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B978-3-437-56313-3.00001-7

10.1016/B978-3-437-56313-3.00001-7

978-3-437-56313-3

Abb. 1.1

[ P330 ]

Die Stellung der Miasmen zueinander

Potenzierungsformen C-Potenzen D-Potenzen Q-Potenzen LM-Potenzen

Tab. 1.1
Potenz Verdünnungsschritte
C-Potenzen Verdünnungsschritte 1 : 100
D-Potenzen Verdünnungsschritte 1 : 10
LM- bzw. Q-Potenzen Verdünnungsschritte 1 : 50 000 (jeweils 1 : 100 in flüssiger Form und anschließend 1 : 500 in Form von Globuli)

Behandlung von Akuterkrankungen während einer konstitutionellen Behandlung nach Vithoulkas ( Jenny 2001 )

Tab. 1.2
Konstitution des Patienten Zeitliches Auftreten der Akuterkrankung nach Gabe des Konstitutionsmittels Interpretation und Vorgehensweise
Relativ gesunde Patienten mit bisher wenig Akuterkrankungen 1. Woche Falsches Konstitutionsmittel (außer, die Akuterkrankung begann schon vor der Mittelgabe).
Nach 1 Monat Antidotierung? Abwarten, wie sich die Hauptbeschwerde entwickelt, bei Rückfall repetieren.
Nach > 6 Monaten Eventuell Mittelwirkung erschöpft (oder antidotiert). Falls noch indiziert, repetieren.
Patienten mit häufigen, auch ernsthaften Akuterkrankungen 1.–3. Tag Ein sehr milder Verlauf kann abgewartet werden, ebenso ein gegenüber bisherigen Akuterkrankungen sehr heftiger Verlauf, der das günstige Zeichen einer Erstverschlimmerung ist.
Verläuft die Akuterkrankung wie immer, war das Mittel falsch.
Nach 1 Woche Bei einem milden Verlauf ist die Wirkung günstig und es kann abgewartet werden, bei „normalem“ oder schwerem Verlauf war das Mittel falsch.
Nach 1 Monat Falsches Mittel, außer bei einer sehr starken äußeren Einwirkung (Antidotierung).
Nach 6 Monaten Rückfall oder Antidotierung? Abwarten oder Wiederholen der gleichen Potenz.
Nach > 1 Jahr War der Verlauf so lange gut, sollte das Mittel zunächst wiederholt werden, möglichst in einer höheren Potenz.
Patienten mit schwerer Grunderkrankung und nur noch seltenen, milden oder gar keinen akuten Erkrankungen In den ersten Wochen Jede frühe Akuterkrankung zeigt eine sehr gute Reaktion an, eine Heilung ist möglich, es kann abgewartet und soll möglichst nicht behandelt werden.
Nur bei schwerem Verlauf entweder ein passendes Akutmittel geben, bei unklarem Bild das Konstitutionsmittel in der gleichen Potenz häufig wiederholt (z. B. alle 3 Stunden) geben. Im Notfall allopathisch eingreifen.
Nach > 1 Monat Grundsatz: Je später die Akuterkrankung, desto tiefer ist das Problem. Milde Akuterkrankungen ohne Behandlung abwarten, bei schwerer Erkrankung das Mittel sehr sorgfältig wählen, um den Fall nicht zu verderben.

Symptome der drei Hauptmiasmen (variiert nach Ortega und Köhler) Psora Symptome Sykose Symptome Syphilinie Symptome

Tab. 1.3
Psora Sykose Syphilinie
Grundthema Mangel Überschuss Zerstörung
Funktionsstörung Insuffizienz, Hypofunktion Hyperfunktion Dysfunktion
Primäre Ursprungskrankheit Skabies? Gonorrhö Lues
Familienanamnese Allergien, Hautkrankheiten, Infektionskrankheiten Stoffwechselstörungen (Diabetes, Gicht, Steinleiden, Fettstoffwechselstörungen), Hypertonie, Herzerkrankungen, Rheuma, Urogenitalerkrankungen, Arteriosklerose Malignome, Knochen- und Blutkrankheiten, degenerative Erkrankungen, Herzinfarkt, AIDS, neurologische und psychiatrische Erkrankungen, Alkoholkrankheit, Suizid
Eigenanamnese Unterdrückung von Hauterkrankungen und physiologischen Ausscheidungen (Schweiß, Menses) Unterdrückte Wucherungen (Warzen etc.) und pathologische Ausscheidungen (Fluor, Eiterungen)
Impfungen, Fremdeiweiß (Infusionen, Immunglobuline)
Unterdrückung von pathologischen Ausscheidungen und Ulzerationen
Pathologie Ekzem, Wechsel zwischen Haut- und Schleimhautprozessen, Entzündung, Allergie Überschießende Absonderung, Stoffwechselstörungen, Ablagerungen (Steinbildung), Tumor Degeneration, Atrophie, Exostosen, Lähmung, Krebs
Hautsymptome Trockenes Ekzem, Juckreiz Feuchtes Ekzem, Wucherung (Warzen, Fibrome) Pemphigus, Abszess, Ulkus
Schleimhautsymptome Trockenheit Überschießende Sekretion Ulkus
Typische Krankheiten Rezidivierende Infekte, Ekzem Rheumatische Erkrankungen, Urogenitalerkrankungen Dysmorphien, Acne conglobata, Osteomyelitis, Alopezie, Autoimmunerkrankungen, Krebs
Modalitäten < Kälte < Feuchtigkeit < Nachts
Soziales Vorurteile, Indifferenz, Mangel an Solidarität Neid, Egoismus, Ehrgeiz, Korruption Hass, Terror, Krieg
Psyche „Hemmung“: Bescheidenheit, Schüchternheit, Schwäche, Ängste, Minderwertigkeitsgefühle „Flucht“: Übertriebenheit, Selbstüberschätzung, Wirrheit, Unruhe, Misstrauen „Aggression“: Gewalttätigkeit, Destruktivität, Suizidalität, Perversion, Schuldgefühle, Zwangssymptome
Psychiatrische Krankheiten Angstsyndrome Neurosen Psychosen
Kleidung Unauffällig, angepasst Auffällig, übertrieben Schlampig, nachlässig
Nosoden Psorinum Medorrhinum Syphilinum
Hauptmittel Sulphur Thuja Mercurius solubilis

Zuordnung der Miasmen Miasmen pädiatrische Erkrankungen zu einigen Erkrankungen im Kindesalter

Tab. 1.4
Miasma Erkrankung
Psora Neurodermitis, rezidivierende Infekte von Luftwegen und Gastrointestinaltrakt, Rachitis, Adipositas, Entwicklungsverzögerung
Allerginie Rhinitis vasomotorica, Pollinose, Nahrungsmittelallergien, Urtikaria
Sykose Rheumatische Erkrankungen, Nierenerkrankungen, Steinleiden, Asthma bronchiale, Sinusitis, Tubenkatarrh, Tonsillenhyperplasie, Windeldermatitis, Fluor, Hyperaktivität
Kanzerinie Maligne Erkrankungen, Anämie, Schlaflosigkeit, Angstkrankheit, Impfreaktionen
Syphilinie Dysmorphiesyndrome, Hydrozephalus, Myelomeningozele, Diabetes mellitus, Autoimmunerkrankungen, Borreliose, Wachstumsschmerzen, Neuralgien, Alopezie, Schlafstörungen, Epilepsie, Destruktivität, geistige Behinderung
Tuberkulinie Asthma, rezidivierende Bronchitiden und Pneumonien, rezidivierende Otitis, Knochenerkrankungen, Skoliose, Lymphknotenerkrankungen, Tinea, Verhaltensstörungen, Hyperkinesie

Miasmen und dazugehörige Kinderkrankheiten

Tab. 1.5
Miasma Kinderkrankheit
Psora
  • Windpocken

  • Röteln

Tuberkulinie
  • Keuchhusten

  • Masern

Sykose
  • Mumps

Syphilis
  • Diphtherie

  • Scharlach

Grundlagen der Homöopathie

Martin Hirte

Herbert Pfeiffer

Verständnis von Gesundheit und Krankheit

Hahnemann, Samuel Verständnis von Gesundheit und Krankheit Homöopathie Grundlagen „Des Arztes höchster und einziger Beruf ist, kranke Menschen gesund zu machen, was man Heilen nennt.“ (Hahnemann, Organon, § 1) . Diesen hohen Anspruch an die Tätigkeit der Ärzte versuchte Hahnemann mittels der Homöopathie auf ideale Weise zu verwirklichen. „Homöopathie ist eine Heilmethode mit Arzneien, die nach Prüfung ihrer Wirkung am Gesunden auf Grund der individuellen Krankheitszeichen des Patienten nach dem Ähnlichkeitsprinzip als Einzelmittel angewendet werden“ (Curriculum des DZVHÄ). Sie basiert auf Naturgesetzen, die schon immer vorhanden waren und in der Medizin seit langem bekannt sind.
Hahnemann hat diese Gesetze experimentell erforscht und zur Heilung kranker Menschen benutzt. Aufgrund ihrer natürlichen Gesetzmäßigkeiten lässt sich die Homöopathie Hahnemanns nach über 200 Jahren auch heute noch im Wesentlichen unverändert anwenden. Große Schüler Hahnemanns wie Hering, Kent oder J. H. Allen und viele Nachfolger haben sie zwar um eigene Erkenntnisse erweitert und modifiziert, die Grundsätze aber nie verlassen, von denen Hahnemann sagte: „Macht's nach, aber macht's genau nach!“ Nur die Heilmethode, die nach seinen Grundsätzen praktiziert wird, darf sich Homöopathie nennen.
Samuel Hahnemann prägte die Begriffe Homöopathie und Allopathie. Er verwies auf die Erfahrung, dass durch allopathische Arzneien, die in ihrer Wirkung den Krankheitssymptomen entgegengesetzt sind, diese nicht dauerhaft „aufgehoben und vernichtet“ werden können (Organon, § 23), und grenzte die homöopathische Heilmethode damit von der „antipathischen oder allöopathischen“ Medizin ab.

Lebenskraft als gesunderhaltende Kraft

Hahnemann, Samuel Lebenskraft Lebenskraft Der vom Vitalismus Vitalismus geprägte Hahnemann postulierte eine Kraft, die dem an sich aus toter Materie bestehenden Organismus Leben und Funktionieren ermöglicht. Er wählte dafür den Begriff der „Lebenskraft“, des „Lebensprinzips“ oder der „Dynamis“: „Im gesunden Zustand des Menschen waltet die geistartige, als Dynamis den materiellen Körper (Organism) belebende Lebenskraft (Autocratie) unumschränkt und hält alle seine Teile in bewundernswürdig harmonischem Lebensgange in Gefühlen und Thätigkeiten, so daß unser inwohnender, vernünftiger Geist sich dieses lebendigen, gesunden Werkzeugs frei zu dem höhern Zwecke unseres Daseins bedienen kann. Der materielle Organism, ohne Lebenskraft gedacht, ist keiner Empfindung, keiner Thätigkeit, keiner Selbsterhaltung fähig; nur das immaterielle, den materiellen Organism im gesunden und kranken Zustand belebende Wesen (das Lebensprincip, die Lebenskraft) verleiht ihm alle Empfindung und bewirkt seine Lebensverrichtungen.“ (Organon, §§ 9–10)
Die neuere psycho-neuro-immunologische Forschung entwirft ein Modell dieser Lebenskraft, das die traditionelle, unter anderem von Virchow postulierte Trennung zwischen Körper, Geist und Seele widerlegt. Abwehr- und Heilungsvorgänge werden heute als Funktionen eines hoch komplizierten Netzwerkes aufgefasst, das Schaltstellen im Gehirn, in Hormondrüsen und in den Immunzellen hat ( Kirschbaum 1998 , Ehlert 2011 ). Die nicht hierarchisch strukturierte Kommunikation dieser Systeme geschieht über verschiedene Informationswege, über die sich Gedanken und Gefühle wechselseitig mit Immunvorgängen beeinflussen: von Immunzellen ausgesandte Transmitter verändern während Abwehrvorgängen die emotionale Befindlichkeit, das Schmerzempfinden, den Stoffwechsel und das vegetative Gleichgewicht. Umgekehrt beeinflussen Gedanken, Vorstellungen und Emotionen diesen Regelkreis; sie können je nach ihrer Qualität abwehrsteigernde oder immunsuppressive, schmerzlindernde oder schmerzverstärkende Wirkungen haben.
Die „Lebenskraft“ entspricht nach dem Verständnis von Hahnemann – funktional gesehen – dem Netzwerk im Organismus, das die zu seiner Erhaltung notwendigen Funktionen überwacht, koordiniert, regelt und im Gleichgewicht hält. Solange die Lebenskraft gut und richtig wirkt, ist der Mensch gesund. Ist sie in Disharmonie und „verstimmt“, wie sich Hahnemann ausdrückt, so kommt es sekundär zu Krankheitssymptomen.
Potenziell krankmachende Faktoren wie Stress, Toxine oder Erreger sind immer und überall vorhanden, führen aber nicht bei jedem zwangsläufig zu einer Krankheit. Selbst bei hoch ansteckenden Erkrankungen wie Masern oder Windpocken gibt es resistente Kontaktpersonen oder stille Feiungen. Erst eine Schwächung des Terrains, des Milieus – bedingt durch eine zentrale Fehlsteuerung – ermöglicht Wachstum und Vermehrung von Erregern, ermöglicht sich selbst erhaltende chronische Entzündungen, Degenerationen oder chaotisches autonomes Wachstum:
„Der Mensch, der glaubt, daß er seine Arzneimittel gegen Erreger oder gegen Würmer oder gegen einen Tumor, den der Patient haben mag, richten müsse, befindet sich in äußerster Finsternis, wenn er nicht begreifen kann, daß ein gesunder Mensch auch gesundes Gewebe und gesundes Blut haben muß und deswegen auch kein Nährboden für Erreger, Würmer oder krankhaftes Wachstum vorhanden sein kann.“ (Kent, Minor Writings)

Info

Vorbedingung für den Ausbruch einer Krankheit ist also die entsprechende Disposition des Organismus: Erst kommt es zur Verstimmung der Lebenskraft, dann erst folgen die Krankheitssymptome.

Hahnemann weiß jedoch um die Labilität der Lebenskraft. Sie funktioniert nach seiner Ansicht „verstandlos, automatisch, wenig zweckdienlich, jammervoll oder garnicht.“ Er hält sie „keiner Überlegung oder Fürsicht fähig“, nennt ihre Reaktionen „instinktartig“ und „höchst unvollkommen“ (Organon, § 22, Anm.). Sie sei nur geeignet, den gesunden Organismus in harmonischem Gange fortzuführen, nicht aber, Krankheiten in sich selbst zu heilen. Denn „besäße sie hierzu eine musterhafte Fähigkeit, so würden sie den Organism gar nicht haben krank werden lassen“ (§ 22, Anm.). Die Eigenregulation des Organismus ist störanfällig, sie kann durch Krankheiten überfordert werden, überschießend oder ungenügend reagieren und auf diese Weise die Rückkehr zu Gleichgewicht und Genesung verhindern. Aus der Kybernetik wissen wir, dass Regelkreise selbst auf ausgeprägteste Störungen nicht zwangsläufig reagieren, sondern unter Umständen sogar „normal“ weiterarbeiten.
In solchen Fällen kann Krankheit nur durch „jene größte Gabe Gottes“, nämlich „nachdenklichen Verstand und ungebundene Überlegungskraft“ geheilt werden. „Wahre Heilkunst ist jenes nachdenkliche Geschäft, was dem höhern Menschen-Geiste, der freien Überlegung und dem wählenden, nach Gründen entscheidenden Verstand obliegt.“ (Organon, Einleitung)

Wesen der Krankheit

„Wenn der Mensch erkrankt, so ist ursprünglich nur diese geistartige, in seinem Organism überall anwesende, selbstthätige Lebenskraft (Lebensprincip) durch den, dem Leben feindlichen, dynamischen Einfluß eines krankmachenden Agens verstimmt; nur das zu einer solchen Innormalität verstimmte Lebensprincip, kann dem Organism die widrigen Empfindungen verleihen und ihn so zu regelwidrigen Thätigkeiten bestimmen, die wir Krankheit nennen, denn dieses, an sich unsichtbare und bloß an seinen Wirkungen im Organism erkennbare Kraftwesen, giebt seine krankhafte Verstimmung nur durch Aeußerung von Krankheit in Gefühlen und Thätigkeiten, (die einzige, den Sinnen des Bebachters und Heilkünstlers zugekehrten Seite des Organism), das ist, durch Krankheits-Symptome zu erkennen und kann sie nicht anders zu erkennen geben.“ (Organon, § 11)
Wir sehen hier das moderne, ganzheitliche Krankheitsverständnis des seiner Zeit weit voraus denkenden Hahnemann. Krankheiten betreffen nicht nur einzelne Organe, sondern den ganzen Menschen. Sie verändern nicht nur die Funktion des aus oberflächlicher Sicht „befallenen“ Organs, sondern den gesamten Organismus und bringen Allgemeinsymptome und Gemütssymptome hervor, die vom aufmerksamen Beobachter wahrgenommen werden können.

Info

Besonders wichtig für das homöopathische Krankheitsverständnis ist der § 16 im Organon: „Von schädlichen Einwirkungen auf den gesunden Organism, durch die feindlichen Potenzen, welche von der Außenwelt her das harmonische Lebensspiel stören, kann unsere Lebenskraft als geistartige Dynamis nicht anders denn auf geistartige (dynamische) Weise ergriffen und afficirt werden […].“

Diese revolutionäre Krankheitsauffassung bedeutet, dass Krankheiten – ausgenommen Krankheiten durch äußeren, mechanischen Einfluss – erst auftreten, nachdem ihnen durch eine veränderte Disposition des Patienten Tür und Tor geöffnet wurden. Diese Veränderung der Disposition hat weniger materielle als dynamische Ursachen – Hahnemann nennt sie „Potenzen“, da sie ähnlich „geistartig“ wirken wie homöopathische Arzneimittel, tief wirkende Reize, denen wir ausgesetzt sind oder denen wir uns aussetzen. Ganz im Sinne der Psychoneuroimmunologie sind dies in erster Linie Störungen im Geist- und Gemütsbereich, z. B. emotionaler Stress, Sorgen, Überreizung, psychische Traumatisierung, v. a. bei Kindern auch Gefühle von Hilflosigkeit, Überforderung, Einsamkeit, Bedeutungslosigkeit oder Unfähigkeit.
Unter „feindlichen Potenzen“ versteht jedoch der Arzt Hahnemann auch schädliche Wirkungen durch materielle Stoffe oder Erreger, die ähnlich wie homöopathisch potenzierte Arzneimittel durch eine Art „Gleichklang“ Zugang zur Homöostase bekommen und diese in ihrer Funktion stören – nicht durch ihre materiellen Eigenschaften, sondern durch ihre „geistartigen“, deregulativen Wirkungen.
Organische Veränderungen sind, wo auch immer sie auftreten, ob in der kleinsten Zelle oder im Gewebsverband – außer sie wurden mit Gewalt von außen zugefügt – Ergebnisse der Fehlfunktion eines immateriellen, energetischen Zentrums. Dies gilt auch für Infektionskrankheiten, deren Erreger Hahnemann freilich noch nicht bekannt waren. In seiner Schrift vom „Geist der homöopathischen Heil-Lehre“ (1833) betont Hahnemann, „daß das veränderte Befinden, was wir Krankheit nennen, ebenfalls ein nicht nach chemischen, physischen oder mechanischen Hinsichten, sondern ursprünglich bloß in seinen lebendigen Gefühlen und Thätigkeiten veränderter, das ist, ein dynamisch veränderter Zustand des Menschen, eine abgeänderte Existenz seyn müsse, durch welche dann ferner die materiellen Bestandtheile des Körpers in ihren Eigenschaften abgeändert werden […].“
Hahnemann verweist jedoch in der gleichen Schrift darauf, dass Spekulationen über tiefere Krankheitsursachen nicht hilfreich sind, wenn es darum geht, Kranke gesund zu machen: „Es ist unmöglich, das innere Wesen der Krankheiten und was im Verborgenen durch sie im Körper verändert ist, zu errathen, und thöricht, auf solche hypothetische Vermuthungen und Annahmen deren Cur bauen zu wollen […].“
Hilfreich ist nur, die Veränderungen wahrzunehmen, die durch diese Regulationsstörung entstehen, denn jede Krankheit äußert sich durch Symptome, die wir wahrnehmen oder die uns die Kranken klagen. „Einzig die krankhaft gestimmte Lebenskraft bringt die Krankheiten hervor, so daß die, unsern Sinnen wahrnehmbare Krankheits-Aeußerung zugleich alle innere Veränderung, das ist die ganze krankhafte Verstimmung der innern Dynamis ausdrückt und die ganze Krankheit zu Tage legt […]. Es giebt nichts krankhaftes Heilbare und nichts unsichtbarer Weise krankhaft verändertes Heilbares im Innern des Menschen, was sich nicht durch Krankheitszeichen und Symptome dem genau beobachtenden Arzte zu erkennen gäbe – ganz der unendlichen Güte des allweisen Lebenserhalters der Menschen gemäß.“ (Organon, §§ 12, 14)
Hahnemann verlangt vom Arzt ein vorurteilloses Beobachten, bei dem nichts anderes berücksichtigt wird als „äußerlich durch die Sinne erkennbare Veränderungen im Befinden des Leibes und der Seele, Krankheitszeichen, Zufälle, Symptome“, die objektiven und subjektiven Veränderungen des jetzt Kranken. „Sie bilden zusammen die wahre und einzig denkbare Gestalt der Krankheit […], reflectiren das innere Wesen der Krankheit und fordern die zu ihrer Behandlung geeignete Arznei.“ (Organon, §§ 6–7)
Verstimmte Lebenskraft und Krankheitssymptome sind nach Ausführungen Hahnemanns also eins, sodass durch „Wegnahme“ der Symptome, aller Symptome, auch die krankhafte Verstimmung der Lebenskraft aufgehoben wird: „[…] dass der Heilkünstler bloß den Inbegriff der Symptome hinweg zu nehmen hat, um mit ihm zugleich die innere Veränderung, das ist, die Krankhafte Verstimmung des Lebensprincips – also das Total der Krankheit, die Krankheit selbst, aufzuheben und zu vernichten.“ (Organon, § 17)
Der „Inbegriff der Symptome“ ist der einzige Hinweis auf ein zu wählendes Heilmittel, das, richtig gewählt, in der Lage ist, „das auf Gefühlen und Thätigkeiten beruhende Menschenbefinden umzustimmen.“ (Organon, § 19)

Prinzipien der Homöopathie

Homöopathie Prinzipien Der von Hahnemann 1810 eingeführten Homöopathie liegen zwei wesentliche Hauptprinzipien zu Grunde, die klar und nachvollziehbar, aber naturwissenschaftlich bisher nicht geklärt sind:
  • Das Simileprinzip: Durch Simileprinzip Beobachtung und Befragen des Kranken werden vom homöopathischen Arzt die subjektiven und objektiven Symptome der Krankheit genau erforscht. Aus dem Vergleich der Symptome des Kranken mit den Symptomen aus den Arzneimittelprüfungen ergibt sich die Indikation für die Arznei, die dem Kranken gegeben wird und die ihn dauerhaft heilen kann – „Similia similibus curentur“ („Ähnliches werde mit Ähnlichem geheilt“).

