© 2020 by Elsevier GmbH

Bitte nutzen Sie das untenstehende Formular um uns Kritik, Fragen oder Anregungen zukommen zu lassen.

Willkommen

Mehr Informationen

B978-3-437-56313-3.00023-6

10.1016/B978-3-437-56313-3.00023-6

978-3-437-56313-3

Materia medica

Martin Hirte

Einleitung

Die Materia medica dieses Lehrbuchs kann benutzt werden, um einen Eindruck von „Kindertypen“ zu bekommen, wie sie bereits Werke von Vermeulen oder Borland vermitteln. Neu ist die Aufgliederung nach Altersstufen, die eigentlich gewohntes pädiatrisches Denken ist, sich bisher aber nur in einigen französischsprachigen Veröffentlichungen der École Hahnemannienne findet.

Die Mittelbeschreibungen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, enthalten aber die häufigsten oder charakteristischsten Symptome, die als bestätigende Symptome bei der Arzneimittelwahl herangezogen werden können.

Der Verweis auf Rubriken im Repertorium hat didaktische Gründe, ebenfalls die Nennung der wichtigsten Mittel in der jeweiligen Rubrik. Gerade Anfänger müssen sich erst in die Sprache des Repertoriums einarbeiten, Fortgeschrittene entdecken vielleicht ein paar bisher nicht bekannte „Goldkörnchen“.

In der Beschreibung der charakteristischen Symptome wurden sich wiederholenden Relativierungen wie „häufig“, „oft“, „meist“ vermieden in der Annahme, dass der Leser das Fehlen des jeweiligen Symptoms bei seinen Patienten nicht als Kontraindikation einer Mittelverschreibung ansieht: Die Mittelwahl stützt sich immer nur auf das Vorhandensein bestimmter Symptome, nicht auf deren Fehlen! Von den Leitsymptomen sollten für eine fundierte Verschreibung allerdings mindestens zwei oder drei vorhanden sein.

Auf Geschlechterdifferenzierung wurde – außer es wird besonders erwähnt („Mädchen …“ oder „Junge Männer …“) – verzichtet, daher heißt es meist „der Jugendliche“, „er“, „das Kind“, „das Baby“ etc.

Bei den Geist- und Gemütssymptomen erscheinen auch viele Symptome erwachsener Patienten. Damit soll diese Materia medica auch den Ansprüchen der Jugendmedizin gerecht werden.

Die Berücksichtigung von Charakteristika während der Schwangerschaft gründet auf der Erfahrung, dass neu auftretende Symptome während dieser Zeit häufig auf das konstitutionelle Mittel des Kindes in den ersten Lebensmonaten und -jahren hinweisen.

Kursiv gedruckt erscheinen die homöopathischen Arzneimittel sowie die Zitate der Autoren. Rubriken stehen nach einem →.

Die Arzneimittelbeziehungen stützen sich auf Erfahrungen homöopathischer Autoren und Behandler seit Hahnemann. Sie erleichtern in vielen Fällen Folgeverschreibungen, wenn ein verabreichtes Arzneimittel nicht oder nur ungenügend wirksam war.

  • Folgt gut oder Folgemittel sind Mittel, die sich in klinischen Fällen gut ergänzt haben und bewährt sind.

  • Ergänzungsmittel oder Komplementärmittel sind homöopathische Arzneimittel, die besonders gut auf ein verabreichtes Mittel folgen und den Fall zum Abschluss bringen können.

  • Gute Mittelfolge ist eine Reihe oder ein Zyklus von Arzneimitteln, die in der Praxis häufig vorkommen und bewährt sind.

  • AntidoteAntidot sind Arzneimittel oder andere Substanzen, die die Wirkung des angezeigten Mittels stören oder unwirksam machen können.

  • Unverträglich sind Arzneimittel, die in Folge gegeben starke Erstverschlimmerung hervorrufen können. Erscheinen sie dennoch angezeigt, kann die Verschlimmerung durch Gabe eines Zwischenmittels verhindert werden.

Quellen

Blasig-Jäger, 1996

T. Blasig-Jäger Arzneimittelbeziehungen 1996 Hahnemann Institut Greifenberg

Candegabe, 1994

E. Candegabe Vergleichende homöopathische Arzneimittellehre 1994 Burgdorf Göttingen

Coulter, 1986/1991

C. Coulter Portraits homöopathischer Arzneimittel Band I–III 1986/1991/1998 Haug Heidelberg/Stuttgart

École Hahnemanienne, 1996

École Hahnemanienne: L'homéopathie exactement 1996 Edi Comm Fréjus-St. Raphaël

Graf, 2011

F.P. Graf Homöopathie für Hebammen und Geburtshelfer: Das Neugeborene 9. A 2011 Staude Hannover

Grandgeorge, 2002

D. Grandgeorge Arzneimittelbilder in der Kinderheilkunde 2002 Sonntag Stuttgart

Hauptmann, 1994

H. Hauptmann Homöopathie in der kinderärztlichen Praxis 2.A 1994 Haug Heidelberg

Herscu, 1993

P. Herscu Die homöopathische Behandlung der Kinder 1993 Kai Kröger, Groß Wittensee Groß Wittensee

Herscu, 1996

P. Herscu Stramonium 1996 New England School of Homeopathy Press Amherst

Lamothe, 2002

J. Lamothe New rubrics in paediatrics – with additions from clinical experience Homoeopathic Links 15 2002 121 122

Morrison, 1997

R. Morrison Handbuch der homöopathischen Leitsymptome und Bestätigungssymptome 2. A 1997 Kai Kröger Groß Wittensee

Nash, 1959

E.B. Nash Leitsymptome in der Homöopathischen Therapie 1959 Karl Haug Verlag Ulm

Pennekamp, 1999

H. Pennekamp Kinder-Repertorium 2. A 1999 MDT-Verlag Osten-Isensee

Sankaran, 1997

R. Sankaran The soul of remedies 1997 Homoeopathic Medical Publishers, Homeopathic Medical Publishers Mumbai

Scholten, 1993

J. Scholten Homöopathie und Minerale 1993 Stichting Alonissos Utrecht

Schroyens, 2001

F. Schroyens Synthesis. Edition 8.1 2001 Hahnemann Institut Greifenberg

Vermeulen, 1992

F. Vermeulen Kindertypen in der Homöopathie 2. A 1992 Sonntag Regensburg

Vermeulen, 2000

F. Vermeulen Konkordanz der Materia Medica 2000 Emryss bv Publishers Haarlem

Vermeulen, 1996

F. Vermeulen Synoptische Materia Medica 1996 Kai Kröger Groß Wittensee

Vithoulkas, 1993

G. Vithoulkas Materia Medica Viva 1993 Burgdorf Göttingen

Materia medica der wichtigsten Arzneimittel

Aconitum napellus

#Aconitum napellusBlauer oder Echter Eisenhut, Sturmhut.
Leitsymptome
  • Extreme Angst oder Panik; Todesangst

  • Folgen von Schreck

  • Große Unruhe

  • Beschwerden von trockenem, kaltem Wind

  • Plötzliche heftige Beschwerden, plötzliches hohes Fieber ohne Schweiß

  • Entzündungen mit unerträglichen (brennenden) Schmerzen

  • < kurz vor Mitternacht

  • Großer Durst

Betroffene Organsysteme und Indikationen
  • Organsysteme: Wirkt v. a. bei plötzlichen Beschwerden, Akuterkrankungen und Beschwerden von Nervensystem und Herz-Kreislauf-System.

  • Indikationen: Indiziert bei plötzlichen Angstzuständen, im Anfangsstadium von Erkältungen (Luftwegsinfekte, Krupp, Pneumonie, Otitis media), bei Fazialisparese, Harnverhaltung, Insolation, Kopfschmerzen, Krupphusten, Neuralgien, Zahnungsbeschwerden, Zystitis.

Geist- und Gemütssymptome
  • Folge von Schreck. Beschwerden und Angst nach einem seelischen Schock, einer Katastrophe, einem Unfall – auch wenn sie lange zurückliegen (op). Fühlt den Schreck weiterhin, hat Angst vor erneutem Schreckerlebnis (→Gemüt – Furcht – vorangegangenen Schrecks; wegen eines: op, verat, …).

  • Akute Panikreaktion. Angst in einer Menschenmenge, in engen Räumen (arg-n, stram, …), über eine belebte Straße zu gehen (carc, psor, …), vor offenen Plätzen, im Dunkeln, im Tunnel (arg-n, lyc, stram), im Flugzeug. Furcht vor dem Tod (ars, …), „sagt den Zeitpunkt des Todes voraus“. Panik begleitet von Herzklopfen, Röte und Hitze des Gesichts, schwerer Atmung oder Hyperventilation, Schreien. Wie gelähmt vor Schreck (gels). Verlangt nach Gesellschaft. Kaum zu beruhigen: Kind nagt an den Fäusten, jammert und weint.

  • Extreme Ruhelosigkeit. Eilig, hastig, ungeduldig. Plötzliche und heftige ängstliche Unruhe (stärker als bei ars oder rhus-t) – geht auf und ab, wirft sich hin und her. Eigensinn mit ungeduldigem Umherwerfen (nur acon).

  • Nervöse Erregbarkeit. Schnell außer sich (→Gemüt – Empfindlich – Schmerz, gegen – außer sich vor: cham, coff, nux-v, …). Will nicht berührt werden. Plötzlich und heftig erregt – heftiger Ärger, heftige Angst. Schreit; bebt und zittert innerlich. Überempfindlich auf Geräusche, Licht, Berührung. Abneigung gegen Musik, traurig durch Musik. Hellsichtig (med, phos, …).

  • Stimmungen plötzlich wechselnd, intensiv, aber nicht lange anhaltend. Erst extrovertiert, lustig, singt und tanzt – dann traurig, depressiv, ängstlich. Raserei abwechselnd mit Lachen oder Weinen. Widersprüchlicher Wille (anac, …).

Allgemeinsymptome
  • Wetter: Folge von trockener Kälte (bry, caust, hep, nux-v, …), kaltem (Nordost-)Wind, Abkühlung. Verschlimmerung vieler Beschwerden durch Hitze. Verlangt nach frischer Luft.

  • Zeit: nachts 23:00–0:00 Uhr.

  • Verlangen: Kalte Getränke. Fisch. Bittere, scharf gewürzte oder saure Speisen. Kohl. Durst auf große Mengen kaltes Wasser.

  • Seite: Rechts. Seitenwechsel (von rechts nach links).

  • Schlaf: Schlaflos von Angst, wirft sich umher, erwacht nach kurzem Schlaf in Panik. Pavor nocturnus. Schläft auf dem Rücken, die rechte Hand auf dem Bauch, die linke unter dem Kopf. Somnambulismus. Lähmungszustand beim Erwachen (lach, med, phos, sulph, …). Hellsichtige, prophetische Träume.

  • Schweiß: Erstes Stadium von Fieber ohne Schweiß.

Causa und Modalitäten
  • Causa: Schreck, Todeserlebnis. Katastrophe. Übermäßige Freude. Zorn. Operation. Unfall. Kälte. Trockener kalter Wind. Abkühlung nach Überhitzung. Unterdrückter Schweiß.

  • < Furcht, Schreck, heftige Emotionen. Trockene Kälte, trockener kalter Wind. Nachts im Bett. Lärm. Licht. Druck. Berührung (v. a. während Fieber). Liegen auf der schmerzhaften Seite (hep, lach, nux-m, sil, …). Zahnung. Musik.

  • > Frische Luft. Ruhe. Auftreten von Absonderungen.

Schwangerschaft und Geburt
  • Schwangerschaft: Schlaflosigkeit, Unruhe und Angst. „Keinerlei Gefühl für irgendjemand in der Schwangerschaft“ (sep). Drohender Abort durch ein Schreckerlebnis.

  • Geburt: Bei Angst bis hin zur Todesangst. Exzessive Wehenschmerzen. Rigider Muttermund. Blutung aus der Mamille. Konvulsionen.

Neugeborene

Praxistipp

Aconitum kann angezeigt sein nach einer traumatischen Geburt, bei peri- oder postnataler Hypoxie (→Atmung – Asphyxie – Kindern, Neugeborenen; bei: arn, ant-t, camph, laur, op, …), bei Amnioninfektionssyndrom (→Allgemeines – Sepsis: ars, carb-v, crot-h, lach, pyrog, …) oder perinataler Hirnblutung (bell, gels, lach, op, …).

  • Es ist auch hilfreich bei Folgezuständen wie Apathie oder Koma (→Schlaf – Coma vigile: op, …), Neugeborenenkrämpfen, Bewegungsstörungen (→Allgemeines – Lähmung – eine Seite – Apoplexie, nach: op, phos, …) oder Bradykardien/Apnoen.

  • Das Neugeborene steht deutlich unter Schock, hat einen ängstlichen Gesichtsausdruck, ist hyperexzitabel, zittert (→Zittern bei Neugeborenen: anh, ars, gels nach Pennekamp; op), gähnt und verdreht die Augen nach oben.

  • Charakteristisch sind die große Unruhe und Anurie (→Blase – Harnverhaltung – Kindern, bei – Neugeborenen: apis, ars, camph, canth, caust, lyc, …).

  • Häufig kommt es zum Icterus neonatorum (acon, chel, chin, lyc, nat-s, podo, sep, sulph, … nach Lamothe), der ebenfalls von starker Unruhe begleitet ist.

Säugling
Schlüsselsymptome von Aconitum sind Unruhe und Angst (→Gemüt – Angst – Kind – Kindern, bei – Kleinkindern: cham) – oft Folgen eines prä- oder perinatalen Traumas. Das Baby schreit bei Berührung (arn, merc, …), wirft seinen Kopf herum (→Kopf – Bewegungen – Herumwerfen: cupr, tarent, …), beißt in seine Finger (arum-t, …) oder bewegt ständig die Zunge (clem, op, stram). Zur Beruhigung möchte es schnell getragen werden (ars, …).
Das Kind neigt zu akuten Augenentzündungen (arg-n, ars, calc, puls, thuj, …). Eine Wange ist rot, die andere blass (cham, ip, …). Die Zahnung ist schwierig und geht mit Durchfall (calc, cham, dulc, ferr, rheum, sil, …) oder Konvulsionen einher.

Praxistipp

Aconitum ist eines der ersten Mittel bei Pneumonie (→Brust – Entzündung – Lungen – Kindern – Kleinkindern, bei: ant-t, bry, ferr-p, ip, kali-c, lyc, nux-v, phos, tub, …) und bei immer wiederkehrenden fieberhaften Infekten (→Fieber – remittierend – Kleinkindern, bei: bell, bry, cham, gels, …).

Kleinkind und Schulkind
Das Kind leidet an den Folgen eines Schock- oder Schreckerlebnisses. Es ist auffallend ängstlich: Es hat Angst in der Dunkelheit und mag nur bei Licht schlafen. Es fürchtet sich vor Gespenstern (carb-v, lyc, puls, sulph, …) und auch bei Musik (ambr, nat-c, …). Es ist ruhelos, wirft sich umher, schreit viel und wird schnell zornig (→Gemüt – Zorn – Kindern, bei: anac, bell, carc, cham, hep, phos, sanic, tub, …). Durch Schmerzen oder Schreck kann es einen Affektkrampf entwickeln.
Schulkinder haben Konzentrationsstörungen beim Schreiben, beißen Nägel (arum-t, bar-c, med, verat, …) und lispeln (→Mund – Sprache – lispelnd: ars, lach, nux-v, verat, …) oder stottern.

Praxistipp

  • Alle körperlichen Beschwerden oder Krankheiten gehen mit Angst und Unruhe einher. Charakteristisch ist zudem die nächtliche Verschlimmerung.

  • Aconitum ist angezeigt im Anfangsstadium von akuten, heftigen entzündlichen und fieberhaften Erkrankungen – oft ausgelöst durch kalten Wind oder Schreck. Die Beschwerden treten plötzlich auf.

  • Bei fieberhaften Erkrankungen kommt es zu einer heißen Schwellung und Entzündung der erkrankten Körperteile, mit heftigen, brennenden Schmerzen. Das Kind schreit vor Schmerzen (bell, cham, …). Meist bessern sich die Beschwerden im Sitzen, werden aber nachts unerträglich.

  • Das Kind fiebert hoch, hat eine trockene Haut (beim Auftreten von Schweiß sind Folgemittel, etwa Belladonna, indiziert) und großen Durst auf kalte Getränke. Es ist ängstlich, kann aber auch eigensinnig, albern oder sogar lustig werden. Das Gesicht ist im Liegen heiß und rot und wird beim Aufrichten blass (puls, verat-v, verat). Die Haut ist rot, heiß, geschwollen und glänzend (apis, bell, …), oft entwickelt sich ein morbilliformes oder scarlatiniformes Exanthem (→Haut – Hautausschläge – Exanthem, flüchtiges – Kindern, bei: bry, cham, ip, sulph).

Praxistipp

Aconitum ist eines der Mittel bei Meningitis oder Enzephalitis mit heftigen Kopfschmerzen, Benommenheit und Erbrechen.

Kalter Wind kann einen wässrigen heißen Schnupfen, eine Konjunktivitis oder eine Otitis media (→Ohr – Schmerz – Kinder: all-c, cham, dulc, puls, …) auslösen. Die Otitis ist extrem schmerzhaft, v. a. beim Gähnen; die Ohrmuschel ist leuchtend rot, heiß und geschwollen.
Der Schnupfen geht leicht in Krupp über (→Nase – Schnupfen – Krupp, mit: ars, cub, hep, nit-ac, spong), v. a. bei trockenem kalten Wetter (hep, kali-bi). Der Anfall tritt nach dem ersten Schlaf auf (Mittelfolge bei Krupp: aconsponghep). Der Kehlkopf ist berührungsempfindlich (→Kehlkopf – Schmerz – Kehlkopf – Berührung, bei: lach, phos, spong, …; dagegen kali-br: empfindungsloser Kehlkopf), die Ausatmung ist laut und krächzend (bei spong ist eher die Einatmung laut). Das Kind hustet laut und bellend und greift sich an den Hals vor Schmerzen (→Kehlkopf – Schmerz – Kehlkopf – Husten – greift sich an den Kehlkopf: all-c, bell, dros, hep, phos, …).
Aconitum ist eines der Mittel im Stadium catarrhale von Keuchhusten (ant-t, carb-v, dulc, ip, nux-v, puls) und im Anfangsstadium einer Pneumonie mit hohem Fieber, trockenem Husten, Unruhe und Durst. Die Pneumonie sitzt im linken Oberlappen und greift evtl. auch auf die Pleura über (→Brust – Entzündung – Rippenfell: bry, sulph, …). Das Kind kann nur auf dem Rücken liegen (→Brust – Entzündung – Lungen – liegen, muss auf dem Rücken: cact, sulph).
  • Das Kind neigt zum Erbrechen, etwa durch Zorn (cham, ign, ip, lyc, verat), Fieber oder Infekte, und zu Durchfall „wie gehackter Spinat“ (arg-n, cham, merc). Das Abdomen ist berührungsempfindlich. Aconitum ist eines der Mittel bei Invagination (→Abdomen – Intussuszeption: ars, bell, op, plb, verat, …).

  • Charakteristisch ist schmerzhafter oder vergeblicher Harndrang. Das Kind greift sich an die Genitalien und schreit auf. Erkältungen führen zur Harnverhaltung (dulc, …), das Kind weint die ganze Nacht. Schreck oder Wut können eine Enuresis zur Folge haben.

  • Die Unterdrückung eines Exanthems kann einen nächtlichen Asthmaanfall auslösen (apis, puls).

  • Aconitum lindert die Folgen von Verletzungen (Knochenbrüche: arn) und Operationen. Bei einem Wespenstich im Mund ist es ein gutes Notfallmittel (→Mund – Schwellung – Zunge – Insektenstich, nach: apis, bell, carb-ac, …).

Jugendlicher
Auch beim Jugendlichen lässt sich häufig als auslösender Ereignis ein Schock oder eine Erfahrung von Todesnähe, etwa ein schwerer Unfall, erfragen. Das Resultat sind Panikattacken mit Herzklopfen und rotem Gesicht, Schwindel, Zittern, Atemnot, Schweißausbrüchen, und sensorischen Störungen wie Taubheitsgefühlen. Die Attacken kommen oft kurz nach dem Einschlafen oder nach Mitternacht.
Der Jugendliche leidet auch unter Flugangst oder Klaustrophobie, etwa in Aufzügen oder Menschenmengen. Er ist überempfindlich gegen Musik, wird davon traurig oder bekommt Kopfschmerzen.
Er hat ein unruhiges und unstetes Wesen (→Gemüt – unternimmt – Vieles, hält aber bei nichts durch: lac-c, lach, med, nux-m, sil, …), eine pessimistische Grundhaltung (→Gemüt – verzweifelt – Genesung, in Bezug auf die: alum, ars, calc, coloc, syph, …) und Gedanken an den Tod (→Gemüt – prophezeit – sagt den Zeitpunkt des Todes voraus: agn, arg-n, thea). Andererseits ist er extrovertiert, mitteilsam (→Gemüt – offenherzig: alum, bar-c) und kümmert sich sehr um andere.
  • Vor allem in der Schule treten Kopfschmerzen (→Kopf – Schmerzen – Schulkindern; bei: calc, calc-p, nat-m, ph-ac, puls, …) von stechendem Charakter auf (bei bell eher pochend), begleitet von Nasenbluten.

  • Aconitum kann angezeigt sein bei Sonnenstich, bei Empfindlichkeit gegen Sonnenlicht und Augenbeschwerden durch Schnee (cic).

  • Kalter Wind führt zu Infekten der Luftwege, Konjunktivitis, Diarrhö oder Neuralgien. Die Nase ist verstopft mit einem Gefühl von Benommenheit (kali-i, …), das Nasensekret fühlt sich an wie heißes Wasser (gels). Bei akuten Erkrankungen sind die Handflächen heiß, die Füße und Zehen aber eiskalt. Der Puls ist voll, hart und gespannt. Nachts zwischen Mitternacht und 3:00 Uhr wird der Patient von Harndrang geweckt.

  • Außer bei akuten hochfieberhaften Infekten kann Aconitum auch bei akuter Arthritis mit nächtlichen Beschwerden indiziert sein.

Arzneimittelbeziehungen
  • Miasma: akut, Psora

  • Folgt gut auf: arn, coff, op, sulph, verat. Aconitum antidotiert viele andere Mittel!

  • Bewährte Folgemittel: abrot, arn, ars, bell, bry, cact, calc, canth, cocc, coff, hep, ip, kali-br, merc, puls, rhus-t, sep, sil, spig, spong, sulph

  • Gute Mittelfolge: aconsponghep

  • Ergänzungsmittel: arn, bell, berb, caust, coff (bei Fieber, Schmerz, Schlaflosigkeit), led, mill, phos, sil, sulph (= „chronisches Aconitum“)

  • Antidote: acet-ac, bell, berb, camph, cham, coff, nux-v, paris, petr, sep, sulph, verat. Alkohol, Essig, Wein

  • Toxikologie: Aconitum ist das stärkste bekannte pflanzliche Gift. Bei Kindern nicht niedriger als D12 verabreichen!

Agaricus muscarius

#Agaricus muscariusFliegenpilz.
Leitsymptome
  • Entwicklungsverzögerung

  • Lernstörungen

  • Ungeschickt, waghalsig, hyperaktiv

  • Zucken oder Zittern einzelner Muskeln: Grimassen, Tics, Chorea

  • Rote Hautstellen mit Jucken, Beißen oder Brennen

  • Kalte Stellen am Körper; Empfindung wie Eis oder kalte Nadeln

Betroffene Organsysteme und Indikationen
  • Organsysteme: Nervensystem, Verdauung und Kreislauf.

  • Indikationen: Indiziert unter anderem bei Allergien, Angst, Aufmerksamkeits-Defizit, Chorea, Entwicklungsverzögerung, Epilepsie, Frostbeulen, Heuschnupfen, Hyperkinetischem Syndrom, Ischiassyndrom, Kopfschmerzen, Lernstörungen, Multipler Sklerose, Neuralgien, Strabismus, Tics, Tremor, Tuberkulose, Zuckungen.

Geist- und Gemütssymptome
  • Unterdrückung von Impulsen, Wut (staph, bar-c) und Sexualität. Starkes Über-Ich mit Blockade animalischer Triebe – führt zu Entladung und Kontrollverlust auf körperlicher Ebene: Chorea, Tic, Konvulsionen, Ungeschicklichkeit, Juckreiz.

  • Abhängig und willensschwach. Bemüht, Erwartungen anderer zu erfüllen (bar-c, puls). Vermeidet Verantwortung. Eingeschränkte Lebenstüchtigkeit, sehnt sich nach Hülle und Schutz. Fühlt sich wie behindert, zu klein (bar-c), minderwertig, unfähig. Wird oft ausgelacht. Trägheit v. a. morgens – mag nicht von täglicher Routine abweichen, nichts Neues unternehmen. Alles besser abends.

  • Redselig. Erregt, ekstatisch, springt von einem Thema zum anderen. Alberne Heiterkeit. Prophezeit, enthüllt Geheimnisse, macht Gedichte (ant-c). Umarmt, küsst Hände. Will seine Sünden bekennen. Selbstsüchtig, quält jeden mit seinen Beschwerden (psor, zinc).

  • Kein Gefühl für Gefahr. Angstfrei (→Gemüt – Läuft umher – gefährlichsten Orten, an den (1): agar), unvorsichtig, waghalsig, impulsiv. Hyperkinetisches Syndrom. Erregtheit mit heftiger Raserei bis zum Delir, mit Wut und vermehrter Körperkraft (→Gemüt – Raserei – Körperkraft erhöht: bell, hyos). Verletzt sich selbst. Wütend, wenn man sich über ihn lustig macht.

  • Sinnestäuschungen. Täuscht sich in der Größe von Gegenständen. Macht zu große Schritte. Ein Loch erscheint wie ein schrecklicher Abgrund.

  • Angst um die Gesundheit. Furcht vor Krebs (ars, nit-ac, psor, …). Kleine Beschwerden machen ihn verrückt vor Angst – macht auch andere verrückt damit. Weint oder klagt laut. Starke Beziehung zum Tod: Denkt an Friedhöfe, Särge, Tod, Gespenster. Will Sterbenden helfen. Spricht nur von Tragödien.

  • Manisch-depressiv. Perioden extremer Euphorie und Fröhlichkeit wechseln ab mit Angstzuständen. Auch Wechsel von physischen und psychischen Symptomen (cimic, plat). Ängstlich, wenn er sich glücklich fühlt; fühlt sich dann dem Tod nahe. Dumpf und benommen, wie betrunken. Erkennt niemanden.

  • Folgen von Drogenkonsum. Psychotische Veränderung durch Drogen oder Alkohol. Zustand nach Horrortrip. Geistige Verwirrung. Träumer, weiß nicht, was die eigentliche Realität ist. Delirium mit lächerlichen Handlungen. Singt und spricht ohne Zusammenhang, wechselt dauernd das Thema, aber antwortet nicht. Hält sich für eine große Persönlichkeit. Glaubt sich unter übermenschlicher Kontrolle – hört Stimmen, spricht mit abwesenden Personen. Außerkörperliche Erfahrungen: glaubt, dass ihm seine Arme und Beine nicht gehören, abgetrennt sind.

Allgemeinsymptome
  • Wetter: Frostig. Extrem empfindlich auf kalte Luft. < Vor Gewitter. Kalte Stellen am Körper.

  • Zeit: < Tagsüber, > abends. Neumond. Periodizität – jeden 7. Tag.

  • Verlangen: Alkohol (kann nicht damit umgehen). Salz. Butterbrot. Immer hungrig und durstig.

  • Abneigung: Ei. Brot. Fleisch. Wein.

  • Seite: Diagonal (→Allgemeines – Seite – diagonal – links oben und rechts unten: ant-t, stram, …).

  • Schlaf: Häufiges Gähnen. Zuckt, fährt hoch beim Einschlafen. Schläfrig nach dem Essen. Lebhafte Träume; träumt von Bällen oder Kugeln.

  • Wetter: Schweißneigung vormittags.

Causa und Modalitäten
  • Causa: Schikanen. Bloßgestellt oder ausgelacht werden. Mangel an Anerkennung. Überforderung, Sitzenbleiben. Tuberkulose in der Familie. Alkohol- und Drogenmissbrauch.

  • < Kälte. Im Freien. Vor Gewitter. Sonne. Druck. Berührung. Nach Bewegung. Geistige Erschöpfung. Morgens, vormittags. Während der Menses.

  • > abends und nachts. Im Schlaf (Zuckungen, Tics). Sanfte Bewegung. Lachen.

Schwangerschaft und Stillzeit
  • Schwangerschaft: Obstipation, Kopfschmerzen, Schwäche und Zittern in den Beinen.

  • Stillzeit: Stillprobleme durch wunde juckende Brustwarzen. Versiegen der Milch, danach Krämpfe oder Konvulsionen.

Neugeborene
  • An Agaricus ist zu denken bei fetalem Alkoholsyndrom und bei konnatalem Nystagmus (→Auge – Bewegung der Augäpfel – pendelartig: nur agar dreiwertig).

  • Das Baby hat braune Flecken auf der Hornhaut oder gelbe Flecken auf den Konjunktiven.

Säugling
  • Das Baby ist entwicklungsretardiert mit schlechter Kopfkontrolle (→Kopf – Fallen des Kopfes – hinten, nach: ign, op, …) und Haltungsasymmetrie (→Kopf – gezogen, der Kopf wird – seitwärts – Schultern, auf die: hydr-ac). Es macht konvulsivische Bewegungen (bell, op, stram, …) mit Kopf oder Extremitäten, rollt mit dem Kopf (bell, tub, …) oder rollt die Augen (→Auge – Bewegung der Augäpfel – unwillkürlich: calc, cupr, mag-p, nux-v, …).

  • Zuckungen durchfahren jede erdenkliche Muskelgruppe. Der Muskeltonus ist stark wechselnd (calc-p, cupr, hell, lyc, merc, sanic, syph, tub, zinc nach Pennekamp).

  • Das Abdomen ist aufgetrieben mit krampfartigen Schmerzen, Kollern und Zucken (bry, nux-v, …). Mit dem Stuhl entleeren sich geruchlose Flati.

Kleinkind und Schulkind

Praxistipp

Das Kind ist entwicklungsverzögert (→Gemüt – Entwicklungsstillstand bei Kindern: bar-c, calc, calc-p, carc, cupr, phos, …). Es lernt sehr spät Sprechen und Gehen (→Allgemeines – Gehen – spätes Gehenlernen: bar-c, calc, calc-p, carb-v, caust, nat-m, sanic, sil, …) und ist langsam in der Auffassung (→Gemüt – Stumpfheit: arg-n, bar-c, calc-p, sulph, …).

  • Agaricus ist daher auch ein Mittel für psychomotorisch retardierte Kinder (→Behinderte Kinder: agar, bufo, calc-p, carb-v, caust, med, merc, … nach Lamothe), etwa nach einem Geburtstrauma oder einer Meningoenzephalitis.

  • Typisch sind Koordinationsstörungen: Das Kind ist ungeschickt, lässt Dinge fallen (apis, bov, caps, …), hat unharmonische, eckige, übertriebene Bewegungen (→Extremitäten – Bewegung – unregelmäßig: hyos, tarent, …), stolpert beim Gehen (→Extremitäten – ungeschickt – Beine – stolpert beim Gehen: caust, ip, …) und tritt falsch oder zu hoch, als müsse es über ein Hindernis steigen. Agaricus ist ein wichtiges Mittel bei Ataxie (alum, …).

  • Charakteristisch sind Zittern und Zuckungen der Muskulatur bis hin zu Tics und choreatiformen Bewegungen – ausgelöst z. B. durch Tadel, Bestrafung, Furcht oder Erregung. Das Kind vollführt mit Kopf oder Extremitäten seltsame, unregelmäßige, übertriebene und unkontrollierte Bewegungen. Es hat Zuckungen im Gesicht (lyc, op, sel, …), grimassiert beim Versuch zu sprechen, zuckt mit den Augenlidern (cic, phys, rheum, sulph, …) und hat Muskelkrämpfe an verschiedenen Stellen. Gelegentlich kommt es auch zu tonisch-klonischen Krampfanfällen.

  • Bei Erregung beginnt das Kind zu stottern (caust, dig, …), nach Anstrengung wird die Sprache undeutlich oder fehlerhaft. Das Kind ist insgesamt sehr impulsiv und unruhig (→Gemüt – Ruhelosigkeit – Kindern, bei: merc, rhus-t, sulph, tarent, tub, …). Es kennt keine Grenzen und hüpft herum ohne Gespür für Gefahren.

  • Spätestens mit der Einschulung offenbart sich eine Lern- und Gedächtnisschwäche (→Gemüt – Gedächtnis – Gedächtnisschwäche – Kindern, bei (1): agar) und eine Schwäche im Schreiben und Lesen. Infolge von Überforderung und geistiger Überanstrengung wird es reizbar, streitsüchtig und stur, mag nicht berührt werden und nicht antworten.

  • In der Regel ist das Kind kleinwüchsig. Es hat ein aufgedunsenes Gesicht mit roter Nase und roten Ohrmuscheln (apis, chin, puls, …), die jucken oder brennen, als wären sie erfroren. Der Gesichtsausdruck ist einfältig (→Gesicht – Ausdruck – idiotisch: calc, lach, laur, lyc, …). Die Mundwinkel hängen herab, wodurch der Speichel herausfließt. Um den Mund findet man häufig ein Leckekzem. Typisch sind gelbe Flecken auf der Bindehaut und ein Strabismus divergens (coloc, con, jab, nat-m, …).

  • Alle körperlichen Beschwerden treten allmählich auf, von der Lokalisation her häufig diagonal (z. B. rechter Arm und linkes Bein) angeordnet.

  • Das Kind leidet an Heuschnupfen mit verstopfter Nase, häufigen Niesanfällen und starkem Juckreiz an Nase, Gaumendach und in den Ohren. Oft hat es auch anfallsweise Husten mit anschließendem Niesen (→Nase – Niesen – Husten – nach: arg-n, bell, carb-v, squil, sulph, …). Typisch sind jeweils zwei Hustenstöße, wobei sich das Kind zusammenkrümmt. Der Husten lässt sich durch Ohrinspektion provozieren (→Husten – Berührung; durch – Gehörganges, des: arg-n, psor, sulph, …).

  • Sonnenhitze (camph, carb-v) oder nasses Wetter führen zu einem wässrigen Durchfall mit Tenesmen vor jeder Entleerung (merc-c, sulph, …).

  • An Fingern und Zehen, Handtellern und Fußsohlen treten Schwellungen und Rötungen auf. Die Glieder jucken und brennen wie nach einer Erfrierung; Agaricus hilft daher auch bei Frostbeulen (→Extremitäten – Frostbeulen: nit-ac, petr, puls, …). Einzelne Stellen an den Extremitäten sind kalt wie Eis.

  • Das Kind jammert über Wachstumsschmerzen an den Unterschenkeln (aur, calc-p, guaj, merc, ph-ac, syph, …).

Jugendlicher
  • Der Jugendliche hat große Angst um seine Gesundheit (arg-n, ars, kali-ar, nit-ac, phos, …). Er ist zwar redselig, mag aber auf Fragen nicht antworten und blickt ungerührt nach unten.

  • Lernen fällt ihm schwer (anac, ars, bar-c, phos, …), v. a. morgens ist jede geistige Anstrengung unmöglich. Er hat ein starkes Verlangen nach Alkohol (→Gemüt – Alkoholismus: chin, syph, verat, …) und ein exzessives sexuelles Verlangen.

  • Alle Schmerzen sind stechend oder splitterartig, oft mit dem Gefühl, von kalten Nadeln durchbohrt zu sein.

  • Typisch ist ein nervöser Kopfschmerz mit Nasenbluten (→Nase – Nasenbluten – Kopfschmerz – während: acon, bry, …) oder Schmerzen an der Nasenwurzel. Bewegungen des Kopfes erleichtern die Beschwerden.

  • Der Jugendliche klagt über Schwindel durch Sonnenlicht, über Doppelbilder und über das Verschwimmen von Buchstaben vor den Augen.

  • Die Luftwege sind empfindlich: Es besteht eine Neigung zu Heuschnupfen, zu Heiserkeit v. a. durch Singen (arum-t, …) und zu Tuberkulose.

  • Die Monatsblutungen sind profus und kommen jedes Mal zu früh.

  • Agaricus ist das erste Mittel bei Lumbago v. a. im Sakralbereich mit Verschlechterung durch Sitzen und Besserung im Liegen. Die Wirbelsäule ist berührungsempfindlich mit einem Kältegefühl wie von Eis.

  • Agaricus hilft auch bei Tennisellenbogen (→Allgemeines – Verletzungen – Tennisarm: rhus-t, ambr).

Arzneimittelbeziehungen
  • Miasma: tuberkulinisch, Psora, Sykose

  • Gute Folgemittel: bell, calc, cupr, merc, op, puls, rhus-t, sil, tarent, tub

  • Ergänzungsmittel: calc

  • Antidote: absin, atrop, calc, coff, camph, puls, rhus-t. Wein

Ambra grisea

#Ambra griseaGrauer Amber, Sekret aus dem Darm des Pottwals.
Leitsymptome
  • Schüchternheit, Verlegenheit

  • Abneigung gegen Fremde, Gesellschaft, Gespräche, Lachen, Musik

  • Stuhlverhaltung, Sauberkeitsproblematik

  • Nervöser Husten mit Aufstoßen

  • Sexuelle Übererregbarkeit

  • Einschlafstörungen

Betroffene Organsysteme und Indikationen
  • Organsysteme: Wirkt v. a. auf Gemüt und Nervensystem, Verdauungstrakt, Genitalorgane.

  • Indikationen: Indiziert unter anderem bei Asthma, Depression, Enkopresis, Husten, Kopfschmerzen, Lampenfieber, Metrorrhagie, Obstipation, Pruritus, Ranula, Rhinitis, Schlafstörungen, Stuhlverhaltung, Verdauungsstörungen.

Geist- und Gemütssymptome
  • Verlegenheit, Schüchternheit. Errötet leicht; ist sich der kleinsten Dinge, die er tut, bewusst. Furcht vor Auftreten in der Öffentlichkeit (→Gemüt – Schüchternheit – Öffentlichkeit, beim Auftreten in der: gels, plb, sil, …).

  • Abneigung gegen Gesellschaft. Angst in einer Menschenmenge (acon, aur, puls, …). Meidet andere Menschen, will allein sein, hat kein Vertrauen. Kollabiert in einem Raum voller Menschen. Alles schlimmer durch Anwesenheit von Fremden. Abneigung gegen lachende Gesichter (nur ambr), fühlt sich ausgelacht, beurteilt: „Was halten die anderen von mir?“ (→Gemüt – Furcht – Meinung anderer, vor der: nur ambr dreiwertig). Kann sich nicht abgrenzen, will es allen recht machen. Misslungener Übergang aus der Mutter-Kind-Dyade in die Individualisation.

  • Furcht vor Konversation; Unterhaltung verschlechtert (→Gemüt – Gespräche – agg.: ign, nat-m, sil, … Gemüt – Angst – Sprechen, beim: hell, …). Jedes Gespräch bedeutet Anstrengung, kann sich schlecht „ausdrücken“. Zittert, schwitzt, wird reizbar oder unruhig. Vergisst in Gesellschaft, was er sagen wollte. Schlaflosigkeit nach einem Gespräch.

  • Furcht zu versagen. Steht unter ständigem starkem Leistungsdruck. Kann nicht loslassen, entspannen. Plötzlicher Zusammenbruch durch Überforderung – hat das Gefühl, er werde ausgesaugt oder aufgefressen.

  • Stuhlverhaltung mit Angst (→Gemüt – Angst – Stuhlgang – vergeblichen Stuhldrang, durch: caust). Verweigert das Sauberwerden aus Angst vor und Abwehr gegen aggressiv erlebte Umgebung („aufgefressen werden“). Geht nicht auf den Topf, sondern verkriecht sich, um sich zu erleichtern. Verklemmtheit in Bezug auf Stuhlgang und Miktion: Geht ungern außer Haus, um nicht anderswo auf die Toilette zu müssen (→Gemüt – Gesellschaft, Abneigung gegen – Fremden – Abneigung gegen die Anwesenheit von – Stuhlgang, beim (1): ambr).

  • Deprimiert. Schnell entmutigt, z. B. nach Misserfolg. Kommt über alte Verletzungen nicht hinweg (nat-m), brütet (→Gemüt – Sitzen – Neigung zu sitzen – versunken und nichts wahrnehmend – wie in tiefen traurigen Gedanken: cocc, puls, stram, verat, …). „Ambra gibt und empfängt nichts und lebt stattdessen ein graues Leben“. (Grandgeorge)

  • Abneigung gegen Musik und Licht. Kann bei Licht nicht einschlafen. Musik verschlechtert, weint bei Musik (graph, nat-c, nat-s), zittert, „als ob die Töne materielle Dinge wären, die ihn packen“ (Kent).

  • Emotionale Unausgeglichenheit, Erregbarkeit (→Gemüt – Empfindlich – nervös: nur ambr dreiwertig; →Gemüt – Erregung – nervös – Kindern, bei: carc, caust, lyc, sep, …). Alberne Geschwätzigkeit. Hast und nervöse Erregung beim Sprechen. Fahrig, springt von einem Thema zum anderen; stellt viele Fragen, ohne die Antwort abzuwarten; antwortet in Fragen (aur, …); wiederholt erst die Frage, bevor er antwortet. Vergräbt sich in unangenehme Dinge. Sieht schreckliche Bilder, Phantome, verzerrte Gesichter, Fratzen, Gespenster.

  • Starkes sexuelles Verlangen. Masturbation, mit Schuldgefühlen (ph-ac).

  • Konzentrationsstörungen. Verträumt, schlechtes Gedächtnis, langsames Auffassungsvermögen. Versteht nicht, was er liest, muss alles noch einmal lesen.

Allgemeinsymptome
  • Wetter: > Wärme; < kalte Luft, Abkühlung, kalt Baden. Kältegefühl an einzelnen Körperstellen.

  • Zeit: abends im Bett. Morgens beim Erwachen. Aber: Besserung nach dem Aufstehen. Frühjahr.

  • Verlangen: Salz, Fisch, Meeresfrüchte.

  • Abneigung: Fette Speisen.

  • Seite: Einseitige Beschwerden. Diagonal rechts oben und links unten. Symptome wechseln plötzlich den Ort (→Allgemeines – Schmerzen – wandernd, sich verschiebend – plötzlich: arn, colch, …).

  • Schlaf: Geht müde ins Bett, jedoch hellwach, sobald der Kopf das Kissen berührt (→Schlaf – Schlaflosigkeit – abends – Zubettgehen, nach dem: nur ambr dreiwertig). Unruhiger Schlaf. Kann vor Sorgen nicht einschlafen, oder erwacht besorgt (calc), muss wieder aufstehen. Schlaflos nach Konversation. Sprechen im Schlaf (→Gemüt – Sprechen – Schlaf, im – Kindern, bei: kali-c, kali-sil, mag-c, psor). Abends im Bett phantastische Illusionen, umherziehende Gedanken. Angstträume bei Kindern. Träumt von Wasser.

  • Schweiß: An Bauch (phos, …) und Oberschenkeln (ars, thuj, …). Einseitige Schweiße. Schweißausbruch bei Konversation.

Causa und Modalitäten
  • Causa: Kummer. Sorgen. Schicksalsschläge. Tod naher Verwandter. Tadel. Konversation. Verlegenheit. Überanstrengung. Geringfügige Ursachen.

  • < Unterdrückte Absonderungen, Lärm, Musik, Konversation, Gesellschaft, geistige Anstrengung. Wärme, warm trinken oder essen. Abends nach dem Hinlegen. Morgens beim Erwachen.

  • > Langsame Bewegung an frischer Luft. Morgens nach dem Aufstehen. Kalte Speisen und Getränke. Warme Milch.

Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit
  • Schwangerschaft: In der Schwangerschaft Ruhelosigkeit und Erregbarkeit mit Neigung zu Schlafstörungen. Quälender Juckreiz im Genitalbereich. Hartnäckige Obstipation.

  • Geburt: Exzessive und quälende Wehen.

  • Stillzeit: Konvulsionen und Obstipation mit Tenesmen.

Neugeborene
Das Neugeborene hat Zuckungen und Krämpfe in Gesichtsmuskeln und Lippen. Ambra ist daher angezeigt bei Neugeborenen-Tetanus (→Gesicht – Kiefersperre – Kindern, bei – Neugeborene: ang, camph, merc; →Gesicht – Konvulsionen, Spasmen – Lippen – Unterlippe (1): nur ambr), einem Problem, dem man nur noch in Entwicklungsländern begegnet. Auch bei kongenitalen Speichelzysten kann an Ambra gedacht werden (→Mund – Ranula, Froschgeschwulst: calc, …).
Säugling

Praxistipp

Ambra ist eines der Mittel für Säuglinge mit frühem und starkem Fremdeln. Es ist auch hilfreich bei chronischem Säuglingsschnupfen mit grauem Sekret und verstopfter Nase nachts. Im Vordergrund stehen jedoch Beschwerden des Verdauungstrakts.

  • Das Baby leidet unter häufigem und heftigem Aufstoßen mit saurem Geruch.

  • Sein Abdomen ist aufgetrieben, besonders nach den Mahlzeiten und in der zweiten Nachthälfte, mit reichlicher Flatulenz (puls, carb-v, cham, …).

  • Häufig besteht Obstipation mit vergeblichem Stuhldrang (→Abdomen – Stuhlgang – Stuhldrang, nach vergeblichem – agg.: nux-v) und schmerzhaften Blähungskoliken (→Rektum – Obstipation – begleitet von – Kolik – Blähungskolik: card-m, graph, mang, plat, senec, …), die den Schlaf stören (→Schlaf – Schlaflosigkeit – Blähungen, durch: cocc, coff, nux-m, nux-v).

Kleinkind und Schulkind
  • Das Kind ist außergewöhnlich schüchtern und verlegen. Es hat eine starke Abneigung gegen fremde Menschen (cic, …) und erträgt es nicht, wenn sie sich ihm nähern (ant-c, cina, cupr, …).

  • Es reagiert darauf sogar mit körperlichen Symptomen wie Husten (→Husten – Fremde – Anblick, von – Kindern, bei: ars, bar-c, phos) oder Schwitzen.

  • Dabei ist es nervös, leicht erregbar und ungeschickt (→Gemüt – Ungeschicklichkeit – lässt Dinge fallen: agar, apis, caps, …).

  • In vertrauter Umgebung neigt es zu Albernheit, steht gern im Mittelpunkt und sucht Bestätigung (→Gemüt – gefallsüchtig, kokett – sehr, zu – Kindern, bei: bell, calc-f, lach, phos, plat, puls, sulph, verat).

  • Das Schulkind hat eine Schwäche im Lesen (→Gemüt – Lesen – versteht das Gelesene nicht: carc, colch, …) und im räumlichen Vorstellungsvermögen (→Gemüt – Mathematik – Unfähigkeit zur – Geometrie: alum, calc, caust, con, …).

  • Abends im Bett wird das Kind von Ängsten befallen (ars-s-f, ars, carb-v, …), nachts von Angstträumen geplagt (→Träume – Ängstlich – Kindern, bei: bung-fa). Beim Erwachen sieht es schreckliche Gesichter. Fieber verstärkt die Angstzustände (acon, ars, bar-c, bar-s, ip, sep, …).

Praxistipp

Das Sauberwerden ist eine besonders kritische Phase: Das Kind verweigert den Gang zur Toilette. Es kämpft mit dem Stuhldrang und versucht ängstlich, den Stuhl zurückzuhalten. Dabei will es niemanden in seiner Nähe haben. Ein andermal kotet es heimlich ein oder fordert die Windel und zieht sich dann zum Defäkieren zurück. In fremder Umgebung, etwa im Kindergarten, geht es grundsätzlich nicht zur Toilette. Die Folgen sind Blähungen und eine hartnäckige Obstipation (→Rektum – Obstipation – Schule, in der (1): ambr).

  • Ambra wirkt gut auf die Schleimhäute, wenn Absonderungen oder Sekrete eine graue Farbe haben. Es kann z. B. bei chronischem Schnupfen mit grauem Sekret (lyc, …) angezeigt sein. Auch der Zungenbelag ist grau.

  • Unter der Zunge findet sich eine schmerzlose Speichelzyste (→Mund – Ranula, Froschgeschwulst: calc, …).

  • Das Kind neigt zu Blutungen: Nasenbluten, Zahnfleischbluten oder Blutstuhl.

  • Ambra ist eines der Mittel bei Schwäche nach lang anhaltendem Fieber (colch, mur-ac, psor, sel).

  • Der Verdauungstrakt macht Beschwerden durch zu viel Gas: Das Kind muss häufig Aufstoßen und leidet v. a. in der zweiten Nachthälfte unter Meteorismus und Flatulenz.

  • Charakteristisch ist ein nervöser, spastischer Husten mit Heiserkeit (→Kehlkopf und Trachea – Stimme – heiser – Husten, nach: dros, spong, …) schlimmer morgens beim Erwachen, durch Sprechen oder in Anwesenheit von Fremden.

    • Der Husten klingt hohl, bellend und wie tief aus der Brust.

    • Der Auswurf ist grau und schwer abzuhusten; beim Räuspern würgt oder erbricht das Kind (nux-v, …).

    • Ambra ist auch ein Mittel für Keuchhusten. Wahlanzeigend ist das Aufstoßen nach Hustenanfällen (→Magen – Aufstoßen – Husten, nach: sang, …).

  • Ambra ist ein unterschätztes Mittel bei kindlichem Asthma bronchiale (→Atmung – Atemnot, Dyspnoe – Kindern, bei: ant-t, ip, nat-s, op, puls, …).

    • Seine Wirkung umfasst v. a. Pollenasthma und psychogenes Asthma infolge von Aufregung, Anwesenheit von Fremden oder Hören von Musik.

    • Das Kind muss während des Asthmaanfalls häufig aufstoßen. Die Atemnot bessert sich beim Essen (graph, iod).

  • Ein charakteristisches Symptom ist vermehrtes sexuelles Verlangen, vermehrte Erektion und Masturbation bei Kindern. Das Kind hat „wollüstiges“ Jucken oder Brennen an After, Meatus und Genitale. Bei Mädchen juckt die Vulva mit Wundheit und Schwellung.

  • Morgens nach dem Aufstehen muss das Kind häufig urinieren. Es hat das Gefühl, als würde Urin aus der Harnröhre tropfen, oder als würde beim Urinieren noch Urin in der Harnröhre zurückbleiben.

  • Das Kind leidet an hartnäckigen Hautausschlägen (→Haut – Hautausschläge – wiederkehrend: calc, graph, lyc, sulph, tub): an einem juckenden Hautausschlag zwischen Daumen und Zeigefinger, einem wund fressenden Milchschorf oder Wundsein zwischen den Oberschenkeln.

Jugendlicher
In der Regel handelt es sich um einen mageren Patienten mit ausgeprägter Schüchternheit und leichter Erregbarkeit. Er wirkt sprunghaft und nervös, errötet leicht (→Gemüt – erröten: ferr, kali-p, nux-v, puls, …) und stellt Fragen, ohne die Antwort abzuwarten. Er meidet Gesellschaft aus Angst, sich zu blamieren. Lachende Gesichter oder Musik irritieren ihn zutiefst. Jegliche Konversation erschöpft ihn rasch: Er muss sich ausruhen und zieht sich zurück; erholsam empfindet er Spaziergänge ohne Begleitung. Nachts kann er nicht schlafen (→Schlaf – Schlaflosigkeit – Gespräch, nach einem: nur ambr dreiwertig): Er geht müde ins Bett, sobald er jedoch liegt, ist er wieder hellwach.
  • Er hat eine starke Affinität zum Wasser und zum Meer (→Allgemeines – Baden, Waschen – Meer, Baden im – amel.: aq-mar, chir-fl, med) und ein Verlangen nach Meeresfrüchten (nur ambr).

  • Er ist äußerst verklemmt in Bezug auf die eigenen Körperausscheidungen. So kann er nicht neben anderen urinieren (nat-m, …) und ekelt sich vor dem Geruch des eigenen Stuhls (nur ambr). Das sexuelle Verlangen ist stark, kann aber nicht ausgelebt werden wegen seiner Kontaktschwierigkeiten; nach Masturbation hat er Schuldgefühle.

  • Entsprechend der psychischen Konstitution werden verschiedene psychosomatische Beschwerden geäußert, oft schon durch geringfügige Auslöser.

    • Charakteristisch ist Schwindel begleitet von Schwächegefühl in Kopf oder Magen.

    • Weitere Symptome sind Herzangst oder Herzklopfen nach geistiger Anstrengung und ein Globusgefühl im Hals, als ob die Nahrung nicht in den Magen gelangen könne.

    • Eine typische Empfindung ist auch das Gefühl von Taubheit und Kälte an kleinen Stellen, insbesondere morgens beim Erwachen. Die Arme schlafen ein, sobald er darauf liegt.

  • Im Rachen befindet sich viel grauer Schleim, der sich nur schwer löst und dann heraufgeräuspert werden muss. Häufig besteht eine Rhinitis sicca (→Nase – Trockenheit – innen, chronisch: am-c, caust, sil).

  • Der Jugendliche hat das Gefühl eisiger Kälte im Abdomen (→Abdomen – Kälte: meny, verat, …), aber Hitzegefühl an den Fußsohlen (lyc, sulph, …). Im Genitalbereich stört ihn ein unerträgliches, „wollüstiges“ Jucken.

  • Die Menses kommen zu früh und zu reichlich; der Fluss ist verstärkt bei der leichtesten physischen oder psychischen Irritation. Körperliche Anstrengung löst Zwischenblutungen aus (calc, erig, …).

  • Hände und Finger sind faltig, die Fingernägel brüchig. Ambra ist eines der Mittel beim Tennisarm (→Extremitäten – Verletzungen – Ellbogen – Tennisarm, Epikondylitis: agar, rhus-t, symph).

Arzneimittelbeziehungen
  • Miasma: Psora, Sykose, Tuberkulinismus

  • Folgt gut auf: mosch

  • Bewährte Folgemittel: caust, ign, mosch, rhus-t, sulph

  • Antidote: calc, camph, canth, cahm, coff, graph, ip, lyc, mez, nux-v, phos, puls, ruta, sabad, sel, sep, sil, spig, staph, verat, verb, x-ray

Antimonium crudum

#Antimonium crudumSchwarzer Spießglanz; Stibium sulfuratum crudum (Sb3S3).
Leitsymptome
  • Mürrisch, mag nicht angesehen werden

  • < Hitze

  • Vielfraß mit Fettleibigkeit

  • Verdauungsbeschwerden, Speikind

  • Dick weiß belegte Zunge

  • Verlangen nach sauren Speisen

  • Verdickte Haut (Schwielen, Warzen), verdickte Nägel

  • Risse an Mundwinkeln, Nasenflügeln, Augenwinkeln

Betroffene Organsysteme und Indikationen
  • Organsysteme: Wirkt v. a. auf Gemüt, Verdauungstrakt und Haut.

  • Indikationen: Indiziert unter anderem bei Adipositas, Atemwegsinfektionen, Bauchschmerzen, Depressionen, Diarrhö, Ekzem, Husten, Impetigo, Masern, Obstipation, Urtikaria, Warzen, Windpocken.

Geist- und Gemütssymptome
  • Beschwerden durch Kummer. Folge frühkindlicher Störungen der Mutter-Kind-Beziehung. Narzisstische Wunde, orale Fixierung. In Beziehungen extrem symbiotisch und Besitz ergreifend, dadurch als Jugendlicher Beziehungsprobleme. Liebeskrank, fühlt sich abgewiesen, abgelehnt. Depressionen, Abscheu gegen das Leben. Gefahr von psychotischer Entgleisung und Suizid: Denkt daran, sich zu ertränken oder zu erschießen.

  • Essstörung. Kompensiert Frustrationen durch Nahrungsaufnahme; Kummerspeck, isst maßlos, schlingt. Verdauungstrakt wird zum Zentrum aller körperlichen Beschwerden: Magenschmerzen und Verdauungsstörungen durch Kummer (nat-c, nux-v, ign, coloc, staph).

  • Pathologische Sentimentalität. Alles macht einen tiefen Eindruck. Verträumt, introvertiert, romantisch. „Weint beim Klang der Kirchenglocken“. Dichtet (chin), spricht im Versmaß; macht sich dabei auch lächerlich. Wirkt emotional unreif. Sentimental bei Mondlicht, vor den Menses.

  • Mürrisch und verschlossen. Mag mit niemandem reden. Stachlig, widerborstig. Griesgrämig, wie eine sprungbereite Katze. Empfindlich, fährt hoch durch Geräusche. Offen, übersensibel; innerlich rohes Gefühl. Schützt sich wie mit einem Panzer vor dem Eindringen anderer. Flieht, wenn er sich unerwünscht fühlt. Zieht früh von zu Hause aus.

  • Abneigung gegen Kontakt. Mag nicht berührt (arn, cham, kali-c, tarent, …), angesehen (ars, cham, china, cina, nat-m, tub, …), angesprochen (iod, cham, …), fotografiert werden. Stocksteif bei Berührung oder Umarmung. Schreit, wenn er angesehen oder angefasst wird (cham, cina, sanic, tarent, …). Hält sich bei Untersuchung den Mund oder die Ohren zu. Wütend, wenn man ihn beachtet; ärgerlich über jede kleine Aufmerksamkeit. Hysterisch; benimmt sich unmöglich – stampft mit den Füßen, gestikuliert; aber: nicht aggressiv (anders: cina, stram, tub). Bei Krankheit oder Fieber unerträglich, brüllt, wehrt alles ab.

  • Abneigung gegen Waschen (v. a. kaltes Wasser).

Allgemeinsymptome
  • Wetter: Warmblütig. Alles schlechter durch Hitze und Kälte (fl-ac, merc, …), v. a. durch kalt Baden (am-c, calc, mag-p, rhus-t, sulph, tub, …).

  • Zeit: 18:00–22:00 Uhr; periodisch um dieselbe Stunde, alle drei Wochen. Vollmond.

  • Verlangen: Saure Speisen, saure Gurken (phos, sulph, verat), Pickles, Bier, Brot, Fett, Schweinefleisch. Verfressen.

  • Abneigung: Muttermilch (borx, calc, calc-p, cina, mag-c, merc, sil, …), Essig, Brot, Fett, Schweinefleisch.

  • Seite: Linke Seite, abwechselnde Seiten (cocc, lac-c, …), links unten und rechts oben.

  • Schlaf: Immer müde, v. a. bei heißem Wetter. Schlaf unerquicklich. Träumt von seiner Familie, von Freunden.

  • Schweiß: Heiß, oder kalt und klamm. Vermehrt bei Bewegung.

Causa und Modalitäten
  • Causa: Abgelehnt, abgeschoben werden. Liebeskummer. Kalt Baden. Hitze, Sonnenhitze. Kinderkrankheiten (v. a. Masern, Windpocken). Unterdrückte Hautausschläge. Überessen.

  • < Kalt Baden. Sommerhitze, Sonne, ausstrahlende Hitze (Ofenhitze), Hitze und Kälte, Mondlicht. Saure Speisen, fette oder süße Speisen. Zu viel Essen.

  • > Frische Luft. Ausruhen. Warm Baden.

Schwangerschaft und Stillzeit
  • Heftige Hyperemesis mit weiß belegter Zunge. Erbrechen erleichtert nicht.

  • Nach jedem Stillen durchfälliger Stuhl.

Neugeborenes
Das Baby ist von Anfang an schwierig und hat eine Abneigung gegen Muttermilch, die es nach der Mahlzeit wieder hoch würgt (→Magen – Erbrechen – Milch, nach – Muttermilch: calc, nat-c, ph-ac, sanic, sil, …). Es erbricht geronnene Milch (aeth, calc, sil, …).
Säugling
  • Das Kind ist sehr launisch (kali-c, sep, …), mag nicht schmusen (→Gemüt – liebkost zu werden – Abneigung – Kindern, bei: cham, cupr), nicht berührt, angesehen oder angesprochen werden. Es wird dann zornig oder gereizt.

  • Es mag auch nicht gewaschen oder gebadet werden (→Gemüt – waschen – Abneigung: am-c, clem, rhus-t, sulph, …) und schreit heftig bei Kontakt mit kaltem Wasser (→Allgemein – Baden – kaltes Baden agg.: calc, mag-p, sulph, tub, …).

Praxistipp

Antimonium crudum ist indiziert bei Speikindern, die gleich nach der Mahlzeit erbrechen (ars, bry, graph, …), v. a. in Folge von Überfütterung (→Allgemein – Essen – Überessen: ip, mag-c, puls, …).

  • Erbrechen erleichtert nicht (→Magen – Erbrechen – Linderung, ohne: ars, ip, iris).

  • Das Kind ist danach mürrisch, will nicht mehr trinken (aeth dagegen schon) und leidet unter dauerndem Aufstoßen von Luft.

  • Es hat bei jedem fieberhaften Infekt Bauchweh (→Abdomen – Schmerz – Hitze – während: ars, carb-v, rhus-t, …). Oft ist es übergewichtig, gelegentlich aber verliert es durch das Erbrechen an Gewicht.

Kleinkind und Schulkind

Praxistipp

Das Antimonium-crudum-Kind ist eigensinnig (calc, cham, chin, cina, tub, …) und mürrisch (ant-t, cham, cina, …). Es wird ärgerlich, wenn es angesehen oder angesprochen wird und wendet sich ab, wenn man es fotografieren will.

  • Es weint bei der Untersuchung und stampft zornig mit den Füßen (→Gemüt – Gesten – stampft mit den Füßen: stram, verat, …).

  • Es hat ein rundliches, blasses Gesicht und ist adipös (→Allgemein – Fettleibigkeit – Kindern, bei: bad, bar-c, calc, caps, ferr, ip, kali-bi, sacch, seneg).

  • Die Augen sind gerötet durch eine chronische Blepharitis (chrys, clem, euphr, tub, …), die äußeren Augenwinkel sind wund oder aufgesprungen (nat-m, sulph, zinc).

  • Die gesamte Haut ist hart, verdickt und rissig, was sich durch äußere Wärme noch verschlechtert – etwa in der Nähe eines Ofens.

  • Die Nasenlöcher sind rissig (aur, graph, petr, …) und von Krusten bedeckt (→Gesicht – Hautausschläge – Krusten – Nase – innen und auf der: bov, graph, lach, puls, sep, …).

  • Auf Wangen oder Kinn tritt ein gelber, eitriger, krustiger Ausschlag auf, wie getrockneter Honig (cic, mez).

  • Charakteristisch sind rissige Mundwinkel (arum, cund, graph, nit-ac, sil, …) und eine dick weiß belegte Zunge – wie bedeckt mit Kalk, Milch oder Schnee (bell, glon, …).

  • Zahnschmerzen (→Zähne – Schmerz – Kindern, bei: cham, coff, …) sind eine mögliche Indikation für Antimonium crudum.

  • Das Kind leidet oft an Bauchschmerzen oder Diarrhö, v. a. nach sauren Speisen oder Überessen. Besonders im Sommer kommt es zu schleimigem oder wässrigem Durchfall mit klumpigen Bestandteilen (→Stuhl – klumpig – flüssig; und: ars, lyc, …). Nach Fleischmahlzeiten kann eine Urikaria auftreten.

  • Die Nägel sind verdickt (graph, sil, …), gespalten (sil, …) und wachsen nicht (rad-br, sil). Die Nagelhaut ist rissig (nat-m, sil, …). Dornwarzen an der Fußsohle machen Beschwerden beim Gehen.

  • Das Kind hat Husten, der sich beim Betreten eines warmen Raums verschlimmert (brom, bry, puls, …). Es gähnt nach dem Husten (ant-t, …). Der erste Hustenanfall ist der stärkste, die weiteren Anfälle werden immer schwächer, besonders bei Keuchhusten.

  • Antimonium crudum ist eines der Mittel bei Windpocken oder Masern, oder bei Beschwerden nach diesen Krankheiten. Es hilft auch bei Husten nach Scharlach (con, hyos).

Jugendlicher
  • Der Jugendliche ist einerseits verträumt und sentimental, andererseits ärgerlich und überempfindlich. Er mag nicht sprechen, antwortet schnippisch (cham, sep, …), wird zornig bei jeder kleinen Aufmerksamkeit. Er ist sehr empfindlich gegen Streit. In der Pubertät kommt es zu Gemütsbeschwerden durch Kummer und unglückliche Liebe. Lebensüberdruss bis hin zu Selbstmordgedanken, v. a. nachts im Bett. Hysterie.

  • Die Menarche setzt bei den Mädchen zu früh ein (→Weibliche Genitalien – Menses – erscheinen – normalen Alter, vor dem: calc, calc-p, caust, cham, phos, puls sabin, sil, …). Das sexuelle Verlangen ist gesteigert bis hin zur Nymphomanie. Junge Männer sind voller „Verlangen nach der idealen Frau“.

  • Das Essen und die Verdauung stehen im Mittelpunkt aller Beschwerden: Der Jugendliche isst sehr gern und viel, und hat dementsprechend Gewichtsprobleme. Nach dem Essen kommt es zu Verdauungsbeschwerden, Zahnschmerzen, Müdigkeit (→Allgemeines – hinlegen, sich – Verlangen – Essen, nach dem: chin, lach, …), Trägheit und sogar Traurigkeit.

Praxistipp

Typisch sind der Seitenwechsel von Beschwerden und alternierende Beschwerden: Obstipation abwechselnd mit Diarrhö, trockener Schnupfen abwechselnd mit Fließschnupfen, Kopfschmerzen abwechselnd mit Magenschmerzen.

  • Es besteht eine starke Disposition zu Karies (merc, staph, …) und zu Heiserkeit, v. a. nach einem kalten Bad, nach Überhitzung oder Überanstrengung der Stimme.

  • An Händen und Fußsohlen zeigen sich Warzen (→Extremitäten – Warzen – Füße – Fußsohle: calc, lyc, nat-m, sep, sil, sulph, thuj, …), an den Fersen dicke Schwielen.

Arzneimittelbeziehungen
  • Miasma: Psora und Sykose

  • Folgt gut auf: ip, puls

  • Bewährte Folgemittel: calc, lach, merc, puls, sep, sulph

  • Ergänzungsmittel: am-m, ant-t, bry, graph, hep, puls, squil, sulph

  • Unverträglich mit: aeth, merc, plb, puls, sep

  • Antidote: calc, hep, merc

Apis mellifica

#Apis mellificaHonigbiene.
Leitsymptome
  • Unruhe; fruchtlose Aktivität

  • Ungeschickte Hände

  • Hellrote Schwellungen, Ödeme

  • Brennender oder stechender Schmerz

  • Rechte Seite

  • < Wärme

  • > Kalte Anwendungen

  • Kein Durst, Oligurie

Betroffene Organsysteme und Indikationen
  • Organsysteme: Wirkt v. a. auf Nervensystem, seröse Häute und Höhlen, Schleimhäute, Haut und Harnorgane.

  • Indikationen: Indiziert unter anderem bei allergischen Erkrankungen, Arthritis, Asthma, Eifersucht, Erysipel, Fieber, Insektenstichen, Kopfschmerzen, Masern, Meningitis, Nephritis, Ödemen, Pneumonie, Pleuritis, Scharlach, Tonsillitis, Urtikaria, Zysten, Zystitis.

Geist- und Gemütssymptome
  • Ruhelosigkeit. (→Gemüt – Ruhelosigkeit – bewegen – muss sich ständig: ars, bell, iod, kali-br, rhus-t, tub, …). Geschäftig, fleißig, pflichtbewusst. Auch oberflächliche, fruchtlose Aktivität. (→Gemüt – geschäftig – fruchtlos: lil-t, verrat, …). Ständiger Wechsel der Beschäftigung, aber langsamer Ideenfluss. Dumpfheit + Ruhelosigkeit = Apis.

  • Ungeschicklichkeit. Ungeschickt mit den Händen; lässt Gegenstände einfach fallen (bov, caps, …) oder zerbricht sie, aus Hast oder Zerstreutheit. Lacht dumm über das Missgeschick.

  • Krankhafte Eifersucht. (hyos, lach, nux-v, …) und Misstrauen (→Gemüt – argwöhnisch – idiotischer Argwohn: adam). Raserei durch Eifersucht. Schlägt aus Wut und Eifersucht seinen Kopf gegen das Bett, gegen die Wand. Widerspricht, schreit schrill, bis er bekommt, was er will.

  • Erotische Manie (phos, tarent, …), Nymphomanie. Gesteigertes sexuelles Verlangen durch Verlust des Partners. Beschwerden durch unterdrückte oder verdrängte Sexualität.

  • Delirium, v. a. im Fieber. Spricht undeutlich, hält sich für gesund. Albern, lacht mit stumpfsinnigem Gesichtsausdruck, unmäßig und unmotiviert. Lacht über Unglück (phos). Wahnbilder beim Schließen der Augen (calc, bell, …). Hat Angst zu fallen. Kann nicht mehr gehen. Sieht Gespenster. Meint, jemand sei im Bett. Übergang in Apathie und Stupor mit schrillem Schreien (→Gemüt – Schreien – Cri encéphalique: cham, hell, hyos, kali-br, zinc, …; nur apis dreiwertig). Bewusstlosigkeit.

  • Fühlt sich bedroht. Todesangst. Furcht vor dem Alleinsein. Furcht vor Nadeln (sil, spig, …), vor Vögeln.

  • Depressiv. Weinerlich ohne Ursache (→Gemüt – Weinen – grundlos: puls, sep, sulph, …). Ständig besorgt. Schlaflos wegen quälender Gedanken. Denkt an den Tod, wünscht sich zu sterben. Teilnahmslos, freudlos. Indifferent gegen alles.

  • Selbstaufgabe – wie die Biene im Bienenvolk. „Bienenhafter“ Fleiß und Aktivität für Gemeinschaftsinteressen auf Kosten von eigener Entwicklung und Individualität. Stark ausgeprägter Familiensinn, übt Kontrolle über Familie aus (→Gemüt – diktatorisch: lyc, …). Fühlt sich nur im Gemeinleben sicher (→Gemüt – Gesellschaft – Verlangen nach – allein; agg. wenn: ars, hep, phos, …). Unterdrückt seine Emotionen, sublimiert, theoretisiert. Spürt nicht, wenn es ihm schlecht geht. Ist lustig, obwohl er sich elend fühlt (nur apis). Erklärt sich für gesund und schickt gereizt den Arzt nach Hause, obwohl er sehr krank ist (arn, cham).

Allgemeinsymptome
  • Wetter: Warmblütig. Alles schlimmer durch Wärme und Hitze in jeder Form. Kühle Luft und kalte Anwendungen bessern. Selten auch verfroren mit eiskalten Beinen.

  • Zeit: 15:00–17:00 Uhr. Nachts. Nach dem Schlaf. Frühjahr.

  • Verlangen: Kalte Speisen und Getränke. Kalte Milch. Saure Speisen. Essig. Austern. Salate.

  • Abneigung: Wasser. Warme Getränke, warme Milch. Durstlos selbst im Fieber – oder: Durst häufig auf kleine Mengen.

  • Seite: Rechts. Erst rechts, dann links. Von oben nach unten.

  • Schlaf: Sehr müde, aber wirft sich ruhelos hin und her und kann nicht einschlafen. Liegt mit dem Kopf ins Kissen gebohrt. Deckt sich ab. Murmelt (sulph, …), rollt mit den Augen, schreit und fährt ängstlich aus dem Schlaf hoch. Schreckliche, wilde Träume; vom Fliegen oder Reisen; gefesselt, gefangen, bedroht zu werden.

  • Schweiß: Schwitzt nicht oder höchstens kurz und schwallartig. Geruch nach Moschus.

Causa und Modalitäten
  • Causa: Zorn. Schreck. Furcht. Schlechte Nachrichten. Kummer. Kränkung. Eifersucht. Unterdrückte Ausschläge. Scharlach. Masern.

  • < Hitze. Heiße Getränke. Heiß Baden. Bettwärme. Leichte Berührung (acon, bell, chin, lach, merc, nux-v, …). Druck. Kleidung. Nachmittags.

  • > Kälte. Kühle Luft. Kalt baden. Körperliche Betätigung. Entblößen. Kopf hoch lagern. Milch trinken.

Schwangerschaft und Geburt
  • Schwangerschaft: Blutungen in der Frühschwangerschaft mit drohendem Abort. Grundlose Weinanfälle. Proteinurie und Ödeme (Schamlippen), EPH-Gestose.

  • Geburt: Nach der Entbindung albernes Verhalten; unmotiviertes Lachen. Dysurie. Wassereinlagerung mit gedunsenem Gesicht. Endometritis.

  • Stillzeit: Stillprobleme durch Milchmangel und Schlupfwarzen.

Neugeborenes
  • Apis ist bei intensivmedizinischen Problemen angezeigt, die mit Ödemen (→Allgemeines – Wassersucht – Allgemeinen; im – Neugeborenen; bei: carb-v, coffin, dig, lach, …), Zystenbildung oder serösen Ergüssen einhergehen. Hierzu gehören:

    • Hydrops fetalis durch Herzfehler oder fetale Nieren- und Lebererkrankungen,

    • Akutes Nierenversagen mit Ödemen und Anurie bis hin zur Urämie (canth, hyos, op, stram, verat-v, …)

    • Herzfehler mit Stauungsödemen, Ergüssen in seröse Höhlen (Hydrothorax, Perikarderguss, Aszites), Kardiomegalie (→Brust – Erweiterung des Herzens: cact, …)

    • Lungenödem (→Brust – Ödem der Lunge: ant-ar, ant-t, ars, lach, merc-sul, …)

    • Hydrozephalus (calc, sil, …)

    • Hirnödem (→Allgemeines – Wassersucht – innere: ars, bell, hell, …)

    • Meningitis

    • Harnverhaltung (→Blase – Harnverhaltung – Kindern, bei – Neugeborenen; bei: acon, …)

Praxistipp

Hinweisend auf Apis sind blassrote glänzende Schwellungen und Ödeme, v. a. ein ausgeprägtes Lidödem.

  • Neurologische Störungen gehen mit Stupor oder Koma einher, immer wieder unterbrochen durch Schreien (→Gemüt – Stupor – Schreien; unterbrochen durch: bell, rheum, zinc). Das Kind rollt mit dem Kopf oder bohrt ihn ins Kissen. Es schielt, verdreht die Augen und streckt die Zunge heraus.

  • Angeborene Erkrankungen, die auf Apis als Simile hinweisen, sind Nierenzysten, polyzystische Nierendegeneration und mehrkammrige Hydrozelen. Leistenhernie. Ulkus am Nabel (→Abdomen – Geschwür – Nabelgegend – Kindern, bei – Neugeborenen (1): apis). Auch bei angeborener Ptosis kann Apis angezeigt sein.

Säugling

Praxistipp

  • Apis ist das erste Mittel bei Hydrozephalus mit weit offener oder wachsender Fontanelle (→Kopf – Fontanellen – offen: calc-p, calc, sil).

  • Es ist auch eines der Mittel bei Meningitis und bei neurologischen Restzuständen durch perinatale Hirnschäden. Hierzu gehören der frühkindliche Strabismus, die Hemiparese mit Zuckungen auf der nicht gelähmten Seite und die Säuglingsepilepsie. Die Krampfanfälle gehen mit schrillem Schreien und nach oben verdrehten Augen einher.

  • Das Kind zeigt alle Zeichen von Hyperexzitabilität. Es ist körperlich sehr unruhig und macht sich bei Berührung sofort steif (→Allgemeines – Berührung – agg. – Kindern, bei: ant-c, ant-t, cina). Nachts fährt es vom geringsten Geräusch hoch (→Schlaf – Erwachen – Schreck, wie durch – Geräusch; durch das geringste: kali-p, nux-v, sars). Es bohrt den Kopf ins Kissen, rollt mit dem Kopf (→Kopf – Bewegungen – Rollen: bell, tub, …), fäustelt und schlägt die Daumen ein.

  • Es schreit viel, v. a. im Schlaf (calc-p, puls, sulph, tub, …), wobei es aber nicht geweckt werden kann (cina, hell, hyos, kali-br, zinc). Auch die Zahnung geht mit viel Schreien einher (calc-p, cham, kreos, rheum, ter).

  • Das Baby erbricht schaumig sofort nach dem Essen oder Trinken und verweigert nachts die Muttermilch (nur apis).

  • Es neigt zu Harnverhaltung und zu Wassereinlagerungen in abhängigen Körperpartien.

  • Um den Nabel bilden sich Geschwüre (nur apis), am Rücken Sudamina. Die Aftergegend exkoriert durch Kontakt mit Stuhl (aloe, nit-ac, …).

  • Apis ist schließlich bei heftiger Säuglingskonjunktivitis mit Lidschwellung und Chemosis indiziert (arg-n, ars, calc, nit-ac, puls, thuj, …).

Kleinkind und Schulkind
  • Das Kind ist eifersüchtig und lehnt sogar Spielkameraden im eigenen Haus ab, um die Mutter ganz für sich zu haben. Es teilt sein Leben genau ein, denkt voraus und übernimmt gerne Verantwortung, etwa für jüngere Geschwister oder in der Schule. Es kommandiert auch gerne (→Gemüt – diktatorisch: chin, lyc, med, sulph, …).

  • Die Eltern klagen über seine große Unruhe und Ungeschicktheit, die dazu führt, dass es ständig irgendetwas fallen lässt. Es albert herum und kann sich schlecht konzentrieren.

  • In den Träumen drücken sich Probleme mit dem eigenen Geschlecht aus (→Träume – Mädchen; zu sein, ein (1): apis).

  • Die typischen Beschwerden bei Apis-Konstitution sind plötzlich und heftig (acon, bell, …). Das Kind schreit schrill (→Gemüt – Schreien – Kindern, bei: borx, calc-p, cham, cina, kreos, lac-c, med, rheum, tub, …) oder knirscht mit den Zähnen (bell, hyos, …).

  • Die erkrankten Partien sind extrem empfindlich auf Druck oder Berührung, mit brennenden oder stechenden Schmerzen, die sich durch kalte Anwendungen bessern. Es treten blassrote glänzende Schwellungen und Ödeme auf, etwa an den Augenlidern, den Fußknöcheln (med, …) oder Fingern. Das Kind ist sehr schwach und will sich hinlegen. Es verlangt nach Abkühlung und frischer Luft.

  • Apis ist bei Meningitis angezeigt, wenn vorher ein Hautausschlag unterdrückt wurde oder plötzlich verschwand. Das Kind rollt mit dem Kopf oder schlägt ihn gegen das Bett, schreit schrill und legt den Kopf in den Nacken (→Kopf – gezogen – hinten, nach: cic, …). Schließlich fällt es ins Koma (→Gemüt – Bewusstlosigkeit – Meningitis, bei: gels, hell, rhus-t, verat, …) und beginnt zu krampfen (→Allgemeines – Konvulsionen – Meningitis cerebrospinalis, bei: hell, tarent, verat, …).

  • Akute fieberhafte Erkrankungen und Kinderkrankheiten wie Masern oder Scharlach reagieren gut auf Apis, wenn die Leitsymptome vorhanden sind.

    • Im Fieber ist das Kind glühend heiß und trocken. Es will sich entblößen. Äußere Wärme und warmes Zimmer sind unerträglich (puls, …).

    • Durst fehlt völlig (apis, cina, dulc, gels, puls, sep, …), die Harnproduktion ist entsprechend gering (→Urin – spärlich – Fieber, während: puls, …).

    • Begleitsymptome sind Unruhe, Berührungsempfindlichkeit und Erregung (ferr, rhus-t, …), oder auch Apathie (→Gemüt – Gleichgültigkeit – Fieber, während: con, op, ph-ac) und Delir (→Fieber – intensive Hitze – Delirium, mit: ars, bell, nat-m, op, puls, stram, …). Der Schlaf ist auffallend tief (op, …).

    • Fieber wird oft von einem Exanthem (→Fieber – Continua – Ausschlagsfieber: ail, bell, euphr, rhus-t, …) oder einer Urtikaria begleitet (→Haut – Hautausschläge – Urtikaria – Fieber – während: cop, ign, rhus-t, sulph, …). Das Gesicht schwillt an und wirkt wächsern, die Lippen sind blass. Es bilden sich Lidödeme oder sackartige Schwellungen unter den Augen (ars, phos, …).

  • Apis hilft bei akuter Konjunktivitis mit starker Schwellung von Lidern und Konjunktivalschleimhaut (→Augen – Chemosis: arg-n, kali-i, …). Die Beschwerden bessern sich durch Auflagen mit kaltem Wasser (aur, phos, puls, …).

  • Das Kind entwickelt eine akute Otitis media mit heftigen stechenden Schmerzen, schlimmer beim Kauen, Schlucken oder durch äußere Wärme. Meist besteht daneben eine Pharyngitis (→Ohr – Schmerz – Halsentzündung, mit: cham, lach, merc, nit-ac, …).

  • Apis ist eines der Anfangsmittel bei akuter Tonsillitis.

    • Der gesamte Rachen ist feuerrot (→Innerer Hals – Entzündung – erysipelatös: bell, lach, merc, …; nur apis dreiwertig) und glänzend (→Innerer Hals – glasiert, sieht aus wie: lac-c, …), mit ödematös geschwollener und verlängerter Uvula, die wie ein Sack herabhängt.

    • Die rechte Tonsille hat einen weißlichen Belag, die Zungenspitze ist rot, der Mund trocken.

    • Das Kind gibt einen stechenden Schluckschmerz an, der sich durch kalte Getränke bessert (lach, lyc, phyt, …); es kann keine festen Speisen schlucken.

