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B978-3-437-56313-3.00018-2

10.1016/B978-3-437-56313-3.00018-2

978-3-437-56313-3

Abb. 18.1

[L238]

Krankhafte Hautveränderungen treten meist in Form von Einzelherden auf. Flecke (a) verbleiben im Hautniveau. Effloreszenzen mit Volumenzunahme sind Quaddeln (b), Bläschen (c, d, e), Pusteln (f) und Knötchen (g). Zu einer Volumenabnahme kommt es bei einer Erosion (h), Rhagade (i) und einem Geschwür (j). Auflagerungen bestehen bei Schuppen (k), Keratose (l) und Krusten (m). Bei Narben (n) handelt es sich um Defektzustände.

Abb. 18.2

[L238]

Spezieller Hautbefund

Abb. 18.3

[L238]

Aufbau des Nagels

Unterschiede zwischen Acne vulgaris und akneiformen Dermatosen Acne vulgarisakneiforme Dermatosen (DD)

(modifiziert nach Plewig und Kligman 1994)

Tab. 18.1
Erkrankung Acne vulgaris Akneiforme Dermatosen
Ursprung Talgdrüsenfollikel Haar- und Talgdrüsenfollikel, auch Vellus-Follikel
Ursache
  • Multifaktoriell

  • Androgene

  • Hyperseborrhö

  • Propionibacterium acnes

  • Follikelhyperkeratose

  • Genetische Faktoren

  • Medikamente

  • Nahrungsmittel

  • Erreger

  • Endokrine Faktoren

Beginn
  • Adoleszenz

  • Eher langsam

  • In Monaten bis Jahren

  • Erwachsenenalter

  • Jederzeit, plötzlich

  • In Tagen bis Wochen

Verlauf Prolongiert, Jahre Kurz, sistiert nach Ausschaltung der Ursache
Bild Polymorph Monomorph
Lokalisation Gesicht, oberer Rumpf Auch in atypischer Lokalisation
Primäreffloreszenzen Nicht entzündlich: Komedo, Papel, Pustel, Knoten Entzündlich: Papel, Papulopustel
Sekundäreffloreszenzen
  • Zyste

  • Fistel

Sekundärer Komedo
Vernarbung Nach längerer oder tiefgehender Entzündung Meist minimal
Therapie Je nach vorherrschendem Bild topisch oder systemisch/kombiniert Nach der Ausschaltung der Ursache nicht immer erforderlich, ggf. topisch oder systemisch

Auswertung mit der Methode Treffer

Tab. 18.2
Nr. Arzneimittel Tr* Wert** Arzneimittel
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11
1 Mezereum 11 16 1 1 2 1 1 1 2 2 1 2 2
2 Hepar sulfuris 9 22 2 3 2 1 2 4 3 3 2
3 Belladonna 9 20 1 1 2 2 3 2 3 3 3
4 Mercurius solubilis 9 18 2 1 3 2 1 2 2 3 2
5 Natrium muriaticum 9 16 2 2 2 2 1 3 2 1 1
6 Sepia 9 14 1 2 2 1 2 2 2 1 1
7 Phosphorus 8 13 2 1 1 2 2 2 2 1
8 Rhus toxicodendron 8 13 1 1 1 3 1 2 2 2
9 Sulphur 8 13 1 1 2 2 1 3 1 2
10 Magnesium muriaticum 8 12 2 1 1 2 2 1 1 2

*

Anzahl der Rubriken, in denen das Arzneimittel aufgeführt ist

**

Wertigkeit der Arzneimittel

Hauterkrankungen

Udo Schippling

Die Haut als Organsystem aus Sicht der Homöopathie

Info

„Der Geist gestaltet die Formen. In den Formen liegt der Geist.“

(Schopenhauer)

HauterkrankungenDie Haut, unser größtes Organ, stellt unsere Schnittstelle dar zwischen unserer Persönlichkeit und der Welt außerhalb. Ihr kommt aus vielerlei Gründen eine sehr besondere Funktion zu.

Gewichtung von Hautsymptomen und Hauterkrankungen

Innerhalb der Homöopathie stellt sich die Frage, wieweit Hauterscheinungen, Hauterkrankungen zu berücksichtigen, zu behandeln sind. Welchen Rang haben sie in der Hierarchie der SymptomeSymptomeHautsymptome, Gewichtung (2.3)?

Info

„Bei dieser Aufsuchung eines homöopathisch specifischen Heilmittels, […] sind die auffallendern, sonderlichen, ungewöhnlichen und eigenheitlichen (charakteristischen) Zeichen und Symptome des Krankheitsfalles, besonders und fast einzig fest in's Auge zu fassen […]“

(Organon § 153)

Sollten die Hautsymptome nicht diesem Paragraphen zuzuordnen sein, werden sie erst nach den Gemütssymptomen als körperliches Symptom berücksichtigt. Hauterscheinungen haben allerdings den Vorteil, dass sie im Gegensatz zu Gemütssymptomen nicht interpretierbar, sondern klar zu beschreiben sind. In der Homöopathie werden die Symptome zur Beschreibung des kranken Menschen gesammelt und hierarchisch geordnet. Daraus folgend, wird die ähnlichste Arznei zur Behandlung gesucht. Letzten Endes wird immer der ganze Mensch in seiner Persönlichkeit behandelt und nicht ein einzelnes Symptom, auch wenn dieses Symptom schulmedizinisch als Diagnose bezeichnet wird. Das Heringsche-GesetzHering-Regel beschreibt den Ablauf und die Reihenfolge, in welcher Heilung erfolgt. Sie vollzieht sich
  • von innen nach außen,

  • von oben nach unten,

  • von jetzt nach früher.

Der Heilungsweg von innen nach außen verleitet dazu, die äußeren Symptome, das heißt die Hauterkrankungen, geringer zu bewerten als andere Merkmale oder Symptome des Menschen, weil sie erst ganz zum Schluss, als letztes Beschwerdebild verschwinden. Dabei vergisst man leicht, dass die Haut, ebenso wie das Nervensystem einschließlich des Gehirns, aus dem gleichen Keimblatt, dem Ektoderm entsteht.
Aufbau der Haut
HautAufbauDie Haut bedeckt die Außenseite des Körpers und hat eine Fläche zwischen 0,2 m2 beim Neugeborenen und 2 m2 bei einem Erwachsenen. Das Gewicht beträgt ca. ein Sechstel des Gesamtkörpergewichts. Die Haut besteht aus drei Schichten, der Epidermis (Oberhaut), der Dermis (Lederhaut) und der Subcutis (Unterhaut) und bildet verschiedene Hautanhangsgebilde (Nägel, Haare, Talg- und Schweißdrüsen). In der Haut befinden sich Teile des Immunsystems, Blut- und Lymphgefäße sowie Nerven mit sensorischen und autonomen Fasern.
Funktion der Haut
Die Haut stellt die Schranke zwischen Außen und Innen dar. Sie ist das Kontaktorgan, welches die Beziehungen von Körpergeschehen und Umwelt regelt. Entsprechend der Grenzlinie zwischen Innen und Außen hat die Haut eine schützende FunktionHautFunktion gegenüber mechanischen, physikalischen und chemischen Einflüssen sowie Infektionen. Die Temperaturregulation erfolgt überwiegend durch die Haut über Veränderung der Durchblutung und durch Schweißabsonderung. Gleichzeitig begrenzt die Haut das Innere des Körpers und verhindert den Verlust von Körperflüssigkeiten. Das sensorische System der Haut dient der Erkennung der Umwelt und ermöglicht es dem Körper, entsprechend dem äußeren Reiz zu reagieren. Die Haut kann Flüssigkeiten speichern und hat Stoffwechselfunktionen.
Hauterkrankungen können durch äußere Faktoren entstehen oder sind bedingt durch innere Störungen. Jeder Tierhalter erkennt am Fell, ob sein Tier gesund oder krank ist. Hauterkrankungen sind das Spiegelbild der inneren Störungen. Sie sind für uns ein wesentliches Symptom in der Gesamtheit der Symptome eines kranken Menschen. An der Haut äußern sich innere Vorgänge. In dem Begriff „äußern“ klingt die tiefere Wahrheit unserer Sprache an: „Äußern“, das heißt doch „sich nach außen mitteilen“. Wir erkennen viele im Inneren verborgene, noch unsichtbare, aber krankhafte Prozesse an der Art der Hautausschläge, an den Haaren und Nägeln. Dies ist ein Grund, warum wir die Hauterkrankung nicht als örtliches Leiden, wie ein Lokalübel, auffassen und nur mit Salben oder ähnlichen äußeren Maßnahmen therapieren sollten.
Die Humanmedizin kennt viele Zusammenhänge zwischen inneren Krankheiten und bestimmten sichtbaren Veränderungen an der Haut. Es ist bekannt, dass Spider-Naevi oder das Palmarerythem Leberzeichen sind; dass die juvenile Akne oft eine Folge hormonaler Dysfunktion ist, dass eine immer wieder rezidivierende Urtikaria eine psychische Konfliktsituation anzeigen kann oder die Unverträglichkeit eines Nahrungsmittels. Diese Hinweisschilder auf der Haut sollten wir genau beobachten, für die innere Behandlung benutzen und nicht mit lokalen Maßnahmen abdecken oder gar unterdrücken.

Haut und innere Organe

Verschiedene Diagnostik- und Therapiemethoden nutzen Verbindungen der Haut mit inneren OrganenHautund innere Organe:
  • AkupunkturAkupunkturHauterkrankung: Die bekannteste Methode der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Hier wird mit dünnen Nadeln in bestimmten Punkten, die auf Meridianen liegen, ein Reiz gesetzt. Durch die Meridiane fließt nach traditioneller Vorstellung die Vitalkraft Qi. Durch den Reiz der Akupunktur kommt es zum Ausgleich von Leere und Überfülle. Die Lebensenergie kann wieder harmonisch fließen.

  • ReflexzonentherapieReflexzonentherapie, Hauterkrankung: Man nutzt die Beeinflussung innerer Organe über kutiviszerale Reflexe. Die Fußreflexzonen repräsentieren Organe und Wirbelsäulenabschnitte, die Head-Zonen sind Dermatome an Hals und Rumpf, die mit inneren Organen in Verbindung stehen. Bei Störungen der Organe besteht eine Hyperalgesie der entsprechenden Hautabschnitte, die diagnostisch nutzbar ist. Umgekehrt lassen sich die Organe über Massagetechniken an diesen Abschnitten beeinflussen.

  • RegulationsthermografieRegulationsthermografie, Hauterkrankung: Über einen viszerokutanen Reflexbogen haben bestimmte Areale der Haut eine Verbindung zu inneren Organen. Bei dieser Methode werden über zwei Messungen vor und nach leichter Kälteexposition die Veränderungen der Hauttemperatur in definierten Arealen gemessen und diagnostisch in Bezug auf eine Organpathologie ausgewertet.

Innen und Außen entsprechen sich.

Info

„Und dennoch ist schon bei geringem Nachdenken einleuchtend, dass kein […] äußeres Uebel ohne innere Ursachen […] entstehen und auf seiner Stelle verharren, oder wohl gar sich verschlimmern kann […]. Ja dessen Emporkommen lässt sich, ohne vom ganzen (verstimmten) Leben dazu veranlasst zu seyn, nicht einmal denken, so innig hängen alle Theile des Organisms zusammen und bilden ein untheilbares Ganze in Gefühlen und Thätigkeit. Keinen Lippen-Ausschlag, kein Nagelgeschwür giebt es, ohne vorgängiges und gleichzeitiges inneres Uebelbefinden des Menschen.“

(Organon § 189)

Haut als Ausscheidungsorgan

Die Haut ist auch ein AusscheidungsorganHautAusscheidungsorgan, das die konstitutionelle Belastung „entlastet“. Wenn wir diesen Gedanken, dass eine Hautkrankheit Entlastungsfunktion hat, zu Ende denken, werden wir uns nicht leichtfertig an der äußeren Unterdrückung dieser heilsamen Krankheit beteiligen.

Info

„[…] Diese bisher so allgewöhnliche, äußere, verderbliche Behandlung, ist die allgemeinste Quelle aller der unzähligen, benannten, chronischen Leiden geworden, worüber die Menschheit so allgemein seufzet; sie ist eine der verbrecherichsten Handlungen, deren sich die ärztliche Zunft schuldig machen konnte, und gleichwohl war sie bisher die allgemein eingeführte und wurde von den Kathedern als die alleinige gelehrt.“

(Organon § 203)

Trotzdem wird überall seit jeher am Ort eifrig „geschmiert und gesalbt“. Wenn der Schwamm in der Hauswand steckt, das Gemäuer feucht ist, die Decke Regenringe zeigt, ist der Anstreicher und Maler sicher nicht der richtige Mann. Sollte man nicht doch besser den Dachdecker holen oder das Fundament trockenlegen? Um die innere Ursache der äußerlich sichtbaren Störung kümmert man sich allgemein therapeutisch selten. Auf feuchten Wiesen wachsen Binsen und Riedgräser. Entsprechend der Beobachtung, dass der Pflanzenbewuchs eine Anzeigefunktion für die Beschaffenheit des Bodens hat, können wir auch bei der Haut feststellen, dass Innen und Außen sich entsprechen, dass die Morphe der erkrankten Haut somit ein Erkennungszeichen der inneren Krankheit ist – auch der konstitutionellen Schwäche.

Hauterscheinungen innerhalb der Symptomengesamtheit

Diese Erkennungszeichen auf der Haut führen den homöopathischen Arzt aber nicht nur zur diagnostischen Benennung der Krankheit, sie leiten unsere Therapie zur Wahl des angepassten homöopathischen Heilmittels. Diese besondere Morphe der Haut ist ein wesentliches SymptomSymptomeHautsymptome, Gewichtung in der Gesamtheit der Symptome. Wir haben mit den homöopathischen Arzneien das Werkzeug, nicht nur die äußeren Symptome, sondern auch die innere Ursache zu beseitigen.
Die Gesamtheit der Symptome setzt sich aus dem zusammen, was der Arzt am Patienten sieht, also objektiv wahrnimmt (sichtbare Zeichen) und was der Patient subjektiv empfindet, was er uns gegenüber in der AnamneseAnamneseHauterkrankungen verbal äußert. Verbale subjektive Empfindungen und sichtbare Zeichen geben zusammen die Grundlage für die Arzneiwahl.
Die Symptome werden nach einer Rangordnung eingestuft (2.3), in der das Ganze bedeutungsvoller ist als das Einzelne. Alles, was den kranken Menschen in seiner seelischen und leiblichen Gesamtverfassung betrifft, hat mehr Bedeutung als eine nur örtlich begrenzte Beschwerde.

Info

Die Morphe der Haut hat aus folgenden Gründen einen hohen Rang in der Gesamtheit der Symptome:

  • Die Haut ist Nerven- und Sinnesorgan. Sie entsteht bei der Embryonalentwicklung wie das Gehirn aus dem Ektoderm.

  • Als Stoffwechselorgan ist sie so bedeutungsvoll wie in ihrer Steuerungsfunktion im Wärmehaushalt. Sie scheidet aus und resorbiert.

  • Die Haut hat Entlastungsfunktion für innere Störungen.

  • Sie spiegelt sehr deutlich das seelische Befinden.

Zusammenhang zwischen Psyche und Haut

Verbindung zwischen Psyche und Haut im Sprachgebrauch
Wie eng Psyche und HautHautund Psyche verbunden sind, wird auch in sprachlichen Zusammenhängen deutlich:
  • Die Haut ist Spiegel der Seele.

  • Auf der Haut äußert sich etwas. Sich äußern: Innere Prozesse zeigen sich außen.

  • Hautausschläge sind Bemühungen des Körpers, etwas herauszubringen, was anders nicht möglich ist.

  • Schönheit kommt von innen: Jemand strahlt.

  • Ich platze bald aus der Haut.

  • Aus der Haut fahren.

  • Das ritzt mich, das geht mir unter die Haut.

  • Das juckt mich nicht.

  • Fühlt sich nicht wohl in seiner Haut.

Von den Sinnesorganen ist das „Fühlen können“ das Wesentliche, auf das weniger verzichtet werden kann, als z. B. zu sehen oder zu hören. Im Gefühl ist das Fühlen enthalten. Das Gefühl spiegelt sich auf der Haut wider.
Kontakt aufzunehmen, ist am intensivsten über die Haut erlebbar. Die Zuneigung zu einem Menschen entscheidet über die Nähe, die wir suchen oder die Distanz, die wir brauchen:
  • Pack mich nicht an, fass mich nicht an.

  • Komm mir nicht zu nahe, sieh mich nicht an.

  • Rück mir nicht auf die Pelle.

  • Unangenehm berührt sein.

  • Er wirkt auf mich grau, fahl – entsprechend seiner psychischen Situation.

  • Wie fühlst Du Dich? ist die Frage nach dem Befinden innen und außen.

  • In seiner Haut möchte ich nicht stecken.

  • Setzt sich mit Haut und Haaren ein.

Diese Äußerungen beschreiben das Berühren der Haut, den Tastsinn, das Befühlen oder gar das Gefühl. Dementsprechend gibt es deutliche Verhaltensweisen von Patienten, die „unangenehm berührt sind“, die wir in den Repertorien als Symptom nachschlagen können (Complete Repertory).
Zusammenhang zwischen Psyche und Hautfarbe
Auch die Farbe der HautRepertoriumsrubrikenHautfarbe verrät psychische Affekte und gibt Hinweise, welche homöopathischen Arzneien vielleicht für diesen Patienten infrage kommen können.
→Haut – Farbe, Verfärbung – gelb, Gelbsucht, Ikterus – Kränkung, nach (2): bry, lyc
→Haut – Farbe – gelb, Gelbsucht, Ikterus – Zorn, nach (8): acon, astac, aur, aur-m-n, bry, cham, nat-s, nux-v
→Gemüt – Zorn, Ärger – Gesichtsfarbe – blass, fahl, totenbleich (7): ars, carb-v, con, nat-m, petr, plat, staph
→Gesicht – Farbe, Verfärbung – bläulich – Raserei, bei (10): acon, ars, bell, con, hyos, lach, merc, op, puls, verat
→Gesicht – Farbe, Verfärbung – rot – Erregung, durch (16): acon, ambr, aml-n, asaf, bac, coff, dys-co, ferr, ign, meli, phos, psor, ros-d, sep, sil, sulph
Zusammenhang zwischen Bindung, Ich-Entwicklung und Haut
Berührung und Streicheln der Haut, Halten und Nähren schaffen über die Gemeinschaft von Mutter und Kind das Urvertrauen für das ganze Leben. In dieser Bindung und später in ihrer behutsamen Lösung bildet sich das Ich. Die Haut umschließt das Ich, und nur auf dieser Grenzfläche „Haut“ wird das „Ich“ begreifbar: Das bin ich! Und wenn man Säuglinge beobachtet, sieht man oft, wie unablässig mit Hand und Mund, mit Tasten und Saugen dieses „Ich“ erforscht wird. Störungen dieser Ich-Entwicklung können schließlich in eine mangelhafte Ich-Strukturierung führen, in eine Übersteigerung oder Ich-Schwäche des Selbstbewusstseins.
Wer sich für psychologische Zusammenhänge dieser Problematik interessiert, sei auf das Buch „Das Haut-Ich“ von Didier Anzieu hingewiesen: „Die Tiefe der Hautschädigung ist proportional zur Tiefe der psychischen Störung.“ Hier kommt der Hinweis auf die Miasmen, Psora, Sykose und Syphilis aus psychologischer Sicht.
Die Haut spiegelt den Gesundheitszustand und die Seelenlage wider und berichtet, „wie es innen aussieht“. Zwanghaftes Kratzen stellt eine Möglichkeit dar, die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, ist oft ein Hinweis auf narzisstische Defekte. Juckreiz bei Kindern: „Ich bin unangenehm berührt.“ „Es geht mir schlecht, schaut nach mir.“
Homöopathische Repertoriumsrubriken und Arzneimittel
RepertoriumsrubrikenHaut Die folgenden Arzneien beschreiben Kranke, die mit der beschriebenen Symptomatik sicher weit von ihrer seelischen Mitte entfernt sind.
Ambra grisea
#Ambra griseaHautScheu vor Menschen. Will allein sein. Kann nichts tun in Gegenwart anderer. Sehr schüchtern, errötet schnell. Hustet, wenn viele Menschen anwesend sind. Haut: Fingerkuppen werden runzelig. Herpes, juckend, brennend. Wund und rau zwischen den Beinen und in den Kniekehlen.
Arnica montana
#Arnica montanaHautFurcht vor Annäherung, Abneigung vor Berührung. Alte Patienten, unsicher auf den Beinen, fürchten, dass sie auf der Straße umgestoßen werden. Sie wollen allein sein. Schicken Helfer mit der Bemerkung weg, sie wären nicht krank.
Belladonna
#BelladonnaHautAlle Sinnesorgane sind überempfindlich. Erschütterung ist unangenehm. Verwirrt, Neigung zu Illusionen.
→Gemüt – Furcht – Annäherung, vor – anderer (42): acet-ac, ambr, anac, ant-c, ant-t, arn, ars, bar-c, bell, cadm-s, cann-i, caust, cham, chin, cina, coff, colch, con, cupr, cupr-acet, falco-p, graph, ign, iod, kali-c, lach, lyc, mag-p, nux-v, op, petr, phos, plb, rhod, sep, sol, stram, stry, tarent, tell, thuj, valer
Kalium carbonicum
#Kalium carbonicumHautFürchtet sich vor allem, was er nicht unter Kontrolle hat. Erschrecken, wenn er von rückwärts oder an den Fußsohlen berührt wird. Sehr typisch: Kann nicht einschlafen, weil er dann die Kontrolle seiner Umgebung verliert.
→Gemüt – Furcht – Berührung, vor (42): acon, ang, ant-c, ant-t, apis, arn, ars, asar, bell, calc-sil, cham, chin, cina, coff, colch, con, cupr, hep, ign, iod, kali-c, lach, lyc, mag-p, nit-ac, nux-m, nux-v, ph-ac, phos, plb, sanic, sep, sieg, spig, stram, stroph-s, sulph, tarent, tart-ac, tell, thuj, valer
Cina maritima
#Cina maritimaHautÄrgerliche, reizbare, launische Kinder. Verlangen nach Dingen, lehnen aber dann das Angebotene ab. Will nicht geliebkost werden. Kann nicht ertragen, wenn sich jemand ihm nähert, aber will dann geschaukelt oder getragen werden (Hering). Haut: Ulzera, Furunkel, rote Pickel.
→Gemüt – Auffahren, Zusammenfahren – Berührung, bei (15): bamb-a, bell, cocc, coff, coffin, kali-c, kali-p, kali-sil, m-aust, mag-c, prot, ruta, sil, stram, stry
→Gemüt – Weinen, tränenreiche Stimmung – allgemein – Berührung, bei (6): ant-c, ant-t, cina, hyos, sil, stram
Antimonium crudum
#Antimonium crudumHautSehr reizbar, launisch, heftig. Haut: derb schuppig, Hornhaut verdickt, besonders an den Füßen, Warzen.
→Gemüt – Zorn, Ärger, – Berührung, bei (9): ant-c, cham, cina, falco-p, iod, lac-eq, lach, sanic, tarent
Agaricus muscarius
#Agaricus muscariusHautJucken mit brennenden Schmerzen. Gefühl von Kälte, Taubheit, Vibrieren
→Haut – Jucken – geistiger Anstrengung, bei (1): agar
Psorinum
#PsorinumHaut→Gemüt – Schwermut, Traurigkeit, Niedergeschlagenheit, – Juckreiz, durch (1): psor

Hauterscheinungen unter miasmatischen Aspekten

Ein wichtiges Argument für den Stellenwert der Hautsymptomatik bei der Arzneiwahl hat uns Hahnemann mit dem Werk „Chronische Krankheiten“ geliefert: In der biografischen Anamnese vieler chronisch kranker Patienten fand er, dass bestimmte Hautveränderungen aufgetreten waren, bevor das langjährige Siechtum begann. Drei typische Hautveränderungen erschienen ihm bemerkenswert, die er phänomenologisch exakt beschrieb und typische Arzneimittel, stellvertretend für viele, für diese Formen angab.
  • 1.

    Die Krätzkrankheit: Stark juckende, zum Kratzen zwingende Hautausschläge in Form von kleinen entzündeten Blütchen und Bläschen. Dies nannte er PsoraPsoraHautsymptome und beschrieb als typische Arznei Sulphur für entzündliche im Niveau der Epidermis sich abspielende Hauteffloreszenzen.

  • 2.

    Spitze oder hahnenkammartige Feigwarzen im Urogenitalbereich. Dies nannte er SykoseSykoseHautsymptome und beschrieb als typische Arznei Thuja für wuchernde, über das Niveau der Haut sich erhebende Formen.

  • 3.

    Tiefe Geschwüre, blutiges übelriechendes Sekret, langwierige Eiterungen. Er nannte diese Erscheinungen SyphilisSyphilisHautsymptome, da sie den äußeren Erscheinungen der gleichnamigen Krankheit entsprechen. Als dafür typische Arznei nannte er Mercurius für die Hauterscheinungen, die sich unter dem Hautniveau abspielen.

Info

Die Haut ist die Hülle des Menschen, hält ihn zusammen und ist Ausdruck seines Geist- und Gemütszustands oder wiederum in den Worten Schopenhauers: „Der Geist gestaltet die Formen. In den Formen lebt der Geist.“

Reaktionsmuster der Haut

Unabhängig von den auslösenden Ursachen hat die Haut nur ein begrenztes Spektrum an ReaktionsmöglichkeitenHautReaktionsmuster. Die folgenden Abbildungen (Abb. 18.1, Abb. 18.2) dienen dazu, die Effloreszenzen richtig beschreiben zu können und eine erste Grundlage zu erhalten, um anschließend die passenden Rubriken im Repertorium nutzen zu können.
Die verschiedenen Repertorien benutzen für gleiche Rubriken z. T. unterschiedliche Begriffe. Das macht das Auffinden, selbst mit Computerprogrammen, manchmal sehr schwierig. Die folgende Übersicht soll das Finden erleichtern (verwendetes Repertorium, wenn nicht anders vermerkt: Complete Repertory deutsch in ComRep Expert Version C2 von 2002).

Macula (Fleck)

Neben dem Kapitel „Haut“ finden sich Rubriken in allen Regionen wie „Gesicht“, „Abdomen“, „Extremitäten“, welche die MaculaMaculaFleck s. Macula). (Abb. 18.1) abbilden.
→Gesicht – Flecken (72)
→Gesicht – Hautausschläge – Flecke (62)
→Gesicht – Farbe, Verfärbung – bläulich – Flecke (15)
→Gesicht – Farbe, Verfärbung – braun – Flecke – Stirn (4): caul, nat-c, nit-ac, sep
→Gesicht – Farbe, Verfärbung – gefleckt (21)
→Haut – Hautausschläge – Flecke (21)
→Haut – Farbe, Verfärbung – bläulich – Flecke (70)

Papula

Die Rubriken sind über alle Regionen verteilt und mit den Begriffen „Papel“PapulaKnötchen s. Papula (Abb. 18.1), „papulös“, „Knötchen“, „Verhärtung“ teilweise als Unterrubrik unter→Hautausschläge aufgeführt.
→Ohren – Knötchen (12)
→Ohren – Knötchen – Ohrmuschel (2): apisin, spong
→Ohren – Knötchen – hinter den Ohren (5): bar-c, cinnb, neon, ph-ac, staph
→Ohren – Knötchen – kupferfarben (5): arg, dros, graph, merc, staph
→Gesicht – Hautausschläge – knötchenförmig (10)
→Gesicht – Hautausschläge – Papeln (38)
→Männliche Genitalien – Tuberkel (36)
→Haut – Hautausschläge – Papeln, papulös (62)
→Haut – Knötchen, umschriebene Verhärtungen (137)
→Haut – Knötchen, umschriebene Verhärtungen – Kratzen, nach (1): kali-c
→Haut – Knötchen, umschriebene Verhärtungen – hart (5): form, hep, mag-c, petr, phyt
→Haut – Knötchen, umschriebene Verhärtungen – rot (5): med, petr, sabad, trinit, Tub
→Gesicht – Hautausschläge – Akne – verhärteten Papeln, mit (27)
→Extremitäten – Hautausschläge – Papeln – Arme (5): citl-v, crot-h, cub, kali-bi, tax
→Extremitäten – Hautausschläge – Papeln – Beine (14)

Tuber, Nodus

Der Begriff TuberTuber (Abb. 18.1) oder NodusNodus ist im Repertorium nicht enthalten. Man muss die Rubriken „Knötchen“, „Papel“, „papulös“, „Tuberkel“ oder „Verhärtung“ benutzen. Der Begriff „Tuberkulum“ (Tuberkel) ist mehrdeutig, heißt sowohl tuberkulöses Granulationsgewebe als auch Knötchen.
→Gesicht – Hautausschläge – Papeln (38)
→Haut – Hautausschläge – Papeln, papulös (62)
→Gesicht – Hautausschläge – Tuberkel (51)
→Extremitäten – Hautausschläge – Tuberkel (47)
→Haut – Hautausschläge – Tuberkel (100)
→Haut – Hautausschläge – Tuberkel – schmerzhaft (33)

Urtica

Das Krankheitsbild ist in vielen Regionen vertreten und mit den Begriffen „Urtikaria“UrticaQuaddel s. Urtica/Urtikaria (Abb. 18.1), „Nesselsucht“ und „Quaddel“ (nur drei Rubriken) teilweise in Unterrubriken aufgeführt. Der Begriff „Quaddeln“ wurde im Complete Repertory C2 ersetzt durch „große Flecken“.
→Gesicht – Hautausschläge – Urtikaria (36)
→Magen – Erbrechen – allgemein – Urtikaria – während (2): apis, cina
→Atmung – Asthma, asthmatische Atmung – abwechselnd mit – Hautausschläge – Urtikaria (2): calad, croto-t
→Haut – Hautausschläge – Urtikaria (Nesselsucht) – abwechselnd mit – Asthma (3)
→Rücken – Hautausschläge – Urtikaria (10)
→Extremitäten – Hautausschläge – Urtikaria – Arme (43)
→Extremitäten – Schmerz – rheumatischer Schmerz, Rheumatismus – abwechselnd mit – Urtikaria (1): urt-u
→Haut – Hautausschläge – Urtikaria (Nesselsucht) (241)
→Haut – Hautausschläge – Urtikaria (Nesselsucht) – Ausziehen agg. (1): puls
→Haut – Hautausschläge – Urtikaria (Nesselsucht) – Fieber – während (8)
→Haut – Hautausschläge – Urtikaria (Nesselsucht) – Kratzen – agg. (55)
→Haut – Hautausschläge – Urtikaria (Nesselsucht) – Menses, während (9)
→Gesicht – Hautausschläge – Flecken, große (13)
→Gesicht – Hautausschläge – Flecken, große – Menses, während (1): nux-m

Vesicula

Wieder über das ganze RepertoriumsrubrikenBläschenRepertorium verteilt sind die Bläschen mit den Begriffen „Bläschen“ (VesiculaVesiculaBläschen s. Vesicula Abb. 18.1) und „Herpes“. Der Begriff „Herpes“ kommt zwar in vielen Rubriken vor (Complete Repertory: 157 Rubriken einschließlich Unterrubriken), er ist aber historisch zu verstehen und nicht unbedingt gleichzusetzen mit der Erkrankung durch Herpesviren. Besser ist die Einbeziehung der „Bläschen“-Rubriken (18.6).
→Haut – Hautausschläge – Bläschen (337)
→Haut – Hautausschläge – Bläschen – juckend (53)
→Haut – Hautausschläge – Bläschen – schmerzhaft (64)
→Kopf – Hautausschläge – Bläschen (18)
→Augen – Hautausschläge um die Augen – Bläschen – Lider (18)
→Augen – Hautausschläge um die Augen – Bläschen – Hornhaut (29)
→Ohren – Hautausschläge – Bläschen (20)
→Gesicht – Hautausschläge – Bläschen (151)
→Männliche Genitalien – Hautausschläge – Bläschen (32)
→Weibliche Genitalien – Hautausschläge – Bläschen (14)
→Extremitäten – Hautausschläge – Bläschen – Arme – Hände (91)
→Extremitäten – Hautausschläge – Bläschen – schwarz – Arme (2): ars, sec
→Extremitäten – Hautausschläge – Bläschen – schwarz – Beine – Füße (2): ars, nat-m
→Kopf – Hautausschläge – Herpes (32)
→Augen – Hautausschläge um die Augen – Herpes – Hornhaut (7)
→Gesicht – Hautausschläge – Herpes – Augen, um die (15)
→Gesicht – Hautausschläge – Herpes (152)
→Gesicht – Hautausschläge – Herpes – Lippen (81)
→Brust – Schmerz – Herpes zoster, nach (11)

Bulla

Im Vergleich zu „Bläschen“ ist der Begriff „Blase“BullaBlasen s. Bulla RepertoriumsrubrikenBlaseim Sinne einer Hautveränderung kaum vertreten. Eine aussagefähige Rubrik im Sinne der Vollständigkeit sollte die Arznei Cantharis enthalten, sicher der wichtigste Vertreter für große Blasen gleich welcher Genese. In der Rubrik →Haut – Hautausschläge – Blasen (72) sind sehr viele Mittel aufgeführt, für die typischerweise kleine Bläschen bezeichnend sind.
→Haut – Hautausschläge – Blasen – Verbrennung, wie durch eine (12): ambr, aur, bell, canth, carb-an, clem, lyc, manc, nat-c, phos, sep, sulph
Wenn keine klare Differenzierung getroffen werden kann im Sinne eines vollständigen Symptoms, ist Cantharis der Vorzug zu geben.

