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B978-3-437-56313-3.00014-5

10.1016/B978-3-437-56313-3.00014-5

978-3-437-56313-3

Schweregrade der ExsikkoseExsikkoseGastroenteritis bei DehydratationGastroenteritis, akuteExsikkose

Tab. 14.1
Exsikkosegrad Verlust des Körpergewichts in % Symptome
Leicht 5 % Keine oder gering
Mittel 5–10 %
  • Trockene Schleimhäute

  • Langsam verstreichende Bauchhautfalten

  • Leicht halonierte Augen

  • Leicht eingesunkene Fontanelle

  • Leichte Tachypnoe und Tachykardie

Schwer > 10 %
  • Schlechter Allgemeinzustand

  • Stehenbleibende Bauchhautfalten

  • Eingesunkene Fontanelle

  • Ausgetrocknete Schleimhäute

  • Hohes Fieber

  • Somnolenz oder Krämpfe

  • Schockzeichen

Indikationen zur parenteralen RehydratationRehydratationparenterale bei akuter Gastroenteritis

Tab. 14.2
Absolute Indikation
  • Schock

  • Akute schwere Malnutrition

  • Unfähigkeit, orale Flüssigkeit aufzunehmen:

  • Persistierendes Erbrechen

  • ZNS-Beteiligung mit Krämpfen und Koma

  • Mund- und Pharynxverletzungen

  • Säuglinge < 2500 g

Relative Indikation
  • Nicht gestillter Säugling < 3 Monaten

    • mit mäßigem Allgemeinzustand

    • mit schlechter sozialer Situation

  • Intermittierendes Erbrechen oder Anorexie

  • Nach notfallmäßiger parenteraler Rehydratation

RehydratationslösungenRehydratationslösungen

Tab. 14.3
Selbstgefertigte orale Rehydratationslösung (ORL I) 100 ml Fenchel- oder Kamillentee + 3 g Traubenzucker (1 TL = ca. 3–5 g) + ein paar Körnchen Salz
Selbstgefertigte orale Rehydratationslösung (ORL II) 1 l Flüssigkeit (Tee oder Wasser) + 2 EL Traubenzucker (ca. 20 g Glukose) + ½ –1 TL Kochsalz (ca. 1,5 g NaCl) + 1 TL Backpulver/Natron (ca. 2,5 g Natriumbikarbonat) + 1 Tasse Orangensaft
Karottensuppe nach Moro (ab dem 4. Lebensmonat)
  • 500 g saubere Karotten in 1 l Wasser 1–1,5 h kochen lassen, pürieren und mit Wasser auf 1 l auffüllen, nicht zuckern. 3 g Kochsalz (= 1 knapp gestrichener TL) hinzugeben.

  • Alternativ kann man statt Karottensuppe Hipp®-Frühkarotten-Gläser 1:1 mit Wasser verdünnt verwenden

Traubenzucker-Mineralstoff-Mischungen aus der Apotheke Humana-Elektrolyt®, GES 60®, Oralpädon®, Santalyt®, Elotrans®, Normolyt®, InfectoDiarrstop® (kühlschrankpflichtig)

Differenzialdiagnose akute DiarrhöDiarrhöDifferenzialdiagnose

Tab. 14.4
  • Akute Gastroenteritis

  • Hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS)

  • Nahrungsmittelintoxikation

  • Pseudomembranöse Enterokolitis

  • Obstipation mit Überlaufenkopresis, M. Hirschsprung

  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten

  • Appendizitis

  • Extraintestinale Erkrankungen (Otitis, Pyelonephritis, AGS)

Stuhlfrequenz bei gesunden Kindern

Tab. 14.5
Neugeborene unter Muttermilch von 10/Tag bis 1/Woche
Säuglinge im ersten Lebensjahr 1–4/Tag
Kleinkinder 0,5–3/Tag
Schulkinder und Jugendliche 0,5–2/Tag

Differenzialdiagnose chronische DiarrhöDiarrhöDifferenzialdiagnoseChloriddiarrhöDiarrhöChloriddiarrhöGlukose-Galaktose-MalabsorptionDiarrhöintraktableAcrodermatitis enteropathicaFruktosemalabsorptionDiarrhöparadoxeMorbus CrohnColitis ulcerosa

Tab. 14.6
Erkrankung Alter Klinik
Chloriddiarrhö Neugeborene Wässrige Diarrhö, Dehydratation, Alkalose
Glukose-Galaktose-Malabsorption Neugeborene „Intraktable“ wässrige Diarrhö, Azidose, Gedeihstörung
Saccharase-Isomaltase-Mangel Neugeborene, Säuglinge Wässrige Diarrhö nach Beikosteinführung
A-β-Lipoproteinämie (Bassen-Kornzweig-Syndrom) Neugeborene, Säuglinge Fettstühle, großes Abdomen, neurologische Manifestationen
Fehlbildungen (Kurzdarm, blinde Schlinge etc.) Neugeborene, Säuglinge Erbrechen, großes Abdomen, Gedeihstörung
„Intraktable“ Diarrhö Neugeborene, Säuglinge Wässrige Diarrhö, oft postinfektiös
Kuhmilchprotein- oder Sojaenteropathie Säuglinge Gedeihstörung, Erbrechen
Acrodermatitis enteropathica Säuglinge Periorale und perianale Dermatitis, Haarausfall, Beginn beim Abstillen
Fruktosemalabsorption Ab 6. Lebensmonat Meteorismus, Gedeihen normal
Zöliakie Ab 6. Lebensmonat Gedeihstörung, vorgewölbtes Abdomen
Enkopresis ( 21.4 ), paradoxe Diarrhö Ab Säuglingsalter Anamnestische Obstipation, übelriechender Stuhl, keine Gedeihstörung
Mukosa-Erkrankungen (Microvillus-Atrophie, eosinophile Gastroenteritis, Lymphangiektasie) Ab Säuglingsalter Meist Gedeihstörung; „intraktable“ Diarrhö
Irritables Kolon des Kleinkindes 1.–3. Lebensjahr Guter Allgemeinzustand, intermittierende Diarrhö, lebhafte Kinder, positive Familienanamnese
Morbus Crohn Ab Kleinkindalter Bauchschmerzen, Gedeihstörung, Blut und Schleim im Stuhl; extraintestinales Syndrom
Colitis ulcerosa Ab Kleinkindalter Tenesmen, Blut und Schleim im Stuhl
Infektionen Alle Akute Gastroenteritis (14.1)
Postinfektiöse Malabsorption Alle Anamnese, wässrige Diarrhö
IgE-vermittelte Nahrungsmittelallergie ( 9.4 ) Alle Wässrige Diarrhö, Erbrechen, blutige Stühle
Laktoseintoleranz ( 9.4 ) Alle Meteorismus, Bauchweh, Gedeihen und Allgemeinzustand normal
Zystische Fibrose Alle Fettstühle, Gedeihstörung, pulmonale Affektion
Bakterielle Dünndarmbesiedlung Alle Malabsorption, Gedeihstörung
Medikamentennebenwirkung Alle Antibiotika, Laxanzien
Immundefekte (IgA-Mangel, AIDS, kombinierte Formen) Alle Rezidivierende Infekte, Fieber, z. T. Malabsorption mit Gedeihstörung
Pankreasinsuffizienz (Shwachman-Bodian-Diamond-Syndrom, Lipasemangel) Alle Massige, übelriechende Fettstühle, Minderwuchs, z. T. Dysostosen, Neutropenie
Hormonaktive Tumoren (VIPome, Gastrinom, Neuroblastom) Alle Wässrige Diarrhö, Flush
Abführmittel Alle Ohne Gedeihstörung

Differenzialdiagnose ErbrechenErbrechenDifferenzialdiagnose

Tab. 14.7
Krankheitsgruppe Erkrankung
Infektiöse Erkrankungen
  • Gastroenteritis

  • Pyelonephritis

  • Meningoenzephalitis

  • Otitis

  • Virusinfekte

  • Infekte der oberen Luftwege

Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts
  • Fehlbildungen

  • Achalasie

  • Gastroösophagealer Reflux

  • Spastisch-hypertrophe Pylorusstenose

  • Ileus

  • Chronisch entzündliche Darmerkrankungen

  • Zöliakie

  • Appendizitis

  • Invagination

  • Pankreatitis

  • Hepatitis

  • Kuhmilchproteinintoleranz

  • Tumoren etc.

Erkrankungen des ZNS
  • Meningoenzephalitis

  • Trauma

  • Tumor

  • Hydrozephalus

  • Hirnödem

Stoffwechselerkrankungen
  • Adrenogenitales Syndrom

  • Urämisches Koma

  • Galaktosämie

  • Fruktoseintoleranz

  • Organoazidurien

  • CDG

  • Störungen des Harnstoffzyklus

  • Störungen der Fettsäureoxidation

Exogene Vergiftungen, Vergiftungen durch medikamentöse Therapie
  • Nahrungsmittel

  • Medikamente

  • Pflanzen

  • Pilze

  • Zytostatika

Erkrankungen ohne organische und metabolische Ursachen
  • Habituelles Erbrechen

  • Nervöses Erbrechen

  • Aerophagie

  • Anorexia nervosa

  • Zyklisches Erbrechen

Differenzialdiagnosen des akuten Abdomens nach AltersgruppenAbdomen, akutesDifferenzialdiagnose

Tab. 14.8
Alter Diagnosen
Neugeborene
  • Atresien und Stenosen des Gastrointestinaltrakts

  • Nekrotisierende Enterokolitis (NEC)

  • Duplikationszysten

  • Inkarzerierte Hernie (5.9)

  • Mekoniumileus

  • Malrotation

  • Volvulus

  • Morbus Hirschsprung

  • Gastroenteritiden

  • Gallenwegserkrankungen

Säuglinge und Kleinkinder
  • Hypertrophe Pylorusstenose (5.6.4)

  • Invagination (14.6)

  • Fremdkörperingestion

  • Purpura Schönlein-Henoch

  • Malrotation mit Volvulus

  • Duplikationzysten

  • Lymphadenitis mesenterialis

  • Gastroenteritis (14.1)

Schulkinder
  • Appendizitis (14.7)

  • Lymphadenitis mesenterialis

  • Ovarialerkrankungen

  • Nierenerkrankungen

  • Akutes Bauchtrauma

Alle Altersgruppen
  • Appendizitis (14.7)

  • Lymphadenitis mesenterialis

  • Infekte des Gastrointestinaltrakts

  • Urologische Erkrankungen

  • Akutes Skrotum

  • Gynäkologische Erkrankungen

  • Cholezystitis

  • Pankreatitis

  • Akutes Bauchtrauma

  • Kindesmisshandlung

  • Tumoren

  • Meningitis (7.10)

Ursachen der Obstipation im Kindesalter

Tab. 14.9
Erworbene Störungen
  • Alimentär bedingte Störungen (Nahrungsumstellung im Säuglingsalter, zu wenig Flüssigkeit und Ballaststoffe)

  • Situative Störfaktoren und psychische Belastungen (Irritation beim Sauberwerden; Änderungen im normalen Tagesablauf und der gewohnten Umgebung: Einschulung, Umzug, Schulwechsel; fehlende oder unsaubere Toiletten; zu wenig körperliche Bewegung; familiäre Spannungen: erneutes Geschwisterkind, erneute Berufstätigkeit der Mutter, Scheidung etc.)

  • Anale und perianale Läsionen (Analfissur)

  • Medikamentös bedingte Störungen (Opiate, Narkotika, Antidepressiva, Antikonvulsiva, aluminiumhaltige Antazida und Sucralfat etc.)

Kolorektale Erkrankungen
  • Morbus Hirschsprung (Aganglionose)

  • Andere Innervationsstörungen

  • Anorektale Fehlbildungen (Analstenose, Analatresie etc.)

  • Chronisch intestinale Pseudoobstruktion

  • Stenosierende Prozesse (z. B. nach operativen Eingriffen, bei M. Crohn)

Allgemeine Erkrankungen
  • Nahrungsmittelallergie (Kuhmilch, Hühnerei, Soja etc.)

  • Hypothyreose

  • Chronischer Flüssigkeitsverlust und Elektrolytimbalanzen

  • Zentrale Schädigung (Zerebralparese), Rückenmarksläsion (Spina bifida) oder autonome Neuropathie (Diabetes mellitus)

  • Immobilisation

  • Myopathien, Kollagenosen (Sklerodermie)

Idiopathisch Ohne erkennbare Ursache

Hepatitis B – Bewertung der spezifischen Antigene und Antikörper

Tab. 14.10
HBs-Ag Spricht für das Vorliegen einer Infektion und von Infektiosität
Anti-HBs Kann mit der Elimination des Virus gleichgesetzt werden
Anti-HBc-IgM Spricht für eine frische Infektion oder eine Reaktivierung bei chronischem Verlauf
HBs-Ag > 6 Monate Chronische Hepatitis
HBV-DNA > 10 Wochen im Serum Meist chronische Hepatitis
HbeAg Zeichen hoher Infektiosität bei chronischem Verlauf
Anti-HBe Geringere Krankheitsaktivität

Differenzialdiagnosen rezidivierender Bauchschmerzen bei Kindern

Tab. 14.11
Lokalisation Erkrankung
Nicht organisch
  • Funktionelle Bauchschmerzen

  • Colon irritabile (Reizdarmsyndrom)

  • Funktionelle Dyspepsie

Gastrointestinaltrakt
  • Chronische Obstipation (14.9)

  • Laktoseintoleranz

  • Parasitäre Infektion (v. a. Giardia)

  • Exzessiver Fruktose- und Sorbitolgenuss

  • Morbus Crohn (14.2)

  • Ulkus (14.2)

  • Ösophagitis (14.2)

  • Meckel-Divertikel

  • Rezidivierende Invagination

  • Hernien

  • Chronische Appendizitis

Gallenblase und Pankreas
  • Cholelithiasis

  • Choledochuszyste

  • Rezidivierende Pankreatitis

Urogenitaltrakt
  • Harnwegsinfekt (15.1)

  • Hydronephrose

  • Urolithiasis

  • Andere urogenitalen Beschwerden

Weitere Ursachen
  • Abdominelle Migräne

  • Abdominelle Epilepsie

  • Gilbert-Meulengracht-Syndrom

  • Familiäres Mittelmeerfieber

  • Sichelzell-Krise

  • Bleivergiftung

  • Purpura Schönlein-Henoch

  • Angioneurotisches Ödem

  • Akute intermittierende Porphyrie

Erkrankungen des Verdauungstrakts

Thomas Peinbauer

Kasuistiken:

Christoph Abermann

Martin Bündner

Martin Hirte

Akute Gastroenteritis

Grundlagen

Gastroenteritis, akuteVerdauungstrakt, ErkrankungenDie akute Gastroenteritis, früher auch „Dyspepsie“ genannt, ist eine infektionsbedingte Störung der Darmschleimhautfunktion. Sie tritt in den ersten Lebensjahren sehr häufig auf, betrifft v. a. Säuglinge, die durch den Wasser- und Elektrolytverlust sehr rasch in einen lebensbedrohlichen Zustand kommen können.
Die akute Gastroenteritis ist neben respiratorischen Infekten die häufigste pädiatrische Erkrankung und weltweit eine der häufigsten Todesursachen im Kindesalter mit einer geschätzten Inzidenz von 5–10 Millionen Kindern pro Jahr.
Ätiologie
Die Infektion erfolgt in der Regel auf fäkal-oralem Weg durch kontaminierte Hände, Lebensmittel, Gebrauchsgegenstände oder verunreinigtes Trinkwasser. Häufigste Erreger im Kindesalter sind Viren, v. a. Rotaviren (3–50 %) und Noroviren (30 %), seltener Adeno-, Astro- oder Coxsackieviren. Mit einem Anteil von 20 % folgen die bakteriellen Erreger, insbesondere die Salmonellen, die verotoxinbildenden E. coli O157, die Shigellen, Campylobacter jejuni, Yersinia enterocolitica, Klebsiellen und Vibrio cholerae. In seltenen Fällen sind Parasiten (Giardia lamblia, Amöben) die Infektionsursache. Enterotoxische E. coli (ETEC) sind die häufigsten Erreger der Reisediarrhö.
Klinik und Erkrankungsverlauf
Mit zunehmendem Grad der Exsikkose kommt es zu folgenden Symptomen: Verminderung des Hautturgors, Austrocknung der Schleimhäute, Halonierung der Augen, Einsinken der Fontanelle, Tachypnoe bei metabolischer Azidose, Tachykardie als Zeichen der Zentralisation, abnehmende Urinausscheidung, Somnolenz und Koma sowie zu zerebralen Anfällen (Toxikose).
Bei unkompliziertem Verlauf sistiert das Erbrechen meist nach 12–48 Stunden, wohingegen der Durchfall zwei bis sieben Tage andauern kann.
Eine Erregerdiagnostik ist nur bei komplizierten Verläufen, bei Gruppenerkrankungen (Schule, Kindergärten, Ferienlager) oder bei Säuglingen unter vier Monaten angezeigt:
  • ELISA-Test des Stuhls (Rota- und Noroviren)

  • Stuhlkultur (blutige Durchfälle)

  • Serologie (reaktive Arthritis)

  • Blutkulturen (septischer Verlauf)

Meldepflicht
Gastroenteritis, akuteMeldepflichtFür eine ganze Reihe von Infektionen des Gastrointestinaltrakts besteht in Deutschland, Österreich und der Schweiz Meldepflicht, um eine Ausbreitung rechtzeitig verhindern zu können. Durch die Bekanntgabe der Identität des Erkrankten können Infektionsketten verfolgt, gefährdete Kontaktpersonen erfasst und geschützt oder die Quellen von Erkrankungen ermittelt werden. Erkrankungsquellen können andere Personen, Lebensmittel, Trinkwasser oder ein tierisches Reservoir sein.
Die Meldepflicht umfasst
  • den Krankheitsverdacht, die Krankheit oder den Tod an Cholera, hämolytisch-urämischem Syndrom (HUS), Typhus und Paratyphus (in Österreich auch Amöbenruhr),

  • den Verdacht oder die Erkrankung an einer mikrobiell bedingten Lebensmittelvergiftung (z. B. Staphylokokken) oder einer akuten Gastroenteritis, wenn mehrere gleichartige Erkrankungen auftreten,

  • den Nachweis folgender Krankheitserreger: Campylobacter, enterohämorrhagische E. coli (EHECEHEC (enterohämorrhagische E. coli)), Giardia lamblia, Salmonellen, Shigellen, Vibrio cholerae und Yersinien.

Die Modalitäten sind in den jeweiligen Gesetzen festgelegt.
Komplikationen
Gastroenteritis, akuteKomplikationenDurch die Beteiligung bestimmter Keime kann der Brechdurchfall begleitet sein von folgenden Erkrankungen:
  • Reaktive ArthritisArthritisreaktive: Salmonellen, Shigellen, Yersinien und Campylobacter jejuni; bevorzugt bei HLA-B27-positiven Kindern

  • Hämolytisch-urämisches SyndromHämolytisch-urämisches Syndrom: E. coli O157, Shigellen: Oligurie, blutige Diarrhö

  • Septisches Krankheitsbild mit multiplem Organbefall (Salmonella typhi bzw. paratyphi)

  • In seltenen Fällen kann es zu schwerer Exsikkose mit Volumenmangelschock und konsekutiven zerebralen Symptomen (zerebralen Krampfanfällen, Enzephalopathie) kommen. Zeichen des Volumenmangelschocks sind kalte Extremitäten, eine blass-marmorierte Hautfarbe, Tachypnoe, Tachykardie, kaum messbarer Blutdruck, Oligo- oder Anurie.

Konventionelle Therapie und unterstützende Maßnahmen

Am Beginn der Behandlung des Brechdurchfalls steht die Frage, wie stark das Kind dehydriert ist, und ob deshalb eine parenterale und somit meist stationäre Therapie notwendig ist. Nach Erhebung der Anamnese (Art und Dauer der Symptomatik, mögliche Infektionsursachen [Umgebung, Reisen], Ernährung, Einnahme von Medikamenten [Antibiotika], Begleit- und vorliegende Grunderkrankungen) und körperlicher Untersuchung (insbesondere Vigilanz, Haut und Schleimhaut, Fontanelle, Atmung und Puls, Miktionsverhalten, Gewichtsbestimmung, evtl. Blutdruckbestimmung) erfolgt die Bestimmung des Exsikkosegrads, der das weitere praktische Vorgehen vorgibt.
Bei mittlerer und schwerer Exsikkose ist eine parenterale bzw. stationäre Behandlung angezeigt. Liegt eine leichtgradige Exsikkose vor, stützt sich die weitere Therapie auf orale Rehydratation und Realimentation. Eine medikamentöse Behandlung ist bei der unkomplizierten Gastroenteritis nicht indiziert.
Orale Rehydratation
RehydratationoraleRehydratationGastroenteritisGastroenteritis, akuteRehydratationIm Zentrum der Therapie des Brechdurchfalls steht die orale Rehydratationstherapie (ORT). Dieses Therapiekonzept eignet sich für die Behandlung jeder Art von Brechdurchfall, gleichgültig welcher Genese (Tab. 14.2), und für Patienten jeden Alters. Durch frühe orale Zufuhr einer geeigneten Rehydratationslösung kann eine schwere Dehydratation meist verhindert werden. Da Wasser im Darm nicht allein, sondern nur gemeinsam mit Glukose und Natrium resorbiert werden kann, wird entsprechend den ESPGHAN-Empfehlungen (45–60 mmol NaCl/l in Europa, 90 mmol NaCl/l in der Dritten Welt) 150–250 ml/kg/Tag einer selbst gefertigten oder industriell hergestellten Glukose-Elektrolyt-Lösung – aufgeteilt auf sechs bis neun Mahlzeiten – verabreicht. Fertige orale Rehydratationslösungen (ORL) sind in der Apotheke erhältlich. Obwohl die fertigen ORL einfach und sicher in der Handhabung sind, leisten auch die selbsthergestellten ORL (Tab. 14.3) ähnlich gute Dienste.
Ab dem vierten Lebensmonat kann die Karottensuppe nach Moro (Tab. 14.3) eine geeignete Alternative darstellen. Die Dauer der Rehydratation beträgt sechs bis zwölf Stunden, selten länger. Stellt sich nach sechs bzw. zwölf Stunden eine Erholung des Exsikkose-Zustands ein, kann mit der Realimentation (Nahrungsaufbau) begonnen werden. Die Stuhlkonsistenz wird durch die ORL nicht beeinflusst.
Für die Beurteilung des Heilerfolgs sind Aussehen und Gewichtskurve des Kindes wichtig. Kommt es während der Rehydratationsphase weiter zu Erbrechen und/oder massiven Durchfällen, sodass die Dehydratation nicht zu beherrschen ist, muss diese parenteral mittels intravenöser Infusionen, meist stationär, erfolgen. Absolute und relative Indikationen zur parenteralen Rehydratation Tab. 14.2.
Realimentation
RealimentationGastroenteritisGastroenteritis, akuteRealimenationDie Grenze zwischen Rehydratation und Realimentation ist unscharf. In leichten Fällen kann bei Säuglingen auf die orale Rehydratation mit Glukose-Elektrolyt-Lösung verzichtet werden.
  • Bei geringgradiger Exsikkose genügt es, die Nahrungsmenge für zwei bis drei Tage zu reduzieren und jede Flasche mit der oben besprochenen ORL aufzufüllen.

  • Gestillte Kinder sollen weiter gestillt werden, nicht abstillen! Bei massiven Durchfällen ist jedoch die zusätzliche Gabe von ORL anzuraten, da Muttermilch zu wenig Natrium enthält.

  • Nicht gestillte Säuglinge unter sechs Monaten erhalten Milchnahrung, verdünnt mit ORL im Verhältnis 1 : 1, nach sechs Stunden Milchnahrung mit Wasser 1 : 2 verdünnt, nach 24 Stunden 1 : 1, nach weiteren 24 Stunden 2 : 1, bis dann innerhalb von zwei bis drei Tagen wieder die unverdünnte Milchnahrung gegeben werden kann.

  • Nicht gestillte Säuglinge über sechs Monate bekommen sofort nach der Rehydratation unverdünnte Säuglingsmilch. Jeder Stuhlverlust soll durch etwa 10 ml ORL/kg Körpergewicht ersetzt werden.

  • Bei Kleinkindern empfiehlt sich die „B-R-A-T“-DiätDiätGastroenteritis. Hierbei erfolgt die langsame, stufenweise Gabe von geschlagener Banane, Reis (gekochter Reis, Reisschleimsuppe, Reis-Kekse), geriebenem Apfel, trockenen Brötchen (Zwieback) und Tee. In der Folge kann der Speiseplan mit Nudeln, Hühnchen, gekochten Kartoffeln und Gemüse sowie klaren Suppen erweitert werden. Würzige und frittierte Speisen sind zu meiden. Der Nahrungsaufbau sollte im Allgemeinen innerhalb einer Woche abgeschlossen sein. Cola-Getränke sind wegen ihres fehlenden Salzgehalts und ihrer hohen Osmolarität nicht für die Realimentation geeignet.

Medikamentöse Behandlung
Bei akutem Brechdurchfall ist eine AntibiotikagabeAntibiotikaGastroenteritis in der Regel kontraindiziert. Sie stört den Wiederaufbau der Darmflora und führt oft zu einer längeren Ausscheidung von enteropathogenen Bakterien. Eine obligate antiinfektiöse Behandlung ergibt sich lediglich im Neugeborenen- und frühen Säuglingsalter (bis zum vierten Lebensmonat) bei bestimmten Keimen aufgrund der Sepsis-Gefahr sowie bei akutem Brechdurchfall durch Salmonella typhi (Typhus), Vibrio cholerae (Cholera), Entamoeba histolytica (Amöbenruhr), Giardia lamblia (Lambliasis) und Clostridium difficile (pseudomembranöse Enterokolitis), ebenso bei septischen Krankheitsbildern, Immunmangelzuständen und bei laufender immunsuppressiver Therapie. MotilitätshemmendeMotilitätshemmer Medikamente sind nicht angezeigt. Sie bewirken eine längere Verweildauer der Durchfallerreger im Darm und somit meist ein schwereres und länger anhaltendes Krankheitsbild.
Der antisekretorisch wirkende Enkephalinase-Hemmer Racecadotril (Tiorfan) ist zugelassen für Kinder, bei denen die üblichen Maßnahmen „nicht ausreichen, den klinischen Zustand zu kontrollieren“. Da überzeugende Belege für die Wirksamkeit fehlen und Nebenwirkungen wie Ileus, Bronchospasmus und Hypokaliämie auftreten können, ist der Stellenwert des Mittels zweifelhaft (AT 2004, Gordon, Akobeng 2016).
In der Praxis erfreuen sich Biotherapeutika, insbesondere Präparate mit Lactobacillus GGLactobacillus GG oder lyophilisierten Saccharomyces boulardii (Perenterol® 250 mg, 1–2 × tgl.), zunehmender Beliebtheit. PerenterolPerenterol wird hauptsächlich zur Prävention der Antibiotika-assoziierten Diarrhö eingesetzt, zeigt aber auch Wirkung in der Prävention der Reisediarrhö.

