Bei Kindern mit sehr hohem Allergierisiko wurde ein protektiver Effekt durch eine mütterliche Diät – v. a. Karenz von Kuhmilchprodukten, Hühnerei und Sojamilch – diskutiert (Chandra et al. 1989). Von den modernen Allergologen wird das Meiden bestimmter Nahrungsmittel während der Schwangerschaft und Stillzeit im Sinne einer Primärprävention für bedeutungslos gehalten. Die Ernährung der Mutter soll ausgewogen und nährstoffdeckendsein (Kramer, Kakuma 2012). Zur Frage des positiven Effekts einer langfristigen Muttermilchernährung gibt es widersprüchliche Studien (9.2.2, 9.4.3).

  • Lufthygiene: Die Reduktion von Aeroallergenen bei Risikoneugeborenen scheint keine Verringerung der Ekzemhäufigkeit im Vergleich zu Kontrollgruppen zu bringen (Custovic et al. 2001). Rauchkarenz dagegen ist ein wichtiger Faktor, da Rauchen in der Schwangerschaft und in der Stillzeit das Allergierisiko des Kindes signifikant erhöht (Schäfer et al. 1997).

  • Probiotika: Bei Müttern, die Probiotika (9.4.3) in Form von Lactobacillus GG während der letzten zwei bis vier Wochen vor der Geburt und während der ersten sechs Lebensmonate ihres Kindes einnehmen, sinkt das Risiko eines atopischen Ekzems beim Kind signifikant (Kalliomäki et al. 2001). Ob daraus eine allgemeine und für das Gesundheitswesen zunächst sehr kostspielige Empfehlung abgeleitet werden kann, sollen weitere Studien klären.

Homöopathische Behandlung

Das atopische Ekzem ist wie jede Hauterkrankung die äußerlich sichtbare Manifestation einer allgemeinen gesundheitlichen Störung. Deshalb steht bei unseren Behandlungskonzepten die innere Beseitigung der Störung im Vordergrund, die sich nach der Hering-Regel (3.6, 18.8.1) heilend nach außen durchsetzen soll. Hahnemann schreibt in den „Chronischen Krankheiten“: „Denn, erstlich, darf, wenn der Arzt gewissenhaft und verständig verfahren will, kein Haut-Ausschlag, gar keiner, er sey von welcher Art er wolle, durch äußere Mittel vertrieben werden. Die menschliche Haut bringt aus sich allein, ohne Zuthun des übrigen, lebenden Ganzen, keinen Ausschlag hervor, wird auch auf keine Weise krank, ohne vom allgemeinen, krankhaften Befinden, von der Innormalität des ganzen Organisms dazu veranlasst und genöthigt worden zu seyn. Allemal liegt ein ungehöriger Zustand des ganzen, innern, belebten Organisms zum Grunde, welcher daher zuerst zu berücksichtigen und also auch nur durch innere, das ganze umändernde, bessernde und heilende Arzneien zu heben ist, worauf dann auch der, auf der innern Krankheit beruhende Ausschlag, ohne Beihülfe eines äußern Mittels, von selbst heilet und verschwindet, oft schneller, als durch äußere Mittel.“ (CK, Bd. 1, S. 163)
Deshalb sind wir mit äußerlichen Behandlungen mit Wirksubstanzen sehr zurückhaltend und setzen möglichst nur pflegende, nicht unterdrückende Externa ein. In besonders schweren Fällen ist es unumgänglich, Kompromisse mit der konventionellen Behandlung einzugehen. Bei längerer oder wiederholter Unterdrückung der Hautsymptome besteht allerdings Gefahr der Chronifizierung oder des Ausweichens der Krankheit auf die nächst tiefere Ebene, in diesem Fall die Bronchialebene („EtagenwechselEtagenwechsel, Allergien“). Dies sollte AllergienEtagenwechseldurch eine konsequente homöopathische Behandlung verhindert werden.
Es ist sinnvoll, schon beim ersten Auftreten von Symptomen mit der homöopathischen Therapie zu beginnen. Auch bei einer zunächst erfolgreichen homöopathischen Behandlung können Schwankungen im Verlauf und Rezidive auftreten, die einer professionellen Führung durch den behandelnden Homöopathen bedürfen. Hier wird in Einzelfällen große Geduld vom Patienten, den Angehörigen und dem Behandler selbst abverlangt. Eine oberflächliche Verschreibung oder ein schneller Mittelwechsel können schnell auf therapeutische Abwege führen und werden keine dauerhafte Heilung bringen.

Praxistipp

Nicht die Symptome der Haut, sondern die individuellen Symptome, die den gesamten Patienten charakterisieren, stehen im Vordergrund. Dieses Herangehen führt oft zu großen Mitteln, sog. Polychresten. Je nach Verlauf kann auch die Gabe mehrerer Mittel in Folge notwendig sein.

Folgende Symptome des atopischen Ekzems können miasmatisch zugeordnet werden:
  • Psorisches Miasma:

    • Schuppungen, Rötungen und Flecken in Hautniveau

    • Juckreiz und Schweiß

    • Allgemeinsymptome: Schwäche und Müdigkeit

  • Sykotisches Miasma:

    • Hauterscheinungen überragen das Hautniveau (Papeln, Blasen, Quaddeln, Pusteln)

    • Entzündungen, Impetiginisierung, Eiterungen

    • Allgemeinsymptom: Hyperaktivität

  • Syphilitisches Miasma:

    • Geschwüre unter Hautniveau, Lymphadenitis, Risse und Fisteln

    • Dicke Krusten, Ulzera, Verhornungen, Pigmentstörungen

    • Allgemeinsymptome: Aggressivität, Depression und Suizidalität

In vielen Fällen überlagern sich allerdings verschiedene Effloreszenzen, was die Zuordnung zu einem einzelnen Miasma schwierig macht. Das Thema der Miasmenlehre ist so komplex, dass auf weiterführende Literatur verwiesen werden muss. (z. B. Allen 1993, Laborde 1998).

Homöopathisches Management der Neurodermitis

Lokalsymptome spielen bei der Bestimmung des infrage kommenden Arzneimittels eher eine untergeordnete Rolle, denn diese findet man in vergleichbarer Form bei vielen anderen Neurodermitiskranken – es sei denn, bei dem zu Behandelnden kämen sie in sie in sehr auffälliger Form oder unter außergewöhnlichen Bedingungen vor, dann sind sie in die Repertorisation aufzunehmen. Hier hilft neben der klassischen Methode nach Kent auch die Polaritätsanalyse des Schweizer Kinderarztes Heiner Frei, der die Methode aus Boenninghausens TTB als Konzept der Kontraindikationen zu einem allgemeinen homöopathischen Behandlungsverfahren für akute und chronische Erkrankungen entwickelte.
Viele Patienten kommen schon in einem frühen Stadium der Erkrankung in die kinderärztliche Behandlung, konkret oft schon in der 1. bis 4. Lebenswoche. Das setzt Erfahrungen in der Begegnung mit ganz jungen Persönlichkeiten voraus, denn kein Baby gleicht dem anderen (2.1).

Praxistipp

Bei Neurodermitis (und auch bei Anfallsleiden) beginnt der Autor die konstitutionelle Behandlung prinzipiell immer mit Q- bzw. LM-Potenzen (3.1, 3.5). Dies hauptsächlich wegen der geringeren Verschlimmerungsrate und der größeren Flexibilität bei der Verabreichung. Die Eltern werden angehalten, die Symptome täglich nach einem vorgegebenen Score auf verschiedenen pathologischen Ebenen zu dokumentieren. Auf diese Weise kann man den Verlauf ausgezeichnet verfolgen und bei Irritationen schnell eingreifen. Dies geschieht dann hauptsächlich durch Modifikationen in der Gabe des Konstitutionsmittels. Begonnen wird mit der Q1 oder Q3 in 15 tägigen Runden, ohne eine Q-Potenz auszulassen, als Q3, Q4, Q5 etc. Eine zusätzliche homöopathische Palliation mit Akutmitteln ist unter dieser Abfolge extrem selten notwendig. Wenn sich der Verlauf kontinuierlich verbessert hat, spätestens aber nach Auftreten einer sogenannten Spätverschlimmerung (3.5) wird auf C-Potenzen des Konstitutionsmittels nach der Kent-Skala (3.3.2) umgestellt.

Repertoriumsrubriken

RepertoriumsrubrikenNeurodermitisDie folgenden Rubriken – sie nennen typische Neurodermitiskonstellationen – sollen in der Fallaufnahme routinemäßig überprüft werden.
Synthesis
→Haut – Hautausschläge – allergisch (10): apis, bov, dulc, galph, graph, med, morg-g, puls, tub, urt-u
Der Unterschied zwischen der Neurodermitis und dem seborrhoischen Ekzem besteht darin, dass bei letzterem kein Juckreiz besteht. Besonders stark tritt bei Neurodermitis der Juckreiz auf, wenn die Kleidung ausgezogen wird.
→Haut – Jucken – Entkleiden agg. [SynthTE2009] (60): alum, am-m, anac, ant-c, apoc, ars, bell-p, bov, cact, carb-v, carc, card-m, cist, cocc, dros, dulc, hep, hyper, kali-ar, kali-bi, kali-br, kreos, led, lyc, mag-c, mag-m, merc, merc-i-f, mez, mur-ac, nat-c, nat-m, nat-s, nit-ac, nux-v, olnd, ph-ac, psor, puls, rhod, rhus-t, rumx, sep, sil, stann, staph, sulph, tub, …
→Haut – Neurodermitis (atopisches Ekzem) [Pennekamp] (57): agar, ant-c, ant-t, ars, bac, bar-c, calc, calc-ar, calc-p, calc-sil, carc, caus, cham, cic, cortiso, dulc, graph, hep, kreos, lach, led, lyc, mang, med, merc, mez, nat-c, nat-m nit-ac, nux-v, olnd, petr, phos, polio, psor, rad-br, rhus-t, sars, sep, staph, stram, sulph, thuj, thym-gl, trypt, tub, vinc, viol-t, zinc, …
→Haut – Ekzem seit früher Kindheit (Vorgeschichte) [Pennekamp] (13): ars, bac, caust. eup-p, graph, hep, lyc, med, nat-m, psor, sep, sulph, tub, zinc, …
→Haut – Neurodermitis, Radioaktivität durch (Kernkraftwerk Nähe, Tschernobyl) [Pennekamp] (3): gins, phos, rad-br
Complete
→Haut – Hautausschläge – Ekzem – Kindern, bei (40): alum, ant-c, ant-t, ars, bar-c, bell, bism-n, brom, calc, calc-p, calc-s, carc, caust, croto-t, cur, dulc, eur-p, frax, graph, gunp, hep, lappa, lyc, mangi, mez, morg, nat-m, nit-a, olnd, petr, psor, rad-br, rhus-t, sars, sil, staph, sulph, viol-t, zinc, …
→Haut – Jucken – Berührung – agg. (27): cadm-s, caps, carb-v, cocc, coriand, croto-t, euph, kali-n, laur, mag-s, mez, nat-m, psor, ran-b, rhus-t, tarent, tub, …
→Haut – Hautausschläge – juckende – Berührung agg. (6): ang, coriand, fago, mag-s, mez, nat-m
→Haut – Schmerz – Berührung, bei (55): alum, alum-sil, apis, ars, asaf, bell, calc, camph, cand-p, cann-s, canth, carb-v, caust, cham, clad-r, clem, cocc, cymb-c, euphr, fago, ferr, galeoc-c, graph, hep, hura, hyper, lac-v-b, lach, lat-h, lyc, merc, mez, nat-c, nat-m, nut-ac, nux-v, pest, plb, psor, puls, rhod, rhus-t, sabin, seneg, sep, stront-c, sulph, tab, thal-s, thuj, vani-p, vip, zinc,
→Haut – Jucken – Wolle schl. (34): fl-ac, hep, merc, nat-m, phos, psor, puls, rhus-t, sulph, tub, …
→Ohren – Risse, Fissuren – hinter den Ohren (18): bufo, calc, chel, cupr-ar, graph, hep, hydr, hyper, ilx-p, lyc, med, morg, nit-ac, petr, sep, sulph, syph, thlaspi
Erstaunlich ist der Einfluss des Meeres und seiner Bewohner, auch zur Planung von Kuraufenthalten und Urlaub:
→Allgemeines – Luft – Seeluft, am Meer – agg. (29): aq-mar, ars, aur-m-n, ba-tn, brom, bry, carc, cupr, iod, kali-i, lyc, mag-m, mag-s, med, morbill, mur-ac, murx, nat-m, nat-s, posit, rhus-t, sep, sil, stoi-k, syph, symph, tub, vip, …
→Allgemeines – Luft – Seeluft, am Meer – agg. – amel., dann (1): carc
→Allgemeines – Baden, Waschen – agg. – Meer, im (12): ars, brom, carc, lim, mag-m, mang, med, nat-m, rhus-t, sep, stoi-k, zinc
→Haut – Hautausschläge – Ekzem – Baden im Meer, durch (2): mang, stoi-k
→Extremitäten – Hautausschläge – juckende – Arme – Meer, amel. (1): pitu-a
→Allgemeines – Luft – Seeluft, am Meer – bess. (50): acon, agar, ant-c, ant-t, aq-mar, ars ars-i aur-m-n, bor, brom, camph, carc, hyos, iris, kali-br, kali-i, lyc, lyss, mand, med, nat-m, op, ox-ac, sep, sil, stram, sul-ac, sulph, tub, verat
→Allgemeines – Baden, Waschen – amel. – Meer, im (5): aq-mar, chir-f, hema-h, kali-i, med
→Allgemeines – Gebirge – amel. bei Aufenthalt in den Bergen (5): cath-a, falco-p, pras, prot, syph, tub
→Haut – Hautausschläge – Ekzem – Sonne, durch – (3): astac, mur-ac, petr
Rubriken für spezifische Lokalisationen
→Auge – Hautauschläge – Lider (33): graph, hep, nat-m, staph, thuj, …
→Hautausschläge – Mund – Mundwinkel (50): calc-c, graph, merc, nit-ac, …
→Ohr – Hautauschläge – hinter den (64): calc, graph, lyc, petr, psor, sulph, …
→Brust – Hautausschläge – Mammae – Brustwarzen [Complete] (10): gar, caust, graph, slach, petr, psor, sulph, …
→Äußerer Hals – Hautausschläge (25): ars, calc, hep, lyc, psor, …
→Kopf – Hautausschläge Ekzem – Haaransatz (10): hydr, nat-m, nat-sil, nit-ac, petr, sulph, …
→Rücken – Hautausschläge – Dorsalregion [Complete] (69): psor, sulph, …
→Kopf – Hautausschläge – Kopfhaut (13): ars, bar-c, calc, graph, hep, lyc, merc, olnd, petr. Rhus-t, sulph, viol-t
→Extremitäten – Hautausschläge – juckende – Hände – Fingern, zwischen den [ComRep] (16): ambr, ars, canth, cassis-s, lob, lyc, may-c, med, nit-ac, phos, psor, rhus-v, sul-ac, sulph, …
→Extremitäten – Hautausschläge – Handgelenke – Streckseite (5): calc-p, cimic, helo-s, mez, rhus-v
Diese vorgestellte Auswahl an Mitteln soll eine Hilfe sein, um sich in der Vielfalt der Mittel für die verschiedenen Symptome und Erscheinungsbilder besser orientieren zu können. Es darf nicht dazu verführen, aufgrund eines Lokalsymptoms nur oberflächlich zu verschreiben. Damit vergibt man die große Chance der Homöopathie, das Leiden ganzheitlich zu heilen.

Homöopathische Arzneimittel: Konstitutionsmittel

Im Folgenden werden verschiedene Arzneimittel dargestellt, die einen Bezug zur Haut haben, darunter Konstitutionsmittel und lokale Hautmittel. Naturgemäß ist eine solche Aufstellung unvollständig und soll nicht den Blick auf bestimmte Arzneimittel einengen, denn es gibt in der Praxis viele weitere Konstitutionsmittel, welche die Neurodermitis heilen können.
Arsenicum album
#Arsenicum albumNeurodermitisDer Säugling sieht leidend oder alt aus. Er kommt schwer zur Ruhe und kann schlecht einschlafen. Der Schlaf ist durch Aufwachen oder Aufschreien gestört. Der Blick scheint nicht frisch, eher müde und erschöpft.
Das Kleinkind ist mager, sehr unruhig und ängstlich. Alleinsein ist unerträglich. Ständige Sorgen um andere. Geringste Anstrengungen führen zur Schwächung, von denen sich das Kind nur langsam erholt. Es wirkt angespannt und angestrengt, auch ernst mit religiösem Hang schon in der Kindheit. Es ist sehr ordentlich und sorgfältig, mit starker Abneigung gegen Schmutz.
Das Kind ist extrem kälteempfindlich. Magen- und Darmerkrankungen werden typischerweise ausgelöst durch kaltes Essen oder kalte Getränke. Man findet viel Durst auf kleine Schlucke. Schon im Kleinkindalter kann sich die Neigung zum Asthma zeigen. Alle Absonderungen sind ätzend oder wund machend. Viele Symptome und Erkrankungen treten periodisch auf.
Hautsymptome: Trockene, raue, pergamentartige Haut, starke Schuppenbildung wie Kleie, vesikulöse Eruptionen, feuchtes Ekzem mit scharfen, dünnflüssigen und übelriechenden Absonderungen. Verschlimmerung des Ekzems im Winter, durch Kälte, nachts und durch Kratzen. Heftiger Juckreiz, brennende Schmerzen. Das brennende Gefühl an der Haut oder an anderen Stellen wird durch Wärme gelindert. < Zwischen 1:00 Uhr und 3:00 Uhr nachts, Kälte; > Wärme, Hitze.
Calcium carbonicum
#Calcium carbonicumNeurodermitisEs handelt sich um ein eher adipös veranlagtes, pastöses Kind mit schlaffen Muskeln und weicher Haut. Es hat Schweiß am ganzen Körper, besonders nachts am behaarten Kopf, im Nacken und auch schon als Säugling an den Füßen. Schon das Baby ist von großer Statur, der Kopf ist groß, die Fontanellen schließen sich spät.
Es hat Probleme beim Abheilen des Nabels und hat manchmal eine Nabelhernie. Das Kind spuckt viel geronnene Milch. Schweiß, Stuhl, Erbrochenes riechen sauer. Die Zahnung beginnt verspätet und kommt langsam voran. Die gesamte Entwicklung ist verzögert. Man findet eine Schwäche oder Verkrümmung der Wirbelsäule.
Der Säugling ist ruhig und freundlich zugewandt, im Kleinkindalter wird er eher zurückhaltend, schüchtern, aber auch eigensinnig, kann auch heftige Wutanfälle zeigen. Das Kleinkind kann sich stundenlang allein beschäftigen, ist oft langsam und bedächtig. Es hat Angst vor Unbekanntem und Neuem. Das Kind verträgt keine schlechten Nachrichten und will keine grausamen Geschichten hören oder sehen. Sobald es merkt, dass es Schwierigkeiten geben kann, weicht es aus und geht kein Risiko ein.
Das Kind isst mit Vergnügen. Es hat Verlangen nach Süßspeisen, Teig und Pudding. Nicht selten findet man eine Milchunverträglichkeit, auch Eier können das Ekzem verschlimmern. Trotzdem besteht großes Verlangen nach gekochten Eiern. Häufig hat das Kind Lymphknotenschwellungen und schwitzt bei der geringsten Anstrengung. Trotzdem ist es kälteempfindlich und hat schnell kalte Hände und Füße. Anstrengungen werden vermieden, etwa im Schulsport; Schwimmen fällt leichter. Das Calcium-carbonicum-Kind kann in jedem Lebensalter an Verstopfung leiden, ohne sich dadurch beeinträchtigt zu fühlen.
Hautsymptome: Feuchtes, stark juckendes Ekzem. Auch trockener, krustiger Hautausschlag, oft mehlig-weiß und blutig nach Kratzen. Ekzem schlimmer im Winter und bei nasskaltem Wetter. Neigung zu Impetigo. Ekzemschübe während der Zahnung. Fettige Haut. Rhagaden im Winter. Urtikaria, juvenile Warzen. < Bei Vollmond, Kälte, feuchtes Wetter, kaltes Wasser, Anstrengung; > Wärme.
Lycopodium clavatum
#Lycopodium clavatumNeurodermitisBei Lycopodium handelt es sich um ein sehr sensibles, auf alle Einflüsse reagierendes Kind; deswegen kommt dieses Arzneimittel schon in frühem Alter bei allen klassischen Allergien infrage. Lycopodium ist ein Mittelglied in einer von den alten homöopathischen Meistern beobachteten häufigen Mittelabfolge Calcium carbonicumLycopodiumSulphur. Es ist auch ein polymiasmatisches Arzneimittel (Psora, Sykose, Sypilinämie).
Lycopodium-Kinder sind geistig rege, aber schwache, eher ernste, nervös verspannte und skeptische Kinder, bei denen von klein auf ein Stirnrunzeln beobachtet werden kann (Foubister). Lycopodium hat Angst v. a. Neuen, Fremden, kleinsten Veränderungen, Entscheidungen. Ist auf seine Meinung und Gewohnheiten fixiert, stur und eigensinnig. In Tuchfühlung zu seiner Mama ist Lycopodium zunächst besorgt in einer unbekannten Umgebung, z. B. Kita, Kiga, Schule, hier wird geprüft, ob ihm vielleicht eine Gefahr droht. Hat er diese Anfangshemmung überwunden und fühlt er sich sicher, entspannt er sich nach und nach und kann dann begeistert mitspielen. Seine Begeisterung wirkt dann oft etwas übertrieben und aufgesetzt. Ehrgeizig, egoistisch, kritisiert andere oft ziemlich raffiniert, um sich Überlegenheit zu schaffen (Sankaran), nimmt aber Kritik an seiner Person und seinem Tun sehr übel. Als Jugendlicher ist Lycopodium oft etwas verlegen und wirkt unbeholfen, er entwickelt später eine Persönlichkeit mit gewinnendem Auftreten, perfektem Aussehen, charmant und mit geschliffener Sprache. Schon in der Kindheit sieht er oft älter aus, als er ist und hält auch gerne Kontakt zu Älteren oder Erwachsenen. Als Kind kann er sich nicht gut alleine beschäftigen. Im mitmenschlichen Kontakt zeigt er nach anfänglicher Zurückhaltung zwar Neugier an der anderen Person, aber auch eine gewisse emotionale Distanz.
Verspannt in Gegenwart Fremder, dreht nervös die Finger. Lycopodium ist eines der besten Mittel bei nervösen Gesichtszuckungen. In der Familie gibt er gerne den Ton an, und hat deutlich bestimmende bis diktatorische Züge, er kann sogar seine gesamte Familie tyrannisieren. Im Gegensatz dazu verhält er sich in fremder Umgebung vorbildlich und zeigt sich von seiner allerbesten Seite. Charakteristisch sind auch Lampenfieber und extreme Prüfungsangst trotz intensiver Vorbereitung. Lycopodium-Kinder können sehr umtriebig und anstrengend werden. Sie sind zudem gewissenhaft, perfektionistisch, häufig schon im Kindesalter, können sich dabei auch überfordern. Sie sind vergesslich und leiden oft auch an Lese- und Rechtschreibschwäche. Es bestehen viele Probleme mit dem Verdauungstrakt.
Hautsymptome: Atopische Dermatitis, juckende Ekzeme, Risse, Akne, Alopezie, Psoriasis, Sommersprossen, Vitiligo, Impetigo, Warzen.
Medorrhinum
#MedorrhinumNeurodermitisDas Medorrhinum-Neugeborene kann sehr schwach und leidend wirken. Trotzdem hat es eine große Unruhe und oft Schlafstörungen. Stillen und Ernährung gestalten sich schwierig. Der Säugling fällt durch mangelnde Gewichtszunahme auf. Er schläft bevorzugt auf dem Bauch, später auch in der Knie-Ellenbogen-Lage. Das Einschlafen ist schwierig, z. B. spielt er gerne bis in die Nacht hinein. Er schwitzt viel, v. a. nachts. Man findet viele Muttermale. Das Kleinkind ist sehr anstrengend, muss dauernd beschäftigt werden, ist aufgeweckt, sensibel, beeindruckbar. Es hat keine Hemmungen, ist sehr direkt, offen. Es gibt schnell auf und hat es immer eilig. Das Kind neigt zu Bronchitiden oder auch Asthma. Die erschwerte Atmung bessert sich beim Liegen in Knie-Ellenbogen-Lage oder auf dem Bauch. Ausfluss tritt schon bei kleinen Mädchen auf.
Man findet ausgeprägtes Verlangen nach Süßem, Salzigem, Saurem, nach Apfelsinen, Obstsäften oder Limonaden.
Im Schulalter treten zwanghafte Verhaltensweisen wie Grimassieren oder Nägelkauen sogar an den Fußnägeln auf. In der Schule ist das Kind sehr unruhig und unkonzentriert. Es hat überhaupt ein sehr wechselhaftes Verhalten:
Wut- und Zornausbrüche mit Streitsucht und Bösartigkeit wechseln mit freundlichem, offenen Verhalten. Das hitzige Temperament zeigt sich auch im Wärmeverhalten: Das Kind schwitzt sehr viel, ist immer warm, benötigt wenig Kleidung, zieht sich gern aus, ist gerne im Kalten und deckt sich nachts auf. Widersprüchlichkeit findet sich auch bezüglich der Ängste: Das Kind ist einerseits sehr extrovertiert und selbstsicher, hat andererseits viele Ängste, etwa beim Alleinsein oder im Dunkeln.
Hautsymptome: Im Säuglingsalter Windeldermatitis mit scharf abgegrenztem Erythem, mit Salben kaum beherrschbar. Stark juckende Ekzeme, v. a. bei Wärme und nachts. Das Kind kratzt bis es blutet, findet jedoch keine Erleichterung. Oft Warzen oder Mollusken, rote Nävi. < Hitze; > am Meer, nachts, bei feuchtem Wetter.
Natrium muriaticum
#Natrium muriaticumNeurodermitisEher mageres Kind, das trotz guten Appetits nicht zunimmt; es besteht ein ausgeprägtes Verlangen nach Salz. Frühgeborene oder untergewichtige Neugeborene, auch im Säuglingsalter sind sie zierlich und klein trotz guten Appetits.
Die motorische und Sprachentwicklung ist langsam und verspätet. Das Kind kann im Kindergarten- und Schulalter unbeholfen und ungeschickt sein, Dinge fallen ihm aus der Hand. Das Kind kann zurückhaltend, aber auch aufgeweckt und interessiert sein, kann sich sehr einfühlsam in eine Sache hineindenken, entwickelt eine Vorliebe für Malen, Zeichnen und Literatur. Es ist sehr eigenständig und neigt dazu, zu viel Verantwortung zu übernehmen (carc).
Es verträgt schwer Kritik, ist leicht verletzbar, sehr nachtragend. Es will keinen Trost und keine Hilfe, höchstens von der Mutter. Wenn es ihm schlecht geht, möchte es allein sein, wird still und traurig.
Es hat viele Ängste, z. B. vor Dunkelheit, vor Einbrechern, vor Schlangen, Spinnen und Insekten, Höhenangst und die Angst, etwas falsch zu machen. Das Kind hat eine Abneigung gegen Hitze, Sonne und überheizte Räume. Es isst gerne, trotzdem bleibt das Gewicht unter der Norm. Es besteht eine Neigung zur Verstopfung. Man findet Schlafstörungen, Schlafwandeln, Albträume und Enuresis nocturna. Die Pubertät kann relativ früh einsetzen. Alle Beschwerden verändern sich durch einen Aufenthalt am Meer; sie werden entweder verschlechtert oder verbessert.
Hautsymptome: Trockene Haut oder auch fettige Haut. Charakteristisch sind Ekzeme am Haaransatz und in den Gelenkbeugen – dort auch feucht, rissig, brennend. Herpesartige kreisrunde Hautausschläge. Verschlimmerung der Ekzeme im Sommer, in der Hitze und durch Schwitzen. Herpes und Risse an den Lippen. Auffallendes Symptom: Riss in der Mitte der Unterlippe. Sonnenallergie. < Etwa 10:00 Uhr vormittags, Hitze, am Meer (oder auch > am Meer); > Waschen mit kaltem Wasser (Kasuistik)
Psorinum
#PsorinumNeurodermitisDas Kind friert leicht und hat immer kalte Extremitäten und kühle Haut. Es gedeiht ungenügend. Es hat einen Mangel an Vitalität und eine verminderte Reaktionsfähigkeit: Entzündungen dauern lange, ein Ausfluss kommt immer wieder, ein hartnäckiger Husten lässt sich schwer beeinflussen usw. Ausscheidungen, Schweiß und Haut riechen unangenehm. Das Kind ist tagsüber ruhig, teilweise schläfrig, in der Nacht jedoch unruhig. Es fühlt sich nur wohl kurz vor Ausbruch einer Krankheit oder vor einem Ekzemschub.
Hautsymptome: Die Haut wirkt ungesund, schmutzig oder ungepflegt, kann schuppig, rau, rissig, rotfleckig oder fettig, ölig sein. Blutende Fissuren, Furunkel, Bläschen. Hautausschläge vermehrt im Winter. Übelriechende Hautabsonderungen. Extremer, zur Verzweiflung treibender Juckreiz: „Muss kratzen, bis es blutet“. Hautjucken wird schlimmer durch Wärme, nachts und durch Waschen. Die Wärmeverschlimmerung widerspricht der allgemeinen Frostigkeit des Psorinum-Patienten. < Im Winter, Frühjahr, Herbst, im Freien, in der Kälte; > Wärme, Ruhe, Essen.
Sulphur
#SulphurNeurodermitisIm Allgemeinen ein warmblütiges Kind, zieht sich gerne aus und läuft gerne barfuß, verträgt keine Wolle. Es hat eine auffallende Rötung der Körperöffnungen. Die Lippen sind rot, trocken oder brennend, ebenso die Nasenlöcher und Ohren. Das Kind neigt zum Wundwerden, besonders am After. Es mag keinen Wasserkontakt, protestiert beim Wickeln und Waschen.
Es hat oft Verdauungsstörungen und Durchfälle. Ekzem und Durchfall können sich abwechseln. Am späten Vormittag treten Schwäche und Ermüdungserscheinungen auf mit gleichzeitigem großem Bedürfnis nach Essen. Das Kind spielt gerne am Boden liegend – längeres Stehen ist mühsam. Es ist immer gut aufgelegt, wissbegierig, wach und interessiert, mit guter Anpassungsfähigkeit in vielen Situationen. Oft ist es sehr selbstständig und möchte alles alleine machen. Das Schulkind diskutiert gern, stellt viele Fragen, steht auch gerne im Mittelpunkt der Klasse. Es hat ein gutes Durchsetzungsvermögen. Äußerlichkeiten wie Kleidung, Aussehen oder die Meinung anderer sind dem Kind gleichgültig. Es zieht sich auch zurück und kann stundenlang lesen oder seinen Interessen nachgehen. Oft hat es Angst im Dunkeln, vor der Höhe oder um seine Eltern und andere Familienmitglieder. Typisch sind brennende Schmerzen.
Hautsymptome: Trockene und raue Ekzeme, eitrige Krusten, Pusteln, Pickel. Vesikulöse Hautausschläge zwischen den Fingern. Furunkel, Herpes, Urtikaria. Es ist fast jede Hauteffloreszenz möglich – bei Hahnemann finden wir 1969 Symptome. Ausgeprägter Juckreiz und Brennen, < nachts, in der Bettwärme, nach Kratzen und durch Waschen oder Baden. Haut kann schmutzig aussehen und unangenehm riechen. Wichtiges Mittel für Beschwerden infolge unterdrückter Hautausschläge. < 11:00 Uhr vormittags, in der Bettwärme, feuchte Hitze, durch Stehen; > Bewegung, frische Luft. (s. u. Kasuistik 1)
Thuja occidentalis
#Thuja occidentalisNeurodermitisThuja kommt besonders infrage, wenn der Beginn oder der Schub eines atopischen Ekzems oder andere Beschwerden mit einer Impfung im Zusammenhang stehen. Weitere Hinweise sind: ausgeprägte asthmatische Beschwerden, dickflüssige gelb-grüne Ausscheidungen, die sich bei kalt-feuchtem Wetter verschlimmern.
Das Kind hat einen Mangel an Selbstvertrauen, ist misstrauisch und hat verschiedene Ängste, z. B. vor Dunkelheit, vor Geistern und Fremden. Es hat eine starke Körperbehaarung, auch an ungewöhnlichen Stellen.
Häufig leidet es unter Durchfällen, Verstopfung und/oder Blähungen. Weitere Symptome sind ständiger Harndrang, teigige und blasse Haut, öliger, unangenehm riechender Schweiß und unruhiger Schlaf. Das Kind hat Verlangen nach Salz und Abneigung gegen Zwiebeln, Knoblauch und Schwarztee.
Hautsymptome: Ekzeme entwickeln sich eher an bedeckten Körperteilen, oft ringförmig, gelblich-nässend oder schuppig. Große Berührungsempfindlichkeit und Juckreiz < kaltes Baden. Nicht selten Warzen (stammnah), Mollusca contagiosa, Kondylomata, Nagelveränderungen. < Nässe, Kälte; > warmes, trockenes Wetter.
Tuberculinum
#TuberculinumNeurodermitisTuberculinum bovinum passt besser für kräftige Kinder, die gerne und viel essen, Tuberculinum Koch eher für schmale, zarte, ständig erkältete Kinder. Bei Tuberkulose in der Familiengeschichte oder nach BCG-Impfung in der Anamnese ist Tuberculinum ein Mittel in der engeren Wahl.
Das Kind kann sehr schwierig, widerspenstig und aggressiv sein, ein typischer Nein-Sager mit ausgeprägten Trotzreaktionen, kann sich aber auch nacher wieder entschuldigen („es war nicht so gemeint“). Es hat Furcht vor der Dunkelheit und vor Hunden. Typisch sind die große Ruhelosigkeit und der hohe Bewegungsdrang trotz körperlicher Schwäche. Auch nachts ist es sehr unruhig, hat wechselnde Schlaflagen, auch die Knie-Ellenbogen-Lage. Es liebt Veränderungen und das Reisen. Es erkältet sich sehr leicht und friert schnell. Häufig treten Infekte im Bronchialsystem auf mit lang anhaltendem, schwer zu beherrschendem Husten. Das Kind schwitzt leicht, hat Lymphknotenschwellungen und verlangt nach kalter Milch, Bananen, Salz, Speck und Butter.
Hautsymptome: Das Ekzem beginnt in der frühen Kindheit, ist oft ringförmig mit starker kleieartiger Abschuppung. Bevorzugte Bereiche sind behaarter Kopf und Gelenkbeugen. Der Juckreiz ist schlimmer nachts und an kühler Luft, beim Entkleiden und Baden. Er bessert sich durch äußere Wärme. < In geschlossenen Räumen, nasses und kaltes Wetter; > Bewegung, trockenes, warmes Wetter.

Homöopathische Arzneimittel bei starkem Juckreiz

Das typische Zeichen des atopischen Ekzems – der Juckreiz – kann so extrem sein, dass die Situation für den Patienten nicht auszuhalten ist. Folgende Mittel sind für ihre gute Wirkung bei starkem Juckreiz bekannt:
Alumina
#AluminaNeurodermitisBei diesem Mittel steht die große Trockenheit der Haut und Schleimhäute im Vordergrund. Folgen davon sind ein Gefühl von Eiweiß auf dem Gesicht und eine ausgeprägte Verstopfung ohne Stuhldrang. Der Juckreiz ist unerträglich, besonders schlimm in der Bettwärme. Er wird extrem verschlimmert beim Ausziehen. Der Patient kratzt, bis es blutet (ars, med, psor, …); der Juckreiz bleibt auch danach oft noch bestehen. Ältere Kinder sagen, dass nach dem Kratzen an der betreffenden Stelle Schmerzen auftreten.
→Gesicht – Spannung der Haut – Eiweiß auf dem Gesicht getrocknet, als sei (13): alum, bar-c, graph, mag-c, petr, sulph, …
→Haut – Jucken – abends – Bett, im (31): alum, calc, lyc, merc, mez, puls, sulph, …
Lachesis muta
#Lachesis mutaNeurodermitisDer äußerst heftige Juckreiz wird von einem brennenden Gefühl begleitet und führt zu Schlaflosigkeit. Verschlimmerung aller Symptome im Schlaf und morgens beim Erwachen. Unverträglichkeit jeglicher Enge, besonders beengender Kleidungsstücke am Hals und an der Taille. Die Hautaffektionen sind purpurfarben bis bläulich, bluten leicht und sind sehr berührungsempfindlich. < Wärme, linke Körperhälfte; > Bewegung, frische Luft.
→Allgemeines – Kleidung – Lockern, Lösen der Kleidung amel. (30): calc, hep, lach, lyc, nux-v, puls, sep, sulph, …
→Allgemeines – Schlaf – nach dem Schlaf – morgens beim Erwachen agg. (37): ars, calc, caust, graph, hep, lach, lyc, nux-v, phos, puls, sep, …
Mercurius solubilis
#Mercurius solubilisNeurodermitisStarker Juckreiz auch ohne Hautausschlag, besonders schlimm beim Schwitzen oder in der Bettwärme. Bläschen oder Pusteln, zur Eiterung neigend. Mercurius erkennt man oft an allgemeinen Charakteristika wie Mundgeruch und Speichelfluss, sowohl Hitze- als auch Kälteunverträglichkeit, Ruhelosigkeit, Verschlechterung in der Nacht und Eiterungsneigung. < abends, nachts, feuchtes kaltes Wetter, Hitze; > morgens, durch Kratzen (Kasuistik „Neurodermitis – fünf Monate alter Junge“).
→Haut – Jucken – Schweiß agg. (6): merc, nat-m, …
→Mund – Speichelfluss – Schlaf, im (25): arn, bar-c, lach, lyc, merc, phos, sulph, …
Mezereum
#MezereumNeurodermitisDer äußerst heftige Juckreiz wechselt beim Kratzen oft den Ort. Verschlimmerung des Juckreizes beim Ausziehen, beim Warmwerden im Bett und nach dem Kratzen. Es kann auch extremes Jucken ohne Hautausschlag auftreten. Hautausschläge vorwiegend vesikulär, herpetiform, nässend, mit eitriger Sekretion und brennenden Schmerzen. Bildung von dicken Krusten und Borken. Kälteempfindliche Patienten. < nachts.
→Haut – Jucken – Hautausschläge – ohne (20): alum, ars, graph, lach, med, merc, mez, petr, psor, sulph, …
→Haut – Hautausschläge – absondernd – Eiter (12): clem, graph, hep, lyc, mez, nit-ac, psor, sulph, …
Petroleum
#PetroleumNeurodermitisSehr trockene, rissige, kälteempfindliche Haut, tiefe Furchen und Schrunden, lederartig verdickt, schmutzig aussehend, blutend oder eiternd (graph). Bevorzugt Ausschläge an den Haut-Schleimhautgrenzen, hinter den Ohren, am behaarten Kopf, an Gelenkbeugen, Handrücken und an den Fingerspitzen. Sehr starker Juckreiz. Linderung, wenn die Haut blutig gekratzt ist. Urtikarielle Hautveränderungen werden durch das Kratzen schlimmer. Hände sehen aus wie bei Ölarbeitern. Deformierte Fingernägel. Kinder, die Petroleum benötigen, erkälten sich sehr leicht, leiden an Reiseübelkeit, reagieren auf Kohlgemüse mit Durchfall, neigen zu Blasenentzündungen und zu Enuresis. < Im Winter, Kälte.
→Rectum – Diarrhö – Kohl, nach: lyc, petr, podo
→Extremitäten – rissige Haut – Hände – Winter, im (10): merc, petr, psor, sep, sulph, …
Rhus toxicodendron
#Rhus toxicodendronNeurodermitisÜberwiegend vesikuläres Exanthem. Auch hier kann der Juckreiz so stark sein, dass gekratzt wird, bis die Haut wund oder aufgeschürft ist. Brennen, Ödeme der Hautareale und Juckreiz werden durch das Kratzen verschlechtert. Der Hautausschlag kann überhaupt durch Kratzen verursacht sein. Die Haut ist hochgradig berührungsempfindlich. Kalte Luft oder kaltes Wasser an der Haut verursachen Schmerzen. Typisch sind bläschenförmige Eruptionen und feuchte Absonderungen der Hautausschläge. < Nachts, Kälte, Nässe und Überanstrengung; > fortgesetzte Bewegung, Wärme.
→Haut – Hautausschläge – juckend – kalt – Luft, durch (10): caust, dulc, nit-ac, rhus-t, …
→Haut – Hautausschläge – Urtikaria – Winter (18): alum, ars, calc, dulc, hep, merc, mez, petr, psor, rhus-t, …
→Haut – Hautausschläge – Blasenausschlag – feucht (11): hep, lach, merc, phos, rhus-t, …
→Juckreiz beim Aufstehen oder beim Kontakt mit frischer Luft (8): dulc, hep, petr, rhus-t, rumx, sars, staph, tub, …
→Juckreiz < während der Regel (3): graph, kali-c, phos

Homöopathische Arzneimittel bei auffallender Hautmorphologie

Acidum nitricum
#Acidum nitricumNeurodermitisFissuren und Risse wie eingeschnitten, Aphthen, Ulzerationen an Körperöffnungen oder an Haut-Schleimhautgrenzen (z. B. Mundwinkel, Lippen, After, Vulva). Blutungsneigung, Absonderungen sind wund machend und stinkend. Stechende Schmerzen wie von Splittern. Große weiche, zerklüftete, gezackte oder gestielte Warzen mit dünner Oberhaut und Blutungstendenz.
Verlangen nach Fett, Salz und Fisch. Neigung zu Durchfällen. Unzufrieden, nervös, reizbar, wütend, ängstlich. Passt besonders gut bei schlanken Patienten mit dunklen Augen und dunklem Haar. < Nachts, Wetterwechsel, kaltes Wetter; > sanftes, durchrüttelndes Fahren.
→Gesicht – rissig – Mundwinkel (25): ant-c, graph, merc, mez, nat-m, nit-ac, sep, sil, …
→Haut – Warzen – gestielt (10): caust, med, nit-ac, thuj, …
Antimonium crudum
#Antimonium crudumNeurodermitisSchmerzhafte Verhornungen, Schwielen, Mollusken, Bläschen, Pustelausschlag mit Lichenifikation, tiefe Risse, gelbliches Sekret. Impetigo contagiosa. (Dorn-)Warzen, Hühneraugen, verwachsene und gespaltene Nägel. Bevorzugte Stellen: Gesicht und Füße.
Dick weiß belegte Zunge oder Landkartenzunge. Hautausschläge zugleich mit Magen-Darmstörungen, Reizmagen nach Durcheinanderessen. Verlangen nach Saurem, Obst, Gurken. Spucken der Milch bei Säuglingen.
Das Kind ist verdrießlich und unleidlich, lässt sich nicht anfassen oder ansehen. Neigung zu Widerspruch, Kratzen, Beißen. < Abends, Hitze, durch Waschen; > Ruhe, nach einem warmen Bad, frische Luft.
→Extremitäten – Hornhaut, Schwielen – Sohlen, an den (7): ant-c, ars, sil, tub, …
→Mund – Landkartenzunge (25): ant-c, ars, lach, lyc, merc, nat-m, rhus-t, sep, tarax, …
→Extremitäten – gespaltene Nägel (6): ant-c, sil, sulph
Clematis erecta
#Clematis erectaNeurodermitisKleine, konfluierende, wässrig gefüllte Bläschen, Pusteln auf geröteter Haut, die nach Aufplatzen Krusten bilden. Stechende Schmerzen und Jucken. Anfangsstadium eines Milchschorfs. Windeldermatitis, Herpes. Affiziert neben der Haut die Drüsen (geschwollen, verhärtet) und das Urogenitalsystem. < Kalt Waschen, feucht-kaltes Wetter und in Bettwärme; > in frischer Luft, beim Schwitzen.
→Haut – Hautausschläge – Blasenausschlag – stechend, fein (11): clem, nat-m, nit-ac, sil, …
→Haut – Hautausschläge – Pusteln – gelb (7): clem, merc, viol-t, …
Graphites
#GraphitesNeurodermitisWichtiges Hautmittel für Risse, Schrunden, Borken und Ekzeme mit honiggelben klebrigen Absonderungen. Neigung zu Narbenbildung und Keloiden. Spröde, verdickte, brüchige und verwachsene Nägel (ant-c). Bevorzugte Hautstellen
Ellenbeugen, Kniekehlen, Handrücken, zwischen den Zehen oder Fingern, hinter den Ohren, Augenlider, um den Mund, Brustwarzen und Anus. Das Kind ist frostig und immer hungrig, häufig dickleibig und leidet an einer trägen Verdauung. < Hitze, feucht-kaltes Wetter; > warm eingehüllt, im Dunkeln.
→Haut – Hautausschläge – absondernd – Honig, wie (2): graph, nat-p
→Haut – Hautausschläge – absondernd – klebrig (6): calc, graph, mez, …
→Augen – Hautausschläge – Lidern, an den (19): ant-t, graph, hep, mez, nat-m, psor, sars, thuj, …
Iris versicolor
#Iris versicolorNeurodermitisPusteln, Bläschen, Brennen und Jucken besonders an Kopfhaut und Gesicht. Herpes zoster mit Magenverstimmung. Sommerdurchfall bei Säuglingen und Kleinkindern. Kopfschmerzmittel, „Wochenendmigräne“. < Abends, nachts, in Ruhe, bei heißem Wetter; > sanfte Bewegung.
→Gesicht – Hautausschläge – Ekzem (52): ars, calc, clem, graph, hep, iris, lyc, mez, psor, rhus-t, sars, sulph, …
→Rektum – Diarrhö – Kindern, bei (52): aeth, arg-n, ars, calc, iris, merc, phos, podo, rheum, sulph, …
Oleander
#OleanderNeurodermitisKlebriger, nässender, schorfiger, krustiger und blutender Ausschlag am (Hinter-)Kopf und hinter den Ohren (calc, graph, petr). Heftiger Juckreiz, Haut sehr empfindlich auf Kratzen und geringstes Reiben, wird wund und aufgescheuert selbst durch Reiben der Kleidung. Juckreiz schlimmer beim Entkleiden (nat-s, nux-v, olnd, psor, rumx, tub, …). Hartnäckige Verstopfung und Hautausschläge. Chronische Diarrhö, verliert Stuhl beim Abgang von Winden (aloe, nat-s). < Reiben, morgens, beim Ausziehen; > Kratzen.
→Ohren – Hautausschläge – hinter den Ohren – feucht (22): calc, graph, lyc, mez, olnd, petr, psor, …
→Haut – Jucken – Entkleiden agg. (30): hep, mez, olnd, phos, psor, rumx, tub, …
Sarsaparilla
#SarsaparillaNeurodermitisRissiger, runzeliger, trockener Ausschlag besonders im Kopfbereich, an Händen, Füßen, Anus. Krustenbildung. Bläschenausschläge am ganzen Körper. Ausschläge, die einen wund machenden Eiter absondern. Hauptindikation: Extrem starkes Jucken. Bläuliche Hautflecke (lach). Milchschorf, Rhagaden, Analekzeme. Blasenmittel (Schmerzen am Ende des Urinierens). Passt besonders gut für magere Patienten. < Waschen, im Frühjahr, nachts, während der Menstruation.
→Haut – Hautausschläge – ausbreitend, sich (6): ars, clem, hep, psor, sars, sulph, …
→Haut – Hautausschläge – Blasenausschlag – eiternd (19): calc, graph, rhus-t, sars, sulph, …
→Extremitäten – rissige Haut – Hände – Nasswerden, durch (15): calc, petr, puls, rhus-t, sars, sep, …
Viola tricolor
#Viola tricolorNeurodermitisAngezeigt bei verschorfendem Ekzem am behaarten Kopf, im Gesicht und bei Impetigo. Dicke Krusten, eitrig, stinkend und nässend. Haare verfilzt. Gesicht heiß und schwitzend nach dem Essen. Starker Juckreiz. Urin riecht nach Katzenurin. < Winter, nachts im Bett, 11:00 Uhr morgens.
→Kopf – Hautausschläge – Ekzem – feucht (25): bar-c, calc, graph, hep, mez, psor, rhus-t, sars, sulph, viol-t, …
→Haut – Hautausschläge – Impetigo (35): ars, dulc, graph, hep, iris, rhus-t, sars, viol-t, …

Kasuistiken

Kasuistik

Neurodermitis – neun Monate alter Junge (Maria Bormann)

Pedro S., ein neun Monate alter Säugling, wird wegen eines schweren atopischen Ekzems vorgestellt. Bis zum dritten Monat war der Junge gesund, die Haut sei wunderschön gewesen.

