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Baptisia tinctoria – Bryonia

Baptisia tinctoria

Weitere Namen: Wilder Indigo
Dieses wertvolle Arzneimittel ist relativ neu, und so sucht man gerade seine besonders charakteristischen Symptome in Allens Encyclopedia vergebens, findet sie aber in Herings Guiding Symptoms und in Hales New Remedies beschrieben. Die Anwendungsmöglichkeiten von Baptisia wurden dann von Kent, Nash u. a. weiterentwickelt und ausführlich erläutert.
In manchen Fällen scheint Baptisia das natürliche Folgemittel von gelsemiumGELSEMIUM zu sein. Sie sind einander in mancher Hinsicht sehr ähnlich, andererseits aber doch so grundverschieden, dass niemand das eine fälschlich für das andere halten könnte. Beide Mittel können sehr nützlich bei Grippe sein, dieser lästigen Krankheit, von der wir fast ständig umgeben sind.
Natürlich assoziiert man Baptisia vor allem mit Typhus: mit Typhus abdominalis – mit typhoiden Zuständen bei jeder Art Fieber – mit Grippefällen, die typhusähnliche Beschwerden aufweisen.
Arzneien haben jeweils ihre eigene Geschwindigkeit. Kent sagt, dass die Krankheit bei gelsemiumGELSEMIUM langsam beginnt, bei Baptisia aber plötzlich einsetzt; der Patient sinkt rasch in einen benommenen, typhoiden Zustand: teilnahmslos – betäubt – wie berauscht. Er hält Baptisia für hilfreicher in Typhusfällen, die durch einen ungewöhnlich raschen Beginn gekennzeichnet sind.
Dr. C. E. Wheeler berichtet in seinem Case for Homœopathy höchst Interessantes und Anregendes in Bezug auf die neueren Prüfungen von Baptisia. Er schreibt: „Es besteht kein Zweifel hinsichtlich des folgenden Experiments: Bei Typhus abdominalis entwickelt das Blut eine Substanz, die normalerweise nicht in ihm vorhanden ist, Agglutinin genannt. Dieses Agglutinin bewirkt, dass sich die Typhusbakterien zusammenklumpen; es stellt eine Phase im Abwehrmechanismus gegen die Krankheit dar. Wenn nun gesunde Menschen die Arznei Baptisia fortwährend einnehmen, entwickeln sie (mehr oder weniger, entsprechend ihrer individuellen Empfänglichkeit) ebenfalls dieses Agglutinin in ihrem Blut.“ Und ganz gewiß hat Baptisia seine größten Lorbeeren in der Behandlung des Typhus geerntet. Es wird stets rasch und sicher wirken, wo seine charakteristischen Symptome vorhanden sind: Schläfrigkeit, teilnahmsloses, rotes Gesicht und ein benommener Zustand, nicht nur bei Typhus, sondern bei jedem beliebigen Fieber.
Ich habe erstaunliche Beispiele für die prompte Heilwirkung von Baptisia bei Grippe gesehen, in leichten wie in schweren Fällen. Im ersten Jahr nach dem Weltkrieg (1914–18) kam es häufig zu tödlich verlaufenden ‚typhösen Grippen‘, und ich erinnere mich, wie ich von einem ortsansässigen Arzt dringend herbeigerufen wurde, um ihm bei einem Fall von Influenza bei einer Jüdin zu helfen. Es war sein bisher schwerster Grippefall, und er dachte, sie würde sterben. Sie war dunkel-, fast bläulichrot im Gesicht, und sie hatte die typische Baptisia-Schläfrigkeit. … „Das sieht nach Baptisia aus!“ „Aber ich habe es nur in der Urtinktur.“ „Warum nicht? – Geben Sie es!“ Und innerhalb weniger Stunden war sie über den Berg und erholte sich, wie mir berichtet wurde, sehr rasch.
Ein anderer, weniger schwerer Fall: Der Patient war (plötzlich, eines Morgens) rot im Gesicht, träge und schläfrig, nicht in der Lage, sich aufzuraffen oder für irgendetwas Interesse zu zeigen; seine Worte erstarben ihm vor Schläfrigkeit auf den Lippen; hohe Temperatur … kurz, er zeigte das klassische Bild einer plötzlichen Baptisia-Grippe. Er erhielt sein Simile, und noch am Nachmittag desselben Tages war er wieder wohlauf.
In Fällen von ‚Magen-Darm-Grippe‘ scheint mir Baptisia fast ein spezifisches Heilmittel zu sein; wie z.B. hier: Plötzliches Auftreten von heftigem Durchfall und Erbrechen – plötzlich furchtbar krank – und es stand eine Reise bevor! Baptisia – und den Beschwerden wurde ein abruptes Ende gesetzt; am Nachmittag konnte die Reise ohne Schwierigkeiten angetreten werden …
Dies ist das klinische Bild: Plötzlicher Ausbruch der Krankheit; plötzliche, ungeheure Entkräftung; der Patient macht einen elenden und schwerkranken Eindruck – dazu die typischen Baptisia-Symptome. Nach Gabe des Mittels rascheste Genesung.
Jedes Mittel hat seinen ureigenen ‚Job‘, und nur diesen Job kann es erledigen, keinen anderen. Als Freund in der Not sollte man Baptisia unbedingt kennen!
Kent hebt die Plötzlichkeit von Baptisia besonders hervor. Er sagt:
„Baptisia eignet sich für akute Krankheiten. Es ist in erster Linie ein kurzwirkendes Mittel. … Es ruft heftige, zersetzungsbedingte Veränderungen im Organismus hervor; all seine akuten Krankheiten und Beschwerden erwecken den Anschein von Zymosis1

1

Laut Webster's Dictionary ist Zymosis ein gärungsähnlicher Prozess, durch den sich, wie man früher glaubte, Infektionskrankheiten entwickeln (d.h. im Individuum ausbreiten).

, wie bei Scharlach, Diphtherie, Typhus oder gangränösen Zuständen. Ungewöhnlich ist dabei, dass es diesen sepsisähnlichen Zustand schneller hervorbringt als die meisten anderen Arzneien (d.h. seine ‚Geschwindigkeit‘ ist größer). … Baptisia ist geeignet bei jenen hochakuten septischen Verläufen, wie sie z.B. beim Kindbettfieber oder bei Scharlach auftreten können. …
Jedes Arzneimittel hat seine eigene Geschwindigkeit; sie stellt ein wichtiges Merkmal seines Wesens dar. Jedes Mittel muss auf seine zeitlichen Verläufe hin beobachtet werden – seine Geschwindigkeit, seine Periodizität, seine wellenförmige Bewegung. Und wir erfahren dies, indem wir genau auf die Symptome achten.
Nehmen Sie einen Menschen, der sich in einem Bergwerk, einem Sumpf oder Morast oder in der Kanalisation aufgehalten und dort Fäulnisgase eingeatmet hat. Er geht bereits mit einer Art Somnolenz ins Bett; von Anfang an fühlt er sich benommen. Nicht allmählich, sondern ganz plötzlich wird er krank, ist benommen und vollkommen kraftlos.
Sein Gesicht ist fleckig. Sordes beginnen viel früher auf den Zähnen zu erscheinen, als man es bei einem regulären Typhus erwarten würde; auch der Bauch ist deutlich früher aufgetrieben; … der Mund blutet und riecht faulig. Seine Gerüche sind entsetzlich, und er befindet sich in einem ausgesprochen deliranten Zustand. … Rasch fortschreitender Krankheitsverlauf; der Kranke geht einem schnellen Ende entgegen.
Dabei spielt es keine große Rolle, ob es sich um Scharlachfieber, typhöses Fieber, septisches Wundfieber, Puerperalfieber oder was immer sonst handelt. Wenn Sie … versuchen, ihn wachzurütteln, gewinnen Sie den Eindruck, als befände er sich im Zustand der Volltrunkenheit. … Sein Gesicht wirkt wie berauscht, es ist aufgedunsen, dunkelrot und scheckig … wie das eines alten Säufers.
Sein Verstand scheint ihn verlassen zu haben …, er ist konfus. Rüttelt man ihn wach, versucht er, etwas zu sagen, und gibt ein paar Worte von sich; doch schon huscht alles wieder vorbei, und er sinkt in seinen soporösen Zustand zurück. Gleichgültig, bei welcher Krankheit dies auftritt, welche Entzündung vorliegt, welches Organ entzündet ist: Wenn ein Zustand des Blutes, der solche Symptome hervorrufen kann, wenn eine solche Sepsis besteht und dieser Geisteszustand vorherrscht, dann ist es ein Baptisia-Fall.
Alle Absonderungen des Kranken sind faulig, von aashaftem, stechendem und penetrantem Geruch. … Der Gestank des Stuhls ist widerlich und so durchdringend, dass man ihn beim Betreten des Hauses sofort bemerkt.“
Dann beschreibt Kent anschaulich die Fieberfantasien und das Delirium von Baptisia. „Es zieht sich eine eigentümliche Art geistiger Verwirrung durch die Arznei, bei der sich der Kranke in einer ständigen Auseinandersetzung mit seinen Körperteilen befindet. Er scheint das Gefühl zu haben, doppelt vorhanden zu sein, und fängt an, über den anderen, der mit ihm im Bett liegt, zu reden. Klinische Beobachtungen sind: ‚Sein großer Zeh liegt im Streit mit seinem Daumen‘, oder: ‚Das eine Bein unterhält sich mit dem anderen Bein.‘ … Oder seine Körperteile liegen verstreut im Bett; er wühlt darin herum, und fragt man ihn, was er da mache, bekommt man zur Antwort: ‚Na, ich will diese Teile zusammensuchen.‘“ Immer finden wir diese Idee von Dualität2

2

Ein ähnlich gespaltenes Bewusstsein sehen wir (auf der körperlichen Ebene) bei PYROGENIUM und PETROLEUM, auf der geistigen Ebene bei ANACARDIUM.

, diesen Versuch, etwas zu vereinigen, was getrennt ist. „Sie sehen seine Lippen sich bewegen und wecken ihn, um zu erfahren, was mit ihm los ist – und er versucht, seine Körperteile zusammenzubringen.“
„Sobald wir das Gesicht betrachten, erkennen wir die Baptisia-Symptome, diesen wie betrunkenen Ausdruck: die Augen zeigen es, das ganze Gesicht weist darauf hin. Und dies sind die Symptome: ‚Gesicht dunkelrot, mit berauschtem Aussehen; heiß und merklich gerötet; dunkel verfärbt.‘“
Selbst der Kopf „fühlt sich an, als liege er in Stücken umher, und sie wälzt sich im Bett herum, um sie zusammenzulesen.“ (Hale)
In schlimmen Fällen sind Mund und Zunge geschwollen, wund, erodiert, steif und trocken, geschwürig, faulig – so habe ich es nach dem Krieg in einigen Fällen von Grippepneumonie gesehen.
„Je dunkler der Rachen, desto eher würde ich an Baptisia denken, nie aber bei einem hellen Rot. Ich habe niemals den geistigen Zustand von Baptisia in Verbindung mit einem hellroten Aussehen angetroffen. Dieser Geisteszustand geht mit Blutzersetzung einher, mit düsterer Verfärbung und dunklem Aussehen von Haut und Schleimhäuten.“ (Kent)
„Ein eigentümliches Symptom indiziert Baptisia bei einigen Halsentzündungen: Der Rachen kann dunkelrot bis livide aussehen, als ob er sehr schmerzhaft wäre, aber er ist es nicht. Dr. Miner heilte aufgrund dieses Symptoms eine hartnäckige Halsentzündung, die nicht schmerzhaft war (mit der C 30).“ (Hale)
Hale nennt als Indikationen für Baptisia:
Wehtun des ganzen Körpers; Mund und Zunge sehr trocken.
Fiebrigkeit, mit Zerschlagenheitsgefühl am ganzen Körper; die Teile, auf denen er liegt, tun bald weh und fühlen sich wund und zerschlagen an (arnica montanaARNICA).
Typhöse Fieber; im Frühstadium (biliösen, gastrischen oder katarrhalischen Ursprungs – oder infolge unreiner Ausdünstungen) wird es oft den Ausbruch des Fiebers verhindern.
Typhus abdominalis in den ersten Stadien; es wird die Krankheit oft zum Stillstand bringen und eine rasche Rekonvaleszenz herbeiführen.
Typhus exanthematicus, mit tiefem Schlaf, Bewusstlosigkeit, deliriösem Gemurmel etc.
Fieberzustände mit Schläfrigkeit; Puls 120 und fadenförmig; Lippen ausgetrocknet und aufgesprungen; klebrige, dick belegte Zunge; großer Durst; wirre Gedanken; kann auf keine Frage eine direkte Antwort geben; schläft mitten im Satz ein; nächtliches Delirium, mit leisem Murmeln.
Gastrische Fieber 3

3

Laut Roche Lexikon Medizin eine leichte Verlaufsform des Bauchtyphus.

, mit Übelkeit, Erbrechen, trockener, ausgedörrter Zunge, schnellem Puls, Empfindlichkeit des Abdomens, Diarrhö.
Scharlachfieber, mit dunkelrotem Ausschlag; trockene, braune Zunge mit tendenzieller Rotfärbung in der Mitte; fötider Atem; Sopor; Fieber; ruhrartige Stühle.
Katarrhalisches Fieber oder Influenza, wenn die Prostration ungemein groß ist und wenn Schmerzen und Empfindungen wie wund und zerschlagen vorherrschen.
Biliöse Fieber 4

4

Mit Gelbsucht einhergehende Fieberzustände.

; gastrische Fieber; enterale Fieber [Salmonellenenteritis]; septische Fieber.
Puerperale Fieber, durch Resorption von Eiter oder durch Infektion.
Zerebrospinale oder sog. ‚Fleckfieber‘.5

5

Gemeint sind wahrscheinlich all jene Rickettsiosen, die mit Meningitis cerebrospinalis einhergehen.

Fieber, die sich während Dysenterie oder anderer Darmerkrankungen einstellen und einen schleichend-bösartigen Verlauf nehmen (arnica montanaARNICA).
Bei Unterleibstyphus und anderen typhoiden Erkrankungen wetteifert Baptisia mit pyrogeniumPYROGENIUM und arnica montanaARNICA.
Ich erinnere mich an einen schlimmen Typhusfall. Die Patientin hatte sich während des Krieges 1914–18 in Frankreich angesteckt, an einem Ort, wo eine sehr schwere Form von Bauchtyphus wütete. Sie bereitete mir ernstliche Sorge, bis sie plötzlich sagte: „Ça va si bien, Mademoiselle!, si bien.“ Und dieses Symptom „Sagt, es geht ihr gut, obschon sie schwerstkrank ist“ veranlasste mich, ihr arnica montanaARNICA zu verabreichen, welches den Fall bereinigte.
arnica montanaARNICA hat nicht die Schläfrigkeit, die Röte oder den wie betrunkenen Zustand von Baptisia, wenngleich beide ausgeprägt das Gefühl des zu harten Bettes haben (pyrogeniumPYROGENIUM).
Baptisia hat auch die arnica montanaARNICA-Empfindung „wie zerschlagen oder gequetscht“. Bei einem Prüfer trat folgendes Symptom auf: „Wenn ich mehrere Minuten auf Dem Rücken lag, wurde die Sakralregion unerträglich schmerzhaft, als hätte ich die ganze Nacht auf dem bloßen Fußboden gelegen; ich war überzeugt, ich würde mich wundliegen, wenn ich diese Lage noch etwas länger beibehielte. Drehte ich mich auf die Seite, so wurde die gleiche Empfindung an den Hüften hervorgerufen.“ (Baptisia müsste daher bei Dekubitus hilfreich sein.)
Zusammenfassung der Hauptsymptome und der charakteristischen Symptome
Sopor; schläft ein, während man zu ihm spricht oder während er antwortet; tiefer Schlaf, bis er wachgerüttelt wird; wacht auf, nur um mitten in seiner Antwort, die zu beenden er sich vergeblich bemüht, wieder einzuschlafen.
Gedankenverwirrung. Verwirrt, als wäre er betrunken.
Kann nicht einschlafen, da er sich nicht ‚zusammenfinden‘ kann.
Hat das Gefühl, im Bett verstreut zu sein, und wälzt sich umher, um die Teile zusammenzusuchen.
Abneigung gegen geistige Anstrengung.
Unvermögen zu denken; der Geist scheint zu schwach zu sein.
Dumpfes Zerschlagenheitsgefühl im Hinterkopf.
Gesicht: fahl; dunkelrot, mit berauschtem Aussehen; heiß und merklich gerötet; dunkel verfärbt.
Sordes auf Zähnen und Lippen; Zunge geschwürig.
Übler Mundgeruch. (mercurius (solubilis)MERCURIUS)
Rachen dunkelrot; dunkle, faulige Geschwüre; … unerwarteterweise schmerzlos.
Tonsillen und weicher Gaumen stark gerötet [und geschwollen], jedoch nicht schmerzhaft.
Kann nur Flüssiges schlucken; die geringste Menge an fester Speise lässt ihn würgen.
Die Speiseröhre fühlt sich von oben bis zum Magen herab wie zusammengeschnürt an.
Lähmung der Schlingorgane. (gelsemiumGELSEMIUM)
Die rechte Iliakalregion ist empfindlich.
Bauchmuskeln druckschmerzhaft, mit heftigen, intermittierenden Schmerzen.
Stinkende, erschöpfende Durchfälle, wundmachend.
Schläfrig; benommen; deliriöser Sopor.
Typhöse und zerebrospinale Fieberformen, vor allem bei ausgesprochener Schläfrigkeit; Delirium, Verwirrtheit; … Gefühl, als ob Kopf oder Glieder umherverstreut seien; … unwillkürlicher, spärlicher Stuhlabgang; schwieriges Atmen …
Prostration mit Zersetzungstendenz der Körpersäfte.
Absonderungen und Ausdünstungen übel riechend: Atem, Stühle, Urin, Schweiß, Geschwüre.
Ulzerationen, besonders des Mundes; auch mit Neigung zu fauligen Nekrosen.