  • Die Arzneimittelprüfung am Gesunden: Die Durchführung von Arzneimittelprüfungen, bei denen die Symptome gesunder „Prüfer“ erhoben werden, wurde von Hahnemann entwickelt und detailliert beschrieben. Aus ihr und aus toxikologischen Beobachtungen oder Tierversuchen ergeben sich die genauen Wirkungen eines Arzneimittels.

Um die Arzneiwirkungen zu verbessern, erarbeitete Hahnemann das dritte Prinzip der Homöopathie, die Potenzierung der Arzneien.
Er machte nämlich die Beobachtung, dass auch und gerade über die Loschmidt-Zahl hinaus verdünnte und potenzierte, d. h. zusätzlich mit mechanischer Energie rhythmisch bearbeitete Ausgangsstoffe zu hochwirksamen Arzneimitteln wurden, die nicht selten mit einer einzigen Gabe zum Heilungserfolg führten – ohne die oft toxischen Nebenwirkungen unverdünnter, „roher“ Arzneien.

Simileprinzip

Simileprinzip Durch Unterdrückung oder Gegensteuerung ist keine echte Heilung möglich: Ein Krankheitssymptom wie Fieber „ist keine von außen induzierte Änderung des Zustandes sondern eine Änderung des Sollwertes. Ebenso sind Hypertonie, ein Ekzem oder eine Arthritis vom Körper so gewollte, also so regulierte Zustände. Ein Eingreifen in diese Zustände führt im besten Fall zur Gegenreaktion, die den ursprünglichen Zustand wieder herstellen soll. Das heißt ein Eingriff in das Geschehen wird Kräfte mobilisieren, die diesem Eingriff entgegenwirken.“ ( Ivanovas 2002 )

Info

Die „geistartig“, dynamisch oder energetisch verstimmte Lebenskraft kann nur durch eine ihr ähnliche, ebenfalls geistartige oder energetische Kunstkrankheit überstimmt werden (Organon, §§ 16, 148) – oder in den modernen Sprachgebrauch übersetzt: Der überschießende oder ungenügende Selbstregulationsversuch des Organismus kann nur durch ein Arzneimittel korrigiert werden, das in ähnlichem, aber richtigen Sinne in die Steuerung des Organismus eingreift. „Eine schwächere dynamische Affektion wird im lebenden Organism von einer stärkern dauerhaft ausgelöscht, wenn diese (der Art nach von ihr abweichend) jener sehr ähnlich in ihrer Äußerung ist.“ (Organon, § 26)

Das Wissen um das Simileprinzip ist schon seit Jahrtausenden als allgemeines Gedankengut des Menschen nachweisbar. Bereits in den hippokratischen Schriften („Von den Stellen im Menschen“) ist zu lesen: „Durch das Ähnliche entsteht die Krankheit, und durch die Anwendung des Ähnlichen wird die Krankheit geheilt.“ In der Dermatologie ist es ein bekannter Grundsatz, feuchte Hautausschläge feucht zu behandeln. Chronische Entzündungen können durch Wärme oder Infrarotbehandlungen „angeheizt“ und einer Heilung zugeführt werden. Aus der Psychotherapie kennen wir die „paradoxe Intervention“ („prescribing the symptom“), um krankhafte Verhaltensmuster aufzulösen. In seinem „Organon“ illustriert Hahnemann das Similegesetz mit verschiedensten anderen Beispielen, unter anderem auch mit der Apathie und dem unterwürfigen „Sklavensinn“ eines Volkes, das erst noch tiefer in den Staub getreten werden muss, um schließlich seine „Selbst-Nichtachtung“ zu verlieren und sich zu erheben (Organon, § 26, Anm.).
Hahnemanns Verdienst war es, aus diesem „Naturgesetz“, wie er es nennt, eine systematische Heilmethode entwickelt zu haben. Das Simile-Prinzip bedeutet bei ihm, dass eine Krankheit, die sich durch die Gesamtheit der Symptome ausdrückt, durch ein Arzneimittel geheilt werden kann, das möglichst ähnliche Symptome – ermittelt durch die Prüfung am Gesunden – hervorrufen kann.
Hahnemanns erste Beschreibung des homöopathischen Simileprinzips findet sich in seiner Schrift „Versuch über ein neues Prinzip zur Auffindung der Heilkräfte der Arzneisubstanzen nebst einigen Blicken auf die bisherigen“ (1796). Er hatte einen Selbstversuch mit Chinarinde, einem Heilmittel der Malaria, die damals noch in Europa grassierte, unternommen. Dabei hatte er an sich der Malaria ähnliche Symptome festgestellt: „Ich nahm des Versuchs halber etliche Tage zweimal täglich jedesmal 4 Quentchen gute China ein; die Füße, die Fingerspitzen usw. wurden mir erst kalt, ich war matt und schläfrig, dann fing das Herz an zu klopfen, mein Puls war hart und geschwind; eine unleidliche Ängstlichkeit, ein Zittern (aber ohne Schauder), eine Abgeschlagenheit durch alle Glieder, dann ein Klopfen im Kopf, Röte der Wangen, Durst, kurz alle mir sonst beim Wechselfieber gewöhnlichen Symptome erschienen nacheinander, doch ohne eigentliche Fieberschauer. Mit kurzem: auch die mir bei Wechselfieber gewöhnlichen besonders charakteristischen Symptome, die Stumpfheit der Sinne, die Art von Steifigkeit in allen Gelenken, besonders aber die taube widrige Empfindung, welche in dem Periostium über allen Knochen des ganzen Körpers ihren Sitz zu haben scheint – alle erschienen. Dieser Paroxysmus dauerte 2 bis 3 Stunden jedesmal und erneuerte sich, wenn ich diese Gabe wiederholte, sonst nicht. Ich hörte auf und ich war gesund.“

Info

In der Einleitung des „Organon“ formuliert Hahnemann das Simileprinzip für die ärztliche Heilkunst in dem berühmten Satz: „Wähle, um sanft, schnell, gewiß und dauerhaft zu heilen, in jedem Krankheitsfalle eine Arznei, welche ein ähnliches Leiden (ὅμοιον πáϑοϚ) für sich erregen kann, als sie heilen soll!“

Das Simileprinzip ist unabhängig von der Potenzierung. Allopathisch angewandte Substanzen, die der menschliche Körper in materieller Form aufnimmt, wirken jedoch zunächst nur nutritiv, substitutiv oder toxisch, da sie ohne Similebeziehung zur behandelten Krankheit verschrieben werden. Homöopathisch und damit regulativ wirkt eine Arznei erst dann, wenn sie in einer Similebeziehung zum Patienten und seinen Symptomen steht. Erst dann erschließt sich ihre tiefe Wirkung auf den Organismus und die Lebenskraft, ihre nach Hahnemann „geistartige“ Wirkung.
Es gibt verschiedene Denkmodelle, mit denen nachvollzogen wird, warum gleichsinnige homöopathische Interventionen erfolgreich sind (z. B. Bayr 1996 , Ivanovas 2002 , Zycha 1996 ), der wissenschaftliche Beleg ist aber bisher nicht geführt – was Hahnemann als Empiriker nicht stören würde, der meint: „Was Leben sey, ist bloß aus dessen Aeußerungen und Erscheinungen empirisch erkennbar, durch metaphysische Speculationen aber, a priori, durchaus nicht zu erdenken (construiren); was Leben an sich und in seinem innern Wesen sey, läßt sich nie von Sterblichen einsehen, noch durch Vermuthungen erreichen.“ ( Hahnemann 1833 )

Arzneimittelprüfung am Gesunden

Arzneimittel, homöopathische An Arzneien ist nicht nur die Kraft wahrnehmbar, beim kranken Menschen deutliche Veränderungen seines Befindens hervorzubringen, sondern auch den gesunden Menschen in seinem Befinden umzustimmen und Krankheitssymptome in ihm zu erregen. So ist es möglich zu erfahren, welche „Krankheits-Erzeugungskraft jede einzelne Arznei, das ist zugleich, welche Krankheits-Heilungskraft“ sie besitzt. (Organon, § 21)
„Der zweite Punkt des Geschäftes eines ächten Heilkünstlers, betrifft die Erforschung der, zur Heilung der natürlichen Krankheiten bestimmten Werkzeuge, die Erforschung der krankmachenden Kraft der Arzneien“ (Organon, § 105) . Um „für die meisten natürlichen Krankheiten treffend homöopathische Heilmittel auswählen zu können“ (Organon, § 106) , muss die Wirksamkeit der Arzneien bekannt sein. „Die Arzneien, von denen Leben und Tod, Krankheit und Gesundheit der Menschen abhängen“, müssen „von einander unterschieden und deshalb durch sorgfältige reine Versuche auf ihre Kräfte und Wirkungen im gesunden Körper geprüft werden.“ (Organon, § 120)
Es gibt keine andere Möglichkeit, als „die einzelnen Arzneien versuchsweise gesunden Menschen in mäßiger Menge“ einzugeben , „um zu erfahren, welche Veränderungen, Symptome und Zeichen ihrer Einwirkung jede besonders im Befinden des Leibes und der Seele hervorbringe.“ (Organon, § 108)
Eine homöopathische Arzneimittelprüfung (HAMP) ist eine systematische Beobachtung und Erfassung von Symptomen, hervorgerufen durch die definierte Gabe eines homöopathischen Arzneimittels oder eines noch nicht homöopathisch geprüften arzneilich wirksamen Stoffes an gesunden Personen (Probanden, „Prüfern“). Sie wird von einem Prüfungsleiter verantwortlich durchgeführt. Mit dem Begriff „Prüfer“ wird in der homöopathischen Literatur eine Person bezeichnet, die einen Prüfstoff einnimmt und die Auswirkungen beobachtet („prüft“).
Das Ziel einer HAMP ist das Hervorrufen, Beobachten und Dokumentieren von reversiblen Symptomen und Befindensveränderungen am gesunden Menschen, um eine Arznei aufgrund des Ähnlichkeitsprinzips am Kranken anwenden zu können.
Die praktische Erprobung, die sofort dem leidenden Patienten zugutekommen kann, ist ein fester Bestandteil der Homöopathie. Schon Hahnemann prüfte nach seinem Selbstversuch mit der Chinarinde mehrere hundert verschiedene Arzneien an sich und anderen, immer unter dem Leitsatz, dass Symptome, die das Arzneimittel beim Gesunden hervorruft, beim Kranken durch dieses Mittel geheilt werden. Die Ergebnisse seiner Prüfungen publizierte er 1811 in der „Reinen Arzneimittellehre“.

Potenzierung der Arzneien

Potenzierung Das dritte Hauptprinzip der Homöopathie ist die Potenzierung der Arzneien. So wie Hahnemann in seinem China-Versuch die Ursubstanz eingenommen hatte, behandelte er seine Patienten zunächst auch mit im Urzustande belassenen Arzneistoffen aus Pflanzen, tierischen Stoffen, Mineralien, Chemikalien und anderen Substanzen. Mit den damals üblichen Gran-Dosen (1 Gran = 0,06 Gramm) erlebte er jedoch häufig toxische Nebenwirkungen und Erstverschlimmerungen. Daher verkleinerte er die Dosen seiner Arzneimittel zunehmend durch Verschütteln Verschütteln mit verdünntem Alkohol bzw. Branntwein oder durch Verreiben mit Milchzucker in Schritten zu je 1 : 100. Je höher die Verdünnung und je öfter die Dynamisierung durch Verreiben oder Verschütteln erfolgte, umso weniger Substanz war in der Arznei enthalten. Schließlich nahm er die Verdünnungen sogar so weit vor, dass sie jenseits der Loschmidt-Zahl (6 × 10 –23 ) lagen. Rein rechnerisch konnte damit kein Molekül, also keine Substanz mehr im Lösungsmittel enthalten sein.
Zu seiner Überraschung stellte Hahnemann fest, dass die Wirksamkeit mit der Verdünnung nicht abnahm, sondern im Gegenteil sogar zunahm, und dass sich auch völlig neue Wirkungen ergaben, die er in Arzneimittelprüfungen an sich selber und anderen beobachtete und dokumentierte. In der Behandlung seiner Patienten hatten die potenzierten Arzneimittel eine tiefere und anhaltendere Wirkung als die Rohsubstanzen. Um dieser Wirkungsentfaltung gerecht zu werden, sprach Hahnemann nicht mehr von „Verdünnung“, sondern von Potenzierung oder Dynamisierung.

„Die homöopathische Heilkunst entwickelt zu ihrem Behufe die innern, geistartigen Arzneikräfte der rohen Substanzen, mittels einer ihr eigenthümlichen, bis zu meiner Zeit unversuchten Behandlung, zu einem, früher unerhörten Grade, wodurch sie sämmtlich erst recht sehr, ja unermeßlich – „durchdringend“ wirksam und hülfreich werden, selbst diejenigen unter ihnen, welche in rohem Zustande nicht die geringste Arzneikraft im menschlichen Körper äußern. Diese merkwürdige Veränderung in den Eigenschaften der Natur-Körper, durch mechanische Einwirkung auf ihre kleinsten Theile, durch Reiben und Schütteln (während sie mittels Zwischentritts einer indifferenten Substanz, trockner oder flüssiger Art, voneinander getrennt sind) entwickelt die latenten, vorher unmerklich, wie schlafend in ihnen verborgen gewesenen, dynamischen Kräfte, welche vorzugsweise auf das Lebensprinzip, auf das Befinden des thierischen Lebens Einfluß haben. Man nennt daher diese Bearbeitung derselben Dynamisiren, Potenziren (Arzneikraft-Entwickelung) und die Produkte davon, Dynamisationen oder Potenzen in verschiednen Graden.“

(Organon, § 269)

Zunächst verwendete Hahnemann zur Arzneiherstellung nur verschüttelte wasserlösliche pflanzliche Stoffe und Mineralien. Doch er wollte auch unlösliche Substanzen arzneilich machen: „[…] da ich mich aber nicht überwinden konnte, irgend ein Metall an sich für unheilkräftig zu halten, so bediente ich mich seiner zuerst in Auflösung in Säure.“ Durch die arabische und mittelalterliche Literatur lernte er, Blattgold „mit 100 Teilen Milchzucker eine gute Stunde lang“ zu verreiben. So erfuhr er, „dass in der Prüfung bei einigen gesunden Erwachsenen schon hundert Gran dieses Pulvers […], in Wasser aufgelöset, zur Erregung sehr starker Befindensveränderungen und krankhafter Zufälle zureichten“. Auch Stoffe wie Kochsalz, denen man keine Heilkraft zubilligte, konnte er auf diese Weise zu wirksamen Arzneien verändern: „Diese der Homöopathie eigene Zubereitung der Arzneisubstanzen (bringt) gleichsam eine neue Welt von Kräften, die in den rohen Substanzen von der Natur bisher verschlossen, an den Tag […]. Die Veränderung, welche in den Naturkörpern, namentlich in den arzneilichen, durch anhaltendes Reiben mit einem unarzneilichen Pulver, oder, aufgelöst durch (langes) Schütteln mit einer unarzneilichen Flüssigkeit entsteht, ist so unglaublich groß, daß der Fund dieser wundervollen Veränderung der Homöopathie angehört […]“. (Hahnemann, Die chronischen Krankheiten [= CK], Bd. 1, S. 180)

Info

Die Arzneiwirkung kann bei Gaben höherer Potenzen nicht mehr materiell, sondern nur noch „geistartig“ sein, also der „geistartigen“ Störung der Lebenskraft am besten entsprechen – im heutigen Sprachgebrauch könnte man von einer Art Informationsübertragung und Beeinflussung der psychoimmunologischen Steuerung des Organismus sprechen.

„Homöopathische Dynamisationen sind wahre Erweckungen der in natürlichen Körpern während ihres rohen Zustandes verborgen gelegenen, arzneilichen Eigenschaften, welche dann fast geistig auf unser Leben, das ist, auf unsre empfindende (sensible) und erregbare (irritable) Faser einzuwirken fähig werden. Diese vor mir unbekannten Eigenschafts-Entwickelungen (Dynamisationen) roher Natur-Stoffe geschehen, wie ich zuerst gelehrt habe, durch Reiben der trocknen Substanzen im Mörsel, der flüssigen aber durch Schütteln, was nicht weniger eine Reibung ist. Diese Bereitungen können daher nicht mit dem Namen Dilutionen abgefertigt werden, obgleich jedes Präparat dieser Art, um es höher zu potenziren, d. i. um noch ferner die darin noch verborgen liegenden Arznei-Eigenschaften zu erwecken und zu entwickeln, erst wieder mehr verdünnt werden muss, damit das Reiben oder Schütteln noch tiefer in das Wesen der Arznei-Substanz eingreifen und so auch den feinern Theil der noch tiefer liegenden Arznei-Kräfte freimachen und zu Tage fördern könne, was durch alles Reiben oder Schütteln der Substanzen in konzentrirterm Zustande nicht möglich wäre.“

(Hahnemann, CK, Bd. 5, Vorwort)

Hahnemann hat keine theoretischen Spekulationen über die Ursachen der Wirkung potenzierter Arzneimittel angestellt. Wissenschaftliche, etwa quantenphysikalische Erklärungsmodelle für die Wirkungsverstärkung durch Potenzierung und Verdünnung stehen auch heute noch trotz verschiedener Ansätze (z. B. Resch 1986, Endler 1997 ) aus. Die geistartige Kraft der Arzneien ist weder naturwissenschaftlich beweisbar noch theoretisch erklärbar, sondern nur durch die Einwirkung auf das Befinden der Menschen empirisch wahrnehmbar: „Diese im innern Wesen der Arzneien verborgene, geistartige Kraft, Menschenbefinden umzuändern und daher Krankheiten zu heilen, ist an sich auf keine Weise mit bloßer Verstandes-Anstrengung erkennbar; bloß durch ihre Aeußerungen beim Einwirken auf das Befinden des Menschen, läßt sie sich in der Erfahrung, und zwar deutlich wahrnehmen.“ (Organon, § 20)

Materia medica und Symptomenlexikon (Repertorium)

Materia medica Aus den Berichten der Arzneimittelprüfer, aus toxikologischen Symptomen und aus klinischen Fällen, die durch das betreffende Mittel geheilt wurden, lässt sich eine große Anzahl von übereinstimmenden Symptomen zusammentragen, die für das jeweilige Mittel charakteristisch sind. Sie ergeben ein „Arzneimittelbild“, das mit der Gesamtheit der Symptome eines Patienten in Deckung gebracht wird und daher die Grundlage für die Verschreibung eines homöopathischen Mittels bildet.

Materia medica

Eine Sammlung der Symptome verschiedener Arzneimittel nennt sich Materia medica. „Hat man nun eine beträchtliche Zahl einfacher Arzneien auf diese Art im gesunden Menschen erprobt und alle die Krankheits-Elemente und Symptome sorgfältig und getreu aufgezeichnet, die sie von selbst als künstliche Krankheits-Potenzen zu erzeugen fähig sind, so hat man dann erst eine wahre Materia medica – eine Sammlung der ächten, reinen, untrüglichen Wirkungsarten der einfachen Arzneistoffe für sich […].“ (Organon, § 143).
Hahnemann fertigte mit seiner „Reinen Arzneimittellehre“ die erste ausführliche Materia medica der mehr als dreihundert von ihm geprüften Arzneimittel an. Dieses in der derzeitigen Auflage sechsbändige Werk ist eine Fundgrube von Symptomen, und durch die Genauigkeit der Beobachtungen nach wie vor unübertroffen.
Die darüber hinaus bekanntesten und verbreitetsten Arzneimittellehren sind die Materiae medicae von Allen, Boericke, Clarke, Hering, Kent, Mezger und Phatak. Eine sehr gute Zusammenfassung mehrerer Arzneimittellehren findet sich in Vermeulens „Konkordanz der Materia Medica“.
Aus didaktischen Gründen gab es immer wieder Versuche, die vielfältigen und ungeordnet nebeneinander stehenden Symptome der einzelnen Arzneimittel zu ordnen, die wesentlichen und charakteristischen Symptome herauszuarbeiten und dadurch die Arzneimittel verständlicher und zugänglicher zu machen. Bereits bei Kent, der einer der bedeutendsten Lehrmeister der Homöopathie war, wird dieses Bemühen deutlich.
Im Bereich der Pädiatrie schufen Borland mit seinen „Kinderkonstitutionstypen in der Homöopathie“, Vermeulen mit den „Kindertypen in der Homöopathie“ und Herscu mit „Die homöopathische Behandlung der Kinder“ Standardwerke, in denen charakteristische, wiedererkennbare Arzneimitteltypen beschrieben werden.
Verschiedene homöopathische Schulen gehen noch weiter und versuchen, durch prägnante Kurzcharakteristika die Wirkung verschiedener Arzneimittel gewissermaßen auf einen Nenner zu bringen. Einer der Pioniere auf diesem Gebiet ist Vithoulkas mit seinen „Essenzen homöopathischer Arzneimittel“. Von einer bestimmten Hauptidee ausgehend – etwa bei Causticum „allmählich fortschreitende Paralyse“, bei Lycopodium „Feigheit“, bei Alumina „Verwirrung, Zurückhalten“, bei Lachesis „Überdruck“ – entwickelt er wie an einem roten Faden die wesentlichen Kernelemente des jeweiligen Mittels.
Herscu, ein Schüler von Vithoulkas, fasst die wesentlichen Symptome eines Arzneimittels in Gruppen oder Segmenten zusammen, die, logisch aufeinanderfolgend, einen Kreis bilden – einen Zyklus, der dem „Teufelskreis“ entspricht, aus dem der Patient mit seiner Krankheit nicht entrinnen kann, und den nur das passende Arzneimittel auflösen kann. Als Beispiel seien hier die Hauptsymptome von Herscu von Stramonium angeführt: „Furcht vor Tod oder Verletzung, Klammern → Heftige Überreaktion, Gewalt → Rückzug, Selbstschutz, Stillstand → Verwirrung über seinen dualen Zustand; halb lebendig, halb tot → Furcht … etc.“ ( Herscu 1997 ).
Noch weitergehende, eher spekulative Essenzen stammen von Sankaran mit seiner „zentralen Wahnidee“ oder von Scholten mit seiner Theorie der „Basisthemen“ v. a. im Bereich der mineralischen Arzneimittel. Die Tendenz, die Wirkung von Arzneimitteln anhand ihrer Herkunft aus bestimmten Bereichen der Natur oder des Periodensystems der Elemente zu erschließen, ist immer wieder Ausgangspunkt von Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen homöopathischen Schulen.

