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B978-3-437-56313-3.00015-7

10.1016/B978-3-437-56313-3.00015-7

978-3-437-56313-3

Abb. 15.1

[L238]

Klassifikationsschema des VUR nach Heikel und Parkkuleinen

Differenzierung eines HWI anhand pathologischer Harnbestandteile und Befunde

Tab. 15.1
Klinische Zeichen Asymptomatische Bakteriurie Zystitis Pyelonephritis (= Pyelitis mit Beteiligung des Nierenparenchyms)
Bakteriurie-Keimzahl
  • Im Spontanurin:

    < 104/ml = normal

  • Bei Pollakisurie:

    104/ml = verdächtig

Ja
> 105/ml tolerabel
Ja
> 105/ml
Ja
> 105/ml
Leukozyturie
(Cave: kann bei Balanitis, Vulvitis, Fluor vaginalis vorgetäuscht werden)
Ja
< 20/mm3 = normal
Ja
> 50/mm3 = pathologisch
Ja
> 50/mm3 = pathologisch
Leukozytenzylinder Nein Nein Ja, manchmal der einzige Hinweis
Erythrozytenzylinder Nein Nein Beweisen den renalen Ursprung einer Hämaturie
Glomerulonephritis
Mikro-/Makrohämaturie Nein Hämorrhagische Zystitis Möglich
Makrohämaturie Hinweis auf Glomerulonephritis
Proteinurie (> 150 mg/1,73 m2KOF/d) Nein Nein Ja
Konzentrationsvermögen Normal Normal Vermindert
CRP Normal (< 3 mg/l, Neugeborene < 15 mg/l) Normal (< 3 mg/l) Erhöht (> 3 mg/l)
Klinische Symptomatik
(Fieber, Dysurie, reduzierter Allgemeinzustand etc.)
Keine Ja Ja
Bei Glomerulonephritis: Ödeme, Oligurie, Hypertonie

Kleine Auswahl von Schmerzrubriken bei HWI in zeitlichem Bezug zur Harnentleerung, Örtlichkeiten und Geruchsqualitäten und ihre wichtigsten homöopathischen Mittel

Tab. 15.2
Symptom Homöopathisches Arzneimittel
Algurie
Vor der Harnentleerung: Blase – Urinieren – Dysurie – schmerzhaft – weinen bevor der Urin zu fließen beginnt; Kinder (10) Synthesis 2009 acon, borax, canth, crot-h, lach, lyc, nux-v, plb. sanic, sars, …
Zu Beginn der Harnentleerung: Schmerz – Blase – Urinieren – beim – Beginn des; agg (12) anth, cann-s, caust, clem, merc, …
Am Ende der Harnentleerung: Blase – Schmerz – Urinieren – beim – Ende des; (10) apis, arg-n, cann-s, caust, sars, petr, puls, thuj, …
Nach der Harnentleerung: Blase – Urinieren – Harndrang – Urinieren; agg. nach (67) canth, cann-s, caust, sars, coloc, lyc, sep, med, …
Schmerzlokalisation
Hauptsächlich im Bereich des Meatus (97), [Synth2009TE],
(dort auch viele Unterrubriken, aus denen die am besten passendsten auswählen)
dulc, cann-s, bell, merc-c, petros, coloc, nux-v, puls, thuj, staph, berb, chim, sep, lyc, med, nat-m, sep, sulph, …
Blase: Blase; Schmerz, Blasenschmerzen; Entzündung, bei; Blase, der (15) acon, bell, cann-s, canth, canth, canth, dulc, lyc, mervc, ac-nitr, nux-v, puls, …
Urethra: Nieren – Schmerz – Harnleiter (59), [SynthTE 2009] canth, cann-s, sars, nux-v, benz-ac, sulph, …
Ausstrahlung nach unten: Harnröhre – Schmerz – erstreckt sich zu – unten; die Harnröhre entlang nach (4), [SyntTE2009] lyc., merc, pho, sulph
Ausstrahlung nach oben:
  • Harnröhre; Schmerz; erstreckt sich; rückwärts (16)

  • Harnröhre; Schmerz; Mündung; erstreckt sich nach hinten (4)

  • berb, cann-s, canth, merc-s, nuxc-v, phos psor sulph thuj, …

  • cann-s, canth, phos, thuj

Juckreiz
  • Blase; Jucken (6)

  • Harnröhre; Jucken (127)

  • Harnröhre: Ameisenlaufen, Kribbeln: (25)

  • berb, ign, lob-s, nux-v, plb, sep, …

  • cop, calad, petros, cann-s, canth, pareir, thuj, nux-v, …

  • agar, berb canth, ign, lyc mez, petros, puls, stap, tarent, thuj, zinc, …

Geruch
Urin; Ammoniak, Geruch nach (58): benz-ac, pareir, dulc, equis, naphtin, nit-ac, …
Urin; Veilchen, duftet wie (24): camph, ter, cop, phos, viol-o, …

Erkrankungen der Niere und der Harnwege

Michael Drescher

Sigrid Kruse

Harnwegsinfekte

Michael Drescher Kasuistiken: Horst Hauptmann, Martin Hirte
Unterschieden Harnwegsinfekte (HWI)werden sog. komplizierte und unkomplizierte Harnwegsinfekte (HWIs). „Unkomplizierte“ HWIs beruhen lediglich auf der Vermehrung des jeweiligen Erregers, während bei komplizierten HWI eine Anomalie der ableitenden Harnwege vorliegt.
Harnwegsinfektionen gehören zu den häufigsten bakteriellen Infektionen im Kindesalter. Im ersten Lebensjahr zeigen die männlichen Säuglinge einen höheren Häufigkeitsgrad, anschließend liegt das jährliche Erkrankungsrisiko für symptomatische HWIs in der Altersgruppe der bis sechsjährigen Mädchen bei etwa 7 % und das der Jungen bei 2 %. Dabei handelt es sich meist um Pyelonephritiden, während im späteren Leben mehr Zystourethritiden mit Überwiegen der Mädchen im Verhältnis von bis zu 9:1 auftreten.

Grundlagen

Bakterien sind die häufigsten Erreger von Harnwegsinfekten bei Kindern: In bis zu 80 % der Fälle E. coli mit Serotypen, die denen der Stuhlflora entsprechen. Es folgen Klebsiellen, oft bei Infektionen der Neugeborenen, Proteus mirabilis bei älteren Jungen, Enterokokken und Staphylococcus albus bei älteren Mädchen. Problemkeime wie Pseudomonas aeruginosa finden sich häufig bei Pathologien im Harntrakt oder nach urologischen Operationen. Bakterielle Reinfekte und rezidivierende HWIs sind meistens echte Neuinfektionen mit Keimwechsel.
Selten sind Viren, z. B. Adeno- und Coxsackieviren bei immunsupprimierten Patienten und sehr selten Sprosspilze, meist asymptomatisch, nach Ampicillintherapie.
Die Keimbesiedelung der Harnwege erfolgt in der Regel durch transurethrale Aszension von Stuhlkeimen, bei Früh- und Neugeborenen auch noch auf hämatogenem Wege. Die meisten eingedrungenen Bakterien werden in der Regel durch einen intakten Urinflussmechanismus wieder ausgeschieden. Außerdem ist bei immunkompetenten Personen mit intakten unspezifischen Abwehrmechanismen normalerweise das Epithel der ableitenden Harnwege (Urothel) in der Lage, die Bakterien nach Adhäsion zu eliminieren oder zumindest im Wachstum zu hemmen. Bei einer Infektbereitschaft spielen offensichtlich spezifische konstitutionelle Immundefizite eine Rolle, besonders bei den rezidivierenden HWIs.
Prädisponierend für das Angehen eines Infektes sind aus Sicht der konventionellen Medizin vorwiegend mechanische Blasenentleerungsstörungen wie Urethralklappen, eine Meatusstenose, eine hochgradige oder vernarbte Phimose oder Harntransportstörungen neurogener Natur wie die Reflexblase mit gestörter Synergie zwischen Detrusor und Sphinktermuskulatur, vesiko-ureteraler Reflux (VUR)vesiko-ureteraler Reflux (VUR), obstruierende Harnsteine oder Fehlbildungen. Abflussbehinderungen erhöhen die Verweilzeit und damit die Vermehrungsrate eingedrungener Keime im Harntrakt. Bei 40–50 % der Kinder mit HWI kann ein VUR (s. o.) nachgewiesen werden.
Klinik
Je nach Alter, Lokalisation und Geschlecht sehr unterschiedlich ausgeprägt: Je jünger die Erkrankten sind, desto unspezifischer ist das klinische Bild.
  • In den ersten Lebensmonaten: Anfangs oft unklare Temperaturschwankungen, die sich bei Nichterkennen schlimmstenfalls bis zum Bild einer Urosepsis und Schockzeichen etc. entwickeln können.

  • Bis zum zweiten Lebensjahr: Weiterhin noch sehr unspezifische Symptome mit oft hohem Fieber, Blässe, Apathie, Trinkschwäche, Inappetenz, Erbrechen, Bauchschmerzen, oft unter dem Bild eines akuten Abdomens (14.6, 14.7). Manchmal fällt ein veränderter Windelgeruch auf. Man muss sich vergegenwärtigen, dass Kleinkinder bekanntermaßen alle möglichen Beschwerden, so auch der Harn- und Luftwege, weiträumig im Abdominalbereich lokalisieren.

  • Ab dem dritten Lebensjahr: Ab jetzt lassen sich bei Kindern schon recht gut spezifische Symptome wie Harndrang, Pollakisurie, Dysurie und die verschiedenen Schmerzlokalisationen und -qualitäten an Urethra, Blase, Nierenflanken gewinnen.

Info

  • Bei der Differenzialdiagnose eines akuten Abdomens müssen intra- und extraintestinale Ursachen wie Tonsillitis, basale Pneumonie, Appendizitis, Peritonitis, Nahrungsmittelintoleranz, Gastroenteritis, Invagination, Ileus, Obstipation, Zystitis, Pyelonephritis, Glomerulonephritis, Urolithiasis, Vulvitis in Erwägung gezogen werden.

  • Auch bei älteren Kindern kann sich ein beginnender Harnwegsinfekt zunächst hinter einer diffusen Symptomatik mit Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit, Stimmungsschwankungen, Bauchschmerzen verbergen. Deshalb sollte jeder Zustand mit unklaren Bauchschmerzen und Fieber mittels Urinuntersuchung auf einen HWI abgeklärt werden. Auch das Auftreten einer sekundären Enuresis kann ein Hinweis auf Harnwegsinfekte sein. Bei Mädchen ab der Adoleszenz müssen auch gynäkologische Erkrankungen ausgeschlossen werden.

Diagnostik
Laborparameter
Ein Harnwegsinfekt gilt als gesichert, wenn im Urin Bakterien und Leukozyten in pathologischer Konzentration gefunden werden.
  • Im Spontanurin gilt ein Gehalt von 104 Bakterien und weniger als 20 Leukozyten/mm3 als normal.

  • Pathologisch sind Keimzahlen ab 105/ml und über 50 Leukozyten/mm3.

  • Eine Mischflora aus mehreren Enterobakterien ist verdächtig auf eine Kontamination des Untersuchungsmaterials mit Stuhlkeimen und muss kontrolliert werden.

Besondere Sorgfalt sollte deshalb auf die Gewinnung eines nicht kontaminierten Urins gelegt werden. Verwendet wird der Mittelstrahlurin (nach Säubern bzw. Desinfizieren des Windelbereichs bei Wickelkindern), da der erste Urinstrahl mit Stuhlkeimen und Zellen kontaminiert sein könnte. Die Verwendung von Urinklebebeuteln oder/und längeres Stehenlassen des frisch gewonnenen Urins führt im Fall der Kontamination schon bei Zimmertemperatur meist zu falsch positiven Ergebnissen. Jegliche Unsicherheit ist erst dann ausgeschlossen, wenn der Blasenurin in der Praxis mittels Einmalkatheter oder – noch sicherer – mittels suprapubischer Punktion der gefüllten Blase gewonnen wird. Er ist normalerweise steril ist und darf nicht mehr als 5–10 Leukozyten/mm3 enthalten.
Bildgebende Diagnostik
Nach einem manifesten HWI im Kindesalter sollte eine weiterführende bildgebende Untersuchung zur Aufdeckung möglicher anatomischer oder funktioneller Ursachen angeschlossen werden.
  • Die Blasen- und Nierensonografie und ggfs. Zystoskopie gibt Aufschluss über Restharn, Missbildungen oder Narben an den ableitenden Harnwegen.

  • Das Miktionszystourogramm (MCU) oder die sonografische Refluxprüfung und je nach Indikation ggf. weitere Untersuchungen der Urodynamik wie Zysto- und Uroflowmetrie oder eine Nierenszintigrafie dienen der Abklärung von Harntransportstörungen als Prädispositionen für rezidivierende HWIs.

Info

Ein unerkannter vesiko-ureteraler Reflux (VUR)vesiko-ureteraler Reflux (VUR) birgt die Gefahr schwerer Pyelonnephritiden mit ausgedehnter Parenchymzerstörung.

Das Risiko für Nierenschäden hält bei Säuglingen und Kleinkindern an, bis sie ihrem VUR – dem Rückfluss von Urin aus der Harnblase in den Harnleiter und das Nierenbecken – entwachsen sind bzw. bis dieser erfolgreich operiert ist. Die Ausprägung des VUR wird nach Heikel und Parkkuleinen in Harnwegsinfekte (HWI)vesiko-ureteraler Reflux (VUR)fünf Stärkegrade eingeteilt (Abb. 15.1).
  • Grad I: Reflux erreicht das Nierenbecken nicht.

  • Grad II: Reflux erreicht das Nierenbecken, keine Erweiterung des Hohlraumsystems.

  • Grad III: leichte oder mäßige Erweiterung des Hohlraumsystems. Nierenkelche normal oder leicht verplumpt.

  • Grad IV: mäßige Erweiterung des Hohlraumsystems, Nierenkelche verplumpt. Impressionen der Papillen noch sichtbar.

  • Grad V: massiver Reflux mit ausgeprägt dilatiertem und geschlängeltem Ureter sowie dilatierten Nierenbecken und Nierenkelchen.

Die Spontanheilungsquote bis zum sechsten Lebensjahr bei niedriggradigem VUR liegt bei über 80 %, bei höhergradigem VUR nur bei maximal 40 %.
Bei höhergradigem VUR über das erste Lebensjahr hinaus und fehlender Spontanheilung jenseits des sechsten Lebensjahrs ist die operative Korrektur die Methode der Wahl (Steiss et al. 2000). Bei einer Pyelonephritis in den ersten drei Lebensjahren kann es auch ohne VUR zu funktionsmindernden Parenchymnarben kommen (Coulthart 2002).