Anamnese

Etwa ab der zwölften Woche Beginn der Krankheit mit einem ausgedehnten Milchschorf. Der anfangs extrem dicke, krustige Belag der Kopfhaut erstreckte sich allmählich auf Stirn, Augenbrauen und Gesicht. Dann folgten Hauterscheinungen an Armen, Beinen, Bauch und Rücken. Zum Zeitpunkt der Anamnese ist der ganze Körper, Windelbereich ausgenommen, befallen. Das schlimmste ist der Juckreiz: Er reibt und kratzt fast pausenlos. Schlimmer, wenn ihm warm ist, sobald er aufwacht bzw. ausgezogen wird. Wenn es kühl ist oder im kühlen Badewasser juckt es deutlich weniger.
Sein Schlaf ist auffallend leicht, er erwacht von geringsten Geräuschen. Auch tagsüber schläft er wenig und selten fest und tief. Im Schlaf sind die Augen nur halb geschlossen. Er schläft häufig auf dem Bauch, manchmal in Knie-Ellenbogen-Lage, selten auf dem Rücken.
Beim Trinken ist er sehr unruhig und lässt sich leicht ablenken. Er schwitzt sehr viel, besonders auf dem behaarten Kopf und auf der Stirn. Sobald er schwitzt, fühlt er sich nicht wohl. Im Winter hat er kalte Füße und kalte Beinchen. Im Sommer hat er Schweißfüße. Die direkte Sonne ist ihm sehr unangenehm.
Die Mutter hat lange voll gestillt. Jetzt bekommt er Gemüse- und Obstbreie, Zwieback, Bananen und auch schon mal Brot. Wegen der Haut noch keine Kuhmilch. Er isst mit großem Appetit unverdauliche Dinge wie Papier, Holzstückchen, Sand u. ä. Der Stuhlgang strengt ihn sehr an. Häufig hat er kleinen, kugelförmigen Stuhl.
Die körperliche Entwicklung war altersgerecht bzw. etwas früher als normal: Stehen mit neun Monaten, im dritten Monat Drehen vom Bauch auf den Rücken. Erster Zahn mit sechs Monaten ohne größere Probleme. Zwei leichte fieberhafte Infekte waren nach wenigen Tagen problemlos überstanden. Mehrmals Aphthen an der Mundschleimhaut. Sonst bisher keine anderen schwerwiegenden Krankheiten.
Bei der Untersuchung fallen die durchsichtigen, klebrigen, z. T. scharfen Absonderungen, besonders ausgeprägt am Hals und an den Wangen auf.
Familienanamnese: Vater und Großvater mütterlicherseits Heuschnupfen, Mutter: Zellveränderungen der Cervix uteri, Großmutter mütterlicherseits Mammakarzinom, Schwester des Vaters Diabetes mellitus Typ I.

Repertorisation I

→Augen – offen – halb offen (61): bell, cupr, merc. nat-m, op, …
→Schlaf – Erwachen – Geräusch, durch ein leises (38): asar, ign, merc. op, …
→Stuhl – Schafskot, wie (82): alum, merc, nat-m, nit-ac, schop, sep, …
→Kopf – Schweiß am behaarten Kopf
→Kopf – Schweiß – Stirn (148): calc, calc-sil, led, merc., op, phos, sars, verat, …
→Mund – Aphthen – Kinder, bei (29): borx, calc, kali-b, merc, …
→Magen – Verlangen – unverdauliche Dinge (24): alum, calc-, cal-p, lach, sil, …
→Haut – Jucken – warm werden, agg. (32): merc. phos. r. puls. sulph, …
→Kopf – Hautausschläge – Krusten und Schorfe (96): bevorzugt Unterrubriken verwenden

Verordnung und Verlauf I

Pedro bekommt Mercurius solubilis C 30. Fünf Wochen später bestehen folgende Symptome: Infekt mit Temperaturerhöhung, Husten, Schnupfen und etwas Durchfall. Nach erster Mitteleinnahme etwa 14-tägige Verschlimmerungsphase mit vielen Juckattacken. Die Haut sieht etwas besser aus. Erneute Gabe von →Mercurius solubilis C 30.
Nach weiteren vier Wochen, Mitte Oktober: Die Haut juckt schlimm, sobald der Säugling ausgezogen wird. Ekzem am Körper leicht gebessert. Grünlich-gelber Durchfall bei insgesamt gutem Allgemeinzustand. Verordnung von Mercurius solubilis C 200. Follow-up vier Wochen später: Nach der Einnahme wurde die Haut gut, allerdings hält die Verbesserung nicht sehr lange an. Nach drei bis vier Wochen wieder Verschlimmerung der Beschwerden. →Mercurius solubilis C 200.
Im Dezember erfolgt ein mehrwöchiger Kuraufenthalt. Die homöopathische Behandlung wird in der dritten Januarwoche mit folgenden Symptomen wiederaufgenommen: Die Haut ist sehr wechselhaft, im Gesicht erträglich. Brust und Rücken einigermaßen erträglich. Arme und Beine sind sehr schlimm. Juckreiz immer noch sehr stark. Insgesamt ein sehr warmes Kind. Die Kälte macht ihm in diesem Winter überhaupt nichts aus. Er isst sehr gierig. Auffallendes Verlangen nach Kartoffeln. →Wechsel auf Sulphur Q 1 (täglich ein Teelöffel), danach auf Sulphur Q 2 (täglich ein Teelöffel). Anfang März ist die Haut relativ gut. Alle ehemals aufgekratzten Hautstellen sind abgeheilt. Er kratzt sich noch immer beim Ausziehen →Sulphur C 30.
Sechs Wochen später wird der fieberhafte Infekt mit bellendem Husten mit einem Akutmittel →Belladonna C 30 behandelt. Unter Belladonna ist der Infekt schnell abgeklungen. Ekzemstellen noch an Kinn, Armen, Beinen und am Hals. Ansonsten guter Hautbefund →Sulphur C 30.
Vier Wochen später, im Juni, wird Pedro im Urlaub in Italien schwer krank: Fieber, Exazerbation des atopischen Ekzems mit eitrigen Absonderungen und massiven Schwellungen der Halslymphknoten. Unter der Verdachtsdiagnose Eczema herpeticatum wird Pedro in die Hautklinik eingewiesen. Behandlung mit Zovirax, Antibiotika, Paracetamol und Lokaltherapie. Mitte Juli nimmt die Mutter die homöopathische Behandlung wieder auf. Sie ist nicht zufrieden. Es besteht wieder viel Juckreiz, einzelne Hautareale sind stark befallen. Neu sind Risse hinter den Ohren. Außerdem sind Verdauungsbeschwerden aufgetreten: Auffallend viel Blähungen und Auftreibung des Bauches nach dem Essen, besonders aber abends. Viel Appetit, v. a. nachmittags. Er trinkt sehr wenig. Wenn, dann in kleinen Schlucken. Das Hautjucken wird schlimmer, sobald Pedro schwitzt.

Repertorisation II

→Ohren – Hautausschläge – Risse (7): calc, chel, graph, m-ambo, mag-c, sep, teucr
→Magen – Durst – kleine Mengen, auf (50): lach, lyc, sil, sulph, …
→Haut – Jucken – schwitzende Teile (26): cham, lyc, mang, …
→Magen – Appetit – vermehrt – nachmittags (18): lyc, nat-c, nux-v, psor, sep, …
→Abdomen – Auftreibung – abends (48): ant-c. bry. lyc, hell, sep, sulph, …
→Abdomen – Auftreibung – Essen, nach agg. (101): kali-c, lyc nux-v, sulph, …

Verordnung und Verlauf II

Zunächst wird Lycopodium C 200 verabreicht. Einen Monat später wird für vier Monate eine Eigenblutbehandlung durchgeführt. Erneute Konsultation nach Abschluss dieser Behandlung: Das Hautbild hat sich sehr beruhigt. Juckreizattacken kommen kaum noch vor. Pedro hat sich entwickelt: er ist lebhaft, aufgeschlossen, neugierig, interessiert. Sehr warmes Kind, zieht sich gerne aus, deckt sich im Bett auf, Frühaufsteher, gegen Mittag ist er kaputt und hungrig.
Die homöopathische Behandlung wird wiederaufgenommen: Zunächst bekommt Pedro wieder Sulphur C 30. In den nächsten sechs Monaten wird Sulphur bis zum Sommer in höheren Potenzen gegeben (bis zur C1 000) – allgemein sehr guter Hautzustand; Pedro kratzt sehr wenig, kleine punktuelle Hautveränderungen kommen immer wieder vor, mal am Fuß, mal an der Hand. Im Herbst wird für eine Bronchitis Hepar sulfuris C 30, danach C 200 verkleppert verordnet. Danach wird Pedro mit zwei weiteren Sulphur-Gaben in der C 1000 weiter behandelt.

Beurteilung

Diese schwere Form eines atopischen Ekzems wurde mit wenigen Mitteln – hauptsächlich mit Mercurius, Sulphur und Lycopodium – erscheinungsfrei. Pedro ist bis heute, vier Jahre nach Therapieabschluss, ohne Beschwerden. Er hat zwei- bis dreimal jährlich einen Infekt mit Husten und Schnupfen. Keine schweren Bronchitiden, keine asthmoiden Verläufe.

Kasuistik

Neurodermitis – fünf Monate alter Junge (Maria Bormann)

Anamnese

Vorstellung von André B. im Alter von fünf Monaten wegen eines generalisierten atopischen Ekzems. Beginn der Hautveränderungen mit etwa acht Wochen, zunächst auf Augenbrauen und Stirnhaargrenze beschränkt. Diese Areale wurden langsam trocken, bildeten gelbe Krusten und lösten sich ab. Dann langsame Ausbreitung auf Arme, Beine und Rumpf. Der Windelbereich blieb frei. An den Streckseiten der Arme und Beine sind kreisrunde, rote, erhabene Hautveränderungen aufgetreten. Sehr viel Juckreiz, besonders schlimm beim Entkleiden.
Sehr unruhiger Schlaf. Er kratzt und schabt sich im Bett. Er hat die Augen oft halb geschlossen, ohne dass er schläft. Beim Einschlafen sehr häufiges Zusammenzucken. Auch beim Stillen unruhig und zappelig.
In der Schwangerschaft hatte die Mutter viel Kummer und Sorgen wegen ihres Hauses. Sie hat sich innerlich aufgeregt, aber mit niemanden darüber gesprochen. Im Wochenbett hat sie viel geweint, ohne sich jemandem anzuvertrauen. Andre wurde fünf Wochen zu früh geboren. Die Wehen begannen, nachdem die Mutter gestürzt war. Wegen Lungenunreife Entwicklung eines Atemnotsyndroms. Beatmung über drei Tage.
Andre wird noch voll gestillt. Er dreht sich noch nicht vom Rücken auf den Bauch oder vom Bauch auf den Rücken. Das Kopfheben begann sehr verspätet. Abgesehen von den unruhigen Nächten ist er ein stilles Kind. In den ersten drei Monaten hat er extrem viel geschlafen, jetzt schläft er eher zu wenig.
Die Familienanamnese ist unauffällig.

Repertorisation

→Allgemeines – Gehen – Gehen lernen, Laufen lernen, spätes (35): bar-c, calc, calc-p, caust, nat-m, sanic, sil, …
→Extremitäten – Zucken – Schlaf – Einschlafen, beim (9): agar, ars, bell, ign, kali-c, …
→Augen – offen – halb offen (61): bell, cupr, merc. nat-m, op, …
→Haut – Jucken – Entkleiden agg. (30): hep, mez, nat-c, nat-m, nat-s, nit-ac, olnd, phos, psor, rumx, tub, …
Trotz ausführlicher Anamnese fällt die Repertorisation relativ spärlich aus. Zu berücksichtigen ist jedoch unbedingt:
  • Ehemaliges Frühchen

  • Kummer und Traurigkeit der Mutter in der Schwangerschaft und während des Wochenbetts

  • Kreisrunde Ekzemstellen an den Streckseiten

Verordnung und Verlauf

André bekommt im April: Natrium muriaticum C 30. Vier Wochen später ist die Haut noch an den gleichen Stellen befallen, aber sie ist weniger rot und weniger erhaben. Allgemeinzustand gut. Es wird noch einmal Natrium muriaticum C 30 gegeben. Vier Wochen danach, im Juni ist der Zustand wie folgt: André ist freundlich und mobil. Die Haut ist insgesamt viel besser, weniger erhaben. Die Beinchen sind sauber, Bauch und Rücken sind sehr trocken, das Gesicht noch deutlich gerötet. Kratzt sich noch immer. Verordnung: Natrium muriaticum C 200. Nach weiteren sechs Wochen: Kratzt sich deutlich weniger. Geht zum Säuglingsschwimmen, ist sehr gerne im kalten Wasser. Verordnung: Natrium muriaticum C 200. Vier Wochen später: Die Haut ist relativ gut. Restbefunde am linken Ellenbogen, in der linken Kniekehle, rechte und linke Schulter und an den Wangen. Die Mutter fährt mit dem Kind zur Kur. Diese war beantragt worden, als die Neurodermitis sehr schlimm war. Jetzt ist ein Kuraufenthalt fast nicht mehr notwendig. Die Mutter tritt sie trotzdem an. Während der Kur tritt ein akuter Infekt mit Husten und Schnupfen, der mit Belladonna C 30 behandelt wird.
Zwei Monate späterzeigt sich ein deutlicher Strabismus divergens (weiteres Symptom für Natrium muriaticum). Verordnung: Natrium muriaticum C 200. Fünf Monate später: Die Haut ist sehr gut. Strabismus in augenärztlicher Behandlung. Sprachentwicklung immer noch verzögert. Verordnung: Natrium muriaticum C 1000.
Im Laufe der folgenden Jahre wird André hin und wieder wegen fieberhafter Infekte, Warzen und vorübergehendem Stottern behandelt. Die Haut blieb symptomfrei. Nachbeobachtung fünf Jahre.

Literatur

Abeck and Schnopp, 2002

D. Abeck C. Schnopp Was ist sinnvoll zur Prävention, was ist gesichert? Pädiatrie hautnah 2 2002 54 57

Abeck, 2014

Abeck D. Durch Basispflege Neurodermitis verhindern? Vortrag auf dem 2. Frankfurter Pädiatrietag 2.11.2014.

Abeck, 2002

D. Abeck Neue Optionen bei Neurodermitis (Interview) Pädiatrie hautnah 4 2002 152 155

Ahrens et al., 2009

R. Ahrens ULLAs Praxis, die Umsetzung der Leitlinie Atopische Dermatitis in die Praxis. Eine Neurodermitis-Initiative der AG Neurodermitis der GPA Pädiatrische Allergologie 12 2 2009 24 36

Altmeyer, 2016

P. Altmeyer Die Online Enzyklopädie der Dermatologie, Venerologie, Allergologie und Umweltmedizin 2016 Springer Verlag http://www.enzyklopaedie-Dermatologie.de/artikel?id=1106 (Zugriff 28.11.2016)

at (arznei-telegramm), 2003

at (arznei-telegramm) Behandlung der atopischen Dermatitis A-t 34 4 2003 35 38 und 34 (5): 53–4

Bauer, 2002

C.P. Bauer Stufenschema der Therapie des atopischen Ekzems im Kindes- und Jugendalter Päd 8 2002 280 288

Bromberg et al., 2000

A. Bromberg A. Svensson M.P. Borres R. Berg Atopic dermatitis in 5–6-year-old Swedish children: cumulative incidence, point prevalence, and severity scoring Allergy 55 2000 1025 1029

Chandra et al., 1989

R.K. Chandra Influence of maternal diet during lactation and use of formula feeds on development of atopic eczema in high risk infants BMJ 299 6693 1989 228 230

Cooke et al., 2016

Alison Cooke S. Danby Olive Oil, Sunflower Oil or no Oil for Baby Dry Skin or Massage: A Pilot, Assessor-blinded, Randomized Controlled Trial (the Oil in. Baby SkincaRE [OBSeRvE] Study) Acta Derm Venereol 96 2016 323 330

Danby et al., 2013

S.G. Danby Effect of olive and sunflower seed oil oft he addult skin barrier: implications of the neonata skin care Pediatr Dermatol 30 1 2013 42 50 10.1111/j.1525–1470.2012.01865.x Epub 2012 Sep 20

DermIS Dermatology Information System, 2016

DermIS Dermatology Information System Bildatlanten DOIA und PeDOIA mit Diagnosen und Differentialdiagnosen, Fallbeispielen, etc. Eine Kooperation der Abteilung für Klinische Sozialmedizin (Universität Heidelberg) und der Hautklinik Erlangen (Universität Erlangen-Nürnberg) http://www.dermis.net/dermisroot/de/home/index.htm (Zugriff 28.11.2016)

Eichenfield et al., 2009

L.F. Eichenfield A. McCollum P. Msika The benefits of sunflower oleodistillate (SOD) in pediatric dermatology Pediatr Dermatol 26 6 2009 669 675

Gdaevich et al., 2001

M. Gdaevich Breast-feeding and the risk of bronchial asthma in childhood: a systematic rewiew with meta-analysis of prospective studies J Pediatr 139 2 2001 261 266

Gieler et al., 2001

U. Gieler Kinder und Neurodermitis 2. A. 2001 Verlag im Kilian Marburg

Gieler et al., 2001

U. Gieler Neurodermitisschulung – Ein neues Behandlungsprogramm zur sekundären Krankheitsprävention Dtsch Ärztebl 48 2001 2517 2521

Goddard and Lio, 2015

A.L. Goddard P.A. Lio Alternative, complementary, and forgotten remedies for atopic dermatitis Evid Based Complement Alternat Med 2015 2015 676 897

Kalliomäki et al., 2001

M. Kalliomäki Probiotics in primary prevention of atopic desease: a randomized placebo-controlled trial Lancet 357 2001 1076 1079

Kramer and Kakuma, 2012

M.S. Kramer R. Kakuma Maternal dietary antigen avoidance during pregnancy or lactation, or both, for preventing or treating atopic disease in the child Cochrane Database Syst Rev 12 9 2012 CD000133

Lange and Rietschel, 2014

L. Lange E. Rietschel Neurodermitis bei Kindern. Consilium Dermatologie update Sonderausgabe 2014 CME www.infectopharm.com

Leung, 2000

D.Y.M. Leung Atopic dermatitis: new insights and opportunities for therapeutic intervention J Allergy Clin Immunol 105 2000 860 876

McHenry et al., 1995

P.M. McHenry Management of atopic eczema. Joint Workshop of the British Association of Dermatologists and the Research Unit of the Royal College of Physicans of London BMJ 310 6983 1995 843 847

Reese, 2002

I. Reese Welche Diät ist bei der Neurodermitis die richtige? Pädiatrie hautnah 8 2002 376 379

Ring et al., 2001

J. Ring Atopic eczema and allergy Curr Allergy Rep 1 2001 39 43

Ruß,

V. Ruß Neurodermitis, Haut in Bedrängnis Pharmazeutische Zeitung online, Ausg. 14/2016 http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=62763 (Zugriff 28.11.2016)

Schäfer et al., 1997

T. Schäfer Maternal smoking during pregnancy and lactation increases the risk for atopic eczema in the offspring J Am Acad Dermatol 36 1997 550 556

Schmidt-Fuchs,

Schmidt-Fuchs R. Neurodermitis: Darm-assoziiertes Immunsystem in die therapeutischen Überlegungen einbeziehen. NaturaMed 200; 16(1): 16–17.

Schmincke, 2002

C. Schmincke Behandlung der Neurodermitis mit Chinesischer Medizin NaturaMed 17 5 2002 24 25

Strathmann, 2002

A.G. Strathmann Nachtkerzensamen-Öl bei Neurodermitis Päd 8 2002 384

Van Odijk et al., 2003

J. Van Odijk I. Kull M.P. Borres P. Brandtzaeg Breastfeeding and allergic disease: a multidisciplinary review of the literature (1966–2001) on the mode of early feeding in infancy and its impact on later atopic manifestations Allergy 58 9 2003 833 843

Vonarburg, 2001

B. Vonarburg Zistrose kuriert entzündliche Hautbeschwerden Naturheilpraxis 8 2001 1215 1216

Werfel et al., 2008

T. Werfel W. Aberer M. Augustin Leitlinie Neurodermitis AWMF online: AWMF Leitlinienregister Nr. 013/027 2008 S2 Erstellungsdatum: 04/2008, letzte Überarbeitung: 03/2015

Homöopathische Literatur

Allen, 1993

J.H. Allen 3.A. Die chronischen Krankheiten Bd. 1–2 1993 Verlag Renee von Schlick Aachen

Bertoli, 2016

R. Bertoli Materia Medica für die Praxis 2016 Peter Irl Buchenrain

Boenninghausen, 2000

Cv Boenninghausen Boenninghausens therapeutisches Taschenbuch Revidierte Ausgabe 2000 Sonntag Stuttgart

Eichler, 1996

K. Eichler Neurodermitis: erfolgreich behandelt durch klassische Homöopathie 1996 Barthel & Barthel Verlag Berg

Foubister, 1999

D.McD. Foubister Homöopathisches Tutorium der Kinderheilkunde. Lernen, Üben und Behandeln 1999 Sonntag Stuttgart

Frei, 2014

H. Frei Die Polaritätsanalysein der Homöopathie 2014 Narayana Verlag Kandern

Gupta and Manchanda, 2005

R. Gupta R.K. Manchanda Textbook of Dermatology for Homoeopaths 2005 B. Jain Publishers New Delhi

Hahnemann, 2000

S. Hahnemann Die chronischen Krankheiten 2000 Hahnemann Institut Greifenberg

Hahnemann, 1992

S. Hahnemann Organon der Heilkunst Textkritische Ausgabe der 6.A., bearb. u. hrsg. von Josef M. Schmidt 1992 Haug Heidelberg

Hauptmann, 1994

H. Hauptmann Homöopathie in der Kinderärztlichen Praxis 2. A. 1994 Haug Heidelberg

Imhäuser, 1982

H. Imhäuser Homöopathie in der Kinderheilkunde 5.A. 1982 Haug Heidelberg

Laborde and Risch, 1998

Y. Laborde G. Risch Die hereditären chronischen Krankheiten 1998 Müller & Steinicke München

Leduc, 1990

H. Leduc Kranke Kinder homöopathisch behandeln 1990 Droemer Knaur München

Lippe, 1996

A. Lippe Grundzüge und charakteristische Symptome der homöopathischen Materia Medica 1996 Burgdorf Göttingen

Murphy, 2008

R. Murphy Homöopathie und Brustkrebs Deutsche Gesellschaft für Miasmatik in der Homöopathie DGMH, Seminar Frankfurt 2008

Sankaran, 2000

R. Sankaran Die Seele der Heilmittel 2000 Narayana Kandern

Schroyens, 1998

F. Schroyens Synthesis Edition 7 1998 Hahnemann Institut Greifenberg

Voegeli, 1996

A. Voegeli Leit-und wahlanzeigende Symptome der Homöopathie 4.A. 1996 Haug Stuttgart

Zandvoort, 2000

R v Zandvoort Complete Repertory, deutsch und englisch Mac Repertory v. 5.6.1.Roger van Zandvoort 2000 Kent Homeopathic Associates Inc San Rafael

Zandvoort and Grinsven, 2016

Rv Zandvoort Ev Grinsven Complete Dynamics Master vers www.completedynamics.com 2016

Heuschnupfen (Pollinosis)

Michael Drescher

Grundlagen

Dieser Heuschnupfen, welcher den darunter Leidenden die schönsten Monate des Jahres erheblich beeinträchtigen, entwickelt sich prinzipiell in jedem Lebensabschnitt. Lange Zeit sah man das erste Auftreten eines Heuschnupfens etwa ab dem Zeitpunkt der Einschulung. Der Verfasser arbeitet seit mehreren Jahrzehnten intensiv allergologisch und beobachtet in den letzten Jahren eine zunehmende Tendenz zur Erstmanifestation inhalativer Allergien bereits in der zweiten Pollenflugsaison des Lebens (Kasuistik „Frühe Manifestation“). Interessant ist, dass offensichtlich der Geburtsmonat das Rhinitisrisiko beeinflussen kann. So ist die Erkrankungswahrscheinlichkeit sowohl für eine atopische wie für eine nicht-atopische chronische Rhinitis bei den im Mai und Juni Geborenen am höchsten (Sibbald 1989).
Die von deutschen Universitätskliniken durchgeführte prospektive, kontrollierte multizentrische Allergiestudie (MAS-90), welche 1314 Kinder vom Zeitpunkt ihrer Geburt zehn Jahre lang beobachtete, hat gezeigt, dass Heuschnupfen schon ab dem zweiten Lebensjahr kontinuierlich zunimmt und im siebten Lebensjahr bereits 17 % der Kinder betrifft.
Die frühkindlichen intestinalen Sensibilisierungen gegen Kuhmilch und Hühnereiweiß gelten als Wegbereiter späterer respiratorischer Allergien. Auch wenn diese sich zunächst als allergische Rhinokonjunktivitis oder Sinusitis an den oberen Atemwegen manifestieren, können sie potenzielle Vorläufer eines atopischen Asthmas (9.3) sein (sog. EtagenwechselEtagenwechsel, Allergien). AllergienEtagenwechselDieses Phänomen erinnert ein bisschen an die in der Homöopathie geltenden Hering-Regeln (3.7), welche die Vektoren eines korrekten homöopathischen Heilungsfortschritts durch die Körperetagen beschreiben, kurzgefasst: von oben nach unten und von innen nach außen, sowie in der umgekehrten Reihenfolge ihres Entstehens. Zumindest die Entstehung und Ausbreitung eines atopischen Syndroms kann ziemlich volatil verlaufen und unterliegt keinem starren Schematismus.

Klinik

HeuschnupfenKlinikDie Pollinosis tritt in unserer mitteleuropäischen Klimazone entsprechend dem Blühkalender der bei uns allergierelevanten windbestäubenden Pflanzen als saisonale allergische Konjunktivitis bzw. Rhinokonjunktivitis sowie in Form eines allergischen Pollenasthmasauf. Dabei ist bei uns mit einer aktiven Pollensaison ab dem Beginn der Haselblüte im Januar zu rechnen, dicht gefolgt von weiteren Frühblühern wie Erle, Pappel, Weide, Esche und v. a. Birke. Mitte April bis Mitte Mai erreicht der Heuschnupfen mit der Gräser- und Getreideblüte die große Mehrheit der Betroffenen, um sich dann je nach persönlicher Disposition bis zu den später blühenden Unkräutern wie Ampfer, Wegerich, Brennnessel, Beifuß noch bis Anfang September hinzuziehen. Das aus USA eingeschleppte, sich in Europa zunehmend ausbreitende Traubenkraut (Ambrosia artemisiifolia, „Ragweed“) blüht bei uns von Anfang August bis zur Frostperiode. Zahlreiche einheimische Gräser- und Getreidearten sind untereinander kreuzreagierend. Zu den bekannten Kreuzreaktionen und Antigengemeinschaften von Pollen und Nahrungsmitteln 9.4.
Der aktuelle Pollenausstoß eines Tages ist in hohem Maße von klimatischen und meteorologischen Faktoren beeinflusst. So fördert eine windige, warme, trockene Witterung sowohl den Ausstoß aller Pollen als auch den Flug der Pollen windbestäubter Pflanzen über Hunderten von Kilometern. Eine effektive Allergenkarenz ist unter diesen Umständen kaum möglich. Nur Hochgebirgs- und Seeklima gelten noch als relativ pollenfrei. Schadstoffbelastete Luft kann einerseits die allergene Potenz der Pollenproteine erhöhen, andererseits die Empfindlichkeit der Schleimhäute auf Allergene generell heraufsetzen.

Studien

HeuschnupfenStudienEine Reihe aktueller Studien bestätigt die relative geringe Allergierate in osteuropäischen und Entwicklungsländern, bei Landkindern und Kindern mit Haustieren, Kollektiven also, die im Vergleich mit mitteleuropäischen Stadtkindern einerseits von Anfang an mehr Kontakt mit verschiedensten Keimen und Allergenen haben und andererseits nicht mit übertriebener Hygiene verwöhnt werden und deren Immunsystem somit von klein auf gut trainiert wurde.
Die in der ALEX (Allergie und Endotoxine)-Studie an über 10 000 Kindern in Deutschland, der Schweiz und Österreich erhobenen Daten belegen, dass Bauernkinder wesentlich weniger von Allergien betroffen sind. Durch den Kontakt mit Tierställen und die Ernährung mit unbehandelter Kuhmilch reduziert sich das Risiko für Allergien und Asthma um 75 % gegenüber dem Durchschnitt. Kinder von Müttern, die sich während der Schwangerschaft in den Ställen aufhielten, haben eine nochmals verminderte Atopierate (Mutius 2002).
In der Ostschweizer Gemeinde Grabs wurden seit Jahren die Allergieerkrankungen aller Schulkinder registriert und ihr soziales Umfeld aufgezeichnet. Es wurde nachgewiesen, dass keines der Kinder von Vollerwerbsbauern mit Viehstall und Heuwirtschaft Heuschnupfen aufwies, gegenüber 15 % der Kinder von Nichtbauern (Wüthrich 2015). Das Ergebnis ist somit mit ALEX vergleichbar.
Die Schulanfängerstudie West/Ost (SAWO) untersuchte seit 1991 über zehn Jahre die Prävalenz von Inhalationsallergien (Birken-, Graspollen, Hausstaubmilben) im RAST (Radio-Allergo-Sorbent-Test). Es ergab sich eine Zunahme des Heuschnupfens parallel mit der Zunahme der Einzelkinder sowie der Schadstoffbelastung durch den Straßenverkehr. Neben genetischen Faktoren spielen besonders Umweltfaktoren für die Entstehung allergischer Erkrankungen eine Rolle. Dies belegte u. a. auch eine Studie über das seltenere Auftreten von Atopien bei Kindern in Familien mit einem anthroposophischen Lebensstil, bei dem weniger geimpft, seltener Antibiotika gegeben und regelmäßig fermentierte Nahrungsmittel mit Lactobacillus-Kulturen (9.4) angeboten werden (Alm et al. 1999).

Diagnostik

Die Antwort auf die Frage, gegen welche Pollenart der Patient allergisch reagiert, gibt bereits der Blick auf den Beschwerdemonat und der Abgleich mit einem Pollenkalender vor. Verifiziert werden die anamnestisch erhobenen Daten durch
  • einen Hauttest mit der Prick-Technik und

  • bei Unstimmigkeiten zwischen Anamnese und Pricktest zusätzlich durch Bestimmung des spezifischen IgE im Serum in RAST-Klassen 1 bis 4

  • oder in kUnits pro Liter mit der CAP-Methode (Cap-Klassen 0 bis 6).

Info

Bei fehlender Übereinstimmung verschiedener Testmethoden ist den anamnestischen Angaben sowie dem klinischen Bild der Vorzug gegenüber Haut- oder Labortests zu geben. Ob sich eine vorhandene Allergiebereitschaft überhaupt manifestiert, hängt von der Gesamtbelastung ab, der der Organismus unterliegt (2.2.3). Die genannten Allergietests sind übrigens keine geeigneten Verlaufsparameter für die Beurteilung des Behandlungserfolgs, da ihre Ergebnisse auch bei klinischer Besserung oft weiter positiv bleiben können.

Mit Ausnahme der Provokationstestung mit dem nativen Allergen, welche erfahrenen allergologischen Einrichtungen vorbehalten bleibt, stellen alle anderen Allergietestverfahren, insbesondere auch die Alternativmethoden (s. u.) lediglich ein relativ unscharfes, modellhaftes Abbild der komplexen Antigen-/Antikörper-Interaktion dar, u. a. auch deshalb, weil die Allergenexposition hierbei nicht wie die Allergenprovokation auf dem physiologischen Weg erfolgt. Alle Testmethoden weisen generell eine Tendenz zu falsch positiven und unspezifischen Resultaten auf und müssen daher mit Umsicht bewertet werden. Daraus abgeleitete überzogene therapeutische Konsequenzen haben schon manche Allergiebehandlung ad absurdum geführt und dem Patienten das Leben durch unnötige Therapien oder Karenzauflagen zusätzlich erschwert. In den ersten beiden Lebensjahren sind generell klinische und anamnestische Beobachtungen den Testungen vorzuziehen.
Die Bestimmung der relevanten Pollenallergene dient in erster Linie dem Informationsbedürfnis und kann eine Hilfe bei der Beobachtung der Pollensaison und der Pollenflugwarnungen in den Medien sein. Auch die Auswahl einer geeigneten Urlaubsregion wird durch das Studium von regionalen Blühkalendern erleichtert.
Aus der unbefriedigenden Situation heraus, dass alle atopischen und allergischen Erkrankungen als „schulmedizinisch nicht völlig ausheilbar“ gelten, hat kaum eine andere Patientengruppe so viele Test- und Behandlungsansätze aus den verschiedensten Disziplinen hervorgebracht. Akupunktur, Elektroakupunktur nach Voll (EAV), Bioresonanz, Ernährungs-, Energie-, Eigenblut-, Farb-, Fußzonenreflex-, Mikrobiologische Therapie, angewandte Kinesiologie, unspezifische Gegensensibilisierung nach Theurer, Verzehr von Blütenpollen (was für Pollenallergiker gefährlich werden kann!) seinen beispielhaft genannt. Wundermethoden gibt es auch hier nicht, aber einige können auf ihre Weise auf verschiedenen Ebenen etwas zur Verbesserung der gestörten Reaktionslage beitragen. Deutlich positive Effekte von allerdings meist beschränkter Dauer, die sich dann auch nach erneuter Anwendung reproduzieren ließen, hat der Verfasser bei der Anwendung der Eigenblut- und Bioresonanzbehandlung gesehen (s. u.).

Konventionelle Therapie

Antiallergika

AntiallergikaHeuschnupfenHeuschnupfenAntiallergikaHeuschnupfenkonventionelles HeuschnupfenmanagementAntiallergika sollen die Kaskade der allergischen Antigen-Antikörper-Reaktion (9.4.1) unterbrechen oder bereits aufgetretene Symptome abschwächen, indem sie einen entgegen gerichteten Wirkungsmechanismus in Gang setzen. Schon Galen von Pergamon, Leibarzt Marc Aurels, kreierte das Motto: „contraria contrariis“. Aus homöopathischer Sichtweise „similia similibus“ stellen solche Maßnahmen Unterdrückungen der peripheren Symptomatik einer eigentlich tiefer liegenden Störung dar.
  • Eine Palliation der allergischen Symptomatik am peripheren Endorgan durch Einsatz von H1-Rezeptorenblockern auch der neueren Generation, sog. AntihistaminikaAntihistaminika, sind schon wegen möglicher kardialer, ZNS-und anderer Nebenwirkungen für die Anwendung bei Kindern nur mit größter Vorsicht einzusetzen. Es ist unbedingt auf die Alters- und Dosisbeschränkungen der einzelnen Präparate zu achten. Das individuelle Ansprechen auf Antihistaminika ist sehr unterschiedlich. Immer wieder hat der Verfasser beobachtet, dass Patienten mehr Nebenwirkungen als Wirkungen feststellen mussten. Topische Antihistaminika für Augen und Nase (z. B. Livocab®, Allegodil® Augentropfen, Nasenspray) sind lokal palliativ und aufgrund der Applikationsform weniger mit generalisierten Nebenwirkungen belastet.

  • Die Anwendung topischer oder systemischer Kortikoide, insbesondere Depotkortikoide, verbietet sich aufgrund ihrer lokalen und Allgemeinwirkung sowie durch Beeinflussung der Hypophysen-Nebennierenhormon-Achse in einem wachsenden Organismus.

  • Abschwellende vasokonstriktorische Rhinologika haben den Nachteil des unangenehmen Rebound-Effektes nach nur kurzer Wirkdauer und einer Schleimhautatrophie nach längerer Anwendung.

  • Präparate vom Typ der Dinatriumcromoglicinsäure DNCG blockieren die Freisetzung des spezifischen IgE aus den Mastzellen der Schleimhäute. Aufgrund des speziellen Wirkungsmechanismus mit nur sehr geringem antientzündlichem, also unterdrückendem Potenzial, relativ geringer Nebenwirkungsrate und guter Toleranz erscheint speziell DNCG noch am wenigsten kontraproduktiv zu einer homöopathischen Behandlung zu sein (z. B. Vividrin® Nasenspray, Augentropfen), wenn wirklich einmal allopathische Zusatzmaßnahmen notwendig sein sollten.

Hyposensibilisierung

HyposensibilisierungFür eine lege artis durchzuführende spezifische Desensibilisierung ist die genaue Kenntnis und Selektion der zu therapierenden Allergene eine Grundvoraussetzung. Für die rein homöopathische Behandlung dagegen ist die Bestimmung der Pollenarten eher von untergeordneter Bedeutung.
Bei der spezifischen Immuntherapie (SIT), welche als Hypo- oder Desensibilisierung durchgeführt wird, handelt es sich nicht um ein die Symptome unterdrückendes Verfahren. Subkutane (SCIT) Verabreichungen von an Aluminiumhydroxyd oder Tyrosin gebundenen Allergenextrakten oder sublinguale (SLIT) Einnahmen von Tabletten oder Tropfen aus standardisiertem Pollenextrakt sollen in absteigenden Verdünnungsreihen den Organismus für den Kontakt mit dem natürlichen Allergen konditionieren. Auf den ersten Blick mag hier eine vermeintliche Anlehnung an das Ähnlichkeitsprinzip der Homöopathie vorliegen. Auch hier wird mit Verdünnungsstufen gearbeitet, jedoch mit wesentlich unterschiedlicheren als in der Homöopathie. So erhöht sich im Verlauf homöopathischer und isopathischer Kuren der Verdünnungsgrad, während in den Desensibilisierungsreihen die Konzentration des Allergens von Applikation zu Applikation bis an die individuelle Toleranzgrenze gesteigert wird. Letztlich sind der Herstellungsprozess und das Procedere völlig anders, es fehlt v. a. der entscheidende Vorgang der Potenzierung.
Die Extrakte der verschiedenen Hersteller enthalten alle, bedingt durch den Herstellungsprozess, fremde Beimischungen. Leider fehlt noch eine allgemein verbindliche herstellerübergreifende Standardisierung der Allergengehalte, selbst zwischen verschiedenen Chargen desselben Herstellers.
Nach der subkutanen Injektion von Allergenextrakten muss mindestens 30 Minuten lang in der Praxis überwacht werden, wie gut der einzelne allergische Patient und v. a. ein ungleich reaktionsfreudigeres Kind die jeweilige Verabreichung toleriert. Zum Teil unangenehme Lokalreaktionen können aber auch noch bis zu 12 Stunden später auftreten. Der anwendende Arzt braucht Erfahrung und Ausrüstung für den anaphylaktischen Notfall. Schwere systemische Reaktionen ereignen sich bei bis zu 5 % der Patienten (Nettis et al. 2002). Bei Kindern soll es allerdings bei weniger als 0,1 % der Injektionen zu systemischen Reaktionen kommen (DGAI 2000). Der Verfasser kann aus der Praxis diese niedrige Quote nicht bestätigen und rät zu größter Wachsamkeit bei Progredienz zunächst harmloser Lokalreaktionen.
Nicht selten kommt es schon im Verlauf der in der Regel dreijährigen Desensibilisierung zu einer Allergieausweitung gegen weitere Pollenarten, die eine Modifikation der Behandlung bzw. die Zuschaltung weiterer Desensibilisierungsserien notwendig machen.
Generell kann eine sichere Prognose über den Erfolg der sich über mehrere Jahre erstreckenden Behandlung für den einzelnen Patienten nie sicher abgegeben werden. Das gilt insbesondere auch für die immer wieder propagierte, aber kontrovers diskutierte sublinguale Immuntherapie (SLIT), eine für die Kinder von der Applikationsform her sicher angenehmere Art der Hyposensibilisierung (Canonica et al. 2003, Eng 2002, Nelson 2003). Das Nebenwirkungsrisiko ist angeblich gering, obwohl manche die rasche Steigerung bis auf die „Enddosis“, die ja durchgehend drei Jahre gegeben werden soll, nicht vertragen.
Unter optimalen Bedingungen werden in der zweiten und dritten Saison bei vielen Desensibilisierten die Beschwerden geringer und manche, aber lange nicht alle, werden auch beschwerdefrei.
Seit dem Jahr 2006 sind in Deutschland Gräserpollen-Tabletten (Oralair®, Grazax®) zugelassen, eine Spielart der SLIT in neuartiger Galenik als Lyophilisat mit fixem Allergenextrakt. Klinische Erfahrungen zur Anwendung bei Kindern unter fünf Jahren liegen derzeit noch nicht vor. Sehr häufig werden bei der Anwendung lokale allergische Reaktionen im Mund und an den anderen Endorganen der Pollenallergie berichtet (AT 2015). Wenn in der ersten Pollensaison keine relevante Besserung festgestellt wird, ist keine Indikation zur weiteren Fortsetzung mit den Pollentabletten mehr gegeben.

