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B978-3-437-56873-2.00005-6

10.1016/B978-3-437-56873-2.00005-6

978-3-437-56873-2

Ferrum – Ferrum phosphoricum

Ferrum

Weitere Namen: Ferrum metallicum oder aceticum; Eisen
Wenn wir das Wort Ferrum hören, kommt uns – und möglicherweise vielen von uns als Einziges – sogleich die Eisenmangelanämie in den Sinn, und manche mögen es daneben auch noch mit Verdauungsstörungen in Verbindung bringen. Doch werden wir der Arznei damit bei weitem nicht gerecht! Anämie, Eisen und der Magen gehören nämlich zusammen, bilden gewissermaßen die drei Seiten eines Dreiecks, und Abweichungen von seiten des Magens können durchaus die Ursache für die gefährlichste Form der ‚Blutlosigkeit‘ sein, die perniziöse Anämie. Dies lässt sich daraus ableiten, dass diese Anämieform, wie ich kürzlich dargelegt habe, heilbar sein soll, wenn man Fleisch, das in einem normalen Magen verdaut worden ist, diesem wieder entnimmt und dem Perniziosakranken mit einer Sonde zuführt. … Bei der perniziösen Anämie besteht ein Mangel an normalem Magensaft;1

1

Wie wir heute wissen, kommt es bei der Perniziosa (z.B. aufgrund einer Magenschleimhautatrophie) zu einer verminderten oder fehlenden Sekretion des Intrinsic-Faktors, der für die Resorption des Cobalamin (Vitamin B12) im Ileum benötigt wird. Cobalamin wiederum wird bei der RNA- und DNA-Biosynthese gebraucht, somit vor allem auch vom blutbildenden Gewebe.

und wie wir gleich sehen werden, ist Ferrum auch eines unserer großen ‚Magenmittel‘.
Ich erinnere mich, wie überrascht ich war, bei einem ‚Magenfall‘ Ferrum verschreiben zu müssen; Ferrum deckte jedoch das Bild – und daher wirkte es. Und warum auch nicht? Betrachten Sie seine Symptome:2

2

Hering, Guiding Symptoms.

  • Nach dem Essen: Hitze im Magen; Herausrülpsen der Speisen (phosphorusPHOSPHORUS).

  • Krampfartiges Magendrücken nach geringstem Essen und Trinken.

  • Nach fetten Speisen bitteres Aufstoßen.

  • Nach Eiern Erbrechen.

  • Schlimmer durch Fleisch, saures Obst, Trinken von Milch, Tabakgenuss, Tee und Bier.

  • Üble Folgen von Teetrinken.

  • Erbrechen alles Genossenen, ohne dass es verdaut worden wäre.

Eigentlich habe ich aber keine allzu große klinische Erfahrung mit den ‚Tugenden‘ des metallischen Eisens. Bei Anämie habe ich häufig ferrum protoxalatumFERRUM PROTOXALATUM [protoniertes Eisenoxalat, Fe(COO)2] eingesetzt (welches leichter resorbiert werden soll); und im Frühstadium von Erkältungen und selbst bei Lungenentzündungen mit nur wenigen charakteristischen Symptomen habe ich rasche Besserungen unter ferrum phosphoricumFERRUM PHOSPHORICUM gesehen. Darum will ich lieber die Zitate sprechen lassen, die ich ausgewählt habe, um Ihnen Hinweise zur erfolgreichen Verwendung von Ferrum zu geben.
Ich habe mir allerdings vorgenommen, in Zukunft Ferrum metallicum in Erwägung zu ziehen, wenn ich mal wieder versuche, Krampfaderleiden zu behandeln. Bei solchen Zuständen ist oft auch, besonders wenn die Venen entzündet sind, jenes Mittel sehr nützlich, das dem Eisen in manchen seiner Symptome so ähnlich ist – und so verschieden in anderer Hinsicht –, nämlich pulsatillaPULSATILLA (welches übrigens einige seiner Eigenschaften dem Eisen verdankt, das ein Bestandteil der Pflanze ist). PULSATILLA mag jedoch lieber Kälte, während Ferrum Wärme vorzieht. PULSATILLA verlangt es nach frischer Luft, vor der Ferrum zurückschreckt. Ähnlichkeit in einzelnen Punkten ist eben noch keine Identität; und leider ist, was die Verbreitung der Homöopathie unter den Arbeitsscheuen nicht gerade erleichtert, keine Arznei durch irgendeine andere zu ersetzen.
Hahnemann schreibt: „Obgleich die meisten [der] Arzneisymptome [von Ferrum] bei Anwendung essigsaurer Eisen-Auflösung zum Vorschein gekommen sind, so ist doch kein Zweifel, daß sie mit denen von metallischem Eisen eben so gewiß als die der trocknen Kalkerde mit denen der essigsauren Kalkerde im Wesentlichen übereinkommen werden.
Dieses Metall wird von gewöhnlichen Aerzten für ein an sich stärkendes und nicht nur unschädliches, sondern auch durchaus und absolut gesundes Arzneimittel ausgegeben.“
Jedoch: „Wie wenig an dieser, ohne Nachdenken und Prüfung ersonnenen und ohne Nachdenken und Prüfung von Lehrern auf Schüler fortgepflanzten Sage sey, lehrt schon die Bemerkung, daß, wenn das Eisen arzneikräftig ist, es auch das Befinden des Menschen, also auch des gesunden, umändern und ihn krank machen müsse und zwar desto kränker, je heilkräftiger es in Krankheiten gefunden wird.
Nil prodest, quod non laedere possit idem.3

