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B978-3-437-56873-2.00004-4

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978-3-437-56873-2

Drosera – Dulcamara

Drosera

Weitere Namen: Drosera rotundifolia; Rundblättriger Sonnentau
(Größtenteils die Wiedergabe eines von der Autorin 1927 vor der British Homœopathic Society vorgetragenen Manuskripts.)1

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Dieses vor allem in den Fallbeschreibungen ausführlichere Manuskript ist heute als gesonderte Publikation aus Indien erhältlich. Ich habe bei der Übersetzung gelegentlich darauf zurückgegriffen, um einzelne Passagen besser verständlich zu machen.

Vor einigen Jahren musste ich zu meiner Überraschung feststellen, dass ich neben Samuel Hahnemann der einzige Mensch bin, der von Drosera wirklich etwas versteht. Seitdem habe ich immer den Wunsch verspürt, das, was ich an Wissen über dieses Mittel habe, an meine Kollegen in aller Welt weiterzugeben. Ich hoffe, dass ich damit etwas Wesentliches zur Bekämpfung wenigstens einer schrecklichen Krankheit beitragen kann – der Tuberkulose.
Natürlich kennt sich jeder von uns mit Drosera bestens aus! Ist es nicht in jedem „Homöopathischen Ratgeber“ vertreten? Und hat es nicht in der kleinsten Hausapotheke seinen angestammten Platz? Drosera ist nämlich, und das seit über hundert Jahren, ein klassisches ‚Kehlkopfmittel‘ – und unser wichtigstes Heilmittel bei Keuchhusten.
Als ich aber durch einen glücklichen Zufall anfing zu begreifen, was Drosera bei tuberkulösen Erkrankungen der Knochen, Gelenke und Lymphknoten auszurichten vermag, war ich sehr erstaunt, und ich begann, die homöopathische Literatur nach Bestätigungen dafür zu durchforsten. Kent wusste nichts darüber, ebenso wenig Clarke. Schließlich fand ich, im Hinblick auf Knochen und Gelenke, meine Rechtfertigung sperrgedruckt in den Prüfungen Hahnemanns. –Warum geben wir uns nur damit zufrieden, die meisten Dinge aus zweiter oder dritter Hand zu erfahren? Warum gehen wir so selten zu den Quellen zurück? Wie viele Homöopathen lesen beispielsweise heute noch Hahnemanns Reine Arzneimittellehre? Doch ich darf Ihnen sagen, dass Hahnemann nicht nur die Kehlkopfsymptome hervorhebt, für die Drosera bei uns so berühmt ist, sondern ebenso die Beschwerden an den Gelenken – an den Schulter- und Hüftgelenken und, gleich mehrfach, an den Fußgelenken. Daneben sind Schmerzen in den Röhrenknochen, Schmerzen in den Gliedmaßen und Schmerzen in verschiedenen Muskeln in Sperrdruck aufgeführt. Und in einer Fußnote weist er sogar bereits auf den einzigartigen Nutzen des Mittels bei Kehlkopftuberkulose [„Luftröhr-Schwindsucht“] hin.
Erst nachdem ich 1920 der Society einige meiner mit Drosera geheilten Lymphknoten- und Knochen-Tb-Fälle vorgestellt hatte, begann mir allmählich das vollständige Bild dieser Arznei klar zu werden. Irgendwie hatte ich damals, wie ich mich noch gut entsinne, das Gefühl, mich für meine Verwendung von Drosera in solchen Fällen entschuldigen zu müssen; ja, ich glaube, es wurden mir sogar meine „genauen Indikationen“ abverlangt. Nach dem Treffen jedoch verwies mich jemand auf die Cyclopaedia of Drug Pathogenesy, und dort fand ich den Schlüssel zu dem ganzen Problem: in den Tierversuchen Dr. Curies. Dr. Curie erbrachte den Nachweis, dass Drosera zur Tuberkulose in homöopathischer Beziehung steht, und zwar im umfassendsten und wesentlichen Sinn des Wortes. Er zeigte, anders gesagt, dass Drosera bei Katzen wiederholt die Resistenz gegenüber Tuberkelbakterien zum Erliegen brachte – bei Tieren mithin, die man bis dahin für absolut immun gegen diese Krankheit gehalten hatte; und indem er Tuberkulose im Frühstadium mit Drosera heilte, konnte er zu seiner Freude nachweisen, dass es umgekehrt die Widerstandskraft gegenüber diesen Erregern zu steigern vermochte. Mit Genugtuung sah ich auch, dass in Curies Experimenten die Lymphknoten, vor allem die mesenterialen und zervikalen2

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Eine verkürzte Übersetzung der Originalmitteilung Dr. Curies findet sich unter dem Titel „Zur Pathogenesie der Drosera“ in der A.H.Z., Bd. 63, S. 191 und 206 (1861).

, sehr stark befallen waren.
Wie Hahnemann in einer Fußnote [Reine Arzneimittellehre 6, 243] bemerkt, weist bereits die ältere, nichthomöopathische medizinische Literatur auf dieselbe Tatsache, d.h. auf die entgegengesetzte, sprich homöopathische Wirkung von Drosera hin. Diese Anmerkung Hahnemanns hatte Curie, zusammen mit seinen eigenen weiteren Nachforschungen in der Literatur, auf die Idee gebracht, „die exakte physiologische Wirkung der Pflanze“ zu ermitteln und zu sehen, „inwieweit diese dem Ähnlichkeitsgesetz unterworfen ist“. Schon von den ‚Alten‘ nämlich war Drosera wechselweise als Heilmittel der Schwindsucht gerühmt und als die Krankheit beschleunigend wieder aufgegeben worden. Hahnemann liefert uns die Erklärung hierfür: „Schon haben zwar mehre, ältere Aerzte dieses Kraut in einigen bösartigen Husten und in eiterigen Schwindsuchten heilsam gefunden und so ihre (homöopathische) Heilkraft in diesen Uebeln bestätigt; aber die Neuern widerriethen sie nach ihren antipathischen Theorien, wegen ihrer angeblichen Schärfe“; denn „die Neuern, welche hergebrachter Maßen keine andern als ihre großen Gaben kannten, wußten, wenn sie nicht tödten wollten, mit dieser ungemein heroischen Pflanze zu innerlichem Gebrauche nichts anzufangen und verwarfen sie daher.“
Und nun ein paar Worte über den Rundblättrigen Sonnentau, den Hahnemann als „eins der kräftigsten Arznei-Gewächse unsers Erdstrichs“ bezeichnet.
Drosera ist, soviel ich weiß, die einzige insektenfressende Pflanze in unserer Materia medica. Sie wächst auf sumpfigen oder Moorböden; ihre langgestielten, runden Blätter sind rosettenförmig angeordnet und an den Rändern dicht mit Drüsenhaaren besetzt, an deren Ende glitzernde Tröpfchen eines klebrigen, scharfen Saftes abgesondert werden; diese beweglichen Tentakel krümmen sich über jedem unglücklichen Insekt zusammen, das es wagt, sich auf dem Blatt niederzulassen, und verdauen es.
Der Sonnentau hat einen üblen Ruf im Hinblick auf Schafe, die auf Weiden grasen, auf denen dieses Kraut zahlreich vertreten ist. Es soll bei den Schafen einen sehr heftigen Husten erregen, sodass diese allmählich dahinsiechen.
In einer Fußnote zu einem sperrgedruckten Kehlkopfsymptom [Nr. (87)] vermerkt Hahnemann: „Diesem sehr ähnlich muß der Zustand seyn, wo in einigen Arten der sogenannten Luftröhr-Schwindsucht (vorausgesetzt, daß kein specifisches Siechthum von Lustseuche, Krätze u.s.w. zum Grunde liegt) der Sonnenthau so einzig hülfreich ist “ [Hervorhebung M. Tyler].
Im 16. Jahrhundert wurde der Sonnentau als ausgezeichnetes Mittel geschätzt, „um die Lebenssäfte jener wiederherzustellen, welche an Schwindsucht leiden“. Gerarde (1545–1612) jedoch konstatiert, dass „diejenigen, die den flüssigen Extrakt der Pflanze zu sich nahmen, eher zugrunde gingen als jene, die sich dessen enthielten“.
Sonnentau hatte auch einen Ruf zur Heilung von Wahnsinn; und in den homöopathischen Prüfungen finden wir: [Gemüts-]Unruhe, Misstrauen, Verfolgungs-Wahnideen [„Anfeindungen“] sowie eine Neigung, „sich durch Ersäufen das Leben zu nehmen“. Drosera wurde auch bei Husten und Lungenerkrankungen eingesetzt – eine rein homöopathische Verwendungsweise –, desgleichen bei chronischem Asthma und bei Herzklopfen.
Hier einige Erläuterungen zu Curies Experimenten.
Curie wählte für seine Versuche Katzen, da diese von allen Haustieren am wenigsten empfänglich für Tuberkulose seien. Er sagt: „Es ist durchaus ungewiss, ob überhaupt jemals tuberkulöse Veränderungen bei Katzen gefunden wurden.“
Er stellte nur drei Versuche an, „wegen der Schwierigkeit, für die lange Zeit, welche diese Experimente erfordern, genügend von dieser kleinen Pflanze aufzutreiben. Es ist nicht das Problem“, so sagt er, „irgendwelche funktionellen Symptome hervorzurufen, die vom Nervensystem abhängen. Die Ausbildung von Tuberkeln aber braucht Zeit, und einer Arznei, die in ihrer Wirkung auf den Organismus fähig ist, diese entstehen zu lassen, muss genügend Zeit dazu gewährt werden.“3