Pustel

PustelnPustel (Abb. 18.1) findet man RepertoriumsrubrikenPustelneben der Rubrik→Haut – auch in allen Körperregionen unter „Pustel“, „Pickel“, „Akne“, „Bläschen eiternd“, meist unter dem Oberbegriff „Hautausschläge“.
→Kopf – Hautausschläge – Pusteln (30)
→Gesicht – Hautausschläge – Pickel (222)
→Augen – Hautausschläge um die Augen – Pusteln – Lider (20)
→Augen – Entzündung – pustulös, einschließlich Hornhaut (53)
→Augen – Hautausschläge um die Augen – Pusteln – Hornhaut (15)
→Gesicht – Hautausschläge – Pusteln (127)
→Haut – Hautausschläge – Pusteln (157)
→Haut – Hautausschläge – Pickel, Blütchen (265)
→Extremitäten – Hautausschläge – Bläschen – eiternd – Füße (4)

Pocken

Mit dem Begriff „Pocken“Pocken sind sowohl die Diagnose Pocken als auch pockenähnliche Krankheiten gemeint. Die Begriffe im Repertorium greifen z. T. den Begriff „Pocken“ als Krankheitsdiagnose auf, beziehen sich aber auch auf pockenähnliche Effloreszenzen. Dann müssen sie erweitert werden um die Begriffe „Bläschen“ (sehr viele Rubriken und Unterrubriken) oder auch „Windpocken“. Die einzelnen Rubriken wurden in der Bezeichnung im Laufe der Zeit begrifflich verändert, sodass je nach Repertorium inzwischen sogar wörtlich gleiche Rubriken mit unterschiedlichen Mitteln existieren.
Bei Pocken sind folgende Repertoriumsrubriken angezeigt: RepertoriumsrubrikenPocken
→Haut – Hautausschläge – Pocken, Variola (73)
Unter dieser Bezeichnung gab es früher zwei Rubriken mit 27 und 66 Arzneien, die in der Ausgabe C2 des Complete Repertory zusammenfasst wurden mit inzwischen 73 Arzneien. Die Rubrik entspricht der Rubrik→Haut – Hautausschläge – Pocken, echte; aus dem Repertorium Generale.
→Haut – Hautausschläge – pockenartig (Kent, Repertorium Generale) (21)
→Haut – Hautausschläge – Pocken – schwarz (12)
Diese Rubrik entspricht nicht der Rubrik→Haut – Hautausschläge – Pocken – schwarze←aus dem Repertorium Generale, sondern→Haut – Hautausschläge – pockenartig←schwarz aus dem Repertorium Generale.
Um eine Arznei sicher mithilfe eines Repertoriums verschreiben zu können, bedarf es gerade im Bereich Haut zusätzlicher Informationen, oft im Sinne der geschichtlichen Entwicklung der Begriffe und der Repertorien und auf jeden Fall guter Arzneikenntnisse.
Bei Windpocken kommen folgende Repertoriumsrubriken infrage:
→Haut – Hautausschläge – Windpocken (38)
Diese Rubrik hat sich in der Praxis des Verfassers bewährt. In der Regel wurde eine schnelle Besserung mit dem Konstitutionsmittel des Patienten erreicht, wenn es in dieser Rubrik enthalten war, oder mit einer darin aufgeführten ergänzenden Arznei nach Miller/Klunker (1994).
→Fieber, Hitze – Exanthem, Fieber mit (z. B. bei Masern) – Pocken, Variola (44)
→Husten – Windpocken, nach (1): ant-c (in der Praxis bewährte Rubrik)

Squamae

Diesen Begriff findet RepertoriumsrubrikenSchuppenman als „Schuppen“SquamaeSchuppen s. Squamae (Abb. 18.1), „Ichthyose“ oder „Psoriasis“ in den verschiedenen Organrubriken, teilweise als Unterrubrik unter→Hautausschläge. In der Hauptrubrik „Haut“ gibt es nur wenige Hinweise auf Schuppen.
→Kopf – Hautausschläge – Schuppen (70)
→Kopf – Schuppen (67)
→Haut – Hautausschläge – Psoriasis (121)
→Haut – Hautausschläge – Schuppen, mit – Ichthyose, Fischschuppenkrankheit (44)

Risse

Man findet „Risse“RisseHauterkrankungen (Abb. 18.1) im Complete Repertory nicht unter „Hautausschläge“, sondern unter den verschiedenen RepertoriumsrubrikenRisseKörperregionen. Im Synthesis allerdings unter →Haut – Risse (73 Mittel), mit Unterrubriken, z. B. schmerzhaft; tief; blutend; waschen, nach; Winter, im; Körperöffnungen, aufgesprungene.
Bewährte Rubriken im Sinne der Vollständigkeit sind:
→Augen – Risse, Schrunden – Lider (27)
→Augen – Risse, Schrunden – Canthi (30)
→Ohren – Risse, Fissuren – hinter den Ohren (9): chel, graph, hep, hydr, lyc morg, petr, sep, sulph In dieser Rubrik fehlen einige wichtige Arzneien, z. B. alum, calc, nat-m, nit-ac, thuj, zinc aus der Rubrik →Haut – Risse, tiefe (265).
→Gesicht – Risse, Fissuren – Mundwinkel (52)
→Gesicht – Risse, Fissuren – Lippen (161)
→Rektum – Fissuren, Anus – allgemein (76)
→Extremitäten – Rissige Haut – Arme (92)
→Extremitäten – Rissige Haut – Beine (42)

Krusten

Im Repertorium sind KrustenKrusten (Abb. 18.1) RepertoriumsrubrikenKrustenin den verschiedenen Organrubriken vorhanden, entweder unter „Krusten, Schorfe“, meist als Unterrubrik unter „Hautausschläge“, „Absonderungen“, „Ulzera“ (Abb. 18.1).
→Kopf – Hautausschläge – Krusten und Schorfe (101)
→Nase – Absonderung – Krusten, Borken, innen (158)
→Extremitäten – Hautausschläge – Krusten, Schorfe (51)
→Gesicht – Hautausschläge – Krusten, Borken (126)
→Haut – Hautausschläge – Krusten, mit (139)
→Haut – Geschwüre – Krusten, bilden (39)

Hämatom

Unter dem Begriff „Hämatom“Hämatom gibt es nur wenige, RepertoriumsrubrikenHämatomnicht aussagekräftige Rubriken, z. B. unter Ohr (1) und Allgemeines (10). Umfangreicher sind folgende Rubriken, die sich auf Blutung und Verletzung beziehen oder gezielt auf den „blauen Fleck“.
→Allgemeines – Tumoren – Hämatom (10)
→Kopf – Blutung, Gehirn, intrazerebral (68)
→Allgemeines – Verletzungen (Sturz, Prellung, Quetschung, Schlag etc.) – Extravasaten, mit (36)
→Haut – Farbe, Verfärbung – bläulich – Flecke (70)

Blutung

BlutungBlutungHaut findet man in den verschiedenen RepertoriumsrubrikenBlutungOrganrubriken, teilweise in Unterrubriken versteckt.
→Gemüt – Geisteskrankheit, Verrücktheit – Blutung, nach (8)
→Gemüt – Weinen, tränenreiche Stimmung – allgemein – Uterusblutung, bei (2): ign, phos
→Gemüt – Delirium. – Blutung, nach (14): arn, ars, bell, chin, chin-ar, ign, lach, lyc, ph-ac, phos, sep, squil, sulph, verat
→Augen – Blutung, subkutan, Ecchymosen (44)
→Allgemeines – Blutung – Neigung oder tatsächlich (269). Hier sind auch Gerinnungsstörungen aufgeführt.
→Nase – Nasenbluten – allgemein (304): Hier ist die Blutung unter dem Oberbegriff „Nasenbluten“ versteckt. Es gibt eine ganze Reihe Unterrubriken, welche die Arzneiwahl erleichtern.

Akne, Rosazea

Grundlagen

Acne vulgaris
Die Akne vulgarisAcne vulgaris zählt neben Ekzem und Psoriasis weltweit zu den häufigsten Krankheiten und ist die wichtigste Erkrankung der Talgdrüsen mit Hyperseborrhö. Pathogenetische Faktoren der Akne sind primär die FollikelhyperkeratoseFollikelhyperkeratose und TalgdrüsenhyperplasieTalgdrüsenhyperplasie, sekundär eine mikrobielle Hyperkolonisation mit einer entzündlichen Reaktion. Eine genetische Disposition und zusätzliche äußere Faktoren einschließlich psychischer Belastung haben verstärkenden Einfluss auf die Entwicklung der Akne. Meist in der Adoleszenz beginnend, entwickeln sich Mitesser (Komedone), die zunächst geschlossen sind, sich später auch öffnen können. Nach und nach entsteht ein Nebeneinander von verschiedenen Stufen der Akne mit Komedonen, papulo-pustulösen bis zystischen Fistelgängen oder flächenhaften Infiltraten. Nimmt die Entzündung ab, können weißliche oder schwarz-bräunliche Narben (Abb. 18.1) zurückbleiben.
Sonderformen der Akne: Acne vulgarisFormen
  • Acne conglobata: Unabhängig vom Auftreten in der Adoleszenz, ist die Akne conglobata charakterisiert durch Gruppen- oder Riesenkomedonen, Brücken- und Zipfelnarben einschließlich Druckatrophien sowie Manifestation auch an den Achseln, am Gesäß und an den Oberschenkeln.

  • Acne neonatorum: Diese bei Neugeborenen zu beobachtende Frühform bildet sich meist von selbst innerhalb kürzester Zeit zurück. Es bestehen geschlossene Komedonen und Papulopusteln. Ursächlich sind wahrscheinlich mütterliche und fetale Hormone.

  • Acne infantum: Tritt im Alter von drei bis sechs Monaten auf und kann jahrelang persistieren. Sie betrifft ebenso wie die Akne neonatorum häufiger Jungen als Mädchen. Es wird eine Androgenwirkung vermutet.

  • Acne praemenstrualis: Vor Beginn der Menstruation durch Anstieg der Talgsekretion entstehende Form der Akne, die sich überwiegend im Kinnbereich manifestiert.

  • Akne bei Endokrinopathien: Auftreten von Aknesymptomen, z. B. im Rahmen eines Hirsutismus oder Virilismus. Entsprechende Symptome wurden auch nach Einnahme von Androgenen, z. B. zum Muskelaufbau, beobachtet.

  • Mallorca-AkneMallorca-Akne: Durch Klimawechsel in heiße und sonnige Gebiete kann es zu vermehrter Talgdrüsenproduktion kommen. Die Anwendung von Sonnenschutzmitteln (Emulgatoren, Lipide) kann die Entstehung von Entzündungen der Talgdrüsen zusätzlich fördern.

  • Medikamentös induzierte Akne: Akneähnliche Hautausschläge können durch verschiedene Medikamente verursacht werden. Früher häufiger durch Halogene (brom- oder jodhaltig), heute vermehrt durch Kortikoide, Vitamin B1, B6, B12 und D3 (Zaun 1998), INH, ACTH, seltener auch durch Antiepileptika oder Antibiotika, Kontrazeptiva mit androgener Komponente, Anabolika, Lithium, Phenytoin und andere. Lokal angewandt, führen Kortikoide zu einer auffällig monomorphen, nahezu komedonenfreien, papulo-pustulösen Effloreszenz. Auch Säuglinge und Kleinkinder bleiben nicht verschont. Im Prinzip kann jedes „Pflegemittel“ akneiforme Hautausschläge durch die endlose Reihe an Hilfs- und Zusatzstoffen in den Salbengrundlagen provozieren.

Rosazea
Im Gegensatz zur Akne beginnt die Rosazea meist erst nach dem 30. Lebensjahr. Die Lokalisation auf der Haut ist grundsätzlich zentrofazial. Das klinische Bild ist zwar äußerlich akneähnlich und assoziiert mit häufiger SeborrhöSeborrhö und fakultativer TalgdrüsenhyperplasieTalgdrüsenhyperplasie, aber ohne Komedonen. Es handelt sich nicht um eine primär follikuläre Erkrankung. Die Ätiologie ist unklar. Die Krankheitsaktivität wird moduliert durch externe Faktoren wie Hitze, Kaffee, Alkohol, Kortikoide oder interne Faktoren wie Störungen des Verdauungssystems. Fakultativ kommt es v. a. bei Männern zu einer Talgdrüsenwucherung, meist an der Nase (Rhinophym). Gelegentlich breitet sich die Akne rosacea auf die Ohr-, Hals- und Brustregion aus oder führt zur Augenbeteiligung mit Konjunktivitis, Iritis und Keratitis (10.3, 10.5).
Im Verlauf kommt es über das Erythemstadium mit persistierenden Erythemen und Teleangiektasien zum Papulopustel-Stadium mit entzündlichen Papeln, Pusteln und Papulopusteln. Das Auftreten erfolgt schubweise und persistiert wochenlang. Sonderformen sind – entsprechend der Akne conglobata fulminans – die Rosazea conglobata fulminans, ein persistierendes Gesichtsödem und die lupoide Rosazea. Im Gegensatz zur Akne wird die Rosazea unter Lichteinfluss schlechter.
Neben der Akne müssen differenzialdiagnostisch zur Rosazea die periorale Dermatitis (nicht pustulös) und die Demodex-Follikulitis ausgeschlossen werden.
Diagnostik
Um die Akne von anderen Erkrankungen abzugrenzen (Tab. 18.1), ist es wichtig, in der Anamnese auf folgende Punkte einzugehen: Zeitpunkt des Auftretens, rasche oder schleichende Entwicklung, familiäre Häufung, andere Hauterkrankungen, Anwendung von Kosmetika und/oder Medikamenten, Hinweise auf Kontakt- oder Arzneimittelallergien, allgemeiner Gesundheitszustand, insbesondere endokrine oder metabolische Erkrankungen und die bisherige Behandlung.

Konventionelle Therapie

Die Akne lässt sich topisch und systemisch behandeln, wobei die Kombination mehrerer Substanzen möglich ist.
Topische Behandlung
Acne vulgaristopische BehandlungGrundlage der Lokaltherapie ist die tägliche Reinigung der Haut mit alkoholischen oder indifferenten Pflegemitteln – bewährt etwa auch in Kombination mit pflanzlichen Wirkstoffen (WALA Akne-Wasser). Durch heiße Packungen wird die Hautdurchblutung angeregt und das Reifen der Pusteln gefördert. Unsachgemäßes Ausdrücken der Pickel kann zur Narbenbildung führen; „Akne-Toilette“ durch eine Fachkraft dagegen unterstützt die Behandlung. Retinoide, Benzoylperoxid und topische Antibiotika sind die konventionellen Therapeutika mit dem besten Wirksamkeitsnachweis.
Antikomedogene und keratolytische Substanzen
  • RetinoideRetinoide, Akne: Die Schälbehandlung mit Retinoiden ist indiziert, wenn Komedonen im Vordergrund stehen. Die Wirkung tritt bei ein- bis zweimal täglicher Applikation nach sechs bis zwölf Wochen ein; zu Beginn muss mit einer vorübergehenden Verschlechterung der Akne gerechnet werden (arznei-telegramm 1997). Lokal applizierte Retinoide können Erytheme, Hautschuppung, Hyper- oder Hypopigmentationen verursachen. Da Retinoide eine leichte Verdünnung des Stratum corneum bewirken, ist die Gefahr eines Sonnenbrands erhöht (Anwendung über Nacht, Sonnenschutz am Tag). Benzoylperoxid und Retinoide können alternierend (z. B. morgens und abends) aufgetragen werden, bei gleichzeitiger Anwendung kann sich die Wirkung gegenseitig aufheben. Wegen des embryotoxischen Potenzials sind Retinoide auch in topischer Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit kontraindiziert. Für Kinder unter zwölf Jahren sind sie ebenfalls nicht zugelassen.

  • AzelainsäureAzelainsäure, Akne: Topische 20-prozentige Azelainsäure (z. B. Skinoren®) wirkt antibakteriell und keratolytisch. Der therapeutische Effekt ist ähnlich gut wie bei topischem Erythromycin oder systemischem Tetracyclin. Hautirritationen sollen seltener als bei Retinoiden und Benzoylperoxid vorkommen, die Therapiekosten sind jedoch zwei- bis fünffach höher. Vom Hersteller wird die Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit nicht eingeschränkt. Die Substanz passiert jedoch, wenn auch nur in geringem Umfang, die Blut-Plazenta-Schranke und wird auch über die Muttermilch ausgeschieden.

  • SalizylsäureSalizylsäureAkne: Salizylsäure wirkt keratolytisch, die Wirkung auf die Akne ist jedoch nicht gesichert (arznei-telegramm 1997). Gegenanzeigen sind die Anwendung bei nässenden Hautausschlägen und Kindern bis vier Jahre.

Antimikrobielle Substanzen
  • BenzoylperoxidBenzoylperoxid, Akne: Benzoylperoxid ist ein starkes Oxidationsmittel, wirkt bakterizid (Zaun 1998) und leicht keratolytisch. Die antibakterielle Wirkung beruht auf der Oxidation bakterieller Proteine. Die Nebenwirkungen beschränken sich auf lokale Reaktionen wie Brennen, Rötung und Schuppung. Eine Kontaktdermatitis entwickelt sich bei 1–3 % der Patienten.

    Bei der Anwendung in Schwangerschaft oder Stillzeit ist Zurückhaltung geboten, auch wenn nachteilige Folgen bisher nicht beobachtet wurden.

    Peroxide sind Bleichmittel und verursachen bei Kontakt helle Flecken in der Kleidung. Für Jugendliche unangenehm ist der Effekt durch Schwarzlicht (z. B. in Diskos): Die behandelte Haut beginnt zu leuchten.

  • Zink: ZinksalbenZinksalbe, Akne werden als unterstützende Maßnahme bei der Aknetherapie eingesetzt. Sie unterstützen die Hautheilung und wirken gering antimikrobiell.

  • Desinfizienzien: Desinfizierende Lösungen wie z. B. Alkohol reduzieren die bakterielle Besiedlung der Haut und haben zusätzlich einen reinigenden Effekt.

  • Topische AntibiotikaAntibiotikaAkne: Externa mit Erythromycin oder Clindamycin werden eingesetzt, wenn Benzoylperoxid nicht toleriert wird. Wegen Gefahr der Resistenzbildung sollte eine Therapiedauer von vier bis sechs Wochen nicht überschritten werden. Bis zu acht Wochen kann bei kombinierter Anwendung mit Benzoylperoxid, Azelainsäure oder Zink behandelt werden, da die Resistenzbildung verzögert wird.

Systemische Aknetherapeutika
Zur systemischen AknetherapieAcne vulgarissystemische Aknetherapeutika wird bei unzureichendem Effekt der Lokaltherapie, bei tiefen Läsionen mit Vernarbungstendenz und bei stärkerem Befall des Körperstammes geraten.
Antibiotika
Eingesetzt werden Tetrazykline (z. B. Minocyclin – Cave: schwere Nebenwirkungen wie Lupus, fulminante Hepatitis oder Hypersensitivitätsreaktionen), Erythromycin, Clindamycin oder – ohne Zulassung – Trimethoprim. Wegen Gefahr der Resistenzbildung dürfen diese AntibiotikaAntibiotikaAkne nicht abwechselnd oder kombiniert (etwa lokal Erythromycin, systemisch Doxycyclin) eingesetzt werden.

Info

  • Hinweise für Tetrazykline: Die Anwendung erfolgt über vier bis sechs Wochen. Tetrazykline sind kontraindiziert in den ersten acht Lebensjahren sowie in Schwangerschaft und Stillzeit. Nebenwirkungen sind unter anderem phototoxische Reaktionen (v. a. Doxycyclin), reversible Knochenwachstumsverzögerungen, Zahnverfärbungen und Zahnschäden bei Kindern unter acht Jahren, intrakranielle Drucksteigerungen, gastrointestinale Störungen, Bronchospasmen, Blutbildveränderungen und Superinfektion durch Bakterien und Sprosspilze.

  • Hinweis für Makrolide: Es besteht eine strenge Indikationsstellung in der Stillzeit, da Erythromycin in die Muttermilch übergeht. Dadurch besteht beim gestillten Säugling die Möglichkeit einer Sensibilisierung sowie von Durchfällen. Auch eine Sprossbesiedlung ist nicht auszuschließen. Häufig sind Hautreaktionen und gastrointestinale Nebenwirkungen, seltener neurologische Symptome wie Kopfschmerzen, Schwindel oder Halluzinationen.

Hormone
AntiandrogeneAntiandrogeneAkneAcne vulgarisAntiandrogene in niedriger Dosierung scheinen bei jungen Frauen eine effektive Therapievariante zur Behandlung mäßig schwerer Akne zu sein. Eine mögliche Indikation besteht bei gleichzeitigem Wunsch nach Antikonzeption. Als relativ niedrig dosiertes Kombinationspräparat von Östrogen mit dem Antiandrogen Chlormadinonazetat empfiehlt das arznei-telegramm Gestamestrol N. Der therapeutische Effekt stellt sich erst nach drei bis sechs Monaten ein.

Info

Die hormonelle Therapie ist während Schwangerschaft und Stillzeit kontraindiziert. Gefürchtete Nebenwirkung sind thrombembolische Komplikationen, v. a. bei Raucherinnen.

Die Pillen der 3. und 4. Generation haben ein Thromboserisiko, das im Vergleich zu Pillen der 2. Generation mehr als doppelt so hoch ist, auch bei fehlenden Kofaktoren, mit bleibenden Behinderungen nach Apoplex oder Todesfällen. Bei dem Antiandrogen Cyproteronazetat gibt es Hinweise auf kanzerogene Effekte (arznei-telegramm 1997). Besonders Jugendliche, die keine hormonelle Kontrazeption wünschen, sollten über die Risiken und Nebenwirkungen der Hormonbehandlung umfangreich aufgeklärt werden.
Isotretinoin
Systemisches Isotretinoin ist die konventionelle „Ultima Ratio“ bei schwersten Krankheitsverläufen. Es beeinflusst alle vier Faktoren der Pathogenese (Tab. 18.1) und ist daher das wirksamste konventionelle Mittel gegen Akne. Indikationsstellung und Anwendung erfordern wegen der z. T. schweren Nebenwirkungen hautfachärztliche Erfahrung.

Info

Isotretinoin ist wegen des teratogenen Potenzials bei Kinderwunsch, in der Schwangerschaft und bei Kindern kontraindiziert.

Bei Frauen sind strikt antikonzeptive Maßnahmen bis zwei Jahre nach Therapieende empfohlen. Isotretinoin erhöht zudem die Photokanzerogenität von UV-Licht, das gerade bei Akne häufig als zusätzliche Maßnahme empfohlen wird. Beobachtet werden außerdem neuropsychiatrische Störungen wie Depressionen oder Psychosen bis hin zur Suizidalität und Myopathien bis hin zur Rhabdomyolyse (a-t 1997). Die Richtlinien zur oralen Isotretinointherapie sind in Konsensusprotokollen auf internationaler und nationaler Ebene niedergelegt (Cunliffe et al. 1997, Plewig et al. 1997)
Phototherapie
PhototherapieAkneUVB-Bestrahlung trägt durch Auslösung oberflächlicher Entzündungen zur Abschilferung im perifollikulären Bereich bei und stört den Oxidationsstoffwechsel von Propionibacterium acnes. Wegen kanzerogener Effekte ist jedoch bei diesem phototherapeutischen Verfahren Zurückhaltung angebracht. Die Wirksamkeit von Lasertherapie oder photodynamischer Therapie ist bisher nicht ausreichend belegt (Leitlinien der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft).

Psychosomatische Aspekte

Vor allem bei der schwereren Akne des Pubertätsalters sind somatopsychischeAcne vulgarispsychosomatische Aspekte Folgesymptome zu beachten, jedoch ist in der Regel keine Psychotherapie indiziert. Psychische Belastungen können umgekehrt zu einer Exazerbation der Akne beitragen.

Unterstützende Maßnahmen

Neben der medikamentösen Behandlung sollte man die Regelung der Lebensweise und Ernährung nicht vergessen. Frische Luft, Sport, Sonne, frischkostreiche Kost. Verzicht auf raffinierte Fette (z. B. Margarine) und Öle, raffinierten Zucker und Auszugsmehl, Lebensmittelzusatzstoffe, Fertiggerichte, Schweinefleisch, tierische Fette, evtl. auch auf Milcheiweiß (in Milch, Joghurt, Quark, Käse, Wurst u. a.) (vgl. Organon, §§ 259–261). In Kulturen mit nicht-westlichem Ernährungsstil, etwa bei den Indianern, die kaum Monosaccharide verzehren, ist Akne unbekannt.

Homöopathische Behandlung

Um diese chronische Erkrankung vorwiegend junger Menschen homöopathisch zu behandeln, muss man in der homöopathischen Anamnese die Gesamtheit aller Symptome des Betroffenen aufnehmen. Durch die konstitutionelle homöopathische Behandlung reagieren neben der Akne auch andere Beschwerden oder Krankheiten des Patienten positiv. An dieser Stelle sei nochmals erinnert, dass die Heilung nach dem Heringsche-Gesetz verläuft (3.6), d. h.
  • von innen nach außen,

  • von oben nach unten,

  • von jetzt nach früher.

Von innen nach außen bedeutet, dass andere Beschwerden im „Innern“ des Menschen sich nach ihrer Wertigkeit vor der Hautsymptomatik bessern können: erst die Psyche, dann die Organe, zum Schluss die Haut. Die Akne wird also unter Umständen verzögert auf die homöopathische Behandlung reagieren, dann aber in der Geschwindigkeit, wie es die physiologische Erneuerung der Haut zulässt. Andere Hauterkrankungen wie Urtikaria oder Neurodermitis reagieren in der Regel schneller mit einer Besserung.
Was die Hautsymptome betrifft, ist es sinnvoll, die unterschiedlichsten Akneformen nach ihrer Erscheinungsform zusammenzufassen. Dies stimmt nicht unbedingt mit den oben genannten klinischen Akneformen überein. Vielmehr entsprechen die in den jeweiligen Gruppen enthaltenen Arzneien ähnlichen Teilaspekten oder Begleitumständen der Akne.
Ein Differenzierungsmerkmal ist z. B. die fettig-ölige gegenüber der trockenen Form. Bei der Seborrhoea oleosa sind die Kopfhaut und das Haar stark verfettet. Das Gesicht hat einen glänzenden Ölfilm. Dagegen ist die Haut bei der Seborrhoea sicca trocken und rau mit einer feinen lamellösen Schuppung, erweiterten Talgdrüsenöffnungen, oft auch verbunden mit reichlichen Kopfschuppen.
Die Zuordnung der Arzneimittel zur fetten oder trockenen Seborrhö ist ein Ordnungsversuch, der nicht allzu schematisch vorgenommen werden sollte. Bei manchen Patienten sind z. B. Stirn und Augenpartie fettig, das übrige Gesicht aber eher trocken. Typisches Beispiel dafür ist Natrium muriaticum. Ist das ganze Gesicht rau, pickelig und schuppt trocken, nur die Nasenspitze ist fettig glänzend, so entspricht das dem Arzneimittelbild von Sulphur.
Hauptrubriken sind:
→Gesicht – Hautausschläge – Akne (179)
→Gesicht – Hautausschläge – Pickel (218)
Aufgrund der Größe der Rubriken ist es nicht möglich, eine sinnvolle Arzneiwahl zu treffen.
Aussagekräftige Unterrubriken sind:
→Gesicht – Hautausschläge – Akne – Stirn (37): ars, calc, caps, carb-an, carb-v, carbn-s, caust, cic, clem, hep, kreos, mangi, nat-m, nit-ac, nux-v, ph-ac, psor, rhus-t, sep, sil, sulph, viol-t, …
→Gesicht – Hautausschläge – Akne – Nase (26): am-c, ars, ars-br, aster, bor, calc-p, calc-pic, cann-s, caps, carb-an, caust, clem, elaps, graph, kali-br, kali-i, lac-cpr, nat-c, psor, rhus-t, sars, sel, sep, sil, sulph, zing
Homöopathische Repertoriumsrubriken und Arzneimittel bei fettiger Haut (Seborrhoea oleosa)
Bei fettiger Haut ist es einfacher, mithilfe des Repertoriums die möglichen Arzneimittel näher einzugrenzen.
Es ist möglich, dass sich bei der Anamnese und Repertorisation ein Arzneimittelbild wie Selen, Zincum metallicum o. ä. darstellt. Gerade diese Stoffe, die allein oder in Kombinationen als Nahrungsergänzungsmittel von Patienten eingenommen werden, können – besonders bei zu häufiger Einnahme – das spezielle Arzneimittelbild beim Patienten erzeugen. In diesem Fall ist schon allein durch das Absetzen des Stoffes mit einer Beschwerdefreiheit des Patienten zu rechnen. Alternativ ist es möglich, dass sich durch Repertorisation auch ein Mangel des entsprechenden Stoffes erschließt, der weniger durch die potenzierte Arznei als vielmehr durch Substitution verbessert werden kann.
→Gesicht – fettig (58): acet-ac, agar, am-m, apis, arg-n, ars, aspar, aur, aur-m-n, bac, bar-c, bell-p, bry, bufo, calc, card-m, caust, chin, con, ferr-ar, fl-ac, germ, hydr, iod, iris, kali-p, lat-h, lepro, lyc, mag-c, maland, mand, med, merc, merc-c, mez, nat-m, ol-an, ozone, phos, plb, psor, puls, raph, rhus-t, sanic, sel, sep, sil, stram, sulph, syc-co, tarent-c, term-c, thuj, tub, tung, valer
→Kopf – Haare – allgemeine Beschwerden der – fettig (22): arund, bani-c, benz-n, benzo, bran, brucel, bry, calc, caust, corv-c, lac-c, lyss, med, merc, nat-m, neon, ozone, ph-ac, plb, psor, thuj, wild
Calcium carbonicum
#Calcium carbonicumSeborrhöSchlaffe, blasse, kalt-feuchte Haut. Vergrößerung der Lymphknoten und adenoide Wucherungen („Skrophulose“). Verfroren, trotzdem oft vermehrter Schweiß, besonders am behaarten Kopf und im Nacken.
→Gesicht – Hautausschläge – Akne – skrofulösen Personen, bei (10): bar-c, brom, calc, calc-p, con, iod, merc, mez, sil, sulph
Medorrhinum
#MedorrhinumSeborrhöNosodenMedorrhinumAkne während oder nach den Menses. Verdickte grobporige Haut (Orangenhaut) als Sykosiszeichen. Die Haut ist kalt, zieht sich trotzdem aus. Kälte, aber auch Brennen der Hände und Füße. Widerlicher Schweißgeruch. Schlechtes Gedächtnis, unkonzentriert, hastig, verwirrt. Neigung zu Legasthenie. Schlaf in Knie-Ellenbogen-Lage.
→Gesicht – Hautausschläge – Akne – Menses – nach (1): med
Natrium muriaticum
#Natrium muriaticumSeborrhöOft helle, fettig glänzende Haut der Stirn, besonders Stirnhaargrenze, auch an der Haargrenze im Nacken, auf der Nase, um die Augen und auf den Lidern. Die übrige Haut und Schleimhaut ist oft trocken, auch rissig. Akne bei Anämie oder Anorexie.
→Gesicht – Hautausschläge – Akne – Kachexie, bei: ars, carb-v, nat-m, sil
→Gesicht – Hautausschläge – Akne – anämischen Mädchen; bei: ars-br, aster, bar-c, calc, graph, hep, kali-c, nat-c, nat-m, sabin, sel, sulph, thuj
Psorinum
#PsorinumSeborrhöNosodenPsorinumAkne vor und während der (oft unregelmäßigen) Menses. Befall v. a. perioral und an der Stirn. Sehr frostige Menschen mit schmutzig-fettiger Haut und stinkenden Schweißen bei Anstrengung. Baden in warmem Wasser verstärkt unter Umständen noch den Geruch. (anders: sulph wäscht sich zwar nicht gerne, riecht anschließend aber normal). Juckreiz, der zur Verzweiflung treibt. Die Haare sind trocken, glanzlos, verfilzen leicht und kleben zusammen. Stinkende, eitrige Ausschläge mit klebrigen Absonderungen. Hautausschläge verschwinden im Sommer, kehren im Winter zurück. Folge von unterdrückten Hautausschlägen.
→Gesicht – Hautausschläge – Akne – Menses, vor (8): arist-cl, cath-a, graph, mag-m, ozone, pitu-a, psor, sep
→Gesicht – Hautausschläge – Akne – Menses, während (7): cycl, dulc, kali-br, mag-m, med, psor, sang
→Gesicht – Hautausschläge – Akne – Menstruationsstörungen, bei (20): aur-m-n, bell, bell-p, berb, berb-a, calc, cimic, con, eug, graph, kali-br, kali-c, kreos, nat-m, psor, puls, sang, sars, thuj, verat
→Gesicht – Hautausschläge – Akne – Lippen (9): bor, cadm-s, caps, hydr, lac-cpr, psor, ros-d, sars, sul-i
Selenium
#Selenium, SeborrhöSalbengesicht, viele Komedonen. Akne mit Anämie. Die Haut ist schlechter vor und während der Periode. Der Schweiß riecht nach Knoblauch. Paradoxe Symptome:
  • Die Patienten sind frostig, vertragen aber keine Wärme.