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Etwa: Nichts nutzt, was nicht ebenso auch schaden könnte.

Schon das Befinden bei eisenhaltigen Wässern wohnender Menschen hätte sie belehren können, welche starken, krankmachenden Eigenschaften dieses Metall besitze. … Es giebt an solchen Orten wenige Menschen, welche ihrer besondern Natur nach der Schädlichkeit des fortgesetzten Gebrauchs eines solchen Wassers widerstehen und gesund bleiben können. Da findet man mehr, als sonst irgendwo, langwierige Leiden von hoher Bedeutung und besonderer Art, selbst bei übrigens ganz untadelhafter Lebensordnung. An Lähmung gränzende Schwäche des ganzen Körpers und einzelner Theile, eigne Arten heftiger Gliederschmerzen, Unterleibs-Leiden verschiedener Art, Speise-Erbrechen bei Tag oder bei Nacht, lungensüchtige Brustbeschwerden oft mit Blutspeien, Mangel an Lebenswärme, Monatzeit-Unterdrückungen, unzeitige Geburten, Impotenz bei beiden Geschlechtern, Unfruchtbarkeit, Gelbsüchtigkeiten und viele andre seltene Kachexieen sind da an der Tagesordnung.
Wo bleibt da die angebliche, völlige Unschädlichkeit oder gar unbedingte Gesundhaftigkeit dieses Metalls? Diejenigen, welche die eisenhaltige Quelle, Gesundbrunnen genannt, und die andern eisenhaltigen Wasser der Gegend fortwährend trinken, sind der Mehrzahl nach elend!
Welches Vorurtheil, welche Unachtsamkeit hinderte wohl unsre bisherigen Aerzte, diese auffallenden Thatsachen zu bemerken und auf ihre Ursache, auf die krankmachende Eigenschaft des Eisens zu schließen?
Wie wollen sie, ohne die Wirkungen des Eisens und seiner Auflösungen zu kennen, wohl bestimmen, in welchen Fällen die eisenhaltigen Bäder dienlich seyen? Welche ihrer Kranken wollen sie dahin zur Cur schicken? Welche davon abhalten? Was kann sie, mit Einem Worte, wenn sie von den eigenthümlichen Wirkungen dieses Metalls auf den menschlichen Körper nichts Genaues wissen, zur Bestimmung ihrer Kranken für das Eisenwasser leiten? Blinder Einfall? Ungefähres Vermuthen und Rathen? Mode? Oder kommen nicht etwa viele ihrer Kranken elender und kränker von da zurück, zum Beweise, daß für sie das Eisen das falsche Arzneimittel war? Gott bewahre jeden Kranken vor einem Arzte, der nicht weiß, warum er dieß oder jenes Arzneimittel verordnet, der nicht überzeugende Gründe dazu hat, der nicht im voraus weiß, welche Arznei dem Kranken heilsam oder verderblich seyn werde!
Bloß die Berücksichtigung der eigenthümlichen Primärwirkungen der Arzneien, und ob sie in großer Aehnlichkeit zu den Symptomen der zu heilenden Krankheit stehen (wie die Homöopathie lehrt), könnte sie vor diesen schädlichen Mißgriffen bewahren.“
Und in einer Fußnote merkt er an: „Das bloße stärken wollen in der gewöhnlichen Medicin ist ein gewaltiger Mißgriff. Warum ist denn der Kranke so schwach? Offenbar wohl, weil er krank ist! Die Schwäche ist bloß Folge und einzelnes Symptom seiner Krankheit. Welcher Vernünftige könnte wohl einen Kranken stärken wollen, ohne ihm zuvor seine Krankheit hinweggenommen zu haben? Ist aber seine Krankheit gehoben, so hat er jederzeit, schon während des Verschwindens der Krankheit, seine Kräfte wieder bekommen, von selbst, durch die Energie des von seinem Uebel befreieten Organism's. Es giebt kein bei noch fortwährender Krankheit stärkendes Mittel; es kann keins geben. Der homöopathische Arzt weiß bloß zu heilen, und beim Heilen erlangt der Genesende seine Kräfte wieder.“
Es ist bekannt, dass Eisen in nicht unbeträchtlicher Menge vom Körper aufgenommen wird und dort eine höchst bedeutsame Rolle zu spielen hat; in Schüßlers Konzept der Gewebesalze oder „biochemischen Mittel“ erscheint es allerdings nur als ferrum phosphoricumFERRUM PHOSPHORICUM. „Eisen“, so heißt es bei Boericke & Dewey4