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Während Prüfungen an Tieren aus der Sicht Hahnemanns nutzlos sind in Hinsicht auf die geistigen oder die feinen subjektiven Symptome, die so wesentlich für die wissenschaftliche Anwendung der Arzneien sind, können doch experimentelle oder zufällige Arzneiwirkungen auf Tiere über einen längeren Zeitraum wertvolle und aufschlussreiche Informationen liefern bezüglich jener Organe und Gewebe, die von diesen Arzneien besonders affiziert werden. Es wäre nicht legitim, die Prüfungen an Menschen so weit zu treiben, dass größere Gewebsläsionen entstehen. Doch ist ja bereits aus anderer Quelle überliefert, dass Drosera bei Schafen sehr heftigen Husten erregt (wenn sie auf Weiden mit reichlich Sonnentau gegrast haben), und Curies Katzen beweisen, dass Drosera nicht nur die Resistenz gegenüber Tuberkelbazillen in verschiedenen Körperregionen herabsetzt, sondern auch enorme Schwellungen der zervikalen und anderer Lymphdrüsen herbeiführt.

Die Ergebnisse seiner drei Experimente waren so eindeutig, dass Curie sich verpflichtet fühlte, sie zu veröffentlichen. Er hatte herausgefunden, dass die fortgesetzte Verfütterung von Sonnentau an Tiere bei diesen die Bildung von tuberkulösen Granulomen induziert; und er erklärt, dass die Fähigkeit dieser Arznei, Tuberkulose zu heilen, ihn niemals im Stich gelassen habe.
Drosera bei Krampfhusten und Keuchhusten
Hughes [Pharmacodynamics] spricht von dem krampfartigen Husten von Drosera und fügt hinzu, dass „Hahnemanns gewohnter Scharfsinn ihn dies erkennen und die Arznei bei Pertussis empfehlen ließ“.
Wir alle jedoch versuchen, es noch besser zu machen als Hahnemann – mit nicht selten gegenteiligen Folgen. Hahnemann erklärt, dass eine einzige Gabe Drosera in der 30. Potenz „zur homöopathischen, völligen Heilung des epidemischen Keichhustens“ hinreichend sei (nach Anleitung der von ihm aufgeführten Symptome). „Die Heilung“, sagt er, „erfolgt sicher binnen 7 oder 9 Tagen, bei unarzneilicher Diät. Man hüte sich, unmittelbar nach der ersten eine zweite Gabe davon zu reichen (und eben so wenig, irgend ein andres Mittel), denn sie würde unfehlbar nicht nur den guten Erfolg hindern, sondern auch beträchtlichen Schaden anrichten, wie ich aus Erfahrung weiß.“
Hughes, der es besonders gerne besser weiß als Hahnemann, empfiehlt „wiederholte Gaben der C 1 oder D 1“ (statt Hahnemanns decillionfacher Verdünnung oder C 30), „um die meisten der unkomplizierten Keuchhustenfälle innerhalb von zwei, drei oder vier Wochen zu beenden“ (statt in 7–9 Tagen bei Hahnemann), „wobei die Heftigkeit der Anfälle in der Zwischenzeit bedeutend abgemildert wird“.
Er musste hierfür allerdings einige Rüffel einstecken und in einer späteren Auflage eine Fußnote abdrucken des Inhalts, dass von anderen Homöopathen (die Hahnemann treuer geblieben waren als er) „kürzlich die Richtigkeit von Hahnemanns Beobachtung bestätigt worden ist (British Journal 36, 268)“.
Ich darf sagen, dass ich Keuchhusten in der Regel mit Einzelgaben Drosera C 30 oder 200 geheilt habe – und ich habe in unserer Kinderambulanz während des Krieges (1914–18) eine Menge Keuchhustenfälle gesehen. Nur wenige Male habe ich, wenn nach 14 Tagen noch ein Rest Husten vorhanden war, das Mittel wiederholt. Überhaupt kann ich mich nur an einen Fehlschlag erinnern, wo ich ein anderes Mittel geben musste, und das war bei einem vierjährigen Mädchen, das nach einer Woche wieder in die Ambulanz gebracht wurde: nicht besser, eher schlimmer, und – nach Kampfer riechend, den es in einem Beutel um den Hals trug. Dies war gerade das, was Hahnemann mit seiner Warnung vor anderen Mitteln vermeiden wollte; und überdies ist ausgerechnet Kampfer das „Milderungs- und Gegenmittel“ von Drosera. Der Kampfer wurde abgesetzt, und nach einer Gabe carbo vegetabilisCARBO VEGETABILIS, dem jetzt indizierten Mittel, war die Krankheit innerhalb einer Woche so gut wie ausgestanden.
Hier ein typischer Fall: David S., ein Säugling (seine Eltern gehörten vor Jahren zu unseren Missionsstudenten).
  • 1. Nov. – Krank. Fieber 38,9 °C. Husten und Erbrechen. bryoniaBRYONIA 1M.

  • 2. Nov. – Deutlich besser, besonders nachts. Weniger Erbrechen.

  • 3. Nov. – Weniger gut, Hustenanfälle mit (?) Keuchen. Drosera 1M, eine Gabe.