Konventionelle Therapie und unterstützende Maßnahmen

Die asymptomatische BakteriurieBakteriurie stellt gewissermaßen eine Sonderform des HWI dar. Ohne wesentliche Leukozyturie braucht sie zunächst nicht behandelt, sollte aber sonografiert und regelmäßig mindestens auf Keimzahl, CRP und Leukozyten i. U. kontrolliert sowie auf verdächtige Symptomatik beobachtet werden. Bei Mädchen im Schulalter steigt durch eine antibiotische Behandlung einer asymptomatischen Bakterurie das Risiko, an einer Pyelonephritis zu erkranken (Lindberg et al. 1987).
Klinisch manifeste HWI dürfen nicht unbehandelt bleiben. Ziel der Behandlung ist die Vermeidung von letztlich zur Niereninsuffizienz führenden irreversiblen Nierenparenchymschäden. Harnwegsinfekte (HWI)klinisch manifeste
Auch für den noch unkomplizierten akuten HWI bei Säuglingen in den ersten vier bis sechs Lebensmonaten gewährleistet wegen der Gefahr einer Urosepsis allein die parenterale antibiotische Therapie eine ausreichende therapeutische Sicherheit (Beetz et al. 2000).
Bei älteren Kindern stellt die orale Behandlung mit einem Antibiotikum das Vorgehen der ersten Wahl dar, wobei zwei bis vier Tage Therapie bei einer Zystitis ausreichen können (Michael et al. 2003). Wenn die Behandlung nicht rasch zu einer klinischen Besserung führt, muss ein Wechsel der Antibiose nach Antibiogramm und Resistenztest, ggf. parenteral vorgenommen werden.
Problematisch sind rezidivierende HWI. Uneinheitlich Harnwegsinfekte (HWI)rezidivierendewird der Einsatz und die Dauer einer antibiotischen Reinfektionsprophylaxe bei rezidivierenden HWI, persistierendem VUR und nach operativer Beseitigung von Harnwegsobstruktionen beurteilt. Sie wird üblicherweise mit Trimethoprim, Cefaclor (off-label) oder Nitrofurantoin in niedriger Dosis durchgeführt. Von diesen Medikamenten hat Nitrofuantoin auf die Darmflora am wenigsten negative Auswirkungen. Die Gefahr der Resistenzentwicklung vor allem unter Trimethoprim, unerwünschte Nebenwirkungen und – wegen evtl. fehlender subjektiver Symptome – mangelnde Compliance limitieren den wirklichen Wert einer solchen Dauerprophylaxe.
  • Viel trinken, evtl. unter Verwendung spezieller Blasen-Tees mit Birken (Betula)-, Goldruten (Solidago)-, Katzenbart (Orthosiphon)-Blättern. Warme Fußbäder, warme Leibkompressen (Heusack).

  • Saures Urinmilieu im pH-Bereich 4–6 bremst insbesondere das Wachstum gramnegativer Keime, die für die meisten HWI verantwortlich sind. Durch folgende unterstützenden Maßnahmen kann der Urin angesäuert werden.

  • Trinken von Preiselbeersaft (speziell Cranberry) – säuert den Urin-pH an, außerdem enthalten Cranberrys Substanzen, die eine zu lange Adhäsion von E. coli an den Harnwegen verhindern.

  • Auch abwechselndes Ansäuern und Alkalisieren des Urins durch Schaukeldiät kann bei rezidivierenden HWIs versucht werden: In dreitägigem Wechsel saure Kost (Getreideprodukte, alle Tierprodukte außer Milch, saure Mineralwässer, Linsen, Tomaten, Nüsse, Kakao, Kokosfett) im Wechsel mit basischer Kost (alle Gemüse außer Linsen und Tomaten, Obst, Milch, alkalische Mineralwässer, z. B. Fachinger). Der Effekt kann durch Urin-pH-Messungen überprüft werden, dieser sollte mal unter, mal über 7 liegen.

  • Uro Vaxom®, ein BakterienlysatBakterienlysatHarnwegsinfekt aus immunaktiven Fraktionen ausgewählter E. coli-Stämme, ist angezeigt bei chronischen oder rezidivierenden HWIs. Drei Monate täglich eine Kapsel, anschließend Auffrischungsdurchgänge. Eine Form der Immunmodulation mit Fremdvakzinen, die sich bei homöopathischer Konstitutionsbehandlung erübrigt. Diese führt neben allen anderen Vorteilen in der Regel schneller zum Ziel. Wirklich belastbare Studienergebnisse fehlen jedoch.

Homöopathische Behandlung

Infektiöse und funktionelle Erkrankungen der Harnwege sprechen außerordentlich gut auf die homöopathische Therapie an, vorausgesetzt, die akuten Beschwerden können so genau wie möglich in Qualität und Lokalisation mit Begleitsymptomen und Modalitäten erhoben werden. In der Anamnese wird zunächst immer auch nach vorausgegangenen HWI, nach Transport- und funktionellen Störungen am ableitenden System, vor allem nach einem evtl. vorliegenden vesiko-ureteralen Reflux (VUR) und Nieren/Harnwegserkrankungen sowie Fehlbildungen in der Familie gefragt, um den Grad der grundsätzlichen Belastung in diesem Bereich zu erfassen.
Die Behandlung sollte möglichst rasch nach Auftreten klarer Symptome begonnen werden, die klinische Besserung sollte spätestens wenige Stunden nach Beginn der homöopathischen Behandlung erkennbar sein, also einen der antibiotischen Behandlung vergleichbaren Effekt in ähnlicher Zeitspanne erzielen. Wenn die Besserung eindeutig war und nach einigen Stunden nachlassen sollte, ohne dass wesentliche neue Symptome dazukommen, die zu einem Wechsel des Mittels Anlass geben müssten, wird das zuvor gegebene Mittel wiederholt. Unter diesen Kautelen und wenn ein tägliches Feedback über den klinischen Verlauf gewährleistet ist, darf man sich mit der homöopathischen Behandlung eines akuten HWI auf der sicheren Seite fühlen. Mit ihr lässt sich eine unterdrückende Therapie mit Antibiotika, Analgetika, Spasmolytika oder Diuretika mit all ihren unerwünschten Effekten oft umgehen.
Die homöopathische Akutbehandlung steht und fällt mit der Auswahl und Gewichtung geeigneter Symptome. Dabei hängt die spezielle Symptomatik weniger von dem zugrunde liegendem Erreger als vielmehr von der individuellen Reaktionsform ab.

Praxistipp

Bei der konstitutionellen Behandlung von Harnwegsinfekten sollten folgende Grundsätze beachtet werden:

  • Eine Behandlung kann sofort aufgenommen werden.

  • Bei Zeichen eines akuten Infekts unter der Konstitutionsbehandlung ist zu klären, ob es sich um eine homöopathische Verschlimmerung (meist innerhalb von 14 Tagen nach Einnahme) handelt oder um einen echten Neuinfekt.

  • Bei einer homöopathischen Verschlimmerung ist meist der Allgemeinzustand besser, als sonst bei HWI gewohnt. Außerdem ist sie selbstlimitierend.

  • Wenn allerdings echte Harnwegsinfekte unter der konstitutionellen Behandlung häufig rezidivieren, muss das Konstitutionsmittel gewechselt werden.

  • Akute Harnwegsinfekte sprechen gut auf das passende Akutmittel an.

  • Wird ein Patient übernommen, der noch unter antibiotischer oder einer anderen Dauerprophylaxe steht, kann man unter vorläufiger Beibehaltung der Antibiose synchron eine homöopathische Konstitutionsbehandlung mit der täglichen Einnahme des Mittels in Q-Potenzen beginnen. Zeigen sich unter sorgfältiger Beobachtung der Gesamtsituation des Patienten deutliche Besserungen, z. B. im Bereich der Gemüts- und Allgemeinsymptome, kann unter fortgesetzter Kontrolle versucht werden, die Antibiose auszusetzen.

Repertoriumsrubriken
RepertoriumsrubrikenHarnwegsinfekteDie sorgfältig herausgefragten, potenziell sehr unterschiedlichen urologischen Symptome, Empfindungen und Modalitäten finden sich in zahlreichen, auch kleineren Rubriken der Repertoriumskapitel „Blase“, „Urethra“, „Nieren“, „Urin“ sowie unter „Allgemeines“ und „Gemüt“, um nur die wichtigsten Kapitel zu nennen, vertreten. Eine erstaunliche Symptomenfülle finden wir in speziellen Rubriken des Kapitels „Urin“, in dem alle objektiv pathologischen Eigenschaften wie Beschaffenheit, Inhaltsstoffe, Farbe, Geruch und wichtige Laborparameter aufgeführt sind.
Homöopathische Arzneimittel
In der Folge wird eine Auswahl von bei HWI häufiger vorkommenden Akutmitteln beschrieben. Die meisten dieser Mittel haben viele typische Hauptsymptome eines akuten HWI wie z. B.:
  • Harndrang mit häufiger Harnentleerung (PollakisuriePollakisurie)

  • Schmerzhafter Harndrang mit erschwerter Harnentleerung (DysurieDysurie)

  • Schmerzhafte Harnentleerung (AlgurieAlgurie) oder

  • Brennen beim Wasserlassen (StrangurieStrangurie)

  • Harnretention wegen der Miktionsschmerzen bzw. Ausscheidung nur geringer Urinmengen (Oligurie)

