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Neurologische Störungen

Thomas Lorz

Kathrina Naske

Herbert Pfeiffer

Kasuistiken:

Michael Drescher

Michael M. Hadulla

Olaf Richter

Stefanie Sartorius

Migräne und Kopfschmerzen vom Spannungstyp

Thomas Lorz

Grundlagen

Im Kindesalter spielen Geschlechtsunterschiede keine wesentliche Rolle, bei Jugendlichen zeigt jedoch die Migräne bereits eine höhere Prävalenz beim weiblichen Geschlecht (AWMF 2008).

Klassifikation

Die KlassifikationKopfschmerzenKlassifikation kindlicher Kopfschmerzen orientiert sich an den Vorschlägen der „International Headache Society“ (IHS). Voraussetzung für die sichere Zuordnung ist ein beobachteter Verlauf über mindesten sechs Monate. Etwa 30 % der kindlichen Kopfschmerzen lassen sich nicht eindeutig klassifizieren.
Zu den primären Kopfschmerzerkrankungen gehören:
  • Migräne

  • Spannungskopfschmerz

  • Clusterkopfschmerz

  • Andere primäre Kopfschmerzen (z. B. Hustenkopfschmerz, Kopfschmerz bei körperlicher Anstrengung)

Sekundäre Kopfschmerzerkrankungen sind definiert als Kopfschmerzen durch bestimmte Grunderkrankungen, z. B.:
  • Schädel, -Hirn- oder HWS-Trauma

  • Zerebrovaskuläre Erkrankungen

  • Intrakranielle raumfordernde Prozessen oder Liquordrucksteigerung

  • Infektionen (im Kopfbereich oder systemisch)

  • Erkrankungen im Gesichtsbereich (Auge, Ohren, Nebenhöhlen, Zähne)

Migräne
Bei der MigräneMigräneKopfschmerzenMigräne kommt es anfallsweise zu heftigen, häufig einseitigen pulsierend-pochenden Kopfschmerzen, die bei körperlicher Betätigung an Intensität zunehmen. Bei einem Drittel der Patienten bestehen holokranielle Kopfschmerzen. Die einzelnen Attacken werden begleitet von Appetitlosigkeit (fast immer), Übelkeit (80 %), Erbrechen (40–50 %), Lichtscheu (60 %), Lärmempfindlichkeit (50 %) und Überempfindlichkeit gegenüber bestimmten Gerüchen (10 %).
Einseitige Kopfschmerzen können innerhalb eines Anfalls oder von Anfall zu Anfall die Seite wechseln. Auch die Intensität der Schmerzen kann von Anfall zu Anfall stark variieren, die Dauer beträgt laut Definition der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft zwischen 4 und 72 Stunden. Migräneattacken verlaufen bei Frauen länger und intensiver.
Migräne ist vermutlich eine Ionenkanalkrankheit und hat eine genetische Komponente. Die Schmerzen werden durch Irritation schmerzvermittelnder Nervenzellen im Gehirn ausgelöst. Äußere Reize (z. B. Rotwein, bestimmte Käsesorten, Schlafrhythmusverschiebung) oder innere Reize (z. B. Überlastung, Stress, Hormonschwankungen) können als Triggerfaktoren eine wichtige Rolle spielen.
  • Migräne ohne Aura ist Migränemit Auradie häufigste Migräneform, mit überwiegend einseitigem (⅔ der Patienten), pochendem, langsam zunehmendem und länger anhaltendem Schmerz (4 h bis 3 d) sowie fast immer Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Lichtscheu, Lärmempfindlichkeit oder Überempfindlichkeit gegenüber bestimmten Gerüchen, auch begleitet von Durchfall oder vermehrtem Harndrang. Zudem besteht das Bedürfnis, sich zurückzuziehen, abzuschotten und zu schlafen. Die Häufigkeit der Migräneattacken ist unterschiedlich: Bei einigen Patienten treten 1–2 Attacken im ganzen Leben auf, bei anderen 1–2 Attacken pro Woche. Zwischen den Attacken besteht Schmerzfreiheit.

  • Migräne mit Aura ist seltener Migräneohne Auraund beginnt meist mit beidseitigem Flimmern oder Gesichtsfeldausfällen (Flimmerskotom). Andere neurologische Ausfälle wie Sensibilitätsstörungen, Aphasie oder Lähmungen (IHS Classification, ICHG-II) treten seltener auf.

Die Symptomatik der kindlichen Migräne unterscheidet Migränekindlichesich vom typischen klinischen Bild des Erwachsenenalters (Ebinger 2005) in folgenden Punkten:
  • Kinder haben deutlich kürzere Migräneattacken (manchmal < eine Stunde, Barea et al. 1996).

  • Kopfschmerzen treten öfter bilateral als unilateral auf.

  • Im Kleinkindalter kommen sog. Migränevorläufer in Form von rezidivierendem Erbrechen und evtl. Schwindel vor. Später können sie in eine typische Migräne übergehen.

  • Je jünger die Kinder, desto eher stehen gastrointestinale Symptome wie Erbrechen oder Bauchschmerzen im Vordergrund. Unter folgenden Bedingungen ist eine abdominale Migräne wahrscheinlich:

    • Stress, Müdigkeit, Reisen, Schlafentzug als Auslöser

    • Verhaltensveränderung oder Kopfschmerzen vor den Bauchschmerzattacken

    • Mittel bis stark ausgeprägte Bauchschmerzen mit einer Dauer von einer bis 72 Stunden

    • Periumbilikale oder nicht eindeutig lokalisierbare Beschwerden, oft begleitet von Blässe, Nausea und/oder Erbrechen

    • Beschwerdefreiheit zwischen den Attacken

Kopfschmerzen vom Spannungstyp
SpannungskopfschmerzenKopfschmerzenSpannungstyp sind die häufigste Kopfschmerzform. Der Schmerzcharakter ist dumpf-drückend, beidseits lokalisiert und meist diffus innerhalb des Schädels. Begleitsymptome (Übelkeit, Erbrechen, Licht- oder Lärmüberempfindlichkeit) sind im Gegensatz zur Migräne selten und höchstens gering ausgeprägt. Die Beschwerden dauern Stunden bis viele Tage, bei Kindern manchmal auch weniger als 30 Minuten. Die genaue Ursache ist bis heute ungeklärt.
Kopfschmerzen vom Spannungstyp unterscheiden sich im Kindes- und Jugendalter nicht grundsätzlich von denen im Erwachsenenalter. So gibt es auch bei Kindern folgende Formen:
  • Sporadische Kopfschmerzen (unter 12 Tagen im Jahr)

  • Häufige Kopfschmerzen (zwischen einem und 15 Tagen Kopfschmerzen pro Monat)

  • Chronische Kopfschmerzen (an mehr als 15 Tagen pro Monat)

Diagnostik

Die Diagnostik von Kopfschmerzen erfordert eine ausführliche Anamnese möglichst mithilfe eines Kopfschmerztagebuchs sowie eine neurologische Basisuntersuchung. Bei progredienten Kopfschmerzen oder neurologischen Auffälligkeiten sind weitergehende Untersuchungen wie MRT, EEG und Funduskopie indiziert. Differenzialdiagnostisch müssen in diesen Fällen organische Ursachen der Kopfschmerzen wie intrakranielle raumfordernde Prozesse und entzündliche Krankheiten, v. a. eine Meningitis oder Enzephalitis ausgeschlossen werden. Bei einer Meningitis treten die Kopfschmerzen akut auf und sind von Fieber, Erbrechen, Nackensteifigkeit begleitet. Charakteristisch für Hirntumoren sind morgendliche Kopfschmerzen mit Nüchternerbrechen und zunehmenden neurologischen Ausfällen. Urin- und Blutdruckmessung sollten nicht vergessen werden, da auch Nierenerkrankungen und Hypertonie Kopfschmerzen verursachen können.

Info

Bei kleinen Kindern ist die Unterscheidung zwischen Migräne und Spannungskopfschmerzen schwierig, da sie die Kopfschmerzen oft bilateral angeben und nicht den migränetypischen pulsierenden Charakter beschreiben können. Außerdem sind Mischformen zwischen Migräne und Spannungskopfschmerzen möglich. Bei Kindern und Jugendlichen ist das gleichzeitige Auftreten von Migräne und Kopfschmerzen vom Spannungstyp häufiger als bei Erwachsenen.

Konventionelle Therapie und Prophylaxe

Spannungskopfschmerzen

Zur Behandlung und Prophylaxe von SpannungskopfschmerzenSpannungskopfschmerzen sollen in erster Linie nicht-medikamentöse Maßnahmen (s. Migräneprophylaxe) eingesetzt werden. Ihre Wirksamkeit ist belegt. Oft genügen Bewegung an der frischen Luft und/oder Entspannungsübungen. Für die medikamentöse Prophylaxe liegen bei Kindern und Jugendlichen kaum Daten vor. Analog zur Migränetherapie kommt ggf. eine medikamentöse Prophylaxe mit Ibuprofen, Paracetamol oder Flupirtin in Betracht. Ergotaminhaltige Medikamente oder Triptane sind nicht indiziert.

Akuter Migräneanfall

Bei der konventionellen Behandlung der MigräneMigräneakute wird je nach Schwere der Schmerzattacken nach einem Mehrstufenplan verfahren.
  • Stufe 0 – Reizabschirmung: Bei leichten Verlaufsformen mit seltenen Anfällen helfen reizabschirmende Maßnahmen wie Lagerung in einem abgedunkelten Raum und Schutz vor akustischen Reizen. Unterstützend wirkt oft ein kalter Lappen auf der Stirn.

  • Stufe 1 – Antiemetika: Bei Erwachsenen haben Antiemetika zur Behandlung von Übelkeit und zur Verbesserung der Resorption von Analgetika ihren festen Platz (AWMF 2008). Für das Kindes- und Jugendalter liegen keine validen Studien vor. Versucht werden können Dimenhydrinat (1–2 mg/kg KG), Ondansetron (0,1–0,15 mg/kg KG) oder Granisetron (0,01–0,05 mg/kg KG) (Alhashimi et al. 2006, Kovac 2007). Domperidon und Metoclopramid führen bei Kindern und Jugendlichen oft zu extrapyramidalen Nebenwirkungen.

  • Stufe 2 – Analgetika: Mittel der Wahl bei leichteren Kopfschmerzen sind Paracetamol (15 mg/kg KG) und Ibuprofen (10 mg/kg KG). ASS (Einzeldosis 10 mg/kg KG, Tagesdosis bis 25 mg/kg KG) ist bei Kindern wegen des möglichen Zusammenhangs mit dem Reye-Syndrom nicht empfohlen und bis zum Alter von 18 Jahren kontraindiziert bei einer fieberhaften Erkrankung oder Windpocken (AT 2002).

  • Stufe 3 – Triptane (selektive 5-HT1B/1D-Agonisten): Diese haben eine gute, aber nicht immer zuverlässige Wirkung auf akute Migräneattacken. Für die Behandlung schwerer Migräneanfälle ist ab dem 12. Lebensjahr Sumatriptan-Nasenspray zugelassen – initial ein Sprühstoß von 10 mg, bei einem Körpergewicht von über 30 kg auch zwei Sprühstöße (Tonini et al. 2004). Aufgrund von Einzelbeobachtungen kann Imigran im Einzelfall auch bereits bei Kindern unter 12 Jahren eingesetzt werden. Ein Nachteil ist die relativ begrenzte Wirkdauer, die bei 20–30 % der Patienten eine erneute Einnahme des Migränemittels notwendig macht. Häufig kommt es zu starken vegetativen Reaktionen (Schwindel, Schläfrigkeit).

  • Stufe 4 – parenterale Analgetika: Angezeigt bei schwersten Migräneattacken (Status migraenosus) mit unstillbarem Erbrechen: Intravenöse Analgetikagabe und/oder Sumatriptan s. c. bis zu 6 mg.

Migräneprophylaxe

Nicht-medikamentöse Prophylaxe
An erster Stelle stehen Allgemeinmaßnahmen wie Aufklärung über die Ungefährlichkeit der Erkrankung, Bedeutung von regelmäßiger Bewegung und Sport, ausreichende Flüssigkeitszufuhr, Stressabbau, ausreichender und regelmäßiger Schlaf und Begrenzung der Zeit am Bildschirm.
Nicht-medikamentöse prophylaktischeMigräneProphylaxenicht-medikamentöseMigräneProphylaxe Interventionen, insbesondere Verfahren der kognitiven Verhaltenstherapie, haben eine sehr hohe Erfolgsrate und sind gleichwertige oder erstrangige Behandlungsmaßnahmen. So ist z. B. Entspannungstraining der Prophylaxe mit Betablockern überlegen (Sartory et al. 1998).
Die bedeutendsten verhaltenstherapeutischen Verfahren bei Kopfschmerzen im Kindes- und Jugendalter sind:
  • Entspannungsverfahren wie die progressive Muskelrelaxation nach Jacobson, Phantasiereisen oder Autogenes Training

  • Biofeedback-Verfahren (Handerwärmungstraining, Vasokonstriktionstraining, EMG-Feedback, Neurofeedback)

  • Kognitiv-verhaltenstherapeutische oder hypnotherapeutische „Multikomponentenprogramme“ zum Erlernen von Stress- und Schmerzbewältigung und zum Training der Reizverarbeitung (AWMF 2008)

Medikamentöse Prophylaxe
Eine medikamentöse AnfallsprophylaxeMigräneProphylaxemedikamentöse kann erfolgen, wenn ein Kind häufiger als dreimal pro Monat unter sehr starken und lang anhaltenden Migräneattacken leidet und die akute Schmerzbehandlung versagt.
Bei Kindern und Jugendlichen haben sich die Betablocker Metoprolol und Propanolol (2 mg/kg KG pro Tag) als Mittel der ersten Wahl bewährt. Der Kalziumkanalblocker Flunarizin (5–10 mg pro Tag, initial 5 mg jeden 2. Tag) ist in der Prophylaxe ebenfalls effektiv, weist allerdings ein hohes Nebenwirkungsspektrum auf (Lütschg et al. 1990). Niedrig dosiertes ASS kann als dem Flunarizin ebenbürtig angesehen werden und hat weniger Nebenwirkungen; Kontraindikationen sind zu beachten (s. o.).
Amitriptylin (bis 1 mg/kg KG pro Tag) wird – bei einschleichender Dosierung z. B. mit Tropfen – meist gut vertragen und zeigt einen den Betablockern vergleichbaren Effekt. Es sollte bevorzugt zur Prophylaxe gegeben werden, wenn eine Kombination mit einem Spannungskopfschmerz besteht. Amitriptylin ist in Deutschland nicht zur Vorbeugung von Migränekopfschmerzen bei Kindern zugelassen.
Auch Magnesium (300–400 mg pro Tag) oder Pestwurz-Extrakt (tgl. 2 × 2 Kapseln) haben als nebenwirkungsarme Medikamente ihren Platz. Die Substanz Pestwurzextrakt ist in Deutschland und Österreich nicht mehr als Arzneimittel erhältlich.
Grundsätzlich sollten nichtmedikamentöse Ansätze im Vordergrund stehen. In einer randomisierten Doppelblindstudie zur Behandlung von Migränekopfschmerzen bei Kindern und Jugendlichen in den USA waren Placebos mindestens ebenso gut wirksam und deutlich besser in der Verträglichkeit (Powers 2017).

Info

Die medikamentöse Prophylaxe soll Häufigkeit, Dauer und Schwere der Anfälle reduzieren. Allerdings kann es bis zu drei Monaten dauern, bis ein Therapieerfolg erkennbar ist. Eine Behandlungsdauer von mindestens einem halben Jahr ist empfohlen.

Homöopathische Behandlung

2013 wurde eine zwölf Länder übergreifende Studie zur Therapie kindlicher Kopfschmerzen mit homöopathischen Einzelmitteln veröffentlicht. Die am häufigsten verwendeten Mittel waren Ignatia amara (25 %), Lycopodium clavatum (22 %), Natrium muriaticum (21 %), Gelsemium (20 %) und Pulsatilla (12 %), bei Migräne außerdem Belladonna, Iris versicolor und Kalium phosphoricum. Die Kopfschmerzattacken traten bis zum Ende der dreimonatigen Behandlung signifikant seltener auf, sie waren leichter und kürzer, die Schulfehltage nahmen ab (Danno et al. 2013).
Es kann davon ausgegangen werden, dass drei von vier Kindern mit rezidivierenden Kopfschmerzen einer komplementärmedizinischen Behandlung zugeführt werden, etwa jedes zweite dieser Kinder bekommt homöopathische Heilmittel. Neuropädiater sollten sich dieser Tatsache bewusst sein, alternative Therapien bei der Anamnese erfragen und sich einem integrativen Zugang zur Therapie öffnen (Dalla Libera et al. 2014).
Die homöopathische Behandlung des kindlichen Kopfschmerzes setzt ebenso wie die Behandlung Erwachsener in aller Regel eine gründliche Anamnese voraus und erfordert eine konstitutionelle Verschreibung. Nur in den Fällen akut auftretender Kopfschmerzen reicht es aus, eine situative Verschreibung vorzunehmen und zur Mittelfindung die Schmerzmodalitäten zusammenzufassen.

Praxistipp

Jede akute Verschreibung kann gleichzeitig konstitutionell sein, da sich das Konstitutionsmittel oft gerade in der akuten Situation zeigt. Daher ist es für kinderärztliche Homöopathen aufschlussreich, die betreuten Kinder auch in der Akutkrankheit zu sehen.

Im Unterschied zu Erwachsenen können Kinder, insbesondere jüngere Kinder, über ihre Schmerzen noch keine Angaben machen. Sie antworten auch auf einfach formulierte Fragen mit einem „Es tut nur weh.“ Deshalb sind Mithilfe und gute Beobachtung der Eltern besonders wichtig. Ältere Kinder können bezüglich der Lokalisation der Kopfschmerzen und bezüglich weiterer Schmerzmodalitäten sehr gut selbst berichten.

Repertoriumsrubriken

Die KopfschmerzkapitelRepertoriumsrubrikenKopfschmerzen gehören zu den umfangreichsten in allen RepertorienRepertoriumsrubrikenMigräne. Es ist nicht möglich, ohne detaillierte Anamnese und vollständig erfragte Symptome das jeweilige Mittel zu spezifizieren. Auch die Rubriken zu migräneartigen Kopfschmerzen, begleitet von Erbrechen, Übelkeit oder Sehstörungen, sind wegen ihres Umfangs nahezu wertlos. Beispielhaft seien hier aber einige hilfreiche kleinere Rubriken aufgezählt. Die Rubriken gehen auf das Synthesis zurück.
→Gemüt – Angst; Kopfschmerzen, mit (25): acon, ars, calc, cimic, cycl, lach, lyss, …
→Gemüt – Gedächtnis – Gedächtnisschwäche – Kopfschmerzen, bei (4): bell, gels, kali-c, mosch
→Gemüt – Schweigsamkeit – Kopfschmerzen; bei (6): anac, coff, con, hydrog, nat-ar, …
→Gemüt – Traurigkeit-Kopfschmerzen; bei (43): agar, agn, arg-n, dulc, guar, lac-d, plb, puls, sars, sep, ter, …
→Gemüt – Weinen-Kopfschmerzen, mit (19): coff, kali-c, phos, puls, sep, …
→Sehen – Flimmern, Flackern – Kopfschmerzen – während (14): chin, coloc, cycl, nat-m, phos, sil, sulph, …
→Sehen – Trübsichtigkeit, trübes Sehen – Kopfschmerz – vor (12): gels, hyos, iris, kali-bi, lac-d, nat-m, psor, sep, …
→Schwindel – Kopfschmerz – vor (11): aran, aren, calc, phos, plat, …
→Hören – Schwerhörigkeit – Kopfschmerzen im Hinterkopf; mit (1): ign
→Hören – überempfindliches Gehör – Kopfschmerzen, bei (5): acon, bry, coff, gels, phyt
→Mund – Speichelfluss – Kopfschmerzen, vor (1): fl-ac
→Magen – Appetit – vermehrt – Kopfschmerz – mit (22): ars, kali-c, lac-d, phos, psor, sep, …
→Blase – Urinieren-häufig-Kopfschmerzen, mit (10): bell, gels, ign, jug-c, lac-d, verat, …
→Extremitäten – Kälte – Kopfschmerzen; mit (1): carbn-s
→Frost – Frösteln – Kopfschmerz – während (42): calc, caust, coff, coloc, cupr, lac-d, merc, mosch, puls, …
→Kopf – Schmerz – Schlaf – weckt ihn; der Kopfschmerz (4): ars, hir, kali-br, pseuts-m
→Schlaf – Schlaflosigkeit – Kopfschmerzen, durch (48): arg-n, aur, chin, lach, puls, sulph, …
→Allgemeines – Ohnmacht – Kopfschmerzen, bei (22): calc, gels, sil, sulph, ter, …
Bei der Arzneimittelfindung sollten folgende Symptome berücksichtigt werden:
  • Neurologische Symptome:

    • Bei den Augensymptomen bzw. den Sehstörungen spielt die zeitliche Abfolge eine Rolle. Es wird unterschieden, ob die Sehstörung vor, während oder nach den Kopfschmerzen auftritt. Wichtig ist auch die Art der Sehstörung, nämlich z. B. verschwommenes Sehen, schlechteres Sehen (Visusminderung), Blindheit, Gesichtsfeldausfälle, Flackern, Flimmern, Funkensehen, Doppeltsehen. Auch die Beschreibung der visuellen Phänomene kann richtungsweisend sein wie z. B. das Farbensehen (schwarz, blau, schwarze Ringe), das Sehen von Sternen, Kreisen, Flecken, Zickzacklinien.

    • Auch andere neurologische Auffälligkeiten wie Sprachstörungen, Taubheitsgefühle im Gesicht oder an anderen Körperstellen können, so vorhanden, hilfreich sein.

  • Vegetative Symptome: Bei den vegetativen Symptome (Harndrang, Erbrechen, Übelkeit), wird genau unterschieden, wann diese auftreten (Kopfschmerz besser bei Beginn, schlechter bei Beginn, schlechter während, besser während).

  • Menstruationsbezogene Symptome: Gleiches gilt bei der menstruellen Migräne, bei der die zeitliche Abfolge berücksichtigt wird (Kopfschmerz besser bei Beginn, schlechter bei Beginn, schlechter während, besser während).

  • Lokalisation: Auch die Lokalisation und Lateralität der Kopfschmerzen sind wichtig. Gewisse homöopathische Arzneimittel haben z. B. einen ausgeprägten Bezug zur linken oder zur rechten Seite oder zum Seitenwechsel, andere sind angezeigt bei Kopfschmerzen im Nacken oder am Hinterkopf.

  • Periodizität: An dieser Stelle sei die häufige Wochenendmigräne oder der Kopfschmerz erwähnt, der z. B. alle zwei oder drei Wochen oder immer im Frühling, Herbst auftritt.

  • Causa: Sind klare Auslösefaktoren (Alkohol, Kaffee, Käse, Schokolade, klimatische Einflüsse, körperliche Anstrengung, Ärger, Menstruation) bekannt, sollten diese ebenfalls zur Arzneiwahl herangezogen werden.

  • Modalitäten: Auch die jeweiligen Kopfschmerzmodalitäten können von Bedeutung sein: Besser oder schlechter durch kalte oder warme Anwendungen, kalte Luft, Bewegung, Sport, Druck, Berührung, bestimmte Körperstellungen.

Bei der konstitutionellen Migräne/Kopfschmerztherapie müssen neben den oben genannten Symptomen auch alle anderen körperlichen Bereiche bzw. Symptome zur Arzneimittelwahl herangezogen werden.

Homöopathische Arzneimittel bei akuten Beschwerden

Belladonna
#BelladonnaKopfschmerzenAlle Symptome kommen plötzlich und verschwinden plötzlich. Starker Blutzufluss zum Kopf mit Röte, Hitze und Brennen des Gesichts, sichtbar klopfenden Karotiden, glänzenden Augen, erweiterten Pupillen bei kalten Extremitäten. Kopfschmerzen bei Fieberinfekten im ersten Stadium. Heftigste Kopfschmerzen mit hohem Fieber, Übelkeit, Erbrechen, Nackensteifigkeit, Benommenheit, Delirium und bei schlimmen Verläufen auch Konvulsionen. Wichtiges Mittel auch bei entzündlichen ZNS-Erkrankungen wie Meningitis oder Enzephalitis. Bohrt den Kopf in das Kissen, rollt den Kopf, schlägt mit dem Kopf gegen die Wand.
Kopfschmerz durch Insolation, nach Haareschneiden. < Licht, Sonnenlicht, Berührung, Erschütterung, Bewegung, Anstrengung, Niederlegen, nach vorne Beugen. > Liegen in einem dunklen Raum, Sitzen, nach hinten Beugen.
→Kopfschmerz – steigt – plötzlich – sinkt – plötzlich (14): bell, cedr, ign, sulph, med, …
→Gesicht – Farbe – rot – Kopfschmerzen, bei (66): arg-n, bell, bufo, cact, calc, cic, coff, croc, ferr, ferr-p, glon, kali-br, kalm, lach, meli, nat-m, nux-m, nux-v, op, psor, …
→Kopf – Schmerz – pulsierend (187): bell, glon, nat-m, psor, puls, sang, sil, sulph, …
→Kopf – Schmerz – Hinterkopf – erstreckt sich zu – Stirn – rechts (1): bell
→Kopf – Schmerz – Beugen des Kopfes, beim – hinten, nach – amel. (18): bell, cact, cham, gels, glon, hep, ph-ac, …
→Kopf – Schmerz – Liegen – dunklen Zimmer, im – amel. (18): aur-m-n, bell, bry, lac-d, sang, sil, …
→Kopf – Schmerz – Sitzen – amel. (38): bell, con, guaj, kreos, nux-v, …
→Kopf – Schmerz – Haareschneiden, nach dem (9): bell, bry, glon, led, psor, puls, sabad, sep, …
→Kopf – Schmerz – Delirium, mit (7): agar, bell, chinin-s, sil, stram, syph, verat
Bryonia alba
Kopfschmerzen begleiten alle akuten Bryonia#Bryonia albaKopfschmerzen-Zustände und sind oft Vorläufer anderer Krankheiten wie Bronchitis oder Pneumonie. Erwacht morgens mit Kopfschmerzen. Gefühl, als ob der Kopf platzt. Migräne mit Völlegefühl im Kopf. Stechende Schmerzen, die sich allmählich entwickeln.
Führendes Symptom: Jegliche Bewegung verschlechtert und wird ängstlich vermieden. < morgens nach dem Erwachen, geringste Bewegung, Husten, Augenbewegung, sogar Augenzwinkern, Wärme in jeglicher Form, warme Räume, warme Getränke, Bügeln, Zorn, kalter Wind. > Ruhe, fester Druck, Einbinden, reichlich kalte Getränke, Liegen auf der schmerzhaften Seite (= Ruhigstellen der erkrankten Teile).
Bryonia-Patienten sind reizbar und mürrisch; das Kind will nicht auf den Arm genommen und getragen werden, weil Bewegung starke Schmerzen verursacht (Gelsemium liegt still aus Schwäche und Müdigkeit; Belladonna ist erregt, unruhig und liegt auf der schmerzlosen Seite ohne wesentliche Besserung durch Liegen).
→Gemüt – Still sein, seine Ruhe haben, möchte (37): aids, bamb-a, bry, gels, nux-v, …
→Kopf – Schmerz – morgens – Bett, im – Bewegung, bei der ersten (1): bry (Schlüsselsymptom)
→Kopf – Schmerz – morgens – Erwachen, beim (140): alum, alumn, arg-n, arn, aur-m-n, bry, chel, croc, eup-per, graph, hep, kali-bi, kali-c, kali-i, kalm, lac-c, lach, lyc, naja nat-m, nit-ac, nux-v, ph-ac, phos, psor, sep, sulph, tarent, thuj, thyr, …
→Kopf – Schmerz – Ärger, Verdruss, nach (20): bry, cham, coff, mag-c, mez, nat-m, nux-v, petr, staph, …
→Kopf – Schmerz – Erschütterung – jegliche Erschütterung, durch (74): bell, bry, calc, carb-v, carbn-s, chin, ferr-p, gels, glon, hep, kali-c, kali-s, led, lyc, mag-m, nat-m, nit-ac, nux-v, ph-ac, phos, psor, rhus-t, sep, sil, spig, sulph, ther, thuj, …
→Allgemeines – Liegen – Seite, auf der – schmerzhaften, auf der – amel. (32): bry, calc, cham, coloc, puls, sec, sep, …
Gelsemium sempervirens
#Gelsemium sempervirensKopfschmerzenKopfschmerzen beginnen im Hinterkopf, setzen sich in der Stirn über den Augen fest. Rötung des Gesichts durch Hyperämie. Zusammenschnürendes Gefühl wie von einem Band um den Kopf. Übelkeit, Erbrechen, Schläfrigkeit. Zu Beginn der Migräneattacke Augensymptome wie verschwommenes Sehen, Diplopie bis zur kurzfristigen Blindheit (Migräne mit Aura). Schmerzhafte Augäpfel.
Schmerzen > reichlichen Urinabgang (Schlüsselsymptom). Gelsemium ist sehr hilfreich bei fieberhafter Sommergrippe. Führende Symptome sind mäßig hohes Fieber, heftige Kopfschmerzen, Schläfrigkeit. Ptosis, Zittern und lähmungsartige Schwäche. Will sich nicht bewegen und nicht mehr sprechen, will seine Ruhe haben, antwortet nicht oder nur einsilbig.
→Kopf – Zusammenschnürung – Band oder Reifen, wie ein (107): abel, acon, am-br, arg-n, bac, carb-ac, carb-v, chel, cocc, cycl, gels, graph, hep, iod, merc, nit-ac, spig, sulph, ter, tub, …
→Kopf – Schmerz – Hinterkopf – erstreckt sich zu – Stirn (50): arg-n, calc, carb-v, chel, gels, glon, kali-bi, lac-c, lach, nat-m, petr, ph-ac, rhus-t, sang, sars, sil, …
→Sehen – Verlust des Sehvermögens – Kopfschmerzen – vor (3): gels, kali-bi, psor
→Sehen – Diplopie, Doppeltsehen – Kopfschmerzen – während (3): gels, stroph-h, tub
→Sehen – Diplopie, Doppeltsehen – Kopfschmerzen – vor (2): gels, tub
→Sehen – Verschwommen – Kopfschmerzen – vor (11): gels, hyos, iris, kali-bi, lac-d, nat-m, podo, psor, sep, sulph, tub, …
→Kopf – Schmerz – Hinterkopf – Urinieren amel., reichliches (7): acon, gels, ign, kalm, meli, sang, sil, …
Glonoinum
#GlonoinumKopfschmerzenKopfschmerzen durch Insolation. Verträgt keine Sonne oder Hitze am Kopf; weigert sich, Mütze oder Hut zu tragen. Durch Überhitzung Stau an Kopf und Hals, Kragen wird geöffnet, Kopfbedeckung heruntergerissen (bell > Kopfbedeckung). Ähnlich wie Belladonna starker Blutandrang zum Kopf mit Hitzewallungen und klopfenden Karotiden. Gefühl, als sei der Kopf vergrößert.
Glonoinum-Kopfschmerzen steigen langsamer an, < Kopfbedeckung. Belladonna-Kopfschmerzen kommen plötzlich, > Kopfbedeckung. Beide Mittel sind sich darin ähnlich, dass der Patient während der Kopfschmerzen kein Tuch um den Hals verträgt.
→Kopf – Schmerz – Erhitzung, durch (56): acon, aloe ant-c, apis arum-t, bell, bry, carb-v, carbn-s, glon, ip, kali-c, kali-s, kalm, lyc, nat-m, sep, sil, stram, sulph, thuj, …
→Kopf – Schmerz – Sonne, durch Aufenthalt in der (68): acon, agar, ant-c, arum-t, bar-c, bell, bry, calc, camph, carb-v, chin, cocc, gels, glon, hell, lach, nat-c, nat-m, nux v, puls, sel, stram, sulph, ther, …
→Kopf – Schmerz – morgens – steigt und sinkt mit der Sonne (15): gels, glon, kalm, nat-m, phos, sang, spig, stann, …
→Kopf – Schmerz – Entblößen – Kopfes, des – amel. (8): acon, aur, borx, glon, iod, lyc, puls, sulph
→Kopf – Schmerz – Tuch um den Hals agg. (6): arg-n, bell, glon, lach, sep, …
→Äußerer Hals – Pulsieren – Karotiden – Kopfschmerzen, bei (3): gels, glon, sang
Überempfindliche Kinder, z. B. gegen Sinneseindrücke wie Geräusche, regen sich bei kleinsten Anlässen auf und geraten in Rage. Sehr empfindlich bei Kopfschmerzen. Kopfschmerzen katarrhalisch, im Zusammenhang mit Störungen im Magen-Darm-Trakt, als Folge von Zorn und Ärger. < Im Freien (puls > im Freien), kalter Wind, Zorn, geistige Anstrengung, nach dem Essen, Licht, Lärm, Bewegung, Obstipation.
→Gemüt – empfindlich – Kopf, bei Schmerz im (10): bell, cham, coff, ign, nux-v, sil, …
→Kopf – Schmerz – Luft – Freien, im (67): arg-n, bell, calc, carb-an, caust, chel, chin, cocc, con, cycl, hep, kali-c, lil-t, mang, merc, mez, nux-v, …
→Kopf – Schmerz – Wind – kaltem Wind, in (18): acon, aur, bry, hep, ign, lac-c, mez, mur-ac, nux-v, psor, rhus-t, sanic, sep, …
→Kopf – Schmerz – Obstipation, bei (40): aloe, bry, calc-p, coll, lac-d, nat-m, nat-s, nux-v, plb, podo, puls, …
→Kopf – Schmerz – Essen – Überessen, nach (113): coff, nux-m, nux-v, puls, sang, tub, …
Sanguinaria canadensis
#Sanguinaria canadensisKopfschmerzenWichtiges Migränemittel. Kopfschmerzen beginnen im Hinterkopf und setzen sich über dem rechten Auge fest (linkes Auge Spigelia). Periodische Kopfschmerzen jede Woche. Kopfschmerzen begleitet von Übelkeit und Erbrechen, wechseln rasch die Stelle. < Tagsüber, Licht, Geräusch, Lärm, Bewegung, Erschütterung. > Schlaf, Erbrechen, Blähungsabgang, starker Urinabgang, Gehen im Freien.
→Kopf – Schmerz – Hinterkopf – erstreckt sich zu – Augen – rechtes Auge (2): bell, sang
→Kopf – Schmerz – periodisch – Woche – jede Woche (24): iris, lac-d, phos, psor, sang, sil, sulph, tub, …
→Kopf – Schmerz – wandernde Schmerzen (29): calc, nat-s, phos, puls, sang, spig, sulph, …
→Kopf – Schmerz – Flatus amel., Abgang von (7): aeth, carb-v, cic, kali-i, mag-c, merc-c, sang, …
→Kopf – Schmerz – Erbrechen, mit – amel. (27): cycl, sang, gels, ign, sep, …
→Kopf – Schmerz – Urinieren – reichliches – mit (4): acon, iris sang, verat
→Kopf – Schmerz – Schlaf – nach – amel. (37): gels, glon, pall, phos, sang, sep, …
Spigelia
#SpigeliaKopfschmerzenWichtiges Mittel gegen Kopfschmerzen bei Wurmbefall. Geeignet für ängstliche, nervöse Menschen, überempfindlich auf Berührung und mit großer Angst vor spitzen Gegenständen und Nadeln. Anfallsweise linksseitige Kopf- und Augenschmerzen (Migräne mit Aura), die sich vom Hinterkopf zum linken Stirnhöcker ausbreiten und über dem linken Auge festsetzen (sang rechts), mit Tränenfluss des betroffenen Auges.
Migräne mit schrecklichen Schmerzen in den Augäpfeln, als würden sie herausgedrückt. Schmerzen kommen und gehen mit dem Sonnenstand, können auch als Begleitsymptome einer Erkältung durch kaltes Regenwetter auftreten. Schmerzen schier unerträglich, oft begleitet von dem Gefühl, als sei das Gehirn im Kopf locker (cic) oder als berste der Schädel entlang dem Scheitel.
< Geringste Bewegung, selbst Augenbewegung (bry), Geräusche, > kaltes regnerisches Wetter, Liegen mit hoch gelagertem Kopf (arn mit tief gelagertem), > Waschen des Kopfes mit kaltem Wasser (aber < nach dem Waschen!).
→Kopf – Schmerz – Hinterkopf – erstreckt sich zu – Augen (22): gels, glon, lach, nat,-s, petr, pic-ac, sep, spig, verat, zinc, …
→Kopf – Schmerz – liegt – Kopf – hoch liegendem, mit (16): ars, bell, bry, con, gels, glon, nat,-m, phos, puls, spig, …
→Kopf – Schmerz – morgens – kommt und geht mit der Sonne (13): cact, gels, glon, kali-bi, kalm, lac-d, nat-m, sang, spig, stann, staph, sulph, tab, …
→Kopf – Schmerz – Würmer, bei Beschwerden durch (10): calc, chin, cina graph, nux-v, plat, sabad, sil, spig, sulph
→Auge – Schmerz – neuralgisch – Ziliarkörper – links (1): spig
→Kopf – Schmerz – periodisch – Tag – jeden Tag – Stunde, zur selben (9): aran, ars, cact, cedr, cimic, gels, kali-bi, mur-ac, spig

Praxistipp

Beim Vergleich zwischen Spigelia und Sanguinaria fallen viele Ähnlichkeiten auf.

