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B978-3-437-56313-3.00022-4

10.1016/B978-3-437-56313-3.00022-4

978-3-437-56313-3

Hämatologische/onkologische Erkrankungen

Miklós Takács

Stellenwert der Homöopathie

Die homöopathische Behandlung bzw. Begleitung von Kindern mit hämatologischen/onkologischen Erkrankungenonkologische Erkrankungen ist eine der größten Herausforderungen an uns, als homöopathischeonkologische ErkrankungenStellenwert Homöopathie Ärzte und auch als Menschen. Das große Leiden einerseits und der oftmals ungewöhnlich reife Umgang der kleinen Patienten und ihrer Eltern mit ihrem Schicksal sind immer wieder erstaunlich und lassen tiefe Erkenntnisse über das Leben und den Tod gewinnen.
Für nahezu alle Leukämie- und Tumorentitäten im Kindesalter existieren feste Protokolle über Diagnostik und Therapie, die im Rahmen prospektiver kooperativer Therapiestudien ständig weiterentwickelt und aktualisiert werden (GPOH: Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie).
Eine alleinige homöopathische Behandlung der Leukämie ist aus juristischen Gründen nicht möglich. Gegebenenfalls droht den Eltern der Entzug des Sorgerechts. In Einzelfällen und in manchen palliativen Situationen mag dies als unverständliche Härte erscheinen. Bei den meisten Erkrankungen, insbesondere bei den kindlichen Leukämien und (Non-)Hodgkin-Lymphomen hat jedoch erst die konventionelle Polychemotherapie zu der mittlerweile sehr guten Prognose geführt und ist daher sinnvoll und notwendig.
Dennoch ist die gleichzeitige klassisch-homöopathische Behandlung von großer Bedeutung. Sie verbessert v. a. die Lebensqualität der Kinder während der Radiochemotherapie und stabilisiert den Gesundheitszustand nach Beendigung der aggressiven schulmedizinischen Therapie durch die Stärkung der Lebenskraft.

Besonderheiten des homöopathischen Fallmanagements

Prinzipiell werden Kinder mit onkologischen Erkrankungen nicht anders behandelt als Kinder mit anderen chronischen Krankheiten. Die Schwereonkologische ErkrankungenFallmanagement der Erkrankung mit entsprechend kompliziertem miasmatischen Hintergrund (1.7) einerseits, die Symptome und Nebenwirkungen der schulmedizinischen Therapie andererseits erfordern ein präzises Arbeiten mit engem Kontakt zum Patienten bzw. zu den Eltern und ggf. häufigere Mittelwechsel.
Eine maligne Erkrankung kann sich nur auf dem Boden einer sehr tiefreichenden Störung der „Lebenskraft“ entwickeln, welche durch die schulmedizinische Behandlung nicht beseitigt wird – im Gegenteil: Aggressive Chemotherapien oder Bestrahlungen führen zu einer zusätzlichen Schwächung/Zerstörung des Immunsystems mit dem Risiko von Zweitneoplasien. Die schwer gestörte „Lebenskraft“ auch langfristig wieder zur Ordnung zurückzuführen ist ureigenste Aufgabe der Homöopathie. Auch wenn wir ein Kind erfolgreich durch die onkologische Therapie begleitet haben, muss die klassisch-homöopathische Behandlung über Monate oder Jahre, bestenfalls möglichst das ganze weitere Leben hindurch fortgeführt werden. Auch bei fortgeschrittenen oder aussichtslosen Verläufen kann die homöopathische Begleitung helfen, Symptome zu lindern und Kraft für den letzten Gang zu schöpfen.
Anamnese
Die Bestimmung der homöopathischen Arznei erfordert die Betrachtung verschiedener Ebenen. Es ist wichtig, die auffallenden und objektiven Symptome zu erfassen, das aktive Miasma zu bestimmen, sowie mögliche Ursachen der Krankheit wie vorausgegangene (unterdrückende) Therapien, externe Belastungen durch physische Noxen oder psychische Traumata zu erkennen. Diese Anamneseonkologische ErkrankungenAnamnese, homöopathische (2.1) kann auch bei Kindern mehrere Stunden dauern, da die Symptome wörtlich aufgezeichnet werden sollten. Wir wissen anfangs nie, in welchem Detail die Lösung des Falles verborgen liegt.
Konstitutionsanamnese
Spontanbericht: Bei der ausführlichen Konstitutionsanamnese sollten alle aktuellen Krankheitszeichen und die Symptome der vergangenen Monate (v. a. des letzten halben Jahres vor Diagnosestellung) erfasst werden (s. u. „Tumoranamnese“), ebenso alle bisher durchgemachten Erkrankungen und Symptome. Es ist wichtig, ein möglichst vollständiges Bild aller Symptome und Zeichen des kleinen Patienten zu erhalten. Optimalerweise erfolgt die Erstanamnese noch vor Beginn der Chemotherapie, um ein möglichst ungetrübtes Bild der Grunderkrankung zu bekommen.

Praxistipp

Klare und detaillierte Aufzeichnungen sind hilfreich, da es im weiteren Verlauf oft zu einer Vermischung der Symptome der Grundkrankheit und der „Chemokrankheit“ oder „Strahlenkrankheit“ kommt.

Der Arzt muss sehr präsent und empathisch sein, damit die kleinen Patienten und ihre Eltern Vertrauen fassen und möglichst viel von sich und ihren Symptomen erzählen. Ein erstauntes „Wirklich?“ an entsprechender Stelle kann z. B. die Eltern motivieren weiterzuerzählen, wo sie von sich aus schon geendet hätten. Auch die persönliche Kontaktaufnahme mit dem Kind, die bewusste Wahrnehmung von ihm als Person darf nicht fehlen.
Nach dem ungestörten Spontanbericht des Patienten selbst und möglichst beider Eltern folgt der gelenkte Bericht und die sorgfältige körperliche Untersuchung (2.1). Insbesondere die genaue Beschreibung des Stuhlgangs bzw. aller Exkrete/Sekrete ist bei der Krebsbehandlung von großer Wichtigkeit.
Miasmatische Anamnese
Vor allem bei schweren Pathologien haben wir es oft mit einer Verschmelzung mehrerer MiasmenAnamnesemiasmatische Anamnese zu tun, deren Symptome wir sowohl beim Patienten selbst, als auch bei Eltern und Großeltern (und Urgroßeltern) suchen müssen. Das macht eine detaillierte Familienanamnese über mehrere Generationen notwendig.
  • Wird z. B. von einer Tuberkulose des Großvaters berichtet, so kann eine Zwischengabe von Tuberculinum indiziert sein, wenn andere, nach den Symptomen gewählte Mittel nicht oder nicht mehr wirken. Kennen wir diesen Hintergrund nicht, werden wir die vielleicht nur angedeuteten Tuberculinum-Symptome nicht sehen und der Fall ist verloren.

  • Auch nach durchgemachten oder unterdrückten Geschlechtskrankheiten bei Eltern/Großeltern sollte vorsichtig, aber wiederholt gefragt werden – ob z. B. schon einmal Unterleibserkrankungen oder Ausfluss (auch bei Familienmitgliedern) aufgetreten sind, ob dafür Medikamente genommen wurden etc.

Vor allem zu Beginn der Behandlung ist es wichtig, das gerade aktive Miasma zu erkennen, denn das zu verabreichende Mittel muss die Symptome des aktiven Miasmas mit erfassen. Die miasmatischen Symptome sind auch für die Verlaufsbeurteilung wesentlich:
  • Treten unter der Therapie psorische Symptome mit den typischen juckenden, bläschenförmigen Hauteffloreszenzen hervor, kann man einen grundsätzlich positiven Behandlungsverlauf annehmen.

  • Treten jedoch Symptome wie nächtliche Schienbeinschmerzen gänzlich neu auf, bewegt sich die Symptomatik in Richtung syphilitisches Miasma und damit in eine ungünstigere Richtung (1.7).

Im Praxisalltag sind diese Fragen angesichts der massiven Nebenwirkungen der Zytostatikatherapie nicht immer eindeutig zu klären. Trotzdem sollte man die Grundzüge der Miasmatik nicht aus den Augen verlieren und die Symptome von Psora, Sykosis, Syphilinie und Tuberkulinie gut studieren, um evtl. Folgemittel in der Behandlung rechtzeitig zu berücksichtigen (1.7).
Vorausgegangene Therapien/Unterdrückungen/Impffolgen

Merke

Bei der Therapie maligner Erkrankungen im Kindesalter ist die detaillierte Anamnese früherer Erkrankungen und ihrer jeweiligen Behandlung unerlässlich.

Reaktionen auf die schulmedizinische oder alternative Behandlung sollten genau aufgezeichnet werden, um nachvollziehen zu können, ob sie im Sinne der Hering-Regel oder im Sinne einer Unterdrückung erfolgt sind (3.5). Fast alle konventionellen Therapieverfahren in der Kinderheilkunde wirken aus Sicht der Homöopathie unterdrückend (1.6.4).
  • Immer noch werden z. B. Fieberzustände antipyretisch oder Hautausschläge mit kortikosteroidhaltigen Salben unterdrückt, ohne die Langzeitentwicklung mit dem Risiko einer Chronifizierung oder Verschiebung der Symptomatik zu berücksichtigen.

  • Auch die leichtfertige Entfernung von Warzen ist verbreitet, wobei es vom homöopathischen Standpunkt aus keine Rolle spielt, ob sie chirurgisch, medikamentös, mit Naturheilmitteln oder mittels Suggestion erfolgt. Wenn man bedenkt, dass Warzen von Subtypen desselben Virus (HPV) gebildet werden, das auch mit Karzinomen des Gebärmutterhalses in Verbindung steht, wird man einsehen, dass es nicht zur Gesundung des Patienten beiträgt, wenn einfach nur das äußere Produkt dieser Infektion von der Haut eliminiert wird. Vielmehr ist die systemische Stärkung des Immunsystems dieses Patienten notwendig, um die chronische Virusinfektion zu überwinden.

Erfahren wir in der Anamnese von solchen „erfolgreichen“ äußerlichen Entfernungen von Warzen und anderen Hauterscheinungen, ist dies für die homöopathische Therapie von immenser Bedeutung: Ziel der Behandlung ist es in diesem Fall, die alten Symptome wieder an die Oberfläche zu bringen. Der kranke Organismus ist gewissermaßen „weise“ und produziert in der Regel Symptome, welche die geringste mögliche Gefahr für ihn darstellen, und die als „Hilferuf“ nach dem korrekten homöopathischen Mittel aufgefasst werden können. Als homöopathische Ärzte müssen wir diesen Symptomen und Zeichen vertrauen (Spinedi).
An dieser Stelle sei eine Kritik an bzw. Warnung vor vereinfachenden Zerrformen der Homöopathie erlaubt, die jedoch weit verbreitet sind: Die Behandlung von rezidivierenden „akuten“ Krankheiten wie Otitis oder Pharyngitis oder anderen fieberhaften Infekten mit „Akutmitteln“ wie Belladonna oder Hepar sulfuris in niedrigen Potenzen oder mit Komplexmitteln ohne gründliche homöopathische Erstanamnese mit der Wahl eines „Konstitutionsmittels“ bzw. Grundmittels. Selbst (Kinder-)Ärzte verschreiben oftmals nur für die jeweiligen akuten Zustände, die aber nur selten echte Akutkrankheiten, sondern Symptome der ausbrechenden Psora sind. So kam ein sechsjähriges Mädchen mit einem inoperablen pontinen Gliom in Behandlung, das zuvor zweimal antibiotisch, sonst aber seit der Geburt „nur homöopathisch“ behandelt worden war. Es hatte für die akuten Phasen eines chronisch-rezidivierenden Schnupfens und Hustens vom Kinderarzt Arzneien wie Aconitum, Belladonna, Spongia und v. a. Hepar sulfuris in D 12-Potenzen erhalten, ohne dass jemals eine gründliche Erstanamnese erhoben und eine konstitutionelle Behandlung begonnen worden wäre.

Praxistipp

Auch mit potenzierten Arzneien können wir unterdrückend behandeln – und jedem Praktiker wird das leider hin und wieder passieren. Aber grundsätzlich über Jahre hinweg nur akute Erkrankungen homöopathisch zu behandeln, ist Allopathie mit potenzierten Arzneien und lässt Hahnemanns unschätzbare Erkenntnisse über die Natur der chronischen Krankheiten unberücksichtigt.