  • Harninkontinenz

  • Leukozyturie, Protein- und Hämaturie

Harnwegsinfekte sind ansonsten – nicht immer ganz leicht – nur aufgrund ihrer mittelspezifischen Leitsymptome, speziell der Schmerzlokalität- und Ausstrahlung voneinander zu unterscheiden (Tab. 15.2). Auf der Suche eines auf die jeweils individuelle Symptomatik am besten passenden Mittels (Simile) lohnt es sich, möglichst viele Rubriken und Unterrubriken vollständig nachzuschlagen, um ein vollständiges Symptom zu erhalten. Es gibt eine ganze Reihe von Mitteln, die sich in den einschlägigen Rubriken wiederholen und für den Bereich Niere und Harnwege Schwerpunktmittel darstellen.
Dulcamara
#DulcamaraHarnwegsinfektFolgen von Nässe und Unterkühlung des Unterleibs, „verkühlte Blase“, z. B. durch nassen Badeanzug, feuchtes Gras, Sitzen oder Liegen auf feuchtem Boden, nasskalte Witterung, Herbst, Blasenentzündung bei jeder Erkältung (Differenzieren kann man hier folgende Mittel: rhus-t: Folgen von Nässe, Kälte und Überanstrengung, dulc: Folgen von Nässe und Kälte, acon: Folgen von trockener Kälte). Sehr häufiger Harndrang, meist kommen dabei dann aber nur ein paar Tropfen. Es können, müssen aber nicht, Schmerzen beim Wasserlassen auftreten, sie können jedoch so heftig sein, dass der Harn zurückgehalten wird. Andererseits deckt Dulcamara auch Harninkontinenz nach Kälte und Nässe ab.
→Nieren; Entzündung; Verkühlung, nach (12): acon, ant-t, apis, canth, dulc, …
→Blase; Entzündung; Verkühlung, nach (20): acon, apis, calc, canth, duic, hep, lyc, puls, rhus-t, sars, sulph, …
→Blase; Harnentleerung unfreiwillig; Verkühlung, nach (5): alet, bell, caust, dulc, rhus-t
→Blase; Harnverhaltung; Kindern, bei; erkältet, jedes Mal, wenn sich das Kind (5): acon, cop, dulc, puls, sulph
→Blase; Harnverhaltung; schmerzhaft (29): acon, arn, ars, aur, bell, canth, caust, dulc, lyc, nit-ac, nux-v, puls, sars, ter, …
Die Lokalisation des Schmerzes und seine Ausstrahlung sowie Auffälligkeiten beim Urinieren und des Harns selber helfen, die verschiedenen homöopathischen Mittel zu unterscheiden.
Cantharis
#CantharisHarnwegsinfektOft indiziertes Mittel. Imperativer häufiger Harndrang, verstärkt beim Anblick oder Geräusch von fließendem oder plätscherndem Wasser. Der scharfe und trübe Urin geht unter größten Schmerzen – manchmal mit Schreien – nur tröpfchenweise ab oder wird wegen der Schmerzen ganz zurückgehalten. Schneidender und brennender Wundschmerz in der Harnröhre vor, während und nach dem Wasserlassen. Zusammenziehende Schmerzen abwärts von den Nieren zu den Harnleitern, von der Blase bis zu Urethra und Meatus ausstrahlend. Man hofft auf Erleichterung, wenn nur die Blase ganz entleert werden könnte. < Trinken, > Wärme. Blutung aus der Urethra und Eiweiß im Urin möglich. Auch bei Erregung des Genitale mit Erektionen und Priapismus während des HWI ist dieses Mittel angezeigt.
→Blase: Harndrang; fließendem Wasser, beim Anblick von (4): canth, kreos, lyss, sulph
→Blase; Harndrang, Wasser; hört oder die Hände darunter hält, wenn man fließendes Wasser (9): asim, canth, kreos, lyss, sulph, …
→Schmerz, Blasenschmerzen; Trinken agg. (1): canth
→Geist, Gemüt; Schreien, Kreischen, Brüllen; Urinieren; während (14): bor, lyc, pareir, prun, puls, sars, …
Cannabis sativa
#Cannabis sativaHarnwegsinfektSehr ähnlich wie Cantharis, was den Harndrang und den Schmerzcharakter betrifft, allerdings mit entgegengesetzter Schmerzausstrahlung. Er strahlt von der Öffnung der Harnröhre (Meatus) retrograd nach oben in Richtung Blase und evtl. weiter bis zum Rücken aus (Schlüsselsymptom). Der Meatus oder das externe Ostium urethtrae kann entzündet sein. Der meist brennende, beißende Schmerz tritt hauptsächlich am Ende, nach und unabhängig vom Urinieren auf. Weil die Harnröhre äußerst druck- und berührungsempfindlich ist, können die Patienten mitunter nur breitbeinig gehen und urinieren, oder die Oberschenkel werden wegen des unerträglichen Urethralschmerzes zusammengezogen. Der Urin fühlt sich heiß an und ist schleimig. Der Harnstrahl kann gespreizt oder gespalten sein. Die potenzierten Cannabis-Präparate Cannabis sativa und Cannabis indica sind weder halluzinogen noch suchtgefährdend. Dessen ungeachtet sind sie in Deutschland aufgrund ihrer Herkunftssubstanzen nicht handelsgängig und müssen im Ausland bestellt werden.
→Urethra – Schmerzen, Brennen – Meatus – erstreckt sich nach hinten (1): cann-s,
→Extremitäten – geht – breitbeinig (2): cann-s, phos
→Extremitäten – Kontraktion der Muskeln und Sehnen – allgemein – gezogen – zusammen, Oberschenkel (1): cann-s
Causticum
#CausticumHarnwegsinfektLähmung einzelner Körperteile. Blasenmittel bei Kälteempfindlichkeit mit starkem Harndrang, aber Unfähigkeit, fließend Urin zu lassen, allenfalls tröpfchenweise. Dies gelingt am besten im Sitzen (zinc) und während Stuhlgang (alum, tub, …). Blasenlähmung nach Operationen (op, staph). Andererseits aber auch unwillkürlicher Urinabgang ohne Vorwarnung, besonders wiederum im Sitzen, beim Gehen, beim Husten, Niesen, Schnäuzen, nach Entbindung, auch im ersten Schlaf (Bettnässen). Dabei wird der Urinabgang oft gar nicht bemerkt. Mittel bei Inkontinenz- und Enuresis. Wenn Schmerzen, dann eher nach dem Urinieren. Der Urin ist braun, dunkel und trübe, flockt aus, wenn man ihn stehen lässt. < Kaltes und trockenes Wetter, > Feuchtigkeit und Wärme. Unruhe mit Bewegungsdrang.
→Blase – Harnentleerung – unfreiwillig – tagsüber – nachts, und (6): ars, bell caust, gels, nux-v, petr
→Blase – Harnentleerung – unbewusst, Harnröhre empfindungslos, spürt nicht den durchfließenden Urin (16): apis, apoc, caust, cedr, chlol, cupr, kali-br, mag-m, sars, …
→Gemüt – Ruhelosigkeit, Nervosität – allgemein – bewegen – muss sich ständig (35): apis, ars, bell, canth, caust, cham, iodum, puls, rhus-t
→Blase – Harnretention – allgemein – Operationen (1): caust (Boericke)
Sarsaparilla
#SarsaparillaHarnwegsinfektSchmerzhafter HWI durch Verkühlung. Wichtigstes Mittel, wenn der Schmerz erst ganz am Ende und nach dem Urinieren am stärksten ist. Dieses Hauptsymptom muss genau, jedoch ohne Suggestion erfragt werden, denn die Blase ist insgesamt sehr schmerzempfindlich und die Kinder schreien oft schon in Erwartung des Schmerzes vor und während des Wasserlassens. Im Sitzen geht der Urin tropfenweise ab, nur im Stehen fließt er frei, unter Umständen, ohne dass man davon etwas spürt (caust). Urin hell und klar, aber auch flockig, käsig und mit Sediment beladen. Harnkonkremente in Form von Nierengrieß, Nierensand oder kleinen Steinchen möglich. Beziehung zu Uratsteinbildung in Nieren und Blase. Nach unten strahlende Nierenkoliken und Blutung.
→Urethra – Schmerzen – Brennen – Harnentleerung – agg. – Ende, am – letzte Tropfen verursachen heftiges Brennen (12): coloc, lyc, merc, mez, sars, …
→Blase – Harndrang, krankhafter – allgemein – häufig – Säugling schreit, bevor der Harn entleert wird (5): bor, lach, lyc, nux-v, sars
→Nieren – Schmerzen – Allgemein – Nierenregion – erstreckt sich – unten, nach (2): berb, sars
Belladonna
#BelladonnaHarnwegsinfektHeftiger und plötzlicher Beginn mit typischen Belladonna-Symptomen wie Fieber und Schwitzen, gerötetem Gesicht, geweiteten Pupillen, Durst, pulssynchron pulsierendem Schmerz und Nachtverschlimmerung. Blasenkrämpfe, die plötzlich kommen und gehen. Kinder nehmen im Schmerz Opisthotonushaltung ein, welche bessert. Blasenregion ist sehr bewegungs-, berührungs- und erschütterungsempfindlich, > Ruhe. Spontanhämaturie.
→Blase – Entzündung – Fieber, mit (12): acon, ars, bell, calc-s, canth, ferr-p, gels, tarent
→Blase – Schmerzen – allgemein – nachts (14): ant-c, bell, carb-an, coc-c, kreos, lith-c, lyc, merc, phos, solid, sulph
→Blase – Schmerzen – allgemein – Erschütterung, bei [Kent] (1): bell
→Harn – blutig – pathologische Ursache, ohne (1): bell
Mercurius corrosivus
#Mercurius corrosivusHarnwegsinfektPyelo- sowie Glomerulonephritis mit starkem krampfartigem scheinbarem Harndrang, < nach dem Urinieren, und dem Gefühl, niemals fertig zu werden. Brennen der Harnröhre. Makrohämaturie, Albuminurie, Leukozyten und Zylinder. Fieber und starkes nächtliches Schwitzen. Schwitzen beim Wasserlassen. Alle Ausscheidungen übelriechend, fauliger Mundgeruch.
→Blase – Harndrang, krankhafter – allgemein – Harnentleerung, nach (19): bell, berb, calc, cann-i, canth, caust, chim, cop, equis, nit-ac, nux-v, pareir, phos, puls, sabad, sars, staph, sulph, thuj
→Schweiß – Harnentleerung – während (11): acon, bell, hep, ip, lyc, merc, sep, sulph, thuj, …
→Allgemeines – Harnentleerung – agg. – Beendigung, bei (8): bry, canth, equis, mez, nat-m, petr, phos, sars
Hepar sulfuris
#Hepar sulfurisHarnwegsinfektZystourethritis und eitrige Pyeloglomerulonephritis, Nierenabszess mit entsprechend schweren klinischen Allgemeinsymptomen. Miktionsschmerzen. Urin entleert sich langsam und ohne Druck, tropft senkrecht herunter. Blasenschwäche mit Restharn. Blutung nach Miktion. Folge von Kälteeinwirkung.
→Blase – Harnentleerung – schwacher Strahl, langsam – tropft senkrecht heraus (11): agar, arg-n, bell, caust, gels, kreos, nat-m, sep, …
→Harn – blutig – Harnentleerung – nach, Blut fließt aus der Urethra (6): hep, mez, puls, sars, sulph, thuj
Petroselinum sativum
#Petroselinum sativumHarnwegsinfektBeißen, Kribbeln, Jucken in der Harnröhre ist das für dieses Mittel charakteristische Hauptsymptom. Dies kann so heftig sein, dass die Kinder mit den Füßen trampeln oder von einem Bein auf das andere springen. Oder sie reiben mit der Hand am Genitale. Plötzlicher Harndrang. Die Fossa navicularis urethrae kann jucken. Sie ist ein kahnförmig erweiterter Endabschnitt der Harnröhre innerhalb der Eichel.
→Blase – Harndrang, krankhafter – allgemein – schmerzhaft – Kind – springt vor Schmerzen auf und ab, wenn dem Drang nicht nachgegeben wird (1): petros
→Urethra – Ameisenlaufen, Kribbeln (25): canth, lyc, petros, puls, tarent, thuj, …
→Urethra – Prickeln (13): cann-i, clem, coc-c, clem, petros, plat, sep, staph, thuj, …
→Urethra – Juckreiz – Fossa navicularis (11): clem, cocc, petros sulph, thuj, …
→Urethra – Juckreiz – Fossa navicularis, Urinieren, nach (1): colch
Colocynthis
#ColocynthisHarnwegsinfektEbenfalls Urethrajuckreiz, speziell am Meatus urethrae. Urethraschmerzen hauptsächlich am Ende und nach dem Wasserlassen, oder auch während Stuhlgang. Bauchschmerzen beim Wasserlassen, die zum Zusammenkrümmen zwingen, welches bessert. Ebenso bessern Druck, Wärme, Koffein und Nikotin. Der HWI kann durch Abkühlung und Nässe und speziell durch Ärger und Verdruss ausgelöst werden. Die Stimmung ist auch während des Infektes sehr gereizt. Harndrang mit kleinen Mengen. Der Urin dickt beim Stehenlassen klebrig ein.
→Urethra – Juckreiz – Mündung (46): agar, ambr, cann-s, canth, caust, cocc, coloc, lyc, merc, merc-c, nat-m, p, nux-v, petr, petros, sulph, syph, …
→Urethra – Schmerzen – allgemein – Stuhl, bei (10): coloc, lil-t, mur-ac, nat-c, sulph, …
→Harn – dick – Stehenlassen, beim (18): berb, bry, cham, cina, coloc, hep, merc, sep, sulph, ter, thuj, …
→Harn – gallertartig, klumpig beim Stehenlassen (7): berb, cina, coloc, crot-h, ph-ac, puls
Nux vomica
#Nux vomicaHarnwegsinfektHäufiger, aber meist vergeblicher, krampfartiger Harndrang mit Völlegefühl im Sinn einer Reizblase. Harndrang zusammen mit Stuhldrang. Es kommt jeweils nur sehr wenig Urin, obwohl die spastische Anspannung der Blase und der entstehende Druck sehr unangenehm sind. Krampfartige, brennende Schmerzen vor allem vor und während des Wasserlassens in Blase und Urethra. Auch schmerzhafter Harnverhalt, insbesondere bei Urolithiasis. Juckreiz in der Harnröhre während Wasserlassen. Der Urin ist stark konzentriert, sedimenthaltig eingedickt und wirkt brennend heiß. Nux-vomica-Patienten sind gereizt und kälteempfindlich, reagieren schon auf kalte Füße und Zugluft <. Stressbelastung, Hektik und Stimulanzien, > Ruhe, Wärme und Niederlegen.
→Blase – Schmerzen – drückend – Harnentleerung – agg. – vor (24): arn, calc-p, nux-v, phyt, puls, ruta, sep, spig, …
→Blase – Schmerzen – drückend – Harnentleerung – agg. – bei (36): acon, berb, calc-p, dulc, hep, lach, lyc, nat-m, nux-v, sep, sil, spig, staph, …
→Blase – Harndrang, krankhafter – allgemein – vergeblich, ergebnislos – Stuhldrang, mit (6): alum, canth, dig, nat-m, nux-v, sumb
→Blase – Harndrang, krankhafter – allgemein – plötzlich – beeilen, muss sich zur Harnentleerung, sonst geht Harn unfreiwillig ab (81): acon, apis, arg-n, arn, ars, bell, cann-s, canth, clem, coc-c, dulc, kreos, merc, nux-v, petros, phos, puls, sep, staph, stram, sulph, thuj, …
→Blase – Harnentleerung – Dysurie – Kindern, bei – schreit vor dem Wasserlassen (11): acon, bor, canth, lach, lyc, nux-v, pareir, sars, …
Pulsatilla nigrans
#Pulsatilla pratensisHarnwegsinfektEin Hauptmittel für HWI durch Durchnässung, Verkühlung oder kalte Füße (auch dulc). Trotz Kälteempfindlichkeit fühlt sich der Pulsatilla-Patient an frischer Luft besser. Der Harndrang kann recht plötzlich auftreten, sodass man aufpassen muss, dass der Urin nicht unwillkürlich träufelt oder spritzt; dies passiert besonders leicht beim Gehen, im Stehen, Sitzen, Liegen (besonders auf dem Rücken), beim Lachen, Husten, Niesen und nachts. Miktionsschmerzen vor, während, am Ende und auch noch nach dem Wasserlassen möglich. Die Eigenheit von Pulsatilla, die Symptomatik schnell zu verändern, erschwert bisweilen die Mitteldiagnose. Pulsatilla-Kinder neigen zum Jammern, Weinen und Launenhaftigkeit, speziell auch beim akuten Infekt, sind aber gut zu trösten.
→Blase – Harndrang, krankhafter – allgemein – Liegen, im – agg. – Rücken, auf dem (2): prun, puls
→Blase – Harnentleerung – unfreiwillig – muss ihre Aufmerksamkeit darauf gerichtet halten (2): puls, sep
→Blase – Schmerzen – anfallsartig (4): caul, chel, cop, puls
→Blase – Schmerzen – krampfartig – Blasenhals – erstreckt sich in die Oberschenkel nach der Harnentleerung (1): puls
→Allgemeines – kalt – Abkühlung – eines Körperteils agg. – Füße: (46) acon, ars, calc, dulc, lyc, merc, nat-m, phos, puls, rhus-t, sep, sil, …
Thuja officinalis
#Thuja occidentalisHarnwegsinfektHarndrang abends und nachts. Schmerzen vor allem am Ende und nach dem Urinieren. Schmerzen in der Fossa navicularis. Miktion brennend und heiß. Leitsymptom: gespaltener Harnstrahl; < Kälte und Nässe. Hauptmittel des sykotischen Miasmas. Postgonorrhoische Infektionen, speziell Urethriden mit chronischem Urethralausfluss. Rezidivierende HWIs. Blasenpolypen. Folge von Impfungen. Schwitzen nur an unbedeckten Stellen.
→Blase – Harnentleerung – gespaltener Strahl (19): thuj, cann-s, canth, caust, merc, merc-c, petr, rhus-t, …
→Blase – Polypen (13): calc, con, graph, lyc, merc, phos, puls, sil, staph teucr, …
→Schweiß – Orte – Körperteile – unbedeckt (6): acon, bell, puls, thuj
Staphisagria
#StaphisagriaHarnwegsinfektDie ganze Bandbreite der urologischen Symptomatik mit vermehrtem vergeblichem Harndrang, erschwerter, nur tropfenweiser Miktion, Schmerzen, Harnretention, Entzündungen, Miktionsbeschwerden. Urethralschmerzen beim Wasserlassen. Manchmal lässt der Schmerz während der Harnentleerung nach. Wichtig für Staphisagria ist die Auslösung. So hilft es speziell, wenn sich diese Störungen nach Belastungen im urogenitalen Bereich einstellen, z. B. nach Blasenkatheter, Verletzungen, Operationen im kleinen Becken, besonders Blasensteinentfernung, Entbindung, nach Geschlechtsverkehr („Honeymoon-Zystitis“, Kasuistik „Honeymoon-Zystitis“). Auch bei Beschwerden infolge unterdrückter Sexualität.
→Abdomen – Operationen, nach (8): acon, bism, hep, nux-v, op, staph, …
→Urethra – Schmerzen – allgemein – Harnentleerung – vor – Harndrang, bei (10): aloe, alum, aphis, canth, cycl, dig, nux-v, prun, staph, sumb
→Blase – Entzündung – Frauen – frisch verheiratet: (1) staph
→Allgemeines – sexuell – Sexualtrieb, Unterdrückung von – agg. (28): agn, apis, bell, berb, brom, calc, camph, carb-v, con, hyos, kali-br, lil-t, lyc, orig, ph-ac, phos, pic-ac, plat, puls, stram, …
Arnica montana
#Arnica montanaHarnwegsinfektZystitis als Folge von Verletzungen, Eingriffen, Steinabgang. Nachträufeln und Bluten nach Operationen.
→Blase – Entzündung – Verletzungen, nach (2): arn, staph
Hamamelis virginiana
#Hamamelis virginianaHarnwegsinfektEbenfalls Blutungsmittel nach Verletzungen. Wie bei Staphisagria und Arnica, wenn Hämaturie mit Harndrang ganz im Vordergrund steht.
→Urethra – Hämorrhagie – reines Blut (11): bry, canth, mez, nux-v, ham, …
Aconitum napellus
#Aconitum napellusHarnwegsinfektWunderbares Schmerzmittel nach Zystoskopie (Spinedi).
Repertoriumsrubriken und Arzneimittel bei fortgeschrittenen und chronifizierenden Formen
Die Störung besteht schon länger, zu den bekannten Symptomen häufiges Wasserlassen, schmerzhaftes Wasserlassen und Absetzen von nur geringer Urinmenge (Wasserlassen oft, wenig und schmerzhaft) kommen jetzt zunehmend – nicht nur mikroskopisch – sichtbare und riechbare Urinveränderungen sowie Allgemeinreaktionen. Organische Ursachen wie z. B. Harnstau durch Stenosen oder VUR und ein defekter Immunstatus sind unbedingt auszuschließen.
Acidum benzoicum
#Acidum benzoicumHarnwegsinfektEkelhaft beißend scharf wie Ammoniak oder Pferdeurin stinkender, wund machender Urin von bräunlicher Farbe. Dieser Geruch haftet in der Wäsche. Urethralabsonderungen. Harnsäure im Übermaß kann zu Gelenkbeschwerden, Gichtsymptomatik führen.
→Harn – Geruch – Ammoniak, nach (55): asaf, aur, l, benz-ac, carb-v, dulc, iod, lach, merc, mosch, petr, phos, tub, …
→Harn – Geruch – Pferdeharn, wie (7): absin, aloe, nat-c, nit-ac, phos, …
Acidum nitricum
#Acidum nitricumHarnwegsinfektEbenfalls stark nach Pferdeharn riechender Urin. Wird beim Wasserlassen als kalt empfunden. Stechende Splitterschmerzen. Nachschmerz nach Urinieren. Harndrang < daran denken, > Fahren im Wagen. Harnsäure im Serum, Oxalsäure im Urin erhöht.
→Empfindung, als sei der Urin kalt (1): nit-ac
→Allgemeines – Fahren – amel. (31): nit-ac, arg-n, ars, bry, lyc, merc, nat-m, phos, puls, tarent, …
Acidum fluoricum
#Acidum fluoricumHarnwegsinfektBrennen in der Harnröhre v. a. vor und nach dem Urinieren. Abgang von reichlichem hellem Urin. Nach dem Wasserlassen fühlt sich der Patient jedes Mal sehr erleichtert und elastischer (Noack/Trinks). Wie bei Gelsemium werden Kopfschmerzen nach reichlich Urinieren besser.
→Kopf – Schwere, Völlegefühl – Harnentleerung amel. – starke (2): fl-ac, gels
Equisetum hiemale/arvense
#Equisetum hiemaleHarnwegsinfektExtrem starker und häufiger Harndrang, ständiges Völlegefühl in der Blase auch und besonders, wenn sie nur ganz wenig gefüllt ist. Nach brennend schmerzhaftem Abgang größerer Mengen eines oft dunklen und schleimigen Urins nimmt Völlegefühl und Harndrang paradoxerweise eher zu, also eher besser bei voller Blase. Schmerzen am Ende und nach der Miktion. Auch Schmerzen in der Gegend der Nieren. Nächtliche Inkontinenz.
→Blase – Harndrang, krankhafter – allgemein – häufig – Drang nimmt mit abnehmender Blase – Harnmenge zu (1): equis
→Harnentleerung – Dysurie – Harnfluss, mit reichlichem (1): equis
→Blase – Harnentleerung – unfreiwillig – nachts, Inkontinenz im Bett – ersichtliche Ursache, ohne, aus reiner Gewohnheit (1): equis
Terebinthina
#TerebinthinaHarnwegsinfektPyelonephritis mit dem speziellen Symptom: Der Urin weist einen veilchenartigen Geruch auf und ist dunkel, wolkig mit Blut und Eiweiß versetzt. Eher Oligurie. Brennende Nieren, Blasen- und Urethralschmerzen, Tenesmen (anhaltender schmerzhafter Harndrang). Oxalatsteine. Die Zunge ist glatt, glänzend rot, wie poliert.
→Harn – Geruch – Veilchen, nach (20): nux-m, phos, ter, viol-o, …
Berberis vulgaris
#Berberis vulgarisHarnwegsinfektBrennende Schmerzen von der (oft linken) Niere ausgehend, den Harnleiter entlang zu Blase, Harnröhre, Hoden und Oberschenkel abwärts strahlend. Sprudelndes, glucksendes Gefühl in den Nieren < Bewegung und Erschütterung. Urin mit grauem, lehmfarbenem oder leuchtend rotem Bodensatz aus Konkrementen (Urate). Gleichzeitig auch ein Lebermittel, das den Gallefluss anregt. Deshalb ein Mittel sowohl für die Nieren- als auch Gallensteinkolik. Besserung in Wärme und Ruhe.
→Nieren – Schmerzen – allgemein – erstreckt sich – die Harnleiter entlang, zur Blase (2): bell, ter
→Nieren – Schmerzen – allgemein – erstreckt sich – Oberschenkel, in die (5): berb, ip, kali-bi, nux-v, pareir
→Harn – Sediment – Calciumoxalat [SynthTE2009] (19): berb, caust, kali-s, lyc, nat-p, nit-ac, …
Solidago virgauera
#Solidago virgaureaHarnwegsinfektNieren- und Blasengegend schmerzempfindlich, Schmerzen ziehen zu Bauch und Blase. Schmerzhafte Miktion, > nach Wasserlassen. Dunkles Harnen mit Sediment. Harnausscheidungsfördernd. Ausgesprochen organspezifisches Nierenregulationsmittel bei sich hinschleppender Heilung.
→Nieren – Entzündung – chronisch – Parenchym (65): apis, ars, aur, benz-ac, canth, lyc, nit-ac, plb, puls, sep, solid, ter, …
Chimaphila umbellata
#Chimaphila umbellataHarnwegsinfektMuss zum Wasserlassen mit weit gespreizten Beinen pressen, den Kopf vornübergebeugt. Flattergefühl an den Nieren. Glucosurie im Urin eingedickt, schleimig, blutig.
→Blase – Harnentleerung – verzögert, muss auf den Beginn der Entleerung warten – Stehen – Harnentleerung nur möglich im – Beinen, mit breit gespreizten, und nach vorn geneigtem Körper, mit (1): chim
Pareira brava
#Pareira bravaHarnwegsinfektKolik von der linken Niere durch den Ureter bis zum Oberschenkel (berb). Harndrang. Muss pressen und sich dabei krümmen oder hinknien, den Kopf auf den Boden gedrückt. Ammoniakgeruch des Urins. Ziegelmehlsediment.
→Blase – Harnentleerung, verzögert, muss auf den Beginn der Entleerung warten – Knien, kann Harn nur auf den, und mit gegen den Fußboden gedrücktem Kopf entleeren (2): med, pareir
→Harn – Sediment – Sand – rot, Ziegelstaub (24): arn, chin, lyc, pareir, …
Populus tremulus
#Populus tremulusHarnwegsinfektBeim Wasserlassen brennende Schmerzen, danach hinter dem Schambein. Blasenentzündung in der Schwangerschaft, bei Prostatavergrößerung, nach Operationen an Blase und Harnleiter. Im Urin Schleim und Eiter.
Rezidivierende und chronische Harnwegsinfekte
Harnwegsinfekte (HWI)chronischeHarnwegsinfekte (HWI)rezidivierendeEin großes und häufiges Problem stellen wiederkehrende HWIs dar, die überwiegend rekurrierende Infekte mit Keimwechsel sind und einer hochwirksamen, aber nebenwirkungsarmen Reinfektionsprophylaxe bedürfen. Sie treten bei operierten und nicht operierten Harnflussstörungen auf, aber auch bei organisch völlig gesunden Personen. Die Durchführung einer allein antibiotischen Langzeittherapie zur Prophylaxe bakterieller Infekte vermag nichts zu einem Immuntraining beitragen. Im Gegenteil, die weiterhin fortbestehende Bereitschaft zu Neuinfektion mit Erregerwechsel und Resistenzentwicklung beweist den rein palliativen Effekt dieser Methode.
Mit einer ganzheitlichen homöopathischen Konstitutionsbehandlung lässt sich die spezifische Immunkompetenz auf Dauer derart optimieren, dass sich – trotz evtl. noch bestehender Risikofaktoren – neue HWIs nicht mehr manifestieren. Die Prognose der rein homöopathischen Behandlung im Sinne des Verschwindens der Anfälligkeit für HWI ist insbesondere bei dieser Indikation sehr gut.
  • Das individuelle Konstitutionsmittel wird nach der Gesamtheit aller persönlichen Symptome – speziell auch der nicht-urologischen – bestimmt (2.2, 2.3, 3.5).