Homöopathische Behandlung

Therapeutische Hinweise
Die meisten Fälle von „akuter Gastroenteritis“ stellen auch eine akute Krankheit im homöopathischen Sinne dar. Dies bedeutet, dass nur die Symptome des akuten Beschwerdebildes zur Arzneiwahl herangezogen werden. Durch die Bestimmung eines vollständigen Symptoms mit Art der Empfindung, Modalitäten, Begleitsymptomen (besonders dem veränderten Gemütszustand) und eindeutigen Sequelae-Symptomen („Durchfall als Folge von …“) kann meist ein Akutmittel gefunden werden, das den Krankheitsverlauf deutlich abkürzt und erleichtert. Symptome, die vor Ausbruch der akuten Krankheit bestanden haben, werden nicht berücksichtigt. Handelt es sich um eine Exazerbation einer chronischen Krankheit, muss nach Symptomen gesucht werden, die den Kranken im Ganzen charakterisieren.
Die pathognomonischen Symptome, die zur schulmedizinischen Diagnose herangezogen werden, sind im Allgemeinen nicht wahlanzeigend für die homöopathische Arzneiwahl, stecken aber dennoch einen groben Rahmen für die infrage kommenden Arzneien ab. Eine Auswahl solcher Arzneien, die sich in der klinischen Praxis bewährt und somit Eingang in die entsprechenden klinischen Rubriken des Repertoriums gefunden haben, wird in der Folge vorgestellt. Die Arzneien sind v. a. durch die Elemente des vollständigen Lokalsymptoms dargestellt.
Abgesehen davon, dass bereits die klinischen Rubriken der „Akuten Gastroenteritis“ (s. u. Rubriken) mit ihren zahlreichen Arzneien im dritten Grad zeigen, dass diese Krankheit gut heilbar ist, konnte der positive Effekt auch in klinischen Studien gezeigt werden. Medizinhistorisch gesehen waren die Behandlungserfolge während der Cholera-Epidemien 1830/32 in Mitteleuropa und 1854 in London bedeutende Meilensteine der Homöopathie.
Klinische Studien
Gastroenteritis, akuteStudienEine kontrollierte, randomisierte, klinische Doppelblindstudie, durchgeführt in zwei städtischen Krankenhäusern in Leon/Nicaragua, verglich im Juli 1991 die homöopathische Behandlung von akuter Gastroenteritis bei Kindern mit der Gabe von Placebo. Behandelt wurden 81 Kinder im Alter von sechs Monaten bis fünf Jahren mittels Placebo oder mit einer individuell gewählten Arznei, die nach jedem ungeformten Stuhl in einer C30 verabreicht wurde. Parallel dazu erfolgte eine orale Rehydratationstherapie. Es wurden insgesamt 18 Arzneien verwendet. Die häufigsten waren (in absteigender Ordnung): Podophyllum, Chamomilla, Arsenicum album, Calcarea carbonica, Sulphur, Mercurius vivus, Pulsatilla, Phosphorus, China und Gambogia. Hauptziel war das Erreichen von weniger als drei ungeformten Stühlen an zwei folgenden Tagen. Dabei zeigte sich ein signifikanter Unterschied (Jacobs 1994) in der durchschnittlichen Dauer zwischen Verum (2,5 Tage) und Placebo (4 Tage).
2003 veröffentlichte Jacobs et al eine Metaanalyse basierend auf insgesamt drei kontrollierten, randomisierten, klinischen Doppelblindstudien mit vergleichbarem Studiendesign und insgesamt 242 Kindern im Alter von sechs Monaten bis fünf Jahren. Die Resultate dieser Studien bestätigen, dass eine individuelle homöopathische Behandlung die Erkrankungsdauer bei akuter Gastroenteritis signifikant verringert (P = 0.0.008; 3.3 Tage in der Homöopathie- und 4,1 Tage in der Placebogruppe) und somit als Begleittherapie zur oralen Rehydratationsbehandlung in Erwägung gezogen werden sollte (Jacobs et al, Pediatr Infect Dis J. 2003; 22 [3]:229–234).
Repertoriumsrubriken
RepertoriumsrubrikenGastroenteritis, akuteFolgende klinische Repertoriumsrubriken weisen den Weg zu den bewährten Arzneien bei der akuten Gastroenteritis. Die Rubriken gehen auf das Complete Repertory (Millenimum) zurück.
→Rektum – Cholera – infantum: (104) aeth, guai, rob, …
→Rektum – Durchfall, allgemein – Kindern, bei (94): ars, calc-c, cham, podo, sulf, …
→Rektum – Dysenterie – Kindern, bei (24): aloe, colch, coloc, mag-c, nux-v, …
→Abdomen – Entzündung, Peritonitis, Enteritis (301): acon, bell, apis, bry, lach, phos, …
→Abdomen – Katarrh – gastroduodenal (19): chin, hydr, kali-bi, podo, …
→Magen – Erbrechen – allgemein – Diarrhö, während (120): arg-n, ars, gamb, verat, …
Causa
Auslösende Momente für eine akute Gastroenteritis finden sich in folgenden Rubriken:
→Rektum – Durchfall, allgemein – Wetter – heißem, bei (65): bry, camph, chin, croto-t, gamb, nux-m, olnd, podo, …
→Rektum – Durchfall, allgemein – Herbst, im (11): colch, iris, …
→Rektum – Durchfall, allgemein – Baden, agg. (5): podo, …
→Rektum – Durchfall, allgemein – Getränke, kalte, agg. (47): ars, …
→Rektum – Durchfall, allgemein – kalt – Verkühlung, nach – Sommer, im (5): dulc, ph-ac, …
→Rektum – Durchfall, allgemein – Wetter – kaltes, durch (11): calc, dulc, nit-ac, nux-v, polyg, rhus-t, …
→Rektum – Durchfall, allgemein – Wetter – nasses, feuchtes (19): calc, lept, nat-s, rhod, …
Die Art des Durchfalls findet man im Kapitel „Stuhl“.
Begleitsymptome
→Gemüt – Bewusstlosigkeit, Koma – allgemein – Durchfall, bei – Erbrechen, und (1): ars, …
→Gemüt – Reizbarkeit, Gereiztheit – allgemein – Durchfall, bei (5): bry, gnaph, lyss, …
→Gemüt – Ruhe – Gemütszustand, ruhiger – Durchfall bei Säuglingen und Kleinkindern, bei (1): jal
→Gemüt – Schreien, Kreischen – allgemein – Durchfall, bei (4): apis, jal, podo, valer, …
→Gemüt – Stupor – Durchfall und Erbrechen, nach (1): ars
→Gemüt – Traurigkeit, Trübsinn, Niedergeschlagenheit, Depression, Melancholie – Durchfall, bei (8): apis, cocc, gamb, lyc, merc, …
→Gemüt – Weinen – allgemein – Durchfall, bei (3): cocc, ferr, teucr
→Schwindel – Durchfall – vor und nach (1): lyc
→Kopf – Hitze – Durchfall, bei (10): bell, …
→Gesicht – Schweiß, Kopfhaut – Stirn – Durchfall, bei (1): sulph
→Kopfschmerzen – allgemein – Durchfall, mit (20): calc-p, cham, iris, podo, …
→Kopfschmerzen – heftig – rotem Gesicht, Erbrechen und Durchfall, mit (1): bell
→Gesicht – Verfärbung – bläulich – Stuhlentleerung, während – durchfallartig, Säuglinge (1): jal
→Magen – Appetit – gewaltig, heißhungrig – Durchfall, bei (15): petr, …
→Magen – Leere, Schwächegefühl, Hungergefühl – Durchfall, mit (5): fl-ac, lyc, petr, stram, sulph
→Abdomen – Geräusche – Gurgelgeräusch – Stuhlentleerung – vor (16): aloe, croto-t, olnd, podo, …
→Abdomen – Schmerzen – Allgemein – Durchfall – vor (27): bry, psor, rumx, …
→Abdomen – Schmerzen – Allgemein – Stuhlentleerung – agg., bei – Durchfall (104): thuj, …
→Rektum – Durchfall – allgemein – morgens – 5 Uhr (9): sulph, phos, …
→Rektum – Durchfall – allgemein – morgens – Bett, treibt aus dem (35): sulph, …
→Rektum – Durchfall – allgemein – Bewegung – agg. (33): apis, bry, ferr, verat, …
→Rektum – Durchfall – allgemein – Essen – beim (9): ferr, …
→Rektum – Durchfall – allgemein – schmerzlos (113): bapt, bism, borx, chin, squil, …
→Rektum – Durchfall – allgemein – Schwäche – ohne (10): ph-ac, sulph, tub, …
→Rektum – Durchfall – allgemein – Trinken agg. – unmittelbar nach (4): arg-n, cina, croto-t, podo
→Rektum – Prolaps, Vorfall – Durchfall, bei (23): dulc, merc, podo, …
→Rektum – Schmerzen – Tenesmus, schmerzhafter Drang – Durchfall, während (39): ars, merc-c, …
→Extremitäten – Kälte – allgemein – Durchfall, mit (10): ars, camph, verat, …
→Schlaf – Schlaflosigkeit – allgemein – Durchfall, bei (8): bufo, phos, …
→Schlaf – Schläfrigkeit – Durchfall – bei (6): ant-t, asim, calc-corn, nux-m, …
→Schweiß – kalter Schweiß – Durchfall, bei (19): ars, camph, sec, sil, tab, verat, …
→Haut – Kälte – allgemein – Durchfall, während (6): camph, jatr, laur, verat, …
→Allgemeines – Schwäche, Entkräftung, Erschöpfung, Prostration, Hinfälligkeit – Durchfall, durch (89)
Komplizierte Krankheitsverläufe
Bei komplizierten Verläufen können folgende Rubriken von Nutzen sein:
→Rektum – Cholera – infantum – Koma, mit (1): zinc
→Rektum – Durchfall – allgemein – Antibiotika, nach (2): nit-ac, tub
→Rektum – Durchfall – allgemein – Fieber – mit (53): ars, cupr-ar, epil, merc, …
→Rektum – Durchfall – allgemein – Fieber – mit – typhusartig (23): hyos, phos, …
→Rektum – Durchfall – allgemein – septische Zustände, durch (7): ars, carb-ac, carb-v, crot-h, lach, pyrog, sulph
→Kopf – Entzündung – Meningitis – Durchfall der Kleinkinder, bei (1): kali-br
→Gliederschmerzen – rheumatisch – Durchfall – nach (4): kali-bi, …
→Gliederschmerzen – rheumatisch – Durchfall – unterdrückte, durch (2): abrot, acon
→Allgemeines – Kollaps – Durchfall, nach (11): ars, camph, carb-v, verat, …
Homöopathische Arzneimittel
Aethusa cynapium
#Aethusa cynapiumGastroenteritisPlötzliches und gewaltsames Erbrechen. Heftiges Würgen. Tödliche Übelkeit. Stühle: gelb oder grünlich, wässrig oder schleimig, unverdaut. Starke Schwäche und Erschöpfung, können nicht einmal mehr den Kopf hochhalten, zunehmend sprachlos, < nach Durchfall oder Erbrechen. Zunehmend somnolent. Aspekt: eingefallenes Gesicht, betonte Nasolabialfalte, bläulich-blasse Lippen; mit kaltem, klebrigem Schweiß bedeckte Haut. Epileptiforme Krämpfe (eingeschlagener Daumen, nach unten gewendete Augäpfel, Schaum vorm Mund). Völlig durstlos. Ständige Esslust zwischendurch, knabbert dauernd an Keksen. Folgen von geistiger Überanstrengung. Säuglinge, die zu oft gefüttert oder gestillt werden. Unverträglichkeit von Milch, wird nach kurzer Zeit geronnen, in großen Klumpen wieder erbrochen.

„Kinder mit Zahnungsbeschwerden und Sommerdurchfällen, wenn ihr Gesicht große Angst und Unruhe, auch Verdruss und Unzufriedenheit zeigt und wenn sie weinen und schreien vor Angst“.

(Phatak)

Aloe
#AloeGastroenteritisSchließmuskelschwäche, unsicher in der Kontrolle, deshalb ständig bedacht, keinen Stuhl unwillkürlich zu verlieren, v. a. bei Windabgang. Durchfälle morgens (5:00 Uhr) beginnend mit kolikartigen Schmerzen im Oberbauch und einem Völlegefühl im Rektum. Muss auf die Toilette eilen oder es geht in die Hose. Stühle gallertartig oder wässrig von goldgelber Farbe, spritzen mit vielen Winden heraus. Dadurch Besserung der Koliken, aber große Schwäche, Schweißausbruch, evtl. Hervortreten von traubenartigen Hämorrhoiden, und intensives Brennen im Rektum, > kaltes Sitzbad oder kalte Umschläge. Durchfall nach Genuss von Austern, Krustentieren oder Bier. Sommerdurchfälle. < Hitze, warm-feuchtes Klima, nach Essen und Trinken (muss sofort auf die Toilette eilen).
Arsenicum album
#Arsenicum albumGastroenteritisPlötzliches und gleichzeitiges Auftreten von Erbrechen und Durchfall. Ausgeprägtes Schwächegefühl und Erschöpfung, auch bei leichtem Durchfall. Stühle dunkel und (faulig) stinkend, brennend, unverdaut, in kleinen Mengen, Reiswasserstühle. After rot, wund und brennend. Mundtrockenheit; starker, brennender Durst nach eiskaltem Wasser in kleinen Mengen, das gleich wieder erbrochen wird. < Anblick, Geruch oder Denken an Speisen, < Mitternacht bis 3:00 Uhr. Neigung zu Ohnmacht. Große Unruhe, will bald hier, bald dort liegen. Aufgeregt und voller Angst, will nicht allein bleiben. Kinder sind launisch, wollen einmal von der Mutter, dann wieder vom Vater getragen werden. Aussehen blass, eingefallen, ängstlich, greisenhaft. Beschwerden nach Genuss von Eis, wässrigem Obst, verdorbenem Fleisch. Choleraartiger Sommerdurchfall. Reisedurchfall. Septische Gastroenteritis. Peritonitis. Akuter Mastdarmvorfall. Reiseprophylaxe.
Bismuthum subnitricum
#BismuthumGastroenteritisAkuter Sommerdurchfall kleiner Kinder, in Fällen, wo der Körper warm bleibt. Das Kind will ständig die Hand der Mutter halten.
Bryonia alba
#Bryonia albaGastroenteritisSommerdurchfall. Durst auf große Mengen kalten Wassers. Lippen, Mund und Zunge sehr trocken. Abscheu und Ekel vor Speisen. Alles schmeckt bitter. Durchfall morgens beim Aufstehen (sobald man sich bewegt), schwallartig herausschießend. Schwindel oder Ohnmacht beim Aufstehen, Aufrichten oder Heben des Kopfes. Folge von Zorn; Schreck; Kränkung; unterdrückten Ausschlägen und Absonderungen; Genuss kalter Getränke bei heißem Wetter; Genuss von Früchten, Sauerkraut. < Hitze, (geringste) Bewegung, morgens. Sehr reizbar. Will allein gelassen werden. Verlangt Dinge auf der Stelle, die er dann nicht will, wenn er sie bekommt. Wortkarg. Redseliges Delirium bei Durchfall. Kinder wollen nicht umhergetragen oder hochgenommen werden.
Calcium carbonicum
#Calcium carbonicumGastroenteritisSäuerliche Durchfälle, gelegentlich begleitet von Heißhunger, < Zahnung, Wetterwechsel zum Kalten, nach Essen und Trinken. Stühle und auch Körpergeruch sauer. Unverdaute, fötid riechende Stühle. Stuhl zuerst hart und voluminös, gefolgt von Durchfall. Verlangen nach Eiern, Eiscreme, Salzigem und Süßigkeiten. Abneigung gegen Fleisch und Milch. Es sind meist ruhige, stille und zufriedene Säuglinge. Fröhlich trotz Durchfall. Vom Aspekt her sind sie dick, rund, pastös und zeigen eine ausgeprägte Schweißneigung (im Schlaf und beim Stillen), v. a. am Hinterkopf. Großer Kopf und dicker, harter Bauch. Hände und Füße sind meist feucht-kalt. Oft ist die Entwicklung etwas verzögert.
Calcium sulfuricum
#Calcium sulfuricumGastroenteritisSäuglingsdurchfall mit Abgang von auch blutigem Eiter. Durchfall nach Genuss von Ahornzucker. Kalter, übelriechender Fußschweiß; brennende Fußsohlen. Hitzig, erträgt keine warmen Räume oder eine warme Decke. Beschwerden von nass-kaltem Wetter oder Luftzug.
Camphora rubini Urtinktur
#Camphora rubini, GastroenteritisUltima Ratio bei schwersten, nicht beherrschbaren Durchfällen. Zehn Tropfen in einem EL Wasser, alle zwei Stunden. Cave: dadurch Antidotierung der homöopathischen Arznei (Spinedi).
Cantharis
#CantharisGastroenteritisBrennen in Enddarm und Harnröhre, gleichzeitig Durchfall mit Krämpfen im Unterleib; < heiße Tage und kalte Nächte.
Chamomilla
#ChamomillaGastroenteritisStühle heiß, sauer, grün, schleimig, wund machend; wie Ei mit Spinat. Geruch nach faulen Eiern (sulph). Eine Wange rot und heiß, die andere kalt und blass. Blähungskolik, > lokale Wärme. Folgen von Ärger; Zorn; Erkältung; Zahnung. Gereiztheit, (Schmerz-)Überempfindlichkeit, Koliken. Möchte getragen werden. Kapriziös, wollen dies und jenes, bekommen sie es, stoßen sie es weg.
Colocynthis
#ColocynthisGastroenteritisPlötzliches Erbrechen und Durchfall. Akute Unterbauchschmerzen mit äußerst heftigen Krämpfen und schneidenden Schmerzen. Patienten schreien laut auf, winden sich vor Schmerz; > harter Druck (abgewinkelte Unterarme, Tischkante), gekrümmt Sitzen, Wärme; sofort nach Stuhl- oder Blähungsabgang. Folgen von Entrüstung, Kränkung, Zorn, Kummer. Stühle schaumig, wässrig, gelb; mit Schleimhautfetzen; säuerlich faulig; gallertartig.
Cuprum arsenicosum
#Cuprum arsenicosumGastroenteritisHeftige Muskelkrämpfe; kolikartige Schmerzen, hartnäckiger Singultus, nächtliche Wadenkrämpfe. Eiskalter Körper; kalter, klebriger Schweiß. Gefühl wie taub und gelähmt in den Beinen. Urin riecht nach Knoblauch. Diarrhö < Berührung, Druck, Feuchtigkeit, Bewegung. Sommerdurchfall der Kinder. Cholera.
Cuprum metallicum
#Cuprum metallicumGastroenteritisSchreckliche Bauchkrämpfe, kolikartige Schmerzen, v. a. nach Durchfall. Durchdringendes Schreien. Bauchdecke gespannt, heiß, berührungsempfindlich. Übelkeit und kalte Extremitäten. Erbrechen bei der geringsten Bewegung (bry); > kalte Getränke. Stuhl reichlich, wegspritzend, grünlich. Spitzes Gesicht, blass oder bläulich livid. Sommerdurchfall.
Dulcamara
#DulcamaraGastroenteritisDurchfall infolge einer Verkühlung, besonders nach Erhitzung; auch infolge eines plötzlichen Kälteeinbruchs oder eines ständigen Temperaturwechsels (Klimaanlage, heiße Tage – kalte Nächte). Schneidender, periumbilikaler Schmerz mit anschließenden schmerzhaften, grünlichen Schleimdurchfällen. Stühle sauer riechend, wässrig, < nachts. Kältegefühl in den Gedärmen. Frieren mit Stuhl- und Harndrang. Frösteln beim Aufstoßen oder Erbrechen. Abneigung gegen Essen. Heftiger Durst auf Kaltes.
Ferrum phosphoricum
#Ferrum phosphoricumGastroenteritisSommerdurchfall. Folge von unterdrücktem Schweiß (an warmen Sommertagen).
Guajacum
#GuajacumGastroenteritisErbrechen einer wässrigen Schleimmasse, danach Erschöpfung. Greisenhaftes Aussehen und Abmagerung. Bauchauftreibung durch Blähungen. Dicker weißer Zungenbelag. Magenbeschwerden, die jeden Sommer wiederkehren. Heftiges Brennen im Magen. Verlangen nach und Besserung durch Äpfel. Abneigung gegen Milch. Unsauberer Körpergeruch. Säuglingsenteritis.
Ipecacuanha
#IpecacuanhaGastroenteritisStändige Übelkeit, nicht besser durch Erbrechen. Häufig zu Beginn einer kindlichen Durchfallerkrankung. Flaues bis elendes Gefühl im Magen. Durchfall schmerzhaft, mit schneidenden Schmerzen um den Nabel, < beim Pressen. Stühle gelegentlich grasgrün oder gelb, schleimig und wässrig, auch blutig. Ekel vor allen Speisen. Blass, die Augen eingesunken mit blauen Augenringen. Heißer Kopf und kalte Beine. Kalter Schweiß, besonders im Gesicht. Durstlosigkeit, verstärkter Speichelfluss, saubere Zunge. < Wärme, feuchte Wärme, Diätfehler (unverdauliche Speisen; zu üppiges, fettes Essen; Eiscreme; Süßigkeiten, Schweinefleisch). Dicke Kinder, die schwächlich sind und sich bei feucht-warmem Wetter erkälten. Voller Wünsche und Verlangen, weiß aber nicht, auf was. Weint, schreit, heult, man kann aber nichts recht machen. Erbrechen von Säuglingen an der Brust.
Iris versicolor
#Iris versicolorGastroenteritisStühle und Erbrochenes gallig, scharf, wässrig, wie Feuer brennend. Brennen im ganzen Verdauungskanal. Schmerzloser Brechdurchfall. Heftiger Kolikschmerz vor jedem Erbrechen oder Durchfall. Fetter oder süßlicher Mundgeschmack. Reichlicher, fadenziehender Speichel. < 2:00–3:00 Uhr, nach Mitternacht, Frühling und Herbst, heißes Wetter, geistige Erschöpfung. Periodisch wiederkehrend. Brechdurchfall und Migräne.
Medorrhinum
#MedorrhinumGastroenteritisSommerdiarrhö, mit Opisthotonus (Phatak). After feuerrot, nässend, heftig juckend. Quälender Schmerz im Solar plexus. Schweregefühl im Unterbauch. Verlangen nach Salz, Süßigkeiten, Orangen, Saurem, unreifem Obst, nach Erfrischendem. Übler Körpergeruch. Zwergwüchsige, sauer riechende Kinder. Überempfindliche Fußsohlen. Hände und Füße brennen, will sie abgedeckt haben. Schläft in Knie-Ellenbogen-Lage.
Mercurius corrosivus
#Mercurius corrosivusGastroenteritisHerbstdurchfälle der Kinder. Tenesmus des Mastdarms und gleichzeitig der Blase. Stühle blutig; schleimig mit Membranen; heiß brennend, mit quälendem Stuhldrang. Zusammenschnürungsgefühl. < Nach Stuhlgang, nachts, Kälte, Herbst, heiße Tage mit kalten Nächten. Unlöschbarer Durst auf kalte Getränke. Scharfer, metallischer Geschmack des Erbrochenen. Schweiß vor und nach dem Stuhlgang (v. a. an Schenkeln und unterem Teil des Rumpfes).
Mercurius solubilis
#Mercurius solubilisGastroenteritisDurchfall mit schmerzhaften, spärlichen, blutigen, grün-schleimigen und wund machenden Stühlen. Tenesmus vor, während und nach dem Stuhlgang; hat das Gefühl, nie fertig zu sein; bleibt lange auf der Toilette. Gedärme schmerzen wie gedrückt, < Liegen auf der rechten Seite. Schwach, erschöpft mit Kollapsneigung, < nach dem Stuhlgang. Durchfall, wenn die Tage heiß und die Nächte kalt sind (acon). Nach oder < Wetterumschwung zu feucht-kaltem Wetter. Speichelfluss vermehrt, im Schlaf. Zunge geschwollen mit Zahneindrücken. Metallischer oder süßer Mundgeschmack. Übler, fauliger Mundgeruch, erfüllt das ganze Zimmer. Schwitzt leicht und stark; riecht faulig, sauer oder süßlich; gelegentlich fettig, ölig; färbt die Wäsche gelb; Schwitzen bringt aber keine Erleichterung; je mehr der Patient schwitzt, umso schlechter geht es ihm. Rastlos, wechselt ständig den Ort. Nächtliche Verschlimmerung.
Natrium sulfuricum
#Natrium sulfuricumGastroenteritisDurchfall durch Feuchtigkeit, Wetterumschwung zu feuchtem Wetter oder Aufenthalt in feuchten Räumen, an Seen oder Flussläufen. Kollern und Gären in den Gedärmen, dann plötzlich geräuschvoll herausspritzende Stühle, morgens nach dem Aufstehen oder auch aus dem Bett treibend; < sofort nach dem Essen. Schmerzen in der Lebergegend < links Liegen. Stühle schaumig oder gelb; vermischt mit grünem Schleim. Colon ascendens druckschmerzhaft. < Kleiderdruck.
Okoubaka
#Okoubaka aubrevilleiGastroenteritisMagen-Darm-Katarrh in den Tropen. Nahrungsmittelallergie, -unverträglichkeit, Unpässlichkeit oder Hautausschläge bei ungewohnter Kost in fremdem Klima, insgesamt undramatischer Verlauf.
Phosphorus
#PhosphorusGastroenteritisDurchfall schmerzlos; reichlich; grau oder bläulich; wässrig, herausspritzend oder wie aus einem Hydranten (podo). Sago- bzw. froschlaichartige Stühle. Verlangen nach eiskalten Getränken, die bei Übelkeit, Magenschmerzen oder Durchfall bessern, aber nach kurzer Zeit wieder erbrochen werden, < warme Speisen oder warme Getränke. Starkes Leeregefühl im Epigastrium oder im ganzen Abdomen. Heiße Handflächen. < Linksseitenlage, Berührung, Wetterwechsel, während Gewitter, körperliche und geistige Anstrengung. Verlangen nach Eiscreme, Salz, Saurem und Pikantem. Große Empfindlichkeit auf alle Sinneseindrücke. > Kälte, kalte Speisen und Getränke, kaltes Waschen, Dunkelheit, Rechtsseitenlage, kurzer Schlaf, Massieren.
Podophyllum
#PodophyllumGastroenteritis„Hydrantenstühle“. Gluckern und Rumoren in den Gedärmen, dann reichliche Mengen faulig stinkender Stühle, die schmerzlos in einem Schwall abgehen, explosionsartig (sulph); anschließend Leere- und Schwächegefühl im Epigastrium, gelegentlich allgemein großes Schwäche- und Ohnmachtsgefühl sowie Wundheit des Anus. Durchfälle < nachts oder von 4:00–10:00 Uhr. Stühle sind gelb und wässrig mit maismehlartigem Sediment; grün; profus. Bauchschmerz, > auf dem Bauch Liegen, < Krümmen, Druck, lokale Wärme. Unwillkürliche Stühle während des Schlafs und beim Abgang von Blähungen. Durchfall, während das Kind gebadet wird. Empfindliche, schmerzhafte Leber, > Reiben der Lebergegend. Durchfall wechselt mit Verstopfung, Kopfweh mit Durchfall; Kopfschmerz bessert sich durch Durchfall. Rektumprolaps kurz vor oder während des Durchfalls oder Erbrechens. Zappelig, unruhig, rollt den Kopf hin und her, stöhnt. Sommerdurchfall (aloe). Zahnungsdurchfall.
Psorinum
#PsorinumGastroenteritisNosodenPsorinumStühle dunkelbraun; herausspritzend; entsetzlich stinkend, faulig, verpesten das ganze Haus. Unwillkürliche Stühle, im Schlaf. Koliken, > Essen und Abgang von stinkenden, nach faulen Eiern riechenden Blähungen. Brennen im Mastdarm. Blasse, kränkliche, zarte, ungesund aussehende Kinder, die einen unangenehmen Geruch verbreiten. Erkältet sich leicht, friert leicht. Säuglingsenteritis. „Kranke Babys können Tag und Nacht nicht schlafen, quengeln, jammern und schreien; oder sie sind den ganzen Tag brav und spielen, doch die ganze Nacht schreien sie“ (Phatak).
Pulsatilla pratensis
#Pulsatilla pratensisGastroenteritisStühle sind wechselhaft, kein Stuhl gleicht dem anderen; Durchfälle grün wie Galle; < nach Mitternacht. Erbricht lange zuvor gegessene Speisen. Schweregefühl im Magen. Folgen von Durcheinander-Essen, Genuss von Obst und Speiseeis. Schmerzhaft aufgetriebener Bauch, mit lautem Kollern darin. Durstlos, frostig und kurzatmig, verlangt nach frischer Luft. Kann nicht liegen, wenn der Kopf tief liegt. Ekel vor Speisen. Verlangt nach Saurem, nach Dingen, die es nicht verträgt; < Wärme (Bettwärme, Kleidung, Zimmer); > Kälte (Speisen, Getränke), Aufstoßen, Weinen und frische Luft. Sanfte, schüchterne, weinerliche, unentschlossene Kinder, die viel Aufmerksamkeit und Trost brauchen.
Rheum officinalis
#Rheum officinaleGastroenteritisAlle Absonderungen riechen sauer (Durchfall, Erbrochenes, Schweiß etc.). Stühle breiig, sauer riechend, braun, grünlich, gegoren, schleimig oder scharf. Konstanter, profuser Kopfschweiß, im Gesicht um Nase und Mund und auf der Oberlippe. Das Haar ist triefend nass. Bauchkoliken mit unentwegtem Schreien und Weinen, > Zusammenrollen, < Abdecken eines Körperteils. Kind verweigert die Brust. < Während der Zahnungsperiode. Keine Lust zu spielen. Ungeduldig, alles ist zuwider. Ruhelos im Schlaf, wirft sich hin und her. Schreit, quengelt.
Robinia pseudacacia
#Robinia pseudacaciaGastroenteritis„Saure Kinder“ (calc, mag-c, rheum, sul-ac). Sauer riechende Stühle, Erbrechen saurer Milch, Aufstoßen und Mundgeschmack sauer, saurer Körpergeruch. Hyperchlorhydrie. Dyspepsie durch Magenübersäuerung. < Im Liegen, besonders nachts.
Silicea
#SiliceaGastroenteritisDurchfall, oft schmerzlos, ausgelöst durch Kälte, Luftzug, Impfung; < morgens; treibt aus dem Bett (sulph); > Wärme, warmes Einhüllen, warmes Bett. Empfindlich auf Lärm, Licht und Berührung. Sehr fröstelige und kälteempfindliche Kinder, die oft starrköpfig und rechthaberisch sind. Stinkender Fußschweiß.
Stramonium
#StramoniumGastroenteritisSommerdurchfall bei Kindern. Stuhl faulig riechend, dunkel gefärbt, schmerzlos, unwillkürlich; mit Strabismus; mit Gesichtsblässe. Starkes Verlangen nach Saurem. Alles schmeckt bitter. Folgen von Schock, Schreck, unterdrückten Absonderungen oder Hautausschlägen, Sonnenwirkung. Kind erwacht voller Schrecken, erkennt niemanden, schreit vor Schreck, klammert sich an die nächste Person oder den nächsten Gegenstand. Furcht vor Dunkelheit. Wilde Erregung. Aggressive Sprache.
Sulphur
#SulphurGastroenteritisDurchfall treibt morgens (5.00 Uhr) aus dem Bett (aloe). Stühle braun und wässrig; grün oder weiß, schleimig und schäumend; gelegentlich wechselhaft in der Farbe. Durchfall oder Aufgestoßenes riecht nach verdorbenen Eiern. Juckreiz im After, gelegentlich brennend, < Kontakt mit Wasser. Zwischen 10.00 und 11.00 Uhr plötzliches Hunger- und Schwächegefühl im Epigastrium. Hitzig, ständig zu heiß, heiße Füße im Bett. Unangenehmer Körpergeruch. Rote Körperöffnungen, leuchtend rote Lippen; roter, juckender Anus. „Durchfall von Säuglingen mit blassem Gesicht, die stark schwitzen, schläfrig-benommen sind und mit halb offenen Augen daliegen, keinen Urin lassen, Krämpfe der Extremitäten haben und schreiend aufwachen“ (Phatak). Bauchdecke wie wund, sehr druckempfindlich.
Veratrum album
#Veratrum albumGastroenteritisPlötzlicher und heftiger Beginn von starkem Erbrechen und gleichzeitig profusem Durchfall. Starke Schwäche, Kollaps. Kalter Stirnschweiß, (eisige) Kälte allgemein und an einzelnen Stellen (Bauch, Zunge, Nasenspitze, Atem). Stühle wässrig und grünlich; geruchlose, farblose (Reiswasser-) Stühle. Verlangen nach eiskalten Getränken, erbricht diese aber sofort wieder (phos). < Kartoffeln und grünes Gemüse. > Fleisch und Milch. Brennen im Bauch wie von glühenden Kohlen. Eingefallenes, spitzes Gesicht, Totenblässe oder bläuliche Gesichtsfarbe; dunkle Augenringe. Folge von Schreck; enttäuschter Liebe; verletztem Stolz oder Ehrgefühl. (Tonische) Krämpfe in Verbindung mit Durchfall. Peritonitis. Intussuszeption.

Kasuistik

Kasuistik

Gastroenteritis (gekürzt und modifiziert nach Martin Bündner)

Anamnese

Lea, ein achtjähriges Mädchen, leidet an täglich mehrfach rezidivierendem Erbrechen und Durchfällen sowie Fieber. Am vierten Tag will sie weder essen noch trinken, weshalb sie nach ambulanter Begutachtung in der Kinderklinik stationär aufgenommen wird.
Befund: In der Aufnahmeuntersuchung deutlich reduzierter Allgemein- und Kräftezustand. Schlapp, matt, schwerkrank wirkend. Ganz ruhig und in sich gekehrt. Haut blass, graue Augenringe, Hautturgor stark vermindert, stehende Hautfalten. Halonierte Augen. Lippen rissig. Acetongeruch aus dem Mund. Zunge weiß belegt. Diffuser abdominaler Druckschmerz. Leichte Rötung im Bereich der Gesäßfalte. Routinelabor unauffällig, leichte Linksverschiebung im Differenzialblutbild. Ketonurie.
Konventionelle Therapie: Saccharomyces-Präparat (Parenterol-Kapseln® 3 × 50 mg), Paracetamol (Ben-u-ron® 500 mg) zur Fiebersenkung und Dimenhydrinat (Vomex A Kindersuppositorien® 70 mg forte) gegen die Übelkeit. Nahrungskarenz am ersten Tag, aufgrund der Trinkmenge (300–500 ml Tee mit Traubenzucker), der schlechten venösen Verhältnisse und des ängstlichen und weinerlichen Verhaltens wird auf eine Venenverweilkanüle verzichtet.
Das ursprüngliche Gewicht von 28 kg vor der Gastroenteritis fällt nach der Aufnahme (24,4 kg) noch auf 23,1 kg. Die schwere Exsikkose besteht unverändert, das Erbrechen wird durch das Antiemetikum gebessert. Die Diarrhö tritt weiterhin nachts auf und ist übelriechend und stinkend.
Da die besorgte Mutter trotz der stationären Behandlung keinen Fortschritt im Gesundheitszustand der Tochter sieht, zieht sie einen homöopathischen Arzt hinzu. In der Anamnese mit der Mutter ergeben sich folgende Symptome: Lea erbrach mehrfach, die Konsistenz war wässrig. Sie hatte krampfartige Bauchschmerzen, die in Seitenlage schlimmer wurden. Essen und sogar die Berührung des Bauches durch ihre Kleidung verschlimmerten die Bauchschmerzen; auch Trinken verschlimmerte, nur nicht so ausgeprägt. Weiterhin bestand Übelkeit. Im Bauch gluckerte es. Die abgehenden Blähungen waren stinkend. Am Tag der Aufnahme kam es halbstündlich zu wässrigem Durchfall, welcher auch dreimal gleichzeitig mit dem Erbrechen auftrat. Der Durchfall war wie vergoren und stinkend, von grünlicher Farbe. Er trat verstärkt nachts auf, gegen Morgen nahm er deutlich ab. Die Mundschleimhaut war total trocken und die Lippen trocken aufgesprungen, weiterhin war die Harnproduktion sehr stark reduziert. Konstant bestand Fieber. Appetitlosigkeit. Die Augen waren matt.

Repertorisation

→Rektum – Durchfall – allgemein – nachts – agg.
→Abdomen – Schmerzen – allgemein – Druck – agg.
→Allgemeines – Liegen – agg. – Seite, auf der
→Abdomen – Schmerzen – allgemein – Essen – agg. – nach
→Auge – trüb, matt, stumpf
→Stuhl – Farbe – grün
→Stuhl – Geruch – sauer
→Abdomen – Schmerzen – Krampfschmerzen, Greifen
→Rektum – Durchfall – allgemein – Kindern, bei
In die Repertorisation werden vier charakteristische Symptome, ein Begleitsymptom und vier Lokalsymptome aufgenommen. Sulphur läuft als einzige Arznei durch. Vergleicht man nur die charakteristischen Symptome, so kommen zwölf Arzneien in die engere Wahl, wobei sich auch hier Sulphur als einzige Arznei im zweiten oder dritten Grad findet. Ein Vergleich mit der Materia medica bestätigt die Arzneiwahl.