  • Starke Erschöpfung, will sich hinlegen, muss schlafen, aber Ruhe und Schlaf verschlechtern.

  • Sexuell leicht erregbar, aber erschöpft nach Koitus, auch Ejaculatio praecox. Appetitlos, aber Verlangen nach Anregungsmitteln wie Kaffee, Tee, Alkohol.

Thuja occidentalis
#Thuja occidentalisSeborrhöDie Haut ist sehr fettig, ölig und grobporig (Orangenhaut), schmutzig aussehend. Braune Flecken, Warzen. Akne mit verhärteten Papeln, Komedonen, starker Narbenbildung, v. a. an Stirn und Kinn, Brennen nach Kratzen. Schweiß nur an unbedeckten Körperteilen oder überall, außer am Kopf (umgekehrt sil). Schweiß im Schlaf, hört nach Erwachen auf (umgekehrt samb). Reichlicher Schweiß, saurer Geruch, stinkend, nachts. Venektasien der Nasenflügel. Oft Folgen von Impfungen, von zu reichlicher, eiweißhaltiger Nahrung. In der Familienanamnese gehäuftes Auftreten von Diabetes und rheumatischen Erkrankungen. In der Eigenanamnese evtl. Unterleibserkrankungen, Zystitiden, Gonorrhö, Kondylome, Fibrome, rote Naevi, weiche Warzen. Schlimmer durch feuchte Kälte (typisch für Sykosis).
→Gesicht – Hautausschläge – Akne – Kinn (12): bros-g, hydr, ichth, lim-b-c, prot, querc-r, ros-d, sep, sulfa, thuj, verat, viol-t
Tuberculinum
#TuberculinumSeborrhöNosodenTuberculinumMager bei gutem Appetit. Leicht erschöpft. Sehr rote Lippen. Wechselt oft seine Interessen, die Freunde, den Ort (Verlangen zu reisen), den Beruf, die Umgebung (stellt Möbel immer wieder um).
→Gesicht – Hautausschläge – Akne – Kindern, bei tuberkulösen (1): tub
Homöopathische Repertoriumsrubriken und Arzneimittel bei trockener Haut (Seborrhoea sicca)
Hepar sulfuris
#Hepar sulfurisSeborrhöStarke Eiterungsneigung, schlecht heilende Haut, Akne mit zahlreichen eitrigen Pusteln, oft perioral; rissige schmierige Mundwinkel. Juckreiz, evtl. mit stechenden Schmerzen. Sehr frostig, besonders empfindlich gegen kalte Zugluft, z. B. Husten, sobald die zugedeckten Hände entblößt werden. Kalte Extremitäten, aber schwitzt auch leicht bei geringer Anstrengung. Nachtschweiß, übelriechend, sauer. Unzufrieden, reizbar, heftig, jähzornig.
Sulphur
#SulphurSeborrhöDie Akne ist über das ganze Gesicht verteilt. Ungepflegtes Aussehen, raue, ungesunde, rote, juckende Haut. Der Juckreiz wird gebessert durch Kratzen. Kratzen verursacht allerdings Brennen. Verschlimmerung durch Wärme, auch Bettwärme, und Wasser. Rote Lippen und Ohren. Brennende Fußsohlen, werden nachts abgedeckt. Folge von unterdrückender Behandlung. Hitziger Charakter, aber nicht nachtragend. Sulphur fördert das Wesentliche zu Tage.
→Gesicht – Hautausschläge – Akne – Nase (26): am-c, ars, ars-br, aster, bor, calc-p, calc-pic, cann-s, caps, carb-an, caust, clem, elaps, graph, kali-br, kali-i, lac-cpr, nat-c, psor, rhus-t, sars, sel, sep, sil, sulph, zing
Sulphur iodatum
Ähnliche Symptomatik wie Sulphur#Sulphur iodatumSeborrhö. Bei der Akne kommt es zu einer stärkeren Bildung von eiternden Knoten (Acne indurata) und schwarzen Aknepusteln (Acne punctata). Akne auch perioral. Furunkulose, rote Narben, schmerzlose Geschwüre. Immer in Eile.
→Gesicht – Hautausschläge – Akne – Tüpfel (17): ars, art-v, aster, sul-i, …
→Gesicht – Hautausschläge – Akne – punctata, Acne [Synthesis] (3): aster, kali-br, sul-i
→Gesicht – Hautausschläge – Akne – Tüpfel – kleine Punkte mit schwarzen Spitzen und kleiner roter Basis (1): art-v
→Haut – Hautausschläge – Pickel, Blütchen – schwarz (8): ars, aster, carb-v, crot-c, kali-bi, ped, psor, spig
Bei der Suche nach einer guten Rubrik zeigt sich wieder einmal die ganze Vielfalt an Unvollständigkeit und Vielfalt in den Begriffen, unter denen die Arzneien zu finden sind.
Homöopathische Arzneimittel und Repertoriumsrubriken bei harten und/oder dunkelfarbigen Aknepusteln und -knoten
Aus der Toxikologie ist bekannt, dass die Halogene Chlor, Brom und Jod Aknepusteln und -knoten verursachen können, bei Brom und Jod mit bräunlicher Verfärbung. Diese Wirkung bleibt auch bei ihren Salzen enthalten, sodass sie, entsprechend der Ähnlichkeitsregel, bei indurierter oder bräunlicher Akne homöopathisch eingesetzt werden können.
→Gesicht – Hautausschläge – Akne – verhärteten Papeln, mit (27): agar, ant-s, arn, ars, ars-i, bell, berb, bov, brom, carb-an, carb-v, cob, con, eug, hep, iod, kali-br, kali-i, led, nit-ac, nux-v, puls, rob, sil, sul-i, sulph, thuj
Brom und seine Salze
Als bromhaltige Medikamente noch verbreitet waren, kam es als Nebenwirkung häufig zur BromakneBromakne. In diesem Fall führt das Absetzen der Medikamente zur Remission. Zusätzlich kommt eines der folgenden Mittel in Betracht:
→Klinisches – Abusus, Vergiftung – Bromsalze (11): am-c, camph, cham, helon, lach, mag-c, nux-v, op, phos, zinc, zinc-p
Arsenicum bromatum
Harte, bräunliche Knoten bei mageren, unruhigen Menschen. Rosazea mit violetten Papeln auf der Nase. Akne#Arsenicum bromatumAkne bei anämischen Mädchen.
Bromum

„Als junger Arzt nahm Karl Anton Kass Brom-Tabletten wegen Schlaflosigkeit. Auf einer Klammwanderung packte ihn ein unerklärlicher Schwindel, nachts hatte er Stimmritzenkrämpfe und Kruppanfälle. Als er nicht mehr über Brücken gehen konnte, die über fließendes Wasser führten, hielt er sich für hysterisch und hatte keine Erklärung dafür. Sein Vater las ihm das Arzneimittelbild von Bromum vor. Daraufhin nahm er keine Schlaftabletten mehr, wurde gesund und homöopathischer Arzt.“

(Allen, Leitsymptome)

Akne#BromumAkne mit schmerzlosen, harten Pusteln mit derber Umgebung, Furunkel. Deutliche Besserung am Meer. Empfindung wie Spinnweben im Gesicht. Steinharte Drüsenschwellung, besonders am Unterkiefer und Hals. Verschlimmerung durch Wärme. Verlangt viel Wärme, die nicht erleichtert.
→Gesicht – Hautausschläge – Akne – Lymphdrüsenschwellung, mit (3): brom, calc-s, merc
Kalium bromatum
#Kalium bromatumAkneLivide oder bräunlich-harte, juckende Knoten und Pusteln im Gesicht, am Rücken und an der Brust. Pustulöse, zur Narbenbildung neigende Akne. Schlechter während der Menses. Besser bei geistiger und körperlicher Beschäftigung. Gedächtnisverlust. Tiefe Melancholie mit Wahnideen. Gefühl von moralischer Schwäche, religiöse Depressionen. Einbildung von Verschwörungen gegen die eigene Person.
Jod und seine Salze

„Das Hauptunterscheidungsmerkmal zwischen Brom und Jod ist, dass Brom die Blauäugigen und Jod die Braunäugigen kuriert.“

(Hering)

Arsenicum iodatum
Akne#Arsenicum iodatumAkne mit harten, streifigen Papeln mit Pustel auf der Spitze. Die Haut ist trocken, schuppig, juckend. Abblättern der Haut in großen Schuppen, darunter eine raue, feuchte Oberfläche. Ichthyosis, Psoriasis. Schwächende Nachtschweiße. Verschlimmerung durch Waschen. Abmagerung. Reizende und ätzende Absonderungen. Angst, Unruhe. Körperlicher Abbau mit Gewichtsverlust und Schwäche.
Iodum
#IodumAkneOft dunkler Teint. Mager bei gutem Appetit oder Heißhunger. Ängstlich, wenn er nicht isst. Hyperthyreosezeichen, lebhaft, heftig. Krupp, heiserer, trockener Husten < warmes, feuchtes Wetter. Pfeifende Atmung. Kind greift beim Husten an den Hals. Blasses und kaltes Gesicht, besonders bei gut genährten Kindern. > Kälte, Bewegung, Essen.
Kalium iodatum
#Kalium iodatumAknePurpurne Flecken auf der Haut, besonders an den Beinen. Kleine Furunkel. Raue Papeln. Drüsen vergrößert und verhärtet. Rissiger Anus bei Kindern. Hyperthyreose, Neigung zu Bronchitis. > Frische Luft und Bewegung. < Wärme, warme Kleidung, warmes Zimmer, nachts, feuchtes Wetter. Syphilitisches Miasma.
→Gesicht – Hautausschläge – Akne – Syphilis, durch (4): aur, kali-i, merc, nit-ac
Sulphur iodatum
#Sulphur iodatumAkneEiternde, harte Knoten. Schwärzliche Komedonen, auch perioral. Jucken an den Ohren, der Nase und in der Harnröhre. Knötchenausschlag im Gesicht, Herpes labialis, Nackenfurunkel, Bartflechte, Lichen ruber planus. Unruhig. Verträgt keine Sonne. Gefühl von gesträubten Haaren.
Silicea
#SiliceaAkneLangsame Entwicklung der Knoten bis zur Eiterung, dann Narbenbildung. Nagelbetteiterungen, Abszesse, Furunkel, Fisteln. Empfindliche Haut, blass, wachsartig. Risse an den Fingerspitzen. Schmerzlose Drüsenschwellung. Rosenfarbene Flecken. Narben werden schmerzhaft. Fördert das Abstoßen von Fremdkörpern, z. B. Glassplittern, aus dem Gewebe. Kleine Verletzungen eitern. Hautausschlag, der nur tagsüber und abends juckt. Keloide. Furcht vor Nadeln. Verlangen nach Wärme, verträgt aber keine Sonne.
Homöopathische Arzneimittel und Repertoriumsrubriken bei Verschlechterung während der Periode
Im Mittelpunkt steht die hormonelle Disharmonie.
Eugenia jambos
Acne vulgaris#Eugenia jambosAkne und indurata, Rosazea. Komedonen. Pickel und umgebende Haut sind schmerzhaft. Die Haut an und zwischen den Zehen ist rissig. Zustand wie von Alkohol betrunken. Alles erscheint schön und größer. Erregung – auch sexuell –, die in Depression übergeht.
→Gesicht – Hautausschläge – Akne – sexuellen Exzessen, mit (9): aur, calc, eug, kali-br, ph-ac, rhus-t, sep, sulph, thuj
Pulsatilla
Akne#Pulsatilla pratensisAkne < Alkohol, Wärmezufuhr oder Hitze, reichliche, fette Speisen, nach dem Essen, abends, im warmen Zimmer. > Im Freien, Bewegung, kalte Anwendungen, kalte Nahrung und Getränke. Kalte Hände und Füße, Verdauungsbeschwerden. Die Periode ist unregelmäßig, oft verspätet, schwach und setzt mehrere Monate lang aus. Venostase in den Beinen. Durstlosigkeit. Weint leicht, lässt sich trösten. Wechselnde Symptome, stimmungsmäßig wie ein Apriltag.
→Gesicht – Hautausschläge – Akne – gastrischen Störungen, bei (7): ant-c, carb-v, cimic, lyc, nux-v, puls, rob
Sepia
Akne#SepiaAkne vor den Menses, in der Schwangerschaft, nach der Entbindung (daher auch bei starker „Babyakne“ anwendbar, wenn die Mutter unter Akne leidet). Dunkler Teint, gelbliche Haut, fleckig, Chloasma. Reizbar vor der Periode. Menses meist zu spät, selten zu früh, oft schwach. Oft vermehrter und übelriechender Achselschweiß. Herpes an Lippen und Nase. Besserung durch Bewegung und körperliche Anstrengung, nach heißen Anwendungen, nach Schlaf.
→Gesicht – Hautausschläge – Akne – Schwangerschaft, während der (4): bell, sabin, sars, sep
→Gesicht – Hautausschläge – Akne – Kinn – Wehen, Entbindung, nach der (1): sep
Homöopathische Arzneimittel und Repertoriumsrubriken bei Akne mit Obstipation und Leberinsuffizienz
Patienten, die Probleme mit der Verdauung haben, profitieren besonders vom Einhalten der Diätvorschriften.
Antimonium crudum
Verhärtung um die Aknepusteln#Antimonium crudumAkne. Akne stark verschlechtert in der Nähe einer Wärmequelle (Ofen, Feuer). Akne mit Magenbeschwerden. Verhornung gesteigert an Händen und Fußsohlen, Warzen. Reizbar, mürrisch, unfreundlich, voller Widerspruch. Kann es nicht ertragen, berührt, angesehen oder angesprochen zu werden. Spricht in Reimen. Dick weiß belegte Zunge, saures Aufstoßen, Blähungsabgang. Durchfall wechselt mit Verstopfung. Die Leberregion ist druckempfindlich.
→Gesicht – Hautausschläge – Akne – Feuer, durch die Nähe von (1): ant-c
Lycopodium clavatum
Akne#Lycopodium clavatumAkne besonders am Rücken. Akne mit Verdauungsbeschwerden. Trockene Haut, Leberflecke, Sommersprossen. Hautveränderungen, Risse, Verhornungen in der Handfläche. Kompensiert mangelndes Selbstvertrauen durch diktatorisches Auftreten.
Nux vomica
Akne#Nux vomicaAkne besonders auf der Stirn (bei nat-m besonders an der Stirnhaargrenze). Verschlechterung durch Alkohol und Käse. Reizbar, leicht beleidigt, zugluftempfindlich. Spastische Obstipation mit vergeblichem Drang. Obstipation auf Reisen. Folgen von Medikamentenmissbrauch.
→Gesicht – Hautausschläge – Akne – Trinkern, bei (11): ant-c, ars, bar-c, carbn-s, kreos, lach, led, nux-v, puls, rhus-t, sulph
→Gesicht – Hautausschläge – Akne – Obstipation, mit (Synthesis): calc-sil, nux-v
→Gesicht – Hautausschläge – Akne – Käse, durch (1): nux-v
Homöopathische Arzneimittel und Repertoriumsrubriken bei Kosmetikamissbrauch
Unter KosmetikamissbrauchKosmetikamissbrauch, Akne ist in erster Linie die Anwendung verschiedener Salben und Cremes zur Pflege der Haut zu verstehen. Nicht vergessen sollte man auch, dass viele Mütter schon bei Neugeborenen die Gewohnheit zur Pflege der eigenen Haut auf die Kinder übertragen und unnötigerweise Kindercremes in Mengen auftragen, obwohl die gesunde Haut dies nicht nötig hat. Die empfindliche Haut der Säuglinge wird mit den unterschiedlichsten Salbenbestandteilen malträtiert und oft überfordert. Die Folge sind Hautreizungen oder auch Pickel. Es ist selbstverständlich, dass diese Cremes wegzulassen sind.
Folgende Rubriken sind verwendbar, wobei die Arzneien der kleinen Rubriken in den jeweils größeren enthalten sind.
→Allgemeines – Empfindlichkeit – Medikamente, gegen (10): acon, arn, cham, coff, lyc, nux-v, puls, sep, sil, sulph
→Klinisches – Medikamente, allopathische Medizin – überempfindlich gegen (18): acon, arn, asar, cham, chin, coff, cupr, ign, lyc, nit-ac, nux-v, ph-ac, puls, sep, sil, sulph, teucr, valer
→Allgemeines – Arzneimittel – überempfindlich gegen A., heftige Reaktion (25): acon, ant-c, arn, ars-i, asar, bell, caust, cham, chin, coff, cupr, hep, ign, lyc, m-arct, nit-ac, nux-v, ph-ac, puls, sep, sil, sulph, teucr, valer, zinc
Bovista
#BovistaAkneKleine Pusteln an Wange und Stirn. Bovista ist bei Hautreizungen und Akne nach regelmäßiger Anwendung von Kosmetika bewährt. Akne, die nur im Sommer auftritt (ungewöhnlich für Akne im Sinne eines sonderlichen Symptoms vgl. Organon, § 153), < nach Baden. Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung ist die strikte Unterlassung aller kosmetischen Tünche. Bovista ist ebenfalls bewährt als Anfangsmittel, wenn Ekzeme längere Zeit mit Teersalben behandelt wurden.
→Gesicht – Hautausschläge – Akne – Kosmetika, durch (1): bov
→Klinisches – Abusus, Vergiftung – Kosmetika (1): bov
Nux vomica
Nux vomica#Nux vomicaAkne ist das klassische Mittel bei Unverträglichkeit allopathischer Arzneien. In der Praxis bewährt hat sich daneben sehr häufig Teucrium marum verum, auch nach Unverträglichkeiten von Nahrungsmitteln oder Nahrungsmittelzusatzstoffen oder nach Operationen mit Narkosemitteln.
Sulphur
Gerade bei Hautveränderungen, die bereits allopathisch unterdrückend behandelt wurden, ist Sulphur#SulphurAkne eine der wichtigsten homöopathischen Arzneien. Je länger die Behandlung anhält und je empfindlicher der Patient erscheint, umso vorsichtiger ist Sulphur zu dosieren.
Homöopathische Arzneimittel zur Nachbehandlung bei harten Narben
Acidum fluoricum
Juckreiz der Narben#Acidum fluoricumAkne, Narben mit Hitzegefühl in der Haut. Varizen, Naevi, Ulzera, Wundliegen. < Wärme und Sonne. Gefühl, als ob brennender Dampf aus den Poren abgelassen würde. Jucken, besonders der Körperöffnungen. Massenhafte, saure, übelriechende Schweiße. Gleichgültigkeit gegen die geliebten Personen. Unfähigkeit, Verantwortung zu übernehmen. Sprunghaftigkeit.
Carbo animalis
Blaurote derbe Narben#Carbo animalisAkne, Narben mit Venenzeichnung der Umgebung. Raue, schrundige Haut. Kupferfarbiger Ausschlag, Frostbeulen. Rosazea. Drüsen verhärtet, geschwollen, schmerzhaft an Hals, Achseln, Leisten, Brust. Frostige Patienten. < Kälte, abends im Bett.
Kalium bromatum
#Kalium bromatumAkne, NarbenBräunliche oder livide, harte, juckende Narben.
Kalium iodatum
#Kalium iodatumAkne, NarbenBewährt als Resorptionsmittel.
Homöopathische Arzneimittel bei bleibender Verfärbung
Antimonium tartaricum
#Antimonium tartaricumAknePustulärer Ausschlag, der blaurote Flecken zurücklässt. Schwäche und Schweiß sind charakteristisch für dieses Mittel.
Arnica montana
#Arnica montanaAkneRot-violette Verfärbung. Oft symmetrisch von der Nase über beide Wangenpartien zum Jochbogen.
→Gesicht – Hautausschläge – Akne – symmetrische Verteilung (1): arn
Sulphur iodatum
#Sulphur iodatumAkneRote Flecken auf rauer Haut. Jucken, Brennen, Ausschlag mit kleinen Stippen. Entwicklung kleiner Furunkel, Ekchymosen, Wundliegen.
Homöopathische Arzneimittel und Repertoriumsrubriken bei Rosazea
Rosazea ist die bessere Bezeichnung gegenüber des alten Begriffs Acne rosacea und weist auf den pathophysiologischen Unterschied zu Akne und auf die auffällige Röte der Haut hin. Die Rosazea entwickelt sich auf dem konstitutionellen Boden der Seborrhö in Verbindung mit Erweiterung der Hautkapillaren. Entsprechend dieser Ätiologie haben die homöopathisch passenden Arzneien Beziehung zum Gefäßsystem.
→Gesicht – Hautausschläge – Akne – Acne rosacea (77): ars, ars-br, ars-i, aur, aur-ar, aur-m, aur-s, calc-sil, canth, caps, carb-ac, carb-an, carb-v, carbn-s, caust, eug, kali-bi, kali-br, kali-i, kreos, lach, mez, nux-v, petr, plb, psor, rad-br, rhus-t, ruta, sep, sil, sul-ac, sulph, tub, verat, viol-t, …
Arnica montana
#Arnica montanaRosazeaRot-violette Farbe. Venektasien und Pusteln über beiden Wangen und Jochbogen symmetrisch (wie Schmetterlingsflügel). Rhinophym. Reichliche hellrote Periodenblutungen.
Aurum metallicum
#Aurum metallicumRosazeaErweiterte Poren, oft wenig Papeln oder Pusteln, wenig entzündliche Röte, keine bläuliche Verfärbung.
Carbo animalis
#Carbo animalisRosazeaBläuliche Röte mit zahlreichen Venektasien. Gärungsdyspepsie und Meteorismus.
Calcium carbonicum
#Calcium carbonicumRosazeaBläuliche Röte mit besonderer Lokalisation an der Nase und Nasenspitze mit Jucken und Brennen. Komedonen und Pusteln. Rhinophym. Wichtiges Mittel bei Steroidrosazea. Die Anwendung von Kortisoncremes begünstigt eine Abwehrschwäche gegen Bakterien. In Kombination mit der Gefäßschädigung tritt die Rosazea auf (auch nux-v, bov, sulph). Frostige Patienten mit kalter Haut, aber auch Unverträglichkeit von starker Wärme, besonders Kleidung und warmes Zimmer. < Kälte, starke Wärme, Feuchtigkeit. Morgens besonders schwach. > Mäßige und trockene Wärme, Liegen. Geringes Selbstbewusstsein, überempfindlich gegen Lärm, Berührung, Schmerz, Zugluft. Gefühl von Kälte, besonders am Rücken, Hinterkopf, Scheitel.
Lachesis
#Lachesis mutaRosazeaLivide Röte. Besondere Indikation: Rosazea bei Alkoholikern, Rhinophym. < Wärme, warme Anwendungen, im Frühling und Sommer. Verträgt nichts Enges am Hals, mag keine eng anliegende Kleidung und enge Räume oder eine Menschenmenge.
Nux vomica
#Nux vomicaRosazeaFleckige Röte. Besondere Lokalisation: Stirn. Spastische Magen-Darm-Beschwerden. Folgen von Abführmittelmissbrauch. Alkoholiker. Leicht beleidigt. Zugluftempfindlich.
Sanguinaria canadensis
#Sanguinaria canadensisRosazeaDunkelrote Farbe. Blutandrang zum Kopf mit rotem Gesicht, besonders bei schwachen Menses oder im Klimakterium. Kopfschmerzen, die mit dem Sonnenstand ansteigen und zum Abend hin aufhören.
→Kopf – Schmerz, Kopfschmerzen – morgens – agg. – Sonne zu und abnehmend, mit der (14): acon, bry, glon, kalm, nat-c, nat-m, phos, sang, sep, spig, stann, stram, stront-c, tab
Sulphur
#SulphurRosazeaRote, raue, juckende Haut bei vollblütigen Sulphurikern mit rotem Gesicht, roten Lippen und Ohren, mit Unverträglichkeit von Wärme. Passt öfter bei streitsüchtigen Alkoholikern.

Blasen

BlasenDie verschiedenen Effloreszenzen werden wie folgt unterschieden.
  • QuaddelQuaddel (UrticaUrtica): Volumenzunahme der Haut mit beetartiger Erhebung durch umschriebenes perivaskuläres Ödem von meist kurzer Bestandsdauer (Stunden), verbunden mit Juckreiz (Abb. 18.1).

  • Bläschen (VesiculaVesicula): Mit seröser Flüssigkeit gefüllter, sichtbarer Hohlraum in der Haut (Abb. 18.1).

    • Subkorneale Bläschen besitzen eine dünne Blasendecke, die leicht verletzbar ist. Die austretende Flüssigkeit bildet Krusten.

    • Intradermale Bläschen sind stabiler.

    • Subepidermale Bläschen haben eine dickere, widerstandsfähigere Blasendecke. Eine Verletzung frei liegender Gefäße am Blasengrund ist möglich. Es entsteht dann ein hämorrhagischer Blaseninhalt.

  • PustelPustel (Pustula): Mit Eiter gefüllter, sichtbarer Hohlraum der Haut, meist subkorneal oder intraepidermal (Abb. 18.1).

  • Blase (BullaBulla): Eine seröse Flüssigkeit enthaltende erbsen- bis hühnereigroße Primäreffloreszenz der Haut mit Ursprung und Lage unter der Hornschicht (subkorneal) in oder unter der Epidermis (intraepidermal bzw. subepidermal).

Quaddel (Urtica)

Grundlagen

Als UrtikariaUrtikaria bezeichnet man das exanthematische Auftreten von flächenhaften, scharf begrenzten, juckenden QuaddelnQuaddel .
Unterscheidung nach zeitlichem Verlauf:
  • Akute Urtikaria: Akutes Krankheitsbild mit rasch entstehenden Quaddeln, die schubweise auftreten und auch wieder verschwinden können und innerhalb von Tagen, selten Wochen abheilen. Im Kleinkindalter überwiegt die infektassoziierte Urtikaria.

  • Chronische Urtikaria: Länger als sechs Wochen anhaltende Urtikaria unterschiedlichster Ätiologie. In vielen Fällen ist keine Ursache eruierbar.

Unterscheidung nach Ätiologie:
  • Allergische Urtikaria: IgE-vermittelte Reaktion auf Nahrungsmittel (z. B. Fisch, Krustentiere, Milch, Nüsse), Arzneimittel (u. a. Antibiotika, Impfstoffe, Blutdruckmittel etc., Nahrungsmittelallergien 9.4).

  • Pseudoallergische Urtikaria: Nicht IgE-vermittelte Intoleranz auf Nahrungsmittelzusatzstoffe oder Medikamente (z. B. Azetylsalizylsäure, Analgetika, Antibiotika, nichtsteroidale Antiphlogistika, Lokalanästhetika).

  • Physikalische Urtikaria: Mechanisch ausgelöste Urtikaria mit unterschiedlichen Latenzzeiten: Urticaria factitia (1–5 Min.), urtikarieller Dermographismus (5–10 Min.), Druckurtikaria, z. B. an Händen, Füßen, Gesäß (Minuten bis Stunden).

  • Kälteurtikaria, Wärmeurtikaria.

  • Cholinergische Urtikaria (Schwitzurtikaria): Ausgelöst durch körperliche Anstrengung mit Schwitzen, tritt nicht im Schlaf auf.

  • Lichturtikaria: Urtikaria nach Sonnenlichtexposition (Urticaria solaris), aber auch durch Strahlen anderer Wellenlänge.

  • Endogene Urtikaria: Ausgelöst durch Infekte, chronische Entzündungsherde (Zähne, Tonsillen), Parasiten, Tumoren.

  • Idiopathische Urtikaria: Keine erkennbaren Ursachen, besonders häufig bei chronischer Urtikaria (ca. 60 % der Fälle).

  • Autoimmun-Urtikaria: Bei einem Teil der Fälle von chronisch-rezidivierender, idiopathischer Urtikaria handelt es sich wahrscheinlich um eine Autoimmun-Urtikaria mit gegen Mastzellen gerichteten IgG-Autoantikörpern, gehäuft assoziiert mit anderen Autoimmunerkrankungen (z. B. Autoimmunthyreoiditis).

Eine Sonderform der Urtikaria ist die Urticaria pigmentosaUrticaria pigmentosa, eine benigne generalisierte Mastozytose der Haut. Sie tritt oft im Kindesalter auf (Urticaria pigmentosa infantilis), gelegentlich auch im Erwachsenenalter (Urticaria pigmentosa adultorum). Selten ist auch eine systemische Mitbeteiligung möglich.

Konventionelle Therapie

Die konventionelle Therapie der Urtikaria besteht aus kühlenden Umschlägen oder juckreizstillenden Gels. Systemisch wird mit Antihistaminika, bei stärkerer Ausprägung mit Kortikosteroiden behandelt.