  • Beide Migränemittel haben wahnsinnig machende einseitige Kopfschmerzen, Spigelia über dem linken Auge, Sanguinaria über dem rechten.

  • Beide haben periodische Kopfschmerzen, Sanguinaria jeden zweiten Tag, alle drei oder vier Tage, jede Woche oder alle zwei Wochen; Spigelia hat Kopfschmerzen täglich zur selben Stunde.

  • Beide haben Kopfschmerzen bei Schnupfen und Kopfschmerzen, die mit dem Sonnenstand kommen und gehen. Beide haben wandernde Kopfschmerzen. Spigelia hat die heftige linksseitige Ziliarneuralgie. Spigelia hat außerdem Kopfschmerzen bei Wurmbefall. Bei Sanguinaria werden die Kopfschmerzen von starkem Erbrechen begleitet, bei Spigelia ist das Erbrechen seltener oder schwächer ausgeprägt.

Homöopathische Arzneimittel bei verletzungsbedingtem Kopfschmerz

Arnica montana
Arnica#Arnica montanaKopfschmerzen ist das erste Mittel bei akuten oder chronischen Kopfschmerzen nach einer Commotio oder sonstigen Kopfverletzung. Selbst wenn nicht alle Schmerzmodalitäten für Arnica sprechen, ist es sinnvoll, in jedem Fall mit Arnica zu beginnen und seine Wirkung abzuwarten, bevor an andere Verletzungsmittel gedacht wird.
Als erste Reaktion nach Verletzung (Schock) leugnet der Patient, dass ihm etwas fehlt: „Mir geht es gut.“ Lässt sich nicht untersuchen. Verfällt danach in Stupor. Ist daraus erweckbar, beantwortet Fragen korrekt, schläft gleich darauf wieder ein. Dabei rotes Gesicht, kalte Extremitäten und Hitze der oberen Körperpartie bei Kälte der unteren. Benommenheit und Schwindel bei Bewegung des Kopfes. < Erschütterung, jegliche Bewegung, geistige Anstrengung, Kälte, > Liegen besonders mit tiefliegendem Kopf, im Freien.
→Gemüt – gesund – sagt, er sei gesund – krank ist, wenn er sehr (19): apis, arn, bell, op, puls, …
→Kopf – Schmerz – Sturz, nach einem (3): arn, hyper, rhus-t
→Kopf – Verletzungen des Kopfes, nach (25): arn, cic, cocc, hell, hyos, kali-p, led, lob, nat-m, nat-s, op, rhus-t, teucr, …
→Kopf – Schmerz – liegt – Kopf – tiefliegendem, mit (13): arn, gels, hell, nux-v, spong, thuj, …
→Kopf – bohrt den Kopf in das Kissen (24): apis arn, bell, bry, hell, med, stram, tub, …
→Kopf – Schmerz – Erschütterung – jegliche Erschütterung, durch (74): arn, bell, calc-s, cocc, ferr-p, hep, lac-c, merc, phos, …
→Kopf – Schmerz – Nagel, wie durch einen – Schläfen (13): am-br, anan, arn, hep, ign, …
Hypericum perforatum
#Hypericum perforatumKopfschmerzenDas „Arnica der Nerven“. Bei Gehirnquetschung, Commotio cerebri, Schmerzen nach Lumbalpunktion, besonders bei Kopfschmerzen nach Sturz auf den Hinterkopf mit dem Gefühl, in die Luft gehoben zu werden und Angst herunterzufallen. Schmerzen < Bewegung, Berührung, Druck, nachts.
→Gemüt – Wahnideen – gehoben, sie würde (4): hyper, phos, plut-n, stront-c
→Allgemeines – Verletzungen – Beschwerden durch, chronische (12): acon, arn, carb-v, cic, con, glon, ham, hyper, led, nat-s, stram, stront-c
→Rücken – Erschütterung der Wirbelsäule (3): arn, cic, hyper
Natrium sulfuricum
Natrium sulfuricum#Natrium sulfuricumKopfschmerzen ist das wichtigste Mittel für chronische Kopfschmerzen infolge einer Kopfverletzung (Arnica ist das Akutmittel); Kopfschmerzen oder Migräne mehrere Jahre nach einem Unfall. Kopfschmerzen nach mechanischen Verletzungen, besonders, wenn sie von einer depressiven Gemütsstimmung begleitet werden. Als Folge der Verletzung sind meistens auch geistige Funktionen wie Intellekt und Gedächtnis gestört. < Nach Essen, Drandenken, Licht und Geräusche. > Druck, kalte Kompressen, im Freien, im dunklen Zimmer.
→Kopf – Schmerz – berstend – Scheitel (29): am-c, carb-an, cimic, ferr, hyper, nat-s, sil, …
→Magen – Erbrochenen, Art des – Galle – Kopfschmerzen, mit (30): bry, calc, chel, ip, iris lac-d, lept, lob, nat-s, plb, puls, sang, …
→Allgemeines – Verletzungen – Beschwerden durch, chronische (12): acon, arn, carb-v, cic, con, glon, ham, hyper, led, nat-s, stram, stront-c
→Kopf – Schmerz – begleitet von – Speichelfluss (17): dulc, merc, nat-s, op, phos, …
→Gemüt – Stumpfheit – Kopfverletzungen, nach (7): arn, cic, hell, hyper, merc, nat-s, rhus-t

Repertoriumsrubriken und homöopathische Arzneimittel bei Schulkopfschmerz

Die Rubriken gehen auf das Synthesis zurück. Bei Kindern im Schulalter besteht ein enger Zusammenhang zwischen den Kopfschmerzen und der geistigen Anspannung in der Schule bzw. der daraus resultierenden Erschöpfung.
→Kopf – Schmerz – Schulkindern, bei (19): acon, bar-c, bell, calc, calc-p, kali-p, lac-c, nat-m, ph-ac, phos, pic-ac, psor, puls, sabad, sulph, tub, tub-a, zinc, zinc-m
Barium carbonicum
#Barium carbonicumSchulkopfschmerzen#Barium carbonicumKopfschmerzenMittel für entwicklungsretardierte Kinder mit schulischer Überforderung. Versteht nicht, was der Lehrer will, traut sich nichts zu, kann nichts aufnehmen. Gedächtnisschwäche. Kopfschmerzen, als ob die Stirn auf die Augen drückt. < Sonne, Hitze, am warmen Ofen, Bücken, > frische Luft, im Freien.
→Gemüt – Studieren, Lernen – schwierig, fällt schwer (28): agar, anac, ars, bar-c, phos, …
→Kopf – lose, locker, Gefühl, als sei das Gehirn (70): ars, bar-c, carb-an, chin, hep, hyos, kali-c, lyc, nat-m, nux-m, rhus-t, spig, …
→Kopf – Schmerz – Aufrechthalten des Kopfes, beim (1): bar-c
→Kopf – Schmerz – stechend – Scheitel – Sonne, durch Aufenthalt in der (1): bar-c
→Kopf – Schmerz – drückend – Schraubstock, wie in einem (57): alum, arg-n, bar-c, cact, cocc, glon, merc, nat-m, nit-ac, plat, puls, tarent, …
→Kopf – Schmerz – Geräusche, durch – Stimmen, besonders von (3): bar-c, cact, lyss
→Gemüt – Stumpfheit – Kopfschmerzen, mit (43): bapt, bar-c, calc-p, cimic, mag-p, …
Calcium carbonicum
#Calcium carbonicumSchulkopfschmerzen#Calcium carbonicumKopfschmerzenKörperliche und geistige Anstrengung führen zu Ermüdung und Kopfschmerzen. Kopfschmerzen mit Übelkeit und dem Gefühl von Eiseskälte im Kopf. < Sonnenhitze, Kälte, feuchtkaltes Wetter, Nasswerden, Zugluft, beim Treppensteigen. > Liegen, Ruhe, Dunkelheit, Schließen der Augen.
→Kopf – Schmerz – Anstrengung, bei – körperlicher Anstrengung u. ä., bei (39): cact, calc, calc-p, epiph, nat-m, valer, …
→Kopf – Schmerz – Wetter – kaltem Wetter, bei – feuchtkaltem Wetter, bei (34): am-c, bry, calc, carb-v, dulc, glon, lach, lyc, mang, merc, mez, nux-m, nux-v, rhod, rhus-t, sil, spig, sulph, verat, …
→Kopf – Schmerz – Luft – Luftzug (37): acon, ars, calc, chin, hep, kali-c, merc, nux-v, rhus-t, sanic, sel, sil, sulph, …
→Kopf – Schmerz – wahnsinnig machender Schmerz (58): acon, anac, ars, bell, calc, cham, chin, cimic, gels, ip, kola, lyss, nat-m, nit-ac, sang, sep, spig, stram, tarent, …
Calcium phosphoricum
#Calcium phosphoricumSchulkopfschmerzen#Calcium phosphoricumKopfschmerzenHauptmittel bei Kopfschmerzen infolge geistiger Anstrengung (Calcium carbonicum eher nach körperlicher Anstrengung). Kopfschmerzen oft begleitet von Durchfall. < Druck, besonders Druck eines Hutes (Glonoinum: Kopfbedeckung ist unerträglich). Kopfschmerzen im Verlauf der Schädelnähte. Auch Mittel für Bauchschmerzen bei Klein- und Schulkindern (Nabelkoliken).
→Kopf – Schmerz – Knochennähte – Schmerz folgt dem Verlauf der (7): agar, calc-p, coloc, fl-ac, glon, kali-bi, spira
→Kopf – Schmerz – Diarrhö – mit (20): calc-p, cham, glon, iris podo, verat, zinc
→Kopf – Schmerz – Diarrhö – nach (5): ambr, bell, calc-p, hell, lil-t
→Kopf – Schmerz – Hutes, durch Druck des (27): calc-p, carb-v, crot-t, glon, lach, nit-ac, sil, valer, …
→Abdomen – Flatulenz – Kopfschmerzen, bei (2): asc-t, calc-p
Bei den Rubriken fällt auf, dass Calcium phosphoricum und Glonoinum ähnliche Kopfschmerzmodalitäten haben. Bei beiden verlaufen die Schmerzen entlang der Schädelnähte. Glonoinum hat eher Kopfschmerzen durch Hitzeeinwirkung, Calcium phosphoricum durch geistige Anstrengung.

Kasuistik

Migräne ohne Aura (IHS 1.1, ICD 10 G43.0) (Thomas Lorz)

Anamnese

Ein knapp siebenjähriger Junge kommt wegen heftiger, in den letzten Monaten immer wiederkehrender Kopfschmerzen (Migräne ohne Aura [IHS 1.1, ICD-10 G43.0]), die meistens am Nachmittag bei den Hausaufgaben auftreten. Sie werden von Durchfall und Schwindel begleitet. Er muss sich dann hinlegen und bekommt eine kalte Kompresse auf die Stirn. Die Kopfschmerzen treten besonders während Wetterwechsel auf. In letzter Zeit leidet er auch immer wieder an Rückenschmerzen und nachts manchmal an Wachstumsschmerzen. Das Lernen fällt ihm schwer. Der Junge kann nicht gut stillsitzen, braucht unbedingt Bewegung. Abends schläft er schlecht ein. Er ist schon immer ein schlechter Esser, neigt zu Durchfällen, besonders nach Obst. Er mag sehr gerne Fleisch und Wurst, liebt Salami. Bei der Untersuchung fällt eine leichte rechtskonvexe BWS-Skoliose auf.

Verordnung und Verlauf

Calcium phosphoricum in steigenden Gaben nach der Kent-Skala und zusätzlich in Abständen einige osteopathische Behandlungen führen zu einer entscheidenden Besserung der Kopfschmerzen und der Skoliose.
Kalium phosphoricum
#Kalium phosphoricumSchulkopfschmerzen#Kalium phosphoricumSchulkopfschmerzenNervöser Kopfschmerz mit Geräuschüberempfindlichkeit und Verwirrung, Kopfschmerz durch lang dauernde geistige Anstrengung, mit großer Mattigkeit, > Essen. Mittel für überempfindliche, nervöse, zarte – besonders junge – Menschen, erschöpft durch Kummer, lang dauernde anstrengende Arbeit oder sexuelle Exzesse. Geistige Erschöpfung aufgrund großer Überlastung bei Schülern und Studenten.
→Gemüt – Beschwerden durch – Erschöpfung, geistige (2): arn, kali-p
→Kopf – Schmerz – nervös (90): agar, arg-met, arg-n, ars, asaf, asar, cact, calc, cham, chin, coff, gels, ign, ip, kali-p, nat-m, nux-v, petr, ph-ac, phos, plat, puls, sep, stram, ther, thuj, valer, verat, zinc, …
→Kopf – Schmerz – nachts (132): alum, ant-t, ars, aur, bamb-a, bell, calc, calc-p, calc-s, carb-an, caust, cedr, chin, chin-ar, crot-c, hep, kali-c, kali-i, kali-p, kali-s, laur, lyc, mag-c, merc, merc-c, mez, nit-ac, phos, phyt, sil, sulph, syph, thuj, …
Lac caninum
#Lac caninumSchulkopfschmerzen#Lac caninumKopfschmerzenKopfschmerz auf wechselnden Seiten. Schulkopfschmerzen mit Legasthenie oder Konzentrationsstörung. Erhöhte Ablenkbarkeit und Vergesslichkeit. Rascher Wechsel der Beschwerden.
→Kopf – Schmerz – Seiten – abwechselnde Seiten (35): aur-m-n, iris, lac-c, nux-v, phos, …
→Kopf – Schmerz – Stirn, in der – Augen – über den Augen – abwechselnde Seiten (5): irid-met, iris, lac-c, lil-t, sal-fr
→Allgemeines – Veränderung, Wechsel – Symptome, Wechsel der – ständig (21): ign, kali-bi, kali-s, lac-c, mang, puls, tub, …
→Schwindel – Schweben, als würde er (50): calc-ar, euon, hyper, lac-c, lach, manc, mez, nux-m, op, sep, sulph, valer, …
Natrium muriaticum
#Natrium muriaticumSchulkopfschmerzen#Natrium muriaticumKopfschmerzenSehr wichtiges Kopfschmerz- und Migränemittel. Schulkopfschmerzen. Charakter ernst, korrekt und pflichtbewusst. Verschlossen auch gegenüber den Eltern. Kopfschmerz hämmernd, als ob tausend kleine Hämmerchen auf das Gehirn schlagen. Wahnsinnig machende Kopfschmerzen.
Migräne beginnt mit Flimmern vor den Augen, mit teilweiser Blindheit, mit vorübergehendem Verlust der Sehfähigkeit (Migräne mit Aura).
Kopfschmerzen morgens im Bett, steigen und fallen mit der Sonne. < morgens um 10:00 Uhr, beim Erwachen, Sonne, Wärme, Licht, Geräusche und Gerüche, Bewegen des Kopfes oder der Augen, geistige Anstrengung, Erschütterung, Husten. > Kalte Luft, kaltes Wasser, Schwitzen, Hinlegen, Hinsetzen.
→Kopf – Schmerz – vormittags – 10:00 Uhr (10): apis, aran, ars, borx, cimic, gels, nat-m, nicc, sil, thuj
→Kopf – Schmerz – periodisch – Tag – jeden Tag (33): ars, bell, nat-m, nux-m, nux-v, sil, …
→Kopf – Schmerz – hämmernd (54): am-c, ars, bell, chin, chinin-s, cocc, coff, cur, ferr, ferr-ar, glon, hep, lach, nat-m, psor, sil, sulph, tarent, …
→Kopf – Schmerz – hämmernd – morgens (2): colch, nat-m
→Sehen – Flimmern, Flackern – Kopfschmerzen, vor (11): aran, aur-m-n, graph, iris nat-m, plat, psor, sars, sep, sulph, ther
→Sehen – Flimmern, Flackern – Kopfschmerzen – während (14): caps, chin, chinin-ar, chinin-s, coloc, con, cycl, graph, lach, nat-m, phos, sars, sep, sulph, ther
→Sehen – Verlust des Sehvermögens – Kopfschmerzen – Beginn der, zu (3): kali-bi, nat-m, sars
→Kopf – Schmerz – Schweiß – amel. (19): ars, bry, nat-m, sulph, thuj
Phosphoricum acidum
#Phosphoricum acidumSchulkopfschmerzen#Phosphoricum acidumKopfschmerzenZuerst geistige Erschöpfung, später körperliche (bei Muriaticum acidum umgekehrt). Verliert jegliches Interesse, Null-Bock-Mentalität. Jugendliche, die zu schnell wachsen (Wachstumsschmerzen), sich körperlich und geistig übernehmen, durch akute Krankheit, anhaltende Exzesse oder lang dauernden Kummer belastet sind. Starke Kopfschmerzen, am Scheitel nach innen drückend; Schläfenschmerzen, als ob die Schläfen zusammengepresst würden, < geistige Anstrengung, Augenanstrengung (nat-m), Erschütterung, Lärm, > Wärme, Liegen, Ruhe, Alleinsein.

„Wir haben in Acid. phosphoricum ein Mittel gegen Kopfschmerz der Schüler, besonders der zu schnell wachsenden, und es ist eine Versündigung, solche jungen Leute zu schweren Studien anzuhalten; und wenn es auch richtig ist, dass die Jugend die Zeit für die geistige Ausbildung ist, so ist es ebenso wahr, dass in diesem Lebensalter eine zu große Anspannung in diese Richtung einen Geist völlig zugrunde richten und für immer unfähig machen kann, der bei mehr Zeit und Sorgfalt für die Welt ein Segen hätte werden können.“

(Nash)

→Gemüt – Stumpfheit – Denken – lange denken, kann nicht (20): bar-c, gels, kali-p, ph-ac, phos, pic-ac, …
→Allgemeines – Längenwachstum, zu schnelles (15): calc, calc-p, ph-ac, phos, sil, …
→Kopf – Schmerz – Anstrengung, bei – Augen – der (48): agar, aur, aur-m-n, borx, cact, calc, carb-v, caust, cimic, cina ham, kali-c, lyc, nat-c, nat-m, nat-p, onos, ph-ac, phos, rhod, rhus-t, ruta sil, spong, tub, …
→Kopf – Schmerz – Kummer, durch (10): aur, calc, ign, ph-ac, phos, puls, staph, …
Phosphorus
#PhosphorusKopfschmerzen#PhosphorusKopfschmerzenKopfschmerzen begleitet von visuellen Veränderungen: Lichtblitze, Flackern, Flecken vor den Augen (Migräne mit Aura). < Wärme, Hitze, im warmen Raum, durch warme Getränke und warme Speisen, unangenehme Gerüche (Autoabgase, Tabakrauch, Chlorwasser), Auslassen einer Mahlzeit, vor Gewitter.
→Kopf – Schmerz – periodisch – Tag – zweiten Tag, jeden (17): alum, ambr, cedr, phos, sulph, …
→Kopf – Schmerz – nüchtern, wenn (38): adam, cist, kali-c, lyc, phos, sang, sil, sulph, …
→Kopf – Schmerz – Schlaf – nach – amel. – guten Schlaf, durch einen (3): epiph, phos, sep
→Kopf – Schmerz – warm – Speisen, warme – agg. (6): arum-t, mag-c, phos, puls, sulph, …
→Kopf – Schmerz – Gewitter, vor (10): nat-c, phos, rhod, sep, sil, …
→Kopf – Schmerz – Gerüche – kräftig, durch (22): aur, bell, coff, colch, ign, lyc, phos, sil, sulph, …
Picricum acidum
#Picricum acidumSchulkopfschmerzen#Picricum acidumKopfschmerzenGeistige Erschöpfung bei Schülern, Studenten und Geschäftsleuten. Aufregung, geistige Anstrengung oder Überarbeitung führen zu Kopfschmerzen und verursachen Brennen entlang der Wirbelsäule. Kopfschmerzen im Hinterkopf, die sich zum Nacken erstrecken.
> Kalte Luft, kaltes Baden oder Waschen, körperliche und geistige Anstrengung, Lernen, Lesen, Bewegung, nasses Wetter; < festes Einbinden des Kopfes.
→Gemüt – Erschöpfung, geistige – Kopfschmerzen, während (2): med, pic-ac
→Gemüt – Erschöpfung, geistige – Lesen, durch (4): aur, kali-p, pic-ac, sil
→Allgemeines – Schwäche – Kopfschmerz – durch (18): calc, gels, glon, pic-ac, sil, …
→Kopf – Schmerz – Hinterkopf – erstreckt sich zu – Rücken hinab, den (16): aeth, cocc, kali-br, nat-m, pic-ac, sang, sep, stry, …
→Kopf – Schmerz – Hinterkopf – erstreckt sich zu – Kopf (17): chin, gels, glon, mez, pic-ac, puls, sil, …
→Kopf – Schmerz – Binden – Kopfes, des – amel. (36): arg-met, arg-n, calc, hep, mag-m, puls, sil, …
Pulsatilla pratensis
#Pulsatilla pratensisSchulkopfschmerzen#Pulsatilla pratensisKopfschmerzenSchmerzen wechseln ständig den Ort. < Sonne, im warmen Raum, Überessen, Eiscreme, fette Speisen, Fleisch, rechte Seite, Ruhe, > im Freien, langsames Gehen, Kälte, kalte Packungen (sil > Wärme).
→Sehen – Trübsichtigkeit, trübes Sehen – Kopfschmerz – während (46): arg-n, ars, bell, caust, cycl, iris nat-m, petr, phos, psor, puls, sil, stram, sulph, zinc, …
→Kopf – Schmerz – fette Speisen, durch (11): ant-c, carb-v, colch, cycl, ip, nat-c, nat-m, puls, sang, sep, thuj
→Kopf – Schmerz – Fleisch, nach (4): caust, pin-con, puls, staph
→Kopf – Schmerz – Bewegung, bei – amel. (72): agar, ars, caps, iris lac-h, lyc, mur-ac, nux-m, puls, rhod, rhus-t, valer, …
→Kopf – Schmerz – Menses – nach – Aussetzen der Menses, beim (7): bry, carb-v, glon, lach, naja nit-ac, puls
→Kopf – Schmerz – Gehen – langsamem Gehen, bei – amel. (10): agar, cocc-c, eup-per, ferr, kali-p, lyc, mur-ac, puls, sep, visc
→Kopf – Schmerz – Binden – Kopfes, des – amel. (36): arg-met, arg-n, calc, hep, mag-m, puls, sil, …
Sabadilla
#SabadillaSchulkopfschmerzen#SabadillaKopfschmerzenGehört zu den Mitteln bei Schulkopfschmerzen. Kopfschmerzen mit Schnupfen und bei Wurmbefall. Lokalisation in der rechten Stirn mit Ausbreitung zur linken Seite.
→Kopf – Schmerz – Stirn, in der – rechte Seite – erstreckt sich zu – linke Seite (10): acet-ac, aesc, aeth, ign, iris, sabad, …
Silicea
#SiliceaSchulkopfschmerzen#SiliceaKopfschmerzenKopfschmerzen begleitet von Übelkeit und Schwindel. Periodische Kopfschmerzen. Kopfschmerzen in der Stirn über den Augen manchmal mehrere Tage hintereinander. < Kalte Luft, Zugluft, Entblößen des Kopfes, geistige Anstrengung. > Hitze, Druck, festes Einwickeln des Kopfes, Liegen im Dunkeln.
→Kopf – Schmerz – Stirn, in der – Augen – über den Augen (220): lac-c, nux-v, puls, sil, spig, …
→Kopf – Schmerz – Stirn, in der – pulsierend (86): bell, ferr, glon, lac-c, lac-d, lyc, puls, sil, …
→Kopf – Schmerz – Hinterkopf – erstreckt sich zu – Stirn – Wellen, in (1): sil
→Kopf – Schmerz – periodisch – Tag – jeden Tag (33): ars, bell, nat-m, nux-m, nux-v, sil, …
→Kopf – Schmerz – Schließen der Augen – amel. (33): acon, bell, bry, calc, chel, ign, nux-v, sep, sil, spig, sulph, …
→Kopf – Schmerz – Auftreten, beim – Fehltritt (12): bar-c, bry, puls, sil, spig, …
→Sehen – Trübsichtigkeit, trübes Sehen – Kopfschmerz – nach (2): lach, sil
Sulphur
#SulphurKopfschmerzen#SulphurSchulkopfschmerzenKopfschmerzen durch geistige Anstrengung, durch Fasten, durch zu langes Schlafen, immer am Wochenende, bei Entspannung. Wie Natrium muriaticum kann Sulphur hämmernde Kopfschmerzen haben, meist aber eher brennender Schmerzcharakter. Begleitende Sehstörungen (Migräne mit Aura). < Bücken, Licht, Erschütterung, Essen, Trinken v. a. warmer Getränke.
→Kopf – Schmerz – brennend – Scheitel (47): aur, bry, calc, calc-p, carb-v, con, crot-c, glon, graph, lach, nat-m, ph-ac, phos, sulph, …
→Kopf – Schmerz – Gerüche – kräftig – durch (22): aur, bell, coff, colch, ign, lyc, phos, sil, sulph, …
→Kopf – Schmerz – Gerüche – Eiern, von (1): sulph
→Allgemeines – Schlaf – langer Schlaf agg. (35): calc, caust, con, euphr, graph, hep, lach, nux-v, stram, sulph, …
→Kopf – Schmerz – Getränke – warme Getränke – agg. (5): arum-t, phos, puls, sulph, ter
→Kopf – Schmerz – periodisch – Woche – jede Woche – Sonntag, am (2): stann, sulph
→Kopf – Schmerz – periodisch – Woche – zwei Wochen, alle (15): ars, chel, ign, sulph, tub, …
Zincum metallicum
#Zincum metallicumKopfschmerzen#Zincum metallicumSchulkopfschmerzenGeistige Erschöpfung durch übermäßiges Studieren. Nervöses Gefühl in den Füßen, die dauernd bewegt werden. Kopfschmerzen > kaltes Waschen, frische Luft, festen Druck, im Zimmer, Wärme, durch Alkohol, besonders durch Wein. Nebliges Sehen bei den Kopfschmerzen (Migräne mit Aura). Nervöse Kopfschmerzen, Kopfschmerzen an einer kleinen Stelle.
→Kopf – Bewegungen des Kopfes – Rollen des Kopfes – Kopfschmerz – während (2): gels, zinc
→Kopf – Schmerz – Wein, durch (41): ars, calc, carb-an, carb-v, gels, led, nat-c, nux-v, ox-ac, ran-b, rhod, sel, sil, zinc, …
→Kopf – Schmerz – Stelle, Schmerz an einer kleinen (48): kali-bi, kalm, phos, psor, sang, spig, sulph, zinc, …

