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B978-3-437-56313-3.00006-6

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Fieberhafte Erkrankungen

Maria Bormann

Fieber und fieberhafte Infekte

Grundlagen

Im Kindesalter ist InfektionenfieberhafteFieber eine unspezifische Allgemeinreaktion bei sehr vielen akut-entzündlichen Erkrankungen, hervorgerufen durch bakterielle oder virale Infektionen. Es ist das häufigste Krankheitssymptom in der Pädiatrie.
Die Körpertemperatur ist bei Kindern durchschnittlich höher als bei Erwachsenen. Insbesondere abends und nach körperlicher Aktivität sind Temperaturen um 38 °C keine Seltenheit. Unter Umständen empfiehlt sich eine Kontrollmessung nach 30 Minuten Ruhigstellung.
Für das Kindesalter ist der rektalen Temperaturmessung immer noch der Vorzug zu geben, obwohl sie für die Kinder nicht angenehm ist. Die oral gemessene Temperatur liegt 0,3–0,6 °C niedriger als die rektal gemessene. Periphere Messungen, wie Stirn- und Ohrtemperaturmessungen, axilläre oder orale Messungen sind leichter zu handhaben und angenehmer für die Kinder, jedoch unzureichend sensitiv (Niven et al. 2015). Die Ohrtemperaturmessung ist in Ausnahmefällen nach guter Säuberung des Ohrs eine vertretbare Alternative zur Rektalmessung (Wienecke et al. 2001).

Ätiologie und Klinik

Fieber wird definiert als eine Erhöhung der rektal gemessenen Körpertemperatur auf über 38 °C. Fieber entsteht, wenn endogene Pyrogene (besonders Interleukin) durch die Aktivierung des Immunsystems freigesetzt werden. Dadurch kommt es zur Erhöhung des Sollwertes der Körpertemperatur im Hypothalamus. Es folgt eine Vasokonstriktion oder Zentralisation mit kalten Extremitäten und hoher Kerntemperatur.
Abgesehen von entzündlichen Erkrankungen können auch starker Flüssigkeitsverlust v. a. bei kleinen Kindern (Durstfieber) und psychische Einflüsse (z. B. Heimweh) zur Temperaturerhöhung führen.
Die häufigsten Fieberursachen im Kindesalter sind:
  • Akute Infekte der oberen Atemwege (Otitis media, Rhinitis, Sinusitis, Tonsillitis, Pharyngitis)

  • Bronchitis, Pneumonie

  • Kinderkrankheiten (Scharlach, Influenza, Adeno- oder Coxsackie-Virusinfektionen, infektiöse Mononukleose, Varizellen, Exanthema subitum)

  • Akute Gastroenteritis

  • Harnwegsinfekt

Seltenere, aber gefährliche Fieberursachen sind Meningitis, Meningoenzephalitis, Osteomyelitis, Sepsis, Leukämie. Eine Rarität im normalen Praxisalltag sind Hepatitis, Borreliose, Tuberkulose, Kawasaki-Syndrom, Endokarditis, Autoimmunkrankheiten und Tropenerkrankungen. Iatrogenes Fieber kann durch Medikamente, und Impfungen ausgelöst werden.

Fieberverlauf und Fiebertypen

Fieber kann unterteilt werden nach dem Ausmaß der Temperatursteigerung und dem Verlauf: FieberFiebertypen
  • Ausmaß der Temperatursteigerung:

    • 37,5–38,5 °C leichte Temperaturerhöhung oder subfebrile Temperatur

    • 38,5–40 °C deutliches Fieber

    • 40,0–41,0 °C hohes Fieber

    • Über 41,0 °C Hyperthermie

  • Fieberverlauf: FieberFieberverlauf

    • Zweigipfliges Fieber: Fieber – Entfieberung – Fieber (z. B. bei Virusinfekten oder bei bakterieller Komplikation nach viralem Infekt 7.12)

    • Continua: hohes Fieber, meist über 39 °C, Tagesschwankungen bis 1 °C

    • Remittierendes Fieber: Tagesschwankungen über 1–2 °C; die Temperaturminima erreichen nicht den Normalbereich

    • Intermittierendes Fieber: Tagesschwankungen über 2 °C, dabei Wechsel zwischen Fieberspitzen und Normaltemperatur

    • Undulierendes Fieber: Wellenförmiger Temperaturverlauf über Tage bis Wochen mit fieberfreien Perioden (z. B. Morbus Hodgkin)

    • Septisches Fieber: Wechsel zwischen sehr hohen Temperaturen (bis über 40 °C) und normalen oder erniedrigten Temperaturen

    • Periodisches Fieber: Fieberschübe in größeren, regelmäßigen oder unregelmäßigen Abständen (z. B. Malaria, familiäres Mittelmeerfieber, zyklische Neutropenie)

Typische Fieberkurvenverläufe gibt es bei einigen Infektionskrankheiten wie z. B. Masern oder Exanthema subitum.
Den Fieberverlauf kann man nur dann in die Wahl des homöopathischen Mittels einbeziehen, wenn keine äußeren fiebersenkenden Maßnahmen angewendet werden. Doch nicht nur wegen der homöopathischen Behandlung, sondern auch wegen der für das Immungeschehen wichtigen Funktion des Fiebers raten wir von einer routinemäßigen Fiebersenkung aus folgenden Gründen ab:
  • Vermehrungs- und Lebensbedingungen für Viren und Bakterien sind ab 38,5 °C ungünstiger.

  • Die Antigenverarbeitung wird verbessert durch vermehrte Bildung von Antikörpern und Interferon sowie Beschleunigung der Phagozytose.

  • Fieberhafte Infekte trainieren das Abwehrsystem im weitesten Sinne. Es gibt Hinweise darauf, dass fieberhafte Infekte in der Kindheit im späteren Leben das Risiko für Krebs oder chronisch-destruktive Erkrankungen verringern (Albonico et al. 2001).

Dennoch glauben viele Eltern, dass Fieber eine Krankheit sei, die mit allen Mitteln bekämpft werden müsse. In einer Umfrage unter 340 Müttern und Vätern waren 91 % der Befragten der Meinung, dass Fieber gefährliche Folgen haben kann. 44 % bezeichneten eine Temperatur von 38,9 °C bereits als sehr hohes Fieber (Crocetti et al. 2001). Hier ist also viel Aufklärungsarbeit notwendig, die über die homöopathische Behandlung und Begleitung hinausgeht.

Diagnostik

Info

Es gehört zu den häufigsten Aufgaben des Kinderarztes, ein Kind mit Fieber zu untersuchen. Mittels Anamnese und körperlicher Untersuchung muss geklärt werden, ob es sich um einen harmlosen viralen Infekt, eine ernst zu nehmende bakterielle Infektion oder möglicherweise sogar um eine bedrohliche Erkrankung handelt.

Anamnese
Zu erfragen sind:
  • Beginn des Fiebers, Dauer und Verlauf

  • Weitere Symptome – seitens der Ohren, des Rachens, der Atmungsorgane, der Bauchorgane, des ZNS

  • Schmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Miktionsstörungen, Auffälligkeiten von Stuhl oder Urin

  • Bisher eingenommene Medikamente

  • Mögliche Infektionsquellen in der Umgebung des Kindes

  • Vom Kind bereits durchgemachte Infektionen oder andere entzündliche Erkrankungen

  • Vor der Krankheit stattgefundene Auslandsreisen

  • Vorliegender Impfschutz

Körperliche Untersuchung
Wird beim vollständig entkleideten Kind durchgeführt. Dazu gehören die Inspektion und Palpation der Haut sowie die Untersuchung von Thorax, Abdomen, HNO-Bereich, Extremitäten (Arthritis? Osteomyelitis?), Lymphknoten und Zentralnervensystem (Meningismus?).
Bei unklarem Fieber können Zusatzuntersuchungen notwendig sein, um den Zustand des Kindes besser einzuschätzen:
  • Urinuntersuchung

  • Differenzialblutbild

  • CRP-Schnelltest: Zur Orientierung sehr gut geeignet, da er schnell durchgeführt werden kann und nur wenige Tropfen Kapillarblut notwendig sind.

  • Ggf. Procalcitonin (PCT)

Mit diesen Untersuchungen ist in 80–90 % aller Fälle die Klärung der Fieberursache möglich. Bei den verbleibenden Kindern muss nach dem Allgemeinbefinden entschieden werden, ob der weitere Verlauf und die Wirkung der homöopathischen Therapie abgewartet werden können oder ob Spezialuntersuchungen bzw. eine Klinikeinweisung zur Abklärung und Behandlung notwendig sind.

Konventionelle Therapie

Fieberhafte Infekte werden in der konventionellen Medizin auch heute noch oft mit Antipyretika wie ParacetamolParacetamolFieber oder IbuprofenIbuprofen, Fieber „behandelt“. AcetylsalicylsäureAcetylsalicylsäureFieber gilt bei Kindern wegen der möglichen Auslösung eines Reye-SyndromsReye-Syndrom als kontraindiziert.
In den Leitlinien wird der routinemäßige Einsatz von AntipyretikaAntipyretika nicht mehr empfohlen. Wichtig ist eine ausreichende enterale oder parenterale Flüssigkeitszufuhr. Der Einsatz von Antipyretika ist nur noch bei folgenden Gegebenheiten angezeigt:
  • Sehr hohes Fieber

  • Starke Beeinträchtigung des Kindes

  • Fehlende Flüssigkeitsaufnahme

Eine kausale Therapie viraler Infekte gibt es bis auf seltene Ausnahmen (Herpes simplex, Varicella zoster) nicht. Bei bakteriellen Infektionen werden Antibiotika eingesetzt – bei korrektem Vorgehen erst nach Entnahme bakteriologischen Materials wie z. B. Rachenabstrich, Urin, Blutkultur.
Leider werden immer noch zu häufig unter dem Vorwand eines „Schutzes vor bakterieller Superinfektion“ Antibiotika verabreicht. Die prophylaktische Behandlung mit Antibiotika ist jedoch nur in wenigen Ausnahmefällen indiziert, etwa bei rezidivierenden Harnwegsinfekten im Kindesalter.