Auch nach ImpfreaktionenImpfreaktionen sollte in der Anamnese gründlich geforscht werden, sowohl beim kleinen Patienten selbst als auch bei den Eltern, bei denen insbesondere nach der Pockenimpfung zu fragen ist, wobei starke Reaktionen wie Schwellungen, Eiterungen, hohes Fieber mit deutlicher Reduzierung des Allgemeinzustands und psychische Veränderungen genauso wichtig sind wie nicht angegangene Impfungen (fehlende Impfnarben, Impfwiederholung). Solche Hinweise auf die „Impfsykose“ können ggf. Thuja als Zwischenmittel auch für das Kind erfordern, sollte im Behandlungsverlauf eine „Blockade“ auftreten (1.7).
Causa (exogene Noxen)
AnamneseCausaBei der Suche nach der Ursache einer schweren Erkrankung wie Krebs bzw. Leukämie ist auch nach anderen, exogenen Noxen oder Traumata zu forschen. Insbesondere bei Leukämien und Hirntumoren sollte nach vorausgegangenen therapeutischen und diagnostischen Bestrahlungen, nach radioaktiver Kontamination, nach elektromagnetischen Feldern (Hochspannungsleitungen, Oberleitungen, Transformatoren, DECT-Telefonen) gefragt werden. Einflüsse dieser Art bei entsprechend Disponierten können die Wahl von Arzneien wie Phosphorus oder Silicea bestätigen.
→Allgemeines – Röntgenstrahlen, durch (6)
→Allgemeines – Elektrizität, Beschwerden durch (2)
Sicherheitshalber kann der Schlafplatz des Kindes von seriösen Fachleuten auf Wasseradern und Erdstrahlung untersucht werden. Viele Erfahrungsberichte bestätigen, dass durch einen Schlafplatzwechsel solche Belastungen einfach zu beseitigen sind. Bei der Erfassung des Gemütszustands des Patienten sollten die Stellung des Kindes im Familiengefüge, das Verhältnis der Eltern zueinander und insgesamt der systemische Hintergrund beleuchtet werden (z. B. Trennung der Eltern).
Tumoranamnese
Die vollständigen Symptome der aktuellen TumorerkrankungTumoranamneseAnamneseTumoranamnese sind für die Wahl des ersten Mittels meist entscheidend und müssen daher besonders genau erfragt oder beobachtet werden:
  • Welches Organ ist befallen?

  • Welche Beschaffenheit hat der Tumor (hart, weich, zystisch, schwammig etc.)?

  • Welche Farbe hat er (z. B. blau: Carbo animalis, Lachesis)?

  • Blutungszeichen auf Haut und Schleimhäuten?

  • Auffällige Zeichen am Tumor (z. B. Hitze mit Rötung, Venennetze, Absonderungen)?

  • Wie sind die Schmerzen im Tumor (z. B. brennend, stechend, ziehend, lanzinierend, bohrend etc.)?

  • Genaue Erstreckung der Schmerzen (z. B. Leberschmerz erstreckt sich zur Schulter)?

  • Modalitäten: Was bessert, was verschlimmert die Schmerzen (z. B. warme, kalte Auflagen, Handauflegen, Druck, Reibung, leichteste Berührung, spezielle Tageszeiten etc.)?

Körperliche Untersuchung
Nachdem man sich die Symptome hat beschreiben lassen, erfolgt die gründliche körperliche Untersuchung:
  • Haut/Schleimhaut: Petechien, Ekchymosen, Sugillationen oder Hämatome, Blässe und Schwellung/Rückgang der Schleimhäute, Zahnfleischbluten, Aussehen der Zunge (Schwellung, Atrophie, Zahneindrücke, Landkartenzunge, rote Zungenspitze, Einblutungen, Farbe und Konsistenz des Zungenbelags)

  • Augen: Ekchymosen, Blepharitis, rezidivierende Gerstenkörner

  • Lymphknoten: Schwellungen und Konsistenz (hart, steinhart, perlschnurartige Anordnung), Lokalisation, Seitenbeziehungen, Druckdolenz oder Verfärbung der Haut über den Lymphknoten (z. B. bläuliche Verfärbung)

  • Hautanhangsgebilde: Farbe und Beschaffenheit der Haare, Haarausfall, Behaarung an ungewöhnlichen Körperteilen. Nägel (brüchig, in Schichten abblätternd, deformiert, geriffelt, bläulich, gelblich verfärbt, weiße Flecken)

  • Extremitäten: Farbe und Form der Hände (bläulich, Flecken, feingliedrig, plump). Lähmungserscheinungen, Sensibilitätsstörungen, Hinken (Knochenbefall)

  • Abdomen: Hepato- und Splenomegalie

  • Thorax: bronchiale Obstruktion (mediastinale Lymphome?)

Wichtig sind außerdem neu aufgetretene körperliche Symptome und Veränderungen in den Wochen oder Monaten vor Diagnosestellung (z. B. Schwindel, Visusveränderungen, verändertes Schlafverhalten, Schweiße) und neue Symptome im Gemütsbereich, z. B. Angstzustände, innere Unruhe, auch spezielle Furcht vor gewissen Dingen oder in gewissen Situationen, Sorgen, Wutausbrüche, Weinerlichkeit, Anhänglichkeit, Suche nach oder Abneigung gegen Trost, Träume etc.
Sammlung und Hierarchisierung der Symptome
Die Symptome werden möglichst wörtlich aufgeschrieben. Dabei ist es sinnvoll, die aktuellen Tumorsymptome (bzw. Leukämiesymptome) und die Symptome der vergangenen Wochen und Monate gesondert von den bereits früher bestehenden konstitutionellen Symptomen (z. B. Windeldermatitis oder verzögerte Zahnung) zusammenzutragen (s. o. „Tumoranamnese“). Dabei kann es vorkommen, dass z. B. für die aktuellen Tumorsymptome Phosphorus, als Simile für die Gesamtheit der Symptome aber Calcium carbonicum ermittelt wird. Der Behandlungsbeginn erfolgt in einem solchen Fall mit Phosphorus, im weiteren Verlauf wird irgendwann Calcium carbonicum notwendig.

Merke

Die für die Krebserkrankung spezifischen Symptome sind gesondert zu hierarchisieren und zu repertorisieren, da sich hieraus oft ein wichtiges Mittel für den Behandlungsbeginn ergibt (2.3).

Bei Krebserkrankungen sind Lokalsymptome für die Mittelwahl sehr wichtig, wenn sie durch Lokalisation, Ausprägung oder zeitlichen Zusammenhang mit der Tumorerkrankung auffallen. Sie stehen in der Hierarchie ganz oben. Auch pathognomonische Symptome können direkt zu Arzneien führen, die einen starken Bezug zu den hämatologischen/onkologischen Krankheiten aufweisen, also dort ihren „Haltepunkt der Wirkung“ (Burnett) haben. Wenn z. B. im Rahmen einer Leukämie Petechien auf der Haut auftreten, ist dieses pathognomonische Symptom für die Hierarchisierung hoch zu gewichten, weil es auf Arzneien mit einem starken Bezug zur Pathologie hinweist.
Miasmatische Symptome und Hintergründe, Impffolgen und Unterdrückungen haben in der Regel die Wertigkeit von Allgemeinsymptomen, sind aber später auch gesondert zu repertorisieren, um ein klares miasmatisches Mittel zu ermitteln, wenn der bisherige Behandlungsverlauf miasmatisch blockiert ist.
Fallanalyse und endgültige Wertung
onkologische ErkrankungenFallanalyseLeitfragen sind:
  • Was liegt vor uns?

  • Was ist das zu Heilende an dem „Fall“, am Patienten? Sehen wir aufgrund der deutlichen Krebssymptome ein organotropes Mittel, mit dem der Fall „eröffnet“ werden kann?

  • Stimmen im glücklichsten Fall „Krebsmittel“ und „Konstitutionsmittel“ überein?

  • Ist das Kind schon mitten in der Chemotherapie und liegen nur noch die Symptome der „Chemotherapiekrankheit“ vor Augen?

  • Haben wir es mit einem ersten oder gar zweiten Rezidiv zu tun und geht es evtl. nur noch um Palliation?

  • Sind miasmatische Blockaden oder Blockaden durch Impfreaktionen oder iatrogene Schäden zu erkennen?

  • Was sind die tatsächlich vor uns liegenden objektiven Symptome, unter denen das Kind leidet?

Repertorisation
Auch bei der Repertorisation sollten die aktuellen (Krebs-)Symptome, die konstitutionellen Symptome und miasmatische Symptome möglichst getrennt dargestellt werden, damit das Behandlungskonzept mit evtl. notwendigen Mittelreihen klar vor Augen tritt. Nur in seltenen „einfachen“ Fällen zieht sich ein einziges Mittel durch alle Überlegungen (1.3.2).
Erstellen einer Verlaufsparameterliste
Noch vor Verabreichen der homöopathischen Arznei sollte möglichst gemeinsam mit dem Patienten und den Eltern eine Liste von Parametern festgelegt werden, an Hand derer der Therapieverlauf beurteilt werden kann. Diese Liste umfasst die wichtigsten momentanen Beschwerden des Patienten (z. B. Schwäche, Übelkeit, Schmerzen, Schlafstörungen, Ängste, Atemnot, Herzklopfen, trockener Mund in der Nacht, Verstopfung, Durchfall etc.). Sie werden von ihm selbst oder von seinen Eltern auf einer Skala von 0 (= Symptom ist nicht vorhanden) bis 10 (= stärkste Ausprägung, die der Patient je gehabt hat) bewertet.
Neben den subjektiven Symptomen des Kindes werden in die Liste objektive Symptome und Zeichen aufgenommen wie Hautblutungen, Zahnfleischbluten, Größe von Lymphomen und Tumoren, Blässe der Haut, Ausdruck von Gesicht und insbesondere Augen, Blutdruck, Häufigkeit bzw. Ausbleiben von interkurrenten Infekten während der Chemotherapie und die Notwendigkeit bzw. Entbehrlichkeit zusätzlicher eingreifender Therapien. Auch sollten gerade alle während der Behandlung neu auftretenden Symptome beachtet und notiert werden (s. u.). Für die langfristige Beurteilung des Heilungsverlaufs (geht die Heilung in Richtung psorischer oder in Richtung syphilitischer Symptome, s. o. „Miasmatische Anamnese“) werden wichtige miasmatische Symptome und Zeichen in die Liste aufgenommen.
Im Idealfall sehen wir den Patienten täglich und können die objektiven Parameter selbst überprüfen. Oft ist das aber wegen der Entfernung zu den pädiatrisch-onkologischen Zentren nicht möglich und wir müssen uns auf die – insbesondere anfangs möglichst täglichen – telefonischen Angaben der Eltern verlassen.

Besonderheiten der Potenzierung

Nach Erfahrung des Verfassers eignen sich Q-Potenzen am besten für die homöopathische Behandlung von Krebspatienten, weil sie eine schnelle Beurteilung der Wirkung und ggf. einen schnellen Mittelwechsel ermöglichen, da sie eine schnelle Beurteilbarkeit der Wirkung und die Möglichkeit des raschen Mittelwechsels, der unter Chemotherapie/Bestrahlung oft notwendig ist, ermöglichen.
Q-Potenzen
Q-Potenzenonkologische ErkrankungenZur Zubereitung und Einnahme (3.2, 3.3). Dabei sind folgende Maßnahmen unbedingt zu beachten:
  • Den Rest der Flüssigkeit im Becher in die Toilette oder in das Waschbecken im Bad ausleeren, sie darf nicht mit Essgeschirr in Berührung kommen.

  • Becher und Löffel mit heißem, fließendem Wasser (ohne Spülmittel!) ausspülen.

  • Die Stammlösung in der Flasche vor Hitze, Sonne, Nähe von elektromagnetischen Feldern und starken chemischen Gerüchen schützen. Die Lösung und alle zu ihrer Herstellung nötigen Utensilien vor unbeabsichtigtem Gebrauch durch Kinder sicher verwahren.

  • Die Stammlösung zur Vermeidung einer ungewollten Potenzierung erst an Ort und Stelle ansetzen und nicht häufiger bewegen oder transportieren (nicht auf Reisen mitnehmen!).

  • Nach dem Ende der Mitteleinnahme, also bei korrekter Anwendung nach ca. 15 Tagen, müssen alle verwendeten Utensilien in den Abfall gegeben werden. Für die nächste folgende Arzneipotenz müssen eine neue Flasche, ein neuer Becher und neue Löffel verwendet werden.

  • Bei der Einnahme von Q-Potenzen muss mit großer Aufmerksamkeit auf das Auftreten neuer, auch „kleiner“ Symptome (z. B. das Auftauchen von Pickeln an bestimmten Körperteilen) geachtet werden. Diese müssen bei den möglichst täglichen oder alle zwei bis drei Tage erfolgenden Konsultationen dem behandelnden homöopathischen Arzt mitgeteilt werden.