4

In deren Werk The Twelve Tissue Remedies of Schüssler (nicht, wie Tyler meint, bei Schüßler selbst).

, „findet sich im Hämoglobin der roten Blutkörperchen, und zwar in so erheblichen Mengen wie sonst, außer in den Haaren5

5

70 % des Gesamtbestandes von Eisen im Körper findet sich im Hämoglobin. Haare und Nägel spielen rein mengenmäßig keine große Rolle, eine um so größere das Depoteisen im RES (Leber, Milz, Knochenmark).

, in keinem anderen Gewebe.“ Eine wichtige Rolle weist Schüßler [Eine Abgekürzte Therapie] dem Eisen aber als Bestandteil der Muskelzellen zu: „Wenn die in Muskelzellen enthaltenen Eisenmoleküle durch einen fremdartigen Reiz eine Bewegungsstörung erlitten haben, so erschlaffen die betr. Zellen. Betrifft eine solche Affektion die Ringfasern der Blutgefäße, so erweitern sich diese; demzufolge vermehrt sich ihr Blutinhalt. Ein solcher Zustand wird Reizungshyperämie genannt“ – [lokal] erhöhter Blutdruck, Wandrupturen und Hämorrhagien können die Folge sein. „Haben die Muskelzellen der Darmzotten Eisenmoleküle verloren, so sind die Zotten funktionsunfähig: es entsteht Durchfall. Haben die Muskelzellen der Darmwandung Eisenmoleküle verloren, so verlangsamt sich die peristaltische Bewegung des Darmrohres; demzufolge entsteht Trägheit in der Entleerung der Fäces.“ Boericke & Dewey: „Alles, was eine Erschlaffung der Muskelwandung von Blutgefäßen verursacht, wie z.B. eine Verletzung, findet sein Heilmittel in FERRUM PHOSPHORICUM, weil dieses in geringster Dosierung das normale Gleichgewicht der Eisenmoleküle wiederherstellt und so die Ringmuskelfasern kräftigt. Durch die Eigenschaft, Sauerstoff anzuziehen, sind das Eisen und die Eisensalze ferner nützliche Heilmittel bei Anämie.“
ferrum phosphoricumFERRUM PHOSPHORICUM ist ein unschätzbares Mittel bei allen fieberhaften Zuständen und Entzündungen im ersten Stadium, bevor die Exsudation beginnt.
Die Prüfungen bestätigen all diese Nutzanwendungen des Eisens – bei Varizen, Blutungen u. v. a. m.

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Mit a sind die Symptome aus Hahnemanns Reiner Arzneimittellehre gekennzeichnet; die mit b bezeichneten Symptome stammen aus einer größeren Prüfung Löfflers (zitiert aus Franks Magazin, Band 4, S. 161).