Homöopathische Arzneimittel bei miasmatischer Kopfschmerzbehandlung

Bacillinum
MiasmenKopfschmerzbehandlung miasmatischeEbenfalls eine Tuberkulose-Nosode. Chronische Kopfschmerzen wie durch einen einschnürenden Reifen oder Kopfschmerzen tief im Schädelraum. Kopfschmerzen beim Schütteln des Kopfes. Schulkopfschmerzen. Furcht vor Katzen und Hunden. Beim Essen Abneigung gegen Hühnchen. Obstipation bei Kleinkindern.
→Allgemeines – Familiengeschichte von – Tuberkulose (13): bac, carc, phos, tub, tub-ro, …
→Auge – Hautausschläge – Lidern, an den – Ekzem (11): bac, graph, mez, sil, tub, …
→Kopf – Zusammenschnürung – Band oder Reifen, wie ein (107): bac, gels, spig, sulph, tub, …
Beim Vergleich zwischen Tuberculinum und Bacillinum#BacillinumKopfschmerzen finden sich viele Ähnlichkeiten. Bei Bacillinum fehlen die Periodizität und die Sehstörungen (Diplopie, Trübsichtigkeit, Farbensehen). Tuberculinum-Kinder sind unruhig, schwierig im Verhalten, zerstören mutwillig Spielzeug. In den entsprechenden Rubriken findet sich Bacillinum nicht. Bacillinum knirscht etwas weniger mit den Zähnen im Schlaf. Es hat im Gegensatz zu Tuberculinum eine Fettabneigung, kein Verlangen nach kalter Milch und eine Abneigung gegen Hühnchen (nat-m, sulph).
Psorinum
#PsorinumKopfschmerzenPassend für die psorische Konstitution. Wenn gut gewählte Mittel nicht helfen oder nicht dauerhaft bessern. Blasse, kränkliche, zarte Kinder. Migräne mit kälteempfindlichem Kopf. Flimmern, Trübsehen, Fleckensehen, Farbensehen vor den Kopfschmerzen (Migräne mit Aura). Kopfschmerzen begleitet von Heißhunger > Essen. Kopfschmerzen nach unterdrückten Hautausschlägen oder unterdrückter Menses, > Nasenbluten.
→Allgemeines – Beschwerden – akut – wiederkehrend – begleitet von – Lebenswärme, Mangel an (1): psor
→Kopf – Schmerz – Hautausschläge, unterdrückte (8): ant-c, bry, kali-ar, lyc, mez, nux-m, psor, sulph
→Magen – Appetit – vermehrt – Kopfschmerz, vor (6): calc, dulc, phos, psor, sep
→Magen – Appetit – vermehrt – Kopfschmerz, mit (22): ars, kali-c, phos, psor, sep, …
→Kopf – Schmerz – Nasenbluten, nach – amel. (26): alum, ant-c, meli, psor, sil, …
→Kopf – Schmerz – Essen, beim – amel. (30): anac, chin, lach, lith-c, lyc, …
→Sehen – Flimmern, Flackern – Kopfschmerzen, vor (11): aran, aur-m-n, graph, nat-m, plat, psor, sars, sep, sulph, ther
→Sehen – Flecken – Kopfschmerz, vor (1): psor
Tuberculinum
#TuberculinumKopfschmerzenWichtiges Kindermittel. Passend für Familien mit anamnestischer Tbc-Erkrankung. Wird bei Befragung anfangs oft negiert, bei nochmaliger genauer Nachfrage nach älteren Familienangehörigen im Nachhinein doch bestätigt.
Zarte schwächliche Kinder, besonders in den Wintermonaten ständig erkältet. Nachtschweiß (patschnass geschwitzt, oft nächtliches Umziehen nötig). Schlechte Esser. Launenhafter Appetit. Verlangen nach kalter Milch, Eiscreme, Speck, Schinken, Salami. Starker Haarwuchs, oft dunkle Haare entlang der Wirbelsäule. Ausdrucksvolle Augen mit langen gebogenen Wimpern. Schöne Menschen. Bläuliche Skleren. Schlafen auf dem Bauch. Als Kinder oft Knie-Ellenbogen-Lage. Nächtliches Zähneknirschen, Schreien im Schlaf. Pavor nocturnus (sehr häufig tub). Schlafen unruhig. Treten im Schlaf mit den Füßen.
Hyperaktive Kinder. Starkes Verlangen, nach draußen zu gehen. Verlangen nach Abwechslung. Bleiben nicht lange bei einer Sache. Verlangen zu reisen. Können sehr böse sein. Zerbrechen mutwillig die Lieblingsvase ihrer Mutter. Machen mutwillig Spielzeug kaputt. Schlagen andere Kinder. Schlagen mit dem Kopf auf den Boden. Werfen im Zorn mit Gegenständen. Werfen sich auf den Boden, strampeln vor Wut. Angst vor Hunden. Katzenhaarallergie. Meistens besondere Beziehung zu Katzen positiver oder negativer Art (bei Erwachsenen stärker ausgeprägt als bei Kindern).
Für die Kopfschmerzen, die insbesondere Schulkinder betreffen, und die oft chronisch über Jahre verlaufen, ist periodisches Auftreten jede Woche oder alle zwei Wochen charakteristisch. Heftige Kopfschmerzen, zum „Verrücktwerden“, zum „Haareausraufen“. Schlägt den Kopf mit den Fäusten oder schlägt mit dem Kopf gegen die Wand. Kopfschmerzen wie von einem Eisenband um den Kopf. Kopfschmerzen begleitet von Sehstörungen. < Überessen (puls), < feucht-kaltes Wetter. Tuberculinum ist nie Mittel der ersten Wahl. Es ist indiziert, wenn der Kopfschmerz schon längere Zeit besteht, wenn gut gewählte Mittel keinen oder nur kurzfristig Erfolg bringen, und wenn mindestens drei Symptome das Mittel anzeigen.
→Kopf – Zusammenschnürung – Band oder Reifen, wie ein – Eisenband, wie ein (5): acon, fuc, juni-v, tab, tub
→Kopf – Schmerz – chronisch (25): alum-sil, ars, caust, nat-m, ph-ac, phos, psor, sil, sulph, tub, zinc, …
→Kopf – Schmerz – periodisch (80): aeth, alum, anac, apis ars, ars-i, aur-m-n, cact, calc, carb-v, cedr, chin, chinin-s, coloc, ferr, ferr-ar, ign, kali-ar, kreos, lach, lyc, nat-ar, nat-m, nit-ac, nux-v, phos, puls, rhus-t, sang, sel, sep, sil, spig, stram, sulph, tub, …
→Kopf – Schmerz – periodisch – Woche – zwei Wochen, alle (15): ars, calc, ferr, chel, psor, puls, sang, sulph, tub, …
→Sehen – Trübsichtigkeit, trübes Sehen – Kopfschmerz – während (46): arg-n, ars, bell, caust, cycl, iris nat-m, petr, phos, psor, puls, sil, stram, sulph, tub, zinc, …
→Kopf – Schmerz – Essen – nach – Überessen, nach (6): coff, nux-m, puls, sang, tub
→Kopf – Schmerz – Wetter – kaltem Wetter, bei – feuchtkaltem Wetter, bei (34): bry, calc, dulc, glon, merc, nux-m, nux-v, rhod, rhus-t, sulph, tub, …

Kasuistiken

Kasuistik

Migräne mit Aura (ICH 1.2, ICD-10 G43.1) (Thomas Lorz)

Anamnese

Die 16-jährige Patientin leidet an Migräne mit Aura. Beide Eltern haben ebenfalls Migräne. Die Patientin zeigt folgende Symptome: Kopfschmerzen 1–2-mal pro Monat seit dem 14. Lebensjahr. 20 Minuten vor den Kopfschmerzen bestehen Unwohlsein, Übelkeit, Flimmerskotome und Gesichtsfeldausfall rechts. Die halbseitigen pulsierenden Kopfschmerzen treten überwiegend links auf und werden von Harndrang, Lichtempfindlichkeit, Ruhebedürfnis und Schüttelfrost begleitet. Druck bessert. Gehäuftes Auftreten der Kopfschmerzen vor den Menses. Während der Kopfschmerzepisode depressive Verstimmung mit häufigem Weinen und großem Leidensdruck.

Rubriken

→Gemüt – Traurigkeit – Kopfschmerzen, bei – während (43): agar, agn, arg-n, dulc, guar, lac-d, plb, puls, sars, sep, ter, …
→Gemüt – Weinen – Kopfschmerzen, mit (19): coff, kali-c, lac-d, phos, sep, …
→Kopf – Schmerz – begleitet von – Schüttelfrost (2): bamb-a, lac-d
→Kopf – Schmerz – Druck; äußerlicher – amel. (112): am-c, bell, bry, ferr, lac-d, lach, mag-m, mag-p, nat-m, sep, stann, sulph, …
→Kopf – Schmerz – Menses – vor (99): acon, bell, bry, gels, lac-d, …
→Gesicht – Farbe – blass – Kopfschmerzen, mit (34): alum, ars, carb-v, lac-d, phos, sep, stram, verat, zinc, …
→Blase – Urinieren – häufig – Kopfschmerzen, mit (10): bell, gels, ign, lac-d, verat, …

Verordnung und Verlauf

Die ausgeprägte Traurigkeit, der Harndrang und der Schüttelfrost während der Kopfschmerzepisoden sprechen für Lac defloratum. Die übrigen Symptome, wie der Halbseitenkopfschmerz mit Übelkeit, die Lichtempfindlichkeit und das Ruhebedürfnis, sind pathognomonisch und haben keine besondere Bedeutung für die Wahl des homöopathischen Arzneimittels. Nach Gabe von Lac defloratum M war zunächst keine Abnahme der Attackenfrequenz zu verzeichnen, allerdings bestand keine Aurasymptomatik mehr und die Kopfschmerzen hatten eine deutlich geringere Intensität. Weiterbehandlung mit Lac defloratum in aufsteigenden Q-Potenzen. Seitdem Abnahme der Kopfschmerzintensität und der Attackenfrequenz um ca. 80 %. Eine zwischenzeitliche Zunahme der Kopfschmerzattacken konnte durch eine Dosiserhöhung (tgl. 2 × 3 Tr.) behoben werden. Nach Potenzwechsel weitere Besserung bislang keine Aurasymptomatik und nahezu keine Fehltage mehr (Nachbeobachtungszeit: zwei Jahre).

Kasuistik

Migräne ohne Aura (IHS 1.1, ICD 10 G43.0) (Thomas Lorz)

Anamnese

Ein zehnjähriger Junge kommt wegen Kopfschmerzen, Schulangst und morgendlichem Erbrechen. Die Beschwerden begannen in den Sommerferien kurz vor dem Übertritt ins Gymnasium. Mit Schulbeginn deutliche Aggravation der Kopfschmerzen. Morgendliche Übelkeit, kann nichts herunterbringen. Soll auf Wunsch seiner Mutter wenigsten etwas warme Milch trinken, erbricht er diese kurze Zeit später. Im Laufe des Schulunterrichts erneute Übelkeit, Kopfschmerzen bei Anstrengung der Augen und bei geistiger Anstrengung. Wird nach Anruf seines Lehrers meistens um 10:00 Uhr vormittags nach Hause geholt. Nach ein paar Stunden Schlaf versucht die Mutter, mit ihm gemeinsam Hausaufgaben zu machen, was wieder zu Kopfschmerzen und Erschöpfung führt.
Nach Häufung der Fehlzeiten in der Schule erhöht sich der Druck von Seiten der Schule und seitens der Eltern. Der sensible Junge kann abends nicht mehr alleine einschlafen, er möchte am liebsten bei den Eltern schlafen.

Verordnung und Verlauf

Viele Symptome sprachen für Phosphorus, das von Januar bis Mai dreimal als C200 verabreicht wird. Der Mutter wird zusätzlich empfohlen, ihrem Jungen morgens kalte (!) Milch zu trinken zu geben. Danach Besserung der Übelkeit, der Junge geht wieder ohne Probleme zur Schule. Dann jedoch immer stärkere Müdigkeit und Lustlosigkeit. Er sei bereits müde, wenn er morgens aufstehe. Die Schule ermüdet ihn, und er bekommt Kopfschmerzen von der Anstrengung. Nach der Schule ist er so erschöpft, dass er einen Mittagsschlaf braucht.
Erneute Repertorisation und Suche nach dem passenden Mittel. Wirksam war Phosphoricum acidum, das erstmalig im August als C200 gegeben wurde. Wiederholung fünf Monate später wegen diverser Ängste sowie nach weiteren vier Monaten Anfang Juli in Zusammenhang mit einem Magen-Darm-Infekt, der ihn sehr erschöpfte.
Nach weiteren sieben Monaten, im Februar des Folgejahres, grippaler Infekt mit Fieber, Kopfschmerzen, Entkräftung, blauen Augenringen. Erneute Gabe von Phosphoricum acidum C200. September: Fühlt sich schwach, wächst stark. Phosphoricum acidum M. Gute Wirkung. Das Mittel wird nach 18 Monaten wiederholt. Die letzte Gabe bekam er nach einem grippalen Infekt, von dem er sich zunächst nicht erholte. Nachzutragen bleibt, dass er schulisch erfolgreich ist und voraussichtlich in zwei Jahren sein Abitur ablegen wird. Seine derzeitige Größe beträgt 1,98 Meter.

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J.H. Clarke Der Neue Clarke – Eine Enzyklopädie für den homöopathischen Praktiker, übers. von Peter Vint 1994 Silvia Stefanovic Bielefeld

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Weblinks

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Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft ( http://www.dmkg.de/start ) (abgerufen am 22.6.2016)

Classification ICHD-, 2016

IHS Classification ICHD-II ( http://www.ihs-klassifikation.de ) (abgerufen am 22.6.2016)

Krampfanfälle und Epilepsie

Thomas Lorz

Kasuistiken:

Michael M. Hadulla

Olaf Richter

Stefanie Sartorius

Grundlagen

Definition
Von einer EpilepsieKrampfanfälleEpilepsie spricht man beim wiederholten Auftreten von spontanen epileptischen Anfällen. Epileptische Anfälle beruhen auf einer plötzlichen, zeitgleichen Erregbarkeitssteigerung von Hirnzellen. Die Symptomatik hängt von der Größe der betroffenen Region ab. Sie reicht von nur wenige Sekunden dauernden Aussetzern (Absencen) über Abläufe mit Zuckungen einer Extremität bis hin zu komplexeren Bewegungs- und Bewusstseinsphänomenen und zu klassischen tonisch-klonischen Anfällen. Bei einem vom gesamten Hirn (generalisierten) ausgehenden tonisch-klonischem Anfall kommt es zunächst zu einer Verkrampfung und dann zu Zuckungen des gesamten Körpers mit Bewusstseinsverlust. Wenn die Anfälle von einer bestimmten Region des Gehirns ausgehen, spricht man von fokalen Anfällen. Dabei kann es zu diversen Symptomen wie umschriebenen Zuckungen eines Körperteils, zu Missempfindungen und auch zu einer Bewusstseinseinschränkung kommen. Auren sind bereits Teil des Anfalls oder der Anfall selbst und bestehen aus subjektiven Phänomenen (begrenzter Anfall mit psychischen, kognitiven oder sensorischen Sensationen).

Ätiologie

Epilepsien und die damit verbundenen Anfälle haben eine Vielzahl von Ursachen. Diese reichen von genetischen Dispositionen (z. B. Ionenkanal- oder Transmitterrezeptormutation) über verschiedene Stoffwechseldefekte, angeborene und perinatal erworbene Hirnmissbildungen/-schäden, über z. B. Entzündungs- und Traumafolgen bis hin zu Hirntumoren, vaskulären Läsionen, tuberöser Sklerose.
Die Einteilung der Anfälle erfolgt nach der Internationalen Klassifikation epileptischer Anfälle (Commission on Classification and Terminology of the International League against Epilepsy, 1981).
Fokale Anfälle
  • Einfach-fokale Anfälle Epilepsie fokale Anfälle :

    • Mit motorischen Symptomen (Symptome, die mit Bewegung einhergehen)

    • Mit somatosensorischen oder spezifisch-sensorischen Symptomen (Symptome, die mit Wahrnehmungs- oder Empfindungsstörungen einhergehen, z. B. Kribbeln, Lichtblitze)

    • Mit autonomen Symptomen (Symptome, die mit Empfindungsstörungen einhergehen, die dem autonomen Nervensystem zugeordnet werden können, z. B. Schweißausbruch, Erröten)

    • Mit psychischen Symptomen (z. B. Angst, Halluzinationen)

  • Komplex-fokale Anfälle:

    • Einfach-fokaler Beginn mit nachfolgender Bewusstseinseinschränkung

    • Mit Bewusstseinseinschränkung zu Anfallsbeginn

  • Fokale Anfälle mit Übergang in generalisierte tonisch-klonische Anfälle (GTKA):

    • Einfach-fokal mit Übergang in GTKA

    • Komplex-fokal mit Übergang in GTKA, initiale einfach-fokale Phase möglich

Generalisierte Anfälle
  • Epilepsie generalisierte Anfälle Absencen:

    • Nur Bewusstseinsstörung

    • Bewusstseinsstörung mit milden klonischen Komponenten

    • Bewusstseinsstörung mit atonischen Komponenten

    • Bewusstseinsstörung mit tonischen Komponenten

    • Bewusstseinsstörung mit Automatismen

    • Bewusstseinsstörung mit vegetativen Komponenten

  • Atypische Absencen:

    • Ausgeprägtere Tonusveränderungen als bei den einfachen Absencen

    • Kein abrupter Anfang oder Schluss

  • Myoklonische Anfälle (Myoklonie = kurze Muskelzuckung):

    • Klonische Anfälle (klonisch = länger andauernde rhythmische Muskelzuckungen)

    • Tonische Anfälle (tonisch = Muskelanspannung)

    • Tonisch-klonische Anfälle

    • Atonische Anfälle (atonisch = Verlust der Muskelspannung)

Nicht eindeutig klassifizierbare epileptische Anfälle
Dazu zählen alle Anfälle, die aufgrund unzureichender oder unvollständiger Daten nicht klassifiziert werden können. Auch manche Anfälle bei Neugeborenen wie z. B. rhythmische Augenbewegungen, Kauen und Schwimmbewegungen werden hier eingeordnet.
Idiopathische, symptomatische und kryptogene Epilepsieformen
  • Idiopathische Anfälle bzw. Epilepsien Epilepsieidiopathische Anfällesind solche, die – mit Ausnahme von einer erblichen Komponente mit überzufällig häufigen Epilepsien bei den Eltern oder sonstigen Angehörigen – ohne erkennbaren Grund auftreten und sich nicht aus anderen Anfallsformen oder Epilepsien entwickeln. Außerdem sind idiopathische Epilepsien durch ein altersabhängiges Auftreten mit deutlicher Bevorzugung der Kindheit und Jugend und typischen EEG-Veränderungen gekennzeichnet. Beispiele sind Absence-Epilepsien bei Kindern und Jugendlichen, die juvenile myoklonische Epilepsie und Epilepsien mit primär generalisierten tonisch-klonischen Anfällen oder Aufwach-Grand-Mal-Epilepsien.

  • Ursache symptomatischer Anfälle bzw. Epilepsiesymptomatische AnfälleEpilepsien sind nachweisbare oder zumindest sehr wahrscheinliche krankhafte Veränderungen im Gehirn wie schwere Kopfverletzungen, Hirntumoren, Schlaganfälle oder Blutungen. Auch längere Zeit zurückliegende Hirnschäden wie Geburtskomplikationen mit darauf beruhenden geistigen oder körperlichen Behinderungen unterschiedlichen Ausmaßes können epileptische Anfälle auslösen. Bis auf wenige Ausnahmen sind alle fokalen Anfälle in diese Gruppe einzuordnen.

  • Als kryptogene Anfälle (griech. κρυπτɛĩν: verbergen) Epilepsiekryptogene Anfällewerden Störungen bezeichnet, deren Ursache zwar im Verborgenen liegt, für die man aber Grund zur Annahme hat, dass sie früher oder später zu den symptomatischen Formen gehören werden.

Diagnostik

Elektroenzephalogramm (EEG)
EpilepsieDiagnostikIm normalen, entspannten Wachzustand besteht die mehr oder weniger regelmäßige Wellenfolge bei den meisten Menschen aus acht- bis zwölfmal pro Sekunde auftretenden sogenannten Alphawellen. Die schnelleren sogenannten Betawellen sind meist Zeichen einer Medikamenteneinnahme, die langsameren sogenannten Theta- und Deltawellen kommen normalerweise nur bei starker Müdigkeit und im Schlaf vor.
Bei Menschen mit Epilepsien können neben dieser Hintergrundaktivität zusätzliche kurze EEG-Zacken auftreten, die als epileptiforme, epileptogene oder manchmal auch als epilepsiespezifische EEG-Veränderungen bezeichnet werden. Bei nicht eindeutigen Befunden dienen Hyperventilation und Photostimulation sowie das Schlafentzugs-EEG und das Schlaf-EEG als Provokationsmethoden.
Ein während eines Anfalls abgeleitetes EEG kann fast immer klären, ob ein epileptisches Geschehen vorgelegen hat. Auch zwischen Anfällen abgeleitete EEGs können wichtige Hinweise geben, wenngleich diese weniger eindeutig sind. Das EEG ist bei epileptischen Anfällen das aussagekräftigste Instrument. Im Kindesalter sollte es möglichst eine Schlafphase beinhalten. Das Einbeziehen einer Schlafphase sowie der Provokationsmechanismen Photostimulation und Hyperventilation verdoppelt die Sensitivität einer EEG-Ableitung im Kindesalter. Einige der frühkindlichen generalisierten Epilepsiesyndrome zeigen erst spät epilepsietypische Potenziale im EEG.
Die höchste Sensitivität haben EEG-Ableitungen in den ersten 24 Std. nach dem Anfall. Wichtig ist es fest zu halten, dass ca. 3 % der gesunden Kinder im Ruhe-EEG epilepsietypische Potenziale zeigen. Nach einem ersten unprovozierten Anfall unklarer Ätiologie hatten Kinder mit einem auffälligen EEG in ca. 55 % ein Anfallsrezidiv (Shinnar 1996). Kinder mit einem normalen EEG in nur ca. 25 % der Fälle. Weil EEG-Ableitungen während eines Anfalls nur selten gelingen, stützt sich die Diagnose einer Epilepsie oft auf die Beschreibungen der Anfälle durch die Betroffenen oder Augenzeugen.
Computertomografie (CT) und Kernspintomografie (MRT)
Die zerebrale Computertomografie hat die ätiologische Diagnostik der symptomatischen Epilepsien durch den Nachweis morphologischer Läsionen bis zu wenigen Millimeter Durchmesser erheblich verbessert. Durch die Entwicklung der Kernspintomografie konnte eine weitere Optimierung der Bildgebung erreicht werden. Ein MRT ist einem CT praktisch immer überlegen und sollte bei jeder Erstmanifestation einer Epilepsie erfolgen. Vor allem kleine Läsionen wie z. B. Gliosen und insbesondere die Ammonshorn-Sklerose mediobasaler Temporallappenanteile oder kleinere Tumoren bzw. Migrationsstörungen wurden vor Anwendung des MRT häufig nicht erfasst.
Entwickelt sich eine chronische Epilepsie, sollte bei fehlender Auffälligkeit (kryptogene Epilepsie) das MRT in mehrjährigen Abständen, unter Umständen auch in einer speziellen Einrichtung wiederholt werden, da die chirurgische Therapie von Läsionen die Prognose des Patienten verbessert. In den ersten zwei Lebensjahren ist die Sensitivität des MRT aufgrund der noch nicht abgeschlossenen Myelinisierung des Gehirns eingeschränkt.
Laboruntersuchungen
Laboruntersuchungen (Liquordiagnostik) nach dem ersten Anfall dienen bei entsprechendem Verdacht (Enzephalitis etc.) der Diagnostik der anfallsauslösenden Grunderkrankung. Unter den Laborparametern ist lediglich die Kreatinkinase (CK) hilfreich bei der Frage der Einordnung eines Ereignisses als epileptisch (tonisch-klonischer Grand mal). 24–48 Stunden nach einem Grand mal können sich CK-Erhöhungen von bis zu > 1000 U/l zeigen. Eine Blutentnahme zur Bestimmung von Blutzucker, Natrium, Kalzium und Magnesium ist bei Neugeborenen und Säuglingen nach einem ersten epileptischen Anfall immer erforderlich. Bei älteren Kindern, die nach einem ersten epileptischen Anfall zum Zeitpunkt der Vorstellung noch nicht das Bewusstsein wiedererlangt haben oder in ihrer Vigilanz oder Reaktivität noch eingeschränkt sind, sind zumindest die Bestimmung von Blutzucker, Natrium und Kalzium sowie ein Drogenscreening unerlässlich.
Videokontrollierte Langzeitableitung
Da selbst bei wiederholten Routineableitungen bei manchen Patienten mit Epilepsie negative EEG-Befunde erhoben werden, trägt die videokontrollierte Langzeitableitung zu einem weiteren Informationsgewinn bei. Insbesondere bei unklaren episodischen Verhaltens- und Bewusstseinsstörungen wie z. B. psychogenen Anfällen erlaubt erst diese Methode die genaue diagnostische Einordnung.

Info

Zur Diagnosestellung und Klassifizierung ist die genaue Beschreibung der epileptischen Anfälle wesentlich.

  • Zeit des Auftretens: Begann der Anfall im Wach- oder im Schlafzustand?

  • Wodurch wurde der Anfall eingeleitet (Schrei, Sturz, seltsame Bewegung etc.)?

  • Wie entwickelte sich der Anfall weiter und wie lange dauerte er?

  • Welche Körperteile waren betroffen?

  • Kam es zu einer Versteifung oder zu Muskelzuckungen?

  • War der/die Betroffene ansprechbar?

  • Wie war die Hautfarbe, die Pupillenreaktion, die Atmung? War eine Drehung der Augen, des Kopfes oder des Körpers zu einer Seite zu sehen?

  • Kam es zu Verletzungen, Erbrechen, Zungenbiss, Urin- oder Stuhlabgang?

  • Kam es zu Schmatzen, zu nestelnden Bewegungen etc.?

Differenzialdiagnose

EpilepsieDifferenzialdignoseBei 20–25 % der Patienten werden nicht-epileptische Anfälle einer Epilepsie zugeordnet. 15 % der Patienten mit der Fehldiagnose Epilepsie werden zu Unrecht antikonvulsiv therapiert. Besonders häufig handelt es sich um Verwechslungen mit Synkopen, psychogenen Anfällen, Dys- und Parasomnien.
Im Kleinkind- und Jugendalter führen zahlreiche Störungen oft zu Verwechslungen mit epileptischen Anfällen:
  • Kleinkinder:

    • Blaue Affektkrämpfe: bei 5 % der gesunden Kinder in den ersten vier Lebensjahren als Reaktion auf Enttäuschung oder Ärger mit lautem Schreien und anschließendem Anhalten der Atmung

    • Blasse Synkopen: plötzliche Schreckreaktion ohne Schreien und Atemanhalten

    • Benigne Myoklonien der frühen Kindheit: kurze nicht-epileptische Muskelzuckungen, vorwiegend im Wachzustand während des ersten Lebensjahres

    • Albträume

  • Schulkinder und Jugendliche:

    • Synkopen (kurzer plötzlicher Bewusstseins- und Muskeltonusverlust mit spontaner, rascher Erholung; meistens bedingt durch Abnahme der zerebralen Durchblutung mit fakultativen Muskelzuckungen)

    • Schlafwandeln

    • Migräne (20.1)

    • Bewegungsstörungen (20.3)

    • Albträume (21.2)

    • Einschlafmyoklonien (nicht-epileptische Muskelzuckungen vor dem Einschlafen ohne Krankheitswert)

    • Hypoglykämie

    • Narkolepsie (zwanghafte Schlafanfälle)

    • Psychogener Anfall (nicht-epileptischer Anfall mit epilepsieähnlichen Symptomen)

    • Hyperventilationssyndrom

Gelegenheitsanfälle
GelegenheitsanfälleEpilepsieGelegenheitsanfälle sind epileptische Anfälle, die nur bei bestimmten Gelegenheiten (z. B. Schlafmangel, Fieber, Alkoholkonsum oder -entzug, Hyperventilation) auftreten und deswegen nicht mit einer Epilepsie gleichzusetzen sind.
Ein erster epileptischer Anfall muss nicht der Beginn einer Epilepsie sein. Er kann verschiedene Ursachen haben und muss sich nicht wiederholen. Die verschiedenen Formen epileptischer Gelegenheitsanfälle sind etwa zehnmal häufiger als Epilepsien. Während nur etwa 0,8 % der Bevölkerung oder knapp jeder hundertste Mensch eine Epilepsie hat, erleiden etwa 8 % – und damit fast jeder Zehnte – im Verlauf seines Lebens mindestens einen epileptischen Anfall. Gelegenheitsanfälle mit erkenn- und vermeidbaren Auslösern sind kein Grund für eine antiepileptische Behandlung.
Fieberkrämpfe
Ein wichtiges Beispiel für Gelegenheitsanfälle sind FieberkrämpfeFieberkrämpfe im Kindesalter (6.2). Auslösefaktor ist wahrscheinlich nicht die Temperaturerhöhung per se, sondern der rasche Fieberanstieg oder -abfall. Pathogenetisch ist neben dem obligaten Fieber und der Altersdisposition v. a. eine familiäre Disposition von Bedeutung. Die Prognose ist günstig. Das Rezidivrisiko beträgt 30–40 %. Es wird zwischen unkomplizierten und komplizierten Fieberkrämpfen unterschieden.
Bei den unkomplizierten Fieberkrämpfen besteht die klinische Symptomatik eines generalisierten Grand-Mal-Anfalles. Es kommen aber auch tonische, klonische und atonische Anfälle vor. Die Dauer beträgt weniger als 15 Minuten. Der neurologische Befund ist unauffällig und außerhalb des Fieberschubs bestehen keine Anfälle. Sie treten bei 2–13 % aller Kinder auf und manifestieren sich v. a. zwischen dem sechsten Lebensmonat und dem zweiten Lebensjahr. Komplizierte Fieberkrämpfe weisen häufig einen fokalen Anfallsbeginn, eine familiäre Epilepsiebelastung, neurologische Auffälligkeiten und EEG-Herdbefunde auf. Die Anfallsdauer beträgt meist mehr als 15 Minuten.
  • Diagnostische Empfehlungen: Tritt im Rahmen eines fieberhaften Infekts erstmals ein komplizierter Fieberkrampf auf, so besteht die Indikation für eine Klinikeinweisung und liquordiagnostischen Ausschluss einer Enzephalitis bzw. Meningitis. Bei einem unkomplizierten Fieberkrampf ist eine Klinikeinweisung nicht nötig. Auf jeden Fall sollte bei jedem ersten Fieberkrampf nach Abklingen des Fiebers ein EEG abgeleitet werden.

  • Therapeutische epileptologische Empfehlungen: Die Behandlung des aktuellen Anfalls erübrigt sich in der Regel, da er abgeklungen ist, bevor der Arzt eintrifft. Da bei einem Drittel der Kinder mit einem Rezidiv zu rechnen ist, stellt sich die Frage nach einer intermittierenden Prophylaxe oder einer Dauerprophylaxe.

    • Bei unkomplizierten Fieberkrämpfen ist eine Dauerprophylaxe nicht indiziert. Die Indikation für eine intermittierende Prophylaxe, z. B. mit Diazepamrectiolen während einiger Tage, ist individuell abzuwägen. Durch fiebersenkende Maßnahmen wie z. B. Wadenwickel oder Paracetamol können erneute Fieberkrämpfe nicht verhindert werden (Baumann 1999).

    • Da bei komplizierten Fieberkrämpfen das spätere Epilepsierisiko ca. 15 % beträgt, ist die Indikation für eine Dauerprophylaxe großzügiger zu stellen. Als wirksam hat sich eine antikonvulsive Therapie mit Valproat oder Phenobarbital erwiesen. Aufgrund der Nebenwirkungen besteht auch hier nur eine relative Indikation.

Häufige epileptische Syndrome in der Pädiatrie

Epilepsieepileptische SyndromeBei den kindlichen Epilepsieformen spielen v. a. folgende Ursachen eine Rolle:
  • Sauerstoffmangel und Durchblutungsstörungen des Gehirns während der Geburt

  • Hirnblutungen

  • Stoffwechselstörungen

  • Entwicklungsstörungen (5.5 Gedeihstörung, 5.14 frühkindliche Entwicklungsverzögerung)

  • Infektionen

Klinische Anfallsformen sind:
  • Tonische Anfälle (Erhöhung des Muskeltonus) eines Armes oder Beines. Tonische Augenbewegungen. Ruderbewegungen. Blinzeln oder Lidflattern

  • Generalisierte tonische Anfälle mit Strecken von Armen und Beinen, Beugen der Arme, Strecken der Beine

  • Fokale klonische Anfälle ohne Bewusstlosigkeit

  • Myoklonische Anfälle mit einzelnen oder mehreren Beugezuckungen

Der weitere Verlauf hängt bei Neugeborenenkrämpfen in erster Linie von ihrer Ursache ab. Als prognostisch ungünstig gelten unter anderem die Notwendigkeit einer Beatmung nach der Geburt, Frühgeburten sowie krankhafte Befunde bei der körperlichen Untersuchung und im Elektroenzephalogramm.
Neugeborenenkrämpfe
NeugeborenenkrämpfeNeugeboreneKrampfanfälle EpilepsieNeugeborenenkrämpfe treten bei 1–2 % aller Neugeborenen innerhalb der ersten Lebenswoche auf. Es imponieren verschiedene motorische Schablonen mit Lidmyoklonien, Gesichtsverziehungen, oralen Automatismen, tonischen Symptomen oder Apnoephasen. Bei pathologischem neurologischem und elektroenzephalographischem Befund ist die Prognose ungünstig.
  • Benigne myoklonische Epilepsie des Säuglingsalters Es handelt sich um myoklonische, überwiegend partielle und/oder apnoische Anfälle in der Neonatalzeit (fünfter Lebenstag) mit günstiger Prognose.

  • Maligne myoklonische Epilepsie des Säuglingsalters (Dravet-Syndrom): Beginn zwischen dem dritten und achten Monat mit komplizierten Fieberkrämpfen oder auch generalisierten tonisch-klonischen Anfällen ohne auslösendes Fieber mit zusätzlichen myoklonischen Anfällen. Trotz medikamentöser Behandlung ist die Prognose schlecht.