Verordnung und Verlauf

Sulphur#SulphurGastroenteritis C 30. Bereits kurz nach Arzneigabe kommt es zu einer deutlichen Besserung des Allgemeinzustands. Lea steigt sogar freiwillig aus dem Bett und sie beginnt, größere Mengen Wasser zu trinken. Es ist nun auch möglich, eine Infusion zu verabreichen, das empfindet sie nicht mehr als schlimm. Am Folgetag ist das Mädchen wie ausgewechselt, die Beschwerden sind komplett verschwunden. Nach der Abschlussuntersuchung und einer Aufklärung über die Gastroenteritis-Diät kann Lea aus der stationären Behandlung entlassen werden.
Im weiteren Verlauf erreicht sie wieder zügig ihr ursprüngliches Gewicht und nimmt sogar noch weiter zu, außerdem findet ein Wachstums- und Entwicklungsschub statt, wie es oftmals bei Kindern nach einer auskurierten akuten Erkrankung beobachtet werden kann.
Literatur (14.13)

Diarrhö

DiarrhöDurchfall s. DiarrhöIn den westlichen Industrieländern erkranken Kinder bis zum fünften Lebensjahr ein- bis dreimal jährlich an akutem Durchfall, wobei es sich im Säuglings- und Kindesalter am häufigsten um eine infektiöse Diarrhö handelt (14.1). Differenzialdiagnostisch sollten folgende Erkrankungen nicht außer Acht gelassen werden (Tab. 14.4). Die Mortalität bei Säuglingen liegt dabei unter 1 %. Dramatischer zeigt sich das Bild in Entwicklungsländern. Hier sterben jährlich ca. drei Millionen Kinder unter fünf Jahren im Rahmen von Durchfallerkrankungen, das sind 25 % der kindlichen Todesfälle. Weltweit sind die akuten Durchfälle die zweithäufigste Todesursache.
Durchfall kann in akuter und in chronischer Form auftreten.
  • Die akute Diarrhö definiert Diarrhöakutesich durch eine akute Vermehrung der Darmentleerungen, eine Verminderung der Stuhlkonsistenz, einen gesteigerten Wassergehalt des Stuhls sowie einen einhergehenden Wasser- und Elektrolytverlust. Sie kann sekretorischer (z. B. Cholera) oder osmotischer Natur (z. B. Rotavirus-Enteritis) sein. Die Norm der Stuhlfrequenz ist abhängig vom Lebensalter (Tab. 14.5).

  • Die chronische Diarrhö ist meist Diarrhöchronischedurch eine Dünndarm- oder Pankreaserkrankung bedingt. Bei Fehlen einer Gedeihstörung handelt es sich häufig um das irritable Kolon. In jedem Fall muss eine fachärztliche Abklärung durchgeführt werden. Zur Differenzialdiagnose Tab. 14.6.

  • Das irritable KolonKolon, irritables („Toddlers diarrhea“) ist ein funktionelles Syndrom und eine Ausschlussdiagnose. Der schmerzlose Durchfall persistiert häufig nach einer Gastroenteritis, die Stuhlbeschaffenheit wechselt von wässrigen zu normalgeformten Stühlen, die vorwiegend morgens auftreten. Die Kinder, typischerweise im Alter von 6–24 Monaten, gedeihen normal, sind aber nicht selten von sehr lebhafter Natur. Diätische oder medikamentöse Maßnahmen bleiben ohne Erfolg, die Symptome verschwinden spontan, oft aber erst nach Monaten.

Literatur (14.13)

Leitsymptom: Erbrechen

Grundlagen

ErbrechenDas Erbrechen ist keine eigenständige Erkrankung, sondern nur ein Symptom, das besonders im Kleinkindesalter sehr häufig auftritt. Es kann Ausdruck einer alleinigen gastrointestinalen Erkrankung sein, aber auch bei einer Vielzahl von Erkrankungen anderer Organsysteme beobachtet werden.
Obwohl sich die Schutzfunktion des Erbrechens, ein ausgeprägtes Merkmal des Säuglings, mit zunehmendem Alter des Kindes verliert, tritt das Erbrechen auch später noch durch Diätfehler auf, sei es durch zu fettes Essen oder unreife Früchte. Auch Erschöpfung, Schreck, Wutanfälle oder andere psychische Einflüsse können ein singuläres Erbrechen hervorrufen. Da der Bedeutungsbogen des Erbrechens von der harmlosen Begleiterscheinung bis zum ernsten Leitsymptom reicht, ist eine kritische Beurteilung der Anamnese, der Klinik, der kombinierten Krankheitserscheinungen (z. B. Fieber, Schmerzen, Exsikkose, Durchfall, Kopfschmerzen), des Alters sowie des Beeinträchtigungsgrads des Patienten notwendig.
Tab. 14.7 gibt einen differenzialdiagnostischen Überblick über die wichtigsten Erkrankungen, die mit Erbrechen einhergehen können. Zur Thematik des Säuglingserbrechens 5.6.
Neben den Komplikationen der Grunderkrankung kann es bei stärkerem Erbrechen zu einer Dehydratation und Störung des Elektrolythaushalts kommen.

Konventionelle Therapie und unterstützende Maßnahmen

Die Art der Grunderkrankung bestimmt das therapeutische Vorgehen. Dieses reicht von der antibiotischen Behandlung (Infektionen), über den operativen Eingriff (Fehlbildungen, spastisch-hypertrophe Pylorusstenosen, Ileus, Appendizitis etc.), diätetische Maßnahmen (Zöliakie, Kuhmilchproteinintoleranz, Stoffwechselerkrankungen etc.), Giftelimination oder Antidotgabe (exogene Vergiftungen) bis hin zur Psychotherapie (nervöses Erbrechen, Anorexia nervosa).
Medikamentöse Therapie
Zur Dämpfung des Brechreizes werden je nach Schwere Sedativa, Antiemetika, Prokinetika und Serotoninantagonisten eingesetzt. Das AntiemetikumAntiemetika Dimenhydrinat kommt als Zäpfchen (z. B. Vomex® oder Emedyl®-Suppositorium für Kinder) oder als Kaugummi (Superpep® oder Travel-Gum® 10 mg) bei Übelkeit und als Prophylaxe bei Kinetosen (30 Minuten vor Abfahrt) zur Anwendung. Insbesondere bei Säuglingen und Kleinkindern kommen jedoch paradoxe Reaktionen wie Unruhe, Erregung, Schlaflosigkeit, Angstzustände und auch Krampfanfälle vor. Säuglinge haben zudem ein erhöhtes Risiko für Atemstörungen bis hin zum Atemstillstand. Ein Einfluss auf Krankenhauseinweisungen oder die Notwendigkeit einer intravenösen Rehydratation lässt sich nicht nachweisen (AT 2012).
Der SerotoninantagonistSerotoninantagonist Ondasetron (Zofran®) begleitet häufig die Zytostatikamedikation. Sedativa wie Levomepromazin (Neurozil®, Nozinan®) und ProkinetikaProkinetika wie Metoclopramid (Paspertin®) und Domperidon (Motilium®) dürfen nur bei entsprechender Indikation zum Einsatz kommen.
Orale Rehydratation
RehydratationoraleErbrechenRehydratationDer Dehydratationsgrad (Tab. 14.1, Tab. 14.2) bzw. das Vorliegen einer Azetonämie (14.3) gestalten das weitere Procedere. Der Elektrolytausgleich richtet sich im Weiteren nach der Art der Dehydratation (hypoton, isoton, hyperton).

Homöopathische Behandlung

Im homöopathischen Sinn kann das kindliche Erbrechen eine akute Krankheit oder Ausdruck einer chronischen Krankheit sein. Die akuten Krankheiten treten plötzlich auf und verlaufen schnell und heftig. Meist heilen sie aber von allein. Zu dieser Krankheitsklasse zählen die akuten Infektionserkrankungen und akute Folgen von außen: „Ausschweifungen in Genüssen, oder ihre Entbehrung, physische heftige Eindrücke, Erkältungen, Erhitzungen, Strapazen, Verheben usw., oder psychische Erregungen, Affecte […].“ (Organon, § 73).
Primär sollte daher überlegt werden, um welche Art der Erkrankung es sich handelt und ob überhaupt eine Arzneigabe notwendig ist. Die akute Krankheit präsentiert sich meist als lokalisiertes Hauptsymptom. Die Art der Empfindung, die Modalitäten, die Begleitsymptome und der evtl. Auslöser sind von entscheidender Bedeutung für die Arzneimittelfindung. Es empfiehlt sich, die akute Arznei in einer C 30 nach jedem Erbrechen, bevorzugt in Wasser aufgelöst, zu verabreichen. Durch das passende Simile zeigt sich rasch eine Besserung, ansonsten ist eine andere, besser passende Arznei zu suchen.
Repertoriumsrubriken
RepertoriumsrubrikenDiarrhöDie Rubriken gehen auf das Complete Repertory (Millenium) zurück.
→Magen – Erbrechen – allgemein – Bewegung, bei (30): ars, bry, cadm-s, tab, …
→Magen – Erbrechen – allgemein – Emotionen, durch (11): cham, coff, kali-br, staph, …
→Magen – Erbrechen – allgemein – Fahren in einem Wagen, beim (26): carb-ac, cocc, petr, tab, …
→Magen – Erbrechen – allgemein – geistige Anstrengung, durch (11): arn, asar, aur, cina, cocc, ferr, tab, …
→Magen – Erbrechen – allgemein – Gemütserregung, nach (7): arg-nit, bufo, cocc, …
→Magen – Erbrechen – allgemein – Hirnreizung, mit (11): glon, hell, zinc, …
→Magen – Erbrechen – allgemein – Hitze, während (52): ant-t, eup-per, nat-m, …
→Magen – Erbrechen – hysterisch (12): aquilegia vulg, cajuputum, kali-br, nux-v, stict, …
→Magen – Erbrechen – allgemein – Kindern, bei (16): aeth, cupr-ars, dys-co, iris, …
→Allgemeines – Ohnmacht, in Ohnmacht fallen – Neigung – Erbrechen, mit (20): ant-t, ip, tab, verat, …
→Magen – Erbrechen – allgemein – Operationen, nach (7): all-c, bism, nux-v, phos, stry, …
→Magen – Erbrechen – allgemein – Speiseeis, nach (4): ars, calc-p, ip, puls
→Magen – Erbrechen – allgemein – Zahnung, während der (16)
→Magen – Erbrechen – allgemein – Zorn, nach (5): cham, coloc, nux-v, …
→Allgemeines – Schwäche, Entkräftung, Erschöpfung, Prostration, Hinfälligkeit – Erbrechen – nach (24): colch, verat, verat-v, …
Die Art des Erbrechens und des Erbrochenen findet sich unter →Magen – Erbrechen –←. In der Folge ist nur eine kleine Auswahl dieser Rubriken aufgeführt:
→Magen – Erbrechen – bitter (90): bry, nux-v, phos, sang, …
→Magen – Erbrechen – fäkulent (20): bell, colch, nux-v, op, plb, …
→Magen – Erbrechen – Galle – Kindern, bei (8): ars, bry, cham, chin, nux-v, verat, …
→Magen – Erbrechen – gelb (47): phos, verat, …
→Magen – Erbrechen – Hämatemesis, blutig – Kindern, bei (5): arn, ars, ip, lyc, nux-v
→Magen – Erbrechen – Milch – geronnen (19): aeth, calc, sil, valer, …
→Magen – Erbrechen – sauer (124): calc, iris, lyc, mag-c, rob, sulf-ac, …
→Magen – Erbrechen – scharf, ätzend (31): kreos, sang, …
→Magen – Erbrechen – übelriechend (40): ars, nux-v, sep, …
Homöopathische Arzneimittel
Aconitum napellus
#Aconitum napellusErbrechenPlötzlicher und heftiger Beginn. Unruhig. Todesangst. Folgen von Schreck, sehr heißem Wetter. Erbrechen mit Hitze, reichlichem Schweiß und vermehrtem Wasserlassen. Intensiver Durst. Trinkt, erbricht und sagt, er werde sterben. Erbrochenes gallig, schleimig, blutig und grünlich. Alles außer Wasser schmeckt bitter. Bauch empfindlich auf Berührung.
Aethusa cynapium
#Aethusa cynapiumErbrechenMilchunverträglichkeit, wird in Klumpen erbrochen. Hungrig nach dem Erbrechen. Erbrechen mit Schweiß und großer Schwäche. Unruhig, ängstlich, weinerlich. Unfähig zu denken oder sich zu konzentrieren.
Antimonium crudum
#Antimonium crudumErbrechenErbrechen bei Masern, Kopfschmerz sowie durch Überessen. Milchunverträglichkeit, wird in Klumpen erbrochen. Weiße, dick belegte Zunge. Appetit- und durstlos, Ekel vor Speisen. Verlangen nach Saurem, nach in Essig Eingelegtem. < (Sonnen-)Hitze und kaltes Baden. Mürrisch, reizbar und zu Ärger geneigt. Erträgt keine Berührung, will nicht einmal angeblickt werden.
Antimonium tartaricum
#Antimonium tartaricumErbrechenErbrechen häufig bei Atemwegserkrankungen mit starker Schleimbildung. Ein durch Essen hervorgerufener Husten endet mit Würgen und Erbrechen; oft unter großer Anstrengung. Anschließend Benommenheit und Schwäche. Gesicht blass und mit kaltem Schweiß bedeckt. Durst auf kaltes Wasser, trinkt wenig, aber oft. Verlangen nach Äpfeln, Früchten und Säuren.
Apocynum cannabinum
#Apocynum cannabinumErbrechenErbrechen bei urämischen Zuständen. Hydrops mit Übelkeit, Erbrechen und großem Durst.
Apomorphini hydrochloridum
#Apomorphini hydrochloridum, ErbrechenPlötzliches Erbrechen ohne Übelkeit oder Schmerz. Seekrankheit. Hirntumor.
Argentum nitricum
#Argentum nitricumErbrechenÜbelkeit mit Rülpsen und lautem Windabgang. Schmerzhafte Stelle über dem Magen, die in alle Teile des Bauches ausstrahlt. Prüfungsangst.
Arsenicum album
#Arsenicum albumErbrechenÜbelkeit, Würgen und Erbrechen, < nach fast jedem Essen und Trinken, Anblick, Geruch und Denken an Essen. Erbrechen und Durchfall gleichzeitig. Das Erbrochene ist scharf und beißend. Starker, brennender Durst auf eiskaltes Wasser, das in kleinen Schlucken getrunken, aber sofort wieder erbrochen wird. Brennende Magenschmerzen. Sehr nervös, unruhig und ängstlich, oft Todesangst. Schwach, erschöpft, mit Neigung zur Ohnmacht. Folgen von verdorbenem Essen, Eis, wässrigem Obst, Baden im Meer. < 24:00–3:00 Uhr, Kälte, kaltes Essen, kalte Getränke; > Wärme, warmes Essen, warme Getränke.
Bryonia alba
#Bryonia albaErbrechenÜbelkeit; muss ganz ruhig liegen, < Bewegung, Aufrichten, Liegen auf der rechten Seite. Trockene Zunge, alles schmeckt bitter. Erbrechen von festen Speisen und warmen Getränken. Verlangen nach kalten Getränken. Reizbar, schweigsam, will allein gelassen werden.
Cadmium sulfuratum
#Cadmium sulfuratumErbrechenStarke Übelkeit und intensives Brechwürgen, mit extremer Schwäche und Erschöpfung. Muss ganz stillliegen, < geringste Berührung der Lippen. Verlangt nach kleinen Schlucken kalten Wassers, die jedoch sofort wieder erbrochen werden.
Chamomilla
#ChamomillaErbrechenÜbelkeit und Erbrechen mit der für die Arznei typischen Übellaunigkeit, Gereiztheit und Überempfindlichkeit. < Ärger, nachts, Zahnung, postoperativ. > Getragenwerden.
China officinalis
#China officinalisErbrechenPeriodisches Erbrechen.
Cocculus indicus
#Cocculus indicusErbrechenSee- und Reisekrankheit. Oft zentralnervös bedingte Übelkeit. Übelkeit mit Schwindel. Ekel vor allen Speisen und Getränken. < Bewegung, Aufrichten aus dem Bett. Starke Lärm- und Geruchsempfindlichkeit. Leeregefühl in Kopf oder Bauch. Erbrechen bei Hirntumor. Folgen von geistiger oder körperlicher Überanstrengung, Zorn, Schreck, Kummer oder Enttäuschung.
Colchicum autumnale
#Colchicum autumnaleErbrechenAppetit und Durst, aber Ekel durch Geruch oder Anblick von Speisen. Ausgeprägte Geruchsempfindlichkeit. Brennen im Magen. Verlangen nach kohlensäurehaltigen Getränken.
Cuprum metallicum
#Cuprum metallicumErbrechenHeftige, quälende Brechattacken, starke Übelkeit, mit schrecklichen Bauchkrämpfen. Patient schreit. < Berührung, Bewegung, > Trinken kalten Wassers. Folge von unterdrückten Ausschlägen. Periodisches Erbrechen.
Ferrum metallicum
#Ferrum metallicumErbrechenErbrechen ohne Übelkeit oder Brechreiz, gleich nach dem Essen. Aufstoßen lässt mundvollweise Essen folgen. < nachts, um Mitternacht, Eier.
Ipecacuanha
#IpecacuanhaErbrechenSchreckliche Übelkeit, die durch Erbrechen nicht erleichtert wird. Gefühl, als ob der Magen schlaff herabhinge. Ekel vor allen Speisen. Übelkeit und Erbrechen als Begleiterscheinung bei Atemwegserkrankungen, Kopfschmerzen oder Blutungen. Trotz Erbrechen reine Zunge. Folge von schwer verdaulichen Speisen, Durcheinander-Essen. < (Feuchte) Wärme.
Iris versicolor
#Iris versicolorErbrechenPeriodisches Erbrechen. Brechdurchfall und Migräne. Brennen im ganzen Verdauungstrakt. Fettiger oder süßlicher Mundgeschmack. Speichel reichlich und fadenziehend. < 2:00–3:00 Uhr. Kinetosen.
Lobelia inflata
#Lobelia inflataErbrechenÜbelkeit und Erbrechen; tödliche Übelkeit im Magen und über den ganzen Körper, oft verbunden mit ohnmächtigem Schwächegefühl (im Epigastrium) und profusem, kaltem (Gesichts-) Schweiß, > Essen einer Kleinigkeit oder Schluck Wasser. Starker Speichelfluss. Oft bei Atembeschwerden, rasselnde Atmung.
Nux vomica
#Nux vomicaErbrechenÜbelkeit, oft mit heftigen Bauchkrämpfen, mit schmerzhaftem oder auch vergeblichem Erbrechen. Gereizt und überempfindlich gegen sinnliche Eindrücke; < starke Gerüche, helles Licht, Lärm, beengende Kleidung. Wund- und Zerschlagenheitsgefühl im Bauch. Ohnmachtsneigung nach Erbrechen. Folge von Ärger, gekränktem Ehrgeiz, Überessen, starken Gewürzen, Narkotika, Zytostatika oder anderen Medikamenten. < Am frühen Morgen, Kälte. Reisekrankheit.
Phosphorus
#PhosphorusErbrechenÜbelkeit und Erbrechen, mit Brennen im Magen. Galliges oder kaffeesatzartiges Erbrechen. Verlangen nach kalten Getränken, die bessern, aber nach kurzer Zeit wieder erbrochen werden. Leeregefühl oder Kältegefühl im Magen. Verlangen nach sauren, salzigen und pikanten Speisen. < warme Getränke und Speisen. Übelkeit durch Eintauchen der Hände in warmes Wasser. Postoperativ.
Plumbum
#Plumbum metallicumErbrechenPeriodisches Erbrechen. Erbricht kotähnliche Massen, schwarzbraune Flüssigkeit oder grünen Schleim. Bei Kolik, Stuhlverstopfung oder Invagination.
Pulsatilla pratensis
#Pulsatilla pratensisErbrechenErbrechen bei verdorbenem Magen. Essen liegt schwer im Magen. Beschwerden nach Genuss von Eiscreme, schweren oder fetten Speisen und Durcheinander-Essen. < Wärme, warmes Zimmer, warme Kleidung. Weinerlich, wollen getröstet werden. Ekel, besonders beim Essen.
Sepia
#SepiaErbrechenSchreckliche Übelkeit und Leeregefühl im Magen. < morgens, Denken an Essen, Gerüche, > Essen. Erbrechen einer milchigen Flüssigkeit. Verlangen nach Saurem. Ausgezeichnet bei Nebenwirkungen der Chemotherapie. See- und Reisekrankheit.
Silicea
#SiliceaErbrechenErbrechen, < nach dem Trinken oder Stillen. Wasser schmeckt unangenehm. Saures Erbrechen. Abneigung gegen gekochte oder warme Speisen. Verlangen nach eiskaltem Wasser, Eiscreme.
Sulphur
#SulphurErbrechenBrennen. Rote Körperöffnungen, auffallend rote Lippen. Leere- und Hungergefühl gegen 11:00 Uhr. Weiße Zunge mit sehr roter Spitze und roten Rändern.
Tabacum
#TabacumErbrechenÜbelkeit zum Sterben und starkes Erbrechen, < geringste Bewegung, > frische Luft. Totenblass, kaltschweißig. Ohnmachtsneigung. Starke Speichelbildung, muss viel ausspucken. Zusammenschnürungsgefühl im Hals. Möchte den Bauch entblößt haben. See- und Reisekrankheit.
Veratrum album
#Veratrum albumErbrechenPlötzliches und heftiges Erbrechen, oft im Guss, mit ausgeprägter Schwäche, kaltem Stirnschweiß, Frösteln; oft Kollaps. Gleichzeitig Erbrechen und Durchfall. Hunger trotz Übelkeit und Erbrechen. Verlangt nach eiskaltem Wasser, das aber sofort wieder erbrochen wird. > Fleisch und Milch. Folgen von Schreck, enttäuschter Liebe oder verletztem Stolz.
Veratrum viride
#Veratrum virideErbrechenPlötzlich einsetzende Übelkeit oder Erbrechen. Heftiges Erbrechen ohne Übelkeit. Geringste Menge an Essen oder Trinken wird augenblicklich wieder erbrochen. < Aufrichten aus dem Liegen. Übler, fauliger Mundgeruch. Weiße Zunge, mit medianem, rotem Streifen. Unruhegefühl im ganzen Körper, Zittern wie vor Schreck, Zuckungen und Krämpfe. Folgen von Sonnenstich.

Kasuistik

Kasuistik

Starke Geruchsempfindlichkeit mit Erbrechen (Thomas Peinbauer)

Anamnese

Martin, zwei Jahre alt, leidet unter starker Geruchsempfindlichkeit. Steigt ihm der Geruch gerösteter Zwiebeln, von Käse oder von anderen bestimmten Speisen, die er eigentlich sehr gerne isst, in die Nase, müssen sofort die Fenster geöffnet werden. Macht er in die Hose, ruft er „Oma, schnell, ein Feuchttuch“, und hält sich dieses vor die Nase. Auf der Toilette sitzend, hält er sich die Nase zu, denn sonst bekommt er Brechreiz oder muss sich übergeben. Umgekehrt schätzt er angenehme Gerüche sehr: „Hm, diese Rose riecht aber fruchtig“. Er ist sehr klug, mitfühlend, eher vorsichtig und kuschelt gern.

Repertorisation

→Magen – Ekel – Gerüchen, vor (13)
→Magen – Erbrechen – Gerüche agg.: (1) colch
„Geruchssinn krankhaft gesteigert; Gerüche erzeugen Übelkeit bis hin zur Ohnmacht.“ (Phatak)

Verordnung und Verlauf

Colchicum C 30, einmalige Gabe von 5 Globuli. Die Geruchsempfindlichkeit verschwindet nach einer Woche und tritt zwei Jahre nicht auf. Als sich die Symptome wieder zeigen, sistieren nach Arzneiwiederholung die Überempfindlichkeit und die aktuelle Infektanfälligkeit.
Literatur (14.13)

Azetonämisches und zyklisches Erbrechen

Grundlagen

ErbrechenzyklischesErbrechenazetonämischesAzetonämieIm Vergleich zu Erwachsenen, aber auch zu Altersgenossen, besitzen manche Kinder eine ausgeprägtere Neigung zur Azetonämie. Aus nicht restlos geklärten Gründen kommt es zu einer verstärkten Bildung von Acetessigsäure, Beta-Oxibuttersäure und Azeton. Auslösend wirken Infekte, starker Fettgenuss, ein „verdorbener Magen“ mit einem ersten Erbrechen, psychische Alterationen oder Schlafentzug bei vegetativ labiler Konstitution. Bei manchen Kindern genügt eine stärkere körperliche Anstrengung oder das Auslassen einer Mahlzeit.
Die Kinder sind geschwächt, zeigen ein bisweilen unstillbares Erbrechen über zwei bis vier Tage, gepaart mit eher diffusen Oberbauchschmerzen, großem Durst, spärlichem Urin und Exsikkosezeichen (Tab. 14.1) bei schwereren Verläufen. Auffallend bei dieser Art des Erbrechens ist der apfelartige Geruch nach Azeton, beweisend ist der positive Azeton-Nachweis im Harn mittels Harnstreifen. Bei schwerer Exsikkose finden sich auch Eiweiß und Erythrozyten im Harn.
Nicht immer geht aber die Azetonämie mit Erbrechen einher. Die Kinder sind dann für einige Tage blass, lustlos und „hängen herum“. Hier spricht man von stiller Azetonämie.
Bei Kindern zwischen dem zweiten und achten Lebensjahr zeigt sich gelegentlich eine zyklische Form des Erbrechens ohne auslösende Ursache. Dies ist die ausgeprägteste Form der natürlichen Neigung des Kindes zur Azetonämie. Zyklisches Erbrechen findet sich nicht selten in Familien mit Vorkommen von Migräne. Häufig sistiert das zyklische Erbrechen in der Pubertät, gelegentlich kann es aber auch in Migräneattacken übergehen.

Konventionelle Therapie

Ziel ist die Aufnahme von Kohlenhydraten, die primär in Form von gut gesüßten Getränken erfolgt. Bei DehydratationDehydratation, Gastroenteritis ist aber oft eine intravenöse Zufuhr (50–100 ml/kg einer Lösung aus 30–70 g Glukose/l, NaCl 50 mmol/l, Kaliumchlorid 20 mmol/l) unumgänglich.

Praxistipp

Die durch den immer vorhandenen Durst bedingte oft unkontrollierte Flüssigkeitsaufnahme führt regelmäßig zu erneutem Erbrechen, weshalb die Getränke löffelweise und eisgekühlt eingenommen werden sollten. Bewährt hat sich folgender „Cocktail“: ⅓ gezuckerter schwarzer Tee, ⅓ frisch gepresste Apfelsinensaft, ⅓ Ringer- oder Kochsalzlösung.

Homöopathische Behandlung

Das azetonämische und zyklische Erbrechen ist nach homöopathischer Auffassung eine chronische Krankheit und bedarf somit einer konstitutionellen Arznei. Dadurch erreicht man ein Sistieren der Beschwerdesymptomatik oder zumindest eine Reduktion der Häufigkeit und Schwere des Erbrechens. Nach der Erfahrung von Foubister sind Phosphorus, Calcium phosphoricum, Tuberculinum und Bacillus dysenteriae (Dysentery Co) häufig als chronische Arzneien angezeigt, wobei sich die Arzneifindung natürlich an den charakteristischen Symptomen orientiert, und somit auch viele andere Arzneien infrage kommen. Ist aufgrund der Heftigkeit des Erbrechens auch eine akute homöopathische Behandlung notwendig, so können Zwischenarzneien ins Auge gefasst werden.
Repertoriumsrubriken
Zur RepertorisationRepertoriumsrubrikenErbrechen eigenen sich folgende klinische Rubriken (Complete Millenium).
→Magen – Erbrechen – zyklisch, Säuglinge und Kleinkinder (10): carc, cupr-ars, dys-co, indol, ingluvinum, iris, kreat, merc-d, phos, puls
→Magen – Erbrechen – allgemein – Azetonämie, bei (1): carc
Homöopathische Arzneimittel
Bacillus dysenteriae (Dysentery Co)
#Bacillus dysenteriae (Dysentery Co), ErbrechenFoubister hält diese Arznei fast für ein Spezifikum sowohl für die akute als auch für die chronische Behandlung des zyklischen Erbrechens.
Carcinosinum
#CarcinosinumErbrechenHäufig Kinder, die unter hohem Erwartungsdruck stehen, einer strengen elterlichen Kontrolle unterliegen und enorme Anstrengungen machen, um ihre oft zu hohen Ziele zu erreichen. Perfektionistisch, anspruchsvoll, gute Manieren. Empfindlich für Tadel, leicht beleidigt. Gefühlvoll und mitfühlend. Empfänglich für schöne Dinge. Aber auch ruhelose Kinder, mit destruktiven Ausbrüchen, mit Tendenzen, Dinge zu zerstören. Ungehorsam. Tics, Nägelbeißen. Hitzig. Genupektorale Schlafposition. Verlangen/Abneigung nach/gegen Butter, Fett, Schokolade, Eier und Milch. Café-au-lait-Flecken, viele Lebermale, blaue Skleren. Folge von Impfung. < und > am Meer, < und > Neu- und Vollmond. > abends, im Freien. Krebs in der Familienanamnese.
Cuprum arsenicosum
#Cuprum arsenicosumErbrechenHeftige Muskelkrämpfe; kolikartige Schmerzen, hartnäckiger Singultus, nächtliche Wadenkrämpfe. Eiskalter Körper; kalter, klebriger Schweiß. Gefühl wie taub und gelähmt in den Beinen. Urin riecht nach Knoblauch. < Berührung, Druck, Feuchtigkeit, Bewegung.
Iris versicolor
#Iris versicolorErbrechenPeriodische Brechanfälle, jeden Monat oder alle sechs Wochen, jeweils zwei, drei Tage lang. < Periodisch, 2:00–3:00 Uhr, nach Mitternacht, Frühling und Herbst, heißes Wetter, geistige Erschöpfung. Erbrochenes bitter; scharf, wässrig, sauer, brennend. Heftiger Kolikschmerz vor jedem Erbrechen. Fetter oder süßlicher Mundgeschmack. Reichlicher, fadenziehender Speichel.
Kreosotum
#KreosotumErbrechenZyklisches Erbrechen. Erbrechen unverdauter Speisen mehrere Stunden nach dem Essen. < (Kaltes) Essen, Fasten, wagt es nicht, nüchtern zu bleiben, < Zahnung, Ruhe, Kälte, Liegen, Sommer, üble Gerüche, 18:00–6:00 Uhr, Berührung. > Wärme, warmes Essen, Bewegung, Druck. Absonderungen (Aufstoßen) reichlich, scharf, heiß brennend, faulig stinkend. Brennen wie Feuer. Gefühl von Eiseskälte im Magen. Verlangen nach geräuchertem Fleisch. Hoch geschossene, aber für ihr Alter unterentwickelte Kinder; Marasmus. Kranker, leidender Gesichtsausdruck; alt aussehend. Kinder schlafen nicht, wenn sie nicht gestreichelt und geliebkost werden. Unzufrieden, mit allem; möchte Sachen, die es dann wegwirft, worauf es wieder etwas anderes möchte. Reizbar, halsstarrig, eigensinnig. Nächtliches Schreien. Kind wimmert pausenlos oder döst mit halboffenen Augen vor sich hin oder ist gereizt und schlaflos, während der Zahnung.
Mercurius dulcis
#Mercurius dulcisErbrechenZyklisches Erbrechen der Säuglinge. Durchfälle grasgrün, scharf und wund machend. Zunge mit Zahneindrücken. > Kalte Getränke, < Saures. Blasse Kinder.
Phosphorus
#PhosphorusErbrechenVerlangen nach eiskalten Getränken, die bei Übelkeit oder Magenschmerzen bessern, aber nach kurzer Zeit wieder erbrochen werden, < warme Speisen oder warme Getränke. Starkes Leeregefühl im Epigastrium oder im ganzen Abdomen. Heiße Handflächen. < Linksseitenlage, Berührung, Wetterwechsel, während Gewitter, körperliche und geistige Anstrengung. > Kälte, kalte Speisen und Getränke, kaltes Waschen, Rechtsseitenlage, kurzer Schlaf, Massieren. Verlangen nach Eiscreme, Salz, Saurem und Pikantem. Große Empfindlichkeit auf alle Sinneseindrücke.
Pulsatilla pratensis
#Pulsatilla pratensisErbrechenBeschwerden nach Genuss von schweren, fetten Speisen; heißen Speisen und Getränken, Eis, Eiern, fettem Gebäck. Durstlosigkeit, auch bei trockenem Mund. Frostigkeit. < Wärme, Hitze (Luft, Zimmer, Bett, Kleidung), abends, Ruhe, Liegen, auf einer Seite, Essen; lange nach dem Essen; > Kälte; kalte frische Luft, kalte Speisen und Getränke, aufrechte Haltung. Abneigung gegen Wasser, Milch, Brot, warme Speisen und warme Getränke. Verlangen nach Saurem. Kind möchte langsam herumgetragen werden. Muss beim Liegen Kopf hochlagern. Kinder verlangen nach Zärtlichkeit und Liebkosung. Sanftes, weinerliches Gemüt, sehr empfindlich auf Tadel oder Grobheiten.

