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B978-3-437-56313-3.00005-4

10.1016/B978-3-437-56313-3.00005-4

978-3-437-56313-3

Abb. 5.1

[X400]

Neugeborenes im Alter von einigen Minuten, 39+1 SSW, Geburtsgewicht 3450 g, Calcium-carbonicum-Konstitution

Abb. 5.2

[X400]

Neugeborenes im Alter von 30 Minuten, 37+2 SSW, Geburtsgewicht 3360 g, Calcium-phosphoricum-Konstitution

Abb. 5.3

[X400]

Neugeborenes einige Minuten nach Geburt, 37+3 SSW, Geburtsgewicht 2450 g, Wachstumsretardierung, SGA, Phosphorus-Konstitution

Abb. 5.4

[X400]

Neugeborenes im Kreissaal, 37+1 SSW, Geburtsgewicht 2520 g, SGA, Silicea-Konstitution

Abb. 5.5

[P331]

Nomogramm mit altersbezogenen Serumbilirubinkonzentrationen bei reifen Neugeborenen (vgl. Bhutani et al. 1999)

Abb. 5.6

[P331]

Markus, zehn Monate

Abb. 5.7

[P331]

Markus, zehn Jahre

Abb. 5.8

[P331]

Markus, 13 Jahre

Abb. 5.9

[X400]

J., 8 Jahre alt

Abb. 5.10

[P332]

Daniel, ein Jahr. Kopfüberstreckung, Kopfschräglage, Fingerkrallen

Abb. 5.11

[P332]

Daniel, drei Jahre, nach Cicuta Q3

Abb. 5.12

[P332]

Daniel, dreieinhalb Jahre, nach Cicuta Q4

Typische Krankheitsbilder bei früh- und neugeborenen Kindern FrühgeboreneKrankheitsbilderaufgrund der Unreife ihrer Organe einschließlich Folgeerkrankungen

Tab. 5.1
Organsysteme Krankheitsbilder
Alle Organe Asphyxie; Sepsis, bakterielle und virale Infektionen, Pilzinfektionen; angeborene Fehlbildungen
Atemwege Atemnotsyndrom, Apnoen mit und ohne Bradykardien und Sauersättigungsabfällen, transitorische Tachypnoe des Neugeborenen, bronchopulmonale Dysplasie (BPD)
Herz-Kreislauf-System Persistierender fetaler Kreislauf (PFC) bei pulmonaler Hypertonie des Neugeborenen (PPHN), persistierender Ductus arteriosus Botalli (PDA), angeborene Herzfehler, Herzrhythmusstörungen
Nervensystem Hirnblutung, (hämorrhagischer) Hydrozephalus, periventrikuläre Leukomalazie (PVL), zerebrale Krampfanfälle, Sepsis, Meningitis, Enzephalitis
Stoffwechsel Hypoglykämie, Hyperglykämie, Elektrolyt-Imbalancen, angeborene Stoffwechseldefekte
Magen-Darm-Trakt Mekoniumverhalt, erschwerter Nahrungsaufbau, Verdauungsstörungen, nekrotisierende Enterokolitis (NEC), Volvulus, rezidivierendes Erbrechen, Gedeihstörung, Pylorusstenose
Leber Icterus neonatorum, Cholostase, Hepatopathie
Nieren Harnverhalt, akutes Nierenversagen, kongenitale Nierenerkrankungen
Augen Frühgeborenen-Retinopathie (ROP)

Ursachen für zerebrale Krampfanfälle bei Früh- und Neugeborenen

Tab. 5.2
  • Hypoxämie

  • Hypoglykämie

  • Elektrolyt-Entgleisungen (z. B. Hypokalzämie, Hypomagnesämie)

  • Intrakranielle Hämorrhagie (ICH)

  • Asphyxie, hypoxisch-ischämische Enzephalopathie (HIE)

  • Sepsis, Meningitis, Enzephalitis

  • Medikamenten- oder Drogenentzug

  • Intoxikationen

  • Angeborene Epilepsie-Syndrome

  • Angeborene Stoffwechseldefekte

  • Angeborene Fehlbildungen (z. B. Lissenzephalie)

Klinische Zeichen für eine bakterielle oder virale Infektion bei Früh- und Neugeborenen

Tab. 5.3
  • Trinkschwäche, Magenreste, Erbrechen oder Obstipation, geblähtes Abdomen

  • Plötzlich (wieder-)auftretende Bradykardien oder Tachykardien, arterielle Hypotonie

  • Verlängerte Kapillarfüllungszeit

  • Apnoen oder Dyspnoe, Blässe oder Zyanose

  • Irritabilität oder Hyperexzitabilität

  • Gespannte Fontanelle oder zerebrale Krampfanfälle

  • Hypothermie oder seltener Hyperthermie

Ursachen für Unruhe und Schreien im Neugeborenenalter

Tab. 5.4
  • Verletzungen durch die Geburt (Kephalhämatom, Fraktur, Luxation)

  • Unregelmäßiger Schlaf-wach-Rhythmus

  • Kälte- oder Wärme-Intoleranz

  • Hunger, ungenügende Nahrungszufuhr; Fütterungsprobleme

  • Bauchschmerzen, Blähungen, Obstipation oder Reflux

  • Andere kindliche Erkrankungen:

    • Atemnot, Tachydyspnoe, Hypoxie

    • Supraventrikuläre Tachykardie, Herzfehler, Myokarditis

    • Invagination, Volvulus, intestinale Obstruktion

    • Sepsis, Meningitis, Enzephalitis

    • ICH, erhöhter Hirndruck, zerebrale Krampfanfälle

  • Wunsch nach Nähe und Aufmerksamkeit, Kuscheln

  • Körperliche oder seelische Probleme der Mutter während der Schwangerschaft

  • Nikotin-Entzug, Drogen- oder Medikamenten-Entzug

Typische Symptome des Finnegan-Scores

Tab. 5.5
  • Schreien, Schlaflosigkeit, Schreckhaftigkeit

  • Zittern, erhöhter Muskeltonus, Hautabschürfungen, Myoklonien, Krampfanfälle

  • Schwitzen, Fieber, Gähnen, marmorierte Haut

  • Verstopfte Nase, Niesen, Nasenflügeln, Tachydyspnoe

  • Dauerndes Saugen, schlechtes Trinkverhalten, Erbrechen und Durchfall

Die wichtigsten Ursachen des pathologischen IkterusIcterus neonatorumUrsache

Tab. 5.6
Ursache Symptome und Befunde
Unreife Frühgeburt, Small-for-date-Kinder
Hämolyse
  • Blutgruppen-Unverträglichkeit zwischen Mutter und Kind (Morbus haemolyticus neonatorum), v. a. ABO-Inkompatibilität (meist Mutter 0, Kind A oder B) oder Rhesus-Inkompatibilität (Mutter Rhesus-negativ d/d, Vater Rhesus-positiv D/D oder D/d, Kind Rhesus-positiv D/d)

  • Seltene angeborene hämolytische Anämien (Sphärozytose, Glukose-6-phosphat-Dehydrogenase-Mangel; Familienanamnese!)

→Oft Icterus praecox
Polyglobulie →Verstärkter Anfall von Bilirubin
Perinatale Komplikationen und Infektionen
  • Große Hämatome

  • Innere Blutungen (ICH, Nebennierenblutung)

  • Sepsis mit Hämolyse,

  • „Belastungsikterus“

Trinkschwäche, Exsikkose, Hypoglykämie
Hypothyreose →Icterus prolongatus
Cholestatischer-Ikterus
  • Perinatale Infektionen („TORCH“), neonatale Hepatitis, Stoffwechselstörungen und Gallengangsfehlbildungen

  • Leitsymptome: dunkler Urin, entfärbter Stuhl, evtl. Hepatomegalie

Ambulante Diagnostik bei ikterischen Reifgeborenen Icterus neonatorumDiagnostik

(nach AAP 2004 und AWMF 2015)

Tab. 5.7
Ikterus in den ersten 24 Lebensstunden
  • Bilirubinbestimmung

  • Einweisung zur klinischen Diagnostik und Therapie

Sichtbarer Ikterus am 2. Lebenstag (25–48 h) Bilirubinbestimmung (auch transkutan)
Ausgeprägter Ikterus am 3. oder 4. Lebenstag Bilirubinbestimmung (transkutan oder zusammen mit Stoffwechselscreening)
Bilirubinwerte über der 75er (95er) Perzentile Bilirubinkontrolle innerhalb von 48 (24) Stunden
Zusätzliche Diagnostik bei pathologischem Ikterus
  • BB + Retikulozyten

  • Blutgruppe

  • Direkter Coombs-Test

  • Direktes Bilirubin (falls erhöht: Leberwerte, TORCH-Screening, TSH, Sepsis-Parameter, Eisen, Transferrin-Sättigung und Quick zum Ausschluss einer Hämochromatose)

  • Bei Bilirubinwerten über 25 mg/dl: Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenase und andere hämolytische Anämien.

Weitere Indikationen für eine klinische Abklärung
  • Apathie

  • Stöhnen oder schrilles Schreien

  • Erbrechen oder Trinkschwäche

  • Starker Gewichtsverlust

  • Apnoe, Tachypnoe

  • Eingeschränkte Mikrozirkulation

  • Hepatosplenomegalie

  • Dunkel gefärbter Urin und acholische Stühle

Icterus prolongatus (Bilirubin > 12 mg/dl) über 6 Wochen Bestimmung von fT4 (zentrale Hypthyreose?) und direktem Bilirubin (Cholestase?)

Mittlere Gewichtszunahme im Säuglings- und Kleinkindalter

(nach Bassali 2003)

Tab. 5.8
Alter Mittlere tägliche Gewichtszunahme Mittlere wöchentliche Gewichtszunahme
1–3 Monate 26–31 g 180–220 g
3–6 Monate 17–18 g 120–130 g
6–9 Monate 12–13 g 80–90 g
9–12 Monate 9–10 g 60–70 g
1–3 Jahre 7–9 g 50–60 g
4–6 Jahre 5–6 g 35–40 g

Krankheitsbilder mit Gedeihstörung GedeihstörungKrankheitsbilder

Tab. 5.9
Krankheitsbild Symptome
Pränatal beginnende Gedeihstörung
  • Chromosomenaberrationen (z. B. Down Syndrom)

  • Minderwuchssyndrome

  • Organdysfunktionen und -fehlbildungen (z. B. Myelomeningozele, Vitium cordis)

  • Intrauterine Infektionen

  • Mütterlicher Nikotin-, Alkohol- oder Drogenabusus

  • Essstörungen der Mutter

  • Plazentainsuffizienz, Gestose

Ernährungsstörungen
  • Frühgeburtlichkeit

  • Stillprobleme („Hunger an der Brust“)

  • Trinkschwäche (z. B. Hyperbilirubinämie, kraniofaziale Fehlbildungen, neuromuskuläre Erkrankungen, Prader-Willi-Syndrom, ZNS-Erkrankungen)

  • Fehlernährung, strenge Diäten (z. B. bei atopischem Ekzem)

  • Psychosoziale Probleme (soziale bedingte Unterernährung, familiäre Dysfunktion und Interaktionsstörungen, fehlende emotionale Unterstützung der Mutter, Vernachlässigung, Kindesmisshandlung)

Endokrinologische Krankheiten und Stoffwechselstörungen
  • Frühkindliche Hypothyreose

  • Adrenogenitales Syndrom

  • Stoffwechseldefekte (Aminosäuren, Kohlenhydrate)

  • Hyperthyreose

  • Diabetes mellitus

Gastroenterologische Krankheiten
  • Fehlbildungen des Verdauungstrakts (z. B. Ösophagusstenose, -atresie, Darmstenosen und -atresien, Morbus Hirschsprung)

  • Gastroösophagealer Reflux

  • Hypertrophische Pylorusstenose

  • Kuhmilchproteinintoleranz

  • Zöliakie

  • Mukoviszidose

  • Chronische Darminfektionen, Parasitosen

  • Morbus Crohn, Colitis ulcerosa

  • Hepatopathien

Krankheiten der Nieren und Harnwege
  • Chronische Niereninsuffizienz

  • Hereditäre Nierenerkrankungen (z. B. renale tubuläre Azidose)

Hämatologische, immunologische und onkologische Erkrankungen
  • Anämie

  • Immundefekte

  • Leukämie und andere Malignome

Neurologische Erkrankungen
  • Zentrale Koordinationsstörung

  • Infantile Zerebralparese (CP)

Psychogene Gedeihstörung
  • Ruminieren

  • Anorexia nervosa

  • Psychose

Krankheiten mit vermehrtem Kalorienverbrauch
  • Hyperthyreose

  • Herzfehler

  • Bronchopulmonale Dysplasie

  • Mukoviszidose

  • Chronische Infektionen (z. B. Mastoiditis, rezidivierende Pyelonephritis, HIV, Parasitosen, Tuberkulose)

  • Hyperkinesie

Formen der Gedeihstörung und mögliche Ursachen GedeihstörungFormen

(nach Illing)

Tab. 5.10
Gewicht < Körperlänge < Kopfumfang
  • Qualitativ oder quantitative Unterernährung

  • Kalorienverlust über Erbrechen oder Stuhl

  • Vermehrter Kalorienverbrauch

Gewicht und Körperlänge verringert, Kopfumfang normal
(keine Gedeihstörung im engeren Sinne, sondern Minderwuchs)
  • Endokrinopathien

  • Familiärer Minderwuchs, konstitutionelle Entwicklungsverzögerung

  • Skelettdysplasien

Gewicht, Körperlänge, Kopfumfang gleichmäßig retardiert
  • Chromosomenanomalien

  • Minderwuchssyndrome

  • Intrauterine Störungen (Infektionen, Plazentainsuffizienz, Drogenabusus etc.)

ErbrechenErbrechenNeugeborene bei Neugeborenen und Säuglingen im ersten Trimenon NeugeboreneErbrechenKardiainsuffizienzÖsophagusatresiePylorusstenoseObstruktion, intestinaleErbrechenzerebralesMilchunverträglichkeitInfektionenErbrechenadrenogenitales Syndrom

(nach Michalk und Schönau 2011)

Tab. 5.11
Ursache Symptome Diagnostik
Kardia-Insuffizienz Atonisches Erbrechen unverdauter Nahrung, „Spuckeln“. Gutes Gedeihen Klinisch
Gastrointestinale Refluxkrankheit Nicht-galliges Erbrechen bald nach der Mahlzeit, mit Schreien, Appetitlosigkeit, allmählicher Gewichtsabnahme Sonografie, 24-h-pH-Metrie
Ösophagusatresie Erbrechen von Schleim und Speichel schon am Tag der Geburt. Polyhydramnion Sondierungsversuch (misslingt). Röntgenkontrastuntersuchung
Pylorusstenose Schwallartiges, nicht-galliges Erbrechen in der 4.–9. Lebenswoche. Gedeihstörung, Exsikkose, Hunger. Evtl. tastbarer Pylorus („Olive“), sichtbare Magenperistaltik Sonografie
Intestinale Obstruktion (NEC, Stenosen, Volvulus, Invagination, Mekoniumileus, Morbus Hirschsprung) Schwallartiges galliges Erbrechen bald nach der Geburt Sonografie, Röntgen (ggf. Rektumbiopsie, ggf. Schweißtest)
Zerebrales Erbrechen (z. B. Hirnblutung, Hydrozephalus) Atonisches Erbrechen, neurologische Symptome (Krampfanfall, muskuläre Hyper- oder Hypotonie) Neurostatus, EEG, Bildgebung (Sono, MRT)
Milchunverträglichkeit (Kuhmilchproteinallergie, Disaccharidasemangel) Erbrechen meist mit Koliken und Diarrhö (bei IgE-vermittelter Allergie auch blutig). Oft Hautsymptome (Ekzem, Urtikaria) Spezifisches IgE, Karenzversuch
Infektionen (Sepsis, Meningitis, HWI etc.), Stoffwechselstörungen (Galaktosämie, Aminosäurestoffwechsel, Harnstoffzyklus) Erbrechen, auch gallig, bei rasch schlechter werdendem Allgemeinzustand Laboruntersuchungen (BB, CRP, Serum, Urin, Liquor, Stoffwechselscreening)
Adrenogenitales Syndrom Atonisches galliges Erbrechen. Elektrolytverschiebung, virilisiertes Genitale Labor (17α-HO-Progesteron)

Hauptsymptome der Legasthenie LegasthenieHauptsymptome

(nach Schulte-Körne 2003)

Tab. 5.12
Bereich Symptome
Beim Schreiben
  • Fehler beim mündlichen Buchstabieren

  • Fehler beim Schreiben: Verwechseln von Buchstaben, wechselnde Schreibfehler beim gleichen Wort, Grammatikfehler, Interpunktionsfehler, „Wortruinen“, unleserliche Schrift

  • Hohe Fehlerzahl bei Diktaten und beim Abschreiben von Texten

Beim Lesen
  • Niedrige Lesegeschwindigkeit

  • Startschwierigkeiten beim Vorlesen, ungenaues Phrasieren, langes Zögern oder Verlieren der Zeile im Text

  • Auslassen, Ersetzen, Verdrehen oder Hinzufügen von Worten und Wortteilen

  • Ersetzen von Wörtern durch ein in der Bedeutung ähnliches Wort

  • Mangelndes Leseverständnis: Unfähigkeit, Gelesenes wiederzugeben oder daraus Zusammenhänge zu erkennen bzw. Schlussfolgerungen zu ziehen

Typische Nebensymptome der Legasthenie LegasthenieNebensymptome

(nach Davis 1994)

Tab. 5.13
Bereich Symptome
Akustische Wahrnehmungsstörungen
  • Hört Geräusche leiser, lauter, ferner oder näher

  • Hört Geräusche, die nicht existieren

  • Hört nicht, was der andere sagt

Kinästhetische Wahrnehmungsstörung
  • Mangelnder Orientierungssinn

  • Schwierigkeiten mit der Balance

  • Koordinationsstörungen, Ungeschicklichkeit, Dyspraxie

  • Schwindelgefühl beim Lesen

Gestörter Zeitsinn
  • Schlechtes Zeitgefühl (oft verspätet)

  • Unfähigkeit, die Uhr zu lesen

  • Schwierigkeit, Dinge in die richtige Reihenfolge zu bringen

  • Tagträumen, Hypoaktivität

  • Hyperaktivität

MeilensteineMeilensteinekindliche Entwicklung der kindlichen Entwicklung Entwicklungsverzögerung, frühkindlicheMeilensteine

(nach Flehmig und Ernst)

Tab. 5.14
Alter Motorik Sehen Sprache Soziales
3 Monate Kopfheben in Bauchlage Verfolgt Personen mit den Augen Gibt differenzierte Laute von sich Lächelt sozial
6 Monate Dreht sich aktiv, greift Betrachtet Dinge, die Umgebung Plappert zu Erwachsenen Unterscheidet Bekannte von Fremden
9 Monate Sitzt ohne Hilfe, Daumenopposition Verfolgt einen fallenden Gegenstand Kennt seinen Namen Fremdelt, spielt „Verstecken“
12 Monate Setzt sich, zieht sich hoch zum Stehen, läuft an Möbeln entlang. Pinzettengriff Blickt in die Richtung, in die der Untersucher mit dem Zeigefinger zeigt Spricht ungezielte Doppelsilben, versteht einfache Wörter Winkt, klatscht in die Hände, gibt einen Gegenstand auf Aufforderung
15 Monate Steht kurze Zeit frei, geht drei Schritte frei Zeigt mit dem Finger auf Gegenstände Zeigt oder blickt auf einen genannten Körperteil, spricht drei sinnvolle Wörter Spielt Ball, trinkt aus einem Becher
18 Monate Geht rückwärts, kritzelt, baut Türme Schaut ein Bilderbuch an Spricht ein sinnvolles Wort mit zwei verschiedenen Vokalen (z. B. „Auto“) Isst mit dem Löffel, führt einfache Aufträge aus
24 Monate Rennt, steigt Treppen, wäscht sich die Hände Erkennt Bilder Spricht Zweiwortsätze, antwortet mit „Nein“ Versorgt eine Puppe
3 Jahre Springt, steht mit Festhalten auf einem Bein, fährt Dreirad Erkennt Formen Spricht Vierwortsätze, gebraucht das Zahlwort „zwei“ Spielt mit anderen, kann sich durchsetzen

Indikationen zur weiteren Diagnostik bei EntwicklungsverzögerungEntwicklungsverzögerung, frühkindlicheDiagnostik

(nach Korenke 2000)

Tab. 5.15
3 Monate Kein Fixieren, keine Blickwendung nach Geräuschen, auffällige oder asymmetrische Muskelhypo-/hypertonie
6 Monate Kein Greifen
12 Monate Kein Stehen
18 Monate Kein freies Laufen
24 Monate Keine Sprachentwicklung, fehlendes Verständnis einfacher Aufforderungen

MeilensteineMeilensteinesensomotorische Entwicklung der sensomotorischen Entwicklung

Tab. 5.16
Alter Sprechen Gehen
1. Monat Lautäußerung, Lächeln Kopfheben in Bauchlage
2. Monat Blas- und Reibelaute Unterarmstütz
3. Monat Lallen Offene Hände
4. Monat Einzellaute Drehen Bauch-Rücken
5. Monat Doppellaute Drehen Rücken-Bauch
6. Monat Gezielte Lautäußerung Fortlaufendes Drehen
7. Monat Lautfolgen Raumerkundung
8. Monat Doppelsilben Stand auf Knien und Händen, seitlicher Sitz
9. Monat Mama Krabbeln
10. Monat Nachsprechen von Silben Freies Aufsetzen

Klassifikation der zerebralen Bewegungsstörung nach ICD-10 (WHO Version 16) Bewegungsstörung, zerebraleKlasssifikation

Tab. 5.17
ICD-10-Ziffer Diagnose
G80 Infantile Zerebralparese
G80–0 Spastische tetraplegische Zerebralparese
G80–1 Spastische diplegische Zerebralparese
G80–2 Infantile hemiplegische Zerebralparese
G80–3 Dyskinetische Zerebralparese (inkl. athetotische Zerebralparese und dystone zerebrale Lähmung)
G80–4 Ataktische Zerebralparese
G80–8 Sonstige infantile Zerebralparese (inkl. Mischsyndrome der Zerebralparese)
G80–9 Infantile Zerebralparese, nicht weiter bezeichnet

Einteilung der neuromuskulären Erkrankungenneuromuskuläre ErkrankungenEinteilung

Tab. 5.18
Erkrankung Störungsebene
Spinale Muskelatrophie Motorische Vorderhornzelle
Neuropathie
  • Hereditäre Neuropathien

  • Erworbene Polyneuropathie

Sensible und motorische periphere Nerven
Myasthenia gravis Neuromuskuläre Synapse
Muskeldystrophie Muskulatur
Myositis Muskulatur
Kongenitale Myopathien Muskulatur

Entwicklungsbezogene Störungen

Erkrankungen von Frühgeborenen, Säuglingen, Schulkindern

Bettina Baltacis

Thomas Bonath

Anneliese Borgmeyer

Michael Drescher

Jutta Gnaiger-Rathmanner

Monika Grasser

Horst Hauptmann

Martin Hirte

Nikolaus Hock

Klaus R. Hör

Anna Koller-Wilmking

Herbert Pfeiffer

Kasuistiken:

Sigrid Kruse

Wolfgang Storm

Einführung in die Neonatologie

Monika Grasser
NeonatologieGrundlagenDie Geburt eines Kindes ist immer wieder ein Wunder. Leider gibt es aber auch Kinder, die schon um ihre Geburt herum große gesundheitliche und sogar lebensbedrohliche Probleme haben. Dank der Errungenschaften der Medizin kann heute jedoch den meisten dieser Kinder rasch, gut und dauerhaft geholfen werden.
Im Jahr 2015 wurden in Deutschland 738 000 Kinder lebend geboren.
  • Ein Neugeborenes ab der 37+0 Schwangerschaftswoche (SSW) bezeichnet man als reifgeboren.

  • Bis zur 36+6 SSW spricht man von einem frühgeborenen Kind. Etwa 8 % der jedes Jahr geborenen Kinder sind Frühgeborene.

  • Kinder, die zu leicht und/oder zu klein für ihr Gestationsalter geboren werden, werden als „small for gestational agesmall for gestational age (SGA)“ bezeichnet (SGA), ihr Gewicht liegt unter der 10. Perzentile bezüglich ihrer populationsspezifischen intrauterinen Wachstumskurve.

  • Kinder, die weniger als 1500 g wiegen, werden „very low birth weight“-Kinder (VLBW) genannt, Kinder unter 1000 g „extremly low birth weight“-Kinder (ELBW). very low birth (VLBW)

Gerade in den letzten Jahrzehnten wurden große Fortschritte in der Betreuung und Therapie von diesen sehr kleinen und auch von kritisch kranken neugeborenen Kindern gemacht, sodass heute sehr viel mehr Kinder überleben und v. a. auch gesund überleben können als noch Mitte des vorigen Jahrhunderts. Die meisten dieser Kinder haben gute Chancen, ein gesundes und hoffentlich glückliches Leben führen zu können.

Frühgeborene und neugeborene Kinder

FrühgeboreneDie Überlebenswahrscheinlichkeit frühgeborener Kinder hängt von ihrem Gestationsalter (Geburtsalter, eingeteilt nach SSW) und ihrem Geburtsgewicht ab. Je älter und schwerer und damit reifer ein Kind ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit eines langfristig gesunden Überlebens für das Kind. In neonatologischen Zentren haben Kinder ab der 24. SSW inzwischen so gute Überlebenschancen, dass in Deutschland in der Regel eine lebenserhaltende Therapie durchgeführt wird. Dennoch sind besonders diese sehr kleinen und unreifen Kinder häufig von schweren und kritischen Krankheitszuständen betroffen (Tab. 5.1). Aber auch reifgeborene Kinder können schwer erkrankt sein, z. B. aufgrund angeborener Erkrankungen wie einer Chromosomenaberration, eines Herzfehlers oder auch wegen eines akut lebensbedrohlichen Zustands unter der Geburt. All diese Kinder benötigen eine umfassende intensivmedizinische Betreuung und Therapie (Genzel-Borovicnzény et al. 2015; Gleason et al. 2011; Gomella et al. 2013), die häufig einen viele Wochen oder auch Monate dauernden Aufenthalt auf einer Neugeborenen-Intensivstation notwendig machen.
Allen Frühgeborenen gemeinsam ist die Unreife in ihren Organsystemen und Organen. Je nach Gestationsalter und individuellen Faktoren brauchen die Kinder unterschiedlich viel Zeit, bis sie eine Organfunktion (Tab. 5.1) erreichen, die der von reifgeborenen Kindern entspricht. Aber auch zum Termin geborene Kinder müssen sich erst umstellen und an das extrauterine Leben anpassen, auch sie unterliegen weiteren Reifungsvorgängen in ihren ersten Lebenswochen und -monaten und sogar im gesamten ersten Lebensjahr.
  • Sowohl Frühgeborene als auch reifgeborene Kinder können vor oder unter der Geburt eine AsphyxieAsphyxie erleiden. Auch Hirnblutungen sind bei sehr unreifen Kindern nicht selten; manchmal kommt es zur Entwicklung eines Hydrozephalus. Oft ist es nicht einfach, einen zerebralen Krampfanfall bei Früh- und Neugeborenen zu erkennen.

  • Im Rahmen der Umstellungsvorgänge im Herz-Kreislauf-System der Neugeborenen kann es zu bedrohlichen Krankheitszuständen kommen, wie einem persistierenden Ductus arteriosus BotalliDuctus arteriosus Botalli (PDA), einem PFC-Syndrom (persistierende fetale Zirkulation) oder auch einem erniedrigten Blutdruck mit Minderperfusion der Organe.

  • Gerade bei sehr unreifen Kindern kommt es aufgrund der physiologischen Unreife der Lungen häufig zu einem AtemnotsyndromAtemnotsyndrom, Frühgeborene. Viele frühgeborene Kinder haben Apnoen, die mit Bradykardien und/oder Sauerstoffsättigungsabfällen einhergehen können. Manche Reifgeborene, aber auch sog. „späte“ frühgeborene Kinder leiden immer wieder an einer transitorischen Tachypnoe des Neugeborenen.

  • Der orale Nahrungsaufbau gestaltet sich bei frühgeborenen Kindern oft langwierig, häufig wird eine vorübergehende parenterale Ernährung notwendig. Immer wieder kommt es zu typischen Komplikationen wie einer nekrotisierenden EnterokolitisEnterokolitis, nekrotisierend (NEC) mit Untergang von Darmgewebe. Auch ein Icterus neonatorum (Neugeborenen-Gelbsucht) wird oft beobachtet und muss therapiert werden.

  • Infektionen und Sepsis sind wegen des noch extrem unreifen Immunsystems und der notwendigen Therapien mithilfe von invasiven Kathetern und Tuben sehr häufig. Manche Kinder erkranken während ihres Aufenthaltes auf der Intensivstation mehrmals an solch gefährlichen Infektionen mit Bakterien, Viren oder Pilzen.

  • Etwa 2 % aller neugeborenen Kinder haben angeborene Fehlbildungen, die in allen Organsystemen auftreten können, besonders häufig aber am Herzen zu finden sind, die die Prognose des Kindes in unterschiedlichem Ausmaß beeinflussen und verschlechtern.

  • Auch Krankheitszustände und Komplikationen, die durch die lebenserhaltende Therapie auf der Neugeborenen-Intensivstation erst verursacht werden, können zu weiteren intensiven Behandlungsmaßnahmen bei den Kindern führen.

  • Schließlich ist die Augenentwicklung bei Frühgeborenen ebenfalls noch nicht abgeschlossen, mache Kinder erkranken an einer Retinopathia praematurorum.

Alle diese geschilderten Erkrankungen und Komplikationen können zu schweren und bleibenden Beeinträchtigungen der Kinder führen und ihre weitere Entwicklung deutlich einschränken. Manche Kinder leiden so später im Leben z. B. an neurologischen Problemen (z. B. psychomotorische Entwicklungsverzögerung, Zerebralparese, zerebrale Krampfanfälle), an einer bronchopulmonalen Dysplasie der Lungen oder einer Neugeborenen-Retinopathie mit Erblindung.

Konventionelle Therapie und Pflege

NeonatologiePflegeDie umfassende Behandlung und Pflege dieser frühgeborenen und schwer kranken neugeborenen Kinder mit den oben geschilderten Erkrankungen und Komplikationen (Tab. 5.1) ist und bleibt eine große Herausforderung für alle, die mit der Betreuung dieser Kinder befasst sind, insbesondere für die Eltern. Immer wieder müssen schwierige und manchmal lebenswichtige und überlebenswichtige Entscheidungen in der Behandlung der Kinder getroffen werden. So ist die gute, fruchtbare und offene Zusammenarbeit aller Beteiligten von größter Bedeutung für die Gesundheit und damit die Zukunft der Kinder und ihrer Familien.
Zur konventionellen Therapie der einzelnen Krankheitsbilder (5.2, 5.3).

Homöopathische Behandlung

Info

Die homöopathische Behandlung früh- und neugeborener Kinder sollte nur von in der Neonatologie erfahrenen Ärzten und Therapeuten durchgeführt werden, da es großes Wissen, viel Erfahrung und ein spezielles Einfühlungsvermögen braucht, um die Besonderheiten dieser kleinen, zarten und oft empfindlichen Kinder zu erfassen und so die passende homöopathische Arznei zu finden.

Während der meist hoch technisierten Therapie im Kreissaal und auf der neonatologischen Intensivstation als auch im weiteren Verlauf auf der Säuglingsstation und später in der ambulanten Nachsorge dieser Kinder hat sich eine zusätzliche homöopathische Behandlung sehr bewährt. Diese „sanfte“, ergänzende Therapie führt dank der meist guten Regulationskräfte der Neugeborenen häufig zu raschen und nachhaltigen Behandlungserfolgen und damit zu einer geringeren Notwendigkeit von weiteren invasiven und technischen Maßnahmen für die Kinder.

Info

Diese zwei Behandlungsansätze – Intensivmedizin auf der einen und Homöopathie auf der anderen Seite – lassen sich zum Wohl der kleinen Patienten hervorragend kombinieren und nutzen.

Bei der Wahl der homöopathischen Arznei sind sowohl der Schwangerschaftsverlauf, die „Causa“ für die Frühgeburt oder die Art der Geburt als auch die Zusammenschau aller klinischen Symptome, Zeichen und Probleme in den verschiedenen Organsystemen des Kindes zu beachten. Das Einbeziehen der Modalitäten in die Mittelwahl ist hilfreich und wichtig und kann auch bei diesen kleinen, zarten Kindern schon gut beobachtet werden. Auch neugeborene Kinder zeigen schon deutliche Unterschiede in ihrer Reaktion auf andere Menschen, auf Berührung, auf Hunger, kurzum gesagt auf ihre Umwelt. Eine genaue Beobachtung des Kindes durch den Arzt sowie die betreuende Schwester und v. a. auch die Aussagen der Eltern zu ihrem Kind und seinem Verhalten sind eine wichtige Voraussetzung für die richtige Mittelwahl. Zusätzlich können und sollen in der länger dauernden Betreuung des Kindes auch Erkenntnisse aus der Familiengeschichte mitberücksichtigt werden.
In den verschiedensten Repertorien und Büchern finden sich nur wenige Rubriken und Hinweise, die sich direkt mit den Folgen einer zu frühen Geburt oder Problemen des Kindes im Rahmen seiner Geburt befassen (Baltacis 2005, Haidvogl 2005, Imhäuser 2003, Pallasser 1994 und 1996, Pennekamp 2010). Es haben sich aber auch in der Neonatologie sog. „bewährte Indikationen“ herausarbeiten lassen (Dorcsi 2005, Pallasser1996), die helfen, in den häufig akuten, kritischen Situationen um die Geburt eines Kindes rasch zur richtigen Mittelwahl zu kommen. Aber auch der klassischen Repertorisation kommt, gerade auch um das Kind in seiner Gesamtheit und in seiner Besonderheit und Einzigartigkeit zu erfassen, eine wichtige Rolle zu.
Es gibt einige Arzneien, die bei früh- und neugeborenen Kindern sehr gut eingesetzt werden können, auch wenn diese Kinder an keinem umschriebenen Krankheitsbild leiden, sondern lediglich ein etwas „gemächlicheres“, ihrem eigenem Tempo und Temperament entsprechendes „Ankommen“ auf dieser Welt zeigen. Diese Mittel zu kennen, kann die Verordnung der richtigen, unterstützenden homöopathischen Arznei sehr erleichtern. Die nachfolgenden Abbildungen (Abb. 5.1, Abb. 5.2, Abb. 5.3, Abb. 5.4). zeigen einige Unterschiede schon im Aussehen der neugeborenen Kinder, die gut zu erfassen sind und bei der Mittelwahl berücksichtigt werden können und sollen.
Repertoriumsrubriken
Die Rubriken sind dem Synthesis (Schroyens 2009) entnommen.
→Allgemeines – Abmagerung, Marasmus-Kindern, bei (60): abrot, calc, calc-p, lyc, nat-m. phos, sil, …
→Allgemeines – Entwicklungsstillstand (25): bar-c, calc, calc-p, phos, sil, …
→Allgemeines – Kindern, Beschwerden von – zarte, schwächliche, kränkliche Kinder (9): calc-p, caust, lyc, mag-c, phos, …
→Allgemeines – Schwäche – Kinder, bei (13): bar-c, calc, carb-v, lyc, sil, …
→Gesicht – Ausdruck – alt aussehend – Kindern; bei (16): abrot, calc, lyc, nat-m, sil, …
→Gemüt – Weinen – Kinder; bei – Säuglingen; bei (27): calc, carc, cham, hyos, lyc, puls, …
Die folgenden beiden Rubriken stammen von Pallasser (1994 und 1996), die letzten beiden von Pennekamp (2010).
→Klassische Frühgeburt: sil
→Mangelgeborenes Kind: nat-m
→Frühgeburt – Beschwerden allgemein durch (inkl. Inkubator) (13): calc, hell, ign, lach, lyc, merc, nat-m, ph-ac, phos, sil, sulph, thui, tub
→Frühgeburt infolge EPH-Syndrom (7): ars, berb, lyc, merc, phos, sulph, syph
Homöopathische Arzneimittel
Im Folgenden sind die wichtigsten Mittel bei früh- und neugeborenen Kindern nach Imhäuser (2003) und Pallasser (1996) aufgeführt.
Abrotanum
#AbrotanumFrühgeborene#AbrotanumNeugeboreneMangelgeborenes (SGA). Gedeihstörung bei gleichzeitig „alt“ aussehendem Kind. Marmorierte Haut. Verdauungsstörungen, Pylorusstenose, nekrotisierende Enterokolitis. Resorptionsstörung mit Ergüssen in den Körperhöhlen (Pleuritis, Aszites, Hydrocele testis). Nässender oder blutender Nabel.
Calcium carbonicum
#Calcium carbonicumFrühgeborene#Calcium carbonicumNeugeboreneKräftiges, „rundes“, freundliches Kind. Storchenbiss. Geblähtes Abdomen, verweigert oder erbricht die Muttermilch, Obstipation. Neugeborenengelbsucht. Schwitzen, v. a. am Kopf und im Nacken; erkältlich. Besser durch Ruhe, Liegen, Wärme; schlechter durch Milch, Zahnung (Abb. 5.1).
Calcium phosphoricum
#Calcium phosphoricumFrühgeborene#Calcium phosphoricumNeugeboreneHäufig „runde“ Kinder, dennoch schwach, weinerlich und unruhig. Rasches Wachstum oder verzögerte Entwicklung. Muttermilch wird oft schlecht vertragen, Spucken und Koliken. Häufig Nabelprobleme. Sichelfüßchen. Besser durch Berührung, Streicheln, „Känguruhen“ (Abb. 5.2).
Lycopodium clavatum
#Lycopodium clavatumFrühgeborene#Lycopodium clavatumNeugeboreneAussehen wie ein alter Mensch, mit Falten auf der Stirn. Geblähtes Abdomen, Verdauungsstörungen, nekrotisierende Enterokolitis. Schlechter bei Berührung am Bauch und nachmittags zwischen 16 und 20 Uhr.
Natrium muriaticum
#Natrium muriaticumFrühgeborene#Natrium muriaticumNeugeboreneHäufig Mangelgeborenes (SGA) oder auch übertragenes Kind. Trocken wirkendes Kind. Großer Appetit, verweigert die Muttermilch; rezidivierender Schluckauf; Verstopfung. Ruhig. Beschwerden durch Kummer, Trauer, Verlust, Todesfall. Besser durch Ruhe.
Phosphorus
#PhosphorusFrühgeborene#PhosphorusNeugeborenePhosphorus ist das Hauptmittel bei Unreife des Frühgeborenen. Blass-rosig, zart, dünn, schwach, leicht erregbar, schreckhaft, zittrig, empfindlich. Auffallend wacher Blick. Unreife der Leber (Ikterus) und der Lungen (ARDS, Apnoen, Pneumonie), Hypoglykämie. Besser durch Berührung, Streicheln, Körperkontakt, „Känguruhen“ (Abb. 5.3).
Silicea
#SiliceaFrühgeborene#SiliceaNeugeboreneMangelgeborenes (SGA), unreif, zart, zerbrechlich, schwach. Abneigung gegen Muttermilch, Erbrechen, Gedeihstörung. Kalte Hände und Füße, „Schweißfüßchen“. Tränenkanalstenose. Neigung zu rezidivierenden Infektionen und Sepsis. Besser durch Einhüllen, Wärme (Abb. 5.4).

Erkrankungen bei Frühgeborenen und kritisch kranken Neugeborenen

Monika Grasser
FrühgeboreneAsphyxieSowohl im Kreissaal als auch auf der neonatologischen Intensivstation ist eine komplementäre homöopathische Behandlung möglich und sinnvoll. Sie soll an Hand einiger typischer neonatologischer Krankheitsbildern dargestellt und mit exemplarischen Kasuistiken vertieft und diskutiert werden.

Asphyxie

AsphyxieUnter einer Asphyxie versteht man einen bedrohlichen Zustand des Neugeborenen, ausgelöst durch Hypoxämie oder Blutdruckabfall auf Seiten der Mutter oder eine Hypovolämie des Kindes (z. B. Blutung, Nabelschnurkompression). Typischerweise zeigen asphyktische Kinder niedrige APGAR-Werte, eine erniedrigte Herzfrequenz und eine unregelmäßige oder fehlende Atmung bei einem Nabelschnurarterien-pH unter 7,15. Wegen der Unterversorgung mit Sauerstoff entwickeln die Kinder neurologische Symptome wie Bewusstlosigkeit oder Lethargie, muskuläre Hypotonie, zerebrale Krampfanfälle sowie letztlich bleibende Schäden durch die sog. hypoxisch-ischämischen Enzephalopathie (HIE)hypoxisch-ischämische Enzephalopathie (HIE). Die Kinder benötigen sofortige Hilfe durch Freimachen der Atemwege, Beatmung und entsprechende Kreislaufunterstützung (Adrenalin, Gabe von Flüssigkeit, evtl. Bluttransfusion). Ziel ist, die Neugeborenen rasch zu stabilisieren und eine ausreichende Sauerstoffversorgung aller Organe zu gewährleisten.
Prinzipiell können alle Organe des Kindes geschädigt werden. Diese Organschädigungen bestimmen später das Ausmaß der Beeinträchtigung und Behinderung des Kindes. So versterben einige der betroffenen Kinder, viele überleben mit Beeinträchtigungen und nur wenige Kinder überstehen diesen bedrohlichen Zustand ohne bleibende Schäden.
Therapeutisch hat sich in den letzten Jahren die Hypothermie-Behandlung etabliert (Higgins et al. 2011, Simbruner et al. 2010); dabei werden die Kinder für 72 Stunden auf eine Körpertemperatur um 33 bis 34 °C gekühlt, um den Zelltod in den durch die Asphyxie geschädigten Zellen des Gehirns zu verringern. Diese Behandlung konnte die Prognose der nicht so schwer beeinträchtigten Kinder in Studien deutlich verbessern.

Praxistipp

In einer solch kritischen Situation mit Asphyxie des Kindes kann eine homöopathische Therapie unterstützend sehr gut eingesetzt werden (Graf 2011, Grandgeorge 2012).

Repertoriumsrubriken
Die Rubriken gehen auf das Synthesis (Schroyens 2009) und Graf (2011) zurück.
→Gemüt – Furcht – Tod, vor dem (145): acon, ars, gels, phos, plat, …
→Gemüt – Furcht – plötzlich (16): acon, apis, arn, ars, hyos, …
→Gemüt – Stupor (147): aeth, bell, hell, led, nat-m, nux-v, phos, op, …
→Gemüt – Bewusstlosigkeit (291): acon, hell, hyos, lach, op, puls, …
→Atmung – Asphyxie – Kinder – Neugeborenen, bei (14): acon, arn, ant-t, bell, camph, laur, op, …
→Atmung – unregelmäßig (83): ars, bell, camph, cupr, op, …
→Allgemeines – Cheyne-Stokes-Atmung (41): acon, bell, camph, cupr, gels, laur, …
→Allgemeines – Kinder; Beschwerden von – Neugeborenen, bei (1): acon
→Gesicht – Farbe – blass (294): ars, camph, chin, cupr, op, …
→Gesicht – Farbe – zyanotisch (15): ars, aur, cact, cupr, nat-m, …
→Augen – Pupillen – erweitert (196): acon, bell, gels, hyos, sec, stram, …
→Kopf – Gehirnblutung (58): anac, acon, bell, glon, lach, op, …
→Schlaf – Schlaflosigkeit – Kindern; bei – Neugeborenen; bei (7): bell, cham, coff, op, …
Homöopathische Arzneimittel
Aconitum napellus
#Aconitum napellusAsphyxie#Aconitum napellusFrühgeboreneFolge von Schock und Schreck. Angst bis zur Todesangst, Panik, Schreckhaftigkeit. Angstvoll geweitete Augen. Plötzlich, heftig, stürmisch.
Arnica montana
#Arnica montanaAsphyxie#Arnica montanaFrühgeboreneFolge von Verletzung. Blutung, insbesondere Hirnblutung, Schock. Irritables Kind, schreckhaft bei jeder Annäherung oder jeder Berührung. Besser durch Ruhe.
Camphora officinalis
#Camphora officinalisAsphyxie#Camphora officinalisFrühgeboreneFolge von Asphyxie bei Neugeborenen. Auffallende Blässe oder Zyanose bei eiskaltem Körper. Schockzustände. Weite Pupillen.
Opium
#OpiumAsphyxie#OpiumFrühgeboreneFolge von Schock und Schreck. Benommen und apathisch. Aufgedunsenes Aussehen, schmerzunempfindlich.
Laurocerasus
#LaurocerasusAsphyxie#LaurocerasusFrühgeboreneUnregelmäßige, angestrengte Atmung; Oxygenierungsstörung; Zyanose bei Herzinsuffizienz, Rechtsherzinsuffizienz. Asphyxie. Eiskalte Haut, kann seine Körpertemperatur nicht halten. Mangel an Reaktion. Besser durch Schlaf, frische Luft; schlechter durch Anstrengung.
Kasuistik

Kasuistik

Schwere Asphyxie (Monika Grasser)

Bei dem nachfolgenden Fallbericht zur Asphyxie lässt sich kaum zwischen den positiven Effekten der Schulmedizin einschließlich der Hypothermie und der homöopathischen Behandlung unterscheiden. Beide Therapieansätze haben sicher zu dem positiven, kaum zu erwartenden Outcome bei Melissa mit ihrer sehr schweren Erkrankung beigetragen.

Anamnese

Melissa wird in der 39 + 1 SSW durch eine Notsectio bei pathologischem CTG und Verdacht auf Plazentalösung geboren, APGAR 0/1/1/3, NS-pH 6,5. Sie ist weiß und leblos mit weiten Pupillen und zeigt keinerlei Spontanatmung bei einer Herzfrequenz (HF) um 60/Minute. Sie wird sofort reanimiert, bei Verdacht auf Blutungsschock und einen Hämatokrit von 15 % erhält sie ein Notfall-Erythrozytenkonzentrat. Sie benötigt Katecholamine zur Kreislaufstabilisierung. Das amplituden-integrierte EEG (aEEG) zeigt ein sog. Burst-Suppression-Muster, sie entwickelt zerebrale Krampfanfälle sowie eine Hirnblutung Grad 3. Bei schwerster Asphyxie wird Melissa zur Durchführung einer Hypothermie-Behandlung auf die Neugeborenen-Intensivstation verlegt. Gleichzeitig soll sie in dieser kritischen Situation homöopathisch unterstützt werden.

Repertorisation

Die Rubriken gehen auf das Synthesis (Schroyens 2009) zurück.
→Gemüt – Furcht – Tod, vor dem (145): acon, ars, gels, phos, plat, …
→Gemüt – Furcht – plötzlich (16): acon, apis, arn, ars, hyos, …
→Gemüt – Bewusstlosigkeit (291): acon, hell, hyos, lach, op, puls, …
→Atmung – Asphyxie – Kinder – Neugeborenen, bei (14): acon, arn, ant-t, bell, camph, laur, op, …
→Kopf – Gehirnblutung (58): anac, acon, bell, glon, hell, lach, op, …
→Gesicht – Farbe – blass (294): ars, camph, chin, cupr, op, …
→Augen – Pupillen – erweitert (196): acon, bell, gels, hyos, sec, stram, …

Verordnung und Verlauf I

Aufgrund der plötzlich aufgetretenen, lebensbedrohlichen Symptomatik mit Schock und Todesbedrohung unter der Geburt sowie der erweiterten Pupillen und der postnatal extremen Blässe bekam Melissa Aconitum C 1000 1 × 3 Globuli oral kurz nach Aufnahme auf die Intensivstation. Auch Opium wäre in Betracht gekommen, wegen der Plötzlichkeit der Symptome und der akuten Todesbedrohung wurde aber Aconitum gewählt.
Nach Aconitum und gleichzeitiger intensivmedizinischer Therapie und Hypothermie stabilisiert sich Melissas Zustand. Die Katecholamine können reduziert und nach einem Tag abgesetzt werden.
Am zweiten Lebenstag erhielt Melissa wegen der Hirnblutung Arnica C200 1 × 3 Globuli in den Mund an drei aufeinanderfolgenden Tagen. Weitere Gaben von Erythrozyten-Konzentrat sind danach nicht mehr notwendig, was eine Stabilisierung der Blutungsneigung anzeigt. Der neurologische Untersuchungsbefund ist in den ersten Lebenstagen noch deutlich reduziert, danach wird Melissa wacher, sie beginnt zu saugen, zeigt eine Greifreaktion und sie schreit durchdringend. Immer wieder hat sie zerebrale Krampfanfälle. In dieser Phase begannen wir die Therapie mit Helleborus C 6 3 × 3 Globuli oral für die Dauer von zwei Monaten:

Repertorisation II

Die Rubriken gehen auf das Synthesis (Schroyens 2009) zurück.
→Gemüt – Stupor (147): aeth, bell, hell, led, nat-m, nux-v, phos, op, …
→Gemüt – Schreien – Cri encéphalique (35): apis, bell, hell, hyos, merc, rhus-t, …
→Kopf – Gehirnblutung (58): anac, acon, bell, glon, hell, lach, op, …
→Allgemeines – Konvulsionen – Kindern; bei (96): apis, bell, cina, hell, stram, …

Verordnung und Verlauf II

Im Alter von 12 Monaten zeigt Melissa eine leichte psychomotorische Retardierung, die einem Entwicklungsstand von ca. 10 Monaten entspricht. Sie hat eine milde beinbetonte Spastik beidseits. Ihre mentale Entwicklung ist erstaunlich gut, sie ist aufmerksam und zugewandt.

Kasuistik

Asphyxie (Monika Grasser)

Auch im zweiten Fallbericht zur Asphyxie erscheint die zusätzliche Anwendung der Homöopathie während der intensivmedizinischen Behandlung zur raschen Erholung von Leila beizutragen. Sie ist heute ein gesundes Mädchen.

Anamnese

Leila ist ein weibliches Frühgeborenes aus der 35+3 SSW, sie wird durch eine protrahierte Geburt aus Steißlage spontan geboren, APGAR 4/5/6, NS-pH 6,8.
Bei initial fehlender Spontanmotorik und unzureichendem Atemantrieb muss Leila intubiert und beatmet werden bei Verdacht auf Asphyxie. Im aEEG zeigt sich ein diskontinuierliches Muster. Der pH-Wert normalisiert sich unter der Beatmung zügig, Leila ist jedoch blass und lethargisch mit einem noch unregelmäßigen Atemmuster.

Repertorisation

Die Rubriken gehen auf das Synthesis (Schroyens 2009) zurück.
→Gemüt – Stupor (171): aeth, bell, led, nat-m, nux-v, phos, op, …
→Atmung – Asphyxie – Kinder – Neugeborenen, bei (14): acon, arn, ant-t, bell, camph, laur, op, …
→Atmung – unregelmäßig (83): ars, bell, camph, cupr, op, …
→Gesicht – Farbe – blass (294): ars, camph, chin, cupr, op, …
Hier deuten alle Symptome auf Opium, auch in der Repertorisation ist Opium in der engeren Wahl: Champhora ist typischerweise sehr kälteempfindlich und selbst eiskalt, zu Antimonium tartaricum gehört das Schleimrasseln, das hier fehlt.

Verordnung und Verlauf

Es erfolgt einmalig die Gabe von Opium C30 1 × 3 Globuli in den Mund in der achten Lebensstunde. Bei sich im Anschluss rascher Stabilisierung des Atemmusters und auch des Allgemeinzustands kann Leila nach zwei Stunden problemlos extubiert werden (im Lebensalter von insgesamt 10 Stunden), sie benötigt noch eine intermittierende Atemunterstützung über einen Rachentubus für weitere zwölf Stunden. In den folgenden Tagen erholt sich Leila gut, sie zeigt keine neurologischen oder respiratorischen Auffälligkeiten mehr, der Nahrungsaufbau mit Muttermilch ist komplikationslos.
Im Alter von zwei Jahren ist Leila ein fröhliches, altersentsprechend normal entwickeltes Mädchen ohne neurologische Auffälligkeiten.

Hirnblutung

HirnblutungWie FrühgeboreneHirnblutungbereits oben dargestellt, ist die Hirnblutung eine nicht seltene Komplikation bei unreifen Kindern. Ausgelöst durch Blutdruckschwankungen, Hypoxämie, Gerinnungsstörungen oder Infektionen, kommt es zur Einblutung (Intracranial hemorrhage, ICH) in die Ventrikel und/oder seltener ins umgebende Parenchymgewebe. Eingeteilt wird die Hirnblutung in die Grade I–III sowie in die Parenchymblutung (Shah et al. 2016).
Klinisch werden die Kinder durch die Größenzunahme des Kopfes, die gespannte Fontanelle, Unruhe und Schreien als auch durch zerebrale Krampfanfälle (5.2.3) auffällig. Gerade bei höhergradigen Blutungen kommt es oft zur Ausbildung eines posthämorrhagischen Hydrozephalus (Miranda 2010), der durch eine Liquorpunktion oder die Anlage eines ventrikulo-peritonealen Shunts entlastet werden muss, da medikamentöse Therapieansätze bisher keinen anhaltenden Erfolg brachten. Leider entwickeln dennoch viele Kinder nach solch höhergradigen Hirnblutungen schwere neurologische Komplikationen wie Bewegungsstörungen (Zerebralparese), zerebrale Krampfanfälle oder eine allgemeine psychomotorische Entwicklungsverzögerung (Mukerji et al. 2015).
Zu den Repertoriumsrubriken und homöopathischen Arzneimittel 5.2.3.

Zerebrale Krampfanfälle, Infektionen des Gehirns

Auch andere neurologische Komplikationen treten v. a. bei sehr unreifen Frühgeborenen, seltener bei reifgeborenen Kindern auf. KrampfanfällezerebraleFrühgeborenezerebrale Krampfanfälle
  • Meningitiden und Enzephalitiden durch Viren (z. B. CMV, HSV) oder Bakterien (z. B. Streptokokken der Gruppe B) sind nicht selten und müssen antibiotisch oder mit antiviralen Medikamenten behandelt werden (5.2.7).

  • Zerebrale Krampfanfälle werden durch die Unreife des Gehirns begünstigt; es lassen sich die unterschiedlichsten Ursachen dafür ausmachen (Tab. 5.2). Klinisch finden sich überwiegend klonische, aber auch tonische oder myoklonische Krämpfe, manchmal begleitet von plötzlichen Veränderungen in den Vitalparametern (Atmung, Blutdruck, Herzfrequenz). Im EEG können während des Anfalls und evtl. auch interiktal typische Hirnstrommuster beobachtet werden. Die Krampfanfälle können meist durch die Behandlung ihrer Ursache – etwa Infektion, Hypoglykämie, Elektrolytentgleisung – beendet werden, teilweise ist aber auch eine antikonvulsive Therapie z. B. mit Phenobarbital oder Levetiracetam notwendig (Hellström-Westas et al. 2015).

Als Folge dieser akuten Ereignisse entwickeln manche Kinder im späteren Leben eine periventrikuläre Leukomalazie und daraus resultierend eine spastische Zerebralparese oder andere, dauerhafte neurologische Probleme (Epilepsie, Entwicklungsverzögerung, kombinierte psychomotorische Behinderung), die die Kinder schwer beeinträchtigen.

Info

Auch bei solch schwerwiegenden Erkrankungen, wie z. B. Gehirnblutungen, zerebralen Krampfanfällen oder Infektionen des Gehirns, kann eine homöopathische Therapie von großem Nutzen für die Kinder sein (Haidvogl 2005; Imhäuser 2011; Pallasser 1994 und 1996).

Repertoriumsrubriken
Die Rubriken gehen auf das Synthesis (Schroyens 2009) zurück.
→Allgemeines – Blutgefäße, Adern – Beschwerden der (29): apis, bell, carb-v, ham, lach, phos, …
Allgemeines – Apoplexie (100): acon, anac, arn, bell, glon, lach, op, …
→Allgemeines – Konvulsionen – Kindern; bei – Neugeborenen; bei (4): art-v, bell, cupr, nux-v
→Allgemeines – Konvulsionen – Zyanose, mit (4): cupr, cupr-act, hydr-ac, verat
→Allgemeines – Konvulsionen – heftig – begleitet von – Gehirn; Blutandrang zum (1): glon
→Allgemeines – Konvulsionen – Blutung, mit (7): chin, hyop, phos, plat, sec, …
→Kopf – Entzündung – Hirnhaut – Kindern; bei kleinen (2): gels, toxo-g
→Kopf – Bohrt den Kopf in das Kissen – Kindern; bei – Neugeborenen; bei (1): cham
→Kopf – Gehirnblutung (58): acon, anac, bell, glon, lach, op, …
→Kopf – Blutandrang – Gehirn (50): acon, bell, cact, glon, op, verat-v, …
→Kopf – Hydrocephalus (85): apis, arn, calc, hell, lyc, sil, …
→Gemüt – Schreien – Hydrocephalus; bei (65): apis, cina, merc, zinc, …
→Gemüt – Schreien – Kinder; bei (65): apis, arn, borx, lac-c, tub, …
→Gemüt – Schreien – Cri encéphalique (35): apis, bell, hell, hyos, merc, rhus-t, …
→Gemüt – Erregung – Kinder; bei (10): ambr, carc, caust, lyc, sep, …
→Gemüt – Stupor (147): aeth, bell, led, nat-m, nux-v, phos, …
→Gemüt – Bewusstlosigkeit (291): acon, hell, hyos, lach, op, puls, …
→Gemüt – Bewusstlosigkeit – Apoplexie, bei (17): acon, hyos, lach, op, phos, puls, …
Homöopathische Arzneimittel
Arnica montana
#Arnica montanaKrampfanfälle, zerebrale#Arnica montanaFrühgeboreneFolge von Verletzung. Blutung, insbesondere Hirnblutung; Schock. Irritables Kind, schreckhaft bei jeder Annäherung oder jeder Berührung. Besser durch Ruhe.
Belladonna
#BelladonnaKrampfanfälle, zerebrale#BelladonnaFrühgeboreneDelirium, mit Blutandrang. Rot, plötzlich, heftig, klopfend, pochend. Starrer Blick, Opisthotonus. Schlechter durch Licht, Lärm, Berührung, Kälte
China officinalis
#China officinalisKrampfanfälle, zerebrale#China officinalisFrühgeboreneSchwäche durch Verlust von Körperflüssigkeiten, wie z. B. Blutungen. Apathisch, gleichgültig; blass, kränkliches Aussehen. Besser durch Druck, Zusammenkrümmen.
Cuprum metallicum
#Cuprum metallicumKrampfanfälle, zerebrale#Cuprum metallicumFrühgeboreneKrampfartige Zustände, Krampfanfälle. Krampfartiger Husten, krampfartige Schmerzen. Durst auf Kaltes. Aggressiv, verkrampft, schwitzend, mit Zyanose. Besser durch kalt Trinken, durch Schwitzen; schlechter durch Furcht, Berührung.
Lachsesis muta
#Lachesis mutaKrampfanfälle, zerebrale#Lachesis mutaFrühgeboreneBlutung (ICH, Abdomen). Dunkles Blut, Blutung links. Asphyxie; begleitend bei Sepsis oder Infektion, NEC; schwere Krankheitszustände, zyanotische Vitien. Schreiend, zornig. Besser durch Absonderung; schlechter durch Hitze, Beengung, Enge.
Phosphorus
#PhosphorusKrampfanfälle, zerebrale#PhosphorusFrühgeboreneUnreife. Hypoglykämie. Schwerstillbare Blutung, hellrotes Blut. Apnoen. Naevus flammeus. Freundlich und zugewandt, lebhaft, wach, aktiv. Besser durch Känguruhen, Streicheln, Berührung.
Kasuistik

Kasuistik

Hirnblutung und posthämorrhagischer Hydrozephalus (Monika Grasser)

Anamnese

Sebastian ist ein Junge aus der 26+2 SSW, er wird durch Kaiserschnitt entbunden bei vorzeitigen Wehen seiner Mutter, APGAR 7/8/8, Geburtsgewicht 1270 g. Er wird sofort intubiert und beatmet und bekommt Surfactant intratracheal. Zusätzlich benötigt er in den ersten 12 Lebensstunden Katecholamine zur Kreislaufunterstützung. Am ersten Lebenstag wird eine ICH 3 sowie eine ausgedehnte Parenchymblutung beidseits diagnostiziert. Rasch entwickelt er einen ausgeprägten posthämorrhagischen Hydrozephalus; so muss sein Gehirn täglich durch eine Liquorpunktion entlastet werden. Sebastian wirkt meist schläfrig bis lethargisch, wenn er wach ist, schreit er schrill. Bei Berührung oder Bewegung seines Kopfes reagiert er mit Weinen, auch gestreichelt werden mag er nicht. Die Anlage eines Shunt-Reservoirs zur Entlastung von Sebastians Gehirn wird besprochen und geplant. Sebastians Eltern wünschen sich zuvor noch einen homöopathischen Therapieversuch.

Repertorisation I

Die Rubriken gehen auf das Synthesis (Schroyens 2009) zurück.
→Allgemeines – Apoplexie (113): acon, anac, arn, bell, glon, lach, op, …
→Kopf – Gehirnblutung (65): acon, anac, arn, bell, glon, lach, op, …
→Kopf – Hydrocephalus (85): apis, arn, calc, hell, lyc, sil, …
→Gemüt – Schreien – Kinder; bei (65): apis, arn, borx, lac-c, tub, …
→Gemüt – Schreien – Cri encéphalique (35): apis, bell, hell, hyos, merc, rhus-t, …
→Gemüt – Berührtwerden – Abneigung berührt zu werden (84): ant-c, arn, cham, kali-c, tarent, …
→Allgemeines – Schmerz – wund schmerzend (275): arn, chin, gels, ham, plat, rhus-t, sil, …

Verordnung und Verlauf I

Arnica montana hat sich bei solch gravierenden Blutungen sehr bewährt. Auch in der Repertorisation weist alles auf Arnica als die benötigte Arznei hin. So erhält Sebastian Arnica montana C 200 1 × 3 Globuli an drei aufeinander folgenden Tagen in die Mundhöhle.
In den nächsten Tagen zeigt sich bei Sebastian nur mehr eine geringe Progredienz der Ventrikelerweiterung, mit der geplanten Operation kann noch gewartet werden. Es muss nur noch eine einzige weitere Liquorpunktion nach mehreren Tagen Abstand durchgeführt werden. Sebastian erholt sich zunehmend. Er wird wacher und ruhiger, schließlich kann er mit seiner Mutter känguruhen. Auch in seiner Entwicklung macht er deutliche Fortschritte.

Verordnung und Verlauf II

In der Folgezeit erhält Sebastian Latrodectus mactans C 12 2 × 3 Globuli täglich oral über insgesamt sechs Wochen als bewährte Indikation. Im Anschluss bekommt er Helleborus niger C 6 3 × 3 Globuli täglich in den Mund.

Repertorisation II

Die Rubriken gehen auf das Synthesis (Schroyens 2009) zurück.
→Kopf – Gehirnblutung (58): anac, acon, bell, glon, hell, lach, op, …
→Kopf – Hydrozephalus (85): apis, calc, hell, sil, …
→Allgemeines – Konvulsionen – Kindern; bei (96): apis, bell, cina, hell, stram, …
Diese Therapie wird auch zu Hause fortgeführt, für insgesamt drei Monate. Sebastian hat sich sehr gut weiterentwickelt, ohne neurologische Auffälligkeiten oder Bewegungsstörung, er besucht inzwischen einen normalen Kindergarten.

Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems

FrühgeboreneHerz-Kreislauf-SystemDas Herz-Kreislauf-System von Neugeborenen muss sich erst auf die Verhältnisse nach der Geburt umstellen. Mit dem ersten Atemzug entfalten sich die Lungen, die Lungenstrombahn wird eröffnet und der Blutdruck im Systemkreislauf steigt mit dem Abklemmen der Nabelschnur an.
  • Häufig leiden v. a. die sehr frühgeborenen Kinder an einer noch unvollständigen Umstellung ihres Kreislaufs. So können sie Probleme haben durch einen persistierenden Ductus arteriosus BotalliDuctus arteriosus Botalli (PDA) und eine dadurch verminderte Lungendurchblutung und Oxygenierung. Es kommt zu Blutdruckschwankungen und -abfällen sowie Bradykardien, die Durchblutung lebenswichtiger Organe wie Gehirn, Lungen, Herz, Nieren und Darm ist gefährdet. Medikamentös wird der PDA mit Indomethazin oder Ibuprofen verschlossen. Falls dies nicht gelingt, kann der PDA auch chirurgisch unterbunden werden (Ohlsson et al. 2015, Haw 2016).

  • Selten kommt es bei reifen Neugeborenen zu einer persistierenden pulmonalen Hypertension (PPHNpersistierende pulmonale Hypertension (PPHN)) mit Rechts-Links-Shunt über den PDA oder intrapulmonale Shunts. Klinisch sieht man bei dieser persistierenden fetalen Zirkulation (PFC) eine erschwerte Oxygenierung mit zentraler Zyanose. Therapeutisch erfolgt die Beatmung mit Stickstoffmonoxid (iNO) und die Blutdruckstabilisierung der Kinder, evtl. muss eine ECMO (extrakorporale Membran-Oxygenierung) durchgeführt werden (Lakshminrusimha et al. 2016).

  • Einen angeborenen Herzfehler hat knapp 1 % aller neugeborenen Kinder. Auch Herzrhythmusstörungen gibt es, sie kommen jedoch deutlich seltener vor als bei größeren Kindern oder Erwachsenen.