Unterstützende Maßnahmen

Akupunktur

Akupunktur ist eine bei Allergien gut wirksame Behandlungsmethode und kann v. a. im akuten Schub entlastend und medikamentensparend eingesetzt werden. Während einer klassisch-homöopathischen Behandlung sollten allerdings andere energetische Verfahren pausieren, bzw. die Reizstärke deutlich zurückgenommen werden bzw. auf „Light“-Anwendungen wie dosierbare Laserakkupunktur, Akupressur oder Shiatsu reduziert werden.
Um eine unter Umständen doch primär palliativ wirkende Therapie zu vermeiden, hat der Verfasser inzwischen diese und andere Methoden „aus der Grauzone“ zugunsten der klassischen Homöopathie ganz verlassen.

Allergenkarenz

HeuschnupfenAllergenkarenzPollenkontakt zu vermeiden ist wegen der Ubiquität der aerogenen Heuschnupfenallergene nur sehr eingeschränkt möglich.
  • Schließen der Fenster in der Hauptpollenflugzeit – auf dem Land meist vormittags, in der Stadt abends.

  • Sport im Freien und Rasenmähen in dieser Zeit mit Vorsicht.

  • Keine Wäsche draußen trocknen, durch Adhäsion konzentrieren sich die Pollen darauf.

  • Die Kleidung nicht im Schlafzimmer wechseln.

  • Haare erst abends waschen.

  • Die Räume regelmäßig feucht reinigen.

  • Pollenschutzgitter (z. B. tesa Protect®) in die Fenster spannen.

  • Pollendichte Schutzfilter ins Auto, in den Staubsauger und den Raumlüfter einbauen.

  • Urlaubswahl im Hochgebirge oder an der Küste mit auflandigem Wind.

Weitere unterstützende Maßnahmen

  • Zur Entlastung des Immunsystems während der Pollensaison Karenz der evtl. beim Patienten schon bekannten anderen Allergene, z. B. aus dem Nahrungsmittelbereich insbesondere der mit Pollen kreuzreagierenden Nahrungsmittelallergene (9.4). Wenn nichts Spezifisches bekannt ist, lohnt der zeitlich begrenzte Versuch einer Karenz der bei uns am häufigsten vorkommenden Grundallergene Kuhmilcheiweiß, Hühnereiweiß, Weizen, Nüsse, Zitrusfrüchte.

  • Eine Nahrungsmittelergänzung mit Vitamin C plus Bioflavonoide (Rutin, Hesperidin, Citrin u. a. auch als Vitamin P bezeichnet), welche synergistisch mit Vitamin C dessen pharmakokinetische Eigenschaften verbessern, erhöht die Widerstandskraft auch gegenüber Allergien (z. B. Kombinationspräparat Vitamin C + Bioflavonoide Dr. Wolz®).

  • Echinacea (9.2.4)

  • Stillen und Hypoallergene Ernährung zur Allergieprophylaxe (9.4)

  • Bioresonanzmethode: Nach dem Erklärungsmodell der Biokybernetik sollen hierbei körpereigene pathologische elektromagnetische Schwingungen durch das Dagegensetzen einer spiegelbildlich invers geschalteten Schwingung gleichsam „ausgelöscht“ werden. Bioresonanz hat v. a. in akuten Phasen besonders bei Kindern oft einen zeitlich begrenzten palliativen Effekt auf Allergien und andere Beschwerden. Eine dauerhafte konstitutionelle Stärkung ist von dieser Methode nicht zu erwarten.

Homöopathische Behandlung

Heuschnupfen aus homöopathisch-medizinhistorischer Sicht

Die erste klinische Schilderung eines Heuschnupfens stammt von dem persischen Arzt Mahammad ben Zakaryia al-razi (825–925 v. Chr.). Aus der Neuzeit gibt es von Botallus (1565) eine erste Beschreibung des „Rosenfiebers“ mit der typischen Symptomatik Kopfschmerzen, Niesreiz, starkes Nasenjucken. Im 18. Jahrhundert mutmaßte der englische Pharmakologe William Cullen, dessen „Treatise of the materia medica“ Hahnemann 1790 ins Deutsche übersetzte, dass ein bei vielen Apothekern auftretendes Asthma von dem Umgang mit Kräutern herrührte. In seinen eigenen Schriften hat Hahnemann den Heuschnupfen nicht expliziert erwähnt.
Noch zu Hahnemanns Lebzeiten, im Jahr 1819, trug John Bostock, einer seiner ersten Anhänger im „Schnupfenland“ England, der Royal Medical Society in London eine Schilderung seiner eigenen, seit dem 8. Lebensjahr alljährlich auftretenden Beschwerden vor. Über die auslösende Ursache konnte auch er nur spekulieren. Später beschreibt er 28 weitere Fälle aus ganz England und nannte dieses Phänomen „hay fever“.
Es sollte noch bis 1873 dauern, als Charles H. Blackley, ebenfalls englischer Homöopath, durch Provokations- und Hauttests nachweisen konnte, dass es der Blütenstaub bestimmter Pflanzen ist, der die beschriebenen Reaktionen auslöst: „Der Heuschnupfen gilt als aristokratische Krankheit. Unter den Ungebildeten sieht man ihn – wenn überhaupt – äußerst selten. Farmer bekommen keinen Heuschnupfen, obwohl sie doch am intensivsten mit Heu in Berührung kommen“.
Der amerikanische Homöopath und Autor Eugène B. Nash wurde seinen eigenen Heuschnupfen nie ganz los. 1887 schildert er seine Probleme damit. Es sind die frühesten Zeugnisse einer homöopathischen Behandlung:

„Ich war 30 Jahre lang von Heuschnupfen geplagt. Manchmal konnte ich mich davon befreien und er kam nicht wieder bis zur gleichen Zeit im nächsten Jahr, das war so um den 20. und 23. August. Wenn ich das homöopathische Mittel gefunden hatte, das meinen Fall in dem betreffenden Jahr komplett abdeckte, dann war ich die Beschwerden los für diese Saison und zwar vollständig und rasch. Lachesis heilte mich in einem Jahr, sogar während eines Ausrittes über das Land, welches die denkbar schlechteste Unternehmung war, die ich machen konnte, wenn ich daran litt. Die Indikation war einfach die, dass, wenn ich mich hinlegte und ein Schläfchen machte, sei es tagsüber oder nachts, sich meine Beschwerden immer dann fürchterlich verschlimmerten, wenn ich aufwachte. In diesem betreffenden Jahr heilte mich Lachesis. und es heilte mich innerhalb drei Stunden, sodass ich befreit war von allen Symptomen, die ich hatte.“

„Ein Jahr später wurde ich durch Gelsemium geheilt und blieb vergleichsweise verschont von den gewohnten Juni-Attacken. Der Anfall kam immer morgens mit einer prickelnden und wässrigen Absonderung, welche charakteristisch ist für das Mittel. Seitdem hatte ich diesen Zustand nicht mehr oder nur in sehr leichtem Grad, und auch dann half mir Gelsemium. Im folgenden Jahr wurde ich durch Carbo vegetabilis geheilt. Das Symptom war Schmerz und extremes Prickeln in der Nase. Ich litt fürchterlich darunter. Und ich befürchtete schon, dass ich, wenn ich mein Medikament nicht hätte, jedes Jahr in die Berge fliehen müsse, um die Beschwerden loszuwerden. Denn dort war ich vollständig frei davon […]. Ein anderes Jahr wurde mir durch Sticta pulmonaria gänzlich geholfen. Der Schmerz war damals in der Stirnhöhle. Ich konnte das Naselaufen überhaupt nicht stoppen, so profus war es. In diesem Fall hörte es auf, sobald bei mir das Mittel wirkte. Wenn ich spürte, dass ein Anfall da war, studierte ich sorgfältig die Symptome und nahm das richtige Medikament.“

(Übers. d. Verf.)

Die klinisch-wissenschaftliche Erforschung des Phänomens der Sensibilisierung und der speziellen Form der Reaktion von Sensibilisierten auf einen erneuten Kontakt sowie die Abgrenzung von Infektionen gelang den Wiener Kinderärzten Clemens v. Pirquet und Béla Schick. Sie führten auch 1906 erstmals den Begriff „Allergie“ in den Sprachgebrauch der Medizin ein (aus dem Griechischen ἄλλοϚ [allos], fremdartig, und ἔργον [ergon], die Tätigkeit). „Wir brauchen ein neues, allgemeines, nichts präjudizierendes Wort für die Zustandsänderung, die der Organismus durch die Bekanntschaft mit irgend einem organischen, lebenden oder leblosen Gifte erfährt“ (Pirquet 1906). Die Pathomechanismen der allergischen Reaktionsformen sind in den immunologischen Lehrbüchern dargestellt (9.4 Literaturverzeichnis). Einen gründlichen historischen Abriss der homöopathischen Allergiebehandlung bringt auch Christian Lucae (9.4 Literaturverzeichnis).

Konstitutionelle Behandlung

Die atopischen Erkrankungen wie Neurodermitis, Nahrungsmittelallergie, Heuschnupfen, Asthma sind immer Symptome eines insgesamt und chronisch gestörten Menschen und dürfen nicht als isolierte Phänomene betrachtet werden. Die alljährlich auftretenden Schübe von Heuschnupfen, Asthma, Nahrungsmittelallergiestellen die Reaktion einer geschwächten Konstitution auf einen gemeinhin harmlosen, jetzt aber zu groß gewordenen oder zusätzlichen Belastungsfaktor dar. Allergische Manifestationen sind besonders an den Endorganen Augen, Atemwege, Haut, Schleimhäute und Verdauungstrakt augenfällig. Schon Hahnemann spricht sich im Organon in den Paragraphen über die „Local-Uebel“ (Organon, §§ 185–203) ausdrücklich gegen eine ausschließlich lokal ausgerichtete Behandlung solcher Erkrankungen aus:

„Jede ächt ärztliche Behandlung eines, fast ohne Beschädigung von außen, an äußern Theilen des Körpers entstandenen Übels, muß daher auf das Ganze, auf die Vernichtung und Heilung des allgemeinen Leidens, mittels innerer Heilmittel gerichtet seyn, wenn sie zweckmäßig, sicher, hülfreich und gründlich seyn soll.“

(Organon § 190)

„Durch diese bloß innerlich gegebene Arznei (und wenn das Übel erst kürzlich entstanden war, oft schon durch die erste Gabe) wird dann der gemeinsame Krankheitszustand des Körpers, mit dem Local-Uebel zugleich aufgehoben, und letzteres mit ersterem zugleich geheilt, zum Beweise, dass das Local-Leiden einzig und allein von einer Krankheit des übrigen Körpers abhing und nur als ein untrennbarer Theil des Ganzen, als eins der größten und auffallendsten Symptome der Gesammtkrankheit anzusehen war.“

(Organon § 193)

Diese konstitutionelle Behandlung mit dem individuellen Mittel, ausgewählt nach der Totalität aller Symptome, stellt wie bei allen chronischen Erkrankungen stets den homöopathischen Goldstandard dar. Um dieses Mittel zu finden, muss die Gesamtheit aller wichtigen individuellen Symptome des Patienten in einer umfassenden Anamnese erfasst und repertorisiert werden. Dabei sind in erster Linie die Symptome heranzuziehen, die fernab vom Herd des Heuschupfengeschehens liegen, es sei denn, es gibt ein besonders auffälliges, ungewöhnliches Symptom speziell im Bereich der Allergie. Je besser das konstitutionelle Mittel gewählt ist und je weniger der chronische Heilungsprozess durch unpassenden Mittelwechsel oder Einsatz palliativer Medikation gestört ist, desto eher kann das Behandlungsziel erreicht werden.
Miasmatische Aspekte
Aus miasmatischer Sicht handelt es sich bei allergischen Schüben am ehesten um „ein Product auflodernder, bisher im Innern schlummernder Psora, welche im Begriff ist, sich zu einer offenbaren, chronischen Krankheit zu entwickeln“ (Organon, § 194). Die Psora repräsentiert das Hauptmiasma für allergische Erkrankungen. Je nach Färbung und Zusammensetzung der individuellen Symptomatik und der Art und Weise, wie die Symptome vom Patienten empfunden und geäußert werden, kommen Aspekte der anderen Miasmen mit ins Spiel. So können ausgeprägte Nasenbeschwerden, Sinusitis und Bluthusten Ausdruck des syphilitischen und Bronchialsymptome, Hautausschläge, Infektionen an aufgekratzten Hautstellen Ausdruck des sykotischen Miasmas sein. John Henry Allen und Yves Laborde, die Symptome und ihre Mittel den Miasmenbegriffen von Hahnemann zuordneten und diese weiterentwickelten, betrachten den Heuschnupfen der ererbten Psora oder der Tuberkulinie zugehörig, aufgepfropft mit einer latenten erworbenen Sykosis. Denkbar ist auch ein eigenständiges Allergiemiasma („Allerginie“) als Kombination aus Psora und Sykose (1.7.2).

„Die eigentliche Natur des Heufiebers ist uns noch unbekannt. Es ist wahrscheinlich die Manifestation einer chronischen Krankheit, eine Kundgebung der Psora, und kann nur durch antipsorische Behandlung geheilt werden. Oftmals haben wir gesehen, wie Heufieber zu einer bestimmten Jahreszeit durch ein schnellwirkendes Mittel behoben wurde, um kurz darauf wiederzukehren, und dann bedurfte es meist eines anderen Mittels. Hört das Heufieber auf, müssen wir mit Allgemeinbehandlung einsetzen. Da treffen wir bei gehöriger Beobachtung Symptome an, die total verschieden sind von denen des akuten Anfalls.“

(Kent, Arzneimittelbilder, Allium cepa)

Behandlungsbeginn während oder außerhalb der Heuschnupfensaison
Die homöopathische Behandlung kann sich hinsichtlich der Potenzhöhe der infrage kommenden Mittel unterscheiden, je nachdem ob der Patient während oder außerhalb der Heuschnupfensaison die Behandlung beginnt (Tab. 9.1).
Sinnvoll ist der Beginn der konstitutionellen Behandlung außerhalb der Heuschnupfensaison (Tab. 9.1).
Das aus der Gesamtanamnese gefundene Arzneimittel wird dann nach der Kent-Skala (3.3.2) in Hochpotenzen und in größeren Abständen das ganze Jahr übergegeben. Der Behandlungsbeginn mit dem chronischen Mittel kann ohne weiteres mit einer C 30- oder C200-Potenz auch während der Pollenzeit erfolgen.
Nach der Erfahrung des Autors reagiert der Heuschnupfen besonders empfindlich auf das dem Symptomenbild größtaffine Mittel, gleichermaßen bei der akuten wie der chronischen Behandlung. Liegt das Mittel nur etwas daneben (Simile), wird sich nur eine geringe Besserung zeigen. Schon in der ersten Blühsaison unter konstitutioneller Therapie sollte eine deutliche Linderung des Heuschnupfens erreicht sein. Nach ca. zwei bis drei Jahren Konstitutionsbehandlung sollte der Heuschnupfen auf ein Minimum der ursprünglichen Stärke zurückgegangen sein. Nur gelegentliche Durchbrüche an bestimmten Tagen mit überdurchschnittlichem Pollenflug sind dann noch akzeptabel.

„Für Heufieber ist nur sehr schwer ein passendes Heilmittel zu finden. Diese Krankheit ist das Zeichen einer minderwertigen Konstitution, die gebessert werden müsste, bevor das Heufieber beginnt; ein Ausdruck von Psora, die einmal im Jahr zum Ausbruch kommt. Wenn man sich einige Jahre Zeit lässt, kann man bei den meisten Kranken die psorische Konstitution ändern, aber nicht mit einer einzigen Kur. Darum sollte man die Hoffnung nicht zu früh aufgeben.“

(Kent, Arzneimittelbilder)

Homöopathische Arzneimittel: Umstimmungsmittel und isopathische Mittel

Falls dieser klassische Weg nicht eingeschlagen werden kann, bestehen mit Umstimmungsmitteln und Isopathie weitere Behandlungsmöglichkeiten. Auf diese Behandlungsarten spricht ein überraschend hoher Patientenanteil mit noch nicht lange bestehender Allergie und noch nicht stark ausgeprägter Symptomatik an.
Homöopathische Umstimmungsmittel
homöopathische ArzneimittelUmstimmungsmittelBei nicht konstitutionell Behandelten kann mit folgenden Mitteln – schon präsaisonal bzw. kosaisonal gegeben – versucht werden, die Allergiebereitschaft günstig zu beeinflussen.
  • Acidum formicicum Amp. D 200 (DHU) als Umstimmungsmittel: ab ca. sechs Wochen vor dem Pollenflug 3 × 1 Amp. s. c. injiziert in wöchentlichem Abstand.

  • Acidum formica/Formica rufa Amp. D 30 (DHU): alle 7–14 Tage eine Amp. s. c. während dem Pollenflug, oder, ebenfalls kosaisonal, Acidum formic./Formica rufa D 30: 5 Globuli morgens und Histaminum D 30: 5 Globuli abends.

  • Psorinum C 1000: 2 Globuli, eine einmalige Gabe im Winter spätestens vier Wochen vor dem Pollenflug, wenn sonst kein klares Mittel gefunden wird (Kent).

  • Galphimia glauca (eigentlich Malpighia, von Wilmar Schwabe 1967 neu für die Homöopathie entdeckte mittelamerikanische Strauchpflanze) als D 6–D 12 prophylaktisch (d. h. bei Pollenwarnung), als D 3 oder D 4 therapeutisch (d. h. wenn bereits Beschwerden aufgetreten sind).

    Galphimia ist eine Art antiallergisches palliatives Universalheilmittel, eine „unspezifische Desensibilisierung“ (Dorcsi) bei allergischen Reaktionen im Haut/Schleimhautbereich: Rhinitis vasomotorica, Niesen, Tränenfluss, Konjunktivitis, Chemosis, Asthma, Exantheme, Kontaktallergien, Wetterfühligkeit, Heuschnupfen. Eine sehr einfache und bei vielen Patienten gut bewährte Möglichkeit, den Heuschnupfen symptomatisch zu lindern, und dies ohne Repertorisation.

  • Auch Echinacea D 3 (Sonnenhut) mehrmals am Tag 5 Globuli oder Tr. kosaisonal hat wegen seiner antiallergisch/antientzündlichen Potenz schon erstaunliche Wirkungen gezeigt. Der Verfasser empfiehlt es allerdings nicht zur Prophylaxe und nicht für den Langzeitgebrauch.

Isopathie
  • homöopathische Arzneimittelisopathische MittelPollennosoden (Firma Arcana) als Dilution in LM 6, LM 12, LM 18 nacheinander, jede Potenz für ca. 2–4 Wochen präsaisonal mit täglich 2 Tr. in Wasser eingerührt geben.

  • Eigenblutnosode modifiziert nach Hedwig Imhäuser:

    • Präsaisonal: täglich 5 Tr. nüchtern auf die Zunge, beginnend mit der C 5, dann alle 2–4 Wochen um 1–2 Potenzstufen erhöhen, ab C 7 kann die Einnahmefrequenz auf 1–3 × wöchentlich reduziert werden.

    • Kosaisonal: beginnend mit C 7 1–3 × pro Woche 2–5 Tr., Alle 2–4 Wochen die Potenz erhöhen. Einnahme bis zum Ende der Pollensaison. Wir haben bei Langzeitproblemen in Einzelfällen schon bis zur C 20 erfolgreich weitertherapiert. Wir haben in Einzelfällen schon bis zur C 20 erfolgreich weitertherapiert.

Selbstherstellung der potenzierten oralen Eigenblutnosode: In ein braunes 50-ml Apothekerfläschchen werden 100 Tr. (das entspricht etwa 2,7 ml) 25-prozentiger Alkohol eingefüllt. Dazu gibt man 1 Tr. venöses oder kapillares Blut des Patienten. Das Fläschchen mit dieser Mischung wird kurz geschüttelt und dann fünfmal – entsprechend der Vorschrift von Hahnemann – auf eine elastische Unterlage (Buch, Handfläche) geschlagen. Fertig ist die C 1-Potenz. Dieses Fläschchen wird dann ausgegossen. Durch Adhäsion bleibt an den Glaswänden eine Menge zurück, die in etwa wieder einem Tropfen entspricht. Man gibt wiederum 100 Tr. (= 2,7 ml) jetzt 60-prozentigen Alkohol dazu, schlägt wieder fünfmal auf die Unterlage und bekommt somit eine C-2-Potenz. Man gießt wieder aus, gibt wieder 100 Tr. Alkohol dazu, schlägt fünfmal und erhält die C 3. So geht es weiter bis zur gewünschten Stufe. Man notiert die Potenz und die Einnahmevorschrift auf dem Fläschchen und gibt es dem Patienten mit. Die Fläschchen sollten zu Hause im Kühlschrank aufbewahrt werden.
Es empfiehlt sich, bei Auftreten der ersten Heuschnupfensymptome eine neue Eigenblutnosode herzustellen, da die Behandlung wirksamer ist, wenn sie mit akut „krankheitsbelastetem“ Blut durchgeführt wird.
Mit potenziertem Eigenblut hat der Verfasser gute Erfolge bei Heuschnupfen und anderen Atemwegsallergien, Keuchhusten, Warzen und allgemeiner Infektanfälligkeit gesehen, mit potenziertem Eigenurin, welcher auf die gleiche Weise hergestellt wird, auch bei rezidivierenden Harnwegsinfekten und allergischen Exanthemen und Ekzemen. Diese Methoden sind auch gut und problemlos zusätzlich zu anderen Maßnahmen in das Angebot einer sonst konventionell ausgerichteten Praxis integrierbar. Bei konstitutionell Behandelten rate ich allerdings von einer gleichzeitigen Anwendung ab.

Homöopathische Arzneimittel und Repertoriumsrubriken: individuelle Therapie der Lokalsymptome

Außer der RepertoriumsrubrikenHeuschnupfenKonstitutionsbehandlung lässt sich mit einem nach dem Ähnlichkeitsprinzip ausgesuchten symptomatischen Akutmittel eine Linderung der z. T. außerordentlich lästigen Beschwerden erreichen. Dies kommt z. B. infrage bei Patienten, die bisher noch nicht effektiv konstitutionell behandelt werden konnten. Eine weit stärker unterdrückende Medikation, z. B. mit Antihistaminika, lässt sich so meist vermeiden. Die wichtigsten für eine Heuschnupfenbehandlung infrage kommenden Mittel finden sich im Repertorium unter der großen, aber brauchbaren Sammelrubrik →Nase – Schnupfen – allgemein – jährlich – Heuschnupfen (143 Mittel), im Synthesis→Nase – Heuschnupfen (134 Mittel), welche konstitutionelle und symptomatische Mittel vereint, darin von Künzli als in der Praxis besonders gut bewährt und durch Punkte hervorgehoben: Arsenicum, Gelsemium, Lycopodium, Natrium muriaticum, Pulsatilla.
Die vom Patienten angegebenen individuellen Symptome und ihre dazugehörigen Mittel werden in den Rubriken und Unterrubriken der jeweiligen Organkapitel der Repertorien aufgesucht.
→Augen – Reizung der Augen (36): ars, caust, lyc, med, nat-m, phos, puls, …
→Augen – Entzündung – akute (31): acon, apis, calc, euphr, puls, sulph, …
→Augen – Entzündung – Bindehautentzündung (194): bevorzugt Unterrubriken verwenden
→Augen – gerötet – Conjunctivae injiziert, voller dunkler Blutgefäße (62): acon, nat-m, bell, euphr, ars, nuv-v, gels, lyc, …
→Augen – Juckreiz – Canthi – innere (101): euphr, puls, nux-v, euphr, wye, lyc, …
→Augen – Tränenfluss – Schnupfen, bei (24): all-c, ars, euphr, gels, nat-m, naphtin, nat-m, nux-v, sabad, …
→Augen – Entzündung – Bindehautentzündung – Chemosis, mit (38): acon, apis, vespa, euphr, lach, nat-m, rhus-t, …
→Nase – Absonderungen – wässrig (200): bevorzugt Unterrubriken verwenden
→Nase – Absonderungen – dick (162): bevorzugt Unterrubriken verwenden
→Nase – Verstopfung – allgemein (305): bevorzugt Unterrubriken verwenden
→Nase; Jucken, Kitzeln – innerlich (145): bevorzugt Unterrubriken verwenden
→Mund – Juckreiz – Gaumen (43): nux-v, puls, sabad, wye, arund, …
→Ohren – Juckreiz – äußeres Ohr – Gehörgang, äußerer (19): agar, arund, sabad, …
→Ohren – Juckreiz – Tuba auditiva, Eustachische Röhre (17): agar, nux-v, arund, calc, sil, petr, …
Repertorisiert werden die genauen Lokalsymptome, Begleitsymptome, Modalitäten, Beschaffenheit der Absonderungen und auch allgemeine Umstände wie Witterungseinflüsse sowie auffallende Gemütssymptome etc. Dann wird das Mittel gewählt, dessen Eigenschaften die größtmögliche Ähnlichkeit mit der vom Patienten geschilderten Symptomatik aufweist.
Es sei nochmals ausdrücklich betont, dass durch eine solche in erster Linie klinische Betrachtungsweise oft nur eine Palliation der Symptome bewirkt werden kann, es sei denn, was immer wieder vorkommt, das gefundene lokale Mittel ist gleichzeitig das Konstitutionsmittel der Person.
Bei konstitutionell Behandelten kann bei sehr starken Beschwerden während eines passageren Symptomschubs ausnahmsweise einmal ein solches symptomatisches Mittel – idealerweise ein Komplementärmittel zum Konstitutionsmittel – gegeben werden. Vorsicht aber bei gegenseitigen Antidoten! (Bläsig-Jäger 1996). Unter einer laufenden konstitutionellen Behandlung mit Hochpotenzen bevorzugt der Verfasser, wenn ein akutes Adjuvans notwendig wird, die Gabe von Niedrigpotenzen bis D12 bzw. C12.
Tritt der Heuschnupfen während einer konstitutionellen Behandlung auf und nimmt so vollständig Besitz vom Patienten, dass er für die Zeit des Pollenflugs die anderen Symptome des Patienten verdrängt, kann man ihn während der Saison mit dem jetzt am besten passenden symptomatischen Mittel in höheren Potenzen z. B. ab C30 behandeln, um danach für den Rest des Jahres wieder zum eigentlichen Konstitutionsmittel zurückzukehren. Bei der Hochpotenzbehandlung ab C30 ist die lange potenzielle Wirkungsdauer zu beachten – in der Regel mindestens 35 Tagen ab Einnahme.
Nachfolgend wird eine Auswahl der wichtigsten Heuschnupfenmittel mit ihrer lokalen Symptomatik vorgestellt. Schon durch die Hauptcharakteristika des Schnupfens – etwa überwiegend Fließ- oder Stockschnupfen, die Beschaffenheit der Absonderungen, die genaue Lokalisation des Juckreizes – lassen sich die Schnupfenmittel grob differenzieren. Mithilfe einer vereinfachenden indikationsbezogenen Tabelle lässt sich das akute Heuschnupfenmittel evtl. schon rasch bestimmen (Tab. 9.2). Dabei sind die aufgeführten Symptome eines Mittels fakultativ zu verstehen, d. h., sie müssen nicht alle gleichzeitig vorhanden sein. Die weiteren Eigenschaften wie Modalitäten, Ätiologie und Gemütssymptome müssen mithilfe der Materia medica (23.2) überprüft werden, um das vollständige Symptomenbild zu ergänzen und bestätigen.
Die im Folgenden eingestreuten Repertoriumsrubriken und die genannten Mittel sind nicht nur nach Keynotes, sondern nach ihrer Heuschnupfenrelevanz ausgewählt.

Homöopathische Arzneimittel und Reperteroriumsrubriken bei überwiegend wässrigem Fließschnupfen

Allium cepa
#Allium cepaHeuschnupfenWässriger RepertoriumsrubrikenHeuschnupfenFließschnupfen mit möglicherweise wund machendem Nasenfluss und eher leichtem und mildem Augentränen. < Im Zimmer, > im Freien. Niesen, z. B. bei Eintritt in ein warmes Zimmer, und Husten möglich. (Komplementär zu phos – laut Hubbard das „chronische all-c“–, puls, sars). Unschwer lassen sich Allium cepa und das bei Heuschnupfen etwas häufiger wirksame Lokalmittel Euphrasia (s. u.) durch ihre gegensätzlichen Organsymptome und Modalitäten unterscheiden.
→Nase – Schnupfen – allgemein – Luft – frischer, in – amel. (69): acon, all-c, ars, euphr, iod, nux-v, phos, puls, ran-b, thuj, …
Interessant ist auch die Rubrik für die seltenere Blumen- und Rosenallergie (12): all-c (4-wertig), psor, ros-d, sab, tub, wye, …
Euphrasia officinalis
#Euphrasia officinalisHeuschnupfenFließschnupfen mit noch stärkerer oder ausschließlicher Augensymptomatik als all-c. Die Augen können regelrecht in Flüssigkeit schwimmen („Augentrost“). Die Tränen brennen an den Lidern. Die Bindehäute bieten das Bild einer allergischen Konjunktivitis, sind gerötet, gefäßinjiziert, jucken, schmerzen und sind lichtempfindlich. Blinzeln. Fließschnupfen mit vergleichsweise eher mildem Nasensekret < im Freien, im kühlen Wind, > im warmen Zimmer, also die umgekehrten Modalitäten wie Allium cepa. Auch hier sind Husten und Auswurf möglich.
→Augen – Schmerzen – allgemein – Luft – Freien, im – agg. (35): clem, euphr, glon, kali-bi, nat-m, merc-s, merc-c, sep, sil, spig, …
→Nase – Absonderungen – wässrig – im Freien agg. (20): ars, dulc, euphr, iod, nat-m, nit-ac, phos, puls, sabad, sulph, thuj, zinc, …
Arsenicum album
#Arsenicum albumHeuschnupfenWund machender Fließschnupfen, Haut besonders über der Oberlippe durch das Nasensekret gereizt. Niesen, < v. a. draußen, dabei Brennen von Nase und Augen. Die Nase wirkt ständig verstopft, wund und geschwürig. Ruhelos; verfroren. < nach Mitternacht, Kälte und Feuchtigkeit, > Wärme. Durst auf häufige kleinere Mengen. Der Patient wirkt übertrieben beunruhigt und ruhelos.
→Nase – Schnupfen – allgemein – periodisch (16): aran, ars, brom, graph, iod, nat-c, nat-m, sang, sep, sil, …
→Nase – Schnupfen – allgemein – Raum, warmer – amel. (7): aran, ars, calc-p, coloc, dulc, psor, sabad, …
→Nase – katarrhalische Entzündung nachts, erstickend (1): ars
Arsenicum iodatum
#Arsenicum iodatumHeuschnupfenVerbindet die Symptome von Arsenicum und Iodum. Brennender, scharfer Schnupfen, klebrig wie gelber Honig. Befall des Kehlkopfbereichs mit Trockenheit, Brennen und Heiserkeit, auch Asthma. Deutlich warmblütiger als Arsenicum. < warme Umgebung, aber ebenso sehr kalte Luft. Magere Kinder.
→Nase – Absonderungen – grün – gelb – wund machend (1): ars-i
Aralia racemosa
S#Aralia racemosaHeuschnupfenpezifikum für Allergien in Nase und Bronchien. Nase wund von heißem und scharfem Ausfluss. Häufiges Niesen, abendlicher Husten, asthmoide Beklemmungen und Erstickungsgefühl, sobald er sich hingelegt, < gegen 23:00 Uhr. Muss sich immer wieder aufsetzen. Empfindlich gegen Temperaturwechsel, besonders Kälte.
→Nase – Absonderungen – salzig (10): aral, calc, cimic, nat-m, nat-s, …
Beryllium
#BerylliumHeuschnupfenHeuschnupfen mit dünner, wund machender Absonderung und Schmerzen in der Nase. Risse an den Nasenöffnungen. Schmerzhaft aufgesprungene und rissige Lippen. Süßlicher Mundgeschmack. <im warmen Raum. Tuberkulinisches Mittel.
→Nase – Risse, Schrunden – Nasenlöcher (38): ant-c, arum-t, aur, aur-m, bell, beryl, carb-an, graph, merc, nit-ac, petr, …
→Nase – Völlegefühl – Freien, im, amel. (1): beryl

Homöopathische Arzneimittel und Reperteroriumsrubriken bei überwiegend dicklichem Fließschnupfen

Pulsatilla pratensis
#Pulsatilla pratensisHeuschnupfen(Grün-)gelber, auch mal RepertoriumsrubrikenHeuschnupfenweißlicher dicklicher, milder, nicht reizender Schleim, der in und aus den Nasengängen hängt, „Rotzglocke“. Ab dem Abend und in der Nacht ist die Nase verstopft. Juckreiz am Gaumen. Schleim tropft aus dem Retronasalbereich in den Rachen, was zu nächtlichem Kitzelhusten führt. Das Kind muss niesen, schnäuzen oder mit der Zunge schnalzen, um die Atemwege frei zu bekommen. Geruchsverlust sowie evtl. auch Geschmacksminderung. Augenbeteiligung mit Tränenfluss im Wind oder gelblichem Augenschleim. Fühlt sich trotz des Heuschnupfens wohler an der frischen Luft, obwohl sich die Schnupfensymptome in der Zeit des Pollenflugs draußen verschlimmern. Rasch wechselnde Beschwerden und Zustände. Jammert schnell, lässt sich aber leicht wieder trösten und beruhigen.
→Nase – Absonderungen – mild (18): calc, cassi-s, euphr, kali-s, puls, sep, sil, staph, …
→Nase – Verstopfung – allgemein – abends (20): carb-v, cimic, cina, euphr, iod, kali-bi, lyc, puls, ran-b, sep, staph, teucr, thuj, …
→Riechen – Verlust, fehlender Geruchssinn – Schnupfen, bei (51): graph, hep, nat-m, nux-v, puls, …
Kalium sulfuricum
#Kalium sulfuricumHeuschnupfenDicker gelb-bräunlicher Nasen/Rachenkatarrh bis hin zur Nasenverstopfung. Tubenkatarrh, Mundatmung, Schnarchen, Geruchsverlust. < Wärme. Asthma < nachts 2:00–5:00 Uhr. Reizbarer als Pulsatilla. Gefühl zu versagen, möchte geachtet und respektiert werden.
→Ohren – Katarrh – Tuba auditiva, Eustachische Röhre (101): all-s, ars-i, asar, calc, calc-i, calc-p, calc-s, caust, gels, hep, iod, jab, kali-bi, kali-chl, kali-i, kali-m, kali-s, kali-sil, merc, nat-m, phos, phyt, puls, sep, sil, …
Natrium muriaticum
#Natrium muriaticumHeuschnupfenFließschnupfen, der nach ein bis drei Tagen zur Verstopfung führt. Nase wund und trocken. Geruchsverlust. Nasenbluten möglich. Geleeartiges, schaumiges Sekret, wie rohes Eiweiß. < Morgens (gegen 10:00 Uhr) und an der Sonne. Kopfschmerzen. Schwellung der Bindehäute bis zur Chemosis (apis). Die Stimmung ist eher niedergeschlagen. Das Schlimmste und Peinlichste ist für ihn, mit laufender Nase, mit den geschwollenen Augen etc. unter die Leute treten zu müssen; das bringt ihn in größte Verlegenheit. Fakultativ weitere Natrium-Symptome: Mag gerne Salziges, neigt zu rezidivierendem Lippenherpes.
→Nase – Absonderungen – eiweißartig (30): aur, calc, calc-sil, iod, kali-m, nat-m, nat-s, phos, …
→Gemüt – Beschwerden durch – Mitgefühl (85): cham, ign, nat-m, sep, sil, sulph, syph, …
→Gemüt – angesehen werden – kann nicht ertragen (66): ant-c, ars, cham, cina, iod, kali-br, nat-m, nux-v, puls, rhus-t, sil, stram, sulph, tarent, thuj, tub, …
→Gemüt – antworten – allgemein – Befragung, bei – weiß nicht, was er antworten soll (3): colch, kali-c, nat-m
Sinapis nigra
#Sinapis nigraHeuschnupfenNasenlöcher trocken und verstopft, abwechselnd links und rechts. Heißes Brennen der Nasenschleimhaut, < zum Abend hin. Spärliche Absonderung eines dicken, scharfen Schleims, der in der Nase als kalt empfunden wird. Dabei Niesen und Reizhusten möglich. Die Augen sind rot, brennen wie wund und tränen.
→Nase – Beschwerden – wechseln die Seite (46): lac-c, lach. nux-v, phos, phyt, sin-n, sulph, …
→Nase – Absonderungen – kalt (6): ambro, kali-i, lach, phos, sin-n, ichth
Ranunculus bulbosus
#Ranunculus bulbosusHeuschnupfenJucken und brennende Schmerzen in Augen, Nase und Hals. Tränenfluss, Lichtempfindlichkeit, blickt wie durch Rauch oder Nebel. Jucken in der Nase und an den Choanen. Dicker, klebriger, wund machender Nasenschleim. Schmerzen an Nasenwurzel und Stirne wie herausgepresst oder auseinandergedrückt. Rachen wund beim Einatmen, Reizhusten. Frösteln. Herpetiforme schmerzende Hautausschläge. <in kalter Luft und im Freien, bei Wetterwechsel, am frühen Morgen und abends. Wichtiges Mittel bei Herpes zoster und Interkostalneuralgie.
→Nase – Schmerzen – drückend – Nasenwurzel – Schnupfen, bei (3): ran-b, sang, zinc

Homöopathische Arzneimittel und Reperteroriumsrubriken bei überwiegendem Juckreiz und Niesen

Um alle Mittel für Juckreiz zu erfassen, RepertoriumsrubrikenHeuschnupfenmüssen auch die Rubriken mit „Kitzeln“, „Prickeln“, „Beißen“, „Brennen“ berücksichtigt werden.
→Nase – Niesen – allgemein – Heuschnupfen, bei (24): aral, ars, carb-v, dulc, euphr, lach, laur, naja, nat-s, nux-v, sin-n, stict, …
Juckreiz, Prickeln, Taubheitsgefühl und Pelzigkeit an Lippen, Zunge, Gaumen oder Hals werden auch oft durch die kreuzreagierenden Nahrungsmittel (9.4) ausgelöst.
Nux vomica
#Nux vomicaHeuschnupfenNase verstopft, besonders nachts, gegen Morgen und im warmen Raum. In der Früh nach Erwachen Jucken und Kribbeln in der Nase. Juckreiz auch möglich in der Eustachischen Röhre und an der Zungenwurzel, dabei Schluckbedürfnis. Der Juckreiz in der Nase löst Niesen aus, besonders beim kleinsten Luftzug. Beim Niesen kann wässriges Sekret herausspritzen. Tagsüber eher Fließnase oder abwechselnd Fließ- und Stockschnupfen. Schnupfen > im Freien. Überempfindlich und reizbar. Schwindel auf Blumengeruch. Nux vomica antidotiert zahlreiche andere Mittel.
→Nase – Absonderungen – Völlegefühl im Kopf, mit (17): acon, calc, hep, kali-i, nit-ac, nux-v, phos, spig, …
Sabadilla officinalis
#SabadillaHeuschnupfenStarke Empfindlichkeit auf Gerüchen, Parfüms, Pollen. Sehr intensive, krampfartige, erschöpfende Niesattacken und -salven, „wie verrückt“, bis fast das Gleichgewicht verloren geht. Dabei rotes und heißes Gesicht. Wund machender Schnupfen erst flüssig, dann verstopft, auch blutig. Heftiger Juckreiz an Nase, Gaumen und auch einmal an den Ohren. Intensiver Tränenfluss. Reizung am Rachen, evtl. Schluckbedürfnis, Räuspern, Reizhusten, Stirnkopfschmerzen; > Wärme in jeder Form, Hitze, warme Getränke, warmer Raum, Einatmen von warmer Luft, hält deshalb im Freien die Hände vor den Mund; < Kälte, Frösteln. Ruhelosigkeit.
→Nase – Niesen – allgemein – erschöpfend (1): sabad
→Nase – Niesen – allgemein – Gerüche, durch (6): aegle-f, all-c, gamb, ozone, phos, sabad
→Nase – Niesen – allgemein – Gerüche, durch – Blumen, von (7): agar, all-c, phos, sabad, …
→Nase – Schnupfen – allgemein – Luft – heißer Luft, Einatmen, amel. (1): sabad
→Nase – Niesen – anfallsweise – lang dauernde Anfälle (4): nux-v, petr, ros-d, sabad
→Schwindel – Festhalten, muss sich an etwas (9): kreos, lach, sabad, sil, verat, …
Agaricus muscarius
#Agaricus muscariusHeuschnupfenDieses Mittel ist interessant wegen ausgeprägtem Juckreiz in der Nase (kombiniert mit Niesen), evtl. am Gaumen, auf jeden Fall aber am Ohr oder im Gehörgang. Patient kann sich benebelt oder ruhelos und verzweifelt fühlen.
→Ohren – Juckreiz – äußeres Ohr – Ohrmuschel (16): agar, ant-c, arg, calc, chel, paeon, raph, spig, sulph, …
→Ohren – Juckreiz – äußeres Ohr – Ohrläppchen (25): agar, sabad, sars, sep, sulph, …
→Ohren – Juckreiz – äußeres Ohr – Gehörgang, äußerer (45): agar, …
Euphorbium
#EuphorbiumHeuschnupfenHauptsymptom: Trockenheit der Augenlider, Bindehäute sowie der Schleimhäute in den Atemwegen. Dadurch Jucken, Beißen, Brennen in Augenwinkeln und -lidern bis in die Stirnhöhle, Kitzeln im Kehlkopf bis in die Trachea. Schleimabsonderung aus Nase und Choanen mit Nasenverstopfung. Niesen. Trockener Husten. Stiche in der Brust. Asthmatische Atembeklemmung. Hitzegefühl und Frösteln wechseln einander ab. Schwächegefühl. > Bewegung, Hinsetzen und Kaltes. Auch ein Mittel gegen unerträgliche Schmerzen bei Magengeschwür und Krebs.
→Allgemeines – Trockenheit von inneren Partien, die normalerweise feucht sind (157): acon, agar, alum, bell, bry, carb-ac, caust, euph, euphr, gels, ign, iod, nat-m, nux-v, puls, ran-b, rumx, sabad, samb, sang, spong, stann, …
→Trockenheit – Canthi (17): nat-m, nux-v, rhus-t, thuj, …
Sanguinaria canadensis
#Sanguinaria canadensisHeuschnupfenHier führen die entzündlichen, manchmal blutigen Absonderungen zur Reizung der Schleimhäute. Juckreiz in der Nase mit Niesen<beim Augenöffnen und in der Sonne. Juckreiz auf der Zunge, Trockenheit und Kitzeln in Kehlkopf, Trachea und Brust. Schmerzen in den Canthi. Nase wund, trocken, brennend. Geruchsverlust oder Geruchsempfindlichkeit, überempfindlich auf den Geruch von Rosen (all-c, sabad). Geruch von gerösteten Zwiebeln in der Nase. Nasenpolypen. Schnupfen gefolgt von Durchfall. Kopfschmerzen bei Bewegung, Hitzewallungen, Wangenröte.
→Nase – Niesen – allgemein – Sonnenlicht, im (12): adam, agar, aur, hydr, merc, merc-s, sang, sol, …
→Atmung – asthmatisch – Gerüche, durch – Rosen, durch (1): sang
Wyethia helenoides
#Wyethia helenoidesHeuschnupfenHier spielt sich der Entzündungsprozess hauptsächlich an Mund und Oropharynx ab. Hauptsymptom ist ein sehr unangenehmer Juckreiz an Gaumen, Rachen, Choanen, Nase evtl. auch in den inneren Augenwinkeln und am rechten Ohr. Möchte mit der Zunge am Gaumen kratzen. Fremdkörper- und Völlegefühl hinten im Rachen und Hals, die Uvula erscheint verlängert, angeschwollen und wird wie ein Fremdkörper empfunden (apis). Nase, Rachen und Mund trocken, wie verbrüht. Heiserkeit, Schluck- und Räusperbedürfnis. Kitzelhusten, aber nichts erleichtert. Durst auf Eiskaltes, selbst bei Frostschauern. < Essen, Bewegung, Anstrengung, Schwitzen, nachmittags. Die Stimmung ist niedergeschlagen und elend, stärker noch als bei Natrium muriaticum; fühlt sich durch die Erkrankung bedroht, fürchtet, dass es nie mehr besser wird, dass ihm noch Schlimmeres zustoßen wird, dass ihm keiner hilft.
→Nase – Schnupfen – allgemein – jährlich, Heuschnupfen – Trockenheit der Schleimhäute von Nase, Mund und Hals, mit (3): sin-n, stict, wye
→Nase – Jucken, kitzeln – Choanen (17): ip, lyc, nux-v, ran-b, rumx, wye, …
→Allgemeines – Speisen und Getränke – kalte Getränke, eiskaltes Wasser – Verlangen – Frost, während (3): ign, verat, wye
→Gemüt – Verlassenheitsgefühl – Freunde zu haben, Gefühl, keine (34): arg-n, aur, hyosc, lach, wye, …
Arundo donax
#Arundo donaxHeuschnupfenDie Hauptreaktion auf die Allergie ist auch hier ein überaus lästiges Kribbeln, Jucken und Brennen. Einziges Mittel, bei dem Gaumen, Bindehäute, Nasenlöcher und Gehörgang gleichzeitig jucken können (Entwicklung in etwa dieser Reihenfolge). Die Kinder stecken den Finger in das Ohr, so sehr juckt es dort. Absonderung zunächst wässrig, später schleimig, grünlich oder weiß. Zugleich mit dem Schnupfen bestehen ein starker Speichelfluss, Augentränen, Auswurf und Schweiße. Übelriechende Nasenabsonderungen, blaues Nasensekret. Geruchsverlust. Durch Niesen, Husten und Jucken versuchen sich die Patienten Erleichterung zu verschaffen. Beklemmung und Panik durch die Reizung der Atemwege, > in der frischen Luft. Verlangen nach Saurem. Eher warmblütig. Eines der Hauptmittel für rotes Ziegelstaubsediment im Urin (15.1).
→Ohren – bohrt im, mit Fingern – Kind (4): arund, cina, psor, sil
→Nase – Absonderungen – übelriechend – stinkend – faul, verdorben (32): arund, asaf, carb-ac, elaps, graph, psor, puls, …
→Nase – Absonderungen – blau (7): am-m, arund, kali-bi, nat-ar, …
→Mund – Speichelfluss – allgemein – Schnupfen, bei (7): arund, calc-p, hep, kali-i, merc, …
→Gemüt – Angst – in der Brust, Husten agg. (1): arund
Gelsemium sempervirens
#Gelsemium sempervirensHeuschnupfenStammt wie Curare, Ignatia, Nux vomica, Spigelia aus der Pflanzenfamilie der Loganiaceae (Brechnussgewächse), die toxische Indolalkaloide enthalten. Sommerschnupfen, Sommergrippe bei Wetterwechsel, besonders wenn nach kühleren heiße Tage kommen (Föhn und Gewitter). Es beginnt mit heftigem Niesen morgens (nux-v) und einer wund machenden, heißen Nasenabsonderung. Die entzündliche Komponente ist stark ausgeprägt mit Rötung und Wundsein der Nasenlöcher, Entzündung der Choanenöffnungen und des Rachens mit Halsschmerzen, die beim Schlucken ins Ohr ausstrahlen (phyt). Taubheitsgefühl der Zunge. Benommenheit und Schweregefühl in allen Gliedern schon vom Morgen an. Hinterkopfschmerzen, die sich bis zu den Augen erstrecken. Rötung der Augen, Flimmern, Sehstörungen und Photophobie, Ptosis. Große Erwartungsangst mit Schwäche und Zittern. Harndrang führt zur reichlichen Entleerung eines farblosen Urins, wodurch alle Beschwerden erleichtert werden.
→Nase – Schnupfen – allgemein – Wetter – wechselhaftem, bei (8): ars, gels, hep, kali-i, sulph, …
→Nase – Schnupfen – allgemein – Halsschmerzen, mit (28): acon, bell, caust, dulc, gels, hep, lach, merc, nit-ac, nux-v, phos, phyt, puls, sabad, sulph, …
→Schnupfen im Sommer (1): gels
→Heuschnupfen im Sommer (4): dulc, gels, …