Info

Hahnemann als empirischer Wissenschaftler äußert sich in seinem aphoristisch formulierten § 144 des „Organon“ ablehnend gegenüber Spekulationen bezüglich der Wirkung von Arzneimitteln: „Von einer solchen Arzneimittellehre sei alles Vermuthete, bloß Behauptete, oder gar Erdichtete gänzlich ausgeschlossen; es sei alles reine Sprache der sorgfältig und redlich befragten Natur.“

Repertorium

Repertorium Um die Suche nach Arzneimittelsymptomen zu erleichtern, hat schon Hahnemann ein Repertorium (lat. „Verzeichnis“) angelegt, in das er die Symptome der Arzneimittelprüfungen und die Beobachtungen aus der erfolgreichen Behandlung von Kranken eingetragen hat. Repertorien sind lexikalisch aufgebaute Werke, die nach Körperregionen und alphabetisch nach Prüfungs- bzw. Krankheits-Symptomen geordnet sind.
Die in der praktischen Arbeit angewandten Repertorien gehen auf Bönninghausen und Kent zurück. Von Bönninghausen stammt auch die Idee, Arzneimittel im Repertorium je nach der Zuverlässigkeit ihrer Symptome zu „werten“. Am weitesten verbreitet ist das Kent-Repertorium, das in deutscher Sprache in der Bearbeitung von Keller/Künzli oder von Künzli/Barthel vorliegt. Auf dem „Kent“ aufgebaut entstanden in neuerer Zeit mit „Synthesis“, „Complete Repertory“ und „Repertorium Universale“ sehr stark erweiterte und ständig ergänzte Repertorien mit entsprechender PC-Software, die inzwischen unter Homöopathen in aller Welt als Standard akzeptiert sind.
Aufbau eines Repertoriums
Repertorium Aufbau Der Aufbau der Repertorien ist folgender: Das erste Kapitel enthält die Geist- und Gemütssymptome, danach folgen die Symptome verschiedener Körperregionen nach dem Kopf-zu-Fuß-Schema, dann die Kapitel Schlaf, Frost, Fieber und Schweiß und schließlich die Allgemeinsymptome.
Innerhalb jedes Kapitels sind die Symptome nach dem Alphabet geordnet. Die Untergliederung bei den einzelnen Symptomen erfolgt in Allgemeines, Körperseiten, Zeiten, Modalitäten, genaue Lokalisation und Ausstrahlung.
Die für den Krankheitsfall charakteristischen, in der Hierarchisierung (Fallaufnahme 2.1 bis 2.4 2.1 2.1.1 2.1.2 2.2 2.2.1 2.2.2 2.2.3 2.2.4 2.2.5 2.3 2.3.1 2.3.2 2.3.3 2.3.4 2.4 ) oben rangierenden Symptome werden im Repertorium unter den entsprechenden Rubriken aufgesucht und die darin aufgeführten Arzneimittel festgehalten und nach der Häufigkeit ihres Vorkommens geordnet.
Sprache des Repertoriums
Repertorium Sprache Die Suche nach der Rubrik erfolgt direkt gemäß dem Wortlaut des Symptoms oder über ähnliche, synonyme Begriffe. Die Sprache in den Repertorien ist für den Anfänger gewöhnungsbedürftig, da zur leichteren Auffindung der Rubriken immer die wesentlichen Wörter eines Sinnzusammenhanges nach vorne gestellt sind, z. B. findet man den Kopfschmerz, der sich beim tief Atmen verschlimmert, unter „Kopf – Schmerz – Atmen – tiefem Atmen, bei“.
Vor allem die Geist- und Gemütssymptome muss man immer wieder studieren, wobei es anfangs sehr hilfreich ist, dieses Kapitel einmal ganz durchzulesen, um einen Eindruck von der Reichhaltigkeit der zusammengetragenen Symptome zu bekommen. Auch das Kapitel „Allgemeines“ ist eine gelegentliche Durchsicht wert, da sich dort viele wertvolle Symptome finden, die in den spezielleren Kapiteln nicht aufzufinden sind.
Durch die zahlreichen Verweise sind in den moderneren Repertorien die meisten Symptome gut aufzufinden. Gerade ungewöhnliche oder seltene Symptome sucht man jedoch wegen der naturgemäßen Unvollständigkeit der Repertorien manchmal vergebens.
Wertigkeiten der Mittel
Repertorium Wertigkeit Arzneimittel Arzneimittel, homöopathische Wertigkeit Die Arzneimittel in den einzelnen Rubriken sind durch eine Wertigkeit gekennzeichnet, die von ein- bis vierwertig reicht. Dabei bedeuten (nach Zandvoort):
  • Einwertige Arzneimittel, die das Symptom „hier und da“ bei Prüfern hervorgerufen haben, aber klinisch noch nicht durch eine „Heilung im Krankheitsfall“ verifiziert wurden. Oder Arzneimittel, die das Symptom nicht bei Prüfern hervorgerufen haben, aber Patienten geheilt haben.

  • Zweiwertige Arzneimittel, die das Symptom bei „einigen Prüfern“ hervorgerufen haben, bestätigt durch Nachprüfungen und gelegentlich klinisch verifiziert durch „Heilung im Krankheitsfall“.

  • Dreiwertige Arzneimittel, die das Symptom bei der Mehrzahl der Prüfer hervorgerufen haben, bestätigt durch Nachprüfung und ausgiebig klinisch verifiziert durch Heilungen im Krankheitsfall.

  • Vierwertige Arzneimittel, bei denen Ergänzungen von Pierre Schmidt mit den Charakteristika von Herings „Guiding Symptoms“ übereinstimmen.

Die Symptome, die in den älteren Repertorien eingetragen sind, sind sehr verlässlich. In den letzten Jahren hat eine starke Vermehrung der Einträge in die Repertorien stattgefunden, die die Arbeit ohne Computer sehr erschwert und von manchen Homöopathen als hinderlich und auch unzuverlässig kritisiert wird.
Die Repertorisation der wichtigsten Symptome des Patienten ergibt in der Summe eines oder mehrere Arzneimittel, die die größtmögliche Ähnlichkeit mit dem Krankheitsbild aufweisen. Es versteht sich, dass jede Repertorisation, ob mit dem Computer oder „mit den Fingern im Buch“, nur so gut sein kann, wie die Symptome, die aus der Anamnese ausgewählt wurden.
Gerade der Anfänger wird durch einen Computer gerne dazu verführt, möglichst viele Symptome einzugeben („die Gesamtheit der Symptome“). Damit erhöht er jedoch nur die Wahrscheinlichkeit, die am häufigsten im Repertorium vorkommenden Arzneimittel wie Sulphur, Calcium carbonicum oder andere vorne in seiner „Ergebnisliste“ zu finden. Repertorisiert er dagegen wenige, aber gut ausgewählte Symptome, so wird er eher das richtige Mittel für seinen Patienten zu finden, das auch einmal ein „seltenes“ oder „kleines“ Mittel sein wird.
Vor der eigentlichen Verordnung steht das Studium der sich ergebenden Arzneimittel in einer einschlägigen Arzneimittellehre, um die Symptome des Patienten mit dem Wortlaut der Arzneimittelbilder zu vergleichen.

Homöopathische Arzneimittel

Arzneimittel, homöopathische Hahnemann war nicht nur Arzt, sondern auch Apotheker und einer der führenden Chemiker seiner Zeit. Soweit möglich, sammelte er die Ausgangsstoffe seiner Arzneimittel selbst und verarbeitete sie auch selbst weiter, denn „der wahre Heilkünstler muß die vollkräftigsten, ächtesten Arzneien in seiner Hand haben, um sich auf ihre Heilkraft verlassen zu können, er muß sie selbst nach ihrer Aechtheit kennen“ und „die richtig gewählte Arznei dem Kranken aus seinen eignen Händen geben, auch sie selbst zubereiten“ (Organon, §§ 264–265). Dies brachte ihm juristische Auseinandersetzungen ein, da Ärzten auch damals schon die pharmazeutische Tätigkeit weitgehend untersagt war, und veranlasste ihn 1821, Leipzig den Rücken zu kehren und seine Tätigkeit nach Köthen zu verlagern.
Hahnemann entwickelte einen wesentlichen Teil der Herstellungsmethoden homöopathischer Medikamente und hielt mit großer Exaktheit die einzelnen Schritte fest. Hierbei ging es ihm neben der „Aechtheit“ v. a. auch um die Haltbarkeit der Ausgangssubstanzen: „Schon durch langes Stehen an der Luft wird der ausgepreßte Saft der an sich tödlichsten Pflanzen ganz kraftlos […].“ (Organon, § 266, Anm.)
Die Herstellung homöopathischer Arzneimittel beruht auch heute noch zum Großteil auf Angaben Hahnemanns. Grundlage ist in Deutschland das seit 1934 existierende Homöopathische Arzneimittelbuch (HAB).

Ausgangsstoffe

Arzneimittel, homöopathische Ausgangsstoffe Ausgangsstoffe der homöopathischen Heilmittel sind
  • Pflanzen (z. B. Aconitum, Belladonna, Bryonia, Lycopodium, Pulsatilla ),

  • Tiere (z. B. Apis, Bufo rana, Lac caninum, Lachesis, Tarantula ),

  • Mineralien und Metalle (z. B. Calcium carbonicum, Natrium muriaticum, Sulphur, Aurum ),

  • menschliche oder tierische Krankheitsprodukte, Gewebe oder Sekrete (z. B. Carcinosinum, Psorinum, Syphilinum, Thyreoidinum, Tuberculinum ),

und in jüngerer Zeit auch
  • pharmazeutisch hergestellte Stoffe wie Hormone oder Medikamente (z. B. Cortisonum, Impfnosoden),

  • Gase (z. B. Halogenium, Neon ).

Je nach dem Ausgangsmaterial werden diese Stoffe als Essenz, Tinktur, Lösung oder Verreibung verarbeitet.
  • Essenz: Saft frisch gepresster Pflanzen, mit 90-prozentigem Alkohol versetzt

  • Tinktur: Getrocknete, pulverisierte Pflanze oder gequetschte tierische Substanz, mit 60–90-prozentigem Alkohol extrahiert und weiterverarbeitet

  • Lösung: Wässrige oder alkoholische Lösung von Salzen, Säuren und anderen wasserlöslichen Stoffen

  • Verreibung: Mindestens einstündige Verreibung unlöslicher Substanzen wie Mineralien, pulverisierte getrocknete Pflanzen u. a. in Milchzucker

Flüssige Ausgangssubstanzen werden als Urtinktur bezeichnet, Verreibungen als Ursubstanz. Sie können mit dem Symbol Ø auch rezeptiert werden (z. B. „Rp. Pulsatilla Ø“). Werden die Urtinkturen bzw. Ursubstanzen trocken und lichtgeschützt aufbewahrt, so halten sie sich nach Hahnemann „vollständig und unverdorben auf immer“ (Organon, § 267). Das deutsche Arzneimittelgesetz schreibt allerdings vor, dass jedes Medikament ein Verfallsdatum tragen muss. Dieser vorgeschriebene Zeitrahmen beträgt für homöopathische Arzneimittel 5 Jahre.

Herstellung

Arzneimittel, homöopathische Herstellung Wird die Urtinktur im Verhältnis 1 : 100 mit einem Lösungsmittel verschüttelt bzw. verrieben, spricht man von einer C1, wird diese wieder 1 : 100 verschüttelt/verrieben, von einer C2 usw. Eine C30-Potenz wurde also 30 mal 1 : 100 verdünnt und verschüttelt bzw. verrieben.
Homöopathische Arzneimittel sind heute in drei verschiedenen Potenzierungsformen erhältlich ( Tab. 1.1 ).
Die C- und LM bzw. Q-Potenzen wurden von Hahnemann entwickelt, die D-Potenzen, die v. a. im deutschen Sprachraum gebräuchlich sind, gehen auf Constantin Hering (1831) und die sogenannte naturwissenschaftlich-kritische Richtung der Homöopathie zurück.
Am häufigsten werden verwendet: D oder C6, 12, 30, 200 und 1000 (M). Höhere Potenzen werden üblicherweise in der C10 000 (XM), 50 000 (LM), 100 000 (CM), 500 000 (DM) oder 1 000 000 (MM) verabreicht.
Verriebene Arzneimittel sind als Trituration (Trit.) oder Tabletten (Tab.) erhältlich, gelöste Arzneien als Dilutionen (Dil.) oder als damit imprägnierte Streuzuckerkügelchen oder Globuli (Glob.). Nichtlösliche Stoffe gibt es bis etwa zur D8 nur in Verreibungen. Daneben sind homöopathische Mittel noch in Form von Salben, Zäpfchen, Augen- und Nasentropfen und als Ampullen im Handel.
Unter homöopathischen Ärzten wird immer wieder die Frage diskutiert, welche Firma die Arzneimittel mit der zuverlässigsten Wirkung herstellt. In der Praxis haben sich bis zur C30 die handelsüblichen Zubereitungen, etwa von DHU, Gudjons, WALA oder WELEDA bewährt. Höhere Potenzen wirken nach der Aussage erfahrener Therapeuten sehr zuverlässig von Nelson/London, Schmidt-Nagel/Genf, Spagyra/Salzburg oder Gudjons/Stadtbergen (bis C1000). Gute handverschüttelte LM- bzw. Q-Potenzen werden von den Firmen Arcana/Gütersloh und vom homöopathischen Labor Gudjons/Stadtbergen hergestellt.

Potenzhöhe und Posologie („Welche Potenz und wie oft?“)

Arzneimittel, homöopathische Potenzhöhe Die Diskussion über die Höhe zu verabreichender Potenzen und die Häufigkeit ihrer Wiederholung ist seit Hahnemann im Fluss und auch unter den heutigen Homöopathen sehr kontrovers („Posology is still in embryonic stage“, Dimitriadis 1993 ). Aus der Schulmedizin kommende Homöopathie-Anfänger müssen sich erst einmal an den Gedanken gewöhnen, dass es bei einer homöopathischen Behandlung nicht so sehr auf die „Dosis“, sondern v. a. auf die wie auch immer potenzierte Substanz ankommt.
Viele Homöopathen bevorzugen bei akuten, organischen Krankheitsbildern eher niedrige Potenzen, bei chronischen oder psychischen Krankheiten hohe C-Potenzen (C30, C200 und höher) oder Q-Potenzen.
Das Wirkungsspektrum scheint bei niedrigeren Potenzen mit noch materieller Dosis „breiter“ zu sein, das heißt, auch bei nicht ganz exakter Verordnung ist noch mit einer Wirkung zu rechnen. Taschenapotheken für Laien sollten daher besser mit Potenzen bis zur D/C 12 ausgestattet sein. Potentiell toxisch oder karzinogen wirkende Arzneimittel dürfen nicht in Potenzen unter D12/C6 verschrieben werden. Hierzu zählen unter anderem Aconitum, Lachesis, Arsenicum album, Mercurius solubilis und andere Schwermetalle.
Lassen sich bei einer akuten Erkrankung gute Symptome finden, die zu einer exakten Verordnung führen, so kann mit höheren Potenzen – entweder in Einzelgaben verabreicht oder in Wasser „verkleppert“ wiederholt eingenommen – eine raschere und anhaltendere Besserung erzielt werden.
Patienten mit einer guten Vitalität, wie es Kinder in der Regel sind, reagieren meist sehr gut auch auf höhere Potenzen. Schwerkranke Kinder oder Kinder im Finalstadium einer Krankheit können durch Hochpotenzen, die z. B. als Palliativum verabreicht werden, überfordert werden und zusammenbrechen.
C-Potenzen
C-Potenzen Grundlagen Arzneimittel, homöopathische C-Potenzen Empfiehlt Hahnemann bis zur 4. Ausgabe des Organon (1829) als höchste Potenz noch die C30 in einmaliger Einzelgabe, die nur wiederholt werden darf, wenn von der vorherigen Gabe keinerlei Wirkung mehr wahrnehmbar ist, so entwickelt er die Posologie (Dosierung von Potenzen) in den nächsten beiden Ausgaben seines Organon weiter:
In der 5. Ausgabe des Organon (1833) spricht er bereits von Potenzen bis „300 C und höher“ (§ 287, Fußnote) und empfiehlt, ein Kügelchen davon in einem Glas Wasser aufzulösen und teelöffelweise wiederholt einzunehmen, wenn die vorherige Dosis keine deutliche Besserung gebracht hat. Im akuten Krankheitsfall hat es sich tatsächlich bewährt, einige Globuli einer D- oder C-Potenz (D12, C30 oder höher) in einem Glas Leitungswasser auflösen zu lassen und wiederholt, ein- bis mehrstündlich, schluckweise einnehmen zu lassen, wobei vor jedem Schluck mit einem Löffel kräftig „verkleppert“ wird. Dies kann solange fortgesetzt werden, bis eine deutliche Besserung des Allgemeinbefindens erzielt ist.
Bei chronischen Krankheiten kann die Wiederholung der Gabe nach Erfahrung Hahnemanns „unter genauer Beobachtung“ alle 7–14 Tage erfolgen (Organon, § 246). Ist dadurch keine positive Reaktion mehr zu erzielen, können interkurrente Arzneimittel den Fall weiterbringen.
Hahnemann diskutiert in der 5. Auflage des Organon sehr ausführlich das Problem der wiederholten Gaben von Arzneimitteln in C-Potenzen. Kent, dem das Organon nur bis zur 5. Auflage bekannt war, geht in seiner „Theorie der Homöopathie“ auf diese Überlegungen Hahnemanns nicht ein, sondern entwickelt seine eigenen Regeln, wann und unter welchen Umständen ein homöopathisches Mittel repetiert werden darf (s. Verlaufsbeurteilung 3.1 bis 3.8 3.1 3.2 3.2.1 3.2.2 3.3 3.3.1 3.3.2 3.4 3.5 3.5.1 3.5.2 3.5.3 3.5.4 3.5.5 3.5.6 3.5.7 3.5.8 3.5.9 3.5.10 3.5.11 3.5.12 3.5.13 3.6 3.6.1 3.6.2 3.6.3 3.7 3.7.1 3.7.2 3.7.3 3.7.4 3.8 ). Später entwickelte er auch eine „Skala“, die die Reihenfolge der Verabreichung von Potenzen vorgibt, die im Verlauf einer homöopathischen Behandlung günstig ist. Er empfiehlt die Gabe von ansteigenden Potenzen, angefangen von der C30 bis zur C1 000 000, die jeweils einmal wiederholt werden (Kent, Minor Writings).
Köhler gibt als Richtlinie folgenden Hinweis: „Gib die Arznei, bis der Organismus reagiert. Warte ab und beobachte, wie die Reaktion abläuft. Wiederhole die Arznei erst wieder, wenn der Prozeß der Heilung rückläufig wird oder stillsteht“.
Indische Homöopathen verabreichen unter Umständen hohe C-Potenzen mehrmals in kurzen Abständen und scheinen damit gute Erfahrungen zu machen. Sankaran ist der Auffassung, die Wirkung auch eines hochpotenzierten Arzneimittels erschöpfe sich schnell und verlange nach Wiederholung (auch evtl. in ansteigender Potenzierung), wenn der krankheitsauslösende Faktor oder die Pathologie selbst sehr stark sind, oder wenn der Patient psychisch sehr labil ist („if the root is very excitable“, Sankaran).
Q-Potenzen
Q-Potenzen Grundlagen Arzneimittel, homöopathische Q-Potenzen Die 6. Auflage des Organon (1842), Hahnemanns Vermächtnis, wurde erst 1921 von Haehl publiziert. In dieser Auflage beschreibt der Begründer der Homöopathie in den §§ 246–248 und 270 ausführlich die Herstellung von 50 000er-Potenzen (LM oder genauer Q-Potenzen), die er „nach vielen mühsamen Versuchen und Gegen-Versuchen als die kräftigsten und zugleich mildest wirkenden, d. i. als die vollkommendsten befunden“ hat (Organon, § 270, Anm.) , und die Bedingungen einer Dosiswiederholung. Er empfiehlt wiederholte Gaben von Q-Potenzen unter drei Bedingungen (Organon, § 246),
  • dass „die Arznei mit aller Umsicht recht treffend homöopathisch gewählt war“,

  • dass sie hoch potenziert in Wasser aufgelöst, in „schicklichsten, ausgesprochenen Zeiträumen“ verabreicht wird – diese Zeiträume können bei akuten Erkrankungen „kurze Zwischenräume“ von Stundenbruchteilen bis mehreren Stunden (Organon, §§ 248, 270) sein, bei chronischen Krankheiten tägliche Gaben über ein oder zwei Wochen oder auch Monate, wonach man dann jeweils schrittweise zu immer höheren Potenzen übergeht (Organon, § 246, Anm.),

  • dass „der Potenz-Grad jeder Gabe von der vorgängigen und nachgängigen Gabe um Etwas abweiche“. Dies kann durch kräftiges Verschütteln des Arzneifläschchens „mit etwa 8, 10, 12 Schüttel-Schlägen“ (Organon, § 248) vor jeder Einnahme geschehen.

Als Grund für die dritte Bedingung gibt er an, dass das Lebensprinzip dadurch nicht zu „widrigen Gegenwirkungen aufgeregt“ wird und „andere Symptome der Arznei laut werden“ lässt, wie es bei „unmodificirt erneuerten Gaben“ häufig der Fall ist (Organon, § 247). Solange die Besserung anhält, werden die Q-Potenzen, beginnend mit der Q1 in allmählich ansteigender Potenzierung, gegeben. Eine Unterbrechung oder, bei völligem Verschwinden der Krankheitssymptome, schließlich auch das Ende der Behandlung werden erst durch eine auftretende homöopathische Verschlimmerung erforderlich. Bleiben nach deren Abklingen abgeänderte Symptome, ist ein neues Arzneimittel angezeigt (Organon, § 248).
Die Q-Potenzen Q-Potenzen wurden erst ab 1947 durch die Homöopathen Schmidt, Künzli, Flury und schließlich in Deutschland durch Voegeli bekannt. Sie erfreuen sich steigender Beliebtheit, da sie das Problem der Erstverschlimmerung und die Frage der Dosiswiederholung auf elegante Weise lösen. Die fehlende Erstverschlimmerung kann für einen an C-Potenzen gewohnten Therapeuten allerdings auch nachteilig sein, da er keine sofortige Rückmeldung bekommt, ob sein Arzneimittel wirksam ist. Ein weiterer möglicher Nachteil ist die Compliance des Patienten, der an die regelmäßige Einnahme denken muss. Der Vorteil der Q-Potenzen ist die geringere Gefahr der Antidotierung, etwa durch allopathische Medikamenten, wegen der Möglichkeit der häufigen Wiederholung.
Nach Hahnemanns Erfahrung ist zusammenfassend bei der Wiederholung von C-Potenzen große Vorsicht angebracht, während Q-Potenzen in wechselnder Potenzierung häufig wiederholt werden dürfen und auf diese Weise den Heilungsverlauf beschleunigen. Die C-Potenzen charakterisiert er in der 6. Auflage des Organon im Vergleich mit den Q-Potenzen als von „stürmischer, ja gefährlicher Heftigkeit“ (Organon, § 270, Anm.).