Homöopathische Behandlung bei Quaddeln (Urtikaria)

Zur effektiven homöopathischen Behandlung gehört wie bei jeder Therapie die richtige Diagnose – v. a. auch, um Heilungshindernisse zu beseitigen. Zum differenzierten Einsatz ist es notwendig, die Modalitäten besonders zu berücksichtigen. Bei gleicher Morphe der Haut und ähnlichen Modalitäten kommen trotz unterschiedlicher Ätiologie oder Diagnose oft gleiche homöopathische Arzneien zum Einsatz.
Repertoriumsrubriken
Im Complete Repertory gibt es nur wenige Rubriken mit dem Begriff „Quaddel“. Da diese Rubriken unvollständig sind, sucht man besser die Rubriken mit dem Begriff „Urtikaria“ (247 Rubriken) oder Nesselsucht (161 Rubriken) auf.
→Gesicht – Hautausschläge – Urtikaria (36): anan, ant-c, apis, apisin, ars, ars-i, bell, calc, chel, chin, chin-s, chlol, coca, cop, croto-t, dulc, gels, hep, hydr, jug-c, kali-i, lach, led, lim, mag-m, medus, mez, nat-m, nit-ac, plan, prim-o, rhus-t, sep, sil, sulph, urt-u
→Extremitäten – Hautausschläge – Urtikaria (63): acon, all-c, am-c, ant-c, apis, aran, arum-d, bell, berb, bufo, calad, calc, cann-s, caps, carb-v, cassi-s, caust, chin, chin-s, chlol, chlor, clem, cop, crot-c, cub, cypra-e, dulc, harp, hep, hydr, hydrc, hyper, indg, iod, kali-br, kali-i, lac-eq, lach, lap-mar-c, lyc, lycps, mand, med, merc, morg-g, nat-c, nat-m, nat-s, phos, plan, rhus-t, rhus-v, sars, sil, spig, stann, stram, sulph, tarax, thuj, urt-u, verat, zinc
Homöopathische Arzneimittel
Apis mellifica
Brennender, stechender Schmerz und Jucken werden besser durch Kälteanwendungen, schlechter durch Wärme, Schwitzen und bei Wetterwechsel. Sehr berührungsempfindliche Haut. Quaddeln sind meist hellrot, manchmal livide. Urtikaria#Apis mellificaUrtikaria mit Erbrechen, mit Asthma. Urtikaria bei Fieber, durch Anstrengung, durch Verzehr von Muscheln oder Krabben.
→Atmung – Asthma, asthmatische Atmung – Urtikaria, durch (2): apis, puls
→Haut – Hautausschläge – Urtikaria – Fieber, während (8): apis, chlor, cop, cub, ign, rhus-t, rhus-v, sulph
→Haut – Hautausschläge – Urtikaria (Nesselsucht) – Fieber, nach (3): apis, hep, rhus-t
→Haut – Hautausschläge – Urtikaria – Schalentiere [Synthesis] (3): apis, ter, urt-u
→Haut – Hautausschläge – Urtikaria (Nesselsucht) – Schalentiere (Muscheln, Krebse etc.) (7): apis, ars, astac, camph, ter, tet, urt-u
→Haut – Hautausschläge – Urtikaria (Nesselsucht) – Wärme – agg. – Betätigung, körperliche, durch (14): apis, bov, con, dulc, kali-c, kali-i, led, lyc, nat-m, nit-ac, psor, puls, sulph, urt-u
Urtica urens
#Urtica urensUrtikariaTypisch ist der brennende Schmerz (Brennnessel, nomen est omen). Starkes Jucken und Brennen, < Wärme, feuchte Kälte, Schneeluft, Nässe, nach Baden, Berührung, körperliche Anstrengungen. Folgen nach Unterdrückung von Nesselsucht, z. B. rheumatische Beschwerden. Die Hautausschläge sind gerötet, in Flecken auftretend mit unerträglichem Brennen, oft begleitet mit Gelenkbeschwerden, vereinzelt verbunden mit Schwellung der Genitalien. Die Symptome haben die Eigenart, periodisch jedes Jahr zur gleichen Zeit wiederzukehren. Folgen von Insektenstichen, Verbrennungen ersten und zweiten Grades, Milchmangel, allergische Reaktionen, Varizellen, Wurmbefall.
→Extremitäten – Schmerz – rheumatischer Schmerz, Rheumatismus – abwechselnd mit – Urtikaria (1): urt-u
→Haut – Hautausschläge – Urtikaria (Nesselsucht) – abwechselnd mit – Rheumatismus (1): urt-u
→Haut – Hautausschläge – Urtikaria (Nesselsucht) – Rheumatismus, bei (3): pin-s, rhus-t, urt-u
→Haut – Hautausschläge – Urtikaria (Nesselsucht) – Madenwürmern, mit (1): urt-u
→Haut – Hautausschläge – Urtikaria (Nesselsucht) – Baden – agg. (7): bov, calc-p, lach, phos, sep, sulph, urt-u
Acidum formicicum, Formica rufa
#Acidum formicicumUrtikaria#Formica rufaUrtikariaBesonders indiziert bei gichtisch-rheumatischer Diathese in Verbindung mit großer Empfindlichkeit gegen Kälte und Nässe. Folge von Kaltbaden.
Dulcamara
#DulcamaraUrtikariaStarke Empfindlichkeit gegen Kälte und Nässe. Folgen von Erkältung, Durchnässung (rhus-t: Folge von Durchnässung mit Überanstrengung), bei nasskalter Witterung. Kälteurtikaria (auch ant-c), Urticaria factitia (durch Kratzen). Die oft begleitenden rheumaartigen Gelenkschmerzen werden besser durch Wärme und Bewegung. Paradox bei allgemeiner Kälteempfindlichkeit ist die Beobachtung, dass sich der Hautausschlag und das Jucken durch Wärme und Anstrengung verschlechtern, der Juckreiz in kalter Luft besser wird.
→Haut – Hautausschläge – Urtikaria – kalt – Luft, in – amel. [Synthesis] (2): calc, dulc
→Haut – Hautausschläge – Urtikaria (Nesselsucht) – Luft – kalte – agg. (9): ars, caust, dulc, kali-br, nat-s, nit-ac, rhus-t, rumx, sep
→Haut – Hautausschläge – Urtikaria (Nesselsucht) – Kälte – Kaltwerden, durch (7): ars, calc, calc-p, dulc, rhus-t, rumx, sep
Rhus toxicodendron
#Rhus toxicodendronUrtikariaKalte Luft und Schwitzen verschlechtern. Folge von Kälte und Durchnässung, besonders in Verbindung mit Überanstrengung. Rezidiviert oft im Frühjahr. Urtikaria bei Fieber und Fieberfrost, bei Rheumatismus. Morphologie: gruppenförmig beieinander stehende, stark juckende Bläschen. Besonders indiziert, wenn die Quaddeln klein und knötchenförmig sind.
→Haut – Hautausschläge – Urtikaria (Nesselsucht) – Kratzen – agg. (55)
→Haut – Hautausschläge – Urtikaria – Kratzen, nach [Synthesis] (52): dulc, lach, mez, rhus-t, …
→Haut – Hautausschläge – Urtikaria (Nesselsucht) – Nasswerden, durch (1): rhus-t
→Haut – Hautausschläge – Urtikaria (Nesselsucht) – Froststadium im Fieber – während (7): apis, apisin, ars, chlol, ign, nat-m, rhus-t
Dies ist die Übersetzung der englischen Rubrik→Skin – urticaria, hives – chill – during←und zeigt erneut die Schwierigkeit, Rubriken korrekt zu verwenden, wenn man den Ursprung nicht kennt.
Homöopathische Arzneimittel bei Urtikaria infolge Nahrungsmittelallergie
Eine allergische Reaktion auf Nahrungsmittel (NahrungsmittelallergienNahrungsmittelallergien 9.4) ist eine der häufigen Ursachen für eine Urtikaria.
Antimonium crudum
Akute Urtikaria#Antimonium crudumUrtikaria im Verlauf einer Magen-Darm-Störung, oft ausgelöst durch verdorbenes Fleisch (auch ars). Dabei Übelkeit und Erbrechen, das nicht erleichtert. Zunge mit dickem, weißem Belag. Verträgt an der Haut keine Temperaturextreme. Urtikaria sowohl nach Überwärmung, besonders nach Sonnenbestrahlung, als auch durch kaltes Baden. Mürrische Stimmung.
Arsenicum album
#Arsenicum albumUrtikariaAusgeprägtes Brennen überwiegt. Unruhe, besonders nachts und nach Kratzen. Jucken und Brennen oft besser durch heiße Anwendungen, seltener Jucken, > kalte Umschläge. Auslöser ist oft verdorbenes Fleisch.
Bryonia alba
Urtikaria#Bryonia albaUrtikaria durch Genuss von Erdbeeren.
Chloralum hydratum
Urtikaria#Chloralum hydratum, Urtikaria durch alkoholische Getränke, Wein.
Homöopathische Repertoriumsrubriken und Arzneimittel bei chronisch-rezidivierender Urtikaria
UrtikariaHier stehen keine akuten Auslöser im Vordergrund, sondern aufgrund des konstitutionellen Problems der gesamte Mensch. Deshalb ist im Rahmen einer konstitutionellen Anamnese die Gesamtheit der Symptome zu berücksichtigen. Insbesondere ist möglichst der ätiologische Hintergrund der Urtikaria herauszufinden und bei der Arzneiwahl zu bewerten.
Calcium carbonicum
#Calcium carbonicumUrtikariaOft knötchenförmige Urtikaria. Frostige Patienten mit Besserung der Urtikaria in kalter Luft. Als Auslöser kommen oft Milch oder Milchbestandteile in Nahrungsmitteln in Betracht. Urticaria factitia.
Calcium phosphoricum
Urtikaria#Calcium phosphoricumUrtikaria oder andere Beschwerden nach kaltem Baden. Denken an die Beschwerden verschlimmert sie. < Feuchtes, kaltes Wetter, geistige Überanstrengung. Kopfschmerzen bei Schulmädchen (auch nat-m, ph-ac, phos, pic-ac, puls, sulph).
Natrium muriaticum
#Natrium muriaticumUrtikariaFrostige Patienten, herb, verschlossen, introvertiert. Können entgegengebrachte Liebe und Trost nur schwer annehmen. Oft Patienten in helfenden Berufen, Koabhängigkeit. Allgemeine Verschlimmerungszeit 11:00 Uhr (auch phos, sep, sulph). Die Haut ist oft fettig, besonders an Stirn und Stirn-Haar-Grenze. Schweiß auf der Nase. Beschwerden werden oft ausgelöst durch feuchte Kälte, Wärme, heftige Anstrengung, Sonnenbestrahlung, am Meer, nach Fisch, Muscheln, Krabben oder Hummer.
Phosphorus
Urtikaria nach Fisch (phos#PhosphorusUrtikaria hat auch Verlangen oder Abneigung gegen Fisch), Baden, Sonnenbestrahlung. Allergische Reaktion nach Antibiotika.
Sepia
Knötchenförmige Urtikaria#SepiaUrtikaria (auch rhus-t, calc-c) mit Verschlechterung durch kalte Luft, im Winter. > Anstrengung und Wärme. Häufig Dysmenorrhö, nach unterdrückten Menses, im Klimakterium. Urtikaria nach Fisch.
→Haut – Hautausschläge – Urtikaria (Nesselsucht) – Gehen in kalter Luft, beim (1): sep
→Haut – Hautausschläge – Urtikaria (Nesselsucht) – Wärme – amel., Betätigung, durch Warmwerden bei (5): ars, chlol, hep, lyc, sep
→Haut – Hautausschläge – Urtikaria (Nesselsucht) – Wärme – agg. (17): sep, …
Sulphur
Rote Quaddeln mit Jucken und Brennen#SulphurUrtikaria bei Patienten mit rauer, unreiner Haut und Eiterungsneigung. Jucken < Bettwärme. Juckreiz geht durch Kratzen in Brennen über. Auslöser für Urtikaria sind oft Kontaktallergene, allergische Reaktion nach Arzneimitteln, Kratzen, Wärme, Anstrengung, Unterdrückung von Absonderungen oder Hautausschlägen.

Bläschen (Vesicula)

Grundlagen

Ursache für BläschenVesicula sind häufig Viren, besonders Herpes-simplex-Virus (HSV 1: meist orofaziale Manifestation, HSV 2: meist genitale Manifestation) und Varicella-Zoster-Virus.
Ätiologie
  • Herpes-simplex-Virus Typ 1: Die bevorzugte Manifestation ist orofazial (Herpes labialis, Lippenherpes). In der Bevölkerung besteht ein Durchseuchungsgrad von ca. 90 %. Die Viren persistieren in den Spinalganglien, sodass bei vorhandenen Triggerfaktoren (z. B. Sonnenlicht, fieberhafte Infektionen, Stress) das entsprechende Hautareal erneut befallen wird.

  • Herpes-simplex-Virus Typ 2: Die bevorzugte Manifestation ist der Genitalbereich (Herpes genitalis); bei Kindern ist in einem solchen Fall an Missbrauch zu denken. Die Durchseuchung in der Bevölkerung beträgt ca. 30 %. Wegen geringer Pathogenität der Herpes-Viren bzw. guter Infektabwehr verläuft die Infektion häufig inapparent, subklinisch oder nur lokal.

  • Varicella-Zoster-VirusVaricella-Zoster-Virus: Erstinfektion (7.8) mit grundsätzlich schwererem, stärker entzündlichem Verlauf als bei Herpes simplex. Extrakutane Manifestationen und Rezidive (Zoster) infolge Viruspersistenz sind möglich. Bis zur Einführung der Impfung fast vollständige Durchseuchung der Bevölkerung.

Es manifestieren sich auch Bläschen ohne bekannte Ursache, wie z. B. bei Dishydrosis.
Klinik
Herpesinfektionen
Besonders schwere Verläufe der Herpesinfektion sind:
  • Eczema herpeticatum bei Patienten mit atopischem Ekzem (Eintrittspforte, immunologische Störung)

  • Herpes neonatorum durch floride vulvovaginale Herpes-Infektion der Mutter (Indikation zur Sectio), unbehandelt häufig tödlich

  • Herpes-Rezidive bei immuninsuffizienten Patienten (Erkrankung des Immunsystems, immunsuppressive Therapie), insbesondere bei HIV-Infektion: rezidivierend-persistierend, ulzerierend.

Mögliche Komplikationen sind bakterielle Sekundärinfektion sowie das postherpetische Erythema multiforme.
Varizellen
Nach Prodromalphase generalisiertes kleinherdiges Exanthem aus Flecken, Bläschen, Pusteln, Krusten (synchrone Polymorphie durch meist mehrere Schübe). Befall von Stamm, Kopfhaut und Mundschleimhaut, Freibleiben von Handtellern und Fußsohlen. Bei Erwachsenen häufig schwerer Verlauf mit möglichen Komplikationen (Pneumonie, Enzephalitis).
Herpes zoster
Lokalrezidiv des persistierten Varicella-Zoster-VirusHerpes zoster. Nach häufig schmerzhafter Prodromalphase halbseitig-streifenförmige Hautveränderungen (dermatomgebunden) mit gruppierten Bläschen auf Erythemen, pustulöser hämorrhagischer Umwandlung, Verkrustung und Narbenbildung. Die Überschreitung eines Segments (Mehrsegmentbefall) bzw. Zoster generalisatus ist ein Hinweis für eine Immuninsuffizienz.
Schwere Verläufe:
  • Hirnnervenbefall: Zoster trigeminus I mit Augenbeteiligung (10.3), Zoster trigeminus II und III mit Mundschleimhautbeteiligung, Zoster oticus (12.3): Innenohrbeteiligung mit Hör- und Gleichgewichtsstörungen, auch Fazialisparese.

  • Herpes zoster bei Immuninsuffizienz (M. Hodgkin, HIV-Infektion, immunsuppressive Therapie) oder Tumoren: schwerer, therapieresistenter, auch chronischer Verlauf mit Gefahr der Hautgeneralisierung und extrakutanen Manifestationen.

Mögliche Komplikationen sind:
  • Postzosterische Neuralgien in 10–15 % der Fälle, besonders bei schwerem Verlauf oder älteren Patienten, motorische Neuropathie,

  • Kongenitales Varizellen-Syndrom (Embryopathie bzw. Fruchttod) durch Varizellen bzw. Zoster in der Schwangerschaft.

Konventionelle Therapie

Aufgrund des klinischen Bildes, der Anamnese und ggf. der Labordiagnostik zur Erregerbestimmung erfolgt die konventionelle Therapie lokal symptomatisch mit Virustatika, mit Immunmodulatoren wie Interferonen.

Homöopathische Behandlung bei Herpesinfektionen

Herpes simplexDie Auswahl der richtigen homöopathischen Arznei gestaltet sich oft ausgesprochen schwierig. Der Begriff „Herpes“ kommt zwar in vielen Rubriken vor (Complete Repertory: 177 Rubriken einschließlich Unterrubriken), er ist aber allerdings historisch zu verstehen und nicht unbedingt gleichzusetzen mit der Erkrankung durch Herpesviren. Besser ist die Einbeziehung der „Bläschen“-Rubriken mit großer Auswahl (Complete: 541 Rubriken einschließlich Unterrubriken).
→Haut – Hautausschläge – Bläschen (337)
Wegen der Fülle der Arzneimittel wird im Folgenden nur eine Auswahl an Arzneien vorgestellt, die nach deutlichen Merkmalen in Gruppen zusammengefasst und deshalb im Sinne einer bewährten Indikation angewendet werden können. Zusätzlich werden – unabhängig von der Morphe der Haut – typische Symptome für die Arznei aufgeführt.
Bei Herpes labialis wird die Rezidivneigung dieser oft in Verbindung mit Infekten auftretenden Bläschen ganz erheblich reduziert, wenn die Patienten konstitutionell behandelt werden (s. u.). Dies gilt auch für Erkrankungen, die durch andere Herpesviren ausgelöst werden. Eine Herpes simplexLokalbehandlungLokalbehandlungPhytopharmakaHerpes labialis ist möglich. Eine Unterdrückung oder Verschiebung von Symptomen wurde durch die beiden folgenden Medikamente in der Praxis des Verfassers noch nicht beobachtet. Nicht so schnell und durchgreifend wirksam wie eine passende homöopathische Arznei, haben sie doch im Sinne einer symptomatischen Besserung ihre Berechtigung.
  • EchinaceaPhytopharmakaHerpes labialis: In Urtinktur aufgetragen, folgt eine rasche Austrocknung der Bläschen.

  • Lomaherpan® (MelissenextraktMelissenextrakt, Herpes): Hemmt die Ausbreitung der Virusinfektion von Zelle zu Zelle, indem die entsprechenden Rezeptorstellen an der Zelloberfläche blockiert werden (Astani 2014). Dieser Mechanismus ist der Schlüssel zur spezifischen Eignung des Melissenspezialextrakts für die topische Therapie der Herpes-simplex-Infektion. Ähnlich wie Aciclovir oder andere Nukleosid-Analoga verkürzt der Melissenspezialextrakt die Beschwerdezeit und verkleinert die Bläschen. Allerdings unterscheiden sich Nukleosid-Analoga und der Melissenspezialextrakt in der Frage des Resistenzrisikos erheblich, was bei der Therapie einer häufig wiederkehrenden Erkrankung, bei der sich in ungünstigen Fällen schwerwiegende Komplikationen ergeben können, von entscheidender Bedeutung ist. Beim Melissenspezialextrakt fehlt im Gegensatz zu den Nukleosid-Analoga das Resistenzrisiko. Zudem resultiert aus dem Schutz der nicht infizierten Zelle eine Verlängerung des rezidivfreien Intervalls.

Praxistipp

Der beste Schutz vor Rezidiven bei Herpes labialis (und anderen Herpeserkrankungen) ist die gute konstitutionelle Behandlung des Patienten. Die für die akute Erkrankung infrage kommenden Arzneimittel sind in der Regel nicht geeignet, Rezidive zu verhindern. Darin eingeschlossen sind Hahnemanns Ausführungen: „Der gute Arzt [… wird alles anwenden], was in dem Bereiche seines Einflusses auf den Kranken und seine Angehörigen und Umgebungen liegt, um Gram und Aergerniß von seinem Kranken zu entfernen. Dieß wird, dieß muß ein Hauptgegenstand seiner Sorgfalt und Menschen-Liebe seyn […], weil selbst durch die meisterhafteste Führung der Kur mit den ausgesuchtesten und dem Körper-Leiden angemessensten Heilmitteln nichts, gar nichts Gutes bei irgend einem chronischen Kranken unter fortwährendem Kummer und Verdrusse auszurichten ist, wo der Lebens-Haushalt durch stete Angriffe auf das Gemüth zerstört wird“. (CK, Bd. I)

Von besonderer Bedeutung im Falle eines Rezidivs ist die sofort einsetzende Behandlung schon bei Beginn der Prodromalsymptome. Nur so kann die Flächenausbreitung des Herpes labialis deutlich gehemmt und die klinische Symptomatik vermindert werden.

Homöopathische Arzneimittel und Repertoriumsrubriken bei Herpes simplex
Die folgenden Arzneimittel sind besonders angezeigt bei Herpes simplex in Verbindung mit Empfindlichkeit gegenüber feuchter Kälte und rheumatischen Erkrankungen.
Rhus toxicodendron
Kleine dunkelrote Bläschen auf geröteter Haut#Rhus toxicodendronHerpes-Infektion. Die Bläschen werden rasch eitrig. Brennen, Stechen, Jucken, typischerweise oft schon vor Erscheinen der Bläschen. Modalitäten: < nachts im Bett mit Unruhe, kalt-feuchtes Wetter. > Warmes Wetter, feuchtwarme Kompressen. Besonderheiten: Juckreiz > Herumlaufen. (vgl. im Sinne eines sonderlichen Symptoms: Organon, § 153)
Clematis erecta
Rote, brennende Haut mit kleinen Bläschen, die platzen und verkrusten#Clematis erectaHerpes-Infektion. Starker Juckreiz, evtl. stechende Schmerzen. Regionale Lymphknoten geschwollen. Herpes bei Rheumatikern, gleichzeitig oder im Wechsel mit rheumatischen Schmerzen. Wechsel von Hautausschlägen und inneren Störungen. < Kaltes Waschen, feuchtkaltes Wetter, nachts in der Bettwärme (rhus-t: Bläschen sind intensiver rot auf rotem Grund, geringere Verkrustung; dulc: gelbe Bläschen, oft zu Beginn schon eitrig, verkrusten, feuchter, „phagedänisch“).
Dulcamara
#DulcamaraHerpes-InfektionOft gelbliche Bläschen, die in dichten Gruppen zusammenstehen (konfluieren) und sich immer weiter ausbreiten (phagedänisch), platzen und verkrusten, feucht werden. < Kaltes Waschen. Folge von Durchnässung und Unterkühlung, bei nasskalter Witterung. Herpes vor Menses. Herpes bei Rheumatikern mit starker Empfindlichkeit gegen Wetterwechsel, besonders an feuchtkalten Abenden nach warmen Tagen.
Homöopathische Repertoriumsrubriken und Arzneimittel bei Herpes labialis
→Gesicht – Hautausschläge – Bläschen – Lippen (105)
→Gesicht – Hautausschläge – Herpes – Lippen (81)
→Gesicht – Hautausschläge – Herpes – Mund, um den (22)
→Mund – Ausschläge, Schleimhaut – Allgemein – Bläschen (142)
Arsenicum album
Ausgeprägtes Brennen#Arsenicum albumHerpes labialis. Meist Begleitsymptom ernster Grunderkrankungen. Große Erschöpfung nach geringer Anstrengung. Die Bläschen werden rasch trocken, die Haut wird rau, schält sich in kleinen Lamellen wie Mehl.
Dulcamara
#DulcamaraHerpes labialisFolge von Durchnässung und Unterkühlung, feuchtkalter Witterung. Auftreten vor den Menses.
Graphites
#GraphitesHerpes labialisBrennende, juckende Bläschen, die zu Schrunden am Übergang von Haut zur Schleimhaut führen. Nässend mit honiggelber Absonderung.
Hepar sulfuris
#Hepar sulfurisHerpes labialisSplitterartige, stechende Schmerzen. Bläschen sind oft eitrig.
Mezereum
#MezereumHerpes labialisJuckende, nässende, verkrustende Hautbläschen, brennender Schmerz; < Berührung, kalte (Zug-)Luft, nachts.
Natrium muriaticum
#Natrium muriaticumHerpes labialisNach Verzehr von Meeresfrüchten, am Meer, nach Sonnenbestrahlung. Auftreten durch Ekel (glaubt, aus fremdem Glas getrunken zu haben), psychische Belastung.
Rhus toxicodendron
#Rhus toxicodendronHerpes labialisRoter Grund, kleinblasig. Oft bei Infekten mit Temperaturerhöhung und Magen-Darm-Symptomatik oder Brusterkrankung mit Durchfall.
Sepia
#SepiaHerpes labialisNach Verzehr von Fisch. Oft in Verbindung mit hormonellen Störungen oder Leberinsuffizienz.
Thuja occidentalis
#Thuja occidentalisHerpes labialisOft gleichzeitig Bläschen im Mund, am Zungenrand, unter der Zunge oder an der Rachenhinterwand.
Homöopathische Arzneimittel bei Herpes genitalis
Für Männer und Frauen gibt es getrennte Rubriken mit Bläschen. Beide können geschlechtsübergreifend genutzt werden, sind aber leider nicht vollständig. Kinder erkranken selten an Herpes genitalis. Bei sexuellem Missbrauch, perinatal oder bei der Körperpflege können die Viren auf Kinder übertragen werden. Die angegebenen Arzneien gehören nicht nur bei Herpes genitalis, sondern auch dann zur engeren Wahl, wenn es im Anschluss an sexuellen Missbrauch zu Hautausschlägen im Genitalbereich kommt.
Bufo rana
#Bufo ranaHerpes genitalisJuckende, brennende Bläschen, die sich entzünden und eitern. Davon ausgehend, kann es zur Lymphangitis kommen mit Schwellung der Leistenlymphknoten. Starkes sexuelles Verlangen oder auch Impotenz. Exzessive Onanie, auch bei Kindern. Alkoholismus. Oft indiziert bei Patienten mit schwachem Intellekt. Krampfneigung, epileptiforme Anfälle.
Causticum
#CausticumHerpes genitalisJuckende, brennende Bläschen, besonders am Skrotum, oft zusammen mit brennenden Pusteln, Papeln, urtikariellem Exanthem, Warzen. Der Juckreiz ist stärker nachts mit trockener Hitze.
Clematis erecta
Clematis#Clematis erectaHerpes genitalis hat eine organotrope Beziehung zur Genitalregion. Schmerzen entlang des Samenstrangs mit Prellungsschmerz des Hodens. Neuralgie des N. genitofemoralis. Beschwerden nach unterdrückter Gonorrhö.
Croton tiglium
Herpes am äußeren Genitale#Croton tigliumHerpes genitalis, besonders am Skrotum. Gerötete Haut mit Jucken, Brennen und Stechen. Juckreiz < Kratzen, > ganz leichtes Reiben. Die Haut ist sehr berührungsempfindlich.
Kreosotum
#KreosotumHerpes genitalisWasserhelle oder trüb-eitrige Bläschen mit Neigung zur Ulzeration. Starker Juckreiz, schlimmer in der Bettwärme und durch Kratzen. Wund machender Fluor mit Schmerzen im Becken, chronische Entzündungen am Muttermund und der Ovarien. Die Menses sind stark, lang und übelriechend.
Petroleum
#PetroleumHerpes genitalisAuf rauer, trockener, schrundiger Haut entwickeln sich Herpesbläschen am Übergang von Haut zur Schleimhaut. Bevorzugte Lokalisation: Vulva, After, Skrotum. Der Juckreiz ist oft tagsüber stärker als nachts und während der Menses. Nach Kratzen kommt es zu Krusten und Furunkeln um die Haarbälge.
Homöopathische Arzneimittel bei Herpes zoster im Prodromalstadium
Apis mellifica
#Apis mellificaHerpes zosterBrennende, stechende Schmerzen > kalte Umschläge, kühle Luft. Dann leichtes Ödem, geringe Rötung, später Bläschen mit Ödembildung.
Rhus toxicodendron
#Rhus toxicodendronHerpes zosterGefühl wie verrenkt, als habe man eine Zerrung, mit Kribbeln, oft mit Taubheit. Später brennende, stechende Schmerzen mit Rötung der Haut, Jucken und kleinen dunkelroten Bläschen auf rotem Grund, die eitrig werden. Brennender Schmerz < kühle Luft, > feucht-heiße Umschläge.
Variolinum
#Variolinum, Herpes zosterNosodenVariolinumDie Pockennosode wird aufgrund der phänomenologischen Ähnlichkeit mit dem Herpes zoster angewendet als Zwischenmittel oder wenn deutliche Hinweise auf eine speziellere Arznei fehlen.
Homöopathische Repertoriumsrubriken und Arzneimittel bei Herpes zoster im Bläschenstadium
Arsenicum album
#Arsenicum albumHerpes zosterBrennende Schmerzen < nach Mitternacht von 1:00–3:00 Uhr. > Heiße Anwendungen. Nächtliche Unruhe mit Angst, wechselt von einem Ruheplatz zum nächsten. Großer Durst, trinkt aber immer nur kleine Schlucke. Reduzierter Allgemeinzustand. Bevorzugt die rechte Seite. Die Bläschen sind oft schwarz.
→Haut – Hautausschläge – Bläschen – schwarz (7): anthr, arg-n, ars, lach, nat-c, petr, vip
Cantharis
#CantharisHerpes zosterWichtige Arznei für größere Bläschen und Blasen. Die Blasen, häufig mit serösem Inhalt, sind scharf abgegrenzt von ihrer meist blassen Umgebung. Brennende Schmerzen wie nach einer Verbrennung, mit Jucken > Kälte.
Clematis erecta
#Clematis erectaHerpes zosterStechende Schmerzen mit Jucken. < Kalte Anwendungen und in der Bettwärme. Kleine Bläschen, oft eitrig, die platzen und gelblich verkrusten.
Iris versicolor
#Iris versicolorHerpes zosterBrennende Schmerzen mit Jucken. Der Juckreiz ist nachts schlimmer. Oft in Verbindung mit Magen-Darm-Störungen, evtl. Sodbrennen. Die Bläschen platzen und werden zu Pusteln. Bevorzugt die rechte Seite des Rumpfes.
Kalium bichromicum
#Kalium bichromicumHerpes zosterBrennende Schmerzen, oft mit Jucken > Wärme. Bläschen entwickeln sich zu scharf begrenzten Geschwüren (wie ausgestanzt) oder zu pockenartigen Pusteln, die eitrig werden.
Lachesis
#Lachesis mutaHerpes zosterSehr berührungsempfindlich, lehnt daher Verbände ab. Eingeschränkter Allgemeinzustand. Die Bläschen sind bläulich-rot bis blau-schwarz, evtl. mit blutigem Inhalt. Überwiegend linksseitige Arznei.
→Haut – Hautausschläge – Bläschen – bläulich (11): anthr, ars, bell, calc, con, crot-h, kali-bi, lach, ran-b, rhus-t, vip
Mercurius solubilis
#Mercurius solubilisHerpes zosterStechende und brennende Schmerzen. Starke nächtliche Unruhe mit klebrigen, übelriechenden, erschöpfenden Schweißen. Die Bläschen werden schnell gelb-eitrig, breiten sich aus und verkrusten oder bilden eine schmierige Oberfläche.
Mezereum
#MezereumHerpes zosterBrennender oder scharfer, reißender Schmerz, < Berührung, Wasseranwendung, bei feuchtem Wetter, Kälte und Bettwärme. Besonders das Jucken ist in der Bettwärme schlimmer. Die Bläschen sind mit gelb-eitrigem Sekret gefüllt, platzen, werden krustig und bilden dicke Borken, unter denen bei Druck Eiter hervorquillt.
Ranunculus bulbosus
#Ranunculus bulbosusHerpes zosterBrennender, beißender Schmerz, rheumaartig, oft mit Jucken. < Kälte, Berührung, Bewegung. Die Bläschen sind oft bläulich oder enthalten blutiges Serum.
Homöopathische Repertoriumsrubriken und Arzneimittel von Spätneuralgien bei Herpes zoster
Wird der Herpes zoster rechtzeitig homöopathisch behandelt, sind neuralgische Beschwerden nach Ablauf der Erkrankung sehr selten.
→Allgemeines – Schmerzen – neuralgischer Schmerz – Herpes, nach (19): ars, caust, cimic, dol, hep, kali-chl, kalm, mez, morph, petr, plan, prun, ran-b, sphing, still, sul-ac, thal, vario, zinc
→Allgemeines – Schmerz – Herpes – zoster, nach (23): alum-p, ars, caust, cimic, dol, hep, kali-chl, kalm, lach, mez, morg, morph, petr, phos, plan, prun, ran-b, sphing, still, sul-ac, thal, vario, zinc
→Brust – Schmerz – Herpes zoster, nach (11): alum-p, cimic, mez, morg, morph, prun, ran-b, sul-ac, thal, vario, zinc
→Brust – Schmerz – neuralgischer Schmerz – Herpes zoster, nach (5): cimic, prun, ran-b, sul-ac, thal
→Gesicht – Schmerz – neuralgischer Schmerz – Herpes zoster, nach (1): kalm
Arsenicum album
#Arsenicum albumZosterneuralgieBrennende Schmerzen < nachts nach Mitternacht, > heiße Bäder. Ängstliche Unruhe.
Hypericum perforatum
#Hypericum perforatumZosterneuralgieLinear im betroffenen Dermatom ausstrahlende schießende, stechende Schmerzen, < Kälte, feuchtes Wetter, Nebel, Waschen, Berührung. Oft Taubheitsgefühl. Depressive Stimmung mit Weinen.
Kalmia latifolia
#Kalmia latifoliaZosterneuralgieWichtige Arznei bei rheumatischen Erkrankungen. Die Schmerzen wandern rasch hin und her. Schmerzen schießen nach unten mit Taubheit. Stiche in der Zunge, Stiche und Ziehen in den Kiefern und Gesichtsknochen.
Mezereum
#MezereumZosterneuralgieNeuralgien, besonders an den Zähnen und im Gesicht mit Ausstrahlung in die Ohren. Schmerzen schießen nach oben. Schmerzen < Kälte, Bettwärme, warme Nahrung, Berührung, Bewegung.
Syphilinum
#SyphilinumZosterneuralgieNosodenSyphillinumLanzinierende, nächtliche Schmerzen mit Schlaflosigkeit bis zum Sonnenaufgang. < In der warmen Jahreszeit, > im Kühlen. Als Zwischenmittel bei lange bestehenden nächtlichen Schmerzen nach Zoster-Infektion. Bei erschöpften, mageren, älteren Patienten.
Homöopathische Repertoriumsrubriken und Arzneimittel für Herpes zoster bei besonderen Lokalisationen
Besonders bei Herpes zoster im Gesicht und bei Befall des ersten Trigeminusastes ist die Zusammenarbeit mit einem Augenarzt unerlässlich. Er kann den Krankheitsverlauf am Auge beurteilen und den Fortschritt unter der homöopathischen Therapie bewerten. Die folgenden Rubriken enthalten alle im Repertorium aufgeführten Mittel in Bezug auf das Auge.
→Augen – Hautausschläge um die Augen – Bläschen – Hornhaut (29): agar, am-m, ars, aur, bar-c, bell, bufo, calc, cann-s, chlol, euphr, hep, ip, kali-bi, kali-chl, merc, merc-c, mez, nat-c, nat-m, nit-ac, petr, psor, puls, ran-b, rhus-t, sel, sulph, syph
→Augen – Hautausschläge um die Augen – Bläschen – Lider (18): aur, berb, cimic, croto-t, dulc, kali-bi, m-arct, mez, morg, nat-s, pall, psor, rhus-t, rhus-v, sars, sel, thuj, urt-u
→Augen – Hautausschläge um die Augen – Bläschen – Lider – Lidränder (4): aur, pall, sel, urt-u
→Gesicht – Hautausschläge – Bläschen – Augen, um die (1): clem
→Augen – Hautausschläge um die Augen – Herpes – Lider (12): bry, corn, graph, kreos, olnd, psor, ran-b, rhus-t, sep, sulph, tarent, tub
→Augen – Hautausschläge um die Augen – Herpes – Hornhaut (7): graph, hep, ign, lepro, ran-b, sarr, sulo-ac
→Augen – Hautausschläge um die Augen – Herpes – feucht, Canthi (1): ant-c
→Gesicht – Hautausschläge – Herpes – Augen, um die (15): alum, bry, caust, con, graph, hep, ign, kreos, lach, olnd, ran-b, sarr, spong, sulph, tell
Capsicum annuum
#Capsicum annuumHerpes zosterBrennende, stechende Schmerzen mit Jucken bei frostigen, trägen, fettleibigen Patienten mit schlaffem Gewebe. Das Gesicht ist rot, obwohl kalt. Heimweh.
Croton tiglium
#Croton tigliumHerpes zosterBesonders bei Herpes zoster in der Augenregion. Starke Reizung des Auges. Empfindung, als wäre das Auge heiß und brennend, starke Lichtempfindlichkeit. Das Auge ist rot und geschwollen mit starkem Tränenfluss. Zahlreiche kleine Bläschen mit brennendem Schmerz und intensivem Jucken. Die Bläschen gehen in Pusteln über und trocknen zu gelben Schorfen ein. Kratzen verstärkt den Schmerz, ganz leichtes Reiben lindert den Juckreiz.
Mezereum
#MezereumHerpes zosterBläschen auf der Cornea. Drücken in den Augen, als wären sie zu groß. Empfindung, als würden die Augen nach hinten in den Kopf gezogen. Funken vor den Augen. Entzündung der Augen. Brennende Schmerzen. Bläschen werden eitrig. Krusten, unter denen Eiter hervorquillt. Neuralgische Schmerzen > Strahlungshitze. Gefühl, als ob kalter Wind ins Auge bläst. Schmerzen in den Augen schießen nach unten, mit Kältegefühl im Auge. Juckreiz wechselt die Stelle. Pflanzliches Analogon zu Mercurius solubilis, sie antidotieren sich gegenseitig; < kalte Luft, nachts, Berührung, feuchtes Wetter, warme Nahrung; > im Freien.
Prunus spinosa
#Prunus spinosa, Herpes zosterBerstender Schmerz im Augapfel, als ob er platzen würde. Gefühl, als ob der innere Teil des Auges nach außen gezogen würde. Die Bläschen sind sehr berührungsempfindlich.
Ranunculus bulbosus
#Ranunculus bulbosusHerpes zosterHeftig schmerzende Herpesbläschen auf der Cornea mit Photophobie und Tränenfluss. Hitze, Stechen, Beißen und Drücken in den Augen und Augenwinkeln. Nebelsehen und fehlende Dunkelanpassung des Auges (Hemeralopie) möglich. Die Lider und die Konjunktiva sind leicht gerötet. Schleimfluss aus Nase und Rachen schmerzhaft wie wund beim Atemholen. Gehörgangschmerz; < Kälte, Berührung, am Abend, Bewegung, nasses, stürmisches Wetter, Liegen auf schmerzhafter Seite, Druck; > Ruhe, Wärme. Eines der Hauptmittel auch für die Interkostalneuralgie. Rheumatische Konstitution. Die Bläschen sind oft bläulich oder enthalten blutige Flüssigkeit.