    • Kleidung am Hals ist unerträglich und führt zum Würgen (lach, …).

  • Bei Scharlach hat das Kind Kopfschmerzen, ein geschwollenes Gesicht (arum-t, …), eine feuerrote, trockene und geschwollene Zunge (bell, …) und einen stuporösen Bewusstseinszustand (ail, gels, lyc, …).

Praxistipp

Apis ist ein wichtiges Mittel zur Behandlung von Streptokokken-Folgeerkrankungen wie Otorrhö, Arthritis oder Glomerulonephritis (→Niere – Entzündung – akute Glomerulonephritis: nat-s, stram, ter, …). Der Urin ist dunkel, blutig und eiweißhaltig (lyc, nat-s, …) und weist Zylinder auf.

  • Apis kann auch bei akuten Bauchschmerzen Linderung bringen. Es eignet sich zur Begleitbehandlung einer perforierten Appendizitis (→Abdomen – Entzündung – Zökum: bell, bry, lach, merc, op, rhus-t, thuj, …) oder Peritonitis. Die Schmerzen konzentrieren sich auf die Ileozökalregion. Schon der Druck der Bettdecke ist unerträglich.

  • Das Kind neigt zu Harnwegsinfektionen, v. a. zu einer schmerzhaften Zystitis. Es springt beim Versuch zu Urinieren vor Schmerzen umher (canth), besonders die letzten Tropfen stechen oder brennen.

  • Apis ist ein wichtiges Mittel bei nephrotischem Syndrom (→Allgemeines – Wassersucht – äußere Wassersucht – Nieren; durch Erkrankung der: colch, dig, hell, merc, …).

  • Es kann auch bei Balanitis mit enormer Schwellung und Rötung des Penis eingesetzt werden (→Männliche Genitalien – Entzündung – Penis – Vorhaut – erysipelatös: ars, lach, puls, rhus-t). Bei Eiterbildung folgen Mittel wie Cinnabaris, Mercurius solubilis, Mercurius corrosivus oder Hepar sulfuris.

  • Bei Luftwegsinfekten wird das Kind um Mitternacht durch ein Kitzeln in der Halsgrube geweckt. Es muss heftig husten und nässt dabei ein. Beim Husten und auch beim Einatmen klagt es über stechende Brustschmerzen (bry, carb-v, dros, phos, …).

  • Apis ist auch bei Masernkrupp, Pneumonie, Pleuritis oder Asthma bronchiale indiziert. Das Kind wird zyanotisch und unruhig, fürchtet zu ersticken und muss den Kopf hochlagern (carb-v, kali-c, …). Es beruhigt sich an der frischen Luft (lach, nat-m, puls, sulph, …).

  • Asthma mit Urtikaria ist eine Indikation für Apis, ebenso Urtikaria als Folge von Überwärmung oder Anstrengung. Das Kind kann vor Juckreiz nachts nicht schlafen.

  • Insektenstiche (→Haut – Insektenstiche: bell, lach, led, urt-u, …) hinterlassen schmerzhafte und berührungsempfindliche Schwellungen.

  • Auch Bisswunden durch Schlangen und andere giftige Tiere (lach, led, …) oder Wunden durch Splitter oder Nadeln reagieren gut auf Apis, wenn die Einstichstelle blassrosa oder bläulich, ödematös geschwollen und schon bei geringster Berührung schmerzhaft ist.

  • Weitere Indikationen sind Anfangsstadien von Furunkeln, Abszessen oder Panaritien, Erysipel und Alopezie (→Kopf – Haar – Kahlköpfigkeit – Flecken, in: calc, graph, hep, phos, …).

  • Bei schweren allergischen Reaktionen mit Schockfragmenten wie Quincke-Ödem, Erbrechen, Zungenschwellung, Glottisödem (→Kehlkopf – Ödem der Glottis: kali-i, lach, …), Bronchospasmus, oder bei anaphylaktischem Schock (ant-t, carb-ac, tetox) sollten häufige Gaben in hoher Potenzierung verabreicht werden. Dies gilt auch für Bienen- oder Wespenstiche in den Mund. Das Kind ist unruhig und hat Todesangst.

Jugendlicher
Der Pubertierende ist ruhelos, v. a. mit den Händen, und exaltiert. Er lacht laut und unangemessen und führt Selbstgespräche. Die Konzentration auf geistige Arbeit fällt ihm sehr schwer. Er verschiebt alles auf den nächsten Tag (med, …), fängt ständig etwas Neues an und bleibt nicht bei der Sache. Er ist kritisch und pingelig, man kann ihm nichts recht machen. Seine Kleidung ist elegant oder übertrieben. Er flirtet und tanzt gerne und hat ein heftiges sexuelles Verlangen, mit entsprechend großer Eifersucht auf evtl. Konkurrenten. Selbst bei ernsthaften Erkrankungen will er nicht zum Arzt, denn er hält sich für gesund.
  • Eine häufige Beschwerde sind Kopfschmerzen, die sich an der frischen Luft bessern und durch Einhüllen oder im warmen Zimmer verschlechtern (puls, …). Selbst die Berührung der Haare ist unangenehm.

  • Alle Schmerzen sind stechend oder brennend und werden durch kalte Anwendungen gelindert.

  • Der Jugendliche entwickelt an verschiedenen Körperpartien Urtikaria oder Ödeme. Die Haut ist so stark geschwollen und gespannt, dass das Gefühl entsteht, sie könnte platzen.

  • Auch Zysten, etwa in den Nieren, in der Schilddrüse oder in den Ovarien, gehören zum Mittelbild von Apis.

  • Die Menarche ist verzögert. Die Menses sind sehr kurz, manchmal nur zwei Tage, und gehen mit starker Dysmenorrhö (→Weibliche Genitalien – Menses – schmerzhaft – Mädchen, bei – jungen: calc-p, cocc, graph) einher. Charakteristisch sind stechende Schmerzen im Ovarbereich auf der rechten Seite, etwa durch eine Adnexitis oder Ovarialzysten.

Arzneimittelbeziehungen
  • Miasma: akut, Psora, Sykose

  • Folgt gut auf: bry, hell, hep, iod, lyc, merc, sulph

  • Bewährte Folgemittel: arn, ars, graph, iod, kali-bi, lyc, nat-m, phos, puls, stram, sulph

  • Ergänzungsmittel: arn, ars, bar-c, canth, hell, merc-cy, nat-m („chronisches Apis“), puls, sars, sulph

  • Unverträglich mit: phos, rhus-t

  • Antidote: acon, ars, canth, camph, carb-ac, carb-v, ip, lact-ac, lach, led, nat-m, plant, rhus-t. Zwiebeln

Argentum nitricum

#Argentum nitricumSilbernitrat (AgNO3).
Leitsymptome
  • Beschwerden aufgrund von Erwartungsspannung

  • Impulsivität, Nervosität, Eile

  • Angst, Phobien, Zwangsstörungen

  • Splitterartige Schmerzen

  • Augenentzündung

  • Verlangen nach Süßem (aber: Unverträglichkeit)

  • Viel Gas (Aufstoßen, Flatulenz)

  • < Wärme

Betroffene Organsysteme und Indikationen
  • Organsysteme: Wirkt v. a. auf Nervensystem, Schleimhäute, Augen.

  • Indikationen: Indiziert unter anderem bei Angststörungen, Ataxie, chronischer Müdigkeit, Dreimonatskoliken, Epilepsie, Gastritis, Gedeihstörung, Hepatitis, irritablem Kolon, Konjunktivitis, Kopfschmerzen, Laryngitis, Multipler Sklerose, Pädatrophie, Pharyngitis, Phobien, Schwindel, Tonsillitis, Tremor, Zwangsstörungen.

Geist- und Gemütssymptome
  • Irrationale Impulse und Ideen (Vithoulkas). Furcht vor Verlust der Selbstkontrolle in kritischen Situationen. Seltsame Gedanken und Befürchtungen, z. B. etwas könnte auf ihn herabfallen, Gebäude könnten auf ihn stürzen, er könnte ohnmächtig werden, einen Unfall verursachen. Gedanken werden zu Impulsen (→Gemüt – Gedanken – zwingend, nötigen ihn – etwas zu tun – Kindern, bei: ars, carb-v, passi, phos, puls), z. B. von einem Balkon hinunterzuspringen. Vorahnungen. Lebhafte Phantasie, lässt sich leicht beeinflussen (phos) und einengen.

  • Fixe Ideen und Zwangsstörungen – z. B. am Gehsteig nicht auf die Ritzen treten. Aberglaube (con, med, rhus-t, stram, zinc, …).

  • Ängste und Beschwerden in Bezug auf Raum und Zeit.

    • Höhenangst (→Gemüt – Furcht – hochgelegenen Orten, vor: aur, carc, gels, puls, sulph, …), Fühlt sich in den Abgrund gezogen. Schwindel beim Blicken nach oben.

    • Furcht in engen Räumen (acon, stram, …), im Tunnel (stram, lyc, …), in einer Menschenmenge (acon, ambr, puls, …). Panik, Gefühl der Einengung, fühlt sich wie in einer Falle (Pasquero: Erlebnis des Geburtsvorgangs als Grundursache des Verlassenheitsgefühls). Will nahe an der Tür sitzen. Meidet Orte ohne Fluchtmöglichkeit. Panik in Situationen, in denen er keinen Ausweg sieht. Auch Agoraphobie (→Gemüt – Furcht – offenen Plätzen, vor: acon, anth, arn, calc, kali-p, …).

    • Angst, zu spät zu kommen (→Gemüt – Angst – Zeit festgesetzt ist, wenn eine: alum, carc, gels, med, nat-m, …). Schiebt nie etwas auf (im Gegensatz zu med). Ruhelos, nervös, eilig (lil-t, tarent, auch med ist eilig, aber uneffektiv; gels ist eher wie gelähmt). Geht immer schneller, bis ihm bewusstwird, dass er grundlos eilt.

    • Beschwerden durch Zeitdruck. Gefühl, die Zeit vergeht zu langsam (→Gemüt – Zeit – langsam, scheint länger, vergeht zu: alum, cann-i, lyc, nux-m, …).

  • Ängste und Furcht vor Alleinsein und Krankheiten

    • Furcht vor dem Alleinsein (bis hin zur Todesangst!). Fühlt sich verlassen (→Gemüt – Wahnidee – verlassen, aufgegeben worden, er sei: aur, mag-c, puls, stram, …), vernachlässigt, isoliert, verachtet. Verlangt nach Gesellschaft. Hilflos, schafft es nicht alleine, nichts scheint zu gelingen (→Gemüt – unternimmt – nichts, aus Furcht, es könne fehlschlagen: nux-v, sil). Fürchtet am Morgen, er könne den Anforderungen des Tages nicht gewachsen sein.

    • Furcht vor Krankheiten (AIDS, Herzerkrankung, Krebs), vor Ohnmacht, vor dem Krankenhaus. Nimmt viele Medikamente. Jammert über seine Krankheit, stellt sich krank (→Gemüt – simuliert – krank zu sein: tarent, bell, verat, …). Sagt seine Todesstunde voraus. Depressiv, suizidal.

  • Erwartungsangst (→Gemüt – Beschwerden durch – Erwartungsspannung: nur arg-n und gels vierwertig), Prüfungsangst (→Gemüt – Furcht – Versagen, Misserfolg, vor dem – Prüfungen, bei: anac, carc, gels, lyc, sil, …). Gefühl, etwas nicht zu schaffen, zu versagen. Geht jeder Prüfung aus dem Weg. Körperliche Beschwerden wie Diarrhö vor Verabredungen oder Prüfungen. Geistig langsam, schlechtes Gedächtnis; vergisst Worte beim Sprechen, schaut dann hilflos um sich.

  • Eigensinnig (nur arg-n vierwertig; lyc: auch diktatorisch), „hat gegen alle Vorschläge die unsinnigsten Einwände“.

  • Extrovertiert, mitfühlend (phos), spontan, impulsiv. Weint oder lacht schnell, verlangt nach Trost (puls, …). Krisenmanager, liebt Herausforderungen, fühlt sich, wie carc, nur akzeptiert, wenn er außerordentliche Leistungen erbringt.

Allgemeinsymptome
  • Wetter: Warmblütig, verträgt keine Hitze. Hitzewallungen. Alle Beschwerden < Hitze. Verlangt nach kalter, frischer Luft. > Kalte Anwendungen oder kalt Baden.

  • Zeit: Schlimmer bis mittags, dann allmähliche Besserung.

  • Verlangen: Süßigkeiten (aber <) nach jedem Essen. Zucker, Schokolade, Leckereien, süße Getränke. Salz. Saures. Butter, Butterbrot. Kräftiger Käse. Eiscreme, Eiswürfel. Gewürze. Obst (Pflaumen). Sauce zu jeder Speise. Kalt Essen oder kalt Trinken (aber <!), Mineralwasser (gashaltig). Fett, Speck, fettes oder gepökeltes Fleisch. Frische Speisen. Kaffee, Alkohol. Starker Durst.

  • Abneigung: Käse. Süßes. Fleisch, Schweinefleisch, Schinken, Speck (durchwachsener), Fett (auch Verlangen danach). Bohnen.

  • Seite: Links. Erst links, dann rechts. Liegen auf der linken Seite.

  • Schlaf: Erwacht stündlich (sulph, …). Phantasien oder Bilder verhindern das Einschlafen. Orgasmus im Schlaf. < Rechts liegen. Gähnzwang. Albträume von Schlangen, Prüfungen, engen Räume, Herabfallen.

  • Schweiß: Oberschenkel-Innenseite (thuj, …).

Causa und Modalitäten
  • Causa: Geburtstrauma, Abtreibungsversuch, künstlich eingeleitete Geburt. Gefühl von Verlassenheit in der Familie. Erwartungsspannung. Kränkung. Verlassenheit. Lang dauernde geistige Anstrengung. Eis essen.

  • < Gefühlsbewegungen, Angst, Erwartungsspannung. Geistige Anstrengung. Wärme in jeder Form, heiß Baden. Drinnen, enge Räume, enge Kleider. Süßigkeiten, Zucker. Links liegen. Kalt Essen oder Trinken, Eiscreme. Menses. Nachts.

  • > Im Freien. Kühle Luft, kalte Anwendungen, kalter Wind, Anfächeln. Schnelles Gehen, Spaziergang. Kalt Baden. Bewegung, harter Druck, Bandagieren. Aufstoßen. Beugen. Muttermilch.

Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit
  • Schwangerschaft: Rücken- und Kopfschmerzen; der Kopf fühlt sich an, als ob er vergrößert sei; es besteht viel Luft im Magen, als würde er platzen. Schwangerschaftserbrechen

  • Geburt: Eklampsie

  • Stillzeit: Wochenbettdepression

Neugeborenes
  • Das Neugeborene ist dystroph v. a. in den unteren Körperpartien (→Allgemeines – Abmagerung – erstreckt sich – oben, nach: abrot, pin-s) und hat ein greisenhaft faltiges Gesicht (→Gesicht – Ausdruck – alt aussehend – Kindern, bei: abrot, calc, lyc, nat-m, sil, syph, …). Das Kind ist überwach und nervös, hat weit geöffnete Augen und zittert beim kleinsten Schreck oder der geringsten Aufregung. Es muss mit Glacéhandschuhen angefasst werden.

  • Verdauungsbeschwerden äußern sich mit reichlichem Blähungsabgang (→Rektum – Flatus – Säuglingen, bei (1): arg-n) und schwierigem Aufstoßen.

Praxistipp

Argentum nitricum ist das erste Mittel bei einer heftigen Neugeborenen-Konjunktivitis mit viel eitriger Absonderung (→Auge – Absonderung – reichlich: nur arg-n zweiwertig), Schwellung von Unterlidern und Karunkel sowie Komplikationen wie Ulcus corneae (→Augen – Geschwüre – Hornhaut – Kindern, bei – Neugeborenen, bei (1): arg-n) oder Pterygium. Es kann bei diesen Indikationen auch als Augentropfen gegeben werden.

Säugling
  • Auffallend ist die Nervosität, die sich steigert bei Lärm, hellem Licht und in der Nacht. Das Baby erträgt keine Menschenansammlungen und verlangt nach engem Körperkontakt.

  • Es leidet unter ausgeprägten Dreimonatskoliken (→Abdomen – Schmerz – krampfartig – Kindern, bei – Säuglingen, bei: cham, lyc, nux-v, staph, …), v. a. dann, wenn die Mutter vor dem Stillen Süßes gegessen hat.

  • Nach jeder Mahlzeit schreit es und windet sich vor Schmerzen. Auffälligster klinischer Befund ist ein Meteorismus (→Abdomen – Auftreibung – tympanitisch: carb-v, chin, lyc, …) mit vielen stinkenden und lauten Flati, die jedoch nicht erleichtern (chin, …).

  • Das Aufstoßen ist schwierig (nux-v, …), kommt aber dann plötzlich und knallartig (→Magen – Aufstoßen – heftig: carb-v, …) mit viel Gas (→Magen – Aufstoßens, Art des – Gas – große Mengen von: carb-v, lyc, …). Danach geht es dem Kind besser.

  • Muttermilch wird schlecht vertragen: Nach jeder Stillmahlzeit entleert sich durchfälliger Stuhl (→Rektum – Diarrhö – Trinken an der Brust, beim Säugling nach dem: ant-c, crot-t, nat-c, nux-v, sil).

  • Der Stuhl ist grün wie Gras oder gehackter Spinat, oder zunächst gelb und färbt sich erst in der Windel grün.

  • Argentum nitricum ist angezeigt, wenn nach dem Abstillen chronischer Durchfall auftritt (chin). Das Kind magert zusehends ab, sieht kränklich aus, hat trockene Haut und ein runzeliges Gesicht.

  • Wichtige Indikation für Argentum nitricum ist die eitrige Konjunktivitis (→Auge – Entzündung – Kindern, bei – Kleinkindern, bei: apis, ars, calc, nit-ac, puls, …). Wirkt die orale Gabe nicht ausreichend, kann man auch Argentum-nitricum-D4-Augentropfen geben. Die Augen sind morgens völlig verklebt; die Symptome sind schlimmer im warmen Zimmer, während kalte Umschläge bessern (puls, …).

  • Argentum nitricum ist eines der Mittel bei Hydrozephalus oder Meningitis mit Konvulsionen. Vorboten der Anfälle sind Ruhelosigkeit und erweiterte Pupillen.

Kleinkind und Schulkind
  • Das Kind ist überempfindlich und nervös (→Gemüt – Erregung – nervös – Kindern, bei: agar, calc-p, ign, tub, …). Ähnlich wie Lycopodium ist es reizbar und dickköpfig, aber nicht diktatorisch. Es hat viele Ängste (→Gemüt – Angst – Kinder – Kindern, bei: ars, calc, carc, gels, kali-c, stram, …): Beim Alleinsein, in engen Räumen, unter vielen Kindern. Es hat fixe Ideen und Zwangssymptome (→Gemüt – Gedanken – zwingen, nötigen ihn etwas zu tun – Kindern, bei: ars, carb-v, passi, phos, puls), z. B. mag es an bestimmten Ecken nicht vorbeigehen (kali-br). Auch Tics kommen vor, z. B. ein Räuspertic. Das Schulkind hat jeden Morgen Angst, zu spät in die Schule zu kommen.

  • Das Gesicht ist blass und faltig (→Gesicht – gerunzelt – Kindern, bei: chin, nat-m, teucr, …); der Gesichtsausdruck ist ängstlich.

  • Argentum nitricum ist ein wichtiges Mittel bei eitriger Konjunktivitis:

    • Die Bindehaut ist hellrot wie rohes Fleisch bis hin zur Chemosis (apis, kali-i, rhus-t, …), die Lider sind geschwollen und verklebt mit dicken Krusten, auch die Karunkel ist geschwollen wie ein rotes Fleischklümpchen.

    • Intensiv rote Blutgefäße breiten sich vom inneren Canthus zur Cornea hin aus.

    • Auch die Lidränder sind entzündet. Die subjektiven Beschwerden sind bis auf eine Photophobie meist gering. An der frischen Luft bessern sich die Symptome.

  • Argentum nitricum ist das einzige Mittel im Repertorium mit plötzlicher Weitsichtigkeit.

  • Die Nase juckt anhaltend (cina), die Zunge ist trocken mit vergrößerten und geröteten Papillen (bell, …) und Aphthen am Zungenrand. Die Zungenspitze ist rot und schmerzhaft.

  • Das Kind hat eine Pharyngitis mit dunkler Rötung von Rachen (bapt, cham, phyt, …) und Uvula. Es klagt über splitterartige Schmerzen beim Schlucken (hep, …), die sich durch kalte Getränke bessern. Wegen des dicken Schleims im Rachen muss es ständig räuspern.

Praxistipp

Das Kind hat ein starkes Verlangen nach Süßigkeiten und Zucker, bekommt davon jedoch Bauchweh oder Durchfall (→Rektum – Diarrhö – Zucker – nach: nur arg-n dreiwertig).

  • Das Abdomen ist aufgetrieben und empfindlich gegen Druck und enge Kleidung. Das Kind leidet unter eingeklemmten Blähungen und Flatulenz (→Rektum – Flatulenz – Kindern, bei: chin, lyc, staph, thuj; Rektum – Flati – laut: aloe, caust, nat-s, …) v. a. nachts und morgens, mit lauten übelriechenden Flati; ihr Abgang bessert jedoch nicht (chin, …).

  • Durchfall ist oft Folge von Aufregung (→Rektum – Diarrhö – nervös, Gemütsbewegungen agg.: cham, coff, gels, kali-p, op, puls, verat, …). Mit jedem Schluck Flüssigkeit wird Stuhlentleerung ausgelöst – als ob die Flüssigkeit direkt durch ihn durchliefe (arg-n einziges Mittel, dreiwertig). Der Stuhl ist grünlich mit Schleim und vielen Flati.

  • Das Kind hat Tag und Nacht Enuresis, mit Harntröpfeln nach dem Urinieren. Der Urin kann sogar blutig sein (→Urin – blutig – Kindern, bei: bufo, …) und splitterartige Schmerzen verursachen.

Praxistipp

Akute oder chronische Heiserkeit werden ausgelöst durch Singen oder Sprechen (arg-met, arum-t, caps, caust, rhus-t, …). Auch bei völligem Verlust der Stimme und bei Schreiknötchen (→Kehlkopf und Trachea – Kondylome – Stimmbänder: plat, …) kann Argentum nitricum rasche Besserung bringen.

  • Hustenanfälle werden ausgelöst durch Singen hoher Töne, lautes Sprechen, Lachen und Berührung des Gehörgangs, z. B. bei der Ohrinspektion. Frische Luft bessert. Der Hustenanfall endet mit Niesen (agar, bell, carb-v, rumx, squil, …).

  • Kalte Luft und Unterkühlung im Sommer führen zu Asthma bronchiale. Die Atemnot führt zu Angst (→Gemüt – Angst – Asthma, mit: ars, dig, …), das Kind will, dass Türen und Fenster offen sind (apis, carb-v, lach, puls, sulph, …).

  • Auf der Haut finden sich Warzen und Papillome.

  • Argentum nitricum ist ein wichtiges Arzneimittel bei Koordinationsstörungen und zittriger Muskelschwäche bis hin zur Paralyse. Das Kind kann nicht mit geschlossenen Augen gehen. Insbesondere die Wadenmuskulatur ist geschwächt.

Jugendlicher

Praxistipp

Der Jugendliche ist eine eher hysterische, nervöse Person. Er leidet unter Angst- und Zwangsneurosen, z. B. Prüfungsangst oder Furcht vor einer Verabredung (gels, nat-m, …). Dazu kommen Aberglaube und fixe Ideen, z. B. die Meinung, Arbeit würde ihm schaden.

Der Jugendliche meidet jede Verantwortung (→Gemüt – Furcht – Verantwortung, vor: aur, lyc, sil, …). Außerdem hat er es immer eilig; er fühlt sich ständig unter Druck, fürchtet Verspätungen und kann aus Nervosität schlecht einschlafen (valer). Eine häufige Klage ist Schwindel beim Schließen der Augen, beim Stehen oder beim Gehen über eine Brücke. Er spricht von nichts anderem als seinem schlechten Zustand.

Praxistipp

Charakteristische Symptome sind das Gefühl von Zusammenschnürung wie durch ein eisernes Band um Körperteile, die Vergrößerung von Körperteilen, splitterartige Schmerzen und das allmähliche Auftreten und Vergehen von Schmerzen.

  • Durch Aufregung oder Angst kommt es zu Kopfschmerzen. Sie befallen v. a. die linke Stirnseite. Begleitsymptome sind Kältegefühl, Zittern, Lichtscheu und Fixationsschwäche. Es kommt zu starkem Blutandrang mit dem Gefühl, der Kopf dehne sich aus. Bandagieren des Kopfes bessert (puls, sil, …).

  • Auch andere Organe sind Projektionsorte von Gefühlsregungen. Angstbesetzte Situationen wie Prüfungen führen zu Magenschmerzen, Diarrhö oder häufigem Harndrang („Studentenblase“). Schlimmstenfalls entwickelt sich ein Ulcus ventriculi mit ausstrahlenden Schmerzen. Das Abdomen ist aufgetrieben, es kommt zu lautem Aufstoßen, reichlich Flati und Diarrhö. Bei Colitis ulcerosa ist Argentum nitricum eines der infrage kommenden Mittel.

  • Der Jugendliche hat Episoden von heftigem Herzklopfen, etwa nach Anstrengung, abends im Bett und v. a. beim Liegen auf der rechten Seite. Das Herzklopfen erfasst den ganzen Körper, als würde das Herz aus dem Körper springen. Es bessert sich durch Druck mit der Hand auf die Herzgegend.

  • Die Mädchen haben Menstruationsbeschwerden: Unregelmäßige, kurz dauernde und spärliche Blutungen, deren Beginn von Schmerzen in der Magen- oder Leistengegend und von kalten Händen und Füßen begleitet ist.

  • Störungen im Sexualbereich betreffen Abneigung gegen Koitus, Vaginalschmerz bei Koitus und Metrorrhagie nach Koitus.

  • Argentum nitricum ist ein wichtiges Mittel bei neurologischen Erkrankungen wie Myelitis, Guillain-Barré-Syndrom, Paraplegie oder Multiple Sklerose. Es heilt Parästhesien wie von einer Spinnwebe auf der Haut oder mit dem Gefühl, Körperteile würden sich ausdehnen. Koordinationsstörungen oder Paresen gehen mit Zittern oder Zucken der betroffenen Körperteile einher.

  • Weitere Indikationen sind Epilepsie mit Anfällen nachts, nach Schreck und während der Menses.

Arzneimittelbeziehungen

„Wenn man bei der Differenzialdiagnose zwischen Phosphor und Pulsatilla schwankt, sollte man Argentum nitricum in Betracht ziehen“.

(Morrison)

  • Miasma: Psora, Sykose, Tuberkulinismus. Krebs-Miasma (Sankaran)

  • Folgt gut auf: bry, caust, iod, spig, spong, verat

  • Bewährte Folgemittel: brom, bry, calc, canth, gels, graph, kali-c, lyc, lyss, merc, plat, puls, sep, sil, spig, spong, verat

  • Ergänzungsmittel: calc, gels, lyc, nat-m, phos, puls, sep

  • Antidote: ars, bell, calc, cina, iod, lyc, merc, nat-m, phos, puls, rhus-t, sep, sil, sulph. Milch

Arsenicum album

#Arsenicum albumWeißes Arsenik, Arsentrioxid (As2O3).
Leitsymptome
  • Verzweifelte Angst und starke Abhängigkeit von anderen

  • Große Unruhe

  • Erschöpfung durch kleine Anstrengungen

  • Zwanghaftes Verhalten, Perfektionismus

  • Bösartige, schwere Erkrankungen

  • < nachts (1:00–3:00 Uhr)

  • < Kälte; sehr verfroren

  • Großer Durst auf kleine Mengen warmer Getränke

  • Brennende Schmerzen > warme Anwendungen

  • Absonderungen dünnflüssig, scharf und übelriechend

Betroffene Organsysteme und Indikationen
  • Organsysteme: Gemüt, Atmung, Schleimhäute, Haut.

  • Indikationen: Indiziert u. a. bei Allergien, Anämie, Angst, Asthma, Diarrhö, Ekzem, Erbrechen, fieberhaften Erkrankungen, Gastritis, Hepatitis, Kopfschmerzen, malignen Erkrankungen, Masern, Nahrungsmittelvergiftung, Nephritis, Pneumonie, Psoriasis, Scharlach, Schlaflosigkeit, Sepsis, Sinusitis, Urtikaria, Zystitis.

Geist- und Gemütssymptome
  • Angst. Gefühl, isoliert zu sein in einer chaotischen und bedrohlichen Welt (Sankaran). Extreme Angst, wenn alleine (kali-c, lyc, phos, …), Todesangst. Qualvolle Angst mit Ruhelosigkeit und Frösteln < nachts 0:00–2:00 Uhr, kann nicht im Bett bleiben (→Gemüt – Angst – Bett – treibt aus dem Bett: puls, rhus-t, …). Angstschweiß (→Schweiß – Angst, bei – nachts: carb-v, …). Furcht vor Ansteckung. Wäscht sich dauernd die Hände (sil, sulph, syph, …). Furcht vor Krankheit (→Gemüt – Angst – Gesundheit – eigene Gesundheit; um die: agar, arg-n, kali-ar, nit-ac, phos, …), vor dem Tod. Alle Beschwerden versetzen ihn in Panik. Angst um Personen, von denen er abhängt (→Gemüt – Angst – Gesundheit; um die – Verwandten, von: hep, phos, …). Erwartungsangst (→Gemüt – Beschwerden – Erwartungsspannung: arg-n, carc, gels, ign, med, …).

  • Misstrauisch. Fühlt sich unsicher, beobachtet (→Gemüt – Wahnidee – beobachtet; sie würde: bar-c, calc, hyos, …). Sieht Diebe oder eine Verschwörung um sich herum. Empfindet die Welt als bedrohlich und chaotisch. Braucht Menschen, erhofft sofortige Hilfe, aber misstraut ihnen. Großes Sicherheitsbedürfnis, will gehalten werden (gels, nux-v, sep, stram, …). Säugling will schnell getragen werden.

  • Ruhelos, getrieben (→Gemüt – Ruhelosigkeit – bewegen – muss sich ständig: apis, bell, iod, kali-br, rhus-t, …). Ungeduldig. Kann nicht abschalten, wie eine gespannte Saite; überarbeitet sich, dann Zusammenbruch; krank in den Ferien. Überempfindlich auf Gerüche und Geräusche (→Gemüt – Sinne – scharf: bell, coff, nux-v, op, phos, …). Allergieneigung; allergisch gegen Katzen, die er aber liebt.

  • Selbstsüchtig. Geizig (→Gemüt – Geiz: merc, puls, sil, …), neidisch (→Gemüt – Neid – Habgier, und: chin, puls, …). Ängstliche Sorge um seinen Besitz. Furcht vor Räubern (lach, merc, nat-m, phos, …). Wählerisch. Kann nichts wegwerfen. Sammler.

  • Pedantisch (→Gemüt – heikel: anac, carc, graph, nat-m, nux-v, …). Kann nicht ruhen, wenn Dinge nicht am richtigen Platz sind. Zwanghaft besessen von Ordnung und Sauberkeit. Gepflegtes Äußeres, Ästhet. Kontrolliert ständig. Will alles ganz genau wissen. Ritualistisch. Zwangsneurosen. Anorexia nervosa.

  • Dominant. Konkurrenzorientiert. Duldet niemand neben sich. Kommandiert gerne (→Gemüt – diktatorisch: chin, lyc, med, sulph, …). Verlässt sich nur auf sich selbst. Fasziniert von Leistung, Rekorden. Spitzenkönner, Wunderkind, Stolz der Eltern. Kritisiert ständig (→Gemüt – tadelsüchtig: chin, lach, merc, sulph, verat, …), aber verträgt keine Kritik. Andererseits selbstkritisch (→Gemüt – tadelt sich selbst: aur, ign, nat-m, nux-v, thuj, …), nie mit sich zufrieden – bis hin zu Selbsthass oder Abscheu vor dem Leben und Depressionen. Lacht niemals.

  • Schwäche und Erschöpfung – unverhältnismäßig stark durch kleine Anlässe. Keine Ausdauer (Kurzstreckenläufer), immer in Anspannung. Keine echte Widerstandskraft. Braucht für Leistung ideale Bedingungen („Rassepferd“). Alles wird übertrieben stark empfunden.

Allgemeinsymptome
  • Wetter: Mangel an Lebenswärme. Alles < durch Kälte, feuchte Kälte, kalte Speisen, im Winter. Aber: Verlangen nach Frischluft.

  • Zeit: nachts (0:00–3:00 Uhr; acon eher vor 0:00 Uhr). Starke Periodizität: Alle zwei Wochen, jedes Jahr.

  • Verlangen: Saures (Zitrone, Essig, Pickles). Brot. Fett. Olivenöl. Gewürze. Speck. Warme Milch. Unstillbarer Durst auf kleine Mengen, oft.

  • Abneigung: Süßes. Butter. Fett. (Gekochtes) Fleisch. Mehlspeisen. Nachspeisen, Pudding. Gebäck. Obst, Melone. Bohnen. Erbsen.

  • Seite: Rechts.

  • Schlaf: Schreckt hoch beim Einschlafen. Schläft mit dem Kopf hoch gelagert oder im Sitzen, die Hände über dem Kopf. Ruhelos, verändert häufig die Lage. Spricht im Schlaf – enthüllt Geheimnisse. Zähneknirschen (bell, cina, tub, …). Schlaflos nach Mitternacht, 0:00–1:00 Uhr. Erwacht mit Angst um 3:00 Uhr, will von einem Bett zum anderen. Angstträume. Träumt von Toten, von Unfällen, von Schwierigkeiten.

  • Schweiß: Kalter Schweiß im Fieber, bei Angstzuständen.

Causa und Modalitäten
Sorgen, Kummer, Schreck. Drill, strenger Vater. Vergiftung. Eiscreme. Alkohol. Bergsteigen. Unterkühlung nach Überhitzung (carb-v, puls, sil).
  • < nach Mitternacht, zwischen 0:00 Uhr und 3:00 Uhr. Kälte. Eiscreme. Gemüse. Obst. Kalte Getränke. Alleinsein. Körperliche Anstrengung. Am Meer, Seeluft.

  • > Wärme: Warme Anwendungen, warme Speisen und Getränke – aber Kopfschmerz besser durch Kälte. Bewegung. Schnell getragen werden. Liegen mit erhöhtem Kopf.

Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit
  • Schwangerschaft: Anämie, Hämorrhoiden, Inkontinenz, Krampfadern, Ödeme, Nephropathie mit Eiweißverlust. Hyperemesis mit Schwindel und Speichelfluss. Heftige Kindsbewegungen. Drohender Abort im fünften oder sechsten Monat

  • Geburt: Angst und Unruhe

  • Stillzeit: Blasenlähmung mit Harnverhaltung oder unwillkürlichem Urinieren. Genitalblutungen, übelriechende Lochien. Endometritis

Neugeborenes

Praxistipp

  • Arsenicum album ist häufig, begleitend zur schulmedizinischen Therapie, bei lebensbedrohlichen Komplikationen der Neonatalphase angezeigt, und bei Kindern mit solchen Komplikationen in der Vorgeschichte.

  • Es ist eines der Hauptmittel bei Sepsis (→Allgemein – Sepsis: carb-v, crot-h, lach, pyrog, …), v. a. wenn sie mit gastrointestinalen Beschwerden wie Diarrhö (→Rektum – Diarrhö – Sepsis, durch: carb-v, lach, pyrog, sulph, …) oder nekrotisierender Enterokolitis (→Allgemeines – Entzündung – innerlich – gangränös: lach, sec, sil, …) einhergeht.

  • Das Baby fühlt sich trotz Fieber kalt an.

  • Es hat Blutgerinnungsstörungen mit Petechien (→Haut – Hautausschläge – Petechien: bry, phos, rhus-t, …), Nierenfunktionsstörungen mit Ödemen im Gesicht, v. a. unter den Augen (apis, hep, kali-c med, ph-ac, phos), und eine Zyanose (→Gesicht – Farbe – zyanotisch: cact, cupr, hydr-ac, nat-m, …).

  • Es ist sehr unruhig und zittrig (→Zittern bei Neugeborenen: acon, anh, gels nach Pennekamp; op).

  • Weitere Hinweise auf Arsenicum album beim Neugeborenen sind:

    • Harnverhaltung (acon, apis, camph, canth, caust, lyc, …)

    • Hydrozele (puls, rhod, sil, …)

    • Hämangiom (→Haut – Tumoren – Angiom: lach, phos, sil, thuj, …)

    • Angeborener Nystagmus (agar, cupr, gels, …) und

    • Neugeborenen-Konjunktivitis mit wund machendem Augensekret

Säugling
  • Das Baby ist auffallend unruhig, bewegt sogar im Schlaf ständig Hände und Füße, wirft den Kopf hin und her oder zuckt plötzlich zusammen. Es beruhigt sich nur, wenn es gehalten (→Gemüt – Manie – gehalten werden, möchte (1): ars) oder schnell getragen wird. Während der Zahnung verstärkt sich die nächtliche Unruhe; oft kommt dann auch Durchfall hinzu.

  • Das Kind ist sehr ängstlich und klammert sich an die Mutter (camph, phos, stram). Das Einschlafen ist schwierig, denn es hat Furcht vor dem Bett (acon, camph, caust, lach, …). Es lächelt selten (→Gemüt – lächeln – niemals: alum, ambr, aur, verat) und mag nicht angesehen werden (→Gemüt – angesehen zu werden; erträgt nicht: ant-c, ant-t, cham, chin, cina, nat-m, tub, …). Beim Anblick von Fremden muss es husten (ambr, bar-c, phos). Es hat ein blasses, eingefallenes und vorgealtertes Gesicht (→Gesicht – Ausdruck – alt: arg-n, calc, nat-m, op, …) mit blassen Lippen (ferr, med, …) und gedunsener Augenpartie (apis, ferr, phos, …). Die Augen entzünden sich leicht (→Auge – Entzündung – Kindern, bei – Kleinkindern, bei: apis, arg-n, calc, nit-ac, puls, thuj, …). Die Atmung ist durch eine verstopfte Nase behindert (→Nase – Verstopfung – Nasenwurzel, an der: kali-i, lyc, …). Die Glieder sind eiskalt und lassen sich nicht aufwärmen.

  • Das Baby hat Milchschorf und ein trockenes Ekzem im Gesicht, oft auch eine Windeldermatitis (→Bauch – Windeldermatitis: borx, calc, cham, clem, graph, hep, med, merc, mez, nit-ac, sep, sulph, sul-ac, … nach Pennekamp).

  • Arsenicum album ist eines der Mittel bei Pylorusstenose (→Magen – Erbrechen – Trinken – sofort nach: bism, bry, nux-v, sanic, …). Es trinkt sehr hastig mit einem hörbaren Gluckern im Ösophagus (cina, cupr, …). Das Abdomen ist nach der Mahlzeit schmerzhaft aufgetrieben, während das Kind sonst eher mager ist (→Allgemeines – Abmagerung – Kindern, bei: acet-ac, ars-i, calc, calc-p, iod, nat-m, sil, …).

  • Alle Krankheiten verlaufen schwer und zeigen oft remittierendes Fieber (acon, bell, cham, gels, …), mit Zyanose im Fieberanstieg. Arsenicum album ergänzt die konventionelle Akutbehandlung der Exsikkose bei Säuglingsdurchfall (→Rektum – Cholera infantum: aeth, guaj, mag-c, phos, verat, …) und die antibiotische Behandlung von eitriger Nierenentzündung oder Nierenabszess (→Nieren – Abszess: hep, merc, sil, …).

Kleinkind und Schulkind
  • Das Kind hat einen ängstlichen oder leidenden Gesichtsausdruck. Die Eltern schildern es als auffallend ernst, oft traurig (→Gemüt – Traurigkeit – Kindern, bei: calc, carc, caust, lach, nat-m, sulph, …). Es ist oft beschäftigt mit religiösen Gedanken (→Gemüt – religiöse Gemütsstörungen – Kindern, bei: calc, carc, lach, stram, sulph).

  • Es hat ein großes Verlangen nach Gesellschaft. Alles verschlechtert sich nachts und wenn es allein gelassen wird (hep, kali-c, lyc, phos, stram, …). Dann wirft es sich herum, zittert oder versteckt sich vor Angst. Die Angst ist gepaart mit großer Unruhe (→Gemüt – Ruhelosigkeit – Kindern, bei: acon, cham, jal, merc, rhus-t, tub, …).

  • Die Laune ist oft schlecht – das Kind neigt zu Reizbarkeit und Eigensinn. Es kann boshaft (anac, nat-m, nux-v, stram, tub, …) und sogar grausam oder schadenfroh sein (→Gemüt – Freude – Unglück anderer, über das: anac, cupr). Dahinter steckt oft Eifersucht (→Gemüt – Eifersucht – Kindern – unter Kindern: calc-s, carc, nat-m, nux-v, sep, sulph, verat).

  • Es hat große Angst, zu kurz zu kommen; daher lädt es sich den Teller zu voll (→Gemüt – Verlangen – voller Verlangen – mehr als sie braucht: bry, …) und lässt andere Kinder nicht mit seinem Spielzeug spielen.

  • Auffallend ist auch sein Sauberkeitswahn (sil, sulph, …): Es will sich dauernd waschen oder duschen.

  • Es ist überempfindlich gegen Licht, Zugluft, Geräusche, Schmerzen und gegen den Geruch von Speisen (cocc, colch, ip, sep, …). Oft findet man Symptome einer gewissen nervösen Überspanntheit: Es beißt beim Trinken ins Glas, zieht sich selber an den Haaren (→Gemüt – ziehen – Haaren, an den – Verlangen zu ziehen – ihrem eigenen Haar, an: bell, cupr, med, tarent, tub, …), leckt sich ständig die Lippen, oder sitzt da und knirscht mit den Zähnen.

  • Alle Erkrankungen neigen zur Malignität und führen rasch zur Entkräftung (→Allgemeines – Schwäche – schnell zunehmend: lach, sep, verat, …). Das Gesicht wird blass, spitz (→Gesicht – hippokratisches: carb-v, cina, plat, verat, …) und kaltschweißig (camph, carb-v, cina, verat, …), die Lippen färben sich bläulich. Das Fieber steigt schnell und erreicht nachts den Gipfel (→Fieber – nachts – Mitternacht: rhus-t, stram, …). Häufig kommt es schon beim Auffiebern zum Fieberkrampf (→Allgemeines – Konvulsionen – Frost, während: camph, lach, merc, nux-v).

  • Oft wechseln Krankheiten einander ab (→Allgemeines – abwechselnde Zustände: kali-bi, lac-c, lyc, sulph, …), etwa Hautausschläge und Husten, Kopfschmerzen und Bauchschmerzen oder Obstipation und Diarrhö.

Praxistipp

Alle Absonderungen sind wässrig, wund machend und aashaft stinkend. Alle Schmerzen sind brennend, aber besser durch äußere Wärme (→Allgemeines – Schmerz – brennend – äußerlich – Hitze amel.: alum, caps, carb-v, lyc).

  • Luftwegsinfekte werden oft begleitet von einer Bindehautentzündung (→Auge – Entzündung – katarrhalisch – Erkältung, durch: acon, all-c, bell, euphr, …) mit wund machendem Sekret und Exkoriation der Canthi. Jeder Schnupfen beginnt mit Frösteln (merc, nux-v, …), hat ebenfalls brennendes und scharfes Sekret, das die Oberlippe wund macht, und verschlechtert sich im Freien (nit-ac, puls, …). Das Kind niest viel, ist aber dadurch nicht erleichtert. Auch bei Heuschnupfen steht das Niesen im Vordergrund (→Nase – Niesen – Heuschnupfen, mit: carb-v, dulc, euphr, naja, nat-s, nux-v, …).

  • Die Zunge ist dick belegt, wie weiß lackiert oder landkartenartig gezeichnet. Arsenicum album hilft bei schwerer Stomatitis mit gangränösem Mund (→Mund – gangränös – Kindern, bei: casc) und aashaften Mundgeruch.

Praxistipp

Arsenicum album ist auch eines der ersten Mittel bei Asthma bronchiale.

  • Auslöser des Asthmas sind Anstrengung, kaltes oder nasskaltes Wetter, unterdrückter Hautausschlag (carb-v, dulc, ip, psor, puls, sulph, …) oder Ärger. Die Anfälle treten nach Mitternacht auf (carb-v, lach, samb, …), insbesondere um 1:00–2:00 Uhr. Das Kind ist hochgradig dyspnoisch und rasch erschöpft, liegt da wie tot, blass oder zyanotisch, und scheint eine Weile nicht zu atmen. Oder es ist extrem unruhig und ängstlich. Liegen verschlechtert die Dyspnoe (→Atmung – Atemnot – Liegen – unmöglich: ant-t, apis, kali-c, lach, tub, …), das Kind muss sich aufsetzen, zieht die Knie an und legt Kopf und Arme auf die Knie. Manchmal springt es auch panisch aus dem Bett (graph, samb).

  • Ein weiterer Wirkungsschwerpunkt von Arsenicum album ist der Magen-Darm-Trakt. Das Kind hat Magenschmerzen, die sich durch Trinken von Milch bessern. Obst (bry, chin, lyc, …) oder Eiscreme (calc-p, puls, …) führen zu Verdauungsstörungen. Manchmal steht am Anfang eine Lebensmittelvergiftung etwa durch verdorbenes Fleisch. Charakteristisch ist eine heftige Gastroenteritis mit starkem Erbrechen, Erschöpfung und kalten Gliedern. Das Kind will immer wieder kleine Schlucke Wasser trinken, aber erbricht es sofort wieder (phos: erst nach einigen Minuten). Der Nahrungsaufbau ist schwierig, da einfach alles erbrochen wird (→Magen – Erbrochenen; Art des – alles; erbricht: eup-per, ip, …), auch schon die geringsten Mengen Flüssigkeit (→Magen – Erbrechen – Trinken – kleinste Mengen: bism, bry, phos, …). Die kleinste Bewegung, etwa das Heben des Kopfes, ruft Brechreiz hervor.

  • Erbrechen und Diarrhö treten gleichzeitig auf (→Magen – Erbrechen – Diarrhö – während: arg-n, gamb, verat, …). Beim Erbrechen kommt es zu unwillkürlichen Stuhl- oder Urinabgang. Der Stuhl stinkt entsetzlich, nach Aas oder faulen Eiern, und ist wässrig.

  • Arsenicum album kann, wenn passende Symptome vorliegen, auch bei Invagination versucht werden (→Abdomen – Intussuszeption: bell, op, plb, verat, …). Ein weiteres Zielorgan von Arsenicum album ist die Haut. Sie ist trocken, rau, hart wie Pergament und schuppig wie Kleie. Oft schält sie sich in großen Schuppen ab. An verschiedenen Stellen tritt ein heftig juckendes oder brennendes Ekzem auf. Der Juckreiz ist schlimmer nachts – das Kind kratzt sich blutig. Kalte Luft verschlechtert, äußere Wärme oder ein warmes Bad bessern. Der Ausschlag kann auch vesikulös oder eitrig sein, mit dünnflüssigem, übelriechendem und scharfem Sekret. Manchmal besteht ein Juckreiz ohne Hautausschlag (alum, mez, …).

  • Die Fußsohlen sind rissig und verdickt. Die Fingernägel sind dünn oder hart und spröde; meist quergerieft (sabad). Die Zehennägel sind deformiert und krümelig. Manchmal kommt es zu einem Panaritium mit Verlust des Nagels. Arsenicum album kann auch angezeigt sein bei Hepatitis, Milzerkrankungen, Glomerulonephritis und Herzerkrankungen wie Endokarditis oder Perikarditis.

Jugendlicher
  • Der Jugendliche ist blass, mit Säckchen um die Augen, und hat einen stechenden, unruhigen Blick. Seine Sprache ist geschliffen, seine Kleidung gepflegt.

  • Grund für den Arzttermin sind oft Gemütsstörungen wie Depressionen (→Gemüt – Traurigkeit – Pubertät, in der: calc, graph, lach, nat-m, …), Angststörungen (→Gemüt – Angst – Therapie gegen die Angst, möchte eine: phos) oder Anorexia nervosa (→Gemüt – Anorexia nervosa: carc, chin, ign, puls, sep, verat, …).

  • Seine Gedanken kreisen um Tod oder Selbstmord. Er hat selbstzerstörerische Tendenzen: Er zieht sich an den Haaren, beißt sich auf die Nägel, schlägt seinen Kopf gegen Gegenstände. Er fürchtet sich, alleingelassen zu werden, aus Furcht sich zu verletzen.

  • Als Patient ist er nicht angenehm – zwar verzweifelt (→Gemüt – Verzweiflung – Genesung, in Bezug auf: alum, calc, coloc, syph, …), aber äußerst kritisch und sogar sarkastisch (lach, …).

  • Schulisch gibt es keine Probleme. Sein Ehrgeiz ist allerdings so groß, dass er Angst bekommt, wenn von ihm etwas erwartet wird.

  • Er kann sich nicht stillhalten. Insbesondere das Einschlafen wird durch die Unruhe erschwert (→Extremitäten – Ruhelosigkeit – abends – Bett, im: carb-v, con, kali-c, lyc, tarent). Ist er einmal eingeschlafen, wird er von plötzlichen Zuckungen wie elektrische Schläge wieder geweckt.

  • Der Jugendliche leidet unter Kopfschmerzen, die periodisch wiederkommen und sich durch kalte Anwendungen bessern. Er neigt zu Sinusitis frontalis (→Nase – Katarrh – erstreckt sich zu – Stirnhöhlen: kali-i, lyc, merc, sil, stict, …), Heuschnupfen und Asthma bronchiale. Auffallend ist, dass akute Erkrankungen selten zu Fieber führen.

  • Auch die Verdauungsorgane sind anfällig für Krankheiten. Bei Erbrechen oder Diarrhö kommt es rasch zum Kollaps. Charakteristisch ist ein Kältegefühl im Magen nach dem Essen, v. a. nach Obst.

  • Die Fußsohlen sind verdickt und schwielig (ant-c, calc, …). Typische Hautkrankheiten sind Neurodermitis, Urtikaria und Psoriasis. Es besteht eine Neigung zu aseptischen Knochennekrosen (→Allgemeines – Nekrose – Knochen: calc-f, fl-ac, merc, phos, tub, …).

Arzneimittelbeziehungen
  • Miasma: alle Miasmen, v. a. Syphilis. Krebs-Miasma (Sankaran)

  • Folgt gut auf: acon, agar, arn, bell, cham, chin, ip, lach, verat

  • Bewährte Folgemittel: apis, aran, calc, carb-v, hep, iod, lyc, nat-s, nux-v, phos, pyrog, rhus-t, sil, thuj („chronisches Arsen“)

  • Gute Mittelfolge: arsthujtarent

  • Ergänzungsmittel: all-s, anth, apis, aran, arn, bapt, bar-c, bell, cact, calc-p, carb-v, cham, chel, chin, cic, colch, cupr, ferr, fl-ac, graph, hep, ip, iod, kali-bi, kreos, lach, lyc, merc, nat-s, nit-ac, nux-v, phos, psor, puls, pyrog, ran-s, rhus-t, sec, sulph, tarax, tarent, thuj, tub, verat

  • Antidote: bapt, camph, carb-v, chin, chinin-s, ferr, graph, hep, iod, ip, kali-bi, lach, merc, nux-m, nux-v, op, samb, sulph, tab, verat

Aurum metallicum

#Aurum metallicumGold.
Leitsymptome
  • Depressive, melancholische Stimmung

  • Pflichtgefühl, Workaholic

  • Verschlossenheit

  • Zorn durch Widerspruch; heftige Wutausbrüche

  • < nachts

  • Knochenschmerzen, Knochenerkrankungen

  • Hyperämie, Kongestion verschiedener Organe

  • Herz-Kreislaufprobleme: Herzfehler, Hypertonus, Palpitationen

Betroffene Organsysteme und Indikationen
  • Organsysteme: Wirkt v. a. auf Gemüt, Herz und Kreislauf, Knochen, Drüsen.

  • Indikationen: Indiziert u. a. bei Angst, Anorexie, Arrhythmie, Arthritis, Depressionen, Drogenabusus, Endokarditis, Herzfehler, Hodenhochstand, Hypertonie, Knochenschmerzen, Kopfschmerzen, Mastoiditis, Orchitis, Schlaflosigkeit, Sinusitis, Suizidneigung.

Geist- und Gemütssymptome
  • Depressive Grundstimmung. Verlassenheitsgefühl (lach, psor, puls, stram, …). Meint, er habe die Zuneigung seiner Freunde verloren. Schuldgefühle (→Gemüt – Angst – Gewissensangst: anac, ars, psor, sulph, …). Große Furcht zu versagen (anac, bar-c, lac-c, …). Minderwertigkeitsgefühl mit zerstörerischen Impulsen – verabscheut mit tiefem Schuldgefühl sich selbst (→Gemüt – verächtlich – sich selbst gegenüber: lac-c, thuj, …). Glaubt, nicht mehr in die Welt zu passen (→Gemüt – Wahnidee – unfähig – Welt, er sei ungeeignet für die: plat, …).

  • Verzweiflung. Empfindet die Welt als grausam, als verlorenen Ort, freudlos, voll von Ungerechtigkeit. Suizidabsichten (denkt nicht nur darüber nach wie nat-s), will aus dem Fenster springen, sich erschießen. Sucht Risiko und Gefahr. Der Gedanke an den Tod macht ihn heiter (→Gemüt – Froh – Tod, beim Denken an den: aur-m-n).

  • Religiös. Betet stundenlang (puls, verat, …), weint beim Beten. Meint, nur Gott könne ihn retten. Sehnsucht nach dem Jenseits – aber Angst vor göttlicher Strafe, vor dem Jüngsten Gericht. Theoretisiert (cann-i, chin, lach, sep, sulph, verat, …).

  • Einzelgänger. Gefühlskalt in Beziehungen, kann nicht geben, kann Gefühle schlecht ausdrücken. Spricht und antwortet in Fragen. Öffnet sich nie (→Gemüt – Kummer – still: ign, nat-m, …). Furcht vor Zurückweisung in Beziehungen; investiert nichts, beendet Beziehungen präventiv und ist dann verzweifelt. Egoistisch, hilft nur aus Pflichtgefühl.

  • Workaholic (→Gemüt – fleißig: coff, tarent, tub, …). Ehrgeizig, will der Erste und der Beste sein – als ob sein Leben davon abhängt (Sankaran). Manische Phasen mit besonderer Leistungsfähigkeit. Kann Dinge nicht schnell genug erledigen (→Gemüt – Hast – Beschäftigung, bei – Verlangen, mehreres gleichzeitig zu tun: lil-t, plan, …).

  • Starkes Verantwortungs- und Pflichtgefühl. Wie ein Erstgeborener, der den Vater ersetzen muss (Sankaran). Polarität zwischen Pflicht und Schuldgefühlen (→Gemüt – Wahnidee – vernachlässigt – Pflichten, er habe seine: ars, lyc, …). Hohe Ideale. Gefühl, er muss Dinge leisten, die jenseits seiner Fähigkeiten oder unmöglich sind (→Gemüt – Wahnidee – gelingt ihm nichts: anac, arg-n, bar-c, …); er sei auserwählt, eine schwere Last und Verantwortung zu tragen.

  • Diktatorisch. Prinzipienreiter. Pedantisch, moralisch, orthodox. Strenge Selbstdisziplin und kritisch mit anderen. Akzeptiert keine Entschuldigungen. Heftige Wutanfälle durch Widerspruch und Kritik (→Gemüt – Zorn – Widerspruch, durch: ferr, ign, lyc, sep, …). Kleine Bemerkungen werfen ihn aus der Bahn. Brutal (anac, …), wirft und zerbricht Dinge. Zittert vor Zorn. Hass auf Menschen, die ihn beleidigt haben (nat-m, …).

  • Überempfindlich gegen Schmerzen (acon, cham, coff, hep, …), Gerüche, Geschmack, Geräusche, Berührung. Große Liebe zur Musik; Musik bessert.

  • Furcht vor Herzerkrankung (ars, calc, kali-ar, lil-t, phos, spong, …); vertraut dies aber nur dem Arzt an. Herzneurose. Angst mit Blutandrang zum Kopf.

Allgemeinsymptome
  • Wetter: < Kälte und kalte Jahreszeit. > Warme Luft. Friert im Bett. Starkes Frischluftverlangen. Alles besser im Freien.

  • Zeit: nachts (3:00 Uhr). Sonnenuntergang bis -aufgang (merc, syph, …). Alles besser am Abend. Periodizität: Alle drei Wochen.

  • Verlangen: Reizmittel wie Kaffee, Alkohol, v. a. Rotwein. Milch. Fleisch. Brot. Altbackene Brötchen. Leckerbissen. Unverdauliches. Süßigkeiten. Isst gern und viel, aber nur vom Feinsten.

  • Abneigung: Fleisch.

  • Seite: Rechts.

  • Schlaf: Selbstgespräche beim Einschlafen. Im Schlaf Stöhnen und Aufschreien. Schlaflosigkeit (durch Knochenschmerzen, Bauchweh, Gedankenandrang), < ab 4:00 Uhr. Träume lebhaft, schrecklich.

  • Schweiß: Kalt, stinkend an den Füßen, an den Genitalien.

Causa und Modalitäten
  • Causa: Gemütsbewegungen: Zorn, tiefer Kummer, Enttäuschung, enttäuschte Liebe. Undankbarkeit.

  • < Emotionen. Geistige Anstrengung. Enttäuschung. Ärger. Kummer. Kälte. Nachts. Hochgelegene Orte.

  • > Frischluft. Kalt Baden. Bewegung. Laut Beten. Musik. Wärme. Mondlicht. Abends.

Schwangerschaft und Stillzeit
  • Schwangerschaft: Während der Schwangerschaft: Ikterus und Depressionen mit Suizidalität.

  • Stillzeit: Wochenbettdepressionen. Milchfluss spärlich oder versiegend.

Neugeborenes
  • Das Neugeborene kann verschiedene Fehlbildungen aufweisen, die einen syphilitischen Hintergrund haben:

    • Vitium cordis, Syndaktylie, akzessorische Mamillen, Spina bifida occulta, Angiome, Hydrozephalus oder Exostosen.

    • Das Hüftgelenk ist dysplastisch.

    • Der Hoden ist nicht ins Skrotum deszendiert oder gerät unter den Druck einer Hydrozele (puls, rhod, sil, …).

  • Aurum ist auch bei einer perinatalen Hirnblutung in Erwägung zu ziehen (→Kopf – Gehirnblutung: acon, bell, gels, lach, op, …).

Säugling
  • Das Baby ist mager (ars, iod, calc, nat-m, sil, …) und hat ein glänzendes Gesicht mit Schwellung unter den Augen (→Gesicht – gedunsen – Augen – unter den Augen: ars, …). Die Nase ist chronisch verstopft (→Nase – Verstopfung – Kindern, bei – Säuglingen: kali-bi, lyc, nux-v, samb).

  • Der Nachtschlaf ist katastrophal (→Schlaf – Schlaflosigkeit – nachts – Mitternacht, vor – morgens, bis: ant-t, …), das Kind leidet unter Flatulenz (carb-v, kali-ar, nat-s, …) und heftigen Schreikoliken nach Mitternacht. Es ist sehr empfindlich gegen Geräusche, aber entspannt sich bei Musik. Alle Probleme treten vorzugsweise nachts auf.

  • Typisch sind eine Nabel- oder Leistenhernie (calc, cina, lyc, nit-ac, nux-v, sil, sul-ac, sulph) v. a. auf der rechten Seite, sowie ein Maldescensus testis.

Kleinkind und Schulkind
Das Kind ist empfindlich und emotional sehr verletzlich. Stiller Kummer, Verlassenheitsgefühle oder Heimweh formen bei ihm einen ernsten und zurückhaltenden Charakter. Das Elternhaus ist meist sehr streng.
  • Angst mit rotem Gesicht ist eines der Schlüsselsymptome von Aurum. Das Kind hat Angst beim Fahren im Auto (arg-n, borx, lach, …) und fürchtet sich vor Männern (cic, lyc, nat-c, …) und vor Menschenansammlungen. Es versteckt sich gerne (nur aur).

  • Auf der anderen Seite ist es eigensinnig (→Gemüt – eigensinnig – Kinder: calc, tub, …), diktatorisch, schnell gereizt und zornig (→Gemüt – Zorn – heftig: nux-v, tarent, …), v. a., wenn man etwas verbietet oder ihm widerspricht. Es zittert dann vor Erregung. Bei Schmerzen reagiert es ausgesprochen hysterisch.

Praxistipp

Das Schulkind ist intelligent, extrem ehrgeizig und erfolgreich. Es ist allerdings selten mit sich zufrieden und meint immer, es habe sich nicht genügend vorbereitet. Häufig resultiert hieraus eine angespannte Unruhe (→Gemüt – Ruhelosigkeit – geschäftig: ign, lach, mosch, …). Ursache ist ein starker Leistungsdruck durch die Eltern.

  • Im sozialen Bereich mangelt es dem Kind an Kompetenz: Es ist egoistisch, hat wenig Freunde und fühlt sich unwohl unter vielen Menschen.

  • Es hat eine Erkältungsneigung mit albuminösem Schnupfen, der sich an der frischen Luft bessert (puls, bry, …). Er geht in einen blutig-eitrigen stinkenden Schnupfen (→Nase – Absonderungen – übelriechend: calc, graph, hep, merc, …) über, der zu Geschwüren in der Nase und zur Sinusitis führen kann. Häufig kommt es zu einer Otitis media mit sehr heftigen Ohrenschmerzen (→Gemüt – heftig – Schmerzen, durch: cham, hep, …). Die Schmerzen bessern sich durch kalte Anwendungen (merc, puls) und an frischer Luft. Schließlich perforiert das Trommelfell und es entleert sich stinkender Eiter, in dem häufig Streptokokken nachweisbar sind (→Ohr – Absonderung – Scharlach, nach: carb-v, lyc, psor, …). Es besteht die Gefahr einer Mastoiditis (→Ohr – Karies, drohende – Processus mastoideus: caps, sil, …). Manchmal schwillt ein retroaurikulärer Lymphknoten an und abszediert (→Ohr – Abszess – hinter dem Ohr: bar-m, caps, sil, …).

  • Das Kind neigt zur Hyperplasie von Adenoiden und Tonsillen und hat eine zervikale Lymphknotenschwellung. Vor allem nachts hat es käsigen Mundgeruch.

  • Es leidet unter Asthma bronchiale bei nassem Wetter (chin, dulc, nat-s, …) oder an warmer Luft, schlimmer bei schnellem Gehen. Die Atemnot bessert sich durch Aufstoßen. Nachts besteht ein hartnäckiger Husten.

Praxistipp

Aurum ist ein wichtiges Mittel bei Herzerkrankungen wie Endokarditis oder Myokarditis, und bei Skeletterkrankungen, etwa bei Osteomyelitis, eitriger Arthritis oder nächtlichen Knochenschmerzen.

  • Aurum metallicum ist angezeigt bei Abmagerung (→Allgemeines – Abmagerung – schwächlichen, kränklichen Knaben; bei: lyc, nat-m, ph-ac, tub).

  • Es hilft auch bei eingeklemmten Blähungen (→Abdomen – Flatulenz – eingeklemmte Blähungen: arg-n, chin, raph, sil, …) und bei Alopezie.

Jugendlicher
  • Beim Jugendlichen entfaltet sich bereits das ganze Gefühlsleben der Aurum-Konstitution. Er ist einsam, ernst und melancholisch und hat das Gefühl, als habe er die Zuneigung seiner Freunde verloren. Aurum ist eines der Mittel für Traurigkeit durch enttäuschte Liebe.

  • Man findet bei ihm eine tiefe spirituelle Sehnsucht, eine Anfälligkeit für Suchtkrankheit, z. B. Alkoholismus oder Drogensucht (→Gemüt – Morphiumsucht: cham, lach, …). Suizidgedanken.

  • In der Schule oder im Beruf ist er sehr ehrgeizig, obwohl ihn geistige Anstrengung schnell ermüdet (→Gemüt – geistige Anstrengung – agg. – ermüdet: con, nat-c, …).

  • Häufige Beschwerden sind Kreislaufstörungen, etwa Hyperämie und Blutwallungen in verschiedenen Organen, und Hitzegefühl in den Blutgefäßen oder im Kopf, als ob das Blut in den Venen kocht. Das Gesicht ist gedunsen und rot (→Gesicht – Blutandrang: bell, glon, puls, …).

  • Kummer oder Ärger rufen Herzbeschwerden hervor wie Herzklopfen, Herzangst oder Arrhythmien. Charakteristisch ist das Gefühl, als würde das Herz aufhören zu schlagen, gefolgt von einem starken Herzschlag. Es besteht eine Disposition zu arteriellem Hypertonus und Hyperthyreose.

Praxistipp

Alle Aurum-Schmerzen haben bohrenden Charakter und sind schlimmer nachts.

  • Kopfschmerzen werden u. a. durch geistige Anstrengung ausgelöst. Sie treten oft an einer kleinen Stelle auf, etwa am Hinterkopf, am inneren Augenwinkel oder an der Nasenwurzel. Der Schmerz treibt den Patienten zur Verzweiflung, raubt ihm den Schlaf und kann Depressionen auslösen.

  • Der Patient schildert einen säuerlichen oder bitteren Geschmack im Mund. Er neigt zu Karies, Parodontose und üblem Mundgeruch. Luftwegsinfekte münden häufig in eine schmerzhafte Sinusitis mit völlig verstopfter Nase und übelriechendem blutig-eitrigen Sekret.

  • Aurum metallicum kann flankierend bei Augenerkrankungen wie Uveitis, Gesichtsfeldausfällen, Hornhautgeschwüren oder Glaukom eingesetzt werden.

  • Es ist ein Hauptmittel bei rheumatoider Arthritis mit wandernden, nächtlichen Schmerzen und Mitbeteiligung von Herz oder Nieren. Es ist auch eines der Mittel bei Guillain-Barré-Syndrom (→Extremitäten – Lähmung – schmerzlos: cocc, con, gels, lyc, plb, …).

  • Die Mädchen kommen erst spät in die Menarche, die Menses sind spärlich und eher selten.

  • Aurum metallicum ist angezeigt bei Orchitis mit Verhärtung und Schwellung des rechten Hodens und bei Hodenatrophie. Es ist auch wirksam bei Akne und Psoriasis mit syphilitischer Familienanamnese (Syphilinum). Charakteristische Symptome sind weiterhin Haarausfall und Exostosen.

Arzneimittelbeziehungen
  • Miasma: Syphilis, Psora, Sykose

  • Folgt gut auf: syph

  • Bewährte Folgemittel: acon, bell, calc, chin, lyc, merc, nit-ac, puls, rhus-t, sep, sulph, syph

  • Ergänzungsmittel: ign, merc (aur = chronisches merc), mill, staph, sulph, syph

  • Antidote: bell, camph, chin, cocc, coff, cupr, hep, merc, mill, puls, sol-n, spig. Kampher

Barium carbonicum

Bariumcarbonat#Barium carbonicum (BaCO3).
Leitsymptome
  • Entwicklungsverzögerung; Langsamkeit

  • Minderwuchs, Hypoplasien

  • Mangel an Selbstvertrauen: Schüchtern, ängstlich, unentschlossen

  • Nägelbeißen

  • Empfindlich gegen kalte Luft

  • Tonsillenhyperplasie, Drüsenschwellungen

  • Übelriechender Fußschweiß

  • Abneigung gegen Obst

Betroffene Organsysteme und Indikationen
  • Organsysteme: Wirkt v. a. auf Gemüt, Drüsen, Verdauungssystem, Herz, Blutgefäße, Nerven und Lungen.

  • Indikationen: Indiziert u. a. bei Aufmerksamkeitsdefizit, Autismus, Entwicklungsverzögerung, Gedeihstörung, Hyperplasie von Adenoiden, Tonsillen und Lymphknoten, Koliken, Konzentrationsstörung, Lernstörung, Mononukleose, Otitis, Tonsillitis, Wahrnehmungsstörungen.

Geist- und Gemütssymptome
  • Entwicklungsverzögerung im geistigen (→Gemüt – Entwicklungsstillstand bei Kindern: agar, calc-p, phos, …) und körperlichen (→Allgemeines – Entwicklung – Entwicklungsstillstand: calc-p, med, …) Bereich. Lernt spät laufen (→Allgemeines – Gehen – Gehen lernen; spätes: agar, calc, calc-p, caust, nat-m, sanic, sil, …) und sprechen (→Gemüt – Sprechen – langsam, lernt: bell, calc, calc-p, caust, med, nat-m, sanic, sulph, …). Langsam im Denken und Handeln. Weiß nicht mehr was er sagen wollte (hell, …). Gedächtnisschwäche, Konzentrationsschwäche, Verwirrtheit. Lernstörungen, Wahrnehmungsstörungen, Teilleistungsschwächen. Späte Pubertät. Auch: intelligente Kinder ohne Selbstvertrauen (Geukens).

  • Naivität. Kindische Sprache, unpassende Bemerkungen, durchschaut vieles nicht (→Gemüt – kindisches Verhalten: agar, cic, stram, …). Kindisches Lachen (bufo, croc, …), albernes Benehmen. Nägelbeißen (→Gemüt – Beißen – Nägel: arum-t, med, verat, …). Ernsthafter Gesichtsausdruck, als ob er versucht zu verstehen (→Gemüt – Stumpfheit – Kindern, bei: arg-n, calc, sulph, …). Gutgläubig. Keine Kreativität. Sitzt da und schaut. Spielt nicht. Lernt nur auswendig, schneidet oder malt aus. Autismus.

  • Mangel an Selbstvertrauen (anac, sil, …). Extrem schüchtern (puls, sil, …), unsicher, verlegen, feige. Furcht vor Unternehmungen, vor Neuem. Bleibt am liebsten zuhause. Furcht vor Fremden. Abneigung gegen Gesellschaft. Versteckt sich hinter der Mutter, die Hände vor dem Gesicht; klammert. Furcht, ausgelacht, beobachtet, kritisiert zu werden (→Gemüt – Wahnidee – lachen und spotten, man würde über ihn: ign, lach, nux-v, ph-ac, sep, …; →Gemüt – Wahnidee – kritisiert, sie würde: hyos, ign, staph, …). Wahnidee, Gegenstände oder auch er selbst seien kleiner (→Gemüt – Wahnidee – klein – Körper sei kleiner; der: agar, calc, …). Schweigt aus Unsicherheit. Fühlt sich unfähig. Wütend, wenn überfordert.

  • Große Ängstlichkeit (→Gemüt – Furcht – Kindern, bei: calc, carc, caust, lyc, sep): Will nichts unternehmen (→Gemüt – Furcht – unternehmen; irgendetwas zu: arg-n, ars, lyc, …). Furcht vor Menschen bei Kindern (cham, lyc). Furcht, etwas werde geschehen. Hat keinen Lebensmut (→Gemüt – Widerwillen – sich selbst, vor – Lebensmut, möchte nicht mit sich leben; hat keinen: merc). Furcht vor Entscheidungen, vor dem Alleinsein, abends im Bett, vor Fremden, aus dem Haus zu gehen, vor Krankheit, Krebs. Macht sich dauernd Gedanken. Beschwerden durch Erwartungsspannung.

  • Extrem unentschlossen (nur bar-c vierwertig), schon bei kleinen Entscheidungen (ars, graph, lyc, symph, …). Abhängig von anderen, fürchtet, deren Unterstützung zu verlieren. Fühlt sich verlassen. Kein eigener Wille, fügsam, lässt sich leicht unterdrücken (staph).

  • Schuldgefühle, entschuldigt sich laufend, schämt sich. Alles ist peinlich. Sucht Fehler immer zuerst bei sich.

  • Penibel, zwanghaft und fleißig, um seine Unfähigkeit zu kompensieren. Fruchtlose Aktivität.

Allgemeinsymptome
Barium carbonicum wirkt langsam. Oft sind wiederholte Gaben nötig.
  • Wetter: Verfroren, erkältet sich leicht. Beschwerden, bereits dann, wenn er die Hand aus dem Bett streckt (hep, rhus-t, …). Auch Sonnenhitze und Feuchtigkeit verschlechtern. Warme Umschläge bessern.

  • Zeit: nachts. Winter. Periodizität.

  • Verlangen: Salziges. Eier.

  • Abneigung: Obst (Bananen, Pflaumen). Brot. Gleichgültig oder abgeneigt gegen Süßes (calc hat Verlangen nach Süßem).

  • Seite: Links. Beschwerden auf einer Körperhälfte.

  • Schlaf: Schläft in Seitenlage. Speichelfluss und Sprechen im Schlaf. Weint, wimmert im Schlaf. Erwacht häufig. Ängstigende Träume jede Nacht, von Toten, von Abenteuern.

  • Schweiß: Übelriechend, meist halbseitig oder an einzelnen Stellen. Stinkender Fußschweiß – führt zu Wundheit zwischen den Zehen (nit-ac, sil, sep, zinc, …). Kein Kopfschweiß (im Gegensatz zu calc, sil). Schwitzt in Gegenwart von Fremden.

Causa und Modalitäten
  • Causa: Gegenwart von Fremden. Unterdrückter Fußschweiß.

  • < Gesellschaft. Feuchte Kälte. Waschen. Sonne. Hitze (Kopfschmerz). Denken an die Beschwerden. Liegen auf der schmerzhaften Seite. Gerüche. Essen. Unterdrückung von Schweiß (Fußschweiß) oder Ausschlägen. Stehen. Sitzen.

  • > Alleinsein. Wärme, warme Umschläge. Kalte Speisen. Ablenkung.

Schwangerschaft und Geburt
  • Schwangerschaft: viel Angst, große Sorge um häusliche Angelegenheiten. Furcht vor Verantwortung. Fluchtgedanken. Redseligkeit. Plazentainsuffizienz mit kindlicher Mangelentwicklung.

  • Nach der Geburt: Angst und Gefühl von Überforderung, Hilflosigkeit.

Neugeborenes
  • Oft handelt es sich um ein Mangelgeborenes mit greisenhaftem Aussehen. Einzelne Organe sind zu klein oder atroph. Eventuell findet man Zeichen einer angeborenen Hypothyreose (→Gemüt – Kretinismus: anac, bufo, calc-p, thuj, …).

  • Die Muskulatur ist eher hypoton, die Muskeleigenreflexe sind jedoch unter Umständen gesteigert, v. a. nach perinataler Hirnblutung (→Kopf – Gehirnblutung: acon, arn, bell, cocc, gels, lach, op).

  • Weitere Zeichen sind: Katarakt (calc, calc-f, calc-p, caust, mag-c, sep, sil, sulph, …); Angeborene oder erworbene Zysten (→Allgemeines – Tumoren – zystisch: calc, graph, phos, …) etwa der Kiemengänge, der Nieren oder des Gehirns.

  • Auch bei Gefäßfehlbildungen und Aneurysma, Ösophagusstenosen oder -atresie (→Innerer Hals – Striktur des Ösophagus: ars, bapt, nat-m, …) sowie Myelomeningocele (Rücken – Spina bifida: calc, calc-s, psor, sil, …) kann Barium carbonicum angezeigt sein.

Praxistipp

Im Vordergrund steht die bereits im Säuglingsalter absehbare geistig-emotionale Entwicklungsverzögerung.

Säugling
  • Bereits im frühen Säuglingsalter fällt eine Entwicklungsverlangsamung auf, die sich nach akuten Erkrankungen akzentuiert. Es besteht eine deutliche Gedeihstörung und eine Tendenz zu Rachitis (→Allgemeines – Rachitis: asaf, calc, calc-p, merc, phos, sil, …). Meist ist die Muskulatur hypoton (→Allgemeines – Schwäche – Muskeln: calc, carb-v, chin, lyc, nat-m, sil, …), der Kopf eher zu klein (calc: großer Kopf).

  • Barium carbonicum kann auch angezeigt sein bei infantiler Zerebralparese (→Extremitäten – Lähmung – Apoplexie, nach: lach, op, phos, …) mit muskulärer Hypertonie (→Allgemeines – Reflexe – vermehrt: cic, cocc, lath, nux-v, …).

  • Das Baby fremdelt intensiv (→Gemüt – Angst – Fremden; in Anwesenheit von: ambr, carb-v, stram). Es erschrickt heftig, wenn man sich zu schnell nähert, und hat große Angst vor neuen Situationen und vor Unbekanntem. Insgesamt wirkt es langsam, schwerfällig und träge (tub: eher flink, koboldhaft).

  • Sein Gesicht ist runzelig und erscheint alt (arg-n, calc, nat-m, …). Es hat trockenen oder feuchten Milchschorf (carbn-s, graph, hep, psor, sulph, …) mit Haarausfall und Lymphknotenschwellung im Nacken. Oft hat es auch ein schorfiges Ekzem hinter den Ohren (graph, lyc, sil, …) oder im Gesicht. Die Lidränder sind verklebt und krustig. Die Füße sind feucht und übelriechend.

  • Einzelne Organe sind nicht angelegt oder atroph, etwa eine Niere oder ein Hoden. Knaben haben oft einen Hodenhochstand (→Männliche Genitalien – Hodenhochstand bei Kindern: aur, calc, calc-f, calc-p, con, fl-ac, syph nach Lamothe).

  • Körper und Beine sind mager, das Abdomen ist hart und aufgetrieben (calc, caust, sulph, …). Das Baby verweigert trotz Hunger die Nahrung, oder es hat Heißhunger und magert dennoch ab (calc, cina, iod, nat-m, …). Es leidet unter einer Obstipation mit hartem, knotigem Stuhl (alum, graph, lyc, mag-m, sil, …).

  • Bei Schluckstörungen behinderter Kinder sollte ein Versuch mit Barium carbonicum gemacht werden: Sie können keine festen Speisen schlucken (→Innerer Hals – Schlucken – schwierig – feste Speisen: bapt, …), die Speiseröhre verkrampft sich (→Innerer Hals – Spasmen – Ösophagus – Schlucken, bei: bapt, merc-c, …), sie würgen und sticken bei jedem bisschen Nahrung (graph, kali-c, merc-c, …).

Kleinkind und Schulkind
  • Das Kind ist äußerst schüchtern und ängstlich. Wenn man versucht, mit ihm Kontakt aufzunehmen, klammert es sich an die Mutter (bism, borx, stram, …) oder versteckt sich hinter ihr und hält sich die Hände vor das Gesicht. Es sitzt in einer Ecke und mag nicht spielen (→Gemüt – Faulheit – Kindern, bei: lach).

Praxistipp

Barium carbonicum ist beim autistischen Syndrom angezeigt, mit Passivität, muskulärer Hypotonie und unruhigen Augen (Vithoulkas).

  • Unternehmungen mit dem Kind sind schwierig (→Gemüt – Furcht – irgendetwas zu unternehmen: arg-n, ars, lyc, …), denn es kann sich für nichts entscheiden, ist kleinmütig, gehemmt und hat Angst in neuer Umgebung. Es fürchtet v. a. Menschenansammlungen (→Gemüt – Furcht – Menschenmenge, in einer: acon, ambr, arg-n, nat-m, puls, …), Zugfahrten und das Überqueren einer Straße oder einer Brücke (→Gemüt – Furcht – Überqueren – Brücke oder eines Platzes, einer: arg-n, puls, …).

  • Zeiten größerer Veränderungen sind besonders kritisch, etwa ein Umzug, der Kindergartenbeginn oder die Einschulung (→Gemüt – Veränderungen – Abneigung gegen: bry, calc, carb-v, vip, … nach Lamothe). Auch die Geburt eines Geschwisters kann Beschwerden wie Bettnässen oder Nägelbeißen hervorrufen.

  • Die Schulleistungen sind schlecht wegen Konzentrationsstörungen (→Gemüt – Konzentration – schwierig – Kindern, bei: aeth, carc, ph-ac, zinc, …), Merkstörungen (→Gemüt – Gedächtnis – Gedächtnisschwäche – geistige Anstrengungen, für – Kinder können nicht unterrichtet werden) und fehlender Motivation (→Gemüt – Lesen – Abneigung gegen: lach, nux-v, sil, …). Die Sprache ist undeutlich (caust, ign, …)

  • Das sexuelle Verlangen des Kindes ist vermehrt, was sich an einer Neigung zur Masturbation erkennen lässt.

  • Das Kind ist oft minderwüchsig (→Allgemeines – Zwergwuchs: calc-p, sulph, syph, …), aber dick (→Allgemeines – Fettleibigkeit – Kindern, bei: ant-c, calc, caps, ferr, kali-bi, …).

  • Es wirkt körperlich schwach (→Allgemeines – Schwäche – Kindern, bei: calc, kali-c, lyc, sil, sulph, …), hat ein blasses, etwas gedunsenes Gesicht, schütteres Haar und dünne Beine mit Genua valga (→Extremitäten – Knie, Lage der – innen, nach: lach, nux-v, …).

  • Charakteristisch für Barium carbonicum ist der ausgeprägte Lymphatismus: Lymphknotenschwellungen wie Knotenschnüre (bar-m, tub, …) am Hinterkopf (mag-m), um das Ohr (calc, nit-ac, …), in den Achselhöhlen, submaxillär, und sogar tastbar im Mesenterium (→Abdomen – Hart – Mesenterialdrüsen: bar-m, calc, lyc, nat-s, …). Bei akuten Erkrankungen sind diese Lymphknoten hart und schmerzhaft.