  • Spätestens nach dem zweiten Rezidiv eines manifesten HWI und in jedem Fall einer funktionellen Abflussstörung sollte eine konstitutionelle Behandlung begonnen werden.

  • Die homöopathische Behandlung erstreckt sich über einige Jahre, in denen ein regelmäßiges Feedback mit Kontrollen von Urin und Harnwegen und die Entscheidung über die Fortsetzung des chronischen Mittels erfolgen müssen.

Die ausführliche homöopathische Anamnese und die kontinuierliche Führung des Patienten unter dem Konstitutionsmittel sollten sich allerdings nur in dieser Methodik erfahrene Homöopathen zutrauen. Durch falsche Mittelwahl und nicht fachgerechte Folgeverordnungen verursachte Misserfolge oder gar Verschlechterungen tragen nicht gerade dazu bei, das Vertrauen nicht-homöopathischer Kollegen in diese Behandlungsform zu festigen.
Die entsprechenden Repertoriumsrubriken sind sehr wertvoll, obwohl sie nur wenige Mittel enthalten, welche in allen Repertorien weitgehend übereinstimmen. Die wichtigsten darunter sind Lycopodium, Pulsatilla, Sepia, Staphisagria und die Nosoden Tuberculinum und Medorrhinum.
→Blase – Entzündung – rezidivierend (8): aq-mar, cand-a, foll, lyc, morg, puls, sep, tub
→Allgemeines – Krankengeschichte von – persönliche – Zystitis – von wiederkehrenden (9): aq-mar, gonotox, hep, lyc, med, moni, puls, sep, tub
→Allgemeines – Krankengeschichte von – persönliche – Zystitis – von wiederkehrenden – Kindern – bei (13): apis, asaf, borx, canth, caps, lach, lyc, med, nux-v, sars, sep, staph, tub
→Blase – Entzündung – chronisch (54)
Es können evtl. weitere Mittel hinzugezogen werden, v. a. wäre an Thuja zu denken, das zweite Hauptmittel der Sykosis.
Harnretention
HarnretentionEine akute Harnverhaltung liegt vor, wenn bei normaler Nierenfunktion und anatomisch durchlässigen Harnwegen der Patient unter Umständen trotz Harndrang nicht in der Lage ist, spontan und willkürlich Wasser zu lassen. Der Urin kann sich dabei von der vollen Blase in Ureteren und Nieren zurückstauen. Die häufigste Ursache sind Operationen, Entzündungen und andere Störungen im kleinen Becken sowie psychische Veranlassung. Oft bringt erst eine Katheterisierung Erleichterung.
Das Repertorium bietet eine Vielzahl guter Rubriken für die verschiedenen Formen dieser Störung. Wichtige Mittel sind Aconitum, Causticum, Opium, Apis, Nux vomica.
→Blase – Harnretention – allgemein – Säuglingen, bei (12): acon, apis, arn, bell, canth, coloc, lyc, nux-v, op, puls, … und zahlreiche Unterrubriken.
→Blase – Harnretention – allgemein – Kindern, bei (24): acon, apis, calc, caust, lyc, op, puls, … und zahlreiche Unterrubriken.
→Blase – Harnverhaltung – kann nicht urinieren in Gegenwart anderer (1): nat-m

Kasuistiken

Kasuistik

Rezidivierende Harnwegsinfekte (Michael Drescher)

Ein dreijähriges Mädchen hat im mit 14 Monaten den ersten HWI mit 41 °C Fieber und Exsikkose. Der Kinderarzt musste sie stationär einweisen. Der zweite Infekt begann zwei Jahre später mit Müdigkeit, am nächsten Tag trat hohes Fieber bis 40 °C auf. Beim dritten Infekt, einen Monat später, entwickelten sich Nierenschmerzen, Brennen beim Wasserlassen und weißen Schlieren im Urin. Erneute stationäre Einweisung. Die Antibiose mit Cotrimoxazol/Trimethoprim schlug nicht an, Ceporexin und ein drittes Antibiotikum auch nicht. Sie bekam Augmentan und Gentamycin i. v. Sonografisch unauffällig.

Anamnese

Das robust aussehende, warmblütige Mädchen zeigt folgende Symptome: Ruheloser Schlaf mit Abdecken, rezidivierende Otitis media. Stomatitis aphtosa immer nach Antibiotika. Beißen der Fingernägel, Lippenherpes, Augentränen bei Wind, Bevorzugung von rohen Speisen und kohlensäurehaltigen Getränken. Die Eltern trennten sich, als sie eineinhalb Jahre alt war, versorgen das Kind aber weiterhin abwechselnd.

Verordnung und Verlauf

Die Behandlung beginnt zwei Monate nach dem dritten Infekt mit Sulphur C 200 und wird sukzessive unter Wahrung der nötigen Abstände bis zur 100 000. Potenz weitergeführt. Beobachtungszeitraum: acht Jahre.
Eine Erinnerung an die Harnwege zeigt sich nur ganz gelegentlich mit vermehrtem Harndrang und ganz selten mit leichtem Brennen beim Wasserlassen, meist nach Unterbrechung der Mittelgabe. Die Urinkontrollen sind unauffällig. Sehr selten treten leichte Hautausschläge an wechselnden Stellen auf. Infekthäufigkeit für das Alter subnormal. Unkompliziertes Verhalten.
Anmerkung: Sulphur ist in der wichtigen Rubrik →Blase – Entzündung – rezidivierend← nicht enthalten, aber in →Blase – Entzündung – chronisch.

Kasuistik

Akuter Harnwegsinfekt (Michael Drescher)

Ein sechsjähriges Mädchen wird vorgestellt: Seit drei Tagen bestehen wenig produktiver Harndrang, Brennen der Harnröhre während des Wasserlassens. Der Urin ist hell und riecht etwas nach Ammoniak, Mikrohämaturie. Die Schamlippen sind gerötet. Das Ganze begann nach einer Schlittenpartie.

Eine Gabe Dulcamara C 30 beendet die Beschwerden.

Kasuistik

Rezidivierende akute Harnwegsinfekte (Michael Drescher)

Anamnese

Das siebenjährige Mädchen musste nachts dreimal Wasserlassen, was sie sonst nie hat. Am Morgen weiter häufiger Harndrang, mit Schmerzen am Ende des Wasserlassens, mittags Blutspur im hellen Urin. Das Mädchen versucht den Harn zurückzuhalten. Die Zunge ist weißlich belegt.