Es war Keuchhusten, und nach 14 Tagen war das Baby wieder wohlauf.
Dr. Jousset hält, wie Hughes schreibt, die Heilkraft von Drosera bei krampfartigem Husten für eines der besten Beispiele für die Wirksamkeit infinitesimaler Dosen. Sein Wirkungsbereich sei hierbei wie folgt zu definieren: „Husten durch Kitzelreiz im Kehlkopf, mit Erbrechen von Speisen.“ Jousset berichtet von 107 Fällen mit dieser Indikation, von denen 101 geheilt oder gelindert wurden.
Hahnemanns Keuchhustensymptome sind u. a. folgende:
Ganz tief aus der Brust kommender Husten.
Husten, dessen Stöße so heftig auf einander folgen, daß er kaum zu Athem kommen kann.
Kriebeln im Kehlkopfe, was ihn zum Hüsteln reizt …
Unter dem Husten will er sich erbrechen – etc.
Hughes, der Hahnemanns Einzelgaben der C 30 in Frage stellt, hat andererseits aber auch an Curies starken Dosierungen etwas auszusetzen. Als er einmal versuchte, Curie zu folgen, und einem schwindsüchtigen Patienten viermal täglich einige Tropfen Drosera-Urtinktur verabreichte, gelang es ihm damit lediglich, „einen äußerst heftigen Krampfhusten zu erzeugen, der nach Absetzen der Arznei wieder bis zum gewöhnlichen phthisischen Husten zurückging“. Jousset habe ähnliche Erfahrungen gemacht, sagt er.
Nein, Hahnemanns Verwendungsart „dieser ungemein heroischen Pflanze“ ist ohne jeden Zweifel die sicherste und wirksamste!
Doch möge man stets eingedenk sein, dass die Homöopathie keine spezifischen Mittel kennt und nicht einfach auf irgendwelche Krankheitsnamen hin behandelt. Wenn Sie glauben, Drosera werde jeden Keuchhustenfall heilen, der Ihnen begegnet, werden Sie früher oder später entdecken, dass dem keineswegs so ist. So ist von einer Keuchhustenepidemie überliefert, daß kalium carbonicumKALIUM CARBONICUM das Heilmittel war, und sobald es gefunden war, heilte es jeden Fall.4

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Bönninghausen berichtet darüber am Ende der Vorrede zu seinem Therapeutischen Taschenbuch.

Einfügung des Übersetzers. – C. v. Bönninghausen hat ein Buch über Die homöopathische Behandlung des Keuchhustens geschrieben, worin er 64 (!) Arzneien detailliert in Bezug auf ihre Hustensymptomatik beschreibt; der zweite Teil des Buches bringt auf über fünfzig Seiten ein ausführliches Repertorium zu diesem Thema. Die Keuchhusten-Rubrik in Kents Repertorium umfasst noch weit mehr Mittel, doch sind dort folgende von Bönninghausen genannte Mittel nicht vertreten: jodumJod., lachesisLach., magnesia carbonicaMag-c., phosphoricum acidumacidum phosphoricumPhos-ac., sabadillaSabad., staphisagriaStaph., verbascumVerb. Eine wichtige Ergänzung ist ferner carcinosinumCARCINOSINUM; als Hinweis auf diese sehr häufig indizierte Nosode wird ein monatelang anhaltender Keuchhusten in der frühen Kindheit angesehen, besonders wenn Beschwerden danach zurückbleiben (die hervorgehobenen Symptome sind als Ergänzungen zum Repertorium zu verstehen; vgl. Geukens, Carcinosinum, Hechtel 1989).
An dieser Stelle sei Bönninghausens Darstellung des Drosera-Keuchhustens wiedergeben, die sonst nur schwer zugänglich ist.
„Heftiger Keuchhusten, in periodischen, alle 1 bis 3 Stunden wiederkehrenden Anfällen, mit schnell auf einander folgenden, bellenden oder klanglosen Stössen, die nicht zu Athem kommen lassen, von Kitzel und Trockenheitsgefühl, oder wie von weichen Federn im Kehlkopfe erregt, Abends ohne, Morgens mit etwas gelbem, meistens bitterem Auswurfe, den er niederschlingen muss.
Verschlimmerung: Abends nach dem Niederlegen und noch mehr nach Mitternacht. – Ruhe. Liegen im Bette. Wärme. Trinken. Tabacksrauch. Lachen. Singen. Weinen. Erkältung. Nach Masern.
Begleitung: Aengstlichkeit. Gespenster-Furcht. Scheu vor Alleinsein. Eigensinn. Aussersichsein nach Aerger. Augenhervortreten. Blauschwarze Augenlider. Trockenheit der Nase. Bluten aus Nase und Mund. Blutiger Speichel. Blauschwarzes, gedunsenes Gesicht. Gesichtshitze. Kalter Stirnschweiss. Trockenheit im Schlunde, bei Durstlosigkeit. Schwieriges Schlingen fester Speisen. Ekel gegen Schweinefleisch. Bittergeschmack der Speisen, besonders des Brodes. Uebelkeit und Brechwürgen. Erbrechen erst der Speisen und dann Schleim, (zu Ende des Anfalles). Blutbrechen. Erbrechen nach Trinken. Schmerzhaftes Zusammenschnüren des Oberbauches und der Hypochondern, zum Aufdrücken mit der Hand nöthigend. Einziehen des Bauches (beim Erbrechen). Zusammenziehen im Unterleibe. Blutigschleimige Durchfälle. Athem übel riechend. Kurzäthmigkeit. Engbrüstigkeit. Erstickungsanfälle. Kann nicht zu Athem kommen. Schnappen nach Luft. Brustbeklemmung, wie von Zurückhaltung des Athems. Trockenheit und Rauhheit im Kehlkopfe und in der Luftröhre. Schleim in der Luftröhre. Zusammenziehen des Kehlkopfes beim Sprechen. Heiserkeit. Zusammenschnüren der Brust. Stechen in der Brust. Kälte der Hände. Zerschlagenheit der Glieder. Schläfrigkeit gleich nach Sonnenuntergang. Frostschauder in der Ruhe, selbst im Bette. Allgemeiner Schweiss.
Unter den Keuchhusten-Mitteln nimmt ohne Zweifel die Drosera eine sehr hervorragende Stelle ein und passt bei vielen Epidemien. Aber dieses Mittel blindlings bei jedem Keuchhusten anwenden, ohne vorher die Zeichen gehörig zu Rathe zu ziehen, zeugt nur von mangelhafter Kenntniss des wahren Wesens der Homöopathie. Wegen vieler Wechselwirkungen ist, ohne Zwischen-Mittel, (wozu sich vorzüglich sulfurSULPHUR und veratrum albumVERATRUM eignen), eine unmittelbare zweite Gabe von Drosera selten wohlthätig.“
Der Fall, der mir hinsichtlich des Wertes von Drosera bei tuberkulösen Knochenerkrankungen per Zufall die Augen öffnete, war der eines 4-jährigen Jungen mit Karies der Wirbelsäule [Spondylitis tuberculosa], welcher mir von einem unserer Chirurgen geschickt wurde, als ich während des Krieges unsere Kinderabteilung leitete. Im Alter von zwölf Monaten hatte es bei ihm mit einem tuberkulösen Finger begonnen, und schon sechs Monate später hatte sich eine Wirbeltuberkulose entwickelt. Er war von unserem Kinderarzt und besagtem Chirurgen behandelt worden und lag auf einem Brett mit beidseitiger Thomas-Schiene5

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Unter „Thomas-Schiene“ wird normalerweise ein Apparat zur Beinentlastung verstanden; hier dürfte es sich jedoch eher um eine Art Rumpfkorsett oder Liegeschale gehandelt haben.