Belladonna

Weitere Namen: Atropa belladonna; Tollkirsche
Dies ist ein weiteres der „vielnützigen Mittel“ oder Polychreste Hahnemanns, das (wegen seines außerordentlichen Nutzens bei akuten und heftigen Erkrankungen) seinen Platz in jedem noch so kleinen homöopathischen Arzneikästchen hat – eines jener Mittel, „ohne die wir unseren Laden wohl dichtmachen könnten“, wie Dudgeon sagt.
Heftigkeit zieht sich durch das gesamte Arzneimittelbild von Belladonna, Heftigkeit und Plötzlichkeit. Wir assoziieren mit Belladonna die Vorstellung von plötzlicher Heftigkeit: heftiger Schmerz, heftiger Kopfschmerz, heftiges Pochen, heftiges Delirium, heftige Manie, heftiges Auffahren, heftiges Zucken, heftige Konvulsionen.
Belladonna ist wie aconitumACONITUM ein Heilmittel plötzlich einsetzender akuter Krankheiten, jedoch in seinen Symptomen von diesem sehr verschieden. Grob gesagt bedeutet aconitumACONITUM Aufruhr im Kreislauf und Belladonna Aufruhr im Gehirn, so wie chamomillaCHAMOMILLA Beschwerden hervorruft und heilt, die mit Aufruhr im Gemüt einhergehen.
Die Kardinalsymptome einer Entzündung sind, wie uns gelehrt wird, Hitze, Röte, Schwellung und Schmerz. All diese Symptome nun zeigt Belladonna in großer Heftigkeit, weswegen es allgemein bei Entzündungen palliativ wirkt: Es mildert, wo es nicht mehr vollbringt, die Symptome zumindest ab. Heilen jedoch wird es nur dort, wo auch die übrigen Symptome passen. Zum Beispiel ist bei Entzündungen der Lunge und der Pleura sein Krankheitsbild, wie ich an anderer Stelle [vgl. z.B. die Darstellung im bryoniaBRYONIA-Kapitel] gezeigt habe, leicht zu unterscheiden von dem von bryoniaBRYONIA, phosphorusPHOSPHORUS und anderen Mitteln. Es ist der „Inbegriff der charakteristischen Zeichen und Symptome“, der ins Auge gefasst werden muss, wenn schnelle und eindrucksvolle Heilungen erzielt werden sollen. Schnelle Heilungen bei Pneumonie? – bei Herpes? Wie kann man eine hepatisierte Pneumonie schnell heilen? – einen Herpes mit ausgedehntem Bläschenausschlag? Frühzeitig verabreicht müsste das richtige Mittel die Pneumonie aufgehalten haben, sie dürfte nicht bis zur Hepatisation fortgeschritten sein; doch selbst wenn diese bereits eingetreten ist, kündigen der unmittelbare Rückgang von Temperatur und Puls, das Wiederfinden von Ruhe und Schlaf, das plötzliche Wohlbefinden des Patienten – wenn er zu essen verlangt, nach der Zeitung fragt und wieder redet und lächelt – die Heilung an, auch wenn die Lunge noch Tage brauchen mag, um sich wieder zu lösen. Ähnlich beim Herpes: Schmerz und Rötung, die Entzündungszeichen, verschwinden plötzlich, die Bläschen trocknen aus, bis nur noch Schorfe vorhanden sind; die Sache ist ausgestanden und wird keine Probleme mehr bereiten. Bei akuten Krankheiten tut sich die benötigte homöopathische Arznei von selbst kund, unmissverständlich und oft nahezu augenblicklich; und wenn man das richtige Mittel getroffen hat, ist die Tatsache seiner Wirkung nicht zu verkennen.
Es hat sich gezeigt, dass Belladonna Nagelbett- und Blinddarmentzündungen im Anfangsstadium aufhalten kann, und zweifellos hat es auch unzählige Pneumonien abortiv verlaufen lassen. Das typische Belladonna-Bild ist nicht zu verwechseln, wenn man es antrifft: das leuchtend rote Gesicht, die erweiterten Pupillen, die brennende Haut, die klopfenden Schmerzen, die Unverträglichkeit von Druck und Erschütterung. Diese Symptome verlangen nach Belladonna, um welche Krankheit es sich auch immer handeln mag. Belladonna kann sie zum Stillstand bringen und heilen, sofern Arzneibild und Krankheitsbild übereinstimmen. Natürlich gibt es Medikamente wie Aspirin etc., die nur das Schmerzempfinden beseitigen und gar nichts heilen. Solche Mittel können bei akuter Appendizitis oder akuter Otitis media regelrecht gefährlich werden, da sie lediglich die Symptome verschleiern, während die Krankheit weiter fortschreitet; es kann zu einer Gangrän des Appendix und allgemeiner Peritonitis kommen – oder zu einem ‚akuten Mastoid‘, welches dann rasches Operieren erforderlich macht, um einen Gehirnabszess zu verhindern. Seien Sie daher vorsichtig mit Analgetika, sie sind nicht sicher! Homöopathische Mittel dagegen, die auf die Symptome passen, beseitigen nur dadurch die Schmerzen, dass sie den Zustand heilen, der die Ursache für sie gewesen ist.
Vor langer Zeit machte ich draußen auf dem Land eine unvergessliche Erfahrung mit der raschen Heilwirkung von Belladonna. Ein Junge, der sich der heißen Sonne ausgesetzt hatte, bekam plötzlich heftige Kopfschmerzen, ein rotes Gesicht und sehr hohes Fieber, so hoch, wie ich es bis dahin noch nicht erlebt hatte (40,5–41 °C), sodass ich mir einige Sorgen machte. Ich gab ihm etwas Belladonna, und am nächsten Tag war er wieder wohlauf. Solche frühen, eindrucksvollen Erfahrungen vergisst man nicht so leicht.
Bei Sonnenstich und heftigen, kongestiven Kopfschmerzen liegen Belladonna und glonoinumGLONOINUM anscheinend immer Kopf an Kopf im Rennen. glonoinumGLONOINUM (potenziertes Nitroglycerin) hat ebenfalls klopfenden, berstenden Kopfschmerz – Wellen von hämmerndem, berstendem Kopfschmerz, Wellen von intensivem Schmerz. Es hat auch das gerötete, heiße Gesicht, und wie Belladonna kann es nicht die geringste Erschütterung ertragen. Der große Unterschied zwischen ihnen scheint jedoch zu sein, dass glonoinumGLONOINUM deutlich verschlechtert wird durch Wärme: Der Kranke verträgt absolut keine Wärme im Bereich des Kopfes und kann sogar durch kalte Anwendungen gebessert werden. Belladonna dagegen ist sehr empfindlich gegen Kälte, insbesondere im Kopfbereich; Beschwerden treten auf vom Kaltwerden oder Nasswerden des Kopfes, ja selbst vom Haareschneiden.
Ich habe einmal die außerordentliche Wirkung von glonoinumGLONOINUM bei den schrecklichen Schmerzen nach einer Schädelfraktur beobachten können. Der Junge hatte tagelang unter Morphium gestanden; wie sollte er die Schmerzen nur ohne Analgetika aushalten? Nach glonoinumGLONOINUM war diese Frage bald zufriedenstellend geklärt.
Belladonna ist überempfindlich gegen Licht – was bei den gewaltig erweiterten Pupillen nicht verwundert! –, gegen Geräusche, Bewegung, Druck und Erschütterung, gegen Kälte und Waschen des Kopfes und, wie schon erwähnt, gegen Kurzschneiden der Haare.
Guernsey sagt über Belladonna: „Dieses Mittel zeigt eine außerordentliche Schnelligkeit in seinen Bewegungen oder auch beim Auftreten von Empfindungen: Die Augen zwinkern und bewegen sich sehr schnell; Schmerzen kommen und gehen mit großer Geschwindigkeit. Ein Schmerz mag eine Zeitlang angehalten haben, und dann vergeht er plötzlich – innerhalb einer Sekunde; er kann plötzlich beginnen, langsam an Heftigkeit zunehmen, bis der Höhepunkt erreicht ist, und dann in Sekundenschnelle wieder verschwunden sein. Viel Zucken und Rucken der Muskeln. Benommen und schläfrig, halb wach, halb schlafend.“
Bezüglich des plötzlichen Kommens und Gehens der Belladonna-Schmerzen muss ich an ein tüchtiges und von mir sehr geschätztes Hausmädchen denken, das eines Tages anfing, an plötzlichen, sehr heftigen Kopfschmerzen zu leiden. Bald danach traten von Zeit zu Zeit auch Krampfanfälle auf, für die man keine Ursache finden konnte. Was die Kopfschmerzen betrifft, so ging sie in der Regel ohne Beschwerden zu Bett; in manchen Nächten aber kam sie, wenn ich gerade schläfrig zu Bett gehen wollte, in mein Zimmer herunter, stand dann schwankend da, bewegte ihre zitternden Hände vor dem Kopf hin und her und stammelte: „Oh, mein Kopf! Mein Kopf! Geben Sie mir etwas für meinen Kopf!“ Eine Gabe Belladonna – einige Minuten Warten – dann plötzlich: „Jetzt ist es weg!“, und erleichtert ging sie wieder zu Bett. Leider nahm die ganze Geschichte ein tragisches Ende – sie bekam einen Anfall, während sie frühmorgens das Kamingitter im Salon säuberte. Ein anderes Hausmädchen fand sie, wie sie mit dem Kopf voran in dem großen Kamin lag; ein schwarzer Abdruck der oberen Stange quer über ihrem Hals offenbarte die Ursache ihres Todes: sie war erstickt. Das Mädchen, das sie gefunden hatte, machte keinen Versuch, sie herauszuziehen, sondern lief im Schreck davon, um es jemandem zu berichten; so wurde viel Zeit vergeudet, bevor die ersten Versuche unternommen werden konnten, sie wiederzubeleben. Eine Obduktion brachte schließlich ein Gliom des Gehirns zutage, einen kleinen Tumor, der für den ganzen Zustand verantwortlich gewesen war. Umso erstaunlicher erschien es mir nun, wie rasch und unmittelbar Belladonna diese schweren Kopfschmerzen immer wieder gebessert hatte, obwohl sie doch durch ein solches Leiden bedingt waren.
Glauben Sie nicht, dass die Homöopathie alles heilen kann – sie kann es nicht! Aber sie ist imstande, selbst Unheilbares in einem Maße zu lindern, dass es manchmal schwierig werden kann, überhaupt noch die Unheilbarkeit des betreffenden Zustandes zu erkennen.
Kent bringt eine wunderbare Vorlesung über Belladonna, aus der ich im Weiteren einiges entnehmen will …
Belladonna steht für Hitze – Röte – intensives Brennen.
Der Belladonna-Rachen brennt wie glühende Kohlen; die entzündeten Tonsillen brennen wie Feuer. Der Patient fühlt seine Haut wie Feuer brennen, und auch objektiv ist sie für den Arzt intensiv heiß. Legen Sie einem Belladonna-Patienten die Hand auf, und Sie werden den Impuls haben, sie schnell wieder zurückziehen – so groß ist die Hitze! Noch einige Zeit danach kann, wie Kent sagt, ein Gefühl von Wärme in der Hand davon zurückbleiben.
Die Hitze ist heftig. „Intensive Hitze. Heftige Hitze.“
Die Schmerzen von Belladonna, seine Entzündungen, seine Leiden, seine nächtlichen Delirien, seine heftigen Attacken entzündlichen Charakters: all dies wird von einer außergewöhnlichen Hitze begleitet.
Mit der Belladonna-Hitze geht Rötung einher: eine leuchtende Röte, die möglicherweise später ein dunkleres oder fleckiges Aussehen annimmt; doch am Anfang ist die Haut hellrot und leuchtend.
Belladonna hat rasches Anschwellen der entzündeten Teile, „als ob diese platzen wollten“.
Sodann Klopfen – heftiges Pulsieren. „Ein wahrer Aufruhr findet statt, ein Erdbeben; alles wird durchgeschüttelt, wenn der Patient Belladonna benötigt.“
„Es ist eines der schmerzvollsten Mittel“; und die Schmerzen kommen und gehen plötzlich.
Bewegung bedeutet für Belladonna heftiges Leiden: mit einem Gefühl, als ob der Kopf platzen wollte; als ob die Augen herausgepresst würden; mit hämmernden Schmerzen.
Schlimmer durch Berührung, welche heftiges Pochen hervorruft.
Schlimmer durch Erschütterung. Ein Patient, dem es schlechter geht, wenn man das Bett erschüttert oder berührt, „wird Ihnen damit sein Heilmittel verraten – Belladonna!“
Alle Schmerzen verschlimmern sich durch Licht – durch Erschütterung – durch Bewegung – durch Kälte. Besser durch Wärme, durch warmes Einhüllen. Schlimmer durch Zugluft.
Entzündungen vor allem des Gehirns, der Lungen und der Leber.
Krämpfe: von den Zuckungen zahnender Kinder im Schlaf bis zu den heftigsten Konvulsionen.
Konvulsionen bei Kleinkindern, mit heißer Haut und zerebraler Kongestion; die Krampfanfälle können durch Licht oder Zugluft oder auch dadurch ausgelöst werden, dass das Kind friert.
Spasmen der zirkulären Muskelfasern von Hohlorganen; beispielsweise können die Ringmuskeln des Gallengangs verkrampft sein und einen kleinen Stein umschließen. Nach einer Dosis Belladonna, so Kent, lässt der Spasmus nach, und der Stein geht ab; die Qualen der Gallensteinkolik sind vorüber.
Heftigkeit kennzeichnet auch all die Gemütssymptome von Belladonna. „Ein wilder Zustand“, sagt Kent, „der oft durch etwas Essen abgemildert werden kann.“
Auch bei dem aktiven, heftigen, ‚wilden‘ Delirium von Belladonna sind seine Hitze, seine Röte, sein Brennen zugegen. Das Gehirn ‚brennt‘; der Kopf ‚brennt‘; die Haut ‚brennt‘.
Typisch für bryoniaBRYONIA sind die geschäftigen Fieberphantasien über alltägliche, gewöhnliche Dinge, mit der Sorge um geschäftliche Dinge und dem Bestreben, damit voranzukommen.
Belladonna dagegen hat das wütende Delirium, das den Kranken dazu treibt, die Wände hochzulaufen und zu entfliehen; oder zu beißen, zu spucken, Gegenstände zu zerreißen. Auch Ängste können auftreten: vor imaginären schwarzen Hunden, vor dem Galgen etc.
Kent sagt, Belladonna sei nicht bei kontinuierlichen Fiebern wie z.B. Typhus angezeigt; dabei richte es eher Schaden an. Hier sei vor allem an stramoniumSTRAMONIUM6

6

M. Tyler nennt (als Zitat Kents) irrtümlich hyoscyamus.

zu denken. Und Nash bezeichnet hyoscyamusHYOSCYAMUS als das beste ihm bekannte Heilmittel bei Typhus oder typhöser Pneumonie, mit einem Delirium, bei dem der Patient in Sopor, Flockenlesen und Schweigen oder Gemurmel verfällt.
Belladonna, stramoniumSTRAMONIUM und hyoscyamusHYOSCYAMUS sind botanisch miteinander verwandt, und sie alle sind Mittel für „hochgradiges Delirium“ – in der angegebenen Reihenfolge, mit Belladonna als dem heftigsten. Sie haben viele Züge gemeinsam, aber auch vieles, was sie voneinander unterscheidet.
Belladonna und stramoniumSTRAMONIUM haben beide Röte des Gesichts, aber stramoniumSTRAMONIUM fehlt die intensive, brennende Hitze. Das Gesicht von hyoscyamusHYOSCYAMUS ist blass und eingefallen. Belladonna kann kein Licht vertragen; stramoniumSTRAMONIUM erträgt die Dunkelheit nicht, hat schreckliche Angst davor und braucht das Licht. stramoniumSTRAMONIUM will beten; hyoscyamusHYOSCYAMUS hat in seinem Delirium oder Wahn jedes Gefühl für Anstand verloren und will sich entblößen … und so fort. Nash nennt diese drei Arzneien die „Trias der Deliriummittel“; doch selbstverständlich bedarf es keines Deliriums oder Wahnsinns, keiner Konvulsionen, um eines von ihnen bei einer Krankheit anzuzeigen. Es sind dies Extreme ihrer Wirkung.
Hahnemann schreibt, das Studium der Symptome von Belladonna zeige, „daß sie einer Menge nicht selten im Leben vorkommender Krankheitszustände in Aehnlichkeit entspricht und sie daher auch eine öftere homöopathische Anwendung beim Heilen findet, wie ein Polychrest“. Und er konstatiert: „Die ihre Giftigkeit verschreienden kleinlichen Seelen müssen eine Menge Kranke ohne die Belladonne hinsterben lassen, und ihre abgedroschene Phrase, daß man erprobte, gelinde Mittel dafür habe, dient bloß zum Beweise ihrer Unwissenheit, indem kein Arzneimittel die Stelle des andern ersetzen kann.
Und er lehrt, dass die heftigsten Gifte zu den mildesten Arzneien werden „durch hinreichende Verkleinerung der Gabe“. Durch hundertfache Versuche bei Kranken belehrt, habe er sich „in den letzten acht bis zehn Jahren zur decillionfachen Verdünnung“ (C 30) „herabzustimmen nicht unterlassen können“. Neben der Schutzkraft des Mittels gegen das Scharlachfieber hält er es auch für „die gewisseste Vorbauung der Hundswuth …, Anfangs den dritten, vierten Tag und dann in immer längern Zeiträumen wiederholt“. Und in der Tat hat Belladonna viele Symptome der Tollwut: die Furcht vor Wasser; die Versuche zu beißen; den Schlundkrampf, der am Schlingen hindert; den Wahnsinn bzw. das Delirium, worin er sich vor Hunden fürchtet, von Hunden schwatzt, die ihn umschwärmen, usw.
Allen führt in seiner Encyclopedia 2545 Symptome auf, die von Belladonna verursacht wurden. Darunter sind die fettgedruckten, also die häufig hervorgerufenen und geheilten Symptome so zahlreich, dass ich nur einige von ihnen wiedergeben möchte; sie sollen dazu dienen, den Genius des Arzneimittels und seine markantesten Wirkungsbereiche aufzuzeigen.7

7

Aus der Reinen Arzneimittellehre Hahnemanns stammende Symptome sind mit einem a versehen. Karl Hencke hat 1865 im 16. Band der Homöopathischen Vierteljahrschrift eine ausgezeichnete Monographie samt Symptomenverzeichnis über Belladonna vorgelegt, welcher viele der bei Allen zitierten Symptome entnommen sind; den entsprechenden Symptomen ist ein b zugeordnet.