Verordnung und Verlauf

Sie bekommt Sarsaparilla C 30. Der Harndrang lässt nach, am nächsten Tag bestehen noch Urethra-Schmerzen und gelegentlich Hämaturie am Ende des Wasserlassens. Nitrit positiv, Blut positiv, Uricult negativ (nach Sarsaparilla). 24 Stunden nach der ersten Gabe wird Sarsaparilla C 30 wiederholt. Ab diesem Zeitpunkt bleibt sie beschwerdefrei.
Zwei Jahre später bestehen erneute Beschwerden mit starkem Harndrang alle halbe Stunde. Die Schmerzen treten bevorzugt vor und nach der Miktion auf, es besteht auch gelegentlich leichte Makrohämaturie. Die Mutter hatte bereits Dulcamara gegeben, weil ihre Tochter zuvor nasse und kalte Füße hatte, aber ohne Erfolg. Was half, war Cantharis C 30.
Wegen Fingerwarzen, Jähzorn durch Widerspruch, Abneigung gegen Kartoffeln, Nasenverstopfung nachts u. a. bekam sie später konstitutionell jahrelang mit Erfolg Sepia.

Kasuistik

Rezidivierende Harnwegsinfekte (Michael Drescher)

Anamnese

Eine kinderurologisch ansonsten unauffällige Sechsjährige leidet unter rezidivierenden HWIs, zuletzt mit E. coli und wurde bisher wiederholt antibiotisch behandelt. Es schloss sich eine Dauerprophylaxe mit Nifuretten an, welche die Mutter nach sechs Wochen beendete. Danach setzten die HWI wieder in rascher Folge ein.
Eigenbehandlungen mit Cantharis, Petroselium, Equisetum, Sarsaparilla, Sulphur, Solidago bringen keinen überzeugenden Erfolg. Typisch sind Harndrang halbstündlich, Schmerzen vom Meatus ausgehend am Ende des Urinierens, Urin dann auch blutig.

Verordnung und Verlauf

Die Repertorisation ergab Cannnabis sativa, das als C 30, 2 Globuli gegeben wurde. Bei einem weiteren Infekt ein Jahr später wegen Stechen und Brennen am Meatus nach Wasserlassen wird Cannabis indica C 30 verabreicht. In weiteren Fällen, die mit nächtlichem Einnässen einhergingen, Pulsatilla. Die Konstitutionsbehandlung schloss sich und lief zunächst mit Lycopodium (Mollusca contagiosa, Juckreiz am After, Abneigung gegen kalte Speisen, Widerspruchsgeist) nicht so glücklich. Eine Nachanamnese ergab dann Pulsatilla (eigenartiges Verhalten zu Buben, sie stänkert nur zu ihnen hin oder rauft sich mit ihnen. Lautes Weinen nach Kränkung. Verlangen nach Obst u. a.) Sie wurde damit drei Jahre behandelt. In dieser Zeit trat nur ein Harnwegsinfekt auf.

Kasuistik

„Honeymoon“-Zystitis (Michael Drescher)

Anamnese

Seit dem 17. Lebensjahr leidet die 20-jährige Patientin an rezidivierenden Harnwegsinfekten, die zu Beginn alle zwei bis vier Wochen auftraten, später bestanden hin und wieder sechs Monate Pause. Antibiotische Akutbehandlungen, Rezidive auch unter einer Dauerprophylaxe mit Nitrofurantoin. Sie ist ausgiebig urologisch und gynäkologisch untersucht worden. Alles begann erst, als sie ihren ersten Freund hatte und dauert nun schon drei Jahren an.
Homöopathische Versuche bei einem Kollegen mit Staphisagria (sicher das Mittel, an das man zuerst denkt) brachten anfangs nur vorübergehende Verbesserung, Sepia als konstitutioneller Versuch hatte keine Wirkung.

Anamnese

Es handelt sich um eine ehrgeizige, sehr gewissenhafte, ordentliche, in der Ausbildungsumgebung weitgehend angepasste Jugendliche mit festen Vorstellungen. Bestimmend, aber mit zugegebenen verdeckten Unsicherheiten und Entscheidungsschwächen. Sie bezeichnet sich selber als nicht so verschmust. Sehr oft Lippenherpes in unsauberer Umgebung.

Verordnung und Verlauf

Die Symptome Nägelbeißen, Zähneknirschen, Ärger über Kleinigkeiten, Prüfungsangst, Abneigung gegen kalte Getränke, Handgelenksekzem auf Süßes ergaben Lycopodium. Einen halben Tag nach der ersten Einnahme, einer C 1000, stellt sich Harndrang und aufsteigendes Brennen beim Urinieren ein. Therapie: viel trinken, Wärme, Ruhe, abwarten. Am nächsten Tag ist alles vorbei. Vier Wochen später eine ähnliche eintägige Episode. Kurz darauf hatte sie einen Tag „Blinddarmschmerzen“, sie ist ein halbes Jahr vorher appendektomiert worden. Die Behandlung mit Lycopodium C 1000 und anschließend nach der Kent-Reihe wird fortgesetzt.
14 Monate nach Behandlungsbeginn tritt nach Baden und Verkühlung während eines Zeltlagers ein akuter HWI mit folgenden Symptomen auf: Harndrang jede Stunde, wobei jeweils nur kleine Mengen abgegeben werden. Vom Meatus urethrae in den Bauchraum aufsteigendes Brennen während des Wasserlassens. Beim Abtupfen Blutfäden. Abgeschlagenheit. Die letzte Einnahme des damals wieder aktuellen Lycopodium 1000 lag zweieinhalb Monate zurück. Die sofortige Wiederholung von Lycopodium 1000 noch in der Praxis. Diese Dosis beseitigt alle Symptome innerhalb eines halben Tages. Harnwegsinfekte sind unter Lycopodium nie mehr aufgetreten.
Aus psychosomatischer Sicht „symbolisieren Zystitiden im Zusammenhang mit Geschlechtsverkehr weniger ein sexuelles Problem als vielmehr einen Konflikt im Partnerbereich im Sinne einer Nähe-Distanz-Problematik. Ihren zentralen unbewussten Beziehungskonflikt könnte man folgendermaßen beschreiben: Ein schwankendes Selbstgefühl weckt regressive Wünsche und Sehnsüchte nach Verschmelzung mit einem stützenden Selbst-Objekt, die aber aus Angst vor der Selbstaufgabe wieder abgewehrt werden müssen. Hingabe ist also mit der Angst vor Selbstaufgabe verbunden“ (Diederichs 2000). Dies ist nun gerade eine der zentralen Ideen des Gemütsbildes des homöopathischen Mittels Lycopodium (Sankaran, Coulter, Bailey).

Kasuistik

Akute Zystitis (Horst Hauptmann)

Anamnese

Ein 12-jähriger Junge kommt nachmittags wegen akuter Blasenentzündung in die Praxis. Seit 15:00 Uhr hat er heftige Schmerzen beim Wasserlassen in der Blase und in der Harnröhre, besonders am Schluss der Miktion. Gleichzeitig kommt auch Blut. Die Schmerzen werden auf Befragen als brennend angegeben. Am Vortag war er von einem fremden Hund an der rechten Hand oberflächlich gebissen worden, woraufhin er mit Tetanol geimpft wurde (Auffrischimpfung).
Die klinische Untersuchung ergibt keinen krankhaften Befund, insbesondere keinen Palpationsschmerz der Nierenlager bzw. der Blasengegend. Genitale o. B. Der oberflächliche Kratzer vom Hundebiss am rechten Handrücken ist reizlos.
  • Laborwerte (Urin-Stäbchentest): Blut ca. 250 Erythrozyten, Eiweiß schwach positiv

  • Sediment: massenhaft Erythrozyten, z. T. in Haufen, einzelne Leukozyten

Repertorisation

→Allgemeines – Impfung, nach
→Urin – blutig – letzter Teil des Urins – Schmerz in der Blase, mit heftigem
→Urin – blutig – letzter Teil des Urins
→Blase – Schmerz – Urinieren – Ende des, gegen
→Harnröhre – Schmerz – Urinieren – Ende des, gegen
→Allgemeines – nachmittags (13:00–18:00 Uhr)

Verordnung und Verlauf

Sarsaparilla C 200, 2 Globuli. Telefonischer Bericht am nächsten Tag: Die Beschwerden sind sogleich vergangen. Der Hausarzt hat keinen pathologischen Urinbefund mehr erheben können. Laborwerte vier Tage später: Erythrozyten ca. 5–10, Sediment: ganz vereinzelt Erythrozyten und Leukozyten. Laborwerte zwölf Tage später: Urin-Stäbchentest negativ. Sediment: ganz vereinzelt Urate. Das Befinden des Jungen ist gut und bleibt stabil.
Literatur (15.2)

Blasen- und Nierensteine

Michael Drescher

Grundlagen

Ätiologie

Blasen- und NierensteineBlasen- und Nierensteine entstehen durch Kristallisation von im Urin gelösten mineralischen Substanzen bei Überschreiten des Sättigungspunktes, der von der Konzentration, vom Urin-pH und von einem Mangel kristallisationshemmender Substanzen abhängig ist. Die Inzidenz von Harnsteinen bei Kindern liegt zunehmend bei 2–5 %, mit Überwiegen der Jungen.

Info

Je jünger die Kinder sind, desto distaler ist die Steinlokalisation, nämlich dann eher in Blase und Urethra.

Klinik

Die Symptome sind Nieren- und Blasenkoliken, ein auffälliger Urinbefund (typische Kristallformen im Sediment, Hämaturie) und/oder ein zufällig beobachteter Spontanabgang von Gries.

Konventionelle Therapie und unterstützende Maßnahmen

Therapieziele sind:
  • Schmerzbehandlung während der Kolik (in deren Verlauf der Stein manchmal abgeht)

  • Auflösung des Konkrements und die Verhinderung erneuter Steinbildung

Unterstützende Maßnahmen: Preiselbeersaft (Cranberry) säuert den Urin-pH an und beugt damit der Phosphatsteinbildung vor. Schwarzer Johannisbeersaft alkalisiert den Urin und wirkt den Uratsteinen entgegen (Kessler et al. 2002).

Homöopathische Behandlung der Urolithiasis

Die homöopathische Behandlung von dauerhaft pathologischem Harnsediment bei Stoffwechselstörungen folgt analog der Behandlung chronisch-rezidivierender HWIs konstitutionell.
Nur im hochakuten Fall einer Steinkolik kann mit organotrop gedachtem Mitteleinsatz einerseits eine Schmerzbekämpfung, andererseits eine Steinauflösung versucht werden, begleitend zu den konventionellen Maßnahmen.

Repertoriumsrubriken und homöopathische Arzneimittel: Schmerzbehandlung

RepertoriumsrubrikenNierensteineRepertoriumsrubrikenBlasensteineDie Sammelrubrik für Nieren- und Blasensteine →Blase – Steine, Blasensteine← enthält 110 Arzneimittel. Zielführend für eine Akutbehandlung sind die breit in Symptome, Lokalitäten und Modalitäten aufgefächerten Unterrubriken.
Belladonna
#BelladonnaBlasen-/NierensteineDer Schmerz ist plötzlich, klopfend. Der Patient ist erschütterungsempfindlich, evtl. Blutkongestion zum Gesicht, harter Puls.
Colocynthis
#ColocynthisBlasen-/NierensteineAuch hier leistet dieses große Schmerz- und Kolikmittel gute Dienste. Plötzlich einschießender ziehender Schmerz, der zum Krümmen zwingt.
Dioscorea villosa
#Dioscorea villosaBlasen-/NierensteineFächerförmig ausstrahlender Schmerz, der zum Durchstrecken, Überstrecken, Zurückbeugen zwingt, < beim Zusammenkrümmen.
Magnesium phosphoricum
#Magnesium phosphoricumBlasen-/NierensteineBlasenkrämpfe, > Krümmen, Druck, Massage, Hitze und Wärme („heiße 7“, Schüßler-Salz Nr. 7).
Coccus cacti
#Coccus cactiBlasen-/NierensteineKrampfartige Schmerzen von Nieren durch Harnleiter zur Blase. Ziegelrotes Sediment. Einziges Mittel im Repertorium mit Harnröhrenschmerzen und Dysurie bei Nierenkolik (besser bekannt als Keuchhustenmittel: lautes Rasseln, klarer, fadenziehender Schleim, < beim Erwachen).
→Urethra – Schmerzen – allgemein – Nierenkolik, mit (1): coc-c
Berberis vulgaris
#Berberis vulgarisBlasen-/NierensteineFördert den Steinabgang. Rotes Sediment.

Repertoriumsrubrik und homöopathische Arzneimittel: Steinbehandlung im schmerzfreien Intervall

RepertoriumsrubrikenBlasensteineRepertoriumsrubrikenNierensteineEs werden z. T. Mittel nach isopathischem Prinzip angewandt, also potenzierte Mineralien, aus denen die Steine selbst bestehen.
Phosphatsteine
Bei Hyperphosphaturie bzw. Phosphatsteinen ist der Urin oft milchig-trüb und alkalisch. Die sogenannten „Milchpisser“.
→Harn – milchig (9): coloc, lyc, ph-ac, phos, sec, …
→Harn – Sediment – Phosphate – erhöht (51): alf, ferr-m, benz-ac, calc, canth, kali-br, nit-ac, ph-ac, phos, sang, solid, ter, thlaspi, …
  • Phosphoricum acidum: Totale Schwäche, z. B. bei Diabetes, weiße Wolken im Urin.

  • Calcium phosphoricum: Nierenschmerzen bei Heben oder Schnäuzen. Dunkler Urin, durchdringender Geruch.

  • Phosphorus: Hämaturie, vielerlei Sediment.

Kalziumoxalatsteine
Blasen- und NierensteineKalziumoxalatsteineHarn – Sediment – Calciumoxalat (19): nit-ac, berb, kali-s, lyc, nat-p, nat-s, ox-ac, plb, rhus-t, ter, …
  • Acidum oxalicum: Muss urinieren, sobald er daran denkt.

  • Terebinthina: Dunkler rauchfarbiger Urin mit Veilchengeruch.

Uratsteine
Blasen- und NierensteineUratsteineBei Kindern selten. Repertoriumsrubrik: →Harn – Sediment – Urate (34): berb, caust, lyc, nat-m, sars, sep, solid, …
  • Lycopodium: Lebermittel, bei ungenügender Entgiftung: Steinbildung oder Harnsäureablagerung in den Gelenken.

    →Allgemeines – Harnsäurediathese, Lithämie (138).

  • Solidago: Steinaustreibend, diuretisch, spasmolytisch, antiphlogistisch.

Andere beobachtete Urinqualitäten
→Urin Häutchen bildet sich auf der Oberfläche beim Stehen (59): par, sep, calc, coloc, dulc, graph, hep, iodum, lyc, med, petr, phos, sars, …
→Urin – rot (1): mez
→Urin – schillernd (25): par, phos, puls, all-c, petr, sars, sep, …

Drainage-oder Ausleitungsmittel

DrainagemittelNierenhomöopathische ArzneimittelDrainagemittelDiese Mittel haben einen besonderen Bezug zu den Stoffwechsel- und Ausscheidungsorganen.
  • Allgemeine Ausleit- und Entgiftungsmittel sind z. B. Sulphur, Nux vomica, Pulsatilla und Okoubaka.