Kasuistik

Kasuistik

Azetonämisches Erbrechen (übersetzt und modifiziert nach Donald Foubister)

Anamnese

Bei einem vierjährigen Mädchen kommt es seit sechs Monaten an fast jedem Wochenende zu anfallsartigen, linksseitigen Bauchschmerzen, gefolgt von Erbrechen. Während dieser Anfälle zeigt sich ein ausgeprägter Azetongeruch mit nachweislicher Azetonurie. Die zwei- bis dreitägige Schmerzphase wird begleitet von einer Oligurie, gefolgt von einer Polyurie nach Abklingen der Schmerzsymptomatik. Es findet sich eine vergrößerte Niere links und eine Erweiterung der Calices renales im intravenösen Pyelogramm.

Verordnung und Verlauf

Bacillus dysenteriae (Dysentery Co) C 200, zweistündlich am Beginn einer Schmerzattacke. Durch die Arzneigabe kommt es zu einer Verkürzung der jeweiligen Anfallsdauer, nach gleichartiger Behandlung einiger weiterer Anfälle stellt sich ein völliges Sistieren der Schmerz- und Brechattacken ein; Nachbeobachtungszeitraum von zwei Jahren.
Literatur (14.13)

Akute Bauchschmerzen

Grundlagen

Ätiologie
BauchschmerzenakuteAbdomen, akutesSchmerzenAbdomenAufgrund der noch sehr undifferenzierten Schmerzempfindung von Säuglingen und Kleinkindern kommt es in diesem Alter zu einer Verlagerung vieler Schmerzen in den Bauch. Die Intensität der Schmerzen kann entweder am Gesichtsausdruck (0–3 Monate) oder an der Art des Schreiens bewertet werden. Erst ab dem achten Lebensjahr sind Kinder in der Schmerzempfindung und -lokalisierung mit Erwachsenen vergleichbar.
Das Spektrum kausaler Erkrankungen, die hinter akuten Bauchschmerzen stecken können, ist groß und reicht von Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts über extraabdominale Erkrankungen (z. B. basale Pneumonie, Harnwegsinfekte, Hodentorsion, Mittelohr- und Halsentzündungen etc.) bis hin zu somatischen Schmerzen bei psychosozialen Konflikten. Bauchschmerzen können sowohl Ausdruck einer harmlosen (Verstopfung, Blähungen, Nahrungsmittelunverträglichkeit etc.) als auch lebensbedrohlichen Erkrankung (akutes Abdomen) sein.

Info

Akute Bauchschmerzen, die definitionsgemäß als akutes Abdomen bezeichnet werden, bedürfen einer raschen Abklärung, um unverzüglich eine adäquate Therapie einleiten zu können.

Zur Abklärung hat es sich bewährt, die differenzialdiagnostisch infrage kommenden Erkrankungen nach Altersgruppen einzuteilen (Tab. 14.8). Von den angeführten Erkrankungen werden in der Folge die Invagination (14.6) und die akute Appendizitis (14.7) sowohl aus schulmedizinischer als auch homöopathischer Sicht näher beleuchtet. Für die übrigen Erkrankungen werden wesentliche klinische und diagnostische Aspekte angeführt. Einige der erwähnten Erkrankungen werden in anderen Kapitel des Buches ausführlicher besprochen (Tab. 14.8). Abdomen, akutesDifferenzialdiagnose
Diagnostik

Praxistipp

Vor Beginn der Untersuchung sollte versucht werden, Ruhe und Besonnenheit zu verbreiten, das Vertrauen des Kindes zu gewinnen und auf warme Hände für die Palpation zu achten.

Es ist das Ziel, durch Anamnese, klinische Untersuchung und Einbeziehung des Alters des Kindes die Ursache und die Bedrohlichkeit der akuten Schmerzen zu bestimmen oder wenigstens abzuschätzen.
Anamnese
Folgende anamnestische FragenAnamneseAbdomen, akutes sind hilfreich und klärend.
  • Wie alt ist das Kind?

  • Wie äußern sich die Beschwerden?

  • Wie lange bestehen die Schmerzen?

  • Wo werden die Schmerzen verspürt, strahlen sie aus?

  • Wann treten die Schmerzen auf, auch nachts?

  • Treten die Schmerzen anfallsartig auf oder ist es ein Dauerschmerz?

  • Gibt es einen Zusammenhang zwischen den Schmerzen und bestimmten Ereignissen (Nahrungsaufnahme, Stuhlgang)?

  • Ging den Bauchschmerzen ein bestimmtes Ereignis voraus (Verletzung, Erkrankung in der Umgebung, Urlaubsreise, Genuss bestimmter Speisen oder Getränke, Medikamenteneinnahme, Streit oder Konflikt, Schulprobleme)?

  • Wie ist der Allgemeinzustand des Kindes?

  • Hat das Kind Fieber?

  • Welche Vorerkrankungen liegen vor, war es eine Frühgeburt?

  • Hat das Kind Appetit, trinkt es, wie ist das Somatogramm?

  • Ist dem Kind übel, ist es gebläht oder erbricht es (Frequenz, Art)?

  • Wie ist der Stuhlgang (Frequenz, Beschaffenheit, Menge, Farbe, schleimige oder blutige Auflagerung)?

  • Hustet das Kind und wie atmet das Kind (schmerzhaft, fehlende Bauchatmung)?

  • Hat das Kind Schmerzen beim Harnlassen, verliert es unwillkürlich Harn?

  • Wann war die letzte Menstruation? Beginnende Menarche? Sexueller Missbrauch?

  • Schmerzen die Hoden, sind sie geschwollen?

  • Wie ist die Haut (Ikterus, Hämatome, Purpura, Turgor)?

  • Welche Erkrankungen gibt es in der Familie?

Körperliche Untersuchung, Labor, apparative Diagnostik
  • Körperliche Untersuchung: Bei der körperlichen Untersuchung ist ein vollständiger Status praesens durchzuführen. Insbesondere zu achten ist auf eine vorsichtige Palpation des Abdomens, eine Auskultation der Lunge (basale Pneumonie) und der Darmgeräusche und eine Inspektion und Palpation des Skrotums (Hodentorsion). Die Rektaluntersuchung ist eher restriktiv und wenn, dann vorsichtig und mithilfe des kleinen Fingers durchzuführen.

  • Labor: In der laborchemischen Untersuchung von Urin und Blut interessieren Blutbild, CRP, BSG, Transaminasen, γ-GT, Bilirubin, Pankreaswerte, Kreatinin und Glukose.

  • Apparative Diagnostik: Die Basisuntersuchung in der Bildgebung ist die Sonografie, insbesondere beim akuten Abdomen oder beim stumpfen Bauchtrauma.

Homöopathische Behandlung

Obwohl die differenzialdiagnostische Betrachtung der akuten Bauchschmerzen (Tab. 14.8) insbesondere für die Abschätzung des Krankheitsprozesses und die Wahl der Therapie unverzichtbar ist, liegt das Hauptaugenmerk der Homöopathie auf den aktuellen objektiven und subjektiven Symptomen des Patienten, es sei denn, die Beschwerden sind Ausdruck einer chronischen Krankheit.
Repertoriumsrubiken
RepertoriumsrubrikenBauchschmerzenDie Rubriken gehen auf das Complete Repertory (Millenium) zurück. Klinische Rubriken, wie in der Folge bei der akuten Appendizitis (14.7) und bei der Invagination (14.6) angeführt, dokumentieren die erfolgreiche homöopathische Anwendung bestimmter Arzneien bei gewissen Krankheitsentitäten. Der Weg zu diesen klinischen Rubriken führte allerdings über die erfolgreiche homöopathische Verordnung der Arznei aufgrund charakteristischer Symptome. Daraus ergibt sich auch, dass Arzneien, die bei der akuten Appendizitis und bei der Invagination angeführt sind, auch bei anderen Ursachen des akuten Abdomens indiziert sein können.
Hauptsymptom
Diese finden sich im Kapitel „Abdomen – Schmerz – allgemein …“. Diese Rubriken sind wegen der vielfältigen Modalitäten (Druck, Krümmen, Wärme, Bewegung etc.) sehr wertvoll bei der Auffindung der ähnlichsten Arznei.
Begleitsymptome
→Gemüt – Schreien, Kreischen – allgemein – Krämpfen im Abdomen, bei (7): jatr, lyc, mag-p, …
→Gemüt – Schreien, Kreischen – allgemein – Schmerzen, vor (40): acon, ars, bell, cact, cham, coff, coloc, plat, sep, …
→Gemüt – Panik, große Angst mit innerer Unruhe – Schmerzen, bei – Abdomen, im (22): calc, coloc, cupr-ar, dios, verat, …
→Kopfschmerzen – allgemein – Schmerzen in anderen Körperteilen, mit – Abdomen, im (17)
→Kopfschmerzen – allgemein – abwechselnd mit – Schmerzen – Abdomen, im (16): ars, gels, iris, …
→Gesicht – hippokratisch (65): aeth, ant-t, ars, carb-v, chin, sec, tab, verat, …
→Gesicht – Schweiß – kalter Schweiß (106): ars, cact, camph, carb-v, cina, lob, merc-c, spong, verat, …
→Magen – Übelkeit – Schmerzen, bei – Abdomen, im (54): coloc, nux-v, …
→Abdomen – Auftreibung – schmerzhaft (65): acon, ars, bry, caust, cic, lach, merc, rhus-t, …
→Abdomen – empfindlich – Berührung, Druck, gegen (77): bell, nux-v, …
→Abdomen – Kleidung, empfindlich gegen (55): arg-n, bov, calc, crot-c, lach, lyc, nux-v, …
→Abdomen – Reiben, Bedürfnis zu (7): phos, …
→Abdomen – Retraktion (89): hydr, plb, …
→Atmung – behindert – Schmerzen, durch – Bauch, im (29): chin, cocc, ign, nux-v, …
→Extremitäten – gezogen – aufwärts – Bauch, auf den (15): merc-c, …
→Schlaf – Schlaflosigkeit – allgemein – Abdomen, durch Beschwerden im (38): alum, coloc, dulc, lach, lyc, mag-c, plb, …
Literatur (14.13)

Akutes Abdomen: Invagination

Grundlagen

InvaginationAbdomen, akutesInvaginationDie Invagination ist definiert als Einstülpung eines oralen Darmabschnitts in das Lumen des sich aboral anschließenden Anteils. Dies ist an jeder Stelle des Darms möglich, findet jedoch zu 90 % ileozökal statt.

Info

Mit einer Inzidenz von 1,5–4/1000 Lebendgeborenen ist die intestinale Invagination eine der häufigsten Ursachen des akuten Abdomens bei Säuglingen und Kleinkindern und neben der inkarzerierten Hernie die häufigste Ursache für einen Obstruktionsileus im Bereich des Dünndarms bei Säuglingen. Die Erkrankung tritt am häufigsten zwischen dem vierten und zwölften Lebensmonat auf, ist aber bis ins vierte Lebensjahr möglich.

Die Invagination erscheint saisonal gehäuft im Frühjahr und Herbst, was auf eine mögliche infektiöse Genese schließen lässt. Neben einer Enteritis mit Hyperperistaltik kann auch ein Meckel-Divertikel auslösend wirken. Häufig finden sich multiple Lymphknoten in der Zökalregion, die als Hypomochlion dienen. Bei Kindern nach dem sechsten Lebensjahr ist unbedingt ein Tumor (Burkitt-Lymphom – rapid wachsend) als Hypomochlion auszuschließen. Nicht selten finden sich Invaginationen auch bei Kindern mit Peutz-Jeghers-Syndrom oder Purpura-Schönlein-Hennoch.
Die Impfung gegen Rotavirus geht mit einem erhöhten Risiko für Invagination einher, v. a. in den sieben Tagen nach der ersten Impfdosis (AT 2015).
Klinik und Erkrankungsverlauf
Die kolikartigen Bauchschmerzen setzen plötzlich aus völliger Gesundheit ein, imponieren bei Säuglingen als Schreiattacken und haben eine intermittierende Schmerzcharakteristik, die im Schmerzgipfel bis zur Schocksymptomatik führen kann. Zwischenzeitlich sind Phasen völliger Schmerzfreiheit möglich. Bei einem Drittel der Patienten findet sich bei der Palpation des Abdomens durch einen erfahrenen Untersucher eine indolente, walzenförmige Resistenz, meist rechts paraumbilikal. Auskultatorisch hört man typischerweise metallisch klingende Ileusgeräusche. Später zeigt sich eine abdominale Abwehrspannung, zuletzt ein peritoneales Schocksyndrom mit Apathie und Somnolenz. In den ersten Stunden tritt bei zwei Drittel der Patienten rezidivierendes galliges Erbrechen auf, als relatives Spätsymptom zeigen sich blutige Stühle oder ein himbeergeleeartiges Sekret bei der rektalen Untersuchung. Im Extremfall ist die Spitze des Invaginatkopfs palpabel.
Komplikationen: Bei verzögerter Diagnose und Therapie kann die Invagination über die Entwicklung eines Strangulationsileus, einer Darmwandnekrose und konsekutiver Peritonitis zu einer potenziell lebensbedrohlichen Situation führen.
Diagnostik
Nachdem anamnestisch und klinisch die Verdachtsdiagnose einer Invagination gestellt wurde, ist eine umgehende stationäre Abklärung notwendig. Mithilfe des Ultraschalls kann die Invagination dargestellt und in der Folge sofort therapiert werden. Als diagnostische Zeichen finden sich im Ultraschallbild im Längsschnitt eine Pseudoniere und im Querschnitt das „Target-Zeichen“. Zudem kann oft die Ursache der Invagination (Lymphknoten, Tumor etc.) dargestellt werden.

Konventionelle Therapie und unterstützende Maßnahmen

Präklinisch sollte von Analgetika, Spasmolytika und insbesondere Antiemetika Abstand genommen werden. Die unkritische Gabe z. B. von Dimenhydrinat kann zu lebensbedrohlichen Notfallsituationen durch Symptomverschleierung führen.
  • Konservative Therapie: Nach sonografischer Einstellung der Invagination erfolgt ultraschallgeführt die hydrostatische Desvagination. Ist die Intervention erfolgreich, verbessert sich der Allgemeinzustand schlagartig. Eine Kontrollsonografie 24 Stunden nach Desvagination ist nur bei Beschwerden notwendig.

  • Operative Therapie: Bei misslungener konservativer Desvagination, Anzeichen einer Peritonitis, massivem Blutabgang oder mehrfachen Rezidiven ist die operative Desvagination indiziert.

Homöopathische Behandlung

Obwohl die Verdachtsdiagnose Invagination eine umgehende stationäre Abklärung und Therapie erfordert, lohnt es sich, die verbleibende Zeit für einen homöopathischen Therapieversuch zu nützen. Spontane Desvaginationen sind beschrieben und können vielleicht durch ein gut gewähltes homöopathisches Mittel begünstigt werden. Es liegen zwar keine systematischen Studien, aber Berichte von erfolgreichen Behandlungen vor: „Ein weiterer Zustand, bei dem Opium häufig angezeigt ist, ist die Invagination im Kindesalter. Auch hier haben wir einen Darmverschluss mit spastischen Kontraktionen der Eingeweide, Koliken, extremen Stuhldrang, wobei nichts außer etwas Blut und bluttingierter Schleim abgeht. Später zeigt sich Erbrechen, zuerst galliges und in der Folge fäkulentes. In solchen Fällen, wenn man sie früh genug sieht, habe ich nach der Gabe von Opium alle Zeichen der Invagination völlig verschwinden gesehen, ohne die Notwendigkeit einer Operation.“ (Borland 2000)
Die Bedrohlichkeit der Erkrankung erfordert eine schnelle und sichere Arzneiwahl. In der Folge finden sich die wichtigsten Arzneien der klinischen Rubrik „Invagination“, wobei insbesondere die Arzneien Aconitum und Opium im Gedächtnis bleiben sollten.
Nach erfolgter Desvagination – mechanischer oder nicht-mechanischer Art – ist eine konstitutionelle Behandlung anzuschließen, v. a. auch zur Verhütung von Reinvaginationen.
Zur Repertorisation eigenen sich folgende Repertoriumsrubriken (Complete Repertory).
→Abdomen – Ileus, Darmverschluss – Invagination (29): acon, ars, op, plb, verat, …
→Allgemeines – plötzliche Manifestationen (57): acon, bell, …
→Gemüt – Schreien, Kreischen – Schmerzen, vor (34): acon, ars, bell, cham, …
→Abdomen – Auftreibung – schmerzhaft (51): acon, ars, bry, lach, merc, rhus-t, …
→Abdomen – Retraktion (98): bry, plb, …
→Magen – Erbrechen – Galle (180)
→Rektum – Hämorrhagie – Anus, aus dem (184)
→Magen – Erbrechen – fäkulent (20): bell, colch, nux-v, op, plb, …
Da sich die Symptomatik der Invagination und der akuten Appendizitis ähnelt und damit häufig ähnliche Arzneien zur Anwendung kommen, werden die Hauptmittel beider Erkrankungen im Anschluss an die Abhandlung der akuten Appendizitis (14.7) gemeinsam besprochen.

Kasuistik

Kasuistik

Invagination (übersetzt und modifiziert nach Sheperd)

Anamnese

Während einer fast tropischen Hitzewelle wurden innerhalb von ein bis zwei Tagen zwei Kinder im Alter von fünf bis sechs Monaten mit Invagination stationär aufgenommen. Die Anamnese der beiden war ähnlich. Bei beiden Kindern berichtete man über einen plötzlichen Schreianfall mit großer Unruhe, geblähtem Abdomen und einem baldigen Abgang von Blut und klarem Schleim. In der rechten Ileozökalregion war die geschwulstartige Invagination zu tasten, und es fand sich eine himbeergeleeartige Substanz aus dem After nässend.

Repertorisation

→Gemüt – Schreien, Kreischen – Schmerzen, vor
→Gemüt – Ruhelosigkeit, Nervosität – Neigung zu – Schmerzen, während
→Gemüt – Seelenangst, Bangigkeit, große Angst mit innerer Unruhe – Ruhelosigkeit, mit
→Allgemeines – Wetter – Hitze agg.
→Abdomen – Auftreibung – schmerzhaft
→Rektum – Hämorrhagie – Anus, aus dem
→Abdomen – Ileus, Darmverschluss – Invagination

Verordnung und Verlauf

Ich gab dem ersten Kind zwei Gaben Aconitum#Aconitum napellusInvagination M im 15-minütigen Intervall, die Invagination verschwand, eine Operation war nicht mehr nötig.
Das zweite Kind war vom chirurgischen Kollegen mit der Diagnose Invagination stationär aufgenommen worden. Während das Kind auf die Operation wartete, gab ich ihm zwei Gaben Aconitum M. Als der Chirurg das Kind am OP-Tisch noch einmal untersuchte, fand er keinen Hinweis mehr auf eine Invagination. Der Darm war nach Aconitum wieder zurückgeschlüpft, sowie zwei Tage davor. Der Chirurg entschied, nicht zu operieren.

Beurteilung

Die Symptome, die bei Darmerkrankungen Aconitum indizieren, sind Abgang von hellrotem Blut und Schleim, Tenesmus und hohes Fieber, das bei gut entwickelten, aktiven, gesunden Kindern bei heißem Wetter auftritt. Große Ruhelosigkeit, Angst und heftiges Schreien bei Schmerz.
Literatur (14.13)

Akutes Abdomen: Akute Appendizitis

Grundlagen

Der AppendizitisAbdomen, akutesAppendizitisHäufigkeitsgipfel der akuten Appendizitis liegt bei Knaben zwischen dem 10. und 14., bei Mädchen zwischen dem 15. und 19. Lebensjahr. Bei Kleinkindern unter drei Jahren ist die Appendizitis eher selten. Interessant ist, dass seit dreißig Jahren trotz konstanter Inzidenz der Appendizitis und kontinuierlich abnehmender Appendektomierate die Inzidenz der perforierten Appendizitis (20/100 000 Personenjahre) konstant geblieben ist (Ohmann et al, 2002).
Ätiologie
Die akute Appendizitis ist eine Entzündung des Wurmfortsatzes und basiert meist auf einem Zusammentreffen von Obstruktion, eingeschränkter Blutversorgung, ischämischem Schleimhautschaden und bakterieller Infektion.
Obwohl sie einerseits häufig benigne mit der Tendenz zur Spontanheilung verläuft, ist sie andererseits die häufigste Ursache des akuten Abdomens im Kindesalter. Sie ist einer der häufigsten Gründe für die Aufnahme von Kindern in kinderchirurgische Abteilungen und die mit Abstand häufigste Indikation zur Laparotomie.
Klinik und Krankheitsverlauf
AppendizitisKlinikZu Beginn einer Appendizitis zeigen sich meist unklare epigastrische und periumbilikale Schmerzen, die häufig plötzlich beginnen. Die Kinder sind appetitlos, klagen über Übelkeit und können auch einmalig erbrechen. Sie wollen lieber liegen, gehen gekrümmt, und nach einem evtl. kurzen initialen Durchfall bleibt der Stuhlgang oft aus. Typischerweise wandert der Schmerz in der Folge in den rechten unteren Bauchquadranten. Die Bauchdecke wird dort druckempfindlich und spannt sich reflektorisch. Diese Beschwerden fehlen bei retrozökaler Lage der Appendix.
Meist geht eine leichte Erhöhung der Körpertemperatur einher (rektal ca. 1 °C höher als axillär). Schmerzen beim Wasserlassen, manchmal Harnverhalten, können Hinweise auf eine tief im Becken sitzende Appendix sein. Atypische Zeichen findet man v. a. bei Kleinkindern. Je jünger das Kind ist, umso weniger charakteristisch sind die Symptome. Aus diesem Grund ist der entzündete Wurmfortsatz bei Kindern unter dem vierten Lebensjahr schon sehr häufig präoperativ perforiert (40–70 %).
Komplikationen
AppendizitisKomplikationenDie Inzidenz der komplizierten Appendizitis ist trotz modernster Diagnosemaßnahmen seit 30 Jahren gleichgeblieben. Im Kindesalter kommt es in 35–47 % der Fälle zur Perforation mit Bildung einer diffusen Peritonitis oder eines perityphlitischen Abszesses.
Die Perforation kann bereits ein bis zwei Tage nach Symptombeginn auftreten und zeigt sich bei der diffusen PeritonitisPeritonitisAppendizitis entweder durch alarmierende Zeichen wie plötzliche heftige Schmerzen, Zunahme und Ausbreitung der Druckempfindlichkeit oder brettharte Bauchdeckenspannung, galliges Erbrechen bis Koterbrechen, Stuhllosigkeit, fahles Aussehen, und Pulsbeschleunigung, oder häufiger eher unmerklich durch anhaltendes Erbrechen, Andauern der Schmerzen, Verbreiterung der Muskelabwehr, vermehrten Meteorismus, trockene Zunge, Fieber, beschleunigten Puls, zunehmende Facies abdominalis und Kollapserscheinungen.
Der perityphlitische AbszessAbszess, perityphlitischer zeigt sich charakteristischerweise als Druckempfindlichkeit und Pseudotumorbildung rechts über der Symphyse und ist vom Rektum her tastbar. Der Patient ist febril und hat im Labor deutliche Entzündungszeichen. Je jünger das Kind ist, desto geringer ist diese Tendenz zur abgesackten Abszedierung. Mittels Sonografie ist der Abszess sehr gut diagnostizierbar, bei unklarem Befund ist die Computertomografie angezeigt. Der Abszess kann ins Zökum, Ileum, Rektum oder auch an die Hautoberfläche perforieren. Eitrig-blutige Stühle zeigen die Perforation in den Dickdarm und somit Spontanheilung. In welcher Form der perityphlitische Abszess optimal zu behandeln ist, ist bisher nicht definitiv geklärt. Zur Option stehen die alleinige antibiotische Therapie mit der prospektiven Absicht der Intervallappendektomie, die interventionelle Abszessdrainage und die Ad-hoc-Herdsanierung, wobei die beiden ersteren Methoden allgemein akzeptiert sind.
Diagnostik
Die Diagnose der akuten Appendizitis ist eine der schwierigsten und verantwortungsreichsten Diagnosen im Kindesalter. Sie sollte einerseits im Bemühen um eine minimale Komplikationsrate schnell und andererseits zur Vermeidung einer unnötigen Operation zutreffend sein. Bis heute ist der klinische Abdominalbefund die entscheidende Untersuchung.
Die Laboruntersuchung des Blutes und des Harns dient v. a. der Differenzialdiagnose und der Abschätzung des Schweregrads der inflammatorischen Komponente, weniger der Bestätigung der Diagnose. In etwa 30 % der Fälle ist der klinische und laborchemische Befund untypisch. Insbesondere in solchen Fällen kann ein eindeutiger Ultraschallbefund (verdickter Wurmfortsatz, „pathologische Kokarde“) die Verdachtsdiagnose erhärten, da die sonografischen Zeichen außerordentlich spezifisch sind. Zumindest bei Mädchen zwischen dem 12. und 15. Lebensjahr lässt sich dadurch die Rate unnötiger Laparotomien senken. Der Ultraschall dient des Weiteren dem differenzialdiagnostischen Ausschluss von Erkrankungen der Niere, der ableitenden Harnwege, des weiblichen Genitale, der Gallenblase und von Flüssigkeit in der Umgebung.
Ist auch die Sonografie inkonklusiv, kann eine MRT des gesamten Abdomens für mehr Klarheit sorgen.

Konventionelle Therapie

Die Therapie der akuten Appendizitis erfolgt bei entsprechender Indikation durch konventionelle oder minimal-invasive AppendektomieAppendizitisAppendektomie. Obwohl man bei 15–25 % der Patienten intraoperativ einen makroskopisch blanden Appendix findet, zeigt sich bei 60 % der untersuchten Präparate eine neurogene Appendikopathie und in der Folge bei diesen Patienten Beschwerdefreiheit (Becker 2002).
Die ausschließliche antibiotische Behandlung der Appendizitis lässt sich noch nicht abschließend bewerten. Etwa drei Viertel der erkrankten Erwachsenen können erfolgreich konservativ behandelt werden (Wilms et al. 2011). Zur Bewertung der Behandlung bei Kindern liegt lediglich eine kleine erfolgversprechende Pilotstudie vor (Svensson et al. 2015).

Homöopathische Behandlung

Das entzündliche Stadium vom appendizitischen Primäraffekt bis zur ulzero-phlegmonösen Appendizitis ist potenziell reversibel. Wird die Appendizitis gangränös, perforiert sie oder kommt es zur Peritonitis, ist eine Operation unumgänglich.

Praxistipp

Das heißt für die Praxis, dass die homöopathische Therapie beim Verdacht auf Appendizitis sinnvoll, aber eine stationäre Abklärung und Beobachtung notwendig ist. Ist die Situation unklar, muss der Bauch zumindest alle drei bis fünf Stunden kontrolliert werden.