West-Syndrom (BNS-Syndrom)
Frühkindliches Epilepsiesyndrom des Säuglingsalters, dem in der Regel eine Gehirnschädigung zugrunde liegt – in ¾ der Fälle bedingt durch Hypoxie, Missbildungen oder Stoffwechselstörungen mit entsprechend schlechterer Prognose. Es liegen unterschiedliche Anfallstypen vor, die medikamentös nur schwer zu beherrschen sind. Blitzartige Verkrampfungen und infantile Spasmen (Blitz-Nick-Salaam-Krämpfe: blitzartig kurze oder tonisch gedehnte beidseitige Krämpfe mit Beugung des Kopfes, des Oberköpers nach vorne und Streckung der angehobenen Arme) stehen im Vordergrund. Es finden sich typische EEG-Veränderungen und meistens eine geistige Behinderung.
Lennox-Gastaut-Syndrom
Lennox-Gastaut-SyndromFrühkindliches und kindliches Epilepsiesyndrom als Ausdruck einer Gehirnschädigung (z. B. tuberöse Hirnsklerose, Fehlbildungen) mit unterschiedlichen, schwer behandelbaren Anfällen und ungünstigem Verlauf. Es tritt v. a. zwischen dem dritten bis fünften Lebensjahr auf. Jedes fünfte Kind hatte zuvor ein West-SyndromWest-Syndrom. Im Vordergrund stehen v. a. nächtliche tonische Anfälle, daneben zusätzlich andere Anfallsformen wie atypische Absencen, Sturzanfälle, myoklonische Anfälle oder generalisierte tonisch-klonische Anfälle. Meistens bestehen Verzögerungen der körperlichen und geistigen Entwicklung.
Myoklonisch-astatische Epilepsie (Doose-Syndrom)
Doose-SyndromDieses altersabhängige Epilepsiesyndrom des Kindesalters ist durch myoklonische und astatische bzw. atonische Anfälle gekennzeichnet. Absencen treten zusätzlich bei 60 % und Grand-Mal-Anfälle bei 75 % auf. Vor Auftreten erster Anfälle sind die Kinder in der Regel klinisch unauffällig. Bei schweren Anfällen kann es zu Stürzen mit Verletzungen kommen. Das Syndrom entspricht einer idiopathischen Epilepsie mit familiärer Disposition. Nur bei 16 % werden Entwicklungsstörungen beobachtet. Der Verlauf ist bezüglich der Anfälle und der weiteren Entwicklung unterschiedlich.
Benigne partielle Epilepsie im Kindesalter (Rolando-Epilepsie)
Rolando-EpilepsieGutartige, nur bei Kindern und Jugendlichen vorkommende Epilepsieform. Sie ist die häufigste Epilepsie mit fokalen Anfällen des Kindesalters. Es kommen einfach-fokale, sensible und motorische Anfälle vor. Die Anfälle treten aus dem Schlaf oder beim Erwachen auf. Die Prognose ist gut, mit einem Sistieren der Anfälle bis zum 18. Lebensjahr ist zu rechnen.
Eine günstige Prognose hat auch die benigne Epilepsie des Kindesalters mit EEG-Veränderungen über dem Hinterkopf. Die Kinder berichten oft über Sehstörungen, Gesichtsfeldausfälle bis zur vorübergehenden Erblindung. Es kann auch zu komplex-fokalen Anfällen kommen. Fast alle Kinder klagen nach den Anfällen über Kopfschmerzen, die oft von Übelkeit und Erbrechen begleitet werden.
Absencen-Epilepsie im Schulkindalter (pyknoleptisches Petit mal)
Kurze Anfälle mit fehlender Ansprechbarkeit und Erinnerung, plötzlichem Beginn und Ende. Bei der Absencen-EpilepsieAbsencen-Epilepsie des Kindesalters treten zwischen dem fünften bis zehnten Lebensjahr zahlreiche Anfälle auf, v. a. morgens und bei Übermüdung. Während oder nach der Pubertät können auch tonisch-klonische Anfälle auftreten. Man geht von einer erblichen Komponente aus. Von den Anfällen abgesehen, sind die Kinder meistens unauffällig. Der Verlauf bezüglich der Absencen ist günstig. Bei 40 % der Kinder kommt es allerdings in der Pubertät zu generalisierten tonisch-klonischen Anfällen.
Juvenile Absencen-Epilepsie
Tritt am häufigsten um das 15. Lebensjahr auf. Ursächlich stehen genetische Faktoren im Vordergrund. Im Vergleich zur Absencen-EpilepsieAbsencen-Epilepsie des Kindesalters ist die Anfallshäufigkeit geringer, dafür treten häufiger Grand-Mal-Anfälle auf. 85 % der Patienten werden durch antiepileptische Behandlung anfallsfrei.
Juvenile myoklonische Epilepsie (Janz-Syndrom, Impulsiv Petit mal)
Janz-SyndromIdiopathische generalisierte Epilepsieform mit Erstmanifestation zwischen dem 12. und 18. Lebensjahr, charakterisiert durch bilaterale Myoklonien v. a. nach dem Aufstehen. Es kommt zu blitzartigen Zuckungen der Arm- und Schultermuskulatur. In den Händen gehaltene Gegenstände werden weggeschleudert. Das Bewusstsein bleibt erhalten. Viele Betroffene denken nicht an das Vorliegen epileptischer Anfälle. Diese Epilepsieform ist gut behandelbar, hat aber ein hohes Rückfallrisiko bei Therapiebeendigung. Selten treten auch Absencen auf. Bei fast allen Betroffenen (über 90 %) kommt es im weiteren Verlauf auch zu Grand-Mal-Anfällen.
Myoklonische Absencen
Epileptisches Syndrom mit Absencen und massiven bilateralen Myoklonien im Gesichts- und Extremitätenbereich. Bevorzugtes Auftreten um das siebte Lebensjahr mit eher ungünstiger Prognose.
Benigne partielle Epilepsie der Adoleszenz
Überwiegend einfach-partielleEpilepsiepartielle Anfälle mit motorischer oder sensorischer Symptomatik und Erstmanifestation um das 14. Lebensjahr. Bei 80 % tritt nur ein Anfall auf. Eine medikamentöse Behandlung ist nicht erforderlich.
Idiopathische generalisierte Aufwach-Grand-Mal-Epilepsie
Tonisch-klonische Grand-Mal-Anfälle mit bevorzugtem Auftreten nach dem Aufwachen. Bei der neurologischen Untersuchung findet sich meist kein pathologischer Befund. Psychopathologisch werden extrovertierte, wenig verlässliche Persönlichkeiten beschrieben. Vermeidung von Schlafentzug und geregelte Lebensführung sind neben der medikamentösen Therapie wichtige therapeutische Komponenten.
Schlaf-Grand-Mal-Epilepsie
Schlaf-Grand-Mal-EpilepsieEpilepsie mit generalisierten tonisch-klonischen Anfällen, die ausschließlich im Schlaf auftreten. Sie können in jedem Lebensalter beginnen und sind oft Anzeichen für eine umschriebene Hirnschädigung.
Diffuse Grand-Mal-Epilepsie ohne tageszeitliche Bindung
Grand-Mal-EpilepsieDie generalisierten tonisch-klonischen Anfälle treten mit einer zufälligen Verteilung über den Tag oder die Nacht auf. Meist handelt es sich symptomatische oder kryptogene Epilepsien, die in jedem Alter beginnen können.

Konventionelle Therapie

Antikonvulsive Behandlung

Epilepsieantikonvusive BehandlungDie Basis der Dauertherapie von Epilepsien ist die antiepileptische Pharmakotherapie. Mit den heute verfügbaren Medikamenten werden ca. 70 % aller Patienten dauerhaft anfallsfrei oder zumindest zufriedenstellend eingestellt. Bei der medikamentösen Behandlung wird die Übererregbarkeit der Nervenzellen herabgesetzt oder es werden Hemmmechanismen verstärkt. Dies setzt eine regelmäßige Medikamenteneinnahme und ärztliche Kontrollen voraus. Das Ziel ist es, Anfallsfreiheit ohne bzw. mit möglichst wenigen Nebenwirkungen zu erreichen. Manchmal gelingt es allerdings nur, die Anfallshäufigkeit zu verringern oder zumindest die Stärke der Anfälle zu vermindern.
Grundprinzip ist wegen der einfacheren Wirksamkeitsbeurteilung, der besseren Steuerbarkeit und des besseren Verträglichkeitsprofils die Monotherapie, die bei anhaltenden Anfallsrezidiven bis zur individuellen Verträglichkeitsgrenze ausdosiert werden sollte, ehe ein Medikationswechsel erwogen wird. Aufgrund ihrer empirisch belegten Wirksamkeit zählen aktuell Carbamazepin, Valproinsäure, Phenytoin, Phenobarbital bzw. Primidon und im Sonderfall generalisierter Epilepsien mit kleinen generalisierten Anfällen Ethosuximid zu den Antiepileptika erster Wahl, wobei zumindest in Europa Carbamazepin zur Behandlung fokaler und die Valproinsäure zur Therapie generalisierter Epilepsien am häufigsten eingesetzt werden.
Benzodiazepine spielen, von wenigen Ausnahmen abgesehen, aufgrund ihres Wirksamkeitsverlustes bei chronischer Gabe, des damit verbundenen Abhängigkeitspotenzials und der sedierenden Effekte keine Rolle bei der antiepileptischen Dauertherapie. Nur bei der Notfallbehandlung eines länger als fünf Minuten andauernden Anfalls werden Benzodiazepine verabreicht. Die meisten Erfahrungen und Studiendaten liegen für Lorazepam (z. B. Tavor®), Diazepam (z. B. Valium®), Midazolam (z. B. Buccolam®) und Clonazepam (z. B. Rivotril®) vor. Derzeit kann die Verabreichung von Midazolam über die Wangenschleimhaut als die einfachste und gut belegte Notfallmedikation angesehen werden. Das dazu derzeit im Handel erhältliche Präparat (Buccolam®) ist bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren verordnungsfähig. In den letzten Jahren haben Vigabatrin, Lamotrigin, Felbamat, Gabapentin, Tiagabin, Levetiracetam, Topiramat, Pregabalin, Zonisamid, Lacosamid und Perampanel als neue Antiepileptika wegen der vergleichbaren Wirksamkeit mit günstigerem Nebenwirkungsprofil zunehmend an Bedeutung gewonnen.

Nicht medikamentöse Behandlungsverfahren

Es gibt auch wirksame nicht medikamentöse Behandlungsoptionen wie z. B. die Vermeidung von Anfallsauslösern (Flackerlicht, Alkoholgenuss, Schlafmangel etc.), die Epilepsiechirurgie, Stimulationsverfahren, Biofeedback, ketogene Diät und Anfallsselbstkontrolle.
  • Operative Behandlung: Die epilepsiechirurgische Therapie – die Resektion des Fokus oder die Unterbrechung bestimmter Hirnverbindungen – hat inzwischen ihren festen Platz auch in der Epilepsiebehandlung von Kindern und Jugendlichen (Noachtar et al. 2000). Sie sollte erwogen werden, wenn bei einer monofokalen Epilepsie innerhalb von zwei Jahren medikamentöser Behandlung keine Anfallsfreiheit erzielt wird. Zur Lokalisierung des Fokus sind eine Magnetresonanztomografie (MRT) und ein nicht-invasives oder invasives Video-EEG-Monitoring erforderlich.

  • Stimulationsverfahren: Durch Elektrostimulation bestimmter Nerven mittels eines implantierten Pulsgenerators können die elektrische Aktivität im Gehirn beeinflusst und die Anfallsaktivität verringert werden. Am gebräuchlichsten ist die Vagusnerv-Stimulation im Schulter-Hals-Bereich. Bei 20–50 % der behandelten Patienten kommt zu einer signifikanten Reduktion der Anfälle, nur bei wenigen Patienten wird jedoch eine komplette Anfallsfreiheit erzielt. Die Vagusnerv-Stimulation hat auch einen gewissen antidepressiven Effekt (Elger et al. 2000).

  • Biofeedback: Mit Biofeedback werden dem Patienten unbewusste Körperfunktionen (z. B. Puls, Hirnströme) zugänglich gemacht und können dann von ihm beeinflusst werden. In der Epilepsiebehandlung wird erfolgreich Neurofeedback mit einem EEG-Gerät eingesetzt. Die Patienten können z. B. damit lernen, langsame Hirnrindenpotentiale – Ausdruck der kortikalen Erregbarkeit – zu verändern (Birbaumer et al. 2009). Die Methode ist nebenwirkungsfrei und auch für Kinder ab ca. sechs Jahren prinzipiell geeignet.

  • Ketogene Diät: Ketogene Diäten sind sehr fettreiche, kohlenhydratarme Diäten, die den metabolischen Zustand des Fastens imitieren. Antikonvulsive Mechanismen ketogener Diäten sind noch teilweise unklar. Derzeit geht man davon aus, dass die chronische Ketose das zerebrale Energieniveau anhebt, vermehrt inhibitorische Neurotransmitter wie GABA freisetzt sowie die Entstehung freier Sauerstoffradikale vermindert. (AMWF 2014, Martin et al. 2016). Es gibt zudem Hinweise darauf, dass Ketone eine direkte antikonvulsive Wirkung entfalten. Auch die Kohlenhydratrestriktion wird als antikonvulsiver Mechanismus diskutiert. Vermutlich bewirkt eine komplexe Interaktion mehrerer Effekte, welche die synaptische Funktion stabilisieren und damit die zerebrale Krampfbereitschaft senken, den antikonvulsiven Effekt ketogener Diäten (Bough and Rho, 2007).

    Hauptindikationen für die ketogene Diät sind pharmakoresistente Epilepsien im Kindes- und Jugendalter. Die Diät ist aufwändig und verlangt Disziplin, Ausdauer und Bereitschaft zu Verzicht. Die Ketose muss regelmäßig kontrolliert werden (Urinteststreifen, Messung im Kapillarblut). Während der Einleitungsphase können Hypoglykämien, Erbrechen, Durchfall und Nahrungsverweigerung auftreten. Weitere mögliche Nebenwirkungen sind Müdigkeit, gastrointestinale Beschwerden, Störungen des Säure-Basen-Haushalts, Nierensteine, niedriger Kalziumspiegel, erhöhte Werte der Blutfette und Wachstumsverzögerung. Bei Diätfehlern kann es zu Krampfanfällen kommen. Langzeitnebenwirkungen sind bislang nur unzureichend untersucht.

    Der Erfolg der Diät lässt sich frühestens nach drei Monaten stabiler Ketose beurteilen. In der Regel wird die antikonvulsive Medikation zunächst belassen und erst bei Ansprechen der Diät vorsichtig reduziert. Nach zwei Jahren effektiver Anfallskontrolle kann die Diät langsam ausgeschlichen werden. Der antikonvulsive Effekt kann auch nach Absetzen der Diät anhalten (Freeman et al. 1998).

  • Anfallsselbstkontrolle: Durch bestimmte Methoden der Selbstkontrolle können Patienten einem epileptischen Anfall entgegenwirken oder diesen unterbrechen (Uhlmann 2012). So kann etwa bei Krampfanfällen, die sich durch Missempfindungen in der Hand ankündigen, als Gegenmittel die Faust geballt werden. Man geht davon aus, dass durch die damit verbundene Aktivierung von Gehirnzellen die Anfallsbereitschaft sinkt. Auch Geruchsstimuli (Aromaöle) können Anfälle verhindern oder unterbrechen (Betts 1995). Weiterhin ist es Ziel, die Entstehungsbedingungen der eigenen Anfälle zu beleuchten, das Anfallsrisiko besser einzuschätzen und Verhaltensweisen zu entwickeln, um Anfälle zu vermeiden. Werden dem Patienten die Entstehungsbedingungen seiner Anfälle bewusstgemacht, dann kann er lernen, gegenzusteuern. Lösen z. B. Ärger oder Aufregung Anfälle aus, können Entspannungstechniken wirksam sein.

Behandlungsindikation
Prinzipiell besteht eine Behandlungsindikation,
  • wenn durch den Spontanverlauf der Erkrankung ein bedeutsames Gesundheitsrisiko für die betroffene Person entsteht (z. B. Verletzungsgefahr im Anfall, negative neuropsychologische Auswirkungen von wiederholten oder prolongierten Anfällen, negative Auswirkungen subklinischer nur im EEG nachweisbarer epileptischer Aktivität),

  • wenn eine medikamentöse Therapie den Spontanverlauf der Epilepsie ausreichend positiv beeinflusst,

  • wenn das Risiko einer Gesundheitsschädigung durch die Therapie geringer als die des Spontanverlaufes selbst ist.

Beim Abwägen der Behandlungsindikation spielen daher sowohl epilepsiespezifische Faktoren (z. B. Ätiologie, Rezidivrisiko, Provokationsfaktoren, ausschließliches nächtliches Auftreten von Anfällen, Verletzungsgefahr im Anfall, Gefahr eines Status epilepticus, Erkrankungsdauer und Prognose) als auch patientenspezifische Faktoren (z. B. Alter des Kindes, Grund- oder Begleiterkrankungen, Entwicklungsstand und schulische Situation, Betreuungsqualität, Hobbys und Freizeit) eine entscheidende Rolle.
Bei einigen typischen idiopathischen benignen Epilepsiesyndromen kann nach Abwägung dieser Faktoren zunächst auf eine Dauermedikation verzichtet werden, z. B. bei der benignen Partialepilepsie mit zentro-temporalen sharp-waves (BPECT oder Rolando-Epilepsie), bei der frühkindliche Partialepilepsie mit okzipitalen Paroxysmen oder bei Reflexepilepsien, wenn die auslösende Trigger-Situation verhindert werden kann (z. B. bei einigen visuell induzierten Anfällen).
Es gibt keine Belege dafür, dass asymptomatische Patienten mit epileptischen Entladungen im EEG von einer antikonvulsiven Behandlung profitieren; eher werden sie durch potenzielle Nebenwirkungen gefährdet (Sánchez et al. 2015).
Erstmaliger epileptischer Anfall
Auch wenn eine Epilepsieklassifikation und exakte Prognostizierung nach einem ersten Anfall noch nicht möglich ist, kann es sehr wohl gerechtfertigt sein, zunächst den Spontanverlauf unter Bereitstellung einer Notfallmedikation abzuwarten. Kind und Eltern sind in dieser Abwartesituation auf die notwendigen Vorsichtsmaßnahmen und das Vermeiden von Hochrisikosituationen hinzuweisen (kein Schwimmen ohne Aufsicht, Einschränkungen bei anderen Hochrisikosportarten, ggf. Begleitung auf dem Schulweg o. ä.). Das Rezidivrisiko nach einem ersten unprovozierten Anfall ist innerhalb der folgenden drei Monate am höchsten, sodass die Vorsichtsmaßnahmen häufig nach dieser Zeit gelockert werden können.
Etwa die Hälfte aller Patienten mit einem ersten epileptischen Anfall bleibt rückfallfrei. Das Rezidivrisiko nimmt mit der Anzahl der durchgemachten Anfälle zu.

Info

Es gilt, dass nach einem ersten epileptischen Anfall nicht medikamentös behandelt werden muss. Die Indikation wird individuell unter Berücksichtigung der Rückfallwahrscheinlichkeit, aber auch der Bedürfnisse des Patienten gestellt.

Eine offen durchgeführte, große randomisierte kontrollierte Studie mit 1443 Patienten untersuchte die längerfristigen Auswirkungen des sofortigen Beginns einer antikonvulsiven Therapie im Vergleich mit verzögerter Indikationsstellung (Marson et al. 2005), mit folgenden Ergebnissen:
  • Die sofortige Therapie hat auf die langfristige Prognose der Epilepsie keinen Einfluss. Auch im Hinblick auf Komplikationen wie Status epilepticus oder Verletzungen sowie Sterblichkeit besteht nach den Daten der Studie kein Unterschied.

  • Eine sofortige antikonvulsive Therapie geht häufiger mit unerwünschten Effekten einher.

  • Die Studie bestätigt ein höheres Rückfallrisiko nach mehreren Anfällen im Vergleich zu einem einzelnen initialen Anfall.

Die Frage nach dem Beginn einer antiepileptischen Therapie muss weiterhin auf der Basis einer individuellen Nutzen-Risiko-Abwägung entschieden werden. Bei Entscheidung gegen eine sofortige Therapie erwächst dem Patienten nach den neuen Daten langfristig kein Nachteil.

Prognose

Erkenntnisse zur PrognoseEpilepsiePrognose kindlicher Epilepsien sind gerade für uns homöopathische Therapeuten wichtig, da wir uns auf ein juristisch und ethisch unsicheres Terrain begeben, wenn wir Kinder mit Krampfanfällen primär homöopathisch behandeln. In vielen Fällen wird sich nicht auf Anhieb ein sofort und dauerhaft wirkendes homöopathisches Heilmittel finden lassen. Oft sind kombinierte allopathische und homöopathische Therapien nötig. Deshalb soll hier ein kurzer Überblick über die Literatur gegeben werden.
Die Prognose unbehandelter Epilepsien ist abhängig von der Epilepsieform.
  • Der unbehandelte Spontanverlauf der Epilepsiekrankheit ist kaum bekannt, weil die meisten Kinder mit Krampfanfällen heute antiepileptisch behandelt werden. In einer holländischen Studie aus dem Jahr 1997 wurden 83 von 85 Kindern mit neu aufgetretenen tonisch-klonischen Anfällen auch ohne Behandlung innerhalb von zwei Jahren anfallsfrei (Donselaar et al. 1997). Untersuchungen aus Ländern der Dritten Welt weisen auf ebenfalls eine relativ gute Prognose unbehandelter Epilepsien hin (Feksi et al. 1991, Watts 1992). Bei epidemiologischen Untersuchungen in Kenia, Ecuador und Indien, wo ca. 80 % der Epilepsiepatienten nicht behandelt werden, wurden im Verlauf 50 % der Patienten anfallsfrei. Da allerdings die Epilepsieformen nicht genau differenziert wurden, ist eine globale Aussage nicht möglich (Sander 1993).

  • Bei unbehandelten Patienten mit komplexer Partialepilepsie oder mit Hirntumoren bestehen Hinweise auf eine „sekundäre Epileptogenese“, also die Ausbildung weiterer Krampfherde im Gehirn (Sadzot 1997, Tasch et al. 1999), sodass bei symptomatischen Epilepsien die Behandlungsindikation enger zu stellen ist.

Antiepileptika beeinflussen kaum den Krankheitsverlauf.
  • Allgemein akzeptiert ist heute die Tatsache, dass die dauerhafte antikonvulsive Behandlung bei idiopathischen generalisierten Epilepsien in mehr als 60 % zur Anfallsfreiheit führt. Demgegenüber lässt sich eine dauerhafte Anfallsfreiheit nur bei weniger als der Hälfte der Patienten mit fokalen Epilepsien erreichen (Elwes et al. 1984). Insgesamt haben 30–40 % der Patienten trotz Therapie weitere Anfälle (Brodie 2000).

  • Man kann zwei unterschiedliche Populationen von Epilepsiepatienten unterscheiden: Eine Gruppe, die mit einer moderaten antikonvulsiven Monotherapie ohne bedeutende Nebenwirkungen anfallsfrei wird, und eine andere Gruppe, die nur unzureichend auf die antiepileptische Behandlung anspricht, und bei der vermehrte strukturelle Hirnläsionen vorliegen. Dazwischen befindet sich eine „Grauzone“ von Patienten, die eine Kombinationstherapie benötigen (Brodie 2000).

  • Die Langzeitprognose im Kindesalter ist v. a. dann gut, wenn keine geistigen oder neurologischen Auffälligkeiten vorliegen, die Anfälle eher selten sind und das EEG im Anfallsintervall normal ist. Es gibt keine Evidenz dafür, dass Antiepileptika die Langzeitprognose der Krankheit verbessern; wahrscheinlich unterdrücken sie lediglich das Auftreten von Krampfanfällen (Eadie 2001). Ein verzögerter Behandlungsbeginn hat keine Therapieresistenz zur Folge (Placencia et al. 1994).

  • Bei Neugeborenenkrämpfen ist dagegen eine dringliche Therapieindikation gegeben, da sie die neuronale Entwicklung hemmen und eine synaptische Reorganisation herbeiführen können (Rennie 2003). Eine rasche Therapienotwendigkeit ergibt sich auch bei Kindern mit progressiver Zunahme der Anfallsfrequenz.

  • Krampfanfälle bergen das Risiko psychosozialer Anpassungsstörungen. Die Epilepsie eines Kindes führt oft zu überbehütender Erziehung, was die Lösung von den Eltern erschwert, soziale Ausgrenzung begünstigt und die Entwicklung eines gesunden Selbstbewusstseins hemmt. Anfallsfreiheit muss daher in jedem Fall das angestrebte Ziel sein.

Morbidität und Mortalität bei Krampfanfällen
  • Das Unfallrisiko ansonsten gesunder Kinder mit Epilepsie ist extrem gering (Appleton 2002, Ziegler et al. 1994). Erhöht ist allerdings die Verletzungsgefahr durch den Anfall selbst, z. B. nach Sturz, Knochenbrüche durch Myoklonien, Verbrennungen während des Kochens (Beghi 1997).

  • Die Sterblichkeit von epilepsiekranken Kindern ist gegenüber der Normalpopulation nur unwesentlich erhöht. Insgesamt betrug die Letalität bei 692 Kindern 3,8 %, die über 14–21 Jahre verfolgt wurden gegenüber 0,7 % in einer gesunden Vergleichsgruppe. Der Tod trat am häufigsten bei Patienten mit sekundär-generalisierten Anfällen auf, jedoch meist aufgrund einer schwerwiegenden neurologischen Grunderkrankung und selten bei idiopathisch generalisierter Epilepsie (Camfield 2003).

  • Lediglich bei behinderten Kindern mit therapierefraktären Anfällen und Polytherapie besteht ein leicht erhöhtes Mortalitätsrisiko sowie ein Risiko für plötzliche unerwartete Todesfälle (SUDEP = sudden unexplained death in epilepsy); dies ist wahrscheinlich auf anfallsinduzierte Apnoen oder Herzstillstände während nächtlicher Krampfanfälle zurückzuführen (Ficker 2000, Lossius 2002, Neufeld).

Krampfanfälle, depressive Störung und Suizid
Handlungsbedarf besteht bei depressiven Störungen (21.12), die mit einer Inzidenz von 30–70 % die häufigste Erkrankung bei Epilepsiepatienten sind. Sie gehen mit einem höheren Suizidrisiko einher. Die Suizidrate variiert zwischen den einzelnen Untersuchungen, ist aber gegenüber der Normalbevölkerung bei Epilepsiepatienten fünf- bis sechsfach erhöht (Prüter 2002).
Häufige und prolongierte Anfälle beeinträchtigen die geistige Entwicklung.
  • Die Möglichkeit von Hirnschäden durch Krampfanfälle wird immer wieder als Argument für eine energische Therapie angeführt. Das kindliche Gehirn scheint hier jedoch im Gegensatz zum Gehirn des Erwachsenen durch unbekannte Mechanismen relativ unverwundbar zu sein.

  • Nur Neugeborenenkrämpfe und sehr häufige und prolongierte Krampfanfälle (z. B. Status epilepticus) stören die Ausbildung von Synapsen und können Lern- und Gedächtnisstörungen verursachen (Bjoernaes et al. 2001, Holmes 2001).

Antikonvulsiva können die psychomotorische Entwicklung stören.
  • Eine psychomotorische Entwicklungsretardierung bei einem epileptischen Kind ist in aller Regel nicht den Krampfanfällen anzulasten, sondern entweder der auslösenden Grunderkrankung oder der antiepileptischen Behandlung. Die meisten gebräuchlichen Antikonvulsiva erzeugen eine apoptotische Hirndegeneration mit Verringerung der Hirnmasse (Bittigau et al. 2003).

  • Bei der Indikationsstellung für eine antikonvulsive Therapie müssen immer die Nebenwirkungen mitberücksichtigt werden. Das Absetzen antikonvulsiver Medikamente im Kindesalter kann Entwicklungsschübe auslösen, die bei behinderten Kindern z. T. sogar dramatisch ausfallen. Kinder dürfen daher keinesfalls länger als unbedingt notwendig antiepileptisch behandelt werden. Oft führt bereits eine Reduktion oder eine Umstellung der Antikonvulsiva zu einer verbesserten Entwicklung. Man geht davon aus, dass in 30 % der Fälle eine Überbehandlung mit zu hohen Dosen oder unnötigen Kombinationen erfolgt (Schmidt 2002).

Das Ausschleichen antiepileptischer Therapie kann forciert werden. Bereits nach sechs Monaten Anfallsfreiheit kann ein Absetzversuch gemacht werden, da eine Weiterführung der antikonvulsiven Behandlung die Rezidivrate nicht senkt (Peters et al. 1998). Werden die Antiepileptika abgesetzt, so hängt die Wahrscheinlichkeit eines Rezidivs weder von der vorherigen Dauer der antiepileptischen Behandlung noch von der Länge der Ausschleichperiode ab – egal, ob diese nun sechs Wochen oder neun Monate währt (Tennison et al. 1994). Vor allem irreguläre generalisierte Spike-Wave-Muster vor Absetzen der Therapie lassen Rezidive befürchten (Andersson et al. 1997). Doch auch bei Kindern mit Rezidiven während oder nach der Absetzphase kommt es in über 60 % innerhalb eines Jahres zur Spontanremission. Risikofaktoren für Rezidivanfälle sind partiale Epilepsien, Anfallsbeginn nach dem zwölften Lebensjahr, symptomatische Epilepsien und epilepsietypische EEG-Veränderungen (Peters et al. 1998).
Die Entscheidung, ob die Medikamente bei Anfallsfreiheit abgesetzt werden, muss jedoch immer im Einzelfall unter Berücksichtigung des Anfallssyndroms, der Art der durchgeführten Medikation, des EEG-Befundes und der sozialen Situation getroffen werden. Das Absetzen der Medikamente darf keinesfalls plötzlich geschehen, da dadurch Entzugsanfälle oder ein Status epilepticus ausgelöst werden können (Janz et al. 1983). Eine Literaturrecherche ergab 14 klinische Beobachtungen zu Anfallrezidiven nach Absetzen der Medikation. Die Rückfallquoten lagen zwischen 12 und 66 %. Die Wiederaufnahme der Therapie nach einem Rezidiv war in 64–91 % erfolgreich. In 19 % entwickelte sich allerdings eine chronische refraktäre Epilepsie mit zahlreichen Anfällen. Assoziiert mit einem ungünstigen Ergebnis waren symptomatische Ätiologie, partielle Epilepsie und kognitive Defizite (Schmidt 2005).
Grundsätzlich ist zu bedenken, dass Antikonvulsiva keine Antiepileptika, sondern nur Anfallsblocker sind, die in der Regel die Ursache der Epilepsie nicht beseitigen. Daher kann es nach dem Absetzen trotz langjähriger Anfallsfreiheit zu einem Rezidiv kommen, unter Umständen auch erst Monate bis Jahre später (DGN 2012).

Homöopathische Behandlung

Bei der homöopathischen Behandlung der Epilepsie sind neurologische und epileptologische Kenntnisse wichtig. Neben der Erfassung der Totalität der Symptome ist besonders eine genaue Anfallsanamnese für die homöopathische Mittelwahl nötig. Da diese fast nie in ausreichender Präzision von Epilepsiepatienten zu erhalten ist, spielen fremdanamnestische Angaben eine große Rolle. Neben den sonderlichen Anfallssymptomen und oft mehr als diese sind jedoch für die Mittelwahl die Geist- und Gemütssymptome und Allgemeinsymptome ausschlaggebend (2.2).
Leider liegen für die homöopathische Behandlung von Epilepsien im Vergleich zu anderen Krankheitsbildern nur wenig dokumentierte Kasuistiken und therapeutische Empfehlungen vor.
Grundsätzlich stellt sich die Frage nach einer ausschließlichen homöopathischen Therapie und einer Kombinationstherapie mit konventionellen Antiepileptika. Allgemeine Empfehlungen können hier nicht abgegeben werden, da sich das Vorgehen an der Anfallsform und der Anfallsfrequenz orientieren sollte. Gerade bei Kindern und Jugendlichen hat die störungsfreie Entwicklung oberste Priorität, da verlorene Jahre in der Kindheit kaum aufholbar sind. Deshalb sollte bei mangelndem homöopathischem Therapieerfolg bald eine zusätzliche, konventionelle antiepileptische Behandlung erfolgen. In der Regel ist eine längerfristige Konstitutionsbehandlung mit hohen C- und Q-Potenzen erforderlich. In der Annahme einer miasmatischen Belastung bei hereditären Epilepsieformen kommt auch die Gabe von Nosoden in Betracht. Richter und Hadulla (2003) empfehlen die intermittierende Gabe passender Nosoden in mehrwöchigen Abständen.
Oft sind im Verlauf verschiedene homöopathische Mittel nötig. Günstig hat sich die tägliche Behandlung mit Q-Potenzen erwiesen, da bei wiederholter Gabe von hohen C-Potenzen die Wirkdauer schwer abzuschätzen ist und unter Umständen bei nachlassender Wirkung eine Anfallshäufung auftreten kann.