Unterstützende Behandlung

In der Komplementärmedizin werden folgende Maßnahmen bei Fieber empfohlen:
  • Entlastung des Organismus durch Bettruhe, Abschirmung von Außenreizen.

  • Für Zufuhr von frischer Luft Sorge tragen.

  • Vermeiden von Überwärmung, v. a. bei Säuglingen. Nur leicht zudecken, bei sehr hohem Fieber auch keine Plastikwindeln. Keine warmen Bäder.

  • Ausreichende Zufuhr von Flüssigkeit, z. B. Tee oder verdünnte Fruchtsäfte. Bei Trinkschwäche oder Erbrechen sind auch Einläufe mit kühlem Kamillentee möglich.

  • Nicht zum Essen zwingen, aber auch nicht hungern lassen. Leichte Kost zur Entlastung der Stoffwechselorgane: Frisches Obst, Haferschleim, Reisschleim, Suppe, Zwieback.

  • Anregung des Schwitzens durch schweißtreibende Tees, z. B. Lindenblüten-, Holunderblüten- und Schlehenblüten-Tee. Durch das Schwitzen wird die Ausscheidung von Giften über die Haut angeregt und die Zirkulation der Gewebsflüssigkeit erhöht.

  • Bei hohem Fieber, Unruhe oder Apathie Ableitung des Fiebers durch physikalische Maßnahmen wie z. B.:

    • Kalte Wickel an Stellen anbringen, an denen der Körper warm bzw. heiß ist, z. B. an den Unterschenkeln (Wadenwickel), vorsichtige kühle Abwaschungen vornehmen.

    • Kalte bis zimmerwarme Einläufe mit einem Gummiklistier (Ohrspritze) durchführen: 70–125 ml kaltes bis zimmerwarmes Wasser beim Säugling, 125–250 ml beim älteren Kind.

Homöopathische Behandlung

Die Ergebnisse der modernen Fieberforschung ermutigen uns dazu, Fieber als eine sinnvolle, natürliche Maßnahme des Organismus anzusehen und mit homöopathischen Mitteln zu begleiten. Wichtig ist es weiterhin, den betreuenden Personen Rückhalt und Unterstützung zu geben, damit sie den Mut haben, das Fieber zu akzeptieren. Darüber hinaus muss der homöopathisch behandelnde Arzt den Fieber- und Krankheitsverlauf und die Belastbarkeit des Kindes immer wieder neu einschätzen, um Risiken zu vermeiden.
Es gibt Ausnahmesituationen, die fiebersenkende Maßnahmen erfordern, etwa zunehmende Unruhe oder Apathie, Krampfbereitschaft oder Trinkschwäche mit Gefahr der Exsikkose.
Die Art der Erreger bzw. die genauere Bezeichnung der Krankheit ist für die homöopathische Mittelwahl nicht ausschlaggebend. Wie immer wird das Spezielle, das Besondere in einem vorliegenden Fall gesucht. Wichtig sind also:
  • Art, Dauer, Höhe, Tagesschwankungen des Fiebers

  • Zusätzliche Äußerungen oder Symptome des Kindes

  • Auch scheinbar harmlos wirkende Begleiterscheinungen

Je besser die Mutter ihr Kind beobachtet und beschreiben kann, umso leichter lässt sich ein homöopathisches Simile finden. Folgende Beispiele sollen zeigen, wie unterschiedlich „normales Fieber“ erlebt und beobachtet werden kann: Manche Kinder wollen abgedeckt liegen, andere bis zum Hals zugedeckt sein. Einige trinken sehr viel, andere lehnen Getränke ab. Sie können viel oder wenig Flüssigkeit ausscheiden. Fiebernde Kinder können an bestimmten Körperstellen schwitzen oder auch frieren. Der Schweiß kann warm, kalt, geruchsintensiv oder klebrig sein. Kopf und Stamm können warm oder heiß sein, Füße und Hände dagegen eiskalt etc.
Störend für die gute Erfassung von Fiebersymptomen sind im Allgemeinen Antipyretika und Komplexmittel. Durch diese können wichtige Symptome unterdrückt werden.

Repertoriumsrubriken

In den RepertoriumsrubrikenFieberRepertorien ist eine große Anzahl von Mitteln aufgeführt, die den verschiedensten Fieberzuständen und -umständen zugeordnet werden. Fiebersymptome sind an vielen Stellen des Repertoriums zu finden – sicherlich nicht immer logisch nachvollziehbar. Das liegt u. a. an historischen Entwicklungen und an der Tatsache, dass Symptome und Krankheiten bezüglich ihrer Zuordnung, Definition und Wertung einem Wandel unterworfen sind.
  • Schüttelfrost oder Zittern als häufige Stadien vor dem Fieberanstieg sind in der Rubrik → Frost, Kälte zu finden.

  • Die eigentliche Fieberrubrik ist mit → Fieber, Hitze überschrieben. Hitze und Fieber sind hier identisch.

  • Mittel für hohes Fieber sind in der Rubrik → Intensive Hitze aufgeführt.

  • Unter → Fieber, Hitze sind ausführlich alle Fieberstadien genannt.

  • Unter → Frost, Kälte findet man in den Unterrubriken → Periodizität, → Quotidiana (Frost jeden Tag wie z. B. bei Malariaerregern), → Tertiana (jeden zweiten Tag Frost), → Quartana (jeden dritten Tag Frost) sowie → Malaria tropica.

Info

„Hitze“ und „Fieber“ bezeichnen das subjektive Hitzegefühl und werden im Repertorium weitgehend synonym gebraucht. „Frost“ ist das subjektive Kältegefühl während des Fieberanstiegs.

Im Repertorium sind auch Begriffe aufgelistet, die heute nicht mehr üblich sind:
  • Zymotisches Fieber: Fieber bei Eiterungsprozessen im Körper

  • Hektisches Fieber: Fieber bei Tuberkulose

  • Septisches Fieber: Fieber mit morgens niedrigen und abends hohen Temperaturen

  • Reizfieber = nervöses Fieber (geht auf C. Hering zurück): Typhus

  • Ausschlagfieber: Fieber bei exanthematösen Erkrankungen (Masern, Scharlach)

  • Gastrisches Fieber: Fieber mit Magen- oder abdominalen Symptomen wie Erbrechen, Übelkeit und/oder Durchfall

Leider besteht bezüglich des Aufbaus keine Einheitlichkeit unter den gängigen Repertorien. Für die praktische Arbeit spielt dies jedoch nur eine untergeordnete Rolle. Man kann mit jedem Repertorium gut arbeiten, wenn man sich eingehend mit ihm beschäftigt und die anfänglichen Schwierigkeiten überwunden hat. Sehr nützlich ist bei den Computer-Repertorien die Suchfunktion, mit der man nach Symptomen mit „Fieber“ und „Hitze“ suchen kann.
→Fieber – intensive Hitze – Delirium, im (29): apis, ars, bell, bry, nat-m, op, stram, …
→Gemüt – Teilnahmslosigkeit, Apathie, Gleichgültigkeit – Fieber – während (39): apis, op, ph-ac, puls, sep, stram, …
→Gemüt – Geschwätzigkeit, Redseligkeit – Fieber, während (29): coff, lach, stram, tub, …
→Kopf – Hitze – Kälte, mit – Hände, der (38): bell, glon, ip, …
→Kopf – Hitze – Kälte, mit – Füße, der (61): bell, calc, ferr, gels, …
→Frost – Einflüsse, durch äußere Kälte, Witterung etc. (42): acon, chin, nux-v, …
→Fieber – Exanthem – Windpocken, bei (33): bell, canth, rhus-t, …
→Frost – Frösteln – Bewegung agg. (31): arn, bry, calc, …
→Fieber – Stadien – Kälteschauer gefolgt von Hitze (21): bell, nux-v, sulph, …
→Fieber – Abdecken – amel. (23): cham, puls, …
→Allgemeines – Abdecken, entblößen – schlechter – Fieber, während (39): bry, nux-v, sil, …
→Fieber – septisches Fieber (51): carb-v, lach, merc, …
→Fieber – remittierendes Fieber – Säuglinge (24): acon, bell, cham, gels, ip, …
→Fieber – Zahnung agg.: (33): acon, bell, calc, cham, ferr-p, gels, nux-v, …
→Gemüt – Zorn, Ärger – Fieber, während (21): ars, cham, hep, lyc, sulph, …
→Allgemeines – Speisen und Getränke – Getränke, Abneigung – Hitze agg. (14): bell, hyos, nux-v, …

Praxistipp

Akut erkrankte Kinder bekommen sofort in der Praxis das angezeigte Mittel. Falls keine Besserung eintritt, wird es verkleppert nochmals gegeben. Treten andere Symptome auf oder kommt es zur Verschlechterung, muss ein Mittelwechsel erwogen werden.