und Kopfstütze. Mit einigen Schwankungen hatte er sich, insgesamt gesehen, unter der Behandlung gebessert. Einmal war er sehr abgemagert, ein anderes Mal hatte er an Husten gelitten, mit Nachtschweißen und drohenden Lungenkomplikationen, doch hatten tuberculinum (bovinum)TUBERCULINUM, calcarea carbonicaCALCAREA, sulfurSULFUR und zuletzt phosphorusPHOSPHORUS die Situation jeweils auffangen können. Der Chirurg schickte ihn nun zu mir wegen Keuchhusten – nicht gerade eine erstrebenswerte ‚Tätigkeit‘ für jemanden, der ruhig und flach im Bett liegen sollte! Er erhielt Drosera C 200.
Als ich ihn zwei Monate später wiedersah, ging es ihm in jeder Hinsicht sehr viel besser. Die Mutter war so begeistert von der positiven Wirkung der letzten Arznei auf das Befinden ihres Kindes, dass ich aufzuhorchen begann. Weitere zwei Monate später: Der Junge „isst gut und nimmt an Gewicht zu; er gedeiht prächtig.“ Die Veränderungen, die sich in dem Kind vollzogen, waren wirklich erstaunlich. Das Mittel wurde in großen Abständen wiederholt, und bei der letzten Vorstellung, etwa drei Jahre später, lautet meine Eintragung: „Wirbelsäule sehr gut. Hat den Stützapparat seit fast zwei Jahren nicht mehr getragen. Geht seit einem halben Jahr zur Schule.“
Ein zweiter Fall von Wirbeltuberkulose (zervikal), bei einem 7-jährigen Jungen: Das Leiden hatte begonnen, als er 4 Jahre alt war; zuerst war ein Knie befallen gewesen, dann ein Finger und zuletzt der Hals. Er war bereits in zwei anderen Krankenhäusern behandelt worden. Einige Monate zuvor hatte er drei Krampfanfälle gehabt, davor ein Jahr lang Ohrabsonderungen. Er wurde in einem speziellen Gefährt, aus dem er sich niemals aufrichten durfte, zu uns gebracht – ein vergnügter kleiner Kerl, mit außerordentlich deformiertem Hals, den er gelegentlich erschreckend ruckartig von einer Seite zur anderen schleuderte. Nach Drosera C 200 setzte unmittelbar Besserung ein, und bald war er in der Lage, seinen Kopf ohne Schwierigkeiten in alle Richtungen zu drehen. Nach weiteren zwei bis drei Monaten durfte er, mit Zustimmung eines unserer Chirurgen, erstmals aufrecht sitzen. So machte er stetig Fortschritte, wobei das Mittel nur in großen Abständen wiederholt wurde. Zwei Jahre später berichteten mir die Eltern, die in verschiedenen Teilen des Landes wohnten, sie hätten ihn (trotz Warnung) auf ihren langen Reisen überallhin mitgenommen, wobei er im Beiwagen ihres Motorrades gesessen habe und sein Hals die ganze Zeit kräftig durchgerüttelt worden sei. Der Junge nahm im weiteren Verlauf beständig an Gewicht zu, und eine Notiz von mir – vier Jahre nach Beginn der Behandlung – lautet: „Sieht sehr gut aus. Aktiv. Frische Gesichtsfarbe. Vater nimmt ihn den ganzen Tag in seinem Lieferwagen mit, das Holpern macht ihm nichts aus.“ Und der nächste Vermerk: „Seit er vor viereinhalb Jahren erstmals hierher kam, keine neuen Krankheitserscheinungen mehr aufgetreten. Davor hatte es eine regelrechte Abfolge von Tb-Manifestationen gegeben.“6

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M. Tyler hat die Drosera-Gaben in diesem Zeitraum bis zur 10 M-Potenz gesteigert; zwischenzeitlich erhielt der Junge vereinzelt TUBERCULINUM BOVINUM M.

Noch ein ‚Wirbelsäulen-Fall‘ …
Skoliose bei einer jungen Frau, mit extremer Deformierung; und – eine Tb-Vorgeschichte. Sie war leidend und kränklich, zudem war sie kurz zuvor gestürzt. Eine sehr behutsame chirotherapeutische Behandlung ihres Rückens (nicht ohne einiges ängstliches Zittern durchgeführt) beseitigte die akute Schmerzsymptomatik. Drosera jedoch, das ich ihr wegen der spezifischen Familienanamnese gab, bewirkte, dass sie bei ihrem nächsten Besuch kaum wiederzuerkennen war. Sie kommt jetzt von Zeit zu Zeit wegen kleinerer Beschwerden vorbei, sieht aber weiterhin robust und gesund aus.
Ich darf hier (mit der freundlichen Erlaubnis des behandelnden Arztes) einen Fall vorstellen, der sehr schön den großen Wert von Drosera bei Hauttuberkulose (tuberkulösen Fisteln etc.) demonstriert … Ein Junge, 13¾ Jahre alt. Seit acht Monaten am rechten Unterarm eine ständig rezidivierende Schwellung, gefolgt von mehreren solcher Stellen am linken Arm. Als sie operativ eröffnet wurden, trat Eiter aus; diese Absonderung wollte nicht aufhören. Von beiden Seiten der Familie eine starke Tb-Vorgeschichte. Als er das erste Mal kam, waren drei große Areale eines typisch tuberkulös aussehenden Gewebes zu sehen, welche abwechselnd verschorften und zerfielen.
tuberculinum (bovinum)TUBERCULINUM und siliceaSILICEA bewirkten, dass die Narben kleiner wurden und nicht mehr schmerzhaft waren; eine Wunde nässte jedoch weiter. Dann wurde Drosera 200 verabreicht, und einen Monat später waren die meisten Narben frei auf dem Untergrund verschieblich. (Ein typisches Drosera-Resultat! – Die drei Mittel, die nach meiner Erfahrung erfolgreich mit Narbengewebe fertig werden, sind graphitesGRAPHITES, siliceaSILICEA und Drosera; doch in Bezug auf tuberkulöse Narben ist Drosera eindeutig das größte von ihnen.) Auch vom Allgemeinbefinden her ging es dem Jungen deutlich besser. Drei Monate später wurde das Mittel erstmals (in der M-Potenz) wiederholt, und nach einem weiteren Vierteljahr war die Ausheilung so weit fortgeschritten, dass eingetragen wurde: „Verfärbung blass. Bei bestimmten Lichtverhältnissen sieht die Haut fast normal aus. Der Junge ist wohlauf, nimmt zu, entwickelt sich ausgezeichnet.“
Wo Drosera hilft, lässt der Erfolg nie lange auf sich warten: Ohne Ausnahme ist die Gesundheit rasch wiederhergestellt, die Lebensgeister werden geweckt, und auch die äußere Erscheinung ist vollkommen verändert. Ich habe dies wieder und wieder beobachtet. Der Patient, der Drosera benötigt und erhält, blüht förmlich auf – es gibt keine andere Beschreibung dafür.
Es war (nachdem bereits eine Reihe von Mitteln versagt hatte) die Linderung von scheußlichen nächtlichen Schmerzen in einem ‚kranken‘ Schienbein, die mich erkennen ließ, dass Hahnemann recht hatte, als er in seiner Reinen Arzneimittellehre beim „Sonnenthau“ die Schmerzen in den Röhrenknochen besonders hervorhob – und dass jene, die nach ihm Arzneimittellehren zusammenstellten und bei der Übertragung der Knochen- und Gelenksymptome von Drosera diese Hervorhebungen Hahnemanns wieder unterschlugen, im Unrecht waren. Sie haben uns vieler großartiger Erfolge beraubt, indem sie den Wert dessen, was Hahnemann für so wichtig erachtet hatte, geringer veranschlagten.7

7

Die Verfasser der ersten Arzneimittellehren, Noack/Trinks (Handbuch) und Jahr (Symptomencodex), haben die Bewertung Hahnemanns durchaus noch übernommen; der ‚Sündenfall‘ geschah erst mit dem Erscheinen der ersten englischsprachigen Werke (Allen, Hering etc.).