  • Die massive Tonsillenhyperplasie führt zur Schlafapnoe (bar-c erstes Mittel). Wegen der geschwollenen Adenoide ist der Mund immer offen (lach, lyc, op, sulph, …), der Speichel rinnt heraus, das Gesicht wirkt dümmlich (→Gesicht – Ausdruck – albern, töricht: bufo, lyc, nux-m, phos, stram, …).

  • Ein dicker, gelber chronischer Schnupfen führt zu Schwellung der Oberlippe (calc, hep, nit-ac, sulph, tub, …). Die Gegenwart von Fremden und das Essen warmer Speisen rufen Hustenreiz hervor.

  • Das Kind leidet unter einer chronisch-rezidivierenden Tonsillitis (bar-m, hep, psor, sil, tub, …) mit Halsschmerzen beim Mundöffnen und Sprechen. Auf den Tonsillen finden sich erweiterte Venen (bar-m, brom, cench, ham, lach). Begleitend tritt eine Otitis auf mit Hörschwäche (→Hören – schwerhörig – Tubenkatarrh, durch: asar, calc, kali-s, petr, puls, …).

Praxistipp

Nach Scharlach kann sich eine enorme Drüsenschwellung (am-c, lac-c) und eine Otitis purulenta entwickeln (→Allgemeines – Scharlach – Beschwerden nach: am-c, am-m, bell, cham, …).

  • Auch Mumps (→Gesicht – Entzündung – Parotis: bell, merc, puls, …), der meist rechtsseitig auftritt (bell, merc, …), hat bei der Barium-carbonicum-Konstitution eine Tendenz zu Komplikationen (→Männliche Genitalien – Schwellung – Hoden – Mumps, durch: carb-v, jab, puls, …).

  • Im Rahmen der Entwicklungsverzögerung besteht meist auch eine Enuresis nocturna, die sich durch Eifersucht oder Erwartungsspannung verstärkt. Mädchen entwickeln einen dicken, milchigen Fluor vaginalis (merc, sep, …).

  • Das Kind leidet unter Obstipation mit schwierigem schafskotartigen Stuhl. Beim Pressen werden Hämorrhoiden mit herausgedrückt (calc-p, rat, …).

  • Barium carbonicum ist eines der Mittel bei Oxyuriasis (cina, nat-m, sabad, sil, ter, teucr, …).

  • Die Hände sind trocken, mit entzündeten Nagelrändern, rissigen Fingerspitzen (graph, petr, sars, …) und Warzen. Das Kind hat eine schlechte Heilhaut und stinkenden kalten Fußschweiß (kali-c, lyc, puls, sil, …), durch dessen Behandlung tiefergehende Erkrankungen entstehen können (→Extremitäten – Schweiß – Füße – unterdrückt: sep, sil, zinc, …).

Jugendlicher
  • Der Jugendliche ist ein Einzelgänger, der wegen seines schlechten Selbstbewusstseins Gesellschaft und Vergnügen (ign, sulph, …) meidet. Er hat Angst, nicht gut auszusehen oder sich zu blamieren. Auf Grund seiner Verlegenheit ist sein Auftreten tolpatschig und ungeschickt (calc, nat-m, sil, sulph, …). Meist ist er schweigsam oder sucht beim Sprechen nach Worten (→Gemüt – vergesslich – Worte beim Sprechen, vergisst: arn, both, cann-i, …).

  • Er macht einen gleichgültigen Eindruck (lach, ph-ac) und ist unentschlossen schon bei Kleinigkeiten. Durch seine mangelnde Konzentrationsfähigkeit (→Gemüt – Studieren – schwierig: agar, anac, ars, phos, …) und Ausdauer (→Gemüt – Stumpfheit – denkt – lange denken, kann nicht: gels, ph-ac, phos, pic-ac, …) hat er Schulprobleme, die er durch Fleiß, Penibilität und häufiges Wiederholen des Stoffes wettzumachen sucht.

  • Äußerlich wirkt er vorgealtert, u. a. wegen seines vorzeitigen Haarausfalls bis hin zur Kahlköpfigkeit (→Kopf – Haar – Kahlköpfigkeit – jungen Menschen, bei: lyc, sil).

  • Seine körperliche Leistungsfähigkeit ist gering. Er muss sich oft hinlegen, v. a. nach dem Essen (ars, ph-ac, …).

  • Er ist sehr verfroren, u. a. fröstelt er an Händen und Füßen während Stuhldrang. Nur Kopfschmerzen bessern sich durch kalte Anwendungen.

  • Er leidet unter rezidivierenden Anginen oder unter den Folgen einer Mononukleose. Meist hat er Mundgeruch und am Morgen einen fauligen Geschmack im Mund. Ursache sind Fisteln oder Abszesse am Zahnfleisch, oder Karies bis hin zum Zahnwurzelabszess (hep, sil, …).

  • Die Haut ist sehr trocken. Im Gesicht entsteht dadurch das Gefühl einer Spinnwebe auf der Haut (graph). Die Hände fühlen sich an wie Pergament. Man findet Warzen, zystische Tumoren, Lipome und Akne, v. a. an der Stirn. Die Füße schwitzen übelriechend.

  • Die Menarche tritt verspätet ein (caust, graph, kali-c, nat-m, puls, …). Die Menses sind spärlich und kurz. Jugendliche Mädchen haben infantile Geschlechtsmerkmale.

Arzneimittelbeziehungen
  • Miasma: Psora, Sykose und Syphilis

  • Folgt gut auf: ars, psor, squil, sulph, tub

  • Bewährte Folgemittel: ant-t, chin, con, lyc, merc, nit-ac, phos, psor, puls, rhus-t, sep, sil, sulph, tub

  • Ergänzungsmittel: ant-t, apis, bell, bufo, calc, camph, dulc, merc, op, psor, sil, zinc

  • Unverträglich: nach calc, calc-p, merc

  • Antidote: ant-c, ant-t, bell, camph, dulc, merc, nat-s, zinc

Belladonna

#BelladonnaTollkirsche.
Leitsymptome
  • Plötzliche Wutausbrüche

  • Hohes Fieber mit Halluzinationen und Fieberdelir

  • Konvulsionen, Fieberkrämpfe

  • Plötzliche, heftige Beschwerden

  • Schmerzen klopfend, pulsierend

  • Betroffene Partien rot, heiß, trocken

  • Kopf heiß, Hände und Füße kalt

  • Pupillen erweitert, glänzende Augen

  • < Berührung, Erschütterung und Zugluft

  • Verlangen nach Zitronen und Zitronensaft

Betroffene Organsysteme und Indikationen
  • Organsysteme: Wirkt v. a. auf Nervensystem, Schleimhäute, Blutgefäße und Haut.

  • Indikationen: Indiziert u. a. bei Angina tonsillaris, Appendizitis, Arthritis, Dreimonatskoliken, Enuresis, Epilepsie, fieberhaften Erkrankungen, Fieberkrampf, Hyperpyrexie, Hypertonie, Invagination, Migräne, Otitis, Pneumonie, Scharlach, Schlaflosigkeit, Sinusitis, Stottern, Tonsillitis, Zystitis.

Geist- und Gemütssymptome
  • Plötzliche und heftige Symptome und Reaktionen. Schnelle Auffassungsgabe, agiert schnell; schnelle Augenbewegungen. Sehr empfindsam, zart besaitet, Künstlertyp. Überempfindlich, kommt leicht in Halluzinationen oder Delirium.

  • Halluzinationen, schreckliche Visionen, Furcht vor eingebildeten Dingen (hell, med, phos, stram, …), Gespenstern, Tieren. Meint, jemand sei unter dem Bett. Sieht entsetzliche Gesichter beim Schließen der Augen (calc, …). Phantasien von Verfolgung, Feuer, drohendem Tod. Koma voll schrecklicher Träume. Bewusstlosigkeit unterbrochen durch Schreien.

  • Versucht zu fliehen (hyos, …), versteckt sich, springt aus dem Bett. Plötzliche Bedrohung von außen; muss fliehen, um zu überleben (Sankaran). Furcht vor Hunden (caust, chin, hyos, puls, stram, tub, …) oder anderen Tieren. Horror vor Flüssigkeit; Durst – aber mag nicht trinken (lyss, stram, hyos). Furcht im Wechsel mit Raserei. Belladonna ist Opfer seiner eigenen geistigen Erregung (Candegabe).

  • Plötzliche Wutausbrüche (→Gemüt – Raserei: agar, canth, hyos, lyc, op, stram, verat, …). Spuckt, beißt, will alles anzünden, schlägt mit dem Kopf gegen die Wand. Zerreißt Dinge, zieht andere an den Haaren, schreit oder lacht unmotiviert und laut (→Gemüt – lachen – laut: hyos, stram, …). Verzerrt das Gesicht. Muss festgehalten werden (→Gemüt – Raserei – gefesselt werden; muss: stram, tarent, hyos, …).

  • Plötzliche Stimmungsumschwünge. Launenhaft, eigensinnig; unzufrieden mit sich selbst. Weint bei Tadel, mag weder Trost noch Berührung. Fürchtet Gesellschaft und jedes Geräusch. Während Krankheiten, v. a. im Fieber, delirant, heftig und widerspenstig. Ein Teufel, wenn krank und ein Engel, wenn gesund.

Allgemeinsymptome
  • Wetter: Sonnenhitze und Zugluft verschlechtern. Empfindlich gegen Kälte am Kopf, Haare waschen, Haare schneiden.

  • Zeit: 15:00 Uhr.

  • Verlangen: Zitrone. Zitronensaft, Zitronenlimonade. Apfelsaft. Brot. Butterbrot. Unverdauliches. Brei. Haferschleim. Kalte Speisen. Durst auf Kaltes; im Fieber eher durstlos (acon hat großen Durst).

  • Abneigung: Fleisch. Fett. Saure Speisen. Warme, gekochte Speisen. Gemüse. Kaltes Wasser. Milchmag sie nicht einmal riechen. Eier. Bier.

  • Seite: Rechts.

  • Schlaf: Will bei Licht schlafen (→Gemüt – Licht – Verlangen nach: gels, stram, …). Müde, aber kann nicht einschlafen (→Schlaf – Schlaflosigkeit – Kindern, bei: ars, carc, cham, cina, coff, cypr, …). Schreckliche Visionen, sobald die Augen geschlossen sind. Jammert, schreit, spricht laut (arn, sil, sulph) und wirft sich herum. Zuckt, fährt plötzlich hoch aus dem Schlaf. Zähneknirschen (tub, ars, cina, …). Schläft auf dem Bauch, den Kopf nach hinten gebeugt (cina, hep, nux-v, spong, …), die Augen offen (cocc, lyc, …). Träumt vom Fallen, von Kampf, Feuer, Räubern, Mördern.

  • Schweiß: Tritt plötzlich auf und verschwindet plötzlich. Reichlich im Schlaf, an bedeckten Körperteilen, weniger am Kopf (calc schwitzt hauptsächlich am Kopf). Schweiß riecht sauer oder wie verbrannt, färbt die Wäsche.

Causa und Modalitäten
  • Causa: Furcht. Unterdrückte Leidenschaft. Missbrauch. Aufenthalt an der Sonne.

  • < Erschütterung. Berührung. Bewegung. Abkühlung, v. a. am Kopf. Überhitzung. Sonnenhitze. Zugluft. Unterdrückter Schweiß. Licht. Lärm. Druck.

  • > Bauchlage. Zurückbeugen, Kopf anlehnen. Leichte Bedeckung. Wärme. Hand auflegen. Magnetisieren. Ruhe.

Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit
  • Schwangerschaft: Diplopie, Harninkontinenz, Schlaflosigkeit. Drohender Abort im dritten Schwangerschaftsmonat

  • Geburt: protrahiert durch rigiden Muttermund. Wehen zu schwach oder exzessiv, mit Toben und Schreien. Uterusprolaps. Plazentaretention

  • Stillzeit: Wochenbettpsychose mit Schlaflosigkeit. Mangel oder Überschuss an Milch; rechtsseitige Mastitis. Kopfschmerzen nach jedem Stillen

Neugeborenes
  • Belladonna ist ein wichtiges Mittel bei akuten Zuständen in der Neonatalphase:

    • Asphyxie (arn, ant-t, camph, laur, op, …)

    • Intrakranielle Hämorrhagie (→Kopf – Gehirnblutung: acon, gels, lach, op, …)

    • Hydrozephalus

    • Meningitis

    • Neugeborenenkrämpfe (→Allgemeines – Konvulsionen – Neugeborenen, bei: art-v, cupr, nux-v), v. a. nach dem Trinken, durch Lichtreize und durch Aufregung

  • Retinopathie (→Auge – Bluten aus den Augen – Netzhautblutung: crot-h, lach, phos, …). Das Neugeborene ist tachykard und hyperexzitabel. Es zuckt, fährt auf wie durch Schreck, bewegt sich konvulsivisch (agar, …) und rollt mit dem Kopf (tub, …).

  • Auffällig ist der ausgeprägte muskuläre Hypertonus. Das Baby liegt überstreckt (→Kopf – gezogen; der Kopf wird – hinten, nach: cic, cina, cupr, med, op, stry, …), bohrt den Kopf ins Kissen (apis, hell, podo, …). Es hat die Daumen eingeschlagen (→Extremitäten – gezogen – innen, nach – Daumen: cupr, camph, cic, lach, …), verdreht krampfhaft die Augen und schielt (apis, cic, cycl, …).

  • Belladonna bessert Schlaflosigkeit bei Neugeborenen, v. a. nach operativer Entbindung (→Schlaf – Schlaflosigkeit – Narkotika – nach: nux-v, stram).

Säugling

Praxistipp

Das Baby ist schreckhaft und extrem empfindlich auf Licht, Geräusche und Erschütterung. Es schreckt oft schon durch das geringste Geräusch auf und schreit beim Wickeln (→Allgemeines – Entblößen – Abneigung gegen: ars, nux-v, …).

Heftige Dreimonatskoliken machen die Eltern ratlos.
  • Die Schmerzen treten plötzlich auf, meist am frühen Nachmittag, und verschwinden ebenso plötzlich wieder.

  • Das Kind bekommt einen hochroten Kopf, überstreckt sich (→Abdomen – Schmerz – Beugen – hinten, nach – amel.: dios, lac-c, nux-v, …), der Bauch ist gespannt und heiß mit starker Berührungsempfindlichkeit.

  • Bauchlage und sanftes Auflegen der Hand wirken beruhigend. Die Beschwerden werden von krampfartigem Schluckauf begleitet.

Das Kind neigt schon im Säuglingsalter zu rezidivierenden, hoch fieberhaften Erkrankungen (→Fieber – remittierend – Kleinkindern, bei: acon, bry, cham, gels, ip, …). Ursache sind oft:
  • Banale Infekte mit Schnupfen und Konjunktivitis (→Auge – Entzündung – Kindern, bei – Kleinkinder: arg-n, ars, calc, puls, thuj, …),

  • Säuglingsdurchfall (→Rektum – Cholera – infantum: aeth, guaj, …) oder einfach nur die

  • Zahnung (→Fieber – Zahnung, während der: acon, cham, ferr-p, gels, phyt, rheum, sil, verat-v, …).

Belladonna ist aber auch indiziert bei ernsthaften Erkrankungen wie Meningitis, Enzephalitis und frühkindlicher Epilepsie (→Allgemeines – Konvulsionen – Kindern, bei – Kleinkindern: art-v, bufo, cham, cupr, hell, hydr-ac, mag-p, meli).
  • Das Baby krampft mit rotem oder bläulichem Gesicht und erweiterten Pupillen; nach dem Krampfanfall ist eine Körperhälfte hypoton.

  • Residualzustände sind Hyperexzitabilität, Hyperreflexie und muskuläre Hypertonie mit Opisthotonus, Spitzfußstellung, Einwärtsdrehen der Arme und Fäusteln.

  • Belladonna ist bewährt bei einer flächig roten, glänzenden und brennend heißen Windeldermatitis.

  • Weitere Indikationen im Säuglingsalter sind Erysipel (→Haut – Erysipel – Kindern; bei – Neugeborenen; bei: carb-an), schmerzhafte oder inkarzerierte Leistenhernie (nux-v, op, …) und Analprolaps.

Kleinkind und Schulkind
Das Kind wirkt robust und kräftig und hat einen großen Kopf und gerötete Wangen. Es ist oft blond und blauäugig (brom, calc, graph, sulph, …). Es ist sehr empfindsam und häufig frühreif; nur die Sprachentwicklung kann verzögert sein (nat-m, …). Auffallend ist sein großes Temperament:
  • Es ist immer in Bewegung, springt auf Stühle und Tische, nimmt alles in die Hand (→Gemüt – berühren; muss alles: carc, cina, hyos, merc, sulph, tub, …) und ist laut (→Gemüt – Geräusche – Neigung Krach, Lärm zu machen: nur bell dreiwertig) und übermütig (→Gemüt – Possen, spielt – Kinder: hyos, merc, …). Am liebsten spielt es Verstecken.

  • Ähnlich wie Calcium carbonicum neigt es zu starkem Eigensinn.

    • Dabei steigert es sich rasch in heftige Wutanfälle hinein. Das Gesicht rötet sich vor Zorn (cham, nux-v, …).

    • Mit wildem Blick fängt es an zu beißen (→Gemüt – beißen – Kindern, bei: hyos, op, stram, tub, …), zu spucken, zu schlagen (→Gemüt – schlagen – Umstehende; schlägt: hyos, lyc, stram, …) oder andere an den Haaren zu ziehen.

    • Es schreit heftig, was sich durch Trost noch verschlimmert. Manchmal schlägt es vor Wut mit dem Kopf gegen die Wand oder auf den Boden (apis, hyos, phos, syph, tarent, tub, …).

  • Auch behinderte Kinder mit aggressiver Verhaltensstörung reagieren gut auf Belladonna (→Gemüt – Idiotie – Beißen; Verlangen zu: stram).

  • Charakteristisch ist die Furcht vor schwarzen Tieren, Wölfen, Hunden oder Ratten. Typisch sind auch Stottern (caust, merc, nux-v, stram, …) und Zähneknirschen.

  • Alle Symptome treten plötzlich auf und sind heftig. Belladonna ist ein wichtiges Mittel bei Erkrankungen des zentralen Nervensystems, v. a. bei Epilepsie, Meningoenzephalitis (→Kopf – Entzündung – Gehirn: acon, camph, cupr, hell, hyos, op, …) und Sonnenstich (→Kopf – Sonnenstich: acon, glon, nat-c, …). Das Kind ist delirant bis stuporös, rollt den Kopf und neigt zu tonisch-klonischen Krampfanfällen, gefolgt von Bewusstlosigkeit und Erbrechen.

Praxistipp

Die meisten Verschreibungen von Belladonna betreffen akute hochfieberhafte Infekte (→Fieber – Entzündungsfieber: acon, apis, bry, cham, gels, merc, puls, rhus-t, …). Das Kind entwickelt plötzlich glühende Hitze, die den Untersucher mit der Hand zurückfahren lässt. Meist ist das Fieber trocken, manchmal wechseln sich auch Schweiß und Trockenheit ab. Der Puls ist hart und gespannt. Der Kopf ist heiß und rot, während Hände und Füße kalt sind.

  • Alle erkrankten Teile sind rot, trocken und heiß, auch die Schleimhäute sind trocken. Die Augen sind glasig, die Pupillen erweitert (→Auge – Pupillen – erweitert – Hitze, während: nur bell dreiwertig). Die Zunge ist geschwollen und hochrot (apis, ars, merc, nit-ac, phos, rhus-t, …).

  • Alle fieberhaften Erkrankungen können von einem heißen und leuchtend roten Exanthem begleitet sein (→Fieber – Continua – Ausschlagfieber: apis, rhus-t, …).

  • Das Kind ist eher durstlos und apathisch (apis: durstlos und unruhig; acon und rhus-t: durstig und unruhig). Es ist jedoch extrem empfindlich auf Sinnesreize wie Licht, Geräusche, Berührung und v. a. Erschütterung – es verlangt nach völliger Ruhe und Dunkelheit.

  • Das Fieber führt zu einem deliranten Zustand mit Wahnideen (ars, hyos, stram, sulph, …), Stöhnen, Weinen (acon, puls, …), äußerster Erregung und Versuch zu fliehen. Es kommt zu Zuckungen und schließlich zum Fieberkrampf (→Allgemeines – Konvulsionen – Hitze, während: cic, cina, ferr-p, hyos, nux-v, stram, …).

  • Häufiger Befund ist eine akute Otitis media rechts (→Ohr – Schmerz – rechts: lyc, nit-ac, nux-v, puls, …) mit vorgewölbtem und hochrotem Trommelfell. Der Schmerz verschlimmert sich durch Schluckauf. Vor allem nachts schreit und tobt das Kind vor Schmerzen (→Gemüt – schreien – Schmerzen, bei den: acon, cham, coloc, …). Typisch ist auch eine Konjunktivitis (→Auge – Entzündung – katarrhalisch – Erkältung, durch: acon, all-c, calc, dulc, euphr, merc, puls, …) mit injizierten Konjunktivalgefäßen und erheblicher Photophobie (→Auge – Photophobie – Frost; während: nur bell dreiwertig).

Praxistipp

Belladonna ist ein wichtiges Mittel bei Kinderkrankheiten, etwa bei Mumps mit rechtsseitiger Parotitis, im Anfangsstadium von Masern und bei Angina tonsillaris oder Scharlach.

  • Die Tonsillitis betrifft mehr die rechte Seite und erzeugt ein starkes Trockenheits- und Engegefühl (→Innerer Hals – eng – Gefühl von Enge: nur bell dreiwertig). Tonsillen und Uvula sind geschwollen und hochrot, auch Stippchen kommen vor (→Innerer Hals – Entzündung – follikulär: ail, hep, ign, iod, lac-c, nat-m, merc, phyt, …). Das Schlucken von Flüssigkeiten ist extrem schmerzhaft (lach, merc-c, …); das Kind streckt beim Schlucken den Kopf nach vorne und zieht die Beine an.

  • Die Tonsillitis ist begleitet von schmerzhaft geschwollenen Halslymphknoten.

  • Das Kind verträgt keine Kleidung am Hals (lach, …).

  • Belladonna wirkt auch gut bei Laryngitis mit schmerzhafter Heiserkeit (brom, iod, phos, …) und Kruppsymptomatik. Der Druck auf den Kehlkopf ist schmerzhaft und provoziert einen bellenden Husten (chin, lach, rumx, …), bei dem sich das Kind vor Schmerzen an den Hals fasst (acon, all-c, dros, hep, phos, …).

  • Nachts treten Anfälle von heftigem und hartnäckigem Kitzelhusten auf. Der Husten klingt hohl oder bellend wie ein Hund, der Hustenreiz nimmt mit dem Husten zu (→Husten – Hustenreiz – steigt an, je mehr man hustet: ign, …). Das Kind weint vor jedem Hustenanfall (arn, bry, hep, …).

  • Belladonna ist ein bewährtes Mittel bei Keuchhusten; die Hustenattacken treten bei geringster Bewegung und vermehrt nach Mitternacht auf; sie sind häufig von Bauchschmerzen begleitet.

  • Belladonna ist auch angezeigt bei Asthma durch feuchte Hitze (carb-v, ip, syph, …) und bei rechtsseitiger Pneumonie mit Schlaflosigkeit und Stöhnen bei jedem Atemzug.

  • Bei akuten Bauchschmerzen handelt es sich meist um harmlose Nabelkoliken (→Abdomen – Schmerz – steigt – schnell – sinkt – schnell: cycl, vib). Die Schmerzen werden stärker durch Bewegung, Erschütterung und Druck (bry beruhigt sich eher durch sanften Druck); sie bessern sich in Bauchlage. Manchmal ist der Bauch so schmerzhaft und berührungsempfindlich, dass eine Invagination oder eine Appendizitis (→Abdomen – Entzündung – Zökum: apis, bry, lach, merc, op, rhus-t, thuj, …) vermutet werden muss. Auch bei einer akuten Hepatitis kann Belladonna indiziert sein (→Abdomen – Entzündung – Leber: acon, ars, chel, lyc, nat-s, nux-v, …).

  • Belladonna ist eines der Mittel bei Enuresis nocturna. Das Kind ist nicht zu wecken (caust, kreos, sep) und nässt auch beim Mittagsschlaf ein (nur bell).

  • Es hilft bei Zystitis mit häufigem Harndrang und bei Pyelonephritis.

  • Bei akuter Arthritis ist das betroffene Gelenk glühend heiß, geschwollen, und leuchtend rot. Die Schmerzen sind unerträglich bei Bewegung oder Erschütterung und bessern sich durch kalte Anwendungen.

  • Klassische Indikationen von Belladonna sind Sonnenbrand (→Allgemeines – Sonnenbrand: puls, …) und Erysipel. Die betroffene Hautstelle ist glänzend rot und berührungsempfindlich mit brennenden Schmerzen (ähnlich apis, das aber eine ödematöse Schwellung aufweist). Auch andere entzündliche Hauterkrankungen wie Abszesse, Phlegmonen, Panaritien oder Gerstenkörner reagieren im frühen Entzündungsstadium gut auf Belladonna. Folgemittel ist häufig Hepar sulfuris.

Jugendlicher
  • Der Jugendliche ist vollblütig und kräftig. Er ist intelligent, kontaktfreudig und voller Lebensfreude und Energie. Er verlangt nach körperlicher Anstrengung und tanzt gerne (carc, sep, tarent, …). Seine rasche Auffassungsgabe und seine Sensibilität führen leicht zu Übererregung. Dann wird sein Blick unruhig (lach, …), er bekommt plötzliche Wutausbrüche oder heftige körperliche Symptome.

  • Eine häufige Beschwerde sind starke neuralgische Schmerzen (→Neuralgien bei Jugendlichen: acon, coloc, gels, kalm, spig nach Pennekamp).

  • Es handelt sich meist um brennende, pochende oder einschießende Schmerzen. Die befallenen Körperteile sind rot und geschwollen.

  • Sanftes Handauflegen bessert (→Allgemeines – Auflegen der Hand auf die betroffene Stelle – amel.: croc, mang, phos, …).

  • Belladonna ist indiziert bei akut auftretendem oder chronischem Schwindel, der sich verstärkt durch Drehen oder Vorwärtsbeugen des Kopfes und Umdrehen im Bett.

  • Typisch ist ein rasender Kopfschmerz (→Kopf – Schmerz – wahnsinnig machender Schmerz: gels, …), der von den Schläfen ins rechte Auge zieht (sang, …). Er ist von Blutandrang mit erweiterten Schläfenvenen (chin, …) und Kälte der Füße begleitet. Der Kopf ist extrem empfindlich gegen Erschütterung, etwa Treppensteigen oder Kopfschütteln. Auslösend oder verschlimmernd wirken auch Licht, Lärm, Zugluft, Abkühlung, Haare schneiden und Aufenthalt an der Sonne. Der Kopfschmerz bessert sich durch kalte Anwendungen, Zurücklegen des Kopfes und Abdunkeln des Zimmers.

  • Weitere Schmerzlokalisationen betreffen das Gesicht mit Fazialisneuralgie, rechtsseitige Sinusitis und Zahnschmerzen (→Zähne – Schmerz – Schwellung, mit – Wangen, der: bry, lach, merc, …), und den Rücken (→Rücken – Schmerz – zerbrechen würde, als ob der Rücken: nur bell dreiwertig).

  • Die Menses erscheinen meist zu früh und sind reichlich, mit großen und dunklen Klumpen. Die Mädchen klagen über heftige Dysmenorrhö.

  • Neben Erysipel kann Belladonna auch Akne heilen, mit hochroten schmerzhaften Pusteln, die zu Narbenbildung führen (sil, thuj, tub, …).

Arzneimittelbeziehungen
  • Miasma: akut, Psora, Syphilis, Tuberkulinismus

  • Folgt gut auf: ars, cham, cupr, hep, lach, merc, nit-ac, phos

  • Bewährte Folgemittel: acon, ars, cact, calc, carb-v, cham, chin, con, cur, dulc, hep, hyos, lach, merc, merc-i-r, mosch, mur-ac, nux-v, puls, rhus-t, seneg, sep, sil, stram, sulph, valer, verat

  • Ergänzungsmittel: acon, bor, calc, cham, cist, cupr, cupr-act, glon, hep, hyos, lach, merc, nat-m, nit-ac, op, plat, plb, puls, rhus-t, sulph, tub, vario

  • Unverträglich mit: acet-ac, dulc, merc-i-f, sec. Weinessig.

  • Antidote: acon, camph, coff, con, hep, hyos, merc, nux-v, op, puls, rad-br, sabad, stram. Kaffee, Tee, Wein und pflanzliche Säuren

Bryonia alba

#Bryonia albaZaunrübe. Heute wird meist die rote Zaunrübe, Bryonia dioica verwendet; Hahnemann prüfte Bryonia alba, die weiße Zaunrübe.
Leitsymptome
  • Materialistisch

  • Reizbar, will seine Ruhe, will nach Hause

  • Stechende Schmerzen

  • Trockene Schleimhäute

  • Trockener, schmerzhafter Husten (Bronchitis, Pneumonie, Asthma)

  • < Bewegung

  • < Wärme

  • < abends (21:00 Uhr) und nachts (3:00 Uhr)

  • > Ruhe

  • > Druck und Liegen auf der schmerzhaften Seite

Betroffene Organsysteme und Indikationen
  • Organsysteme: Wirkt v. a. auf Luftwege, seröse Häute (Meningen, Pleura, Gelenke, Peritoneum), Verdauungstrakt, Kreislauf, Nervensystem und Muskulatur.

  • Indikationen: Indiziert unter anderem bei Appendizitis, Aphthen, Arthritis, Asthma, Bronchopneumonie, Diarrhö, Dreimonatskoliken, fieberhaftem Infekt, Gastritis, Influenza, Kopfschmerzen, Konjunktivitis, Meningitis, Migräne, Obstipation, Peritonitis, Pleuritis, Pneumonie, Pylorusstenose, rheumatoider Arthritis, Schwindel, Torticollis, Tracheitis, Uveitis, Zahnungsbeschwerden.

Geist- und Gemütssymptome
  • Materialistisch. Spricht immer nur von seinem Besitz, vom Geschäft (hyos, …), vom Geldverdienen. „Krankheit der Sicherheit“ (Masi). Große Furcht vor Armut (calc-f, calc, fl-ac, psor, sep, …), vor dem Verhungern (sep, …). Geizig (→Gemüt – Geiz – Angst um die Zukunft – Geiz aus: nux-v, ph-ac, psor, …); verlangt mehr, als er braucht (ars, …), häuft Dinge an, spart. Verschenkt nicht, sondern verkauft.

  • Grundlose Angst (nur bry dreiwertig). Tiefe emotionale Unsicherheit mit Zukunftsangst (calc, chinin-s, cic, phos, spong, …). Furcht vor dem Altern. Angst aus dem Magen heraus, mit Unruhe; besser draußen, an der frischen Luft. Unflexibel (< Bewegung), kleinkariert, konservativ (kali-c, lyc). Furcht vor Gewitter.

  • Reizbarkeit, Jähzorn. Ärgert sich über alles, auch über sich selbst. Reagiert gereizt auf Fragen; zornig durch Widerspruch (aur, ferr, ign, lyc, sep, …); versteht keinen Spaß. Reizbar während Krankheiten, etwa bei Husten oder Fieber (ant-c, ars, cham, nat-c, nux-v, sulph, …). Zorn mit rotem Gesicht (bell, cham, nux-v). Launisch; verlangt nach Dingen, die schwer zu beschaffen sind, wirft sie dann weg (cham, …).

  • Will seine Ruhe (gels, …), will nicht angesprochen werden, keine Störung (cocc, nux-v, sep, …). Mag keine Berührung, niemand darf sich nähern; mag keine Fremden um sich (ambr, bar-c, cic, nat-m, sep, …). Nüchtern, ohne Lebensfreude und Phantasie. Unfähig zu leidenschaftlicher Liebe – emotional ausgetrocknet; unempfindlich für die Gefühle anderer.

  • Furcht vor Bewegung. Mag nicht getragen werden oder hochgehoben werden (anders cham).

  • Will nach Hause (→Gemüt – Hause, zu – Verlangen, nach Hause zu gehen: nur bry dreiwertig), selbst wenn er zu Hause ist (→Gemüt – Wahnidee – Hause, zu – weg von zu Hause, er sei: coff, hyos, nux-v, op, rhus-t, …). Springt plötzlich aus dem Bett und versucht zu fliehen (→Gemüt – Furcht – fliehen, mit Verlangen zu: bell, …).

Allgemeinsymptome
  • Wetter: Warmblütig. Verschlechterung durch Hitze, Erwärmung, warmes Zimmer, Wetterwechsel zum Warmen, Abkühlung nach Überhitzung. Besser an kühler frischer Luft und bei nassem Wetter (caust, hep, nux-v, …).

  • Zeit: morgens beim Aufstehen. Abends um 21:00 Uhr (→Fieber, bleibt dann hoch die ganze Nacht; Asthma), nachts nach 3:00 Uhr.

  • Verlangen: Kalte oder warme Getränke, warme Milch, Suppe, Wein, saure Speisen oder Getränke, Kaffee, Austern, Fleisch, Süßes, Merkwürdiges und Unverdauliches. Gourmand (nux-v: Gourmet). Durst auf große Mengen kaltes Wasser. Launischer Appetit (chin, cina, ign, puls, …).

  • Abneigung: Fette Speisen, Bier, hartgekochte Eier, Kohl, Fleisch, Milch (wenn er sie aber trinkt, schmeckt sie ihm), Kaffee. Unverträglichkeit von Hülsenfrüchten, Kohl, Brot, Obst.

  • Seite: Rechts (außer Kopfschmerzen).

  • Schlaf: Schlaflos vor 0:00 Uhr. Hitzegefühl abends im Bett, stößt die Bettdecken weg. Fährt hoch beim Einschlafen. Schlaf gut nur jede zweite Nacht. Schlafwandeln (acon, cycl, nat-m, op, phos, spong, zinc, …). Stöhnt im Schlaf (aur, …). Schläft in Rückenlage oder auf der linken Seite; zusammengerollt wie ein Hund. Rechts Liegen verschlechtert. Träumt von harter Arbeit, Zank, Putzen.

  • Schweiß: Profuser Schweiß, v. a. beim Gehen im Freien. Bei Fieber aber eher trocken. Nachtschweiß an einzelnen Stellen, von 22:00 Uhr bis morgens, ölig, sauer.

Causa und Modalitäten
  • Zorn mit Ärgerlichkeit. Verachtung (cham, nat-m, nux-v, …). Eile. Ärger. Stiller Kummer. Überanstrengung. Erschütterung. Unterdrückung. Kalt Trinken im Sommer. Haareschneiden. Gelenkverletzung.

  • < Geringste Bewegung: Aufstehen, Bücken, Anstrengung, tief Atmen. Plötzlicher fester Druck. Berührung. Wärme, Sommer, warmes Wetter, warme Getränke. Trockene Kälte, Abkühlung, Zugluft. Kalte Getränke oder Eiscreme bei Sommerhitze. Aufstehen am Morgen. Abends 21:00 Uhr. Unterdrückte Absonderungen oder Hautausschläge.

  • > Ruhe. Kontinuierlicher sanfter Druck. Bandagen. Gehaltenwerden. Liegen auf der schmerzhaften Stelle. Kühle frische Luft, kalte Anwendungen (apis, …). Schwitzen. Warme Getränke. Kalte Speisen und Getränke.

Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit
  • Schwangerschaft: Magenschmerzen mit Übelkeit und Erbrechen, Obstipation, krampfartige Schmerzen im Uterus; Nasenbluten, Kopfschmerzen oder Zahnschmerzen

  • Geburt: Exanthem und starke Schweißbildung (acon, …).

  • Stillzeit: Milcheinschuss verspätet oder ausbleibend. Fieber während des Stillens (bell, …). Mastitis mit steinharter, heißer, hellroter und äußerst schmerzhafter Brust: Jede Bewegung verschlechtert, die Patientin stützt die Brust mit der Hand (phyt) und hält sie fest, wenn sie die Treppe hinuntergeht.

Neugeborenes
  • Das Baby mag nicht trinken, außer man befeuchtet vorher den Mund und die Lippen (borx). Es hat Verdauungsprobleme durch trockenen, harten und großen Stuhl. Die Brustdrüsen sind geschwollen (→Brust – Schwellung – Mammae – Kindern, bei – Kleinkindern, bei: bell, arn, cham, hep, sil).

  • Bryonia kann auch bei schweren Krankheiten wie Meningitis oder Sepsis hilfreich sein. Das Kind macht Kaubewegungen oder schiebt den Unterkiefer vor und zurück. Das Mittel kommt auch infrage bei Peritonitis mit Flüssigkeit in der freien Bauchhöhle (→Abdomen – Wassersucht – begleitet von Entzündung des Peritoneums: rhus-t).

Säugling
  • Bryonia ist in erster Linie bei Verdauungsproblemen angezeigt. Das Kind ist zunächst hungrig, mag aber dann das Angebotene nicht essen.

    • Es verweigert die Muttermilch (→Allgemeines – Speisen und Getränke – Milch – Abneigung – Muttermilch – Kind verweigert die: acet-ac, borx, calc, calc-p, mag-c, merc, ph-ac, sil, …), macht aber auch Probleme beim Zufüttern.

    • Von Obst, Brot und blähenden Speisen bekommt es Verdauungsstörungen mit aufgetriebenem Bauch (carb-v, kali-c, lyc, nux-v, …), Bauchschmerzen und übelriechende Flati.

    • Oft hat es dabei Schluckauf im Wechsel mit Aufstoßen.

    • Es schreit und zieht die Beine an (→Abdomen – Schmerzen – Beugen der Beine amel.: bell, coloc, podo, sep, …); durch sanften Druck oder Bandagen um den Bauch lässt es sich beruhigen.

Praxistipp

Bryonia ist eines der Mittel bei Pylorusstenose (→Magen – Zusammenschnürung – Pylorus, des: abrot, aeth, cann-i, crot-h, nux-v, phos): Das Kind erbricht sofort nach dem Trinken, auch nach kleinsten Mengen (ars, bism, cadm-s, …). Vor allem Rückenlage und jede Bewegung – etwa das Heben des Kopfes – führen zum Erbrechen. Das Erbrechen ist gefolgt von Schluckauf (verat, …).

  • Das Kind neigt zu Obstipation mit trockenem Stuhl, der nach altem Käse riecht. Charakteristisch ist der Stuhldrang nach dem Wickeln (→Rektum – Stuhldrang – Kleidung – beim festen Zuziehen der (1): bry).

  • Alle Schleimhäute und die Lippen sind trocken, das Kind ist daher immer durstig. Es leidet an Aphthen (→Mund – Aphthen – Kindern, bei – Kleinkindern, bei: borx, calc, corn, merc, nux, sul-ac, sulph), unter anderem an der Zungenspitze.

  • Weitere Beschwerden des Säuglings sind Augenentzündungen und Zahnungsbeschwerden. Bryonia ist ein wichtiges Mittel bei der frühkindlichen Bronchopneumonie (→Brust – Entzündung – Lunge – Pneumonie – Kindern, bei: acon, ant-t, carc, ferr-p, ip, kali-br, kali-c, lob, lyc, merc, nux-v, op, phos, tub).

Kleinkind und Schulkind
Das Kind ist launisch und kapriziös; es verlangt nach Dingen, die gerade nicht vorhanden sind, und lehnt sie ab, wenn sie beschafft wurden (→Gemüt – launenhaft, launisch – weist Dinge zurück, die er haben wollte, sobald er sie bekommt – Kindern, bei: cham, cina, ip, rheum, staph). Wenn es nicht nach seinem Willen geht, wird es sehr zornig (cham, cina, kreos). Oft besteht auch eine gewisse Unruhe; das Kind durchstöbert die Umgebung (→Gemüt – Ruhelosigkeit – Kindern, bei – streunen, streifen umher: bell, nux-v) und geht dabei achtlos mit Sachen um; es verdreckt alles und uriniert oder defäkiert sogar auf den Boden. Die schlechte Stimmung spitzt sich während fieberhafter Erkrankungen zu.
  • Akute Beschwerden wie Fieber oder Exantheme (→Haut – Hautausschläge – Exanthem, flüchtiges – Kindern, bei: acon, cham, ip, sulph) entwickeln sich langsam (con, sil; anders acon, bell) und bilden sich dann nur langsam zurück.

  • Das Kind fiebert remittierend (acon, bell, cham, ip, gels, …) oder kontinuierlich mit Fiebermaximum abends oder nachts. Das Kind zupft sich dabei an Nase oder Lippen (→Gemüt – Delir – Zupfen – …). Es ist jammerig (acon, nux-v, puls, …), mürrisch und lärmempfindlich.

Praxistipp

Alle Beschwerden verschlechtern sich durch Bewegung und bessern sich durch Ruhe und sanften Druck.

  • Erkältungen sind begleitet von einer trockenen, schmerzhaften Konjunktivitis (→Allgemeines – Krankengeschichte von, persönliche – Augen – Entzündung der – von wiederkehrender: ars, calc, lyc, psor, sulph); jede Bewegung der Augen ist unangenehm. Bryonia ist auch eines der Mittel bei Uveitis (aur, gels, kali-bi, rhus-t, …).

  • Das Kind hat Nasenbluten morgens oder beim Gehen im Freien. Sein Schnupfen bessert sich an der frischen Luft (→Nase – Katarrh – Freien, im – amel.: puls, aur, mag-m, …) und geht einher mit Laryngitis (carb-v, caust, mang, merc, phos, …).

  • Alle Schleimhäute sind trocken: Lippen, Mund, Zunge und Hals. Dies führt zu starkem Durst auf große Mengen Flüssigkeit, auch nachts und v. a. bei Fieber. Die Lippen sind rissig, das Kind zupft daran (arum-t, …). Auf der Zunge zeigt sich ein dicker weißer, gelblicher oder dunkelbrauner Belag (acon, ant-c, cham, nux-v, phos, puls, …). Alle Speisen schmecken bitter, das Kind muss nachtrinken.

  • Es leidet unter Zahnschmerzen der Backenzähne; die Wange ist angeschwollen (bell, lach, merc, …), kalt Trinken und Liegen auf der schmerzhaften Seite bessern.

  • Bryonia ist hilfreich bei Magenbeschwerden im Kindesalter (→Magen – Kindern, Beschwerden von: bell, ip, merc, nux-v, puls, …). Dem Kind ist übel beim Aufrichten im Bett und beim Liegen auf der rechten Seite. Es erbricht kleinste Mengen Flüssigkeit sofort nach dem Trinken (ars, bism, cadm-s, …), v. a. warme Getränke; kalte Getränke werden besser vertragen. Bei fieberhaften Infekten muss es viel aufstoßen (carb-v, nux-v, …).

  • Typische Krankheiten, bei denen Bryonia angezeigt ist, sind Entzündungen und Exsudationen seröser Membranen. Bei Appendizitis ist Bryonia nach Vithoulkas in 75 % der Fälle das erste Mittel (apis, arn, bell, lach, merc-c, op, phos, sil, …). Auch bei Peritonitis kann es bis zur chirurgischen Intervention als Palliativum eingesetzt werden. Das Kind liegt auf der schmerzhaften Seite, die Schmerzen werden bei der kleinsten Bewegung unerträglich, aber bessern sich durch sanften Druck.

  • Das Kind leidet unter chronischer Obstipation (coll, nat-m, nux-v, plb, …) ohne Drang; der Stuhl ist groß und trocken, er sieht aus wie verbrannt. Diarrhö tritt auf bei warmem Wetter, wenn kalt getrunken wird, oder nach Genuss von Obst. Der Stuhl entleert sich spritzend beim ersten Herumgehen morgens (nat-s, …).

  • Am häufigsten wird Bryonia bei Erkrankungen der Luftwege gebraucht. Es hilft bei hartem trockenem Husten mit Schmerzen im Kopf, in der Brust, hinter dem Brustbein oder im Bauch: Das Kind muss sich den Kopf (nux-v, …) oder die Brust halten; es würgt oder erbricht (ant-t, dros, hep, kali-c, ip, …). Charakteristisch ist ein Kitzeln hinter dem Sternum. Der Husten verschlimmert sich bei jeder Bewegung, bei tiefem Einatmen, beim Eintritt in einen warmen Raum (ant-c, puls, …), beim Essen oder Trinken. Er wird besser an der frischen Luft (coc-c, iod, mag-p, puls, …) und hört auf, wenn das Kind die Luft anhält. Hustet das Kind nachts, so muss es sich aufsetzen. Es fürchtet sich vor dem Husten und vermeidet jeden möglichen Auslöser: Es spricht nicht, mag keine passive Bewegung, nicht getragen oder hochgehoben werden, um nicht husten zu müssen. Bei Keuchhusten kommt es zu starkem Speichelfluss.

Praxistipp

Klinische Diagnosen sind Pneumonie (oft nach acon), Bronchopneumonie (→Brust – Entzündung – Bronchien – Bronchopneumonie – Kindern, bei: ant-t, thymu) und rechtsseitige Pleuritis.

  • Bei Pleuropneumonie ist Bryonia nahezu spezifisch.

  • Die Pneumonie geht einher mit Durst, profusem Schwitzen und Kopfschmerzen; das Kind liegt auf der befallenen Seite.

  • Auch akute Asthmaanfälle reagieren gut auf Bryonia, wenn sie durch Eintreten in ein warmes Zimmer, Überhitzung oder durch Lachen ausgelöst werden. Typisch ist einhergehende Schwäche (→Allgemeines – Schwäche – begleitet von – Asthma: ars, carb-v, chinin-ar, psor, stann), Erbrechen und Seitenstechen.

  • Erkrankte Körperteile sind heiß und geschwollen.

  • Bryonia hilft bei akuter Arthritis mit hochroter oder blasser, aber heißer Schwellung, Steifheit und stechendem Schmerz durch die geringste Bewegung, aber besser durch Druck. Auch nach Verletzungen des Bewegungsapparates wie Rippenbrüchen oder Distorsionen kann das Mittel angezeigt sein.

  • Bryonia wirkt ähnlich wie Apis bei Urtikaria und bei glänzenden, heißen Hautausschlägen mit stechendem Schmerz, etwa nach dem Verzehr von Erdbeeren. Es ist eines der Mittel, die sich bei Dellwarzen bewährt haben (→Haut – Hautausschläge – Molluscum contagiosum, Dellwarze: brom, bry, calc, calc-ar, germ, kali-i, lyc, merc, nat-m, sil, sulph, teucr, thuj).

Jugendlicher
  • Der Jugendliche ist mager mit dunklem Teint. Sein Gesicht hat eine dunkle Röte und wirkt etwas gedunsen. Die Haare sind fettig, die Lippen trocken und rissig. Typisch für alle Bryonia-Beschwerden sind trockene Schleimhäute und stechende Schmerzen.

  • Der Patient klagt über körperliche Schwäche bei der geringsten Anstrengung und über Schwindel, Übelkeit oder Ohnmacht beim Aufstehen. Der Schwindel tritt auch auf beim Umdrehen im Bett (bell, con, phos, rhus-t, sulph, …), mit dem Gefühl, als würde das Bett sinken, oder als ob man durch das Bett sinken würde.

  • Kopfschmerz begleitet jede Beschwerde. Er wird ausgelöst durch Aufenthalt in der Sonne oder durch feuchtkaltes Wetter. Der Schmerz wird als berstend, stechend, zerreißend oder vernichtend beschrieben, lokalisiert an Stirn oder Hinterkopf, über dem linken Auge oder hinter den Augäpfeln. Der Schmerz ist schlimmer bei jeder Bewegung, v. a. bei den ersten Bewegungen morgens, bei jeder Bewegung des Kopfes oder der Augen (bell, nux-v, …), beim Bücken, beim Auftreten, bei raschem Gehen (bell, puls, …) und beim Treppensteigen. Verschlechternd wirken auch Licht, Hitze und Husten. Druck auf den Kopf (chin, mag-m, mag-p, …) und Liegen auf der schmerzhaften Seite bessert, ebenso das Schließen der Augen. Typisch sind Kopfschmerzen mit Obstipation (→Kopf – Obstipation agg.: nux-v, op, …). Die Kopfhaut ist sehr empfindlich, z. B. beim Bürsten der Haare.

  • Der Jugendliche klagt über Magenschmerzen, drückend wie von einem Stein, ausgelöst durch Ärger. Die Schmerzen sind stechend und verschlechtern sich durch Essen; warme Getränke dagegen lindern. Im Mund herrscht ein bitterer Geschmack vor.

  • Die Mädchen leiden unter Dysmenorrhö. Ihre Beschwerden verstärken sich durch jede Bewegung. Die Menses treten zu häufig auf und sind stark und übelriechend, mit dunkelrotem Blut. Während der Menses schmerzen die Brüste. Bei körperlicher Anstrengung bleiben die Menses aus, stattdessen kommt es zu Epistaxis oder Migräne. Weitere Beschwerden der Mädchen sind Mittelschmerz und rechtsseitige Adnexitis mit Erleichterung durch Liegen auf der schmerzhaften Seite. Die Harnröhre ist entzündet und blutet; der Schmerz bessert sich beim Urinieren (berb).

  • Bryonia ist oft hilfreich bei Husten, v. a. bei Tracheitis, Bronchitis oder Pneumonie. Der Husten geht einher mit Stechen in der Brust oder in der rechten Scapula. Er wird leichter durch Druck auf die Brust oder Halten der Brust mit der Hand.

  • In Bezug auf den Bewegungsapparat kann Bryonia angezeigt sein bei der bereits beschriebenen Arthritis und bei schmerzhafter Nackensteife, Schulter-Arm-Syndrom oder Lumbago; jede Bewegung, Bücken oder Umdrehen im Bett und warmes Wetter verschlechtern.

Arzneimittelbeziehungen
  • Miasma: Psora, Sykose, Tuberkulinismus. Typhus-Miasma nach Sankaran (zwischen akutem Miasma und Psora)

  • Folgt gut auf: agn, ant-t, acon, ammc, arg-n, benz-ac, bor, calad, calc-f, calen, cann-i, canth, carb-ac, cic, dig, hell, ip, laur, nux-v, olnd, op, par, petr, rhus-t, sabad, spig, spong, stann

  • Bewährte Folgemittel: abrot, acon, alum, aran, arg-n, arn, ars, art-v, bamb-a, bapt, berb, cact, calc-f, carb-v, chel, chlam-t, con, hyos, kali-c, lyc, nat-m, nux-v, op, phos, psor, puls, pyrog, rhus-t, rhus-v, sabad, sep, stell (wenn bry nicht wirkt), sulph, tub, zinc

  • Gute Mittelfolgen: brysponghep; brycausthep; brysulphpsor

  • Ergänzungsmittel: abrot, acon, alum, arn, bapt, carb-v, chel, hyos, kali-c, lac-ac, nat-m, nux-v, op, puls, pyrog, rhus-t, sil

  • Antidote: acon, alum, ant-t, camph, cham, chel, clem, coff, ferr, ferr-m, ign, mur-ac, nux-v, puls, rhus-t, seneg

Bufo rana

Gift der Erdkröte Bufo rana#Bufo rana.
Leitsymptome
  • Kindisch, töricht, entwicklungsretardiert

  • Schamlos, masturbiert

  • Unruhe

  • < Fremde Personen, Tiere und Musik

  • Undeutliche Sprache – ärgerlich, wenn er nicht verstanden wird

  • Ständiges Spielen mit der Zunge; Beißen

  • Hautausschlag + Epilepsie

Betroffene Organsysteme und Indikationen
  • Organsysteme: Wirkt v. a. auf Nervensystem, Herz-Kreislaufsystem, Nieren, Sexualorgane, Haut.

  • Indikationen: Indiziert u. a. bei Abszessen, Autismus, Entwicklungsverzögerung, Ekzem, Epilepsie, Hyperaktivität, Lymphangitis, Mutismus, Sprachstörungen und Tics.

Geist- und Gemütssymptome
  • Kindisch, naiv. Dumpf, grob, einfach strukturiert oder geistig zurückgeblieben (→Gemüt – behinderte Kinder: agar, bar-c, calc-p, carb-v, caust, cic, med, merc nach Lamothe) – aber körperlich gut entwickelt (bar-c dagegen zwergenhaft). Auch: Einseitige Intelligenz, Fachidiot (Vithoulkas). Albern, kichert ohne ersichtlichen Grund. Gedächtnisschwach. Spricht undeutlich, fehlerhaft, laut heulend; stottert. Weint bei jeder Kleinigkeit; weint und lacht zugleich.

  • Mangel an geistiger Kontrolle. Hervorbrechen niederster Leidenschaften. Kann Bedürfnisse nicht zurückstellen. Gesteigertes sexuelles Verlangen. Schamlos (hyos, phos, stram, tarent, tub, verat, …), obszön. Masturbiert (carc, med, phos, staph, …) exzessiv bis zur Erschöpfung oder bis zum Krampfanfall. Verlangen nach Einsamkeit um zu masturbieren.

  • Zornig, wenn er sich missverstanden fühlt. Dickköpfig, pedantisch. Wütend, wenn er nicht gleich bekommt, was er will. Jähzornig, reizbar. Gewalttätig, wenn er unterbrochen wird. Möchte nur schlagen und zerstören (hyos). Wut schlimmer beim Alleinsein – hört auf, wenn er jemand sieht (umgekehrt tarent).

  • Beißt (bell, lyss, stram, …), beißt in Gegenstände (bell, hyos, sil, stram). Nägelbeißen bis auf die Haut (med).

  • Hyperaktivität (eines der wichtigsten Mittel nach Geukens). Kann nicht stillsitzen. Schüttelt ständig den Kopf oder wirft ihn herum. Ungeduldig (v. a. vor Krampfanfall). Tics (Herscu). Schreckhaft; Kopfschütteln nach Schreck. Empfindlich gegen Geräusche, gegen Musik. Verträgt keine Musik (ambr) – oder: liebt Musik (Geukens).

  • Verschlossen (nat-m). Wichtigstes Mittel bei Autismus oder Mutismus (Herscu). Verschließt sich, weil die Welt ihm weh tut (z. B. Geräusche, Gerüche, Licht). Trancezustände, Indifferenz, Stupor – aber bekommt doch alles mit. Abneigung gegen Fremde (ambr, bar-c, cic, …). Abweisend, schweigsam, ist lieber allein, mag keine Berührung. Schnell beleidigt.

  • Ängstlich: Furcht vor Tieren, vor dem Tod, vor Unglück. Kann keine glänzenden Gegenstände oder Spiegel anschauen (lyss, stram, …).

Allgemeinsymptome
  • Wetter: Verfroren, aber schlechter im warmen Zimmer oder am warmen Ofen. Besser an der kühlen Luft.

  • Zeit: nachts gegen 3:00 Uhr. Nachmittags 17:00 Uhr. Periodizität – alle zwei Wochen. Neumond.

  • Verlangen: Süßes. Zuckerwasser. Gebäck. Delikatessen.

  • Abneigung: Salziges. Innereien (Geukens).

  • Schlaf: Am liebsten nackt. Wirft sich im Bett herum. Erwacht um 3:00–4:00 Uhr. Weint und klagt im Schlaf, beim Erwachen.

  • Schweiß: morgens beim Erwachen. Kalt, ölig, mit saurem Geruch.

Causa und Modalitäten
  • Causa: Bestrafung für sexuelle Betätigung. Gefühl, ertappt worden zu sein. Schreck. Enttäuschte Liebe. Impfungen.

  • < Alleinsein. Sexuelle Erregung. Masturbation. Unterbrechung. Verletzungen. Warmer Raum. Trockene Wärme. Musik. Impfungen.

  • > Frische Luft. Kühles Bad. Feuchtigkeit. Regen. Nachts. Bluten. Füße in heißem Wasser.

  • Schwangerschaft und Stillzeit: Vorgeschichte von habituellen Aborten. Blutige Muttermilch.

Neugeborenes
  • Das Baby hat ein gedunsenes Gesicht mit tief liegenden Ohrmuscheln und einer Prognathie. Es hat einen Strabismus und verdreht häufig die Augen, meist nach links oben. Dies kann auch ein Begleitsymptom von Neugeborenenkrämpfen sein (cupr, …).

  • Ein weiterer Hinweis auf Bufo ist ein schwer verlaufender Pemphigus neonatorum (anac, ars, lach, merc, rhus-t, psor, …) mit gelblichem, stinkendem Blaseninhalt und Gefahr der Sepsis.

Säugling
  • Das Baby ist ängstlich, fürchtet sich vor Musik und vor glänzenden Gegenständen. Es ist entwicklungsretardiert mit schlechter motorischer Koordination (→Extremitäten – Koordination, fehlende: agar, alum, con, lach, stram, zinc, …). Das Gedeihen ist jedoch sehr gut (anders bar-c, calc-p, sil).

  • Typisch für das Kind mit Bufo-Konstitution ist die heraushängende oder herausgestreckte Zunge, mit der es immer spielt oder schleckt. Sobald die Zähne da sind, beißt das Baby auf allem herum. Es hat auch auffallend dicke Lippen.

Praxistipp

Bufo ist eines der wichtigsten Mittel für Epilepsie bei Säuglingen (→Allgemeines – Konvulsionen – Kindern, bei – Kleinkinder: bell, cham, cupr, hell, mag-p, …). Schlüsselsymptom sind Konvulsionen des Säuglings durch Schreck oder Zorn der Mutter.

  • Zu Anfällen kommt es v. a. nachts, aus dem Tiefschlaf heraus.

  • Ursache ist u. a. ein perinataler Hirnschaden (→Allgemeines – Konvulsionen – Gehirn – Gehirnerweichung, bei: caust).

  • Morgens sind die Augenlider extrem geschwollen, die Lippen sind verdickt.

  • Bei der Nahrungsumstellung auf Kuhmilch treten Koliken auf.

  • Häufig kommt es zur Windeldermatitis mit Exkoriation der Rima ani (graph, nit-ac, sep, …). Das Kind neigt zu Rachitis und brüchigen Knochen.

Kleinkind und Schulkind
  • Das Kind gedeiht nur körperlich, bis hin zur Adipositas, ist aber geistig langsam oder retardiert. Es hat einen dümmlichen Gesichtsausdruck (barc-c, nux-m, stram, …) mit heraushängender Zunge, wirkt verwirrt, wie betrunken. Es kann sich nichts merken, die Sprache ist undeutlich, oft stotternd, mit Dysgrammatismus (→Gemüt – Fehler – Sprechen, beim – Worte – falsche Worte, benutzt: chin, lyc, nux-m, …).

  • Das Kind ist sehr unruhig (→Gemüt – Ruhelosigkeit – Kindern, bei: ars, carc, cham, merc, rhus-t, tub, verat, …), läuft ziellos und schreiend umher (→Gemüt – läuft umher: hyos, stram, verat, …). Es macht unbewusste Bewegungen (→Gemüt – Gesten – macht: bell, hyos, stram, tarent, …) und fasst sich ständig an die Genitalien (→Männliche Genitalien – fasst sich an die Genitalien: acon, hyos, merc, puls, stram, zinc, …).

  • Es hat ein ausgesprochen albernes Benehmen, kichert, ist aufdringlich und hat ein Verlangen, sich auszuziehen (→Gemüt – nackt sein, möchte: bell, hyos, stram, verat, …) und zu masturbieren (carc, med, plat, staph, …). Bei einem nicht retardierten Kind kann dies Folge von Frühsexualisierung oder Kindesmissbrauch sein.

  • Es mag keine Gesellschaft, v. a. keine Fremden, liebt jedoch Tiere (aeth, calc-p, carc, med, phos, …).

  • Oft ist es boshaft, schlägt, spuckt anderen ins Gesicht (bell, calc, cupr, stram, verat, …), und hat Tobsuchtsanfälle, die schlimmer werden, wenn es allein ist. Es beruhigt sich wieder, wenn es festgehalten wird oder in einen reizarmen Raum gebracht wird.

  • Das Kind ist ungeschickt und ataktisch (alum, …), es taumelt und kann nur hüpfend gehen.

  • Es hat immer den Mund offen, dabei wird ein Riss in der Zungenmitte sichtbar. Es schleckt sich ständig die Lippen oder beißt die Zähne zusammen (phyt, …).

Praxistipp

Neurologische Symptome gepaart mit Hautsymptomen sind typisch für Bufo.

  • Konvulsionen treten vorzugsweise nachts im Schlaf auf, besonders bei Neumond. Sie kündigen sich durch Unruhe, Lachen und erweiterte Pupillen an. Charakteristisch ist ein Sturzanfall mit Initialschrei („Kreischen“); der Kopf wird zur Seite oder nach hinten gezogen, das Kind rollt mit den Augen oder verdreht sie nach (links) oben. Das Gesicht rötet und verzerrt sich. Es beißt sich in die Zunge, hat Schaum vor dem Mund, nässt ein (hyos, …), knirscht mit den Zähnen und schwitzt. Auffällig ist Lachen vor, während oder nach Konvulsionen (caust).

  • Bufo ist eines der Mittel beim Status epilepticus. Nach dem Krampfanfall ist das Kind lange bewusstlos (→Gemüt – Bewusstlosigkeit – Konvulsionen – nach – epileptischen, nach: ars, op, …) mit Schnarchen oder Seufzen.

  • Das Kind neigt zu Blutungen, etwa zu blutigem Urin (nur bufo) oder Speichel, zu Nasenbluten oder zu blutig-eitrigem Ohrfluss. Alle Absonderungen sind übelriechend, der Urin stinkt nach Fischlake.

  • Das Kind bohrt viel in der Nase (arum-t, cina, sil, …). Bei Luftwegsinfekten tritt ein hartnäckiger Reizhusten durch Kitzeln im Larynx auf, vorwiegend um 3:00 Uhr oder 4:00 Uhr morgens. Es kann auch zur Atemnot kommen: Das Kind muss sich hinsetzen und nach vorne beugen (ars, kali-c, lach, spong); dabei hechelt es wie ein Hund.

  • Nach dem Trinken von Milch treten Bauchschmerzen oder Koliken auf. Kommt es zu Diarrhö, so kann das Kind die ganze Nacht nicht schlafen (→Schlaf – Schlaflosigkeit – Diarrhö, bei: coloc, nat-s, phos, …).

  • An den Lidern oder hinter den Ohren bilden sich Ekzeme. Die Haut heilt schlecht, die kleinsten Verletzungen führen zur Eiterung (→Allgemeines – Wunden – eiternd: calc, hep, merc, sil, sulph, …).

  • Charakteristisch ist ein Panaritium mit blauschwarzer Schwellung um den Nagel; der Schmerz zieht strichweise den ganzen Arm hinauf. Bufo ist das Hauptmittel bei Lymphangitis, etwa nach Fingerverletzungen, mit Lymphknotenschwellung und bläulicher Schwellung entlang der Lymphbahnen. Es ist auch bei Eiterung der Leistenlymphknoten wirksam.

Jugendlicher
  • Der Jugendliche benimmt sich kindisch, lacht grundlos oder über Kleinigkeiten und spricht auffällig langsam und undeutlich. Stellt man ihm Fragen, so reagiert er gereizt (nux-v, …) und mag nicht antworten. Er ist taktlos und lacht auch über ernste Dinge, als hätte er einen Mangel an moralischem Empfinden (bell, hyos, stram, verat, …).

  • Seine Ausstrahlung ist lasziv, die Sprache voll mit sexuellen Anspielungen. Er ist schon sehr früh sexuell aktiv und hat eine exzessive sexuelle Energie, mit häufigem Partnerwechsel und starkem Verlangen nach Masturbation und pornographischem Material. Zudem hat er ein Verlangen nach Alkohol.

  • Sein Gesicht ist gedunsen, auch einzelne Körperteile fühlen sich geschwollen an, als ob die Haut bis zum Platzen gespannt wäre. Er leckt sich ständig die Lippen oder spielt mit der Zunge. Beim Sprechen oder Kauen beißt er sich in die Wange.

  • Bufo ist das Hauptmittel für Epilepsie mit Beziehung zur sexuellen Sphäre oder zum Genitalbereich: Etwa Erektionen oder Masturbation vor einem Krampfanfall, Krampfanfälle vor und während der Menses oder während Koitus. Mädchen menstruieren sehr häufig – alle drei Wochen. Sie neigen zu Ovarialzysten.

Es besteht eine Disposition zu Acne rosacea, zu Psoriasis und zu Abszessen oder Karbunkeln mit bläulich verfärbter Umgebung. Wie bei Pemphigus vulgaris treten große gelb-eitrige Blasen auf, v. a. in der Handfläche oder an den Fußsohlen
Arzneimittelbeziehungen
Barium carbonicum + Hyoscyamus = Bufo rana“.
  • Miasma: Psora, Sykose, Syphilis

  • Ergänzungsmittel: calc, sil

  • Antidote: cub, lach, op, seneg

Calcium carbonicum

Kalziumkarbonat#Calcium carbonicum, Austernschalenkalk. Verwendet wird die Mittellage der Austernschale.
Leitsymptome
  • Ängstlich, sehr auf Sicherheit bedacht

  • Starker Wille, eigensinnig, unflexibel

  • Spätentwickler (Zahnen, Laufen, Sprechen)

  • Abneigung gegen körperliche Anstrengung

  • Großer Kopf, aufgetriebenes Abdomen

  • Lymphatismus

  • Ausgeprägte Infektneigung

  • Reichlicher Kopf- und Nackenschweiß, v. a. im Schlaf

  • Kalte feuchte Füße

  • Saurer Geruch von Absonderungen, Schweiß und Stuhl

  • Obstipation mit voluminösem Stuhl

  • < Nässe und Kälte

  • Verlangen nach (weichen) Eiern, Süßem und Unverdaulichem

Betroffene Organsysteme und Indikationen
  • Organsysteme: Wirkt v. a. auf Blutbildung, Drüsen, Haut, Schleimhäute, Knochen, Verdauung, Thorax (Herz, Lunge).

  • Indikationen: Indiziert u. a. bei Adipositas, Albträumen, Allergien, Ängsten, Aphthen, Arthritis, Bronchitis, Epilepsie, Erkältungsneigung, Gedeihstörung, Hypothyreose, Kopfschmerzen, Neurodermitis, Obstipation, Otitis media, Pavor nocturnus, Sinusitis, Struma, Tonsillitis, Warzen, Zahnungsbeschwerden.

Geist- und Gemütssymptome
  • Verlangen nach Sicherheit und Stabilität. Schutzbedürftigkeit ist nach Sankaran das Hauptthema (→Gemüt – Wahnidee – klein – Körper sei kleiner, der: agar, bar-c, carb-v, …). Hängt am Zuhause, will seine Familie stets um sich. Meidet Abenteuer (calc-p, med, tub suchen das Abenteuer). Mag keine Veränderungen, will genau wissen, auf was er sich einlässt. Lässt sich gerne führen, verlässt sich voll auf andere, auf den Arzt (→Gemüt – magnetisiert – Verlangen, magnetisiert zu werden: lach, phos, sil, …). Respektiert Regeln (im Gegensatz zu med, sulph, tub).

  • Viele Ängste, v. a. aus dem metaphysischen Bereich. Furcht vor Gespenstern (beim Schließen der Augen), vor Dunkelheit, vor seinem eigenen Schatten, vor der Zukunft, vor Unheil, vor Armut (bry, calc-f, psor, …). Beschäftigt sich viel mit übernatürlichen Dingen. Religiöse Gemütsstörungen bei Kindern (ars, carc, lach, stram, sulph). Höhenangst, nicht schwindelfrei (arg-n, sulph, …). Furcht vor Krankheiten, vor Geisteskrankheit, sich zu infizieren (lach, med, sulph, syph, …), leiden zu müssen. Furcht vor Zahnarzt, Krankenhaus, Spritzen, Operation. Kann kein Blut sehen (alum, nux-m, verat), nichts Unheimliches oder Grausames sehen oder hören. Fürchtet sich vor Fernsehnachrichten, Faschingsmasken, bestimmten Märchen (→Gemüt – empfindlich – Grausamkeiten, beim Hören von: carc, caust, phos). Angst um seine Angehörigen; will, dass abends alle zu Hause sind. Furcht vor kleinen Tieren (Insekten, Spinnen, Mäuse).

  • Begreift langsam. Phlegmatisch, passiv. Langsam in seinen Bewegungen (sulph eher aktiv und schnell). Mag keine Veränderungen (bar-c, bry, caps, carb-v, graph, vip, … nach Lamothe). Scheut Konflikte und Entscheidungen. Nimmt Nebensächliches wichtig. Kommt immer zu spät. Hat oft das Gefühl, er habe etwas vergessen (caust, iod, mill, puls, …).

  • Schnell überfordert und überanstrengt, im körperlichen und geistigen Bereich. Beschwerden durch Überanstrengung und Überarbeitung.

  • Angst, nicht für voll genommen zu werden, beobachtet oder ausgelacht zu werden (→Gemüt – Furcht – bemerken, man würde ihren Zustand). Unsicher, verlegen, ungeschickt (bar-c, …). Empfindlich gegen Kritik (→Gemüt – empfindlich – Vorwürfe, gegen: ign, kali-c, lyc, med, nux-v, staph, …).

  • Eigensinnig (ant-c, cham, chin, cina, tub, …). Sicherer Blick (wie sulph; eher unsicher wirken lyc, puls, sil). Beharrlich, stur, unerbittlich, besonders, wenn man ihn unter Zeitdruck setzt. Nicht zu überreden oder zu bestechen. Passiver Widerstand. Rebelliert gegen Umschläge (cham, sulph, …).

  • Ausgeprägtes Pflichtgefühl (selten auch: Mangel an Pflichtgefühl). Betreibt Vorratshaltung (orale Fixierung). Plant alles bis ins kleinste Detail, deshalb kaum zu verunsichern. Liebt Struktur, um Dinge zu begreifen und einordnen zu können. Muss alles Begonnene beenden.

  • Freundliches Wesen, unabhängig, spielt stundenlang alleine. Aber in Krankheiten und Krisen heftige Wutanfälle und Aggressivität, v. a. gegenüber den Eltern. Brüllt, wenn er unterbrochen wird oder auch ohne ersichtlichen Grund. Lange anhaltende Wutanfälle, kann nicht aufhören (eigensinnig!).

Allgemeinsymptome
  • Wetter: Als Säugling meist warmblütig wie Sulphur, später eher kälteempfindlich. Vor allem feuchte Kälte verschlechtert. Beschwerden durch kalt Baden, Abkühlung.

  • Zeit: nachmittags 15:00 Uhr. Vollmond. Periodizität – jeden zweiten Tag, alle zwei Wochen. Säuglingszeit, Zahnungszeit, Pubertät.

  • Verlangen: Eier, v. a. weichgekocht (puls). Unverdauliches (alum, calc-p, lach, sil, …) wie Sand, Kreide, Klebstoff etc. Süßes. Eiscreme. Schokolade. Milch. Salziges. Oliven. Fleisch (Huhn). Fisch. Käse. Nüsse. Pudding. Langweilige und einfache Speisen, z. B. Nudeln. Kohlenhydrate und Mehlspeisen. Kartoffeln. Zermanscht das Essen.

  • Abneigung: Milch. Gekochtes. Vermischtes, z. B. Eintopf. Fleisch. Fett. Schleimiges (Haferschleim).

  • Seite: Rechts.

  • Schlaf: Geht gern früh ins Bett. Schläft auf der linken Seite. Zuerst verfroren, will Socken anziehen; später deckt er sich ab. Schreckliche Phantasien beim Augenschließen (bell). Kaut, schluckt oder spricht im Schlaf. Pavor nocturnus nach 0:00 Uhr (oft um 3:00 Uhr); lässt sich nicht beruhigen. Morgens munter und frisch, kratzt sich beim Erwachen am Kopf. Albträume nach Furcht oder Schreck; träumt von Toten, Mord, Tieren, Schlangen. Wacht munter auf.

  • Schweiß: Profus, sauer riechend (sil: eher übelriechend), an einzelnen Stellen: Nacken, Brust, Achseln, Hände, Füße, Genitale; v. a. nachts, nach dem Essen und bei Anstrengung. Schweiß an kalter Luft. Profuse Nachtschweiße an Kopf und im Nacken (calc-p, cham, merc, sanic, sil, …); das Kissen wird davon feucht. Hände und Füße feuchtkalt.

Causa und Modalitäten
  • Causa: Anstrengung. Stress. Überforderung. Ausgelacht werden. Wetterwechsel. Feuchter kalter Wind.

  • < Kälte. Durchnässung. Nasskaltes Wetter. Baden. Wetterwechsel. Anstrengung. Treppensteigen. Stress. Zahnung. Druck von Kleidung. Milch. Vollmond.

  • > Trockene Wärme. Ruhe. Liegen. Reiben. Singen. Rückenlage. Nach dem Frühstück.

Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit
  • In der Schwangerschaft Zahnschmerzen, Verdauungsbeschwerden, Krämpfe in Füßen und Zehen.

  • Während der Entbindung Erschöpfung und Sorgen. Wehenschwäche oder -stillstand. Wehen laufen verkehrt, nach oben. Nach der Entbindung Erschöpfung. Lang anhaltende Lochien.

  • Beim Stillen stechende Schmerzen in den Brüsten, Kopfschmerzen. Zu wenig oder zu viel Milch; Milch wässrig-dünn und bläulich.

Neugeborenes
  • Das Neugeborene ist meist pastös (sil: mager) mit aufgetriebenem Bauch. Selten ist es auch dystroph und hat ein runzliges Gesicht mit Rissen hinter den Ohrläppchen. An Lidern und Stirn hat es einen „Storchenbiss“. Die Oberlippe ist geschwollen.

  • Das Kind verweigert bisweilen die Muttermilch oder erbricht sie (→Magen – Erbrechen – Milch, nach – Muttermilch: ant-c, nat-c, ph-ac, sanic, sil, …). Nach der Mahlzeit kommt es regelmäßig zu Schluckauf (puls, lyc, nux-v nach Herscu). Manchmal stellt sich ein Icterus neonatorum ein (acon, chin, nat-s, podo, nux-v, puls, sep, sulph, … nach Lamothe).

  • Calcium carbonicum ist eines der Mittel bei Nabelinfektionen (→Abdomen – Absonderung aus dem Nabel: abrot, calc-p, kali-c, lyc, nat-m, …) und Nabelgranulom (→Abdomen – Wucherungen am Nabel, feuchte: morg-p).

  • Oft findet man eine Hydrozele (puls, rhod, sil, …), gelegentlich angeborene Zysten (Kiemengang, Nieren), Hämangiome (→Allgemeines – Tumoren – Angiom: ars, lach, phos, sil, thuj, …), Naevi oder Molen.

  • Seltenere Befunde sind Spina bifida, angeborene Katarakt, Exostosen, Hydrozephalus (apis, sil, …) mit Neugeborenenkrämpfen, Hypothyreose oder Morbus Addison (iod, nat-m, phos, sil, …).

  • Calcium carbonicum kann auch bei infantiler Zerebralparese mit Muskelhypotonie indiziert sein (calc-p, caust, cocc, cupr, gels, hell, op, mang, phos nach Pennekamp).

Säugling
  • Das Baby ist freundlich, pflegeleicht und eher phlegmatisch. Es wird müde durch kleine Anstrengungen und schwitzt nach jeder Mahlzeit. Alles geht ein wenig langsamer, oft ist die gesamte Entwicklung verzögert (→Gemüt – Entwicklungsstillstand bei Kindern: agar, bar-c, carc, calc-p, phos, …): Es lernt spät sitzen, krabbeln (→Allgemeines – Gehen – gehen lernen; spätes: bar-c, calc-p, caust, nat-m, sanic, sil, …) und sprechen (→Gemüt – sprechen – langsam, lernt: bell, nat-m, …).

Praxistipp

Charakteristisch für Calcium carbonicum ist eine Störung der Nährstoffaufnahme und -umsetzung. Das Baby hat einen schlaffen Muskeltonus (graph eher kräftig) und ein aufgetriebenes, geblähtes Abdomen (→Abdomen – Auftreibung – Kindern, bei: bar-c, caust, sanic, sil, sulph, …). Die Kopfkontrolle ist schlecht, es sitzt mit krummem Rücken.

  • Der Appetit ist immer sehr gut, und das Kind nimmt meist schnell zu. Manchmal erbricht es jedoch nach jeder Stillmahlzeit saure, geronnene Milch (aeth, nat-m, sanic, sil, sulph, …) und gedeiht schlecht (→Allgemeines – Abmagerung – Heißhunger mit Abmagerung: iod, nat-m, petr, phos, sulph, tub, …).

  • Die schlechte Assimilation der Nahrung führt zu mangelhafter Knochenentwicklung und möglicherweise zu Rachitis (merc, phos, sil, …). Das Baby hat einen großen Kopf mit viel Schweiß (calc-p, merc, sil, …), v. a. im Schlaf oder beim Trinken. Typisch ist der abgeflachte Hinterkopf mit Hinterhauptsglatze. Die Fontanellen sind weit offen (calc-p, sil, …), eingesunken (apis, carb-ac), und schließen sich verzögert. Bei manchen Kindern tastet man einen Kraniotabes.

  • Die Zahnung beginnt spät (calc-p, sil, tub, …) und macht große Schwierigkeiten: Das Kind ist reizbar, es schreit Tag und Nacht (rheum) und kann Krampfanfälle bekommen.

Praxistipp

Calcium carbonicum ist ein wichtiges Mittel bei kindlicher Epilepsie mit Anfällen nachts, v. a. bei Vollmond.

  • Im Allgemeinen ist das Baby warmblütig und deckt sich ständig ab (wie Sulphur), hat aber feuchte, kalte „Froschhände“ und feuchte Füßchen. Alle Absonderungen riechen sauer (→Allgemeines – Sauerkeit – Körpers, des: calc, hep, lyc, mag-c, nux-v, rheum, sulph, …).

  • Die Nase ist chronisch verstopft (con, sil, sulph, …). Die Augen sind jeden Morgen verklebt (arg-n, graph, med, sulph, …). Gelegentlich hat es einen Strabismus konvergens (cic, cycl, …).

  • Vom Hinterkopf her breitet sich ein Milchschorf mit dicken Krusten und gelblichem Sekret aus, oft mit Schwellung der Lymphknoten. Auch im Gesicht kommt es zu juckenden, feuchten Hautausschlägen (graph, petr, psor, …), v. a. auf den Wangen, auf der Stirn oder hinter den Ohren. Das Kind zerkratzt sich das Gesicht, besonders wenn es müde ist oder erwacht.

  • Typisch sind Probleme im Nabelbereich wie Hernien (lach, nux-m, nux-v, op, …), Granulome (→Abdomen – wildes Fleisch – Nabel: kali-c, nat-m) und Absonderungen (abrot, calc-p, kali-c, nat-m, …).

  • Das Baby hat eine chronische Obstipation (→Rektum – Obstipation – Kindern, bei: lyc, nux-v, op, …) ohne Stuhldrang und ohne Beschwerden (→Gemüt – froh – Verstopfung, bei: psor). Der Stuhl ist wie Lehm (lac-c, podo, sil, …), voluminös und hart (bry), und muss mechanisch entfernt werden.

  • Bei Erkältungen, während der Zahnung oder nach zu früher Kuhmilchfütterung tritt sauer riechender Durchfall auf (mag-m, nat-c, sep, …) auf.

  • Windeldermatitis und Mundsoor gehören zum Arzneimittelbild von Calcium carbonicum.

Kleinkind und Schulkind
  • Das Kind mit Calcium-carbonicum-Konstitution hat einen sehr guten Appetit und ist daher meist korpulent (→Allgemeines – Fettleibigkeit – Kindern, bei: ant-c, bar-c, caps, ferr, kali-bi, …). Es ist ruhig, gemütlich und freundlich, aber auch sehr schüchtern, mit vielen Ängsten. Um sich zu beruhigen, stellt es häufig Fragen nach Gott, den Engeln oder dem Leben nach dem Tod.

  • Charakteristisch ist der Eigensinn (→Gemüt – eigensinnig – Kinder: ant-c, cham, chin, cina, tub, …), der immer wieder zu schlimmen Wutanfällen Anlass gibt (→Gemüt – spucken – Zorn, aus (1): calc). Zähneputzen oder Anwendungen sind nur schwierig durchzuführen (→Gemüt – rebelliert gegen Umschläge: cham, sulph, …).

  • Das Kind ist gern zu Hause und spielt stundenlang mit denselben Sachen. Es wirkt unreif (→Gemüt – kindisches Verhalten: bar-c, cic, …), steckt ständig die Finger (calc-p, cham, ip, lyc, nat-m, sacch, sil, tarent) oder irgendwelche Gegenstände (merc, sulph) in den Mund und liegt oder rollt auf dem Boden herum (op, sulph, …). Es masturbiert häufig und ausgiebig (→Männliche Genitalien – Masturbation – exzessiv: carb-v, stram, …).

  • Das Schulkind arbeitet zielstrebig und systematisch, aber langsam, und erbringt dadurch nur durchschnittliche Leistungen. Es hat insbesondere Schwierigkeiten in Mathematik und kein Talent zu Musik und Kunst.

  • Körperlich ist es träge, schnell müde und schnell außer Atem, v. a., wenn es bergauf gehen muss. Am schlimmsten empfindet es Bergwanderungen, da sich da auch noch seine Höhenangst bemerkbar macht (→Gemüt – Furcht – hochgelegenen Orten, vor: arg-n, carc, …). Wird es überfordert, leistet es gar nichts mehr und kann heftige Zornanfälle bekommen.

  • Das Wachstum verläuft entweder zu rasch (→Allgemeines – Längenwachstum – zu schnelles: calc-p, ph-ac, phos, …) oder zu langsam (→Allgemeines – Zwergwuchs: bar-c, calc-p, sulph, syph, …). Zum Zahnwechsel kommt es spät.

