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B978-3-437-56313-3.00017-0

10.1016/B978-3-437-56313-3.00017-0

978-3-437-56313-3

Die häufigsten Auslöser einer akuten Arthritis im Kindesalter ArthritisakuteAuslöser

(nach Truckenbrodt 2001)

Tab. 17.1
Auslöser Erkrankung
Viren
  • Parvovirus B19 (Ringelröteln)

  • Röteln

  • EBV-Virus

  • Adenoviren und Enteroviren (z. B.: Echo, Coxsackie-B)

  • Hepatitis B und C (in der Adoleszenz)

Bakterien
  • Enterale Bakterien: Yersinien, Salmonellen, Campylobacter, Shigellen (Arthritis oft HLA-B-27-assoziiert)

  • Strepotokokken B (poststreptokokkenreaktive Arthritis)

  • Mykoplasmen

  • Chlamydien (Adoleszenz)

Impfungen
  • Röteln-Impfung (in der Adoleszenz)

  • Hepatitis-B-Impfung (8.1)

Sonderformen
  • Coxitis fugax (bisher kein spezifischer Erreger identifiziert)

  • Rheumatisches Fieber

  • Borrelien (Lyme-Arthritis = Stadium III der Borreliose; Übergang in chronische Arthritis möglich)

Differenzialdiagnose der ArthritisArthritisakuteDifferenzialdiagnose

Tab. 17.2
Erkrankung Charakteristika
Septische Arthritis Zum Beispiel durch Staphylokokken, Haemophilus, Streptokokken
Neoplasien Leukämie, Knochentumoren, Neuroblastom etc.
Trauma Bei starker Schwellung nach Trauma v. a. des Kniegelenks auch an Hämophilie denken
Aseptische Knochennekrosen und andere orthopädische Erkrankungen Morbus Perthes, Epiphysenlösung, Osteochondrosis u. a.
Erster Schub einer juvenilen idiopathischen Arthritis 17.7
Kollagenosen SLE (Lupus erythematodes), Polymyositis, Dermatomyositis, Sklerodermie, Panarteriitis nodosa, mikroskopische Polyangiitis
Stoffwechselerkrankungen Familiäres Mittelmeerfieber, Gicht, Hämophilie, Hypercholesterinämie etc.
Vaskulitis Purpura Schönlein-Henoch (kann auch zunächst ohne palpable Purpura verlaufen), Kawasaki-Syndrom

Zweckmäßige Labordiagnostik bei akuter Arthritis

(nach Huppertz 2001)

Tab. 17.3
Nachweis Laborparameter
Obligat bei jeder Gelenkschwellung BB, CRP, BKS
Ausschluss eines malignen Zellzerfalls LDH und Harnsäure
Borrelia-Serologie Bei klinischem Verdacht
Streptokokken A-Bakteriologie und Serologie Bei klinischem Verdacht
Yersinien-Serologie Evtl. Stuhlkultur (hat keine therapeutische, nur prognostische Bedeutung) bei Zustand nach Enteritis
Chlamydien-Abstrich bei sexuell aktiven Jugendlichen Portio, Urethra
Urinuntersuchung Bei V. a. Purpura Schönlein-Henoch

Klassifizierung der juvenilen idiopathischen Arthritis Arthritisjuvenile idiopathischeKlassifizierungOligoarthritisPolyarthritisPolyarthritis

(nach Petty 1998)

Tab. 17.4
Typ Art der Arthritis Charakteristika
Typ 1 Systemische Arthritis
(Morbus Still)
  • Unkontrollierte generelle Aktivierung des angeborenen Immunsystems

  • Definition: Fieber über mehr als zwei Wochen, innerhalb von sechs Monaten Auftreten einer chronischen Arthritis

  • Begleitsymptome: Lymphknotenschwellungen, Hepatosplenomegalie, Serositis, lachsfarbenes Exanthem

  • Erkrankungsbeginn meist im 2.–5. Lebensjahr, Verhältnis weiblich zu männlich 1:1

  • Mögliche Spätfolgen: Gelenksdestruktionen v. a. an Hüft- und Handgelenken, Perikarditis und Spätamyloidose

  • Remission bei 50 %

Typ 2 Oligoarthritis („Kleinmädchen-Form“; häufig!)
  • Definition: Arthritis von maximal vier Gelenken in den ersten sechs Krankheitsmonaten; keine Psoriasis, Rheumafaktor negativ

  • Häufigste Form der juvenilen Arthritis. Beginn meist im Vorschulalter, Verhältnis weiblich zu männlich 4:1. Bei 70–80 % ANA nachweisbar

  • Häufig symptomarme Iridozyklitis mit zweifelhafter Prognose

  • Bei über 80 % Remission

  • Bei Therapieresistenz schwere Gelenkdestruktionen. Gelegentlich Übergang in Polyarthritis mit ungünstigem Verlauf (schwere Behinderungen, Amyloidose)

Typ 3 Arthritis mit Enthesiopathie („Großjungen-Form“)
  • Monarthritis oder asymmetrische Oligoarthritis mit Enthesitis: schmerzhafter Entzündung der Sehnenansätze v. a. an Achillessehne und Sehnenplatte unter dem Fersenbein („entzündlicher Fersensporn“), meist HLA-B-27-assoziiert

  • Betroffen sind zu 80 % Jungen im Alter von 8–11 Jahren

  • Uveitis mit meist gutem Ansprechen auf Therapie

  • Remission bei ca. 10 %

  • Häufig Übergang in juvenile Spondylarthritis mit chronischen Rückenschmerzen, bei 10–15 % Übergang in M. Bechterew, gelegentlich Herzbeteiligung (v. a. Aorteninsuffizienz) und Spätamyloidose

Typ 4 Rheumafaktor-negative Polyarthritis
  • Entspricht einer schwer verlaufenden frühkindlichen Oligoarthritis

  • Meist symmetrische Arthritis von fünf und mehr Gelenken in den ersten sechs Krankheitsmonaten. Häufig Kiefergelenk-Beteiligung, gelegentlich Tendosynovitis mit Bewegungseinschränkung. Iridozyklitis bei 5–10 %

  • Stark erhöhte Entzündungsparameter, Rheumafaktor negativ, ANA bei 25 % erhöht

  • Bei 30 % Remission

  • Andernfalls langwieriger Verlauf mit Gelenkdestruktionen und Kontrakturen

Typ 5 Rheumafaktor-positive Polyarthritis
  • Entspricht der rheumatischen Arthritis der Erwachsenen. Über 95 % der Fälle sind Mädchen > 11 Jahren

  • Symmetrische Arthritis von mindestens fünf Gelenken, vor kleine Gelenke betroffen. Oft Rheumaknötchen

  • Rheumafaktor positiv bei zwei Bestimmungen im Abstand von drei Monaten; ANA bei 30–40 % nachweisbar

  • Aggressiver, chronisch progredienter Krankheitsverlauf mit schlechter Prognose

  • Remission bei höchstens 20 %

Typ 6 Psoriasisarthritis
  • Meist asymmetrische Mono- oder Oligoarthritis; oft zunächst nur ein Fingergelenk oder ein Finger-„Strahl“ betroffen. Auch Iridozyklitis möglich; später oft Polyarthritis

  • Hautbefund bzw. Tüpfelnägel nicht obligat: Die Arthritis kann dem Ausbruch der Psoriasis um Jahre vorausgehen. Oft aber Psoriasis in der näheren Verwandtschaft. ANA bei 30–60 % nachweisbar

  • Günstige Langzeitprognose bei TNF-α-Hemmung

  • Bei 10–20 % Gelenkdestruktionen

Differenzialdiagnose kindlicher RückenschmerzenRückenschmerzen, Differenzialdiagnose

Tab. 17.5
Kriterium Erkrankung
Starke Beschwerden
  • Morbus Scheuermann

  • Verletzung (Wirbelfraktur)

  • Tumor (Ewing-Sarkom, Osteosarkom)

  • Spondylodiszitis

  • Bandscheibenvorfall

Weniger starke Beschwerden
  • Haltungsschäden, Fehlbelastung

  • Psychogene Rückenschmerzen

  • Skoliose (Schmerzen bei 15 %)

  • Morbus Scheuermann (Schmerzen bei 30 %)

  • Spondylolisthesis (Schmerzen bei 50 %)

Muskel- und Skelettsystem

Martin Hirte

  • 17.1

    Anatomische Strukturen

Anatomische Strukturen

Muskel- und SkelettsystemDer kindliche Knochen ist durch den höheren Anteil an organischer Substanz und geringeren Mineralgehalt elastisch und formbar. Dadurch kann sich das kindliche Skelett ideal den allmählich zunehmenden Muskelkräften und den Belastungen durch Wachstum und Schwerkraft anpassen. Eltern sind immer wieder erstaunt, wie rasch sich der Kletter-oder Sichelfuß des Neugeborenen durch den postpartal veränderten Muskelzug zum normalen Säuglingsfuß umformt – auch ohne das immer wieder empfohlene „Massieren“ der Fußaußenkante.
Das kindliche Skelett ist durch seine Plastizität andererseits anfällig für Deformationen, was Erkrankungen wie Rachitis (8.3 Vitamin D) oder Hüftdysplasie (17.1) ermöglicht. Auch Fehlbelastungen, etwa durch zerebrale Koordinationsstörungen oder neuromuskuläre und zerebralparetische Erkrankungen, können rasch eine Verformung des Knochenskeletts herbeiführen (17.3 Torticollis, 5.18 neuromuskuläre Erkrankungen, 5.16 zentrale Koordinationsstörung, 5.17 zerebrale Bewegungsstörung).
Periost sowie Kapsel- und Bandapparat sind bei Kindern besonders kräftig. Dies führt zu einer hohen Stabilität und schützt vor Distorsionen oder Frakturen. Typische Verletzungen des Kindesalters sind daher eher inkomplette Frakturen (Grünholz-Frakturen) oder Bandläsionen mit knöchernen Ausrissen. Bei jeder fünften Fraktur sind die Epiphysenfugen beteiligt, was die Gefahr einer lokalisierten Wachstumsstörung birgt.
Ein weiteres eigentümliches Krankheitsbild des wachsenden Skeletts ist die aseptische Knochennekrose (17.5).
Die Abklärung von Minderwuchs und Riesenwuchs ist ein Spezialgebiet der pädiatrischen Endokrinologie. Im Rahmen unseres therapeutisch orientierten Buches wird auf diese komplexe diagnostische Thematik nicht näher eingegangen. Als wichtiges Konstitutionsmerkmal (4) darf bei der homöopathischen Fallaufnahme eine Auffälligkeit in den Proportionen oder in der Körpergröße jedoch nicht übersehen werden.
Eines von 50 Kindern kommt wegen SchmerzenSchmerzenBewegungsapparat im Bewegungsapparat zum Kinderarzt. Sie müssen immer ernst genommen werden und bedürfen einer genauen Abklärung (AWMF 2013). Dies gilt insbesondere für eine Arthritis (17.6, 17.7).

Hüftdysplasie

Grundlagen

Hüftdysplasie2–4 % aller Neugeborenen kommen mit einer Reifungsstörung der Hüftpfanne zur Welt: Die Ossifikation ist verzögert, durch knorpelige Deformierung wird die Hüftpfanne zu steil, abgeflacht und nach kranial „verbogen“. Dies kann kurzfristig zur Hüftluxation führen und ist langfristig die wesentliche Ursache für die Entstehung sekundärer Koxarthrosen.

Ätiologie und Klinik

Ursache der Hüftdysplasie ist eine Beeinträchtigung der Biomechanik im Hüftgelenk – entweder durch Lage- bzw. Raumbeengung im Uterus oder durch pränatale Störungen des neuromuskulären Gleichgewichts, etwa bei der Zentralen Koordinationsstörung (5.16, 20.3) oder bei neuromuskulären Erkrankungen (5.18) (Strassburg 1999, Graf 1999, 2000). Primäre Fehlanlagen des Hüftgelenks sind demgegenüber selten.
Ein erhöhtes Risiko für Hüftdysplasie haben weibliche Säuglinge (♀:♂ = 6:1) und Kinder mit Hüftdysplasie oder Hüftarthrose bei Verwandten ersten Grades. Risikofaktoren sind zudem Beckenendlage, Oligohydramnion und fetale Wachstumsverzögerung.
Bei der Zentralen Koordinationsstörung (5.16) beruht die gestörte Hüftpfannenentwicklung auf dem erhöhten Strecktonus der unteren Extremitäten durch Einfluss der tonischen Nackenreflexe. Die Kinder haben oft auch eine Symmetriestörung (17.3) oder Fehlbildungen der Füße. Der asymmetrisch-tonische Nackenreflex führt zu einer einseitigen, der symmetrisch-tonische Nackenreflex zu einer beiderseitigen Hüftdysplasie. Bei Kindern mit konnatalem Schiefhals ist durch die Wirkung des asymmetrisch-tonischen Nackenreflexes eher das Hüftgelenk betroffen, auf welches der Hinterkopf des Kindes gerichtet ist.

Diagnostik

In den deutschsprachigen Ländern wurde die klinische Untersuchung der Hüftgelenke (Ortolani-Phänomen, Abspreizbehinderung, Faltenasymmetrie) in den 1990er-Jahren durch die von Graf entwickelte Hüftsonografie HüftdysplasieHüftsonografiebei allen Säuglingen und ein darauf basierendes Therapieschema abgelöst. Der frühe Behandlungsbeginn schwerer Dysplasien verkürzt die Behandlungszeit und verringert die Operationsraten (Graf 2012). Die Sonografie kurz nach der Geburt geht allerdings häufiger mit falsch positiven Befunden einher, sodass die Erstuntersuchung gegen Ende der ersten Lebenswoche vorzuziehen ist (Shorter et al. 2013).
International gibt es keinen Konsens zum universellen Hüftscreening, da über 90 % der als auffällig diagnostizierten Hüftgelenke spontan abheilen und sehr viele Kinder unnötig behandelt werden, einschließlich der damit verbundenen Risiken wie Hüftkopfnekrose oder Ängste der Eltern. In den USA und anderen angelsächsischen Ländern beschränkt man sich auf das Screening von Kindern mit klinisch auffälligen Hüften (USPSTF 2006).
Bei höhergradigen Hüftdysplasien (Typ III/IV) sollte Hüftdysplasiehöhergradigezusätzlich eine neuropädiatrische Diagnostik erfolgen, um neurologische Entwicklungsstörungen und seltenere kausale Erkrankungen nicht zu übersehen, etwa Dysraphien, Myasthenie, Muskeldystrophie oder Arthrogryposis multiplex congenita (Strassburg 1999).

Konventionelle Therapie

Therapie der Wahl einer niedriggradigen Hüftdysplasie Hüftdysplasieniedriggradigeist die orthopädische Beuge-Spreizbehandlung etwa mit der Tübinger Schiene. Dadurch wird das Pfannendach entlastet und kann optimal nachreifen. Höhergradige Dysplasien müssen nach Reposition (Zügelbandage, Overhead-Extension) in Gips ruhiggestellt werden. Die Behandlungsdauer liegt abhängig vom Schweregrad des Befundes bei zwei bis sechs Monaten. Gefürchtete Komplikation aller Verfahren ist die Hüftkopfnekrose, die bei etwa 2 % aller behandelten Kinder auftritt.
Ein dysplastisches Hüftgelenk wird erst als ausgeheilt angesehen, wenn das Wachstum der Hüfte abgeschlossen ist. Von den Orthopäden werden daher Röntgenkontrollen sechs Monate nach Laufbeginn, vor der Einschulung und mit Beginn der Pubertät angestrebt. Die damit verbundene Strahlenbelastung führt allerdings immer wieder zu Diskussionen zwischen Eltern, Kinderarzt und Orthopäden.

Unterstützende Maßnahmen

Aus interkulturellen Vergleichen weiß man, dass Kinder ein geringeres Hüftdysplasie-Risiko haben, wenn sie viel mit gespreizten Beinen in Tragtüchern oder auf der Hüfte getragen werden.
Manual- und/oder physiotherapeutische Behandlung ist bei jeder höhergradigen Hüftdysplasie indiziert, da durch den erhöhten Strecktonus der Beine das Hüftgelenk biomechanisch ungünstig belastet wird. Erfahrungen zeigen, dass die neurophysiologische Therapie (auch als alleiniges Verfahren oder in Kombination mit der Homöopathie) Hüftdysplasien zur Ausheilung bringen kann (5.16).

Homöopathische Behandlung

Nach Laborde gehört die angeborene Hüftluxation zu den syphilitischen Erkrankungen. Daher ist nach weiteren miasmatischen Zeichen am Kind und speziell nach syphilitischen Erkrankungen in der Familie zu fahnden (23.2 Materia medica).
Die Auswahl des passendsten homöopathischen Mittels richtet sich danach, inwieweit über den Lokalbefund hinaus allgemeine und Wesenseigenschaften des Säuglings sich mit den Eigenschaften des Mittels decken. Die Gabe eines Mittels kann die Abspreizbehandlung bzw. die neurophysiologische Behandlung allerdings nicht ersetzen, sondern lediglich unterstützen.
Die Rubrik→Extremitäten – Verrenkung – Hüfte, spontanes Verrenken der←repräsentiert die Hüftluxation des Erwachsenen, ist aber auch für Kinder mit angeborener Hüftluxation in Betracht zu ziehen. Von den aufgeführten Mitteln sind Calcium fluoricum, Causticum, Lycopodium, Sulphur und Thuja multimiasmatisch mit syphilitischen Anteilen (Lottenbach 2002).

Repertoriumsrubriken

Hauptrubriken
RepertoriumsrubrikenHüftdysplasie→Extremitäten – Verrenkung – Hüfte, spontanes Verrenken der (13): bell, bry, calc, calc-f, caust, coloc, lyc, puls, rhus-t, ruta, sulph, thuj, zinc
→Extremitäten – Krümmung und Biegung (5): calc, calc-p, lyc, sil, syph
Bei ausgeprägtem Ortolani-Zeichen
→Extremitäten – Knacken in Gelenken – Hüfte (17): bry, camph, caps, cocc, croc, led, nit-ac, petr, rhus-t, …
Bei deutlicher Abspreizhemmung
→Extremitäten – Kontraktion von Muskeln und Sehnen – Hüfte (5): am-m, carb-v, coloc, meny, …

Homöopathische Arzneimittel

Calcium carbonicum
#Calcium carbonicumHüftdysplasieSchlaffe Ligamente um das Hüftgelenk, pathologische Instabilität. Dislokation des Femurkopfes. Neigung zu Muskelhypotonie mit aufgetriebenem Abdomen und schlechter Kopfkontrolle. Knochendeformierungen. Großer Kopf mit weit offener Fontanelle. Erbrechen von Muttermilch.
→Extremitäten – Erschlaffung – Hüftgelenk (3): apis, calc, thuj
→Extremitäten – Krümmung und Biegung (44): calc, calc-p, lyc, sil, syph, …
→Allgemeines – Erschlaffung – Muskeln, von (135): calc, caps, cocc, gels, kali-c, phos, …
Calcium fluoricum
#Calcium fluoricumHüftdysplasieHauptmittel der Hüftdysplasie durch primäre Fehlanlage der Gelenkpfanne. Skelettasymmetrien, Schiefhals, überstreckbare Glieder, auffällige Bindegewebsschwäche. Muskelkontraktionen. Angeborene Naevi, Hämangiome, Zysten.
→Allgemeines – Verhärtung – Muskeln, der (36): calc-f (einziges dreiwertiges Mittel)
Calcium phosphoricum
#Calcium phosphoricumHüftdysplasiePädatrophie mit langen Gliedmaßen. Verzögerte Knochenentwicklung. Statomotorische Retardierung mit Muskelhypotonie in Ruhe und Hypertonie bei Bewegung. Schlechte Kopfkontrolle. Neigung zu Skoliose und Haltungsasymmetrie. Nabelgranulom. Stillprobleme, Abneigung gegen Muttermilch.
→Kopf – Halten – hoch, aufrechtzuhalten, unfähig, den Kopf (47): aeth, calc-p, gels, mang, op, puls, sil, verat, …
→Allgemeines – Abmagerung – Kindern, bei (104): ars, calc, calc-p, iod, nat-m, sil, …
→Allgemeines – Wachstum – Längenwachstum, zu schnelles (17): calc-p, phos, ph-ac, …
Causticum
#CausticumHüftdysplasieHaltungsasymmetrie. Verkürzte Muskeln, deutliche Abspreizhemmung. Kontrakturen der Gelenke, Knacken in den Gelenken. Beinlängendifferenz. Muskelhypotonie oder Hemiplegie nach Hirnblutung.
→Kopf – gezogen, der Kopf wird – seitwärts – rechts, nach (5): caust, ferr, lachn, lyc, nux-m
→Extremitäten – kürzer als das andere, ein Bein ist (9): bry, caust, nat-m, sulph, …
→Extremitäten – Verkürzung von Muskeln und Sehnen – Beine: am-m, ars, bar-c, caust, coloc, guaj, phos, rhus-t, …
→Allgemeines – Verkürzte Muskeln und Sehnen (56): am-m, caust, coloc, graph, nat-m, …
Lycopodium clavatum
#Lycopodium clavatumHüftdysplasieMagerer Säugling mit Muskeltonusstörungen. Haltungsasymmetrie mit Schiefhals. Knochendeformationen. Berührungsempfindlichkeit an den Fußsohlen. Ziegelmehl in der Windel. Runzlige Stirn.
→Extremitäten – Empfindlich – Füße – Fußsohlen (23): kali-c, lyc, med, …
→Extremitäten – gezogen – oben nach – abwechselnd mit Streckung (7): cic, cupr, lyc, …
→Extremitäten – Krümmung und Biegung (44): calc, calc-p, lyc, sil, syph, …
Silicea
#SiliceaHüftdysplasieZarter, untergewichtiger oder frühgeborener Säugling mit Rachitisneigung, weit offener Fontanelle, deformierten Knochen. Nahezu kontraktes Hüftgelenk. Muskelschwäche bei erhöhtem Muskeltonus. Gedeihstörung, Abneigung gegen Muttermilch. Neigung zu Eiterungen (Nabel, Nägel). Kalter riechender Fußschweiß.
→Extremitäten – Krümmung und Biegung (44): calc, calc-p, lyc, sil, syph, …
→Extremitäten – Schwäche – Steifheit, mit (7): caust, con, lach, lyc, nat-m, rhus-t, sil
→Extremitäten – Steifheit – Hüfte (50): sil (einziges dreiwertiges Mittel)
→Allgemeines – zarte, empfindliche Konstitution (33): aur, lyc, sil, tub, …
Sulphur
#SulphurHüftdysplasieHüftdysplasie oder -luxation mit Beinlängendifferenz. Icterus neonatorum, trockene Haut, Windeldermatitis, Hypoglykämie-Neigung.
Extremitäten – kürzer als das andere, ein Bein ist (9): bry, caust, nat-m, sulph, …
Syphilinum
#SyphilinumHüftdysplasiePädatrophes oder frühgeborenes Kind mit Asymmetrien, Dysmorphien, Fußdeformitäten und Exostosen. Magere Extremitäten. Wechselnder Muskeltonus, v. a. Beugekontraktionen. Hodenhochstand. Schreikind von Geburt an.
→Extremitäten – Exostosen (28): aur, calc-f, mez, syph, …
→Allgemeines – Kontraktionen – Muskeln – Beugemuskeln (2): psor, syph
→Allgemeines – Zwergwuchs (33): bar-c, calc, sulph, syph, …
Thuja officinalis
#Thuja occidentalisHüftdysplasieInstabiles Hüftgelenk. Gelenke knacken beim Ausstrecken. Kind schreit viel und ist nur ruhig, wenn der Oberschenkel zum Abdomen angewinkelt ist. Übelriechender Fußschweiß. Starke Behaarung. Naevi, Hämangiome. Nabelgranulom.
→Extremitäten – Erschlaffung – Hüftgelenk (3): apis, calc, thuj