Geist und GemütNeigung, die Umstehenden zu beißen.a
Sie biss und schlug nach den Wärtern. Die Wuthanfälle wurden zeitweise durch lautes Lachen und Zähneknirschen unterbrochen, ihr Kopf war heiss, das Gesicht geröthet, der Blick wild und stier …b
Neigung, alles umher zu zerreißen.a
Rasende, gewaltthätige Wuth.a
Delirium furibundum.b
Wuth; sie rauft die Umstehenden bei den Haaren.a
Unter brennender Hitze des Körpers, bei offenen, starren und unbeweglichen Augen eine solche Wuth, daß sie beständig fest gehalten werden mußte, um nicht von ihr angefallen zu werden, und wenn sie so gehalten ward, daß sie sich nicht rühren konnte, spie sie beständig nach den Umstehenden.a
Tobend, rasend; Gesicht blauroth; Augen hervorragend, von stark eingespritzten Gefässen geröthet, Pupillen sehr gross; Arterien am Kopfe und Halse sichtlich pulsierend; Pat. konnte nicht schlucken; Puls voll, hart und sehr frequent.b
Große Unverträglichkeit von Licht und Geräuschen.
Versucht aus dem Bette zu springen.a
Der Knabe sprang aus dem Bette und fing an zu deliriren; er sprach beständig, war heiter und lachte oft, das Bewusstsein fehlte ganz, so dass er seine Eltern nicht erkannte.b
KopfAndrang des Blutes nach dem Kopfe mit Pulsiren der Kopfschlagadern und Gefühl des Herzschlages im Innern des Kopfes.b
Sehr heftiger Kopfschmerz.
Die Schmerzen im Kopf werden verschlimmert durch Geräusche, Bewegung, Bewegen der Augen, Erschütterung und Berührung.
[Im Freien ist die Empfindung von Zersprengen im Kopfe sehr heftig,] und er fürchtet sich zu husten, wegen Erhöhung des Schmerzes.a
Drückendes Kopfweh, besonders in der Stirne.a
Schmerzlich drückendes Gefühl im Kopfe, besonders am untern Theile der Stirne, gleich über der Nase, beim Auftreten unleidlich.a
Drei heftige, starke Stiche durch den Kopf von der Stirne bis ins Hinterhaupt, worauf plötzlich alles frühere Kopfweh verschwindet.a
Heftiges Klopfen im Gehirne von vorne nach hinten8

8

Bei Allen (und Tyler) heißt es fälschlich „from behind forwards“ (Symptom Nr. 411)

und nach beiden Seiten; äußerlich endigt es sich in schmerzhafte Stiche.a
Ruckendes Kopfweh, das beim schnellen Gehen und schnellen Treppen-Steigen äußerst heftig wird und bei jedem Auftreten wie eine Last im Hinterhaupte herabzuckt.a
Für Kopfschmerz in der Stirne muß er im Gehen oft stehen bleiben, bei jedem Schritte ist's, als senke und hebe sich das Gehirn in der Stirne; durch starkes darauf Drücken minderte es sich.a (Die einzige Besserung durch Druck bei Belladonna?)
Stiche wie mit einem Messer von einer Schläfe zur andern.a
Der äußere Kopf ist so empfindlich, daß die geringste Berührung, ja schon der Druck des Haares ihr Schmerzen verursacht.a
AugenStier und funkeln.a
Die Augen sind hervorgetrieben, die Pupillen erweitert, der Blick stier.b
Pupillen sehr gross; Arterien am Kopfe und Halse sichtlich pulsierend.b,9

9

Dieses Symptom ist bei Allen Bestandteil des Symptoms Nr. 32. Allen hat hier allerdings irrtümlich zwei Symptome aus unterschiedlichen Quellen zusammengezogen, sodass das Symptom vor „pupils dilated …“ abgetrennt werden muss; der vordere Teil gehört zu seinem Symptom Nr. 9. In Henckes Symptomenverzeichnis gehört das zitierte Symptom zu Nr. 129, der vordere Teil von Allens Nr. 32 zu Nr. 120.

Die Augen sind verdreht, bei Röthe und Geschwulst des Gesichts.a
Augen trocken; das Bewegen der Augen geht mit einem Gefühl von Trockenheit und Steifheit derselben einher.
Brennende Hitze in den Augen.
Erweiterte Pupillen.a – Erweiterte, unbewegliche Pupillen.a
Alles, was er ansieht, sieht rot aus.
Nase, GesichtGroße Empfindlichkeit des Geruchssinns.
Glühende Gesichts-Röthe bei heftigen, unnennbaren Kopfschmerzen.a
Glühend heisses, rothes Gesicht; … Gesicht, Hals und Brust stark angeschwollen …b
Geschwulst und Röte des Gesichts und der Lippen.
Krampfhaftes Spiel der Gesichtsmuskeln …b
Krampfartige Bewegungen der Gesichtsmuskeln, mit Verzerrung des Mundes.
Mund, HalsDie Zunge und der Gaumen sind dunkelroth, daher klagt sie über Trockenheit im Halse und über erschwertes Schlingen.b
Die Trockenheit von Zunge und Hals ist so groß, dass sie das Sprechen behindert.
Äußerst quälendes Trockenheitsgefühl im Rachen.
Beim Schlingen, im Halse Gefühl, als wäre da alles zu enge, wie zusammengezogen, als wollte nichts recht hinter.a
Ein kratzender Schmerz in der Gegend des Kehldeckels wie in etwas Rohem und Wundem.a
Magen, AbdomenUebelkeit im Magen.a
Schmerzhaftigkeit des ganzen Unterleibes, als wäre alles wund und roh, langdauernd.a
Größte Empfindlichkeit des Abdomens, welches die geringste Berührung nicht erträgt.
Heftig schneidender Druck im Unterbauche, bald hie, bald da.a
HarnorganeZurückhaltung des Harns, der nur tropfenweise abgeht.a
Weibliche GeschlechtsorganeUebel riechender Mutterblutfluß.a
Menses zu früh und sehr stark, von dickem, zersetztem, dunkelrotem Blut.
Ein heftiges Zwängen und Drängen nach den Geschlechts-Theilen, als sollte da alles herausfallen.a
Kehlkopf, HustenSchmerzhafte Trockenheit im Kehlkopf.
Gefühl, als wäre der Kehlkopf entzündet und geschwollen.
Heiserkeit.a – Rauhe, heisere Stimme.a
Katarrh, oder Husten mit Schnupfen.a
Hohl klingender, heiserer Husten.
Voller, schneller Puls.
(Dann viele fettgedruckte Symptome der Extremitäten.)
Schmerz der Ober- und Unterschenkel wie zerschlagen überhaupt und wie morsch, nach den Knochenröhren zu fein stechend und nagend, nebst starkem Reißen in den Gelenken …a
NervenEpileptische Konvulsionen.a
Unruhe, er wollte jeden Augenblick aus dem Bette …b
Grosse Unruhe, er wollte entfliehen [und musste mit Gewalt auf seinem Lager zurückgehalten werden, dabei entwickelte der Knabe eine Kraft und Stärke, die bei Weitem sein Alter überschritt].b
Große Reitzbarkeit und Empfindlichkeit der Sinne; er schmeckt und riecht alles stärker; das Tast-Gefühl10

10

Bei Allen (Symptom Nr. 2208) und bei Tyler muss es richtig heißen „sense of touch“ statt „sense of taste“.

, das Gesicht und Gehör ist feiner und das Gemüth ist beweglicher und die Gedanken regsamer.a
Größte nervöse Erregbarkeit, mit erhöhter Empfindlichkeit aller Sinne; das leiseste Geräusch, das geringste Licht stört ihn.
HautRöthe des ganzen Körpers mit geschwindem Pulse.a
Scharlachröthe der Haut des Körpers …a
Blüthen brechen auf den Backen und an der Nase aus, füllen sich schnell mit Eiter und bedecken sich mit einer Kruste.a
SchlafEr schreckt auf und erwacht, wenn er eben einschlafen will.a
Sie erschrack in übrigens ruhigem Schlafe, als wenn sie tief fiele (thujaTHUJA), wobei sie heftig zusammenfuhr.a
Schlaf ist sehr unruhig.b
Nachts wurden die Knaben unruhig, sprachen irre, sprangen auf und konnten nur mit Mühe im Bette erhalten werden.b
Vor Mitternacht unruhiger Schlaf; das Kind wirft sich herum, strampelt und redet zänkisch im Schlafe.a
FieberErhöhte Kopftemperatur, die Temperatur des übrigen Körpers eher vermindert.b
Die Haut war heiss, trocken und scharlachroth, besonders intensiv roth im Gesicht und den Ohren.b
Brennende Hitze äußerlich oder innerlich.a
Was immer die Beschwerden sein mögen – Kopfschmerzen, Fieber, Entzündungen: Wenn brennende Hitze und Röte bestehen und Schmerzen, die keinen Druck, keine Erschütterung und keine Bewegung vertragen, denken Sie an Belladonna!
Wer würde nach alledem auch nur im Traum daran denken, dass Belladonna eine der am häufigsten gebrauchten Arzneien im Kindesalter sein könnte? Und doch ist es so.
Wie Farrington es ausdrückt: „Der Charakter der (Belladonna-)Krankheit ist akut, plötzlich und heftig. Und ebendiese Plötzlichkeit des Krankheitsbeginns sollte uns sofort an Belladonna denken lassen.“ (Oder an aconitumACONITUM, könnte man hinzufügen, aber dessen Symptome sind, wie wir dort gesehen haben, sehr verschieden.) „Zum Beispiel“, sagt er, „ein Kind ist beim Zubettgehen noch völlig gesund. Ein paar Stunden später schreit es im Schlaf auf, und bald darauf wird es von heftigen Symptomen aufgeweckt: Die Glieder zucken, das Gehirn befindet sich in einem Reizzustand; Ruhelosigkeit … All diese Symptome sprechen stark für Belladonna.“ (Um das Bild zu vervollständigen, könnte man noch anführen, dass in diesen Fällen das Gesicht rot, der Kopf heiß und die Pupillen erweitert sind.)
Ich ziehe es in der Regel vor, mehrere unserer alten Meister zu zitieren und zu Rate zu ziehen, hat doch der eine mit dieser, der andere mit jener Arznei mehr Erfahrungen gesammelt und sie vollständiger in ihrem Wesen erfasst. Aus demselben Grund sollte man eine Arznei auch immer in mehreren Büchern nachlesen und studieren, um sicherzugehen, dass man den bestmöglichen Einblick durch den hierzu am meisten befähigten Lehrer gewinnt. Suchen Sie sich viele ‚Köpfe‘ zusammen, wenn Sie für Ihren eigenen Nahrung und Anregung finden wollen.
Noch einige weitere Zitate aus Farringtons Clinical Materia Medica …
„Bei Tollkirschvergiftungen … sind Mund und Rachen von quälender Trockenheit, was zu häufigem Schlucken nötigt, verbunden mit erstickenden Spasmen des Schlundes und der Glottis; der Durst ist heftig, aber Wasser verschlechtert. Es kommt zu Schwindel, Verwirrung, Halluzinationen und schließlich zu Sopor. Die Pupillen sind so stark dilatiert, dass die Iris kaum noch zu erkennen ist. Starker Kaffee ist das beste Antidot – natürlich erst nach entsprechenden Bemühungen, das Gift bzw. die gegessenen Beeren auf dem üblichen Weg wieder loszuwerden. …
Unsere aus Prüfungen und Vergiftungsfällen gewonnene Symptomatologie befähigt uns, das Mittel mit nahezu mathematischer Sicherheit zu bestimmen und anzuwenden.
Belladonna scheint am besten auf eher dicke und phlegmatische Menschen von plethorischem Habitus zu passen, die zu Kongestionen vor allem des Kopfes neigen. … Ferner passt es auf frühreife Kinder mit großem Kopf und schmächtigem Körper …; sie lernen schnell; der Schlaf ist gestört; der Kopf ist heiß, die Wangen rot; sie schreien im Schlaf. …
Belladonna wird sehr oft in der Behandlung von Konvulsionen benötigt; Epilepsien werden nicht selten durch das Mittel gemildert und manchmal auch geheilt, und Krämpfe zahnender Kinder oder solche durch unterdrückte Ausschläge o. Ä. machen es in einer homöopathischen Praxis fast täglich erforderlich. In all diesen Fällen sind die zerebralen Symptome deutlich zu erkennen. Ferner sind zu erwarten: heißer Kopf, gerötetes Gesicht, klopfende Karotiden, Aufschrecken aus dem Schlaf, etc.; Schaum vor dem Mund, der nach faulen Eiern riecht. …
Die Konvulsionen sind vor allem bei Kindern sehr heftig und verdrehen den Körper in jeder erdenklichen Art, wobei Opisthotonus vorherrschend ist. …
Wenn der Patient die Augen schließt, erscheinen ihm nicht selten Phantasiebilder, die beim Öffnen der Augen gewöhnlich wieder verschwinden. Oder er hat nachts das Gefühl zu fallen: ein Kind wacht dann beispielsweise plötzlich aus dem Schlaf auf und greift in die Luft, wobei es wie vor Angst zittert. …
Eine Besonderheit von Belladonna ist die Fähigkeit, Konstriktionen der zirkulären Muskelfasern von Blutgefäßen, Kontraktionen von Schließmuskeln etc. herbeizuführen, z.B. Zusammenschnüren des Halses, welches durch Flüssigkeiten verschlimmert wird; Konstriktion des Anus …; die Qualen der Gallensteinkolik, wo ein kleiner Stein auf seinem Weg zum Darm krampfbedingt im engen Gallengang festgehalten wird; Verkrampfung des Muttermundes, die die Eröffnungsperiode verzögert; erfolgloser oder auch häufiger Harndrang mit nur spärlicher Entleerung. …
Belladonna kommt auch in Betracht bei Entzündungen, die plötzlich auftreten und von heftiger, beinahe überwältigender Intensität sind. Auch bei Abszessen, bei denen sich der Eiter mit blitzartiger Geschwindigkeit entwickelt, müssen wir an Belladonna denken, sei es ein Tonsillarabszess, ein Furunkel oder irgendeine andere Art von Abszess. Daher finden wir es angezeigt bei phlegmonösem Erysipel, welches schnell in Eiterung übergeht. … Die große Plötzlichkeit des Prozesses ist es, die auf Belladonna hindeutet. …
Bei Mastitis kann es indiziert sein durch die Heftigkeit der Symptome, die Wärme abstrahlende Rötung, das Klopfen und durch die Eiterungstendenz. …
Deutlichen Einfluss hat Belladonna auf die weiblichen Geschlechtsorgane. Es verursacht und heilt anhaltendes und heftiges Herabdrängen des Uterus [bearing down] – mit der ungewöhnlichen Modalität Schlimmer im Liegen und besser im Stehen.
(Die Kenntnis solcher Besonderheiten von Arzneiwirkungen ist überaus wichtig, da sie das Verschreiben vergleichsweise einfach und sicher macht! pulsatillaPULSATILLA hat etwas Ähnliches: „Herabdrängen, schlimmer im Liegen.“ Geleitet durch dieses Symptom, habe ich einen bösen Fall von Schmerz und Fieber nach einer Fehlgeburt unter pulsatillaPULSATILLA rasch ausheilen sehen. Die häufiger nützlichen Heilmittel des ‚Bearing-down-Syndroms‘, sepiaSEPIA, lilium tigrinumLILIUM TIGRINUM u. a., werden dagegen durch Stehen verschlimmert: Die Patientinnen müssen sich setzen und die Beine übereinanderschlagen, um den Uterusbereich abzustützen.)
„Belladonna ist eines unserer wichtigsten Heilmittel bei akutem und chronischem Rheumatismus, wobei die Schmerzen schneidend und reißend sind und wie Blitze durch die Glieder fahren …; es ist eines der Hauptmittel bei rheumatischer Nackensteifigkeit, verursacht durch Haareschneiden, Nasswerden des Kopfes oder dadurch, dass Kopf und Nacken beim Sitzen Zugluft ausgesetzt waren. …
Belladonna ist heiß. Der Schweiß kann heiß sein; bei Uterusblutungen fühlt sich das austretende Blut heiß an. … Es kann bei rheumatischem Fieber angezeigt sein; dabei scheint der gesamte Organismus betroffen zu sein, mit ständig den Ort wechselnden Gelenkschmerzen und fast stets mit profusem, saurem Schweiß, der aber nicht die geringste Erleichterung verschafft. Der Patient durchnässt alles mit seinem Schweiß, und je mehr er schwitzt, desto schlechter scheint es ihm zu gehen.“ (thujaTHUJA hat das merkwürdige Symptom Schweiß nur an unbedeckten Teilen! Nicht selten hat dieses Symptom schon zu glänzenden Heilungen geführt, indem es auf ein Mittel aufmerksam machte, an das man sonst nicht so schnell gedacht hätte. Belladonna hat das Gegenteil, Schweiß nur an bedeckten Teilen.) „Beim Anheben der Bettdecke scheint heißer Dampf zu entweichen.“
Kent stellt Belladonna bei rheumatischem Fieber so dar: „Akuter Gelenkrheumatismus, bei dem alle Gelenke oder eine große Zahl von ihnen geschwollen sind; sie sind heiß, rot und brennend. Auch beim Rheumatismus treffen wir durchgängig die Hitze, die Röte und das Brennen an; wir sehen die gleiche Empfindlichkeit des ganzen Patienten, besonders eine Empfindlichkeit der Gelenke gegen Erschütterung des Bettes. Er will vollkommen still liegen, wird durch Bewegung außerordentlich verschlechtert und hat beträchtliches Fieber. … Belladonna passt besonders für Patienten, die sehr kälteempfindlich sind, die nicht das geringste Aufdecken, die geringste Zugluft vertragen, die sehr empfindlich sind gegen das Bewegen der Bettdecke und denen Wärme guttut. Wie bei allen anderen Beschwerden von Belladonna zeigt sich auch in dessen rheumatischen Leiden ganz das Gepräge, der Charakter der Arznei. Es ist jedoch der Mensch, der Belladonna in den Prüfungen diesen Charakter gegeben hat, und ebenso ist es der Mensch, der der Krankheit diesen Belladonna-Charakter verleiht; und es ist nur die Erfüllung des Ähnlichkeitsgesetzes, wenn Prüfungs- und Krankheitssymptome zusammenfallen und die Arznei so die Krankheit auslöscht.“
Belladonna – „fast spezifisch bei Scharlach“
Im März 1933 habe ich, zusammen mit diesem Belladonna-Arzneibild, die Erfahrungen eines Arztes veröffentlicht, welche dieser während einer Scharlachepidemie in seinem Distrikt gesammelt hatte. Der Kollege hatte unsere Ärztekurse besucht und wollte nun das, was er über Belladonna und seine heilenden und prophylaktischen Wirkungen bei Scharlach gehört hatte, auf die Probe stellen.
Seine Erfolge entsprachen dem, was wir erwarten würden; für den Inspektor des Gesundheitsamtes jedoch waren sie sehr verblüffend. So befragte er den Arzt, als er ihn einmal auf der Straße traf, wie er denn seine Scharlachfälle behandelt habe, und erwähnte dabei, dass diese Patienten, wenn er bei ihnen vorbeigeschaut habe, alle sehr gut ausgesehen hätten; meist habe er nur noch geringe Spuren des Ausschlags vorgefunden, und auch spätere Besuche hätten gezeigt, wie schnell sie sich erholten. Der Doktor erkundigte sich, wie es denn den anderen Kranken im Vergleich dazu ergangen sei. „Nun ja, sie schleppen sich so dahin, wie gewöhnlich!“ Der Inspektor sagte auch, dass er bei den Patienten des Arztes nie irgendwelche Komplikationen und in keinem Haushalt mehr als einen Krankheitsfall gesehen hätte. Es war ihm alles ein einziges Rätsel.
Über einige seiner Patienten im Alter zwischen 18 Monaten und 12 Jahren macht der Kollege in seinem Bericht nähere Angaben … „Es gab keine Todesfälle, nicht einmal Komplikationen seitens der Nieren, der Ohren, des Rachens usw.; stets war der Krankheitsverlauf bemerkenswert kurz, wobei es praktisch zu keinem Rekonvaleszenzstadium kam. In 80 % der Fälle war Belladonna die einzige benötigte Arznei.“ Und er schließt mit der Feststellung: „Niemals zuvor habe ich so angenehme und so vergnügte Scharlachpatienten zu behandeln gehabt.“ Er berichtet ferner, wie er Belladonna mit Erfolg auch als Vorbeugemittel eingesetzt hat (was ja von dem Inspektor bemerkt worden war). Nur in einem Fall sei eine zweite Erkrankung in ein und demselben Haushalt aufgetreten – vier Wochen später! (Die Inkubationszeit von Scharlach beträgt ein bis acht Tage.)