Mit dem passenden homöopathischen Medikament muss man das Fieber nicht fürchten. Es ist erstaunlich, wie schnell Eltern ihre Ängste überwinden und Fieber akzeptieren lernen, wenn sie Überzeugung und Sicherheit beim Arzt spüren

Homöopathische Arzneimittel für plötzlich ansteigendes Fieber

Fieberplötzlich ansteigendesUnterteilung in plötzlich ansteigendes und langsam beginnendes Fieber (s. u.) ist eine kleine Hilfe, um möglichst schnell zu einem passenden Mittel zu kommen. Natürlich gibt es fließende Übergänge zwischen plötzlich und langsam erscheinendem Fieber und den entsprechenden Mitteln. Entscheidend für die Mittelwahl sind individuelle Auffälligkeiten, die über die Zeitcharakteristik hinausgehen.
Aconitum napellus
#Aconitum napellusFieberPlötzliches Fieber und Schmerzen aus völligem Wohlbefinden heraus. Ursache häufig kalter Wind, trockene Kälte oder Unterkühlung. Zahnungsfieber. Trockene Hitze, fehlende Schweißbildung. Wärme wird schlecht vertragen. Gesicht rot, z. T. beim Aufsetzen blass werdend (→ Gesicht – rot – Liegen, beim – blass beim Aufstehen, beim [4]: acon, puls, verat, verat-v); oder eine Wange rot, die andere blass (→ Gesicht – rot – einseitig – blaß, die andere rot [12]: acon, cham, cina, ip, nux-v, puls, …). Schneller, kräftiger Puls. Pupillen können eng sein. Angst bis Todesangst, sehr unruhig (→ Gemüt – Ruhelosigkeit – Fieber, während [51]: acon, ars, cham, puls, rhus-t, …), selbst im Schlaf. Durst auf kalte Getränke.
Mögliche körperliche Symptome: Unerträgliche Schmerzen, Schwindel, Kopfschmerzen, Heiserkeit bis Stimmlosigkeit, Krupp, Husten, Bauchschmerzen, Urinverhaltung bei Beginn der Erkrankung, Herzklopfen, Schüttelfrost, Kollapsneigung. < abends, nachts und um Mitternacht. > Frische Luft, Ruhe.
Nach der Gabe von Aconitum kann die Haut mit Schweiß bzw. können die Schleimhäute mit einer Absonderung reagieren. Dann ist die Wirkung von Aconitum vorbei. Das heißt abwarten oder ein anderes, jetzt angezeigtes Mittel verabreichen.
Apis mellifica
#Apis mellificaFieberHeftige akute Zustände, deliranter bis stuporöser Zustand (→ Gemüt – Bewusstlosigkeit – Fieber, während [66]: acon, arn, mur-ac, nat-m, op, …), schrilles Schreien. Fieberhöhepunkt am Nachmittag. Schmerzen sehr stark brennend und stechend.
Apis-Patienten decken sich ab, sogar im Stadium des Frostes; verlangt nach Frischluft (→ Fieber – Zimmer, warmes – agg. [27]: apis, bry, ip, lyc, puls, sulph, …). Kein Durst, gleichzeitig verminderte Harnausscheidung (→ Urin – vermindert – Fieber, während [28]: apis, ars, puls, …). Urtikaria (→ Haut – Hautausschläge – Urtikaria – Fieber, während [14]: apis, ign, rhus-t, sulph, …). Ödematöse, rosafarbene Haut- und Schleimhautschwellungen, z. B. im Bereich des Rachens, des Zäpfchens. < Wärme, warme Umschläge, Druck, > frische Luft, kaltes Wasser.
Belladonna
#BelladonnaFieberAuslöser oft feuchte Kälte, Zugluft, kalter Wind, Unterkühlung oder Überhitzung. Fieberbeginn nachmittags oder abends. Zunächst brennende und trockene Hitze, dann aber evtl. auch Schweiß. Heißer Kopf, kalte Extremitäten. Rotes Gesicht, Glänzende Augen, rot injiziert, weite Pupillen (→ Augen – Erweiterung, Pupillen – Fieberhitze, während [18]: apis, bell, cina, …).
Überempfindlichkeit aller Sinnesorgane. Geräusche, Licht, leiseste Berührung, Erschütterungen werden kaum ertragen. Benommenheit, Delirium, Halluzinationen, Fieberphantasien; das Kind sieht Gespenster, Geister, Schlangen oder grässliche Tiere. Weinerliche Stimmung (→ Gemüt – Weinen – Fieberhitze, während [27]: acon, bell, puls, spong, …).
Körperliche Symptome: Sehr heftige, klopfende oder pulsierende Schmerzen, die plötzlich kommen und gehen. Trockene Schleimhäute, bellender Husten, Reizhusten, stark geröteter Rachen, Kopfschmerzen, Schlafstörungen mit Zusammenzucken im Schlaf, Auffahren mit Schreien. Durst, manchmal auch wenig Verlangen nach Getränken. < abends, nachts, Erschütterung, > Ruhe, im warmen Zimmer.
Chamomilla
#ChamomillaFieberSehr unruhige Kinder, können nichts ertragen, regen sich über jede Kleinigkeit auf (→ Gemüt – Gemütserregung, Anspannung – Frost, während [36]: acon, cham, coff, …), wissen nicht, was sie wollen, können jähzornig sein (→ Gemüt – Ungeduld – Hitze, Fieberhitze, während [15]: cham, ip, nat-m, nux-v, puls, …). Sie schreien auch bei weniger starken Schmerzen lautstark, verlangen die Anwesenheit der Mutter, stoßen sie dann wieder zurück.
Schmerzhafte Blähungskoliken, heißer Schweiß, manchmal eine Wange rot und warm, die andere blass. Fiebergipfel vormittags (nat-m, …). Hilfreiches Mittel bei Fieber in der Zahnungszeit. < Wärme, nachts, beim Anschauen und Untersuchen, > Bewegung, Herumtragen oder Autofahren.
Ferrum phosphoricum
#Ferrum phosphoricumFieberÄhnliche Symptome wie Aconitum und Belladonna, jedoch in abgeschwächter Form. Temperaturen selten über 39,5 °C. Blutandrang zum Kopf weniger ausgeprägt.
Rötung der Wangen schärfer von der umgebenden Haut abgegrenzt. Nasenbluten. Das Gesicht kann auch Wechsel von Blässe und Röte zeigen. Haut sehr trocken, nächtliches Schwitzen. Das Kind scheint trotz des Fiebers wenig beeinträchtigt. Schmerzen (z. B. Ohr) haben wellenförmigen Charakter: Wechsel zwischen heftigen Schmerzen und ruhigem, braven, geduldigen Verhalten. Puls weich, leicht unterdrückbar, < nachts, gegen Morgen, in Ruhe, > bei langsamer Bewegung.
Nux vomica
#Nux vomicaFieberDieses Mittel passt besonders gut (aber nicht ausnahmslos!) bei nervösen oder sehr gereizten Kindern (→ Gemüt – Reizbarkeit – Fieber – während [18]: bry, cham, gels nux-v, …). Mit beginnenden Schmerzen und/oder Fieber sind sie schwer zu ertragen. Sie wollen nicht angeschaut, nicht berührt werden, werden zornig mit hochrotem Gesicht. Der Puls ist schnell und klein, kann leicht unterdrückt werden.
Nux-vomica-Patienten frieren sehr schnell (→ Frost – Frösteln – Bewegung schl., geringste – Bettwäsche, der [7]: arn, calc, nux-v, …) und sind sehr empfindlich gegenüber Kälte oder Zugluft. Oft Schlafstörungen, meist Erwachen nach Mitternacht, nächtliche Beschwerden, Schmerzen, unruhiger Schlaf. Morgens unausgeschlafen und schlecht gelaunt. Weitere mögliche Symptome: häufiger, vergeblicher Stuhldrang, Verstopfung, Erbrechen, Magen- und Bauchprobleme. Fieber mit Schüttelfrost, kaltem, bläulichen Gesicht, bläulichen oder marmorierten Extremitäten (→ Frost – Schüttelfrost – kalter und blauer Haut, mit [7]: camph, carb-v, nux-v, rhus-t, …).
Mittel für Fieberkrämpfe (6.2). < Ausziehen oder Aufdecken, Bewegung, nachts, nach Mitternacht, gegen Morgen, nach dem Essen, Kälte, > abends, Ruhe, bei feuchtem, nassen Wetter, Wärme, Zudecken.
Pulsatilla pratenis
#Pulsatilla pratensisFieberDie Kinder sind sehr weinerlich (→ Gemüt – Weinen – Fieber, während [27]: acon, bell, puls, spong, …), jammern still vor sich hin, stöhnen (→ Gemüt – stöhnen, ächzen, wehklagen – Fieber, während [26]: arn, cham, nux-v, puls, …), lassen sich gern und leicht trösten. Stimmung sehr wechselhaft: gereizt, wütend, empfindlich (→ Allgemeines – Empfindlichkeit – Fieberhitze, während [14]: bell, cham, puls, …) schüchtern, ängstlich, liebenswürdig.
Durstlosigkeit. Bevorzugt werden kalte Speisen und Getränke. Absonderungen sind in der Regel milchig, dick, gelb, dabei mild und nicht wund machend. Großes Verlangen nach frischer Luft. Obwohl Wärme verschlimmert, können sie frieren oder frösteln und wollen bei Fieber oft zugedeckt sein. < abends, nachts, Wärme, > Bewegung, frische Luft, kalte Anwendungen.
Stramonium
#StramoniumFieberAusgeprägtes Froststadium mit rotem Gesicht, Zuckungen, Zähneknirschen. Heftiges Fieber mit Hitze von Kopf und Gesicht, ausgeprägte Kälte von Händen, Waden und Füßen (mehr als bei bell). Fieber continua nachts. Fieberkrampf. Teils heftiges Delirium: Redseligkeit, Singen, Schreien. Auch Apathie, Betäubung, Stupor. Speichelfluss im Fieber.