Homöopathische Arzneimittel und Reperteroriumsrubriken bei überwiegend verstopfter Nase

Nux vomica
#Nux vomicaHeuschnupfenRepertoriumsrubrikenHeuschnupfenNase verstopft, besonders nachts, gegen Morgen und im warmen Raum. In der Früh nach Erwachen Jucken und Kribbeln in der Nase. Juckreiz auch möglich in der Eustachischen Röhre und an der Zungenwurzel, dabei Schluckbedürfnis. Der Juckreiz in der Nase löst Niesen aus, besonders beim kleinsten Luftzug. Beim Niesen kann wässriges Sekret herausspritzen. Tagsüber eher Fließnase oder abwechselnd Fließ- und Stockschnupfen. Schnupfen > im Freien. Überempfindlich und reizbar. Schwindel auf Blumengeruch. Nux vomica antidotiert zahlreiche andere Mittel.
→Nase – Absonderungen – Völlegefühl im Kopf, mit (17): acon, calc, hep, kali-i, nit-ac, nux-v, phos, spig, …
Lycopodium
#Lycopodium clavatumHeuschnupfenNase total verstopft, Mundatmung, besonders nachts. Trockenheitsgefühl. Krusten und Pfröpfe. Manchmal Nasenflügeln wegen erschwerter Atmung. Nasenlöcher können wund und entzündet sein. Nasenbluten. Nasenzupfen und -bohren. Geruchs(über)empfindlichkeit bis hin zu Übelkeit, z. B. auf Blumen. Allergische Konjunktivitis, Juckreiz der Canthi und Lider. Verlangen nach Süßem. Rechtsseitiges Mittel.
→Nase – Verstopfung – während Schlaf (17): am-c, ars, lyc, nit-ac, stict, …
Luffa operculata
#Luffa operculataHeuschnupfenEmpfindlichkeit und Trockenheitsgefühl der Nasenlöcher sowie der Nasen-, Mund- und Rachenschleimhäute. Nase trocken und verstopft mit Borken, auch Niesen. Morgens klare oder gelbe Absonderung möglich. Sinusitis maxillär oder frontal. Mundtrockenheit, Brennen im Hals, Räuspern und Hüsteln. < Trockene (Zimmer-)Luft, > im Freien.
→Nase – Schnupfen – erstreckt sich zu – Nebenhöhlen (113): hydr, luf-op, lyc, merc, puls, nux-v, sabad, sang, sil, zinc, … Unterrubriken
Zincum metallicum
#Zincum metallicumHeuschnupfenDruck und Schmerz an der Nasenwurzel und am Ansatz der Augenbrauen mit Wundheitsgefühl.
→Nase – Schmerzen – drückend – Nasenwurzel – Schnupfen, bei (4): cinnb, lac-d, ran-b, zinc
Medorrhinum
#MedorrhinumHeuschnupfenNase verstopft. Nasenspitze kalt und stark juckend, sodass man reiben muss. Brennende Entzündung der Nasenlöcher. Dicke grünliche Absonderungen. Geruchsverlust. Besserung am Meer.
→Schnupfen – Baden, Waschen – besser am Meer (1): med
Dulcamara
#DulcamaraHeuschnupfenEmpfindlich auf Nässe und Kälte. Heuschnupfen < bei Wetterwechsel, Regenwetter (bei dem man es eigentlich nicht erwartet). Heuschnupfen nach Kontakt mit frisch gemähtem Gras. Kälte/Erkältungsgefühl. Nasenlöcher ganz verstopft, Niesen von reichlich Schleim, Nasenbluten und Tränenfluss möglich. Auch Heuasthma. Urtikariforme Ausschläge. < im Freien, bei Nässe und in kalter Luft sowie beim Erwachen und abends, > Wärme und in geschlossenen Räumen.
→Allgemeines, kaltes, feuchtes Wetter agg. (148): dulc, rhus-t, nat-s, sil, calc, calc-p, all-c, hep, nux-v, sulph, sep, …
→Nase – Schnupfen – Heuschnupfen – feuchtem Wetter (Regen) bei – agg. (1): dulc (Pennekamp)
Mathias Dorcsi wies immer gerne auf die beiden folgenden kleinen Rubriken hin:
→Nase – Schnupfen – allgemein – jährlich, Heuschnupfen – Frühling, im – Gras, durch frisch gemähtes (1): dulc (Kent)
→Haut – Hautausschläge – Nesselsucht – Katarrh, mit (2): all-c, dulc (Boericke)
Kalium bichromicum
#Kalium bichromicumHeuschnupfenNase trocken zugestopft mit dicken, fädigen, elastischen, grün-gelblichen, manchmal auch blutigen Borken und Krusten. Die Absonderung zieht sich den Hals hinunter und löst Würgen aus. Stinknase, Nasenwände wund, Schmerzen an der Nasenwurzel. Geruchsverlust. Verschlimmerung sowohl bei Kälte als auch bei zu heißem Wetter. Sinusitis.
→Nase – Absonderungen – Krusten, Borken, innen – abgelöst werden – Schmerz und Empfindlichkeit, wenn sie (8): arg-n, kali-bi, nit-ac, teucr, thuj, …
Sepia
#SepiaHeuschnupfenDicke grüne Pfropfen und Krusten. Retronasale Absonderung muss durch den Mund ausgeräuspert werden. Ozaena. Trockene Nase, Nasenlöcher wund. Kitzelhusten, Räuspern. Konstitutionell oft sattelförmige gelbe Verfärbung über Nase oder Wangen.
→Nase – Katarrh – allgemein – Hautausschläge – Unterdrückung, durch (2): sep, crot-t
Silicea
#SiliceaHeuschnupfenScharfer Fließschnupfen tagsüber, morgens mit Krusten verstopft, beim Ablösen blutend. Jucken in der Nasenspitze und in der Eustachio-Röhre. Das Jucken der Tuba Eustachii wird von den Kindern oft „irgendwo“ zwischen Ohren und Nase lokalisiert und ist auf jeden Fall sehr lästig. Haargefühl auf der Zunge. Kitzelhusten. Frostiges Mittel, will es warm haben.
→Nase – Absonderungen – hart – trocken, morgens [SynthTE2009] (3): arum-t, asim, sil
→Nase – Verstopfung – allgemein – Fußschweiß, durch unterdrückten (1): sil

Homöopathische Arzneimittel und Reperteroriumsrubriken bei Heuschnupfen mit Hautreaktionen

Apis mellifica
#Apis mellificaHeuschnupfenRepertoriumsrubrikenHeuschnupfenHauptmittel bei ödematöser Schwellung der Lider (Quincke-Ödem) oder der Bindehaut um die Hornhaut herum (Chemosis 10.5) sowie bei Urtikaria. Juckende Ausschläge auf der Nase. Die Nase ist morgens eher trocken, abends weißlicher und übelriechender Fließschnupfen.
→Augen – Entzündung – Bindehautentzündung – Chemosis, mit (15): apis, arg-n, hep, ip. kali-bi, kali-i, rhus-t, syph, vesp, …
Dulcamara
#DulcamaraHeuschnupfenUrtikaria nach Gräserkontakt (s. o.)
→Haut – Hautausschläge – Nesselsucht – Katarrh, mit: all-c, dulc (Boericke)

Homöopathische Arzneimittel und Repertoriumsrubriken bei Heuasthma

Gelegentlich findet RepertoriumsrubrikenHeusasthmaman schon bei Kindern den Heuschnupfen durch pulmonale Manifestationen wie Husten oder schlimmer noch durch asthmoide Symptomatik verkompliziert, seltener auch in der Form des ausschließlichen Heuasthmas.
Complete Repertory
→Nase – Schnupfen – allgemein – jährlich, Heuschnupfen – asthmatischer Atmung, mit (39): ars, ars-i, dulc, euphr, iod, kali-c, nat-c, nat-m, nat-s, nux-v, sabad, sulph, …
→Nase – Schnupfen – allgemein – Asthma, mit (13): ant-t, aral, ars, ars-j, bad, calc, napht, phos, sulph
→Nase – Schnupfen – allgemein – Atemwegssymptomen, mit (8): ars, bov, bry, calc, ip, kali-c, nux-v, sulph
→Atmung – asthmatisch – Heuasthma (35): ars, ars-i, dulc, euphr, iod, ip, kali-bi, kali-i, lach, nat-m, nat-s, nux-v, op, puls, sabad, sang, sep, sil, …
→Atmung – asthmatisch – Schnupfen, nach (1): ars
→Atmung – asthmatisch – Kinder (48): acon, bell, calc, carb-v, ip, kali-s, puls, samb, thuj, …
→Atmung – asthmatisch – konstitutionsbedingt (18): calc, iod, sulph, …
Synthesis
→Atmung – Asthma, asthmatische Atmung – Heu, Pollen – durch (28): ambr, ars, ars-j, carv-v, dulc, euphr, id, kali-i, lach, naja, nat-s, nux-v, op, sil, sabad, …
→Allgemeines – Allergien – Neigung zu – Pollen in der Luft – gegen: sang (Morrison)
→Atmung – Asthma, asthmatische Atmung – allergisch (34): ars-i, brom, jod, dulc, euphr, kali-bi, kali-c, kali-s, med, nat-s, puls, thuj, …
→Nase – Heuschnupfen – asthmatischer Atmung – mit (27): darin mit „Künzli-Punkt“ gekennzeichnet ars, nat-s, nux-v
Arsenicum album
#Arsenicum albumHeuasthmaAsthma < gegen 2:00 Uhr nachts mit Verzweiflung, Todesangst und Ohnmacht. > Aufsetzen und nach vorn beugen, < Kälte.
Arsenicum iodatum
#Arsenicum iodatumHeuasthmaSchnupfen- und Asthmasymptome wie bei Arsenicum album, nur nicht so kälteempfindlich. Wärme < sogar. Atemnot, heiserer Husten. Asthma mit Herzbeschwerden. Tuberkulinisches Mittel: asthenische Menschen mit größter innerer wie motorischer Unruhe.
→Asthma nachts 23 bis 2Uhr (1): ars-i
Badiaga
#BadiagaHeuasthmaKrampfartiger Husten. Husten gefolgt von Niesen. Der Husten ist so heftig, dass bei jedem Hustenanfall der zähe Bronchialschleim aus Mund und Nase herausfliegt. Ausgelöst u. a. durch Süßigkeiten. Stechende Brust- und Pleuraschmerzen, < bei jeder Bewegung. Heißer Atem. Mittel bei Kitzelhusten und Keuchhusten. < nachmittags, > warmer Raum.
→Auswurf – schießt aus dem Mund heraus (5): bad, chel, kali-c, kali-chl, mangi
Carbo vegetabilis
#Carbo vegetabilisHeuasthmaKribbeln und Kitzeln in der Nase, möchte niesen, kann es aber wegen der großen Schwäche nicht. Der Schnupfen kehrt abends immer wieder, oder < abends und >an frischer Luft. Nasenbluten. Heiserkeit, Rauheit im Rachen. Krampfhusten mit großem Bedarf nach frischer Luft, wünscht kühle Luft zugefächelt zu bekommen. Erschöpft und schwach, Bauch voller Gas, welches das Zwerchfell hochdrückt.
Iodum
#IodumHeuasthmaWichtiges Mittel bei Asthma durch Pollenallergie. Kehle heiser, kratzend und schmerzhaft, Stimme rau und tief. Einatmung erschwert. Dumpfer, bellender, kruppartiger Husten, das Kind greift sich an den Hals. Giemen. Zäher Schleim. Räuspern. Beklemmung und Schmerzen in der Brust. Heißhunger. Hitziges Mittel, alles < in warmer Umgebung. Verlangen nach frischer kühler Luft, Bewegungsdrang.
Ipecacuanha
#IpecacuanhaHeuasthmaBronchien voller Schleim mit grobem Rasseln. Bronchialsekret schwer abzuhusten. Brechwürgen, Speichelbildung, Ekel und Erbrechen. Erstickungsgefühl. Husten in schneller Folge, praktisch bei jedem Atemzug. Hals und Brust zusammengeschnürt, Luftschnappen. Bei Kindern Gesichtszyanose und steife Glieder mit Streckkrämpfen (cupr) während des Hustens. Auswurf und Nasenabsonderung können blutig sein. Reine Zunge. < abends und nachts sowie feuchtwarmes Milieu.
→Hals – Keuchen (10): aral, bell, cupr, ip, just, lach, lyc, …
Justicia adhatoda
#Justicia adhatodaHeuasthmaHeiserkeit und Schmerzen im Kehlkopf. Niesen mit Hustenanfällen ähnlich Keuchhusten. Enge in der Brust, kann kein geschlossenes Zimmer ertragen.
Lachesis muta
#Lachesis mutaHeuasthmaEngegefühl am und im Hals, wie zugeschnürt; Gefühl, tief einatmen zu müssen. Kehlkopf und Hals empfindlich auf Druck und Berührung. Gesicht rot und aufgedunsen. Kopfschmerzen. Verschlimmerung im und nach Schlaf sowie in Sonne und Wärme. Asthma mit Herzbeschwerden.
Naja tripudians
#Naja tripudiansHeuasthmaGreift an den Hals mit Erstickungsgefühl, viel schlimmer im Liegen, muss sich aufsetzen.
Naphthalinum
#NaphthalinumHeuasthmaWund machende Rhinitis mit Niesanfällen und v. a. mit krampfartigem Husten, der kaum Zeit zum Atmen lässt. Seufzende Atmung, asthmatische Atembeklemmung und Zyanose. Der Patient muss sich wegen Völlegefühls und Schmerzen in der Stirnhöhle den Kopf halten. Jucken in Mund, Nase, Ohren und Augen, Tränenfluss; > in frischer Luft. Mittel für Heuschnupfen, Heuasthma und Keuchhusten.
→Atmung – Asthma, asthmatische Atmung – Kindern, bei – Kleinkindern, bei (5): naphtin (Farokh-Master), vib (Tyler), med, tub-a, v-a-b
Natrium sulfuricum
#Natrium sulfuricumHeuasthmaDicker, gelblicher Schnupfen. Druck auf der Lunge wie eine Last auf der Brust. Erschöpfung. Grünlicher Auswurf. Entsteht gleich in der Früh nach dem Aufstehen, insbesondere bei Wechsel zu kalt-feuchten, regnerischen, nebligen Wetterlagen.
Sticta pulmonaria
#Sticta pulmonariaHeuasthmaAbsteigender Katarrh, ständiges Bedürfnis, die Nase zu putzen, trockener kitzelnder Reizhusten, > bei Sprechen, Einatmen und Hinlegen.

Weitere homöopathische Arzneimittel bei Heuasthma

Neben den bereits oben besprochenen homöopathischen pflanzlichen Arzneimitteln haben sich auch einige Pflanzen, deren Pollen Heuschnupfen auslösen und als Erreger wirken können, als homöopathische Therapeutika etabliert, z. B. Ambrosia artemisiefolia (Traubenkraut), Populus (Pappel), Aesculus hippocastanum (Rosskastanie), Urtica urens (Brennnessel), Artemisia vulgaris (Beifuß), Rumex crispus (Sauerampfer), Robinia pseudacacia (Robinie), Crategus oxyacantha et monogyna (Weißdorn), Plantago major (Spitzwegerich), Sambucus nigra (Holunder), Solidago virgaurea (Goldrute), Secale cornutum (Mutterkorn, ein auf dem Roggen schmarotzender Pilz).
Ambrosia artemisiefolia (beifußblättriges Traubenkraut oder ragweed), deren Pollen in den USA und Kanada eine ganz bedeutende Rolle als Heuschnupfenauslöser spielen und die sich zunehmend in Europa ausbreitet, hat als homöopathisches Heuschnupfenmittel (ambro.) folgende Symptome: Fließschnupfen, Niesen, Augenbrennen und v. a. unerträgliches Jucken der Augenlider. Tendenz zur Ausbreitung auf die unteren Atemwege mit Verstopfungsgefühl in den Luftwegen, Husten, Atemnot, Asthma und dem Bedürfnis, sich aufzusetzen. Ein Mittel, das man versuchen sollte, wenn andere gut gewählte Mittel nicht wirken.

Kasuistiken

Kasuistik

Akutbehandlung Heuschnupfen (Michael Drescher)

Ein zwölfjähriger Bub meldet sich Ende März mit Juckreiz am Gaumen, in der Nase, an den Augen und an den Ohrmuscheln. Die Nase ist verstopft, besonders in der Früh. Es sei schon sein zweites Heuschnupfenjahr. Das auffälligste an der Symptomatik ist der Juckreiz an Gaumen, Augen, in den Ohren und in der Nase zugleich.

Arundo donax D 6 hilft bis zum Ende der Pollensaison. Später bekommt er konstitutionell Lycopodium, u. a., weil er ab Anfang Dezember in Erwartung der Weihnachtsbescherung zunehmend unruhiger und aufgeregter wird.

Kasuistik

Heuschnupfen mit Asthma bronchiale (Michael Drescher)

Anamnese

Ein zwölfjähriges Mädchen kommt im Winter wegen ihres seit vier Jahren bestehenden Heuschnupfens mit Asthma in konstitutionelle Behandlung. Die Beschwerden dauern in der Regel von Januar bis August und sind im Mai am schlimmsten. Sie hat dann Kitzeln im Hals und an der Eustachischen Röhre, manchmal auch am Gaumen und an den Ohrmuscheln. Bei Kontakt mit Hasen und Meerschweinchen, bei staubiger Umgebung und in der Pollenzeit schnelle, pfeifende Atmung. Die Nase ist manchmal verstopft, manchmal läuft sie. Sie ist eine sehr gute, sehr gewissenhafte und ordentliche Schülerin mit einer gestochen klaren Schrift. Das schlanke, blasse, etwas fröstelige Kind bietet sonst wenig äußere Symptome. Unruhiger Schlaf bei Vollmond, Lippenherpes, Ablehnung kalter Getränke. Die Mutter sagt, sie sei energisch, habe ihren eigenen Willen, mache nie etwas, was ihr widerstrebt.
Ihre lokalen Heuschnupfensymptome bleiben bei der Auswahl ihres Konstitutionsmittels unberücksichtigt.

Verordnung und Verlauf

Sie bekommt Lycopodium C 200 konstitutionell, welches die schon begonnenen Heuschnupfenbeschwerden sofort beendet. Im Sommer bekommt sie vorsichtshalber Wyethia D 4 mit in die Ferien (ihre auffällige Symptomatik: Jucken Hals, Gaumen, Eustachische Röhre und Ohren, hier hat sich Wyethia vielfach gut bewährt), was sie aber nicht benötigt, weil sie weiterhin beschwerdefrei bleibt.
Die Behandlung wird mit Lycopodium nach der Kent-Skala (3.3.2) kontinuierlich fortgesetzt, alles entwickelt sich gut. Im zweiten Jahr der Konstitutionsbehandlung erreicht sie die 100 000. Potenz (CM), Heuschnupfen, asthmatische oder andere Beschwerden sind unter einer Hochpotenz Lycopodium pro Jahr nicht mehr aufgetreten. Beobachtung 15 Jahre.

Kasuistik

Wechsel des Konstitutionsmittels (Michael Drescher)

Anamnese

Der zwölfjährige stämmige, eher ruhige und bescheidene Junge hat seit seinem vierten Lebensjahr Heuschnupfen, immer von Ende April bis Ende August. Er ist Pricktest-positiv auf Gräser/Getreidemischung, Hasel, Birke, Linde, Beifuß, Ampfer, Wegerich und Hausstaubmilbenkot. Er hat sich bisher mit Teldane®-Saft und Euphrasia D 6 gegen Augenjucken beholfen.
Die lokalen Symptome des Heuschnupfens wurden zur Repertorisation nicht herangezogen. Heuschnupfen, Kopfschmerzen durch Wetterwechsel, Schweiß der Kopfhaut während des Schlafs, Handteller- und Fingerwarzen, Sommersprossen und dunkle Haare, Verlangen nach Schokolade und kalten Getränken ergaben Calcium carbonicum.

Verordnung und Verlauf

Er bekam Calcium carbonicum C 200 kosaisonal im Juni. Darauf brauchte er vier Wochen lang keinerlei Medikamente, auch kein Euphrasia mehr. Die Warze an der rechten Handinnenfläche war zehn Tage nach der Einnahme abgefallen. Fünf Wochen nach der Erstverordnung hatte er wieder Augenjucken und leichtes Niesen in der Früh, deswegen erfolgte als zweite Verordnung Calcium carbonicum C 200. Es folgten fünf Wochen Symptomfreiheit mit der nachfolgenden Gabe von Calcium carbonicum C 1000. Danach hatte er vier Wochen lang morgens eine verstopfte Nase. Deswegen und wegen einer Zerrung am rechten Oberschenkel, die ihn beim Fußballspielen behinderte, bekam er zunächst Rhus toxicodendron C 200 (komplementäres Mittel zu calc).
Im nächsten Frühjahr war der Junge zunächst beschwerdefrei. Mit Beginn der ersten Beschwerden bekam er erneut Calcium carbonicum C 1000 und in der Folge ansteigende Potenzen bis C 100 000. Im Sommer der beiden nachfolgenden Jahre war die Wirkung allerdings nicht mehr so gut, er musste gelegentlich wieder mit Euphrasia, Sabadilla und Pulsatilla nachhelfen. Außerdem plagten ihn seine tagelangen drückenden Stirnkopfschmerzen bei Wetterwechsel. Bei der Nachanamnese kamen jetzt folgende Symptome dazu, die nicht von Calcium carbonicum abgedeckt waren: Abneigung gegen Gemüse und Obst, Verlangen nach würzigen Speisen, Tränenfluss im Wind und große Reisefreudigkeit. Die Repertorisation ergab Phosphorus. Durch die Einnahme von Phosphorus in aufsteigenden Potenzen bis zur C100 000, zeigte sich der Heuschnupfen nur noch minimal und er brauchte keine andere Medikation, die Kopfschmerzen treten nur noch selten und ganz kurz auf.

Kasuistik

Frühe Manifestation (Michael Drescher)

Anamnese

Das 14 Monate alte Mädchen (Abb. 4.2) leidet seit zehn Tagen unter Fließschnupfen, Juckreiz in der Nase, Niesen draußen, roten und tränenden Augen. Es handelt sich um einen Heuschnupfen in der zweiten Pollensaison ihres Lebens. Die Mutter hat seit dem 15. Lebensjahr Heuschnupfen, der Opa mütterlicherseits hatte viele Lungenprobleme und eine fragliche Tuberkulose, der Vater eine Neurodermitis. Die kleine Patientin war neun Monate lang gestillt worden.
Sechs Wochen zuvor waren noch juckende Ekzeme an den Ellenbeugen und Handrücken aufgetreten, die sie aufgekratzte. Die Haut hinter dem Ohr ist entzündet, noch immer besteht sichtbarer Milchschorf. Es handelt sich um ein sehr sanftes, braves Kind, hat nie geweint. Daumenlutschen. Im heißen Auto entwickelt sie einen urtikariellen Ausschlag auf den Backen. Sie ist sehr geräuschempfindlich im Schlaf, auch zu viele laute und zu lebhafte Kinder mag sie nicht um sich. Eingewachsene Zehennägel und Windeldermatitis. Freies Sitzen relativ spät, muss beim Laufen noch an einer Hand gehalten werden. Abneigungen gegen feste Nahrung und Eier, Verlangen nach Bananen. Der Schlaf ist sehr unruhig, sie strampelt sich frei, liegt auf der Decke, um 180 Grad verdreht.

Verordnung und Verlauf

Sie bekommt Sulphur C 30. Die Pollenallergie war sofort nach der Einnahme verschwunden, die Haut in den Gelenkbeugen begann stark zu jucken. Eine Woche später hat sie begonnen zu laufen. Bei einem Aufenthalt am Meer steckt sie Sand und Muscheln in den Mund. Sie entwickelt eine Abneigung gegen Milch. Nach fünf Wochen beginnen die Augen wieder zu tränen.
Fortsetzung mit Calcium carbonicum C 200, ein Tag nach der Einnahme treten wieder Ekzeme an den alten Hautstellen auf und bessern sich dann wieder. Vier Wochen später sind die Augen leicht gerötet, tränen aber nicht. Erneute Gabe von Calcium carbonicum C 200. Nach einem halben Jahr Haut verschlechtert sich die Haut wieder. Fortsetzung mit Calcium carbonicum C 1000 und C1 0 000. In der gesamten Heuschnupfensaison hat sie nur an einem einzigen Tag leichtere Probleme, welche die Mutter veranlassen, einmal eine Dosis Euphrasia D 6 zu geben. Fortsetzung mit Calcium carbonicum C100 000, weil sich die Haut wieder etwas verschlechterte.

Literatur

Aas, 1981

K. Aas Das allergische Kind 1981 Thieme Stuttgart

Alm et al., 1999

J.S. Alm J. Swartz G. Lilja A. Scheynius G. Pershagen Atopy in children of families with an anthroposopic lifestyle Lancet 353 1999 1457 1458

AT, 2015

AT (Arzneitelegramm) Sublinguale Immuntherapie der Gräserpollenallergie a-t 46 2015 29 30

Canonica and Passalacqua, 2003

G.W. Canonica G. Passalacqua Noninjection routes for immunotherapy J Allergy Clin Immunol 111 3 2003 437 448

DGAI, 2000

DGAI (Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie) Leitlinien Allergo J 9 2000 317 324

Eng, 2002

Eng P. Pädiatrische Pneumologie und Allergologie, Kinderkliniken Aarau und Luzern: Sublinguale Immuntherapie. 9.Regensburger allergologische und umweltmedizinische Fortbildung der Dermatologischen Klinik der Universität Regensburg am 1.7.2002.

Friese,

Friese KH (Hrsg.). Handbuch der Heuschnupfentherapie, Konventionelle Therapie – Bewährte Naturheilverfahren. Stuttgart: Sonntag, S2000.

Grüber et al., 2002

C. Grüber Zehn Jahre Multizentrische Allergiestudie MAS-90 Pädiatrische Allergologie in Klinik und Praxis 3 2002 6 10

Holgate et al., 1996

S.T. Holgate M.K. Church A. Kapp Allergologie 1996 Ullstein Berlin

Horak and Jäger, 1979

F. Horak S. Jäger Die Erreger des Heufiebers. Medizinisch-botanische Dokumentation der Pollenallergie in Mitteleuropa 1979 Urban & Schwarzenberg München

Köhler, 1900

F. Köhler Handwörterbuch der englischen und deutschen Sprache 35.A. 1900 Reclam Lepzig

Krämer, 2002

Krämer U. Ost-West-Vergleich der Allergie-Prävalenz in Deutschland (SAWO-Studie). 18.Fortbildungskongress Fortschritte der Allergologie, Immunologie und Dermatologie am 6.9.2002 in Davos.

Krebs, 2017

H. Krebs Eigenbluttherapie 5. A. 2017 Elsevier München

Martinez, 1998

Martinez FD (Respiratory Science Center, College of Medicine, Tucson USA): ABC-Meeting. Prague, May 15–16th, 1998.

Mutius, 2007

Ev Mutius Allergische Rhinitis W. Kless A. Merkenschlager R. Pfäffle W. Siekmeyer Therapie in der Kinder- und Jugendmedizin 2007 Elsevier München

Mutius, 2002

Ev Mutius Einfluss der Lebensweise auf die Entstehung von Atopie, Allergie und Asthma. Consilium infectiorum 2002 Infectopharm Heppenheim

Nelson, 2003

H.S. Nelson Advances in upper airway diseases and allergen immunotherapy J Allergy Clin Immunol 111 3 Suppl 2003 793 798

Nettis et al., 2002

E. Nettis D. Giordano A. Pannofino A. Ferrannini A. Tursi Safety of inhalant allergen immunotherapy with mass units-standardized extracts Clin Exp Allergy 32 12 2002 1745 1749

Pirquet and Schick, 1905

v C. Pirquet B. Schick Die Serumkrankheit 1905 Deuticke Wien

Pirquet, 1906

v C. Pirquet Allergie Münchener Medizinische Wochenschrift 53 1906 29

Rietschel et al., 2003

E. Rietschel Diagnostik IgE-vermittelter Allergien bei Kindern und Jugendlichen Pädiatrische Allergologie in Klinik und Praxis 2 2003 6 14

Ruppert and Rüdiger, 1982

V. Ruppert W. Rüdiger Rhinitisfibel. Diagnostik und Therapie der Rhinitis aus rhinologischer und allergologischer Sicht 1982 Schwarzeck München

Scott and Goss, 1992

J. Scott K. Goss Allergie und der Weg, sich in wenigen Minuten davon zu befreien 2.A. 1992 Verlag für angewandte Kinesiologie Freiburg

Sibbald and Rink, 1989

B. Sibbald E. Rink Birth month variation in atopic and non-atopic rhinitis Clin Exp All 20 1989 283 286

Smalhout and Hill-Vaughan, 1979

B. Smalhout A.B. Hill-Vaughan Das dyspnoische Kind 1979 Thomae Biberach

Wahn et al., 1987

U. Wahn R. Seger V. Wahn Pädiatrische Allergologie und Immunologie in Klinik und Praxis 1987 Gustav Fischer Stuttgart

Wickens et al., 1999

K. Wickens N. Pearce J. Crane R. Beasley Antibiotic use in early childhood and the development of asthma Clin Exp Allergy 29 6 1999 766 771

Wüthrich, 2015

B. Wüthrich Pollenallergie gestern und heute. Von der Rarität zur weitverbreiteten Volkskrankheit 2015 Aerzteverlag Medinfo Erlenbach (Schweiz)

Homöopathische Literatur

Allen, 1996

J.H. Allen Die chronischen Krankheiten. Die Miasmen 3.A. 1996 Verlag Renee von Schlick Aachen

Bandelin, 1995

K. Bandelin Umweltverschmutzung und kindliche Atemwegserkrankungen 146.Jahrestagung des DZVhÄ, Erfurt 1995

Behnisch, 1998

G. Behnisch Die homöopathische Behandlung des Heuschnupfens Homöopathie aktuell 2 1998 7 11

Beier, 1999

B. Beier Asthma und seine homöopathische Behandlung 1999 Müller & Steinicke München

Blasig-Jäger, 1996

T. Blasig-Jäger Arzneimittelbeziehungen 1996 Hahnemann Institut Greifenberg

Boericke, 2001

W. Boericke Handbuch der homöopathischen Materia medica Aus dem Amerikanischen übertragen und bearbeitet von Daniel Johannes Beha, Reinhard Hickmann und Karl-Friedrich Scheible. Encyclopaedia Homeopathica Vers. 1.1.Archibel S. A., Assese 2001

Clarke, 1994

J.H. Clarke Der Neue Clarke – Eine Enzyklopädie für den homöopathischen Praktiker, übers. von Peter Vint 1994 Silvia Stefanovic Bielefeld Encyclopaedia Homeopathica Vers. 1.1.Archibel S. A., Assese, Belgium, 2001

Deutsche Homöopathie-Union, 1990

Deutsche Homöopathie-Union Pollinosis, Rhinitis acuta et chronica. Indikationstabellen 1990 DHU Karlsruhe

Deutsche Homöopathie-Union, 1995

Deutsche Homöopathie-Union Wissenschaftliche Information Heuschnupfenmittel DHU 1995 DHU Karlsruhe

Dewey, 1992

W.A. Dewey Homöopathie in der täglichen Praxis. Heufieber, Heuschnupfen 3.A. 1992 Barthel & Barthel Berg

Enders, 1992

N. Enders Homöopathische Heuschnupfenfibel 1992 Haug Heidelberg

Foubister, 1999

D.McD. Foubister Homöopathisches Tutorium der Kinderheilkunde. Lernen, Üben und Behandeln 1999 Sonntag Stuttgart

Friese, 1991

K.H. Friese Homöopathie in der HNO-Heilkunde 1991 Hippokrates Stuttgart

Gawlik, 1988

W. Gawlik Homöopathie und konventionelle Therapie. Anwendungsmöglichkeiten in der Allgemeinpraxis 1988 Hippokrates, Stuttgart Stuttgart

Gawlik, 1995

W. Gawlik Immunologie und Homöopathie 146.Jahrestagung des DZVhÄ, Erfurt 1995

Grandgeorge, 2000

D. Grandgeorge Arzneimittelbilder in der Kinderheilkunde 2000 Sonntag Stuttgart

Guernsey, 1996

H.N. Guernsey Homöopathische Behandlung bei Säuglingen und Kindern 1996 Similimum Ruppichteroth

Haehl and Hahnemann, 1922

R. Haehl Samuel Hahnemann Sein Leben und Schaffen Band I–II 1922 Willmar Schwabe Leipzig Nachdruck – Dreieich: T & W Verlag, 1988

Harms, 1992

M. Harms Grippemittel der Homöopathie 1992 Grundlagen und Praxis Leer

Hauptmann, 1991

H. Hauptmann Die für den Kinderarzt wichtigsten Zeichen (Repertorium) H. Hauptmann Homöopathie in der kinderärztlichen Praxis 1991 Haug Stuttgart

Häußler and Wiesenauer, 1982

S. Häußler M. Wiesenauer Die Behandlung der Pollinosis mit Galphimia glauca TW 32 1982 2506 2508

Hering, 2000

C. Hering The Guiding Symptoms Reference Works vers. 2.6.3 2000 Kent Homeopathic Associates Inc San Rafael

Herscu, 2003

Herscu P. Die allergische Diathese (Seminar). Internationale Akademie für Klassische Homöopathie in Alonissos 19.–23.6.2003.

Imhäuser, 1982

H. Imhäuser Homöopathie in der Kinderheilkunde 5.A. 1982 Haug Heidelberg

Kent, 1990

J.T. Kent Homöopathische Arzneimittelbilder 8. A. 1990 Haug Heidelberg

Köhler, 1986

G. Köhler Lehrbuch der Homöopathie Praktische Hinweise zur Arzneiwahl Bd. II 1986 Hippokrates Stuttgart

Laborde and Risch, 1998

Y. Laborde G. Risch Die hereditären chronischen Krankheiten 1998 Müller & Steinicke München

Laborde, 1992

Y. Laborde Repertorium miasmatischer Symptome 1992 Müller & Steinicke München

Lilienthal, 1997

S. Lilienthal Homöopathische Heilmittel nach klinischen Gesichtspunkten Heuschnupfen, Catarrhus aestivus Bd. 1 1997 Grohmann Enger

Lucae, 2016

C. Lucae Homöopathische Allergologie,1 ZKH 3 2016 109 119

Miller and Kluncker, 1995

R.G. Miller W. Kluncker Arzneibeziehungen 10.A. 1995 Haug Heidelberg

Morrison, 1997

R. Morrison Handbuch der homöopathischen Leitsymptome und Bestätigungssymptome 1997 Kai Kröger Groß Wittensee

Morrison, 1999

R. Morrison Handbuch der Pathologie zur homöopathischen Differentialdiagnose 1999 Kai Kröger Groß Wittensee

Müller, 1983

H.V. Müller 18.Asthma-bronchiale-Tabelle 1983 Haug Heidelberg

Müller, 1992

H.V. Müller 8.Tabelle: Heufieber 2.A. 1992 Haug Heidelberg

Nash, 1887

E.B. Nash Hay fever 1887 The Transactions of the International Hahnemannian Association 321

Pennekamp, 2002

H. Pennekamp Kinder-Repertorium 3. A. 2002 MDT-Verlag Osten-Isensee

Rehman, 2000

A. Rehman Handbuch der homöopathischen Arzneibeziehungen 2000 Haug Heidelberg

Saine,

Saine A. Lübeck Seminar: Homeopathy and Autoimmune Diseases. Part III Asthma, Part IV Hay fever, Part V Hay asthma. 14–17.11.2002 in Lübeck.

Scholten, 1997

J. Scholten Homöopathie und die Elemente 1997 Stichting Alonissos Utrecht

Schroyens, 2009

F. Schroyens Synthesis Treasure Edition 2009 Hahnemann Institut Greifenberg

Seider, 1998

I. Seider Das kleine Buch der Arzneimittelbeziehungen 2.A. 1998 Barthel & Barthel Berg

Spinedi, 2003

Spinedi D. Akute Krankheiten. Seminar in Baden, 29.5.–1.6.2003.

Stauffer, 1990

K. Stauffer Homöotherapie. 4.Faksimile-Nachdr. der Erstausgabe von 1924 1990 Sonntag Regensburg

Tyler, 1993

M. Tyler Homöopathische Arzneimittelbilder 1993 Burgdorf Göttingen

Tyler, 1991

M. Tyler Wichtige Krankheitszustände und ihre homöopathischen Mittel 1991 Grohmann Enger

Vermeulen, 1994

F. Vermeulen Concordant Materia Medica 1994 Merlijn Publishers Haarlem

Vithoulkas,

Vithoulkas G: Materia Medica Viva. Burgdorf Verlag, Göttingen. Elektronische Lizenzausgabe Encyclopaedia Homeopathica Vers. 1.1.Archibel S. A., Assese

Voegeli, 1996

A. Voegeli Das Asthma und seine homöopathische Behandlung 5.A. 1996 Haug Heidelberg

Wiesenauer, 1995

M. Wiesenauer HNO-ärztliche und allergologische Praxis der Homöopathie 1995 Hippokrates Stuttgart

Zandvoort, 2002

R v Zandvoort Complete Repertory deutsch, vollständig neu übersetzt und bearbeitet von © Alexandar Stefanovic Similimumn Verlag Sonderedition für Radar 2002

Zandvoort, 2000

R v Zandvoort Complete Repertory, deutsch und englisch Mac Repertory v. 5.6.1.Roger van Zandvoort 2000 Kent Homeopathic Associates Inc San Rafael

Zandvoort,

Zandvoort Rv, Grinsven Ev Complete Dynamics vers.16.7./2016.

Asthma bronchiale

Michael Drescher

Grundlagen

Unter Asthma bronchialeAsthma bronchiale verstehen wir eine chronisch-entzündliche Erkrankung, die durch eine reversible Obstruktion der intrathorakalen Atemwege auf dem Boden einer bronchialen Hyperaktivität charakterisiert ist, und die durch eine komplexe Interaktion von endogenen (genetisch bedingten) Faktoren und äußeren Reizen (Triggern) verursacht wird. Der Befall der Atemwege äußert sich je nach Individuum als HyperkrinieHyperkrinie (zu viel Schleim) und DyskrinieDyskrinie (zu zäher Schleim) und/oder Verlängerung des Exspiriums mit endexspiratorischem Giemen und/oder als Lungenfunktionsabnormität und/oder als Zunahme entzündlicher Zellen und Mediatoren (Consensus Statement).