Bellis perennis

Weitere Namen: Gänseblümchen, bellis perennisMaßliebchen
Unser eigenes, hübsches, heimisches Prellungs- und Wundkraut; unser eigenes arnica montanaARNICA, bis hin zur Erzeugung und Heilung von Furunkeln! Es ist eines der von Burnett eingeführten Mittel, von dem dieser, verstreut in seinen aufschlussreichen kleinen Monographien, sehr viel zu erzählen weiß. Clarke, sein Freund, Bewunderer und Chronist, schreibt: „Das Gänseblümchen ist eine Blume, auf der ständig herumgetreten wird und die sich doch immer wieder lächelnd aufrichtet; und wenn wir es als das ‚Auge des Tages‘11

11

Der englische Name des Gänseblümchens ist „Daisy“ – von „Day’s eye“ –, „weil es mit dem Untergang der Sonne seine ‚rosafarbenen Wimpern‘ schließt und schlafen geht, aber schon am frühen Morgen seine Blütenblätter wieder dem Sonnenlicht entgegenstreckt“ (Brewer’s Dictionary of Phrase and Fable).

bezeichnen, mögen wir dies vielleicht auch als Hinweis auf die Neigung von Bellis perennis verstehen, zu früh aus dem Schlaf zu erwachen.“ Und er zitiert Burnett, der gesagt hat: „Es wirkt ganz ähnlich wie arnica montanaARNICA, und selbst die Fähigkeit, Erysipel hervorzurufen, haben beide Mittel gemeinsam.“
Clarke nennt als Vergleichsmittel von Bellis perennis, was uns bereits wichtige Hinweise auf seine Anwendungsmöglichkeiten gibt, arnica montanaARNICA, calendulaCALENDULA, hypericumHYPERICUM, coniumCONIUM, arsenicumARSENICUM, hamamelisHAMAMELIS und vanadiumVANADIUM. Dies bedeutet, dass wir in Ermangelung des einen oder anderen dieser Verletzungsmittel hinaus auf die Wiesen gehen und während seiner – sehr langen! – Blütezeit vielleicht von diesem Blümchen, aus dem wir als Kinder einst Blumenkränze flochten, Hilfe erlangen können. Um chelidoniumCHELIDONIUM zu finden, müssen Sie vielleicht erst den Leith Hill besteigen; oder Sie müssen Ihre Füße aus matschigen Sümpfen ziehen, wenn Sie sich für Harnwegsbeschwerden equisetumEQUISETUM beschaffen wollen. Während viele wertvolle Kräuter also nur schwer zu entdecken oder zu erkennen sind, kann niemand die ‚unfreundliche‘ urtica urensBrennnessel oder das allgegenwärtige Gänseblümchen, das überall die Wiesen zum Lächeln bringt, verkennen oder übersehen.
Dichter haben diese Blume geliebt. Shakespeare spricht von „Daisies pied“, also „Gänseblümchen, weiß gescheckt“ (wie eine Elster, engl. „pie“ oder „magpie“), während Tennyson den unglücklichen Liebhaber von Maud singen lässt:

Ich weiß den Weg, den sie gegangen

Heim mit ihrem Jungfernstrauß;

Denn ihre Füße haben Wiesen berührt

Und Gänseblümchen rosarot zurückgelassen.

Culpeper (1616–54) schreibt von dem „kleinen, gewöhnlichen Gänseblümchen“: „Man rechnet es zu den Pflanzen für Traumen und Wunden und benutzt die Blätter und manchmal auch die Wurzeln. Es wird in Wundtränken verwendet und für gut erachtet, geronnenes Blut aufzulösen; auch bei Lungen- und Rippenfellentzündungen soll es hilfreich sein. Bei Skrofulose wird es als außerordentliches Heilmittel geschätzt, wobei innerlich der Absud gegeben und äußerlich ein Kataplasma aus den Blättern angewandt wird. Dies ist eine weitere Pflanze, die die Natur, weil sie so nützlich sein kann, weit verbreitet hat.“ Er hält Gänseblümchen auch für „sehr wirksam bei Lungenschwindsucht, wenn sie kurz in Eselsmilch aufgekocht werden“.
Burnett jedoch ist es, der in unseren Tagen die Verwendung von Bellis perennis wieder aufleben ließ und sie auf einen wissenschaftlichen Boden stellte. In seinen Diseases of the Skin hat er uns eine Menge über Bellis zu berichten, und so möchte ich ausführlich daraus zitieren. Er schreibt dort:
„In diesem kleinen Band versuche ich vor allen Dingen zu zeigen, dass Hauterkrankungen ihren Ursprung zumeist nicht in der Haut selbst haben, sondern dass sie im Wesentlichen kutane Manifestationen von mehr oder weniger entfernt liegenden organischen oder organismischen Störungen sind.
So erwähnt Fletcher z.B. Akne infolge kalter Getränke; darauf Bezug nehmend möchte ich hier eine interessante und lehrreiche eigene Erfahrung mitteilen, und zwar hinsichtlich der heilenden Wirkungen des Gemeinen Gänseblümchens bei Beschwerden (Ausschlag des Gesichts), die durch nasse Kälte bedingt waren.
Da ich aber meine, dass diese Beobachtung von größerer praktischer Bedeutung ist, will ich zunächst die Quellen meines Wissens benennen.
Bellis perennis gegen die bösen Folgen von nasser Kälte bei Erhitzten
Ich [Burnett] beziehe mich auf D. Johann Schröders Pharmacopoea Universalis (mit Hoffmanns Anmerkungen), Nürnberg, 1748. Das Gänseblümchen wird hier bei Hämorrhagien und Dysenterien als ein – innerlich wie äußerlich – ‚herrliches Wundkraut‘ empfohlen, also als ein Verletzungsmittel für die Folgen von Stürzen, Schlägen, Prellungen und Ähnlichem. Weitere Empfehlung findet es bei Schmerzen in den Gelenken und bei Rheumatismus (daher auch ‚Gichtkraut‘ genannt); bei nächtlichen Krämpfen und bei Angina pectoris, bei Fieberzuständen und Entzündungen sowie bei Lahmheit. Und er sagt, dass deutsche Mütter die Gewohnheit hatten, es als Abführmittel bei ihren Kindern zu gebrauchen.
Die üblichen Empfehlungen von arnica montanaARNICA lesen sich fast gleichlautend; doch worauf ich speziell Ihre Aufmerksamkeit lenken möchte, ist die folgende Passage: ‚Dieses Kraut ist nützlich für jene, die einen Schluck von etwas zu Kaltem zu sich genommen haben, denn es besitzt, wie die Erfahrung gezeigt hat, die besondere Eigenschaft, hilfreich zu sein bei all jenen schrecklichen und gefährlichen Zufällen, die daraus entstehen, daß man etwas sehr Kaltes trinkt, während der Körper in einem erhitzten Zustand ist.‘ Diesen wichtigen Punkt habe ich, wie man später sehen wird, bestätigen können.
Auch Mindererus scheint (in seiner Kriegs-Artzeney) das Gänseblümchen für solche Fälle nicht genug loben zu können, denn er schreibt, dass ein Hinweis auf diese Wirkung der Pflanze über alle Türen und Tore geschrieben werden sollte, zum Wohle der armen Schnitter, die in der heißen Erntezeit durch das Trinken von kalten Getränken krank werden. Seine Wirkung in solchen Fällen ist, wie er versichert, ganz ausgezeichnet und so prompt, dass augenblicklich Besserung einsetzt.
Christoph Schorer gibt in seiner Medicina peregrinantium ähnliches Zeugnis, wenn er sagt, dass er damit zwei Männer von einem mit starker Abmagerung einhergehenden Husten geheilt habe, der darauf zurückzuführen war, dass sie etwas Kaltes getrunken hatten, als sie erhitzt waren. Und Schröder versichert, es heile Wassersucht, verursacht durch zu vieles Trinken an ‚Hundstagen‘ (also bei heißem Wetter).
Wir kennen aus Erfahrung den enormen Wert gewisser Verallgemeinerungen bei der Behandlung von Krankheiten, wie zum Beispiel: arnica montanaARNICA bei Stürzen und Prellungen;hypericum HYPERICUM bei verletztem Nervengewebe; dulcamaraDULCAMARA bei üblen Folgen von Feuchtigkeit, und so fort.
Jetzt können wir noch eine weitere hinzufügen: Bellis perennis als Heilmittel von Beschwerden, die bedingt sind durch Trinken kalter Getränke, wenn der Körper erhitzt ist; oder – allgemeiner – bei Folgen von plötzlicher Abkühlung durch nasse Kälte, wenn man erhitzt ist.
Unter der Überschrift Habituelle, periodische Gesichtsdermatitis bringt Burnett dann folgenden (eigenen) Fall: Frau von 30 Jahren; seit dem zwölften Lebensjahr akneähnlicher Ausschlag mit großen Beulen im Gesicht, etwa alle drei Wochen wiederkehrend, zeitweise kaum sichtbar, zeitweise aussehend wie ein phlegmonöses Erysipel. Der Ausschlag flammte jeweils zu Beginn der Menstruation wieder auf. Bei der Suche nach dem Ursprung der Erkrankung konnte Burnett folgenden kuriosen Vorfall eruieren.
Kurz vor ihrem zwölften Lebensjahr war die Patientin bei schwülem Wetter zur Heuernte auf dem Feld gewesen; solcherart stark erhitzt, fiel sie kopfüber in einen Bach. Einige Tage später brach überall an Kopf und Gesicht ein „pockenähnlicher“ Ausschlag aus. Gesicht und Ohren waren ganz und gar davon bedeckt, und sie musste ständig ein Tuch um den Hals tragen, damit die Absonderungen nicht auf ihre Kleidung tropften. Acht Wochen ging sie deswegen nicht aus dem Haus, und danach habe sie „jede Menge Medizin und Schmiersalben und alles Mögliche bekommen“, aber all das habe nicht das Geringste bei ihr bewirkt.
Burnett diskutiert dann die Gründe für seine Verschreibung – Bellis perennis D 3, drei Tropfen in Wasser aufgelöst, dreimal täglich; und er fährt fort:
„Nach vier Wochen war das Gesicht wieder völlig in Ordnung; nicht ein Fleckchen darin in den letzten 14 Tagen. Zur Zeit menstruiert sie, und zum ersten Mal seit der Menarche vor 18 Jahren ist ihr Gesicht zu Beginn der Regelblutung vollkommen frei!“ Mittlerweile hatte die Patientin andere Symptome entwickelt: Verstopfung und ein seltsames Zittern nach dem Essen, das in der Magengrube begann und bis in den Hals hinaufzog – so als wäre sie zu schnell gelaufen. (Dosisreduktion auf einmal zwei Tropfen täglich.)
„Nach fünf weiteren Wochen immer noch frei von Ausschlag. Während der letzten unpässlichen Tage nicht ein Fleck im Gesicht!
In den folgenden zwei, drei Monaten kam sie gelegentlich vorbei, um zu berichten, aber die Heilung hat bisher angehalten.“
Burnett fügt hinzu: „Meine Überlegung mag falsch sein, aber ich denke, dieser Fall zeigt, dass Bellis perennis eine beachtenswerte Arznei ist und dass die Heilkraft dieses gewöhnlichen ‚Unkrauts‘, das überall zu unseren Füßen wächst, es verdient, weiten Kreisen bekannt gemacht zu werden. Menschen mit etwas Erfahrung braucht man nicht zu sagen, dass die nachteiligen Auswirkungen von kalten Getränken auf einen erhitzten Körper zuweilen sehr ernst, stets aber recht beschwerlich sind. Natürlich sind diese üblen Folgen nicht auf das Trinken begrenzt, ist doch die Idee: Plötzliche nasse Abkühlung eines erhitzten Magens oder einer erhitzten Körperoberfläche. Diese Eigenschaft des Gänseblümchens ist umso wertvoller, als wir von keinem anderen Mittel in unserer riesigen Pharmakopoe wissen, dass es diesen Zug besitzt; und außer mir, glaube ich, ist niemand damit vertraut. Das meiste von dem, was ich hier schreibe, hat jahrelang in einer Schublade meines Schreibtisches gelegen, und dieser kleine klinische Tip hätte schon längst veröffentlicht werden sollen – mag es doch eine ganze Weile dauern, bevor ein anderer Liebhaber dieses lieblichen Blümchens in einer demütigen, aufnahmebereiten Stimmung über des alten Schröder verallgemeinernde Feststellungen stolpert. Ich halte dieses eigentümliche Charakteristikum von Bellis perennis für höchst bedeutsam und bitte alle, die dies lesen, es bekannt zu machen, damit es z.B. für Reisende, Touristen, Erntearbeiter oder marschierende Soldaten verfügbar ist, wenn sie erhitzt einen kalten Guss abbekommen oder kalte Flüssigkeiten getrunken haben.
Ich würde Bellis auch bei der akuten und chronischen Dyspepsie infolge Eisessens empfehlen, da die Bedingungen hier vergleichbar sind; in solchen Fällen habe ich es als ein ausgezeichnetes Heilmittel gefunden. … Die hier geschilderte Gesichtsdermatitis wäre gewiß als ‚Hautkrankheit‘ klassifiziert worden, doch allein innerliche Behandlung war in der Lage, sie zur Abheilung zu bringen.“
Fünf Jahre später, in seinem Change of Life in Women, greift Burnett das Thema erneut auf und erzählt uns mehr über sein geliebtes Gänseblümchen. … „Heute morgen erhielt ich einen Brief von einem Kollegen aus Amerika, der mich fragte, welches meine Indikationen für die Anwendung von Bellis perennis seien.“ Sein Antwortschreiben lautete:
„Lieber Kollege! – Bellis perennis ist unser gewöhnliches Gänseblümchen; es wirkt ganz ähnlich wie arnica montanaARNICA, und selbst die Fähigkeit, Erysipel hervorzurufen, haben beide Mittel gemeinsam. Es verursacht Schmerzen in der Milz, im Allgemeinen auch Schnupfensymptome und ein Gefühl sehr großer Müdigkeit, sodass man (wie einst der Schreiber dieser Zeilen) sich hinzulegen wünscht. Es wirkt bei Exsudaten, Schwellungen und Stase, und daher ist seine Wirkung bei einem strapazierten Uterus sehr zufriedenstellend; in der Tat sind die Patienten bei Beschwerden infolge Schwangerschaft und variköser Venen oft voll seines Lobes. Bei Schwindelgefühl älterer Leute (zerebrale Stase) wirkt es gut und anhaltend, gleichermaßen und besonders bei Erschöpfung durch Masturbation. Bei alten Handwerkern und Arbeitern, allgemein bei überarbeiteten und erschöpften Menschen ist es ein königliches Mittel. Bei Kopfleiden älterer, noch berufstätiger Gärtner zeigt es sehr schöne Wirkungen. Sein Effekt bei den schlimmen Folgen von kalten Getränken, wenn man erhitzt ist, ist mittlerweile allgemein bekannt. Es ist eine großartige Hilfe für Handlungsreisende, und beim nicht allzuweit fortgeschrittenen ‚Eisenbahn-Rücken‘ gibt es, soweit ich weiß, nichts Gleichwertiges. Ich glaube, es ist Stase, welche all diesen Beschwerden zugrunde liegt. … PS – Wenn es abends gegeben wird, bewirkt Bellis häufig, dass der Patient sehr früh am Morgen aufwacht; daher ordne ich gerne an, dass es nicht zu spät am Tag eingenommen wird. Oft habe ich damit das Symptom ‚Wacht zu früh am Morgen auf und kann nicht wieder einschlafen‘ geheilt; übrigens wirken hierbei die höheren Dilutionen in der Regel viel entschiedener, anhaltender und ohne irgendwelche Nebenwirkungen, denn die Wirkung ist in diesem Fall rein homöopathisch – es wird nicht einfach nur eine Störung beseitigt.“
In einem anderen seiner Büchlein, Organ Diseases of Women, spricht Burnett über Bellis perennis bei den Beschwerlichkeiten der Schwangerschaft:
„Bei manchen schwangeren Frauen kommt es vor, dass sie es sehr unangenehm finden, sich zu bewegen; vor allem das Gehen ist sehr beschwerlich und fast unmöglich. In solchen Fällen bringt das Gänseblümchen die Dinge bald wieder in Ordnung; ich meine natürlich: wenn die Ursache des Problems in den mechanischen Umständen liegt und diese einer Heilung zugänglich sind. Einen schweren Fall von Schwangerschaftsbeschwerden behandelte ich einmal mit vielen Arzneien einschließlich Bellis – und war mächtig enttäuscht. Jedoch zeigte sich bald – bei der Geburt – die Ursache meines Scheiterns: Die gesamten Beschwerden rührten von den langen Beinen des Fötus her, welche bei der Geburt sehr stark verkrümmt waren.“ Dann führt er den Fall einer hochschwangeren Frau an, der es sehr schwerfiel, sich fortzubewege. Vierzehn Tage nach Einnahme des Mittels erhielt er von ihr diesen Bericht: „‚Das Bellis hat mir sehr gut getan. Ich kann jetzt wieder recht gut laufen und werde auch nicht müde oder steif.‘ – Hier war seine Wirkung rasch und zufriedenstellend, ohne lästige Nebenwirkungen oder Nachwirkungen, d.h. wirklich spezifisch. Warum habe ich bei einem Fall wie diesem Bellis perennis gegeben? Einfach, weil die Beschwerden, über die sie klagte, durch mechanischen Druck bedingt waren: Auf die Gewebe wurde Druck ausgeübt, und folglich waren sie genau in dem Zustand, wie er auch bei einer Quetschung oder Prellung besteht. Dies also ist der Grund, warum ich die Patientin meinem alten Freund, dem Gänseblümchen anvertraute – dem Prellungskraut; es wirkt auf die Muskelfasern der Blutgefäße und auf die Gewebe und beseitigt so die Folgen dieser mechanischen Behinderung. arnica montanaARNICA D 1 und C 1 habe ich oft in ähnlicher Weise eingesetzt – praktisch mit den gleichen Ergebnissen.“ An anderer Stelle schreibt er: „Bei bloßen Organerkrankungen ist eine konstitutionelle Behandlung nicht indiziert und daher ohne Nutzen; ein strapazierter, gequetschter Uterus bessert sich jedoch rasch unter der Wirkung antitraumatischer Arzneien wie Bellis perennis und arnica montanaARNICA MONTANA. Und die ‚Uterusmittel‘ helonias dioicaHELONIAS DIOICA und fraxinus americanusFRAXINUS AMERICANUS bewirkten rasche Heilungen bei Uterushypertrophie. Bei diesen Organmitteln wirken kleine materielle Dosen am besten, ja sogar ausgezeichnet, und sie müssen in kurzen Abständen wiederholt werden. Im Gegensatz dazu sind Organhypertrophien aufgrund konstitutioneller Ursachen solchen Organmitteln in keiner Weise zugänglich, zumindest solange nicht zuvor die konstitutionelle Krankheit durch selten wiederholte Hochpotenzen einer Arznei, die dazu in enger homöopathischer Beziehung steht, geheilt worden ist.“
Ich entschuldige mich nicht dafür, dass ich recht großzügig aus den einzigartigen Lehren und Erfahrungen eines unserer großen Meister zitiert habe. Erst wenn unser Wissen vollkommen ist und unsere Methoden bei der Mittelfindung genau die Resultate zeitigen, die wir in allen Fällen anstreben, erst dann werden wir es uns leisten können, zu ignorieren, was außerhalb unserer Erfahrung liegt.