Homöopathische Arzneimittel für langsam beginnendes Fieber

Bryonia alba
#Bryonia albaFieberFieberlangsam beginnendesSchrittweise Entwicklung der Krankheit. Das Fieber beginnt nicht plötzlich, aber es kann sehr hoch ansteigen. Warme Schweiße. Die kleinen Patienten bleiben gerne im Bett, möchten ihre Ruhe haben. Oft sehr gereizt, manchmal sehr gesprächig. Fieberkontinua bei Pneumonie.
Sehr viel Durst, v. a. auf kaltes Wasser. Trotzdem trockene Lippen und trockene Schleimhäute. Häufig stechende Schmerzen.
Mögliche Begleitsymptome: Verstopfung mit hartem, trockenen Stuhl und/oder dunklem Urin, sehr schmerzhafter Husten, starke Kopfschmerzen. < Jede Bewegung, leichte Berührung, Wärme, heißes Wetter, > Druck, Ruhe, Liegen auf der entzündeten oder betroffenen Seite.
Gelsemium sempervirens
#Gelsemium sempervirensFieberBei diesem Fiebermittel steht die Schwäche, Zittern und Benommenheit im Vordergrund. Gleichgültigkeit gegenüber dem Kranksein, großes Verlangen nach Ruhe, häufig Durstlosigkeit.
Remittierendes Fieber bei Kleinkindern (→ Fieber – remittierendes Fieber – Säuglinge [24]: acon, bell, cham, …). Ausgeprägtes Kältegefühl, oft von Anfang an Frösteln im Rücken, Müdigkeit, Lustlosigkeit, Schläfrigkeit, Apathie (→ Gemüt – Benommenheit, Stumpfsinn, Betäubung – Fieber, während [24]: apis, camph, gels, …). Redseligkeit (→ Gemüt – Geschwätzigkeit, Redseligkeit – Fieber, während [29]: gels, lach, stram, tub, …) oder Schweigsamkeit (→ Gemüt – sprechen, reden, Abneigung gegen – Fieber, während [23]: nux-m, gels, ph-ac, puls, …). Das Kind hat kaum genügend Kraft, sich zu bewegen.
Häufig dumpfer Kopfschmerz, Augenlider schwer und müde, Gesicht dunkelrot. Pupillen erweitert und unempfindlich auf Lichteinfall. Bei Fieberanstieg oft kalte Extremitäten. Kinder mögen festgehalten werden. Muskelschwäche besonders der Beine, kein Halt beim Stehen oder Gehen. Langsamer Puls, bei Bewegung stark beschleunigt. < feucht-warmes Wetter, vor einem Gewitter, Emotionen oder Aufregungen, > Ruhe oder mäßige Bewegung, nach Ausscheidung von reichlichem Urin.
Mercurius solubilis
#Mercurius solubilisFieberWie alle Mittel sollte auch dieses nur bei entsprechenden Symptomen verordnet werden – daher nicht routinemäßig bei eitriger Angina oder anderen eitrigen Erkrankungen verschreiben. Zu Mercurius gehören Foetor ex ore, Symptome im Mundbereich wie Zahneindrücke, schleimig belegte Zunge, Veränderungen an der Mundschleimhaut, Schwellung des Zahnfleisches, Speichelfluss. Weiterhin v. a. nächtliche Schweiße, die als unangenehm empfunden werden, allgemeine Unruhe, besonders auch während des Schlafes.
Fieberattacken nachts. Lymphdrüsenschwellungen am Hals. Die Patienten ertragen keine Temperaturschwankungen, ihnen ist schnell zu heiß oder zu kalt.
Alle Absonderungen scharf und meist übelriechend. Feuchte, leicht schwitzende Haut. < nachts, besonders in der Bettwärme, feuchtes, kaltes Wetter, > morgens, beim Hinlegen.
Rhus toxicodendron
#Rhus toxicodendronFieberFieber durch feuchte Kälte, Durchnässung und Überanstrengung. Herpes labialis, Landkartenzunge oder rotes Dreieck an der Zungenspitze.
Typisch die Unruhe in der Nacht, auch Angstzustände, v. a. im Bett. Muss ständig die Lage wechseln, selbst im Schlaf (→ Gemüt – Ruhelosigkeit – Fieber – während: [51] ars, puls, rhus-t., …). Gliederschmerzen. Großes Verlangen nach Milch. Appetitmangel mit starkem Durst. Fieber steigt im Lauf der Erkrankung immer höher. Während des Fieberanstieges Hautreaktionen (Rötungen, Urtikaria, Hautjucken). Neigung zu Lymphknotenschwellungen. < nachts, in Ruhe, Anfang einer Bewegung, > warmes, trockenes Wetter, fortgesetzte Bewegung, Lagewechsel, Wärmeanwendungen.
Sulphur
#SulphurFieberLangsam sich entwickelndes Fieber, kann sehr hoch ansteigen. Anamnestisch häufig Hinweis auf verschleppte Krankheit. Sulphur kann auch infrage kommen, wenn andere gut angezeigte Mittel nicht wirken bzw. wenn die Reaktionsfähigkeit des Organismus darnieder zu liegen scheint. Puls gut gefüllt.
Trockene Hitze, viel Durst, Nachtschweiße, besonders im Nacken. Hungergefühl und Schwächegefühl um 11:00 Uhr. Verlangen nach Süßem. Während der Krankheit sehr anspruchsvoll und reizbar. Dem Kind ist ständig zu warm; heiße Füße im Bett, Hitze an den Ohren. Brennende Empfindungen. Rötung von Körperöffnungen, besonders Lippen, Anus, Augenlider. Leichter Schlaf. Geringste Geräusche wecken den Patienten auf. Lebhafte Träume. < nachts, in der Bettwärme, im warmen Zimmer, in geschlossenen Räumen, morgens gegen 11 Uhr, im Stehen, > frische Luft, Bewegung.

Kasuistiken

Kasuistik

Fieberhafter Infekt der oberen Atemwege (Maria Bormann)

Anamnese

Ein 13-jähriges Mädchen wird vorstellig wegen eines fieberhaften Infektes. Akuter Beginn vor drei Tagen mit Schnupfen, Husten, Halsweh und Kopfschmerzen. Fieber zwischen 38,7 °C und 39,4 °C. Wässriger Fließschnupfen, wund machend. Husten mit gelblichem Auswurf. Beim Husten Schmerzen im Hals. Hustenreiz, sobald sie etwas isst. Sie fühlt sich sehr schlapp, friert sehr trotz erhöhter Temperatur bzw. Fieber. Permanente Kopfschmerzen seit Erkältungsbeginn, deshalb sehr gereizt. Keinen Appetit, trinkt viel – immer warme Getränke. Körperliche Untersuchung: Typische Infektzeichen, blasses Gesicht, roter Hals, keine Beläge auf den Tonsillen, die Lungen sind frei. Diagnose: Fieberhafter Infekt der oberen Atemwege.

Repertorisation

→Husten – Essen, durch
→Nase – Absonderungen – wund machend
→Hals – Schmerz – Husten, bei
→Kopf – Schmerz – Erkältung, durch
→Nase – Schnupfen – Fließschnupfen

Verordnung und Verlauf

Drei Globuli Nux vomica#Nux vomicaFieber in der C 30. Am nächsten Tag fünf Globuli in Wasser aufgelöst, verkleppert über den Tag verteilt löffelweise eingenommen.
Dem Mädchen ging es sofort besser. Entfieberung, rasches Abklingen von Kopfschmerzen und Schnupfen, guter Allgemeinzustand. Allmähliche Besserung des Hustens in den nächsten Tagen.

Kasuistik

Fieberhafter Infekt, Tonsillitis (Maria Bormann)

Anamnese

Ein vierjähriges Mädchen wird in der Praxis vorgestellt wegen Fieber, Hals- und Ohrenschmerzen. Das Fieber hatte plötzlich vor zwei Tagen begonnen und war nachts besonders hoch (bis 40 °C), sodass das Kind richtig glühte. Ohrenschmerzen traten jedoch immer nur für kurze Zeit auf. Untersuchung: Glühendes, rotes Gesicht, hochrote Tonsillen. Trommelfelle leicht gerötet, rechts mehr als links. Körper sehr warm, kein Schweiß. Diagnose: Fieberhafter Infekt, Tonsillitis.

Repertorisation I

Die Repertorisation erfolgte mit dem Complete (dt. 2014).
→Fieber – brennende, glühende Hitze – nachts (64): acon, bell, phos, puls, …
→Gesicht – rot – Fieber, während (131): acon, bell, cham, merc, …
→Hals, innerer – rot – Tonsillen (75): acon, bell, cham, lach, …
→Ohren – Schmerzen – anfallsweise (27): bell, cham, merc, …
→Gemüt – Delirium – Fieber, während – Hitze agg. (64): acon, apis, bell, stram, …
Die Repertorisation führt zu Belladonna, Chamomilla, Pulsatilla und Aconitum. Letzteres wäre als Anfangsmittel vielleicht hilfreich gewesen. Chamomilla wäre denkbar, es fehlt jedoch der ärgerliche, aufgeregte oder gereizte Zustand dieses Mittels. Ebenso würde man bei Pulsatilla mehr Anhänglichkeit oder Weinerlichkeit erwarten. Belladonna ist eines der wichtigsten Mittel bei plötzlichem Fieber und hochrotem Hals, weshalb Belladonna ausgewählt wird.