  • Das Kind ist ausgesprochen lymphatisch: Es hat hyperplastische Adenoide, Tonsillen und Lymphknoten. Im Schlaf bekommt es nur durch den offenen Mund genug Luft (→Mund – Offen – Schlaf, im: lyc, nux-v, op, rhus-t, …).

Praxistipp

Es besteht eine große Infektanfälligkeit. Bei jedem Wetterumschwung, v. a. zu nasskaltem Wetter, bekommt das Kind einen Atemwegsinfekt.

  • Am Anfang steht meist ein dicker, gelber und übelriechender Schnupfen, der die Nasenlöcher wund macht (puls: mildes, nicht riechendes Sekret).

  • Fast immer folgt eine Otitis media, oft mit dicker gelber Otorrhö (calc-s, hydr, kali-bi, puls, sil, …) und Drüsenschwellung. Das Kind hat dabei hohes Fieber mit heißem Kopf und kalten Gliedern, aber im Unterschied zu Belladonna heftigen Kopfschweiß. Gelingt es, eine Mastoiditis zu verhindern (→Ohr – Karies, drohende: aur, calc-f, sil, …), so bleibt doch oft ein langwieriger Paukenerguss mit Schwerhörigkeit zurück (→Hören – schwerhörig – Tubenkatarrh: kali-s, petr, puls, …).

  • Bisweilen kommt es auch zu Halsentzündungen (→Innerer Hals – Schmerz – Wetterwechsel (1): calc) oder Pseudokrupp (calc-s, hep, spong, …). Die Kieferwinkellymphknoten sind vergrößert, hart und schmerzhaft (bar-c, graph, sil, …).

  • Der Infekt steigt in die Bronchien ab, mit nächtlichem Kitzelhusten, der tagsüber in einen lockeren Husten übergeht (→Husten – trocken – nachts – gelöst; tagsüber: hep, lyc, puls, sulph, …).

  • Letztlich entwickelt sich eine Pneumonie v. a. im rechten Oberlappen (chel).

Praxistipp

Calcium carbonicum beschleunigt die Rekonvaleszenz nach Pneumonie oder Meningitis (sil). Es ist auch eines der Mittel für Beschwerden nach Masern (camph, carb-v, morb, puls, …) oder Scharlach (am-c, am-m, bell, cham, …).

  • Das Calcium-carbonicum-Kind verträgt keine Milch, es bekommt davon Übelkeit (nit-ac, puls, …) oder Diarrhö (mag-m, nat-c, sep, …). Üblicherweise ist es obstipiert, hat jedoch dadurch keine Beschwerden.

  • Häufig leidet es an Neurodermitis, v. a. in der kalten Jahreszeit. Das Ekzem ist trocken oder klebrig nässend und bildet entzündete Krusten, die blutig gekratzt werden. Am Kopf findet man kreisrunde, herpesartige Stellen (→Kopf – Hautausschläge – Herpes – circinatus: dulc, …), hinter den Ohren nässt es (graph, lyc, olnd, psor, …). Allgemein heilt die Haut schlecht (→Haut – heilt schlecht: borx, caust, graph, petrol, sil, …) und wird im Winter rissig (carbn-s, petr, sep, sulph). Die Nägel brechen leicht oder sind deformiert. An Händen und Füßen bilden sich kleine Warzen.

  • Häufige Befunde sind Einwärts gehen (lyc, sulph) und O-Beine (→Extremitäten – Knie, Lage der – außen, nach: nux-v, sulph). Die Füße knicken beim Gehen leicht um. Nasskaltes Wetter macht das Kind anfällig für Arthritiden.

  • Schon sehr kleine Mädchen haben einen dicken milchigen Ausfluss.

Jugendlicher
  • Der Jugendliche bietet oft alle Symptome einer Hypothyreose: von Frostigkeit, Übergewicht und Obstipation über körperliche und geistige Schwäche bis hin zu trockener Haut. Häufig findet man eine Struma (iod, nat-m, spong, …).

  • In der Regel ist er beleibt (→Allgemeines – Fettleibigkeit – Jugendlichen, bei: ant-c, calc-act, lach), verfressen (→Gemüt – Schlemmer: carb-v, chin, merc, verat, …), bequem und ängstlich. Er hat v. a. Angst, krank zu werden, und liest gerne medizinische Bücher.

  • Im Gespräch ist er eher unkommunikativ und schweigsam, und er möchte eigentlich nach Hause gehen. Er bildet sich ein, jemand könne sich über ihn lustig machen. Manchmal zweifelt er an seinem Verstand. Er fürchtet, geisteskrank zu werden, und dass andere seine Verwirrung bemerken könnten. Nachts hat er Albträume.

  • Schon bei leichten körperlichen oder geistigen Anstrengungen klagt er über Kopfschmerzen. Beim Herabschauen von einer Höhe (arg-n, sulph, …), etwa beim Treppen- oder Bergsteigen, leidet er unter Schwindel. Er ist sehr schnell außer Atem, keucht beim Treppensteigen und neigt zu Anstrengungsasthma (→Atmung – Asthma – Anstrengung, durch geringe: bry, nat-s, sil, …). Asthma kann auch durch Aspirin® ausgelöst werden.

  • Eine deutliche Schwäche zeigt sich im Wirbelsäulenbereich: Der Jugendliche hat eine gebeugte Haltung (lyc, phos, sil, sulph, tub, …) und verhebt sich leicht (graph, lyc, nux-v, rhus-t, …), etwa aufgrund einer Skoliose oder Kyphose (→Rücken – Krümmung der Wirbelsäule: calc-f, calc-s, ph-ac, sil, sulph, …).

  • Große Probleme macht das Erscheinen der Weisheitszähne (→Zähne – Weisheitszähne – Beschwerden durch das Heraustreten der: cham, fl-ac, mag-c, sil: …), mit Zahnschmerzen, Reizbarkeit und Verdauungsstörungen.

  • Bei Erkältungen tritt eine schmerzlose Heiserkeit auf (carb-v, …).

  • Die Menses sind zu reichlich, zu häufig und zu lang und oft von Infekten begleitet. Die Mädchen klagen über ein prämenstruelles Syndrom mit Flüssigkeitseinlagerung, Brustschwellung, Kopfschmerzen und Infektanfälligkeit.

  • Die Haut ist insgesamt trocken mit Ekzemneigung. Die Hände werden im Winter rissig, (petr, psor, sanic, sep, sulph, …). Hände und Füße sind kaltschweißig, auch im Bett sind die Füße kalt und erwärmen sich nur mit Socken.

  • Weitere Hautbefunde sind Alopezia areata (→Kopf – Haar – Kahlköpfigkeit – Flecken, in: apis, graph, hep, lyc, phos, sep) und Warzen verschiedener Konsistenz und Größe, manchmal mit käsigem Geruch.

Arzneimittelbeziehungen
„Um die 40 % aller Kinder“ brauchen im Laufe ihres Lebens Calcium carbonicum (Vithoulkas).
  • Miasma: Neben Sulphur ist Calcium carbonicum das Hauptmittel der Psora. Auch sykotische und tuberkulinische Anteile.

  • Folgt gut auf: cham, chin, con, cupr, nit-ac, nux-v, puls, sulph

  • Folgemittel: agar, aran, bell, borx, bism, bry, dros, dulc, graph, ip, kali-bi (bei Schnupfen), lyc, nat-c, nit-ac, nux-v, phos, plat, pod, puls, rhus-t, sars, sep, sil, ther, stram, tub

  • Gute Mittelfolgen: sulphcalclycsulph; arnrhus-tcalc

  • Ergänzungsmittel: bell, dulc, lyc, nit-ac, nux-v, puls, rhus-t, sil, sulph, tub

  • Unverträglich mit: bar-c, bry, kali-bi (vor calc), nat-c, sulph (nach calc)

  • Antidote: bism, bry, camph, chin, coff, dig, hep, iod, ip, mez, nit-ac, nit-s-d, nux-m, nux-v, sep, sulph

Calcium fluoricum

Flussspat, Kalziumfluorit#Calcium fluoricum (CaF).
Leitsymptome
  • Überschießend, maßlos, materialistisch

  • Verhärtungen und Knoten

  • Überstreckbare Gelenke

  • Verzögerte Knochenentwicklung; Knochen- und Skelettdeformierungen

  • Zahnschmelzdefekte; vorzeitige Karies

  • Adenoide

Betroffene Organsysteme und Indikationen
  • Organsysteme: Wirkt v. a. auf elastische Fasern (Venen, Drüsen), Knochen, Gelenke.

  • Indikationen: Indiziert u. a. bei Adenoiden, Erkältungsneigung, Exostosen, Gerstenkörnern, Hüftdysplasie, Karies, Kephalhämatom, Lymphatismus, Otitis, Skoliose, Struma, Tonsillenhyperplasie.

Geist- und Gemütssymptome
  • Schnell, aber uneffektiv (Gegenteil: calc). Mangel an Harmonie und Disziplin. Chaotisch, impulsiv, verzettelt sich, erreicht gesteckte Ziele nicht. Große Unternehmungslust, überschießende Energie.

  • Furcht vor Armut (bry, psor, sep, …). Frühes Interesse für Geld, für den materiellen Wert von Sachen, für ein Sparkonto. Bevorzugt gute und teure Kleidung (Markenkleidung) oder teures Spielzeug. Geiz mit pessimistischer Grundhaltung: Hält das Fundament seiner materiellen Sicherheit für unstabil.

  • Starkes Sicherheitsbedürfnis, bindet Personen fest an sich, die ihm soziale und materielle Sicherheit geben; wendet dabei auch Tricks an, manipuliert. Fürchtet, diese Personen zu verlieren (→Träume – Tod – Verwandten, von: pegan-h, …).

  • Furcht vor Unglück (chinin-s, med, nux-v, psor, …), vor der Zukunft, vor Krankheiten, vor dem Altern, vor Falten, vor körperlichem und geistigem Verfall. Neigt zu Krankheiten lebenswichtiger Organe (syphilitisches Miasma).

Allgemeinsymptome
  • Wetter: Meist warmblütig. Hitzegefühle und -wallungen. Verträgt aber nasskaltes Wetter nicht. Warme Anwendungen bessern.

  • Zeit: 3:00–5:00 Uhr.

  • Verlangen: Salz. Pikantes. Süßes (wird aber nicht vertragen).

  • Abneigung: Eier. Fleisch. Fett.

  • Seite: Links.

  • Schlaf: Schlaflos 3:00–5:00 Uhr mit Gedankenandrang. Weint im Schlaf. Springt aus dem Bett wegen der (→Träume. Träumt sehr lebhaft und deutlich, etwa vom Tod, von Verwandten.

  • Schweiß: Reichlich; übler Geruch. Schwitzt bei geringster Anstrengung.

Causa und Modalitäten
  • Causa: Überanstrengung. Verletzungen.

  • < Beginnende Bewegung. Feuchte Kälte oder Hitze. Zugluft. Wetterwechsel. Verstauchung. Kalte Getränke.

  • > Fortgesetzte Bewegung. Essen. Warme Anwendungen. Warme Getränke.

Schwangerschaft
Zahnschmerzen. Flatulenz. Myome. Ovarialzysten. Knoten in der Brust.
Neugeborenes
  • Das Neugeborenen fällt in erster Linie durch Probleme im Bereich des Skeletts auf: Kephalhämatom (→Kopf – Hämatom: merc, sil), Exostosen, sichtbare Schwellungen der Scheitelknochen, auffallende Gesichtsasymmetrien mit vorstehendem Oberkiefer, gotischem Gaumen oder Gaumenspalten. Häufig ist auch die Uvula gespalten.

Praxistipp

Calcium fluoricum ist eines der Mittel bei Hüftdysplasie oder -luxation (→Extremitäten – Verrenkung – Hüfte; spontanes Verrenken der: calc, caust, coloc, rhus-t, thuj, …).

  • Weitere Merkmale sind angeborene Katarakt, Hydrozele, angeborene Hämangiome, Naevi (calc, carc, fl-ac, lyc, med, phos, thuj, …) oder Zysten (→Allgemeines – Tumoren – zystisch: bar-c, calc, graph, phos, …).

Säugling
  • Der Säugling hat einen alabasterartig bleichen Teint und durchschimmernde Blutgefäße. Die Zähne kommen spät (calc, calc-p, sil, tub, …), sie sind auffallend klein, blauweiß, stehen unregelmäßig und weisen Zahnschmelzdefekte auf (sil). Sie sind sehr anfällig für Karies (→Zähne – Karies – Kindern; verfrüht bei: calc, fl-ac, kreos, staph, …). Beim Lachen wird das Zahnfleisch sichtbar.

  • Das Kind hat Heißhunger. Es könnte ständig essen, ist aber dennoch mager. Gleich nach der Mahlzeit wird es von heftigem Schluckauf geplagt, zwei Stunden später von starken Bauchschmerzen. Es erbricht unverdaute Speisen, v. a. während der Zahnung.

  • Das Kind neigt zu Rachitis mit Skelettdeformierung. Es lernt spät gehen (→Allgemeines – Gehen – gehen lernen, spätes: bar-c, calc, calc-p, caust, nat-m, sanic, sil, …).

Kleinkind und Schulkind
  • Das Kind ist von kleiner Statur mit kurzen Beinen und einem breiten Rumpf. Es ist übermäßig beweglich – ein „Schlangenmensch“ –, die Gelenke sind deutlich überstreckbar, Bänder und Muskulatur sind schlaff und schwach. Auffallend ist ein Mangel an Koordination mit ruckartigen, übertriebenen oder ungeschickten Bewegungen.

  • Überbeanspruchung oder Überdehnung des Bewegungsapparates führen zu Beschwerden an Rücken und Extremitäten.

  • Das Kind hat Skelettdeformationen wie Trichterbrust oder Skoliose. Die Nägel sind dick, hart und spröde, sie wachsen auffallend schnell. Frakturen heilen dagegen sehr langsam (→Allgemeines – Verletzungen – Knochenbrüche – langsame Heilung – Kindern, bei: calc, calc-p, sil).

  • An den Augen kommt es zu rezidivierenden Gerstenkörnern (con, graph, psor, sil, sulph, …) oder zu einem Chalazion (→Haut – Tumoren – Lider – Zysten: sil, staph, thuj, …).

  • Typisch sind chronische Eiterungen im HNO-Bereich, v. a. eine chronische Otitis media mit Hörverlust und Ohrgeräuschen. Auf dem Trommelfell finden sich Kalkablagerungen (syph). Es droht die Entwicklung eines Cholesteatoms (erhöhtes Risiko bei Gaumenspaltenträgern – auch calc-f!) oder einer Mastoiditis (→Ohr – Absonderung – Karies, drohende: aur, caps, sil, …).

  • Das Kind hat einen chronischen übelriechenden grasgrünen Schnupfen, begünstigt durch Adenoide (→Nase – Rachenmandelwucherung: bar-c, calc, calc-i, calc-p, psor, sulph, thuj, tub, …). Auch die Tonsillen und die Halslymphknoten sind hyperplastisch und steinhart (→Allgemeines – Verhärtung – Drüsen, der: bar-m, bell, brom, calc, con, iod, spong, sulph, …).

  • Die Zunge weist Fissuren in alle Richtungen auf.

  • Die Zähne sind kariös, locker, brechen leicht und entwickeln Zahnfisteln (caust, fl-ac, sil, …).

  • Das Kind wird rasch heiser durch Lachen oder lautes Sprechen und neigt zu Krupphusten.

Jugendlicher
  • Den Jugendlichen interessieren vorrangig seine finanziellen Verhältnisse: Er verfolgt die Aktienkurse, spekuliert, spielt um Geld und führt über alle seine finanziellen Ausgaben Buch.

  • Er arbeitet hastig (sep, sul-ac, …) und kann sich nur konzentrieren, wenn er vorher gegessen hat (nur calc-f). Beim Schreiben hat er Sehstörungen und Augenschmerzen.

  • Er hat eine ausgeprägte Haltungsschwäche bis hin zur Kyphose oder Skoliose (→Rücken – Krümmung der Wirbelsäule: calc, calc-s, ph-ac, sil, sulph, …). Calcium fluoricum ist bei Marfan-Syndrom oder Morbus Scheuermann in Betracht zu ziehen.

  • Auch andernorts treten aseptische Knochennekrosen auf (→Allgemeines – Nekrose – Knochen: ars, aur, fl-ac, merc, phos, tub, …).

  • Weitere Probleme am Skelett sind Exostosen (aur, merc, phos, sil, …), Knochenwucherungen, v. a. an Händen oder Fußwurzel (Fersensporn!), Ostitis (sil, cal-p, …) und langsame Frakturheilung.

  • Die Bindegewebsschwäche führt zu frühzeitiger Varikosis, Hämorrhoiden und einem Hängebauch. Charakteristisch sind Verhärtungen von Muskeln, Sehnen, Tumoren oder Abszesse an Sehnen und Bändern. Calcium fluoricum kann bei Ganglien (benz-ac, carb-v, phos, ruta, …) oder Bakerzysten (→Extremitäten – Tumor – Knie – Kniekehle: phos, sil) angezeigt sein. Es kann auch Verwachsungen nach Bauchoperationen günstig beeinflussen.

  • Der Jugendliche leidet unter chronischen Eiterungen mit Fisteln und Zystenbildung, nachfolgend dann Verhärtungen und Verkalkungen. Typisch sind Cholesteatom, Otosklerose oder Narben durch rezidivierende Gerstenkörner (con, graph, psor, sil, staph, sulph).

  • Der Jugendliche klagt über Zahnschmerzen in toten Zähnen.

  • Er hat eine Struma (calc, iod, nat-m, spong, …) mit Engegefühl im Hals, v. a. nachts; er muss die Kleider öffnen. Dysfunktionen der Schilddrüse, insbesondere Hyperthyreose mit Verdauungsbeschwerden sind eine Indikation für Calcium fluoricum.

  • Besonders um die Körperöffnungen findet man Hautaffektionen wie Rhagaden, Fissuren, verhärtete Narben und Keloide. Weitere Symptome sind Akne, Herpes labialis unter dem Mundwinkel (nat-m) und Warzen v. a. in den Ellbeugen.

Praxistipp

Es besteht ein deutlicher Reaktionsmangel mit anhaltenden Eiterungen (hep) und Bildung rezidivierender Abszesse (pyrog, syph).

  • Auch die Behandlung maligner Erkrankungen, etwa Morbus Hodgkin (→Allgemeines – Hodgkin Syndrom: ars, ars-i, bar-i, iod, nat-m, …) oder Knochenkrebs, kann bei passender Symptomatik mit Calcium fluoricum unterstützt werden.

Arzneimittelbeziehungen
  • Miasma: Psora und Syphilis

  • Bewährte Folgemittel: calc-p, nat-m, ph-ac, sil

  • Ergänzungsmittel: carb-an, rhus-t, syph

Calcium phosphoricum

Kalziumhydrogenphosphat#Calcium phosphoricum (CaHPO4).
Leitsymptome
  • Unzufriedenheit, will Veränderung

  • Entwicklungsverzögerung

  • Gestörte Knochenentwicklung

  • Schwierige Zahnung

  • Lymphatismus

  • Unverträglichkeit/Abneigung Muttermilch

  • Verlangen nach geräuchertem Fleisch, Speck, salzigen Speisen

  • Nabelprobleme: Ekzem, Eiterung, Granulom, Blutung

  • Schulkopfschmerz

  • Schmerzen oder Steifheit im Zervikalbereich

  • < Feuchtes und kaltes Wetter, Zugluft

Betroffene Organsysteme und Indikationen
  • Organsysteme: Wirkt v. a. auf Knochen, Zähne, Blut und lymphatische Organe, Wachstum und Entwicklung, in der Pubertät.

  • Indikationen: Indiziert u. a. bei Adenoiden, Arthritis, Bauchschmerzen, Diarrhö, Dreimonatskoliken, Entwicklungsverzögerung, Hydrozephalus, Hyperaktivität, Kopfschmerzen, Otitis media, Rachitis, Sinusitis, Skoliose, Verdauungsbeschwerden, Wachstumsstörungen, Zahnungsbeschwerden, Zervikalsyndrom.

Geist- und Gemütssymptome
  • Trägheit und Erschöpfung (→Gemüt – Erschöpfung, geistige – Sprechen, durch: calc, nat-m, …). Motivationsverlust aufgrund verminderter Energie: etwa durch Kummer, Wachstumsschübe, Verletzungen, erschöpfende Krankheiten. Will nach Hause gehen, zieht sich zurück. Abneigung gegen Routinearbeit, gegen Pflichten, gegen die Schule. „Null Bock“. Schnell gelangweilt, kann nicht lange zuhören. Aufmerksamkeits-Defizit.

  • Unzufriedenheit (anac, hep, merc, nat-m, sulph, tub, …). Unzufrieden v. a. mit sich selber. Ablenkung oder Ortswechsel bessern nicht (tub: unzufrieden mit seiner Umgebung, zufrieden bei Ortswechsel). Ruhelos, will reisen, „nur weg“ (tub will Neues sehen, Abenteuer) – aber dann wieder unzufrieden, Verlangen, nach Hause zu gehen (→Gemüt – Ruhelosigkeit – treibt ihn von einem Ort zum anderen: ars, bell, cedr, lach, lyss, sanic, tub, …).

  • Jammert (Jammerkind – anders tub: agiert seinen Zorn aus, wird boshaft). Stöhnt (ant-c, cham, …), schreit im Schlaf (borx, lyc, puls, tub, …). Seufzt aus körperlicher Schwäche (ign seufzt aus Kummer).

  • Fühlt sich ungerecht behandelt (→Gemüt – Ungerechtigkeit – verträgt keine: caust, ign, staph, …). Beschwerden durch Eifersucht, Kummer, Heimweh (z. B. nach Umzug), enttäuschte Liebe, unerwartete Kränkung. Wehrt sich nicht, sondern ist entrüstet (staph, …).

  • Extrovertiert. Hat viele Eigenschaften, die an Phosphorus denken lassen: Offen, spontan, mitfühlend (carc, caust, phos, …). Braucht Menschen um sich, fühlt sich nur dann sicher.

  • Viele Ängste: Angst um andere (phos, ars, …), Furcht vor Gewitter, Dunkelheit, großer Höhe, Hühnern (nur calc-p). Fürchtet sich vor schlechten Nachrichten (lyss, …).

Allgemeinsymptome
  • Wetter: Kälteempfindlich. Kälte, Wind und Zugluft verschlechtern. Empfindlich gegen Gewitter. Schneeschmelze verschlechtert.

  • Zeit: morgens (6:00 Uhr), nachts. Zahnung. Pubertät.

  • Verlangen: Geräuchertes (caust, kreos, puls, tub, …). Fleisch. Würste. Fett. Speck. Fetter Schinken (carc, mez, sanic, tub). Salz. Unverdauliches. Süßes. Rohe Speisen. Käse. Eier. Gewürze (Pfeffer!).

  • Abneigung: Muttermilch. Süßes.

  • Seite: Rechts.

  • Schlaf: Mag abends nicht ins Bett – am Morgen schwieriges Erwachen (alum, calc, nux-v, ph-ac, …). Schläft in Knie-Ellenbogen-Lage (carc, lyc, med, phos, sep, tub, …). Jammert, stöhnt oder schreit im Schlaf. Träumt von Reisen.

  • Schweiß: Kopfschweiß im Schlaf (calc, cham, lyc, merc, sep, sil, …). Schweiß an Lidern und Augenbrauen im Schlaf.

Causa und Modalitäten
  • Causa: Schlechte Ernährung. Schlechtes Wetter. Schlechte Nachrichten, Kummer. Veränderungen wie z. B. Umzug. Verlust von Körperflüssigkeiten.

  • < Witterungsbedingungen: Kälte, kalte Luft, Wetterwechsel, Zugluft, Feuchtigkeit, Schneeschmelze. Morgens. Zahnung. Milch. Geistige Anstrengung. Denken an die Beschwerden (med, ox-ac, …).

  • > Sommer, trockene Wärme. Liegen. Bewegung.

Schwangerschaft und Stillzeit
  • In der Schwangerschaft Schwäche mit Schweregefühl in den Extremitäten. Erbrechen beim Räuspern. Brennende Schmerzen in den Mammae.

  • Nach der Entbindung Angst und Depressionen. Schwäche. Trockener Husten.

Neugeborenes
  • Das Kind ist ängstlich und atemlos, wenn es aus der Wiege gehoben wird (borx, calc).

Praxistipp

Es hat einen nässenden Nabel (→Abdomen – Absonderung aus dem Nabel: abrot, calc, kali-c, lyc, med, nat-m, …) oder ein Nabelgranulom (→Abdomen – Geschwüre – Nabelgegend: apis, calc, petr, …). Teilweise sickert auch Blut aus dem Nabel (→Abdomen – Absonderung aus dem Nabel – blutige Flüssigkeit – Kindern, Säuglingen; bei: abrot).

  • Häufig findet man Sichelfüße, einen Hodenhochstand (aur, bar-c, calc, calc-f, caust, con, fl-ac, syph, nach Lamothe) oder eine Hydrozele.

  • Calcium phosphoricum kommt auch in Betracht bei Neugeborenen mit Hydrozephalus (→Kopf – Hydrozephalus: calc, lyc, sil, …).

Säugling
  • Der Säugling ist eher unruhig und dyskoordiniert, mit häufigem Tonuswechsel: in Ruhe eher hypoton, in der Bewegung aber fahrig-hyperkinetisch.

  • Neben einer statomotorischen Retardierung mit schlechter Kopfkontrolle (→Kopf – Halten – hochzuhalten, unfähig: aeth, gels, op, puls, sil, verat, …) und verzögertem laufen lernen (→Allgemeines – gehen – gehen lernen, spätes: bar-c, calc-p, caust, nat-m, sanic, sil, …) fallen spätes sprechen lernen (→Gemüt – sprechen – langsam, lernt: bar-c, bell, calc, nat-m, sil, …) oder sogar ein geistiger Entwicklungsrückstand auf (agar, bar-c, phos, …).

  • Mögliche Ursachen sind Stoffwechselerkrankungen, etwa eine nicht erkannte Hypothyreose (→Gemüt – Kretinismus: aeth, bar-c, bufo, thuj, …) oder ein Hydrozephalus: Die Fontanellen sind zunächst geschlossen, aber öffnen sich wieder (nur calc-p).

  • Das Wachstum ist beschleunigt (→Allgemeines – Längenwachstum, zu schnelles: calc, ph-ac, phos, …) oder verlangsamt (→Allgemeines – Zwergwuchs: bar-c, sulph, syph, …).

  • Es besteht eine starke Disposition zu Rachitis (calc, merc, phos, sil, …): Kopfschweiß v. a. im Schlaf, weiche und dünne Schädelknochen (→Kopf – dünn; der Schädel scheint: bell, puls) und verspäteter Verschluss der Fontanellen (→Kopf – Fontanellen – offen: calc, sil, …). Der Hinterkopf ist abgeflacht, das Kind liegt schief und hat eine Neigung zu Säuglingsskoliose.

  • Die Zahnung beginnt verspätet (calc, sil, tub, …) und ist schwierig. Die Zähne sind weich und werden früh kariös (→Zähne – Karies – Kindern; verfrüht bei: calc, calc-f, fl-ac, kreos, staph, …).

Praxistipp

Das Kind ist fast immer unzufrieden und reizbar, es jammert, stöhnt, und schreit – sogar im Schlaf (apis, puls, sulph, …), v. a. aber während der Zahnung. Je mehr man es beruhigen will, desto unzufriedener wird es.

  • Beim Hochnehmen wird es panisch bis zum Erstickungsanfall (→Gemüt – Angst – Kindern, bei – gehoben; wenn aus der Wiege: borx, calc, …; borx hat bei jeder Vertikalbewegung Angst, sanic hat größere Angst, wenn es hingelegt wird).

  • Oft verweigert das Kind die Brust (→Allgemeines – Speisen – Milch – Abneigung – Muttermilch, Kind verweigert: borx, calc, mag-c, merc, sil, …). Es will ständig gestillt werden, erbricht aber dann, und bleibt daher mager (→Allgemeines – Abmagerung – Heißhunger, mit – Kindern, bei: calc, cina, iod, nat-m, …). Sein Bauch ist eher schlaff und eingesunken (calc: aufgetrieben).

  • Schon während der Mahlzeit bekommt es Koliken (→Abdomen – Schmerz – Essen, beim: carb-v, cina, nux-v, …) und entleert dann stinkenden durchfälligen Stuhl mit vielen Flati. Das Gesicht ist dabei eher blass (cham gerötet, auch einseitig). Die Koliken bessern sich durch Aufstoßen, Flatusabgang oder Stuhlgang. Auch das Durchbrechen der ersten Zähne ist von Durchfall begleitet.

  • Die Augen sind morgens verklebt, die Nasenspitze ist oft eiskalt. Auch Hände und Füße sind kalt oder kaltschweißig.

Kleinkind und Schulkind
  • Das Kind ist tagsüber schwächlich und schnell erschöpft, abends dann gereizt, nervös und agitiert mit Tendenz zur Hyperaktivität („Zappelphilipp“). Es hat viel Phantasie und will dauernde Abwechslung im Spiel, wobei es nie richtig zufrieden ist (→Gemüt – Hause, zu – Verlangen nach Hause zu gehen, und auszugehen, wenn er daheim ist: bry, calc, cupr-act). Oft turnt es an der Mutter herum und weiß nicht, was es will.

  • Es wird zornig durch Widerspruch (lyc, nux-v, sep, …) und lässt sich zu nichts zwingen, sondern tut Dinge nur, wenn es Lust dazu hat. Vor allem aber jammert es den ganzen Tag (tub agiert sich eher durch Aggressivität aus).

  • Es ist ängstlich und steckt andauernd die Finger in den Mund (calc, cham, ip, …).

  • Die Konzentration ist schlecht. Das Schulkind neigt zu Schreibschwäche, es schreibt dasselbe Wort zweimal (→Gemüt – Fehler – Schreiben, beim – wiederholt Worte: cann-s, …) und will sich nicht anstrengen (→Gemüt – Pflichten – Abneigung gegen: podo).

Praxistipp

Calcium phosphoricum ist eines der Mittel bei geistiger Retardierung (→Gemüt – Entwicklungsstillstand – Kinder: agar, bar-c, calc, carc, cupr, phos, …), die mit Hyperaktivität einhergeht.

  • Das Kind ist mager, selten auch adipös, mit schlaffem Gewebe. Es ist minderwüchsig oder wächst zu schnell (→Allgemeines – Längenwachstum, zu schnelles: calc, ph-ac, phos, …). Beim Stehen ist es nach vorne gebeugt mit vorgezogenen Schultern. Insgesamt wirkt es zerbrechlich und kränkelnd (→Allgemeines – Kindern, Beschwerden von – zarte, schwächliche, kränkelnde Kinder: brom, caust, lyc, mag-c, phos, psor).

  • Häufig findet man eine Anämie. Die Haut ist blass, durchscheinend und schmutzig weiß (bei calc eher kalkweiß), die Haarfarbe ins Rötliche gehend (→Allgemeines – Aussehen – rotes Haar: lach, phos, puls, sep, sulph). Typisch sind abstehende Ohren, lange Wimpern und kleine obere Zweier-Zähne. Die Arme lassen sich im Ellbogengelenk nicht ganz strecken (calc-f kann sie überstrecken).

  • Das Kind ist ausgesprochen lymphatisch: Es hat viele kleine, harte Lymphknoten (→Allgemeines – Schwellung – Drüsen, der – Abmagerung, mit: ars, bar-c, calc, graph, mag-c, sil, …), vergrößerte Adenoide und eine Tonsillenhyperplasie; oft einhergehend mit Paukenerguss und Schwerhörigkeit (→Hören – schwerhörig – Tonsillen – Hypertrophie der: agra, aur, bar-c). Die Tonsillen neigen zu rezidivierenden Entzündungen.

  • Das Kind hat einen chronischen wässrigen Schnupfen, der sich nur im warmen Raum bessert (ars, dulc, sabad, …) und eine Neigung zu Sinusitis (→Nase – Schnupfen – erstreckt sich zu – Stirnhöhlen: ars, kali-i, stict, …). Beim Schnäuzen kommt es zu Nasenbluten (arn, lach, ph-ac, phos, sulph, …).

  • Die Bindegewebsschwäche macht sich durch ein schlaffes und eingesunkenes Abdomen bemerkbar (bei calc und sil Abdomen eher aufgetrieben), das wegen der Kitzligkeit des Kindes kaum untersucht werden kann. Kleinkinder bekommen typischerweise während der Mahlzeiten, oft sogar schon während der ersten Bissen, Bauchschmerzen im Nabelbereich („Nabelkoliken“). Besonders nach Eiscreme, Milch, Obst oder kalten Getränken treten Bauchschmerzen, Erbrechen und Durchfall auf. Die Diarrhö ist wässrig, grün, unverdaut, spritzend und von Flati begleitet.

  • Das Kind neigt zu Pruritus ani, Analfissuren, Furunkeln und Hämorrhoiden. Kleine Mädchen haben oft einen süßlich riechenden Vaginalausfluss (→Weibliche Genitalien – Fluor – Kindern, bei: merc, sep, …) von weißlicher Farbe wie Eiweiß oder Sahne.

  • Das Kind klagt über nächtliche Wachstumsschmerzen (guaj, ph-ac, phos, …) oder erkrankt nach einem Infekt an einer Coxitis fugax (→Extremitäten – Hüftgelenksentzündung: calc, coloc, kali-c, nat-s, ph-ac, sil, tub, …). Die Knochen sind brüchig (→Allgemeines – brüchige Knochen: calc, merc, sil, sulph, symph, …), Knochenbrüche heilen nur langsam.

Jugendlicher
  • Der Jugendliche hat eine starke Abneigung gegen Schule (nat-m) und Pflichten. Zudem ist er ein ausgesprochener Langschläfer (→Schlaf – Erwachen – schwierig – morgens: calc, nux-v, …).

  • Er fühlt sich oft ungerecht behandelt (→Gemüt – Ungerechtigkeit; erträgt keine: caust, staph, …), und wird auch zornig, wenn andere getadelt werden (ign, …). Er seufzt unwillkürlich (ferr-m, hell, ign).

  • Er hat ein sehr romantisches Gemüt, pflegt Aussteigerphantasien (→Gemüt – Gesellschaft – Abneigung gegen Gesellschaft – Land; möchte von Menschen weg aufs: calc, elaps, merc, sep) und wandert gerne (bry, kali-br, tub, …). Ist er aber auf Reisen, bekommt er schnell Heimweh. Insbesondere die Mädchen neigen bei Eintritt der Pubertät zur Melancholie.

  • Die Denkfähigkeit ist beeinträchtigt (bei cham eher gesteigert), mit Konzentrationsstörungen und vielfältigen Beschwerden durch geistige (bei calc eher durch körperliche) Anstrengung.

Praxistipp

Calcium phosphoricum ist u. a. angezeigt bei Kopfschmerzen von Schulkindern (nat-m, ph-ac, puls, …), v. a., wenn sie von Verdauungsbeschwerden und Akne begleitet sind.

  • Charakteristisch bei heranwachsenden Knaben ist eine walnussgroße Schwellung in der linken Brustdrüse (bar-c).

  • Die weiblichen Genitalien bleiben lange infantil (bar-c, con, phos, …), die Menarche ist verzögert. Die Menses sind zu häufig, reichlich und hellrot. Sie führen zu heftigen Schmerzen (→Weibliche Genitalien – Menses – schmerzhaft – Mädchen: apis, cocc, graph), dabei sind die Extremitäten eiskalt. Das sexuelle Verlangen ist sehr heftig (→Weibliche Genitalien – sexuelles Verlangen – unersättlich: lach, plat, sabin, zinc, …), v. a. nach den Menses.

  • Der Jugendliche hat eine Kyphose oder Skoliose mit Rückenschmerzen. Durch Zugluft oder feuchtes Wetter werden auch Nackenschmerzen mit Steifheit in der gesamten Nackenregion (rhus-t, cimic, …) hervorgerufen.

  • Typisch sind kalte Stellen – „wie Eis“ – am Körper oder am Kopf, kalte Extremitäten und Kribbeln oder Taubheit an kleinen Stellen; die Glieder schlafen leicht ein.

  • Calcium phosphoricum beschleunigt die Heilung von Frakturen oder Distorsionen.

Arzneimittelbeziehungen
Calcium phosphoricum führt zu langen Erstverschlimmerungen (10–20 Tage).
  • Miasma: Psora, Tuberkulinismus, Syphilis, Sykose

  • Folgt gut auf: ars, chin, iod, merc, tub

  • Bewährte Folgemittel: iod, psor, rhus-t, sanic, sulph

  • Ergänzungsmittel: bac, hep, ruta, sulph, trill

  • Unverträglich mit: bar-c, nat-m

Camphora

Kampfer, Extrakt vom Holz des Kampferbaumes (Camphora#Camphora officinalis officinarum).
Leitsymptome
  • Angst nachts, beim Alleinsein

  • Kollaps, Schock

  • Kälte und Schaudern, aber Abneigung, zugedeckt zu werden

  • Kalte Stellen auf der Haut, kalte Nase

  • Zyanose

  • Konvulsionen

Betroffene Organsysteme und Indikationen
  • Organsysteme: Wirkt v. a. auf Gemüt, Nervensystem, Kreislauf, Verdauungstrakt, Harnorgane.

  • Indikationen: Indiziert unter anderem bei Arthritis, Asphyxie, chronischer Müdigkeit, Diarrhö, Exsikkose, Hydrozephalus, Influenza, Kollaps, Kopfschmerzen, Krampfanfällen, Nephritis, Pneumonie, Schock, Sepsis, Sonnenstich, Verletzungsschock.

Geist- und Gemütssymptome
  • Angst im Dunkeln und nachts, v. a. wenn alleine (→Gemüt – Furcht – allein zu sein – nachts: caust, hell, med, stram, …). Will aus Angst nicht ins Bett (→Gemüt – Furcht – Tod, vor dem – Bett – Zubettgehen, beim: ars, caust, lach). Todesgefühl und Todesangst, bis hin zum Wahnsinn (→Gemüt – Geisteskrankheit, Wahnsinn – Angst, mit: agar, stram, …). Allein und einsam wie in einer toten mechanischen Welt (→Gemüt – Wahnidee – Welt – neuen Welt bewegen – er würde sich in einer (1): camph). Angst beim Anblick des Sternenhimmels (Masi: „allein im Weltall“). Furcht vor seinen eigenen Gedanken. Angst beim Blick in den Spiegel, als ob er sich dabei in seiner Verlassenheit erblickt.

  • Wahnideen nachts. Hält sich für einen Teufel (anac, hyos, …), wähnt sich in der Hölle (orig, …). Hält sich für schwerelos; meint zu fliegen oder nach oben gezogen zu werden. Gegenstände im Zimmer werden lebendig (phos, …), glänzen, wachsen, werden hell, größer, kleiner. Entfernungen scheinen vergrößert (arg-n, cann-i, …). Sieht Gespenster, absurde Gestalten (→Gemüt – Angst – Erscheinung, wenn wach – qualvolle Angst durch eine schreckliche: zinc).

  • Schreit um Hilfe (ign, laur, stram, …), klammert, hält sich an anderen fest. Will nicht allein gelassen werden, will aus dem Bett geholt werden (bapt, bry, hyos, …).

  • Streitsüchtig. Aggressiv, cholerisch, diktatorisch (ars, lyc, …). Beschimpft jeden (tarent, …), gibt immer den anderen die Schuld. Will sich keinen Zwang auferlegen lassen. Verärgert durch Mangel an Mitgefühl. Will niemanden bei sich haben, ist mit nichts zufrieden.

  • Wütende Raserei, Delir (→Gemüt – Delirium – rasend: bell, hyos, op, stram, verat, …), brüllt, schlägt, kratzt, spuckt, flucht, beißt. Schaum vor dem Mund. Lacht und weint im Wechsel. Redet hastig und unzusammenhängend, spricht in fremden, sonderbaren Sprachen (stram, …). Heftige Grimassen und Gebärden (bell, hep, hyos, stram, …). Tanzt wild, zerreißt sich die Kleider (→Gemüt – Destruktivität, Zerstörungswut – Kleidern, von: tarent, stram, verat, …), wälzt sich in seinem Kot. Wirft sich nach hinten, wirft sich im Bett herum.

  • Tranceartiger Zustand. Benommenheit, reagiert auf keine Außenreize, auf keine Gefahr (→Gemüt – Gefahr – Mangel an Reaktion auf Gefahr, in gefährlichen Situationen: ambr, ars, lyc, …). Unempfindlichkeit bis zum Kollaps. Hartherzig, nihilistisch; alles lässt ihn kalt. Schließt die Augen und antwortet nicht, scheint zu schlafen, kaum weckbar. Konzentrationsstörung bis zum Gedächtnisverlust.

  • Depression. Könnte die ganze Zeit weinen, hat aber trockene Augen. Ekel vor sich selbst. Fürchtet Strafe. Suizidneigung – will aus dem Fenster springen. Eiskalte Hände beim Sprechen über eigene Gefühle.

Allgemeinsymptome
  • Wetter: Äußerst empfindlich gegen Kälte und Zugluft, kaltes trockenes Wetter, plötzlichen Wetterwechsel. Kälte des ganzen Körpers, kalter Schweiß, Gefühl von kaltem Wind auf Körperteilen. Frostig, aber Abneigung, zugedeckt zu werden (carb-v, sec, …; fehlt bei verat).

  • Zeit: nachts, v. a. 1:00 Uhr.

  • Verlangen: Kalte Speisen. Fleischbrühe. Bier. Brennender, unstillbarer Durst auf kaltes Wasser. Essen schmeckt bitter, v. a. Fleisch.

  • Abneigung: Kartoffeln. Tabak.

  • Seite: Links.

  • Schlaf: Tagsüber Gähnen und Schläfrigkeit. Nachts aber schlaflos, < wenn zugedeckt (fehlt bei verat), trotz kalter Glieder. Schläft in kurzen Nickerchen. Spricht die ganze Nacht mit sanfter Stimme. (→Träume verworren, erotisch, von Eifersucht, Plänen, Gespenstern; von Ereignissen des vergangenen Morgens.

  • Schweiß: Kalter Schweiß im Gesicht. Schwitzt, wenn zugedeckt, im Schlaf. Schweiß auch fehlend, Haut dann trocken wie Pergament.

Causa und Modalitäten
  • Causa: Schock, Operationen, Trauma. Ärger. Sonnenstich. Nasse Füße, Kälteeinwirkung, plötzlicher Wetterwechsel. Abusus von Drogen, Medikamenten, Tabak. Unterdrückter Hautausschlag, unterdrückte Absonderungen. Unterdrücktes sexuelles Verlangen (apis, con, puls, …).

  • < Kälte, Zugluft, Winter. Sommer, Erhitzung. Zudecken. Halbschlaf. Geistige Anstrengung. Schock. Unterdrückung. Nachts. Bewegung.

  • > Daran denken. Absonderungen. Schweiß. Wärme. Kaltes Wasser trinken.

Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit
  • Schwangerschaft: Konvulsionen während der Schwangerschaft. Zystitis, brennender Schmerz während der Miktion. Abort durch Influenza

  • Geburt: Schwache Wehen, hören wieder auf; dabei große Unruhe und Abneigung gegen Zudecken

  • Stillzeit: Nach der Entbindung Puerperalmanie mit Beißen und vermehrtem sexuellem Verlangen, entblößt ihre Brust, beschimpft jeden

  • Stillzeit: rechtsseitige Mastitis mit nach unten ausstrahlendem Schmerz. Milchfluss versiegt

Neugeborenes

Praxistipp

  • Camphora ist ein Mittel für vital bedrohte Neugeborene mit Asphyxie (→Atmung – Asphyxie – Neugeborenen, bei: ant-t, laur, op, …), Schock, Sepsis oder neurologischen Komplikationen (→Kopf – Gehirnblutung: acon, bell, gels, op, …).

  • Das Mittel folgt gut auf Antimonium tartaricum, das erste Mittel bei der Reanimation asphyktischer Kinder (ant-t: Zyanose, Schleimrasseln, Schnappatmung).

  • Der Kreislauf ist zentralisiert mit kleinem und schwachem Puls. Die Atmung ist insuffizient und unregelmäßig mit periodischen Apnoen (→Allgemeines – Cheyne-Stokes-Atmung: bell, cupr, dig, hydr-ac, op, …). Das Kind verfällt rasch. Es ist blass oder zyanotisch (→Allgemeines – Zyanose: carb-v, cupr, lach, laur, op, verat, …) und fühlt sich eiskalt an (→Allgemeines – Kollaps – Kälte, mit: carb-v, verat), wird jedoch durch Zufuhr von Wärme unruhig.

  • Die Pupillen sind weit und reagieren kaum auf Licht. Kopf und Gesicht sind bedeckt von kaltem Schweiß (ars, carb-v, verat, …), besonders bei Hirnödem oder Hydrozephalus (nur camph). Die Urinausscheidung ist reduziert (→Blase – Harnverhaltung – Kindern, bei – Neugeborenen: acon, apis, ars, canth, lyc, …).

  • Camphora ist auch indiziert bei fiebernden Neugeborenen mit Konvulsionen (→Allgemeines – Konvulsionen – Hitze, während – Neugeborenen, bei (1): camph), einhergehend mit Opisthotonus und kaltem Schweiß. Es ist eines der Mittel bei Neugeborenen-Tetanus (→Gesicht – Kiefersperre – Kindern, bei – Neugeborenen, bei: ambr, ang, merc).

  • Weitere Hinweise auf Camphora sind Hautinfektionen (→Haut – Erysipel – Kindern, bei – Neugeborenen, bei: bell, carb-an) und subkutane Verhärtungen an Oberschenkeln und Abdomen (→Haut – Verhärtungen, Knoten – Kindern, bei – Neugeborenen, bei (1): camph).

Säugling
  • Schwere Krankheitsbilder mit Kreislaufzentralisation und Schockzustand können Camphora indizieren.

  • Das Kind befindet sich in einem ausgeprägten Froststadium mit Schüttelfrost und eiskalter Haut; v. a. Lippen, Nase und Extremitäten sind eiskalt und bläulich (→Allgemeines – Zyanose – Kindern, bei – Kleinkindern, bei: carb-v, dig, lach, laur, naja, phos, …). Trotz der Kälte strampelt das Kind die Decken weg, sobald man versucht, es zuzudecken.

  • Es entwickelt einen massiven reiswasserartigen Durchfall mit Erbrechen, kaltem Schweiß (→Magen – Erbrechen – begleitet von – Schweiß, kaltem: cupr-ar, verat) und starkem Speichelfluss (→Mund – Speichelfluss – Kindern, bei (1): camph).

  • Das Gesicht ist eingefallen, spitz und leichenblass oder livide (→Gesicht – hippokratisches Gesicht: aeth, ant-t, carb-v, chin, tab, verat, …), der Gesichtsausdruck ist ängstlich. Der Puls ist beschleunigt und kaum fühlbar. Die Fontanelle ist eingesunken; die Zunge ist kalt und trocken.

  • Das Kind neigt zu tonischen oder klonischen Krampfanfällen. Es ist dabei eiskalt und zieht die Mundwinkel nach oben, sodass die Zähne sichtbar werden. Die Daumen sind eingezogen (→Extremitäten – Ballen – Daumen: cupr, merc, …), die Augen nach oben oder seitwärts verdreht (→Haut – Strabismus – convergens: cic, cycl, lyc, …).

Kleinkind und Schulkind
  • Das Kind ist ängstlich und mag nicht allein im Bett schlafen (→Gemüt – Gesellschaft – Verlangen nach – nachts: phos, puls, stram, tab). Will man es ins Bett bringen, verkriecht es sich in eine Ecke und weint, oder es hält sich an der Mutter fest (→Gemüt – klammert sich an – hält sich nach anderen fest: ars, op, puls, …). Nachts schreit es plötzlich auf und will aus dem Bett geholt werden. Es fürchtet Bestrafung (camph einziges Mittel) und weint ohne zu wissen warum (rhus-t, …).

  • Behinderte Kinder fallen durch ihr unmotiviertes Lachen auf (→Gemüt – Lachen – Kindern, bei – geisteskranken Kindern, bei (1): camph) oder durch Weinen und Lachen gleichzeitig.

  • Camphora ist ein Arzneimittel für Folgezustände von Verletzungen (acet-ac, arn, sul-ac, …), und zwar sowohl für Gemütssymptome (→Gemüt – Beschwerden durch – Verletzungen, Unfälle – Gemütssymptome, durch: acon, arn, cic, glon, hyper, nat-s, ruta, stram, …) als auch für den klinischen Schockzustand (→Allgemeines – Ohnmacht – Verletzung – Verletzungsschock, durch: arn, atro, cham, dig, hyper). Hauptsymptome sind rascher Kräfteverfall (→Allgemeines – Schwäche – Kindern, bei: lyc, sulph, …) und Kollaps. Das Kind hat einen eiskalten schweißbedeckten Körper, will aber nicht zugedeckt werden (carb-v, sec, …). Ihm ist so elend, dass es die Oberlippen hochzieht, wodurch die Zähne sichtbar werden. Es ist blass oder zyanotisch, der Puls rast und ist kaum fühlbar (acon, gels, …).

  • Camphora ist in Betracht zu ziehen bei einem fulminant beginnenden hochfieberhaften Infekt (→Allgemeines – Influenza – beginnend – schnell: bapt). Das Kind entwickelt plötzlich Schüttelfrost mit eiskalter Haut und Zyanose (→Frost – Schüttelfrost – Haut, mit kalter blauer: carb-v, nux-v, rhus-t, sec, …). Es bekommt Panik (→Gemüt – Angst – Frost, während: acon, ars, calc, puls, …), will auf keinen Fall allein bleiben und auch nicht zugedeckt werden (→Frost – Wärme – unerträglich, ist: apis, ip, puls, sec, sep, staph). Es folgt ein schneller Wechsel von Frost und Hitze mit zunehmendem Verfall der Kräfte. Das Kind kann heiß und kalt nicht mehr unterscheiden und will ständig ein anderes Raumklima, nichts sagt ihm zu. Es hat unstillbareren Durst auf kaltes Wasser, das aber sofort erbrochen wird (ars).

  • Schließlich wird es delirant oder stuporös (arn, bapt, ph-ac, …) und bekommt einen vorwiegend tonischen Fieberkrampf (→Allgemeines – Konvulsionen – tonisch – Fieber, während: bell, hyos, op, sep, stram, verat, …).

  • Auch die Meningoenzephalitis gehört zum Wirkungsbereich von Camphora (→Kopf – Entzündung – Gehirn: acon, bell, bry, hell, hyos, op, …). Sie führt zu Krampfanfällen mit plötzlichem Überstrecken nach hinten, blauen Lippen und Schaum vor dem Mund. Die Haut ist dabei eiskalt, die Augen sind nach oben verdreht. Vor oder nach dem Krampfanfall lacht das Kind, nach dem Anfall ist es völlig erschöpft oder kollaptisch.

  • Camphora ist ein Mittel für Komplikationen von Masern, besonders bei schwach ausgeprägtem Exanthem. Es ist besonders nützlich bei der Masernenzephalitis (→Haut – Hautausschläge – Masern – unterdrückt: bry, stram, …; →Kopf – Gehirns – Beschwerden des – begleitet von – Masern: apis, bell, cupr-act, stram, zinc, …).

  • Das Kind hat eine starke Erkältungsneigung, v. a. bei plötzlichem Wetterwechsel (acon: trockene Kälte; nux-v: feuchte Kälte). Der Infekt beginnt mit Trockenheit in der Nase, Niesen (→Nase – Niesen – kalt – Erkältung, durch (1): camph) und Frösteln (→Nase – Schnupfen – Frösteln, mit: merc, nux-v, …). Mund, Zunge und Atem sind eiskalt (jatr, verat, …). In diesem Stadium kann ein Tropfen Camphora-Urtinktur stündlich das Fortschreiten des Infekts aufhalten.

  • Der Schnupfen geht über in einen trockenen Reizhusten mit rasch einsetzender bronchialer Obstruktion (→Atmung – Schnupfen, nach: ant-t, ars, carb-v; →Atmung – Asthma, asthmatische Atmung – plötzlichen Anfällen, in: ant-t, ars, mosch, op, samb, …) oder Pneumonie (→Brust – Entzündung – Lungen – Pleuropneumonie: ant-t, bry, phos, …; →Brust – Hepatisation der Lungen: phos, sulph, …). Das Kind atmet unregelmäßig und röchelnd und klagt über Schmerzen beim Einatmen.

Praxistipp

Camphora ist ein wichtiges Mittel bei schwer verlaufender Gastroenteritis. Es gehört mit Cuprum metallicum und Veratrum album zu den drei klassischen Mitteln gegen Cholera und wirkt besonders gegen Durchfall bei warmem Wetter oder in warmen Klimazonen.

  • Die Erkrankung beginnt unvermittelt mit tödlicher Übelkeit, Brechreiz, Speichelfluss (→Mund – Speichelfluss – Kindern, bei (1): camph) und kaltem Schweiß im Gesicht. Das Kind gerät rasch in einen bedrohlichen Zustand mit Zyanose (→Gesicht – Farbe – bläulich – Cholera, bei: cupr, verat) und Zentralisation. Es fühlt sich eiskalt an, wehrt sich aber gegen das Zudecken (→Extremitäten – Kälte – warmes Bett jedoch unerträglich: led, mag-c, med, sec).

  • Mit Einsetzen der Diarrhö, bei der es große Mengen Reiswasserstühle entleert werden (cupr, ph-ac, verat, …), verschlechtert sich das Krankheitsbild bis hin zum Kollaps (→Allgemeines – Kollaps – Diarrhö, nach: ars, carb-v, verat, …); die Harnausscheidung sistiert (→Blase – Harnverhaltung – Cholera, bei: canth, lach, op, verat, …).

  • Camphora kann angezeigt sein bei Zystitis oder Nephritis mit schmerzhaftem Brennen beim Wasserlassen, Harnverhaltung (op, …) und Tenesmen. Der Urin ist blutig und geht nur tropfenweise ab.

  • Das Mittel hilft auch bei schlecht heilenden Hautverletzungen, bei Erysipel und bei blasiger Dermatitis durch Sonnenbrand (→Haut – Hautausschläge – Bläschen – Sonne – durch Aufenthalt in der: acon, bell, kali-i, nat-m, staph).

Jugendlicher
  • Auch beim Jugendlichen ist Camphora eines der ersten Mittel bei Kollaps- und Schockzuständen, v. a. bei wiederholten Ohnmachtsanfällen, die mit jedem Mal schlimmer werden.

    • Der Körper ist dabei eiskalt (→Allgemeines – Kollaps – Kälte, mit: carb-v, verat), der Patient hat das Gefühl, als ob kalter Wind über den Körper weht (→Allgemeines – Wind – Gefühl von – kaltem Wind, von: lac-d, laur, lyss, mosch, …).

    • Trotzdem will er nicht zugedeckt werden. Er klagt über krampfartige Stiche in der Herzgegend und Beklemmung beim Liegen auf der linken Seite.

    • Auch innere Organe fühlen sich kalt an; so gibt der Patient ein Kältegefühl im Magen an und äußert tödliche Übelkeit, als müsse er sterben. Dennoch hat er Durst auf kalte Getränke.

    • Es kommt zu Erbrechen mit kaltem Schweiß und zu profusen Durchfällen.

Praxistipp

Camphora ist ein wichtiges Mittel zur Behandlung von Lebensmittelvergiftung durch Fisch, Muscheln oder Pilze (→Allgemeines – Pilzvergiftung: absin, ars, bell, pyrog, …).

  • Der Jugendliche leidet unter klopfenden, pulssynchronen Kopfschmerzen, die bis in die Fingerspitzen hin ausstrahlen. Sie werden erträglicher, wenn er sich darauf konzentriert (→Kopf – Schmerz – Denken an den Schmerz, beim – amel.: cic, …). Aufenthalt in der Sonne und v. a. Sonnenstich gehören zu den Auslösern (bell, glon, nat-c, …). Eine charakteristische Begleitbeschwerde ist Schwindel mit dem Gefühl, als ob die Füße den Boden nicht berühren.

  • Der Jugendliche hat glänzende Augen mit verengten Pupillen; alles erscheint zu hell oder wie im Nebel. Beim Lesen treten Doppelbilder auf oder die Buchstaben laufen zusammen.

  • Camphora kann eine beginnende Erkältungskrankheit kupieren. Der Patient ist extrem frostig, die eingeatmete Luft erscheint ihm kalt, die Nase ist kalt und verstopft, und er klagt über Schmerzen in den Stirnhöhlen und anhaltendes Niesen. Er jammert auch über inneres Brennen und will nicht zugedeckt werden, obwohl sich der ganze Körper eiskalt anfühlt. Sogar heiße Getränke erscheinen ihm kalt.

  • Ein ungewöhnliches Symptom ist hartnäckiges Nasenbluten mit Gänsehaut (nur camph).

Arzneimittelbeziehungen
  • Miasma: akut, Psora, Tuberkulinismus.

  • Folgt gut auf: ant-t

  • Bewährte Folgemittel: ant-t, ars, bell, con, sep

  • Ergänzungsmittel: canth

  • Antidote: acon, acet-ac, agar, agn, alum, ambr, am-c, anac, anth, ant-t, arn, asaf, asar, bar-c, bov, bry, calad, calc, cann-i, canth, caps, carb-an, carb-v, cham, chel, cic, clem, cocc, coff, cub, cupr, cycl, dros, dulc, euph, guaj, hell, hyos, ign iod, kali-c, laur, led, lyc, mag-m, meny, merc, mosch, nat-c, nat-m, nit-ac, nit-s-d, nux-m, nux-v, olnd, op, phos, ph-ac, puls, ran-b, rhus-t, ruta, sabad, sabin, samb, sars, sec, seneg, sil, spig, spong, squil, staph, stram, stront-c, sulph, tarax, teucr, thuj, valer, verat, verb, vinum, viol-t, zinc.

    Camphora antidotiert viele Arzneimittel, darunter fast alle pflanzlichen Mittel und korrigiert dadurch verdorbene Fälle.

  • Unverträglich nach: calen, cann-i, coff, kali-n

Carbo vegetabilis

#Carbo vegetabilisHolzkohle.
Leitsymptome
  • Herabgesetzte Lebenskraft; erholt sich nicht nach Krankheiten

  • Langsames Denken, Schwerfälligkeit

  • Kollaps

  • Lufthunger; will angefächelt werden

  • Eiskalter Körper, v. a. Nase und Unterschenkel

  • Brennende Schmerzen („innen Brennen, außen kalt“)

  • Venöse Stauung, Haut marmoriert oder bläulich

  • Passive Schleimhautblutungen

  • Meteorismus, > Flati und Aufstoßen

  • Übelriechende Absonderungen

Betroffene Organsysteme und Indikationen
  • Organsysteme: Wirkt v. a. auf Kreislauf, Verdauungsorgane und Atmung.

  • Indikationen: Indiziert u. a. bei Asthma, Dreimonatskoliken, Gerinnungsstörungen, Intertrigo, Keuchhusten, Kollaps, Koma, Kopfschmerzen, Kreislaufschwäche, Krupp, Laryngitis, Masern, Otitis, Pneumonie, Postoperativen Beschwerden, Purpura, Scharlach, Schock, Sepsis, Windpocken.

Geist- und Gemütssymptome
  • Stumpfheit. Gleichgültigkeit. An nichts interessiert (→Gemüt – gleichgültig – allem; gegenüber: ph-ac, sep, staph, …), wie benommen oder benebelt. Konzentration schwierig. Denkprozesse verlangsamt, schwerfällig. Passagerer Gedächtnisverlust, kann sich plötzlich an nichts mehr erinnern.

  • Trägheit. Apathie. Mag nicht aus dem Bett, muss aufgerüttelt werden. Mag keine Veränderungen. Unflexibel, beharrt auf seinen Ideen, auf seiner Meinung.

  • Schüchtern in der Öffentlichkeit, unter Fremden (→Gemüt – Angst – Fremden; in Anwesenheit von: ambr, bar-c, stram). Lampenfieber, Erwartungsspannung. Unentschlossen, schnell entmutigt. Wahnidee, klein zu sein (bar-c, …).

  • Auffahren wie durch Schreck (am-c, bell, borx, hyos, kali-c, nat-c, nat-m, stram, …). Vitale Reaktion, wie um den Stillstand zu überwinden; gemeinsames Symptom aller Kohlenstoffverbindungen (Sankaran).

  • Angst im Dunkeln. Angst abends in der Dämmerung (ars, calc, caust, phos, rhus-t, …), im Bett, beim Schließen der Augen. Schreckliche Visionen in der Dunkelheit. Furcht vor Gespenstern, vor Unfällen. Todesfurcht, Furcht zu ersticken. Angst mit Hitze im Gesicht und Ruhelosigkeit. Will getragen werden, klammert sich an mit Ruhelosigkeit.

Allgemeinsymptome
  • Wetter: Sommer, Wärme und feuchte Wärme verschlechtern. Auch schlechter durch Temperaturextreme, kalte Nachtluft, kühlen oder feuchten Wind. Frische, sauerstoffreiche Luft bessert. Will angefächelt werden. Eisige Kälte des Körpers (ars, camph, cupr, sec, sil, …), aber will abgedeckt sein.

  • Zeit: nachts nach 0:00 Uhr; vormittags 11:00 Uhr.

  • Verlangen: Salz. Salziges und Süßes. Saures. Obst. Warme Getränke. Kaffee.

  • Abneigung: Fett. Butter. Fleisch. Milch. Fisch. Gehaltvolle Speisen.

  • Seite: Rechts oben und links unten.

  • Schlaf: Unwiderstehliche Schläfrigkeit tagsüber. Einschlafen spät, nicht vor 1:00 Uhr. Schläft im Sitzen, mit angezogenen Beinen. Schlaf unerquicklich, häufiges Erwachen durch kalte Glieder. Komatöser Schlaf mit rasselndem Atem (op), als ob die Atmung gleich aussetzen würde. (→Träume lebhaft, schrecklich, von Gespenstern.

  • Schweiß: Kalt, übelriechend, faulig (psor, staph, …). Kalter Fußschweiß, kalter Stirnschweiß. Schwitzt während und nach dem Essen (calc, carbn-s, kali-c, nit-ac, sep, sil, …).

Causa und Modalitäten
  • Causa: Schock. Unfall. Schwächende Krankheiten und Operationen. Säfteverlust. Verdorbene Nahrung.

  • < Feuchte Wärme. Baden, feuchte Anwendungen, feuchte Wohnung. Säfteverlust. Erschöpfende Krankheiten. Schwerverdauliche, fette Speisen. Butter. Eis. Saures. Milch. Kaffee. Alkohol (Wein). Flach liegen. Druck von Kleidung. Abends, nachts.

  • > Aufstoßen. Blähungsabgang. Fächeln. Kühle Luft. Eiskalte Getränke. Singen.

Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit
  • Schwangerschaft: Hämorrhoiden, Krampfadern

  • Geburt: Wehenschwäche. Blutung durch Plazentaretention.

  • Stillzeit: Erschöpfung und Konvulsionen. Haarausfall. Schwäche und Magenschmerzen durch Stillen.

Neugeborenes

Praxistipp

Carbo vegetabilis ist bei lebensbedrohlichen Zuständen des Neugeborenen angezeigt, die mit Hypoxie und Schocksymptomatik (camph, laur, op, …) einhergehen. Hierzu gehören insbesondere folgende Zustände:

  • Sepsis (ars, crot-c, lach, pyrog, …)

  • Hypovolämie oder Anämie durch Blutverlust (chin, ferr, …)

  • Zyanotische Herzfehler (→Allgemeines – Zyanose – Kleinkindern, bei: cact, dig, lach, laur, …)

  • Das Kind ist ohne Bewusstsein, der ganze Körper ist eiskalt und leichenblass, marmoriert oder zyanotisch (→Extremitäten – Farbe – blau: crot-c, dig, lach, merc, op, …).

  • Atmung und Kreislauf sind reduziert, das Kind ist ateminsuffizient (→Brust – Lähmung – Lunge: ant-t, bar-c, chin, lach, lyc, …) und bradykard (→Brust – Lähmung – Herz: lach, naja, op, …).

  • Bei Herzinsuffizienz entstehen Stauungsödeme im großen Kreislauf (→Allgemeines – Wassersucht – Allgemeinen, im – Neugeborenen, bei: apis, coffin, dig, lach) und kleinen Kreislauf (→Brust – Ödem der Lunge: ant-ar, ant-t, ars, lach, merc-sul, …).

  • Die Sepsis kann mit Diarrhö einhergehen (→Rektum – Diarrhö – Sepsis, durch: ars, carb-ac, crot-h, lach, pyrog, sulph).

  • Infolge einer Gerinnungsstörung treten schließlich Ekchymosen und dunkle Sickerblutungen auf, etwa aus Punktionsstellen oder Operationswunden.

  • Charakteristisch für Carbo vegetabilis sind schlecht heilende Ulzera bis hin zur Gangrän. Harmlose Charakteristika sind angeborene Naevi oder Hämangiome (→Allgemeines – Tumoren – Angiom: ars, lach, phos, sil, thuj, …) und Leistenhernien.

Säugling
  • Das Kind hat einen ängstlichen Gesichtsausdruck und fremdelt früh und anhaltend (→Gemüt – Furcht – Fremden: bar-c, carc, cupr, lyc, stram, …). Die motorische Entwicklung ist verzögert (→Allgemeines – Gehen – Gehenlernen, spätes: bar-c, calc, calc-p, nat-m, …).

Praxistipp

Das Baby leidet unter heftigen Dreimonatskoliken (→Abdomen – Schmerz – krampfartig – Kindern, bei – Säuglingen, bei: arg-n, coloc, cupr, lyc, mag-c, nux-v, staph, …) mit hartem und massiv aufgetriebenem Oberbauch (lyc: Unterbauch, chin: gesamter Bauch), v. a. nach den Mahlzeiten. Der Bauch ist voll von Gas, es rumort und gurgelt, das Kind krümmt sich vor Schmerzen. Besserung kommt schließlich durch Aufstoßen (arg-n, dios, kali-c, lyc, nux-v, …) und Flatusabgang (bessert nicht bei chin). Das Aufstoßen ist laut und sauer oder ranzig.

  • Die Extremitäten sind bei allen Beschwerden eiskalt, v. a. die Unterschenkel und Knie (→Extremitäten – Kälte – Knie: phos, sil, …). Die Haut ist marmoriert (crot-h, lach, nux-v, …).

  • Das Kind neigt zu feuchter Windeldermatitis (→Rektum – Feuchtigkeit – kratzend, scharf: graph, sulph, …) und Intertrigo, v. a. in den Achselhöhlen (→Brust – Feuchtigkeit in den Achselhöhlen: sulph).

Kleinkind und Schulkind
  • Das Kind hat abends im Bett schreckliche Phantasien und Furcht vor Gespenstern (acon, lyc, puls, …). Es wird unruhig, steigt immer wieder aus dem Bett und klammert sich an die Mutter (→Gemüt – klammert sich an – Ruhelosigkeit, mit (1): carb-v).

  • Das Schulkind leidet unter Konzentrationsstörungen; es ist vergesslich und versteht oft das Gelesene nicht (→Gemüt – Stumpfheit – Lesen: con, op, …).

  • Carbo vegetabilis kann auch bei behinderten Kindern angezeigt sein. Sie sind geistig und motorisch retardiert, ängstlich und albern (→Gemüt – Possen, spielt – Kindern, bei: bell, hyos, merc, phos, …).

Praxistipp

Kennzeichnend für Carbo vegetabilis ist die herabgesetzte Lebenskraft mit Reaktionsmangel. Dies führt zu chronischen Erkrankungen oder ausbleibender Erholung nach schweren akuten Erkrankungen, Operationen oder Unfällen.

  • Auch Kinderkrankheiten wie Masern, Windpocken, Scharlach oder Keuchhusten führen zu Schwäche und anhaltenden Beschwerden.

  • Das Kind ist im emotionalen Bereich ängstlich und gleichgültig, im körperlichen Bereich schwach, kalt und kreislauflabil. Es steht kurz vor dem Kollaps und kann beim Aufstehen plötzlich ohnmächtig umfallen, mit fadenförmigem Puls und kaltem Stirnschweiß (op, verat, …).

  • Es hat großes Verlangen nach frischer Luft und kann nicht flach liegen, sondern braucht ein dickes Kissen.

  • Das Gesicht ist blass mit ausgeprägter Venenzeichnung. Bei schweren Krankheiten ist es eingefallen, spitz (→Gesicht – hippokratisches Gesicht: aeth, ant-t, ars, chin, verat, …) und nahezu grünlich (ars, chel, …).

Praxistipp

Die Haut ist marmoriert oder zyanotisch und kalt; v. a. die Beine sind eiskalt von den Knien abwärts. Dennoch besteht ein inneres Hitzegefühl; das Kind will nicht zugedeckt werden, verlangt nach frischer Luft und will angefächelt werden.

  • Alle Absonderungen sind übelriechend (ars, lach, nit-ac, psor, sil, …) und wund machend. Schmerzen werden meist als brennend empfunden.

  • Carbo vegetabilis ist eines der Mittel bei Otitis purulenta mit übel iechendem und wund machendem Ausfluss (→Ohr – Eiterung – Mittelohr: calc-s, hep, kali-bi, merc, sil, …), etwa bei Scharlach (lyc, psor, …) oder Masern. Es bessert auch Hörschwäche nach Scharlach (lyc, sulph, …).

  • Schnupfen geht mit Tränenfluss einher (all-c, euphr, nux-v, …), ist charakterisiert durch erfolgloses Niesen und geht über in eine Kehlkopfentzündung mit Heiserkeit (caust, mang, merc, phos, …). Bei Kleinkindern kommt es zu Krupp mit Zyanose (→Gesicht – Farbe – bläulich – Krupp, bei: brom) und anhaltender Heiserkeit (lyc). Die Heiserkeit ist schmerzlos (calc, caust, …) und nimmt gegen Abend zu (phos, …; caust eher morgens).

  • Das Kind beginnt krampfhaft und heftig zu husten, mit Würgen oder Erbrechen, gefolgt von Niesen. Der Husten wird ausgelöst durch kalte Speisen oder Getränke und durch Gehen vom Warmen ins Kalte (nux-v, phos, rumx, …); er bessert sich beim Aufsetzen.

  • Carbo vegetabilis ist ein wichtiges Mittel bei Keuchhusten. Das Kind atmet pfeifend, bekommt ein rotes Gesicht und erbricht heftig (cupr, ferr-p, ip, kali-br).

  • Anhaltend hohes Fieber lässt eine Pneumonie vermuten (→Fieber – Continua – Lungenentzündung, bei: ant-t, bry, lyc, phos, rhus-t, sulph, tub, …). Das Kind wird stuporös und zyanotisch; Atem und Auswurf sind übelriechend.

  • Carbo vegetabilis ist häufig bei Asthma bronchiale angezeigt, v. a. bei gleichzeitigen Blähungen oder Magenbeschwerden (lyc, nux-v).

    • Es wird ausgelöst durch unterdrückte Hautausschläge (ars, psor, puls, sulph, …), durch Kinderkrankheiten wie Masern oder Keuchhusten oder durch eine Pneumonie.

    • Das Asthma verschlechtert sich im Winter (nux-v, phel) und bei feuchtwarmem Wetter. Das Kind kann nicht mehr flachliegen und verlangt, dass Fenster und Türen geöffnet werden und ihm frische Luft zugefächelt wird (ferr, med, …).

    • Blähungsabgang oder Aufstoßen bringen Erleichterung.

  • Auch eine Pollenallergie mit Asthma und heftigen Niesanfällen (→Nase – Niesen – Heuschnupfen, mit: ars, dulc, euphr, naja, nat-s, nux-v, …) kann durch Carbo vegetabilis geheilt werden.

  • Akute Erkrankungen gehen häufig mit Diarrhö einher (→Rektum – Diarrhö – akuten Erkrankungen, nach: chin, psor, sulph). Der Stuhl ist aashaft (ars, lach, …) oder faulig stinkend, er geht unwillkürlich mit Flati ab. Charakteristisch ist das aufgetriebene Abdomen mit Völlegefühl oder Schmerzen, die sich durch Aufstoßen und Blähungsabgang bessern.

  • Die Blutgerinnung ist beeinträchtigt. Im Schlaf und durch Pressen zum Stuhlgang kommt es zu Nasenbluten mit dunklem Blut (croc, lach, nux-v, sec, …) und großer Blässe im Gesicht. Auch Wunden bluten reichlich (lach, phos, …). Carbo vegetabilis ist eines der Mittel bei Purpura Schönlein-Henoch (→Haut – Purpura – hämorrhagica: lach, phos, …) und Hämophilie (→Allgemeines – Blutung – Blut – gerinnungsfähig, nicht: both, crot-c, ferr, lach, lat-m, phos, …).

  • Die Wundheilung ist schlecht. Nach akuten Erkrankungen kann büschelweiser Haarausfall auftreten, v. a. am Hinterkopf (sep).

  • Das Kind masturbiert exzessiv (bufo, calc, chin, stram, …). Mädchen haben übelriechenden milchigen Fluor (calc, merc, sep, …).

Jugendlicher
  • Der Jugendliche ist schüchtern und kann nicht vor Publikum sprechen (lyc, sil, …). Er verspürt eine große Stumpfheit und Trägheit. Morgens ist er verwirrt wie in einem Rausch und möchte im Bett bleiben. So kann er tagelang herumhängen, ohne irgendetwas Vernünftiges zu Stande zu bringen. Dies geht jedoch mit Unzufriedenheit und Reizbarkeit einher (sep).

  • Er leidet anhaltend unter den Folgen schwerer Erkrankungen, die er nie richtig überwunden hat, oder unter dem Verlust von Körperflüssigkeiten durch Diarrhö oder Blutungen.

  • Seine enorme Schwäche macht ihn anfällig für Orthostaseprobleme und Synkopen, v. a. morgens beim Aufstehen. Während der Synkope schwitzt er an der Stirn, ist eiskalt und zyanotisch, hat sogar einen kalten Atem und eine kalte Zunge, der Puls ist nahezu unfühlbar. Beim Erwachen will er frische Luft zugefächelt haben.

  • Am Kopf ist er extrem empfindlich gegen kalte Luft, etwa beim Gehen in der Kälte (nur carb-v). Andererseits verträgt er keine Kopfbedeckung und ist schon empfindlich gegen die bloße Berührung seiner Haare.

  • Er leidet unter Kopfschmerzen und hat dabei das Gefühl von Zusammenschnürung wie in einer Rüstung. Der Schmerz wird schlimmer durch Wärme und den Druck einer Kopfbedeckung.

  • Er verträgt keine Kleidung am Bauch. Dieser ist von Gas so stark aufgetrieben, dass er Völlegefühl und Atembeschwerden verursacht.

Praxistipp

Carbo vegetabilis ist das Hauptmittel beim Roemheld-Syndrom, mit Besserung durch häufiges Aufstoßen und Abgang von Flati. Reichhaltige, fette Speisen führen zu abdominalen Beschwerden.

  • Die Körperhaltung ist gebeugt (phos, sulph, …), etwa aufgrund einer Skoliose (→Rücken – Krümmung der Wirbelsäule: calc, calc-f, calc-p, calc-s, ph-ac, phos, sil, sulph, …).

  • Die Neigung zu Blutungen zeigt sich u. a. am Zahnfleisch, das schon beim Saugen daran zu bluten beginnt.

  • Die Menses sind zu häufig und ziehen sich lange hin. Das Blut ist dünn und übelriechend.

Arzneimittelbeziehungen
  • Miasma: Psora, Sykose und Syphilis

  • Folgt gut auf: merc, sulph, verat

  • Bewährte Folgemittel: acon, ars, chin, dros, kali-c, lyc, nux-v, ph-ac, puls, sep, sulph, verat

  • Ergänzungsmittel: aesc, ars, camph, caust, chin, cic, cist, crot-h, dros, kali-c, lach, lyc, mur-ac, ph-ac, phos, sep, verat

  • Unverträglich mit: carb-an, kreos

  • Antidote: ambr, ars, camph, caust, chin, coff, dulc, ferr, lach, merc, nat-m, nit-s-d, puls. Kaffee

Carcinosinum

#CarcinosinumNosode aus kanzerösem Mammagewebe.
Leitsymptome
  • Unterdrückte Gefühle und Gefühlsausbrüche

  • Perfektionismus, Pflichtgefühl

  • Mitgefühl, Leidenschaft, Sehnsucht

  • Liebt Tanzen, Reisen, Gewitter

  • < Wärme

  • < Oder > am Meer

  • Blaue Skleren

  • Viele Muttermale

  • Verlangen nach Butter und Schokolade

  • Schlaf in Knie-Ellenbogen-Lage

  • Krebs in Vorgeschichte oder Familie

Betroffene Organsysteme und Indikationen
  • Organsysteme: In 95 % der Fälle wird Carcinosinum aufgrund von Gemüts- und Geistessymptomen verordnet (Vermeulen).

  • Indikationen: Indiziert u. a. bei allergischen Erkrankungen, Analfissuren, Angstkrankheit, Asthma, azetonämischem Erbrechen, Impfreaktionen, Infektanfälligkeit, Obstipation, Schlaflosigkeit, Tics.

Geist- und Gemütssymptome
  • Mangel an Selbstvertrauen. Mangel an Bestätigung in der Kindheit. Abwesender Vater. Mangel an Identität, Gefühl von Wertlosigkeit. Kann sich nicht selbst verteidigen. Überangepasst; orientiert sich mehr an der Umgebung als an sich selbst, daher auf Harmonie angewiesen (→Gemüt – Harmonie – Verlangen nach).

  • Großes Verlangen nach Zuneigung (→Gemüt – liebkost zu werden – Verlangen). Nachgiebig (croc, puls, sil, …), mild.

  • Unterdrückte Gefühle (→Gemüt – Gefühle – unterdrückt: caust, sep, staph, …) oder Wünsche. Kann nicht weinen (ign, nat-m, …). Folgen von unterdrücktem Zorn (lyc, staph, …). Verzicht, Aufopferung, wagt nicht, seine Interessen durchzusetzen, kann nicht „Nein“ sagen. Spricht nicht über bestimmte Dinge; eingezwängt in sich selbst. Frühreif (acon, aur, calc, calc-p, lach, med, merc, verat, …) durch Last der Verantwortung (→Gemüt – Beschwerden durch – Verantwortung: aur). Als ob er das Chaos, das andere verursachen, in Ordnung bringen müsste. Starke Kontrolle oder Druck von außen, hohe Erwartungen, strenges Elternhaus (→Gemüt – Beschwerden durch – Bevormundung – Kindern, bei: anac, lyc, med, nat-m, sep, sil, staph, …). Wendet Aggressionen gegen sich selbst; entwickelt Allergien, Schlaflosigkeit oder maligne Erkrankungen.

  • Extreme Sensitivität. Starkes Mitgefühl (caust, phos, …), engagiert für Menschen, Tiere, Natur und Umwelt. Helfersyndrom, geht dabei über seine Kräfte. Angst um andere, v. a. abends. Schreckliche Dinge ergreifen ihn tief (aur, calc, cic, lach, phos, puls, staph, …). Wortkarg, antwortet immer „vielleicht“.

  • Furcht zu versagen. Muss sich über seine Kapazität anstrengen (= Krebsmiasma nach Sankaran). Setzt sich zu hohe Ziele, hütet große Geheimnisse wie z. B. Missbrauch in der Kindheit (→Gemüt – Beschwerden – Missbrauch in der Kindheit: acon, anac, arn, ign, ign, kreos, lac-c, lyc, med, nat-m, nux-v, op, plat, sep, staph, stram, thal, thuj… nach Lamothe und Complete Repertory).

  • Perfektionistisch, übergenau, überpünktlich (→Gemüt – gewissenhaft: ars, nat-m, nux-v, sil, …). Workaholic (→Gemüt – fleißig: aur, coff, tub, …). Starke Erwartungsangst (→Gemüt – Beschwerden – Erwartungsspannung: arg-n, gels, …), etwas könnte nicht perfekt sein. Ständige Sorgen, nimmt das Leben sehr ernst. Großes Pflichtgefühl (cupr, kali-c, …).

  • Empfindlich gegen Kritik: 70 % der Fälle bei Kindern laut Vithoulkas (→Gemüt – empfindlich – Vorwürfe, gegen: calc-sil, ign, med, staph, …). Verträgt keinen Widerspruch, leicht beleidigt. Mag keinen Trost (ign, nat-m, sep, sil, …; anders phos).

  • Viele Ängste: Vor Krankheit, Dunkelheit, in der Dämmerung, auf belebten Straßen, in engen Räumen, an hochgelegenen Orten, in Menschenmengen, vor Prüfungen, Tieren (Hunde, Spinnen, Mäuse, Schlangen, Frösche).

  • Flucht in die innere Welt (der Harmonie): Starke Sensibilität v. a. für Sinneswahrnehmungen. Hellsichtig. Hohe Entwicklung im Bereich Musik und Kunst (phos, tub, …). Weint bei Musik, mag Rhythmus, tanzt und liest gerne. Tanzen bessert die Gemütssymptome (ign, sep, …). Verlangt zu Reisen (calc-p, phos, tub, …). Liebt die Natur, Tiere; genießt Gewitter (→Gemüt – froh – donnert und blitzt, wenn es: lyc, sep, …).

  • Leidenschaftlich, heftige emotionale Ausbrüche (sykotisches Element). Eigensinnig, leicht beleidigt, launisch, unzufrieden, lästig.