Kasuistik

Kasuistik

Herpes zoster am rechten Auge (Udo Schippling)

Anamnese

Der achtjährige Junge Niklas K. kam nach Diagnostik durch den Augenarzt in die Praxis mit einem Herpes zoster im Bereich des rechten Auges. Befallen waren Ober- und Unterlid mit starker Rötung und Schwellung bis zur Schläfe, sodass er kaum noch etwas mit dem Auge sehen konnte. Auf der intensiv roten Haut befanden sich mehrere Pusteln, keine Krusten. Der Junge gab brennende Schmerzen an, eine starke Empfindlichkeit gegenüber Berührung und kalter Luft.

Repertorisation

  • Augen – Hautausschläge um die Augen – Bläschen – Hornhaut (29)

  • Augen – Hautausschläge um die Augen – Bläschen – Lider (18)

  • Augen – Hautausschläge um die Augen – Lider, auf den (44)

  • Augen – Schwellung – allgemein – Lider (195)

  • Augen – Lichtscheu, Photophobie – künstlichem Licht (57)

  • Augen – Schmerz – brennender, beißender Schmerz – Lider (109)

  • Augen – Schmerzen – brennender, beißender Schmerz (349)

  • Kopf – empfindlich, kalte Luft, gegen (41)

  • Gesicht – Schmerz – Berührung – agg. (45)

  • Allgemeines – Berührung, Berührtwerden – agg. – leichte Berührung (54)

  • Allgemeines – Seite – rechts (234)

Zur Auswertung Tab. 18.2.

Verordnung und Verlauf

Nach einmaliger Gabe von Mezereum#MezereumHerpes zoster D 6 waren die Schmerzen innerhalb kürzester Zeit nicht mehr vorhanden. Schwellung und Rötung gingen innerhalb von Stunden zurück und bestanden am nächsten Tag nicht mehr.

Dyshidrotisches Ekzem

Beim dyshidrotischen Ekzemdyshidrotisches EkzemEkzem, dyshidrotisches handelt es sich um eine polyätiologische, entzündliche Reaktion der Haut mit Bläschen-/Blasenbildung an Händen und Füßen, oft bei bestehender Hyperhidrose. Wahrscheinlich keine primäre Schweißdrüsenfunktionsstörung, sondern spezielle Form einer Ekzemreaktion mit Beziehung zu Schweißdrüsen (Lokalisation). Das Dyshidrosissyndrom kann genuin-idiopathisch oder aber symptomatisch auftreten. Beispiele für sekundär-symptomatische Dyshidrosisformen:
  • Infektiös (dyshidrosiforme Tinea)

  • Allergisch (dyshidrosiformes, allergisches Kontaktekzem, atopische Dyshidrosis, Medikamentenallergie)

  • Hyperergisch (z. B. als Mykid: Dyshidrosis der Hände bei Fußmykose)

Die Bläschen stehen disseminiert, sagokornartig, in nicht geröteter Haut. Das Befallsmuster ist symmetrisch-bilateral an Handinnenflächen, Fingerseitenkanten und/oder Fußsohlen.
Die konventionelle Therapie erfolgt als lokale Basisbehandlung mit austrocknend-adstringierenden Externa wie Zinkschüttelmixturen, Lotionen mit synthetischem GerbstoffGerbstoffe, Hauterkrankungen (Tannolact®, Tannosynt®), Pasten. Bei Blasen antiphlogistische Behandlung mit Lokalkortikoiden, bei Pompholyx bzw. Erosionen (Abb. 18.1) feuchte antiseptische Umschläge und Bäder, z. B. mit Polyvidon-Jod. In schweren Fällen systemische Kortikosteroid-Behandlung. Bei Sekundärinfektion adäquate lokale oder systemische antibiotische Therapie. Bei symptomatischen Formen Behandlung der Ursachen.

Blase (Bulla)

Sie wird verursacht durch physikalische, v. a. mechanische oder aktinische (Sonnenlicht, Strahleninsult) Schädigung oder ist Folge einer toxisch-allergischen Reaktion, einer Entzündung oder Infektion. BlasenBulla sind meist scharf begrenzt, z. T. gerötet mit serösem Inhalt, bei Sekundärinfektion auch mit eitrigem Inhalt. Die Heilung erfolgt meist ohne Narbenbildung, evtl. aber mit örtlicher Hautatrophie. Bei stärkerer Leukozyten-Einwanderung entwickelt sich eine Pustel.
Die Diagnosen beschreiben meist gleichzeitig die Ursache für die Bildung von Blasen: Verbrennung zweiten Grades, Erfrierung zweiten Grades, toxische Kontaktdermatitis, unphysiologische Druck- und Zugwirkung (meist an Händen oder Füßen), Epidermolysis bullosa hereditaria, bullöse Autoimmunerkrankungen, Stoffwechselstörungen (Porphyria cutanea tarda), Bullosis diabetica (bei Diabetes mellitus mit Mikroangiopathie der Haut).
Die konventionelle Behandlung erfolgt in der Regel lokal symptomatisch und durch Beseitigung der Ursache.
Wichtigster Vertreter in der homöopathischen Behandlung für große Blasen gleich welcher Ursache ist Cantharis.
Cantharis
#CantharisBlasenDie großen, über fünf Millimeter messenden, einzeln stehenden oder konfluierenden Blasen sitzen auf blassem Grund und haben meist einen serösen Inhalt. Es besteht Brennen und Jucken, besser durch kalte Anwendungen.

Impetigo contagiosa

Grundlagen

Bei Impetigo contagiosaImpetigo contagiosa handelt es sich um eine oberflächlich eitrige Lokalinfektion durch Streptokokken und/oder Staphylokokken v. a. bei Kindern, viel seltener bei Erwachsenen, die meist durch Kontakt übertragen wird.
Differenzialdiagnose:
  • Im Beginn: Herpes simplex, Herpes zoster, andere blasenbildende Dermatosen

  • Im eitrigen Stadium: Superinfizierter Herpes simplex oder Herpes zoster

Wichtig sind anamnestische Hinweise, ob andere Kontaktpersonen (Kindergarten) auch betroffen sind.
Klinik
Zu Beginn entstehen Bläschen, die sich öffnen, eitrig werden und verkrusten. Die kleinblasigen Formen sind meist durch Streptokokken, die erbsengroßen häufiger durch Staphylokokken bedingt. Mehrere Bläschen konfluieren, bilden schmierige Oberflächen oder Krusten, unter denen eitriges Sekret hervorquillt. Bevorzugte Lokalisation im Gesicht und an den Händen.
Die Verbreitung erfolgt durch Schmierinfektion, indem der Patient die Erreger mit seinen Händen auf seinem Körper verteilt oder auf eine andere Person überträgt. Häufig sind mehrere Kinder im Kindergarten betroffen, die während der Erkrankung die Einrichtung nicht besuchen dürfen.
Ätiologie und Pathogenese
Dispositionsfaktoren sind häufig bestehende Ekzeme, Fissuren, Mykosen oder Hautverletzungen als Eintrittspforten für die Streptokokken oder Staphylokokken oder eine allgemeine Abwehrschwäche, z. B. im Rahmen eines Infekts. Eine Spontanheilung ist genauso möglich wie ein wochenlanger Verlauf mit zunehmender Ausbreitung. Als Komplikation kann es zur akuten Glomerulonephritis kommen (Immunkomplexnephritis durch nephritogene betahämolysierende Streptokokken der Gruppe A).

Konventionelle Therapie

Lokalbehandlung
In leichten Fällen genügt eine Lokalbehandlung mit Entfernen der Krusten und antimikrobielle Externa z. B. Octenisept.
Systemische Behandlung
Bei längeren oder schweren Verläufen Antibiose mit Penicillinen (Streptokokken) oder Cephalosporinen (Staphylokokken). Urinkontrollen zur Aufdeckung von Nierenbeteiligung.

Unterstützende Maßnahmen

Kontakt mit anderen vermeiden. Das Risiko der Ausbreitung auf dem eigenen Körper reduzieren durch häufiges Händewaschen. Einmalgebrauch von Waschlappen und Handtüchern. Gesunde Ernährung, vermeiden von raffiniertem Zucker.

Homöopathische Behandlung

→Gesicht – Hautausschläge – Impetigo (22): ant-c, dulc, graph, hep, merc, mez, rhus-t, sulph, viol-t, …
→Haut – Hautausschläge – Impetigo [Eiterflechte] (63)
Andere Rubriken, die nach Morphe oder Lokalisation differenzieren, sind wenig hilfreich, sie sind entweder zu groß oder unvollständig. Im Verlauf der Krankheit kommen entsprechend der Phänomenologie unterschiedliche Arzneien in Betracht.
Homöopathische Arzneimittel zu Beginn im Bläschenstadium
Rhus toxicodendron
#Rhus toxicodendronImpetigo contagiosaKleine, durchsichtige oder rote Bläschen auf geröteter Haut. Die Bläschen werden rasch eitrig. Der Juckreiz bessert sich nicht durch Kratzen, aber durch Herumlaufen und feuchte Wärme. Sobald die Bläschen eitrig sind, kommt in der Regel eine andere Arznei in Betracht.
Dulcamara
#DulcamaraImpetigo contagiosaDie Bläschen breiten sich aus, werden feucht mit gelbem Sekret und verkrusten. Der Patient verträgt feuchte Kälte schlecht, aber der Juckreiz wird im Kalten besser.
Viola tricolor
#Viola tricolorImpetigo contagiosaKinder, die sich „stiefmütterlich“ behandelt oder vernachlässigt fühlen. Die Lokalisation ist häufig an den Wangen. Es entstehen dicke, gelbe Krusten. Es besteht Juckreiz und Brennen, schlimmer nachts. Begleitend besteht oft übelriechender Urin (wie Katzenurin).
Psorinum
#PsorinumImpetigo contagiosaUnreine Haut, gelbliche Bläschen, die schnell eitern. Sehr starker Juckreiz, schlimmer durch Wärme, obwohl die Patienten verfroren sind.
Homöopathische Arzneimittel im eitrigen Stadium
Hepar sulfuris
#Hepar sulfurisImpetigo contagiosaVerfrorene Patienten, die sich nicht aufdecken, auch wenn sie schwitzen. Übelriechender Schweiß. Eitrige Bläschen mit Krusten, stechende Schmerzen, schlimmer abends und nachts.
Clematis erecta
#Clematis erectaImpetigo contagiosaRote, brennende Haut mit kleinen Bläschen, die platzen und verkrusten. Starker Juckreiz, evtl. stechende Schmerzen. Die regionalen Lymphknoten sind geschwollen. Schlimmer durch kaltes Waschen, feuchtkaltes Wetter, nachts in der Bettwärme (DD: rhus-t: Bläschen sind intensiver rot auf rotem Grund, geringere Verkrustung; dulc: gelbe Bläschen, oft zu Beginn schon eitrig, verkrusten, feuchter, „phagedänisch“).
Mezereum
#MezereumImpetigo contagiosaHäufig kleine Ulzerationen mit dicken Borken, unter denen bei Druck eitriges Sekret hervorquillt.
Antimonium crudum
#Antimonium crudumImpetigo contagiosaMürrische, unleidliche Kinder mit großem Appetit. Lokalisation häufig um den Mund, um die Augen und Naseneingänge, an den Ohren. Dicke, gelbliche Krusten mit starkem Juckreiz, besonders in der Wärme, aber besser durch lokale, feuchte Wärme.
Graphites
#GraphitesImpetigo contagiosaOft träge, verfrorene Kinder. Dicke, eitrige Krusten mit Schrunden und honigartigem Sekret.
Homöopathische Arzneimittel bei Rezidiven
Wenn es immer wieder zu Rezidiven kommt oder die Heilung nicht fortschreitet, kommen folgende Zwischenmittel in Betracht:
Sulphur
#SulphurImpetigo contagiosaEs müssen nicht die typischen Sulphur-Symptome vorhanden sein, um diesen „Türöffner“ zu benutzen. Sulphur beseitigt oft unspezifisch Heilungshindernisse und macht den Weg frei für die gezielte Behandlung durch andere Arzneien.
Streptococcinum
#StreptococcinumImpetigo contagiosaWenn zu Beginn kleine Bläschen auftreten als Hinweis auf Streptokokken.
Staphylococcinum
#StaphylococcinumImpetigo contagiosaWenn zu Beginn große Bläschen auftreten als Hinweis auf Staphylokokken.

Risse

Grundlagen

In diesem Kapitel ist keine Diagnose im eigentlichen Sinne beschrieben. Stattdessen handelt es sich um die Beschreibung von Rhagaden und Fissuren der Haut und ihrer konventionellen und homöopathischen Behandlung.
RhagadenRhagaden (Abb. 18.1) sind oft schmerzhafte Einrisse der meist stark verhornten Haut, die bis in die Dermis reichen. RisseRisse entstehen in entzündeter Haut oder nach Bildung von Krusten und Borken. An nicht verhornenden Haut- oder Schleimhautregionen bezeichnet man die Risse als FissurFissuren.

Konventionelle Therapie

Rhagaden in stark verhornter Haut werden lokal behandelt. Neben indifferenter Behandlung mit Fettsalben beginnt man mit einer Keratolyse, z. B. mit Salicylsäurevaseline. Danach kann man, wie im Kapitel Psoriasis (18.13) beschrieben, eine UV-Behandlung durchführen, auch als PUVA. In schweren Fällen kommen innerlich Retinoide in Betracht. Retinoide sind allerdings kontraindiziert bei Kindern und, wegen des teratogenen Potenzials, bei Kinderwunsch oder in der Schwangerschaft. Bei Frauen sind strikt antikonzeptive Maßnahmen bis zwei Jahre nach Therapieende empfohlen. Retinoide erhöhen zudem die Photokanzerogenität von UV-Licht.
Fissuren, z. B. Analfissuren sind schmerzhaft. Daher ist die symptomatische Behandlung zunächst analgetisch, z. B. mit Lidocaingel-Präparaten. Einfache Einrisse heilen oft spontan ab. Tiefe Fissuren schreiten unbehandelt in die Tiefe fort bis zum M. sphincter ani. Sie werden operativ entfernt.

Homöopathische Behandlung

Die Suche nach der Arznei für die zu behandelnde Morphe der Haut setzt die Kenntnis einer ganzen Reihe von homöopathischen Mitteln voraus, um entscheiden zu können, welche Rubriken im Repertorium aussagefähig sind. Zunächst findet man Risse im Complete Repertory nicht unter „Hautausschläge“, sondern unter den verschiedenen Körperregionen. Im Synthesis allerdings unter → Haut – Risse (73 Mittel) ← mit Unterrubriken, z. B. „schmerzhaft“, „tief“, „blutend“, „Waschen, nach“, „Winter, im“, „Körperöffnungen, aufgesprungene“. Von den über 240 Rubriken im Complete sind nur wenige wirklich aussagekräftig im Sinne der Vollständigkeit. Um ein Gefühl für die Vollständigkeit zu bekommen, sehe man einfach nach, ob wichtige Arzneien wie Antimonium crudum, Calcium carbonicum, Graphites oder Sepia aufgeführt sind. Unter dieser Voraussetzung bleiben wenige Rubriken übrig, die es erlauben, die passende Arznei zu finden.
Kleinere Rubriken geben oft gute therapeutische Hinweise für die Anwendung in bestimmten Bereichen, sollten aber gerade bei Rissen nicht als Ausschlusskriterium benutzt werden.

Info

Risse, Rhagaden, Fissuren, Schrunden und aufgesprungene Haut vom Kopf über den Anus bis zur Fußsohle sind – besonders, wenn sie persistieren oder rezidivieren – außerordentlich wertvolle konstitutionelle (und miasmatische) Symptome. Risse sind auch hervorragende Verlaufsparameter des Fortschritts in der Genesung.

Repertoriumsrubriken
Risse im Gesicht
RepertoriumsrubrikenRisse (Gesicht)→Augen – Risse, Schrunden – Lider (27): alum, am-c, apisin, arn, bar-c, bry, calc, carb-v, caust, coloc, croc, dig, euphr, graph, iod, kali-c, lyc, m-aust, nat-m, nit-ac, nux-v, ph-ac, phos, sep, sil, staph, sulph
→Augen – Risse, Schrunden – Canthi (30): alum, alum-p, am-c, ant-c, apisin, bor, bry, calc-s, carb-an, caust, cist, dig, graph, hep, iod, lyc, m-arct, merc, mez, nat-m, nit-ac, nux-v, petr, phos, plat, sep, sil, staph, sulph, zinc
Beide Rubriken sollten ausgewählt werden, wenn Risse am Auge vorhanden sind, unabhängig von der genauen Lokalisation.
→Ohren – Risse, Fissuren – hinter den (9): chel, graph, hep, hydr, lyc, morg, petr, sep, sulph
In dieser Rubrik fehlen einige wichtige Arzneien, z. B. alum, calc, nat-m, nit-ac, thuj, zinc aus der Rubrik Haut – Risse, tiefe (265).
→Gesicht – Risse, Fissuren – Mundwinkel (52): allox, am-c, am-m, ambr, ant-c, apis, arist-cl, ars, arum-t, arund, bcg, bov, calc, caust, cinnb, cund, echi, eup-per, graph, hell, hep, hydr, hydrog, ind, kola, kreos, lac-c, lim-b-c, lyc, mag-p, maland, merc, merc-c, mez, morg, morg-g, nat-ar, nat-m, nit-ac, petr, prot, psor, rhus-t, ros-d, sec, sep, sil, sulph, syc-co, tarent-c, thlaspi, zinc
→Gesicht – Risse, Schrunden – Lippen (154)
Risse an den Händen
→Extremitäten – Rissige Haut – Arme – Hände (72)
Besser ist folgende Rubrik:
→Extremitäten – rissige Haut – Arme (92): aesc, allox, alum, am-c, am-m, anan, ant-c, anthr, apisin, arn, ars, arund, aur, aur-m, aur-m-n, aur-s, ba-sv, bals-p, bar-c, bar-s, bell, calc, calc-f, calc-s, calc-sil, carbn-s, caust, cench, cist, cortico, cortiso, cund, cycl, dicha, dys-co, fl-ac, foll, graph, harp, helo, hep, hydro-c, ign, kali-ar, kali-c, kali-s, kreos, lach, lar-ar, lat-h, lepro, lyc, mag-c, maland, mang, mang-acet, med, merc, merc-c, merc-i-r, morg, mur-ac, nat-c, nat-m, nat-sil, nit-ac, ozone, petr, phos, pip-m, por-m, pot-t, prim-o, prot, psor, puls, ran-b, ratt-n, rhus-t, rhus-v, ruta, sanic, sars, sec, sep, sil, sulph, syc-co, uran, valer, x-ray, zinc
Risse an den Füßen
Für die Rubriken der Risse an den Füßen gilt das Gleiche. Die erste Rubrik ist kaum kleiner als die dann folgende, es fehlen in der ersten Rubrik allerdings wichtige Arzneien wie z. B. Calcium carbonicum und Petroleum.
→Extremitäten – rissige Haut – Beine – Füße (35)
Besser ist:
→Extremitäten – rissige Haut – Beine (42): acon, alum, anac-oc, ars, arund, aur, aur-m, bani-c, bar-c, calc, calc-f, carb-an, coc-c, com, eug, graph, hep, hydr, hydrog, kali-p, lach, lepro, lith-c, lyc, maland, merc, merc-c, morg, nat-c, nat-m, petr, pitu-a, prot, psor, rauw, sabad, sars, sil, sulph, syc-co, til-c, zinc
Risse (Fissuren) am Rektum
→Rektum – Fissuren, Schrunden – allgemein (71): ant-c, ars, calc-c, calc-fl, graph, ham, nat-m, nit-ac, sep, thuj…
Homöopathische Arzneimittel
Acidum nitricum
#Acidum nitricumHautrisseTiefe, blutige Risse, wie mit dem Messer hineingeschnitten. Die Umgebung der Risse ist gelb. Salpetersäure verursacht einen gelben Ätzschorf, Salzsäure einen weißen. Risse an den Extremitäten, aber auch an Übergängen von Haut und Schleimhaut wie Mundwinkel, After und Vulva. Die Risse sind schmerzhaft, meist stechend. Alle Ausscheidungen riechen stechend. Sekrete sind wund machend. Der Acidum-nitricum-Mensch ist meist mager, verfroren, reizbar, sehr nachtragend und explodiert leicht. Hoffnungslose Verzweiflung. > Fahren in einem Fahrzeug.
→Weibliche Genitalien – Risse, Schrunden (7): carb-v, cymbo-ci, graph, med, nit-ac, tax, urt-u
→Haut – Risse – tief, blutig (10): alum, graph, harp, merc, nit-ac, petr, psor, puls, sars, sulph
Antimonium crudum
#Antimonium crudumHautrisseNeigung zu Horn- und Schwielenbildung an den Händen und Fußsohlen, besonders an den Fersen (lyc). Warzen besonders an der Fußsohle. Risse in den hyperkeratotischen Schichten, im Gesicht und um die Nägel und Körperöffnungen. Blasen und Pusteln. Dicke, harte, honigfarbige Borken. Urtikaria. Empfindlich gegen kaltes Baden. Juckreiz < Bettwärme, abends und nachts, Hitze, Saures, Wein (ant-t), > feuchte Wärme (rhus-t), Ruhe, im Freien.
→Extremitäten – Nägel – Beschwerden der – aufgesprungen, rissig – Fingernägel (5): ant-c, ars, lach, nat-m, sil
→Nase – Risse, Schrunden – Nasenlöcher (20): ant-c, anthro, arge-p, arum-t, aur, aur-m, bell, beryl, carb-an, eupi, fago, graph, harp, mag-p, merc, morg, nit-ac, petr, plut-n, syc-co
Arsenicum album
#Arsenicum albumHautrisseDie Haut ist trocken, rau, schuppig, pergamentartig mit feinen Rissen. Die Schuppen hängen in großen Stücken zusammen. Leitsymptom ist das Brennen, besser durch heißes Baden oder heiße Umschläge. Entsprechend dem Gesamthabitus sind die Hände und Finger schlank. Es können Papeln mit stinkender Absonderung entstehen. Urtikaria mit Brennen. Unruhe und Schwäche. Wechselt vom Bett zur Couch, dann zum Sessel. Starke Schweiße bei der geringsten Anstrengung. Starker Durst, trinkt aber nur kleine Schlucke. Angst vor dem Tod oder dem Alleingelassenwerden (vgl. „Der eingebildete Kranke“ von Molière).
→Extremitäten – Rissige Haut – Beine – Füße – Fußsohlen (5): anac-oc, ars, lepro, maland, merc-c
→Extremitäten – Rissige Haut – Arme – Hände – Finger, zwischen den (7): ars, aur-m, graph, morg, sulph, x-ray, zinc
Asarum europaeum
#Asarum europaeumHautrisseVerletzungen nach Risswunden, stechende Schmerzen nach Augenverletzungen und -operationen. Pulsieren der Kopfarterien mit Kongestionen in den Augen. Auch Asthenopie nach Überanstrengung. Gefühl, als ob man in der Luft schwebt; < Sonne, Licht und Wind; > kalte Luft und Baden der Augen in kaltem Wasser.
→Augen – Verletzungen, durch – Risswunden – Operationen, von (1): asar
Calcium carbonicum
#Calcium carbonicumHautrisseDie Haut ist verdickt mit Rissen und unscharf begrenzten Erosionen. Typisch sind weißliche Schuppung mit Lamellen und unheilsame Haut. Es besteht häufig reichlicher Schweiß, typischerweise mit saurem Geruch. Urtikaria. Petechiale Hautausschläge, Frostbeulen, Furunkel. Die Hände sind eher breit und kräftig mit kurzen Fingern. Der Habitus muss mit zunehmendem Alter nicht mehr pummelig mit kräftigem Bauch wie im Säuglingsalter sein. Ganz schlanke Menschen entsprechen jedoch meist nicht dieser Arznei. Dickköpfigkeit, verliert sein Ziel nicht aus den Augen.
→Ohren – Feuchtigkeit – hinter den Ohren (13): calc, carb-v, caust, graph, hep, kali-c, lyc, nit-ac, olnd, petr, phos, puls, sil, sulph
→Ohren – Hautausschläge – Hinter den Ohren (59): anac, ant-c, ars, ars-s-f, arund, bar-c, bar-s, bufo, calc, calc-s, calx-b, canth, caps, carb-v, carbn-s, caust, chin, cic, cocc, cur, graph, guare, harp, hep, jug-r, kali-c, kali-i, kali-s, lach, lyc, mag-m, mag-p, mag-s, med, merc, mez, morg, mur-ac, nat-m, nit-ac, olnd, petr, psor, puls, rhus-t, ruta, sabad, sanic, sel, sep, sil, staph, sulph, tell, teucr, thlaspi, tub, vinc, viol-t
→Ohren – Hautausschläge – Ekzem – hinter dem Ohr (24): ars, arund, aur-m, bov, calc, chrysar, graph, hep, jug-r, kali-m, lyc, mez, olnd, petr, psor, rhus-t, sanic, scroph-n, sep, staph, stront-n, sulph, tell, tub
→Extremitäten – Rissige Haut – Arme – Hände – Nässe, durch (16): alum, ant-c, calc, calc-s, cist, kali-c, maland, nit-ac, petr, puls, rhus-t, rhus-v, sars, sep, sulph, zinc
→Extremitäten – Rissige Haut – Arme – Hände – Winter, im (13): alum, calc, calc-s, carbn-s, cist, graph, maland, merc, petr, psor, sanic, sep, sulph
→Extremitäten – Rissige Haut – Arme – Finger (58): alum, am-m, ant-c, apisin, arn, ars, arund, aur, aur-m, aur-m-n, ba-sv, bals-p, bar-c, bar-s, bell, calc, calc-sil, cist, cortico, cycl, fl-ac, foll, graph, harp, hep, ign, kali-c, lach, lar-ar, lat-h, mag-c, maland, mang, mang-acet, med, merc, morg, nat-m, nat-sil, ozone, petr, phos, por-m, prim-o, prot, ran-b, ratt-n, rhus-t rhus-v, ruta, sanic, sars, sil, sulph, syc-co, uran, x-ray, zinc
→Haut – Risse, tiefe – Winter, im (9): alum, calc, calc-s, carbn-s, graph, petr, psor, sep, sulph
Graphites
#GraphitesHautrisseDie Haut ist rau, hart, trocken, auch ohne Hautausschläge. Risse an den Augen, der Nase, am Mund, an den Brustwarzen, am After, an den Händen und Füßen. Hautausschläge mit honiggelben Absonderungen, die verkrusten (clem, mez). Verletzungen eitern schnell. Erysipel während Menses (nur graph). Keloide, Ulzera, Gichtknoten. < Wärme, nachts, während Menses. > In der Dunkelheit, beim sich Einhüllen. Wichtiges Karzinommittel. Im Gegensatz zu Calcium carbonicum bestehen ausgeprägtere Hyperkeratosen mit tiefen Rissen und weniger entzündlichen Veränderungen.
→Gesicht – Risse, Fissuren (178): alum, ant-c, calc, graph, merc, nit-ac, petr, psor, sil, sulph…
→Rektum – Schmerz – brennender Schmerz – Fissuren, bei (1): graph
→Weibliche Genitalien – Risse, Schrunden (7): carb-v, cymbo-ci, graph, med, nit-ac, tax, urt-u
→Brust – Risse, Fissuren – Mammae – Brustwarzen (32): aesc, anan, arn, aur, aur-s, calc, calen, cast-eq, caust, cham, croto-t, cur, fl-ac, graph, ham, hydr, lyc, merc, merc-c, mill, nit-ac, paeon, petr, phel, phos, phyt, rat, sarr, sars, sep, sil, sulph
→Brust – Risse Fissuren – Mammae – Brustwarzen – schmerzhaft (3): aur-s, graph, phyt
→Brust – Risse Fissuren – Mammae – Brustwarzen – Stillen, durch (5): cast-eq, graph, phyt, rat, sep
→Extremitäten – Hornhaut – Rissen, mit tiefen, Hände (2): cist, graph
→Extremitäten – Hautausschläge – Krusten, Schorfe – Risse, und voller, Hände (4): anthr, graph, petr, sanic
→Extremitäten – Rissige Haut – Arme – Finger – Fingerspitzen (22): alum, am-m, aur, aur-m, ba-sv, bar-c, bell, foll, graph, ign, med, merc, nat-m, petr, ran-b, rhus-v, sanic, sars, sil, syc-co, uran, x-ray
Ignatia amara
#Ignatia amaraHautrisseWird im Repertorium nur in wenigen Rubriken aufgeführt. Der Verfasser hat mehrfach erlebt, dass bei Patienten innerhalb weniger Stunden nach der Einnahme Risse in den Fingerspitzen auftraten. Ignatia war als Akutmittel nach Kummer gegeben bei Sepia- oder Sulphur-Konstitution.
→Rektum – Fissuren, Anus – allgemein – Schwangerschaft, während (17): ars, caust, grat, ign, lach, mez, nat-m, nit-ac, nux-v, phos, plb, sep, sil, sulph, tab, thuj, zing
Lycopodium clavatum
#Lycopodium clavatumHautrisseTrockene Haut. Risse an Augen, Mundwinkeln und Lippen. Neigung zu Horn- und Schwielenbildung an den Händen und Fußsohlen, besonders an den Fersen (ant-c). In der Handfläche ist die Haut besonders in der Mitte stärker verhornt mit weißen Schuppen und Rissen. Palmarerythem als Zeichen der Leberbelastung. Intertrigo. Neigung zur Eiterung. Empfindlich gegen Kälte. Übelriechende Schweiße. < 16:00 Uhr.
→Extremitäten – Rissige Haut – Beine – Füße (35): acon, anac-oc, ars, arund, aur, aur-m, bani-c, calc-f, carb-an, coc-c, com, eug, graph, hep, hydr, hydrog, kali-p, lach, lepro, lyc, maland, merc, merc-c, morg, nat-m, pitu-a, prot, psor, rauw, sabad, sars, sil, sulph, syc-co, til-c
→Extremitäten – rissige Haut – Beine – Füße – Fersen (15): acon, ars, arund, aur, bani-c, calc-f, coc-c, kali-p, lyc, merc. morg, rauw, sars, syc-co, til-c
→Extremitäten – rissige Haut – Arme – Hände – Handflächen (17): alum, ba-sv, calc-f, cist, dicha, dys-co, graph, kreos, maland, merc-c, merc-i-r, morg, petr, pip-m, ran-b, rhus-t, sulph
Natrium muriaticum
#Natrium muriaticumHautrisseTrockene Haut und Schleimhaut mit feinen Rissen und Fissuren. Probleme mit dem Wasserhaushalt, Ödeme. Das Wasser fließt im Körper nicht dorthin, wohin es soll. Risse an den Augen, am Mund. Typisch ist ein tiefer Riss in der Mitte der Unterlippe (hep-s, puls und 20 andere Mittel). Aufgesprungene Hände. Alter Kummer macht krank. Lachen über ernste Dinge. Hautausschläge an der Stirn-Haargrenze. Schweiß auf der Nase.
→Gesicht – Schweiß – Nase (13): bac, bell, chin, cimx, cina, hell, sia-c, laur, nat-m, rheum, ruta, teucr, tub
→Augen – Risse, Schrunden – Canthi – äußere (8): ant-c, apisin, carbo-an, hep, m-arct, nat-m, sulph, zinc
→Gesicht – Risse, Fissuren – Lippen – Oberlippe (22): agar, alum, androc, bar-c, bell, bry, calc, eupi, hell, hep, kali-c, kreos, nat-c, nat-m, par, ph-ac, sabad, sel, sulph, tarax, tax, zinc
→Gesicht – Risse, Fissuren – Lippen – Oberlippe – Mitte der (6): hell, hep, nat-m, sel, sulph, tarax
→Gesicht – Risse, Fissuren – Lippen – Unterlippe (43): adam, agar, am-c, anag, apis, apisin, aq-mar, aur-m, aur-m-n, ba-tn, bor, bry, calc, cham, chin, cimic, dros, graph, haliae-lc, harp, hep, ign, kali-bi, mez, nat-c, nat-m, nit-ac, nux-v, ozone, ph-ac, phos, pip-n, plat, por-m, puls, ros-d, sep, sia-c, sulph, tarent-c, thuj, visc, zinc
→Gesicht – Risse, Fissuren – Lippen – Unterlippe – Mitte der (26): adam, agar, am-c, aq-mar, aur-m, aur-m-n, ba-tn, calc, cham, chin, dros, graph, haliae-lc, harp, hep, nat-c, nat-m, nux-v, ph-ac, phos, pip-n, por-m, puls, ros-d, sep, tarent-c
→Gesicht – Risse, Fissuren – Mundwinkel (52)
→Extremitäten – Nägel – Beschwerden der – aufgesprungen, rissig (5): ant-c, ars, lach, nat-m, sil
→Extremitäten – rissige Haut – juckend – heftig, zwischen den Zehen (1): nat-m
Petroleum
#PetroleumHautrisseDie Haut ist trocken, rau, rissig, lederartig, sieht aus, als hätte man mit Motoröl gearbeitet. Risse sind blutig. Frostbeulen. Jucken und Brennen. Haut < Winter, Feuchtigkeit, Fahren mit Auto oder Schiff (cocc, aber Essen > bei petr). > Warme Luft, trockenes Wetter. Kratzen verursacht schnell Eiterung. Tiefe Risse, < in Winkeln, Brustwarzen, Fingerspitzen oder Handflächen (Vermeulen).
→Gesicht – Risse, Fissuren – blutend (1): petr
→Männliche Genitalien – Risse, Schrunden – Skrotum (2): petr, thuj
→Extremitäten – Rissige Haut – Arme – Hände (72): alum, calc, graph, lyc, merc, nat-m, nit-ac, petr, sep, sil, sulph, zinc, …
→Extremitäten – Rissige Haut – Arme – Finger – Fingerspitzen (22): alum, am-m, aur, aur-m, ba-sv, bar-c, bell, foll, graph, ign, med, merc, nat-m, petr, ran-b, rhus-v, sanic, sars, sil, syc-co, uran, x-ray
→Extremitäten – Rissige Haut, Risse – brennend, Hände (3): petr, sars, zinc
→Extremitäten – Rissige Haut – juckend – Hände (2): merc, petr
→Extremitäten – Rissige Haut – Arme – Hände – Winter, im (13): alum, calc, calc-s, carbn-s, cist, graph, maland, merc, petr, psor, sanic, sep, sulph
Sepia
#SepiaHautrisseTrockene Haut mit bräunlichen Flecken. Chloasma. Juckreiz wird nicht besser durch Kratzen. Risse an den Augen, Mundwinkeln, Lippen, Händen, besonders am Kleinfingerballen. > Bettwärme, nach Schlaf, Bewegung oder körperliche Anstrengung, heiße Anwendungen (ars, rhus-t).
→Extremitäten – Rissige Haut – Arme – Hände – Winter, im (13): alum, calc, calc-s, carbn-s, cist, graph, maland, merc, petr, psor, sanic, sep, sulph
→Extremitäten – aufgesprungene Haut – Hände – Wasser, durch Arbeiten in (12): alum, ant-c, calc, cham, hep, maland, merc, pull-g, rhus-t, sars, sep, sulph