Repertoriumsrubriken
RepertoriumsrubrikenAppendizitisRepertoriumsrubrikenInvaginationDie Rubriken gehen auf das Complete Repertory (Millenium) zurück.
→Abdomen – Entzündung, Peritonitis, Enteritis – Colitis – allgemein – Appendizitis (74): apis, bell, bry, merc, merc-c, op, phos, rhus-t, sil, thuj, …
→Abdomen – Schmerzen – allgemein – Leistenregion – Ileozäkalregion (54): bry, card-m, chin, crot-h, hydr, merc-c, phos, …
→Abdomen – Abszess – allgemein – Bauchdecke, in der (8): hep, sil, …
→Abdomen – Entzündung, Peritonitis, Enteritis – perforierte Appendizitis (7): ars, lach, …
Homöopathische Arzneimittel bei Invagination und akuter Appendizitis
Aconitum napellus
#Aconitum napellusAbdomen, akutes#Aconitum napellusAppendizitisPlötzlich und heftig auftretende Bauchschmerzen, stechend und reißend; < Berührung, heiße Tage, kühle Nächte. Bauchschmerzen, die (beim Stuhlgang) zum Brustkorb ausstrahlen. Extreme Angst und Unruhe. Kinder sind außer sich, stöhnen und schreien. Überempfindliche Sinne, vertragen keine Musik, Lichtscheu. Ängstlicher Gesichtsausdruck. Trockene Hitze. Großer Durst. Folgen von Schreck, Schock oder Ärger.
Apis mellifica
#Apis mellificaAbdomen, akutes#Apis mellificaAppendizitisBeschwerden entwickeln sich schnell. Extreme Berührungsempfindlichkeit. Wundheit im Bauch, wie zerschlagen, < Wärme, Kleidung, Druck, Niesen, > Kühle, Entblößen. Gefühl wie gespannt im Bauch. Sehr unruhig und zappelig, nichts ist ihm recht zu machen. Schrilles Schreien. Rollt den Kopf von einer Seite zur anderen. Kein Durst. Peritonitis.
Arnica montana
#Arnica montanaAbdomen, akutes#Arnica montanaAppendizitisGefühl, als wäre das Bett zu hart. Muskeln sehr schmerzhaft, wie wund und zerschlagen. Schmerzen erstrecken sich quer über den Bauch. Gesicht bläulich-rot, kongestiös. Will immer trinken, aber weiß nicht was, weil alles zuwider ist. Verlangt nach Essig. Fühlt sich wohl, sagt, es fehle ihm nichts, trotz bedrohlichem Krankheitszustand. Sepsis. Komatöse Schläfrigkeit, schläft während des Antwortens ein. Nach Appendektomie.
Arsenicum album
#Arsenicum albumAbdomen, akutes#Arsenicum albumAppendizitisBauchschmerzen; brennend wie Feuer; > (lokale) Wärme, warme Decke, warme Speisen und Getränke, Berührung; < Kälte, kalte Getränke und Speisen, Liegen auf dem Rücken. Schmerzen erstrecken sich zum Rücken. Große Unruhe, will bald hier, bald dort liegen. Aufgeregt und voller Angst, will nicht allein bleiben, Todesangst. Fühlt sich sehr schwach. Evtl. auch starker, brennender Durst nach eiskaltem Wasser in kleinen Mengen, das gleich wieder erbrochen wird. < 24.00–3.00 Uhr. Gesicht blass, hippokratisch, ängstlich. Perforierte Appendizitis. Peritonitis. Sepsis. „Invagination mit Bauchschmerzen, schlimmer durch Bewegung; empfindlich auf Druck“ (Hering). Drohende Nekrose.
Belladonna
#BelladonnaAbdomen, akutes#BelladonnaAppendizitisPlötzlich und heftig auftretende Beschwerden. Bauchschmerzen, > Bauchlage, Anziehen der Knie, gekrümmt Sitzen, Zusammenkrümmen, nach rückwärts Beugen, konstanter Druck; < Berührung (selbst der Bettdecke), Bewegung, bohrender Druck, beim Atmen, im Liegen. Der Bauch ist gebläht und ganz heiß. Sehr empfindlich gegen Licht, Geräusche und Erschütterung. Sehr unruhig, aufgeregt, wild, lautstark. Erweiterte Pupillen, glänzende Augen. Heißer Kopf, rotes Gesicht, kalte Glieder. Verlangen nach Limonade oder Zitronen. Perforierte Appendizitis.
Bryonia alba
#Bryonia albaAbdomen, akutes#Bryonia albaAppendizitisMit Abstand häufigste Arznei bei Appendizitis. Beschwerden entwickeln sich langsam. Wunde, stechende Bauchschmerzen, < geringste Bewegung, Zusammenkrümmen (oder muss sich zusammenkrümmen), tief Atmen; > Bauchlage, Anziehen der Knie. Kinder liegen ganz still, wollen nicht umhergetragen oder hochgenommen werden. Sehr reizbar und kapriziert. Wollen Ruhe und allein sein. Trockener Mund, Durst auf große Mengen kalten Wassers. Folgen von Ärger. Peritonitis.
Colchicum autumnale
#Colchicum autumnaleAbdomen, akutes#Colchicum autumnaleAppendizitisKolikartige Schmerzen mit aufgetriebenem Bauch, der sich bei Berührung krampfhaft zusammenzieht; muss die Beine angezogen lassen; < kalt-feuchtes Wetter, Herbst; > Wärme. Kind wird schnell schwach, kann den Kopf nicht halten, (innerlich) kalt und unruhig. Extrem empfindlich auf Sinnesreize. Gesicht spitz, eingefallen. Kollapsneigung durch (galliges) Erbrechen; Miserere.
Colocynthis
#ColocynthisAbdomen, akutes#ColocynthisAppendizitisPlötzliche, heftige kolikartige Schmerzen, schneidend, zerrend, in Wellen auftretend; > (harter) Druck, Wärme, (muss sich) Zusammenkrümmen, Anziehen der Knie, gekrümmtes Sitzen, Liegen am Bauch; < Gehen, tiefes Atmen. Schmerzen erstrecken sich ins Hypogastrium, Lumbalregion, Anus. Kinder schreien laut auf, drehen, wälzen und winden sich hin und her; müssen gekrümmt gehen. Gesicht ist schmerzverzerrt. Galliges Erbrechen; Miserere. Folgen von Entrüstung oder Kränkung.
Cuprum metallicum
#Cuprum metallicumAbdomen, akutes#Cuprum metallicumAppendizitis„Invagination mit Singultus, heftigen Koliken, Miserere und großer Agonie“ (Groß). Schreckliche Bauchkrämpfe, kolikartige Schmerzen, Kinder schreien durchdringend. Bauchdecke gespannt, heiß, berührungsempfindlich. Übelkeit und kalte Extremitäten. Erbrechen bei der geringsten Bewegung; > kalte Getränke. Spitzes Gesicht, blass oder bläulich livid.
Dioscorea villosa
#Dioscorea villosaAbdomen, akutes#Dioscorea villosaAppendizitisUnerträgliche, scharf schneidende, windende, zermalmende Schmerzen; umherschießend oder in entfernte Körperteile ausstrahlend; anfallsartig; aber auch anhaltende dumpfe, schneidende oder kneifende Schmerzen in der Nabelgegend und den angrenzenden Bauchregionen; > Ausstrecken oder Rückwärtsneigen; < Zusammenkrümmen, Liegen auf dem Rücken.
Lachesis muta
#Lachesis mutaAbdomen, akutes#Lachesis mutaAppendizitisDer Bauch ist heiß, empfindlich und schmerzhaft; > Zusammenkrümmen; < Druck. Schmerzen erstrecken sich zur rechten Seite, zum Brustkorb. Genitalien. Verträgt keine Berührung und Einengung, z. B. durch Kleidung oder Bettdecke. Muss auf dem Rücken mit angezogenen Knien liegen. Perforierte Appendizitis. Sepsis. Invagination mit drohender Darmnekrose (Hering).
Lobelia inflata
#Lobelia inflataAbdomen, akutes#Lobelia inflataAppendizitisTödliche Übelkeit, im Magen und über den ganzen Körper empfunden. Ohnmächtiges Schwächegefühl (im Epigastrium) und profuser, kalter (Gesichts-)Schweiß, > Essen kleiner Mengen oder Schluck Wasser. Starker Speichelfluss.
Lycopodium clavatum
#Lycopodium clavatumAbdomen, akutes#Lycopodium clavatumAppendizitisSchneidende, packende oder quetschende Bauchschmerzen, < gekrümmt Sitzen, Kleiderdruck, Gehen, Atmen. Schmerzen erstrecken sich zur linken Seite, Genitalien. < Wärme, beim Erwachen, 16.00–20.00 Uhr; > warme Getränke, warmes Essen.
Mercurius corrosivus
B#Mercurius corrosivusAbdomen, akutes#Mercurius corrosivusAppendizitisauch ist gebläht und schmerzhaft bei geringster Berührung; < Druck; > Zusammenkrümmen. Perforierte Appendizitis. Tenesmus des Mastdarms und gleichzeitig der Blase. Brennende Schmerzen. < Herbst, heiße Tage mit kalten Nächten, nachts. Unlöschbarer Durst auf kalte Getränke. Schweiß vor und nach dem Stuhlgang (v. a. an Schenkeln und unterem Teil des Rumpfes). Schlüsselsymptom bei der Invagination.
Gefühl, als wäre man nie fertig mit der Ausscheidung; der Tenesmus wird durch den Stuhlgang verschlechtert oder bleibt gleich. Stühle sind blutig, mit Schleimhautfetzen.
Mercurius solubilis
#Mercurius solubilisAbdomen, akutes#Mercurius solubilisAppendizitisSchmerzhafte Blähung des Bauches. Bauchschmerzen, > (gekrümmt) Sitzen, muss sich krümmen, in Rückenlage bei angezogenen Knien (Phatak); < Liegen auf der (rechten) Seite, Bewegung, Gehen. Schmerzen erstrecken sich zum Anus. Gedärme schmerzen wie gedrückt. Schwach, erschöpft mit Kollapsneigung, < nach dem Stuhlgang. Speichelfluss vermehrt, im Schlaf. Zunge geschwollen mit Zahneindrücken. Metallischer oder süßer Mundgeschmack. Übler, fauliger Mundgeruch, erfüllt das ganze Zimmer. Schwitzt leicht und stark, riecht faulig, sauer oder süßlich, gelegentlich fettig, ölig; färbt die Wäsche gelb, bringt aber keine Erleichterung, je mehr der Patient schwitzt, umso schlechter geht es ihm. Rastlos, wechselt ständig den Ort. Nächtliche Verschlimmerung. Bauchdeckenabszess. Galliges Erbrechen, Miserere.
Nux vomica
#Nux vomicaAbdomen, akutes#Nux vomicaAppendizitisKrampfartige, wiederkehrende Bauchschmerzen, wie wund und zerschlagen, < Druck, selbst der Kleider, Bewegung, Gehen; > Wärme, Rückwärtsbeugen, (muss sich) Zusammenkrümmen. Schmerzen erstrecken sich zum Anus; Brustkorb. Ständiger, erfolgloser oder insuffizienter Stuhldrang. Retroperistaltik. Saures, schleimiges oder blutiges Erbrechen. Lebhafte und spastisch klingende Darmgeräusche. Überempfindlichkeit gegenüber Sinneseindrücken. Erträgt die Schmerzen nicht, weint, jammert, dabei ungeduldig und zornig.
Opium
#OpiumAbdomen, akutes#OpiumAppendizitisDer Bauch ist hart und tympanitisch aufgetrieben, mit dem Gefühl er könnte platzen; besser, wenn nur etwas Wind abging, aber es kommt bloß ein wenig Blut oder bluttingierter Schleim. Heftige, kolikartige Schmerzen, das Kind schreit, mit dem Gefühl, es werde etwas durch eine enge Öffnung gepresst. Retroperistaltik, zuerst galliges Erbrechen, später typischerweise Miserere. Paralytische Atonie des Darms, nach Laparotomie. Das Bett kommt ihr heiß vor, stets auf der Suche nach einem kühlen Fleck darin.
Phosphorus
#PhosphorusAbdomen, akutes#PhosphorusAppendizitisBauchschmerzen, > Liegen auf dem Bauch, Wärme (warmes Tuch am Bauch), Zusammenkrümmen; < Liegen auf der (rechten) Seite, Gehen. Reibt sich den Bauch, um Linderung zu erfahren. Kältegefühl und Kälte im Bauch; starkes Leeregefühl im Epigastrium oder im ganzen Abdomen. Verlangen nach eiskalten Getränken, die bei Magenschmerzen bessern, aber nach kurzer Zeit wieder erbrochen werden. Heiße Handflächen. Verlangen nach Eiscreme, Salz, Saurem und Pikantem. Große Empfindlichkeit auf jegliche Sinneseindrücke. Hoch aufgeschossene, schlanke, zarte Kinder mit sanguinischem Temperament. Viele Ängste.
Plumbum metallicum
#Plumbum metallicumAbdomen, akutes#Plumbum metallicumAppendizitisBohrende Bauchschmerzen, die in alle Körperteile ausstrahlen; > Druck, Reiben; von Koliken begleitet. Abdomen gespannt oder eingezogen. Gefühl, als würde der Nabel nach innen gezogen. Blitzartige Schmerzen mit Schreien. Miserere. Tenesmen, Anus schmerzhaft zusammengeschnürt und hochgezogen. Verstopfung mit Kopfschmerzen, Magenschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, abdominalem Hitzegefühl, Blähungen oder Bauchschmerzen. Invagination. Sklerose. Simuliert oder übertreibt den eigenen Zustand. Bauchdeckenabszess.
Rhus toxicodendron
#Rhus toxicodendronAbdomen, akutes#Rhus toxicodendronAppendizitisBauchschmerzen, wie wund oder gezerrt; > Wärme, Liegen auf dem Rücken mit angezogenen Beinen, Bauchlage. Bauch schmerzhaft gebläht, hält ihn mit den Händen. Muss sich zusammenkrümmen oder gekrümmt gehen. Gefühl, als ob Wasser im Bauch schwappte; eines Klumpens im Bauch. Großer Durst, < nachts, mit Verlangen nach kalten Getränken, kalter Milch. Sordes auf den Zähnen. Zunge mit rotem Dreieck an der Spitze. Perforierte Appendizitis. Bauchdeckenabszess.
Silicea
#SiliceaAbdomen, akutes#SiliceaAppendizitisBauchschmerzen, > Wärme, Gehen, Druck. Bekommt blaue Nägel. Aufgetriebener, harter, heißer Bauch. Verlangen nach Eiscreme, eiskaltem Wasser, fühlt sich besser dadurch. Bauchschmerzen bei Verstopfung. Bauchdeckenabszess. Überempfindlich auf Lärm, Licht und Berührung. Oft unsichere, magere, sehr fröstelige und kälteempfindliche Kinder, die starrköpfig und rechthaberisch sein können. Mutlos und ängstlich, gewissenhaft und pedantisch. Stinkender Fußschweiß. Später Fontanellenschluss. Frühgeborene.
Thuja occidentalis
#Thuja occidentalisAbdomen, akutes#Thuja occidentalisAppendizitisBauchschmerzen, > Druck; < Atmen, Bewegung, während des Gehens, Rückwärtsbeugen, Zusammenkrümmen (oder: muss sich zusammenkrümmen). Schmerz bis in die Beine. Nach Impfung. Gefühl, etwas Lebendiges ist im Bauch. < 3:00 Uhr und 15:00 Uhr, Kälte und Feuchtigkeit. Starker Schweiß im Genitalbereich oder an unbedeckten Körperstellen, faulig, ölig, von stechendem, süßlichem Geruch.
Veratrum album
#Veratrum albumAbdomen, akutes#Veratrum albumAppendizitisHeftig und plötzlich einsetzende Bauchschmerzen mit starker Angst, kaltem Stirnschweiß, gefolgt von Schwäche und Kollapsneigung. Singultus, Übelkeit. (Eisige) Kälte allgemein und an einzelnen Stellen (Bauch, Zunge, Nasenspitze, Atem). Das Kind muss gebückt, den Bauch drückend herumgehen. Brennen im Bauch wie von glühenden Kohlen. Verlangen nach eiskalten Getränken, erbricht diese aber sofort wieder. Eingefallenes, spitzes Gesicht, Totenblässe oder bläuliche Gesichtsfarbe, dunkle Augenringe.

Kasuistik

Kasuistik

Appendizitis (Christoph Abermann, Thomas Peinbauer)

Anamnese

Antonio F., ein achtjähriger Junge, leidet an zunehmenden Bauchschmerzen. Der konsultierte Hausarzt schließt zunächst eine Appendizitis aus. Nachdem sich die Beschwerden und der Allgemeinzustand aber verschlechtern, bringen ihn die Eltern ins nächstgelegene Versorgungsspital. Dort wird Antonio noch am selben Tag mit Verdacht auf Appendizitis operiert, wobei sich intraoperativ bereits eine Perforation zeigt. Der postoperative Verlauf gestaltet sich komplikationsreich. Aufgrund eines Ileus ist ein zweiter operativer Eingriff notwendig. Die besorgten Eltern veranlassen eine Überstellung ihres Sohnes in die Universitätsklinik, wo der Junge ein drittes Mal operiert werden muss.
Über Vermittlung der Großmutter kommt es zur homöopathischen Behandlung. Wir sehen Antonio erstmals am dritten postoperativen Tag. Als wir am 16. Oktober das Zimmer der Intensivstation betreten, liegt Antonio regungslos im Stuhl neben seinem Bett, er vermeidet jede Bewegung und lehnt ein Gespräch mit uns ab. Die Großmutter erzählt, Antonio sei sehr verärgert, will keine Schwestern und keinen Arzt mehr sehen. Die Lippen sind trocken, immer wieder befeuchtet er sie mit seiner Zunge. Auf der Suche nach weiteren Symptomen erfahren wir nur noch, dass er nach der zweiten Operation starken Appetit entwickelt hatte und nach dem Verzehr eines vollen Tellers einen weiteren wollte.

Repertorisation I

→Gemüt – Antworten – Abneigung zu
→Gemüt – Abneigung gegen – Annäherung
→Gemüt – Ruhe – Verlangen nach
→Abdomen – Schmerzen – allgemein – Bewegung agg.
→Allgemeines – Liegen – amel. – im – ruhig
→Gesicht – Trockenheit – allgemein – Lippen
→Gesicht – Lecken der Lippen
→Abdomen – Entzündung, Peritonitis, Enteritis – Colitis – Appendizitis
→Abdomen – Ileus, Darmverschluss – allgemein

Verordnung und Verlauf I

Bryonia#Bryonia albaAppendizitis XM, 1 Globulus 3 × tgl.; Kontrolle am 18. Oktober, zwei Tage nach Arzneigabe: Antonio hat viel geschlafen, schläft auch tagsüber viel und hat laut Mutter erstmals wieder seine vor der Erkrankung übliche Schlafposition eingenommen (auf dem Rücken, linker Arm abgebogen, Hand beim Ohr). Er verlangt auch wieder nach Essen. Einen Tag später, am 19. Oktober: gestern erstmals spontaner Stuhl. Antonio ist sehr ärgerlich und aggressiv. Er schlägt seine Mutter mit den Worten „ich will heim!“. Dieses verständliche, aber in seiner Ausprägung auffallende Verhalten bestätigt Bryonia, kann aber auch im Sinne einer Arzneimittelprüfung gedeutet werden. Wir pausieren aus diesem Grund mit der homöopathischen Arzneigabe.

Repertorisation II

→Gemüt – zuhause – will – nach Hause gehen
→Gemüt – Heimweh, Nostalgie
→Gemüt – mürrisch, verdrießlich, schlecht gelaunt, vergrämt

Verordnung und Verlauf II

In der Folge geht es „steil bergauf“. Antonio spielt erstmals wieder Lego. Seine Stimmung hat sich normalisiert, kein offensichtliches Heimweh, er schreit auch nicht mehr „ich will heim!“. Am 24. Oktober wird die Bauchdrainage gekürzt, daraufhin kommt es zu einem vorübergehenden „Rückfall“. Auf ein liebkosendes „Ich liebe Dich“ der Mutter reagiert er abweisend mit „geh weg!“. Dieses „Geht weg“ wirft er auch den Ärzten und Schwestern entgegen. Der Schlaf ist unruhiger, ein Ohr rot, das andere blass. Er ist sehr wütend, hat zwei Tage lang v. a. zwischen 17:00 und 22:00 Uhr erbrochen. Wir warten. Am 26. Oktober wird die Bauchdrainage gänzlich entfernt. Vor und stündlich nach der Drainageentfernung: Arnica C 30. Nach drei Stunden ist seine Stimmung gut, er ist außerdem schmerzfrei. Arnica wird abgesetzt.
Ein Jahr später berichtet die Großmutter meinem Kollegen: „Es war, als ob man einen Schalter umgelegt hätte, nachdem Sie die homöopathische Behandlung begonnen hatten.“
Literatur (14.13)

Chronische Bauchschmerzen

Grundlagen

BauchschmerzenchronischeChronische Bauchschmerzen sind definiert als zumindest einmal pro Monat auftretende Schmerzepisoden, die mindestens über drei Folgemonate andauern und den normalen Tagesablauf beeinträchtigen. Sie werden im Sinne eines primär organmedizinisch-orientierten Zugangs grob in zwei Kategorien eingeteilt:
  • Organische Bauchschmerzen, bei denen eine strukturelle oder biochemische Veränderung nachgewiesen werden kann

  • Nicht-organische, sog. funktionelle Bauchschmerzen, bei denen dies nicht gelingt

Bei jüngeren Kindern sind Bauchschmerzen die häufigste, bei älteren Kindern und Jugendlichen nach Kopfschmerzen die zweithäufigste Ursache von Schmerzen. 20 % aller Kinder und etwa 15 % der Schulkinder leiden an chronischen Bauchschmerzen, davon etwa 5–10 % mit einer organischen Ursache.
Seit den 1980er-Jahren kam es durch die Einbindung von psychobiologischen, psychophysiologischen (Stresskonzept), verhaltensmedizinischen und systemischen Konzepten (Psychosomatik) zu einer zunehmenden Erweiterung des bestehenden Krankheitskonzepts. Dadurch erweiterte sich auch der diagnostische und therapeutische Zugang.
Ätiologie
Die kindliche Schmerzreaktion kann von Stress, vom Persönlichkeitstypus und durch das Familiensystem beeinflusst werden. Kinder, die an chronischen Bauchschmerzen leiden, haben häufiger Verwandte mit Somatisierungsstörungen, Alkoholismus und asozialen Verhaltensstörungen. Ihre Eltern oder Geschwister leiden öfter an Bauchschmerzen, Nervenzusammenbrüchen oder Migräne.
Chronische Bauchschmerzen können auch im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch stehen, v. a. bei Mädchen, wenn die Beschwerden erstmals kurz vor oder im Teenageralter auftreten.
Das Spektrum der organischen Ursachen der chronischen Bauchschmerzen beim Kind ist groß (Tab. 14.11). Die Wahrnehmung und Toleranz der Schmerzen ist individuell sehr unterschiedlich und lässt keine Unterscheidung zwischen organisch-bedingten und funktionellen Schmerzen zu.
Klinik
Charakteristischerweise treten chronisch-rezidivierende Bauchschmerzen erst bei Kindern ab dem sechsten Lebensjahr auf. Während bei Kleinkindern häufig körperliche Erkrankungen verantwortlich sind, finden sich bei Schulkindern selten organische Ursachen. Psychische Faktoren wie Probleme in der Schule, aber auch Schwierigkeiten mit Freunden oder in der Familie spielen hier häufig eine Rolle.
Periumbilikale Bauchschmerzen
BauchschmerzenperiumbilikaleAm häufigsten werden die Schmerzen im Nabelbereich lokalisiert. Von diesen chronisch rezidivierenden (periumbilikalen) Bauchschmerzen (funktionelle periumbilikale Bauchschmerzen, sog. rezidivierende Nabelkoliken) sind bevorzugt schlanke, intelligente und vegetativ leicht erregbare Kinder mit Neigung zu Obstipation betroffen.
  • Sowohl ängstigende wie drohende (Schulschwierigkeiten, Scheidung der Eltern) als auch freudige Ereignisse können Auslöser einer Schmerzattacke sein, die wenige Minuten bis zu zwei Stunden anhalten kann.

  • Die Kinder krümmen sich, grimassieren, schreien, sehen blass-schweißig aus und können sogar kollabieren.

  • Die Schmerzen treten während normaler Beschäftigung auf, haben einen anfallsartigen Charakter und im Allgemeinen keinen Bezug zu den eingenommenen Mahlzeiten oder zum Stuhlgang.

  • Nach Ende der Schmerzattacke erholen sie sich sofort wieder. Erbrechen gehört nicht zum typischen Bild.

Epigastrische Schmerzen
SchmerzenepigastrischeDyspepsie, funktionelleDie Schmerzen können aber auch im Epigastrium und suprapubisch lokalisiert sein. Epigastrische Schmerzen sind oft mit einem schnellen Sättigungsgefühl, Übelkeit, Völlegefühl oder Luftaufstoßen verbunden.
Ergibt die diagnostische Abklärung bei diesen Beschwerden einen negativen Befund und folgt keine Besserung auf die Behandlung mit Säureblockern, so spricht man von Bauchschmerzen mit Dyspepsie (funktionelle Dyspepsie oder „Nonulcer dyspepsia“).
Bauchschmerzen mit anderen gastrointestinalen Begleiterscheinungen
Schmerzen unterhalb des Nabels gehen bevorzugt mit Bauchkrämpfen, einem Völlegefühl, Blähungen und einem veränderten Stuhlgang einher.
Diesen Symptomkomplex, der dem ReizdarmsyndromReizdarmsyndrom der Erwachsenen entspricht, bezeichnet man als Bauchschmerzen mit anderen gastrointestinalen Begleiterscheinungen (Colon irritabileColon irritabile oder „Irritable bowel syndrome“). Etwa ein Drittel aller Kinder mit chronischen Bauchschmerzen leidet unter diesem Reizdarm-ähnlichen Beschwerdebild. Die Kinder erfahren meist eine Erleichterung ihrer Beschwerden nach dem Stuhlgang. Zu Beginn der Schmerzsymptomatik findet sich Schleim im Stuhl und der Stuhl selbst ist aufgelockert und häufiger. Völlegefühl oder das Gefühl, nicht fertig zu sein, kann die Schmerzen begleiten.

Info

Bei rezidivierenden BauchschmerzenBauchschmerzenrezidivierende im Kindesalter gelten folgende Warnzeichen:

  • Nächtliches Aufwachen infolge Bauchschmerzen

  • Schmerzlokalisation vom Nabel entfernt; je weiter entfernt, umso eher organische Genese

  • Veränderungen der Stuhlgewohnheiten/Stuhlkonsistenz

  • Unerwünschter Gewichtsverlust oder Wachstumsstillstand

  • Übelkeit oder Erbrechen

  • Plötzliches Auftreten von andauernden Schmerzen, über Minuten und Stunden

  • Schmerzen, die in Schultern, Rücken oder untere Extremitäten ausstrahlen

  • Rektale Blutungen

  • Anämie, Entzündungszeichen

  • Extraintestinale Allgemeinsymptome (Fieber, Hautveränderungen, Gelenksschmerzen, rezidivierende Aphthen, Dysurie)

  • Alter (unter vier Jahren, über 15 Jahre)

  • Familiäre Belastung mit intestinalen Erkrankungen (Ulkus, chronisch-entzündliche Erkrankungen)

Beschwerden des Magendarmtrakts haben eine positive Korrelation sowohl zu Angst (21.11) als auch zu Depression (21.12), v. a. solche Kinder mit Reizdarm-ähnlichen Symptomen. Eine Besserung der Beschwerden am Wochenende oder in den Ferien weist auf funktionelle Schmerzen, das Fehlen dieses Umstandes ist aber kein Gegenbeweis.
Die Schmerzen und die damit verbundenen Einschränkungen des Lebensradius können tiefgreifende Effekte auf das Gefühlsleben, die Planung von Alltagsaktivitäten und die Gestaltung interpersoneller Beziehungen haben.
Diagnostik
Wenn sowohl Anamnese – evtl. unter Einbeziehung eines Schmerzfragebogens und eines Schmerztagebuchs – als auch körperliche Untersuchung eindeutig auf funktionelle Bauchschmerzen weisen, ist eine weitergehende Diagnostik im Grunde unnötig (Bufler et al. 2011).
Zum Ausschluss organischer Ursachen kann ein komplettes Blutbild inkl. CRP (bei Reizdarm-Syndrom oft erhöht), eine Zöliakieserologie, eine Stuhluntersuchung auf Calprotectin, Blut und ggfls. Parasiten (v. a. Giardia), und eine Harnanalyse durchgeführt werden.
Eine probatorische Auslassdiät von Laktose oder Fruktose kann zum Ausschluss einer Kohlenhydratmalabsorption oder -digestion beitragen. H2-Atemtests erübrigen sich meist.
Apparative Diagnostik
Die Abdomen-Sonografie eignet sich zur Beurteilung von Niere, Gallenblase, Pankreas und der Beckenorgane sowie zum Nachweis raumfordernder Prozesse. Es gibt keine Beziehung zwischen chronischen Bauchschmerzen und einer Helicobacter pylori-Infektion, eine Testung ist daher nur bei Gastritis- oder Ulkus-Symptomen sinnvoll. Die Ösophagogastroduodenoskopie ist nur bei anhaltenden Beschwerden des oberen Gastrointestinaltrakts indiziert.
Psychologische Diagnostik
Anhand eines semistrukturierten Erstgespräches und einer Fragebogenerhebung, Child-behaviour-checklist (CBCL)Child-behaviour-checklist (CBCL) und bei Jugendlichen der Youth-self-report (YSR)Youth-self-report (YSR), können psychologische und Verhaltensfaktoren bestimmt werden, welche die Aufrechterhaltung und den Schweregrad der chronischen Schmerzen verursachen.
Familiendiagnostik
Das Familiengespräch konzentriert sich v. a. auf folgende Fragestellungen:
  • Erkennen belastender Faktoren in der Beziehung des Patienten zur Familie, der Eltern zueinander sowie zu den Ursprungsfamilien

  • Ansprechen verdeckter Konflikte in der Familien- und Partnerbeziehung

  • Erkennen der Schmerzsymptomatik als ausgleichendes Phänomen bei Vorliegen dysfunktionaler familiärer Beziehungsmuster

  • Erkennen familiärer Interaktionsmuster, welche die Schmerzsymptomatik verstärken oder Unsicherheit und Hilflosigkeit auslösen

Konventionelle Therapie

Allgemeine und interventionelle Maßnahmen
In der Behandlung nicht organischer chronischer Bauchschmerzen ist es wichtig, bereits im Erstgespräch eine tragfähige Arzt-Patienten-Beziehung aufzubauen, die es ermöglicht, zusätzlich zur medizinischen Abklärung eine weiterführende psychologische und psychosoziale Evaluation durchzuführen. Im Erstgespräch werden die Weichen für den weiteren Therapieverlauf und Therapieerfolg gestellt.
Kinder und Jugendliche mit chronischen SchmerzenPsychotherapieBauchschmerzen, chronische sind in einem hohen Prozentsatz kinderpsychiatrisch auffällig und behandlungsbedürftig. Das Familiensystem nimmt als möglicher Verursacher, Aufrechterhalter und Verstärker einen wichtigen Stellenwert ein. Aus diesem Grund stellt der systemische, familiendynamische und auf die interaktive Beziehungsebene ausgerichtete Zugang die ideale Behandlungsform dar.
Bei Jugendlichen, bei denen es im Rahmen eines Ablösungsprozesses um Selbstkontrolle und Autonomiezuwachs geht, treten verhaltensmedizinische und psychologische Therapiekonzepte sowie Entspannungstechniken stärker in den Vordergrund. Familienberatung, Familientherapie, individuumorientierte Psychotherapie und eine entspannende oder kreative Methode (autogenes Training, Biofeedback, Entspannung nach Jacobson, Meditationstechniken etc.) sollten kombiniert angeboten werden, da sich dadurch die Effizienz steigert.
Medikamentöse Therapie
Medikamente sind bei den funktionellen Bauchschmerzen des Schulkindes meist ohne Nutzen oder bieten höchstens einen vorübergehenden Placeboeffekt. SäureblockerSäureblocker, Bauchschmerzen (Omeprazol bzw. Losec®, bei Kindern ab zwei Jahren) oder AnticholinergikaAnticholinergika, Bauchschmerzen, chronische (Hyoscin-N-Butylbromid bzw. Buscopan®, bei Kindern ab sechs Jahren) können ex juvantibus eingesetzt werden, ohne Indikation werden sie aber selten zum Erfolg führen.

Unterstützende Maßnahmen

Bis zu 40 % der Kinder mit nicht organischen Bauchschmerzen werden mit alternativen Heilverfahren oder Komplementärmedizin wie z. B. Phytotherapie, Nahrungsergänzungsmittel, manuelle Therapien oder Homöopathie behandelt (Vlieger et al. 2008). Die Aussagekraft der meisten Studien ist wegen der geringen Fallzahl beschränkt. Der Einsatz von Pfefferminzöl (Colpermin®) konnte in einem kleinen RCT (n = 50) bei Kindern mit Reizdarmsyndrom in den Akutphasen Linderung verschaffen (Kline et al. 2001).

Praxistipp

BauchkompressenBauchkompresse eignen sich sowohl für den Schmerzanfall als auch kurmäßig für die Zeit zwischen den Schmerzepisoden, z. B. abends zum Einschlafen. Durch sie wird menschliche Zuwendung und therapeutische Wirksamkeit vermittelt. Andererseits bergen sie auch die Gefahr der Symptomverstärkung.

Herstellung: eine Handvoll Schafgarbe mit etwa ½ Liter Wasser überbrühen und zugedeckt gut zehn Minuten ziehen lassen. Die Kompresse (zusammengelegtes Tuch) wird unter Verwendung eines Siebs übergossen, in ein größeres Tuch gelegt und kräftig ausgewrungen. Anschließend wird es so heiß wie möglich auf den Bauch aufgelegt, mit einem straff um den Bauch gelegten, größeren Tuch befestigt, das nochmals von einem Wolltuch eingehüllt wird. Darauf legt man eine mäßig gefüllte Wärmflasche, die durch den Schlafanzug gehalten wird und belässt die Kompresse etwa eine Stunde (Goebel 1998).

Homöopathische Behandlung

Zum Reizdarmsyndrom wurden einige kleinere klinische Studien veröffentlicht, allerdings nur bei Erwachsenen und nicht bei Kindern. Das diesbezügliche Cochrane Review fordert größere und qualitativ bessere Studien, um die Wirksamkeit und Sicherheit der homöopathischen Behandlung einschätzen zu können (Peckham et al. 2013). Nach eigener Erfahrung ist jedoch die homöopathische Behandlung chronisch-rezidivierender Bauchschmerzen oft erfolgreich und stellt ein schönes Lehrbeispiel für chronische bzw. konstitutionelle Therapie dar.
Erst durch die ausführliche Anamnese, die Einbeziehung möglicher Auslöser und die Beachtung sowohl der charakteristischen und auffälligen Symptome, die nicht nur zum aktuellen Krankheitsbild gehören, als auch der Allgemein- und Gemütssymptome, lässt sich die passende chronische oder konstitutionelle Arznei finden. Die Behandlung ist mit der Erstverschreibung meistens nicht getan, sondern erfordert eine umsichtige Führung des Patienten in den Folgekonsultationen (3.5).
Die Rubriken aus den Bereichen →Magen – Schmerzen oder →Abdomen – Schmerzen eignen sich meist nicht, um die passende Arznei zu finden. Schmerzsymptome sind nur dann verwertbar, wenn sie an sich auffällig sind, durch Modalitäten näher bestimmt werden oder auffallende Begleitsymptome aufweisen.
Die folgenden vier Krankengeschichten sollen einen lebhaften Eindruck der homöopathischen Behandlung chronischer Bauchschmerzen vermitteln.

Kasuistiken

Kasuistik

Chronische Bauchschmerzen (Thomas Peinbauer)

Anamnese

Doris, sechs Jahre alt, leidet seit etwa einem halben Jahr an immer wiederkehrenden, mindestens einmal pro Monat auftretenden Bauchschmerzen, wobei sich diese seit einer Woche täglich zeigen. Der Hausarzt hat die Verdachtsdiagnose „Nabelkoliken“ gestellt, dem Kind Blut abgenommen, vermutet aber als auslösendes Moment ein seelisches Leid.
Nach Ausschluss einer organischen Ursache kommt das Mädchen nun mit ihrer Mutter zur homöopathischen Behandlung. Die Schmerzen beginnen meist abends im Bett. Doris kommt und klagt, dass sie friere, ihr übel sei und sie starke Bauchschmerzen habe, wobei sie auf die Nabelgegend weist. Wärmflasche und warmes Bad bringen keine Erleichterung. Sie krümmt sich und drückt das Polster auf den Bauch, dabei ist sie ganz blass. Buscopan®-Zäpfchen (Hyoscin-N-butylbromid) haben nichts geholfen, eine Gabe Nureflex®-Saft (Ibuprofen) hat sie wieder erbrochen.
Auf Nachfrage berichtet die Mutter, dass der Bruder seit Herbst in einer neuen Schule sei und aufgrund schlechter Noten mehr Zeit in Anspruch nehme. Doris fühle sich dadurch zurückgesetzt („Du magst Lukas mehr als mich“).
Am letzten Wochenende, seitdem die Schmerzen täglich auftreten, sei sie von ihrer Freundin sehr enttäuscht worden, da diese nicht mit ihr, sondern mit einem anderen Mädchen gespielt habe. Sie ist eine Naschkatze, isst gerne süß, liebt Eiscreme, aber auch Pizza, Pommes frites, Fischstäbchen und Hühnchen. Sie mag keine Kartoffelgerichte und keine Milch. Zum Einschlafen braucht sie Licht. Das Fenster muss geschlossen sein, damit kein Einbrecher hereinkommen kann. Sie hat Angst vor Füchsen und Wölfen. Im ersten Lebensjahr litt sie an Dreimonatskoliken, eine Zeit lang an Fieberblasen, v. a. aber an häufigem Husten – die „Bronchien“ seien ihre Schwachstelle.
Während der Konsultation zeichnet Doris die ganze Zeit, antwortet nicht direkt auf meine Fragen, sondern flüstert der Mutter ins Ohr. Die Mutter erzählt, sie sei ein wahrer „Sonnenschein“, sehr offen, gehe auf andere Menschen zu, lache und rede gern. Sie ist sehr sensibel, wenn es jemand anderem nicht gut geht, sei sie sehr mitfühlend. Sie ist ein schlankes, zartes Mädchen mit schönem, gelocktem Haar und langen Wimpern.