Praxistipp

Bezüglich der Dauer der homöopathischen Behandlung kann man sich zunächst an den Strategien einer konventionellen antiepileptischen Therapie orientieren. Das Rezidivrisiko anfallsfreier Patienten nach Absetzen der antikonvulsiven Medikation hängt wesentlich vom Anfallstyp ab. Als wichtiges Kriterium für das Absetzen von Antiepileptika wird eine zweijährige Anfallsfreiheit empfohlen. Grundsätzlich ist eine schrittweise Reduktion erforderlich, da sonst Entzugsanfälle auftreten können. Während der Reduktionsphase sollten EEG-Kontrollen erfolgen, da eine eventuelle Zunahme von epilepsietypischen EEG-Veränderungen eine erhöhte Anfallsbereitschaft erkennen lässt und unter Umständen eine neue Therapiestrategie erfordert.

Zunehmende Bedeutung misst man auch der interiktalen bioelektrischen Aktivität zu, da diese mit der psychischen Symptomatik korreliert. Es gibt inzwischen klare Belege, dass die Abnahme von epilepsietypischen Potenzialen im EEG auch ohne klinisch manifeste Anfälle zu einer günstigeren Entwicklung führt (Mühe 2003). Dazu sollten regelmäßige EEG-Kontrollen durchgeführt werden.
Erfahrungsgemäß ist durch die homöopathische Behandlung eher mit einer Reduktion der Anfallsfrequenz und der Schwere der Anfälle als mit kompletter Anfallsfreiheit zu rechnen. Oft ist zusätzlich eine antikonvulsive allopathische Therapie nötig. Bei idiopathischen Anfällen ist im Vergleich zu symptomatischen Anfällen die Prognose besser. In der Regel ist von einer längeren Behandlungsdauer auszugehen. Hadulla und Richter (2003), die im deutschen Sprachraum wohl am meisten Erfahrung mit der homöopathischen Behandlung epilepsiekranker Kinder und Jugendlicher haben und mehr als 140 Fälle überblicken, berichten von erzielter Anfallsfreiheit durch primäre homöopathische Behandlung bei etwa 40 % ihrer Patienten, und von 87 % Rückfallfreiheit bei sekundär behandelten Patienten, deren antikonvulsive Medikation ausgeschlichen wurde.

Repertoriumsrubriken: Symptome in der präkonvulsiven Phase

RepertoriumsrubrikenEpilepsieDie Rubriken gehen auf das Synthesis zurück.
Prodromalerscheinungen
Dem Krampfanfall gehen mitunter Stunden bis Tage andauernde unbestimmte Vorahnungen oder sogenannte Prodromi voraus: depressive Verstimmungen, Reizbarkeit, Unruhe, Schlaflosigkeit, Schwindel und Kopfschmerzen. Bisweilen klingen diese Erscheinungen ab, ohne in einen Anfall einzumünden.
→Gemüt – albernes Benehmen – Epilepsie – vor (1): caust
→Gemüt – Erregung – epileptischem Anfall, vor (3): art-v, coff, indg
→Gemüt – Geistesabwesend – epileptischer Anfall – vor einem (1): lach
→Gemüt – Exzentrizität, Überspanntheit – epileptischem Anfall, vor (1): cann-i
→Gemüt – Furcht – Konvulsionen – epileptischen, vor (9): alum, arg-n, bamb-a, cupr, cupr-ac
→Gemüt – Reizbarkeit, Gereiztheit – Konvulsionen, vor (3): art-v, aster, lach
→Gemüt – Stumpfheit – Epilepsie, vor (1): caust
→Gemüt – Traurigkeit – epileptischem Anfall, vor – Tag und Nacht (1): art-v
→Gemüt – vergesslich – Epilepsie, vor (1): caust
→Gemüt – Zorn – epileptischer Anfall, vor (1): indg
Aura
Eine Aura (lat.: Brise, Lufthauch) ist ein meist nur wenige Sekunden dauernder fokaler Anfall, der vom Patienten bewusst miterlebt wird, und der meist in komplex-fokale oder sekundär-generalisierte Anfälle übergeht. Die spezielle Form der Aura spiegelt den Funktionsbereich der betroffenen Hirnregion wieder und ist deshalb ein Wegweiser zur primären epileptogenen Läsion. Es handelt sich vorwiegend um sensorische, vegetative oder psychische Phänomene.
  • Sensorische Auren können in Seh-, Geruchs-, Hör-, Geschmacks- und Gleichgewichtsstörungen bestehen.

  • Anzeichen für vegetative Auren sind z. B. vermehrtes Schwitzen, veränderter Herzschlag, Gänsehaut oder Pupillenveränderungen.

  • Psychische Auren können sich in Angstgefühlen, Stimmungsschwankungen, Denkstörungen, verändertem Zeit- und Raumgefühl oder Déjà-vu-Erlebnissen äußern.

→Gemüt – Lachen – epileptische Konvulsionen, vor (2): bufo, caust
→Kopf – Schweiß der Kopfhaut – epileptischem Anfall, vor (1): caust
→Kopf – Zittern, zittriges Gefühl – epileptischem Anfall, vor (1): caust
→Sehen – Aura – Bäumen, von (1): lac-mat
→Sehen – Aura – Menschen, von (2): lac-mat, plut-n
→Sehen – Funken – epileptischem Anfall, vor einem (1): hyos
→Gesicht – Aura, epileptische (1): bufo
→Mund – Geschmack – faulig – epileptischem Anfall, vor einem (1): syph
→Magen – Aura epileptica wird am Solar plexus gespürt (14): art-v, bell, bism, bufo, calc, caust, cic, hyos, nux-v, sil, sulph, …
→Magen – epileptische Aura – steigt vom Magen zum Kopf (1): calc
→Abdomen – Aura, epileptische (1): bufo
→Brust – Herzklopfen – epileptischem Anfall, vor (5): ars, calc, calc-ar, cupr, lach
→Brust – Schmerz – Herz – epileptischem Anfall, vor (2): calc-ar, lyc
→Rücken – epileptische Aura kriecht die Wirbelsäule hinab (1): lach
→Rücken – Kälte (einschließlich Frost) – kalt – Luft, kalte – wie durch – erstreckt sich von der Wirbelsäule über den Körper, wie eine epileptische Aura (1): agar
→Extremitäten – epileptische Aura (4): calc, lach, sulph, stram
→Frost – Seiten, einseitig – links – epileptischem Anfall, vor (1): sil
→Frost – Wind – Gefühl von – kalte Luft von der Wirbelsäule über den Körper ausbreiten, als würde sich – epileptische Aura, wie eine (1): agar

Repertoriumsrubriken: Alter

Die Repertorien geben nach Altersgruppe gestaffelte Rubriken (Synthesis) an, die jedoch sicher unvollständig sind.
→Allgemeines – Konvulsionen – Kindern, bei (80): art-v, bell, bufo, calc, cina, hell, hyos, op, stram, verat, zinc, …
→Allgemeines – Konvulsionen – Kindern, Kleinkindern, bei (9): art-v, bell, bufo, cham, cupr, hell, …
→Allgemeines – Konvulsionen – Kindern, Neugeborenen, bei (4): art.v, bell, cupr, nux-v
→Allgemeines – Konvulsionen – Pubertät, in der (9): art-v, caul, caust, cupr, lach, puls, …

Repertoriumsrubriken: Anfallsformen und Symptomgruppen

Die verschiedenen Epilepsieformen werden in der Internationalen Klassifikation epileptischer Anfälle (s. o.) in fokale und generalisierte Anfälle unterteilt. Sowohl bei fokalen als auch bei generalisierten Anfällen können motorische, sensible, sensorische, vegetative und psychische Symptome wie auch Bewusstseinsstörungen unterschiedlichen Ausmaßes auftreten.
Die Rubriken gehen auf das Synthesis zurück.
Motorische Symptome
Im Vordergrund stehen Myoklonien (Muskelzuckungen) und tonische Verkrampfungen der Muskulatur. Diese motorischen Symptome können alle Körperregionen betreffen und sind in den entsprechenden Rubriken zu finden. Wichtig sind auch der Beginn und der Verlauf bzw. die Abfolge der einzelnen motorischen Phänomene.
→Gemüt – Gesten, Gebärden, macht (27): ars, bell, bufo, cocc, hyos, stram, tarent, …
→Gemüt – Stoßen, treten, austreten – Beinen, mit den – Konvulsionen, während der (1): ign
→Auge – Blinzeln – Epilepsie, während (1): kali-bi
→Auge – Strabismus, Schielen – epileptischen Anfällen, bei (1): tarent
→Auge – Bewegung der Augäpfel – konvulsivisch (16): acon, agar, bell, bufo, kali-br, mag-p, …
→Auge – Starren, Stieren – abends – Konvulsionen, bei (1): ars
→Auge – verdreht – Konvulsionen, bei den (1): aeth
→Auge – verdreht – oben, nach – Konvulsionen, bei den (3): art-v, atro, hydr-ac
→Sehen – Diplopie, Doppeltsehen – Konvulsionen, mit (5): bell, cic, hyos, nux-v, stram
→Sehen – Verlust des Sehvermögens – Konvulsionen – nach (2): dig, sec
→Mund – beißt – Zunge, beißt sich auf die – Konvulsionen, während – epileptischen Konvulsionen, während (6): absin, art-v, bufo, camph, caust, cic, cupr, oena, op
→Kopf – Bewegungen des Kopfes – konvulsivisch (10): agar, calc, camph, caust, cocc, nux-m, …
→Kopf – gedreht – links gedreht, bei Konvulsionen nach (2): mygal, plb
→Kopf – gezogen, der Kopf wird – hinten, nach – Konvulsionen, in (8): cic, cina, mosch, ign, nux-v, op, …
→Zähne – Zähneknirschen – Epilepsie (5): bufo, coff, hyos, sulph, tarent
→Rücken – Opisthotonus – Epilepsie, bei (3): ars, cic, stann
→Extremitäten – Bewegung – konvulsivisch (32): agar, arg-n, bell, caust, op, stram, …
→Extremitäten – Steifheit – Konvulsionen – während (44): asaf, bell, camph, ip, lyc, mosch, op, plat, verat, zinc, …
→Extremitäten – Zittern – konvulsivisch (5): acon, asaf, carbn-h, crot-h, op
→Allgemeines – Konvulsionen – epileptisch (242): agar, aeth, alum, arg-n, arg-met, bar-m, bufo, calc-ar, caust, cupr, hyos, oena, plb, sil, sulph, …
→Allgemeines – Konvulsionen – klonisch (153): agar, bell, bufo, cham, cupr, hyos, lyss, op, plb, sep, stram, …
→Allgemeines – Konvulsionen – tonisch (109): ang, bell, bufo, cic, petr, plat, sep, …
→Allgemeines – Konvulsionen – Fallen, mit (52): agar, bell, cham, cupr, hyos, oena, stann, …
Sensible und sensorische Symptome
Im Vordergrund stehen Taubheits- und Kältegefühle und diverse Missempfindungen.
→Extremitäten – Kälte – Konvulsionen, bei (7): aeth, bell, cic, hell, oena
→Extremitäten – Gefühllosigkeit, Taubheit – Finger – Epilepsie, während (1): cupr
→Allgemeines – Konvulsionen – Kälte, mit (19): sil, bell, cupr, hell, oena, verat
Vegetative Symptome
→Auge – Pupillen – zusammengezogen – Konvulsionen, bei den (3): cic, op, phyt
→Gesicht – Farbe – blass – Konvulsionen, bei den (15): cic, cupr, hyos, lach, verat, zinc
→Gesicht – Farbe – bläulich – Konvulsionen, mit (18): bell, cic, cina, cupr, hyos, oena, ip, plb, verat, …
→Gesicht – Farbe – bläulich – Lippen – Konvulsionen, bei den (1): nux-v
→Gesicht – Farbe – gelb – Konvulsionen, während der (2): cic, plb
→Gesicht – Farbe – rot – Konvulsionen, während (17): bell, bufo, cic, cupr, glon, oena, op, stram, …
→Gesicht – Schweiß – Konvulsionen, bei den (2): bufo, cocc
→Mund – Schaum vor dem Mund – Konvulsionen – während (36): art-v, aster, bufo, caust, cham, cic, cina, cupr, glon, hyos, oena, op, sil, stry, …
→Mund – Speichelfluss – Konvulsionen, mit (4): bar-m., caust, kali-bi, oena
→Rektum – unwillkürlicher Stuhl – Konvulsionen, während den (4): anan, oena, stry, tarent
→Blase – Urinieren – unwillkürlich – Konvulsionen, bei den (14): art-v, bufo, caust, hyos, nat-m, nux-v, puls, sep, …
→Atmung – Atemnot, Dyspnoe, erschwertes Atmen – Konvulsionen, bei den (6): glon, lyss, nux-v, op, stry
→Atmung – krampfhaft (38): cupr, gels, ign, valer, verat
→Allgemeines – Konvulsionen – Erbrechen – während (13): ant-c, cic, cupr, ip, op, …
→Allgemeines – Konvulsionen – Zyanose, mit (3): cupr, hydr-ac, verat
→Allgemeines – Puls – beschleunigt – Konvulsionen, bei den (6): oena, op, stram, stry, verat-v
Psychische Symptome
→Gemüt – Beißen – Konvulsionen, während der (8): art-v, caust, croc, cupr, tarent, …
→Gemüt – Fluchen – Konvulsionen, bei den (2): ars, bell
→Gemüt – Lachen – epileptische Konvulsionen – während (2): bufo, caust
→Allgemeines – Konvulsionen – Bewusstsein, mit (35): canth, cina, cupr, hell, sep, stram, …
→Allgemeines – Konvulsionen – Bewusstsein, ohne (70): arg-n, bufo, calc, cic, hyos, oena, plb, visc, zinc, …

Repertoriumsrubriken: auslösende Faktoren

Die Rubriken gehen auf das Synthesis zurück.
→Fieber – intensive Hitze – Konvulsionen, mit (7): bell, cic, hyos, op, stram
→Allgemeines – Konvulsionen – apoplektisch (8): bell, croth-h, cupr, lach, verat-v, …
→Allgemeines – Konvulsionen – Ärger, Verdruss, nach (15): agar, ars, calc, cupr, ign, ip, staph, …
→Allgemeines – Konvulsionen – Alkoholikern, bei (5): anthraci, glon, hyos, nux-v, ran-b
→Allgemeines – Konvulsionen – alkoholischen Getränken, nach (1): ran-b
→Allgemeines – Konvulsionen – helles Licht, durch (6): bell, lyss, nux-v, op, stram, …
→Allgemeines – Konvulsionen – Hydrozephalus mit (9): arg-n, art-v, calc, merc, nat-m, stram, sulph, zinc, …
→Allgemeines – Konvulsionen – Impfung, nach (6): carc, caust, cic, sil, thuj
→Allgemeines – Konvulsionen – Schlaf – Schlafmangel, nach (1): cocc
→Allgemeines – Konvulsionen – Medikamenten, nach (10): acon, arn, bell, cupr, hyos, nux-v, op, …
→Allgemeines – Konvulsionen – Meningitis cerebrospinalis, bei (15): ant-t, apis, arg-n, croth-h, glon, hell, tarent, verat, …
→Allgemeines – Konvulsionen – Verletzungen, durch – Kopfes, des (9): arn, art-v, cic, cupr, hyper, led, nat-s, …
→Allgemeines – Konvulsionen – Verletzungen, durch – Rückenmarks, des (1): zinc

Repertoriumsrubriken: Periodizität

Die Rubriken gehen auf das Synthesis zurück.
→Allgemeines – Konvulsionen – epileptisch – Menses, agg (1): cimic
→Allgemeines – Konvulsionen – tagsüber (2): art-v, kali-br
→Allgemeines – Konvulsionen – nachts (28): arg-n, art-v, calc, caust, cic, cina, op, sil, …
→Allgemeines – Konvulsionen – nachts – Schlaf, im (1): bufo

Repertoriumsrubriken: Symptome nach dem Anfall

Die Rubriken gehen auf das Synthesis zurück.
→Gemüt – Bewusstlosigkeit – Konvulsionen, nach (13): art-v, bell, bufo, cic, glon, oena, op, …
→Gemüt – Gedächtnis – Gedächtnisverlust – epileptischen Anfällen, nach (4): absin, calc, cic, zinc
→Gemüt – Stupor – Konvulsionen, nach den (6): art-v, bell, glon, oena, op
→Magen – Appetit – Heißhunger – Epilepsie (1): calc
→Magen – Übelkeit – epileptischen Konvulsionen, nach (1): kali-c
→Frost – epileptischem Anfall, nach (10): ars, calc, camph, caust, cocc, cupr
→Schweiß – warm – epileptischem Anfall, nach (1): sil
→Extremitäten – Schmerz – Konvulsionen, nach den (1): plb
→Allgemeines – Lähmung – eine Seite – Konvulsionen – nach (19): ars, bell, caust, cic, cupr, plb
→Allgemeines – Schwäche – Konvulsionen, nach den (16): acon, ars, cupr, ip, oena, …

Repertoriumsrubriken: Weitere neurologische Symptome

Die Rubriken gehen auf das Synthesis zurück.
Das epileptische Syndrom ist ein typisches Krankheitsbild mit bestimmten Formen von epileptischen Anfällen und anderen Merkmalen wie z. B. gestörte geistige und motorische Entwicklung, Verhaltensstörungen, Hirnschäden oder Stoffwechselstörungen. Diese begleitenden Symptome sind von prognostischer Bedeutung und müssen bei der homöopathischen Mittelwahl berücksichtigt werden.
→Gemüt – Demenz – Epileptikern, von (12): bell, cimic, cupr, oena, sil
→Gemüt – Idiotie – Konvulsionen, mit (1): oena
→Männliche Genitalien – fasst sich an die Genitalien – Kind – Konvulsionen, mit (5): acon, bell, merc, stram, zinc

Homöopathische Arzneimittel: Krampfanfälle bei Neugeborenen

Artemisia vulgaris
#Agaricus muscariusEpilepsieWichtiges Mittel bei EpilepsieNeugeboreneKrampfanfälle in der Kindheit und bei Mädchen in der Pubertät. Das Kind ist vor dem Anfall auffallend erregt. Es kommt zu mehreren Anfällen in Serie, danach zu einer längeren Latenz. Die Anfälle sind oft asymmetrisch und heftig, unter Umständen begleitet von starkem Schweißausbruch, Schreien und Schaum vor dem Mund. Nach dem Krampfanfall ist das Kind völlig schlaff und längere Zeit stuporös. Indikation unter anderem bei Kindern mit Hydrozephalus.
→Gemüt – Erregung – epileptischem Anfall, vor (3): art-v, coff, indg
→Gemüt – Stupor – Konvulsionen, nach den (8): ars, art-v, bell, cori-r, glon, oena, op, plb
Belladonna
#Agaricus muscariusEpilepsieHyperexzitables Kind mit erhöhtem Muskeltonus. Krampfanfälle mit rotem Kopf, kalten Extremitäten und Opisthotonus. Sie sind heftig und beginnen plötzlich ohne Vorboten. Mögliche Auslöser sind Nahrungsaufnahme und Licht.
→Allgemeines – Konvulsionen – Opisthotonus, mit (33): bell, caust, cic, ign, nux-v, …
→Allgemeines – Konvulsionen – Trinken – nach – agg. (5): ars, art-v, bell, hyos, stram
Cuprum metallicum
#Agaricus muscariusEpilepsieDas Baby ist fast ständig krampfbereit mit hypertoner Muskulatur, Fäusteln und Opisthotonushaltung. Vor dem Krampfanfall Schreien oder Erbrechen, während des Anfalls Gesichtszyanose, Schluckauf und wechselnder Muskeltonus in Beugern und Streckern. Das Kind weint oder wimmert. Der Anfall kann von einseitiger Parese gefolgt sein.
→Magen – Erbrechen – Konvulsionen – vor (2): cupr, op
→Gesicht – Farbe – bläulich – Konvulsionen, mit (18): bell, cic, cupr, hyos, oena, verat, …
→Extremitäten – Konvulsionen – Beine – abwechselnd gebeugt und gestreckt (5): cic, cupr, lyc, nux-v, tab
Nux vomica
#Nux vomicaEpilepsieHyperexzitabler, frostiger Säugling. Koliken, Aufstoßen und andere gastrointestinale Prodromalsymptome. Opisthotonus auch während des Krampfanfalls. Nach dem Krampfanfall tiefer Schlaf mit einzelnen Zuckungen und gelblichem Hautkolorit.
→Kopf – gezogen – der Kopf wird – hinten, nach – Konvulsionen, in (8): cic, cina, ign, mosch, nux-v, op, tab, verat-v
→Extremitäten – Zucken – Konvulsionen – nach (1): nux-v

Homöopathische Arzneimittel: Krampfanfälle bei älteren Kindern

Agaricus muscarius
#Agaricus muscariusEpilepsieAgaricus ist ein wichtiges Mittel bei neurologischen Erkrankungen mit Myoklonien, Spasmen (z. B. Blepharospasmus) und Tremor. Wenn bei epileptischen Anfällen die myoklonische Komponente im Vordergrund steht, sollte an Agaricus gedacht werden. Auffallend ist die Kälteempfindlichkeit, die oft eine Verschlechterung der neurologischen Symptomatik bei Kälteexposition zur Folge hat. Periodizität, unterdrückte Hautausschläge in der Vorgeschichte.
→Allgemeines – Konvulsionen – epileptisch – Aura – kalt – Luft über die Wirbelsäule und den Körper, kalte (1): agar
→Allgemeines – Konvulsionen – periodisch – Woche – jede Woche (6): agar, bufo, chinin-s, indg, kali-br, nat-m
Argentum nitricum
#Argentum nitricumEpilepsieDieses Mittel hat einen großen Bezug zum Nervensystem. Es liegen Symptome sowohl im psychischen als auch im körperlichen Bereich vor. Auf der psychischen Ebene bestehen oft Ängste, Phobien, impulshafte Handlungen, Zwänge und Nervosität. Das zentrale und periphere Nervensystem betreffend finden sich epileptische Anfälle, Tremor, zerebelläre Symptome und sensomotorische Ausfälle.
Psychische Symptome wie Nervosität, Ruhelosigkeit und Angst treten oft vor den epileptischen Anfällen auf. Vegetativ kann es zu Beginn des Anfalles zu einer Pupillenerweiterung kommen. Oft liegen Anfälle mit Bewusstseinsstörungen vor. Auch bei symptomatischen Epilepsien (z. B. Meningitis oder Hydrozephalus) ist Argentum nitricum indiziert.
→Gemüt – Ruhelosigkeit – Konvulsionen, vor (5): anan, arg-n, bufo, caust, hyos
→Auge – Pupillen – erweitert – Konvulsionen – vor – epileptischen (2): arg-n, bufo
→Allgemeines – Konvulsionen – epileptisch – Aura – nervöses Gefühl, allgemeines (2): arg-n, nat-m
Belladonna
#BelladonnaEpilepsieWenn es im Rahmen eines akuten, hochfieberhaften Infekts mit rotem Gesicht zu einem Fieberkrampf kommt, ist Belladonna das wichtigste Mittel. Im Anfall kalte Extremitäten, Schweiß, weite Pupillen, Schaum vor dem Mund. Konvulsionen von veränderlichem Charakter. Eines der Mittel bei Krampfanfällen während der Zahnung. Aufwachepilepsie.
→Allgemeines – Konvulsionen – Erwachen, beim (4): bell, ign, lac-e, lyss
→Allgemeines – Konvulsionen – verändern sich, verändern ihren Charakter (4): bell, ign, puls, stram
Bufo rana
#Bufo ranaEpilepsieBei epileptischen Syndromen mit zusätzlichen Symptomen wie Verhaltensstörungen, geistigen oder motorischen Entwicklungsstörungen kommt Bufo rana in Betracht. Das Kind hat häufig Symptome aus der sexuellen Sphäre wie Neigung zu Masturbation. Vor dem Anfall lacht der Bufo-Patient, er verdreht die Augen und spricht unverständlich. Während des Anfalls Schweiß, Zungenbiss, Schaum vor dem Mund und v. a. Einnässen. Nach dem Krampfanfall längere Bewusstlosigkeit. Eitrige und bullöse Hauterkrankungen bei Epilepsie.
→Gemüt – Bewusstlosigkeit – Konvulsionen – nach – epileptischen, nach (6): ars, bufo, calc, kali-bi, op, plb
→Blase – Urinieren – unwillkürlich – Konvulsionen, bei den (15): bufo, caust, hyos, oena, plb, zinc, …
→Schweiß – Konvulsionen – während (14): bell, bufo, …
Calcium carbonicum
Calcium carbonicum#Calcium carbonicumEpilepsie ist eines der wichtigsten Mittel bei Kindern und dementsprechend auch oft bei epileptischen Anfällen hilfreich. Charakteristisch sind Krampfanfälle bei Vollmond, während der Zahnung und abends beim Einschlafen. Da Calcium carbonicum in den Rubriken→Konvulsionen durch Zorn, Ärger, Schreck←und in der Rubrik→Konvulsionen – hysterisch←vorkommt, ist dieses Mittel auch bei nicht epileptischen Anfällen wie Affektkrämpfen oder psychogenen Anfällen angezeigt.
→Allgemeines – Konvulsionen – Mond – Vollmond (6): calc, caust, nat-m
→Allgemeines – Konvulsionen – abends (17): alumn, calc, caust, croc, op, …
Causticum
Causticum#CausticumEpilepsie ist bei vielen Erkrankungen des zentralen und peripheren Nervensystems (Epilepsie, Multiple Sklerose, neurodegenerative Erkrankungen, Polyneuropathien) wichtig. Ein hervorstechendes Symptom ist eine progressive Lähmung. Nach einem epileptischen Anfall kann es zu einer vorübergehenden Lähmung (sogenannte Todd-Lähmung) kommen. Dies sollte unter anderem an Causticum denken lassen. Die Krampfanfälle treten im Schlaf oder nach tiefem Schlaf auf, verlaufen unter Umständen heftig mit Zungenbiss, Schaum vor dem Mund und Einnässen, und sind von tiefem soporösem Schlaf gefolgt.
→Allgemeines – Konvulsionen – Lähmung, mit (20): caust, hyos, nux-m, nux-v, phos, plb, rhus-t, stann, tab, …
→Allgemeines – Konvulsionen – Schlaf – tiefem Schlaf, nach (17): caust, hell, hyos, ign, lach, nux-v, oena, op, sulph, …
Chamomilla
#ChamomillaEpilepsieÜberempfindliches, launisches Kind, trotzig, bäumt sich nach hinten. Zahnungsprobleme, Krampfanfälle während der Zahnung. Affektkrampf durch Zorn. Sturzanfälle, Schaum vor dem Mund, Weinen während der Anfälle.
→Allgemeines – Konvulsionen – Fallen, mit (52): bell, cham, cupr, hyos, oena, …
→Allgemeines – Konvulsionen – Zahnung, während der (59): acon, aeth, bell, calc, calc-p, caust, cham, cic, cina, cupr, cypr, ign, ip, kali-br, kreos, lach, mag-p, stram, zinc, …
Cicuta virosa
#Agaricus muscariusEpilepsiePsychomotorisch retardierte Kinder, etwa nach perinatalen Komplikationen oder Meningoenzephalitis. Neigung zu Opisthotonus und Strabismus. Epilepsie und Ekzem am Kopf. Status epilepticus, multiple Anfälle, komplexe Anfälle, sekundär generalisierte Fokalepilepsie.
Anfälle ausgelöst durch Berührung oder Druck, nach Commotio cerebri, nach Impfungen, während der Zahnung. Vor dem Anfall ängstlich, klammert sich an Bezugsperson. Dann heftigste Krampfanfälle mit Initialschrei, schrecklicher Verzerrung des Gesichts, der Kopf wird nach hinten gerissen, Myopie, Zyanose, Schluckauf, Zungenbiss. Bewusstlosigkeit nach dem Anfall.
→Kopf – gezogen, der Kopf wird – hinten, nach – Konvulsionen, in (8): cic, ign, nux-v, op, …
→Gesicht – Verzerrung – Konvulsionen, während (2): cic, stram
→Allgemeines – Konvulsionen – beginnen, nehmen ihren Ausgang von – Mitte – erstrecken sich zur Peripherie (1): cic
Cina maritima
#Cina maritimaEpilepsieVerhaltensgestörte Kinder mit großer Ruhelosigkeit. Affektkrämpfe, Krampfanfälle während der Zahnung, bei Wurmbefall. Charakteristisch: Atemstillstand und Gluckern in der Speiseröhre während des Anfalls.
→Innerer Hals – Gluckern im Ösophagus – Konvulsionen, während der (2): cina, oena
→Atmung – angehalten, versetzt, unterbrochen – Konvulsionen, bei den (8): cic, cina, stry, …
→Allgemeines – Konvulsionen – Würmer, durch (28): anth, bell, cham, cic, cina, hyos, ign, indg, nux-v, santin, stann, ter, …
Cuprum metallicum
Cuprum#Cuprum metallicumEpilepsie ist eines der Hauptmittel bei Konvulsionen in der Kindheit, v. a. auch bei geistig behinderten Kindern. Typisch sind der Initialschrei vor dem Anfall, der Beginn der Krämpfe in der Peripherie mit zentripetalem Fortschreiten und die Gesichtszyanose. Auch gastrointestinale Symptome wie Erbrechen oder Schluckauf während des Anfalls sollten an Cuprum denken lassen. Häufig findet man eine Periodizität der Beschwerden oder Abhängigkeit von den Mondphasen. Krampfanfälle nach Unterdrückung von Hautausschlägen.
→Gemüt – Geisteskrankheit, Wahnsinn – Konvulsionen, mit (7): cupr, hyos, oena, phos, stram, verat-v, zinc
→Allgemeines – Konvulsionen – beginnen, nehmen ihren Ausgang von – Finger – Zehen, und (2): cupr, cupr-act
→Allgemeines – Konvulsionen – periodisch – Woche – drei Wochen, alle (5): camph, cupr, ferr, op, stram
Helleborus niger
#Helleborus nigerEpilepsieKinder mit Zerebralschaden nach Geburtskomplikationen, Meningitis, Schädel-Hirn-Trauma. Epilepsie bei Hirntumoren. Auch Folge emotionalen Schocks. Apathiesyndrom, abgestumpft, leerer Blick, Wahrnehmungsstörungen, Automatismen. Rollt den Kopf hin und her oder bohrt ihn ins Kissen, enzephalitisches Schreien. Konvulsionen mit extremer Kälte des Körpers; Anfall kann durch Lärm unterbrochen werden. Stupor oder tiefer Schlaf nach dem Krampfanfall.
→Haut – Kälte – Konvulsionen, bei den (11): camph, hell, oena, verat, …
→Allgemeines – Konvulsionen – Geräusch – unterbindet den Anfall (1): hell
Hyoscyamus niger
Bei Hyoscyamus#Hyoscyamus nigerEpilepsie steht oft eine auffallende Gemütssymptomatik im Vordergrund, deren Spektrum vom extrovertierten Verhalten bis zu maniformen Syndromen reicht. Wenn es während eines epileptischen Anfalls zu psychomotorischer Erregung, Schreien, Gesichtszyanose oder Urinabgang kommt, ist Hyoscyamus in Erwägung zu ziehen. Das Kind fasst sich während des Anfalls an die Genitale, hat Schaum vor dem Mund, knirscht mit den Zähnen, erbricht, nässt ein. Konvulsionen im Tiefschlaf, während der Zahnung, nach dem Essen.
→Gemüt – Schreien – Konvulsionen – epileptisch (22): bufo, cic, cupr, hyos, kali-bi, lach, lyc, nux-v, oena, sil, …
→Allgemeines – Konvulsionen – epileptisch – psychomotorischer Anfall (1): hyos
→Allgemeines – Konvulsionen – Essen – nach (7): arg-n, aster, calc-p, cina, grat, hyos, nux-v
Ignatia amara
#Agaricus muscariusEpilepsieWechselhafter und widersprüchlicher, hysterischer Charakter. Wichtiges Mittel bei Affektkrämpfen, aber auch bei echten Krampfanfällen. Auslöser sind Ärger, Schreck, Kummer oder Tadel, Zahnung und Wurmbefall. Charakteristisch ist der Beginn des Krampfanfalls im Gesicht, der Kopf wird nach hinten gezogen, nach dem Krampfanfall folgt tiefer Schlaf.
→Allgemeines – Konvulsionen – beginnen, nehmen ihren Ausgang von – Gesicht (12): bufo, hyos, ign, lach, sec, …
→Allgemeines – Konvulsionen – Bestrafung, nach (5): agar, cham, cina, cupr, ign
Lachesis muta
#Lachesis mutaEpilepsieImpulsives, frühreifes Kind, sehr redegewandt. Starke Eifersucht. Vor dem Krampfanfall auffallend gereizt. Krampfanfälle nach tiefem Schlaf, während der Menses, nach körperlicher Anstrengung. Linksseitige Konvulsionen.
→Gemüt – Reizbarkeit, Gereiztheit – Konvulsionen, vor (6): agar, art-v, aster, bufo, ign, lach
→Allgemeines – Konvulsionen – beginnen, nehmen ihren Ausgang von – Gesicht – linke Seite (1): lach
→Allgemeines – Konvulsionen – Anstrengung, nach (13): calc, glon, lach, lyss, …
Lycopodium clavatum
#Lycopodium clavatumEpilepsieKonstitutionelles Mittel für Kinder mit Mangel an Selbstvertrauen, die viel überspielen. Blähungsneigung, Süßverlangen. Konvulsionen mit Initialschrei und Schwerpunkt in der rechten Körperseite.
→Allgemeines – Konvulsionen – rechte Körperseite (9): bell, lyc, nux-v, …
Opium
#OpiumEpilepsieKinder mit Reaktionsmangel, nach traumatischer Geburt oder seelischem Schock. Behinderte Kinder. Krampfanfälle oder Affektkrämpfe durch Licht, Gemütsbewegungen, Annäherung von Fremden. Krampfanfälle nach tiefem Schlaf, nach Gabe von Medikamenten. Krampfanfälle in Serie, wachen dazwischen nicht auf. Rotes Gesicht, Opisthotonus, Apnoe.
→Gemüt – Betäubung – Konvulsionen, zwischen den Anfällen (11): aur, bufo, cic, hell, hyos, lach, oena, op, plb, sec, tarent, …
→Atmung – langsam – Konvulsionen, bei den (1): op
→Allgemeines – Konvulsionen – Medikamenten, nach (10): arn, bell, cupr, hyos, op, …
Pulsatilla pratensis
#Pulsatilla pratensisEpilepsieKrampfanfälle v. a. in Zeiten hormoneller Umstellung, etwa mit Beginn der Pubertät, vor den Menses oder anstelle der Menses. Konvulsionen von wechselhaftem Charakter, so wie auch die Konstitution im Geist- und Gemütsbereich.
→Allgemeines – Konvulsionen – Menses – unterdrückte, durch (8): bufo, calc-p, cocc, cupr, gels, mill, oena, puls
→Allgemeines – Konvulsionen – Pubertät, in der (9): art-v, caul, caust, cupr, hypoth, lach, puls, zinc, zinc-val
→Allgemeines – Konvulsionen – verändern sich, verändern ihren Charakter (4): bell, ign, puls, stram
Silicea
#SiliceaEpilepsieEmpfindsame, schüchterne und sehr gewissenhafte Kinder, frostig und krankheitsanfällig. Schlafepilepsie nach Impfungen, bei Wurmbefall, bei Neumond.
→Allgemeines – Konvulsionen – Impfung, nach (6): carc, caust, cic, sil, thuj, vario
→Allgemeines – Konvulsionen – Mond – Neumond (6): bufo, calc, caust, cupr, kali-br, sil
→Allgemeines – Konvulsionen – Schlaf, im – agg. (33): arg-n, bell, caust, cic, cupr, gels, hyos, ign, kali-c, lach, op, rheum, rhus-t, sil, stram, sulph, …
Stramonium
Stramonium#StramoniumEpilepsie hat einen wichtigen Bezug zum zentralen Nervensystem. Insbesondere Verhaltensstörungen und Ängste treten häufig auf. Wenn epileptische Anfälle durch Trinken von Wasser oder durch Licht (Fotoepilepsie) ausgelöst werden, ist Stramonium das wichtigste Mittel. Während des Anfalls Schluckauf, Zungenbiss, Schreien. Krampfanfälle periodisch, während der Zahnung, bei zerebraler Schädigung. Behinderte Kinder mit dümmlichem Gesichtsausdruck während der Konvulsionen.
→Gemüt – Raserei, Tobsucht, Wut – abwechselnd mit – Konvulsionen (1): stram
→Allgemeines – Konvulsionen – helles Licht, durch (7): bell, canth, lyss, nux-v, op, stram
→Allgemeines – Konvulsionen – Hydrozephalus mit (9): arg-n, art-v, calc, kali-i, merc, nat-m, stram, sulph, zinc
Sulphur
#SulphurEpilepsieGroßes psorisches Mittel mit breiter Indikationspalette. Krampfanfälle nach Unterdrückung von Hautausschlägen, beim Einschlafen, im Tiefschlaf oder nach zu langem Schlaf. Aura im Abdominalbereich. Auffallendes Gemütssymptom: froh nach dem Krampfanfall.
→Gemüt – froh – Konvulsionen, nach den (1): sulph
→Allgemeines – Schlaf – langer Schlaf agg. (43): calc, caust, con, lach, nux-v, stram, sulph, …
→Allgemeines – Konvulsionen – Hautausschläge – unterdrückte, durch – herauskommen, oder wenn sie nicht (12): ant-t, apis, bry, camph, cupr, cupr-act, gels, hep, ip, stram, sulph, zinc, …
Zincum metallicum
Das Kennzeichen für Zincum#Zincum metallicumEpilepsie ist unter anderem eine Erregung des zentralen und peripheren Nervensystems mit Myoklonien, Faszikulationen, Tremor und Hyperkinesen. Im Krankheitsverlauf kann es auch zu Verwirrtheitssyndromen und Gedächtnisstörungen kommen. Bei verlängerten postiktalen Reorientierungsphasen mit Gedächtnisstörungen sollte an Zincum gedacht werden. Krampfanfälle während der Zahnung, bei Hydrozephalus, nach Unterdrückung von Hautausschlägen. Während der Anfälle Blässe und Einnässen.
→Allgemeines – Konvulsionen – Hautausschläge – unterdrückte, durch – herauskommen, oder wenn sie nicht (12): ant-t, apis, bry, camph, cupr, cupr-act, gels, hep, ip, op, stram, sulph, zinc, …