Repertoriumsrubriken
Die Rubriken gehen auf das Synthesis (Schroyens 2009) zurück.
→Allgemeines – Schwäche – Reaktionsmangel; mit (6): am-c, laur, op, sulph, valer, …
→Allgemein – Reaktion – Mangel an – begleitet von – Herzens: Beschwerden von (1): laur
→Allgemeines – Puls – langsam (259): dig, kalm, laur, op, sep, verat, …
→Allgemeines – Puls – langsam – abwechselnd mit beschleunigtem Puls (12): bell, gels, morph, rhus-t, …
→Brust – Herzens; Beschwerden des – Kinder; bei (1): ant-t
→Brust – Herzversagen (72): ars, crot-h, dig, lach, laur, naja, …
→Brust – Herzversagen – kongestiv (19): ars, dig, lach, naja, phos, …
→Brust – Herzversagen – begleitet von – Herzklappen; Beschwerden von (3): laur, naja, thyr
→Brust – Herzklopfen – unregelmäßig (62): ars, dig, gels, lyc, nat-m, …
Homöopathische Arzneimittel
Aconitum napellus
#Aconitum napellusHerz-Kreislauf-Erkrankungen#Aconitum napellusFrühgeboreneFolge von traumatischer Geburt oder Schock. Angst bis zur Todesangst. Schreckhaftigkeit, Unruhe. Erschwerte Atmung, Hyperventilation, Pneumonie. Angstvoll geweitete Augen. Plötzlich, heftig, stürmisch. Besser durch Ruhe.
Carbo vegetabilis
#Carbo vegetabilisHerz-Kreislauf-Erkrankungen#Carbo vegetabilisFrühgeboreneMangel an Vitalität, Müdigkeit. Oxygenierungsstörung, Atemnot. Blass oder zyanotisch und kalt, mit Unruhe. Apnoe, Bradykardie. Besser durch frische Luft, Abgang von Blähungen; schlechter nach der Mahlzeit.
Camphora officinalis
#Camphora officinalisHerz-Kreislauf-Erkrankungen#Camphora officinalisFrühgeboreneFolge von Asphyxie. Auffallende Blässe oder Zyanose bei eiskaltem Körper, Schockzustände. Weite Pupillen. Dyspnoe, beschleunigte Atmung. Schlechter durch Zudecken.
Opium
#OpiumHerz-Kreislauf-Erkrankungen#OpiumFrühgeboreneFolgen von Schreck und Schock, Narkose, PDA oder Sedierung der Mutter unter der Geburt. Unruhig oder apathisch und benommen. Zentrale Apnoen. Schlaflosigkeit. Große Unruhe mit heftigem Schreien oder Apathie.
Phosphorus
#PhosphorusHerz-Kreislauf-Erkrankungen#PhosphorusFrühgeboreneApnoen und Bradykardien bei Frühgeborenen bei Unreife der Lunge. Unreife. Lebhaft, wach, aktiv. Besser durch Känguruhen, Streicheln, Berührung.
Laurocerasus
#LaurocerasusHerz-Kreislauf-Erkrankungen#LaurocerasusFrühgeboreneUnregelmäßige, angestrengte Atmung; Oxygenierungsstörung, Zyanose bei Herzinsuffizienz, Rechtsherzinsuffizienz. Asphyxie. Eiskalte Haut, kann seine Körpertemperatur nicht halten. Mangel an Reaktion.
Besser durch Schlaf, frische Luft; schlechter durch Anstrengung.

Erkrankungen der Atemwege

FrühgeboreneAtemwegeTrotz pränataler Gabe von Steroiden an die Mutter zur Lungenreifungsinduktion bei Frühgeburtsbestrebungen kommt es gerade bei sehr unreifen Kindern aufgrund der physiologischen Unreife der Lungen häufig zu einem Atemnotsyndrom. Wegen des Mangels an Surfactant (oberflächenaktive Substanz) kommt es zum Kollaps der Alveolen. Zur Herstellung einer ausreichenden Oxygenierung benötigen die Kinder Unterstützung durch eine invasive oder non-invasive Beatmung sowie die intratracheale Gabe von Surfactant. Manche Kinder müssen trotz Surfactant-Gabe über einen längeren Zeitraum beatmetwerden, was trotz neuerer und schonenderer Beatmungstechniken zu Schäden an den Lungen führen kann. Später entwickeln einige dieser Kinder eine bronchopulmonale Dysplasie (BPD). Manche müssen auch noch nach ihrer Entlassung aus der Klinik mit Sauerstoff behandelt werden (Mahoney et al. 2013, Reuter et al. 2014).
Ein typisches Problem Frühgeborener und selten auch Reifgeborener sind Apnoen. Darunter versteht man eine Atempause mit einer Dauer von mehr als 20 Sekunden. Apnoen können begleitet sein von Sauerstoffsättigungsabfällen oder Bradykardien (Apnoe-Bradykardie-Syndrom). Dies kann zu bleibenden Schäden am Gehirn, aber auch in anderen Organen führen. Therapeutisch werden Maßnahmen wie Stimulation, Bauchlagerung mit Oberkörperhochlagerung, eine niedrige Umgebungstemperatur oder eine orale Magensonde versucht. Auch eine medikamentöse Therapie mit Koffein oder Theophyllin zur Anregung der Atemfrequenz kann helfen. Gelegentlich wird sogar eine CPAP-Beatmung über einen Rachentubus, „Nasal prongs“ oder eine Maske notwendig. Bei tiefen, schwer zu stimulierenden Apnoen, v. a. im Zusammenhang mit Bradykardien, müssen manche Kinder auch intubiert und beatmet werden (AWMF 2014).
Repertoriumsrubriken
Die Rubriken gehen auf das Synthesis (Schroyens 2009) zurück.
→Allgemeines – Kinder; Beschwerden von – Neugeborenen, bei (1): acon
→Allgemeines – Schwäche – Reaktionsmangel; mit (6): am-c, laur, op, sulph, valer, …
→Allgemein – Reaktion – Mangel an – begleitet von – Herzens: Beschwerden von (1): laur
→Allgemeines – Puls – langsam (259): dig, kalm, laur, op, sep, verat, …
→Atmung – Angehalten, versetzt, unterbrochen (116): camph, cupr, laur, op, verat, …
→Atmung – Bauchatmung (13): ant-t, aur-m, ferr, phos, spong, stram, …
→Gesicht – Farbe – zyanotisch (15): ars, aur, cact, cupr, nat-m, …
→Gesicht – Farbe – blass (294): ars, camph, chin, cupr, op, …
→Haut – Farbe – livide (27): arn, ars, cupr, laur, verat, …
→Brust – Entzündung – Lungen – Kindern; bei (27): arn, ant-t, ferr-p, ip, phos,
Homöopathische Arzneimittel
Die Differenzierung der wichtigsten Arzneimittel erfolgt nach Baltacis (2012), Imhäuser (2003) und Pallasser 1994.
Aconitum napellus
#Aconitum napellusAtemwegserkrankungen#Aconitum napellusFrühgeboreneFolge von traumatischer Geburt oder Schock, Angst bis zur Todesangst. Schreckhaftigkeit, Unruhe. Erschwerte Atmung, Hyperventilation, Pneumonie. Angstvoll geweitete Augen. Plötzlich, heftig, stürmisch. Besser durch Ruhe.
Carbo vegetabilis
#Carbo vegetabilisAtemwegserkrankungen#Carbo vegetabilisFrühgeboreneMangel an Vitalität, Müdigkeit. Oxygenierungsstörung, Atemnot. Blass oder zyanotisch und kalt, mit Unruhe. Apnoe, Bradykardie. Besser durch frische Luft, Abgang von Blähungen; schlechter nach der Mahlzeit.
Camphora officinalis
#Camphora officinalisAtemwegserkrankungen#Camphora officinalisFrühgeboreneFolge von Asphyxie. Auffallende Blässe oder Zyanose bei eiskaltem Körper, Schockzustände. Weite Pupillen. Dyspnoe, beschleunigte Atmung. Schlechter durch Zudecken.
Opium
#OpiumAtemwegserkrankungen#OpiumFrühgeboreneFolgen von Schreck und Schock, Narkose, PDA oder Sedierung der Mutter unter der Geburt. Unruhig oder apathisch und benommen. Zentrale Apnoen. Schlaflosigkeit. Große Unruhe mit heftigem Schreien oder Apathie.
Phosphorus
#PhosphorusAtemwegserkrankungen#PhosphorusFrühgeboreneApnoen der Frühgeborenen bei Unreife der Lunge. Unreife des Kindes. Lebhaft, wach, aktiv. Besser durch Känguruhen, Streicheln, Berührung.
Laurocerasus
#LaurocerasusAtemwegserkrankungen#LaurocerasusFrühgeboreneUnregelmäßige, angestrengte Atmung, Oxygenierungsstörung, Zyanose bei Herzinsuffizienz, Rechtsherzinsuffizienz. Asphyxie. Eiskalte Haut, kann seine Körpertemperatur nicht halten. Mangel an Reaktion. Besser durch Schlaf, frische Luft; schlechter durch Anstrengung.
Kasuistik

Kasuistik

Apnoe-Bradykardie-Syndrom (Monika Grasser)

Anamnese

Matthias ist ein Frühgeborenes der 27+3 SSW, er wird nach vorzeitigem Blasensprung per Kaiserschnitt geboren. APGAR 8/8/10, Nabelschnur-pH 7,36. Wegen der seinem Gestationsalter entsprechenden Lungenunreife erhält er während der Erstversorgung im Kreissaal Surfactant intratracheal. Vom 5. bis zum 11. Lebenstag wird er nach anfänglich stabiler Spontanatmung invasiv mit geringem zusätzlichen Sauerstoffbedarf beatmet, am 12. Lebenstag erfolgt die Extubation mit anschließend stabiler Atmung in Raumluft.
Im Verlauf der nächsten Tage entwickelt Matthias jedoch ein schweres Apnoe-Bradykardie-Syndrom mit tiefen Sauerstoffsättigungsabfällen bis zu 40 %. Physikalische Maßnahmen, die Therapie mit Koffein sowie eine CPAP-Beatmung über einen Rachentubus bringen keine wesentliche Verbesserung. Die Indikation zur erneuten Intubation und Beatmung ist damit gestellt. Auf Wunsch von Matthias Eltern erfolgt zuvor noch ein homöopathischer Behandlungsversuch.

Repertorisation

Die Rubriken gehen auf das Synthesis (Schroyens 2009) zurück.
→Atmung – angehalten, versetzt, unterbrochen (116): camph, cupr, laur, op, verat, …
→Haut – Farbe – livide (27): arn, ars, cupr, laur, verat, …
→Allgemeines – Puls – langsam (259): dig, kalm, laur, op, sep, verat, …
→Allgemeines – Reaktion – Mangel an – begleitet von – Herzens: Beschwerden von (1): laur
→Allgemeines – Schwäche – Reaktionsmangel; mit (6): am-c, laur, op, sulph, valer, …
Bewährte Arzneien zur Behandlung eines Apnoe-Bradykardie-Syndroms sind Laurocerasus, Opium und Phosphorus. In diesem Fall wird Laurocerasus als geeignetste Arznei eingesetzt; Opium passt nicht so gut zu den Bradykardien, Phosphorus nicht zum Reaktionsmangel.

Verordnung und Verlauf

Matthias bekommt Laurocerasus C 12 2 × 3 Globuli pro Tag oral. Bereits nach wenigen Stunden zeigt sich eine deutliche Reduktion der Anzahl sowie der Dauer der Apnoen, verbunden mit weniger Sauerstoffsättigungsabfällen und Bradykardien. Auf die erneute Intubation kann verzichtet werden. In den folgenden Tagen können immer längere und häufigere Pausen bei der nicht-invasiven Beatmung gemacht und diese schließlich ganz beendet werden.
Nach zwei Wochen hat Matthias nur noch vereinzelte Apnoen ohne Bradykardien oder Sauerstoffsättigungsabfällen. Er trinkt zunehmend besser, nimmt an Gewicht zu und wird im Alter von 35 SSW stabil und in bestem Allgemeinzustand nach Hause in die Betreuung seiner Eltern entlassen.

Störungen und Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts und der Harnwege

Insbesondere unreife Kinder müssen anfangs fast immer parenteral ernährt werden; gleichzeitig beginnt der orale Nahrungsaufbau über eine Magensonde mit Muttermilch oder einer geeigneten Formula-Nahrung (Koletzko et al. 2014). Dies ist wichtig, um ausreichend Energie zur Verfügung zu stellen und Hypoglykämien zu verhindern. Gerade bei frühgeborenen Kindern hat sich die frühe Gabe von frischer Muttermilch zur Vermeidung von Komplikationen im Magen-Darm-TraktFrühgeboreneMagen-Darm-Trakt sehr bewährt (Colaizy et al. 2016). Auch Probiotika werden zunehmend eingesetzt, um intestinale Erkrankungen zu verhindern (Al Faleh et al. 2014). So kann das Risiko einer nekrotisierenden Enterokolitis (NEC) mit Untergang von Darmgewebe verringert werden (Neu 2015). Kinder mit einer NEC oder auch einem Volvulus müssen rasch laparotomiert und nekrotisches Darmgewebe muss entfernt werden (Ostlie et al. 2003).
Bei Frühgeborenen ist auch die Leberfunktion noch nicht ausgereift. Daher kommt es bei den meisten Kindern zu einer Gelbsucht (Icterus neonatorum) oder seltener auch zur Hepatopathie oder Cholostase (Fischler et al. 2014), evtl. begünstigt durch eine längerdauernde parenterale Ernährung.
Die Nieren- und Darmfunktion kommt bereits intrauterin in Gang. Das Neugeborene sollte postnatal innerhalb von 24, spätestens jedoch innerhalb von 48 Stunden Urin ausscheiden und ebenfalls innerhalb der ersten zwei Lebenstage Mekonium absetzen. Falls dies nicht geschieht, müssen Nieren und Harnwege sonografiert werden (Nachweis der Organanlage) sowie Maßnahmen zur Förderung der Urin- und Mekoniumausscheidung (Anspülen des Darmes, Blasenpunktion oder Katheter) ergriffen werden.

Praxistipp

Sowohl bei bedrohlichen Zuständen mit dringender Operationsindikation als auch bei Schwierigkeiten mit dem Nahrungsaufbau, bei Hyperbilirubinämie oder Ausscheidungsproblemen kann eine zusätzliche homöopathische Behandlung die Kinder auf sanfte Weise unterstützen (Pallasser 1994 und 1996).

Repertoriumsrubriken
Die Rubriken gehen auf das Synthesis (Schroyens 2009) zurück.
→Allgemeines – Abmagerung – Kindern; bei – Knaben; bei schwächlichen, kränklichen (5): aur, lyc, nat-m, ph-ac, tub
→Allgemeines – Kindern, Beschwerden von – zarte, schwächliche, kränkliche Kinder (9): calc-p, caust, lyc, mag-c, phos, …
→Allgemeines – Abmagerung – Kindern; bei – Neugeborenen; bei (3): abrot, borx, nat-p
→Abdomen – Leber und Lebergegend – Beschwerden; der (235): card-m, chel, nux-v, phos, podo, …
→Abdomen – Auftreibung – tympanitisch (97): ars, carbo-v, cham, lyc, phos, …
→Abdomen – Absonderung aus dem Nabel (17): abrot, calc, calc-p, lyc, nat-m, …
→Abdomen – Absonderung aus dem Nabel – blutige Flüssigkeit – Kindern; bei – Neugeborenen; bei (4): abrot, calc, calc-p, nux-m
→Abdomen – Hernie – Kindern; bei (m): calc, lyc, mag-m, nux-v, sil, …
→Rektum – Obstipation – Kindern; bei – Neugeborenen; bei (8): nux-m, nux-v, op, sulph, zinc, …
→Urin – Harnsperre (121): acon, apis, ars, canth, lyc, stram, …
→Blase – Harnverhaltung – Kindern; bei – Neugeborenen; bei (13): acon, apis, caust, lyc, op, …
→Haut – Farbe – gelb – Neugeborenen, bei (12): acon, bov, chin, merc, nat-s, …
Die folgende Rubrik stammt von Pallasser (1994).
→Icterus neonatorum (sobald eine Bilirubinbestimmung im Blut notwendig wird): phos
Homöopathische Arzneimittel
Carbo vegetabilis
#Carbo vegetabilisFrühgeborene#Carbo vegetabilisMagen-Darm-TraktSchwache Konstitution. Geblähtes und aufgetriebenes Abdomen, laute Darmgeräusche. Kalte Füße. Besser durch frische Luft, durch Aufstoßen; schlechter durch Druck.
China officinalis
#China officinalisFrühgeborene#China officinalisMagen-Darm-TraktSchwäche durch Verlust von Körperflüssigkeiten, wie Blutungen, Durchfall. Auftreibung des Unterbauches. Apathisch, gleichgültig; blass, kränkliches Aussehen. Besser durch Druck, Zusammenkrümmen.
Lycopodium clavatum
#Lycopodium clavatumFrühgeborene#Lycopodium clavatumMagen-Darm-TraktBlähungskoliken bei Neugeborenen. Ikterus, Lebererkrankungen. Zart, mager; unzufrieden, mit Stirnrunzeln, schreiend. Heißhunger bei rascher Sättigung. Besser durch Aufstoßen; schlechter 16 bis 20 Uhr und Fasten.
Nux vomica
#Nux vomicaFrühgeborene#Nux vomicaMagen-Darm-TraktUnruhe und Schreien nach der Mahlzeit, Neigung zum Erbrechen, Blähungskoliken bei vergeblichen Stuhldrang mit Pressen, Obstipation, heftiges Pressen bis zum Sauerstoffsättigungsabfall. Folge von „Zuviel“, von Sedierung oder Narkose der Mutter unter der Geburt. Hernien. Besser durch Absonderung, Wärme.
Kasuistik

Kasuistik

SGA-Frühgeborenes mit Hepatopathie unklarer Genese (Monika Grasser)

Anamnese

Viktoria ist ein Frühgeborenes aus der 30 + 0 SSW. Sie wird bei Präeklampsie der Mutter durch Kaiserschnitt geboren, Geburtsgewicht 980 g (SGA), APGAR 6/7/9, NS-pH 7,18. Viktoria wird wegen eines Atemnotsyndroms Grad IV trotz pränatal durchgeführter Lungenreifung sofort intubiert und beatmet, sie erhält noch im Kreissaal Surfactant intratracheal. Im Verlauf entwickelt Viktoria eine Hyperbilirubinämie, die einmalig mit Phototherapie behandelt wurde. Sie wird über einen Zeitraum von insgesamt elf Tagen parenteral ernährt bei gleichzeitigem oralen Nahrungsaufbau mit Muttermilch. Noch in der Klinik fallen wiederholt erhöhte Gamma-GT-Werte sowie eine direkte und indirekte Hyperbilirubinämie auf, bei normaler GOT und GPT. Es wird eine Hepatopathie unklarer Genese diagnostiziert, die sich im weiteren Verlauf nur wenig bessert.
Bei der ambulanten Vorstellung im Alter von acht Wochen wiegt Viktoria 2840 g (< 3. Perzentile), sie ist noch leicht ikterisch mit einem Gesamt-Bilirubin von 7,3 mg/dl. Sie wird voll gestillt und liebt es zu kuscheln; schlafen mag sie am liebsten auf dem Arm ihrer Mutter.

Repertorisation

Die Rubriken gehen auf Pallasser (1994) und auf das Synthesis (Schroyens 2009) zurück.
→Allgemeines – Kindern, Beschwerden von – zarte, schwächliche, kränkliche Kinder (9): calc-p, caust, lyc, mag-c, phos, …
→Allgemeines – Abmagerung, Marasmus – Kindern, bei (60): abrot, calc, calc-p, lyc, nat-m, phos, sil, …
→Gemüt – Verlangen magnetisiert zu werden (5): calc, lach, nat-c, phos, sil
→Abdomen – Leber und Lebergegend – Beschwerden; der (235): card-m, chel, nux-v, phos, podo, …
→Haut – Farbe – gelb – Neugeborenen, bei (12): acon, bov, chin, merc, nat-s, …
→Icterus neonatorum (sobald eine Bilirubinbestimmung im Blut notwendig wird): phos
Hier passt entsprechend der Repertorisation als auch der Erfahrung mit SGA-Kindern und Frühgeborenen Phosphorus als geeignetste Arznei. Bei Silicea steht die Leberproblematik nicht im Vordergrund, Calcium-Kinder sind üblicherweise gut gediehen.

Verordnung und Verlauf

Viktoria bekam einmalig Phosphor C 30 1 × 3 Globuli in den Mund. Im Verlauf der nächsten zwei Wochen erholt sich Viktoria gut. Sie nimmt 350 g an Gewicht zu und beginnt, ihre Mutter anzulächeln. Sowohl die Gamma-GT als auch das Bilirubin sind in den Normbereich abgefallen, bei einer weiteren Kontrolle nach vier Wochen ergibt sich erneut ein unauffälliges Ergebnis. Viktoria nimmt in den folgenden Monaten gut zu, sie entwickelt sich prächtig und ist im Alter von einem Jahr ein gesundes und fröhliches Mädchen.

Infektionen

Sepsis
InfektionenFrühgeboreneFrühgeboreneInfektionenDie SepsisSepsis ist bei allen Neugeborenen und besonders bei Frühgeborenen häufig. Sie kann foudroyant verlaufen und schnell lebensbedrohlich werden (Mularoni 2014), z. B. bei Infektionen mit Streptokokken der Gruppe B oder Chlamydien. Um dies zu vermeiden, werden Neugeborene auch bei noch unspezifischen klinischen Zeichen einer Infektion (Tab. 5.3) unverzüglich intravenös antibiotisch behandelt, meist mit einer Kombination verschiedener Antibiotika entsprechend dem wahrscheinlichen Erregerspektrum. Der wichtigste klinische Hinweis auf eine Infektion ist die Beobachtung einer Krankenschwester oder eines Arztes: „Dieses Kind gefällt mir nicht!“ In einem solchen Fall ist eine Sepsis anzunehmen, bis sie sicher ausgeschlossen ist. Die Antibiotika können bei sich nicht erhärtendem Infektionsverdacht wieder abgesetzt werden (Johnston et al. 2016).
Weitere schwerwiegende Infektionen des Neugeborenen sind Pneumonien, Weichteilinfektionen, Omphalitis oder, wie bereits erwähnt, Meningitis und Enzephalitis.

Info

Es ist selbstverständlich, dass bei bedrohlichen Krankheitsbildern wie Sepsis oder Meningitis eine homöopathische Therapie immer nur komplementär zur sofortigen Therapie mit intravenösen Antibiotika durchgeführt werden darf.

Virale Infektionen
Virale Infektionen Infektionenviralesind bei Früh- und Neugeborenen eher selten und überwiegend konnatal. Typische Beispiele sind z. B. die konnatale Varizellen- oder Herpes-simplex-Virusinfektion oder Infektionen mit Enteroviren, Ebstein-Barr-Viren (EBV) oder Hepatitisviren. Bekannt ist die konnatale CMV-Infektion, die beim Kind zu Frühgeburtlichkeit, Hepatosplenomegalie, Thrombozytopenie und einer schweren Enzephalitis mit Hirnentwicklungsstörung, intrazerebralen Verkalkungen und Hydrozephalus sowie zerebralen Krampfanfällen und Chorioretinitis führen kann und häufig in einer schweren Behinderung des Kindes mündet (Balcells et al. 2014).
Virale Erkrankungen werden überwiegend symptomatisch therapiert, sie können nur teilweise erfolgreich mit Virustatika behandelt werden. Dabei kommen z. B. Aciclovir (HSV) oder Ganciclovir (CMV) oder auch neuere Substanzen wie Foscarnet (CMV) zum Einsatz (Genzel-Boroviczény et al. 2015).
Weitere schwere, komplikationsbelastete Infektionen im Früh- und Neugeborenenalter sind die Toxoplasma-gondii-Infektion oder auch die Candida-Sepsis.
Repertoriumsrubriken
Die Rubriken gehen auf das Synthesis (Schroyens 2009) zurück.
→Kopf – Entzündung – Gehirn – Kinder, bei (2): parathyr, toxo-g
→Kopf – Entzündung – Hirnhaut – Kinder, bei kleinen (2): gels, toxo-g
→Brust – Herzversagen – Sepsis; begleitet von (3): carb-v, crot-h, pyr
→Abdomen – Entzündung – Nabel – Kindern; bei (4): abrot, apis, arn, calc-p
→Allgemeines – Sepsis (112): ars, carb-v, crot-h, lach, pyr, …
→Allgemeines – Sepsis – Kindern; bei (2): bapt, toxo-g
→Allgemeines – Sepsis – erscheinend; plötzlich (1): bapt
→Allgemeines – Infektionskrankheiten – Streptokokken (4): ail, arn, chir-fl, sul-ac
→Allgemeines – Infektionskrankheiten – akut – an-aerob (1): pyr
→Allgemeines – Beschwerden – Vireninfektionen (2): syph, unca-torn
→Allgemeines – Blutung – septisch (3): crot-h, kali-p, lach
→Gemüt – Ruhelosigkeit – Sepsis; mit (1): pyr
Homöopathische Arzneimittel
Lachesis muta
#Lachesis mutaInfektionen#Lachesis mutaSepsisBegleitend bei schweren Krankheitszuständen wie Sepsis, NEC, Zyanose (Hypoxämie) oder Asphyxie. Blutung. Zorniges Schreien. Linksseitiges Mittel. Besser durch Absonderung; schlechter durch Hitze, Beengung, Enge.
Crotalus horridus
#Crotalus horridusInfektionen#Crotalus horridusSepsisSepsis mit Blutungsneigung und neurologischen oder kardialen Begleitsymptomen. Blutung am Auge. Fieber. Rechtsseitiges Mittel. Schlimmer durch Erschütterung und auf der rechten Seite.
Pyrogenium
#PyrogeniumInfektionen#Crotalus horridusPyrogenium„Homöopathisches Antibiotikum“ oder Antiseptikum. Abszesse, Eiterungen, septisches Fieber mit stinkendem Durchfall, Erbrechen und Ileus. Große Unruhe, Schlaflosigkeit und Tachykardie. Wundliegen mit Unruhe. Besser durch Bewegung.

Retinopathia praematurorum

Bei der Retinopathia praematurorumRetinopathia praematurorumFrühgeboreneRetinopathie praematurorum (ROP) handelt es sich um eine vasoproliferative Erkrankung des Auges, die umso häufiger auftritt, je unreifer die Kinder geboren werden. Die Retina wird dabei in der Peripherie ungenügend vaskularisiert, später können Gefäßproliferationen in der Netzhautperipherie hinzukommen. Es besteht die Gefahr der teilweisen oder kompletten Netzhautablösung und somit der ein- oder beidäugigen Erblindung des Kindes. Wichtig zur Prävention ist der richtige Umgang mit zusätzlichem Sauerstoff in der Einatemluft; Hypoxämie und Hyperoxie sollen vermieden werden (Shahal. 2005). Therapeutisch kommen die Kryotherapie oder die Lasertherapie zum Einsatz; dennoch leiden viele Kinder später im Leben unter Sehbeeinträchtigungen oder sogar Erblindung.
Repertoriumsrubriken
Die Rubriken gehen auf das Synthesis (Schroyens 2009) zurück.
→Auge – Bluten aus dem Auge – Netzhautblutung (13): bell, crot-h, ham, lach, phos, …
→Sehen – Verlust des Sehvermögens – Netzhautblutung; durch (2): both, crot-h
→Sehen – Trübsichtigkeit, trübes Sehen (329): bell, crot-h, lach, phos, ruta, sulph, …
Homöopathische Arzneimittel
Lachesis muta
#Lachesis mutaRetinopathia praematurorumBlutung am Augenhintergrund, linksseitige Blutung, begleitend bei Sepsis, NEC oder Asphyxie. Schwere Krankheitszustände, oft Zyanose (Hypoxämie). Zorniges Schreien. Besser durch Absonderung; schlechter durch Hitze, Beengung.
Phosphorus
#PhosphorusRetinopathia praematurorumAllgemeine Blutungsneigung, Netzhautblutung, degenerative Veränderung der Netzhaut, Netzhautablösung. Lebhaft, wach, aktiv. Besser durch Känguruhen, Streicheln, Berührung.

Neugeborene mit postnatalen Umstellungs- und Anpassungsschwierigkeiten

Monika Grasser

Während der GeburtNeugeboreneUmstellungs- und Anpassungsschwierigkeiten erbringen die Neugeborenen vielfältige, faszinierende Umstellungs- und Anpassungsvorgänge an das Leben außerhalb des Mutterleibes. So setzt mit dem ersten Schrei die Atmung ein, die Lungen füllen sich mit Luft und das Herz-Kreislauf-System beginnt sich umzustellen. Der Ductus arteriosus Botalli verschließt sich zuerst funktionell und später auch anatomisch. Das Kind muss seine Körperwärme nun selbst regulieren und halten. Auch alle Ausscheidungsvorgänge sowie die Aufnahme von Nahrung und die Verdauung müssen vom Neugeborenen jetzt selbst übernommen werden. Gleichzeitig gilt es, den Blutzucker stabil zu halten und verschiedene metabolische Anpassungsvorgänge zu erbringen (Elektrolyt- und Säure-Basen-Haushalt, hormonelles Gleichgewicht).

In dieser Periode der Anpassung an das extrauterine Leben können auch „späte“ Frühgeborene (35+0 bis 36+6 SSW) und reife Kinder in ihren ersten Lebenstagen vielfältige Probleme und Störungen entwickeln.

Auch hier kann der Einsatz von Homöopathie sanft und rasch unterstützend und regulierend auf das Neugeborene wirken und so weitere Probleme und Erkrankungen vermeiden helfen (Baltacis 2005; Graf 2011; Grandegeorge 2012 und 2012; Haidvogl 2005; Pallasser 1996).

Repertoriumsrubriken

Die Rubriken gehen auf das Synthesis (Schroyens 2009) zurück.
→Allgemeines – Kinder; Beschwerden von – Neugeborenen, bei (1): acon
→Allgemeines – Kindern, Beschwerden von – zarte, schwächliche, kränkliche Kinder (9): calc-p, caust, lyc, mag-c, phos, …
→Allgemeines – Blutung (227): arn, bell, carb-v, chin, phos, sec, …
→Kopf – Verletzungen des Kopfes; nach – Kindern; bei – Entbindung; während der (2): carc, nat-s
→Rektum – Obstipation – Kindern; bei – Neugeborenen; bei (8): nux-m, nux-v, op, sulph, zinc, …
→Blase – Harnverhaltung – Kinder; bei – Neugeborenen; bei (13): acon, apis, ars, caust, op, …
→Atmung – Atemnot, Dyspnoe, erschwertes Atmen – Kinder; bei – Neugeborenen; bei (2): ant-t, laur
→Atmung – Atemnot, Dyspnoe, erschwertes Atmen – Schleim, durch (17): ant-t, ars, cact, hippoz, 2026
→Atmung – stöhnend (39): ant-t, ars, lach, op, phos, spong, …
→Nase – Schniefen – Kindern; bei – Neugeborenen; bei (17): bell, cham, lyc, merc, nux-v, samb, …

Homöopathische Arzneimittel

Calcium carbonicum
#Calcium carbonicumNeugeboreneAnpassungsschwierigkeitenKräftiges, „rundes“, freundliches Kind. Storchenbiss. Geblähtes Abdomen, verweigert oder erbricht die Muttermilch, Obstipation. Neugeborenengelbsucht. Schwitzen, v. a. am Kopf und im Nacken. Besser durch Ruhe, Liegen, Wärme; schlechter durch Milch, Zahnung.
Lycopodium clavatum
#Lycopodium clavatumNeugeboreneAnpassungsschwierigkeitenBlähungskoliken bei Neugeborenen, Ikterus (prolongatus), Lebererkrankungen. Zart, mager, unzufrieden, mit Stirnrunzeln, schreiend. Abneigung gegen Muttermilch oder Heißhunger bei rascher Sättigung. Besser durch Aufstoßen; schlechter 16 bis 20 Uhr, Fasten.
Nux vomica
#Nux vomicaNeugeboreneAnpassungsschwierigkeitenÜberempfindlich gegen alles. Unruhe und Schreien nach der Mahlzeit, Neigung zum Erbrechen, Schluckauf, Blähungskoliken bei vergeblichen Stuhldrang mit Pressen, Obstipation. Hernien. Folge von „Zuviel“, von Sedierung oder Narkose der Mutter unter der Geburt. Besser durch Absonderung, Wärme.
Opium
#OpiumNeugeboreneAnpassungsschwierigkeitenFolgen von Schreck und Schock. Narkose, PDA oder Sedierung der Mutter unter der Geburt, Drogenentzugssyndrom. Große Unruhe mit heftigem Schreien, unruhig oder apathisch und benommen. Zentrale Apnoen, Lähmung. Empfindlich gegen Geräusche, unempfindlich gegen Schmerzen. Besser durch frische Luft; Abdecken, schlechter durch Wärme, im Schlaf, durch Stimulanzien.
Phosphorus
#PhosphorusNeugeboreneAnpassungsschwierigkeitenBlutungsneigung, Ikterus, Apnoen bei Unreife der Lunge, Hypoglykämie. Lebhaft, wach, aktiv. Besser durch Känguruhen, Streicheln, Berührung.
Silicea
#SiliceaNeugeboreneAnpassungsschwierigkeitenMangelgeborenes (SGA), unreif, zart, zerbrechlich, schwach. Gedeihstörung, Erbrechen nach Muttermilch. Kalte Hände und Füße, „Schweißfüßchen“. Tränenkanalstenose, Kephalhämatom. Neigung zu rezidivierenden Infektionen und Sepsen, Eiterung. Besser durch Einhüllen, Wärme.

Erkrankungen der Atemwege

AtemwegserkrankungenNeugeboreneNeugeboreneAtemwegserkrankungenManche Reifgeborene, aber auch frühgeborene Kinder haben eine transitorische Tachypnoe oder auch „Nasse-Lunge-SyndromNasse-Lunge-Syndrom mit verzögerter Resorption von Alveolarflüssigkeit ins umgebende Lungengewebe (Mahoney et al. 2013). Es kommt zum Lungenödem mit erschwerter, rasselnder Atmung und erhöhter Atemanstrengung bei evtl. gleichzeitig erniedrigter Sauerstoffsättigung (Johnson 2016).
Risikofaktoren sind v. a. Frühgeburtlichkeit, primäre Kaiserschnittentbindung, Sturzgeburt oder mütterlicher Diabetes mellitus. Die klinischen Symptome mit Tachydyspnoe, Einziehungen und Zyanose beginnen kurz nach der Geburt und sistieren meistens innerhalb eines Tages. Therapeutisch erfolgen unterstützende Maßnahmen wie „Minimal handling“, Bauchlage, thermoneutrale Umgebung, die Gabe von zusätzlichem Sauerstoff sowie die nicht-invasive oder seltener auch invasive Beatmung (Gizzi et al. 2015).
Auch diese Kinder profitieren vom Einsatz der geeigneten homöopathischen Arznei und erholen sich zügiger; gerade auch der drohende Einsatz maschineller Beatmung kann so häufig noch verhindert werden.

Repertoriumsrubriken

Die Rubriken gehen auf das Synthesis (Schroyens 2009) zurück.
→Allgemeines – Kinder; Beschwerden von – Neugeborenen, bei (1): acon
→Allgemeines – Schwäche – Reaktionsmangel; mit (6): am-c, laur, op, sulph, valer, …
→Atmung – Atemnot, Dyspnoe, erschwertes Atmen – Kinder; bei – Neugeborenen; bei (2): ant-t, laur
→Atmung – Atemnot, Dyspnoe, erschwertes Atmen – Schleim, durch (17): ant-t, ars, cact, hippoz, …
→Atmung – Atemnot, Dyspnoe, erschwertes Atmen – Schleim, durch – Trachea, in der (15): ant-t, ars, cact, hippoz, 2026
→Atmung – Bauchatmung (13): ant-t, aur-m, ferr, phos, spong, stram, …
→Atmung – stöhnend (39): ant-t, ars, lach, op, phos, spong, …
→Gesicht – Farbe – zyanotisch (15): ars, aur, cact, cupr, nat-m, …
→Gesicht – Farbe – blass (294): ars, camph, chin, cupr, op, …
→Nase – Bewegung – Nasenflügel – Fächer; wie ein (29): ant-t, lyc, phos, spong, …

Homöopathische Arzneimittel

Antimonium tartaricum
#Antimonium tartaricumNeugeboreneAtemwegeSekret in den Atemwegen mit Rasselatmung, Schleim kann kaum abgehustet werden, Dyspnoe mit Nasenflügeln. Asphyxie durch Fruchtwasseraspiration. Erschöpftes Kind, bläulich verfärbte Haut. Besser durch Hochlagern, Abhusten; schlechter im Schlaf und morgens.
Carbo vegetabilis
#Carbo vegetabilisNeugeboreneAtemwegeMangel an Vitalität, Müdigkeit. Oxygenierungsstörung, Atemnot. Blass oder zyanotisch und kalt. Geblähtes Abdomen, Koliken, mit Unruhe. Besser durch frische Luft, offenes Fenster, Abgang von Blähungen; schlechter durch Liegen, nach dem Essen.
Opium
#OpiumNeugeboreneAtemwegeFolgen von Schreck und Schock. Narkose, PDA oder Sedierung der Mutter unter der Geburt, Drogenentzugssyndrom. Große Unruhe mit heftigem Schreien oder Apathie. Zentrale Apnoen, Lähmung; empfindlich gegen Geräusche, unempfindlich gegen Schmerzen. Besser durch frische Luft, Abdecken; schlechter durch Wärme, im Schlaf, durch Stimulanzien.
Laurocerasus
#LaurocerasusNeugeboreneAtemwegeUnregelmäßige, angestrengte Atmung, Oxygenierungsstörung. Zyanose bei Herzinsuffizienz, Rechtsherzinsuffizienz, Asphyxie. Eiskalte Haut, kann seine Körpertemperatur nicht halten. Mangel an Reaktion. Besser durch Schlaf, frische Luft; schlechter durch Anstrengung.
Phosphorus
#PhosphorusNeugeboreneAtemwegeApnoen bei Unreife der Lunge, Pneumonie. Lebhaft, wach, aktiv. Besser durch Känguruhen, Streicheln, Berührung.

Kasuistik

Kasuistik

Transiente Tachypnoe des Neugeborenen (Monika Grasser)

Anamnese

Omar ist ein reifgeborener Junge aus der 37+5 SSW, er wird durch primäre Sectio bei Beckenendlage entbunden. APGAR 8/8/9, NS-pH 7,32. Omar hat eine beschleunigte, angestrengte und stöhnende Atmung mit Nasenflügeln und subkostalen Einziehungen. Aus der Trachea lässt sich viel klares Sekret absaugen, dennoch zeigt er weiter eine Rasselatmung, er erholt sich nicht.

Repertorisation

Die Rubriken gehen auf das Synthesis (Schroyens 2009) zurück.
→Atmung – stöhnend (39): ant-t, ars, lach, op, phos, spong, …
→Atmung – Atemnot, Dyspnoe, erschwertes Atmen – Kinder; bei – Neugeborenen; bei (2): ant-t, laur
→Atmung – Atemnot, Dyspnoe, erschwertes Atmen – Schleim, durch – Trachea, in der (15): ant-t, ars, cact, hippoz, …
→Nase – Bewegung – Nasenflügel – Fächer; wie ein (29): ant-t, lyc, phos, spong, …
Hier ist bei Schleimrasseln und Dyspnoe am ehesten Antimonium tartaricum indiziert, sowohl nach der bewährten Indikation als auch nach der Repertorisation; Arsenicum album oder Ipecacuanha kämen entsprechend der Repertorisation ebenfalls infrage, decken aber die Dyspnoe nicht ab.

Verordnung und Verlauf

Omar bekommt Antimonium tartaricum C 30 1 × 3 Globuli in den Mund. Innerhalb einer halben Stunde wird seine Atmung leichter und leiser, die Einziehungen und das Nasenflügeln lassen rasch nach. Er kann nun mit stabiler Atmung zu seiner Mutter und dort erste Trinkversuche an der Brust machen.

Störungen im Nahrungsaufbau und in der Ausscheidung, Hypoglykämien

NeugeboreneHypoglykämienNeugeboreneNahrungsaufbau, StörungenNeugeboreneAusscheidung, StörungenIn den ersten Lebenstagen wird der Darm des neugeborenen Kindes mit Darmbakterien besiedelt. Das Kind trinkt an der Brust oder aus der Flasche, seine Verdauung kommt in Gang. Das Kind muss nun durch die Nahrungsaufnahme seinen Blutzucker selbst stabil halten, um nicht in die Hypoglykämie zu rutschen.
Die typische Gewichtsabnahme des Kindes in den ersten Lebenstagen wird bei gutem Trinkverhalten rasch wieder aufgeholt. Die Gewichtszunahme kann jedoch ausbleiben bei einer Infektion, bei Trinkschwäche oder einem Mangel an Muttermilch (z. B. bei spätem Milcheinschuss).
Urinieren sollte das Kind innerhalb der ersten 48 Stunden. Falls dies nicht geschieht, müssen Nieren und Harnwege sonografiert werden zum Nachweis der Organanlage sowie Maßnahmen zur Förderung der Urinausscheidung begonnen werden (Blasenkatheter, Blasenpunktion, diuresefördernde Medikamente).
Mekonium wird üblicherweise innerhalb von 48 Stunden abgesetzt. Bei manchen Kindern kommt es jedoch zu einem verzögerten Absetzen von Mekonium, einige müssen sogar rektal angespült werden, um Stuhl abzusetzen. Später leiden nicht wenige Kinder unter quälenden Blähungen mit Koliken und geblähtem Abdomen, vermehrtem Aufstoßen und Spucken nach den Mahlzeiten oder an Obstipation. In den ersten Lebenswochen können zudem schwere Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts wie Morbus HirschsprungMorbus Hirschsprung (Fehlen von Ganglienzellen im Plexus myentericus im Darm mit schwerer Obstipation) oder eine PylorusstenosePylorusstenose (Verengung des „Magenpförtners“ mit Erbrechen, Elektrolyt-Entgleisung und metabolischer Alkalose) auftreten.
HypoglykämienHypoglykämien, Neugeborene kommen besonders bei Kindern diabetischer Mütter und bei sehr großen (LGA; „large for gestational age“) oder kleinen Kindern (SGA) vor. Sie zeigen dabei oft keine typischen Symptome; gelegentlich sind sie unruhig oder schwitzig, manchmal apathisch. Es kann sogar zu einem hypoglykämischen Krampfanfall kommen. Gefährdete und hypoglykämische Kinder benötigen frühzeitig regelmäßige Mahlzeiten mit Muttermilch, Maltodextrin oder Formulanahrung, evtl. sogar eine Glukoseinfusion, um eine Schädigung des Gehirns zu verhindern (Genzel-Boroviczény et al. 2015, Rozance et al. 2016).

Repertoriumsrubriken

Synthesis
Die Rubriken gehen auf das Synthesis (Schroyens 2009) zurück.
→Allgemeines – Abmagerung – Kindern; bei – Knaben; bei schwächlichen, kränklichen (5): aur, lyc, nat-m, ph-ac, tub
→Allgemeines – Kindern, Beschwerden von – zarte, schwächliche, kränkliche Kinder (9): calc-p, caust, lyc, mag-c, phos, …
→Allgemeines – Abmagerung – Kindern; bei – Neugeborenen; bei (3): abrot, borx, nat-p
→Allgemeines – Laborergebnisse – Blut – Glukose (1): gluca
→Allgemeines – Speisen und Getränke- Milch-Abneigung – Muttermilch – Kind verweigert die; das (25): calc, calc-p, mag-c, merc, sil, …
→Abdomen – Flatulenz – Milch agg. (13): calc, carbo-v, merc, nat-c, nat-s, …
→Abdomen – Auftreibung – Kindern; bei (18): bar-c, calc, caust, cina, sulph, …
→Abdomen – Flatulenz – Kindern; bei (6): arg-n, cham, chin, lyc, …
→Abdomen – Schmerz-krampfartig – begleitet von Flatulenz (41): carb-v, cham, chin, mag-p, nux-v, …
→Abdomen – Flatulenz – nachts (48): aur, calc, carb-v, cham, nat-s, sulph, …
→Magen – Aufstoßen – Milch; nach (27): calc, carb-v, chin, mag-c, nat-m, …
→Magen – Erbrechen – Milch; nach – Muttermilch; nach (12): calc, calc-p, nat-c, sanic, sil, …
→Magen – Verschluss des Pylorus; Gefühl von (3): lach, nux-v, phos
→Magen – Zusammenschnürung – Pylorus; des (11): abrot, crot-h, nux-v, phos, sil, …
→Magen – Verhärtung – Pylorus (9): graph, phos, sep, sil, …
→Rektum – Obstipation – Kindern; bei – Neugeborenen; bei (8): nux-m, nux-v, op, sulph, zinc, …
→Urin – Harnsperre (121): acon, apis, ars, canth, lyc, stram, …
→Blase – Harnverhaltung – Kindern; bei – Neugeborenen; bei (13): acon, apis, caust, lyc, op, …
→Haut – Schwellung – schwammig (31): ars, calc, lach, phos, sil, …
Pallaser
Die folgenden Rubriken sind von Pallasser 1996.
→Grüne, spritzende Stühle unter Muttermilch: mag-p
→Verstopfung bei Brustkindern, bröckelige Stühle: mag-p
→Kind geht nicht an die Brust, Mutter ist evtl. ambivalent gegenüber ihrem Kind: lac-c

Homöopathische Arzneimittel

Belladonna
#BelladonnaHypoglykämie#BelladonnaNeugeboreneAusscheidungsstörungenGroße Unruhe, Delirium, heftiges Schreien mit rotem Kopf, opisthotone Haltung. Rot, warm, plötzlich, heftig, klopfend, pochend. Besser durch Hinlegen, durch Strecken; schlechter durch Licht, Lärm, Berührung, Kälte.
Calcium carbonicum
#Calcium carbonicumNeugeboreneNahrungsaufbau, Störungen#Calcium carbonicumNeugeboreneAusscheidungsstörungenKräftiges, „rundes“, freundliches Kind, oder dystroph mit runzeligem Gesicht. Storchenbiss. Geblähtes Abdomen, verweigert oder erbricht die Muttermilch, schmerzlose Obstipation. Neugeborenengelbsucht. Schwitzen, v. a. am Kopf und im Nacken. Besser durch Ruhe, Liegen, Wärme; schlechter nachdem Trinken.
Carbo vegetabilis
#Carbo vegetabilisNeugeboreneNahrungsaufbau, Störungen#Carbo vegetabilisNeugeboreneAusscheidungsstörungenSchwache Konstitution. Geblähtes und aufgetriebenes Abdomen, übelriechender Stuhl, laute Darmgeräusche. Kalte Füße. Besser durch frische Luft, durch Aufstoßen; schlechter durch Druck.
Chamomilla
#ChamomillaNeugeboreneNahrungsaufbau, Störungen#ChamomillaNeugeboreneAusscheidungsstörungenHeftige Unruhe mit Schreien, reizbar, ärgerlich, unzufrieden. Überstreckt sich oder krümmt sich zusammen und zieht die Beine an. Schwer zu trösten. Stuhlgang oder Aufstoßen bessern nicht. Besser durch Herumtragen; schlechter durch Hinlegen, „Bettallergie“.
Colocynthis
#ColocynthisNeugeboreneNahrungsaufbau, Störungen#ColocynthisNeugeboreneAusscheidungsstörungenBauchkoliken, Nabelkoliken, Gallenkoliken, Nierenkoliken. Krampfartige Schmerzen, kolikartig. Besserung durch Wärme, durch Druck, Zusammenkrümmen; schlechter durch Kälte.
Lycopodium clavatum
#Lycopodium clavatumNeugeboreneNahrungsaufbau, Störungen#Lycopodium clavatumNeugeboreneAusscheidungsstörungenBlähungskoliken bei Neugeborenen, Rumoren im Abdomen. Ikterus, Lebererkrankungen. Zart, mager, unzufrieden, mit Stirnrunzeln, schreiend. Heißhunger mit rascher Sättigung. Besser durch Aufstoßen; schlechter 16 bis 20 Uhr.
Magnesium phosphoricum
#Magnesium phosphoricumNeugeboreneNahrungsaufbau, Störungen#Magnesium phosphoricumNeugeboreneAusscheidungsstörungenKrampfartige Schmerzen. Bauchschmerzen, Bauchkrämpfe, Blähungskolik. Jammrig, krümmt sich, lässt Winde ab. Aufstoßen bessert nicht. Besserung aber durch Wärme, Reiben, Druck; schlechter durch Kälte.
Nux vomica
#Nux vomicaNeugeboreneNahrungsaufbau, Störungen#Nux vomicaNeugeboreneAusscheidungsstörungenUnruhe und Schreien nach der Mahlzeit, Neigung zum Erbrechen, Blähungskoliken bei vergeblichen Stuhldrang mit Überstrecken und Pressen, Obstipation. Folge von „Zuviel“, von Sedierung oder Narkose der Mutter unter der Geburt. Hernien. Besser durch Absonderung, Wärme.
Okoubaka aubrevillei
#Okoubaka aubrevilleiNeugeboreneNahrungsaufbau, Störungen#Okoubaka aubrevilleiNeugeboreneAusscheidungsstörungenVerdauungsbeschwerden, Durchfall, Erbrechen, Übelkeit. Infektionen des Verdauungstrakts. Diarrhö nach Antibiotikagabe. Nahrungsmittelunverträglichkeit.
Phosphorus
#PhosphorusNeugeboreneNahrungsaufbau, Störungen#PhosphorusNeugeboreneAusscheidungsstörungenIkterus. Hypoglykämie. Hunger bald nach dem Essen. Erbrechen. Pylorusstenose. Schmerzloser Durchfall. Lebhaft, wach, aktiv. Besser durch Känguruhen, Streicheln, Berührung, schlechter durch Kälte.

Kasuistik

Kasuistik

Trinkschwäche mit zögerlicher Gewichtszunahme (Monika Grasser)

Anamnese

Magdalena wird zu Hause durch eine Sturzgeburt spontan geboren, sie adaptiert sich rasch, APGAR 9/10/10, Geburtsgewicht 3780 g. Anfänglich hat Magdalena immer wieder einen zu niedrigen Blutzucker, sodass sie aufgrund ihrer Trinkschwäche mit zögerlicher Gewichtszunahme zusätzlich zur Muttermilch Formulanahrung erhält. Nach zwei Tagen treten keine Hypoglykämien mehr auf, sie wird ab da voll gestillt und trinkt alle drei bis vier Stunden an der Brust. Dennoch nimmt sie nur zögerlich an Gewicht zu (90 g in einer Woche!), immer wieder leidet sie unter Blähungen, v. a. nachts, sie muss gerade im Liegen viel aufstoßen.

Repertorisation

Die Rubriken gehen auf das Synthesis (Schroyens 2009) zurück.
→Allgemeines – Abmagerung – Kindern; bei (105): ars, calc, iod, nat-m, sil, …
→Abdomen – Auftreibung – Kindern; bei (18): bar-c, calc, caust, cina, sulph, …
→Abdomen – Auftreibung – tympanitisch (97): ars, carb-v, chin, lach, phos, …
→Abdomen – Flatulenz – nachts (48): aur, calc, carb-v, cham, nat-s, sulph, …
→Magen – Aufstoßen – nachts, Liegen agg. (1): calc
Hier fällt die Entscheidung entsprechend der Repertorisation auf Calcium carbonicum; auch entsprechend der bewährten Indikation würde die Wahl auf Calcium carbonicum fallen, da Magdalena ein Baby mit großem Kopf und runden Backen ist.

Verordnung und Verlauf

Magdalena bekommt Calcium carbonicum C 30 1 Globuli oral. Nach der Gabe von Calcium carbonicum sistieren die nächtlichen Blähungen, das Aufstoßen wird seltener. Magdalena trinkt mehr und öfters, sie nimmt in den nächsten vier Tagen 230 g an Gewicht zu!

Unruhe beim Neugeborenen

#Natrium sulfuricumUnruheNeugeboreneUnruheEtwa 20 % aller neugeborenen Kinder fallen durch Unruhe und Schreien auf. Diese Unruhe besteht entweder von Geburt an oder entwickelt sich, überwiegend ohne erkennbaren Grund, in den ersten Lebenstagen (Schreikoliken älterer Säuglinge [20.7]). Die Kinder drücken ihr Unbehagen durch Schreien und Jammern, Trinkunlust, Spuckeln, Fäusteln, Zappeln, Überstrecken, Anziehen der Beine oder sich Krümmen und unruhigen Schlaf aus. Nur bei ca. 5 % der betroffenen Kinder lässt sich eine ursächliche oder auch organische Ursache für die Unruhe finden (Tab. 5.4, Freedman et al. 2010). Hierzu gehört z. B. das Rauchen der Mutter in Schwangerschaft und Stillzeit.
Die Unruhe kann zu einer erschwerten Bindung zwischen Mutter (Eltern) und Kind führen, mit unter Umständen weitreichenden Konsequenzen für die ganze Familie und besonders für die Entwicklung des Kindes (Brisch et al. 2016). Für die anderen Kinder und deren Eltern gibt es in der konventionellen Medizin oft wenige Hilfsmöglichkeiten (Keefe et al. 1998). Hier kann eine homöopathische Therapie der Kinder mit einem großen Repertoire an Arzneien sehr unterstützend und heilend wirken (Baltacis 2012, Haidvogl 2005, Pallasser 1996).

Repertoriumsrubriken

Synthesis
Die Rubriken gehen auf das Synthesis (Schroyens 2009) zurück.
→Allgemeines – Abmagerung – Kindern; bei (105): ars, calc, iod, nat-m, sil, …
→Allgemeines – Strecken, Ausstrecken agg. (72): calc, cham, plat, puls, ran-b, rheum, …
→Gemüt – Ruhelosigkeit – Kindern; bei (69): acon, calc, cham, merc, rhus-t, …
→Gemüt – Ruhelosigkeit – Kindern; bei – Babies; bei (2): kali-p, tritic-vg
→Gemüt – Ruhelosigkeit – Kindern; bei – Herumtragen der Kinder amel. (5): ant-t, ars, cham, cina, kali-c
→Gemüt – Ruhelosigkeit – Stuhlgang; bei (6): apis, ars, bell, cham, coloc, …
→Gemüt – Ruhelosigkeit – Zorn; durch Ruhelosigkeit (5): cham, coloc, falco-p, positr, vanil, …
→Gemüt – Schreien – Kinder; bei (65): arn, borx, lac-c, sulph, tub, …
→Gemüt – empfindlich – Drogen; durch (10): acon, cham, coff, lyc, nux-v, …
→Gemüt – Berührtwerden – Abneigung berührt zu werden (84): acon, arn, bell, cham, kali-c, phos, …
→Abdomen – Auftreibung – Kindern; bei (18): bar-c, calc, caust, cina, sulph, …
→Abdomen – Auftreibung – tympanitisch (97): ars, carb-v, chin, lach, phos, …
→Schlaf – Ruhelos – Kindern; bei (20): bell, cina, hyos, jal, lach, …
Pallaser
Die nachfolgenden Rubriken sind von Pallasser (1996).
→Kinder von Raucherinnen (dystroph, blass, ruhig oder zittrig): hyos, tab
→Lästige, hysterisch schreiende Kinder: hyp
→Zittriges Kind, fast krampfig, Zyanose um den Mund, nach Sectio oder schwere Geburt: cupr
→Rotes, zorniges Kind, besser durch Tragen: cham
→Plötzliches Aufschreien mit Strecken: bell
→Schreien vorwiegend zwischen 18 und 20 Uhr: lyc

Homöopathische Arzneimittel

Belladonna
#BelladonnaNeugeboreneUnruheGroße Unruhe, Delirium, heftiges Schreien mit rotem Kopf, opisthotone Haltung. Rot, warm, plötzlich, heftig, klopfend, pochend. Besser durch Hinlegen, durch Strecken; schlechter durch Licht, Lärm, Berührung, Kälte.
Carbo vegetabilis
#Carbo vegetabilisNeugeboreneUnruheSchwache Konstitution. Geblähtes und aufgetriebenes Abdomen, laute Darmgeräusche. Kalte Füße. Besser durch frische Luft, durch Aufstoßen; schlechter durch Druck.
Chamomilla
#ChamomillaNeugeboreneUnruheUnruhe mit heftigstem Schreien, Weinen. Reizbar, ärgerlich, unzufrieden, nicht zu beruhigen. Unerträgliche Schmerzen. Besser durch Herumtragen; schlechter durch Hinlegen, „Bettallergie“, „Nervensäge“.
Colocynthis
#ColocynthisNeugeboreneUnruheBauchkoliken, Nabelkoliken, krampfartig Schmerzen, kolikartig. Reizbar, ärgerlich. Schmerzen um den Nabel herum. Besserung durch Wärme, durch Druck, Zusammenkrümmen; schlechter durch Kälte.
Lycopodium clavatum
#Lycopodium clavatumNeugeboreneUnruheBlähungskoliken bei Neugeborenen, Rumoren im Abdomen; Ikterus, Lebererkrankungen. Zart, mager, unzufrieden, mit Stirnrunzeln, schreiend. Heißhunger bei rascher Sättigung. Besser durch Aufstoßen; schlechter 16 bis 20 Uhr.
Nux vomica
#Nux vomicaNeugeboreneUnruheUnruhe und Schreien nach der Mahlzeit, Neigung zum Erbrechen, Blähungskoliken bei vergeblichen Stuhldrang mit Pressen, Obstipation. Hernien. Folge von „Zuviel“, von Sedierung oder Narkose der Mutter unter der Geburt. Besser durch Absonderung, Wärme.
Okoubaka aubrevillei
#Okoubaka aubrevilleiNeugeboreneUnruheVerdauungsbeschwerden. Durchfall, Erbrechen, Übelkeit. Infektionen des Verdauungstrakts. Diarrhö nach Antibiotikagabe. Nahrungsmittelunverträglichkeit. Regulationsmittel.

Kasuistik

Kasuistik

Blähungskoliken (Monika Grasser)

Anamnese

Miriam ist ein Frühgeborenes aus der 26. SSW, inzwischen ist sie in der 35. SSW. Sie hat sich bisher gut und komplikationslos entwickelt und nimmt gut an Gewicht zu. Seit zwei Wochen leidet sie an Blähungskoliken und zeigt Phasen mit plötzlich auftretender Unruhe mit heftigstem Schreien, sie überstreckt sich nach hinten und mag nicht liegen. Sie hat viel Luft im Bauch. Beruhigen lässt sie sich kaum, erst auf dem Arm der Mutter kann sie zur Ruhe finden.

Repertorisation

→Gemüt – Ruhelosigkeit – Kindern; bei (69): acon, calc, cham, merc, rhus-t, …
→Gemüt – Schreien – Kinder; bei (65): arn, borx, lac-c, sulph, tub, …
→Gemüt – getragen – Verlangen getragen zu werden amel. (3): ant-t, cham, cina
→Allgemeines – Strecken, Ausstrecken agg. (72): calc, cham, plat, puls, ran-b, rheum, …
→Abdomen – Auftreibung – tympanitisch (97): ars, carb-v, chin, lach, phos, …
Typische Arzneien bei solcher Unruhe sind Belladonna, Chamomilla, Colocynthis und Lycopodium sowie Nux vomica. Hier passen alle Symptome am besten zu Chamomilla mit Unruhe, Schreien, Überstrecken nach hinten und Beruhigung auf dem Arm. Belladonna würde sich eher durch Liegen und Ausstrecken bessern, Colocynthis krümmt sich zusammen, Lycopodium zeigt eine Verbesserung durch Druck aufs Abdomen, und Nux vomica hat zusätzlich noch Probleme mit der Stuhlentleerung.

Verordnung und Verlauf

Miriam bekommt Chamomilla C 30 1 × 3 Globuli oral, danach bessert sich ihre Unruhe rasch. Miriams Bauch ist deutlich weniger gebläht und sie kann wieder entspannt in ihrem Bett schlafen.

Drogen- oder Medikamentenentzug

Drogen- oder MedikamentenentzugNeugeboreneDrogenentzugNeugeboreneMedikamentenentzugViele Kinder drogen- oder medikamentenabhängiger Mütter entwickeln in ihren ersten Lebenstagen einen Entzug. Oft hält die Entzugssymptomatik über mehrere Wochen an. Häufig ist eine längerdauernde medikamentöse Therapie notwendig, die mit Tinctura opii, Phenobarbital oder Chloralhydrat oder sogar mit Morphin oder Methadon durchgeführt wird. Das Ausmaß des Entzugs wird mithilfe des Finnegan-Scores bestimmt (Tab. 5.5; Finnegan et al. 1975). Bei einem Score von 12 oder mehr Punkten wird die pharmakologische Therapie empfohlen.
Durch die Gabe homöopathischer Arzneien kann die Entzugssymptomatik meist gut abgemildert werden.

Repertoriumsrubriken

Die Rubriken gehen auf das Synthesis (Schroyens 2009) zurück.
→Gemüt – Stupor (147): aeth, bell, led, nat-m, nux-v, phos, …
→Gemüt – Ruhelosigkeit – Kindern; bei (69): acon, calc, cham, merc, rhus-t, tub, …
→Gemüt – Schreien – Kinder; bei (65): arn, borx, lac-c, sulph, tub, …
→Gemüt – empfindlich – Drogen; durch (10): acon, cham, coff, lyc, nux-v, …
→Allgemeines – Anästhesie – Beschwerden durch (10): adren, hep, op, phos, plb, …
→Allgemeines – Konvulsionen – Kinder; bei – Neugeborenen; bei (4): art-v, bell, cupr, nux-v
→Allgemeines – Medikamente – allopathische – Missbrauch von – Opium (5): cham, mur-ac, nat-m, puls, verat

Homöopathische Arzneimittel

Avena sativa
#Avena sativaDrogen-/MedikamentenmissbrauchSchlafstörung, Schlaflosigkeit. Nervöse Erschöpfung und Schwäche. Folgen von Morphiumsucht, Drogenabusus.
Chamomilla
#ChamomillaDrogen-/MedikamentenmissbrauchUnruhe mit Schreien, Weinen und Jammern. Reizbar, ärgerlich, unzufrieden. Kaum zu trösten. Unerträgliche Schmerzen. Besser durch Herumtragen; schlechter durch Hinlegen, „Bettallergie“, „Nervensäge“.
Nux vomica
#Nux vomicaDrogen-/MedikamentenmissbrauchUnruhe und Schreien nach der Mahlzeit. Neigung zum Erbrechen, Blähungskoliken bei vergeblichem Stuhldrang mit Pressen. Heftiges Pressen bis zum Sauerstoffsättigungsabfall. Folge von „Zuviel“.
Opium
#OpiumDrogen-/MedikamentenmissbrauchFolgen von Schreck und Schock. Unruhe und Schlaflosigkeit nach Sedativa oder Narkose, Drogenentzugssyndrom. Große Unruhe mit heftigem Schreien, Apathie.

Kasuistik

Kasuistik

Drogenentzugssyndrom (Monika Grasser)

Anamnese

Valentin wird in der 36+1 SSW spontan geboren, APGAR 9/10/10, NS-pH 7,34, GG 2750 g. Seine Mutter war vor der Schwangerschaft (SS) drogenabhängig, während der SS wird sie mit Buprenorphin 1 mg/d substituiert. Valentin ist bei Aufnahme ins Kinderzimmer ein unauffälliger Säugling, er zeigt keinerlei Entzugssymptome. Nach wenigen Stunden wird er zunehmend unruhig, er schreit viel und lässt sich kaum beruhigen. Er ist blass, spuckt nach dem Trinken und ist sehr angespannt. Im Alter von 17 Stunden zeigt er das typische Bild eines Drogenentzugssyndroms und hat schließlich einen zerebralen Krampfanfall, der spontan sistiert.

Repertorisation

Die Rubriken gehen auf das Synthesis (Schroyens 2009) zurück.
→Gemüt – Ruhelosigkeit – Kindern; bei (69): acon, calc, cham, merc, op, rhus-t, …
→Gemüt – Schreien – Kinder; bei (65): arn, borx, lac-c, op, sulph, tub, …
→Gemüt – empfindlich – Berührung; gegen (39): acon, bell, lach, op, ther, …
→Gemüt – empfindlich – Drogen; durch (10): acon, cham, coff, lyc, nux-v, …
→Gesicht – Farbe – blass (294): ars, camph, chin, cupr, op, …
→Extremitäten – Zucken – Konvulsionen; während (1): op
→Magen – Erbrechen – Trinken; nach – agg. (84): ant-c, ars, bry, phos, op, verat, …

Verordnung und Verlauf

In der 18. Lebensstunde wird Valentin bei einem Finnegan-Score von 13 mit Opium C 200 1 × 3 Globuli oral behandelt. Bereits nach vier Stunden beträgt der Finnegan-Score bei Valentin nur noch vier. Im weiteren Verlauf erhält er Opium C 12 2 × 3 Globuli täglich in den Mund. Darunter bessert sich sein Zustand rasch und nachhaltig, er kann im Alter von zehn Tagen ohne Gabe anderer Medikamente zusammen mit seiner Mutter in eine betreute Wohneinrichtung entlassen werden.

Geburtstraumatische Verletzungen

NeugeboreneVerletzungen, geburtstraumatischeDurch die Geburt selbst kann es zu Verletzungen kommen, sei es durch einen unbeabsichtigten Schnitt des Kindes beim Kaiserschnitt, eine Verletzung des Nervus facialis oder gar eine Schädelfraktur bei der Zangengeburt oder ein ausgeprägtes Kephalhämatom bei der Saugglockenentbindung (Papanagiotou et al. 2009). Aber auch bei der spontanen Geburt kann es gerade bei langer Geburtsdauer zu einem Caput succedaneum kommen, zu einer Plexusparese oder einem Bruch des Schlüsselbeins oder des Humerus. Die Schulterdystokie, bei der das Kind am Ende der Austreibungsperiode mit der Schulter an der Symphyse der Mutter „hängen“ bleibt, kann mit schweren Verletzungen wie einem Plexus-brachialis-Ausriss oder mit einer Asphyxie einhergehen. Bei vielen dieser Geburtstraumata ist das wichtigste und erste homöopathische Mittel Arnica montana.

Repertoriumsrubriken

Die Rubriken gehen auf das Synthesis (Schroyens 2009) zurück.
→Allgemeines – Verletzungen – Knochenbrüche (59): arn, carb-ac, hyper, ruta, spig, symph, …
→Allgemeines – Verletzungen – Nerven (16): arn, cur, hyper, led, phos, …
→Allgemeines – Verletzungen – Operation – Beschwerden durch (46): acon, arn, bell, hyper, staph, …
→Allgemeines – Blutung (227): arn, bell, chin, phos, carb-v, sec, …
→Kopf – Verletzungen des Kopfes; nach – Kindern; bei – Entbindung; während der (2): carc, nat-s
→Kopf – Hämatom am Kopf (4): calc-f, merc, rhus-t, sil
→Extremitäten – Verstauchung, Verrenkung (25): arn, bry, led, rhus-t, stront-m, …

Homöopathische Arzneimittel

Die Ausführungen beziehen sich u. a. auf Imhäuser (2003) und Mateu I Ratera (2006).
Arnica montana
#Arnica montanaVerletzungen, geburtstraumatischeWichtigstes Verletzungsmittel; Hämatom oder Quetschung, mit Schmerz, Schwellung und Bluterguss. Traumatischer Schock. Fühlt sich wie zerschlagen. Besser durch Ruhe, Alleinsein.
Bellis perennis
#Bellis perennisVerletzungen, geburtstraumatischeSugillation, Prellung und Quetschung, mit Schmerz und Berührungsempfindlichkeit. Später Verhärtung des Gewebes, z. B. durch lange Geburtsdauer mit Caput succedaneum oder Kephalhämatom. Schlechter durch Berührung und kalt Baden.
Hypericum perforatum
#Hypericum perforatumVerletzungen, geburtstraumatischeErstes Mittel bei Verletzung von Nerven oder nervenreichem Gewebe, z. B. Plexusparese, Fazialisparese, Wirbelsäulen-Verletzung. Unerträgliche Schmerzen. Schlechter durch Berührung, Erschütterung.
Ruta graveolens
#Ruta graveolensVerletzungen, geburtstraumatischeSchädigung von Bändern, Sehnen und Knochen. Zerrungen, Fraktur der Clavicula, Grünholzfraktur. Zerschlagenheitsgefühl, Ruhelosigkeit; wacht leicht auf. Besser durch Ruhe und Bewegung; schlechter durch Liegen.
Staphisagria
#StaphisagriaVerletzungen, geburtstraumatischeSchnittverletzung des Neugeborenen, z. B. im Rahmen eines Kaiserschnittes. Beschwerden durch Operation. Nervös, empfindlich. Schlechter durch Ärger.
Symphytum officinale
#Symphytum officinaleVerletzungen, geburtstraumatischeVerletzung von Knochen und Knochenhaut, z. B. Humerusfraktur. Schmerzhafte Schläge und Abschürfungen; Schmerzen am Auge nach einem Schlag.