Literatur

S2k-Leitlinie, 2013

AWMF S2k-Leitlinie: Algorithmus zur differenzialdiagnostischen Abklärung eines onkologischen Leitsymptoms: Muskuloskelettale Schmerzen bei Kindern und Jugendlichen. 025/032 http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/025-032l_S2k_Muskuloskelettale_Schmerzen_Kinder_Jugendliche_2013-10.pdf Oktober 2013 (Zugriff 3.4.2016)

Graf, 2000

R. Graf Sonographie der Säuglingshüfte und therapeutische Konsequenzen 5. A. 2000 Thieme Stuttgart

Graf, 2012

R. Graf Spreizhosenbehandlung der Hüftdysplasie Pädiatr Prax 79 2012 128 130

Graf, 1999

R. Graf Neuropädiatrische Aspekte bei der Betreuung von Kindern mit angeborener Hüftgelenksdysplasie – Kommentar Päd Prax 56 1999 398 399

Peterlein et al., 2014

C.D. Peterlein Penner T2 Schmitt J1 Sonografisches Screening der Neugeborenenhüfte am Universitätsklinikum Marburg – eine Langzeitanalyse Orthop Unfall 152 3 2014 234 240

Shorter et al., 2013

D. Shorter T. Hong D.A. Osborn Cochrane Review: Screening programmes for developmental dysplasia of the hip in newborn infants Evid Based Child Health 8 1 2013 11 54

Strassburg, 1999

H.M. Strassburg Neuropädiatrische Aspekte bei der Betreuung von Kindern mit angeborener Hüftgelenksdysplasie Päd Prax 56 1999 387 398

USPSTF, 2006

USPSTF 2006. US Preventive Services Task Force. Screening for developmental dysplasia of the hip: Recommendation Statement Pediatrics 117 3 2006 898 902

Homöopathische Literatur

Hahnemann, 1995

S. Hahnemann Die chronischen Krankheiten, ihre eigentümliche Natur und homöopathische Heilung 1. Band 1995 Haug Ulm

Laborde and Risch, 1998

Y. Laborde G. Risch Die hereditären chronischen Krankheiten 1998 Müller & Steinicke München

Lottenbach, 2002

F. Lottenbach Die miasmatische Zuordnung der Arzneien http://www.franz-lottenbach.ch/mpub.html 2002

Schroyens, 2009

F. Schroyens Synthesis Treasure Edition 2009 Hahnemann Institut Greifenberg

Hering, 2000

C. Hering The Guiding Symptoms Reference Works vers. 2.6.3 2000 Kent Homeopathic Associates Inc. San Rafael

Torticollis: konnataler und akuter Schiefhals

Konnataler Schiefhals

Klinik und Ätiologie

TorticollisMehr als 10 % aller Säuglinge entwickeln in den ersten Lebensmonaten eine Schädelasymmetrie (Plagiozephalie) oder Gesichtsskoliose durch die bevorzugte Wendung des Kopfes nach einer Seite (van Wijk et al. 2014). Der asymmetrisch-tonische Nackenreflex führt bei ihnen zur „Fechterstellung“Fechterstellung, Torticollis: Arm und Bein sind auf der Gesichtsseite gestreckt, auf der Hinterhauptseite gebeugt; der Rücken ist überstreckt. In den Lagereaktionen nach Vojta (5.16 Zentrale Koordinationsstörung) wird diese Asymmetrie noch deutlicher.
Die nahezu epidemische Verbreitung der frühkindlichen Haltungs- und Schädelasymmetrie hat mit der Rückenlage zu tun, die heute zur Verhütung des plötzlichen Kindstodes gefordert wird. Sie begünstigt die gewohnheitsmäßige Drehung des Kopfes zur bevorzugten, häufiger rechten Seite.
Weitere Ursachen des konnatalen TorticollisTorticolliskonnataler sind:
  • Blockierungen und/oder Mikrotraumata im kraniospinalen Bewegungsapparat durch intrauterine Zwangshaltung oder protrahierte und traumatische Geburt. Risikofaktoren sind Saugglocke, Zange, Kristellern, Notsectio, Oligohydramnion und Zwillingsgeburt (Biedermann 2001)

  • Muskelverkürzung des M. sternocleidomastoideus mit Verdickung, Verhärtung und Verkürzung des Muskels, verursacht durch prä- oder perinatale Einblutungen oder Muskelfibromatose (Davids et al. 1993, Harnack 1990)

  • Zentrale KoordinationsstörungKoordinationsstörung, zentrale (ZKS) (5.16); begleitende Wahrnehmungsstörungen und überschießende Reizantwort führen bei betroffenen Säuglingen oft zu „Blähungskoliken“, Schreiattacken, Säuglingserbrechen oder Schlafstörungen

  • Spastische Zerebralparese

  • Knöcherne Fehlbildungen von HWS und Schädel (z. B. Klippel-Feil-SyndromKlippel-Feil-Syndrom)

  • Augenmuskelparesen (okulärer Schiefhals)

Diagnostik

Eine Röntgenaufnahme der oberen HWS ist indiziert, wenn prä- und perinatale Risikofaktoren für die Asymmetrie fehlen und manuelle Interventionen keine Besserung bringen.

Konventionelle Therapie

Abgesehen von der kosmetisch störenden Gesichtsskoliose kann der Schiefhals zu Verformungen der Kiefergelenke und Fehlbiss führen. Mögliche Folgen sind Strabismus, Skoliose und Hüftdysplasie (17.3). Therapeutischer Nihilismus ist daher fehl am Platz, auch wenn der Schiefhals sich bei der Mehrzahl der Kinder spontan zurückbilden würde (Hutchinson et al. 2004).
In leichten Fällen genügen die konsequente Lagerung des Kindes entgegen der Vorzugshaltung und die Stimulierung der Kopfwendung zur „unbequemen“ Seite. Insbesondere die Bauchlage („tummy time“) während Wachphasen oder beim Spazierenfahren im Kinderwagen bietet Korrekturmöglichkeiten. Nachts sollte die Mutter auf der Seite liegen, die vom Kind nicht bevorzugt wird.
Ausgeprägte Asymmetrien sind wegen der möglichen Spätfolgen einer professionellen funktionellen Behandlung zuzuführen. Die Wirksamkeit von Physiotherapie und Osteopathie bei konnatalem Torticollis ist durch randomisierte Studien belegt (Philippi et al. 2006, van Vlimmeren et a. 2008, Deitermann 2015). Bei der Mehrzahl der Kinder genügen einige wenige Therapiesitzungen. Bei Verdacht auf eine zentrale Koordinationsstörung sollte von Anfang an eine neurophysiologische Therapie erfolgen.
Die passive Korrektur der Kopfform mit orthopädischen Spezialhelmen hat zwar einen kosmetischen Effekt, beseitigt aber nicht die Ursachen und ist für Kind und Eltern sehr belastend.

Akuter Schiefhals im Kindesalter

Ätiologie

TorticollisakuterDie häufigsten Ursachen für den akuten Schiefhals jenseits des Säuglingsalters sind:
  • Muskelverspannung und/oder Wirbelblockierung („HWS-SyndromHWS-Syndrom“) durch:

    • Kälte oder Zugluft

    • Zervikale Lymphadenitis

    • Muskelzerrung, Verdrehung des Kopfes etwa im Schlaf

  • Psychische Belastung

  • Destabilisierung des Kapsel-Bandapparates der HWS und atlantoaxiale Subluxation durch Infekte im HNO-Bereich (Grisel-Syndrom)

  • HWS-Trauma mit Rotationssubluxation oder Fraktur der Halswirbel, auch iatrogen durch falsche Lagerung während Vollnarkosen. Bei entsprechender Anamnese ist bildgebende Diagnostik mit Röntgen bzw. MRT indiziert.

  • Verschiebungen der zervikalen Bandscheiben mit Irritation des hinteren Längsbandes

Diagnostik

Bei traumatischer Auslösung sind Röntgenaufnahme und ggf. MRT indiziert. Differenzialdiagnostisch muss auch an Seh- und Hörfehler, zervikale Lymphknotenabszesse, Tumoren in der hinteren Schädelgrube oder Halswirbelsäule und Dystonie durch Einnahme von Metoclopramid gedacht werden. Der klassische TorticollisspasticusTorticollis spasticus, eine dystone Bewegungsstörung, ist im Kindes- und Jugendalter eine Rarität.

Konventionelle Therapie

Als Akuttherapie werden Wärmebehandlung, Halskrawatte, Traktion und Antiphlogistika empfohlen (Krämer 1994). Wärme bewirkt durch Hyperämie eine Lockerung der verspannten Hals- und Nackenmuskulatur. Sie kann durch Heizkissen, Wärmflasche, heiße Bäder, Rotlicht oder Fango- und Moorpackungen zugeführt werden. Die Halskrawatte unterbindet Bewegungen, die die Nervenwurzeln und das Längsband mechanisch reizen.
Die Verschreibung von nichtsteroidalen Antirheumatika und Muskelrelaxanzien zielt auf die Entspannung der Hals- und Nackenmuskulatur durch Schmerzreduktion. Als weitere Therapieverfahren kommen zur Anwendung:
  • Manuelle Therapie oder Osteopathie zur Lösung von Blockierungen in den Wirbelgelenken

  • Vorsichtige Massagebehandlung („Ausstreichen“ der Halsmuskulatur)

  • Extension in der Glisson-Schlinge

  • Zervikale Nervenwurzelblockade mit Lokalanästhetika

  • Akupunktur

Homöopathische Behandlung des Säuglings

Nach einer traumatischen Geburt hat sich die einmalige Gabe von Arnica C30 oder C200 bewährt.
→Rücken – Verletzungen – Wirbelsäule, der (21): arn, calc, hyper, nat-s, rhus-t, ruta, sil, …
Ist die Drehung des Kopfes schmerzhaft, folgt gut Hypericum.
→Rücken – Schmerz – Zervikalregion – Bewegung – Kopfes, des (43): bell, bry, hyper, rhus-t, …
Bei postpartalen respiratorischen oder neurologischen Problemen ist auch an Opium oder Cuprum zu denken.
→Atmung – Asyphxie – Kindern, Neugeborenen, bei (15): ant-t, arn, bell, camph, laur, op, …
→Allgemeines – Konvulsionen – Kinder – Neugeborenen, bei (4): art-v, bell, cupr, nux-v
Säuglinge mit Schiefhals und Verdauungsbeschwerden werden eher Mittel wie Lycopodium, Nux vomica, Belladonna, Cina, Colocynthis oder Magnesiumsalze benötigen.
Bei begleitenden Schlafstörungen können Belladonna, Opium oder Sulphur angezeigt sein→Schlaf – Schlaflosigkeit – Kindern, bei – Neugeborenen, bei (7): bell, cham, coff, cypr, op, psor, sulph.
Asymmetrien mit Muskeltonusstörungen sprechen gut auf Mittel wie Agaricus, Calcium carbonicum, Calcium phosphoricum, Cuprum, Lycopodium oder Stramonium an (23.2 Materia medica).

Repertoriumsrubriken

Allgemeine Rubriken
RepertoriumsrubrikenTorticollisDie allgemeinen Rubriken für den Schiefhals sind sehr groß, jedoch kann nach Körperseite differenziert werden:
→Äußerer Hals – Torticollis (82): acon, calc, caust, colch, cupr, graph, hyos, lachn, lyc, nux-v, phos, ran-b, rhus-t, …
→Kopf – gezogen – seitwärts (48): bar-c, caust, lach, lachn, lyc, nux-v, rhus-t, …
→Äußerer Hals – Torticollis – links gezogen, nach (8): asar, bell, caul, chel, coloc, lyc, nux-v, phos
→Äußerer Hals – Torticollis – rechts gezogen, nach (8): ang, caust, cupr, lachn, lyc, nat-m, olib-sac, propr
Muskulärer Schiefhals
Repertoriumsrubrikenmuskulärer Schiefhals→Äußerer Hals – Steifheit der Seiten (60): bell, bry, caust, chel, guaj, lachn, lyc, nux-v, puls, stry, …
→Allgemeines – Verhärtungen – Muskeln, der (36): bad, bry, calc-f, caust, lyc, …
→Allgemeines – verkürzte Muskeln und Sehnen (67): am-m, caust, coloc, graph, lyc, nat-m, rhus-t, ruta, …
→Allgemeines – Verletzungen – Muskeln, der (7): arn, calc, calen, nat-c, nat-m, phos, rhus-t

Homöopathische Arzneimittel

Agaricus muscarius
#Agaricus muscariusTorticollisKopf sehr unruhig, teils auch heftige Kopfbewegungen. Extreme Schiefstellung. Kopfhaut und v. a. Zervikalregion sehr berührungsempfindlich. Knirschen und Knacken in der Zervikalregion bei Bewegung. Entwicklungsverzögerung, stark wechselnder Muskeltonus mit Zuckungen, ausbleibende Kopfkontrolle. Nystagmus und Augenrollen.
→Kopf – Bewegungen des Kopfes – konvulsivisch (29): agar, cupr, ip, nux-v, …
→Kopf – gezogen – seitwärts – Schultern, auf die (2): agar, hydr-ac
→Rücken – Empfindlichkeit – Zervikalregion – Berührung, gegen (1): agar
Arnica montana
#Arnica montanaTorticollisFolge von Geburtstrauma jeder Art. Commotio cerebri und columnae vertebralis, Schädelfraktur, Quetschungen, Ekchymose, Hirnblutung. Bohrt den Kopf ins Kissen. Große Empfindlichkeit gegen Erschütterung.
→Rücken – Erschütterung der Wirbelsäule (6): arn, cic, hyper, …
→Allgemeines – Verletzungen – Erschütterung – agg. (6): arn, hyper, …
Calcium carbonicum
#Calcium carbonicumTorticollisFixierte Schiefhalsstellung, passive Kopfdrehung schwierig. Frühzeitige Skoliose. Hypotone Muskulatur mit verzögerter Entwicklung und schlechter Kopfkontrolle. Hinterkopf einseitig abgeflacht mit Hinterhauptsglatze. Rachitisneigung. Großer Kopf mit weit offener Fontanelle und viel Kopfschweiß, v. a. im Schlaf. Zervikalregion eher mager, aber auffallend prominenter Dornfortsatz des siebten Halswirbels. Aufgetriebenes Abdomen mit Obstipationsneigung.
→Rücken – Abmagerung – Zervikalregion (14): calc, nat-m, lyc, sanic, sars, …
→Rücken – Krümmung der Wirbelsäule – Zervikalregion (5): calc, lyc, phos, puls, syph
→Rücken – Schwellung – Zervikalregion – Halswirbel, siebter (2): calc, sep
→Rücken – Steifheit – Zervikalregion – Drehen des Kopfes – agg. (22): bry, calc, chel, coloc, dulc, …
Calcium phosphoricum
#Calcium phosphoricumTorticollisHals sehr dünn und schwächlich, schlechte Kopfkontrolle. Wechselnder Muskeltonus, Entwicklungsverzögerung. Großer Kopf mit Schweißneigung und weit offenen Fontanellen, v. a. hintere Fontanelle (calc und sil nur vorne). Neigung zu Skoliose und Rachitis: Schädelknochen weich und dünn, rascheln wie Papier, wenn man darauf drückt.
→Kopf – halten – hochzuhalten, unfähig, den Kopf (47): aeth, calc-p, op, puls, sil, verat, …
→Rücken – Krümmung der Wirbelsäule (61): calc, calc-f, calc-p, sil, sulph, …
Cuprum metallicum
#Cuprum metallicumTorticollisSchiefhals nach rechts mit deutlichem Opisthotonus. Erhöhter Muskeltonus, Krampfbereitschaft. Ähnlich wie Agaricus konvulsivische Bewegungen des Kopfes. Kopf fällt in der Traktion hin und her. Zustand nach Neugeborenen-Krämpfen, Hirnblutung oder neonataler Meningitis. „Dreimonatskoliken“ mit schrillem Schreien und Steifmachen. Konvulsivisches Erbrechen.
→Kopf – Fallen des Kopfes – hin und her (5): bar-c, bell, cupr, …
→Rücken – Opisthotonus (72): bell, cic, cupr, hyos, nux-v, op, stram, stry, …
Lycopodium clavatum
#Lycopodium clavatumTorticollisKopf zur Seite gezogen durch Steifheit im Hals. Rollt den Kopf, stöhnt dabei. Abmagerung um den Hals. Hypotone Muskulatur, schlechte Kopfkontrolle. Skoliose. Kopfhaut berührungsempfindlich. Stirnrunzeln. Blähungskoliken mit aufgetriebenem Bauch, ansonsten mager.
→Kopf – Bewegungen des Kopfes – Rollen des Kopfes – Tag und Nacht, mit Stöhnen (2): hell, lyc
→Kopf – Empfindlichkeit – äußeren Kopfes, des (84): agar, bell, lach, lyc, nux-v, …
→Rücken – Abmagerung – Zervikalregion (14): nat-m, calc, lyc, sanic, sars, …
Nux vomica
#Nux vomicaTorticollisKopf nach links gezogen < abends, > morgens. Knacken in der Zervikalregion. Berührungsempfindlichkeit der Kopfhaut. Z. n. Hirnblutung mit Apathie oder Hyperexzitabilität. Muskelhypertonie, Opisthotonus. Kältezyanose. Schreikoliken mit Erbrechen und Überstrecken. Wärme bessert.
→Rücken – Knacken – Zervikalregion (40): agar, chel, cocc, nat-c, nux-v, petr, sulph, …
Phosphorus
#PhosphorusTorticollisKopf nach links gezogen. Kopfhaut empfindlich auf Berührung. Magerer Hals mit Krümmung der HWS. Kind eher untergewichtig, aber lang mit langen Gliedern. Blutungsneigung, Hirnblutung, Hemiplegie. Neigung zu Hypoglykämie.
→Rücken – Krümmung der Wirbelsäule – Zervikalregion (5): calc, syph, phos, …
Stramonium
#StramoniumTorticollisKopf wird seitwärts gezogen, erst nach rechts, dann nach links. Krampfartige Bewegungen des Kopfes, wirft den Kopf nach hinten, bohrt ihn ins Kissen. Opisthotonus. Schreit auf beim geringsten Druck auf die Wirbelsäule. Ständige krampfartige Bewegungen der Glieder. Konvulsivischer Schluckauf. Z. n. Geburtstrauma, Hirnblutung oder neonataler Meningitis. Hemiplegie. Neugeborenenkrämpfe.
→Kopf – bohrt den Kopf in das Kissen (34): apis, arn, bell, bry, hell, med, stram, tub, …
→Kopf – gezogen – seitwärts – links, dann nach rechts, erst nach (2): plb, stram
→Extremitäten – Bewegungen – konvulsivisch (36): agar, bell, op, stram, …

Homöopathische Behandlung des älteren Kindes

Der akute Torticollis des älteren Kindes entspricht dem „acuten Miasma“ Hahnemanns und kann daher mit einem Akutmittel geheilt werden. Oft weist die Ursache der Beschwerden den Weg zum Heilmittel.

Repertoriumsrubriken

RepertoriumsrubrikenTorticollis→Allgemeines – Verletzungen – Beschwerden durch; chronische (14): acon, arn, cic, nat-s, …
→Allgemeines – Verletzungen – Verstauchungen (108): arn, calc, lyc, rhus-t, ruta, …
→Rücken – Verletzungen der Wirbelsäule (32): arn, calc, hyper, nat-s, rhus-t, ruta, sil, …
→Rücken – Schmerz – Zervikalregion – Zugluft, Luftzug – agg. (6): calc-p, cimic, rhus-t, …
→Rücken – Steifheit – Zervikalregion – Zugluft, Luft agg. (8): calc-p, caust, cimic, rhus-t, …
→Rücken – Steifheit – Zervikalregion – Erkältung, nach einer [= Unterkühlung] (6): bamb-a, calc, dulc, guaj, nit-ac, rhus-t
→Rücken – Steifheit – Zervikalregion – Heben einer Last agg. (4): calc, lyc, rhus-t, sep
→Rücken – Steifheit – Zervikalregion – Schnupfen, beim (9): ars, bell, dulc, lach, lachn, lyc, nux-v, rhus-t, sulph, …
Das typische morgendliche „Verlegen“ findet sich in den folgenden Rubriken:
→Rücken – Steifheit – Zervikalregion – morgens (36): ang, bell, calc, chel, kali-c, rhod, sulph, …
→Rücken – Steifheit – Zervikalregion – morgens – Erwachen, beim (14): bamb-a, calc, kali-c, rhod, …