Unglücklicherweise ist aber offenbar jeder, der seit den Tagen Hahnemanns über Homöopathie geschrieben und sie zu praktizieren versucht hat, darauf aus gewesen, diesen zu übertreffen (ohne auch nur im Entferntesten mit der immensen Forschungsleistung, den Versuchen, der Erfahrung und dem Wissen Hahnemanns konkurrieren zu können.)
Ich schlage vor, dass wir alle umgehend unsere Arzneimittellehren von Clarke, Allen, Boericke etc. bei Drosera aufschlagen und all die Symptome rot unterstreichen, die Hahnemann von dieser Pflanze – er nennt sie immerhin „eins der kräftigsten Arznei-Gewächse unsers Erdstrichs“ – in Sperrdruck angegeben hat.
Curie fand bei seiner ersten Katze, die er nach sechswöchiger Fütterung mit Sonnentau tötete, neben tuberkulösen Veränderungen unter der Pleura auch „eine beträchtliche Vergrößerung der mesenterialen Lymphdrüsen“.
Bei der zweiten Katze, die nach einem Jahr Drosera-Fütterung getötet wurde, zeigten sich außerdem charakteristische Tb-Veränderungen im Abdominalbereich, in der Milz, in den Peyerschen Plaques und in einzelnen Lymphfollikeln des Dickdarms.
Drosera veranlasst, wie Curie sagt, Tuberkelbildung in den Lungen, und zugleich wirkt es allgemein auf das lymphatische System ein. So hatten sich bei der zweiten Katze die Unterkieferdrüsen enorm vergrößert.
An funktionellen Störungen trat bei allen drei Katzen – neben einer ausgeprägten Stimmschwäche – Durchfall auf.
Hierzu der Fall eines 19-jährigen Mädchens …
Leidet an anfallsweiser Diarrhö, sodass sie nicht mehr ihrer Arbeit nachgehen kann. Weihnachten hatte sie innerhalb von 24 Stunden vierzehn z.T. mit Blut vermengte Durchfälle gehabt, jetzt (im Mai 1924) hat sie etwa fünfmal täglich Stuhlgang von durchfälliger, bisweilen schleimiger Beschaffenheit.
Schmerzen treten immer nur im linken Unterbauch auf.
Kopfschweiße nachts.
Bei der Untersuchung: Abdomen weich, linksseitig ein Knoten tastbar – ein typisches ‚Tb-Abdomen‘.
Etwas besser nach sulfurSULFUR, lilium tigrinumLILIUM TIGRINUM und tuberculinum (bovinum)TUBERCULINUM. Im August dann Drosera 10 M, eine Gabe.
Im September, also einen Monat später, lautet die Eintragung: „Macht glänzende Fortschritte. Verdauung sehr viel besser. Geht jetzt regelmäßig zur Arbeit! Haut juckt am ganzen Körper …“
Ich habe sie ein Jahr lang in Abständen wiedergesehen; dann folgender interessanter Vermerk: „Seit der ersten Gabe Drosera hat sie nie mehr über Durchfall oder sonstige Verdauungsstörungen geklagt.“
Ich hatte mehrere Fälle von zervikaler Lymphknotentuberkulose, die sich unter Drosera sehr gut entwickelten; manche dieser Patienten hatten bei uns oder anderenorts bereits langwierige Behandlungen hinter sich gebracht und wiesen viele hässliche Narben auf.
Was man bei den Fällen, die auf diese Arznei ansprechen, ausnahmslos feststellt, ist, dass sie sehr schnell reagieren, und zwar mit einer erstaunlichen allgemeinen Besserung von Gesundheit und Wohlbefinden. Wo solche schnellen Veränderungen nach einer Drosera-Gabe ausbleiben, weiß ich gleich, dass das Mittel nicht das richtige war. In Drosera-Fällen dagegen finde ich immer wieder den Vermerk, und das oft schon beim nächsten Besuch: „Patient sieht blühend aus.“ Ich glaube, in meinen Aufzeichnungen kommt dieser Ausdruck bei keinem anderen Mittel vor, zumindest nicht in dieser schönen Regelmäßigkeit.
In Drosera-Fällen von tuberkulöser Lymphadenitis bemerkt man nach Gabe des Mittels nicht nur eine Abnahme der Größe der Noduli, sondern auch, wie bereits erwähnt, dass die alten Narben sich vom Untergrund lösen, an die Oberfläche treten und dann allmählich verschwinden. Auch die Verfärbung der Haut geht zurück. Und wenn ein Lymphknoten unter der Wirkung von Drosera zerfällt, tut er dies in sehr ‚verhaltener‘ Weise: mit einer kleinen Öffnung und nur geringer Absonderung – so, dass praktisch nichts mehr zurückbleibt, was auf den abgelaufenen Prozess hindeuten könnte.
Fälle von Kropf und selbst von Morbus Basedow sind durch Drosera stark gebessert oder geheilt worden – Fälle mit Tuberkulose in der Familiengeschichte.
Der außergewöhnlichste Fall dieser Art war der eines 14-jährigen Jungen, der von einem unserer Chirurgen für inoperabel erklärt und an mich weitergeleitet worden war. Er hatte einen ausgeprägten Exophthalmus8

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Drosera erscheint im Repertorium unter „Augen, Aussehen, hervortretend“. [Es sollte in der Unterrubrik „Exophthalmus“ nachgetragen werden!]