Kasuistik

Kasuistik

Kephalhämatom (Monika Grasser)

Anamnese

Pedro wird spontan in der 38+2 SSW geboren. Die Geburt dauert mit 47 Stunden sehr lange, die Austreibungsperiode beträgt dagegen lediglich zwei Stunden. Nach der Geburt fällt sofort das deutlich verformte Köpfchen auf mit massiver, subperiostaler Einblutung, begrenzt durch die Schädelnähte, vereinbar mit einem Kephalhämatom. Pedro schreit, sobald seine Mutter ihn auf den Arm nimmt; er will am liebsten in seinem Bettchen liegen und schlafen.

Repertorisation

Die Rubriken gehen auf das Synthesis (Schroyens 2009) zurück.
→Allgemeines – Blutung (227): arn, bell, chin, phos, carb-v, sec, …
→Allgemeines – Blutung – mechanische Verletzung; durch (1): arn
→Gemüt – Berührtwerden – Abneigung berührt zu werden (50): ant-c, arn, cham, kali-c, tarent, …
→Gemüt – Ruhe – Verlangen nach (23): aesc, anac, arn, bry, colch, ph-ac, stann, …
Hier wurde Arnica als wichtigstes und erstes Mittel bei einer Blutung entsprechend der bewährten Indikation gewählt, auch nach Repertorisation ist Arnica das erste Mittel, gefolgt von Belladonna, Bryonia und Lachesis.

Verordnung und Verlauf

Pedro erhält Arnica C 30 1 × 3 Globuli einmalig in den Mund. Die Verformung von Pedros Köpfchen war bereits nach wenigen Tagen nicht mehr zu sehen, das Kephalhämatom bildete sich rasch zurück. Pedro wurde entspannter und genoss das Schmusen auf dem Arm seiner Mutter. Nach insgesamt acht Wochen war vom Kephalhämatom nichts mehr zu sehen, eine sonst oft zu beobachtende Verkalkung an den Rändern war nicht zu tasten.

Literatur

AlFaleh and Anabrees, 2014

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Icterus neonatorum

Michael Drescher

Martin Hirte

Kasuistik:

Sigrid Kruse

Grundlagen

Icterus neonatorumNeugeboreneIcterus neonatorumBilirubin hat als Antioxidans eine nützliche Funktion im frühkindlichen Stoffwechsel. In hohen Konzentrationen jedoch kann der nicht an Albumin gebundene Anteil ins Gehirn des Neugeborenen diffundieren und zur Bilirubin-Enzephalopathie (Kernikterus) führen.

Einteilung und Formen

Physiologischer Ikterus
Icterus neonatorumphysiologischerMehr als jedes zweite Neugeborenen entwickelt in den ersten Lebenstagen einen sichtbaren Ikterus (physiologischer Icterus neonatorum) mit Bilirubinwerten über 5 mg/dl (85 µmol/l). Bei 2–12 % aller reifen Neugeborenen wird am dritten Lebenstag sogar ein Wert von 17 mg/dl überschritten (Maisels 1996). Ursachen sind die vermehrte Bilirubinproduktion durch die kurze Lebenszeit fetaler Erythrozyten, eine verminderte Aktivität der Glukuronyltransferase und eine gesteigerte enterohepatische Zirkulation. Muttermilch hemmt den Bilirubinabbau zusätzlich, sodass gestillte Kinder durchschnittlich höhere Bilirubinwerte aufweisen als nicht gestillte Kinder.
Der häufige frühe StillikterusStillikterusfrüher (Early breastfeeding jaundice) ist allerdings eher auf zu seltenes Füttern und nächtliche Stillpausen zurückzuführen. Die dadurch verzögerte Darmpassage hat eine verminderte Bilirubinausscheidung mit dem Stuhl zur Folge. Die frühe Form des Stillikterus kommt daher v. a. bei Kindern vor, die in den ersten Lebenstagen seltener als acht- bis neunmal genährt werden (De Carvalho, Klaus et al. 1982).
Der späte Stillikterus (Late breastfeeding jaundice) tritt bei bis zu 2,5 % der voll gestillten Kinder auf und ist eine häufige StillikterusspäterUrsache des Icterus prolongatusIcterus prolongatus. Gestillte Kinder erreichen dreimal so häufig wie künstlich ernährte Kinder einen Bilirubinspiegel über 12 mg/dl (205 µmol/l) und sechsmal so häufig einen Spiegel über 15 mg/dl (255 µmol/l) (Schneider 1986). Aus unbekannten Gründen steigt dadurch jedoch nicht die Gefahr eines Kernikterus (Feist 2000). Neugeborene ohne Risikofaktoren haben offensichtlich eine hohe Toleranz gegenüber einer Hyperbilirubinämie und entwickeln erst bei exzessiven Werten (> 31,4 mg/dl) neurologische Symptome (Gamaledin et al. 2011).

Info

  • Der physiologische Ikterus ist immer eine Ausschlussdiagnose. Bei Frühgeborenen und schlecht gedeihenden, „septischen“ oder anderweitig auffälligen Kindern ist weiterführende Diagnostik angezeigt, ebenso bei acholischen Stühlen.

  • Gut gedeihende Stillkinder mit Ikterus bis in die vierte Lebenswoche hinein bedürfen in der Regel weder weiterer Diagnostik noch Therapie.

  • Bei einem Icterus prolongatus von vier oder mehr Wochen Dauer muss jedoch durch Bestimmung des direkten Bilirubins eine extrahepatische Gallengangsatresie ausgeschlossen werden, da sich die Prognose bei Operation nach der sechsten Lebenswoche deutlich verschlechtert.

Pathologischer Ikterus
Ein Icterus neonatorumpathologischerpathologischer Ikterus kann auftreten als
  • Icterus praecoxIcterus praecox: sichtbarer Ikterus in den ersten 24 Lebensstunden (oft durch Morbus haemolyticus neonatorum) und/oder

  • Icterus gravisIcterus gravis: pathologische Bilirubinerhöhung ab dem zweiten Lebenstag und/oder

  • Icterus prolongatusIcterus prolongatus: Ikterus länger als drei Wochen (bei Frühgeborenen > 14 Tage); pathologisch bei Cholestase-Symptomen, Hypothyreose und Hämolyse.

Risikokinder für einen pathologischen Ikterus mit möglicher neurologischer Schädigung sind Reifgeborene mit perinatalen Komplikationen (Mangelgeburt, Sepsis, Anämie, ABO-Inkompatibilität) und Frühgeborene. Begünstigend wirken auch verschiedene an Mutter oder Kind verabreichte Medikamente, u. a. Oxytocin, Narkotika, Beruhigungsmittel. Zu den Ursachen des pathologischen Ikterus Tab. 5.6.
Zur Risikoabschätzung für das Auftreten einer behandlungsbedürftigen Hyperbilirubinämie (Abb. 5.5).
Kernikterus
KernikterusPathologisch erhöhte Konzentrationen von indirektem Bilirubin können zu einem Kernikterus mit bleibenden Hirnschäden oder zum Tod durch Ateminsuffizienz führen. Die Häufigkeit liegt bei 1: 100 000 bis 1: 1 Million (AWMF 2015). Klinische Frühzeichen sind Trinkschwäche, Lethargie und Muskelhypotonie. Im fortgeschrittenen Stadium kommt es zu schrillem Schreien, muskulärer Hypertonie (Opisthotonus), Fieber, Apnoen und Krampfanfällen. Mögliche Spätschäden sind Zerebralparese, sensorineurale Hörstörung, globale Sprachentwicklungsstörung, Intelligenzminderung und Autismus-Spektrum-Störung.
Seit Einführung der Rhesusprophylaxe treten Fälle von Kernikterus fast ausschließlich bei Kindern ohne routinemäßig erfasste Risikofaktoren auf: „Wie beim Stoffwechselscreening geht es um die Früherkennung einer Krankheit, die die körperliche und geistige Entwicklung der Kinder bei nicht rechtzeitig eingeleiteter Therapie in erheblichem Maße gefährdet. Die rechtzeitige Erkennung und Behandlung einer extremen Hyperbilirubinämie gehört zu den gemeinsamen Aufgaben aller an der Betreuung eines Neugeborenen beteiligten Einrichtungen und Berufsgruppen und kann als Prüfstein für die Qualität ihrer Zusammenarbeit gelten“ (AWMF 2015).
Frühgeborene (5.2) unterliegen einem besonders hohen Risiko von Schäden durch Bilirubin; neurologischer Entwicklungsrückstand (5.14) und zentrale Hörschäden korrelieren bei ihnen stark mit den Bilirubinwerten in den ersten Lebenstagen (Oh et al. 2003).

Diagnostik

Das Ausmaß des Ikterus kann bei guten Lichtverhältnissen an der Farbe der Skleren oder an einer Druckstelle auf der Haut (Fingerdruck, Stethoskop) grob eingeschätzt werden. Mit steigenden Bilirubinwerten breitet sich der Gelbton vom Kopf zu den Extremitäten hin aus. Die optische Einschätzung ist jedoch unsicher; v. a. eine dunklere Hautfarbe kann zur Fehlinterpretation führen.
In jedem Zweifelsfall muss die objektive Messung des Gesamtbilirubins erfolgen. Von vielen Hebammen wird die transkutane Bilirubinmessung als Screeningmethode eingesetzt. Sie ist aussagekräftiger als die visuelle Beurteilung und empfiehlt sich auch für Kinderärzte, die die U2 nach Hausgeburten durchführen.
Bei transkutanen Bilirubinwerten oberhalb der 75er Perzentile sollte zur Sicherheit eine zusätzliche Bestimmung aus Serum oder Kapillarblut erfolgen. Auch anlässlich des Stoffwechseltests kann bei ikterischen Kindern eine kapillare Bilirubinbestimmung durchgeführt werden. Die Messung des direkten Bilirubins ist bei Cholestasezeichen oder bei einem Icterus prolongatus über die vierte Woche hinaus indiziert (Tab. 5.7).

Prophylaxe und Therapie

Nach den US-amerikanischen Leitlinien soll jedes Neugeborene in den ersten Lebenstagen zwei- bis dreimal täglich auf Zeichen eines Ikterus angesehen werden (AAP 2004).
Zur Prophylaxe und Therapie des Stillikterus ist jeder stillwilligen Mutter zu empfehlen, ihr Kind in den ersten Lebenstagen acht- bis zwölfmal anzulegen. Gaben von Wasser oder Tee haben keinen Einfluss auf den Bilirubinspiegel und entmutigen die stillende Mutter. Auch der Ersatz von Muttermilch durch künstliche Babynahrung hat bei all seinen Nachteilen höchstens einen marginalen Effekt auf den Ikterus.
Phototherapie
ZurIcterus neonatorumPhototherapie Therapie des pathologischen Ikterus stehen die Phototherapie (blaues Licht von 440–490 nm Wellenlänge) und die Austauschtransfusion zur Verfügung. Die Indikation für diese Maßnahmen richtet sich – mit einem gewissen subjektiven Spielraum – nach der Reife des Kindes, nach den Befunden von Anamnese und klinischer Untersuchung und nach den allgemein akzeptierten Tabellen. Für Frühgeborene sind die Kriterien strenger und auf jeder Intensivstation nachzulesen.
Die aktuellen Leitlinien empfehlen folgenden vereinfachten Algorithmus (AWMF 2015):
  • Bei unkomplizierten Fällen (Reifgeborene ohne Hämolysehinweis) beträgt ab einem Lebensalter von 72 h die Phototherapie-Grenze 20 mg/dl (340μ M).

  • Bei einem Gestationsalter von weniger als 38 Wochen gilt: Phototherapie-Grenze in mg/dl = aktuelles Gestationsalter (in Wochen) – 20.

Phototherapie führt in der Regel zu einem Abfall des Bilirubins um 6 bis 20 % in den ersten 24 Stunden (AAP 2004). Auch die Bestrahlung mit Sonnenlicht wäre effektiv, empfiehlt sich aber wegen der UV-Licht-Belastung und Sonnenbrandgefahr nicht.
Mögliche Nebenwirkungen der Phototherapie sind Wasser- und Elektrolytverluste, Exanthem, Diarrhö und Retinaschäden. Kinder mit hohem direkten Bilirubin können unter Phototherapie das reversible „Bronze baby syndrome“ durch Bildung von Kupferporphyrinen entwickeln. Die Trennung von der Mutter und die häufigen Blutentnahmen bedeuten frühkindlichen Stress mit möglichen Langzeitfolgen (Lajud et al. 2015). Mögliche Auswirkungen auf die Mutter sind die sinkende Motivation zum Stillen und das „Vulnerable child syndrome“ – eine Beziehungsstörung durch das Gefühl, ein krankes, verletzliches Kind zu haben (Kemper et al 1989).
Austauschtransfusionen
Austauschtransfusionen, IkterusIndikationen für eine Austauschtransfusion bei reifen Neugeborenen sind Bilirubinwerte über 30 mg/dl, aber auch Werte über 25 mg/dl, die sich nicht durch intensive Phototherapie rasch senken lassen (in den meisten Fällen kommt es zu einem prompten Bilirubinabfall unter der eingeleiteten Phototherapie); außerdem klinische Zeichen einer akuten Bilirubinenzephalopathie. Bei konsequenter Therapie ist bei Bilirubinwerten bis 30 mg/dl nicht mit einem Kernikterus zu rechnen; (AWMF 2015).
Austauschtransfusionen sind ein riskantes Therapieprinzip. In 5 % der Fälle gehen sie mit Komplikationen einher wie Apnoe/Bradykardie, Zyanose, Vasospasmus, Thrombose oder nekrotisierender Enterokolitis. Seltenere Komplikationen sind die hypoxisch-ischämische Enzephalopathie und durch Blutprodukte übertragene Erkrankungen wie AIDS. Bis zu drei von 1000 Kindern sterben in Folge der Behandlung. Ein besonders hohes Risiko haben Frühgeborene mit einem Geburtsgewicht unter 1000 g, für die dringend neue Behandlungskonzepte entwickelt werden müssen (Tyson et al. 2012).

Homöopathische Behandlung

Von homöopathischer Seite kann der Bilirubinabbau begleitend und zusätzlich zu den ggf. notwendigen klinischen Maßnahmen positiv beeinflusst und beschleunigt werden. Schon in der älteren Literatur nach Hahnemann werden eine Reihe passender Mittel genannt, die – natürlich noch in Unkenntnis der pathophysiologischen Zusammenhänge – rein durch gute Beobachtungsgabe und Berücksichtigung der Modalitäten gefunden wurden. Die Zunahme an Erfahrungen aus Entbindungsabteilungen, in denen homöopathisch mitbehandelt wird, bereichern die Erkenntnisse bei dieser Indikation. In der Hauptrubrik im Complete Repertory werden 48 Mittel aufgeführt, das Synthesis nennt 16 homöopathische Arzneimittel.

Repertoriumsrubriken

→Haut – Verfärbung – gelb, Gelbsucht, Ikterus – Neugeborenen, bei (48): acon, bov, card-m, cham, chel, chin, lup, lyc, merc, merc-d, nat-s, nux-v, phos, podo, sep, sulph, …
→Haut – Farbe – gelb – Neugeborene (16): acon, astac, bell, bov, cham, chel, elat, lup, merc, merc-d, myric, nat-s, ph-ac, podo, sep, toxo-g
Die Repertorisation des Neugeborenenikterus aus der individuellen Situation heraus ist nicht einfach da oft andere hilfreiche Symptome fehlen. In homöopathisch begleiteten Neugeborenenabteilungen haben sich in solchen Fällen mitunter auch Standardverordnungen z. B. von China C30 oder Phosphorus C30 bewährt (Palasser 1994). Auch beim physiologischen Ikterus, der keine strenge Behandlungsindikation darstellt, kann die homöopathische Behandlung die Rückbildung beschleunigen, den Leberstoffwechsel entlasten, das allgemeine Wohlbefinden und die Trinkfreudigkeit steigern.

Homöopathische Arzneimittel

Aconitum napellus
#Aconitum napellusIcterus neonatorumWird unter der Vorstellung des Schocks der Geburt gegeben, dem Herausgerissen-werden aus dem warmen, vertrauten intrauterinen Milieu, der Einwirkung von plötzlicher Abkühlung, Licht, fremden Geräuschen und Empfindungen. Ein Mittel für Mutter und Neugeborenes bei perinatalen Komplikationen, besonders auch nach Sectio und Notsectio. Bei dieser Indikation empfiehlt sich die Gabe einer 1000er Potenz. Aconitum ist ein Anfangsmittel, dem man bei Bedarf weitere Mittel nachfolgen lassen kann.
→Gemüt – Angst – Entbindung, während – gewiss etwas schiefgehen, es werde (1): acon
→Gemüt – Lamentieren, Beklagen, Jammern – Schmerzen, aufgrund von – Entbindung, während (1): acon
→Gemüt – Ruhelosigkeit, Nervosität – allgemein – Entbindung, bei (12): acon, arn, ars, camph, cham, rhus-t…
→Weibliche Genitalien – Entbindung, während [CD2016] (87): acon, arn, ars, bell, bry, cham chin, lach, nux-v, puls, sep, …
→Weibliche Genitalien – Entbindung, während – Konvulsionen, Eklampsie, anfangs (1): acon
→Weibliche Genitalien – Foetus – Lageanomalie (3): acon, arn, puls
Carduus marianus, Chelidonium, Solidago, Taraxacum
#Chelidonium majusIcterus neonatorum#Carduus marianusIcterus neonatorum#Taraxacum officinaleIcterus neonatorumDiese Drainagemittel mit organotropem Bezug zum Leber-Gallestoffwechsel eignen sich auch für eine den verlängerten Ikterus begleitende Kur in niedrigen Potenzen ab D3.
→Abdomen – Leber und Leberregion, Beschwerden von (195)
→Abdomen – Atrophie – Leber (41): acon, calc, chel, chin, lyc, merc, nat-s, …
→Haut – Verfärbung – gelb, Gelbsucht, Ikterus – Lungensymptomen, mit (3): card-m, chel, hydr
Ceanothus americanus
#Ceanothus americanusIcterus neonatorumBei gleichzeitiger (Hepato-)Splenomegalie.
→Abdomen – Schwellung – allgemein – Leber (81):
→Abdomen – vergrößert – Milz (70):
→Haut – Verfärbung – gelb, Gelbsucht, Ikterus (191)
Chamomilla
#ChamomillaIcterus neonatorumGequält wirkende Neugeborene.
→Haut – Verfärbung – gelb, Gelbsucht, Ikterus – Abdomen, mit juckendem (1): cham
→Gemüt – Angst – Neugeborenen, bei (2): acon, cham
→Brust – Knoten – Mammae – Neugeborenen, bei (1): cham
→Schlaf – gestört – Neugeborenen, bei (1): cham
China officinalis
Steht #China officinalisIcterus neonatorumStörungen im Bereich Leber und Galle sehr nahe und ist gleichzeitig ein Mittel für die Folgen eines großen Flüssigkeitsverlustes, den man infolge der Abnabelung vom mütterlichen Kreislauf unterstellen kann. Wichtigstes Mittel für Hämolyse-Ikterus bei Blutgruppen- und Rhesusfaktorunverträglichkeit. Es muss unter Umständen mehrmals in C30 oder höher gegeben werden (Graf 1991).
→Haut – Verfärbung – gelb, Gelbsucht, Ikterus – Verlust von Körperflüssigkeiten, durch (1): chin
Elaterium
#ElateriumIcterus neonatorumEin Mittel mit neuralgischen Symptomen und dyspeptischen Beschwerden. Im Repertorium mit folgenden Symptomen als jeweils einziges Mittel genannt:
→Haut – Verfärbung – gelb, Gelbsucht, Ikterus – Neugeborenen, bei – Stuhl, mit biliösem (1): elat
→Haut – Verfärbung – gelb, Gelbsucht, Ikterus – orangefarben (1): elat
Lycopodium clavatum
#Lycopodium clavatumIcterus neonatorumLebermittel. Folgemittel von China und ebenfalls bei unzufriedenen Neugeborenen eine Option, besonders bei Blähungsneigung, Schreien ab 16:00 Uhr bis 20:00 Uhr, Stirnrunzeln. Säuglingsschnupfen. Icterus prolongatus.
→Haut – Verfärbung – gelb, Gelbsucht, Ikterus – Flatulenz, mit (7): carb-v, cham, chin, ign, lyc, nux-v, plb
→Haut – Verfärbung – gelb, Gelbsucht, Ikterus – Harnwegssymptomen, mit (7): carb-v, cham, chin, ign, lyc, nux-v, plb
→Gesicht – faltig, runzlig – allgemein – Augen – zwischen den, vertikal (5): calc, lyc, nat-m, nux-v, sep
Natrium sulfuricum
#Natrium sulfuricumIcterus neonatorumMittel bei Lebererkrankungen. Besonders geeignet für Neugeborene mit Ikterus und Kephalhämatom.
→Kopf – Verletzungen (59):
→Abdomen – Kongestion, Blutandrang – chronisch, Leber (14): am-m, cact, chol, con, hep, iod, kali-c, lept, lyc, nat-s, podo, sel, sep, vip
Nux vomica
#Nux vomicaIcterus neonatorumIst indiziert bei Folgen medikamentöser Behandlung der Mutter mit Wehenmitteln, Sedativa oder Narkotika. Weitere Indikationen:
→Nase – Laufnase, chronischer Schnupfen – Säuglingen und Kleinkindern, bei – Neugeborene (7): calc-l, dulc, lyc, merc, nux-v, puls, samb
→Abdomen – Hernie – allgemein – Leistenregion – Kindern, Neugeborenen, bei (12): acon, calc, cham, lyc, nux-v, op, sil, stann, sulph,
→Rektum – Obstipation – allgemein – Kindern, Neugeborenen, bei (6): croc, nux-v, op, sulph, zinc
→Allgemeines – Konvulsionen, Spasmen – Kindern, Neugeborenen, bei (34)
Opium
#OpiumIcterus neonatorumFolgen medikamentöser Analgesie der Mutter. Opium hat einen besonderen Bezug zur Perinatologie, welcher sich in folgenden beispielhaft aufgeführten Rubriken widerspiegelt.
→Haut – Verfärbung – gelb, Gelbsucht, Ikterus – Schreck, durch (3): acon, cham, op
→Gesicht – Ausdruck – altes Aussehen – Neugeborenen, bei (2): nat-m, op
→Rektum – Obstipation – allgemein – Kindern, bei – Neugeborene (6): bac, croc, nux-v, op, sulph, zinc
→Atmung – Asphyxie – scheintot – Neugeborenes (20): acon, ant-t, arn, ars, bell, camph, chin, crot-h, cupr, laur, op, …
→Schlaf – Schlaflosigkeit – allgemein – Neugeborenen, bei (7): bell, cham, coff, cypr, op, psor, sulph
Phosphorus
#PhosphorusIcterus neonatorumStarker Bezug zu Lebererkrankungen. Neben China wichtigstes Mittel bei hämolytischem Ikterus. Pennekamp erwähnt es auch bei Narkose der Mutter.
→Haut – Verfärbung – gelb, Gelbsucht, Ikterus – Anämie, mit (1): phos
→Haut – Verfärbung – gelb, Gelbsucht, Ikterus – Begleiterscheinung, als (1): phos
→Haut – Verfärbung – gelb, Gelbsucht, Ikterus – hämatogen (1): phos
→Haut – Verfärbung – gelb, Gelbsucht, Ikterus – maligne (13): acon, ars, ars-i, chel, chin, crot-h, dig, dol, elaps, lach, merc, phos, pic-ac
Sepia
#SepiaIcterus neonatorumFälle von nicht-hämolytischem Ikterus. Sepia kann hier als bewährte Indikation gelten, insbesondere, wenn Sepia das Konstitutionsmittel der Mutter ist. Dieser Rückbezug ist bei der Behandlung von Früh- und Neugeborenen immer eine Überlegung wert.
→Haut – Verfärbung – gelb, Gelbsucht, Ikterus – Stellen, umschriebene (36)
→Haut; Gelbe, Gelbsucht, Ikterus; Flecke [CD2006] (71): merc, lyc, sep, nit-ac, phos, lach, …
Sulphur
#SulphurIcterus neonatorumBewährte Indikation, wenn keine hinweisenden Symptome vorhanden sind. Ausleitmittel, wenn die Mutter allopathische Medikamente, z. B. Antibiotika bekommen hat.
→Haut – gelbe, Gelbsucht, Ikterus – chronisch (6): aur, chel, con, iod, phos, sulph
→Allgemeines – Medikamente, allopathische Medizin – überempfindlich gegen (18): acon, arn, asar, cham, chin, coff, cupr, ign, lyc, nit-ac, nux-v, ph-ac, puls, sep, sil, sulph, teucr, valer
Thyreoidinum
#ThyreoidinumIcterus neonatorumDen Bezug dieser auf vielen Ebenen wirkenden Organnosode zur Perinatologie hat Laborde dargestellt: Folgen von Schwangerschaftsgestose und Eklampsie für Mutter und Kind. Früh- oder Mangelgeborenes, primordialer Minderwuchs. Icterus neonatorum mit Erbrechen. Anhaltende Diarrhö beim Neugeborenen. Neugeborenenkrämpfe. In der Familienanamnese Diabetes, Allergien. Im Repertorium speziell beim juckenden Ikterus aufgeführt, zu dem auch Chamomilla (s. o.) gehört.
→Haut – Verfärbung – gelb, Gelbsucht, Ikterus – juckend (2): dol, thyr
→Haut – Juckreiz – Ikterus, bei (7): dol, hep, myric, pic-ac, ran-b, thyr, trinit

Kasuistik

Kasuistik

Icterus neonatorum (Sigrid Kruse)

Anamnese

Im Dezember 2003 wurden die vier Tage alten Zwillinge der 35+2 SSW, die beiden Brüder Hansa und Sinat, aus der Geburtsklinik ins Kinderspital verlegt. Hansa war spontan mit einem Geburtsgewicht von 2170 g und einer Länge von 45,3 cm geboren worden. Sinat kam per Vakuumextraktion und hatte ein Geburtsgewicht von 2110 g und eine Geburtslänge von 46 cm. Postpartal entwickelte er ein deutliches Kephalhämatom frontoparietal links. Die Verlegung erfolgte wegen Frühgeburtlichkeit, Hyperbilirubinämie und rezidivierender Bradykardien mit Apnoen. Bei Aufnahme wogen beide Kinder 1990 g. Hansa hatte ein Bilirubin von 14,2 mg/dl, Sinat ein Bilirubin von 16,2 mg/dl (davon direktes Bilirubin 0,7 mg/dl). Beide Kinder lagen unter der Grenze zur Phototherapie, Sinat allerdings nur ganz knapp.

Verordnung und Verlauf

Sinat erhielt zunächst eine Einzelgabe Arnica C 200 wegen des Kephalhämatoms nach Vakuumextraktion. Einige Stunden später wurde wegen der Hyperbilirubinämie eine Einzelgabe Phosphorus C 30 gegeben. Daraufhin sank das indirekte Bilirubin bis zur nächsten Kontrolle nach 12 Stunden auf 8,3 mg/dl. Wegen erneutem Anstieg auf 14,3 mg/dl wurde Phosphorus C30 ein zweites Mal gegeben. Danach sank das Bilirubin stetig bis auf einen Wert von zuletzt 3,9 mg/dl nach zehn Tagen.
Auch Sinats Bruder Hansa erhielt am Aufnahmetag wegen der Hyperbilirubinämie eine Einzelgabe Phosphorus C 30. Seine Bilirubinwerte fielen stetig, aber deutlich langsamer als bei seinem Bruder: Nach 12 Stunden wurde ein Wert von 13,9 mg/dl gemessen, nach fünf Tagen 11,9 mg/dl und bei Entlassung hatte er ein Bilirubin von 6,9 mg/dl.
Beide Kinder benötigten somit keine Phototherapie.

Beurteilung

Phosphorus C 30 ist bei Icterus neonatorum nach Dorcsi das bewährteste Arzneimittel. Das hat sich auch in der Beobachtungsstudie von Pallasser (1994) bestätigt, der in einer Geburtsklinik in Salzburg allen Neugeborenen mit Icterus neonatorum Phosphorus C 30 gegeben hatte und dadurch die Rate an Phototherapien und Austauschtransfusionen im Vergleich zu einer Nachbarstation signifikant reduzieren konnte.

Literatur

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AAP (American Academy of Pediatrics Subcommittee on Hyperbilirubinemia) Management of hyperbilirubinemia in the newborn infant 35 or more weeks of gestation Pediatrics 114 1 2004 297 316

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AWMF. Hyperbilirubinämie des Neugeborenen – Diagnostik und Therapie. S2k-Leitlinie der Gesellschaft für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin (GNPI) in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), der Deutschen Gesellschaft für Perinatalmedizin (DGPM) und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG). 31.8.2015, AWFM-Register-Nr. 024/007.

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V.K. Bhutani L. Johnson E.M. Sivieri Predictive ability of a predischarge hour-specific serum bilirubin for subsequent significant hyperbilirubinemia in healthy term and near-term newborns Pediatrics 103 1 1999 6 14

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J. Lamothe New rubrics in paediatrics – with additions from clinical experience Homoeopathic Links 15 2002 121 122

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H. Leduc Kranke Kinder homöopathisch behandeln 1990 Droemer Knaur München

Pallasser, 1994

H. Pallasser Die Beeinflußbarkeit des Icterus neonatorum durch Phosphorus C30 M. Dorcsi F. Swoboda Documenta homoeopathica 14 1994 299 303

Pennekamp, 1999

H. Pennekamp Kinder-Repertorium 2. A. 1999 MDT-Verlag Osten-Isensee

Zandvoort and Grinsen, 2016

R v Zandvoort E. Grinsen Complete Dynamics Repertory (CD) Masterversion www.completedynamics.com 2016

Gedeihstörung

Herbert Pfeiffer

Grundlagen

Klinik

Damit verbunden sind bei chronischem Verlauf Beeinträchtigungen des Längen- und evtl. auch Schädelwachstums und entsprechend eine Verzögerung der somatischen und damit verbundenen motorischen und psychosozialen Entwicklung (5.14), bei älteren Kindern auch eine verzögerte Pubertätsentwicklung.
Neben der messbaren relativen Abnahme von Körpergewicht und meist auch Körperlänge bzw. -höhe finden sich klinische Zeichen der Unterernährung: Mangel an Unterhautfettgewebe, gering ausgebildete Muskulatur; Greisengesicht, Tabaksbeutelgesäß, ein prominentes Abdomen (v. a. bei Malabsorptionssyndromen), trockene Haut und spärliches Haar. Gedeihstörungen haben einen chronischen Verlauf, können aber zu akut bedrohlichen Zuständen führen.

Info

Bei anhaltender Gedeihstörung drohen irreversible somatische, intellektuelle und emotionale Entwicklungsverzögerungen.

Ätiologie

Gedeihstörung ist ein deskriptiver Begriff und keine Diagnose. Sie ist Folge unterschiedlichster organischer und nichtorganischer Krankheiten, die charakterisiert sind durch folgende Symptome:
  • Unzureichende Nahrungsaufnahme (Inappetenz, Erbrechen)

  • Mangelnde Resorption von Nährstoffen (Malabsorption, chronische Diarrhö) und/oder

  • Gesteigerten Energieumsatz

Im Säuglingsalter sind die körperlichen Ursachen vorherrschend, bis hin zu Pubertät nehmen psychische Ursachen an Bedeutung zu (v. a. Pubertätsmagersucht). Psychosoziale Ursachen sind v. a. bei Kindern von Bedeutung, die unter ungünstigen sozioökonomischen Verhältnissen aufwachsen.
Unter den organischen Ursachen dominieren die gastrointestinal- und ernährungsbedingten Erkrankungen. Auch eine Reihe anderer Krankheiten können zur Gedeihstörung führen.

Diagnostik

Kinder mit unklarer Gedeihstörung sind eine große diagnostische Herausforderung. Die Abklärung der Ursache gelingt oft nur in Zusammenarbeit mit spezialisierten Ambulanzen (Tab. 5.9, Tab. 5.10).
  • Im Vordergrund steht die ausführliche Anamnese mit genauer Bestimmung der Größen- und Gewichtsentwicklung (Vorsorgeheft) und Fragen nach Ernährung (Anzahl der Fütterungen, Stuhlfrequenz, evtl. Ernährungsprotokoll und Berechnung der Kalorienzufuhr), möglichen Grunderkrankungen, Erbrechen und Stuhlbesonderheiten. Auch die psychosoziale Anamnese ist von großer Wichtigkeit.

  • Die körperliche Untersuchung dient neben der Suche nach der Ätiologie auch der Ermittlung der Entwicklungsdefizite und des Ausmaßes der Unterernährung. Aus Anamnese und klinischem Befund kann oft schon eine Verdachtsdiagnose gestellt werden.

  • Die Basislaboruntersuchung sollte umfassen: Differenzialblutbild, CRP, Immunglobuline, Eisen, Ferritin, Transferrin, Zink, Eiweiß, Albumin, Elektrophorese, Elektrolyte, Harnstoff, Kreatinin, Phosphor, AP, Leber- und Nierenwerte, Blutzucker, Schilddrüsenhormone, TSH, Vitamine (B12, D), Ammoniak und Blutgase.

  • Neben der Urinuntersuchung (evtl. auch auf organische Säuren und Aminosäuren) ist meist auch eine abdominale Sonografie angezeigt (Ausschluss von Harntransportstörungen, Hiatushernie, Veränderungen an Leber und im Darmbereich).

  • Spezielle klinische und anamnestische Hinweise führen zu Untersuchungen wie z. B.:

    • Schweißtest

    • Stuhluntersuchung: Calprotektin, Elastase, pH, Stuhlausnutzung (Fett, Zucker, Eiweiße), pathogene Keime, Parasiten, Blut

    • Anti-Transglutaminase-IgA (und Gesamt-IgA), RAST/EAST auf verdächtige Lebensmittel, v. a. Kuhmilchprotein

    • pH-Metrie, H2-Atemtest, Gastroskopie, Mukosabiopsie, Röntgenuntersuchungen des Magen-Darmtrakts

    • Abklärung von neurologischen Erkrankungen (Schädelsonografie, Augenhintergrund)

    • Abklärung endokrinologischer Erkrankungen (v. a. Wachstumshormonmangel)

    • Röntgen: li. Handwurzel (Knochenalter n. Peyle-Greulich)

Bei bereits intrauterin beginnender Gedeihstörung mit Mikrozephalie ist zusätzlich eine Untersuchung auf Infektionen während der weiteren Schwangerschaft (TORCH-Screening), Chromosomenanomalien und eine Syndromdiagnostik angezeigt.

Konventionelle Therapie

Symptomatische Behandlung

In der Akutphase einer schweren Gedeihstörung ist eine konsequente Realimentation angezeigt, im Bedarfsfall auch stationär, etwa mit Sondenernährung oder bei schwerer Malabsorption mit längerfristiger parenteraler Ernährung. Bei exokriner Pankreasinsuffizienz (z. B. bei Mukoviszidose) ist die Substitution mit Pankreasenzymen erforderlich. Gelegentlich besteht die Notwendigkeit, einzelne besonders betroffene Nahrungsbestandteile (Vitamine, Eisen, Zink, Spurenelemente) zusätzlich zu substituieren.

Kausale Behandlung

Wesentliches Ziel der Therapie ist die Behandlung der Grunderkrankung. Eine kausale Therapie ist z. B. möglich bei bakteriellen oder parasitären Infektionen und bei kinderchirurgischen Problemen wie Stenosen im Verdauungstrakt. Bei Nahrungsmittelintoleranzen sind spezielle Diäten notwendig, bei Fehlernährung muss eine ausführliche Ernährungsberatung erfolgen. Liegt der Gedeihstörung eine psychosoziale Ursache zugrunde, so ist eine umfassende Betreuung durch Kinderpsychologen und Sozialpädagogen unter Mitbehandlung der Eltern bzw. Familie notwendig.

Medikamentöse Therapie

Sie ist erforderlich bei entsprechenden Grunderkrankungen wie endokrinologischen Erkrankungen oder chronisch entzündlichen Darmerkrankungen.

Chirurgische Therapiemaßnahmen

Die Notwendigkeit chirurgischer Intervention besteht bei bestimmten Grunderkrankungen wie z. B. Gaumenspalte, Herzfehler, chronische Leberinsuffizienz, Darmstenose, Urogenitalfehlbildung u. a.

Primäre und sekundäre Prävention

Schulung und Nachsorge sind, abhängig von der Grunderkrankung, notwendig und auch geeignet, Spätschäden zu verhüten (Black et al. 1995). Weitere Maßnahmen sind Vorsorgeuntersuchungen, Elternaufklärung, Entwicklungstests, Frühförderung, ambulante Pflegehilfe, Betreuung im sozialpädiatrischen Zentrum, Zusammenarbeit mit Elternvereinen und Selbsthilfegruppen.

Homöopathische Behandlung

Nach Klärung der Diagnose und Einleitung der Notfallmaßnahmen, der alimentären enteralen oder parenteralen Versorgung und der notwendigen allopathischen Medikation erfolgt die symptomorientierte homöopathische Behandlung. Bei akuter Erkrankung erfolgt zunächst die Behandlung der akuten Krankheit mit einem Simile und anschließend die konstitutionelle Behandlung.

Repertoriumsrubriken

Entwicklungsstörung
RepertoriumsrubrikenGedeihstörungGemüt – Entwicklung, kindliche – Entwicklungsstillstand (24): agar, bar-c, calc, calc-p, carc, cupr, phos, vip, …
→Gemüt – sprechen – langsam, lernt (22): agar, bar-c, bell, calc, calc-p, med, nat-m, sanic, sil, …
→Allgemeines – gehen – gehen lernen, laufen lernen – spätes (36): agar, bar-c, calc, calc-p, caust, nat-m, sanic, sil, …
→Allgemeines – Gehen – verspätete Knochenentwicklung (4): calc, calc-f, calc-p, sil
→Allgemeines – Entwicklungsstillstand (25): bar-c, bufo, calc, calc-p, phos, sil, …
→Gemüt – Entwicklung – geistige – gehemmt, Stillstand [Complete Repertory] (12): agki-p, aur, bac, bar-c, calc-p, chap, nitro-o, per, syph, thuj, toxo, tub
→Gemüt – retardierte Kinder [Complete Repertory] (16): arg-n, aur, bar-c, calc, calc-p, carbn-s, carc, iod, lyc, med, merc, plb, sil, sulph, tub
→Mangelgeburt [Repertory]: abrot, calc, carc, hell, kali-c, lyc, med, merc, nat-m, phos, sil, sulph, thuj tub (Pennekamp)
Allgemeine Störungen
→Kopf – Gehirnblutung (65): acon, bell, gels, lach, op, …
→Kopf – Hydrozephalus (85): apis, calc, sil, …
→Rücken – Spina bifida (29): calc, psor, sil, …
→Allgemeines – Konvulsionen – Hydrozephalus, mit (12): art-v, calc, merc, zinc, …
Meningitis
Säuglinge mit MeningitisSäuglingeMeningitis können evtl. nur durch einen schlechten Allgemeinzustand mit Apathie und Fieber auffallen. Sie können außerdem berührungs- und lichtempfindlich, unleidig und quengelig sein, sie können erbrechen und die Nahrungsaufnahme verweigern (7.10, 7.11). Das Gleiche gilt auch für die Mastoiditis.
→Kopf – Entzündung – Gehirn (= Gehirnentzündung, Enzephalitis) (91): bell, hell, op, …
→Kopf – Entzündung – Hirnhaut – (= Hirnhautentzündung, Meningitis) (84): bell, hell, stram, zinc, …
→Ohr – Karies, drohende – Processus mastoideus (29): aur, caps, sil, …
→Fieber – Continua – zerebral (19): apis, hyos, stram, …
→Fieber – intermittierendes, chronisches Fieber, Wechselfieber – maskiert (16): apis, sep, tarent, tub, …
Abwehrschwäche
→Allgemeines – Erkältung – Erkältungsneigung – Kindern, bei (4): bar-c, calc-i, carc, sep, …
Verhalten
→Gemüt – Delirium – apathisch (2): ph-ac, verat
Haltung
→Kopf – Halten – hoch, aufrecht zu halten, unfähig, den Kopf (48): calc-p, gels, op, puls, sil, verat, …
→Allgemeines – Erschlaffung – Bindegewebes, von (33): caust, lyc, ph-ac, …
→Allgemeines – Erschlaffung – Muskeln von (135): agar, calc, kali-c, phos, verat, …
→Allgemeines – Schwäche – Muskeln, der (150): bar-c, calc, carb-v, chin, lyc, nat-m, sil, …
Gewicht und Länge
→Allgemeines – Abmagerung – Kindern, bei Kleinkindern, bei (77): abr, aur, calc, chin, lyc, sulph, tub, …
→Allgemeines – Zwergwuchs (33): bar-c, calc-p, med, sil, sulph, syph, tub, …
Aussehen
→Kopf – Haare – Trockenheit (33): calc, med, psor, sulph, thuj, …
→Gesicht – Ausdruck – alt aussehend – Kindern, bei (16): arg-n, calc, nat-m, op, …
→Gesicht – Farbe – blass – Kindern, bei (26): carb-v, nat-m, sulph, …
→Gesicht – Farbe – bläulich – Augen – um die Augen, Ringe (131): ars, chin, nux-v, …
→Gesicht – Farbe – bläulich – Mund; um den (14): ars, cina, cupr, …
→Gesicht – Schwellung – Augen – um die (47): apis, kali-c, rhus-t, …
→Haut – Schlaffheit (53): calc, …
→Abdomen – Auftreibung – Essen – nach – agg. (100): carb-v, lyc, nux-v, sulph, …
→Abdomen – Auftreibung – Flatus, Abgang von – amel. (23): carb-v, lyc, sulph, …
→Allgemeines – Anämie – Nahrung, durch unausgeglichene (7): calc-p, nux-v, …
Essverhalten
RepertoriumsrubrikenEssverhaltenGemüt – Anorexia nervosa (68): ars, carc, chin, nat-m, sep, sulph, …
→Gemüt – Bulimie – nervosa, Bulimia (93): calc, chin, cina, lyc, merc, sep, verat, …
→Gemüt – Hast, Eile – Essen beim (40): caust, hep, platin, …
→Magen – Appetit – fehlend – Kinder, bei (1): puls
→Magen – Allgemeines – Abmagerung – Abmagerung mit Heißhunger (40): calc, jod, nat-m, …
→Allgemeines – Speisen und Getränke – Milch – Abneigung – Muttermilch – Kind verweigert die, das (25): borx, calc, calc-p, cina, lach, mag-c, merc, sil, …
Ösophagus-, Magen-Darm-Störung
→Innerer Hals – Schlucken – behindert das Schlucken (72): hyos, merc, nat-m, …
→Innerer Hals – Schlucken – behindert das Schlucken – feste Speisen von (14): apis, lyc, …
→Innerer Hals – Schlucken – Flüssigkeiten schlucken, die geringste Menge Speisen würgt ihn; kann nur (7): sil, …
→Innerer Hals – Schlucken – schwierig – Flüssigkeiten (52): lach, lyss, stram,
→Magen – Erbrechen – Milch, nach – Muttermilch, nach (12): acet-a, ant-c, calc, ip, nat-c, ph-ac, san, sil, valer, …
→Magen – Verdauungsstörungen – Mehlspeisen, Teigwaren, durch (13): caust, nat-c, nat-m, nat-s, nux-v, sulph, …
→Magen – Verdauungsstörungen – Milch agg. (15): aeth, calc, mag-m, nux-v, sulph, …
→Rektum – Diarrhö – chronisch (85): ars, calc, graph, phos, …
→Rektum – Diarrhö – Milch agg. (27): calc, mag-m, nat-c, sep, …
→Rektum – Diarrhö – Obst agg. (42): ars, bry, puls, verat, …
→Rektum – Diarrhö – Speisen – Mehlspeisen, stärkehaltigen Speisen; nach (5): lyc, nat, c, nat-m, nat-s, puls
→Rektum – Diarrhö – Zucker – nach (7): arg-n, merc, sulph, …
→Rektum – Würmer – Beschwerden durch Würmer – Kindern, bei – Kindern, bei (16): cina, cupr, spig, …
Nieren-Blasen-Störung
→Blase – Harnverhaltung – Kinder, bei (17): acon, apis, caust, op, …
→Haut – Schwellung – wassersüchtig (71): apis, apoc, …
Psychische Störung
→Gemüt – Angst – Essen – beim (7): carb-v, sep, …
→Gemüt – Beschwerden durch – Kränkung, Demütigung (78): ign, lyc, nat-m, staph, …
→Gemüt – Beschwerden durch – Kummer (94): ign, nat-m, ph-ac, phos, staph, …
→Gemüt – Beschwerden durch – Liebe, enttäuschte (57): aur, hyos, ign, nat-m, ph-ac, …
→Gemüt – Furcht – Essen (9): caust, op, puls, tarent, …
→Gemüt – Widerspruch – agg. (17): lyc, sep, …
→Gemüt – Zorn – Essen – muss, wenn er essen (1): ars

Homöopathische Arzneimittel

Aconitum napellus
#Aconitum napellusGedeihstörungFolgen von Schock, Geburtstrauma, Todeserlebnis, Asphyxie, Icterus neonatorum, Harnverhaltung.
→Allgemeines – Schlag, Schock (26): acon, …
→Allgemeines – Schlag, Schock – Verletzung, nach (58) acon, arn, hyper, lach, op, verat, …
Aethusa cynapium
#Aethusa cynapiumGedeihstörungMilch wird im Schwall gespuckt, sobald sie in den Magen-Darm-Trakt kommt. Der Säugling wirkt zunächst erschöpft, kann perioral zyanotisch werden, verlangt gierig weiter zu trinken, um erneut wieder zu spucken.
→Magen – Erbrechen – Milch, nach (45): aeth, calc, sil, …
→Magen – Erbrochenen, Art des – Speisen – unverdaut (45): aeth, kreos, puls, …
Apis mellifica
#Apis mellificaGedeihstörungDas Baby erbricht schaumig sofort nach dem Essen oder Trinken und verweigert nachts die Muttermilch. Es neigt zu Harnverhaltung und zu Wassereinlagerungen in abhängigen Körperpartien.
→Abdomen – Wassersucht – Ödem (7): apis, ars, thuj, …
→Blase – Harnverhaltung – Kindern, bei (17): acon, apis, caust, op, …
→Allgemeines – Speisen und Getränke – Milch – Abneigung – Muttermilch – Kind verweigert die, das – nachts (1): apis
Arnica montana
#Arnica montanaGedeihstörungFolgen einer traumatischen Geburt mit Quetschung von Gewebe, Extravasaten, Zerrungen. Niedriger Apgar-Wert.
→Allgemeines – Scheintod – Verletzungen, nach (1): arn
→Allgemeines – Schwäche – Verletzungen, durch (9): arn, sulf-ac, …
→Kopf – Verletzungen des Kopfes, nach (45): arn, hell, nat-x, …
Causticum
#CausticumGedeihstörungDas Kind macht einen kränklichen, abgemagerten Eindruck, hat ein aufgetriebenes Abdomen.
→Abdomen – Auftreibung – Kindern, bei (18): bar-c, calc, caust, sil, sulph, …
→Allgemeines – Abmagerung – Kindern, bei (105): abrot, calc, calc-p, caust, cina, iod, lyc, nat-m, sil, sulph, …
Ignatia amara
#Ignatia amaraGedeihstörungSchluckstörungen durch Spasmen der Speiseröhre.
→Innerer Hals – Spasmen – Ösophagus (68): cham, ign, laur, stram, stry, …
Kalium carbonicum
#Kalium carbonicumGedeihstörungFrühgeborene und Mangelgeborene mit Muskelhypotonie und Trinkschwäche. Das Baby hat Schluckstörungen bis hin zur Ösophagusstriktur. Es verschluckt sich leicht und würgt.
→Innerer Hals – Schlucken – unmöglich – Würgen, durch (6): hyos, iod, kali-c, …
→Innerer Hals – Schlucken – unmöglich – Zusammenschnürung des Ösophagus (11): bar-c, kali-c, phos, …
→Allgemein – Abmagerung – Kindern, bei (105): ars, calc, calc-p, iod, kali-c, med, nat-m, sil, …
→Allgemeines – Schwäche – Kindern, bei (21): bar-c, calc, kali-c, lyc, sil, sulph, …
Lachesis muta
#Lachesis mutaGedeihstörungDas Baby verweigert die Brust, weil die Nase verstopft ist oder es nicht richtig schlucken kann. Flüssigkeiten kommen beim Versuch zu schlucken zur Nase heraus. Sondierungspflichtige Babys. Das Abdomen ist aufgetrieben, das Gesäß jedoch abgemagert. Druckschmerzhafte Nabelhernie oder Leistenhernie.
→Nase – Verstopfung – trinken, kann nicht (1): lach
→Nase – Flüssigkeiten – heraus, kommen beim Versuch zu schlucken zur Nase (35): arum-t, lac-c, lach, lyc, …
→Innerer Hals – Lähmung – Ösophagus (26): ars, caust, gels, lach, op, stram, …
→Innerer Hals – Schlucken – schwierig – Flüssigkeiten (52): lach, lyss, stram, …
→Allgemeines – Speisen und Getränke – Milch – Abneigung – Muttermilch (30): ant-c, cina, lach merc, sil, …
→Abdomen – Hernie – Leistenhernie – empfindlich (4): bell, lach, nux-v, sil
Lycopodium clavatum
#Lycopodium clavatumGedeihstörungDas Kind ist mager mit aufgetriebenem Bauch. Es hat derbe, fahle Haut. Schon bei Geburt hat es eine gerunzelte Stirn, später tiefe Furchen. Vorherrschend ist körperliche Schwäche. Starke Dreimonatskoliken bevorzugt von 16:00 bis 22:00 Uhr. Es besteht Unverträglichkeit von Mehlspeisen.
→Gesicht – Ausdruck – alt aussehend – Kindern, bei (16): arg-n, calc, lyc, nat-m, op, …
→Magen – Appetit – Heißhunger – Essen – nach dem Essen – bald danach (29): cina, iod, lyc, phos, staph, …
→Allgemeines – nachmittags (13–18 h) – 16:00 h – 16:00–20:00 h (23) lyc, thuj, …
→Allgemeines – Abmagerung – Kindern, bei (105): calc, iod, lyc, nat-m, sil, …
→Allgemeines – Erschlaffung – Bindegewebes, von (33): caust, lyc, ph-ac, …
→Allgemeines – Speisen und Getränke – Mehlspeisen, Teigwaren – agg. (41): lyc, nat-m, nat-s, puls, …
Magnesium carbonicum
#Magnesium carbonicumGedeihstörungÄußerlich wirkt das Baby zart und schwächlich. Es gedeiht schlecht trotz Heißhunger. Die muskuläre Schwäche macht es ihm schwer, den Kopf zu halten. Die Zahnung ist schwierig und setzt verzögert ein. Das Kind ist mager trotz Appetit und wirkt kränklich. Es schläft schlecht, v. a. in der zweiten Nachthälfte, und ist tagsüber mürrisch und gereizt
→Gemüt – Reizbarkeit – Kindern, bei (50): calc-p, cham, cina, mag-c, tub, …
→Zähne – Zahnung – langsam (21): calc, calc-p, mag-c, sil, …
→Zähne – Zahnung – schwierig (101): calc, calc-p, mag-c, sil, …
→Allgemeines – Abmagerung – Heißhunger, mit Abmagerung – Kindern, bei (21): calc, cina, iod, mag-c, nat-m, …
Medorrhinum
#MedorrhinumGedeihstörungDer Säugling ist oft ein Spätentwickler. Er ist klein, mager und blass, mit dickem Kopf und chronischem Schnupfen. Das dicke gelbe Nasensekret bildet um die Nasenlöcher herum Krusten und führt zu dauerndem Schniefen. Rezidivierende Harnwegsinfekte. Angeborener Herzfehler.
→Nase – Schniefen (44): dulc, lyc, med, nux-v, puls, samb, …
→Allgemein – Abmagerung – Kindern (105): ars, calc, calc-p, iod, kali-c, med, nat-m, sil, …
→Allgemein – Entwicklungsstillstand (35): bar-c, calc, calc-p, med, merc, phos, sil, …
Natrium muriaticum
#Natrium muriaticumGedeihstörungDer Säugling ist dystroph und verweigert die Muttermilch. Er ist mager, trotz gutem Appetit. Bei Durchfällen Verdacht auf Malabsorptionssyndrom durch Milchallergie oder Zöliakie. Das Abdomen ist v. a. an den Seiten aufgetrieben.
→Allgemeines – Abmagerung – Heißhunger mit Abmagerung (38): calc, nat-m, …
→Abdomen – Auftreibung – Seiten (11): caust, nat-m, zinc
→Rektum – Diarrhö – Speisen – Mehlspeisen, stärkehaltige Speisen, nach (4): lyc, nat-c, nat-m, nat-s
→Allgemeines – Speisen und Getränke – Milch agg. (155): aeth, calc, mag-m, nat-m, sulph, …
→Allgemeines – Speisen und Getränke – Milch agg. – Muttermilch (20): calc-p, nat-m, sil, … (Complete Repertory)
Nux vomica
#Nux vomicaGedeihstörungHeftiges Säuglingserbrechen und Pylorusstenose.
→Magen – Erbrechen – Trinken – nach – unmittelbar danach (19): ars, bry, nux-v, sanic, …
Opium
#OpiumGedeihstörungNeurologische oder gastroenterologische Probleme in der Neonatalphase. Runzeliges, alt aussehendes Gesicht. Schlechte Kopfkontrolle. Zittern des Gesichts. Abwehrschwäche. Schwere Infektionen wie Meningitis, Pneumonie. Bei Fieber stupuröser Zustand mit Exsikkose.
→Kopf – Halten – hoch, aufrecht zu halten, unfähig, den Kopf (48): calc-p, gels, op, puls, sil, verat, …
→Gesicht – Ausdruck – alt aussehend (66): arg-n, calc, nat-m, op, …
→Gesicht – Zittern (28): gels, op, …
→Gesicht – Zittern – Kiefer – Unterkiefer (18): gels, op, …
→Gesicht – Zittern – Lippen (29): agar, bell, gels, op, …
→Brust – Entzündung – Lungen – Kindern, bei – Kleinkindern, bei (22): acon, ant-t, ferr-p, ip, kali-c, lyc, op, phos, …
→Nieren – Harnsperre – Fieber, mit (12): ars, bell, hyos, op, stram, …
→Allgemeines – Reaktion – Mangel an (125): carb-v, chin, laur, op, psor, sulph, valer, …
Phosphoricum acidum
#Phosphoricum acidumGedeihstörungAppetitlos, abgemagert und geschwächt durch Kummer.
→Allgemeines – Abmagerung – Kindern, bei – Knaben, bei schwächlichen, kränklichen (5): aur, lyc, nat-m, phos-ac, tub
Psorinum
#PsorinumGedeihstörungDie Kopfform ähnelt einer umgedrehten Pyramide, die Ohren stehen ab. Die Kopfhaare sind glanzlos und trocken, das Gesicht ist fettig und behaart. Das Neugeborene wirkt verlassen und verängstigt. Es ist blass, schwächlich, mager, untergewichtig und kühlt schnell aus. Es hat ständig Hunger, sogar bald nach einer Mahlzeit und nachts. Sein Körpergeruch und der Geruch des Mekoniums sind unangenehm. Das Kind ist ständig krank. Vor Ausbruch einer Krankheit geht es ihm auffallend gut. Rezidivierende akute Infekten oder chronische Schleimhautabsonderungen. Die Rekonvaleszenz dauert sehr lange.
→Gesicht – fettig (74): nat-m, psor, tub, …
→Gesicht – Haare – Haarwuchs – Kindern, bei (6): calc, nat-m, psor, sulph, …
→Allgemeines – Körpergeruch – übelriechend (58): ars, bapt, carb-v, lach, nit-ac, psor, sil, …
→Allgemein – Reaktion – Mangel an (125): calc, med, op, psor, sulph, tub, …
→Allgemeines – Genesung, Rekonvaleszenz, Beschwerden während der – ansteckenden Krankheiten, nach (10): gels, psor, puls, sulph, thuj, tub, …
Pulsatilla pratensis
#Pulsatilla pratensisGedeihstörungAbmagerung und schlechte Kopfkontrolle. Beißt beim Füttern in den Löffel oder ins Glas.
→Gemüt – Beißen – Löffel, beißt in den (10): bell, cina, cupr, puls, verat, …
→Kopf – Heben Kopfes, des – unmöglich ist (13): lach, op, puls, …
Sanicula aqua
#Sanicula aquaGedeihstörungPädatrophie, Pylorusstenose, Rachitis. Sieht vorgealtert aus, der Hals ist schwach und der Kopf kann kaum gehalten werden. Schreit panisch, wenn es hochgehoben, getragen oder ins Bett gelegt wird. Sofort nach der Mahlzeit erbricht es gewaltsam, auch Muttermilch – meist geronnen, Pylorusstenose. Nach dem Trinken ist der Oberbauch aufgetrieben. Oft hartnäckige Obstipation, der Stuhl muss mechanisch entfernt werden. Das Wasserlassen kündigt sich durch lautes Schreien an. Trotz ständigem Trinken Abmagerung, besonders an der Schulterpartie und an den unteren Extremitäten
→Magen – Erbrechen – Essen, nach – unmittelbar danach (4): ars, sanic, sec, zinc
→Magen – Erbrechen – Milch, nach – Muttermilch, nach (12): ant-c, nat-c, ph-ac, sanic, sil, valer, …
→Magen – Erbrechen – Trinken – unmittelbar nach (19): ars, nux-v, sanic, verat, …
→Magen – Erbrochene, Art des – Milch – geronnene Milch (21): aeth, ant-c, calc, nat-m, sanic, sil, sulph, valer, …
→Abdomen – vergrößert – Kindern, bei (28): bar-c, calc, psor, sanic, sil, sulph, …
→Gemüt – weinen – Urinieren, vor – Kindern, bei (2): borx, sanic
→Rücken – Abmagerung – Zervikalregion (14): calc, lyc, nat-m, sanic, sars, …
→Extremitäten – Abmagerung – Beine (31): abrot, arg-n, ars, calc, sanic, …
→Schlaf – Einschlafen – Erbrechen, nach (5): aeth, cupr, ip, nat-m, sanic
Sepia
#SepiaGedeihstörungMager. Wegen Stillproblemen Notwendigkeit der Kunstmilchernährung. Erbrechen, Durchfall oder Ekzem. Trinkt gierig, als hätte er Angst zu verhungern.
→Gemüt – Furcht – Verhungern, vor dem (11): ars, bry, calc, sep, sulph
→Haut – Hautausschläge – Milch, agg. (2): calc, sep
Silicea
#SiliceaGedeihstörungDas Neugeborene ist untergewichtig, faltig, fast greisenhaft und hat abstehende „Segelohren“. Mangelgeburt, Frühgeburt, Inkubatorkind. Lehnt Muttermilch ab oder erbricht sie. Lärmempfindlich, erwacht beim geringsten Geräusch. Langsame Entwicklung, lernt langsam Sprechen und spät Gehen. Zahnung spät mit oder ohne Fieber. Die Zähne stehen kreuz und quer. Beißt in alle möglichen Gegenstände. Sehr schüchtern, versteckt sich hinter der Mutter.
→Gemüt – beißen – Gegenstände, beißt (5): bell, bufo, hyos, sil, stram
→Gemüt – empfindlich – Geräusche, gegen – geringste Geräusch, gegen das (48): nux-v, op, sil, …
→Zähne – Zahnung – langsam (21): calc, calc-p, sil, tub, …
→Magen – Erbrechen – Milch, nach – Muttermilch, nach (12): ant-c, nat-c, ph-ac, sanic, sil, valer, …
→Fieber – Zahnung, während der (34): acon, bell, cham, gels, rheum, sil, …
→Allgemeines – Abmagerung – Kindernbei (105): abrot, calc, calc-p, caust, cina, iod, lyc, nat-m, sil, sulph, …
→Allgemeines – Rachitis (56): calc, phos, sil, …
→Allgemeines – Speisen und Getränke – Milch – Abneigung – Muttermilch (30): cina, sil, stram, …
→Allgemeines – Speisen und Getränke – Milch – Abneigung – Muttermilch – Kind verweigert die (25): calc-p, sil, …
→Rektum – Diarrhö – Zahnung, während (61): calc, cham, dulc, ferr, rheum, sil, …
Staphisagria
#StaphisagriaGedeihstörungKränkung, Demütigung, auch eingebildete, bzw. entsprechende Überempfindlichkeit dafür, Misshandlung oder Missbrauch der Mutter während der Schwangerschaft. Unruhe, Schreiattacken, Ernährungsstörungen oder Verdauungsprobleme. Mager, Abdomen aufgetrieben mit starker Flatulenz. Heftige Dreimonatskoliken gleich nach der Mahlzeit und auch nach dem Stuhlgang. Krümmt sich zusammen, Abgang von Flati bessert. Hungrig nach der Mahlzeit. Das Abstillen führt zu Ernährungsstörungen wegen der Abneigung gegen feste Speisen und der Unverträglichkeit von Milch.
→Magen – Appetit – Heißhunger – Essen – nach dem Essen – bald danach (42): cina, iod, lyc, phos, staph, …
→Allgemeines – feste Speisen – Abneigung (15): ferr, staph, …
→Abdomen – Auftreibung – Kindern, bei (18): bar-c, calc, caust, staph, sulph, …
→Allgemeines – Speisen, Getränke – Milch – agg. (161): aeth, calc, mag-m, staph, …
Stramonium
#StramoniumGedeihstörungDramatische und traumatische Geburt. Schwere neurologische Erkrankungen des Neugeborenen: Meningitis, Hirnblutung, Krampfanfälle. Hydrozephalus. Opisthotonushaltung. Erkrankungen akut und heftig. Abneigung gegen Wasser, Muttermilch und vermischte Speisen. Schluckstörungen. Sondenernährung. Heftiger, konvulsivischer Schluckauf. Explosive Symptome und Verhaltensweisen.
→Kopf – Entzündung – Hirnhaut (= Hirnhautentzündung, Meningitis) (84): bell, hell, stram, zinc, …
→Kopf – Gehirnblutung (65): acon, bell, gels, lach, op, stram, …
→Innerer Hals – Schlucken – unmöglich (107): hyos, lac-c, nit-ac, stram, …
→Magen – Schluckauf – konvulsivisch (10): aeth, gels, nux-v, stram, …
→Rücken – Opisthotonus (72): bell, cic, cupr, hyos, nux-v, op, stram, …
→Allgemeines – heftige Beschwerden – Kindern, bei (17): bell, cham, nux-v, stram, …
→Allgemeines – Konvulsionen – Hydrozephalus, mit (12): art-v, calc, merc, stram, zinc, …
→Allgemeines – Speisen und Getränke – Milch – Abneigung – Muttermilch (30): cina, sil, stram, …
→Abneigung gegen vermischte Speisen: calc, nat-m, stram, tub (nach Herscu 1996)
Sulphur
#SulphurGedeihstörungGut genährt mit eher mageren Extremitäten. Abmagerung trotz Heißhunger.
→Allgemeines – Abmagerung – Heißhunger mit Abmagerung – Kinder, bei (21): calc, nat-m, sulph, …
Tarantula hispanica
#Tarantula hispanicaGedeihstörungDas Gesicht ist mager und von Schreck gezeichnet.
→Gesicht – Ausdruck – erschreckt (30): acon, bapt, stram, tarent, …
Veratrum album
#Veratrum albumGedeihstörungFlankierendes Mittel, bei schweren postnatalen Komplikationen bewährt: hypovolämischer Schock durch Blutungsereignisse, Transfusionssyndrome. Eiskalt, zyanotisch, tachykard. Das Kind krampft und verfällt rasch. Nekrotisierende Enterokolitis mit Diarrhö, Erbrechen, schmerzhafter Bauchauftreibung und schließlich Ileussymptomatik. Inkarzerierte Leistenhernie, Invagination.
→Abdomen – Ileus (27): op, thuj, verat, …
→Abdomen – Intussuszeption (28): ars, bell, op, plb, verat, …
→Abdomen – Hernie – Leistenhernie – eingeklemmt, inkarzeriert (23): mil, verat, …

Literatur

Bassali and Benjamin, 2003

R.W. Bassali J. Benjamin Failure to thrive Emedicine 2003 http://www.emedicine.com/ped/topic738.htm

Black et al., 1995

M.M. Black H. Dubowitz J. Hutcheson A randomized clinical trial of home intervention for children with failure to thrive Pediatrics 95 6 1995 807 814

Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung, 2002

Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung Gedeihstörung. Leitlinie. AMWF Online http://www.uni-duesseldorf.de/WWW/AWMF/ll/pgast002.htm 2002

Illing and Claßen, 2000

S. Illing M. Claßen Klinikleitfaden Pädiatrie 5.A. 2000 Urban & Fischer, München München

Homöopathische Literatur

Hauptmann, 1991

H. Hauptmann Die für den Kinderarzt wichtigsten Zeichen (Repertorium) H. Hauptmann Homöopathie in der kinderärztlichen Praxis 1991 Haug Stuttgart

Herscu, 1996

P. Herscu Stramonium 1996 New England School of Homeopathy Press Amherst

Lilienthal, 1998

S. Lilienthal Homöopathische Heilmittel nach klinischen Gesichtspunkten 1998 Grohmann Enger

Pennekamp, 1997

H. Pennekamp Kinder-Repertorium 1997 MDT-Verlag Osten-Isensee

Schroyens, 1998

F. Schroyens Synthesis Edition 7 1998 Hahnemann Institut Greifenberg

Zandvoort, 1999

R v Zandvoort The Complete Repertory. Deutsch 1999 Similimum Ruppichteroth

Säuglingserbrechen und gastroösophagealer Reflux

Martin Hirte

Grundlagen

Bei zwei von drei Säuglingen kommt es in den ersten Lebensmonaten zu harmlosem Erbrechen, mit einem Gipfel im vierten Lebensmonat. Das Kind „spuckelt“ frische oder geronnene Milch, fühlt sich aber wohl und gedeiht. Meist liegt ein gastroösophagealer Reflux (GÖR) gastroösophagealer Reflux (GÖR)oder eine gastroösophageale Refluxkrankheit (GÖRK) zugrunde.
Unklares Erbrechen mit Krankheitswert erfordert ohne Aufschub eine komplette körperliche Untersuchung mit besonderer Beachtung von Abdomen (Inspektion, Auskultation, Palpation) und Neurostatus sowie der Einschätzung von Flüssigkeitshaushalt, Bewusstseinszustand und Atmung (Azidoseatmung oder Fötor als Hinweise auf Stoffwechselerkrankung?).
Wichtige Zusatzuntersuchungen sind das „kleine“ Labor (BB, CRP, Elektrolyte, Blutzucker, Urin) und die Sonografie des Abdomens.