Kasuistiken

Kasuistik

Homöopathische und konventionelle antikonvulsive Therapie bei einem sechsjährigen Kind mit Frontallappenepilepsie (Thomas Lorz)

Anamnese

Bei dem sechsjährigen Jungen verlief die Entwicklung bis zum Alter von zwei Jahren unauffällig. Nach der HiB-Impfung sind erstmals ruckartige Kopfbewegungen nach unten mit zunehmender Frequenz aufgetreten. Dann kam es auch zu Sturzanfällen mit mehrfachen Verletzungen. Die Abklärung in verschiedenen Kliniken ergab die Diagnose: Kryptogene Frontallappenepilepsie (Nickanfälle, Sturzanfälle, Grand-Mal-Anfälle). Unter einer antikonvulsiven Kombinationsbehandlung mit Oxcarbazepin und Lamotrigin erfolgte eine deutliche Abnahme der Anfälle, es war jedoch eine Entwicklungsverzögerung mit sprachlichen, feinmotorischen, kognitiv-mnestischen und sozial-emotionalen Defiziten zu beobachten. Die homöopathische Anamnese ergab folgende Charakteristika:
Gemüt: Sehr unruhig, kann nicht sitzen bleiben, schnell zornig, beißt, lässt sich auf den Boden fallen, nimmt alles in den Mund, faul, Angst vor Hunden, großzügig, verschmust, kindlich, unkonzentriert, liebt Musik. Teilbegabung für das Auswendiglernen von Texten, Schwierigkeiten beim Rechnen und Schreiben.
Kopf zu Fuß: offener Mund mit leicht heraushängender Zunge, dümmlicher Gesichtsausdruck, großer Kopf, trockene Haut.
Allgemeinsymptome: guter Esser, gerne Nudeln mit Fleisch. Sehr warmblütig, immer warme Hände und Füße, guter fester Schlaf, schwitzt viel am Haaransatz zu Beginn des Schlafes, Speichelfluss im Schlaf.

Repertorisation I

→Gemüt – kindisches Verhalten
→Gemüt – Musik – Verlangen nach
→Gemüt – Ruhelosigkeit – Konvulsionen, vor
→Gesicht – Ausdruck – dumm, einfältig
→Mund – offen
→Allgemeines – Impfung, nach
→Allgemeines – Konvulsionen – Bewusstsein, ohne
→Allgemeines – Konvulsionen – epileptisch – Aura – Ruck im Nacken

Verordnung und Verlauf I

Bufo rana Q 1, 3 Tr. tgl. Nach kurzfristiger Verschlechterung der Verhaltensstörung war der Junge deutlich ausdauernder, konzentrierter und weniger aggressiv. Es bestehen nahezu keine Anfälle, Lamotrigin wird ausgeschlichen und 20 Monate nach Behandlungsbeginn abgesetzt. Diskrete Häufung der Anfälle. Erhöhung von Trileptal. Es erfolgte die Weiterbehandlung mit Bufo bis zur Q 11. Ab der Q9 war ein zunehmender Wirkungsverlust mit erheblicher Zunahme der Verhaltensstörung (heftige Tobsuchtsanfälle, Beißen, Unruhe) zu beobachten.

Repertorisation II

→Gemüt – Beißen
→Gemüt – Konzentration – schwierig – Unmöglichkeit, sich zu konzentrieren
→Gemüt – Raserei, Tobsucht, Wut – heftig
→Gemüt – Ruhelosigkeit – Kindern, bei

Verordnung und Verlauf II

Hyoscyamus C 200. Der Junge ist deutlich ruhiger, weniger wütend, nahezu anfallsfrei, Wirkdauer ca. vier bis fünf Wochen, dann jeweils Zunahme der Verhaltensstörung. Wiederholung von Hyoscyamus C 200 alle vier Wochen. Nach der letzten Gabe erneute Besserung der Verhaltensstörung, jedoch Anfallshäufung. Wieder einschleichende Therapie mit Lamotrigin.
Hyoscyamus M. Erneute Besserung der Verhaltensstörung.

Beurteilung

Zusammenfassend konnte wiederholt eine Besserung der Verhaltensstörung erzielt werden. Trotz begleitender antiepileptischer Behandlung ließ sich jedoch keine Anfallsfreiheit erreichen.

Kasuistik

Primär generalisierte Epilepsie (Stefanie Sartorius)

Bei Leon fiel im Alter von vier Jahren bei der Vorsorgeuntersuchung ein psychomotorischer und sprachlicher Entwicklungsrückstand auf. Kurze Zeit später ist nach dem Besuch eines Imax-Kinos ein primär generalisierter zerebraler Krampfanfall aufgetreten: Im weiteren Verlauf trat der Krampfanfall etwa alle drei Wochen mit folgenden Symptomen auf: tonisch-klonische Bewegungen, Verdrehen der Augen nach rechts oben, starrer Blick, rotes Gesicht und Einnässen. Die Familienanamnese bezüglich Epilepsie ist leer. Die Mutter lehnt eine empfohlene antikonvulsive Therapie ab. Diagnose: Primär generalisierte Epilepsie.

Anamnese

Die Erstvorstellung erfolgte im November nach dem ersten Krampfanfall. Die homöopathische Anamnese ergibt folgende Charakteristika:
Gemüt: Spricht die ersten Worte im Alter von zwei Jahren, wächst zweisprachig auf. Schlechtes Gedächtnis, vergisst bereits erlernte Wörter oder Fähigkeiten. Konzentrationsprobleme. Begreift Zusammenhänge schwer. Langsam, verträumt. Umschreibt Gegenstände, findet nicht die passenden Worte, spricht z. T. schwer verständlich. Unsicherer Einbeinstand und Strichgang. Will ein Baby sein und nicht erwachsen werden, anhänglich, schmust gerne. Schüchtern bei Fremden, versteckt sich hinter der Mutter. Hat keinen Ehrgeiz. Sehr wild, energiegeladen, fast aggressiv, wirft sich hin, wirft im Zorn mit Sachen. Seit dem ersten Anfall ist er licht- und geräuschempfindlich, zorniger, beißt die Eltern, zieht Grimassen, verdreht mehrmals täglich die Augen nach rechts oben und ist kurz nicht ansprechbar.
Kopf zu Fuß: häufig Nasenbluten.
Allgemeinsymptome: Isst alles, sehr gerne Süßes und Fleisch, Abneigung gegen Essig. Schweiß am Hinterkopf nachts im Schlaf. Hitzig, deckt sich nachts auf. Dreht abends auf und schläft spät ein.

Repertorisation

→Gemüt – Entwicklungsstillstand bei Kindern
→Gemüt – Langsamkeit
→Gemüt – Gedächtnisschwäche für geistige Anstrengungen
→Gemüt – Beißen
→Gemüt – Grimassen
→Allgemeines – Konvulsionen – klonisch abwechselnd mit tonischen
→Auge – Bewegungen – konvulsivisch
→Auge – verdreht – nach oben
→Gesicht – Farbe – rot – während Konvulsionen

Verordnung und Verlauf

Der Junge bekommt Belladonna C 200. Das Augenverdrehen ist seltener geworden, kein Beißen mehr, die Sprache ist deutlicher, der Wortschatz vermehrt, das Gedächtnis ist besser. Auch die nachfolgenden Mittel wirken positiv auf der geistig-emotionalen Ebene, beeinflussen die Häufigkeit der Krampfanfälle jedoch nur geringfügig: Bufo (fasst sich an Genitalien, leckt Leuten Gesicht ab), Stramonium (Auslöser der Anfälle: Schreck, fließendes Wasser; Furcht vor Teufeln), Cuprum metallicum (Lippenzyanose, Daumen eingeschlagen). Diese werden in Potenzen von C 200 bis (z. T.) XM gegeben.
Da der Verlauf nicht befriedigend ist, erfolgt erneute Fallaufnahme und Repertorisation.
  • Augenverdrehen bei Bewusstsein, Kopfschmerzen vor Anfällen.

  • Ist abhängig von anderen. Furcht ausgelacht zu werden, wehrt sich nicht, schlechtes Selbstwertgefühl, schüchtern, stellt „dumme Fragen“. Schwierigkeiten, eine Geschichte zu verstehen. Versteckt sich hinter Möbeln.

Repertorisation II

→Gemüt – kindisches Benehmen
→Gemüt – Gedächtnisschwäche bei Kindern
→Gemüt – verstecken sich – Kinder hinter Mutter, vor Fremden

Verordnung II und Verlauf

Ein Jahr nach Behandlungsbeginn bekommt der Junge Barium muriaticum C 200, wiederholt bis XM (mehr Bezug zu Epilepsie als Barium carbonicum). Er ist bis heute anfallsfrei. Das babyhafte Verhalten, Selbstbewusstsein, Verstecken, sowie die Konzentration und das Gedächtnis haben sich deutlich gebessert. Der Junge besucht die zweite Klasse der Regelschule und ist gut in Lesen und Schreiben, hat aber Schwierigkeiten in Rechnen.

Beurteilung

Vermeintlich gut gewählte Mittel beeinflussten die Anfallsfrequenz nicht, erst ein relativ seltenes Mittel erbrachte Anfallsfreiheit.

Kasuistik

Zerebrales Anfallsleiden mit komplizierten Fieberkrämpfen (Michael M. Hadulla, Olaf Richter)

Anamnese

Die besorgten Eltern der sechsjährigen Marie berichten, dass im 15. Lebensmonat zum ersten Mal ein komplizierter Fieberkrampf aufgetreten sei. Es folgten sechs weitere z. T. komplizierte Fieberkrämpfe. Der EEG-Befund zeigt: „[…] Nachweis von im Schlaf aktivierter hypersynchroner Aktivität. Häufige kurze Paroxysmen (Poly-spike-waves), von Lokalisation und Morphe nicht zu Rolando-Fokus passend. […] Vereinzelt kurze β-Bursts frontozentral bds. Fokale Verlangsamung nicht nachweisbar. Am ehesten generalisierte Veränderungen bei ausgeprägter Pseudofokalität.“ Das Mädchen wurde im Universitätsklinikum Heidelberg zunächst auf Phenobarbital (Luminal®) und dann auf Sultiam (Ospolot®) eingestellt. Unter der antikonvulsiven Therapie kam es zu einer Anfallsfreiheit.
Homöopathische Anamnese: Trotz Anfallsfreiheit sind die Eltern besorgt, weil ihnen sowie der Klassenlehrerin von Marie eine reduzierte Auffassungsfähigkeit mit ausgeprägter Konzentrationsstörung aufgefallen war. Die Eltern berichten, dass Marie sehr wissbegierig und eher unordentlich sei. Sie habe viel Körperwärme, gehe gern barfuß und strample sich nachts frei.

Repertorisation I

→Gemüt – neugierig: u. a. sulph (1)
→Gemüt – unordentlich: u. a. sulph (2)
→Gemüt – Waschen – Abneigung gegen: u. a. sulph (2)
→Extremitäten – Hitze – Hände: u. a. phos (3), sulph (3)
→Allgemeines – Wärme agg.: u. a. phos (2), sulph (2)

Verordnung und Verlauf I

Aufgrund konstitutioneller Aspekte und der Repertorisation der Leitsymptome und Modalitäten sowie der Vorstellung von Sulphur als „dem großen Reiniger“ erfolgt zunächst die Gabe von Sulphur LM XII, 2 × 3 Globuli pro Woche über drei Monate. Bei regelmäßigen neuropädiatrischen Kontrollen konnte daraufhin die Phenobarbital-Dosis langsam reduziert werden. Das Kind blieb dabei anfallsfrei. Die Auffassungsfähigkeit und Konzentration besserten sich deutlich (Beobachtung der Mutter und der Lehrerin). Bei der nächsten Konsultation drei Monate später trat ein anderer konstitutioneller Aspekt stärker zu Tage (Bericht der Mutter): „Marie ist eher verfroren. Sie geht gern in die Schule, ist dort sehr beliebt und sucht insgesamt Kontakt. Sie sucht körperliche Nähe und ist sehr verschmust, trinkt eher wenig, aber kalt. Sie kommt überall gut an“.

Repertorisation II

→Gemüt – Gesellschaft – Verlangen nach: u. a. phos (4), sulph (1)
→Gemüt – magnetisiert – Verlangen nach: u. a. phos (3)
→Magen – durstlos: u. a. phos (2), sulph (2)
→Allgemeines – Konvulsionen – epileptisch: u. a. phos (2), sulph (3)
→Allgemeines – Konvulsionen – Kinder: u. a. phos (1), sulph (1)
→Allgemeines – Speisen und Getränke – Verlangen – kalte: u. a. phos (3), sulph (1)

Verordnung und Verlauf II

Die Repertorisation macht deutlich, dass es offenbar zu einem Wechsel der Konstitution bzw. zum Wechsel der Gesamtheit der Symptome, des Inbegriffs der Symptome kam. Einmalige Gabe von Phosphorus D200, 3 Globuli sowie als Erhaltungstherapie Phosphorus LM VI, 2 × 3 Globuli pro Woche über mehrere Monate hinweg.
Nach Luminal® konnte – bei bestehender Anfallsfreiheit versteht sich – auch das zweite Antikonvulsivum Sultiam (Ospolot®) langsam reduziert und ausschleichend abgesetzt werden. Die Meinung der Lehrerin zu Maries Entwicklung: „Sie macht sich ganz toll; machen Sie sich keine Sorgen um Marie“. Die Mutter meint: „Marie ist viel klarer geworden. Die Lehrerin ist mit ihr vollkommen zufrieden. Marie hat enorme Fortschritte gemacht, ist hoch motiviert, begeisterungsfähig und sehr konzentriert. Ihre geistige Entwicklung ist sehr zufriedenstellend“.

Beurteilung

An dieser Stelle sei als „offizielle“ Beurteilung auszugsweise der Arztbrief des Uniklinikums Heidelberg zitiert: „Marie ist erfreulicherweise weiterhin anfallsfrei geblieben. Seit März 2002 haben die Eltern die Sultiam-Medikation von 2 × 50 mg auf nun 2 × 25 mg selbstständig reduziert, da ihnen selbst, aber auch der Lehrerin in der Schule eine verzögerte Auffassungsgabe auffiel. […] Nachdem die Eltern die Medikamente reduzierten, wurden ihre Leistungen in der Schule deutlich besser […]. Marie wurde uns zur Verlaufskontrolle ihrer in der frühen Kindheit aufgetretenen therapiebedürftigen komplizierten Fieberkrämpfe vorgestellt. Seit Absetzen der Medikation im September 2002 keinerlei anfallsverdächtige Äquivalente mehr, sodass insgesamt eine fünfjährige Anfallsfreiheit bestand. […]“
Aus dieser Beurteilung geht auch hervor, dass Maries Eltern die homöopathische Therapie vor den behandelten Ärzten in der Neuropädiatrie geheim hielten.

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Tics

Kathrina Naske

Kasuistik:

Michael Drescher

Grundlagen

TicsTics sind kurze, abrupte, nicht zweckgebundene, unwillkürliche Bewegungen oder Lautäußerungen, die in unregelmäßigen Abständen wiederkehren. Sie zählen neben Dystonien, Chorea, Tremor und Myoklonien zu den Dyskinesien.
Für das Tourette-Syndrom wird eine Häufigkeit von 1 % angegeben (Müller-Vahl 2012). Bei über 90 % der Betroffenen treten die Tics erstmals zwischen dem zweiten und 15. Lebensjahr auf. Jungen sind 3–4 mal so häufig betroffen wie Mädchen.

Ätiologie

Die Ursache der Entstehung von Tics ist bis heute ungeklärt. Einig ist man sich inzwischen darüber, dass Tics primär eine organische und keine psychogene Ursache haben. Man vermutet eine Störung im Bereich cortico-striataler Verbindungen, wobei eine erhöhte Empfindlichkeit der Dopaminrezeptoren eine Rolle zu spielen scheint. Der Einfluss genetischer Faktoren gilt als gesichert.
Sehr selten treten Tics als sekundäre Erkrankung auf, z. B. medikamenteninduziert, als Folge von Entzündungen oder Traumata des zentralen Nervensystems, nach Kohlenmonoxidvergiftungen und auch nach Infektionen. So wird unter dem Begriff PANDAS (Pediatric autoimmune neuropsychiatric disorders, associated with streptococcal infections) das Auftreten von Tics und Tourette-Syndrom nach Infektionen durch β-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A beschrieben (Keitzer 2003).

Klinik

TicsKlinikMan unterscheidet zwischen motorischen Tics (Bewegungen) und vokalen Tics (Lautäußerungen), wobei es sich bei vokalen Tics streng genommen ebenfalls um motorische Tics handelt, denn es sind orale, respiratorische, laryngeale, pharyngeale oder nasale Muskelabschnitte betroffen. Durch Luftbewegungen kommt es zu hörbaren Geräuschen.
Einfache Tics betreffen Ticseinfachenur eine oder wenige Muskelgruppen (z. B. Blinzeln, Naserümpfen, Schulterzucken oder Räuspern). Bei komplexen Tics TicsKomplexesind mehrere Muskelgruppen beteiligt. So entstehen koordinierte Bewegungsabläufe, die natürliche Gesten und Handlungen imitieren können (z. B. Berühren der Nase, Fingergesten). Komplexe vokale Tics sind Vokalisationen, Verbalisationen oder sprachliche Äußerungen bis hin zu obszönen Lautäußerungen (Koprolalie), Nachsprechen von gehörten Wörtern oder Sätzen (Echolalie) und Wiederholung eigener Äußerungen (Palilalie).
Das Auftreten von Tics wird häufig durch emotionale Belastungssituationen wie z. B. eine Prüfung verstärkt. Starke Konzentration hingegen kann zu einer Verminderung der Tics führen oder diese komplett unterdrücken. Im Gegensatz zu den meisten anderen unwillkürlichen Bewegungsstörungen können Tics auch unterschiedlich lange willentlich unterdrückt werden, um dann in einer weniger kompromittierenden Situation zugelassen zu werden. So äußern sich bei manchen Kindern die Tics erst zu Hause nach der Schule oder sie können in einer passenden Situation wie eine willkürlich ausgelöste Handlung aussehen.
Bei Entspannung treten Tics häufig vermehrt auf, und nicht selten bleibt die Symptomatik im Schlaf in abgeschwächter Form bestehen. Die meisten Betroffenen empfinden vor dem Beginn einer Tic-Bewegung ein inneres Spannungsgefühl oder ein unangenehmes körperliches Gefühl (z. B. Augenbrennen vor einem Blinzel-Tic) und erleben den Tic als Entlastungsmoment. Dieses hält allerdings nicht lange an, sodass der Tic wiederholt werden muss.
Das Tourette-SyndromTourette-Syndrom ist die TicsTourette-Syndrommaximale Ausprägung des klinisch heterogenen Spektrums von Tic-Störungen (Kasuistik „Tourette-Syndrom“ und Aufmerksamkeitsstörung und Kasuistik „Tourette-Syndrom“). Kriterien für die Diagnosestellung sind das Auftreten von mehreren motorischen und mindestens einem vokalen Tic im Krankheitsverlauf, ein Beginn der Tics vor dem 18. Lebensjahr, eine Erkrankungsdauer von mindestens einem Jahr und ein Wechsel der Ticsymptomatik über die Zeit. Eine Koprolalie gilt mittlerweile nicht mehr als Diagnosekriterium. Das Tourette-Syndrom ist häufig mit psychiatrischen Begleiterkrankungen und Verhaltensauffälligkeiten assoziiert. Dazu gehören Zwangssymptome, das Aufmerksamkeits-Defizit-/Hyperaktivitätssyndrom (ADHS 5.11), selbstverletzendes Verhalten, emotionale Labilität, Impulsivität und aggressives Verhalten. Bis zu 50 % der Kinder und Jugendlichen mit Tourette-Syndrom leiden unter einem ADHS, wobei dieses oft der Tic-Symptomatik vorausgeht. Zu beachten ist, dass die Therapie mit Methylphenidat vorübergehend zu einer Zunahme der Tics führen kann.

Verlauf und Prognose

Tics beginnen meist im Bereich der Augen, des Gesichts oder des Nackens in Form von einfachen motorischen Tics. Vokale und komplexe Tics treten üblicherweise erst später im Erkrankungsverlauf auf.
Bei der Mehrzahl der Kinder sind die Tics transient und bedürfen keiner weiteren Behandlung. Im chronischen Erkrankungsverlauf können längere Remissionsphasen mit Rezidiven wechseln, die durch psychische Konfliktsituationen ausgelöst werden können. Bei einem Großteil der Betroffenen ist die Symptomatik während der Adoleszenz am stärksten ausgeprägt, um dann nach der Pubertät zu sistieren oder sich zumindest deutlich abzuschwächen.

Differenzialdiagnose

Tic-Störungen sind von anderen unwillkürlichen Bewegungsstörungen wie Myoklonien, choreatischen Bewegungen und fokalen Dystonien abzugrenzen. Auch Epilepsien (20.2) oder verschiedene psychiatrische Erkrankungen (Stereotypien, zwanghafte oder rituelle Bewegungen 21.13, 21.14) können klinisch ähnlich imponieren.

Konventionelle Therapie

Da es sich beim überwiegenden Teil der Tic-Erkrankungen um vorübergehende Störungen handelt, ist eine Aufklärung über die Erkrankung und ihre meist günstige Verlaufsprognose häufig ausreichend und es bedarf keiner weiteren Behandlung. Besteht jedoch eine ausgeprägte Tic-Symptomatik über einen längeren Zeitraum, so stehen die Betroffenen meist unter einem großen Leidensdruck und wünschen eine Erfolg versprechende Therapie.
Studien haben gezeigt, dass eine VerhaltenstherapieVerhaltenstherapieTics mittels „Habit Reversal Training oder Exposure and Responsive Prevention Training“ zu einer Tic-Reduktion von etwa 30 % führt. Dies ist demnach eine gute Alternative zur Pharmakotherapie, bei der auch nur eine Symptomminderung von etwa 50 % erreicht wird (Müller-Vahl 2012).
Pharmakologisch eingesetzt werden v. a. atypische AntipsychotikaAntipsychotika (AAP) wie die selektiven Dopamin-D2-Antagonisten Tiaprid, Sulpirid und Risperidon in deutlich niedrigeren Dosierungen als bei Psychosen. Diese Pharmaka reduzieren zwar wirkungsvoll die Tics, beeinflussen jedoch nicht den Erkrankungsverlauf und sind mit gravierenden Nebenwirkungen behaftet, die bei einem Großteil der damit behandelten Tic-Patienten zum Therapieabbruch führen. Gefürchtet ist v. a. das Auftreten von Spätdyskinesien. Da unter Tiaprid diese Gefahr am geringsten ist, wird diesem meist der Vorzug gegeben. Weitere Nebenwirkungen sind Müdigkeit, Appetitsteigerung, depressive Verstimmungen, Konzentrationsstörungen, gastrointestinale Beschwerden und extrapyramidale Symptome. In seltenen Fällen kommt es zu akuten Dystonien. Das neuere AAP Aripiprazol scheint bei guter Wirkung besser verträglich zu sein und könnte in Zukunft das Medikament der ersten Wahl werden. Eine nebenwirkungsärmere Therapieoption mit jedoch geringerem Effekt ist das Antihypertonikum Clonidin, das v. a. bei zusätzlichem ADHS (5.11) eingesetzt wird, da die Wirksamkeit bei ADHS besser belegt ist als bei Tics.
Stark beeinträchtigende motorische und vokale Tics, die nicht auf die übliche medikamentöse Therapie ansprechen, können unter Umständen durch Botulinustoxin-InjektionenBotulinustoxin-InjektionenTics in die entsprechenden Muskeln gebessert werden. Dieser Eingriff muss alle sechs bis neun Monate wiederholt werden.
Die Streptokokken-Eradikation oder eine immunsuppressive Therapie bei Verdacht auf PANDAS wird nicht mehr empfohlen, da die Kausalität nach wie vor kontrovers diskutiert wird.

Unterstützende Maßnahmen

Da eine Tic-Erkrankung, besonders in der ausgeprägten Form des Tourette-Syndroms, häufig sekundär zu psychischen und sozialen Auffälligkeiten führt, ist eine begleitende psychotherapeutische Behandlung zur besseren Bewältigung der Krankheit sinnvoll.
Des Weiteren werden Entspannungsverfahren wie autogenes Training und, wie bereits erwähnt, verschiedene verhaltenstherapeutische Verfahren zur Verminderung von Tics eingesetzt. Auch über Erfolge durch Akupunktur wird berichtet.

Homöopathische Behandlung

Die homöopathische Behandlung von Tic-Störungen ist eine erfolgversprechende Alternative zur nebenwirkungsreichen konventionellen Therapie. Bei einer Beobachtungsstudie im Dr. von Haunerschen Kinderspital der Ludwig-Maximilians-Universität München traten bei 10 von 23 homöopathisch behandelten Kindern keine Tics mehr auf, bei sieben Kindern war der Tic deutlich gebessert. Die Nachbeobachtungszeit betrug ein bis vier Jahre (Kruse 2003).
Bei Tic-Störungen sollte grundsätzlich eine konstitutionelle Therapie erfolgen und die Gesamtheit der Symptome beachtet werden. Hilfreich bei der Mittelsuche sind neben der Lokalsymptomatik auch die akuten Auslöser der Symptomatik sowie die Begleitumstände bei Beginn der Tic-Störung, d. h. die Causa.