Hauptsymptome6
SchwindelBeim Herabsteigen, als wenn sie vorwärts fallen sollte.a
Beim plötzlichen Aufstehen wurde ihm schwarz vor Augen, sodass er sich an etwas anlehnen musste, um nicht zu fallen; der Schwindel wurde von Übelkeit, Hinfälligkeit und großer Lethargie begleitet. … Gefühl, als würde er hin und her schwanken, wie auf Wasser.
Schwindel, wenn er sich über einem Gewässer befand, z.B. beim Überqueren einer Brücke.
KopfAlle zwei oder drei Wochen, zwei, drei, vier Tage lang Kopfweh, Hämmern und Pochen, so daß sie sich zuweilen zu Bette legen muß; dann Abscheu vor Essen und Trinken.a
Ein Drängen des Blutes nach dem Kopfe; … mit etwas fliegender Hitze im Gesichte.a
AugenMorbus Basedow, besonders nach Unterdrückung der Menses; Hervortreten der Augen, vergrößerte Schilddrüse, Herzklopfen, extreme Nervosität.
NaseNasenbluten bei anämischen Kindern, mit häufigem Wechsel der Gesichtsfarbe.
GesichtErrötet leicht, bei geringster Aufregung oder Anstrengung.
Extreme Blässe des Gesichts, das bei der geringsten Gefühlsregung oder Anstrengung oder beim geringsten Schmerz errötet.
MagenHeißhunger im Wechsel mit Appetitlosigkeit.
Anorexie; äußerster Widerwille gegen jegliche Speise.
Nach dem Essen … ruckweise Aufstoßen und Herausrülpsen der Speisen, ohne Uebelkeit oder Brecherlichkeit.a
Erbrechen bloß der Speisen gleich nach dem Essen.a
Erbrechen des Genossenen, gleich nach Mitternacht, worauf Widerwille gegen Genüsse und Abscheu vor freier Luft erfolgt.a
Schwangerschaftserbrechen: Steht plötzlich vom Tisch auf und erbricht in einem einzigen Schwall alle aufgenommene Nahrung; der Appetit wird dadurch aber nicht geschmälert, sie kann sich wieder setzen und weiteressen.
Klammartiger Magenschmerz.a
Rektum, StuhlHäufige Diarrhö; Stühle wässrig, mit oder ohne Tenesmus und mit oder ohne vorangehende Schmerzen, stets aber mit viel Blähungen und gehäuft nach Essen oder Trinken.
Unverdaute Stühle in der Nacht oder beim Essen oder Trinken.
Es scheinen sich die Madenwürmer davon zu mehren …a
HarnorganeUnwillkürliches Harnlassen nachts; auch am Tage beim Gehen.
GenitalienNächtliche Samenergießung.a
Menses: zu früh, zu stark, zu lang anhaltend, mit feuerrotem Gesicht und Klingen in den Ohren; blasser, wässriger, schwächender Blutfluss.
HustenKeuchhusten; das Kind erbricht bei jedem Hustenanfall; große Blässe und Schwäche.
Krampfhusten nach den Mahlzeiten mit Erbrechen aller genossenen Speisen.
Bluthusten: bei Onanisten und Schwindsüchtigen; infolge großer Anstrengung; aufgrund unterdrückter Menstruation.
Geringer, dünner, schaumiger Brustauswurf mit Blutstriemen.a
BrustZusammenziehender Krampf auf der Brust und Husten, bloß beim Bewegen und Gehen.a
Schweres Athmen und Beklemmung der Brust, als wenn man mit der Hand darauf drückte.a
AnämieJedweder Ursache; Bleichsucht als Folge übermäßiger Regelblutung; oder einfache Blutarmut aufgrund von Blutungen, von Mangel an Luft, Licht und geeigneter Ernährung oder als Folge von erschöpfenden Krankheiten.
Anämie, die durch Plethora und Kongestionen maskiert wird; blasse Farbe der Schleimhäute, mit ‚Nonnensausen‘.
‚Nonnensausen‘ über den Venen.
Erethische Chlorose, < im Winter, bei kaltem Wetter.
Chlorose nach starkem Blutverlust.
GewebeRote Körperteile werden weiß.
Allgemeine hämorrhagische Diathese.
Hämophilie.
Abmagerung.
NervenGroße Schwäche.a
Unruhe, muss langsam umhergehen.
SchlafDer Schmerz zwingt ihn, nachts aufzustehen und langsam umherzugehen.
Schläft … unruhig und wacht lange, ehe sie wieder einschläft …a
Einige wichtige, seltsame oder bemerkenswerte Symptome
Neigung, übertrieben zu weinen oder zu lachen; mit einem Würgegefühl im Hals, als ob dieser außen geschwollen wäre.
Aengstlichkeit, als wenn sie etwas Böses begangen hätte.a
Furcht vor Schlaganfall.
Reizbarkeit; leise Geräusche wie das Rascheln einer Zeitung bringen ihn zur Verzweiflung.
Mäßige geistige Anstrengung bessert viele Symptome.
Kopf benebelt, eingenommen; mit kalten Füßen und steifen Fingern.
Beim Gehen so taumlich und wie betrunken, als wenn sie über den Haufen fallen sollte.a
Beim Anblick des fließenden Wassers wird es ihr taumlich und schwindlich im Kopfe, als wenn alles mit ihr rings herum gienge.a
Erwacht um 3 Uhr mit heftigen Stichen in beiden Schläfen, wie von einem Taschenmesser.
Kopfschmerz oben auf dem Kopf, als würde der Schädel nach oben gestoßen.
Hämmernder, pochender Kopfschmerz; Kopfkongestion mit blassem Gesicht.
Düsterheit und Vollheit im Kopfe; Augenlider schwer, schläft leicht ein, wenn er sitzt und liest.
Kopf heiß, Füße kalt.
Drücken in den Augen, als wollten sie hervortreten.
Röthe und Geschwulst des obern und untern Augenlides …a
Fähigkeit, nachts im Dunkeln zu sehen (bei hysterischen Personen).
Abends7