Behandlung akuter Krankheiten

akute Erkrankungen Erkrankungen akute Hahnemann unterscheidet zwischen akuten und chronischen Krankheiten. Da Krankheit eine Verstimmung der Lebenskraft ist, macht das unterschiedliche Reagieren der Lebenskraft jeweils die Verschiedenheit aus.
Akute Erkrankungen sind „schnelle Erkrankungs-Processe des innormal verstimmten Lebensprincips, welche ihren Verlauf in mäßiger, mehr oder minder kurzer Zeit zu beendigen geeignet sind“ (Organon, § 72). Es sind solche, die durch physische oder psychische „Schädlichkeiten“ zustande kommen oder epidemische Erkrankungen, besonders wo Menschen auf engem Raum zusammen sind. Diese „Krankheits-Prozesse“ führen „sich selbst überlassen in einem mäßigen Zeitraume, zu Tod oder Genesung.“ (Organon, § 73)
Für akute Krankheiten ist dem Programm der Lebenskraft sozusagen ein Notprogramm eingebaut. Sie reagiert mit Abwehr und Heilmaßnahmen, die wir als Fieber, Schweiße, Ausscheidungen oder Exanthem kennen und die sehr dramatisch sein können. Die Lebenskraft reagiert, sie nimmt es nicht hin, dass ihr ein fremdes, feindliches Krankheitsprogramm aufgeprägt wird. Wenn auch diese Abwehrmaßnahmen zwar meist effektiv, oft aber auch nur „blind“ und „verstandlos“ ablaufen, ja sogar dem Patienten schaden können, so sind doch diese Bestrebungen eben die Symptome, die unserer ärztlichen Wahrnehmung zugänglich ist und den Weg zur Behandlung der Krankheit weisen.
Die Tatsache, dass die Lebenskraft aktiv und gezielt reagiert, ist ein entscheidendes Merkmal der akuten Krankheit. Die unbehandelte akute Krankheit ist dadurch gekennzeichnet, dass sie rasch auf eine Krise zuläuft, die entweder zur Heilung oder zum Tod führt. Anders als bei der chronischen Krankheit ist der Verlauf zeitlich begrenzt. Der Patient bietet hauptsächlich Symptome der Abwehr einer „feindlichen“, von außen eindringenden Krankheit. Aus diesen Überlegungen ergibt sich, dass der Therapeut bei der Verschreibung für eine akute Krankheit andere Richtlinien und Grundsätze anwenden muss als bei der Behandlung einer chronischen Krankheit ( 1.6 ).
Sowohl bei der akuten, wie bei der chronischen Krankheit wird das Krankheitsgeschehen umso ungefährlicher, je weiter es sich vom Zentrum an die Peripherie verlagert. Tritt z. B. bei einer akuten Krankheit eine Ausscheidung von Körperflüssigkeiten oder ein Exanthem auf, dann ist dies als Entlastung des Organismus zu verstehen. Bleibt diese Entlastung aus oder hört sie vorzeitig wieder auf, bedeutet dies eine Gefahr für den Patienten, wie Erfahrungen bei Masern oder Scharlach zeigen. Das Geschehen kann dann auf zentralere Organe wie Herz, Nieren oder Hirnhäute übergehen.
Je schwächer die Lebenskraft ist, desto tiefer dringt die Krankheit in das Zentrum des Organismus vor. Wahre Heilung bedeutet, diesen Prozess umzukehren und vom Zentrum wieder zur Peripherie zu treiben. Sie kann nie durch eine äußere, lokale Behandlung zustande gebracht werden.
Die akute Krankheit ist nur eine Episode innerhalb der Lebenszeit des Patienten. Daher leitet sich für den Homöopathen die Regel ab:

Info

Für die Verschreibung des Heilmittels einer akuten Krankheit sind nur die akuten, neu aufgetretenen Symptome zu berücksichtigen.

Die akute Krankheit bringt verhältnismäßig schnell einsetzende und aufeinander folgende Symptome hervor, die das Befinden des Patienten in kurzer Zeit dramatisch verändern können. Schnell wechselnde Verschreibungen können daher indiziert sein.
Eine Akuterkrankung ist wahrscheinlich dann eine echte akute Krankheit und keine Exazerbation einer chronischen Krankheit, wenn sie gute Symptome mit eindeutigen Modalitäten bietet und eine einfache Mittelwahl möglich ist, mit (bei C-Potenzen) deutlicher Erstreaktion und gutem Heilverlauf. Für eine reine Akuterkrankung sprechen weiterhin Rückfälle nach antibiotischen und anderen unterdrückenden Behandlungen (gute Lebenskraft, keine Unterdrückung möglich!) und das Fehlen miasmatisch-chronischer Erkrankungen in der Familie ( 1.7 ).

Epidemische Erkrankungen als Sonderform akuter Erkrankungen

Eine Sonderform der akuten Krankheit ist die epidemische Krankheit. Zwar gibt es für viele epidemische Krankheiten „bewährte“ Mittel und Rubriken, jedoch muss prinzipiell für jede Epidemie ein eigenes Mittel gefunden werden. Es gibt gegenüber anderen Akuterkrankungen „keinen Unterschied weder in der Untersuchung, noch Heilung, da der Arzt ohnehin das reine Bild jeder gegenwärtig herrschenden Krankheit als neu und unbekannt voraussetzen und es von Grunde aus für sich neu erforschen muß.“ (Organon, § 100)
Es kann sein, dass der Arzt beim ersten Krankheitsfall nicht gleich das richtige Mittel findet, „da jede solche Collektivkrankheit erst bei näherer Beobachtung mehrerer Fälle den Inbegriff ihrer Symptome und Zeichen an den Tag legt“ (Organon, § 101). Durch die Symptome mehrerer Fälle wird das entworfene Krankheitsbild jedoch immer vollständiger und bezeichnender, und das Charakteristische dieser Seuche tritt hervor. So kann das passendste homöopathische Mittel gewählt werden (Organon, § 102), der sogenannte „Genius epidemicus Genius epidemicus “. Dieses Mittel kann im Rahmen einer Epidemie oder bei engen Kontaktpersonen auch als Prophylaxe eingesetzt werden (s. Genius-epidemicus-Verschreibung 7.6 ). Bei Komplikationen während einer epidemischen Erkrankung ist die Wahl eines individuellen Simile notwendig.

Akuterkrankungen während chronischer Erkrankungen

akute Erkrankungen während chronischer Erkrankung Während der Behandlung einer chronischen Krankheit sollte eine echte Akuterkrankung nur dann homöopathisch therapiert werden, wenn sie schwer verläuft. Gute Dienste leisten erfahrungsgemäß oft niedrig potenzierte pflanzliche Heilmittel. In leichteren Akutfällen ist eine palliative Behandlung, etwa mit physikalischen oder phytotherapeutischen Mitteln, vorzuziehen, um die chronische Behandlung nicht zu stören.
Entschließt man sich zu einer homöopathischen Behandlung, so sind ausschließlich die aktuellen Krankheitszeichen zu beachten. Da etwas Neues und Anderes mit dem Patienten vor sich geht, ist nur die Symptomatik dieses Neuen und Anderen wichtig für die Mittelfindung (Heuschnupfen 9.2 ). Für die Wahl des Mittels sind alle objektiven Wahrnehmungen wichtig, alles was sichtbar, riechbar, hörbar und fühlbar ist, einschließlich der neu aufgetretenen Gemütsveränderungen.
Bei einer schwereren Akuterkrankung steht immer die Überlegung an, ob das chronische Mittel richtig gewählt war. Handelt es sich jedoch um die erste schwerere Akuterkrankung seit langer Zeit, kann sie ein Zeichen dafür sein, dass in die chronische Krankheit endlich „Bewegung“ kommt.

Akuterkrankungen als „Aufflackern“ einer chronischen Krankheit

akute Erkrankungen während chronischer Erkrankung Häufig ist eine akute Erkrankung kein eigenständiges Geschehen, sondern das Aufflackern einer chronischen Erkrankung. „Eine Attacke für sich betrachtet gleicht ganz einer akuten Krankheit, der Krankheit durch ein akutes ‚Miasma‘, wie man zu Hahnemanns Zeit gesagt hätte, aber die Tendenz zur dauernden Wiederkehr und nicht auszuheilen, zeigt, dass es sich um eine chronische Affektion handelt“ (Kent). Immer wiederkehrende „Akuterkrankungen“ können nur dann geheilt werden, wenn die zu Grunde liegende chronische Krankheit geheilt wird. Bei jeder akuten Krankheit muss der homöopathische Arzt daher unterscheiden, ob es sich um eine neue, akute, von außen herantretende Krankheit handelt oder um das Aufflackern einer vorbestehenden chronischen Erkrankung ( Tab. 1.2 ).

Behandlung chronischer Krankheiten

chronische Erkrankungen Erkrankungen chronische Etwa 25 Jahre lang hatte Hahnemann Arzneimittel geprüft, sie nach der Ähnlichkeitsregel angewendet und ihre Wirkungen mit der ihm eigenen Akribie aufgezeichnet. Dabei war ihm aufgefallen, dass in manchen Fällen seine Mittel hervorragend wirkten und die Patienten danach gesund blieben, in vielen Fällen aber nach der guten Wirkung eines Mittels sich bald wieder krankhafte Zustände einstellten. Meist waren es dieselben o. ä. Erscheinungen, die sich wieder erhoben, doch nun zeigten sie sich immer hartnäckiger.
„Alle chronischen Krankheiten der Menschen – auch die sich selbst überlassenen, nicht durch verkehrte Behandlung verschlimmerten – zeigen, wie gesagt, eine solche Beharrlichkeit und Ausdauer, daß, sobald sie sich entwickelt haben (und durch die Kunst nicht gründlich geheilt werden), sie mit den Jahren immer mehr zunehmen und lebenslang durch die eignen Kräfte selbst der robustesten Natur, auch bei der gesundesten Lebensart und Diät nicht gemindert und weniger besiegt und ausgelöscht werden, nie also von selbst vergehen, sondern wachsen und sich verschlimmern bis zum Tode.“ (CK)
Bei der chronischen Krankheit ist das ursprüngliche Programm des Organismus von einem oder mehreren fremden Programmen – den Miasmen – überlagert. Im ursprünglich vorhandenen Programm des Organismus sind keine Abwehrreaktionen wie gegen Akuterkrankungen vorgesehen, sodass der Organismus gänzlich hilflos gegen die chronische Krankheit ist, sie erleiden und es tatenlos hinnehmen muss, dass das fremde Programm sich schließlich auch im materiellen Teil des Organismus manifestiert und Gewebe zerstört oder verändert wird.
Chronische Krankheiten sind nach chronische Erkrankungen Hahnemann Hahnemann „Krankheiten, welche bei kleinen, oft unbemerkten Anfängen den lebenden Organism, jede auf ihre eigne Weise dynamisch verstimmen und ihn allmählich so vom gesunden Zustande entfernen, daß die zur Erhaltung der Gesundheit bestimmte, automatische Lebens-Energie, Lebenskraft genannt, ihnen beim Anfang, wie bei ihrem Fortgange, nur unvollkommenen, unzweckmäßigen, unnützen Widerstand entgegensetzen, sie aber, durch eigne Kraft, nicht in sich selbst auslöschen kann, sondern unmächtig dieselbe fortwuchert und sich selbst immer innormaler umstimmen lassen muß, bis zur endlichen Zerstörung des Organism.“ (Organon, § 72)
Die chronische Krankheit kann auch „zum Verwechseln akuten Affektionen gleichen: z. B. akute Attacken nachahmende periodische Migräneanfälle. Eine Attacke für sich betrachtet gleicht ganz einer akuten Krankheit, […] aber die Tendenz zur dauernden Wiederkehr und nicht auszuheilen, zeigt, dass es sich um eine chronische Affektion handelt“ (Kent, Zur Theorie der Homöopathie). Immer wiederkehrende akute Krankheiten, die mit immer wechselnden Mitteln behandelt werden, sind sehr wahrscheinlich Exazerbationen einer chronischen Anfälligkeit und Zeichen einer miasmatischen Belastung. Im Kindesalter sind dies z. B. auffällig häufige Infekte der Luftwege, rezidivierende Otitiden, immer wiederkehrende obstruktive Bronchitiden oder Pyelonephritiden.

Info

Hinweisend auf das Vorliegen einer chronischen Krankheit sind nicht nur ein chronisch progredienter Verlauf oder ständige Rezidive, sondern auch

  • das völlige Fehlen von akuten Krankheiten,

  • eine auffällige Belastung der Familie mit chronischen Krankheiten,

  • Schwierigkeiten bei der Findung eines passenden Arzneimittels und

  • anhaltende Verschlimmerungen oder kurze Wirkung eines gut gewählten Mittels.

Chronische Krankheiten als Folge allopathischer Behandlung

chronische Erkrankungen allopathische Behandlung Als wichtige Ursache chronischer Krankheiten bezeichnete Hahnemann die Folgen „allöopathischer Curen“, durch „den anhaltenden Gebrauch heftiger, heroischer Arzneien in großen und gesteigerten Gaben“, sowie „den Mißbrauch“ von verschiedenen Arzneien und „jahrelange Abführmittel, Blut in Strömen vergießende Aderlässe“ und vieles mehr (Organon, § 74). Es handelt sich bei Folgen dieser Maßnahmen um eine Mischung aus Unterdrückung ( 1.6.4 ), Arzneikrankheit und toxischen Arzneiwirkungen. Hahnemann nennt sie „unter allen chronischen Krankheiten die traurigsten, die unheilbarsten.“ (Organon, § 75)
Als Kinderärzte haben wir oft mit Kindern zu tun, die vielfache Antibiotika-Behandlungen hinter sich haben. Neben den nicht seltenen akuten toxischen oder allergischen Nebenwirkungen tragen diese Kinder das Risiko lang anhaltender Störwirkungen auf die Intestinalflora und das Immunsystem. Schulkinder etwa leiden signifikant häufiger an Morbus Crohn oder Asthma bronchiale und anderen allergischen Erkrankungen, wenn sie als Säuglinge mit Antibiotika behandelt wurden ( Johnson et al. 2005 , Ungaro et al. 2014 , Pitter et al. 2016 ). Möglicherweise ähnlich schwerwiegend sind die Langzeiteffekte moderner immunsupprimierender Zytokin-Hemmer (Elidel, Protopic) auf Haut und Organismus der damit behandelten Kinder ( AT 2006 ).

Chronische Krankheiten als Folge schlechter Lebensführung

chronische Erkrankungen Lebensführung Hahnemann war in seinen Überlegungen zu Hygiene und Krankheitsverhütung seiner Zeit weit voraus. In der 6. Auflage des Organon sind große Abschnitte der öffentlichen Gesundheitspflege gewidmet, versehen mit zahlreichen Ratschlägen zur Verhütung von Infektionskrankheiten und zur gesunden Lebensführung (s. Verlaufsbeurteilung 3 ).
„Uneigentlich (= zu Unrecht, d. Verf.) werden diejenigen Krankheiten chronische benannt, welche Menschen erleiden, die sich fortwährend vermeidbaren Schädlichkeiten aussetzen, gewöhnlich schädliche Getränke oder Nahrungsmittel genießen, sich Ausschweifungen mancher Art hingeben, Mangel an Bewegung oder frischer Luft leiden, sich durch übermäßige Körper- oder Geistes-Anstrengungen um ihre Gesundheit bringen, in stetem Verdrusse leben, u. s. w. Diese sich selbst zugezogenen Ungesundheiten vergehen, bei gebesserter Lebensweise von selbst und können den Namen chronischer Krankheiten nicht führen.“ (Organon, § 77)
Zu den Heilungshindernissen bzw. auslösenden Faktoren einer chronischen Krankheit rechnet Hahnemann jedoch auch psychische Einflüsse, was beim Versuch der homöopathischen Behandlung psychosomatischer Zustände berücksichtigt werden muss: „Ja mit weit weniger Beeinträchtigung der Gesundheit kann der unschuldige Mensch 10 Jahre in der Bastille oder auf der Galeere körperlich qualvoll verleben, als etliche Monate, bei aller körperlichen Bequemlichkeit, in einer unglücklichen Ehe oder mit einem nagenden Gewissen.“ (CK)
In der Anmerkung zu § 81 des Organon macht Hahnemann auch klimatische, pädagogische und kulturelle Phänomene für den Ausbruch chronischer Krankheiten verantwortlich: „Einige dieser, die Ausbildung der Psora zu chronischen Uebeln modificierenden Ursachen, liegen offenbar theils im Clima und der besondern, natürlichen Beschaffenheit des Wohnorts, theils in der so abweichenden Erziehung des Körpers und Geistes der Jugend, der vernachlässigten, verschrobenen oder überfeinerten Ausbildung beider, dem Missbrauche derselben im Berufe oder den Lebens-Verhältnissen, der diätetischen Lebensart, den Leidenschaften der Menschen, ihren Sitten, Gebräuchen und Gewohnheiten mancher Art.“

Chronische Krankheiten als Folge chronischer Miasmen

chronische Erkrankungen Miasmen „Die wahren natürlichen chronischen Krankheiten sind die, welche, sich selbst überlassen und ohne Gebrauch gegen sie spezifischer Heilmittel immerdar zunehmen und selbst bei dem besten, geistig und körperlich diätetischen Verhalten, dennoch steigen und den Menschen mit immerdar erhöhenden Leiden bis ans Ende des Lebens quälen.“ (Organon, § 78)
„Sie müssen daher sämtlich festständige chronische Miasmen zum Ursprung und zum Grund haben, wodurch ihre Parasiten-Existenz im menschlichen Organism sich immerdar erhöhen und wachsen zu können befähigt wird.“ (CK)

Chronische Krankheiten als Folge einer Unterdrückung

chronische Erkrankungen Unterdrückung Das Phänomen der Unterdrückung Unterdrückung hat Hahnemann im Zusammenhang mit seinen theoretischen und praktischen Arbeiten über die Psora erforscht. In den „Chronischen Krankheiten“ beschrieb er 97 Fälle von in der Schulmedizin beobachteten Unterdrückungen. Die äußerliche Behandlung von Hautausschlägen führte zu teilweise schweren inneren Erkrankungen, die, soweit sie noch heilbar waren, erst nach Wiederauftreten des Hautausschlages zurückgingen: „Die Maßnahmen, die zur Unterdrückung des psorischen Ausschlages führten, waren in etwa dieselben wie heute, es waren (zu Hahnemanns Zeiten) vor allem Salben, die Mineralien und Metall enthielten und rasch dafür sorgten, dass die Psora sich auf der Haut nicht mehr zeigen konnte. Heute kommen noch cortisonhaltige Salben hinzu, die noch wirkungsvoller unterdrücken und damit den Organismus noch nachhaltiger schädigen, als es die Salben der damaligen Zeit vermocht hätten.“ (Gienow)
Ursachen der Unterdrückung
Unterdrückung Ursachen Die Unterdrückung der äußeren Erscheinungen einer Erkrankung kann auf verschiedene Weise geschehen, z. B. durch:
  • Allopathische Medikamente (Antibiotika, Glukokortikoide, Antipyretika, Sedativa, Impfungen)

  • Operationen (z. B. Warzenentfernung, Verätzung eines Nabelgranuloms, Tonsillektomie)

  • Physikalische Einwirkungen (z. B. Kälte, kalt Baden)

  • Psychische Belastungen und Traumata

  • Unüberlegte oder nicht indizierte Gabe homöopathischer Mittel (z. B. homöopathische „Behandlung“ einer Erstverschlimmerung, wiederholte Gabe von Akutmitteln bei einer chronisch-miasmatischen Erkrankung, „bewährte Mittel“, Komplexmittel)

Allopathische Medikamente sind in der Lage, die natürlichen Krankheitssymptome zu verwischen oder zu unterdrücken und dadurch die homöopathische Mittelfindung zu erschweren oder gar unmöglich zu machen. Bei einem mit Kortison behandelten Asthmatiker ist es z. B. aussichtslos, aktuelle Modalitäten für seine Beschwerden erforschen zu wollen.
Bei akuten Erkrankungen können allopathische Medikamente die Ausscheidungs- und Reinigungsaktionen des Organismus unterdrücken, z. B. Durchfall, Erbrechen, Hautausschlag, Schweiß, Fieber, Auswurf, Nasensekret oder Fluor, und dadurch langfristig den Organismus belasten. Bestenfalls kehrt nach Absetzen der unterdrückenden Medikamente das ursprüngliche Symptomenbild zurück, was dann eine homöopathische Verschreibung ermöglicht.
Allopathische Medikamente können auch künstliche Krankheiten hervorbringen – Nebenwirkungen im Sinne der konventionellen Medizin und Prüfungssymptome oder Arzneikrankheiten nach Verständnis der Homöopathie: „Zu der natürlichen Krankheit, die geheilt werden sollte, gesellen sich dann durch anhaltende Wiederholung des unpassenden Arzneimittels die, der Natur des letzteren entsprechenden neuen, oft sehr langwierigen Krankheitszustände, welche mit dem, ihnen unaehnlichen chronischen Uebel (was sie nicht durch Aehnlichkeitswirkung, das ist, nicht homöopathisch heilen konnten) sich allmälig zusammenpaaren und compliciren, zu der alten eine neue, unaehnliche, künstliche Krankheit chronischer Art hinzusetzen, und so den bisher einfach Kranken, doppelt krank, das heißt, um vieles kränker und unheilbarer, bisweilen ganz unheilbar machen, ja selbst oft, töten.“ (Organon, § 41)
Die Schärfe dieser Argumentation Hahnemanns wird durch die drastischen und großteils schädlichen Eingriffe der allopathischen Medizin des 19. Jahrhunderts verständlich, ist aber durchaus auch auf manche routinemäßige oder unüberlegte allopathische Maßnahme unserer Zeit übertragbar.
Folgen der Unterdrückung
Unterdrückung Folgen Die Unterdrückung betrifft in der Regel Symptome von Haut oder Schleimhaut und findet daher zunächst auf der Ebene der Psora statt. Hahnemann machte die Beobachtung, dass sich die Psora in solchen Fällen nicht mehr auf Körperoberflächen wie Haut oder Schleimhaut entlasten kann, sondern nun im Inneren ihr „Unwesen“ treibt. Chronische Ekzeme, juckende Bläschen, nässende Ulzera und jede Art von chronischer Schleimhautaffektion sind oft die einzigen deutlichen und sichtbaren Zeichen chronischer Erkrankungen. Es sind Entlastungsreaktionen des Körpers, um ein tiefliegendes inneres Leiden auszubalancieren.
Das Resultat der Unterdrückung dieser Phänomene ist die Aktivierung der „inneren Psora“, jenes „tausendarmige Ungeheuer, das die Menschen der Zukunft in den Klauen halten sollte“, und das unter Umständen sekundäre, schwer zu behandelnde innere Erkrankungen mit sich bringt. Hahnemann verbietet aufs Strengste, „Local-Uebel“ mit äußerlichen Mitteln „gleichsam wundärztlich zu behandeln“ (CK) , um das energetische Steuerungszentrum, die Lebenskraft, nicht aus dem Gleichgewicht zu bringen.
Ganz besonders ausgeprägt reagieren psorische Menschen auf Unterdrückung, doch ebenso hat die Unterdrückung von sykotischen oder syphilitischen Erscheinungen, wie die Entfernung von Warzen oder das Ätzen von Nabelgranulomen ein Wandern der Krankheit nach innen zur Folge.
Bei Patienten mit schwacher Lebenskraft kann eine Unterdrückung sogar durch die Reaktionsschwäche selbst ausgelöst werden; das Krankheitsgeschehen wird durch eine fehlende „Ausscheidung“ auf innere Schichten des Organismus verschoben. Das kann unter anderem die Ursache für akute Komplikationen exanthematischer Erkrankungen sein und etwa beim Scharlach eine Glomerulonephritis oder bei Windpocken oder Masern eine Enzephalitis hervorrufen.
Folgende Reaktionen auf eine unterdrückende Behandlung sind denkbar und können in der Praxis beobachtet werden:
  • Der Kranke wird gesund und bleibt gesund. In diesem Fall kann man nicht von einer echten Unterdrückung sprechen.