Borax

Weitere Namen: Borax veneta; Natrium boracicum
Hahnemann bespricht Borax in den Chronischen Krankheiten. Dort sagt er: „In der Hausmittel-Praxis ward der Borax schon seit langer Zeit in Auflösung gegen Mund-Schwämmchen der Kinder und zur Beförderung der Wehen bei Kreißenden empirisch angewendet.“
Borax ist eines jener kleineren, unschätzbaren Mittel mit sehr charakteristischen Symptomen und selektiver Gewebewirkung. Man kann es sich gut einprägen, wenn man sich seine Besonderheiten einmal klar gemacht hat. Sein großes Leitsymptom, das bei einer ganzen Reihe von Leiden zu seiner Anwendung führt, ist die ungeheure Furcht vor Abwärtsbewegung jeglicher Art. Es wirkt auf den Kopf ein, indem es Schwindel durch Abwärtsbewegung12

12

Bei Hahnemann heißt es „Schwindel … beim Ersteigen …“. Siehe hierzu die Anmerkung bei den Prüfungssymptomen, S.125.

erregt. Eine seltsame Wirkung zeigt sich am Haar, das sich an den Spitzen verheddert und dort zusammenklebt; dieser Zustand stellt sich immer wieder ein, auch wenn die Büschel abgeschnitten werden. Seine auffallendste Wirkung auf die Augen ist, dass sich die Wimpern nach innen kehren (Entropium) und so das Auge natürlich entzünden, vor allem am äußeren Canthus. Die Unterlider können vollständig nach innen gewendet sein.
Auffällig ist auch die „rote Nase bei jungen Frauen“, ebenso der blasse, „erdfahle“ Teint und der leidende Gesichtsausdruck – vor allem bei kleinen Kindern; schließlich die herpetischen Ausschläge um den Mund, die an natrium muriaticumNATRIUM MURIATICUM und sepiaSEPIA erinnern. Im gesamten Verdauungstrakt, vom Mund bis hinunter zum Anus, können bei Borax quälende Aphthen bestehen, die so empfindlich sind, dass sie das Baby vom Saugen oder das ältere ‚Opfer‘ vom Essen abhalten. Im Magen verhindern sie die ungestörte Verdauung, indem sie Erbrechen von Schleim herbeiführen; den Unterleib greifen sie mit Kneifen und Durchfall an. Rektum und After können durch die Aphthen so stark entzündet sein, dass dort ein Brennen empfunden wird und sogar Strikturen entstehen können. Aber Borax peinigt nicht nur Kleinkinder, sondern auch Schwangere und stillende Mütter – mit aphthösen Brustwarzen, die das Saugen nicht tolerieren; gleichzeitig kann die Milch zu reichlich sein, zu dickflüssig oder auch abstoßend für das Kind aufgrund ihres schlechten Geschmacks.
Borax ist eines der Heilmittel bei Pleuritis, wenn der Patient (wie bei bryoniaBRYONIA) „sich nicht bewegen oder atmen kann, ohne stechende Schmerzen zu empfinden“.
Doch wollen wir nun einige unserer alten Meister zu Wort kommen lassen.
Guernsey: „Das stärkste Charakteristikum dieser Arznei ist die große Furcht vor Abwärtsbewegung jeglicher Art. Der Patient fürchtet sich, die Treppe hinunterzugehen; er kann nicht schaukeln oder reiten, nicht einmal einen Schaukelstuhl benutzen. Kinder fahren plötzlich hoch, wenn sie ins Bett gelegt werden; oder sie schlafen friedlich, und ganz plötzlich wachen sie schreiend auf – ohne ersichtlichen Grund – und halten sich an den Seiten ihrer Wiege fest.
Das Haar ist struppig und wirkt ungepflegt; … die Augenlider wenden sich nach innen auf das Auge; … Auftreibung des Bauches durch Blähungen nach jeder Mahlzeit; … Stuhlgang vor dem Wasserlassen; … schmutzige, unheilsame Haut, die leicht eitert, wenn sie verletzt wird. … Rauchen kann zu Durchfall führen.“
Farrington sagt: „Borax hat als Medikament seine ersten Lorbeeren auf Säuglingsstationen geerntet, wo es lange zur Behandlung wunder Brustwarzen und von Wundsein des Mundes bei Säuglingen eingesetzt wurde. Doch wie mit allen Mitteln, die gerade in Mode sind, so ist auch mit Borax viel Missbrauch getrieben worden. Erst die Homöopathie hat es aus dem Wochenzimmer befreit und bietet es nun der Ärzteschaft als wertvolles Arzneimittel dar, indem sie genau angibt, wann es verwendet werden kann und wann nicht. Diesem wunden Mund, der das Leitsymptom für die Verwendung von Borax zu sein scheint, liegt eine geschwächte Konstitution zugrunde, welche erst die Voraussetzungen für das Wundsein des Mundes schafft, und diese Schwächung resultiert aus einer Fehlernährung des Organismus. So bekommt der Säugling eine blasse oder ‚erdfahle‘ Gesichtsfarbe, sein Fleisch wird ‚welk und schlaff‘; er jammert viel, wenn er gestillt wird, schreit oft mitten im Schlaf auf und klammert sich beim Erwachen an die Mutter, wie durch einen bösen Traum erschreckt. Das Kind ist äußerst leicht erregbar, so sehr, dass die leisesten Geräusche, das bloße Rascheln von Papier oder auch weit entfernter Lärm es aufwecken und verängstigen. Diese nervöse Erregbarkeit hat auch einen Einfluss darauf, wie das Kind seine Schmerzen äußert; so sehen Sie zum Beispiel bei Ohrenschmerzen, wie jeder Schmerzanfall das Kind erschreckt hochfahren.
Borax unterscheidet sich von anderen Arzneien wie belladonnaBELLADONNA, pulsatillaPULSATILLA oder chamomillaCHAMOMILLA durch dieses Auffahren bei Schmerz oder geringfügigen Geräuschen, ferner durch die Blässe des Gesichts, vor allem aber durch ein anderes gut geprüftes Symptom: die Furcht vor Abwärtsbewegung. … Es ist nicht Bewegung als solche, die das Kind aufweckt, denn es erwacht nicht, wenn es ohne eine Abwärtsrichtung bewegt wird. Der Grund hierfür liegt darin, dass das Kind an zerebraler Anämie leidet und dass die Abwärtsbewegung dem Kind ein Gefühl vermittelt, als würde es fallen. … Sie werden auch finden, dass Frauen nach einer erschöpfenden Krankheit keinen Schaukelstuhl mehr benutzen können, weil sie, wenn sie nach hinten schaukeln, das Gefühl haben zu fallen.
Die aphthöse Entzündung des Mundes tritt häufig als Begleitsymptom von Durchfall auf. … Der Mund ist heiß, was die Mutter bemerkt, wenn sie den Säugling zur Brust nimmt. … Das Kleine lässt die Brustwarze entweder sehr bald wieder los und weint vor Schmerz und Verdruss, oder es lehnt sie von vornherein ab.
bryoniaBRYONIA hat ebenfalls Wundheit des Mundes bei Kindern hervorgerufen und geheilt, doch typisch für dieses Mittel ist: Das Baby lehnt es ab zu saugen oder stellt sich furchtbar dabei an; sobald sein Mund aber angefeuchtet wird, nimmt es die Brustwarze und saugt kräftig daran.
mercurius (solubilis)MERCURIUS hat mit dem wunden Mund zugleich profusen Speichelfluss.
arum triphyllumARUM TRIPHYLLUM ist von Borax leicht durch die Heftigkeit der Symptome zu unterscheiden. Die Entzündung des Mundes ist bei diesem Mittel sehr heftig und geht einher mit Wundheit und Schorfbildung um Mund und Nasenlöcher. …
Ein Ratschlag: Sie sollten Ihre Kinderschwestern davor warnen, jedesmal, wenn ein Kind einen wunden Mund hat, Boraxpulver anzuwenden. Es kann nämlich durchaus Schaden anrichten, wenn es nicht angezeigt ist. Ich meine nach solch kritikloser Anwendung des Medikaments beobachtet zu haben, dass der Darm eines Säuglings in Mitleidenschaft gezogen wurde; das Kind wurde immer blasser und verfiel rapide, was vor der Einmischung durch die Schwester keineswegs der Fall gewesen war.“
Aus Kents Lectures … (einige Auszüge):
„Borax ist ein Hausmittel, das von alters her zur Linderung und Heilung von allen möglichen lokalen Entzündungen eingesetzt worden ist. Als Boraxpulver, mit Honig vermischt, kam es besonders äußerlich bei Mundentzündungen von Säuglingen und stillenden Müttern zur Anwendung. … Es ist eine Tatsache, dass Borax einen wunden Mund schnell zur Abheilung bringen kann; und dies ist auch nicht verwunderlich, denn Borax ruft in seinen Prüfungen aphthöse Veränderungen des Mundes hervor, die sich bis zum Rachen und sogar bis in den Magen ausdehnen können. Auch wo Genitalien und Anus von diesen Aphthen befallen sind, kann es heilend wirken.
Angst, Nervosität, ‚Zappeligkeit‘ und Empfindlichkeit stechen bei Borax hervor. … Dieses unbeschreibliche Gefühl von Angst oder innerlichem Aufruhr wird durch jede Auf- oder Abwärtsbewegung deutlich verstärkt. Aufwärtsfahren in einem Fahrstuhl macht ihn schon halb verrückt, aber bei der Abwärtsfahrt ergeht's ihm noch viel schlechter. Alle Beschwerden werden durch Abwärtsbewegung schlimmer. Bei Wundheit des Mundes soll Borax das Heilmittel sein, wenn das Kind es nicht verträgt, ins Bett gelegt zu werden; schläft es bereits, so wacht es durch eine solche Bewegung auf und schreit vor Schreck. … Der ganze Organismus befindet sich bei Borax in einem Zustand erhöhter Aktivität – alle Sinne sind geschärft: Der Gehörsinn ist gesteigert, der Kranke reagiert überempfindlich auf alles, was ihn umgibt, ist überängstlich.“ Verschlimmerung der Angst bis 23 Uhr – diese Angabe Hahnemanns wird von Kent als charakteristische Zeitmodalität von Borax angesehen: „Geisteskranke erwecken manchmal den Anschein, als ob sie vom Teufel besessen wären; auf einmal aber haben sie einen lichten Moment, wo sie reden, als wäre nichts gewesen. So ist es auch bei Borax: Um 23 Uhr kann eine große Veränderung eintreten; der Zustand von Angst und nervöser Erregung kann um diese Zeit plötzlich ein Ende finden.“
„Eine weitere Besonderheit ist: ‚Aufkommen starker Übelkeit, während er bei der Arbeit in Gedanken vertieft ist.‘ … Mit der Verschlimmerung durch geistige Anstrengung, durch Geräusche, durch Aufregung und durch Abwärtsbewegung haben wir die wichtigsten Modalitäten benannt, die auf die Psyche des Borax-Patienten einwirken. …
Der Borax-Patient mit Aphthen im Magen hat Brechreiz mit Würgen und Husten; die Mütter sagen: ‚Es ist ein Magenhusten‘, weil das Kind dabei würgt und erbrechen will. …
Erkrankungen des Rektums, die zu Verdickung der Schleimhaut führen und Strikturen entstehen lassen, die sich im Lauf der Zeit immer mehr verengen, bis nur noch ein langer, bleistiftdünner Stuhl entleert werden kann. Solche entzündlichen Strikturen sind durch Borax geheilt worden.
Der Urin brennt so, dass das Kind schon bei Harndrang zu schreien beginnt (weil es weiß, dass es wehtun wird). Der heiße Urin brennt wie Feuer.
Borax kann die schlimmsten Formen von membranöser Dysmenorrhö heilen, mit heftigen, wehenartigen Schmerzen vor und während der Blutung, als ob die Gebärmutter sich selbst durch die Vagina heraustreiben wollte. … Ich habe Borax einmal heilen sehen, als die ausgeschiedene Membran geradezu einen Abguss der Uterushöhle darstellte. Solche Patientinnen werden leicht durch Abwärtsbewegungen erschreckt; denken Sie daher bei membranöser Dysmenorrhö mit diesem Symptom immer an Borax. …
Die Mutter kann ihr Kind nicht stillen, denn ‚die Milch ist zu dickflüssig und schmeckt schlecht‘. Wenn einer Borax-Patientin zu Beginn der Schwangerschaft Borax gegeben wird, wird es die Milch wie auch die gesamte Konstitution so verändern, dass sie ihr Kind später ohne Schwierigkeiten stillen kann. … Wenn bei diesem Mittel Säuglinge die Brust ablehnen, liegt dies nicht unbedingt daran, dass mit dem Kind etwas nicht in Ordnung ist, sondern oft auch daran, dass die Milch schlecht schmeckt; dann ist es die Mutter, die eine Dosis Borax benötigt.“
Hauptsymptome13

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Mit a versehene Symptome stammen aus Hahnemanns Chronischen Krankheiten.

Geist und GemütFurcht vor Abwärtsbewegung.
Dem Kinde wird es beim Tänzeln ängstlich; wenn man es in den Armen wiegt, macht es beim Herabbewegen ein sehr ängstliches Gesicht.a
Ängstliches Gefühl bei Abwärtsbewegung oder beim Schaukeln (Diarrhö).
Sehr ängstlich beim schnellen Herabfahren von einem Berge, ganz wider seine Gewohnheit; es ist, als sollte es ihm den Athem benehmen.a
SchwindelUnd Vollheit im Kopfe, beim Ersteigen14

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Bei Tyler, Kent (Lectures) und Hering (Guiding Symptoms) heißt es fälschlich „descending“; in Allens Encyclopedia und auch in Herings Condensed Materia Medica wird dieses Symptom richtig mit „ascending“ wiedergegeben. Es stammt, wie die meisten Borax-Symptome, nicht von Hahnemann selbst, sondern von Schréter. Ein Teil von ihnen, so auch dieses, wurde erstmals im 3. Band der Annalen der homöopathischen Klinik veröffentlicht. Dort lautet dieses Symptom ähnlich: „Beim Treppen- oder Bergaufsteigen Vollheit im Kopfe und Schwindel.“ Die Einstufung als „Hauptsymptom“ ist sehr in Frage zu stellen, denn Allen, der es richtig übersetzt hat, hebt es nicht einmal durch Kursivdruck hervor.

eines Berges oder der Treppe.a
MundAphthen mit Speichelfluss; mit großer Hitze und Trockenheit des Mundes; mit rissiger Zunge.
Schwämmchen im Munde.a – Schwämmchen auf der Zunge.a
Ein Schwämmchen im Innern der Backe, welches beim Essen blutet.a
Der Mund des Säuglings ist ganz heiß.a
So empfindliche Aphthen, dass sie das Kind vom Saugen abhalten.
StuhlWeich, lichtgelb, schleimig …a
HarnorganeSchlimmer vor dem Urinieren.
[Der Säugling harnt beinahe alle 10, 12 Minuten, und] oft weint und schreit er, ehe der Harn kömmt …a
GenitalienWeißfluß, wie Eiweiß, mit Empfindung, als flösse warmes Wasser herab …a
Leukorrhö: weiß; eiweißartig oder wie Stärkekleister.
Ätzender Ausfluss, der zwischen den Menses für zwei Wochen erscheint, mit Schwellung der Labien und entzündeten, sezernierenden Bartholin-Drüsen.
BrustPleuritischer Schmerz in der rechten Brustgegend; der Patient kann sich nicht bewegen oder atmen ohne stechende Schmerzen.
Bei jedem Husten und Tiefathmen, Stechen in der Brust.a
SchlafKinder mögen ruhig schlafen, doch plötzlich wachen sie schreiend auf – ohne ersichtlichen Grund – und halten sich an den Seiten der Wiege fest.
Der Säugling schreit oft aus dem Schlafe auf und umklammert die Mutter mit Aengstlichkeit, als habe er schreckhaft geträumt.a
[Ungewöhnlich zeitiges Erwachen, früh um 3 Uhr;] sie konnte dann wegen Hitze im ganzen Körper, besonders im Kopfe, und Schweiß an den Schenkeln unter 2 Stunden nicht wieder einschlafen.a
LebensstadienZahnungs- und Säuglingsperiode (Aphthen; Diarrhö).
Weitere wichtige oder sonderliche Symptome
Vor dem Stuhle, der Nachmittags sehr leicht erfolgte, verdrießlich, mißmuthig, träge, unzufrieden; nach demselben heiter, zufrieden mit sich und der Welt, und froh in die Zukunft blickend.a
Leicht erschreckt durch ungewohnte Geräusche.
Schreckhaft, ein ängstliches Schreien macht, daß ihm der Schreck in alle Glieder fährt.a
Starke Übelkeit, wenn er bei seiner Arbeit in Gedanken vertieft ist, mit Zittern am ganzen Körper und Schwäche in den Knien.
Schwindel beim Bergabfahren.
Heißer Kopf und Frösteligkeit.
Wie bei einem Weichselzopfe verwickeln sich die Haare des Kindes an den Spitzen und kleben da zusammen, daß man sie nicht auseinander bringen kann, und schneidet man diese Büschel ab, so verwickeln sie sich doch wieder auf's neue.a
Das Haar ist struppig und unordentlich, kann nicht glattgekämmt werden.
Die Wimpern kehren sich in das Auge hinein und entzünden es, besonders im äußern Winkel, wo die Lid-Ränder ganz wund sind.a
Die Wimpern sind voll von trockenen, klebrigen Absonderungen; kleben morgens zusammen.
Die unteren Augenlider sind vollständig nach innen gewendet.
Schwieriges Öffnen der Lider.
Nasenspitze glänzend und rot.
Viel trockne Krusten in der Nase, die nach Entfernung mit dem Finger sich immer wieder erzeugen.a
Schmerzhaftes Drücken von oben nach unten durch das rechte Nasenloch, als ob das Gehirn herausgepresst würde.
Gefühl auf der rechten Seite des Gesichtes, am Munde, als ob sich Spinnweben angelegt hätten.a
Auf den Lippen, Kriechen, wie von Käfern.a
Röte des Zahnfleischs über den Zahnwurzeln, vorne am Oberkiefer.
Krampf in der Zunge, wie Steifigkeit und Eingeschlafenheit, daß der Athem dadurch gehemmt wurde.a
Die Schleimhaut des Gaumens ist vorn wie verbrannt zusammengeschrumpft und schmerzt vorzüglich beim Kauen.a
Heitere, zufriedene Laune nach dem Stuhlgang.
Unangenehme Leerheitsempfindung in den Brüsten nach dem Stillen.
Die Milch ist zu dick und schmeckt schlecht; oft gerinnt sie schon bald nach dem Absaugen.
Säuglinge verschmähen die Brust.
Kolik bei Säuglingen; sie schreien auf, wenn sie hingelegt werden, oder zeigen Zeichen von Schwindel, wenn sie die Treppe hinuntergetragen werden.
Das Kind wirft die Hände in die Höhe, wenn man versucht, es hinzulegen.
Athem-Versetzung, beim Liegen im Bette; er muß aufspringen und nach Luft schnappen …a
Stiche in der Brust, beim Gähnen, Husten und tief Athmen.a
Hüsteln und heftiger Husten, mit geringem Auswurfe von schimmlichtem Geschmacke und eben solchem Geruche aus der Brust, bei jedem Hustenstoße.a
Gefühl, als wenn das Herz auf der rechten Seite wäre und abgequetscht werden sollte.a
Phagedänische Geschwüre an den Gelenken von Fingern und Zehen.
Etwas zieht von der Milz in den Brustkorb hinein.