Homöopathische Arzneimittel

Belladonna
#BelladonnaTorticollisPlötzliche und heftige Beschwerden, als würde der Nacken brechen – ausgelöst durch Luftzug, Haare schneiden, Haare waschen, durch Luftwegsinfekt mit Schnupfen. Äußerer Hals sehr berührungs- und druckempfindlich. Schmerzhaft geschwollene Halslymphknoten.
→Kopf – Waschen des Kopfes agg. (27): ant-c, bell, calc, calc-p, puls, rhus-t, …
→Rücken – Schmerz – Zervikalregion – zerbrechen, als würde sie (5): bell, chel, …
Bryonia alba
#Bryonia albaTorticollisGroße Steifheit in den Muskeln der (meist rechten) Halsseite, dabei ziehender, stechender oder reißender Schmerz in der Halsseite, < jede kleinste Bewegung. Muss sich völlig stillhalten. Ruhe und leichter Druck bessern.
→Äußerer Hals – Steifheit der Seiten (60): nur bry dreiwertig
Calcium carbonicum
Torticollis#Calcium carbonicumTorticollis nach Überbelastung, durch Verheben, nach Unterkühlung, nach Verletzung der Wirbelsäule. Beschwerden < beim Bücken, morgens beim Erwachen. Starke Schweißneigung in der Zervikalregion, v. a. im Schlaf. HWS deformiert.
→Rücken – Krümmung der Wirbelsäule – Zervikalregion (5): calc, lyc, phos, puls, syph
→Rücken – Steifheit – Zervikalregion – morgens – Erwachen, beim (14): calc, kali-c, phyt, rhod, …
→Rücken – Steifheit – Zervikalregion – Erkältung, nach (6): calc, dulc, rhus-t, …
→Rücken – Steifheit – Zervikalregion – Heben einer Last agg. (4): calc, lyc, rhus-t, sep
Calcium phosphoricum
#Calcium phosphoricumTorticollisCalcium-Salz mit besonderer Beziehung zur Zervikalregion. Hals auffallend dünn, kann den Kopf kaum halten. Schmerzen und Steifheit im Nackenbereich schon durch geringsten Luftzug oder Wind, teils wechselnde Seiten. Ausstrahlender Schmerz in die umliegenden Regionen wie Kopf, Ohren, Kehlkopf, < Schlucken. Dumpfe Kopfschmerzen.
→Rücken – Schmerz – Zervikalregion – Zugluft, Luftzug – agg. (6): calc-p, cimic, rhus-t, …
→Rücken – Steifheit – Zervikalregion – Zugluft, Luft agg. (8): calc-p, caust, cimic, rhus-t, …
Causticum
#CausticumTorticollisSteifheit und Spannungsgefühl in der rechten Halsseite und in der Brust, sodass es den Kopf und ganzen Körper nach rechts zieht. Gefühl, die Muskeln seien zu kurz oder eingebunden. Steifer Nacken durch Nässe, kalten trockenen Wind, Zugluft, unterdrückte Hautausschläge oder Kummer; < Aufstehen vom Sitzen. Knacken in der Nackengegend.
→Äußerer Hals – Spannung – Seiten – rechts (7): nur caust dreiwertig
→Rücken – Steifheit – Zervikalregion – Wind, in kaltem trockenem (1): caust
→Rücken – Steifheit – Zervikalregion – Zugluft, Luft agg. (8): calc-p, caust, cimic, rhus-t, …
Chelidonium majus
#Chelidonium majusTorticollisSteifer Nacken, Kopf nach links gezogen, Hals fühlt sich an wie gebrochen. Knacken in den Wirbeln bei Bewegung des Kopfes. Nach unten oder oben ausstrahlende Schmerzen < tief Einatmen. Schmerzhafte morgendliche Steifheit, v. a. der rechten Zervikalregion. Kältegefühl im Nacken.
→Rücken – Schmerz – Zervikalregion – zerbrechen, als würde sie (5): bell, chel, …
Dulcamara
#DulcamaraTorticollisNackensteife nach Unterkühlung oder Durchnässung, nach Baden, Waschen oder Duschen. Schmerzhafte Steifigkeit der Muskeln, besonders beim Drehen des Kopfes; schnürender Schmerz, als würde der Hals umgedreht; Genickschmerz wie von falscher Lage des Kopfes. Bewegung bessert.
→Rücken – Schmerz – Zervikalregion – Lage, wie durch falsche (6): dulc, lyc, nux-v, rhus-t, …
→Rücken – Steifheit – Zervikalregion – Waschen, durch (2): dulc, rhus-t
Lachnanthes
#Lachnanthes, TorticollisSchmerzhafte Nackensteife, Kopf nach einer Seite (eher nach rechts) gezogen, v. a. bei Luftwegsinfekten oder Scharlach. Drehen des Kopfes extrem schmerzhaft, als wäre der Nacken ausgerenkt, Schmerz erstreckt sich über den ganzen Kopf bis in die Nase, als würden die Nasenlöcher zusammengekniffen.
→Rücken – Schmerz – Zervikalregion – Drehen – des Kopfes – agg. – verrenkt, wie (2): calc, lachn
Lycopodium clavatum
#Lycopodium clavatumTorticollisZervikalsyndrom nach Überbelastung des Rückens, durch Heben eines Gewichts, durch Schnupfen. Schmerz < Liegen. Steifheit des seitlichen Halses v. a. links; < Gehen im Freien. Hals auffallend mager. Gereizte Stimmung.
→Rücken – Abmagerung – Zervikalregion (14): calc, nat-m, lyc, phos, sanic, sars, …
→Rücken – Steifheit – Zervikalregion – Heben einer Last agg. (4): calc, lyc, rhus-t, sep
Nux vomica
#Nux vomicaTorticollisNacken steif und schwer durch Einfluss von Kälte; schmerzhafte Nackensteife, Kopf nach rechts gezogen. Schmerzen < morgens, nach dem Essen, Sitzen, Berührung, Entblößen; > Wärme.
→Äußerer Hals – Entblößen des Halses agg. (17): hep, kali-c, nux-v, rhus-t, sil, …
→Rücken – Schmerz – Zervikalregion – Berührung – agg. (6): nux-v, chin, …
Phosphorus
Torticollis#PhosphorusTorticollis zur linken Seite; kann nicht auf der linken Seite liegen. Hitzegefühl in der Wirbelsäule, brennender oder drückender Schmerz; > Reiben und Massage. Druckschmerz über den Dornfortsätzen. Deformation der HWS, sehr magerer Hals.
→Rücken – Abmagerung – Zervikalregion (14): calc, nat-m, lyc, phos, sanic, sars, …
→Rücken – Steifheit – Zervikalregion – schmerzhaft (9): chel, hell, phos, sal-fr
Rhus toxicodendron
#Rhus toxicodendronTorticollisHals „verlegt“, als sei er mit dem Kopf zu lange in einer unbequemen Stellung gesessen. Steifer Hals durch Zugluft oder Luftwegsinfekt, auch nach Verletzung oder „Verrenkung“ der Wirbelsäule. Muss sich dauernd recken und strecken. Beginn der Bewegung verschlechtert, fortgesetzte Bewegung bessert.

Literatur

Biedermann, 2001

H. Biedermann KISS-Syndrom: Ursache einer individuellen klinischen Problematik? Pädiatrie Hautnah 4 2001 149

Davids et al., 1993

J.R. Davids D.R. Wenger S.J. Mubarak Congenital muscular torticollis: sequela of intrauterine or perinatal compartment syndrome J Pediatr Orthop 3 2 1993 141 147

Deitermann and Jung, 2015

M. Deitermann M. Jung Evidenz von Physiotherapie und anderen manuellen Interventionen an Säuglingen mit Symmetriestörungen. Kinder- u Jugendmed 6 2015 440 446

Harnack vonKinderheilkunde, 2004

H. Harnack von Kinderheilkunde 12. A. 2004 Springer Heidelberg

Hutchison et al., 2004

B.L. Hutchison L.A. Hutchison J.M. Thompson E.A. Mitchell Plagiocephaly and brachycephaly in the first two years of life: a prospective cohort study Pediatrics 114 4 2004 970 980

Krämer, 1994

J. Krämer Bandscheibenbedingte Erkrankungen 3. A. 1994 Thieme Stuttgart

Philippi et al., 2006

H. Philippi A. Faldum A. Schleupen infantile postural asymmetry and osteopathic treatment: a randomized therapeutic trial Dev Med Child Neurol 48 1 2006 5 9

van Vlimmeren et al., 2008

L.A. van Vlimmeren Y. van der Graaf M.M. Boere-Boonekamp Effect of pediatric physical therapy on deformational plagiocephaly in children with positional preferen a randomized controlled trial Arch Pediatr Adolesc Med 162 8 2008 712 718

van Wijk et al., 2014

R.M. van Wijk M. Pelsma C.G. Groothuis-Oudshoorn Response to pediatric physical therapy in infants with positional preference and skull deformation Phys Ther 94 9 2014 1262 1271

HOMÖOPATHISCHE LITERATUR ( 17.2)

Wachstumsschmerzen

Grundlagen

Als WachstumsschmerzenWachstumsschmerzenSchmerzenWachstum werden rezidivierend auftretende Schmerzen im Bereich der Extremitäten bezeichnet. Etwa 10–20 % aller Kinder im Alter zwischen vier und zwölf Jahren klagen gelegentlich über derartige Beschwerden, manchmal auch über einen Zeitraum von mehreren Jahren. Ein objektiver Untersuchungsbefund ist nicht zu erheben.

Ätiologie und Klinik

Trotz ihres Namens hängen Wachstumsschmerzen wahrscheinlich nicht mit dem Wachstum oder der nächtlichen Wachstumshormon-Ausschüttung zusammen, denn sie kommen auch bei Kindern mit Wachstumshormonmangel vor. Vermutliche Ursachen sind eine Überbeanspruchung der Beine bei geringer Knochendichte und/oder eine herabgesetzte Schmerzschwelle (Mohanta 2014). Auch ein erhöhter nächtlicher Muskeltonus mag eine Rolle spielen, insbesondere bei Kindern mit zentraler Koordinationsstörung (ZKS 5.16) und dadurch fortbestehender Aktivität primärer Reflexe wie ATNR oder STNR.
Als korrektere, aber eher unhandliche Bezeichnung wurde daher „benigne idiopathische paroxysmale nächtliche Gliederschmerzen der Kindheit ohne eindeutiges organisches Korrelat“ vorgeschlagen (Foster et al. 2008, AWMF 2013). Wachstumsschmerzen sind zu vermuten bei folgender Konstellation:
  • Intermittierende Schmerzen abends oder nachts im Bereich der Ober- und/oder Unterschenkel über 30–120 Minuten, danach wieder völlige Beschwerdefreiheit

  • Schmerzen symmetrisch oder auf wechselnder Seite

  • Besserung durch Reiben oder warme Anwendungen am betroffenen Körperteil

  • Rasches Ansprechen auf Analgetika (Paracetamol, Ibuprofen)

Info

Gegen „Wachstumsschmerzen“ sprechen folgende Symptome:

  • Gelenkschmerzen

  • Anhaltende Schmerzen auch tagsüber

  • Deutlich umschriebener Schmerz oder umschriebene Schwellung

  • Bewegungseinschränkung (Humpeln)

  • Allgemeinsymptome (Fieber, Abgeschlagenheit etc.)

Diagnostik

Bei Zweifel an der Diagnose oder bei häufiger und intensiver werdenden Beschwerden sind eine Laboruntersuchung (BB, CRP, LDH, Harnsäure, 25OH-Vitamin D3) und ein kinderorthopädisches Konsil mit Röntgenaufnahme in zwei Ebenen angezeigt.
Differenzialdiagnostisch muss gedacht werden an:
  • Überbeanspruchung von Extremitäten

  • Hypermobilitätssyndrom – Arthralgien durch Überbeweglichkeit von Gelenken – z. B. Hyperextension im Ellbogen- oder Kniegelenk von 10 Grad und mehr. Oft im Kniegelenk nach Aktivität

  • Schmerzverstärkungssyndrome: Chronisch-rezidivierende, nicht objektivierbare Schmerzen im Bewegungsapparat:

    • FibromyalgieFibromyalgie – chronische Schmerzerkrankung im Weichteil- und Bindegewebe, v. a. an Muskel-Sehnen-Übergängen, mit unbekannter Ursache. Spontanschmerz an mindestens drei Körperstellen über mindestens drei Monate; heftiger Druck- oder auch Berührungsschmerz an bestimmten symmetrisch gelegenen Schmerzpunkten. Morgensteife und Schwellungsgefühl sowie vegetative Beschwerden (Schlafstörungen, Reizdarmsyndrom); Prävalenz ca. 1 % bei 9–15-Jährigen, mit deutlichem Schwerpunkt bei Mädchen

    • SympathikusreflexdystrophieSympathikusreflexdystrophie – starke Schmerzen und vasomotorische Veränderungen (Schwellung, Kälte, Zyanose) an den distalen Extremitäten, v. a. Händen. Ursachen evtl. Trauma, psychische Belastung und genetische Faktoren

  • Vitamin-D-Mangel – bei Kindern mit Wachstumsschmerzen und niedrigem Vitamin D-Spiegel kann die Vitamin D3-Substitution signifikante Besserung bringen (Morandi et al. 2015, Vehapoglu et al. 2015)

  • Benigne Tumoren: Osteoidosteom, Knochenzysten etc. Symptome: Lokalisierte Schwellung, allmähliche Beschwerdezunahme

  • Maligne Tumoren: Ewing-Sarkom, Osteosarkom, Neuroblastom, Leukämie. Symptome: Fieber, Gewichtsverlust, tastbare Knochenauftreibung, rasche Beschwerdezunahme

  • Entzündung: Osteomyelitis, septische Arthritis. Symptome: Fieber, Schwellung, Rötung und umschriebene Schmerzen

  • Juvenile idiopathische Arthritis (17.7) im Anfangsstadium; Symptome: Persistierende Knochenschmerzen mit Schwerpunkt am Morgen

  • Nächtliche Wadenkrämpfe (Mg-Mangel?)

Konventionelle Therapie und unterstützende Maßnahmen

Wichtigste Maßnahme ist die Aufklärung der Eltern über die Gutartigkeit der Beschwerden. Rasche Erleichterung bringt Massieren oder Reiben der betroffenen Gliedmaße, prophylaktisch wirksam ist ein abendliches „Stretchingprogramm“, bei dem die Wadenmuskulatur und die Oberschenkelstrecker und -beuger jeweils zehnmal über 15–20 Sekunden gedehnt werden (Baxter 1988).
Bei niedrigem Vitamin-D-Spiegel kann die Substitution von Vitamin D3 zur Beschwerdefreiheit führen (Vehapoglu et al. 2015). In einem Doppelblindversuch sprachen Kinder mit Wachstumsschmerzen auch gut auf SelenSelen, Wachstumsschmerzen-Substitution an (Brahme-Isgren et al. 1995).

Homöopathische Behandlung

Die homöopathische Behandlung von Wachstumsschmerzen ist erfahrungsgemäß besonders dann effektiv, wenn sie auch die Konstitution des kleinen Patienten in die Arzneimittelwahl einbezieht.

Repertoriumsrubriken

RepertoriumsrubrikenWachtumsschmerzenIn den Repertorien stehen zwei Rubriken zur Auswahl, in denen sich in der Regel das Simile findet.
Klinische Rubriken
→Extremitäten – Schmerz – Unterschenkel – Wachstumsschmerzen (31): agar, asaf, aur, bell, calc, calc-f, calc-p, cimic, eup-per, fl-ac, guaj, kali-p, m-aust, mag-p, mang, merc, morg-p, nit-ac, ph-ac, plan, sulph, syph, …
→Allgemeines – Schmerz – Wachstumsschmerzen (32): acon, agar, ap-g, bell, calc-p, conch, ferr-act, guaj, mang, nat-m, ol-an, ph-ac, phos, sil, syph, …
→Allgemein – Gliederschmerzen – untere Gliedmaßen – Unterschenkel – Wachstumsschmerzen – nachts (1): calc-p (Complete Repertory)
Auffällig, aber auch einleuchtend ist die Dominanz von Kalzium- und Phosphorsalzen (calc, calc-p, calc-f, kali-p, mag-p, phos, ph-ac) sowie Mitteln des Syphilis-Miasmas (asaf, aur, fl-ac, guaj, merc, syph).
Modalitäten
Soll die Mittelfindung rasch gehen, lässt sich vielleicht über die miasmatische Belastung der Patientenfamilie ein erster Schritt machen. Ansonsten kann man für das raschere Repertorisieren die beiden obigen Rubriken „zusammenlegen“ und mit den Schmerzmodalitäten abgleichen.
Ist tatsächlich Reiben eine herausragende Besserungsmodalität, ergeben sich daraus folgende Mittel:
→Allgemeines – Reiben – amel. (157): acon, agar, asaf, bell, calc, calc-f, guaj, mag-p, mang, merc, nit-ac, ol-an, ph-ac, phos, sil, sulph, …
Bei Besserung durch warme Anwendungen:
→Extremitäten – Schmerz – warme Anwendungen – amel. (43): agar, calc-p, kali-p, mag-p, merc, ph-ac, phos, sil, syph, …
Diese Modalität ist fast spezifisch für Phosphorsalze. Für Phosphorverbindungen typisch ist auch das schnelle Längenwachstum:
→Allgemeines – Längenwachstum – zu schnelles (17): calc, calc-p, ph-ac, phos, sil, …
Besserung durch kalte Anwendungen:
→Extremitäten – Schmerz – kalt – Anwendungen, kalte – amel. (14): bell, guaj, led, puls, sec, syph, tub, …
Kann das Kind nicht schlafen, kommen folgende Rubriken in Betracht:
→Schlaf – Schlaflosigkeit – Schmerz, durch – Gliedern, in den (31): ars, calc, guaj, merc, phos, puls, rhod, sulph, syph, …
→Schlaf – Schlaflosigkeit – Schmerz, durch – Knochen, in den (5): anac, daph, kalm, merc, plb

Homöopathische Arzneimittel: Typische Lokalsymptome einiger Polychreste

Zu den konstitutionellen Merkmalen 23.2 Materia medica.
Aurum metallicum
#Aurum metallicumWachstumsschmerzenBohrende nächtliche Schmerzen in den Schienbeinen (merc, mez), < Strecken des Beines, > Heben des Beines, Bewegung.
Calcium carbonicum
Wachstumsschmerzen#Calcium carbonicumWachstumsschmerzen im Unterschenkel, v. a. in den Waden (nur calc dreiwertig), < Berührung, nach körperlicher Anstrengung (caust, rhus-t, …), bei nasskaltem Wetter. Wächst rasch wie Phosphorverbindungen, geht aber mehr in die Breite. Schwäche in den Beinen nach Anstrengung (anac, gels, rhus-t).
Calcium phosphoricum
Wichtiges und sehr häufig angezeigtes und wirksames Mittel. Nächtliche Wachstumsschmerzen#Calcium phosphoricumWachstumsschmerzen bei zu raschem Wachstum, > warme Anwendungen. Spätes Laufenlernen. Skoliose, Zahnkaries, Zahnung spät und schwierig. Schlechte Frakturheilung. Vom Gemüt her unstet, unzufrieden.
Mercurius solubilis
#Mercurius solubilisWachstumsschmerzenNächtliche Knochenschmerzen, < Wärme, warmes Bett. Muss aufstehen und herumlaufen. Kalter Schweiß an den Füßen, evtl. ödematöse Schwellung im Schmerzgebiet.
→Extremitäten – Schmerz – Unterschenkel – warm – Bett, warmes – agg. (13): guaj, merc, sulph, syph, verat, …
Phosphorus
Wachstumsschmerzen#PhosphorusWachstumsschmerzen > nachts, Kälte; > Reiben, Massieren, warme Auflagen. Zu rasches Wachstum, gebeugte Körperhaltung.
Phosphoricum acidum
#Phosphoricum acidumWachstumsschmerzenZerschlagenheitsschmerz in den Beinen v. a. morgens und abends, > warme Anwendungen. Zu rasches Wachstum. Blasses Gesicht, bläuliche Augenringe.
Syphilinum
#SyphilinumWachstumsschmerzenNosodenSyphilinumNächtliche bohrende oder sägende Knochenschmerzen bei syphilitischer Eigen- oder Familienanamnese. Warme oder kalte Anwendungen bessern. Kind stöhnt die ganze Nacht. Statur eher zart, oft minderwüchsig. Schwieriger Charakter, Entwicklungsstörung.

Homöopathische Arzneimittel: Charakteristika einiger „kleinerer“ Mittel

Asa foetida
#Asa foetidaWachstumsschmerzenÜbertrieben schmerzempfindlich, hysterisch. Schmerzen in den Beinen < im warmen Federbett; im Schienbein, nachts, beinahe unerträglich. Wärme verschlechtert, Druck bessert. Flatulenz, Blähungen und umgekehrte Peristaltik. Syphilitisches Miasma.
Apium graveolens
Wachstumsschmerzen#Apium graveolens, Wachstumsschmerzen im rechten Bein, die ganze Nacht. Ruhelos, wirft sich Bett herum, schlaflos nach Mitternacht. Schmerzen auch im Nacken und Kreuzbein. Verlangen nach Äpfeln und Orangen.
Ferrum aceticum
Blasse schwache Kinder, die zu schnell wachsen, leicht erschöpft sind, zu Nasenbluten neigen (alles auch Symptome von phos und ph-ac). Wachstumsschmerzen#Ferrum aceticum, Wachstumsschmerzen < Stillsitzen, Liegen. Große Unruhe v. a. bei fieberhaften Infekten. Trübsinn beim Alleinsein.
Guajacum
Wachstumsschmerzen#GuajacumWachstumsschmerzen mit Hitzegefühl > kalte Anwendungen, < Wärme, Berührung – alles erscheint zu eng. Muss sich dauernd strecken, als wären die Muskeln zu kurz. Unsauberer Körpergeruch, stinkende Ausscheidungen (Sputum, Schweiß). Verlangen nach Äpfeln.
Magnesium phosphoricum
#Magnesium phosphoricumWachstumsschmerzenJede Nacht Neuralgie, mal in den Beinen, im Schienbein oder Oberschenkeln, mal links mal rechts, meist mit krampfartigen Muskelkontraktionen; tagsüber vollständig gesund (Clarke). Schmerzen kommen und gehen blitzartig < Kälte, rechte Seite; > Reiben, fester Druck, warme Anwendungen. Auch andernorts krampfartige Schmerzen: Kopf, Zähne, Abdomen. Sehr reizbar und schmerzempfindlich.
Magnetis polus australis
#Magnetis polus australisWachstumsschmerzen„Kneipende Schmerzen hier und da; Ziehen in der Beinhaut der Glieder … zuckende Schmerzen hier und da; Zucken im ganzen Körper, wie nach schnellem Laufen; … Zerschlagenheitsschmerz aller Glieder, so dass er überall wie auf Steinen zu liegen glaubt; Steifigkeit aller Gelenke, oder auch Knacken darin bei Bewegung“ (Jahr). Schmerzen beim Herabhängen des Beines. Neigung zu eingewachsenen Zehennägeln.
Manganum
#ManganumWachstumsschmerzenNächtliche Knochenschmerzen. „Unerträgliches, nächtliches Wühlen in den Knochen und der Knochenhaut“ (Bönninghausen). Oft Luftwegsinfekte mit dauerndem Räuspern und Husten > Hinlegen. Ständige Ohrinfektionen mit Paukenerguss. Hautjucken durch Schwitzen.
Oleum animale
Wachstumsschmerzen#Oleum animale, Wachstumsschmerzen v. a. „in den Knien, Steifheitsschmerz, beim Gehen; Weh wie vom Wachsen, besonders früh“ (Jahr). Schmerzen ziehen von hinten nach vorne, oder nach oben. Reiben bessert. Schweiß und Urin riechen nach Fischlake. Sehr verfroren, eiskalte Glieder.

Literatur

S2k Leitlinie, 2013

AWMF S2k Leitlinie: Algorithmus zur differenzialdiagnostischen Abklärung eines onkologischen Leitsymptoms: Muskuloskelettale Schmerzen bei Kindern und Jugendlichen. Register Nr. 025/032 http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/025-032l_S2k_Muskuloskelettale_Schmerzen_Kinder_Jugendliche_2013-10.pdf Okt 2013 Zugriff 2.4.2016

Baxter and Dulberg, 1988

M.P. Baxter C. Dulberg „Growing pains“ in childhood – a proposal for treatment J Pediatr Orthop 8 1988 402 406

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M. Brahme-Isgren A. Brandt J. Waldenstrom L. Stenhammar Peroral selenium therapy in growth pain in children Lakartidningen 92 1995 3706 3708

Evans, 2003

A.M. Evans Relationship between “growing pains” and foot posture in children: single-case experimental designs in clinical practice J Am Pediatr Med Assoc. 93 2 2003 111 117

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H.E. Foster D. Boys S. Jandial Growing pains – a practical guide for primary care. Arthritis research UK Hands On Series 6–2008 1 http://www.arthritisresearchuk.org/health-professionals-and-students/reports/hands-on/hands-on-autumn-2008.aspx (Zugriff 3.3.2016)

Mohanta, 2014

M.P. Mohanta Growing pains: practitioners' dilemma Indian Pediatr 51 5 2014 379 383

Morandi et al., 2015

G. Morandi E. Maines C. Piona Significant association among growing pains, vitamin D supplementation, and bone mineral status: results from a pilot cohort study J Bone Miner Metab 33 2 2015 201 206

Vehapoglu et al., 2015

A. Vehapoglu O. Turel S. Turkmen Are growing pains related to vitamin D deficiency? Efficacy of vitamin D therapy for resolution of symptoms Med Princ Pract 24 4 2015 332 338

HOMÖOPATHISCHE LITERATUR ( 17.2)

Aseptische Knochennekrosen

Aseptische KnochennekrosenKnochennekrosen, aseptische sind Destruktionsherde in umschriebenen Knochenpartien, die nur in der Wachstumsphase auftreten. Ursachen sind lokale Durchblutungsstörungen, intravasale Koagulationen, Überbelastungen und/oder Traumata. Familiäre Häufungen sprechen für eine genetisch-konstitutionelle Disposition. Um Gelenkschäden so gering wie möglich zu halten, muss das betroffene Gelenk geschont und entlastet werden.
Die MRT ist das bildgebende Verfahren der ersten Wahl. Gerade für den homöopathisch arbeitenden Kinderarzt ist die Zusammenarbeit mit einem Kinderorthopäden wichtig, der dem betroffenen Kind unnötige Strahlenbelastungen erspart.