  • Nach Absetzen der unterdrückenden Maßnahme kommt es zu einem Rückfall. Dies ist nur eine vorübergehende Unterdrückung ohne chronische Auswirkung:

    • Bei akuten Erkrankungen ist dies Zeichen einer guten Lebenskraft, die in ihren Reaktionen nur vorübergehend zu unterdrücken ist – z. B. rezidivierende Scharlacherkrankungen, die erst aufhören, wenn ein Rückfall nicht mehr antibiotisch behandelt wird.

    • Bei einer chronischen Krankheit ist es Zeichen einer unverändert fortschreitenden Erkrankung, die nur vorübergehend unterdrückt oder „suspendirt“ werden kann (Organon, § 38) – z. B. Asthmasymptomatik nach Absetzen der inhalativen Kortikoide.

  • Die unterdrückte akute Krankheit setzt sich am Ort der Erkrankung fest und chronifiziert. Auch dies spricht nicht wirklich für eine Unterdrückung, sondern ist Zeichen eines verhinderten oder verlangsamten Heilungsprozesses – etwa ein Seromukotympanon nach einer antibiotisch behandelten Otitis, ein nässendes Ekzem nach Absetzen einer Kortisonsalbe.

  • Es kommt zu einer generellen Verschlechterung der Gesundheit des Patienten, zu neuen Beschwerden und teilweise schwer zu deutenden Symptomen, nach Hahnemann zu einer „complicirten Krankheit“ (Organon, §§ 40–41). Dies ist ein echtes „Unterdrückungssyndrom“ ( Braun 1975 ) und beruht auf einer miasmatischen Belastung des Patienten ( 1.7 ). Die Behandlung ist sehr schwierig, weil ein Komplex aus Miasma und Arzneimittelkrankheit nahezu unentwirrbare Symptome hervorrufen. Sie umfassen chronische Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Krankheitsgefühl, rezidivierende Infekte, Magen-Darm-Störungen, allergische Beschwerden, Autoimmunerkrankungen, Nieren- und Blasenaffektionen, Kopfschmerzen und Gemütsstörungen wie Unruhe oder Depressionen. Diese Zustände können Jahre und Jahrzehnte andauern, die Kranken gehen von Arzt zu Arzt, von Facharzt zu Facharzt, machen Kuren und komplementärmedizinische Behandlungen und landen schlussendlich oft beim Psychiater.

Behandlung einer Unterdrückung
Unterdrückung Behandlung Bei der Behandlung chronischer Krankheiten sind stattgehabte Unterdrückungen ein wichtiges Symptom und haben den Charakter eines Leitsymptoms. Ziel der homöopathischen Therapie ist es, die unterdrückten Symptome wieder hervorzubringen. Dies gelingt am besten, indem man zunächst die Symptome behandelt, die erst mit der Unterdrückung aufgetreten sind – so, als handele es sich um eine Akuterkrankung. Die erfolgreiche Verschreibung eines indizierten Arzneimittels bringt eine Ausscheidung wie Durchfall, Schnupfen oder einen Hautausschlag hervor. In einem solchen Fall darf unter keinen Umständen eingegriffen werden. Erst wenn das Stadium der Ausscheidung beendet ist und die ursprüngliche Symptomatik wieder auftritt, kann weiter behandelt werden, in der Regel mit einem antimiasmatischen Mittel.
Um das Phänomen der Unterdrückung verständlicher zu machen, spricht Gienow von zwei Prinzipien, die bei Heilungsreaktionen eine Rolle spielen: Kompensation und Unterdrückung. Beides sind verwandte Phänomene im Organismus: die Kompensation wirkt zu Heilzwecken und kann z. B. zu einem Hautauschlag oder einer Ausscheidung führen, die Unterdrückung dagegen lässt die äußeren Erscheinungen von der oberflächlichen Ebene verschwinden, worauf sich die Krankheit in tieferen Krankheitsebenen bemerkbar macht. Um eine Unterdrückung zu behandeln ist zu berücksichtigen, dass die Psora „nur in dem Zustand zu heilen ist, in dem […] (sie) vollständig als Hautausschlag manifestiert ist und keine inneren Anteile mehr hat. Verschwindet die Psora wieder im Inneren, ist keine Heilung der Psora mehr möglich. Und wir müssen zunächst den Ausschlag wieder auf die Haut bringen und dann mit einem entsprechenden Mittel ausheilen.“ ( Gienow 2000 )
Aus Sicht der heutigen Medizin muss das Phänomen der Unterdrückung sicherlich neu bewertet werden. Die meisten konventionellen Medikamente sind – im Gegensatz zu den Drastika des 19. Jahrhunderts – in ihren pharmakologischen und toxikologischen Wirkung gut untersucht und einzuschätzen. Um einem Kind unnötiges Leid oder Komplikationen zu ersparen können auch in einer homöopathischen Praxis kalkulierte unterdrückende Maßnahmen indiziert sein, z. B. die desinfizierende Behandlung einer Impetigo oder die Antibiose bei einer Pyelonephritis. Noch höher zu bewerten als die Prinzipien der Homöopathie ist in jedem Fall der ärztliche Grundsatz „primum nil nocere“. Ist die Lebenskraft des Patienten gut, wird er eine solche Unterdrückung unbeschadet überstehen. Auch Unterdrückung ist ebenso wie Krankheit ein individuelles Phänomen. Etwaige Folgekrankheiten einer „indizierten“ Unterdrückung lassen sich in der Regel durch geeignete homöopathische Heilmittel behandeln.
Während der Erhebung der homöopathischen Anamnese werden Unterdrückungsereignisse oft angegeben. Auf die Frage: „Wie lange besteht die Erkrankung schon?“ kommen Antworten wie „seit der Grippe, die wir mit Fieberzäpfchen behandelten, wird er immer wieder krank “ oder „seit ihrer antibiotisch behandelten Mandelentzündung ist sie nicht wieder die Alte“. Auswirkungen einer Unterdrückung können mit homöopathischen Arzneien wie z. B. Nux vomica, Sulphur, Hepar sulfuris, Pulsatilla, Lachesis, Mercurius solubilis, Berberis, Zincum behandelt werden.
In den Repertorien finden sich zahlreiche Rubriken mit Bezug zu Unterdrückungsphänomenen, z. B.:
→Ohr – Absonderungen – unterdrückt (24): aur, bell, calc, carb-v, chinin-mgraph, hep, merc, puls, sulph, …
→Nase – Absonderung – unterdrückt (55): acon, ars, bry, calc, carb-v, dulc, hep, kali-bi, kali-c, lyc, merc, nit-ac, nux-v, puls, sep, sil, sulph, …
→Weibliche Genitalien – Fluor – unterdrückt: (11) am-m, asaf, calc-p, carc, graph, lac-c, lach, nat-s, phos, sabin, senec
→Haut – Hautausschläge – Herpes – unterdrückt: (9) alum, ambr, ars, calc, lach, lyc, nat-c, sep, sulph
→Haut – Hautausschläge – unterdrückt (91): bry, dulc, kali-bi, nux-v, petr, psor, stram, sulph, zinc, …
→Haut – Warzen – unterdrückt (6): mang, meny, merc, nit-ac, staph, thuj
→Allgemeines – Abszesse, Eiterungen – unterdrückt (9): ars, bell, calc, hep, kreos, lach, lyc, merc, sil
→Allgemeines – Fiebermittel, durch (4): am-c, carb-v, lach, op
→Allgemeines – Medikamente – allopathische – Missbrauch (36): hydr, lob, nux-v, ph-ac, puls, sulph, …
→Allgemeines – Schleimhautabsonderung – unterdrückt (47): ant-c, bar-c, bry, dulc, graph, lach, nux-v, psor, puls, sil, stram, sulph, …
Daneben gibt es mehrere hundert Rubriken, in denen bestimmte Symptome als Folge von Unterdrückung repertorisiert werden können – in Computerprogrammen können sie über die Suchfunktion gefunden und studiert werden. Einige Beispiele:
→Gemüt – Hautausschlägen, Gemütssymptome nach unterdrückten (27): ail, apis, ars, calc, hep, lyc, psor, sulph, zinc, …
→Kopf – Schmerz – Schnupfen – unterdrückten Schnupfen, durch (26): acon, calc, dulc, nux-v, sulph, …
→Atmung – Asthma, asthmatische Atmung – Hautausschlägen, nach unterdrückten (18): apis, ars, carb-v, dulc, ferr, ip, psor, puls, sulph, …
→Allgemeines – neurologische Beschwerden – Hautausschläge, durch unterdrückte (4): caust, cic, cupr, zinc

Schwere, schwer heilbare und „unheilbare“ Krankheiten

Erkrankungen schwere, schwer heilbare Erkrankungen unheilbare Im Gegensatz zu der allopathischen Medizin in den Zeiten Hahnemanns gibt es in der heutigen Medizin hoch wirksame Therapien auch für viele Krankheitszustände, die früher sicher zum Tod führten, wie z. B. Diabetes mellitus, Meningitis oder Appendizitis. Hormonersatztherapie, antibiotische Behandlungen oder chirurgische Eingriffe wirken oft lebensrettend und können in den meisten Fällen nicht durch eine homöopathische Behandlung ersetzt werden.
In dieser Beziehung waren die „alten Meister“ der Homöopathie oft zu heroischen Behandlungen gezwungen, erlebten aber auch viele fatale Ausgänge. Sie würden die heutige konventionelle Medizin, die große Erfolge aufzuweisen hat und sich ständig um den wissenschaftlichen Wirkungsnachweis ihrer Behandlungsformen bemüht, sicher milder beurteilen, als sie das mit der zeitgenössischen „alten Arzneischule“ getan haben.
Immer noch gibt es andererseits viele Krankheitszustände, für die die heutige allopathische Medizin keine kausal wirkenden Heilmittel zur Verfügung hat. Kinder mit Allergien, Autoimmunerkrankungen oder Migräne können nur palliativ mit oft nebenwirkungsreichen Medikamenten behandelt werden. Auch für Impfkrankheiten, Entwicklungsstörungen, psychosomatische Erkrankungen oder Verhaltens- und Lernstörungen gibt es keine zuverlässigen konventionellen Behandlungsformen. Die Eltern der betroffenen Kinder suchen daher häufig nach Alternativen.
Homöopathische Behandlung ist grundsätzlich bei allen Krankheiten möglich, die nicht nach einer chirurgischen oder intensivmedizinischen Behandlung oder nach einer Substitutionstherapie verlangen, obwohl auch hier die homöopathische Begleittherapie für den Heilungsverlauf von Nutzen sein kann. Es ist unsere Aufgabe als homöopathisch therapierende Ärzte, die jeweilige Prognose einzuschätzen und zu differenzieren, ob der Patient primär einer Behandlung aus dem Repertoire der konventionellen Medizin oder Psychotherapie bedarf, oder ob eine homöopathische Behandlung indiziert und aussichtsreich ist. Dabei sind wir dem Wohl des Patienten verpflichtet. Es kann nicht angehen, im Falle einer aussichtslosen Krankheit die vergebliche Hoffnung auf Heilung zu wecken.
Eine homöopathische Behandlung ist – als Monotherapie oder Therapieergänzung – besonders indiziert bei folgenden Erkrankungen:
  • Akute Infektionskrankheiten (z. B. Otitis, Tonsillitis, Masern)

  • Chronisch-entzündliche Krankheiten (z. B. Sinusitis, Colitis)

  • Funktionelle Erkrankungen (z. B. Dreimonatskoliken, irritables Colon)

  • Psychosomatische Krankheiten (z. B. Schlafstörungen, rezidivierende Bauchschmerzen)

  • Psychiatrische Erkrankungen (z. B. Angstkrankheit, ADHS, Neurosen)

Die homöopathische Behandlung stößt an ihre Grenzen unter anderem bei folgenden Erkrankungen:
  • Maligne Erkrankungen

  • Angeborene Defekten und Störungen (z. B. Chromosomenanomalien, Stoffwechselkrankheiten, Malabsorptionssyndrome, neuromuskuläre Erkrankungen)

  • Krankheiten mit irreversiblen Organveränderungen oder Gewebezerstörungen (z. B. Hydrocephalus internus, Leberzirrhose oder Schrumpfniere)

  • Endokrinologische Erkrankungen (Krankheiten wie Diabetes mellitus oder Hypothyreose verlangen selbstverständlich nach der Behandlung mit künstlicher Substitution von Hormonen)

  • Hämatologische Erkrankungen wie Hämophilie, Anämie-Syndrome etc.

  • Schwere Infektionskrankheiten wie Sepsis, Tuberkulose, Meningitis, Pyelonephritis, AIDS, Malaria und andere

  • Chirurgische Erkrankungen (Notfälle, Fehlbildungen)

  • Epilepsie: Bei dieser Krankheit ist zumindest zwischen antikonvulsiver Einstellung und Homöopathie bzw., wie in vielen Fällen schwerer Erkrankungen, zweigleisigem Vorgehen genauesten abzuwägen ( 20.2 ).

Viele dieser chronischen Krankheiten lassen sich jedoch, neben der kausalen oder palliativen Therapie der konventionellen Medizin, homöopathisch „begleiten“, wodurch die Lebensqualität der Patienten spürbar verbessert werden kann.
Maligne Erkrankungen
Erkrankungen maligne In zunehmendem Maße wird Homöopathie auch bei malignen Erkrankungen eingesetzt. Während in Indien eine große Zahl von Krebspatienten aus sozioökonomischen Gründen ausschließlich homöopathisch behandelt wird ( Ramakrishnan 2001 ), erfolgt bei uns in der Regel neben der onkologischen Therapie die homöopathische Begleitbehandlung mit symptomatischem und konstitutionellem Ansatz. Ziel ist einerseits die Stärkung der Lebenskraft des Krebskranken, um die Heilung zu fördern, andererseits die Linderung der Schmerz- und Lokalsymptomatik der Krebskrankheit. Ein weiterer wichtiger Bereich ist die Linderung der Nebenwirkungen von Strahlen- oder Chemotherapie. In vorläufigen Statistiken, wie sie u. a. Spinedi veröffentlich hat, zeigt sich, dass gute Ergebnisse bei der Krebsbehandlung zu erzielen sind, wenn parallel onkologisch und homöopathisch behandelt wird.
Einseitige Erkrankungen
Erkrankungen einseitige Fällt bei der Behandlung einer chronischen Krankheit die Mittelwahl aufgrund eines Mangels an Symptomen zunächst schwer, so handelt es sich wahrscheinlich um eine von Hahnemann sogenannte „einseitige Krankheit“: „Bloß diejenigen Krankheiten scheinen nur wenige Symptome zu haben, und deßhalb Heilungen schwieriger anzunehmen, welche man einseitige nennen kann, weil nur ein oder ein paar Hauptsymptome hervorstechen, welche fast den ganzen Rest der übrigen Zufälle verdunkeln. Sie gehören größtentheils zu den chronischen. Ihr Hauptsymptom kann entweder ein inneres Leiden (z. B. ein vieljähriges Kopfweh, ein vieljähriger Durchfall, eine alte Cardialgie usw.) oder ein mehr äußeres Leiden seyn. Letztere pflegt man vorzugsweise Local-Krankheiten zu nennen.“ (Organon, §§ 173–174). Zu den einseitigen Krankheiten zählt Hahnemann auch die „Gemüths- und Geisteskrankheiten“ (Organon, § 210).

Praxistipp

Vorgehen bei einseitigen Krankheiten

  • Zunächst wird ein Arzneimittel gegeben, dessen Verschreibung zunächst auf den wenigen vorhandenen Symptomen beruht, also in der Regel den Fall nicht vollständig „abdeckt“.

  • Daraufhin kommt es zu neuen Symptomen, die jedoch keine Arzneimittelwirkung sind, sondern echte Symptome der chronischen Krankheit, was das Symptomenbild vervollständigt.

  • Nun kann ein Folgemittel verschrieben werden, das auf einer breiteren Basis von Symptomen begründet ist.

  • Dieses Vorgehen kann sich bis zur Heilung des Patienten mehrfach wiederholen, sodass im Verlauf der Behandlung oft viele Mittel notwendig sind.

Unähnliche Krankheiten
Erkrankungen unähnliche Häufiger als „einseitige Krankheiten“ trifft man jedoch „unähnliche Krankheiten“ an. Dies ist nach der Definition Hahnemanns (Organon, §§ 34–46) die Summation mehrerer Krankheiten bei einem Patienten. Typisches Beispiel ist ein chronisch kranker Patient, etwa ein Asthmatiker, der zur Behandlung einer akuten Erkrankung, etwa einer Bronchopneumonie kommt. Sehr wahrscheinlich ist für die Behandlung der Gesamtproblematik eine Abfolge von mehreren Mitteln notwendig. Je länger die Krankengeschichte eines chronisch Kranken ist, umso mehr Krankheiten und auch Unterdrückungsphänomene lagern sich unter Umständen übereinander, bis hin zu komplizierten und nahezu unentwirrbaren chronischen Krankheitsfällen der Erwachsenenmedizin.
Die Behandlung „unähnlicher Krankheiten“ erfordert es, zunächst die Symptome der im Vordergrund stehenden, gefährlicheren und zuletzt aufgetretenen Krankheit zur Arzneimittelwahl heranzuziehen. Dies hat keine Unterdrückung der chronischen Krankheit zur Folge, da unähnliche Krankheiten sich gewissermaßen „in den Organism theilen und jede die, für sie eigenthümlich gehörigen Theile und Systeme einnimmt […]“ (Organon, § 42). Je nach Veränderung des Mittelbildes und dem Voranschreiten des Falles müssen dann Folgemittel eingesetzt werden, bis die antimiasmatische Behandlung der zu Grunde liegenden chronischen Zustände möglich ist.

Praxistipp

Vorgehen bei Nichtbesserung der Beschwerden

Führt bei einer chronischen Erkrankung keines der verschriebenen Mittel zur Besserung, so kann versucht werden, durch eines der in dieser Hinsicht bewährten Mittel „Bewegung“ in den Fall zu bringen und vielleicht weiterführende Symptome hervorzulocken:
→Allgemeines – chronischer Krankheiten; zum Beginn der Behandlung
(9): calc, calc-p, morb, nux-v, psor, puls, sulph, thuj, tub
Zu beachten ist dabei, dass die Lebenskraft schwer oder chronisch kranker Patienten meist stark geschwächt ist. Hohe Arzneimittelpotenzen oder zu häufige Wiederholungen eines Mittels können den Organismus überfordern und massive Erstverschlimmerungen oder, bei falscher Mittelwahl, auch schwere Exazerbationen der Grunderkrankung hervorrufen. Ist keine Lebenserhaltung mehr möglich, kann ein gut gewähltes homöopathisches Mittel die letzten Stunden des Patienten erleichtern.
→Gemüt – Tod – Agonie vor dem Tod (16): acon, ant-t, ars, aur, carb-v, carc, con, gels, lach, lat-m, plat, psor, spig, syph, tarent-c

Miasmen

Miasmen Merkmale Die eigentliche Bedeutung erhielt die Homöopathie durch Hahnemanns Entwicklung der Miasmenlehre. Die Tatsache, dass die homöopathische Behandlung bei akuten Krankheiten enorm erfolgreich war, aber bei chronischen Erkrankungen oft versagte, führte ihn zum Verständnis der miasmatisch-chronischen Krankheiten und zu der Entdeckung, dass es bestimmte erworbene oder ererbte Vorbedingungen für diese Krankheiten gibt, und dass nur bestimmte Arzneien antimiasmatisch wirken. Diese Erkenntnisse legte er 1828 in den „Chronischen Krankheiten“ (CK) nieder.
Hahnemann wählte den Begriff Miasma nach dem griechischen Wort für „Verunreinigung“, „Befleckung“. Mit ihm wurden seit Hippokrates krankmachende Stoffe in der Atmosphäre oder auch generell krankheitsauslösende Umwelteinflüsse bezeichnet.

Info

Miasma ist nach Hahnemann „eine durch Ansteckung oder Erbschaft eingeprägte Krankheit“ (Organon, § 78, Anm.).

Miasmen sind jedoch nicht zu verstehen als „nosologisch und pathogenetisch definierte Einheiten mit exakt beschreibbaren Erregern. Wir stellen sie nicht auf die Stufe einer pathologisch-anatomisch oder pathophysiologisch bis ins Letzte erforschten Krankheit. Er (Hahnemann, d. Verf.) beschreibt typische Reaktionsweisen chronisch kranker Menschen, die als Folge ungenügend behandelter oder unterdrückter Infekte auftreten können oder im Erbgefüge mitgegeben sind. Diese Reaktionsweisen haben vielfach Symptomenähnlichkeit mit den Folgezuständen der Lues oder Gonorrhoe.“ ( Köhler 1988 )

Info

Miasmen sind angeborene oder erworbene krankhafte Reaktionsmuster – Hypofunktion, Hyperfunktion, Dysfunktion – die einen chronischen Erkrankungsprozess entstehen lassen und aufrecht erhalten.

Der Charakter chronischer Krankheiten erschloss sich Hahnemann durch die Syphilis Syphilis . Ihre Kontagiosität und ihr unaufhaltsamer Verlauf vom Primäraffekt über die Organzerstörung bis zum Tod ließen ihn vermuten, dass sie eine der Ursachen anderer, ähnlich verlaufender, unheilbarer chronischer Erkrankungen sein könnte. Von dieser Beobachtung abgeleitet, definierte er chronische Krankheiten folgendermaßen:
  • 1.

    Sie sind langwierig, unheilbar und enden erst mit dem Tod.

  • 2.

    Sie fressen sich von außen unter immer wieder aufflackernden Schüben in immer zentralere Regionen vor.

  • 3.

    Sie verlaufen in immer intensiver werdenden Phasen; dazwischen haben sie Latenzzeiten, in denen sie aufgehalten scheinen.

  • 4.

    Wenn ihre äußeren Manifestationen durch lokale Maßnahmen unterdrückt werden, geschieht das Gegenteil von Heilung, und sie verschlimmern sich.