Bromum

Weitere Namen: bromumBrom
Zu den Arzneimitteln, mit denen ich mich schon lange eingehender befassen wollte, gehört Bromum. So will ich also ein Porträt davon versuchen, zum Nutzen von uns allen.
Der einzige Fall, bei dem die Wirkung des Mittels so eindrucksvoll war, dass ich ihn im Gedächtnis behalten habe, war der eines ‚Seemanns an Land‘ mit Asthma. Im Repertorium findet man es so beschrieben: „Asthma bei Seeleuten, sobald sie an Land gehen: Brom.“ – Bromum dreiwertig und als einziges Mittel. Es wirkte jedenfalls prompt. In einer anderen Rubrik, „Seeluft an der Küste bessert: Med.“, habe ich es als zweites Mittel ergänzt15

15

Med. ist in der englischen Ausgabe des Kent als einziges Mittel angeführt, in der deutschen Übersetzung von Keller werden bereits zusätzlich Brom. und Nat-m. genannt. Das Synthetische Repertorium gibt Carc., Med., Nat-m. und Tub. zweiwertig an, Brom. und Lyc. einwertig.

; dieses Symptom halten übrigens einige meiner Kollegen für einen klaren Hinweis auf einen erfolgversprechenden Einsatz von medorrhinumMEDORRHINUM. Wenn ein Fall zum Stillstand gekommen ist, führen Nosoden wie diese den Fall ja oft in wunderbarer Weise weiter – oder sie führen möglicherweise einen Zustand herbei, in dem die scheinbar schon zu Beginn angezeigte Arznei erst wirksam werden kann.
Bei Bromum ist von Zeit zu Zeit tiefes, kräftiges Einatmen vonnöten; der Patient ist nicht in der Lage, ausreichend einzuatmen, denn die Glottis kann sich bei ihm krampfartig zusammengezogen haben.
Bromum verträgt darüber hinaus keinen Staub und keine [kühle] Zugluft. Die beiden ‚Schlimmer durch Staub‘-Mittel sind, wie ich herausfinden konnte, Bromum und lyssinumLYSSINUM.16

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Es gibt im Kent-Repertorium eine Rubrik, die diese beiden Mittel nennt, nämlich „Niesen durch Staub“. Vithoulkas ergänzt eine entsprechende Rubrik bei den allgemeinen Modalitäten, in der er beide Mittel zweiwertig aufführt. Bromum ist (was wohl nicht korrekt ist) in der Rubrik „Husten, Empfindungen, wie durch Staub“ erwähnt; laut Guiding Symptoms wird der Husten durch Staub hervorgerufen. Ähnliches gilt wahrscheinlich auch für die Rubrik „Atemnot, wie durch Staub“.

Asthma ist eine sehr interessante Krankheit, die viele Ärzte für schwer heilbar halten; und die Apotheker werden wohl das Einkommen zu schätzen wissen, das ihnen seine palliative Behandlung garantiert. – Ein zweites Halogen, chlorumCHLORUM, hat Asthma mit der Indikation Dyspnoe, kann nicht ausatmen. Und ein weiteres auf chlorumCHLORUM hinweisendes Symptom ist: „Starke Dyspnoe; Inspiration durch die Nase und Exspiration durch die Lippen, wie bei Apoplexie.“ Zu seinen Modalitäten gehören: „Schlimmer im Liegen; besser durch Bewegung und im Freien.“
Beim Asthma von jodumJODUM, dem dritten der vier Halogene, ist, wie bei Bromum, die Einatmung erschwert. jodumJODUM hat ferner eine ausgeprägte Besserung durch Kälte in jeder Form und Verschlimmerung durch Wärme; außerdem „Abmagerung bei gleichzeitigem Heißhunger“.
Fluor, das wir in Form von fluoricum acidumacidum fluoricumACIDUM FLUORICUM bzw. hydrofluoricum acidumHYDROFLUORICUM (Flusssäure) benutzen, scheint die Atemwegsorgane – zumindest in dieser Verbindung – in geringerem Grad zu befallen; um so mehr ‚tobt‘ es sich an der Kopfhaut, den Drüsen, Venen, Knochen und Nerven aus. Bezüglich der Schmerzen dieses Mittels hat einst ein ausgezeichneter homöopathischer Apotheker eine seltsame Modalität an sich beobachtet: Schmerz besser durch Schütteln des Körperteils. Wie er sich später dunkel erinnerte, bestanden die Schmerzen seit einer Verbrennung beim Ätzen von Glas [das bekanntlich nur von Flusssäure angegriffen wird]. Es handelte sich um Ischiasbeschwerden, die allen klugen und gelehrten Verschreibungen getrotzt hatten; erst aufgrund dieser dunklen Erinnerung, vielleicht auch Intuition kam er auf hydrofluoricum acidumfluoricum acidumacidum fluoricumACIDUM FLUORICUM, das nach wenigen Gaben der 30. Potenz die Heilung herbeiführte.
Wenn über längere Zeit Bromide eingesetzt werden, um bei chronischer Schlaflosigkeit Schlaf herbeizuführen oder um epileptische Anfälle zu unterdrücken, wird der Patient in einen, wie ich es nenne, ‚pickligen Idioten‘ verwandelt. Beim Bromismus 17

17

Ausführlicher geht M. Tyler auf diesen Zustand im Kapitel über KALIUM BROMATUM ein.

ist die Haut als erstes betroffen – mit akneähnlichen Papeln. Dann kommt es zu einer Herabsetzung der Empfindlichkeit der Haut sowie des Pharynx, verbunden mit allgemeinem und sexuellem Kräfteverlust. Der Verstand ist getrübt; der Patient ist niedergeschlagen, leicht ermüdbar und unfähig zu arbeiten. Die höheren Gehirnfunktionen werden vor den niederen beeinträchtigt – „in umgekehrter Reihenfolge der physiologischen Entwicklung der Funktionen (Gesetz der Dissolution)“.
Verwenden Sie bei einem solchen Patienten potenziertes Brom, und Sie werden in der Lage sein, das Mittel auf heilsame Weise zu gebrauchen.
Es heißt, dass, „wenn Bromum in eine Schnittwunde appliziert wird, diese bald so aussieht, als würde sie nicht mehr heilen wollen; es bildet sich grünliches, sich zersetzendes Gewebe von üblem Geruch“. Wenn Sie es mit einem solchen Zustand zu tun haben, verwenden Sie wiederum Bromum in Potenz, und die Wunde wird rasch verheilen; es packt das Übel an der Wurzel.
Bromum hat Pickel auf der Nase, auf der Zunge, an den Fingern, am After; Furunkel an den Armen etc. Es hat „immerwährendes Gähnen den ganzen Tag, und Atembeschwerden“ sowie lebhafte Träume von „Reisen, Steigen, Mord und Streit“.
Doch ich will nun andere – weisere und erfahrenere – Autoren fortfahren lassen.
Guernsey schreibt: „Dieses Mittel befällt besonders die linke Seite des inneren Kopfes. Es ist wichtig bei Krupp und Diphtherie, vor allem bei Kindern mit dünner, weißer, zarter Haut, sehr hellem Haar und hellen Augenbrauen.
‚Heitere Gemütsstimmung‘ und ‚Drang zu geistigen Arbeiten‘ (Erstwirkung).
Krupp – wenn neben dem kruppartigen Klang beim Atmen und Husten auch viel lockeres Rasseln im Kehlkopf besteht, aber kein Würgen beim Husten vorkommt, wie es bei hepar sulfurisHEPAR der Fall ist.
Diphtherie beginnt im Kehlkopf und dehnt sich von dort nach oben aus.
Es affiziert hauptsächlich Augen, Brust und Herz.
Bei Frauen kommt es zu einem seltsamen Symptom, nämlich ‚Lauter Windabgang aus der Scheide‘.“ (In unserer Gynäkologie-Abteilung habe ich dieses Symptom bei der Verschreibung von Bromum schon verwerten können.)
Kent widmet Bromum mehrere Seiten. Daraus nun in Auszügen eine längere Zusammenfassung:
„Bromum ist so selten indiziert, dass die meisten Homöopathen es als für sie vollkommen wertlos abgeschrieben haben. … Anfänger geben Bromum gern für Diphtherie, und wenn es nicht wirkt, geben sie mercurius cyanatusMERCURIUS CYANATUS, und wenn auch das nicht hilft, irgendetwas anderes ‚für Diphtherie‘, immer für Diphtherie. Sie nehmen nicht die Symptome des ganzen Falls auf und verordnen nicht auf individualisierende Weise – sie verordnen nicht für den Patienten, sondern für die Krankheit. In den nächsten zwanzig Jahren werden Sie vielleicht nicht mehr als ein halbes Dutzend Bromum-Diphtheriefälle sehen, aber wenn der Fall eintritt, müssen Sie das Mittel kennen. Es gibt ein grundlegendes Merkmal der Bromum-Zustände: Man trifft sie besonders bei Individuen an, die krank werden durch Erhitzung bzw. Überhitzung. … So kann es angezeigt sein bei Beschwerden, die nachts nach einem sehr heißen Sommertag auftreten. … Sind die Beschwerden jedoch, wo immer sie bestehen mögen, erst einmal da, ist der Patient so furchtbar kälteempfindlich, dass schon ein kühler Luftzug ihn bis auf die Knochen frösteln lässt; ohne Beschwerden geht es allerdings nie bei ihm ab, wenn er sich überhitzt hat.
Die Drüsen werden hart, sie indurieren, doch selten eitern sie; und im Allgemeinen bleiben sie auch hart. Entzündung mit Härte – dies ist die Idee. … Bromum hat Vergrößerung und starke Verhärtung der Schilddrüse geheilt. Für manche ist es ein Routinemittel bei Kropf, und wenn das nichts nutzt, versuchen sie es mit Eierschalen oder was ihnen sonst noch einfällt – anstatt die Symptome des ganzen Patienten zu berücksichtigen.
Des Weiteren finden wir Abmagerung, und wenn wir dies zusammen mit der Neigung zur Drüseninfiltration betrachten, verwundert es nicht, dass sich Bromum als Heilmittel bei Krebs und Tuberkulose erwiesen hat. Große Schwäche: Die Beine werden matt und müde; zunehmende Prostration und Zittern der Glieder. … Membranöse Exsudatbildungen bei Schleimhauterkrankungen sind die Regel. Die Schleimhäute werden infiltriert, sodass auf ihrer Oberfläche gräulichweiße Beläge erscheinen, unter denen das Gewebe verhärtet ist. Diese Verhärtungen treten auch bei Geschwüren auf: Ein Ulkus auf der Schleimhaut frisst sich immer tiefer hinein und bildet darunter eine verhärtete Gewebsschicht. Mit den katarrhaeischen Entzündungen einher gehen: Fieber; starke nervöse Erregtheit; ‚eisige Kälte der Glieder‘; ‚Hitze des Kopfes‘; ‚Atemnot mit starkem Schwitzen‘; kruppartige Erscheinungen.
Bei den meisten Beschwerden kommt es zu Herzklopfen: Herzklopfen bei Übelkeit, bei Kopfschmerz, bei Nervosität. Der Patient wird allmählich so schwach, dass er zu keinerlei Arbeit aufgelegt ist, nicht einmal zum Lesen; die häuslichen Pflichten interessieren ihn nicht mehr. Er wird gleichgültig. Sehr müde. ‚Traurig und entmutigt.‘ … Ohrenleiden mit Vergrößerung und Verhärtung der Ohrspeicheldrüse. ‚Geschwulst und Härte der linken Parotis.‘ … Gesichtsröte; der Patient ist warmblütig und schnell erhitzt. Dies ist das Gegenteil des chronischen, konstitutionellen Bromum-Zustandes: Der chronische Bromum-Typ hat ein ältliches Aussehen, ein kränkliches, graues, aschfahles Gesicht. Kinder wiederum sind eher plethorisch, rot im Gesicht und schnell überhitzt. Natürlich, wenn bei akuten Krankheiten schon stunden- oder tagelang Atemnot besteht, dann werden auch diese Kinder blass-zyanotisch aussehen, nach Luft schnappen und nach Atem ringen, wie z.B. bei Diphtherie, Krupp oder anderen Kehlkopfleiden. …
Bromum kann bei den bösartigsten Formen der Diphtherie das passende Mittel sein. Die Pseudomembran wuchert wie Unkraut; sie schneidet den Atem ab und verschließt den Kehlkopf. Die Erkrankung beginnt im Rachen und zieht dann zum Larynx hinunter [oder umgekehrt]; sie ist von großer Heftigkeit, und nachfolgend besteht größte Erschöpfung. Sehr viele Heilungen mit Bromum sind bei linksseitiger Diphtherie erzielt worden; doch es hat auf beiden Seiten Heilungen bewirkt. Sie werden es sehr selten erleben, dass sich ein Bromum-Zustand bei kaltem, trockenem Wetter entwickelt, meist tritt er bei schwülwarmem Wetter auf.
Chronische Magengeschwüre. … Erbrechen mit Ulkuszeichen. Verschlechterung nach dem Essen – entweder Erbrechen oder Durchfall. … Schlimmer durch Saures, durch Austern, durch den geringsten Tabakrauch; durch warme Dinge, heißen Tee, heiße Getränke. ‚Magenschmerzen durch warme Speisen.‘ … Membranöse Stühle. ‚Durchfall schwarzen Kotes‘; Stuhldrang nach jedem Essen.
Erweiterte Venen. Vortretende Hämorrhoiden, die Tag und Nacht brennen und beißen. ‚Mit einem Durchfall schwarzen Kotes blinde, heftig schmerzende Afterknoten.‘ …
Springt auf aus Mangel an Atemluft. Das Atmen wird sehr kurz, muss nach Luft schnappen; Keuchen und Rasseln im Kehlkopf. Atemwege wie voll von Rauch, von Schwefel- oder Teerdämpfen. … Kitzeln oder Kältegefühl im Kehlkopf. Bei Laryngitis Empfindung, als wäre der Kehlkopf mit Flaum oder Samt belegt, gleichwohl Kältegefühl darin. Kühles Gefühl beim Einatmen, als wäre es Luft, die von Schnee oder Eis herüberwehen würde. … Niesen, Heiserkeit, Reizung der Atemwege durch das Hantieren mit staubigen Dingen.“
Hauptsymptome18

18

Die mit a bezeichneten Symptome sind der Prüfung Herings entnommen, die 1845 im Neuen Archiv (Band 2, Heft 3), neben der von CHLORUM, veröffentlicht wurde. Mit b markierte Symptome wurden von Lembke beobachtet (A.H.Z. 44, 369).

Geist und GemütSie fühlt sich anders als gewöhnlich, kann aber nicht sagen, warum.19

19

Dieses wenig aussagekräftig erscheinende Symptom aus den Guiding Symptoms kommt in ähnlicher Weise auch in zwei weiteren Bromum-Fällen vor, über die R. Koch im American Journal of Homoeopathic Materia Medica (Bd. 2, S. 145 f.) berichtet. Dies ist wohl der Grund, warum Hering es als einziges bei den Gemütssymptomen im höchsten Grad aufführt.

NaseLanganhaltender, hartnäckiger Schnupfen mit Wundheit unter der Nase und an den Nasenrändern.a
GesichtGraue, erdfahle Farbe des Gesichts; ältliches Aussehen.
Parotiden zumeist links affiziert.
Warm anzufühlende Geschwulst und Härte der linken Parotis …a
Eiterung der linken Parotis; Absonderung wässrig und wundmachend; Schwellung bleibt hart und gibt nicht nach (besonders nach Scharlach).
HalsDiphtherie des Larynx; oder Krupp.
Steinharte Schwellung der Drüsen und Lymphknoten, besonders des Unterkiefers und Halses.
AbdomenPeriodisch viele Schmerzen im linken Hypochondrium und in der linken Leistengegend; der Schmerz ist heftig, als ob innerlich wunde Stellen wären.
Rektum, StuhlDurchfall schwarzen Kothes …a
Blinde, heftig schmerzende Afterknoten; … kaltes und warmes Waschen verschlimmerte.a
Weibliche GeschlechtsorganeLauter Windabgang aus der Scheide.a
Kehlkopf, Husten, AtmungChronische Heiserkeit.
Heiserkeit; Verlieren der Stimme, er kann nicht rein durchsprechen; [die Stimme ist schwach und leise und im Halse wie geschabt so rauh].a
Kältegefühl am Kehlkopfe und kühles Gefühl beim Einathmen.a
[Zusammenziehgefühl innen in der Luftröhre, oder] als würde im Halsgrübchen auf die Luftröhre gedrückt.a
Kratzen und Rauhigkeit im Kehlkopf, reizt zum Räuspern.b
Kratzen im Kehlkopf, Hustenreiz und trockener Husten, … Abends.b
Husten mit Erstickungszufällen …a
Kein Würgen beim Husten wie bei hepar sulfurisHEPAR.
Schleimrasseln im Kehlkopf beim Husten; der Husten hat einen kruppartigen Klang.
Viel Rasseln im Kehlkopf beim Atmen, noch mehr beim Husten; Erstickungsgefahr durch zuviel Schleim im Kehlkopf (antimonium tartaricumANTIMONIUM TARTARICUM hat Rasseln tiefer unten in der Brust).
Diphtherie; wenn die Krankheit im Kehlkopf beginnt und dann in den Rachen wandert (in manchen Fällen auch umgekehrt) und wenn sie einen kruppartigen Husten mit viel Schleimrasseln erzeugt.
Kruppöse Entzündung des Kehlkopfs, die sich durch wucherndes Pilzwachstum entwickelt.
Kruppsymptome bei Keuchhusten.
Asthma bei Seeleuten, sobald sie an Land gehen.
Zusammenschnüren der Brust, mit beschwerlichem Atmen; kein Husten.
ExtremitätenEiskalte Unterarme.
NervenZurückbleiben von großer Schwäche und Mattigkeit, nachdem alle lokalen Diphtheriesymptome verschwunden sind.
KonstitutionBlonde, rotwangige, skrofulöse Mädchen.
GewebeSkrofulöse Schwellung der Drüsen, davon mehrere bereits in Eiterung übergehend.
Schwellung und Verhärtung der Drüsen (Schilddrüse, Hoden, Unterkieferdrüsen, Parotis).
Hier noch einmal einige wichtige Beobachtungen von Kent:
Die Beschwerden kommen nachts auf, nach einem sehr heißen Tag; sind sie aber erst einmal da, ist der Patient so furchtbar kälteempfindlich, dass schon ein kühler Luftzug ihn bis auf die Knochen frösteln lässt.
Bromum führt zu Drüseninfiltration; sie indurieren, eitern aber selten. Entzündung mit Härte – das ist die Idee.
Bromum kann bei den bösartigsten Formen der Diphtherie das passende Mittel sein. Die Pseudomembran wuchert wie Unkraut; sie schneidet den Atem ab und verschließt den Kehlkopf.