, einen Puls von 150 und eine Kette von bis zu walnussgroßen lymphadenomatösen Schwellungen entlang des Sternocleidomastoideus; ferner bläuliche, indurierte Stellen an beiden Waden, die von kleinen Ulzerationen durchsetzt waren (ein typischer ‚Bazin‘). Ein Onkel des Jungen war an Schwindsucht gestorben. Unter tuberculinum (bovinum)TUBERCULINUM BOVINUM besserte sich der Zustand in den folgenden fünf Monaten deutlich: Die Unterschenkel wurden fast normal, der Hals besser; das rechte Auge stand aber noch hervor. Dann – Drosera 200.
Die Wirkung war phänomenal … Einen Monat später hatte er angefangen zu arbeiten, in einem technischen Beruf. Die Lymphknoten waren unauffällig, die Wunden verheilt, der Exophthalmus verschwunden; Puls 80. Im weiteren Verlauf gab es noch einige Schwankungen der Pulsfrequenz, doch als ich ihn das letzte Mal sah, 13 Monate nach Beginn der Behandlung (er war gerade dabei, aus England fortzuziehen), fühlte er sich sehr gut. „Keine Drüsenprobleme mehr.“ Da aber das rechte Auge noch leicht hervorstand und der Puls wieder etwas angestiegen war (128), erhielt er eine letzte Dosis Drosera.
Drosera bei Gelenkerkrankungen … Fälle rheumatoider Arthritis bessern sich gelegentlich unter Drosera in erstaunlichem Maße. Ich erinnere mich an eine alte Frau von 76 Jahren, die vor einigen Jahren zu uns kam und nicht in der Lage war, die Hände zu schließen. Hand- und Fingergelenke waren besonders betroffen, ferner Füße und Knöchel, mit Schwellung und Deformierung. Ihre Familie war extrem Tb-belastet. Da sie früher unter tuberculinum (bovinum)TUBERCULINUM und causticumCAUSTICUM Erleichterung erfahren hatte, kam sie nun wieder, um zu sehen, ob nicht noch mehr für sie getan werden könnte. CAUSTICUM half wieder etwas; dann erhielt sie Drosera, wegen „starker Schmerzen im rechten Schienbein; Fuß und Unterschenkel unerträglich schmerzhaft.“
Nach einem Monat: „Wesentlich besser. Schmerzen sind verschwunden.“ Sagt, sie könne ihre linke Hand wieder „voll benutzen“, und demonstriert es.
In der Folgezeit kam sie regelmäßig zu Besuch, um voller Stolz und Freude von ihren Fortschritten zu berichten. „Kann ihr linkes Handgelenk wieder bewegen, was sie seit Jahren nicht mehr konnte!“ (Es war völlig steif gewesen.)… Kurz darauf: „Kann jetzt ihre Füße und Zehen krümmen; nun weiß sie, es wird alles besser.“ … „Fühlt sich bestens; putzt ihr Zimmer und wäscht ihre Wäsche wieder selbst!“ … Und noch später: „Kommt nur, um ihre Hände zu zeigen. Kann zusehen, wie die Besserung voranschreitet! Beide Handgelenke jetzt beweglich. Überhaupt keine Schmerzen mehr, außer in einem Finger.“ Sagt, sie hätte früher eine Tasse nur zwischen den gekrümmten Händen zum Mund führen können. Kann jetzt „sogar wieder auf den Zehenspitzen stehen“. Die Hände sehen noch ganz knotig und verbogen aus, mit der typischen ulnaren Deflektion; aber sie sind biegsam, und sie kann sie flach ausstrecken. (Einige Ärzte der alten Schule, die die Patientin bei einer klinischen Demonstration sahen, zeigten großes Interesse an dem Fall.)
Eine eigentümliche Tatsache, die ich beobachtet habe, ist die große Zahl von Patienten, die nach monatelanger Behandlung mit anderen Arzneien – mit abwechselnden Phasen von Besserung und Rückfall – unter Drosera nicht mehr wiederkommen, allenfalls nach Monaten oder sogar Jahren guter Gesundheit. Offenbar wirkt Drosera sehr tief !
Glauben Sie nun bitte nicht, ich würde Ihnen suggerieren wollen, dass Drosera alle Fälle von Haut-, Lymphknoten- oder Knochenerkrankungen heilen könne, die tuberkulöser Natur sind oder die bei Menschen mit Tb-Anamnese auftreten. Das kann es natürlich nicht. Eine ganze Reihe dieser Fälle aber wird es förmlich ‚revolutionieren‘; und wie schon erwähnt: Wo es wirkt, da wirkt es ungewöhnlich rasch, und die Veränderung des Patienten in seinem Erscheinungsbild, seiner allgemeinen Gesundheit und seiner Stimmung ist wirklich bemerkenswert.
Glauben Sie aber auch nicht, ich würde meinen, dass die Möglichkeiten von Drosera mit den hier geschilderten Fällen voll ausgeschöpft wären!
So hatten, um ein Beispiel zu nennen, Dr. Curies Katzen alle Durchfall, und bei der zweiten Katze konnte er eine Hypertrophie der Peyer-Plaques nachweisen. Wie sieht es also aus mit chronischen Darmkrankheiten – bei einer Tb-Vorgeschichte?
Drosera hat ferner von alters her einen guten Ruf bei Asthma bronchiale, und auch darauf weisen die Prüfungen deutlich hin. Bei Asthma mit Tuberkulose in der Familie sollte man in jedem Fall an Drosera denken.
Zu bedenken wäre des Weiteren seine Wirkung auf die Milz.
Bei beiden sezierten Katzen waren besonders die Pleuren von tuberkulösen Granulomen befallen.
Ich würde außerdem vorschlagen, dass wir auch die Gemütssymptome von Drosera berücksichtigen, besonders in Fällen von Paranoia.
„Der Sonnenthau verdient“, wie Hahnemann sagt, „noch fernere Prüfungen seiner reinen Wirkungen auf das Befinden gesunder Menschen.“ Drosera wird sich niemals aufgrund von Allgemeinsymptomen ‚herausrepertorisieren‘ lassen. Es gehört zu jenen Mitteln, für die wir auf die Materia medica zurückgreifen müssen, um zu sehen, ob es passt.
In vielen Fällen, fürchte ich, hatte ich nur wenig an Indikationen für das Mittel, außer der einen allgemeinen, dass eine Arznei, die die Resistenz gegenüber Tuberkelbakterien herabzusetzen vermag, entsprechend dem Simile-Gesetz auch in der Lage sein müsste, diese wieder aufzubauen – und das geschieht!
Einige Hauptsymptome Hahnemanns
Geist und GemütUnruhe; beim Lesen konnte er nicht lange über einem Gegenstande aushalten – er mußte immer zu etwas Anderm übergehen.
Er ist niedergeschlagen über Anfeindungen von Andern von allen Seiten, und zugleich muthlos und besorgt für die Zukunft.
KehlkopfKriebeln im Kehlkopfe, was ihn zum Hüsteln reizt, mit Gefühl, als wenn daselbst ein weicher Körper sich befände, mit feinen Stichen darin bis zur rechten Schlundseite.
Tief im Rachen (und am weichen Gaumen), eine rauhe, scharrige, zum Hüsteln reizende Trockenheits-Empfindung, mit einem gelben Schleim-Auswurfe, bei Heiserkeit der Stimme, so daß er nur mit Anstrengung in einem tiefen Baßtone sprechen kann; dabei fühlt er in der Brust eine Beklemmung, als hielte da etwas beim Husten und Sprechen die Luft zurück, daß der Odem nicht ausgestoßen werden könnte.
ExtremitätenFippern auf der rechten Schulter, bloß in der Ruhe.
Lähmender Schmerz im rechten Hüftgelenke und Oberschenkel und im Fußgelenke, doch in letzterm mehr wie ausgerenkt, im Gehen, wo er vor Schmerz hinken mußte.
Ein einzelner schneidender Stich in der Mitte der vordern Seite des linken Oberschenkels, von Zeit zu Zeit wiederkehrend.
Ein fein schneidender Stich in der rechten Wade, welcher im Sitzen entsteht und beim Gehen verschwindet.
Reißender Schmerz im rechten Fußgelenke, als wenn es ausgerenkt wäre, bloß im Gehen.
Starrung in den Fußgelenken – sie sind sehr steif.
Ein aus Nagen und Stichen zusammengesetzter Schmerz in den Knochenröhren der Arme und der Ober- und Unterschenkel, besonders stark an den Gelenken, mit starken Stichen in den Gelenken, beim Bewegen weniger merkbar als in der Ruhe.
Schmerzhaft stechender Druck in den Muskeln der obern und untern Gliedmaßen zugleich, in jeder Lage.
Alle Glieder sind wie zerschlagen und sind auch äußerlich schmerzhaft.
Es liegt ihm in allen Gliedern – es ist ihm alles wie gelähmt.
NervenEr ist schwach im ganzen Körper, mit eingefallenen Augen und Wangen.
FieberSchauder über den ganzen Körper, mit Hitze im Gesichte, aber eiskalten Händen, ohne Durst.
Allen gibt selbstverständlich alle Symptome Hahnemanns wieder, reduziert sie aber auf Kursiv- oder Normaldruck. Fettgedruckt erscheinen nur zwei Symptome der Atemwege, von denen eines bereits oben wiedergegeben wurde; das andere lautet:
Husten, dessen Stöße so heftig auf einander folgen, daß er kaum zu Athem kommen kann.
Eigenartige und charakteristische Symptome
Wehthun aller Glieder, auf denen er liegt, als wenn das Lager allzu hart … [wäre]. (arnica montanaARNICA, pyrogeniumPYROGENIUM)
Bei der Ruhe, Schauder; bei der Bewegung, kein Schauder. (Umgekehrt: nux vomicaNUX VOMICA)
Voll Mißtrauen, als wenn er mit lauter falschen Menschen zu thun hätte.
Höchst unruhiges, trauriges Gemüth, den ganzen Tag – er glaubte von tückischen, neidischen Menschen hintergangen zu werden.
Still und verschlossen, mit Aengstlichkeit – er befürchtete stets, etwas Unangenehmes zu erfahren.
Aengstlichkeit, als wenn ihm seine Feinde keine Ruhe ließen, ihn beneideten und verfolgten.
Aengstlichkeit in Einsamkeit – er wünschte, beständig jemand um sich zu haben …
Aengstlichkeit, vorzüglich Abends (um 7, 8 Uhr), als wenn es ihn dazu triebe, in's Wasser zu springen, um sich durch Ersäufen das Leben zu nehmen – zu keiner andern Todesart trieb's ihn nicht.
Sehr verdrießlich; eine Kleinigkeit kann ihn verstimmen.
Ein unbedeutender Umstand brachte ihn so auf, daß er außer sich war vor Wuth.
(Und Hahnemann endet mit einer „Gegenwirkung der Lebenskraft, Nachwirkung, Heilwirkung“:) Fröhlicher, fester Muth; er befürchtete gar nichts Böses, weil er sich bewußt war, rechtschaffen gehandelt zu haben.
Übrigens: Dr. Eugène Curie, dessen Name in diesem Kapitel mehrfach gefallen ist und der sich so große Verdienste um die Homöopathie – gerade auch um ihre Etablierung in England – erworben hat, war der Vater von Pierre Curie und der Schwiegervater von Marie Curie, den berühmten Entdeckern des Radiums.