Allgemeinsymptome
  • Wetter: Eher warmblütig. Meist verschlechtert Wärme, manchmal auch Kälte.

  • Zeit: abends 17:00–18:00 Uhr. Morgens 4:00 Uhr. Periodizität – alle sieben Tage oder jedes Jahr.

  • Verlangen: Schokolade (auch bittere). Butter. Fett. Rauchfleisch. Salz. Ei. Milch. Obst. Süßes. Gewürze. Knoblauch. Rohe Zwiebeln. Suppe. Bei allem auch Abneigung möglich!

  • Abneigung: Salz. Ei. Fett. Butter. Milch. Obst. Süßes. Bei allem auch Verlangen möglich!

  • Seite: Wechselnde Seite oder nur einseitig. Mehr rechte Seite.

  • Schlaf: Einschlafen schwierig durch Gedanken. Häufiges Erwachen wie durch Schreck; fährt hoch aus dem Schlaf und schreit. Extreme Schlaflosigkeit (acon, ars, cham, cina, coff, cypr, mag-m, sulph, …), das Kind muss geschaukelt oder getragen werden. Erwacht um 4:00 Uhr und kann nicht mehr einschlafen. Knie-Ellenbogen-Lage (med, tub, …); oder liegt auf der rechten Seite, oder auf dem Rücken, die Hände über dem Kopf (lac-c, puls, …). Kurzer Schlaf bessert alle Beschwerden. Hellsichtige (→Träume.

  • Schweiß: Im Schlaf, an Kopf und Extremitäten (ähnlich calc).

Causa und Modalitäten
  • Causa: Demütigung. Tadel. Überstrenge Erziehung. Mangel an Bestätigung. Abwesender Vater. Anhaltender Kummer. Zuviel Verantwortung. Erwartungsspannung. Schwere Infektionskrankheit in der frühen Kindheit. Mononukleose. Impfungen. In der Familiengeschichte: Krebs, Tbc, Asthma, Diabetes, perniziöse Anämie, Kinderkrankheiten im frühen Säuglings- oder Erwachsenenalter.

  • < Wärme, warmer Raum. Am Meer. Baden im Meer. Kälte. Nach Gewitter. Trost. Wöchentlich, jährlich, vor den Menses.

  • > Abends. An der Küste. Bei Gewitter. Anstrengung. Beschäftigung. Tanzen. Lesen. Musik hören.

Schwangerschaft
Verstärkte Kindsbewegungen beim Hören von Musik.
Neugeborenes
Das Kind schreit viel und unerklärlich von Geburt an (syph). Es hat blaue Skleren und viele angeborene Hautmale, z. B. Molen, schwarze Naevi und Café-au-lait-Flecken. Das Gesicht ist dunkel („erdfarben“), der Kopf groß mit vorgewölbter Stirn. Auffällig ist ein häufiger Lidschlag. Der Körper ist stark behaart (carb-v, ign, nat-m, puls, sep, sulph, tarent, thuj, tub nach Lamothe und Pennekamp).
Säugling
  • Carcinosinum ist eines der Mittel für Kinder mit Entwicklungsretardierung (agar, bar-c, calc, calc-p, cupr, nat-m, phos, syph, tub, zinc, … nach Pennekamp) und Wachstumsverzögerung (→Allgemeines – Zwergwuchs: bar-c, calc-p, sulph, syph, …), etwa für Kinder mit Down-Syndrom.

Praxistipp

Carcinosinum ist das erste Mittel bei Schlaflosigkeit in der Säuglingszeit. Das Kind weint die ganze Nacht und muss getragen und geschaukelt werden (cham). Es hat Nachtschweiß am Kopf und schläft nur in Knie-Ellenbogen-Lage (alles auch bei tub, sep).

  • Es leidet unter Blähungen und Windeldermatitis und neigt zu Impfreaktionen und zu Impfversagen.

Kleinkind und Schulkind

Praxistipp

Carcinosinum vereint, ähnlich wie Staphisagria, zwei Gemütsverfassungen: Aggressionen und unterdrückte Gefühle. Je nach äußeren Umständen treten sie im Kleinkindalter unterschiedlich zu Tage.

  • Das Kleinkind ist oft unruhig, zornig (acon, anac, bell, cham, hep, lyc, phos, sanic, …), destruktiv und widerspenstig; es wehrt sich heftig gegen Erziehungsversuche, verträgt keinen Widerspruch und akzeptiert keine Autorität. Es ist eifersüchtig auf andere Kinder (ars, calc-s, nat-m, nux-v, sep, sulph, verat).

  • Durch starken elterlichen Druck oder durch die Geburt eines Geschwisterkindes wird es angepasst und pflegeleicht. Es ist früh „sauber“, sehr ordentlich und in jeder Hinsicht frühreif, v. a. im sprachlichen Bereich – ein hochbegabter, manchmal etwas altkluger kleiner Erwachsener.

  • Das Kind liebt Harmonie, Zuwendung und Zärtlichkeit. Es tanzt gerne (fl-ac, sep, …). Es ist von schüchternem Charakter, oft traurig gestimmt und weint sofort, wenn es ermahnt wird (calc, ign, kali-c, lyc, …).

  • Es ist äußerst ängstlich (→Gemüt – Furcht – Kindern, bei: bar-c, calc, caust, lyc, sep), v. a. fürchtet es „eklige Tiere“ wie Frösche, Spinnen und Insekten.

  • Carcinosinum kann auch bei einem behinderten Kind angezeigt sein. Es ist ängstlich, läuft unruhig umher und fasst alles an, aber kann nicht spielen (→Gemüt – Spielen – Abneigung gegen – Kindern, bei: bar-c, cina, hep, lyc, merc, rheum, sulph).

  • Beim Schulkind tritt Schulangst auf, weil es sich nicht gegen andere Kinder behaupten kann, oder weil es sich trotz besten Willens nicht konzentrieren kann (→Gemüt – Konzentration – schwierig – Kindern, bei: aeth, am-c, bar-c, graph, lach, ph-ac, sacch, zinc).

  • Die unterdrückten Gefühle finden ein Ventil in Tics (→Gemüt – Gesten – Tics, nervöse: agar, ign, nux-v, staph, stram, verat, zinc, …), etwa in Zuckungen der Lider.

  • Weiter kommt es zu Stottern (→Mund – Sprache – stotternd: bell, caust, merc, nux-v, stram, …), Nägelbeißen (→Gemüt – beißen – Nägel: arum-t, med, …), Zähneknirschen, Zupfen an der Nagelhaut und Beißen am Zeigefingergelenk.

  • Es besteht außerdem eine starke Neigung zu Masturbation (bufo, med, plat, staph).

  • Das Kind leidet unter einem dicken, gelben und wund machenden chronischen Schnupfen.

  • Häufig findet man widersprüchliche oder gegensätzliche Symptome. Zeichen des Reaktionsmangels sind zahlreiche Infekte, oft mit fehlender oder nur geringer Temperaturerhöhung. Schon in der frühen Kindheit erkrankt das Kind an rezidivierenden Bronchitiden, an einer Pneumonie oder – unter Umständen trotz Impfung – an Keuchhusten.

  • Später manifestieren sich allergische Erkrankungen: Multiple Allergien, Heuschnupfen mit Asthmaneigung, Asthma bei feuchtem Wetter mit Besserung am Meer.

  • Typisch für Carcinosinum ist eine hartnäckige Obstipation ohne Drang mit schafskotartigem Stuhl; sie führt zu Analprolaps und Analfissuren (cham, graph, nit-ac, sep, thuj, …). Das Kind jammert nachmittags über Bauchschmerzen, die sich durch warme Getränke bessern (chel, mag-p, …).

  • An Handflächen oder Fußsohlen finden sich Mollusken oder kleine und harte Warzen. Charakteristisch ist ein Hautausschlag zwischen den Schulterblättern, der beim Entkleiden juckt.

Jugendlicher
  • Der Jugendliche ist ein schüchterner, sehr sensibler Mensch mit künstlerischer Begabung und Liebe zur Natur. In der Schule ist er pflichtbewusst, doch leidet er sehr unter Prüfungsangst (→Gemüt – Furcht – Versagen, vor dem – Prüfungen, bei: aeth, anac, arg-n, gels, lyc, med, ph-ac, pic-ac, sil). Seine große Lust am Reisen (calc-p, merc, tub, …) wird getrübt durch Furcht beim schnellen Autofahren und Reiseübelkeit.

  • Ein häufiges Problem ist eine Störung im Essverhalten wie Fressattacken, Bulimie oder Anorexia nervosa. Es kommt auch zu rezidivierendem Erbrechen bis hin zur Azetonämie.

  • Oft leidet der Jugendliche an einer Sinusitis oder rezidivierenden Tonsillitis mit Verschlimmerung der Schmerzen durch warme Getränke (apis, lach, lyc, phyt, …). Er neigt außerdem zu Akne im Gesicht, am Rücken und am Sternum.

  • Carcinosinum ist eines der Heilmittel bei Folgen von Mononukleose. Auch Enuresis nocturna im zweiten Lebensjahrzehnt ist ein Hinweis auf dieses Mittel.

Arzneimittelbeziehungen
  • Miasma: Sykose und Syphilis. Nosode des Krebs-Miasmas (Sankaran)

  • Ergänzungsmittel: alum, ars, ars-i, bell-p, calc, calc-p, graph, lac-mat, lach, med, nat-m, nit-ac, psor, puls, rumx, sacch-o, sep, staph, sulph, syph, thuj, tub

Causticum

#CausticumHahnemanns Ätzkalk: Lauge, die durch Erhitzen von Kaliumsulfat (K2SO4) mit gelöschtem, gebranntem Marmorkalk (Ca(OH)2) gewonnen wird.
Leitsymptome
  • Mitgefühl, Angst um andere, Engagement für andere

  • Weinerlichkeit

  • Angst abends und nachts, im Dunkeln

  • Entwicklungsverzögerung

  • Stottern, Sprachfehler

  • Ruhelose Beine abends und nachts

  • Steifheit/Verkürzung von Muskeln und Sehnen

  • Schwäche, allmähliche Lähmung

  • Enuresis, Enkopresis

  • Räusperzwang

  • Warzen an den Fingern

  • Verlangen nach Geräuchertem, Abneigung gegen Süßes

Betroffene Organsysteme und Indikationen
  • Organsysteme: Wirkt v. a. auf Nervensystem, Bindegewebe, Muskeln, Atemorgane und Haut.

  • Indikationen: Indiziert u. a. bei Allergien, Asthma, Ataxie, Bronchitis, Ekzem, Enuresis, Epilepsie, Fazialisparese, Husten, Kontrakturen, Lumbalgie, Multiple Sklerose, Obstipation, Paresen, Rheumatische Erkrankungen, Schluckstörungen, Sinusitis, Tics, Torticollis, Warzen.

Geist- und Gemütssymptome
  • Angst um Andere. Starkes Mitempfinden (→Gemüt – Mitgefühl: calc-p, carc, nit-ac, nux-v, phos, …). Kümmert sich um andere, will sie beschützen (phos empfindet und übernimmt die Angst der anderen). Sorge, wenn ein Familienmitglied abends spät heimkommt. Sieht die Gruppe bedroht, der er angehört und von der er abhängt (Sankaran).

  • Starkes soziales Empfinden. Idealist; verschenkt, was er hat; identifiziert sich mit dem Leid anderer. Kann nichts Schreckliches sehen (→Gemüt – empfindlich – Grausamkeiten, beim Hören von: calc, carc, phos, …). Starker Sinn für Gerechtigkeit bis zur Rebellion (→Gemüt – Ungerechtigkeit – erträgt keine: calc-p, nux-v, staph, …).

  • Rebell. Sagt sofort, wenn er mit etwas nicht einverstanden ist (→Gemüt – protestiert: ars, lach, merc, sep). Provoziert (→Gemüt – herausfordernd: nur caust dreiwertig). Reizbar durch Kleinigkeiten (bell, calc, hep, med, …). Diktatorisch. Ungehorsam (merc, tarent, …), neigt zu Widerspruch und Rechthaberei (→Gemüt – Bestimmtheit: lach, merc, …). Schlechtes Gewissen wegen seiner potenziellen Aggressivität; fühlt sich schuldig. Nach außen hart und kämpferisch, aber innerlich ängstlich, nervös und weich (→Gemüt – liebevoll: ign, nux-v, phos, puls, …).

  • Pessimistisch. Dunkle Vorahnungen, Angst vor der Zukunft, rechnet mit dem Schlimmsten. Voll von Sorge, Tag und Nacht (→Gemüt – Sorge – Verwandte, um: cocc, spig, …). Furcht, etwas werde geschehen (calc, nux-v, phos, psor, tub, …). Depressiv (→Gemüt – Traurigkeit – Tag und Nacht: kali-p, sulph), beschäftigt sich viel mit dem Tod.

  • Weint wegen Kleinigkeiten (nur caust dreiwertig), wegen der geringsten Sorge (lyc, nat-m, nit-ac, tub). Weint krampfhaft, sogar im Schlaf. Die Augen füllen sich schnell mit Tränen. Weint aus Mitleid mit anderen, wegen Ungerechtigkeit. Weltschmerz (→Gemüt – Traurigkeit – Kindern, bei: ars, calc, carc, lach, …).

  • Ängstlich (→Gemüt – Furcht – Kindern, bei: bar-c, calc, carc, lyc, sep). Große Schutzbedürftigkeit. Angst im Dunkeln, in der Dämmerung (ars, calc, carb-v, phos, rhus-t, …), beim Schließen der Augen (calc, …). Will nicht alleine im Bett schlafen (→Gemüt – Furcht – Tod, vor dem – allein, wenn – abends im Bett: ars, kali-c, phos, …), hält nachts die Hand der Mutter fest. Sieht nachts schreckliche Bilder und hat schreckliche Gedanken; Furcht vor Geräuschen nachts auf der Straße (bar-c), vor Hunden (bell, chin, hyos, puls, stram, tub, …), vor Gespenstern. Angst bei Schmerzen, beim Pressen zum Stuhlgang (nur caust).

  • Beschwerden durch lang anhaltenden Kummer (ign, nat-m, ph-ac, …), durch Sorgen (calc, ph-ac, phos, staph, …), durch den Tod von geliebten Personen. Scheidungskind. Introvertiert, zurückgezogen, melancholisch.

  • Ausgelaugt, wie gelähmt. Vergesslich, wiederholt vor seiner Antwort erst die Frage (med, zinc, …). Stottert, spricht Worte falsch aus.

  • Gefühl, etwas Wichtiges vergessen zu haben (calc, iod, mill, puls, zinc), zwanghaftes dauerndes Nachschauen und Kontrollieren (→Gemüt – überprüfen – zweimal, muss alles: arg-n, carc, luna, syph, …).

  • Ruhelosigkeit < abends (nur caust dreiwertig) und nachts. Wirft sich im Bett herum.

Allgemeinsymptome
  • Wetter: Trockene Kälte, Wind und Zugluft verschlechtern. Fühlt sich besser bei feuchtem Wetter und Regen. Wärme und feuchtes Wetter bessern (bry, hep, med, nux-v, …). Mangel an Lebenswärme.

  • Zeit: 16:00 Uhr. 2:00–4:00 Uhr.

  • Verlangen: Geräuchertes (calc-p, kreos, tub, …). Salziges. Kalte Getränke. Wurst. Ei. Käse. Süßes. Bier. Durst nach dem Essen.

  • Abneigung: Süßigkeiten (graph, phos, ars, …). Kaltes Wasser. Fleisch. Gemüse.

  • Seite: Rechts.

  • Schlaf: Großes Schlafbedürfnis (→Schlaf – Schlafbedürfnis – groß: chin, nux-v, staph, sulph, …). Ruhelose Beine beim Einschlafen und im Schlaf. Lacht, weint, wimmert oder schreit im Schlaf. Auffahren aus dem Schlaf, wacht beim leisesten Geräusch auf. Träumt vom Tod, vom Friedhof.

  • Schweiß: Reichlich, beim Gehen im Freien, nach Stuhlgang. Nachts ab 2:00 Uhr.

Causa und Modalitäten
  • Causa: Langanhaltender Kummer. Tod von geliebten Personen. Enttäuschte Liebe. Schreck. Mitleid. Anhaltende Sorgen. Sexueller Missbrauch (acon, arn, carc, ign, lac-c, nat-m, op, sep, staph nach Murphy). Verbrennungen. Unterdrückung von Hautausschlägen.

  • < Trockene Kälte, trockenes Wetter. Wind. Zugluft. 2:00–4:00 Uhr. 16:00 Uhr. Anstrengung. Dämmerung. Dunkelheit. Durchnässung. Kalt Baden im Sommer. Kummer. Nachtwachen.

  • > Kalt Trinken (kleine Schlucke kaltes Wasser). Feuchtes Wetter. Bettwärme. Waschen.

Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit
  • Schwangerschaft: Blasenschwäche mit Inkontinenz.

  • Geburt: Die Wehen schwach, unregelmäßig, sistierend, begleitet von Sehstörungen und Rückenschmerzen. Während und nach der Entbindung große Erschöpfung. Blasenatonie.

  • Stillzeit: Wochenbettdepressionen. Rissige Brustwarzen. Mangel an Muttermilch. Während Stillzeit Ekzem im Gesicht, das sich durch psychische Konflikte verstärkt.

Neugeborenes
  • Das Neugeborene kommt mit einer rechtsseitigen Fazialisparese (→Gesicht – Lähmung – eine Seite: bar-c, cocc, graph, kali-chl, …) und einer Haltungsasymmetrie zur Welt (→Kopf – gezogen – seitwärts – rechts, nach: ferr, lachn, lyc, nux-m).

  • Es hat Augenerkrankungen wie Ptosis (→Haut – Lähmung – Lider, der – Oberlid: gels, rhus-t, sep, …), angeborene Katarakt (calc, calc-f, mag-c, sil, sulph, …) oder Schmieraugen mit verklebten Augen beim Erwachen.

  • Die Blase ist atonisch (→Blase – Harnverhaltung – Neugeborenen, bei: acon, apis, ars, lyc, …). Causticum kann bei Mekoniumileus indiziert sein (→Abdomen – Darmverlegung, Obstruktionsileus: lach, op, plb, …).

Säugling
  • Auf Causticum weisen v. a. neurologische Symptome hin: Das Kind hat eine hypotone Muskukatur bis hin zu schlaffen Lähmungen der Beugemuskulatur (→Allgemeines – Lähmung – Muskeln – Beugemuskeln: nat-m) oder zu einer rechtsseitigen Hemiplegie (→Extremitäten – Lähmung – Hemiplegie – rechts: crot-c, rhus-t, …). Man kann Muskelzuckungen oder Faszikulationen beobachten (→Extremitäten – Zittern – gelähmte Teile: merc, nux-v, plb). Das Kind hat extrem unruhige Beine, v. a. abends und nachts im Bett (rhus-t, tarent).

  • Es macht einen kränklichen Eindruck, hat ein aufgetriebenes Abdomen (bar-c, calc, sil, sulph, …) und gedeiht schlecht (→Allgemeines – Abmagerung – Kindern, bei: abrot, calc, calc-p, cina, iod, lyc, nat-m, sil, sulph, …).

  • Causticum ist ein wichtiges Mittel bei Kontrakturen (→Extremitäten – Kontraktionen von Muskeln und Sehnen: coloc, graph, …) und bei Hüftdysplasie (→Extremitäten – Verrenkung – Hüfte – spontan: calc, calc-f, rhus-t, thuj, …) mit Ortolani-Zeichen. Die Gelenke sind gebeugt und steif, sie knacken bei passiver Bewegung.

  • Causticum heilt Ekzeme während der Zahnung (nur caust). Typische Lokalisationen: der Hinterkopf, die Nase, die Falten hinter den Ohren, die Gelenkfalten (→Haut – Intertrigo: graph, kreos, sulph, …) und der Anus.

Kleinkind und Schulkind
  • Das Kind ist sensibel, erregbar und weint bei geringster Sorge oder wenn ein anderes Kind weint (→Gemüt – Weinen – Mitleid mit anderen: carl, …). Es ist sehr ängstlich, v. a. im Dunkeln und abends im Bett.

  • Die Entwicklung ist verzögert, es lernt spät sprechen (→Gemüt – sprechen – langsam, lernt: bell, nat-m, …) und gehen (→Allgemeines – gehen – gehen lernen, spätes: bar-c, calc, calc-p, nat-m, …).

  • Causticum kann auch bei behinderten Kindern angezeigt sein (agar, bufo, calc-p, carb-v, ign, med, merc, … nach Lamothe).

  • Das Gangbild ist tapsig und ungeschickt, die Sprache langsam und undeutlich. Bei Aufregung oder Ärger beginnt das Kind zu stottern (→Mund – Sprache – stotternd: bell, merc, nux-v, stram, …).

  • Schulkinder leiden unter Legasthenie (→Gemüt – schreiben – Unfähigkeit zu – lernen; Kinder können nicht schreiben: ars, ign, lyc, sil); beim Schreiben verkrampfen sie sich oder zittern mit der Hand (merc, plb, sulph, …).

  • Im Gegensatz zur sonstigen Langsamkeit fällt das Kind durch große Hast beim Essen auf (hep, sul-ac, …). Es entwickelt Tics und hat abends und nachts ruhelose Beine.

  • Causticum ist auch ein Mittel bei Epilepsie. Die Konvulsionen sind generalisiert und setzen mit Schreien und Opisthotonushaltung ein; das Kind knirscht dabei mit den Zähnen und nässt ein. Auch Petit-Mal-Anfälle kommen vor (→Gemüt – Bewusstlosigkeit – häufige kurze Anfälle: ars, bufo, cic, hyos, ign, nat-m, oena, phos, …). Typische Anfallszeit ist der Vollmond.

  • Charakteristisch für Causticum sind allmählich fortschreitende Lähmungen, etwa eine Fazialisparese, ein Guillain-Barré-Syndrom und Lähmungen durch Neuropathien oder Muskelerkrankungen. Verschlechternd wirken Kälte, Durchnässung und Überanstrengung (rhus-t).

  • Die Haut ist trocken. Zu Ekzemen mit Krusten und Schorfen kommt es am Hinterkopf (clem, graph, lyc, petr, psor, sil, staph, sulph, …), auf der Nase (→Gesicht – Hautausschläge – Krusten, Schorfen mit – Nase – Nasenspitze: nur caust dreiwertig), an den Ohrläppchen und hinter den Ohren (bar-c, calc, graph, petr, psor, sil, sulph, …).

  • Das Kind hat auffällig viel Ohrenschmalz (nur caust dreiwertig). Luftwegsinfekte beginnen im Kehlkopf (→Nase – Schnupfen – Kehlkopfentzündung, mit: bry, carb-v, mang, merc, phos, …) und gehen mit morgendlicher Heiserkeit (phos eher abends) einher. Oft bleibt die Stimme auch ganz weg (→Kehlkopf – Stimme – verloren – Kälte, Einwirkung von; durch: ant-c, arum-t, rumx, …).

  • Das Kind leidet unter einem ständigen Reizhusten mit Schmerzen hinter dem Brustbein (→Kehlkopf – Schmerz – Trachea – Husten, beim: bry, kali-bi, phos, …). Es weint beim Husten (→Gemüt – Weinen – Husten – während – Keuchhusten: arn, ant-t). Der Schleim sitzt unerreichbar in der Luftröhre, das Kind hustet, räuspert und schluckt vergeblich. Kalte Getränke bessern (coc-c, cupr, …).

  • Causticum kann auch bei Heuschnupfen und Asthma bronchiale indiziert sein. Asthmaanfälle treten durch seelischen Stress oder durch körperliche Anstrengung auf und bessern sich an feuchter Luft oder durch Kochsalz-Inhalationen.

  • Die Zunge ist in der Mitte rot, an den Seiten weiß belegt (cham, iris, kali-s, lac-c). Am Zungenrand treten schmerzhafte Bläschen auf. Das Kind beißt sich beim Kauen in die Wange (ign, …). Am Zahnfleisch kommt es zu rezidivierenden Fisteln oder Abszessen (bar-c, calc, hep, lyc, sil, sulph, …).

  • Der Magen ist empfindlich gegen fette oder saure Speisen und gegen Brot (bry, merc, …). Es kommt zu Magenschmerzen, Aufstoßen und Übelkeit bis hin zu azetonämischem Erbrechen (→Urin – Azetonurie: acet-ac, calc-m, ins, senn, sul-ac).

  • Das Abdomen ist aufgetrieben, häufig besteht eine Obstipation mit vergeblichem Pressen und Angst (→Gemüt – Angst – Stuhlgang – vergeblichen Stuhldrang; durch: ambr). Das Kind kann nur im Stehen Stuhl entleeren. Am After treten Fissuren, Wundheit, Juckreiz oder auch ein Prolaps auf.

Praxistipp

Causticum ist eines der Hauptmittel bei Enuresis.

  • Meist nässt das Kind bei Tag und Nacht ein (→Blase – Urinieren – unwillkürlich – tagsüber – und nachts: arg-n, ars, gels, nux-v, …), v. a. im ersten Schlaf (kreos, ph-ac, sep, …), wobei das Wecken nahezu unmöglich ist (bell, kreos, sep). Auch beim Niesen, Schneuzen, Lachen oder Husten geht Urin ab. Das Kind kann im Sitzen den Urin nicht halten, der Harn tröpfelt unbemerkt. Nach Operationen kommt es dagegen zur Harnverhaltung (acon, apis, dulc, gels, …) durch Blasenatonie. Buben können nicht im Stehen urinieren. Die Smegma-Absonderung ist vermehrt (canth, nux-v, …).

  • Das Kind leidet unter Steifheit, Spannungsgefühl und Kontraktionen von Muskeln und Sehnen. Bei Belastung knackt es in den Gelenken, v. a. in den Knien. Kälte, Durchnässung oder Überanstrengung lösen rheumatische Gelenkbeschwerden mit Schmerzen und Bewegungseinschränkung aus. Eine linksseitige Coxitis (→Extremitäten – Schmerz – Hüfte – links: nur caust dreiwertig) führt zur Beugekontraktur.

  • Die Zehennägel sind verkrüppelt (graph, nit-ac, sil, thuj, …).

  • Causticum ist bei großen Warzen indiziert, die auch nässen oder bluten. Prädilektionsstellen sind Nase, Augenlider, Fingerspitzen und um die Fingernägel (nur caust, dreiwertig), Handteller und Fußsohlen (ant-c, calc, con, lyc, nat-m, …).

  • Es ist eines der wichtigsten Mittel bei Brandwunden (→Allgemeines – Verbrennungen: ars, canth, …) und bei wiederaufbrechenden alten Wunden und Narben (phos, sil, …).

Jugendlicher
  • Der Jugendliche hat großes Einfühlungsvermögen und ein starkes Gerechtigkeitsbedürfnis. Er ist schon in frühem Alter politisch oder sozial aktiv. Häufig wirkt er ernst und melancholisch (→Gemüt – Traurigkeit – Pubertät, in der: ars, calc, graph, hell, nat-m, …). Vom äußeren Erscheinungsbild her ist er eher schlank und dunkel; Gestik, Mimik und Sprache wirken fein und kultiviert.

  • Mädchen sind sehr sinnlich und besessen vom Gedanken an die Heirat (bell, plat, verat). Sie können aber auch eine Abneigung gegen Männer entwickeln (lyc, puls, …).

  • Der Jugendliche ist sehr empfindlich gegen Kälte und Wind. Beides kann zu neuralgischen Kopf- oder Gesichtsschmerzen führen. Die Schmerzen sind brennend, wie verätzt, oder einschießend wie Stromstöße. Sie rufen Stirnrunzeln hervor (stram, …) und verschlimmern sich beim Kopfschütteln. Kälte oder Zugluft führen auch zu einem steifen Hals (calc-p, cimic, rhus-t).

  • Bei jeder Erkältung kommt es zu Heiserkeit, Räusperzwang und Sinusitis.

  • Das Haar ist auffallend fettig. Der Jugendliche hat Warzen im Gesicht, an den Augenbrauen, auf der Nase (calc, kali-c, dulc, sep, thuj, …) und um die Fingernägel. Er leidet auch an Akne, v. a. an Nase (sulph, …) und Stirn.

Praxistipp

Causticum ist in der engeren Wahl bei allen neuromuskulären Erkrankungen mit Versagen einfacher Körperfunktionen oder fortschreitende Paralyse. Zittrige Schwäche wechselt ab mit Übererregbarkeit. Die Beine sind steif und zittern beim Treppensteigen, die Hände verkrampfen sich oder zittern beim Schreiben. Es kommt zu Fallschwindel oder sogar zu Krampfanfällen (→Allgemeines – Konvulsionen – Pubertät, in der: lach, puls, zinc, …).

  • Häufig klagt der Jugendliche über Beschwerden am Skelett, v. a. über Rückenschmerzen beim Aufstehen vom Sitzen oder beim Husten. In verschiedenen Gelenken treten Spannungsgefühle auf. Causticum ist indiziert bei rheumatischen Beschwerden an Hand- und Fingergelenken, bei Morbus Dupuytren und Karpaltunnelsyndrom. Die Beschwerden verschlechtern sich durch Kälte, Überbelastung, Baden und trockenes Wetter.

  • Mädchen kommen sehr spät in die Menarche (graph, kali-c, nat-m, puls, …). Die Menses gehen mit ziehenden Rückenschmerzen und Gemütsstörungen wie Reizbarkeit, Traurigkeit und Angst einher.

  • Schon bei Jugendlichen können Impotenz bzw. Frigidität ein Problem werden.

Arzneimittelbeziehungen
  • Miasma: Sykose, Psora

  • Folgt gut auf: calc, cocc, coloc, cupr, hyos, ign, petr, petros, rhus-t, sep, stram, sulph

  • Bewährte Folgemittel: ant-t, arum-t, calc, coloc, guaj, kali-i, lyc, nux-v, rhus-t, puls, rhus-t, ruta, sep, sil, stann, sulph

  • Gute Mittelfolgen: caustcolocstaph; coloccauststaph

  • Ergänzungsmittel: acon, alum, am-c, ars, asaf, asar, calc-f, carb-v, coloc, cupr, graph, ign, kali-p, lach, merc-c, petros, podo, puls, rhus-t, sep, stann, staph, sulph

  • Antidote: ant-t, asa-f, cham, coff, coloc, dulc, euphr, grat, guaj, kali-n, nit-s-d, nux-v, pip-m

  • Unverträglich: acet-ac, cocc, coff, vor oder nach phos

Chamomilla

Echte Kamille, Chamomilla#Chamomilla matricaria.
Leitsymptome
  • Überempfindlich gegen alle Reize, gegen Schmerzen

  • Extrem zornig und reizbar, mag nicht berührt oder untersucht werden

  • Launisch, will immer etwas anderes

  • Extremes Schreien

  • Will herumgetragen werden

  • Warmblütig

  • Zahnungsprobleme

  • Eine Wange rot, eine blass

  • Grüner Durchfall

  • < 21:00–22:00 Uhr

Betroffene Organsysteme und Indikationen
  • Organsysteme: Wirkt v. a. auf Gemüt, Nerven, HNO-Bereich und Verdauungstrakt.

  • Indiziert u. a. bei Affektkrämpfen, akuten fieberhaften Erkrankungen, Asthma, Bauchschmerzen, Diarrhö, Husten, Keuchhusten, Koliken, Krampfanfällen, Neuralgien, Otitis, Pseudokrupp, Windeldermatitis, Zahnungsbeschwerden.

Geist- und Gemütssymptome
  • Überreizt, überempfindlich gegen alle äußeren Eindrücke, v. a. gegen Schmerzen (acon, coff, hep, …). Schmerzen sind unerträglich, wird verrückt vor Schmerzen (→Gemüt – empfindlich – Schmerz, gegen – außer sich vor Schmerzen, ist: acon, coff, nux-v, …). „Opium der Homöopathie“. Bloßgelegte Nerven, fehlende Abwehr gegen Außenreize; geringe Reize werden unerträglich. Beschwerden durch physiologische Funktionen. Fühlt sich gestört durch Kleinigkeiten. Überempfindlich gegen Lärm (Musik). Furcht vor Wind (sil, thuj, …).

  • Launisch (bry, cina, ip, kali-c, staph, …), verlangt nach vielen Dingen, aber lehnt sie ab, wenn sie ihm angeboten werden (cina, rheum, staph, …). Fragt nicht, sondern fordert vehement. Jammert Mitleid erregend, wenn er etwas nicht bekommt. Abneigung, berührt (ant-c, kali-c, tarent, …), angesprochen (→Gemüt – angesprochen zu werden – agg.: plat), angesehen (→Gemüt – angesehen zu werden; erträgt es nicht: ant, ars, nat-m, stram, tub, …) oder untersucht zu werden. Weigert sich zu sprechen, mag keine Liebkosungen (ant-c, …), erträgt niemand neben sich. Abneigung gegen Gesellschaft. Schickt den Arzt heim oder die Eltern aus dem Zimmer.

  • Schreit schrill, kreischt, jammert, stöhnt. Schreit vor Schmerzen (acon, bell, plat, …), will sofortige Erleichterung, klagt vehement und fast feindselig. Streckt sich durch (→Rücken – Opisthotonus: bell, cupr, hyos, nux-v, stram, …), wirft sich nach hinten, wird blau im Gesicht.

  • Reizbar, boshaft, streitsüchtig. Reizbar während akuter Erkrankung (coloc, nux-v, staph, …), während der Zahnung (rheum, …). Zorn mit rotem Gesicht (bell, nux-v, …). Ungeduldig, alles geht zu langsam. Sinnlose Wut über Kleinigkeiten, trampelt, wirft sich auf den Boden. Will getragen, geschaukelt, „vibriert“ werden.

  • Ruhelosigkeit, wirft sich hin und her. Ruhelose Füße nachts. Qualvolle Angst mit Herumwerfen (acon, ars, …). Nur ruhig, wenn er getragen wird und volle Aufmerksamkeit bekommt.

Allgemeinsymptome
  • Wetter: Warmblütig. Wind und Wärme verschlechtern; aber auch Kälte oder feuchte Luft können verschlechtern. Kalte Anwendungen, Wärme (bei Otitis) und mildes Wetter bessern.

  • Zeit: 9:00 Uhr und 21:00–22:00 Uhr. Sonnenuntergang bis Mitternacht (21:00–0:00 Uhr). Während der Zahnung.

  • Verlangen: Brot, Gemüse. Saure Speisen. Sauerkraut. Durst auf kaltes Wasser, saure Getränke. Launischer Appetit (chin, cina, bry). Großer Durst während Schmerzen.

  • Abneigung: Warme Speisen und Getränke. Suppen. Fleisch (sanic verlangt nach Fleisch). Fisch.

  • Seite: Linke Seite.

  • Schlaf: Müde, aber kann nicht schlafen. Liegt steif da, mit auseinander gestreckten oder angezogenen Beinen. Schläft unruhig mit häufigem Erwachen, v. a. nach Ärger. Weint, jammert, stöhnt im Schlaf. Kann ab 2:00 Uhr nicht mehr schlafen. Angstträume mit halboffenen Augen.

  • Schweiß: Schweiß nur am Kopf, sauer (sil, bry, merc, sep, …), im Schlaf (calc, calc-p, cic, lyc, merc, sep, …). Schweiß im Gesicht nach dem Essen. Heißer Schweiß bei Schmerzen.

Causa und Modalitäten
  • Causa: Zorn (nux-v, staph, …). Unterbrechung. Kritik. Kränkung. Verachtung. Zahnung. Kalter Wind. Kaffee.

  • < Ärger. Abends bis 0:00 Uhr. Zahnung. Hitze. Kalte feuchte Luft. Kalter Wind. Narkotika. Musik. Warme Speisen. Zudecken. Berührung. Kleidung. Angesehen werden.

  • > Getragen werden. Bewegung (Schaukel, Wiege, Auto). Schwitzen. Mildes Wetter. Kalte Anwendungen. Von Mitternacht bis zum Morgen.

Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit
  • Schwangerschaft: Schlaflosigkeit, Reizbarkeit. Zahnschmerzen. Blutungen und drohender Abort durch Ärger.

  • Geburt: Wehen unerträglich, bringen die Mutter zur Verzweiflung; sie jammert hysterisch, wird gereizt und streitsüchtig, fordert eine Narkose. Wehen nach oben gerichtet, das Kind rutscht immer weiter nach oben.

  • Stillzeit: Exzessive Nachwehen. Rückenschmerzen und Uteruskontraktionen durch Stillen. Versiegen der Milch durch Zorn.

Neugeborenes
  • Bereits im Neugeborenenalter zeigt sich die Empfindlichkeit und Erregbarkeit des Kindes durch eingeschlagene Daumen (→Extremitäten – gezogen – innen, nach – Daumen: bell, bufo, cic, cupr, …) und schwer zu stillendes Schreien. Der Muskeltonus ist erhöht (→Rücken – Opisthotonus: bell, cic, cupr, hyos, nux-v, op, phos, plb, stram, stry-p, tub, zinc, …).

  • Der Schlaf ist schlecht (→Schlaf – gestört – Neugeborenen, bei (1): cham) mit großer Geräuschempfindlichkeit.

  • Das Baby hat einen Icterus neonatorum (acon, bry, china, nat-s, sep, sulph, … nach Lamothe). Es liegt sich schnell wund (calc, chin, lyc, sep, sulph, …) und hat empfindliche Knoten in den Mammae (→Brust – Knoten, empfindliche – Mammae, in den – Kindern, bei – Neugeborenen; bei (1): cham).

Säugling
  • Das Baby ist ängstlich (→Gemüt – Angst – Kindern, bei – Kleinkindern: acon), reizbar (calc-p, cina, mag-p, tub, …) und unruhig (jal, merc, rhus-t, tub, …).

Praxistipp

Ein Baby, das Chamomilla braucht, hat heftige, anfallsartige Dreimonatskoliken und schreit Tag und Nacht (→Gemüt – Weinen – Kindern, bei – Säuglingen, bei: bell, borx, calc, jal, …; →Gemüt – Schreien – Kindern, bei – nachts: lac-c, rheum, …). Das Baby ist dabei deutlich zornig (→Gemüt – Zorn – Schmerzen, über: ars, canth, coloc, …). Es krümmt sich zusammen und zieht die Beinchen an (coloc, mag-p, …) oder wirft den Kopf nach hinten (arn, kali-n).

  • Der Abgang von Stuhl führt zu noch mehr Schreien, auch Aufstoßen bessert nicht (→Rektum – Flatus – amel. – nicht amel. durch: chin, …). Einzig Herumtragen und kalte Anwendungen bringen vorübergehende Erleichterung. Alles wird schlimmer, wenn die Mutter Kaffee getrunken hat.

  • Das Kind – und natürlich auch die Eltern – leiden unter extremer Schlaflosigkeit (→Schlaf – Schlaflosigkeit – Kindern, bei: ars, carc, cina, coff, cypr, mag-m, …), und nur ständiges Herumtragen (→Schlaf – Schlaflosigkeit – Kindern, bei – getragen werden, Kind muss (1): cham) oder heftiges Schaukeln bessern. Erst nach Mitternacht beruhigt sich die Situation.

  • Die Schlaflosigkeit spitzt sich zu während der Zahnung (coff, gels, mag-c, …). Das Zahnfleisch wird wund und schmerzhaft, das Kind ist auch tagsüber extrem schlecht gelaunt (→Gemüt – Reizbarkeit – Zahnung, bei der: calc, calc-p, cina, kreos, rheum, …), tritt und macht sich steif, wenn man versucht, es zu beruhigen. Manchmal hält es plötzlich die Luft an (→Atmung – angehalten – plötzlich, bei Kindern (1): cham). Die Eltern kommen an ihre Belastungsgrenze und werden möglicherweise aus Hilflosigkeit handgreiflich.

  • Chamomilla ist ein großes Mittel bei Krampfanfällen im Säuglingsalter (→Allgemeines – Konvulsionen – Kindern, bei – Kleinkindern: bell, cupr, hell, mag-p, …). Auslöser sind Zorn, Zahnungsbeschwerden und Stillmahlzeiten – oder, wenn die Mutter aus irgendeinem Grund verärgert ist. Das Baby wirft sich nach hinten, macht sich steif, verzerrt das Gesicht, rollt mit den Augen oder verdreht sie nach unten (aeth) und hält den Atem an.

  • Im Schlaf hat das Kind heißen klebrigen Kopfschweiß, während oder nach der Mahlzeit schwitzt es im Gesicht. Auch während der Schmerzattacken fühlt es sich extrem heiß und feucht an.

  • Muttermilch wird nicht gut vertragen; schon während der Stillmahlzeit kommt es zu Diarrhö. Auch in der Zahnungszeit wird der Stuhl durchfällig (calc, dulc, ferr, rheum, sil, …). Der Stuhl ist grasgrün oder gelb („Spinat mit Rührei“), unverdaut, schleimig, zerhackt und wund machend. Stuhl und Flati riechen sauer oder nach faulen Eiern (arn, sulph, …). Chamomilla kann auch bei Obstipation angezeigt sein (→Rektum – Obstipation – Kindern, bei: calc, lyc, nux-v, op, …); sie kann zu schmerzhaften Analfissuren führen.

  • Das Kind hat schon im ersten Lebensjahr viele fieberhafte Infekte (→Fieber – remittierend – Kleinkindern, bei: acon, bell, gels, …). Häufige Beschwerden sind Konjunktivitis (→Augen – Entzündung – Kindern, bei – Kleinkindern: apis, ars, arg-n, calc, nit-ac, puls, thuj, …) mit wässriger oder blutiger Absonderung (1: cham), Laryngitis (→Kehlkopf – Stimme – heiser – Kindern, bei (1): cham) oder obstruktive Bronchitis (→Atmung – Asthma – Kindern, bei: ip, nat-s, puls, samb, …). Der Husten ist eher trocken und am schlimmsten zwischen 21:00 Uhr und Mitternacht. Auch Keuchhusten während der Zahnungszeit (calc, …) spricht gut auf Chamomilla an.

  • Im Fieber ist eine Wange rot und heiß, die andere blass und kalt (cina, ip, lach, nux-v, puls, …).

  • Das Kind neigt zu Windeldermatitis, Intertrigo, Exkoriation zwischen den Oberschenkeln und flüchtigen Exanthemen. Manchmal fällt den Eltern ein Knacken der Beingelenke auf (sep, …).

Kleinkind und Schulkind
  • Das Kind ist eigensinnig (calc, chin, cina, tub, …) und ungezogen (→Gemüt – Grobheit – Kinder, ungezogene: ant-c, chin, cina, dulc, rheum, staph). Wenn es angesprochen oder berührt wird, wird es gereizt (ant-c, cina, nux-v, sanic, sil, …). Es mag nur selten in den Arm genommen werden (→Gemüt – liebkost zu werden – Abneigung – Kindern, bei: ant-c, cupr), lässt sich nicht untersuchen und kann nicht höflich antworten (lac-leo).

  • Zuhause beschimpft es seine Eltern (→Gemüt – beschimpfen – Kinder – Eltern, Kinder beschimpfen ihre: lyc, nat-m, nux-v, plat, tarent, …) und schlägt sie (cina, hyos, lyc, med, tub, …).

  • Es ist einerseits sehr empfindlich auf alle Reize (→Gemüt – empfindlich – Kinder: acon, bell, kali-p, phos, puls, staph, …), andererseits ist es laut, macht ständig Geräusche (bell, …) und weint und jammert hartnäckig, wenn es etwas nicht bekommt.

  • Es bekommt heftige Wutanfälle mit rotem Gesicht, Husten oder Erbrechen (coloc, nux-v, valer), die sich bis zum Affektkrampf steigern (→Gemüt – Affektkrämpfe – Kindern, bei: bell, cupr, ign, mosch, nux-v, phos, puls, staph, sulph, … nach Lamothe). Auch nach Tadel oder Strafe hält das Kind plötzlich den Atem an.

Praxistipp

Chamomilla ist das führende Mittel gegen Beschwerden durch Zorn wie Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Asthmaanfälle, Schlaflosigkeit oder Fieber.

  • Das Kind steckt häufig die Finger in den Mund (calc, ip, lyc, sil, tarent, …) oder lutscht Daumen. Es liebt zu schaukeln.

  • Das Schulkind ist zerstreut und geistesabwesend. Es hat Probleme wegen Leseschwäche (→Gemüt – Fehler – Lesen, beim: carc, hyos, lach, lyc, sil, …) oder Rechtschreibschwäche (→Gemüt – Fehler; macht – Schreiben, beim – lässt etwas aus – Silben oder Worte: kali-br, lyc, nux-v, thuj, …).

  • Es ist sehr schmerzempfindlich; alle Schmerzen sind unerträglich, krampfartig, kolikartig und schlimmer in der ersten Nachthälfte. Es schreit und stöhnt (→Gemüt – Stöhnen – Kindern, bei: ant-c, calc-p, …), schwitzt und will ständig trinken.

Praxistipp

Die Ohren sind empfindlich gegen Wind (hep, lach, …). Chamomilla ist das Hauptmittel bei Otitis media mit heftigen, unerträglichen Ohrenschmerzen (→Ohr – Schmerzen – Kindern, bei: acon, dulc, puls, …) und großer Reizbarkeit.

  • Die Schmerzen treten anfallsweise auf (ferr-p, …), mit raschem Wechsel von Hitze und Frost. Die gleichseitige Wange und das Ohrläppchen sind gerötet (apis, puls, …). Die Schmerzen verstärken sich durch Bücken, Geräusche, Berührung des Ohrs und kalte Luft oder Wind. Einhüllen bessert (dulc, hep, mag-p, sep, …), das Kind legt die Hand auf das Ohr. Es wehrt sich jedoch heftig gegen Umschläge oder Wickel (→Gemüt – rebelliert gegen Umschläge: calc, sulph, …).

  • Die Otitis ist oft von einer Pharyngitis begleitet (→Ohr – Schmerz – Halsentzündung, mit: apis, lach, merc, nit-ac, …). Die Halsschmerzen bessern sich durch warme Getränke und äußere Wärme (ars, hep, rhus-t, …). Die Zunge ist an den Rändern belegt, in der Mitte bleibt ein roter Streifen (caust, verat-v).

Praxistipp

Das Fieber erreicht sein Maximum zwischen 21:00 Uhr und Mitternacht und ist von profusem saurem Kopfschweiß begleitet.

  • Auch Zahnschmerzen können bei der Chamomilla-Konstitution dramatisch verlaufen (→Zahn – Schmerzen – Kindern, bei: ant-c, bell, calc, coff, merc, puls, …).

  • Das Kind hat Verdauungsbeschwerden mit Aufstoßen, Würgen, galligem Erbrechen und grünlichem Durchfall. Aufstoßen und Stuhl riechen nach faulen Eiern.

  • Im Schlaf vor Mitternacht tritt ein heftiger, trockner Kitzelhusten oder Krupphusten auf; er weckt das Kind nicht auf (calc, psor).

  • Chamomilla hilft im Stadium catarrhale des Keuchhustens (→Husten – Keuchhusten – erstes Stadium: acon, ant-t, bell, ferr-p) und bei Asthma bronchiale. Zur Atemnot kommt es durch Zorn und bei trockenem Wetter. Kalte Luft (carb-v, merc, …), kalte Getränke und Zurücklegen des Kopfes (spong, verat) bessern.

  • Das Kind hat nachts brennend heiße Füße (med, puls, sulph, …) und streckt sie aus dem Bett.

Jugendlicher
  • Der Jugendliche ist mürrisch, äußerst launisch (cina, kali-c, sep, staph, …) und bei jeder Störung zornig (→Gemüt – Zorn – Unterbrechung, durch: hell, nux-v, …). Er ist unzufrieden, hält alles, was andere tun, für falsch und will, dass sich alles ändert (sep, tub, …). Im Gespräch ist er unwillig und antwortet schnippisch (ant-c).

  • Er leidet unter anhaltenden körperlichen Beschwerden durch Zorn, Ärger (acon, bry, coloc, ign, nux-v, staph, …) oder Verachtung (bry, nat-m, nux-v, …). Auch wenn die Ursache lange zurückliegt, kann er nicht aufhören, davon zu sprechen. Insbesondere während der Pubertät ist er enorm empfindlich (acon, bell, kali-p, phos, puls, staph, …) und hat sogar eine Abneigung gegen Musik.

  • Wenn er krank ist, ist er sehr ungeduldig; alles geht ihm zu langsam. Er schickt den Arzt nach Hause und behauptet, er sei nicht krank (apis, arn).

  • Jede Art von Schmerzen bringt ihn an den Rand der Verzweiflung; er schreit, wird zornig, ruhelos oder sogar benommen (→Gemüt – Stumpfheit – Schmerzen, mit (1): cham), und kann v. a. nicht mehr schlafen. Dahinter stecken auch Selbstmitleid und Übertreibung (→Gemüt – übertreiben – Symptome, ihre: asaf, plb, …). Schmerzen gehen mit Taubheitsgefühl oder Einschlafen des betroffenen Gliedes einher.

  • Charakteristisch ist eine pochende Hemikranie, ausgelöst oder verschlimmert durch geistige Anstrengung; der Schmerz bessert sich durch Beugen des Kopfes nach hinten.

  • Heftige Gliederschmerzen treiben ihn nachts aus dem Bett und zwingen ihn, umherzugehen (rhus-t, ferr, verat). Warme Speisen oder Getränke lösen Zahnschmerzen aus (wenn cham nicht hilft, ist oft coloc wirksam; Spinedi).

  • Kaffee wird nicht vertragen; er führt zu Magenschmerzen, Schwindel, Kopfschmerzen, Atemnot und Schlaflosigkeit.

  • Typisch ist ein wässriger, heißer Schnupfen mit verstopfter Nase und Geruchsverlust.

Arzneimittelbeziehungen
  • Miasma: akut, Psora, Sykose

  • Folgt gut auf: ign, puls

  • Bewährte Folgemittel: acon, arn, bell, bry, cact, calc, cocc, form, merc, nux-v, puls, sanic, sep, sil, sulph

  • Gute Mittelfolge: ignchamsanic

  • Ergänzungsmittel: bell, calc, grat, mag-c, nux-v, puls, sanic, sil, sulph

  • Unverträglich mit: caust, nux-v, phos, zinc

  • Antidote: acon, alum, borx, camph, chin, cocc, coff, coloc, con, ign, nux-v, puls, valer

China officinalis

Cinchona officinalis#China officinalis, Rinde des Chinabaums.
Leitsymptome
  • Große Empfindlichkeit

  • Phantasien, Luftschlösser

  • Periodizität

  • < Berührung, aber > harter Druck

  • < Luftzug, Nebel

  • Beschwerden nach Säfteverlust (Blutung, Diarrhö, Erbrechen, Eiterung)

  • Meteorismus, nicht besser durch Gasabgang

Betroffene Organsysteme und Indikationen
  • Organsysteme: Wirkt v. a. auf Blut, Kreislauf, Sekretionen, Leber, Milz. Nerven.

  • Indikationen: Indiziert u. a. bei Anämie, Asthma, Blähungskoliken, Chronisches-Müdigkeits-Syndrom, Diarrhö, Enuresis, Fieber, Gastritis, Gedeihstörung, Hepatitis, Husten, Ikterus, Kopfschmerzen, Malaria, Migräne, Neuralgie, Schlaflosigkeit, Splenomegalie.

Geist- und Gemütssymptome
  • Kraftlos, apathisch, hypochondrisch. Abneigung gegen jede Art von Arbeit. Faul, feige, führt Ideen nicht aus, sitzt nur herum und phantasiert, hat das Gefühl, niemand kann ihm helfen. Fühlt sich schwach und ohnmächtig; daraus entsteht die Wahnidee, er werde von seiner Umgebung verfolgt und gequält (Sankaran). Abneigung gegen Gesellschaft; isoliert sich.

  • Große Erregbarkeit, immer am Rande der Überreizung. Dünnhäutig, nervös, schnell verletzt und beleidigt. Empfindlich wie ein bloßgelegter Nerv (→Gemüt – Reizbarkeit – Schwäche, mit: kali-p, …), gegen alle äußeren Eindrücke (→Gemüt – empfindlich – Sinneseindrücke, gegen: aur, graph, lyc, nat-c, phos, sep, …), Lärm, Gerüche, Schmerz; äußert diese Empfindungen offen. Große Vorstellungskraft, Ästhet, empfindlich für Farben, Musik, gute Gerüche. Künstler, Maler, Dichter.

  • Starke Vorstellungskraft („Klarheit des Geistes“). Ideenfülle (→Gemüt – Ideen – Reichtum an: coff, lach, op, phos, …). Abends oder beim Einschlafen viele Phantasien: Was er tun wird, wie er Situationen meistert etc. Theoretisiert (cann-i, sulph, …), macht großartige Pläne v. a. nachts (nur chin). Gefühl von Omnipotenz. Luftschlösser, holt Versäumtes in Gedanken nach („was hätte ich erreichen können, wenn …“). Erregt nach Hören von Schrecklichem (calc, lach, zinc, …).

  • Vorwurfsvoll gegen seine Umgebung; kompensiert dadurch seine Schwäche und Hypochondrie. Macht andere für sein Scheitern verantwortlich. Wahnidee: Wird an der Arbeit gehindert, gestört, geärgert; etwa: „Das Kopfweh quält mich so, ich kann nicht mehr arbeiten“. Verfolgungswahn, mag nicht angesehen werden (ant-c, cham, stram, …).

  • Furcht vor Tieren, Hunden (bell, caust, stram, tub, …), harmlosen Tieren wie Kühen, Pferden, Schafen, Hühnern, Mäusen. Furcht vor den eigenen Instinkten. Frustriert, hoffnungslos. Selbstmordgedanken ohne Mut zur Realisierung.

  • Introvertiert. Affektarm, kann nur schwer Gefühle ausdrücken. Kann Zuneigung nicht in Worte fassen, wirkt distanziert, schaut anderen nicht ins Gesicht, bedankt sich nie. Abneigung gegen oberflächliche Kontakte (= leichte Berührung), will nur tiefgehende Freundschaften. Tut sich schwer im Umgang mit der Sprache: Verwechselt Worte (lyc, nux-m, …); spricht ungeschickt, unlogisch, unhöflich, wird auch verletzend (Ghegas). Fehler beim Schreiben: stellt Buchstaben um (lyc, …).

Allgemeinsymptome
  • Wetter: Sehr empfindlich gegen Kälte und Zugluft. Herbst, Nebel, Feuchtigkeit verschlechtern.

  • Zeit: Nach 5:00 Uhr morgens. Periodizität – jeden zweiten Tag, alle sieben Tage oder alle zwei Wochen.

  • Verlangen: Süßes. Kalte Getränke. Gewürzte Speisen. Leckerbissen. Kaffee. Tee. Salz. (Saures) Obst. Kirschen. Bitteres (Bitter lemon, Schweppes). Gebäck. Alkohol. Erfrischendes. Appetit vermehrt bei Fieber (cina, phos, …) und nachts. Launischer Appetit, weiß nicht, was er essen will.

  • Abneigung: Fett. Fleisch. Butter. Obst. Erdbeeren. Melonen. Heiße Speisen. Brot. Milch. Bier. Kaffee.

  • Seite: Links.

  • Schlaf: Schlaflos durch geistige Aktivität (→Schlaf – Schlaflosigkeit – Gedanken – Gedankenandrang, durch: ars, coff, hep, nux-v, op, puls, …). Lustig und fröhlich nachts. Heißhunger. Schnarcht (→Atmung – Schnarchen – Kindern, bei: mez). Angstträume; träumt weiter nach dem Erwachen. Furcht beim Erwachen aus einem schrecklichen Traum (lyc, …).

  • Schweiß: Durchnässender Nachtschweiß, schwächend. Schwitzt reichlich an bedeckten Körperteilen. Schweiß tagsüber durch jede kleine Anstrengung, kalt, klebrig, profus, färbt Wäsche gelb. Kalter Schweiß um Mund und Nase (rheum). Kopfschweiß beim Gehen im Freien (calc, graph, …).

Causa und Modalitäten
  • Causa: Ärger. Alkoholkonsum. Blutverlust. Schwitzen. Stillen. Missachtete Bedürfnisse als Säugling (Durchschreien lassen, Stillen nach Plan). Malaria bei einem Elternteil.

  • < Säfteverlust. Leichte Berührung (acon, apis, lach, merc, nux-v, …). Erschütterung. Lärm. Periodizität (jeden 2.–3. Tag). Kälte. Wind. Zugluft. Nebel. Ei. Obst. Fisch. Milch. Tee. Während und nach Stuhl. Nebel. Herbst. Sommer.

  • > Harter Druck (lach, mag-p, …). Liegen. Beugen. Wärme. Warmer Raum. Dunkelheit.

Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit
  • Schwangerschaft: Blähungen und wechselnder Appetit.

  • Geburt: Geräuschempfindlichkeit und Schwäche. Blutungsanämie.

  • Stillzeit: Nymphomanie im Wochenbett. Stillen führt zu großer Erschöpfung, Zahnschmerzen, Kopfschmerzen, Magenschmerzen oder Diarrhö. Blutung aus der Mamille. Diarrhö nach dem Abstillen.

Neugeborenes
  • China ist eines der Mittel bei Atemnotsyndrom (→Atmung – Asphyxie – Kindern, Neugeborenen, bei: ant-t, arn, bell, camph, laur, op, …) und Icterus neonatorum (acon, chel, nat-s, podo, sep, …), v. a. bei Icterus gravis durch Blutgruppeninkompatibilität. Dabei ist das Neugeborene teilnahmslos, schlapp und trinkschwach. Häufig ist die Leber vergrößert.

  • China ist auch ein Mittel für Anämie durch Blutungsereignisse (→Allgemeines – Anämie – Blutung, nach: ferr, …), durch häufige Blutentnahmen oder bei langer Intensivbehandlung (→Allgemeines – Anämie – Krankheit, durch erschöpfende, entkräftende: calc-p, ferr, nat-m, ph-ac, phos, …).

Säugling
  • Der Säugling fällt in erster Linie durch seine Blässe auf, der häufig eine Anämie zu Grunde liegt. Damit einher geht eine körperliche Schwäche (→Allgemeines – Schwäche – Anämie, durch: ferr, ferr-p, kali-c, nat-c, nat-m, phos) und rasche Abmagerung.

  • Der Appetit ist andererseits sehr gut (→Allgemeines – Abmagerung – Heißhunger, mit – Kindern, bei: calc, iod, nat-m, …), v. a. nachts kommt es zu Heißhungerattacken (→Magen – Appetit – Heißhunger – nachts: phos, lyc, psor, …).

  • Das Baby leidet nach jeder Mahlzeit unter einem stark geblähten Abdomen (→Abdomen – Auftreibung – Essen, nach: carb-v, kali-c, lyc, nux-v, sulph, …) mit vermehrter Peristaltik. Häufig macht dies kolikartige Beschwerden, die zum Zusammenkrümmen zwingen. Aufstoßen bessert nicht (→Magen – Auftreibung – Aufstoßen – nicht amel. durch: echi, lyc, phos), auch der Abgang von Flati erleichtert nicht.

  • Beim Zufüttern von Obst machen sich Meteorismus, Flatulenz und Gärung bemerkbar (nur chin). Auch Kuhmilch wird nicht vertragen (→Magen – Verdauungsstörungen – Milch, nach: aeth, mag-m, nit-ac, sulph, …); nach dem Abstillen wird der Stuhl dadurch weich, unverdaut, schaumig und gelb.

  • Eine Hand ist kalt, die andere heiß (puls, …).

Kleinkind und Schulkind
  • Oft handelt es sich um ein Einzelkind, das durch die Nachgiebigkeit und Schwäche der Eltern zu einem kleinen Tyrannen geworden ist (→Gemüt – diktatorisch: camph, cupr, lyc, med, merc, plat, sulph, …). Es ist äußerst reizbar (→Gemüt – Reizbarkeit – morgens – Erwachen, beim – Kindern, bei: ant-t), extrem eigensinnig (→Gemüt – Eigensinnig – Kinder: calc, cham, cina, tub, …) und akzeptiert keine Regeln (caps, caust, med, plb, staph, tarent, tub, … nach Lamothe).

  • Andern Kindern gegenüber ist es missgünstig (→Gemüt – Neid – Habgier, und: ars, puls, …) und grob (→Gemüt – Grobheit – Kinder; ungezogene: ant-c, carc, cham, chin, cina, dulc, rheum, staph). Es ist naschhaft und nur mit dem Besten zufrieden.

  • Will man es liebkosen, weint es oder wird zornig. In der Sprechstunde weigert es sich zu antworten, schaut den Arzt nicht an und lässt sich nicht untersuchen (→Gemüt – angesehen zu werden; erträgt es nicht: ars, ant-c, ars, cham, cina, tub, …). Es ist, als ob es seine Eltern vorwurfsvoll fragt: „Warum habt ihr mich hergebracht?“. Kinder mit China-Konstitution haben die Aggressivität von Nux vomica und die Empfindlichkeit von Natrium muriaticum.

  • Das Kind fürchtet sich sehr vor Tieren, v. a. vor Hunden. Im Dunkeln oder beim Schließen der Augen sieht es Gesichter oder Menschen. Nächtliche Angstzustände treiben es ins Bett der Eltern (→Gemüt – Angst – Bett – treibt aus dem: ars, …).

  • In der Schule kommt es zu Problemen durch Fehler beim Schreiben; meist werden Buchstaben verwechselt (→Gemüt – Fehler – Schreiben, beim – stellt etwas um – Buchstaben: lyc, …).

  • Das Kind ist blass und anämisch und wirkt erschöpft. Es hat große Probleme, über Erkrankungen hinwegzukommen (→Allgemeines – Genesung, Rekonvaleszenz, Beschwerden während der: calc, kali-c, sil, sulph, tub, …) oder wurde nie wieder richtig gesund seit einer Krankheit (ars, calc-p, carc, caust, carb-v, ph-ac, psor, tub nach Lamothe). Manchmal hat es mit den Nachwirkungen allopathischer Medikamente zu kämpfen (→Allgemeines – Medikamente – allopathische – überempfindlich gegen: nux-v, puls, sulph, …).

  • Es leidet v. a. unter den Folgen von Flüssigkeitsverlust, etwa Diarrhö, Erbrechen, Blutungen oder Eiterungen.

  • Das Gesicht ist hager oder gedunsen, mit eingesunkenen Augen und bläulichen Augenringen. Die Oberlippe reißt in der Mitte ein (nat-m, sep, …). Die Ohrläppchen sind rot und geschwollen, die Ohrmuschel ist ekzematös.

  • Das Kind hat periodisches Nasenbluten, v. a. morgens beim Aufstehen.

  • Es hat großen Appetit, sogar bei Fieber (→Magen – Appetit – vermehrt – Fieber – während: cina, phos, …). Schon kleine Portionen Nahrung erzeugen jedoch ein Völlegefühl und Meteorismus.

  • China ist indiziert bei Erkrankungen der Milz mit Schmerzen, Schwellung und Verhärtung des Organs, etwa durch Infektionserkrankungen oder Erkrankungen des hämatopoetischen Systems. Es ist zu erwägen bei Hepatitis und Mononukleose mit Leber- und Milzschwellung.

  • Der Stuhl ist unverdaut, schaumig und gelb, manchmal auch blutig. Verschiedene Einflüsse rufen eine schmerzlose Diarrhö hervor: Obst, Milch, kalte Getränke, heißes Wetter oder einfach eine normale Mahlzeit (→Rektum – Diarrhö – Essen, nach: aloe, ars, lyc, podo, staph, …). Der Durchfall führt zu großer Schwäche und Kreislaufstörung mit kalter Körperoberfläche.

Praxistipp

China ist ein wichtiges Mittel bei Asthma bronchiale bei nebligem oder feuchtem Wetter (aur, dulc, nat-s, …), etwa im Herbst (nur chin). Die Atemnot hat ihren Höhepunkt zwischen 0:00 Uhr und 3:00 Uhr und kündigt sich durch einen hackenden Husten an. Das Hochlagern des Kopfes führt zu Erleichterung.

  • Sind körperlich geschwächte Kinder von Enuresis betroffen, kann China zu einer Besserung führen (→Blase – Urinieren – unwillkürlich – Kindern, bei – schwächlichen (1): chin). Es ist auch eines der Mittel bei nephrotischem Syndrom (→Allgemeines – Wassersucht – äußerlich – Albuminurie, mit: apis, aur-m, eup-pur, helon, hep) und bei Coxitis (→Extremitäten – Hüftgelenksentzündung: nat-s, calc-p, ph-ac, sil, tub, …).

  • Das Kind hat periodisch fieberhafte Erkrankungen (→Frost – periodisch – jede Woche: lyc, … und →Frost – periodisch – zwei Wochen; alle – nachts; nie (1): chin) mit stark wechselnden Temperaturen (→Fieber – abwechselnd mit – Frost: ars; bry, merc, nux-v, rhus-t, …), und einer nächtlichen Fiebercontinua (→Fieber – Continua – nachts: ars, bry, lach, merc, rhus-t, sulph, …). Das Gesicht ist dabei gerötet mit erweiterten Venen (lach, …), die Haut ist sehr berührungsempfindlich und kann Petechien aufweisen.

Jugendlicher
  • (→Gemüt – albernes Benehmen: anac, bar-c, hyos, …), dass er aus Übermut grundlos schreit. Er hat eine Abneigung gegen geistige Anstrengung, ist jedoch sehr intelligent und ständig mit irgendwelchen Ideen zugange, die er aber selten umsetzt. Bis spät in die Nacht hinein ist er geistig aktiv und entwickelt seine Phantasien und Luftschlösser. Man kann mit ihm nächtelang diskutieren (→Gemüt – theoretisieren – nachts: coff), dabei raucht und trinkt er gerne.

  • Am nächsten Morgen ist ihm alles sehr peinlich. Er ist mürrisch, empfindlich gegen Lärm und launisch. Er meint, er habe kein Glück im Leben oder habe viele Menschen gegen sich (→Gemüt – Wahnidee – verfolgt; er würde – Feinden, von: bell, hyos, kali-br, lach, …). Seine Gefühle kann er jedoch schlecht mit Worten ausdrücken. Stattdessen neigt er zu Essstörungen wie Anorexia nervosa (ars, nat-m, …) oder Bulimie (calc, carb-v, merc, sulph, …).

Praxistipp

Der Verlust von Körperflüssigkeiten (ph-ac, …) führt zu großer Schwäche: Schwitzen, Blutverlust, Diarrhö oder Erbrechen.

  • Oft besteht eine Blutungsneigung. Nach längeren Krankheiten bleibt eine Anämie zurück (→Allgemeines – Anämie – Krankheit; durch erschöpfende: calc-p, ferr, nat-m, ph-ac, phos, …). Man findet Ödeme und einen labilen Kreislauf mit Ohnmachtsneigung, kalter Haut und kaltem Schweiß. Jede Bewegung führt zu Atemnot und Herzklopfen.

  • Viele Beschwerden kehren periodisch wieder. Eine häufige Klage betrifft einen berstenden Kopfschmerz, als ob das Hirn gegen den Schädel schlägt (→Kopf – Schlagen – Gehirn gegen den Schädel schlagen würde, als ob das: ars, sep, sulph, …), schlimmer durch jede Art von Berührung, aber besser durch harten Druck (mag-p, …) und im warmen Zimmer (mang, sulph, …). Der Kopf ist empfindlich gegen kalte Luft (hep, nux-v, sil, …), Berührung und gegen das Kämmen der Haare. Die Schläfenvenen sind sichtbar erweitert (→Gesicht – Venen – erweiterte – Schläfen: bell, glon, …), der Patient beschreibt ein Pulsieren von Blutgefäßen im Kopf.

  • Alle Sinne sind überempfindlich: Die Augen sind empfindlich gegen Sonnen- und Tageslicht (ars, graph, …), nur nachts ist das Sehvermögen herabgesetzt (→Sehen – Verlust des Sehvermögens – nachts: lyc, …). Die Ohren sind geräuschempfindlich; der Patient hat klingelnde Ohrgeräusche.

  • Der Jugendliche leidet unter einem bitteren Geschmack im Mund und bitterem Aufstoßen, was aber nicht erleichtert. Der Genuss von Milch führt zu Sodbrennen. Allgemein besteht eine starke Neigung zu Blähungen. China hilft auch gut bei postoperativer Flatulenz.

  • Die Menses treten immer zu früh auf, begleitet von aufgetriebenem Abdomen und starker Dysmenorrhö. Die Blutung ist profus und dunkel, mit Membranen. Es kommt auch zu blutiger Leukorrhö.

  • China ist eines der Mittel bei chronischer Arthritis, begleitet von Gelenksteife und Uveitis (→Auge – Entzündung – arthritisch: calc, lyc, phyt, rhus-t, sep, …).

Arzneimittelbeziehungen
Pflanzliches Ferrum.
  • Miasma: Psora, Sykose. Malaria-Miasma (= zwischen akut und sykotisch) nach Sankaran

  • Folgt gut auf: acet-ac, arn, ars, asaf, bell, calc, calc-p, carb-v, chel, ferr, lach, lyc, merc, nat-m, nux-v, ph-ac, phos, puls, sulph, verat

  • Ergänzungsmittel: acet-ac, ars, calc, calc-p, carb-v, ferr, ip, kali-c, led, lyc, merc, nat-m, ph-ac, phos, psor, staph, sumb, teucr, tub-b, verat

  • Unverträglich mit: dig (nach dig), kreos, led, sec, sel. Salbeitee

  • Antidote: apis, aran, arn, ars, asaf, bell, bry, calc, calc-ars, caps, carb-an, carb-v, caust, cedr, cina, eup-per, ferr, hep, ip, lach, led, lyc, meny, merc, nat-c, nat-m, nux-v, op, puls, rhus-t, salv, sep, sulph, thea, verat. Tee

Cicuta virosa

#Cicuta virosaWasserschierling.
Leitsymptome
  • Abneigung gegen Gesellschaft

  • Kindisches Benehmen, Retardierung

  • Folgen von Schädel-Hirn-Trauma oder Meningoenzephalitis

  • Epilepsie und Ekzem am Kopf

  • Opisthotonus, Muskelhypertonie

  • Verzerrtes Gesicht

  • Strabismus convergens

Betroffene Organsysteme und Indikationen
  • Organsysteme: Wirkt v. a. auf Gehirn, Nerven und Haut.

  • Indikationen: Indiziert u. a. bei Ekzem, Epilepsie, geistiger Retardierung, infantiler Zerebralparese, Muskelhypertonie, seelischem Trauma (Missbrauch), Strabismus.

Geist- und Gemütssymptome
  • Abneigung gegen Gesellschaft, meidet den Anblick von Menschen (gels, lac-d, nat-c, sep, thuj, …), die Gegenwart von Fremden (ambr, bar-c, stram). Kein Vertrauen, als ob das Vertrauen in die Menschen stark erschüttert worden ist durch geistige und emotionale Verletzungen. Argwöhnisch, will lieber alleine sein. Zustand nach tiefer und schrecklicher Verletzung, Missbrauch (acon, anac, arn, carc, ign, kreos, lac-c, lyc, med, nat-m, nux-v, op, plat, sep, staph, thuj). Fürchtet und hasst Männer (→Gemüt – Furcht – Männern, vor: lach, lyc, nat-c, puls).

  • Psychomotorische Retardierung (agar, aur, bar-c, bar-m, bufo, cact, calc-p, carb-v, carc, caust, hell, ign, med, merc, naja, op, sep, stram, zinc nach Lamothe). Wunsch, in einen früheren, glücklicheren Zustand zurückzukehren (Vermeulen). Wurde so tief verletzt, dass er sich verschließt und in ein kindartiges Stadium regrediert (Sankaran). Geistige Retardierung durch Schädel-Hirn-Trauma. Benimmt sich wie ein Kind: Kindisch, töricht, aufgeregt (→Gemüt – kindisches Verhalten: bar-c, …). Singt, tanzt verzückt, schreit, jammert, heult; macht lächerliche Gesten (bell, cupr, hyos, lach, nux-m, stram, tarent, …). Klatscht in die Hände (bell, stram, verat).

  • Abwesenheitszustände. Fühlt sich wie an einem seltsamen Ort, vollführt automatische Handlungen (→Gemüt – Gesten, Gebärden; macht: bell, cocc, hyos, stram, tarent, …). Erkennt niemand, antwortet jedoch korrekt auf Fragen. Leicht aus dem Stupor zu holen (ph-ac; anders arn, bapt und hyos, die sofort wieder in den Stupor zurückfallen). Weiß nicht, was geschehen ist, Gedächtnisverlust für Stunden oder Tage. Abneigung zu sprechen, schweigsam, antwortet kurz angebunden, schroff. Verwechselt Vergangenheit und Gegenwart.

  • Angst vor der Zukunft. Pessimistisch (nux-v, psor, …). Traurig, wenn er andere glücklich sieht (hell, helon). Alles erscheint schrecklich und seltsam. Schreckliche und traurige Geschichten greifen ihn stark an (calc, iod, staph, …). Fährt auf wie durch Schreck, bei Geräuschen.

Allgemeinsymptome
  • Wetter: Mangel an Lebenswärme. Verlangen nach Wärme.

  • Zeit: nachts.

  • Verlangen: Kohl. Scharf Gewürztes, Senf. Mehlspeisen. Unverdauliches wie Kohle, Kalk, Erde, rohe Kartoffeln (calc, carc). Kann nicht zwischen Essbarem und Ungenießbarem unterscheiden.

  • Seite: Links.

  • Schlaf: Tief. Rückenlage. Kopf nach vorne oder hinten gebeugt. Beißt sich auf die Zunge, knirscht mit den Zähnen. Träume lebhaft, aber erinnert sich nicht genau.

  • Schweiß: Kopfschweiß im Schlaf. Nachtschweiß am Unterleib.

Causa und Modalitäten
  • Causa: Seelisches Trauma. Streit. Verletzungen, Schädel-Hirn-Trauma.

  • < Trauma. Lärm. Berührung. Kälte, Zugluft. Zahnung. Unterdrückte Ausschläge.

  • > Denken an die Beschwerden. Hitze. Liegen im Bett.

Schwangerschaft und Geburt
  • Schwangerschaft: Hyperemesis mit Erbrechen, < Bücken. Doppelbilder.

  • Geburt: Krampfanfälle vor oder während der Entbindung.

Neugeborenes
  • Ein Unfall während der Schwangerschaft, besonders mit Kopfverletzung der Mutter, kann beim Kind ein Cicuta-virosa-Bild auslösen.

  • Das Neugeborene hat einen ängstlichen Blick. Es überstreckt sich, verzerrt das Gesicht und hält die Daumen eingeschlagen (→Extremitäten – gezogen nach innen – Daumen: apis, bell, bufo, cham, cupr, merc, …).

  • Die Haut ist marmoriert (carb-v, lach, nux-v, …). Es leidet an heftigem Schluckauf (nat-m, stram, …).

Säugling

Praxistipp

Das Baby hat einen erhöhten Muskeltonus und neigt zum Opisthotonus (→Rücken – Opisthotonus: bell, cupr, hyos, nux-v, op, stram, stry, …). Die Kopfkontrolle ist schlecht. Der Kopf wird in den Nacken oder seitwärts gezogen.

  • Nimmt das Baby Blickkontakt auf, erleidet es einen plötzlichen Tonusverlust und der Kopf fällt nach vorne (→Kopf – Fallen – vorne, nach – Blicken auf etwas; Sinken des Kopfes nach vorne beim (1): cic).

  • Cicuta virosa ist ein wichtiges Mittel bei Krampfanfällen während der Zahnung oder nach Impfungen. Jedes Mal, wenn das Kind erschrickt, fängt es an zu schielen. Plötzliche Zuckungen wie elektrische Schläge durchfahren den kleinen Körper.

  • Der Kopf ist von einem dicken krustigen Milchschorf bedeckt, der eine gelbliche Flüssigkeit absondert und beim Ablösen blutet. Der Kopf ist heiß, die Glieder sind kalt.

  • Das Baby ist schnell satt, aber hat bald nach dem Essen wieder Hunger. Es isst mit offensichtlichem Genuss Unverdauliches, etwa Holzkohle (alum, calc, …).

  • Cicuta virosa ist eines der Mittel bei Hodenhochstand (aur, bar-c, con, fl-ac, syph, … nach Pennekamp), die Hoden sind gegen den Bauchring hinaufgezogen.

Kleinkind und Schulkind
  • Das Kind ist retardiert oder fällt zurück in babyhaftes Verhalten. Es rollt oder wälzt sich auf dem Boden herum, albert herum (→Gemüt – Possen – spielt: bell, hyos, …) und stellt alles Mögliche an (→Gemüt – Impulse – Absurdes zu tun: bell, cann-i, hyos, lach, stram, tarent).

  • Es ist allgemein überempfindlich und würgt bei der Spateluntersuchung (→Innerer Hals – Würgen – Ösophagus: ign, kali-c, …).

Praxistipp

Cicuta virosa ist das Hauptmittel bei Status epilepticus, bei multiplen Anfälle in Folge und bei komplexen Anfällen, z. B. Grand Mal und Petit Mal bei derselben Person. Es treten Krampfanfälle jeder Art und Heftigkeit auf, etwa bei Fieber oder Meningoenzephalitis, nach Kopf- oder Wirbelsäulenverletzungen (arn, hyper, nat-s, zinc) oder nach Impfungen (carc, caust, sil, thuj, vario).

  • Die Krampfanfälle werden durch die geringste Berührung, Lärm oder Schreck ausgelöst. Sie beginnen mit einem Initialschrei (→Gemüt – Schreien – Konvulsionen, vor: cupr, op, …), das Kind klammert sich dabei an die nächststehende Person. Dann folgt eine schreckliche Verzerrung des Gesichts und des ganzen Körpers. Das Gesicht läuft rot oder livide an, der Kopf wird nach hinten oder zur Seite gezogen, der Rücken wird überstreckt. Das Kind beißt sich während des Anfalls in die Zunge, hat Schaum vor dem Mund und muss erbrechen.

  • Dem Krampfanfall folgt lang anhaltende Bewusstlosigkeit, dann extreme Erschöpfung: Das Kind ist still und sieht aus wie ein Engel.

  • Cicuta virosa ist eines der Mittel für die Vorbeugung und Behandlung von Tetanus (→Allgemeines – Konvulsionen – tetanische Starre – traumatisch: arn, hyper, led, …), v. a. nach Splitterverletzungen.

  • Ein wichtiger Hinweis auf Cicuta virosa ist ein Strabismus convergens, der auch intermittierend in Erscheinung tritt (→Auge – Strabismus – periodisch: chinin-s, nux-v, …), etwa nach Commotio cerebri oder einem Krampfanfall.

  • Am Kopf oder im Gesicht bildet sich ein borkiges, pustulöses, vesikulöses oder nässendes Ekzem, u. a. auch an Mundwinkeln und Kinn. Es konfluiert zu dicken zitronengelben Krusten, die wie getrockneter Honig aussehen (ant-c, mez). Die Gabe von Cicuta virosa ist daher auch bei Impetigo oder Herpes simplex in Betracht zu ziehen. Das Ekzem schmerzt oder juckt meist nicht, wie überhaupt das Schmerzempfinden allgemein herabgesetzt ist (→Allgemeines – Analgesie: camph, hydr-ac, op, plb, …).

  • Die Unterdrückung des Ekzems kann zu neurologischen Symptomen führen (Konvulsionen + Kopfekzem = cic; Konvulsionen + Hautausschläge: cic, bufo; Konvulsionen abwechselnd mit bzw. durch Unterdrückung von Hautausschlägen: agar, calc, cic, cupr, sulph, stram, zinc, …).

Jugendlicher
  • Der Jugendliche ist auf nahezu autistische Art zurückgezogen. Er mag keine Gesellschaft, ist misstrauisch gegen Fremde und voller Verachtung für andere. Er hasst geradezu die Menschen (→Gemüt – Hass – Menschheit, auf die (1): cic) und hat eine äußerst pessimistische Sicht der Welt (→Gemüt – Menschen – verabscheut die Torheit der Menschen (1): cic; →Gemüt – Wahnideen – schrecklich; alles erscheint: plat). Es besteht eine Neigung zu Drogenkonsum (→Gemüt – Morphiumsucht: aven, cham, lach, macro, passi, …) und Kleptomanie (bell, nux-v, puls, sulph, …).

  • Äußeres Erscheinungsbild und Benehmen sind unreif, kindisch (→Gemüt – kindisches Benehmen: bar-c, …) und albern (anac, bar-c, hyos, nat-c, stram, …). Im Jugendzimmer findet sich noch Kinderspielzeug. Mädchen haben Furcht vor Männern (bar-c, lyc, nat-c, nat-m, plat, puls, …), evtl. aufgrund schlechter Erfahrungen. Sie haben Angst, wenn eine Tür aufgeht.

Praxistipp

Schlüsselsymptome von Cicuta virosa sind „Black-outs“ oder Abwesenheitszustände, während derer der Jugendliche völlig losgelöst von der Realität ist. Er starrt mit weit offenen, glasigen Augen einen Gegenstand an, aber erkennt ihn nicht wirklich; er nimmt nicht mehr wahr, was um ihn herum geschieht. Wird er jedoch angesprochen, antwortet er völlig normal.

  • Nach einer Kopfverletzung folgen anhaltende chronische Kopfschmerzen, besser durch Aufrechtsitzen oder Blähungsabgang. Es kommt auch zu Schwindel und Sehstörungen: Objekte kommen näher und entfernen sich wieder; er muss sich festhalten und kann nichts genau erkennen. Beim Lesen verschwimmen die Buchstaben. Die Augenlider zucken und zittern.

  • Die Koordination ist gestört, er ruckt beim Sprechen mit dem Kopf und verschluckt dadurch Worte (→Mund – Sprache – verschluckt Worte: staph, thuj), oder er beißt sich beim Essen oder Sprechen in die Wange (bufo, caust, ign, nit-ac, …).