Neben der Syphilis vermutete Hahnemann noch eine zweite Ursache chronischer Krankheiten, die Feigwarzenkrankheit, Gonorrhö oder Sykose Sykose (griech. σύκον = Feige). Ihr Verlauf und ihre Symptome unterscheiden sich deutlich von der Syphilis, doch wird sie auch venerisch übertragen.
Hahnemann entdeckte jedoch noch eine nicht-venerische Ursache chronischer Krankheiten. Die Beobachtung, dass die Wirkung homöopathischer Arzneien durch einen Krätze-Ausschlag verhindert werden kann, und dass in den Anfangsstadien vieler chronischer Krankheiten juckende Hautausschläge vorkamen, führte ihn zur genialen Idee der „Psora Psora (griech. ψώ ρα = Skabies), die er als älteste und bei weitem bedeutendste Grundursache, die „allgemeinste Mutter der chronischen Krankheiten“ bezeichnete (CK).
„Diese Umstände, in Verbindung mit der Thatsache, dass unzählige Beobachtungen der Ärzte, so wie nicht selten meine eigenen Erfahrungen gelehrt hatten, wie auf durch böse Kunst unterdrückten oder durch andere Ereignisse von der Haut verschwundenen Krätz-Ausschlag chronische Leiden mit gleichen oder ähnlichen Symptomen, bei sonst gesunden Menschen, augenscheinlich gefolgt waren, konnten mir keinen Zweifel übrig lassen über den innern Feind, mit welchem ich es bei ihrer ärztlichen Behandlung zu thun hatte“ (CK).
Von Asthma bronchiale bis chronische Arthritis, von Diabetes bis Hepatitis, von Sinusitis bis Heuschnupfen, von Colitis ulcerosa bis Epilepsie, von Herzkrankheiten bis Geisteskrankheiten, von Hämorrhoiden bis Fußpilz, von großen bis kleinsten chronischen Erscheinungen – immer sind es primär Äußerungen der vorhandenen Psora. Sie ist die fundamentale „Ordnungsstörung im Innern des menschlichen Organismus“ (Kent, Zur Theorie der Homöopathie).
Immer mehr Kinder entwickeln heute schon in den ersten Lebensmonaten oder -jahren chronische Krankheiten wie Neurodermitis, Asthma bronchiale, Heuschnupfen, chronisch-rezidivierende Infekte und Autoimmunerkrankungen wie Rheuma oder Diabetes. Diese Krankheiten sind entweder primär chronisch, oder ihre einzelnen Krankheitsschübe sind als Exazerbationen der chronischen Krankheit aufzufassen. Die Lebenskraft der betroffenen Kinder ist chronisch, grundlegend verstimmt. Die Unterdrückung der akuten Krankheitsschübe durch eine rein symptomatische Behandlung ist problematisch, da die chronische Krankheit bestehen bleibt, sich aber immer mehr ins Zentrum des Organismus, in lebenswichtigere Organe verlagert ( 1.6.4 ).
Ohne die Psora wären nicht nur chronische Krankheiten undenkbar, sondern „der Mensch wäre überdies völlig unempfindlich für akute Krankheiten“ (Kent, Zur Theorie der Homöopathie). „Personen, die nicht psorisch sind, leiden von Zugluft oder feuchter Kälte, wenn sie ihnen auch nicht angenehm ist, keine Verkältung, keine Nachbeschwerden“ (CK, Fußnote). Dies ist der Urzustand des Menschen und die Utopie der homöopathischen Medizin: Ein Zustand völliger körperlicher, seelischer und geistiger Gesundheit.

Übertragung von Miasmen

Miasmen Übertragung Hahnemann verwendete den Begriff „Miasma“ zunächst, um auszudrücken, dass die Veranlagung zu chronischen Erkrankungen durch direkten Kontakt weitergegeben werden kann (erst später wurde unter „Miasma“ die miasmatisch-chronische Krankheit selbst verstanden). Die Kontagiosität epidemischer und venerischer Krankheiten war zu Hahnemanns Zeiten Allgemeinwissen, wenn auch die Erreger noch unbekannt waren. Nach dem Verständnis Hahnemanns bedurfte es auch zu einer miasmatischen Ansteckung durchaus einer Berührung : „Denn die Psora ist […] die alleransteckendste unter den chronischen Miasmen und bei weitem ansteckender als die andern beiden chronischen Miasmen, die venerische Schankerkrankheit (Syphilis, d. Verf.) und die Feigwarzenkrankheit (Sykose, d. Verf.). Die Fähigkeit, vom Krätzmiasm (Psora, d. Verf.) angesteckt zu werden, hat fast jeder Mensch und fast unter allen Umständen.“ (CK)
Ansteckung
Es handelt sich dabei niemals um eine örtliche Ansteckung, sondern das einzelne Organ erkrankt erst, nachdem der ganze Organismus und v. a. die Lebenskraft von dem Miasma durchdrungen sind. Wenn die Lebenskraft aus dem Gleichgewicht gebracht ist, beginnt die Krankheit.

„Jedes dieser Miasmen war schon im Besitz des ganzen Organismus, und hatte ihn schon in allen seinen Theilen durchdrungen, ehe dessen primäres, stellvertretendes und den Ausbruch verhütendes Lokal-Symptom […] zum Vorschein kam.“

(Organon, § 204)

Die Idee von der Übertragbarkeit der Miasmen findet ihre Aktualität in der Vielzahl von chronischen Erkrankungen, bei denen ein infektiöses Agens als Mitverursacher identifiziert ist – von EBV über Chlamydien und Hepatitis B und C bis hin zu Humanen Papillomaviren.

„Die davon Ergriffenen scheinen dann in den Augen ihrer Anverwandten und Bekannten, als wären sie völlig gesund und als wäre die, ihnen durch Ansteckung oder Erbschaft eingeprägte Krankheit völlig verschwunden; sie kömmt aber, in spätern Jahren, bei widrigen Ereignissen und Verhältnissen im Leben, unausbleiblich aufs Neue zum Vorschein […].“

(Organon, § 78, Anm.)

Ansteckung ist jedoch auch denkbar als soziales, kulturelles Phänomen. Ein Kind wird hineingeboren in eine Umwelt, die sein Denken, seine Gefühle und sein Verhalten prägt. Der Zerfall vieler Familien, die zunehmende Vereinsamung der Menschen, die Ablösung der Religiosität durch einen kruden Materialismus, die gesellschaftliche Huldigung des Unwerts „Egoismus“ gegenüber dem Wert „Solidarität“, die Zerstörung der Grundlagen unserer biologischen Existenz durch Umweltverbrechen, die Globalisierung mit all ihren Folgen wie Existenzvernichtung und Existenzangst – dies alles sind Anteile von Miasmen, Wirkung und Ursache zugleich, die die Abwehr gegenüber Krankheiten unterminieren und chronische Krankheiten hervorzurufen im Stande sind.
Vererbung
Die Miasmen Psora, Sykose und Syphilis können nicht nur durch Ansteckung erworben, sondern auch durch Vererbung weitergegeben werden. Das bedeutet, dass es auch eine hereditäre Psora, Sykose oder Syphilinie gibt. Daher treten auch schon bei Säuglingen und Kindern psorische, sykotische oder syphilitische chronische Erkrankungen auf, ohne dass ein akutes Stadium durchlaufen wurde.
Die Vererbung eines Miasmas wird teilweise durch die genetische Forschung belegt: Mehr und mehr Gen-Loci werden identifiziert, die ihren Träger für chronische Erkrankungen wie Allergien, Diabetes oder bestimmte Tumorerkrankungen disponieren. Schwer verständlich für naturwissenschaftlich denkende Ärzte ist zunächst die Theorie, dass sich unterdrückte oder nicht ausgeheilte Krankheiten in die Keimbahn „einschleichen“ und als Krankheitsanfälligkeit auf die folgenden Generationen vererbt werden. Seit jedoch die sogenannten „epigenetischen Informationen“ erforscht werden, die für das An- und Abschalten der Gene verantwortlich sind, gerät die Darwin-Vererbungslehre ins Wanken. Die Instabilität dieser Informationen „bewirkt, dass wir eben auch durch äußere Einflüsse diese Informationen relativ leicht verändern können und dass diese Information dann trotzdem weitergegeben werden kann an die nächsten Generationen“. Sie können „praktisch festgefroren werden und in die nächste Generation gelangen […] im Prinzip Vererbung von Erworbenem“. ( Paro 2002 )

Einteilung der Miasmen

Miasmen Einteilung Hahnemann beobachtete drei verschiedene Gruppen von zu seiner Zeit häufigen miasmatisch-chronischen Erkrankungen, die er Psora, Sykose und Syphilis nannte: „In Europa findet man […] nur drei solcher chronischen Miasmen, deren Krankheiten sich mit Lokal-Symptomen hervorthun und von denen wo nicht alle, doch die meisten chronischen Uebel herkommen, nämlich erstens die Syphilis, dann die Sycosis und endlich die Psora.“ (CK) Hahnemann, Samuel Miasmen
  • Psora Psora : „Die Psora ist es, jene älteste, allgemeinste, verderblichste und dennoch am meisten verkannte chronisch-miasmatische Krankheit, welche seit vielen Jahrtausenden aber die Mutter aller der Tausende unglaublich verschiedener (akuter und) chronischer (unvenerischer) Uebel geworden ist, von denen jetzt das cultivirte Menschengeschlecht auf der ganzen bewohnten Erde mehr und mehr heimgesucht wird.“ (CK)

  • Sykose Sykose : „Zuerst also von der Sycosis, als demjenigen Miasm, welches die bei weitem wenigsten, chronischen Krankheiten erzeugte und nur von Zeit zu Zeit herrschend war. Diese Feigwarzen-Krankheit – welche in neuern Zeiten vorzüglich während der französischen Kriege, in den Jahren 1809 bis 1814, so sehr verbreitet war, seitdem aber sich immer seltner und seltner zeigte.“ (CK)

  • Syphilis Syphilis : „Das zweite, weiter als die Feigwarzenkrankheit verbreitete, chronische Miasm […] ist das der eigentlich venerischen, der Schanker-Krankheit (Syphilis).“ (CK)

Hahnemann betont, dass alle drei Miasmen mit äußerlichen Erscheinungen beginnen: Die Psora mit juckenden Hautausschlägen, die Sykose mit Feigwarzen und die Syphilinie mit dem harten Schanker (Ulcus durum, syphilitischer Primäraffekt). Solange die Hauterscheinung noch vorhanden ist, „ist die ganze Krankheit am leichtesten durch die innerlich gegebenen spezifischen Arzneien heilbar.“ (CK)
Er stellt fest, „daß wenigstens sieben Achtel aller vorkommenden chronischen Siechthume von der Psora, als von ihrer einzigen Quelle ausgehen, während das übrige Achtel aus Syphilis und Sykosis oder einer Complication von zweien dieser drei miasmatisch-chronischen Krankheiten, oder (was selten ist) allen dreien entspringt.“ (CK)
Heute hat sich die Verteilung der Miasmen gewandelt. Nach J. H. Allen ist „die Sykose […] unter den erwachsenen Männern stark verbreitet, es wird geschätzt, daß volle achtzig Prozent von ihr befallen sind. Die Mehrheit der verheirateten Frauen leidet in irgendeiner Form unter der Sykose.“ ( Allen 1987 )
In der Pädiatrie ist zu beobachten, dass nur noch wenige Kinder rein psorische Erkrankungen haben. Die meisten leiden an mehrmiasmatischen Störungen. Die Sykose ist bei Kindern heute das verbreitetste Miasma. Eine Ursache für das Aufblühen der Sykose ist die heute übliche Unterdrückung pathologischer, entlastender Absonderungen und die Zunahme von Impfmaßnahmen.
Psora
Psora Jeder gesunde Mensch befindet sich in einem psorischen Urzustand. Das ist ein Zustand der potenziellen Schwäche, die im Laufe seines Lebens durch den Alterungsprozess zu einer Abnahme seiner Funktionen führt und mit dem Verlust dieser Funktionen im Tode endet. Dieser Zustand entspricht der Gesundheit. Erst die Einwirkung der Miasmen beeinträchtigt diesen natürlichen Vorgang und führt zu Erkrankungen, die je nach Miasma (s. o.) unterschiedlichen Charakter haben.
Die südamerikanische Homöopathie-Schule ordnete den Miasmen die Begriffe Mangel, Exzess und Destruktion zu. Die Psora beinhaltet als Prinzip den Mangel, die Schwäche, die Hypofunktion und die Hypotrophie. „Unter Psora verstehen wir also eine Bremse oder eine Behinderung des Individuums in seiner gesamten Ausdruckweise. Eine Behinderung in vielen Aspekten, besonders aber auf körperlicher Ebene, d. h. im vollständigen und adäquaten Gebrauch seiner Organe wie auch seines Verstandes – hier speziell in der Willenssphäre.“ ( Ortega 1989 )
Die Aktivierung der Psora und damit das Erscheinen von Krankheitssymptomen geschieht durch Belastungen des Organismus wie körperliche oder seelische Verletzungen, Überanstrengung, Überforderung, Freude, Kummer, Angst, Übermüdung, unregelmäßige Lebensführung und ganz besonders auch die Unterdrückung ( 1.6.4 ), die aber auch die anderen Miasmen aktivieren kann.
Typisch für die Psora sind Hauterscheinungen, die mit Juckreiz einhergehen. Die Hautausschläge der anderen Miasmen haben keinen Juckreiz. Wenn er dort auftritt, ist das immer ein Zeichen einer Verquickung der anderen Miasmen mit der Psora.

„Die Syphilis ist das Modell, nach welchem Hahnemann auch die Psora erklärt, und auch die Sykosis. Die Syphilis mit ihren Stadien, diesem Stellungskrieg zwischen Invasor und Organismus, der hin und her wogt, wo es über gewisse Stadien immer weitergeht, Latenzstadien, dann wieder Ausbruch, – wieder Latenz, – wieder Ausbruch, und so immer weiter, durch die Stadien I, II, III, und IV“

(Künzli)

  • Hauterscheinungen: Stark juckende, zum Kratzen zwingende Hautausschläge in Form von kleinen entzündeten Blütchen und Bläschen. Schuppungen, Rötungen und Flecken in Hautniveau. Jucken und Schwitzen Psora Hauterscheinungen

  • Psorische Miasmatik: Psora Merkmale

    • Familienanamnese (primäre Miasmatik): Häufige Infekte der Atemwege, Allergien, Neurodermitis, Asthma, unterdrückte Hauterkrankungen

    • Eigenanamnese (sekundäre Miasmatik):

      • Vorgeschichte von Infektneigung, häufigen Rezidiven, (unterdrückten) Hautausschlägen, Diarrhö, Obstipation, Kopfschmerzen

      • Rachitis, verzögerte Entwicklung, verspätete Zahnung

      • Schwächezustände jeder Art

      • Funktionelle und endokrine Störungen noch ohne bleibende Gewebeveränderungen

      • Ängstlichkeit, Schüchternheit, Konzentrationsmangel

Praxistipp

Voegeli nennt folgende Arzneimittel als wichtige Arzneimittel der Psora: Psora Arzneimittel

  • Alumina

  • Ammonium carbonicum

  • Calcium carbonicum

  • Causticum

  • Conium

  • Graphites

  • Hepar sulfuris

  • Lycopodium

  • Natrium muriaticum

  • Nitricum acidum

  • Petroleum

  • Platin

  • Sepia

  • Silicea

  • Sulphur

Weitere psorische Mittel finden sich in der Rubrik → Allgemeines – Psora (222).

Sykose
Sykose Ortega sagt, „daß die Sykosis als ein chronisch-miasmatischer Zustand mit weit in die Tiefe reichender Pathologie deutliche Merkmale von Produktivität und Proliferation besitzt. Charakteristische Symptome sind Hypertrophie, Hyperplasie und Hyperkinese sowie die Entsprechung im Bereich Geist und Gemüt, die von Paschero sehr treffend als eine Hypertrophie des Ich oder vielleicht besser des Ego bezeichnet wurde.“ ( Ortega 1989 )
Die hereditäre Sykose ist häufig schon unmittelbar nach der Geburt zu erkennen. Kinder, die von sykotisch belasteten Eltern abstammen, leiden „an Kolik beinahe vom Augenblick ihrer Geburt an, nicht an der gewöhnlichen Blähungskolik, sondern an einer ernsten und spezifischen, die oft ein bis drei Monate nach der Geburt andauert. Die Leiden, die diese Kinder ertragen müssen, sind einfach unbeschreiblich. Sie winden, drehen und krümmen sich vor Schmerz, stellen ihre Beine hoch und schreien oft stundenlang […]. Der Schmerz kommt gewöhnlich anfallsweise oder er ist krampfartig, manchmal erleichtert durch Druck oder wenn das Kind auf dem Bauch liegt oder wenn es in den Armen der Kinderschwester herumgetragen wird; dann wiederum scheint sanftes Schütteln ihre Leiden zu mildern.“ ( Allen 1987 )
Die Vorgeschichte der Eltern wird offenbaren, dass eine Sykose unterdrückt oder unvollständig geheilt wurde.
  • Hauterscheinungen: Hauterscheinungen über Hautniveau, Entzündungen, Impetigo, Aknepusteln, Eiterungen, Blasen, Quaddeln, Feigwarzen, Warzen, speziell gestielte Warzen, Polypen, Zysten, Tumoren, Hämangiome, Naevi Sykose Hauterscheinungen

  • Sykotische Miasmatik: Sykose Merkmale

    • Familienanamnese (primäre Miasmatik): Steinleiden, Nierenerkrankungen, Genitalerkrankungen, Gonorrhö, Rheuma, Stoffwechselstörungen (Gicht, Hypercholesterinämie, Diabetes), Hypertonie, Herzerkrankungen, Erkrankungen des kleinen Beckens

    • Eigenanamnese (sekundäre Miasmatik):

      • Chronische und rezidivierende Erkrankungen, Erkrankungen im Urogenitalbereich, Rheumatische Krankheiten, Asthma

      • Folgeerkrankungen nach unterdrückenden Behandlungen, nach Impfungen, Antibiotika, Hormonen, Kortikosteroiden

      • Chronische gelbe Schleimhautabsonderungen (Schmierauge, chronischer Schnupfen)

      • Ausgeprägte Gelenkschwellung und Verschlechterung bei feuchtem Wetter

      • Ängstlichkeit, Reizbarkeit, Hyperkinesie, Zwanghaftigkeit, Depression

Praxistipp

Voegeli nennt folgende Arzneimittel als wichtige Arzneimittel der Sykose: Sykose Arzneimittel

  • Medorrhinum

  • Natrium sulfuricum

  • Nitricum acidum

  • Silicea

  • Thuja

Zu beachten ist auch die Rubrik mit einer Reihe weiterer sykotischer Mittel: → Allgemeines – Sykose (186).

Syphilinie
Syphilinie „Homöopathisch wie miasmatisch ordnen wir definitiv alles Destruktive und Degenerative der Syphilis zu. Destruktiv – aufgrund der typischerweise von ihr verursachten Zeichen und Symptome; degenerativ – weil die Syphilis Verstand und Zellen des Menschen, d. h. den ganzen Organismus in eine der Natur völlig entgegengesetzte Richtung drängt.“ ( Ortega 1989 )
Im Zusammenhang mit der Syphilis als ansteckende Krankheit machte Hahnemann eine sehr wichtige Beobachtung, die uns zum einen den natürlichen Verlauf dieser Krankheit zur Kenntnis bringt und zum anderen die ungeheure Bedeutung des therapeutischen Eingriffs, sowohl der lokalen Behandlung, wie der innerlichen Behandlung zeigt.

„Nie habe ich in meiner mehr als fünfzigjährigen Praxis das Mindeste von Lustseuche ausbrechen sehen, wenn der Schanker, auf seiner Stelle unangetastet, auch mehre Jahre (denn nie vergeht er von selbst) stehen blieb, und, wie natürlich mit der Zeit, bei innerer Zunahme des venerischen Leidens (wie bei jedem chronischen Miasm in der Folgezeit geschieht) an seinem Sitze sich um Vieles vergrößert hatte. Aber zu jeder Zeit, wo man so unverständig ist, dieß stellvertretende Lokalsymptom zu zerstören, ist auch der Organism bereit, die innere Syphilis als Lustseuche zum Ausbruche zu bringen, da die allgemeine venerische Krankheit des Innern vom ersten Augenblicke der Ansteckung an, schon im Körper wohnt.“

(Hahnemann CK S. 110)

  • Einteilung der Syphilinie:

    • Erstes Stadium: „[…] wo sie noch allein und noch mit dem ihr zugehörigen Lokalsymptome, dem Schanker, oder doch, wenn auch dieser örtlich vertrieben war, mit dem ähnlich für das innere Leiden vikariierenden Symptom der Schoßbeule (bubo, […]) versehen ist.“

    • Zweites Stadium: „[…] wenn sie zwar allein, d. i. noch ohne Verwickelung mit einem zweiten oder dritten chronischen Miasm, doch des stellvertretenden Lokal-Symptoms selbst, des Schankers (und der Schoßbeule) schon beraubt ist.“

    • Drittes Stadium: „[…] wenn sie schon anderer langwieriger Krankheit, d. i. schon mit entwickelter Psora kompliziert ist, entweder bei noch anwesendem Lokal-Symptom, oder nach dessen örtlicher Vertreibung.“ (CK)

  • Hauterscheinungen: Geschwüre unter Hautniveau, blutiges, übelriechendes Sekret, langwierige Eiterungen, Risse, Fisteln, dicke Krusten, Verhornungen, Pigmentstörungen. Syphilinie Hauterscheinungen

  • Syphilitische Miasmatik: Syphilinie Merkmale

    • Familienanamnese (primäre Miasmatik): AIDS, Syphilis, Autoaggressionskrankheiten, Suchterkrankungen, Apoplex, Herzinfarkt, neurologische und psychiatrische Erkrankungen, Suizide, Knochenerkrankungen, Borreliose, Malignome

    • Eigenanamnese (sekundäre Miasmatik):

      • Missbildungen, Entwicklungsstörungen, Wachstumsstörungen, neurologische und degenerative Erkrankungen, Störungen der Skelettentwicklung, Zahnanomalien

      • Aggressive Spielarten der rheumatischen Arthritis mit nächtlichen Schmerzen, Gelenkdestruktion und drohender Ankylose. Uveitis. Rheumaknoten. Amyloidose

      • Destruktives, aggressives, egozentrisches, depressives Verhalten

Praxistipp

Voegeli nennt folgende Arzneimittel als wichtige Arzneimittel der Syphilinie: Syphilinie Arzneimittel

  • Aurum

  • Kalium bichromicum

  • Kalium jodatum

  • Mercurius solubilis

  • Syphilinum

Zu beachten ist auch die Rubrik mit einer Reihe weiterer antisyphilitischer Mittel: →Allgemeines – Syphilis: (209).