Klinik und Ätiologie

Asthma gehört bei Kindern zu den häufigsten chronischen Erkrankungen und nimmt mit dem Grad der Urbanisierung und Industrialisierung in der jeweiligen Region zu. In Deutschland leiden etwa 5 % der Erwachsenen und bis zu 10 % der Kinder an Asthma, mit Überwiegen des männlichen Geschlechts. Während das allergische Asthma auf Nahrungsmittel (9.4), Hausstaubmilbenkot, Pollen (9.2), Schimmelpilzsporen, Tierhaare bereits im frühen Kindesalter beginnen kann, manifestiert sich das nicht-allergische, durch Infekte oder andere, z. B. psychische Einflüsse, getriggerte Asthma meist erst später.
Bei Kindern findet man meist Mischformen, die sich aus dem atopischen Formenkreis entwickeln und zusätzlich durch andere Faktoren getriggert werden. Beim Bronchialasthma wird eine erbliche Veranlagung autosomal-dominant an die Kinder weitergegeben. Bei Kindern in 40–50 % entwickelt sich ebenfalls eine atopische Erkrankung, wenn beide Elternteile daran leiden. Bei Erkrankung nur eines Elternteils halbiert sich diese Risikozahl.
Oft manifestiert sich schon im ersten Lebensjahr das Krankheitsbild der obstruktiven, d. h. entweder verstopfenden oder spastischen Bronchitis: 30 % der Säuglinge und Kleinkinder, die mindestens einmal an einer obstruktiven Bronchitis leiden, entwickeln später ein Asthma. Bei jedem vierten Heuschnupfen-Patienten entsteht nach über zehnjährigem Verlauf ein allergisches Asthma – der gefürchtete „Etagenwechsel“ von den Augen und oberen Atemwegen (Nase, Rachen) in die tieferen Atemwege (Bronchien, Lunge). Asthma bronchiale tritt somit eher selten als eine völlig isolierte Erkrankung auf. Am häufigsten findet man vorausgehend, gleichzeitig oder im Wechsel Affektionen der oberen Luftwege oder auch der Haut und anderer Organsysteme. Differenzialdiagnose Asthmaanfall: Fremdkörperaspiration!
In der groß angelegten „International Study of Asthma and Allergies in Childhood“ (ISAAC 1998), in der seit 1992 insgesamt 721 601 Kinder weltweit untersucht wurden, sollen Inzidenz und Ursachen des kindlichen atopischen Asthmas erforscht werden. Aus dem deutschen Zweig der Studie, die in Münster koordiniert wird und ca. 8000 Schüler erfasst, wird referiert, dass der Anteil der Schulanfänger mit Asthmasymptomen in den Jahren zwischen 1995 und 2002 von 9,6 % auf 12,8 % zugenommen hat, mit weiter steigender Tendenz (Asher et al. 2006). Somit wäre jedes achte Kind betroffen. Bei den Jugendlichen ist der Anteil mit Asthmasymptomen zwischen 1995 und 2002 von 14,1 % auf 17,5 % gestiegen. Statistisch ist Asthma sogar die häufigste Ursache für Fehlzeiten in der Schule.
Die Ursache für die Zunahme des Asthma bronchiale ist noch weitgehend ungeklärt. Eindeutige Antworten können trotz jahrzehntelanger Forschung nicht formuliert werden. Bei den deutschen Kindern wurden außer der genetischen Disposition Emissionen des Straßenverkehrs (Stickoxide, Feinstaub), Feuchtigkeitsschäden und Schimmelpilzwachstum in Schlafräumen sowie Belastungen durch passives oder aktives Zigarettenrauchen als Risiko(ko)faktoren identifiziert. Auch die Gabe von Antibiotika in der frühen Kindheit scheinen eine gewisse Rolle bei der Asthmaentstehung zu spielen (Wickens et al. 1999, Metsälä et al 2015). Die nach der Wende durchgeführten Ost-West-Vergleiche gaben Hinweise darauf, dass sich ein frühzeitiges Immuntraining durch einen gewissen Kontakt mit Erregern, Haustieren und Schmutz und nicht allzu restriktive Hygienemaßnahmen günstig im Sinne einer Protektion gegenüber atopischen Erkrankungen und Asthma auswirken.

Spezielle Diagnostik

Die allergologische Basisdiagnostik ist identisch mit den bei Neurodermitis, Heuschnupfen, Nahrungsmittelallergien angewandten Labor- und Hautmethoden. Beim Asthma kommt die lungenfunktionelle Messung der Einsekundenkapazität (FEV1, engl. forced expiratory volume at 1 s) in der Spirometrie, ggfs. mit Bronchospasmolysetest, bzw. die Body/Ganzkörperplethysmograpie sowie die FeNO-Messung (Flow of exhaled Nitric Oxide oder fraktioniertes exhaliertes Stickstoffmonoxid) dazu. Diese Methoden sind auch sehr gut zu Verlaufsbeurteilungen geeignet.

Konventionelle Therapie

Das Leid mit den Leitlinien: Immer wieder wurden sie in den letzten Jahren modifiziert in dem Bemühen, die Leitlinien der verschiedenen deutschen und europäischen Fachgesellschaften zu homogenisieren Durchgesetzt hat sich eine Einteilung des Asthmas in fünf Schweregrade und eine entsprechende Therapierichtlinie für die Bedarfs- und Dauertherapie. Aktuell wird von den beteiligten Fachgesellschaften Asthma bronchialeAsthmamanagementkonventionellesein weiterentwickeltes 5-Stufen-Therapiekonzept entwickelt, in dem die Anwendung von DNCG, Nedochromil und Theophyllin eine sehr untergeordnete Bedeutung bekommen. Auch der homöopathisch arbeitende Asthmatherapeut sollte sich in der schulmedizinischen Strategie auskennen und sie im Ernstfall anwenden und modifizieren können.

Therapeutisches Fünf-Stufenkonzept

Asthma bronchialeFünf-StufenkonzeptIn der konventionellen antiasthmatischen Therapie werden nach dem am Schweregrad orientierten therapeutischen Stufenkonzept bronchodilatatorische und entzündungshemmende Medikamente eingesetzt. Die Leitlinien-Empfehlungen für Kinder beziehen sich auf das Schul- und Jugendalter. Auf das Vorschulalter wird nicht eingegangen. Die besonderen pneumologischen Gegebenheiten bei Kindern wurden von der Kinderpneumologin Monika Gappa vom Marienhospital Wesel auf dem 58. Kongress der DGP 2017 referiert. Die Kurzfassungen ihrer Ergänzungen werden hier und bei den einzelnen Stufen (in kursiv) referiert. Die Spirometrie fällt, unabhängig vom Schweregrad des Asthmas, häufig normal aus. Dementsprechend gibt es keine Einteilung der obstruktiven Ventilationsstörung in Schweregrade und keinen festen Schwellenwert. Bei den FeNO (Flow of exhaled Nitric Oxide)-Werten, die auf eine eosinophile Entzündung hinweisen, werden niedrigere Grenzwerte als bei Erwachsenen angesetzt. Basistherapie bei Kindern und Jugendlichen mit Asthma bronchiale ist die niedrigdosierte ICS-Therapie. Dabei sind die langfristigen Auswirkungen auf das Wachstum zu bedenken – je jünger die Kinder sind, desto niedriger soll die ICS-Dosis sein. Eine Hochdosis-ICS-Therapie ist bei Kindern die Ausnahme.
Akute und prolongierte Bedarfstherapie
  • Asthma bronchialeakute BedarfstherapieZur akuten Bedarfstherapie (in allen Stadien 1–5): kurzwirksame β-2-Mimetika, SABA (short acting beta-2-agonist) zur Bronchodilatation (von den Patienten gerne treffend als „Notfallsprays“ bezeichnet): Fenoterol (Berotec®), Salbutamol (Apsomol®, Sultanol®, u. a.), Terbutalin (Bricanyl®), Reproterol (Bronchospasmin®, als Aerosol oder nur zur i. v.-Anwendung).

  • Zur prolongierten Bedarfstherapie sind auch Kombinationspräparate erhältlich: Fenoterol + Ipratropiumbromid (ein SAMA [short acting muscarinic antagonist, kurz wirksamen Muskarinrezeptor-Antagonist]) (Atrovent®) in Kombination (als Berodual®), Reproterol+DNCG in Kombination (als Aarane N® oder Allergospasmin N®).

Basis- und Dauertherapie Stufe 1–3
Asthma bronchialeBasis- und DauertherapieZur antientzündlichen/antiallergischen Basis- und Dauertherapie wird in den Stadien I bis IV die Anzahl und Stärke der Medikation stufenweise gesteigert:
  • Stufe 1 (frühere Bezeichnung – intermittierendes Asthma): Zeitweilige Beschwerden 1–2-mal/Woche: sporadischer Husten, leichte Atemnot, symptomfreie Intervalle. Lungenfunktion (Lufu) noch normal, Lebensqualität nicht beeinträchtigt.

    • Nur Bedarfstherapie mit inhalativen, kurz wirksamen β-2-Sympathomimetika (SABA) als Spray oder Pulver, im beschwerdefreien Intervall auch prophylaktisch, z. B. vor Sport. Keine Dauertherapie. Bei älteren Kindern z. B. mit isoliertem Pollenasthma während der Saison auch Versuch mit Mastzellenstabilisatoren DNCG (Dinatriumchromoglycinsäure) oder Nedocromil.

    • Auf Stufe1 darf alternativ Montelukast angewendet werden.

„Es gibt eine kleine Gruppe von Kindern, die auf der ersten Stufe besser auf Montelukast ansprechen als auf ICS.“

(Gappa)

  • Stufe 2 (frühere Bezeichnung – leichtes persistierendes Asthma): wie Stufe 1, Beschwerden mehr als 3-mal/Woche. Lufu im Intervall normal, Lebensqualität nicht beeinträchtigt bzw. teilweise eingeschränkt.

    • Therapie der ersten Wahl sind inhalative Kortikosteroide (ICS) in niedriger Dosierung: Beclometason (Bronchocort®), Sanasthmyl®, Junik®, Budesonid (Pulmicort®), Fluticason (Flutide®). Alternativ Versuch mit Dinatriumcromoglicinsäure (DNCG), Nedocromil (Tilade® Dosieraerosol) oder dem Leukotrienrezeptor-Antagonisten (LTRA [Leukotrienrezeptor-Antagonist]) Montelukast (Singulair® Tbl.).

    • Daneben weiterhin Bedarfstherapie mit SABA (Notfallspray), aber im Asthmastatus kein ICS!

  • Stufe 3 (frühere Bezeichnung: mittelgradig persistierendes Asthma): ICS in mittlerer Dosierung. Es bestehen an mehreren Tagen in der Woche und auch nachts Symptome trotz regelmäßiger Benutzung von niedrigdosiertem ICS. Lufu auch im Intervall obstruktiv, Lebensqualität beeinträchtigt.

    • ICS niedrig dosiert +LABA (long acting beta-2-agonist) Fixkombination Budesonid + Formoterol (Symbicort®). Alternativ: ICS in niedriger oder mittlerer Dosis plus LTRA Daneben weiterhin Bedarfstherapie mit SABA (Notfallspray), im Asthmastatus kein ICS!

    • Auf Stufe 3 sind ICS/LABA als Therapie der ersten Wahl bei den meisten Kindern erfolgreich. Gappa: „Aus pädiatrischer Sicht ist die Fixkombination obligat“. (Gappa) Etwa ein Drittel der Kinder sprechen besser auf die mittlere ICS-Dosis oder die ICS-Kombi mit Montelukast an.

Basis- und Dauertherapie Stufe 4–5
Asthma bronchialeBasis- und DauertherapieDie folgenden Stufen sind Sache einer kinderpneumologischen Fachabteilung.
  • Stufe 4 (frühere Bezeichnung: Schweres persistierendes Asthma): Anhaltende tägliche Symptome trotz regelmäßiger Anwendung der Medikation von Stufe III. Ruhedyspnoe. Häufige nächtliche Störungen. Lufu dauernd deutlich obstruktiv, Lebensqualität deutlich beeinträchtigt.

    • ICS in hoher Dosis oder in mittlerer oder hoher Dosis + LTRA + LABA. Daneben weiterhin Bedarfstherapie mit SABA (Notfallspray, aber kein ICS!).

    • Cave: Kumulative Überdosierung mit LABA nicht auszuschließen, von unten her vorsichtig aufdosieren, Kind beobachten!

  • Stufe 5: Dauerbeschwerden trotz regelmäßiger Anwendung der Medikation der vorausgegangenen Stufen

    • Wie Stufe 4, jedoch in begründeten Ausnahmefällen zusätzlich orales Cortison (OCS= orales Glukokortikosteroid) in der niedrigsten wirksamen Dosis.

    • Daneben weiterhin Bedarfstherapie mit SABA (Notfallspray, aber kein ICS), In begründeten Einzelfällen gibt es mit Omalizumab (Xolair®) eine weitere Behandlungsoption. Es handelt sich um einen IgE-Antikörper, der sich an das spezifische IgE bindet und die immunologische Kaskade der allergischen Reaktion unterbricht. Das Mittel wird s. c. verabreicht. Indikationen sind neben Inhalationsallergien auch chronisch rezidivierende Urtikaria und Mastozytose.

Wenn Differenzialdiagnosen, mangelnde Therapieakzeptanz und Fehler bei der Inhalationstechnik sicher ausgeschlossen werden können, sollte auf Stufe 4 und 5 aufgestiegen werden.
Zu Tiotropium (LABA) in Stufe 4 liegen inzwischen Daten bei Kindern vor, allerdings noch keine Zulassung. Nur für sehr wenige Kinder und Jugendliche muss die Stufe-5-Therapie erfolgen. Omalizumab ist ab dem sechsten Lebensjahr zugelassen, für andere Biologika gibt es für Kinder und Jugendliche wenig Evidenz.
Mögliche Nebenwirkungen: Jede Therapiestufe wird, wenn sie stabil eingestellt ist, etwa drei Monate konsequent durchgeführt, bevor, je nach Therapieverlauf, der Übergang ab- oder aufsteigend in eine andere Stufe entschieden wird. Somit wird es auch in das Ermessen des Behandlers gestellt, ICS bei Säuglingen schon ab Stufe II einzusetzen.
Dazu sei eine kritische Anmerkung erlaubt. Es wird von interessierter Seite damit argumentiert, dass ICS in niedriger Dosierung angeblich keine Nebenwirkungen verursachten. Auf eine solche „Sicherheit“ ist kein Verlass. Klinische Untersuchungen zu Äquivalenzdosen von ICS haben gezeigt, dass Beclomethason und Budesonid höhere „sichere“ Dosen erlauben als Fluticason. Des Weiteren muss beachtet werden, dass die Empfindlichkeit auf alle ICS im Einzelfall individuell sehr unterschiedlich ist.
Wegen der potenziellen systemischen Nebenwirkungen ist während einer ICS-Therapie eine mindestens dreimonatliche Kontrolle der Wachstumskurve zum Ausschluss einer Wachstumsverzögerung erforderlich. Ungeklärt sind die Auswirkungen organischer Veränderungen im zentralen Nervensystem nach langjähriger ICS-Therapie (Michalczuk et al. 2015). Mögliche lokale Nebenwirkungen sind Heiserkeit und Mund-Rachensoor. Jeder Therapeut sollte sich, unabhängig von verabschiedeten starren Schemata Rechenschaft darüber ablegen, inwieweit eine supprimierende inhalative Kortikoidtherapie bei einem im Wachstum befindlichen Organismus vertretbar ist. Dass eine frühzeitige Behandlung von Hochrisiko-Vorschulkindern mit inhalativen Steroiden das Auftreten oder den Verlauf asthmatischer Symptome langfristig positiv beeinflussen könnte, wurde in einer Dreijahresstudie an sechs amerikanischen Universitäten widerlegt (Guilbert et. al. 2006).

Hinweise zur Pharmakotherapie

Beim leichten wie beim schweren Asthmaanfall bis hin zum Asthmastatus werden prinzipiell die gleichen pharmakologischen Wirkstoffe eingesetzt. Unterschiedlich ist lediglich die Applikationsform, -dosis und -dauer. Mit zunehmender Schwere der Symptomatik verschiebt sich die orale oder inhalative Verabreichung hin zur parenteralen Medikation.

Info

  • Kurz wirksames β-2-Mimetikum (SABA): in hoher Dosis inhalieren lassen, wenn das „Notfallspray“ (s. o.) nicht mehr geholfen hat (1 Tr./Lebensjahr bis maximal 20 Tr. Sultanol® oder Bricanyl® auf 2 ml 0,9-prozentiges NaCl), alternativ Bricanyl® subkutan (0,1 ml/10 kg KG). Auf Tremor, Herzklopfen und Unruhe des Patienten durch Dosis-Kumulationseffekte achten, diese Nebeneffekte sind prinzipiell harmlos und reversibel. Kontrolle der Herzfrequenz!

  • Prednisolon oral (OCS): (Decortin H®), rektal (Klismacort®, Infectocortikrupp® Supp.) oder intravenös (Solu Decortin H® initial 2–4, max. 8 mg/KG, bei Bedarf alle sechs Stunden fortsetzen mit 2 mg/kg KG; war die Therapie über mehrere Tage notwendig, dann ausschleichend absetzen). Im Asthmastatus keine ICS!

Nach erfolgreicher Therapie sollte der FEV1-Wert deutlich gebessert sein, die Sauerstoffsättigung ohne zusätzliche Sauerstoffzufuhr über 92 % liegen, der Puls unter 200/Min. Mit einfachen, mobilen Peak-Flow- und ggf. O2-Sättigungs-Meßgeräten können auch Kinder ab Schulalter selbstständig ihre aktuelle Situation überprüfen und dokumentieren.

Info

  • Bei fehlendem Anspreche sind β-2-Mimetika als Infusionstherapie angezeigt, dazu ist die Verlegung auf eine Intensivstation schon wegen des Monitoring unabdingbar.

  • Wegen Gefahr der Atemdepression keine Sedativa bei Atemnot oder Asthmastatus verabreichen.

  • Keine ICS wegen nicht ausreichender Wirkung im Status.

  • Keine Acetylsalicylsäure (ASS) bei Fieber wegen möglicher Intoleranz bei Atopikern.

  • Möglichst keine unnötige Antibiose durchführen.

Prophylaktische und unterstützende Maßnahmen

Die Asthma bronchialeProphylaxeantiallergischen Therapieansätze entsprechen den Therapieempfehlungen des Heuschnupfens (9.2).
  • Eine Allergenkarenz muss angestrebt werden, wenn anamnestisch oder durch Test eine allergische Auslösung gesichert ist.

  • Eine spezifische Immuntherapie (SIT) gegen die relevanten Allergene subkutan oder in Form der kontrovers diskutierten sublingualen Form (SLIT) zeigt beim Asthma in der Praxis noch weniger dauerhafte Erfolge als beim Heuschnupfen. Das mag allein schon daran liegen, dass Asthma eben ein noch deutlich vielschichtigeres und multikausaleres Geschehen ist als z. B. der Heuschnupfen. Der Autor sieht davon ab, bei klassisch-homöopathisch gut einstellbaren und damit ganzheitlich behandelten Kindern eine spezifische Hyposensibilisierung zusätzlich durch- oder weiterzuführen.

  • Umgebungshygiene soll die Allergen- und Schadstoffbelastung möglichst geringhalten und zusätzliche Sensibilisierungen verhindern. Das Wohnklima sollte man auf eine Temperatur tagsüber nicht über 21 °C, nachts nicht über 18 °C einstellen, bei einer Luftfeuchtigkeit nicht über 50 %. Unbedingtes Rauchverbot in der Wohnung! Es sollte auf Staubfänger wie textile Ausgestaltung der Zimmer und zu üppige Pflanzen verzichtet werden. Keine felltragenden Haustiere. Bei nachgewiesener Hausstaubmilbenallergie milbendichte Matratzenbezüge, die von Zeit zu Zeit heiß durchgewaschen werden müssen.

  • Asthmaschulungen vermitteln allgemeine Rehabilitationsmaßnahmen durch Physiotherapie und Atemgymnastik: Regulation der Ruheatmung. Atmungsanpassung an Belastung und Vermeidung eines Atemwegskollapses beim Anfall durch bewusste Steuerung des Atemstroms (dosierte Lippenbremse). Üben der Inhalationstechnik.

  • Hilfreich ist auch das Erlernen geeigneter neurophysiologischer Entspannungstechniken zur Normalisierung des pathologischen Grundtonus sowohl in den Bronchien, wie auch in der gesamten Muskulatur.

  • Psychologische oder psychotherapeutische Betreuung kann zur Bewältigung möglicher individueller oder familiärer Probleme und zur Prophylaxe von psychischen Sekundärveränderungen beitragen.

  • Sportliche Betätigung in geeigneter Form dient der Konditionierung der körperlichen Leistungsbereitschaft und kann gleichzeitig sozialer Isolierung vorbeugen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass zu langes, anhaltendes Laufen (Jogging) den Muskeltonus in den Bronchien erhöhen kann. Durch das schulmedizinische Management mit Handhabung der oben genannten Medikation sollte das betroffene Kind von keiner Unternehmung mit Gleichaltrigen oder Sport ausgeschlossen sein müssen. Umso mehr befriedigt es, wenn dieses Ziel durch die homöopathische Konstitutionsbehandlung erreicht wird und auf Dauer- und Bedarfsmedikation in vielen Fällen ganz verzichtet werden kann.

Info

Erleichternde Körperhaltung beim Asthmaanfall bzw. Status asthmaticus: Soweit es dem Patienten möglich ist, lässt man ihn als erstes eine Lagerung oder Position einnehmen, welche eine möglichst ökonomische Tätigkeit der Atemhilfsmuskulatur erlaubt.

  • Kutscherhaltung: Vornübergebeugt sitzen, Arme aufgestützt zur Erleichterung der Einatmung.

  • Hängebauchlage: Liegen in Bauchlage oder in Knie-Ellenbogenstütz mit gespreizten Knien und abgelegtem oder abgestütztem Kopf zur Unterstützung der Ausatmung.

  • Torwartstellung: Zur schnellen Hilfe draußen und unterwegs: im Stehen sich nach vorn beugen und mit den Händen auf den Oberschenkeln aufstützen.

  • Paschasitz: Auch bei schwerer Atemnot lässt sich meist noch folgende Position in einem Sessel einnehmen: Sitzen, Rücken und Kopf an der Rückenlehne abgestützt, die Arme in Schulterhöhe auf den Armlehnen abgelegt.

  • Lippenbremse: Die dosierte Lippenbremse als spezielles Atemmanöver bremst zusätzlich beim Ausatmen den Atemstrom und hält dadurch die Atemwege länger offen.

  • Primaristischer Sitz: Sitz mit geöffneten Hüften und aneinandergelegten Füßen, mit den Händen an den Füßen, zur Tonusminderung der Muskulatur durch Unterbrechung der primären Reflexe, bei Kleinkindern auf dem Schoß der Eltern.

Diese Positionen müssen von einem Physio- oder Atemtherapeuten eingeübt werden, ebenso wie die Technik der effektiven Anwendung von Sprays und Inhalatoren sicher erlernt werden muss.

Homöopathische Behandlung bei chronischem Asthma

Bei Asthma, das als chronische, meist atopische Erkrankung der allergischen Rhinitis sehr nahe steht, eröffnen sich ähnliche homöopathische Behandlungsmöglichkeiten. Sämtliche Aussagen, die zur Behandlung des Heuschnupfens (9.2) gemacht wurden, lassen sich auf das Asthma übertragen. Das gilt auch für die dort aufgeführten Umstimmungsmittel und besonders für die Anwendung der isopathischen Eigenbluttherapie.

Miasmatische Aspekte

Asthma bronchialemiasmatische AspekteAus Sicht der Miasmenlehre ist die Asthmaerkrankung im Vergleich zum Heuschnupfen die tiefgreifendere und komplexere Störung und immer ein multimiasmatisches Geschehen.
  • So sind z. B. der quälende trockene, krampfhafte Bronchialhusten mit noch spärlichem, geschmacklosem Auswurf ebenso wie die dahinterstehende ursächliche atopische Grundveranlagung als solche ein Symptom der Psora.PsoraAsthma bronchiale

  • Die asthmatische Dyspnoe, die fehlende Kraft, einen vollen Atemzug zustande zu bringen, die Chronizität des Bronchialkatarrhs, die Beengung in der Brust, das Rasseln des Bronchialschleims und die Empfindlichkeit auf kalte Luft sind Ausdruck des tuberkulinischen Miasmas (bei J. H. Allen Pseudo-Psora).

  • Das Verlangen, tief einzuatmen, die Atemnot mit Pfeifen, Keuchen und Luftschnappen, das schmerzhafte Husten ist Ausdruck der SykosisSykoseAsthma bronchiale.

  • Die nächtlichen krampfartigen Anfälle von 1:00–4:00 Uhr, die qualvolle Angst dabei, ein dick-gelb-grün-grauer Auswurf, Stimmverlust, das chronische Asthma bei feuchtwarmem Wetter oder im Sommer zeigen eine Affinität zur Syphilinie (J. H. Allen, Laborde).SyphilinieAsthma bronchiale

Psychosomatische Aspekte

Asthma bronchialepsychosomatische AspekteDer griechische Ursprung des Wortes ἆσϑμα (asthma) bedeutet wörtlich „Keuchen“, „Beklemmung“, „Engbrüstigkeit“. Das davon abgeleitete lateinische „angustus“ und „angina“ bedeutet ebenfalls Enge und steckt auch im Stamm des deutschen Wortes „Angst“.
Asthma resultiert aus einer Unordnung in der Funktion des autonomen Nervensystems. Die Störung des Muskeltonus und der vegetativen Regulation als Folge der Störung der Lebenskraft können dabei schon vor dem Auftreten des Asthmas vorhanden sein. Das selbstverständliche und unbemerkte Wechselspiel zwischen Spannung und Entspannung, der Austausch zwischen Nehmen und Geben ist in einem lebenswichtigen Bereich – der Versorgung mit Sauerstoff – in hohem Grade störanfällig geworden. So muss der Asthmakranke Angst und Enge empfinden.

„Wenn eine Tonusveränderung vorliegt, meist ein Hypertonus, ist auch die Reizschwelle verändert, der gleiche Reiz führt zu einer quantitativ und qualitativ veränderten Reaktion – der Tonus bestimmt auch die Psyche: Eine Veränderung des Tonus verändert die psychische Reaktion, so ist Angst meist mit erhöhtem Tonus verbunden z. B. vor Angst erstarren“

( Pfeiffer 2003 ).

Zusätzlich spielt mit der Allergie ein weiterer Bereich mit hinein: die Auseinandersetzung und Interaktion mit der Umgebung. Eigentlich harmlose Reize sowie vitale Aktivitäten wie körperliche Betätigung und Sport werden als hemmend bis bedrohend empfunden. Der psychosomatische Ursprung der Erkrankung bleibt oft das Geheimnis des Patienten, das es, wenn möglich, zu lüften gilt. „Ich habe bei einigen Kindern Asthma gesehen, wenn die Mütter das vorausgehende Kind abgetrieben hatten“ (Pfeiffer 2003). Man muss sich der möglichen Hintergründe bewusst sein, wenn man erlebt, dass der Erfolg auf der Ebene einer reinen Allergiebehandlung oder Bronchodilatation auf Dauer zu wünschen übriglässt. Homöopathische Konstitutionsmittel erreichen eine tiefere Ebene und in der Regel diese auch zuerst.

Konstitutionelle Behandlung

Wie bei allen chronischen Erkrankungen ist auch hier die konstitutionelle Behandlung mit einem Mittel, welches nach der Totalität der individuellen Symptome ausgewählt wird und persönliche Eigenschaften, Eigenheiten, Verhaltensweisen einschließt, der richtige Therapieweg, um diese tiefsitzende und sich oft schon sehr früh manifestierende Erkrankung dauerhaft zu kurieren. Aus der Erfahrung des Autors sind ein rasches Ansprechen der homöopathischen Behandlung und eine günstige Langzeitprognose sowohl für die rezidivierenden obstruktiven Bronchitiden der Säuglinge als auch für das Asthma des Schul- und Jugendalters unter folgenden Voraussetzungen zu erwarten:
  • Es sind keine zu langen unterdrückenden einseitigen Behandlungen vorangegangen.

  • Es besteht keine irreversible Lungenveränderung oder Thoraxdeformität durch Überblähung.

  • Es liegt keine dauerhafte Koinzidenz mit stark ausgeprägter Neurodermitis oder psychischen Belastungen vor.

Die Generalanamnese führt oft zu einem der bekannten polymiasmatischen Polychreste. Bei sehr hartnäckigen Verläufen oder ausbleibender weiterer Besserung, insbesondere bei anhaltender Überlagerung oder Wechsel mit anderen Erkrankungen muss an eine miasmatische Behandlung mit Zwischengabe einer Nosode gedacht werden.
Das Vorgehen bei der homöopathischen Behandlung ist auch vom Schweregrad des Asthmas abhängig (Tab. 9.3). Kommt der Patient schulmedizinisch bisher unbehandelt in die homöopathische Praxis, handelt es sich nach konventioneller Einteilung (s. o.) meist um Schweregrad 1. Bei Patienten ab Stadium 2 kann die konstitutionelle Behandlung ebenfalls sofort beginnen, zunächst unter Beibehaltung der schulmedizinischen Basismedikation plus homöopathischer Einstiegsbehandlung mit Q- oder LM-Potenzen.
Unter der passenden konstitutionellen Behandlung werden sich bald bleibende signifikante Besserungen von Allgemeinsymptomen und oft sogar ebenso rasch der Asthmasymptomatik und Werte im Peak-flow-Kalender zeigen. Ab da kann man darangehen, kontrolliert zuerst die oralen oder inhalativen Kortikosteroide (ICS) schrittweise auszuschleichen (9.3.2) und dann die Bronchodilatatoren und später auch die übrige Basistherapie (Montelukast, Nedocromil, DNCG) kontrolliert zu reduzieren.

Repertoriumsrubriken

Hauptrubrik
RepertoriumsrubrikenAsthma bronchialeAtmung – asthmatisch – Kinder (43): acon, ant-t, ars, bell, calc, carb-v, cham, coff, cupr, form-ac, hed, hep, ign, ip, kali-n, kali-s, lach, lyc, nat-m, nat-s, nux-v, op, phos, psor, puls, samb, sil, stram, sulph, thuj, tub-a, vib, …
Hautausschläge
Wichtig bei der Mittelwahl ist ein möglicher Zusammenhang mit Hautausschlägen. Wenn ein Asthma sich nach Unterdrückung einer Neurodermitis entwickelt hat, werden oft die Hautsymptome nach Behandlung des Asthmas wieder in Erscheinung treten. Diese Haut-/Asthma-Rubriken und zutreffende Unterrubriken sollten immer in die Repertorisation einbezogen werden. Nicht selten sehen wir atopische Patienten, auf die eines der folgenden Merkmale zutrifft:
→Atmung – asthmatisch – Hautausschläge – unterdrückten, nach (20): acon, ammc, apis, ars, calc, carb-v, cupr, dulc, hep, ip, med, mez, psor, puls, sulph, …
→Atmung – asthmatisch – Hautausschläge – mit (7): ars, ip, kali-c, kali-i, kalm, linu-u. rhus-t
→Atmung – asthmatisch – abwechselnd mit – Hautausschlägen (21): apis, calc, carc, dulc, graph, hep, kalm, med, mez, psor, rhus-t, sulph, syph, …
→Haut – Hautausschläge – Exanthem – Engegefühl in der Brust wechselt mit Asthma (1): calad
→Haut – Hautausschläge – Nesselsucht – abwechselnd mit – Asthma (3): apis, calad, graph

Homöopathische Behandlung bei akutem Asthma

Eine Reihe von Akutmitteln vermag die akuten Beschwerden der Irritation der Atemwege, der Bronchitis, der Entzündung, der Mukostase und der Atemnot symptomatisch zu lindern. Diese Mittel kommen in erster Linie bei nicht-konstitutionell Behandelten als Übergangslösung bzw. als Anfalls- und Notfallmittel in Betracht. Bei sorgfältiger Beobachtung und Auswahl können im Einzelfall Mukolytika, β-2-Mimetika (SABA), Theophylline und Kortikosteroide (ICS) durch die homöopathischen Akutmittel reduziert oder ersetzt werden. Man sollte jedoch zum Wohle des Kindes nicht zögern, diese einzusetzen, falls dieses Ziel mit homöopathischen Mitteln nicht erreicht wird.
Etwa 150 Rubriken weisen auf die verschiedenen individuellen Modalitäten und Begleitsymptome hin. Die wichtigen Fragen bei der Anamnese beziehen sich auf evtl. Auslöser des Asthmas wie Anstrengung, Ärger, Stress, unterdrückte Hautausschläge, Jahreszeiten, Temperaturen, Luftfeuchtigkeit und sonstige Wetterverhältnisse, Aktivitäten und Emotionen.
Wertvolle Symptome zur Auswahl des Asthmamittels sind dann der subjektive Status des asthmatischen Patienten wie der Charakter der Atemnot, Begleitsymptome wie die Gemütsverfassung, Gesichtsausdruck, Gesichtsfarbe, Zyanose, Schweiße, feuchter oder trockener Husten, die Farbe und Beschaffenheit des Auswurfs, Modalitäten wie die Körperposition, in welcher die Atmung sich bessert oder verschlechtert (meist verschlechtert sie im Liegen), die Tages- oder Uhrzeit des Auftretens, eine evtl. Periodizität.

Repertoriumsrubriken

Hauptrubriken
RepertoriumsrubrikenAsthma bronchialeAtmung – asthmatisch (371): bevorzugt Unterrubriken verwenden
→Atmung – giemend (151): bevorzugt Unterrubriken verwenden
→Atmung – pfeifend (76): bevorzugt Unterrubriken verwenden
→Atmung – Stöhnen – Ausatmen, beim (5): bell, chin-se, hydr-ac, kali-cy, stry
→Atmung – Keuchen (76): ant-t, cina, cocc, ip, lyc, nit-ac, phos, phyt, sil, spong, tarent, verat-v, …
→Atmung – anfallsweise spastisch (41): cor-r, cupr, gels, ign, ip, samb, valer, verat, …
→Atmung – behindert – Ausatmung (2): bell, stram
→Atmung – schwierig – Ausatmung (22): arg, caust, dros, ip, med, meph, samb, …
→Brust – Einschnürung, Spannung, Engegefühl – asthmatisch (13): cact, kali-chl, led, naja, nux-v, sulph, …
→Brust – Einschnürung (346): bevorzugt Unterrubriken verwenden
→Husten – asthmatisch (129): ant-c, ant-t, ars, bell, brom, cupr, dros ip, nux-v, puls, samb, sep, sil, stram, …
→Husten – Ausatmen, beim (14): carb-v, caust, dros, iod, kreos, lach, merc, nux-v, ph-ac, staph, …
→Husten – hochgehoben werden, Kind muss, wird blau im Gesicht, kann nicht ausatmen (1): meph.
→Husten – kruppös – Ausatmen, beim (1): acon
→Brust – Einschnürung, Spannung, Engegefühl (346): bevorzugt Unterrubriken verwenden
→Husten – Erstickungsgefühl, mit (111): ars, brom, bry, cupr, dros, ip, nux-v, puls, samb, sulph, thuj, tub, …
→Allgemeines – Ausatmung – agg. (57): ars, chlor, colch, dros, ign, ip, olnd, puls, sep, spig, staph, viol-o, …
Vorstadien eines Anstrengungsasthmas
→Atmung – asthmatisch – Anstrengung, nach (5): am-c, ars, carc, nat-s, tax
→Atmung – asthmatisch – durch geistige Anstrengung (2): kali-c, sep
→Brust – Einschnürung, Spannung, Engegefühl – Anstrengung, durch (7): ars, calc, ferr, nat-m, nux-v, spong, verat, …
→Brust – Beklemmung – Anstrengung, durch (2): nat-ar, pieri-b
→Husten – Laufen, Rennen – agg. (13): cina, iod, merc, seneg, sil, stann, sul-ac, …
Tab. 9.4 zeigt eine Auswahl von häufigen Asthmamitteln mit wichtigen Modalitäten.

Homöopathische Arzneimittel beim akuten Asthma-Anfall

In der Praxis benötigt man aus dem Fundus potenzieller Asthmamittel immer wieder spezielle Mittel, von denen hier einige stellvertretend für viele andere – das gleiche gilt für die Auswahl der Rubriken – näher dargestellt werden.
Aconitum napellus
#Aconitum napellusAsthma bronchialeAuch beim Asthma typisches Erst- und Anfangsmittel, welches in der Regel nur einmal gegeben wird (Dosierung: D12 bis C200). Plötzliches, überraschendes Einsetzen von Asthma, welches sich zu Angst machender Atemnot steigert. Auslösung durch trockene Kälte (spong, hep), Aufregung oder Schreck, oft um Mitternacht. Ist die Symptomatik nach Einnahme weiter progredient, mussein Folgemittel nach den vorhandenen Symptomen ausgewählt oder konventionell behandelt werden.

Praxistipp

  • Nach Aconitum sind die häufigsten Mittel Ipecacuanha, Antimonium tartaricum, Arsenicum album.

  • Ipecacuanha, Antimonium tartaricum und Arsenicum haben folgende Symptome: Die Patienten kämpfen schwer mit der Luft, haben viel Katarrh, viel Schleim in den Bronchien, sind blass oder zyanotisch und schwitzen. Wenn sie abhusten können, bessert dies. Es verschlimmern: Wetterwechsel, kleinste Bewegung, nachts, unterdrückte Hautausschläge und Ärger. Nach folgenden Kriterien lassen sie sich gegeneinander differenzieren (nach A. Saine).

Ipecacuanha
#IpecacuanhaAsthma bronchialeNicht die extreme Situation wie bei Arsenicum, nicht so schwach, ruhelos und ängstlich wie dort beschrieben, können die Kinder aber in unangenehmer Weise gereizt sein, nichts ist gut genug für sie, sie wissen die Hilfe nicht zu schätzen. Die Atemwege sind mit lockerem Bronchialsekret vollgelaufen und obstruiert. Hals und Brust wirken wie zugeschnürt, < bei Bewegung. Starkes grobblasiges Schleimrasseln, exspiratorisches Giemen und Pfeifen, welches nach energischer Expektoration vorübergehend wieder verschwinden kann. Der Hustenreflex ist aktiv. Das Kind steckt u. U. die Finger in den Mund und versucht mit allen Mitteln, den Schleim herauszubefördern. Übelkeit, Auswürgen und Erbrechen auch kleinster Mengen, die man ihm z. B. zu trinken gibt, im Schwall mit Schwitzen. Das hustende und würgende Kind kann sich dabei in eine Zyanose hineinhusten. Das Erbrechen des Auswurfs, der auch blutig sein kann, erleichtert zwar momentan das Asthma, aber nicht die Übelkeit. Besser geht es ihm auch am geöffneten Fenster und beim Aufsitzen, schlechter in warmer feuchter Luft und bei Bewegung. Kein Durst. Die Zunge ist rein und nicht belegt (9.2).
→Atmung – giemend – Auswurf – amel. (1): ip
→Brust – Einschnürung, Spannung, Engegefühl – Bewegung – agg. (10): ars, ferr, led, lyc, nux-v, spong, verat, …
Antimonium tartaricum (Synonyme: Tartarus emeticus oder Tartarus stibiatus)
#Antimonium tartaricumAsthma bronchialeAntimonium tartaricum ist mukolytisch wie Ipecacuanha und diesem sehr ähnlich, aber in der Wirkung noch stärker. Der Bronchialschleim ist viel zäher, die Rasselgeräusche feinblasiger. Die Bronchien sind praktisch mit Schleim zugestopft, ihn abzuhusten ist außerordentlich schwierig bis unmöglich. Oberflächliche Atmung mit dem Bauch, Beben der Nasenflügel (brom, iod, lyc, phos, spong). Der Patient droht zu ersticken, er ist viel zu matt und reaktionsschwach, um noch irgendwelche Manöver zur Expektoration zu unternehmen, kann nicht einmal mehr richtig husten. Verzweifelte Atemnot mit Todesangst. Opisthotonushaltung, greift sich an den Kehlkopf (iod). Im Sitzen und mit frischer Luft vor dem offenen Fenster Erleichterung. Kein Durst. Die Hauptzeit der Krise ist gegen 3:00 Uhr morgens. Ein hervorragendes Mittel besonders für die sog. spastische Bronchitis der Säuglinge und Kleinkinder, wenn nicht klar eines der anderen Mittel indiziert ist und Ipecacuanha nicht ausreichend war (Dorcsi). Antimonium tartaricum ist das vom Verfasser wohl am häufigsten gegebene Akutmittel, bei weitem nicht nur für fortgeschrittene Fälle nahe der Asphyxie. Es deckt das Hauptsymptom der asthmoiden Bronchitis ab, die fast völlige Verlegung der Bronchien mit zähem Schleim, sowie die daraus resultierende spastische Atmung und dies für alle Altersgruppen und Schweregrade.
→Atmung – rasselnd – Auswurf – wenig, mit (1): ant-t
→Husten – springt auf, Kind, und klammert sich an die Umstehenden, schreit heiser um Hilfe, oder beugt sich rückwärts und greift an den Kehlkopf (1): ant-t (Pennekamp)
Arsenicum album
#Arsenicum albumAsthma bronchialeJe akuter der Zustand, desto schwächer, ruheloser und ängstlicher sind Arsenicum-Patienten, z. T. in übertriebener Weise. Die Kinder sind völlig außer sich, springen vor Todesangst aus dem Bett (samb). Meist können sie sich aber vor Schwäche nicht viel bewegen, schaukeln höchstens an ihrem Platz hin und her. >Vorwärtsbeugen in Kutscherhaltung (kali-c, spong, lach). Angehörige sollen bei ihnen bleiben und dürfen den Raum nicht verlassen. Kälte wird nicht toleriert und verschlechtert (spong), sie wollen es warm haben, das Fenster muss geschlossen bleiben. Arsenicum hat beim Asthma keine Übelkeit und möchte immer wieder kleine Schlucke zu trinken. Arsenicum ist eines der bekanntesten Mittel für periodisches Auftreten. Die typische Zeit ist 1:00–2:00 Uhr nachts (9.2).
→Atmung – asthmatisch – Niedergeschlagenheit, mit – glaubt, sterben zu müssen (2): ars, psor
→Atmung – asthmatisch – Luft – kalte – agg. (10): arg-n, ars, bar-c, dig, nux-v, petr, …

Praxistipp

Weitere wichtige Asthmamittel bei Kindern nach M. Tyler sind: Chamomilla, Pulsatilla, Natrium sulfuricum, Sambucus nigra.

Chamomilla
#ChamomillaAsthma bronchialeAsthma nach Zornausbruch oder Wutanfall. Im typischen Chamomilla-Zustand führen sich die Kinder wie Angstbeißer auf, hochgradig reizbar, mürrisch, quengelig, launisch, ungeduldig, trotzig und aggressiv. Sie verlangen nach diesem oder jenem; wenn man es ihnen gibt, werfen sie es wieder weg. Hitzig, schwitzig, rote Backen. Enorme Empfindlichkeit auf Licht, Geräusche und Schmerzen. Sie wollen niemanden bei sich haben und entwinden sich in Opisthotonushaltung, welche ihre Qual bessert. Allein durch Tragen auf dem Arm und Streicheln lassen sie sich beruhigen, ebenso durch frische Luft und Trinken von kaltem Wasser. In den Chamomilla-Zustand können sie durch kalten Wind, Luftwegs- und Magen-Darminfekte sowie durch Zahnungsschmerzen geraten. Die kritische Zeit ist ab dem Abend die ganze Nacht über bis vormittags.
→Atmung – asthmatisch – Zorn, nach (4): ars, cham, nux-v, pitu-a
Pulsatilla pratensis
#Pulsatilla pratensisAsthma bronchialeWie bei den vorgenannten Mitteln kann sich das Asthma aus einer Erkältung, bei Pulsatilla typischerweise aus einem dicken gelben Schnupfen heraus entwickeln. Ab dem Abend gehen die Atemwege schnell zu und führen zu Brustbeklemmung und Atemnot. Die Kinder können sich in Erstickungsanfälle mit Krampfsymptomen wie Schluckauf hineinsteigern. Wärme und warme Räume verschlechtern, frische Luft oder Aufenthalt im Freien tut gut, das Fenster soll geöffnet werden. Die Stimmung kann sehr schwanken, und ist stark abhängig vom Verhalten der Bezugspersonen. Durch intensiven Trost und Zuspruch lässt sich Pulsatilla leicht wiederaufbauen. Die Symptomatik erreicht selten die volle Dramatik der anderen Asthmamittel (9.2).
→Magen – Schluckauf, Singultus – Atembeklemmung, mit (3): aeth, nux-v, puls
→Atmung – asthmatisch – hysterisch (17): anac, ars, cocc, ign, mosch, nux-m, nux-v, phos, puls, stann, stram, sulph, …
→Atmung – asthmatisch – Überhitzung, bei (2): bry, puls
→Atmung – asthmatisch – Luft – frische Luft, im Freien – amel. (6): am-c, bry, kali-s, naphtin, puls, trif-p
→Rücken – Kälte, Frostgefühl – Wasser darauf gespritzt, wie kaltes – Asthma, bei (1): puls
Sambucus nigra
P#Sambucus nigraAsthma bronchialelötzliches verschrecktes nächtliches Erwachen mit einem Erstickungsanfall. Die Hauptverschlimmerungszeit ist nach Mitternacht gegen 3:00 Uhr (kali-c). Das Kind fürchtet zu ersticken, setzt sich auf oder springt zyanotisch mit Luftnot und Todesangst aus dem Bett (ars). Dann bessert sich der Zustand, es schläft wieder ein, bis sich das Ganze wiederholen kann. Wie bei Lachesis und Aralia schläft es förmlich in die Verschlechterung hinein. Der Zustand lässt erst in der Früh beim Erwachen nach. Eine andere bekannte Indikation ist das Schniefen der Säuglinge mit völlig zugeschwollener, verstopfter, trockener Nase. Wie beim Asthma ist auch hierbei besonders die Ausatmung behindert, Schlafen und Trinken dadurch gestört (9.2).
→Atmung – asthmatisch – Mitternacht, nach – springt aus dem Bett (3): ars, graph, samb

Praxistipp

Folgende Natriumsalze kommen als Asthmamittel infrage: Natrium arsenicosum, Natrium muriaticum, Natrium phosphoricum, Natrium sulfuricum.