Reaktionen auf Q-Potenzen
Es ist sehr wichtig, die im Folgenden beschriebenen möglichen Reaktionen auf die Q-Potenzen, wie Hahnemann sie in der sechsten Auflage des „Organon“ beschreibt, genau zu kennen:
  • Fortlaufende Besserung

  • Verschlimmerung der Krankheitssymptome

  • Entwicklung von neuen Symptomen

Fortlaufende Besserung
Das bedeutet, dass alles gut geht und man mit der Gabe der Q-Potenzen fortfahren darf und soll (Organon, § 246).
Verschlimmerung der Krankheitssymptome
Sie erfordert eine Unterscheidung zwischen Früh- und Spätverschlimmerung:
  • FrühverschlimmerungFrühverschlimmerungonkologische Erkrankungen (Organon, § 282): Symptome, wegen denen der Patient uns konsultiert, verschlimmern sich nach wenigen Gaben der Q-Potenz. Mögliche Ursachen:

    • Zu starke Dosierung, d. h. zu häufige Gaben (statt 1 × tgl. 2 oder 3 × tgl.) oder zu große Globuli (nicht mohnsamengroß), in diesem Fall muss die Arznei aus dem 3. oder 4. oder 5. Becher gegeben werden, d. h. statt den Teelöffel der Arzneilösung in den Mund zu nehmen, wird diese Arzneilösung in einen zweiten Becher mit Wasser kräftig eingerührt, davon wird wieder ein TL entnommen und in einen dritten Wasserbecher eingerührt, erst der daraus entnommene Löffel mit der dreifach verdünnten Arzneilösung wird in den Mund genommen (= 3. Becher). Dies kann natürlich noch ein viertes und fünftes Mal wiederholt werden (4. bzw. 5. Becher).

    • Überempfindliche Patienten (vgl. Organon, § 281/mit Anm.), z. B. Patienten mit Neurodermitis, Asthma, Hyperthyreose, zu Hysterie neigende Personen, Menschen, die zu stark auf Hochpotenzen reagieren (auch in diesem Fall muss das Mittel aus dem 3., 4. oder 5. Becher gegeben werden).

    • Schlecht hergestellte Mittel oder falsche Anwendung (z. B. die Q-Potenzen werden in Tropfenform aus einem Fläschchen gegeben oder Patient trinkt das ganze Glas).

  • Spätverschlimmerung (Organon, § 280 f., letzter Teil von § 248): Spätverschlimmerungonkologische ErkrankungenNachdem sich die ursprünglichen Krankheitssymptome, wegen denen uns der Patient konsultiert hatte, gebessert haben, verschlimmern sie sich wieder. Diese Spätverschlimmerung tritt meist erst nach der Verabreichung mehrerer Flaschen ein, in seltenen Fällen jedoch auch schon nach wenigen Gaben. Es genügt meist, das Mittel abzusetzen und engmaschig zu beobachten.

Neue Symptome
Hier ist zunächst zu unterscheiden, ob es sich um Symptome handelt, an denen der Patient bereits früher gelitten (3.5.9) hat oder um Symptome des Arzneimittels (3.5.10).
  • Symptome, die der Patient schon früher hatte (und die zum gegebenen Mittel passen!): Treten im Laufe der Kur Symptome auf, die der Patient schon früher hatte (cave: Verwechselung mit einer Erstverschlechterung), ist das Mittel zunächst weiterzugeben. Bei gutem Allgemeinbefinden des Patienten vergehen die Symptome meist wieder von allein. In vielen Fällen erinnern sich die Patienten zunächst nicht daran, dass sie dieses Symptom schon einmal hatten, daher ist genaues und wiederholtes Nachfragen wichtig.

  • Symptome des Mittels: Das Mittel ist falsch oder wurde nicht weiterpotenziert, und der Patient entwickelt Symptome einer Arzneimittelprüfung (Organon, § 247). In ca. 50 % der Fälle sind neue Symptome hinweisend auf das nächste Mittel, in 50 % sind es einfach Symptome des gegebenen Mittels (cave: Immer wieder Verschreibung auf selbst produzierte Symptome!).

Handelt es sich um völlig neue Symptome (3.5.9), die der Patient aus seiner Geschichte noch nicht kennt, wird folgende Differenzierung vorgenommen.
  • Geht es dem Patienten gut, kann es sich um „pseudo-neue“ Symptome handeln, z. B. vergessene alte Symptome oder Ausscheidungsreaktionen in Form von Hautausscheidungen, Schweiß, Ausfluss oder Eiterungen. In diesen Fällen kann das Mittel, so lange das Allgemeinbefinden des Patienten gut ist, vorsichtig weitergegeben werden, bis die Symptome verschwinden.

  • Wenn es dem Patienten schlecht geht, ist im Sinne der „Organon“-Paragraphen 248, 249, 167 das Mittel falsch. Die neuen Symptome sind dann oft führend bei der Wahl des neuen korrekten Mittels. (Gefahr: Das neue Symptom tritt nur für ein, zwei Tage auf und vergeht wieder, obwohl das Mittel falsch ist. Wir verpassen das neue Mittel, wenn wir diese Symptome verpassen.)

Merke

Die für die Fortführung der Behandlung entscheidende Frage lautet stets: Geht es dem Patienten allgemein besser oder schlechter.

C-Potenzen
C-PotenzenC-Potenzenonkologische Erkrankungen kommen bei der Krebsbehandlung in der Regel in folgenden Situationen zur Anwendung:
  • Behandlung von starken und stärksten Schmerzzuständen: In häufigen Gaben in Wasser aufgelöst verabreichen.

  • Als Zwischengabe für besondere Indikationen (z. B. Arnica M nach einer Verletzung oder Zahnextraktion, Nux vomica C200 bei Störungen und Blockaden durch allopathische Medikamente bzw. als Einstiegsmittel bei langzeitig vorausgegangener Medikamenteneinnahme). Eine Nosode oder Thuja als miasmatisches Blockademittel.

  • Fortsetzung der homöopathischen Behandlung, wenn man „aus dem Gröbsten raus“ ist, d. h., wenn die Erhaltungs-Chemotherapie abgeschlossen ist und man auf die Einzelgaben der Arznei nach der Kent-Skala (3.3.2) übergehen kann.

Auch mit niedrig dosierten C-Potenzen (C12) können gute Erfolge bei der Krebsbehandlung erzielt werden (Heudens-Mast). In Indien sind die Q-Potenzen weniger gebräuchlich, während erfolgreiche Krebsbehandlungen mit der Abfolge von zunächst niedrigeren C-Potenzen bis C30 oftmals zusammen mit organotrope Mittel in Niederpotenzen (D2, D3) und Urtinkturen, und schließlich höheren C-Potenzen (C200, M) berichtet werden (Pareek). Ramakrishnan hat mit der „Plussing“- und „Split-Dose“-Methode neue (starre) Dosierungen in die homöopathische Krebsbehandlung eingeführt. Die von ihm publizierten Erfolge konnten bei der Erprobung in der Clinica Santa Croce mangels Kontrollierbarkeit des Therapieverlaufs nicht nachvollzogen werden.
D-Potenzen, Urtinkturen
Die Gabe von UrtinkturenUrtinkturenonkologische Erkrankungen oder sehr niedrigen D-PotenzenD-Potenzenonkologische Erkrankungen (D2, D3) zu Beginn einer homöopathischen Behandlung oder parallel zu den Q-Potenzen bzw. C-Potenzen und zur Chemotherapie kann im Sinne einer „Drainage“ (der Ausscheidung von Giftstoffen über Leber oder Nieren) sehr hilfreich sein. Voraussetzung ist allerdings die genaue Kenntnis der einzelnen Mittel und ihrer Indikationen. Es muss auf evtl. Prüfungssymptome geachtet werden. Die Beurteilung der Q-Potenz-Therapie kann durch die parallele Gabe von niedrig potenzierten Arzneimitteln erschwert werden.
Insbesondere in weit fortgeschrittenen Situationen kann mit niedrig potenzierten organotropen Mitteln Leid gemindert werden.

Akute lymphoblastische (ALL) und akute myeloische (AML) Leukämie

Grundlagen

Bei den kindlichen Leukämien handelt es sich um maligne Entartungen und Reifungsstörungen weißer Blutzellen (Leukozyten) mit Auftreten unreifer, von der Norm morphologisch und biochemisch unterscheidbarer Zelltypen v. a. im Blut und in Organen der Blutbildung. Die Krankheitserscheinungen entstehen allmählich durch Verdrängung normaler Blutzellen und Infiltration atypischer Zellen in Organe.
Die ALL ist mit 3,3 Erkrankungen/100 000 Einwohner < 15 Jahren und einem Anteil von ca. 30 % die häufigste Krebserkrankung im Kindesalter. Die Inzidenz ist etwa fünfmal höher als bei der AML (0,7/100 000). Die Altersverteilung zeigt bei der ALL einen Häufigkeitsgipfel zwischen dem zweiten und fünften Lebensjahr, bei der AML einen geringen Häufigkeitsgipfel in den ersten beiden Lebensjahren und anschließend einen leichten Anstieg ab dem 13. Lebensjahr. Das Verhältnis von Jungen zu Mädchen beträgt 1,2 : 1 bei der ALL und 1,1 : 1 bei der AML.
Stadieneinteilung und Klassifikation
Für disseminierte Systemerkrankungen wie die ALL und AML ist eine Stadieneinteilung nicht praktikabel, trotzdem sind Aussagen über den Umfang der Manifestation möglich. Vor allem die initiale Leukämiezellmasse kann als Maßstab für eine stratifizierte, risikoadaptierte Behandlung herangezogen werden. Die klinische Information über die Manifestation der Leukämie in Organsystemen (z. B. im ZNS) ist für die Planung der Therapie wichtig.
Die Klassifikation erfolgt auf der Basis der Morphologie (FAB-Klassifikation), der Zytochemie, des Immunphänotyps und der zyto- und molekulargenetischen Befunde.
Ca. 80 % der kindlichen Leukämien gehen von Vorläuferzellen der B-Lymphozyten aus (B-Vorläufer-ALL), nur 1–3 % von reifen B-Zellen (B-ALL). 15–20 % lassen sich der T-Zellreihe zuordnen (T-ALL). Die restlichen ca. 15 % der akuten Leukämien gehören zu den akuten myeloischen Leukämien (peroxidasepositive Granula, Auer-Stäbchen) und weisen eine hohe Leukozytenzahl im Blut auf.
Klinik und Diagnostik
Die initialen Symptome lassen sich vorwiegend durch die Knochenmarkinsuffizienz erklären: Blässe, Abgeschlagenheit, Blutungsneigung (Petechien, Nasenbluten) und anhaltende, rezidivierende Infekte mit Fieber, Appetitmangel, Bauchschmerzen, Gewichtsabnahme. Auch eine Hepato-/Splenomegalie oder vergrößerte Lymphknoten in verschiedenen Körperregionen können ein erster Hinweis sein.
Etwa ein Viertel der Patienten klagt über Knochen- oder Gelenkschmerzen, was zu Fehldiagnosen (Verstauchung, rheumatoide Arthritis, Osteomyelitis) führen kann. Weitere Zeichen der lokalen Manifestation können eine schmerzlose, meist einseitige Hodenschwellung oder Hautinfiltrate und Gingivahyperplasie sein. Kopfschmerzen, Übelkeit, Nüchtern-Erbrechen oder Hirnnervenausfälle können Hinweise auf eine Beteiligung des zentralen Nervensystems geben.

Info

Jede Anämie kann Frühsymptom einer Leukämie sein und muss daher durch ein (ggf. auch wiederholtes) komplettes Blutbild und im Verdachtsfall Knochenmarkpunktion genau abgeklärt werden.

Die Initialdiagnostik dient neben der Diagnosesicherung der möglichst präzisen Abschätzung des Rezidivrisikos.
  • Die körperliche Untersuchung erlaubt eine Aussage zur Dissemination der Erkrankung und die Einschätzung der akuten Gefährdung des Patienten: Blutungszeichen an Haut und Schleimhaut, Organgrößen (Leber, Milz, evtl. Nieren, Hoden), pulmonaler Auskultationsbefund (Obstruktion?), Lymphknoten, Hautinfiltrate, neurologischer Status (Hirnnerven?), Schwellungen und Bewegungseinschränkungen am knöchernen Skelett.

  • Blutbild: Im typischen Fall (normochrome) Anämie. Anfangs können die Thrombozyten noch im Normbereich sein, später fehlt die Thrombozytopenie so gut wie nie. Leukozytenzahl normal, (leicht) erhöht oder vermindert, nur in ca. 25 % der Fälle deutliche Leukozytose > 30 000/mm3. Entscheidend sind der Ausstrich (zahlreiche oder nur wenige Lymphoblasten) und der Knochenmarkbefund, welche die zytomorphologische Subklassifikation, die zytochemische Differenzierung, die immunologische Differenzierung und die zytogenetische Differenzierung ermöglichen.

  • Lumbalpunktion (ZNS-Befall bei 2–3 % der Patienten)

  • Zytogenetische und molekulargenetische Untersuchung zur Bestimmung von Risikogruppe und Prognose.

  • Apparative Diagnostik: Sonografie (Abdomen, Mediastinum, Hoden), Röntgen-Thorax in zwei Ebenen, EKG, Echokardiografie, EEG, kraniales MRT bzw. CCT (Ausschluss einer zerebralen Blutung und von leukämischen Infiltraten), CT/MRT (Thorax, Abdomen bei Verdacht auf Organinfiltrate/Raumforderungen).