Repertorisation

→Gemüt – Beschwerden durch – Liebe – enttäuscht, unglücklich
→Gemüt – mitfühlend
→Gemüt – Furcht – Räubern, vor
→Abdomen – Schmerzen – allgemein – abends
→Abdomen – Schmerzen – allgemein – Neigen, Beugen – Zusammenkrümmen – amel.
→Gesicht – Verfärbung – blass – Schmerzen – bei – Unterleib, im
→Allgemeines – Speisen und Getränke – Süßigkeiten – Verlangen
→Allgemeines – Speisen und Getränke – Speiseeis – Verlangen
→Allgemeines – Speisen und Getränke – Milch – Abneigung
→Abdomen – Schmerzen – allgemein – Nabel – Nabelregion
Die charakteristischen Symptome, die Geist-Gemüts-Symptome, das Temperament, die Neigung zu respiratorischen Infekten und der Aspekt weisen auf Phosphorus als konstitutionelle Arznei.

Verordnung und Verlauf

Phosphorus#PhosphorusBauchschmerzen, chronische C200, 2 Globuli als Einmalgabe. Am darauffolgenden Wochenende, einige Tage nach der Arzneigabe, kommt es zu einem verstärkten Auftreten der Bauchschmerzen (Erstverschlimmerung), weswegen die Mutter trotz vorheriger Aufklärung den diensthabenden Arzt aufsucht. Der schulmedizinische Kollege verordnet phytotherapeutische Tropfen, welche von der Mutter aber nicht verabreicht werden. Beim homöopathischen Folgegespräch nach sechs Wochen berichtet die Mutter, dass die Intensität und Frequenz der Bauchschmerzen deutlich abgenommen hat, es sind etwa 20 % Restbeschwerden verblieben. Keine Arzneigabe.
In einem Telefongespräch nach weiteren drei Monaten zeigt sich die Mutter sehr erfreut, die Bauchschmerzen treten nur mehr sehr selten und wenn, dann in leichter Form auf.

Kasuistik

Rezidivierende Bauchschmerzen bei Diabetes (Martin Hirte)

Anamnese

Die zehnjährige Sarah kommt wegen rezidivierender Bauchschmerzen, die seit etwa vier Monaten bestehen, zur homöopathischen Behandlung. Ein bis zweimal wöchentlich klagt sie v. a. morgens über starke Schmerzen im Bereich des Nabels und darunter. Die Schmerzen bessern sich durch Essen, durch Auflegen einer Wärmflasche oder durch Liegen mit angezogenen Beinen. Sie will dann nicht angefasst werden und zieht sich die Decke über den Kopf.
Die Familienverhältnisse sind schwierig, die Eltern verstehen sich nicht gut („unsere Ehe ist lieblos“). Der Vater kümmert sich wenig um die Tochter, die Mutter kompensiert dies durch Überprotektion. Es gibt noch zwei ältere Stiefgeschwister, Kinder des Vaters, von denen sich einer sehr schlecht entwickelt und auch schon kriminell geworden ist.
Sarah ist Typ-1-Diabetikerin. Sie isst gerne Pizza mit Salami, Peperoni, Salz. Seit sechs Monaten hat sie fünf Kilo zugenommen und ist enorm gewachsen. Sie ist jedoch nicht adipös. Ihre Haut ist trocken, die Wangen sind umschrieben gerötet. Vom Gemüt her ist sie sehr offen, fröhlich und redselig. Sie ist sehr unordentlich und vergesslich, fürchtet sich vor Gewittern und hat oft das Gefühl, das Haus könnte abbrennen. Wenn sie etwas Schlimmes im Fernsehen sieht, muss sie das Zimmer verlassen.

Repertorisation

→Gemüt – Wahnidee – Feuer – Visionen von
→Gemüt – Furcht – Gewitter, vor
→Gemüt – Schreckliches und traurige Geschichten greifen sie stark an
→Allgemeines – Längenwachstum, zu schnelles
→Allgemeines – Speisen und Getränke – Salz – Verlangen
→Abdomen – Schmerz – Essen, nach – amel.
→Abdomen – Schmerz – Wärme – amel.
→Abdomen – Schmerz – Beugen – Zusammenkrümmen – amel.
Phosphorus passt sowohl sehr gut zur Gesamtheit der Symptome – obwohl es fehlt in der Rubrik →Bauchschmerzen gebessert durch Essen (allerdings zweiwertig unter →Magenschmerzen gebessert nach Essen) – als auch zu ihrem offenen, aber ängstlichen Wesen und ihrem hochgeschossenen Körperbau. Phosphorus ist auch eines der Mittel bei Diabetes mellitus (dreiwertig unter →Urin – Zucker). Die schwierigen Familienverhältnisse gehen nicht in die Repertorisation mit ein (etwa als →Beschwerden durch Kummer), da der Zusammenhang mit den Bauchschmerzen nur spekulativ ist und Sarah mit ihrer extrovertierten Persönlichkeit – außer dem Gefühl, das Haus könnte abbrennen – nicht sehr verwundbar zu sein scheint.

Verordnung und Verlauf

Phosphorus#PhosphorusBauchschmerzen, chronische LM 6 als Dilution, täglich abends und stets neu verschüttelt. Die Reaktion ist prompt. Bei der Rückmeldung nach sechs Wochen wird von keiner einzigen Episode von Bauchschmerzen mehr berichtet. Ein halbes Jahr später erkrankt Sarah an einer hochfieberhaften Laryngotracheitis mit Heiserkeit, schlimmer abends und mit starkem Durst auf kalte Getränke, die sich mit Phosphorus C 30 sehr rasch zurückbildet.

Kasuistik

Chronische Bauchschmerzen (Martin Hirte)

Anamnese

Der achtjährige Felix klagt seit Monaten mindestens einmal wöchentlich über Bauchschmerzen im gesamten Bauchraum. Auslöser sind Aufregung und Ärger, Kränkungen, Streit, Erwartungsspannung und Autofahren. Beim Autofahren wird ihm auch übel. In der Schule gibt es Probleme wegen einer Lese-Rechtschreib-Schwäche. Er wird deswegen auch von seinen Klassenkameraden gehänselt, was darüber hinaus zu Kopfschmerzen führt. Seit Beginn des Schuljahrs (vor fünf Monaten) ist er oft erschöpft und legt sich ausgestreckt auf den Boden.
Er ist redselig und vorlaut, hat eine affektierte Sprache („wenn ich mal kurz unterbrechen darf“; „sagen wir‘s mal so …“) und spricht von sich als „man“ („man ist durch einen Lehrerwechsel schon überanstrengt“). Probleme macht ihm, wenn ein Kind etwas geschenkt bekommt, das er selber hat – er nennt es dann „gierig“. Felix hat viele Ängste. Am schlimmsten ist es, wenn er allein in der Wohnung ist. Er schließt immer gleich die Wohnungstür, fühlt sich verfolgt von Räubern, hat Angst im Dunkeln und spricht immer davon, dass er von irgendjemandem angegriffen wird.
Die Eltern sind seit vier Jahren getrennt, der Vater wohnt 300 Kilometer entfernt und kommt nur alle 14 Tage zu Besuch. Felix leidet viel unter Flatulenz, wird deshalb von anderen Kindern ausgelacht. Er hat oft kalte Füße, ist aber nicht verfroren. Er isst gern Süßes, Fleisch und Fisch und hasst Zwiebeln. Er knirscht nachts und oft auch tagsüber mit den Zähnen. Abends hat er häufigen Harndrang, muss aber dann lange warten, bis der Urin kommt. Er hat oft Albträume: dass er oder jemand anderer ermordet wird, dass er in einen Bach stürzt. Er wacht dann auf und kommt verängstigt zur Mutter ins Bett.

Repertorisation I

→Gemüt – Angst – Träume – beim Erwachen aus schrecklichen
→Gemüt – Beschwerden durch – Kränkung, Demütigung
→Gemüt – Furcht – allein zu sein
→Gemüt – Neid – Habgier und
→Gemüt – Geziertheit, Affektiertheit – Worten, in
→Träume – Mord
→Zähne – Zähneknirschen
→Blase – Urinieren – verzögert, muss warten, bis der Urin zu laufen anfängt
Lycopodium#Lycopodium clavatumBauchschmerzen, chronische ist das Mittel, welches die Gesamtheit der Symptome am besten abdeckt. Es passt auch zur Ängstlichkeit, zur Flatulenz, zum Süßverlangen und zur Lese-Rechtschreib-Schwäche. Staphisagria käme auch in Betracht, umfasst aber nicht die Ängste und die Affektiertheit.

Verordnung und Verlauf I

Lycopodium C 200, 2 Globuli als Einmalgabe. Innerhalb von acht Wochen ist die Symptomatik um 80 % gebessert – Bauchweh ist nur noch bei starkem Stress aufgetreten oder nach Überessen. Die Albträume sind verschwunden, Felix schläft regelmäßig durch.
Eineinhalb Jahre später kommt Felix wieder aufgrund von Problemen mit dem Selbstbewusstsein wegen seiner inzwischen durch ein psychiatrisches Gutachten bestätigten Legasthenie. Die Lehrerin macht Bemerkungen wie „So wird das nie was …“ Er weicht Problemen aus, „kneift“, leidet unter den hohen Ansprüchen seines Vaters. Er hat Angst vor Einbrechern und träumt nachts wieder von Mördern. Körperlich gibt es keine Probleme. Der Appetit ist eher schlecht, er neigt jetzt mehr zu Salzigem.

Repertorisation II

→Gemüt – Fehler – Schreiben
→Gemüt – Selbstvertrauen – Mangel an
→Gemüt – Feigheit
→Träume – Mörder
→Träume – Räuber
→Allgemeines – Speisen – Salz – Verlangen

Verordnung und Verlauf II

Lycopodium wird in der C 200 wiederholt, da es in der Vergangenheit gut gewirkt hat und in einem Großteil der Rubriken vorkommt. Als Folgemittel könnte Natrium muriaticum in Betracht kommen, sollte der Kummeraspekt noch weiter zunehmen (Verlangen nach Salz, Träume von Räubern). Zusätzlich erfolgt der dringende Rat zu einer Legastheniker-Therapie. Eine Rückmeldung über die Wirkung des verabreichten Mittels ist bisher noch nicht erfolgt.

Kasuistik

Rezidivierende Bauchschmerzen und Obstipation (Martin Hirte)

Anamnese

Die vierjährige Miriam wird wegen rezidivierender Bauchschmerzen vorgestellt. Die Bauchschmerzen sind schlimmer, wenn sie nüchtern ist, und morgens nach dem Aufstehen. Sie hat einerseits ein starkes Verlangen nach Süßem und nach Eis und ist andererseits sehr heikel und lehnt viele Speisen ab. Miriam ist durch ihre Schüchternheit ein sehr auffälliges Kind. Sie sitzt während der ganzen Fallaufnahme auf dem Schoß der Mutter und blickt nur in eine Richtung. Zu Hause telefoniert sie ohne Probleme mit anderen Menschen, aber spricht mit niemand von Angesicht zu Angesicht. Überhaupt hat sie eine starke Abneigung gegen Fremde – sie versteckt sich, spricht nicht, antwortet auf keine Fragen, mag nicht angesehen werden, schaut den Fremden nicht einmal an. Auch auf dem Spielplatz braucht sie „Abstand“ zu anderen.
Im Kindergarten geht sie nicht auf die Toilette, weil man die Tür nicht zusperren kann; zu Hause macht sie nur Stuhl, wenn sie die Tür abgesperrt hat. Sie nimmt alles ernst, ist schnell gekränkt und nachtragend, macht vieles mit sich selber aus. Wenn Vater und Mutter einmal krank sind, ist sie sehr „ergriffen“, mitleidig. Sie hat Furcht vor Gewitter, vor Fremden, v. a. Männern, ist schreckhaft bei Geräuschen. Im körperlichen Bereich besteht eine Obstipation durch Stuhlverhaltung mit hartem Stuhl. Sie wacht eineinhalb Stunden nach dem Einschlafen auf und will dann immer wieder, dass jemand kommt. Sie hat eine starke Neigung zur Masturbation. Am Hals will sie kein Tuch oder keinen Schal, sonst muss sie würgen. Sie lernte spät gehen (mit 17 Monaten), Sprache und Zahnung waren normal.

Repertorisation

→Gemüt – Schüchternheit, Zaghaftigkeit – Öffentlichkeit, beim Auftreten in der
→Gemüt – Gesellschaft – Abneigung gegen – Fremde – Abneigung gegen
→Rektum – Obstipation – Anwesenheit anderer, wie der Krankenschwester, auszuscheiden, unfähig, Stuhl in
→Schlaf – Erwachen – abends – Einschlafen, bald nach dem
→Innerer Hals – Würgen, Zusammenziehen – Kleidung agg.
→Weibliche Genitalien – Masturbation, Neigung zur
Sowohl die Geist- und Gemütssymptome als auch die Schlafstörung und v. a. die §-153-Symptome (Organon) des Würgens durch Kleidung am Hals und der Zwangssymptomatik in Zusammenhang mit der Toilette führten zur Wahl von Ambra grisea.

Verordnung und Verlauf

Ambra grisea#Ambra griseaBauchschmerzen, chronische C 200, 2 Globuli als Einmalgabe. Die Wirkung ist frappierend: Obstipation und Bauchschmerzen sind beim Folgetermin zwei Monate später „schon seit Wochen verschwunden“. Miriam wird in der Folge von den Eltern einer Psychologin vorgestellt, die wegen einer „Zwangsstörung“ eine psychoanalytische Behandlung einleitet. Die weitere Entwicklung ist gut, auch wenn die extreme Schüchternheit zunächst anhält. Ein Jahr später hat Miriam eine erneute Episode von Bauchweh, bei der Abklärung in einer gastroenterologischen Ambulanz kann jedoch kein Befund erhoben werden. Mit nunmehr neun Jahren ist sie heute ein aufgeschlossenes, freundliches Mädchen ohne gesundheitliche Probleme.
Literatur (14.13)

Obstipation

Grundlagen

ObstipationVerstopfung s. ObstipationDie Obstipation ist eine infolge einer unvollständigen Entleerung des distalen Dickdarms auftretende Stuhlretention. Man unterscheidet eine akute und eine chronische Form, von letzterer spricht man dann, wenn sie länger als drei Monate anhält. Die Obstipation ist eine häufige Beschwerde mit vielfältigen Ursachen (Tab. 14.9), an der etwa ein Drittel aller Schul- und Kleinkinder leidet und die etwa 5 % aller kinderärztlichen Konsultationen ausmacht. In über 95 % der Fälle ist die chronische Obstipation nicht-organischer Natur und wird dann als habituelle oder funktionelle Obstipation bezeichnet.
Klinik und Erkrankungsverlauf
Das klinische Bild ist zu Beginn oft wenig charakteristisch. Häufig bestehen unklare Bauchschmerzen, die immer wiederkehren und kurz anhalten. Es finden sich Skybala oder ein ausladendes Abdomen mit tastbarem „Tumor“ im Becken. Die Stuhlfrequenz kann, muss aber nicht vermindert sein. Der rektale Befund mit stuhlgefüllter Ampulle ist meist typisch. Gelegentlich kommen betroffene Kinder aber auch mit dem Vollbild eines akuten Abdomens, das sich nach abführenden Maßnahmen schlagartig in Wohlbefinden auflöst.
Akute Obstipation
Fieberhafte Erkrankungen oder heißes Wetter können bei mangelnder Flüssigkeitsaufnahme nicht selten zu einer akuten Obstipation führen. Auch Säuglinge unter kuhmilchreicher, schlackenarmer Kost sind gefährdet. Unter Schmerzen setzen sie dann schafkotartige Stühle ab.

Info

Ein frühzeitiger Beschwerdebeginn, meist im frühen Säuglingsalter, und eine lange kontinuierliche Beschwerdedauer können Hinweis auf eine angeborene kolorektale Erkrankung sein.

An Morbus HirschsprungMorbus Hirschsprung sollte man insbesondere denken bei folgender Konstellation:
  • Verspäteter Mekoniumabgang

  • Erhöhter Sphinktertonus

  • Leere und enge Rektumampulle bei stuhlgefülltem Abdomen (fühlt sich in der rektalen Untersuchung „handschuhförmig“ an, nach Entfernung des Fingers explosionsartiger Abgang von Stuhl und Darmgasen)

  • Wechsel zwischen Phasen von Obstipation und Durchfall

  • Gedeihstörung und/oder Erbrechen

  • Subileus oder Enterokolitis bei reifen Neugeborenen

Chronische Obstipation
Die chronische habituelle Obstipation des Kleinkindes resultiert häufig aus einem aktiven Stuhlverhalten infolge schmerzhafter Stuhlentleerung (Schafkotstuhl, Rhagaden mit Blut- und Schleimabgang), das sich dann gewissermaßen verselbstständigt und oft durch unangemessene Maßnahmen seitens der Familie verstärkt wird. Oft berichten die Eltern von eindrucksvollen Stuhlrückhaltemanövern ihrer Kinder. Im Laufe der Zeit füllt sich das Rektum immer mehr mit Kot, der Stuhldrang geht verloren, und schließlich weiten sich auch distale Kolonabschnitte.
Mit zunehmender Erkrankungsdauer und bei inadäquater Therapie entsteht ein Circulus vitiosus, der zu einer zunehmend schweren Obstipation mit sekundärer Enkopresis (21.4) und/oder heftiger Schmerzsymptomatik sowie – unter Umständen – zu dramatischen Auswirkungen auf das familiäre Zusammenleben führt.
Die verschleppte Diagnose eines Morbus Hirschsprung birgt zudem die Gefahr eines toxischen MegakolonsMegakolon, toxisches mit Sepsis.
Schwere Obstipation
Bei schwerer bzw. langandauernden Obstipation sind folgende Symptome typisch: Unwillkürlicher Stuhlabgang (Kotschmieren, Überlaufenkopresis [21.4], Analprolaps, oft mit Enuresis [21.3] oder Harnwegsinfekten [15.1]) und großkalibriger Stuhl, meist hart und gelegentlich im Wechsel mit dünnem Stuhl, sowie eine dicke, lange Stuhlwalze im linken Unterbauch, perianale Stuhlauflagerungen und Entzündungen, eine sehr weite und mit Stuhl ausgefüllte Ampulle und ein verminderter Sphinktertonus.
Diagnostik
Sowohl die Diagnostik als auch die Therapie folgt einem genauen Stufenplan, wobei auf Anamnese und klinische Untersuchung das Hauptaugenmerk gerichtet wird.
Basisdiagnostik
Im Rahmen der AnamneseAnamneseObstipation sollten folgende Punkte genau erhoben werden:
  • Art, Beginn, Dauer und situativer Bezug der Beschwerden

  • Ernährungsanamnese (Ballaststoffe, Milch, Getränke – evtl. mittels Ernährungs- und Trinkprotokoll über drei Tage)

  • Stuhlanamnese (erster Stuhlgang nach der Geburt; aktuelle Frequenz, Form, Konsistenz und Farbe)

  • Sauberkeitsanamnese

  • Begleitsymptome (Schmerzen, Stuhlschmieren, Durchfall, Blut etc.), andere Grunderkrankungen (z. B. Tetraspastik)

  • Medikamentenanamnese

  • bisherige Obstipationstherapien

  • Familien- und psychosoziale Anamnese

Die klinische Untersuchung umfasst den körperlichen Status inkl. perianaler Inspektion (Analfissuren; Rötung, evtl. Streptokokkeninfektion; Kondylome, evtl. sexueller Missbrauch), neurologischer Abklärung (Analreflex, Cremasterreflex) sowie die Bestimmung des Entwicklungsgrades und des Somatogramms. Im Säuglingsalter ist die vorsichtige rektale Untersuchung mit dem kleinen Finger (Tonus und Weite des Sphinkters und der Ampulle) zur Diagnostik eines Morbus Hirschsprung angezeigt. Beim Kleinkind kann diese Untersuchung – ebenso wie die ständige Verabreichung von Zäpfchen oder Einläufen und die Manometrie des Rektums – zu einer weiteren psychischen Traumatisierung führen, die eine Erhöhung des Sphinktertonus und damit eine Verschärfung der Problematik zur Folge haben kann. Auf schonendere Weise kann mittels der Abdominalsonografie die aufgeweitete Rektumampulle sichtbar gemacht und dokumentiert werden.
Mit dieser Basisdiagnostik lässt sich die Diagnose sichern und sowohl der Schweregrad als auch die mögliche Ursache abschätzen.
Erweiterte Diagnostik
Bei primärem Verdacht auf eine Allgemeinerkrankung als Ursache der Obstipation (zystische Fibrose, Hypokaliämie, Hyperkalzämie, Hypothyreose, Niereninsuffizienz) oder bei Therapieresistenz sollte die Basisdiagnostik erweitert werden.
  • Hierfür eignet sich die Bestimmung der entsprechenden Laborwerte bzw. eine spezifische Diagnostik (Schweißtest, Zöliakieserologie). Als Teil des diagnostisch-therapeutischen Stufenplans sollte bei entsprechenden Hinweisen eine zweiwöchige Phase einer kuhmilchfreien Ernährung nicht fehlen.

  • Bei Verdacht auf angeborene oder erworbene kolorektale oder andere organische Erkrankungen ist eine spezielle apparative Diagnostik (Transitzeitbestimmung, anorektale Manometrie, Rektoskopie, MRT von LWS und Spinalkanal, bei Verdacht auf M. Hirschsprung auch Kolon-Kontrasteinlauf und Rektumbiopsie) zur weiteren Abklärung notwendig.

Konventionelle Therapie und unterstützende Maßnahmen

  • Bei akuter Obstipation ist eine frühzeitige, konsequente Therapie notwendig, wobei auf eine Meidung psychischer Traumatisierung geachtet werden sollte. Ist die Obstipation nicht zu schwer, so kann man beim Säugling und jungen Kleinkind oft allein durch das Einführen eines Thermometers Stuhlgang auslösen.

  • Die Behandlung der chronischen Obstipation ist langwierig. Sie sollte nach einem exakten, gut organisierten Plan erfolgen, wobei man vier Phasen unterscheidet.

    • In einem ausführlichen Gespräch werden die Eltern primär über die Erkrankung aufgeklärt und im weiteren Vorgehen geschult.

    • Es folgt die rektale Stuhlentleerung („Desimpaktion“) über einige Tage.

    • In der daran anschließenden dritten Phase ist es das Ziel, eine weitere Stuhlakkumulation zu vermeiden, wobei die Eltern und das Kind in kurzen Kontrollintervallen von ein bis zwei Wochen begleitet werden sollten.

    • In der letzten Phase steht die Rekonditionierung eines normalen Stuhlverhaltens auf dem Programm. Der Darm soll die Möglichkeit erhalten, wieder seinen normalen Tonus und seine normale Motilität zu finden. Andernfalls ist auch jede psychotherapeutische Maßnahme erfolglos.

Ziel der Therapie ist eine vollständige und regelmäßige Stuhlentleerung, wobei zumindest alle zwei Tage nicht allzu harter Stuhl ohne Defäkationsschmerz abgesetzt werden soll sowie kein unwillkürlicher Stuhlgang bei Kindern über drei Jahren.
Allgemeine und interventionelle Maßnahmen
In einem ausführlichen Gespräch mit den Eltern sollten neben der Aufklärung über die Pathogenese der ObstipationVerhaltenstherapieObstipation und dem Abbau möglicher Schuldzuweisungen einige bewährte Begleitmaßnahmen besprochen werden.
Individuell abgestimmt, ist der Einsatz verhaltenstherapeutischer (Toilettentraining, Belohnungsstrategien, Biofeedbackverfahren) und kognitiver Interventionen (Psychotherapie, Familientherapie) sinnvoll. Beim Toilettentraining nützt man den „gastrokolischen Reflex“. Dabei werden Kinder ab dem dritten Lebensjahr zu regelmäßigem Toilettengang nach den Hauptmahlzeiten aufgefordert, zu Beginn evtl. unterstützt von einem abführenden Zäpfchen. Zur Erfolgskontrolle empfiehlt sich das Führen eines Stuhlprotokolls.
Wichtig ist eine ballaststoffreiche KostDiätObstipation mit ausreichend Flüssigkeit. Orangensaft, Birnen oder Dörrpflaumen als Mus wirken unterstützend. Gute Wirkung zeigt ein kaltes Frühstück mit eiskaltem, frisch gepresstem Obst- oder Gemüsesaft. Schokolade, Kakao und raffinierte Nahrungsmittel (Naschereien, Limonaden) sollten gemieden werden. Sport und viel Bewegung runden das Programm ab.
Bei nicht gestillten Säuglingen genügt es oft schon, auf eine Säuglingsmilchnahrung Typ 1 umzustellen und möglichst bald Gemüse und Obst als Beikost einzuführen. Bei der Mehrzahl von Kleinkindern mit therapierefraktärer Obstipation führt ein Versuch mit mehrwöchiger Kuhmilchkarenz zur Besserung, v. a. wenn Begleitsymptome wie Analfissuren, atopisches Ekzem oder rezidivierende Erkrankungen des Respirationstrakts vorliegen (Iacono 1998).
Medikamentöse Therapie
Zur initialen rektalen Stuhlentleerung (Phase II) werden häufig Glyzerol-Zäpfchen (z. B. Glycilax®, Babylax®, 1–2 × ) oder Einläufe (z. B.: Mikrolax®, 1–2 × ) verwendet. Alternativ können auch oral verabreichte osmotische/stimulierende Laxanzien oder Gleitmittel herangezogen werden. Obwohl sie noch nicht für alle Altersgruppen zugelassen ist, dürfte sich die Therapie mit Polyethylenglykol (Movicol®, PEG 4000® oder Laxofalk®, 0,8–1 g/kg/Tag) in naher Zukunft als sichere und effektive Therapie etablieren. Das Pulver kann überall hineingemischt werden und erspart die unangenehme rektale Applikation von Laxanzien. Die rektale Gabe wirkt zwar meist schneller, viele Kinder wehren sich jedoch – oft aufgrund der Vorgeschichte – vehement dagegen und werden unter Umständen zusätzlich traumatisiert.
In therapierefraktären Einzelfällen ist eine rektal-digitale Ausräumung unter Analgosedierung unumgänglich.

Praxistipp

Pflanzliche QuellmittelPhytopharmakaObstipation sind auch in der Pädiatrie sehr wirksam, müssen aber mit reichlich Flüssigkeit eingenommen werden und sind daher nur bei älteren Kindern (ab 6–12 Jahren) einsetzbar:

  • Leinsamen (unzerkleinert oder aufgeschlossen): 1–2 × tgl. 1 EL in 150 ml oder mehr Flüssigkeit

  • Flohsamen: 1–2 × tgl. 1–2 TL in 100–200 ml Flüssigkeit, danach noch mehr trinken (Fertigpräparate z. B. Agiocur®, Flosa Granulat®, Kneipp Psyllium Pulver®),

  • Sterculia-Gummi (Colosan®, Granamon-Granulat®, Decorpa-Granulat®),

Anthrachinonhaltige Phytotherapeutika wie Aloe, Senna, Faulbaumrinde oder Rhabarber können bei längerer Einnahme die Innervation des Plexus myentericus schädigen und sind bei Kindern unter zehn Jahren kontraindiziert (BfArM 1996).
Bei Fissuren oder Rhagaden mit Defäkationsschmerz eignen sich granulationsfördernde Externa, evtl. mit Lokalanästhetikum.
Chirurgische Maßnahmen
Ein operativer Eingriff ist bei Morbus Hirschsprung, anorektalen Fehlbildungen, stenosierenden Prozessen und chronisch intestinaler Pseudoobstruktion mit Ileus indiziert.