Info

Warnsignale bei SäuglingserbrechenSäuglingserbrechenWarnsignale sind:

  • Galle- oder Bluterbrechen

  • Anhaltendes heftiges ErbrechenErbrechenSäugling

  • Gedeihstörung

  • Diarrhö, Obstipation, gespanntes oder aufgetriebenes Abdomen

  • Symptome einer Allgemeinerkrankung (Fieber, Apathie, Hepatosplenomegalie, vorgewölbte Fontanelle, Krampfanfälle)

Gastroösophagealer Reflux (GÖR)

Einem gastroösophagealen Reflex (GÖR) gastroösophagealer Reflux (GÖR)liegt meist eine physiologische Kardia-Insuffizienz zugrunde. Im Alter von 10–12 Monaten „spuckeln“ nur noch 5 %, spätestens mit 18 Monaten versiegt die harmlose, aber oft lästige Symptomatik (Nelson 1997). Nur in seltenen Fällen steigert sich das Säuglingserbrechen zur gastroösophagealen Refluxkrankheit (5.6.3).
Die Häufigkeit des Erbrechens lässt sich reduzieren durch aufrechte Position nach dem Füttern (z. B. in einer Tragehilfe) oder durch Lagerung leicht auf die linke Körperseite gedreht. Bei nicht gestillten Kindern kann die Nahrung mit Quellstoffen wie Maisstärke oder Johannisbrotkernmehl (Cave: Gewichtszunahme) angedickt werden; einige Firmen bieten auch eine spezielle Anti-Reflux-Milch an. Bei ausgeprägter Symptomatik erscheint die probatorische Umstellung auf eine Hydrolysatnahrung sinnvoll, da häufig begleitend eine Kuhmilchproteinallergie vorliegt.

Gastroösophageale Refluxkrankheit (GÖRK)

Die gastroösophageale Refluxkrankheitgastroösophageale Refluxkrankheit (GÖRK) ist die symptomatische Ausprägung des an sich harmlosen Säuglingserbrechens. Sie kommt v. a. bei Kindern mit Zerebralparese oder nach operierter Ösophagusatresie vor. Durch den Kontakt des Ösophagus mit saurem Mageninhalt entwickelt sich eine schmerzhafte Ösophagitis mit Unruhe und Schreien verstärkt nach der Nahrungsaufnahme. Hinzu kommen im weiteren Verlauf Schluckbeschwerden, Nahrungsverweigerung mit mangelnder Gewichtszunahme, Anämie und respiratorische Symptome wie Husten, Stridor oder Dyspnoe, hervorgerufen durch wiederkehrende Aspiration (AWMF 2015).
Die ersten therapeutischen Maßnahmen sind die gleichen wie beim einfachen Reflux (s. o.): Günstige postprandiale Lagerung, wenn möglich Andicken der Nahrung und/oder Karenz von Kuhmilchprotein – bei gestillten Kindern durch Kuhmilchkarenz der Mutter, bei formularernährten Kindern durch Wechsel auf eine Hydrolysatnahrung.
  • Diagnostik: Bessern sich die Symptome dadurch nicht, sind diagnostische Maßnahmen empfohlen: 24-Stunden-ph-Metrie und/oder Sonografie von Ösophagus und Magen, am besten direkt nach der Nahrungsaufnahme; mehr als drei nachgewiesene Refluxe innerhalb von 10 Minuten gelten als pathologisch (Metzel 2015).

  • Konventionelle Therapie: Das konventionelle medikamentöse Repertoire ist begrenzt; so fehlt etwa die Zulassung für die Therapie mit Protonenpumpenhemmern wie Omeprazol im ersten Lebensjahr. Wegen deren hohen Nebenwirkungsrisikos ist bei Off-Label-Use eine ausführliche Aufklärung der Eltern zwingend. Es gibt unter anderem Hinweise darauf, dass die Veränderung des pH-Werts im Magen die Proteinverdauung stört und dadurch Nahrungsmittelallergien auslösen kann (Pali-Schöll et al. 2010). Eine Antirefluxoperation dürfte nur ausnahmsweise indiziert sein.

Pylorusstenose

Die Pylorusstenose ist eine funktionelle PylorusstenoseVerengung des Magenpförtners durch Hypertrophie der Ringmuskulatur, mit verzögerter oder eingeschränkter Magenentleerung. Sie ist gekennzeichnet durch zunehmendes schwallartiges Erbrechen und tritt typischerweise im Alter von drei bis acht Wochen auf, vermehrt bei Jungen. Die Kinder nehmen trotz guten Appetits rasch an Gewicht ab und kommen in die Exsikkose.
  • Diagnostik: Oft lässt sich eine Resistenz im Oberbauch („Olive“) palpieren, oder es werden peristaltische Wellen des Magens durch die Bauchwand sichtbar. Die Diagnose wird sonografisch gesichert bei einer Länge des Pyloruskanals von > 14 mm und einer Dicke der Pyloruswand von > 3 mm.

  • Konventionelle Therapie: Die Therapie der Wahl ist die operative Spaltung der hypertrophen Ringmuskulatur des Pylorus, ggf. nach Ausgleich von Dehydratation und Elektrolytimbalanz. Bei Kontraindikationen kann auch eine konservative Therapie mit Atropin versucht werden (AWMF 2013, Wu 2016).

Kuhmilchproteinallergie

KuhmilchproteinallergieAllergienKuhmilchproteinallergieDie Allergie gegen Kuhmilchprotein ist die häufigste Nahrungsmittelunverträglichkeit (KMPA 9.4) im ersten Lebensjahr. Betroffen sind bis zu 0,5 % der gestillten Säuglinge – sie reagieren auf Kuhmilchprotein in der Muttermilch – und 2–3 % der formulaernährten Säuglinge (Høst 2002). Etwa die Hälfte der Kinder reagiert innerhalb einer Stunde nach der Fütterung mit gastrointestinalen Symptomen wie Erbrechen, Koliken und Durchfällen. Bei ausbleibender Allergenkarenz kommt es zu Inappetenz und Gedeihstörung. Häufige Begleitsymptome sind Hautreaktionen (Urtikaria, atopisches Ekzem), Atemwegsbeschwerden (bronchiale Obstruktion, allergische Rhinitis) und sehr selten der anaphylaktische Schock (GPA 2009).
  • Diagnostik: Die Diagnose lässt sich meist anhand der Anamnese stellen. Bei Unklarheit bietet sich der zusätzliche Nachweis des spezifischen IgE oder ein Haut-Pricktest mit Milch oder Kuhmilchformula an. Allerdings kann bei negativem Ergebnis eine nicht-IgE-vermittelte Reaktion vorliegen.

  • Konventionelle Therapie: Die Symptome verschwinden innerhalb weniger Tage durch Kuhmilchkarenz. Bei vollgestillten Kindern muss die Mutter auf Milch verzichten. Formulaernährte Säuglinge bekommen bis zum Ende des ersten Lebensjahres eine extensiv hydrolysierte Formula oder eine Aminosäurenformula. Bessert sich die Symptomatik hierdurch nicht, sind andere Ursachen wahrscheinlich. Die Prognose der Kuhmilchprotein-Allergie ist gut, mit Remissionsraten von 45–50 % innerhalb eines Jahres und 85–90 % innerhalb von drei Jahren (Høst 2002).

Homöopathische Behandlung

Vor einem homöopathischen Behandlungsversuch steht die exakte schulmedizinische Diagnose, um keine möglicherweise lebensbedrohliche Krankheit zu übersehen. Gastroösophagealer Reflux und Refluxkrankheit sind eine Domäne der Homöopathie. Bei Verdacht auf Pylorusstenose ist nur bei gutem Allgemeinzustand des Kindes ein Behandlungsversuch zu rechtfertigen.

Repertoriumsrubriken

Synthesis
Im Repertorium Synthesis bzw. RADAR Opus sind die Rubriken zum frühkindlichen Reflux oder Erbrechen klein und unvollständig. RepertoriumsrubrikenReflux, frühkindlicherRepertoriumsrubrikengastroösophagealer Reflux
→Innerer Hals – Entzündung – Ösophagus – Refluxösophagitis (3): arg-n, sang, sulph
→Magen – Erbrechen – Kindern; bei – Säuglingen; bei (5): aeth, ip, psor, sanic, tritic-vg
→Magen – Erbrechen – Kindern; bei – Säuglingen; bei – Trinken an der Brust; kurz nach dem (5): aeth, ip, sanic, tritic-vg
→Magen – Erbrechen – Milch, nach – Muttermilch, nach (12): acet-ac, ant-c, calc, calc-p, colch, ip, nat-c, ph-ac, sanic, sil, tritic-vg, valer
→Magen – Erbrochenen; Art des – Blut – Kindern; bei – Neugeborenen; bei (2): acon, lyc
→Schlaf – Stupor, schläfrig – Kindern; bei – Säuglingen; bei – Erbrechen; nach (3): aeth, ip, sanic
Pennekamp
Umfangreicher und verlässlicher sind die Rubriken bei Pennekamp.
→Magen – Erbrechen – Blut hellrot Säuglingen und Kleinkindern bei (2): arn, nux-v
→Magen – Erbrechen – Blut Säuglingen und Kleinkindern bei (7): arn, ars, crot-h, ferr-p, ip, lyc, nux-v
→Magen – Erbrechen und Durchfall nach Milch beim Säugling (Brechdurchfall) (8): aeth, calc, nat-c, podo, rhus-t, sil, sulph, valer
→Magen – Erbrechen – Säuglingen bei (26) aeth, ant-c, ars, calc, calc-p, cham, cupr, ip, kreos, lyc, mag-c, mag-p, nux-v, phos, rheum, sanic, sil, …
→Magen – Verdauungsstörungen – Säuglinge/Kleinkinder: Säure, Kolik, Erbrechen (37): ars, bar-c, bell, bism, bry, calc, calc-p, cham, coloc, ip, lyc, mag-c, nux-v, puls, rheum, sulph, verat, …und die Rubrik zur Pylorusstenose:
→Magen – Pylorospasmus oder Pylorusstenose (42): abrot, aeth, bell, calc, calc-p, carb-v, cupr, mag-p, nux-v, phos, sil, tub, verat, …
→Magen – Pylorospasmus und Ösophagus-Beschwerden (4): anan, nux-v, kreos, tub
Erbrechen
Hilfreich sind außerdem folgende allgemeine, nicht nur auf Kinder bezogenen Rubriken (RADAR Opus): RepertoriumsrubrikenErbrechen
→Innerer Hals – räuspert käsige Klumpen herauf (27): agar, hep, kali-chl, kali-m, mag-c, phos, …
→Magen – Erbrechen – Allergie gegen Speisen; durch (3): lyc, ph-ac, phos
→Magen – Erbrechen – gewaltsam (31): ant-t, cupr, nux-v, verat, …
→Magen – Erbrechen – Milch, nach (51): aeth, ars, calc, cham, sanic, sil, …
→Magen – Erbrechen – Milch, nach – geronnene Milch (2): aeth, agar
→Magen – Erbrechen – schmerzhaft (21): apis, ars, cupr, phos, verat, …
→Magen – Erbrechen – Trinken – nach – unmittelbar danach (18): ars, bism, bry, nux-v, …
→Abdomen – Darmverlegung, Obstruktionsileus – begleitet von – Erbrechen (3): op, plb, pyrog
Eigenschaften des Erbrochenen
Rubriken, in denen es um die Eigenschaften des Erbrochenen geht, sind:
→Magen – Erbrochenen; Art des – alles; erbricht (17): ant-t, ars, crot-h, ip, …
→Magen – Erbrochenen; Art des – Galle (179): ars, cham, ip, merc, nux-v, phos, puls, verat, …
→Magen – Erbrochenen; Art des – Milch – geronnene (21): aeth, ant-c, calc, mag-c, sil, sulph, valer, …
→Magen – Erbrochenen; Art des – sauer (125): calc, lyc, mag-c, nux-v, phos, puls, sulph, verat, …
→Magen – Erbrochenen; Art des – schaumig (47): aeth, ip, kreos, verat, …
→Magen – Erbrochenen; Art des – Schleim; von (162): kali-bi, nux-v, phos, rheum, verat, …

Homöopathische Arzneimittel

Abrotanum
#AbrotanumSäuglingserbrechenMangelgeborenes, Pädatrophie, runzeliges und blasses Gesicht. Abmagerung trotz gutem Appetit, oder Appetitlosigkeit. Pylorusstenose. Ulzerierter blutender Nabel, Hydrozele.
Aethusa cynapium
#Aethusa cynapiumSäuglingserbrechenMilchunverträglichkeit, Abneigung gegen Milch oder Muttermilch. Kolik mit plötzlichem heftigen Erbrechen etwa eine Stunde nach der Mahlzeit: schaumige, weiße oder gelbe Flüssigkeit und große Klumpen geronnener Milch. Danach müde und schwach. Appetit nach dem Erbrechen. Diarrhö. Ängstliches, hippokratisches Gesicht.
Argentum nitricum
#Argentum nitricumSäuglingserbrechenSchleimiges Erbrechen. Viel Gas, heftiges Aufstoßen mit Milchresten, laute Flatus. Schluckbeschwerden durch Ösophagitis. Krampfartige Bauchschmerzen und Diarrhö nach dem Trinken. Pädatrophie, alt aussehendes, runzeliges Gesicht.
Arsenicum album
#Arsenicum albumSäuglingserbrechenWürgen und Erbrechen unmittelbar nach dem Trinken. Erbrechen nachts. Erbrochenes gallig oder blutig, übelriechend. Durchfall mit Exsikkose, Kälte des Körpers und Zyanose. Abmagerung, hippokratisches Gesicht. Appetitlosigkeit, trinkt nur kurz. Große Ruhelosigkeit und Schwäche.
Cuprum metallicum
#Cuprum metallicumSäuglingserbrechenLautes Gurgeln beim Trinken, danach Schluckauf und heftiges, krampfartiges Erbrechen. Erbrochenes wässrig, schleimig oder gallig. Krampfartige Koliken mit aufgetriebenem Abdomen, Diarrhö mit wässrigem Stuhl. Konvulsionen, Geburtstrauma.
Ipecacuanha
#IpecacuanhaSäuglingserbrechenErbrechen kurz nach dem Trinken („sobald Getränke den Magen erreichen“, Pennekamp). Aufstoßen, steigert sich bis zum Erbrechen. Erbrechen heftig, unstillbar, erschöpfend, mit reichlichem Speichelfluss. Erbrochenes schleimig, gallig, blutig, auch leeres Brechwürgen. Laune verdrießlich auch nach dem Erbrechen. Zunge nicht belegt. Koliken, macht sich steif.
Nux vomica
#Nux vomicaSäuglingserbrechenGewaltsames Erbrechen, Pylorusstenose. Milchunverträglichkeit. Schluckauf, Koliken mit Schreien und Überstrecken. Obstipation von Geburt an, mit vergeblichem Stuhldrang. Schnupfen mit Schniefen und verstopfter Nase. Nabel- oder Leistenhernie. Reizbar, gerunzelte Stirn. Verfroren, zyanotisch.
Phosphorus
#PhosphorusSäuglingserbrechenZartes, schwächliches Kind. Ikterus. Hunger bald nach dem Essen. Heftiges Erbrechen, unstillbar, gallig, blutig tingiert, nach dem Trinken kleinster Mengen. Hauptmittel bei Pylorusstenose (Geukens 1991). Bauch-(Magen-)schmerzen nach Erbrechen.
Sanicula aqua
#Sanicula aquaSäuglingserbrechenErbricht geronnene Milch kurz nach dem Trinken, danach sehr schläfrig. Aufgetriebenes Abdomen, ansonsten abgemagert mit Heißhunger. Übelriechende Flatus, Obstipation. Kind verträgt keine Abwärtsbewegung. Schweißneigung am Kopf.
Triticum vulgare
#Triticum vulgareSäuglingserbrechenErbrechen geronnener Milch kurz nach dem Trinken an der Brust, ohne Übelkeit oder andere Vorboten. Heißhunger bald nach der Mahlzeit. Schlechter Schlaf, wacht oft auf, schläft dafür morgens lange.
Veratrum album
Gewaltsames Erbrechen#Veratrum albumSäuglingserbrechen, große Mengen, danach Schluckauf. Erbrochenes schaumig, wässrig oder gallig, sauer riechend. Starkes Durst, aber Abneigung gegen Muttermilch. Krampfartige Bauchschmerzen, schreit untröstlich. Diarrhö. Kälte des Körpers, kalter Schweiß, Hypovolämie, Schock. Abmagerung.

Kasuistik

Kasuistik

GÖRK beim Säugling (Martin Hirte)

Anamnese

Ein zwei Monate alter Säugling wird vorgestellt wegen häufigem Erbrechen und anhaltenden Schreiattacken, die exakt 15 Minuten nach jeder Nahrungsaufnahme auftreten. Er überstreckt sich nach hinten, Beruhigung ist nur möglich durch Herumtragen. Die Symptomatik begann etwa eine Woche nach der Geburt und ist seitdem unverändert.

Repertorisation

→Magen – Erbrechen – Säuglingen bei [Pennekamp] (26): aeth, an-c, ars, calc, calc-p, cham, cupr,ip, kreos, lyc, mag-c, mag-p, nux-v, phos, rheum, sanic, sil, …
→Magen – Verdauungsstörungen – Säuglinge/Kleinkinder: Säure, Kolik, Erbrechen [Pennekamp] (37): ars, bar-c, bell, bism, bry, calc, calc-p, cham, coloc, ip, lyc, mag-c, nux-v, puls, rheum, sulph, verat, …
→Bauch und Stuhl inkl. Rectum – Bauch Schmerz krampfend, Koliken, Strecken (rückwärts Beugen) amel. [Pennekamp] (7): bell, bism, cham, dios, lac-c, nux-v, onos
→Abdomen – Schmerz – Kindern; bei – Säuglingen; bei (37): cham, lyc, mag-c, mag-p, nux-v, staph, …
→Allgemeines – Getragenwerden – amel. (9): ant-c, ars, bell, cham, coloc, ip, …

Verordnung und Verlauf

Chamomilla D 12 einmal täglich 2 Globuli bis zur Besserung der Symptome. Fünf Wochen später, bei der Vorsorgeuntersuchung U4, berichten die Eltern, dass sowohl Spucken als auch Unruhe fünf Tage nach Beginn der Gabe von Chamomilla schlagartig aufhörten. Dem Kind geht es seitdem sehr gut. Auch relativ einfache Verschreibungen können durchschlagenden Erfolg haben!

Literatur

AWMF, März 2015

AWMF Gastro-ösophagealer Reflux im Kindesalter. Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie März 2015 AWMF-Leitlinienregister Nr. 006/071

AWMF, August 2013

AWMF Hypertrophe Pylorusstenose. Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie August 2013 AWMF-Leitlinienregister 006/056

GPA (Gesellschaft für pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin e, 2009

GPA (Gesellschaft für pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin e. V.) Vorgehen bei Säuglingen mit Verdacht auf Kuhmilchproteinallergie. Positionspapier Monatsschr Kinderheilkd 157 2009 687 691

Høst, 2002

A. Høst Frequency of cow's milk allergy in childhood Ann Allergy Asthma Immunol 89 6 Suppl 1 2002 33 37

Mentzel, 2015

H.J. Mentzel Erbrechen im Kindesalter – Einsatz der Bildgebung Päd prax 84 2015 109 118

Michalk and Schönau, 2011

D. Michalk E. Schönau Differentialdiagnose Pädiatrie 3. A. 2011 Elsevier München

Nelson et al., 1997

S.P. Nelson E.H. Chen G.M. Syniar K.K. Christoffel Prevalence of Symptoms of Gastroesophageal Reflux During Infancy. A Pediatric Practice-Based Survey Arch Pediatr Adolesc Med 151 6 1997 569 572

Pali-Schöll et al., 2010

I. Pali-Schöll R. Herzog J. Wallmann Antacids and dietary supplements with an influence on the gastric pH increase the risk for food sensitization Clin Exp Allergy 40 7 2010 1091 1098

Wu et al., 2016

S.F. Wu H.Y. Lin F.K. Huang A.C. Chen Efficacy of medical treatment for Infantile hypertrophic pyloric stenosis: A meta-analysis Pediatr Neonatol 2016; Apr 8 1875 9572 (16)30026–2 [Epub ahead of print]

Homöopathische Literatur

Geukens, 1991

A. Geukens Homöopathische Praxis Bd. V 1991 VZW Centrum voor Homeopathie Hechtel

Pennekamp, 1999

H. Pennekamp Kinder-Repertorium 2. A. 1999 MDT-Verlag Osten-Isensee

Schroyens, 2009

F. Schroyens Synthesis Treasure Edition 2009 Hahnemann Institut Greifenberg

Vermeulen, 2000

F. Vermeulen Konkordanz der Materia Medica 2000 Emryss bv Publishers Haarlem

Unruhiger Säugling

Anneliese Borgmeyer

Anna Koller-Wilmking

Grundlagen

Postpartale Unruhezustände werden SäuglingeUnruheUnruhe, Säuglingeunter dem Begriff Hyperexzitabilität zusammengefasst. Sie äußern sich in gesteigerter Erregbarkeit des Neugeborenen mit Trinkschwäche, schrillem Schreien (Cri encéphalique), Zittern, Kinnkloni, mit vegetativen Auffälligkeiten wie vermehrtem Schwitzen, Kälte, Marmorierung oder Zyanose der Extremitäten. Sie können vorübergehender Natur sein, z. B. bei einer kurzfristigen Hypoglykämie des Neugeborenen durch Geburtsstress, sie können aber auch Hinweis geben auf eine prä- oder perinatale Störung ernster Natur, so z. B. auf eine Hypoxie mit nachfolgender Hirnblutung unterschiedlichen Grades. In diesem Falle werden in aller Regel neurologische Auffälligkeiten vorliegen, abgeschwächte oder fehlende Fußgreifreflexe, fehlender Neugeborenenschreitreflex, geschwächter Galant-Reflex, eventuell positiver Extensorstoß der Beine, gestörte posturale Reaktibilität bei den Lagereaktionen nach Vojta.

Info

Schwere postpartale Unruhezustände machen eine klinische Überwachung und eingehende Diagnostik (EEG, Sonografie, Kernspintomografie etc.) erforderlich. Die schulmedizinische Behandlung besteht zunächst in einer leichten Sedierung, womit auch eventuell sich entwickelnden Krampfanfällen vorgebeugt wird.

Unter dem Begriff „unruhiger Säugling“ verstehen wir Unruhezustände, die auf keinen Fall bedrohlich sind, die aber die Lebensfreude der davon betroffenen Babys auf längere Zeit beeinträchtigen und die Eltern-Kind-Beziehung negativ belasten. Die Unruhe kann durch folgende „Grunderkrankungen“ bedingt sein: Kiss-Syndrom, Trimenonkoliken, Zahnungsbeschwerden.

Kiss-Syndrom

Kiss-SyndromUnruhezustände bei Säuglingen können durch das sog. Kiss-Syndrom (kopfgelenksinduzierte Symmetriestörung) ausgelöst sein. Dabei handelt es sich um eine Schieflage des Säuglings mit Schiefhals (Drehung des Kopfes zur einen und gleichzeitig Neigung zur entgegengesetzten Seite), mit lagebedingtem asymmetrisch abgeflachten Hinterkopf, Gesichtsasymmetrie, manchmal engerer Lidspalte einer Seite.
Hervorgerufen wird das KISS-Syndrom durch zervikale Blockaden entweder bereits im Uterus oder als Folge des Geburtsvorgangs. Es kommt dabei zu leichten Verschiebungen im Gefüge der Schädelknochen an der Schädelbasis, die auch Durchtrittspforte für die Hirnnerven sind, und damit zur Reizung der entsprechenden Hirnnerven. Am Foramen jugulare (zwischen Os occipitale und Os temporale) befindet sich auch der Durchtritt des Nervus vagus, der für alle vegetativen Steuerungen des Körpers zuständig ist. Über eine Irritation dieses Nervs kann es zu den allseits bekannten Säuglingskoliken kommen. Von großem therapeutischem Nutzen sind manuelle Behandlungen wie Osteopathie, Rolfing, Chirotherapie, wobei Blockaden durch sanften Druck gelöst werden.

Trimenonkoliken

TrimenonkolikenJedem Arzt begegnen in den ersten Lebenswochen und -monaten Säuglinge mit den sog. Trimenonkoliken. Die Säuglinge zeigen bevorzugt nachmittags und abends Unruhe- und Schreiphasen. Sie fühlen sich unwohl und haben heftige krampfartige Schmerzen mit Anziehen der Beine oder mit wechselweisem Anziehen und Strecken der Beine. Es bleibt ungeklärt, ob die bei einem Teil der Säuglinge gesehene vermehrte Gasansammlung Ursache oder Folge des Schreiens mit vermehrtem Luftschlucken ist. Elterliche Zuwendung mit Tragen, Schaukeln, Hüpfen auf einem weichen Ball wirken ebenso erleichternd wie Massieren, Streicheln, oder Anblasen mit warmer Föhnluft.
  • Buben sind von den Blähungskoliken stärker betroffen als Mädchen. Im zweiten Lebensmonat erreichen sie ihren Höhepunkt, im dritten Lebensmonat klingen sie wieder ab. Nur in einzelnen Fällen bestehen sie darüber hinaus.

  • Bei einem Teil der Kinder mit infantiler Kolik besteht eine Allergie gegen Nahrungsmittel, wobei meist Kuhmilcheiweiß der Auslöser ist. Bei gestillten Säuglingen fanden Clyne und Kulczycki in der Muttermilch von Kolikkindern höhere Konzentrationen an Kuhmilchprotein (bovines IgG) als bei asymptomatischen Säuglingen.

  • Unter flaschenernährten Kindern mit infantiler Kolik bessern sich 12–15 % deutlich nach Umstellung auf Eiweißhydrolysatnahrung. Sojanahrungen sollen laut Koletzko keinen nachweisbaren präventiven oder therapeutischen Nutzen haben.

  • Der Behandlungsnutzen mit dem uns allen bekannten und sehr häufig verordnetem Dimeticon (Sab simplex Suspension®, Elugan-Tropfen®, Lefax-Tropfen Suspension®) ist äußerst zweifelhaft.

Zahnungsbeschwerden und Infekte

  • Unruhezustände Zahnungsbeschwerdendurch Zahnungsbeschwerden treten besonders nachts auf. Sie sind harmloser Natur, aber dennoch für die davon betroffenen Säuglinge als auch für die mitbetroffenen Eltern quälend und sehr lästig.

  • Unruhe bei Säuglingen kann durch schmerzhafte Infektionen z. B. bei Otitis media, Angina oder fieberhaften Viruserkrankungen hervorgerufen werden. In aller Regel wird dabei Fieber die Unruhe begleiten.

Homöopathische Arzneimittel und Repertoriumsrubriken

Die homöopathische Behandlung von Unruhezustände Repertoriumsrubrikenunruhiger Säuglingist eine wichtige und auch dankbare Aufgabe. Wegen der größeren Vielfalt homöopathischer Arzneien gegenüber allopathischen Therapiemöglichkeiten bevorzugen auch mehr und mehr nicht homöopathische Ärzte diese Arzneien.
Aethusa cynapium
Erbrechen von Milch #Aethusa cynapiumunruhiger Säuglingbei Säuglingen. Heftiges Erbrechen, plötzlich gewaltsam oder unter großer Anstrengung, oft noch beim Gestilltwerden. Erbrochenes je nach Verweildauer im Magen weißlich flüssig, geronnen, oder es kommen große käsige, gelbliche oder grünliche Massen herauf. Unmittelbar nach dem Erbrechen große Erschöpfung und Schläfrigkeit. Eingefallenes sog. hippokratisches Gesicht (abrot). Scharfe Linea nasalis als Abgrenzung der durchsichtig blassen Oberlippe (typisches Symptom laut Nash). Bei Übergang in Cholera infantum Entleerung von grünen, wässrigen oder schleimigen Stühlen mit Kolik und Krämpfen.
→Gemüt – Betäubung – Erbrechen, nach – Kindern, bei (1): aeth
→Gemüt – qualvolle Angst – Erbrechen, mit (6): aeth, ant-t, ars, asar, mez, ox-ac
→Gemüt – Weinen – Kindern, bei – Trinken an der Mutterbrust, beim (3): aeth, borx lac-c
→Gesicht – gerunzelt – Kindern, Neugeborenen, bei (2): abrot, aeth
→Gesicht – hippokratisches Gesicht – Kindern, Neugeborenen, bei (2): abrot, aeth
→Gesicht – Nasenlinie ausgeprägt (9): aeth, ant-t, cina, ip, merc, phos, stram, …
→Gesicht – Farbe – blass – Lippen – Oberlippe (1): aeth
→Magen – Erbrechen – heftig (58): aeth, ant-t, ars, bism, cic, cina, colch, cupr, elat. Ferr, ip, merx, phos, verat, …
→Magen – Erbrechen – Milch, nach (39): aeth, ant-t, arsm calc, cham, ph-ac, sanic, sil, valer, …
→Magen – Erbrechen – Kindern, Säuglingen, bei (2): aeth, psor
→Magen – Erbrechen – Kindern, Säuglingen, bei – Trinken an der Brust, kurz nach dem (3): aeth, ip, sanic
→Magen – Erbrechen – Kindern, Säuglingen, bei – Trinken an der Brust, kurz nach dem – Schlaf, fällt in tiefen, betäubten (3): aeth, ip, sanic
→Magen – Erbrochenen, Art des – Milch – geronnene – Kindern, Säuglingen, bei (2): aeth, ant-c
→Rektum – Cholera infantum – begleitet von – Stuhl, grünem, wässrigem (4): aeth, calc, calc-p, sal-ac
→Rektum – Diarrhö – Kindern, Neugeborenen, bei (1): aeth
Argentum nitricum
#Argentum nitricumunruhiger SäuglingIn der Kinderpraxis eher seltenes Mittel. Für übererregbare, ängstliche Säuglinge mit Blähungskoliken, besonders, wenn diese hastig trinken und dazu ein tympanitisch aufgetriebenes Abdomen, heftiges und/oder schwieriges Aufstoßen haben. „Es sieht aus wie ein kleiner vertrockneter alter Mann“ (Guernsey 1996). Flatulenz besonders morgens beim Erwachen. Eingeklemmte Blähungen. Bauch sehr empfindlich gegen Windeldruck. Aufstoßen verschafft wenig Erleichterung. Blähungsabgang ebenfalls wenig erleichternd. Durchfall nach Trinken von Muttermilch. Hast und Eile gehören neben der Flatulenz und dem schwierigen Aufstoßen zu den führenden Symptomen dieser Arznei, dazu die typische Diarrhö bei Erregung. Bei Säuglingen fällt die Unterscheidung zu Lycopodium und zu Carbo vegetabilis schwer und wird oft zugunsten eines der beiden letztgenannten Mittel ausfallen, weil diese viel mehr im Bewusstsein sind. Argentum nitricum ist eine Arznei mit einem wichtigen Bezug zu den Augen. Bis vor einigen Jahren wurden bei Neugeborenen einige Tropfen Quecksilberlösung routinemäßig postpartal eingeträufelt als Prophylaxe gegen eine gonorrhoische Konjunktivitis. Daher bei der Kombination von Säuglingskoliken und Konjunktivitis ein wichtiges Mittel. In Bezug auf Augenentzündungen bei Säuglingen nur noch übertroffen von Mercurius.
→Abdomen – Schmerz – krampfartig, kneifend – Kindern, Säuglingen, bei (36): arg-n, cham, cina, mag-p, nux-v, …
→Gemüt – Erregung – nervös (172): acon, arg-n, cham, ign, nux-v, puls, sep, sil, …
→Gemüt – erschreckt leicht (158): arg-n, ars, bors, graph, lyc, nat-c, nat-m, sep, stram, tub, …
→Gemüt – Hast, Eile – Essen, beim (32): arg-n, ars, caus, hep, sul-ac, …
→Auge – Entzündung – Kindern, Kleinkindern, bei (28): arg-n, ars, calc-nit-ac, puls, thuj, …
→Auge – Entzündung – Bindehaut – chronisch (7): arg-n, ars, kali-bi, puls, …
→Auge – Absonderungen – eitrig (50): arg-n, calc, hep, lyc, merc, puls, …
→Magen – Aufstoßens, Art des – häufig (6): ambr, arg-n, borx, carb-v, nat-c, nat-sil, …
→Magen – Aufstoßens, Art des – laut, geräuschvoll (57): anac, arg-n, asaf, dios, nat-c, lyc, puls, …
→Magen – Aufstoßens, Art des – leer [Aufstoßen von Luft] (228): agar, arg-n, ars, bism, dios, kali-bi, sulph
→Magen – Auftreibung – Aufstoßen – amel. (5): arg-n, carb-v, carc, mag-c, nat-s
→Magen – Auftreibung – Aufstoßen – nicht amel. durch (7): arg-n, chin, echi, falco-pe, ham, lyc, phos
→Abdomen – Auftreibung – Flatus, Abgang von – amel. – nicht amel. durch (5): arg-n, chin, phos, podo, positr
→Abdomen – Auftreibung – Abendessen, nach dem (8): alum, arg-n, arn, bor, chin, sep, …
→Abdomen – Auftreibung – tympanitisch (88): arg-n, ars, carb-v, cham, hyos, lach, lyc, phos, …
→Abdomen – Kleidung, empfindlich gegen (47): arg-n, bov, calc, lach, lyc, nux-v, …
→Abdomen – Flatulenz – morgens – Erwachen, beim (6): arg-n, rumx, …
→Abdomen – Flatulenz – eingeklemmte Blähungen (124): arg-n, colch, chin, nit-ac, puls, verat, …
→Abdomen – Flatulenz – Kindern, bei (6): arg-n, cham, lyc, …
→Rektum – Diarrhö – Kindern, bei – Muttermilch, nach Trinken von (3): arg-n, nat-c, sil
→Rektum – Diarrhö – nervös, Gemütsbewegungen agg. (19): arg-n, cham, gels, kali-p, puls, verat, …
Belladonna
Belladonna#Belladonnaunruhiger Säugling-Schmerzen beginnen plötzlich und enden plötzlich. Selten allmähliches Aufhören der Schmerzzustände. Wichtiges Mittel für das Anfangsstadium jeder Entzündung, z. B. bei Pharyngitis, Angina, Otitis, besonders, wenn noch Fieber und delirante Symptome dazukommen. Säuglinge, die Belladonna brauchen, haben ein rotes heißes Gesicht, kalte Extremitäten, geweitete Pupillen, glasige Augen besonders bei Fieber. Sie sind unruhig, schreien heftig, bohren den Kopf in das Kissen. Alles Blut strömt zum Kopf und verursacht heftige, klopfende Schmerzen. Bei Säuglingskoliken krampfartige Bauchschmerzen in der Nabelgegend und tief im Unterbauch. < Berührung, Erschütterung, Liegen. > Beugen nach hinten, Zusammenkrümmen. Druck kann < oder >.
→Kopf – Hitze – Kälte – Extremitäten, mit Kälte der [Complete] (37): arn, bell, calc, ferr, …
→Kopf – bohrt den Kopf in das Kissen (24): apis, bell, tub, …
→Gesicht – Farbe – rot – glühend rot (58): astac, bell, canth, cina, stram, …
→Abdomen – Schmerz – krampfartig, kneifend – Kindern, Säuglingen, bei (36): arg-n, bell, cham, coloc, ign, mag-c, mag-m, mag-p, nat-s, nux-v, staph, …
→Abdomen – Schmerz – Beugen – hinten, nach – amel. (10): bell, cham, dios, kalic-c, lac-c, nux-v
→Abdomen – Schmerz – steigt – schnell – sinkt – schnell (3): bell, cycl, vib
→Allgemeines – Entzündung – plötzlich (1): bell
→Allgemeines – Schmerz – erscheinend, plötzlich – verschwindend, und – plötzlich (60): arg-n, bell, kali-bi, phyt, nit-ac, …
→Allgemeines – Entzündung – heftig (5): ars, bell, canth, merc-c, …
Borax venata
#Borax venataunruhiger SäuglingDas Leitsymptom von Borax ist seine Angst vor jeder Abwärtsbewegung. Säuglinge schreien, wenn sie zum Wickeln hingelegt werden oder wenn beim Wickeln nur ihre Beinchen angehoben werden (Vithoulkas). Sie können es nicht ertragen, geschaukelt oder gewiegt zu werden. Extreme Schreckhaftigkeit bei plötzlichen Geräuschen. Angst nachts (ars, kali-br, tub) mit Schreien. Schreien im Schlaf und beim Erwachen. Aufschreien im Schlaf durch beunruhigende Träume (calc, carc). Säuglinge haben Angst und weinen in Zusammenhang mit Stuhl- und Urinentleerung. Schreien beim Stillen mit Verweigern der Brust besonders im Zusammenhang mit den soortypischen weißen rasenartigen Belägen oder den für Borax ebenfalls typischen Aphthen in der Mundhöhle.
→Gemüt – Angst – Bewegung – agg. – Abwärtsbewegung, nach unten (5): borx, coff-t, gels, psor, sanic
→Gemüt – Angst – Bewegung – agg. – Aufwärtsbewegung, nach oben (1): borx
→Gemüt – Angst – Kinder – bei Kindern – Schaukeln, beim (1): borx
→Gemüt – empfindlich – Geräusche, gegen – geringste Geräusch, gegen das – aber nicht gegen lautes Geräusch, Lärm (1): borx
→Gemüt – empfindlich – Geräusche, gegen – plötzlich (8): borx, calad, cocc, kali-p, limest-b, nat-c, nat-m, podo
→Gemüt – empfindlich – Geräusche, gegen – plötzlich – Knall, Schuss (1): borx
→Gemüt – Furcht – fallen, zu stürzen – Kind hält sich an der Mutter fest, das (5): borx, cupr, cupr-act, gels, sanic
→Gemüt – Furcht – getragen zu werden, Furcht davor (3): borx, bry, sanic
→Gemüt – Schreien – Kindern, bei – Schlaf, im (21): apis, calc-p, cham, ign, jal, lyc, puls, tub, …
→Gemüt – Schreien – Kindern, bei – Erwachen, beim (11): borx, cina kali-c, lyc, sanic, sulph, …
→Gemüt – Schreien – Kindern, bei – gestillt werden, wenn sie (1): borx
Calcium phosphoricum
#Calcium phosphoricumunruhiger SäuglingZarte, schwächliche, untergewichtige Säuglinge, unzufrieden, unruhig, stöhnend. Drehen sich die ganze Zeit hin und her, bewegen sich dauernd, strampeln und treten, weinen viel (Vithoulkas). Erwecken den Eindruck, als wollten sie sich ständig beklagen. Muskuläre Hypotonie, statomotorische Retardierung.
Spätes Gehen lernen, später Fontanellenverschluss, späte Zahnung. Milchunverträglichkeit. Entweder Verweigerung von Flasche oder Brust oder ständiges Saugbedürfnis. Nuckeln an den Fingern, am Schnuller. Schlechte Gewichtszunahme auch bei gutem Appetit. Häufige Blähungskoliken und oder grünliche, übelriechende Durchfälle. Zahnungsdurchfälle mit Reizbarkeit und Verlangen, getragen zu werden (cham). Ängstlich, wenn sie aus dem Bettchen gehoben werden (entgegengesetzt borx). Quengeln viel. Wollen Abwechslung. Schon bei ganz kleinen Babys zu beobachtende allerdings nur vorübergehende Besserung durch Umgebungswechsel und die damit verbundene Ablenkung durch neue Sinneseindrücke.
→Gemüt – Angst – Kinder – bei Kindern – gehoben, wenn aus der Wiege (3): borx, calc, calc-p
→Gemüt – Entwicklung, kindliche – Entwicklungsstillstand bei Kindern (19): agar, bar-c, calc-p, cic, phos, syph, …
→Gemüt – Gesten, Gebärden, macht – Finger – Mund, Kinder stecken die Finger in den (19): calc, calc-p, cham, ip, sacch, …
→Gemüt – getragen – Verlangen, getragen zu werden (38): bry, calc-p, cina, cham, kali-c, lyc, verat, …
→Gemüt – Hause, zu – Verlangen, nach Hause zu gehen – auszugehen, und wenn er daheim ist (4): bry, calc, calc-p, cupr-act
→Gemüt – Stöhnen – Kindern, bei (13): ant-c, calc-p, cham, cina, podo, …
→Gemüt – unzufrieden – sich selbst, mit (52): calc-p, carc, hep, nit-ac, puls, suph, …
→Abdomen – Schmerz – krampfartig, kneifend – Kindern, bei – Säuglingen, bei (36): arg-n, bell, cham, coloc, ign, mag-c, mag-m, mag-p, nat-s, nux-v, staph, …
→Rektum – Diarrhö – Kindern, bei – Säuglingen, bei (15): calc-p, calc-s, cham, sulph
→Allgemeines – Abmagerung – Heißhunger mit Abmagerung – Kindern, bei – Kleinkindern, bei (20): calc, calc-p, cina, jod, mag-c, nat-m, …
Carbo vegetabilis
#Carbo vegetabilisunruhiger SäuglingSäuglinge, die diese Arznei benötigen, sind von sehr schwächlicher Konstitution, abgemagert, meist in schlechtem Ernährungszustand mit massiv aufgetriebenem, druckempfindlichem Abdomen und blassem Gesicht. Facies hippocratica. Dies könnte auch differenzialdiagnostisch an Lycopodium denken lassen, jedoch ist die Lebensenergie von Carbo vegetabilis wesentlich geringer, das Schreien manchmal sogar heiser. Bei der Auskultation des Abdomens sehr laute gurgelnde Darmgeräusche. Häufiges Aufstoßen, das die Auftreibung des Abdomens bessert. Ebenso > Blähungsabgang. Stuhl sehr übelriechend, ja fast verfault. Ausdruck mangelnder Lebensenergie ist auch eine ausgeprägte Kälte, speziell der Füße und Unterschenkel bis zu den Knien (Schlüsselsymptom), mag aber dabei oft nicht zugedeckt werden. Kalter Schweiß. Gelegentlich blutendes Zahnfleisch. Scharfe Absonderungen der Schleimhäute.
→Gesicht – Farbe – bleich (66): calc, carb-v, lyc, med, tub, …
→Magen – Aufstoßens, Art des – häufig (6): ambr, arg-n, borx, carb-v, nat-c, nat-sil, …
→Magen – Auftreibung – Aufstoßen – amel. (6): arg-n, carb-v, carc, lyc, mag-c, nat-s
→Abdomen – Rumoren, Kollern – Flatus amel., Abgang von (15): carb-v, lyc, nat-s, …
→Abdomen – Schmerz – krampfartig, kneifend – Kindern, Säuglingen, bei (36): arg-n, bell, cham, coloc, ign, mag-c, mag-m, mag-p, nat-s, nux-v, staph, …
→Stuhl – Geruch – aashaft (15): ars, carb-v, kali-p, lach, …
→Extremitäten – Kälte – Füße – eisige Kälte (81): camph, carb-v, crot-c, elaps, lach, phos, sep, sil, verat
→Extremitäten – Kälte – Knie – nachts (7): carb-v, cop, euphr, phos, raph, sep, verat
→Extremitäten – Kälte – Unterschenkel (121): calc-cil, carb-v, lac-c, lach, samb, stram. verat, …
→Haut – Kälte – eisige Kälte (16): apis, calc, camph, carb-v, nat-m, verat, …
→Allgemeines – Hitze – Lebenswärme, Mangel an – bedeckt, zugedeckt zu werden, aber Abneigung (5): camph, carb-v, sec, …
→Allgemeines – Schwäche – Schweiß – mit Schweiß, Schwäche – kalter (7): camph, carb-v, cupr, merc, ph-ac, ter, verat, …
→Allgemeines – Zyanose – Kleinkindern, bei (19): camph, carb-v, lach, laur, naja, phos, …
Chamomilla
#Chamomillaunruhiger SäuglingDas Chamomilla-Baby ist verzweifelt und außer sich vor Schmerzen, meist im Rahmen der Zahnung, einer Otitis oder Bauchkolik. Heftiges Schreien, ärgerliche Reizbarkeit. Es mag keine Berührung (cina), ist äußerst launisch, möchte Dinge haben, die dann wieder zurückgewiesen werden (cina). Die einzige Möglichkeit, es zu beruhigen, besteht in Herumtragen (cina) und/oder Schaukeln. < Wärme, außer bei Kolik und warmem Einhüllen des Ohrs, < abends und nachts. Ohrenschmerz > Bewegung. Eine Wange rot, die andere blass. Finger im Mund, um den Zahnschmerzen Linderung zu verschaffen. Bei körperlicher Gesundheit ist Chamomilla im Säuglingsalter durchaus mit Calcium carbonicum zu verwechseln, eher „runde“ Babys mit viel Kopfschweiß. Während der Zahnung bestehen häufig Durchfälle (calc), grünlich, übelriechend, wässrig. Bei Schmerzen oft viel Durst. Schlaflosigkeit mit Schläfrigkeit.
→Gemüt – berührt werden – Abneigung, berührt zu werden (66): ant-c, arn, cham, kali-c, med, phos, tarent, …
→Gemüt – Delirium – Schmerzen – durch (22): bell, hyos, op, stram, verat, …
→Gemüt – eigensinnig, starrköpfig, dickköpfig – Kinder (36): ant-c, caps, cham, cina, syph, tub, …
→Gemüt – empfindlich – Schmerz, gegen – außer sich vor Schmerzen, ist (16): acon, cham, nux-v, mag-p, …
→Gemüt – Gesten, Gebärden, macht – Finger – Mund, Kinder stecken die Finger in den (23): calc, calc-p, cham, ip, sacch, …
→Gemüt – getragen – Verlangen, getragen zu werden (38): bry, calc-p, cina, cham, kali-c, lyc, verat, …
→Gemüt – jammern – Schlaf, im (12): cham, cina
→Gemüt – Launenhaftigkeit, launisch – weist Dinge zurück, die er haben wollte, sobald er sie bekommt (19): cham, cina, dulc, hep, ip, rheum, staph
→Gemüt – mürrisch – Zahnung, während der (1): cham
→Gemüt – Reizbarkeit, Gereiztheit – Berührung, durch (12): ant-c, arn, cham, tarent, …
→Gemüt – Reizbarkeit, Gereiztheit – Schmerzen, bei den (32): cham, coff, nux-v, op, phos, puls, …
→Gemüt – Reizbarkeit, Gereiztheit – Zahnung, während der (10): bell, cham, cypr, podo, kreos, rheum, …
→Gemüt – Ruhelosigkeit – Kindern, bei – Herumtragen der Kinder amel. (6): ant-t, ars, arc, cham, cina, kali-c
→Gemüt – Schaukeln – Verlangen, geschaukelt zu werden (10): carc, cham, sanic, …
→Gemüt – Schreien – Kindern, bei – nachts (11): cham, jal, kali-p, lac-c, psor, …
→Gemüt – Schreien – Kindern, bei – Kolik mit (2): cham, nux-v
→Gemüt – untröstlich – Kindern, Kleinkindern, bei (1): cham
→Gemüt – Zorn – Kindern, bei (29): acon, cham, cina, lyc, phos, syph, …
→Kopf – Schweiß der Kopfhaut – Schlaf, im (15): calc, cham, cic, lyc, merc, sep, sil
→Ohr – Schmerz – Bewegung, bei – amel. (5): cham, psor, puls
→Ohr – Schmerz – warm – Bett, Bettwärme agg., warmes – Einhüllen amel., und warmes (12): cham, dulc, hep, mag-p, sep, …
→Gesicht – Farbe – rot – eine Seite – blass, die andere rot, eine Seite (15): calc, cham, cina, ip, lach, puls, rheum, …
→Zähne – Schmerz – Kindern, bei (12): ant-c, bell, calc, cham, coff, puls, sil, …
→Abdomen – Schmerz – krampfartig, kneifend – Kindern, bei – Säuglingen, bei (36): arg-n, bell, cham, coloc, ign, mag-c, mag-m, mag-p, nat-s, nux-v, staph, …
→Rektum – Diarrhö – Zahnung, während der (53): calc, coloc, cham, dulc, ferr, mag-p, rheum, sil
→Stuhl – grün – Gras, wie geschnittenes (1): cham
→Stuhl – wässrig – grün (41): cham, elat, grat, magc-c, phos, verat, …
Cina maritima
#Cina maritimaunruhiger SäuglingStarke Launenhaftigkeit, Reizbarkeit, mag nicht berührt, gestreichelt oder angesehen, lediglich getragen werden. Will Dinge haben und weist sie dann wieder zurück (cham). Die Differenzialdiagnose zu Chamomilla kann manchmal schwierig sein. Bei Cina fehlt die Einseitigkeit der Wangenröte. Es findet sich meist ein heißes rotes Gesicht, abwechselnd mit einem eher blassen, kränklichen Gesicht mit dunklen Augenringen, oder aber ein rotes Gesicht mit Blässe um Mund und Nase. Häufiges Auffahren und Zucken nachts. Abwechselnd Heißhunger und völlige Appetitlosigkeit. Bei älteren Säuglingen bzw. Kleinkindern kommt Nasebohren, Würmer, Konvulsionen, Zähneknirschen vor. Rollen des Kopfes (bell, stram, tub) oder nach hinten Werfen; < nachts, > Liegen auf Brust und Knie (med), oder Gesicht ins Kissen gebohrt.
→Gemüt – beruhigt werden, kann nicht (3): ars, cham, cina
→Gemüt – berührt werden – Abneigung berührt zu werden – getragen zu werden; aber Verlangen (1): cina
→Gemüt – eigensinnig, starrköpfig, dickköpfig – Kinder (22): ant-c, caps, cham, cina, syph, tub, …
→Gemüt – getragen – Verlangen, getragen zu werden (38): bry, calc-p, cina, cham, kali-c, lyc, verat, …
→Gemüt – Launenhaftigkeit, launisch – weist Dinge zurück, die er haben wollte, sobald er sie bekommt – Kindern, bei (19): cham, cina, dulc, hep, ip, rheum, staph, …
→Gemüt – liebkost zu werden, Liebkosungen – Abneigung (10): ant-c, cham, cina, …
→Gemüt – Reizbarkeit, Gereiztheit – Zahnung, während der (19): bell, cham, cina, cypr, podo, kreos, rheum, …
→Gemüt – Ruhelosigkeit – Kindern, bei – Herumtragen der Kinder amel. (5): ant-t, ars, cham, cina, kali-c
→Gemüt – Schreien – Kindern, bei – abends (3): cina, cinnm, zinc
→Gemüt – Stoßen, treten, austreten – Schlaf, im (7): bell, carc, cina, nat-c, phos, sulph, tub
→Gemüt – Weinen – getragen, wenn – ruhig, wenn es getragen wird, das Kind ist (2): cham, cina
→Kopf – Bewegungen des Kopfes – Rollen des Kopfes (45): bell, cic, cina, stram, sulph, tarent, tub
→Kopf – Bewegungen des Kopfes – Werfen des Kopfes – hinten, nach (28): agar, bell, cic, glon, stram, verat, …
→Auge – kränkliches Aussehen um die Augen (2): cina, guare
→Nase – Bohren mit den Fingern in der Nase (41): arum-t, cina, nat-m, sil, zinc, …
→Gesicht – Farbe – blass – Mund, um den (12): cina, cupr, stram, …
→Gesicht – Farbe – rot – glühend rot (58): astac, bell, canth, cina, stram, thuj, …
Colocynthis
#Colocynthisunruhiger SäuglingDiese Arznei wird bei Säuglingen fast ausschließlich im Rahmen von Trimenonkoliken benötigt, gelegentlich bei schmerzhafter Zahnung. Ausschlaggebend für die Verordnung sind die Modalitäten. Die Beschwerden treten plötzlich auf; > Zusammenkrümmen, nach vorne Beugen, Beugen der Beine, fester Druck, Liegen auf dem Abdomen (med), Abgang von Stuhl.
→Gemüt – Schreien – Schmerzen, bei den (34): acon, bell, cham, coloc, sep, …
→Zähne – Zahnung – schwierig (92): acon, borx, calc-p, calc, cham, coloc, mag-m, staph, sulph, …
→Magen – Schmerz – Beugen – Zusammenkrümmen – amel. (28): chel, coloc, verat-v, …
→Magen – Schmerz – Druck – amel. (16): am-c, coloc, plb, stann, …
→Magen – Schmerz – krampfartig – Beugen – vorne, nach – amel. (8): atro, bell, carb-v, chel, coch, coloc, lyc, verat-v
→Abdomen – Schmerz – Beugen der Beine amel. (20): bell, coloc, podo, sep, …
→Abdomen – Schmerz – Liegen – Abdomen, auf dem – amel. (21): bell, calc, coloc, phos, …
→Abdomen – Schmerz – krampfartig, kneifend – Beugen – vorne, nach amel. (27): coloc, kali-c, lach, mag-p, stann, …
→Abdomen – Schmerz – krampfartig, kneifend – Druck – amel. (11): coloc, mag-p, podo, stann, …
→Abdomen – Schmerz – krampfartig, kneifend – Kindern, bei – Säuglingen, bei (36): arg-n, bell, cham, coloc, ign, mag-c, mag-m, mag-p, nat-s, nux-v, staph, …
→Abdomen – Schmerz – krampfartig, kneifend – Stuhlgang – nach – amel. (24): coloc, gamb, gels, mag-c, nat-s, nux-v, …
→Abdomen – Schmerz – krampfartig, kneifend – Nabel – Nabelgegend – Beugen des Körpers, beim – vorne, nach – amel. (4): aloe coloc, rauw, senec
→Rektum – Diarrhö – Zahnung, während der (53): calc, coloc, cham, dulc, ferr, mag-p, rheum, sil, …
→Allgemeines – plötzlich auftretende Symptome (50): acon, bell, borx, coloc, cupr, mag-p, phos, stry, …
Cypripedium pubescens
#Cypripedium pubescensunruhiger SäuglingHilfreich bei nervöser Überreizung des Zentralnervensystems. Säuglinge und Kleinkinder wachen nachts aus dem Schlaf auf, sie lachen, sind hellwach und heiter. Wollen die ganze Nacht spielen. Kein Bedürfnis wieder einzuschlafen. < Zahnung.
→Gemüt – Angst – nachts – Kindern, bei (32): ars, bor, calc, cypr, kali-br, stram, tub, …
→Gemüt – Ekstase – nachts – Erwachen, beim (2): cypr, verat
→Gemüt – Lachen – Konvulsionen – vor, während oder nach (16): bell, camph, cypr, ign, plat, …
→Gemüt – Lachen – nachts – Kinder (1): cypr
→Gemüt – Lachen – Schlaf – im (18): cypr, hyos, llyc, sil, stram, sulph, …
→Gemüt – Reizbarkeit, Gereiztheit – Zahnung, während der (19): bell, cham, cina, cypr, podo, kreos, rheum, …
→Gemüt – Ruhelosigkeit – Kindern, bei – Zahnung, während der (5): acon, cypr, kreos, rheum
→Gemüt – Spielen – Verlangen zu spielen – nachts – Kindern, bei (1): cypr
→Gemüt – Spielen – Verlangen zu spielen – nachts (2): cypr, med
→Gemüt – zerbricht Dinge (25): apis, cypr, nux-v, staph, stram, tub, …
→Kopf – Hyperästhesie – Gehirns, zerebral, des – Kindern, bei Jungen – Überstimulierung des Gehirns, durch (1): cypr
→Kopf – Schmerz – Gehirn, schmerzhaftes Drücken tief im – Zahnung, während der (1): cypr
Dioscorea villosa
#Dioscorea villosaunruhiger SäuglingArznei gegen Blähungskoliken. Krampfartige Schmerzen, die in der Nabelgegend beginnen und von da in den ganzen Bauch und sogar bis in die Extremitäten ausstrahlen. Entgegen Colocynthis < der Schmerzen durch Vorwärtsbeugen und > Strecken, Rückwärtsbeugen. Babys, die diese Arznei benötigen, spannen den Rücken wie einen Bogen (Modalitäten wie Belladonna, es fehlt das bei Belladonna typische hochrote Gesicht).
→Abdomen – Schmerz – abwechselnd mit – Fingern und Zehen, Schmerz in (1): dios
→Abdomen – Schmerz – ausstrahlend (29): dios, ip, mag-m, mag-p, plb, …
→Abdomen – Schmerz – krampfartig, kneifend – beugen – hinten amel., nach (6): alet, bell, dios, nux-v, onos, plb, …
→Abdomen – Schmerz – Liegen – Rücken, auf dem (11): ars, dios, lach, mag-c, …
→Abdomen – Schmerz – wandernd – verschiebt sich plötzlich zu entfernten Teilen (1): dios
Jalapa
#Jalapaunruhiger SäuglingTagsüber relativ zufriedene Säuglinge, nachts unruhig und reizbar (lyc umgekehrt). Weinen und schreien nachts. Werfen sich die ganze Nacht herum und winden sich. Sind nachts mürrisch. Jalapa ist besonders wirksam, wenn nächtliche Unruhe vergesellschaftet ist mit durchfälligen Stühlen. Schlammige, sauer riechende Durchfälle nachts. Stuhl entleert sich gewaltsam in einem Schwall. Zahnungsdurchfälle. Kaltes bläuliches Gesicht. Brennende Fußsohlen und rote brennende Zunge.
→Gemüt – Reizbarkeit, Gereiztheit – Kindern, bei – brav, die ganze Nacht gereizt, den ganzen Tag über (1): jal
→Gemüt – Reizbarkeit, Gereiztheit – nachts – abwechselnd mit – Fröhlichkeit – tagsüber: ant-t, jal, lac-c, nux-v, psor, rheum
→Gemüt – Ruhelosigkeit – Kindern, bei – nachts (9): coca, jal, kali-c, rheum, …
→Gemüt – Schreien – Kindern, bei – nachts (11): cham, jal, kali-p, lac-c, psor, …
→Gemüt – Schreien – Kindern, bei – Schlaf, im (21): apis, calc-p, cham, ign, jal, lyc, puls, tub, …
→Gemüt – Weinen – Kindern, Säuglingen, bei (24): cham, hyos, jal, kali-c, lyc, puls, …
→Gemüt – Weinen – Schlaf, im – Kind ist tagsüber brav und ist die ganze Nacht ruhelos und schreit (2): jal, psor
→Schlaf – ruhelos – Kindern, bei (15): cina, jal, staph, …
Latrodectus mactans
#Latrodectus mactansunruhiger Säugling„Schwarze Spinne“, die hauptsächlich bekannt ist als Indikation zur Behandlung von Angina pectoris. Im Zusammenhang mit unruhigen Säuglingen wurde sie von Mathias Dorcsi erwähnt. Danach ist sie als situationsbedingte Verschreibung angezeigt, wenn eine äußerst schwere Geburt mit Einsatz von Vakuum oder Forceps vorausging und konsekutive zerebrale Mikroblutungen anzunehmen sind. Häufig auch petechiale Blutungen im Gesicht. Charakteristisch ist ein hochfrequentes, extrem schrilles Schreien. > Warmes Baden. In den Repertorien für Säuglinge kaum verwertbare Rubriken. Die Arznei hat sich in einigen verzweifelten Fällen in der Praxis bewährt.
→Gemüt – schreien – Schmerzen, bei den (34): acon, bell, coloc, cham, lat-m, …
→Gemüt – stöhnen – Schmerzen, durch (20): bell, cham, coloc, lat-m, nux-v, thuj, …
→Gesicht – Ausdruck – ängstlich (94): arg-n, ars, camph, lac-c, lat-m, lyc, nux-v, stram, verat, …
→Allgemeines – Baden, Waschen – warmes Baden – amel. (20): ant-c, lat-m, lyc, phos, sec, …
→Allgemeines – Blutung – Blut – gerinnungsfähig, nicht (59): both-l, crot-c, ferr, lach, lat-m. nit-ac, phos
→Allgemeines – Wunden – bluten reichlich (57): bell, kreos, lach, lat-m, nit-ac, phos, …
Lycopodium clavatum
Lycopodium-Babys #Lycopodium clavatumunruhiger Säuglingsind meist zart, schwächlich, eher alt aussehend mit bereits markanten individuellen Gesichtszügen. Häufig findet sich Stirnrunzeln. Ihre Unruhe ist überwiegend begründet in Verdauungsbeschwerden mit aufgetriebenem Abdomen, viel Flatus, krampfartigen Bauchschmerzen sowie gewöhnlich Obstipation. Aber auch rezidivierende Durchfälle sind möglich. Eine enge Windel oder sonstige enge Kleidung, insbesondere am Bauch wird nicht ertragen. Reizbarkeit und Weinerlichkeit sind weitere Charakteristika. Das Schreien ist typischerweise schrill, heftig, wütend, zornig, weniger mitleiderregend, vielmehr erzeugt es bei den Eltern oft Aggressionen. „Unser Baby hat uns voll unter seiner Kontrolle.“ Die Schreiattacken sind schlimmer von 16:00–20:00 Uhr. Ohne diese Modalität ist diese Arznei eher nicht angezeigt. Aufstoßen und Abgang von Flatus bessert nur kurzzeitig. Heißhunger mit schneller Sättigung. Bei Neugeborenen findet sich nicht selten Ziegelmehl im Urin (retrospektiv danach fragen!), des Weiteren eine Schniefnase (med). Die Knie-Ellenbogen-Lage (med, syph, tub) ist zwar charakteristisch für diese Arznei, sollte aber bei jungen Säuglingen nicht als ausschließendes Symptom verwendet werden, da in dieser Altersstufe sehr viele Babys diese Lage bevorzugen. Hilft Lycopodium bei den Blähungskoliken, so handelt es sich fast immer auch um die spätere konstitutionelle Arznei.
→Gemüt – diktatorisch – spricht in Befehlston (7): arn, cupr, falco-pe, lac-leo, lyc, phos, tax, …
→Gemüt – schreien – Kindern, bei – Schlaf, im (21): apis, calc-p, cham, ign, jal, lyc, puls, tub, …
→Gemüt – schreien – Krämpfe, während der – Abdomen, im (5): cupr, jatr-c, lyc, mag-p, plb
→Gemüt – stoßen, (Aus)treten – Kindern, bei – zornig, tritt und schimpft beim Erwachen, das Kind ist (2): lyc, sanic
→Gemüt – Weinen – Kindern, Säuglingen, bei (24): cham, hyos, ign, kalic-c, lyc, puls
→Gemüt – Zorn – Kindern, bei (36): acon, cham, cina, lyc, phos, syph, …
→Nase – schniefen – Kindern, Neugeborenen, bei (17): calc-lac, dulc, lyc, merc, nux-v, puls, samb
→Nase – Verstopfung – Kindern, Säuglingen, bei (5): aur, kali-bi, lyc, nux-v, samb
→Gesicht – gerunzelt – Stirn, Stirnrunzeln (33): graph, lyc, nux-v, stram, sulph, …
→Magen – Schluckauf – heftig (27): lyc, mag-p, nat-m, stram, …
→Magen – Schmerz – krampfartig – Beugen – vorne, nach – amel. (10): atro, bell, carb-v, chel, coch, coloc, lyc, verat-v, …
→Abdomen – Auftreibung – nachmittags – 16 Uhr – 16–20 Uhr (2): lyc, sulph
→Abdomen – Auftreibung – Aufstoßen – amel. (9): calc-f, cann-i, carb-v, cassia-s, lyc, sep, thuj
→Abdomen – Auftreibung – Flatus, Abgang von – amel. (19): lyc, mag-c, ph-ac, sulph, …
→Rektum – Obstipation – Kindern, bei (27): calc, graph, lyc, nat-m, nat-p, nux-v, op, sep, sil, …
→Urin – Sediment – rot – ziegelfarben (17): arn, chin, lyc, nat-m, …
→Urin – Sediment – Sand – gelb – gelblichrote Kristalle (4): berb, chel, chinin-s, lyc
→Schlaf – Lage – genupektoral (10): calc-p, carc, con, euph, lyc, med, olib-sac, phos, sep, tub, …
→Allgemeines – nachmittags (13:00–18:00 Uhr) – 16:00 Uhr – 16:00–20:00 Uhr (13): apis, caus, lyc, nux-v
→Allgemeines – Abmagerung – Heißhunger mit Abmagerung – Kindern, bei – Kleinkindern, bei (20): calc, cina, jod, lyc, mag-c, nat-m, sulph, …
→Allgemeines – Abmagerung – schwächlichen, kränklichen Knaben, bei (5): aur, lyc, nat-m, ph-ac, tub
→Allgemeines – Kleidung allgemein – Lockern, Lösen der Kleidung amel. (32): calc, lach, lyc, nit-ac, nux, …
→Allgemeines – zarte, empfindliche Konstitution (15): ign, lyc, sil, …

Kasuistik

Schreiattacken (Anneliese Borgmeyer, Anna Koller-Wilmking)

Anamnese

Vier Monate alter weiblicher, dystropher Säugling, erstmals in der Praxis zur U4. Gewicht 4150 g (Geburtsgewicht 3500 g). Voll gestillt. Sehr wacher, intelligenter, fast schon erwachsener Gesichtsausdruck. Starke Unruhezustände am späten Nachmittag mit viel Blähungsabgang, der nur kurz bessert. Neigung zu Obstipation. Schläft nachts durch. Bei der Untersuchung extrem lautes, schrilles, zorniges Schreien, als wollte es sagen, „lass mich endlich in Ruhe“.