Einzelne Untersuchungen können z. B. bei sehr kleinen Kindern oder Blutungsgefahr entfallen. Die Kombination der Ergebnisse sollte eine eindeutige Aussage über die Manifestationsorte der Leukämie erlauben und gleichzeitig die Organfunktionen vor Therapiebeginn (Toxizität: Herz, Gehirn, Nieren!) dokumentieren.

Konventionelle Therapie

Die Therapie der kindlichen Leukämie wird heute ausschließlich im Rahmen entsprechender Therapieprotokolle in spezialisierten pädiatrisch-onkologischen Zentren durchgeführt (z. B. INTERFANT, BFM- oder COALL-Studiengruppe). Das Therapieschema richtet sich nach dem Typ bzw. Subtyp der Leukämie und wird dem Risiko angepasst. International werden neben seltenen molekulargenetischen Veränderungen v. a. die initiale Leukozytenzahl, das Alter und das Ansprechen auf die Therapie, daneben von einigen Gruppen der Immunphänotyp und die Ploidie (Änderung der Chromosomenzahl im Genom) als wichtigste Risikofaktoren angesehen.
Die Therapie findet in drei Phasen statt:
  • Induktionstherapie

  • Reinduktions-/Konsolidierungstherapie

  • Dauer- oder Erhaltungstherapie

Akute lymphoblastische Leukämie (ALL)
  • Bei der Induktionstherapie der ALLLeukämieakute lymphoblastische Leukämie (ALL) kommen neben Prednison die Zytostatika Vincristin (VCR), Daunorubicin (DNR), L-Asparaginase (L-ASP), Cyclophosphamid (CPM), Cytarabin (ARA-C), 6-Mercaptopurin (MP) und Methotrexat (MTX) zum Einsatz.

  • Bei der Reinduktionstherapie Dexamethason, L-ASP, Doxorubicin (DOX), VCR, ARA-C, CPM, Thioguanin (TG).

  • Während der langen (bis zum Ablauf von zwei Jahren nach Diagnose) Erhaltungstherapie werden MP (oder TG) neben MTX verabreicht.

Nur bei eindeutig erhöhtem Rezidivrisiko ist die allogene hämatopoetische Stammzelltransplantation von einem geeigneten Spender indiziert. Sie sollte innerhalb von drei bis vier Monaten nach dem Erreichen der Remission durchgeführt werden.
Akute myeloische Leukämie (AML)
  • Die Polychemotherapie bei der AMLLeukämieakute myeloische Leukämie (AML) besteht aus einer intensiven Induktionstherapie und anschließender Konsolidierung und Intensivierung über einen Zeitraum von vier bis sechs Monaten.

  • Anschließend erfolgt nach den gängigen Protokollen eine Erhaltungs- oder Dauertherapie über ein Jahr.

International ist die Notwendigkeit und Dauer einer Erhaltungstherapie allerdings umstritten (AWMF 2013). Die Indikation zur allogenen HLA-identen HSZT vom HLA-identen Spender in erster Remission gilt nur noch für Risikopatienten.

Info

Der homöopathische Co-Therapeut muss die Nebenwirkungen von Zytostatikatherapie und Radiatio genau kennen, um die individuelle Ausprägung bei seinen Patienten richtig zu erfassen.

Prognose
Die Überlebensraten betragen in Abhängigkeit von den initialen Risikofaktoren bei der ALL im Durchschnitt 80 %, bei der AML liegen sie bei etwa 55–60 %.

Unterstützende Maßnahmen

  • Antiemese

  • Schmerztherapie

  • Ersatz von Blut- und Plasmabestandteilen

  • Infektionsprophylaxe

  • Kurzfristige intensive Sepsistherapie bei Vorliegen oder Verdacht auf eine Infektion (bei Fieber niemals orale Antibiose in der Praxis beginnen, sondern stationäre Einweisung und gezielte intravenöse Antibiose nach Infektionsdiagnostik)

  • Ernährung (in der Neutropenie keine frischen Gemüse und Salate, nur gekochte Nahrung, keine Nüsse wegen Pilzbefallrisikos)

  • Pflege des zentralvenösen Katheters

  • Haut- und Schleimhautpflege

Angesichts des großen Leidensdrucks aufgrund des Krankheitsgeschehens, der aggressiven Therapie und der Ängste über den ungewissen Ausgang des Kampfes gegen die Krankheit ist eine psychosoziale Betreuung unerlässlich. Die verschiedenen Phasen von Hoffnung und Verzweiflung, welche die kleinen Patienten und ihre Eltern durchleben müssen, schlägt sich auf die Psyche aller Beteiligten nieder und kann schwere Depressionen auslösen, v. a. wenn schon vorher Konflikte z. B. in der Ehe der Eltern bestanden haben. Eine zentrale Rolle fällt der psychosozialen und spirituellen Betreuung dann zu, wenn absehbar ist, dass eine Heilung des Kindes nicht mehr möglich und der Tod in greifbare Nähe gerückt ist. Eine authentische, empathische Haltung aller Beteiligten ist unerlässlich, um offene Gespräche über die Gefühle und Ängste des Kindes und der Eltern zuzulassen.