Verordnung und Verlauf I

Drei Globuli Belladonna C 30. Am nächsten Tag nochmals verkleppert über den Tag verteilt. Nach zwei Tagen erneute Vorstellung, weil keine Besserung eingetreten ist. Das Fieber hat sich verändert: Sie fiebert Tag und Nacht zwischen 38,5 und 39,5 °C. Fieberdelirien sind nicht mehr aufgetreten. Neu ist nächtliches, sehr starkes Schwitzen. Ohrenschmerzen immer wieder einmal. Bei der Untersuchung fallen weißliche Beläge auf den Tonsillen auf. A-Streptokokken-Schnelltest negativ.

Repertorisation II

Die Repertorisation erfolgte mit dem Complete (dt. 2014).
→Ohren – Schmerzen – anfallsweise (27): bell, cham, merc, …
→Schweiß – nachts – dauert die ganze Nacht, ohne Erleichterung (8): hep, merc, …
→Hals, innerer – Ablagerungen, Tonsillen (27): merc, lach, lyc, …
Bei der erneuten Repertorisation rückt Mercurius solubilis an die erste Stelle.

Verordnung und Verlauf II

Drei Globuli Mercurius solubilis in der C 30. Am nächsten Tag drei Globuli in Wasser aufgelöst über den Tag verteilt löffelweise. Darunter Entfieberung und schnelle Besserung der Beschwerden.
An diesem Fall ist zu sehen, dass nicht immer die zunächst passende Verschreibung zum Erfolg führt. Mercurius solubilis, an achter Stelle bei der ersten Repertorisation, war bei dem Entzündungsfieber mit den Zeichen der „roten Entzündung“ zunächst als Verordnung nicht logisch. Erst die Entwicklung der Beläge führte zur Verschreibung von Mercurius solubilis.

Literatur

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Zandvoort

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Fieberkrampf

Grundlagen

FieberkrämpfeFieberkrämpfe sind epileptische Gelegenheitsanfälle im Säuglings- und Kleinkindalter im Zusammenhang mit fieberhaften Erkrankungen.

Ätiologie und Klinik

Fieberkrämpfe sind Folge eines Ungleichgewichts in den Membranen der Neuronen, das zu wiederholten abnormen elektrischen Entladungen führt. Ursache sind meist banale Infekte der Luftwege, des HNO-Bereichs, Harnwegsinfekte, gastrointestinale Infektionen oder das Exanthema subitum.
Erfahrungsgemäß kommt es zum Krampfanfall im initialen, meist steilen Fieberanstieg. Offenbar wird durch das Fieber die bereits niedrigere Krampfschwelle des Kindes weiter gesenkt.
Fieberkrämpfe sind ein häufiges Ereignis. Bis zum siebten Lebensjahr erleiden etwa 3 % aller Kinder einen Fieberkrampf. Bei den meisten handelt es sich um bilaterale, kurz dauernde, klonische bzw. tonisch-klonische Anfälle. Sie machen etwa 50 % aller generalisierten Krampfanfälle im Kindesalter aus. In Langzeitstudien konnte gezeigt werden, dass Kinder mit Fieberkrämpfen eine hervorragende Langzeitprognose haben (Chang et al. 2001, Verity 1998). Sie haben kein erhöhtes Risiko für neurologische oder mentale Schäden und keine erhöhte Sterblichkeit.
Jedes dritte Kind erleidet nach einem ersten Krampfereignis innerhalb der nächsten 24 Monate einen weiteren Fieberkrampf, zwischen 6 und 10 % haben drei oder mehr Fieberkrämpfe (Merkenschlager 2002). Das Rezidivrisiko ist höher bei Kindern im ersten Lebensjahr, bei Auftreten des Krampfanfalls schon bei nur leicht erhöhten Körpertemperaturen, bei kurzem Intervall (unter einer Stunde) zwischen Fieberbeginn und Krampfanfall und bei Fieberkrämpfen in der Familienanamnese.
Ein Fieberkrampf kann auch das erste Krampfereignis eines Epileptikers (20.2) sein. Dies trifft kaum bei einem einfachen Fieberkrampf zu – hier liegt das Risiko für eine künftige Epilepsie bei 1 % gegenüber 0,5 % bei Kindern ohne Fieberkrampf (Verity, Nelson). Dabei scheint auch die Anzahl durchgemachter Fieberkrämpfe keinen Einfluss auf die Entwicklung einer Epilepsie zu haben.

Einfache und komplizierte Fieberkrämpfe

Aus prognostischen Gründen werden sogenannte einfache Fieberkrämpfe von komplizierten Fieberkrämpfen unterschieden. Ca. 30 % aller Fieberkrämpfe werden als „kompliziert“ klassifiziert.
  • Kriterien des einfachen Fieberkrampfs sind: Fieberkrämpfeeinfache

    • Generalisiert tonisch-klonischer Anfall bis zu maximal 15 Minuten Dauer

    • Nur ein Krampfereignis innerhalb von 24 Stunden

    • Alter des Kindes zwischen sechs Monaten und fünf Jahren

    • Körpertemperatur während oder nach dem Krampfanfall über 38,5 °C

    • Keine zerebrale Vorschädigung, kein Hinweis auf ein Schädel-Hirn-Trauma

  • Komplizierte Fieberkrämpfe weisen mindestens eines der folgenden Kriterien auf: Fieberkrämpfekomplizierte

    • Körpertemperatur während des Krampfanfalls unter 38,5 °C

    • Alter des Patienten unter sechs Monate oder über fünf Jahre

    • Fokale, halbseitige oder atonische Krämpfe

    • Anfallsdauer über 15 Minuten

    • Multiple Krampfanfälle während einer fieberhaften Erkrankung

    • Postiktale neurologische Defizite

    • Krampfaktivitäten im EEG auch noch ein bis zwei Wochen nach dem Krampfereignis

Info

Bei einem komplizierten Fieberkrampf sind Klinikeinweisung und weitere Diagnostik obligat, da Vorschädigung oder Erkrankung des zentralen Nervensystems möglich sind und ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer Epilepsie (20.2) besteht.

Diagnostik

Die internistische und neurologische Untersuchung zielt auf die Klärung der Fieberursache und den Ausschluss einer Meningitis oder Enzephalitis. Der geringste Verdacht auf eine Infektion des ZNS macht eine Lumbalpunktion obligatorisch.
Da jedes dritte Kind bis zum Alter von 18 Monaten trotz Meningitis keine typischen Symptome wie Nackensteife aufweist, ist hier die Indikation zur diagnoseklärenden Lumbalpunktion großzügig zu stellen. Auch bei älteren Kindern kann bei Exsikkose oder Vorbehandlung mit Antibiotika oder Diazepam der Meningismus fehlen.

Info

Krampfanfälle bei Infektionen des ZNS gehen immer mit komplizierten Krampfanfällen oder mit einer Bewusstseinsstörung nach dem Krampfereignis einher. Ein Kind im Alter von über zwölf Monaten, das nach einem unkomplizierten Fieberkrampf in gutem Allgemeinzustand vorgestellt wird, bedarf daher in der Regel keiner weiteren Diagnostik.

Ein EEG ist nach einem einfachen Fieberkrampf entbehrlich. Auch nach einem komplizierten Fieberkrampf ist das postiktal abgeleitete EEG wenig aussagekräftig und wird daher lediglich als fakultative Untersuchung eingestuft (Merkenschlager 2002). Es liefert keinerlei Hinweis auf das Wiederholungsrisiko für Fieberkrämpfe (Kuturec et al. 1997). Während des Fiebers stellt es eine völlig überflüssige Belastung dar.
Auch ein CT oder MRT des Schädels sind bei einfachen Fieberkrämpfen ohne informativen Wert und nur bei Verdacht auf ein Schädel-Hirn-Trauma angezeigt.

Info

Ein komplizierter Fieberkrampf muss ein Untersuchungsprogramm zum Ausschluss zentralnervöser Störungen zur Folge haben. Hierzu gehören in erster Linie die Lumbalpunktion, ggf. auch eine EEG du/oder ein kraniales MRT zum Ausschluss einer Enzephalitis.

Praxistipp

Für die Eltern ist ein Fieberkrampf immer ein erschreckendes Ereignis. Um ihnen die Ängste zu nehmen, muss der Arzt über die relative Harmlosigkeit des Ereignisses aufklären, richtiges Verhalten während des Krampfanfalls erläutern und genaue Anweisungen geben, unter welchen Umständen bei einem Rezidiv ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden muss.

Kinder, die einen Fieberkrampf hatten, sollen bis zum Alter von fünf bis sechs Jahren nicht längere Zeit unbeaufsichtigt allein zu Hause gelassen werden. Im Falle eines erneuten Fieberkrampfs soll die betreuende Person die Kleidung des Kindes lockern und es in flache Seitenlage bringen, um Verletzungen oder Aspiration zu verhindern. Auf keinen Fall sollen während des Krampfanfalls Gegenstände in den Mund gesteckt werden, um einen Zungenbiss zu verhindern.

Konventionelle Therapie

Eine sichere Prophylaxe von Fieberkrämpfen ist nicht möglich.

Info

Der Nutzen einer medikamentösen Fiebersenkung ab 38 °C mit Antipyretika zur Verhinderung von Fieberkrämpfen ist wissenschaftlich nicht belegt. (Baumann 1999, van Suijvenberg et al. 1998). Leber und Nieren werden belastet, und die natürliche Infektabwehr wird gestört.