Natrium sulfuricum
#Natrium sulfuricumAsthma bronchialeTypisch für ein sykotisches Mittel wie Natrium sulfuricum ist die Empfindlichkeit auf feuchtes und feuchtwarmes Wetter – hier speziell Nebel und Regenwetter – bzw. auf den Wechsel von trockener zu feuchter Witterung sowie feuchte Umgebung und Wohnverhältnisse. Feuchtes Asthma und feuchte Rasselgeräusche. Die Atemnotanfälle werden gefolgt von einem sykotisch grünlichen oder albuminösen Auswurf. < Liegen auf der linken Seite. Schlimmste Zeit 4:00–5:00 Uhr morgens (9.2).
→Atmung – schwierig – Luft – feuchte, agg. (6): aur, bar-c, cupr, dulc, kali-bi, nat-s

Praxistipp

Folgende Kaliumsalze kommen als Asthmamittel infrage: Kalium arsenicosum, Kalium carbonicum, Kalium iodatum, Kalium nitricum, Kalium sulfuricum.

Kalium carbonicum
#Kalium carbonicumAsthma bronchialeDie typische Kaliumzeit liegt zwischen 2:00 Uhr und 4:00 Uhr (nat-m). Eher trockener, schmerzhafter Husten beim Asthmaanfall mit fast fehlendem Auswurf. Allerdings können ungewollt kleine Schleimklumpen beim Husten herausfliegen (bad.). Die Empfindung ist, keine Luft in der Brust zu haben. < Zugluft, Kälte, Liegen und Trinken; > aufrecht Sitzen und Kopf auf die Knie Beugen oder Schaukeln (ars). Ödemneigung, speziell über den Oberlidern, auch bei Kindern sieht man dort eine typische Säckchenbildung.
→Atmung – asthmatisch – Mitternacht, nach – 2:00–3:00 Uhr, bis (3): kali-ar, kali-c, oxig
→Atmung – asthmatisch – Kopf-Knie-Stellung, mit (1): kali-c
→Atmung – asthmatisch – Schaukeln amel. (2): ars, kali-c
→Auswurf – schießt aus dem Mund heraus (5): bad, chel, kali-c, kali-chl, mangi
→Augen – Schwellung – Lider – Oberlider, Husten agg. (1): kali-c
Kalium sulfuricum
#Kalium sulfuricumAsthma bronchialeIn fast allen Körper- und Gemütssymptomen sehr ähnlich zu Pulsatilla, aber in allen Bereichen bösartiger. Mehr chronischer gelber Nasen- und Rachenkatarrh, der die Nase verstopfen kann. Dann Mundatmung, Schnarchen, Heiserkeit, Geruchsverlust. Das Asthma entsteht aus einer solchen starken Erkältung heraus. Typisch sind die dick-gelben bis eitrigen lockeren Absonderungen aus den Bronchien, die durch lautes grobblasiges Rasseln auch im Schlaf unüberhörbar sind. Bei kleineren oder geschwächten Kindern verstopfen sich die Bronchien derart, dass die Atmung keuchend oder asthmatisch wird mit Gefahr einer Pneumonie. Die Wirkung auf gelbliche Absonderungen auch bei Konjunktivitis oder Leukorrhö, auf Tubenkatarrh, rheumatische Diathese und die Verschlimmerung durch Wärme sowie die Besserung durch frische, kühle Luft teilt es ebenfalls mit Pulsatilla. Die typische Kalium-Verschlimmerungszeit liegt aber zwischen 2:00–3:00 Uhr, die von Pulsatilla dagegen abends bis vor Mitternacht (9.2).
→Atmung – asthmatisch – warmes Zimmer agg. (6): am-c, bry, carb-v, just, kali-s, lob
→Atmung – rasselnd – grob (3): ant-t, cupr, kali-s

Homöopathische Arzneimittel beim akuten Asthma-Anfall: Halogene

Die in der Homöopathie vertretenen Mittel aus der sehr reaktionsfreudigen Gruppe VII des Periodensystems der Halogene: Fluor, Chlor, Brom, Jod und ihre Verbindungen spielen eine wichtige Rolle bei Haut-, Drüsen-, Husten-, Pollinose-, Atemnot- und Asthmaproblemen. Gemeinsam ist allen Halogenen ein beschleunigter Stoffumsatz, der sich durch schnelle Abmagerung und große Ruhelosigkeit repräsentiert, eine Neigung zu Drüsenverhärtung und die Unverträglichkeit von Schwüle, Hitze und Sonne.
Bromum
#BromumAsthma bronchialeKinder, die Bromum benötigen, sind oft hellhäutig, blond und dicklich, ähnlich Pulsatilla. Sonst mit den anderen Halogenen vergleichbare Symptomatik mit Einschnürung in der Kehle, dem Laryngospasmus, Pseudokrupp, Kälte im Kehlkopf, Giemen und Rasseln. Allergisches Asthma mit Vibrieren der Nasenflügel (lyc), Keuchhusten. Verschlechterung durch Staub mit dem Gefühl, als ob man Rauch einatme (puls). Deutliche Besserung am Meer (med, tub, ant-t).
→Atmung – astmatisch – Luft – Seeluft amel. (4): brom, carc, med, syc-co
→Atmung – asthmatisch – Seeleute, sobald sie an Land gehen (1): brom
→Atmung – behindert – Schlucken, beim (1): brom
Iodum
#IodumAsthma bronchialeEbenfalls schwere Form des Asthmas, häufig bei Heu- und allergischem Asthma. Heiserer, trockener Kitzel- und Kehlkopfhusten. Das Kind greift sich wegen des Einschnürungsgefühls an den Kehlkopf (ant-t). Schmerzhafte Atmung. Durch wund machenden Schleim aus den Choanen kann ein Laryngospasmus ausgelöst werden. Sehr ruhelos und ängstlich. Iodum ist eines der heißesten Mittel, < Wärme und Anstrengung, > kühle Anwendungen. Beschwerden können auch vormittags auftreten. Iodum-Kinder sind oft von dunklem Teint, warmblütig, unruhig und untergewichtig trotz ständigen Heißhungers. Tendenz zu Lymphknotenschwellungen und Kropfbildung (9.2).
→Atmung – asthmatisch – konstitutionsbedingt [Pennekamp] (26): calc, iod, nat-s, sulph, thuj, tub, …
→Atmung – asthmatisch – Menses, während (5): cupr, iod, kali-c, lach, spong
Spongia tosta
#Spongia tostaAsthma bronchialeSpongia enthält als Mittel aus dem Meer neben den Halogenen Brom, Jod und Chlor viele andere Bestandteile wie Kalk, Magnesium, Kieselsäure, Schwefel- und Phosphorsäure, die durch den Röstvorgang freigesetzt werden. Außer den bekannten Indikationen Pseudokrupp, Hoden- und Schilddrüsenerkrankungen steht Spongia für das schwere Asthma der Kinder im Verlauf von Infekten. Es tritt aus dem Schlaf heraus gegen 1:00 Uhr nachts plötzlich auf (lach, aral, samb). Trockener, kruppöser Husten. Gefühl, als müsse man durch einen Schwamm atmen. Hierbei entsteht auch das typische forcierte Atemgeräusch zwischen den Hustenanfällen, ähnlich einer Säge, die durch Holzbretter gezogen wird (brom). < Liegen, kaltes Trinken, kalte Luft, > warme Getränke (ars). Als Besonderheit wird die Dyspnoe bei Spongia erleichtert durch Opisthotonushaltung des Kopfes (Beugen nach hinten) oder eben, wie meistens bei Asthma, durch Sitzen in Kutscherhaltung.
→Atmung – rau – sägend (10): ant-t, brom, con, iod, samb, sang, spong, …
→Atmung – asthmatisch – beugen, neigen – Kopf – hinten amel, nach (6): bell, cham, spong, verat, …
→Atmung – asthmatisch – Kropf, mit (1): spong
→Weibliche Genitalien – Menses – unterdrückt – Asthma, bei (2): puls, spong
→Atmung – asthmatisch – Menses – nach (1): spong
→Gemüt – Traurigkeit, Trübsinn, Niedergeschlagenheit, Depression, Melancholie – Asthma, bei (5): ars, kali-p, phos, psor, spong

Homöopathische Arzneimittel beim akuten Asthma-Anfall: Schlangenmittel

Zur Anwendung bei akutem Asthma kommen auch folgende Schlangenmittel:
  • Crotalus horridus

  • Lachesis

  • Naja tripudians

Lachesis muta
#Lachesis mutaAsthma bronchialeTypisch ist das Auftreten im, aus und nach dem Schlaf und das hochgradige Beengungsgefühl im Hals- und Atembereich. Erstickungsangst, keinerlei Bedeckung wird dort toleriert, die Luft muss freien Zugang haben, Fenster und Türen müssen geöffnet sein. Mangelhafte Oxidation macht sich sofort durch blaurote Gesichtsfarbe bemerkbar (aur). > Alles, was Kühlung bringt sowie alles, was abgesondert und ausgeschieden werden kann. Liegen auf der linken Seite nicht möglich. Eifersucht, z. B. Asthma nach Geburt eines Geschwisters (9.2).
→Atmung – asthmatisch – Schlaf – im, setzt ein (16): acon, ars, carb-v, hep, kali-c, lach, nat-s, op, samb, sep, sulph, …
→Atmung – asthmatisch – Schlaf – nach (4): aral, grin, lach, samb
Naja tripudians
#Naja tripudiansAsthma bronchialeDas Schlangenmittel, welches Liegen am schlechtesten erträgt. Erwacht und glaubt zu ersticken. Schlangenspezifische Halsenge. Starkes Herzklopfen als Mitreaktion, Asthma cardiale. Spezifikum für erworbene Herzklappenfehler bei Kindern (Kent, Arzneimittelbilder).
→Atmung – asthmatisch – abends – Hinlegen, nach dem (13): cist, grin, lach, puls, samb, sulph, …
→Atmung – asthmatisch – Herzbeschwerden, bei – Endstadium, im: (1) naja
→Hals – Würgen, eingeschnürt – greift sich an den Hals (1): naja

Homöopathische Arzneimittel beim akuten Asthma-Anfall: Weitere pflanzliche Asthmamittel

Aralia racemosa
#Aralia racemosaAsthma bronchialeAllergien der oberen und tieferen Luftwege. Gefühl, als säße ein Fremdkörper im Hals, Zuschnürung der Brust. Abendlicher Husten. Nicht lange nach dem Hinlegen beginnen die Beschwerden. Kitzelhusten, zunächst ohne Erwachen, der sich zum Asthma mit Erstickungsgefühl steigern kann und sich gegen 23:00 Uhr weiter verschlechtert. Muss sich immer wieder aufsetzen. Empfindlich auf Temperaturwechsel, besonders zur Kälte (9.2).
→Atmung – asthmatisch – Brennen in Hals und Brust, mit (1): aral
→Atmung – asthmatisch – Liegen – Hinlegen in der Nacht (1): aral
→Husten – abends – Schlaf – im ersten – Kinder, ständiger Kitzelhusten ohne aufzuwachen (10): acon, agar, aral, cham, cycl, lach, nit-ac, sulph, tub, verb
Lobelia inflata
#Lobelia inflataAsthma bronchialeKinder wachen nachts mit einer Atemkrise auf (samb). Sie empfinden eine Beengung oder Einschnürung im Hals (spong und die Schlangenmittel), ähnlich einem Fremdkörper. Der Würgereflex ist dabei wie unterdrückt, was große Angst und Panik hervorruft. Diese Angst kann subjektiv sehr ausgeprägt sein und sich geradezu hysterisch bis zur Hyperventilation oder dem Gefühl, das Herz stehe still, steigern, obwohl die Thoraxauskultation normal ist. Große allgemeine Schwäche und Vagotonie mit schnellem, kleinem Puls, Übelkeit, Erbrechen und Schweißen, Elends- und Leeregefühl im Magen (tab), welches sich bis zu Brust und Herz erstreckt. Trotzdem Hunger, der Speichel läuft im Mund zusammen. Dem Asthmaanfall kann ein Prickeln oder ein Gefühl von feinen Stichen im ganzen Körper vorausgehen. Verschlechterung durch Tabakrauch, schnelles Gehen, und beim Asthmaanfall durch geringste Kälte und Bewegung. Lobelia ist neben Tabacum auch ein Mittel für Entzugserscheinungen während einer Nikotinentwöhnung.
→Atmung – asthmatisch – hysterisch (17): anac, ign, lob, mosch, nux-m, nux-v, puls, …
→Atmung – asthmatisch – Übelkeit, Magenschwäche, Erbrechen und kalten Knien, mit (1): lob
→Atmung – asthmatisch – Stichen am ganzen Körper, nach feinen, Prickeln (1): lob
Nux vomica
#Nux vomicaAsthma bronchialeDie legendäre Reizbarkeit und Empfindlichkeit von Nux vomica prädestiniert dieses Mittel für Erkrankungen aus dem allergischen Formenkreis. Wie wir schon beim Heuschnupfen gesehen haben, dominiert Nux vomica bei vielen allergischen Erscheinungsformen, so auch beim Heuasthma (9.2). Begünstigend wirken sich Überarbeitung und Stress, verbunden mit Schlafmangel und Missbrauch von Aufputschmitteln aus. Eine zweite empfindliche Ebene ist der Magen-Darmbereich, der mit krampfartigen, schmerzhaften funktionellen Störungen reagiert. Die Empfindlichkeiten, die in der Lage sind, Asthma auszulösen sind Kälte, leisester Luftzug, Aufregung, Überreizung, ängstliche Träume, zu enge Kleidung, grelles Licht, Geräusche, Staub, Rauch, Essen, Magenbeschwerden, jegliche Anstrengung, besonders beim Treppensteigen. Die Beschwerden < nach 24:00 Uhr bis zum frühen Morgen, oder setzen gleich nach dem Erwachen ein. Die Stimmung der Asthmakranken ist nervös, ungeduldig, sie können dabei bis zur Unerträglichkeit gereizt sein (9.2).
→Atmung – asthmatisch – Magenstörung, durch (1): nux-v.
→Atmung – asthmatisch – Magenbeschwerden, mit (2): nux-v, sang,
→Husten – Mitternacht – agg. – nach – morgens, bis – Dämmerung, bis zur (1): nux-v
→Atmung – asthmatisch – morgens – Erwachen, beim – früh (9): ant-t, ars, kali-bi, kali-c, nat-s, nux-v, …
→Atmung – asthmatisch – Träume, durch angsterregende (1): nux-v
→Atmung – asthmatisch – Zorn, nach (4): ars, cham, nux-v, pitu-a
Sticta pulmonaria
#Sticta pulmonariaAsthma bronchialeAsthma mit rasenden berstenden Kopfschmerzen, als ob er Kopf zerspringen wollte (9.2).
→Atmung – asthmatisch – Kopfschmerzen, mit (4): card-m, kali-c, menthol, stict
→Kopfschmerzen – allgemein – Asthma, bei (2): mag-p, stict
→Kopfschmerzen – berstend – Asthma, bei (1): stict

Homöopathische Arzneimittel beim akuten Asthma-Anfall: Nachtschattengewächse

Zur Anwendung bei akutem Asthma kommen auch folgende Nachtschattengewächse
  • Belladonna

  • Dulcamara

  • Hyoscyamus

  • Stramonium

Belladonna
#IpecacuanhaBelladonnaHeftige, plötzliche, Angst machende Anfälle bis zur Asphyxie. Blutkongestion zum Kopf mit Rötung, Hitze, Schweiß und großen Pupillen. Trockenheit der Kehle, trotzdem Durstlosigkeit. Konvulsiver, quälender, trockener Husten ab spätem Nachmittag bis vor Mitternacht. Atmung langsam und laut (op). Wie bei Spongia Besserung, wenn die Kinder den Kopf nach hinten beugen. Empfindlich auf Wärme, Sonne, Staub. Atembeklemmung durch Thymushyperplasie.
→Atmung – asthmatisch – Wetter – warmes – nasses, feuchtes (4): bar-c, bell, carb-v, syph
→Atmung – asthmatisch – nachmittags (5): apis, bell, calad, calc-s, carb-v
→Atmung – asthmatisch – Staub, durch Inhalieren von (13): ars, bell, calc, hep, phos, sil, sulph, …
→Atmung – asthmatisch – Thymusdrüse, bedingt durch (21): acon, ant-t, aur, bell, con, hep, ip, lach, meph, merc, phos, seneg, spong, verat, …
Dulcamara
#DulcamaraAsthma bronchialeFindet sich in einigen charakteristischen Asthmarubriken. Bekannt ist das Mittel dafür, dass alle Beschwerden, sei es Diarrhö, Zystitis, Rheuma oder Asthma, durch Wetterwechsel, feuchte Witterung, Kälte und Nässe ausgelöst werden können (zum Vergleich rhus-t: Folgen von feuchter Kälte plus Überanstrengung; acon: Folgen von trockener Kälte). Eine zweite große Causa von Dulcamara ist die Unterdrückung von Hautausschlägen. Die allergische Komponente zeigt sich in seiner Wirkung als Heuschnupfen- und Heuasthmamittel sowie als eines der Mittel für Katzenhaarallergie (9.2).
→Atmung – asthmatisch – Wetter – kaltes – nasses (7): ant-t, ars, dulc, med, nat-s, …
→Atmung – asthmatisch – abwechselnd mit – Schmerzen, rheumatischen (2): dulc, med
→Allgemeines – Allergien – Neigung zu – Katzen, gegen [SynthTE2009] (7): ars, dulc, kali-c, lac-f, puls, sulph, tub
Hyoscyamus niger
#Hyoscyamus nigerAsthma bronchialeDas Kind wacht mit einem krampfhaften, quälenden trockenen Husten nach Mitternacht auf, der sich beim Aufsetzen sofort bessert, beim Hinlegen, Reden oder Essen verschlimmert. Das Kind kann sich dabei bis zu Atemkrämpfen, Asthma und Zyanose erregen. Ein Mittel mit generell starken Bezügen zu Erregung, Konvulsionen und deliranten Zuständen, ordinärem Fluchen, Erotomanie und Eifersucht.
→Atmung – asthmatisch – krampfartig (71): ant-t, ars, bell, cupr, dros, gels, hyos, kali-br, lach, lyc, mosch, nat-s, nux-v, op, phos, plb, puls, sars, sep, spong, stann, stram, sulph, sumb, tab, valer, verat, zinc, …
→Husten – folternd, quälend – Mitternacht, nach (1): hyos
→Husten – folternd, quälend – Aufsitzen amel. (3): arg-n, hyos, puls
Stramonium
#StramoniumAsthma bronchialeMittel für hochakute Situationen bei Kindern in der Nacht. Viele Ängste, z. B. vor Dunkelheit, Alleinsein, Tieren, Geistern, glänzenden Gegenständen. Auch Asthma durch Angst. Während der Beschwerden heißes Gesicht, rote Backen, kalte Glieder, trockener Mund (bell). Blasende Atmung (op atmet ähnlich, aber mehr puffend). Im Delirium Halluzinationen und Gewalttätigkeit. Die Beschwerden können nach einem psychischen Trauma oder schwerer Erkrankung beginnen. Das Kind entlädt seine massiven Ängste in deliranten zerstörerischen Aktionen. Klassisches Mittel auch für Pavor nocturnus und Fieberkrampf.
→Atmung – anfallsweise, spastisch – Ausatmung (2): bell, stram
→Atmung – behindert – Angst, bei (26): acon, anac, lyc, nux-v, phos, puls, sars, stann, stram, thuj, …
→Atmung – Blasen – Ausatmung (3): arn, chin, stram.

Homöopathische Arzneimittel beim akuten Asthma-Anfall: Metalle

Zur Anwendung bei akutem Asthma kommen auch folgende Metalle: Argentum nitricum, Aurum metallicum, Cuprum metallicum, Ferrum meallicum.
Cuprum metallicum hat sehr starke Bezüge zu Krämpfen und Spasmen. Zusammenziehen von Brust und Hals. Plötzliche Asthmaattacken mit Gesichtszyanose gegen 3:00 Uhr morgens. Die Anfälle können ausgelöst werden durch unterdrückten Schreck oder Zorn. Asthma nach oder im Wechsel mit unterdrückten Hautausschlägen (acon, ip, ant-t). Ballt im Anfall die Faust um den Daumen.
→Atmung – asthmatisch – Zyanose, mit (3): ars, cupr, sam
→Atmung – asthmatisch – abwechselnd mit – Erbrechen – krampfartig (2): cupr, ip
→Extremitäten – ballt die Faust – krampfhaft (6): cupr, glon, harp, mag-p, nux-m, nux-v
→Atmung – Asphyxie, scheintot – Konvulsionen, nach (1): cupr

Homöopathische Arzneimittel beim akuten Asthma-Anfall: Weitere Zyanose- und Asphyxiemittel

Zur Anwendung bei akutem Asthma kommen auch folgende Zyanose- und Asphyxiemittel: Antimonium tartaricum (s. o.), Arsenicum album (s. o.), Carbo vegetabilis (s. u.), Ipecacuanha (s. o.), Lachesis, Laurocerasus (s. u.), Sambucus nigra (s. o.).
Carbo vegetabilis
#Carbo vegetabilisAsthma bronchialeMangelnde Sauerstoffversorgung infolge längerer belastender und auszehrender Erkrankung. Kräfteverlust, Kälte, Kollaps, Erbrechen, kalte Erschöpfungsschweiße. Lufthunger, verlangt, dass ihm Luft zugefächelt wird. Grau-fahle Facies hippocratica.
→Atmung – schwierig – fächeln – verlangt (17): ant-t, apis, ars, cann-i, carb-v, ferr, lach, med, naja, sulph, …
→Atmung – asthmatisch – Flatulenz, durch (11): carb-v, cham, chel, lyc, nux-v, sulph, …
→Atmung – asthmatisch – Husten, nach (2): carb-v, phos
→Atmung – asthmatisch – Masern, nach (2): brom, carb-v
→Atmung – asthmatisch – Reden, amel. (3): carb-v, ferr, med
Laurocerasus
#LaurocerasusAsthma bronchialeErstickungsgefahr durch pulmonale oder kardiale Insuffizienz. Asystolie. Der Patient greift ans Herz und ist präkomatös. Auffallend: Verschlechterung im Sitzen, Verbesserung im Liegen. Kirschlorbeer enthält Acidum hydrocyanicum, Blausäure.
→Atmung – Asphyxie, scheintot (98): Unterrubriken! z. B. bei Kindern (1): op
→Atmung – asthmatisch – Sitzen, agg. (3): ferr-acet, laur, psor
→Allgemeines – Liegen, amel. im – Kopf – tief gelagert (17): apisin, arn, bell, calc, caust, cycl, lach, laur, nat-m, petr, puls, sang, spig, spong, tab, verat, verat-v

Homöopathische Arzneimittel beim akuten Asthma-Anfall: Asthmamittel mit typischer Lage und Position

Dass das Asthma meist im Liegen schlechter und im Sitzen mit nach vorn gebeugtem Oberkörper besser zu ertragen ist, ist fast schon pathognomonisch. Andere spezielle Lagen und Haltungen können hinweisend auf bestimmte Mittel sein.
Medorrhinum
#MedorrhinumAsthma bronchialeNimmt beim Asthmaanfall die Knie-Ellenbogen-Lage ein, liegt auf dem Gesicht mit heraushängender Zunge (Boericke) oder schläft auf dem Rücken mit angezogenen Knien (Foubister).
→Atmung – asthmatisch – Liegen – amel. – Gesicht, auf dem, mit heraushängender Zunge (1): med
→Schlaf – Lage – Rücken, auf dem – Knie – gezogen, unter die Brust, bei Asthma (1): med
Psorinum
#IpecacuanhaAsthma bronchialeVerschlechtert im Sitzen (laur), besonders beim Zurücklehnen und bessert beim Spreizen der Arme.
→Atmung – asthmatisch – Sitzen – agg. (3): ferr-acet, laur, psor
→Atmung – asthmatisch – zurücklehnen beim Sitzen (1): psor
→Atmung – schwierig – Arme spreizen amel. (6): lach, laur, nux-v, psor, spig, tarent
Sambucus nigra
#Sambucus nigraAsthma bronchialeVerschlechtert in Kopftieflage.
→Atmung – asthmatisch – Liegen – agg. – Kopf tief gelagert (1): samb
Stramonium
#StramoniumAsthma bronchialeHebt den Kopf vom Kissen oder hat Opisthotonushaltung.
→Kopf – Anheben des Kopfes – häufig vom Kissen (1): stram
→Kopf – bohrt den Kopf ins Kissen (24): apis, bell, bry, hell, med, stram tarent, tub, …
Thuja occidentalis
#Thuja occidentalisAsthma bronchialeAsthma bei Kindern. Schlaflosigkeit beim Liegen auf der linken Seite. Träume vom Fallen.
→Husten – Liegen – agg. – Seite, auf der – links – Drehen auf die rechte Seite amel. (8): phos, rumx, sep, sulph, thuj, …
→Atmung – asthmatisch – Impfung, nach bei Kindern (1): thuj

Homöopathische Arzneimittel beim akuten Asthma-Anfall: Nosoden

Die folgenden Nosoden kommen bei der Asthmabehandlung am häufigsten in Betracht. Wie sie sich speziell in Bezug auf das Asthma unterscheiden, soll an einigen Asthmarubriken gezeigt werden.
Carcinosinum
#CarcinosinumAsthma bronchialeAtmung – asthmatisch – Anstrengung, nach (5): am-c, ars, carc, nat-s, tax
→Atmung – asthmatisch – Auswurf amel. (15): ant-t, carc, ip, kali-bi, nat-s, sep, stann, zinc, …
→Atmung – asthmatisch – Schweiß – amel. (1): carc
→Atmung – asthmatisch – Wetter – nasses – agg. (14): aur, chin, dulc, nat-s, sil, …
→Atmung – asthmatisch – abwechselnd mit – Hautausschlägen (21): calc, hep, kalm, med, psor, sulph, syph, …
Medorrhinum
#MedorrhinumAsthma bronchialeAtmung – asthmatisch – abwechselnd mit – Hautausschlägen (s. o.)
→Atmung – asthmatisch – Hautausschläge – unterdrückten, nach (20): ammc, apis, ars, calc, ferr, ip, med, mez, psor, sulph, …
→Atmung – asthmatisch – abwechselnd mit – Schmerzen, rheumatischen (3): dulc, med, sep
→Atmung – asthmatisch – Mitternacht – nach – 3.00 – amel. (1): carc
→Atmung – asthmatisch – Luft – Seeluft amel (4): brom, carc, med, syc
→Atmung – asthmatisch – Schwimmen im Meer agg. (11): ars, carc, mag-m, med, nat-m, rhus-t, sep, zinc, …
→Atmung – asthmatisch – Wetter – kaltes – nasses – agg. (14): aur, carc, dulc, nat-s, sil, …
Tuberculinum
#TuberculinumAsthma bronchialeAtmung – rasselnd (204): bevorzugt Unterrubriken anwenden
→Atmung – schnarchend (86): bevorzugt Unterrubriken anwenden
→Atmung – schwierig – Schweiß – mit (22): ant-t, ars, carb-veg, lach, lyc, sep, sulph, tub…
→Atmung – schwierig – Schweiß – mit – chronisch (1): tub
→Atmung – schwierig – Luft – Fahren in kalter Luft – amel. (1): tub
→Atmung – schwierig – offen – verlangt nach offenen Türen und Fenstern (31): arg-n, calc, carb-s, iodum, ip, lach, lyc, med, puls, sulph, tub, …
Sehr ausgeprägt bei Tuberculinum: Wenn kein natürlicher Wind ist, hält er den Kopf aus dem Wagen und zieht die Fahrtluft ein →Atmung – tief – Bedürfnis, tief zu atmen. Tuberculinum findet sich auch in vielen Hustenrubriken.

Kasuistiken

Kasuistik

Asthma bronchiale (Stufe 3) und Heuschnupfen (Michael Drescher)

Anamnese

Der 13-jährige, sehr kräftige, übergewichtige, warmblütige, bodenständige und unkomplizierte Bub hat seit sieben Jahren Asthma. Wegen einer Neurodermitis im Kleinkindalter wurde der Junge sehr oft mit Kortisonsalben behandelt. Die Hautausschläge traten nicht auf, solange er damit eingecremt wurde. Im Alter von sieben Jahren bekam er Beschwerden der Atemwege mit v. a. nächtlichen Hustenanfällen. Er musste im Bett aufsitzen, die Lippen wurden blau. Ein Allergietest ergab positive Reaktionen auf Hausstaubmilben, Gräser-, Kräuter-, Baumpollen. Die Diagnose Heuschnupfen und periennales Asthma wurde gestellt. Er wurde dreieinhalb Jahre lang spezifisch desensibilisiert und bekam fünf Jahre lang Antihistaminika (Ketotifen). Weil sich trotz allem im vergangenen Mai der Heuschnupfen und das Asthma stark verschlechterten, bekam er eine medikamentöse Dauereinstellung nach Stufe III mit täglich Aarane®, Flutide junior® und Severent®. Er leidet dennoch weiterhin an Husten mit Atemnot, v. a. nachts, beim Sport, bei Streit, Angst und Aufregung. Der Husten führt bis zum Erbrechen.
Familienanamnese: Nickelallergie bei der Mutter und sehr starke Hautprobleme bei der Schwester der Mutter.

Repertorisation

→Nase – Schnupfen – allgemein – jährlich, Heuschnupfen – asthmatischer Atmung, mit (33): ars, ars-j, bad, carb-v, dulc, euphr, iod, naja, nat-s, nux, sabad, …
→Nase – Nasenbluten – allgemein – Kindern, bei (24): bell, ferr, ham, lyc, merc, phos, sulph, tub, …
→Magen – Erbrechen – Allgemein – Husten – beim (100): ant-t, bry, dros, kali-c, nat-m, puls, sep, sil, sulph, …
→Husten – nachts – agg. – erwacht vom Husten (36): bell, hyos, kali-c, lach, puls, sulph, …
→Gesicht – Risse, Schrunden – Mundwinkel (51): ant-c, arum-t, graph, nit-ac, sil, sulph, …
→Gesicht – aufgesprungen – Lippen (62): alum, bry, calc, kali-bi, kali-c, nat-m, phos, sulph, …
→Extremitäten – Warzen – allgemein – Arme (60): calc, caust, sep, sil, sulph, …
→Extremitäten – Warzen – allgemein – Hände (46): bar-c, calc, caust, dulc, lach, nit-ac, psor, sulph, thuj, …
→Extremitäten – Hitzegefühl – allgemein – Beine – Füße – entblößt die Füße (36): cham, lach, med, nat-s, puls, sulph, …
→Atmung – asthmatisch – Kinder (43): acon, ant-t, calc, kali-s, nat-s, puls, samb, sulph, thuj, …
→Atmung – asthmatisch – Hautausschläge – unterdrückten, nach (20): ars dulc, ferr, ip, psor, puls, sulph, …
→Atmung – asthmatisch – Emotionen, nach (11): acon, coff, gels, ign, nux-v, puls, …
→Atmung – schwierig – Anstrengung, nach (85): ars, calc, kali-c, lach, lyc, nat-m, nat-s, nit-ac, sil, spong, stann, staph, sulph, verat, …
→Allgemeines – Speisen und Getränke – fette und gehaltvolle Speisen – Verlangen: (31): calc-p, carc, med, mez, nit-ac, sulph, tub, …
→Allgemeines – Speisen und Getränke – Süßigkeiten – Abneigung (48): arg-n, ars, caust, graph, kali-c, lyc, merc, sulph, …
→Allgemeines – Speisen und Getränke – Gemüse – Abneigung (17): caust, hell, hydr, lyss, mag-c, mag-m, nat-m, phos, sulph, …
→Allgemeines – Hitze – Empfindung von (172): apis, calc, calc-s, kali-s, nat-m, nat-s, sulph, …
→Allgemeines – Aufdecken – Verlangen – tritt Decken oder Kleider von sich (15): bry, cham, lyc, puls, sulph, …
→Allgemeines – Adipositas, Fettleibigkeit – Kindern, bei (18): ant-c, calc, caps, ferr, kali-bi, sulph, …

Verordnung und Verlauf

Bis auf die emotionale Komponente, die durch Sulphur nicht abgebildet wird, zieht sich Sulphur durch alle Rubriken. Er bekommt unter Beibehaltung der schulmedizinischen Medikamente Sulphur C 200. Eine Woche nach der Einnahme kehrt eine frühere Veranlagung zu gehäuftem Nasenbluten wieder. Zwei bis drei Wochen nach der Einnahme spürt er, dass es ihm mit der Atmung bessergeht, besonders beim Laufen und bei Anstrengung.
Ohne Absprache mit mir setzt der junge Patient fünf Wochen nach der Erstverordnung von Sulphur C 200 von einem Tag auf den anderen Flutide®, eine Woche später auch Severent® ab und wird es später nie mehr brauchen. In diesem Jahr hat er auch keinerlei Heuschnupfensymptome.
Nach zweieinhalb Monaten erfolgt die zweite Gabe Sulphur C 200, nachdem er eine nächtliche Hustenattacke mit Erbrechen hatte, die er mit bereitgehaltenem Antimonium tartaricum D 6 kurierte. Unter Sulphur C 1000 wird er voll belastbar, nur bei forciertem steilem Bergaufgehen hat er noch asthmatische Beschwerden. Unter Sulphur C 10 000 zeigen sich die ersten Ausschläge wieder, die sich unter Sulphur C 100 000 weiter ausdehnen und jetzt auch wieder jucken. Bis zur zweiten Gabe Sulphur C 100 000 fünf Monate später ist keinerlei Asthma mehr aufgetreten. Die Haut spricht gut an auf die nachfolgenden Gaben von Sulphur, die jetzt in größeren Abständen fortgesetzt werden. Er beginnt eine Ausbildung als Koch. Gesamtbeobachtungszeit fünf Jahre.

Kasuistik

Asthma bronchiale (Michael Drescher)

Anamnese

Der elfjährige Bub hatte ab seinem dritten Lebensmonat fünf Jahre lang rezidivierende spastische Bronchitiden. Es wurde eine Kuhmilchallergie ausgetestet. Seit zwei Monaten ist das Asthma deutlich schlimmer geworden, er braucht jetzt jede Nacht und jedes Mal vor Sport Aarane® und regelmäßig 3 × 8 Tr. Solosin®. Der schlanke, dürre Bub nimmt einfach nicht zu trotz guten Appetits. Besonders gern mag er Rohes, Süßes, Salziges und Schokolade. Er schläft abends erst zwei Stunden nach dem Hinlegen ein. Der Schlaf ist leicht. Der Höhepunkt des nächtlichen Hustens ist zwischen 2:00 Uhr und 4:00 Uhr. In der Früh ist er unausgeschlafen. Er ist schnell erschöpft. Tagsüber bekommt er Asthma beim Lachen und Toben oder aus heiterem Himmel. Er hatte eine heftige Reaktion auf die MMR-Impfung. Große Plantarwarzen.
Familienanamnese: Seine Schwester leidet unter Heuschnupfen, hat die Hyposensibilisierung nicht vertragen und später nach Antihistaminika-Behandlung eine Neurodermitis entwickelt. Relativ strenge, kritische, fordernde Mutter.

Verordnung und Verlauf

Der Junge bekommt der Totalität der Symptome entsprechend Sulphur C 200. Die Einnahme fällt mitten in einen Atemwegsinfekt mit Asthmakrise, weswegen er – allerdings nur für drei Tage – Solosin® bekommt; der Schleim löst sich gut, nach einer Woche besteht kein i Asthma mehr, die Peak-flow-Messung ist deutlich gebessert. Drei Wochen später kann der Junge das Fußball- und Tennistraining ohne Medikamente absolvieren. Sulphur wird weiter verordnet nach der Kent-Skala. Unter Sulphur verschwinden auch alle seine Warzen. Es kommen und gehen – ebenso wie später unter Natrium muriaticum – immer wieder einmal kleinere, z. T. juckende Hautausschläge an verschiedenen Lokalisationen.
Die Symptome der folgenden Heuschnupfensaison reagieren gut auf Nux vomica C 30. Danach weiter mit Natrium muriaticum wegen stärker gewordenem Salzverlangen, Bedürfnis, in seinem Zimmer allein zu sein und Zorn, wenn er gestört wird. Natrium muriaticum hat ihm dann lange Zeit in jeder Beziehung gutgetan: Seit den ersten Sulphur-Gaben leidet er nicht mehr an Asthma (Peak-flow-kontrolliert) und nimmt keine Asthmamedikation mehr ein. Subnormale Infekthäufigkeit. Intensiver Sport strapaziert ihn höchstens noch an den Bändern und Gelenken und ist nicht mehr durch Asthma limitiert. Nach der letzten Gabe von Natrium muriaticum C 100 000 vor zwei Jahren ist er weiterhin beschwerdefrei. Beobachtungszeit mehr als neun Jahre.

Kasuistik

Asthma bronchiale (Stufe 3) und ADHS (Michael Drescher)

Anamnese

Der siebenjährige Bub hatte zwei Jahre zuvor plötzlich einen Asthmaanfall während einer Erkältung bekommen, seitdem leidet er an ständigem Husten und Asthma bei Anstrengung. Es besteht eine Hausstaubmilben- und Katzenepithelallergie. Die Versorgung mit Sultanol® Spray musste vor neun Monaten vom Lungenfacharzt um Oxis® und Pulmicort® erweitert werden, entsprechend dem Vorgehen bei Stufe 3. Damit kann er seinen Peak-flow-Wert auf 220 halten. Dies ist die Ausgangssituation, mit welcher der Junge vorgestellt wird.
Es wird außerdem ein Gutachten der kinderpsychiatrischen Klinik vorgelegt, in der der Junge wegen einer Störung des Sozialverhaltens untersucht wurde. Es wurde ADS (ADS) bei einem IQ von 128 diagnostiziert. Diese Diagnose beschreibt allerdings, wie man sehen wird, seine Störung nicht vollständig.
Die Untersuchung und Anamnese zeigte einen nasebohrenden, hellblonden, impulsiven Jungen, der keinerlei Widerspruch duldet. Ungehorsam und immer konträr, besonders zur Mutter, in seiner Sturheit laut schreiend: „Nein, nein, ich mag das nicht!“ knallt er die Tür hinter sich zu, dreht die Musik laut auf. „Wenn ich nicht will, dann will ich nicht!“ Nimmt für seine Verweigerungshaltung alle Sanktionen und Bestrafungen auf sich. Erzählt mir aber auch in der Anamnese: „Ich bin manchmal ein richtiger Träumer“. Damit meint er, dass er, wenn er träumt, permanent immer nur an eine bestimmte Sache denkt. Er träumt viel von einem imaginären Eben- oder Idealbild, das viel stärker ist als er und alles kann. Träumt ständig von Krieg führen, Kämpfen und Schießen. Er zeigt ein besonders aggressives und jähzorniges Verhalten gegenüber seiner Mutter und seinem jüngeren Bruder. Er ist ständig in Bewegung, mit dem Mund, den Händen, den Füßen. Er grimassiert, beißt die Zähne aufeinander, will dauernd die Hände waschen, schreibt ungelenk und verkrampft. Er hat große Probleme mit anderen Kindern, fordert zu viel von ihnen, will sie gleich ganz für sich vereinnahmen, umarmt sie stürmisch, mag das bei sich selber aber nicht! Deswegen ist er bei anderen nicht beliebt und bleibt ein Einzelgänger. Lässt sich auch von den Eltern nicht umarmen, schmust nicht, lässt körperliche Berührung nicht zu, auch nicht bei der Untersuchung. Angst vor allen Tieren, besonders Hunden. Keine ausgeprägten Nahrungsgewohnheiten. Als syphilitisches Zeichen hat er eine Schwarzfärbung der Zähne.

Verordnung und Verlauf

Beginn mit Tuberculinum bovinum C 1000. Darunter Besserung des Asthmas, sodass nach vier Wochen Pulmicort® ausgeschlichen und Oxis® abgesetzt werden konnten. Verhalten gleichbleibend. Fortsetzung mit Sulphur C 200. Asthma weiter besser, der Junge hatte selbst beim Skifahren keine Probleme mehr, brauchte keine Medikamente. Verhalten ausgeglichener, freundlicher, zugänglicher, lächelt öfter, kooperativer mit dem Bruder. Der Vater ruft an und fragt, ob die homöopathischen Mittel sich auch auf das Verhalten auswirken; vordergründig erfolgte die Vorstellung ja nur wegen des Asthmas. Fortsetzung mit Sulphur nach der Kent-Skala.
Nach der zweiten Gabe Sulphur C 10 000 wieder längere Hustenphasen, gelegentlich braucht der Junge wieder Oxis®. Das Verhalten verschlechtert sich auch wieder, es bestehen große Eifersucht und Aggressionen gegen den Bruder. Erst in der Nachanamnese tritt dann das ganze Dilemma zutage: Sowohl das Asthma wie die Verhaltensstörung begannen mit Zuspitzung des tiefsitzenden Partnerkonflikts der Eltern, als sie sich zweimal für Monate trennten, dann wieder zusammenzogen. Ab jetzt Fortsetzung mit Natrium muriaticum C 200 aufgrund des Familienhintergrundes und der Rubriken, die durch Tuberculinum und Sulphur nicht abgedeckt waren.

Repertorisation

→Gemüt – Beschwerden durch – Kummer, Trauer, Sorge (88): aur, ign, nat-m, ph-ac, puls, staph, …
→Gemüt – Beschwerden durch – Unstimmigkeiten zwischen – Verwandten, Freunden (12): graph, lach, mag-m, merc, nat-m, nit-ac, nux-v, sulph
→Gemüt – Eifersucht – allgemein – Kinder – zwischen (6): ars, calc-s, carc, nat-m, nux-v, sep, …
→Gemüt – Träume – Kämpfe (69): all-c, ferr, nat-m, staph, stram
Natrium muriaticum verbesserte Asthma und Husten aufs Neue und wurde mit Erfolg bis zur Potenz 10 000 weitergegeben. Im Verhalten ebenfalls Verbesserung schon aufgrund der Tatsache, dass die Mutter mit den Kindern ausgezogen ist. Dann verliert sich leider der Kontakt, weil die Mutter sich jetzt endgültig vom Vater losgesagt hat und fortgezogen ist.