Homöopathische Behandlung

Die begleitende homöopathische Behandlung der Leukämie erfolgt gleichzeitig mit der konventionellen Therapie. Sie ergänzt und vervollständigt die konventionelle Therapie in idealer Weise. Ihre primären Ziele sind die Verbesserung der Prognose und die Verringerung des Leidens der Kinder unter der Radiochemotherapie.
Während der Chemotherapie verändert sich in der Regel die Symptomatik des Patienten, und es treten die Symptome der „Chemotherapiekrankheit“ in den Vordergrund. Die homöopathische Arznei muss dem aktuellen Beschwerdebild angepasst werden. Manchmal lassen die während einer Chemotherapie auftretenden Symptome Rückschlüsse auf das „Grundmittel“ oder das „Krebsmittel“ des Patienten zu.
In der Praxis wird man mit der in der Erstanamnese ermittelten Arznei in Q-Potenzen die Behandlung beginnen und abwarten, wie der Patient die Chemotherapie verträgt. Verträgt er sie gut, bleibt man bei diesem Mittel und beobachtet aufmerksam weiter. Treten massivere Beschwerden auf, repertorisiert man diese und verabreicht die dazu passende homöopathische Arznei.
Die wichtigsten Arzneien für die Nebenwirkungen der Chemotherapie sind Phosphorus, Arsenicum album, Nux vomica, Cadmium sulfuricum, Sulphur und China; Chininum sulphuricum, Ipecacuanha, Tabacum, und Okoubaka können in seltenen Fällen vorkommen.
Die radiologische „ZNS-Prophylaxe“ bei Leukämien, aber auch therapeutische Bestrahlungen anderer Tumorarten haben die lokale Zerstörung von Tumorzellen zum Ziel. Sie haben oft systemische Veränderungen im Organismus zur Folge, die als Strahlenkrankheit spürbar sind und noch nach Jahren zu Nachwirkungen führen können, bis hin zur Zweitneoplasie. Sie können auch die Wirkung der bisher durchgeführten homöopathischen Therapie blockieren und müssen daher ihrerseits homöopathisch behandelt werden. Häufig indizierte Arzneimittel sind Phosphorus, Radium bromatum und X-Ray (Currim 1996).
Repertoriumsrubriken
Leukämie und ihre Symptome
→Allgemeines – Leukämie (43)
→Allgemeines – Leukämie – Milzerkrankung, mit (4)
→Haut – Ekchymose (65)
→Haut – Purpura – haemorrhagica (56)
→Haut – Hautausschläge – Petechien (54)
→Auge – Ekchymose, subkutane Blutung (39)
→Allgemeines – Hämorrhagie – Neigung oder tatsächlich – Schleimhäuten, aus (26)
→Allgemeines – Hämorrhagie – Neigung oder tatsächlich – Körperöffnungen, aus (15)
→Allgemeines – Wunden – bluten – frei (66)
→Nase – Nasenbluten – hartnäckig (16)
→Mund – Hämorrhagie – Zahnfleisch – leicht (59)
→Gesicht – bleichsüchtig (55)
→Äußerer Hals – Schwellung – Halsdrüsen (124)
→Äußerer Hals – Drüsenverhärtung (52)
→Äußerer Hals – Drüsenverhärtung – knotige Schnüre, wie (21)
→Äußerer Hals – Knoten (18)
→Allgemeines – Indurationen – Drüsen – hart (1)
→Abdomen – Schwellung – Leistenregion – Drüsenschwellung (87)
→Abdomen – Schwellung – Leber (K603, G515) (76)
→Abdomen – Schwellung – Milz (35)
→Abdomen – Härte – Leber (62)
→Abdomen – Härte – Milz (32)
→Abdomen – vergrößert – Leber (83)
→Abdomen – vergrößert – Milz (66)
→Haut – Verfärbung – bläulich – Flecke (65)
Folgen von Chemotherapie
→Allgemeines – karzinomatöses Leiden – Chemotherapie, Beschwerden nach (6)
→Allgemeines – Medikamente, allopathische Medizin – überempfindlich gegen (18)
→Allgemeines – Abusus, Vergiftung – Medikamente (22)
→Magen – Übelkeit – Angstgefühl – mit (38)
→Magen – Übelkeit – Gerüche, durch (12)
→Magen – Übelkeit – Ohnmacht, wie (55)
→Magen – Übelkeit – Schwäche, mit (5)
→Magen – Übelkeit – tödlich (26)
→Magen – Übelkeit – Trinken – amel. (6)
→Magen – Erbrechen – allgemein – Angst, mit (6)
→Magen – Erbrechen – allgemein – Durst, mit (3)
→Magen – Erbrechen – allgemein – Erleichterung, ohne (2)
→Magen – Erbrechen – allgemein – erschöpfend (5)
→Magen – Erbrechen – allgemein – Frost – während (39)
→Magen – Erbrechen – allgemein – heftig (43)
→Magen – Erbrechen – allgemein – leicht (31)
→Magen – Erbrechen – allgemein – plötzlich (62)
→Magen – Erbrechen – allgemein – profus (7)
→Magen – Erbrechen – allgemein – Trinken – nach – geringste Menge (14)
→Magen – Erbrechen – allgemein – Trinken – nach – sobald das Wasser im Magen warm wird (4)
→Magen – Erbrechen – allgemein – Trinken – nach – unmittelbar nach (12)
→Magen – Erbrechen – allgemein – Übelkeit – ohne (16)
→Magen – Erbrechen – allgemein – unaufhörlich (46)
→Magen – Erbrechen – allgemein – Würgen, mit ergebnislosem und ängstlichem (4)
→Magen – Erbrechen – alles (21)
→Magen – Erbrechen – Galle (172)
→Magen – Erbrechen – Hämatemesis, blutig (131)
→Magen – Erbrechen – Kaffeesatz, wie (29)
→Magen – Erbrechen – Speisen – Essen – nach – unmittelbar (24)
→Magen – Erbrechen – Speisen – Essen – nach – unverdaute Nahrung, zwei oder drei Stunden nach (24)
→Magen – Erbrechen – Speisen – unverdaut (46)
→Stuhl – blutig (182)
→Stuhl – blutig – streifig (53)
→Stuhl – herausschießend (44)
→Stuhl – mukös, schleimig – blutig (97)
→Stuhl – wässrig – blutig (14)
Gemütssymptome bei Chemotherapie
→Gemüt – Reizbarkeit, Gereiztheit – angesprochen, wenn (28)
→Gemüt – Reizbarkeit, Gereiztheit – Angst, mit (6)
→Gemüt – Reizbarkeit, Gereiztheit – Befragung, bei (16)
→Gemüt – Reizbarkeit, Gereiztheit – Berührung, durch (3)
→Gemüt – Reizbarkeit, Gereiztheit – Berührung, durch – Kind schreit (1)
→Gemüt – Reizbarkeit, Gereiztheit – Geräusche, Lärm, durch (24)
→Gemüt – Reizbarkeit, Gereiztheit – Kleinigkeiten, durch (68)
→Gemüt – Reizbarkeit, Gereiztheit – Schmerzen, bei (16)
→Gemüt – Reizbarkeit, Gereiztheit – Schwäche – bei (19)
→Gemüt – Reizbarkeit, Gereiztheit – Übelkeit, bei (2)
→Gemüt – Angst – Alleinsein, beim (22)
→Gemüt – Angst – Bett – treibt aus dem (20)
→Gemüt – Angst – Fieber – während (103)
→Gemüt – Angst – Magen – im (107)
→Gemüt – Angst – Magenbeschwerden, bei (10)
→Gemüt – Angst – Ohnmacht, Schwächeanfall – mit (13)
→Gemüt – Angst – Schlaf – hindert am (27)
→Gemüt – Angst – Schlaflosigkeit, mit (70)
→Gemüt – Angst – Schmerzen, durch (14)
→Gemüt – Angst – Schwäche, mit (22)
→Gemüt – Angst – Schweiß – mit (63)
→Gemüt – Ruhelosigkeit, Nervosität – Neigung zu – ängstlich (118)
→Gemüt – Ruhelosigkeit, Nervosität – Neigung zu – Bett – treibt ihn aus dem (40)
→Gemüt – Ruhelosigkeit, Nervosität – Neigung zu – bewegen – muss sich ständig (27)
→Gemüt – Ruhelosigkeit, Nervosität – Neigung zu – empfindlich (21)
→Gemüt – Ruhelosigkeit, Nervosität – Neigung zu – Frost – während (48)
→Gemüt – Ruhelosigkeit, Nervosität – Neigung zu – Schmerzen – während (9)
→Gemüt – Ruhelosigkeit, Nervosität – Neigung zu – Schmerzen – durch (24)
→Gemüt – Ruhelosigkeit, Nervosität – Neigung zu – treibt ihn von einem Ort zum andern (41)
→Gemüt – Ruhelosigkeit, Nervosität – Neigung zu – Übelkeit – durch (2)
→Gemüt – Ruhelosigkeit, Nervosität – Neigung zu – wandert (14)
→Gemüt – Tod – Vorgefühl, Vorahnung vom (67)
→Gemüt – Furcht – Alleinsein, vor dem (71)
→Gemüt – Furcht – Annäherung, vor – anderer Personen (31)
→Gemüt – Furcht – Berührung, vor (41)
→Gemüt – Furcht – Tod, vor dem (155)
→Gemüt – Furcht – Tod, vor dem – bevorstehendem, vor (27)
Folgen von Bestrahlung
→Allgemeines – Verbrennungen (81)
→Allgemeines – Verbrennungen – Röntgenstrahlen, durch (6)
Homöopathische Arzneimittel bei Leukämie
Die folgenden Arzneimittel, die sich zur Behandlung der Leukämie bewährt haben, sind nach Häufigkeit geordnet.
Phosphorus
Phosphorus#PhosphorusLeukämie ist das wichtigste Mittel für Kinder sowohl bei der Leukämie als auch bei Chemotherapie und Bestrahlungen. Folge von Bestrahlung jeglicher Art (v. a. Röntgenbestrahlungen), therapeutischer Radiatio, atomarem Fallout (z. B. Tschernobyl), aber auch Folge von Elektrizität (z. B. schwere hämatologische oder onkologische Erkrankungen von Menschen, die in unmittelbarer Nähe von Transformatoren leben oder gelebt haben). Folge von Chemotherapien (wichtigstes Mittel, gefolgt von ars, sulph. und nux-v). Folge von Narkosen.
Gemüt: Extrovertiert, ausdrucksvoll, herzlich, mitfühlend, beeindruckbar, Überempfindlichkeit der Sinne, viele Ängste (vor Dunkelheit, vor dem Alleinsein, um Andere, um die Gesundheit, vor Gewitter). Antwortet langsam, überlegt lange vor einer Antwort. Folge von lang anhaltendem Kummer, von enttäuschter Liebe. Sehr gutmütige Patienten, die alles tun (und alles mit sich machen lassen), nur um Liebe zu bekommen. Hellsichtige Träume (führen bei deutlicher Ausprägung oft direkt zum Mittel).
Schwindel: Bei plötzlicher, heftiger Bewegung; bei schneller Bewegung des Kopfes (calc, con, gels); durch stetiges Schauen auf einen Punkt (nat-m), beim Blicken nach oben; beim Umdrehen im Bett (bell, con, rhus-t, sulph); die Gegenstände scheinen sich im Kreis zu drehen, das Zimmer wirbelt (calc, caust, nux-v); beim Liegen auf dem Gesicht, auf der (linken) Seite; beim Aufsetzen im Bett (chel, cocc); durch Säfteverlust (chin, sep).
Augen/Sehen: Blitze im Dunklen (calc, lyc, thuj).
Nase/Riechen: Überempfindlichkeit des Geruchsvermögens während Kopfschmerz, während der Chemotherapie.
Magen: Übelkeit > kalte Getränke; Erbrechen nach Trinken, wenn die Getränke im Magen warm geworden sind; Magenschmerzen > nach kalten Getränken und Speisen; < nach warmen Speisen.
Darm/Rektum/Stuhlgang: Laute Darmgeräusche, die auf Distanz noch zu hören sind; Durchfall wie braunes Wasser (v. a. bei Leukämiebehandlung bzw. Begleitung einer Chemotherapie; ars); Stuhl mit kleinen weißen Einschlüssen; Stuhl grau, weiß, unverdaut, Bleistiftstuhl; Diarrhö, > kalte Getränke.
Kehlkopf: Heiserkeit durch (langes) Sprechen; muss sich immer wieder räuspern.
Brust: Rezidivierende Bronchitiden, chronischer (Reiz-)Husten, Pneumonien in der Vorgeschichte.
Rücken: Krampfartige brennende Schmerzen zwischen den Schulterblättern, > Reiben. Extremitäten: Hitze der Handflächen; Gefühllosigkeit der Handflächen, der Fingerspitzen (auch als Chemotherapie-Nebenwirkung).
Allgemeines: Ausgeprägte Blutungsneigung (Petechien, Ekchymosen, Sugillationen, Hämatome). Brennende Schmerzen; Hypoglykämien, Diabetes mellitus, starker Bezug zum Pankreas. Zu schnelles Wachstum bei Kindern; Wachstumsschmerzen; hoch gewachsene Menschen. Heller Teint, häufig blondes oder rötliches Haar, blaue Augen; Sommersprossen (Nase). Starkes Verlangen nach (eis)kalten Getränken, (eis)kalter Milch, Eiscreme. Durst auf große Mengen in einem Zug; Verlangen nach Salz und stark Gewürztem; Abneigung und < Knoblauch, Zwiebeln, Fett, fettes Fleisch. > Berührung, Handauflegen, Massage. > Schlaf.
Arsenicum album
#Arsenicum albumLeukämieHäufig indiziert bei hämato-onkologischen Krankheiten, v. a. bei pathologischen Endzuständen; beugt auch einem schweren Verlauf vor, wenn es schon vor Ausbruch der (z. B. Krebs-)Pathologie erkannt und gegeben wird. Folge von Chemotherapie; von Vergiftung allgemein.
Als Konstitutionsmittel: innere Unruhe mit großer Angst und großer Schwäche. Will nicht allein sein. Gehetztheit. Geizig, kleinlich, überkorrekt. Folge von rigider, emotionsarmer Erziehung, von zu früher Sauberkeitserziehung.
Starke Verfrorenheit, < Kälte jeder Art, kalte Getränke, kalte Speisen; > Wärme, warme Anwendungen, warme Speisen und Getränke. Ausgeprägte Periodizität (nach Mitternacht, nach 2:00 Uhr, alle 14 Tage).
Brennende Schmerzen, aber > warme Anwendungen. Großer Durst, trinkt häufig, aber meist nur in kleinen Schlucken. Erbrechen mit gleichzeitiger Diarrhö, abdominale Schmerzen vor und während Diarrhö, Erschöpfung und Schwäche (z. B. als Nebenwirkung der Chemotherapie). Durchfall wie braunes Wasser (phos). Petechien auf der Brust; am Oberschenkel; Petechien schmerzhaft < abends.
Natrium sulfuricum
Schwer zu erkennendes Mittel; wenn nur ein, zwei deutliche Symptome für Natrium sulfuricum sprechen, aber viele Natrium-muriaticum#Natrium muriaticumLeukämie- und Sulphur-Symptome im Vordergrund stehen, kann Natrium sulfuricum das Simile sein (dreiwertig in der Rubrik Leukämie!).
Kopfverletzung in der Vorgeschichte. Geistige Veränderungen nach Kopfverletzung. Überempfindlich und verschlossen, starkes Pflicht- und Verantwortungsgefühl. Äußerungen von Selbstmordgedanken sind ein Hinweis auf Natrium sulfuricum.
Eher warmblütig. Chronische Photophobie. Heuschnupfen mit Asthma; Asthma bei Kindern. Leberbeschwerden (akute oder chronische Hepatitis, Gallensteine, sehr berührungsempfindliche Leber). Spritzender Durchfall Schwellung der Achsellymphknoten. Gestielte Warzen. Braune Flecken auf den Oberschenkeln (wichtigstes Antisykotikum nach Kent). Jucken der Haut nach dem Entkleiden, Juckreiz zwischen den Zehen. Blähungskoliken vor dem Frühstück. Verlangen/Abneigung nach/gegen Joghurt; deutliche Abneigung gegen Pilze. < Feuchtigkeit; feuchtwarmes, aber auch feuchtkaltes Wetter, 4:00 Uhr, 5:00 Uhr (wie sulph).
Lachesis muta
#Lachesis mutaLeukämieFolge von Unterdrückung einer Ausscheidung, einer Absonderung. Starke Eifersuchtsthematik. Sehr redegewandt und redselig, spricht sehr schnell. Lachesis ist gut am psychischen Zustand zu erkennen, besonders wenn eine religiös geprägte Thematik dazu kommt. Fühlt sich von einer übermenschlichen Macht kontrolliert (naja, thuj). Religiöse Verzweiflung, auffallend starke Religiosität schon bei Kindern oder in der Pubertät, religiös geprägte Depression. Identitätsstörungen (z. B. das Empfinden, doppelt zu sein). Solche Thematiken findet man, wenn man die Kinder und Jugendlichen Bilder malen und diese anschließend von ihnen selbst deuten lässt.
Überwiegend linksseitige Beschwerden: linksseitige Tumoren, linksseitige Mandelentzündungen, die sich nach rechts erstrecken. Warmblütige Patienten. Alle Arten von Haut- und Schleimhautblutungen, dunkel, heftig. Auffallende Empfindlichkeit auf Kleiderdruck, v. a. am Hals. < Vor und während des Schlafes; warmes, feuchtes, schwüles Wetter; Frühjahr, Herbst; warme Getränke. > Kalte Getränke.
Natrium muriaticum
Folge von langem (stillem) Kummer, von tief empfundener Verletzung in Liebesbeziehungen; Kummer bei Kindern durch Scheidung/Streit der Eltern. Leicht beleidigt, zieht sich zurück, sucht die Einsamkeit; zeigt die Verletztheit nicht oder nur durch Wortkargheit. Nachtragend, ruft sich unangenehme Erfahrungen in Erinnerung (z. B. durch traurige Musik). Weinen < Trost (Cave: Natrium muriaticum#Natrium muriaticumLeukämie kann auch indiziert sein, obwohl Trost bessert).
Chronische, schwere Kopfschmerzen, Migräne mit Zickzacklinien-Aura. Rezidivierender Herpes labialis < Sonne. Landkartenzunge. Trockenheit der Schleimhäute. Auffallend weiße Farbe der Absonderungen. Petechien.
Verlangen nach Salz, Durst auf große Mengen (kalte Getränke). Eher warmblütig (anders sep). < Sonne, Hitze, Schweinefleisch, Gurken. > Oder < Aufenthalt am Meer.
Sulphur
Sulphur#SulphurLeukämie ist der „große Reiniger“ und kann den Fall klären, besonders wenn unterdrückte Hautausschläge oder Impfungen die Vorgeschichte prägen. Optimistische Grundstimmung auch in objektiv schwierigen Situationen.
Gerötete Lidränder, chronische Blepharitis. Geruchsempfindlich, v. a. gegen den eigenen Körpergeruch oder die eigenen Ausscheidungen. Oft ungepflegtes Äußeres.
Heißhunger, Leeregefühl im Magen um 11:00 Uhr. Appetit vermehrt während der Chemotherapie (Kortison-Nebenwirkung). Hitzig, kann keine Bettwärme ertragen. Heiße Fußsohlen, streckt Füße aus dem Bett. Gebeugte Haltung, Dorsalkyphose.
Übelriechende Absonderungen, Verlangen nach gewürzten Speisen, nach Süßigkeiten. Stuhldrang, Durchfall morgens (um 5:00 Uhr), treibt aus dem Bett. Perianaler Juckreiz, bis hin zum Brennen < in Bettwärme. Nach Unterdrückung von Hautausschlägen jeder Art. Purpura haemorrhagica, Ekchymosen (sulph steht nicht in der Rubrik Petechien). < 4:00–5:00 Uhr, 11:00 Uhr; übermäßig langer Schlaf.
Thuja occidentalis
#Thuja occidentalisLeukämieOft als Zwischenmittel über kurze oder auch längere Zeit notwendig bei unterdrückter Gonorrhö oder Chlamydieninfektion in der Familie, Unterdrückung von Warzen oder übermäßig starker bzw. fehlender Reaktion auf die Pockenimpfung.
Fixe Ideen, religiöser Fanatismus, religiöse Verzweiflung. Identitätsstörungen: Gefühl, er sei gespalten, zerbrechlich wie aus Glas, doppelt (gut zu erkennen, wenn man das Kind malen lässt; manchmal auch wörtlich so geschildert, z. B. als Traumthema).
Neigung zu Warzen (braun, flach, gestielt, weich, blumenkohlartig). Chronische Unterleibsbeschwerden bei Kindern. Fettige Haut (nat-m), geriffelte Nägel. Schweiß an der Oberlippe. Abneigung oder Verlangen gegen/nach Zwiebeln.
Ceanothus
#Ceanothus americanusLeukämieSpezifische organotrope Beziehung zur Milz. Leukämie mit Milzbefall, Hepatosplenomegalie. Schmerzhafte Schwellung der Milz, Schmerzen erstrecken sich die ganze linke Seite hinauf oder sitzen tief im linken Hypochondrium, < Bewegung. Kann nicht auf der linken Seite liegen.
Homöopathische Arzneimittel bei Chemotherapie
Die folgenden Arzneimittel, die sich zur Behandlung bei Folgen der Chemotherapie bewährt haben, sind nach Häufigkeit geordnet.
Phosphorus
Siehe unter „Leukämie“.
Sulphur
Siehe unter „Leukämie“.
Arsenicum album
Siehe unter „Leukämie“.
Nux vomica
Starke Übelkeit und Erbrechen, Druckempfindlichkeit der Magengegend während der Chemotherapie. Wenn nicht so sehr Schwäche und Unruhe (ars) vorliegen, sondern eher Gereiztheit. Kann keine Geräusche, Gerüche, Licht etc. ertragen. Vorwurfsvoll.
Verfroren, fröstelt beim Herausstrecken der Hände aus dem Bett. Stechender Schmerz im Rachen beim Schlucken, erstreckt sich zu den Ohren hin. Obstipation, auch durch Opiatbehandlung, Oft indiziert zu Behandlungsbeginn bei Vorgeschichte mit vielen oder starken allopathischen Medikamenten. Arsenicum album wirkt manchmal besser nach Klärung des Falles durch Nux vomica#Nux vomicaLeukämie (z. B. bei der Schmerzbehandlung).
Cadmium sulfuratum
#Cadmium sulfuratumLeukämieSchwäche, Verfallenheit, Übelkeit (ähnlich ars, jedoch weniger unruhig und ängstlich). Übelkeit < Bewegung; meidet jede Bewegung. Erbrechen sofort nach dem Trinken selbst kleinster Mengen. Erbrechen wie Kaffeesatz.
China officinalis
#China officinalisLeukämieGroße Schwäche durch häufiges und massives Erbrechen oder Durchfall (Verlust von Körpersäften). Pochen in Kopf und Karotiden. Eingefallene Augen und Augenringe. Nasenbluten < morgens nach dem Aufstehen. Unverdaute, schmerzlose, entkräftende Stühle mit vielen Blähungen. Haut sehr berührungsempfindlich, jedoch > starker Druck. Glieder- und Gelenkschmerzen „wie zerschlagen“. < Leichte Berührung. > Harter Druck.
Chininum sulfuricum
#Chininum sulfuricumLeukämieHauptmerkmale: ausgeprägte Periodizität und Empfindlichkeit der Wirbelsäule. Anämie mit raschem Abfall der Erythrozytenzahl und des Hämoglobins. Ausgeprägter Tinnitus mit Taubheit.
Ipecacuanha
#IpecacuanhaLeukämieStarke, andauernde Übelkeit mit sauberer Zunge. Erbrechen mit blau verfärbtem Gesicht, die Übelkeit wird nicht gebessert durch das Erbrechen. Durstlosigkeit, verstärkter Speichelfluss. Zusammenschnürung in der Brust. Stuhl teerartig oder grasgrün, wie schaumige Melasse.
Tabacum
Stärkste Übelkeit mit totenähnlicher Blässe, eisiger Kälte und kaltem Schweiß. Will den Bauch unbedeckt haben, obwohl ihm kalt ist, weil das die Übelkeit mindert. Sehr niedergeschlagen. Schwindel beim Öffnen der Augen.
Homöopathische Arzneimittel bei Bestrahlung
Die folgenden Arzneimittel, die sich zur Behandlung bei Bestrahlungsfolgen bewährt haben, sind nach Häufigkeit geordnet.
Phosphorus
Siehe unter „Leukämie“.
Radium bromatum
#Radium bromatumLeukämieGemütssymptome ähnlich Phosphorus: Angst, allein zu sein, in der Dunkelheit; Verlangen nach Gesellschaft. Furcht vor Geistern. Redselig. Gesteigerter Arbeitseifer, extrem getrieben, Ruhelosigkeit nachts (ars). Sehr lebendige Träume, z. B. von Blut, Feuer, Suizid, Urinieren (lyc, sep); hellsichtige Träume, Träume scheinen wahr beim Erwachen.
Modalitäten ähnlich Rhus toxicodendron: schwere, anhaltende Schmerzen > fortgesetzte Bewegung und heiß Baden. Kopfschmerzen begleitet von Lendenschmerzen. Anhaltender Schmerz im Winkel des rechten Unterkiefers. Jucken und Trockenheit der Nasennebenhöhlen. Mundtrockenheit; Taubheit der Zunge, Prickeln der Zunge bzw. Zungenspitze. Metallischer Geschmack. Brüchige Zähne. Frost mit Zähneklappern. Leeregefühl im Magen. Übelkeit > Essen (phos). Starke Blähsucht. Schmerzen, heftige Krämpfe, Kollern, in der Ileozökalregion. Hämorrhoiden, Analjuckreiz, Rektumprolaps. Ausschläge im Genitalbereich, Eierstock- und Uterusschmerzen. Anhaltender Schmerz im Bauch über dem Schambein bei Regelbeginn; Mammaschmerz > Reiben. Nephritis, Albuminurie, granulierte und Hyalinzylinder. Enuresis. Hautaffektionen: Akne rosacea, Muttermale, Leberflecken, Ulzera und Krebsgeschwüre.
X-Ray
(Radium bromatum ist ein Alpha-, Beta- und Gamma-Strahler, X-Ray#X-RayLeukämie ein reiner Gamma-Strahler). Folgen von Bestrahlung: Psoraähnliche Affektionen (trockenes, juckendes Ekzem, Psoriasis) und schwer zu heilende Wunden, Rhagaden, schmerzhafte Risse; Anämie, Leukämie, grünliche Leukorrhö bei Mädchen. Syphilitisches Mittel, destruktive Energie: Suizidneigung; Wunsch zu töten < vor und während Menses (merc). Will eher allein sein (anders phos, rad-br). Stechende Schmerzen in verschiedenen Teilen des Kopfes und des Gesichts.
Hohles Gefühl im Hals, als ob der Pharynx verschwunden wäre; Halsschmerz < beim Schlucken. Knorpelnekrose. Plötzlicher Husten mit Palpitationen. Brust wie vergrößert. Perikardentzündung. < Bewegung (> rad-br).
Causticum
Warzenbildung in den bestrahlten Gebieten (besonders nach Röntgenstrahlen). Kontrakturen von Muskeln und Sehnen nach Bestrahlungen, schmerzhaft. Schleimhäute fühlen sich verbrannt und roh an. Strahlenbedingte Verbrennungen der Haut (fl-ac) (Causticum#CausticumLeukämie C1 flüssig, lokal als Erste-Hilfe-Mittel in der Küche!).
Calcium fluoratum
#Calcium fluoricumLeukämieVerbrennungen durch Röntgenstrahlen. Induration, drohende Eiterung. Hitze in den betroffenen Bereichen. Schmerzlose, fistelnde Ulzera, die gelben Eiter absondern.
Sehr niedergeschlagen, Angst um die Gesundheit, Furcht vor Verarmung.
Exostosen, Periostitis, Zähne locker und bröckelig. Harte Narben oder Narbenränder. Schwäche morgens, große Müdigkeit den ganzen Tag über. Warmblütig. < Beginnende Bewegung, während Ruhe, Kälte, Nässe, Wetterumschwung (rhus-t). > Anhaltende Bewegung, warme Anwendungen, Hitze (rhus-t, rad-br). Chronisches Arzneimittel mit langer Wirkung.
Acidum fluoricum
#Acidum fluoricumLeukämieBei Verbrennungen durch Röntgenstrahlen (bei den heutigen, viel präziseren Dosierungen nicht mehr so häufig indiziert). Dekubitus, Ulzerationen, Geschwüre. Früher Zerfall der Zähne. Auffallendes Symptom: Gefühl, als würde der Wind durch die Augen blasen.
Silicea
#SiliceaLeukämieSchmerzhafte Folgen von Radiumverbrennungen (cadm-i, fl-ac nach Grimmer).
Andere, eher selten gebrauchte Mittel
Cobaltum nitricum, Cadmium sulfuricum (s. o.), Cadmium iodatum, Strontium carbonicum, Kreosotum, Lachesis, Nux vomica und Sol (Künzli).