Bei einem Fieberkrampf in der Vorgeschichte und augenscheinlicher „Krampfbereitschaft“ mit Zittern, Zuckungen oder schrillem Schreien können die Eltern prophylaktisch ein DiazepamDiazepamFieberkrampf-Klistier (z. B. Diazepam Desitin Rectiole®) verabreichen. Dosierung: 5 mg Diazepam bis 10 kg Körpergewicht; Kinder über 10 kg erhalten 10 mg Diazepam.
Einen Fieberkrampf von mehr als drei bis fünf Minuten Dauer sollten die Eltern mit Diazepam rektal (0,5–0,7 mg/kg KG) unterbrechen. Versagt bei einem prolongierten Anfall oder Status epilepticus die rektale Gabe von Diazepam oder Lorazepam, so ist die intravenöse Verabreichung von Diazepam, Lorazepam oder Clonazepam indiziert. Auch die orale oder nasale Applikation von Midazolam (z. B. Dormicum®) oder Lorazepam hat sich als rasch wirksam erwiesen (Merkenschlager 2002).
Eine Dauertherapie mit Phenobarbital oder Valproat ist zwar wirksam (Carbamazepin nicht!), bleibt aber v. a. wegen des hohen Nebenwirkungsrisikos außergewöhnlichen Fällen vorbehalten.

Unterstützende Behandlung

Die Komplementärmedizin gibt nur allgemeine Richtlinien zur Stabilisierung des Immunsystems, um dem Organismus die Überwindung von Entzündungen und Erkältungen zu erleichtern.
Bei Kindern, die bereits einen Fieberkrampf hatten, hat sich in der Anfangsphase eines Infektes die physikalische Verlangsamung des Fieberanstiegs bewährt. Hierzu eignen sich zimmerwarme Einläufe, Fiebersenkung durch Wickel, kühle Getränke und die Vermeidung von exogener Wärmezufuhr (Zudecken, zu warme Kleidung).
In der Akupunktur wird zum Unterbrechen eines Krampfanfalls die Behandlung des Punktes Du Mai 26 oder Lenkergefäß 26 in der Mitte des Philtrums empfohlen (kräftig mit dem Daumennagel für mehrere Sekunden drücken).

Homöopathische Behandlung

Kinder sollten nach dem ersten Fieberkrampf konstitutionell behandelt werden. Ziel ist die Stabilisierung des Immunsystems und die Erhöhung der Krampfschwelle. Die konstitutionelle homöopathische Therapie wird nach den bekannten Regeln durchgeführt (1.4, 1.5): Nach einer ausführlichen Anamnese wird ein Mittel nach der Totalität der Symptome gesucht. Alle wichtigen, sonderlichen, charakteristischen Symptome, Geist- und Gemütssymptome und wichtigen Allgemeinsymptome werden zur Mittelfindung herangezogen. Das konstitutionelle Mittel muss der kleine Patient über einen langen Zeitraum bekommen. Es hat sich bewährt, nach der „Kent-Skala“ (3.3.6) mit der C30 beginnend nach oben zu gehen. Ein Mittelwechsel ist notwendig, wenn die Wirksamkeit ausbleibt und das Auftreten von neuen Symptomen auf ein anderes Mittel weist.
Zeichnet sich durch zunehmende Krampfbereitschaft dennoch ein erneuter Fieberkrampf ab, gibt es eine ganze Reihe von homöopathischen Akutmitteln, die zur unmittelbaren Krampfprophylaxe infrage kommen. Es sind z. T. dieselben, die bei der Behandlung von Fieber (6.1) aufgeführt sind.

Repertoriumsrubriken

RepertoriumsrubrikenFieberkrampfAllgemeines – Konvulsionen – Hitze; während (64): acon, bell, cham, … Pennekamp ergänzt noch die Mittel glon und mag-p.
Bei einem Fieberkrampf während des Fieberplateaus kommen einige wenige Mittel vorrangig in Betracht:
→Fieber – Intensive Hitze – Konvulsionen, während (10): acon, hyos, stram, …
Ist der Krampfanfall im Froststadium aufgetreten, also bei deutlich frierendem, sich kalt anfühlendem oder im Schüttelfrost befindlichen Kind:
→Frost – Konvulsionen – während (24): ars, camph, op, …
Die genaue Beschreibung des Krampfablaufs und der Modalitäten geben weitere gute Hinweise auf das passende Mittel. Es lohnt sich, die Rubriken unter Allgemeines – Krampfanfälle eingehend zu studieren.
Weitere hilfreiche Rubriken sind z. B.:
→Gesicht – blass – Konvulsionen – während (36): cina, cupr, verat, …
→Gesicht – bläulich – Konvulsionen, während (34): camph, cupr, nux-v, …
→Gesicht – rot – Konvulsionen – während (37): bell, cic, cupr, …
→Allgemeines – Konvulsionen – Fallen, mit (65): ars, caust, nux-v, …
→Rektum – Diarrhö – Konvulsionen, während (17): chin, nux-m, podo, …
→Nervensystem – Konvulsionen – Kleinkindern, bei [Pennekamp] (26): bell, cupr, hell, …
→Allgemeines – Konvulsionen – plötzlich (36): ars, bufo, oena, …
→Allgemeines – Konvulsionen – Schlaf – während (43): bell, cupr, op, …
→Schweiß – Konvulsionen – während (37): bell, merc, verat, …
→Gemüt – schreien – Konvulsionen – vor (33): bell, cina, stram, …