Formen

Femurkopfnekrose (Morbus Perthes)
Morbus Perthes Nekrose bzw. Osteochondrose des Hüftkopfes mit einem Altersgipfel zwischen dem fünften und siebten Lebensjahr; Knaben sind viermal so häufig wie Mädchen betroffen.
  • Symptome: Schmerzen in Hüft- und/oder Kniegelenk, vorzeitige Ermüdung bei Belastung, Schonhinken; später Bewegungseinschränkung, v. a. in Innenrotation und Abduktion. Frühdiagnostik mit Hüftsonografie (Gelenkerguss ohne Spontanremission) und MRT.

  • Differenzialdiagnosen: Septische Hüfte (sonografischer Erguss, CRP-Erhöhung, Fieber). Coxitis fugax (sonografischer Erguss, kein Fieber, normales CRP, rasche Genesung). MRT ist indiziert bei „hartnäckiger“ Coxitis fugax. Die Epiphysiolysis capitis femoris tritt später auf (10.–17. Lebensjahr).

  • Therapie: Je jünger das Kind, desto weniger eingreifend: 60 % der befallenen Hüften heilen auch ohne Behandlung innerhalb von zwei bis vier Jahren aus. Langdauernde Schonung, v. a. kein Sprungsport. Krankengymnastik zum Erhalt der Hüftbeweglichkeit. Nach dem sechsten Lebensjahr wegen der dann schlechteren Prognose Orthodesenbehandlung. Bei Hüftkopfeinbruch und weiteren Risikozeichen operative Versorgung.

Epiphysiolysis capitis femoris
Lösung der Femurkopf-Epiphyse mit Abgleiten nach medial, meist vor oder während der Pubertät, bei adipösen und hochgewachsenen Heranwachsenden, vermehrt bei Mädchen. Gefahr der Femurkopfnekrose, Chondrolyse und Entwicklung einer Koxarthrose.
  • Symptome: Bei der akuten EpiphysiolysisEpiphysiolysis capitis femoris (Notfall wegen Nekrosegefahr!) plötzliche Unfähigkeit, das Hüftgelenk zu belasten. Bei prolongierter Form Schonhinken und Knie- oder Hüftschmerz bei Belastung. In 50 % der Fälle beide Hüften betroffen. Betroffenes Bein wird in Außenrotation bei gebeugten Knien gehalten. Innenrotation ist nicht möglich.

  • Differenzialdiagnose: Coxitis fugax, septische Hüfte, Morbus Perthes.

  • Therapie: orthopädischer Notfall! Umgehende operative Fixierung, prophylaktisch auch der gegenseitigen Hüfte. Alternativ „offene“ Hüftgelenksreposition.

Morbus Osgood-Schlatter
Morbus Osgood-Schlatter Keine primär avaskuläre Knochennekrose, sondern ein entzündlicher Umbau der Tibiaapophyse, begünstigt durch traumatisierende Zugkräfte des Ligamentum patellae. Altersgipfel zwischen dem 10. und 14. Lebensjahr, v. a. bei Sport treibenden Knaben.
  • Symptome: Schmerzen distal der Kniescheibe, verstärkt bei Sport, beim Treppensteigen, bei Druck, beim Knien, beim Strecken des Beins gegen Widerstand. Schwellung, Druckschmerzhaftigkeit und Überwärmung der Tuberositas tibiae.

  • Differenzialdiagnose: Chondropathia patellae oder Osteochondritis dissecans (Schmerzen tiefer im Knie lokalisiert), Bursitis prä- oder infrapatellaris (Schwellung und Rötung der entsprechenden Bursa).

  • Therapie: Einschränkung von Überbelastung (Springen, Bergabgehen) für drei Monate, evtl. Schulsportbefreiung. Dehnübungen der Oberschenkelmuskulatur, um den Zug auf die Tibiaapophyse zu mindern. Die Prognose ist gut, eine Operation ist nur bei anhaltenden Beschwerden durch freie Knochenstückchen („Ossikel“) indiziert.

Nekrose der Kalkaneusapophyse (Morbus Haglund)
Morbus HaglundTritt häufig im Schulalter auf.
  • Symptome: Druck- und Spontanschmerz im dorsalen Bereich des Kalkaneus.

  • Therapie (Beidseitige) Absatzerhöhung, um den Zug der Achillessehne zu verringern.

Osteochondrosis dissecans
Osteochondrosis dissecansAseptische Nekrose an einer konvexen Gelenkoberfläche, mit Ablösung von Knochen-Knorpel-Stücken („Gelenkmaus“). Am häufigsten im Kniegelenk, meist nach dem 10. Lebensjahr und häufiger bei Mädchen. Ursache sind wahrscheinlich wiederholte Impulsbelastungen.
  • Symptome: Ziehende tiefe Knieschmerzen v. a. bei Belastung. Blockierungen des Kniegelenks, „Giving-way“-Symptomatik. Oft Knieverletzungen in der Anamnese. Gefahr der sekundären Arthrose.

  • Differenzialdiagnose: Meniskusschaden, Fraktur, Arthritis, Tumor.

  • Therapie: Spontanremissionen sind möglich, jedoch nicht vorhersehbar. Sportkarenz zunächst für 6–8 Wochen. Bei Entstehung einer Gelenkmaus Anbohrung oder operative Ausräumung.

Knochennekrosen an der oberen Extremität
Können an verschiedenen Stellen auftreten, etwa am Humerusköpfchen, am Radiusköpfchen, an den Handwurzelknochen – am häufigsten am Kahnbein – oder an den Fingerepiphysen. Zur Diagnose führt ein anhaltender lokaler Schmerz bei Belastung oder Druck. Die Therapie besteht aus Schonung der betroffenen Region.
Morbus Scheuermann ( 17.8 )

Konventionelle Therapie

Die konventionelle Behandlung zielt auf die Entlastung des betroffenen Knochens, den Erhalt der Gelenkbeweglichkeit und die Förderung der Durchblutung, etwa durch hyperämisierende Verfahren wie Iontophorese, Diathermie oder Kurzwellenbehandlung. Die Gabe von Prostaglandinanaloga (Ilomedin®) zur Förderung der Revaskularisierung ist vielversprechend, aber außerhalb der Zulassung. Operative Verfahren zielen bei ungünstigen Verläufen auf die Verhinderung von Spätarthrosen.
Patienten mit aseptischer Knochennekrose haben oft eine hypertone Skelettmuskulatur durch Persistenz primärer Reflexe. Krankengymnastik auf neurophysiologischer Grundlage etwa nach dem Therapiekonzept Pfeiffer-Meisel – TPM (5.16 Zentrale Koordinationsstörung) kann daher hilfreich sein und die Behandlungsdauer verkürzen.

Homöopathische Behandlung

Aseptische Knochennekrosen sind das Resultat einer genetischen und konstitutionellen Schwäche, die durch Überbelastung oder Mikrotraumata demaskiert wird. Eine konstitutionelle homöopathische Behandlung ist daher angezeigt. Ihr Ziel ist die beschleunigte Ausheilung und die Vermeidung operationsbedürftiger und präarthrotischer Befunde.
Repertoriumsrubriken
Zentrale Rubrik
Zentrale Rubrik ist die folgende RepertoriumsrubrikRepertoriumsrubrikenKnochennekrosen, die viele syphilitische Mittel enthält, wie es bei Knochenerkrankungen zu erwarten ist.
→Allgemeines – Nekrose – Knochen (67): ang, arg-met, ars, aur, aur-m, calc, calc-f, calc-p, cist, fl-ac, hecla, hep, iod, merc, merc-c, nit-ac, phos, sabin, sulph, syph, tub, …
Die Rubriken → Allgemeines – Knochenerweichung ← und
→ Allgemeines – Karies – Knochen; der ← entsprechen nicht präzise dem pathologischen Korrelat: Knochenerweichung steht für die Osteomalazie durch Stoffwechselstörungen, Knochenkaries für die eitrige oder granulomatöse progrediente Knochengewebsentzündung, im eigentlichen Sinn tuberkulöser oder syphilitischer Genese.
Osteochondrosis
Interessant sind die kleinen Rubriken „Osteochondrosis“ und „Osteochondrosis dissecans“, ebenfalls mit einigen syphilitischen Mitteln.
→Allgemeines – Osteochondrosis (9): abrot, arn, calc, calc-f, cortiso, fl-ac, p-benzq, phos, syph
→Allgemeines – Osteochondrosis dissecans (4): arn, calc, calc-f, phos
Nekrose
Genutzt werden können auch folgende Lokalrubriken zum Thema Nekrose.
→Extremitäten – Nekrose – Hüfte – Hüftgelenke – ischämische Knochennekrose (1): nat-s
→Extremitäten – Nekrose – Unterschenkel – Knochen – Schienbein (5): asaf, carb-ac, hep, lach, nit-ac, phos, sal-ac
Morbus Osgood-Schlatter
Pennekamp gibt für den Morbus Osgood-Schlatter folgende Rubrik an:
→Extremitäten – Knochen – Nekrose – Tibia (10): aur, calc, calc-p, dros, mez, nit-ac, ph-ac, phos, sil tub
Salicylicum acidum ist möglicherweise ein Spezifikum beim MorbusMorbus Osgood-Schlatter Osgood-Schlatter und kann bei fehlenden Hinweisen auf andere Mittel versucht werden. Charakteristisch sind folgende #Salicylicum acidumKnochennekrosenSymptome: Nekrose des Schienbeins. Geschwollene und schmerzhafte Knie. Hitze, Röte, Wundheit und Schwellung im Bereich der Gelenke; v. a. in den Knien, mit scharfen, durchbohrend stechenden Schmerzen; < bei Bewegung, > durch trockene Hitze. Begleitsymptome: Starker Schweiß, v. a. Fußschweiß; Schwindel; Tinnitus; Blähungen und Aufstoßen.
Weitere Repertoriumsrubriken:
→Extremitäten – Exostose – Unterschenkel – Knochen – Schienbein (16): ang, aur-m, bad, calc-f, calc-p, cinnb, dulc, hecla, merc, merc-c, nit-ac, phos, phyt, rhus-t, sars
→Extremitäten – Schwellung – Unterschenkel – Schienbein (18): aur-m, calc-p, caust, graph, guaj, hep, lach, merc, mez, nit-ac, ph-ac, phos, rhus-t, sil, stann, sulph, thuj, tub
→Extremitäten – Schmerz – Unterschenkel – Knochen (39): agar, ars, asaf, aur, calc-p, dulc, guaj, kali-bi, lach, led, lyc, merc, mez, nit-ac, ph-ac, phyt, rhus-t, syph, …
Bursitis
Differenzialdiagnostisch muss immer an die Bursitis praepatellarisBursitis praepatellaris gedacht werden.
→Extremitäten – Entzündung – Knie – Bursitis praepatellaris (10): apis, arn, kali-i, kali-m, rhus-t, ruta, sil, slag, stict, syc
Morbus Perthes
Beim MorbusMorbus Perthes Perthes kann für die Lokalsymptome die Rubrik der Coxitis herangezogen werden, und ebenso die große Rubrik der Hüftschmerzen mit ihren zahlreichen Unterrubriken.
→Extremitäten – Hüftgelenksentzündung (82): ars, calc, calc-p, chin, coloc, kali-c, kali-s, led, nat-s, ph-ac, sil, stram, tub, …
→Extremitäten – Schmerz – Hüfte
Homöopathische Arzneimittel
Abrotanum
#AbrotanumKnochennekrosenOsteochondrosis dissecansOsteochondrosis dissecans. „Rheumatische“ Schmerzen in allen Gelenken, stechender Schmerz in den Knochen. Humpeln. Überkreuzen der Glieder bessert. Wechsel („Metastasierung“) von Beschwerden; Gemütssymptome wechseln ab mit körperlichen Symptomen. Auftreten von Durchfall bessert die Beschwerden. Abmagerung mit Heißhunger; Abmagerung der Beine. Hydrozele. Verlangen nach gekochter Milch.
→Extremitäten – Schmerz – Hüfte – erstreckt sich zu – Knie (34): abrot, bry, hydr, kali-bi, kali-c, kali-i, kalm, nat-s, plb, …
→Allgemeines – Abwechselnde Zustände (57): abrot, kali-bi, lac-c, lyc, sulph, …
Angustura vera
#Angustura vera, KnochennekrosenKaries oder Nekrose der langen Knochen: Humerus, Femur, Schienbein. Knochenstücke bröckeln ab; Osteochondrose. Knochenschmerzen > kalte Anwendungen. Exostose am Schienbein. Starker Drang, die Glieder zu strecken. Knacken in den Gelenken. Starkes Verlangen nach Kaffee.
Argentum metallicum
#Argentum metallicumKnochennekrosenStarke Wirkung auf Knorpelerkrankungen. Knorpelnekrosen, Knorpelhypertrophie. Reißender Druck und Schmerzen in den Enden der Röhrenknochen < früher Morgen, 12:00 Uhr. Schmerzen steigern sich allmählich und hören plötzlich auf. Tietze-Syndrom. Starkes Zucken der oberen Extremitäten beim Einschlafen.
→Brust – Schmerz – Rippenknorpel (10): arg-met, arn, ran-b, …
→Allgemeines – Knorpel, Erkrankungen der (34): arg-met, aur, fl-ac, mez, phos, sil, …
→Allgemeines – Schwellung – Knorpel, der (3): arg-met, calc, sil
Aurum metallicum
#Aurum metallicumKnochennekrosenWichtiges syphilitisches Mittel. Knochenschmerzen nachts, mit Stöhnen im Schlaf. Beschwerden > am Abend und im Freien. Knochennekrosen, Knochenkaries (= Osteomyelitis), Periostschwellungen, Exostosen. Gelenke steif, wie bandagiert, fast ankylotisch. Große Kälte in den Extremitäten < nachts. Psychisch großes Schwächegefühl, Verletzlichkeit, Reizbarkeit, Depression.
→Extremitäten – Kälte – Hände – nachts (10): aur, bry, phos, sec, sep, thuj, …
→Allgemeines – Schmerz – Knochen – nachts (34): aur, kali-i, merc, nit-ac, …
Calcium fluoricum
#Calcium fluoricumKnochennekrosenKnotige oder gezackte Exostosen, z. B. am Schienbein. Morbus Schlatter. Hüftgelenkserkrankungen wie Morbus Perthes oder Hüftdysplasie. Bursitis. Knorpelschwellung. Ganglion. Langsame Frakturheilung.
→Extremitäten – Verrenkung – Hüfte, spontanes Verrenken der (20): calc, calc-f, caust, coloc, rhus-t, thuj, …
→Allgemeines – Tumoren – Enchondrom, Knorpelgeschwulst (10): calc, calc-f, conch, lap-a, sil, …
Fluoricum acidum
#Fluoricum acidumKnochennekrosenKaries oder Nekrose v. a. der langen Röhrenknochen. Osteochondrose. Knochenschmerzen > kalte Anwendungen. Knochenentzündung mit Fistelbildung. Junge Menschen sehen alt aus. Brüchige Nägel. Hitzegefühl im Körper.
→Extremitäten – Entzündung – Knochen (22): aur, calc, fl-ac, merc, ph-ac, rhus-t, sil, …
→Allgemeines – Alter – vorzeitiges Alter (50): fl-ac, lach, sel, …
Hecla lava
#Hecla lavaKnochennekrosenSchmerzhafte, berührungsempfindliche Knochenschwellungen. Exostose am Schienbein mit starken anhaltenden Schmerzen > fortgesetzte Bewegung. Gutartiger Tumor oder Knochennekrose an den Füßen. Osteitis, Periostitis, Osteosarkom. Hüfterkrankung, Morbus Perthes.
→Extremitäten – Krebs – Knochen – Osteosarkom (8): beryl, calc-f, euph, graph, hecla, merc-k-i, symph, syph
Phosphorus
#PhosphorusKnochennekrosenPolychrest mit Wirkung bei destruktiven Knochenprozessen. Schwellung von Knochen. Knochennekrose und Schwellung in der Tibia. Brennende Schmerzen. Kann nicht auf der linken Seite liegen. Finger und Hände morgens taub. Blutungsneigung. Infekte im Bronchialbereich. Durst auf kaltes Wasser. Extrovertiert, durchlässig, ängstlich (Gewitter).
→Extremitäten – Schwellung – Unterschenkel – Knochen – Schienbein (20): aur-m, calc-p, hep, merc, mez, phos, rhus-t, sil, tub
→Allgemeines – Schwellung – Knochen (60): asaf, calc, ph-ac, phos, puls, sil, staph, sulph, …
Syphilinum
#SyphilinumKnochennekrosen NosodenSyphilinumUnerträgliche sägende Knochenschmerzen < nachts, nach 0:00 Uhr, warme Anwendungen; > kalte Umschläge, Aufstehen und Herumgehen. Kann in keiner Stellung liegen. Schmerzen kommen und verschwinden allmählich. Symmetrische Exostosen, beidseitiger Morbus Schlatter. Osteochondrosis dissecans. Zystische Knochentumoren. Osteosarkom.
→Extremitäten – Schmerzen – Knochen – nachts (5): kali-i, mang, nit-ac, phyt, syph
→Allgemeines – Tumoren – zystisch – Knochen, der (2): mez, syph
HOMÖOPATHISCHE LITERATUR (17.2)

Akute Arthritis

Grundlagen

Bis zum Alter von 16 Jahren macht eines von 1000 Kindern eine ArthritisArthritisakute durch; nur bei jedem zehnten chronifiziert die Erkrankung. Die große Mehrzahl der Arthritiden verläuft also akut – über einen Zeitraum von Tagen bis Wochen – und hinterlässt keine Gelenkschäden. Erst ab einer Erkrankungsdauer von mehr als sechs Wochen spricht man von chronischer Arthritis (17.7).

Ätiologie und Klinik

Eine akute Arthritis wird durch infektiöse Erreger (Tab. 17.1) ausgelöst, die jedoch nicht in der Gelenkflüssigkeit nachweisbar sind. Der Gelenkserguss ist steril. Ätiologisch handelt es sich um eine immunpathologische Reaktion auf den Erreger. Man spricht auch von „infektreaktiver Arthritis“.
Arthritis ist eine spontan auftretende Entzündung eines Gelenks, die mit schmerzhafter Bewegungseinschränkung, Schwellung oder Erguss einhergeht.
Typische Symptomatik der akuten Arthritis ist die OligoarthritisOligoarthritis von ein bis vier Gelenken, vornehmlich der unteren Extremitäten. Die betroffenen Gelenke sind heiß, geschwollen und meist gerötet („Dolor, Calor, Rubor, Tumor“). Bei der klinischen Untersuchung ist die Prüfung der Beweglichkeit aller Gelenke inkl. Wirbelsäule wichtig, um leichte Arthritiden auch anderer Gelenke zu erfassen.
Findet man typische Begleitsymptome einer auslösenden Grunderkrankung – etwa eine Angina tonsillaris oder ein Röteln-Exanthem –, so kann die Diagnose oft schon vermutet werden. Auch ein Zeckenbiss oder ein Erythema migrans in der Vorgeschichte lassen ätiologische Schlüsse zu; die Lyme-ArthritisLyme-Arthritis tritt allerdings erst Wochen oder Monate später auf, und oft ist kein Zeckenbiss in Erinnerung. Sie beginnt häufig als Gonarthritis mit voluminösen Gelenkergüssen, die nach Punktion rasch nachlaufen. Der Nachweis wird serologisch geführt.
Bei einer postenteritischen Arthritis liegt die Diarrhö in der Regel zwei bis drei Wochen zurück. Hohes Fieber und rasch wechselnder, wandernder Gelenkbefall sind verdächtig für ein rheumatisches Fieber (17.2).

Diagnostik

Da sich die Diagnose „akute Arthritis“ oft erst retrospektiv stellen lässt, muss jede neu auftretende Arthritis sehr ernst genommen werden, und es müssen alle möglichen differentialdiagnostischen Überlegungen (Tab. 17.2) angestellt werden. Im Zweifelsfall ist die Überweisung in eine kinderrheumatologische Praxis oder Ambulanz indiziert.

Info

Höchste Priorität hat der Ausschluss einer septischen Arthritis und eines Malignoms. Fieber und schlechter Allgemeinzustand müssen zur sofortigen Einweisung in eine Kinderklinik führen.

  • Die häufigste Form (1: 2000) der akuten Arthritis im Alter zwischen drei und zehn Jahren ist die Coxitis fugaxCoxitis fugax, die vermutlich durch Viren ausgelöst wird. Häufig geht ein Infekt der oberen Luftwege voraus. Das Kind gibt Schmerzen in der Hüfte, im Oberschenkel oder im Knie an, humpelt und hat eine Bewegungseinschränkung im Hüftgelenk v. a. bei der Innenrotation. Sonografisch findet sich eine Erweiterung des Hüftgelenkspaltes. In der Regel heilt die Coxitis fugax innerhalb weniger Tage ab. Fieber und stark erhöhte CRP gehören nicht zum Krankheitsbild. Hinter einem länger anhaltenden Hüftgelenkserguss steckt möglicherweise ein Morbus Perthes.

  • Bei einer akuten Monarthritis mit schlechtem Allgemeinzustand des Kindes und/oder Fieber muss immer an eine septische ArthritisArthritisakuteseptische gedacht werden, bei der eine sofortige i. v.-antibiotische Behandlung erforderlich ist. Stark erhöhte Entzündungsparameter, echoreiches Exsudat („Rice bodies“) in der Gelenksonografie und Untersuchung des Gelenkpunktats führen zur Diagnose.

Spezifische Laborparameter sichern die Diagnose (Tab. 17.3). Auf den Nachweis von Virus-Antikörpern kann wegen fehlender therapeutischer Konsequenzen und aus Kostengründen verzichtet werden. Er kann jedoch psychologisch wichtig sein, um eine bessere Aussage über die Prognose machen zu können: Die echte juvenile idiopathische Arthritis (17.7) ist eine Ausschlussdiagnose.

Konventionelle Therapie

Konventionelle Mittel der Wahl zur Schmerzlinderung und Entzündungshemmung sind die nichtsteroidalen AntiphlogistikaAntiphlogistikaArthritis, akute. Sie unterdrücken in erster Linie die Prostaglandinsynthese durch Hemmung der Zyklooxygenase (COX). Bevorzugte Mittel sind Naproxen (ab 5 J.) und Ibuprofen (ab 2 J.). Unerwünschte Arzneimittelwirkungen betreffen v. a. den Gastrointestinaltrakt, die Nieren, die Haut und das zentrale Nervensystem. Manche Kinder werden appetitlos und müde, es kann zu Konzentrationsstörungen und Verhaltensauffälligkeiten kommen. Bei ausbleibender Wirkung nichtsteroidaler Antiphlogistika ist die Umstellung auf KortikosteroideKortikosteroideArthritis, akute empfohlen.
Antibiotische BehandlungAntibiotikaLyme-Arthritis ist nur bei nachgewiesener Borrelien- oder Chlamydieninfektion (7.13) indiziert.