  • Speziell für die Leberfunktion sind dies z. B. Carduus marianus, Chelidonium, Lycopodium und Taraxacum.DrainagemittelLeber

  • Für die Nieren Berberis, Solidago und Causticum.

Mit diesen Mitteln können die Ausscheidungsfunktion der Nieren generell angeregt, die Reinigung des Organismus von toxischen Stoffen – insbesondere bei chronischen Erkrankungen mit Störungen der Ausscheidungsfunktion – verbessert und beschleunigt werden.

Praxistipp

Eine solche, rein organotrope Behandlung sollte nicht unbedingt während einer Konstitutionsbehandlung durchgeführt werden. Sie ersetzt diese auch nicht, kann aber zur Stabilisierung von krankheitsanfälligen und geschwächten Nieren und Harnwegen beitragen und zwischengeschaltet werden.

Eine entsprechende Kur wird mit reichlich Flüssigkeitszufuhr (Volvic-Wasser, Blasen-, Brennnesseltee) durchgeführt und kann nach einem Vorschlag von M. Dorcsi folgendermaßen aussehen:

  • Berberis D 3, 4–5 × 5 Globuli, vier Wochen lang, anschließend

  • Solidago D 3, 4–5 × 5 Globuli, vier Wochen lang, anschließend

  • Causticum D 4, 4 × 5 Globuli oder Cantharis D 6, 3 × 5 Globuli (v. a. bei Blasenerkrankungen), vier Wochen lang.

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Rv Zandvoort Complete Repertory deutsch 2002 Sonderedition für Radar 2002 Kent Homeopathic Associates Inc. San Rafael

Nephrotisches Syndrom

Sigrid Kruse

Kasuistik:

Martin Hirte

Grundlagen

nephrotisches SyndromDas nephrotische Syndrom ist definiert als Proteinurie (über 40 mg/m2KOF/h bzw. >1 g/m2KOF/d), kombiniert mit einer Hypalbuminämie unter 25 g/l (laut ISKDC: International Study of Kidney Disease in Children). Ödeme und Hyperlipidämie sind meistens assoziiert, gehören aber nicht obligat zur Diagnose.
Die Häufigkeit des idiopathischen nephrotischen Syndroms beträgt ca. 1,8 auf 100 000 Kinder unter 16 Jahren, d. h. dass in Deutschland jährlich 200–250 Neuerkrankungen auftreten. Das typische Alter liegt zwischen 1 und 10 Jahren. Jungen sind doppelt so häufig betroffen wie Mädchen. In 90 % der Fälle sprechen die betroffenen Patienten auf eine 1-monatige Therapie mit Steroiden an. (AWMF 2016).

Ätiologie

Ursache ist ein Verlust von Eiweiß (hauptsächlich Albumin) über den Urin aufgrund erhöhter Permeabilität der glomerulären Basalmembran. Beträgt der Proteinverlust mehr als 40 mg/m2KOF/h, handelt es sich um eine große Proteinurie. Folge ist eine Hypalbuminämie mit Absinken des onkotischen Drucks und Verlagerung intravasaler Flüssigkeit ins Interstitium. Es entstehen die typischen Ödeme. Die Hyperlipoproteinämie ist wahrscheinlich Folge einer Stimulation der Lipoproteinsynthese in der Leber durch Hypoproteinämie. Durch Verlust von Immunglobulinen und Komplementfaktoren kommt es zu einer Störung der humoralen und zellulären Immunität und dadurch zu vermehrter Anfälligkeit gegenüber Infektionen. Eine erhöhte Thrombosegefahr besteht aufgrund des ATIII-Verlustes, verminderter intravasaler Flüssigkeit und der begleitenden Thrombozytose.
Das idiopathische nephrotische Syndrom wird zu 85 % von der Minimal-Change-Glomerulonephritis (= Lipoidnephrose) ausgelöst, bei der die Glomeruli morphologisch unverändert sind. Sie ist zu über 95 % sensibel auf die Therapie mit Steroiden. Es gibt außerdem die fokal-segmentale Glomerulosklerose und die mesangial-proliferative Glomerulonephritis, die weniger steroidsensibel sind und eine schlechtere Langzeitprognose haben (Schärer 2002).

Klinik

nephrotisches SyndromKlinikCharakteristisch ist der plötzliche Beginn über Tage bis Wochen mit peripheren Ödemen, insbesondere im Gesicht (morgendliche Lidödeme) und an der unteren Extremität, aber auch am Rücken und bei Jungen im Skrotalbereich, sowie mit Aszites und Pleuraerguss. Weitere Zeichen sind Gewichtszunahme, Durst und Oligurie. Auffallend ist der schaumige Urin. Häufige Begleitsymptome sind Müdigkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen und ein reduzierter Allgemeinzustand. Anamnestisch lässt sich manchmal ein vorausgegangener Virusinfekt eruieren. Nephritische Zeichen wie Hämaturie und Blutdruckerhöhung sind eher selten und meist passager.

Diagnostik

Aufgrund der Anamnese und der körperlichen Untersuchung wird die Verdachtsdiagnose eines nephrotischen Syndroms gestellt. Der Urinstix zeigt eine deutliche Proteinurie, die zur Bestätigung der Diagnose in einem 24h-Urin quantitativ gemessen werden sollte. Typischerweise findet sich eine große Proteinurie (Gesamteiweißausscheidung über 40 mg/m2KOF/h). Außerdem sollte im Sammelurin der Urin-Eiweiß/Kreatinin-Quotient bestimmt werden.
  • Weitere Urinbefunde sind: passagere Mikrohämaturie (30 % der Kinder), hyaline Zylinder und Oligurie (weniger als 200 ml Urin/m2 KOF/d).

  • Laborchemisch fällt eine Hypalbuminämie (unter 25 g/l) auf, die sich auch in der Proteinelektrophorese bei relativer Erhöhung hochmolekularer Globuline (α2- und β-Globuline) zeigt.

  • Des Weiteren sind folgende Laborauffälligkeiten typisch: Hypokalzämie (erniedrigter proteingebundener Anteil), Hyperlipidämie, Erniedrigung des ATIII, erhöhter Hämatokrit. Meist finden sich Normalwerte für Kreatinin, Harnstoff und Komplement C3.

  • In der Sonografie sind die Nieren normal oder vergrößert. Wichtig ist die Dopplersonografie zum Ausschluss einer Nierenvenenthrombose.

Zunächst kann bei typischem Manifestationsalter und primärem Ansprechen auf die Steroidtherapie auf eine Nierenbiopsie verzichtet werden, da es sich meist um eine Minimal-Change-Glomerulonephritis handelt. Eine Biopsie ist primär indiziert bei Kindern >10 Jahren, bei nephritischem Syndrom und bei Verdacht auf eine Systemerkrankung. Im weiteren Verlauf ist eine Nierenbiopsie angezeigt, bei mehr als vier Rezidiven pro Jahr, bei Steroidabhängigkeit, d. h. Auftreten eines Rezidivs während der Steroidtherapie, oder bei sich entwickelnder Steroidresistenz (AWMF 2016).

Komplikationen

nephrotisches SyndromKomplikationenEin idiopathisches nephrotisches Syndrom kann mit schwerwiegenden Komplikationen einhergehen, insbesondere bei steroidresistenten Formen mit prolongierter Hypalbuminämie. Man unterscheidet akute Komplikationen in der Phase der nephrotischen Proteinurie (Thromboembolien, Infektionen, prärenales akutes Nierenversagen, Lungenödem) und Komplikationen, die durch den langfristigen Verlauf oder dessen Therapie bedingt sind (Osteoporose), Kleinwuchs und erhöhtes kardiovaskuläres Risiko (Benz, 2012). Gefürchtete Komplikationen sind ein hypovolämischer und/oder nephrogener Schock, akute Niereninsuffizienz und Thrombosen/Thrombembolien mit einer Häufigkeit von 2–5 %. Durch Störung der humoralen und zellulären Immunität treten gehäuft allgemeine Infektionen auf. Bedrohlich können eine Sepsis oder eine Peritonitis werden, deren wichtigste Erreger Pneumokokken, Staphylokokken, Streptokokken und gramnegative Erreger sind. Begünstigt durch die Ansammlung seröser Flüssigkeit besteht ein erhöhtes Risiko für Phlegmonen, Empyeme und Pneumonien. Auch eine Varicella-Infektion kann lebensbedrohlich werden. Durch anhaltende Proteinurie kann sich ein Mangelernährungszustand entwickeln mit verzögertem Wachstum, Schmelzdefekte der Zähne und trophischen Störungen der Haut, Haare und Nägel. Weitere Komplikationen sind Anämie, Hypothyreose (durch renalen Verlust thyroxinbindenden Globulin), Vitamin-D-Mangel (durch renalen Verlust von Vitamin-D-bindendem Globulin), Invagination (AWMF 2016).

Konventionelle Therapie

Das nephrotische Syndrom ist ein Krankheitsbild, das typischerweise in Schüben verläuft. Dabei ist der Krankheitsverlauf zunächst schwer vorhersehbar. Die Prognose wird entscheidend von der Steroidsensibilität beeinflusst. Die langfristige Betreuung betroffener Kinder ist anspruchsvoll und sollte in einem Zentrum für pädiatrische Nephrologie durchgeführt werden in enger Zusammenarbeit mit dem Haus- bzw. Kinderarzt (AWMF 2016).

Symptomatische Therapie

  • nephrotisches SyndromTherapiesymptomatischeÖdeme: Mäßige Flüssigkeitsrestriktion (cave: Hypovolämie), natriumarme Kost (unter 2 mmol Natrium/kg/d). Bei schweren Ödeme sind weitere Maßnahmen indiziert:

    • Diuretika wie Furosemid in niedriger Dosierung 1–2–5 mg/kgKG/d oral oder intravenös, (cave: intravasale Volumendepletion mit der Gefahr von Thrombembolie und akuter Niereninsuffizienz)

    • Albumin-Infusionen bei therapieresistenten Ödemen mit deutlichem Aszites in einer Dosierung von 0,5–1 g/kgKG als Albumin 20 % über 1–2h (nur vorübergehende Besserung erzielbar)

    • Antibiotikaprophylaxe (Peritonitis- und Sepsisgefahr)

    • Antithrombin III (= ATIII) i. v.

    • Frühzeitige Mobilisierung und Vermeidung von Hämokonzentration (als Thromboseprophylaxe)

    • Zentrale Venenkatheter möglichst meiden wegen des Thromboserisikos.

  • Komplikationen:

    • Bakterielle Infektionen: frühzeitige Antibiotikagabe (wegen Gefahr der Sepsis)

    • Hypogammaglobulinämie: Gammaglobulin i. v.

    • Verdacht auf Thromboembolie: Heparinisierung

    • Hypertonie: Senkung des Blutdrucks: (Thiazide, Betarezeptorenblocker, Kalziumantagonisten, ACE-Hemmer)

    • Terminale Niereninsuffizienz: Dialyse, evtl. Nierentransplantation

  • Impfungen: Bedingt durch den sekundären Antikörpermangel, eine verminderte zelluläre und humorale Immunität können Infektionen für Kinder mit idiopathischem nephrotischem Syndrom lebensbedrohlich werden. Daher werden folgende zusätzliche Impfungen empfohlen:

    • Pneumokokken-Impfung mit 23-valentem Pneumokokken-Impfstoff

    • Jährliche Impfung gegen Influenza

    • Varicellen-Impfung (Gibson et al, 2009)

  • Ernährung:

    • Vollwertige Mischkost mit normaler Eiweiß- und Natriumzufuhr

    • Bei Mangelernährungszustand erhöhte Kalorienzufuhr

    • Bei hochdosierter Steroidtherapie Einschränkung der Kohlenhydrate und der Fettzufuhr

Immunsuppressive Therapie

Standardisierte Prednison-Therapie (nach Empfehlung der Arbeitsgemeinschaft für Pädiatrische Nephrologie APN, Evidenzgrad 1B)
nephrotisches SyndromTherapieimmunsuppressiveDurch die Steroide wird die pathologische Proteindurchlässigkeit der glomerulären Basalmembran beeinflusst.

Info

Da beim idiopathischen nephrotischen Syndrom in etwa 5 % Spontanremissionen vorkommen, kann abhängig von der Schwere der klinischen Präsentation mit der Initialtherapie gewartet werden, bis Proteinurie und Ödeme sieben Tage persistieren (Schärer 2002).

Initialtherapie (bei Erstmanifestation)
Prednison 60 mg/m2KOF/d (entsprechen ca. 2 mg/kg/d) in 3 Einzeldosen, maximal 80 mg/d für 6 Wochen, danach Reduktion auf 40 mg/m2KOF/d (entsprechen 1,5 mg/kg/d) in einer morgendlichen Einzeldosis, maximal 60 mg/d jeden 2. Tag für weitere 6 Wochen. Ein Ausschleichen der Steroide am Ende der alternierenden Therapie ist nicht erforderlich. Das weitere Vorgehen ist vom Verlauf abhängig. Drei Möglichkeiten müssen unterschieden werden:
  • Steroidsensibles nephrotisches Syndrom: Bei 90 % der Patienten besteht nach Behandlungsende keine Proteinurie mehr.

  • Steroidresistentes nephrotisches Syndrom: Proteinurie und Ödeme bleiben bestehen. Zur weiteren Klärung ist eine Nierenbiopsie notwendig.

  • Steroidabhängigkeit: Bei Rezidiv innerhalb von 14 Tagen nach Absetzen von Prednison ist eine Rezidivtherapie indiziert.