Verordnung und Verlauf

Eine Gabe Lycopodium M hatte eine Gewichtszunahme von 1,5 kg (!) innerhalb von drei Wochen zur Folge und beseitigte die nachmittäglichen Schreiattacken. Laut Mutter sei das Baby viel „pflegeleichter“ geworden. Im Verlauf von weiteren 4 Jahren (derzeitiges Alter) bekam das Kind lediglich einzelne Gaben der gleichen Arznei, immer dann, wenn es wieder diktatorischer wurde und versuchte, die Mutter herumzukommandieren. Außer einiger weniger, leichter Luftwegsinfekte nie krank. Es handelte sich also von Anfang an um das konstitutionelle Mittel.
Magnesium carbonicum
Charakteristisch ist eine ausgeprägte Übererregbarkeit des zentralen und vegetativen Nervensystems (gilt für alle Magnesiumsalze) mit starker Reizbarkeit. Bei Magnesium carbonicum#Magnesium carbonicumunruhiger Säugling liegt der Schwerpunkt auf dem gesamten Verdauungstrakt mit Zeichen der Maldigestion, Malabsorption und Spasmen an den Hohlorganen. Dementsprechend sind die Säuglinge dystroph. Besondere Probleme bestehen in der Verdauung von Milch mit Aufstoßen, Produktion von Flatus, Durchfällen (besonders im Rahmen der Zahnung). Typisch sind grüne, wässrige, schaumige Stühle (wie Schaum auf einem Froschteich), sauer (rheum sauer, aber braun), plötzlich herausschießend. Saurer Körpergeruch (rheum). Die Beschwerden treten anfallsweise und intermittierend auf (Magnesiumsalze). Die Nase ist oft nicht durchgängig als Ausdruck einer Hypertrophie der Schleimhäute. Die Verschlechterung nachts, besonders, wenn die Babys sich alleine im Kinderzimmer befinden, ist nicht Ausdruck eines eventuell zugrundeliegenden syphilitischen Miasmas, sondern mehr der für Magnesium typischen Verlassenheitsgefühle. Modalitäten < nach Nahrungsaufnahme, nachts (speziell 3:00–5:00 Uhr), Kälte, Berührung, Ruhe. > Bewegung (anders mag-p). Falls nicht gestillt wird, sollte wegen der Milchunverträglichkeit vorübergehend eine hypoallergene Nahrung gefüttert werden.
→Gemüt – Reizbarkeit, Gereiztheit – Kindern, bei (39): cham, calc-p, calc, cina, mag-c, staph, syph, tub, …
→Gemüt – Schreien – Schlaf, im (93): bor, calc-p, caps, carc, cic, cin, lac-c, lyc, mag-c, mag-m, puls, tub, …
→Nase – Verstopfung – nachts – weckt ihn auf (7): ammc, bamb-a, kola mag-c, nit-ac, phyt, stict, …
→Zähne – Zahnung – schwierig (92): calc, cham, mag-c, mag-m, nux-v, rheum, sil, staph, …
→Magen – Aufstoßen – Milch, nach (27): calc, cupr, mag-c, nat-m, …
→Magen – Schmerz – Milch – agg. (11): ars, ferr, mag-c, mag-m, sulph, …
→Magen – Verdauungsstörung – Milch – nach (12): aeth, ambr, ant-c, calc, chin, iris, mag-c, mag-m, nit-ac, nux-v, sulph, zinc, …
→Abdomen – Auftreibung – Flatus, Abgang von – amel. (19): lyc, mag-c, ph-ac, sulph
→Abdomen – Schmerz – krampfartig, kneifend – Kindern, bei – Säuglingen, bei (36): arg-n, bell, cham, coloc, ign, mag-c, mag-m, mag-p, nat-s, nux-v, staph, …
→Abdomen – Schmerz – krampfartig, kneifend – Stuhlgang – nach – amel. (30): coloc, mag-c, nat-s, nux-v, …
→Rektum – Diarrhö – Milch – nach (25): calc, mac-c, mag-m, nat-ar, nat-c, sil, …
→Rektum – Diarrhö – Zahnung, während der (53): calc, coloc, cham, dulc, ferr, mag-p, rheum, sil, …
→Stuhl – Geruch – sauer (52): calc, hep, mag-c, merc, nat-c, nat-p-, nit-ac, rheum, …
→Stuhl – grün – Schaum auf einem Froschteich, wie (11): asc-t, grat, hell, mag-c, merc, phos, sanic, …
→Stuhl – wässrig – grün – Schaum, mit (2): mag-c, merc
→Schlaf – unerquicklich – morgens (35): graph, lyc-maag-c, mag-m, sulph, …
→Allgemeines – Abmagerung – Heißhunger mit Abmagerung – Kindern, bei – Kleinkindern, bei (20): calc, calc-p, cina, jod, mag-c, nat-m, …
→Allgemeines – Körpergeruch – sauer (12): hep, mag-c, rheum, sul-ac, …
Magnesium phosphoricum
#Magnesium phosphoricumunruhiger SäuglingExtreme Empfindlichkeit, Nervosität und Ruhelosigkeit, Krämpfe und Spasmen überall. So lässt sich diese Arznei zusammengefasst beschreiben. Viele Organe können von „Krämpfen“ befallen sein. Bewegungen der Augäpfel, Muskelzucken von Mundwinkel, Extremitäten, z. B. nach innen gezogener Daumen (cupr), Abdominalkoliken. Schluckauf. Plötzlicher Beginn der Beschwerden (plötzliches Aufschreien) und ebenso plötzliches Verschwinden.
→Wärme, Zusammenkrümmen, fester Druck. < Kälte, Berührung (leichter Druck), Bewegung
→Gemüt – empfindlich – allem, gegenüber (5): canth, kali-p, lat-h, mag-p, sul-i
→Gemüt – empfindlich – Schmerz, gegen – außer sich vor Schmerzen, ist (16): acon, cham, mag-p, nux-v, …
→Gemüt – Jammern – Schmerzen, über (9): agar, ars, cham, coloc, gels, lach, mag-p, mosch, nux-v
→Gemüt – Schreien – Krämpfe, während der – Abdomen, im (7): hyos, coloc, cupr, jatr-c, lyc, mag-p, plb
→Auge – Bewegung der Augäpfel – unwillkürlich Nystagmus (14): agar, calc, mag-p, nux-v, …
→Gesicht – Zucken – Mund – Mundwinkel (11): bell, bry, ign, mag-p, …
→Magen – Aufstoßens, Art des – Speisen, von – Essen – unmittelbar nach dem Essen (3): ferr, mag-p, phos
→Magen – Schluckauf – konvulsivisch (10): gels, mag-p, nux-v, …
→Magen – Schmerz – krampfartig – Wärme – amel. (2): mag-p, nux-v
→Abdomen – Schmerz – Beugen – Zusammenkrümmen – amel. (59): coloc, kali-c, mag-p, puls, rheum, …
→Abdomen – Schmerz – Getränke – warme – amel. (12): acon, carc, chel, kali-c, kola, mag-p, spong, …
→Abdomen – Schmerz – Reiben – amel. (9): aran, mag-p, podo, vero-o, …
→Abdomen – Schmerz – krampfartig, kneifend – begleitet von – Zunge – weiße Farbe der Zunge (2): mag-p, op
→Abdomen – Schmerz – krampfartig, kneifend – Beugen – vorne amel. – nach (27): coloc, kali-c, lach, mag-p, stann, …
→Abdomen – Schmerz – krampfartig, kneifend – Druck – amel. (11): coloc, mag-p, plb, stann
→Rektum – Diarrhö – Zahnung, während der (53): calc, coloc, cham, dulc, ferr, mag-p, rheum, sil, …
→Extremitäten – gezogen – innen, nach – Daumen (32): cic, cupr, lach, mag-m, mag-p, …
→Extremitäten – Kontraktion von Muskeln und Sehnen – Finger – spasmodisch (25): calc, cic, lach-mag-p, sec, …
→Schlaf – Schlaflosigkeit – Verdauungsstörungen, durch (1): mag-p
→Allgemeines – Druck – geringer Druck agg., harter Druck amel. (15): chin, mag-p, nux-v
→Allgemeines – Konvulsionen – Kindern, bei – Kleinkindern, bei (9): art-v, bell, cham, bufo, cupr, hell, mag-p
→Allgemeines – Liegen – Beine hochgezogen amel. (7): abies-c, bell, cocc, coloc, mag-p, stram, verat
→Allgemeines – plötzlich auftretende Symptome (50): acon, bell, borx, coloc, cupr, mag-p, phos, stry, …
Medorrhinum
#Medorrhinumunruhiger SäuglingBei Medorrhinum bestehen wie bei den anderen Nosoden die Beschwerden von der Geburt an. Um die Arznei bei Säuglingen zu erkennen, ist es unabdingbar, sich mit den Zeichen der hereditären Sykosis vertraut zu machen. Typisch ist eine „Schniefnase“, die Nase ist jedoch trocken. Große Erkältlichkeit beim kleinsten Luftzug. Weitere, in dieser Altersgruppe bereits erkennbare Zeichen sind angeborene Naevi („Storchenbiss“), Hämangiome, saurer Körpergeruch (mag-c, rheum), chronisch-rezidivierende Konjunktivitiden, Haarwachstum an der Glabella, gezackte Schneidezähne, starke Zahnungsbeschwerden, starke Blähungskoliken, saure, grüne, schleimige Stühle mit entsprechender Gedeihstörung. Übel iechende Absonderungen aus dem Nabel kommen vor. Charakteristisch für Medorrhinum ist eine chronische Windeldermatitis mit starker Rötung oder sogar blutendem Ekzem perianal („Pavianpo“). Heiße Füße. Gesicht und Haar oft fettig. Verheddertes Kopfhaar. Von seinem Wesen her ist der Säugling eher nervös, unruhig, überreizt, ungeduldig. > Bauchlage, < morgens bis Sonnenuntergang (syph umgekehrt).
→Gemüt – berührt werden – Abneigung berührt zu werden (66): ant-c, arn, cham, kali-c, med, phos, tarent, …
→Gemüt – mürrisch – tagsüber (17): cham, cina, med, …
→Gemüt – Ruhelosigkeit – Kindern, bei (48): bac, cham, hipp, hyos, jal, med, merc, rhus-t, stram, tarent, tub, …
→Nase – Schniefen (38)
→Nase – Schnupfen – Luft – Zugluft agg. (9): dulc, med, merc, nat-c, …
→Kopf – Haar – fettig (23): caust, med, nat-m, ph-ac, …
→Kopf – Haar – verwirrt, verheddert sich leicht (22): bor, fal-ac, med, ph-ac, psor, …
→Zähne – gezackt (7): bac, lach, med, plb, staph syph, tub
→Magen – Appetit – vermehrt – nachts – Mitternacht – um (1): med
→Magen – Schmerz – krampfartig – Anziehen der Glieder amel. (2): chel, med
→Magen – Schmerz – Knie-Ellenbogen-Lage amel. (2): con, med
→Abdomen – Absonderung aus dem Nabel (13): calc-p, calc, lyc, med, nat-m, …
→Rektum – Cholera – infantum (65): aeth, gamb, guaj, kreos, med, verat, …
→Rektum – Exkoriation – Perineums, des (31): calc, carb-v, caust, graph, lyc, med, sulph, …
→Rektum – Hautausschläge – Anus, um den – Exanthem, flüchtiges – Kindern, bei – Neugeborenen, bei (1): med
→Rektum – rote Farbe des Anus (10): med, petr, sulph
→Extremitäten – Entblößen, Neigung zum – Füße – nachts (8): cham, fl-ac, lyc med, puls, sang, sanic, sulph
→Extremitäten – Hitze – Füße – Kindern, bei (2): med
→Haut – Haar – ungewöhnlichen Teilen, an (5): carc, med, thuj, thyr
→Haut – Naevi (33): calc, carb-v, graph, lyc, med, ph-ac, phos, sep, thuj, …
→Schlaf – Lage – genupektoral (10): calc-p, carc, con, euph, lyc, med, olib-sac, phos, sep, tub
→Allgemeines – morgens – Sonnenaufgang – nach – Sonnenuntergang, bis (9): glon, med, stann, …
→Allgemeines – Energie – Übermaß, Überschuss an Energie – Kindern, bei (20): aur, carc, lach, med, tarent, tub, verat, …
Nux vomica
#Nux vomicaunruhiger SäuglingNux-vomica-Säuglinge sind gereizt und schlecht gelaunt, besonders, wenn sie, wie häufig nachts eine verstopfte Nase haben, dadurch schniefend erwachen und ärgerlich schreien. Wegen ihrer Überempfindlichkeit ist es schwer, ihnen alles recht zu machen. Tagsüber haben sie entweder einen ständigen Fließschnupfen oder ebenfalls einen heftigen Stockschnupfen, bei dem sowohl > als auch < im Freien möglich ist. Häufiges Niesen, besonders morgens beim Erwachen. Zorniges Schreien durch Trinkschwierigkeiten infolge der verstopften Nase besonders bei Brustkindern. Gerunzelte Stirn (lyc). > Liegen auf der Seite, < Liegen auf dem Rücken (anders als bei lyc). Aufgrund ihrer Unruhe und Reizbarkeit trinken sie hastig und bekommen Blähungskoliken besonders zwei Stunden nach dem Essen. > Liegen (lyc > Herumtragen), > Wärme, > warmes Trinken, öfter kleine Mahlzeiten (lyc). Babys, die Nux vomica brauchen, haben oft von Geburt an einen harten Stuhl und Schwierigkeiten bei der Entleerung, sogar, wenn dieser weich ist. Bei Lycopodium ist es typisch, dass der Beginn des Stuhls hart ist, dann folgt weicher oder sogar dünner Stuhl. Die Unterscheidung beider Mittel fällt besonders bei Säuglingen schwer, grundsätzlich gilt für Lycopodium > nach Mitternacht bis zum frühen Morgen, wohingegen Nux vomica < nachts, besonders nach Mitternacht hat.
→Nase – Schniefen – Kindern, Neugeborenen, bei (17): calc-lac, dulc, lyc, merc, nux-v, puls, samb, …
→Nase – Verstopfung – Kindern, Säuglingen, bei (5): aur, kali-bi, lyc, nux-v, samb
→Nase – Schnupfen – Absonderung, ohne – nachts (15): lyc, mag-c, nux-v, puls, …
→Nase – Schnupfen – Absonderung, ohne – nachts – Fließschnupfen am Tage, mit (7): euphr, merc, nat-c, nux-v, …
→Nase – Schnupfen – Absonderung, ohne – Freien, im (3): calc-p, naja, nux-v
→Abdomen – Schmerz – krampfartig, kneifend – Getränke – warme Getränke – amel. (12): chel, mag-p, nux-v, spong, …
→Abdomen – Schmerz – krampfartig, kneifend – Liegen – amel. (13): cupr, ferr, nux-v
→Rektum – Obstipation – Kindern, Neugeborenen, bei (7): alum, med, nux-m, nux-v, op, sulph, zinc, …
→Allgemeines – Essen – schnelles (6): ars, ip, led, nux-v, sil, sulph
→Allgemeines – Liegen – Seite, auf der – amel. (48): cocc, lyx, nux-v, puls, …
→Allgemeines – Liegen – Rücken, auf dem – agg. (75): bry, calc, merc-c, nat-m, nux-v, phos, puls, rhus-t, …
→Allgemeines – nachts – Mitternacht – nach (112)
Rheum officinale
#Rheum officinaleunruhiger SäuglingReizbare launische Babys mit ausgeprägten Zahnungsbeschwerden, v. a. angebracht, wenn kolikartige Bauchschmerzen und wund machende, sauer riechende Stühle die Zahnung begleiten. Saurer Geruch des ganzen Kindes. Schreien bei Tag und Nacht (Calc). Weinen mit Sich-Umherwerfen die ganze Nacht lang (psor). Schmerzhafte Stuhlentleerung. Kolikartige Schmerzen vor und bei Stuhlgang und während Diarrhö. Kälteschauer und Tenesmus bei der Stuhlentleerung. Schreien beim Stuhldrang, vor (borx, kreos) und während (kreos) Stuhlgang. Große Ruhelosigkeit, Reizbarkeit und Launenhaftigkeit. Größere Säuglinge lehnen sogar ihr Lieblingsspielzeug ab. Verlangen nach Gegenständen und wollen sie dann doch nicht (cham, cina). Rheum und Chamomilla haben viele Zahnungssymptome gemeinsam, ebenso die Reizbarkeit und Launenhaftigkeit, die Bauchkrämpfe, die Zahnungsdiarrhö mit wund machenden, grünlich-schaumigen Stühlen. Chamomilla wird im Unterschied zu Rheum seine Fingerchen dauernd in den Mund stecken, es hat viel stärker die einseitige Gesichtsröte. Rheum hat im Gegensatz zu Chamomilla massive Schmerzen beim Stuhldrang und beim Stuhlgang. In der Hinsicht bestehen Überschneidungen mit Borax, das aber Schmerzen sowohl beim Stuhlgang als auch beim Urinieren hat.
→Gemüt – launenhaft bei Kindern [Complete Repertory] (4): cham, cina, rheum, sac-alb
→Gemüt – Launenhaftigkeit, launisch – weist Dinge zurück, die er haben wollte, sobald er sie bekommt (16): cham, cina, dulc, hep, ip, rheum, staph, …
→Gemüt – launenhaft, kapriziös – Kindern bei – in Bezug auf Nahrungsmittel (1): rheum (Complete Repertory)
→Gemüt – mürrisch – Kindern, bei (19): ant-c, ant-t, bac, cham, cina, lac-ac, puls, rheum, sac-alb, …
→Gemüt – Reizbarkeit, Gereiztheit – Zahnung, während der (19): bell, cham, cypr, podo, kreos, rheum, …
→Gemüt – Ruhelosigkeit – Kindern, bei – Zahnung, während der (5): acon, coca, cypr, kreos, rheum
→Gemüt – schreien – Kindern, bei – nachts (11): cham, jal, kali-p, lac-c, nux-v, psor, rheum, …
→Gemüt – schreien – Kindern, bei – Tag und Nacht (2): calc, rheum
→Gemüt – schreien – Kindern, bei – Stuhlgang – Stuhldrang, beim (5): aeth, cham, kreos, rheum, valer
→Gemüt – schreien – Kindern, bei – Stuhlgang – während (5): rheum kreos, valer
→Gemüt – schreien – Kindern, bei – Stuhlgang – vor (2): borx, kreos, rheum, rhus-t
→Gemüt – jammern – Stuhlgang – vor dem Stuhlgang, bei Kindern (1): rheum
→Gemüt – Weinen – Kindern, bei – nachts – werfen sich die ganze Nacht umher (2): psor, rheum
→Gemüt – Weinen bei Kindern, Säuglingen [Complete Repertory] (29): cham, hyos, ign, kali-c, lyc puls, rheum
→Gemüt – spielen – Abneigung gegen Spielen – Kindern, bei (12): hep, lyc, rhum, sulph
→Gesicht – Farbe – rot – eine Seite – blass, die andere rot, eine Seite (19): calc, cham, cina, ip, lach, puls, rheum
→Rektum – Diarrhö – Zahnung, während der (53): calc, coloc, cham, dulc, ferr, mag-p, rheum, sil, …
→Stuhl – Geruch – sauer (52): calc, hep, mag-c, merc, nat-c, nat-p-, nit-ac, rheum, …
→Allgemeines – Körpergeruch – sauer (12): hep, mag-c, rheum, sul-ac
→Allgemeines – Speisen und Getränke – alle Speisen und Getränke, jede Nahrung – Abneigung gegen (26): puls, sabad, rheum, …
Stramonium
Stramonium ist im #Stramoniumunruhiger SäuglingSäuglingsalter nicht leicht zu erkennen, da die Verschreibung dieser Arznei schwerpunktmäßig über Gemütssymptome stattfindet und diese naturgemäß bei Babys nicht einfach eruiert werden können. Helfen kann in manchen Fällen eine ausführliche Schwangerschafts- und Geburtsanamnese. Ist z. B. eine schwere Schreck- oder Paniksituation bei der Mutter während der Schwangerschaft vorgekommen, die Geburt äußerst protrahiert mit Steckenbleiben und anschließender Vakuumextraktion verlaufen (Angst in einem Tunnel – Geburtskanal), so kann dies einen Säugling in einen Stramonium-Zustand versetzen. Dieser äußert sich in nächtlichen (conditio sine qua non) Schreiattacken, deren Qualität dermaßen angsterfüllt ist, dass sie Todesfurcht erahnen lassen. Erschreckter Gesichtsausdruck bei nächtlichem Erwachen. Das Kind klammert sich verzweifelt an die Mutter. Furcht vor Dunkelheit (Geburtskanal), aber gleichzeitig empfindlich auf Licht (grelles Licht nach Austreten aus dem Geburtskanal). Kopfrollen oder In-das-Kissen-Bohren kommen häufig vor (bell, tub). Tagsüber oft völlige Symptomfreiheit, es sei denn beim Gewaschenwerden und Baden (Furcht vor Wasserrauschen und glänzenden Gegenständen). Rollen (bell, sulph, tub) oder Hin- und Herbewegen des Kopfes. Konvulsionen, ausgelöst durch helles Licht und glänzende Gegenstände möglich. Zähneknirschen im Schlaf bei älteren Säuglingen (tub).
→Gemüt – Angst – nachts – Kindern, bei (32): ars, borx, calc, kali-br, stram, tub, …
→Gemüt – Angst – Geräusche, durch – Wasserrauschen (2): lyss, stram
→Gemüt – Angst – Tunnel (3): stram
→Gemüt – Furcht – allein zu sein – Dunkelheit, in der (8): camph, kali-br, kali-p, med, puls, rad-br, stram, valer
→Gemüt – Furcht – Dunkelheit, vor der – Kindern, bei (14): carc, stram
→Gemüt – Gehalten – Verlangen, gehalten zu werden (22): ars, gels, lach, nux-v, stram, …
→Gemüt – Gesellschaft – Verlangen nach – nachts (5): camph, phos, puls, stram, tab
→Gemüt – glänzende Gegenstände – Wasseroberfläche agg. (3): irid-met, lyss, stram
→Gemüt – klammert sich an – Kind – erwacht mit Entsetzen, erkennt niemanden, brüllt und klammert sich an die Umstehenden (3): borx, cina, stram
→Gemüt – Ruhelosigkeit – Schläfrigkeit, bei (12): con, hep, merc, petr, sep, stram, …
→Gemüt – schreien – nachts (12): cypr, mag-c, sep, stram, …
→Gemüt – Verhaltensstörungen – Kindern, bei – Ängsten, mit (1): stram
→Gemüt – Weinen – nachts – weint die ganze Nacht, lacht den ganzen Tag (1): stram
→Kopf – Bewegungen des Kopfes – hin und her (12): ars, nit-ac, op, stram, …
→Kopf – Bewegungen des Kopfes – Rollen des Kopfes (45): bell, hell, hyos, lyc, med, merc, stram, tub, …
→Kopf – bohrt den Kopf in das Kissen (24): apis, bell, bry, med, stram, tub, …
→Gesicht – Ausdruck – erschreckt (24): acon, cupr, stram, …
→Zähne – Zähneknirschen – Schlaf, im (56): ars, bac, bell, cann-i, cina, ign-kali-br, stram, tub, …
→Abdomen – Schmerz – krampfartig, kneifend – hysterisch (11): cocc, ign, mag-m, stram, valer, …
→Extremitäten – zucken – Schlaf – im (25): bar-c, cham, kali-c, sep, stram, zinc, …
→Schlaf – Erwachen – Schreck, wie durch – Träume erschreckt, durch (13): lyc, meph, stram, sulph, …
→Allgemeines – Wasser – Anblick oder Geräusch von fließendem Wasser agg. (11): lyss, stram, …

Kasuistik

Unruhiger Säugling (Anneliese Borgmeyer, Anna Koller-Wilmking)

Anamnese

Der männliche Säugling wurde von Geburt an homöopathisch betreut. Er ist eher rundlich, schwitzt viel, speziell im Nacken, hat kalte, marmorierte Hände und Füße. Schöne, volle Lippen. Milchschorf und Intertrigo. Bei der Geburt Stillstand in der Austreibungsphase, Nabelschnurumschlingung, kurzfristige Reanimation unmittelbar postpartal. Unruhezustände mit heftigen, panischen Schreiattacken nachts.

Verordnung und Verlauf

Erst wurde Calcium carbonicum und später wegen familiärer Belastung Tuberculinum bzw. Bacillinum verordnet (die letzten beiden Arzneien als miasmatische Verordnung), jedoch ohne Erfolg. Geburtsanamnese ließ mich nun an Stramonium denken (Angst in einem Tunnel). Eine Gabe C 200 half prompt. Bereits in der nächsten Nacht und auch danach schlief das Kind durch.
Im weiteren Verlauf war Calcium carbonicum das konstitutionelle Mittel, das vorher durch den Stramonium-Zustand blockiert war. Im Alter von viereinhalb Jahren Auftreten von massiven Wutausbrüchen mit Stampfen, Treten, Schlagen, wieder nächtlichem Aufschreien, was nun eine Gabe Tuberculinum (miasmatisch) erforderlich machte. Es zeigte innerhalb weniger Tage Wirkung.

Beurteilung

Interessant an dieser Kasuistik erscheint, dass Tuberculinum, obwohl später erfolgreich, anfangs nicht wirkte. Dieses Miasma war zum damaligen Zeitpunkt nicht aktiv, es trat wesentlich später an die Oberfläche.
Syphilinum
In der Kinderpraxis #Syphilinumunruhiger Säuglingein nicht sehr häufig angewandtes Mittel. Die Beschwerden beginnen bei Geburt (med). Heftig schreiendes, reizbares Baby, meist ohne ersichtlichen Grund. Insbesondere keine Blähungskoliken. < nachts (Zeichen des syphilitischen Miasmas). Verzögerung in der Entwicklung nicht selten. Schlägt nachts den Kopf gegen die Wand. Stigmata der hereditären Syphilis sollten als Grundlage für die Verordnung vorhanden sein. Diese bestehen aus mehr oder weniger stark ausgeprägten Fehlbildungen, hauptsächlich im Kopf- und Gesichtsbereich, kupferfarbenen oder geschwürigen, destruierenden Hautausschlägen. Familiäre Belastung mit Syphilis, Missbildungen, Fehlgeburten, Alkoholismus, destruktiven Erkrankungen des ZNS (Multiple Sklerose, Morbus Parkinson, etc.) oder der Knochen.
→Gemüt – eigensinnig, starrköpfig, dickköpfig – Kinder (22): ant-c, caps, cham, cina, syph, tub, …
→Gemüt – Entwicklungsstillstand bei Kindern (19): agar, bar-c, calc-p, cic, phos, syph, …
→Gemüt – Reizbarkeit, Gereiztheit – Kindern, bei (39): cham, calc-p, calc, cina, mag-c, staph, syph, tub, …
→Gemüt – Schlagen – sich, schlägt – schlägt seinen Kopf gegen die Wand und gegen Gegenstände (15): bac, bell, mill, phos, syph, tub
→Gemüt – Weinen – Kindern, Säuglingen, bei – Geburt – von Geburt an (2): carc, syph
→Gemüt – Zorn – Kindern, bei (29): acon, cham, cina, lyc, phos, syph, …
→Kopf – Fontanellen – offen (18): calc, calc-p, ip, merc, phos, puls, sil, syph, …
→Kopf – Haar – Haarausfall – Stellen, an kleinen (27): carb-v, mez, phos, syph, …
→Auge – Strabismus, Schielen – angeboren (Syph)
→Nase – breit und flach: syph
→Nase – Ozaena – syphilitisch (18): aur, aur-m, hep, merc, nit-ac, syph, …
→Gesicht – dick – Lippen (6): bufo, mez, op, plat, syph, zinc
→Gesicht – Hautausschläge – kupferfarben (18): ars, calc, carb-an, lyc, merc, syph, …
→Gesicht – Sattel quer über der Nase (5): carb-an, sanic, sep, syph, tril-p
→Gesicht – Verzerrung – angeboren (1): syph
→Mund – Flecken, entzündete – Gaumen (4): elaps, fl-ac, syph, zinc
→Mund – Gaumenspalte (1): syph
→Mund – schwammig – Zunge (4): benz-ac, camph, hydr, stram, syph
→Zähne – eingedellt, bei Kindern (1): syph
→Zähne – Farbe – schwarz (19): arg-n, fl-ac, merc, nit-ac, staph, syp, thuj, …
→Zähne – gezackt (7): bac, lach, med, plb, staph, syph, tub
→Zähne – unterentwickelt, verkümmert, klein (2): bac, syph
→Zähne – verformt, deformiert – verdreht (1): syph
→Rektum – Exkoriation (70): caps. carb-v, caust, graph, lyc, merc, syph, thuj, tub
→Schlaf – Schlaflosigkeit – Kindern, bei (23): bell, carc, cham, cina, cypr, kali-br, mag-m, op, phos, puls, sulph, syph, …
Tuberculinum
Tuberculinum kann #Tuberculinumunruhiger Säuglingals konstitutionelle (hereditäre Tuberkulose) oder miasmatische Verschreibung bei Vorhandensein einiger typischer Symptome benötigt werden, letzteres, wenn vorherige, gut angezeigte Arzneien nicht gewirkt haben und eine familiäre Tuberkulosebelastung besteht. Insgesamt in der Kinderpraxis eine sehr häufig erforderliche Arznei. Die Säuglinge sind meist zierlich, kleinwüchsig (auf Perzentilen achten!), haben eine feine Flaumbehaarung, besonders am Rücken, lange, seidige Wimpern, oft blaue Skleren. Blasses Gesicht, dabei rote Lippen, gelegentlich Augenringe. Reichlich Kopfschweiß (calc). Schon früh Neigung zu Erkältungen (med), insbesondere Bronchitis oder Otitis. Verspätete, oft schwierige Zahnung mit Durchfall und Fieber. Veränderungen der Zähne oder der Zahnreihe. Sehr früh Kariesbefall (med). Zähneknirschen im Schlaf sehr ausgeprägt. Häufig Obstipation, aber auch chronische Durchfälle. Reizbarkeit, Nervosität, Unzufriedenheit und schnell wechselnde Stimmungen. Unruhezustände nachts mit Aufschreien, Hin- und Herrollen und/oder Schlagen des Kopfes gegen die Wand. Pavor nocturnus. Schlaflage genupektoral, bei Säuglingen nur eingeschränkt als Symptom verwertbar (siehe lyc, med, syph). > Aufenthalt an der frischen Luft bzw. Öffnen der Fenster. Vorsicht bezüglich der Impfungen, diese werden oft schlecht vertragen. Weitere Symptome siehe unter Pneumonie.
→Gemüt – Angst – nachts – Kindern, bei (32): ars, borx, calc, kali-br, stram, tub, …
→Gemüt – eigensinnig, starrköpfig, dickköpfig – Kinder (22): ant-c, caps, cham, cina, syph, tub, …
→Gemüt – Reizbarkeit, Gereiztheit – Kindern, bei (39): cham, calc-p, calc, cina, mag-c, staph, syph, tub, …
→Gemüt – Ruhelosigkeit – bewegen – muss sich ständig (33): apis, ars, iod, kali-br, rhus-t, syph, tarent, tub, …
→Gemüt – schlagen – sich, schlägt – schlägt seinen Kopf gegen die Wand und gegen Gegenstände (15): bac, bell, mill, phos, syph, tub, …
→Gemüt – Schreien – Kindern, bei – Schlaf, im (21): apis, calc-p, cham, ign, jal, lyc, puls, tub, …
→Gemüt – stoßen, treten, austreten – Schlaf, im: bell, carc, cina nat-c, phos, sulph, tub, …
→Kopf – Bewegungen des Kopfes – Rollen des Kopfes – Schlaf – im: tub
→Auge – Haare – Wimpern – feine Wimpern (2): calc-p, tub
→Ohr – Entzündung – Mittelohr – wiederkehrend (5): calc, flav, sil, thymul, tub
→Rücken – Haar – Haarwuchs – Wirbelsäule, entlang der – Kindern, dunkles oder langes, feines Haar am Rücken von (1): tub
→Zähne – Zähneknirschen – Schlaf, im (56): ars, bac, bell, cann-i, cina, ign-kali-br, stram, tub
→Zähne – Zahnung – langsam (22): calc, cal-p, sil, tub
→Schlaf – Lage – genupektoral (10): calc-p, carc, con, euph, lyc, med, olib-sac, phos, sep, tub, …
→Allgemeines – Impfung, nach (48): ant-t, maland, med, merc, sil, thuj, tub, …
→Allgemeines – Wind – Verlangen, sich im Wind aufzuhalten (5): androc, aq-mar, hydrog, irid, tub

Kasuistik

Säugling mit Schlafschwierigkeiten (Anneliese Borgmeyer, Anna Koller- Wilmking)

Anamnese

Bei dem zierlichen, sechs Wochen alten Säugling liegt eine Schwäche beim Trinken mit reichlich Schweiß am Hinterkopf vor, bisher nur mäßige Gewichtszunahme. Der Säugling ist tagsüber eher schläfrig, nachts sehr unruhig, findet nicht in den Schlaf, wenn er eingeschlafen ist, schreckt er häufig auf. Versucht immer, die Decke wegzustrampeln, ständiger Bewegungsdrang. Bewegt nachts den Kopf hin und her. In der Familienanamnese Asthma bei der Uroma, eine Tuberkulose wird auch nach mehrmaligem Nachfragen verneint.

Verordnung und Verlauf

Dennoch Verordnung von Tuberculinum C 200. Nach einer kurzen Erstverschlimmerung in den nächsten Tagen ruhiges Durchschlafen ohne jegliche Probleme, Besserung des Trinkverhaltens und deutliche Gewichtszunahme. Im weiteren Verlauf wurden in großen Abständen noch einige Gaben der Arznei benötigt. Ob es sich von Anfang an um eine konstitutionelle Verordnung handelte, wird die Zeit zeigen.

Kasuistik

Unruhiger Säugling (Anneliese Borgmeyer, Anna Koller-Wilmking)

Anamnese

Neugeborenes, vier Wochen alt. Die Geburt verlief protrahiert, dauerte fast 24 Stunden. Grünes Fruchtwasser. Der Säugling ist nachts äußerst unruhig, er schreit panikartig und findet immer nur schlecht in den Schlaf.
Tagsüber bestehen keine wesentlichen Probleme bei ständigem Körperkontakt, doch beim Ablegen klammert er sich an die Mutter.

Verordnung und Verlauf

Aufgrund der schweren Geburt (Kasuistik „Unruhiger Säugling“) und der vorhandenen Symptome wurde eine Gabe Stramonium C 200 gegeben, was eine kurze Besserung brachte. Auf eine Wiederholung der Arznei trat keine Reaktion mehr auf. Die Mutter wird gebeten, das Kind einige Zeit genau zu beobachten und berichtet daraufhin Folgendes: Das Baby sei sehr willensstark, habe seinen eigenen Kopf, wird schnell zornig. Keine erkennbaren Blähungen. Kopfschweiß, speziell nachts, sehr unruhig und aktiv bis tief in die Nacht, nach Einschlafen häufiges Aufschreien, schlägt Kopf gegen die Wand. Sehr launisch und gereizt, die Mutter hat das Gefühl, sie könne ihm nichts recht machen.
Eine Gabe Tuberculinum brachte eine leichte, aber insgesamt nicht überzeugende Wirkung. Da ich diese Spur nicht leichtfertig verlassen wollte, Gabe von Bacillinum C 200, was die Problematik innerhalb weniger Tage löste.

Beurteilung

Ich habe es einige Male erlebt, dass bei klarer Indikation und gelichzeitiger Wirkungslosigkeit von Tuberculinum Bacillinum den Fall (13.5) lösen konnte.

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R v Zandvoort Complete Repertory, deutsch und englisch Mac Repertory v. 5.6.1.Roger van Zandvoort 2000 Kent Homeopathic Associates Inc San Rafael

Soor und Windeldermatitis

Jutta Gnaiger-Rathmanner

Klaus R. Hör

Grundlagen

  • Der Soor ist Sooreine Pilzerkrankung der Haut oder Schleimhaut, hervorgerufen durch den Hefepilz Candida albicans, nur in 10 % der Fälle durch andere Hefepilze.

  • Candida albicansCandida albicans gilt als opportunistischer Erreger und kommt ubiquitär vor. In früheren Zeiten trat die Soorerkrankung in sozial schwachen Schichten als Zeichen von Nässebelastung, Vernachlässigung oder Mangelernährung auf oder galt als Hinweis für einen Schwächezustand mit Immundefizit. Heute ist Soor durch den zunehmenden Gebrauch von Antibiotika, Kontrazeptiva, Kortikosteroiden, Chemotherapie und Immunsuppressiva weit verbreitet und findet sich besonders bei Neugeborenen häufig. Jede zweite Frau leidet mindestens einmal im Leben an einer Vaginalmykose, sodass sich viele Neugeborene bereits im Geburtskanal infizieren. Aber auch über die Brustwarzen der Mutter oder über Sauger und Schnuller besteht Ansteckungsmöglichkeit.

  • Die Windeldermatitis Windeldermatitisoder das Windelekzem ist eine entzündliche Reizung in der Windelregion und kommt bei fast allen Säuglingen und Kleinkindern ein- oder mehrmals vor. Ursache sind Verdauungsenzyme im Stuhl und Ammoniak aus dem Urin, die auf die Haut einwirken.

  • Der Windelsoor ist der Soorbefall der Haut im Windelbereich. Er ist sehr häufig und weist auf eine Vorschädigung der Haut und des Darmes des Säuglings hin. Die Hefepilze sind dann meist auch im Darm zu finden. Windelsoor kommt vor

    • als Komplikation des oralen Soorbefalls,

    • als Superinfektion bei ammoniakalischer oder ekzembedingter Windeldermatitis,

    • als Folge einer bakteriellen Fehlbesiedlung des Darmes nach Antibiotikagaben.

Klinik

Die ersten Zeichen eines Soorbefalls zeigen sich meist auf Mundschleimhaut, Zunge, Gaumen und Gingiva. Jeder Säugling muss daraufhin routinemäßig untersucht werden: Ein weißer oder weiß-gelber Zungenbelag, der sich nicht abwischen lässt oder ein schmerzloser Befall der Wangenschleimhaut mit weißlichen, netzförmigen bis flächigen Belägen, die fest haften und schließlich die ganze Mundhöhle erfassen können. Ein viel seltenerer, aber dann typischer Zusatzbefund ist Heiserkeit durch eine Soorlaryngitis. Ein Kennzeichen bei größeren Kindern können feuchte Mundwinkel mit leicht geröteten Rissen sein (Perlèche).
Als Begleitsymptome können Trinkschwäche, Nahrungsverweigerung, Meteorismus und Koliken auftreten, was auf einen intestinalen Soorbefall hinweist. Der Stuhl riecht dann nach Hefe, ist aber meist von normaler Konsistenz.
Beim Windelsoor besteht eine intensive Rötung der Haut, der im Afterbereich seinen Anfang nimmt. Es folgen punktförmige, nässende Effloreszenzen, die sich rasch ausbreiten und konfluieren. Der Rand ist meist scharf begrenzt und zeigt feine Schuppenkränze.

Diagnostik

Die Diagnose wird meist aufgrund der Morphe und des klinischen Aspekts gestellt. Ein Erregernachweis aus Abstrich, Stuhl und Blutkultur ist möglich. Die Serologie ist wenig zuverlässig.
Bei der Differenzialdiagnose sind zu bedenken:
  • Andere Dermatophyten (18.2)

  • Atopisches Ekzem (9.1)

  • Das NeugeborenenpemphigoidNeugeborenenpemphigoid – eine seltene Form der Staphylodermie im Windelbereich mit zentimetergroßen schlaffen Blasen, die sehr leicht platzen und einen roten nassen Grund hinterlassen. Sepsisgefahr und sehr hohe Kontagiosität!

Konventionelle Prophylaxe und Therapie

Zur Prophylaxe muss eine genaue Beobachtung des Säuglings auf Soorbefall während einer Antibiotika- oder Zytostatikatherapie gefordert werden.
Die Therapie wird meist lokal eingesetzt:
  • Nystatin oder Breitbandantimykotikum Amphotericin B als Paste bei Windelsoor

  • Orale Nystatin- oder Amphotericin-B-Suspension, nach jeder Mahlzeit 1 ml über 7–10 Tage, bei Versagen Dosissteigerung bis 4 × 4 ml. Diese Präparate werden im Darm nicht resorbiert. Miconazol wird wie alle Azolderivate in geringem Maß über die Schleimhaut aufgenommen und kann daher auch systemische Nebenwirkungen entfalten.

Resistenzen gegen Antimykotika werden zunehmend beobachtet. Zu beachten ist auch eine mögliche Reinfektion durch befallene Brustwarzen der Mutter.

Unterstützende Maßnahmen

Info

Aus Sicht der Regulationsmedizin wird der Soorbefall wegen der geringen Kontagiosität der Hefepilze und wegen der hohen Rezidivrate vielmehr als Symptom denn als eigene Erkrankung gewertet. Das Milieu bzw. das Terrain von Darmschleimhaut und Haut erhält besondere Beachtung und bildet das Hauptaugenmerk der Therapie.

Die Heilung mit regulativen naturheilkundlichen Maßnahmen dauert etwas länger – meist zwei bis drei Wochen – wirkt aber schonender und nachhaltiger. Antimykotika werden erst in zweiter Linie bei sehr schweren oder therapieresistenten Fällen eingesetzt.

Praxistipp

Zur Behandlung des Mundsoors eignen sich folgende Maßnahmen:

  • Auswischen des Mundes mit Speisenatron (NaHCO2), eine Messerspitze auf ein Glas Wasser verdünnt, mit verdünntem Teebaumöl (Vorsicht bei gleichzeitiger Anwendung von Homöopathika. Teebaum-Öl antidotiert wie Menthol!) oder Ratanhia-Tinktur 1 : 100 verdünnt.

  • Aufbringen von Propolistinktur.

  • Anwendung von kühlem Sauerjoghurt, die von den Patienten als angenehm empfunden wird.

  • Spülung mit einer Mischung aus Zitronensaft und Honig zu gleichen Teilen.

  • Das Kauen von getrockneten Heidelbeeren kann durch die adstringierende Wirkung den Schmerzreiz lindern.

  • Friese empfiehlt die Knoblauch-Kur als Lokalbehandlung gegen intestinalen und Mundsoor. Es muss frischer Knoblauch sein, keine neutral riechenden Knoblauchkapseln. Alternativ Allium sativum D 2 stündlich 1 Tablette lutschen, bei Babys die Tabletten vorher auflösen.

  • Schnuller und Sauger sind eine häufige Infektionsquelle und müssen zunächst täglich ausgekocht werden.

Praxistipp

Zur Hautpflege bei Windelsoor eignen sich folgende Maßnahmen:

  • Es wird häufig gewickelt, und zwar mit luftdurchlässigen Materialien wie Mull- oder Baumwollwindeln und Wolle-Windelhosen.

  • Die Haut wird oft gewaschen, selten gebadet – auch als Eichenrindensitzbad (Vorsicht! Eigentlich wie alle diese Gerbstoffpräparate unterdrückend) – und gut getrocknet.

  • Mit Oliven- oder Sonnenblumenöl reinigen, dann ein pflanzliches Öl – mit ätherischen Ölen wie Lavendel, Calendula oder Teebaum im Verhältnis von einigen Tropfen auf 100 ml vermischt – auftragen. Bewährt haben sich z. B. Calendula Babycreme von WELEDA®, die auch Spuren von Zink enthält, Linola Fettsalbe oder Heilerde, die angefeuchtet wie eine Lehmpackung über Nacht einfach auf die Stellen aufgebracht wird. Milde Zinksalben sind hilfreich, müssen aber als potenziell suppressive Maßnahme hinterfragt werden.

  • Es empfiehlt sich, das Kind – so lange es geht und die Umstände es erlauben – mit blankem Po in warmer Umgebung zu belassen, evtl. vorsichtig zu föhnen.

Das gesunde Darmmilieu bietet einen natürlichen Schutz vor Hefepilzen. Es wird gestärkt durch Muttermilch sowie durch Lactobazillen-, Bifidum- und bei nicht mehr voll gestillten Kindern auch durch E.-coli-Präparate. Eine Symbioselenkung ist sinnvoll.
Zum natürlichen Milieu gehört auch die Gesundheit der Mutter. Es empfiehlt sich eine leicht verdauliche, naturnahe Kost mit Verzicht auf raffinierten Zucker, Weißmehl und auf Nahrungsmittel, die Hefe enthalten. Milch und Fruchtsäfte sollten nur sparsam genossen werden. Gewürze und Bitterstoffe stärken die Verdauungs- und Abwehrkraft des Darms (Markus 1995).

Homöopathische Behandlung

Die Homöopathie bewährt sich bei hartnäckigem und rezidivierendem Soorbefall und bezieht in erster Linie das Terrain bzw. die Konstitution ein. Es werden die Lokalsymptome genau registriert, zudem alle anderen Symptome und Zeichen, die am Kind wahrnehmbar sind. Den besten Erfolg verspricht das passende Konstitutionsmittel.

Repertoriumsrubriken: Mundsoor

Im RepertoriumRepertoriumsrubrikenMundsoor findet sich mit →Mund – Schwämmchen← die spezifische Rubrik für Mundsoor mit 38 Mitteln sowie einige typische Lokalrubriken.
Synthesis
→Mund – Schwämmchen: aeth, anan, ant-t, ars, bapt, borx, bry, but-ac, carb-ac, carb-v, caul, caust, chlorpr, eup-a, hep, hydr, kali-br, kali-chl, kali-i, kali-m, merc, mercc, mur-ac, nat-c, nat-m, nit-ac, nux-v, phos, psor, rhus-g, sars, semp, staph, sul-ac, sulo-ac, sulph, thuj, urin
→Gesicht – Belag – Lippen, auf den: ars-i, arum-t, bry, …
→Mund – Belag – Pseudomembran (15): arum-t, lac-c, merc-cy, mur-ac, nit-ac, sul-ac, …
→Mund – Belag – weißer; wie ein weißer Belag (1): sul-ac
→Mund – Schleimhaut – milchig (2): kali-i, lac-c
→Mund – Aphthen – Kindern, bei – Kleinkindern, bei: borx, bry, calc, corn, merc, nux-v, sul-ac, sulph
Complete
→Mund – Soor (33): anan, ars, asim, bapt, bor, bry, calc, carb-ac, carb-v, casc, caul, cean, cham, chlorpr, corn, gali, hep, hydr, kali-br, kali-chl, med, merc, mur-ac, nat-m, nux-m, nux-v, plan, sac-alb, staph, sul-ac, sulph, thuj, viol-t
→Mund – Soor – Harnwegsbeschwerden, mit (1): gali
→Mund – Soor – Säuglinge (2): bry, calc
→Mund – Soor – Stillen (4): carb-ac, cean, corn, sul-ac
Pennekamp
→Mund – Soor, Mundschwamm, Mundfäule, Säuglinge bis Kleinkinder (24): ars, arum-t, borx, cand-a, calc-s, carb-v, cit-p, hell, iod, kali-chl, melal-alt-ol, merc, merc-cy, mur-ac, nat-m, nit-ac, nux-v, olnd, sang, staph, sulph, sul-ac, syph, thuj

Repertoriumsrubriken: Windelsoor, Windeldermatitis

Synthesis
RepertoriumsrubrikenWindeldermatitisExtremitäten – Hautausschläge – Gesäß – Bläschen (8): borx, cann-s, carbo-an, crot-t, iris, olnd, rhus-t
→Extremitäten – Hautausschläge – Gesäß – erythematös – Kleinkindern, bei (= Windelausschlag) (1): med
→Rektum – Exkoriation – Stuhl, durch den (22): ars, arum-t, kreos, merc, nit-ac, rheum, sulph, tub, …
→Rektum – Hautausschläge – Anus, um den (36): ars, calc, caust, graph, hep, lyc, med, merc, nat-m, psor, sulph, thuj, …
→Extremitäten – Hautausschläge – Gesäß (17)
Pennekamp
→Bauch und Stuhl – Windeldermatitis allgemein (35): ant-c, ars, bapt, berb, borx, bry, calc, calc-ar, canth, carb-v, carc, cham, chin, clem, crot-t, euph, graph, hep, ign, kali-chl, kreos, lach, lyc, med, merc, merc-c, mez, mur-ac, nit-ac, petr, puls, sep, sulph, sul-ac, thuj, urea, urt-u

Homöopathische Arzneimittel bei Mundsoor

Wenn die im Folgenden angeführten homöopathischen Arzneimittel nicht helfen, gibt es die Möglichkeit, die Nosode MKS (Maul- & Klauenseuche) C 30, 1 × 2 Globuli zu verordnen – sie ist besonders gut wirksam bei Stomatitis aphthosa. (Friese 1991)
Aceticum acidum
#Aceticum acidumMundsoorWeißlicher Befall der gesamten Gingiva. Besonders Kinder mit chronischer Kolitis, mit Leukosen, nach Chemotherapie oder Radiatio bei entsprechend ernsten Erkrankungen fallen unter dieses Bild. Cave: palliative Wirkung.
Acidum muriaticum
#Acidum muriaticumMundsoorIm Repertorium Hauptmittel neben Medorrhinum. Symptome ähnlich Mercurius. Kinder unterentwickelt, schlechte Immunlage. Rezidivierende Aphthen (11.3) mit Speichelfluss, Foetor und Schluckschmerzen. Stuhl und Urin gehen gleichzeitig ab. Hämorrhoiden und Analprolaps beim Urinieren (dies schon bei Kindern!) Schweres Bild. Cave: Therapieart sorgfältig abwägen.
Aconitum napellus
#Aconitum napellusMundsoorWeißer und weiß-gelber Belag aller intraoralen Strukturen. Geschwollene Zunge mit extremer Trockenheit. Eine derartige Soorstomatitis kann im Rahmen eines jeden hochfebrilen Infektes auftreten. Das Gesamtbild der Symptome des Mittels ist in diesem Fall für die Verschreibung entscheidend.
Adlumia fungosa
#Adlumia fungosaMundsoorSoorstomatitis mit weiß bedeckter Zunge, ausgeprägter Flatulenz und Diarrhö. Die Begleitsymptome: Verlangen nach kalter Milch und extreme Unverträglichkeit von Fettem, v. a. fetter Wurst. Dabei Frieren mit Verlangen nach kalter Luft. Die Wirkung dieses Mittels ist phänomenal, wenn das vorausgegebene Pulsatilla nicht anschlägt.
Aesculus hippocastanum
#Aesculus hippocastanumMundsoorWeiß verfärbte oder gelb-weiß belegte Mundschleimhaut und Zunge, diese auch geschwollen. Aesculus verkörpert die venöse Stauung mit einem Gefühl von Schwere in allen betroffenen Organen. Hier: Wundgefühl im Mund-Rachenraum, abwechselnd mit Affektionen im Rektum, z. B. Hämorrhoidalstauung. Bei Kindern selten.
Ailanthus glandulosa
#Ailanthus glandulosaMundsoorWeißliche Soorstomatitis im Rahmen einer Scharlachangina; kommt sehr selten vor. Schweres Bild.
Alumina
#AluminaMundsoorWeiße Soorstomatitis. Es handelt sich um Kinder mit habitueller Obstipation und Immunschwäche, d. h. chronischer Erkältungsneigung. Ihr Abwehrsystem arbeitet sehr langsam, mit wenig Flexibilität. Trotz Salivation trockenes Gefühl im Mund mit Wundheit. Die Kinder essen zuweilen unverdauliche Dinge wie z. B. Kalk, Kohle, Erde. Neben Alumina kommen auch Alumina phosphorica#Alumina phosphoricaMundsoor und Alumina silicata#Alumina silicataMundsoor mit etwas entsprechender Varianz infrage.
Ammonium causticum
#Ammonium causticumMundsoorWeiße Verfärbung der Schleimhaut von Gaumen und Zunge. Überall weiße Flecken, auch auf Uvula und Tonsillen, Zunge und Wangen. Hauptindikation: Krupp-Syndrom mit tiefer, heiserer Stimme und Atembeschwerden. Seltene Verschreibung.
Antimonium crudum
#Antimonium crudumMundsoorWeiße oder weiß-gelbe Verfärbung. Die Zunge mit milchigem, dickem Belag überzogen. Häufig bei Kindern. Diese imponieren durch mürrisches Wesen und neigen zu Übergewicht. Im Allgemeinen sind sie unausstehlich, vertragen weder angeschaut noch berührt zu werden. Sie neigen zu gelb-krustiger Impetigo, rissigen Mundwinkeln, knirschen mit den Zähnen und zeigen auch häufig intraorale Aphthen (11.3), Ekzeme und Verdauungsstörungen; sehr häufig Warzen.
Arsenicum album
#Arsenicum albumMundsoorSoorstomatitis mit starker Neigung zu Generalisation infolge Abwehrdefizits. Zunge erscheint wie angestrichen, auch weiße Flecken kommen vor. Kinder trinken nur Warmes.
Arsenicum sulfuratum flavum
#Arsenicum sulfuratum flavumMundsoorStomatitis mit intraoralen weißgelben Belägen. Kinder wollen und können nichts essen. Es besteht Neigung zu herpetischen Ulzera. Trockenes Gefühl im Mund, die Kinder magern stark ab. Diarrhö nur tagsüber.
Arum triphyllum
#Arum triphyllumMundsoorMundschleimhaut geschwollen und blutend, auch die Lippen und Mundwinkel sind wund. Zunge und Speicheldrüsen sind stark angeschwollen, sodass Trinken und Schlucken erschwert sind. Das Kind ist heiser und hat Hustenreiz. Der Husten ist krampfhaft, schleimig und tut weh. Der Stuhl ist scharf und wund machend.
Baptisia tinctoria
#Baptisia tinctoriaMundsoorStomatitis mit weißen und gelbweißen Belägen, insbesondere auf der Zunge. Schweres Bild; Kinder können nicht mehr reden, nur noch trinken; zäher Speichel; Schwellung des weichen Gaumens; Aphthenbildung mit Neigung zu Ulzera. Besonderheit: v. a. Stillkinder betroffen.
Belladonna
#BelladonnaMundsoorWeiße und gelb-weiße Stomatitis mit Streifenmuster. Indikation: Dentitio difficilis (Zahnungsbeschwerden, 11.2) nach Scharlach-Antibiose. Hohes Fieber mit Delirneigung.
Borax venata
#Borax venataMundsoorDas erste Mittel bei Mundsoor mit den typischen Symptomen. Verminderter Appetit, nach jeder Mahlzeit Blähungen und vermehrtes Aufstoßen. Schleimabgang mit dem Stuhl. Sekundärer Befall im Windelbereich. Der Säugling wirkt krank: blass, fahl, elend, schwach, verdrießlich, ängstlich, schreckhaft bei jedem Geräusch. Er schreit viel, beim Trinken, vor dem Stuhlgang oder Urinieren. Beim Wiegen in den Armen macht er bei jeder Abwärtsbewegung ein sehr ängstliches Gesicht oder schreit, wenn er hingelegt wird. Erschwertes Einschlafen, das Niederlegen schreckt ihn jedes Mal auf. > Stuhlgang und Bewegung.
Bryonia alba
#Bryonia albaMundsoorWeiße und weiß-gelbe Beläge, v. a. der Zunge. Das Mittel trifft, wenn Verdauungsstörungen mit im Spiel sind. Kind verweigert die Brust. Der Mund muss ständig durch die Mutter angefeuchtet werden. Selten indiziert.
Cahinca racemosa
#Cacinha racemosaMundsoorWeiße Verfärbung der Mundschleimhaut mit schmutzigem Belag auf der Zunge. Sehr trockenes Gefühl im Mund, schmutzige Beläge mit viel und dickem Speichel. Dabei Pollakisurie z. B. durch Zystitis. Die Wangenschleimhaut ist extrem schmerzhaft und wund. Seltene Verschreibung.
Calcium carbonicum
#Calcium carbonicumMundsoorSoorstomatitis z. B. Dentitio difficilis (11.2) mit den entsprechenden Symptomen von Calcium carbonicum. Ist bei akuten Prozessen selten angezeigt.
Calcium phosphoricum
#Calcium phosphoricumMundsoorEbenfalls Soorstomatitis bei Dentitio difficilis mit verspäteter Zahnung. Die Kinder neigen zu Adenoiden.
Cantharis
Weißer Belag, insbesondere #CantharisMundsoorauf der Zunge. Brennen intraoral, das sich in den Rachen fortsetzt. Starke Neigung zu Bläschenbildung. Meist im Rahmen einer Zystitis bzw. Zystopyelitis. Entzündungscharakter sehr deutlich. Kind gebärdet sich heftig erregt und ungeheuer ruhelos, fast manisch und lehnt Nahrungsaufnahme komplett ab.
Carbo vegetabilis
#Carbo vegetabilisMundsoorIntraoral weiße und gelb-weiße Schleimhaut, auch Zunge. Cave: Kinder neigen sehr schnell zu Exsikkose, Tonusverlust und Dekompensation. Evtl. kaltes Exspirium. Neigung zu Aphthosis generalisata. Schwere Stomatitis mit Befall der gesamten Gingiva, welche stark blutet und sich schnell von den Zähnen löst. Ernstes Bild.
Carbolicum acidum
#Carbolicum acidumMundsoorSchwere Stomatitis. Silbrig-weißer Belag, v. a. auf der Zunge, abwischbar. Schleimhaut äußerst gereizt, wie korrodiert (kreos), übler Foetor ex ore. Auch Stomatitis aphthosa. Neigung zu septischen Prozessen und zur Generalisierung. Cave: ernstes Bild, homöopathische Therapie abwägen!
Carcinosinum
#CarcinosinumMundsoorWeiße Flecken intraoral und Aphthenneigung. Kann nichts Warmes trinken. Besonderheit: Konstitution und Familienanamnese wichtig. Wird selten akut gegeben.
Causticum
#CausticumMundsoorWeiße Beläge, v. a. an den Zungenrändern. Die Kinder beißen sich beim Kauen in die Wange. Enuresis; insgesamt eher selten bei Kindern.
Chamomilla
#ChamomillaMundsoorSoorstomatitis häufig bei Dentitio difficilis (11.2) mit entsprechender Symptomatik.
China officinalis
#China officinalisMundsoorSoorstomatitis mit weißen und weiß-gelben Belägen. Indikation v. a. nach langem Fieber, rezidivierendem Fieber, protrahierten Enteritiden, bei Nahrungsmittelintoxikationen (ars). Jegliche Berührung der Schleimhaut wird sehr schmerzhaft empfunden. Die Kinder zeigen schlechtes Gedeihen, essen tagsüber nichts, nachts dagegen wachen sie oft mit heftigem Hunger aus dem Schlaf auf. Sie trinken gern kaltes Wasser, welches oftmals Durchfall hervorruft. Eine gute Indikation stellen Bauchkoliken dar, die jeden Tag zur selben Stunde ihren Anfang nehmen, besonders nachmittags. Das Mittel wird bei Kindern häufig verkannt. Chininum arsenicosum#Chininum arsenicosumMundsoor und Chininum sulfuricum ähneln stark. #Chininum sulfuricumMundsoor
Cuprum arsenicosum
#Cuprum arsenicosumMundsoorStomatitis mit weißen Belägen. Bei Kindern mit Erkrankungen an Darm und Niere, z. B. Morbus Crohn oder Darmmykosen mit chronischer Diarrhö und verminderter Nierenleistung. Der Urin ist hochkonzentriert und ketonhaltig mit Knoblauchgeruch. Auch bei Candidiasis im Rahmen von Diabetes mellitus I gut indiziert. Cave: ernstes Bild, homöopathische Therapie abwägen!
Dirca palustris
#Dirca palustrisMundsoorÄhnelt Colocynthis. Weiß belegte Mundschleimhaut und Zunge. Dabei Blähungen und kolikartige Bauchschmerzen, > Krümmen und Abgang von Stuhl. V. a. die Zungenmorphologie deutet auf enteralen Pilzbefall oder Dysbiose hin. Selten verschrieben.
Dulcamara
#DulcamaraMundsoorSiehe auch Aphthosis. Haut, Schleimhaut und Bindegewebe reagieren extrem auf Wetterveränderungen. Das Immunsystem verkraftet plötzliche Temperaturstürze schlecht; warme Tage, gefolgt von kalten und nebligen Nächten lösen Dulcamara-Krankheiten aus. Alle vorstellbaren Störungen resultieren aus diesen klimatischen Gegensätzen (siehe Namen).
Ferrum metallicum
#Ferrum metallicumMundsoorGeneralisierte Stomatitis, die gesamte Schleimhaut ist weiß belegt. Das Geschmacksempfinden ist völlig verändert. Unverdaute Stühle und Erbrechen sofort nach der Nahrungsaufnahme mit unnatürlicher, auffallender Rötung des Gesichts. Würmer (Askariden) möglich. Komplexes Geschehen, welches synthetisches Denken erfordert. Ferrum-Kinder neigen zu Übergewicht und falscher Plethora. Verlangsamung aller Stoffwechselvorgänge und der Zahnung, welche mit persistierender Diarrhö einhergeht. Oftmals Nasenbluten bei Kindern. Bei Askaridenbefall Jucken des Anus v. a. nachts und Prolapsneigung. Enuresis möglich. Ferrum-Kinder sind in der Regel faul, träge, schwierig zu erziehen. Sie werden häufig mit Calcium carbonicum verwechselt.
Geranium robertianum
#Geranium robertianumMundsoorEnthält Adstringenzien wie z. B. Tannin, daher bei Enteromykosen gut wirksam. Sehr unruhige Kinder mit weißer intraoraler Schleimhaut mit Schwellneigung. Diarrhö abwechselnd mit Obstipation. Selten verschrieben.
Helleborus niger
#Helleborus nigerMundsoorSpeichelfluss, wunde Mundwinkel, appetitlos, Mundschleimhaut voller flacher, gelblicher Ulzera. Grauenhafter Mundgeruch. Meteorismus bei Kälte des Abdomens. Schwach, blass, eingefallen, benommen, träge Reaktionen. Konvulsionen beim Säugling nach einer schweren Geburt.
Soorstomatitis bei stationären, intensivpflichtigen Fällen von Meningitiden und Enzephalitiden. In der normalen Praxis kaum relevant. Eventuell Pflegefälle bei schweren zerebralen Schäden. Auch nach Operation von zerebralen Prozessen möglich.
Ipecacuanha
#IpecacuanhaMundsoorWeiße Beläge bei Stomatitis, Zunge sauber und belagfrei, allerdings rot gepunktet. Kinder schieben ständig Finger in den Mund. Ipecacuanha ist ein Medikament für den Säugling bis ins hohe Alter hinein. Die Wirkung reicht von der Übelkeit bei Nabelkoliken bis hin zur Übelkeit durch Chemotherapie, von der Unreifen-Pneumonie bis hin zum Morphinismus. Cave: Ipecacuanha ist immer „nur“ Akutmittel. Als konstitutionell verordnetes Mittel in unserer Praxis bisher nicht vorgekommen.
Kalium bichromicum
#Kalium bichromicumMundsoorSoor der Mundhöhle und Zunge, auch Aphthenbefall. Oftmals absteigender Infekt und/oder Sinubronchitis mit zäher, visköser Expektoration, welche überall kleben bleibt. „Verstopfte“ Kinder mit Neigung zu kruppösem Syndrom. Haargefühl auf der Zunge. Schon die Kinder neigen zu regelhaftem, konformem Verhalten und Ritualen. „Zähe Persönlichkeiten“. Fehlende Flexibilität, wenig Phantasie, wenig schöpferische Elemente, Mitläufer. Kinder leiden unter Dauererkältung.
Kalium chloricum
#Kalium chloricumMundsoorSchwere Soorstomatitis und Aphthen (11.3). Die ganze Mundschleimhaut ist rot und geschwollen, zeigt Geschwüre mit grauem Grund. Vermehrte Speichelabsonderung. Dazu heftige, flüssige Durchfälle, teils schleimig-blutig, mit viel Meteorismus (merc).
Kalium muriaticum
#Kalium muriaticumMundsoorMilchigweiße und gelbweiße Schleimhaut und Zunge, v. a. fleckweise Ausprägung, auch Aphthen (11.3). Lymphadenitis. Chronisch rezidivierende Otitis media und Tubenkatarrh mit Schwerhörigkeit. Strenge Unverträglichkeit von Fettem. Die Stimmungslabilität und Gesamtsymptomatik lässt es meist mit Pulsatilla verwechseln.
Kalium sulfuricum
#Kalium sulfuricumMundsoorSoor gelb-weiß bei Kindern mit chronischer Nasenobstruktion. Rasselgeräusche in Nase und Bronchien. Völliger Geruchs- und Geschmacksverlust. Kinder werden nach überstandener Grippe ihren Husten nicht mehr los. Viele Pulsatilla-Symptome. Cave: Neigung zu Asthma. Besonderheit: Wechsel von Asthma und Stomatitis.
Kreosotum
#KreosotumMundsoorSoorstomatitis schweren Ausmaßes. Neigung zu Generalisierung. Aphthen (11.3).
Lac caninum
#Lac caninumMundsoorGelb-weiße Beläge, Pseudomembranen im gesamten Mundraum; zuweilen auch silbrig-weiß oder käsig: Ein Bild, das Diphterie imitiert. Starkes Milchverlangen, aber Probleme mit der Milch. Enuresis-Kinder mit Träumen vom Urinieren. Stomatitis nach Tonsillitis, welche die Seiten wechselt oder gewechselt hat. Mittel bei Kindern nicht so häufig.
Lactuca virosa
Weiße Stomatitis #Lactuca virosaMundsoorund Soor-Glossitis z. B. bei Bronchitis und v. a. bei Pertussis mit Erbrechen nach jedem Anfall. Husten durch kleinste Temperaturveränderung hervorgerufen. Husten erschüttert den ganzen Körper.
Laurocerasus
Weiß belegte #LaurocerasusMundsoorSchleimhaut. Laurocerasus ist Notfallmedikament bei Asphyxie der Neugeborenen (ant-t; camph, cupr) und bei zyanotischen Asthmakindern. Auch bei Kindern mit geistiger Retardierung, Down Syndrom sowie bei Epileptikern finden wir oft eine Soorstomatitis mit Laurocerasus-Symptomatik. Besonderheit: Die Kinder fühlen sich in Kopftieflage wohler.
Lobelia inflata
#Lobelia inflataMundsoorWeiße Stomatitis inkl. Zunge. Zunge v. a. seitlich betroffen. Kinder mit Asthma und Dyspepsie, machen immer einen sehr kranken Eindruck. Die Eltern sind sehr besorgt, während die Kinder dies voll auskosten. Erbrechen und Luftnot machen einen dramatischen Eindruck. Besonderheit: Hypersalivation bei Asthma und Husten. Hypersalivation auch mit Schluckauf, dazu Schwitzen beim Erbrechen. Ein wahrlich „dramatisches“ Bild.
Lycopodium clavatum
#Lycopodium clavatumMundsoorSelten, Konstitutionssymptome beachten.
Magnesium carbonicum
#Magnesium carbonicumMundsoorDyspepsie und Übersäuerung des Magen-Darm-Kanals. Die Kinder gedeihen schlecht, können Milch und Milchprodukte nicht assimilieren und zeigen sie deswegen im Stuhl. Soorstomatitis auch bei Dentitio difficilis (11.2), zusammen mit saurer Diarrhö und saurer Gemütsverfassung; auch Aphthen (11.3).
Medorrhinum
#MedorrhinumMundsoorSoorstomatitis mit Neigung zu Generalisierung. Ebenso Stomatitis aphthosa und Dentitio difficilis (11.2).
Mercurius corrosivus
#Mercurius corrosivusMundsoorGleiches Bild, aber Verlauf schneller und stürmischer als Mercurius solubilis. Bei Kindern Unterschied kaum zu erkennen; das Mittel ist eher bei Enteritis und Colitis indiziert.
Mercurius solubilis
#Mercurius solubilisMundsoorKlassische Soorstomatitis und Stomatitis aphthosa mit Schmerzen und Salivation, Foetor ex ore, Girlandenzunge, Lymphadenitis, Schweiß und Unruhe. Blutungsneigung. Symptome gut bekannt, Mittel kann aus dem Repertorium erschlossen werden.
Myrica cerifera
#Myrica ceriferaMundsoorSchmutzig-weiße Beläge intraoral, selten auch Aphthen. Indiziert bei Bulimie-Kindern, die ausgesprochen depressive Neigung mit Wechsel zu völliger Apathie zeigen oder sich sehr kritisch ihrer Umgebung gegenüber benehmen; dadurch wenig Akzeptanz in der Gruppe, gerne Einzelgänger. Morgens nach dem Schlaf äußerst schlecht aufgelegt. Essen nur Saures, z. B. Mixed Pickles. Schwierige Charaktere.
Natriumsalze
#NatriumsalzeMundsoorAlle Natriumsalze zeigen ein ähnliches Bild und sind intraoral kaum zu differenzieren, am ehesten noch Natrium muriaticum mit den roten Inseln der Landkartenzunge. Oft Stomatitis aphthosa mit Neigung zu Ulzerationen; Mittel nur über Konstitutionssymptome zu eruieren (z. B. schuppiges Kopfekzem und Alopezie bei schlechtem Gedeihen, dünnes Hälschen, spätes Laufen, oft Herpes, Obstipation, Allergieneigung mit Urtikaria, gestörtes Verhältnis zu Salz, Heißhunger und evtl. fehlende Gewichtszunahme).
Natrium muriaticum
#Natrium muriaticumMundsoorTrockene Haut und Schleimhaut, rote, glänzende Zunge, Zunge breit und geschwollen, Landkartenzunge; reichlich Speichelfluss oder zäher Speichel, der Bläschen bildet, besonders am Zungenrand sichtbar. Aphthen, Mundsoor. Schwellung oder Riss median an der Unterlippe, Milchschorf am Haaransatz, unreine, welke Haut im Gesicht. „Kümmerlinge“ laut Imhäuser (lyc), schon beim Säugling zeigt sich die ablehnende Haltung gegen Nähe und Körperkontakt. Das Kind will nicht, dass man sich mit ihm beschäftigt, es weint viel, lacht spät und selten, wirkt bekümmert und unharmonisch. Es hat einen unproportioniert dünnen Hals.
Die Repertorien gehen schnell auf die verschiedenen intraoralen Bereiche über, z. B. →Gaumen – weiß, Zahnfleisch – weiß, Zunge – weiß. Cave: Es handelt sich hier durchwegs um Lokalsymptome bzw. Zeichen. Die Wertigkeit ist daher nur im akuten Fall von einiger Bedeutung. Spätestens bei rezidivierendem Auftreten muss unbedingt konstitutionell vorgegangen werden. Dabei verliert das Lokalsymptom an Bedeutung. Nur ein konstitutionell gewähltes Mittel ist in der Lage, das Immungeschehen nachhaltig und dauerhaft zu stimulieren.
Da auf jeden Fall alle Polychreste derartiges vermögen, soll hier noch auf häufig indizierte „kleinere“ Mittel eingegangen werden, insbesondere auf solche, die nicht nur Pilzbefall einzelner intraoraler Regionen im Mittelbild haben, sondern den gesamten Mundinnenraum abdecken.
Nitricum acidum
#Nitricum acidumMundsoorGelb-weißliche Soorstomatitis, generalisiert und zu Ulzerationen neigend. „Bösartiger“ Charakter. Risse und Fissuren an allen Körperöffnungen, Lippen, Nase, Anus. Schwierige Gemütsverfassung. Kinder zeigen Pusteln mit Schuppenauflagerungen. Enuresis-Kinder mit streng riechendem Urin. Psoriasis-Kinder (staph). Sehr häufig Aphthen (11.3). Mittel bei Kindern nicht sehr häufig. Oft Warzenbefall.
Oleander
#OleanderMundsoorBläulich-weiße Stomatitis, schmutzige Farbe von Schleimhaut und Zunge. Oleander hat nicht nur als Ekzemmittel vorzügliche Wirkung, sondern stellt auch bei Enteritiden und Pilzbefall seine Potenz unter Beweis. Kinder wollen nicht angefasst werden und zeigen an nichts Interesse. Sie lassen sprichwörtlich ständig den Kopf hängen. Besonderheit: Verlangen nach Orangen, welche häufig nicht vertragen werden. Das gilt für alle Zitrusfrüchte, welche Hauterscheinungen und Durchfall auslösen können. Manchmal werden auch Tomaten schlecht vertragen. Bei jedem Windabgang ist ein bisschen Stuhl dabei (alle Natriumsalze, ph-ac, podo, staph, tub, verat).
Petroleum
#PetroleumMundsoorWeiße Schleimhaut intraoral, inkl. Zunge. Diese zeigt jedoch im Idealfall zwei dunkle Streifen entlang den Rändern. Petroleum-Kinder zeigen schlechtes Gedeihen bei vermehrtem Hunger. Sie zeigen sich reizbar wie Antimonium crudum, nässen ein und neigen zu Ekzemen und Mundwinkelrhagaden (graph, nit-ac). Sie sind pausenlos erkältet, ihre Rhinitis wird meistens mit Kalium bichromicum unterdrückt, da sie ein solches Bild aufweist; Petroleum ist bei Kindern nicht leicht zu erkennen. Häufig Kinetose und Okzipital-Kopfweh kombiniert. Viele Psorinum- und Sulphur-Verordnungen bräuchten eigentlich Petroleum. Cave: Bei Rhagaden und Fissuren unverzüglich Petroleum prüfen!
Phosphorus
#PhosphorusMundsoorEntsprechend dem Petroleum-Bild erscheint hier die intraorale Schleimhaut strahlend weiß, wie lackiert. Phosphorus-Kinder sind durch ihr gewinnendes Wesen gut zu erkennen. Insbesondere zeigen sie keinerlei Schüchternheit und erobern unsere Herzen im Flug.
Plantago major
#Plantago majorMundsoorEin wichtiges Kindermittel. Enuresis-Kinder mit Aphthen und Soor im Wechsel. Hier das Mittel der Wahl, wenn Salivation besteht. Zusätzlich große Anfälligkeit für Otitiden, die von einem Ohr zum anderen ziehen. Die Kinder sind lebhaft, gesprächig, zeigen Angst in Tunnels und gebärden sich dem Arzt gegenüber eher reserviert. Die Enuresis (21.3) zeigt sich durch enorme Mengen nächtlichen Urins, die Kinder „schwimmen“ im Bett infolge Sphinkteratonie. Diese Kinder erhalten häufig Stramonium, Belladonna oder Phosphorus ohne Wirkung.
Podophyllum
#PodophyllumMundsoorSoor mit gelb-weißen Belägen auf Schleimhaut und Zunge; Hypersalivation. Geeignet für Kinder mit Würmern und Jactatio capitis. Soorstomatitis bei Dentitio difficilis (11.2). Soor und rezidivierende Enteritis bei Enteromykosen. Kinder mit Wechsel von Obstipation und Diarrhö. Kinder mit Analprolaps-Neigung; bei Infekten oft Hepatomegalie. Die Kinder jammern enorm bei jeder gesundheitlichen Störung.
Pulsatilla pratensis
#Pulsatilla pratensisMundsoorWeiße Soorstomatitis z. B. nach Masern oder Antibiose. Kinder mit Pollinose und Asthmaneigung. Weinerliche Kinder mit chronischer Rhinitis und Conjunctivitis catarrhalis. Mittel ist durch bekannte Symptome gut zu erkennen.
Ranunculus sceleratus
#Ranunculus sceleratusMundsoorSoor und Aphthen mit Landkartenzunge. Bewährt bei sehr schmerzempfindlichen Kindern, die über Brennen im Mund klagen und Essen und Trinken scheuen. Wird leider selten verordnet.
Rheum officinale
#Rheum officinaleMundsoorSoorstomatitis mit Diarrhö bei Dentitio difficilis (11.2). Diarrhö riecht sauer, Kind gebärdet sich „sauer“, stößt mit den Füßen und klagt über Bauchkoliken. Periorale Schweißbildung oder Oberlippenschweiß im Idealfall (cham).
Salicylicum acidum
#Salicylicum acidumMundsoorSoor mit weißen Flecken intraoral; auch Aphthenbefall. Selten verordnet, da ausgesprochenes „Erwachsenenmittel“ (Menière, Rheuma).
Sarsaparilla
#SarsaparillaMundsoorAphthen (11.3) und Soor bei Kindern mit rezidivierender Zystitis und Zystopyelitis; Enuresis-Kinder mit diesen Diagnosen. Die Kinder schauen älter aus und zeigen Trommelbäuche. Neigung zu Kälteurtikaria. Besonderheit: Kinder schwitzen am Genitale bei Stomatitis.
Silicea
#SiliceaMundsoorWeiß imponierende Stomatitis, dabei eventuell Haargefühl vorne auf der Zunge. Die Kinder sind von Geburt an durch schlechte Immunlage benachteiligt, lernen aber im Laufe des Lebens, ihre Ressourcen gut und effektiv einzusetzen. Sie haben Probleme mit Muttermilch und Kuhmilch und werden oft mit dieser für sie nicht passenden Nahrung traktiert. Schlechtes Gedeihen. Rachitische Zeichen. Obstipation und Fußschweiß. Rezidivierende Infekte aller Kopfhöhlen. Schwierige Zahnung. Ekzeme besonders am Kopf. Rezidivierende Abszesse und Fistelneigung. Besonderheit: Weißfärbung eines einzelnen Zungenrandes bei Stomatitis. Cave: Silicea hat mit Pulsatilla nichts zu tun, auch wenn viele Symptome sich gleichen.
Sticta pulmonaria
#Sticta pulmonariaMundsoorWeiß-gelbe Soorbeläge. Immer von trockenem Staccato-Husten begleitet; oft Sinubronchitis bei älteren Kindern. Besonderheit: Schnaubt ständig nach vorne durch die Nase ohne Absonderung. Cave: Schnüffeln aufwärts ohne Absonderung (iodof). Jeder Schnupfen wird bei diesem Mittel zur Bronchitis.
Sulphur
#SulphurMundsoorGelb-weiße Soorstomatitis. Zunge weiß mit roter Spitze, oft bei Enteromykose. Hier entscheiden wieder konstitutionelle Symptome. Kinder mit hohem Energielevel, erleben und durchleben alles intensiv. Enuresis-Kinder, schlaflos und hungrig; Sulphur „katalysiert“ Kinderkrankheiten, wenn die Exantheme nicht erscheinen wollen oder supprimiert werden.
Sulphuricum acidum
#Sulphuricum acidumMundsoorRezidivierende milchweiße Stomatitis und Aphthen bei Kindern mit schlechtem Gedeihen. Cave: Diabetes ausschließen! Selten indiziert.
Syphilinum
#SyphilinumMundsoorHäufige Nosode, aber selten über eine Soorstomatitis zu finden.
Thuja occidentalis
#Thuja occidentalisMundsoorWeißliche Soorstomatitis. Zungenrand kann wiederum einseitig weiß gefärbt sein. Aphthen ebenfalls möglich. Thuja stellt weit häufiger ein Konstitutionsmittel dar, als allgemeinen vermutet wird, auch bei Kindern. Eltern mit Sykosis-Belastung „statten“ ihre Kinder häufig mit Zeichen und Erkrankungsmustern aus, denen wir mit Thuja begegnen können. Zum Beispiel ist nach Impfungen häufig Thuja nötig, wenn Exantheme, Fieber, Neuralgien, Schlafprobleme erscheinen. Kinder mit Warzenproblemen, Polypen und chronisch rezidivierender Sinusitis, zugleich Konzentrationsschwierigkeiten in der Schule. Asthma-Kinder im Wechsel mit Soor. Ekzeme an bedeckten Stellen, als Stoff-Allergie häufig missdeutet. Nagelprobleme schon bei Kindern. Die Kinder sind sehr scheu gegenüber Fremden und hängen sehr an ihren Eltern, wollen, dass ihre Eltern ständig um sie sind und werden dadurch meist mit Calcium carboncium verwechselt, das weit entfernt von Thuja steht.
Tuberculinum
#TuberculinumMundsoorWeiße Soorbeläge, Zunge v. a. an der Basis betroffen, evtl. gesamte Zunge weiß mit roten Streifen den Sulcus medianus entlang. Tuberculinum kann bei Kindern auch ein Konstitutionsmittel darstellen, allerdings selten. Tuberculinum-Kinder sind sehr auffällig durch ihr Verhalten, ihre Ängste, ihre Infekte, ihre Nahrungsvorlieben und -abneigungen.
Zincum metallicum
#Zincum metallicumMundsoorSoor und Aphthen (11.2) im Mund. Trockenes Gefühl verhindert das Sprechen. Zincum ist oft indiziert bei ADHS, Balbuties. Auch Konzentrationsstörungen anderer Art fallen unter das Mittel. Bewährt bei Anfallsleiden, Pavor nocturnus und Enuresis in Kombination. Auch bei entzündlichen Prozessen im Cerebrum große Wirkbreite. Konvulsivische Hustenanfälle sind weitere Indikationen.