Warzen

Grundlagen

Die WarzeWarzen (VerrucaVerrucae s. Warzen) ist eine scharf umschriebene, rundliche, papillomatöse, mehr oder minder hyperkeratotische Epidermiswucherung. Warzen entstehen überwiegend durch Humane Papilloma-VirenPapilloma-Virus, humanes (HPV) (HPVHPV s. Papilloma-Virus, humanes), von denen ca. 80 Typen bekannt sind. Die verschiedenen Typen lassen sich nach ihrem äußeren Erscheinungsbild in Gruppen einordnen.
Neben den HPV-induzierten Warzen sind in diesem Kapitel auch Neubildungen des Bindegewebes (Keloide und Fibrome) und die durch das Molluscum-contagiosum-Virus entstehenden Dellwarzen beschrieben.
HPV-induzierte Warzen
Verrucae vulgaris
Verrucae vulgarisHPV-Typ u. a. 2 und 4. Exophytisch (nach außen) wachsend, mit typischen hyperkeratotischen Papeln, z. T. konfluierend, häufig an den Händen. Dispositionsfaktoren sind periphere Durchblutungsstörungen und Hyperhidrose.
Verrucae plantaris
Verrucae plantarisHPV-Typ u. a. 1. Je nach Lokalisation am Rand eher exophytisch, auf der Fußsohle durch äußeren Druck flach-konfluierend oder tief exophytisch (Dornwarzen) wachsend. Die sichtbaren schwarzen Punkte entsprechen punktförmigen Hämorrhagien. Befindet sich die Warze unmittelbar auf der Lauffläche, kann das Gehen äußerst schmerzhaft sein.
Die Stelle an der Fußsohle, an der eine Warze besteht, lässt sich über die Kenntnisse der Fußreflexzonen inneren Organen zuordnen und gibt Hinweise auf Belastungen oder Schäden dieser Organe.
Verrucae planae juveniles
Verrucae planae juvenilesHPV-Typ 3 und 10. Nur gering über das Hautniveau hinausreichende flache Papeln ohne stärkere Verhornung an der Oberfläche wie bei Verrucae vulgaris. Sie sind meist etwas rötlicher als die Haut, unterschiedlich geformt mit stumpfer Oberfläche. Häufig finden sie sich an Händen und Gesicht, besonders von Kindern und Jugendlichen.
Epidermodysplasia verruciformis
Epidermodysplasia verruciformisVorwiegend HPV-Typ 3, 5, 8 und 10. Es handelt sich um eine Sonderform. Von der generalisierten Hautverukose entarten bis zu 30 % zu spinozellulären Karzinomen in lichtexponierten Regionen. Zugrunde liegt häufig ein genetisch bedingter Immundefekt.
Condylomata acuminata
HPV-Typ 6 oder 11, bei Kindern werden auch HPV-Typen 1, 2, 3, 16 und 18 nachgewiesen. Feigwarzen (Condylomata acuminataCondylomata acuminataFeigwarzen s. Condylomata acuminata, spitze Kondylome, Genitalwarzen) stellen sich dar als kleine stecknadelkopfgroße, rötlich bis grau-gelbe oder weißliche Papeln, die sowohl solitär stehen wie auch zu Beeten konfluieren oder große blumenkohlartige Tumoren bilden können. Seltener findet man plane Kondylome, eine Phänokopie des Analekzems. Ein Entartungsrisiko besteht in unterschiedlicher Ausprägung je nach HPV-Typ. Bei perianalem Befund sind Condylomata lata bei der Lues (Stadium II), die bowenoide Papulose, der Morbus Bowen und die Mariske inspektorisch, notfalls histologisch auszuschließen.
Treten die Kondylome bei Kindern auf, ist auch an sexuellen Missbrauch zu denken. Eine Infektion ist jedoch auch unabhängig davon möglich, etwa durch Warzen an den Fingern oder inkubiertes Badewasser.
Molluscum contagiosum (Dellwarzen)
Durch Poxvirus mollusci verursachte Papeln, meist durch Kontakt übertragen. Durch Kratzen auch zunehmende Verteilung des infektiösen Inhalts auf dem eigenen Körper und zusätzliche Bildung neuer Papeln möglich. Es sind typische, wenige Millimeter große Papeln, einzeln oder gehäuft auftretend, später mit zentraler Eindellung. Die bevorzugten Lokalisationen sind stammnahe Partien der Extremitäten, Rumpf und Genitoanalregion. Die DellwarzenMolluscum contagiosumDellwarzen treten häufig auf bei Kindern mit Neurodermitis und bei Erwachsenen mit Immuninsuffizienz.
Neubildungen des Bindegewebes
Die Neubildungen des Hautbindegewebes gehen im engeren Sinn von den Fibroblasten aus. Ein Charakteristikum ist die Faserbildung.
Keloide
KeloideBei der Wiederherstellung der anatomischen und funktionellen Integrität nach Verletzungen und Entzündungen des Hautorgans setzt eine komplexe Kaskade von überwiegend zytokingesteuerten Abläufen ein. Das Resultat entspricht nie einer Restitutio ad integrum (diese ist nur bei fetaler Haut möglich), sondern einer Narbe mit geänderten Eigenschaften gegenüber unverletzter Haut. Kommt es zu einer überschießenden Bindegewebs- bzw. Kollagenneubildung, meist nach Verletzungen, Verbrühungen und Verbrennungen, entstehen Keloide.
Fibrome
Es handelt sich um gutartige bindegewebige Neubildungen. Das weiche FibromFibrome (Fibroma molle, pendulans) entsteht meist in Form kleiner gestielter Papeln an Hals, in der Axillar- und Inguinalregion. Das harte Fibrom (Dermatofibrom) ist eine, meist wenige Millimeter große, runde bräunliche Papel, bei längerem Bestehen etwas eingedellt.
Die Differenzialdiagnose zu weichen Fibromen sind gestielte seborrhoische Warzen oder Nävuszellnävi. Harte Fibrome sind zu unterscheiden von Histiozytomen oder Hautmetastasen. Im Zweifel ist die histologische Abklärung notwendig.

Konventionelle Therapie

Verrucae vulgaris und plantaris
  • Die konservative Behandlung ist mühsam. Durch Keratolyse mit 20-prozentigem SalizylsäureSalizylsäureWarzenpflaster erreicht man eine Verkleinerung der Warzen. Danach folgt die Lokalbehandlung mit zytostatisch-toxischen Externa, z. B. säurehaltigen Ätzmitteln, 5-FluorouracilFluorouracilWarzen. Alternativ ist die KryotherapieKryotherapie, Warzen möglich.

  • Die operative Behandlung erfolgt durch Kürettage oder Exzision, häufig mit rezidivierendem Auftreten.

  • Eine adjuvante Behandlung ist möglich durch Beseitigen von Grundkrankheiten oder Dispositionsfaktoren (periphere Durchblutungsstörungen).

  • „Warzenimpfung“ mit Candida-Antigen (Johnson 2001): Es wird Candida-Antigen in die Warzenbasis gespritzt und dann mehrfach mit einer Nadel in die Warze eingestochen. Die dadurch erzielte Immunantwort brachte in Studien 74 % der behandelten Warzen zur Abheilung. Bei 78 % der behandelten Patienten heilten danach auch die nicht behandelten Warzen am restlichen Körper ab.

  • Abwarten ist ebenfalls eine praktikable Methode, weil die Warzen meist nach einigen Jahren spontan verschwinden.

Verrucae planae juveniles
Eine Behandlung mit lokalen Retinoiden ist möglich, jedoch für Kinder bis zwölf Jahre nicht zugelassen. Wegen der Spontanheilungstendenz wird eher abgewartet.
Molluscum contagiosum
Molluscum contagiosumDie Therapie besteht im Abtragen der Papeln, etwa nach Lokalanästhesie mit EMLA-Pflastern oder lokaler Zerstörung durch Kryotherapie oder Auftragen von Kaliumhydroxid (Infectodell).
Condylomata acuminata
Condylomata acuminataDie Lokalbehandlung erfolgt durch Betupfen mit 20–25-prozentiger alkoholischer PodophyllinPodophyllinlösung, allerdings nicht in der Schwangerschaft und in der Stillzeit. Die Rezidivquote liegt bei über 70 %. Die topische intraläsionale oder parenterale Anwendung von Interferonen (IFN) befindet sich im Stadium der klinischen Erprobung und kann im Augenblick weder zur Therapie noch zur Rezidivprophylaxe empfohlen werden. Die lokale Behandlung mit 5-FluorouracilFluorouracilKondylome-Trichloressigsäurelösung ist unzureichend dokumentiert. Bei ausgedehnten Kondylombeeten ist das operative Vorgehen angezeigt. Die Kryotherapie mit flüssigem Stickstoff hat sich trotz guter Resultate nicht durchzusetzen vermocht. Der Hauptnachteil der Kryobehandlung liegt darin, dass der Arzt während der Behandlung oft nicht in der Lage ist, Tiefe und Ausdehnung der Nekrose zu beurteilen, da diese sich erst nach Tagen einstellt.
Keloide
Intraläsionale KortikosteroideGlukokortikosteroideKeloideKeloide gehören zu den wichtigsten Substanzen in der Therapie pathologischer Narben (Abb. 18.1). Mögliche Nebenwirkungen dieser Therapie sind, besonders bei falscher Injektionstechnik, Atrophien der Subkutis, Teleangiektasien und Pigmentstörungen.
  • Hypertrophe Narben und Keloide sind keine primäre Indikation für eine Strahlentherapie. Sollte jedoch bei Keloiden nach Versagen anderer Behandlungsarten eine ionisierende BestrahlungBestrahlung, Keloide erforderlich werden, müsste diese innerhalb der ersten sechs Monate nach der Keloidbildung erfolgen, weil danach die Strahlenempfindlichkeit stark abnimmt.

  • Die KryotherapieKryotherapie, Warzen hat eine Erfolgsquote von ca. 80 % für hypertrophe Narben und über 60 % für Keloide. Der Nachteil der Methode liegt in der protrahierten Abheilungszeit von etwa vier Wochen und einer häufigen Depigmentierung durch Zerstörung der kältesensiblen Melanozyten.

  • Topischer Druck bewirkt eine Verminderung der kapillären Perfusion, eine Beschleunigung der Kollagenreifung und Abflachung der Narbe.

  • Die Indikation zur chirurgischen Narbensanierung wird bei Keloiden und hypertrophen Narben unterschiedlich gestellt. Keloide werden in der Regel nur als Sekundärtherapie nach Versagen konservativer Methoden operiert, während bei hypertrophen Narben aufgrund Ihrer ausgeprägten Neigung zu Kontrakturen die chirurgische Behandlung oft die erste Option darstellt. Dabei besteht die Gefahr einer noch ausgedehnteren Keloidbildung.

Therapieformen mit noch ungenügend verifizierter oder fraglicher Wirkung sind topisches Silikongel und -folien, Laser und Interferon.
Fibrome
Einfach und unproblematisch ist die elektrochirurgische Abtragung des Bindegewebes, wenn die FibromeFibrome stören. Für den Therapeuten ist es eine einträgliche Therapie, da sich die Fibrome häufig wieder einstellen.

Unkonventionelle Therapie

„Das Besprechen der Warzen ist ineffektiv“, schreibt Günter Korting, ehemaliger Direktor der Universitätshautklinik in Mainz. Trotzdem wird diese Methode praktiziert. Es gibt Ratschläge in Versform:

„Reib' ein die Warzen mit rohem Speck,

grab' ihn in die Erde, und schon sind sie weg!“

Als weitere Möglichkeiten werden vorgeschlagen: Schnecken darüber kriechen lassen; einen violetten Bindfaden nehmen und abbinden, natürlich bei abnehmendem Mond; eine kreuzweise durchgeschnittene Zwiebel auflegen; die Warze mit einem alten Lappen aus einem fremden Haus reiben und dann den Lappen vergraben.

Homöopathische Behandlung

„Wo die Natur nicht will, ist die Arbeit umsonst.“

(Seneca)

Die konventionelle Therapie der Warzen hat häufig massive Nebenwirkungen und ist teilweise für Kinder obsolet. Die chirurgische Behandlung hinterlässt gerade bei den Kindern Traumatisierungen und unter Umständen Narben. Der entscheidende Nachteil ist die hohe Rezidivrate bei einer Erkrankung, die – je nach Warzentyp – eine hohe Spontanheilungstendenz hat, wenn man nur lange genug wartet.
Die homöopathische Behandlung hat den entscheidenden Vorteil, dass mit den Warzen nicht nur diese, sondern auch das Terrain behandelt wird. Damit wird den Warzen die Grundlage entzogen, und sie verschwinden. „Wenn die Natur nicht will“ (Seneca), dann versucht man sie ins Gleichgewicht zu bringen, damit der Mensch Hauterscheinungen als Zeichen der inneren Störung nicht mehr braucht.
Warzen gehören als Hautveränderungen, die über das Niveau der Haut hinausgehen, zu den Sykosis-Zeichen.
Lokale Behandlung
Die Lokalbehandlung von Hautkrankheiten sollte grundsätzlich so zurückhaltend wie möglich erfolgen, um nicht unterdrückend zu wirken. Dem Patienten wird gelegentlich viel abverlangt, besonders wenn es sich um juckende Hautausschläge handelt. Korting nannte den Juckreiz nicht umsonst den „kleinen Bruder des Schmerzes“. Als Ärzte können wir dankbar sein, wenn wir dem Patienten lokale Hilfe geben können, um einerseits die Beschwerden der Haut zu lindern und andererseits dem Wunsch nach aktiver Mitarbeit nachzukommen. Es gibt Patienten, die mehr tun wollen, als nur nach einer Hochpotenz ein bis drei Monate auf einen Erfolg warten.
In Bezug auf die Warzen steht uns mit Chelidonium majus ein pflanzliches Mittel zur Verfügung, das zusätzlich noch unterstützend heilend wirkt. Im Volksmund Schöllkraut, Hexenmilch, Krätzenkraut, Schwalbenwurz, Teufelskraut, Warzenkraut genannt, weist es auf seine besonderen Fähigkeiten hin. Hilfreich ist das Betupfen der Warzen mit Chelidonium-Urtinktur bei Verrucae planae juveniles oder Dellwarzen. Bei Verrucae vulgaris ist Podophyllum in Urtinktur vorzuziehen.
Innere Behandlung mit potenzierten homöopathischen Arzneien
Die Auswahl der homöopathischen Arznei richtet sich selbstverständlich nach der Gesamtheit der Symptome. Die Morphe der Haut führt auch bei den Warzen, unter Einbeziehung der übrigen Symptome, häufig zum Konstitutionsmittel. „Innen und außen entsprechen sich.“ Wurden in der Praxis des Verfassers Patienten mit Warzen behandelt, war es in der Regel das Simile, das auch die Warzen beseitigt hat.
Bei der Suche nach der passenden Arznei über das Repertorisieren hat man die Qual der Wahl aus 269 Rubriken. Die Hauptrubrik→Haut – Warzen←ist im Complete Repertory mit 144 Mitteln zu groß, um ein vernünftiges Ergebnis zu bekommen. Der Begriff „Warze“ ist sowohl in der Hauptrubrik Haut als auch unter den verschiedenen Körperregionen zu finden.
Den Begriff „Condylomata“ findet man nur unter → Augen – Condylomata. Besser ist die Suche unter dem Begriff „Kondylome“ im Kapitel „Haut“ und den verschiedenen Körperregionen „Nase“, „Mund“, „Hals“, „Rektum“, „Männliche Genitalien“ und „Weibliche Genitalien“, „Larynx“ und „Allgemeines“.
Im Repertorium wird über diese Begriffe nicht die eigentliche Diagnose beschrieben. Diese ist allgemein unter „Warze“ und deren Erscheinungsformen „weich“, „hart“, „verhornt“, „blutend“ und weiteren versteckt. In den folgenden Mittelbeschreibungen wird unter Warze nicht nur die durch HPV-Viren verursachte Warze als Diagnose, sondern grundsätzlich die Erscheinungsform, z. B. auch als Fibrom oder Keratose, verstanden.
Die Hälfte der in den wichtigen Warzenrubriken aufgeführten Arzneien findet sich auch in der Rubrik→Gemüt – Beschwerden durch – Kummer, Trauer, Sorge. Die anamnestischen Hinweise auf den Zusammenhang zwischen psychischer Belastung und dem Auftreten von Warzen werden somit auch durch das Repertorium bestätigt.
Repertoriumsrubriken und Arzneimittel bei Verrucae vulgaris und plantaris
Eine innere (homöopathische) Behandlung ist immer notwendig. Operative oder andere aggressive Maßnahmen sind nicht zweckmäßig, da sie die zugrunde liegende konstitutionelle Belastung, hier die Sykosis, verstärken. Die Warzen befinden sich meist an den Händen oder Fußsohlen.
→Extremitäten – Warzen – allgemein – Arme – Hände (48): ambr, anac, anil, ant-c, ars, ba-tn, bar-c, bar-m, berb, bor, bov, bufo, calc, calc-sil, carc, caust, dulc, dys-co, ferr, ferr-ma, ferr-pic, fl-ac, kali-c, kali-chl, kali-m, lach, lyc, morg, morg-g, nat-c, nat-m, nat-s, nit-ac, ox-ac, pall, ph-ac, phos, pic-ac, psor, rhus-t, ruta, sars, sel, sep, sil, sulph, syc-co, thuj
Causticum
#CausticumWarzenBewährtes, häufiges Mittel. Harte, hornige, gezackte Warzen, häufig an den Händen oder um die Nägel. Im Gesicht, besonders auf der Nase oder an den Augenlidern, auch weiche, gestielte Warzen. Wegen der mechanischen Belastung an den Händen kommt es zu Verletzungen, Blutungen oder sekundären Entzündungen (Kasuistik „Warzen“).
→Gesicht – Warzen (36): adam, alco, am-m, anac, anan, ars, aur, brucel, calc, calc-p, calc-s, cast-eq, caust, con, cund, dulc, ferr-pic, kali-bi, kali-br, kali-c, kali-ma, kali-p, kali-s, laur, lyc, mag-c. mag-s, med, nat-m, nat-s, nit-ac, ph-ac, psor, sep, sulph, thuj
→Gesicht – Warzen – Nase (6): alco, caust, kali-ma, laur, nit-ac, thuj
→Gesicht – Warzen – Lippen (10): calc, caust, con, dulc, kali-p, kali-s, nat-m, nit-ac, sulph, thuj
→Extremitäten – Warzen – allgemein – Arme – Finger – Nägel, um die (8): calc-cal, caust, dulc, fl-ac, graph, lyc, nat-m, sep
Repertoriumsrubriken und Arzneimittel bei Warzen an den Fußsohlen
→Extremitäten – Warzen – allgemein – Beine – Füße – Fußsohlen (16): ant-c, bac, calc, carc, con, hell, lach, lyc, med, nat-m, phos, sep, sil, sulph, syc-co, uran
Die Mittel können mit Causticum und Graphites (Köhler) und mit Natrium sulfuricum (Morrison, Synthesis 8.0) ergänzt werden. Beobachtungen aus dem Qualitätszirkel sind zusätzlich Arsenicum album, Kalium arsenicosum, Pulsatilla, Acidum nitricum.
Antimonium crudum
Sehr harte, hornige Warzen#Antimonium crudumWarzen, besonders auf den Fußsohlen (Dornwarzen). Neigung zu Horn- und Schwielenbildung an den Fußsohlen und Händen. Typisch für die Warzen ist, dass sie das Hautniveau kaum überragen. Sie sind außen glatt, auch an den Händen.
→Haut – Warzen – hart (12): ant-c, calc, calc-sil, caust, dulc, fl-ac, lach, ran-b, sep, sil, sulph, thuj
→Extremitäten – Warzen – allgemein – Beine – Füße – Fußsohlen (16)
Repertoriumsrubriken bei Warzen um die Nägel
RepertoriumsrubrikenWarzen→Extremitäten – Warzen – allgemein – Arme – Finger – Nägel, um die (8): calc-cal, caust, dulc, fl-ac, graph, lyc, nat-m, sep
Sie wachsen z. T. auch unter die Nagelplatte und heben sie ab. Die hierzu passende Rubrik ist
→Extremitäten – Nägel – Beschwerden der – verhornt – Wucherungen unter den Nägeln (2): ant-c, graph
Repertoriumsrubriken und Arzneimittel bei Verrucae planae juveniles
Der Name beschreibt die flache Form der WarzenRepertoriumsrubrikenWarzen. Die Mittelwahl erfolgt hier überwiegend über die Gesamtheit der Symptome. Häufige Mittel sind: Barium carbonicum, Calcium carbonicum, Causticum, Dulcamara, Ferrum metallicum, Hepar sulfuris, Silicea, Sulphur.
Wenn kein sicheres Simile ermittelt werden kann und die Warzen im Vordergrund stehen, kann ein Versuch gemacht werden mit folgenden Arzneien:
Ferrum picrinicum
#Ferrum picrinicum, WarzenDie Haut ist auffallend durchscheinend. Multiple gestielte Warzen. Warzen bei einem Menschen mit Taubheit. Schmutzige Haut an den Gelenken durch Ablagerung von Gallenpigmenten. Das Mittel eignet sich eher für Dunkelhaarige (anders Acidum picrinum bei Blonden). Causae: Ermüdung und Beschwerden < Ermüdung.
Dulcamara
#DulcamaraWarzenSehr große Warzen mit starker Empfindlichkeit. Schwitzen an den Handflächen. Füße eiskalt. Rheumatische Beschwerden nach akuten Hautausschlägen. Causae: Folge von Durchnässung und Beschwerden < feuchtes Wetter.
→Haut – Warzen – groß (15): caust, cund, dulc, kali-c, mag-s, nat-c, nat-m, nit-ac, ph-ac, rhus-t, sabad, sep, sil, thuj, verr
→Extremitäten – Warzen – allgemein – flach, Hand – Handflächen (3): dulc, nat-m, ruta
→Haut – Warzen – waschen, kalt, agg. (1): dulc
Repertoriumsrubriken und Arzneimittel bei Condylomata acuminata
RepertoriumsrubrikenWarzenRepertoriumsrubrikenCondylomata acuminataFeigwarzen. Sie sind ein deutliches Zeichen der Sykosis. Bei Jugendlichen mit spitzen Kondylomen immer auch an eine Gonorrhö, bei Kindern an Missbrauch mit Gonorrhö-Infektion denken und diagnostisch abklären. Nach konventioneller Therapie einer Gonorrhö bleibt die sykotische Belastung bestehen, auch wenn der Erreger nicht mehr im Körper nachweisbar ist.
Thuja occidentalis
Hauptmittel. Kondylome#Thuja occidentalisCondylomata acuminata bluten leicht, nässen und riechen übel. Brennender Schmerz < Kratzen. Reichlicher, dick-grüner Fluor. Die Haut sieht schmutzig aus. Folge von Impfungen (auch andere Mittel), besonders Pockenimpfung. Rheumatische Beschwerden als Folge von Gonorrhö. Folge von feuchter Kälte. < nachts, Bettwärme.
→Extremitäten – Warzen – allgemein – Arme – Finger – Fingerspitzen (4): caust, dulc, nit-ac, thuj
→Haut – Warzen – Mädchen, bei jungen (3): sep, sulph, thuj
Medorrhinum
#MedorrhinumCondylomata acuminataGeruch nach Fischlake. In der Vorgeschichte Gonorrhö. Dünner, scharfer, ätzender Fluor. Gedächtnisschwäche. Immer in Eile. < Beim Denken an die Beschwerden, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. > Bei feuchtem Wetter (anders thuj), an der Küste.
→Gesicht – Warzen – Mund, um den (10): calc, calc-p, cund, kali-c, lyc, med, ph-ac, psor, sep, thuj
→Haut – Warzen – gestielt (15): caust, dulc, lyc, med, nat-s, nit-ac, ph-ac, pitu-a, rhus-t, sabin, sep, sil, staph, tax, thuj
→Extremitäten – Warzen – allgemein – Beine – Oberschenkel (2): med, ozone
→Haut – Warzen – fadenförmig (1): med
Natrium sulfuricum
Die Kondylome#Natrium sulfuricumCondylomata acuminata sind weich, rot, fleischig. Gelblich grüner Fluor. < Jede Form von Feuchtigkeit und feuchtes Wetter. Folge von Gonorrhö. Melancholie durch Musik.
→Haut – Geschwüre – Warzen, um (7): ant-c, ars, calc, caust, nat-c, nat-s, phos
→Haut – Warzen – glatt (10): ant-c, calc, dulc, lach, nat-m, nat-s, nit-ac, psor, ruta, thuj
→Haut – Warzen – rot (8): ars, bell, bov, calc, caust, cund, nat-s, thuj
→Haut – Warzen – weich (7): alum, ant-c, calc, nat-s, nit-ac, sil, thuj
Acidum nitricum
#Acidum nitricumCondylomata acuminataBrennende und besonders stechende Schmerzen. Kondylome nässen, bluten leicht. Bräunlicher oder fleischfarbener Fluor, übelriechend, wässrig dünn oder fadenziehend. Wichtiges Mittel bei Rektumkarzinom (stechender Schmerz bei Untersuchung), Analfissur. Reizbar, sehr nachtragend. Hoffnungslose Verzweiflung. > Fahren.
→Haut – Warzen – blutend (19): ambr, bell-p, calc, caust, cinnb, ferr, ferr-ma, hep, iod, kali-c, lyc, merc, nat-c, nit-ac, ph-ac, rhus-t, staph, syc-co, thuj
→Haut – Warzen – blutend – Waschen, durch (1): nit-ac
→Nase – Warzen, innen in der Nase (2): med, nit-ac
Sabina
Kondylome#SabinaCondylomata acuminata jucken und brennen. Reichliche hellrote Menstruationsblutung mit Schmerzen, anschließend scharfer, ätzender, übelriechender Fluor. Menstruationsbeschwerden < geringste Bewegung, aber Gelenkschmerzen > Bewegung. Musik ist unerträglich. > Kühle, frische Luft.
Repertoriumsrubriken und Arzneimittel bei Molluscum contagiosum
Molluscum contagiosumRepertoriumsrubrikenRepertoriumsrubrikenDellwarzen werden entsprechend der Gesamtheit der Symptome behandelt. Häufige Arzneien sind: Calcium phosphoricum, Phosphorus, Sepia, Silicea. Eine gute Darstellung der Kinder dieser Konstitutionen findet sich auch bei Hauptmann: „Homöopathie in der kinderärztlichen Praxis“.
→Haut – Hautausschläge – Molluscum – contagiosum, Dellwarze (17): brom, bry, calc, calc-ar, carc, germ, jug-c, kali-i, lepro, lyc, merc, nat-m, sac-alb, sil, sulph, teucr, thuj
Die Rubrik ist sicher nicht vollständig und sollte nur als Vorschlag Beachtung finden. Die Gesamtheit der Symptome ist bei dieser Erkrankung für die Arzneifindung entscheidend.
Repertoriumsrubriken und Arzneimittel bei Keloiden und Narben
→Haut – NarbenRepertoriumsrubrikenNarben – KeloidRepertoriumsrubrikenKeloide (32): alumn, ars, bad, bell-p, calc, calc-f, carb-v, carc, caust, crot-h, fl-ac, graph, hyper, iod, junc, kali-bi, lach, merc, nit-ac, nux-v, phos, phyt, psor, rad-br, rhus-t, sabin, sil, sul-ac, sulph, thiosin, tub, vip
→Haut – Narben – schmerzhaft (41): all-c, apis, ars, asaf, aster, bamb-a, both-a, carb-an, carb-v, caust, chin, con, crot-h, eug, fl-ac, graph, hep, hyper, kali-c, kali-sil, lach, lim-b-c, lyss, mag-m, mez, nat-m, nit-ac, nux-v, petr, phos, phyt, plut-n, puls, sep, sil, staph, sul-ac, sulph, symph, tell, thuj
→Allgemeines – Wunden – öffnen sich wieder – Narben (20): asaf, bor, calc-p, carb-an, carb-v, caust, con, croc, crot-h, fl-ac, glon, Jod, lach, lat-h, nat-c, nat-m, phos, sil, sulph, vip
→Haut – Narben – brechen auf (24): asaf, bor, both-l, calc-p, carb-an, carb-v, caust, con, croc, crot-h, fl-ac, glon, graph, iod, lach, m-p-a, nat-c, nat-m, phos, sars, sil, stront-c, sulph, vip
→Haut – Narben – blau (10): ant-c, asaf, bad, cench, ferr, lach, rhus-t, sep, sul-ac, thuj
→Haut – Narben – rot, werden (12): ant-c, bad, cench, fl-ac, lach, lim-b-c, merc, nat-m, sil, stram, sul-ac, sul-i
→Haut – Narben – hart (5): calc-f, fl-ac, graph, kali-bi, phyt
→Haut – Narben – Juckreiz (7): alum, calc-f, fl-ac, iod, led, naja, ozone
Badiaga
Erhabene, blasse Narben#BadiagaNarben. Die Haut ist empfindlich gegen Berührung. Rhagaden. Sommersprossen. > Bei Hitze. < Abkühlung.
→Haut – Narben – blau (10): ant-c, asaf, bad, cench, ferr, lach, rhus-t, sep, sul-ac, thuj
→Haut – Narben – rot, werden (12): ant-c, bad, cench, fl-ac, lach, lim-b-c, merc, nat-m, sil, stram, sul-ac, sul-i
Acidum fluoricum
Rote, harte, juckende Narben#Acidum fluoricumNarben. Naevi, Ulzera, rote Ränder und Bläschen. Reichlicher, übelriechender Schweiß. < Wärme. Gleichgültigkeit gegenüber geliebten Personen. Unfähigkeit, Verantwortung zu übernehmen. Sprunghaftigkeit.
→Haut – Hautausschläge – Bläschen – juckend – um alte Narben (1): fl-ac
→Haut – Narben – schmerzhaft, werden – wund, wie (4): caust, fl-ac, nux-v, sil
Causticum
Narben#CausticumNarben sind hart und empfindlich. Narben nach Verbrennung.
→Haut – Narben – hart (5): calc-f, fl-ac, graph, kali-bi, phyt
Graphites
Sehr harte, brennend schmerzhafte Narben#GraphitesNarben, manchmal rissig. Wichtiges Karzinommittel.
→Brust – Abszess – allgemein – Mammae – drohender, in alten Narben (4): acet-ac, croto-t, graph, phyt
→Haut – Narben – schmerzhaft, werden – Freien, agg. im (1): graph
→Narben – schwarz, werden (2): asaf, graph
→Brust – Krebs, Karzinom – Mammae – Narben, in alten (3): carb-an, graph, phyt
Silicea
Sehr harte, stechend schmerzhafte Narben#SiliceaNarben. Fördert das Abstoßen von Fremdkörpern aus dem Gewebe (Kasuistik „Narbe nach Verbrühung“).
→Allgemeines – Fremdkörper, Empfindung wie von einem – Austreibung von Fischgräten, Nadeln, Splittern – fördert das (4): anag, hep, lob, sil
→Brust – Narben – alte, Mammae (6): apis, ars, carb-an, graph, phyt, sil
→Brust – Narben – eiternd (1): sil
→Haut – Narben – eiternd (3): bor, carb-an, croc
→Rücken – Abszess – Cervikalregion – Narben, alte (1): sil
→Haut – Narben – Knötchen (2): fl-ac, sil
→Haut – Narben – glänzend (1): sil

Kasuistiken

Kasuistik

Warzen (Udo Schippling)

Dieser stark gekürzt wiedergegebene Fall beschreibt die Auswirkungen, die auf eine Arzneimittelgabe folgen können.