  • Er sitzt oder geht mit den Füßen in Varusstellung (→Extremitäten – Gehen – Außenkante des Fußes, auf der: all-c). Beim Stehen macht sich eine Schwäche im Lendenwirbelbereich bemerkbar (chel, sulph, symph).

  • Bestätigende Symptome sind eine Bartflechte bei jungen Männern, eine auffallende Völle der Handvenen (chel, puls, vip, …) und ein Knacken im Schultergelenk (calc, croc, kali-c, …).

Arzneimittelbeziehungen
  • Miasma: akut, Psora, Sykose

  • Folgt gut auf: ars, calc-p, con, cupr, lach

  • Bewährte Folgemittel: bell, calc-p, ferr, hep, op, ph-ac, puls, rhus-t, sep

  • Ergänzungsmittel: carb-v, cupr-ac, ferr, kali-c, sulph

  • Unverträglich mit: aeth, arn, chinin-s, cupr-ac, dig, op, sel

  • Antidote: arn, coff, op, tab

Cina maritima

#Cina maritimaWurmsamen, Artemisia maritima.
Leitsymptome
  • Aggressive Verhaltensstörung, Launenhaftigkeit

  • Unruhe

  • Abneigung gegen Berührung

  • Periorale Blässe

  • Nasenbohren oder -reiben

  • > Bauchlage

  • Gähnen, Zähneknirschen im Schlaf

  • Farbloser Stuhl

  • Würmer

Betroffene Organsysteme und Indikationen
  • Wirkt v. a. auf Nervensystem, Abdomen, Augen und Schleimhäute.

  • Indikationen: Indiziert u. a. bei Affektkrämpfen, Aggressivität, Dreimonatskoliken, Enuresis nocturna, Fieberkrämpfen, hyperkinetischem Syndrom, Keuchhusten, Oxyuriasis, Verhaltensstörungen, Zahnungsbeschwerden, Zähneknirschen.

Geist- und Gemütssymptome
  • Verhaltensgestörtes, aggressives Kind (vergleichbar stram; schlimmer als cham). Bekommt nicht die Liebe, die es braucht, wird daher ungeheuer reizbar, impulsiv und aggressiv, v. a. gegen seine Eltern. Stellt die Eltern vor anderen bloß. Schreit, kratzt, zwickt, schlägt, tritt (cham, lyc), wirft gezielt mit Dingen (kreos, staph, tarent, tub, …). Unzufrieden, streitsüchtig, versteht keinen Spaß. Will sich nicht untersuchen lassen (→Gemüt – angesehen zu werden – erträgt es nicht: ant-c, ant-t, ars, cham, chin, cina, iod, nat-m, tub, …).

  • Launenhaftigkeit (→Gemüt – Launenhaftigkeit – weist Dinge zurück, die er haben wollte: cham, hep, ip, puls, rheum, staph, …). Verlangt nach vielen Dingen, lehnt sie aber ab, wenn er sie bekommt: „Wo war es, als ich es brauchte? Jetzt will ich es nicht mehr!“ (Sankaran). Abneigung oder Gleichgültigkeit gegen Liebkosung. Will geschaukelt, getragen werden, aber beruhigt sich dadurch nicht. Durch nichts zu beruhigen. Weint Mitleid erregend beim Erwachen.

  • Abneigung gegen Spielen (bar-c, hep, lyc, rheum, sulph, …), sogar gegen das Lieblingsspielzeug.

  • Überempfindlich. Abneigung gegen Berührung. Furcht, wenn sich jemand nähert. Reizbar und mürrisch, wenn angeblickt. Schreit erbärmlich, wenn er genommen oder getragen wird. Lässt sich nicht kämmen oder die Haare schneiden. Konvulsion, wenn er geschimpft oder bestraft wird. Affektkrampf (→Allgemeines – Konvulsionen – Zorn, nach: bufo, calc, cham, cupr, kali-br, nux-v, op, …). Macht sich steif, wenn er angefasst wird, oder wenn er sich ärgert.

  • Ruhelosigkeit: Kann nicht stillsitzen (u. a. wegen Pruritus ani). Unruhige Finger, muss alles anfassen (→Gemüt – berühren – muss alles – Kindern, bei: carc), zupft und reißt an allem herum, bohrt in Körperteilen. Dreht den Kopf von einer Seite zur anderen.

Allgemeinsymptome
  • Wetter: Schlimmer durch Sonne, im Sommer, bei Vollmond.

  • Zeit: Im Schlaf. 23:00 Uhr. Periodizität – jedes Jahr, immer zur selben Stunde.

  • Verlangen: Kalt trinken. Süßes. Brot. Viele Dinge. Appetit sehr launisch (bry, china, …). Appetit vermehrt kurz nach dem Essen, bei Fieber (chin, phos, …), gleich nach dem Erbrechen, nachts.

  • Abneigung: Milch. Muttermilch (calc-p, sil, …).

  • Seite: Links.

  • Schlaf: Lässt den Kopf zur Seite hängen, wenn müde. Spasmodisches Gähnen. Schläft nur, wenn es heftig geschaukelt wird. Schlaf in Knie-Ellenbogen-Lage (calc-p, carc, lyc, med, phos, sep, tub, …) oder im Sitzen mit nach rechts oder hinten geneigtem Kopf. Ruheloser Schlaf, spricht, kaut und schluckt (calc, ign), knirscht mit den Zähnen. Albträume. Pavor nocturnus um 23:00 Uhr. Erwacht erschreckt, schreit, liegt auf dem Rücken, strampelt mit Händen und Füßen.

  • Schweiß: Kalter Schweiß auf Stirn, Nase und Händen, mit saurem Geruch.

Causa und Modalitäten
  • Causa: Ablehnung oder Überfürsorge durch Eltern (Mutter). Vergeblich geäußerte Wünsche. Gähnen (begleitet alle Beschwerden). Würmer.

  • < Berührung. Druck. Würmer. Ärger. Angesehen werden. Fremde. Im Schlaf. Vollmond. Sonne, Sommer. Kaltes Wasser, kalte Luft.

  • > Bauchlage oder Knie-Ellenbogen-Lage. Über der Schulter getragen, gewiegt werden. Fortgesetzte Bewegung. Vorsichtiges Streicheln mit der Hand.

Schwangerschaft
Eklampsie.
Neugeborenes
  • Es ist blass oder bläulich um den Mund und leidet von Anfang an unter heftigen Bauchkrämpfen, gegen die sich kein Mittel findet.

  • Dabei zieht es die Beine an, bis die Oberschenkel den Bauch berühren (→Extremitäten – gezogen – oben, nach – Abdomen, an das: ars, carb-v, cham, cupr, hyos, plb, verat, …).

  • Beim Schreien ist es blass im Gesicht und macht ruckartige Bewegungen (→Extremitäten – Rucken: cham, cic, hyos, merc, stram, zinc, …). Schluckauf ist ein ständiges Problem, sogar im Schlaf (ign, mer-c, puls). Der Urin ist orange oder safranfarben.

Säugling
  • Das Baby hat eingesunkene, kränkliche Augen mit dunklen Augenringen. Das Gesicht ist hager (→Gesicht – Ausdruck – hager, lang: cupr, iod, verat, …) mit schmaler, verschwitzter Nase (→Nase – schmal, hager: camph, kali-bi, lyc, …), die Wangen sind glühend rot oder abwechselnd blass und rot, die Mundpartie ist blass bis weißlich-blau.

  • Das Kind ist mit nichts zufrieden, fast immer schlecht gelaunt und schreit, sobald man sich ihm nähert. Es fremdelt heftig, v. a. mag es nicht berührt oder liebkost werden.

  • Es verweigert konsequent die Brust und muss mit der Flasche aufgezogen werden. Dabei trinkt es hastig mit einem gurgelnden Geräusch (→Innerer Hals – Gluckern im Ösophagus – Trinken, beim: ars, cupr, hydr-ac, laur, …).

  • Es ist immer hungrig, auch bald nach der Mahlzeit und ebenfalls nachts, und ist dennoch abgemagert (calc, iod, nat-m, …) mit aufgetriebenem Abdomen (bar-c, calc, caust, sulph, …).

  • Beim Essen beißt es in den Löffel (bell, …). Unmittelbar nach dem Trinken oder Essen erbricht es und entleert wässrig-weißlichen Durchfall, mit Schleimstücken wie Popcorn (cham: grüner Durchfall). Danach hat es wieder Hunger.

  • Es ist geplagt von heftigen Dreimonatskoliken (→Abdomen – Schmerz – krampfartig – Kindern, bei – Säuglingen, bei: arg-n, bell, calc-p, cham, coloc, mag-p, nux-v, rheum, …); v. a. abends schreit es heftig. Man kann es nur beruhigen, wenn man es fest an sich drückt oder über die Schulter legt; oft weint es jedoch selbst dann Mitleid erregend. Manchmal hilft nur noch Bauchlage und Klopfen auf das Gesäß.

  • Das Kind kann nicht einschlafen, ohne gewiegt zu werden (→Schlaf – Schlaflosigkeit – Kindern, bei – gewiegt werden, Kind muss: carc, stict). Der Schlaf ist extrem unruhig und von ständigem Schreien unterbrochen (→Schlaf – Schlaflosigkeit – Schreien, mit: hyos, jal, senn).

  • Das Schreien kann schließlich zu einer Leistenhernie führen (→Abdomen – Hernie – Leistenhernie – Kindern, bei: aur, lyc, nit-ac, nux-v, …).

Kleinkind und Schulkind
  • Das Kind muss alles anfassen. Es ist eigensinnig, launisch und boshaft. Es wird insbesondere sehr zornig, wenn man sich ihm nähert und es anspricht (ant-c, iod, cham, …), ansieht (ant-c, ars, cham, china, nat-m, tub, …) oder anfasst (ant-c, cham, nux-v, sanic, sil, …). Es teilt dann gezielte Schläge aus (→Gemüt – Schlagen – Kindern, bei: cham, chel, cupr, lyc, tub, …) oder wirft mit Gegenständen. Spielen mag es überhaupt nicht.

  • Es ist sehr unruhig, schaukelt andauernd und rollt mit dem Kopf. Auch Tics können auftreten. Cina kann bei der aggressiven Spielart des Aufmerksamkeits-Defizit-Syndroms indiziert sein.

  • Charakteristisch sind Affektkrämpfe – oft nur auf einer Körperseite – oder Bewusstlosigkeit durch Ärger oder Schimpfen. Manchmal tritt plötzlich ein Strabismus convergens auf.

  • Der Schlaf ist sehr unruhig (→Schlaf – ruhelos – Kindern, bei: bell, coff, jal, hyos, kali-c, lach, rheum, …). Es kommt zu heftigem Zähneknirschen und Pavor nocturnus. Das Kind wacht plötzlich wie erschreckt auf, schreit, hat einen starren Blick, macht sich steif, beißt, kratzt, schlägt und lässt sich nicht mehr beruhigen (borx, stram, tub schrecken eher zurück und wollen fliehen; chlol wirft Gegenstände gegen das Phantasiegespinst).

Praxistipp

Die Nase juckt ständig, das Kind bohrt, zupft an ihr oder reibt sie, bis sie blutet (arum-t, …). Es bohrt auch im Ohr (arund, psor, sil).

  • Schmerzen erscheinen plötzlich, schockartig; das Kind springt plötzlich auf vor Schmerzen.

  • Im Fieber oder beim Erbrechen hat es eine saubere Zunge (ip), ein kaltes, blasses Gesicht (cham wird rot im Gesicht) und warme Hände. Manchmal ist auch eine Wange rot, eine blass (cham, ip, …). Der Appetit ist trotz Fieber vermehrt. Es besteht die Gefahr von Fieberkrämpfen. Der Stuhl ist nahezu farblos.

  • Die klassische Indikation für Cina bei Kindern sind Würmer (gaert, ign, nux-m, ruta, spig, …). Das Kind kann wegen heftigem Juckreiz am After nicht stillsitzen.

  • Das Sauberwerden erfolgt spät. Das Kind hat eine Enuresis nocturna, v. a. in Vollmondnächten.

  • Das Kind neigt zu schwer verlaufendem Keuchhusten (→Husten – Keuchhusten – Krampfstadium: bell, carb-v, coc-c, cupr, dros, nux-v, puls, verat, …) und Bronchopneumonie. Typisch für Cina ist ein heftiger Husten mit schnell aufeinanderfolgenden Anfällen, v. a. im Frühjahr und Herbst (kreos, lac-ac). Die Hustenanfälle können durch Druck auf den Kehlkopf provoziert werden (bell, chin, lach, …).

  • Der Husten geht einher mit Schlucken, Aufstoßen, Niesen, Würgen, Tränenfluss und einem gluckernden Geräusch im Kehlkopf. Manchmal setzt auch die Atmung aus, das Kind blickt wild um sich, macht sich steif und wird bewusstlos, bis es endlich husten kann. Aus Furcht vor dem Husten hält es sich still und wagt nicht zu sprechen.

Jugendlicher
  • Cina ist gelegentlich bei aggressiven und verhaltensgestörten Jugendlichen angezeigt. Die Stimmung ist schlecht, der Jugendliche ist mürrisch und hat eine Abneigung gegen Liebkosungen und gegen Fremde. Er versteht keinen Spaß (acon, merc, …).

  • Ein bestätigendes Symptom ist Schaudern oder Zittern beim Gähnen.

  • Die Mädchen neigen schon lange vor der Pubertät zu Genitalblutungen (→Weibliche Genitalien – Metrorrhagie – Mädchen, bei: hydr).

Arzneimittelbeziehungen
  • Miasma: Psora, Tuberkulinismus

  • Folgt gut auf: ant-t, dros

  • Bewährte Folgemittel: calc, chin, dros (bei Pertussis), ign, nux-v, plat, puls, rat, rhus-t, sil, stann

  • Ergänzungsmittel: calc, dros, rat, sil, sul-i, sulph

  • Antidote: arn, camph, caps, chin, pip-n

Coffea cruda

#Coffea crudaRohe Kaffeebohne.
Leitsymptome
  • Verlangen nach Aktivität

  • Hellwach, schlaflos

  • Überempfindliche Sinne

Betroffene Organsysteme und Indikationen
  • Organsysteme: Wirkt v. a. auf Nervensystem, Kreislauf, Sexualorgane, Frauen.

  • Indikationen: Indiziert unter anderem bei Asthma, Diarrhö, Dreimonatskoliken, Krampfanfällen, Kopfschmerzen, Neuralgien, psychosomatischen Beschwerden, Schlaflosigkeit, Zahnschmerzen, Zahnungsproblemen.

Geist- und Gemütssymptome
  • Grenzenlose Aktivität < abends bis Mitternacht. Schnell in Auffassung und Handlung (→Gemüt – Begreifen, Auffassungsvermögen – leicht: lach, op, phos, …), gutes Gedächtnis. Geistig aktiv, wie gedopt (ähnlich nux-v, aber weniger reizbar), redselig, geistreich; diskutiert und streitet gern. Schnell im Handeln (lach, …). Ruhelos (→Gemüt – Aktivität – ruhelos: nux-v). Nervös, agitiert; hastig beim Essen und Trinken. Viele Pläne; Gedankenjagen (→Gemüt – Gedankenandrang, einstürmende Gedanken, Gedankenfluss: bell, lach, phos, valer, …). Ideenfülle bei Fieber. Gewissenhaft, mitfühlend, engagiert für andere; großes Verantwortungsgefühl.

  • Empfindlichkeit, Erregbarkeit. Hochsensible Wahrnehmung (→Gemüt – Sinne – scharf: ars, bell, nux-v, op, phos, …). Überempfindlich gegen alle Reize, gegen Gerüche, Berührung, gegen das geringste Geräusch, z. B. Glockenschlag, Schritte etc. (asar, nux-v, ther, …). Empfindlich gegen homöopathische und allopathische Medikamente. Erregt während Fieber, während der Zahnung. Weint wegen Kleinigkeiten. Zittert bei Aufregung, kann nicht mehr schreiben.

  • Schmerzen unerträglich (acon, cham, …); wälzt sich hin und her (acon, cham), weint, jammert. Schmerzen mit Todesangst, Verzweiflung (→Gemüt – Verzweiflung – Schmerzen, bei den: acon, aur, cham, nat-m), Ohnmacht. Sagt die Stunde seines Todes voraus (acon).

  • Beschwerden durch übermäßige Freude, angenehme Überraschungen. Weint oder zittert vor Freude. Weint und lacht im Wechsel. Ohnmacht durch Gemütsbewegungen. Fröhlich, witzig, euphorisch (→Gemüt – Hochgefühl: cann-i, lach, op, stann, tarent, …), ekstatisch (→Gemüt – Wahnidee – Paradies – sieht das: coff-t).

  • Verlassenheitsgefühl. Klammert (→Gemüt – klammert sich an – Personen oder Möbel: bar-c, gels, puls, stram, …), verfolgt jede Bewegung der Mutter (→Gemüt – wachsam: lach, …). Weint wegen der geringsten Vernachlässigung. Gespannte Aufmerksamkeit gegenüber Bezugsperson, bis zur totalen Abhängigkeit. Beschwerden durch unglückliche Liebe, Eifersucht. Stiller Kummer. Innerlich unsicher, entscheidungsschwach, passiv, leicht zu unterdrücken. Wahnidee, er sei weit weg von zu Hause.

Allgemeinsymptome
  • Wetter: Hitzegefühl, aber Abneigung gegen Aufenthalt im Freien; „Furcht vor frischer Luft“. Alles < im Freien, Kälte, Wind.

  • Zeit: Vor Mitternacht; 23:00 Uhr, 3:00 Uhr.

  • Verlangen: Reizmittel (Kaffee, Alkohol, Tabak). Unmäßiger Hunger, isst und trinkt hastig. Durst nachts.

  • Abneigung: Feste Speisen. Wein.

  • Seite: Rechts.

  • Schlaf: Schlaflosigkeit (→Schlaf – Schlaflosigkeit – Kindern, bei: carc, …) durch jede kleinste Störung, durch Gedanken, Vorfreude, Träume. Kann nicht abschalten. Erwacht von jedem Geräusch, auch von weit entferntem. Erwacht durch Durst. Schläft bis 3:00 Uhr, danach nur Dösen. Hat nachts immer denselben Gedanken. Furcht zu fallen beim Einschlafen. Lange und lebhafte Träume.

  • Schweiß: Schlaflosigkeit mit Schweiß.

Causa und Modalitäten
  • Causa: Übermäßige Freude. Erregung. Angenehme Überraschungen. Furcht. Erregung. Schreck. Übermäßiges Lachen. Enttäuschte Liebe. Übermüdung. Zahnung.

  • < Geräusche (auch Musik). Berührung. Kleidung. Gerüche. Draußen. Kalte Luft. Wind. Geistige Anstrengung. Emotionen. Alkohol, Wein. Schlafmittel. Nachts.

  • > Liegen. Ruhe. Schlaf. Wärme. Kalte Anwendungen, Eiswasser (bei Zahnschmerzen).

Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit
  • Schwangerschaft: Während der Schwangerschaft Schlaflosigkeit, Zahnschmerzen und starker Speichelfluss. Erwacht durch nächtliche Wadenkrämpfe. Eklampsie.

  • Geburt: Wehen exzessiv, quälend, unerträglich schmerzhaft mit Weinen, Schreien, Unruhe, Verzweiflung, Todesangst, sogar Ohnmacht; fürchtet dabei, verrückt zu werden. Verlängerte, vergebliche Wehen durch rigide Muskulatur des Uterus. Wehen erstrecken sich in den Rücken, hören wieder auf, dabei Redseligkeit.

    Verlängerte Nachwehen. Qualvolle Angst bei Plazentaretention.

  • Nach der Geburt: Schlaflosigkeit nach der Entbindung. Fehlender Milcheinschuss. Fieber während des Stillens.

Neugeborenes
Coffea ist ein Mittel für Neugeborene, die nicht richtig in den Schlaf finden (→Schlaf – Schlaflosigkeit – Neugeborenen, bei: bell, cham, cypr, op, psor, sulph). Das Kind ist ständig in Bewegung und hat glänzende Augen mit weiten Pupillen. Mittelweisend sind die heftigen Wehen bei der Mutter.
Säugling
  • Der Säugling zeichnet sich durch ein hohes Aktivitätsniveau aus (→Allgemeines – Aktivität – vermehrt: acon, agar, hyos, op, stram, …) und vollzieht eine rasante motorische Entwicklung. Er reagiert empfindlich auf alle Reize. Schon leichtes Unwohlsein führt zu heftigem Schreien (→Gemüt – Schreien – Kindern, bei: cham, borx, lac-c, rheum, tub, …). Die Eltern stellen ihn wegen unklarer Schmerzen, Dreimonatskoliken (→Abdomen – Schmerz – krampfartig – Babys, Kolik bei: cupr, mag-c, mag-m, …) oder Zahnungsbeschwerden vor. Er ist sehr lärmempfindlich und zuckt schon beim Geräusch von Schritten zusammen (nux-v, …). Andererseits ist er leicht zum Lachen zu bringen (→Gemüt – Lachen – leicht: bufo, calc, puls, …).

  • Das Kind leidet unter Schlaflosigkeit, besonders während der Zahnung (acon, cham, gels, …). Es kann schlecht einschlafen, schon gar nicht bei Licht (→Schlaf – Schlaflosigkeit – Zimmer, im – erleuchteten, im: lach, nux-v, staph), wacht nachts häufig schweißgebadet auf (→Schlaf – Schlaflosigkeit – Schweiß, mit: anac, chin, ph-ac, rhus-t, …) und braucht überhaupt wenig Schlaf. Zu den zahlreichen Ursachen für die Schlafstörungen gehören Flatulenz (→Abdomen – Flatulenz – Schlaf – verhindert den Schlaf: cocc, nux-v, …) und Kaffeegenuss der stillenden Mutter (→Schlaf – Schlaflosigkeit – Kaffee – Missbrauch von, nach: cham, nux-v).

  • Coffea ist ein Mittel bei fieberhaften Infekten (→Fieber – Kindern, bei – Kleinkindern, bei: acon, bell, cham, nux-v, …) mit geröteten und heißen Wangen, Unruhe und Schlaflosigkeit.

Kleinkind und Schulkind
  • Das Kind wirkt nervös, ist ständig mit irgendetwas beschäftigt (→Gemüt – geschäftig, betriebsam: tarent, tub, …) und kommt auch nachts nicht zur Ruhe (→Schlaf – Schlaflosigkeit – spielt und lacht, Kind: cypr, med, …). Jede Art von Erregung – ob Freude, Zorn oder Angst – führt zu sichtbarem Zittern. Alle Sinne sind überempfindlich. Schlaflosigkeit ist das Schlüsselsymptom von Coffea.

Praxistipp

Schlaflosigkeit ist das Schlüsselsymptom von Coffea.

  • Die Stimmung ist gut, das Kind ist fröhlich und redselig, sogar wenn es krank ist (→Gemüt – lebhaft, munter – Fieber, während: acon, mosch, nat-c, op, plat, sars). Die Mutter klagt jedoch darüber, dass es sehr anhänglich ist und sie keine Sekunde aus den Augen lässt.

  • Das Kind wirkt zart und sensibel, ist aber eher hochgeschossen (→Allgemeines – groß gewachsene Menschen: nur coff zweiwertig).

  • Es neigt zu Kopfschmerzen (→Kopf – Kindern, Beschwerden von: acon, bell, calc-p, ign, …), ausgelöst durch Vorfreude, Aufregung oder Ärger. Die Schmerzen verschlechtern sich durch Lärm und werden besser durch kalte Anwendungen. Beim Schaukeln klagt das Kind über Schwindel (borx).

  • Alle Krankheiten sind ähnlich wie bei Belladonna begleitet von roten Wangen, glänzenden Augen, Schlaflosigkeit und Jammern oder Weinen durch geringe Beschwerden. Besonders empfindlich und erregt ist das Kind bei Fieber (bell, cham, cocc, con, teucr, …). Es kann dann nicht abschalten (→Gemüt – Ideen, Einfälle – Reichtum an, Klarheit des Geistes – Hitze, während: bell, lach, op, stram, thuj) und schläft schlecht. Oft ist eine Wange rot und heiß, später erscheint ein rötliches oder bläulich rotes Exanthem.

  • Coffea ist eines der Mittel bei Masern und Röteln. Es wirkt sehr gut auf trockenen Husten und Schlafstörungen in fortgeschrittenen Krankheitsstadien und kann auch angezeigt sein bei Fieber nach Verletzungen (→Fieber – traumatisches Fieber: arn, calend, lach, …).

  • Grippale Infekte gehen einher mit anhaltendem trockenem und hackendem Husten, der sich im Freien und nachts verschlechtert (→Husten – trocken – Schlaf, im: cham, rhus-t, tub, …). Das Kind krümmt sich beim Husten zusammen (→Husten – Beugen, beim – zusammenkrümmen, muss sich: kali-bi, …).

  • Auch nach Aufregungen tritt ein nervöser Husten auf, gepaart mit Angst (→Gemüt – Angst – Husten, beim: acon, kali-c, rhus-t, …) und Schlaflosigkeit. Coffea ist eines der Mittel bei psychogenem Asthma (→Atmung – Asthma – Gemütsbewegungen, nach: acon, gels, ign, puls, …).

  • Zahnung und Zahnwechsel sind schwierige Phasen, mit großer Empfindlichkeit und Erregbarkeit, Fieber oder Durchfall. Zahnschmerzen (→Zähne – Schmerzen – Kindern, bei: cham, …) verschlechtern sich durch warme Speisen oder Getränke und bessern sich durch Trinken von eiskaltem Wasser (bry, puls, …).

  • Psychische Ursachen können Bauchschmerzen und Durchfälle hervorrufen. Jeder Kleiderdruck ist dabei unangenehm. Durchfall kann sich auch durch Überhitzung einstellen (ant-c, puls, …).

  • Das Kind hat häufigen Harndrang mit blassem Urin. Erkrankungen im Harnwegsbereich wie Zystitis sind von heftigem Schreien begleitet (→Gemüt – Schreien – Beschwerden der Harnorgane (1): coff)

  • Die Haut ist trocken und oft schmerzhaft empfindlich. Bei aufkommendem Juckreiz kratzt das Kind, bis es blutet.

Jugendlicher
  • Der Jugendliche ist hochgewachsen, schlank und von gebeugter Haltung. Vom Rhythmus her ist er ein Nachtmensch: Er lernt vorzugsweise abends und liebt lange nächtliche Diskussionen. Danach kann er jedoch oft nicht schlafen; derselbe Gedanke geht ihm immer wieder durch den Kopf.

  • Am nächsten Morgen leidet er unter Kopfschmerzen. Der Schmerz fühlt sich an, als würde das Gehirn in Stücke gerissen oder zertrümmert, oder als würde ein Nagel seitlich in den Kopf geschlagen (thuj, ign, …). Verschlechternd wirken Geräusche und das Auftreten beim Gehen (bell, nux-v, …).

  • Furcht vor Chirurgen.

  • Die Sinnesorgane sind überempfindlich. Der Sehsinn ist ungewöhnlich scharf, kleine Schrift kann besser gelesen werden als große. Auch das Gehör ist überempfindlich, Geräusche können sogar schmerzhaft empfunden werden (→Hören – überempfindliches Gehör – Geräusche, gegen – schmerzhaft (1): coff).

Praxistipp

Typisch sind neuralgische Schmerzen, etwa Zahnschmerzen (→Zähne – Schmerz – neuralgisch: acon, bell, hyos, mag-p, nux-v, spig, …) oder Trigeminusneuralgie mit Schmerzausstrahlung bis in die Backenzähne. Die Neuralgien werden schlimmer bei Bewegung und besser durch Druck oder kalte Anwendungen. Der Patient fürchtet den Arzt, besonders den Chirurgen.

  • Freude, Erregung oder auch Schreck führen zu Herzklopfen. Die Hände zittern beim Schreiben, er kann keinen Stift halten.

  • Die Monatsblutung kündigt sich durch unerträgliche Dysmenorrhö an (→Weibliche Genitalien – Menses – schmerzhaft – schrecklicher Schmerz, schreit und weint: cact, cupr). Sie kommt zu früh und dauert lange. Die Genitalien sind überempfindlich, die Jugendliche verträgt keine Tampons. Sie hat Juckreiz in der Schamgegend, kann aber wegen Empfindlichkeit nicht kratzen. Das sexuelle Verlangen ist gesteigert bis hin zur Nymphomanie.

  • Der Jugendliche ist hochgewachsen, schlank und von gebeugter Haltung. Vom Rhythmus her ist er ein Nachtmensch: Er lernt vorzugsweise abends und liebt lange nächtliche Diskussionen. Danach kann er jedoch oft nicht schlafen; derselbe Gedanke geht ihm immer wieder durch den Kopf.

Arzneimittelbeziehungen
  • Miasma: Psora

  • Folgt gut auf: thea

  • Bewährte Folgemittel: acon, aur, bell, fl-ac, lyc, nux-v, op, sulph, thea

  • Ergänzungsmittel: acon, ign, puls

  • Unverträglich nach: arg-n, aster, aur-m, aur-m-n, bov, camph, canth, caul, caust, cist, clem, cocc, hell, ign, lac-ac, mill, ox-ac, stram, vinc

  • Antidote: acet-ac, acon, agar, all-c, am-m, ambr, anac, ang, ant-c, arn, ars, asaf, aur, bell, bism, brom, bry, calc, camph, canth, caps, carb-ac, carb-v, caust, cham, chel, chin, chin-s, cic, cocc, coloc, con, crot-h, cycl, dig, gels, glon, grat, hydr-ac, ign, iod, ip, kali-c, lach, lact, laur, led, lyc, mang, merc, morph, mosch, nux-v, op, par, ph-ac, phos, phyt, psor, puls, rhus-t, sep, stry, sulph, tab, thuj, valer, verat, verat-v

Cuprum metallicum

Metallisches Kupfer#Cuprum metallicum (Cu).
Leitsymptome
  • Anfälle von Aggressivität

  • Verkrampfung

  • Krampfanfälle, beginnend in Fingern oder Zehen

  • Gurgelndes Geräusch beim Trinken

  • Krampfartige Bauchschmerzen

  • Krampfartiger Husten

  • Zyanose

  • Großer Durst auf Kaltes

  • Neurologische Folgen durch unterdrückte Hautausschläge oder Absonderungen

Betroffene Organsysteme und Indikationen
  • Organsysteme: Wirkt v. a. auf Nervensystem, Muskeln und Verdauungstrakt.

  • Indikationen: Indiziert u. a. bei Asthma, Enzephalitis, Epilepsie, Koliken, Kopfschmerzen, Masern, Meningitis, Pertussis, Scharlach, Tics, Verdauungsstörungen, Schlafstörungen, Zuckungen.

Geist- und Gemütssymptome
  • Geistige Verkrampfung. Verplant den ganzen Tag, überlässt nichts dem Zufall (carc). Starkes Pflichtgefühl (→Gemüt – Pflicht – zu viel Pflichtgefühl: aur, carc, kali-c, nat-c, nat-s, …). Angst, etwas falsch zu machen. Unflexibel, ernst, hält sich krampfhaft an Regeln, an festgesetzte Zeiten; verlangt das auch von anderen. Petzt. Viel Durchsetzungsvermögen und Fanatismus. Diktatorisch (chin, lyc, med, sulph, …), spricht im Befehlston. Ernst, ohne Leichtigkeit, kann nicht loslassen.

  • Verschlossen (→Gemüt – Gesellschaft – Abneigung gegen – Anblick von Menschen, vermeidet den: cic, nat-c, sep, thuj, …), gehemmt; kann keine Gefühle wie Zuneigung oder Liebe zeigen. Körperkontakt verschlechtert. Unterdrückt auch Wut, die später plötzlich hervorbricht. Während der Pubertät unterdrückte sexuelle Phantasien, begleitet von Schuldgefühlen.

  • Furcht, wenn sich jemand nähert (ant-c, cina). Starke Abneigung, angesehen (ant-c, ars, cham, china, cina, nat-m, tub, …) oder berührt (ant-c, cham, cina, nux-v, sanic, sil, …) zu werden. Angst vor Fremden. Sieht Diebe, befürchtet Feuer. Angst mit rotem, heißem Kopf. Will nach Hause gehen, versucht zu fliehen (bell, merc, verat, …), versteckt sich aus Furcht (ars, bell, calc, hyos). Schuldgefühle; meint, er habe etwas falsch gemacht (→Gemüt – Wahnideen – verfolgt – Polizei, von der).

  • Anfallsartige periodische Beschwerden. Plötzliche Wutanfälle (→Gemüt – Raserei – anfallsweise: cocc, stram, verat, …). Gewalttätig, tritt, schlägt (→Gemüt – Schlagen – Raserei, mit: bell, …), spuckt, schreit, brüllt (bell, canth, nux-m, stram), bellt, beißt, zerstört Sachen. Lacht krampfhaft, zieht Grimassen, äfft andere nach. Weint krampfartig, wird dabei heiser. Schrille oder krächzende Stimme, klingt wie das Quaken eines Frosches.

  • Wechselhafte Stimmung. Mal nachgiebig, mal stur (→Gemüt – eigensinnig – abwechselnd mit – Milde (1): cupr); weint im Wechsel mit Übermut (→Gemüt – Possen, spielt – abwechselnd mit – Weinen: carb-an). Spürt, dass sein Verstand nicht richtig funktioniert. Beschwerden nach Verlust einer guten sozialen Stellung; hat seine innere Ruhe verloren (Masi).

  • Massagen und Handauflegen bessern (→Gemüt – magnetisiert – amel.: phos, sil, …).

Allgemeinsymptome
  • Wetter: < Hitze und Sommer, aber auch kalter Wind. Insgesamt verfroren, oft kalte Füße.

  • Zeit: Nach 3:00 Uhr. Periodizität – alle zwei bis drei Wochen (z. B. Krampfanfälle).

  • Verlangen: Kalte Speisen und Getränke. Leckerbissen. Saures. Alkohol (Wein, Bier).

  • Abneigung: Warme Getränke. Gekochte Speisen. Kartoffeln.

  • Seite: Links. Erst rechts, dann links. Diagonal: Rechts oben, links unten.

  • Schlaf: Zuckt beim Einschlafen wie durch Stromschläge, wacht dadurch auf. Liegt auf dem Abdomen, Kopf nach hinten oder vorne gebeugt. Schlaf tief (→Schlaf – tief – Kindern, bei: cupr-act). Augen offen (bell, cocc, lyc, …) oder halboffen (→Augen – offen – halb offen: bell, op, …) oder mit ständig pendelnder Bewegung unter den Lidern. Angstträume, führen zum Erwachen.

  • Schweiß: Saurer, kalter Nachtschweiß. Kalter Fußschweiß. Färbt die Wäsche grünlich. Symptome bessern sich während des Schwitzens.

Causa und Modalitäten
  • Causa: Geistige Anstrengung. Zorn mit Angst. Schreck. Unterdrückte Impulse. Unterdrückung von Hautausschlägen, Absonderungen, Schweiß. Verletzungen. Allopathische Medikamente.

  • < Emotionen. Ärger. Furcht. Überarbeitung. Schlafmangel. Berührung. Bewegung. Kalte Luft. Heißes Wetter. Neumond. Vor den Menses.

  • > Kalt Trinken (Husten, Erbrechen). Kalt Baden. Magnetisieren. Hand auflegen. Schwitzen. Druck.

Schwangerschaft und Geburt
  • Schwangerschaft: Krämpfe in Fingern, Zehen und Waden, teils mit Taubheitsgefühl.

  • Geburt: Große Angst und Ruhelosigkeit zwischen den Wehen. Während Entbindung Sehstörungen, Amaurose und Erbrechen. Nachwehen sind quälend, mit Übelkeit, Zittern und Wadenkrämpfen.

Neugeborenes
  • Cuprum metallicum ist eines der wichtigsten Heilmittel bei Neugeborenenkrämpfen (→Allgemeines – Konvulsionen – Kindern, bei – Neugeborenen: art-v, bell, nux-v): Das Neugeborene ist ständig krampfbereit, fäustelt (→Extremitäten – gebeugt – Finger: hyos, merc, plb, stram, …), hat eingeschlagene Daumen (→Extremitäten – gezogen – innen, nach – Daumen: nur cupr dreiwertig), hält die Arme in Pronation (plb) und den Rumpf in Opisthotonushaltung (bell, cic, hyos, nux-v, op, stram, stry, …).

  • Die Krampfanfälle sind Folge einer perinatalen Hirnblutung (→Kopf – Gehirnblutung: acon, bell, cocc, gels, ip, lach, op, …), Hypoxie (→Gesicht – Farbe – bläulich: ars, camph, carb-v, op, verat, …) oder Meningoenzephalitis und können mit einer Hemiparese einhergehen (→Allgemeines – Lähmung – eine Seite – Konvulsionen, nach: caust, cic, …).

  • Cuprum metallicum ist auch bewährt bei Stridor connatus und bei Apnoeanfällen mit Zyanose (→Allgemeines – Zyanose: camph, carb-v, laur, op, verat, …). Das Kind wirkt aufgedunsen, hat ödematöse Schwellungen und einen angeborenen Nystagmus (→Augen – Bewegung der Augäpfel – pendelartig: agar, ars, gels, …).

Säugling
  • Der Säugling ist unruhig, reizbar und schreckhaft (→Gemüt – Auffahren – ängstlich: apis, sulph, …). Er fremdelt früh und intensiv (→Gemüt – Furcht – Fremden, vor: bar-c, carb-v, lyc, stram, thuj, …) und fürchtet sich davor, ins Bett gelegt zu werden (→Gemüt – Furcht – Abwärtsbewegung, vor: borx, gels, lac-c, sanic, sil, zinc, …). Bei Erregung oder Schmerzen schreit er schrill und anhaltend (→Gemüt – Schreien – Cri encéphalique: apis, hell, zinc, …).

  • Perinatale Probleme können einen Entwicklungsrückstand zur Folge haben (→Allgemeines – Entwicklung – Entwicklungsstillstand: bar-c, calc, calc-p, phos, sil, …). Die Kopfkontrolle ist schlecht (→Kopf – Halten – hochzuhalten, unfähig, den Kopf: calc-p, gels, op, sil, …), der Kopf fällt nach vorne oder zur Seite (→Kopf – Fallen – hin und her: bar-c, bell, …). Nicht selten findet man eine Symmetriestörung (→Äußerer Hals – Torticollis – rechts gezogen, nach: caust, lachn, lyc, …).

  • Der Säugling macht konvulsivische Bewegungen, verdreht z. B. die Augen nach oben (acon, apis, bufo, laur, verat, …), macht Kaubewegungen, fährt mit der Zunge hin und her (hyos, lach, sulph) oder züngelt wie eine Schlange (lach, merc, vip, …).

Praxistipp

Die wichtigste Indikation für Cuprum metallicum im Säuglingsalter sind Krampfanfälle jeder Art und Heftigkeit (→Allgemeines – Konvulsionen – Kindern, bei – Kleinkindern: art-v, bell, bufo, cham, hell, hydr-ac, mag-p, meli), oft beginnend in den Fingern und den Zehen und mehr links betont.

  • Eine weitere wichtige Indikation sind krampfartige, anfallsartige und periodische Dreimonatskoliken (→Abdomen – Schmerz – krampfartig – Kindern, bei – Säuglingen, bei: arg-n, carb-v, cham, coloc, lyc, mag-c, mag-m, mag-p, nux-v, staph, …): Das Baby trinkt gierig und hastig (→Gemüt – Hast – Essen, beim: caust, hep, lach, zinc, …). Plötzlich beginnt es zu schreien, beugt und streckt abwechselnd die Beine (→Extremitäten – gezogen – oben, nach – abwechselnd mit Streckung: cic, lyc, nux-v, …) oder zieht sie krampfartig an den Bauch (→Extremitäten – gebeugt – Oberschenkel an das Abdomen: ars, cina, hyos, plb, …) und macht sich steif (→Allgemeines – steifes Ausstrecken des Körpers: cham, cina, ign, ip, phos, …). Das Abdomen ist hart, heiß und berührungsempfindlich. In Bauchlage bessern sich die Beschwerden (→Abdomen – Schmerz – Liegen – Abdomen, auf dem – amel.: bell, bry, calc, coloc, phos, …).

  • Cuprum ist auch eines der Mittel bei Pylorusstenose. Während des Trinkens ist ein heftiges Gluckern im Ösophagus oder Magen zu vernehmen (→Magen – Gluckern – Trinken – beim: ars, hydr-ac, …). Zunächst kommt es zu heftigem Schluckauf, anschließend zu plötzlichem anfallsartigen Erbrechen (→Magen – Schluckauf – Erbrechen, vor: jab, jatr-c, mag-m), ausgelöst schon durch die kleinste Bewegung (ars, bry, nux-v, tab, verat, …).

  • Die Zahnung ist schwierig und geht mit Durchfall einher (→Rektum – Diarrhö – Zahnung; während der Diarrhö: calc, cham, dulc, ferr, rheum, sil, …). Das Baby beißt beim Füttern in den Löffel (ars, cham, cina, puls, verat, …).

Kleinkind und Schulkind
  • Das Kind hat einen traurigen, ernsten oder ängstlichen Gesichtsausdruck. Es meidet Blickkontakt und erträgt nicht, wenn sich jemand nähert (→Gemüt – Furcht – Näherkommen – anderen, von – Kinder können es nicht ertragen, dass ihnen jemand nahekommt: ant-c, cina, …). Bei der geringsten Gemütsbewegung muss es weinen (lach, plb, …). Es fürchtet sich vor der Dunkelheit, vor großer Höhe, vor Unglück und vor Feuer (hep, stram, …). Bei fieberhaften Infekten hat es Furcht vor Menschen (nur cupr). Nach einem Schreckerlebnis leidet es unter immer wiederkehrenden Angstzuständen (→Gemüt – Angst – Schreck, nach: acon, carc, ign, kali-br, op, sil, verat, …).

  • Die Eltern schildern häufige, plötzliche Tobsuchtsanfälle (→Gemüt – Raserei – anfallsweise: cocc, stram, verat, …), während derer das Kind nicht erreichbar ist. Es läuft im Gesicht rot an (→Gesicht – Farbe – rot – Raserei, bei: bell, hyos, op, stram, verat, …), schreit, schlägt mit den Fäusten, spuckt (bell, calc, stram, verat, …) und hält die Luft an bis zur Zyanose.

  • Es ist unruhig, läuft ziellos herum (→Gemüt – läuft umher: bell, hyos, stram, …) und wirft sich nachts im Bett hin und her (→Gemüt – Ruhelosigkeit – Bett – Herumwerfen im: acon, ars, ferr, rhus-t, tarent, …).

  • Es hat auch Verhaltensstörungen wie Trichotillomanie (→Gemüt – ziehen – Haaren – Verlangen zu ziehen – an ihrem eigenen Haar: ars, bell, …) oder Einkoten (→Gemüt – Fäzes – setzt Fäzes auf den Boden ab: hyos, sulph). Zudem spielt es anderen böse Streiche, lacht boshaft, äfft nach (→Gemüt – Nachahmung: bell, hyos, stram, …) und macht ständig Faxen (→Gemüt – Possen, spielt – Kindern, bei: bell, hyos, merc, phos, …) oder Grimassen. Bestrafung oder Erregung können zu Affektkrämpfen führen (→Allgemeines – Konvulsionen – Bestrafung, nach: agar, cham, cina, ign).

  • Charakteristisch sind Tics (→Allgemeines – Chorea – Gesicht – agg.: caust, cic, hyos, mygal, nat-m, zinc, …), etwa unkoordinierte Bewegungen der Finger oder Hände, abwechselndes Beugen und Strecken der Arme (cic, lyc, tab, …) und andere lächerliche oder alberne Gesten. Tics im Gesicht können sogar zu Sprechstörungen führen (→Mund – Sprache – schwierig – Chorea, durch: agar, bufo, caust, stram, …).

  • Cuprum metallicum ist eines der Hauptmittel bei Epilepsie im Kindesalter, v. a. bei Lennox-Gastaut-Syndrom (→Allgemeines – Konvulsionen – Fallen, mit: bell, cham, hyos, oena, …) und bei kindlichen Okkasionskrämpfen. Mögliche Auslöser sind Zahnung (calc, cham, kali-br, …), Fieber, Hirnkontusion (→Allgemeines – Konvulsionen – Verletzungen, durch – Kopfes, des: arn, cic, hyper, led, nat-s, …), Meningitis oder Enzephalitis (→Kopf – Entzündung – Gehirn: acon, bell, bry, hell, hyos, op, …), Durchnässung (calc, rhus-t, …) oder unterdrückter Hautausschlag (zinc, …).

  • Die Krampfanfälle beginnen in der Peripherie, etwa in den Fingern oder Zehen. Mit einem durchdringenden Schrei (→Gemüt – Schreien – Konvulsionen, vor: cic, …) stürzt das Kind vornüber (aster, …) und krampft tonisch oder klonisch. Dabei hält es den Kopf seitwärts gedreht und verdreht die Augen nach oben. Es beißt sich auf die Zunge (bufo, caust, oena, op, …), hat Schaum vor dem Mund, wird zyanotisch (→Gesicht – Farbe – bläulich – Konvulsionen, mit: bell, cic, hyos, ip, oena, verat, …) und nässt oder kotet ein. Nach dem Anfall können vorübergehend Paresen auftreten.

  • Alle Krankheiten verlaufen heftig (→Allgemeines – heftige Beschwerden: bell, cham, nux-v, stram, …), oft begleitet von Krämpfen und Spasmen in den betroffenen Körperteilen.

Praxistipp

Das Kind knirscht mit den Zähnen und stottert (→Mund – Sprache – stotternd: bell, caust, merc, nux-v, stram, …). Es macht ein gurgelndes Geräusch beim Schlucken, hat häufig Schluckauf und erbricht danach.

  • Es neigt zu Anfällen von krampfartigen Magenschmerzen und heftigem Erbrechen grüner oder reiswasserartiger Flüssigkeit. Die Übelkeit ist extrem, schon die kleinste Bewegung führt zum Erbrechen. Lediglich kalte Getränke bringen etwas Erleichterung (→Magen – Übelkeit – Trinken – kaltem Wasser, nach – amel.: phos, puls).

  • Das Abdomen ist hart, heiß und berührungsempfindlich; kolikartige Bauchschmerzen können auf eine Invagination hinweisen (→Abdomen – Intussuszeption: ars, bell, op, plb, verat, …).

  • Schließlich entleert sich profuser, spritzender Durchfall, der grünlich-wässrig (cupr-ars) oder wie Reiswasser aussieht (camph, ph-ac, verat, …).

Praxistipp

Cuprum metallicum ist eines der Mittel bei heftiger Sommer-Diarrhö oder Cholera. Der Kreislauf ist zentralisiert (→Frost – Eisige Kälte des Körpers: ars, camph, carb-v, …), der Puls klein und kaum noch fühlbar. Es droht eine Elektrolytentgleisung oder ein hypovolämischer Schock mit Muskelkrämpfen, Konvulsionen und Nierenversagen (→Nieren – Harnsperre – Cholera, bei: ars, camph, …).

  • Cuprum metallicum ist das erste Mittel bei hämolytisch-urämischem Syndrom (→Kopf – Gehirns, Beschwerden des – begleitet von – Urin, spärlicher: apis, …) und kann bei einer EHEC-Erkrankung (enterohämorragische E. coli) auch prophylaktisch eingesetzt werden.

  • An trockener, kalter Luft wird das Kind heiser und verliert die Stimme (hep, nux-m, thuj). Es neigt zu anhaltenden und heftigen Hustenanfällen mit Glottiskrampf (→Kehlkopf – Zusammenschnürung – Kehlkopf – Husten, beim: cor-r, dros, hyos, …), Erstickungszuständen und sogar Atemstillstand (→Atmung – angehalten – Husten: ant-t, cina, dros, ip, nux-v, …). Es macht sich steif und wird zyanotisch (ip, …). Oft hat es Anfälle mit jeweils drei Hustenstößen (→Husten – anfallsweise – besteht aus – drei Hustenstöße: carb-v, phos, stann). Der Höhepunkt des Hustens ist um 3:00 Uhr morgens (am-c, kali-ar, kali-c, …). Besserung bringen kalte Getränke (caust, coc-c, op, …).

  • Cuprum metallicum ist ein wichtiges Mittel bei Keuchhusten. Das Kind hat Angst vor den Hustenanfällen (nur cupr). Sobald es tief einatmet, beginnt es heftig und ununterbrochen zu husten (→Husten – anfallsweise – ununterbrochen (1): cupr) bis hin zum Krampfanfall (kali-br, meph, …) oder Bewusstseinsverlust (ars, phos, …). Nach dem Anfall ist das Kind zittrig.

  • Zu Asthmaanfällen kommt es durch schnelles Gehen gegen den Wind, durch Lachen und nachts um 3:00 Uhr (chin, kali-c, kali-n, nux-v). Die Atemnot tritt plötzlich auf (→Atmung – Asthma – plötzlichen Anfällen, in: camph, mosch, op, …) und geht mit Gesichtszyanose (stram, tab, …) und Erbrechen einher. In der Brust ist lautes Rasseln oder Gurgeln zu vernehmen.

  • Cuprum metallicum kann angezeigt sein bei Masern, v. a. wenn das Kind nur tagsüber hustet; bei Scharlach und bei Purpura Schönlein-Henoch. Das Kind reagiert rasch und heftig auf allopathische Medikamente.

  • In der Ellenbeuge findet man ein krustiges Ekzem (mez, psor) oder Herpes. Die Fingernägel sind auffallend spröde (graph, psor, …).

Jugendlicher
  • Eine häufige Beschwerde sind migräneartige Kopfschmerzen zwischen den Augen oder an der Nasenwurzel. Ursache ist eine Sinusitis frontalis (→Nase – Katarrh – erstreckt sich zu – Stirnhöhlen: lyc, merc, sil, …) mit verstopfter Nase und wässriger Absonderung (ars, …).

  • Der Jugendliche hustet krampfartig und hat einen metallisch schmeckenden Auswurf (= Histamin; cave beginnendes Asthma!). Häufig leidet er an psychogenem Asthma (→Atmung – asthmatisch – Gemütsbewegungen, nach: acon, coff, gels, ign, …) und einem hyperreagiblen Bronchialsystem mit Dyspnoe durch Husten, Lachen, Treppensteigen und feuchte Witterung.

  • Er neigt zu krampfartigen Magenschmerzen (bell, chin, stann) mit dem Gefühl, er müsse sterben.

  • Eine häufige Klage sind Muskelkrämpfe in Beinen oder Füßen. An kalter Luft nehmen die Hände eine marmorierte Farbe an. Cuprum metallicum ist eines der Mittel bei Epilepsie in der Pubertät (caul, caust, lach, puls, zinc, …).

  • Bei den Mädchen ist die Menarche verzögert; die Monatsblutungen sind stark und werden von einer krampfartigen Dysmenorrhö angekündigt.

Arzneimittelbeziehungen
  • Miasma: akut, Psora

  • Bewährte Folgemittel: apis, ars, bell, calc, caust, cic, hyos, kali-n, puls, stram, verat, zinc

  • Ergänzungsmittel: ars, bell, calc, caust, iod, ip (cupr = chronisches ip), kali-p, lach, laur, op, phos, sec, stram, tereb, verat

  • Antidote: aur, bell, calc, camph, cham, chin, cic, cocc, con, dulc, ferr, hep, ip, merc, nux-v, puls, rhus-t, sacch-o, squil, stram, sulph, verat

Gelsemium sempervirens

#Gelsemium sempervirensGelber Jasmin.
Leitsymptome
  • Erwartungsangst

  • Abneigung gegen Gesellschaft

  • Schwäche auf allen Ebenen (geistig, emotional, körperlich)

  • Muskelschwäche, Paresen

  • Zittern

  • Kopfschmerzen mit Augensymptomen und Schwindel

  • Urinieren bessert alle Beschwerden

Betroffene Organsysteme und Indikationen
  • Organsysteme: Wirkt v. a. auf das zerebrale Nervensystem, Motorik, Augen und Schleimhäute.

  • Indikationen: Indiziert u. a. bei Angst, Diarrhö, Diplopie, Erschöpfungssyndrom, Fieberhafter Infekt, Flugangst, Heuschnupfen, Kopfschmerzen, Luftwegsinfekt, Migräne, Myasthenia gravis, Paresen, Pollinosis, Prüfungsangst, Ptosis, Schlaflosigkeit, Schwindel, Sinusitis, Tremor.

Geist- und Gemütssymptome
  • Mangel an Willenskraft und Selbstvertrauen. Feigheit (am-c, bar-c, lyc, op, …). Gefühl der Überforderung; fühlt sich dem täglichen Leben, seiner Arbeit und seiner Verantwortung nicht gewachsen. Enorme Erwartungsangst. Prüfungsangst (→Gemüt – Furcht – Versagen; vor dem – Prüfungen, bei: aeth, anac, carc, pic-ac, sil, zinc, …). Lampenfieber (→Gemüt – Schüchternheit – Öffentlichkeit, beim Auftreten in der: ambr, plb, sil, …). Furcht vor neuen Aufgaben, vor Verabredungen, vor dem Arztbesuch.

  • Geistige Verlangsamung und Schwäche (→Gemüt – Stumpfheit – Denken – lange denken; kann nicht: bar-c, ph-ac, phos, pic-ac, …). Sitzt unbeweglich, brütet, die Augen geschlossen, aber bei Bewusstsein. Vergesslich. Verwirrt über seine Identität, hält sich für jemand anderen (anac, bapt, petr, …); meint, jemand anderes sei krank. Gefühl, er müsse sich bewegen, damit sein Herz nicht zu schlagen aufhört. Depressionen; Kummer, aber kann nicht weinen (ign, nat-m, …).

  • Furcht zu fallen. Kind klammert sich an die Mutter (borx, cupr-act, stram, …), sucht nach Schutz und Halt, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Höhenangst (→Gemüt – Furcht – hoch gelegenen Orten, vor: arg-n, carc, …). Agoraphobie. Furcht vor Menschenmengen (acon, arg-n, …). Verliert die Stimme und zittert vor Angst, fühlt sich wie gelähmt (arg-n wird eher hektisch und impulsiv). Furcht vor Verlust der Selbstkontrolle (arg-n, staph, …). Gefühl, er kann nichts an seinem Schicksal ändern, wie jemand, der in einem abstürzenden Flugzeug sitzt (Sankaran). Todesangst (→Gemüt – Furcht – Tod; vor dem).

  • Abneigung gegen Kommunikation. Abneigung zu sprechen oder jemanden in der Nähe zu haben, auch wenn dieser nichts sagt. Will alleine sein, seine Ruhe haben (bry, …), nichts hören. Beschwerden durch schlechte Nachrichten.

Allgemeinsymptome
  • Wetter: < (Sommer-)Hitze, Südwind, Wetterwechsel (vor Gewitter).

  • Zeit: 9:00–10:00 Uhr. 21:00 Uhr. Periodizität.

  • Abneigung: Getränke.

  • Seite: Beide Seiten.

  • Schlaf: Schlaflos durch Erschöpfung, Erwartungsangst, Aufregung, Kummer, Zahnung. Will nur bei Licht einschlafen (bell, stram, …). Schlaf leicht, ruhelos nach Mitternacht. Träumt, schwanger zu sein.

  • Schweiß: Klebriger Schweiß am ganzen Körper.

Causa und Modalitäten
  • Causa: Schlechte Nachrichten (calc, …). Erwartungsspannung. Schreck. Furcht. Angst. Ärger. Alkohol. Polio-Impfung.

  • < Gemütsbewegungen wie Furcht, Schock, Überraschung, Erregung. Erwartungsspannung, Prüfungen. Sonne, Hitze, heiß Baden, Sommer, warmer Wind (Föhn), schwüles Wetter, vor Gewitter. Nebel. Frühling. Abwärtsbewegung (borx). Periodizität. Zahnung. 10:00 Uhr vormittags. Tabak.

  • > Profuses Urinieren. Schwitzen. Frischluft. Schütteln. Nachmittags. Konsum von Stimulanzien.

Schwangerschaft und Geburt
  • Schwangerschaft: Erregung und drohender Abort durch schlechte Nachrichten oder seelischen Schock. Schlafstörungen. Schwindel. Doppelbilder. Konvulsionen. Proteinurie.

  • Geburt: Angst, Nervosität und Zittern. Rigider Muttermund. Krampfhafte Wehen, unkoordiniert, uneffektiv, ziehen zum Rücken hinauf. Große Schwäche, Einschlafen oder Ohnmacht zwischen den Wehen.

Neugeborenes

Praxistipp

Erkrankungen in der Neonatalzeit, bei denen Gelsemium nützlich sein kann, betreffen v. a. das zentrale Nervensystem und die Augen.

  • Das Neugeborene behält nach einer Gehirnblutung (acon, bell, cocc, ip, lach, op, …) oder einer neonatalen Meningitis eine Muskelhypotonie (calc, calc-p, caust, cocc, cupr, gels, hell, op, mang, phos nach Pennekamp) und schlaffe oder spastische Lähmungen zurück (→Extremitäten – Lähmung – spastisch: hyper, lach, lath, nux-v, stry, …).

  • Die Nahrungsaufnahme ist erschwert durch die Muskelschwäche, durch eine Schlucklähmung (→Innerer Hals – Schlucken – unmöglich – Lähmung, durch: alum, cocc, nux-m, nux-v, stram, …) oder krampfartigen Schluckauf.

  • Häufig hat das Kind eine Harnverhaltung durch Blasenatonie.

  • Ein auf Gelsemium hinweisendes Symptom ist Zittern verschiedener Körperpartien, etwa des Kiefers (ant-t, cocc, …), der Zunge oder der Extremitäten.

  • Charakteristisch sind Erkrankungen der Augen wie angeborene Ptosis (→Auge – Lähmung – Lider – Oberlid: caust, sep, …), Strabismus (lach, op, …), Nystagmus und Retinopathie mit Netzhautablösung (arn, aur-m, …) bis hin zur Amaurose.

Säugling
  • Er ist ängstlich und schreckhaft (→Gemüt – Angst – Kindern, bei: borx, calc, calc-p, cina, kali-c, …). Bei jeder passiven Bewegung fürchtet er zu fallen und hält sich krampfhaft an der Mutter fest (borx, cupr-act, sanic).

  • Er zittert bei jeder kleinen Erregung (→Allgemeines – Zittern – äußerlich – Erregung – Gemüts, nach Erregung des: cocc, plb, psor, staph, zinc, …). Auch Konvulsionen gehören zum Wirkbereich von Gelsemium.

  • Der Säugling hat eine hypotone Muskulatur und eine schlechte Kopfkontrolle (→Kopf – Halten – hochzuhalten; unfähig, den Kopf: calc-p, op, puls, sil, …).

  • Während der Zahnung bekommt er Fieber und Durchfall und kann nicht mehr schlafen (→Schlaf – Schlaflosigkeit – Zahnung, während der: acon, cham, coff, cypr, mag-c, …).

  • Gelsemium ist ein wichtiges Mittel bei rezidivierendem Fieber (→Fieber – remittierend – Kleinkindern, bei: acon, bell, cham, …). Es eignet sich auch zur flankierenden Behandlung von Komazuständen bei Meningoenzephalitis (→Gemüt – Bewusstlosigkeit – Meningitis, bei: ant-t, apis, hell, verat, …).

  • Die Fontanelle pulsiert heftig (nur gels).

Kleinkind und Schulkind
  • Das Kind ist schüchtern und nervös. Es hat schreckliche Angst vor dem Arztbesuch (→Gemüt – Erwartungsspannung – Zahnarzt; Arzt, vor dem Gang zum: calc, hep, mag-c, phos, tub) und vor Auftritten in der Öffentlichkeit, etwa Vorsingen oder Theaterspielen (→Gemüt – Furcht – Auftreten in der Öffentlichkeit, vor dem: lyc, sil, …). Es reagiert gereizt, wenn es angeblickt, angesprochen oder berührt wird (ant-c, cham, cina, nux-v, sil, …).

  • Seelischer Stress durch Schreck, schlechte Nachrichten, Aufregung oder Kummer hat heftige Reaktionen zur Folge: Das Kind zittert, verliert seine Stimme (acon, op, …), nässt oder kotet ein, bekommt Diarrhö (arg-n, op, puls, verat) und Atemnot (→Atmung – Asthma – Gemütsbewegungen, nach: acon, coff, ign, …). Schlimmstenfalls fällt es in Ohnmacht (→Allgemeines – Ohnmacht – Schreck, nach: acon, ign, nux-v, op, phos, staph, verat) und beginnt zu krampfen (→Allgemeines – Konvulsionen – Erregung, durch: hyos, op, …).

  • Alle Krankheiten entwickeln sich langsam (anders acon, bell: plötzlich und heftig) und sind begleitet von Schwäche, Zittern (→Allgemeines – Schwäche – zittrig: arg-n, con, lach, stann, …), Kopfschmerzen und Schwindel. Das Kind hat einen erschöpften Gesichtsausdruck. Es kann den Kopf kaum heben und lässt die Augenlider herabsinken. Das Sprechen ist erschwert durch eine schwere und zittrige Zunge.

  • Die Koordination der Gliedmaßen ist gestört. Die Schwäche kann bis zu allmählich fortschreitenden Lähmungen gehen (caust). Gelsemium ist daher eines der Mittel bei neuromuskulären Erkrankungen, und sehr wichtig in der Behandlung etwa von Poliomyelitis oder Guillain-Barré-Syndrom.

  • Das Kind klagt über Sehstörungen. Es hat einen Astigmatismus (lil-t, phys, tub) und Akkommodationsstörungen durch Augenmuskelschwäche (→Auge – Lähmung – Augenmuskeln: caust, nux-v, …).

Praxistipp

An Gelsemium muss man denken, wenn Fieber im Sommer oder nach einem Tropenaufenthalt auftritt.

  • Das Fieber ist lang anhaltend und hat seinen Höhepunkt nachmittags zwischen 15:00 Uhr und 17:00 Uhr. Das Kind zittert so stark, dass es festgehalten werden will. Es ist enorm geschwächt und mag nicht sprechen (→Gemüt – Schweigsam – Hitze, während: nux-m, ph-ac, puls, tarent, …); auch Redseligkeit kommt vor (lach, podo, teucr, tub, …).

  • Die Augen sind glasig, die Pupillen verengt; die Lider hängen herab. Das Gesicht ist heiß und dunkelrot, die Handflächen sind heiß und trocken. Das Kind klagt über dumpfen Kopfschmerz, Gliederschmerzen und über ein Kältegefühl den Rücken hinauf und hinunter. Es hat keinen Durst, entleert aber dennoch reichlich wässrigen Urin. Häufig ist es nackensteif. Reichliche Urinproduktion leitet die Besserung ein.

  • Erkältungskrankheiten gehen mit wässrigem Schnupfen einher, der als brennend oder heiß empfunden wird und die Nasenflügel rötet. Vor allem morgens muss das Kind heftig niesen. Gelsemium kann auch bei Heuschnupfen angezeigt sein.

  • Der Schnupfen zieht sich in die Tuben und führt zu Ohrenschmerzen beim Schlucken. Während der Zahnung kommt es zu einer Otitis media. Hinzu treten Halsschmerzen, die in die Ohren ausstrahlen (nux-v, …), und eine Laryngitis: Das Kind wird stimmlos und hustet trocken, mit brennenden Schmerzen im Kehlkopf.

  • Gelsemium ist ein wichtiges Mittel im Anfangsstadium von Masern, bei Masernkrupp und Masernenzephalitis. Es unterstützt das Herauskommen des Masernexanthems wird unterstützt.

  • Bei Scharlach hat das Kind ein hochrotes Gesicht und ist stuporös (ail, apis, lyc, mur-ac, sulph, …).

Praxistipp

Die Schwäche nach akuten Erkrankungen bleibt lange bestehen (→Allgemeines – Genesung, Beschwerden während der – ansteckenden Krankheiten, nach: form-ac, psor, puls, pyrog, sulph, thuj, tub, vario).

  • Gelsemium ist ein wichtiges Mittel bei Enuresis diurna et nocturna (→Blase – Urinieren – unwillkürlich – tagsüber und nachts: arg-n, ars, caust, …). Ursache ist eine Sphinkter-Detrusor-Dyssynergie: Der Harn tröpfelt unbemerkt, das Urinieren ist jedoch trotz Pressen schwierig (→Blase – Urinieren – tröpfelnd – Harnverhaltung, mit: caust, nux-v, …).

Jugendlicher
  • Der Jugendliche hat große Angst vor jeder Verabredung (arg-n, ars, lyc, med, nat-m, sil, thuj, …). Er fühlt sich schwach und leer, seine Gedanken schwinden beim Versuch, sich zu konzentrieren. Bei geistiger Arbeit schläft er ein. Das Sprechen fällt ihm schwer; er spricht verworren und antwortet nur langsam (hell, ph-ac, phos, …). Er fürchtet, das Herz würde zu schlagen aufhören, wenn er sich nicht ständig bewegt.

  • Warmes Wetter führt zu Schwäche und Ohnmacht. Auch jede körperliche Anstrengung hat große Erschöpfung und Schwäche zur Folge (→Extremitäten – Schwäche – Beine – Anstrengung, nach: anac, calc, rhus-t). Die Glieder sind schwach und zittrig, die Beine sind schwer, der Gang ist taumelnd oder schwankend.

  • Häufig sind Sehstörungen Anlass zur Klage. Der Jugendliche sieht nur verschwommen und undeutlich, alle Gegenstände scheinen weit entfernt, Augen und Lider fühlen sich schwer an (caust, con, …).

  • Er leidet an rezidivierenden Kopfschmerzen oder Migräne. Die Schmerzen werden beschrieben als „wahnsinnig machend“ (bell, …) oder „wie mit einem Reifen oder einer Schnur zusammengeschnürt“ (sulph, …). Sie beginnen im Hinterkopf oder in der Zervikalgegend und strahlen nach oben über den Kopf aus, teils bis in die Augen (sil). Vor oder während der Kopfschmerzen treten Augensymptome wie Doppelbilder oder Sehverlust auf (kali-bi), die sich in dem Maße bessern, wie die Kopfschmerzen zunehmen. Weitere Begleitbeschwerden sind Depression und Schwindel im Hinterkopf (sil, …).

    • Auslöser der Kopfschmerzen sind Aufregung, geistige Anstrengung, Alkoholkonsum, Aufenthalt an der Sonne und Sinusitis. Berührung und Bewegung des Kopfes verschlechtern. Besserung tritt ein durch Warmeinhüllen, Hochlagern des Kopfes und Schlafen.

    • Ein Schlüsselsymptom von Gelsemium ist die Besserung des Kopfschmerzes, wenn wässrige Polyurie einsetzt.

  • Der Jugendliche ist sehr infektanfällig im HNO-Bereich. Die Infekte beginnen mit Schüttelfrost und gehen in hohes, anhaltendes Fieber über. Daneben bestehen Kopf- und Gliederschmerzen sowie große Schwäche und Schweregefühl in den Gliedern (calc, nux-v, rhus-t, …). Der wässrige, heiß empfundene Schnupfen steigert sich zu einer Sinusitis mit Niesattacken, Völlegefühl an der Nasenwurzel und dumpfem Kopfschmerz. Es folgt eine Laryngitis mit Heiserkeit oder Aphonie.

  • Heuschnupfen im Frühjahr oder Spätsommer gehören zum Wirkungsbereich von Gelsemium.

  • Die Menses sind selten, spärlich und von heftiger Dysmenorrhö mit Ausstrahlung in Rücken und Hüften begleitet. Eigentümliches Symptom ist Fluor bei Studentinnen (nur gels).

Arzneimittelbeziehungen
  • Miasma: akut, Sykose

  • Bewährte Folgemittel: bapt, calc, cact, ip

  • Ergänzungsmittel: arg-n, sep

  • Unverträglich mit: atro, op

  • Antidote: arg-n, atro, bell, chin, coff, dig, nat-m, nux-m, nux-v, op, puls, sep. Käse, Stimulanzien

Graphites

Reißblei. Natürlich vorkommendes Graphit#Graphites enthält Kohlenstoff, Kieselsäure, Eisen, Mangan und andere Spurenelemente.
Leitsymptome
  • Unentschlossenheit

  • Kleinigkeiten erscheinen wichtig

  • Fettleibigkeit; Essen bessert

  • Mangel an Lebenswärme

  • Verdickungen, Verhärtungen

  • Exkoriationen und Risse der Haut

  • Milchschorf

  • Obstipation ohne Drang

  • Abneigung gegen Fisch

  • Linke Seite

Betroffene Organsysteme und Indikationen
  • Organsysteme: Wirkt v. a. auf Haut, Verdauungssystem, Schleimhäute und Kreislauf.

  • Indikationen: Indiziert u. a. bei Adipositas, Ekzem, Herpes, Impetigo, Intertrigo, Mukotympanon, Obstipation, Otitis externa und media, Psoriasis.

Geist- und Gemütssymptome
  • Unentschlossen (→Gemüt – Unentschlossenheit – Kleinigkeiten, um: ars, bar-c, lyc, symph, …). Angst vor den Folgen einer Entscheidung. Sitzt Probleme aus, kommt zu keiner Antwort; bis er nicht mehr zu antworten braucht. Unselbstständig, ohne Initiative. Schüchtern.

  • Unwesentliches erscheint wichtig. Erzählt Details, aber kann sie nicht ordnen. Verzweifelt durch Kleinigkeiten, kein Blick für das Wesentliche. Ist sich unsicher über die Bewertung der Dinge, z. B. infolge eines häufig abwesenden Vaters (Grandgeorge). Schnell verunsichert und beeinflusst durch jede Außenwirkung. Einfach strukturiert, kann nicht abstrakt denken. Kann nichts für sich behalten. Sympathetisch, warm, offen, sensibel.

  • Aufgeregt und ängstlich durch Kleinigkeiten (→Gemüt – Kleinigkeiten scheinen wichtig: hep, nux-v, …). Erwartet immer und überall Schwierigkeiten. Furcht, ein Unglück könnte geschehen (med, nux-v, psor, …). Furcht besser durch Weinen. Beschwerden durch Streit zwischen den Eltern oder Freunden. Beschwerden durch Erwartungsspannung (arg-n, gels, …).

  • Konzentration schwierig, v. a. schlechtes Kurzzeitgedächtnis. Dumpf, langsam. Auch: Intelligent, aber faul. Lacht über Nebensächliches; lacht über Vorwürfe. Ruhelos im Sitzen bei der Arbeit (ars).

  • Weinerlich aus kleinem Anlass, beim Hören von Musik (ambr, nat-c, …), bei einem Streit. Traurig, niedergeschlagen. Weint aus Unsicherheit (puls um Aufmerksamkeit zu bekommen), nach Angst (kali-c, kali-i, phos, spong, …). Weinen bessert (lyc, med, puls, …).

Allgemeinsymptome
  • Wetter: Eher frostig, selten auch warmblütig. Schlechter durch Wärme, Bettwärme und warme Getränke.

  • Zeit: morgens beim Erwachen.

  • Verlangen: Junkfood: Hähnchen, Pommes, Ketchup, Currywurst. Kalt trinken. Heiße Milch. Nagender Hunger, muss häufig essen.

  • Abneigung: Fleisch, schon beim Daran-denken. Fisch, Suppe. Salziges. Süßes. Warme Speisen.

  • Seite: Links. Von links nach rechts. Diagonal rechts oben und links unten.

  • Schlaf: Schlaflos bis Mitternacht: Muss immer an dasselbe denken. Redet im Schlaf, spricht ängstlich. Angstträume von Gespenstern oder Unglück. Furcht beim Erwachen aus einem Traum. Tagsüber schläfrig und unausgeruht.

  • Schweiß: morgens am Brustbein. Schweiß kalt, sauer riechend, färbt die Wäsche gelb (lach, merc, …). Übelriechender, wund machender Fußschweiß. Schwitzt meist nur vorne am Körper.

Causa und Modalitäten
  • Causa: Unterdrückung von Ausschlägen oder Absonderungen. Furcht. Kummer. Anforderungen. Impfung (→ Ekzem). Überanstrengung (körperlich, geistig).

  • < Kälte. Überhitzung. Hunger. Bettwärme. Wind. Morgens beim Erwachen. Nachts. Leerer Magen. Menses (und danach). Licht. Unterdrückte Ekzeme. Musik.

  • > Frischluft. Heiße Milch. Essen. Aufstoßen. Berührung. Weinen.

Schwangerschaft und Geburt
  • Morgenübelkeit. Krampfadern. Wehenschwäche. Erschöpft nach der Entbindung, erholt sich nur langsam.

  • Das Stillen ist schmerzhaft durch Fissuren in den Brustwarzen.

Neugeborenes
Es kommt mit einer Hydrozele (apis, iod, puls, rhod, sil, …) zur Welt und entwickelt sehr rasch ein heftiges seborrhoisches Ekzem am Kopf, hinter den Ohren und im Genitalbereich.
Säugling
  • Der Säugling hat sehr großen Appetit, ist geradezu verfressen. Nach dem Essen ist er mürrisch (borx, kali-c, nat-m, nux-v, puls, …), sein Bauch ist schmerzhaft aufgetrieben (→Abdomen – Schmerz – Essen – nach: staph, verat, …). Manchmal erbricht er sofort nach dem Trinken (ant-c, ars, bry, sanic, sil, …). Das Aufstoßen ist schwierig (arg-n, con, nux-v, …), aber führt schließlich zur Erleichterung (arg-n, carb-v, kali-c, lyc, …).

Praxistipp

Graphites ist angezeigt bei heftiger „Baby-Akne“ oder wegen schuppigem und krustigem Milchschorf mit dickem, klebrigem und honiggelbem Sekret, das nach dem Eintrocknen gelbliche Kristalle bildet. Auch andere Stellen sind von Ekzem befallen, v. a. die Mundpartie, die Ohren und die Brustwarzen. Die Haut ist an den befallenen Stellen dick, hart, rau und rissig.

  • Er ist meist verstopft, der Stuhl ist groß oder knotig und mit Schleim bedeckt (alum, mag-m, …). Nach dem Stuhlabgang sickert oft noch klebrige Feuchtigkeit aus dem Anus.

  • Häufig kommt es zur Windeldermatitis mit Hautausschlägen um den Anus (calc, caust, hep, nat-m, nit-ac, petr, sulph, …) und Exkoriation in der Gesäßfalte (kreos, nit-ac, sep, sulph, …).

  • Die Augenlider sind gerötet, und das Baby ist morgens sehr lichtscheu. Auch eingewachsene Zehennägel sind ein charakteristischer Befund (→Extremitäten – Nägel – eingewachsene Zehennägel: m-aust, sil, teucr, …).

Kleinkind und Schulkind
  • Das Kind ist reizbar, v. a. wenn es angesprochen wird (cham, iod, …). Es neigt zu Zornausbrüchen und Unverschämtheiten (→Gemüt – Unverschämtheit: lyc, plat, verat, …). Es lacht, wenn es getadelt wird. Andererseits ist es unentschlossen und feige, ängstlich und weinerlich.

  • Schulprobleme resultieren aus Trägheit, Langsamkeit und Unruhe bei der Arbeit. Das Kind tut sich schwer beim Rechnen (nux-v, …), Sprechen und Schreiben (lach, lyc, thuj, …).

  • Es ist in der Regel adipös, wirkt aber kräftig und robust (calc: schlaff, pastös). Der Gesichtsausdruck ist abwesend (→Gesicht – Ausdruck – abwesend: camph, mang, …).

  • Es hat häufig Gerstenkörner (→Allgemeines – Krankengeschichte von; persönliche – Augen – Gerstenkörner, von wiederkehrenden: con, psor, sil, sulph, …), ein rissiges Lidekzem oder eine chronische Blepharitis mit starker Empfindlichkeit gegen Sonnenlicht (→Auge – Photophobie – Sonnenlicht: acon, chin, sulph, …).

  • Die Haut sieht ungesund aus; sie ist trocken, rissig, hart und schrundig (ant-c, fl-ac). Durch Kratzen beginnt sie zu nässen. Wunden heilen schlecht und neigen zur Eiterung.

Praxistipp

An allen möglichen Stellen kann sich ein atopisches Ekzem manifestieren, insbesondere an den Gelenkbeugen (nat-m, psor, sep, sulph, …), hinter den Ohren und am Skrotum (crot-t, petr, rhus-t, …). Meist ist das Ekzem feucht und klebrig.

  • Ein möglicher Auslöser für in atopisches Ekzem ist der Kontakt mit Heu.

  • Im Winter (calc, carbn-s, petr, sep, sulph, …) kommt es an den Haut-Schleimhaut-Grenzen zu schmerzhaften Fissuren: An Lidern und Augenwinkeln (ant-c, lyc, nat-m, sulph, …), um die Nasenlöcher (ant-c, aur, petr, …), an Lippen und Mundwinkeln (arum-t, cund, nit-ac, sil, …).

  • Die Entstehung von Analfissuren (carc, cham, nit-ac, rat, sep, thuj, …) wird begünstigt durch eine hartnäckige Obstipation (→Rektum – Obstipation – Kindern, bei: calc, lyc, nux-v, op, …) mit großem, hartem und meist schleimbedecktem Stuhl. Stuhldrang fehlt häufig (→Rektum – Obstipation – Stuhl – bleibt lange im Rektum, ohne Stuhldrang: calc, op, sil, …).

  • Es besteht eine starke Infektanfälligkeit. Streptokokkeninfekte können dickes, übelriechendes und wund machendes klebriges Ohrsekret (→Ohr – Absonderungen – Scharlach, nach: carb-v, lyc, psor, …) mit Schalleitungsschwerhörigkeit hervorrufen (→Hören – Schwerhörig – Scharlach, nach: carb-v, lyc, sulph, …). Das Trommelfell ist von einer weißlichen Membran bedeckt oder geschwollen, mit erweiterten Blutgefäßen.

Jugendlicher
  • Nachdem der Heranwachsende die Schule mit großen Schwierigkeiten gemeistert hat, hat er Probleme bei der Berufswahl (→Gemüt – Unentschlossenheit: bar-c, …; →Gemüt – Furcht – Geschäft, vor dem: lil-t). Charakteristisch ist eine traurige Grundstimmung während der Pubertät (ars, calc, hell, lach, nat-m, …).

  • Als sollte der Kummer heruntergeschluckt werden, besteht eine ständige Neigung zum Schlucken (caust, merc-c, sep, …) wie durch Krämpfe im Hals. Eine häufige Beschwerde sind Magenschmerzen, die sich durch Essen oder durch Trinken heißer Milch bessern.

Praxistipp

Der Jugendliche ist übergewichtig und präsentiert das Bild einer Hypothyreose mit Trägheit, Obstipation und trockener Haut.

  • Im Gesicht hat er das Gefühl von getrocknetem Eiweiß oder einer Spinnwebe. Auch das Haar ist trocken und spröde, mit Haarausfall besonders an den Seiten oder Alopecia areata (→Kopf – Haar – Kahlköpfigkeit – Flecken, in: calc, hep, phos, …). Ein sonderliches Symptom ist Kopfschweiß nach dem Haarewaschen (→Kopf – Schweiß – Waschen, nach: nur graph, dreiwertig).

  • Neben den beschriebenen Hautbeschwerden findet man verkrüppelte, eingewachsene Nägel (caust, nit-ac, sep, sil, thuj, …), verdickte Zehennägel (sec), schmerzhafte Fissuren an den Fingerspitzen (petr, sars, …), Schwielen an Handflächen und Fußsohlen (ant-c, sulph), stinkenden, wund machenden Fußschweiß und Wundheit zwischen den Oberschenkeln.

  • Weitere typische Beschwerden sind postoperative Verwachsungen, Narbenkeloide (fl-ac, sil, …), Psoriasis, Tinea, Urtikaria und Herpes-simplex-Infektionen. Charakteristisch sind auch Ohrgeräusche.

  • Die Mädchen wirken maskulin (fl-ac), ihre Menarche ist verzögert (caust, kali-c, nat-m, phos, puls, senec, …). Die Menses kommen unregelmäßig und eher spät (→Weibliche Genitalien – Menses – spät, zu – Pubertät, in der: caust, dros, kali-c, lach, lyc, nat-m, puls, sulph, …), mit Dysmenorrhö (→Weibliche Genitalien – Menses – schmerzhaft – Mädchen, bei – jungen Mädchen; bei: apis, calc-p, cocc).

Arzneimittelbeziehungen
  • Miasma: Psora und Sykose

  • Folgt gut auf: calc, lyc, puls, sep, sulph

  • Gute Folgemittel: euphr, nat-s, sil

  • Ergänzungsmittel: arg-n, ars, calc, caust, ferr, hep, lyc, puls, sulph, tab, tub

  • Antidote: acon, ars, chin, nux-v

Helleborus niger

#Helleborus nigerSchwarzer Nieswurz, Christrose.
Leitsymptome
  • Hirnerkrankung (Tumor, Ödem, Trauma, Entzündung)

  • Gleichgültigkeit, Apathie, Stupor

  • Gestörte Sinneswahrnehmung

  • Automatismen

  • Konvulsionen

  • Ödeme

  • < Kälte

  • < 16–20 Uhr

Betroffene Organsysteme und Indikationen
  • Organsysteme: Wirkt v. a. auf Gemüt, Gehirn, Nerven, Häute (seröse, Schleimhäute), Muskeln.

  • Indikationen: Indiziert unter anderem bei Ataxie, Depression, Enzephalitis, Gedächtnisschwäche, Hirnödem, Hirntumor, Koma, Kopfverletzung, Leukämie, Meningitis, Migräne, Nephritis, Nierenversagen, Quincke-Ödem.