Kasuistik

Asthmaanfall (Michael Drescher)

Siebenjähriger Bub mit bekannter Haselpollenallergie, Asthmaanfall am 9. März, nachts um 2:30 Uhr. Schwierige Einatmung, Ringe um die Augen bei leichter Gesichtszyanose, ihm ist warm, Kopfschweiße. Kalium carbonicum C30 half innerhalb von ca. 20 Minuten.

Kasuistik

Asthma bronchiale: Akutsymptomatik (Michael Drescher)

Fünfjähriger Bub mit chronischem Asthma, das sich im Juli aufgrund einer zusätzlichen Pollenallergie verschlimmerte. Die Nase ist seit Einsetzen der Heuschnupfenzeit verstopft und juckt innen. Die Augen jucken und tränen. Am schlimmsten aber ist die Atemnot mit Pfeifen und Giemen, mehr tagsüber, besonders in der Früh nach dem Aufwachen. Die Untersuchung ergibt Rasseln über den Bronchien und Husten mit schaumigem Auswurf. Er bekam dafür bisher von seinem Hausarzt Apsomol®.

Das Akutmittel, welches ihm ab dann genauso gut half, war Nux vomica D12. Der Junge ist inzwischen seit über vier Jahren erfolgreich konstitutionell mit Lycopodium nach der Kent-Skala behandelt und ansonsten medikamentenfrei.

Literatur (9.2)

Amacher et al., 2000

A. Amacher Consensus Statement Asthma bronchiale bei Säuglingen, Kindern und Jugendlichen. Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für Pädiatrische Pneumologie Kinderklinik, Kantonsspital, Winterthur Schweizerische Ärztezeitung 81 8 2000 406 411

AWMF, 2006

Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) Leitlinien der Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie: Asthma bronchiale im Kindes- und Jugendalter (20.2.2006) http://www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/026-010.htm

Asher et al., 2006

M.I. Asher S. Montefort B. Björkstén C.K. Lai Worldwide time trends in the prevalence of symptoms of asthma, allergic rhinoconjunctivitis, and eczema in childhood: ISAAC Phases One and Three repeat multicountry cross-sectional surveys Lancet 368 9537 2006 733 743

Bachert et al., 2001

C. Bachert B. Kardoff C. Virchow Allergische Erkrankungen in der Praxis 2.A. 2001 Unimed Bremen

Berdel et al., 2002

D. Berdel Asthma bronchiale DGKJ Leitlinien Kinder- und Jugendmedizin 2002 Elsevier München

Berdel, 2005

Berdel D. Nationale Leitlinie für Asthma bei Kindern. 40.Kongress der Ärztekammer Nordwürttemberg vom 28.–30.1.2005 in Stuttgart.

Bundesärztekammer, 2013

Bundesärztekammer Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften, Kassenärztliche Bundesvereinigung. Nationale Versorgungsleitlinie Asthma: Medikamentöse Therapie bei Kindern und Jugendlichen (Stufentherapie) 2013 Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin Berlin http://www.versorgungsleitlinien.de/themen/asthma/langfassung/stufenther_kind

Guilbert et al., 2006

T.W. Guilbert Long-Term Inhaled Corticosteroids in Preschool Children at High Risk for Asthma N Engl J Med 354 2006 1985 1997

ISAAC, 1998

ISAAC (International Study of Asthma and Allergies in Childhood) World-wide variation in prevalence of symptoms of asthma, allergic rhinoconjunctivitis in atopic eczema Lancet 351 1998 1225 1232

Kapp and Klimek, 2002

A. Kapp L. Klimek Allergische Entzündungen. Zur Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie 2002 Thieme Stuttgart

Koletzko, 2002

Koletzko S: Ernährung und Immunsystem (GINI-Studie). Kongress am 15.2.2002 in Berlin.

Metsälä et al., 2015

J. Metsälä A. Lundqvist L.J. Virta M. Kaila Prenatal and post-natal exposure to antibiotics and risk of asthma in childhood Clin Exp Allergy 45 1 2015 137 145

Michalczuk et al., 2015

M. Michalczuk A.J. Sybilski A. Piliszek J. Walecki Organic changes in the central nervous system in children on chronic inhaled corticosteroid therapy Adv Exp Med Biol 839 2015 41 45

Nicolai, 2007

T. Nicolai Asthma bronchiale W. Kless A. Merkenschlager R. Pfäffle Therapie in der Kinder- und Jugendmedizin 2007 Elsevier München

Nolte, 1984

D. Nolte Asthma. Das Krankheitsbild, der Asthmapatient, die Therapie 2. A. 1984 Urban & Schwarzenberg München

Reinhardt, 1985

D. Reinhardt Asthma bronchiale im Kindesalter 1985 Springer Heidelberg

Senf and Broda, 1996

W. Senf M. Broda Praxis der Psychotherapie 1996 Thieme Stuttgart

Weiland et al., 1999

S.K. Weiland E v Mutius U. Keil Die internationale Studie zu Asthma und Allergien im Kindesalter (ISAAC) Allergologie 5 1999 275 282

Homöopathische Literatur (9.2)

Beier, 1999

B. Beier Asthma und seine homöopathische Behandlung 1999 Müller & Steinicke München

Foubister, 1999

D.McD. Foubister Homöopathisches Tutorium der Kinderheilkunde. Lernen, Üben und Behandeln 1999 Sonntag Stuttgart

Gawlik, 1995

W. Gawlik Immunologie und Homöopathie 146.Jahrestagung des DZVhÄ, Erfurt 1995

Müller, 1983

H.V. Müller 18.Asthma-bronchiale-Tabelle 1983 Haug Heidelberg

Pfeiffer, 2003

H. Pfeiffer Persönliche Mitteilungen zu Tonus und Psyche bei kindlichem Asthma 2003

Schroyens, 2009

F. Schroyens Synthesis TE 2009 deutsch, in Radar 10.5.003, Archibel 2009

Voegeli, 1996

A. Voegeli Das Asthma und seine homöopathische Behandlung 5.A. 1996 Haug Heidelberg

Zandvoort, 2002

R v Zandvoort Complete Repertory deutsch, vollständig neu übersetzt und bearbeitet von © Alexandar Stefanovic Similimum Verlag Sonderedition für Radar 2002

Zandvoort, 2000

R v Zandvoort Complete Repertory, englisch Mac Repertory v. 5.6.1.Roger van Zandvoort 2000 Kent Homeopathic Associates Inc San Rafael

Zandvoort and Grinsven,

Rv Zandvoort E. Grinsven Complete Dynamics (CD) Repertory Masterversion 16.7/2016 www.completedynamics.com

Nahrungsmittelallergien

Michael Drescher

Unverträglichkeiten Nahrungsmittelallergienvon Nahrungsmitteln sind in der Kinderpraxis ein zunehmendes und inzwischen fast alltägliches Problem. Große Hoffnungen werden in Auslassdiäten gesetzt, die das Kind z. B. von einer festgestellten Milch- oder Eiallergie entlasten sollen, oft in der etwas einseitigen Erwartung, damit Symptome einer Neurodermitis oder eines Asthmas beseitigen zu können.

Bereits den alten Griechen sind Reaktionen auf Nahrungsmittel aufgefallen. Von Hippokrates von Kos (um 460–370 v. Chr.), dem Urvater der europäischen Medizin, sind Berichte über die Behandlung von Kuhmilchallergie überliefert. Die klinischen Begriffe Atopie ἀτοπíα, atopia= Sonderbarkeit, Verkehrtheit und Allergie ἄλλοϚ, allos= fremdartig und ἔργον ergon= das Werk sind freilich Schöpfungen aus den Anfangsjahren des 20. Jahrhunderts (Vorschlag der Wiener Kinderärzte Clemens von Pirquet und Bela Shick in der Münchner Medizinischen Wochenschrift, 1906). Die Pioniere der modernen Allergieforschung waren eng mit der Kinderheilkunde verbunden.

Unterstellt man zu Hippokrates Zeiten vielleicht noch eine weitgehend naturbelassene Ernährungsweise, sehen wir uns heute durch industrielle Nahrungsverarbeitung mit Einsatz von synthetischen Konservierungsstoffen, Farb- und Geschmackskorrigenzien und einer schier unbegrenzten Ausweitung des Nahrungsangebots und einer Vielzahl neuer Stoffe und chemischer Verbindungen konfrontiert. Man möchte meinen, die biologische Anpasssungsfähigkeit hinkt dem Tempo der Innovationen auf diesem Gebiet hinterher. Parallel zu dieser Entwicklung in den hochzivilisierten Industrieländern setzt sich eine zunehmend lebensmittelkritische Einstellung durch, mit Kennzeichnungs- und Deklarationspflicht zum Schutz der Verbraucher. Die erhöhte Sensibilität gegenüber Schäden durch unsere Nahrung schlägt sich in Statistiken über die Häufigkeit dieser Erkrankungen nieder und belebt außerordentlich die Anwendung verschiedenster, auch nicht allgemein anerkannter Diagnose- und Therapieverfahren.

Stichprobenartige Fragebogenaktionen an größeren Kollektiven in England (Young et al. 1997) und Holland (Niestijl et al. 1994) ergaben eine Selbsteinschätzung von bis zu 20 % der Befragten, an einer Nahrungsmittelunverträglichkeit zu leiden. In abfallender Häufigkeit wurden Schokolade, Gemüse, Obst, Tierfette, Schweinefleisch, Gewürze, Kräuter, Milchprodukte und Zusatzstoffe angeschuldigt. Solide klinische Überprüfungen ergaben jedoch eine Prävalenz von lediglich etwa 7–8 % echter immunvermittelter Nahrungsmittelallergien im Säuglings- und Kleinkindesalter und von 1–2 % im Schulalter, sowie von bis zu 2 % bei den Nahrungsmittelintoleranzen, Pseudoallergien und Malabsoptionssyndromen. Da andererseits viele diffuse Beschwerdebilder nicht als Nahrungsmittelallergien identifiziert werden, muss man aber eine höher liegende Dunkelziffer annehmen.

Die Prognose der reinen Nahrungsmittelallergien im Säuglings- und Kleinkindalter ist im Allgemeinen als gut zu bezeichnen. Mit zunehmendem Alter, schon ab dem zweiten Lebensjahr, weisen sie eine hohe Spontanheilungstendenz auf. Im Alter von drei Jahren sind 90 % der Kuhmilchallergien, im Alter von fünf Jahren sind 90 % der Soja- und ca. 50 % der Hühnereiweiß-Sensibilisierungen abgeklungen. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass damit verbundene chronische Magen-Darmstörungen, Neurodermitis oder Asthma in gleichem Umfang zurückgehen. Diese Erkrankungen sind meist nicht monokausal, sondern wesentlich komplexer und multifaktoriell. Als Allergie im engeren Sinne wird dabei nur jene Hypersensivitätsreaktion definiert, die durch immunologische Mechanismen, also IgE-vermittelt ausgelöst wird. Alle anderen Formen sind nicht-allergische Hypersensivitätsreaktionen wie die sog. Pseudoallergien und Nahrungsmittelintoleranzen, welche länger persistieren können.

Formen der Nahrungsmittelunverträglichkeiten

IgE-vermittelte Nahrungsmittelallergien, Atopie

NahrungsmittelallergienFormenDie frühesten Manifestationen einer atopischen Störung entstehen in der Regel intestinal durch eine Kuhmilch- und Hühnereiweißallergie mit Symptomen am Darm oder an der Haut. Die Darmschleimhaut des Neugeborenen ist dasjenige Organ, welches als Erstes Kontakt zu artfremden Eiweißstoffen in der Nahrung bekommt. Sie besitzt ein Früherkennungssystem, um zwischen fremd und nicht-fremd zu unterscheiden. Bei den Allergikern liegt eine Überempfindlichkeit gegen eigentlich ungefährliche, nicht-infektiöse exogene Stoffe vor. Ist solch eine Substanz einmal als fremd identifiziert, wird sie als Allergen definiert und eine Kette von Mechanismen kommt in Gang, die wir als Antigen-Antikörper-Reaktion bezeichnen.
Als Allergie im eigentlichen Sinne werden nur diejenigen Reaktionen gewertet, die nach einer Sensibilisierung bei einem Erstkontakt nachweisbar eine erhöhte Bildung allergenspezifischer IgE-Antikörper induzieren. Diese IgE-Antikörper haben die Besonderheit, sich einerseits an als Fremdeiweiß erkannte Antigene, andererseits auch an spezielle Rezeptoren von basophilen Zellen und Mastzellen zu binden. Durch dieses sog. BridgingBridging kommt es zur Destabilisierung der Mastzellenmembranen mit Freisetzung einer Vielzahl von Mediatoren und Botenstoffen wie z. B. Histamin, Tryptase, Leukotrienen, Prostaglandinen, Zytokinen. Insbesondere das freigesetzte Histamin kann dann im Organismus die bekannte klinische Allergiesymptomatik auf lokaler oder systemischer Ebene auslösen wie Gastroenteritis, Urtikaria, Quincke- und Glottisödem, juckendes Ekzem, Rhinitis, Konjunktivitis, bis hin zu gefährlichen anaphylaktoiden Reaktionen mit Stridor, Bronchospasmus, Kreislaufversagen und sogar in Einzelfällen letalem Ausgang. Neben den Mastzellen sind weitere Zellen, wie T-Lymphozyten, Eosinophile und Makrophagen durch Ausschüttung ihrer Botenstoffe an der insgesamt sehr komplexen Immunantwort beteiligt. Die oft unbefriedigende Wirkung von H1- und H2-Blockern erklärt sich daraus, dass die anderen Mediatoren und ihr Metabolismus von reinen Antihistaminika nicht erreicht werden.
Die überschießende Bildung von IgE-Antikörpern auf eigentlich harmlose Lebensmitteleiweiße ist genetisch determiniert, die Genorte liegen auf den Chromosomen 5q und 11q. Nahrungsmittelallergien laufen zu 90 % als Sofortreaktion nach dem Typ I der vier Reaktionsformen nach Coombs und Gell ab, d. h. in den ersten 20 Minuten nach Allergenexposition. Seltener sind Reaktionen nach dem verzögerten Typ IV. Diese werden durch nahrungsmittelspezifische T-Lymphozyten vermittelt und zeigen nach dem Modell der Tuberkulin- und Kontaktallergiereaktion 24–48 Stunden später Symptome an der Haut. Eine Ekzemverschlechterung durch Nahrungsmittelallergene findet man manchmal als Folge dieses Reaktionstyps. Weil nicht IgE-vermittelt, wird diese verzögerte Reaktion nicht durch den RAST erfasst.
Kreuzreaktionen
NahrungsmittelallergienKreuzreaktionenAls Spezialfall der IgE-vermittelten Reaktion bei Nahrungsmittelallergien sind Kreuzreaktionen inzwischen außerordentlich häufig. Das primär sensibilisierende Antigen ist in diesen Fällen nicht identisch ist mit dem Antigen, welches die allergische Reaktion auslöst. So wird z. B. ein Großteil der Patienten, die sich gegen Birkenpollen sensibilisiert haben, über kurz oder lang auch kontaktallergisch gegen verschiedene Obstsorten, Nüsse, Gemüse und Gewürze. Sie verspüren beim Verzehr derselben Kribbeln und Taubheit im Mund. Der Grund ist die molekulare Verwandtschaft der jeweiligen Antigene. Parallel mit der starken Zunahme der Pollenallergien steigt auch die Häufigkeit der Allergien auf assoziierte kreuzreagierende Nahrungsmittel, Gliederfüßler, Schalentiere und Kontaktstoffe. Durch vielfältige Allergenverwandtschaften untereinander entsteht ein weit verzweigtes Netz von Beziehungen und Kreuzreaktionen (Tab. 9.5), allerdings von sehr unterschiedlicher klinischer Relevanz.
Manche der angeführten Nahrungsmittelallergien treten durch einen Summationseffekt der allergischen Belastung nur während der Pollensaison auf. Andere machen sich nur nach körperlicher Anstrengung oder durch andere Triggerfaktoren (Medikamente, Schlaflosigkeit, Stress) bemerkbar.
Pseudoallergien
PseudoallergienNahrungsmittelallergienPseudoallergienAndere Reaktionsformen auf zugeführte Substanzen wie Antibiotika, Opioide, Analgetika, Antiphlogistika, Lokalanästhetika, Glutamat, Konservierungs- und Lebensmittelzusatzstoffe führen ebenfalls zur Freisetzung von Mediatoren, aber ohne Einschaltung von IgE-Antikörpern, also auf direktem, nicht-allergischen Weg. Nahrungsmittel wie Schalentiere, Erdbeeren, Zitrusfrüchte, Schokolade und Tomaten können Histamin aus Mastzellen freisetzen. Der Mechanismus dieser Freisetzung ist uneinheitlich und noch weitgehend ungeklärt. Pseudoallergien kommen bei Atopikern und Nichtatopikern vor, imitieren geradezu eine echte Allergie und können, müssen sich aber nicht bei erneuter Exposition wiederholen. Die Diagnostik durch Hauttest und RAST greift hier ebenfalls nicht. In der Häufigkeit liegen diese Reaktionen unter Umständen noch vor den echten Allergien – so sind sie häufig die Ursache von chronisch-rezidivierender Urtikaria.

Nahrungsmittelintoleranzen

  • NahrungsmittelintoleranzenIntoleranzen entstehen durch direkte Einwirkung von Stoffen und Noxen, die in der Nahrung selbst enthalten sind bzw. entstehen. Aus der Gruppe der sog. biogenen Amine sind dies v. a.:

    • Histamin, welches in Hefeextrakten, Emmentaler, Parmesan, Roquefort, Spinat, Tomaten, Chianti, Burgunder, Makrelen, verdorbenem Thunfisch vorkommt.

    • Tyramin in Camembert, Cheddar, Hefe, Wein, Wurst und zu warm gelagertem Fisch.

    • Serotonin in Walnüssen, Bananen, Ananas, Pflaumen, Sauerkraut, Tomaten. Manchmal ist das für Migränepatienten bedeutsam.

    • Phenylethylamin in Gouda, Rotwein und Schokolade.

  • Die Methylxantine Koffein, Theobromin (in Schokolade), Theophyllin, Alkohol und Alkaloide haben ihre eigenen toxischen Effekte.

  • Die große Gruppe der Farbstoffe, Konservierungsmittel, Emulgatoren und Geschmacksverstärker können sowohl Intoleranzen wie echte Allergien verursachen. Zum Schutz der Verbraucher sind diese Lebensmittelzusatzstoffe innerhalb der EU mit sog. E-Nummern deklarationspflichtig.

  • Laktose-, Fruktoseintoleranz, Zöliakie (s. u.)

Nahrungsmittelallergene bei Kindern

NahrungsmittelallergeneKinderBei Säuglingen und Kleinkindern stellen Kuhmilchproteine (KMP = Kuhmilchprotein) das häufigste Allergen (KMPA getriggerte Allergie) dar, gefolgt dann – im Stellenwert stark abhängig vom Zeitpunkt der Beifütterung – von Hühnerei, Weizen, Soja, Zitrusfrüchten, Karotten, Fisch, Tomaten, Erdbeeren, Bohnen, Schokolade, bei den älteren Kindern auch Haselnuss, Walnuss, Erdnuss, Apfel, Pfirsich, Sellerie. Das entspricht dem Bild, das wir auch im Praxisalltag sehen. Hier hat die stetige Zunahme der Pollenallergien dazu geführt, dass die pollenassoziierten Allergene nach einer inhalativen Sensibilisierung zur Bildung dieser Kreuzallergien gegen pflanzliche Nahrungsmittel führen. Bedingt durch den steigenden Konsum von Erdnüssen – auch in Flips und versteckt in Schokoladeprodukten – nimmt die Erdnussallergie ebenfalls stark zu und hat sogar schon zu Todesfällen auch bei Kindern geführt.
Klinisch kann sich eine Nahrungsmittelallergie an verschiedenen Organsystemen manifestieren. Während bei Erwachsenen in abfallender Häufigkeit Reaktionen des Oropharynx, der Haut, der Respirationsorgane, des Verdauungstrakts und des Kreislaufs auftreten, überwiegen bei Säuglingen und Kleinkindern die gastrointestinalen Symptome, ggf. gefolgt von Haut- und Allgemeinsymptomen. Allergieverstärkend können sich als Kofaktoren Stress, körperliche Anstrengung, Wärme, Kälte, eine üppige Mahlzeit, Alkohol und Medikamente wie ASS, NSAR, β-Blocker und ACE-Hemmer auswirken. Die Behandlung der Nahrungsmittelallergien bei Kindern besteht in erster Linie aus Karenz der auslösenden Komponenten. Bei Säuglingen, die nicht gestillt werden, geschieht dies durch einen Wechsel auf Formulanahrungen mit extensiv hydrolysiertem Eiweißanteil (eHF) = Formulanahrung mit extensiv hydrolysiertem Eiweißanteil. (deutsche Labels: Alfaré®, Althera®, Aptamil Pepti®, Aptamil Pregomin®) oder Aminosäuren-basierte Formulanahrungen (AAF) = Aminosäuren-basierte Formulanahrung. Besonders bei sehr hohem Anaphylaxierisiko. (deutsche Labels: Neocate®, Aptamil Pregomin AS®, Alfamino®).

Konventionelle Therapie und Atopieprophylaxe

Als Kinderärzte sind wir immer bemüht, wenn möglich eine ausschließliche Muttermilchernährung in den ersten vier bis sechs Monaten als beste Immunprophylaxe zu propagieren – dies gerade für Kinder aus atopiebelasteten Familien. Inzwischen aber überblickt der Verfasser manche Atopikerfamilie in der dritten Generation: überzogene Erwartungen, die man in das ausgiebige Stillen gelegt hat, wurden enttäuscht.
Die Studienlage zu dieser Frage zeigt sich uneinheitlich. So konnte in der schon erwähnten zehnjährigen MAS-90-Studie anscheinend kein protektiver Effekt nachgewiesen werden.
In der vom Bundesforschungsministerium finanzierten Langzeitstudie (German Infant Nutritional Intervention, GINI), die seit 1995 an 2252 Säuglingen aus Atopikerfamilien den Einfluss verschiedener Ernährungsformen auf die Manifestation allergischer Erkrankungen untersucht, konnte in einer ersten Auswertung gezeigt werden:
  • Ausschließliches Stillen in den ersten vier Monaten reduziert die Häufigkeit allergischer Erkrankungen zumindest im ersten Lebensjahr.

  • Schon diaplazentar und später über die Muttermilch können sich Fremdeiweiße unerkannt einschleichen und eine Antigen-Antikörper-Reaktion auslösen. Die Frage, ob bei Risikokindern aus Allergikerfamilien präventiv eine weitgehende Allergenkarenz der Mutter während der zweiten Hälfte der Schwangerschaft und während der Stillzeit empfohlen werden soll, wird aufgrund der ersten Ergebnisse der GINI-Studie negativ beantwortet. Es gibt nach den bis jetzt vorliegenden Daten keine Erkenntnisse, die eine strenge Diät, etwa den Verzicht auf Kuhmilch, Nüsse, Fisch der Schwangeren oder Stillenden rechtfertigen. Ebenso wenig gibt es Untersuchungen, die einen präventiven Nutzen von Nahrungsmittelkarenz nach dem vierten bis sechsten Lebensmonat dokumentieren. Es konnte nicht gezeigt werden, dass präventive diätetische Maßnahmen das Entstehen von Asthma und Heuschnupfen bis zum Alter von fünf bis sieben Jahren beeinflussen.

Info

Cave: Kuhmilch-Ersatzmilchen wie Ziegen- oder Schafmilchprodukte weisen der Kuhmilch sehr ähnliche Proteine auf, die ebenfalls klinisch relevante allergische Kreuzreaktionen hervorrufen können. Ebenso haben Sojamilch und Sojaprodukte ein hohes allergisches Potenzial. Andere pflanzliche Alternativen wie Reis-, Hafer-, Mandelmilch sind für die Nährstoffbedürfnisse des Säuglings und Kleinkindes insuffizient.

  • (Teil-)hydrolisierte hypoallergener (HA) Milchnahrung bis zum vierten bis sechsten Lebensmonat ist zur Prophylaxe der verschiedenen atopischen Manifestationen prinzipiell günstiger als eine normale Kuhmilchformel. Es bestehen deutliche Unterschiede zwischen den verschiedenen, auf dem Markt angebotenen HA-Nahrungen. Bestenfalls konnte das Risiko, an Neurodermitis (AD) zu erkranken in den ersten zwölf Monaten signifikant nur bei jenen Kindern vermindert werden, deren Familienmitglieder ersten Grades an einer familiären Atopieform litten, die nicht AD ist. Hatten die Eltern oder die älteren Geschwister selbst Neurodermitis, war die vorbeugende Wirkung der hypoallergenen (HA) Milchnahrungenhypoallergene (HA) Milchnahrungen (HA = [teil-]hydrolisierte Hypoallergene Kuhmilchnahrung) nicht signifikant ausgeprägt. Durch die bis jetzt ausgewerteten Ergebnisse konnte somit die weltweit größte und aufwändigste Studie den wissenschaftlichen Nachweis einer Neurodermitisprophylaxe genetisch einschlägig vorbelasteter Säuglinge durch spezielle Milchformula im ersten Lebenshalbjahr im Großen und Ganzen nicht erbringen (v. Berg et al. 2003, Koletzko 2002). Die genetischen Faktoren scheinen demnach eine größere Rolle zu spielen als bisher angenommen. Dies scheint den Beobachtungen des Autors bei mit HA-Milch ernährten Risiko-Säuglingen im Praxisalltag zu entsprechen.

Zur Bedeutung von Pro-, Prä- und Metabiotika

ProbiotikaPräbiotikaMetabiotikaNahrungsmittelallergienProbiotikaNahrungsmittelallergienPräbiotikaNahrungsmittelallergienMetabiotikaKlinische Studien aus Turku, Finnland (Isolauri et al. 2000) hatten gezeigt, dass der Einsatz eines physiologischen Darmbewohners, des Milchsäurebakteriums Lactobacillus GG (nach den Endeckern Goldin und Gorbach), das Risiko, an AD zu erkranken signifikant reduzieren kann, wenn die schwangere und stillende Mutter LGG ihrer Nahrung zusetzt. LGG hatte sich schon in der Behandlung virusbedingter Durchfälle bewährt (InfectoDiarrstop GG®).
Die in letzter Zeit stark diskutierte Hygienehypothese besagt, dass in einem weitgehend von Keimfreiheit und Hygiene geprägten Umfeld das Immunsystem sich andere Aufgaben sucht und Reaktionen in die falsche Richtung hervorbringt. Lactobacillus GG vermag hier einen physiologischen Stimulus zu setzen und eine ausgewogene intestinale Immunitätsleistung zu fördern. Inzwischen konnte eine positive 4-Jahresstudie veröffentlicht werden (Kalliomäki 2001, 2003).
Ähnlich ermutigende Ergebnisse zeigte eine Doppelblindstudie mit dem Bakterienlysat ProSymbioflor® an der Charité in Berlin: Die Behandlung mit dem Lysat in den ersten sechs Lebensmonaten reduzierte das Risiko für AD um fast 50 % (Lau et al. 2012).
Mittlerweile wird der Wert und die Sinnhaftigkeit solcher Kuren mit Nahrungsmittelergänzungen bisweilen kontrovers diskutiert. Die beobachteten positiven Effekte werfen noch viele Fragen auf und hängen möglicherweise vom jeweiligen individuellen mikrobiologischen Status und den Eigenschaften des verwendeten Präparats ab. Unter dem neuen Oberbegriff „Metabiotika“ werden sämtliche Maßnahmen (Darmsanierungen mit Symbiotika, Bakterienextrakte, Autovaccine, Darmnosoden, etc.) zusammengefasst, welche auf natürliche Weise eine Modulation hin zu einer geordneten Bakterienflora im Darm, unserem größten Immunorgan, beginnend mit einer gut ausgebauten Bifidusflora des Säuglingsdarms unterstützen. Der große Vorteil: Es gibt nur eine einzige harte Kontraindikation – den immunsupprimierten Patienten, aber viele Begleitindikationen gerade im Kindesalter: z. B. Blähungen und damit verbundene Missstimmungen, Koliken, Obstipation, Durchfälle bei nicht gestillten Säuglingen, Candidiasis, chronisch-rezidivierende entzündliche Darmerkrankungen, Gedeihstörungen, Florawiederaufbau nach Antibiose, Infektneigung, atopisches Syndrom.

Test- und Behandlungsmethoden

Alles, was hierüber im Kapitel Heuschnupfen (9.2) gesagt worden ist, lässt sich prinzipiell auch auf die Nahrungsmittelallergie übertragen. Eine relativ aussagekräftige Testmethode auch bei Säuglingen und Kleinkindern ist noch vor dem RAST der Pricktest mit dem nativen Nahrungsmittel, z. B. mit einem Tropfen Milch bzw. der Prick-zu-Prick-Test bei nicht liquiden Lebensmitteln, wobei die Pricknadel zuerst in das zu testende Lebensmittel und dann in die Haut gepiekt wird. Spätrektionen bei dieser Technik weisen auf eine Typ IV- Reaktion der verzögerten Form hin. Eine spezielle Testmethode für diesen Reaktionstyp ist der epikutane Pflastertest (APT [atopy patch test], ein Epikutanpflastertest mit dem nativen Allergen auf der Haut mit dem frischen Lebensmittel), welcher nach 48 Stunden Kontaktzeit abgelesen und nach weiteren 24 Stunden kontrolliert wird. Im positiven Fall zeigt sich an der Teststelle ein ekzematöses Erythem. Alle solche positiven Testergebnisse können nur Hinweise auf eine Nahrungsmittelallergie geben und sollten zur Verifizierung auf ihre klinische Relevanz überprüft werden, am besten durch eine zwei- bis vierwöchige Karenz oder durch die orale Provokation (OFC = oraler Provokationstest [oral food challenge] mit dem nativen Allergen), diese immer in einer mit allem dafür ausgestatten klinischen Einrichtung. Ausschließlich mit der OFC lässt sich schon im Säuglingsalter eine sichere Aussage darüber machen, ob bereits eine manifeste Nahrungsmittelallergie (KMPA) vorliegt, ggf. auch eine nicht-IgE vermittelte. Das Ergebnis bestimmt dann auch das weitere Procedere beim KMPA-Management

Allergiekarenz-Management bei Kuhmilchproteinallergie (KMPA)

Die Spontanheilungsrate von Nahrungsmittelallergie ist in der Regel recht hoch. Wo das nicht der Fall ist, können naturgemäß erhebliche therapeutische und psychologische Probleme entstehen.
Häufig wurden in der Vergangenheit Nahrungsmittel bei der Behandlung von Neurodermitis- und Asthmakindern im Rahmen von aufwändigen diagnostischen Suchdiäten ausgetestet. Karenz ist dann in solchen positiv verifizierten Fällen zur Prävention und Entlastung sinnvoll. Das folgende moderne Management führt im diagnostischen Vorfeld in der Regel sehr schnell zum Ziel. Allerdings kann ein prinzipiell sinnvoller OFC nur unter ärztlicher Aufsicht und unter Intensivbereitschaft im Hintergrund durchgeführt werden. Ob das im konkreten Fall wirklich unumgänglich ist, müssen Eltern und Therapeuten im Sinne des Kindes gut entscheiden.
  • Fall 1. Bei genetisch stark belasteten Neugeborenen (mindestens ein naher Blutsverwandter mit einer Spielart des Atopie-Syndroms) wird eine einfache HA Nahrung für 4–6 Monate empfohlen, falls nicht voll gestillt werden kann.

  • Fall 2. Wenn durch Anamnese, Untersuchung und SPT (Haut-Pricktest [skin prick test] hier mit Milch [dem nativen Allergen]), besser durch OFC, eine KMPA gesichert wurde, ist, falls nicht voll gestillt werden kann, eine strikte KMP-Karenz für Mutter und Kind die Methode der Wahl. Die (Zu-)fütterung des Säuglings sollte konsequent mit speziellen eHF- oder AAF-Formulanahrungen erfolgen. Diese therapeutische Eliminationsdiät, später dann auch bei der Beikost, sollte das Kind für mindestens 6 Monate oder bis zum Alter von 9 bis 12 Monaten erhalten. Kinder mit schweren sofortigen IgE-vermittelten Reaktionen in der Vorgeschichte sollten diese Diät sogar 12 bis 18 Monate beibehalten, bevor sie nach wiederholtem negativem RAST (Radio Allergo Sorbent Test) auf quantitatives spezifisches IgE im Serum wieder schrittweise Allergenkontakt versuchen können.

Sogenannte „Löschungen“ durch Bioresonanz oder Kinesiologie oder spezifische Hyposensibilisierungen, die speziell bei Kindern zunehmend als sublinguale Immuntherapie (SLIT) in aufsteigenden Dosen versucht werden, sind wegen der häufig vorliegenden Polysensibilisierung sowie der individuellen Toleranzschwelle problematisch und langwierig. Positive Effekte zeigen sich oft nur temporär. Kreuzreagierende Nahrungsmittel (Tab. 9.5) werden bei einer Desensibilisierung gegen Pollen nicht unbedingt miterfasst.

Homöopathische Behandlung

Da die Nahrungsmittelallergie bei Neurodermitis und Asthma meist nur eine Größe in einem multifaktoriellen Geschehen ist, sind die Gesamtergebnisse nach isolierten Allergiebehandlungen oder reiner Elimination des Allergens eher dürftig. Hier sieht man oft eine Synergie mit schnelleren, sicheren und dauerhafteren Erfolge durch die homöopathische Konstitutionsbehandlung der gesamten Person bei weitaus geringerem Aufwand für den Patienten.

Vorgehen

Die Repertorien bieten über 400 Rubriken mit konkreten Nahrungsmitteln an, deren Genuss unerwünschte Folgen haben kann – vom Aal über Pizza bis hin zu Zwiebeln. Der Großteil dieser Rubriken sind Unterrubriken. Allgemein hilfreich sind auch Rubriken mit der Bezeichnung „Diätfehler“. Zur Repertorisation sind also bevorzugt die jeweiligen Unterrubriken einzusetzen.
→Allgemeines – Speisen und Getränke … agg.
→Allgemeines – Speisen und Getränke … Abneigung
→Magen – Übelkeit, Erbrechen, Sodbrennen, Aufstoßen, Schmerzen, gestört durch … – agg.
→Abdomen – Auftreibung, Flatulenz, Schmerzen, Geräusche, Gärung, durch … – agg.
→Rektum – Durchfall – allgemein, durch … – agg.
Nur in geringem Umfang sind in den Kapiteln, „Haut“ und „Kopf – Kopfschmerz …“ Nahrungsmittel verzeichnet, die als Allergene an dem jeweiligen Organsystem wirken können. Auch hier sind zur Repertorisation die jeweiligen Unterrubriken einzusetzen.
→Haut – Hautausschläge – allgemein, durch … – agg.
→Kopfschmerzen – allgemein, durch … – agg.
Pathophysiologisch-differentialdiagnostische Gesichtspunkte im Sinne von echter Allergie, Intoleranz oder Pseudoallergie sind hierbei natürlich nicht berücksichtigt, aber immerhin sind praktisch alle wichtigen Nahrungsmittel, die eine Immunantwort oder Intoleranz auslösen können, komplett vertreten. Die Nahrungsmittelrubriken sind wertvoll, drückt sich doch in der Disposition bzw. Indisposition zu bestimmten Speisen und Getränken die Individualität im Stoffwechsel und Vegetativum aus. Der Wert dieser Rubriken ist allein dadurch eingeschränkt, dass sie oft nicht vollständig sind, was die Anzahl der Mittel betrifft.
Bei der Nahrungsmittelanamnese ist wichtig, dass man nur eindeutige und vehement geäußerte Angaben über Verlangen, Abneigung und Verschlechterung verwertet und speziell bei Kindern hinterfragt, ob nicht eine bestimmte Abneigung oder ein Verlangen durch Familiengewohnheiten konditioniert ist.
Die homöopathische Behandlung der Nahrungsmittelallergien folgt dem gleichen Prinzip, das im Kapitel Heuschnupfen (9.2) dargestellt worden ist. Zur Behandlung akut auftretender Reaktionen haben die aktuellen Beschwerden Vorrang vor der Behandlung und Ausheilung der allergischen Diathese selbst, welche eine chronische Krankheit darstellt. Hierzu muss die Gesamtheit aller Symptome herangezogen werden, wobei die Nahrungsmittel-ausgelösten Symptome als Allgemeinsymptome rangieren, es sei denn, die Modalitäten wären sehr auffallend (2.3).

Repertoriumsrubriken und Arzneimittel bei Speisenunverträglichkeit

RepertoriumsrubrikenSpeisenunverträglichkeitEinige homöopathische Mittel sind bekannt dafür, dass sie mit bestimmten Nahrungsmitteln auf Kriegsfuß stehen können. Tab. 9.6 zeigt ein paar Beispiele von wichtigen Polychresten. In einigen Fällen liegt eine ambivalente Beziehung, nämlich Unverträglichkeit und ein Verlangen gleichzeitig vor. Repertoriumsrubriken – Beispiele:
→Allgemeines – Speisen und Getränke – fette und gehaltvolle Speisen – Verlangen – agg, die (7): ars, carc, hep, nit-ac, nux-v, sulph, tub
→Allgemeines – Speisen und Getränke – Süßigkeiten – Verlangen – agg, die (8): am-c, arg-n, calc, calc-f, carc, lyc, mag-c, nat-c, sulph
  • Bei Carcinosinum gibt es Verlangen trotz Unverträglichkeit bei: Eiern, Fett, Fleisch, Obst, Kaffee, Milch, Salz, Wein.

  • Aethusa cynapium: Milch wird im Schwall gespuckt, sobald sie in den Magen-Darm-Trakt kommt. Der Säugling wirkt zunächst erschöpft, kann perioral etwas zyanotisch werden, verlangt aber sehr schnell gierig weiterzutrinken, um erneut wieder zu spucken.

  • Magnesium carbonicum v. a., aber auch Calcium phosphoricum, Silicea, Sanicula, Acidum phosphoricum, Cina u. a. verweigern oder spucken sogar die Muttermilch. Hier hat sich als hilfreich erwiesen, wenn Mutter und Kind ca. 15 Minuten vor dem Stillen eine Niedrigpotenz des Mittels einnehmen (Dorcsi).

  • Ferrum metallicum bekommt Durchfall schon gleich beim Essen.

  • Das Mittel, welches die Pizza nicht verträgt, ist Bambusa arundinacea (Schuster 1996), dieser Patient sollte vielleicht lieber ins China-Restaurant gehen, dort aber Vorsicht bei Glutamat-Empfindlichkeit!

Repertoriumsrubriken und Arzneimittel bei Laktoseintoleranz

RepertoriumsrubrikenLaktoseintoleranzBei den durch Enzymdefekt bzw. Mangel an Transportprotein verursachten Erkrankungen Lactoseintoleranz und Fruktosemalabsorption ließ sich in den vom Verfasser behandelten Fällen durch eine homöopathische Konstitutionsbehandlung die intestinale Symptomatik generell beruhigen. Gröbere Diätfehler werden allerdings nicht verziehen. Vorsicht bei den nicht tolerierten Nahrungskomponenten erscheint lebenslang geboten.
Lactose (Milchzucker) ist das Kohlenhydrat der Säugetiermilchen. Das Disaccharid wird in der Dünndarmschleimhaut des Milchtrinkers vom Enzym Lactase in seine beiden Komponenten Glukose und Galaktose aufgespalten. Bei bis zu 70 % der Weltbevölkerung wird ein Laktasemangel vermutet, mit großen regionalen Unterschieden im Sinne einer Zunahme von Nord nach Süd. Die Laktaseproduktion geht genetisch determiniert mit dem Älterwerden zurück und kann allmählich ganz versiegen. Ungespalten nährt der Milchzucker die ansässige Darmflora. Aus aerober Vergärung entstehen organische Säuren und Gase. Übelkeit, Schwindel, Blähungen und Durchfälle sind die Folge. Für Betroffene gibt es in den Milchregalen ein reiches Sortiment an laktosefreien Milchprodukten, meist gekennzeichnet durch den Buchstaben „L“. Bei Unwohlsein nach Milch(produkten)-Konsum sollten diese versuchsweise verzehrt werden.
→Allgemeines – Speisen und Getränke – Milch – agg. (143): aeth, ant-c, calc, calc-s, chin, con, lac-d, mag-c, puls, sep, sulph, … und Unterrubriken.
→Allgemeines – Speisen und Getränke – Milch – Verlangen, agg. jedoch (1): carc

Info

  • Entwarnung: Homöopathische Globuli sind aus Rohrzucker (Saccharose) und nicht, wie oft vermutet, aus Milchzucker hergestellt. Sie werden mit flüssigen Lösungen der homöopathischen Arznei befeuchtet und stehen in keinem Zusammenhang mit den homöopathischen Milchzuckerverreibungen. Es besteht keine Gefahr für laktoseintolerante Patienten.

  • Homöopathische Tabletten werden aus Triturationen (Verreibungen) der Ausgangssubstanzen in Milchzucker hergestellt! Die Menge einer Tablette könnte bei sehr Empfindlichen schon Beschwerden hervorrufen. Gegebenenfalls auf Globuli oder Tropfen ausweichen.

  • Auch mikrobiologische Präparate mit Milchsäurebakterien (Bifidus-, Lactobazillen) sind sehr laktosereich. Es sei aber erinnert, dass es sich hier um eine Intoleranz mit quantitativer Relevanz und nicht wie bei der Milchallergie um eine allergische Antigen-Antikörper-Reaktion mit generalisierten Reaktionsmöglichkeiten handelt. Kleinere Mengen werden oft vertragen, auch als Hilfsstoffe in Medikamenten und Lebensmitteln.

Homöopathische Arzneimittel und Repertoriumsrubriken bei Fruktoseintoleranz (intestinale, nicht hereditäre Form)

Die RepertoriumsrubrikenFruktoseintoleranzFruktoseintoleranz beruht auf einer Schwäche des Transportproteins GLUT-5, das die Fruktose durch die Dünndarmzotten ins Blut schleusen soll. Fruktose verbleibt im Darm und wird im Dickdarm zu Wasserstoff, CO2 und kurzkettigen Fettsäuren verstoffwechselt. Die Folgen sind Durchfälle und Blähungen. Die Stäke der Störungen ist individuell stark mengenabhängig.
→Allgemeines – Speisen und Getränke – Früchte – agg. (75): bry, ant-c, coloc, calc-p, lyc, mag-m, puls, verat sulph, … viele Unterrubriken!

Homöopathische Arzneimittel und Repertoriumsrubriken bei Zöliakie/einheimischer Sprue

RepertoriumsrubrikenZöliakieDiese Erkrankung, bei Kindern „Zöliakie“, bei Erwachsenen „einheimische“ oder „nicht tropische Sprue“ genannt, beruht auf einer genetisch determinierten Unverträglichkeit gegenüber dem Kleberprotein Gliadin (Gluten) in Weizen-, Hafer-, Dinkel-, Gersten- und Roggenkörnern. Bei Kindern kann sich die Erkrankung drei bis sechs Monate nach Einführung glutenhaltiger Beikost manifestieren und wird in der Regel oft erst im Verlauf der weiteren körperlichen Entwicklung diagnostiziert. Im typischen Fall führt sie zu Appetitlosigkeit, Gedeih- und Entwicklungsstörungen, Fettstühlen und Durchfällen. Der Bauch ist aufgebläht, durch die Gedeihstörung (5.5) bleiben die Kinder unter ihrem Normgewicht. Neben der Retardierung ihrer Fähigkeiten bieten sie oft Wesensveränderungen wie Weinerlichkeit, schlechte Laune und Interesselosigkeit.
Die Diagnostik erfolgt über den Nachweis von Antikörpern gegen Transglutaminase sowie einer Zottenatrophie in der Dünndarmsaugbiopsie. Bei dieser Mischform einer sowohl allergischen wie Autoimmunerkrankung besteht ein erhöhtes Risiko für spätere Dünndarmmalignome. Schon aus diesem Grund empfiehlt sich eine homöopathische Konstitutionsbehandlung neben lebenslanger glutenfreier Diät. Von der Notwendigkeit dieser Dauerkarenz können die Patienten auch trotz Homöopathie nicht entbunden werden.
Das Repertorium kennt keine Rubrik mit dieser Diagnose. Es wird nach der Gesamtheit der Symptome des Patienten behandelt. Persönliche positive Erfahrungen bestehen mit Lycopodium als Konstitutionsmittel. Außerdem gibt es Hinweise auf Causticum, Natrium muriaticum und Natrium sulfuricum (Repertorium der Konzepte zum Synthesis 9.1). In der Literatur (Reference Works) gibt es Einzelhinweise auf folgende Mittel: Fragaria vesca, Ilex aquifolium, Aegle folia, Calcium lacticum, Musa sapientum, Phytolacca, Psorinum.
→Allgemeines – Autoimmunerkrankungen (15): acet-ac, carc, cortiso, crot-h, cyclop, f cyclosp, med, mur-ac, phos, stann, sulph, syph, tub, uncar-tom, urin – hier handelt es sich um eine viel zu kleine Rubrik.