Eine junge Frau Mitte zwanzig kommt in die Praxis zur homöopathischen Behandlung ihrer Warzen an den Händen. Sowohl die Persönlichkeit als auch die Form der Warzen und die Lokalisation um die Nägel weisen auf die Arznei Causticum als Simile hin.

Nach einer Gabe Causticum#CausticumWarzen C30 kommt sie nach sechs Wochen erneut in die Sprechstunde. Sie berichtet, dass sie sich an Begebenheiten erinnern kann, die sie vor der Einnahme von Causticum so vollständig verdrängt hatte, dass sie sich auch auf gezielte Fragen während der Anamnese nicht erinnern konnte. Sie war von ihrem Vater von Kindheit an bis zum 16. Lebensjahr sexuell missbraucht worden. Erst durch die Einnahme von Causticum kam die Erinnerung an den Missbrauch zurück. Nun konnte sie sich auch endlich klarwerden, warum sie gegenüber Männern und auch gegenüber ihrem Vater zwiespältige Gefühle hatte.

Eine zuvor durchgeführte Gesprächstherapie brachte dieses Ergebnis nicht zutage. Die Warzen heilten im Laufe von Monaten ab.

Kasuistik

Narbe nach Verbrühung (Udo Schippling)

Ein achtjähriges Mädchen hat nach einer Verbrühung eine ausgedehnte Narbe, vom rechten Ellbogen bis zum Handgelenk reichend. Die Verletzung liegt schon einige Jahre zurück und macht keine Beschwerden, stört jedoch kosmetisch.

Das Mädchen bekommt Silicea C30, 2 Globuli im Abstand von jeweils einem Monat. Nach sechs Monaten ist die Narbe verschwunden bis auf eine Stelle von ca. drei Zentimeter Durchmesser am Handgelenk.

Kasuistik

Narbeneiterung (Udo Schippling)

Bei einem jungen Mann wurde zur Hämodialyse ein arteriovenöser Shunt am Unterarm angelegt. Alle paar Monate kam es zu einer Eiterung an der Narbe. Der Operateur wollte die Narbe nicht nochmals operieren, um den Shunt nicht zu gefährden.

Der Patient bekam Silicea#SiliceaNarbeneiterung C30, 2 Globuli, nach vier Wochen einmalig wiederholt. Sechs Wochen nach der ersten Einnahme wurde ein Fadenrest in der Narbe sichtbar und konnte herausgezogen werden. Danach kam es zu keiner Eiterung mehr.

Nägel

Aufbau

Die Nägel (Unguis, Onyx Abb. 18.3) sind horizontale Einstülpungen der Kutis mit Umdifferenzierung der Hornschicht zur Nagelplatte an Finger- und Zehenendgliedern. Die Nagelplatte (3) wächst aus der Nageltasche heraus. Sie wird hauptsächlich von der Nagelmatrix (4) gebildet. Ihr distaler Rand kann als Lunula (kleiner Halbmond) (7) weiß durch die Nagelplatte durchscheinen. Zum ventralen Teil der Nagelplatte trägt das Nagelbettepithel bei. Die Nagelplatte wird proximal und lateral vom Nagelwall (Perionychium) begrenzt. Der Spalt zwischen proximalem Nagelfalz (1) und Nagelplatte wird durch das Nagelhäutchen (Kutikula, 2) abgedichtet, der Spalt zwischen Fingerbeere und distalem Ende der Nagelplatte durch die Hornschicht des Hyponychiums.
Das Nagelwachstum beträgt 0,5 bis 1,2 mm pro Woche. Damit erneuert sich der Nagel vollständig nach ca. drei bis fünf Monaten. Zehennägel wachsen etwa halb so schnell, sind dafür doppelt so dick.

Pathologie

Angeborene Nagelerkrankungen
NagelerkrankungenEs handelt sich um seltene autosomal-dominante Nagelbildungsstörungen, die z. T. mit kutanen und extrakutanen Symptomen assoziiert sind. Finger- und Fußnägel haben verdickte, eingerollte Nagelplatten und subunguale Keratosen (Pachyonychia congenita) oder dünne Nagelplatten mit unregelmäßiger rauer Oberfläche (Trachyonychie). Verhornungsstörungen der Haut und Zahnanomalien können damit verbunden sein. Auch teilweises (Nagelatrophie) oder vollständiges Fehlen der Nagelplatten (Anonychie) ist möglich. Bei Kindern sieht man gelegentlich die „Zwanzig-Nagel-Dystrophie“, bei der alle Nägel eine übermäßige Rillenbildung aufweisen; die Störung beginnt im Säuglingsalter und verschwindet nach einigen Jahren spontan.
Genetisch bedingte Hautveränderungen schließen Nagelveränderungen häufig mit ein.
Erworbene Veränderungen
Verletzungen
NagelveränderungenVerletzungenNägelDurch mechanische Irritation der Nagelmatrix oder falsche Behandlung der Nägel, z. B. durch Entfernung des Nagelhäutchens, können sekundär Keime in das Gewebe eindringen und zu einer Entzündung der Nagelumgebung führen. Auch durch zu enge Schuhe wird die weiche Umgebung, der Nagelfalz, zu sehr an die Nagelplatte gedrückt. Dadurch kommt es zunächst zu einer Reizung, durch Eindringen von Keimen ebenfalls zu einer Entzündung der Nagelumgebung (Panaritium).
Hämatome unter der Nagelplatte – immer wieder das Problem der Heimwerker, wenn der mit Schwung geführte Hammer den eigenen Nagel statt den Stahlnagel trifft – sind äußerst schmerzhaft.
Vergiftungen
Verschiedene Medikamente oder Schwermetalle können zu Nagelveränderungen führen.
Nagelveränderungen durch Allgemeinerkrankungen
Einige Zeichen innerer ErkrankungenNagelveränderungenAllgemeinerkrankungen sind schon von den Ärzten im Altertum beobachtet und beschrieben worden. Chronische Hypoxie kann zu Trommelschlägelfingern und Uhrglasnägeln führen – im Kindesalter z. B. bei chronisch-obstruktiver Bronchitis, bronchopulmonaler Dysplasie, Mukoviszidose oder zyanotischen Herzvitien. Tuberkulose kann eine ähnliche Nagelveränderung hervorrufen.
Mangelerkrankungen führen ebenfalls zu typischen Nagelformen, z. B. Löffelnägel bei Eisen- oder Vitaminmangel. Hypothyreose lässt die Nägel langsamer, Hyperthyreose lässt sie schneller wachsen. Bei atopischer Dermatitis im Hand-Finger-Bereich sieht man oft eine horizontale Riffelung der benachbarten Nägel. Nach schweren Allgemeinerkrankungen können sich die sog. Beau-Reil-Linien an allen Nägeln ausbilden. Auch eine Alopezia areata kann mit Wachstumsstörungen der Nägel einhergehen.
Weitere Erkrankungen, die eine Abwehrschwäche der Nagelumgebung oder eine mangelhafte Versorgung der Nagelmatrix verursachen, sind z. B. Diabetes mellitus und Durchblutungsstörungen wie das bei Kindern seltene Raynaud-Phänomen.
Infektionen
InfektionenNägel NagelveränderungenInfektionenAkute und chronische Paronychien sind lokale Infektionen durch Bakterien (z. B. Strepto-, Staphylokokken, Pseudomonas) und/oder Pilze (z. B. Candida albicans). Dispositionsfaktoren sind Verletzungen, Mazeration durch feuchtes Mikroklima oder häufiger Kontakt der Hände mit Wasser. Eine herpetische Paronychie sieht man gelegentlich bei Kindern mit Stomatitis herpetica.
WarzenWarzen (14.11) entstehen durch eine Infektion mit Viren und führen zu typischen Veränderungen im Bereich des Nagelwalls oder unter der Nagelplatte. Der mykotische Befall der Nagelplatte erfolgt durch Dermatophyten, Hefe- und Schimmelpilze.
Neubildungen
Wichtigste Neubildung am Nagel ist das Melanom, das zu Beginn mit einem Hämatom verwechselt werden kann. Ähnliche Farbveränderungen können auch Pigmentnaevi verursachen.

Konventionelle Therapie

Bei der medikamentösen Therapie von Nagelerkrankungen werden prinzipiell die gleichen Wirkstoffe eingesetzt wie bei Erkrankungen der Haut. Das Problem der Lokalbehandlung ist die Nagelplatte, die von Medikamenten kaum durchdrungen wird. Es gibt auch Versuche, das Nagelwachstum regulierend zu beeinflussen (z. B. Pantovigar, Priorin).
Verletzungen
Hämatome unter der Nagelplatte werden am einfachsten operativ entlastet. Dies geschieht durch Nageltrepanation mit einer kleinen Stanze, einem Bohrer oder einer Kanüle, oder auch mit einfachen Hilfsmitteln wie mit einer erhitzten Büroklammer, mit deren Hilfe die Nagelplatte über dem Hämatom punktförmig geschmolzen wird, bis das Blut herausfließen kann. Der Patient wird diese preiswerte, schnelle Methode meist mit ungläubig misstrauischem Blick verfolgen, aber danach dankbar für die Druckentlastung sein.
Eingewachsene NägelNägeleingewachsene können operiert werden, indem der seitliche Nagel keilförmig entfernt wird. Die Rezidivrate liegt jedoch zwischen 23 und 71 %. Die bessere Alternative ist das Anlegen einer Nagelspange. Dies gelingt schmerzfrei ohne Lokalanästhesie. Die Spange stört im Alltag nicht. Die Rezidivrate liegt unter 1 %.
Infektionen
Lokalbehandlung
OnychomykoseOnychomykosen werden bei fehlendem Befall der Matrix lokal, sonst systemisch behandelt. Zunächst werden die befallenen Nagelteile atraumatisch entfernt, entweder durch Abfeilen oder durch Keratolyse, z. B. mit Harnstoff. Danach trägt man antimykotische Lösungen oder Lacke auf. Die Anwendung muss über Monate erfolgen und darf nicht unterbrochen werden, bis der Nagel gesund nachgewachsen ist. Die Heilungsquoten liegen deutlich unter 50 % (arzneitelegramm 1999/9).
AntimykotischeAntimykotika Substanzen wie Ciclopiroxolamin (Batrafen®) oder Amorolfin (Loceryl®) sind nicht unbedenklich. Die Anwendung von Amorolfin z. B. ist kontraindiziert in Schwangerschaft und Stillzeit. Gegenanzeigen sind periunguale Entzündungen und die Anwendung bei Säuglingen und Kindern bis 16 Jahren. Als Nebenwirkungen werden Brennen, Pruritus, Erytheme und Bläschenbildung beschrieben.
Systemische Behandlung
Substanzen zur systemischen Behandlung sind u. a. Griseofulvin, Terbinafin und Itraconazol. Hier soll die Behandlung nur bis zu drei Monaten dauern. Die Erfolgsrate beträgt bei Fußnägeln 60–70 %, bei Fingernägeln bis zu 95 %. Die Liste der Nebenwirkungen oder Gegenanzeigen wird jedoch immer länger.
  • Griseofulvin wirkt nur gegen Dermatophyten und ist daher obsolet (arzneitelegramm 1999/3). Übelkeit und Kopfschmerzen treten häufig auf. In seltenen Fällen kommt es zu Photosensibilität und systemischem Lupus erythematodes.

Die anderen beiden Substanzen sind für Kinder nicht zugelassen und werden lediglich in dermatologischen Zentren angewandt.
  • Ketoconazol ist wirksam gegen Dermatophyten und Hefepilze. Nebenwirkungen sind Benommenheit, Kopfschmerzen und Magen-Darm-Beschwerden. Die Substanz ist schwach antiandrogen und kann daher zur Gynäkomastie führen. Leberschäden treten in einer Häufigkeit von 1: 10 000 auf. Einige Todesfälle wurden beschrieben. In Deutschland ist Ketoconazol zur Onychomykosebehandlung nicht mehr zugelassen. Es wird überwiegend noch zur Behandlung systemischer Pilzinfektionen eingesetzt.

  • Itraconazol ist gegen Dermatophyten, Hefepilze besser wirksam als Ketoconazol und das erste auch gegen Aspergillusarten und andere Schimmelpilze oral wirksame Antimykotikum. Bei der Anwendung von Itraconazol kann es zu Beschwerden im Bereich des Magen-Darm-Trakts, zu Kopfschmerzen, Schwindelgefühlen, Unregelmäßigkeiten im Menstruationszyklus und Haarausfall kommen. Weiterhin können Überempfindlichkeitsreaktionen auftreten, die sich z. B. in Form von Juckreiz, Hautrötungen, Nesselsucht oder einem Angioödem äußern können. Ein reversibler Konzentrationsanstieg der Leberenzyme ist möglich. Eine Neuropathie, das Stevens-Johnson-Syndrom, eine Herzinsuffizienz, schwere Leberschäden bis zum Leberversagen oder eine herabgesetzte Funktion der Nebennierenrinde sind als Folgen beschrieben.

Nägel aus ganzheitlicher Sicht

„In der Physiognomie, Charakterkunde und Krankheitserkennung spielt die Beurteilung der Hände eine große Rolle. Die Hand ist Spiegelbild leiblicher Handlungsfähigkeit und seelischer Ausdruck der Handlungsmöglichkeiten eines Menschen. Handlung ist Gestalten mit der Hand.“

( Köhler 1999 )

Ohne einen normalen Nagelapparat wären die vielen Funktionen jedes Fingers und jeder Zehe schwer beeinträchtigt. Der Nagel trägt zum Feingefühl, zum Schutz und zum kosmetischen Aussehen insbesondere an den Händen bei. Die kosmetische Funktion ist dabei genauso wichtig wie die anderen.
Nach dem „Blickkontakt“ sind die Hände der Körperteil, mit dem wir mit anderen Menschen erste Fühlung aufnehmen. Der Händedruck gibt uns einen ersten „Eindruck“ des Menschen, mit dem wir es zu tun haben. Wie fühlt sich die Hand an? In Anlehnung an Mathias Dorcsi können wir eine erste Einteilung machen, wie der Mensch ist: warm oder kalt, trocken oder feucht. Ist die Haut, sind die Nägel gepflegt oder fühlt oder sieht man Zeichen kräftiger Handarbeit mit Schwielen an den Handflächen und Zeichen mechanischer Beanspruchung an den Nägeln?
Da schwere Allgemeinerkrankungen eine Störung der Nagelbildung (z. B. Querrillen, weiße quer verlaufende Linien) verursachen, sind die Nägel wie ein Kalender Spiegel der Erkrankungen der letzten Monate. Patienten sind immer wieder überrascht, wenn man gezielt nach durchgemachten Krankheiten vor einer bestimmten Zeitspanne fragt.
Die Zahl und Größe der Halbmonde (LunulaLunula) gibt Aufschluss über die Vitalität und Leistungsreserve eines Menschen. Sehr viele und sehr große Halbmonde zeigen an, dass der Mensch seine Energie zu sehr verschwendet. Sehr wenige und kaum angedeutete Halbmonde sind ein Zeichen, dass dieser Mensch Ruhe und Erholung braucht. Er hat seine Reserven aufgebraucht. Dabei muss man berücksichtigen, dass eine Hand mit kurzen, breiten Nägeln und fleischigen Fingern oft keine Halbmonde erkennen lässt.
Der Frankfurter Nervenarzt Heinrich Hoffmann zeigte in seinem Kinderbuch „Der Struwwelpeter“ 1844, als wie verachtenswert es galt, dass der langhaarige Struwwelpeter sich auch lange Fingernägel wachsen ließ. Knabbert jemand ständig an seinen Nägeln, ist das ein Zeichen für Nervosität und Unsicherheit, häufig unterdrückte Aggressionen. Sind die Fingernägel ungepflegt und schmutzig, deutet dies darauf hin, dass sich derjenige vernachlässigt, bei Kindern ist es eine Vernachlässigung durch die Mutter.

Homöopathische Behandlung: Nagelformen als Hinweis für die konstitutionelle Behandlung

NagelformenRepertoriumsrubrikenNegelformen Nägel haben als Anhangsgebilde der Haut genauso Bezug zu inneren Organen und dem ganzen Menschen wie die Haut selbst. Sie spiegeln darüber hinaus über Monate den Gesundheitszustand des Menschen wider. Besonderheiten der Nägel gehören als wichtige und leicht zugängliche Symptome zur Gesamtheit der Symptome eines Patienten. Die Rubriken im Repertorium, die sich auf die Nägel beziehen, sind oft gut geeignet, sichere Hinweise auf die Konstitution des Patienten zu bekommen.
→Extremitäten – Nägel – Beschwerden der – Verfärbung – weiß – Fingernägel – Flecken (8): alum, ars, nit-ac, ozone, sep, sil, sulph, thal
→Extremitäten – Nägel – Beschwerden der – gerillt (10): ars, calc, calc-f, fl-ac, med, ph-ac, sabad, sel, sil, thuj
→Extremitäten – Nägel – Beschwerden der – gerillt – quer (2): ars, med
→Extremitäten – Nägel – Beschwerden der – wachsen – nicht (4): ant-c, pitu-a, rad-br, sil
→Extremitäten – Nägel – Beschwerden der – wachsen – schnell (7): calc-f, falco-p, fl-ac, kali-i, ozone, thuj, wies
→Extremitäten – Nägel – Beschwerden der – Spaltung (10): ant-c, but-ac, fl-ac, lept, nat-m, ruta, sil, squil, sulph, thuj
→Extremitäten – Dünn, Nägel (11): anan, ars, calc-f, fl-ac, graph, harp, lept, nat-m, op, tub, x-ray

Praxistipp

Die Nagelform ist weitgehend abhängig von der Form der Hände und Finger. In der Darstellung der folgenden Arzneien wird der Schwerpunkt auf die Beschreibung der Nägel gelegt. Die Veränderungen gehören zu der beschriebenen Arznei, müssen aber nicht oder nicht vollständig vorhanden sein, selbst wenn die Arznei das Simile für diesen Menschen darstellt.

Kurze und breite Nägel
Kurze, breite Nägel passen zu einer breiten Hand mit kurzen Fingern und einem insgesamt gedrungenen Körper.
Antimonium crudum
Nägel wachsen langsam oder fallen aus. Verdickte, brüchige Nägel, hornige Verdickungen am Nagelrand. Subunguale Hyperkeratosen, die die Nagelplatte anheben. Nägel spalten sich längs. Hornige Warzen um die Nägel.
Barium carbonicum
#Barium carbonicumNagelerkrankungenGeschwüre um die Nägel. Nägelbeißen.
Calcium carbonicum
#Calcium carbonicumNagelerkrankungenDie Nägel sind dick, spröde, brüchig, evtl. deformiert. An der Oberfläche befinden sich Längsrillen. Die Nägel sind gelblich als mögliches Zeichen einer Mykose. Niednägel: kleine Risse und Abhebungen am Nagelwall. Entzündungen um den Nagel (Paronychie). Schweiß (oft saurer Geruch) begünstigt die Entstehung von Entzündungen. Nägelbeißen.
Graphites
#GraphitesNagelerkrankungenDie Nägel sind dick, spröde, brüchig, hornig, verkrüppelt, haben abblätternde Schichten. Die Zehennägel sind oft seitlich eingewachsen. Niednägel. Ulzera um die Nägel.
Lange und schmale Nägel
Sie sind bevorzugt bei schlanken Menschen mit zartem Körperbau zu finden.
Arsenicum album
#Arsenicum albumNagelerkrankungenDie Nägel sind oft dünn, durchscheinend oder dick, z. T. als Krallennagel. Beau-Reil-Querfurchen, Längsrillen. Abblätternde, brüchige Nägel. Weiße Flecke in der Nagelplatte. Nägelbeißen.
Calcium phosphoricum
#Calcium phosphoricumNagelerkrankungenDie Nägel sind dünn, durchscheinend (Köhler, nicht im Repertorium). Weiße Flecke in der Nagelplatte (Köhler, nicht im Repertorium). Nägelbeißen.
Phosphorus
#PhosphorusNagelerkrankungenDünne, durchsichtige Nägel (typisch für Phosphorus und die zugehörigen Salze). Brüchige Nägel. Nägelbeißen. Abschilfernde Haut an den Fingerspitzen.
Silicea
#SiliceaNagelerkrankungenDie Nägel sind dick, brüchig. Längsrillen. Nägel spalten sich. Weiße Flecke in der Nagelplatte. Nägel wachsen nicht. Eingewachsener Nagel. Paronychie. Nägelbeißen.
Fehlende Lunula
Ein Merkmal, auf das der Therapeut achten sollte, zumal die Nägel frei zugänglich sind. Künzli hat die angegebenen Arzneien diesem Symptom zugeordnet. Im Complete Repertory wurden die Angaben, wahrscheinlich fälschlicherweise, Holcombe zugerechnet. Der Verfasser hat in seiner Praxis häufig die Übereinstimmung der Konstitution von Lycopodium oder Pulsatilla nach der Anamnese bestätigt gesehen, wenn die Halbmonde (LunulaLunula) fehlten. War der Patient weder Lycopodium noch Pulsatilla, brauchte er im Laufe der Behandlung Tuberculinum. Umgekehrt fand der Verfasser bei seinen Patienten kaum einen, bei dem Lycopodium oder Pulsatilla eine positive Wirkung hatte, wenn die Halbmonde gut sichtbar oder gar groß waren.
In seinen Aufzeichnungen soll Künzli auch Natrium muriaticum noch ergänzt haben. Bei den Patienten des Verfassers wurde es zumindest häufig bestätigt.
→Extremitäten – Nägel – Beschwerden der – Lunula fehlt (3): lyc, puls, tub, (nat-m?)
Brüchige Nägel
→Extremitäten – Nägel – Beschwerden der – brüchigNägelbrüchige (43): alum, alum-sil, ambr, anan, ant-c, ars, but-ac, calc, calc-f, cast-eq, caust, clem, cupr, dios, fl-ac, graph, hep, hydrog, lept, lyc, med, merc, morg, nat-m, nit-ac, ozone, phos, psor, rad-br, ruta, sabad, sec, sel, senec, sep, sil, spig, squil, sulph, syc-co, thuj, tub, x-ray
Alumina
Die brüchigen Nägel sind Teil der allgemeinen Trockenheit und Sprödigkeit der Alumina#AluminaNagelerkrankungen-Persönlichkeit. Dicke Nägel. Weiße Flecke in der Nagelplatte. Eingewachsene Nägel.
Acidum fluoricum
#Acidum fluoricumNagelerkrankungenDie Nägel wachsen sehr schnell, sind brüchig, spröde, haben Längsrillen. Weiße Flecke in der Nagelplatte. Eingewachsene Nägel. Paronychie.
Psorinum
#PsorinumNagelerkrankungenSpröde, brüchige Nägel. Juckende Hautausschläge, oft eitrig, um die Nägel.
Dünne Nägel
→Extremitäten – dünn, NägelNägeldünne (11): anan, ars, calc-f, fl-ac, graph, harp, lept, nat-m, op, tub, x-ray
Ferrum phosphoricum
#Ferrum phosphoricumNagelerkrankungenEin durch Köhler ergänztes Mittel. Schnell blaue Nägel. Haut und Nägel sind zart, dünn, durchscheinend.
Dicke Nägel
→Extremitäten – Nägel – Beschwerden der – dick (23): alum, anan, ant-c, ars, but-ac, calc, calc-f, calo, caust, falco-p, ferr, fl-ac, graph, merc, pitu-a, pop-c, sabad, sec, sep, sil, sulph, ust, x-ray
Mercurius solubilis
#Mercurius solubilisNagelerkrankungenDicke, brüchige Nägel. Nägel fallen aus. Niednägel. Geschwüre um die Nägel.
Ustilago maydis
#Ustilago maydisNagelerkrankungenDicke Nägel, locker, fallen aus, blättern ab.
Formabweichungen
Formabweichungen, wie z. B. das Abblättern der Nägel, entwickeln sich infolge einer Störung des Nagelwachstums oder durch ungenügende Versorgung der Nagelmatrix.
→Extremitäten – Abblättern, Nägel (25): alum, ant-c, apis, ars, bell, cast-eq, caust, chlor, crot-h, ferr, form, graph, hell, hep, merc, pyrog, rhus-t, sabin, sec, sep, sil, squil, sulph, thuj, ust
Secale cornutum
#Secale cornutumNagelerkrankungenDie Nägel sind dick, brüchig, blättern ab oder fallen aus. Purpurne Verfärbungen. Die Mutterkornvergiftung ist gekennzeichnet durch Durchblutungsstörungen, brennende Schmerzen, kalte Extremitäten. Dieses Mittel ist geeignet, Zustände an Fingern und Nägeln zu kompensieren, die durch Diabetes mellitus, Arteriosklerose oder Gefäßspasmen (M. Raynaud) entstanden sind. Charakteristisch ist bei Secale cornutum die Verschlimmerung durch Wärme; sie grenzt das Mittel gegenüber anderen ab.
Dellen und Mulden auf der Nagelplatte
Thuja
#Thuja occidentalisNagelerkrankungenDie Nageloberfläche erinnert an die Rinde des Lebensbaumes. Sie blättert ab, sieht schmutzig aus. Viele muldenförmige DellenNägelDellen, Grübchen, Längsrillen, Querrillen, Niednägel. Spröde, leicht einreißende oder sehr weiche Nägel.
Medorrhinum
#MedorrhinumNagelerkrankungenGebogene Fingernägel (hippokratischer Nagel). Lockere Nägel. Nägelbeißen. Das Nagelbild ist Thuja ähnlich. Die Unterschiede liegen in der Gesamtpersönlichkeit.

Homöopathische Behandlung der erworbenen Veränderungen

Verletzungen am Fingerendglied
Verletzungen am Fingerendglied sind sehr unangenehm, da auftretende Hämatome sich nur begrenzt unter dem Nagel ausbreiten können und starken Druck ausüben. Außerdem gehören die Fingerbeeren zu den sensibelsten Gebieten der Haut mit vielen Nervenendigungen. Die homöopathische Behandlung führt mit der richtigen homöopathischen Arznei meist innerhalb weniger Minuten zu einer Verringerung der Schmerzen oder zu Schmerzfreiheit. Gelingt es nicht, dieses Ziel in kurzer Zeit zu erreichen, kommt meist ein anderes Mittel infrage.
Arnica montana
Die häufigste Arznei bei Verletzungen ist sicher Arnica#Arnica montanaNagelverletzungen. Viele Patienten verwenden Arnica aus ihrer Hausapotheke und fragen uns erst, wenn die schmerzstillende Wirkung nicht ausreicht. Arnica ist auch bei Verletzungen der Fingerendglieder angezeigt als Arznei für Verletzungen, bei denen es „zu Bluteintritt ins Gewebe kommt“.
Hypericum perforatum
Verletzungen „nervenreicher Gewebe“ ist eine wichtige Anwendung von Hypericum#Hypericum perforatumNagelverletzungen. Daher ist auch nach Verletzung der empfindlichen Finger durch Hypericum rasche Hilfe zu erwarten.
Belladonna
„Klopfende Schmerzen“ sind das Leitsymptom für Belladonna#BelladonnaNagelverletzungen auch bei Verletzungen am Finger.
Eingewachsene Nägel
  • NägeleingewachseneLokalbehandlung: Neben der mechanischen Entlastung und künftiger Prophylaxe lässt sich auch mit pflanzlichen Arzneien eine Lokalbehandlung (nach Voisin) durchführen.

    • Hydrastis: Urtinktur und Wasser im Verhältnis 1:30 mischen und getränkte Mullstreifen seitlich unter den Nagelrand schieben.

    • Calendula: #Calendula officinalisNagelerkrankungenBei Eiterung unverdünnt als Urtinktur auf die entzündeten Stellen auftragen.

  • Innere Behandlung: Zwei Rubriken beinhalten die infrage kommenden Arzneien. Beide unterscheiden sich nur durch eine Arznei. Da überwiegend Zehennägel einwachsen, gebe ich dieser Rubrik den Vorzug.

    →Extremitäten – Eingewachsene Nägel – Zehennägel (27): alum, alum-p, bufo, calen, caust, colch, fl-ac, graph, hep, kali-c, kali-chl, kali-m, lach, m-aust, mag-p, nat-m, nit-ac, ph-ac, plb, sang, sil, staph, sulph, teucr, thuj, tub, x-ray

    →Extremitäten – Eingewachsene Nägel (28): zusätzlich Sul-i

Acidum nitricum
#Acidum nitricumNagelerkrankungenGebogene Nägel (hippokratischer Nagel). Brennende, stechende, splitterartige Schmerzen an den Nägeln, weiße Flecke in der Nagelplatte. Eingewachsene Nägel. Blutig-seröse Absonderung. Nägelbeißen.
Causticum
#CausticumNagelerkrankungenDicke, brüchige, abblätternde Nägel. Eingewachsene Nägel. Geschwüre und Warzen um die Nägel.
Lachesis muta
#Lachesis mutaNagelerkrankungenEntzündung durch eingewachsenen Nagel, bläulich, schmierige, wulstige Granulation. Sehr empfindlich bei Berührung oder Druck. < Nach Schlaf. > Absonderung von Flüssigkeit.
Magnetis polus australis

„Mit Magnetis polus australis#Magnetis polus australisNagelerkrankungen habe ich so viele Fälle eingewachsener Zehennägel geheilt, dass ich diesem Mittel in jedem Fall den ersten Platz einräume, wenn keine Symptome vorhanden sind, die klar auf ein anderes Mittel hinweisen.“

(Der Neue Clarke)

Marum verum
#Marum verum, NagelerkrankungenVerkrüppelte Zehennägel mit der Neigung, seitlich einzuwachsen. Sehr schmerzhaft mit Eiterungsneigung.
Entzündungen am Nagel (Paronychie, Panaritium parunguale)
NägelEntzündungen→Extremitäten – Nagelbett und Umgebung der Nägel – allgemein – Panaritium (86): am-c, ant-t, anthr, apis, asaf, bufo, dios, fl-ac, hep, lach, nit-ac, sil, tarent-c…
Belladonna
#BelladonnaParonychieWichtiges Anfangsmittel bei Entzündung mit der typischen Symptomtrias: heiß, rot, klopfend.
Hepar sulfuris
#Hepar sulfurisParonychieStechende Schmerzen > warmes Baden, < Kälte. Besonderheit: In niedrigen Potenzen fördert es Absonderung und Eiterung, in hohen Potenzen lässt es die Eiterung eher einschmelzen.
Natrium sulfuricum
#Natrium sulfuricumParonychieEntzündungen, die an der Nagelwurzel beginnen. > Kalte Umschläge.