Bryonia

Weitere Namen: Bryonia alba bzw. dioica; Zaunrübe
Bryonia ist für die Homöopathie ein unschätzbares Mittel, das in erster Linie bei akuten Krankheiten von Nutzen ist. Es hat klare und eindeutige Symptome, die man kaum verfehlen kann, und deshalb gehört es zu jenen Mitteln, die wir am leichtesten mit Gewissheit verschreiben können. Es war eines der ersten von Hahnemann geprüften Mittel – eines von denen, „ohne die wir“, wie Dudgeon sagt, „unseren Laden so gut wie dichtmachen könnten“.
Mit Recht findet sich Bryonia daher in jedem Handbuch der Homöopathie und in jeder Hausapotheke wieder. Aber – wir sollten wissen, wann und wie es zu gebrauchen ist, wenn wir seine wunderbaren Wirkungen erleben wollen.
Guernsey sagt von Bryonia: „Das große Charakteristikum dieser Arznei ist Verschlimmerung durch jegliche Bewegung. Der Patient erträgt keinerlei Störung, sei sie seelischer oder körperlicher Natur. Im Bett kann er sich nicht aufsetzen, da ihm ganz schwach und übel davon wird, selbst wenn er sich nur leicht aufrichtet, um einen Schluck Wasser zu trinken. Es ist nicht so schlimm, wenn er sich im Bett von einer Seite auf die andere dreht – aber er kann sich nicht aufsetzen!
Lassen Sie uns dies einmal anhand der Prüfungssymptome verfolgen. Diese Modalität Schlimmer durch Bewegung ist bei Bryonia so konstant anzutreffen – bei den Beschwerden in sämtlichen Bereichen des Körpers –, dass sie zu einem Allgemeinsymptom wird20

20

Tyler hat diese Auflistung den Guiding Symptoms (Bd. 3,S. 41 f.) entnommen. Die Rückverfolgung bis zu den Quellen machte eine Reihe von Veränderungen, Streichungen und Ergänzungen notwendig.

.
Bewegung verschlimmert oder ruft hervor
  • den Schwindel und den Kopfschmerz;

  • das Vollheitsgefühl in der Stirn;

  • (schlimmer sogar durch Bewegen der Augen!)

  • das starke Pochen im Kopf;

  • den stechenden Schmerz in Kopf und Augen;

  • den Ausdehnungsschmerz im Kopf etc.;

  • die Schmerzen überall.

Darüber hinaus
  • die Übelkeit und die Neigung zum Erbrechen;

  • das Völlegefühl und Drücken im Magen;

  • die schneidenden und zusammenziehenden Magenschmerzen;

  • das Brennen und Stechen im Magen;

  • das Kneifen und Schneiden in den Därmen;

  • die kolikartigen Leibschmerzen;

  • die stechenden Schmerzen im Unterleib;

  • unwillkürlichen Harnabgang;

Durch Bewegung verschlimmert oder ausgelöst werden ferner
  • die Nachwehen;

  • die Schmerzen einer entzündeten Brustdrüse;

  • die Schmerzen im Lumbalbereich;

  • das Reißen und die schmerzhafte Steifheit daselbst

  • (bzw. jede Bewegung wird dadurch verhindert)

  • Verstauchungsschmerz im Handgelenk;

  • Schwellungsgefühl und Schmerzen in den Fingergelenken;

  • die stechenden Schmerzen in den Fingern;

  • die Ischiasschmerzen;

  • Stiche in den Knien;

  • die Schmerzen in Waden, Fußgelenken und Gelenken allgemein;

  • Schwitzen am ganzen Körper

  • Ohnmachtsanwandlungen, Kraftlosigkeit, Müdigkeit;

  • allgemeines Frösteln und Schauder über den Rücken;

  • die Schmerzhaftigkeit von Periost, Ligamenten etc.

Wir fügen der Bewegungsverschlimmerung der wahrhaft allgegenwärtigen Bryonia-Schmerzen nun noch deren vorherrschenden Charakter hinzu – stechend.
Stiche:
  • tief im Gehirn; im Kopf;

  • in den Augen; tief im Ohr;

  • in den Zähnen; im Hals; im Magen; im Abdomen;

  • in der Leber; in der Milz; in den Drüsen;

  • im Thorax; in den Interkostalräumen und im Sternum; in der Herzgegend;

  • zwischen den Schulterblättern;

  • unter dem linken Schulterblatt, zum Herzen ziehend;

  • in Armen, Ellbogen, Handgelenken, Fingern;

  • in Knien, Fußsohlen, Großzehen;

  • in allen serösen Häuten – Perikard, Pleura, Meningen, Gelenkauskleidungen.

Und all dies wird ebenfalls durch Bewegung schlimmer.
Haben wir diese beiden Charakteristika, die Bewegungsverschlimmerung und den stechenden Schmerzcharakter, so fehlt uns zur Vervollständigung des Bryonia-Bildes noch die Besserung durch Druck. Letzteres ist natürlich, zumindest teilweise, eine logische Folge der Bewegungsverschlimmerung, denn Druck stellt gewöhnlich die leidenden Teile ruhig.
In diesem Punkt unterscheidet sich Bryonia grundlegend von belladonnaBELLADONNA (beides Entzündungsarzneien). belladonnaBELLADONNA kann nicht den geringsten Druck oder das geringste Zunehmen von Druck ertragen. Die pochenden Schmerzen von belladonnaBELLADONNA, z. B. bei einer Nagelbettentzündung, werden sogar durch den zusätzlichen Blutdruck im Finger während jeder Systole verstärkt. … Und doch musste ich als Studentin entsetzt mit ansehen, wie eine Kommilitonin eines höheren Semesters bei einem Panaritium einen feuchtwarmen Umschlag in Form eines Druckverbandes machte, mit einer warmen, harten Kompresse auf der Oberseite des Fingers! Studenten und Ärzte leisten meist dann die beste Arbeit, wenn sie die Leiden, die sie behandeln, selbst einmal durchlebt haben. Kunstgerechtes Bandagieren ist die größte Grausamkeit, die man einem belladonnaBELLADONNA-Patienten antun kann, denn es ist schwierig, einen einigermaßen gut sitzenden Verband anders als fest anzulegen. Während des Krieges wurde mir verschiedentlich erzählt, dass in La Panne die Verwundeten fürchteten, von einer bestimmten Pflegehelferin verbunden zu werden: Sie machte die Verbände zu stramm.
Bei einer belladonnaBELLADONNA-Pneumonie wird man den Patienten niemals auf der ‚wunden Seite‘ liegen sehen. Bei einer Bryonia-Pneumonie liegt er dagegen gerade auf der entzündeten Seite, um sie ruhig zu stellen, oder auch auf dem Rücken – niemals aber auf der gesunden Seite, denn dadurch würde diese komprimiert und immobilisiert, und der schmerzhaften Brusthälfte würden mehr aktive Atembewegungen aufgebürdet.
Ein weiteres führendes Charakteristikum von Bryonia ist Trockenheit. Die trockene Form der Pleuritis, bei der die entzündeten Oberflächen bei jedem Atemzug aneinander reiben, ruft die typischen stechenden Schmerzen hervor. Trockenheit entzündeter seröser Häute: von Perikard – Pleura – Gehirnhaut – Gelenkauskleidungen; Trockenheit auch der Lippen und der Zunge; Trockenheit der Därme, was zu Verstopfung mit trockenen, harten und dunklen Stühlen führt. Schmerzhafter, trockener, krampfhafter Husten, mit Schmerzen, als würde der Kopf in Stücke springen; mit berstenden Schmerzen in Kopf und Brust, bei denen Unterstützung und Gegendruck nötig sind, um ihre Intensität in Grenzen zu halten.
Auch kalium carbonicumKALIUM CARBONICUM hat bei Pneumonie und Pleuritis diese heftig stechenden Schmerzen in der Brust; jedoch treten die Schmerzen von Bryonia nur bei Bewegung auf, beim Atmen, während die von kalium carbonicumKALIUM CARBONICUM atemunabhängig sind.
Ich erinnere mich an einen bemerkenswerten kalium carbonicumkalium-carbonicum-Fall, einen schweren Fall von rechtsseitiger Pleuropneumonie; es war im Dezember 1917, als Lungenentzündungen häufig waren und meist einen schweren Verlauf nahmen.
65-jähriger Mann; während seiner Arbeit plötzlich erkrankt. Vier Tage später wurde er in unser Krankenhaus eingewiesen; hatte in den vorangegangenen drei Nächten wegen der Schmerzen weder ruhen noch schlafen können.
Bei Aufnahme: Temperatur 40 °C, Atmung 39/min., ‚Pflaumensaft-Sputum‘. Er hatte starke Schmerzen, die ihm immer wieder Schreie abpressten; es stellte sich heraus, dass das Stechen unabhängig von der Atmung auftrat, und die Pneumonie war, wie gesagt, auf der rechten Seite. So erhielt er kalium carbonicumKALIUM CARBONICUM C 30 zweistündlich; nach gut zwei Stunden hörten die Schmerzen auf, und er verbrachte eine ruhige Nacht. Am nächsten Tag war das Fieber um mehr als 1 Grad gesunken, und am dritten Tag betrug die Temperatur nur noch maximal 37,4 °C. Dann war alles vorüber, und die Genesung machte gute und rasche Fortschritte.
Und hier ein Bryonia-Fall aus etwa derselben Zeit. Ein 41-jähriger Marinesoldat wurde von der Admiralität wegen Pleuropneumonie zu uns geschickt. Wieder war die rechte Lungenbasis betroffen; Temperatur 39,7 °C, Atmung 44/min., blutig tingiertes Sputum. Seine Symptome legten Bryonia nahe, das in der 200. und dann in 1M-Potenzen verabreicht wurde. Am zweiten Tag war die Temperatur um 1 Grad gefallen, am dritten Tag (dem vierten seiner Erkrankung) war sie bereits subnormal, mit einem leichten Anstieg zum Abend hin; dann war die Sache ausgestanden. Rascher und ungestörter Heilungsverlauf.
Bei solcher, d.h. wahrer Homöopathie sieht man, wenn der Fall frühzeitig behandelt wird, immer wieder, dass es durchaus möglich ist, eine Pneumonie abortiv verlaufen zu lassen. Ich glaube, weit mehr Fälle von Pleuropneumonie verlangen nach Bryonia als nach irgendeinem anderen Mittel (phosphorusPHOSPHORUS eingeschlossen). Ich könnte eine ganze Reihe von ihnen aus den Krankenhausakten anführen, deutlich mehr als z.B. Fälle, kalium carbonicumdie KALIUM CARBONICUM erforderten … bzw. deren Symptome kalium carbonicumKalium Carbonicum erforderten. In der Homöopathie kann bekanntlich eine Arznei die andere nicht ersetzen; Homöopathie bedeutet strenges Individualisieren. Es genügt nicht, die Diagnose Pneumonie zu stellen und dagegen ein ‚Pneumonie-Mittel‘ zu geben. Mit Hahnemann [Organon, Fußnote zu § 81] müssen wir hier eine Art von Pneumonie, eine Art von Pleuritis diagnostizieren. Was für eine Art? Nun, eine phosphorusPHOSPHORUS-Art von Pneumonie – eine Bryonia-Art – eine kalium carbonicumKALIUM-CARBONICUM-Art – eine natrium sulfuricumNATRIUM-SULFURICUM-Art – eine mercurius (solubilis)MERCURIUS-Art. Stets sind es die Symptome, die entscheiden, wenn wir kurativ tätig werden wollen. Man kann lindern, sodass es dem Patienten besser geht und er vielleicht weniger leidet, aber das ist noch keine Heilung.
Wo ich gerade in den Unterlagen blättere, bin ich versucht, noch von einem anderen interessanten Fall aus dieser Zeit zu berichten; es handelte sich um eine abortiv verlaufene Bronchopneumonie bei einem dreijährigen Kind.
Das Mädchen wurde am 14. März 1918 in unserer Ambulanz vorgestellt. Temperatur mittags 38 °C, Atmung 40/min. Die Mutter hatte die ganze Nacht bei ihr gewacht; das Mädchen war glühend heiß gewesen, hatte gejammert und gehustet. Essen verweigerte sie. „Seit acht Tagen ist sie jetzt schon nachts so glühend heiß.“ Crepitatio an der rechten Basis, fraglich auch links. Sie erhielt sechsstündlich Bryonia 1 M. Das Ergebnis war: „Sehr gut geschlafen die Nacht.“ Da aber (am nächsten Tag) weiterhin krepitierende Geräusche an beiden Lungenbasen bestanden und die Atemfrequenz erhöht war (48/min.), wurde sie stationär aufgenommen und erhielt Bryonia 10 M (drei Gaben). Am nächsten Tag war die Temperatur subnormal, Atmung 29–36. Die Temperatur stieg nicht wieder an, und sie erholte sich ohne weitere Vorkommnisse.
Bronchopneumonie bei Kleinkindern wird allgemein als eine gefährliche und langwierige Krankheit angesehen; die Statistiken der Homöopathie dagegen sind bei dieser Erkrankung exzellent.
Verschiedene Arzneien greifen die Organe und Gewebe unterschiedlich an. Bryonia sucht sich besonders die serösen Häute aus, um dort Entzündungen und Reizungen hervorzurufen, in potenzierter Form aber zu stimulieren und zu heilen. Es hat eine ungeheure Wirkung auf das Rippenfell und die Lungen, und es gehört zu den Mitteln, die Pneumonien zu erzeugen vermochten.21

21

Richtiger müsste es heißen: pneumonieähnliche Zustände. Siehe zu dieser Problematik das Vorwort des Übersetzers.

Bryonias Verschlimmerungszeiten sind: 3 Uhr, wo sein Delirium, sein profuser Nachtschweiß und seine Zahnschmerzen zunehmen; 21 Uhr ist ebenfalls eine schlechte Zeit für Bryonia, und von 18–19 Uhr tritt oft reichliches Harnen auf. Viele Bryonia-Symptome verschlimmern sich morgens, viele verschlimmern sich abends.
Ein seltsames Bryonia-Symptom wird von Hahnemann mitgeteilt: „Auf eine kleine Gemüthserregung (auf Lachen) entsteht jähling ein stechendes (jückendes) Brennen über den ganzen Körper, als wenn er mit Nesseln gepeitscht worden wäre oder einen Nesselausschlag hätte, wiewohl nichts auf der Haut zu sehen war; dieß Brennen kam hiernach schon auf den bloßen Gedanken davon, oder wenn er sich erhitzte.“
Bryonia ist ein wichtiges Mittel bei Ostwind. Die ‚Ätiologie‘ bestimmter Mittel ist von großer Bedeutung. So entstehen die Beschwerden von dulcamaraDULCAMARA z.B. bei kaltem, feuchtem Wetter – infolge der Unterkühlung von Durchnässung – durch Nasswerden bei Hitze – oder durch plötzliche Abkühlung, wenn man erhitzt ist.22

22

Letzteres ist auch eine wichtige Ursache bei BELLIS PERENNIS; vgl. dort.

Bryonia leidet akut nach Exposition gegenüber kaltem, trockenem Ostwind, wie u. a. aconitumACONITUM, asarum europaeumASARUM, causticumCAUSTICUM, hepar sulfurisHEPAR, kalium carbonicumKALIUM CARBONICUM, nux vomicaNUX VOMICA, sepiaSEPIA und spongiaSPONGIA.
Bryonia ist auch ein Heilmittel bei Nasenbluten (meiner Erfahrung nach ist hier jedoch viperaVIPERA besonders wirksam23

23

Nur aufgrund der Information ‚Nasenbluten‘ wird man VIPERA nicht geben dürfen – die Gefahr der Unterdrückung ist, wenn es so wirksam ist, sicher sehr groß. Dies geht schon aus dem Umfang der entsprechenden Rubrik im Repertorium hervor: es sind an die 200 Mittel! Laut Kokelenberg sind die beiden wichtigsten Mittel bei Nasenbluten TUBERCULINUM und MEDORRHINUM.

, selbst wenn es sich um ein bis dahin lebenslanges Leiden gehandelt hat); vor allem aber ist Bryonia das große Mittel bei vikariierender Menstruation – in Form von Nasenbluten oder Bluterbrechen.
Und hier ein Tipp von einem meiner Lehrer aus dessen persönlicher Erfahrung: Geben Sie einem natrium muriaticumNATRIUM-MURIATICUM-Patienten mit starken Kopfschmerzen für diesen akuten Zustand nicht natrium muriaticumNATRIUM MURIATICUM, sonst werden Sie sein Leiden fürchterlich verschlimmern. Geben Sie dessen ‚Akutmittel‘ Bryonia, und heben Sie sich das Konstitutionsmittel für eine ruhigere Periode auf.
Gemeinplätzen kommt es fast gleich, etwas über das Gemüt und das Verhalten von Bryonia im Delirium zu sagen. Sein Hauptmerkmal ist Ängstlichkeit – ängstliche Besorgtheit um die Zukunft, um die alltäglichen Dinge des Lebens. Träumt und spricht im Delirium von den Tagesgeschäften. Irrereden von Geschäften; Schwatzen von zu verrichtenden Geschäften. Möchte dem Bett entfliehen und nach Hause eilen. Reizbar und mürrisch.
Es ist ein wichtiges Mittel bei Erkrankungen der weiblichen Brust. „Brüste schwer, von steinerner Härte; blass, aber hart; heiß und schmerzhaft.“ belladonnaBELLADONNA-Entzündungen sind dagegen leuchtend rot, die Haut brennt, und es pocht heftig darin. In einem Fall von Brustkrebs, bei dem wegen eines großen Pleuraergusses Bryonia verabreicht worden war, brachte dieses nicht nur den Erguss zum Verschwinden (den ich schon fürchtete punktieren zu müssen), sondern besserte erstaunlicherweise auch das Karzinomleiden der Patienten.
Hauptsymptome24

24

Ein a verweist auf Symptome aus Hahnemanns Reiner Arzneimittellehre; mit b versehene Symptome stammen aus der umfangreichen Prüfung, die 1847 von Zlatarovich in der Oesterreichischen Zeitschrift für Homoeopathie (Band 3, Heft 1) veröffentlicht wurde.