Repertoriumsrubriken

Lokalsymptomatik
RepertoriumsrubrikenTics→Gemüt – Gesten, Gebärden, macht (31): bell, cocc, hyos, stram, tarent, …
→Gemüt – Gesten, Gebärden, macht – Hände, unwillkürliche Bewegungen der (29): bell, cann-i, dulc, hyos, phos, stram, …
→Gemüt – Gesten, Gebärden, macht – Tics, nervöse (22): agar, arg-n, carc, ign, hyos, lyc, stram, verat, zinc, …
→Gemüt – Grimassen (25): all-c, camph, cupr, hyos, olnd, stram, …
→Gemüt – Grimassen – sonderbare Grimassen, schneidet (24): agar, bell, carc, hyos, ign, rhus-t, stram, zinc, …
→Allgemeines – Zucken (233): agar, hyos, stram, zinc, …
→Auge – Blinzeln (49): bell, caust, croc, ign, nux-v, …
→Auge – Zucken (77): agar, arum-t, bell, nux-v, …
→Auge – Zucken – Lider (125): agar, arum-t, cic, phys, rheum, sulf, …
→Extremitäten – Zucken (123): bell, hyos, ign, stram, stry, …
→Gesicht – Tic, Muskelzucken (5): agar, der, lyc, stram, zinc
→Gesicht – Zucken (131): agar, lyc, op, sel, zinc, …
→Kopf – Zucken des Kopfes und der Muskeln des Kopfes (55): agar, bell, cic, op, ph-ac, sep, …
→Kopf – Bewegungen des Kopfes (65): calc-p, cic, cina, cupr, hyos, ign, …
→Innerer Hals-Räuspern, Neigung sich zu Räuspern (180): arg-n, lyc, nat-m, phos, …
Es lohnt sich, auch bei ungewöhnlicheren Tic-Symptomen nach einer passenden Rubrik im Repertorium zu suchen:
→Gesicht – unwillkürliches Öffnen des Mundes (1): ther
→Nase – Zupfen – Nase, an der (36): arum-t, cina, con, lyc, phos, teucr, …
Auslöser
Häufig führen Erwartungsspannung oder Versagensangst zu einer Verstärkung der Tic-Symptomatik:
→Gemüt – Beschwerden durch – Erwartungsspannung (93): arg-n, calc, carc, gels, lyc, sil, …
→Gemüt – Beschwerden durch – Freude – übermäßige (16): acon, coff, op, puls, …
→Gemüt – Furcht – Versagen, Misserfolg, vor dem (37): arg-n, carc, lac-c, lyc, sil, …
Einige Kinder und Jugendliche entwickeln Tics, wenn sie von außen unter Leistungsdruck stehen oder an sich selbst zu hohe Anforderungen stellen:
→Gemüt – gewissenhaft – peinlich genau in Bezug auf Kleinigkeiten (103): ars, carc, ign, lyc, puls, sep, sil, …
→Gemüt – Ehrgeiz, erhöht, vermehrt, sehr ehrgeizig (67): carc, nux-v, plat, sulph, verat, …
→Gemüt – Beschwerden durch – Tadel (32): ambr, calc-sil, carc, ign, op, staph, stram, …
→Gemüt – empfindlich – Kritik (22): calc, carc, nat-m, staph, …

Homöopathische Arzneimittel

Agaricus muscarius
#Agaricus muscariusTicsNervöse, lebhafte Kinder mit psychischer und motorischer Unruhe. Unwillkürliche Muskelzuckungen, nervöse Tics, v. a. im Gesichtsbereich (Grimassieren, Blinzeln, Zucken der Augenlider), choreaartige Bewegungen, die im Schlaf abnehmen; < seelische Aufregung und geistige Anstrengung. Großer Rededrang oder auch Abneigung zu sprechen. Verzögerte Entwicklung mit spätem Laufen- und Sprechenlernen, motorische Ungeschicklichkeit, macht Fehler beim Sprechen und Schreiben. Schwaches Gedächtnis, Konzentrationsschwierigkeiten. Albernes Verhalten. Nächtliche Ängste. Heftiger Zorn (dreiwertig in der Rubrik „Raserei, Tobsucht, Wut“). Neigung zu Frostbeulen, Nasenspitze gerötet, Brennen und Jucken der Haut. Große Empfindlichkeit gegen Kälte.
Argentum nitricum
#Argentum nitricumTicsWichtiges Mittel, wenn die Erwartungsspannung als Auslöser der Tics im Vordergrund steht (gels). Prüfungsangst und Lampenfieber, große Nervosität, Gedächtnisschwäche, Konzentrationsschwierigkeiten. Nervöse Tics, u. a. Blinzeln, aber auch Räuspern (Innerer Hals – Neigung, sich zu Räuspern) oder ticartiges Aufstoßen. Choreaartige, krampfhafte Bewegungen der Arme und Beine. Zittern.
Carcinosinum
Kinder und Jugendliche, die Carcinosinum#CarcinosinumTics benötigen, versuchen, den Erwartungen anderer zu entsprechen und haben hohe Ansprüche an sich selber. Das Mittel findet sich in den Gemütsrubriken „Beschwerden durch Erwartungsspannung“, „Beschwerden durch Bevormundung – Kindern bei“, „Beschwerden durch Tadel“, „Furcht – Versagen, Misserfolg, vor dem“. Wenn diese Kinder unter zu großem Leistungsdruck stehen, wird die Anspannung so stark, dass sie Tics entwickeln. Auch Nägelbeißen wird häufig beobachtet. Die Kinder sind oft frühreif in ihrer Entwicklung, sehr intelligent, verantwortungsbewusst und pedantisch. Die Entwicklung kann jedoch auch verzögert sein. Starkes Harmoniebedürfnis und ausgeprägtes Mitleid mit Anderen. Viele Ängste, aufregende oder traurige Geschichten werden nicht vertragen. Wichtiges Mittel bei Konzentrationsstörungen und somit auch bei ADHS.
Ignatia amara
Zart besaitete, verletzliche, nervöse Kinder. Folgen von Kummer, Schreck, Kränkung, Eifersucht. Zuckungen der Gesichtsmuskulatur, der Lippen oder der Extremitäten. Ein Tic, der sich z. B. nach der Geburt eines Geschwisterkindes entwickelt, könnte auf Ignatia#Ignatia amaraTics ansprechen. Rascher Stimmungswechsel, viel Seufzen. Globusgefühl im Hals.
Lycopodium clavatum
Diese Kinder haben ein geringes Selbstbewusstsein. Ihre große Angst ist, dass jemand ihre Fehler bemerken könnte und sie sich lächerlich machen könnten. Sie versuchen, die innere Unsicherheit durch besonders forsches Auftreten zu überspielen oder passen sich an, um nicht aufzufallen. In diesem Spannungsfeld entsteht die Tic-Störung. Die Tics lassen sich vor der Umgebung nicht verbergen und verstärken die Selbstwertproblematik. Lycopodium#Lycopodium clavatumTics-Patienten können in vertrauter Umgebung sehr herrisch sein, Widerspruch wird schlecht vertragen. Fehler beim Lesen und Schreiben. Verlangen nach Süßem, Völlegefühl, Blähungen, Erkältungsneigung.
Stramonium
#StramoniumTicsUnruhige, stark erregbare Kinder mit Neigung zu Konvulsionen, Zuckungen, choreaartigen und athetotischen Bewegungen. Augenzwinkern, Zuckungen im Gesicht, unwillkürliche Bewegungen der Hände. Große Angst nachts im Dunkeln, beim Alleinsein, vor Hunden und vor Wasser, nächtliches Aufschrecken im Schlaf. Heftige Wutanfälle bis hin zur Gewalttätigkeit. Folgen von Schreck, Verletzungen, schweren Geburten und Impfungen. Tics können durch Ängste oder Schreck ausgelöst werden. Kinder mit Konzentrationsstörungen, Stottern und motorischer Ungeschicklichkeit. Photophobie, nächtliches Zähneknirschen und starke Schweiße. Stramonium spielt als Mittel bei Tics mit gleichzeitigem Vorliegen eines ADHS eine wichtige Rolle. Nach Herscu kann ein Tourette-Syndrom mit Stramonium gebessert werden (s. Kasuistik). Die mit Stramonium verwandten Nachtschattengewächse Belladonna und Hyoscyamus, die im Arzneimittelbild ebenfalls die starke Erregbarkeit und die Neigung zu Zuckungen und Krämpfen aufweisen, können bei passendem Symptomenbild ebenfalls bei einer Tic-Störung indiziert sein.
Zincum metallicum
#Zincum metallicumTicsMüde, geschwächte Kinder, die gleichzeitig nervös und zappelig sind. Muskelzuckungen und Zittern. Große Unruhe in den Beinen, die ständig bewegt werden müssen, v. a. nachts im Bett. „Während die Muskulatur übermäßig angespannt ist, ist das Kind geistig träge, von schlechtem Auffassungsvermögen“ (Gawlik). Folgen von Kummer, Wut, Schreck und Angst sowie von unterdrückten Hautausschlägen. Exantheme bei Kinderkrankheiten kommen nicht heraus. Geräuschempfindlichkeit und nächtliches Aufschreien im Schlaf.

Kasuistiken

Kasuistik

Tic-Störung (Kathrina Naske)

Anamnese

Die 16-jährige Schülerin Verena S. stellt sich mit einer seit sieben Jahren bestehenden Tic-Störung vor, unter der sie sehr leidet. Der Tic besteht aus einem Zucken oder Zittern der Schulter und des gesamten Armes, rechts > links. Das Mädchen fürchtet sich davor, jemandem die Hand zu geben, weil sie dann häufig nicht trifft und gleichzeitig das Gesicht verzerrt. Die Tics werden schlimmer bei Aufregung und Prüfungsdruck. Sie hat große Angst davor, ausgelacht und bloßgestellt zu werden.
Der Tic fiel erstmals bei der Erstkommunion auf. Damals war sie sehr aufgeregt und konnte wegen der Zuckungen die Kommunionskerze nicht halten. In diese Zeit fiel die Trennung der Eltern.
Weitere Lokalsymptome: Gelegentlich stechende Schmerzen im Bereich des Herzens bei Aufregung, pickeliger Ausschlag im Gesicht nach Genuss von Paprika, gespritztem Obst und Gemüse, Kopfschmerzen bei Hitze.
Allgemeinsymptome: Verlangen nach Süßigkeiten.
Vorgeschichte: Risikoschwangerschaft wegen vorzeitiger Wehen, normale Geburt zehn Tage über Termin. Streptokokkenangina vor acht Jahren mit lange fortbestehendem Streptokokkennachweis im Rachenabstrich, nach Masernimpfung hohes Fieber mit starkem Krankheitsgefühl.
Gemüt: Ruhige, sehr pflichtbewusste und ehrgeizige Schülerin, gerne alleine, gelegentlich reizbar mit Wutausbrüchen, vor einem Jahr Essstörung (außer Süßem kaum etwas zu sich genommen).

Repertorisation I

→Gemüt – Beschwerden durch Erwartungsspannung (93): arg-n, calc, carc, gels, lyc, sil, …
→Gemüt – Erwartungsspannung vor Prüfungen (13): aeth, arg-n, carc, gels, lyc, …
→Gemüt – Erwartungsspannung-Lampenfieber (45): arg-n, carc, gels, lyc, nat-m, sil, …
→Gemüt – Ehrgeiz-erhöht, vermehrt, sehr ehrgeizig (67): carc, lyc, nat-m, nux-v, plat, verat, …
→Extremitäten – Zittern – Arme (89): arg-n, cic, gels, merc, nit-ac, op, plb, …
→Gemüt – Grimassen (25): carc, cupr, gels, ign, …
→Brust – Schmerz – stechend (262): arg-n, calc, lyc, nat-m, …
→Allgemeines – Speisen und Getränke – Süßigkeiten – Verlangen (208): arg-n, calc, lyc, sulph, …

Verordnung und Verlauf I

Aufgrund der nervösen Tics bei sehr ausgeprägter Erwartungsspannung und weiterer bestätigender Symptome wie Zittern der Arme, stechenden Brustschmerzen und Verlangen nach Süßem erhält die Jugendliche Argentum nitricum C 12, 1 × tgl. 3 Globuli. Neben Argentum nitricum kommen v. a. Lycopodium, Carcinosinum und Calcium carbonicum in Betracht. Nachdem das führende Symptom der Erwartungsspannung bei Argentum nitricum am stärksten ausgeprägt ist und das Mittel auch in der Rubrik Zittern der Arme höherwertig erscheint, wird diesem der Vorzug gegeben.
Die Patientin meldet sich nach knapp drei Monaten und berichtet, die Tics wären anfangs einige Tage lang viel häufiger aufgetreten und hätten sich dann um etwa 40 % gebessert. Ihre Stimmung sei gelassener gewesen, nun sei sie aber wieder reizbarer. Derzeit stünden die Schulabschlussprüfungen bevor. Sie erhält Argentum nitricum in der C 30, 1–2 × wöchentlich 3 Globuli.
Zwei Monate später ist die Situation unverändert. Die Tics sind besser, aber nicht verschwunden, und sie will in diesem Zustand nicht in die Prüfungen gehen. Sie bekommt zusätzlich wegen der belastenden Prüfungssituation Strophantus C 12 als bewährtes Mittel bei Lampenfieber. Argentum nitricum C 30 wird weiter 1–2 × wöchentlich eingenommen.
Drei Monate später meldet sie sich erneut. Sie hat die Prüfungen mit hervorragenden Noten bestanden. Doch sie fühlt sich wie vor Beginn der homöopathischen Behandlung, zittert wieder viel häufiger und zieht sich zurück, damit keiner ihre Tics bemerkt. Sie schließt sich zum Weinen in ihr Zimmer ein und lässt sich nicht trösten. Es kommt heraus, dass sie damals unter der Scheidung ihrer Eltern stark gelitten hat und vom Vater sehr enttäuscht war. Zwei Jahre lang wollte sie keinen Kontakt mehr zu ihm.

Repertorisation II

→Gemüt – Beschwerden durch – Kummer (94): ign, nat-m, ph-ac, phos, staph, …
→Gemüt – Kummer – Trauer – still (36): anthraci, ign, nat-m, ph-ac, symph, …
→Gemüt – Gesellschaft – Abneigung gegen (252): nur cic und nat-m vierwertig
→Gemüt – Pflicht – zu viel Pflichtgefühl (32): calc, calc-sil, carc, kali-c, nat-m, nit-ac, …
→Gemüt – Ehrgeiz – erhöht, vermehrt, sehr ehrgeizig (67)
→Gemüt – Anorexia nervosa (63): ars, chin, nat-m, …

Verordnung und Verlauf II

Sie bekommt eine Einzelgabe Natrium muriaticum C 200. Neben Natrium muriaticum kommen v. a. Ignatia, aber auch Calcium carbonicum und Lycopodium in Betracht. Der große Ehrgeiz, das Verlangen nach Alleinsein und die Vorgeschichte der Essstörung sprechen jedoch für Natrium muriaticum.
Die Stimmung wird nach Einnahme von Natrium muriaticum positiver und entspannter und das Zittern lässt nach. Als die Symptome wieder zunehmen, wird das Mittel in der C200 wiederholt. Über den weiteren Verlauf ist nichts bekannt, da die Patientin sich nicht mehr meldete.

Kasuistik

Räuspertic (Kathrina Naske)

Anamnese

Der jetzt knapp siebenjährige Jonas M. ist seit seiner Geburt in meiner kinderärztlichen Behandlung. Er war von Beginn an ein blasses, schlankes Kind, als Säugling sehr lebhaft bis unruhig, mit einer Haltungsasymmetrie und beidseitiger Hydrozele. Wegen seiner Neigung zu Atemwegsinfekten, die meist mit Husten einhergingen, erhielt er über Jahre Tuberculinum bovinum in den Potenzen C 30 und C 200 mit stets guter Wirkung. Später traten rezidivierende Prolapse des Rektums auf, die mit Nux vomica, Podophyllum und wiederum Tuberculinum behandelt wurden.
Nun wird er wegen eines seit einigen Wochen bestehenden Räuspertics vorgestellt. Vor der Einschulung vor drei Wochen war Jonas sehr aufgeregt und sprach viel über das bevorstehende Ereignis. In der Schule gefällt es ihm, er meldet sich regelmäßig und hat kein Problem, vor anderen zu sprechen. In wenigen Tagen hat er Geburtstag und ist erneut nervös und voller Erwartungsspannung. Durch Verkühlen oder ungünstige Schlafhaltung ist in letzter Zeit mehrmals ein Schiefhals aufgetreten. Der deshalb konsultierte Orthopäde hat eine Schwäche der Muskulatur festgestellt. Jonas hat ein- bis zweimal wöchentlich Alpträume, er fürchtet sich im Dunkeln und vor Einbrechern. Er wird leicht zornig und ist eifersüchtig auf die jüngere Schwester.

Repertorisation I

→Innerer Hals – Räuspern – Neigung sich zu (180): arg-n, lach, lyc, nux-v, phos, …
→Gemüt – Gesten, Gebärden, macht Tics, nervöse (22)
→Gemüt – Beschwerden durch-Erwartungsspannung (91)
→Äußerer Hals – Torticollis (74): lachn, lyc, phos, …
→Allgemeines – Schwäche – Muskeln, der (149): bar-c, calc, gels, lyc, nat-m, …
→Allgemeines – Abmagerung – Kindern; bei (67): ars, calc-p, calc, iod, lyc, nat-m, sil, tub, …
→Gemüt-Furcht – Dunkelheit, vor der (84): calc, lyc, phos, stram, tub, …
Differenzialdiagnostisch kommen neben Lycopodium Causticum, Nux vomica und Calcium carbonicum infrage. Die Kombination von Tics, Erwartungsspannung und Torticollis wird von Lycopodium am besten abgedeckt.

Verordnung und Verlauf I

Jonas erhält Lycopodium C 30, 1 × tgl. 3 Globuli für 3 Tage und 11 Tage später Lycopodium C 200. Nach der dreimaligen Einnahme von Lycopodium C 30 wird der Tic erst ein wenig besser, dann tritt wieder extremes Räuspern auf, wobei sein Kindergeburtstagsfest bevorsteht. Jonas hat vor Aufregung auch mehrmals Bauchschmerzen und Harndrang. Am Tag nach dem Fest nimmt er Lycopodium C 200 ein, der Tic verschlimmert sich kurzzeitig, wird dann langsam besser und verschwindet schließlich komplett.
In den folgenden sechzehn Monaten bekommt Jonas insgesamt sieben Mal in Abständen von meist zwei bis drei Monaten Lycopodium C 200, teils wegen akuter Infekte, teils wegen unterschiedlicher Tics (Aufstoßen, Schlucken und Rülpsen, Räuspern) mit jeweils rascher Besserung. Dann treten erstmals die Symptome einer Migräne auf mit einseitigen Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, verändertem Hörvermögen, vergeblichem Harndrang und einem gleichzeitig auftretenden Rülpstic. Die Mutter berichtet, er habe seit einer Weile soziale Schwierigkeiten, fühle sich schnell angegriffen, sei leicht beleidigt und komme schnell in Streit mit Anderen. Unter weiterer Behandlung mit Lycopodium C 200 bei Bedarf bleibt er stabil und kommt auch sozial besser zurecht. Schließlich kommt er neun Monate später zu einer Folgeanamnese. Er hat lange keine Tics gehabt, zeigt jedoch ein auffälliges Verhalten. Seit einigen Monaten empfindet er extremen Ekel bei geringen Anlässen, z. B., wenn jemand seinen Teller angefasst oder ihn angehustet hat und gruselt sich bei Kleinigkeiten. Er glaubt häufig, die Anderen hätten sich gegen ihn verschworen, fühlt sich von Banknachbarn gestört und meint, sie rückten zu nah heran und würden ihn absichtlich schubsen. Körperliche Beschwerden nimmt er übersteigert wahr, und jegliche Kleidung stört ihn und zwickt irgendwo.

Repertorisation II

→ Gemüt – Furcht – Ansteckung (19): ars, calc, carc, med, …
→ Gemüt – Angst – Gesundheit; um die (61): ars, calc, carc, lyc, nux-v, phos, …
→ Gemüt – beleidigt, leicht (125): ars, calc, carc, lyc, staph, tub, …
→ Gemüt – Wahnideen – Verschwörungen – gegen ihn im Gange; es seien Verschwörungen (7): ars, kali-br, lach, plb, puls, …
→ Gemüt – Schreckliches und traurige Geschichten greifen stark an: ars, calc, carc, lyc, nat-m, phos, staph, …
→ Gemüt – Berührtwerden – Abneigung berührt zu werden (71): arn, ars, calc, carc, cham, lyc, nat-m, sil, …

Verordnung und Verlauf II

Nun treten Calcium carbonicum, Carcinosinum und besonders Arsenicum album in Vordergrund. Auch Ignatia ist zu erwägen und in fast allen Rubriken zumindest im ersten Grad vertreten. Da die Symptome jedoch auch weiterhin von Lycopodium gut repräsentiert werden und die Arznei bisher gut gewirkt hat, bekommt Jonas Lycopodium C 1000. Zusätzlich empfehle ich eine kinderpsychiatrische Abklärung.
Nachdem sich die Symptomatik abmildert, aber nicht überzeugend nachlässt, verordne ich Jonas drei Wochen später Arsenicum album C 200. Der Kinderpsychiater diagnostiziert eine emotionale Störung der Identität mit Überängstlichkeit sowie Konzentrationsschwierigkeiten, und Jonas nimmt an einer Gruppentherapie teil. Seit nunmehr zwanzig Monaten bekommt er bei Bedarf Arsenicum album C 200 und ist weitgehend psychisch stabil. Dreimal traten Migräneattacken auf, die teilweise von Tics, Ängsten und Wahrnehmungsstörungen begleitet waren, die letzte vor sieben Monaten. Auch gelegentlich wieder isoliert auftretende Tics sprachen gut auf Arsenicum album an.

Kasuistik

Tourette-Syndrom und Aufmerksamkeitsstörung (Kathrina Naske)

Anamnese

Der neunjährige Karlo wird mir wegen seit Jahren bestehender Tics vorgestellt. Diese begannen nach dem Wechsel vom Kindergarten, in dem er gut integriert war und viele Freunde hatte, in die erste Klasse Grundschule. Die Mutter meint, er habe dort von Beginn an sehr unter Konkurrenzdruck gelitten. Karlo begann, unkontrolliert den Mittelfinger zu strecken und dabei zu fluchen, den Kopf zu schütteln und die Augen nach oben zu verdrehen. Hinzu kamen Ruhelosigkeit und aggressives Verhalten. Seit zwei Jahren wird eine psychotherapeutische Behandlung durchgeführt, unter der die Tics etwas abgenommen haben. Die Diagnose Tourette-Syndrom wurde bisher nicht gestellt, aber die Diagnosekriterien sind erfüllt. Auch eine Testung bezüglich ADHS erfolgte nicht.
Nun steht Karlo am Beginn der vierten Klasse. Die Tics zeigen sich aktuell v. a. in Form von Naserümpfen und Offenstehen des Mundes mit Heraushängenlassen der Zunge. Er wird deshalb von seinen Klassenkameraden abgelehnt, hat keine Freunde und wird niemals eingeladen. Zusätzlich besteht eine große Unruhe, Karlo ist vor Schulbeginn immer sehr aufgeregt, in der Schule schaukelt er auf dem Stuhl herum. Er ist ein intelligentes Kind und möchte gerne das Gymnasium besuchen, aber die derzeitigen Noten wären nicht einmal ausreichend für den Übertritt auf die Realschule.
Karlo wird regelmäßig zu Hause sehr zornig, schreit seine Eltern an, schlägt und schubst. Zum Einschlafen braucht er Licht, er hat Alpträume und spricht im Schlaf.
Vorgeschichte: Die Geburt verlief schwer mit einem Abfall der Herzfrequenz bei zweifacher Nabelschnurumschlingung. Wegen eines handtellergroßen Tierfellnävus am Hinterkopf wurde der Junge ab einem Alter von sechs Monaten insgesamt dreimal operiert. Nach den Operationen war er immer sehr unruhig und weinte und schrie viel. Mit fünf Jahren wurde wegen Atempausen eine Adenotomie durchgeführt und mit sechs Jahren eine Phimosen-Operation, die durch eine schwer zu stillende Nachblutung kompliziert wurde. Der Vater leidet ebenfalls unter einer Tic-Störung, er grimassiert.

Repertorisation

→Gemüt – Gesten, Gebärden, macht (31)
→Gemüt – Gesten, Gebärden, macht-Tics, nervöse (22)
→Gemüt – Tourette-Syndrom (7)
→Gemüt – Ruhelosigkeit-muss sich ständig bewegen (42): ars, bell, dulc, rhus-t, tub, …
→Gemüt – Raserei, Tobsucht, Wut (144): agar, bell, hyos, lyc, stram, …
→ Gemüt – Schlagen (68): bell, cina, hyos, nux-v, stram, tub, …
→ Gemüt – Furcht – Dunkelheit, vor der (84): calc, cann-i, lyc, stram, tub, …
→ Gemüt – Beschwerden durch – Schreck (85): acon, bell, hyos, lyc, op, stram, …
→ Gemüt – Alpträume, Alpdrücken – Kindern, bei (7): calc, carc, stram, …

Verordnung und Verlauf

Karlo erhält eine Einzelgabe Stramonium C 200. Neben Stramonium wird die Symptomatik am besten von den anderen zwei Solanacaeen Belladonna und Hyoscyamus abgedeckt. Bei Stramonium sind jedoch der Schock als Causa und die Furcht im Dunkeln hervorstechender, in der Rubrik Alpträume bei Kindern ist es als einzige Solanacaee vertreten.
Drei Wochen später treten die Tics seltener auf und sind nicht mehr so ausgeprägt, „der Dampf sei raus“, berichtet die Mutter. Karlo rollt nur bei starker Müdigkeit die Zunge ein und streckt sie heraus. Er ist ausgeglichener und ruhiger. Aggressives Verhalten sei keines mehr aufgetreten, außerdem schlafe er rascher und ohne Licht ein. Ein Junge aus seiner Klasse hat ihn kürzlich eingeladen. Nach vier Wochen wird das Mittel in der C200 wiederholt, Karlo hat das Gefühl, „er brauche wieder etwas“. Weitere fünf Wochen später treten nur noch ein- bis zweimal pro Woche Tics auf. Die Konzentrationsfähigkeit hat sich deutlich gebessert. Wir vereinbaren, das Mittel bei Bedarf zu wiederholen.
Im April, gut fünf Monate nach Behandlungsbeginn, höre ich wieder von ihm. Die Tics sind vollkommen verschwunden, aber Karlo ist sehr angestrengt. Er will unbedingt den Übertritt zur Realschule schaffen, kann sich jedoch nicht gut konzentrieren, ist reizbar und nervös. Er bekommt nochmals Stramonium C 200, was gut wirkt, die C 1000 wird nicht benötigt. Zehn Monate später meldet er sich erneut. Er besucht jetzt die 5. Klasse Gymnasium, wofür die Noten ausgereicht hatten, ist dort gut integriert, hat eine nette Clique und einen engen Freund. Tics treten keine auf, aber er ist wieder aggressiver. Das Mittel wird in der C200 wiederholt.
Nach weiteren neun Monaten kommt Karlo wegen rezidivierender Kopfschmerzen, die nur während der Schulzeit auftreten. Er fühlt sich in der Schule sehr unter Druck gesetzt, schläft abends schlecht ein, denkt an die Schule und fürchtet, er sei schlecht vorbereitet. Die Konzentration ist schwierig, Karlo zappelt herum, reißt an den Nägeln, streitet mit Eltern und Geschwistern und schreit sie an. Er fürchtet sich vor Monstern, die durch das Fenster oder aus der Abstellkammer kommen könnten. Eine Gabe Stramonium C 200 vor vier Wochen hat keine Besserung gebracht. Er erhält eine Einzelgabe Stramonium C 1000. Danach treten keine Kopfschmerzen mehr auf, Karlo schläft wieder gut und wird nicht mehr zur Behandlung vorgestellt.
Inzwischen ist der Patient erwachsen, er hat regulär nach zwölf Schuljahren die Fachhochschulreife erworben und eine Ausbildung begonnen. Wenige Male im Jahr treten noch minimale Tics auf. Er spürt innerlich immer wieder aggressive Impulse, die er jedoch gut unter Kontrolle hat. Nachbeobachtungszeit neun Jahre.

Kasuistik

Tourette-Syndrom (Michael Drescher)

Anamnese

Philip D., der jetzt zwölfjährige dünne, hellhäutige, nervöse, schlafwandelnde Junge mit Augenringen kam in meine Praxis zur konstitutionellen Behandlung wegen Fieberreaktionen auf Impfungen, Anfälligkeit für Infekte der oberen Luftwege mit gelbweißen Absonderungen in den Canthi, Unausgeglichenheit, Ängstlichkeit, Schüchternheit und Weinen bei unbekannten Situationen.

Repertorisation I

→Gesicht – Verfärbung – bläulich – Augen – ringsum (118)
→Gesicht – Hautausschläge – Herpes – Mund – Mundwinkel (13)
→Gemüt – Schüchternheit, Furchtsamkeit – verschämt, übertrieben bescheiden (56)
→Gemüt – Schlafwandeln, Somnambulismus (72)
→Gemüt – Ruhelosigkeit, Nervosität – allgemein – Kindern, bei (79)
→Gemüt – Lachen – allgemein – Schlaf, im (18)
→Augen – Absonderung von Schleim oder Eiter – allgemein – gelb (52)
→Augen – Absonderung von Schleim oder Eiter – allgemein – Canthi (72)
→Schlaf – ruhelos – Aufdecken, mit (8)
→Magen – Durst – nachts (91)
→Magen – Appetit – gewaltig, heißhungrig – Marasmus, mit (22)
→Allgemeines – Speisen und Getränke – kalte – Getränke, Wasser – Verlangen (187)
→Allgemeines – Speisen und Getränke – Milch – Abneigung (79)
→Allgemeines – Impfung, nach (41)
→Allgemeines – Hitze – Empfindung von (172)
→Allgemeines – Aussehen, Augen-, Gesichts-, Haarfarbe – hell, blond (81)

Verordnung I

Die konstitutionelle Behandlung mit Sulphur, die für etwa zwei Jahre erfolgte, taten ihm sehr gut, speziell auch in Bezug auf sein Verhalten. Als Philip in die dritte Klasse kam und eine neue Lehrerin bekam, entwickelte er vermehrt Tics, indem er mit dem Kopf wackelte und die Augen verdrehte, ein Verhalten, das er ein Jahr zuvor einmal vorübergehend gezeigt hatte.

Repertorisation II

→Gemüt – Tics, Gesichtszucken (12)
→Gemüt – Mathematik, Rechnen – Abneigung (6)
→Gemüt – Gesten, macht (147)
→Gemüt – Schüchternheit, Furchtsamkeit – Auftreten in der Öffentlichkeit, beim (25)
→Kopfschmerzen – allgemein – Fahren oder Reiten – Wagen, in einem (32)
→Nase – Verstopfung – morgens (32)
→Extremitäten – Warzen – Fuß – Fußsohle (14)
→Allgemeines – Speisen und Getränke – kalte – Getränke, Wasser – Verlangen (187)
→Allgemeines – Speisen und Getränke – Gewürze, Pikantes, gut gewürzte Speisen – Verlangen (56)

Verordnung und Verlauf II

Wechsel des Konstitutionsmittels auf Lycopodium, das diese Symptomatik besserte und immer wieder erfolgreich bei Tic-Rezidiven wiederholt werden konnte. Der Familie wurde empfohlen, die Tics nach Möglichkeit zu ignorieren.
Nach ca. eineinhalb Jahren guten Verlaufs mit Lycopodium werden die Tics wieder stärker mit Ziehen des Kopfes nach oben oder hinten und Kopfschütteln. Das EEG zeigt lediglich Allgemeinveränderungen eines schlecht entspannten Kindes mit Alpha-Theta-Mischaktivität. Deutliches Eskalieren der Symptomatik jeweils ab dem ersten Schultag nach den Pfingst- und Sommerferien, vor Schulaufgaben, Theaterspielen und während Erkältungen, dies jetzt auch unter einer Gabe Lycopodium 100 000. Kurze Versuche mit Agaricus und Tarentula schlagen fehl.
Schließlich kommt es zu Attacken mit minütlichem Auftreten von Gesichtszuckungen, Augenverdrehen, Augenzwicken, Kopf- und Handbewegungen, begleitet von unkontrolliertem Ausstoßen eigenartiger Laute. Damit sind die Kriterien des Tourette-Syndroms (Erstbeschreibung 1885, ICD-10: F95.2, kombinierte vokale und multiple motorische Tics) erfüllt. Der Schulbesuch wird angesichts der dramatischen Symptomatik zum Problem, Hilfe ist dringend geboten. Die Eltern konnten davon überzeugt werden, weiter ausschließlich homöopathisch zu behandeln und von der vorgeschlagenen Therapie mit Tiapridex® abzusehen.

Repertorisation III

→Gemüt – Vorahnung, Befürchtung, Nervosität und Anspannung in Erwartung eines Ereignisses – allgemein (47)
→Gemüt – Gesten, macht – mechanisch (9)
→Gemüt – Ehrgeiz, Streben, Ambitionen – sehr ehrgeizig (46)
→Gemüt – Vergesslichkeit (257)
→Gemüt – Schlafwandeln, Somnambulismus (72)
→Gemüt – Gesten, macht – greift nach etwas oder streckt die Hände nach etwas aus – zupft an – Nase und Lippen oder an einer Stelle (17)
→Gemüt – Schreien, Kreischen – allgemein – Konvulsionen, vor (33)
→Gemüt – Eifersucht – allgemein (71)
→Extremitäten – Konvulsionen, Spasmen – allgemein – Arme – Finger (43)
→Augen – Blickrichtung verdreht (72)
→Allgemeines – Speisen und Getränke – kalte – Getränke, Wasser – Verlangen – eiskalte (22)
→Allgemeines – Speisen und Getränke – fette und gehaltvolle Speisen – agg. (84)
→Allgemeines – Speisen und Getränke – Fleisch – Verlangen (66)
→Allgemeines – Ruhelosigkeit, körperliche (149)
→Allgemeines – Zucken – wandernd (19)
→Allgemeines – Konvulsionen, Spasmen – Gemüt – Bewusstsein – mit (36)
→Allgemeines – Konvulsionen, Spasmen – Kindern, bei (84)
Phosphorus zeigt sich als führendes Mittel vor Lycopodium, zu dem es ein Komplementär- und Folgemittel ist. In den Rubriken
→Gesicht – Tic (3)
→Gemüt – Tics, Gesichtszucken (12)
→Gemüt – Ruhelosigkeit, Nervosität – allgemein – Kindern, bei (79)
→Gemüt – Gesten, macht – nervös (2)
→Gemüt – Gesten, macht – merkwürdige Haltung und Stellung – Kopfes, des (2)
→Gemüt – Gesten, macht – krampfartig (26)
→Allgemeines – Zucken – nervös (5)
war Phosphorus nicht vertreten.