Geist- und Gemütssymptome
  • Stupor oder Koma während akuter Krankheiten (z. B. Meningitis, Enzephalitis, Hirnödem, Commotio, Hydrozephalus, Hirntumor [v. a. frontal], Gastroenteritis). Das scheinbar bewusstlose Kind antwortet, wenn es angesprochen wird, der Stupor kehrt jedoch schnell wieder (arn, bapt, hyos, …). Bewusstlosigkeit wechselt mit Konvulsionen. Keine vorausgehende Erregtheit wie bei Zincum, kein produktives Delirium wie bei Belladonna, Stramonium. Reibt sich die Stirn; zupft an Lippen oder Bettzeug.

  • Wahrnehmung eingeschränkt (→Gemüt – Sinne – abgestumpft, stumpf: nux-m, op, …). Er sieht und hört, Eindrücke kommen aber nicht ins Bewusstsein. Wie betäubt; alles wie verschwommen; starrt gedankenlos. Versteht nicht, muss lange überlegen (wenn dies chronisch wird: bar-c); wiederholt erst die Frage, bevor er antwortet (ambr, caust, kali-br, sulph, zinc). Antwortet langsam (→Gemüt – antworten – denkt lange nach: cocc, ph-ac, phos, …). Muss sich auf alles, was er tut, bewusst konzentrieren. Erlebt die Außenwelt als so schmerzhaft, unangenehm oder schockierend, dass er sich komplett vor ihr verschließt.

  • Apathie. Völlig passiv; gleichgültig gegen äußere Eindrücke, gegen Vergnügen (nat-m, op, sulph, …), gegen Leiden (op, stram, …). Extreme Unentschlossenheit (bar-c, op, …). Abneigung gegen Gesellschaft (→Gemüt – Gleichgültigkeit – geliebte Personen, gegen: phos, sep, …).

  • Gedächtnisschwäche. Vergisst, was er gelesen, getan, gesagt hat (cann-i, med, nux-m, …). Weiß nicht mehr, was er sagen wollte (bar-c, …). Alle Dinge wirken wie neu. Weiß nicht, wo er ist. Geistige Behinderung nach Hirnblutung.

  • Angst um sich selbst, versteht nicht, was mit ihm los ist. Hilflos, hoffnungslos. Impuls zu fliehen, springt plötzlich aus dem Bett. Angst mit Schaudern (nur hell dreiwertig). Schreckliche Phantasien im Bett, in der Dunkelheit.

  • Automatismen einer Körperseite (Arm oder Bein): Die andere Körperhälfte gelähmt. Kopfrollen, Kaubewegungen. Starrer Blick.

  • Depression, Schuldgefühle. Traurigkeit mit Verzweiflung (agn, plat, sars). Sitzt einfach da und tut nichts, sagt nichts. Unbewusstes Seufzen. Mag weder essen noch sprechen. „Hysterische Manie durch Selbstanklage“. Meint, er handle falsch, er sterbe an einem bestimmten Tag. Suizidgedanken. Starkes Gefühl der Isolation. Beneidet andere, wenn sie glücklich sind (→Gemüt – Traurigkeit – glücklich sind – wenn er sieht, dass andere: cic, helon). Trost verschlimmert, will nicht gestört werden (→Gemüt – Zorn – Unterbrechung, durch: cham, cocc, nux-v, sulph, …).

Allgemeinsymptome
  • Wetter: Frostig. Kälte verschlechtert. Frost breitet sich von den Armen her aus.

  • Zeit: abends 16–20 Uhr (alum, lyc, …). Winter.

  • Verlangen: Mageres Fleisch. Brot, Butterbrot. Alkohol. Heftiger Durst. Trinkt im Stupor gierig kaltes Wasser (wird aber nicht wach dabei). Durstlos bei Frost und Schweiß. Beißt in den Löffel.

  • Abneigung: Apfel, Obst. Gemüse, Sauerkraut, grüne Speisen. Fett, fettes Fleisch.

  • Seite: Automatismen auf der einen, Paralyse auf der anderen Seite.

  • Schlaf: Flach; leicht weckbar. Oder soporös und nicht oder nicht völlig weckbar. Stöhnt, schreit (→Gemüt – Schreien – Kindern, bei – Schlaf, im: apis, kali-br, puls, sulph, …) und fährt hoch. Liegt mit angezogenen Beinen, Kopf ins Kissen gebohrt (apis, zinc, …). Muskelzuckungen, Zähneknirschen. Cri encéphalique.

  • Schweiß: Kalter Schweiß im Gesicht.

Causa und Modalitäten
  • Causa: Unterdrücktes Exanthem. Commotio cerebri, Geburtstrauma. Meningitis. Hirntumor. Zahnung. Furcht, Kummer, enttäuschte Liebe.

  • < Kälte. 16–20 Uhr. Pubertät. Zahnung. Anstrengung. Berührung. Unterdrückung. Zimmer voller Menschen.

  • > Wärme. Ruhe. Denken an die Beschwerden.

Schwangerschaft und Geburt
Schwangerschaftsübelkeit, schlimmer beim Anblick von Speisen oder auch beim Essen. Proteinurie, Ödeme, Eklampsie.
Neugeborenes
  • Helleborus ist ein wichtiges Mittel beim neurogenen Apathiesyndrom des Neugeborenen mit Muskelhypotonie und Trinkschwäche (→Kopf – Gehirn – Beschwerden des – begleitet von – Appetitverlust (1): hell; →Allgemeines – Schwäche – lähmungsartig: ars, gels, ph-ac, phos, …).

  • Grunderkrankungen sind Hirnödem (→Kopf – Ödem – Gehirns, des: cupr-ar, nat-s), Hydrozephalus, Meningitis oder Schädelverletzungen. Charakteristische Begleitsymptome sind gerunzelte Stirn oder Augenbrauen (lyc, …), kalte Haut (→Haut – Kälte – Konvulsionen, bei den: oena, camph, verat, …) und Ödeme (→Haut – Schwellung – wassersüchtig: ars, chin, sulph, …).

  • Helleborus muss auch erwogen werden bei muskulärer Hypertonie und Neugeborenenkrämpfen (→Allgemeines – Konvulsionen – angeboren: kali-br, verat).

Säugling

Praxistipp

Helleborus ist indiziert bei schweren Erkrankungen, die mit Bewusstseinstrübung oder Koma einhergehen (→Schlaf – komatös – anhaltend – Woche, eine ganze (1): hell) – im Säuglingsalter v. a. bei Sepsis (→Fieber – Continua – Bewusstlosigkeit, vollständige: hyos, op, ph-ac, …) oder Meningoenzephalitis (→Kopf – Bewusstlosigkeit – Meningitis, bei: apis, gels, hydr-ac, rhus-t, …).

  • Der Säugling liegt auf dem Rücken mit angezogenen oder gespreizten Beinen. Er blickt starr zur Seite oder nach oben, runzelt die Stirn und entwickelt Automatismen wie Kopfrollen (→Kopf – Bewegungen des Kopfes – Rollen des Kopfes – Meningitis, bei: zinc), Kaubewegungen oder monotone Bewegungen von Lippen und Zunge. Das Gesicht ist aufgedunsen und kaltschweißig.

  • Jede Aufregung kann einen Krampfanfall hervorrufen (→Allgemeines – Konvulsionen – Zorn, nach – Säuglingen, bei: cham, puls, …), typischerweise auf einer Körperseite, begleitet von Hypotonie oder Paresen auf der anderen Seite (→Allgemeines – Konvulsionen – eine Seite – Lähmung auf der anderen Seite: stram, …). Der Körper fühlt sich dabei eiskalt an (→Allgemeines – Konvulsionen – Kälte, mit – Körpers, des: oean, camph, nicot, verat, …). Die Krampfanfälle wechseln ab mit tiefem Schlaf oder Bewusstlosigkeit (→Gemüt – Betäubung – Konvulsionen – zwischen den Anfällen: bufo, cic, hyos, op, oena, …).

  • Auch neurologische Beschwerden, die während der Zahnung auftreten (→Kopf – Gehirns, Beschwerden des – Zahnung, während: bell, cham, zinc, …) lassen an Helleborus denken: Krampfanfälle, Strabismus (alum, gels, stram, tub) oder Erkrankungen mit Hirndrucksymptomen (→Kopf – Ödem – Gehirns, des – drohend – Zahnung, während: apis, tub, zinc).

  • Die Zahnung geht mit großer Reizbarkeit (cham, rheum, …) und heftigem Speichelfluss einher (helon, merc, nat-m, sil). Beim Trinken gluckert es laut im Ösophagus (ars, cupr, …). Trotz übervoller Blase geht kein Urin ab (→Blase – Lähmung – Überdehnung, nach: acon, caust, …).

Kleinkind und Schulkind
  • Helleborus hat seinen Wirkungsschwerpunkt im neurologischen Bereich. Der allmähliche Krankheitsbeginn, die fortschreitende Schwäche und die neurologischen Ausfälle machen es zu einem Mittel bei der Behandlung von Hirntumoren. Es lindert Erbrechen durch Hirndruck (→Magen – Erbrechen – Hirntumoren, durch: apis, bell, cocc, zinc, …) und bessert neurologische Folgen von Hirnoperationen und Schädelverletzungen.

  • Auch die Therapie von Meningitis und Enzephalitis kann mit Gaben von Helleborus begleitet werden – speziell bei der basalen Meningitis mit Hirnnervenbefall durch Borrelien, Meningokokken oder Tuberkulosebakterien (→Kopf – Entzündung – Gehirn – Gehirnbasis: cupr-cy, tub, verat-v, …). Charakteristisch ist die Fiebercontinua mit Schüttelfrost und Stupor oder Bewusstlosigkeit (bapt, carb-v, hyos, mur-ac, op, ph-ac, zinc, …), unterbrochen von Stöhnen, Knurren und Cri encéphalique (→Gemüt – Schreien – Cri encéphalique: apis, zinc, …). Die Pupillenreaktion ist träge, die Augen sind nach oben oder seitwärts verdreht (→Augen – verdreht – oben, nach – Fieber, während (1): hell).

  • Das Kind ist unruhig und entwickelt Automatismen (→Gemüt – Gesten, Gebärden, macht – automatisch: anh, cic, nux-m, phos, stram, verat, zinc, …): Es runzelt die Stirn (→Gesicht – gerunzelt – Stirn – Stirnrunzeln – Gehirns, bei Symptomen des: grat, stram), bohrt den Kopf ins Kissen oder rollt ihn hin und her, zupft sich an der Nase (→Nase – Zupfen – Nase, an der – ständiges Verlangen – Gehirns, bei Erkrankungen des: cina, con, sulph) und bewegt die Zunge von einer Seite zur anderen. Der Kiefer hängt herab (→Gesicht – Lähmung – Unterkiefer: op, …) oder macht Kaubewegungen. Auch die Extremitäten bewegen sich unwillkürlich, evtl. nur auf einer Körperseite (→Extremitäten – Bewegung – unwillkürlich – ein Arm und ein Bein: apoc, cocc).

  • Das Kind ist krampfbereit. Es knirscht mit den Zähnen, schlägt die Daumen ein (→Extremitäten – Kontraktion von Muskeln und Sehnen – Finger – Daumen: cupr, …) und zieht bei passiver Bewegung oder Berührung krampfartig die Beine an. Schließlich kommt es zum Krampfanfall (→Allgemeines – Konvulsionen – Kindern, bei: bell, ign, op, stram, zinc, …). Der Anfall ist durch Erschrecken oder Geräusche zu unterbrechen (nur hell). Danach folgt tiefer Schlaf.

Praxistipp

Helleborus ist indiziert bei Kindern mit geistiger Behinderung (→Gemüt – Idiotie: bar-c, bufo, calc-p, hyos, tub, …). Das Kind ist sehr ungeschickt und taumelig und lässt bei leichter Irritation alles fallen. Es schreit zornig, wenn man es unterbricht und sich mit ihm beschäftigen will (→Gemüt – Zorn – Unterbrechung, durch: cham, dulc, nux-v, …).

  • Das Gesicht ist blass und verquollen, der Blick ist müde und stumpf. Die Augen sind eingesunken und nur halb geöffnet. Lippen und Mundwinkel sind trocken und rissig, auch die Zunge ist trocken. Das Kind zupft ständig an den Lippen (arum-t, …) oder steckt die Finger in den Mund (calc, cham, ip, sacch, …). Es hat Aphthen, Speichelfluss (merc, merc-c, …) und schrecklichen Mundgeruch.

  • Das Epigastrium ist aufgetrieben; es gurgelt im Bauch wie von Wasser, gefolgt von kolikartigen Bauchschmerzen mit großer Schwäche und klebrigem Schweiß im Gesicht. Schließlich entleert sich farbloser zäher Schleim (→Stuhl – farblos: hell einziges Mittel, dreiwertig).

  • Helleborus kann bei Quincke-Ödem (→Gesicht – Schwellung – ödematös: apis, medus, …), Aszites und Hydrothorax (→Brust – Wassersucht: apis, apoc, ars, bry, …) nützlich sein. Es ist ein wichtiges Mittel bei nephrogener Wassersucht, etwa infolge von Exanthemerkrankungen wie Purpura Schönlein-Henoch oder Scharlach (→Allgemeines – Wassersucht – äußere Wassersucht – Scharlach, nach: apis, ars, aur-m, lach, ter, …). Über Oligurie und Anurie gerät das Kind ins Nierenversagen (→Gemüt – Koma – Urämie: am-c, carb-ac, morph, op, …). Es atmet seufzend, richtet sich im Bett auf und ringt mit geöffnetem Mund nach Luft (→Brust – Wassersucht – begleitet von – behinderter Atmung: am-c, ars, carb-v, …).

  • Helleborus heilt Kopfschmerzen nach Masern (puls, …) und kommt bei Ungeimpften zur Prophylaxe von Tetanus infrage (→Allgemeines – Tetanus – Prophylaxe gegen: arn, hyper, led, …).

Jugendlicher
  • Der Jugendliche leidet unter Konzentrationsstörungen und kann nur mühsam und verlangsamt denken. Er antwortet langsam und unter großer Anstrengung. Wenn er sich nicht ganz bewusst auf eine Handlung konzentriert, ist er unbeholfen und ungeschickt. Er fühlt sich so gelähmt, dass er kaum seine Gefühle wahrnimmt. Dann wieder hat er ein solch wildes Gefühl im Kopf, dass er ihn schütteln muss. Beim Versuch, sich zu konzentrieren, runzelt er die Stirn. Auch Kopfschmerzen gehen mit gerunzelter Stirn einher.

  • Die Mädchen neigen in der Pubertät zu Traurigkeit und Verzweiflung. Heimweh, Liebeskummer oder Durchnässung führen zur Amenorrhö.

Arzneimittelbeziehungen
  • Miasma: Psora, Sykose (akut + sykotisch = Typhus-Miasma nach Sankaran)

  • Bewährte Folgemittel: art-v, bell, bry, lyc, merc, nux-v, puls, rhus-t, sep

  • Ergänzungsmittel: apis, bar-c, nat-m, phos, sulph, zinc

  • Antidote: ars, camph, cham, chin, dig, ign, mez, par, phos, stann, stram, verat

Hepar sulfuris

#Hepar sulfurisUnreines Kalziumsulfit (Kalkschwefelleber). Austernschale, mit Schwefelblüte geröstet.
Leitsymptome
  • Emotional überempfindlich und verletzlich

  • Heftig wegen Kleinigkeiten

  • Feuer (Furcht vor; Träume von; Pyromanie)

  • Äußerst empfindlich gegen Schmerzen, Druck, Berührung

  • Kälte verschlechtert

  • Schmerzen stechend, splitterartig

  • Eiterungsneigung

  • Stinkende Absonderungen

  • Drüsenschwellungen

  • Verlangen nach Saurem, Essig

Betroffene Organsysteme und Indikationen
  • Organsysteme: Wirkt v. a. auf Nervensystem, Bindegewebe, Schleimhäute, Drüsen, Gelenkbeugen.

  • Indikationen: Indiziert u. a. bei Abszessen, Akne, Asthma, Bronchitis, Ekzem, Krupp, Otitis purulenta, Pneumonie, Sinusitis, Tonsillitis.

Geist- und Gemütssymptome
  • Überempfindlich gegen alle äußeren Eindrücke, gegen Schmerzen (acon, cham, coff, …), Berührung, Kälte. Bewusstlos durch Schmerzen (nux-m, valer, …). Großes Leiden und Jammern durch kleine Beschwerden. Kann schreckliche Dinge weder hören noch sehen (Unfall, Blut etc.), fühlt sich betroffen.

  • Schutzlosigkeit und Verwundbarkeit. Hat keine Schranke gegen Dinge, die von außen auf ihn einwirken. Furcht vor Verletzungen (→Gemüt – Furcht – verletzt zu werden: arn, …), Unfällen (Zahnarzt, Bienenstich etc.). Krankhafte Angst um seine Gesundheit, um die Gesundheit von Verwandten (→Gemüt – Angst – Gesundheit, um die – Verwandten, von: ars, phos, …). Schreckliche Visionen von Feuer (bell, calc, puls, …) und Toten. Sucht Schutz, verlangt nach Gesellschaft. Alles schlechter, wenn alleine.

  • Impulsiv. Impuls zu töten, wenn er ein Messer in der Hand hat (→Gemüt – Töten – Messer – mit einem Messer: alum, hyos, lyc, merc, nux-v, stram, …). Pyromanie (→Gemüt – Feuer – anzünden, möchte Dinge: bell, …). Streitsüchtig, zornig, könnte platzen vor Wut (→Gemüt – Zorn – Kindern, bei: acon, carc, cham, cina, lyc, phos, …). Grob, wenn er sich in seiner Sicherheit bedroht fühlt. Gewalttätig bei Schmerzen (→Gemüt – heftig – Schmerzen, durch: aur, cham, …).

  • Nervöse Erregung. Große Eile beim Sprechen, beim Essen (caust, sul-ac, plat, …).

  • Depression bis hin zu Selbstmordgedanken. Sitzt, muss heftig weinen, ist stundenlang traurig. Unzufrieden, nichts gefällt ihm, hat an allem und jedem etwas auszusetzen (→Gemüt – unzufrieden – immer: merc, lach, nit-ac). Lacht selten, kann sich über nichts freuen.

Allgemeinsymptome
  • Wetter: Extrem empfindlich gegen Kälte und Zugluft, v. a. gegen trockene Kälte und kalten Wind (bell, nux-v, rhus-t, spong, …).

  • Zeit: nachts.

  • Verlangen: Saure Speisen. Essig (kali-m, nat-m, sep, …). Fett. Gewürze. Senf. Kartoffeln. Hering. Süßes. Tee. Warme Speisen und Getränke.

  • Abneigung: Fett. Butter. Kräftiger Käse.

  • Seite: Rechts.

  • Schlaf: Fährt hoch beim Einschlafen. Schlaf unerquicklich. Träumt von Feuer, springt aus dem Bett und schreit um Hilfe.

  • Schweiß: Profus bei kleinster Anstrengung; sauer, kalt, klamm, übelriechend. Schwitzt, aber will zugedeckt sein.

Causa und Modalitäten
  • Causa: Medikamente (Antipyretika, Eisen). Splitterverletzung. Kälte. Unterdrückter Zorn. Streit. Saures Essen oder Trinken.

  • < Trockene Kälte, kalter Wind oder Zugluft. Winter. Abdecken oder Entblößen. Druck oder Berührung (Liegen auf der schmerzhaften Stelle). Lärm. Anstrengung. Nachts.

  • > Wärme, warm trinken, warme Umschläge (v. a. am Kopf). Feuchtes Wetter (bry, caust, nux-v, …).

Schwangerschaft und Geburt
  • Schwangerschaft: Harnverhaltung in der Schwangerschaft.

  • Geburt: extrem schmerzhaft, Wehen unerträglich. Nach der Entbindung Haarausfall. Mastitis, Mammaabszess.

Säugling
  • Er ist schlecht gelaunt (→Gemüt – mürrisch – Kindern, bei: ant-c, cham, cina, …) und lacht so gut wie nie (nur ars dreiwertig). Er ist überempfindlich gegen verschiedenste äußere Einflüsse wie Kälte, Zugluft, Lärm. Bei Schmerzen schreit er untröstlich.

  • Der ganze Körper riecht sauer (mag-c, rheum, …). Füße und Hände sind kalt und feucht (→Extremitäten – Schweiß – Füße – kalt: bar-c, calc, lyc, puls, …). Der Kopf ist bedeckt von kaltem Schweiß und einem berührungsempfindlichen Ekzem (staph, nit-ac). Auch um Mund und Kinn treten Hautausschläge auf, im Genitalbereich ein feuchter Windelausschlag (→Männliche Genitalien – Exkoriation – Skrotum: ars, calc-p, sulph, thuj, …).

  • Charakteristisch sind eitrige Entzündungen. Das Baby hat eine heftige Konjunktivitis mit Chemosis und Lidschwellung, ein Panaritium (→Extremitäten – Nagelgeschwür: apis, myris, sil, …) und eitrige Komplikationen am Nabel (→Abdomen – Abszess – Bauchwände: rhus-t, sil, sulph).

  • Meist besteht eine Obstipation (calc, lyc, nux-v, op, …). Der Stuhl geht schwierig ab, obwohl er weich ist. Er riecht sauer oder käsig.

Kleinkind und Schulkind
  • Das Kind ist ein eher heller Hauttyp mit gelblicher Gesichtsfarbe und schlaffem Bindegewebe. Trotz großer Kälteempfindlichkeit schwitzt es profus. Der Schweiß riecht sauer.

Praxistipp

An Haut und Schleimhäuten treten Entzündungen mit eitriger Absonderung auf. Das Sekret riecht sauer oder nach altem Käse.

  • Charakteristisch ist eine Otitis media (→Ohr – Entzündung – Mittelohr: apis, bell, cham, dulc, ferr-p, lyc, merc, puls, sulph, …) mit stinkender grüner Otorrhö, die zu Wundsein der Ohrmuschel führt. Der Schmerz wird schlimmer an kalter Luft, im Bett und beim Gähnen oder Schneuzen, er bessert sich durch warmes Einhüllen (→Ohr – Schmerz – warm – Bett, Bettwärme agg. – Einhüllen amel; und warmes: cham, dulc, mag-p, sep, …). Es droht eine Mastoiditis (→Ohr – Entzündung – Felsenbein: aur, caps, phos, sil, …). Nicht selten bildet sich ein chronischer Paukenerguss mit Hörschwäche.

  • Das Kind hat v. a. in der kalten Jahreszeit eine „Rotzglocke“ mit gelblichem, übelriechendem Schnupfen. Bei Abkühlung, etwa beim Kaltwerden der Hände, muss es niesen.

  • Es hat adenoide Vegetationen und eine massive Tonsillenhyperplasie; die Tonsillen berühren sich fast. Häufig kommt es zu einer eitrigen Tonsillitis (→Innerer Hals – Entzündung – Tonsillen – wiederkehrend: bar-c, tub, …) mit stinkendem Foetor ex ore und massiver zervikaler Lymphknotenschwellung. Sprechen, Gähnen und Schlucken von Speichel rufen starke Schmerzen hervor. Komplikationen sind Peritonsillarabszess (bar-c, merc, sil, …) oder Lymphknotenabszesse. Hepar sulfuris kann auch bei Scharlachnephritis angezeigt sein (→Allgemeines – Wassersucht – äußere Wassersucht – Scharlach, nach: apis, ars, aur-m, hell, lach, ter, …).

  • Das Kind hat eine schlechte Wundheilung (→Haut – Heilt schlecht: calc, caust, graph, psor, sil, …) mit anhaltenden Eiterungen (→Allgemeines – Reaktion – Mangel an – Eiterungen, bei: calc-f) und Bildung von Abszessen. Die Beschwerden reichen vom Panaritium (meist an der Nagelwurzel) über Impetigo bis hin zum Furunkel und zur Fistelbildung. Alle Hauterscheinungen sind extrem berührungs- und kälteempfindlich.

  • Hepar sulfuris ist eines der Hauptmittel bei rezidivierendem Krupp (→Allgemeines – Krankengeschichte von; persönliche – Krupp, von wiederkehrendem: calc, calc-s, lyc, phos). Nach Aufenthalt in kalter Luft oder kaltem Wind wacht das Kind vor Mitternacht (acon, spong) oder gegen Morgen (nur hep) auf, hustet bellend, atmet pfeifend oder würgend, schnappt nach Luft, fasst sich an die Kehle und wird zyanotisch. Um atmen zu können, legt es den Kopf nach hinten. Der Kehlkopf ist sehr schmerzhaft.

  • Der Husten ist zunächst heiser und trocken, später v. a. morgens locker und rasselnd. Er wird durch kalte Luft, durch geringstes Entblößen oder kalte Getränke verschlimmert. Das Kind weint vor oder während des Hustens (arn, bell, bry, cina, …).

  • Die Unterdrückung von Hautausschlägen führt zu Asthma bronchiale (→Atmung – Asthma – Hautausschlägen, nach unterdrückten: ars, carb-v, ip, psor, puls, sulph, …). Die Atemnot bessert sich an feuchter Luft, daher sind Inhalationen sehr hilfreich.

  • Das Kind ist eher obstipiert. Der Stuhl riecht sauer oder nach altem Käse und ist weißlich gefärbt (calc, phos, podo, …).

  • Die Haut an Händen und Füßen ist rissig, die Nägel sind hart. Die Unterlippe ist in der Mitte eingerissen (→Gesicht – rissig – Lippen – Unterlippe – Mitte der: am-c, cham, chin, nat-c, nat-m, nux-v, ph-ac, phos, puls, sep, …), auch im Mundwinkel bilden sich Risse.

Jugendlicher
  • Der Jugendliche ist reizbar und extrem empfindlich. Er ist äußerst verfroren. Entblößt er irgendeinen Körperteil, fröstelt er und muss niesen. Ein kurzer Aufenthalt in kaltem Wind kann zu komplettem Verlust der Stimme führen. Um bei kalter Witterung nicht Kopfschmerzen zu bekommen, trägt er eine Kopfbedeckung.

  • Seine Kopfhaut ist überempfindlich, sogar das Kämmen ist schmerzhaft. Auch das Zahnfleisch ist empfindlich und blutet bei leichter Berührung.

  • Er hat eine starke Disposition zu Eiterprozessen. Besonders leidet er unter einer heftigen Akne, die zu Narbenbildung führt.

  • Alle Entzündungen gehen mit stechenden Schmerzen einher wie durch scharfe Splitter (arg-n, kali-c, nat-m, nit-ac, sil, …) oder eine Gräte. Typische Erkrankungen sind Zahnwurzelabszesse (sil, …), eitrige Sinusitis oder Tonsillitis (bar-m, merc, sil, …). Beim Schlucken oder Gähnen strahlt der Halsschmerz bis ins Ohr aus. Warme Getränke bessern (ars, lyc, …).

Arzneimittelbeziehungen
  • Miasma: Psora, Sykose und Syphilis

  • Folgt gut auf: acon, arn, bell, lach, merc (bei Tonsillitis), spong (bei Krupp)

  • Bewährte Folgemittel: abrot, acon, am-c, arn, arum-t, bell, bry, calend, iod, lach, merc, nit-ac, nux-v, puls, rhus-t, sil, spong, sulph, zinc

  • Gute Mittelfolgen: aconsponghep und merchepsil

  • Ergänzungsmittel: bell, calc, calc-p, calend (bei Verletzungen), graph, iod, lach, merc, psor, sil, spong, sul-ac

  • Unverträglich mit: calc, iod, kali-i, nit-ac

  • Antidote: acet-ac, am-m, ars, bell, calend, cham, iod, iodof, kali-i, merc, sil. Pflanzliche Säuren

Hyoscyamus niger

#Hyoscyamus nigerSchwarzes Bilsenkraut.
Leitsymptome
  • Eifersucht, Misstrauen

  • Aggressive Verhaltensstörungen

  • Albern

  • Schamlosigkeit, Masturbation

  • Zupft an allem herum, gestikuliert

  • Zähneknirschen

  • Nervöser Husten

  • Tics und Krampfanfälle

Betroffene Organsysteme und Indikationen
  • Organsysteme: Wirkt v. a. auf Gemüt, Gehirn, Nervensystem, Muskulatur und Blut.

  • Indikationen: Indiziert u. a. bei Aggressivität, Eifersucht, Enkopresis, Enuresis, Epilepsie, Fieber, Fieberkrampf, Husten, Hyperaktivität, Meningitis, Strabismus, Stuhlverhaltung, Tics und Verhaltensstörungen.

Geist- und Gemütssymptome
  • Misstrauen, Paranoia. Fürchtet beim Essen oder Trinken, man könnte ihn vergiften (lach, rhus-t, …). Weigert sich, seine Medizin einzunehmen (lach, stram, …). Meint, man wolle ihn verraten; man habe ihm alles genommen, jetzt muss er seinen Besitz in Sicherheit bringen. Trifft seine Maßnahmen. Abneigung gegen Licht und Gesellschaft (Verlangen danach: stram).

  • Gierig, muss alles berühren. Greift gierig nach Dingen, die man ihm anbietet (nur hyos). Wahnidee, er komme immer zu kurz (→Gemüt – Wahnidee – Unrecht erlitten; er habe: carc, lach, lyss, naja, …).

  • Lächerliches Verhalten. Närrisches, lautes, anhaltendes Lachen (→Gemüt – Lachen – anhaltend: cann-i, verat, zinc, …); lacht über alles (→Gemüt – lächerlich; Dinge erscheinen: nux-m, stram, tarent, …). Laut, schwatzhaft, albern. Hält sich für den Besten. Wahnidee, er sei gesund (apis, arn, iod, op, …). Gibt Geheimnisse preis – von sich selber jedoch nichts.

  • Erotische Manie: Küsst jeden (croc, phos, plat, stram, verat, …), entblößt die Genitalien (nur hyos), spielt mit ihnen, masturbiert. Führt obszöne Reden, schockiert andere. Nur von Instinkten, Impulsen, spontanen Bedürfnissen geleitet. Liegt nackt im Bett und schwatzt, nässt ein oder kotet ein.

  • Eifersüchtig bis hin zu Gewalttaten (→Gemüt – Eifersucht – Raserei, mit: lach). Wünscht dem anderen den Tod. Holt sich Aufmerksamkeit direkt und aggressiv; beschimpft seine Eltern (lyc, nat-m, nux-v, tarent, …), spricht mit jedem Wort lauter. Nimmt Rache, intrigiert (lach, verat, …), hetzt auf. Kränkt vorsätzlich, macht andere lächerlich, äfft sie nach, lacht sardonisch (bell, caust, cupr, oena, stram, …).

  • Gewalttätig. Plötzliches Aufbrechen des Unbewussten. Fehlende Impulskontrolle, fehlende moralische Hemmschwelle. Schlägt, schimpft, flucht, stampft mit den Füßen vor Wut, ballt die Fäuste, beißt jeden, der ihn stört (nur hyos), bellt und knurrt wie ein Hund. Raserei, muss gefesselt werden (bell, stram, tarent, …), läuft Amok (→Gemüt – Töten, Verlangen zu – jeden, den er sieht: aids). Schlägt auch sich selber, schlägt seinen Kopf gegen die Wand (bell, tub, …).

  • Panik. Furcht v. a. (calc, lyc, puls, …), vor Hunden (bell, chin, stram, …), vor Wasser (lyss, stram, …), vor Menschen, vor dem Alleinsein. Keine Angst im Dunkeln im Gegensatz zu Stramonium. Sprachlos nach Schreck (→Mund – Sprache – Verlust der Sprache – Schreck, nach (1): hyos). Viele Wahnideen: Sieht Tiere, Schlangen (abel, lac-c, …), Tote, Geister, Teufel. Versucht zu fliehen (bell, …), springt plötzlich aus dem Bett.

  • Stupor, passive Manie, Delirium. Kaum zu wecken. Erkennt Verwandte nicht (→Gemüt – Erkennt – nicht; erkennt – Verwandten nicht; erkennt seine eigenen: bell, lach, merc, op, stram, verat, …). Zwangsvorstellungen, starrt auf Muster, versucht sie zu ordnen. Führt Selbstgespräche (→Gemüt – Sprechen – sich selbst, mit: aur, mag-c, staph, …). Sitzt herum und murmelt; spricht mit Abwesenden (chlol, stram). Setzt sich aus dem Liegen plötzlich auf, legt sich dann wieder hin. Automatismen; unfreiwillige, eckige Bewegungen, lächerliche Gesten. Greift nach eingebildeten Gegenständen (stram, …), zupft an seinen Kleidern, seinen Genitalien. Spielt mit seinen Fingern.

Allgemeinsymptome
  • Wetter: Kälte verschlechtert. Verfroren, aber auch Hitzewallungen.

  • Zeit: nachts. Winter.

  • Verlangen: Unverdauliches. Käse.

  • Abneigung: Flüssigkeiten (trotz Durst), Wasser (nux-v, lyss, staph, stram, …), Alkohol.

  • Seite: Diagonal: rechts oben, links unten.

  • Schlaf: Zuckungen beim Einschlafen. Mag nicht zugedeckt werden, schläft nackt. Kopf nach hinten gebeugt. Schlaflosigkeit oder sehr unruhiger Schlaf (→Schlaf – ruhelos – Kindern, bei: cina, jal, …). Lacht, schluchzt, seufzt, fährt erschreckt auf, setzt sich hin und schreit, ohne wach zu werden, schläft dann weiter. Zähneknirschen. Träumt von Hexen und Teufeln.

  • Schweiß: Im Schlaf. Reichlich während der Menses.

Causa und Modalitäten
  • Causa: Liebeskummer. Eifersucht. Schreck. Erlittenes Unrecht. Tadel. Furcht. Unfallverletzung. Masern.

  • < Emotionen, v. a. Eifersucht. Nachts. Kälte. Menses. Berührung.

  • > Aufsitzen. Bewegung. Bücken oder gebeugtes Gehen. Wärme.

Schwangerschaft und Geburt
  • Schwangerschaft: Schlaflosigkeit. Zuckungen im Gesicht, Konvulsionen, Eklampsie.

  • Geburt: Schwäche und Reizbarkeit während Entbindung. Muttermund krampfhaft kontrahiert. Nach der Entbindung Diarrhö mit unwillkürlichem Stuhl und Harnverhaltung. Puerperalmanie mit Schreien und Konvulsionen.

Neugeborenes

Praxistipp

Hyoscyamus ist ein Mittel, das flankierend bei schweren Erkrankungen des Neugeborenen eingesetzt werden kann (→Allgemeines – heftige Beschwerden: acon, bell, cham, lach, stram, …), oder auch bei Kindern, die an Folgen der unten genannten Erkrankungen leiden

  • Schwere Neugeborenenerkrankungen, bei denen Hyoscyamus indiziert sein kann:

    • Postpartale Anpassungsstörungen mit Asphyxie (ant-t, camph, laur, op, …)

    • Mekoniumaspiration (→Brust – Atelektase: ant-t)

    • Lungenödem (→Brust – Ödem – Lunge, der: ant-t, ars, lach, …)

    • Traumatische oder hypoxisch bedingte Hirnblutungen (→Kopf – Gehirnblutung: acon, bell, cocc, gels, ip, lach, op, …) mit Koma (→Allgemeines – Ohnmacht – Verletzung – Gehirnerschütterung, durch (1): hyos) und Entwicklung eines Hydrozephalus (→Gemüt – Bewusstlosigkeit – Hydrozephalus, bei: apis, hell, …)

    • Neugeborenenkrämpfe mit nachfolgenden Paresen (→Allgemeines – Konvulsionen – Lähmung – mit: caust, nux-v, phos, rhus-t, …)

    • Schluckstörungen durch Spasmen des Ösophagus (bapt, bar-c, …)

    • Sepsis mit Meningitis (→Fieber – Continua – zerebral: apis, bapt, bry, gels, lach, op, phos, rhus-t, stram, …)

    • Akutes Nierenversagen (→Niere – Harnsperre – Fieber, mit: ars, bell, op, stram, …)

  • Das Abdomen des Neugeborenen ist tympanitisch aufgetrieben mit Abwehrspannung.

  • Gelegentlich findet man eine Urachusfistel (→Abdomen – Absonderung aus dem Nabel – Urin (1): hyos), des Öfteren eine Harnverhaltung (→Blase – Harnverhaltung – Kindern – Neugeborenen, bei: acon, apis, ars, camph, caust, lyc, …).

Säugling
  • Nach traumatischer Geburt weist das Baby neurologische Symptome auf wie Hyperexzitabilität (→Gemüt – Auffahren – Schreck, wie durch: bell, kali-c, nat-m, stram, …), Krampfanfälle oder Paresen. Der Muskeltonus ist erhöht (bell, cic, cupr, nux-v, stram, stry-p, … nach Pennekamp), das Kind liegt überstreckt (→Rücken – Opisthotonus: bell, cic, cupr, op, nux-v, stram, stry, …). Es zeigt Automatismen und konvulsivische Bewegungen, schleckt mit der Zunge hin und her (cupr, lach, sulph) und wischt sich über das Gesicht, als wolle es etwas fortwischen.

  • Es ist ein ausgesprochenes Schreikind (→Gemüt – Weinen – Kindern, bei: borx, cham, jal, lyc, puls, rheum, …). Die Eltern berichten von heftigen Schreiattacken mit Aufstoßen, Würgen und Erbrechen. Das Abdomen ist aufgetrieben und schmerzhaft bei Berührung. Das Kind hat außergewöhnlich viel Schluckauf, insbesondere nachts und nach den Mahlzeiten. Es würgt beim Trinken (nat-m, …). Während der Zahnung muss es häufig erbrechen.

  • Buben haben häufige Erektionen (→Männliche Genitalien – Erektionen – häufig: calc-p, lach, merc, phos, zinc nach Lamothe).

Kleinkind und Schulkind
  • Die Geburt eines Geschwisterkindes mit dem vermeintlichen Verlust der Mutter hat extreme Eifersucht und starken Eigensinn zur Folge (calc, cham, cina, tub, …). Das Kind macht mit allen erdenklichen Mitteln auf sich aufmerksam: Es kaspert herum (→Gemüt – Possen: bell, merc, phos, …), weigert sich zu essen (ph-ac, tarent, verat, …), schimpft, gebraucht obszöne Worte (→Gemüt – unanständig – Sprache: bell, lil-t, nux-v, stram, …) und wird aggressiv oder autoaggressiv – im Unterschied zu Lachesis jedoch nicht diktatorisch. Es ist habgierig und greift nach allem, was die anderen haben.

  • Meist tauchen auch Symptome aus der Sexualsphäre auf: Schamlosigkeit, Masturbation (→Männliche Genitalien – Masturbation – exzessiv – bei jeder Gelegenheit (1): hyos) und überhandnehmende „Doktorspiele“. Kleine Mädchen setzen sich gern bei fremden Männern auf den Schoß (→Gemüt – umarmt jeden: croc, plat, stram, verat, …; →Gemüt – Nymphomanie: orig, plat, …).

  • Emotionaler Stress durch Aufregung, Eifersucht oder Bestrafung löst Einkoten oder Einnässen aus (→Rektum – unwillkürlicher Stuhl – Erregung, durch: syc). Nach einem Schreck verliert das Kind die Stimme (→Kehlkopf – Stimme – verloren – Schreck, durch: acon, gels, op) oder sogar die Sprache (→Gemüt – Aphasie – Furcht, nach: cupr).

  • Das Schulkind ist oft geistesabwesend und starrt Gegenstände an, ohne sie richtig wahrzunehmen. Es macht Fehler beim Lesen (carc, lach, lyc, merc, sil, …). Die Augen sind empfindlich, das Kind meidet Licht (stram verlangt nach Licht).

  • Hyoscyamus ist ein häufiges Mittel bei der Behandlung geistig behinderter und autistischer Kinder. Das Kind fällt durch albernes Lachen und sexuelle Erregung auf. Es masturbiert selbst in der Öffentlichkeit (bufo nur unbeobachtet), greift sich ständig an die Genitalien, schaukelt hin und her, uriniert oder defäkiert auf den Boden (cupr, sulph) und isst seinen eigenen Stuhl (→Gemüt – Fäzes – schluckt seinen: camph, verat, …).

  • Es hat Koordinationsstörungen: Die Bewegungen wirken eckig (stram eher graziös), es stolpert beim Gehen, läuft wie betrunken, die Füße weit auseinander, mit unkoordinierten Bewegungen der Arme.

  • Auch bei Stottern, Tics und Automatismen kann Hyoscyamus angezeigt sein. Das Kind rollt mit den Augen, grimassiert, zupft an Dingen herum, rollt oder schüttelt den Kopf hin und her und macht choreatiforme Bewegungen. Bei Wutanfällen oder im Schlaf knirscht es mit den Zähnen (→Zähne – Zähneknirschen – Raserei, bei: bell, stram, …), beim Sprechen beißt es sich auf die Zunge (ign). Es bekommt einen Speiseröhrenkrampf beim Anblick von Wasser, verschluckt sich leicht und lässt Flüssigkeit durch die Nase wieder austreten (→Innerer Hals – Flüssigkeiten kommen beim Schlucken in die Nase: arum-t, lac-c, lach, …).

  • Hyoscyamus ist indiziert bei Schlaflosigkeit geistig behinderter Kinder (→Schlaf – Schlaflosigkeit – Geisteskranken, bei: bell, lach, manc, op, tarent).

  • Es ist als Zusatzmedikation in Betracht zu ziehen bei Enzephalitis oder Meningitis (→Kopf – Entzündung – Hirnhaut, der: bell, hell, stram, zinc, …) sowie als Notfallmittel bei Contusio cerebri (→Allgemeines – Ohnmacht – Verletzung – Gehirnerschütterung, durch (1): hyos). Charakteristisch ist schrilles Schreien (→Gemüt – Schreien – Cri encéphalique: apis, cham, hell, kali-br, zinc, …).

  • Hyoscyamus ist ein wichtiges Mittel bei Epilepsie. Die Krampfanfälle treten aus dem Schlaf heraus oder in Form von Sturzanfällen auf; sie sind charakterisiert durch Schreien (→Gemüt – Schreien – Konvulsionen – epileptisch: bufo, cic, cupr, nux-v, oena, …), Zyanose, Zähneknirschen und Schaum vor dem Mund.

  • Fieberhafte Erkrankungen gehen mit Strabismus, Doppelbildern und Fieberkrämpfen (→Allgemeines – Konvulsionen – Hitze, während: bell, cic, cina, ferr-p, nux-v, stram, …) einher. Die Haut ist im Fieber trocken, heiß und so überempfindlich, dass das Kind keine Kleidung toleriert. Hyoscyamus lindert auch Beschwerden durch Sonnenbrand (→Allgemeines – Sonne – Sonnenbrand: bell, puls, …).

Praxistipp

Charakteristisch ist ein nervöser Husten, schlimmer im Liegen (→Husten – nervös – Liegen, beim: nur hyos dreiwertig).

  • Der Husten ist hackend, von einer trockenen Stelle im Larynx her, schlimmer nach Mitternacht, an kalter Luft, beim Essen, Trinken und Sprechen. Das Kind muss sich aufsetzen, wird rot im Gesicht, hustet krampfhaft in kurzen, schnell aufeinander folgenden Anfällen und würgt schließlich dünnflüssig-wässriges Sekret heraus.

  • Auch Keuchhusten oder Masern können diese Art von Husten hervorrufen. Der Husten kann sich zu einer hochfieberhaften Pneumonie steigern (→Fieber – Continua – Lungenentzündung, bei: bry, phos, …).

  • Hyoscyamus kann bei Scharlach und bei Nebenwirkungen von Belladonna angezeigt sein.

Jugendlicher
  • Der Jugendliche ist verhaltensauffällig. Er ist redselig, wechselt ständig das Thema, fabuliert und hält Monologe über religiöse Themen. Seine Sprache ist affektiert (lach, …) oder provokativ und grob. Dabei gestikuliert er wie ein Schauspieler.

  • Er hat eindeutig manische Züge und neigt zu wahnhaften Störungen: Er fühlt sich bedroht, ist äußerst misstrauisch und will alles ganz genau wissen. Er weigert sich auch, Medikamente einzunehmen.

  • Er erzählt gerne Zoten und singt unanständige Lieder (verat, …). Dahinter stecken oft Verzweiflung und Eifersucht durch enttäuschte Liebe. Die Frustration kann sich zu Tobsuchtsanfällen steigern. Das sexuelle Verlangen ist deutlich vermehrt, bei Mädchen auch schon vor der Pubertät (nur hyos).

  • In der Schule gibt es große Probleme mit der Disziplin. Zwar liebt der Jugendliche geistige Anforderungen, doch lässt seine Konzentration am Nachmittag deutlich nach (→Gemüt – geistige Beschäftigung – unmöglich – nachmittags: fago, sil). Dann schläft er bei der geringsten geistigen Anstrengung ein (ars, kali-c, nux-v, …). Er schläft sehr tief, kommt morgens nicht aus dem Bett und könnte tagelang schlafen. Am liebsten schläft er nackt.

  • Die Luftwege sind trocken, wie roh. Typisch ist ein nervöser Kitzelhusten im Liegen mit Gefühl, als sei die Uvula zu lang. Der Husten lässt sich aber unterdrücken und wird dadurch sogar besser (→Kehlkopf und Trachea – Reizung – Kehlkopf – Husten – Unterdrücken des Hustens amel.: ign).

  • Eine häufige Beschwerde ist Reiseübelkeit mit Erbrechen (→Magen – Erbrechen – Fahren im Wagen, beim: carb-ac, cocc, petr, tab, …).

  • Neurologische Krankheitsbilder sind Tics, Konvulsionen und Koordinationsstörungen.

Arzneimittelbeziehungen
  • Miasma: akut, Psora

  • Folgt gut auf: bell, nux-v, op, rhus-t

  • Bewährte Folgemittel: bell, phos, puls, stram, verat

  • Ergänzungsmittel: bell, cupr-ac, eup-per

  • Unverträglich mit: acet-ac, am-br, arn, bell, camph, chin, stram. Essig, Wein, Zitronensäure

Ignatia amara

Ignatia amara#Ignatia amara (Strychnos ignatii), Ignatiusbohne. Enthält Strychnin. Verwendet wird der getrocknete, reife Samen.
Leitsymptome
  • Beschwerden durch stillen Kummer, enttäuschte Liebe, verletzte Gefühle

  • < Trost; Abneigung gegen Trost

  • > Körperliche Anstrengung und Reisen

  • Hysterie

  • Wechselhafte Stimmung

  • Wechselhafte und widersprüchliche Symptome

  • Unwillkürliches Seufzen oder Schluchzen

  • Globusgefühl im Hals, Schluckstörungen

  • Krampfartige Beschwerden

  • Abneigung gegen Obst

  • Schweiß im Gesicht beim Essen

Betroffene Organsysteme und Indikationen
  • Organsysteme: Wirkt v. a. auf Nervensystem, Sensorium und Atemwege.

  • Indikationen: Indiziert u. a. bei Analprolaps, Asthma, Depressionen, Epilepsie, Essstörungen, Hysterie, Kopfschmerzen, psychosomatischen Beschwerden, Tic.

Geist- und Gemütssymptome
  • Hohe Ideale und Erwartungen. Pflichtbewusst, genau in Kleinigkeiten (→Gemüt – gewissenhaft: ars, lyc, nat-c, puls, sil, staph, sulph, thuj, …). Kritisch, verträgt keinen Widerspruch (→Gemüt – Zorn – Widerspruch, durch: aur, ferr, lyc, sep, …), erwartet Perfektion. Widerspruch zwischen Wunsch und Realität, leidet an der Unvollkommenheit der Welt (→Gemüt – Beschwerden – moralische Erregung, durch: acon, bell, ph-ac, phos, staph). Romantische Liebe, setzt alle Emotionen auf einen Partner (→Gemüt – Wahnideen – Ehe – verheiratet, er sei (1): ign). Heimliche Liebesbeziehung.

  • Beschwerden durch Kummer (ambr, aur, caust, lach, nat-m, ph-ac, phos, staph, …), Liebeskummer, Zurückweisung, Enttäuschung (→Gemüt – Beschwerden – Enttäuschung – neue: nur ign; alte: nur nat-m), Eifersucht, Heimweh (caps, ph-ac, …), Unfall oder Tod eines nahen Menschen. Kummer durch lange zurückliegende Beleidigungen (cham, op, staph, …). Essstörung durch Ärger oder Kummer: Fettsucht, Bulimie, Anorexie (→Gemüt – Essen – weigert sich zu: hyos, kali-m, ph-ac, tarent, verat, viol-o, …).

  • Stiller Kummer; spricht nicht über seine Probleme, klagt nicht (→Gemüt – Milde – Klage, erträgt Leiden ohne (1): ign). Kann nicht weinen, wenn er traurig ist (nat-m, …). Seufzt unwillkürlich (calc-p, ferr-m, hell; fehlt bei nat-m), brütet. Versucht, die Tränen zurückzuhalten. „Tapfer“ – dann verzweifeltes Weinen und Schluchzen. Lehnt Trost ab (nat-m, sep, …). Will alleine sein, wenn er weinen muss (con, nat-m, …).

  • Überempfindlich, bricht schnell zusammen (→Gemüt – Wahnideen – ruiniert, er sei: calc, verat). Empfindlich selbst gegen freundliche Ermahnungen (→Gemüt – empfindlich – Vorwürfe, gegen: calc-sil, carc, coloc, med, staph, …); gegen Streit. Reagiert hysterisch auf Tadel. Fühlt sich schnell angegriffen und beleidigt (→Gemüt – Wahnideen – beschimpft worden, er sei: cham, pall, puls, staph, …). Beleidigt durch frühere Beleidigungen (staph, …). Nachtragend (→Gemüt – verweilt – vergangenen unangenehmen Ereignissen, bei: lyc, nat-m, …).

  • Hysterie. Stimmung labil und widersprüchlich (→Gemüt – Stimmung – veränderlich: lyc, nux-m, puls, sars, zinc, …). Hysterisch nach vergeblichen Versuchen, die Gefühle zu kontrollieren: Hemmungslos erregt, macht eine Szene (nux-v). Lacht unwillkürlich (cann-i, nat-m, tarent, …), krampfhaft, laut, hysterisch. Verlangt zu reisen, Besserung durch Reisen. Gemütssymptome abwechselnd mit körperlichen Symptomen. Hysterische Lähmungen, Konvulsionen, Ohnmacht. Schluckt ständig, beißt sich in die Wange (caust, cic, nit-ac, …). Zuckungen um den Mund.

  • Braucht und gibt Zuwendung (→Gemüt – liebevoll: caust, nux-v, phos, puls, sil, staph, …) und Aufmerksamkeit. Wirkt emotional warm und sympathetisch (Gemüt – Mitgefühl: carc, caust, nux-v, phos, …). Kontaktfreudig, redselig, spontan (arg-n, puls, …) – aber: Trost verschlimmert (nat-m, sep, sil, syph, …).

  • Ängste: Furcht vor Vögeln, vor Spinnen, in engen Räumen, vor Räubern beim Erwachen um Mitternacht. Furcht vor Näherkommen, Berührung, Untersuchung, Ärzten.

Allgemeinsymptome
  • Wetter: Kälteempfindlich. Besserung am warmen Ofen (ars, hep, mag-p, nux-v, rhus-t, sil, …).

  • Zeit: 3:00 Uhr. Morgens bis 11:00 Uhr. Periodizität – täglich um dieselbe Stunde (cedr, chinin-s, …), alle zwei Wochen.

  • Verlangen: Unverdauliches wie Erde, Kalk, Stifte. Kräftiger Käse. Obst. Rohkost. Tomaten. Brot. Butter. Unbestimmtes Verlangen: Weiß nicht worauf, weist Angebotenes zurück (bry, cham, cina, puls, …).

  • Abneigung: Obst. Milch. Warme Speisen. Fleisch.

  • Schlaf: Gliederzucken beim Einschlafen. Liegt auf dem Rücken, die Hände unter dem Kopf. Unruhig (→Schlaf – ruhelos – Kindern, bei: cina, jal, …), Schluck- und Kaubewegungen, Schluckauf, Zähneknirschen, Stampfen mit den Füßen, Schlafwandeln. Erwacht mit durchdringendem Schrei und zittert am ganzen Leib. Sich wiederholende Albträume.

  • Schweiß: Im Gesicht, besonders beim Essen (nat-m, sulph). Schwitzige Handflächen (dulc, sep, sil, sulph, …).

Causa und Modalitäten
  • Causa: Schock. Kummer. Zorn (mit stillem Kummer). Enttäuschung. Tod einer nahen Person. Eifersucht. Tadel.

  • < Emotionen wie Kummer, Schock, Sorgen, Enttäuschung. Trost. Kälte. Gerüche. Berührung. Körperliche Anstrengung. Lärm. Kaffee. Tabakgeruch. Süßigkeiten.

  • > Weinen. Alleinsein. Reisen. Körperliche Anstrengung. Tief Atmen. Wärme. Druck. Lagewechsel. Rückenlage. Während des Essens. Saure Speisen.

Schwangerschaft und Geburt
  • Schwangerschaft: In der Vorgeschichte eingebildete Schwangerschaften. In der Schwangerschaft seelische Belastung durch Kummer, Angst oder Zorn. Schlaflosigkeit. Blutungen, Abortus imminens. Neuralgien. Schluckauf.

  • Geburt: Traurigkeit und Schwäche. Uneffektive, „falsche“ Wehen, rigider Muttermund, protrahierte Entbindung. Nach der Entbindung Gefühlsausbrüche mit Seufzen und hysterischem Lachen oder Weinen. Milchmangel durch Erregung oder Kummer.

Neugeborenes
  • Das Kind ist gestresst durch eine protrahierte Geburt (→Weibliche Genitalien – Entbindung – während, Beschwerden – langsam: bell, nat-m, …).

    • Es ist hyperexzitabel, zittrig oder krampfbereit, mit eingeschlagenen Daumen (→Extremitäten – gezogen – innen, nach – Daumen: bufo, camph, cupr, lach, …).

    • Seine Atmung ist unregelmäßig (→Allgemeines – Cheyne-Stokes-Atmung: camph, cupr, hydr-ac, laur, op, …).

  • Der Schlaf ist äußerst unruhig, das Kind gähnt viel (→Schlaf – Gähnen – Kindern, bei: cham), zuckt beim Einschlafen zusammen und streckt sich immer wieder steif aus (→Allgemeines – steifes Ausstrecken des Körpers: cham, cina, cupr, ip, phos, stram, …).

Praxistipp

Findet sich neben diesen Symptomen eine Kummersituation während der Schwangerschaft, so kann Ignatia das Kind besser als jedes andere Mittel ins Gleichgewicht bringen.

Säugling
  • Einige Merkmale lassen bereits im Säuglingsalter an Ignatia denken, v. a. die sehr wechselhafte Stimmung und Erregbarkeit. Das Baby schreit in abruptem Wechsel mit Lachen, oder es ist erst überdreht-hysterisch und dann plötzlich zornig (→Gemüt – Zorn – abwechselnd mit – Hysterie (1): ign).

Praxistipp

Es schreit, wenn man sich ihm nähert (→Gemüt – schreien – nähert, wenn sich jemand dem Bett (1): ign). Beim Erwachen schreit es so stark, dass es zittert. Es lässt sich nur schwer beruhigen und schluchzt noch lange in sich hinein.

  • Während der Mahlzeit schwitzt es im Gesicht (kali-p, nat-m, sulph). Eine Wange ist gerötet (→Gesicht – Farbe – rot – eine Seite: cham, puls, …) und heiß, die Augen sind entzündet (→Auge – Entzündung – Kindern; bei – Kleinkindern, bei: arg-n, calc, puls, thuj, …). Die Zahnung ist schwierig und geht mit Diarrhö oder mit Konvulsionen (calc, cham, kali-br, …) einher.

  • Kaffeegenuss der Mutter führt zu starker Unruhe und Verdauungsstörungen (→Abdomen – Schmerz – Kaffee – nach: cham, nux-v, …).

Kleinkind und Schulkind
  • Das Kind ist brav und gewissenhaft, aber anspruchsvoll – wie eine kleine Prinzessin. Seine Stimmung ist sehr wechselhaft: Beim geringsten Widerspruch wird es reizbar und sogar so zornig, dass es seine Kleider zerreißt (tarent, verat, …).

  • Es ist schnell beleidigt oder bekümmert, etwa durch den Verlust von Gegenständen (nur ign) oder durch Heimweh (fehlt bei nat-m). Es ist kaum zu trösten. Hat es aufgehört zu weinen, schluchzt oder seufzt es anhaltend (→Gemüt – Seufzen – Weinen an; hält lange nach: nur ign).

  • Es ist sehr schüchtern und hat große Furcht vor dem Arztbesuch (→Gemüt – Furcht – Ärzten, vor: arn, phos, stram, …). In der Schule ist es pflichtbewusst, aber hastig, und macht dadurch Fehler. Es hat ein eigentümliches Symptom: Aus Angst vor Fehlern wagt es nicht, so schnell zu schreiben wie es möchte.

  • Aufregung kann Spasmen oder Tics (→Gemüt – Gesten – Tics, nervöse: agar, arg-n, carc, caust, cupr, sep, verat, zinc) zur Folge haben. Durch Schreck (calc, hyos, op, …) Tadel oder Bestrafung (→Allgemeines – Konvulsionen – Bestrafung, nach: cham, cupr, …) kann der typische respiratorische Affektkrampf mit Luftanhalten und Wegbleiben ausgelöst werden.

Praxistipp

Auch Fieberkrämpfe (nux-v, stram, …), Absencen und Epilepsie gehören zum Mittelbild von Ignatia.

  • Die Krampfanfälle treten immer um dieselbe Uhrzeit auf, v. a. beim Erwachen (→Allgemeines – Konvulsionen – Schlaf – tiefem Schlaf, nach: nux-v, op, …), oder mehrfach hintereinander, nur durch komatösen Schlaf unterbrochen. Manchmal beginnen sie in den Mundwinkeln, sodass das Kind zu lächeln scheint. Das Kind schreit, bekommt ein rotes oder livides Gesicht, überstreckt sich nach hinten und krampft abwechselnd tonisch und klonisch.

  • Ignatia kann bei Entwicklungsstillstand oder geistiger Behinderung angezeigt sein (→Gemüt – behinderte Kinder: agar, carb-v, caust, med, merc, … nach Lamothe). Das Kind macht seltsame Bewegungen, fasst alles an und schreit auf, wenn man sich mit ihm beschäftigen will (hell). Es ist motorisch retardiert und stolpert leicht über Gegenstände (→Extremitäten – Fallen, Neigung zu: caust, cocc, ph-ac, …).

  • Neben Konvulsionen kann Ignatia noch andere krampfartige Symptome heilen: Schluckauf, sogar im Schlaf (→Magen – Schluckauf – Schlaf, im: cina, merc-c, puls), Schluckstörungen durch Spasmen der Speiseröhre (cham, laur, stram, stry, …), krampfartiges Gähnen (→Schlaf – Gähnen – spasmodisch: plat, rhus-t, …), krampfartige Bauchschmerzen und Schmerzen durch krampfartig erhöhte Schließmuskelspannung (→Rektum – Spannung – konvulsivisch (1): ign), der trotz weichem Stuhl zu Obstipation führt. Bei schmerzhafter Stuhlverhaltung von Kleinkindern kann Ignatia das Heilmittel sein. Schon bei leichtem Pressen prolabiert der Anus (ferr, hydr, nux-v, podo, …).

  • Die Haut ist eher blass, mit dunklen Ringen um die Augen. Ähnlich wie bei Cina kann dies auf Wurmbefall hindeuten (→Rektum – Würmer – Kindern, bei: cina, nux-m, ruta, spig, …), oder es ist die Folge von Stubenhockerei (→Allgemeines – Luft – Freien, im – Abneigung gegen: calc, calc-p, cham, lyc, nux-v, sil, sulph, …).

  • Das Kind beißt sich beim Essen oder Sprechen auf die Zunge oder in die Wange. Es neigt zu Zahnschmerzen (→Zähne – Schmerzen – Kindern, bei: cham, coff, …), verträgt keine Süßigkeiten (→Allgemeines – Speisen und Getränke – Süßigkeiten – agg.: arg-n, …) und mag kein Obst (chin, phos, puls, …).

  • Fieberhafte Infekte gehen mit einer juckenden Urtikaria einher (→Haut – Hautausschläge – Urtikaria – Fieber, während: apis, cop, rhus-t, sulph, …).

  • Die Luftwege sind ein Hauptangriffspunkt von Ignatia. Das Kind hat einen Reiz in Larynx oder Trachea wie von einer Feder, dadurch einen anhaltenden Kitzelhusten, vermehrt abends nach dem Hinlegen.

Praxistipp

Der Husten verschlimmert sich, je länger das Kind hustet (→Husten – Hustenreiz – steigt an, je mehr man hustet: bell, …).

  • Er kann in Asthma übergehen. Gemütsbewegungen spielen als Auslöser von Husten und Asthmaanfällen eine große Rolle (→Husten – Ärger, Verdruss, nach: cham, cina, nat-m, staph, …).

Jugendlicher
  • Der Jugendliche weist die ganze Palette der Gemütssymptome von Ignatia auf. Er ist sentimental und lebt oft in einer Kummersituation, über die er nicht sprechen will. Ursachen sind der Verlust einer geliebten Person, eines Elternteils oder eines Haustieres, eine belastende Familiensituation, zurückgewiesene Liebe oder das Gefühl, ständig für andere verantwortlich sein zu müssen.

  • Seine Augen werden zwar feucht, wenn er auf Kummer angesprochen wird, er kann jedoch nur richtig weinen, wenn er alleine ist (con, nat-m). In Gesellschaft fällt lediglich sein häufiges Seufzen auf oder seine Neigung zu Hysterie (→Gemüt – Erregung – hysterisch (1): ign): Aus heiterem Himmel beginnt er krampfhaft zu lachen oder zu weinen, wenn er angesprochen wird, wenn er von seiner Krankheit erzählt, wenn er umarmt wird (→Gemüt – Weinen – Liebkosungen, durch: chin) oder wenn ihm etwas verweigert wird (→Gemüt – Weinen – verweigert wird; wenn ihm etwas: bell, cham, …).

  • Diese Gefühlsausbrüche kontrolliert er jedoch sehr schnell wieder. Im weiteren Verlauf entwickelt er psychosomatische Beschwerden aus dem hysterischen Formenkreis.

Praxistipp

Typisch sind Globusgefühl (→Innerer Hals – Klumpens; Gefühl eines: asaf, lach, nat-m, psor, …) mit Schluckstörungen, Husten (→Husten – hysterische Hustenanfälle – Frauen, bei: gels, …) oder das Verlangen, tief zu atmen (bry, calc, lach, nat-s, sulph, …). Bei Aufregung oder Kummer setzt ein nagelartiger Kopfschmerz (coff, thuj, …) ein.

  • Seltener kommt es zu hysterischen Lähmungen, Muskelzuckungen, Tics oder Chorea (→Allgemeines – Chorea – Pubertät, in der: cimic, puls, …).

  • In der Schule oder in der Arbeit ist er übereifrig, hastig (→Gemüt – Hast – geistiger Anstrengung, bei: kali-c, sul-ac, thuj, …) und unentschlossen (bar-c, hell, lach, op, …). Er nimmt seine Verantwortung zu ernst, kann sich in eine Sache verbeißen und fixe Ideen entwickeln (→Gemüt – Monomanie: aur, carc, chin, cupr, hyos, iod, lach, plat, puls, sil, stram, sulph, tarent, thuj, verat, …).

  • Obwohl Bewegung und Tanzen seine Gemütssymptome bessern (sep, …), hat er eine Abneigung gegen Vergnügen (bar-c, sulph, …).

  • Er hat die Tendenz, Stress „wegzuessen“ und neigt zu Fettsucht oder zu Bulimie mit anorektischen Episoden. Magenschmerzen bessern sich durch Essen, ein Leeregefühl im Magen bessert sich dadurch jedoch nicht (→Magen – Leeregefühl – Essen, nicht amel.: cina, lac-c, lach, lyc, phos, sep, verat, …).

  • Wahlanzeigend für Ignatia sind widersprüchliche, wechselhafte Symptome: Hitzegefühl ohne Fieber; Durstlosigkeit bei Fieber; Verlangen nach Zudecken in der Fieberhitze, was aber verschlechtert; Gesicht rot bei Frost; Frost besser durch Aufdecken; Halsweh besser beim Schlucken fester Speisen; Husten schlimmer, je länger er hustet; Tinnitus besser durch Musik; Magenschmerzen besser durch Essen; Leeregefühl im Magen nicht besser durch Essen; Hämorrhoiden besser beim Gehen; Druck auf schmerzhafte Stellen bessert; Lachen über ernste Dinge; Verlangen nach Zuneigung mit Abneigung gegen Trost; vermehrte Behaarung bei Frauen; Gemütssymptome im Wechsel mit körperlichen Beschwerden etc.

  • Der Kreislauf ist labil, in überfüllten Räumen kann es zum orthostatischen Kollaps kommen (→Allgemeines – Ohnmacht – überfüllten – Zimmer, in einem: lyc, nat-m, nux-v, phos, puls, …).

  • Der Jugendliche würgt leicht und leidet unter Schluckauf. Gehör und Geruchssinn sind überempfindlich; er kann v. a. Tabakqualm nicht ausstehen (→Allgemeines – Tabak – Abneigung gegen – Geruch des Tabaks, empfindlich gegen den: bell, lob, lyc, nux-v, puls, …).

  • Die Zähne sind sehr empfindlich, Zahnbehandlungen sind nahezu unerträglich (→Zähne – Empfindlichkeit – Zahnbehandlung ist unerträglich: ant-c, fl-ac, mag-c, staph).

  • Infekte betreffen oft die Tonsillen (→Innerer Hals – Entzündung – Tonsillen – follikulär: kali-m, penic). Die Halsschmerzen werden schlimmer, wenn der Patient nicht schluckt (apis, caps, …), während Schlucken bessert (→Innerer Hals – Schmerz – Schlucken, nach – amel.: lach, …).

  • Auf der Haut kribbelt es wie von Ameisen. Mädchen haben nach der Pubertät eine übermäßige Behaarung oder eine maskuline Verteilung des Haarwuchses, u. a. am Kinn (→Gesicht – Haar – Haarwuchs – Frauen, bei – Backenbart: calc, calc-s, nat-m; →Gesicht – Haar – Haarwuchs – Frauen – Kinn, am: ol-j).

Arzneimittelbeziehungen
  • Miasma: akut, Psora

  • Bewährte Folgemittel: nat-m, sep

  • Ergänzungsmittel: alum-p, ars, aur, bell, calc, caust, chin, cocc, coff, ip, lyc, nat-m, nux-v, ph-ac, puls, rhus-t, sep, sil, sulph

  • Unverträglich mit: coff, nux-v, tab

  • Antidot: acet-ac, arn, bell, camph, cham, cocc, coff, nux-m, nux-v, puls. Wein, Weinessig

Kalium bromatum

Kaliumbromid#Kalium bromatum (KBr).
Leitsymptome
  • Schuldgefühle

  • Verfolgungswahn, Ängste

  • Pavor nocturnus, Schlafwandeln

  • Fehlende Schmerzempfindung; Gefühllosigkeit

  • Verlassenheitsgefühl

  • Zähneknirschen im Schlaf

  • Unruhige Hände, Händeringen, Nesteln

  • Akne, krustige Ekzeme

  • Krupp-Syndrom

Betroffene Organsysteme und Indikationen
  • Organsysteme: Wirkt v. a. auf Schleimhäute, Bindegewebe, Gelenke, Haut, Kreislauf, Schlaf und Kehlkopf.

  • Indikationen: Indiziert u. a. bei Akne, Asthma, Ataxie, Autismus, Depressionen, Diarrhö, Dreimonatskoliken, Epilepsie, Essstörungen, geistiger Retardierung, Hyperkinetischem Syndrom, Keuchhusten, Kopfschmerzen, Krupp, Paranoia, Pavor nocturnus und Zähneknirschen.

Geistes- und Gemütssymptome
  • Verlassenheitsgefühl (→Gemüt – Verlassen zu sein, Gefühl: aur, lach, mag-c, psor, puls, stram, …). Beschwerden durch Kummer, durch Vernachlässigung. Gefühl der Hilflosigkeit. Weinerliche Stimmung (caust, ign, lac-c, puls, …), weint grundlos, plötzlich. Leicht mit Pulsatilla zu verwechseln, aber Kalium bromatum weint sich nicht bei anderen aus und sucht Trost, sondern seufzt (calc-p, cimic, ign, …) und stöhnt über sein Schicksal, kommt durch Kummer in gereizte Stimmung.

  • Schuldgefühle und Depression bis hin zur Psychose. Folge strenger moralischer und religiöser Erziehung. Starkes Über-Ich. Depressionen mit Wahnideen aus dem familiären, religiösen und sexuellen Bereich. Meint, er habe ein Verbrechen begangen (ign, kali-bi, verat, …), sei ein Dieb, die Polizei sei hinter ihm her, er sei angeklagt (→Gemüt – Wahnideen – verfolgt, er würde – Polizei, von der: ars, cupr, hyos, zinc, …).

  • Ausgeprägte Religiosität. Religiöse Depression. Selbstmordgedanken. Fühlt sich von Gott verlassen. Wahnidee, er sei ein Teufel (anac, hyos, stram, …), Gott wolle sich an ihm rächen (→Gemüt – Wahnideen – Gott – Rache; er sei das Objekt der göttlichen (1): kali-br). Als ob er ständig wachsam sein müsse, keine Sünde oder kein Verbrechen zu begehen.

  • Argwöhnisch. Furcht, etwas werde geschehen (calc, caust, nux-v, phos, psor, tub, …). Schaut sich nach allen Seiten um (→Gemüt – Blicken – Richtungen, in alle (1): kali-br), geht Menschen aus dem Weg. Paranoia (→Gemüt – Wahnideen – verfolgt, er würde: anac, hyos, …), meint, man werde ihn umbringen, vergiften. Fürchtet die Menschen, aber kann nicht allein sein.

  • Pavor nocturnus (→Schlaf – Erwachen – Schreck, wie durch: borx, calc, chlol, cina, stram, tub, zinc, …). Wacht schreiend auf, schreckt hoch, erkennt niemand. Angst nachts, bei Kindern. Furcht vor dem Alleinsein im Dunkeln (rad-br, valer).

  • Starke Zwänge und fixe Ideen. Déjà-vu-Erlebnisse (→Gemüt – Wahnideen – erlebt – schon einmal erlebt zu haben; glaubt alles: oci-sa, …). Hat das Gefühl, er kann an einem bestimmten Platz nicht vorbeigehen (arg-n). Ständiges Gefühl, seine Pflicht erfüllen zu müssen.

  • Extreme Ruhelosigkeit. Muss immer irgendetwas tun (→Gemüt – Ruhelosigkeit – bewegen – muss sich ständig: apis, ars, bell, rhus-t, …). Spielt mit den Fingern. Ringt die Hände. Tics. Liebt Beschäftigungen, in denen die Finger bewegt werden: strickt, malt, tippt, musiziert. Bewegungen verkrampft, z. B. mit gebeugten Armen. Zittert, wenn etwas getan werden muss. Stottert. Erregbarkeit, Manie. Starker Arbeitsdrang; wird seine Energie nur los, wenn er arbeitet (tarent). Extrem hilfsbereit; tut alles, um die Erwartungen seiner Familie zu erfüllen.

  • Vergesslichkeit. Konzentrationsstörungen. Macht Fehler beim Schreiben. Legasthenie. Geistiges Arbeiten unmöglich. Gedächtnisverlust durch Kummer oder Angst. Kann nicht antworten, findet Worte nicht. Aphasie. Versteht Fragen nur, wenn man sie wiederholt. Antwortet einsilbig, antwortet „Nein“ auf alle Fragen.

Allgemeinsymptome
  • Wetter: Warmblütig. Sommer, Zugluft verschlechtern. Frischluft bessert.

  • Zeit: 2:00 Uhr. Periodizität. Sommer. Neumond.

  • Verlangen: Schokolade. Wein.

  • Abneigung: Obst.

  • Seite: Rechts.

  • Schlaf: Schlaflos durch Kummer, Angst, Schuldgefühle; wegen Dyspnoe oder Asthma. Schlafwandeln. Schreckliche Albträume, Pavor nocturnus. Schreien im Schlaf; Wecken ist unmöglich (apis, cina, hell, hyos, zinc). Zähneknirschen und Stöhnen im Schlaf.

  • Schweiß: Klebrig.

Causa und Modalitäten
  • Causa: Missbrauch in der Kindheit. Kummer, Sorgen, Schreck. Überstrenge Erziehung. Unbefriedigte kindliche Bedürfnisse. Menses. Pubertät.

  • < Geistige Anstrengung. Emotionen. 2:00 Uhr. Sommer. Zugluft. Neumond. Periodizität. Sexueller Exzess. Pubertät. Menses.

  • > Geistige oder körperliche Beschäftigung. Bewegung. Frische Luft.

Schwangerschaft und Geburt
  • Schwangerschaft: In der Schwangerschaft Proteinurie, Husten, Schlaflosigkeit. Depressionen. Wahnidee, sie könnte als Strafe für ihre Schuld ein totes Kind gebären. Konvulsionen in der Schwangerschaft und während oder nach der Entbindung des Kindes.

  • Nach der Geburt: Subinvolution. Wochenbettpsychose mit Depression, Schuldgefühlen und Nymphomanie.

Neugeborenes
Kalium bromatum ist eines der Mittel für Krampfanfälle von Neugeborenen (→Allgemeines – Konvulsionen – angeboren: hell, verat). Sie beginnen im Gesicht und sind von komatösem Schlaf gefolgt. Typisch ist ihr periodisches Auftreten alle ein bis zwei Wochen. Symptome, die die Mittelwahl unterstützen, sind angeborener Strabismus und Zysten oder gutartige Hauttumoren wie Fibrome und Lipome.
Säugling
  • Das Baby leidet unter heftigen Dreimonatskoliken (→Abdomen – Schmerz – krampfartig – Kindern, bei – Säuglingen, bei: arg-n, cham, lyc, nux-v, …) mit geblähtem Abdomen, angespannter (→Abdomen – Spasmen – Bauchmuskeln, der: cupr, kreos, plb, tab, …), eingezogener Bauchwand (→Abdomen – eingezogen: hydr, plb, …), wässrigem grünlichen Stuhl und tastbaren Darmkontraktionen. Die Koliken treten regelmäßig gegen 17:00 Uhr auf (lyc). Das Baby rollt mit dem Kopf und schreit (→Gemüt – Schreien – Kindern, bei: borx, lac-c, tub, …) oder kreischt durchdringend (→Gemüt – Schreien – Cri encéphalique: apis, cham, hell, zinc, …). Bei der Mundinspektion findet man Aphthen.

  • Bereits im Säuglingsalter bestehen hartnäckige Schlafstörungen (→Schlaf – Schlaflosigkeit – Kindern, bei: carc, coff, …). Die Zahnung ist schwierig, das Kind ist in dieser Zeit besonders ängstlich, erbricht und kann sogar krampfen (→Allgemeines – Konvulsionen – Zahnung, während der: calc, cham, …).

  • V. a. im Sommer kommt es zu Säuglingsdiarrhö (→Rektum – Cholera – infantum: aeth, guaj, …) mit großer Erschöpfung, kalten Händen und Füßen, heißem Kopf (→Kopf – Hitze – Diarrhö, bei: bell, bry, …), erweiterten Pupillen und starker Unruhe von Händen und Fingern (stram, sulph, …). Die Enteritis kann von Meningismus oder Meningitis begleitet oder gefolgt sein.

  • Ein weiteres schweres Krankheitsbild, das Kalium bromatum heilen kann, ist die Bronchiolitis mit Angst, Zyanose und großer Unruhe von Armen und Händen.

Kleinkind und Schulkind
Das Kind leidet an den Folgen von überstrenger Erziehung oder Missbrauch in der Kindheit. Es ist sehr ängstlich und fühlt sich verfolgt und vernachlässigt.

Praxistipp

Im Vordergrund steht die Angst im Dunkeln und eine zwanghafte Angst, an bestimmten Stellen in der Wohnung oder auf der Straße vorbeizugehen. Das Kind sieht nachts schreckliche Bilder, es schreit vor Entsetzen (→Gemüt – Schreien – Kindern, bei – schrecklich: nat-c, sulph) und beginnt dabei zu schielen. Typisch ist Zähneknirschen im Schlaf (ars, bell, cina, tub, …).

  • Das Kind leidet an den Folgen von überstrenger Erziehung oder Missbrauch in der Kindheit. Es ist sehr ängstlich und fühlt sich verfolgt und vernachlässigt. Im Vordergrund steht die Angst im Dunkeln und eine zwanghafte Angst, an bestimmten Stellen in der Wohnung oder auf der Straße vorbeizugehen. Das Kind sieht nachts schreckliche Bilder, es schreit vor Entsetzen (→Gemüt – Schreien – Kindern, bei – schrecklich: nat-c, sulph) und beginnt dabei zu schielen. Typisch ist Zähneknirschen im Schlaf (ars, bell, cina, tub, …).

  • Das Schulkind leidet unter Legasthenie und Sprachfehlern. Es lässt beim Schreiben Buchstaben, Silben und Wörter aus oder schreibt Wörter zweimal. Die Schrift ist unleserlich. Es stottert, verspricht sich häufig, sagt etwa „heiß“ statt „kalt“ (nux-m, …), und hat einen Dysgrammatismus (→Gemüt – Fehler – Sprechen – Worte – stellt Worte an die falsche Stelle: calc, chin, lac-c, lyc, nat-m, nux-v, stram, …).

  • Es ist meist blond, blauäugig und adipös. Das Nervensystem ist überregt, was zu großer Unruhe führt. Insbesondere Hände und Finger sind in ständiger Bewegung (→Extremitäten – Ruhelosigkeit – Hände: ars, tarent, …), es kommt auch zu ruckartigen Muskelzuckungen und Zittern.

  • Das Kind ist schnell aufgeregt und zittert, wenn etwas von ihm erwartet wird (→Allgemeines – Zittern – äußerlich – getan werden muss; wenn etwas: nur kali-br dreiwertig). Sein Gang ist unsicher (→Extremitäten – Koordination; fehlende, gestörte: alum, con, …).

  • Kalium bromatum ist angezeigt bei Konvulsionen (→Allgemeines – Konvulsionen – Kindern, bei: bell, cina, stram, zinc, …) durch Schlaflosigkeit (cic, …), durch Erregung oder durch Husten.

  • Charakteristisch sind Taubheitsgefühle oder Gefühllosigkeit an verschiedenen Stellen des Körpers. Auch Kopfschmerzen, etwa nach einer Commotio, sind von Taubheitsgefühl begleitet.

  • Alle Absonderungen sind scharf und wässrig. Erkältungen beginnen mit einem beißenden Schnupfen, Aphthen und Heiserkeit. Das Sprechen ist schmerzhaft (bell, brom, iod, phos, …), die eingeatmete Luft fühlt sich kalt an, die ausgeatmete Luft ist dagegen heiß (acon, …).

  • Es folgt ein trockener, krampfartiger, schmerzloser Krupphusten (→Kehlkopf – Empfindungslosigkeit: nur kali-br; acon dagegen sehr schmerzhaft). Dem Kind geht es tagsüber gut, nachts wacht es plötzlich in Panik auf, schreit und bekommt Luftnot (→Kehlkopf – Krupp – anfallweise: hep). Kalium bromatum ist bei rezidivierendem Krupp oft das chronische Mittel, wenn im akuten Anfall selbst Spongia gut wirkt.

  • Das Mittel ist auch wirksam bei Asthma bronchiale (→Atmung – Asthma – Kindern, bei: acon, cham, ip, nat-s, puls, samb, …) mit trockenem Husten, Zyanose und panikartigem Erwachen. Das Kind schreit auf vor Schreck, weiß nicht, wo es sich befindet, bäumt sich nach hinten und wirft die Arme wild umher (→Schlaf – Schlaflosigkeit – Atmung, mit erschwerter – Kindern, bei (1): kali-br). Auch Keuchhusten ist schlimmer nachts, die Hustenanfälle führen zu Konvulsionen (cupr, meph, …).

  • Die Nahrungsaufnahme ist durch die nervöse Übererregung erschwert. Das Kind kann nicht trinken, sondern nur feste Speisen schlucken (hyos, lach, lyss, …). Bei Aufregung erbricht es hysterisch jede Mahlzeit, gefolgt von intensivem Durst und anhaltendem Schluckauf (sul-ac).

  • Kummer und Erregung führen zu Enuresis. Die Harnröhre ist gefühllos, sodass der Urinabgang bei Tag nicht bemerkt wird (→Harnröhre – Gefühllosigkeit: caust, mag-m, …). Buben haben lang anhaltende, auch nächtliche Erektionen und masturbieren.

  • Weitere Indikationen für Kalium bromatum sind Kälteurtikaria (nit-ac, rhus-t, sep, …), Erythema nodosum (→Haut – Hautausschläge – Urtikaria – knötchenförmig – rosa: rhus-t, stram, …), Impetigo und Pyodermien mit Ulzerationstendenz (→Haut – Hautausschläge – Ekthym: crot-t, jug-c, kali-bi, sil, …). Nach Abheilung der Hautprozesse bleiben Narben zurück.

Jugendlicher
  • Der Jugendliche wirkt ängstlich, verklemmt und langsam von Begriff. Er hat Schwierigkeiten zu denken und zu verstehen, findet nicht die richtigen Worte, antwortet zusammenhanglos oder erwidert „Nein“ auf alle Fragen (hyos, tub, zinc, …).