Homöopathische Arzneimittel

Die Anfallscharakteristika einiger bewährter Mittel werden im Folgenden kurz beschrieben (zu umfassenderen Mittelbeschreibung 23.2 Materia medica).
Belladonna
#BelladonnaFieberkrampfEmpfindliche Kinder mit einem labilen vegetativen Nervensystem. Plötzliches Auftreten von Fieber mit heftigem tonisch-klonischen Fieberkrampf: Blutandrang zum Kopf bei kalten Extremitäten, Opisthotonus, Gesicht rot oder bläulich, Pupillen weit, glänzende Augen mit konvulsivischen Bewegungen, Schweiß. Krampfanfall gefolgt von Stupor und Erbrechen.
→Kopf – Blutandrang – Konvulsionen – während (33): bell, gels, verat, …
→Magen – Erbrechen – Konvulsionen – nach (11): bell, cupr, puls, …
→Extremitäten – Kälte – Konvulsionen, während (23): bell, cic, cupr, …
→Fieber – intensive Hitze – Konvulsionen, während (10): acon, bell, stram, …
→Allgemeines – Konvulsionen – heftige (36): bell, oena, stram, …
Causticum
#CausticumFieberkrampfFieberkrampf aus dem Schlaf heraus, evtl. bei Neumond. Liegt auf dem Bauch mit angewinkelten Beinen und Ruckungen wie beim Koitus. Weint oder lacht vor, während oder nach dem Krampfanfall. Während des Anfalls Nasenbluten, Speichelfluss, Zungenbiss, Urinabgang. Nach dem Krampfanfall komatöser Schlaf, evtl. postiktale Paresen.
→Gemüt – lachen – Konvulsionen – vor, während oder nach (26): bell, caust, cupr, …
→Gemüt – beißen – Konvulsionen, während (30): caust, hyos, oena, tarent, …
→Blase – unwillkürliche Entleerung – Konvulsionen – während (21): bufo, caust, hyos, …
→Schlaf – tiefer – Konvulsionen – nach (24): bell, cupr, hyos, …
→Allgemeines – Lähmung – Halbseitenlähmung – Konvulsionen – nach (19): caust, cic, cupr, …
Chamomilla
#ChamomillaFieberkrampfKrampfanfall v. a. zur Zeit der Zahnung und nach vorausgegangenen Gemütsbewegungen wie Ärger oder Zorn; nach Bestrafung. Evtl. eine Wange rot und heiß, manchmal auch der ganze Kopf. Tonisch-klonischer Krampfanfall, das Kind wird steif, biegt den Körper zurück und seitwärts, rollt mit den Augen, verzerrt das Gesicht, ballt die Daumen zusammen. Schaum vor dem Mund.
→Allgemeines – Konvulsionen – Bestrafung, nach (16): cham, cupr, op, …
→Allgemeines – Konvulsionen – Zahnung agg. (48): bell, cham, mag-p, …
→Allgemeines – Konvulsionen – Zorn, Ärger agg. (34): cham, cina, nux-v, …
Cicuta virosa
#Cicuta virosaFieberkrampfÄußerst heftige, gewaltsame Krampfanfälle. Initialschrei, klammert sich an die nächste Person. Beginn im Gesicht mit fürchterlichen Verzerrungen und Apnoe; die Spasmen erstrecken sich von oben nach unten. Der Kopf wird nach hinten gebogen, Opisthotonushaltung. Schluckauf, Erbrechen, Schreien, Zungenbiss, Schaum vor dem Mund, aufgetriebener Magen. Die Beine sind abwechselnd gebeugt und gestreckt. Erneute Spasmen durch Berührung, Geräusche, lautes Sprechen. Nach den Konvulsionen Kind leblos, bewusstlos.
→Gemüt – Bewusstlosigkeit – Konvulsionen – nach (35): cic, cupr, oena, …
→Auge – Zusammenziehung – Pupillen – Konvulsionen, während (8): cic, op, verat, …
→Gesicht – Verzerrung – Konvulsionen, während (32): cic, cupr, stram, …
→Magen – Schluckauf – Konvulsionen – während (6): bell, cic, hyos, …
Cina maritima
#Cina maritimaFieberkrampfFieberkrampf nachts, um Mitternacht, in der Zahnungszeit; nach Zorn oder Ermahnung; bei Wurmbefall. Tonische Krämpfe – das Kind wird plötzlich steif und macht ein gurgelndes Geräusch vom Hals zum Abdomen, als würde Wasser aus einer Flasche gegossen. Der Kopf wird nach hinten gezogen, die Atmung setzt aus, die Pupillen weiten sich. Auch tonische Krämpfe bei vollem Bewusstsein.
→Allgemeines – Konvulsionen – Schlaf – während (43): cic, cina, stram, …
→Allgemeines – Konvulsionen – Bewusstsein – Ist bei (38): cina, nux-v, stram, …
Cuprum metallicum
#Cuprum metallicumFieberkrampfKrampfanfall vor Ausbruch eines Ausschlags, etwa bei Masern oder Scharlach; bei Wurmbefall; während der Zahnung. Konvulsionen beginnen in Fingern oder Zehen und breiten sich dann auf den ganzen Körper aus. < Im Schlaf, bei Neumond, nach Zorn oder Erregung. Vor dem Anfall aufgetriebenes Abdomen mit Würgen oder Erbrechen. Nach Initialschrei dann klassischer tonisch-klonischer Anfall mit Schaum vor dem Mund, Zungenbiss, Zyanose, kaltem Schweiß, Einnässen. Nach dem Krampfanfall Erschöpfung, Unruhe, reichliches Urinieren; auch einseitige Paresen.
→Gemüt – schreien, kreischen, brüllen – Konvulsionen – vor (33): cic, cupr, stram, …
→Mund – beißt sich, beißt auf – Zunge – Konvulsionen, während (28): cic, cupr, hyos, …
→Schweiß – kalt – Konvulsionen, während (9): cupr, stram, verat, …
→Allgemeines – Konvulsionen – Hautausschläge – nicht hervorgekommen, wenn (17): caust, cupr, zinc, …
→Allgemeines – Konvulsionen – Zyanose, mit (6): cupr, hydr-ac, verat, …
Hyoscyamus niger
#Hyoscyamus nigerFieberkrampfNach plötzlichem Schrei Bewusstlosigkeit und Muskelkrämpfe zunächst im Gesicht, dann auf den übrigen Körper übergreifend. Heftigste Konvulsionen, als würden Gelenke oder Wirbel gebrochen; die Beine an den Körper gezogen. Zähneknirschen, Schaum vor dem Mund. Kind fasst sich an die Genitalien. Nach dem Krampfanfall tiefer Schlaf, oder großer Appetit.
→Gesicht – Konvulsionen – erstreckt sich, ausgehend von (17): cic, cina, hyos, …
→Magen – Appetit – vermehrt – Konvulsionen – während (6): caust, cina, hyos, …
Natrium muriaticum
#Natrium muriaticumFieberkrampfKrampfanfall nach Kummer, Schreck, bei Vollmond, nach einem warmen Bad, vormittags (9:00–10:00 Uhr). Tonisch-klonischer Krampfanfall ohne Bewusstseinsverlust, mit Einnässen.
→Allgemeines – Konvulsionen – Mond – Vollmond, bei (7): calc, caust, nat-m, …
→Allgemeines – Konvulsionen – Wärme – schl (7): apis, glon, nat-m, …
Nux vomica
#Nux vomicaFieberkrampfDas Kind ist frostig und friert beim Herausstrecken der Hände unter der Bettdecke. Krampfanfall im Froststadium oder bei Fieber; bei gastrointestinalen Infekten; nach Gabe von Antipyretika oder Antibiotika; nach tiefem Schlaf; nach Erregung oder Zorn. Während des Anfalls bläuliche Lippen, Glieder abwechselnd gestreckt und gebeugt, Dyspnoe, Einnässen. Besserung bei kräftiger Berührung. Tiefer Nachschlaf. Von Künzli bei rezidivierenden Fieberkrämpfen besonders herausgestelltes Mittel.
→Gesicht – bläulich – Lippen – Konvulsionen, während (10): carb-v, cupr, nux-v, …
→Schlaf – tief – Konvulsionen – nach (24): caust, hyos, nux-v, …
Oenanthe crocata
#Oenanthe crocata, FieberkrampfFieberkrampf vor Ausbruch eines Exanthems. Plötzlicher, heftiger Krampfanfall mit ausgestreckten Beinen, Fäusteln, Bewusstlosigkeit, Zungenbiss, geschwollenem, lividem Gesicht, kaltem Körper. Speichelfluss, würgendes Geräusch im Hals, Einnässen und Einkoten. Unruhig und delirant nach dem Krampfanfall, mit röchelnder Atmung. Stuporös zwischen zwei Krampfanfällen.
→Gemüt – Benommenheit, Stumpfsinn, Betäubung – Konvulsionen, zwischen (11): hell, hyos, oena, …
→Rektum – unwillkürlicher Stuhl – Konvulsionen, während, den (12): nux-v, oena, stry, …
→Haut – Kälte, Kältegefühl – Konvulsionen, während (17): hell, oena, verat, …
Stramonium
#StramoniumFieberkrampfZunächst Fieberdelir, Geschwätzigkeit, unverständliche Sprache, merkwürdige Phantasien und Halluzinationen. Dann plötzlicher und heftiger tonisch-klonischer Krampfanfall, evtl. ausgelöst durch Schreck, Angst, Geräusche, Berührung oder spiegelndes Licht; oder nachts nach 3:00 Uhr; nach dem Trinken. Schreit mit heiserer Stimme. Verzerrtes rotes Gesicht, Zungenbiss, Schluckauf, kalter Schweiß. Krampft auf einer Seite, auf der anderen Seite Parese. Nach dem Anfall Schläfrigkeit und Schwäche.
→Extremitäten – Konvulsionen – eine Seite – andere Seite gelähmt: apis, art-v, hell, stram
→Allgemeines – Konvulsionen – Berührung agg. (25): lyss, nux-v, stram, …
→Allgemeines – Konvulsionen – Licht – agg. – hell (8): lyss, nux-v, stram, …
→Allgemeines – Konvulsionen – Trinken agg. (18): hyos, lyss, stram, …

Kasuistiken

Kasuistik

Fieberkrampf (Maria Bormann)

Anamnese

Ein knapp drei Monate alter Junge hatte im Alter von eineinhalb bzw. zwei Jahren je einen Fieberkrampf. Die Temperatur war jeweils nur mäßig erhöht (max. 38,5 °C). Beide Male sei das Kind sehr schlapp gewesen, habe etwas gezuckt, habe nicht geatmet und blass grünlich ausgesehen. Beim ersten Mal wurde ein Racheninfekt diagnostiziert, beim zweiten Mal konnte ein Infekt nicht sicher festgestellt werden. Behandlung jeweils mit Diazepam-Zäpfchen. Beide Male kurzer Aufenthalt in der Kindernotfallambulanz.
Unkomplizierte Schwangerschaft, in der 41. Schwangerschaftswoche Einleitung der Geburt mit Wehentropf, schließlich doch Sectio. Die Säuglingszeit war problemlos. Schon früh sehr viel Milchschorf, Reste sind noch jetzt vorhanden. Im ersten Lebensjahr ausgedehnter Hautausschlag hinter den Ohren und in den Halsfalten. Mit neun Monaten abgestillt, mit schlagartiger Besserung der Haut. Der erste Zahn kam sehr spät, ohne größere Probleme. Sonstige motorische und geistige Entwicklung unauffällig. Bisher drei Infekte mit Bronchialbeteiligung.
Mit eineinhalb Jahren kam er in eine Kindereinrichtung. Nach dem zweiten Fieberkrampf nahm ihn die Mutter wieder in häusliche Pflege. Er hatte sich ohnehin nie richtig eingelebt und sehr viel geweint. Davon spricht der Junge noch heute.
Er isst sehr gerne viel Fleisch, wenig Obst. Er schläft nie allein ein, die Mutter muss neben ihm liegen. Viel Kopfschweiß beim Einschlafen und in der Nacht, wechselnde Schlaflage. Er kommt jede Nacht in das Bett der Eltern. Neigung zu Verstopfung.
Er geht gerne raus, ist aber sehr vorsichtig auf dem Spielplatz. Ruhig und zurückhaltend, er möchte nicht im Mittelpunkt stehen. Langsam lernt er, sich besser durchzusetzen. Er zieht sich zurück, sobald es unter den Kindern rabiat wird.
Familienanamnese: Urgroßmutter Leukämie, Urgroßvater Kehlkopfkrebs.

Repertorisation

→Gemüt – Angst – Bett, im
→Mund – offen
→Kopf – Hautausschläge – Milchschorf
→Ohr – Hautausschläge – hinter den Ohren
→Zähne – Zahnung – langsam
→Kopf – Schweiß – Schlaf – während

Verordnung und Verlauf

Er bekommt über insgesamt zweieinhalb Jahre Calcium carbonicum in aufsteigenden Potenzen (C200, M). Interkurrent wurden eine Pharyngitis und zwei fieberhafte Infekte mit Akutmitteln behandelt.

Beurteilung

Über einen längeren Behandlungszeitraum wurde der Junge konstitutionell mit Calcium carbonicum behandelt. Ein Fieberkrampf ist auch bei erhöhten Temperaturen nicht wieder aufgetreten. Insgesamt hat sich der kleine Patient psychisch und körperlich stabilisiert.