7

Bei Allen und Hering heißt es irrtümlich „in the morning“.

beim Bücken etwas Nasenbluten.a
Das Gesicht wird plötzlich feuerrot; mit Schwindel, Klingen in den Ohren, starkem Herzklopfen und Atemnot.
Als Folge krankhaft gestörter Dentition anhaltende Durchfälle; Stühle aus Schleim und unverdauten Speisen zusammengesetzt; Gesicht gerötet oder mit roten Flecken auf beiden Wangen.
Süßlicher Geschmack im Munde, wie von Blute.a
Geschmack im Mund wie von faulen Eiern.
Brot schmeckt trocken und bitter.
Der Appetit war so rege, daß die doppelte Menge des gewohnten Abendessens ihn kaum befriedigte.b
Oder: Äußerster Widerwille gegen jegliche Speise.
Er kann bloß Brod mit Butter essen; Fleisch bekommt ihm nicht.a
Appetit auf Brot.
Besser durch Genuss von Wein, ausgenommen herbe Weine.
Nach Eiern Erbrechen.
Bitteres Aufstoßen nach fetten Speisen.
Schlimmer durch Fleisch, Saures, Milch, Bier.
Erbrechen, sooft sie Speisen zu sich nahm, nie zu anderen Zeiten; nicht als Symptom einer anderen Krankheit oder irgendeiner Affektion des Magens.
Häufiges Erbrechen; Erbrechen geht leicht. – Besser nach Erbrechen.
Erbrechen von Speisen, mit feuerrotem Gesicht.
Zitternd pochendes Gefühl im Magen und in der ganzen Speiseröhre, so als würde ein Nerv gereizt; dabei gelegentlich ein Erstickungsgefühl, als würde sich ein Ventil im Halse schließen.
Deutliche Schwellung der Leber, die sehr berührungsempfindlich ist.
Harndrängen mit bis zum Blasenhalse sich erstreckendem Kitzeln in der Harnröhre.b
Brennen in der Harnröhre beim Wasserlassen, als wäre der Urin heiß.
Beklemmung auf der Brust, die sich beim Atmen kaum bewegt; Nasenlöcher beim Ausatmen dilatiert.
Schwieriges Einatmen; beim Husten und beim Einatmen ein Gefühl, als wenn ihr die Luft fehle.
Krampfhusten. Keuchhusten.
Engbrüstigkeit; schwierig langsames Athemziehen, vermindert durch Gehen oder Sprechen, oder bei anhaltender Beschäftigung mit Lesen oder Schreiben; am schlimmsten ist es bei müßigem, ruhigem Sitzen, und noch schlimmer beim Liegen, vorzüglich Abends; er mußte mehrere Athemzüge thun, ehe er die Lunge mit Luft füllen konnte.a
Husten mit viel eitrigem, blutgestreiftem Auswurf.
Bluthusten; Blut hellrot, geronnen.
Lungenentzündung, dabei weißer Gaumen.
Frauen, die leicht erröten.
Kent macht auf den seltsamen Umstand aufmerksam, dass alle Beschwerden von Ferrum, seien es Schmerz, Herzklopfen, Dyspnoe oder selbst Schwäche, in der Ruhe entstehen oder schlimmer werden. „Der Patientin geht es besser durch leichtes Umhergehen, jede Anstrengung aber ermüdet und führt zu großer Mattigkeit. Jedes schnelle Bewegen verschlimmert die Beschwerden, wohingegen sanftes, langsames und ruhiges Umherbewegen bessert. Oft ist die Haut blass und aufgedunsen, und auf Druck bleiben Dellen zurück. Gleichwohl erweckt das Gesicht häufig den Anschein von Plethora und errötet leicht. Im Fieberfrost wird das Gesicht sehr rot, ebenso auch durch Genuss von Wein. So nimmt man einer Ferrum-Patientin ihr Kranksein oft nicht ab, auch wenn sie ganz schlapp und müde ist; selbst von ihren Angehörigen kann sie nicht viel Mitgefühl erwarten. Sie leidet unter Herzklopfen, Atemnot und Schwäche, hat das Gefühl, sich unbedingt hinlegen zu müssen; das Gesicht aber ist gerötet – es ist eine Pseudo-Plethora.
Die Blutgefäße sind erweitert, die Venen varikös, die Gefäßwände erschlafft. Daher kommt es leicht zu Blutungen; Blutungen aus allen Teilen des Körpers – aus Nase, Lungen, Uterus; … ‚Bleichsucht‘ entsteht. …
Das Hitzegefühl in Kopf und Gesicht steht in keinerlei Verbindung zum roten Aussehen derselben. … Kopf wie Gesicht können gerötet und gleichzeitig ganz kühl sein.
Wie bei chinaCHINA entstehen Beschwerden nach Säfteverlust, z.B. Beschwerden nach stärkeren Blutverlusten, mit nachbleibender chronischer Schwäche. Die Selbstheilungskräfte des Organismus versagen, eine Verdauung oder Assimilation findet kaum mehr statt. Die Knochen neigen zur Erweichung und werden leicht krumm. … Plötzliche Abmagerung, mit falscher Plethora.“
„Schmerzen werden, wie bei pulsatillaPULSATILLA, durch sachtes, langsames Umhergehen gebessert. Ferrum ist jedoch ein sehr frostiges Mittel; die meisten Leiden werden durch Wärme gelindert; die Patientin hat es gern warm, und sie scheut frische Luft oder Zugluft. …