Kasuistiken

Kasuistik

Akute lymphoblastische Leukämie (Miklós Takács)

Der achteinhalbjährige Urs kommt am 13. August 2001 mit seinen Eltern unmittelbar nach der Verdachtsdiagnose ALL noch vor der bestätigenden Knochenstanze und der Lumbalpunktion in die spezialisierte Klinik Santa Croce (Dr. Spinedi). Noch vor seinem Eintreffen erhielten wir einen Anruf vom Kantonsarzt mit der Androhung der Klinikschließung für den Fall, dass wir das Kind ausschließlich homöopathisch behandeln sollten. In der Aufnahmesituation erschien Urs in reduziertem Allgemeinzustand mit müden Augen und blassem Gesicht.

Spontananamnese mit den Eltern

Die Eltern sind sehr aufgeschlossenen und differenziert. Urs reagiert ängstlich, wenn er etwas nicht kennt. Wenn er sich ein bisschen bedrängt fühlt, dann wird er schnell wütend und wehrt sich. Er will keine Spiele spielen, bei denen es Unterlegene gibt. Mit Freunden sucht er nach einer ganz tiefen Spielqualität, um ganz in Harmonie zu versinken. Er gibt alles dafür, damit ein stundenlanges, nicht wertendes, unterstützendes Spielen entsteht.
Er ist schon immer sehr zärtlich gewesen, in den zurückliegenden etwa zwölf Monaten war er besonders anhänglich, v. a. gegenüber seinem Vater. Auffällige Suche nach Nähe. Wenn es Konflikte gibt, zieht er sich auf sein Zimmer zurück.
Schwierige Vorgeschichte in Bezug auf seine kleine Schwester: Als sie auf die Welt kam, hatte er Keuchhusten, weshalb die Ärztin riet, man müsse ihn wegen der Ansteckungsgefahr weggeben. Die Eltern waren sehr in Sorge, weshalb die Begegnung mit der Schwester von Angst überladen war und nicht so herzlich sein konnte. Er wollte beim Stillen der kleinen Schwester immer ganz nahe sein, einmal hat die Mutter ihn aus dem Zimmer ausgeschlossen. Gefühl der Mutter: Er ist ein bisschen eifersüchtig auf die kleine Schwester, die immer so schnell Kontakt zu anderen hat, die immer Freunde hat, sich schnell organisieren kann. Er mag das zwar auch, aber er traut sich nicht.
Im Juni 2001 nach einem Ausflug zum Zelten mit dem Vater hatte er so starke Hüftschmerzen rechts bekommen, dass er kaum gehen konnte. Diagnose des Hausarztes: Hüftschnupfen. Anfang und Ende Juli hatte er ein Hüftschnupfenrezidiv. Der Hüftschnupfen war mit einer Antriebsschwäche verbunden (Natrium muriaticum). Seit vergangenem Herbst (2000) hatte er eine Pilzinfektion (homöopathische Behandlung mit Sulphur). Davor hatte er eine Warze am linken (?) Großzeh (im Dezember 2000 Thuja C200, Anfang April 2001 Sulphur C200).
Zähne: kein Zahnschmelz für die zweiten Zähne vorhanden. Im März 1998 Lungenentzündung mit viertägigem Krankenhausaufenthalt (Nachbehandlung mit Phosphorus). Wie der Vater zittert er an den Händen, wenn er angespannt ist. Dellwarzen im Alter von vier Jahren. Vor einem halben Jahr hat er angefangen, so stark zu schwitzen, dass er stinkt. Er wird schnell braun, ist nicht sonnenempfindlich. Nachts steht er einmal auf und weckt den Vater. Kinderkrankheiten: Keuchhusten, Windpocken, Masern, Mumps.
Abneigung gegen Milch; früher viel Käse, jetzt wenig. Butter immer weniger in den vergangenen Wochen. Abneigung gegen Pilze und Fische.