Homöopathische Behandlung

Trotz konsequenter konventioneller Therapie bleiben 30–50 % der Kinder mit chronischer Obstipation langfristig symptomatisch. Die homöopathische Behandlung, die schon zu Beginn der Beschwerden eingesetzt werden sollte, zeigt auch in diesen schwierigen Fällen gute Erfolge. Mit der homöopathisch gewählten, konstitutionellen Arznei sieht man oft verblüffend schnelle und dauerhafte Heilungen. Liegt eine lang bestehende und schwerer ausgeprägte Obstipation vor, ist in der ersten Phase eine konventionelle therapeutische Begleitung (s. o.) sinnvoll und notwendig. Die Arznei wird am besten als Einmalgabe in einer C 200 verabreicht.
Repertoriumsrubriken
RepertoriumsrubrikenObstipationIn der Folge werden nur jene Arzneien genannt, die sich in der homöopathischen Behandlung der kindlichen Obstipation gut bewährt haben und somit im dritten Grad Eingang in die betreffende klinische Rubrik des Repertoriums (Complete Repertory) gefunden haben.
Klinische Rubriken
→Rektum – Obstipation – Kindern, bei (55): calc, nux-v, …
→Rektum – Inaktivität, rektale (151): alum, kali-c, oena, op, plb, sel, …
→Rektum – Obstipation – Kindern, bei – Flaschennahrung ernährt, mit (4): podo, …
→Rektum – Obstipation – Kindern, bei – Neugeborene (6): op, …
→Rektum – Obstipation – Kindern, bei – Säuglinge (7): alum, op, …
→Rektum – Obstipation – ergebnisloses Drängen und Pressen (201): ambra, anac, caust, coll, con, hydr, lach, lil-t, lyc, mag-m, merc, nat-m, nit-ac, nux-v, plat, puls, sars, sel, sep, sil, sulf, tarent, thuja, …
→Rektum – Obstipation – Hämorrhoiden, durch (23): aesc, aloe, calc-f, coll, nux-v, rath, sulf, …
→Rektum – Obstipation – Kolik, Krämpfen, mit – Stuhlentleerung, während der (35): cypr, …
→Rektum – Obstipation – Reisen, wenn auf (7): alum, nux-v, op, plat, sep, …
→Rektum – Obstipation – schmerzhaft – Schmerzen im Rektum, mit ständigen (14): aesc, ign, nat-m, nit-ac, …
→Rektum – Obstipation – schwierige Stuhlentleerung – weicher Stuhl (56): alum, hep, nux-m, sep, …
→Rektum – Obstipation – Stuhlentleerung – muss mechanisch entfernt werden (15): sanic, sel, …
→Rektum – Obstipation – Stuhlentleerung – weicht zurück (22): op, sil, …
→Rektum – Obstipation – Stuhlentleerung – bleibt lange Zeit im Rektum, begleitet von – Drang, abwesendem (27): graph, op, …
→Rektum – Obstipation – Zahnung, während der (8): bry, kreos, nux-v, …
Begleitsymptome und Modalitäten
→Gemüt – Fröhlichkeit, Heiterkeit, Ausgelassenheit, Lustigkeit – Neigung zu – Obstipation, bei (2): calc, psor
→Kopfschmerzen – allgemein – Obstipation, mit (36): bry, …
→Abdomen – Auftreibung – Obstipation, bei (17): lach, …
→Abdomen – Schmerzen – allgemein – Obstipation – durch (24): aloe, alum, …
→Rektum – Fissur – blutend (8): graph, lac-d, nit-ac, syph, …
→Rektum – Fissur – nässend (4): paeon, …
→Rektum – Fissur – schmerzhaft, sehr (8): cham, graph, lac-d, rath, syph, thuja, …
→Rektum – Flatus, Windabgang – Stuhlentleerung – Stuhldrang, bei – Flatusabgang, aber nur (29): nat-s, …
→Rektum – Hämorrhagie – Anus, aus dem – Obstipation, mit (15): coll, nit-ac, nux-v, …
→Rektum – Juckreiz im After – Obstipation, mit (8): sulph, …
→Rektum – Kotverhaltung (10): nat-m, sep, …
→Rektum – Obstipation – Arzneimitteln, Laxanzien, nach Abusus von (13): bry, coloc, hydr, nux-v, op, …
→Rücken – Schmerzen – allgemein – Obstipation, mit (6): aesc, ferr, …
→Rektum – Schmerzen – allgemein – Stuhlentleerung – vor (99), während (248), nach (213): ars, dulc, ferr, nux-v, lyc, podo, puls, …
→Rektum – Schmerzen – allgemein – Stuhlentleerung – nach – amel. (34): coloc, gamb, nux-v, rhus-t, …
→Rektum – Schmerzen – allgemein – Stuhlentleerung – nach – lang anhaltend (2): nit-ac, sulf
→Rektum – Schmerzen – allgemein – Stuhlentleerung – Pressen zur, nach (12): aesc, sil, thuj, …
Modalitäten des Stuhls
→Stuhl – Blut – bedeckt mit (23): bry, con, mag-m, rhus-t, …
→Stuhl – Farbe – lehmfarben (8) – schieferfarben (4) – schwarz (124) – weiß (135)
→Stuhl – fettig: caust, iod, iris, mag-c, phos
→Stuhl – flach wie ein Band (17): merc, puls
→Stuhl – Geruch – Eier, wie faule (20): cham, psor
→Stuhl – Geruch – kadaverartig (21): ars, carb-v, kali-p, lach
→Stuhl – groß – ausgeschieden, wird unter Schwierigkeiten (3): graph, sulph
→Stuhl – haftet am Anus (2): alum, plat
→Stuhl – hart – schleimbedeckt (12): caust, coll, graph, hydr
→Stuhl – hart – zuerst – flüssig, dann (25): bov, calc, lyc, nat-m, sul-ac
→Stuhl – knotig, klumpig (135): alum, carbn-s. graph, lyc, mag-m, …
→Stuhl – krümelnd – Rand des Afters, am (5): am-m, mag-m, nat-m, sanic, zinc
→Stuhl – Kugeln, wie (52): alum, alumn, mag-m, merc, nat-m, nit-ac, op, plb, sulph
→Stuhl – Kugeln, wie – schwarz (7): alumn, op, plb
→Stuhl – lehmartig (19): alum, calc, lac-c, podo, sil
→Stuhl – pastenartig, pappig (169): bry, chel, coloc, crot-t, merc, podo, rheum, …
→Stuhl – Schafskot, wie (70): alum, alumn, chel, mag-m, merc, nat-m, nit-ac, op, …
→Stuhl – trocken – Drang, mit häufigem (26): anac, caust, ign, lyc, nux-v, phos, plat, sep, sil, …
→Stuhl – trocken – mechanisch entfernt werden, muss (15): op, plb, sel, sil
→Stuhl – verbrannt, wie (6): bry, sulph
→Stuhl – weich (251): alum, am-m, hep, merc, nit-ac, phos, sul-ac, sulph, …
→Stuhl – zäh (58): hell, plat
Homöopathische Arzneimittel
In der Arzneibeschreibung wird insbesondere auf Modalitäten des Hauptsymptoms und einige Nebensymptome eingegangen.
Aesculus hippocastanum
#Aesculus hippocastanumObstipationVerstopfung mit Rückenschmerzen und Flatulenz. Erfolgloser Stuhldrang. Stühle trocken, hart; mehrfarbig. Erster Teil des Stuhls schwarz und hart, zweiter Teil normal oder weiß und weich. Splittergefühl im Rektum. Schmerz scharf, den Rücken hinaufschießend. Gefühl der Hitze, Trockenheit, Steifheit und Rauheit im Anus oder anderen Körperteilen. Venöse Stase, Hämorrhoiden, blaurot, schmerzhaft, prolabierend.
Alumen
#AlumenObstipationSehr hartnäckige Verstopfung. Stuhl wie eine von harten Murmeln geformte Kotmasse. Nach dem Stuhlgang anhaltendes Vollheitsgefühl oder Schmerzen im Rektum. Gefühl von Trockenheit, Zusammenziehen und Zusammenschnüren. Periodische Verstopfung. Obstipation mit Anämie.
Alumina
#AluminaObstipationVerstopfung der gestillten Säuglinge und Flaschenkinder. Trockenheit von Haut und Schleimhäuten (bry). Alle Körperfunktionen werden träge, die Reaktionen sind verlangsamt. Stuhl hart und knotig, aus kleinen Kugeln bestehend, aber sogar weicher Stuhl geht schwer ab. Stuhlgang erfordert starkes Pressen und Drängen, geht nur im Stehen oder beim Urinieren ab, gelegentlich rektal-digitale Ausräumung notwendig. Reiseverstopfung. Abnorme Gelüste, Verlangen nach Unverdaulichem, trockenen Speisen. Abneigung gegen Kartoffeln und Fleisch. Zarte, empfindliche Kinder. Anämische Mädchen in der Pubertät. Kinder mit dicken Bäuchen.
Antimonium crudum
#Antimonium crudumObstipationObstipation abwechselnd mit Diarrhö oder jeden zweiten Tag. Folge von Arzneimittelmissbrauch, von wahllosem und zu vielem Essen. Verlangen nach Saurem. Zunge dick weiß belegt. Kinder sind übellaunig, verdrießlich, ärgerlich; weinen, wenn man sie anfasst oder wäscht. Folgen von unterdrückten Hautausschlägen. Haut rissig, verdickte und verformte Nägel. Häufig dicke, blasse Kinder, mit rot umrandeten Augen und feuchtem Ausschlag hinter den Ohren.
Apis mellifica
#Apis mellificaObstipationVerstopfung bei gestillten Kindern. Unruhe und Verstopfung.
Bacillinum
#BacillinumObstipationVerstopfung bei Neugeborenen und Säuglingen. Verstopfung mit Blähungen, stinkend. Hämorrhoiden. Unruhige, gereizte, mürrische Kinder. Schwächlich, kränklich, zart. Lymphknotenschwellung, v. a. am Hals, evtl. verhärtet. Starkes, profuses Schwitzen, nachts. Tuberkulose in der Familienanamnese.
Bryonia alba
#Bryonia albaObstipationTrockene Schleimhäute (alum). Dicker, großkalibriger Stuhl, trocken, sehr hart und dunkel. Schwindel oder Kopfschmerz bei Verstopfung, < Pressen zum Stuhl. Magenschmerzen, Blähungen oder Völlegefühl im Bauch während Verstopfung. Gelegentlich so hartnäckig, dass rektal-digitale Ausräumung notwendig ist. Alles schmeckt bitter. Sehr reizbar. Will alleingelassen werden, auch während Stuhlgang (ambr). Verstopfung bei gestillten Kindern, während der Zahnung, durch Laxanzienabusus.
Calcium carbonicum
#Calcium carbonicumObstipationFühlen sich am wohlsten, wenn sie verstopft sind (psor). Stuhl; > Verstopfung. Analfissuren, blutend. Afterjucken bei Verstopfung. Stühle und auch Körpergeruch sauer. Es sind meist ruhige, stille und zufriedene Säuglinge. Vom Aspekt her sind sie dick, rund und pastös und zeigen eine ausgeprägte Schweißneigung (im Schlaf und beim Stillen), v. a. am Hinterkopf. Kalte, feuchte Füße. Kinder mit großem Kopf und dickem, hartem Bauch. Verlangen nach Eiern, Eiscreme, Salzigem und Süßigkeiten. Abneigung gegen Fleisch und Milch. Oft ist die Entwicklung etwas verzögert. Lymphknotenschwellung, bei Kindern speziell im Hals- und Mesenterialbereich. Lange offen bleibende Fontanelle.
Chamomilla
#ChamomillaObstipationVerstopfung mit kolikartigen Krämpfen während des Stuhlgangs, wirft sich nach hinten, möchte getragen werden. Gefühl, nach Stuhlgang nicht fertig zu sein. Schmerzhafte Fissuren am After. Gereiztheit und (Schmerz-)Überempfindlichkeit. Kapriziöse Kinder, wollen dies und jenes, bekommen sie es, stoßen sie es weg.
Collinsonia canadensis
#Collinsonia canadensis, ObstipationAtonie des Intestinums. Harter Stuhl. Erfolgloser Stuhldrang, Stuhl kann nur mit Abführmitteln herbeigeführt werden. Afterjucken. Dumpfer Stirnkopfschmerz bei Verstopfung. Hartnäckige Verstopfung mit Flatulenz und Hämorrhoiden, blutend. Schmerzen im Mastdarm, brennend; Trockenheitsgefühl, wie voller Holzstückchen oder Sand. Varikozele oder Dysmenorrhö bei Verstopfung. Vergrößerungsgefühl verschiedener Körperteile.
Crocus sativus
#Crocus sativusObstipationHartnäckige Verstopfung, bei Neugeborenen und Säuglingen. Stühle enthalten dunkles, in Fäden gezogenes Blut. Launenhaftigkeit.
Dolichos pruriens
#Dolichos pruriensObstipationVerstopfung bei Würmern; während der Zahnung, mit heftigem Juckreiz, mit geblähtem Bauch.
Graphites
#GraphitesObstipationGroßkalibrige, knotige, schwierig abgehende Stühle; mit Schleimfäden verbundene Kotballen. Verstopfung ohne Stuhldrang. Analfissuren, blutend, nässend, sehr schmerzhaft, schneidende Schmerzen beim Stuhlgang, die Stunden anhalten können. Geblähter Bauch, verträgt keine Kleidung um die Taille. Wechsel von Verstopfung und Hautsymptomen. Sehr kälteempfindlich. Kinder sind frech, ziehen andere gern auf, lachen, wenn man sie tadelt.
Hepar sulfuris
#Hepar sulfurisObstipationVerstopfung und schwer abgehende Stühle trotz weichen Stuhls. Analfissuren, splitterartige Schmerzen. Neigung zur Eiterung und Abszessbildung. Übellaunige, missmutige Kinder. Kinder, die nicht lachen, die sich ihre Zeit nicht vertreiben können. Sitzen bewegungs- und sprachlos in einer Ecke. Überempfindlich auf alle Sinneseindrücke. Sehr fröstelig.
Hydrastis canadensis
#Hydrastis canadensisObstipationAtonische, kachektische, degenerative Zustände. Hartnäckige und schmerzhafte Verstopfung; mit Magenbeschwerden, Schnupfen oder Kopfschmerzen. Knotige Stühle, Kotballen mit Schleim überzogen oder vermischt, Schleim dick, gelb, scharf und fadenziehend. Analfissur. Kaum Darmgeräusch. In der ersten Phase der homöopathischen Behandlung nach Laxanzienabusus (nux-v). Schwächliche, appetitlose Kinder; depressiv, entmutigt.
Iris versicolor
#Iris versicolorObstipationVerstopfung während Kopfschmerzen oder Neuralgien. Fettstühle, fetter Mundgeschmack, Gefühl von Fettüberzug in der Nase. Ausscheidungen sind gallig, scharf, wässrig, wie Feuer brennend. Brennen im ganzen Verdauungskanal. Reichlicher, fadenziehender Speichel. Periodisch wiederkehrend.
Kalium bromatum
#Kalium bromatumObstipationVerzögerter Mekoniumabgang. Hartnäckige Verstopfung. Nervös, zappelig, die Hände sind immer geschäftig. Dysphagie beim Trinken, können nur feste Speisen schlucken. Pavor nocturnus, Schlafwandeln.
Kreosotum
#KreosotumObstipationVerstopfung während der Zahnung, mit Abmagerung. Kind „kämpft“ und schreit während des Stuhlgangs, als bekäme es einen Anfall. Es wimmert pausenlos oder döst mit halboffenen Augen vor sich hin oder ist gereizt und schlaflos, während der Zahnung. Schläft nicht, wenn es nicht gestreichelt und liebkost wird. Nächtliches Schreien. Hochgeschossene, aber für ihr Alter unterentwickelte Kinder. Kranker, leidender Gesichtsausdruck, sehen alt aus.
Magnesium muriaticum
#Magnesium muriaticumObstipationVerstopfung mit ständigem Stuhldrang, es gehen aber nur Winde ab, > in Gesellschaft. Stühle sind trocken, knotig, bestehen aus kleinen Kügelchen, wie Schafkot, grau. Kot bröckelt ab, sowie er den Rand des Afters erreicht. Auch Verstopfung bei weichem Stuhl. Milch wird nicht gut vertragen. Schmerzen im rechten Oberbauch, die sich bis zum Rücken erstrecken; < Liegen, auf der rechten Seite. Leberbeschwerden. Verstopfung der Säuglinge, < während der Zahnung. < morgens, am Meer und auf See, durch Salzgenuss. Sehr pflichtbewusste Kinder, die bei Konflikten, z. B. der Eltern, sehr leiden. Ständig mit ihren Därmen und deren Zustand beschäftigt. Kleinkind will alleine sein während Stuhlgang (ambr).
Medorrhinum
#MedorrhinumObstipationObstipation bei Neugeborenen. Stuhl hart und trocken oder weich, aber in jedem Fall schwierig, muss mechanisch entfernt werden. Ältere Kinder müssen sich weit zurückbeugen, um defäkieren zu können. Scharfer Urin, feuerrotes Exanthem um den Anus. Masturbation, häufige Erektionen. Chronische Absonderungen oder Entzündungen der Schleimhäute: Rhinitis, Sinusitis, Bronchitis, Zystitis, Fluor genitalis. Heiße Füße, verträgt kein heißes Bad.
Natrium muriaticum
#Natrium muriaticumObstipationTrockene Schleimhäute, Trägheit des Mastdarms. Durch Verstopfung allgemein träge und lethargisch, mit Kopfschmerzen. Stühle trocken, hart, bröckelig, reißen den After auf oder rufen ein Brennen hervor. Verstopfung trotz weichen Stuhls. Periodisch, bei Aufenthalt am Meer. Landkartenzunge oder auffallend saubere Zunge während Verstopfung. Kinder, die spät sprechen lernen. Widerspenstig, reizbar, schreien beim geringsten Anlass, < Trost. Sehr gereizt wegen stechender Schmerzen im After bei Verstopfung. Folgen von Enttäuschung, stillem Kummer.
Natrium phosphoricum
#Natrium phosphoricumObstipationÜbersäuerung, alle Absonderungen sind sauer. Kinder, die mit Milch und Zucker überfüttert worden sind. Verstopfung mit ständigem Stuhldrang, schmerzhaft. Schwach und erschöpft, geistig und körperlich. Völlegefühl im Bauch, < im Stehen und nach wenig Essen. Laut abgehende Blähungen. Zupft ständig an der Nase herum. Gelber, rahmartiger Belag am hinteren Teil der Zunge. Afterjucken. Würmer.
Nux moschata
#Nux moschataObstipationObstipation schon beim Neugeborenen, Stuhl muss mechanisch entfernt werden. Krampfartige Bauchschmerzen, große Schläfrigkeit, Appetitlosigkeit, Abmagerung. Obstipation im Wechsel mit Diarrhö. Große Nabelhernie. Wurmbefall. Aphthen.
Nux vomica
#Nux vomicaObstipation„Spastische Obstipation“. Verstopfung der Neugeborenen, der gestillten oder mit der Flasche gefütterten Kinder. Obstipation nach Narkose, während der Zahnung. Verstopfung mit allen möglichen Begleitsymptomen: depressive Verstimmung, Schwindel, Kongestion, Kopfschmerzen, Magenschmerzen, Erbrechen oder Völlegefühl, Akne, Anämie. Ständiger, erfolgloser oder insuffizienter Stuhldrang, Retroperistaltik. Analfissuren. In der ersten Phase der homöopathischen Behandlung nach Laxanzienabusus (hydr). Reiseobstipation. Lebhafte und spastisch klingende Darmgeräusche. Kinder, die nervös, hastig oder reizbar sind. Immobilität. Überempfindlichkeit gegenüber Sinneseindrücken. Mögen keine zu eng am Bauch anliegenden Kleider.
Opium
#OpiumObstipationVerstopfung der Neugeborenen, der gestillten oder mit der Flasche gefütterten Kinder (nux-v), während der Zahnung. Paralytische Atonie des Darms, nach Laparotomie. Harte, schwarze Kotballen. Fehlender Stuhldrang. Rektal-digitale Ausräumung notwendig. Stuhlverhaltung bei Darmverschluss. Verstopfung mit Kopfschmerzen, Erbrechen, Foetor ex ore oder Bauchschmerzen. Reiseobstipation. Folgen von Schreck.
Platinum metallicum
#Platinum metallicumObstipationKein oder erfolgloser Stuhldrang. Stühle hart und schwarz; nach starkem Pressen stückweise, in kleinen Portionen absetzbar, auch bei weichem Stuhl, dieser wie weicher Lehm, anhaftend. Rektal-digitale Ausräumung notwendig. Analfissuren. Reiseobstipation. Immobilität.
Plumbum metallicum
#Plumbum metallicumObstipationExtreme Stuhlverstopfung, Abdomen groß und hart, auch bei Säuglingen, von Koliken begleitet, mit Erbrechen kotähnlicher Massen. Tenesmen, After schmerzhaft zusammengeschnürt und hochgezogen. Gefühl, als würde der Nabel nach innen gezogen. Verstopfung mit Kopfschmerzen, Magenschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, abdominalem Hitzegefühl, Blähungen oder Bauchschmerzen. Stühle körnig, aus harten, schwarzen Kugeln bestehend, wie Schafkot. Invagination. Sklerose.
Podophyllum
#PodophyllumObstipationVerstopfung bei mit Flasche gefütterten Kindern. Verstopfung mit Kopfschmerzen, kolikartigen Bauchschmerzen (während des Stuhlgangs), mit Flatulenz; auch bei weichem Stuhl. Immobilität. Empfindliche, schmerzhafte Leber, > Reiben der Lebergegend.
Sanicula aqua
G#Sanicula aquaObstipationeblähte, dickbäuchige Kinder mit lautem Gurgeln im Bauch. Stühle bestehen aus einer einzigen großen, schweren Masse oder aus kleinen, trockenen Kotbällen, faulig, wie verdorbener Käse riechend. Fehlender Stuhldrang, muss sich anstrengen, dabei berstendes Gefühl am Damm, auch bei weichem Stuhl. Rektal-digitale Ausräumung notwendig. Schwitzt nachts, v. a. im Nacken, und deckt sich immer ab. Eigensinnige, dickköpfige und empfindliche Kinder, die sich nicht gern angreifen lassen. Widerspenstig und verspielt in schnellem Wechsel. Keine Ausdauer, ständiger Wechsel der Beschäftigung, schnell abgelenkt. Verlangen nach Salz, Schinkenspeck und eiskalter Milch. Marasmus.
Sepia
#SepiaObstipationVerstopfung, häufig in Verbindung mit Enuresis nocturna im ersten Schlaf. Häufiger Milchgenuss verstärkt die Verstopfung. Fehlender Stuhldrang oder unvollständige Entleerung, muss sich auch bei weichem Stuhl anstrengen. Mechanische Entfernung des Stuhls notwendig. Große, harte Stühle. Analfissuren, blutend, schmerzhaft. Herabdrängendes Gefühl im Unterbauch. Verlangen nach Essig, Saurem, Eingelegtem, Süßigkeiten. Eher kühle und reservierte Kinder.
Silicea
#SiliceaObstipationMühsamer Stuhlgang, Stuhl schlüpft wieder zurück, selbst wenn er schon teilweise ausgetreten ist, auch bei weichem oder normalem Stuhl. Zu schwach zum Pressen. Stuhlverhalten aus Angst vor Schmerzen. Analfissur, Analfistel. Bitterer Mundgeschmack oder Bauchschmerzen bei Verstopfung. < Zahnung. Überempfindlich auf Lärm, Licht und Berührung. Oft unsichere, magere, sehr fröstelige und kälteempfindliche Kinder, die starrköpfig und rechthaberisch sein können. Mutlos und ängstlich, gewissenhaft und pedantisch. Stinkender Fußschweiß. Später Fontanellenschluss. Frühgeborene.
Stannum metallicum
#Stannum metallicumObstipationVerstopfung gestillter Kinder. Stühle sind trocken, hart und knotig oder ungenügend und grünlich. Montagsverstopfung, d. h. nach Sonn- und Feiertagen.
Sulphur
#SulphurObstipationVerstopfung bei Neugeborenen. Kolikartige Schmerzen während des Stuhlgangs, verhält sich den Stuhl zur Schmerzvermeidung. Erfolgloser oder ungenügender Stuhlgang trotz weichen Stuhls, mechanische Ausräumung notwendig. Verstopfung mit Kopfschmerzen, Rückenschmerzen oder eingeklemmten Blähungen im Colon descendens. Laxanzienabusus. Rote Körperöffnungen: leuchtend rote Lippen, roter, juckender Anus. Zwischen 10.00 Uhr und 11.00 Uhr plötzliches Hunger- und Schwächegefühl, im Epigastrium. Hitzig, ständig zu heiß, heiße Füße im Bett. Unangenehmer Körpergeruch und stinkende Ausscheidungen.
Veratrum album
#Veratrum albumObstipationVerstopfung gestillter Kinder; mit kolikartigen Schmerzen beim Stuhlgang, bei kalter Witterung.
Zincum metallicum
#Zincum metallicumObstipationVerstopfung bei Neugeborenen. Unwillkürlicher Harnabgang nach mühsamem Stuhlgang. Großkalibrige, trockene Stühle. Jucken am After. Kinder, die erschöpft sind, aber im Schlaf keine Ruhe finden, unruhige Beine. Folge von übermäßigem Lernen, unterdrückten Absonderungen oder Hautausschlägen.

Kasuistik

Kasuistik

Chronische Obstipation und Schlafstörungen (Thomas Peinbauer)

Anamnese

Der vierjährige Sebastian E. kommt wegen chronischer Obstipation und Schlafstörungen zur homöopathischen Behandlung. Die Verstopfung begann vor einigen Monaten im Anschluss an einen stationären Aufenthalt wegen akuter Gastroenteritis. Seither bewegt sich die Stuhlfrequenz bei zwei bis vier Tagen, wobei Sebastian sich anstrengen muss, oft weint und sich als Erfolg eine große, harte Stuhlkugel in der Toilettenschüssel findet.
Vom Hausarzt wurden eine Abklärung durchgeführt und Glyzerin-Zäpfchen verordnet. Die Schlafstörung tritt etwa zweimal pro Woche auf, dabei schreit er während des Schlafes auf, die Augen sind geschlossen. Wird er wach, schläft er nicht mehr ein. Er verlangt, im Kinder-Sportwagen zu schlafen, das Bett der Eltern lehnt er ab. Er hat ein eigenes Zimmer, braucht zum Einschlafen kein Licht, oft nimmt er eine genupektorale Schlafposition ein.
Nach einer unauffälligen Schwangerschaft wurde er unter Zuhilfenahme der Vakuumextraktion geboren, die bisherige Entwicklung gestaltete sich unauffällig. Sebastian ist ein sehr freundliches und eher vorsichtiges Kind. Zu Beginn der Konsultation sitzt er noch etwas schüchtern und ruhig auf dem Schoß der Mutter, verfolgt aufmerksam unser Gespräch, am Ende zeigt er sich etwas aufgeweckter. Er kann sehr dickköpfig sein – „wenn er etwas will, schreit er solange, bis er es bekommt“. Er fürchtet sich vor Hunden, vorm Alleinsein und vor lauten Maschinen, Autos und Mopeds. Auch bei harmlosen Filmen sagt er oft, dass er sich fürchtet.
Dann muss der Fernseher abgedreht werden oder er geht freiwillig ins Bett. Ungern spielt er allein, in der Spielgruppe steht er häufig abseits und schaut den anderen zu. Sebastian isst gern Nudelsuppe, Eier – „am liebsten würde er täglich drei essen“ –, Eiscreme und vom Schweinebraten am liebsten das Fett. Er schwitzt leicht, v. a. im Bereich der Ohren des behaarten Kopfes und an den Füßen.
Bei der körperlichen Untersuchung findet sich nichts Auffälliges außer einer Landkartenzunge. Er ist etwas mollig, hat blondes Haar, blaue Augen und einen auffallend großen Kopf.

Repertorisation

→Gemüt – Furcht – Tieren, Hunden, vor
→Gemüt – Furcht – Alleinsein, vor dem
→Gemüt – grauenhafte Dinge, traurige Geschichten, stark angegriffen durch
→Gemüt – obstinat, eigensinnig, dickköpfig – Kinder
→Allgemeines – Speisen und Getränke – Eier – Verlangen
→Allgemeines – Speisen und Getränke – fette und gehaltvolle Speisen – Verlangen
→Schlaf – Lage – Knie – auf den – Ellenbogen, und
→Mund – Landkartenzunge
→Kopf – groß
→Stuhl – Kugeln, wie
→Stuhl – hart
→Rektum – Obstipation – Kindern, bei

Verordnung und Verlauf

Calcium carbonicum#Calcium carbonicumObstipation C200, 5 Globuli als einmalige Gabe. Die Mutter berichtet sechs Wochen später, dass die Verstopfung sofort verschwunden war. Kein Weinen und keine Stuhlknollen waren mehr aufgetreten. Sebastian hat täglich Stuhl ohne irgendwelche Probleme. Außerdem hat er etwa eine Woche nach der Arznei begonnen durchzuschlafen. Ein dreiviertel Jahr später, kurz nach Kindergartenbeginn, kommt es wieder zu Verstopfung, durch eine weitere Gabe Calcium carbonicum C200 reguliert sich der Stuhlgang erneut prompt.
Literatur (14.13)

Hepatitis A

Grundlagen

Hepatitis ADie Hepatitis-A-Infektion wird durch das gleichnamige Picorna-VirusPicorna-Virus hervorgerufen. Der Übertragungsweg ist vorwiegend fäkal-oral. Als Wirte und damit Überträger des Virus gelten der Mensch und einige Primaten. Es besteht eine enge Korrelation zwischen sozioökonomischem Status und dem Auftreten einer Neuinfektion.
Risikofaktoren für die Infektion mit dem Hepatitis-A-Virus sind Menschenansammlungen auf engem Raum, schlechte Hygiene, mangelnde Abwasserbeseitigung, fäkale Kontamination von Nahrungsmitteln (v. a. Muscheln und fäkalgedüngtes Gemüse) und Wasser, Kontakt zu Hepatitis-A-Infizierten, Reisen in Endemiegebiete und Drogenabusus.
Das Virus kommt endemisch in tropischen und subtropischen Ländern vor, auch in einigen Gebieten Südeuropas und in der Türkei. In unseren Breiten besteht eine niedrige Infektionsrate im Kindesalter, mit zunehmendem Alter steigt das Risiko einer symptomatischen Neuinfektion. Mehr als zwei Drittel der Erkrankungen werden bei Reisen in Endemiegebiete erworben.
Klinik und Erkrankungsverlauf
Die Hepatitis A ist eine zeitlich begrenzte Erkrankung ohne Übergang in ein chronisches Stadium. Die Inkubationszeit beträgt etwa 20–45 Tage.
Bei Kleinkindern und Kindern im Vorschulalter verläuft die Erkrankung in über 90 % der Fälle asymptomatisch oder sehr unspezifisch in Form einer Gastroenteritis. Eine ikterische Verlaufsform ist in dieser Altersgruppe selten.
Im Schulalter erkranken etwa 50 %, bei Jugendlichen und Erwachsenen bis zu 70 % der Infizierten manifest. Der ikterischen Phase geht ein Prodromalstadium mit unspezifischen Symptomen wie Fieber, Arthralgien, Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit und Übelkeit über mehrere Tage voraus. Nach wenigen Tagen werden die Patienten mit zunehmendem Krankheitsgefühl ikterisch, es kommt zu Pruritus und Leberschwellung, die Serumtransaminasen steigen rapid an, erreichen ein Maximum nach einer Woche und fallen mit der Genesung innerhalb von ein bis zwei Wochen rasch wieder auf Normalwerte. Bei 5–10 % der Erkrankten kann es zu einem zweiten oder dritten Krankheitsschub kommen. Begleitend zur ikterischen Phase können bei Adoleszenten und Erwachsenen Arthralgien (11 %) oder ein makulopapulöses Exanthem (14 %) auftreten.
Prognose
Die Hepatitis A ist eine gutartige Erkrankung und heilt nahezu immer komplett aus. Komplikationen gibt es nur bei älteren Patienten mit toxisch oder infektiös vorgeschädigter Leber.
Diagnostik
Bei Verdacht auf Hepatitis-A-Infektion werden folgende Laborwerte bestimmt:
  • Transaminasen (SGOT, SGPT)

  • Cholestaseenzyme (AP, γ-GT)

  • Spezifische Antikörper (Anti-HAV-IgM, Anti-HAV-IgG) und Antikörper auch gegen andere Hepatitisformen („Suchprogramm“)

Beweisend für eine frische Infektion gilt der Nachweis von HAV-IgM-Antikörper im Serum des Erkrankten, nachweisbar etwa vier bis fünf Wochen nach Exposition, mit einem Maximum nach acht bis neun Wochen. IgG-Antikörper gegen HAV werden in der Rekonvaleszenz, etwa ab der achten Woche nach Exposition, nachweisbar und persistieren über Jahre. Der alleinige Nachweis von Anti-HAV-IgG bei negativem Anti-HAV-IgM spricht für eine Immunität gegen das Virus.

Konventionelle Prophylaxe und Therapie

Eine kausale Therapie der Hepatitis A ist nicht möglich. Durch die Einhaltung entsprechender hygienischer Maßnahmen kann die Verbreitung des Virus deutlich vermindert werden.
Hepatitis A-ErkrankungenHepatitis AMeldepflicht sind namentlich meldepflichtig. Zum Zeitpunkt der Diagnosestellung ist eine Isolierung jedoch nicht mehr sinnvoll, da die Virusausscheidung, die frühestens zwei Wochen vor dem Ikterus beginnt, mit dessen Auftreten rasch abnimmt. Nur bei 50 % ist das Virus dann noch im Stuhl nachweisbar. Es gibt keine chronischen Virusträger wie bei der Hepatitis B oder C.
Der Besuch von Gemeinschaftseinrichtungen ist zwei Wochen nach Beginn der Prodromalsymptome oder eine Woche nach Ikterusbeginn wieder gestattet. Nach dem Infektionsschutzgesetz dürfen Kontaktpersonen, die nicht nachweislich immun sind, bis vier Wochen nach dem letzten Kontakt keine Gemeinschaftseinrichtungen besuchen.

„Ausnahmen kann zugestimmt werden, wenn die strikte Einhaltung von hygienischen Maßnahmen zur Verhütung einer Übertragung gewährleistet ist. Dazu gehört vor allem eine wirksame Händehygiene. Kontaktpersonen sollen sich für die Dauer der Inkubationszeit die Hände nach jedem Stuhlgang und vor der Zubereitung von Mahlzeiten gründlich waschen, die Hände mit Einmal-Papierhandtüchern abtrocknen und anschließend desinfizieren […]. Die Toilette sollte nach dem Stuhlgang mit einem handelsüblichen geeigneten Desinfektionsmittel […] desinfiziert werden“

(RKI)

Nach stattgehabtem Kontakt mit einem Erkrankten ist primär die Aktivimpfung gegen Hepatitis A als „Riegelungsimpfung“RiegelungsimpfungImpfungenHepatitis A empfohlen, bis maximal zwei Wochen nach möglicher Exposition kann auch die passive Prophylaxe mit Immunglobulin eingesetzt werden. Bei konsequenter Durchführung sind die Kosten beider Maßnahmen erheblich, da die Gruppe der Kontaktpersonen schwer einzugrenzen sind.
Die Hepatitis-A-Impfung ist ansonsten eine reine Indikationsimpfung für gefährdetes Personal in pädiatrischen Infektionsabteilungen oder in medizinischen Laboratorien, für Reisende in Länder mit hohem Hepatitis-A-Risiko, chronisch Leberkranke, Homosexuelle und Drogenabhängige. Eine vorherige Testung auf Antikörper empfiehlt sich. Reisende können durch Einhaltung der bekannten Hygieneempfehlungen ihr Hepatitis-A-Risiko auch ohne Impfung deutlich senken.
Der Impfstoff ist relativ gut verträglich, 10–20 % haben Beschwerden an der Impfstelle oder leichte Störungen des Allgemeinbefindens. Seltene Meldungen betreffen allergische Reaktionen und neurologische Komplikationen.