Homöopathische Arzneimittel bei Windeldermatitis

Acidum benzoicum
#Acidum benzoicumWindeldermatitisWundsein durch scharfen Urin. Extrem starker und unangenehmer Uringeruch, wie Ammoniak oder Pferdeurin. Vom Urin bräunlich verfärbte Windel.
Belladonna
#BelladonnaWindeldermatitisGlänzende feuerrote Haut um den Anus, sehr berührungsempfindlich.
Calcium carbonicum
#Calcium carbonicumWindeldermatitisFeuchter, auch pustulöser Ausschlag am Gesäß, schmerzlos. Haut kalt und schlaff, leicht wund, feuchter Nabel, partielle Schweiße an Händen und am Kopf, viel Speichelfluss. Saure oder stinkende Durchfälle beim Zahnen, Stuhl wie Kreideklumpen, schmerzlose Obstipation, großes Abdomen. Kind schläft viel, ist zufrieden, lacht gerne. Es ist passiv, plump, verlangsamt in seiner Entwicklung, spätes Zahnen, große Fontanelle.
Cantharis
#CantharisWindeldermatitisBerührungsempfindlicher Blasenausschlag „wie verbrannt“. Kind schreit beim Urinieren.
Chamomilla
#ChamomillaWindeldermatitisIntertrigo im Windelbereich. Anus geschwollen und rot. Stuhl grün und schleimig, riecht nach faulen Eiern. Zahnungsbeschwerden. Äußerst übellauniges Kind, nichts ist ihm recht, schreit unerträglich, muss dauernd getragen werden.
Euphorbium
#EuphorbiumWindeldermatitisGelblicher Windelausschlag mit Blasen; betroffener Bereich ödematös geschwollen. Besserung durch kalte Anwendungen und Olivenöl.
Kreosotum
#KreosotumWindeldermatitisWichtiges Mittel. Nässender, schorfiger und leicht blutender Windelausschlag. Exkoriation zwischen den Oberschenkeln. Übelriechender Urin, stinkender grünlicher Stuhl, Kind schreit während des Stuhlgangs, als bekäme es einen Anfall. Kind sehr übellaunig und unzufrieden (cham), nächtliches Schreien, schläft nur, wenn es gestreichelt wird. Schwierige Zahnung.
Lycopodium clavatum
#Lycopodium clavatumWindeldermatitisWindeldermatitis durch scharfen Urin (canth, clem), Kind weint beim Harnlassen, Harn riecht scharf und stark, roter Satz in der Windel. Empfindliche Haut, Milchschorf, Intertrigo, trockene und nässende Ekzeme, allergische Disposition. Chronischer Schnupfen. Sehr aufgeweckt, doch ermüdbar. Kleiner Kopf, frühreif bei schwächlichem Körper und altem, faltigem Aussehen schon beim Säugling. Finsterer Blick, verspannte gerunzelte Stirn. Weint viel, bekümmerter und kritischer Ausdruck, scheu, starkes Fremdeln. Großer Bauch, schwache Extremitäten. Hypertoner Grundtonus mit Neigung, den Kopf nach hinten zu überstrecken (bell, cham, merc). Später Zähneknirschen. Das Kind schläft wenig, mit halb offenen Augen.
Medorrhinum
#MedorrhinumWindeldermatitisWenn der Unterleib erster Ort von Beschwerden ist, gilt das als Hinweis für die Sykosis (thuj, sars). Wundsein der Säuglinge um Genitale und After mit Rötung der Penisspitze. Der Windelbereich riecht auffällig „genital“ oder nach Ammoniak. Unruhige, eigenwillige, frühreife, erwachsen aussehende Säuglinge mit robustem Körperbau (syph). Sie sind hyperton und schlafen bevorzugt in der Knie-Ellenbogen-Lage (tub, carc), sobald sie selbst bestimmen können, und behalten diese Vorliebe bis ins Kindesalter bei. Eigenwilliges Stillverhalten, sehr wählerisch im Appetit (Gnaiger 2002).
Mercurius solubilis
#Mercurius solubilisWindeldermatitisNässende, krustenbildende Windeldermatitis (mez), leicht blutend, geschwürig wie rohes Fleisch, mit vielen Pusteln in der Umgebung. Auch Penis und Skrotum betroffen, zieht und kratzt an den Genitale. Exkoriation zwischen Skrotum und Oberschenkeln. Stuhl übelriechend und wund machend. Stark schwitzender Säugling mit üblem Körper- und Mundgeruch und starkem Speichelfluss.
Mezereum
#MezereumWindeldermatitisNässender Windelausschlag, sondert scharfes und klebriges Sekret ab, das dicke Krusten bildet. Brennen und Jucken verhindert den Schlaf, < warmes Bad. Beschwerden nach unterdrückender Behandlung einer Windeldermatitis.
Nitricum acidum
Rote, nässende, teils mit Schorf bedeckte Windeldermatitis#Nitricum acidumWindeldermatitis auch im Genitalbereich. Anus rot und eingerissen, Stuhlgang schmerzhaft. Alles am Kind riecht übel: Schweiß, Stuhl, Urin, Genitalbereich.
Rheum officinale
#Rheum officinaleWindeldermatitisWindeldermatitis während der Zahnung (cham, kreos). Koliken mit viel Schreien, saurer, grüner, wund machender Durchfall. Das ganze Kind riecht sauer, auch nach dem Baden (hep, mag-c, sul-ac). Sehr übellaunig, kapriziös.
Rhus toxicodendron
#Rhus toxicodendronWindeldermatitisBläschenartige Windeldermatitis, auch Genitale betroffen. Starker Juckreiz > warm Baden. Haut verdickt. Starke Unruhe.
Sulphur
#SulphurWindeldermatitisFeuchter Windelausschlag um den Anus – eventuell Folge antibiotischer Behandlung. Haut insgesamt trocken, „unsauber“. Stuhl und Flati riechen sauer. Kind will dauernd trinken. Konstitution beachten.
Sulfuricum acidum
#Sulfuricum acidumWindeldermatitisWundsein mit offenen Stellen wie Aphthen. Auch Aphthen (11.2) oder weißer Belag im Mund. Intertrigo. Stark saurer Körpergeruch sogar nach dem Baden (hep, mag-c, rheum). Stuhl durchfällig, Geruch sauer oder nach faulen Eiern. Zahnungsbeschwerden.
Thuja occidentalis
#Thuja occidentalisWindeldermatitisAnalfissur. Nässender Hautausschlag an den Genitalien, um den After oder am Perineum. Wunder Nabel, Leistenhernie. Starke Körperbehaarung, viele Naevi. Sykotische Familiengeschichte.

Kasuistiken

Kasuistik

Neugeborenenpemphigoid (Jutta Gnaiger-Rathmanner)

Anamnese

Daniel F., 14 Tage alt. Ein dringender Praxisbesuch: Der Kinderarzt hat ein Neugeborenenpemphigoid im Windelbereich diagnostiziert, die Blasen eröffnet und drängt auf antibiotische Behandlung. Die Mutter möchte einen homöopathischen Versuch vorziehen. Bisher hatte sie Baneocin-Salbe verwendet. Die Untersuchung zeigt ein massives Erythem im gesamten Windelbereich und am gesamten Unterbauch. Man sieht die Reste der Blasen und vereinzelt frische Pusteln. Die Zunge ist rein, das Abdomen gebläht, die Hände sind warm. Es handelt sich um ein großköpfiges Kind mit großer Fontanelle.
Die Mutter ist auffallend ruhig und herzlich, sie schildert das Kind als zufrieden und ausgeglichen. Es schläft viel, kein Schweiß. Die Geburt war sehr gut.

Repertorisation

→Extremitäten – Hautausschläge – Gesäß – Pusteln
→Kopf – Fontanellen – offen

Verordnung und Verlauf

Wegen der konstitutionellen Faktoren, dem Gesamteindruck und den positiven Lokalsymptomen wird Calcium carbonicum C 200 gewählt, drei Gaben davon werden am selben Tag verabreicht. Am folgenden Tag schläft das Kind besonders viel, am zweiten Tag ist die Haut gut. Nach 14 Tagen deutet sich ein Rückfall der Hautrötung und Bläschenbildung an. Calcium carbonicum C 200 wird wiederholt, es geht seither gut.

Kasuistik

Windeldermatitis (Jutta Gnaiger-Rathmanner)

Anamnese

Felina R., sechs Wochen alt. Das Kind leidet zunehmend an Windelsoor im Bereich von Vulva, Gesäß und Oberschenkeln. Im Mund hat der Soor begonnen. Auf der Kopfhaut besteht Milchschorf.
Es gibt noch andere Probleme: Flüssiger, grünlicher, sauer riechender Durchfall mit Bauchkoliken, die das Kind zum Zusammenkrümmen zwingen. Das Kind trinkt hastig und schluckt viel Luft mit. Das Aufstoßen ist erschwert. Bis es gelingt, ist das Kind jeweils sehr unruhig.
Abends weint Felina oft stundenlang, sie muss herumgetragen werden. Der Kopf wird oft schief gehalten, ist gerne nach hinten geneigt, er bohrt sich im Liegen in das Kissen. Kraniosakraltherapie für die sensomotorische Entwicklung läuft seit einiger Zeit.
Das Kind ist zart, sein Geburtsgewicht betrug 2930 g bei Termingeburt, die rasch und gut verlaufen war.
Auffallend ist der finstere, skeptische Blick des Kindes mit verkrampfter Stirne. Die 36-jährige Mutter wirkt gehetzt, unsicher und hat Angst, ihr zweites Kind werde so anstrengend, wie ihr erstes gewesen war.

Repertorisation

→Extremitäten – Hautausschläge – Gesäß
→Stuhl – Geruch – sauer
→Stuhl – grün
→Abdomen – Schmerz – Beugen – Zusammenkrümmen
→Gesicht – gerunzelt – Stirn, Stirnrunzeln
→Kopf – gezogen, der Kopf wird – hinten, nach
→Kopf – gezogen, der Kopf wird – seitwärts

Verordnung und Verlauf

Medorrhinum D 200 zeigt keine Wirkung. Es folgt auf die Repertorisation hin Lycopodium D 12, nach drei Wochen D 200, da sich ein interkurrenter Schnupfen mit spastischem Husten dazu gesellt hat. Die Haut wird rasch besser, auch die Verdauung. Der Infekt kann abgefangen werden. Die Nächte sind ruhiger geworden, die Situation bei Mutter und Kind entspannt sich zusehends. Ein Rezidiv des Windelsoors im Alter von neun Monaten zeigte auf Lycopodium M eine massive lokale Erstreaktion, seither ist die Haut gut.

Kasuistik

Ekzem am Gesäß (Jutta Gnaiger-Rathmanner)

Anamnese

Richard N., zwei Jahre alt. Seit einem halben Jahr leidet das Kind unter einem trockenen, juckenden Ekzem am Gesäß, das dorsal bis auf die Oberschenkel reicht. Vieles ist schon versucht worden. Der Kinderarzt ist im Unklaren geblieben: Ekzem oder Mykose? Calcium carbonicum hatte einen kurzen Erfolg gebracht. Beim Zahnen, nach Milchgenuss und nach jeder Umstellung blüht der Ausschlag wieder auf.
Vor drei Wochen hat das Kind einen fieberhaften Infekt durchgemacht, danach war die Haut zwei Wochen lang gut. Das Kind hat häufig Infekte, darunter eitrige Konjunktivitiden und Krupp. Es schläft gelegentlich in Knie-Ellenbogen-Lage.
Der Junge ist zärtlich, offen, neugierig, dann wieder übertrieben vorsichtig. Er ist beinahe zu wenig schüchtern, da er auch mit fremden Personen, besonders Frauen, ganz zutraulich ist. Er ist impulsiv, eigensinnig und zornig.

Verordnung und Verlauf

Das Kind braucht ein Konstitutionsmittel, da es auf mehreren Ebenen Symptome zeigt. Der Wechsel zwischen Haut- und Schleimhautsymptomen und den Infekten kann als Hinweis auf eine allergische Disposition gewertet werden. Die Schlaflage, die hartnäckige Lokalisation des Ausschlags und das unerschrockene, impulsive Verhalten bestätigen die Arzneiwahl: Medorrhinum D 200.
Nach einer kurzen Verschlimmerung des Ausschlags war die Haut einen Monat lang sehr gut. Mit einem leichten Infekt über fünf Tage im Zusammenhang mit dem Zahnen wurde sie wieder unruhig. Medorrhinum D 200 wird wiederholt. Zwei Tage lang ist eine massive Reaktion auf der Haut im Windelbereich aufgetreten, obwohl das Kind keine Windeln mehr trägt. Auch nässt und kotet das Kind wieder ein. Richard ist einige Tage lang sehr unruhig, schwierig, widerspenstig.
Bald glätten sich Haut und Verhalten wieder. Die Eltern bemerken im Rückblick, dass Richard, ihr zweites Kind, ganz in den Schatten ihres ersten Kindes geraten war, als dieser eine Krise durchmachte. Jetzt hat sich Richard einen neuen Platz in der Familie erobert, er wehrt sich mehr, ist aber auch zufriedener und fröhlicher. Er hat zu seiner Mutter ein neues Vertrauensverhältnis gefunden, er ist nur noch zu ihr so zutraulich. Das wirkt auf die Mutter natürlicher.

Beurteilung

Haut und Verhalten reagieren hier gleichzeitig im Sinne einer Heilreaktion, Gesundheit wird für das Kind auf einer neuen Ebene gefunden.

Literatur

Goebel and Glöckler, 2001

W. Goebel M. Glöckler Kindersprechstunde 14.A. 2001 Urachhaus Stuttgart

Illing and Spranger, 1998

S. Illing S. Spranger Klinikleitfaden Pädiatrie 4.A. 1998 Gustav Fischer Lübeck

Kummer, 1998

K.R. Kummer Zur intestinalen Mykose – Versuch einer Klärung Der Merkurstab 2 1998 65 73

Markus and Finck, 1995

H.M. Markus H. Finck Ich fühle mich krank und weiß nicht warum. Candida albicans, die maskierte Krankheit 14.A. 1995 Lübbe Bergisch-Gladbach

Homöopathische Literatur

Friese, 1991

K.H. Friese Homöopathie in der HNO-Heilkunde 1991 Hippokrates Stuttgart

Gnaiger, 2002

J. Gnaiger Medorrhinum – eine Arznei für „moderne Kinder“ AHZ 247 3 2002 91 100

Imhäuser, 2003

H. Imhäuser Homöopathie in der Kinderheilkunde 13.A. 2003 Haug Heidelberg

Mezger, 1999

J. Mezger 11. A. Gesichtete homöopathische Arzneimittellehre Band I–II 1999 Haug Heidelberg

Pennekamp, 1999

H. Pennekamp Kinder-Repertorium 2. A. 1999 MDT-Verlag Osten-Isensee

Schroyens, 1998

F. Schroyens Synthesis Edition 7 1998 Hahnemann Institut Greifenberg

Vermeulen, 2000

F. Vermeulen Konkordanz der Materia Medica 2000 Emryss bv Publishers Haarlem

Nabelhernien, Leistenhernien, Granulome

Herbert Pfeiffer

Die Bauchwandhernien sind in der Regel Ausdruck einer konstitutionellen Schwäche und verlangen deshalb eine entsprechende homöopathische Behandlung, nach der Gesamtheit der Symptome. Bei Säuglingen und Kleinkindern haben diese körperlichen Symptome oft den Wert eines §-153-Symptoms (Organon). Diese Symptome führen häufig zum Konstitutionsmittel.

Nabelhernie

Das Vorkommen der Nabelhernie NabelhernieHernieNabelherniewird für Säuglinge mit 10–25 % angegeben, für Unreifgeburten unter 1500 g bis zu 80 %, bei 14-Jährigen beträgt sie nur noch 0,5 %. Mädchen sind etwa doppelt so oft betroffen.
Die Bruchpforte liegt im Bereich des Nabelrings, begrenzt von der vorderen und hinteren Rektusscheide und Fascia transversalis. Der Bruchsack besteht aus Peritoneum, das mit der äußeren Haut fest verbunden ist. Als Inhalt des Bruchsacks ist v. a. Dünndarm anzutreffen, eventuell auch Netz. Je nach Lokalisation werden folgende Nabelhernien unterschieden:
  • Supraumbilikale HernieHerniesupraumbilikale: Durch eine Bauchwandlücke in der Mittellinie tritt die Hernie dicht oberhalb des Nabels aus. Der Bruchsack ist mit der Haut nicht fest verbunden. Die konventionelle Therapie sieht einen Verschluss der Faszienlücke vor. Eine Abtragung des Bruchsacks erübrigt sich meist.

  • Epigastrische Hernie: Die HernieepigastrischeHernie ist in der Mittellinie zwischen Processus xiphoides sterni und Nabel. Oft handelt es sich lediglich um eine Faszienlücke in der Linea alba, durch die sich ein Fettbürzel vorwölbt. Als konventionelle Therapiemaßnahme besteht eine operative Entfernung der Fettgeschwulst und Verschluss der Lücke.

Klinik

Die prallelastische Geschwulst lässt sich bei nachlassendem intraabdominellem Druck leicht reponieren; somit ist eine Brucheinklemmung selten. Im Bruchsack adhärentes Netz kann Beschwerden verursachen. Eine Inkarzeration kommt bei > 3 % vor. Eine Nabelhernie kann ein Hinweis auf eine Hypothyreose oder eine Mukopolysaccharidose sein.

Konventionelle Therapie

Die Indikation zur Herniotomie besteht beim Säugling nur, wenn wiederholt Dünndarm austritt, da sich Nabelhernien mit zunehmender Festigung des Bindegewebes innerhalb der ersten 12 Monate spontan zurückbilden können; im Alter von drei bis vier Jahren ist die Indikation zur Operation gegeben, wenn die Belastbarkeit der Bauchwand durch den Bruch Infrage gestellt ist. Die Nabelhernie heilt oft spontan ab, doch kann die Behandlung mit Nabelpflastern im Säuglingsalter auch bei sehr großen Nabelhernien die Heilungsdauer sehr verkürzen. Dabei hat sich dem Verfasser nur das Porofix®-Nabelpflaster (Lohmann-Rauscher) bewährt. Diese Behandlung erfolgt immer zusammen mit der homöopathischen Behandlung.

Repertoriumsrubriken

→Abdomen – RepertoriumsrubrikenNabelhernieHernie – Nabelbruch (8): amph, calc, cocc, lach, nux-m, nux-v, op, plb
→Allgemeines – Erschlaffung – des Bindegewebes (30): calc, caust, lyc, nat-m, op, …
→Allgemeines – Tumoren – Lipom (15): bar-c, calc, thuj, …

Homöopathische Arzneimittel

Calcium carbonicum
#Calcium carbonicumNabelhernieDer schlaffe, pastöse Säugling mit Neigung zur Muskelhypotonie mit aufgetriebenem Abdomen und schlechter Kopfkontrolle. Großer Kopf mit weit offener Fontanelle. Erbrechen von Muttermilch. Obstipation in der Stillzeit, ohne Stuhldrang und Beschwerden.
→Allgemeines – Erschlaffung – Muskeln, der (113): calc, caps, cocc, gels, kali-c, phos, …
Nux vomica
#Nux vomicaNabelhernieDer Säugling, ist entweder apathisch oder übererregbar, mit muskulärem Hypertonus. Obstipation von Geburt an. Verstopfte Nase mit Schniefen. Hartnäckiger Schluckauf nach jeder Mahlzeit.
→Gemüt – Erregung – Zittern, mit (10): cocc, nux-v, valer, …
→Nase – Schniefen – Kindern, Neugeborenen, bei (7): dulc, lyc, merc, nux-v, samb, puls, …
→Schluckauf nach jeder Mahlzeit calc, lyc, nux-v, puls (nach Herscu):
→Rectum – Obstipation – Kinder, bei – Neugeborenen, bei (4): nux-v, op, sulph, zinc
→Rücken – Opisthotonus (53): bell, cic, cupr, hyos, nux-v, stram, stry-p, …
→Schlaf – Schläfrigkeit – Apoplex, bei (7): bar-c, hyos, nux-v, op, …
Opium
#OpiumNabelhernieEin in allen Bereichen reaktionsarmer Säugling. Ängstlich nach einer sehr schweren Entbindung. Zittern im Gesicht, der Lippen und des Unterkiefers.
→Gemüt – Angst – Schreck – zurückbleibt; wenn die Angst vor dem Schreck (1): op
→Gemüt – Furcht – zittrig (36): nur op dreiwertig
→Gesicht – Zittern (6): ambr, op, …
→Gesicht – Zittern – Kiefer (9): cocc, op, …
→Gesicht – Zittern – Lippen (19): agar, gels, nux-v, op, …
→Allgemeines – Reaktion – Mangel an (116): nur op vierwertig

Leistenhernie (Hernia inguinalis)

LeistenhernieEs HernieLeistenherniehandelt sich um eine Peritonealausstülpung in der Leistengegend, die Darm, Teile des Netzes und beim Mädchen auch ein Ovar enthalten kann. Eine Leistenhernie tritt bei 5 % aller Säuglinge und bei jedem dritten Frühgeborenen auf. Knaben sind acht- bis neunmal häufiger betroffen als Mädchen. In 75 % der Fälle ist der Leistenbruch rechts. Bei Mukopolysaccharidosen treten gehäuft Inguinal- und Nabelhernien auf.

Klinik

Symptom ist eine schmerzlose Schwellung in der Leiste, die oft zufällig beim Wickeln oder bei der Körperpflege entdeckt wird. Bei plötzlich auftretenden starken Schmerzen in der Leistengegend mit nicht wegdrückbarer Schwellung im Leistenbereich handelt es sich um einen eingeklemmten Bruch. Hier ist schnelles Handeln erforderlich und sofort ein Chirurg aufzusuchen.
Folgende Formen werden unterschieden:
  • Bei Kindern handelt es sich praktisch immer um eine laterale „indirekte Leistenhernie“, die den gleichen Weg nimmt wie der Hoden beim Descensus. Sie tritt durch die Fossa inguinalis lateralis in den Leistenkanal und entlang des Samenstranges, bei Mädchen entlang des Ligamentum teres uteri, durch den äußeren Leistenring nach außen. Ursache ist die mangelnde Obliteration des Processus vaginalis, selten eine erworbene sekundäre Erweiterung des Leistenrings. Der Hoden liegt außerhalb des Bruchsackes.

  • Reicht der Bruch bis in den Hodensack hinein, spricht man von SkrotalhernieSkrotalhernie. Der Hoden befindet sich in der Wand des Bruchsackes, dem komplett persistierenden Processus vaginalis. Häufig besteht gleichzeitig eine Hydrozele funiculi spermatici oder testis.

  • Eine medial gelegene „direkte“ Leistenhernie durchsetzt die Bauchdecken neben dem Leistenring auf direktem Weg, ohne Beziehung zum Samenstrang. Sie ist immer erworben.

Diagnostik

Bei nicht komplett ausgetretener Leistenhernie tastet der den äußeren Leistenring vom Skrotum her palpierende Finger beim Schreien oder Pressen das Anschlagen des Bruchsackes. Bei ausgeprägter Leistenhernie, die bis ins Skrotum reicht, lassen sich die Samenstranggebilde durch den vorhandenen Bruchsack verdickt in Symphysenhöhe palpieren.
Umstritten ist bei Kindern mit Leistenhernie die Untersuchung der kontralateralen Leiste. Sonografisch findet sich zwar bei über 80 % auf der Gegenseite ein erweiterter Processus vaginalis (> 4 mm) als Hinweis auf eine „okkulte Hernie“ (Kervancioglu et al. 2000); die intraoperative Untersuchung mit einem flexiblen Laparoskop ergibt bei jedem dritten Kind einen offenen Processus vaginalis oder einen Bruchsack auf der Gegenseite (Miltenburg et al. 1998). Jedoch entwickeln nur 7–9 % der Kinder tatsächlich eine operationsbedürftige kontralaterale Hernie (Ballantyne et al. 2001, Shabbir 2003). Frühgeborene und Kinder mit inkarzerierter Leistenhernie haben allerdings mit 14,8 % bzw. 27,6 % ein deutlich erhöhtes Risiko für eine Leistenhernie auf der anderen Seite (Tackett 1999).
Differenzialdiagnose: Hydrozele testis (vom äußeren Leistenring abgrenzbar), Hydrozele funiculi spermatici (prallelastisch und nicht reponibel), Leistenhoden (von anderer Konsistenz), Lymphdrüsenvergrößerung, Zyste des Ligamentum teres uteri und Schenkelhernie.

Info

Die Leistenhernie ist v. a. im Säuglingsalter eine ernste, womöglich lebensbedrohliche Erkrankung. Bei jedem achten betroffenen Kind kommt es zur Inkarzeration durch einen zu engen Bruchring oder durch eine Kotstauung. 70 % aller Inkarzerationen ereignen sich im ersten Lebensjahr. Eine inkarzerierte Bruchgeschwulst ist meist derb, es bestehen Schmerzen in der Leisten- und Skrotalgegend sowie Unruhe und Erbrechen. Im fortschreitenden Fall kommt es zur Darmnekrose mit Peritonitis und Schocksymptomatik.

Weitere mögliche Komplikationen einer Leistenhernie sind Hoden- oder Ovaratrophie und ein narbiger Hodenhochstand.

Konventionelle Therapie

Ein ausgetretener Leistenbruch sollte zunächst versuchsweise reponiert werden. Gelingt dies leicht oder schlüpft er sogar spontan zurück, ist eine baldige elektive Operation anzustreben. Bei einer inkarzerierten Hernie kann noch ein Repositionsversuch in Sedierung gemacht werden – jedoch nur innerhalb der ersten sechs bis acht Stunden und nur bei fehlender Schocksymptomatik.
Die sofortige Herniotomie nach Diagnosestellung ist indiziert
  • beim Säugling im ersten Trimenon,

  • wenn sich im Bruchsack ein Ovar befindet und

  • bei drohender oder vorhandener Inkarzeration.

Eine Operation ist immer erforderlich. In jedem Fall sollte aber auch homöopathisch therapiert werden, um die konstitutionelle Schwäche zu behandeln und eine eventuelle kontralaterale Hernie zu verhindern.

Repertoriumsrubriken

→Abdomen – RepertoriumsrubrikenLeistenhernieAuftreibung – Leistengegend – Hernie (1): nit-ac
→Abdomen – Hernie – Leistenhernie (39): calc, lyc, nux-v, …
→Abdomen – Hernie – Leistenhernie – eingeklemmt, inkarzeriert (29): bell, nux-v, op, …
→Abdomen – Hernie – Leistenhernie – empfindlich (4): bell, lach, nux-v, sil, …
→Abdomen – Hernie – Leistenhernie – Kindern, bei (9): aur, calc, cina, lyc, nit-ac, nux-v, sil, sul-ac, sulph, …
→Abdomen – Hernie – Leistenhernie – Kindern, bei – links (1): nux-v, …
→Abdomen – Hernie – Leistenhernie – Kindern, bei – rechts (2): aur, lyc, …
→Abdomen – Hernie – Leistenhernie – Kindern, bei – angeboren (1): thuj
→Abdomen – Hernie – Leistenhernie – schmerzhaft (7): alum, sil, …
→Allgemeines – Erschlaffung – des Bindegewebes (30): calc, caust, lyc, nat-m, op, …

Homöopathische Arzneimittel

Aurum metallicum
#Aurum metallicumLeistenhernieDas Baby ist mager. Die Nase ist ständig verstopft. Der Nachtschlaf ist gestört. Schreikoliken nach Mitternacht. Nabelhernie. Hodenhochstand (16.9.4).
→Nase – Verstopfung – Kindern, Säuglingen, bei (5): aur, lyc, nux-v, kali-bi, samb
→Schlaf – Schlaflosigkeit – nachts – Mitternacht, vor – morgens, bis (37): ant-t, aur, …
Lycopodium clavatum
#Lycopodium clavatumLeistenhernieDas Neugeborene ist mager und hat Falten auf der Stirn. Icterus prolongatus. Umgekehrter Tag-Nacht-Rhythmus – es schläft den ganzen Tag, aber schreit die ganze Nacht. Ständiges Schniefen. Heftige Dreimonatskoliken. Schluckauf. Obstipation.
→Gesicht – gerunzelt – Stirn, Stirnrunzeln (24): cham, lyc, nux-v, syph, …
→Nase – Schniefen – Kindern, Neugeborenen, bei (7): dulc, lyc, merc, nux-v, puls, samb, …
→Schluckauf – nach jeder Mahlzeit: calc, lyc, nux-v, puls (nach Herscu)
→Abdomen – Schmerz – krampfartig, kneifend – Babies, Kolik, bei (21): arg-n, carb-v, cham, cina, coloc, cupr, lyc, mag-c, mag-p, nux-v, staph, …
→Rektum – Obstipation – Kindern, bei (23): calc, lyc, nux-v, op, …
Thuja occidentalis
#Thuja occidentalisLeistenhernieAngeborenen Hernie, vorwiegend links. Das Neugeborene schreit viel von Geburt an (syph). Starke Körperbehaarung. Naevi und Hämangiome. Nierenzysten. Hypothyreose. Tränengangsstenose. Konjunktivitis. Hypertrichose.
→Gemüt – Kretinismus (8): anac, bar-c, bufo, calc-p, thuj, …
→Auge – Entzündung – Kindern, Kleinkindern, bei (28): apis, arg-n, ars, calc, nit-ac, puls, thuj, …
→Hypertrichose – Kindern, bei: carb-v, carc, nat-m, puls, sep, sulph (nach Lamothe)
→Allgemeines – Tumoren – Angiom (24): ars, lach, phos, sil, thuj, …

Schenkelhernie (Hernia femoralis)

Bei einer SchenkelhernieSchenkelhernie HernieSchenkelherniehandelt es sich um eine Peritonealausstülpung wölbt sich durch den inneren Schenkelring entlang der Femoralgefäße in die Fossa ovalis. Der Bruchsack, der unterhalb des Leistenbandes tastbar ist, kann Darm enthalten. Sie tritt im Kindesalter sehr selten auf, am ehesten kommt sie bei Mädchen im Schulalter vor.
  • Komplikationen: Mechanischer Ileus

  • Differenzialdiagnose: Lymphdrüsenvergrößerung, Psoassenkungsabszess, Lymphangiom, bei Knaben ein ektopischer Hoden

  • Konventionelle Therapie: Operative Behandlung

Geeignete Repertoriumsrubrik ist die folgende Rubrik:
→Abdomen – Hernie – Schenkelbruch, femoralis (6): cocc, cub, lyc, nux-v, plb, wies (Complete Repertory)

Nabelzyste

NabelzysteBei einer Nabelzyste findet sich Im Bereich des normalen Nabels ein gestielter, rundlicher Tumor von elastischer Konsistenz, der auf ein persistierendes Segment des Ductus omphaloentericus zurückzuführen ist. Komplikationen sind nicht zu erwarten. Die konventionelle Therapie sieht eine chirurgische Abtragung des Tumors vor.
Die zu berücksichtigende Repertoriumsrubrik lautet:
→Allgemeines – Tumoren – zystisch (38): bar-c, calc, graph, phos, …

Omphalitis

OmphalitisBei der lebensbedrohlichen Sekundärinfektion der Nabelwunde sind meist Staphylokokken oder Streptokokken, seltener gramnegative Keime nachzuweisen. Es kommt zu folgenden Symptomen: Schmerzhafte Rötung und Infiltration der Nabelgegend, eventuell eitrige Sekretion und erhöhte Temperatur. Komplikationen sind: Phlegmonöse Ausweitung, Peritonitis purulenta, Pfortaderthrombose und Pyämie, nach Jahren portale Hypertension.
Die konventionelle Therapie besteht in der intravenösen Behandlung mit Antibiotika, bei Abszedierung erfolgt eine Inzision. Die homöopathische Behandlung dient als Begleitbehandlung zur schulmedizinischer Behandlung sowie zur nachfolgenden konstitutionellen Therapie.
Zur Anwendung kommen folgende homöopathischen Repertoriumsrubriken:
→Abdomen – Absonderung aus dem Nabel (9): abrot, calc, calc-p, kali-c, lyc, med, nat-m, …
→Abdomen – Absonderung aus dem Nabel – blutige Flüssigkeit (4): calc, calc-p, …
→Abdomen – Absonderung aus dem Nabel – blutige Flüssigkeit – Kindern, Säuglingen, bei (2): abrot, calc-p
→Abdomen – Abszess – Bauchwände (17): hep, rhus-t, sil, sulph, …
→Abdomen – Entzündungen (Peritonitis, Enteritis etc.) – Nabel – Säuglingen, Ulzeration des Nabels, bei (1): apis
→Männliche Genitalien – Empyomphalus (9): ars-i, calc, calc-sil, hep, kali-s, psor, puls, sil, sulph
Ein wichtiges homöopathisches Arzneimittel ist Calcium phosphoricum mit folgenden Charakteristika: Der Säugling ist eher unruhig und dyskoordiniert, mit häufigem Tonuswechsel: in Ruhe hypoton, in der Bewegung aber fahrig-hyperkinetisch. Sichelfüße. Hodenhochstand; Hydrozele.

Nabelgranulom

Das Nabelgranulom Nabelgranulomist eine erbsgroße entzündliche Granulation am Nabelgrund mit geringer blutig seröser Absonderung. Die konventionelle Therapie sieht eine Ätzung des Granulationsgewebes und trockene Verbände, bei Erfolglosigkeit Exzision oder Exkochleation vor. Bei der homöopathischen Behandlung wird auf die lokale medikamentöse Behandlung verzichtet.
Differenzialdiagnose: Ductus omphalaoentericus persistens und Urachusanomalien, wobei sich jedoch bei diesen zwei Missbildungen ein Gang in die Tiefe nachweisen lässt. Bei der Untersuchung eines Nabelgranuloms ist mit einer Knopfsonde zu untersuchen.
Zur Anwendung kommen folgende homöopathischen Repertoriumsrubriken:
→Haut – Wucherungen – fleischig – wildes Fleisch: ars, staph, thuj
→Abdomen – Absonderung aus dem Nabel – blutige Flüssigkeit – Kindern, Säuglingen; bei (2): abrot, calc-p
→Abdomen – Wucherungen am Nabel – feuchte (1): calc
→Allgemeines – Wunden – Granulation – wildes Fleisch (38)

Nabelanomalien

Persistierende Nabelanomalienfetale Verbindungen können zur Absonderung von Sekret führen:
  • Ductus omphaloentericusDuctus omphaloentericus: Offener Dottergang zwischen Ileum und Nabel (Darm-Nabel-Fistel, Umbilikalsinus, Meckel-Divertikel; oft weitere Fehlbildungen z. B. an Herz oder ZNS). Austritt von Fistelsekret oder Blut.

  • Ductus urachusDuctus urachus: Offener Allantoisgang zwischen Nabel und Blasendach. Austritt von Urin.

Chirurgische Therapie ist regelmäßig indiziert.
Zur Anwendung kommen folgende homöopathischen Repertoriumsrubriken:
→Abdomen – Absonderung aus dem Nabel – blutige Flüssigkeit – Kindern, Neugeborenen; bei: abrot, calc-p
→Abdomen – Absonderung aus dem Nabel – Urin, Heraussickern von (1): hyos

Kasuistik

Nabelhernie (Herbert Pfeiffer)

Anamnese

Anna B. kommt im Alter von zweieinhalb Monaten in die Praxis. Sie leidet an Neurodermitis mit trockener, schorfiger Haut an der Stirn, an den oberen Augenlidern und hinter beiden Ohrmuscheln, mit Krustenbildung an Hand- und Fußrücken und einem dicken, trockenen, gelb-bräunlichen Schorf am behaarten Kopf. Die Mutter stillte voll. Sie hatte ein starkes Verlangen nach Süßem und eine Abneigung gegen Eier. Das Baby litt unter starken Blähungen mit häufigen Flati. Es war geräuschempfindlich. Im Schlaf lag der Kopf immer nach rechts. Die Untersuchung ergab ein Naevus flammeus an der Stirn und im Nacken und eine Nabelhernie von drei Zentimeter Durchmesser. Anna lutschte an den Fingern beider Hände.

Repertorisation

→Abdomen – Hernie – Nabelbruch
→Mund – Finger in den Mund, Kinder stecken
→Magen – Erbrechen – Milch, nach – Muttermilch, nach
→Allgemeines – Tumoren – Naevus, Muttermal
→Kopf – gezogen, der Kopf wird – seitwärts
→Gemüt – empfindlich – Geräusche, gegen

Verordnung

Anna erhielt Calcium carbonicum Q 1, 2 × wöchentlich 2 Tropfen, für insgesamt 4 Wochen, dann Calcium carbonicum Q 2 bis Q 6 in der gleichen Weise. Die Nabelhernie bildete sich im Laufe von vier Wochen vollständig zurück. Die Neurodermitis besserte sich langsam. Mit acht Monaten war die Haut in den Ellenbeugen noch trocken und rau, am Kopf war noch ein ganz leichter gelblicher Schorf sichtbar. Es bestand kein Juckreiz mehr.

Literatur

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Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie Leistenhernie. Leitlinie http://www.uni-duesseldorf.de/WWW/AWMF/ll/ki-ch030.htm

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Chronisch-rezidivierende Infekte im Kleinkindalter

Martin Hirte

Grundlagen

Akute und rezidivierende InfektanfälligkeitKleinkindInfekte der Luftwege sind der häufigste Grund für den Gang zum Kinderarzt. Im Kindergartenalter machen viele Kinder pro Jahr acht bis zehn (!) Infektionen durch, mit Schwerpunkt im Winterhalbjahr. In der Regel handelt es sich um virale Erkrankungen der Schleimhäute mit kurzer Inkubationszeit und einer Dauer von ein bis zwei Wochen. Gelegentlich haben sie bakterielle Superinfektionen zur Folge, etwa im Mittelohr oder in den Nasennebenhöhlen.

„Physiologische“ Infekthäufung beim Kleinkind

Alle Kinder sind imstande, im Rahmen harmloser Virusinfekte Fieber über 40 °C zu entwickeln. Sie bringen damit das unspezifische Abwehrsystem in Position und bauen unter diesem Schutz Infekt für Infekt allmählich ein leistungsfähiges spezifisches Abwehrsystem aus Lymphozyten und humoralen Antikörpern auf. Spätestens im Grundschulalter geht dann die „Anfälligkeit“ für fieberhafte Infekte wieder verloren: Das Immunsystem ist gereift, die Serumspiegel der Immunglobuline liegen im Bereich der Normalwerte Erwachsener.
Fieberhafte Infekte des Atem- und Verdauungstrakts sind bei Kleinkindern also ein physiologischer Lernvorgang, und notwendig für ein gut funktionierendes Abwehrsystem mit fein aufeinander abgestimmter zellulärer und humoraler Komponente1

1

Ein zu viel an Infekten hingegen wird in epidemiologischen Studien mit der Entwicklung von Allergien und Asthma in Zusammenhang gebracht, wobei Ursache und Wirkung nicht klar unterschieden werden können (Mackenzie et al. 2014, Rantala et al. 2015).

. Ebenso, wie im akuten Stadium eines Infektes mit dem Kind eine Veränderung auf der Geist- und Gemütsebene vor sich geht – was für die Wahl eines homöopathischen Akutmittels eine herausragende Rolle spielt – bemerken die Eltern auch nach einem überstandenen Infekt häufig einen charakterlichen Wandel, einen Sprung in der geistigen oder seelischen Entwicklung. Der Lernvorgang, der durch akute Infekte ermöglicht wird, erstreckt sich offenbar nicht nur auf das Immunsystem, sondern erfasst die Gesamtheit der Person, was ja den in der Homöopathie geschulten, ganzheitlich denkenden Therapeuten nicht verwundern dürfte.
Die Abwehrschwäche und hohe infektbedingte Sterblichkeit der Kinder früherer Jahrhunderte, beruhend auf einem sekundären Immundefekt durch Fehl- und Mangelernährung, spielte in den reicheren Ländern des Nordens bis Anfang des 20. Jahrhunderts eine Rolle und hat nur noch in den Entwicklungsländern traurige Aktualität. Auch der fäkal-orale Übertragungsweg von Krankheiten hat aufgrund verbesserter Hygiene an Bedeutung verloren2

2

Die Nachteile verbesserter Hygiene stehen auf einem anderen, allergologischen Blatt.

.

Ätiologie

  • Ursache für die Infekthäufung bei ein- bis vierjährigen Kleinkindern sind in erster Linie die in diesem Alter zunehmenden Sozialkontakte und die damit verbundene Exposition gegenüber Infekterregern. Es gibt jedoch noch andere Faktoren, die chronisch-rezidivierende Infekte im Kindesalter begünstigen. Viele Kinder leiden heute unter chronischem Stress durch die Instabilität ihrer Familie oder durch überzogene Leistungsanforderungen schon im Kindergartenalter. Psychischer Stress erhöht die Anfälligkeit für Infekte, wie die Forschung im Bereich der Psychoneuroimmunologie inzwischen gut belegen kann (Hoc 2003, Watamura et al. 2010).

  • Auch die frühkindliche Gruppenbetreuung kann chronischen Stress verursachen und durch das inverse Kortisol-Tagesprofil immunsuppressive Wirkung entfalten (Vermeer 2006, Watamura et al. 2010). Krippenkinder müssen häufiger als zu Hause betreute Kinder wegen chronischem Schnupfen und Husten, obstruktiver Bronchitis, Pneumonie und Otitis media behandelt werden (Louhiala et al. 1995, Nafstad et al. 2003). Der Eintritt in eine Kinderkrippe in den ersten beiden Lebensjahren erhöht zudem das Risiko, im späteren Leben an Allergien und Asthma bronchiale zu erkranken (Cheng et al. 2014, Hagerhed-Engman et al. 2006). Sowohl für die immunologische als auch geistig-seelische Entwicklung eines Kindes in den ersten drei Lebensjahren ist die individuelle Betreuung – die nicht unbedingt von der Mutter geleistet werden muss – eindeutig vorzuziehen.

  • Bei vielen Kindern funktioniert die Infektabwehr nicht optimal, weil sie zu wenig Bewegung haben und kaum noch an die frische Luft und an die Sonne kommen. Regelmäßige körperliche Betätigung oder moderate sportliche Aktivität – möglichst im Freien – reduzieren erwiesenermaßen die Häufigkeit von Atemwegsinfekten (Baum 1998).

  • Durch die Teilnahme am Babyschwimmen steigt das Risiko für Atemwegsinfekte, Bronchiolitis und Otitiden, insbesondere bei Kindern mit atopischer Familienanamnese (Nystad et al. 2003, Voisin et al. 2010).

  • Die moderne Medizin greift durch die überzogene Verordnung von Antibiotika, Antipryetika, Kortikosteroiden und die immer weiter ausufernden Impfmaßnahmen auf unüberschaubare Weise in das kindliche Immunsystem ein.

  • Der beklagenswerte Zustand unserer Umwelt tut ihr übriges zur Überforderung der kindlichen Abwehrmechanismen: Feinstaub, Stickoxide, Schwermetalle, hormonartig wirkende Substanzen und andere Chemikalien in Trinkwasser, Nahrungsmittel und Kleidung wirken sich negativ auf Schleimhäute und Immunsystem aus.

Info

Der kindliche ImmundefektImmundefekt, kindlicher: Die jedem Kinderarzt geläufige physiologische Infekthäufung beim Kleinkind muss vom kindlichen Immundefekt abgegrenzt werden, der allerdings sehr selten ist und höchstens 1 % der infektanfälligen Kinder betrifft (Schuster 2003). Ein kindlicher Immundefekt ist zu vermuten bei ungewöhnlich schweren, auffallend häufigen, sich nicht selbst limitierenden, sondern chronisch verlaufenden Infektanfälligkeitkindlicher Immundefektoder therapieresistenten Infektionen. Bei folgenden Konstellationen ist eine ausführliche immunologische Diagnostik in einer Spezialambulanz angezeigt (Wahn 1998/99).

  • Acht und mehr eitrige Otitiden pro Jahr

  • Zwei oder mehr schwere Sinusitiden pro Jahr

  • Zwei oder mehr Pneumonien innerhalb eines Jahres

  • Impfkomplikationen bei Lebendimpfungen

  • Gedeihstörung im Säuglingsalter mit oder ohne chronische Durchfälle (hier kommen auch Zöliakie und andere Resorptionsstörungen in Betracht)

  • Rezidivierende tiefe Haut- oder Organabszesse

  • Persistierende Candidainfektionen an Haut oder Schleimhaut jenseits des ersten Lebensjahres

  • Infektionen mit opportunistischen Erregern

  • Zwei oder mehr viszerale Infektionen (Meningitis, Zellulitis, Mastoiditis, Osteomyelitis, septische Arthritis, Empyem, Sepsis)

  • Periodische Fieberattacken

  • Positive Familienanamnese für angeborene Immundefekte

Klinik: Das „infektanfällige“ Kleinkind

Infektanfälligkeit ist ein InfektanfälligkeitKleinkindnicht genau definierter Begriff, der oft eher den subjektiven Eindruck des Kinderarztes und v. a. der – durch die vielen Infekte oft strapazierten – Eltern wiedergibt. Die Forderung an den Kinderarzt nach Labordiagnostik und v. a. medikamentöser Therapie wird umso dringender geäußert, je mehr das kranke Kind den normalen Alltag, etwa mit Berufstätigkeit beider Elternteile, belastet. Es ist sinnvoll, schon bei der Untersuchung zum Krippen- oder Kindergarteneintritt die bevorstehende Infekthäufung anzusprechen, um die Eltern auf diesen Lebensabschnitt vorzubereiten.
Es gibt andererseits Kinder oder sogar ganze Familien, die offenbarjedes gängige Virus augenblicklich akquirieren und häufig sogar schwer daran oder an der darauffolgenden Superinfektion erkranken. Auch nach scheinbarem Überstehen der akuten Phase werden sie nicht wieder richtig gesund, sondern schleppen sich über Wochen, ja Monate mit chronischen Schleimhautaffektionen herum, oft genug begleitet von Appetitlosigkeit, Schlafstörungen, körperlicher Schwäche und schlechter Laune. Diese Kinder sind als chronisch krank aufzufassen, denn sie sind bedroht von Entwicklungsstörungen und allergischen Erkrankungen.

Diagnostik

Bei der Anamnese und Untersuchung sind zunächst mögliche Ursachen abzuklären.
  • Immer ist eine Umweltanamnese zu erheben: Innenraumgifte – allen voran der Zigarettenrauch, aber auch Schimmelpilzbelastung und Gasöfen oder eine Wohnung an einer verkehrsreichen Straße können das Abwehrsystem des Kindes in seiner Funktion beeinträchtigen.

  • Eine Ursache für Infekte schon in der ganz frühen Kindheit können Impfungen sein – v. a. aluminiumverstärkte Totimpfstoffe. Sie können das werdende Immunsystem aus dem Gleichgewicht bringen und die Funktion des zellulären Abwehrsystems stören (8.1).

  • Bei infektanfälligen SäuglingenSäuglingeInfektanfälligkeit ist auch an Rachitis zu denken (8.3). Dazugehörige Symptome sind Schwitzen, Muskelhypotonie, Kraniotabes, schlechte Laune oder Appetitlosigkeit. Gesichert wird die Diagnose durch Laboruntersuchungen (AP, Parathormon, 25(OH)Vitamin D3).

  • Laboruntersuchungen sind auch bei vegan ernährten Kindern mit Infektanfälligkeit angezeigt. Zu überprüfen sind hier in erster Linie die Serumspiegel von Zink, Eisen und Vitamin B12.

  • Bei chronisch-rezidivierendem Husten, Schnupfen oder Durchfall muss natürlich auch eine Allergie gegen Nahrungsmittel- oder Aeroallergene in Erwägung gezogen werden. Kuhmilch und Hausstaubmilben sind die führenden Verursacher solch chronischer Beschwerden und müssen im Verdachtsfall getestet (EAST, Prick-, Patch-Test – Cave: keiner dieser Tests ist im Kleinkindalter verlässlich) und ggf. – auf Verdacht hin auch probeweise – durch Karenzmaßnahmen vermieden werden.

  • Inwieweit adenoide Vegetationen, etwa durch die veränderte Atemmechanik, ein Kind für Infekte anfällig machen, und ob eine Adenotomie dieses Problem dauerhaft lösen kann, ist nicht geklärt. Nach homöopathischer Auffassung sind vergrößerte Adenoide lediglich ein Symptom, das gemeinsam mit der Infektneigung auf die geschwächte Konstitution des betroffenen Kindes zurückzuführen ist.

  • Motorische Koordinationsstörungen, Wahrnehmungsstörungen und Lernstörungen behindern die harmonische Entwicklung des Kindes und haben negative Auswirkungen auf sein Immunsystem. Sie können durch Anamnese und Testverfahren diagnostiziert und nötigenfalls einer Behandlung zugeführt werden (zentrale Koordinationsstörung 5.16).

  • Letztlich ist bei chronischen oder chronisch-rezidivierenden Infekten noch an seltenere Ursachen zu denken wie Aspiration von Fremdkörpern (meist Erdnüssen), wiederholte Aspirationen bei gastroösophagealer Refluxkrankheit (5.6) oder neurologischen Leiden, zystische Fibrose (13.5), primäre ziliäre Dyskinesie, angeborene oder erworbene Fehlbildungen (bronchiale Fehlbildungen, Liquorfistel, Harntransportstörungen) und Tumoren.

Bei der körperlichen Untersuchung des infektanfälligen Kindes ist neben den aktuellen Krankheitszeichen auch nach Symptomen einer eventuellen Grunderkrankung zu suchen. Zu beachten sind der Allgemein- und Ernährungszustand, der Entwicklungsstand, die motorische Koordination, der Lymphknotenstatus, die Größe von Leber und Milz und eventuelle Atopiezeichen.
Durch ein Differenzialblutbild und die Untersuchung der Immunglobuline kann im Verdachtsfall ein Screening auf Immundefekte durchgeführt werden. Bei Auffälligkeiten oder weiterem Verdacht ist die Überweisung in eine Spezialambulanz zu empfehlen. Sinnvoll ist auch eine Überprüfung des Vitamin-D-, Eisen- und Zinkspiegels.
Gelegentlich beruht die Infektanfälligkeit des Kleinkindes auf einem vorübergehenden IgA-Mangel (Häufigkeit 1: 500), der in der Regel spontan verschwindet. Er ist häufiger bei Allergikern anzutreffen, was die erhöhte Infektneigung von Kindern mit Atopierisiko erklärt.
Bei chronischem Husten sind eine Röntgenaufnahme der Lunge und ein Schweißtest zu erwägen.

Prophylaxe und unterstützende Maßnahmen

Kleinkinder mit chronisch-rezidivierenden Infekten brauchen einen ärztlichen Partner, der sich nicht auf die Behandlung der jeweils akuten Symptomatik beschränkt, sondern den ganzen Menschen in seiner Biografie und Umwelt wahrnimmt – ganz im Sinne Hahnemanns: „Er [der Arzt] ist zugleich ein Gesund-Erhalter, wenn er die Gesundheit störenden und Krankheit erzeugenden und unterhaltenden Dinge kennt und sie von den gesunden Menschen zu entfernen weiß“ (Organon, § 4).

Praxistipp

Ärztliche Versorgung bedeutet gerade bei diesen Kindern das Erfassen familiärer, seelischer und ökologischer Zusammenhänge und das Gespräch mit den Eltern über mögliche präventive und gesundheitsfördernde Maßnahmen, etwa:

  • Muttermilchernährung der Säuglinge in den ersten Lebensmonaten

  • Gesunde Ernährung, insbesondere Vollwertkost und „kein Tag ohne Obst“

  • Ausreichende Bewegung an frischer Luft

  • Vermeiden von Passivrauchen

  • Vermeiden von Stress und Überforderung (auch motorische Überforderung, z. B. das Kleinkind, das mit seiner Mutter den ganzen Tag im Einkaufszentrum verbringt, zum Schluss heulend an der Hand hinterher geschleppt wird und am nächsten Tag mit Fieber zum Kinderarzt gebracht wird …); Unterbringung in einer Krippe oder einem Kindergarten erst dann, wenn das Kind zum interaktiven Spiel fähig ist und problemlos mehrere Stunden ohne Eltern auskommen kann.

  • Bereits im Kleinkindalter können mehrwöchige Aufenthalte im Hochgebirge oder im Reizklima an Nordsee oder Atlantik den vegetativ-hormonalen Tonus des Körpers umstimmen und das unspezifische Immunsystem stimulieren. Schulkinder profitieren von regelmäßigen Saunabesuchen, Kneipp-Kuren oder wechselwarmem Duschen.