Rezidivtherapie
nephrotisches SyndromTherapieRezidivtherapiePrednison 60 mg/m2KOF/d in 3 Einzeldosen, bis der Urin mindestens drei Tage lang eiweißfrei ist. Danach Reduktion der Dosis auf 40 mg/m2KOF/d in einer morgendlichen Einzeldosis jeden zweiten Tag für weitere vier Wochen (AWMF 2016).
In 23 % der Rezidive von Kindern mit häufig rezidivierendem idiopathischem nephrotischem Syndrom und in 10 % derjenigen mit Steroidabhängigkeit beobachtet man spontane Remissionen der Proteinurie ohne Steroidtherapie. Man kann daher versuchen, bei einem Rezidiv zunächst für sieben Tage auf Steroide zu verzichten. Bei starker Proteinurie oder zunehmenden Ödemen mit Gewichtszunahme sollte die Behandlung mit Prednison begonnen werden. Bei häufigen Rezidiven und steroidabhängigem nephrotischem Syndrom wird eine steroidfreie Therapie mit anderen Immunsuppressiva durchgeführt: mit Cyclophosphamid oder mit langfristigem Einsatz von Cyclosporin A (unter Spiegelkontrolle). Die Therapieentscheidung muss dem Einzelfall angepasst werden, wobei „nil nocere“ bei einer Krankheit, die schließlich häufig ausheilt, oberster Leitsatz bleiben muss (AWMF 2016).
Bei steroidresistentem nephrotischem Syndrom wird die Therapie nach Klärung der Ätiologie durch Nierenbiopsie festgelegt. Die Therapieempfehlung ist dabei abhängig von der Histologie und von den Erfahrungen des jeweiligen kindernephrologischen Zentrums Weitere Reservemedikamente zur Immunsuppression sind u. a. Tacrolimus, Mycophenolatmofetil und Levamisol.
Die Anwendung von Rituximab wird nur bei Patienten mit kompliziertem Verlauf des steroidsensiblen idiopathischen nephrotischen Syndroms empfohlen, speziell bei Rezidiven unter Dauerimmunsuppression oder schweren Nebenwirkungen der Medikamente. Rituximab ist ein Anti-CD20-Antikörper, der für die Behandlung von B-Zell-Lymphomen entwickelt wurde und zur B-Zell-depletierenden Therapie bei Autoimmunerkrankungen eingesetzt wird. Aufgrund der seltenen, aber teilweise schweren unerwünschten Arzneimittelwirkungen (u. a. akutes Lungenversagen, schwere Infektionen, late-onset Granulozytopenie) und noch unklarer Langzeit-Nebenwirkungen wird die Gabe von Rituximab derzeit nur als Reservemedikation empfohlen (Larkins et al, 2015). Rituximab wird intravenös verabreicht und sollte unter stationären Bedingungen erfolgen. Die Anwendung, Überwachung und Nachbeobachtung einer Therapie mit Rituximab ist pädiatrisch-nephrologischen Zentren vorbehalten (AWMF 2016).
Verlaufskontrolle
  • Im akuten Schub: Flüssigkeitsbilanz, tägliches Wiegen, Blutdruckmessung, Lungenauskultation (Pleuraerguss?), quantitative Eiweißausscheidung im Urin, regelmäßige Laborkontrollen (Hämoglobin, Hämatokrit, Eiweiß, Albumin, Kreatinin, Harnstoff, Natrium, Kalium, Calcium, Antithrombin III, Komplement C3), Sonografie (Pleuraerguss? Aszites?) (Kurz 2000).

  • Im rezidivfreien Intervall: Zur Therapieüberwachung und Früherkennung von Rezidiven wird eine tägliche Albustix-Kontrolle des Morgenurins bis mindestens zwei Jahre nach dem letzten Rezidiv empfohlen. Außerdem sollten die Eltern in einem Heft chronologisch die eigenen Beobachtungen wie das Ergebnis täglicher Albustix, Körpergewicht, Ödeme und Infektionen dokumentieren. So lassen sich Auslöser für ein Rezidiv wie eine Infektion frühzeitig erkennen und behandeln (Schärer 2002).

Prognose
nephrotisches SyndromPrognoseDie Mortalität des idiopathischen nephrotischen Syndroms im Kindesalter betrug vor der Antibiotikaära 50–70 %. Die meisten betroffenen Kinder starben an Begleitinfektionen. Neben der Antibiotikatherapie hat die Einführung der Kortikosteroide die Prognose wesentlich verbessert. Heute ist die Mortalität auf 2,5 % gesunken, wobei vor allem Patienten mit primärer Steroidresistenz betroffen sind (Schärer 2002).
Beim steroidsensiblen nephrotischen Syndrom ist ein Drittel der Patienten nach einer Episode gesund, ein Drittel hat seltene Rezidive, die jeweils wieder erfolgreich mit Steroiden behandelt werden können, und ein Drittel hat häufige Rezidive, sodass eine komplizierte immunsuppressive Therapie durchgeführt wird (Brandis 2001).
Weitere Komplikationen können medikamentenbedingt durch die jeweils notwendige immunsuppressive Therapie auftreten. Typische Folgen einer Steroidtherapie können unter anderem sein: Cushing, Minderwuchs, Steroiddiabetes, Infektanfälligkeit, Kleinwuchs, Osteoporose und Thrombosen. Auch die Chemotherapeutika Cyclophosphamid und Cyclosporin A können Nebenwirkungen im Bereich der Leber, Nieren, Knochenmark, Nervensystem, Haut und Gastrointestinaltrakt hervorrufen (Rote Liste 2017).
Gegen Ende der zweiten Lebensdekade kommt es beim steroidsensiblen nephrotischen Syndrom meistens zur Spontanremission (Muntau 2004). Beim steroidresistenten nephrotischen Syndrom ist die Langzeitprognose sehr unterschiedlich in Abhängigkeit von der Ätiologie. Bei schwerem Verlauf kommt es innerhalb weniger Jahren zu zunehmender Funktionseinschränkung der Niere bis hin zur terminalen Niereninsuffizienz, die die Indikation zur Dialyse oder zur Nierentransplantation darstellt (Brandis 2001).

Homöopathische Behandlung

Eine homöopathische Therapie kann begleitend bei Kindern mit nephrotischem Syndrom eingesetzt werden. Zu beachten ist, dass die homöopathische Therapie ergänzend zum oben beschriebenen Therapieplan in enger Zusammenarbeit mit den Kindernephrologen angewendet wird. Wichtig ist die regelmäßige Kontrolle des Urins mithilfe des Albustix, um eine Proteinurie und damit ein Rezidiv frühzeitig zu erkennen und behandeln zu können.
Das nephrotische Syndrom ist eine chronische Erkrankung, die typischerweise in Schüben verläuft. Der Verlauf und die Langzeitprognose sind dabei von Fall zu Fall sehr unterschiedlich. Daher ist eine individuelle, konstitutionelle Therapie des kranken Kindes notwendig unter Berücksichtigung der jeweiligen Diathese (4).
Zunächst wird eine ausführliche homöopathische Anamnese erhoben. Anschließend wird das Kind körperlich untersucht, um es mit allen Sinnen wahrzunehmen und klinische Auffälligkeiten zu erkennen. Für die Arzneimittelfindung ist die Natur der Störung (= spezifische Pathologie, hier: Niere) sehr wichtig, aber auch die Konstitution und Diathese des jeweiligen Kindes und seine auffallenden Symptome, die repertorisiert werden. Ganz entscheidend ist die Gewichtung der Symptome und Zeichen, wobei die Hauptbeschwerden des Kindes für die Arzneimittelfindung besonders berücksichtigt werden
Neben der konstitutionellen Therapie gibt es bei Kindern mit chronischen Erkrankungen für Lokalbeschwerden bzw. bestimmte krankheitsspezifische Pathologien (Natur der Störung) die Möglichkeit der organotropen Verordnung. Nach Dorcsi ist dabei die „Bewährte Indikation“ für die tägliche Praxis sehr hilfreich, d. h. die Verordnung von Arzneien, die sich bei bestimmten Krankheitserscheinungen aufgrund der Erfahrung von Generationen von Ärzten sehr bewährt haben. Sie werden vor allem nach den Lokalsymptomen und Modalitäten verordnet.

Repertoriumsrubriken

Die folgenden Ausführungen zur begleitenden homöopathischen Therapie bei Kindern mit nephrotischem Syndrom sollen einige Möglichkeiten zur Therapieerweiterung aufzeigen, ohne erschöpfend sein zu können. Es wurde versucht, einige wichtige Rubriken zusammenzustellen, aber bei weitergehendem Interesse ist es unumgänglich, in den Arzneimittellehren und Repertorien weitere Differenzialdiagnosen zu stellen. Um die Diathese und Krankheitsbereitschaft des einzelnen Kindes zu behandeln, sollte bei jedem Kind nach Erheben einer ausführlichen Anamnese eine konstitutionelle Therapie angestrebt werden.
Nephrotisches Syndrom
Repertoriumsrubrikennephrotisches SyndromIm Synthesis sind folgende Rubriken aufgeführt:
→Niere – nephrotisches Syndrom (47): apis, apoc, aran, cortiso, cupr-ars, merc, …
→Niere – Nephrose (10): apis, bar-ox-suc, calc-ar, carc, ferr-ar, loxo-recl, morg-g, phos, solid, syc
Nephrose ist hier der Sammelbegriff für degenerative Erkrankungen der Niere, die mit Albuminurie, generalisierten Ödemen und Hypercholesterinämie einhergehen.
Das Dorcsi-Symptomenverzeichnis nennt folgende Rubriken:
→Niere und Harnableitung – Nephrosklerose (15): apis, apoc, ars, aur, calc-ar, form-ac, kali-ar, phos, plb, scarl, sec, solid, squil, syph, tub
→Niere und Harnableitung – Hydrops (21): abrot, acet-ac, apis, apoc, ars, betu, blatta-o, calc-act, cupr-ars, dig, fl-ac, kali-act, kali-c, kali-n, merc, nit-ac, nux-v, olnd, phos, quas, solid, squil, thyr, urea-n
Ödeme
Synthesis
RepertoriumsrubrikenÖdemeAllgemeines – Schwellung – aufgedunsen, ödematös (90)
→Allgemeines – Wassersucht – äußere Wassersucht – Albuminurie, mit (7): apis, aur-m, chin, eup-pur, helon, hep
→Allgemeines – Wassersucht – äußere Wassersucht – Nieren, durch Erkrankung der (36): apis, arg-n, asc-c, calc-p, chim, colch, dig, hell, merc, merc-c, sal-ac, solid, …
→Gesicht – Schwellung – Augen, um die (32): apis, kali-c, rhus-, …
→Gesicht – Schwellung – ödematös (52): apis, ars, calc, graph, lyc, …
→Männliche Genitalien – Schwellung – Skrotum – ödematös (23): apis, ars, graph, rhus-t, …
→Extremitäten – Schwellung – Beine – wassersüchtig (60): apis, ars, china, lyc, samb, …
→Extremitäten – Schwellung – Beine – wassersüchtig – Albuminurie, bei [roter Künzlipunkt] (7): apis, ars, calc-ar, ferr, lach, sars, tere, …
→Extremitäten – Schwellung – Füße – ödematös (83): apis, ars, chel, graph, lyc, med, merc-c, samb, …
→Abdomen – Wassersucht – Aszites (89): apis, apoc, ars, lyc, te, …
→Brust – Erguss – Pleuraerguss (6): ant-ar, ars, sulf, …
Dorcsi-Symptomenverzeichnis
→Haut – Morphologie – Ödem (42): apis, apoc, ars, cact, calc-f, crat, graph, kali-ar, merc, phos, prun, puls, rhus-t, solid, sulph, …
→Augen – Lider – Schwellung (12): acon, apis, ars, cham, cycl, ip, kali-c, phos, puls, rhus-t, squil, uran-n
→Männliche Genitalien – Hodensack – Schwellung, Ödem (13): apis, arn, ars, cann-s, canth, fl-ac, graph, lyc, merc, nat-m, nux-v, puls, rhus-t
→Extremitäten – Unterschenkel – Ödem (57): apis, ars, aur, cact, calc-f, crat, dulc, graph, kali-ar, kali-c, kali-n, rhus-t, ser-ang, sil, solid, stront-c, sulph, …
→Herz – Herzschmerzen – Wassersucht (35): abrot, acet-ac, ant-t, apis, apoc, ars, aur, blatta-o, bry, calc-ar, chin, colch, conv, crat, dig, hell, kali-act, kali-ar, kali-c, kali-n, kalm, lac-ac, lach, lyc, nit-ac, phos, prun, quas, solid, squil, stroph-h, sulph, tere-ch, urea, urt-u, …
Urin
Synthesis
→Urin – eiweißhaltig (181): apis, ars, aur-m, calc-ar, glon, hell, lac-d, lyc, merc-c, nat-ar, nat-c, nat-p, ph-ac, plb, rhus-t, ter, …
→Urin – Zylinder, enthält (31): apis, calc-ar, carc, cortiso, guat, kali-chl, lat-m, loxo-recl, nat-ar, nat-m, phos, plb, puls-n, pyrog, sul-ac, uran-met, uran-n, …
→Urin – spärlich (334)
Dorcsi-Symptomenverzeichnis
→Urin – Eigenschaften – eiweißhaltig (47): am-be, ant-t, apis, arg-met, arg-n, ars, aur, bals-p, berb, calc-ar, cann-i, canth, carb-ac, chinin-fcit, coc-c, colch, cop, crot-h, dig, equis-a, form, glon, hell, helon, hep, hydr-ac, kali-ar, kali-bi, kali-chl, kali-i, kali-s, kreos, lach, lyc, merc-c, nit-ac, phos, pic-ac, pix, plb, pyrog, sabin, sal-ac, stroph-h, terebe, uran-n, verat-v
→Urin – Eigenschaften – zylinderhaltig (8): apis, arg-n, ars, canth, merc-c, nat-ar, phos, plb
→Urin – Entleerung – spärlich, saturiert (37): acon, adon, aesc, agar, aloe, am-be, apis, apoc, ars, benz-ac, berb, bry, calc-ar, camph, canth, colch, conv, crat, dig, haem, hell, helon, kali-bi, kali-br, kali-c, lith-c, lyc, merc, nat-m, op, psor, sabin, sal-ac, sep, solid, stram, terebe, verb

Homöopathische Arzneimittel

Die wichtigsten Arzneien für Kinder mit nephrotischen Syndrom sind nach Dorcsi: Apis mellifica, Apocynum cannabinum, Phosphorus, Cuprum arsenicosum und Arsenicum album.
Apis mellifica
#Apis mellificanephrotisches SyndromApis ist das erste Mittel, an das wir bei nephrotischem Syndrom denken sollten. Wichtiges Leitsymptom sind lokale oder generalisierte Ödeme. Es handelt sich um ein wichtiges Nierenmittel, bei dem Proteinurie und verminderte Harnsekretion typisch sind. Weitere Hinweise auf Apis sind: wenig Durst, Verschlechterung durch Wärme und Besserung durch Abkühlung, empfindlich gegen Berührung, große Ruhelosigkeit und geschäftige Unruhe.
Apocynum cannabinum
#Apocynum cannabinumnephrotisches SyndromBei Apocynum sind die Ödeme das führende Leitsymptom. Neben generalisierten Ödemen treten Aszites, Pleuraerguss und Anasarka auf. Des Weiteren sind Harnretention und Niereninsuffizienz beschrieben. Die Kinder haben viel Durst und schwitzen nicht. Im Unterschied zu Apis sind sie fröstelig und verschlechtern sich bei Kälte. Daher wird Apocynum auch als „chronisch fröstelnde Apis“ bezeichnet.
Arsenicum album
#Arsenicum albumnephrotisches SyndromArsenicum album ist das tiefste Mittel bei Nierenerkrankungen, wenn sie bedrohlich werden. Im Urin sind Eiweiß, Zylinder und Blut zu erkennen. Das Kind hat Ödeme und ist erschöpft bis kachektisch, aber unruhig und ängstlich. Es will nicht allein sein, vor allem in der Nacht. Es hat unstillbaren Durst, will aber immer nur einen kleinen Schluck kaltes Wasser trinken. Auffallend ist beim Kind, dass es sehr ordentlich bis pedantisch ist.
Cuprum arsenicosum
#Cuprum arsenicosumnephrotisches SyndromCuprum ist als Metall ein tiefgreifendes Mittel mit großer Beziehung zur Niere bis hin zur Niereninsuffizienz. Im Urin finden sich Eiweiß und Zylinder. Außerdem ist eine Oligurie bis Anurie beschrieben. Es treten Ödeme auf, die aber weniger ausgeprägt sind als bei Apis. Typisch für Cuprum ist die Neigung zu schmerzhaften Muskelkrämpfen.
Phosphorus
#Phosphorusnephrotisches SyndromPhosphorus ist ein wichtiges Mittel bei nephrotischem Syndrom. Typisch sind die große Schwäche und Erschöpfung. Auch Phosphorus ist ein wichtiges Nierenmittel. Passend zum nephrotischen Syndrom sind deutliche Lidödeme, eiweißhaltiger Urin sowie Zylinder im Urin. Leitsymptom für Phosphorus ist die Überempfindlichkeit aller Sinne. Beispielsweise sind die Kinder auffallend kitzlig bei der Untersuchung und empfindlich auf Gerüche. Außerdem haben die Kinder häufig viele Ängste, z. B. Angst vor der Dunkelheit, beim Alleinsein und vor Gewitter.