Homöopathische Behandlung

Zu den Repertoriumsrubriken und homöopathischen Arzneimitteln bei Hepatitis A 14.13
Literatur (14.13)

Hepatitis B

Grundlagen

Die Hepatitis BHepatitis B wird durch das HepadnavirusHepadnavirus hervorgerufen und vorwiegend parenteral durch kontaminierte Genitalsekrete und Blut übertragen, seit Einführung des Blutproduktescreenings v. a. perinatal von Mutter auf Kind und durch Intimkontakte bei Jugendlichen.
Deutschland, Österreich und die Schweiz gehören zu den Ländern mit einem sehr niedrigen Erkrankungsrisiko. Die Prävalenz der Hepatitis B bei Kindern liegt in Deutschland und den USA unter 1 %. Akute HBV-Infektionen kommen im Kindesalter eher selten vor, meist handelt es sich um vertikal infizierte Kinder HBs-Ag-positiver Mütter, die aber mit über 90 % eine hohe Rate an chronischen Hepatitiden aufweisen. Ein leicht erhöhtes Risiko für eine Hepatitis-B-Infektion haben Kinder, die im Haushalt mit Virusträgern leben.
Besonders hohe Prävalenzraten bei Kindern weisen hingegen die Länder Südostasiens, Afrikas und die ehemaligen Ostblockländer auf. Der Hauptinfektionsweg ist auch hier die vertikale Transmission. Ein hohes Risiko einer perinatalen Übertragung besteht für all jene Kinder, deren Mütter entweder chronische Trägerinnen (HBe-Antigen-positiv) sind oder im letzten Drittel ihrer Schwangerschaft eine akute Hepatitis B durchmachen. Serologisch lässt sich erst zwei bis drei Monate nach der Geburt eine Hepatitis B des Neugeborenen feststellen.
Klinik und Erkrankungsverlauf
Akute Hepatitis B
Hepatitis BakuteDie akute Hepatitis B im Kindesalter manifestiert sich häufig klinisch inapparent (70 %) mit unspezifischen Krankheitssymptomen und wird relativ selten diagnostiziert. Je nach initialer Virusaufnahme beträgt die Inkubationszeit 50–180 Tage. Wenige Wochen vor der ikterischen Phase können sich Prodromalsymptome wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Fieber, Schmerzen im rechten Oberbauch, Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust und Muskelschmerzen zeigen. Die ikterische Phase ist gekennzeichnet durch einen Anstieg der Serumtransaminasen und des Serumbilirubins, eine Gerinnungsstörung und einen leichten bis quälenden Pruritus. Durch die Kapselspannung der tastbar vergrößerten Leber klagen die Patienten über ein Druckgefühl im rechten Oberbauch. Nach vier bis sechs Wochen bilden sich die Symptome wieder zurück.
Eine Besonderheit der Hepatitis B im Kindesalter ist die papulöse AkrodermatitisAkrodermatitis, papulöse (Gianotti-Crosti-SyndromGianotti-Crosti-Syndrom), die bei einigen Patienten auftreten kann. Dabei zeigen sich symmetrische, nicht juckende Effloreszenzen im Gesicht, an den Extremitäten und in der Glutealregion, der Stamm ist meist ausgespart. Die Papeln verschwinden nach zwei bis vier Wochen wieder, ohne Spuren zu hinterlassen.
In weniger als 1 % der Fälle verläuft die akute Hepatitis B fulminant, die Mehrzahl der betroffenen Patienten sind junge Säuglinge von Anti-HBe-positiven Müttern, die keine Simultanimpfung bekommen haben.
Jede akute Hepatitis-B-Infektion kann folgende drei Wege nehmen:
  • Komplette Ausheilung mit Elimination des Virus und Erwerb einer Immunität (je nach Alter 10–95 % der Patienten).

  • Übergang in eine chronische Hepatitis (je nach Alter 5–90 %).

  • Übergang in eine fulminant verlaufende Hepatitis B mit Entwicklung einer schweren Lebersynthesestörung und Enzephalopathie (< 1 %).

Chronische Hepatitis B
Hepatitis BchronischeDie chronische Hepatitis verläuft im Kindesalter weitgehend asymptomatisch. Gelegentlich werden unspezifische Symptome wie Abgeschlagenheit, Lustlosigkeit, Appetitlosigkeit und ein Druckgefühl im rechten Oberbauch beobachtet. Eine aggressive Verlaufsform der chronischen Hepatitis im Kindesalter ist eher selten. Sie ist charakterisiert durch persistierende oder in Schüben erhöhte Serumtransaminasen. Die Entwicklung einer HBV-assoziierten Leberzirrhose mit all ihren Komplikationen ist die Folge. Eine chronisch aktive Hepatitis B geht mit einem erhöhten Risiko eines hepatozellulären Karzinoms (HCC) einher, dies wird aber im Kindesalter nur in Endemiegebieten beobachtet.
Prognose
Im Fall einer fulminanten Hepatitis (1 %) ist die Letalität mit etwa 80 % hoch. Die Prognose einer chronischen Hepatitis B wird getrübt durch die Entstehung einer LeberzirrhoseLeberzirrhose, Hepatitis (bei Kindern zwischen 10 und 20 %) und langfristig durch das Auftreten eines hepatozellulären Karzinoms (HCC). Bei früher Serokonversion zu Anti-HBe ist die Prognose langfristig wesentlich besser. Spontan tritt Anti-HBe bei etwa 10 % der Patienten pro Jahr auf, mit α-Interferon kann sie in etwa 40–50 % der Fälle induziert werden, die Serokonversion zu Anti-HBs gelingt in ca. 6–10 % der Fälle. Neben dem Alter zum Zeitpunkt der Infektion spielen vermutlich individuelle immunologische und genetische Faktoren eine nicht unerhebliche Rolle. Die perinatal übertragene Hepatitis B verläuft in bis zu 95 % der Fälle chronisch, eine Infektion im Kindesalter nur noch in 20 % der Fälle. Ungefähr 10–15 % der chronischen Virusträger werden im Lauf ihres Lebens wieder HBs-Ag negativ.
Diagnostik
Bei Verdacht auf Hepatitis-B-Infektion werden folgenden Laborwerte (Tab. 14.10) bestimmt:
  • Transaminasen (SGOT, SGPT)

  • Cholestaseenzyme (AP, γ-GT)

  • spezifische Antigene und Antikörper (HBs-Ag, HBe-Ag, Anti-HBe, Anti-HBc-IgG, Anti-HBc-IgM, HBV-DNA)

Die Diagnostik der Hepatitis B erfolgt serologisch und durch einen Virusgenomnachweis mittels PCR im Serum, wodurch dieses auch quantifiziert werden kann. Für Jugendliche, die über ihre eigene Infektiosität und die ihres Geschlechtspartners Bescheid wissen wollen, eignet sich Anti-HBc-IgM und -IgG als Screening.
Bei der akuten Hepatitis B ist im Serum des Patienten HBs-Ag nachweisbar. In der Regel wird auch HBe-Antigen vier bis sechs Wochen nach der Exposition positiv. Mit etwa ein bis zwei Wochen Verzögerung wird Anti-HBc-IgM nachweisbar. Die Serokonversion von HBe-Ag zu Anti-HBe beginnt acht bis zwölf Wochen nach Erkrankungsbeginn. Es folgt die Serokonversion von HBs-Ag zu Anti-HBs. Der Nachweis von Anti-HBs kann mit der Elimination des Virus gleichgesetzt werden, in diesem Stadium gilt die Hepatitis B als ausgeheilt.
Als Anhalt für eine durchgemachte akute Hepatitis B gelten der positive Nachweis von Anti-HBs und Anti-HBc-IgM oder Anti-HBc-IgG bei negativem HBs-Ag und HBe-Ag.
Die chronisch persistierende Hepatitis-B-Infektion zeigt sich serologisch durch die Persistenz von HBs-Ag über einen Zeitraum von mehr als sechs Monaten. Die Serokonversion von HBs-Ag zu Anti-HBs findet bei chronischen Virusträgern nicht statt. Als Zeichen einer aktiven Virusreplikation dient HBe-Ag. HBc-Antikörper sind im Falle einer chronischen Hepatitis-B-Infektion vom IgG-Typ. Findet bei Patienten mit einer chronischen Hepatitis B eine Serokonversion von HBe-Ag zu Anti-HBe statt, ist davon auszugehen, dass die Virusreplikation deutlich abnimmt. Damit geht meist ein Rückgang der Virusgenommenge unter die Nachweisbarkeitsgrenze einher. Diese Patienten werden als chronische Träger des HBs-Ag bezeichnet.

Konventionelle Prophylaxe und Therapie

Bei der akuten Hepatitis beschränkt man sich auf unterstützende Maßnahmen. Im Fall eines fulminanten Leberversagens gestaltet sich die Therapie entsprechend den Leitlinien bis hin zur Lebertransplantation.
Bei der chronischen Hepatitis B ist eine sichere kausale Therapie nach wie vor nicht verfügbar. Immunsuppressive Medikamente können eine Chronifizierung induzieren oder die Erkrankung verschlechtern. Ziel einer effektiven Therapie muss die Serokonversion von HBs-Ag zu Anti-HBs sein. Dies wird nur in sehr wenigen Fällen erreichbar sein.
Die Therapie der chronischen Hepatitis B besteht in einer sechsmonatigen Interferon-TherapieInterferonHepatitis B, womit bei 50–60 % der Patienten eine dauerhafte Viruselimination erreicht werden kann. Hepatitis BInterferontherapieEine Behandlungsindikation für HBe-Antigen-positive Kinder besteht bei Transaminasen, die auf über das Doppelte erhöht sind, oder bei einer histologisch nachgewiesenen chronisch persistierenden oder chronisch aggressiven Hepatitis. Neben Interferon alpha stehen „off-label“ die Nukleosid-Analoga Lamivudin und Adefovir zur Verfügung, die die Komplikationsrate der Hepatitis B um ein Vielfaches senken können. Ein virologisches Ansprechen wird jedoch nur bei 10–25 % der Kinder erzielt (Cornberg et al. 2011). Auch bei einer fulminant verlaufenden Hepatitis B ist die Behandlung mit Nukleosid-/Nukleotid-Analoga zu erwägen.
Adjuvante Effekte sind durch Einnahme von Kräutertees aus der Traditionellen Chinesischen Medizin möglich, bei Kindern gibt es hierzu jedoch bisher keine Studien (Liu 2003b).
Jeder HBs-Antigen-Träger ist potenziell infektiös. Eine Hepatitis-B-Infektion stellt jedoch wegen des ausschließlich parenteralen Übertragungswegs keinen Grund dar, ein Kind vom Kindergarten oder der Schule auszuschließen.
Schwangere werden vor der Entbindung auf HBs-Ag untersucht, Kinder einer HBs-Antigen-positiven Mutter sollten innerhalb der ersten zwölf Stunden postpartal eine aktive und passive Immunisierung beginnen. So kann das Risiko einer Hepatitis-B-Infektion des Neugeborenen auf unter 6 % gesenkt werden.
Die aktive Immunisierung ist seit 1995 Teil der generellen Impfempfehlungen der STIKO. Rekombinante HBV-VakzineImpfungenHBV-Vakzine (HBs-Ag) führen bei Säuglingen und Kleinkindern in mehr als 97 % der Fälle zunächst zu einer suffizienten Immunantwort in Form von Anti-HBs-Antikörpern. Die Absicht der WHO, durch die taktische Impfmaßnahme bei Säuglingen einen Schutz für das Risikoalter nach der Pubertät aufzubauen, scheint jedoch nicht aufzugehen. In Ländern mit hoher Durchseuchung sind bei mehr als einem Drittel der Impflinge nach vierzehn Jahren kein Antikörper mehr messbar, in Industrieländern wie den USA liegt dieser Anteil wesentlich höher (AT 2002). Die Impfung scheint auch kaum einen Einfluss auf die Zahl chronischer Virusausscheider zu haben (Kretzschmar et al. 2009).
Zu klären sind Bedeutung und mögliche Entstehungsmechanismen von Impfnebenwirkungen. Zahlreiche Meldungen betreffen neurologische, rheumatologische und andere autoimmunologische Erkrankungen, Chronic fatigue syndrome sowie makrophagische Myofasziitis (Gherardi 2003, Zafrir et al. 2012). In der Diskussion sind auch etliche Todesfälle nach Impfung mit Sechsfachimpfstoffen (Keller-Stanislawski 2003).
Schon wegen der HIV-Gefahr geht für Jugendliche kein Weg vorbei an effektiven Barrieremethoden zur Verhütung von Geschlechtserkrankungen. Durch entsprechende Aufklärung und Antikörpertestung jeweils beider Geschlechtspartner (HBV, HCV, HIV) kann auch ohne Impfung das Erkrankungsrisiko minimiert werden.

Homöopathische Behandlung

Zu den Repertoriumsrubriken und homöopathischen Arzneimitteln bei Hepatitis B 14.13.
Literatur (14.13)

Hepatitis C

Grundlagen

Hepatitis CDas Hepatitis-C-Virus, ein Flavivirus, wurde erst 1989 entdeckt und 1994 erstmals sichtbar gemacht. Man unterscheidet sechs Genotypen mit ihren jeweiligen Untertypen, wobei in unseren Breiten Genotyp 1a, 1b, 2 und 3 vorherrschen. Der Genotyp scheint eine entscheidende Rolle für das Ansprechen auf eine Interferon-Therapie zu spielen, umstritten ist seine Bedeutung für den Verlauf der Hepatitis C.
Etwa 1–2 % der Weltbevölkerung sind chronisch mit HCV infiziert. In Deutschland kommt es jährlich zu geschätzten 5000 Neuinfektionen, bei Kindern liegt die Prävalenz bei 0,1–0,4 %. Früher wurde HCV v. a. durch Blut und Blutprodukte übertragen; seit dem Einsatz der PCR ist das Restrisiko bei Transfusionen auf unter 1:100 000 gesunken. Viele Erkrankungen findet man unter Drogenabhängigen, aber auch immer noch unter Hämophilen, Polytransfundierten und Dialysepatienten. Bei ca. 40 % der Erkrankten ist kein Erkrankungsweg auszumachen.
Bei Kindern überwiegt heute die vertikale Transmission durch HCV-infizierte Mütter mit einer Infektionsrate von etwa 3–8 %, egal ob das Kind vaginal oder durch Sectio entbunden worden ist. Weitere Gründe sind unbekannt. Die Rolle des Stillens bei der HCV-Übertragung wird derzeit noch sehr kontrovers diskutiert. Die Angaben für das Infektionsrisiko schwanken zwischen 0–1,5 %. Eine Koinfektion mit HIV scheint das Risiko der Übertragung zu erhöhen. Aus diesem Grund sollten Mütter darüber aufgeklärt, aber nicht vom Stillen abgehalten werden.
Klinik und Erkrankungsverlauf
Hepatitis CKlinikIn aller Regel verläuft die akute Hepatitis C inapparent und geht in einem hohen Prozentsatz (über 50–60 %) in einen chronischen Verlauf über. Sie scheint wesentlich langsamer voranzuschreiten als durch andere hepatotrope Viren verursachte Hepatitiden. Fluktuierende Transaminasenerhöhungen und eine vermehrte Abgeschlagenheit können ein Hinweis auf eine Hepatitis C sein. Extrahepatische Manifestationen der Hepatitis C wie Arthritis oder Glomerulonephritis sind sehr selten.
Die Serumtransaminasen korrelieren schlecht mit der Progredienz der Erkrankung, die letztlich nur histologisch beurteilt werden kann.
Prognose
Die HCV-Infektion stellt auch im Kindesalter ein noch schwer einzuschätzendes gesundheitliches und gesundheitsökonomisches Problem dar. Aufgrund ihres meist asymptomatischen Verlaufs bleibt sie lange unentdeckt. Betrachtet man einzelne ausgewählte Risikokollektive, stellen sich bei Patienten, die vor 1991 mit Blut- oder Blutderivaten behandelt werden mussten, erschreckende Infektionsraten dar. Bei diesen Patienten, die im frühen Kindesalter infiziert wurden, scheint die Infektion jedoch wesentlich langsamer voranzuschreiten als bei Infektionen im Erwachsenenalter. Kinder, die im frühen Alter durch Transfusionen infiziert wurden, zeigen eine höhere Rate an Spontanheilungen (25–40 %) und eine sehr niedrige Zirrhoserate im Vergleich zu Erwachsenen. Es muss aber damit gerechnet werden, dass die Infektion im Kindesalter zwar gutartiger verläuft, aber unter Umständen die Langzeitfolgen der HCV-Infektion (Leberzirrhose und hepatozelluläres Karzinom) erst im späteren Erwachsenenalter zum Tragen kommen.
Diagnostik
Bei Verdacht auf Hepatitis-C-Infektion werden folgenden Laborwerte bestimmt:
  • Transaminasen (SGOT, SGPT)

  • Cholestaseenzyme (AP, γ-GT)

  • Spezifische Antigene und Antikörper (Anti-HCV, HCV-RNA). Genotypisierung der Virus-RNA, LKM-1-Autoantikörper.

Die Infektiosität der Hepatitis C wird mit der Bestimmung der HCV-RNA beurteilt. Die Erkrankung wird prinzipiell parenteral übertragen, kann jedoch im Vergleich zur Hepatitis B als weniger infektiös eingestuft werden.
Bewertung:
  • Anti-HCV: spricht für einen Kontakt mit dem Hepatitis-C-Virus.

  • HCV-RNA: zeigt eine manifeste Virusreplikation und bei wiederholtem Nachweis innerhalb von drei bis sechs Monaten eine chronische Erkrankung.

  • Bei immunsupprimierten Patienten kann Anti-HCV fehlen.

Konventionelle Prophylaxe und Therapie

Durch die Zulassung von direkt antiviral wirksamen, sehr teuren Medikamenten gegen verschiedene Proteine des Hepatitis-C-Virus (HCV) wurde die Möglichkeit einer hocheffektiven, interferonfreien Kombinationstherapie mit relativ kurzer Therapiedauer für alle Patienten mit einer chronischen Hepatitis-C-Virusinfektion (HCV) eröffnet. Bei Erwachsenen werden durch Virostatika-Kombinationen Hepatitis CVirostatika-Kombinationeninzwischen virologische Ansprechraten von wenigstens 95 % erreicht (Sarrazin et al. 2012). Für die Therapie der chronischen Hepatitis C im Kindesalter gelten noch keine einheitlichen Richtlinien.
Die phytotherapeutischePhytopharmakaHepatitis Begleitbehandlung mit Glycyrrhiza glabra (Süßholz), Silymarin (Mariendistel) oder Tees aus der Traditionellen Chinesischen Medizin scheint teilweise einen positiven Effekt auf Leberfunktion und Virusclearance sowie einen Schutz vor Nebenwirkungen der Interferontherapie zu vermitteln, es gibt jedoch bisher keine Therapiestudien bei Kindern (Bean 2002, Liu 2003a).
Derzeit ist ein Aktiv- oder Passivimpfstoff nicht in Sicht, sodass eine gezielte Aufklärung der Infizierten und Familien essenziell wird, um so eine Weiterverbreitung des Virus zu verhindern. Insbesondere Jugendliche sollten über die Infektionsrisiken wie Drogenabusus oder ungeschützter Geschlechtsverkehr aufgeklärt werden.
Eine Hepatitis-C-Infektion stellt keinen Grund dar, ein Kind vom Kindergarten oder der Schule auszuschließen.
Unterstützende Maßnahmen: Trotz geringen Krankheitsgefühls sollte auf Bettruhe und weitgehende körperliche Schonung geachtet werden. Während der akuten Krankheitsphase sollten potenziell hepatotoxische Medikamente (Paracetamol, Acetylsalizylsäure etc.) und Alkohol vermieden werden. Eine spezielle Diät ist nicht sinnvoll.

Homöopathische Behandlung

Zu den Repertoriumsrubriken und homöopathischen Arzneimitteln bei Hepatitis C 14.13.
Literatur (14.13)

Homöopathische Behandlung der Hepatitiden

Die Hepatitiden verlaufen im Kindesalter meist symptomarm oder überhaupt asymptomatisch und zeigen eine mehr oder weniger ausgeprägte Tendenz zur Spontanheilung. Als verwertbare Symptome der Erkrankung findet man außer gelblichen Skleren, dunklem Urin, hellen Stühlen und Appetitlosigkeit nicht viel.
Chronische Verlaufsformen zeigen, dass es individuelle Faktoren gibt, welche die Erkrankung in Richtung einer Chronifizierung mit all den gravierenden Folgeerkrankungen oder in Richtung einer Ausheilung beeinflussen können. Hier entfaltet die Homöopathie ihre Stärke. Sarter et al. veröffentlichten 2012 zwei Fallberichte über die erfolgreiche Homöotherapie der Hepatitis B nach Versagen der konventionellen Therapie mit Interferon bzw. Lamivudin.
Es ist klar, dass bei Patienten mit einer chronischen Erkrankung eine konstitutionelle Arznei gefunden werden muss. Mezger erwähnt, dass in seiner Behandlung der chronischen Hepatitiden (v. a. Erwachsener) am häufigsten die Magnesiumsalze, Antimonium crudum und Mandragora zur Anwendung gekommen sind. Außer zu den unten angeführten Rubriken lohnt sicher auch ein Blick in das Kapitel „Bauchschmerzen“.
Folgende Repertoriumsrubriken stecken den Rahmen für die Arzneiwahl zur Behandlung der akuten und chronischen Hepatitis sowie deren Komplikationen ab.
Repertoriumsrubriken
RepertoriumsrubrikenHepatitisDie Rubriken gehen auf das Complete Repertory (Millenium) zurück.
→Abdomen – Entzündung, Peritonitis, Enteritis – Leber, Hepatitis (153): ars, bell, chel, lyc, nat-s, nux-v, …
→Abdomen – Entzündung, Peritonitis, Enteritis – chronisch – Leber (35): lyc, nat-s, …
→Abdomen – Leber und Leberregion, Beschwerden von (195): berb, bufo, carbn-s, card-m, chel, iod, lept, podo, …
→Abdomen – Leber und Leberregion, Beschwerden von – empfindlich gegen Druck oder Berührung (41): aesc, aloe, bell, berb, bry, card-m, chel, chin, chion, dig, eup-p, iris, kali-c, lach, lyc, mag-m, merc-d, nux-v, podo, …
→Abdomen – Schmerzen – allgemein – Leber – Druck – agg. (34): chin, hydr, lach, mag-m, …
→Abdomen – Schmerzen – allgemein – Leber – erstreckt sich – Rücken, zum (15): chel, lyc, mag-m, …
→Abdomen – vergrößert – Leber (94): chin, lyc, mag-m, nat-s, nux-v, …
→Auge – Verfärbung – gelb (100): chin, crot-h, lach, nux-v, sep, …
→Haut – Verfärbung – gelb, Gelbsucht, Ikterus (191): acon, card-m, chel, chin, chion, con, crot-h, iod, lach, lyc, merc, nat-s, nit-ac, nux-v, phos, plb, sel, sep, …
→Stuhl – Farbe – weiß – Kreide, wie (32): calc, podo, sanic, …
→Stuhl – Farbe – hell (86): ars, borx, calc-c, card-m, chel, chin, dig, lyc, merc, phos-ac, sanic, sil, tab, …
→Abdomen – Leberzirrhose (71): card-m, cupr, diosm, hep, hydr, mur-ac, phos, …
→Abdomen – Karzinom – Leber (26): ars, kreos, …
Homöopathische Arzneimittel
Aconitum napellus
#Aconitum napellusHepatitisAkute Hepatitis, mit hohem Fieber. Brennende, stechende Schmerzen oder Berührungsempfindlichkeit im Leberbereich. Trockene Hitze, großer Durst, rotes Gesicht, glasige Augen, Unruhe und schrecklich quälende Angst, Todesangst.
Aurum metallicum
#Aurum metallicumHepatitisLebergegend heiß und schmerzhaft. Chronische Hepatitis, mit Lebensüberdruss, Selbstmordgedanken, Antriebslosigkeit. Leberatrophie. Begleitnephritis, Ödeme. Syphilitische Kinder.
Belladonna
#BelladonnaHepatitisAkute Hepatitis. Fulminante Hepatitis. Akute Leberschmerzen, < Berührung (selbst der Bettdecke), Bewegung, beim Atmen, im Liegen. Schluckauf als auffallendes Begleitsymptom. Der Bauch ist gebläht und ganz heiß. Sehr empfindlich gegen Licht, Geräusche und geringste Erschütterung. Sehr unruhig, aufgeregt, lautstark. Erweiterte Pupillen, glänzende Augen. Heißer Kopf, rotes Gesicht, kalte Glieder. Verlangen nach Limonade oder Zitronen.
Bryonia alba
Hepatitis#Bryonia albaHepatitis mit Ikterus. Leberschmerz, < Atmen, Bewegung, Erschütterung, Husten; > Liegen auf der rechten Seite. Große Übelkeit, muss erbrechen beim Liegen auf der rechten Seite. Schwindel.
Calcium carbonicum
#Calcium carbonicumHepatitisLebergegend schmerzhaft, < Bücken. Leberatrophie. Kreideartige Stühle. Körpergeruch sauer. Meist ruhige, stille und zufriedene Säuglinge. Vom Aspekt her dick, rund und pastös; ausgeprägte Schweißneigung (im Schlaf und beim Stillen), v. a. am Hinterkopf. Großer Kopf und dicker, harter Bauch. Hände und Füße sind meist feucht-kalt. Oft ist die Entwicklung etwas verzögert.
Carduus marianus
#Carduus marianusHepatitisSpannungs- oder Druckgefühl in der Leber, < beim Liegen auf der linken Seite. Epistaxis. Lehmfarbene Stühle. Urin goldgelb. Zahneindrücke der Zunge. Bitterer Mundgeschmack. Anfälle von Hitze und Frost, mit Ikterus.
Chelidonium majus
#Chelidonium majusHepatitisLeberschmerzen, die nach dorsal gehen oder festsitzender Schmerz am unteren Winkel des rechten Schulterblattes, oft > Essen. Begleitend Schwindel und Kopfschmerzen. Lethargisch, schläfrig und frostig. Müdigkeit schon nach geringer Anstrengung, Abneigung gegen Gespräche. Gesicht fahl, Zunge gelb mit Zahneindrücken. Verlangen nach Milch, warmen/heißen Speisen und Getränken. Übelkeit, > Milch. Urin reichlich, schäumend, gelb, wie Bier. Hautjucken, > Essen.
China officinalis
#China officinalisHepatitisDie Lebergegend ist hart und geschwollen, schmerzhaft bei Berührung und Druck. Starke Blähungen und unverdaute Stühle. Blass, fahl, schwach. Abgemagerte und kachektische Kinder. Überreizt und überempfindlich gegen alle Sinnesreize. Periodische Schmerzen. Blutungsneigung.
Dolichos pruriens
#Dolichos pruriensHepatitisFürchterliches Jucken bei Gelbsucht; > kaltes Wasser. Farbloser Stuhl. Hepatitis mit quälender Schlaflosigkeit.
Lycopodium clavatum
#Lycopodium clavatumHepatitisAkute und chronische Hepatitis, Leberatrophie, Leberzirrhose, Aszites, Leberkarzinom. Spannungsgefühl und Berührungsempfindlichkeit im Bereich der Lebergegend, < Kleiderdruck. Spannen wie von einem Band oder Reifen um die Taille. Schmerzen ziehen von rechts nach links. Starke und geräuschvolle Blähungen; < Wärme, 3:00–4:00 Uhr und 16:00–20:00 Uhr. > Warme Getränke, warmes Essen, Aufstoßen. Fröstelig, verlangt trotzdem nach frischer Luft. Ehrgeizige, egoistische Kinder, die zu Hause sehr bestimmend und herrschsüchtig, auswärts jedoch brav sind. Mangelndes Selbstvertrauen, häufig kompensiert. Angst vor neuen Situationen und vor dem Alleinsein, feige. Morgens, nach dem Erwachen übellaunig und gereizt. Hungergefühl, das schon nach wenigen Bissen gesättigt ist. Erwacht nachts mit Hunger. Unverträglichkeit von Zwiebeln, blähenden Speisen und Mehlspeisen. Verlangt nach Süßem. Frühreife, schwächliche Kinder.
Magnesium muriaticum
#Magnesium muriaticumHepatitisLeber schmerzhaft und vergrößert < Berührung, Gehen, Seitenlage; > Rückenlage. Schmerz erstreckt sich zum rechten Schulterblatt; < Liegen auf der rechten Seite, Milch und salzige Speisen, nach dem Mittagessen. Blasse, gelbliche Gesichtsfarbe. Zunge schlaff, geschwollen, breit, gelb, an Spitze und Rändern sauber, mit Zahneindrücken. Aufstoßen mit Geschmack nach fauligen Eiern. Stuhl: unverdaut nach Milch, trocken, wie Schafkot. Verlangen nach Naschereien. Furcht bei Lebererkrankungen (podo).
Mandragora
#Mandragora, HepatitisLeberschmerzen, > Rückwärtsbeugen, Essen. Empfindlich auf Geräusche und Gerüche. Fröstelig. Kopfschmerzen bei leerem Magen.
Mercurius dulcis
#Mercurius dulcisHepatitisSehr blass. Skrofulöse Kinder mit geschwollenen Lymphknoten. Foetor ex ore. Zahneindrücke der Zunge. Leberzirrhose.
Natrium sulfuricum
#Natrium sulfuricumHepatitisLebergegend empfindlich und schmerzhaft; < Berührung, tief Atmen, Erschütterung, Ärger. Schweregefühl und Zerren in der Lebergegend, < Liegen auf der linken Seite. Muss auf der rechten Seite liegen und die Beine anziehen. Kollern und Gären in den Gedärmen; morgendliche, plötzliche, evtl. aus dem Bett treibende, geräuschvoll herausspritzende Stühle. Gelbliche Sekretionen. Gesicht gelb, blass, kränklich, juckend. Neben Lycopodium Hauptmittel bei chronischer Hepatitis. < Feuchtigkeit, feuchte Wohnungen, feuchtes Wetter. Sehr verdrießlich, wünscht, nicht angeredet zu werden. Sykotische Kinder.
Nux vomica
#Nux vomicaHepatitisLeber schmerzhaft und empfindlich < Berührung, Bewegung. Leber vergrößert, feinstechende Schmerzen. Übelkeit, mit vergeblichem Erbrechen. Gereizt und überempfindlich gegen sinnliche Eindrücke; < starke Gerüche, helles Licht, Lärm, beengende Kleidung. Wund- und Zerschlagenheitsgefühl im Bauch.
Phosphorus
#PhosphorusHepatitisAllmählich fortschreitende Schwäche. Akute Hepatitis. Schwere Komplikationen wie fulminante Hepatitis, akute gelbe Leberatrophie, Zirrhose, hepatozelluläres Karzinom, Ödeme. Blutungsneigung (Epistaxis, Hämophilie-Kinder). Bauchschmerzen, > Liegen auf dem Bauch, Wärme (warmes Tuch am Bauch); < Liegen auf der (rechten) Seite, Gehen. Reibt sich den Bauch, um Linderung zu erfahren. Kältegefühl und Kälte im Bauch; starkes Leeregefühl im Epigastrium oder im ganzen Abdomen. Verlangen nach eiskalten Getränken, die bessern, aber nach kurzer Zeit wieder erbrochen werden. Verlangen nach Eiscreme, Salz, Saurem und Pikantem. Große Empfindlichkeit auf alle Sinneseindrücke. Hoch aufgeschossene, schlanke, zarte Kinder mit sanguinischem Temperament. Viele Ängste.
Plumbum metallicum
#Plumbum metallicumHepatitisHepatitis mit dem Gefühl, als würde der Nabel nach innen gezogen. Schmerzen, die in alle Körperteile ausstrahlen; > Druck, Reiben. Abdomen gespannt oder eingezogen. Abdominelles Hitzegefühl.
Podophyllum
#PodophyllumHepatitisEmpfindliche, schmerzhafte Leber, > Reiben in der Lebergegend (phos). Reichlich faulig stinkende Stühle, die schmerzlos in einem Schwall abgehen. Schwindel, ruheloser Schlaf, Furcht bei Lebererkrankungen.
Pulsatilla pratensis
#Pulsatilla pratensisHepatitisHepatitis mit wechselhaften Stühlen, keine zwei Stühle sehen gleich aus; oder grünlich-schleimiger Durchfall, wie Galle; < gegen Abend oder nachts. Ängstlich, fröstelig, ohne Durst, kurzatmig. Weinerliche Stimmung, anhänglich.

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