  • Medikamentöse Maßnahmen zur „Stimulierung des Immunsystems“ sind umstritten und in ihrer Evidenz nicht gesichert. Dennoch gibt es unkontrollierte Studien oder Einzelfallberichte, in denen auf Erfolge mit Probiotika oder Immunstimulanzien auf Basis von Pflanzenextrakten (Echinacea, Umckaloabo, Eleutherokokkus, Kapuzinerkresse) oder Bakterienlysaten (Bronchovaxom, Luivac) verwiesen wird (z. B. Hao 2015).

  • Von einer hochdosierten Dauertherapie mit Vitamin C ist kein signifikanter Effekt zu erwarten (Douglas et al. 2007, Hemilä 2013).

  • Die Zufuhr von Zink könnte in geringem Maß die Häufigkeit von Atemwegsinfekten senken (Singh 2013); das diesbezügliche Cochrane-Review wurde allerdings 2015 wegen einer möglicherweise fehlerhaften Analyse zurückgezogen. Chronisch erhöhte Zinkzufuhr kann zudem eine sideroblastische Anämie hervorrufen (AT 2001).

Zeigen sich parallel zur Infektanfälligkeit Probleme in der motorischen Koordination oder in der zentralen Wahrnehmung, so kann das Kind durch geeignete Therapieverfahren wie Ergotherapie, Osteopathie oder Krankengymnastik auf neurophysiologischer Grundlage in ein neues Gleichgewicht gebracht werden.

Homöopathische Behandlung

Bei chronisch-rezidivierenden Infekten ist dauerhafte Heilung nicht durch die symptomatische Behandlung der jeweiligen Akuterkrankung zu erzielen, sondern nur durch Stärkung von Vitalität und Reaktionsfähigkeit des erkrankten Organismus. Hierin unterscheidet sich die homöopathische Medizin grundlegend von der konventionellen Medizin. Eine randomisierte Studie mit 196 infektanfälligen Kindern belegt die Wirksamkeit der homöopathischen Herangehensweise (Steinsbekk et al. 2005).
Die wiederholte unterdrückende, etwa antibiotische oder antipyretische Behandlung harmloser Infekte schwächt hingegen die Lebenskraft des Patienten und verhindert Lernprozesse im Immunsystem: „Zu der natürlichen Krankheit, die geheilt werden sollte, gesellen sich dann durch die anhaltende Wiederholung des unpassenden Arzneimittels die, welche der Natur dieses letzteren entsprechenden neuen, oft sehr langwierigen Krankheitszustände […]“ (Organon, § 41).
Während die physiologischen Infekte des Kleinkindes als eine zeitliche Häufung akuter Ereignisse bzw. akuter Miasmen aufzufassen sind, haben Kinder mit chronisch-rezidivierenden Infekten eine chronische Erkrankung im Sinne Hahnemanns (1.6). Die rezidivierenden Krankheitsschübe sind bei ihnen als wiederholtes „Aufflackern“ eines chronischen Miasmas anzusehen. Eine rein symptomatische Behandlung mit – sich oft ständig ändernden – homöopathischen Akutmitteln würde die zu Grunde liegende Vitalitätsstörung nur verschlechtern.
Bei den betroffenen Kindern ist daher eine konstitutionelle Behandlung unter Berücksichtigung der Gesamtheit der Symptome (2.2) und der miasmatischen Belastung (1.7) angezeigt.

Praxistipp

Die Lokalsymptome – etwa der nächtliche Reizhusten, das laufende Ohr etc. – spielen bei der Wahl des Simile eine untergeordnete Rolle (2.2.3). Sie sind nur dann zu berücksichtigen, wenn sie

  • ungewöhnlich und charakteristisch sind (Organon, § 153),

  • ausgeprägte, sich ständig wiederholende Kausalitäten oder Modalitäten haben.

Besonders wichtig bei der Similefindung ist – neben den Geist- und Gemütssymptomen und den Allgemeinsymptomen – die Erforschung von folgenden Gegebenheiten:

  • Krankheiten in der Familiengeschichte, besonders Tuberkulose

  • Vorerkrankungen des Patienten inkl. unterdrückende Maßnahmen zu ihrer „Behandlung“

  • Mögliche andere Ursachen der Anfälligkeit: „Das Kind ist so oft krank, seit …“ (z. B. Einführung bestimmter Nahrungsmittel, Zahnung, Impfungen, allopathische Medikamente, physikalische Einflüsse wie Wetter oder Jahreszeit, psychische Belastungen etc.)

Repertoriumsrubriken

Die Rubriken stammen aus dem Synthesis. RepertoriumsrubrikenInfektanfälligkeit
→Ohr – Absonderung – unterdrückt (24): aur, bell, calc, carb-v, chinin-m, hep, merc, puls, sulph, …
→Nase – Absonderung – unterdrückt (55): ars, aur, bry, calc, dulc, hep, lyc, merc, na-tm, nux-v, phos, puls, sep, sil, sulph, …
→Nase – Schnupfen – unterdrückt (34): ars, bell, bry, calc, chin, dulc, lach, lyc, nux-v, sil, sulph, …
→Weibliche Genitalen – Fluor – unterdrückt (11): calc-p, carc, graph, lac-c, lach, nat-s, phos, …
→Haut – Hautausschläge – unterdrückte (91): bry, dulc, ip, kali-bi, nux-v, petr, ph-ac, psor, stram, sulph, zinc, …
→Haut – Hautausschläge – Herpes – unterdrückt (9): calc, lach, lyc, sulph, …
→Haut – Warzen – unterdrückte (6): mang, meny, merc, nit-ac, staph, thuj
→Allgemeines – Abszesse, Eiter – Eiterungen – unterdrückte (9): ars, bell, calc, hep, kreos, lach, lyc, merc, sil
→Allgemeines – Schleimhautabsonderung – vermehrte – unterdrückt (47): asar, bar-c, bry, dulc, lach, nux-v, psor, puls, sil, stram, sulph, …

Miasmatische Belastung

InfektanfälligkeitMiasmenIn absteigender Häufigkeit sind folgende Miasmen für Infektanfälligkeit verantwortlich: Psora → Tuberkulinie → Sykosis → Syphilinie → Krebs-Miasma. Zur besseren Einordnung des jeweiligen Falls hilft ein kurzer Überblick über typische Charakteristika dieser Miasmen (1.7).
Psora
  • Familiengeschichte: PsoraInfektanfälligkeitInfektanfälligkeit, Allergien, (unterdrückte) Hautausschläge, funktionelle und endokrine Störungen.

  • Eigenanamnese: Häufige Rezidive, rascher Wechsel aller Symptome. Viele „Als ob“-Symptome und Begleitsymptome, viele Modalitäten. Rachitis, verzögerte Entwicklung, verspätete Zahnung. Unterdrückter Hautausschlag, unterdrückte physiologische Absonderungen.

  • Appetit: Meist sehr groß („oraler Typ“), oft Abneigung gegen Milch. Verlangen nach Süßem, Unverdaulichem.

  • Körperliche Zeichen: Trockene Haut und Schleimhaut. Juckendes Ekzem, weißlicher Milchschorf. Kopfschweiß. Adenoide, Tonsillen- und Lymphknotenhyperplasie. Trockener Reizhusten.

  • Typische Modalitäten: < Anstrengung, Bewegung, Kälte, morgens, psychische Erregung; > Ruhe, Liegen, Wärme.

  • Gemüt: Eher ängstlich, oft schüchtern. Aktiv, aber kein langes Durchhalten. Erwartungsspannung. Schlechte Konzentration („psorische Schwäche“).

Tuberkulinie
  • Familiengeschichte: TuberkulinieInfektanfälligkeitTbc, Asthma, Lungenerkrankungen. Alkoholismus. Weltenbummler, Studenten-Ehe.

  • Eigenanamnese: Häufige Rezidive, rascher Wechsel von psychischen und körperlichen Symptomen. Pneumonien. Rachitis. Knochenerkrankungen, Wachstumsschmerzen. Refraktionsanomalien.

  • Appetit: Großer Appetit (aber mager). Verlangen nach kalter Milch, Salami. Abneigung gegen Fett.

  • Körperliche Zeichen: Gelber oder gelbgrüner Schnupfen. Häufige, auch schwere Otitiden. Tiefer Husten mit schleimigem oder eitrigem Auswurf, < nachts. Lufthunger. Käsiger Geruch von Sekreten. Körperbau mager, flacher Thorax. Rote Lippen. Große Tonsillen, perlschnurartige Lymphknoten am Hals. Starke Körperbehaarung. Schweißneigung. Ringförmige Hautausschläge, Herpes. Feuchter, krustiger, juckender Ausschlag am Kopf.

  • Typische Modalitäten: < Anstrengung, nachts. > Ablenkung, Reisen, Wärme.

  • Gemüt: Überaktiv, aber schnell erschöpft. Schnell zornig, „schwieriges Kind“. Starkes Freiheitsbedürfnis – sprunghaft, läuft davon, liebt Abwechslung, Reisen.

Sykosis
  • Familiengeschichte: SykoseInfektanfälligkeitHerzkrankheiten in jungen Jahren, Bluthochdruck, Hypercholesterinämie, Gonorrhö, Unterleibserkrankungen, Gicht, Rheuma, Struma, Nieren- oder Gallensteine, Lebererkrankungen, Asthma.

  • Eigenanamnese: Chronische Verläufe, langsame Rekonvaleszenz, häufige Rückfälle, schleichender Verlauf, oft ohne Fieber. Unverträglichkeit von Impfungen oder Transfusionen. Unterdrückte, operierte Warzen; Unterdrückung pathologischer Sekrete (z. B. Antibiose bei Otorrhoe). Harnwegsinfekte, Vulvitis.

  • Appetit: Verlangen nach Fett, Fleisch, Gewürzen.

  • Körperliche Zeichen: Absteigende Erkältungen mit Bronchitis, < Herbst und Winter. Schnupfen grüngelb, wässrig, scharf. Multiple Hyperplasien, z. B. von Tonsillen, Adenoiden, Lymphknoten etc. Schweiß im Gesicht. Genitaler oder fischiger Geruch. Warzen, Spider Naevi, Molen, Zysten, Striae, Keloide. Querrillen auf den Nägeln. Rezidivierende Erkrankungen im kleinen Becken, etwa HWI, Windelsoor, Infektionen im Genitalbereich.

  • Typische Modalitäten: Meist wenige, aber sehr spezifische Modalitäten: < Ruhe, Erregung, abends und nachts nach Mitternacht, nasses oder nasskaltes Wetter, Wetterwechsel; > Bauchlage, trockenes Wetter, Bewegung.

  • Gemüt: Reizbar, eifersüchtig, misstrauisch. Überaktiv, prahlerisch, aufdringlich. Brütet, behält Dinge für sich. Fixe Ideen, Zwanghaftigkeit. Gedächtnisstörungen. Sprechstörungen, stockende, unbeseelte Sprache. Extreme Schwankungen im Verhalten: Extrovertiert – introvertiert, Heiterkeit – Wut. Boshaftigkeit, Lügen.

Syphilinie
  • Familiengeschichte: SyphilinieInfektanfälligkeitMalignome, Psychosen, Suizide, Alkoholismus, Suchterkrankungen, Zwangsneurosen, degenerative (Nerven-)Erkrankungen, AIDS, Lähmungen, Eiterungen, Ulzera, plötzlicher Herzinfarkt, Apoplex.

  • Eigenanamnese: Chronischer Verlauf mit fortschreitender Verschlechterung. Destruktive, degenerative Erkrankungen. Erkrankungen von Nervensystem oder Knochen. Organdefekte, Hüftdysplasie, Exostosen. Frühe Zahnung. Anämie.

  • Appetit: Verlangen nach kalter Nahrung. Abneigung gegen Fleisch.

  • Körperliche Zeichen: Lymphknotenschwellungen an Hals und Leisten. Chronische Rhinitis, viel Schniefen. Irreguläre Zahnstellung, Zähne deformiert. Starker Speichelfluss. Nächtliche Knochenschmerzen. Ulzerationen. Ringförmiger Hautausschlag in den Gelenkbeugen, ohne Juckreiz. Fauliger Körpergeruch.

  • Typische Modalitäten: Insgesamt wenig Modalitäten. < nachts, Hitze, am Meer, im Winter. > Bewegung, in den Bergen, Kälte.

  • Gemüt: Aggressiv, diktatorisch, destruktiv – oder stumpf, einfältig, apathisch, depressiv. Suizidal. Unordentlich. Nervös. Kann nicht logisch denken.

Krebs-Miasma
  • Familiengeschichte: Krebs-MiasmaInfektanfälligkeitKrebs, Tbc, Asthma, Diabetes, perniziöse Anämie, Kinderkrankheiten im frühen Säuglings- oder Erwachsenenalter.

  • Eigenanamnese: Belastung durch zu viel Verantwortung in der Kindheit. Starke elterliche Erwartungen. Schwere Kinderkrankheit in der frühen Kindheit, oder Kinderkrankheiten erst nach der Kindheit. Nicht wieder erholt nach Mononukleose. Beschwerden nach Impfungen. Schlaflosigkeit im ersten Lebensjahr.

  • Appetit: Verlangen nach Schokolade.

  • Körperliche Zeichen: Chronischer dicker, wund machender, gelber Schnupfen. Husten bei Temperaturwechsel. Viele Infekte, aber kaum Fieber. Blaue Skleren. Naevi, Lentigines, Café-au-lait-Flecken. Starke Körperbehaarung. Tics.

  • Typische Modalitäten: Widersprüchliche Modalitäten. < Am Meer, > an der Küste, abends, Beschäftigung. Periodizität.

  • Gemüt: Perfektionistisch. Anspruchsvoll, will alles in Ordnung bringen. Frühreif.

Repertoriumsrubriken bei miasmatischer Belastung

Lässt sich ein infektanfälliges Kind in seinen Symptomen eindeutig einem Miasma zuordnen, sollte sein Simile in der entsprechenden Rubrik zu finden sein: Miasmenmiasmatische Belastung, Rubriken
→Allgemeines – Psora (222): bar-c, calc, hep, lyc, psor, sil, sulph, …
→Brust – Tuberkulose (207): bac, bar-c, calc-p, kali-c, lyc, puls, thuj, tub, …
→Allgemeines – Sykose (186): arg-n, graph, kali-s, med, nat-s, nit-ac, sep, sil, staph, thuj, …
→Allgemeines – Krebsleiden (249): abrot, ars, brom, carc, con, lyc nit-ac, phos, …
→Allgemeines – Syphilis (209): ars-i, aur, calc-f, fl-ac, kali-i, kali-s, merc, nit-ac, phyt, sil, syph, …
Oft ergeben sich auch „Mischformen“, also Hinweise auf multimiasmatische BelastungenMiasmenmultimiasmatische Belastungen, z. B. bei einem Kind mit Malignomen in der Familiengeschichte und unterdrücktem Hautausschlag im Säuglingsalter. In solchen Fällen ist oft eine Abfolge zweier oder mehrerer Arzneimittel notwendig, um den Fall zum Abschluss zu bringen.

Repertoriumsrubriken: Allgemeinsymptome

Neben den Allgemeinsymptomen und Geist- und Gemütssymptomen können folgende Rubriken zur Similefindung mit herangezogen werden.
→Allgemeines – Erkältung – Erkältungsneigung (169): bar-c, calc, calc-p hep, kali-c, lyc, med, nat-m, nux-v, psor, sil, sulph, tub, …
→Allgemeines – Reaktion – Mangel an (126): am-c, calc, carb-v, gels, med, op, ph-ac, psor, staph, sulph, tub, …
→Allgemeines – Genesung, Rekonvaleszenz; Beschwerden während der (171): calc-p, calc, carb-v, lyc, sil, sulph, tub, …
Angezeigt sind auch die Unterrubriken:
→Ansteckenden Krankheiten, nach (10): carc, gels, puls, sulph, thuj, tub, …
→Fieber, nach (1): lyc
→Influenza, nach (21): carc, chin, gels, psor, sulph, tub, …
→Lunge, nach Entzündung der (11): bac, calc, carb-v, kali-c, lyc, nat-s, phos, sang, sil, sulph, tub
→Schwächenden, erschöpfenden Krankheiten, nach (6): aven, carb-an, carb-v, lath, ph-ac, sel
→Allgemeines – chronischer Krankheitsverlauf (9): calc, calc-p, morb, nux-v, psor, puls, sulph, thuj, tub

Repertoriumsrubriken: rezidivierende Beschwerden

Daneben findet sich noch eine ganze Reihe von Rubriken, die chronische oder rezidivierende Beschwerden zum Thema haben, leider aber meist unvollständig sind, zu finden mit der Suchfunktion im Repertorium („chronisch“ „wiederkehrend“), z. B.:
→Auge – Entzündung – wiederkehrend (9): ars, bry, calc, lyc, psor, rhus-t, sulph, syph, thuj
→Ohr – Absonderungen – chronisch (23): aur, calc, calc-s, kali-bi, merc, puls, sulph, tub, …
→Ohr – Entzündung – Mittelohr – chronisch (37): bar-m, calc, caust, cham, hydr, kali-s, lyc, med, merc, nit-ac, puls, sil, tub, …
→Nase – Katarrh – trocken, chronisch (11): carb-v, dulc, nat-m sil, stict, sulph, …
→Nase – Schnupfen – chronisch, lang anhaltend (61): brom, calc, lyc, sil, sulph, tub, …
→Nase – Verstopfung – chronisch (16): calc, kali-s, sil, stict, sulph, …
→Rektum – Diarrhö – chronisch (85): ars, bac, calc, graph, merc, phos, sulph, tub, …
→Husten – chronisch (51): ant-t, dros, phos, sang, …
→Allgemeines – Krankengeschichte von; persönliche – Krupp, von wiederkehrendem (5): calc, calc-s, hep, lyc, phos
→Allgemeines – Krankengeschichte von; persönliche – Tonsillitis, von wiederkehrender (32): bar-c, bar-m, calc-p hep, lyc, psor, sil, tub, …

Repertoriumsrubriken: Beschwerden bei Kindern

Nützliche Rubriken sind auch diejenigen, die das Kindesalter zum Thema haben, z. B.:
→Augen – Entzündung – Kindern, bei – Kleinkindern, bei (29): apis, arg-n, ars, calc, nit-ac, puls, thuj, …
→Ohren – Schmerz – Kinder (11): acon, all-c, bell, cham, dulc, ferr-p, puls, spong, ter, verb, zinc
→Brust – Entzündung – Bronchien – Kindern, bei (12): ant-t, dulc, ip, kali-c, tub, …
→Brust – Entzündung – Lungen – Kindern, bei (28): acon, ant-t, bry, calc, ferr-p, ip, kali-c, lyc, phos, tub, …

Homöopathische Arzneimittel

Nach Erfahrung des Autors Infektanfälligkeithomöopathische Arzneimittelsind bei infektanfälligen Kindern am häufigsten folgende Mittel angezeigt:
  • Vorrangig psorische Mittel: calc, lyc, psor, sulph

  • Vorrangig tuberkulinische Mittel: calc-p, phos, tub

  • Vorrangig sykotische Mittel: med, puls, sil, thuj

Zur ausführlichen Beschreibung dieser homöopathischen Arzneimittel 23.2 Materia medica.
Besonders viel Erfahrung ist notwendig, um die Reaktion auf ein konstitutionell verordnetes Mittel zu beurteilen und nicht vorschnell das Simile zu wiederholen oder auf ein anderes zu wechseln (3.5).

Praxistipp

Für akute Infekte, die in den Wochen nach der Einmalgabe des Simile in einer C-PotenzC-Potenzenakute Infekte auftreten, gelten folgende Regeln (Herscu). Akutbehandlungakuter InfektFolgeverordnungakuter Infekt

  • 1.

    Ist der akute Infekt milder als frühere Infekte, dann wirkt das Mittel und man sollte abwarten. Man muss aber die auftretenden Symptome genau registrieren – sie könnten Hinweise auf ein eventuelles Folgemittel bieten.

  • 2.

    Ist der akute Infekt genauso schwer wie die früheren Infekte, und haben sich die Allgemeinsymptome (z. B. Stimmung, Schlaf etc.) nicht gebessert, war das Simile falsch gewählt, oder es wurde antidotiert. Meist muss ein neues Simile gesucht werden.

  • 3.

    Ist der akute Infekt genauso schwer, lang dauernd und im selben zeitlichen Abstand wie die früheren Infekte, haben sich jedoch die Geist- und Gemütssymptome und die Allgemeinsymptome gebessert, kann abgewartet werden: Das Mittel war wahrscheinlich richtig.

  • 4.

    Verläuft der akute Infekt besonders schwer, etwa die erste hochfieberhafte Erkrankung seit längerer Zeit, so kann das als gutes Zeichen gewertet werden im Sinne einer Erstverschlimmerung. Ist Abwarten nicht zu vertreten, kann palliativ z. B. phytotherapeutisch oder homöopathisch behandelt werden. Bei passenden Symptomen ist jedoch die Wiederholung des ursprüngliche Simile in einer hohen Potenz (z. B. XM) vorzuziehen, da dies meist sehr schnell wirkt, ohne die Krankheit zu unterdrücken.

  • 5.

    Ist die Akuterkrankung epidemisch (z. B. Masern, Scharlach) und verläuft sie weniger schwer als bei anderen Betroffenen, ist dies Zeichen einer guten Similewirkung, und es sollte abgewartet werden.

  • 6.

    Kommt es nach wochenlangem gutem Verlauf wieder zur Zunahme von akuten Infekten, ist zunächst das bisherige Simile – etwa nach der Kent-Skala (3.3.2) – zu wiederholen; bei Unwirksamkeit oder deutlichen neuen Symptomen ist ein Folgemittel zu suchen. Milde Akuterkrankungen brauchen nicht behandelt zu werden.

Die korrekte homöopathische Behandlung infektanfälliger Kinder führt in der Mehrzahl der Fälle zu einer deutlich stabileren Abwehrlage. In einer Outcome-Studie mit 1130 Kindern, von denen 16 % wegen erhöhter Infektanfälligkeit homöopathisch behandelt wurden, zeigte sich aus Arzt- und Patientensicht eine signifikante Symptomenbesserung (Becker-Witt et al. 2002).

Kasuistiken

Kasuistik

Rezidivierende Infekte (Martin Hirte)

Anamnese

Der viereinhalbjährige David erleidet seit Eintritt in den Kindergarten mit drei Jahren extrem viele Infekte der Luftwege. Viermal antibiotische Behandlung wegen Pneumonie, Scharlachverdacht, zweimal Otitis. Seit einem Jahr ständig laufende Nase, wässrig; morgens gelblich. Viel Husten mit Heiserkeit. War vor kurzem zwei Tage im Krankenhaus wegen Bronchitis und Stupor, bekam wieder Antibiotikum, musste daraufhin bis nach Mitternacht erbrechen.
Vom vierten bis 18. Lebensmonat atopisches Ekzem, trocken, rau, schuppig, juckend, < im Winter.
Temperatur: Warmblütig, schwitzt sofort bei Anstrengung, mehr als andere, v. a. an Stirn und Rücken. Beim Einschlafen Kopfschweiß.
Schlaf: Deckt sich ab. Schläft durch. Spricht laut im Schlaf. Kein Zähneknirschen. Morgens ausgeruht, sagt aber tagsüber oft: „Ich bin müde“.
Appetit: Verlangt nach Süßem, Ei, Nudeln. Abneigung gegen Deftiges, Gemüse. Durst normal. Verdauung normal.
Gemüt: Ausgeglichen, zurückhaltend, „defensiv“, schüchtern. Geht alleine nirgendwo hin, braucht lange, bis er „warm wird“. Zu Hause aber eher extrovertiert. Körperlich vorsichtig. Furcht vor Gespenstern und Hexen. Hat gerne Körperkontakt, aber nicht ausgesprochen verschmust, eher um sich „abzusichern“. Gute Konzentration, kann lange alleine spielen. Kann sehr zornig sein, wenn er etwas durchsetzen will. Ängstlich oder empfindlich bei Märchen und Geschichten; tief beeindruckt, wenn er fernsieht („mitgenommen“).
Entwicklung: Laufen spät (15 Monate), Sprache früh, Zähne normal und problemlos. War auch als Baby anspruchslos.
Familie: Mutter Asthma, 1984 Tbc. Oma (m) Hypercholesterinämie.
Miasma: Psorisch-tuberkulinisch.

Repertorisation

→Nase – Schnupfen – chronisch, anhaltend (61): calc, brom, sil, sulph, tub, …
→Kopf – Schweiß der Kopfhaut – Schlaf, im (22): bry, calc, calc-p, cham, lyc, merc, sil, …
→Gemüt – Furcht – Gespenstern, vor (56): acon, ars, calc, caust, lyc, med, phos, puls, …
→Gemüt – schreckliche und traurige Geschichten greifen stark an (68): calc, caust, cic, nat-m, phos, puls, sil, staph, …
→Allgemeines – Speisen – Eier – Verlangen (63): calc, carc, puls, sil, tub, …
Nach der Repertorisation kommen in erster Linie Calcium carbonicum und Silicea infrage; gewählt wurde Calcium carbonicum, da David eher warmblütig und geistig-seelisch in sich ruhend ist. Silicea fehlt in der Rubrik Allgemeines – Hitze, Gefühl von.

Verordnung und Verlauf

Calcium carbonicum C 1000, Symbioflor 1+2. Drei Monate später Scharlach, nochmals einmalige Gabe von Calcium carbonicum C 1000. Follow-up (neun Monate später): War monatelang infektfrei, seit acht Wochen wieder gelblicher Schnupfen, aber kein Husten. Isst gerne: Ei, Käse, Nudeln, Salami, Milch (kalt). Schwitzt am ganzen Körper beim Einschlafen. Jammert oft über Bauchweh schon nach wenigen Bissen, isst aber trotzdem weiter. Offener, selbstständiger als früher. Noch ängstlich abends beim Alleinsein, Furcht vor Räubern. Träumt von Räubern.
Weiterer Verlauf: Calcium carbonicum LM6 über zwei Wochen (evtl. Folgemittel: Phosphorus, Tuberculinum). Nach zwei Wochen symptomfrei, im weiteren Verlauf wieder sehr stabil. Erster fieberhafter Infekt zwei Monate später, in den folgenden zwei Jahren drei fieberhafte Infekte mit prompter Abheilung.

Kasuistik

Chronischer Schnupfen (Martin Hirte)

Anamnese

Die 14 Monate alte Johanna leidet „seit ihrer Geburt“ an chronischem Schnupfen mit ständig röchelnder Atmung, und mildem Sekret, das schnell verkrustet; < bei nasskaltem Wetter, > am Meer (bei einem Japan-Aufenthalt). Sie schwitzt im Zervikalbereich. Verlangen nach Fisch, Fleisch, Kartoffeln. Warmblütig, deckt sich nachts ab (machen allerdings die meisten Kleinkinder …). Oft wund im Afterbereich, große rote schmerzhafte Exkoriation. Vom Gemüt her ist sie temperamentvoll, durchsetzungsstark, angstfrei, kontaktfreudig. Schwangerschaft, Geburt und Entwicklung normal.
Familienanamnese: Asthma bronchiale, Pollinose, Hypothyreose, Morbus Menière.
Miasma: Sykosis.

Repertorisation

→Allgemeines – Meer, am – amel. (55): carc, med, nat-m, tub, …
→Allgemeines – Wetter – kaltes Wetter – nasskaltes – agg. (145): ars, calc, calc-p, dulc, med, nat-s, rhus-t, sil, tub, …
→Rücken – Schweiß – Zervikalregion (59): calc, chin, med, phos, sil, sulph, …
→Allgemeines – Speisen – Fisch – Verlangen (84): mag-p, med, nat-m, …
→Rektum – Hautausschläge – Anus, um den (61): calc, med, nat-m, nit-ac, rhus-t, sulph, …

Verordnung und Verlauf

Fünf Tage nach der Gabe von Medorrhinum C 200. ist kurzzeitig Fieber über 39 °C aufgetreten, danach bestand kein Schnupfen mehr. Drei Monate später Wiederholung von Medorrhinum C 200 wegen einer Streptokokken-Angina. In den folgenden zwei Jahren nur noch zweimal Vorstellung wegen Ohrenschmerzen, die gut auf Lycopodium reagierten.

Literatur

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Voegeli, 1988

A. Voegeli Die rheumatischen Erkrankungen 6.A. 1988 Haug Heidelberg

Aufmerksamkeits-Defizit-/Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS)

Thomas Bonath

Nikolaus Hock

Grundlagen

Das „Aufmerksamkeits-Defizit-/Hyperaktivitäts-Syndrom“ (ADHS) wird Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS)durch drei Hauptsymptome gekennzeichnet: Mangelnde Konzentrationsfähigkeit, erhöhte Ablenkbarkeit und gesteigerte Impulsivität. Eine motorische Hyperaktivität kann, muss aber nicht zu den Symptomen der Aufmerksamkeitsstörung hinzukommen.
Die Häufigkeitsangaben variieren beträchtlich, auch in neueren epidemiologischen Studien mit relativ differenzierter Forschungsmethodik. Sie liegen je nach Studie und Kulturkreis zwischen 2 und 9,5 %, in der Mehrzahl der Studien bei 5 %. Eindeutig überwiegt hierbei der Anteil der Jungen, v. a. in Verbindung mit Hyperaktivität. Da Mädchen allerdings eher „einfache Aufmerksamkeitsstörungen“ aufweisen, diese schwieriger und weniger häufig erkannt werden, ist hier von einer hohen Dunkelziffer auszugehen.
ADHS als Störung „wächst“ sich nicht wie früher vermutet mit höherem Lebensalter aus, sondern verlagert sich häufig zu einer Art innerer Unruhe. Durch bessere Kompensationsmechanismen wird es bei einem Drittel der erwachsenen Patienten wahrscheinlich vollständig kompensiert, bei ⅔ bleibt es bis hin zur Therapiewürdigkeit bestehen.

Klinik und Erkrankungsverlauf

Die Symptomatik setzt frühzeitig ein, meist vor dem sechsten Lebensjahr, sie muss zur Diagnosestellung mehr als sechs Monate anhaltend sein und besteht situationsübergreifend fort. Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS)Klinik
Mangelnde Konzentrationsfähigkeit, erhöhte Ablenkbarkeit
Die drei Hauptsymptome stellen Störungen der Aufmerksamkeit dar. Der Begriff „Aufmerksamkeit“ ist allerdings ungenau, schlecht definiert und sehr komplex. Zur Diagnose von ADHS sind die Daueraufmerksamkeit und die selektive Aufmerksamkeit von Bedeutung:
  • Unter Daueraufmerksamkeit versteht man die Fähigkeit, die Konzentration auf eine bestimmte Aufgabe über die Zeit aufrecht zu erhalten und diese zu Ende zu führen.

  • Selektive Aufmerksamkeit ist die Fähigkeit, Außenreize zu filtern und nur die Reize wahrzunehmen, die zur Aufgabenlösung erforderlich sind, z. B. ein Räuspern oder Tuscheln von Klassenkameraden zu ignorieren, den Erklärungen der Lehrerin aber zu folgen.

Bei Patienten mit ADHS sind häufig beide Aufmerksamkeitsformen gestört.
Gesteigerte Impulsivität
Die gesteigerte Impulsivität lässt sich am besten durch das Motto „erst handeln, dann (eventuell) denken“ kennzeichnen. Man unterscheidet hierbei die kognitive Impulsivität, also die Fähigkeit, Handlungsimpulse in eine Tätigkeit umzusetzen, erst wenn sie durchdacht sind; und die motivationale Impulsivität, das heißt, eigene Bedürfnisse aufzuschieben und zu warten bis man „an der Reihe“ ist. ADHS äußert sich auch hier als Reizfilterschwäche, die den Patienten interne und externe Impulse praktisch direkt, ohne ausreichende Kontrolle umsetzen lässt.
Hyperaktivität äußert sich in überschießender, nicht oder nur schwer zu regulierender und ungeordneter motorischer Aktivität und Ruhelosigkeit. Sie lässt sich häufig weder vom Patienten willentlich noch von außen durch Ermahnungen dauerhaft beeinflussen.
Besonders störend wird sie empfunden in Situationen, in denen motorische Ruhe, eigene Verhaltenskontrolle und/oder Strukturierung erwartet wird, z. B. in ruhigen Schulsituationen oder mit strukturiert vorgegebenen Bewegungsabläufen wie im Sportunterricht.
Alle diese Symptome sind relativ, d. h. sie müssen in Bezug auf einen Bewertungsmaßstab gesetzt werden. Im ICD-10 wird dieser Maßstab so definiert: „Diese Aspekte […]. sollten nur dann diagnostiziert werden, wenn sie im Verhältnis zum Alter und Intelligenzniveau des Kindes sehr stark ausgeprägt sind“.

Info

ADHS wird unterschiedlich definiert. So stellt das US-amerikanische Klassifikationssystem DSM IV (Diagnostic and Statistical Manual, American Psychiatric Association) eher die Aufmerksamkeitsstörung in den Vordergrund. Der ICD-10 (International Code of Diseases, WHO) definiert die Störung als „hyperkinetische“ Störung (HKS), die isolierte Störung der Aufmerksamkeit als „einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung“.

Beide Klassifikationssysteme verwenden einen Symptomenkatalog, der in weiten Teilen übereinstimmend ist.

Je nach Symptomausprägung unterscheidet der ICD-10 zwischen:

  • F90.0: Einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung

  • F90.1: Hyperkinetische Störung des Sozialverhaltens

  • F90.8: Sonstige Hyperkinetische Störung

  • F90.9: Hyperkinetische Störung, nicht näher bezeichnet

Ätiologie

ADHS ist ein sehr breit gefächertes Krankheitsbild, das nicht durch eine einzige spezifische und allgemeingültige Ursache hervorgerufen wird. Die Symptomatik stellt vielmehr eine gemeinsame Wegstrecke unterschiedlicher Kausalitäten dar.
  • Im Vordergrund der wissenschaftlichen Diskussion steht derzeit die Vermutung, dass ADHS durch eine neurobiologische Störung unterschiedlicher Transmittersysteme hervorgerufen wird. In neueren Untersuchungen (Krause/Krause) wird davon ausgegangen, dass durch eine erhöhte Dichte präsynaptischer Wiederaufnahmerezeptoren eine relative postsynaptische Dopamin-Armut entsteht. Diese These hat einen besonderen Reiz, da sie hypothetisch die Wirksamkeit von Stimulantien wie Methylphenidat erklären könnte. Durch eine vermutete selektive Blockade überzähliger präsynaptischer Rezeptoren würde die Imbalanz medikamentös ausgeglichen.

  • Bei den bisher publizierten Studien zeigte sich jedoch, dass auch Patienten ohne ADHS-Symptome eine hohe präsynaptische Rezeptordichte aufweisen können.

  • Als weitere Ursache wird ein genetischer Faktor diskutiert. In Adoptions-, in Zwillings- und in Familienstudien ließen sich Hinweise auf eine genetische Komponente bei der Entstehung von ADHS finden. Ein spezifischer Erbgang ist allerdings nicht feststellbar, sodass wahrscheinlich mehrere Gene beteiligt sind. Der genetische Faktor sollte allerdings nicht überbewertet werden. Häufig lassen sich bei den Eltern und ihren Familien weder ADHS-Symptome noch andere bedeutsame psychische Störungen finden.

  • Umwelttoxine und allergische Reaktionen auf Umweltreize sind ebenfalls mögliche Ursachen für ADHS. Nach unserer Erfahrung wird durch bestimmte Stoffe die Symptomatik einer ADHS-Störung bei prädisponierten Patienten verstärkt. Hier sind insbesondere Zucker, Weizen, Nahrungsmittelzusätze und Kuhmilch zu erwähnen (9.4).

  • Bei vielen Patienten, bei denen sich sonst keine mögliche Ursache verzeichnen ließ, waren anamnestisch perinatale Komplikationen, z. B. Frühgeburt, zu erheben.

  • In der derzeitigen Forschung werden biologische Aspekte in den Vordergrund gestellt. Auf die Entstehung und die Ausprägung von ADHS haben oft aber auch psychosoziale Faktoren einen entscheidenden Einfluss. Häufig verstärken bei biologisch bedingten Störungen diese Faktoren die Symptomatik so stark, dass es zu einer Dekompensation kommt. Besondere Bedeutung haben hierbei:

    • Ein gestörtes Mutter-Kind-Verhältnis: Dieses Verhältnis ist häufig von Anfang an belastet, da wegen mangelnder sensorischer Integration schon Säuglinge empfindlich auf Berührung, auch liebevolle, reagieren und Körperkontakte schreiend ablehnen. Die emotionale Bindung wird hierdurch massiv gestört. Bei Klein- und Schulkindern kommen die als störend empfundenen Aktionen der Kinder und die genauso negativ gefärbten Reaktionen der Umwelt hinzu, die auch die Mütter extrem belasten.

    • Aufmerksamkeitsmangel kann aus der Sicht der Betroffenen auch das subjektive Gefühl beschreiben, zu wenig Aufmerksamkeit zu bekommen. Die Kinder machen die Erfahrung, dass auffälliges Verhalten durch Aufmerksamkeit belohnt wird, während angemessenes Verhalten als selbstverständlich hingenommen und nicht beachtet wird. Und auch negativ gefärbte Aufmerksamkeit ist Aufmerksamkeit. Aus dieser Erfahrung entsteht schließlich ein Teufelskreis, sodass die gesamte Interaktion negativ getönt ist.

    • Familiäre Probleme: Partnerkonflikte führen zu einer Veränderung von elterlicher Wahrnehmung und Verhalten gegenüber dem Kind. Inkonsistentes Erziehungsverhalten, ein Mangel an Wärme und ein Übermaß an Kritik, ungenügendes Interesse und ein exzessives Strafmaß können zusätzlich zum ADHS das häufig komorbide oppositionelle Verhalten und eine Störung des Sozialverhaltens begünstigen.

    • Die schulische Situation: Häufig tritt mit der Einschulung eine Dekompensation der Symptomatik auf. Das gegenwärtige Schulsystem geht nur wenig auf die besonderen Bedürfnisse und Fähigkeiten von Kindern mit Aufmerksamkeitsstörungen ein, sodass diese sehr schnell in Konflikt mit den Regularien und Anforderungen kommen. Die dadurch entstehende Frustrationsspirale hat massive Auswirkungen auf das gesamte familiäre System.

Diagnostik

Obwohl es immer wieder Versuche gibt, durch apparative Methoden eine „gesicherte“ Diagnose zu stellen, waren die bisherigen Ergebnisse durch das heterogene Krankheitsbild nicht zufriedenstellend. Die Diagnose muss sich deshalb aus vier Bestandteilen zusammensetzen:
  • Anamnese

  • Verhaltensbeobachtung

  • Beurteilungsskala und Fragebögen

  • Psychologische Testuntersuchung

Anamnese
Die Anamnese ist das Herzstück der Diagnostik. Ein Großteil der erforderlichen Anamnese ist über die übliche klassisch homöopathische Technik abgedeckt. Neben Eigen- und Familienanamnese ist besonderes Augenmerk auf die spezifische Symptomatik, eventuelle Situationsabhängigkeit, Beginn und Auslöser sowie die Modalitäten der Symptome zu richten.
Eine große Schwierigkeit bei der homöopathischen Mittelfindung entsteht dann, wenn die Kinder neben der Verhaltensstörung keine körperlichen Symptome oder Eigenheiten aufweisen. Dies ist nicht selten der Fall. Hier sind gerade die pathognomonischen Symptome wegweisend. Hilfreich können aber wenig auffällige körperliche Merkmale sein, wie Pigmentnaevi, Hämangiome, Leisten-, oder Nabelhernien, Hydrozelen (auch wenn sie schon längst operativ behandelt wurden), Zahnfehlstellungen, Schädelsynostosen, Kopf- und Gesichtsasymmetrien als Hinweis auf eine Tuberkulinie oder ein anderes Miasma (1.7).
Verhaltensbeobachtung
Das Beobachten des Verhaltens ist selbstverständlich schon Bestandteil der homöopathischen Anamnese. Neben der direkten Interaktion mit Eltern, Arzt und Praxispersonal ist auch das Verhalten bei standardisierten Aufgaben wie psychologischen Tests aufschlussreich. Bei altersadaptierten Intelligenztests sind neben dem eigentlichen Testergebnis Problemlösungsstrategie, Arbeitstempo, Ausdauer, Sorgfalt und Vermeidungsverhalten sowohl von diagnostischer Bedeutung als auch Hinweise auf das homöopathische Mittel.
Beurteilungsskala und Fragebögen
Durch Beurteilungsskalen und Fragebögen kann standardisiert situationsübergreifend die Symptomatik abgefragt werden, z. B. in Elternhaus und Schule. Bewährt hat sich in unserer Erfahrung das DISYPS-KJ (Diagnostisches System psychischer Störungen – Kinder und Jugendlicher) von Döpfner et al., da hierbei die wichtigsten Differenzialdiagnosen ebenfalls erfasst werden.
Problematisch ist, dass es sich ausschließlich um subjektive Fremdbeurteilungen handelt, die stark durch die persönliche Bewertung geprägt werden. Erst ab dem 11. Lebensjahr werden auch die Patienten mitbefragt. Nach unserer Erfahrung korreliert deren Beurteilung kaum mit dem Fremdurteil.
Dennoch sind die Fragebögen oft sehr hilfreich, da sie eine Fokussierung und eine Beurteilung des Ausmaßes der Problematik erlauben, zur Verlaufsbeobachtung geeignet sind und die Möglichkeit bieten, eventuelle emotionale Spannungen zwischen Beurteiler und Patienten zu thematisieren.
Psychologische Testuntersuchung
Entgegen der Erwartungshaltung vieler Eltern (und mancher Therapeuten) gibt es keine definierten Testverfahren, um die Diagnose sicher zu bejahen. Dies ist in Anbetracht der Heterogenität der Erkrankung auch nicht möglich.
  • Zum Einsatz kommt neben der Intelligenzdiagnostik ein breites Arsenal neuropsychologischer Tests. Erfasst werden sensorische Wahrnehmung und Reizverarbeitung, motorische Leistungen, expressive Sprachfunktionen sowie Konzeptbildungs- und Problemlösefertigkeit. Dies dient teilweise zur Abklärung eventuell koexistierender Hirnfunktionsstörungen.

  • Hilfreich kann die Aufmerksamkeitsdiagnostik sein, bei der die Störung genauer differenziert und auch in ihrem Ausmaß beurteilbar wird. Die hierbei eingesetzten apparativen Verfahren sind eher Spezialeinrichtungen vorbehalten.

  • Als Aufmerksamkeitsbelastungstest wird häufig der Test „d2“ eingesetzt. Er misst die Fähigkeit zur kurzfristigen visuellen Fokussierung der Aufmerksamkeit. Dieser Test ist für jüngere Altersgruppen und bei der häufig komorbiden Legasthenie nicht geeignet. Eine gute visuelle Fähigkeit wird vorausgesetzt. Da das Testergebnis tempoabhängig ist, sind langsamere Kinder benachteiligt.

  • Zur Messung der Daueraufmerksamkeit kann der revidierte Konzentrations-Leistungs-Test (KLT-R) eingesetzt werden. Auch hier wird überwiegend die visuelle Aufmerksamkeit getestet. Hinzu kommt, dass die Rechenfähigkeit in das Ergebnis einfließt.

  • Testpsychologische Untersuchungen eignen sich ebenfalls zur Verlaufskontrolle. Sie sollten allerdings vom behandelnden Arzt selber durchgeführt werden, da neben der „Testmathematik“ die Verhaltensweise des Patienten wertvolle Informationen liefert. Dennoch sollten die Ergebnisse eingeschränkt bewertet werden, auch in Hinblick auf ein mögliches Verwerfen der Diagnose. Ein ruhiges und konzentriertes Verhalten in der Untersuchungssituation mit strukturierten Vorgaben bedeutet nicht, dass es in der Gruppensituation Schule nicht doch zu einem Dekompensieren kommen kann.

ADHS im Vorschulalter
Besonders schwierig gestaltet sich die Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS)VorschulalterDiagnosestellung vor dem sechsten Lebensjahr. Die vorliegenden Diagnose-Instrumente sind nicht ausreichend validiert. Die Abgrenzung gegenüber dem altersgemäßen expansiven Verhalten ist nur bedingt möglich. Da aber eine frühzeitige therapeutische Intervention die Prognose erheblich verbessert, sind im Folgenden die von Kohns zusammengestellten Warnzeichen im Vorschulalter nach Altersgruppen aufgelistet.
Säuglingsalter
  • Vorliegen von RegulationsstörungenAufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS)Säugling

  • Verzögerte motorische Entwicklung

  • Unzufriedenheit und erhöhter Versorgungsanspruch

  • Inadäquate Wahrnehmung und Beantwortung sozialer Signale

  • Verhalten deutlich abweichend vom Verhalten eines früher oder später geborenen Säuglings der Familie

  • Nicht nur vorübergehende, ungewöhnliche Belastung der Eltern/Kind-Interaktion

  • Nicht beeinflussbares, auffälliges Verhalten trotz mehrfacher Beratung

Frühes Kleinkindalter
  • Andauer schon beschriebener Auffälligkeiten der SäuglingszeitAufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS)Kleinkind

  • Fehlendes kreatives und konstruktives Spielen

  • Sinnwidriges Spielen

  • Zeichen erhöhter Ablenkbarkeit

  • Verhalten wie bei zentraler Fehlhörigkeit

  • Geringe Ausdauer im Spiel

  • Nicht altersgerechtes Interaktionsverhalten

  • Vermeidung sozialer Gruppen

  • Verhalten mit Unfallhäufigkeit

  • Fehlendes Lernen aus negativer Erfahrung

  • Zeichen erhöhter Impulsivität

  • Notwendigkeit zur ständigen Beaufsichtigung

  • Plan- und rastloses motorisches Verhalten

  • Auffälligkeit der Motorik

  • Unangemessener Stimmungswechsel

Kindergartenalter
  • Anhalten schon beschriebener Auffälligkeiten der frühen KleinkindzeitAufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS)Kindergartenkind

  • Exzessive motorische Aktivität

  • Störung der Grob- und Feinmotorik mit Vermeidungsverhalten

  • Schwierigkeit Aufmerksamkeit zu halten

  • Impulsives, sprunghaftes Verhalten

  • Schwierigkeiten bei Handlungsorganisation

  • Nicht-Berücksichtigen sozialer Signale

  • Vermeidung von Gruppen

  • Keine länger dauernden Freundschaften

  • Affektlabilität

Differenzialdiagnose

Die wichtigste und häufigste Differenzialdiagnose ist die entwicklungsbedingte Hyperaktivität, eine im Extrembereich der Normalverteilung liegende Reifungsvariante. Hierbei sind auch gesellschaftliche Entwicklungen und die Verschiebung der als „normal“ empfundenen Verhaltensweisen zu berücksichtigen. Dies trifft insbesondere zu auf das Kleinkind- und Vorschulalter. In Anbetracht der bisher nur unzureichend validierten Untersuchungsmöglichkeiten und des in diesem Alter „normalen“ expansiven Verhaltens, sollte die Diagnose ADHS bei Kleinkindern nur äußerst zurückhaltend gestellt werden.
Weitere differenzialdiagnostische Störungen sind:
  • Angststörungen (21.11)

  • Affektstörungen

  • Störungen des Sozialverhaltens; sie können aber häufig als Komorbidität oder – noch wichtiger – als Folgeerscheinungen von ADHS auftreten, da sie sich mit der Grundsymptomatik gegenseitig begünstigen und verstärken.

  • Psychogene Hyperaktivitätsstörung bei akuter emotionaler Belastung oder chronisch anhaltenden Konflikten, auch im Umfeld; diese Störungen werden leider häufiger als zu erwarten nicht erkannt und dann medikamentös mit Psychostimulanzien behandelt, die hierbei verstärkt Nebenwirkungen haben bis hin zur Auslösung akuter Psychosen.

  • Organische Psychosyndrome

  • Akute Unruhe bei Infektionen, Traumata, Intoxikationen oder Tumoren

  • Chronische Unruhe bei Residualsymptomen oder Intoxikationen sind ebenfalls auszuschließen.

  • Deprivationsstörungen wie Bindungsstörungen des Kindesalters gehen mit ähnlicher Symptomatik in Bezug auf Aufmerksamkeit und Impulskontrolle einher.

  • Erethismus bei geistiger Behinderung sollte nicht gleichgesetzt werden mit einem ADHS bei normaler Intelligenz, obwohl phänomenologische Ähnlichkeit besteht.

  • Frühkindlicher Autismus (21.14), desintegrative Psychosen oder Schizophrenien lassen sich durch weitere diagnosespezifische Symptome von ADHS abgrenzen.

Keine Krankheit, aber differenzialdiagnostisch einzubeziehen ist die Hochbegabung. Insbesondere in der Schule kommt es situationsspezifisch durch Unterforderung und Langeweile zu auffälligem Verhalten, das dem Verhalten bei ADHS ähneln kann.

Begleiterkrankungen

Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS)BegleiterkrankungenDie meisten Kinder mit ADHS weisen neben den Kernsymptomen weitere psychische Auffälligkeiten auf, die für die Entwicklung der Kinder ein zusätzliches Risiko darstellen. Sie müssen bei Diagnostik und Therapie berücksichtigt werden.
Kern- und Begleitsymptomatik potenzieren sich wechselseitig.

Konventionelle Therapie

Das Behandlungskonzept muss sich maßgeschneidert aus dem jeweiligen diagnostischen Befund ergeben. Es beruht auf drei Säulen:

Elternarbeit

Die Elternarbeit ist die wichtigste Säule, da die Eltern den Alltag der Kinder strukturieren, eine Coachfunktion übernehmen, die Kinder bei Negativerfahrungen im sozialen Umfeld auffangen und gleichzeitig bei störendem und oppositionellem Verhalten korrigierend eingreifen müssen. Zusätzlich müssen sie positiv das häufig stark gestörte Eltern-Kind-Verhältnis gestalten und das durch negative Reaktionen der Umwelt beschädigte Selbstbewusstsein des Kindes aufrichten. Wird das Kind verurteilt, beziehen die meisten Eltern dies auch auf sich persönlich. Gefordert sind also die Kraft des Herakles und die Ausdauer des Sisyphos. Unterstützung bieten hierbei häufig Selbsthilfegruppen und Elterninitiativen.
In unserer Praxis nutzen wir das verhaltenstherapeutisch orientierte Therapieprogramm für Kinder mit hyperaktiven und oppositionellen Problemverhalten (THOP, Döpfner 2002) mit seinem Elternteil für spezifische Situationen, und führen zusätzlich „Triple P“ Kurse durch. Bei diesen Kursen werden den Eltern in Gruppen über 4 Wochen einmal wöchentlich abends präventives Verhalten und Lösungsstrategien für schwierige Situationen vermittelt. Es schließt sich eine vierwöchige Coachingphase an, bei der individuell geholfen wird, das erlernte Vorgehen in der Praxis umzusetzen und zu vertiefen.

Pädagogische und nichtärztliche Therapiemaßnahmen

Hierzu zählen folgende Maßnahmen:
  • Behandlung von Teilleistungsstörungen oder Schwächen wie Legasthenie und Dyskalkulie

  • Ergotherapeutische Maßnahmen zur Verbesserung der sensorischen Integration, der Feinmotorik und der Ausdauer bei spezifischen Aufgaben

  • Heilpädagogische Behandlung zur Verbesserung der sozialen Integrationsfähigkeit und Problembewältigung (im Sinne von Selbststeuerung)

  • Psychomotorische Gruppen, in denen im sportlichen Rahmen Körperkoordination und Konzentrationsfähigkeit trainiert werden

  • Psychotherapie, bei der häufig auch die familiären Nöte und Mechanismen berücksichtigt und behandelt werden müssen, da ADHS erhebliche Auswirkungen auf das familiäre System hat. Obwohl bei der Behandlung häufig verhaltenstherapeutische Maßnahmen im Vordergrund stehen und von der Krankenkasse eher vergütet werden, sind insbesondere bei älteren Kindern und Jugendlichen tiefenpsychologisch orientierte Verfahren erforderlich, um auch die dann schon festgesetzten Folgen der Störung bearbeiten zu können.

Medikamentöse Behandlung

Die medikamentöse Behandlung gliedert sich auf in die Behandlung mit Stimulantien wie Methylphenidat (s. Leitlinie des BVKJ 2007/2014) und/oder die homöopathische Therapie. Nach unserer Erfahrung ist die Kombination beider Behandlungsformen möglich!
Für die Wirksamkeit der homöopathischen Behandlung steht der wissenschaftliche Beweis noch aus. Ein Cochrane-Review aus dem Jahr 2007 beklagt, dass es zur homöopathischen ADHS-Behandlung nur drei randomisierte Studien gibt, die alle zu klein sind, um robuste Schlüsse zu ziehen. Größere randomisierte Studien mit optimiertem Studiendesign seien dazu notwendig (Coulter 2007). Insgesamt ist es jedoch fraglich, ob ein derart heterogenes und individuell gewichtetes Krankheitsbild sich mit dem Instrument der klinischen Studie erfassen lässt. Dies gilt sowohl für die homöopathische Behandlung als auch die Behandlung mit Psychopharmaka.

Praxistipp

Am Tag der Erstanamnese sollte kein Stimulans gegeben werden, um die Symptomatik bei der eigenen Untersuchung nicht zu beeinflussen. Obwohl von der Bioverfügbarkeit der Substanzen dann kein Effekt der Medikation mehr zu erwarten ist, wird von manchen Eltern jedoch ein Carry-over-effect der Medikation berichtet. Ist dies schon im Vorfeld zu eruieren, legen wir die Erstuntersuchung auf einen Montag und lassen das gesamte Wochenende medikationsfrei.

So führen wir bei mit Ritalin® vorbehandelten Patienten mit wahrscheinlichem Benefit durch die Stimulantien-Therapie zunächst die gefundene Dosierung auch unter homöopathischer Therapie weiter. Häufig zeigen sich additive Effekte. Bei gleichzeitig fortdauernder Ritalin®-Gabe hat sich der Einsatz von Q- bzw. LM-Potenzen besonders bewährt. Schrittweise wird dann die Stimulanziendosis verringert und in vielen Fällen ganz abgesetzt.
Bei wenigen Patienten kam es durch eine Erhöhung des Leistungsdrucks während Prüfungsphasen in schulischen Schlüsselsituationen zu einer Dekompensation und einer so verstärkten Symptomatik, dass eine vorübergehende additive Therapie mit Stimulantien erforderlich wurde. Diese lag jedoch immer unter der Eingangsdosierung. Hier stellt sich natürlich die kritische Frage, ob mit der Wiedereinführung nicht eine Art „Schuldoping“ betrieben wird. Nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung erschien uns jedoch die Maßnahme vertretbar.
In sehr wenigen Fällen mit stark ausgeprägter hyperaktiver Symptomatik und dramatischer Dekompensation im sozialen und schulischen Bereich begannen wir initial mit einer zusätzlichen Stimulanzien-Therapie, wenn sich nicht rasch eine tiefgreifende Verbesserung unter homöopathischer Therapie zeigte. Auch hier müssen wir zugeben, dass es sich um eine Mischung aus medizinischer und psychosozialer Indikation handelte. Diese Patienten waren zum Zeitpunkt des Therapiebeginns jedoch so dekompensiert, dass sie für andere mehr kausale Therapieformen kaum zugänglich waren.
Gerade in diesen „Notsituationen“ muss eine engmaschige Therapiekontrolle erfolgen: Drei Jugendliche entwickelten unter der Stimulanzien-Therapie ausgeprägte depressive Reaktionen, sodass ein Behandlungsabbruch indiziert war.

Homöopathische Behandlung

Selbstverständlich werden auch beim ADHS (mit oder ohne HKS) die jeweiligen auffälligen charakteristischen Symptome zur homöopathischen Arzneimittelwahl herangezogen. Es gibt keinerlei Begründung, warum bei einer Geistes- und Gemütskrankheit anders als bei einer Körperkrankheit die Geistes- und Gemütssymptome nicht genommen werden sollten.
Dies schreibt auch Hahnemann in den §§ 210/211 des Organons. Allein schon der Hinweis von Hahnemann im „Organon“ (§ 221), dass bei akuten Psychosen häufig Mittel wie Belladonna, Hyoscyamus oder Stramonium infrage kommen (Mittel, die in der Arzneimittelprüfung sehr viele eindrückliche Geistes- und Gemütssymptome gezeigt haben) weist darauf hin, dass er selbstverständlich Geistes- und Gemütssymptome für die Arzneimittelwahl heranzog, wenn keine anderen Symptome vorhanden waren. Und dies gilt auch für die Behandlung des ADHS.

Repertoriumsrubriken

Hauptrubriken
Insbesondere soll auf die folgenden RepertoriumsrubrikenADHSRubriken mit den entsprechenden Unterrubriken hingewiesen werden. Diese Rubriken haben sich bei der Arzneimittelwahl häufig als hilfreich erwiesen. Natürlich müssen die spezifischen Ängste und Träume des Kindes als herausragende Symptome zur Findung des richtigen Mittels berücksichtigt werden.
→Gemüt – Ruhelosigkeit – Kindern, bei (68): acon, calc, carc, cham, hyos, merc, rhus-t, sul-ac, tub, verat, …
→Gemüt – Konzentration – schwierig – Studieren (109): aeth, bar-c, dros, gels, hell, kali-p, nat-c, nux-v, staph, …
→Gemüt – Zorn – Widerspruch, durch (75): anac, aur, bry, calc-p, cham, ferr, ign, lyc, nux-v, sep, sil, tax, thuj, verat, …
→Gemüt – Langeweile (110): alum, calc-p, caps, lyc, merc, nat-c, thuj, …
→Gemüt – spielen – Unfähigkeit zu Spielen (4): cupr, merc, sulp, …
→Gemüt – waschen – Abneigung dagegen, sich zu waschen, zu baden (22): ant-c, calc, rhus-t, sep, sulph, …
→Gemüt – Gedanken – Vergehen, Schwinden der Gedanken – Lesen, beim (15): anac, lach, lyc, op, ph-ac, staph, …
→Gemüt – Fehler – Schreiben, beim (148): calc-p, cham, chin, kali-br, lac-c, lach, lyc, nat-m, thuj, tub, …
→Gemüt – Fehler – Lesen, beim (20): bar, calc, carc, lac-c, lach, lyc, …
→Gemüt – Fehler; macht – Rechnen; beim (32): calc, lyc, nux-v, thuj, …
Weitere Rubriken
→Gemüt – Aktivität, Verlangen nach (160): apis ars, brom, coff, hyos, lach, op, phos, sulph, verat, …
→Gemüt – boshaft (145): anac, ars, aur, calc, cham, hep, hyos, lac-c, lach, lyc, nat-c, nat-m, nit-ac, nux-v, ph-ac, staph, stram, tub, …
→Gemüt – Entwicklungsstillstand bei Kindern (25): agar, bar-c, bufo, calc-p, carc, cic, phos, thuj, tub, …
→Gemüt – Gesten, Gebärden; macht (187): ant-t, bar-c, borx, calc, carc, cina colch, hep, kali-b, nat-m, op, ph-ac, phos, rhus-t, sacch, stram, zinc, …
→Gemüt – Gesten, Gebärden; macht, Tics, nervöse: agar, carc. tarent. verat, …
→Gemüt – Hast, Eile (239): arg-n, crot-c, dulc, hell, lil-t, med, merc, nat-m, nit-ac, nux-v, sil, stram, sul-ac, sulph, tarent, thuj, …
→Gemüt – Konzentration schwierig (429): anac, bar-c, bov, calc, caust, cic, cimic, con, dros, dulc, graph, hell, hyos, lach, lyc, merc, nat-ar, nat-c, nux-v, ph-ac, phos, sep, sil, …
→Gemüt – Konzentration – schwierig – Kindern, bei (22): aeth, bar-c, calc, lach, lyc, med, …
→Gemüt – Konzentration – schwierig – Unmöglichkeit, sich zu konzentrieren (58): anac, gels, nux-v, ph-ac, phos, sep, sil, …
→Gemüt – Impulse, Triebe, krankhafte (70): calc, lach, lyss, merc, tub, staph, stram, …
→Gemüt – lebhaft, munter (131): aur, carc, hyos, ign, lach, nux-v, op, ph-ac, phos, stram, tarent, verat, …
→Gemüt – Ruhelosigkeit (695)
→Gemüt – Ruhelosigkeit – bewegen – muss sich ständig (39): apis, ars, iod, kali-br, rhus-t, tarent, tub, …
→Gemüt – Schreien – Kindern, bei (63): borx, calc-p, cham, cina cinnm, hell, jal, kali-p, lac-c, nux-v, sulph, tub, …
→Gemüt – Schreien – Kindern, bei – Schlaf, im (31): apis, cham, ign, kali-br, psor, puls, sulph, tub, …
→Gemüt – Spielen – Abneigung gegen Spielen – Kindern, bei (20): hep, l, lyc, rheum sulph, …
→Gemüt – Stimmung – veränderlich (231): ars, bar-c, borx, chin, cocc, ign, lyc, psor, puls, sep, staph, stram, streptoc, tub, valer, …
→Gemüt – Stimmung – wechselnd, wechselhaft (128): bar-c, carc, croc, ferr, fum, graph, hippoc-k, hist, hydrog, hyos, ign, lyc, naja nat-m, plat, puls, sul-ac, sulph, tub, …
→Gemüt – Wildheit (42): hyos, ign, lil-t, med, stram, tab, tarent, verat, …
→Gemüt – Destruktivität (65): bell, cupr, hyos, ign, nux-v, stram tarent, tub, verat,
→Kehlkopf – Stimme – laut (10): bell, hyos, lach, verat, …
→Allgemeines – Aktivität – körperlich (11): op, phos, …
→Allgemeines – Aktivität – Verlangen nach (10): acon, ars, aur,
→Allgemeines – Aktivität – vermehrt (24): acon, agar, hyos, op, stram,
→Allgemeines – Behinderte – Kinder (19): agar, bufo, calc-p, carb-v, caust, med, merc, …
→Allgemeines – berühren – muss alles (26): hyos, merc, sacch, sulph, thuj, tub, verat, …
→Allgemeines – Bewegung – Verlangen nach (82): ars, bell, cham, chin, ferr, rhus-t, staph, tub, …
→Allgemeines – Energie – Übermaß, Überschuss an Energie (26) lach, sep, stram, …
→Allgemeines – Ruhelosigkeit (168): acon, anac, apis ars, bell, croc, hyos, ign, merc, rhus-t, sep, staph, stram, sulph, tarent, valer, verat, zinc, …
Nicht selten wird bei hyperaktiven Kindern von Hyperaktivität schon im Mutterleib berichtet:
→Weibliche Genitale – Fötus – Bewegungen – heftig: arn, croc, lyc, op, psor, sil, thuj, …
Wie bei der Behandlung anderer Geistes- und Gemütskrankheiten haben wir allerdings die Erfahrung gemacht, dass bei Vorhandensein von ausgeprägten körperlichen Symptomen die Arzneimittelwahl wesentlich vereinfacht wird. Die jeweiligen Körpersymptome scheinen spezifischer und individueller zu sein, sie drücken auch die Persönlichkeit und Individualität des Kindes aus. Leider ist es aber so, dass gut nachvollziehbare Körpersymptome nur bei einem Teil der Kinder mit ADHS anzutreffen sind. Aus Erfahrung kann gesagt werden, dass gerade Kinder mit ausgeprägten körperlichen Beschwerden, rezidivierenden Infekten, Neurodermitis, Asthma, funktionellen Magen- und Darmstörungen oder Ähnlichem insgesamt leichter zu behandeln sind, da diese Kinder neben dem ADHS noch andere Symptome als „Ventil“ ihrer Störung haben, sie haben keine einseitige Krankheit.

Info

Die Störung des Kindes ist nicht von vorneherein unkritisch auf bestimmte emotionale Belastungen zurückzuführen und ein entsprechendes homöopathisches Mittel zu wählen. Nicht jedes Kind mit ADHS hat einen stillen Kummer nach Trennung der Eltern, nicht jeder Zornausbruch ist eine Folge von Kränkung oder Widerspruch. Depressive Verstimmungen und aggressive Durchbrüche können bei ADHS als eigenständiges Krankheitssymptom auftreten.

Der behandelnde Homöopath sollte vermeiden, jedes psychische Symptom aus dem biografischen Kontext des Kindes gleich verstehen zu wollen oder zu interpretieren in der Hoffnung, dadurch eine bessere Verschreibung tätigen zu können. Gerade die unverständlichen Symptome sind besonders auffällig und möglicherweise charakteristisch für das Krankheits- und damit Arzneimittelbild.

Homöopathische Arzneimittel: Übersicht über konstitutionelle Arzneimittel

Wie bei jeder konstitutionellen Behandlung einer chronischen Störung muss auch beim ADHS jeder Krankheitsfall individuell behandelt und das jeweilige Mittel anhand der Besonderheiten gefunden werden.

Info

ADHS hat keine „bewährte“ homöopathische Indikation!