Im Folgenden einige fett bzw. gesperrt gedruckte Hauptsymptome von Allen (Encyclopedia) und Hahnemann, die für Bryonia besonders charakteristisch sind und die Bryonia wiederholt hervorgerufen und geheilt hat.
Geist und GemütAengstlichkeit; es ist ihm bange vor der Zukunft.a
Irrereden von Geschäften …a
Sehr üble Laune, Reizbarkeit, grundlose Besorgnisse.b
Mürrisch, alles mit Verdruß ansehend.a
Träume voll Zänkerei und ärgerlicher Dinge.a
Träumt die ganze Nacht sehr lebhaft von ängstlicher und genauer Besorgung der Tagesgeschäfte.a
Er beschäftigt sich im Traume mit der Hauswirthschaft.a
[Die Nacht … sehr unruhig; er konnte fast keine halbe Stunde schlafen und war] während dieses Schlummers unausgesetzt mit dem am Vorabende Gelesenen beschäftiget.b
Früh, bei Tagesanbruch, delirirendes Schwatzen von zu verrichtenden Geschäften …a
SchwindelSobald er vom Stuhle aufstand …a
Früh, beim Aufstehen aus dem Bette, so taumelig und drehend, als wenn's im Kopfe in einem Kreise herumginge.a
KopfWüste.a – Kopfeingenommenheit.b
Früh fängt das Kopfweh nicht beim Erwachen, sondern beim ersten Oeffnen und Bewegen der Augen an.a
Pressender Stirnkopfschmerz, beim Vorwärtsbeugen bedeutend vermehrt.b
Im Hinterhaupte stumpfer Schmerz.a
Im Hinterhaupte ein pressender Schmerz mit Ziehen bis ins Genick; gegen Mittag mindert sich der Kopfschmerz …b
Wühlender Druck im vordern Theile des Gehirns mit Pressen nach der Stirne, besonders heftig beim Bücken und Schnellgehen; ein Spaziergang ermüdete ihn sehr.a
Kopfweh beim Bücken, als wenn alles zur Stirne herausfallen wollte.a
Kopfweh, als wollte alles zur Stirne heraus.a
Druckschmerz über dem linken Augenbraunbogen …, worauf sich ein dumpfer, drückend-pressender Schmerz in der Gegend der Hinterhauptshöcker einstellte, der sich von da über den ganzen Kopf 25

25

Bei Allen (Symptom Nr. 181) und auch bei Hering heißt es irrtümlich „over the whole body“.

verbreitete und mehr oder minder heftig den Tag über währte. Bei schneller Bewegung und nach dem Essen steigerte sich der Schmerz so sehr, dass ein deutliches Pulsiren im Innern des Kopfes wahrgenommen wurde.b
Ein herauspressender Schmerz in beiden Schläfen.a
AugenOefteres Thränen der Augen.a
Früh sind die Augenbedeckungen geschwollen und wie mit Eiter zugeklebt.a
Druckschmerz … im linken Augapfel, besonders heftig bei Bewegung des Augapfels [mit dem Gefühle, als würde das Auge kleiner und ziehe sich in seine Höhle zurück].b
NaseFrüh, nach dem Aufstehen, ein viertelstündiges Nasenbluten.a
GesichtRothe, heiße, weiche Aufgedunsenheit des Gesichts.a
MundZiehendes, zuweilen zuckendes Zahnweh in den Backenzähnen des linken Oberkiefers, nur bei und nach dem Essen, wobei die Zähne zu lang schienen und als wackelten sie hin und her.a
Schmerz, als wenn der Zahn eingeschraubt und dann herausgehoben würde (welcher durch kaltes Wasser nur auf Augenblicke gelindert, beim Gehen im Freien aber besser wird) …a 26

26

Allen hebt hier besonders die Linderung durch kaltes Wasser hervor (die Klammern sind von Hahnemann gesetzt).

Zahnweh nach Mitternacht (um 3 Uhr), … welches vom Liegen auf der unschmerzhaften Seite sich unerträglich verschlimmert und blos dann vergeht, wenn man sich auf den schmerzhaften Backen legt.a
Sehr weiß belegte Zunge.a
Die Zunge dick weiss belegt.b
Trockenheit im Munde, daß die Zunge am Gaumen klebt.a
Der Mund trocken; [durch Trinken wird er nur für Augenblicke feucht und bald kehrt die frühere Trockenheit in noch höherem Grade zurück.]b
Zusammenfluß vielen seifenartig schäumigen Speichels im Munde.a
Fader, lätschiger Geschmack im Munde; er hat fast gar keinen Geschmack.a
Sehr bitterer Geschmack …b
[Nach einem Trunke Bier] widerlich bitterer Geschmack …b
Durch öfteres Trinken von kaltem Wasser verschwand der bittere Geschmack im Munde und verminderte sich der Brechreiz.b
MagenHeftiger Durst.a
Starker Durst (er mußte viel Kaltes trinken) …a
Starker Durst, sie kann und muß viel auf einmal trinken …a
Allzu starke Eßlust …a
Er hat keinen Appetit zu Milch; wenn er sie aber genießt, so kommt der Appetit dazu und sie fängt an zu schmecken.a
Starkes Verlangen auf Kaffee.a
Nach dem Essen bitteres Aufstoßen.a
Oefteres, zuweilen säuerliches Aufstoßen nach dem Essen.a
Nach dem Essen Drücken im Magen; es lag wie ein Stein darin und machte ihn verdrießlich.a
Es liegt im Magen wie ein Stein; die Magengegend bei Berührung schmerzhaft.b
Die Magengegend beim Drucke schmerzhaft.b (NB: Nur hier, an Magen und Bauch, wird Bryonia nicht durch Druck gebessert.)
Rektum, StuhlNachmittags zwei breiartige, sehr übelriechende Stuhlentleerungen; darauf Brennen am After.b
Durchfall und Leibschneiden vorher.a
Fortdauernde Stuhlverhaltung.b
Trockener, wie ausgedörrter, mühsamer Stuhl.
UrinDunklere, fast bräunliche Färbung.b
Atemwege, BrustFließschnupfen, acht Tage lang.a
Starker Schnupfen ohne Husten.a
Zäher Schleim im Rachen, der sich durch Kotzen [Räuspern] lösete.a
Trockner Husten.a
Reiz zum Kotzen, es ist, als ob etwas Schleimiges in der Luftröhre wäre; hat er einige Zeit gekotzt, so empfindet er da einen Schmerz, aus Wundseyn und Druck gemischt; beim Reden und Tabakrauchen wird der Schmerz heftiger.a
Wenn er aus der freien Luft in die warme Stube kommt, Empfindung, als sey Dampf in der Luftröhre, der ihn zum Husten nöthigt; es ist ihm, als könne er nicht Luft genug einathmen.a
Zäher Schleim in der Luftröhre, der sich nur nach öfterm Kotzen löset.a
Beim Husten fährt's allemal in den Kopf, wie ein Druck.a
Es sticht beim Husten im Brustbeine; er muß die Brust mit der Hand halten …a
Innere Hitze in der Brust.a
Spitzig stechender Schmerz unter der rechten Brustwarze nach außen, in der Brusthöhle nur beim Ausathmen.a
(An dieser Stelle drei kursiv gedruckte Symptome von Allen, die sehr wichtig sind:)
Kurze, aber so heftige Stiche in der rechten Brustseite, dass er den Athem anhalten musste, um nicht laut aufzuschreien. b
Im Sitzen ein Stich in der rechten Brust zwischen der 3. und 4. Rippe. b
Reissende Stiche in der linken Brusthälfte, welche sich von hinten nach vorn verbreiteten, in der Ruhe sich minderten, bei Bewegung aber und tiefem Athemholen verschlimmerten … b
(Vielleicht ist es ja falsch, nur die fettgedruckten Symptome wiederzugeben; jene in Kursivdruck sind ebenfalls ungeheuer wichtig!)
ExtremitätenSchwere und Müdigkeit in allen Gliedern …a
Geschwulst am Ellbogengelenke und etwas darüber und darunter bis zur Mitte des Ober- und Unterarms, und an den Unterfüßen [= Füßen].a
Im Handgelenke Schmerz wie verstaucht oder verrenkt, bei jeder Bewegung.a
In den Fingern stechende Schmerzen beim Schreiben.a
Große Mattigkeit in den Oberschenkeln; er kann kaum die Treppe hinaufsteigen; weniger beim Niedersteigen.a
Spannende, schmerzhafte Steifigkeit der Kniee.a
Stiche in den Knieen beim Gehen.a
Die Kniee wanken und knicken zusammen im Gehen.a
Die Unterschenkel sind so matt, daß sie ihn kaum zu halten vermögen, beim Anfange des Gehens und schon beim Stehen.a
Heiße Geschwulst des Fußes.a
Heiße Geschwulst des Fußspannes, mit Zerschlagenheitsschmerz, wenn der Fuß ausgestreckt wird; der Fuß spannt, wenn man auftritt, und beim Befühlen thut's wie unterköthig weh und wie Eitergeschwür.a
SchlafSehr aufgelegt zum Gähnen …; öfteres Gähnen den ganzen Tag.a
Nach dem Mittagsschlafe ist er frostig und wüste im Kopfe.a
SchwächeBeim Aufstehen, aus dem Bette, wandelt ihn eine Ohnmacht an …a
Beim Aufstehen eine grosse Abspannung und Mattigkeit, welche im Laufe des Vormittags beim Herumgehen so zunahm, dass er sich förmlich schleppen musste …b
Hitze, SchweißStarker Durst (er mußte viel Kaltes trinken) mit innerer Hitze, ohne daß er äußerlich heiß anzufühlen war.a
Gefühl von Hitze im Gesichte, mit Röthe und Durst.a
Er schwitzt beim Gehen in kalter Luft über und über.a
Heftiger Nachtschweiß von Nachmitternachts 3 Uhr an …a
Sauere Schweisse.b
Bevor Dr. Haehl aus Stuttgart vor einigen Jahren nach langer Suche die umfangreichen Krankenjournale Hahnemanns wiederentdeckte – sie verstaubten bis dahin auf einem Dachboden! – und sie seinem Hahnemann-Museum in Stuttgart hinzufügte, zeichnete sich Bryonia dadurch aus, dass es in einem der ganz wenigen Fallbeispiele aus dem gewaltigen Lebenswerk Hahnemanns vorkam, die bis zu dieser Zeit zugänglich waren (jedenfalls in seinen besser bekannten Publikationen). Es lohnt sich, diesen Fall hier noch einmal nachzuerzählen. Hahnemann führt ihn an, um seine Methode zu veranschaulichen, einen Fall aufzunehmen und das Heilmittel zu finden. Es dürfte von Interesse sein, ihn einmal vollständig wiederzuveröffentlichen.27

27

Eine schon recht ausführliche Beschreibung dieses Falls findet sich in der Vorerinnerung zum 2. Band der Reinen Arzneimittellehre (S. 31), was M. Tyler vielleicht entfallen ist. Jedenfalls berichtet sie darüber, wie es scheint, nur aus der Erinnerung – sehr verkürzt und mit einigen ‚dichterischen‘ Freiheiten. Aus diesem Grund habe ich den letzten Teil ihrer Erzählung durch die entsprechende Passage aus der Reinen Arzneimittellehre ersetzt.

Eine Waschfrau war aus einem Nachbardorf gekommen, um Hahnemann um Hilfe zu bitten. Sie hatte vor Schmerzen [Stiche in der Herzgrube bei jeder Bewegung] wochenlang nicht arbeiten können. Hahnemann nahm ihre Symptome auf, mit jener Sorgfalt, zu der er auch uns eindringlich mahnt; dann ging er sie der Reihe nach durch und notierte sich die Mittel, die diese Symptome hervorgerufen hatten; es stellte sich heraus, dass Bryonia als einziges das vollständige Symptomenbild abdeckte.
Es war noch die Frühzeit der Homöopathie, und so verabreichte er der Patientin einen Tropfen Bryonia in der Urtinktur und bestellte sie nach 48 Stunden wieder ein.
„Meinem Freunde E., der zugegen war, deutete ich an, daß die Frau binnen dieser Zeit durchaus gesund werden müsse, welcher aber (nur erst noch auf halbem Wege zur Homöopathie begriffen) dies in Zweifel zog. Nach zwei Tagen stellte er sich wieder ein, um den Erfolg zu vernehmen, aber das Weib kam nicht, kam auch überhaupt nicht wieder. Meinen ungeduldigen Freund konnte ich nun bloß dadurch besänftigen, daß ich ihm das eine halbe Stunde weit entfernte Dorf, wo sie wohnte, und ihren Namen nannte und ihm rieth, sie aufzusuchen und sich selbst nach ihrem Befinden zu erkundigen. Er that es, und ihre Antwort war: ‚Was sollte ich denn dort? Ich war ja schon den Tag drauf gesund und konnte wieder auf die Wäsche gehen, und den andern Tag war mir so völlig wohl, wie mir noch jetzt ist. Ich danke es dem Doctor tausendmal, aber unser Eins kann keine Zeit von seiner Arbeit abbrechen; ich hatte ja auch drei ganze Wochen lang vorher bei meiner Krankheit nichts verdienen können.‘
Burnett erwähnt Bryonia als einen der Fünfzig Gründe, ein Homöopath zu sein. Lassen wir ihn die Geschichte erzählen!
„Als ich noch ein junger Mann war, hatte ich eine linksseitige Pleuritis, und mit Hilfe eines Dorfapothekers und etlicher Liter einer obskuren Mixtur wäre ich fast ins Jenseits befördert worden. Seit dieser Zeit litt ich an einer dumpfen, unangenehmen Empfindung in meiner Brustseite, wegen der ich viele berühmte Ärzte in verschiedenen Teilen Europas konsultierte – aber helfen konnte mir keiner. Alle stimmten darin überein, dass es sich um irgendeine alte Adhäsion zwischen der viszeralen und parietalen Pleura handeln müsste, aber keiner meiner hoch angesehenen Ratgeber konnte sie zum Verschwinden bringen. Und doch war mein Glaube an sie so groß gewesen, dass er hätte Berge versetzen können; somit hatte also auch der Glaube als Heilmittel bei mir versagt.
Nachdem sich die orthodoxe Medizin als nicht hilfreich erwiesen hatte, ging ich zu den Hydropathen (sie wurden damals ‚Quacksalber‘ genannt!) und bekam lange Zeit heiße und kalte Anwendungen; aber auch diese bewirkten nichts. Kalte Packungen, heiße Packungen – monatelang getragene kalte Kompressen – Schlafen in nassen Bettlaken – Schwitzbäder ohne Ende, türkisch und russisch: all dies hinterließ mein altes pleuritisches Leiden im Status quo ante.
Die Traubenkur, die Brot-und-Wein-Kur: auch sie waren vergebens. Ebenso wenig halfen Diät und Ernährungsumstellung.
Als ich aber studierte, was diese sonderbaren Leute, Homöopathen genannt, über ihr Bryonia alba und seine Affinität zu den serösen Häuten zu sagen hatten, beschimpfte ich sie da etwa, nannte sie Quacksalber? Nein! Ich kaufte etwas Bryonia und nahm es so ein, wie sie es empfahlen, und – siehe da! – innerhalb zwei Wochen war meine Brustseite gesund, und sie hat mir seither nie wieder Beschwerden gemacht.
Dies, lieber Kollege, ist mein zweiter Grund, Homöopath zu sein; und wenn ich jemals aufhören sollte, dem verehrten alten Hahnemann für sein Bryonia dankbar zu sein, so möge mein altes Pleuraleiden wiederkehren, um mich an die Wahrheit seiner Lehre zu erinnern.
Was Sie und der Rest der Welt davon halten mögen, interessiert mich herzlich wenig. Über die Brücke, die mich hinübertrug, vermag ich nur Gutes zu sagen.
Was mich betrifft, so habe ich nur eine Forderung an die Medizin, eine einzige Forderung: Sie soll heilen! Die ‚Pathie‘, die heilt, ist die ‚Pathie‘ für mich. Von Ihrer famosen Allopathie kann ich nur sagen:

‚Wie großartig sie auch immer sei,

Hilft sie mir nicht, ist sie mir einerlei!‘“

Aus Obengesagtem ersehen wir, dass Bryonia nicht nur ein wichtiges Mittel bei akuter Pleuritis ist, sondern dass es auch die chronischen Zustände heilen kann, die gelegentlich nach einer Pleuritis zurückbleiben.
Nash sagt: „Gleichgültig, welchen Namen die Krankheit trägt: Wenn sich der Patient durch Stillliegen deutlich besser fühlt und sehr leidet durch die geringste Bewegung – und dies um so stärker, je mehr und je länger er sich bewegt –, dann ist Bryonia das erste Mittel, an das wir denken müssen, und es müssen schon sehr starke Gegenindikationen in anderer Hinsicht vorhanden sein, um Bryonia auszuschließen.“
Und er konstatiert zum Schluss: „Die vorherrschende Schule weiß nicht, was sie dadurch versäumt, dass sie mit den Heilkräften dieser Arznei nicht vertraut ist, wie sie sich in unseren Prüfungen und klinischen Anwendungen herausgestellt haben; aber wir wissen, was wir gewonnen haben!“
Um zusammenzufassen … Wenn Sie jemals einen Patienten haben mit heftig stechenden Schmerzen, die durch die geringste Bewegung, besonders durch Aufsetzen verschlimmert, durch Druck aber gebessert werden, mit weißer Zunge und großem Durst nach kaltem Wasser, sehr reizbar, ärgerlich und zornig, wobei sich sein Leiden noch verstärkt, wenn er (seelisch oder körperlich) gestört wird, einen Patienten, der im Delirium „nach Hause gehen“ möchte (auch wenn er schon zu Hause ist), dessen Träume oder Delirien sich um die Erledigung seiner Tagesgeschäfte drehen, dann können Sie Bryonia verabreichen – und auf den Erfolg Wetten abschließen!

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