Dulcamara

Weitere Namen: Solanum dulcamara; Bittersüßer Nachtschatten
Auch Dulcamara gehört zu den unschätzbaren Heilmitteln, deren Indikationen für die exakte und wissenschaftliche Anwendung wir Samuel Hahnemann verdanken. Der „Bittersüß“ war für ihn eine „sehr kräftige Pflanze“ und dazu, wie er sagt, von langer Wirkungsdauer. Er verwendete die 30. Potenz. Bei der Prüfung wurde er von elf Mitbeobachtern unterstützt, und bei einzelnen Symptomen führt er noch eine Reihe weiterer Quellen an.
Der ‚Hale White‘, das Materia-Medica-Lehrbuch der alten Schule, kennt Dulcamara (zumindest in meiner Ausgabe) nicht.
Selbst Culpeper (1616–1654) weiß nicht viel über diese Pflanze zu sagen und sieht ihren Nutzen offenbar eher im Okkulten als in der ärztlichen Praxis. Er meint: „Sie hilft bei Mensch und Tier, um Hexenzauber wie auch plötzliche Krankheiten jedweder Art zu vertreiben. Um den Hals gebunden, ist sie ein Heilmittel für den Schwindel des Kopfes; dies ist auch der Grund, warum die Deutschen sie um den Hals ihrer Rinder hängen, wenn sie fürchten, dass dem Vieh ein solches Übel widerfahren ist. Landleute pflegten die Beeren derselben zu zerquetschen und auf Nagelgeschwüre aufzutragen, und dieserart befreiten sie ihre Finger bald von solch lästigen Gästen.“
Dulcamara wirkt ‚subversiv und kurativ‘ auf alle Schleimhäute, daneben auf Drüsen, Haut und Muskeln.
Die Prüfer von Dulcamara litten besonders unter nasskaltem Wetter, und Schlimmer durch kaltes und nasses Wetter ist das große Leitsymptom zur Anwendung dieser Arznei geworden. Katarrh – infolge nasskalten Wetters; Diarrhö – infolge nasskalten Wetters; Harnwegsbeschwerden – infolge nasskalten Wetters; selbst Hauterkrankungen – infolge nasskalten Wetters; und so fort.
Dulcamara befällt die Schleimhäute auf der gesamten Länge der Atemwege: Nase – Stockschnupfen oder verstärkte Schleimsekretion. Nasenbluten von reinem, heißem Blut, schlimmer nach Nasswerden. … Hals – Tonsillitis bei jedem Kälteeinbruch oder Temperatursturz. „Ausrachsen“ eines zähen Schleims mit „sehr scharrigem Schlund“. … Brust – Husten aufgrund feuchtkalter Luft oder nach Durchnässung. Muss lange husten, um den Schleim herauszubringen. „Großer Beklemmungs-Schmerz in der ganzen Brust, vorzüglich beim Aus- und Einathmen.“
Am Magen ruft es Aufstoßen hervor – leeres Aufstoßen oder Aufstoßen von soeben heruntergeschluckten Speisen; und selbst „nach einer mäßigen Mahlzeit, Aufgetriebenheit des Unterleibes, als sollte er zerplatzen“.
Eine eigentümliche Beziehung hat Dulcamara zu einer bestimmten Körperregion, nämlich zum Nabel und seiner Umgebung. Hier kam es in den Prüfungen wiederholt zu kneifenden und stechenden Schmerzen, und bei Schmerzen oder Hautaffektionen des Nabels hat sich Dulcamara als großartige Hilfe erwiesen. Der Schmerz sitzt „mitten im Loch“, wie es ein kleines Mädchen einmal plastisch ausdrückte.
Sodann – schleimiger, abwechselnd gelber und grünlicher Durchfall. Durchfallerkrankungen infolge nasskalten Wetters oder wenn Wärme plötzlich durch Kälte abgelöst wird. „Dulcamara ist ein ausgesprochenes Herbstmittel“, sagt Kent. „Sobald die kalten Nächte und die kalten Herbstregen kommen, ist (bei Dulcamara-Menschen) ein Anstieg rheumatischer und katarrhalischer Beschwerden zu verzeichnen. … Schnupfenfälle, die stets dann eine verstopfte Nase haben, wenn es kalten Regen gibt.“
Kent erzählt, die alten Frauen auf dem Lande, wo der Bittersüß wächst, pflegten Salben daraus zu bereiten, und es sei erstaunlich, wie wohltuend diese wirkten, wenn sie äußerlich auf schmerzende Wunden angewandt würden. Das Mittel erzeuge fressende Geschwüre, die sich ausbreiten und nicht abheilen (arsenicumARSENICUM).
In der Tat ist es ein wichtiges Haut-Mittel. Urtikaria, die bei feuchtkaltem Wetter entsteht. Krustige Ausschläge, besonders auf dem Kopf – der Milchschorf der Babys. Säuglingsekzeme, vor allem an Kopf und Gesicht; Wundheit mit durch Kratzen nicht zu linderndem Juckreiz; die Kleinen kratzen, bis es blutet.
Tinea (Pilz- oder Ringflechten). Kent sagt: „Dulcamara heilt fast stets diese ringförmigen Flechten in den Haaren“ – und auch an anderen Stellen.
Und Warzen nicht zu vergessen. Es ist eines unserer großen Warzenmittel (causticumCAUSTICUM, thujaTHUJA). Die Dulcamara-Warzen sind groß, fleischig und glatt; sie können aber auch flach sein. Ich erinnere mich an eine Patientin mit einer großen Warze auf dem rechten Unterlid, die das Sehen beeinträchtigte. Nach einer Dosis Dulcamara CM begann sie auszutrocknen, und innerhalb von vierzehn Tagen war sie verschwunden. „Sie ist stückchenweise abgefallen; sie hat mich immer mehr gestört, und so habe ich sie Stück für Stück weggerieben.“ Das war 1927, und ein Rezidiv ist seitdem nicht aufgetreten.
Die Harnwegsorgane sind ebenfalls häufig betroffen. „Trüber Harn.“ Blasenkatarrh durch Unterkühlung bei kalter, feuchter Witterung.
Muskelaffektionen, besonders im Bereich des Rückens; in der Lendengegend, über der (linken) Hüfte. „Ziehend reißender Schmerz in beiden Oberschenkeln, der beim Gehen verschwand … und beim Sitzen sogleich zurückkehrte“, heißt es bei Hahnemann. Schweiße „über und über“; übel riechender Schweiß.
Bei Schnupfen (Heuschnupfen), so Kent, suchen die Patienten die Nase nach Möglichkeit warm zu halten. Der Leidende sitzt in einem gut geheizten Zimmer und hat über Gesicht und Nase ein feuchtheißes Tuch gelegt, um die Beschwerden zu lindern. Schlimmer im Freien oder auch in einem kalten Raum. Kent sagt: „Um Heuschnupfen erfolgreich behandeln zu können, müssen wir die Jahreszeit beachten, die Tageszeit sowie Tag- oder Nachtverschlimmerung; auch Verschlimmerung durch feuchtes oder trockenes Wetter und Verschlimmerung durch Wärme oder Kälte sind wichtige Umstände, die wir herauszufinden haben. Wir müssen unsere Arzneien besonders im Hinblick auf ihre Modalitäten erforschen.“
„Alle Symptome verschlimmern sich bei kaltem, feuchtem Wetter und durch Verkühlung, während sie sich durch Wärme bessern. Ob es sich um eine Nierenbecken- oder Blasenentzündung, um Ruhr oder plötzlichen Durchfall handelt, jeder kalte Witterungseinbruch führt bei Dulcamara zu einer Zunahme der Beschwerden.
Es gibt noch ein weiteres Dulcamara-Symptom, das nicht selten erst zur Sprache gebracht wird, wenn Sie schon eine geraume Zeit nach dem passenden Mittel gefahndet haben; dann sagt der Patient etwa: ‚Herr Doktor, wenn mir kalt wird, muss ich immer gleich zur Toilette; oder wenn ich mich an einem kühlen Ort aufhalte, dauert es meist nicht lange, und ich bekomme Stuhldrang oder muss Wasser lassen.‘“
Nash fasst den Dulcamara-Zustand so zusammen: „Wie bei so vielen Mitteln findet sich auch bei Dulcamara das Hauptcharakteristikum unter seinen Modalitäten. ‚Beschwerden, die durch Wetterwechsel von warm nach kalt hervorgerufen oder verschlimmert werden.‘ Natürlich können alle möglichen entzündlichen und rheumatischen Erkrankungen von einer solchen Ursache herrühren, und so ist Dulcamara auch bei sehr vielen Leiden dieser Art angezeigt. Zum Beispiel: Nach einer Erkältung wird der Nacken steif, der Rücken schmerzhaft, das Kreuz9