Das leiseste Geräusch bringt die Patientin aus der Fassung. … Nichts, was in den Magen gelangt, wird verdaut, und doch besteht so gut wie keine Übelkeit; die Speisen werden ohne jede Übelkeit erbrochen, der Magen wird einfach wieder entleert. Manchmal kommt es auch nur zu mundvollem Aufstoßen von Speisen, wie bei phosphorusPHOSPHORUS. … Sobald der Magen leer ist, hört das Erbrechen auf – bis wieder etwas gegessen wird. … Ferrum ist ein außerordentlich interessantes Mittel wegen dieses eigentümlichen Magens; er ist wie ein Ledersack, er verdaut nichts (vgl. sepiaSEPIA – Ed.). …
Erschlaffung überall: Prolaps des Rektums, der Vagina, des Uterus. Herabdrängen im Unterleib, als ob die Eingeweide herauskommen wollten – und manchmal kommen sie tatsächlich heraus. Die Blase ist ebenfalls erschlafft … Diese Neigung zur Muskelerschlaffung zieht sich durch die ganze Arznei und stellt so etwas wie einen Charakterzug dar. …“
Nash: „Dies ist eines jener Mittel, die immer noch viel missbraucht werden. Es steht in der alten Schule für Anämie, wie Chinin für Malaria steht. Nun kann aber jedes der beiden Mittel bei jeder der beiden Erkrankungen heilend wirken und hat das auch immer wieder getan – doch nur bei der ihm jeweils eigenen Art und bei keiner anderen; und beide wirken, wenn sie richtig gewählt sind, am besten in der potenzierten Form. … Niemand verschreibe daher Eisen oder irgendeine andere Arznei gegen Anämie, ohne Indikationen dafür zu haben, die unserem Heilgesetz entsprechen. Von natrium muriaticumNATRIUM MURIATICUM in Potenz habe ich beeindruckendere Heilungen schlimmer Anämiefälle gesehen als jemals von Eisen in irgendeiner Form – wenngleich auch Ferrum in manchen Anämiefällen passt, wie darüber pulsatillahinaus PULSATILLA, cyclamenCYCLAMEN, calcarea phosphoricaCALCAREA PHOSPHORICA, carbo vegetabilisCARBO VEGETABILIS, chinaCHINA und viele andere Mittel.“
Nashs Zusammenfassung von Ferrum:
„Anämie, mit großer Blässe aller Schleimhäute; extreme Blässe des Gesichts, das aber plötzlich feuerrot werden kann.
Profuse Blutungen aus jedem beliebigen Organ; hämorrhagische Diathese; Blut hellrot, mit dunklen Klumpen; gerinnt leicht.
Lokale Kongestionen und Entzündungen mit hämmernden, pochenden Schmerzen; Venen angeschwollen, Gesicht abwechselnd gerötet und blass.
Heißhunger im Wechsel mit völliger Appetitlosigkeit.
Nach dem Essen ruckweises Aufstoßen und Herausrülpsen der Speisen, ohne Übelkeit; nachts Erbrechen von Speisen, die den ganzen Tag über im Magen liegengeblieben sind; Durchfälle ohne Schmerz und Anstrengung, zumeist unverdaute Speisen enthaltend.
Glühende Hitze und Röte des Gesichts während des Frostes.
Modalitäten: < nach Essen und Trinken; in der Ruhe, besonders beim Stillsitzen; > durch langsames Umhergehen.“
„Ferrum ist eines unserer Hauptmittel bei Husten mit Erbrechen von Speisen. Es gehört ferner zu den ganz wenigen Mitteln, die Gesichtsröte während des Fieberfrostes haben, und mehr als einmal hat Ferrum, auf dieses Symptom hin gegeben, zur Heilung einer Malaria geführt.“
Nash erwähnt außerdem: „Herzklopfen, Bluthusten und Asthma werden in gleicher Weise durch langsames Umhergehen gebessert. Man sollte es kaum für möglich halten, dass derartige Beschwerden auf diese Weise gelindert werden können; aber es gibt in unserer Materia medica viele solcher kuriosen und unerklärlichen Phänomene, die zuverlässige Leitsymptome für die Verordnung bestimmter Mittel geworden sind.“
Ferrum ist übrigens eine der vier dreiwertigen Arzneien bei Fettleibigkeit; es sind dies: calcarea carbonicaCalc., capsicumCaps., Ferr., graphitesGraph. [PHYTOLACCAPhyt. ist eine Ergänzung aus dem Synthetischen Repertorium].
Es ist außerdem bei Morbus Basedow in Betracht zu ziehen.
Ich habe einmal versucht, Mittel bei Neigung zu Schamröte zu finden – Ferrum ist ein solches.
Eine alte Erfahrung besagt, dass Menschen mit schlechtem Schlaf Ruhe finden können, indem sie die Richtung ihrer Betten so verändern, dass sie in Nord-Süd-Richtung liegen, d.h. entlang der Magnetfeldlinien der Erde, mit dem Kopf nach Norden. Ich persönlich habe sehr gute Erfahrungen damit gemacht; versuchen Sie es. Das Gefühl von Frieden, das einen beim ersten Mal so wohlig durchströmt, vergisst man nicht so schnell. Und warum sollte es auch nicht funktionieren? Im Blut zirkuliert unaufhörlich Eisen, und so ist es durchaus vorstellbar, dass seine Moleküle dann friedlich in der Längsachse des Körpers dahinziehen, anstatt aufgewühlt und hin- und hergestoßen zu werden, wenn der Körper quer zum Magnetfeld liegt.