Tuberkulinie (Psora + Syphilinie)
Tuberkulinie „Wenn eine Unterdrückung in einem Organismus stattfand, in dem zwei oder mehr Miasmen vorhanden waren, wurden alle oben erwähnten Zustände (Symptome der Psora, Verf.) noch erweitert und verstärkt, wie man dies oft sieht, wenn Psora und Syphilis durch erbliche Übertragung vollkommen mit einander verschmolzen sind. Die tuberkulöse Diathese (die ererbte tuberkulöse Disposition) ist das Ergebnis einer solchen Verbindung. Ihre Tiefenwirkung ist die stärkste von allen Krankheitszuständen oder -bedingungen überhaupt.“ (Allen, Die chronischen Krankheiten)
  • Hauterscheinungen: Knoten, Papeln, Lichen, Prurigo; vielförmig und vielgestaltig und im Allgemeinen nicht juckend, außer, wenn die psorischen Züge das Übergewicht haben Tuberkulinie Hauterscheinungen

  • Tuberkulinische Miasmatik: Tuberkulinie Merkmale

    • Familienanamnese (primäre Miasmatik): Tuberkulose, Lungenerkrankungen Asthma, Alkoholismus

    • Eigenanamnese (sekundäre Miasmatik):

      • Rezidivierende Erkrankungen der Schleimhäute; Lungenkrankheiten, Knochenerkrankungen, Augenleiden

      • BCG-Impfung, Zahnungsprobleme

      • Knochenschmerzen, Wachstumsschmerzen

      • Abmagerung bei gutem Appetit; deutlich sichtbare Rippen

      • Starkes Schwitzen, kreisrunder Hautausschlag, Tinea

      • Unbeständigkeit, Verlangen nach Abwechslung, wechselnde Beschwerden

      • Morphologische Veränderungen v. a. in der Körpermittellinie (z. B. Sutura metopica, Lippen-Kiefer-Gaumenspalte, Zahnfehlstellungen)

      • Hyperaktivität, Impulsivität, Konzentrationsstörung

Praxistipp

Creasy und Spinedi nennen folgende Arzneimittel als wichtige Arzneimittel der Tuberkulinie:

  • Arsenicum album

  • Baccilinum

  • Barium carbonicum

  • Calcium carbonicum

  • Conium

  • Hepar sulfuris

  • Jodum

  • Kalium jodatum

  • Lycopodium

  • Natrium muriaticum

  • Phosphorus

  • Pulsatilla

  • Sepia

  • Silicea

  • Sulphur

  • Tuberculinum Koch

  • Tuberculinum bovinum

Zu beachten ist auch die Rubrik mit einer Reihe weiterer antituberkulinischer Mittel: →Allgemeines – Syphilis (207).

Kanzerinie (Psora + Sykose + Syphilinie)

Kanzerinie „In den ‚Chronischen Krankheiten‘ betrachtet Dr. S. Hahnemann die Krebserkrankung als psorischen Ursprungs, d. h. bei dieser Erkrankung wird immer die Psora vorhanden sein, aber nicht nur die Psora; Dr. S. Hahnemann wußte schon, daß Krebs aus einer Kombination chronischer Miasmen entsteht. Bei der Krebserkrankung haben wir das Vorhandensein der drei chronischen Miasmen, nämlich Psora plus Sykosis plus Syphilis. Krebs entsteht aus einer dreifachen miasmatischen Kombination plus oft die iatrogene Krankheit dazu. Unter iatrogener Krankheit wird Vakzinose, Toxikosen (u. a. die medikamentöse), Bestrahlungen, verstanden.“

( Laborde 1998 )

„Patienten mit Krebsbelastung in der Familie haben 300 % mehr Affinität zur Krebserkrankung als diejenigen, die diese erbliche Belastung nicht haben. Das Alternieren zwischen akuter Tuberkulose und Krebserkrankungen von einer Generation zur anderen, oder das Auftreten einer Tuberkulose in der Jugendzeit, gefolgt ein paar Jahre später von einer Krebserkrankung ist eine frappante Praxiserfahrung.“

( Laborde 1998 )

  • Kanzerinische Miasmatik: Kanzerinie Merkmale

    • Familienanamnese (primäre Miasmatik): Krebs, Diabetes, Tuberkulose, Mononukleose, Herpes zoster, Kinderkrankheiten bei Erwachsenen, Thrombosen, chronische Erkrankungen, Epilepsie, Depression

    • Eigenanamnese (sekundäre Miasmatik):

      • Schwere Kinderkrankheiten in den ersten Lebensjahren

      • Beschwerden nach Impfungen

      • Unterdrückende Behandlungen von Ausschlägen, Fieber, Absonderungen; Entfernung von Organen (Tonsillektomie)

      • Langsame Rekonvaleszenz nach Mononukleose

      • Frühreife, Perfektionismus, Ordnungsliebe

Praxistipp

Spinedi nennt folgende Arzneimittel als wichtige Arzneimittel der Kanzerinie:

  • Arsenicum album

  • Aurum muriaticum natronatum

  • Chelidonium

  • Conium

  • Hekla

  • Hydrastis

  • Lachesis

  • Lycopodium

  • Phosphorus

Für die Mehrzahl der Krebserkrankungen wird nur der Einsatz einer beschränkten Anzahl von Arzneimitteln notwendig. Doch kommen auch viele Mittel aus der folgenden Rubrik in seltenen Einzelfällen mit Erfolg zum Einsatz. → Allgemeines – Krebsleiden (249).

Allerginie (Psora + Sykose)
Allerginie Dem Verständnis und der Erfahrung der Autoren nach sind Psora und Sykose die Hauptmiasmen bei allergischen Erkrankungen v. a. im Kindesalter, wenn auch syphilitische und tuberkulinische Anteile, besonders im späteren Lebensalter mit hineinspielen. Es sollte aber ein eigenständiges Allergiemiasma postuliert werden, um der eigenheitlichen Stellung der allergischen Erkrankungen gerecht zu werden. Der Ausdruck „Allergie“ wurde erstmals 1906 von den Wiener Kinderärzten Clemens von Pirquet und Bela Schick benutzt. J. H. Allen und Yves Laborde haben die Symptome der Allergie und ihre Heilmittel den Miasmenbegriffen von Hahnemann zugeordnet (Heuschnupfen 9.2 ).
  • Allergische Miasmatik: Allerginie Merkmale

    • Familienanamnese (Primäre Miasmatik): Unterdrückte Hauterkrankungen, häufige Infekte der Atemwege, Allergien, Neurodermitis, Asthma, Migräne, Psoriasis, gutartige Tumoren (Fibrome), Folgeerkrankungen nach Impfungen oder nicht angegangene Impfungen

    • Eigenanamnese (Sekundäre Miasmatik):

      • Beschwerden nach bestimmten exogenen Einflüssen, jahreszeitliche Abhängigkeit von Beschwerden

      • Unterdrückende Behandlungen von Ausschlägen, Fieber, Absonderungen; Entfernung von Organen (Adenotomie, Tonsillektomie)

      • Folgeerkrankungen nach Impfungen, Antibiotika, Hormonen, Kortikosteroiden

      • Vorgeschichte von Infektneigung, Hautausschlägen, Diarrhö, Obstipation, Kopfschmerzen

Praxistipp

Die wichtigsten Arzneien zur Behandlung von Allergien finden sich in der folgenden Rubrik: → Allgemeines – Allergien; Neigung zu (77).

Miasmatische Mischformen
Miasmen miasmatische Mischformen Allen machte auf eine Mischform einer miasmatisch-chronischen Erkrankung aufmerksam, bei der „Psora und Syphilis durch die erbliche Übertragung vollkommen miteinander verschmolzen sind. Denn es kann keine andere so vollständige Verbindung der Miasmen mit der Lebenskraft geben, wie die durch Vererbung erzeugte“ ( Allen 1987 ). Er nannte dieses Miasma Pseudo-Psora oder tuberkulöse Diathese, heute spricht man von Tuberkulinie Tuberkulinie .
Die Verbindung von Sykose und Syphilis als weitere Mischform wird von Laborde als Kanzerinie Kanzerinie bezeichnet. Schließlich kann die Verschmelzung von Psora und Sykose als Miasma der Allerginie Allerginie (Pfeiffer) aufgefasst werden ( Abb. 1.1 ).
Die Lehre von den Miasmen ( 1.7 ) hat enorme Bedeutung für die Behandlung der chronischen Leiden, die heute einen großen Teil der Bevölkerung v. a. in der zweiten Lebenshälfte, aber auch zunehmend im Säuglings- und Kindesalter betreffen. Nach wie vor können wir heute die drei Grundmiasmen Hahnemanns zu den Eckpunkten der Miasmenlehre machen. Die später postulierten Miasmen sind als Zwischenzustände zwischen den drei großen Miasmen zu verstehen.

Miasmatische Behandlung chronischer Krankheiten

Miasmen Behandlung Die Behandlung chronischer Krankheiten ist ureigenste Arbeit des Homöopathen und stellt gleichzeitig die „Hohe Schule“ der Homöopathie dar. Um das für eine chronische Krankheit möglichst ähnliche Mittel aussuchen zu können, muss er die Phänomene des zu Grunde liegenden Miasmas verstehen. Nur dann gelingt es ihm, die Störung der Lebenskraft aufzuheben und die chronische Krankheit zu heilen.
In erster Linie werden für die Therapie chronischer Krankheiten Arzneimittel benötigt, die bei den homöopathischen Arzneimittelprüfungen charakteristische Symptome der Psora, Sykose und Syphilis hervorgebracht haben ( 1.7.2 ). Diese Arzneimittel nennt man Antipsorika Antipsorika , Antisykotika Antisykotika und Antisyphilitika Antisyphilitika . Schon Hahnemann hat in den „Chronischen Krankheiten“ typische Symptome der Psora gesammelt und geordnet, und wichtige psorische Arzneimittel beschrieben. Künzli hat dies für die Sykose und Spinedi für die Syphilinie weitergeführt, sodass wir heute eine gute Vorstellung typischer Zeichen und Symptome der großen Miasmen haben ( 1.7.2 ).
In der Anamnese eines chronischen Falles wird die Gesamtheit der Zeichen und Symptome des Patienten erhoben ( 2.2 ) und anschließend hierarchisiert ( 2.3 ). „Dann erst sucht der Arzt in mehreren Unterredungen das Krankheitsbild des Leidenden so vollständig als möglich zu entwerfen, […] um die auffallendsten und sonderbarsten (charakteristischen) Symptome auszeichnen zu können, nach denen er das erste (antipsorische usw.) Arzneimittel nach möglichster Zeichen-Aehnlichkeit, für den Anfang der Cur, u. s. f. auswählt.“ (Organon, § 209)
Symptome eines chronisch kranken Patienten weisen nicht nur auf ein oder mehrere bestimmte Arzneimittel hin, sondern auch auf ein oder mehrere Miasmen ( Tab. 1.3 , Tab. 1.4 ). Ist nur ein Miasma für die chronische Krankheit verantwortlich, kann schon ein einziges, richtig verordnetes Mittel zur Heilung führen.
Bei mehrmiasmatischen Erkrankungen sind die Zeichen und Symptome des aktivsten, die Krankheit derzeit am meisten beherrschenden Miasmas an erster Stelle zu nehmen und zu hierarchisieren ( 1.7 ). Bei einer Krankheit z. B. mit primär sykotischem Hintergrund werden zunächst nur die sykotischen Symptome des Patienten repertorisiert und hierarchisiert. Dies erfordert eine gute Kenntnis der miasmatischen Symptomatik und viel Erfahrung. Eine bewährte Übersicht über miasmatische Symptome bieten die Werke von J. H. Allen und Laborde und Risch sowie Köhlers „Lehrbuch der Homöopathie“.
Ändern sich auf die Gabe des zuerst verschriebenen Mittels hin die Symptome, folgt die Behandlung des Miasmas, das sich danach am deutlichsten manifestiert. Es ergibt sich die Behandlung mit einer Sequenz von Mitteln, die einer Abfolge „übereinanderliegender“ oder dynamisch miteinander verbundener Miasmen entsprechen.
„Wo […] die gemischten Miasmen zugegen sind, ist es notwendig die Reihenfolge oder Ordnung ihrer Entfaltung zu verstehen. Eines ist für gewöhnlich aktiv und hält das andere im Zustand der Untätigkeit […]“. Kent kommentiert diesen schwierigen Prozess lapidar: „Eine Verschreibung hängt zum großen Teil von der Fähigkeit des Arztes ab, wahrzunehmen und zu erkennen, was ein Miasma ausmacht. Wenn seine Wahrnehmung trübe ist, vermischt er Symptome, die nicht zusammengehören“ (Kent, Zur Theorie der Homöopathie).

Info

  • Die Repertorisation der Gesamtheit der Symptome ohne Hierarchisierung nach miasmatischen Gesichtspunkten ergibt oft eine Arznei, die entweder nicht antimiasmatisch wirkt oder nicht dem vorherrschenden Miasma entspricht.

  • Wenn ein scheinbar gut gewähltes Mittel nicht zum Erfolg führt, muss unter miasmatischem Aspekt neu repertorisiert werden.

  • Anhand der Veränderung der miasmatischen Symptome kann der Fortschritt der Heilung beurteilt werden. Sie müssen nach der Kent-Regel als erste verschwinden.

Die Behandlung chronischer Krankheiten erfolgt in der Regel mit antimiasmatischen Mitteln, die von Hahnemann und seinen Nachfolgern geprüft wurden. Durch sein Studium, das er in den fünf Bänden seiner „Chronischen Krankheiten“ veröffentlichte, fand Hahnemann heraus, dass es bestimmte Arzneien gibt, die mehr als andere in der Lage sind, chronische Krankheiten zu heilen. Während er anfangs hauptsächlich pflanzliche Mittel prüfte und einsetzte, entdeckte er v. a. bei den erst später in den Arzneischatz aufgenommenen metallischen und mineralischen Mitteln eine tiefe antimiasmatische Wirkung.
Die den einzelnen Miasmen zugeordneten Nosoden – Psorinum, Medorrhinum, Tuberculinum, Luesinum und die Krebsnosoden ( Carcinosinum und Scirrhinum ) – sind nicht die primären Heilmittel zur Behandlung miasmatischer Störungen, sondern werden nach den gleichen Grundsätzen wie die übrigen Arzneien, also nach ihren Symptomen verordnet. „Psorinum heilt nicht die Psora, und Syphilinum heilt nicht die Syphilinie, ebenso heilt Medorrhinum nicht die Sycosis.“ (Kent, Lesser Writings)
Die Gabe einer Nosode kann aber ein Wegbereiter für ein klareres Symptomenbild sein, etwa wenn sich nach der Gabe eines gut gewählten Mittels nicht der gewünschte Erfolg eingestellt hat.
Zur Behandlung der Miasmen ist folgende Repertoriumsrubrik geeignet: →Allgemeines – Arzneimittel – wirkungslos, versagen, gut gewählte Arzneimittel bleiben (26): alum, calc, carb-v, carc, gels, lach, mosch, nux-v, op, psor, stram, sulph, teucr, tub, …

Aspekte der Miasmen bei spezifischen Erkrankungen

Kinderkrankheiten und Miasma
Miasmen pädiatrische Erkrankungen Es ist, als ob der Organismus durch bestimmte akute Erkrankungen sich bereits in frühester Jugend von einem chronischen Miasma befreien wollte, sich mit ihm auseinandersetzt und einen Zustand herstellen möchte, der das vor ihm liegende Leben erträglich macht.
Kinderkrankheiten sind spezielle in der Kindheit auftretende Erkrankungen. Sie kamen vor Einführung der Impfungen im Erwachsenenalter praktisch nicht vor, und machen heute bei ihrem Auftreten in untypischem Alter (Säuglinge, Erwachsene) häufiger Komplikationen. Wesentlich für die Morbidität ist die hohe Kontagiosität, entscheidend für Verlauf und Komplikationen sind v. a. Umweltfaktoren, unabhängig von der Konstitution und Diathese der Erkrankten. So gehen Masern oder Keuchhusten in Ländern mit schlechten sozioökonomischen Verhältnissen mit einer hohen Letalität einher. Ein prozentualer Anstieg von Komplikationen wird in westlichen Ländern registriert, in denen Krankheiten wie Masern, Mumps oder Windpocken aus der Kindheit „weggeimpft“ werden.
Kinderkrankheiten sind offenbar keine zufälligen Ereignisse im Kindesalter, sondern Ausdruck einer miasmatischen Belastung ( Tab. 1.5 ), die der Organismus durch das Auftreten einer akuten Erkrankung bewältigen will. Die vor der Erkrankung miasmatisch im Sinne von Hypofunktion, Hyperfunktion oder Destruktion verstimmte Lebenskraft versucht einen Ausgleich zu schaffen, um die normalen und gesunden Funktionen des Organismus wieder herzustellen.
Jede der Kinderkrankheiten kann durch eines der anderen Miasmen kompliziert werden. Die verschiedenen miasmatischen Aspekte einer Kinderkrankheit sind gut am Beispiel der Windpocken zu demonstrieren: Die unkomplizierten Windpocken sind eine rein psorische Erkrankung, gekennzeichnet durch das vesikuläre Exanthem und den starken Juckreiz. Werden bei der Erkrankung an Windpocken weitere latent vorhandene Miasmen geweckt, so kommt es zu Komplikationen. Die Enzephalitis stellt eine tuberkulinisch-syphilitsche, die Narbenbildung eine sykotisch-syphilitische und die Lymphknotenschwellung eine sykotisch-tuberkulinische Komplikation dar.
Kinderkrankheiten sind heute wegen der immer erfolgreicheren Impfprogramme seltener geworden. Bei Kindern, die sie dennoch durchmachen, kann man feststellen, dass sie anschließend gesünder erscheinen. Oft verschwindet etwa eine vorher bestehende Infektanfälligkeit als Ausdruck des psorischen Miasmas.
Infektanfälligkeit und Miasma
In absteigender Häufigkeit sind folgende Miasmen für Infektanfälligkeit verantwortlich: Psora → Tuberkulinie → Sykose → Syphilinie → Krebs-Miasma ( 1.1.2 ).
Atopische Erkrankungen und Miasma
Miasmen atopische Ekrankungen Die Grundveranlagung der Atopie ist psorischen Ursprungs. Sie manifestiert sich in der Regel zunächst als Neurodermitis. Auch urtikarielle Hautausschläge als Ausdruck von Allergien vorwiegend alimentären Ursprungs sind ebenso wie der Heuschnupfen der Allerginie zuzurechnen.
Es finden sich psorische und sykotische Symptome: Die Urtikaria hat den typischen Juckreiz der Psora und die ödematöse Schwellung der Sykose.
Asthmatische Erkrankungen mit ihren hauptsächlich psorischen und syphilitischen Symptomen sind eher der Tuberkulinie zuzuordnen, sie können jedoch auch einen starken sykotischen Anteil haben (z. B. wenn feuchte Luft verschlechtert). Aus der Sicht der Miasmenlehre ist das gegenüber dem Heuschnupfen deutlich komplexere Bild der Asthmaerkrankung ein multimiasmatisches Geschehen ( 9.3 ).
Geistige Gesundheit und Miasma
Die große Bedeutung der miasmatisch-chronischen Erkrankungen und ihrer Behandlung zeigt sich im geistigen Bereich, im tiefsten und wesentlichen Kern des Menschen: „Liebe ist das einzige, was den Menschen adelt. Wenn Liebe aber, wie im Falle der Psora, nur ungeschickt und schwierig ausgedrückt werden kann, wird sie weder denjenigen, der sie gibt, noch den, der sie erhalten soll, vollständig begeistern und befriedigen. Bei sykotischen Menschen entstehen Enttäuschungen oft aufgrund überstürzter und unüberlegter Verhaltensweisen. Die Liebe des Syphilitikers ist immer von Leidenschaft geprägt und motiviert; einer quälenden Leidenschaft, die ihn konstant antreibt, etwas zu suchen, das nicht existiert.“ ( Ortega 1989 )
Damit Menschen wirklich gesund leben und glücklich lieben können, ist es notwendig, ihre Miasmen zu behandeln und zu eliminieren.

Stellung der Homöopathie in der Gesamtmedizin

Homöopathie Gesamtmedizin Die homöopathischen Ärzte haben nie eine Sonderstellung gesucht, sondern wie andere Ärzte in der Medizingeschichte auch einen effektiven Weg gesucht, kranken Menschen zu helfen. Es war ihr Bestreben, besonders den Menschen eine Behandlung zukommen zu lassen, die sonst keine Linderung oder Heilung ihrer Beschwerden finden konnten. Das ist bis heute so geblieben: Ein großer Teil der Patienten in einer heutigen homöopathischen Praxis sind Patienten, die von der Schulmedizin nur eine Palliation ihrer Leiden erfahren haben oder sogar „austherapiert“ sind.
Die Sonderstellung oder gar Außenseiterstellung der Homöopathie ergab sich erst, als sie zunehmend vom medizinischen Establishment abgelehnt oder ausgegrenzt wurde. Hahnemann war ein streitbarer Wissenschaftler, der mit aller Leidenschaft seine Erkenntnisse, die er als Wissenschaftler gewonnen hatte, bekannt machte und verteidigte, und die damaligen drastischen und oft für den Patienten schädlichen oder fatalen ärztlichen Behandlungsmethoden kritisierte. Er wurde daher von vielen seiner Kollegen abgelehnt, ohne dass diese seine Erkenntnisse in der Praxis geprüft hätten.
Nun stellte Hahnemann aber die Wirkung der Homöopathie gerade in Epidemien der gefürchtetsten Infektionskrankheiten der damaligen Zeit mehr als deutlich unter Beweis, wie z. B. beim Typhus, bei der Cholera oder beim Scharlach. In der Typhusepidemie von 1813 in Leipzig verlor Hahnemann von 180 Patienten einen einzigen, eine Greisin von über 80 Jahren; die Sterblichkeit lag anderswo bei 95 %. Die Choleraepidemie von 1832 ging bei den homöopathisch behandelten Erkrankten mit einer Sterblichkeit von 10 % einher, bei den anderen Patienten lag sie bei 90 % ( Berndt 1967 ).
In den 200 Jahren seit Hahnemanns Publikation „Versuch über ein neues Prinzip zur Auffindung der Heilkräfte der Arzneisubstanzen nebst einigen Blicken auf die bisherigen“ (1796) ist die Situation der Homöopathie nicht einfacher geworden. Das liegt daran, dass die Wirkungsweise der Homöopathie mit den derzeitigen wissenschaftlichen Nachweisverfahren nicht bewiesen werden kann. Einziger Beweis der Wirksamkeit der Homöopathie sind die Patienten und Patientinnen, die geheilt worden sind, z. T. auch von schwersten Krankheiten wie Krebs oder Autoimmunerkrankungen.