9

Bei Nash heißt es irrtümlich „Limbs“ statt „Loins“ (= Kreuz [nach Jahr, Symptomencodex]).

lahm. Oder: Halsentzündung und Tonsillitis durch Erkältung, mit Steifheit der Zunge und des Unterkiefers. Oder sogar: Lähmung der Zunge bei feuchtkalter Witterung; Lähmung des Unterkiefers beim Kaltwerden.“
Wir sehen also, dass wir den Schlüssel zur erfolgreichen Verordnung dieser Arznei nicht so sehr in der Lokalisation der Beschwerden oder im Bereich veränderter Körperfunktionen suchen müssen, sondern vor allem in der ausgeprägten Causa – um welche Beschwerde es sich auch immer handeln mag. Der Patient ist das Opfer von Umständen, auf die er überempfindlich reagiert – Kälte und ganz besonders nasse Kälte.
Hauptsymptome10
HautGrindkopf; dicke, braune Krusten mit rötlichem Rand an Stirn, Schläfen und Kinn, beim Kratzen blutend.

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Mit aa sind die Symptome aus Hahnemanns Reiner Arzneimittellehre markiert, mit ab Symptome aus den Chronischen Krankheiten; die mit b bezeichneten Symptome stammen von Knorre (A.H.Z. 6, 35); ein c entspricht klinischen Angaben aus Jahrs Symptomencodex.

Feuchtender Ausschlag auf der Backe.ab
Dicke, braungelbe Krusten im Gesicht …; Milchschorf.
Warzen und Ausschlag im Gesichte.c
Warzen, fleischig oder groß und glatt; an Handrücken und im Gesicht.
Warzen an Händen und Fingerrücken.
Flechtenartige Borke über den ganzen Körper.ab
Nesselausschlag über den ganzen Körper, … ohne Fieber.b
OhrenOhren-Zwang die ganze Nacht hindurch, dass er nicht schlafen konnte; früh verlor sich der Schmerz plötzlich, bis auf einiges, noch fortdauerndes Rauschen.ab
Zwängender Schmerz im linken Ohre, dabei große Übelkeit.aa
ZungeLähmung, die am Sprechen hinderte (bei kalt feuchter Witterung).ab
Undeutliches Sprechen wegen Schwellung der Zunge, redet aber unaufhörlich.
AbdomenBauchweh, wie von Verkältung.ab
Bauchweh, als wenn Durchfall entstehen wollte.ab
Bauchweh, wie von nasskalter Witterung zu entstehen pflegt.ab
Rektum, StuhlWässriger, gelber Durchfall, mit reißendem, schneidendem Leibschmerz vor jeder Ausleerung.b
Schleimiger, abwechselnd gelber und grünlicher Durchfall.ab
Diarrhö: infolge Kälte; oder durch Wechsel von warmem zu kaltem, besonders feuchtkaltem Wetter …
Atemwege, BrustKatarrhalische Beschwerden, verursacht durch feuchtkaltes Wetter.
Husten aufgrund feuchtkalter Luft oder Durchnässung; muss lange husten, um den Schleim herauszubefördern …
Durch die linke Brust-Seite zieht in Absätzen ein sehr empfindlicher, wellenartiger Schmerz …aa
Großer Beklemmungs-Schmerz in der ganzen Brust, vorzüglich beim Aus- und Einathmen.aa
Rücken, ExtremitätenKreuzschmerzen, wie nach langem Bücken.ab
Lähmung des Kreuzes, nach Erkältung.c
In der Lende über der linken Hüfte, ein wühlend stechender Schmerz …aa
Ein ziehend reißender Schmerz in beiden Oberschenkeln …aa
FrostIm Rücken beginnend oder sich von dort ausbreitend, durch Wärme nicht gebessert; zumeist gegen Abend.
SchweißUebelriechend …aa
Ich habe Dulcamara bei Schmerzen oder Hautausschlägen im Bereich des Nabels oft erfolgreich eingesetzt. Diesen Hinweis habe ich vor Jahren erstmals bei Bönninghausen entdeckt. Lokalisationen können also durchaus von Bedeutung sein!

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