Verordnung und Verlauf III

Eine mehrtägige Testtherapie mit Phosphorus D 12 verläuft positiv; er wird damit deutlich ruhiger und die Abstände der Anfälle werden länger.
Die Häufigkeit und Stärke der Symptomatik wird jetzt täglich aufgezeichnet. Es wird mit täglichen Phosphorus-Gaben ab LM 3 fortgesetzt. Dies bringt eine weitere, geradezu dramatische Besserung der Tics. Seine Stimmung ist sehr gut. Weiterführung der täglichen LM-Gaben, wobei alle zwei Wochen auf die nächst höhere LM-Potenz gewechselt wird bis LM 7, dann Wechsel auf Einzelgaben von C-Potenzen in sechswöchigen Abständen, beginnend mit Phosphorus C 30.
Unter dieser Behandlung zeigte er ein kurzes Aufflackern der Tics lediglich bei besonderen Situationen wie z. B. vor Fußballturnieren, Mathematik-Schulaufgaben, vor denen er manchmal das Gefühl hatte, alles vergessen zu haben, sowie einmal, als er sich nach der Zeugnisausgabe wieder entspannte, da die erwartete schlechte Note in Mathematik nicht eingetroffen war.
In ganz seltenen Fällen war es notwendig, die akute Symptomatik mit einzelnen wenigen, zusätzlichen Gaben von Phosphorus D 12 zu behandeln, was immer erfolgreich war. Nach der Einnahme der Hochpotenzen wurde immer lange abgewartet, bis die Tics sich wieder diskret meldeten, erst dann wurde die nächste Hochpotenz nach der Kent-Skala gegeben, die sie wieder zum Verschwinden brachte. Mit zunehmender Potenzsteigerung geht es ihm insgesamt immer besser. Nach der ersten 10 000. Potenz in dieser Skala bleibt er über vier Monate völlig beschwerdefrei.

Literatur

Cohen et al., 2001

D.J. Cohen C.G. Goetz J. Jankovic Tourette Syndrome 2001 Lippincott Williams and Wilkins Philadelphia

Conrad and Ceballos-Baumann, 1996

B. Conrad A.O. Ceballos-Baumann Bewegungsstörungen in der Neurologie: Richtig erkennen und behandeln 1996 Thieme Verlag Stuttgart

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F.J. Jimenez-Jimenez P.J. Garcia-Ruiz Pharmacological options for the treatment of Tourette's disorder Drugs 61 15 2001 2207 2220

Keitzer, 2003

R. Keitzer Infektionen mit β-hämolysierenden Streptokokken der Gruppe A (GABS) und Streptokokkenfolgeerkrankungen Monatsschr Kinderheilkunde 151 2003 358 372

Lentze et al., 2001

J. Lentze J. Schaub F. Schulte J. Spranger Pädiatrie: Grundlagen und Praxis 2001 Springer Heidelberg

Marcus and Kurlan, 2001

D. Marcus R. Kurlan Tics and its disorders Neurologic clinics 19 3 2001 735 758

McMahon et al., 2002

W.M. McMahon Movement disorders in children and adolescents Neurologic Clinics 20 4 2002 1101 1124

Müller-Vahl et al., 2012

Müller-Vahl Tics H.C. Diener C. Weimar Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie 2012 Thieme Stuttgart

Homöopathische Literatur

Clarke, 1991–1996

J.H. Clarke Der neue Clarke. Eine Enzyklopädie für den homöopathischen Praktiker Band 1–10 1991–1996 Grohmannn Enger

Gawlik, 1996

W. Gawlik Arzneimittelbild und Persönlichkeitsportait. Konstitutionsmittel in der Homöopathie 2. A. 1996 Hippokrates Stuttgart

Herscu, 1997

P. Herscu Die homöopathische Behandlung der Kinder 3. A. 1997 Kai Kröger, Groß Wittensee Groß Wittensee

Herscu, 1997

P. Herscu Stramonium. Mit einer Einführung in die Analyse unter Verwendung von Zyklen und Segmenten 1997 Kai Kröger Groß Wittensee

Kruse, 2003

S. Kruse Begleitende homöopathische Therapie bei neurologischen Erkrankungen der Kinder. Vortrag beim 2.Internationalen Symposium Homöopathie in Klinik, Praxis und Forschung 2003 Dr. von Haunersches Kinderspital München

Mezger, 1991

J. Mezger 9.A. Gesichtete Homöopathische Arzneimittellehre Band I–II 1991 Haug Heidelberg

Schroyens, 2006

F. Schroyens Synthesis 10.5 in RADAR expert plus for Windows. Archibel S. A., Assese 2006

Vermeulen, 2000

F. Vermeulen Konkordanz der Materia Medica 2000 Emryss bv Publishers Haarlem

Vithoulkas, 1991

G. Vithoulkas Materia Medica Viva Bd. I 1991 Burgdorf Göttingen

Stottern

Herbert Pfeiffer

Grundlagen

Es ist für die Eltern immer sehr beunruhigend, wenn ihre Kinder entweder allmählich oder plötzlich zu stottern beginnen. Die verständliche Besorgnis und Aufregung der Eltern trägt zusätzlich zur Verunsicherung der Kinder und zur Verstärkung des Stotterns bei.
Sprachstörungen im Kindesalter sind entgegen früheren Annahmen in der Regel primär keine Neurosen, sondern organisch bedingte funktionelle Störungen, insbesondere motorische Ablaufstörungen (Teilleistungsstörungen). Wegen der Auffälligkeit des Symptoms und der dadurch bedingten Störung der Kommunikation kommt es allerdings regelmäßig sehr rasch zu einer sekundären Neurotisierung, die das Symptom Stottern unterhält und fixiert, oder auch verstärkt.
StotternStottern tritt in allen Kulturen auf und betrifft etwa 5 % aller Kinder und 1 % aller Erwachsenen. Knaben sind sechs- bis achtmal häufiger als Mädchen betroffen. Der zeitliche Schwerpunkt liegt entweder zwischen dem dritten und sechsten Lebensjahr, zur Zeit der Einschulung oder während der Pubertät. In vier von fünf Fällen kommt es zur Ausheilung des Stotterns.
Stottern ist ein fehlerhafter oder tempogestörter Ablauf des Sprech- und Redeflusses aufgrund mangelhafter zentraler Koordinationen der Atem-, Stimm-, Sprach- und Sprechimpulse. Diese vollziehen sich im Rahmen vegetativer und motorischer, stark der Psyche unterliegender Einflüsse. Der Stotterer bleibt in einem Laut stecken und versucht, mit gesteigerter Kraft, darüber hinwegzukommen.

Info

Es kommt bei mehr als 3 % aller gesprochenen Silben zu

  • unfreiwilligen Wiederholungen von Lauten und Silben,

  • Dehnungen von Lauten oder

  • Blockierungen in oder vor einem Wort.

Beim Singen, Aufsagen erlernter Texte und auch beim Lesen haben Stotterer meist keine Schwierigkeiten.

Viele Kleinkinder wiederholen einzelne Sprachlaute, Silben und Wörter. Dies wird als Entwicklungsstottern bezeichnet. StotternEntwicklungsstotternEs überschreitet nicht die Altersgrenze von vier bis fünf Jahren. Das Entwicklungsstottern gilt in der Regel als nicht behandlungsbedürftig, außer bei verzögerter Sprachentwicklung mit gleichzeitigen Artikulationsstörungen. Ständige Interventionen der Bezugspersonen können das Entwicklungsstottern fixieren. Hinweise für den Übergang zum echten Stottern sind ein erhöhter Sprechtonus, eine reaktive Sprechhemmung, das drei- oder mehrmalige Wiederholen einzelner Wortteile, das sekundenlange Dehnen einzelner Satzkomponenten und das Stottern über mehr als sechs Monate.
In jüngerer Zeit wird der Begriff „Entwicklungsstottern“ abgelehnt: Er suggeriere, dass Stottern Bestandteil der normalen Sprachentwicklung sei; es handle sich beim Entwicklungsstottern vielmehr um spontan abheilendes echtes Stottern im Kleinkindalter. Hilfreicher sei die Trennung in die „symptomatische Sprechunflüssigkeit“ des Stotterers und die normale „funktionelle Sprechunflüssigkeit“, die z. B. auftritt, wenn der Sprechende durch Dehnung oder Wiederholung von Lauten Zeit für die weitere Sprechplanung gewinnen will (Starkweather 1997, Sandrieser 2003).

Ätiologie

Stottern tritt familiär gehäuft auf, stotternde Menschen haben im Vergleich zu Nichtstotternden dreimal häufiger stotternde Verwandte. Auch in Zwillingsstudien konnten genetische Faktoren nachgewiesen werden: Bei eineiigen Zwillingen stottern selbst nach Aufwachsen in getrenntem Milieu fast immer beide. Der Beitrag der Vererbung wird auf 70–80 %, der der Umwelt auf 20–30 % geschätzt.
Hereditäre und erworbene diskrete frühkindliche Hirnschädigungen bedingen biokybernetisch labile Atem-, Stimm-, Sprach-Sprechzentren und -bahnen, die durch verschiedenste Einflüsse, wie psychische Insulte, mangelnde Vorausdenkfunktionen, Schlafdefizite, körperliche sowie atmosphärische und vegetative Einflüsse in ihrer Koordination leichter entgleisen als das stabile System des normal Sprechenden.
  • Das Stottern beginnt Stotternbei ca. 70 % der Kinder allmählich aus normaler oder verzögerter Sprachentwicklung heraus, bei den übrigen Kindern, die oft schon besonders flüssig sprechen konnten, tritt es erst nach dem vierten Lebensjahr auf, z. B. nach einem traumatischen Erlebnis. Bei der ersten Gruppe finden wir keine Spannung, kein Störungsbewusstsein und keine Frustration, dagegen alles dies, und dazu auch noch Sprechangst, bei der zweiten Gruppe.

  • PolternPoltern ist eine StotternPolternvorwiegend hereditäre, zerebrale Störung, die sich nicht selten aus einer verzögerten Sprachentwicklung entwickelt und mit einer Legasthenie verbunden ist.

Klinik

  • Stottern tritt vorwiegend am Wortanfang auf. Unterschieden werden tonische, klonische und tonisch-klonische Formen. Zu den Kernsymptomen des Stotterns kommen mit der Zeit sekundäre Symptome hinzu, mit denen versucht wird, das Stottern zu vermeiden, und die schließlich ein Großteil der Stottersymptomatik ausmachen: Fehlerhafte Artikulation, harte Stimmeinsätze, rhythmische Störungen, Veränderungen der Sprachmelodie, Flickwörter, Atemverschieben, muskuläre Fehlspannungen, körperliche Mitbewegungen, Grimassieren, Schnalz- und Schluckgeräusche, geringe psychische Belastbarkeit, Introvertiertheit, Sprechscheu und vegetative Störungen wie Zittern, Erröten, Erblassen, Schweißausbrüche und gestörte Pupillenreaktion. In der Anamnese finden sich gehäuft Migräne und Epilepsie.

  • Das Poltern, als besondere Form der Redeflussstörung, beruht auf einer hereditären zerebralen Störung, die in der Regel mit einer verzögerten Sprachentwicklung verbunden ist. Der Polterer ist sich der Unverständlichkeit seiner Sprache nicht bewusst. Durch die Beschleunigung und Überstürzung kommt es zum Verstellen, Verschlucken und Verstümmeln von Lauten, Silben und ganzen Wörtern.

Konventionelle Therapie

In der Diagnostik von Stottern und Poltern ist immer auch auf Symptome neurologischer oder neuropsychiatrischer Erkrankungen zu achten, die eine ausführlichere diesbezügliche Diagnostik nach sich ziehen sollten (S3-Leitlinie).
So lange die Kinder nur gelegentlich lockere Wortwiederholungen zeigen, sich sprachlich nicht zurücknehmen und Sprechfreude zeigen, ist in der Regel keine Behandlung notwendig. Eine Chronifizierung droht bei Redeflussstörungen länger als sechs Wochen, Störungsbewusstsein des Kindes, Vermeiden von sprachlichen Äußerungen und mimischen oder körperlichen Mitbewegungen (AWMF 2013). Der Bundesverband der Logopäden e. V. empfiehlt eine Therapie dann, „wenn das Kind ungünstige Strategien zur Überwindung oder Vorbeugung der Stotterereignisse entwickelt oder wenn es psychische Reaktionen zeigt, wie Frustration, sprachlichen Rückzug, etc. Eine Therapie ist auch erforderlich, wenn Eltern unsicher sind im Umgang mit dem Stottern ihres Kindes … Eine Stottertherapie kann frühestens mit zweijährigen Kindern begonnen werden.“ (Dbl 2016).
Nach vorsichtigen Schätzungen würde etwa die Hälfte der Kinder das Stottern auch ohne Therapie verlieren. Wegen dieser hohen Spontanheilungsquote ist die Evaluierung therapeutischer Eingriffe schwierig. Die Angaben über die Erzielung von Symptomfreiheit durch logopädische Behandlung schwanken zwischen 30 und 50 %. Nach der Pubertät ist ein Verschwinden des Stotterns unwahrscheinlich. Therapieziele sind dann ein möglichst souveräner Umgang mit dem Stottern und die Verbesserung der Sprechflüssigkeit. Die meisten therapeutischen Verfahren lassen sich auf wenige Grundmethoden zurückführen. Fast alle verbindet eine psychotherapeutische Basis. Zu empfehlen ist die therapeutische Führung durch eine auf Stottern spezialisierte Logopädin oder Sprachheiltherapeutin.
„Eine Heilung liegt nur vor, wenn die Betroffenen ohne irgendeine Technik einzusetzen keine Stotterereignisse mehr haben. Außerdem muss die Heilung mindestens zwei Jahre stabil sein … Therapiekonzepte, die Heilungsversprechen abgeben, sind unseriös.“ (Dbl 2016)
Der Polterer lässt sich nur schwer behandeln, da er sich seiner Störung nicht bewusst ist. Angestrebt wird ein betont langsames Sprechtempo, auch unter Einsatz von Taktgebern und Silbenklopfen.

Homöopathische Behandlung

Eine homöopathische Behandlung sollte bei jedem stotternden Kind durchgeführt werden, auch wenn es sich um ein Entwicklungsstottern handelt. Die Erfahrung zeigt, dass das Stottern oft in sehr kurzer Zeit behoben werden kann. Eine homöopathische Behandlung vermeidet damit die Gefahr der Fixierung des Stotterns, da sich erfahrungsgemäß die Prognose dieses Sprachübels mit der Dauer seines Bestehens verschlechtert. Bei Kindern mit zentralen Koordinationsstörungen und Entwicklungsstörungen und somit bei allen Polterern ist zusätzlich eine neurophysiologische Behandlung angezeigt.

Repertoriumsrubriken

Zusätzlich zu den Hauptrubriken, sind auch andere Symptome zu repertorisieren, von denen das StotternRepertoriumsrubrikenStottern begleitet wird.
Hauptrubrik
→Mund – Sprache – stotternd – Kindern, bei (11): bell, bov, bufo, euph, lach, mag-c, merc, nux-v, op, phos, sulph
Mit einigen Unterrubriken wie:
→Mund – Sprache – stotternd – erschöpft, lange bevor er ein einziges Wort ausstoßen kann, ist (1): stram
→Mund – Sprache – stotternd – letzten Worte eines Satzes, bei den (1): lyc
Das sich langsam entwickelnde Stottern ist meist die Folge einer gestörten oder verzögerten sensomotorischen und/oder sprachlichen Entwicklung. Deshalb sind die Rubriken der Entwicklungsstörungen heranzuziehen:
→Allgemeines – Entwicklungsstillstand (35): agar, bufo, caust, cupr, phos, sulph, vip, …
→Gemüt – Sprechen – langsam, lernt (22): agar, bell, caust, phos, sulph, …
→Allgemeines – Gehen – Gehenlernen, Laufenlernen – spätes (36): acon, agar, bell, caust, merc, nux-v, phos, sulph, …
Bei plötzlich auftretendem Stottern ist häufig ein physisches oder psychisches Trauma vorausgegangen, oder es liegt eine Deprivation vor:
→Gemüt – Beschwerden durch – Kränkung, Demütigung (80): caust, …
→Gemüt – Beschwerden durch – Sorgen, Kummer (27): caust, …
→Gemüt – Erregung – stammelt, wenn er zu Fremden spricht (3): dig, dys, merc
→Kopf – Gehirnerschütterung (32): bell, hyos, merc, …
→Mund – Sprache – stotternd – Zahnung, während der (1): stram
→Mund – Sprache – stotternd – Ärger, Verdruss, agg. (1): caust
→Mund – Sprache – stotternd – Erregung, bei (4): agar, dig, …
Fehlerhafte Artikulation
→Gemüt – Sprache – undeutlich (42): agar, bar-c, caust, cic, cupr, …
→Mund – Sprache – schwierig – unartikulierte Laute (9): bell, hyos, …
→Gemüt – Sprache – lispelnd (9): acon, lach, …
Muskuläre Verspannungen
→Allgemeines – Reflexe – vermehrt (14): bar-c, cic, cocc, lath, nux-v, …
Mitbewegungen
→Gemüt – Gesten, Gebärden, macht – Hände, unwillkürliche Bewegung der (118): bell, caust, hyos, phos, stram, …
→Gemüt – Gesten, Gebärden, macht – Sprechen – beim Sprechen, gestikuliert (8): nux-v, sep, …
→Kopf – Bewegungen des Kopfes – unwillkürlich (15): agar, caust, hel, …
→Augen – Bewegung – unwillkürlich (Nystagmus) (28): agar, cupr, nux-v, sulph, …
→Augen – Schließen der Augen – unwillkürlich (77): caust, merc, phos, sulph, …
→Gesicht – Beben – Lippen – sprechen, beim Versuch zu (4): lach, phos, stram, zinc
→Gesicht – Zucken – Sprechen agg. (4): plb, sep, sil, til, …
→Extremitäten – Bewegung – unwillkürlich (43): agar, bell, cupr, op, stram, …
→Extremitäten – Rucken – Arme – Sprechen agg. (1): cic
Grimassieren
→Gemüt – Grimassen (31): agar, cupr, hyos, stram, …
→Gesicht – Konvulsionen, Spasmen – Sprechen agg (1): plb
→Gesicht – Verzerrung – Sprechen, beim (3): caust, ign, stram
→Gesicht – Verzerrung – Mund – Sprechen, beim (2): caust, tell
Schnalz- und Schluckgeräusche
→Gemüt – Erregung – schluckt ständig beim Sprechen (1): staph
Flickwörter
→Gemüt – Fehler, macht – Sprechen, beim – Worte – falsche Worte benutzt (90): caust, cupr, stram, …
Harte Stimmeinsätze
→Kehlkopf und Trachea – Stimme – laut (10): bell, hyos, sulph, …
Geringe geistige Belastbarkeit
→Gemüt – Beschwerden durch – geistige (69): cupr, gels, lach, nux-v, …
Sprechangst
→Gemüt – Erregung – Sprechen, beim (11): am-c, am-m, ambr, ammc, caust, graph, merc, mosch, …
→Gemüt – Furcht – Sprechen vor dem (14): arg-met, sep, …
→Gemüt – Angst – Sprechen, beim (9): hell, stram,
Introvertiertheit
→Gemüt – Schüchternheit, Zaghaftigkeit (223): acon, bell, caust, gels, hyos, phos, sep, stram, …
→Gemüt – Selbstvertrauen – Mangel an Selbstvertrauen (204): bell, hyos, nux-v, op, sulph, stram, …
Vegetative Symptome
→Gemüt – Furcht – zittrig (36): bell, lach, op, …
→Gesicht – Zittern – Sprechen agg. (1): merc
→Gesicht – Farbe – rot – Erregung, bei (33): ferr, …
→Gesicht – Farbe – rot – abwechselnd mit Blässe (62): acon, bell, hell, nux-v, op, phos, …
→Schweiß – Erregung, nach (9): lach, phos, …
→Auge – Pupillen – erweitert (=Mydriasis) (127): bell, hyos, stram, …

Homöopathische Arzneimittel

Aconitum napellus
#Aconitum napellusStotternStottern durch Schreck.
Belladonna
#BelladonnaStotternEmpfindsames Kind mit plötzlicher und heftiger Symptomatik. Lernt langsam Sprechen. Macht Fehler beim Sprechen. Sprache unartikuliert, laut, hastig, übertrieben, unklar, verworren. Gestikuliert, zuckt, lacht beim Sprechen. Trockenheit von Mund, Zunge und Hals behindert Sprechen. Zunge zittert beim Herausstrecken.
Bufo rana
#Bufo ranaStotternGeistig retardiertes Kind. Sprache undeutlich, albern, hastig. Viel unwillkürliche Bewegungen der Zunge, Lecken, Herausstrecken. Unzusammenhängendes, undeutliches Sprechen; verträgt nicht, wenn er nicht verstanden wird. Starke Mitbewegungen oder Tics.
→Gemüt – Zorn – missverstanden, falsch verstanden, wenn (9): bufo
Causticum
#CausticumStotternLernt langsam sprechen, überhaupt langsame Entwicklung. Starke Erregung beim Sprechen, verzerrt Gesicht und Mund, hält die Atmung an. Atmung erschwert beim schnellen Sprechen, auch noch nach dem Sprechen atemlos. Neigung zu Heiserkeit und Räuspern. Heftige Mitbewegungen beim Versuch zu Sprechen. Benutzt falsche Worte, stellt Worte an die falsche Stelle.
→Gesicht – Verzerrung – Mund – Sprechen – agg (2): caust, tell
→Atmung – angehalten, versetzt, unterbrochen – Sprechen – agg (5): caust, sulph, …
→Atmung – behindert, gehemmt – Sprechen – agg (1): caust
→Atmung – Atemnot, Dyspnoe, erschwertes Atmen – Sprechen – agg – schnelles Sprechen (1): caust
Cuprum metallicum
#Cuprum metallicumStotternSprache erschwert durch Verkrampfung der Sprachorgane. Krampfartiges Stottern mit Spasmen im Mund- und Halsbereich, krampfartige Mitbewegungen beim Sprechen. Sprache schrill, krächzend, heiser, schließlich Verlust der Stimme.
→Mund – Sprache – schreiend, wie ein Kind, heiser (1): cupr
→Mund – Sprache – schwierig – Krämpfe, durch – Halses, des inneren (4): arg-n, cupr, lyss, stry
→Mund – Sprache – schwierig – Krämpfe, durch – Zunge, der (7): agar, arg-n, cupr, lyc, ruta, sec, stram
→Mund – Sprache – Verlust der Sprache – Spasmen im Hals, durch (1): cupr
Hyoscyamus niger
#Hyoscyamus nigerStotternSpricht beim Stottern jedes Wort laut aus. Macht Fehler beim Sprechen, stellt Worte an die falsche Stelle und benutzt falsche Worte. Sprache hastig oder langsam, laut, undeutlich, unartikuliert, wie berauscht, schwierig durch Verkrampfung der Zunge. Beißt sich in die Wange oder auf die Zunge. Erschöpft durch Sprechen. Nervosität, Aggressivität, Tics. Beschwerden durch Eifersucht.
→Mund – Beißt – Zunge – beißt sich auf die – Sprechen, beim (2): hyos, ign
→Mund – Sprache – schwierig – Krämpfe, durch – Zunge, der (7): agar, cupr, …
→Mund – Sprache – stotternd – laut aus, spricht jedes Wort (1): hyos
Lachesis muta
#Lachesis mutaStotternRedselig, spricht ohne Ende, zusammenhanglos, abschweifend. Die Zunge hängt heraus oder kann nur schwer herausgestreckt werden; zittert beim Herausstrecken. Undeutliche, affektierte, hastige, laute Sprache. Lispeln, Stottern beim zweiten oder dritten Wort eines Satzes, mit Verzerrung des Gesichts. Neigt zu Speichelfluss. Bestimmte Worte fallen schwer. Beschwerden durch Eifersucht.
→Gesicht – Beben – Lippen – sprechen, beim Versuch, zu (4): lach, phos, stram, zinc
→Mund – Speichelfluss – Sprechen agg. (13): graph, lach, mang, psor, nat-c, …
→Gemüt – Sprache – laut (20): bell, hyos, lach, op, …
→Mund – Sprache – lispelnd (9): acon, lach, nux-v, …
→Mund – Sprache – schwierig – Worte – bestimmte Worte (1): lach
→Gemüt – Sprache – wiederholt – dasselbe, immer (11): lach, plat, zinc, …
Mercurius solubilis
#Mercurius solubilisStotternSprache hastig und zittrig, dabei viel Speichelfluss. Impulsives, nervöses, verschlossenes Kind.
→Gesicht – Zittern – Sprechen agg. (1): merc
→Mund – Sprache – stotternd – schnell und (2): maias, merc
Stramonium
#StramoniumStotternExtremes Stottern, Kloni, Erschöpfung, bevor er endlich ein Wort herausbringt. Stottern während der Zahnung. Angst beim Sprechen. Sprache hastig, heftig und schrill, unklar und unzusammenhängend. Plappert, schwatzt, ahmt Tiergeräusche nach. Dreht Worte um, benutzt falsche Worte und stellt sie an die falsche Stelle. Gesicht verzerrt beim Sprechen, Verkrampfung der Zunge, heftige Mitbewegungen. Drückender Schmerz oder Beklemmung in der Brust beim Sprechen. Kind sehr ängstlich, aber auch aggressiv. Beschwerden durch seelischen Schock.
→Gemüt – Nachahmung, Imitation – Stimmen und Bewegungen von Tieren, von (2): dulc, stram
→Gesicht – Beben – Lippen – sprechen, beim Versuch, zu (4): lach, phos, stram, zinc
→Mund – Sprache – stotternd – erschöpft, lange bevor er ein einziges Wort ausstoßen kann, ist (1): stram
→Brust – Beklemmung – agg. (8): ambr, dros, lach, nat-m, stram

Kasuistiken

Kasuistik

Deutsch und Russisch (Herbert Pfeiffer)

Anamnese

Der vierjährige Robert von deutschstämmigen Spätaussiedlern aus Russland kam zur Kindervorsorge U8. Die Eltern gaben an, dass er seit einem halben Jahr stottere, in seinen beiden Muttersprachen Deutsch und Russisch. Er habe zunächst altersgemäß gesprochen. Eine zweimonatige logopädische Behandlung sei bis jetzt erfolglos geblieben. Er tat sich schwer mit der Artikulation und sprach in der Praxis eher gar nicht.

Verordnung und Verlauf

Eine Gabe Stramonium C 30 brachte keine Besserung. Die erneute anamnestische Recherche brachte an den Tag, dass er zu stottern begann, als er während des Einzugs in die neue Wohnung in Deutschland mit einem herumliegenden Draht spielte und dabei in eine Steckdose geriet. Unter diesem Aspekt bekam er eine Dosis Aconitum C 10 000, unter der sich das Stottern deutlich besserte. Als er nach acht Wochen einen leichten Rückfall hatte, wurde die Dosis noch einmal wiederholt. Seitdem war keine weitere Therapie des Stotterns mehr notwendig.

Kasuistik

Verzögerte Sprachentwicklung (Herbert Pfeiffer)

Anamnese

Die Mutter hatte eine gute Schwangerschaft. Bei der Fruchtwasseruntersuchung hatte sie jedoch große Angst. Die Entbindung erfolgte durch Sectio, da es durch eine Nabelschnurumschlingung zu einem Geburtsstillstand gekommen war. Die Sprachentwicklung war verzögert. Mit 17 Monaten sprach Leonhard als erstes Wort „Mama“ und begann mit 20 Monaten mit Zweiwortsätzen. Mit zweieinhalb Jahren hörte er mit dem Mittagschlaf auf. Seitdem begann er, tonisch-klonisch zu stottern. Der Junge war auch in seinem Verhalten auffällig. Aus der Anamnese ergaben sich folgende Symptome:

Repertorisation

→Mund – Sprache – stotternd
→Gemüt – wirft Gegenstände weg
→Gemüt – Raserei, Wut
→Gemüt – Verlangen zu Beißen
→Gemüt – Furcht vor Tieren
→Magen – Milch – verschlechtert
→Hautausschläge – unterdrückt
→Kopf – gezogen – nach hinten – Kopf wird
→Kopf – gezogen – seitwärts

Verordnung und Verlauf

Stramonium wurde ab der Q 1 verordnet, 2 × wöchentlich 2 Tropfen über 4 Wochen, dann die weiteren Q-Potenzen in der gleichen Weise.
Langsam, aber ganz deutlich besserten sich das Stottern und das Verhalten. In der vierten Woche trat ein nässender Ausschlag hinter beiden Ohren auf, der ohne lokale Behandlung abheilte. Nach vier Monaten waren Sprache und Verhalten unauffällig. Da noch gelegentlich Angstträume auftraten, wurde die Gabe von Stramonium fortgesetzt. Im Laufe von zwei Jahren trat kein Stottern mehr auf. Wegen der auffälligen Kopfhaltung als Symptom einer zentralen Koordinationsstörung erfolgte eine gleichzeitige neurophysiologische Behandlung.

Kasuistik

Sexualkundeunterricht (Herbert Pfeiffer)

Anamnese

Am Ende der Schwangerschaft litt die Mutter an einer Prägestose. Die Entbindung erfolgte durch Sectio wegen einer Wehenschwäche. Auf Grund einer schweren zentralen Koordinationsstörung wurde der Junge von der vierten Lebenswoche an neurophysiologisch behandelt. Die sensomotorische und sprachliche Entwicklung verliefen altersgemäß, Krabbeln mit acht Monaten, Laufen mit einem Jahr. Im Alter von viereinhalb Jahren war für drei bis vier Wochen ein leichtes initiales tonisches Stottern aufgetreten, das spontan verschwand. Im Kleinkindalter trat mehrmals für einige Wochen ein tonisches Stottern auf, das spontan wieder verschwand. Im Alter von neuneinhalb Jahren kam es plötzlich zu einem sehr starken Stottern. Der Junge konnte die Anfangsworte eines Satzes überhaupt nicht mehr herausbringen. Lediglich bei Erklärungen über das Schachspiel konnte er flüssig sprechen. Er hatte zu dieser Zeit in der Schule Sexualkundeunterricht, konnte aber mit der Mutter nicht über diese Thematik sprechen. Die Untersuchung zeigte Warzen am vierten Finger beider Hände.

Repertorisation I

→Mund – Sprache – stotternd
→Gemüt – Beschwerden durch – Gemütsbewegung
→Extremitäten – Warzen – Finger

Verordnung und Verlauf

Der Junge erhielt Caustium LM 6, 3 × wöchentlich 2 Tropfen. Das Stottern war nach vier Wochen vollständig verschwunden, ebenso die Warzen, und beides trat nicht mehr auf. Kontrolle nach15 Jahren.

Literatur

Biesalski, 1973

P. Biesalski Phoniatrie und Pädoaudiologie 1973 Thieme Stuttgart

DBL,

DBL (Deutscher Bundesverband der Logopäden) Stottern http://www.dbl-ev.de/kommunikation-sprache-sprechen-stimme-schlucken/stoerungen-bei-kindern/stoerungsbereiche/sprechen/stottern.html (Zugriff 28.9.2016)

Harbauer et al., 1971

H. Harbauer Lehrbuch der speziellen Kinder- und Jugendpsychiatrie 1971 Springer Heidelberg

Harnack, 1994

GA v Harnack Kinderheilkunde 9. A. 1994 Springer Heidelberg

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P. Sandrieser P. Schneider Stottern im Kindesalter 2. A. 2003 Thieme Stuttgart

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S. Lilienthal Homöopathische Heilmittel nach klinischen Gesichtspunkten 1998 Grohmann Enger

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F. Schroyens Synthesis Edition 7 1998 Hahnemann Institut Greifenberg

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R v Zandvoort Complete Repertory, deutsch und englisch Mac Repertory v. 5.6.1.Roger van Zandvoort 2000 Kent Homeopathic Associates Inc San Rafael

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