Spontananamnese mit Urs

Keine Beschwerden. Hüfte tut nicht mehr weh. Keine Halsschmerzen. Durst normal (Wasser aus der Leitung). Isst am liebsten Lasagne; Riz Kasimir mit Curry, Geflügelfleisch; gerne ein bisschen scharf; Spaghetti Bolognese; Pizza mit etwas Schinken, Tomaten, Mozzarella. Sehr gern Eiscreme. Mag nur das Gelbe vom Ei, das Weiße nicht. In den letzten Tagen hat er zu Hause das Gefühl geäußert, er habe das Herz im Kopf. Wenn er etwas intensiv gemacht hat, dann hat es sehr stark geklopft („so ein Druck“), z. B. wenn er vom unteren Stock nach oben gelaufen ist. Traum: Er sei Snowboard gefahren, hätte einen siebenfachen Salto in der Luft gemacht und sei nach dem Sprung gut gelandet. Keine Ängste.

Körperliche Untersuchung

  • Sommersprossen im Gesicht. Einige kleine dunkelbraune Flecken, ein großer Café-au-Lait-Fleck (linke Flanke). Zunge: angedeutete Zahneindrücke. Müde Augen. Schwitzt an den Füßen.

  • Impfungen: jeweils einmal gegen Tetanus, Polio und Diphtherie. Nach den Impfungen hat er lange Jahre nicht mehr gut geschlafen, davor hatte er gut geschlafen.

Familienanamnese

  • Mutter: früher Selbstmordgedanken.

  • Vater: Zittern der Hände. Seit zehn Jahren Schmerz in der linken Schulter.

  • Großmutter mütterlicherseits: drei Suizidversuche mit Medikamenten (wohl manisch-depressiv). Magenkrebs (?), operiert. Grauer Star.

  • Großvater väterlicherseits: Im Alter von 62 Jahren verstorben. Hatte mit 35 Jahren Kinderlähmung, Gallensteine, Diabetes Typ II. Bypass-Operation.

  • Großcousin: Leukämie.

Gelenkter Bericht

Früher hat er öfters über Ohrenschmerzen geklagt. Im Herbst hatte er Mundfäule, der ganze vordere Teil der Zunge war weißlich, schmerzhaft. Momentan schwitzt er immer stark, beim Einschlafen, am ganzen Körper, und im ersten Teil der Nacht. Er hat etwas Gewicht verloren, weil er etwas weniger Appetit hat, er wiegt jetzt 36,6 kg.

Fragebogen (nach Künzli und Pierre Schmidt)

  • Mehr Angst vor dem Donner als vor dem Blitz.

  • Eine Nacht vor dem Vollmond schläft er unruhiger.

  • Eher hitzig.

  • Will die Fenster geöffnet haben, auch jetzt im Krankenhaus, sonst ist es ihm zu heiß.

  • Er ist ein bisschen ungelenk, weil er so groß ist. Er ist nicht so beweglich. Aber große Ausdauer (Radfahren, Wandern, Schwimmen).

  • Unausstehlich wird er, wenn er Hunger hat.

  • Mag gerne Scharfes (Curry oder Pfeffer), aber kein Verlangen danach. Fette Speisen nicht so gern. Essig mag er nicht.

  • Gern warme Bäder, aber nicht heiß.

  • Hält sich sehr gern am Meer und in den Bergen auf. Der ringförmige Hautausschlag ist nach dem Aufenthalt am Meer gekommen.

  • Eine Brandwunde ist sehr schlecht verheilt.

  • In den Sommerferien hatte er auffällig viele blaue Flecken.

  • Einschlafen immer auf der rechten Seite.

  • Manchmal träumt er und ruft oder erzählt. Im Frühjahr von Ungeheuern und Verfolgung geträumt, ist immer davongekommen.

  • Gesellschaft ist ihm wichtig, aber nicht zu viele Kinder. Zwei oder vier Kinder, selten große Gruppen.

  • Nähe und seine Gefühle bestätigen, das ist wichtig.

  • Weint häufig, kann auffallend gut weinen: Wenn er traurig ist, wenn ihm etwas nicht gelingt oder wenn er wütend ist.

Repertorisation

→Gesicht – Hautausschläge – Vesicula – Nase (27)
→Allgemeines – Leukämie (Agranulocytosis) (43)
→Haut – Hautausschläge – herpetisch – circinatus (Trichophytosis) (43)
→Haut – Verfärbung – bläulich – Flecke (65)
→Abdomen – Verfärbung – braune Flecke (14)
→Gemüt – reden, redet – Schlaf, im (98)
→Gemüt – Widerspruch – duldet keinen (83)
→Allgemeines – Speisen und Getränke – Milch – Abneigung (67)
→Allgemeines – Speisen und Getränke – Milch – agg. (81)
→Allgemeines – Speisen und Getränke – Fisch – Abneigung (19)
→Allgemeines – Speisen und Getränke – Fisch – agg. (25)
→Allgemeines – Speisen und Getränke – Pilze, Abneigung gegen (2)
→Schweiß – nachts (204)
→Extremitäten – Warzen – Fuß – Fußsohle (15)
→Magen – Durst – nachts (75)
→Brust – Entzündung – Pneumonie – Kindern, bei (11)
→Brust – Entzündung – Pneumonie – linke Lunge – unterer Lappen (6)
→Gliederschmerzen – Lokalisation – untere Gliedmaßen – Hüfte – rechte (33)
→Mund – Aphthen – Kindern, bei, Soor (30)

Verordnung und Verlauf

  • 13.8.2001: Beginn mit Phosphorus Q3 (Stanga). Es gibt Hinweise auf Natrium sulfuricum (körperliche Sulphur- und psychische Natrium-muriaticum-Symptome, die suizidalen Tendenzen der Großmutter und Mutter, Abneigung gegen Pilze, Lungenentzündung in der Vorgeschichte).

  • Folgekonsultationen am 14. und 15. August: Husten eher tiefer und dumpfer, er hat tendenziell mehr geschwitzt. Am zweiten Tag war der Husten wesentlich weniger beim Einschlafen, in der Nacht und morgens kein Husten mehr. Die Mutter war überrascht, dass er noch etwas gehen wollte. Bei der Konsultation schmiegt er sich an die Mutter. Sie bekommen die nächsten beiden Q-Potenzen mit nach Hause. Am Abend Anruf der Mutter: Es gehe Urs „wahnsinnig gut“, das sei auffällig. Er habe mehr gegessen, habe nicht mehr nur gelegen wie die letzten Tage, sei durch das Haus gesprungen.

Ab hier telefonische Konsultationen
  • 16.8.2001: Er hat gut geschlafen, weniger geschwitzt, Husten ist fast weg. Mittags viel Curry-Reis gegessen. Allgemeinzustand ist gut, nach dem Essen war er viel kräftiger, war richtig aktiv am Nachmittag. Linke Hüfte hat angefangen wehzutun, was wieder verging. Leukozyten 3,6; Hb 6,2, Thrombozyten 22 000, Blasten 16 %.

  • 17.8.2001: In der Nacht sehr stark geschwitzt (Pyjamawechsel), Durst. Morgens schien er sehr bleich, unter den Augen so dunkel. Im Verlauf des Tages Anschwellen der Halslymphknoten.

  • 19.8.2001: stark juckender Ausschlag am Abend an den Armen, später über den ganzen Körper, wie Nesselausschlag, an den Rändern gerötet.

  • 20.8.2001: Die Klinik verordnet Fenistil®, worauf sich der Juckreiz bessert. Später trockener Husten, Juckreiz kommt wieder. Um 2:00 Uhr nachts aufgewacht, weil die Handflächen und die Fußsohlen stark gejuckt haben. Nach einigen Tropfen Fenistil® Schlaf wieder gut. Klinikeinweisung. Diagnose: Urtikaria, Lymphknotenschwellung am Hals, unter dem Schlüsselbein und unter der Axilla. Hb 5,4. Leukozyten 6,5 → Ery-Infusion.

  • 21.8.2001: In der Klinik nachts noch einmal starker Juckreiz, Fenistil® hilft nicht, nach anderem Mittel i. v. verschwanden Juckreiz und Ausschlag. Blutinfusionen: Vollblut und Blutplättchen. Morgens: Lumbalpunktion, Knochenmarkpunktion und Portimplantation in Vollnarkose, Antibiotikagabe (Zinnacef, Vancomycin). Leukozyten 6,6, Hb 5,4, Thrombozyten 15 000, Blasten 12 %. Nach dem Aufwachen sehr starker Husten. Sagt, er könne nicht genug durch den Mund atmen.

  • 22.8.2001: Zusendung von Natrium sulfuricum Q3 (Künzli) und Sulphur Q3 (Stanga) – als Reserve. Nachts kein Schweiß, kein Ausschlag. Am Abend sehr zufrieden. Lustig, aber sehr müde. Am nächsten Vormittag Temperatur (38 °C). Leukozyten 1,8, Hb 6,3, Thrombozyten 21 000. Diagnose jetzt geklärt: akute lymphatische Leukämie der B-Zellen (B-ALL). Beginn der Kortison-Behandlung. Diflucan® und Bactrim® für die nächsten zwei Jahre.

  • 24.8.2001: Nach Nasenbohren Blutung, woraufhin er Angst bekam. Tamponade, Gabe von Blutplättchen. Therapie: Kortison fünf Tage lang, danach Beginn mit dem ersten Block der Chemotherapie: Vincristin und Daunorubicin, danach Asparaginase. Abends wegen der Unsicherheit bezüglich der Lymphknotengrößenzunahme unter Phosphorus Beginn der homöopathischen Begleittherapie mit Natrium sulfuricum Q3 (Künzli).

  • 27.8.2001: Nach dem Mittelwechsel etwas mehr bedrückt und erschöpft. Morgens wieder Nasenbluten, Thrombozyten erhalten. Milz- und die Lymphknotenschwellungen zurückgegangen. Neu: eine Art Zittern mit dem Kopf; wesentlich stärkeres Zittern der Hände. Wollte am Morgen viel kuscheln, auch am Abend bei der Mutter, wollte körperliche Nähe. Werte vom 25.8.2001: Leukozyten 1,6, Hb 6,8, Thrombozyten 21 000, Blasten 2,0. Werte vom 26.8.2001: Leukozyten 1,5, Hb 6,6, Thrombozyten 13 000, Blasten 4,0. Am 26.8.2001 wieder Thrombozytenkonzentrat.

Weiterer Verlauf

Für die nächsten Wochen weiter mit Natrium sulfuricum, je zwei Wochen lang auf der gleichen Potenzstufe, dann die nächsthöhere. Daraufhin geht es wechselhaft, aber nicht schlecht. Bei einer Umstellung des Bettes nach einer Überprüfung auf Wasseradern erwacht er nachts nicht mehr so häufig.
Wegen zu niedriger Leukozyten (Therapie mit Neupogen®) muss eine Chemotherapie verschoben werden. Die Onkologin erklärt am Telefon, dass sie mit dem Verlauf zufrieden sei, Urs sei ein „Standard-Risikopatient“.
Unter der folgenden Chemotherapie wird er sehr schwach und erbricht → Mittelwechsel auf Phosphorus Q6 (zuletzt am 10.10.2001 Natrium sulfuricum Q6).
  • 16.10.2001: Die Eltern berichten, dass er unter Phosphorus nachts nicht mehr schwitze und die Treppen erstaunlich schnell hochlaufen können. Auch das Zittern der Hände sei weniger geworden.

  • 14.11.2001: Ziemlich gute Laborwerte. Subjektiv geht es ihm hervorragend, auch psychisch sehr gut. Die Mutter sei froh, weil ihr die homöopathische Behandlung Sicherheit gebe.

  • 26.11.2001: Der nächste Chemotherapieblock musste verschoben werden, weil die Leukozyten zu niedrig waren, eine Neupogen®-Injektion habe die Mutter abwenden können, am übernächsten Tag seien die Werte wieder besser gewesen. Urs habe viele lebhafte Träume.

  • 4.12.2001: Wiederauftreten einer Phimose, die er als Kind schon hatte. Es schmerze nicht, aber er könne die Vorhaut nicht zurückziehen. Ansonsten gehe es ihm blendend.

  • 8.1.2002: Urs hat drei Chemotherapieblöcke absolviert. Nach dem nächsten Block wird es eine Pause geben. Neu: Schweißperlen oberhalb der Oberlippe. Träume von Vergiftungen. Sonst gehe es ausgesprochen gut, was die Eltern sehr freue (an Thuja denken: Phimose, Schweiß auf der Oberlippe).

  • 12.2.2002: Anaphylaktische Reaktion auf Asparaginase; nach Doxorubicin Erwinase statt Asparaginase. Blutwerte in Ordnung.

  • 25.2.2002: Zittern wieder stärker, schwitzt nachts wieder stark, ist auffallend müde, hat Angst vor der Chemotherapie, weint in der Klinik. Zu Hause sei er jedoch ausgeglichen und zufrieden, möchte jeden Tag spazierengehen. Die Mutter ist erstaunt, wie gut es ihm unter der Chemotherapie eigentlich gehe. Die Krankenschwestern hätten schon die Mutter angesprochen, was er an zusätzlichen Therapien mache, weil es ihm so gut gehe.