Kasuistik

Kasuistik

Paronychie aller Finger (Udo Schippling)

Anamnese

Befund: Rötung und Schwellung der Nagelmatrix aller Finger. Der seitliche Nagelwall aller Nägel ist von der Rötung und Schwellung ausgenommen. Die Fingerendglieder von Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand sind amputiert. Alle Nägel sind deformiert.
Kennzeichen der Arznei: > kühle Anwendung (apis, led, nat-s, puls; anders hep-s > Wärme)

Repertorisation und Verordnung

→Extremitäten – Nagelgeschwür, Paronychie – allgemein – Panaritium (86)
→Extremitäten – Nägel – Beschwerden der – Entzündung, Fingernägel, um die (7): con, hell, kola, nat-m, nat-s, ph-ac, sil
→Extremitäten – Nagelbett und Umgebung der Nägel – allgemein – Anwendungen, kalte, amel. (5): apis, fl-ac, led, nat-s, puls
→Extremitäten – Nägel – Beschwerden der – Entzündung, Fingernägel – Wurzeln (3): hep, kali-c, stict
Die passende Arznei hier ist Natrium sulfuricum. Die Entzündung heilte durch das Mittel vollständig aus.
In der letzten Rubrik fehlt Natrium sulfuricum, sollte aber nachgetragen werden.
Apis mellifica
#Apis mellificaParonychieStechende Schmerzen. Blassrote Verfärbung, ödematöse Schwellung > kalte Umschläge.
Silicea
#SiliceaParonychieBesonders bei Entzündungen, die durch Splitterverletzungen verursacht wurden. Erspart z. T. operative Eröffnung.
Ledum palustre
#Ledum palustreParonychieEntzündung nach Verletzung. > Kalt Baden. < nachts, Bettwärme.
Mykosen der Nägel
MykosenNägelNägelMykosenDie Arzneiwahl richtet sich zunächst nach dem morphologischen Bild der Nagelveränderung, den Empfindungen, ggf. den Schmerzen. Weiter differenzierend sind selbstverständlich alle anderen Eigenschaften und Symptome des Patienten. Die Nägel haben oft eine Form, die in den vorangegangenen Abschnitten schon beschrieben wurden: verfärbt, dick, brüchig, abblätternd. Bewährte Arzneien sind Antimonium crudum, Sepia, Silicea, Sulphur und Thuja.
Sepia
#SepiaOnychomykoseTypisch sind gelblich-bräunliche Veränderungen (nit-ac, sil), nicht nur des Nagels, sondern auch der Haut. Nägel blättern am Rand ab, sind deformiert, dick, spröde. Weiße Flecke in der Nagelplatte. Niednägel. Übelriechender Schweiß: Axilla, Brust, Genitalregion und Füße. Sehr kalte Füße, oft Socken, Wärmflasche und zusätzliche Decke im Bett. Füße werden auch heiß, müssen nachts abgedeckt werden. < Im Winter, > körperliche Anstrengung.
Niednägel
NiednägelEinriss am zu weit vorgewachsenen und deswegen ausgerissenen Nageloberhäutchen.
→Extremitäten – Nägel – Beschwerden der – Niednägel (19): bros-g, calc, carc, kali-chl, lyc, merc, nat-m, nat-s, rhus-t, sabad, sel, sep, sil, stann, sulph, thuj, tub, upa, wye
Natrium muriaticum
#Natrium muriaticumNiednägelBrüchige, rissige Nägel. Nägel spalten sich. Trockene Haut um die Nägel, Niednägel. Eingewachsene Nägel. Nägelbeißen. Trockene Haut und Schleimhaut mit feinen Rissen und aufgesprungenen Händen. Probleme mit dem Wasserhaushalt, Ödeme. Das Wasser fließt im Körper nicht dorthin, wohin es soll. Oft chronische Kummersituation.
Sulphur
Dicke, abblätternde, brüchige Nägel. Gelbe Verfärbung. Nägel spalten sich. Ausfallen der Nägel. Weiße Flecke in der Nagelplatte. Eingewachsene Nägel und Paronychie. Niednägel. Nägelbeißen. Da Sulphur#SulphurNiednägel fast alle Symptome am Nagel und seiner Umgebung abdeckt, scheint es das ideale Mittel zu sein. Trotzdem ist die Gabe nur unter Berücksichtigung des ganzen Menschen sinnvoll.
Durchblutungsstörungen: M. Raynaud
→Extremitäten – Raynaud SyndromMorbus Raynaud (30): ail, ars, astra-e, bac, cact, calc, carb-v, cortico, cupr, cyt-l, ephe, ferr-p, foll, halo, hed, hep, kali-c, kres, lac-c, nux-v, perh, prot, pull-g, sarcol-ac, sec, sep, sulfonam, thala, thiop, visc
Die Rubrik beschreibt zwar das Krankheitsbild, allerdings ist die Zusammenstellung der Arzneien unbefriedigend. Besser ist die wesentlich kleinere Rubrik.
→Extremitäten – Farbe, Verfärbung – weiß – Arme – Finger – Kälte, während (2): cupr-acet, gins
Mit Cuprum aceticum#Cuprum aceticumM. Raynaud hatte der Verfasser bei seinen Patienten mit Raynaud-Symptomatik ohne Ausnahme Erfolg. Die Anwendung des Mittels erfolgte in D6-Globuli. Eine einzelne Gabe reichte in der Regel aus, um den Befund deutlich zu bessern. Die Wiederholung erfolgte nach Bedarf, häufig erstmals nach Tagen, später in Abständen von Wochen oder Monaten jeweils als Einzelgabe, falls eine Behandlung der Raynaud-Symptomatik überhaupt nochmals notwendig wurde. Unabhängig davon wurde danach konstitutionell weiterbehandelt.
Nägelbeißen
Es gibt zwei Rubriken, die sich inhaltlich kaum unterscheiden
→Mund – Beißt sich – Fingernägel, NägelkauenNägelbeißen (47) und
→Gemüt – Beißen – Nägel (52).
Da es sich um ein psychisches Symptom handelt und Zeichen ist für unterdrückte Aggression und Unsicherheit, habe ich der Rubrik aus dem Kapitel Gemüt den Vorzug gegeben.
→Gemüt – Beißen – Nägel (52): acon, am-br, ant-t, arg-n, arn, ars, arum-t, bamb-a, bar-c, brom, bufo, calc, calc-f, calc-p, cand-a, carc, cath-a, caust, cina, corv-c, cupr, cupr-o, falco-p, gaert, gall-ac, hell, hura, hyos, lac-c, lac-h, lyc, lyss, mag-c, med, morg-g, nat-m, nit-ac, phos, plb, puls, sac-alb, sanic, senec, sil, sol, staph, stram, sulph, syc-co, tarent, upa, verat
Nach Köhler und Springer gibt es auch Mittel für Nägelbeißen der Fußnägel:
→Mund – Nägelbeißen – Fußnägel (6): carc, mag-c, med, sanic, tub, verat
Ammonium bromatum
Reizgefühl unter den Fingernägeln > drauf beißen#Ammonium bromatumNägelbeißen (Oscar Boericke).
Arum triphyllum
#Arum triphyllumNägelbeißenZupft an der Nase und den Lippen, bis sie bluten und an den Fingern. Wund machender Schnupfen. Bohrt in der Nase. Zupfen und Bohren in blutenden Haut- und Schleimhautwunden. Obwohl es sehr schmerzt, hören sie damit nicht auf.

Psoriasis

Begriff und Krankheitsbild in der geschichtlichen Entwicklung

Die medizinische Bezeichnung „PsoriasisPsoriasis“ der gemeinhin als Schuppenflechte bezeichneten Hauterkrankung leitet sich vom griechischen Wort „psora“ ab, welches für „Krätze“ oder „Räude“ steht. Es ist also eigentlich eine irreführende Bezeichnung, und es erscheint so nicht verwunderlich, dass die Psoriasis lange Zeit nicht von der durch Milben verursachten Krätze (Skabies) abgegrenzt wurde.
Die neben der Krätze bedeutendste Verwechslung aber, die sich über viele Jahrhunderte hartnäckig hielt, war jene mit der Lepra. Schon im Alten Testament wird die Geschichte des Gehazi, Diener des Propheten Elisa, erzählt. Dieser fristete sein Dasein, für seine Habgier gestraft, als „Leprakranker, weiß wie Schnee“ in der Gewissheit, die „Lepra“ würde ihm und seinen Nachfahren ewig anhängen. Diese Beschreibung und der besondere Aspekt der Erblichkeit ließ Historiker zu dem Schluss kommen, dass hier keinesfalls Lepra, sondern vielmehr die weiß schuppenden Herde der Psoriasis beschrieben wurden. Die Verwechslung mit der Lepra hatte für Psoriatiker z. T. verheerende Folgen. So wurden sie im Mittelalter wie Leprakranke aus Angst vor Ansteckung als Aussätzige ausgestoßen, verfolgt und sogar verbrannt.
Um 1860 beschrieb dann der österreichische Hautarzt Ferdinand Ritter von Hebra die „Psoriasis“ erstmals als eigenständiges Krankheitsbild. Heinrich Köbner (1838–1904), der aus Breslau stammende, später in Berlin praktizierende Dermatologe beschrieb im Jahre 1877 die Entstehung neuer psoriatischer Krankheitsherde durch mechanische Reizung. So beobachtete er den Krankheitsausbruch z. B. bei Verletzungen wie Bisswunden, Tätowierungen, Kratz- und Scheuerstellen. Noch heute trägt dieser sog. isomorphe Reizeffekt den Namen Köbner-PhänomenKöbner-Phänomen. Dieses Phänomen spricht dafür, dass nicht nur einzelne Stellen, sondern die gesamte Haut bei Schuppenflechte erkrankt ist.

Grundlagen

Mit der Akne und den Ekzemen gehört die Psoriasis zu den häufigsten Dermatosen und betrifft je nach Literaturangabe ca. 2–5 % der Menschen in der westlichen Welt. Die Psoriasis ist keine typische Erkrankung des Kindes- und Jugendalters. Bei den Frauen tritt die Erkrankung oft vor der Pubertät, bei den Männern meist zwischen dem 15. und 30. Lebensjahr auf, kann aber auch noch im hohen Alter beginnen. Männer und Frauen sind etwa gleich häufig betroffen. Lediglich bei Kindern ist das Verteilungsmuster Mädchen zu Jungen 3:1.
Klinik
Häufigster PsoriasistypPsoriasisKlinik (über 90 %) ist die Psoriasis vulgaris. Daneben gibt es die Psoriasis pustulosa. Beide Formen können mit einer Arthritis assoziiert sein, der Psoriasis arthropathica oder Arthritis psoriaticaArthritispsoriatica. Die Arthritis psoriatica kann als Sonderform auch ohne Hautveränderung auftreten und ist dann schwierig zu diagnostizieren. Die Rheumafaktoren sind in der Regel negativ.
Die Einzeleffloreszenz besteht aus einem Basiserythem, dem eine geschichtete Schuppung aufliegt. Wird die Schuppe und das darunter liegende „letzte Häutchen“ entfernt, kommt es zu einer tautropfenförmigen Miniaturblutung, dem sog. „Auspitz-PhänomenAuspitz-Phänomen“. Je nach Größe und Vielfalt der Einzelherde wird das Einzelbild der Psoriasis vulgaris als P. punctata, guttata, nummularis, geographica benannt.
Ist die behaarte Haut betroffen, kann es sekundär zu diffusem Haarausfall kommen. Beim Befall der Nägel bietet sich ein buntes Bild, z. B. Nagelverdickungen, Tüpfelnägel, Krümelnägel, Grübchennägel, Ölfleck, distale Onycholyse oder auch komplette Dystrophie und Zerfall des Nagels. Diese Nagelveränderungen können Begleiterscheinungen ohne sicheren Bezug zur Psoriasis sein.
Tritt die Psoriasis schon im Säuglings- oder Kleinkindalter auf, ist das Erscheinungsbild häufig untypisch. Differenzialdiagnostisch ist sie zu verwechseln mit Milchschorf, Windel-Dermatitis (5.8), seborrhoischem Ekzem, aber auch Neurodermitis (9.1), Mykosen oder Allergien (9). Die roten Flächen der Psoriasis grenzen sich zur gesunden Haut scharf ab und sind erhaben. Im Gegensatz zu den Erwachsenen ist auch das Gesicht häufiger befallen
Ätiologie und Pathogenese
Bei der Psoriasis handelt es sich um eine genetisch bedingte Erkrankung mit unklarem Vererbungsmuster. Erst durch unterschiedliche Auslöser kommt es zum Ausbruch der Erkrankung. Als Auslöser kommen infrage:
  • Lokale Hautschädigungen oder mechanische Irritationen

  • Lokale allergische Reaktionen

  • Lokaltherapeutika

  • Stoffwechselerkrankungen (z. B. Hyperlipidämie, Hyperurikämie)

  • Endokrine Veränderungen (z. B. Menarche, Menopause, Laktation, seltener Gravidität), Übergewicht

  • Infektionen

  • Medikamente

  • Absetzen einer systemischen Glukokortikoid-Therapie

  • Psychische Faktoren

  • Alkoholismus

Die Erkrankung ist nicht ansteckend. Die Pusteln der Psoriasis pustulosa sind steril, können sich allerdings sekundär infizieren.

Konventionelle Therapie

Entsprechend den vielfältigen Auslösern lassen sich unterschiedliche Therapiekonzepte miteinander verbinden. Zumindest sollten die bekannten auslösenden Reize, soweit möglich, vermieden werden.
Lokalbehandlung
PsoriasisLokalbehandlungIndifferente pflegende Salben, Mahonia aquifolium-Zubereitungen (Rubisan®), Schuppenlösung mit Salicyl-Vaseline (3–5 %), Harnstoffsalben, Cignolin 1/16–3-prozentig, Teerprodukte, Dithranol (Micanol®), Vitamin-D-Derivate, Glukokortikoide. Die Wirkung der Externa lässt sich steigern durch Plastikokklusion.
Die Höhensonnenbestrahlung mit UV-B und UV-C wurde weitgehend abgelöst durch die Anwendung von UV-A, z. T. auch als PhotochemotherapiePhotochemotherapie, Psoriasis (PUVA), mit lokaler oder peroraler Photosensibilisierung der Haut mit 5- und 8-Methoxypsoralen und anschließender UV-A-Bestrahlung.
Die Anwendung von Röntgenstrahlen war schon früher eher selten und wird heute wohl nicht mehr angewendet.
Die Psoriasisnägel können nur schwer durch lokale Therapie gebessert werden. Die Anwendung erstreckt sich dann immer über Monate.
Kinder werden nach Möglichkeit nur mit Externa behandelt, wobei man sich weitgehend auf indifferente Salben, pflanzliche Produkte, Keratolytika und Harnstoffsalben beschränkt. Kortikoide werden nur selten eingesetzt. Vitamin-D-Derivate sind für Kinder unter sechs Jahren in Deutschland nicht zugelassen. Auf eine Bestrahlung wird ebenfalls verzichtet.
Systemische Behandlung
Bei nicht ausreichendem Ansprechen auf Externa werden in der konventionellen Medizin systemische Gaben von Fumarsäure, Glucocorticoiden, ZytostatikaZytostatikaPsoriasis (Methotrexat) und Retinoiden angewandt, meist in Kombination mit allen anderen Behandlungsformen. Als „Ultima Ratio“ bei psychisch stark belasteten Patienten mit besonders schwerer Erkrankung werden, trotz potenziell tödlicher Schadeffekte wie Anaphylaxie oder Leberversagen, Biologika (z. B. Infliximab) beworben (a-t 2006).
Alle systemisch einzunehmenden Substanzen sind hochproblematisch. RetinoideRetinoidePsoriasis sind kontraindiziert sowohl bei Kindern als auch, wegen des teratogenen Potenzials, bei Kinderwunsch oder in der Schwangerschaft; bei Frauen sind strikt antikonzeptive Maßnahmen bis zwei Jahre nach Therapieende empfohlen. Retinoide erhöhen zudem die Photokanzerogenität von UV-Licht. Fumarate sind nephrotoxisch und können zu akutem Nierenversagen führen.
Früher wurde die Psoriasis auch mit Arsen behandelt. Dadurch kam es zu Spätfolgen wie Karzinomen.
Eine Hypothese beschreibt die Entstehung der Psoriasis durch die T-Zellaktivierung und nachfolgende Immunreaktion. Es gibt einen erfolgreichen Versuch, dort einzugreifen und mit einem Fusionstoxin, einem Molekülzwitter aus einem Diphtherie-Toxin, das mit Interleukin 2 chemisch verkettet ist, zu behandeln. Die Psoriasis wurde erfolgreich zum Abklingen gebracht. Wegen noch nicht absehbarer Nebenwirkungen ist diese Therapie jedoch umstritten.

Psyche und Psychotherapie

PsychotherapiePsoriasisPsoriasispsychische AspekteDie Haut als Grenzlinie zwischen dem Ich und seiner Umwelt ist auch Abgrenzungsorgan bei psychischen Problemen. Gelingt es dem Menschen nicht, sich genügend von äußeren Belastungen zu distanzieren, ist eine Verlagerung auf die körperliche Ebene möglich. Ist die genetische Voraussetzung gegeben, geschieht dies unter Umständen durch die Exazerbation einer Psoriasis.
Wie die körperlichen Symptome der Schuppenflechte, von leicht bis schwer, können auch die emotionalen und sozialen Folgen der Krankheit von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein. Patienten mit Schuppenflechte nennen meist folgende Gefühle und Erfahrungen:
  • Geringes Selbstwertgefühl und wenig Selbstbewusstsein

  • Zunehmende soziale Isolation

  • Tendenz, die durch die Krankheit bedingten emotionalen Schwierigkeiten zu verharmlosen

  • Selbstkritik an der eigenen Unfähigkeit, die Krankheit in den Griff zu bekommen

  • Gefühl eines „Defekts“ oder der Minderwertigkeit

Psoriasis kann tiefgreifende Folgen im sozialen und beruflichen Bereich haben. Sich verabreden oder Beziehungen knüpfen kann unangenehm oder schwierig werden. Einige Psoriatiker vermeiden soziale Kontakte vollständig. Manche Patienten mit schwerer Schuppenflechte haben Schwierigkeiten in ihrem Beruf oder zeigen mangelndes Selbstbewusstsein in der Öffentlichkeit.
Treten solche Probleme auf, ist eine Psychotherapie sicher hilfreich. In Deutschland gibt es Selbsthilfegruppen, die dem Betroffenen die notwendige Unterstützung geben, die er braucht und um die Informationen zu erhalten, die ihm persönlich weiterhelfen.

Unterstützende Maßnahmen

Durch Änderung der Klimafaktoren, z. B. Hochgebirge über 1500 Meter oder Seeklima, lassen sich oft Verbesserungen des Hautbildes erzielen, die auch über die Aufenthaltsdauer hinaus anhalten. Durch die Kombination der Faktoren Salzwasser und Sonne (z. B. Totes Meer) ist oft ein noch besserer Therapieerfolg zu erzielen.
Wichtig ist die frischkostreiche Ernährung mit Verzicht auf raffinierte Fette (z. B. Margarine) und Öle, raffinierten Zucker und Auszugsmehl, Schweinefleisch, tierische Fette, Lebensmittelzusatzstoffe, Fertiggerichte, evtl. auch Milcheiweiß (in Milch, Joghurt, Quark, Käse) (vgl. Organon, §§ 259–261).
Allopathische Medikamente wie Ibuprofen, auch wenn Sie nur einmal eingenommen wurden, können die Psoriasis über viele Wochen verschlechtern. Durch Blutuntersuchungen sollte überprüft werden, ob im Körper ausreichend Vitamine und Spurenelemente vorhanden sind, damit die Haut sich wieder regenerieren kann.
In der Praxis hat sich gezeigt, dass alle unterstützenden Maßnahmen hilfreich sind, aber nicht ausreichen, wenn nicht die passende homöopathische Arznei gegeben wird.

Homöopathische Behandlung

Patienten mit Psoriasis haben häufig eine lange Vorgeschichte mit zahlreichen Behandlungsversuchen hinter sich. Je nach homöopathischer Schule beginnt man die Behandlung unterschiedlich. Allen Therapieansätzen gemeinsam ist die ausführliche Anamnese. Im Anschluss daran gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder man beginnt mit dem wahrscheinlichen personotropen Simile (Konstitutionsmittel), oder man orientiert sich an der aktuellen Symptomatik und gibt eine Arznei, die bestehende Organinsuffizienzen ausgleicht und die Ausscheidung über die Niere oder das Leber-Galle-System fördert. Beginnt man mit dem Konstitutionsmittel, kann es je nach Dosierung zu heftigen Erstreaktionen kommen, die zu einem verstärkten Leidensdruck des Patienten führen und die Compliance erschwert. Beginnt man jedoch mit einer Arznei, die das äußere Bild verstärkt mit einbezieht, erreicht man häufig eine Besserung der Haut. Im Anschluss daran erhält der Patient sein Konstitutionsmittel, nachdem sein „Äußeres“ sich schon etwas beruhigt hat.
In der Praxis häufig erfolgreich sind Hochpotenzen (C 200 bis C 10000). Die Wirkung auf die Haut tritt jedoch meist erst nach 4 bis 6 Wochen ein. Ausschlaggebend für die Fortsetzung der Behandlung mit der gleichen Arznei ist die Besserung anderer Symptome, in erster Linie im psychischen Bereich. Oft braucht es eine zweite Gabe der gleichen Arznei, bis die Haut deutlich besser wird. Die Wiederholung erfolgt, wenn bereits gebesserte Symptome sich wieder verschlechtern. Der Autor konnte in zahlreichen Fällen einen Rückgang der Effloreszenzen um über 90 % innerhalb von sechs Wochen beobachten.
Repertoriumsrubriken
Die Repertorisation des „Symptoms“ PsoriasisRepertoriumsrubrikenPsoriasis führt zu keinem befriedigenden Ergebnis. Die Hauptrubrik →Haut – Hautausschläge – Psoriasis←im Complete Repertory listet 109 Arzneien auf, darunter – bei der Größe der Rubrik fast zwangsläufig – auch alle Polychreste. Die Rubriken in den Organkapiteln sind in der Regel zu klein, um vollständig alle infrage kommenden Arzneien zu enthalten.
Es gibt eine besondere Rubri→Mund – Hautausschläge – allgemein – Psoriasis, Zunge←mit elf Arzneien. Diese Arzneien stammen aus Quellen der Homöopathen William und Oscar Boericke sowie James Gilchrest. Es sind tatsächlich Mundschleimhautläsionen beschrieben worden in Assoziation mit der Psoriasis pustulosa. Die Histologie der Zungenschleimhaut entsprach einem Befund, wie er auch bei der Psoriasis vulgaris der Haut vorkommt und wird beschrieben als Exfoliatio areata linguae et mucosae oris. Unter der Therapie der Psoriasis kam es zum parallelen Abheilen der Haut- und Schleimhautläsionen.
Berücksichtigt man die Morphe der Haut, ist es sinnvoll, nicht die Diagnose Psoriasis, sondern „Schuppen“ zu repertorisieren. Verwertbare Beschreibungen der Morphe findet man weniger unter →Haut – Schuppen←,sondern in den Unterrubriken von →Kopf – Hautausschläge – Schuppen. Diese Rubriken lassen sich auch nutzen, wenn die Psoriasis nicht oder nicht nur am Kopf vorhanden ist.
Homöopathische Arzneimittel: Drainagemittel
Die angegebenen Arzneien sind nützlich in der ersten Phase einer Behandlung zur Entlastung des Körpers (DrainageDrainagePsoriasis). Behandelt man zu Beginn nicht konstitutionell, bieten sich folgende Arzneien an:
Acidum formicicum
#Acidum formicicumPsoriasisDas Mittel hat seine Hauptanwendung im Bereich rheumatischer Erkrankungen und Allergien. Haut: brennend und stark juckende Rötung, < kaltes Wasser und feuchtkaltes Wetter. Stimmung wechselnd und reizbar, heiter, dann niedergeschlagen. Gesteigerte Arbeitsfähigkeit geht oft der Depression voraus. Urin blutig, eiweißhaltig und stinkend. Drang nach Bewegung trotz vermehrter Schmerzen, > Druck.
Berberis aquifolium
Mahonia aquifolia. Die Alkaloide von Berberis#Berberis aquifoliumPsoriasis vulgaris sind ebenfalls in Berberis aquifolium enthalten und erklären deren ähnliche Wirkung. Die Haut ist rau, schuppig mit Bläschen, Quaddeln, Papeln und Pusteln. Juckreiz, an einzelnen Stellen oder generalisiert, < abends und nachts, > Waschen mit kaltem Wasser. Übelkeit und Hunger nach dem Essen. Die Zunge ist dick gelb-braun belegt. Gelenke schmerzhaft, < nachts in Ruhe, aber auch bei Bewegung. Urin: hellrotes Sediment, Nierenschmerzen, häufiger Abgang kleiner Mengen Urin. Nach längerem Gebrauch lässt die Wirkung nach. Gibt man ein Zwischenmittel wie Arsen, Sulphur oder Thuja, kann man Berberis erneut mit gutem Erfolg weitergeben.
Berberis vulgaris
#BerberisPsoriasisHarnsaure Diathese: Über die erhöhten Harnsäurewerte im Blut hinausgehende Stoffwechselstörung, verbunden mit den Diagnosen Gicht, Uratsteine, Diabetes mellitus, chronische Infekte. Haut: Jucken, Brennen, Stechen. Gefühl, wie mit kaltem Wasser angespritzt. Kleine, rote, eitrige Bläschen mit rotem Hof (rhus-t) gehen in braune Flecken über. Kolikartige Schmerzen entlang der Harnleiter, in die Hoden ausstrahlend.
Carduus marianus
#Carduus marianusPsoriasisDie Mariendistel hat sich bei Lebererkrankungen, Gallenblasenentzündungen und Gallensteinen bewährt. Haut: gelb, Juckreiz < abends und nachts, Wärme. Ärgerliche, gereizte Stimmung, große Müdigkeit, Depression. Varikosis, Obstipation, großer Durst, Trockenheit im Hals.
Chelidonium
#Chelidonium majusPsoriasisWichtiges Leber- und Gallenmittel. Haut: Jucken und Brennen, gelbliche Hautfarbe. Unruhe, Angst, Depression, Ärger und Gereiztheit, cholerisch. Kopfschmerz > Essen, < frische Luft. Zunge weiß oder gelb belegt mit Zahneindrücken. Wechsel zwischen Obstipation und Durchfall.
Arsenicum iodatum
#Arsenicum iodatumPsoriasisHaut: große Schuppen lösen sich und lassen eine rohe, nässende Oberfläche zurück. Trockene, schuppige Haut, juckend und mit wässriger Absonderung, < Waschen. Angst und Unruhe. Wässriger, wund machender Schnupfen.
Clematis erecta
#Clematis erectaPsoriasisSchuppende Haut, eitrige Bläschen, die aufplatzen und verkrusten. Starker Juckreiz, evtl. stechende Schmerzen, < nachts in der Bettwärme und kaltes Waschen. Regionale Schwellung der Lymphknoten. Hautausschläge gleichzeitig oder im Wechsel mit rheumatischen oder inneren Beschwerden.
Rhus toxicodendron
#Rhus toxicodendronPsoriasisHaut: rote, geschwollene Haut um die schuppigen Flächen, brennendes Jucken < kalte Luft, feuchtkaltes Wetter, > feuchtheiße Kompressen. Folge von Unterkühlung nach Anstrengung. Ruhelosigkeit mit Drang, sich zu bewegen. Beschwerden > fortgesetzte Bewegung. Schweiß am ganzen Körper, außer im Gesicht.
Solidago aureus
#Solidago aureusPsoriasisHautausschläge besonders an den Beinen. Ödeme. Urin spärlich, rötlich-braunes Sediment. Belegte Zunge wird rasch rein nach reichlichem Urinabgang. Nierenerkrankung mit Psoriasis arthropathica.
Homöopathische Arzneimittel für besondere Indikationen
Will man mehr als nur eine „oberflächliche“ Linderung der Psoriasis, so bleibt nur die vollständige Anamnese, der Weg zum Verstehen des Patienten in seinem ganzen Wesen und über das Verständnis seiner Krankheitsentwicklung mit allen Ursachen und Zusammenhängen. Ohne konstitutionelle Behandlung wird man keine längerfristige Besserung oder Heilung chronischer Erkrankungen erreichen (1.6).
Folgende Arzneien haben einen Bezug zur Haut mit Schuppenbildung und sind damit auch wichtig bei der homöopathischen Behandlung der Psoriasis. Es wird auf eine ausführliche Darstellung an dieser Stelle bewusst verzichtet. Lediglich einzelne Hautsymptome sollen gezeigt werden.

Info

Die Auswahl einer Arznei zur erfolgreichen Behandlung eines Menschen mit Psoriasis kann auf keinen Fall ausschließlich über die Hautsymptomatik erfolgen.

Arsenicum album
#Arsenicum albumPsoriasisMeist kleine, kleieartige Schuppen. Brennen. > Heiße Anwendungen, < nachts. Haut pergamentartig oder verdickt. Nägel dünn, durchscheinend, aber auch verdickt als Krallennagel. Herpes mit schwarzen Bläschen. Verbrennungen dritten Grades.
Aurum metallicum
#Aurum metallicumPsoriasisAlle Ausdrucksformen der Psoriasis finden sich in dieser Arznei. Die Differenzierung erfolgt in erster Linie über die Gemütssymptome. Von der Persönlichkeit her ist der Aurum-Patient häufig körperlich und geistig ausgesprochen leistungsfähig und erfolgreich mit Streben nach Macht. Körperliche Symptome können das vollblütige, rote Gesicht sein und hoher Blutdruck. Machtverlust und fehlender Erfolg können die Psoriasis auslösen, häufig verbunden mit Depression bis hin zur Suizidalität. Diese Symptomatik findet sich nicht nur bei Erwachsenen, sondern durchaus auch schon im Kindes- und Jugendalter, etwa wenn es um die Rangordnung im Kindergarten oder um Leistung in der Schule geht.
Aurum arsenicosum
#Aurum arsenicosumPsoriasisIn der Praxis bewährt, wenn sowohl Persönlichkeitsanteile von Arsenicum album als auch Aurum metallicum vorhanden sind und beide Einzelmittel keinen Erfolg haben.
Calcium carbonicum
Nesselsucht: Eine Gabe Calcium carbonicum#Calcium carbonicumPsoriasis wirkt oft besser als die Calciumspritze intravenös. Nässen hinter den Ohren. Eiterung kleiner Verletzungen. Kleieartige Schuppen, weiße Lamellen, Risse.
Calcium arsenicosum
In der Praxis bewährt, wenn sowohl Anteile von Calcium carbonicum als auch Arsenicum#Calcium arsenicosumPsoriasis album vorhanden sind. Als Folgemittel nach Aurum arsenicosum und Natrium arsenicosum in der Praxis bewährt.
Graphites
#GraphitesPsoriasisHoniggelbe Absonderung, Nässen hinter den Ohren, derbe Schuppen, Risse an Übergängen von Haut zu Schleimhaut. Juckreiz < Hitze und Bettwärme.
Lycopodium clavatum
#Lycopodium clavatumPsoriasisSchwielenekzem, Riss in der Hohlhand, wie aufgeplatzt, weiße Hyperkeratose.
Natrium muriaticum
#Natrium muriaticumPsoriasisHautausschläge am Haaransatz. Schweiß auf der Nase. Riss in der Unterlippe. Trockene Haut und Schleimhäute, fettige Haut im Gesicht und fettige Haare. Nesselsucht.
Natrium arsenicosum
#Natrium arsenicosumPsoriasisIn der Praxis bewährt, wenn Anteile sowohl von Natrium muriaticum als auch von Arsenicum album vorhanden sind; auch Folgemittel nach Aurum arsenicosum.
Natrium sulfuricum
#Natrium sulfuricumPsoriasisDicke Schuppen, Nesselsucht, nässende Absonderungen. < Feuchtes Wetter.
Phosphorus
#PhosphorusPsoriasisJuckende, schorfige, sich abschälende Haut, besonders Fingerspitzen. Nesselsucht. Neigung zu Blutungen, Hämatomen. Brennen.
Petroleum
#PetroleumPsoriasisDie Haut ist rau, rissig, schmutzig aussehend, < Winter. Hitze und Brennen der Handflächen und Fußsohlen. Nässende Hautausschläge am Übergang zwischen Haut und Schleimhaut. Kleine Verletzungen eitern.
Sepia
#SepiaPsoriasisBraune Flecken oder Hautausschläge. Herpes. Nässende Hautausschläge. Lokalisation: Nasolabialfalten, Kleinfingerballen. Übelriechende Schweiße, < Axilla und Brust.
Silicea
#SiliceaPsoriasisEitrige, entzündete Haut. Furunkel, Fisteln. Entfernt Fremdkörper wie Glassplitter aus der Haut. Nägel mit weißen Flecken. Panaritium. Narben, Keloide.
Sulphur
#SulphurPsoriasisFührende Arznei bei der Repertorisation von Hautsymptomen, da sehr gut geprüft und in vielen Rubriken vorhanden. Haut ist rau, trocken, schuppend. Brennen und Jucken. Akne, Furunkel. Hautsymptome < Waschen, Bettwärme. Füße sind heiß, werden abgedeckt. Übelriechender Schweiß.
Thuja
#Thuja occidentalisPsoriasisGroße Empfindlichkeit der Haut gegen kalte Luft. Gesicht meist ölig, fettig. Akne. Nägel sind spröde, rissig, brechen leicht. Braune Hautausschläge, Warzen. Übelriechende Schweiße besonders im Genitalbereich.

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