Unterstützende Maßnahmen

Die Schmerzen der akuten Arthritis werden erfahrungsgemäß am ehesten durch Kälteanwendungen gebessert, z. B. Eispackungen, Alkohol- oder Quarkumschläge. Nur selten verlangt ein betroffenes Kind nach warmen Umschlägen. Die Ruhigstellung in entspannter Muskelposition hilft, den Bedarf an Schmerzmitteln zu reduzieren.

Homöopathische Behandlung

Zur Pathogenese der akuten Arthritis gehört zwar ein äußerer Erreger, aber ebenso die individuelle Bereitschaft des Erkrankten, auf diesen mit einer lokalen Entzündung auf der Ebene des Bewegungsapparates zu reagieren. Die HLA-B-27-assoziierte Arthritis nach einer Yersinien-Enteritis ist das klassische Beispiel für diese Konstellation.
Daher wird der homöopathische Therapeut im Anschluss an die akute Behandlung mit organbezogenen Mitteln eine konstitutionelle Therapie vornehmen, die die miasmatische Belastung des Patienten berücksichtigt (1.6, 17.7).
Zunächst sind jedoch in der Regel Akutmittel angezeigt, die die vorherrschende klinische Symptomatik lindern. Hierbei kann auch ein mehrmaliger Mittelwechsel notwendig sein. Voegeli warnt vor der zu frühen Verordnung konstitutioneller Mittel aus dem Bereich der Mineralien, Metalle und Nosoden – diese Mittel würden später noch gebraucht, und „die Munition also umsonst verschossen“.

Repertoriumsrubriken

Zentrale Rubrik
RepertoriumsrubrikenArthritisakute→Extremitäten – Schmerz – rheumatisch – akut (41): acon, ant-c, ars, bell, bry, cham, chel, colch, dulc, guaj, kali-bi, kalm, lac-c, lach, merc, nux-v, puls, rhod, rhus-t, sulph, …
Causa
Ein wichtiges Kriterium für die Eingrenzung des Akutmittels ist die Causa. Hier findet man im Repertorium (Synthesis 8.0) einige Rubriken, die weiterhelfen.
→Innerer Hals – Entzündung – Tonsillen – gefolgt von – Rheumatismus (6): echi, guaj, kali-s, lach, phyt, rhod
→Rektum – Diarrhö – gefolgt von – Rheumatismus (5): abrot, cimic, dulc, iod, kali-bi
→Extremitäten – Schmerz – rheumatisch – Abkühlung, Kaltwerden – agg. (10): arg-met, bar-c, bell-p, caust, colch, nat-ar, nux-v, ph-ac, rhus-t, rumx
→Extremitäten – Schmerz – rheumatisch – Erkältung, nach (15): acon, arn, bry, calc, calc-p, coloc, dulc, gels, guaj, med, merc, nit-ac, ph-ac, rhus-t, sulph
Schmerzmodalitäten
Den Charakter der Schmerzen können jüngere Kinder meist nicht angeben; wichtige Modalitäten lassen sich jedoch durch genaue Befragung und Beobachtung in Erfahrung bringen.
→Extremitäten – Schmerz – Gelenke – Bewegung, bei – agg. (42): bry, cham, colch, guaj, kali-bi, kalm, lac-c, led, …
→Extremitäten – Schmerz – Gelenke – Bewegung, bei – amel. (33): aur, coloc, con, dulc, ferr, kali-c, phos, rhod, rhus-t, …
→Extremitäten – Schmerz – Bewegung – fortgesetzte Bewegung amel. (10): agar, cham, puls, rhus-t, syph, tub, …
→Extremitäten – Schmerz – rheumatisch – Bewegung, fortgesetzte – amel. (4): agar, bry, med, stel
→Extremitäten – Schmerz – Gelenke – kalt – Anwendung, kalte – amel. (9): bell, guaj, kali-i, kali-s, lac-c, led, puls, sabin, sulph
→Extremitäten – Schmerz – rheumatisch – Kälte – amel. (10): am-c, guaj, kali-i, kali-s, lac-c, led, puls, rad-br, sec, sulph
→Extremitäten – Schmerz – Gelenke – Wärme – agg. (14): außer den Mitteln in der vorherigen Rubrik noch borra-o, caust, cedr, iod, mand, merc
→Extremitäten – Schmerz – Gelenke – Wärme – amel. (17): aesc, arg-met, ars, bry, calc-f, caust, kali-p, lyc, nux-v, phos, puls, rhod, rhus-t, ruta, sal-ac, sulph, tub
Lokalisation
Die Lokalisation der Gelenksentzündung kann ebenfalls zur Mittelfindung herangezogen werden.
→Extremitäten – Hüftgelenksentzündung (82): calc, calc-p, card-m, chin, coloc, kali-c, kali-s, led, nat-s, ph-ac, sil, stram, tub, …
→Extremitäten – Schwellung – Knie – rheumatisch (14): acon, apis, ars, berb, bry, calc-s, clem, lac-c, led, lyc, rhus-t, sal-ac, verat-v
Ein wichtiges Symptom, das – sofern vorhanden – unbedingt in die Mittelwahl mit einbezogen werden muss:
→Extremitäten – Schmerz – Gelenke – wandernd (42): ars, aur, calc-p, cocc, colch, hyper, kali-bi, kali-s, kalm, lac-c, lach, merc-c, puls, rhod, …
Finden sich noch auffällige Begleitsymptome und/oder Akutsymptome im Geist- und Gemütsbereich und im Vegetativum (Appetit, Nahrungsmittelverlangen, Schweiß, Schlaf), sollte sich ein homöopathisches Heilmittel finden lassen, mit dem sich unterdrückende Antirheumatika vermeiden oder zumindest einsparen lassen.

Homöopathische Arzneimittel

Aconitum napellus
Plötzliche, sehr schmerzhafte Gelenksentzündung – oft ausgelöst durch Kälte oder kalten Wind. Auch wandernde Arthritis#Aconitum napellusArthritis, akute. Befallenes Gelenk leuchtend rot, geschwollen und berührungsempfindlich. Rheumatische Entzündung der linken Hüfte, schlimmer bei Bewegung. < nachts gegen Mitternacht, Druck, Berührung, > frische Luft. Ruhe.
→Extremitäten – Schmerz – rheumatisch – Wind agg; kalter (1): acon
Apis mellifica
Starke Gelenkschwellung mit periartikulärem Ödem, blassrot, teigig; zurückbleibende Eindellung nach Druck mit dem Finger. Keine wandernde Arthritis#Apis mellificaArthritis, akute (anders led, puls). Stechender Schmerz, sehr berührungsempfindlich. Wenig Durst, wenig Urin. Starke Unruhe, schrilles Schreien. < Wärme in jeder Form, Druck, Hitze oder feuchte Kälte, > trockene Kälte, kalte Anwendungen.
→Extremitäten – Schmerz – kalt – Anwendungen, kalte – amel. (14): apis, guaj, lac-c, led, puls, …
→Allgemeines – Kälte – Anwendungen, kalte – amel.: apis, arg-n, bry, led, puls, …
Belladonna
#BelladonnaArthritis, akuteBeschwerden kommen und gehen plötzlich. Gelenk geschwollen, sehr heiß und glänzend gerötet. Pochende Schmerzen. Parainfektiöse Arthritis bei Exanthemerkrankungen wie Röteln oder Scharlach. Auslöser oft Sonnenhitze, Luftzug oder Abkühlung des Kopfes. < Erschütterung, Berührung, Bewegung, rechte Seite, nachmittags 15:00 Uhr und nachts, Herabhängenlassen des betroffenen Gliedes, > Ruhe im Bett, Wärme, warmes Zimmer, kalte Anwendungen.
→Extremitäten – Schmerz – Gelenke – Erschütterung agg. (4): arn, bell, bry, sal-ac
→Extremitäten – Schmerz – Gelenke – Abkühlung, Kaltwerden; nach – Kopfes, des (1): bell
Bryonia alba
#Bryonia albaArthritis, akuteArthritis nach Unterkühlung, durch kalte Getränke bei Überhitzung, bei kaltem Wetter oder an den ersten warmen Tagen des Jahres. Gelenk heiß, rot und geschwollen, die geringste Bewegung ist unerträglich. Stechende Schmerzen. Trockene Schleimhäute, Durst auf Kaltes. Psychische Reizbarkeit. Viel Gähnen. < Jede Bewegung, Wärme, warmes Wetter, Berührung, morgens, rechte Seite, > Ruhe, breiter Druck, Kühlung.
→Extremitäten – Schmerz – Gelenke – Druck – amel. (2): bry, form
→Extremitäten – Schmerz – rheumatisch – kalt – Getränke, kalte – agg. – Überhitzung, bei (1): bry
→Extremitäten – Schmerz – rheumatisch – Wetter – kaltem Wetter, bei – agg. (26): bry,
→Extremitäten – Schmerz– rheumatisch – Wetter – warmem Wetter, bei – ersten warmen Tagen, an den (1): bry
→Schlaf – Gähnen – Rheumatismus, bei (1): bry
Chamomilla
#ChamomillaArthritis, akuteExtreme Schmerzempfindlichkeit. Schmerz wird schlimmer in der Nacht, kann nicht liegen bleiben. Kind äußerst reizbar, weiß nicht, was es will. Heißer Schweiß nachts; deckt die Füße ab. < nachts, im Bett, Zahnungszeit, > Gehen (rhod), Bewegung, auch passive Bewegung (getragen werden).
→Extremitäten – Schmerz – Gelenke – nachts (29): cham, iod, led, merc, rhus-t, …
→Extremitäten – Schmerz – rheumatisch – nachts – treibt aus dem Bett (8): cham, ferr, merc, verat, …
Colchicum autumnale
#Colchicum autumnaleArthritis, akuteWandernde Arthritis v. a. kleinerer Gelenke (Gichtmittel!), aber auch der Hüften, Arme und Schultern. Schmerzen kommen und gehen plötzlich. Das Kind wirkt deutlich geschwächt, ist frostig, unruhig und gereizt. Es ist überempfindlich und schreit vor Schmerzen bei Berührung des befallenen Gelenks. Überempfindlichkeit gegen Gerüche. < abends und nachts, geringste Berührung, Bewegung, geistige Anstrengung, Gerüche von Speisen, nasskaltes oder warmes Wetter, > morgens, Wärme, Ruhe.
→Extremitäten – Schmerz – Gelenke – Wetter – kaltem Wetter, bei – nasskaltem Wetter, bei – agg. (18): colch, rhus-t, …
→Extremitäten – Schmerz – rheumatisch – Wetter – warmem Wetter, bei – agg. (2): colch, kali-bi
Colocynthis
#ColocynthisArthritis, akuteAkute Beschwerden nach Unterkühlung oder Ärger. Wandernde Arthritis von Händen und Füßen. Plötzliche, krampfartige, neuralgische Schmerzen mit Kontraktion der Muskulatur und starker Unruhe. Eines der ersten Mittel bei Coxitis fugax. < Rechte Seite, nachmittags 16:00 Uhr, nachts, Bewegung, Berührung, Liegen auf der schmerzlosen Seite, Gemütsbewegungen wie Ärger oder Zorn, > fester Druck (chin, lach, …), Ruhe oder sanfte Bewegung, Zusammenkrümmen, Flatusabgang, Wärme.
→Gemüt – Ruhelosigkeit – Schmerzen, durch (38): acon, ars, cham, coloc, merc, ruta, …
→Extremitäten – Schmerz – Beine – nachmittags – 16:00 Uhr (1): coloc
→Extremitäten – Schmerz – Hüfte – Drehen des Unterschenkels nach innen (1): coloc
→Extremitäten – Schmerz – rheumatisch – Erkältung – nach (15): bry, calc-p, coloc, dulc, guaj, merc, nit-ac, rhus-t, …
→Allgemeines – Druck – harter Druck – amel. (21): chin, coloc, lach, …
Dulcamara
#DulcamaraArthritis, akuteArthritis nach Unterkühlung oder durch Einfluss jeder Art von Kälte oder Durchnässung, bei nassem Wetter. Auch nach Diarrhö oder Exanthem. Asthma besser während Gelenkbeschwerden. Trockene Zunge oder Speichelfluss während Arthritis. < Kälte, Herbst, nachts, > Wärme, warme Anwendungen, Bewegung.
→Atmung – Asthma – abwechselnd mit – Schmerz, rheumatischer (2): dulc, med
→Extremitäten – Schmerz – Gelenke – kalt – Einwirkung von Kälte – nach (12): calc, calc-p, dulc, kalm, ph-ac, rhus-t, …
→Extremitäten – Schmerz – rheumatisch – Hautausschlägen, nach akuten (1): dulc
→Schlaf – Schlaflosigkeit – Schmerz, durch – rheumatische Schmerzen (13): ant-t, ars, caul, coloc, dulc, puls, stict, …
Eupatorium perfoliatum
#Eupatorium perfoliatumArthritis, akuteAkute Knochen- oder Gelenkschmerzen während eines fieberhaften Infekts; kommen und gehen plötzlich. Parainfektiöse Arthritis, v. a. in den kleinen Gelenken und im Lumbosakralbereich. Sehr unruhig (rhus-t), kann nicht stillliegen (anders bry: hält sich ruhig), aber Bewegung verschlechtert (anders rhus-t). Stöhnt und weint. Schmerz in Stirn und Augäpfeln. Galleerbrechen. Fiebermaximum morgens. Verlangt im Fieber nach warmen Getränken. < Kalte Luft, Bewegung, 7:00–9:00 Uhr, > Schwitzen, Erbrechen.
→Extremitäten – Schmerz – Fieber, während (59): arn, bry, calc, chin, eup-per, ign, merc, nux-v, pyrog, rhod, rhus-t, …
Ferrum metallicum
Arthritis#Ferrum metallicumArthritis, akute der Schultergelenke, v. a. linksseitig (ferr-p eher rechts, bei gleichen Modalitäten) oder erst rechts, dann links; Arthritis der unteren Extremitäten. Kann nichts heben. Schwellung von Händen und Füßen. Anämie, aber leichtes Erröten. Nachts ruhelos vor Schmerzen. Nasenbluten. Neigung zum Erbrechen. < Ruhig Sitzen, Schwitzen, Erhitzung, > langsame Bewegung, langsames Gehen, Wärme, feuchtkalte Anwendungen.
→Extremitäten – Schmerz – rheumatisch – nachts – Bett, treibt aus dem (8): cham, ferr, lac-c, led, merc, sulph, syph, verat
→Extremitäten – Schmerz – Schultern – rheumatisch (128): colch, ferr, med, rhod, rhus-t, sulph, …
Guajacum
Arthritis#GuajacumArthritis, akute v. a. der oberen Extremitäten, mit ausgeprägtem Hitzegefühl. Vorausgehende Tonsillitis. Große Steifigkeit der Muskulatur, muss sich dauernd strecken, kann Glieder nicht beugen, < Druck, Bewegung, Berührung, Wärme, nasskaltes Wetter, nachts, Beugen des befallenen Gelenks, > Ruhe, kalte Anwendungen, Strecken.
→Innerer Hals – Entzündung – Tonsillen – gefolgt von Rheumatismus (6): echi, guaj, kali-s, lach, phyt, rhod
→Allgemeines – Schmerz – Gelenke, der – kalte Anwendungen – amel. (6): guaj, lac-c, led, puls, rad-br, sulph
→Allgemeines – Strecken, Ausstrecken – amel. (40): guaj, puls, rhus-t, …
Kalmia latifolia
Plötzliche akute Arthritis#Kalmia latifoliaArthritis, akute mit einschießenden, neuralgisch ausstrahlenden Schmerzen, die rasch nach unten wandern, etwa von den Armen zu den Beinen und Fußgelenken. Kann nicht mehr gehen. Taubheits- und Kältegefühl, Zittern, paralytische Schwäche. Ruhelosigkeit. Vorher oder nachher Hautausschläge. Herzsymptome, Herzklopfen, Arrhythmie. < Bewegung, kaltes Wetter, Winter (calc-p), frische Luft, abends beim Einschlafen, nachts (Extremitäten – Entzündung – Gelenke – nachts: con, iod, lac-ac, mang, rhod), > Ruhe, Sitzen, nach dem Essen.
→Brust – Herzens, Beschwerden des – Rheumatismus, nach (30): acon, adon, caust, kalm, lach, led, rhus-t, …
→Extremitäten – Schmerz – Gelenke – Bewegung, bei – agg. (42): bry, colch, kalm, led, …
→Extremitäten – Schmerz – Gelenke – erstreckt sich zu – unten, nach (1): kalm
→Extremitäten – Schmerz – rheumatisch – abwechselnd mit – Hautausschläge (5): abrot, crot-t, kalm, staph, urt-u
→Extremitäten – Schmerz – rheumatisch – Wetter – kaltem Wetter, bei – agg. (26): bry, calc-p, caust, colch, dulc, kali-bi, kalm, nux-v, ph-ac, phos, puls, rhod, rhus-t, tub, …
→Extremitäten – Schmerz – Gelenke – Winter, im (2): calc-p, kalm
Lac caninum
#Lac caninumArthritis, akuteWandernde rheumatische Beschwerden, Wechsel von einer Körperseite auf die andere. Verzweifelt, schreit nachts. Verlangen nach Salz und warmen Getränken. < Bewegung, Berührung, Hitze, abends, warmes Bett, > Kälte, kalte Anwendungen.
→Extremitäten – Schmerz – Gelenke – kalt – Anwendungen, kalte – amel. (9): bell, guaj, kali-i, kali-s, lac-c, led, puls, sabin, sulph
→Extremitäten – Schmerz – warm – Bett, Bettwärme; warmes – agg. (15): aur, merc, lac-c, led, sulph, verat, …
Lachesis muta
#Lachesis mutaArthritis, akuteIns Bläuliche gehende Gelenkschwellungen (nur lach), sehr berührungsempfindlich, wandernd von links nach rechts. Arthritis während oder nach Tonsillitis. Verträgt keine enge Kleidung. Anstrengendes Kind, sehr redselig, eifersüchtig, < Wärme, warme Anwendungen oder warmes Bad, Aufstehen vom Sitzen, morgens, nach Schlaf, Frühjahr, geringste Berührung, Kleiderdruck, > frische, kühle Luft, kalte Anwendung, Auftreten von Absonderungen.
→Innerer Hals – Entzündung – Tonsillen – gefolgt von – Rheumatismus (6): echi, guaj, kali-s, lach, phyt, rhod
→Extremitäten – Schwellung – Gelenke – bläulich (1): lach
Ledum palustre
Arthritis#Ledum palustreArthritis, akute beginnt in unteren Körperpartien und steigt dann auf, etwa von den Füßen zur Hüfte oder zu den Armen. Kältegefühl im befallenen Gelenk, Steifheit. < Wärme, Bettwärme, nachts – treibt aus dem Bett, Bewegung oder Beginn der Bewegung, > Kälte, kalte Bäder und Anwendungen.
→Extremitäten – Schmerz – Gelenke – kalt – Anwendungen, kalte – amel. (9): bell, guaj, kali-i, kali-s, lac-c, led, puls, sabin, sulph
→Extremitäten – Schmerz – rheumatisch – erstreckt sich zu – oben, nach (3): arn, kalm, led
→Extremitäten – Schmerz – rheumatisch – nachts – treibt aus dem Bett (8): cham, ferr, lac-c, led, merc, sulph, syph, verat
→Extremitäten – Schmerz – rheumatisch – warm – Bett, Bettwärme; warmes – agg. (1): led
Nux vomica
Arthritis#Nux vomicaArthritis, akute v. a. an großen Gelenken (Knie, Schulter, Arme) und im Wirbelsäulenbereich. Lumbago – muss sich aufsetzen, bevor er sich im Bett umdrehen kann. Reizbar, sehr empfindlich gegen Geräusch, Licht, Geruch. Verdauungsbeschwerden. Sehr verfroren. < morgens, geringste Erschütterung oder Bewegung, Kälte, nach dem Essen, > Wärme, warme Anwendungen.
→Extremitäten – Schmerz – Gelenke – morgens – Bett, agg. im (10): aur, chin, nux-v, puls, rhus-t, …
Phytolacca
Arthritis#PhytolaccaArthritis, akute während oder nach Tonsillitis, Mononukleose oder Mumps. Starke Schmerzen mit Prellungsgefühl, muss sich bewegen, aber dadurch Verschlechterung (rhus-t bessert sich). Wandernde Arthritis. Kalte Hände und Füße. < Wärme, kaltes oder nasskaltes Wetter, Bewegung, nach dem Gehen, Druck, nachts, morgens, > Ruhe, Wärme, Reiben.
→Innerer Hals – Entzündung – Tonsillen – gefolgt von Rheumatismus (6): echi, guaj, kali-s, lach, phyt, rhod
→Extremitäten – Schmerz – rheumatisch – begleitet von – Halsdrüsen – Beschwerden der (1): phyt
→Extremitäten – Schmerz – rheumatisch – Wetter – kaltem Wetter, bei – nasskaltem Wetter, bei – agg. (20): calc-p, dulc, merc, phyt, rhod, rhus-t, …
Pulsatilla pratensis
#Pulsatilla pratensisArthritis, akuteWandernde, sehr wechselhafte rheumatische Beschwerden. Beginnen oft im Hüftgelenk und setzen sich nach unten fort. Gonarthritis, Schwellung eher blass. Taubheitsgefühl. Auslöser oft feuchtes oder kaltes Wetter, auch nasse Füße. Müde, aber schlaflos. Schüchterne, weinerliche Grundstimmung. Fehlender Durst. Abneigung gegen Fett. < Hitze, äußere Wärme, abends und nachts, Hängenlassen des betroffenen Gliedes, > frische Luft, Abdecken, langsame Bewegung, kalte Anwendungen.
→Extremitäten – Gefühllosigkeit, Taubheit – Gelenke – Rheumatismus, bei (6): acon, cham, kreos, led, puls, rhus-t
→Extremitäten – Schmerz – rheumatisch – Wetter – kaltem Wetter, bei – agg. (26): bry, calc-p, puls, rhus-t, …
→Schlaf – Schlaflosigkeit – Schmerz durch – rheumatische Schmerzen (13): ant-t, ars, caul, coloc, dulc, puls, stict, …
→Allgemeines – Nass – Nasswerden – Füße, der (34): colch, dulc, nux-v, puls, sil, …
→Allgemeines – Schmerz – Gelenke, der – kalte Anwendungen – amel. (6): guaj, lac-c, led, puls, rad-br, sulph
Rhododendron
Arthritis#RhododendronArthritis, akute mit stark wetterabhängigen Beschwerden; schlimmer bei rauem und nassem Wetter, bei Sturm, Wetterumschlag, Gewitter – aber auch in der heißen Jahreszeit. Reißende, bohrende Schmerzen, die rasch wandern und sich nach unten erstrecken. < Vor einem Gewitter, bei heißem oder auch rauem Wetter, Wetterwechsel, in Ruhe, nachts, morgens, > Bewegung, Gehen, nach dem Sturm.
→Extremitäten – Schmerz – Arme – erstreckt sich zu – unten, nach (10): arn, guaj, kalm, lach, rhod, …
→Extremitäten – Schmerz – Gelenke – Gehen – amel. (2): cham, rhod
→Extremitäten – Schmerz – Gelenke – Wetter – windigem und stürmischem Wetter, bei (2): rhod, rhus-t
→Extremitäten – Schmerz – Gelenke – Wetter – nassem Wetter, bei – agg. (5): cimic, gink-b, nux-m, rhod, rhus-t
→Extremitäten – Schmerz – Gelenke – Wetter – Wetterwechsel (2): ran-b, rhod
Rhus toxicodendron
#Rhus toxicodendronArthritis, akuteHeiße, schmerzhafte Gelenkschwellung, v. a. nach Überanstrengung, Überheben, Verrenkung. Ziehende Schmerzen mit Steifigkeit, Taubheits- und Lähmungsgefühl in den Gelenken. Gelenkknacken. Große Unruhe, kann in keiner Stellung schlafen, muss sich dauernd recken und strecken. Verlangen nach Milch. Zungenspitze auffallend rot. Urtikaria. < Beginnende Bewegung nach Ruhe, morgens, nachts, Abkühlung, kalte Anwendungen, Nässe oder feuchtkaltes Wetter, > bei fortgesetzter Bewegung, Gehen, Reiben, Wärme (warmes Bett, warme Anwendungen, warmes Bad), Strecken oder Halten des betroffenen Gliedes.
→Extremitäten – Schmerz – Gelenke – Wetter – kaltem Wetter, bei – nasskaltem Wetter, bei (18): calc, colch, dulc, kali-c, rhus-t, tub, …
→Haut – Hautausschläge – Urtikaria – Rheumatismus, bei (4): bov, duc, rhus-t, urt-u
Veratrum viride
Akute Arthritis#Veratrum virideArthritis, akute mit hohem Fieber und starken Schmerzen. Heftige, blitzartige Schmerzen die Glieder entlang. Zuckungen, Spasmen. Pochende Arterien, rotes Gesicht. Roter Streifen in der Mitte der Zunge. < Bewegung, Kälte, morgens beim Erwachen, Aufstehen, > Reiben.
→Extremitäten – Schmerz – Gelenke – morgens – Erwachen, beim (5): abrot, rhus-t, sol-ni, verat, verat-v
→Extremitäten – Schwellung – Knie – heiß (7): bell, calc, chin, ferr-p, iod, puls, verat-v

Literatur

Huppertz, 2001

H.I. Huppertz Grundlagen infektassoziierter Arthritiden V. Wahn J. Oppermann H.I. Huppertz F. Zepp Rheumatische Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter 2001 Hans Marseille München

Truckenbrodt, 2001

K. Truckenbrodt Inzidenz und Prävalenz rheumatischer Erkrankungen im Kindesalter V. Wahn J. Oppermann H.I. Huppertz F. Zepp Rheumatische Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter 2001 Hans Marseille München

HOMöOPATHISCHE LITERATUR ( 17.2)

Juvenile idiopathische Arthritis

Die chronisch verlaufende ArthritisArthritisjuvenile idiopathischePolyarthritis ist bei Kindern wesentlich seltener als bei Erwachsenen. In Deutschland kommt es jährlich zu 1000–1400 Neuerkrankungen. Die Altersgipfel liegen im zweiten bis sechsten (Typ 1, 2, 3 und 4 Tab. 17.4) und im neunten bis zwölften Lebensjahr (Typ 5 und 6 Tab. 17.4).