Homöopathie und Wissenschaft

Homöopathie Wissenschaft Die naturwissenschaftliche Medizin denkt kausal und versucht, ohne Ansehen der Person des Kranken die Krankheit möglichst radikal zu beseitigen. Die homöopathische Medizin dagegen arbeitet phänomenologisch: Sie nimmt die Symptome des Patienten wahr, beschreibt sie, ordnet sie zu einem Gesamtbild und mobilisiert beim Patienten durch ein entsprechendes Arzneimittel die Lebens- und damit die Selbstheilungskraft. Da nach Hahnemann einzig die krankhaft gestimmte Lebenskraft die Krankheitssymptome hervorbringt, gibt es keine sonstige Kausalität, keinen „Schritt zurück von der Erscheinung zur Ursache“ (Appel). Der Homöopath und Psychotherapeut Edward Whitmont schreibt: „Was von Anfang an das Verständnis für die Homöopathie behinderte, ist die Tatsache, daß deren Einstellung zur Wissenschaft eine grundsätzlich andere ist als die vorherrschende – man beachte, daß ich ‚Einstellung zur Wissenschaft‘ gesagt habe und nicht ‚wissenschaftliche Einstellung –, zur Methode nämlich, die man in den letzten hundert Jahren angenommen hat. Die Einstellung der Homöopathie ist finalistisch und phänomenalistisch statt kausal.“
In seiner Schrift „Heilkunde der Erfahrung“ (1805) zitiert Hahnemann den Kirchenvater Gregor von Nazians: Erfahrung ohne Vernunft und Vernunft ohne Erfahrung führen nicht zur Vollendung. Damit grenzt er sich deutlich gegen den Erfahrungsbegriff des aufkommenden naturwissenschaftlichen Denkens ab. Der logische Empirismus der Moderne basiert auf den Ergebnissen von Experimenten, die das Ergebnis methodisch geleiteter Orientierungsarbeit sind. Dieser eingeschränkte Erfahrungsbegriff ist heute umstritten. Ein echter „Heilkünstler“ im Sinne Hahnemanns braucht nicht nur die Fähigkeit zu aktivem, ordnendem, systematisierendem Denken und Urteilen, sondern auch zu kreativem und anschaulichem, integralem, synthetischem Denken bzw. ärztlicher Intuition (Konstitution und Diathese 4 ). Denken ist nicht nur passive Reproduktion, sondern gleichermaßen Produktion der Wirklichkeit. Krankheitsauffassung, Denken und Forschen in der homöopathischen Medizin weichen also deutlich von der konventionellen Medizin ab.
Obwohl die Homöopathie zu den erfolgreichsten zeitgenössischen Therapieverfahren zählt, wird ihr von vielen Vertretern der konventionellen Medizin jegliche Wirksamkeit abgesprochen. Hintergrund ist der bisher fehlgeschlagene Versuch, die Wirkung homöopathisch verschüttelter Potenzen zu erklären. Zudem gibt es zu wenige qualitativ hochwertige Studien, die die Wirksamkeit der homöopathischen Behandlung in der Praxis nachweisen. Die Erfahrungen historischer oder zeitgenössischer Autoritäten, Einzelkasuistiken und Arzneimittelprüfungen am Gesunden haben keine wissenschaftliche Akzeptanz ( Schüppel 2003 ).
Da der Homöopathie bisher die Anerkennung der „Wissenschaftlichkeit“ verweigert wird, hat sie nicht die gleiche Ausgangsbasis und die gleichen Möglichkeiten wie die Universitätsmedizin. Es fehlt die methodische Ausbildung der homöopathischen Forscher, es fehlt die Infrastruktur (z. B. Lehrstühle an den Universitäten) und es fehlen die finanziellen Ressourcen: Für klinische homöopathische Forschung steht weltweit die lächerlich geringe Summe von jährlich ein bis zwei Millionen Euro zur Verfügung ( Albrecht 1999 ).

Wissenschaftliche Modelle des Wirk-mechanismus homöopathischer Arzneimittel

Hahnemann setzte sich schon früh eingehend mit dem Phänomen auseinander, dass die homöopathische Wirkung möglicherweise nicht von der Substanz als solcher ausgeht: „Es sind nicht die körperlichen Atome dieser hoch dynamisirten Arzneien noch ihre physische oder mathematische Oberfläche (womit man die höhern Kräfte der dynamisirten Arzneien, immer noch materiell genug, aber vergeblich deuteln will), vielmehr liegt unsichtbarer Weise in dem so befeuchteten Kügelchen oder in seiner Auflösung eine aus der Arznei-Substanz möglichst enthüllte und freigewordene, spezifische Arzneikraft, welche schon durch Berührung der lebenden Thierfaser auf den ganzen Organism dynamisch einwirkt (ohne ihm jedoch irgend eine, auch noch so fein gedachte Materie mitzutheilen) und zwar desto stärker, je freier und immaterieller sie durch die Dynamisation (Organon, § 270) geworden war“ (Organon, § 11, Anm.).
Dass bestimmte Stoffe nach ihrer Potenzierung, d. h. Verdünnung unter Zuführung mechanischer Energie, anders oder stärker wirken als im ursprünglichen Zustand, konnte von den Naturwissenschaften bis heute weder verifiziert noch falsifiziert werden. Es geht v. a. um den Nachweis möglicher anregbarer Ordnungszustände im Lösungsmittel und deren Übertragbarkeit sowohl auf andere Lösungsmittelvolumina oder Arzneimittelträger als auch auf biologische Systeme.
Kausal-wissenschaftliches Denken lehnt eine Wirkung ab, berücksichtigt jedoch nicht die „Unschärferelation als Basis modernen naturwissenschaftlichen Denkens, zweitens die Besonderheiten, die biologische Systeme von unbelebter Materie unterscheiden“ ( Frisse 1981 ).

„Ohne Hahnemann zu nahezutreten, kann man feststellen, daß er nicht wußte, was das Wesen seiner Potenzen ausmachte. Er registrierte einfach therapeutisch positive Wirkungen der von ihm verabreichten Medikamente, und das war für ihn als Arzt ausreichend. Diese Wirkungen, akribisch festgehalten und von mehreren Generationen von Homöopathen immer wieder aufs Neue aus der Praxis heraus bestätigt, sind Tatsachen […]. Zweifellos wahr ist, dass die Wirksamkeit von Hochpotenzen, fall sie sich bestätigen sollte, ein heute nicht explizit bekanntes Naturgesetz zur Grundlage haben muß […]“.

( Weingärtner 1992 )

Trotz der oben beschriebenen ungünstigen organisatorischen Voraussetzungen gibt es zahlreiche experimentelle Studien und wissenschaftliche Modelle zum Wirkmechanismus der Homöopathie. Veröffentlicht wurden z. B. Untersuchungen zu Neurotransmittern, zur Zellkommunikation mittels Biophotonen, zur Hormesis und zur Nano- und Quantenphysik ( Teut et al. 2016 ). Der vermutete physikalische Faktor in Hochpotenzen ließ sich bisher jedoch nicht sicher nachweisen. Die Effekte liegen wohl, wie bei vielen anderen bekannten Phänomenen auch, außerhalb des Messbereichs heutiger Methoden; sie deshalb als unwissenschaftlich abzuqualifizieren ist unzulässig.

Klinische Studien zur Homöopathie

Homöopathie klinische Studien Bis 2016 wurden über 300 klinische Studien zur Homöopathie publiziert. Die Mehrzahl der Metaanalysen und systematischen Reviews kommt zu einem positiven Ergebnis, was die Wirksamkeit der Homöopathie anbelangt (z. B. Linde et al. 1997 , Kleijnen et al. 1991, Cucherat et al. 2000 , Mathie et al. 2014 ), auch wenn im Eifer des Gefechts durch einseitige Auswahl der zugrunde gelegten Studien und mit deutlich politischer Intention schon mal das „Ende der Homöopathie“ verkündet wurde ( Shang et al. 2005 ).
Mathie (2014) z. B. analysierte 22 randomisierte und doppelt verblindete Studien, in der die individualisierte Homöopathie mit Placebotherapie verglichen wird. Für alle Studien ergab sich eine Überlegenheit der Homöopathie gegenüber Placebo (Odds Ratio 1,53–95 % Konfidenzintervall 1,22–1,91; p < 0,001). Es gab keine Hinweise auf einen Publication Bias im Funnel Plot, die statistische Heterogenität war gering. Die Autoren resümieren, dass homöopathische Einzelmittel, die auf der Basis einer individualisierten homöopathischen Arzneifindung verschrieben werden, einen kleinen, aber spezifischen Therapieeffekt haben.
Ein Beispiel für eine qualitativ hochwertige randomisierte Doppelblindstudie mit Cross-over ist die Studie von Heiner Frei (2005), die einen hochsignifikanten Effekt homöopathischer Medikamente bei aufmerksamkeitsgestörten Kindern ergab.
Auch Studien aus der Versorgungsforschung zeigen unter homöopathischer Therapie klinisch relevante Verbesserungen. Die Behandlungsergebnisse homöopathischer Arztpraxen sind mit denen aus konventionellen Praxen vergleichbar ( Taut et al 2016 ).

Homöopathie und Evidence-based-Medicine (EBM)

Homöopathie Evidence-based-Medicine Die Auswirkungen der Evidence-based-Medicine (EBM) auf das Gesundheitssystem sind nicht zu unterschätzen. Wir erleben heute schon eine zunehmende therapeutische Gängelung der Ärzte unter dem Paradigma, außerhalb der EBM gebe es keine Evidenz. Gesundheitspolitische Entscheidungen, Erstattungsvorschriften von Krankenversicherern und ärztliche Leitlinien fußen oft einseitig auf Ergebnissen der EBM und sind oft verzerrt durch Interessenkonflikte der Akteure. Die Standards der EBM werden auch von konventionell arbeitenden Ärzten immer mehr in Zweifel gezogen. Die aufgrund dieser Standards durchgeführten Studien repräsentieren nur kleine ausgewählte Patientengruppen unter künstlichen experimentellen Bedingungen und untersuchen lediglich die statistisch signifikante Überlegenheit einer Intervention gegenüber einer anderen, ohne den Gesamtnutzen im Auge zu behalten. Beurteilt werden Diagnosen und Surrogatparameter, die oft wenig mit Gesundheit, Lebensqualität und subjektivem Befinden der Patienten zu tun haben.
Bei chronischen Krankheiten schränkt der limitierte Beobachtungszeitraum, der aus ethischen Gründen bei einem randomisierten Doppelblindversuch notwendig ist, die Ergebnisse stark ein ( Kiene 2000 , Linde et al. 1997 ). Auch ist bei den meisten Therapieverfahren (z. B. Chirurgie, Psychotherapie, physikalische und diätetische Maßnahmen, Akupunktur) die geforderte Verblindung im Studienablauf nicht möglich.
Eine statistisch relevante „Evidence“ sagt nicht zwangsläufig etwas aus über die Anwendbarkeit einer bestimmten Methode in der täglichen Praxis, und schon gar nicht über den Nutzen, den der Patient oder die Gesellschaft von der Methode hat. Jede ärztliche Therapieentscheidung wird am Einzelfall getroffen, der jedoch im herrschenden methodischen Paradigma der EBM keinen Platz hat.
Für den Wirksamkeitsnachweis der Homöopathie sind randomisierte Doppelblindstudien, der „Gold-Standard“ der EBM, aus folgenden weiteren Gründen in der Regel nicht verwertbar:
  • Bei der Homöopathie handelt es sich um eine streng individualisierende Therapie, d. h. verschiedene Patienten erhalten trotz gleicher Krankheit verschiedene Arzneimittel. Es gibt keine Standardtherapie. Dass gerade dies als unwissenschaftlich kritisiert wird (z. B. Vandenbroucke 1997 ), zeugt von der Ignoranz der Kritiker. Es ist widersinnig und unkorrekt, in Studien die therapeutische Wirkung einzelner homöopathischer Arzneimittel zu untersuchen.

  • Die Kriterien, nach denen eine Arzneimittelwirkung beurteilt wird, unterscheiden sich erheblich von den Kriterien in der konventionellen Medizin. So zeigt die Besserung des Allgemeinbefindens des Patienten eine Wirkung an, auch wenn das zu behandelnde Symptom sich zunächst nicht bessert, sich vielleicht vorübergehend sogar verschlechtert.

  • Beim Follow-up werden je nach Krankengeschichte und Therapieverlauf unter Umständen Folgemittel gegeben, die die Therapie erst zum Abschluss bringen. Den Therapieverlauf zu „verblinden“ ist sowohl dem Therapeuten als auch dem Patienten gegenüber unethisch und unzumutbar.

„Evidence-based-Homeopathy“

Wissenschaftliche Beweise für die Wirksamkeit und den Nutzen der homöopathischen Heilmethode sind eine legitime Forderung der konventionellen Medizin und eine Notwendigkeit angesichts des sich zunehmend auf ökonomische Effizienz und auf eine gesamteuropäische Gesundheitspolitik ausrichtenden Gesundheitssystems. Angesichts der begrenzten Bedeutung der EBM für die Praxis und der zunehmenden Kosten und Risiken, die die einseitige Bezugnahme auf die EBM für das Gesundheitswesen mit sich bringt, fordert die klinische Ökonomik, dass zwischen Wirksamkeit und Nutzen einer therapeutischen Intervention unterschieden werden muss und in erster Linie ihr „Nutzen“ für „Quantität“ und „Qualität“ des Lebens gemessen und beurteilt werden muss ( Porzsolt 2003 ).
Es ist der Nachweis anzustreben, dass die Homöopathie positive Auswirkungen auf Lebensqualität und Lebensdauer der behandelten Patienten hat, und dies mit relativ geringen Kosten. Notwendig sind aufwändige, langfristig angelegte epidemiologische Studien, in denen Kostenstruktur, langfristige Effizienz und Patientenzufriedenheit untersucht werden, und prospektive Kohortenstudien, mit denen auch ohne Verblindung und Placebo therapeutische Effekte nachweisbar sind. Der „Outcomes“-Forschungsansatz ist besonders geeignet für die Beurteilung alternativer Therapieverfahren und berücksichtigt eine Vielzahl von miteinander in Wechselwirkung stehenden Komponenten ( Albrecht 1999 , Hamre et al. 2005 , Porzsolt et al. 2005 ).
Eine „Evidence-based homeopathy“ ( Schüppel 2003 ) muss sich solcher wissenschaftlich akzeptierter Methoden bedienen, um ihren Nutzen nachzuweisen und damit die Akzeptanz unter schulmedizinischen Kollegen und Patienten und in der solidarischen Gesundheitsversorgung zu erhalten und zu verbessern. Placebokontrollierte Wirksamkeitsnachweise müssen abgelöst werden durch die Evaluation der Homöopathie in der therapeutischen Praxis.
Diesbezügliche Veröffentlichungen belegen die Steigerung der Lebensqualität und damit die Wirksamkeit und den Nutzen einer homöopathischen Intervention, teilweise auch die Überlegenheit gegenüber konventionellen Therapieverfahren (Kei et al. 2000, Muscari-Tomaioli et al. 2001 , Reisenegger, Weber et al. 2002 , Becker-Witt et al. 2003 , Spence et al. 2005 , Witt et al. 2005 ). In einem Health Technology Assessment, das im Auftrag des Eidgenössischen Bundesamts für Gesundheit zur Wirksamkeit, Wirtschaftlichkeit und Zweckmäßigkeit der Homöopathie erstellt wurde, kommen die Autoren zu dem Schluss, die Wirksamkeit der Homöopathie könne unter Berücksichtigung von internen und externen Validitätskriterien als belegt und die professionelle, sachgerechte Anwendung als sicher gelten. Zuverlässige Aussagen zur Wirtschaftlichkeit seien derzeit nicht möglich (Bornhöft 2006).
Auch für die anthroposophische Medizin, die unter anderem mit homöopathischen Mitteln arbeitet, ist inzwischen ein überzeugender Nutzenbeleg erbracht worden ( Hamre et al. 2005 ).
Von IIPCOS (International Integrative Primary Care Outcomes Study) wurde ein internationales Forschungsprojekt zur Wirksamkeit der homöopathischen Behandlung ins Leben gerufen. Es handelt sich um eine prospektive, offene Langzeit-Behandlungsstudie mit den Kriterien Verbesserung der Lebensqualität, Präferenz des Patienten für die Behandlung, Zufriedenheit mit der Behandlung, Verlauf der Erkrankung und pharmaökonomische Parameter. In einer ersten Phase erwies sich die homöopathische Behandlung von Infektionen des Atemtrakts und HNO-Bereichs der konventionellen Therapie zumindest als ebenbürtig ( Riley et al. 2001 ).
Knapp zwei Drittel der Bundesbürger wünschen sich von ihrem Arzt auch alternative Heilverfahren wie die Homöopathie, 79 % der Versicherten erwarten von ihrer Krankenkasse die Erstattung der Kosten für alternative Heilverfahren wie Homöopathie oder Akupunktur ( DZvhÄ 2007 ). Bei einer Umfrage waren auch 53 % aller Ärzte der Meinung: „Die alternativen Heilverfahren sind eine sinnvolle Ergänzung der Schulmedizin, beide Richtungen sollten zusammenarbeiten“. 22 % stimmten völlig und 39 % eher der Aussage zu: „Die alternativen Heilverfahren sind oft besser als die der Schulmedizin“ ( Spiegel-Spezial 1996 ).

Hahnemanns Leben

Hahnemann, Samuel biographische Daten Samuel Hahnemann wurde am 10. April 1755 in Meißen geboren und starb am 2. Juli 1843 in Paris. Er stammte aus einer künstlerischen Familie – sein Vater war Porzellanmaler – und war ein Kind der Aufklärung. Der sehr sprachbegabte Hahnemann verdiente sich mit Übersetzungen Studium und Lebensunterhalt: Er beherrschte Griechisch, Latein, Englisch, Französisch, Hebräisch und Arabisch. Durch seine Übersetzertätigkeit bekam er tiefe Einblicke in das medizinische, pharmakologische und chemische Schrifttum seiner Zeit. Er besaß auch besondere Fähigkeiten, wahrzunehmen und das Wahrgenommene systematisch zu ordnen.
Hahnemann begann 1775 sein Medizinstudium in Leipzig. Auf der Suche nach einer mehr praxisorientierten Ausbildung ging er 1777 nach Wien, wo er unter anderem auch Störks Werke zur Anamnese und Krankengeschichte kennenlernte, in welchen psychische und physische Auslöser, verschlimmernde Zustände und Verschlimmerungszeiten von Krankheiten sowie Sensationsqualitäten und genaue Lokalisationen und Ausstrahlungen von Symptomen beschrieben sind. Diese Beobachtungen wurden die Grundlage seiner homöopathischen Anamnese.
Während seiner Tätigkeit von 1777 bis 1779 als Bibliothekar in Hermannstadt lernte Hahnemann Ordnungsprinzipien kennen, die er später beim Aufbau seiner Arzneimittellehre anwendete. Im gleichen Jahr beendete er sein Medizinstudium in Erlangen und reichte seine Dissertation mit dem Titel „Conspectus affectum spasmodicorum ätiologicus et therapeuticus“ ein – eine Betrachtung über die Ursachen und Behandlung von Krampfzuständen.
Während der praktischen pharmazeutischen Ausbildung bei Apotheker Häseler in Dessau lernte er dessen Stieftochter Henriette kennen, die 1782 seine erste Frau wurde. Neben der Tätigkeit als Physikus in Gommern bei Magdeburg seit 1782 verfasste Hahnemann 1784 seine Arbeit mit dem Titel „Anleitung, alte Schäden und faule Geschwüre zu heilen“. Aufgrund seiner Unzufriedenheit mit der eigenen medizinischen Erkenntnis und der schlechten Erfahrungen mit der damals praktizierten ärztlichen Kunst kritisierte er scharf die Medizin und seine ärztliche Kollegen. 34-jährig – er war 1789 nach Leipzig gezogen – gab er seinen Arztberuf auf. „Auf diese Art ein Mörder oder Verschlimmerer des Lebens meiner Menschenbrüder zu werden, war mir der fürchterlichste Gedanke, so fürchterlich und ruhestörend für mich, daß ich in den Jahren meines Ehestandes die Praxis ganz aufgab und keinen Menschen mehr ärztlich behandelte, um ihm nicht noch mehr zu schaden.“ (Haehl)
Er beschäftigte sich weiter mit Chemie und lebte von seiner Schriftstellerei und Übersetzertätigkeit. Sein selbstständiges und unvoreingenommenes Denken veranlasste Hahnemann immer wieder zum Widerspruch. 1790 stieß er bei der Übersetzung der „Materia medica“ des schottischen Pharmakologen Cullen auf die spekulative Behauptung, Chinarinde heile Wechselfieber durch ihre „magenstärkende Wirkung“. In Kenntnis der Symptome des Wechselfiebers, das er in Siebenbürgen erlebt hatte, widerlegte Hahnemann diese Behauptung und fügte nach seinem Selbstversuch mit der Chinarinde an: „Dies uns zur Erklärung ihrer Wirkung noch fehlende Prinzipium der Rinde wird wohl so leicht nicht ausfindig gemacht werden. Man bedenke jedoch folgendes: Substanzen, welche eine Art von Fieber erregen, löschen die Typen des Wechselfiebers aus“ (Bayr). Daraufhin führte er seinen Selbstversuch mit der Chinarinde durch ( 1.2.1 ).
Sein immenses und umfassendes pharmakologisches Wissen erlaubte Hahnemann im Jahr 1793, ein umfangreiches Apothekerlexikon zu publizieren. In dieser Zeit begann er wieder als Arzt zu praktizieren und formulierte 1796 erstmals das Simileprinzip in seiner Schrift „Versuch über ein neues Prinzip zur Auffindung der Heilkräfte der Arzneisubstanzen nebst einigen Blicken auf die bisherigen“.
Während der Niederlassung als Arzt in Wittenberg, Dessau und Torgau zwischen 1803 und 1810 erschienen ab 1805 die ersten Beschreibungen vom ihm geprüfter Arzneimittel. 1810 veröffentlichte er die erste Ausgabe seines Grundlagenbuches der Homöopathie, das „Organon der rationellen Heilkunde“, das er ab der zweiten Auflage in „Organon der Heilkunst“ umbenannte.
1811 publizierte er die „Reine Arzneimittellehre“ mit den Ergebnissen seiner Arzneimittelprüfungen. 1812 habilitierte sich Hahnemann, der seit 1811 in Leipzig ansässig war, an der Leipziger Universität und begann im Wintersemester 1812/1813 die Tätigkeit als akademischer Lehrer. Seine Vorlesungen erfuhren lebhaftes Interesse. Da er jedoch die „alte Medizin“ ständig angriff, verlor er seine Berufung wieder. Sein Ruf als Arzt blieb davon gleichwohl unbeeinträchtigt.
Auf Betreiben der Leipziger Apotheker wurde Hahnemann das von ihm angestrebte und praktizierte Selbstdispensierrecht verweigert. Deshalb verließ er Leipzig und ließ sich in Köthen nieder, wo ihm der Herzog von Anhalt-Köthen das Recht zu praktizieren und zu dispensieren gewährt hatte.
Die fortgesetzten Arzneiprüfungen zur Behandlung der chronischen Krankheiten veröffentlichte Hahnemann 1828–1830 in seinen „Chronischen Krankheiten“. In diesem Werk stellte er auch seine Ideen und praktischen Erfahrungen mit der Behandlung der drei Erscheinungsformen chronischer Krankheiten dar, der Psora, der Sykose und der Syphilis.
Die praktischen Erfolge der Homöopathie konnte Hahnemann unter anderem bei Epidemien, so der Choleraepidemie der Jahre 1830 bis 1836, unter Beweis stellen.
1830 starb Hahnemanns erste Frau Henriette. Vier Jahre später kam die Französin Melanie de Hervilly als Patientin zu Hahnemann nach Köthen. Sie hatte schon vor dem Besuch in Köthen mit Begeisterung sein Organon gelesen. Hahnemann heiratete sie 1835 und zog mit ihr nach Paris. Dort praktizierte er zusammen mit ihr bis kurz vor seinem Lebensende.
In Paris bearbeitete er als sein Vermächtnis die 6. Ausgabe seines Organon, die aber erst 1921 erscheinen konnte. Eines der letzten vom ihm überlieferten Worte war (nach Spinedi): „Die höchsten Güter eines Menschen sind: ein reines Gewissen und die Gesundheit. Das eine erreicht man durch Selbsterkenntnis und durch die Liebe zu Gott, das andere durch die Homöopathie“.
Hahnemann starb am 2. Juli 1843 in Paris. Sein Grabstein trägt auf seinen persönlichen Wunsch die Inschrift „Non inutilis vixi“ („Ich habe nicht unnütz gelebt“).

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