Dennoch gibt es Mittel, die nach unserer Erfahrung häufiger auftreten. Im Folgenden haben wir versucht, sie systematisch nach dem im Störungsbild im Vordergrund stehenden Thema darzustellen. Dies stellt nur einen Wegweiser dar, ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit!
  • Motorische Hyperaktivität: Arsenicum album, Agaricus, Arsenicum album, Kalzium-Salze v. a. mit Halogenen (calc-br, calc-f, calc-i), Carcinosinum, Kalium bromatum, Lycopodium, Medorrhinum, Sulphur, Tarantula, Tuberculinum, Veratrum album, Zincum

  • Oppositionelles Verhalten und Aggressivität: Anacardium, Aranea ixobola, Belladonna, Calcium phosphoricum, Capsicum, Cina, Ferrum, Histaminum, Hyoscyamus, Lycopodium, Lyssinum, Magnesium carbonicum, Sulphur, Stramonium, Tarentula, Tuberculinum

  • Aufmerksamkeitsdefizit und Entwicklungsverzögerung: Ambra, Barium carbonicum, Bufo rana, Calcium carbonicum, Calcium phosphoricum, andere Calcium Salze (insbesondere Halogenverbindungen), Carcinosinum, Chocolate, Helleborus, Lycopodium, Phosphorus

  • Aufmerksamkeitsdefizit mit Angst und/oder Depression: Aconitum, Arsenicum album, Bismuthum, Carcinosinum, Crotalis, Colocynthis, Natrium sulfuricum, Phosphorus, Stramonium

Homöopathische Arzneimittel bei motorischer Hyperaktivität

Agaricus muscarius
#Agaricus muscariusADHSFrühzeitige neurologische Störung mit ausgeprägter Störung der Fein- und Grobmotorik. Zuckungen und übertriebene, überschießende Bewegungen, Tics, Grimassen. Störung der sensorischen Integration mit Licht-, Geruchs-, Geräusch- und Berührungsempfindlichkeit. Logorrhoe, Angst- und Erregungszustände, aber auch Furchtlosigkeit mit der Gefahr der Selbstverletzung wegen mangelnder Gefahreneinschätzung. Deutliche Verschlimmerung bei Leistungsanforderungen, bei Druck, Tadel und Kritik. Albernes Verhalten. Entwicklungsverzögerung mit „zwergenhaftem“ Eindruck. Tuberkulinisches Miasma.
Arsenicum album
#Arsenicum albumADHSUnruhe mit Angst, Angst vor Alleinsein und Verlassen werden, Furcht im Dunkeln, Angst vor Tod und Sterben. Ausgeprägtes Sicherheitsverlangen, zwanghafte Ordnung und Pedanterie. Unsicherheit. Tadelsüchtig. Nächtliche Panikattacken. Lacht nicht, Logorrhoe. Anorexia nervosa. Häufig Probleme im Gastrointestinalbereich, mit Verschlimmerung bei Leistungsanforderungen.
Calcium phosphoricum
#Calcium phosphoricumADHSReizbarkeit und Weinerlichkeit, Unzufriedenheit, häufig sehr sensibel, schnell gelangweilt, starkes Verlangen nach Aufmerksamkeit und Zuwendung. Verzögerte Entwicklung in Motorik, Sprache und körperlicher Reifung. Häufig körperliche Symptome bei seelischen Belastungen, Schulkopfschmerz, Schulbauchschmerz, Durchfälle. Viele Ängste: im Dunkeln, bei Gewitter, Alleinsein.
Kalziumsalze
Neben Calcium phosphoricum stehen hier die Halogene wie Calcium muriaticum, Calcium iodatum und Calcium fluoratum im Vordergrund. Oft bestehen Grundsymptome von Calcium wie Ängste, Schlaffheit, Entwicklungsverzögerung, Eigensinn und die bekannten körperlichen Symptome; diese Grundsymptomatik wird durch die spezifischen Symptome der Salze ergänzt.
Carcinosinum
#CarcinosinumADHSÄhnlich wie Arsenicum album. Perfektionismus, Versagensängste, Blockade bei Anforderungen: „Ich kann das nicht!“.
Carcinosinum-Kinder stehen unter einem unerträglichen Druck, dem sie durch zwei scheinbar gegensätzliche Verhaltensweisen ausweichen:
  • 1. Typ: Überanpassung, möchte gefallen und „lieb sein“, gerät in Panik, wenn dies nicht gelingt; überempfindlich gegen Tadel, übersensibel, mitfühlend, Prüfungs- und Erwartungsängste.

  • 2. Typ: Rebellion, lehnt sich gegen Anforderungen trotzig auf, despotisch und gewalttätig; kann starke Ähnlichkeit mit Lycopodium oder Stramonium haben.

Carcinosinum ist nach unserer Erfahrung neben Tuberculinum und Medorrhinum die häufigste Nosode bei ADHS-Kindern.
Kalium bromatum
#Kalium bromatumADHSWirkt stark auf Psyche und neurobiologisches System; ständige motorische Unruhe mit Zappeln, Nesteln, Zupfen an Gegenständen und Kleidern. Zittern, schlimmer bei Anforderungen; Händeringen. Angstzustände, schlimmer nachts, vor Vergiftung paranoide Züge; Unsicherheit, hohe moralische Ansprüche, die Konflikte auslösen, z. B. Religiosität und Sexualität. Taubheitsgefühl der Schleimhäute, des ganzen Körpers. Schlaflosigkeit, Zähneknirschen.
Lycopodium clavatum
#Lycopodium clavatumADHSHäufig angepasstes Verhalten in der Schule oder Gruppe, aber diktatorisches Verhalten gegenüber Familie oder Bekannten; tyrannisch gegen jüngere Geschwister. Reizbarkeit. Konzentrationsschwäche mit vielen Flüchtigkeitsfehlern, Fehler beim Lesen, Rechnen, Schreiben, Legasthenie. Viele Ängste, Prüfungsangst. Starke motorische Unruhe und Zappeligkeit. Muss häufig essen, starkes Verlangen nach Süßem.
Medorrhinum
#MedorrhinumADHSGekennzeichnet durch „extreme“ Persönlichkeit, vital, überschießend, überdreht, laut, ohne Grenzen, alles in Eile, unbändige Energie, wechselndes extrem gegensätzliches Verhalten, Extro- und Introvertiertheit, Konzentrationsschwäche mit Fehlern bei Sprechen, Lesen, Schreiben (lässt Wörter aus), Aufmerksamkeitsspanne extrem kurz, auch bei spielerischen Tätigkeiten; Gewalttätigkeit, boshaft und grausam, gegen Haustiere, Geschwister, Klassenkameraden, gewalttätig gegen Eltern, Nägelbeißen, sogar die Fußnägel, Zwänge, wäscht sich ständig die Hände; Häufig allergische Reaktionen, mit chronischer Sinusitis und Rhinitis, Warzen, Zitrusfrüchte verschlimmern alles: Frühzeitige sexuelle Tätigkeiten; Besserung am Meer.
Sulphur
#SulphurADHSÄhnlich wie Tuberculinum sehr hohes Energiepotenzial, Unverträglichkeit von Tadel, Schwierigkeiten beim Akzeptieren von Regeln, kann sich nicht einordnen, dabei aber nicht bösartig, hohe Impulsivität und Durchsetzungsvermögen, unordentlich und schlampig, nicht nachtragend, neugierig, unabhängig von der Meinung anderer über sie.
Tarantula hispanica
#Tarantula hispanicaADHSUngeheure motorische Ruhelosigkeit, wie unter Zwang sich zu bewegen; starke Übererregung des Nervensystems, dadurch empfindlich gegen alle Sinnesreize, Musik und Rhythmus bessern, Abneigung gegen Berührung; manipulatives, bösartiges, intrigantes Verhalten; Manie und Wutausbrüche; sexuelles Interesse, ähnlich Medorrhinum, plötzliche Impulse und Launen.
Tuberculinum
#TuberculinumADHSHohes Energiepotenzial mit starker motorischer Unruhe, die aber gerichtet sein kann; laut, unzufrieden mit dem, was es gerade macht, deshalb ständig neue Beschäftigungen, spielt mit einem Spielzeug nur kurz, will dann das nächste; Wutanfälle mit Schreien und Handgreiflichkeiten auch gegen Erwachsene, häufig lange Enuresis, Zähneknirschen im Schlaf; viele Nahrungsmittelunverträglichkeiten, die auch das Verhalten verschlimmern: Milch, Zucker, Weizen, Farbstoffe, Früchte.
Veratrum album
#Veratrum albumADHSFrühreife, die zu Überreizung und Ruhelosigkeit führt; intellektuell und ernsthaft, schnell frustriert; extreme innere Unruhe, sich ständig wiederholende Handlungen als Ventil. Ohne Zielrichtung. Überschießender Ehrgeiz, der rücksichtslos umgesetzt wird; Gefühllosigkeit. Will immer im Mittelpunkt stehen.
Zincum metallicum
#Zincum metallicumADHSÜbererregung und dadurch Erschöpfung, ständige motorische Unruhe, v. a. in den Beinen, überempfindlich gegen Sinneseindrücke, gegen Reden anderer; dabei selbst logorrhoisch; Unzufriedenheit mit ständigem Jammern und Nörgeln; starke Verschlimmerung bei Auslassen von Mahlzeiten. Schlimmer durch unterdrückte Ekzeme.

Homöopathische Arzneimittel bei oppositionellem Verhalten und Aggressivität

Anacardium orientale
#Anacardium orientaleAggressivitätAusgeprägtes Hin- und Hergerissensein zwischen guten und bösen Absichten. Zugrunde liegt eine Indifferenz, fast Gleichgültigkeit der Welt gegenüber, es wurde keine stabile Beziehung zu den Eltern aufgebaut. Gefühl von Verlassenheit, Abgetrenntheit von der Welt. Ausgeprägte Hassgefühle, Ärger bei Widerspruch mit aggressiven Durchbrüchen. Gleichzeitig dabei Schuldgefühle, man würde es gerne richtigmachen, wenn man nur könnte. Häufig inadäquates Verhalten bei Konflikten wie z. B. Lachen über ernste Angelegenheiten, Teilnahmslosigkeit bei grausamen Erfahrungen. Häufig das Gefühl von Bedrohung und Verfolgt fühlen, im Adoleszenzalter Ess-Störungen mit Anorexie/Bulimie, im Erwachsenenalter Borderline-Störung. Hauptmodalität Besserung durch Essen (Vergleich Anorexie/Bulimie). Die Kinder sind häufig von einer Brutalität, dass die Eltern sagen, ich kenne ihn nicht mehr, wenn er in seinem Wutanfall ist (vgl. stram).
Aranea ixobola
#Aranea ixobolaAggressivitätÄhnlich Tarantula: Große Unruhe und innere Anspannung > im Freien. Gereizt, Unrast, innerliches Zittern. Unruhe besser im Freien. Keine klaren Auslöser, keine klaren Ängste, eher eine allgemeine Gereiztheit des Nervensystems mit sarkastischer, schnippischer Sprache, Lust am Provozieren, allgemeine Nervosität.
Belladonna
#BelladonnaAggressivitätAusgeprägte Heftigkeit in den Wutanfällen mit Stampfen der Füße und Kopfschlagen gegen die Wand oder das Gegenüber. Wie im Fieberdelir. Kind kämpft gegen einen imaginären Feind, weiß oft nicht mehr wo es ist, zugrunde legende, unspezifische zerebrale Übererregung durch kleinste Einflüsse (Licht, Sonnenhitze, Fieber, alles, was erregt). Vom Verhalten her autistische Züge (lebt in seiner eigenen Welt), die Ausbrüche sind kaum vorhersehbar. Körperlich oft rotes Gesicht, weite Pupillen, Zähneknirschen nachts, Schlagen, wie rasend.
Calcium phosphoricum
#Calcium phosphoricumAggressivitätReizbar und unzufrieden, der Calcium-Anteil (Schutz, Geborgenheit, Angst) kann mit dem Phosphor-Anteil (Verlangen nach Gesellschaft, nach Abenteuer, nach Öffnung) nicht integriert werde. Deshalb die bekannten Symptome wie: will dauernd an einen anderen Platz; Verlangen zu Reisen mit Heimweh, wenn unterwegs u. ä.; Langeweile.
Die Aggressivität und der Widerspruchsgeist kommen durch die innere Zerrissenheit und Unzufriedenheit.
Capsicum annuum
#Capsicum annuumAggressivitätDicke, ungeschickte Kinder (erinnern an calc) mit dem Hauptsymptom Heimweh. Großer Wechsel der Stimmungen, die Gereiztheit führt zu dem Versuch, andere zu beleidigen und zu kränken. Die Kinder sind sehr schwierig zufrieden zu stellen, einmal wollen sie dieses oder jenes (Cina, Chamomilla, Rheum), Weinerlichkeit und Jammerigkeit. Körperlich häufig rotes Gesicht (ähnlich Belladonna und Ferrum metallicum), Verlangen nach Pfeffer.
Cina maritima
#Cina maritimaAggressivitätNoch ausgeprägtere Unzufriedenheit, Gereiztheit und Widerspruchsgeist als bei Chamomilla, Calcium phosphoricum und Capsicum. Die Kinder sind chronisch unzufrieden, nerven die Eltern, man kann ihnen kaum etwas recht machen, außer sie dauernd zu schaukeln. Fürsorgliche Zuwendung wird häufig mit Ablehnung und quengeligem Schreien beantwortet. Kinder wollen nicht angeschaut und nicht berührt werden, sind häufig scheinbar ohne Grund ärgerlich, die nervöse Erregung kann bis zu epileptischen Anfällen führen. Die bekanntesten Körpersymptome sind die Würmer und das berühmte Nasenbohren (man muss dem Kind die Unzufriedenheit wie einen Wurm aus der Nase ziehen), da man auch in längeren Gesprächen und bei liebevoller Zuwendung keine Ursache für die Unzufriedenheit und Gereiztheit finden kann.
Ferrum metallicum
#Ferrum metallicumAggressivitätRechthaberische Kinder mit Neigung zum Widerspruch, Wechsel zwischen Ärgerlichkeit und Trauer, im Ärger größte nervöse Erregung mit rotem Gesicht, z. T. Nasenbluten und extremer Geräuschüberempfindlichkeit (vgl. bell). Körperlich häufig Adipositas, Anämie, Nasenbluten sowie rezidivierende Infekte ohne genauere Symptome (v. a. bei ferr-p, hyos).
Hyoscyamus niger
#Hyoscyamus nigerAggressivitätSchamlose, laszive Kinder mit häufig obszöner, vulgärer Sprache und frühzeitig erwachtem sexuellen Verlangen, insbesondere in Form von Masturbation. Die Kinder sind wie „verhext“ (Bilsenkraut war ein bekanntes Hexenkraut auf dem Blocksberg), sie reden ohne Ende, provozieren die anderen (vgl. stram), sind dabei sehr bedürftig nach körperlicher Zuwendung und sehr eifersüchtig, wenn z. B. Geschwister bevorzugt werden. In der Erregung wissen die Kinder nicht mehr, was sie tun, reden wie ein Wasserfall, z. T. größten Unsinn (Vergleich: Verwirrtheitspsychosen im Erwachsenenalter) und wirken frühreif, schamlos und „hysterisch“. Ausgeprägte, neurologische Symptome (Tics, Grimassieren, insgesamt motorische Übererregung). Angst vor Vergiftung, Hunden und Wasser. Ähnlich Stramonium deutliche Angst vor dem Alleinsein, sie brauchen einer Bühne. Ursache ist aber nicht die archaische Angst wie bei Stramonium, sondern ein Gefühl von sexueller Übererregung wie „vergiftet“.
Lyssinum
#LyssinumAggressivitätÄhnlich Stramonium und Hyoscyamus. Grundproblem ist eine ausgeprägte Angst vor äußeren Einflüssen wie Licht, Wasser, Angst vor Verletzung und Bedrohung. Die Kinder kommen in ausgeprägte Erregungs- und Aggressionszustände, schlagen und beißen, geifern, hinterher tut es ihnen aber leid (der Tollwut-Virus befällt eigentlich gesunde Hunde, vgl. Lac caninum, die ein Verhalten an den Tag legen, was sie sonst nicht zeigen würden). Im Erregungszustand häufig ein Gefühl von gequält, Selbstverletzungstendenzen. Um der inneren Anspannung Herr zu werden, häufig Zwangssymptome mit großer Qual durch den Zwang. Dabei ein Gefühl von Einsamkeit, Isoliertheit und ausgelacht zu werden (ähnlich lac-c). Hauptkörpersymptome: Verlangen nach Schokolade und Schmerzen in der rechten Hüfte (z. B. im Rahmen eines Hüftschnupfens).
Magnesium carbonicum
#Magnesium carbonicumAggressivitätGrundproblem ist die Einsamkeit und die Angst. Die Kinder fühlen sich verloren, verlassen von den Eltern wie Waisenkinder. Streit wird nicht ertragen, deswegen schnell oppositionelles Verhalten. Gefühl, unerwünscht zu sein. Gefühle werden unterdrückt, um dadurch die Trauer zu reduzieren. Wie bei Calcium carbonicum und Capsicum eher dicke Kinder, ausgeprägtes Verlangen oder Abneigung nach Gemüse, deutliche Schlafstörungen mit Erwachen gegen 3:00–4:00 Uhr mit Morgentief.
Stramonium
#StramoniumAggressivitätHauptsymptom ausgeprägtes Gefühl von Alleinsein in der Wildnis. Dieses Symptom erklärt fast alles: Angst vor Dunkelheit, Einsamkeit, Furcht vor Wasser, Bedrohung, Hunden (? wilde Tiere).
Der ganze Zustand ist als chronischer Erregungszustand im Sinne einer entweder Angriffs- oder „Totstell“-Haltung zu interpretieren. Die Kinder können sehr liebenswürdig, frühreif und fast altklug sein. Im Erregungszustand (Vgl. bell, hyos) beißen, schlagen, aggressive Geschwätzigkeit mit Beleidigungen (Vgl. anac) mit zielgerichteter Aktivität. Die Kinder hatten häufig traumatische Ereignisse in der Vorgeschichte (Missbrauch, ambivalente Haltung der Mutter in der Schwangerschaft, schwere, körperliche Erkrankungen wie Meningitis oder Epilepsie). Diese Ereignisse konnten nicht adäquat verarbeitet werden, es entstehen häufig nächtliche Albträume mit Pavor nocturus, Zähneknirschen, die Kinder kommen nachts oft zu den Eltern. Dieses Mittel muss häufig allein aufgrund von psychischen und neurologischen Symptomen verschrieben werden, wie so oft bei Patienten mit ADHS.
Tarantula hispanica
#Tarantula hispanicaAggressivitätAusgeprägte, körperliche Unruhe mit (ähnlich aran) schnippischem, aggressivem, provozierendem Verhalten. Ähnlich aggressiv wie Stramonium und Hyoscyamus, ähnlich unruhig wie Veratrum und Rheum. Hauptsymptome sind die ungeheure innere Anspannung mit Besserung durch intensive Arbeit, Tanzen und Musik. Die Kinder können ähnlich wie Lachesis manipulieren, lügen und ähnlich wie Stramonium zerstörerisch sein. Die Kinder haben sich selbst nicht mehr unter Kontrolle, v. a., wenn sie beobachtet werden, werden alle Symptome schlimmer (Hysterie). Häufig darunter eine unerkannte Depression mit Angst vor dem Tod. Im Erregungszustand Entwicklung sehr starker Kräfte mit Zerstörungssucht, es sind häufig Übersprungshandlungen ohne klar nachvollziehbare, psychische Auslöser. Ausgeprägte neurologische Symptome wie Tics, ruhelose Füße, Zuckungen und Grimassieren, choreiforme Körperbewegungen.

Homöopathische Arzneimittel bei Aufmerksamkeitsdefizit und Entwicklungsverzögerung

Ambra grisea
#Ambra griseaAufmerksamkeitsdefizit#Ambra griseaEntwicklungsverzögerunghomöopathische ArzneimittelEntwicklungsverzögerungSchüchterne homöopathische ArzneimittelAufmerksamkeitsdefizitKinder, die sich wenig trauen, unter Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen leiden und deutliche Ängste in der Öffentlichkeit haben (bei Erwachsenen: kann nicht urinieren in der Anwesenheit anderer). Vergessen gerade Gelesenes. Die Kinder plappern oft wie alte Leute, um ihre Unsicherheit zu überspielen, antworten ohne gefragt zu werden, sind innerlich unsicher und sentimental (weinen bei Musik).
Barium carbonicum
#Ambra griseaAufmerksamkeitsdefizit#Ambra griseaEntwicklungsverzögerungEntspricht vom Arzneimittelbild her dem Down Syndrom (ähnlich Helium). Langsame geistige und körperliche Entwicklung mit spätem Laufen und Sprechen lernen (vgl. nat-m). Schlechtes Gedächtnis, schlechte Konzentration. Langsame Auffassungsgabe. Alles läuft träge. Die Kinder fühlen sich innerlich sehr unsicher, verstecken sich wenn sie angesprochen, oder auch nur angeschaut werden, beißen in der Nervosität Nägel. Das Gefühl von sozialer Inkompetenz führt zu dauernden Wünschen nach Bestätigung, was das innere Gefühl der Unsicherheit allerdings nie völlig ausgleichen kann. Hauptsymptome: Kleinwuchs, häufige chronische Mandelentzündungen mit sehr großen Mandeln, überhaupt Drüsenschwellungen mit langsamen Rückgang nach einer Infektion. Ähnlich wie bei Ambra wirken die Kinder insgesamt entwicklungsverzögert, die Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen lassen wie bei Ambra an einen alten Menschen mit Gehirnabbau denken, wobei es sich hier um eine unzureichende Gehirnentwicklung handelt. Es ist erstaunlich, wie gute therapeutische Erfolge mit Mitteln wie Barium carbonicum, Barium muriaticum und Barium iodatum erzielt werden können.
Bufo rana
#Bufo ranaAufmerksamkeitsdefizit#Bufo ranaEntwicklungsverzögerungEbenfalls ein häufiges Mittel für Entwicklungsrückstand mit manchmal leicht geistiger Behinderung. Es sind „arme Kröten“. Die Kinder verstehen schwer und langsam, können sich schlecht ausdrücken und geraten ihrerseits in Ärger und Zorn, wenn sie nicht verstanden werden. Wie bei Hyoscyamus frühzeitige sexuelle Entwicklung mit ausgeprägter Neigung zur Masturbation. Ebenfalls Neigung zu epileptischen Anfällen und vielerlei Hautkrankheiten wie Ekzeme, Furunkel mit Lymphangitis, v. a. der Arme. Ähnliches Mittel wie Barium muriaticum (Neigung zu Epilepsien, verzögerte, geistige Entwicklung, starke sexuelle Neigung).
Helleborus niger
#Helleborus nigerAufmerksamkeitsdefizit#Helleborus nigerEntwicklungsverzögerungEbenfalls langsame Auffassungsgabe, psychische und körperliche Langsamkeit mit langsamen Antworten, Konzentration kostet sichtlich Kraft (Grimassieren, gerunzelte Stirn). Die Kinder erscheinen leer bei schlechtem Gedächtnis, da sie es selber bemerken, häufig ein Gefühl von Schuld und Gewissensbissen. Der Zustand kann bis zur Apathie und Gleichgültigkeit führen, später bis zur Depression. In der Handlung vergessen sie, was sie eben noch hörten oder jetzt tun wollen, sie bitten dann um Hilfe.
Ozonum
#OzonumAufmerksamkeitsdefizit#OzonumEntwicklungsverzögerungUnruhige, überempfindliche Kinder mit sehr stark schwankenden Stimmungen. Innerlich ein großes Gefühl von Unsicherheit, fehlende Stabilität. Empfindlich gegen äußere Eindrücke und Störungen, ausgeprägte Ängste (Dunkelheit, vor der Meinung anderer, vor Bedrohung). Andererseits wieder deutliche Teilnahmslosigkeit allen äußeren Eindrücken und Dingen gegenüber, sie wirken kalt und emotionslos. Häufig Züge von Legasthenie: Fehler beim Schreiben, die Kinder benutzen auch falsche Worte und verwechseln rechts und links. Ein Gefühl von Einsamkeit und Aussichtslosigkeit herrscht vor, die Umwelt und Natur wird als etwas Bedrohliches gesehen.
Phosphorus
#PhosphorusAufmerksamkeitsdefizit#PhosphorusEntwicklungsverzögerungAusgeprägtes Bedürfnis nach Kommunikation, Austausch, Verlangen nach Gesellschaft bei Angst vor Alleinsein und Dunkelheit. Das Gehirn ist allerdings zu langsam, um diese Bedürfnisse zu befriedigen. Deshalb allgemeiner Entwicklungsrückstand. Die Kinder sind häufig liebenswürdig, sehr zutraulich und dankbar für jede Art von Zuwendung und Zuneigung. Sie spielen mit jedem, ohne die Gefahr zu erkennen, leiden mit, sind sensibel und offenherzig. Häufig körperliche Krankheiten wie Infekte und v. a. Magen-Darm-Erkrankungen.
Thuja occidentalis
#Thuja occidentalisAufmerksamkeitsdefizit#Thuja occidentalisEntwicklungsverzögerungMisstrauische, aus Unsicherheit verschlagene Kinder mit Entwicklungsrückstand und oft Hauterkrankungen. Die Kinder fühlen sich innerlich viel schlechter als sie in Wirklichkeit sind, verbergen ihr Innerstes und bleiben deshalb unter ihren Möglichkeiten. Unspezifische Verfolgungs- und Bedrohungsängste. Hauptangst: die anderen mögen mich nicht, wenn sie mich wirklich kennen würden. Häufig unangenehme Hautsymptome wie Schwitzen, Warzen, ausgeprägte Akne, Magen-Darm-Syndrome mit Fissuren, Blähungen und Durchfällen. Ein Hauptmittel für Anorexie und Bulimie.

Homöopathische Arzneimittel bei Aufmerksamkeitsdefizit mit Angst und/oder Depression

Aconitum napellus
#Aconitum napellusAufmerksamkeitsdefizitBekanntestes homöopathisches Angstmittel (neben op bei Folgen von lang anhaltender Angst). Fast wahnsinnig machende Todesangst (sagt den Zeitpunkt des Todes voraus bei einer körperlichen Erkrankung). Ein chronischer Panikzustand wird z. B. (manchmal schwer zu explorieren) durch ein traumatisches Erlebnis wie einen Unfall oder durch Probleme der Mutter während der Schwangerschaft (vgl. stram) hervorgerufen. Ausgeprägte Ängste wie Platzangst, Höhenangst, Ängste vor Bedrohungen aus der Natur (vgl. ozon) wie z. B. Erdbeben, Flugzeugabstürze. Im späteren Alter häufig Angstsyndrome bzw. Panikattacken.
Bismuthum
#BismuthumAufmerksamkeitsdefizitÄhnlich wie Stramonium, Arsenicum, Phosphorus: Angst vor dem Alleinsein und im Dunkeln. Die Kinder kleben ebenso an der Mutter wie bei Stramonium (→Gemüt – klammert sich – Personen oder Möbel). Sie haben das Gefühl totaler Ohnmacht mit drohendem Tod (ich kann nichts mehr beeinflussen, ich muss mich völlig dem Schicksal übergeben, ich werde mit dem Tode bedroht). Deswegen enorme Ruhelosigkeit, dabei körperliche Erschöpfung und Schwäche. Viele Symptome aus dem Magen-Darm-Bereich mit starkem Verlangen nach kalten Getränken und nachfolgendem Erbrechen (vgl. cadm). Die Angst kann man sich vorstellen wie die Angst vor dem drohenden Tod bei einem malignen Magen-Darm-Prozess.
Crotalus horridus
#Crotalus horridusAufmerksamkeitsdefizitIm Vergleich zu Lachesis weniger geschwätzig, sondern eher depressiv und sentimental. Wie zu erwarten Neigung zu Blutungen bzw. Gerinnungsstörungen.
Natrium sulfuricum
#Natrium sulfuricumAufmerksamkeitsdefizitDepression bei aufgegebenem Kampf. Oft ein melancholisches, grüblerisches, selbstzerstörerisches Verhalten, die bekannte reizbare Schwäche bei Zustand nach Schädel-Hirn-Traumata beschreibt den Zustand der Kinder gut. Sie sind melancholisch, in sich gekehrt, reagieren paradox auf traurige Musik, da diese ihrem inneren Zustandsbild entspricht, deshalb homöopathisch wirkt und sie beglückt. Kein Interesse, sich mit den anderen auszutauschen oder zu sprechen, Rückzugstendenzen bis zu Selbstmordgedanken. Körperlich häufig Asthma-Symptome, schlimmer bei feucht-kaltem Wetter, oder Magen-Darm-Symptome mit Blähungen, Durchfällen morgens mit körperlicher und psychischer Entlastung nach dem Stuhlgang.

Kasuistiken

Kasuistik

Hyperkinetisches Syndrom mit Sozialverhaltensstörungen (Nikolaus Hock)

Anamnese

Bereits vor vier Jahren wurde bei dem zwölfjährigen Jungen die Diagnose eines hyperkinetischen Syndroms mit Sozialverhaltensstörungen gestellt. Er hatte eine ausgeprägte motorische Unruhe, war aggressiv gegen Mitschüler und Lehrer und hatte Schulschwierigkeiten. Daneben bestand eine Schwerhörigkeit. Es wurde damals eine Behandlung mit Ritalin® begonnen, zunächst 30 mg/Tag. Nachdem sich unter Ritalin® die Symptomatik etwas verbessert hatte, verschlimmerte sich der Zustand ein Jahr nach der Diagnosestellung. Er stieß unmotiviert Schimpfwörter aus und zog sich häufig in sich selbst zurück. Drei Monate später musste er stationär in die Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universitätsklinik aufgenommen werden. Dort wurde er zunächst einzelbeschult, um allmählich auch im Klassenverband unterrichtet zu werden. Die medikamentöse Behandlung bestand zunächst aus Ritalin®, später aus Tiapridex (abgebrochen wegen Dyskinesien), dann Orap, dann Dipiperon 50 mg täglich.
Während der homöopathischen Anamnese war er unruhig, nannte sich selbst „flippig und aufgedreht“, benutzte Schimpfwörter, machte in der Schule durch Grunzlaute auf sich aufmerksam und hatte häufig Wutanfälle.
Die Eltern lebten seit dem dritten Lebensjahr des Jungen in Trennung, der Junge wohnte vorwiegend bei seiner Mutter. Einige Monate vor der Diagnosestellung hatte der Vater einen sehr schweren Autounfall, bei dem er fast gestorben wäre. Der Vater selbst ist Berufsoffizier, die Mutter ist Krankenschwester.
An körperlichen Symptomen hatte er große Warzen an den Händen und Unterarmen und einen operativ korrigierten Strabismus convergens. Seit Jahren fiel Kopfrollen vor dem Einschlafen auf, ansonsten keine gravierenden körperlichen Symptome. Die körperliche Entwicklung war normal, er lernte mit elf Monaten Laufen. Die Schwerhörigkeit war erst erkannt und korrigiert worden, als er bis weit ins zweite Lebensjahr hinein nicht sprechen konnte.

Verordnung und Verlauf

Im Laufe der Zeit erhielt er etwa zehn homöopathische Mittel. Wie so oft bei psychiatrischen Patienten mussten die Mittel primär auf Geistes- und Gemütssymptomen basierend verschrieben werden. Die Behandlung begann mit Stramonium C 200 bis LM, was im ersten Jahr eine deutliche Stabilisierung brachte und es ermöglichte, vier Monate nach Behandlungsbeginn Dipiperon abzusetzen. Später folgte Hyoscyamus (schamloses Verhalten, dauernde Schimpfwörter, albernes Plappern, provokatives und aggressives Verhalten, gleichzeitig Unfähigkeit allein zu sein).
Wegen ausgeprägten aggressiven Verhaltens bekam er in den folgenden Jahren folgende homöopathischen Arzneimittel: Mercurius solubilis, dann wieder Stramonium LM, Acidum nitricum. Nach einer deutlichen Besserung und relativ guter Integration in das Gymnasium kam er nur noch sporadisch in die Sprechstunde. Im Januar 2001 nahm er Paris quadrifolia (albernes Lachen mit albernem Gerede, Freude an seinem eigenen Gerede), die Verschreibung primär auf Geistes- und Gemütssymptomen fußend, und 2002 Niccolum in verschiedenen Potenzen (Ärger nach Widerspruch, häufig gereizt, aggressives Verhalten). Bis Februar 2004 – der Patient ist in der Zwischenzeit in der 11. Klasse eines regulären Gymnasiums – erhielt er nie mehr Psychopharmaka. Für die Zeit ab Februar 2004 liegen keine Informationen vor.
Wie anhand der verschiedenen Mittel ersichtlich ist, hat sich der Grundcharakter des Patienten nicht wesentlich geändert, allerdings haben sich die festgestellten hyperkinetischen Symptome sowie die soziale Integrationsfähigkeit wesentlich gebessert. Seit acht Jahren mussten keinerlei Psychopharmaka verordnet werden.
Die zahlreichen Warzen, die fast das einzige Körpersymptom bei der Erstanamnese waren, sind sofort verschwunden und nie mehr aufgetreten, obwohl Stramonium kein „Warzenmittel“ ist.

Beurteilung

Sowohl für die Eltern, den Patienten als auch für den behandelnden Arzt war der Verlauf zufriedenstellend, obwohl der Patient immer wieder Krisen hatte und zu Spannungen und Auseinandersetzungen Anlass gab.
Der Erfolg der homöopathischen Behandlung ist unter anderem an der guten Integrationsfähigkeit abzulesen. Während er sich vor Behandlungsbeginn nicht in einen Klassenverband einfügen konnte, sondern Einzelunterricht bekommen musste, ist er jetzt Schüler in einem „normalen“ Gymnasium geworden.

Kasuistik

Hyperkinetische Störung (Nikolaus Hock)

Anamnese

Der siebenjährige Junge befindet sich in ambulanter psychiatrisch-homöopathischer Behandlung. Zum damaligen Zeitpunkt wurde von verschiedenen Bezirkskrankenhäusern (Institutsambulanz für Kinder- und Jugendpsychiatrie) sowie einem niedergelassenen Kinder- und Jugendpsychiater die Diagnose einer hyperkinetischen Störung (F90/0) gestellt.
Seit Mai 1999 3 × 7,5 mg Ritalin®/Tag, homöopathische Vorbehandlung mit Tuberculinum und Medorrhinum ohne Erfolg. Im Januar 1999 wurde von einem Kinderarzt die Diagnose eines Aufmerksamkeits-Defizit-Syndroms mit hyperkinetischen Zügen und einer Störung des Sozialverhaltens gestellt. Das Kind müsste „wegen seiner Unberechenbarkeit, seiner Aggressivität, seinen spontanen Stimmungsänderungen und wechselnden Stimmungen dauernd beaufsichtigt und kontrolliert werden“.
Bei der Erstanamnese fanden sich sehr wenig Körpersymptome, es wurden gelegentliche Durchfälle und Übelkeit bei Angst angegeben. Im Vordergrund stand die motorische Unruhe, die Reizbarkeit, Ängste in der Dunkelheit, nachts, beim Alleinsein und vor dem Tod. Er konnte auch als Kleinkind nachts nicht allein gelassen werden und war bis zum Alter von eineinhalb Jahren nachts bis zu achtmal aufgewacht. Es bestanden zusätzlich ausgeprägte Schreibfehler, v. a. in der Grammatik; die Konzentration beim Schreiben war sehr schlecht. Sonstige körperliche Symptome wie Allergien, Heuschnupfen, Asthma, Hauterkrankungen oder Voroperationen konnten nicht festgestellt werden. Die Eltern hatten sich getrennt als der Patient 10 Jahre alt war, es gibt eine 5 Jahre alte Schwester, ein Onkel ist ebenfalls hyperkinetisch.

Verordnung und Verlauf

Nach der Erstanamnese war unklar, welches homöopathische Mittel dem Patienten gegeben werden sollte. Er erhielt zunächst Ozonum (große Unruhe, Ängste, Vergesslichkeit, Schreibfehler, Abneigung süß, Übelkeit beim Autofahren), anschließend Stramonium, das die Unruhe und die Aggressivität, und v. a. die Ängste wesentlich besserte.
Im Folgejahr zeigt er insgesamt deutlich bessere Schulleistungen, schon drei Monate nach Behandlungsbeginn konnte Ritalin® abgesetzt werden. Nach einem weiteren Jahr entwickelte der Patient Magen-Darm-Beschwerden sowie ein sehr pflichtbewusstes, fast zwanghaftes Verhalten. Er stand sehr früh auf, wollte nicht zu spät kommen, machte sich Vorwürfe wegen möglicher Fehler in der Schule, hatte deshalb Bauchweh und die schon anfangs beschriebene Übelkeit bei Angst. Deshalb bekam er Natrium arsenicosum M mit durchschlagendem Erfolg. Er hatte keine Albträume mehr, die Konzentration war wesentlich besser, er neigte weniger zu Selbstvorwürfen. Ein Monat nach der zweiten Gabe trat plötzlich wieder die Schulangst mit morgendlicher Übelkeit auf, ebenso die Angst, ausgelacht zu werden, die Angst, in Ohnmacht zu fallen, die Angst, Fehler im Unterricht zu machen. Lac caninum (C200 und M) besserte eindrücklich.
Im nachfolgenden Jahr war keine Medikation notwendig, ein Jahr später bekam er noch zweimal eine Gabe Natrium arsenicosum M. Danach waren keinerlei Symptome mehr für das von drei verschiedenen Stellen beschriebene ADHS mit HKS zu beobachten. Das Kind ist im Klassenverband gut integriert, die Noten haben sich wesentlich gebessert (z. T. fast fehlerlose Diktate und Aufsätze). Sowohl das Kind als auch die Mutter sind mit dem Behandlungserfolg sehr zufrieden.

Beurteilung

Ausschlaggebend für den guten Erfolg der letzten drei Jahre war die Tatsache, dass mit Natrium arsenicosum ein Mittel gefunden wurde, das sowohl die Ängste (Alleinsein, Dunkelheit, nachts) und die fast zwanghaften Selbstvorwürfe (tadelt sich, Wahnvorstellung, er habe etwas falsch gemacht) als auch die Körpersymptome (Übelkeit mit Angst, Durchfall bei Angst) abdeckt. Werden Gemütssymptome und körperliche Symptome von einem einzigen homöopathischen Mittel erfasst, sind mit Abstand die besten Heilerfolge zu erzielen.

Literatur

Analytische Kinder und Jugendlichen-Psychotherapie,

Analytische Kinder und Jugendlichen-Psychotherapie. Heft 107, 3/2000. Sonderheft ADHS 112, 4/2001.

BVKJ (Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e, 2007

BVKJ (Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e. V.) ADHS bei Kindern und Jugendlichen (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung). Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft ADHS der Kinder- und Jugendärzte e. V. Aktualisierte Fassung Januar 2007, Update des Kapitels „Medikamentöse Therapie“ März 2014 http://www.ag-adhs.de/uploads/Leitlinie2014mr.pdf (Zugriff 31.8.2016)

Coulter and Dean, 2007

M.K. Coulter M.E. Dean Homeopathy for attention deficit/hyperactivity disorder or hyperkinetic disorder Cochrane Database Syst Rev 4 2007; Oct 17 CD005648

Diller, 1998

L. Diller Running on Ritalin 1998 Bantam Books New York

Döpfner et al., 1998

M. Döpfner G. Lehmkuhl D. Heubrock F. Petermann Diagnostik psychischer Störungen im Kindes- und Jugendalter 1998 Hogrefe Göttingen

Döpfner et al., 2002

M. Döpfner S. Schürmann J. Fröhlich Therapieprogramm für Kinder mit hyperaktivem und oppositionellem Problemverhalten – THOP 3.A. 2002 Verlagsgruppe Beltz Weinheim

Heubrock and Petermann, 2001

D. Heubrock F. Petermann Aufmerksamkeitsdiagnostik 2001 Hogrefe Göttingen

Leitlinie der, 2001

Leitlinie der AG ADHS der Kinder- und Jugendärzte. „Diagnostik und Therapie bei ADHS“ 2001

Reichenberg-Ullman and Ullman, 1998

D. Reichenberg-Ullman R. Ullman Ritalin-free kids 1998 Bantam Books New York

Ruf-Bächtiger, 2003

L. Ruf-Bächtiger Frühkindliches psychoorganisches Syndrom – POS, ADS 4.A. 2003 Thieme Stuttgart

Steinhausen et al., 2001

F. Steinhausen Hyperkinetische Störungen bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen 2001 Kohlhammer Stuttgart

Taylor et al., 1998

N. Taylor Clinical guidelines for hyperkinetic disorder European Child and Adolesscent Psychiatry 7 1998 184 200

Homöopathische Literatur

Bonath, 2010

T. Bonath Homöopathie bei ADHS – ein integratives Therapiekonzept 2010 Peter Irl Gauting

Graf, 2003

F. Graf Homöopathie und die Gesunderhaltung bei Kindern und Jugendlichen 2003 Sprangsrade Ascheberg

Heudens-Mast, 2003

H. Heudens-Mast Leitfaden zum homöopathischen Arzneimittel: Hyperkinese 2003 Kristina Lotz Stuttgart

Spring, 1998

B. Spring Der psychische Aspekt bei der Arzneiwahl 1998 Burgdorf Göttingen

Legasthenie

Nikolaus Hock

Martin Hirte

Grundlagen

In Kapitel F 81. – „Umschriebene LegasthenieEntwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten“ des ICD-10-Schlüssels wird Legasthenie bzw. Lese- und Rechtschreibstörung definiert als „eine umschriebene und bedeutsame Beeinträchtigung in der Entwicklung der Lesefertigkeiten, die nicht allein durch das Entwicklungsalter, Visusprobleme oder unangemessene Beschulung erklärbar ist. Das Leseverständnis, die Fähigkeit, gelesene Worte wieder zu erkennen, vorzulesen und Leistungen, für welche Lesefähigkeit nötig ist, können sämtlich betroffen sein. Bei umschriebenen Lesestörungen sind Rechtschreibstörungen häufig und persistieren oft bis in die Adoleszenz, auch wenn einige Fortschritte im Lesen gemacht werden.“
Eine Sonderform der Legasthenie ist die isolierte Rechtschreibstörung ohne Vorgeschichte einer Lesestörung (F 81.1 im ICD-10). Zu den schulischen Entwicklungs- und Lernstörungen gehört außerdem die Rechenstörung oder Dyskalkulie (F 81.2 im ICD-10).
Seit 2015 existieren S3-Leitlinien zur Diagnostik und Behandlung von Lese- Rechtsschreibstörungen (AWMF 2015, Galuschka, Schulte-Körne 2016). Von der Legasthenie müssen die Probleme beim Erlernen von Lesen und Schreiben abgegrenzt werden, die z. B. Folge von intellektuellen Einschränkungen, einer allgemeinen Entwicklungsverzögerung, unkorrigierten Seh- oder Hörstörungen, unzureichender Beschulung sowie psychischen, neurologischen oder motorischen Störungen sind. Die Legasthenie gehört wegen ihrer Prävalenz von 5–10 % und ihrer möglichen psychosozialen Auswirkungen zu den bedeutendsten kinder- und jugendpsychiatrischen Erkrankungen. Jungen sind zwei- bis dreimal mehr betroffen als Mädchen.
Die Kombination der Legasthenie mit Hochbegabung ist nicht selten und wird wegen der eingeschränkten schulischen Leistungen oft verkannt. Auch andere Fähigkeiten sind bei Legasthenikern häufig zu finden: Wissbegier, rasche Auffassungsgabe, bildhaftes Denken, lebhafte Phantasie, starke Intuition und Kreativität. Ihre Aufmerksamkeit ist breiter auf die Umgebung gerichtet und weniger „konzentriert“, was den Eindruck von Konzentrationsstörung hervorrufen und zur Diagnose „ADHS“ (5.11) führen kann. Möglicherweise ist gerade das ausgeprägte nonverbale, bildhafte Denken des Legasthenikers ein Hindernis für das Erlernen geschriebener Sprache (Davis 1994).

Klinik (Tab. 5.12)

Legastheniker haben nicht nur in Deutsch, sondern auch in den Fremdsprachen und – wegen der Schwierigkeit, Texte zu erfassen – in Mathematik und in den Nebenfächern Probleme. Sie sind daher in ihrer Schullaufbahn ernstlich gefährdet. Die Misserfolgserlebnisse führen zu einem gestörten Selbstbild und können sich nachteilig auf die soziale und emotionale Entwicklung des Kindes auswirken. Legasthenie geht daher oft mit anderen Entwicklungsstörungen einher, z. B. mit ADHS (5.11) und depressiven oder aggressiven Verhaltensstörungen (21.12, 21.13). Auch psychosomatische Beschwerden wie sekundäre Enuresis oder chronisch-rezidivierende Schmerzsyndrome (Bauchschmerzen, Kopfschmerzen) sind eine häufige Begleiterscheinung. Bei Jugendlichen mit Legasthenie und dadurch bedingtem Schulversagen finden sich gehäuft Suizidgedanken und -versuche (Daniel et al. 2006).

Info

Leistungsstörungen in der Schule in Kombination mit psychischen Auffälligkeiten sollten immer an eine Legasthenie denken lassen.

Ätiologie

Legasthenie ist eine angeborene Entwicklungsstörung mit genetischem Hintergrund. Die früher vermuteten Umwelteinflüsse (soziale Faktoren, Mutter-Kind-Interaktion etc.) scheinen nur einen marginalen Einfluss zu haben und sind eher der allgemeinen Lese-Rechtschreibschwäche zuzuordnen (Schulte-Körne 2003). Pathogenetisch handelt es sich bei der Legasthenie um eine hirnorganisch bedingte spezifische Teilleistungs-, Wahrnehmungs- und Verarbeitungsstörung. Überproportional gehäuft finden sich unter den Legasthenikern Linkshänder (Schenk-Danziger 1968).

„Komplexe Anpassungsleistungen (Atmen, Sprechen, Laufen, Lesen, Schreiben, Rechnen, …) gelingen uns nur, wenn sich die entsprechenden Basisfunktionen, Teilprozesse oder Subsysteme zu einem großen funktionellen System zusammenschließen. Die funktionellen Systeme stellen für jeden Menschen und jede Anpassungsleistung eine individuelle Konfiguration von Teilfunktionsstärken und Teilfunktionsschwächen dar. Rechtschreibfehler oder Artikulationsprobleme sind somit das Ergebnis einer individuellen Verteilung von Stärken und Schwächen innerhalb des jeweiligen funktionellen Systems.“

(Breitenbach)

Folgende neurobiologische Besonderheiten (Tab. 5.13) stehen nach derzeitigem Stand des Wissens im Vordergrund:
  • Gestörte Wahrnehmung und Verarbeitung von visueller Information – durch Störungen von Blickfixation und Akkommodation, Störungen der Augenfolgebewegungen und des „dynamischen Sehens“, Störungen der visuellen-räumlichen Wahrnehmung, Störungen der zentralen Verarbeitung von Buchstaben und Wörtern (Rosenkötter 1997)

  • Gestörte Wahrnehmung und Verarbeitung akustischer Information (Lautunterscheidung, Rhythmisierung, Segmentation) – man findet deutlich verzögerte kognitive akustisch-evozierte Potenziale und eine verlangsamte Verarbeitungsgeschwindigkeit im phonologischen System (Baschek 1997, Breznitz 2003)

  • Störung der audiovisuellen Verknüpfung, etwa unterschiedliche Verarbeitungsgeschwindigkeiten und mangelnde Koordination zwischen phonologischem und orthographischem System (Breznitz 2003)

Diagnostik

Die Diagnose Legasthenie wird durch standardisierte Testverfahren (Lesen, Rechtschreiben, Intelligenz) gestellt, deren Ergebnisse deutlich unter dem Niveau liegen müssen, das der Schulklasse und dem Alter und der Intelligenz des Kindes entspricht. Hör- und Sehfehler sowie neurologische und psychiatrische Erkrankungen müssen ausgeschlossen sein.
Unerlässlich sind die schulbezogene Anamnese und die Untersuchung von Emotionalität, Ängsten und depressiven Stimmungen. Sinnvoll ist auch die Überprüfung möglicher Komorbiditäten wie ADHS, auditive Wahrnehmungsstörungen und Sprachstörungen.
Eine Früherkennung der Lese- und/oder Rechtschreibstörung etwa im Vorschulalter ist mit den aktuell verfügbaren Testverfahren nicht möglich. Gefährdet sind Kinder, deren Sprachentwicklung verzögert oder gestört verlaufen ist, oder die Schwierigkeiten beim Erkennen von Reimen oder Silben haben. Auch Kinder, in deren Familien gehäuft Legasthenie auftritt, tragen ein besonderes Risiko.

Info

Als Bestätigung für das Vorliegen einer Legasthenie gelten nur Bescheinigungen, die durch einen Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie, ein Sozialpädiatrisches Zentrum oder eine andere entsprechend aus- und weitergebildete Fachkraft in Zusammenwirken mit einem im Schuldienst tätigen Schulpsychologen der jeweiligen Schulart erstellt sind.

Bescheinigungen von Kinderärzten ohne kinder- und jugendpsychiatrische Weiterbildung oder von nicht spezialisierten Psychologen sind nicht ausreichend.

„Voraussetzung für die Anerkennung durch den Schulpsychologen ist eine multiaxiale Diagnostik, wie sie auch im Rahmen der Eingliederungshilfe nach § 35a SGB VIII nach den Vorgaben des Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Gesundheit durchgeführt wird. Der Schulpsychologe fasst die Aussagen der fachärztlichen Bescheinigung zusammen und leitet der Schule die Entscheidung sowie Empfehlungen für angemessene Förder- und Hilfsmaßnahmen zu. Die fachärztliche Bescheinigung sowie weitere Befundberichte selbst verbleiben beim Schulpsychologen. Die Anerkennung einer Lese- und Rechtschreibschwäche erfolgt durch den örtlich zuständigen Schulpsychologen.“

(KMBek 1999)

Bei einem Schulübertritt und eventuell nochmals nach der 8. Jahrgangsstufe muss die Legasthenie eventuell „bestätigt“ werden.

Konventionelle Therapie

Info

Wird die Legasthenie nicht therapiert, bleibt sie in den meisten Fällen stabil bis ins Erwachsenenalter und bringt ein deutlich niedrigeres Berufsausbildungsniveau und ein höheres Risiko für Arbeitslosigkeit mit sich. Durch intensive Förderung mit symptomorientierten Verfahren und ggf. Unterstützung der psychischen Entwicklung hingegen ist eine normale Schul- und Berufslaufbahn erzielbar.

Multimodale Therapie

Die spezifische Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Legasthenie soll leitliniengemäß an den Symptomen ansetzen (Galuschka, Schulte-Körne 2016).
  • Die Wirksamkeit von Leseübungen ist klein bis moderat, aber signifikant. Zur Leseförderung sollen die Verbindungen zwischen Buchstaben und Lauten systematisch geübt werden. Einzelne Buchstaben, Silben oder Morpheme sollen zunächst einzeln präsentiert und dann zu Wortteilen oder Wörtern zusammengefügt werden. Günstig sind Texte mit vergrößerter Schrift und größeren Wort- und Zeilenabständen.

  • Zur Rechtschreibförderung soll die Verbindung zwischen Lauten und Buchstaben systematisch geübt und die Unterteilung von Wörtern in Laute und Silben gefördert werden. Außerdem sollen orthographische Regeln vermittelt und systematisch eingeübt werden.

Die Therapie soll möglichst schon im ersten Schuljahr beginnen, vorzugsweise in Einzelsitzungen oder Kleingruppen von höchstens fünf Kindern. Längerfristige Programme von mindestens 20 Stunden sind wirksamer als Kurzinterventionen. Die Behandlung soll so lange fortgeführt werden, bis ein Lese- und Rechtschreibfähigkeit erreicht wird, die eine altersgerechte Teilhabe am öffentlichen Leben ermöglicht. Gegebenenfalls soll auch ein sonderpädagogischer Förderungsbedarf geprüft werden.
Da es keinen anerkannten Ausbildungsgang für Legasthenietherapie gibt, müssen sich die Eltern oft selber einen erfahrenen Lerntherapeuten (Pädagogen, Psychologen) suchen. Jugendamt und Erziehungsberatungsstellen helfen bei der Suche oder bieten mancherorts selbst Therapiestunden an, die bei verhaltensauffälligen Kindern kostenlos sind. Empfehlenswert sind Therapeuten, die ihren Abschluss an Ausbildungseinrichtungen erworben haben, die vom Bundesverband Legasthenie und Dysklakulie e. V. zertifiziert wurden. Sie dürfen sich „Dyslexietherapeut nach BVL“ nennen.
Im Zuge einer multimodalen Therapie ist zu fordern, dass Kinder mit Legasthenie möglichst optimal in ihrer Gesamtentwicklung gefördert und in Schule und Gesellschaft integriert werden. Ihre seelische Belastung muss immer wieder neu eingeschätzt werden, um unterstützende psychotherapeutische Maßnahmen nicht zu versäumen. Besonders wichtig für die Betroffenen ist der Rückhalt in der Familie.
Nachteilsausgleich an der Schule
Für Kinder mit anerkannter Lese- und Rechtschreibstörung gibt es gemäß der kultusministeriellen Bekanntmachung (KMBek) vom 16.11.1999 einen „Notenschutz“ als Nachteilsausgleich. Das bedeutet die Freistellung von der Benotung von Lesen und Rechtschreibleistung und von der Mitbewertung der Rechtschreibung in allen schriftlichen Arbeiten, auch in Fremdsprachen, ggf. bis zum Schulabschluss. Schriftliche und mündliche Noten werden im Verhältnis 1:1 gewichtet, bei schriftlichen Arbeiten wird ein Zeitzuschlag von bis zu 50 % der regulären Arbeitszeit gewährt. Im Zeugnis steht die Bemerkung: „Auf Grund einer fachärztlich festgestellten Lese- und Rechtschreibstörung wurden die Lese- und Rechtschreibleistungen nicht bewertet.“
Kostenerstattung
Die Kosten der Legastheniediagnostik werden als fachärztliche Untersuchung von den Krankenkassen übernommen, die entsprechende Bescheinigung müssen jedoch die Eltern bezahlen.
Die Erstattung der Therapiekosten ist sozialrechtlich unklar, da Legasthenie bisher nicht als Krankheit anerkannt ist und daher die Kosten nicht von den Krankenkassen übernommen werden. Ausnahmen sind Kinder, die wegen Sprachstörungen oder motorischer Entwicklungsstörungen logopädisch und/oder ergotherapeutisch behandelt werden müssen, oder die wegen sekundärer psychischer Probleme einer psychotherapeutischen Behandlung bedürfen.
Der örtlichen Träger der öffentlichen Jugendhilfe (Jugendamt) muss nach § 35a des Kinder- und Jugendhilfegesetzes bei einer drohenden seelischen Behinderung, die „die Eingliederung des Kindes entscheidend behindert“, die Kosten der pädagogischen und psychologischen Therapie übernehmen. Voraussetzung ist ein entsprechendes Gutachten eines Kinder- und Jugendpsychiaters. Der Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e. V. veröffentlicht auf seiner Website Empfehlungen zu den Kriterien für das ärztliche Gutachten im Rahmen der Eingliederungshilfe (BVL 2015). Da das Prüfverfahren nach der Antragsstellung meist viel Zeit in Anspruch nimmt, bleiben die Eltern oft lange in Ungewissheit über die Kostenerstattung.

Alternative Therapieverfahren

Der „Markt“ der Legasthenietherapien ist in ständiger Bewegung, da immer wieder neue Theorien und Therapieverfahren mit dem Versprechen müheloser und dramatischer Besserungen verbreitet werden. Behandlungen ohne das konkrete Einüben von Lesen, Rechtschreiben bzw. Rechnen bei Dyskalkulie sind jedoch nach den Leitlinien bestenfalls überflüssig.
Keine therapeutischen Effekte sind bisher belegt für Verfahren zum Training von auditiven, visuellen oder motorischen Basisfertigkeiten, der Hemisphärenkoordination, der Zeitverarbeitung oder der Automatisierung von Low-Level-Funktionen. Hierzu zählen z. B. basales Funktionstraining, Edu-Kinesthetik, generelles Aufmerksamkeitstraining, Hemisphärenstimulation oder Hemisphärendominanztraining, integrative Lerntherapie, Klangtherapie, Neurolinguistisches Programmieren (NLP), neurophysiologische Behandlung, Psychomotoriktraining, psychotherapeutische Verfahren, Spieltherapie und Tomatis-Therapie. Auch visuelle Trainings etwa mit Prismenbrillen, farbigen Brillengläsern („Irlen-Linsen“) oder Rasterbrillen sind in ihrer Wirkung nicht validiert; sie können sogar ihrerseits Sehstörungen hervorrufen (Schäfer).

Homöopathische Behandlung

Schon zu Hahnemanns Zeiten war die Problematik der Lese- und Rechtschreibstörungen bekannt. Als Prüfungssymptom Nr. 85 von Lycopodium schreibt Hahnemann in den Chronischen Krankheiten: „Er kann nicht lesen, weil er die Buchstaben verkennt und verwechselt; er sieht sie und kann sie nachmalen, sich aber auf ihre Bedeutung nicht besinnen; er weiß z. B. das Z der letzte Buchstabe des Alphabets ist, hat aber vergessen, wie derselbe heißt; er kann schreiben, was er will, schreibt die gehörigen Buchstaben, kann aber sein Geschriebenes selbst nicht lesen.“
Bei der homöopathischen Behandlung der Legasthenie muss wie üblich eine vollständige Erstanamnese durchgeführt werden. Man sollte sich dabei durch scheinbar klar definierte Diagnosen in der Behandlung nicht irritieren lassen. Auch im Fall der Lese- und Rechtschreibstörung gilt, dass sie eine Verstimmung der Lebenskraft ist, die sich in spezifischen Symptomen äußert. Die Vorstellung eines pathologischen Defizits ist bei der Behandlung nur hinderlich.

Praxistipp

Eine Legasthenie als isolierte Teilleistungsstörung ohne sonstige weitere Symptome ist nach homöopathischem Verständnis eine einseitige Erkrankung, bei der das Simile schwer zu finden ist. Körperliche oder andere psychische Symptome erleichtern die Arzneimittelwahl enorm. Je mehr zusätzliche körperliche Beschwerden vorhanden sind, desto leichter fällt die Arzneimittelwahl und desto besser ist die Prognose (5.11).

Repertoriumsrubriken

Spezifische Symptome
Wie bei allen psychischen RepertoriumsrubrikenLegasthenieErkrankungen müssen die Rubriken mit den spezifischen Symptomen bei der Verschreibung berücksichtigt werden
→Gemüt Fehler, macht – Lesen, beim (26): bar-c, calc, carc, hyos, lach, lyc, sep, sil, …
→Gemüt – Fehler; macht – Schreiben, beim (147): lach, lyc, thuj, …
→Gemüt – Dyslexie (30): bar-c, calc, calc-p, caust, germ-met, kali-p, med, phos, …
→Gemüt – Fehler, macht – Schreiben, beim – lässt etwas aus – Buchstaben (39): hydroc, hyper, lac-c, lyc, nux-m, thuj, …
→Gemüt – Fehler, macht – Schreiben, beim – lässt etwas aus – Silben (8): bov, cham, colch, kali-br, lyc, nux-v, ozone, thuj
→Gemüt – Fehler, macht – Schreiben, beim – stellt etwas um – Buchstaben (21): caust, lyc, spong, tub, …
→Gemüt – Fehler, macht – Schreiben, beim – verwechselt Buchstaben (9): dulc, lyc, spong, …
→Gemüt – Gedächtnis – Gedächtnisschwäche – Rechtschreibung, für die (8): con, crot-c, hydr, lach, lyc, sil, sulph, tab
→Gemüt – schreiben – Unfähigkeit zu (8): ars, atra-r, caust, ign, lyc, nux-v, podo, sil
Legasthenie gekoppelt mit anderen Störungen
Die Legasthenie kann gekoppelt sein mit einer sensomotorischen Störung und Teilleistungsschwächen, mit grob- und feinmotorischen Störungen, der Schrift und auch der Sprache, mit Verzögerung der Aufrichtungsentwicklung und der Sprechenlernens. Zur homöopathischen Behandlung sind in diesen Fällen die entsprechenden Rubriken wertvoll:
→Allgemeines – Entwicklung – Entwicklungsstillstand (33): agar, bar-c, calc, calc-p, carc, phos, sil, …
→Allgemeines – Gehen – Gehenlernen, Laufenlernen – spätes (36): agar, bar-c, calc, calc-p, caust, nat-m ph-ac, phos, sanic, sil, …
→Gemüt – Sprechen – langsam; lernt (22): agar, bell, calc, calc-p, caust, med, nat-m, sanic, sil, sulph, tub, …
Nach unserer Erfahrung können Mittel wie Lycopodium, Kalium bromatum, Lac caninum bzw. andere „Milch-Mittel“ und auch Ozonum bei Legasthenie erhebliche Verbesserungen bewirken. Ein Behandlungsversuch ist auf jeden Fall lohnenswert, insbesondere da die gängigen Therapiemaßnahmen nur eine begrenzte Wirkung haben.

Kasuistiken

Kasuistik

Ausgeprägte Legasthenie (Nikolaus Hock)

Anamnese

Die damals elfjährige Patientin Maria S. hatte eine ausgeprägte Legasthenie und hatte bereits in der ersten Klasse Leseprobleme. Buchstaben wurden verdreht und weggelassen, sie verwechselte „t“ und „d“, „b“ und „p“, war aber sonst eine gute Schülerin. Sie machte im Diktat pro Seite etwa 30 Fehler. Da sie überdurchschnittlich intelligent ist, prägte sie sich die Wörter quasi wie chinesische Schriftzeichen als Bilder ein. Trotz ihrer Legasthenie konnte sie in der fünften Klasse auf das Gymnasium wechseln. Durch das Fach Latein „explodierte“ die Legasthenie, da sie keine Bilder für die Worte mehr zur Verfügung hatte.
Die Vorgeschichte ergab weiterhin spätes Sprechenlernen (ca. drittes Lebensjahr) und starke Weitsichtigkeit seit dem vierten Lebensjahr (+ 6,5 Dioptrien).
Körperliche Symptome waren ein muskulär bedingter Schiefhals, der die Seiten wechselte; Warzen auf den Fußsohlen; Verlangen nach scharf gewürzten Speisen; Abneigung und Unverträglichkeit von Milch; Durst auf große Mengen; Bedürfnis, die Füße zu entblößen.
Gemütssymptome waren Platzangst, Angst vor dem Alleinsein, Angst vor Spinnen und Käfern; Angst, dass den Eltern etwas passieren könnte; Angst, sie könnte verlassen werden.
Familienanamnese: Schwangerschaft und Geburt waren normal verlaufen, keine allergischen Erkrankungen oder Hauterkrankungen. Der 54-jährige Vater sowie der Onkel hatten in ihrer Kindheit ebenfalls eine leichte Legasthenie. Die 37-jährige Mutter ist gesund, der neunjährige Bruder lässt beim Lesen ebenfalls Buchstaben aus.

Verordnung und Verlauf

Sowohl die spezifischen Legastheniesymptome als auch die Gesamtheit der Symptome und das spezifische Symptom des sehr auffälligen seitenwechselnden Schiefhalses deuteten eindrücklich auf Lac caninum hin. Nach einer Gabe von Lac caninum M hatte sich innerhalb von zwei bis drei Monaten die Legasthenie auffällig gebessert: Das Kind verdrehte kaum noch Buchstaben, Eltern und Lehrer waren begeistert, wird doch üblicherweise bei der konventionellen Therapie der Legasthenie eine sehr intensive, etwa zweijährige Förderung in speziell eingerichteten Schulen angeboten. Die Fehlerquote reduzierte sich auf drei pro Seite.

Beurteilung

Ein solch positiver Verlauf kann nicht immer erwartet werden. Bei dieser Patientin fanden sich aber sowohl spezifische Legasthenie- als auch Allgemeinsymptome, die für das gleiche homöopathische Mittel charakteristisch waren, was die Prognose wesentlich verbesserte.

Kasuistik

Legasthenie (Nikolaus Hock)

Anamnese

Der 20-jährige Patient leidet seit drei Jahren immer wieder unter körperlichem Unwohlsein mit stechenden Stirnkopfschmerzen rechts, das rechte Auge und die rechte Schläfe zittern. Er kommt gedanklich nicht zur Ruhe, die Gedanken rennen abends (thoughts rush flow of, CR 339), deshalb kann er nicht einschlafen (sleeplessness from thoughts, CR 2261). Er überlegt sich die ganze Zeit, was er dagegen machen könne (theorizing, CR 336). Oft hat er das Gefühl, dass er sterben müsse (death sensation of, CR 73). Die Gedanken sind sehr quälend, (thoughts tormenting, CR 340). Er fühle sich komplett verfallen.
Im Wesentlichen komme er sich älter vor (delusion being old, CR 108), häufig hätte er auch das Gefühl er sei größer, wie auf Stelzen (delusion body enlarged, CR 89). Er habe geträumt, dass er von seiner Freundin betrogen und beleidigt worden wäre, das habe ihn sehr verletzt (delusion he is betrayed, CR 88). Er komme sich häufig wie ferngesteuert vor, müsse dann weinen und würde sich dauernd überlegen, wie er aus seinem Zustand herauskäme. Er sei lieber allein, könne sich kaum entscheiden, sei schnell beleidigt und aggressiv.
  • Somatischerseits extreme Bauchschmerzen, stechend, wie von einem Pflock, wie ein spitzer Schlag. Häufiges Aufstoßen mit Sodbrennen.

  • Biographisch behütete Kindheit, überraschenderweise keine gravierenden traumatischen Ereignisse, auch keine schwerwiegenden Krankheiten in der Familie.

Anamnese

Bei der Repertorisation sah ich, dass Hydrogenium sehr häufig auftauchte. Da Hydrogenium ein häufiges Mittel bei Legasthenie ist, fragte ich ihn gezielt danach: er gab an, seine Legasthenie sei sehr ausgeprägt, er würde Buchstaben vergessen und verdrehen (mistakes in writing ormitting letters, CR 265: Hydrogenium einziges Mittel im 3. Grad).

Verordnung und Verlauf

Der Patient erhielt sofort und sechs Wochen später jeweils Hydrogenium M und nach weiteren zwei Monaten Hydrogenium XM Follow-Up (drei Tage nach der Einnahme von Hydrogenium XM): Psychisch durchwachsen, „geht mir manchmal besser oder schlechter“; fühlt sich häufig noch kaputt. Kein Sodbrennen mehr, Durchfall fast weg, Bauchschmerzen wesentlich besser. Die Gedanken rennen noch abends, keine Träume, stabiles Verhältnis zur Freundin. Er würde sich zwar noch älter fühlen, aber sein Körpergefühl habe sich verbessert, er fühlt sich nicht mehr größer oder wie auf Stelzen. Konkrete Frage nach Legasthenie. Das erste Mal seit der 4. Klasse habe er überhaupt keine Rechtschreibfehler mehr gemacht, er sei sehr davon überrascht. Follow-Up (telefonisch) mit der Mutter (fünf Monate später): Er ist psychisch weiterhin nicht stabil, er leide unter den Anforderungen in der Lehrstelle. Die Legasthenie sei weiterhin wesentlich besser, es gebe kaum noch Fehler in schriftlichen Texten.

Beurteilung

Zusammenfassend hat sich der psychische Zustand des Patienten gebessert, aber bei Weitem nicht stabilisiert. Quasi aus Versehen wurde eine Legasthenie fast geheilt, wegen der der Patient ursprünglich gar nicht in Behandlung kam.
Es erscheint sinnvoll, wenn Symptome für ein bestimmtes Mittel (wie z. B. Legasthenie bei Hydrogenium) gut bekannt sind, diese spezifisch nachzufragen, sowohl bei der Erstanamnese als auch bei den Folgekonsultationen. Dann können manchmal überraschende Heilungsergebnisse erzielt werden.

Literatur

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KMBek (Kultusministerielle Bekanntmachung) vom 16.11.1999: Förderung von Schülern mit besonderen Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens und des Rechtschreibens. Amtsblatt-KWMBl. I:379.

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W.D.