Grundlagen

Info

Die juvenile idiopathische Arthritis ist definiert durch eine Mindesterkrankungsdauer von sechs Wochen und den Erkrankungsbeginn vor dem 17. Lebensjahr.

Es handelt sich um eine heterogene Gruppe verschiedenster Arthropathien, deren Einteilung auf vereinbarten Kriterien beruht. Laborparameter und Gelenkbiopsie helfen bei der Zuordnung nur bedingt weiter, geben aber Auskunft über Aktivität und Prognose der Erkrankung.
Ätiologie und Pathogenese der verschiedenen Formen der juvenilen idiopathischen Arthritis sind weitgehend unbekannt. Sicher ist lediglich, dass es sich um Autoimmunerkrankungen handelt, bei denen externe Antigene – etwa Krankheitserreger, Nahrungsmittelbestandteile oder Impfantigene – die konstitutionelle Bereitschaft des Organismus aktivieren, Autoantikörper oder autoreaktive T-Zellen zu bilden. Die Toleranz gegenüber körpereigenem Gewebe geht verloren, und es kommt zu einer sich selbst erhaltenden Entzündung der Synovia und des Gelenkknorpels. Durch Wucherung der Synovialmembran (Pannus), Zerstörung des Knorpels und Abbau des Knochens droht letztlich der Funktionsverlust des Gelenks.
Aus der psychoneuroimmunologischen Forschung gibt es Hinweise auf den Zusammenhang zwischen seelischem Stress und Ausbruch und Aktivität einer rheumatischen Erkrankung (Walker 1999; Zautra et al. 1999). Muttermilchernährung in den ersten Lebensmonaten senkt das Risiko einer juvenilen chronischen Arthritis. Tabakrauch dagegen ist ein Triggerfaktor für jegliche Autoimmunerkrankung.

Klinik und Ätiologie

Die juvenile idiopathische ArthritisArthritisjuvenile idiopathischeKlinik beginnt oft mit einer akuten Gelenksentzündung: Schonhaltung, Bewegungsschmerz sowie Schwellung, Rötung und Überwärmung des betroffenen Gelenks; abzugrenzen sind in diesen Fällen die akute (17.6) und septische Arthritis sowie Malignome. Der Beginn kann aber auch schleichend sein, mit diffusen Schmerzen oder mit der pathognomonischen Morgensteifigkeit: Das betroffene Kind kommt morgens nicht „in die Gänge“.
Die juvenile idiopathische Arthritis ist eine Erkrankung mit oft schwerwiegenden Auswirkungen auf die Lebensqualität. Die Betroffenen müssen im Alltag mit Schmerzen, Funktionseinschränkungen und unerwünschten Arzneimittelwirkungen zurechtkommen. Schulbesuch, Berufswahl und soziale Integration können erschwert sein. Die Eltern sind verunsichert wegen des ungewissen Krankheitsverlaufs und möglicher Nebenwirkungen der Medikamente und müssen überdurchschnittlich viele berufliche Fehltage einkalkulieren. Überbehütung des kranken Kindes und Vernachlässigung von Geschwistern und Partner können zu familiären Konflikten führen.
Für die Mehrzahl der erkrankten Kinder ist die Langzeitprognose zwar relativ gut. Im Einzelfall ist der Verlauf jedoch nicht vorhersagbar. 20–40 % der Patienten leiden trotz aller therapeutischer Bemühungen auch langfristig unter chronischen Schmerzen und Funktionseinbußen und sind im Alltagsleben und in den sozialen Beziehungen beeinträchtigt (Packham 2002, Sallfors 2002). Die Arbeitslosenquote bei Patienten mit ehemaliger juveniler chronischer Arthritis liegt mehr als dreimal so hoch wie die einer gesunden Vergleichsgruppe (Foster 2003). Mindestens jede zweite Uveitis führt trotz intensiver Therapie allmählich zu Sehstörungen; bis zu 6 % der Betroffenen erblinden. Der Entwicklung neuer therapeutischer Optionen wird daher hohe Priorität eingeräumt.

Diagnostik

Info

Die juvenile idiopathische Arthritis ist eine Ausschlussdiagnose. Die Diagnostik ist daher umfassend und muss sämtliche Differenzialdiagnosen in Betracht ziehen (17.6). Drei- bis sechsmonatliche augenärztliche Untersuchungen sind obligatorisch.

Eine detaillierte Anamnese und die eingehende klinische Untersuchung bereiten den Weg für die gezielte weitergehende Diagnostik durch einen erfahrenen Kinderrheumatologen.
Typische Laborbefunde:
  • Anämie, Leukozytose, Thrombozytose

  • Erhöhte Akute-Phasen-Proteine (BKS, CRP, Ferritin, Elektrophorese, SAA, Zytokine u. a.)

  • Positiver Rheumafaktor bei 15–20 % der Kinder (bei vielen Krankheiten auch unspezifisch erhöht!)

  • Positive ANA bei 40–60 % der oligoartikulären Verlaufsformen

  • Leukozytenantigene – hilfreich bei der Klassifizierung der verschiedenen Verlaufsformen. Am längsten bekannt ist HLA-B-27 bei der Arthritis mit Enthesiopathie

  • Immer sind auch die Borreliose-Titer zu untersuchen.

Je nach Schwere und Verlauf sind Gelenksonografie, MRT, Röntgen, Knochenszintigrafie und Gelenkspunktion indiziert. Zur Abgrenzung gegen Malignome und Kollagenosen können zusätzliche Untersuchungen notwendig werden, z. B. Knochenmarksuntersuchung, LDH, Harnsäure, Vanillinmandelsäure, Komplementanalyse, CK und weitere Autoantikörper.

Konventionelle Therapie

Die Therapie der juvenilen idiopathischen Arthritis verlangt ein Team von Spezialisten. Therapieziele sind Schmerzlinderung, die Erhaltung der Gelenkfunktion, normales Wachstum, normale psychosoziale Entwicklung und soziale Integration.
Unerlässliches Fundament der Therapie ist die Aufklärung von Eltern und Kind über den chronischen Charakter der Erkrankung, über die Gefahr einer bleibenden Behinderung und über die zeitliche, finanzielle und psychosoziale Belastung. Zu empfehlen sind Schulungsprogramme, in denen die Eltern umfassend informiert und zur engagierten Beteiligung an der Therapie motiviert werden. Eine wichtige Rolle spielen Selbsthilfegruppen, etwa die Elternkreise der Deutschen Rheuma-Liga.
Zweite Säule der Rheuma-Therapie ist die PhysiotherapiePhysiotherapieArthritis, juvenile idiopathische. Sie hilft bei der Wiedergewinnung des Bewegungsumfangs befallener Gelenke, kräftigt Muskulatur und Bänder und kann durch Gelenkschutz bleibende Schäden hinauszögern oder vermeiden. Ergänzt wird die Physiotherapie durch Anwendungen, Elektrotherapie, Ultraschalltherapie, Massagen und orthopädische Hilfsmittel.
Die dritte Säule der konventionellen Therapie ist die Pharmakotherapie. Nach einem Stufenschema wird zunächst mit nichtsteroidalen AntirheumatikaAntirheumatikaArthritis, juvenile (v. a. Diclofenac, Ibuprofen, Indomethazin, Naproxen, Tolmetin) behandelt, die jedoch den Prozess der Gelenkzerstörung nicht aufhalten können.
Schnelle Besserung versprechen GlukokortikoideKortikosteroideArthritis, juvenile durch ihre starke entzündungshemmende Wirkung. Sie werden intraartikulär oder systemisch eingesetzt, wegen ihrer Nebenwirkungen meist nur vorübergehend („Stepdown-Therapie“) oder in niedriger Dosierung, häufig kombiniert mit anderen sogenannten Basistherapeutika bzw. DMARDs (disease-modifying anti-rheumatic drugs), die eine Vorlaufzeit von zwei bis drei Monaten bis zum Wirkeintritt haben: Methotrexat, Azathioprin, Leflunomid und Ciclosporin A, bei HLA-B-27-assoziierter Arthritis auch Sulfasalazin.
Führt auch dies nicht zur Beruhigung des Krankheitsbildes, sind Immunbiologika wie Etanercept, Infliximab oder Adalimumab indiziert. Sie blockieren entzündungsfördernde Zytokine wie Interleukin-1 und TNF-α. Nachteile sind die seltenen, aber schweren unerwünschten Arzneimittelwirkungen und die hohen Therapiekosten.
Bei mehr als 25 % der langzeitbehandelten Kinder treten relevante Arzneimittelnebenwirkungen auf (Titchen 2005). Die Risiken nichtsteroidaler Antirheumatika sind u. a. gastrointestinale Blutungen, Blutbildungsstörungen und chronische Nephrotoxizität. Das Nebenwirkungsspektrum der chronischen Steroidtherapie ist immens; im Vordergrund stehen Wachstumshemmung, Hyperglykämie, Osteoporose, Bluthochdruck und gastrointestinale Nebenwirkungen. Die Risiken einer unter Umständen jahrzehntelang durchzuführenden Therapie mit DMARDs sind noch kaum untersucht. Methotrexat kann zu Knochenmarkssuppression, Leberschäden und möglicherweise Malignomen führen.

Unterstützende Maßnahmen

  • Physikalische Maßnahmen wirken schmerzlindernd und entspannend und sind Bestandteil der konventionellen Physiotherapie. Bei einem akuten Krankheitsschub sind meist Kälteanwendungen hilfreich, bei nachlassender Entzündungsaktivität kann lokale Wärme versucht werden, etwa als Gel- oder Fangopackung.

  • Die Erforschung der schmerzstillenden und entzündungshemmenden Wirkung der Akupunktur steht noch in den Anfängen (Fernández-Llanio Comella N et al. 2015).

  • Bewährte naturheilkundliche Verfahren zur Ausleitung bei akuten Krankheitsschüben sind Schröpfen oder Aufsetzen von Blutegeln. Yoga und Meditation fördern muskuläre Entspannung und Erhaltung der Beweglichkeit.

  • Es gibt zahlreiche diätetische Ratschläge für Rheumatiker. Die Empfehlung zum Verzehr von Olivenöl und ölreichem Fisch wie Lachs, Hering, Makrele, Sardinen oder Thunfisch beruht auf Untersuchungen, die auf einen Nutzen mehrfach ungesättigter Omega-3-Fettsäuren hinweisen (Cleland 1995). Auch laktovegetarische Kost und die Einnahme von Probiotika können günstig wirken (Darlington 1986, Kjeldsen-Kragh 1991, Fernández-Llanio Comella N et al 2015). Durch Einnahme von PräparatenPhytopharmakaArthritis, juvenile idiopathische aus dem Öl von Borretsch, Avocado oder Soja können konventionelle Antirheumatika eingespart werden (Blotman 1997, Little et al. 2003a, 2003b).

Homöopathische Behandlung

Info

Die homöopathische Behandlung der juvenilen idiopathischen Arthritis kann und darf heutzutage nicht mehr als ausschließliche Therapie angewendet werden. Die konventionelle Medizin hat nachweisbare Erfolge auf dem Gebiet der Rheumatologie zu verzeichnen, wodurch sich die Prognose der chronischen Arthritis in den letzten Jahrzehnten enorm verbessert hat. In der Regel wird es sich bei der homöopathischen Therapie daher um eine Begleitbehandlung handeln mit dem Ziel, starke und riskante konventionelle Medikamente einzusparen und durch die Stärkung der Lebenskraft des Patienten den Ausgang der Erkrankung positiv zu beeinflussen.

Studien

Arthritisjuvenile idiopathischeStudienZwei Übersichten über bislang vorliegende Studien zur homöopathischen Arthritisbehandlung ziehen das Fazit, dass die Ergebnisse vielversprechend sind, bisher aber zu wenige und zu wenig umfangreiche Untersuchungen vorliegen (Long 2001, Fernández-Llanio Comella N et al. 2015). 1978 und 1980 veröffentlichte Robin Gordon Gibson zwei Studien, die an der Universitätsklinik und am Krankenhaus für Homöopathie in Glasgow durchgeführt worden waren. In einer Studie führte eine einjährige homöopathische Begleitbehandlung bei 23 von 54 (= 42,6 %) Patienten zu einer signifikanten Besserung; in der Vergleichsgruppe von 41 Patienten, die lediglich Antirheumatika erhalten hatten, war es nur bei 6 (= 15 %) von 41 zu einer Besserung gekommen. In der zweiten Untersuchung, die doppelt verblindet war, wurde mit dem homöopathischen Verum bei 46 erwachsenen Patienten eine signifikante Verringerung von Schmerzen, Gelenksteife und arthritischem Index erzielt.
In einer kleinen randomisierten Doppelblind-Studie, die am Royal London Homoeopathic Hospital in London durchgeführt wurde, besserten sich zwölf Patienten mit Fibrositis unter Verum signifikant gegenüber zwölf Patienten unter Placebo (Fisher 1985). In einer späteren Untersuchung mit 112 konventionell vorbehandelten Patienten mit seropositiver rheumatischer Arthritis konnte derselbe Autor mit homöopathischer Behandlung keine signifikante Besserung erzielen (Fischer 2001).
Die Heilung einer juvenilen idiopathischen Arthritis mit homöopathischen Arzneimitteln schildert Schütte (1990) in der „Allgemeinen homöopathischen Zeitung“. Nur wenigen Behandlern wird es vergönnt sein, das höchste Ziel zu erreichen, nämlich die „schnelle, sanfte, dauerhafte Wiederherstellung der Gesundheit, oder Hebung und Vernichtung der Krankheit in ihrem ganzen Umfange auf dem kürzesten, zuverlässigsten, unnachtheiligsten Wege, nach deutlich einzusehenden Gründen“ (Organon, § 2).

Vorgehen

Die homöopathische Therapie einer chronischen Krankheit verlangt die konstitutionelle Behandlung nach allen Regeln der Kunst, einen langen Atem und großes Geschick in der Patientenführung. Voraussetzung sind eine ausführliche Anamnese (2.1), die gekonnte Hierarchisierung der Symptome (2.2, 2.3), die Repertorisation (2.4), das vergleichende Studium der Materia medica und die Befolgung aller Grundsätze des Follow-up (3.1 bis 3.63.13.23.2.13.2.23.33.3.13.3.23.43.53.5.13.5.23.5.33.5.43.5.53.5.63.5.73.5.83.5.93.5.103.5.113.5.123.5.133.6).
Anamnese
Bei der Anamnese muss beachtet werden, dass die eventuell bestehende konventionelle Therapie mit Antirheumatika oder Basistherapeutika die ursprünglichen Symptome der Krankheit verwischt oder in Vergessenheit geraten lässt. Sie unterdrücken die ursprünglichen Krankheitssymptome und erzeugen ihrerseits die neuen Symptome einer Arzneimittelkrankheit, da sie nicht nach homöopathischen Gesichtspunkten verabreicht werden, sondern der Krankheit „unähnlich“ sind, wie Hahnemann ausführt:

„Zu der natürlichen Krankheit, die geheilt werden sollte, gesellen sich dann durch anhaltende Wiederholung des unpassenden Arzneimittels die, der Natur dieses letzteren entsprechenden neuen, oft sehr langwierigen Krankheitszustände, welche mit dem, ihnen unähnlichen chronischen Uebel (was sie nicht durch Aehnlichkeits-Wirkung, das ist, nicht homöopathisch heilen konnten) sich allmählig zusammenpaaren und compliciren, zu der alten eine neue, unähnliche, künstliche Krankheit chronischer Art hinzusetzen, und so den bisher einfach Kranken, doppelt krank, das heißt, um vieles kränker und unheilbarer, bisweilen ganz unheilbar machen […].“

(Organon, § 41)

Hier muss der Homöopath säuberlich trennen und genauestens die Beschwerden in Erinnerung bringen und abfragen, die vor Beginn der konventionellen Therapie vorhanden waren. Nur diese gilt es zu behandeln: „Die Zufälle und das Befinden des Kranken, während eines etwa vorgängigen Arzneigebrauchs, geben nicht das reine Bild der Krankheit; diejenigen Symptome und Beschwerden hingegen, welche er vor dem Gebrauche der Arzneien oder nach ihrer mehrtägigen Aussetzung litt, geben den ächten Grundbegriff von der ursprünglichen Gestalt der Krankheit, und vorzüglich diese muss der Arzt sich aufzeichnen […] “ (Organon, § 91). Nur wenn dies nicht möglich ist, darf man sich „mit dem selbst von den Arzneien geänderten Krankheitszustande begnügen“ (Organon, § 92) und die dadurch entstandene „complicierte Krankheit“ mit einem passenden homöopathischen Mittel behandeln.
Mittelfindung
Sehr wichtig bei der Mittelfindung ist die Suche nach miasmatischen Belastungen, die die Entwicklung einer chronischen Krankheit ermöglichen. Nach Hahnemann können chronische Krankheiten nur mit antimiasmatischen Mitteln geheilt werden. Akutmittel wie Bryonia oder Rhododendron sind dazu nicht in der Lage und werden nur als Anfangsmittel eingesetzt (17.6) oder als Zwischenmittel, wenn eine zwingende Indikation vorliegt.
Rheumatische ErkrankungenMiasmenrheumatische Erkrankungen sind in erster Linie dem sykotischen Miasma zuzuordnen, können jedoch durch andere Miasmen (1.7) mitverursacht sein. Häufig ist als erstes Mittel ein Antipsoricum angezeigt. Voegeli rät zu folgender Reihenfolge bei der Beseitigung der grundlegenden miasmatischen Störungen: TuberkulinismusPsoraSykoseSyphilis.
Solange eine konventionelle Dauermedikation läuft, empfiehlt es sich, das angezeigte homöopathische Mittel in einer Q- oder LM-Potenz täglich zu verabreichen, in allmählich ansteigenden Potenzen. Auf diese Weise vermeidet man weitgehend eine Antidotierung. Bessern sich unter dieser Behandlung entscheidende Beschwerden aus dem Bereich der Gemüts- und Allgemeinsymptome des Patienten, so kann man vorsichtig, immer in Absprache mit den Rheumatologen, daran gehen, die Dauermedikation zu reduzieren. Mit heftigen Rückfällen v. a. nach Langzeitbehandlung mit Steroiden muss allerdings gerechnet werden.
In Anlehnung an Voegeli werden im Folgenden die wichtigsten miasmatischen Heilmittel der juvenilen idiopathischen Arthritis dargestellt, was ihre charakteristischen Symptome am Bewegungsapparat betrifft (Arzneimittelbeschreibungen 23.2).