Kasuistik

Nephrotisches Syndrom (Sigrid Kruse)

Ein sechsjähriges Mädchen wurde erstmals in der Pädiatrischen Ambulanz wegen nephrotischen Syndroms vorgestellt. Die Eltern wünschten eine begleitende homöopathische Therapie, damit die Rezidive seltener und die Nebenwirkungen der Steroidtherapie geringer werden.

Anamnese

Das nephrotische Syndrom begann nach einem protrahiert verlaufenen Infekt mit Rhinitis. Klinisch fiel das Kind mit Lidödemen, Reizbarkeit und motorischer Ungeschicklichkeit auf. Bei der Untersuchung wurden ein Aszites und ein Pleuraerguss festgestellt, laborchemisch zeigte sich eine große Proteinurie sowie eine Hypalbuminämie. Damit war die Diagnose eines nephrotischen Syndroms gesichert. Der Nephrologe verordnete Prednison und Penicillin zur Infektionsprophylaxe während des Aszites. Nach fünf Tagen verschwand die Proteinurie im Sinne einer Remission. Allerdings traten in der Folge bei jedem Infekt der oberen Luftwege Rezidive auf, zum Teil alle 14 Tage als Frührezidiv. So bekam das Kind immer wieder die beschriebene Rezidivtherapie mit Prednison. Als Nebenwirkungen kam es regelmäßig zu Kopf- und Bauchschmerzen.
Ein Rezidiv beginnt meist nach einem Infekt, der sehr symptomarm verläuft mit einseitig verstopfter Nase oder etwas Halsschmerzen, selten Fieber. Häufig ist der Rachenabstrich positiv auf Streptokokken, sodass dann Antibiotika verordnet werden. Nach dem Infekt fallen dunkle Augenringe, „muffeliger“ Mundgeruch und das veränderte Verhalten auf. Das Mädchen beginnt wegen Kleinigkeiten mit der Mutter zu streiten, z. B. um die Kleidung. Sie schreit und tobt dann heftig. Die Proteinurie im Urinstix und die Lidödeme beweisen das Rezidiv, das erneut mit Prednison behandelt wird. Bisher kommt das Mädchen damit immer rasch in Remission. Also handelt es sich um ein steroidsensibles nephrotisches Syndrom.
Das Mädchen hat einen sehr guten Appetit, besonders auf Süßes, aber auch auf Obst und Gemüse. Abneigung gegen Fleisch, Fisch und Zwiebeln.
Sie hat Ekel auf fremden Toiletten und Brechreiz durch den Geruch vom Stuhlgang anderer. Der Stuhl ist häufig gärig. Schweiß an den Füßen. Häufiges Erwachen um den Vollmond herum. Musik hat sie sehr gern und tanzt gern, auch vor Publikum. Die Kleidung ist ihr sehr wichtig. Das Mädchen wird als sehr fröhlich, lebhaft und impulsiv beschrieben. Sie ist sehr bestimmend, redet viel und hat einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Sie schmust gern. Die große Schwester ist ihr Vorbild, aber Eifersucht spielt eine große Rolle. Sie kann stolz und überheblich sein. Angst hat sie nur vor Spinnen und Einbrechern. Das Mädchen ist sehr mitfühlend und leidet sehr, wenn ein Tier angefahren wird.
Vorgeschichte: Das Mädchen war nach unauffälliger Schwangerschaft und Geburt für sechs Monate gestillt worden. Als Säugling war sie pflegeleicht und schwitzte nachts häufig im Nacken. Die weitere Entwicklung verlief altersentsprechend. Das Kind erkrankte immer wieder an Otitis media und Streptokokken-Angina, die häufig antibiotisch behandelt wurden. Erwähnenswert sind eine hornige Warze am rechten Mittelfinger und ein rezidivierendes Gerstenkorn rechts. Außerdem tritt nach Genuss von Kiwi oder Orangensaft ein Brennen im Genitalbereich auf.
In der Familienanamnese fallen wiederholte Krebserkrankungen sowie Purpura-Schönlein-Henoch und Sjögren-Syndrom auf.

Verordnung und Verlauf

Die homöopathische Behandlung wurde begonnen mit einer Einzelgabe Sulphur C 200 wegen wiederholter Antibiotikagaben in der Vorgeschichte, Verlangen nach Schokolade und dem auffallenden Ekel auf fremden Toiletten. Außerdem ist das Mädchen sehr bestimmend und redet gern. Nach Sulphur C 200 wurde sie viel ausgeglichener. Streitereien traten kaum noch auf. Das fiel sogar der Schwester auf.
Zehn Tage später wurde die homöopathische Therapie fortgesetzt mit Terebinthina C 6 für vier Wochen. Terebinthina (= Terpentin) ist eine bewährte Arznei mit großer Nierenbeziehung und Neigung zu Ödemen. Anschließend bekam das Mädchen Medorrhinum C 200 als Erbnosode, um die harnsaure Diathese im Hintergrund zu behandeln. Anschließend wurde Thuja C12 (= Lebensbaum) als Folgemittel nach Medorrhinum C 200 verordnet – aufgrund des nephrotischen Syndroms und gestützt durch die Symptomatik wie die Warze am rechten Mittelfinger und am linken Fuß und das rezidivierende Gerstenkorn. Danach war das Mädchen recht stabil. Trotz eines Infekts mit Rhinitis trat erstmals kein Rezidiv des nephrotischen Syndroms auf.
Beim Eintritt in die Schule kam es im Rahmen eines fieberhaften Infekts zum Rezidiv, drei Monate nach Beginn der homöopathischen Therapie. Parallel zur Rezidivtherapie mit Prednison wurde zunächst wegen des Infekts Pyrogenium C 30 an drei aufeinanderfolgenden Tagen und anschließend bei anhaltender Proteinurie drei Tage lang Arsenicum album C 30 gegeben. Außerdem wurde Cortisonum C 30 jeden Sonntag empfohlen, um Nebenwirkungen der Steroidtherapie abzufangen. Daraufhin traten erstmals unter der Rezidivtherapie keine Kopf- und Bauchschmerzen auf.
Im weiteren Verlauf wurden Thuja C 12, Chininum arsenicosum C 6 und Silicea C 6 und C 12 nacheinander aufgrund der aktuellen Symptomatik verordnet mit intermittierender Gabe von Medorrhinum C 200 alle paar Monate. Als zwei Monate später erneut ein Infekt mit Erbrechen und Otitis media auftrat, blieb der Urin eiweißfrei. Das nächste Rezidiv trat erst fünf Monate später auf, danach ein Rezidiv nach zwei Monaten im Anschluss an eine Hepatitis-B-Impfung.

Beurteilung

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass bei diesem Mädchen mit nephrotischem Syndrom unter homöopathischer Begleitbehandlung die Rezidive seltener geworden sind, aber weiterhin auftreten, die Rezidivtherapie mit Prednison besser vertragen wird (unter Cortisonum C 30). Die Kopf- und Bauchschmerzen sind nicht wieder aufgetreten.
Es wurde bewusst eine komplexe Krankengeschichte ausgewählt, um zu zeigen, wie schwierig es ist, den langfristigen Verlauf beim nephrotischen Syndrom zu beurteilen. Außerdem soll verdeutlicht werden, dass die homöopathische Behandlung bei Kindern mit nephrotischem Syndrom nur eine begleitende Therapie sein kann. Ein Rezidiv ist beim steroidsensiblen nephrotischen Syndrom mit Prednison zu behandeln.

Kasuistik

Nephrotisches Syndrom (Martin Hirte)

Der 2½-jährige Nils entwickelte nach einem Urlaub auf einer Tropeninsel im Januar 1997 ein nephrotisches Syndrom. Die Eltern führten die Erkrankung auf die starke Sonneneinstrahlung und viele Mückenstiche zurück. Nils wurde zuerst stationär und dann ambulant insgesamt zwölf Wochen mit Ultralan behandelt. Nach der Klinikentlassung erfolgte die homöopathische Anamnese.

Anamnese

Nils ist ein warmblütiges Kind und auch vom Temperament her „hitzig“. Er hat enorm viel Energie und einen sehr starken Willen („Breeeze!“). Ihm ist schnell langweilig und er braucht viel Bewegung und Anregung. Zu anderen Kindern ist er eher grob, auch aggressiv: Er schubst sie und schaut dann, was passiert. Manchmal beißt er sie auch. Mit seinem Besitz ist er sehr geizig und lässt andere nicht gerne damit spielen. Er ist eher unruhig, bleibt nie lange sitzen, hat es immer eilig. Er isst gerne und viel, hat ein Verlangen nach Rohkost und Obst, trinkt auch puren Zitronensaft und ist gierig nach Bier. Der Schlaf ist gut, er schwitzt am Kopf und deckt sich jede Nacht ab. Er schläft in Knie-Ellenbogen-Lage und nimmt diese Lage auch ein, wenn es ihm schlecht geht, etwa wenn er krank ist. Der Körpergeruch ist „abgestanden“. Er reagiert stark auf Mückenstiche und hatte deshalb schon mehrfach eine heftig angeschwollene Ohrmuschel. Die Geburt war normal, an Krankheiten hatte er einmal Stomatitis und einen schwereren grippalen Infekt nach einer Impfung. In der Familie gibt es Arthrose, Asthma und Allergien.

Repertorisation

→Gemüt – boshaft (144): anac, ars, hyos, med, nux-v, stram, tub, …
→Gemüt – Geiz (45): ars, med, puls, lyc, sil, …
→Gemüt – Hast, Eile – immer in Eile (10): arg-n, med, nux-v, sul-ac, …
→Kopf – Schweiß – nachts (29): calc, calc-p, kali-c, med, merc, sil, tub, …
→Allgemeines – Liegen – Knie-Ellenbogen-Lage – amel. (10): carc, kalic, lyc, med, sep, …
→Allgemeines – Speisen – Bier – Verlangen (106): med, nux-v, puls, sulph, …
→Allgemeines – Speisen – Zitronen – Verlangen (36): bell, med, merc, sabad, …
Als Simile wurde Medorrhinum gewählt. Das Mittel deckt gut die Gesamtheit der Symptome ab – etwa die Unruhe und das heftige Gemüt, die Körperwärme – und auffallende Symptome wie das Verlangen nach Zitrone und Bier. Die Knie-Ellenbogen-Lage im Schlaf ist im Alter von drei Jahren nicht ungewöhnlich, aber die Bevorzugung dieser Lage während Krankheiten macht das Symptom hier verwertbar. Medorrhinum hat auch den Bezug zu den Urogenitalorganen und findet sich dreiwertig in der Rubrik →Allgemeines – Wassersucht – äußerlich. Für Medorrhinum typisch ist auch die starke Reaktion auf Insektenstiche. Für das sykotische Miasma sprechen die starke Impfreaktion sowie das Asthma und die Arthrose in der Familienanamnese.

Verordnung und Verlauf

Medorrhinum Q 1, Q 2 und Q 3 jeweils vier Wochen parallel zur (ausschleichenden) Gabe von Ultralan. Der Allgemeinzustand war während der ganzen Zeit gut, der Urin war bereits bei der Krankenhausentlassung eiweißfrei.
Ein halbes Jahr später kam es nach einem fieberhaften Luftwegsinfekt erneut zu einer ansteigenden und schließlich großen Proteinurie (1800 mg/24h) mit Ödemen. Eine Woche nach der Gabe von Medorrhinum C 200 war die Eiweißausscheidung rückläufig, lag zehn Tage später trotz eines erneuten Fieberschubs bei 356 mg/24h, nach weiteren fünf Tagen bei 30 mg/24h. In den Folgemonaten kam es zwei weitere Male zu einer passageren Proteinurie mit leichten Lidödemen, jedes Mal nach Aufenthalt in der Sonne und Mückenstichen (wie beim allerersten Mal). Im Alter von vier Jahren machte Nils eine Masernerkrankung durch, die er komplikationslos überstand. Danach trat keine Proteinurie mehr auf. Nachbeobachtungszeit sieben Jahre.

Beurteilung

Sicherlich kann es sich bei dieser Krankengeschichte auch um einen Spontanverlauf handeln. Beeindruckend ist jedoch, dass drei Rezidive ambulant ohne Cortison gut abheilten. Außerdem die schon Hahnemann bekannte Tatsache, dass chronische Krankheiten wie das nephrotische Syndrom durch eine Masernerkrankung abheilen können (vgl. Organon, § 29).

Literatur

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AWMF: Leitlinie S2e: Idiopathisches Nephrotisches Syndrom im Kindesalter: Diagnostik und Therapie, 07/2016 der Gesellschaft für Pädiatrische Nephrologie(GPN).

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D. Reinhardt Therapie der Krankheiten im Kindes- und Jugendalter 7. A 2004 Springer Berlin

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Rote Liste 2017 Aulendorf 2017 Edition Cantor Verlag ECV

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K. Schärer O. Mehls Pädiatrische Nephrologie 2002 Springer, Berlin Berlin

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M. Dorcsi Homöopathie 6. A Konstitution, Stufenplan und Ausbildungsprogramm in der Homöopathie Bd. 3 1998 Haug Heidelberg

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M. Dorcsi Homöopathie 7. A Organotropie, Stufenplan und Ausbildungsprogramm in der Homöopathie Bd. 4 1998 Haug Heidelberg

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M. Dorcsi Homöopathie-Kurse für Ärzte und Kinderärzte, persönliche Mitschriften, Deutsche Akademie für Entwicklungsrehabilitation, München 1989–1997

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H. Hauptmann Homöopathie in der kinderärztlichen Praxis 2. A 1994 Haug Heidelberg

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H. Imhäuser Homöopathie in der Kinderheilkunde 7. A 1985 Haug Heidelberg

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A. Voegeli Homöopathische Therapie der Kinderkrankheiten, bearb. v. Lucae C 9. A 2009 Haug Stuttgart

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