  • Er hat extrem unruhige Finger, klopft ständig mit den Fingern auf den Tisch, ringt die Hände oder zerknüllt das Betttuch.

  • Er hat teils perverse sexuelle Phantasien mit Schuldgefühlen. Nach sexuellem Exzess oder während der Menses können Konvulsionen auftreten.

  • Charakteristisch ist die Kombination von Depressionen mit vermehrter Libido. Es kann auch zu Essstörungen wie Anorexia nervosa oder Bulimie kommen, mit den wegweisenden Symptomen unruhige Hände, Schuldgefühle und Zwanghaftigkeit.

  • Viele Beschwerden gehen mit auffallend geringer oder fehlender Schmerzempfindung einher (→Allgemeines – Analgesie: cocc, op, ph-ac, stram, …).

  • Der Jugendliche hat eine ausgeprägte juckende, ins Bläuliche gehende Akne mit hässlicher Narbenbildung (carb-an, merc, sil, thuj), v. a. im Gesicht, auf der Brust und an den Schultern.

  • Kalium bromatum ist außerdem angezeigt bei Migräne mit roten Augen und bei Kopfschmerzen im Wechsel mit Asthma bronchiale (ang, glon).

  • Weitere Indikationen können Psoriasis und Ovarialzysten sein.

Arzneimittelbeziehungen
  • Miasma: Psora, Sykose, Syphilis

  • Folgt gut auf: eug, spong (bei rezidivierendem Krupp-Syndrom)

  • Bewährtes Folgemittel: cact

  • Antidote: camph, helon, nux-v, sep, zinc, zinc-p

Kalium carbonicum

Kaliumcarbonat#Kalium carbonicum (K2CO3), Gewächslaugensalz.
Leitsymptome
  • Pflichtbewusst, konservativ, starke Selbstkontrolle

  • Ängstlich; Angst schlägt sich auf den Magen

  • Ekelhaft zu seiner Umgebung (Familie)

  • Aufschrecken durch Berührung, Geräusche etc.

  • Mangel an Lebenswärme, empfindlich gegen Zugluft

  • Verlangen nach Süßem

  • Stechende Schmerzen

  • < 2:00–4:00 Uhr morgens

  • Schwellung der Oberlider

  • Empfindliche (kitzelige) Fußsohlen

  • Schwäche, Schweiße, Rückenschmerzen

Betroffene Organsysteme und Indikationen
  • Organsysteme: Wirkt v. a. auf Muskel, Bänder, Herz, Lumbalregion, Brust, seröse Häute, Augen.

  • Indikationen: Indiziert u. a. bei Anämie, Arthritis, Asthma, Kopfschmerzen, Luftwegsinfekten, Rückenschmerzen, Sinusitis, Pneumonie.

Geistes- und Gemütssymptome
  • Furcht vor dem Alleinsein (arg-n, ars, lyc, phos, …). Gefühl vollkommener Hilflosigkeit (→Gemüt – Schreien – Hilfe, um: camph, ign, laur, plat, …), großer Mangel an Selbstvertrauen. Furcht abends im Bett (ars, graph, …), vor Gespenstern, vor der Zukunft, vor dem Tod. Ängstlich und ruhelos nachts, will immer jemanden neben sich haben. Verlangen, getragen zu werden (ars, bry, cham, cina, rhus-t, verat, …), Schaukeln bessert (cham, cina, …). Spürt seine Gefühle im Magen (→Gemüt – Furcht – Magen – aufsteigend vom: calc, lyc, mez, phos, …); psychogene Bauchschmerzen.

  • Leidet an seiner Abhängigkeit von anderen. Spannung zwischen Abhängigkeitsbedürfnis und Verlangen nach Freiheit. Braucht ständig jemanden um sich, aber behandelt ihn schlecht. Abneigung gegen Familienmitglieder (merc, sep, …); ärgerlich, launisch und streitsüchtig im Kreis der Familie. Teilnahmslos oder gleichgültig in Gesellschaft (arg-n, plat, …). Widerstreit mit sich selbst (anac, sep, …). Nie ruhig und zufrieden, alles schlechter durch Trost (ign, nat-m, sep, syph, …) – den er aber dauernd verlangt.

  • Große Empfindlichkeit. Auffahren durch Berührung (bell, kali-p, sil, …), durch Geräusche, beim Einschlafen. Kitzelig (→Gemüt – Berührtwerden – Abneigung, berührt zu werden – Kitzeligkeit: phos, …), v. a. an den Fußsohlen. Empfindlich gegen Zugluft, gegen Schmerzen. Reizbar; schreit oder brüllt wegen Kleinigkeiten. Weint, wenn er geschimpft wird (→Gemüt – Weinen – Vorhaltungen: calc, carc, ign, staph, …).

  • Zwanghaftigkeit, überstarkes Pflichtgefühl (ars, calc, nat-s, nit-ac, sep, thuj, …). „Anal-retentiver Charakter“ (Vithoulkas). Gut organisiert, verlässlich, optimistisch und selbstsicher – bis hin zu Unflexibilität und Dogmatismus (→Gemüt – Abneigung – Veränderung: bar-c, bry, calc, caps, carb-v, graph, vip, … nach Lamothe). Würde nie gegen eine Regel verstoßen.

  • Verschlossenheit und Reserviertheit. Schwer zu fassen; aber auch kein Zugang zu sich selber. Wirkt wie eingepanzert. Verstand kontrolliert extrem die Gefühle (→Gemüt – Selbstkontrolle – erhöht: haliae-lc, mosch, nat-c, nat-s, sal-al); kann nicht über Gefühle sprechen. Stattdessen: Selbstgespräche (Hauptmittel nach Morrison), Sprechen im Schlaf (bell, lach, …). Ignoriert Probleme im körperlichen oder Gefühlsbereich, bis sie ein schwerwiegendes Stadium erreichen. Schließlich Verlust der Selbstkontrolle und Zusammenbruch, was ernsthafte Erkrankungen zur Folge haben kann (Vithoulkas).

Allgemeinsymptome
  • Wetter: Extrem verfroren, empfindlich gegen Zugluft („sucht, woher die Zugluft kommt“, Kent). Starke Erkältungsneigung im Winter oder durch Zugluft nach Überhitzung.

  • Zeit: 2:00–4:00 Uhr. Alles besser tagsüber.

  • Verlangen: Süßes. Zucker (arg-n, calc, lyc, phos, …). Saures. Leckerbissen. Haferschleim.

  • Abneigung: Brot (chin, nat-m, …). Fleisch. Kohl. Milch. Süßes. Suppe.

  • Seite: Rechts. Erst links, dann rechts. Diagonal: links oben und rechts unten.

  • Schlaf: Extreme Schlaflosigkeit. Erwacht nach 2:00 Uhr mit Beschwerden, kann bis 5:00 Uhr nicht mehr schlafen. Stöhnt um 3:00 Uhr morgens (nur kali-c, dreiwertig). Spricht, fährt auf im Schlaf, zuckt beim Einschlafen. Unbestimmte Ängste und Unruhe. Träume schrecklich, von Gespenstern, Räubern, Unglück, Streit. Schlaf unerquicklich.

  • Schweiß: Kalt. Profus am ganzen Körper, bei leichtester Anstrengung. Nachtschweiß am Oberkörper, Kopf, Stirn. Schweiß auf der Oberlippe. Übelriechender Fußschweiß.

Causa und Modalitäten
  • Causa: Ansprüche der Eltern. Überanstrengung. Erschöpfung. Säfteverlust. Erkältung. Zugluft.

  • < Kälte. Zugluft. Kalte Getränke nach Überhitzung. 2:00–4:00 Uhr. Liegen auf der schmerzhaften oder linken Seite. Einschlafen. Anstrengung. Überwärmung. Berührung. Nach dem Essen.

  • > Langsame Bewegung. Essen. Wärme. Liegen. Sitzen mit den Ellenbogen auf den Knien.

Schwangerschaft und Geburt
  • Schwangerschaft: Abortus imminens im zweiten oder dritten Monat. Fluor. Zwischenblutungen. Proteinurie. Abwärtsdrängender Schmerz in der Uterusregion, als ob „alles herauskommen würde“.

  • Geburt: großes Schwächegefühl, Wehen schwach, uneffektiv oder sistierend. „Falsche Wehen“ in den LWS-Bereich, in das seitliche Abdomen oder in die Oberschenkel. Nach der Entbindung Hämorrhoiden, Rückenschmerzen und Husten.

Neugeborenes

Praxistipp

Kalium carbonicum ist ein Mittel für Früh- und Mangelgeborene (→Allgemeines – Abmagerung – Kindern, bei: ars, calc, calc-p, iod, nat-m, sil, …) mit Muskelhypotonie (→Allgemeines – Schwäche – Kindern, bei: bar-c, calc, lyc, sil, sulph, …) und Trinkschwäche.

  • Charakteristisch sind ödematöse Schwellungen um die Augen oder zwischen den Augenbrauen.

  • Das Baby hat Schluckstörungen bis hin zur Ösophagusstriktur (→Innerer Hals – Schlucken – unmöglich – Zusammenschnürung des Ösophagus: bar-c, phos, …). Es verschluckt sich leicht und würgt (→Innerer Hals – Schlucken – unmöglich, durch Würgen: hyos, iod, …).

Praxistipp

Auffallend ist die enorme Schreckhaftigkeit, v. a. bei Berührung (bell, sil, …), aber auch bei Geräuschen. Von Anfang ist der Schlaf ein Problem (→Schlaf – ruhelos – Kindern – bei Kindern: cina, carc, coff, jal, rheum, …).

Säugling
  • Es besteht deutliche Hyperexzitabilität. Das Kind erschrickt bei jeder plötzlichen Berührung. Es zuckt auch beim Einschlafen immer wieder zusammen (ars, bell, …) und ist allgemein sehr ängstlich (→Gemüt – Angst – Kinder – bei Kindern: borx, calc, calc-p, cina, gels, rhus-t).

  • Der Schlaf ist ruhelos, v. a. nach 2:00 Uhr nachts, es muss dann herumgetragen werden (ars, ant-t, cham, cina, …).

  • Es ist extrem kitzelig und lacht schon in den ersten Lebensmonaten bei der Bauchpalpation oder bei Berührung der Fußsohlen.

  • Viele Probleme treten nach der Mahlzeit auf: Schlechte Laune, saures Aufstoßen, Würgereiz und ein schmerzhaftes, hartes, aufgetriebenes Abdomen (lyc). Jede Nahrung wird zu Gas. Die Eltern bringen das Kind wegen Koliken mit heftiger Flatulenz. Es krümmt sich (→Abdomen – Schmerz – Beugen – Zusammenkrümmen amel.: coloc, puls, …) und beruhigt sich nur durch warme Anwendungen (folgt gut auf coloc). Die Verdauungsprobleme können zur Dystrophie führen.

  • Am Nabel kommt es zu Absonderungen (abrot, calc, calc-p, nat-m, …) oder wildem Fleisch (calc, nat-m).

  • Weitere Probleme sind Wundsein hinter den Ohren (graph, nit-ac, petr, psor, sanic, sulph) und im Windelbereich.

  • Sehr früh besteht eine Anfälligkeit für Bronchitis und Bronchopneumonie (→Brust – Entzündung – Lunge – Kindern, bei – Kleinkindern, bei: acon, bry, lyc, phos, …), ausgelöst durch kalte Luft oder Zugluft.

Kleinkind und Schulkind
  • Das Kind ängstigt sich wegen Kleinigkeiten (→Gemüt – Furcht – Kleinigkeiten, vor: ars, lyc, …), v. a. im Fieber oder wenn es hungrig ist (iod). Es mag grundsätzlich nicht alleine schlafen. Im Kreis der Familie ist es schlecht gelaunt und streitsüchtig. Es weint heftig, wenn es geschimpft wird (→Gemüt – Weinen – Vorhaltungen: calc, carc, ign, …). Es ist auffallend kitzelig.

  • In der Regel hat es eine Abneigung gegen Brot und starkes Verlangen nach Zucker. Es ist eher obstipiert mit großem schwierigen Stuhl und hat auch Schwierigkeiten beim Wasserlassen („kann sich nicht ausdrücken“): Die Miktion ist verlangsamt, unbefriedigend oder unterbrochen.

  • Oft wird das Kind wegen rezidivierenden Luftwegsinfekten vorgestellt.

    • Es hat einen chronischen dick-gelben Schnupfen, die Nasenlöcher sind ulzeriert und verkrustet, beim Ablösen der Krusten blutet es (kali-bi, …).

    • Jede Erkältung geht in die Brust (lyc, phos, sulph).

    • Es kommt zu Bronchitis (→Brust – Entzündung – Bronchien – Kindern, bei: dulc, ip, tub, …) mit reichlich Rasselgeräuschen.

    • Der Husten ruft Würgen und Erbrechen hervor, das Gesicht wird dunkelrot, manchmal fliegen kleine runde Klumpen aus dem Mund.

    • Das Kind hat Keuchhusten trotz Impfung oder anhaltenden Husten nach Masern (carb-v, dros, puls, sulph, …).

    • Es ist anfällig für Pneumonien, v. a. im rechten Unterlappen (merc, phos).

Praxistipp

Kalium carbonicum ist ein Mittel bei Masernpneumonie, bei einer „vernachlässigten“, also schlecht ausgeheilten Pneumonie und bei mangelnder Erholung nach Pneumonie (→Allgemeines – Genesung, Beschwerden während der – Lungen, nach Entzündung der: bac, calc, carb-v, lyc, phos, sang, sil, sulph, tub).

  • Bei feuchter Witterung und an kalter Luft entwickelt das Kind Asthma bronchiale.

    • Die Dyspnoe beginnt meist nachts zwischen 2:00 Uhr und 4:00 Uhr (→Atmung – Asthma – Schlaf, beginnt im: acon, ars, carb-v, lach, …).

    • Das Kind muss sich nach vorne gebeugt hinsetzen, mit dem Kopf oder mit den Ellenbogen auf den Knien, um besser Luft zu bekommen.

  • Gelegentlich findet man eine Coxitis fugax in der Vorgeschichte (→Extremitäten – Hüftgelenksentzündung: calc, calc-p, nat-s, ph-ac, sil, tub, …).

Jugendlicher
  • Der Jugendliche ist korrekt gekleidet und wirkt im Gespräch schüchtern und verschlossen, kann aber auch plötzlich in Weinen ausbrechen (→Gemüt – Weinen – erzählt – Krankheit erzählt, wenn sie von ihrer: med, puls, sep, …). Trost oder Berührung lehnt er ab.

  • Schulprobleme resultieren aus Unlust (→Gemüt – geistige Anstrengung – Abneigung gegen: chin, nux-v, phos, …), aus Schludrigkeit (→Gemüt – Hast – geistiger Anstrengung, bei: lil-t, sul-ac, thuj, …) oder aus seiner Rechenschwäche (→Gemüt – Mathematik – Unfähigkeit zur: bell, calc, lyc, syph, …). Manchmal schläft er schon bei der geringsten geistigen Anstrengung ein (ars, hyos, …).

  • Er hat eine untersetzte Statur mit blassem, abgezehrten Gesicht (→Gesicht – Ausdruck – abgehärmt: ars, …) und aufgesprungenen Lippen. Um die Nase finden sich Sommersprossen (→Gesicht – Sommersprossen: lyc, phos, sulph, …), um die Augen, v. a. zwischen Oberlidern und Augenbrauen, die für Kalium carbonicum charakteristische feste Schwellung wie kleine Beutel. Auch an anderen Körperpartien treten Schwellungen und Ödeme auf. Die Haare sind trocken und fallen aus, besonders an den Augenbrauen und Schläfen (calc, lyc, merc, nat-m, …).

Praxistipp

Die charakteristische Symptomentrias Schwäche, Schweiße und Rückenschmerzen findet sich schon beim Jugendlichen.

  • Er klagt über Schwäche und Schmerzen in Rücken und Gliedern und kann deshalb nicht lange stehen (→Allgemeines – Schwäche – Stehen: sulph, …), sondern muss sich anlehnen oder hinlegen.

  • Er hat stechende Schmerzen (acon, bry, calc, sulph, …), v. a. in der Brust, am rechten Rippenbogen (chel, …), in den Gliedern oder im Kopf. Zu Kopfschmerzen kommt es bei kaltem Wind und Zugluft, beim Autofahren und wenn ein Schnupfen abklingt.

  • Er schwitzt schon bei geringer Anstrengung, etwa beim Essen oder beim Spazierengehen. Morgens räuspert er oft zähen Schleim hoch. Bei jeder Erkältung klagt er über stechende Halsschmerzen.

  • Die Beine sind nachts im Bett ruhelos. Die Fußsohlen sind so empfindlich, dass er nicht barfuß gehen kann. Bei Kontakt mit Wasser treten rötliche Flecken im Gesicht auf (aesc, am-c, phos).

  • Die Mädchen haben eine verzögerte Menarche (caust, graph, nat-m, puls, senec, …).

Arzneimittelbeziehungen
  • Miasma: Psora, Sykose, Syphilis, Tuberkulinismus

  • Folgt gut auf: acon (bei Pneumonie), bry, coloc, kali-s, lyc, nat-m, nux-v, phos, stann

  • Bewährte Folgemittel: ars, carb-v, fl-ac, lyc, nit-ac, phos, puls, sep, stann (bei lockerem, rasselndem Husten), sulph

  • Gute Mittelfolge: kali-carsphos

  • Ergänzungsmittel: ars-i, bac, brom, carb-v, chin, cic, coloc, dulc, lyc, nat-c, nat-m, nit-ac, nux-v, phos, puls, sep, sulph

  • Unverträglich mit: camph, coff, dulc, kali-bi

  • Antidote: dulc, gamb, kali-bi, nit-s-d

Lac caninum

#Lac caninumHundemilch.
Leitsymptome
  • Selbstverachtung, Gefühl von Wertlosigkeit

  • Verlassenheit, gestörte Mutter-Kind-Bindung

  • Schlangen (Furcht vor, Träume von)

  • Legasthenie

  • Seitenwechsel der Beschwerden

  • Verlangen nach Salz und Pikantem

Betroffene Organsysteme und Indikationen
  • Organsysteme: Wirkt v. a. auf Nervensystem, inneren Hals, weibliche Genitalien und Brüste.

  • Indikationen: Indiziert u. a. bei Arthritis, Depressionen, Migräne, Mundsoor, Obstipation, Pharyngitis, Phobien, rheumatischen Beschwerden, Schlafstörungen, Sinusitis, Tonsillitis.

Geistes- und Gemütssymptome
  • Verlassenheitsgefühl. Fühlt sich mutterseelenallein auf der Welt („siebtes Geißlein“). Folge von Verlust eines geliebten Menschen.

  • Gefühl, verachtet zu werden (→Gemüt – Wahnideen – herabsehen, man würde auf sie: nur lac-c zweiwertig). Fühlt sich völlig unbedeutend. Problem der Dominanz des Stärkeren über den Schwächeren (Sankaran). Großer Mangel an Selbstvertrauen. Fühlt sich unwichtig, wertlos, überflüssig, fremd: „Keiner mag mich“. Furcht zu versagen (anac, aur, lyc, sil, …). Meint, er könne unfähig werden, seinen Pflichten nachzukommen. Verachtet sich selbst (→Gemüt – verächtlich – selbst; gegenüber sich: aur, thuj, …), Abscheu vor der eigenen Person, hält sich für hässlich und eklig (→Gemüt – Wahnideen – schmutzig, er sei: syph, …). Dauerndes Bedürfnis, sich die Hände zu waschen (med, sil, sulph, syph, …).

  • Identitätsprobleme (→Gemüt – Wahnideen – Nase – anderem; er habe die Nase von jemand (1): lac-c). Meint, alles was er sagt, wäre gelogen; sein Körper würde in Stücke zerfallen. Depressiv, hoffnungslos, weinerlich. Ekelt sich vor dem Leben (→Gemüt – Tod – wünscht sich den: aur, aur-m, sulph, …).

  • Verlangen nach Gesellschaft und Angst beim Alleinsein. Versucht sich anzupassen, verbirgt seine wahre Natur, bleibt jedoch erfolglos, gehört nicht dazu – wie ein Hund im Verhältnis zum Menschen (Sankaran). Gefühl von Ohnmacht, Erfolglosigkeit.

  • Wutanfall bei kleinstem Anlass, Hass (anac, cic, nat-m, nit-ac, …). Raserei durch Widerspruch. Zorn auf die, die ihn unterdrücken. Gemein zu seinen Freunden (→Gemüt – schreiben – Gemeinheiten; schreibt ihren Freunden (1): lac-c). Schimpft (→Gemüt – beschimpfen: cham, lyc, nux-v, stram, …), schlägt schnell und aggressiv zu, wenn er sich bedroht fühlt.

  • Schreckliche, übertriebene Phantasien (calc, caust, op, sil, stram, …): Sieht Spinnen, Insekten, Schlangen (abel, elaps, lach, …), Gesichter in der Dunkelheit, hört Geräusche; Gefühl, als ob er schwebe. Furcht vor Krankheit, Verrücktwerden, vor dem Tod (acon, ars, …), in Ohnmacht oder von einer Treppe zu fallen.

  • Vergesslich, macht Fehler beim Schreiben. Vergisst den Einkauf, das gerade Gelesene. Unternimmt vieles, bringt aber nichts zu Ende.

Allgemeinsymptome
  • Wetter: Warmblütig oder Mangel an Lebenswärme. Verschlechterung durch Kälte, kalte Anwendungen und frische Luft.

  • Zeit: morgens. Den einen Tag morgens, den anderen abends. Alle paar Stunden oder Tage.

  • Verlangen: Salziges (arg-n, carb-v, nat-m, phos, verat, …). Scharf gewürzte Speisen (fl-ac, hep, …). Pfeffer. Milch. Senf. Marinade. Alkohol. Warme oder heiße Getränke (ars, bry, …).

  • Abneigung: Flüssigkeit, v. a. Wasser. Süßes.

  • Seite: Seitenwechsel der Beschwerden (cocc, …), z. B. von rechts nach links wandernd, dann umgekehrt.

  • Schlaf: Schlaflagen: Auf dem Abdomen mit dem Gesicht nach unten; in Seitenlage zusammengekrümmt, sodass das Gesicht fast die Knie berührt; in Rückenlage, ein Bein gebeugt, das andere gestreckt, die Hände über dem Kopf (puls, …). Schreit im Schlaf. Wacht mitten in der Nacht auf, als habe er ausgeschlafen, und meint, aufstehen zu müssen. Träumt von Spinnen, Schlangen, vom Urinieren (und nässt dabei ein).

  • Schweiß: Im Schlaf. Kräftig riechend, färbt die Wäsche gelb. Übelriechender gelber oder bräunlicher Achselschweiß.

Causa und Modalitäten
  • Causa: Zu frühes Abstillen. Verlust der Mutter oder negativ erlebte Mütterlichkeit. Mangel an Fürsorge, Schläge durch Mutter. Double-bind-Situation. Unberechenbare Bezugsperson. Vater oder Mutter Alkoholiker. Erwartungsspannung. Sturzfolgen.

  • < Berührung. Erschütterung. Wärme, warmes Bett. Vor und während Menses. Morgens. Milch.

  • > Kalte Anwendungen. Frischluft. Kalt trinken. Weinen. Baden.

Schwangerschaft und Stillzeit
  • Schwangerschaft: Schwangerschaftsübelkeit. Drohende Fehlgeburt im sechsten Schwangerschaftsmonat.

  • Stillzeit: Überstarker Milchfluss oder Versiegen der Milch. Mammae extrem empfindlich, etwa beim leichtesten Stoß, beim Hinabsteigen einer Treppe, beim Saugen des Kindes. Mastitis. Magenschmerzen stillender Frauen.

Säugling
  • Die Mutter-Kind-Beziehung ist von Beginn an gestört: Das Kind wird frühzeitig von der Mutter getrennt, liegt im Inkubator, wird zur Adoption freigegeben oder verliert aus anderen Gründen seine Mutter; oder die Mutter hat ambivalente Gefühle dem Kind gegenüber. Oft wird das Baby nicht gestillt oder plötzlich abgestillt.

  • Es ist äußerst reizbar und schreit die ganze Zeit, schlimmer nachts (→Gemüt – Schreien – Kindern, bei – nachts: cham, kali-p, jal, psor, nux-v, rheum, …). Manchmal ist es nachts reizbar, aber tagsüber fröhlich (ant-t, jal, nux-v, psor, rheum). Es ist unruhig und bewegt ständig die Hände (→Extremitäten – Ruhelosigkeit – Hände – nachts – Bett, im (1): lac-c); es hält oft die Finger gespreizt (→Extremitäten – Berührung – Finger sich berühren; erträgt es nicht, wenn: lach, sec, …).

  • Lac caninum hilft bei heftigem Mundsoor (→Mund – Belag – silbrig weiß über den ganzen Mund: kali-chl, sul-ac); die ganze Zunge ist käsig oder silbrig belegt (→Mund – Farbe – Zunge – weiß – silbrig, an der ganzen Zunge: ars, …).

  • Beim Schlucken kommt die Milch zur Nase heraus (arum-t, lach, lyc, op, …). V. a. bei der Umstellung auf feste Kost hat das Baby Schluckprobleme (→Innerer Hals – Schlucken – schwierig – feste Speisen: bapt, bar-c, carb-v, lach, nux-v, sil, …).

  • Es hat Koliken, die sich durch Überstrecken bessern (→Abdomen – Schmerz – Beugen – hinten, nach – amel.: bell, dios, kali-c, nux-v, …) und durch Zusammenkrümmen verschlimmern. Das Abdomen ist aufgetrieben und v. a. abends auch hart. Der Stuhl hat die Konsistenz von Lehm (calc, podo, sil, …).

Kleinkind und Schulkind
  • Das Kind ist verzogen oder vernachlässigt. Es ist äußerst reizbar und schreit bei jedem Anlass (→Gemüt – Schreien – Kindern, bei: borx, cham, cina, ign, med, nux-v, rheum, tub, …). Lac caninum ist auch ein Mittel für behinderte Kinder mit Neigung zu unstillbarem Schreien (→Gemüt – Idiotie – schrillem Schreien, mit: borx, tub). Charakteristisch ist Zorn im Wechsel mit Weinen (arn, bell, cann-s, plat).

  • Der Gesichtsausdruck ist ängstlich, das Kind fürchtet das Alleinsein, sieht Gesichter oder „Monster“ in der Dunkelheit und zittert aus Angst beim Treppensteigen (onos).

  • Das Schulkind leidet unter Konzentrationsstörungen und Rechtschreibschwäche. Es stottert, wenn es schnell spricht, und verspricht sich leicht; anstelle des beabsichtigten Wortes sagt es den Begriff eines Objektes, das es gerade sieht. Beim Schreiben lässt es Buchstaben aus (hydrog, hyper, lyc, nux-m, thuj, …). Es kann nicht bei der Sache bleiben (→Gemüt – Ausdauer, hat keine: bar-c, lach, med, sil, …).

Praxistipp

Alle körperlichen Beschwerden unterliegen einer ständigen Veränderung (→Allgemeines – abwechselnde Zustände: cocc, ign, kali-bi, lyc, puls, sulph, …) und sie wandern (→Allgemeines – Schmerzen – wandernd: cocc, kali-bi, kali-s, led, puls, …), v. a. wechseln sie immer wieder die Körperseite.

  • Das Gesicht verfärbt sich abwechselnd rot und blass (acon, ferr, …). Beide Nasenlöcher sind abwechselnd verstopft (gels, kali-bi, phos, …). Die Nase fühlt sich kalt an (camph, carb-v, verat, …). Bei Schnupfen kommt es zu weißlichem Sekret (nat-m, …); es ist scharf und macht Nase und Lippen wund. Manchmal entwickelt sich in der Nase ein Abszess (calc, hep, merc, sil, …).

  • Nach Aufenthalt in kaltem Wind kommt es zu einer Otitis media (→Ohr – Schmerz – Wind – kalter Wind: acon, ars-i, sep, spong, …). Die Ohrenschmerzen wechseln mehrmals die Seiten und verschlimmern sich durch Druck und Liegen auf dem betroffenen Ohr. Schließlich erscheint ein geruchloser grüner Ohrfluss (elaps, hep, kali-i, kali-s, lyc, merc, polys).

Praxistipp

Typisch ist eine Tonsillitis mit konfluierendem weißen Belag (kali-chl, nit-ac, phyt, …), der wie lackiert (nur lac-c), perlfarben (kali-bi, sang), glänzend oder schmutzig aussieht. Die Schmerzen sind schlimmer beim leer Schlucken und bessern sich durch kalte Getränke. Sie strahlen in die Ohren aus (nit-ac, nux-v, …) und wechseln die Seite. Die Zunge ist weiß belegt.

  • Streptokokkeninfekte führen zu einer massiven Lymphknotenschwellung (→Allgemeines – Schwellung – Drüsen, der – Scharlach – nach: am-c, bar-c). Der Hals ist äußerst berührungsempfindlich (bell, lach, nicc, …).

  • Das Kind hustet durch Kitzeln im Hals und schreckt beim Einschlafen durch Atemnot hoch (grin, lach, op, …).

  • Der Appetit ist groß, v. a. bald nach dem Essen tritt wieder Hunger auf. Häufig ist das Kind obstipiert; es versucht zu pressen, doch es gehen nur Flati ab (aloe, carb-v, nat-s, …).

  • Lac caninum hilft bei Enuresis nocturna mit Träumen vom Urinieren (→Blase – Urinieren – unwillkürlich – nachts – Träumen vom Urinieren, beim: kreos, ph-ac, sep, sulph, …). An den Fingern, besonders am kleinen Finger, treten Warzen auf.

Jugendlicher
  • Der Jugendliche hat einen sorgenvollen, ängstlichen Blick („Hundeblick“, Sankaran). Er lässt einen deutlichen Mangel an Selbstbewusstsein erkennen, verabscheut sich selber und findet sich auch körperlich unattraktiv (→Gemüt – Wahnideen – Krankheit – ekelhafte, schreckliche Krankheitsmasse; er sei eine (1): lac-c).

  • Gegenüber seiner Mutter oder seinen Eltern äußert er das Gefühl, vernachlässigt zu werden. Dies kann sogar in Hassgefühle umschlagen.

  • Seine Vorstellungskraft ist gesteigert zu verschiedenartigsten Wahnvorstellungen. Er ist erregbar und voller Ängste; typisch etwa die Angst, in Ohnmacht zu fallen (arg-n, plat, …) und die Furcht vor Schlangen (elaps, lach, …). Beim kleinsten Anlass wird er ernsthaft krank und meint, seine Krankheit sei unheilbar (→Gemüt – Wahnideen – Krankheit – unheilbare Krankheit, er habe eine: arg-n, ign, lach, lil-t, …).

  • Er ist unstet und kann nicht bei der Sache bleiben (→Gemüt – Ausdauer, hat keine: lach, med, …). Zudem ist er äußerst vergesslich. Er lässt z. B. den Einkauf liegen und geht weg (→Gemüt – Gedächtnis – Gedächtnisschwäche – tun wollte; für das, was er gerade: bar-c, sulph, …). Beim Sprechen benutzt er falsche Wörter.

Praxistipp

Lac caninum ist eines der Mittel bei Kopfschmerzen von Schulkindern (calc, calc-p, nat-m, ph-ac, puls, …), begleitet von Übelkeit und Erbrechen und verschlimmert durch Lärm. Typisch ist der Seitenwechsel der Beschwerden (iris, nux-v, …).

  • Der Jugendliche klagt über Schwindelattacken mit dem Gefühl zu schweben (calc-ar, …) oder beim Liegen das Bett nicht zu berühren.

  • Er hat einen salzigen Geschmack im Mund, nur Salziges schmeckt natürlich (nur lac-c). Beim Kauen knacken die Kiefer (nit-ac, rhus-t, …).

  • Lac caninum ist neben Causticum das einzige Mittel im Repertorium für Enuresis nocturna bei Jugendlichen (→Blase – Urinieren – unwillkürlich – nachts – Jugendlichen, bei: caust). Typisch dabei ist der Traum vom Urinieren.

  • Der Bewegungsapparat ist anfällig für Schmerzen im Gelenkbereich, etwa für einen schmerzhaft steifen Hals oder wandernde rheumatische Beschwerden auf wechselnder Seite.

  • Der Jugendliche hat heiße und empfindliche Handflächen und Fußsohlen, sodass er sie entblößen muss. Er ist überempfindlich und erträgt nicht, wenn Körperteile sich berühren; er kann z. B. nicht ertragen, dass sich die Finger berühren, und muss sie spreizen (lach).

  • Die Menses erscheinen zu oft und fließen reichlich, manchmal gussartig. Vor Beginn der Menses sind die Brüste schmerzhaft geschwollen. Das Menstrualblut riecht nach Ammoniak.

Arzneimittelbeziehungen
  • Miasma: alle Miasmen, Schwerpunkt auf dem syphilitischen Miasma

  • Ergänzungsmittel: nit-ac

Lachesis muta

#Lachesis mutaGift der Buschmeister-Schlange (Surukuku).
Leitsymptome
  • Geschwätzig (witzig, scharfzüngig)

  • Intensiv, leidenschaftlich, impulsiv

  • Eifersüchtig

  • Frühreif

  • Bläuliche Verfärbungen (bei Verletzung, Entzündung, Asphyxie etc.)

  • < Hitze

  • < Linke Seite; oder erst links, dann rechts

  • < Nach Schlaf, morgens beim Erwachen

  • < Berührung; verträgt keine Kleidung

  • > Wenn Sekretfluss einsetzt

Betroffene Organsysteme und Indikationen
  • Organsysteme: Wirkt v. a. auf Nervensystem, Blut, Herz, Kreislauf und endokrine Drüsen.

  • Indikationen: Indiziert u. a. bei Asphyxie, Asthma, Hämorrhagie, Herzerkrankungen, Krupp, Lymphadenitis, Migräne, Nephritis, Otitis, Phlegmone, Pupura, Scharlach, Tonsillitis und Verhaltensstörungen.

Geistes- und Gemütssymptome
  • Starke Triebhaftigkeit und Impulsivität. Überreizung, die ein Ventil sucht (Vithoulkas). Leidenschaftlich (kali-i, nat-c, nux-v, …), übererregt; überaktiver Geist. Ideenfluss, grenzenlose Energie, v. a. abends. Frühreif (aur, calc, calc-p, med, merc, phos, verat, …), begreift schnell (coff, op, phos, …). Hastig, muss alles ausprobieren (med). Chaotische Kreativität; originell, aber unsystematisch. Lustig und fröhlich abends, aber stumpf und traurig morgens beim Erwachen. Frühes Interesse für Sexualität (→Gemüt – lasziv: hyos, lil-t, orig, phos, pic-ac, plat, staph, …). Nymphomanie (apis, hyos, orig, plat, stram, …).

  • Geschwätzigkeit (→Gemüt – Redseligkeit: dulc, hyos, stram, …), < abends, nachts (→Gemüt – Redseligkeit – Schlaflosigkeit, mit – Mitternacht, besonders vor (1): lach), während der Menses. Redselig auch bei Fieber (bapt, gels, podo, pyrog, tub, …). Spricht affektiert, laut (bell, hyos, …), hastig (hep, hyos, merc, …), unterbricht andere, kann nicht aufhören, schweift ab, wechselt schnell das Thema (cimic, …). Fühlt sich durch Sprechen (= Ausscheidung) besser.

  • Extreme Eifersucht (apis, calc-s, hyos, med, nux-v, puls, stram, …), auf seine Geschwister, auf den Vater. Eifersucht bis hin zu Gewalttaten, Raserei und Delir (hyos). Körperliche Beschwerden durch Eifersucht. Ständig im Wettbewerb mit anderen.

  • Misstrauisch gegenüber den Motiven und dem Verhalten anderer. Weigert sich, seine Medizin einzunehmen (arn, hyos, stram, …). Furcht vor Vergiftung (hyos, rhus-t, …). Wahnidee, wird von Feinden verfolgt (bell, chin, hyos, kali-br, puls, …; Projektion eigener Feindseligkeit). Forschende seitliche, verstohlene Blicke.

  • Egoistisch (lyc, med, plat, puls, sulph, verat, …). Arrogant (lyc, plat, …), völlig von sich überzeugt, kritisiert ständig die anderen (→Gemüt – tadelt andere: ars, chin, merc, verat, …). Diktatorisch (→Gemüt – antwortet – diktatorisch: lyc, plat, sulph). Ehrgeizig (nux-v, plat, verat, …), will bewundert werden. Fasziniert von Geld, gibt es mit vollen Händen aus (dagegen sparsam: ars, sulph).

  • Boshaft, aggressiv, hinterhältig (nux-v, tarent, verat, …). Kann sich nicht ändern, wie einer fremden Macht ausgeliefert (→Gemüt – Gedanken – hartnäckig – Böses, an: manc, …). Verbal verletzend (sep), provoziert, blüht im Streit auf. Giftige Wutanfälle.

  • Dualismus – Gefühl, er habe zwei Willen (anac, naja, …). Gegensätzliche Impulse zur gleichen Zeit. Plötzlicher Wechsel zwischen Fröhlichkeit und Traurigkeit, Lachen und Streitsucht, Geiz und Verschwendung, zwischen geistigen und körperlichen Symptomen.

  • Schuldgefühle (→Gemüt – Wahnideen – Verbrechen, er habe ein Verbrechen begangen: ign, kali-bi, verat, …) mit Introvertiertheit und Schüchternheit. Melancholie, Angst und tiefe phobische Zustände < morgens (→Gemüt – Angst – morgens: ars, graph, phos, …; fehlt bei hyos). Furcht vor Schlangen (lac-c, …), vor Krankheiten. Gefühl, jemand wäre hinter ihm (med, …). Religiöse Ängste bei Kindern (→Gemüt – Angst – Seelenheil, um das: ars, aur, lil-t, sulph, verat, …), oder Mangel an religiösem Empfinden.

  • Tiefes Verlassenheitsgefühl (→Gemüt – Verlassenheit: aur, mag-c, merc, psor, puls, stram, …), oft Folge frühkindlicher Verlassenheit. Flaschenkind, nicht gestillt. Beschwerden durch Kummer, enttäuschte Liebe (aur, ign, nat-m, ph-ac, staph, …).

Allgemeinsymptome
  • Wetter: Warmblütig. Verschlimmerung durch Hitze, Sommer, Sonne, warme Anwendungen, warme Getränke. Aufsteigende Hitzewallungen.

  • Zeit: morgens beim Erwachen; schläft in die Verschlechterung hinein. Frühjahr und Herbst.

  • Verlangen: Mehlspeisen. Nudeln. Saures. Pickles. Starker Kaffee. Obst. Austern. Kalte Getränke. Unverdauliches.

  • Abneigung: Muttermilch. Brot. Warme Speisen.

  • Seite: Links. Erst links dann rechts.

  • Schlaf: Kann nicht einschlafen. Hellwach. Abend = kreativer Höhepunkt. Kann nicht links liegen (phos, …); schläft mit gespreizten Fingern. Ruhelos im warmen Bett, schlaflos durch Brennen der Fußsohlen (nur lach). Wirft sich herum und jammert. Schlafapnoe, fährt hoch, um Luft zu bekommen. Träumt von Schlangen. Schlaf verschlechtert alle Beschwerden.

  • Schweiß: Riecht nach Knoblauch; macht gelbe oder rötliche Flecken.

Causa und Modalitäten
  • Causa: Kummer. Verärgerung. Zorn. Schreck. Eifersucht. Liebeskummer. Veränderungen im Leben. Verlassenheit oder Overprotection. Verletzungen wie Distorsionen, Stichwunden, Wunden mit Vergiftung. Warmes Wetter. Zugluft.

  • < nach Schlaf. Morgens. Hitze. Warm Baden. Sommer. Frühjahr. Sonne. Leichteste Berührung (acon, apis, bell, chin, nux-v, …) oder Druck. Druck von Kleidung (lyc, nux-v, …). Unterdrückte Absonderungen. Heiße Getränke. Hormonelle Umstellung, Pubertät. Linke Seite. Liegen auf der linken Seite.

  • > Frischluft. Fließen von Absonderungen (Menses etc.). Kalte Getränke. Starker Druck.

Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit
  • Schwangerschaft: Depressionen, Abneigung gegen Gesellschaft. Sexuelles Verlangen vermehrt. Kindsbewegungen heftig, führen bis zur Ohnmacht. Haarausfall. Obstipation. Hämorrhoiden. Krampfadern. Thrombophlebitis. Proteinurie.

  • Geburt: Entbindung protrahiert durch Wehenschwäche oder Verkrampfung des Muttermundes. Extrem starker Wehenschmerz mit Erstickungsgefühlen, Zyanose und Kollaps.

  • Stillzeit: Nach der Entbindung Schmerzen im linken Ovar. Puerperalsepsis. Mutter schreit im Wochenbett und denkt ans Sterben. Muttermilch dünn und bläulich.

Neugeborenes
  • Lachesis ist oft angezeigt nach traumatischer oder protrahierter Geburt, bei Nabelschnurumschlingung und bei Anpassungsstörung mit Zyanose (camph, carb-v, dig, laur, naja, phos, …) oder Neugeborenen-Asphyxie (ant-t, camph, laur, op, …).

  • Es kann flankierend gegeben werden bei Amnion-Infektions-Syndrom und Sepsis (→Fieber – septisches Fieber: arn, ars, bapt, crot-h, pyrog, …), bei nekrotischer Enterocolitis (→Rektum – Diarrhö – Sepsis, durch: ars, carb-v, crot-h, pyrog, sulph, …) und bei Abszessen innerer Organe (canth, pyrog, …). Meist ist der Krankheitsverlauf rapide mit Beatmungspflichtigkeit (→Brust – Lähmung – Lunge: ant-t, carb-v, chin, …) und raschem Verfall.

  • Weitere Hinweise auf Lachesis sind Leukopenie (→Allgemeines – Agranulozytose: chloram, cortico, sulfa), Gerinnungsstörungen und Hämorrhagien, etwa Hirnblutung (acon, bell, cocc, gels, ip, op, …) oder Retinopathie mit Netzhautblutungen (→Augen – Bluten – Netzhautblutung: crot-h, phos, …).

  • Bei Obstruktionsileus, etwa durch Mekonium (→Abdomen – Darmverlegung: caust, op, plb, …), sollte ein Versuch mit Lachesis gemacht werden, wenn weitere Zeichen für dieses Mittel sprechen.

  • Nicht zuletzt sind Herzerkrankungen eine Indikation für Lachesis, insbesondere zyanotische Vitien mit Herzdilatation (→Brust – Erweiterung des Herzens: cact, laur, naja, nux-v, …) und kardialen Ödemen (→Allgemeines – Wassersucht – äußere Wassersucht – Herzens; durch Erkrankungen des: ars, aur-m, coll, lac-d, lyc, …).

Praxistipp

Neben Opium ist Lachesis das wichtigste Mittel bei Apnoen und Bradykardien, v. a. im ersten Schlaf (→Atmung – angehalten – Schlaf – Einschlafen, beim: grin, op, …), bis hin zum Herzstillstand (→Brust – Lähmung – Herz: carb-v, naja, op, …).

Säugling
  • Im Säuglingsalter ist Lachesis bei Residualzuständen von perinatalen Komplikationen angezeigt, etwa bei spastischen Lähmungen (→Extremitäten – Lähmung – spastisch: hyper, nux-v, stry, …) mit Betonung der linken Seite (→Extremitäten – Lähmung – Hemiplegie – links: apis, nux-v, rhus-t, …), und bei Zyanose-Anfällen (→Allgemeines – Zyanose – Kleinkindern, bei: camph, carb-v, dig, laur, naja, …) durch Herzvitien, bronchopulmonale Dysplasie oder Beinahe-Kindstod.

  • Die gesamte Haut oder Teile davon sind marmoriert (carb-v, crot-h, nux-v, verat-v, …). Oft findet man ein bläulich tingiertes Hämangiom (→Allgemeines – Tumoren – Angiom: ars, carb-an, phos, sil, thuj, …).

  • Das Baby schleckt mit der Zunge hin und her (→Mund – Bewegung – Zunge – Lecken, Schlecken – hin und her: cupr, hyos, sulph), streckt sie hervor (bufo, …) oder züngelt wie eine Schlange (cupr, merc, vip, …).

  • Es kommt zu Gedeihstörungen, weil es die Brust verweigert (→Magen – Abneigung – Milch – Muttermilch: ant-c, cina, merc, sil, …), weil die Nase verstopft ist (→Nase – Verstopfung – trinken, kann nicht (1): lach) oder weil es nicht richtig schlucken kann (→Innerer Hals – Schlucken – schwierig – Flüssigkeiten: lyss, stram, …). Flüssigkeiten kommen beim Versuch zu schlucken zur Nase heraus (arum-t, lac-c, lyc, …). Bei sondierungspflichtigen Babys kann ein Versuch mit Lachesis gemacht werden (→Innerer Hals – Lähmung: ars, caust, gels, op, stram, …).

  • Das Abdomen ist tympanitisch aufgetrieben, das Gesäß jedoch abgemagert (bar-m, nat-m). Manchmal tritt eine druckschmerzhafte Nabel- oder Leistenhernie heraus (→Abdomen – Hernie – Leistenhernie – empfindlich: bell, nux-v, sil).

  • Das Baby schreit vor oder während des Urinierens (apis, borx, lyc, nux-v, sanic, sars).

Kleinkind und Schulkind
  • Ein Kind mit Lachesis-Konstitution hat eine exzessive Energie (agar, arn, aur, fl-ac, lyss, med, nux-v, stram, verat nach Lamothe) und ist abends nicht ins Bett zu kriegen (→Gemüt – Bett – Abneigung gegen das: acon, cedr, …; →Gemüt – Furcht – Bett – vor dem: ars, caust, …). Meist ist es unruhig, führt Selbstgespräche, pfeift vor sich hin und ist ständig mit irgendetwas beschäftigt, aber bleibt nicht bei der Sache (→Gemüt – Ruhelosigkeit – treibt ihn von einem Ort zum anderen: ars, calc-p, …).

  • Es ist frühreif (→Gemüt – frühreife, altkluge Kinder: aur, calc, calc-p, carc, med, merc, phos, verat, …) mit einer sehr bildhaften, kreativen und gewählten Sprache. Vor allem aber ist es extrem redselig, sogar wenn es müde ist oder Fieber hat (gels, podo, teucr, tub, …).

  • Die Stimmung wechselt zwischen Fröhlichkeit und Streitsucht.

Praxistipp

Eifersucht ist das zentrale Thema: Eifersucht auf die Geschwister, auf den gleichgeschlechtlichen Elternteil, auf Freunde, sogar auf Tiere (caust, hyos, nux-v). Sie kann sich bis zum Tobsuchtsanfall oder zum Affektkrampf steigern (→Allgemeines – Konvulsionen – Eifersucht, durch).

  • Ein Kind mit Lachesis-Konstitution akzeptiert keine Autorität (→Gemüt – Widerspruch – Neigung zu: anac, caust, hep, lyc, nux-v, …) und keine Einengung. Es findet bei jedem den verwundbarsten Punkt und schlägt verbal zielgenau zu (wie eine Giftschlange). In der Schule ist es frech und faul, leidet unter Konzentrationsstörungen (→Gemüt – Konzentration – schwierig – Kindern, bei: bar-c, carc, graph, ph-ac, …) und hat Probleme wegen seiner Legasthenie (→Gemüt – Fehler – Schreiben: lyc, thuj, …).

  • Nachts ist es geplagt von einem Pavor nocturnus, und es hat schreckliche Angst, nach dem Aufwachen aus einem Albtraum wieder ins Bett zu gehen. Es möchte gerne gepflegt und gestreichelt werden (→Gemüt – magnetisiert – Verlangen, magnetisiert zu werden: calc, nat-c, phos, sil, …). Die sexuelle Erregbarkeit zeigt sich in einer Vorliebe für Masturbation; Knaben haben häufig eine Erektion (merc, tub, …).

  • Charakteristisch für Lachesis sind scharfe, stinkende Absonderungen und eine livide Verfärbung der befallenen Regionen. Generell besteht eine starke Blutungsneigung, schon kleine Wunden bluten viel (phos, …), bis hin zu Petechien oder einer Purpura Schönlein-Henoch (led, phos, sec, sul-ac, ter, …). Das Kind bekommt Nasenbluten beim Bohren mit dem Finger und Zahnfleischbluten beim Zähneputzen.

  • Es hat Schwierigkeiten mit seiner Zunge: Sie hängt heraus oder kann nur schwer herausgestreckt werden; sie ist geschwollen, trocken, zittert beim Herausstrecken und verfängt sich zwischen den Zähnen. Folge ist eine undeutliche Sprache, u. a. ein Sigmatismus interdentalis (→Mund – Sprache – lispelnd: acon, ars, nux-v, verat, …) und Stottern: typischerweise beim zweiten oder dritten Wort eines Satzes, mit Verzerrung des Gesichts.

  • Das Kind hat eine linksseitige Tonsillenhyperplasie mit geschwollenen Blutgefäßen (→Innerer Hals – Krampfadern – Tonsillen: bar-c, bar-m, brom, cench, ham), und eine Lymphknotenschwellung auf der gleichen Seite am Hals.

Praxistipp

Lachesis ist angezeigt bei akuter und rezidivierender Tonsillitis (→Allgemeines – Krankengeschichte, von – Tonsillitis, von wiederkehrender: bar-c, calc-p, carc, hep, lyc, psor, sil, sulph, tub, …), wenn der Schmerz von links nach rechts wandert, ins Ohr ausstrahlt und durch warme Getränke (apis, lyc, phyt, …), Berührung und leer Schlucken (bar-c, kali-c, …) schlimmer wird. Der Rachenraum ist bläulichrot, es besteht ein starker Foetor ex ore.

  • Bei Scharlach ist das Kind schwer krank, mit dunklen oder purpurfarbenen Lippen und Tonsillen und septischen Temperaturen. Komplikationen sind Schwerhörigkeit (carb-v, lyc, sulph, …), Nephritis (→Allgemeines – Wassersucht – äußere Wassersucht – Scharlach, nach: apis, ars, hell, ter, …), Hämaturie, Endokarditis (→Brust – Entzündung – Herz – Endokard – rheumatisch: ars, aur, cact, kalm, phos, spig, …) oder Arthritis (→Innerer Hals – Entzündung – Tonsillen – gefolgt von – Rheumatismus: echi, guaj, kali-s, phyt, rhod).

  • Auch bei linksseitigem Mumps kann Lachesis angezeigt sein (→Gesicht – Schwellung – Parotis – links: brom, rhus-t, …).

  • Häufiges Problem ist eine Otitis media links mit nächtlichen Schmerzen (dulc, merc, puls, …) und Schmerzen beim Schlucken (apis, nit-ac, nux-v, …). Einhüllen und Liegen auf dem Ohr bessern. Die Ohren sind sehr empfindlich gegen Wind (cham, lyc, mez, …).

Praxistipp

Äußerer Hals und Kehlkopf sind extrem berührungsempfindlich; das Kind kann nichts Enges um den Hals vertragen.

  • Morgens treten Niesanfälle auf, die allmählich in Krupphusten oder Asthma übergehen. Bald nach dem Einschlafen kommt es zu heftigen Atemnotanfällen mit Zyanose und Erstickungsgefühl (grind, op, …). Das Kind muss sich aufsetzen und nach vorne beugen (ars, kali-c, spong, …) oder es reißt sich die Kleider auf, will das Fenster geöffnet und frische Luft zugefächelt haben.

  • Häufigste Auslöser für Asthma bronchiale sind Pollenflug und Eifersucht (apis, puls, sulph, …). Die Atemnot wird schlimmer an warmer Luft und während oder nach dem Schlaf.

  • Gelegentlich kommt es zu einer linksseitigen Lobärpneumonie (→Brust – Hepatisation der Lungen – links: lyc, myrt-c, phos, sulph).

  • Das Abdomen ist sehr druckempfindlich, das Kind verträgt keine enge Kleidung. Meist hat es eine hartnäckige Obstipation. Das Pressen führt zu schmerzhaften bläuliche Hämorrhoiden (aesc, carb-v, mur-ac, …) und ist so schmerzhaft, dass es aufgeben muss.

  • Es neigt zu Abszessen und Eiterungen, etwa Appendizitis (→Abdomen – Entzündung – Zökum: apis, bell, bry, merc, op, rhus-t, thuj, …) oder Panaritien mit Nagelverlust und Lymphangitis (→Extremitäten – Nagelgeschwür – Lymphgefäße, entzündete: all-c, bufo, hep, rhus-t). Wunden heilen schlecht, verfärben sich bläulich und bilden wildes Fleisch (ars, sil, …). Unter anderem auch bei Bisswunden (lyss, …) und rezidivierendem Kopflausbefall kann Lachesis hilfreich sein.

Jugendlicher
  • Beim Jugendlichen zeigen sich alle Charaktermerkmale der Lachesis-Konstitution. Er ist ein Sprachkünstler, seine Sprache ist spöttisch, sarkastisch oder albern (bell, chin, hyos, nux-m, stram, …), und er diskutiert und theoretisiert gerne (cann-i, sulph, …). Auch führt er gern Selbstgespräche. Mädchen sind während der Menses kaum im Reden zu bremsen.

  • Der Gesichtsausdruck des Jugendlichen ist eher kränklich (ars, cina, lyc, …), aber er hat faszinierende Augen und einen durchdringenden Blick. Insbesondere morgens leidet er unter linksseitigem Kopfschmerz, verstärkt nach Aufenthalt in der Sonne oder nach Alkoholgenuss, mit großer Blässe. Er ist sehr schmerzempfindlich und jammert viel (coloc, mag-p, nux-v, …).

  • Ein großes Thema ist die Eifersucht, die alles und jeden betrifft und wahnhafte Züge annehmen kann (→Gemüt – Delirium – Eifersucht, durch: hyos). Die Wahnideen (mehr als 100 verschiedene Wahnideen im Repertorium!) können sich bis zur Paranoia und Schizophrenie steigern (→Gemüt – Wahnideen – Einfluss; er stehe unter einem mächtigen: hyos, stram, …).

  • Verschiedenste Gemütsstörungen begleiten die Zeit um die Pubertät: Gleichgültigkeit und Apathie, Depressionen mit Verlassenheitsgefühlen, aber auch Hysterie (ant-c, ther). Der Jugendliche neigt zu Alkohol- und Drogenmissbrauch (auch schon bei den Eltern; syph).

  • In der Schule kommt es zu Problemen durch Konzentrationsstörungen, aber auch durch seinen Hang zum Chaos (→Gemüt – chaotisch – ordentlich machen, kann nichts: stram). Am liebsten spielt er seinen Mitschülern und Lehrern boshafte Streiche.

Praxistipp

Typische Lachesis-Symptome im körperlichen Bereich sind starke Schmerzempfindlichkeit und große Schwäche mit Zittern. Alle Beschwerden sind eher linksseitig und schlechter durch Wärme und morgens beim Erwachen. Eine Besserung tritt immer dann ein, wenn ein Sekretfluss oder der Menstruationsfluss einsetzt.

  • Äußerlich wird kein Druck und keine Kleidung vertragen, der Hals ist immer unbedeckt, die Kleidung lose.

  • Sein Kreislauf ist labil, er hat Herzklopfen, Hitzewallungen und Orthostaseprobleme. Gesicht und Hände sind dunkel- bis bläulichrot gefärbt oder marmoriert, mit erweiterten Venen oder deutlich sichtbarer Venenzeichnung (calc, carb-v, crot-h, …).

  • Der Jugendliche leidet an Heuschnupfen oder Heuasthma. Hat er Husten, so muss er würgen, als ob etwas Flüssigkeit den falschen Weg genommen hätte oder als säße ein Krümel im Kehlkopf.

  • Er fährt häufig mit der Zunge über die Lippen, denn sie sind sehr trocken und rissig (→Gesicht – Exkoriation – Lippen: ars, arum-t, …).

  • Beim Schnäuzen kommt es zu Nasenbluten, v. a. vor den Menses. Nach Zahnausfall oder Zahnextraktion blutet es anhaltend.

  • Typische Hauterkrankungen sind Erysipel, Purpura, Petechien und Ekchymosen. Verletzungen, Distorsionen oder Insektenstiche fallen durch eine bläuliche Schwellung auf.

  • Bei den Mädchen ist die Menarche verzögert, die Menses kommen nur in großen Abständen (caust, graph, kali-c, lyc, nat-m sulph, …).

Arzneimittelbeziehungen
  • Miasma: alle Miasmen, auch Akutmittel (wirkt prompt, nicht wiederholen!)

  • Folgt gut auf: ars, bell, merc, nit-ac, hep

  • Bewährte Folgemittel: acon, alum, ars, bell, brom, cact, calc, carb-v, caust, chin, cic, con, euphr, hep, hyos, kali-bi, lac-c, lyc, merc, merc-i-fl, nat-m, nux-v, olnd, phos, puls, rhus-t, sil, sulph, tarent

  • Ergänzungsmittel: ars, bac, calc, carb-v, caust, crot-h, cupr, hep, iod, kali-i, lyc, nit-ac, phos, pyrog, thuj

  • Unverträglich mit: acet-ac, am-c, carb-ac, dulc, nit-ac, psor, sep

  • Antidote: alum, ars, bell, calc, caps, carb-v, cham, chin, cedr, cocc, coff, hep, led, merc, nat-m, nit-ac, nux-m, nux-v, op, ph-ac, rhus-t, samb, sep, tarent, verat. Essig, Säuren, Wein

Lycopodium clavatum

#Lycopodium clavatumKeulenbärlapp.
Leitsymptome
  • Mangel an Selbstvertrauen, Angst vor Neuem

  • Kompensation durch Wichtigtun, Bestimmen, Hochmut

  • Distanziert

  • Reizbar beim Erwachen

  • Legasthenie

  • Rechte Seite

  • 16:00–20:00 Uhr (oder 3:00–4:00 Uhr)

  • Verlangen nach Süßem, Abneigung gegen kalte Getränke

  • Blähungen

  • Gerunzelte Stirn

Betroffene Organsysteme und Indikationen
  • Organsysteme: Wirkt v. a. auf Gemüt, Verdauungstrakt, Harnorgane, Haut und rechte Körperhälfte.

  • Indikationen: Indiziert u. a. bei allergischen Erkrankungen, Angst, Asthma, Bronchitis, Bulimie, Diabetes, Entwicklungsverzögerung, Ekzem, Harnwegsinfekten, Hepatitis, Hernie, Koliken, Kopfschmerzen, Lernstörungen, Otitis media, Pharyngitis, Pneumonie, Sinusitis, Tonsillitis, Warzen, Zystitis.

Geistes- und Gemütssymptome
  • Mangel an Selbstvertrauen (anac, bar-c, sil, …). Muss beweisen, dass er besser ist als andere. Starke Sorge um sein Image. Erfolgsorientiert, fühlt sich nur geliebt, wenn er erfolgreich ist. Angst sich zu blamieren (sil), ausgelacht zu werden (bar-c, calc, nat-m, puls). Gibt nie eigene Schwächen zu, will immer im besten Licht erscheinen. Vorsichtig, umsichtig, kritisch, misstrauisch, argwöhnisch (nur lyc vierwertig), feige (am-c, bar-c, gels, op, …), meidet alles Neue und Unbekannte (→Gemüt – Furcht – unternehmen; irgendetwas zu: arg-n, ars, bar-c, …). Meidet Verantwortung (oder ist sehr verantwortungsvoll).

  • Erwartungs- und Prüfungsangst mit Durchfall. Angst aus dem Magen heraus. Angst vor einer Verabredung (arg-n, gels, nat-m, …), vor Auftritten in der Öffentlichkeit (anac, arg-n, gels, sil, …) – auch wenn gut vorbereitet. Fühlt sich hilflos (nur lyc dreiwertig).

  • Ängstlich. Angst alleine (arg-n, ars, hyos, kali-c, phos, …), Furcht vor Menschen, vor Fremden, vor Annäherung von Menschen. Weitere Ängste: vor Dunkelheit, vor seinem eigenen Schatten, vor Gespenstern (acon, carb-v, phos, puls, sulph, …), vor Geräuschen an der Tür, vor Unglück, bei stürmischem Wetter; Gewitter (nat-m, phos, …). Angst, wenn der Zug in einem Tunnel ist (arg-n, stram). Außer sich vor Angst (acon, nux-v, puls, …).

  • Kompensatorisch aufgeblähtes Ego (→Gemüt – Geziertheit, Affektiertheit: hyos, stram, verat, …). Arrogant (plat, sulph, verat, …), rechthaberisch. Angeber (→Gemüt – Prahler: med, sulph, …). Liebt Komplimente, auch wenn sie nicht stimmen (wie sulph). Egoistisch. Diktatorisch (→Gemüt – diktatorisch: chin, cupr, med, merc, lach, plat, sulph, …); tyrannisiert Schwächere oder Abhängige (Familie, Mutter) und fürchtet Überlegene (Vater). Ehrgeizig, setzt alle erdenklichen Mittel ein. Erdrückt andere durch seine Stärke und Distanz. Gewissenhaft, sehr genau, nichts bleibt dem Zufall überlassen. Sparsam, geizig (ars, chin, merc, puls, sep, …).

  • Reizbar und mürrisch < morgens (nit-ac, nux-v, tub, …) durch angstvolle Anspannung vor dem neuen Tag. Verträgt keinen Widerspruch (aur, ign, sep, …), nimmt alles übel (→Gemüt – beleidigt, leicht: ars, carc, caust, nux-v, staph, tub, …). Zorn heftig und schnell (cham, nux-v, …). Unverschämt (plat, …), grob (verat, …). Führt Streitgespräche mit abwesenden Personen.

  • Anpassungsfähig, diplomatisch. Überlebenskünstler. Abneigung gegen Streit, geht Streit aus dem Weg (mag-c, mag-m, …). Ignoriert Probleme und sitzt sie aus. Wechselt einfach das Thema; will niemanden ändern (ars, nat-m dagegen schon), aber beharrt auf seinem Standpunkt. Gewohnheitsmensch. Konservativ, vermeidet Veränderungen aus Vorsicht (calc aus Trägheit). Selbstzufrieden (nat-m, lach eher unzufrieden), dadurch unverwüstlich.

  • Distanziert. Will nicht umarmt werden (sep). Lässt sich emotional auf nichts ein (→Gemüt – Gefühle – beherrscht vom Verstand: nat-m, nit-ac, plb, valer, viol-o, …), fehlende emotionale Wärme. Hält frustrierenden Abstand; will andere um sich haben, solange sie nichts von ihm wollen. Einzelgänger, findet schwer Freunde. Als Patient ungeduldig, erwartet, dass sein Körper funktioniert, gibt wenig Informationen über sich und seine Krankheit, weicht aus und theoretisiert, wenig Modalitäten (sulph).

  • Sentimental. Weint, wenn ihm gedankt wird, wenn er sich freut, bei Trost, bei Komplimenten.

Allgemeinsymptome
  • Wetter: Empfindlich gegen Zugluft. Verfroren oder warmblütig. Stubenhocker.

  • Zeit: nachmittags 16:00–20:00 Uhr, nachts 3:00–4:00 Uhr.

  • Verlangen: Warme Speisen, warme Getränke. Süßes. Zucker. Delikatessen. Kuchen. Konservativ – könnte immer das gleiche essen. Eher häufigere kleine Portionen.

  • Abneigung: Fleisch, Fett. Saures. Salz. Gekochte Zwiebeln. Kohlgemüse. Suppe. Mehlspeisen und Brot. Alles schmeckt sauer.

  • Seite: Rechts. Erst rechts, dann links (Schlüsselsymptom; sabad, …).

  • Schlaf: Liegt auf der rechten Seite, auf dem Bauch oder auf Knien und Ellenbogen. Spricht, lacht (sulph, …), schreit (borx, puls, tub, zinc, …), die Augen halb geöffnet. Zähneknirschen. Wacht auf vor Hunger (ant-c, petr, psor, …). Schlaflos ab 4:00 Uhr morgens. Schlafwandeln, klettert auf das Dach. Pavor nocturnus, schreckliche Träume wecken ihn, wacht erschreckt auf und weiß nicht wo er ist (calc, puls, stram, …).

  • Schweiß: Übelriechender Achsel- und Fußschweiß (bar-c, graph, kali-c, nit-ac, sil, thuj, …). Schweiß riecht sauer oder nach Zwiebeln. Rezidivierende axilläre Schweißdrüsenabszesse (Spinedi).

Causa und Modalitäten
  • Causa: Furcht, Schreck. Verdruss. Zorn. Angst. Autoritäre Erziehung, Demütigung, Ohnmachtsgefühle. Fahren. Überheben.

  • < 16:00–20:00 Uhr. Erwachen. Rechte Seite. Große Hitze oder Kälte. Sturm. Kalt trinken. Kleidungsdruck. Fasten. Bohnen, Erbsen und anderes blähendes Gemüse. Schokolade. Milch.

  • > Warm Trinken oder Essen. Entblößen. Bettwärme (aber warmer Raum agg). Bewegung. Aufstoßen.

Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit
  • Schwangerschaft: Heftige Kindsbewegungen „wie Purzelbäume“; führen zu Schlaflosigkeit. Schwangerschaftsübelkeit. Diarrhö, Obstipation. Vergeblicher Harndrang. Kalte Füße, Krampfadern, Ödeme. Menses während der Schwangerschaft.

  • Geburt: Sturzgeburt; oder protrahiertre Entbindung durch rigiden Muttermund und Wehenschwäche. Wehen laufen nach oben. Falsche Wehen.

  • Stillzeit: Schlaflosigkeit und Harnverhaltung. Schwäche durch Stillen. Milch blutig durch Risse in den Brustwarzen.

Neugeborenes
  • Das Neugeborene ist mager, v. a. im Schulterbereich, und hat Falten auf der Stirn (→Gesicht – gerunzelt – Stirn: cham, nux-v, syph, …). Ein Icterus prolongatus führt zu gelblich-gräulichem Hautkolorit. Oft findet man eine Haltungsasymmetrie, der Kopf ist nach einer Seite gezogen (bar-c, caust, lach, nux-v, …). Der rechte Fuß ist heiß, der linke Fuß ist kalt.

  • Zum Leidwesen der Eltern hat das Baby einen umgekehrten Tag-Nacht-Rhythmus: Es schläft den ganzen Tag, aber schreit die ganze Nacht. Das Stillen kommt nur schwer in Gang, weil es die Muttermilch verweigert (borx, calc, calc-p, mag-c, sil, …).

  • Es schnieft ständig (dulc, merc, nux-v, puls, samb) und macht die Nasenflügel weit, um Luft zu bekommen.

  • Die Windel ist rot von Ziegelmehl (→Urin – Sediment – Sand – rot: arn, ars, phos, sep, …). Lycopodium ist eines der Mittel bei Harnverhaltung (acon, apis, canth, …).

  • Auf der Haut findet man viele Naevi und braune Leberflecken, v. a. am Bauch. Die Aftergegend ist wund; beim Abwischen beginnt sie zu bluten.

  • Seltenere Probleme sind eine rechtsseitige Leistenhernie (nux-v, …), ein Nabelbruch, ein Herzfehler mit kardialen Ödemen (ars, aur-m, lach, …) oder ein Hydrozephalus (apis, calc, sil, …).

Säugling
  • Das Baby fremdelt schon sehr früh, auffallend heftig und über lange Zeit, v. a. bei Männern (→Gemüt – Furcht – Männern, vor: cic, lach, nat-c, puls). Überhaupt ist es ängstlich (→Gemüt – Furcht – Kindern, bei: bar-c, calc, carc, caust, sep) und mürrisch, runzelt die Stirn, lächelt selten und lässt sich nicht gerne anfassen (ant-c, arn, cham, chin, cina, kali-c, sil, tarent, …). Es jammert viel (calc-p, …) und mag nicht spielen (bar-c, cina, hep, rheum, sulph, …). Es ist zufrieden, wenn die Mutter in Reichweite ist, weint aber sofort, wenn sie das Zimmer verlässt.

  • Gelegentlich beobachtet man Koordinationsstörungen (→Allgemeines – lokomotorische Ataxie: arg-n, ign, mag-p, nux-v, phos, stram, tarent, …). Lycopodium kann auch indiziert sein bei Risikokindern mit herabgesetztem Muskeltonus („Floppy infant“), schlechter Kopfkontrolle und einschießenden Streckspasmen.

Praxistipp

Meist besteht von Geburt an ein seborrhoisches Ekzem (calc, med, psor, sulph, tub, …): Am Kopf ein krustiger Milchschorf, im Gesicht (cic, graph, petr, psor, rhus-t, …) und hinter den Ohren (bar-c, calc, graph, kali-c, sil, …) ein feuchtes oder schorfiges Ekzem, in den Hautfalten Intertrigo (→Haut – Intertrigo: caust, graph, kreos, sulph, …).

  • Die Nase ist verstopft mit dickem Eiter (calc, sil, …), was v. a. nachts zu chronischem Schniefen führt (aur, med, nux-v, samb, …). Das Kind fährt aus dem Schlaf hoch und reibt sich die Nase.

  • Nachts wacht das Baby hungrig auf (chin, phos, psor). Es leidet unter heftigen Dreimonatskoliken (→Abdomen – Schmerz – krampfartig – Kindern; bei – Säuglingen; bei: arg-n, carb-v, cham, cina, coloc, cupr, mag-c, mag-p, nux-v, staph, …). Bald nach der Mahlzeit wird das Abdomen durch massive Gasbildung aufgetrieben (carb-v, chin, nux-v, …), v. a. im Bereich des Unterbauches (carb-v eher Oberbauch). Auch Schluckauf (calc, nux-v, puls nach Herscu), Würgen oder Erbrechen quälen das Baby. Es schreit heftig und will getragen werden (cham, cina, kali-c, kreos, …). Aufstoßen bringt keine Erleichterung, erst der Abgang von Flati bessert (carb-v, mag-c, …).

  • Lycopodium kann hartnäckige Obstipation heilen (→Rektum – Obstipation – Kindern, bei: calc, nux-v, op, …). Der Stuhl ist zuerst hart und schwierig, dann weich und spritzend. Während des Pressens kann ein Analprolaps austreten (ign, podo, sep, …).

  • V. a. bei Fieber hat das Kind roten Sand im Urin. Es schreit vor dem Wasserlassen (borx, sars, …) und hat vergeblichen Harndrang. Nachts dagegen ist die Windel voll mit Urin (→Urin – reichlich – nachts: calc-f, sulph, …).

  • Lycopodium kann auch bei Hüftdysplasie angezeigt sein (→Extremitäten – Verrenkung – Hüfte; spontanes Verrenken der: calc, calc-f, caust, rhus-t, thuj, …).

Kleinkind und Schulkind
  • Das Kind ist frühreif (carc, lach, med, merc, phos, … nach Lamothe) und macht einen vernünftigen oder auch altklugen, besserwisserischen Eindruck. Es fragt viel (sulph) und weiß mehr als seine Altersgenossen. Seine Sprache ist gewählt und überlegt. In der Anamnese versteht es, sich optimal darzustellen und mehr oder weniger diskret seine Vorzüge ins rechte Licht zu rücken. In diesem Sinne verfolgt es genau, was die Mutter berichtet, um sie zu korrigieren, wenn etwas Negatives zur Sprache kommt.

  • Das Selbstbewusstsein ist jedoch schlecht entwickelt (→Gemüt – halten – Hand der Mutter, Kind hält ständig: bism, kali-c, lil-t). Das Kind ist unentschlossen und schreit bei Entscheidungsdruck. Die Furcht vor Menschen (→Gemüt – Furcht – Menschen, vor – Kindern, bei: bar-c, cham) macht es eher zum Einzelgänger. Es fürchtet jedoch auch das Alleinsein. In neuen Situationen oder bei Herausforderungen hat es Furcht zu versagen; es ist sehr vorsichtig, schnell entmutigt und weint dann (→Gemüt – entmutigt – Weinen, mit: bar-c, carb-v, …).

  • Im Kontakt mit Fremden oder im Kindergarten und in der Schule wirkt es schüchtern oder angepasst, zu Hause oder unter Freunden kommandiert es dagegen gerne (ars, nux-v): „Zuhause der Bär, draußen der Lapp“. Es ist ausgesprochen leicht gereizt (nux-v), v. a. morgens beim Erwachen und nachmittags zwischen 16:00 Uhr und 20:00 Uhr. Dann beschimpft es seine Eltern (cham, hyos, nat-m, nux-v, tarent, tub, …) und schlägt, stößt oder tritt sie (sanic). Um seine Machtliebe zu befriedigen, spielt es gerne mit Jüngeren, die es oft auch schlecht behandelt und schlägt (tub schlägt auch ältere Kinder). Die Reizbarkeit wird extrem, wenn das Kind krank ist (nur lyc), v. a. wenn das Fieber ansteigt (→Gemüt – Reizbarkeit – Frost, während: calc, caps, plat, rheum, …).

  • Ein großes Problem im Schulalter ist die Legasthenie (→Gemüt – Fehler – Schreiben, bei: kali-br, hyper, lach, nux-v, thuj, tub, …). Das Kind verwechselt Buchstaben, lässt Buchstaben, Silben oder ganze Wörter aus oder fügt Buchstaben hinzu. Es kann oft selber nicht lesen, was es geschrieben hat. Auch beim Sprechen macht es Fehler (→Gemüt – Fehler – Sprechen, beim: chin, …).

  • Typisch für Lycopodium ist ein lebhafter Intellekt, aber schwache Muskelkraft (→Allgemeines – Schwäche – Kindern, bei: bar-c, calc, kali-c, sulph, …). Das Kind ist klein, hat eine schmale Brust (→Brust – Abmagerung – Schlüsselbeine, im Bereich der: nat-m, tub), einen schmalen Hals (→Rücken – Abmagerung – Zervikalregion: calc, nat-m, sanic, sars, …) und magere Arme (iod, plb, …), aber einen wohlgeformten Kopf. Das Abdomen dagegen ist rund und aufgetrieben. Die Füße sind beim Gehen einwärtsgerichtet (Coxa antetorta).

  • Lycopodium findet sich in der kleinen Rubrik →Allgemeines – Aussehen – dunkel – blaue Augen und dunkle Haare: lach, nat-m, sep. Das Gesicht hat eine gräuliche oder gelbliche Farbe und wirkt kränklich (ars, cina, lach, …). Typisch sind Sommersprossen (phos, sulph, …) und Falten auf der Stirn. Die Zähne sind gelb gefärbt.

  • Das Kind hat eine starke Neigung zu fieberhaften Infekten, die mit saurem Erbrechen einhergehen. Nicht selten entwickelt sich eine rechtsseitige Otitis media, häufig mit dick-gelbem, übelriechendem Ohrfluss. Auch als Komplikation von Scharlach (aur, carb-v, merc, psor, …) oder Masern (puls, …) kommt es zur Otitis, mit anhaltender Hörschwäche (→Hören – schwerhörig – Scharlach, nach: carb-v, sulph, …). Die Ohren sind empfindlich gegen Wind (cham, lach, …).

Praxistipp

Typisch ist eine rezidivierende rechtsseitige Tonsillitis, die dann nach links übergeht (lac-c, sulph); der Schluckschmerz bessert sich durch warme Getränke (ars, hep, …). Lycopodium kann bei Tonsillenhyperplasie (→Innerer Hals – Schwellung – Tonsillen: bar-c, calc, hep, lach, sil, sulph, tub, …) und hyperplastischen zervikalen Lymphknoten indiziert sein.

  • Schnupfen führt zu erhöhter Geruchsempfindlichkeit (nat-m und puls zu Geruchslosigkeit) und Nasenflügeln. Nach Krupphusten kann eine anhaltende Heiserkeit zurückbleiben (carb-v). Lycopodium wirkt gut bei chronischem trockenen Husten von schwächlichen, mageren Kindern (nur lyc). Beim Einschlafen plagt sie das Gefühl, als würden sie im Kehlkopf mit einer Feder gekitzelt; sie legen den Kopf nach hinten und husten anhaltend.

  • Typische Komplikation ist eine Pneumonie rechts basal, mit Nasenflügeln (ant-t, kreos, phos, sulph, …) und Stirnrunzeln. Auch bei einer verschleppten Pneumonie kann Lycopodium durchschlagend wirken (→Brust – Entzündung – Lungen – vernachlässigt: sil, sulph, …).

  • Schlüsselsymptome von Lycopodium sind Ruhelosigkeit im Sitzen, besser beim Gehen im Freien, und Tics im Gesicht. Bei Hunger nimmt die Unruhe zu. Das Kind wacht sogar nachts vor Hunger auf.

  • Beim Essen hat es zunächst keinen Appetit, bekommt aber Heißhunger, wenn es anfängt zu essen. Die geringste Nahrungsaufnahme verursacht Völlegefühl (chin, ferr) und Meteorismus. Kalte Getränke rufen Diarrhö hervor (ars, carb-v, nux-m, …). Das Kind hat Reiseübelkeit.

  • Lycopodium wirkt gut bei Torticollis (lachn, nux-v, phos, …) und bei Hautausschlägen in der Zervikalregion (psor, sil, …). Weitere Indikationen sind chronische Urtikaria, Hepatitis (→Abdomen – Entzündung – Leber: chel, nat-s, nux-v, …) Hepatomegalie sowie eine rechtsseitige Pyelonephritis.

Jugendlicher
  • Der Jugendliche ist ein Misanthrop mit Abscheu vor dem Leben. Er ist reizbar und kann heftigen Zorn entwickeln (→Gemüt – töten, Verlangen zu – Messer – mit einem Messer: hep, hyos, merc, nux-v, stram, …), den er aber versucht zu unterdrücken (→Gemüt – Zorn – Kummer, mit stillem: ign, nat-m, staph, …).

  • Da er selber gerne den Ton angibt, leidet er sehr unter autoritären Lehrern (→Gemüt – Beschwerden – Uneinigkeit zwischen – Vorgesetzten und Untergebenen: ars, nux-v, …). Vor Prüfungen und Schulaufgaben ist er schlaflos und nervös.

  • Sein äußeres Erscheinungsbild ist sehr korrekt, die Kleidung eher konservativ. Er sieht vorgealtert aus, denn er hat eine faltige Stirn und oft vorzeitigen Haarausfall (→Kopf – Haar – Kahlköpfigkeit – jungen Menschen, bei: bar-c, sil, tub, …) oder graue Haare. Auffallend ist ein unwillkürliches Kopfschütteln.

  • Nachts hat er Fressattacken (Bulimie), morgens ist er appetitlos. Er neigt zu Flatulenz, daher verträgt er keine enge Kleidung am Bauch (lach, nux-v, …). Bei Reisen leidet er unter Obstipation (alum, ign, nux-v, op, plat, …).

  • Erkältungskrankheiten enden in einer Sinusitis frontalis (→Nase – Katarrh – erstreckt sich zu – Stirnhöhlen: merc, sil, …) oder einer rechtsseitigen Pneumonie mit salzig schmeckendem Auswurf.

Praxistipp

Der Jugendliche verhebt sich leicht (calc, graph, rhus-t, …) und klagt über Rückenschmerzen durch eine Kyphoskoliose (→Rücken – Krümmung der Wirbelsäule – Schmerz in der Wirbelsäule: aesc, sil). Typisch ist ein Hitzegefühl oder brennender Schmerz zwischen den Schulterblättern (phos, …). Es besteht eine Anfälligkeit für Erkrankungen des Bindegewebes und der Gelenke, einschließlich Rheuma.

  • Im Urin setzen sich ziegelfarbene Uratkristalle ab – Vorboten möglicher Nierenkoliken. Manchmal findet sich auch eine Glukosurie (→Urin – Zucker: ph-ac, phos, …). V. a. Mädchen entwickeln eine rezidivierende schmerzhafte Zystitis oder eine rechtsseitige Pyelonephritis.

  • Junge Männer neigen zur Promiskuität und leiden in einer festen Beziehung unter Impotenz mit kleinem und kaltem Penis. Bei den Mädchen ist die Entwicklung der Genitalien (calc-p) und die Menarche verzögert, die Monatsblutungen kommen in großen Abständen. Die Vagina ist trocken, der Koitus entsprechend schmerzhaft; es entsteht daher rasch eine Abneigung gegen Sexualverkehr.

  • Die Handflächen sind trocken, an den Händen oder Armen finden sich Warzen. Die Fußsohlen sind sehr empfindlich (kali-c, med, …) wegen schmerzhaften Schwielen, schmerzhaften Hühneraugen und rissiger Haut an den Fersen. Weitere mögliche Indikationen für Lycopodium sind Neurodermitis, Psoriasis und Akne.

Arzneimittelbeziehungen
  • Miasma: multimiasmatisch, Psora

  • Folgt gut auf: calc, carbo-v, chel, graph, iod, lach, nux-v, sulph

  • Bewährte Folgemittel: anac, bell, bry, carb-v, colch, dros, dulc, graph, hydr, hyos, kali-c, lach, led, nux-v, phos, puls, sep, sil, stram, sulph, ther, verat

  • Bewährte Mittelfolge: sulphcalclyc

  • Ergänzungsmittel: abrot, benz-ac, berb, bry, calc, carb-v, chel, chin, coloc, dulc, fl-ac, ign, iod, ip, kali-c, kali-i, lach, led, mag-c, nat-m, nit-ac, nux-m, phos, puls, rhus-t, sil, sulph, thuj

  • Unverträglich mit: coff, nux-m, zinc; vor calc, nach sulph

  • Antidote: acon, camph, caust, cham, chin, coff, graph, lach, nux-v, plb, puls

Magnesium carbonicum

Magnesiumkarbonat#Magnesium carbonicum (MgCO3).
Leitsymptome
  • Verträgt keinen Streit