Homöopathische ArzneimittelTuberkulinische Arzneimittel

Folgende Symptome geben den Hinweis auf ein tuberkulinisches Mittelhomöopathische Arzneimitteltuberkulinische: :
  • BCG-Impfung, Zahnungsprobleme

  • Knochenschmerzen, Wachstumsschmerzen

  • Abmagerung bei gutem Appetit; deutlich sichtbare Rippen

  • Starkes Schwitzen, kreisrunder Hautausschlag, Tinea

  • Unbeständigkeit, Verlagen nach Abwechslung, wechselnde Beschwerden

  • In der Familie Tuberkulose, rezidivierende Pneumonien, Asthma

Calcium phosphoricum
Arthritis#Calcium phosphoricumArthritis, juvenile schlimmer oder ausgelöst durch kaltes Wetter, im Winter; verschwindet im Frühsommer und kommt im Herbst wieder. Beschwerden auch am Schlüsselbein, im Zervikalbereich, an der Schulter, mit Ausstrahlung bis zum Handgelenk. Coxitis. Wachstumsschmerzen. Steif morgens im Bett. Zahnungsprobleme. Spätes Gehenlernen. Abneigung gegen Muttermilch, Erbrechen von Milch. Verlangen nach Speck, Schinken und Rauchfleisch. Schulkopfschmerz. > Kälte, kaltes Wetter, im Winter, Schneefall, Zugluft, im Bett, nach dem Gehen, linke Seite, Rückenlage, > Sommer, trockene Wärme, Seitenlage.
→Brust – Schmerz – Schlüsselbein – rheumatisch (2): calc-p, colch
→Extremitäten – Schmerz – Gelenke – Bett, im – agg. (6): calc-p, hell, kalm, led, stront-c, sulph
→Extremitäten – Schmerz – Gelenke – Wetter – kaltem Wetter, bei – agg. (6): calc, calc-p, dulc, nux-m, ph-ac, rhus-t
→Extremitäten – Schmerz – Gelenke – Winter, im (2): calc-p, kalm
Phosphorus
Arthritis#PhosphorusArthritis, juvenile mit lähmungsartigen Schmerzen. Schwäche und Zittern der Hände, der Oberschenkel. Steifheit v. a. der Kniegelenke, kann sie nicht mehr beugen. Muskelrheumatismus. Rheumatische Endokarditis. Blutungsneigung. Verlangen nach kaltem Wasser, Eis, Salz, Gewürzen. Kann nicht auf der linken Seite liegen. Infekt der tiefen Luftwege. Sehr sensibel und ängstlich. < Kaltes Wetter, Liegen auf der linken Seite, nachts im Bett, > Bewegung, Reiben, Wärme.
→Brust – Entzündung – Herz – Endokard – rheumatisch (23): ars, aur, aur-m, cact, kalm, lach, phos, spig, spong, …
→Extremitäten – Kontraktion von Muskeln und Sehnen – steif bei neuerlicher Verschlimmerung der Schmerzen (2): guaj, phos
Tuberculinum
Chronische Arthritis#TuberculinumArthritis, juvenile bei Tuberkulose in der Familiengeschichte. Wandernde Gelenkschmerzen, steif bei beginnender Bewegung. Große Ruhelosigkeit v. a. nachts. Ständig wechselnde Symptome, häufige Infekte und Durchfälle. Viel Schweiß, u. a. auf der Nase. Verlangen nach frischer Luft, Bewegung, Reisen. < Kaltes oder nasskaltes Wetter, Stehen oder Aufstehen, nachts, > anhaltende Bewegung, Wärme.
→Extremitäten – Schmerz – Gelenke – Wärme – amel. (17): ars, bry, caust, lyc, nux-v, rhus-t, sulph, tub, …
→Allgemeines – Familiengeschichte von – Tuberkulose (20): bac, carc, dros, kali-c, phos, tub, …
→Allgemeines – Schmerz – Gelenke – wandernd (13): ant-t, form, hyper, puls, rhod, tub, …

Repertoriumsrubriken und homöopathische Arzneimittel: Psorische Arzneimittel

homöopathische ArzneimittelpsorischeRepertoriumsrubrikenArthritisjuvenileHinweise auf die Indikation eines antipsorischen Mittels:
  • Funktionelle Störungen noch ohne bleibende Gewebsveränderungen. Vorgeschichte von Infektneigung, Hautausschlägen, Diarrhö, Obstipation, Kopfschmerzen

  • Unterdrückte Hauterkrankungen in der Familien- oder Krankengeschichte

  • Familienanamnese: Häufige Infekte der Atemwege, Allergien, Neurodermitis, Asthma

Calcium carbonicum
#Calcium carbonicumArthritis, juvenileRheumatische Beschwerden an allen Gelenken möglich. An den Fingern Befall eher der Grundgelenke (lyc: Mittelgelenk). Große Steifigkeit der Gelenke < Aufstehen. Rheumatischer Schmerz an der Fußsohle. Rheumatische Iridozyklitis. Folge von unterdrücktem Schnupfen (Antikongestiva, Antibiotika). Erkältungsneigung, Milchschorf, Obstipation. Viel Schweiß am Kopf und zervikal, v. a. im Schlaf. Füße und Hände kaltschweißig. Verlangen nach Eiern und Unverdaulichem. < Kälte, feuchtkaltes Wetter, Durchnässung, kalt Baden, Anstrengung, Aufstehen, Treppensteigen, > trockene Wärme, Liegen auf der schmerzhaften Seite.
→Auge – Entzündung – arthritisch (45): ant-t, calc, form, lyc, phyt, rhus-t, sep, …
→Extremitäten – Schmerz – Füße – Fußsohle – rheumatisch (7): calc, med, phyt, sil, …
→Extremitäten – Schmerz – Finger – Gelenke – rheumatisch (24): calc, caul, colch, guaj, kali-bi, …
→Extremitäten – Steifheit – Gelenke – Aufstehen agg. (6): agar, calc, carb-an, rhus-t, staph, tub-r
Causticum
Arthritis#CausticumArthritis, juvenile mit Tendenz zu lähmungsartiger Versteifung und Kontraktur. Arthritis deformans v. a. der Fingergelenke. Befall auch des Kiefergelenks. Brennende Schmerzen, Gefühl wie verrenkt. Muss sich ständig bewegen, strecken (rhus-t), kann die Beine nicht ruhig halten, aber Bewegung verschlimmert. Rheumatische Beschwerden nach Verletzungen (Extremitäten – Schmerz – rheumatisch – verletzte Teile (1): nur caust). Muskelschwäche. Enuresis. Heiserkeit. Warzen. Deformierte Nägel. Stimmung ängstlich, weinerlich. < Baden, Kälte, Abkühlung, kalter Wind, trockenes Wetter, 3:00–5:00 Uhr, nach dem Aufstehen, Bewegung, > feuchtes Wetter, Regen, Ruhe, Wärme, im warmen Bett.
→Gesicht – Schmerz – Kiefer – Kiefergelenk – rheumatisch (3): caust, dys, rhus-t
→Extremitäten – Kontraktion von Muskeln und Sehnen – Gelenke (24): aur, caust, colch, form, graph, merc, nat-m, nit-ac, …
→Extremitäten – Schmerz – rheumatisch – Baden – agg. (1): caust
→Extremitäten – Schmerz – rheumatisch – Wetter – trockenes Wetter – agg. (1): caust
Kalium carbonicum
#Kalium carbonicumArthritis, juvenileStechende Gelenkschmerzen, v. a. durch Kontakt mit kalter Luft. Starke Schmerzen im Handgelenk, steife Hände. Schmerzen wandern, erstrecken sich in die Beine. Gonarthritis. Rückenschmerzen. Schweiß- und Ödemneigung. Große Schwäche und Reizbarkeit. < Kälte, Abkühlung, nasskaltes Wetter, nach dem Essen, 3.00–5.00 Uhr, Liegen auf der linken Seite, > Tagsüber, Bewegung, Wärme, warmes, trockenes Wetter.
→Extremitäten – Schmerz – Gelenke – kalt – Einwirkung von Kälte, nach (12): calc, calc-p, dulc, kali-c, kalm, ph-ac, rhus-t, …
→Extremitäten – Schmerz – Gelenke – Wetter – kaltem Wetter, bei – nasskaltem Wetter, bei (18): calc, colch, dulc, kali-c, rhus-t, ruta, sil, tub, …
→Extremitäten – Schmerz – Knie – rheumatisch – stechend (5): acon, asar, chel, kali-c, lach
→Extremitäten – Schmerz – rheumatisch – erstreckt sich zu – Beine (1): kali-c
Kalium sulfuricum
Arthritis#Kalium sulfuricumArthritis, juvenile nach Tonsillitis. Wandernde, umherziehende Beschwerden u. a. im Rücken, an der HWS, in den Hüftgelenken. Wird unruhig, muss umhergehen. Weißliche Gelenkschwellungen. Beschwerden, begleitet von Kopfschmerzen oder Gingivitis. Neigung zu Tubenkatarrh. Durstig (im Unterschied zu puls). < Wärme, abends, Ruhe, > Kälte, kalte Anwendungen, Bewegung.
→Innerer Hals – Entzündung – Tonsillen – gefolgt von – Rheumatismus (6): echi, guaj, kali-s, lach, phyt, rhod
→Extremitäten – Schmerz – Gelenke – kalt – Anwendungen, kalte – amel. (9): bell, guaj, kali-i, kali-s, lac-c, led, puls, sabin, sulph,
→Extremitäten – Schmerz – Gelenke – wandernd (42): aur, kali-bi, kali-s, lac-c, puls, …
→Extremitäten – Schwellung – Gelenke – weiß (33): ant-c, calc, kali-s, sil, sulph, …
Lycopodium clavatum
#Lycopodium clavatumArthritis, juvenileRechtsseitige Gelenkbeschwerden, oder von rechts nach links wandernd. Sehr steife Gelenke. Befall der Fingergelenke, v. a. des Mittelgelenks. Schmerzen im Fersenbein. Rheumatische Beschwerden im Wechsel mit Kopfschmerzen, mit rissiger Zunge und großer Müdigkeit. Rheumatische Iridozyklitis. Starkes Süßverlangen. Verdauungsbeschwerden, v. a. Blähungen. Schlechte Laune morgens. < 16.00–19.00 Uhr, Kleiderdruck, Wärme, > Bewegung, Kühle, Abdecken im Bett.
→Kopf – Schmerz – Schläfen – rheumatisch – stechend (1): lyc
→Extremitäten – Schmerz – rheumatisch – begleitet von – Zunge – rissige Zunge (1): lyc
→Extremitäten – Steifigkeit – Gelenke – rheumatisch (4): calc, kali-ar, lyc, rhus-t
→Schlaf – Schläfrigkeit – Rheumatismus, bei (2): lyc, puls
Natrium muriaticum
#Natrium muriaticumArthritis, juvenileRheumatische Erkrankung mit Neigung zu Kontrakturen und Sehnenverkürzung. Krepitation der befallenen Gelenke. Ödematöse Schwellung oder Urtikaria um die Gelenke, Gefühl von Spannung oder Zusammenschnürung „wie bandagiert“. Rückenschmerzen > Anlehnen. Kopfschmerzen. Fieberbläschen oder Aphthen. Niednägel. Stiller Kummer. < morgens 10.00 Uhr, warmes Zimmer, am Meer, kalt Baden, Trost, > Anlehnen, fest anliegende Kleidung, Liegen auf der rechten Seite.
→Extremitäten – Kontraktion von Muskeln und Sehnen – Gelenke (24): anac, aur, caust, colch, form, graph, merc, nat-m, nit-ac, …
→Extremitäten – Schwellung – Gelenke – ödematös (24): bry, caust, nat-m, ran-b, …
Natrium phosphoricum
#Natrium phosphoricumArthritis, juvenileEinziges Mittel in Synthesis für Rheuma bei Kindern. Beschwerden vorwiegend der Hand-, Finger-, Knie- und Zehengelenke. Schmerzen strahlen aus in die Herzgegend. Krepitation und Knacken in den Gelenken. Schreibkrampf. Goldgelb belegter Zungengrund, goldgelbliche Schleimhautabsonderungen. Aphthen an der Zungenspitze. Würmer. Mit Milch überfütterte Kinder. < Gewitter, von kalt nach warm, Zucker, Milch, > Kälte.
→Extremitäten – Schmerz – Finger – Gelenke – rheumatisch – Herzen, geht zum (1): nat-p
→Extremitäten – Schmerz – rheumatisch – Kindern, bei (2): abrot, nat-p
Sulphur
#SulphurArthritis, juvenileStirnkopfschmerz im Wechsel mit Gelenkbeschwerden. Starkes Schwitzen. Brennende Hitze in den Füßen, muss sie abdecken. Vorgeschichte von unterdrückten Hautausschlägen. Psoriasis. Gebeugte Körperhaltung. Allgemeines Hitzegefühl, Rötung von Körperöffnungen. Empfindlich gegen unangenehme Gerüche. Abneigung gegen Baden. Schlampig, chaotisch. < Wärme, Bettwärme, feuchtes Wetter, nachts, > Bewegung, kalte Anwendungen, trockenes Wetter.
→Kopf – Schmerz – Stirn, in der – abwechselnd mit – Gelenke – Schmerz in den Gelenken (1): sulph
→Extremitäten – Entzündung – Gelenke – psoriatisch (1): sulph
→Extremitäten – Schmerz – rheumatisch – Schweiß, mit (9): calc, form, merc, sulph, …
→Extremitäten – Schmerz – rheumatisch – nachts – Bett; treibt aus dem (8): cham, ferr, merc, sulph, verat, …

Homöopathische Arzneimittel: Sykotische Arzneimittel

Folgende Symptome geben Hinweise auf ein antisykotisches Mittelhomöopathische ArzneimittelsykotischeRepertoriumsrubrikenArthritisjuvenile:
  • Harnwegsinfekte, Probleme im Genitalbereich (Fluor, Vulvitis, Balanitis etc.)

  • Folgeerkrankungen nach Impfungen, Antibiotika, Hormonen, Kortikosteroiden

  • Chronische gelbe Schleimhautabsonderungen (Schmierauge, chronischer Schnupfen)

  • Warzen, Polypen, Zysten, Tumoren, Hämangiome, Naevi

  • Ausgeprägte Gelenkschwellung und Verschlechterung bei feuchtem Wetter

  • In der Familie Steinleiden, Nierenerkrankungen, Genitalerkrankungen, Gonorrhö, Rheuma, Stoffwechselstörungen (Gicht, Hypercholesterinämie, Diabetes), Hypertonie, Herzerkrankungen

Medorrhinum
#MedorrhinumArthritis, juvenileNosodenMedorrhinumRheumatismus bei unterdrückter Gonorrhö in der Familiengeschichte. Asthma im Wechsel mit Arthritis. Rheumatischer Schmerz an den Händen, Fingern und Füßen, v. a. an Fußsohle und Fersen; Enthesitis. Knickt in den Fußgelenken leicht um. Schmerzen zwischen den Schulterblättern, in der Herzgegend. Warmblütig, brennend heiße Füße, entblößt sie. Chronische Schleimhautabsonderungen. Querrillen der Nägel. Nägelbeißen. Knie-Ellenbogen-Lage. Wildes, sprunghaftes Temperament. < Kaltes Wetter, Gewitter, Unterkühlung, Berührung, beginnende Bewegung, tagsüber, nachts 3:00–4:00 Uhr, > fortgesetzte Bewegung, Bauchlage, am Meer, bei feuchtem Wetter (anders thuj).
→Atmung – Asthma, asthmatische Atmung – abwechselnd mit – Schmerz, rheumatischer (2): dulc, med
→Extremitäten – Schmerz – Füße – Fußsohle – rheumatisch (7): calc, med, phyt, sil, …
→Extremitäten – Schmerz – rheumatisch – Bewegung, fortgesetzte – amel. (4): agar, bry, med, stel
→Allgemeines – Familiengeschichte von – Sykose (5): bar-c, graph, med, sil, thuj
Natrium sulfuricum
Rheumatische Arthritis#Natrium sulfuricumArthritis, juvenile mit chronischer Diarrhö. Wandernde Gelenkbeschwerden, besonders linke Hüfte und Wirbelsäule. Ruhelos, kann nicht lange in einer Lage bleiben. Viel Blähungen, Leberbeteiligung, Asthma. Zurückgezogen, melancholisch. < Feuchtigkeit, nasskaltes oder feuchtwarmes Wetter, am Wasser, morgens, in Ruhe, beim Gehen, > Lagewechsel, Bewegung des Gliedes, trockenes Wetter, frische Luft.
→Rücken – Schmerz – Wirbelsäule – rheumatisch (3): caul, nat-s, puls
→Extremitäten – Hüftgelenksentzündung – links (2): nat-s, stram
→Extremitäten – Schmerz – rheumatisch – Diarrhö – chronischer Diarrhö, bei (3): kali-bi, nat-s, stron-c
Nitricum acidum
#Acidum nitricumArthritis, juvenileReißende oder stechende Schmerzen, „wie von einem Spieß“. Arthritis mit Kontraktion von Muskeln oder Sehnen, Gefühl der Zusammenschnürung. Übler Körper- und Schweißgeruch. Rötung und Rhagaden an Haut-Schleimhautgrenzen (Lider, Lippen, After). Deformierte, eingewachsene Nägel. Dunkler Urin, riecht nach Pferdeharn. Warzen. Empfindlicher, reizbarer Charakter. < Kälte, kaltes Wetter, abends und nachts, > Fahren in einem Wagen.
→Extremitäten – Kontraktion von Muskeln und Sehnen – Gelenke (24): aur, caust, graph, merc, nat-m, nit-ac, …
→Extremitäten – Zusammenschnürung – Gelenke (14): aur, graph, lyc, nat-m, nit-ac, …
Silicea
Arthritis#SiliceaArthritis, juvenile mit ausgeprägter Gelenksteife. Gelenkschmerzen abwechselnd mit Fußschweiß. Begleitbeschwerden wie Kopfschmerzen, Zahnschmerzen, Schwerhörigkeit. Scharfer stinkender Fußschweiß, eingewachsene, spröde, weißfleckige Nägel. Frostig. Eiterungsneigung. Schüchterner und gewissenhafter Charakter. < Kälte, nasskaltes Wetter, Durchnässung, nachts, > Wärme, Sommer.
→Extremitäten – Schmerz – Gelenke – abwechselnd mit – Fußschweiß (2): merc, sil
Thuja officinalis
Neben Medorrhinum ist Thuja#Thuja occidentalisArthritis, juvenile das Hauptmittel für rheumatische Beschwerden nach unterdrückter Gonorrhö in der Familiengeschichte, nach Impfungen oder Infusionen mit Fremdeiweiß (Transfusionen, Humanalbumin). Linke Seite mehr betroffen. Reißender Schmerz, als würde das Fleisch von den Knochen geschlagen; Taubheitsgefühl, Knacken im Gelenk beim Ausstrecken des Gliedes. Ödematöse Schwellung um die betroffenen Gelenke. Iridozyklitis. Unangenehm riechender Schweiß. Nägel spröde, verfärbt, verwachsen. Warzen. < Feuchtkaltes Wetter, Feuchtigkeit, Bettwärme, Bewegung, nachts 3:00–5:00 Uhr, periodisch jedes Jahr, > Kälte, Schwitzen, reichliches Urinieren.
→Auge – Entzündung – Iris – rheumatisch (23): ars, bry, colch, kali-bi, kalm, rhus-t, thuj, …
→Extremitäten – Schwellung – Gelenke – ödematös (24): bry, caust, led, nat-m, thuj, …

Homöopathische Arzneimittel: Syphilitische Arzneimittel

Folgende Symptome sprechen für ein antisyphilitisches Mittelhomöopathische ArzneimittelsyphilitischeRepertoriumsrubrikenArthritisjuvenile:
  • Probleme im Skelettbereich: Hüftdysplasie, Kephalhämatom, Missbildungen, Wachstumsstörungen, Zahnanomalien

  • Aggressive Spielarten der rheumatischen Arthritis mit nächtlichen Schmerzen, Gelenkdestruktion und drohender Ankylose. Uveitis. Rheumaknoten. Amyloidose

  • In der Familie AIDS, Syphilis, Autoaggressionskrankheiten, Alkoholismus, Drogensucht, Apoplex, Herzinfarkt, neurologische und psychiatrische Erkrankungen, Knochenerkrankungen, Borreliose

Aurum metallicum
#Aurum metallicumArthritis, juvenileWandernde Arthritis, bohrende Schmerzen in Knochen und Gelenken, nachts und morgens im Bett. Stöhnt im Schlaf. Befall v. a. der unteren Extremitäten. Gelenkdestruktion und Kontrakturen, führen zum Gefühl von Lähmung und Zusammenschnürung, „wie bandagiert“. Kalte Hände und Füße. Rheumatische Karditis bis hin zum Herzasthma. Reizbarer, verschlossener Charakter. < morgens im Bett, nachts, Abkühlung, Kälte, Hitze, warmes Zimmer, Winter, > Bewegung, Wärme, kühle Umschläge.
→Brust – Herzens, Beschwerden des – Rheumatismus, nach (30): adon, aur, dig, crat, kalm, spig, …
→Brust – Schmerz – Herz – rheumatisch (36): aur, lith-c, naja, spig, …
→Atmung – Atemnot, Dyspnoe – rheumatisch – Herzens, bei Rheumatismus des (9): abrot, aur, cact, kalm, psor, spong, …
→Extremitäten – Kontraktion von Muskeln und Sehnen – Gelenke (24): anac, aur, caust, colch, form, graph, merc, nat-m, nit-ac, …
→Extremitäten – Schmerz – Gelenke – morgens – Bett, agg. im (10): aur, chin, nux-v, puls, …
→Extremitäten – Schmerz – Gelenke – Bewegung, bei – amel. (33): arg-met, aur, dulc, ferr, phos, rhus-t, rhod, …
Calcium fluoricum
Arthritis#Calcium fluoricumArthritis, juvenile mit Indurationen in Sehnen und Gelenkkapseln; Exostosen. Bursitis. Ganglion, Zyste oder Fibrom in der Kniekehle. Überstreckbare Gelenke. Arthritis in Wirbelgelenken, > Bewegung; chronische Lumbalgie. Zahnschmelzdefekte. Harte Lymphknoten, Verhärtung von Gewebe. Verdickte, brüchige Nägel. Skoliose. < Linke Seite, Kälte, nach Ruhe, zu Beginn der Bewegung, > Wärme, feuchte Anwendungen, fortgesetzte Bewegung.
→Rücken – Schmerz – arthritisch – Bewegung amel. (2): calc-f, rhus-t
→Extremitäten – Tumoren – Knie – Kniekehle (3): calc-f, phos, sil
Kalium bichromicum
#Kalium bichromicumArthritis, juvenileRasch wandernde Arthritis. Gelenkschmerzen kommen und verschwinden plötzlich. Schmerzen an kleinen Stellen. Ausgeprägte Morgensteifigkeit, am ganzen Körper, kann sich kaum bewegen. Reiben und hörbares Knacken bei Bewegung. Rheumatische Beschwerden im Wechsel mit anderen Erkrankungen, etwa Magenbeschwerden, Lungenerkrankungen, Sinusitis oder Diarrhö. Rheumaknötchen. Iridozyklitis. Anämie. Unfähigkeit zu fiebern. Sehr zähe Schleimhautabsonderungen. < nachts 2:00–3:00 Uhr, feuchte Kälte, kaltes oder warmes Wetter, Sommer, Bewegung, nach Gehen, > Wärme.
→Auge – Entzündung – Iris – rheumatisch (23): ars, bry, colch, dulc, euphr, kali-bi, kalm, rhus-t, spig, syph, ter, …
→Rektum – Diarrhö – gefolgt von – Rheumatismus (5): abrot, cimic, dulc, iod, kali-bi
→Extremitäten – Hautausschläge – Knoten, rötliche, harte (1): kali-bi
→Extremitäten – Schmerz – erscheinend und verschwindend – plötzlich (1): kali-bi
→Extremitäten – Schmerz – rheumatisch – abwechselnd mit – Magens, Beschwerden des (1): kali-bi
→Extremitäten – Schmerz – rheumatisch – abwechselnd mit – Diarrhö (5): abrot, cimic, dulc, kali-bi, gnaph
→Extremitäten – Schmerz – rheumatisch – Wetter – kaltem Wetter, bei – agg. (26): bry, calc-p, kali-bi, rhus-t, …
→Extremitäten – Schmerz – rheumatisch – Wetter – warmem Wetter, bei – agg (2): colch, kali-bi
→Extremitäten – Steifheit – Gelenke – morgens (7): kali-bi, led, …
Kalium iodatum
Arthritis#Kalium iodatumArthritis, juvenile v. a. von Hüft- und Kniegelenken. Neigung zu Kontrakturen der Beugesehnen, ausgeprägte extrakapsuläre Ankylose. Berührungsempfindliche Periostverdickungen. Starke Gelenk- und Knochenschmerzen abends und nachts, vorher Frostgefühl. Iridozyklitis. Wässriger scharfer Schnupfen, Sinusitis frontalis, < nachts 5.00 Uhr, Liegen auf der kranken Seite, Sitzen, feuchtes Wetter, > Bewegung, kalte Anwendungen.
→Extremitäten – Schmerz – Gelenke – kalt – Anwendungen, kalte – amel. (9): bell, guaj, kali-i, kali-s, lac-c, led, puls, sabin, sulph
→Extremitäten – Schmerz – Knochen – nachts (5): kali-i, manc, nit-ac, phyt, syph
→Extremitäten – Schmerz – rheumatisch – syphilitisch (13): fl-ac, guaj, kali-i, merc, nit-ac, phyt, …
Mercurius solubilis
#Mercurius solubilisArthritis, juvenileRheuma bei syphilitischer Belastung. Arthritis mit stechendem oder reißendem Gelenkschmerz nachts, treibt aus dem Bett. Gelenke ödematös geschwollen und steif, Neigung zu Kontrakturen und Gelenkdestruktion. Beschwerden verbunden mit Kältegefühl und öligem Schweiß oder abwechselnd mit Fußschweiß. Arthritis begleitet von Kopfschmerzen. Zittern der Glieder.
Exostosen. Roseolen. Häufig wechselnde Symptome. Drüsenschwellungen. Ätzende Schleimhautabsonderungen. Übler Mundgeruch, Speichelfluss, schmierig belegte Zunge. < Liegen auf der rechten Seite, nach Gehen, warmes Bett, feuchtkaltes Wetter, Temperaturextreme, Schweißausbruch, Ruhe, > ständige Bewegung, mäßig warme trockene Luft.
→Kopf – Schmerz – rheumatisch (72): bry, coloc, dulc, merc, rhus-r, rhus-t, sep, …
→Extremitäten – Schmerz – Gelenke – abwechselnd mit – Fußschweiß (2): merc, sil
→Extremitäten – Schmerz – rheumatisch – syphilitisch (13): benz-ac, kali-bi, kali-i, kalm, fl-ac, merc, nit-ac, …
→Extremitäten – Schmerz – rheumatisch – nachts – treibt aus dem Bett (8): cham, ferr, merc, verat, …
→Extremitäten – Steifheit – Hände – rheumatisch (20): ars, ferr, kali-c, lyc, merc, rhus-t, sulph, …
→Haut – Hauausschläge – Roseola (25): acon, bry, merc, puls, …
Syphilinum
#SyphilinumArthritis, juvenileNosodenSyphilinumExtrem schmerzhafte symmetrische Arthritis, v. a. der unteren Extremitäten, mit Knochenschmerzen in den langen Röhrenknochen. Kann in keiner Stellung liegen. Schmerzen kommen und vergehen allmählich, wandern. Durchzuckende Schmerzen und knoten- oder klumpenförmige Schwellungen in den Muskeln, Rheumaknoten. Schmerzen am Ansatz des Deltoids beim Hochheben des Armes; am Fußrücken. Langsam, aber unerbittlich progrediente Arthritis mit allmählicher Gelenkdestruktion. Iridozyklitis. Schlaflosigkeit. Kopfschmerzen. Deformierte Zähne und andere Anomalien. Zwanghaftigkeit, Furcht vor Ansteckung, Schwäche im logischen Denken. < nachts 1:00–4:00 Uhr, Temperaturextreme, Wärme, feuchtkaltes Wetter, während Gewitter, > im Hochgebirge, langsame Bewegung, feuchtkalte Anwendungen.
→Auge – Entzündung – Iris – rheumatisch (23): ars, kali-bi, rhus-t, syph, thuj, …
→Extremitäten – Knotenförmige Schwellungen – Muskeln (2): hippoz, syph
→Extremitäten – Schmerz – Füße – Fußrücken – rheumatisch (7): chin, ferr, rhus-t, syph, …