  • 26.3.2002: Chemotherapie musste verschoben werden, weil die Leukozyten zu niedrig waren. Aber: Obwohl seine Schwester 39 °C Fieber habe, sei er noch nicht krank geworden.

  • 2.4.2002: Der Vater hat ihn versehentlich mit dem Ellbogen am Kopf gestoßen. Wegen der niedrigen Thrombozyten breitet sich ein Hämatom aus (Arnica C30).

  • 4.4.2002: Urs hat vorsichtshalber Thrombozytenkonzentrat bekommen. Auf der Heimfahrt Autounfall, Urs sei jedoch nichts passiert, Mutter Schleudertrauma, Wagen Totalschaden. Obwohl Hb-Wert nur 6,6, sei er sehr kräftig.

  • 12.4.2002: morgens kühle Hände und Füße. Er erwache zweimal in der Nacht und komme zu den Eltern ins Bett. Weiter mit Phosphorus (aktuell bei Q23).

  • 24.4.2002: vor einigen Tagen Beginn der Erhaltungstherapie mit Purinitol und einmal wöchentlich Methotrexat (MTX).

  • 6.5.2002: Letzte Woche Port entfernt und Knochenmarkpunktion in Vollnarkose. Zwischen Oberlippe und Nase immer wieder Schweißperlen. Böse Träume.

  • 15.5.2002: Die empfohlene Gammaglobulin-Injektion nach Windpockenkontakt wurde nicht gegeben.

  • 31.5.2002: 39 °C Fieber, nachdem er am Vortag im kalten Bach gestanden ist. Starke Kopfschmerzen, entzündete Augen, rote Wangen, Puls über 120. Abends noch einmal Telefonat: nach Phosphorus sinkt die Temperatur auf 38,4 °C, dann wieder Anstieg auf 39,4 °C, danach wieder 38,8 °C. Rote Wangen.

  • 2.6.2007: Urs hat kein Fieber mehr, aber ein trockener Husten ist übriggeblieben. CRP bei 25. Die Ärzte sind ungehalten, wollen neben der Dauertherapie mit Bactrim® auch Clacid® geben. Verordnung: Phosphorus auch morgens.

  • 3.6.2007: Hustet etwas stärker. Verordnung: nochmals Phosphorus. Telefonat abends: nach Phosphorus um 14:30 Uhr Husten zunächst stärker, feuchtrote Backen. Um 17.00 war die Temperatur auf 37,9 °C gesunken, Husten weniger und Allgemeinzustand sehr viel besser.

  • 4.6.2002: Kontrolluntersuchung. Obwohl der CRP von 25 wieder auf 19 gefallen ist, der Husten seltener ist und sich Schleim löst, drängen die Ärzte bei Verdacht auf eine rechtsseitige Pneumonie auf Antibiotikatherapie, woraufhin die Eltern schließlich einwilligen.

  • 11.6.2002: Es geht ihm wieder gut, Antibiotikum ist abgesetzt. Die Onkologin sei an einer indischen Studie über homöopathische Leukämiebehandlung interessiert.

  • 25.6.2002: Es gehe Urs blendend, nur jedes Mal Albträume nach MTX. Höhere Dosen von Purinitol® nötig, weil das Knochenmark besser arbeite und der Leukozyten-Wert über dem gewünschten zwischen 2,0 und 3,0 liege.

  • 8.7.2002 (Follow-up in der Klinik): Letzte Woche Leukozyten bei 8,0, CRP 60. Er hatte eine schmerzlose Otitis rechts, nehme noch Augmentan®. Habe wegen der hohen Leukozytenwerte die sechsfache Dosis MTX bekommen. Aussehen und Verhalten: Er gähnt immer wieder, hat ein bisschen Schweiß oberhalb der Oberlippe, wirkt lebendiger und fröhlicher als bei der Erstanamnese. Da wir genau mit Phosphorus Q30 fertig sind, wieder Beginn mit Phosphorus Q3.

  • 26.8.2002: Glatter Unterarmbruch. Weiter mit Phosphorus.

  • 2.9.2002: Erkältung, Leukzoyten etwas erhöht (5,0), geröteter Gehörgang rechts.

  • 6.9.2002: Leukozytenanstieg auf 8,0 nach dem Armbruch, jetzt wieder bei 3,3.

  • 9.10.2002: zehn Tage lang wunderschöner Urlaub ohne Klinik! Er habe das Meer sehr genossen. Die Onkologin sagt, das Knochenmark erhole sich mehr und mehr.

  • 31.10.2002: Warzen am großen Zeh und am zweiten linken Zeh.

  • 4.3.2003: Fieber über 39 °C, Vorstellung im Krankenhaus, Ärzte wollen Antibiotikum geben, obwohl noch nichts auf der Lunge zu hören war. Verordnung: weiter mit Phosphorus Q18.

  • 5.3.2003: Es geht ihm besser, er hat in der Nacht stark geschwitzt, weniger Husten, konnte in der Nacht durchschlafen, Temperatur auf 37,6 °C gesunken. Antibiose war nicht nötig.

  • 17.3.2003: Masernkontakt (Octagam®).

  • 31.3.2003: Urs hat keine Masern entwickelt. Die Warzen sind größer geworden (jetzt an beiden Füßen). In letzter Zeit friere er immer nachts und komme deswegen zu den Eltern ins Bett.

  • 3.4.2003: Nach Repertorisation Thuja Q3.

Repertorisation

→Extremitäten – Kälte – Fuß – abends – Bett, im, und beim Zubettgehen – agg. (38)
→Gesicht – Schweiß – Lippen – Oberlippe (9)
→Extremitäten – Warzen – Fuß – Fußsohle (15)
→Haut – Warzen – Gruppen, in (6)
→Frost – Mitternacht – nach (29)
→Frost – Mitternacht – nach – 3:00 Uhr (1)
→Schlaf – Erwachen – Morgen, gegen – Träume, durch (2)
→Schlaf – Schlaflosigkeit – Träume, durch (10)
→Schlaf – Erwachen – Träume, durch (123)
→Maskulin – Phimose, Vorhautverengung (32)

Verordnung und Verlauf

  • 25.4.2003: Weiterhin wärmere Füße; einige Male durchgeschlafen. Warzen haben sich verändert, sind nicht mehr so groß und schwammig, sondern flacher geworden. Er fühle sich eher allein, ohne Spielkameraden, ist weinerlicher.

  • 13.5.2003: Ist krank, nachts Fieber bis 38,2 °C gestiegen. Blass, dunkle Ränder unter den Augen. Hustet, räuspert sich immer wieder. Seit einigen Tagen wieder sehr anhänglich.

  • Verordnung: wieder zurück auf Phosphorus (Q21).

  • 14.5.2003: Es geht ihm wieder viel besser. CRP 38, Leukozyten bei 5,2. Die Ärztin in der Klinik war einverstanden, noch kein Antibiotikum zu geben. Husten löst sich, wollte heute wieder in die Schule.

  • 19.5.2003: In Glasscherbe getreten, ein Stück noch in der Wunde (Silicea C200).

  • 13.6.2003: Um die Wunde mit der Scherbe hat sich ein kleiner Buckel gebildet, Leukozyten auf 5,4. Arzt hat Druck gemacht, um den Fremdkörper in Lokalanästhesie zu entfernen. Verordnung: weiter Phosphorus Q21.

  • 18.6.2003: Splitter wurde entfernt, danach über fünf Tage Antibiose. Wunde sehe gut aus.

  • 8.7.2003: Ambulant in der Clinica Santa Cro Hat vorher wegen Windpockenkontakt Octagam®-Gabe erhalten.

  • Aussehen: von der Sonne gebräunt; Warzen an den ersten beiden Zehen beiderseits. Niednägel. Zungenspitze leicht röter als der Rest der Zunge.

  • 8.10.2003: Warzen dort, wo sie angefangen haben, großteils wieder verschwunden, einige neue an anderen Stellen gekommen, auch eine am linken Unterarm (Sulphur!) in der Nähe des Ellbogens. Ansonsten gehe es ihm sehr gut. Er sei aktiv, habe Freude an der Sprache und am Schreiben, malt viel mehr als früher. Verordnung: Phosphorus Q29.

  • 9.1.2004: Die Familie war in Ecuador bei einem indianischen Heiler, Urs soll Knoblauch-Dampfbäder machen und in der Zeit alle Medikamente, auch die homöopathischen, absetzen.

  • 7.5.2004: Eltern melden sich wieder, gebe aufgrund der geschilderten Symptome Sulphur C30.

Repertorisation

→Extremitäten – Zittern – Hand – feiner Arbeit, bei (1)
→Gemüt – Schüchternheit, Furchtsamkeit (133)
→Allgemeines – Leukämie (43)
→Extremitäten – Warzen – Unterarm – links (1)
→Extremitäten – Nägel – Beschwerden der – Niednägel (K1009, G843) (16)
→Extremitäten – Nägel – Beschwerden der – gerillt (6)
→Mund – Verfärbung – rot – Zunge – Ränder (59)
→Gesicht – Verfärbung – weiß – Flecke (8)
→Gesicht – Hautausschläge – Pickel – Nase – Nasenflügel (8)
→Gesicht – Hautausschläge – Pickel – Nase (53)

Verordnung und Verlauf

  • 23.9.2004: Die Eltern arbeiten jetzt mit den Indianern zusammen, Urs gehe es blendend, hatte zweimal einen Infekt, sei aber jedes Mal wieder von selbst gesundgeworden. Zittern der Hände noch ganz leicht da.

  • 2.11.2004: Verdacht auf Keuchhusten.

  • 15.11.2004: Phosphorus D12 einmalig (am 6.11.2004) von einem Kollegen, danach konnte er besser einschlafen.

  • 22.12.2004: Keuchhusten wieder schlechter. Verordnung: Phosphorus C30.

  • 12.9.2005: Urs zittert immer noch, wenn er etwas Feines mit den Händen macht. Sonst geht es sehr gut. Er ist 1,75 Meter groß. Bitte an die Eltern: gründliche neurologische Abklärung und Symptomsammlung.

  • 9.8.2006: Bericht der Neurologin: familiärer Tremor. Brief der Eltern mit Fotos von Urs: ein kräftiger, 1,83 Meter großer junger Mann, abgebildet beim Klettern und Mountainbike-Fahren: „Lieber Herr Takács, vor fünf Jahren erlitten wir mit der Diagnose von Urs einen riesigen Schock. Heute sind wir glücklich, dass es ihm so gut geht. Er hat riesigeFreude an seinem Körper, an seiner Kraft, am Leben! Wir freuen uns mit ihm. Nach wie vor sind wir erfüllt von großer Dankbarkeit für Ihre Unterstützung […]“

  • 13.4.2007: Es geht ihm ausgezeichnet, er ist 1,89 groß, sei eher ungewöhnlich nach der Steroid-begleiteten Chemotherapie.

  • 5.10.2009: Seit April Fußpilz mit Blasenbildung, Juckreiz und Wundwerden im Bereich der rechten drei lateralen Zehen, macht Lehre als Forstwart und hat oft Bergschuhe an. Haben mit Teebaumöl behandelt, gehe nicht weg, wollen sich jetzt an den homöopathischen Hausarzt vor Ort wenden und mich vorher fragen, was zu beachten sei; rate zur Berücksichtigung der Totalität der Symptome, keine lokale Unterdrückung.

  • 1.9.2016: Es geht ihm wirklich ausgezeichnet, er ist jetzt etwa 1.93 Meter groß, schlank und sehr kräftig. Nach seiner Ausbildung als Forstwart hat er eine riesige Freude an seinem Körper und seinen Kräften. Vor zwei Jahren hat er eine 7-wöchige Fahrradtour von der Schweiz bis zum Nordkap absolviert. Er unternimmt häufige Ski- und Bergtouren sowie Klettern im Hochgebirge. Fußpilz tritt immer wieder in Stresssituationen auf, für Ihn ein Zeichen zur Verlangsamung. Dann verschwinde der Pilz wieder.

Beurteilung

Während der zweieinhalbjährigen kontinuierlichen homöopathischen Begleitung konnte dem jungen Patienten mit akuter lymphatischer Leukämie während der Polychemotherapie eine sehr gute Lebensqualität mit nur wenigen interkurrenten Infekten und notwendigen Therapien ermöglicht werden. Auch wenn eine weitere homöopathische Behandlung wegen noch bestehender chronischer Symptomatik (familiärer Tremor) und angesichts der Schwere der durchgemachten Krankheit und ihrer Therapie sehr anzuraten wäre, hat er vom familiär-sozialen Rahmen her beste Bedingungen für eine dauerhafte Gesundung.
Dieser Fall erhebt keinen Anspruch auf Besonderheit, kann aber zeigen, wie im Praxisalltag Kindern mit schwersten Pathologien neben der notwendigen aggressiven Behandlung geholfen werden kann. Ich würde mir wünschen, dass alle Kinder mit hämato-onkologischen Erkrankungen homöopathisch begleitet werden.

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