Kasuistik

Fieberkrampf (Maria Bormann)

Anamnese

Der fünfjährige Junge soll homöopathisch behandelt werden, weil er mit viereinhalb Jahren einen Fieberkrampf hatte und die Mutter große Angst vor weiteren Krämpfen hat. An dem Tag, als er in die Praxis kam, hatte er trotz Gabe von Paracetamol Fieber bis 40,7 °C. Er hatte fast nichts getrunken. Der Mutter fielen eigenartige Schmatzbewegungen auf und danach Zuckungen am ganzen Körper. Danach war das Kind noch lange Zeit wie verkrampft. Das drei Tage später abgeleitete EEG war pathologisch, das Kontroll-EEG vier Wochen später in Ordnung. Der Junge hatte schon viele Infekte, allerdings noch nie einen Fieberkrampf.
Die Geburt erfolgt sieben Tage vor dem Termin nach einer unkomplizierten Schwangerschaft. In den ersten drei Lebensmonaten ausgeprägte Blähungen tags und nachts. Der Säugling hat nie längere Zeit durchgeschlafen. Ab vierten Monat wurde es besser. Er schrie weniger und hatte im Laufe der folgenden Jahre nur mehr oder weniger banale Infekte. Tom ist sehr ängstlich. Er schläft nur ein, wenn die Mutter sich mit hinlegt. Er schläft bis heute jede Nacht im elterlichen Bett, ausschließlich auf der rechten Seite.
Sehr ausgeprägte Reiseübelkeit: Er muss erst auffallend viel gähnen, dann wird ihm schlecht und er muss erbrechen. Oft Nasenbluten ohne erkennbaren Grund; auffallend ist, dass es sehr lange – bis zu einer viertel Stunde – blutet.
Ab dem dritten Lebensjahr musste er in den Kindergarten. Monatelang ging er sehr ungern hin; es gab viel Tränen. Jetzt hat er guten Kontakt zu allen Kindern. Tom kann nur schwer ruhig sitzen. Er ist sehr gerne draußen und kann schon gut Fahrrad fahren. Im Kindergarten ist er sehr brav, zu Hause kann er auch mal wütend sein und rumschreien. Er ist sehr vorsichtig, hat große Angst im Dunkeln und bleibt nie allein.
Tom ist ein sehr zartes, schlankes Kind. Er trinkt wenig und wenn, nur kalte Getränke, auch kalten Kakao. Sehr gern Eis, Gemüse nicht gerne, Ablehnung von würzigen Speisen.
Neben der Angst vor weiteren Fieberkrämpfen befürchtet die Mutter, Tom könne eine Allergie entwickeln: die Nase sei oft verstopft und die Nasenatmung behindert, v. a. nachts und in geschlossenen Räumen.
Familienanamnese: Ein Urgroßvater hatte Tuberkulose, ein anderer Prostatakrebs, ansonsten unauffällig.

Repertorisation

→Gemüt – Angst – Dunkelheit, in der
→Nase – Nasenbluten – Kindern, bei
→Magen – Erbrechen – Fahren im Wagen
→Schlaf – Lage – Seite – rechten Seite, auf der
→Nase – Verstopfung – nachts
→Nase – Verstopfung – Luft – Freien, im – amel.
→Allgemeines – Speisen – Gewürze – Abneigung
→Magen – Verlangen – Getränke – kalte
→Magen – Verlangen – Eis/Eiscreme

Verordnung und Verlauf

Phosphorus in aufsteigenden Potenzen, beginnend mit der C 200. Hinsichtlich der Infekt- und Allergieneigung hat sich das Kind absolut stabilisiert. Es sind selten kurzzeitig akute Verordnungen notwendig. Ein Fieberkrampf ist seit der Behandlung nie wieder aufgetreten. Möglicherweise hat die konstitutionelle Behandlung die Fieberkrampfneigung beseitigt. Zumindest geht es dem Kind seit der nun vierjährigen homöopathischen Behandlung sehr gut.

Kasuistik

Geschichte von Fieberkrämpfen (Maria Bormann)

Anamnese

Homöopathische Fallaufnahme bei einem 18 Monate alten Mädchen wegen mehrerer Fieberkrämpfe. Der erste Krampf trat im siebten Monat auf, der zweite im Alter von einem Jahr, zehn Tage nach der ersten Sechsfachimpfung. Bis zum Zeitpunkt der Anamnese gab es drei weitere Fieberkrämpfe, immer im Rahmen eines Infektes im Hals-Nasen-Ohren-Bereich, bei nur mäßigem Fieber (zwischen 38,5 und 39 °C). Zwei ältere Geschwister und viel Kontakt mit anderen Kindern sind nach Ansicht der Mutter Ursache für die häufigen Infekte. Wegen der Fieberkrämpfe wurde das Kind mehrfach in der Universitätskinderklinik vorgestellt. Im EEG zeigte sich keine erhöhte Krampfbereitschaft, mit einer antikonvulsiven Therapie wurde noch abgewartet.
Die Fieberkrämpfe laufen immer gleich ab: Das Mädchen verdreht die Augen nach oben, das Gesicht verfärbt sich bläulich, sie zuckt mit Armen und Beinen, danach ist sie geschwächt und fühlt sich sehr schlapp.
Anamnestisch kommt noch folgendes zur Sprache: Auffallend große Müdigkeit der Mutter in der Schwangerschaft, Geburt ohne Probleme und sehr schnell. Sechs Monate voll gestillt, danach ein Jahr teilgestillt. Fieber bei der Zahnung. Oft Schnupfen, ganz oft rote Halsentzündungen und viermal scheinbar eitrige Mittelohrentzündungen, die fast immer rechtsseitig auftraten. Viermal Antibiotika. Häufiges Wundsein im Windelbereich. Sie lehnt Brei komplett ab, sonst keine Essensmodalitäten. Sprachliche und motorische Entwicklung normal. Am späten Vormittag, ca. 11:00 Uhr, ist sie sehr müde, sie schläft dann zwei Stunden. Sie ist ein unkompliziertes Kind, kann aber auch schon mal wütend sein.
Familienanamnese: Vater Fieberkrampf; Opa Schlafapnoe.

Repertorisation I

Die Repertorisation erfolgte mit dem Complete (dt. 2014).
→Fieber – intensive Hitze – Konvulsionen, während (10): bell, stram, sulph, …
→Fieber – Zahnung agg. (33): acon, bell, cham, …
→Hals, innerer – Entzündung, einfache, Halsweh – rezidivierend, Tonsillen (39): hep, tub, …
→Ohren – Eiterung – Mittelohr (62): acon, bell, hep, …
→Ohren – Entzündung – rechts (10): bell, merc, …
→Haut – Wundliegen – Kindern, bei (25): bell, cham, sulph, …
→Augen – Bewegung – Rollen der Augen – aufwärts (21): cic, cupr, …
→Gesicht – bläulich – Konvulsionen, während (34): bell, nux-v, …
→Allgemeines – Schwäche, Konvulsionen, nach (30): cupr, stram, sulph, …
Hauptmittel bei rezidivierenden Fieberkrämpfen sind Belladonna, Aconitum, Sulphur, Cicuta, Hyoscyamus und Stramonium. Führend bei der Repertorisation ist Belladonna. Diesem Mittel wird der Vorzug gegeben, weil es sowohl die Totalität des Falles deckt als auch zu den Symptomen der Anfälle gut passt.

Verordnung und Verlauf I

Belladonna einmal monatlich in aufsteigenden C-Potenzen, beginnend mit C 200 im November 2012. Jede Potenzstufe wurde zweimal gegeben. Nach der zweiten XM-Gabe wurde wieder mit C 200 begonnen.
Verordnung von Belladonna bis Juli 2013. In dieser Zeit zwei Infekte mit Schnupfen, Halsbeschwerden und Fieber, einmal bis 39 °C. Nach Aussage der Mutter zweimal leichte Zuckungen ohne ausgeprägte Krampfsymptome. Keine Otitiden. Der Behandlungsbeginn kann durchaus positiv gewertet werden.
Im August 2013 Akutvorstellung des Kindes wegen Halsbeschwerden und plötzlichem hohen Fieber. Während der Untersuchung, in der nur ein Racheninfekt diagnostiziert werden konnte, kam es zu einem Krampfanfall mit gleichem Ablauf wie anfangs geschildert. Außerdem fielen intensive Kaubewegungen des Kiefers auf, was die Mutter so noch nie beobachtet hatte. Dauer ca. zwei Minuten. Der erneute Fieberkrampf nach langer Pause und das neue Symptom machten einen Wechsel des Mittels erforderlich.

Repertorisation II

Die Repertorisation erfolgte mit dem Complete (dt. 2014). Sie umfasst die anfänglichen Rubriken ohne Ohr-Rubriken sowie das neue Symptom: Kaubewegung des Kiefers
→Gesicht – Kaubewegungen des Kiefers – Konvulsionen – während (5): cupr, hell, …
Jetzt folgen ganz dicht aufeinander Aconitum, Cicuta, Sulphur, Belladonna und Cuprum. Belladonna kommt nicht mehr infrage. Zwischen den übrigen vier Mitteln fällt die Auswahl schwer. Ich entscheide mich für Cuprum metallicum, weil dieses Mittel am stärksten die Kaubewegung, die bläuliche Verfärbung während und die Schwäche nach den Konvulsionen hat.

Verordnung und Verlauf II

Cuprum metallicum in aufsteigenden C-Potenzen, beginnend mit C 200 in monatlichen Abständen. Jede Potenz zweimal von August 2013 bis Februar 2014. In dieser Zeit bestanden keine Auffälligkeiten. Anfang März 2014 hat das Mädchen Scharlach, dabei hohes Fieber und wieder einen Fieberkrampf. Seitens der Schulmedizin wird eine antikonvulsive Einstellung empfohlen, was die Eltern vorerst ablehnen.
Behandlung mit Sulphur in C-Potenzen nach der Kent-Skala. Dieses Mittel kam von Anfang an in die engere Auswahl und schien im Zusammenhang mit dem Scharlach besonders passend (→Allgemeines – Scharlach, nach).
Mit der anhaltenden, regelmäßigen Einnahme geht es dem Kind sehr gut. Keine schweren Infekte mehr, keine Krampfneigung bei gelegentlichem Fieber. Beobachtung bis August 2016.

Literatur

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Zandvoort, R v. Complete Repertory Millenium, deutsch. Version 2014. ISIS Computer Version.

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