Homöopathische Arzneimittel: Mittel des Krebs-Miasmas

Hinweise für Mittel aus dieser GruppeRepertoriumsrubrikenArthritisjuvenile:
  • Beschwerden nach Impfungen

  • Unterdrückende Behandlungen von Ausschlägen, Fieber, Absonderungen; Entfernung von Organen (Tonsillektomie)

  • Langsame Rekonvaleszenz nach Mononukleose

  • In der Familie Krebs, Diabetes, Tuberkulose, Mononukleose, Kinderkrankheiten bei Erwachsenen, Hepatitis, Migräne, Epilepsie, Depression

Arsenicum album
Wandernde Arthritis#Arsenicum albumArthritis, juvenile mit deutlicher Kälteverschlechterung. Brennende Schmerzen besser durch warme Anwendungen. Nächtliche Unruhe und Schlaflosigkeit durch Schmerzen. Ausgeprägte Steifheit, v. a. der Handgelenke. Ödematöse Schwellungen. Iridozyklitis. Herzbeteiligung. Kopfschmerzen. Große Angst, Schwäche und Ruhelosigkeit. < Kälte, kaltes Wetter, Sitzen, nach Mitternacht, rechte Seite, periodisch, > Wärme, warme Umschläge.
→Kopf – Schmerz – rheumatisch – Wärme – amel. (1): ars
→Brust – Entzündung – Herz – Endokard – rheumatisch (23): ars, aur, kalm, lach, …
→Extremitäten – Steifheit – Gelenke (97): ars, caust, lyc, rhus-t, …
→Schlaf – Schlaflosigkeit – Schmerzen, durch – rheumatische Schmerzen (13): ars, coloc, dulc, puls, …
Carcinosinum
#CarcinosinumArthritis, juvenileNosodenCarcinosinumRheumatische Beschwerden an den unteren Extremitäten, mit Knacken in den Gelenken. Wechselnde Seiten, Wechsel der Beschwerden. Rezidivierende Sinusitis oder Tonsillitis. Blaue Skleren. Analfissuren. Verlangen nach Schokolade. Viele Naevi. Schlaflosigkeit von Geburt an. Perfektionismus und Sensibilität. Liebt Tanzen und Reisen. < Wärme, Baden im Meer, > abends, an der Küste, bei Gewitter.

Kasuistik

Kasuistik

Chronische Arthritis (Martin Hirte)

Anamnese

Ein 27 Monate altes Mädchen entwickelte sechs Monate vor der Fallaufnahme nach einem grippalen Infekt ein Schonhinken, einige Wochen danach eine Schwellung erst des rechten Sprunggelenks, dann des rechten und später linken Knies und schließlich auch des rechten Handgelenks. Es wurde eine antiphlogistische Behandlung mit täglich 1,3 g Azetylsalizylsäure eingeleitet.
Die Patientin ist ein zierliches, aber lebhaftes hellblondes Kind mit blauen Augen. Sie isst gerne Süßes. Bisher hatte sie außer einer schweren Konjunktivitis im ersten Lebensjahr keine erwähnenswerten Erkrankungen. Bei der Untersuchung findet sich eine deutliche Arthritis der Kniegelenke und des rechten Handgelenks mit Schmerzen und Bewegungseinschränkung. Die Gelenke weisen eine ausgeprägte Morgensteifigkeit auf, die sich im Verlauf des Tages bessert. Stehen ist wegen der Schmerzen nicht möglich.
Laborbefunde: BKS 58 mm/h, CRP 1,7 mg%, RF und ASL negativ, C3-Komplement auf 149 mg% erhöht, Eisen 21 mg%.
Während der Schwangerschaft litt die Mutter an einer chronischen Diarrhö mit rapider Gewichtsabnahme und nächtlichem Schwitzen. Es wurde eine Colitis ulcerosa vermutet, die Mutter hielt es jedoch für den Rückfall einer Tuberkulose, an der sie schon als junges Mädchen erkrankt war.

Verordnung und Verlauf

Aufgrund der Morgensteifigkeit und Besserung bei Bewegung wird zunächst Rhus toxicodendron#Rhus toxicodendronArthritis, juvenile D 6 täglich über drei Wochen verordnet, das jedoch keine Verbesserung bringt.
Wegen der Tbc in der Vorgeschichte wird nun Tuberculinum Koch#TuberculinumArthritis, juvenile D200 gegeben, das die gleichen Modalitäten hat wie Rhus toxicodendron. Innerhalb von drei Tagen kommt es zu einer deutlichen Besserung der Schmerzen; gleichzeitig tritt eine heftige Konjunktivitis in Erscheinung, interpretierbar als „Rückspulung“ der Symptome. 16 Tage nach der Mittelgabe und unter schrittweisem Ausschleichen der Azetylsalizylsäure kann das Kind beschwerdefrei mit noch leicht gebeugten Knien gehen.
Im Rahmen eines fieberhaften Infekts tritt eine leichte Verschlechterung auf, die wieder mit Rhus toxicodendron D 12 behandelt wird. Anschließend wird die Gabe von Tuberculinum Koch D 200 in mehrwöchigen Abständen wiederholt. Vier Monate nach Behandlungsbeginn kann die Patienten ohne antiinflammatorische Therapie wieder völlig normal laufen, sie hat keine Schmerzen mehr, die BKS hat sich mit 6 mm/h normalisiert.
Zwei Monate später gibt es einen letzten Rückfall während einer Diarrhö, der wegen Bewegungsschmerz und Ruhebesserung mit Bryonia D 12 behandelt wird. Im weiteren Verlauf ist das Kind völlig beschwerdefrei.

Literatur

Aktualisierte, 2011

AWMF Aktualisierte, interdisziplinäre S2-Therapieleitlinie der Juvenilen Idiopathischen Arthritis 2. A. Okt 2011 027/020 vom

Blotman et al., 1997

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Erkrankungen des Rückens und der Wirbelsäule

Grundlagen

Jeder fünfte bis achte Schulanfänger weist eine HaltungsschwächeHaltungsschwäche der WirbelsäuleWirbelsäule auf. Bis zum Schulaustritt steigt die Rate auf 30–60 %. Die resultierende Fehlbelastung kann zu Wachstumsstörungen der Wirbelsäule, fixierten Haltungsschäden und chronischen Rückenschmerzen führen. Die volksgesundheitliche und volkswirtschaftliche Bedeutung ist immens: In Deutschland führen Rückenbeschwerden zu jährlich 50 Millionen Tagen Arbeitsausfall und zu jeder fünften Frühberentung.
  • Ätiologie: Primäre Ursache einer Haltungsschwäche ist meist eine zentrale Koordinationsstörung (5.16) mit gestörter oder verzögerter posturaler Reifung. Sekundäre Ursachen sind Fehlbelastung, Mangel an Bewegung und sportlicher Aktivität, Übergewicht und familiäre oder psychische Probleme.

Info

Die häufigsten Formen von HaltungsschwächeHaltungsschwäche sind Rundrücken (Kyphose der BWS), Hohlrücken (Hyperlordose der LWS) und Hohl-Rundrücken. Seltener kommen Flachrücken und seitliche Haltungsabweichungen vor.

  • Diagnostik: Mit zwei Testverfahren lassen sich Haltungsschwäche und schaden rasch erkennen:

    • BeugetestHaltungsschwächeBeugetest: Der Patient beugt sich locker nach vorne. Beurteilt wird, ob die Dornfortsätze in einer Reihe stehen und ob ein einseitiger Rippenbuckel (Skoliose) besteht. Von der Seite aus wird auf die Schwingung der Wirbelsäule geachtet.

    • Haltungstest nach MatthiasHaltungsschwächeHaltungstest nach Matthias: Der Patient streckt im Stehen beide Arme horizontal nach vorne. Bei normaler Muskelkraft können die Arme mindestens 30 Sekunden horizontal gehalten werden, der Rücken bleibt dabei gerade und schmerzfrei.

      Eine Haltungsschwäche ersten Grades liegt vor, wenn der Betreffende vor Ablauf der 30 Sekunden den Rumpf zum Ausgleich zurücklehnen muss und die Lendenlordose verstärkt. Bei einer Haltungsschwäche zweiten Grades kann eine aufrechte Haltung mit Armvorhalten erst gar nicht eingenommen werden.

  • Prophylaxe und Therapie: Vielseitige körperliche Betätigung ist die wichtigste Form der Prophylaxe von Haltungsschwäche, Haltungsschäden und chronischen Rückenschmerzen. Sie formt den Körper und richtet ihn auf. Alle Kinder und Jugendlichen sollten am Schulsport teilnehmen und auch in ihrer Freizeit Bewegungsspiele machen und Sport treiben, möglichst ohne hohe Leistungsanforderung.

    • Bei Haltungsschwäche besonders geeignet sind Schwimmen, Reiten, Rudern, Ballsport und Tanzen, bei jüngeren Kindern auch „Kinderturnen“. Ideal ist die Teilnahme an einer Rückenschulung mit theoretischen und praktischen Unterrichtseinheiten. Hierbei ist besonders auf die Schulung der Körperwahrnehmung Wert zu legen, um die Antizipation von Bewegungen zu üben: Die Sensorik geht der Motorik voraus.

    • Etwaiges Übergewicht reduziert sich bei ausreichender Bewegung von selbst – gesunde Ernährung vorausgesetzt. Zu achten ist auf die ergonomische Gestaltung des „Arbeitsplatzes“ der Kinder zu Hause und in der Schule.

Rückenschmerzen

RückenschmerzenRückenschmerzen sind im Kleinkindalter selten, werden jedoch im Schulalter häufig geäußert. 15 % der 13-Jährigen und 40 % der 19-Jährigen klagen über rezidivierende Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule.

Info

Bei progredienten und/oder nächtlichen Rückenbeschwerden ist eine orthopädische Abklärung dringlich. Alarmzeichen ist ein lokaler Druck- oder Klopfschmerz. Mögliche Ursachen sind Spondylolisthesis, Spondylodiszitis oder Tumoren.

Liegt keine organische Erkrankung (Tab. 17.5) der Wirbelsäule vor, kommen neurologische oder psychische Auslöser infrage – etwa ein pathologischer, meist zu hoher Muskeltonus, der auf die funktionellen Bereiche der Wirbelsäule einwirkt. Betroffene Kinder sind oft wegen ihrer oft generellen sensomotorische Unreife auch emotional wenig belastbar – sie haben „kein Rückgrat“. Daher führen bei ihnen auch seelische Faktoren wie Versagensängste, Schulstress oder familiäre Konflikte zu Rückenbeschwerden. Ihre Schwäche kompensieren sie durch verstärkte intellektuelle Anstrengungen: Kinder mit Rückenschmerzen sind meist geistig frühreif, ehrgeizig und übergewissenhaft.
Nach Erfahrung des Autors sollte jedes Kind mit funktionellen Rückenschmerzen osteopathisch oder mithilfe der Kraniosakraltherapie behandelt werden. Oft führt dies zu rascher Besserung der Beschwerden. Bei Haltungsschwäche und anderen Zeichen einer zentralen Koordinationsstörung (5.16) ist eine neurophysiologische Behandlung indiziert.
Regelmäßige Bewegung ist die wichtigste Verhaltensregel. Auch aktive Übungen, wie sie etwa in einer Rückenschulung vermittelt werden, verkürzen die Beschwerdedauer. Ein weiterer möglicher Ansatz ist die Verhaltenstherapie. Bettruhe dagegen ist kontraproduktiv.

Skoliose

Die Säuglingsskoliose ist keine echte SkolioseSkoliose, denn sie besteht nur aus einer seitlichen Wirbelsäulenverkrümmung ohne Torsion. Ursache ist – wie beim Torticollis – der asymmetrisch-tonische Nackenreflex in Folge einer zentralen Koordinationsstörung (5.16). Selten sind Skoliosen durch Wirbelsäulenfehlbildungen oder Rachitis verursacht.
Im Jugendalter dominiert die idiopathische Skoliose, die ebenfalls Spätfolge eines pathologischen Muskeltonus sein kann. Sie macht 90 % aller Skoliosen aus. Rückenschmerzen stellen sich v. a. bei LWS-Skoliosen ein.
  • Diagnostik: Bei Verdacht auf Skoliose (Rippenbuckel) sind orthopädische Diagnostik und Kontrollen zur Einschätzung von Schweregrad, Prognose und Verlauf indiziert. Während des pubertären Wachstums ist mit einer Zunahme der Skoliose zu rechnen. Höhergradige Skoliosen können – neben der psychosozialen Problematik – zu Lungenfunktionsstörungen und zur Einschränkung der Lebenserwartung führen.

  • Konventionelle Therapie: Therapieziele sind die Verhinderung der Progression und im weiteren Verlauf auch die Korrektur: Die Patienten sollen vor einer kosmetischen Entstellung und vor sekundären Schmerzsyndromen bewahrt werden. Mit restriktiven Herz- und Lungenfunktionsstörungen ist nur bei stark progredienten Skoliosen zu rechen.

    • Die Säuglingsskoliose normalisiert sich in der Mehrzahl der Fälle spontan („resolving type“). Es gilt lediglich, Kinder mit dem seltenen „progressiven Typ“ herauszufiltern und einer Therapie zuzuführen.

    • Bei älteren Kindern mit Skoliosewinkeln unter zehn Grad nach Cobb kann zunächst abgewartet werden. In den übrigen Fällen ist intensive neurophysiologisch ausgerichtete Krankengymnastik angezeigt. Bei Skoliosewinkeln über 20 Grad nach Cobb empfehlen die Leitlinien zusätzlich die Versorgung mit einem Korsett. Bei hochgradigen Skoliosen (mehr als 40–50 Grad) ist die operative Korrektur kurz vor Wachstumsschluss indiziert. „Es gilt, eine notwendige Operation so lange wie möglich herauszuzögern“ (Remus 2001).

Morbus Scheuermann

Der Morbus ScheuermannMorbus Scheuermann ist eine aseptische Nekrose der Deckplatten der Brustwirbelkörper mit nachfolgender fixierter Kyphosierung der Brustwirbelsäule („Rundrücken“). Ätiologisch spielt möglicherweise ein erhöhter Rückenmuskeltonus eine Rolle.
  • Symptome: Es kommt zur zunehmenden Versteifung der Wirbelsäule mit Haltungsverfall, Überlastung benachbarter Wirbelsäulenabschnitte und schmerzhaften, muskulären Dysbalancen. Altersgipfel ist das 11.–13. Lebensjahr, mit deutlicher Knabenwendigkeit.

    Dem Morbus Scheuermann liegt bisweilen eine depressive Verstimmung oder eine Kummersituation („stiller Kummer“) zugrunde (Soldner 2002). Er ist die häufigste Ursache chronischer Rückenschmerzen in der Adoleszenz. Die Schmerzen sind aktivitätsabhängig und halten oft bis in die Nacht hinein an.

  • Konventionelle Therapie: Zentrale therapeutische Maßnahme ist die neurophysiologische Krankengymnastik, die konsequent mehrmals wöchentlich über Jahre (!) durchgeführt werden muss. Empfohlen sind häufige Bauchlage und Rückenschwimmen. Bei starker Kyphosierung ist eine Korsettbehandlung indiziert, die aber nur bei täglicher Anwendung sinnvoll ist. Die Heilungsprognose ist in der Regel gut, nur bei Mitbefall der Lendenwirbelsäule und Ausformung einer Skoliose bleiben oft Haltungsschäden zurück.

Spondylolisthesis

SpondylolisthesisUrsache ist eine Spaltbildung in der Interartikularportion eines Wirbels. Nach Überlastung (v. a. unter Hyperlordose) oder einem Trauma kann es zum Gleiten des betroffenen Wirbelkörpers über den nächsttieferen Wirbel nach vorne kommen.
  • Symptome: belastungsabhängige Rückenschmerzen mit pseudoradikulärer oder radikulärer Schmerzausstrahlung.

  • Diagnostik: Stufenbildung der Dornfortsätze mit lokalem Druck- oder Klopfschmerz. Die Diagnose wird durch eine Röntgenaufnahme gesichert.

  • Konventionelle Therapie: durch Rückenschule und Physiotherapie kann zumindest eine Zunahme der Beschwerden verhindert werden. Bei hohem Leidensdruck oder Progredienz kann sich eine Operationsindikation ergeben. Wichtig sind auch Berufs- und Sportberatung.

Homöopathische Behandlung: Repertoriumsrubriken und homöopathische Arzneimittel

Die homöopathische Beeinflussung von RückenbeschwerdenRepertoriumsrubrikenRückenschmerzen im Kindesalter gelingt nicht ohne die gleichzeitige Bearbeitung von Heilungshindernissen wie Übergewicht oder Bewegungsmangel. Bei Zeichen einer zentralen Koordinationsstörung sollte parallel krankengymnastisch therapiert werden.
Wichtige Aspekte bei der homöopathischen Anamnese sind:
  • Körperliche Konstitution des Patienten

  • Geist- und Gemütssymptome

  • Vollständiges Symptom „Rückenschmerzen“ mit allen Modalitäten

Hauptrubriken
→Abdomen – Hängebauch (21): bell, calc, calc-f, graph, nat-c, sep, sulph, …
→Rücken – Krümmung der Wirbelsäule (61): bar-c, calc, calc-f, calc-p, calc-s, carb-v, lyc, merc, ph-ac, phos, puls, sil, sulph, …
→Allgemeines – Abmagerung – Kindern, bei (104): acet-ac, ars, ars-i, ars, arum, aur, calc, calc-p, iod, nat-m, sil, …
→Allgemeines – gebeugte Haltung (34): agar, arg-n, aur, calc, calc, carb-v, cocc, coff, kali-p, lyc, med, nat-c, nux-v, phos, psor, sil, sulph, tub, …
Das vollständige Symptom kann im Kapitel „Rücken“ repertorisiert werden, etwa an Hand der Unterrubriken von „Schwäche“ oder „Schmerzen“.
→Rücken – Schmerz – Lumbalregion – Stehen, beim – agg. (45): bry, carb-an, con, ferr, kali-c, lyc, ruta, sulph, valer, …
→Rücken – Schwäche – Sitzen – agg. (11): bar-c, calc, graph, kali-p, sulph, zinc, …
→Rücken – Schmerz – warm – Anwendungen, warme – amel. (14): calc-f, caust, nux-v, phos, rhus-t, …
Pennekamp-Rubriken
→Rücken, Nacken und Gesäß – Rücken, Haltung gebeugt nach vorne (19): arg-n, calc, calc-p, carb-v, lyc, med, nux-v, phos, sil, sulph, tub, …
→Rücken, Nacken und Gesäß – Rücken, Haltung. Stehen fällt schwer (5): fl-ac, lyc, sep, sil, sulph
Häufig angezeigte Mittel bei kindlichen Rückenproblemen sind Barium carbonicum, Lycopodium, Natrium muriaticum, Silicea, Sulphur, Tuberculinum und die Kalzium-Verbindungen (23.2 Materia medica).

Literatur

Remus, 2001

W. Remus Skoliosen im Kindes- und Jugendalter – kein Grund zu therapeutischer Hektik Orthopädie und Rheuma 4 2001 22 28
G. Soldner H.M. Stellman Individuelle Pädiatrie 2002 Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart

Homöopathische Literatur

Kinder-Repertorium, 1999

H. Pennekamp Kinder-Repertorium 2. A. 1999 MDT-Verlag Osten-Isensee

Pfeiffer, 2003

H. Pfeiffer Krankheiten im Kindesalter G. in Bleul Weiterbildung Homöopathie Band D 2003 Sonntag Stuttgart

Schroyens, 2009

F. Schroyens Synthesis Treasure Edition 2009 Hahnemann Institut Greifenberg

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