Homöopathische Arzneimittel und Repertoriumsrubriken bei Morbus Crohn

RepertoriumsrubrikenMorbus CrohnEnteritis regionalis, chronische Entzündungen und Alterationen der Schleimhaut typischerweise im Ileozökalbereich, prinzipiell aber im gesamten Magen-Darm-Trakt sind möglich. Die Erkrankung kann bereits im Kindesalter beginnen. Bauchschmerzen im rechten Unterbauch, Übelkeit, Fieber, Durchfälle mit Blut, Fistelbildung, Gedeihstörung sind die wichtigsten Symptome. Die Ätiologie ist nicht restlos geklärt, bei 10 % besteht Familiarität, neben infektiösen und psychischen Auslösern wird die Beteiligung von durch T-Zellen vermittelten Immunreaktionen nach Typ IV vermutet.
Die homöopathische Behandlung erfolgt nach dem Prinzip der chronischen Behandlung mit einem Konstitutionsmittel und hat eine gute Prognose.
→Abdomen – Entzündung, Peritonitis, Enteritis – Ileitis terminalis Crohn (8): am-caust, but-ac, canis-exc, carc, hoit, merc-c, prot, raja-s
Pennekamp nennt interessante andere Mittel:
→Bauch und Stuhl inkl. Rectum – Colitis ulcerosa, Ileitis terminalis, Morbus Crohn (16): ant-c, cham, dros, erig, ferr-ma, kreos, merc, mill, nit-ac, phos, podo, rhus-t, sulph, tub, …

Homöopathische Arzneimittel und Repertoriumsrubriken bei Colitis ulcerosa

RepertoriumsrubrikenColitis ulcrerosaChronische Entzündung lediglich der Kolon- und Rektumschleimhaut bei Erwachsenen, tritt bevorzugt zwischen dem 20.–40. Lebensjahr auf. Hauptsymptom: rektale Blutung. Neben genetischen und psychogenen können auch immunologische Faktoren auslösend sein. Dabei wird an Sensibilisierungen gegen Bakterien- und Nahrungsmittelantigene gedacht. Es wurden u. a. erhöhte IgG-Antikörper gegen Milch gefunden. In der Darmschleimhaut sind Immunkomplexreaktionen nach Typ III, aber auch zellvermittelte Reaktionen nach Typ IV (9.4.1) sowie unspezifische Reaktionen durch bakterielle Endotoxine denkbar. In Abhängigkeit von Erkrankungsdauer und Ausdehnung der Läsionen steigt das Risiko, an einem kolorektalen Karzinom zu erkranken.
Homöopathisch wird die Colitis ulcerosa konstitutionell nach der Gesamtheit aller Symptome behandelt. Ziel der homöopathischen Therapie ist wie beim M. Crohn, die konventionelle Therapie mit Kortikosteroiden, Antiphlogistika und schlimmstenfalls Immunsuppressiva zu ergänzen und ggf. zu ersetzen und die Remissionen zu erhalten. Ein bewährtes Akutmittel bei blutigen Stühlen ist Mercurius corrosivus.
→Abdomen – Entzündung, Pertonitis, Enteritis, – ulcerosis, Colitis. (1): carc
→Abdomen – Entzündung – Colon – ulcerosa, Colitis [SynthTE2009] (16): carc, chloram, coloc, hell, lil-t, mag-s, merc, nat-s, nit-ac, nux-v, podo, streptoc, sulph, ter, zinc
Pennekamp nennt die gleichen Mittel wie in der Morbus-Crohn-Rubrik (s. o.).

Homöopathische Akutmittel

An den Endorganen der allergischen Reaktion, z. B. Verdauungstrakt, Haut, Atemwegen, Gefäß- und Nervensystem, zeigen sich vielfältige Symptome. Diese werden in den entsprechenden Organrubriken des Repertoriums nachgeschlagen. Auch hier muss für die Akutbehandlung das lokale Symptombild möglichst vollständig erhoben werden. Aus der Vielzahl der möglichen Mittel seien nur ein paar exemplarische Mittel dargestellt, die häufig in Zusammenhang mit Nahrungsproblemen infrage kommen.
Pulsatilla pratensis
#Pulsatilla pratensisNahrungsmittelallergienEines der Mittel, die am häufigsten bei den Verschlechterungen durch Nahrungsmittel auftauchen, ist Pulsatilla: Generell besteht eine Empfindlichkeit gegen Fett. Beschwerden nach schwerem Essen, nach zu viel durcheinander Essen, fettem Schweinefleisch, Backwaren, Eis, Obst, u. ä. Aufstoßen nach dem Essen. Aufsteigende Übelkeit bis zum Hals. Erbrechen des Gegessenen. Abdomen schmerzhaft aufgebläht mit Blähungen, Glucksen und Kollern. Bauchschmerzen mit Stuhldrang. Übelriechender grünlicher oder grün-gelber Durchfall mit Schleim. Kein Stuhl gleicht dem anderen. Schnell wechselnde Symptome und Lokalisationen. Fader Geschmack im Mund. Eigentlich warmblütig, fröstelt Pulsatilla, wenn krank, > in frischer Luft, < Wärme; < kalte Füße. Insgesamt geht es < gegen Abend. Juckende Hautausschläge ähnlich wie Masern oder Urtikaria möglich. Schlüsselwort nach Clarke Instabilität (Kasuistik „Allgemeine Nahrungsintoleranz“).
→Magen – Aufstoßen, Rülpsen, Aufschwulken – Allgemein – Fetten, nach (11): caust, ferr, nat-m, nux-v, puls, sep, sulph, thuj, …
Sulphur
#SulphurNahrungsmittelallergienAls Hauptpsorikum häufiges Mittel, wenn sich die Allergie lokal als unspezifischer juckender Hautausschlag zeigt. Gleichzeitig auch ein Mittel für die Folgen der Unterdrückung eines solchen Ausschlags. Mit seinen Komplementärmitteln Pulsatilla und Arsenicum album ist Sulphur am häufigsten bei den Nahrungsmittelverschlechterungen vertreten.
→Allgemeines – Essen – agg. – nach – Sättigung, bis zur: puls, nat-c, calc, lyc, nat-m, nux-v, phos, sep, sulph, …
→Rektum – Durchfall – allgemein – Hautausschläge – Unterdrückung der, durch [SynthTE2009] (13): bry, hep, lyc, mez, psor, sulph, urt-u, …
→Haut – Juckreiz – Hautausschläge – ohne (33): sulph, alum, ars, gels, merc, mez, psor, …
Ipecacuanha
#IpecacuanhaNahrungsmittelallergienDauernde Übelkeit mit Hochwürgen, Brechreiz und Erbrechen, was aber nicht erleichtert. Grasgrüne schaumige Stühle. Das Erbrochene und der Durchfall können auch hellrot blutig sein. Ohnmacht und Schock infolge von Blutungen oder Flüssigkeitsverlusten. Schluckauf und krampfartiges Leerwürgen gesteigert bis hin zu richtigen Krampfanfällen oder Tetanie, besonders bei Kindern. Ekel gegen alle Speisen. Heftiger Juckreiz während der Übelkeit, er muss kratzen, bis er sich erbricht. Kann keine Hitze vertragen, muss sich abdecken, Speichelfluss, reine Zunge. Schlüsselwort: Übelkeit (Clarke).
→Magen – Erbrechen – allgemein – gehaltvollen Speisen, nach (6): aeth, ip, puls, samb, spong, sulph
→Magen – Würgen – unablässig anhaltend (2): ip, podo
Okoubaka aubrevillei
#Okoubaka aubrevilleiNahrungsmittelallergienDieses Mittel ist im Repertorium nur ganz selten vertreten. Dabei besitzt es eine große therapeutische Breite bei Unpässlichkeit, Umstellungsproblemen, Abgeschlagenheit, Schwäche, Reaktionen mit Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Hauterscheinungen bei ungewohnter Kost in fremdem Klima, nach verdorbenem Essen. Gastroenteritis infolge von Nahrungsmittelallergie und -unverträglichkeit. Vergiftungen, Nikotinsucht, Rausch. Gegen die Nebenwirkungen einer Chemotherapie leistet es ebenfalls gute Dienste. Beschwerden in der Rekonvaleszenz nach Infekten.
→Allgemeines – iatrogene Schäden (12): nux-v, okou, op, phos, sulph, zinc, …
→Allgemeines – Rekonvaleszenz, Beschwerden während der – postgrippal (9): bac, cadm, okou, scut, sulfonam, tub, tub-a, …
Colchicum autumnale
#Colchicum autumnaleNahrungsmittelallergienSchon das Denken, der Anblick und erst der Geruch von Speisen, insbesondere von gekochten, kann stärkste Übelkeit bis zu Erbrechen von Schleim und Galle auslösen und jeden Gedanken an Essen vertreiben, auch wenn vorher durchaus Appetit bestand. Besonders schlimm beim Geruch und Kochen von Brühe, Eiern, Fisch, Fleisch. Auftreibung des Darms mit Völlegefühl, lautem Rumoren und Leibschmerzen. Dabei fühlt sich der Patient sterbenselend, kollaptisch und der Ohnmacht nahe (verat, ein botanischer Verwandter, carb-v). Das gleiche kann von Toilettengerüchen ausgelöst werden. Gefühl von eisiger Kälte im Magen. Colchicum ist außerdem ein Mittel der rheumatisch-gichtigen Diathese.
→Magen – Übelkeit – Speisen – Denken an (33): ars, cocc, colch, sep, thuj, …
→Magen – Übelkeit – Speisen – Anblick von, beim (26): colch, lyc, sulph, …
→Magen – Übelkeit – Speisen – Geruch von (28): ars, cocc, colch, ip, sep, thuj, …
→Riechen – empfindlich gegen Geruch von – Kochen, Speisen beim (9): colch, eup-per, sep, stann, tub, …
Carbo vegetabilis
#Carbo vegetabilisNahrungsmittelallergienDas einfachste Essen bekommt nicht. Folgen von Überessen, Fett, Butter, Milch, Kaffee, Wein, verdorbener Nahrung. Gasansammlung im Abdomen, extreme Blähungen mit Völlegefühl, das Zwerchfell wird nach oben gedrückt, Roemheld-Syndrom. Rülpsen und Aufstoßen erleichtert. Hippokratisches Gesicht, sehr blass, grau-gelb, mit kaltem Schweiß, kaltem Atem, kalter Zunge, Heiserkeit. Hypoxie im präkollaptischen Stadium mit Zyanose, Somnolenz, Stupor. Puls klein und weich, Erbrechen, fötide Stühle, Kälte der Beine. Stase der Verdauung, die Speisen gehen im Darm in Fäulnis über. Der Patient kann nicht liegen, muss mit Kissen im Rücken aufsitzen und will ständig Luft zugefächelt bekommen, d. h. er braucht Sauerstoff.
→Abdomen – Auftreibung – allgemein – Rülpsen, Aufschwulken – amel (6): cann-i, carb-v, rhod, sep, thuj, …
→Allgemeines – Kälte, möchte, dass man kühle Luft zufächelt. (1): carb-v
→Allgemeines – Kollaps – Durchfall, nach (12): ars, camph, carb-v, pyrog, verat, …
Arsenicum album
#Arsenicum albumNahrungsmittelallergienMittel für heftige Gastroenteritis mit Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall hintereinander und gleichzeitig. Wässrige Stühle und unverhältnismäßig starke Schwäche. Ekel vor Speisen, das Denken daran macht schon Übelkeit. Folge von verdorbenem Essen, altem Fleisch, Melonen und wässrigen Früchten, kalten Getränken, Eiscreme. Stuhldrang und Tenesmen mit wässrig-schleimigen, brennenden Stühlen. Dabei Elendsgefühl, Hoffnungslosigkeit, getriebene Rastlosigkeit, wechselt dauernd den Ort, panische Todesfurcht. Besteht darauf, dass jemand bei ihm bleibt. Eiseskälte. Sepsis. > Wärme. Trockener Husten mit nächtlichen Asthmaanfällen hauptsächlich nach Mitternacht bis 1:30 Uhr. Haut kalt, trocken, schuppend, geschwürige Ausschläge möglich.
→Magen – Übelkeit – Angst – mit – Schwäche, und, periodisch wiederkehrend (1): ars
→Stuhl – dünn, flüssig – herausrinnend (23): ars, crot-t, gamb, lyc, nat-s, olnd, ph-ac, podo, sec, sulph, …
Antimonium crudum
#Antimonium crudumNahrungsmittelallergienEmpfindlicher Magen. Aufblähung, dauerndes Aufstoßen nach Überessen und nach sauren Sachen, Obst, Essig, Milch, kaltem Essen, Wein. Aufgestoßenes schmeckt nach Gegessenem. Durchfall wechselt mit Verstopfung. Weißer dicker Zungenbelag.
→Magen – Aufstoßen, Rülpsen, Aufschwulken – Speisen, von, Regurgitation, Zurückströmen – schmerzhaft (1): ant-c
→Magen – gestört – sauren Speisen, nach – agg. (31): ant-c, ars, carb-v, chin, nat-m, nux-v, …
→Magen – gestört – Speisen – ungeeignete agg., vom Überessen (8): ant-c, ars, ip, nux-v, puls, sep, …
Nux vomica
#Nux vomicaNahrungsmittelallergienAllgemeine Überreizung, die sich insbesondere an den Verdauungsorganen zeigt. Neigung zu Erbrechen. In der großen Empfindlichkeit auf fast alles konkurriert es wie Sulphur und Arsenicum mit Pulsatilla. Allerdings liebt es fette Speisen und verträgt sie auch gut. Neigung zu übermäßigem Essen und Trinken, zu Kaffee, Alkohol, Gewürzen und anderen anregenden Speisen und Getränken, was meist nicht gut vertragen wird. Ca. eine Stunde nach dem Essen Völlegefühl, Übelkeit, Sodbrennen, bitteres Aufstoßen, Hochwürgen des Mageninhaltes und Erbrechen. Schwere und Druck wie von einem Stein, Aufblähung des Abdomens, es muss den Gürtel lockern. Enterokolitis mit Übelkeit, häufigem, aber vergeblichem Stuhldrang, wobei nur kleine Stuhlmengen entleert werden können. Gefühl, als wäre der Darm nicht völlig entleert worden. Die Entleerung bringt nur vorübergehend Erleichterung, dann tritt der Drang erneut auf. Obstipation mit knotigem Stuhl oder Durchfall. Juckende oder blutende Hämorrhoiden. Entgiftungsmittel. Schlüsselwort: reizbare Anspannung (Clarke).
→Gemüt – Reizbarkeit, Gereiztheit – allgemein – Widerspruch, bei – geringstem (4): bros-g, ign, kola, nux-v
→Gemüt – empfindlich, überempfindlich – allgemein – Essen, nach (3): cann-s, nux-v, teucr
→Magen – gestört – einfachste Nahrung, durch (14): ant-c, carb-v, hep, kali-c, nat-c, nux-v, puls, …
Urtica urens
#Urtica urensNahrungsmittelallergienUrtikaria nach Verzehr von Fleisch, Fisch, Muscheln, Austern, Meeresfrüchten. Nesselsuchtartige Hautausschläge und Schwellungen bei Allergien ähnlich wie bei Apis mit starkem Juckreiz, aber im Gegensatz zu Apis < Kälte, Nässe, kaltes Baden, nach Schneeluft.
→Magen – Sodbrennen – Sinkgefühl, Herabsinken – Essen – agg. – nach (12): ars, iod, lyc, petr, urt-u, …
→Haut – Hautausschläge – Nesselsucht – Muscheln, durch (7): apis, ars, urt-u, …
→Allgemeines – Speisen und Getränke – Fleisch – agg. (74): chin, ars, caust, puls, pyrog, carb-an, carb-v, kali-bi, kreos, verat, ferr, bell, bry, sil, calc, colch, ip, ant-c, graph, sep, sulph, urt-u, … und Unterrubriken
→Allgemeines – Speisen und Getränke – Fisch – agg. (41): carb-v, kali-s, lach, medus, nat-m, puls, sep, urt-u, …
Histaminum
#HistaminumNahrungsmittelallergienHomöopathisches „Antihistaminikum“. Übelkeit nach Essen, < Denken an Essen. Angst und Zittern im Magen. Jucken und Brennen an kleinen Stellen. Schwellung und Kribbeln wie durch Strom. Trockenheit der Schleimhäute. Teerstühle. Unruhe, Ungeduld beim Warten, Reizbarkeit; < Wärme, > kalte Anwendungen.
→Gemüt – Ruhelosigkeit, beim Warten (1): hist
→Gemüt – Angst – Ruhe – agg. (7): acon, hist, iod, puls, seneg, …
→Magen – Übelkeit – Speisen – Denken an (33): ars, cocc, colch, hist, sep, thuj, …
→Magen – Zittern (59): arg-n, ars, calc, elaps, hist, lyc, iod, nux-v, rhus-t…
→Haut – Hitze – Stellen, kleine, Punkte (3): gaert, hist, sel
Veratrum album
#Veratrum albumNahrungsmittelallergienAkuter, heftiger und auszehrender wässriger Brechdurchfall mit Bauchkoliken. Plötzlicher Kreislaufkollaps mit Blässe, Erschöpfung, Blutdruckabfall, Schwindel, Übelkeit. Kälte der Extremitäten, Gefühl wie Eiswasser in den Adern. Kalter Schweiß auf der Stirn trotz Frösteln. Zudecken bessert nicht, es verschlechtert eher. Eingefallene Facies hippocratica. Reichliche Absonderungen, Erbrechen, Stuhlgang, Urin, Schweiß. Durst mit Verlangen nach großen Mengen eiskalter Getränke oder nach Obst, welches aber das Erbrechen verschlechtern kann. Schlüsselwort: Heftigkeit (Clarke).
Rhus toxicodendron
#Rhus toxicodendronNahrungsmittelallergienDie Hauteffloreszenzen von Rhus toxicodendron sind klassischerweise in Gruppen beieinanderstehende kleine, dunkelrote stark juckende Bläschen mit rotem Hof und heller eitriger Spitze (Köhler). Neben diesen pustulös-herpetiformen Ausschlägen kommen auch urtikarielle und krustös-ekzematöse Formen in Betracht. Typisch ist die Verschlimmerung durch Kratzen. Kofaktoren können Kälte, Nässe und Überanstrengung sein. Der Verfasser hat Rhus toxicodendron einige Male aus der Morphe der Ausschläge und aus der Gesamtheit der Symptome auch als Konstitutionsmittel bei schwereren Neurodermitisfällen (9.1) mit Nahrungsmittelallergien gefunden. Bei manchen von ihnen wurde die Kur mit Hochpotenzen von Rhus toxicodendron erfolgreich begonnen; nach längerer Zeit und Abklingen der Hautprobleme konnte die Behandlung mit einem Folgemittel von Rhus toxicodendron, etwa Calcium carbonicum, Sulphur, Phosphorus oder Lycopodium konstitutionell fortgesetzt werden.
→Magen – Entzündung – Darmbefall, mit, Gastroenteritis (12): arg-n, ars, bapt, cupr, merc, merc-c, rhus-t, …
→Magen – Erbrechen – Allgemein – Essen – agg. – während, plötzlich (11): ars, puls, rhus-t, sep, sil, …
→Haut – Hautausschläge – herpetisch – ruckend, zuckend (9): calc, caust, cupr, lyc, puls, rhus-t, sep, sil, staph
Apis mellifica
#Apis mellificaNahrungsmittelallergienUrtikaria mit hellen, wachsartigen, spannenden, stark juckenden Quaddeln. Ödematöses Anschwellen der Haut, der Schleimhäute und serösen Häute wie Pleura, Meningen und Synovialhäute, auch Zystenbildungen, (ähnlich apoc, aber mit Durst und Wärmeverlangen), Chemosis, Quincke-Ödem, Glottisödem mit Stridor. Asphyxie im Rahmen einer anaphylaktischen Reaktion. Akutes Nierenversagen. Durstlosigkeit, Unruhe. < Jede Art von Wärme, Druck, Berührung, abends und im Schlaf, > Kühlung, Entblößen, Luftzufuhr. Schlüsselwort: Ödeme (Clarke). Dieses Mittel enttäuscht selten bei den genannten und ähnlichen Symptomen und wirkt besonders sicher in Hochpotenzen ab C200 aufwärts.
→Augen – Chemosis, ringförmige Bindehautschwellung (14): apis, kali-i, rhus-t, ter, vesp, …
→Gesicht – Schwellung – allgemein – ödematös (106): ant-t, apis, apoc, ars, bry, calc, alc-ar, canth, chel, colch, crot-h, dig, dulc, graph, hell, lyc, medus, merc, merc-c, nat-m, phos, plb, puls, rhus-t, sep, sil, thuj, tub, urt-u, vesp, …
→Larynx und Trachea – Schwellung – allgemein – ödematös – Glottis (21): apis, crot-h, iod, kali-i, lach, stram, vip, …
Carbolicum acidum
#Carbolicum acidumNahrungsmittelallergienSchwere Kollapszustände, anaphylaktischer Schock speziell nach schweren allergischen oder toxischen Allgemeinreaktionen, z. B. Bienen-/Wespenstichen und Schlangenbissen, Vergiftungen, sowie nach Verbrennungen. Größte Schwäche, brennende Schmerzen, Blässe, kalter Schweiß (verat). Rasselnde, unregelmäßige Atmung mit Brustbeklemmung (ant-t). Zittern, tonische Krämpfe. Tenesmen mit Durchfall, Gewebsnekrosen. Alle Absonderungen scharf, stinkend, jauchig. Wenn Veratrum album nicht mehr hilft.
Zusammen mit Apis, Antimonium tartaricum, Carbo vegetabilis, Histaminum, Murex purpurea, Tetanotoxinum, Torula cerevisiae und Veratrum album gehört Carbolicum acidum zu den wichtigsten Anaphylaxiemitteln im engeren Sinne. (Synthesis: Allgemeines – anaphylaktischer Schock. Reference Works: anaphylaxis).
Murphys' Repertory nennt 15 Mittel →Klinisches – Allergien, allergische Reaktionen: acon, apis, ars, ars-i, carb-ac, caust, hist, led. nat-m, psor, rhus-t, sulph, tor, urt-u1

Praxistipp

Patienten dieser Risikogruppe, z. B. Bienen-/Wespengiftallergiker sollten selbstverständlich neben Apis C1000 oder Carbolicum acidum C200 auch mit Epinephrin-Fertigspritzen ausgestattet sein (Fastjekt junior® ab 15–30 kg KG, Fastjekt® ab 30 kg KG, Anapen® Autoinjektor ab 15 kg KG). Hilfreich nur bei Bronchospasmus, aber nicht bei anaphylaktoiden Gesamtreaktionen ist auch ein Epinephrin-Aerosol (z. B. Infektokrupp Inhal®, im Notfall zweimal tief in den Rachen sprühen, ggf. nach fünf Minuten wiederholen).

Sehr gute Erfahrungen hat der Verfasser mit dem Akuteinsatz von Apis bei vielen Patienten gemacht, die mit Urtikaria, Quincke-Ödem, Chemosis aufgrund von Kontaktallergien, Allergien auf Nahrungsmittel, Nahrungszusatzstoffe, Pollen, Tierhaare und Insektenstiche reagieren. Sie führen meist Apis C1000 mit sich und sind angehalten, bei den ersten Anzeichen eines Flush zwei Globuli, evtl. wiederholt einzunehmen.

Kasuistiken

Die meisten Kinder mit Nahrungsmittelallergien kommen zur chronischen Behandlung wegen schon bestehender Neurodermitis (9.1), Asthma (9.3), rezidivierender Urtikaria oder Dysenterie. Unter der homöopathischen Konstitutionstherapie werden die vorher nicht vertragenen Lebensmittel in der Regel nach sechs bis zwölf Monaten Behandlungsdauer wieder toleriert, auch wenn sie vorher jahrelang Probleme gemacht haben. Als Beispiele für den Beginn einer konstitutionellen Behandlung bei Nahrungsunverträglichkeiten sollen zwei Fälle aus der Praxis vorgestellt werden.

Kasuistik

Milch- und seltene Reisallergie (Michael Drescher)

Anamnese

Ein 20 Monate altes Kleinkind kommt wegen Nahrungsmittelallergien und Schlafstörungen in die Praxis. Der mit 8,8 kg untergewichtige Bub krümmt und bäumt sich nach Trinken von 10–20 ml Milch und weigert sich, weiter zu essen. Auf jede Nahrung, die Reis enthält, bekommt er sofort Durchfall, ebenso auf Kuh- und Ziegenmilch. Stuhlgang ist hat er mindestens dreimal täglich, der Stuhl ist meist weich. Nach Reiskarenz ging es ihm mit den Stühlen besser.
RAST ist positiv auf Kuhmilch, Soja, Reis, Aspergillus. Leichter Milchschorf, trockene Haut, gelegentlich Ausschläge an den Beugen.
Der erste Zahn kam mit elfeinhalb Monaten, gesprochen hat er mit 15 Monaten. Es handelt sich um ein immer freundliches, aufgewecktes, Kind. Keine Ängste, die Neugier überwiegt. Hat früh gelacht. Friert schnell mit blauen Lippen. Keine Schweiße. Mund- und Windelsoor seit der ersten Lebenswoche. Leicht kränkelnd mit Erkältungen, Halsentzündungen. Liebt Süßes über alles. Abneigung gegen Schwarzbrot. Nach dem Einschlafen liegt er bald auf der Decke, die Füße sind kalt; der Körper, auch die Hände, warm. Bauchlage. Häufiges Erwachen zu unregelmäßigen Zeiten, nach Teetrinken schläft er weiter. Vollmond verschlechtert sehr stark den Schlaf.
Leichter IgA-Mangel. Wegen einer latenten Hypothyreose bekommt er Euthyrox 50. Er bekam vom Vorbehandler zweimal Lycopodium C200 ohne Erfolg.

Repertorisation

Die Gesamtheit der Symptome, einschließlich der bei uns außerordentlich seltenen Reisallergie führte zu Sulphur.
→Allgemeines – Speisen und Getränke – Reis – agg (10): bry, ign, kali-n, puls, sulph, tell, …

Verordnung und Verlauf

Nach der ersten Gabe Sulphur C 200 hat sich das Schlafen minimal verbessert; der Junge verträgt jetzt Kuhmilch, alles andere ist gleichgeblieben. Nach der zweiten Gabe Sulphur C200 steigt das Gewicht auf 9,5 kg, weiterhin bestehen die Reisunverträglichkeit und das häufige Erwachen, er ruft dann nach der Mutter. Er schläft nachts am liebsten mit jemandem im Zimmer. Liebt Eis (kein sulph!) und Schokolade, Abneigung gegen Fleisch.
Wechsel auf Phosphorus C200. Einen Tag später tritt ein Ausschlag an den Extremitäten (altes Symptom) auf, die Stühle werden fester. Nach 14 Tagen wird das Schlafen besser, kommt meist nur noch einmal nachts. Kuhmilch wird weiter vertragen, jetzt erstmals auch Reismehlzusätze. Seit der homöopathischen Behandlung sind keine Infekte mehr aufgetreten. Phosphorus C200 wird fünf Wochen später fortgesetzt. Die Stühle werden überwiegend fest. Verträgt jetzt Reis und Kuhmilch ganz problemlos.

Beurteilung

Sulphur und Phosphorus lagen bei der allgemeinen Repertorisation vorne, nur die Berücksichtigung aller Symptome führte zum Simillimum. Die Reisrubrik ist unter Umständen unvollständig, Phosphorus ist nämlich nur bei Reisverlangen aufgeführt.

Kasuistik

Allgemeine Nahrungsintoleranz (Michael Drescher)

Anamnese

Die schlecht gelaunte, adipöse 16-Jährige wird von ihrer Mutter wegen extrem starker Bauchschmerzen vorgestellt, die seit Jahren bestehen. Klinikaufenthalte, Gastro- und Rektoskopien brachten außer Blinddarmverwachsungen keine Befunde. Die Bauchschmerzen sind immer vorhanden, nach jeder kleinsten Mahlzeit kommt es sofort zu verstärkten Koliken mit Völlegefühl. Viele kleine Portionen über den Tag wären besser. Der Gürtel darf nicht zu eng sein, da ist sie sehr empfindlich. Sitzen ist am schlimmsten. Brennende Durchfälle wechseln mit Obstipation. Auf Reisen ist sie die ersten zwei Tage verstopft.
Verschlechterung besonders durch Fettes, Gebratenes, Kohlensäure und Tomatensoße. Quark brennt im Hals. Weintrauben und Scharfes und Gewürze machen Durchfall. Sie hat Verlangen nach Deftigem, Saurem und Ananasstückchen. Trotz Abneigung gegen Schokolade, Gebäck, Kuchen, nimmt sie ständig zu und ist unglücklich darüber.
Sie will ihren Busen verkleinern lassen. Menarche mit 13 Jahren, diese wurde schnell sehr schmerzhaft, die Abstände schwanken zwischen einer und zehn Wochen. Auf Pille starke Gewichtszunahme trotz Kalorienreduktion; sie wird wieder abgesetzt. Schwindel, Reizbarkeit und Gewichtszunahme von bis zu vier Kilo vor den Menses.
Die Patientin ist sehr empfindlich, ärgert sich oft über jeden und alles. Dieser Ärger dauert immer lange bei ihr an; sie wirkt unzufrieden und gereizt. Dabei kann sie ihre Gefühle nie verbergen, muss sie sofort zum Ausdruck bringen. Sie hat sensible Antennen für den Charakter anderer Menschen, den sie sehr gut einschätzen kann. Familie und Freunde haben für sie einen hohen Stellenwert.

Verordnung

Nach Pulsatilla C 1000 sind die Bauchschmerzen nicht mehr so heftig und treten seltener auf. Sie ist laut Mutter zugänglicher und offener, will das aber selbst noch nicht so zugeben. Wiederholung von Pulsatilla C1000 nach fünf Wochen, danach sind die Bauchschmerzen generell besser. Bisweilen noch unvermittelte Durchfälle. Periode stellt sich um die 28 Tage ein. Pickel im Gesicht werden schlimmer und schmerzen. Starke Durchfälle nach einem Mallorca-Urlaub.
Nach Pulsatilla C10 000 ging es ihr schnell wieder besser. Zwei Monate später Pulsatilla C10 000. Jetzt kam es vor, dass sie einmal einen ganzen Nachmittag ohne jede Bauchschmerzen erlebte. Fortsetzung mit Pulsatilla nach der Kent-Skala, sobald wieder eine deutliche Verschlechterung eingetreten ist.

Literatur (9.2)

Alexy and Kersting, 1999/2000

U. Alexy M. Kersting Empfehlungen für die Ernährung von allergiegefährdeten Säuglingen Päd Prax 57 1999/2000 431 444

Berg et al., 2003

A v Berg The effect of hydrolyzed cow's milk formula for allergy prevention in the first year of life: The German Infant Nutritional Intervention Study, a randomized double-blind trial J Allergy Clin Immunol 111 2003 533 540

Berg et al., 2001

Berg A v, Koletzko S et al. Untersuchung zum Einfluss der Säuglingsernährung auf die Enstehung einer Allergie bei Säuglingen mit familiärem Atopierisiko (GINI-Studie), 97.Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, Freiburg 13.–16.9.2001, 4.Jahrestagung der Gesellschaft für Päd. Allergologie und Umweltmedizin, München 26.–28.10.2001.

Berg et al., 2003

A v Berg S. Koletzko A. Grubl The Effect of hydrolyzed cow's milk formula for allergy prevention in the first year of life: the German Infant National Intervention (GINI) study, arandomized double-blind trial J. Allergy Clin Immunol 111 2003 533 540

Davies and Ollier, 1991

R. Davies S. Ollier Allergien 1991 Spektrum der Wissenschaft Heidelberg

Dorsch, 1997

A. Dorsch Pädiatrische Notfallsituationen 2.A. 1997 MMV München

Dreborg, 2003

S. Dreborg Dietary prevention of allergy, atopy and allergic diseases J Allergy Clin Immunol 111 2003 467 470

Ehlers et al., 2000

I. Ehlers Diätetik in der Allergologie Allergologie 11 2000 511 580

Flade, 1988

S. Flade Diät für Allergiker 1988 Selbstverlag München

Frank, 1997

M. Frank Notarzt Praxis-Leitfaden 1997 Schattauer Stuttgart

Friedrichs and Buderus, 2016

Friedrichs F, Buderus S. Kuhmilchproteinallergien (KMPA) rechtzeitig erkennen und behandeln. Zertifizierte Fortzbildung CME. Springer Medizin. Beilage in „CME“ Band 13, Heft 7/8, August 2016; „Monatschrift Kinderheilkunde“ Band 164, Heft 8, August 2016; „pädiatrie hautnah“ Band 28, Heft 5, Oktober 2016.

Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin e, 2009

Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin e. V. (GPA) Vorgehen bei Säuglingen mit Verdacht auf Kuhmilchproteinallergie Positionspapier Monatsschr Kinderheilkd 157 2009 687 691

Harms, 2016

D. Harms Kuhmilchallergie im Säuglingsalter Haut & Allergie 2 2016 24 25

Harnack and Koletzko, 1997

GA v Harnack B. Koletzko Kinderheilkunde 10.A. 1997 Springer Berlin

Hausen and Vieluf, 1997

B.M. Hausen I.K. Vieluf Allergiepflanzen, Handbuch und Atlas 2. A. 1997 Ecomed Landsberg/Lech

Illing and Claßen, 2000

S. Illing M. Claßen Klinikleitfaden Pädiatrie 5.A. 2000 Urban & Fischer München

Isolauri et al., 2000

E. Isolauri Probiotics in the management of atopic eczema Clinical and Experimental Allergy 30 2000 1604 1610

Jäger and Wüthrich, 2002

L. Jäger B. Wüthrich Nahrungsmittelallergien und -intoleranzen. Immunologie, Diagnostik, Therapie, Prophylaxe 2.A. 2002 Elsevier, Urban & Fischer München

Johansson et al., 2001

S.G. Johansson A revised nomenclature for allergy. An EAACI position statement from the EAACI nomenclature task force Allergy 56 2001 813 824

Kalliomäki et al., 2003

M. Kalliomäki Probiotics and prevention of atopic disease: 4-year follow-up of a randomised placebo-controlled trial Lancet 361 9372 2003 1869 1871

Kalliomäki et al., 2001

M. Kalliomäki Probiotics in primary prevention of atopic disease: a randomised placebo-controlled trial Lancet 357 2001 1076 1079

Koletzko, 2002

Koletzko S. Ernährung und Immunsystem. Kongress am 15.2.2002 in Berlin (GINI-Studie).

Kotschtschejew, 1990

A.K. Kotschtschejew Wildwachsende Pflanzen in unserer Ernährung 1990 VEB Fachbuchverlag Leipzig

Küpper, 2002

C. Küpper Zucker, Gewürze, Schokolade – mehr als nur Genuss! Dtsch Med Wochenschr 51 2002 2736 2742

Lau et al., 2012

S. Lau K. Gerhold K. Zimmermann C.W. Ockeloen Oral application of bacterial lysate in infancy decreases the risk of atopic dermatitis in children with 1 atopic parent in a randomized, placebo-controlled trial J Allergy Clin Immunol 129 4 2012 1040 1047

Laun et al,

Laun T, Läpple F, Ptok E. Probiotika. Zwischen Hoffnung und Humbug. Pharmazeutische Zeitung online 4/2002 Eschborn.

Maintz et al., 2006

L. Maintz T. Bieber N. Novak Die verschiedenen Gesichter der Histamintoleranz, Konsequenzen für die Praxis Deutsches Ärzteblatt 51–52 103 2006 A3477 A3483

Möhrle,

Möhrle K. Neues zum Thema Allergien bei der Wiedereröffnung der Säuglingsstation des Clementine Kinderhospitals Frankfurt. Hess. Ärzteblatt 9/2001.

Niestijl Jansen et al., 1994

J.J. Niestijl Jansen A.F.M. Kardinaal B.J. Huijbers Prevalence of food allergy and intolerance in the adult Dutch population Journal of Allergy 93 1994 446 456

Niggemann et al., 2000

B. Niggemann S. Reibel U. Wahn The atopy patch test (APT) – a useful tool for the diagnosis of food allergy in children with atopic dermatitis Allergy 55 2000 281 285

Oberdisse et al., 1997

E. Oberdisse E. Hackenthal K. Kuschinsky Pharmakologie und Toxikologie 1997 Springer Heidelberg

Raab, 1987

W. Raab Allergiefibel Empfindlichkeit und Überempfindlichkeit 2. A. 1987 Gustav Fischer Stuttgart

Reimann et al., 2000

S. Reimann M. Worm W. Sterry T. Zuberbier Pollenassoziierte Nahrungsmittelallergien – Orales Allergie-Syndrom ZS Hautkrankheiten H+G 75 1 2000 8 15

Reuter and Rass, 1996

H. Reuter H. Rass Tips und Trends für den Einsatz pflanzlicher und biologischer Präparate 1996 MD-Verlag München

Ring, 1983

J. Ring Angewandte Allergologie 1983 MMW Medizin München

Roitt et al., 1991

I.M. Roitt J. Brostoff D.K. Male Antigenerkennung, Überempfindlichkeit, Typ-I-Reaktion Kurzes Lehrbuch der Immunologie 2.A. 1991 Thieme Stuttgart

Rueff et al., 2011

F. Rueff K.C. Bergmann K. Brockhoff Hauttests zur Diagnostilk von allergischen Soforttyp Reaktionen. Hauttests zur Diagnostik von allergischen Soforttyp-Reaktionen. Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinischen Immunologie (DGAKI) Pneumologie 65 2011 484 495

Schmidt and Schöch, 1989

E. Schmidt G. Schöch Die Ernährung des Säuglings. Gesammelte Beiträge 1989 Hans Marseille München

Schmidt, 2003

S. Schmidt Primärprävention von Allergien bei Kindern und Jugendlichen. Stellungnahme der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin e. V. (GPA) Pädiatrische Allergologie in Klinik und Praxis 1 2003 6 12

Schmutzler, 1985

W. Schmutzler Nahrungsmittelallergie. Anatomie, Physiologie, Immunologie, Diagnostik, Klinik, Therapie 1985 Dustri München

Schweig, 2002

Schweig T. Atopisches Ekzem: Pro Woche ein neues Nahrungsmittel. PZ Pharmazeutische Zeitung online 2002; 46.

Stopfkuchen, 1990

H. Stopfkuchen Notfälle im Kindesalter. Außerklinische Erstversorgungsmaßnahmen 1990 Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart

Thiebes et al,

Thiebes V, Brockow K, Ring J. Erste Hilfe bei Anaphylaxie. Adrenalin hilft am schnellsten, ber Vorsicht! CME Fortbildung Pneumo News 3/2009.

Tüttenberg, 1999

H.W. Tüttenberg Nahrungsmittelallergien erkennen und behandeln 1999 Ullstein Berlin

Weinbuch-Pfeifer, 1994

Th Weinbuch-Pfeifer Zusatzstoffe in Lebensmitteln Naturarzt 2 1994 42 44

Werfel, 2002

T. Werfel Vorgehen bei vermuteter Nahrungsmittelallergie bei atopischer Dermatitis Allergo J 11 2002 386 393

Wüthrich, 2002

Wüthrich B. Allergieabteilung der dermatolog. Universitätsklinik Zürich: Nahrungsmittelallergie. 9. Regensburger allergologische und umweltmedizinische Fortbildung am 10.7.2002.

Wüthrich, 2004

B. Wüthrich Tödliche Nahrungsmittelallergien Praxis Arena 7 2004 6 11

Young et al., 1997

E. Young A. Stoneham A. Petruckevtch A population study of food intolerance The Lancet 343 1997 1127 1130

Zimmermann and Schirmer, 1985

Th Zimmermann H. Schirmer Universitäts-Kinderklinik Erlangen, Cnopf'sche Kinderklinik Nürnberg: Allergie was tun? 1985 Walhalla und Praetoria Verlag Regensburg

Homöopathische Literatur (9.2)

Allen, 1991

H.C. Allen Grundzüge und Charalteristika der Materia Medica mit Nosoden 6.A. 1991 Dr.Paul Gerhard Valeske Eigenverlag Kempten

Barthel, 1993

H. Barthel Charakteristika homöopathischer Arzneimittel 2.A. 1993 Barthel & Barthel Verlag Berg

Bendau, 2003

G. Bendau Homöopathische Arzneien und ihre charakteristische Morphe bei unterschiedlichen Hauterkrankungen 2003 Sunrise St. Peter (Bildmaterial zur Ergänzung des Kapitels über Hautkrankheiten. In: Köhler G.: Lehrbuch der Homöopathie, Bd. II. Stuttgart: Hippokrates, 2001)

Clarke, 2001

A.G. Clarke Dechachords 2001 Sunrise St. Peter

Dorcsi, 1985

M. Dorcsi Homöopathie, Bd. 6 – Symptomenverzeichnis 3.A. 1985 Haug Heidelberg

Dorcsi and Ulrich, 1990–1991

M. Dorcsi M. Ulrich Weiterbildungskurs für Kinderärzte. Deutsche Akademie für Entwicklungs-Rehabilitation München 1990–1991

Foubister, 1999

DMcD. Foubister Symptomenwert von Nahrungsmitteln D.McD. Foubister Homöopathisches Tutorium der Kinderheilkunde 1999 Sonntag Stuttgart

Krüger, 1999

A. Krüger Acidum salicylicum und Salix alba Homöopathische Einblicke 39 1999 http://www.arnekrueger.de/literatur/saliyl.htm

Lathoud, 1985

J.A. Lathoud Materia Medica 1985 Barthel & Barthel Berg

Leduc, 1986

H. Leduc L'homoeopathie à l'écoute de l'enfant 1986 Didier Hatier Bruxelles

Lesell, 1994

C.B. Lesell Homöopathisches Reisehandbuch 1994 Droemer Knaur München

Ratera, 1997

M.M. Ratera Erste Hilfe durch Homöopathie 1997 Hahnemann Institut Greifenberg

Mezger, 1991

J. Mezger 9.A. Gesichtete Homöopathische Arzneimittellehre Band I–II 1991 Haug Heidelberg

Reference Works, 2000

Reference Works Reference Works Vers. 2.6.3 2000 Kent Homeopathic Associates Inc San Rafael

Schuster, 1996

B. Schuster Bambus. Homöopathische Prüfung und Verifizierung 1996 Kent-Gesellschaft Kronberg

Schwabe, 1921

W. Schwabe Lehrbuch der homöopathischen Therapie 9.A. 1921 Verlag Dr. Wilhelm Schwabe Leipzig

Seideneder, 2000

A. Seideneder Mitteldetails der homöopathischen Arzneimittel 2000 Simillimum Ruppichteroth

Stübler and Krug, 1988

M. Stübler E. Krug Leesers Lehrbuch der Homöopathie 4.A Mineralische Arzneistoffe Bd. II 1988 Haug Heidelberg

Voisin, 1985

H. Voisin Materia medica des homöopathischen Praktikers 2.A. 1985 Haug Heidelberg

Zandvoort, 2000

R v Zandvoort Complete Repertory, deutsch und englisch Mac Repertory v. 5.6.1.Roger van Zandvoort 2000 Kent Homeopathic Associates Inc San Rafael

Zandvoort, 2002

R v Zandvoort Complete Repertory deutsch, vollständig neu übersetzt und bearbeitet von © Alexandar Stefanovic Similimumn Verlag Sonderedition für Radar 2002

Holen Sie sich die neue Medizinwelten-App!

Schließen