Ferrum phosphoricum

Weitere Namen: Ferriphosphat; phosphorsaures Eisen
„Eines der von Schüßler eingeführten Gewebesalze, das aber noch geprüft werden muss. … Die Zubereitung erfolgt durch Verreibung. Gute Erfolge sind mit der 200. Potenz erzielt worden“ (Hering, Guiding Symptoms).
Um das Jahr 1875 stellte Schüßler, ein homöopathischer Arzt, seine zwölf Gewebesalze oder biochemischen Mittel vor. Zwei davon, siliceaSILICEA und natrium muriaticumNATRIUM MURIATICUM, waren alte homöopathische Arzneien, die Hahnemann schon viele Jahre zuvor geprüft und an die Welt weitergegeben hatte. Von den übrigen sind seither einige weitere (an Gesunden) geprüft oder zumindest teilweise geprüft worden, und die meisten von ihnen sind, wie wir aus Erfahrung wissen, von unschätzbarem Wert.
Schüßler, der diese Mittel als Nährstoffe der Gewebe ansah, verabreichte sie in niedrigen Potenzen (gewöhnlich in der D 6) und wohl auch in kurzen Abständen über einen längeren Zeitraum. Wo sie aber homöopathisch sind zu der Erkrankung, die wir zu heilen suchen, d.h., wo sie vergleichbare Symptome hervorrufen und heilen, führen die höheren und höchsten Potenzen zu ebenso guten oder sogar besseren Resultaten. Sein großartiges magnesia phosphoricaMAGNESIA PHOSPHORICA beispielsweise wirkt in der CM-Potenz hervorragend bei Dysmenorrhöen, wenn diese ähnliche Symptome zeigen; zuweilen hat dabei eine einzige Gabe die Beschwerden ein für allemal beseitigt. Seine Domäne sind hier die quälenden krampfartigen Schmerzen, die das Opfer nötigen, sich zusammenzukrümmen (colocynthisCOLOCYNTHIS) und eine heiße Wärmflasche an sich zu pressen. Es heißt, die kneifenden Bauchschmerzen von colocynthisCOLOCYNTHIS, viburnum opulusVIBURNUM, belladonnaBELLADONNA etc. seien auf deren Gehalt an Magnesiumphosphat zurückzuführen – und doch kann in der Praxis keines von ihnen das andere ersetzen!
Schüßler verwarf alle Substanzen außer den tatsächlich im Gewebe vorhandenen Salzen; später verbannte er sogar calcarea sulfuricaCALCAREA SULFURICA wieder aus seinem Repertoire, weil er meinte, dass Kalzium in dieser Form nicht in den Geweben vorliege. Doch das Leben ist selbst in der Lage, Stoffe zu zerlegen und neu zusammenzusetzen, und es verlangt keineswegs, dass ihm die Nährstoffe in genau der Form zugeführt werden, wie es sie dann als Bausteine einsetzt. So ließ Schüßler z.B. eines der wertvollsten Arzneimittel überhaupt, calcarea carbonicaCALCAREA CARBONICA, außer Acht und ersetzte es durch calcarea phosphoricaCALCAREA PHOSPHORICA. – Aber welch ein Unterschied in den Symptomen! Das weiche, lethargische calcarea carbonicaCALCAREA-CARBONICA-Baby, mit schwitzendem Kopf, von ‚saurer‘ Disposition (vgl. die saure Beschaffenheit der Sekrete), mit einem „Zuviel an Gewebe bei einem Zuwenig an Qualität“ überall, selbst in den Knochen – grundverschieden von calcarea phosphoricaCALCAREA PHOSPHORICA, das gleichermaßen wertvoll sein kann, aber eben an seinem eigenen Platz und niemals als Ersatz für Ersteres. Das calcarea phosphoricaCALCAREA-PHOSPHORICA-Baby hat gewöhnlich einen dunkleren Teint, ist drahtiger und häufig abgemagert; und den Kopfschweiß, der so charakteristisch ist für Rachitis, suchen wir bei ihm vergebens. Wir müssen präzise verordnen, denn kein Mittel wird uns den Gefallen tun, für ein anderes ‚einzuspringen‘ – leider! Und chemische Prozesse einerseits und Vorgänge des Lebens andererseits sind, wie Hahnemann gezeigt hat, keineswegs identisch, sondern etwas ganz Verschiedenes.
Ein weiterer wichtiger Punkt: Es ist eine Sache, jemanden aufgrund einer Hypothese mit Arzneien zu ‚füttern‘ (womit man ihm gelegentlich durchaus etwas Gutes tun kann); aber dem Organismus den Stimulus zu geben, der ihn befähigt, seinen Bedarf aus dem ganz normalen Essen zu decken (das dafür ja im Allgemeinen völlig ausreicht und auch ausreichen sollte), das ist doch wohl eine völlig andere Sache und gewiss das weit höhere Ziel! Die stimulierende Dosis calcarea carbonicaCALCAREA CARBONICA wird, wenn die Symptome passen, das Baby in die Lage versetzen, seinen Kalkbedarf selbst zu decken, und zwar aus der Milch – sofern diese nicht durch unsere modernen Methoden8

8

Gemeint ist die Pasteurisierung (s.u.).

weitgehend denaturiert worden ist. In gleicher Weise wird die infinitesimale Dosis natrium muriaticumNATRIUM MURIATICUM (das potenzierte Kochsalz) beispielsweise einen Asthmapatienten (wie ich selbst gesehen habe) dazu stimulieren, das Salz, nach dem ihn gelüstet und wonach er hungert, aus der normalen Nahrung zu beziehen, wie sie auch ‚gewöhnliche Sterbliche‘ zu sich nehmen, und so zugleich seinem Asthma wie seinem übermäßigen Salzverlangen ein Ende setzen.
Wissenschaft bedeutet in erster Linie Wissen. Zu keiner Zeit aber hat die Wissenschaft je das vollkommene Wissen für sich gepachtet, und leicht wird sie durch die Wissenschaft von morgen wieder vom Thron gestoßen. Wir bewundern und rühmen die Erfolge der Wissenschaft – aber blicken wir einmal zurück, so erscheint sie uns oft nur als ein ewiges Auf und Ab von Vernunft und Torheit.
Ein Beispiel: Um zu verhindern, dass Milch eine mögliche Ansteckungsquelle wird, sterilisiert bzw. „pasteurisiert“ man sie, mit der Folge, dass die damit gefütterten Babys der verborgeneren, aber unverzichtbaren Bestandteile der Milch großenteils beraubt werden. So fehlt es ihnen schließlich an Widerstandskraft gerade gegenüber jenen Krankheitserregern, vor denen sie beschützt werden sollten. Dann „schreitet die Wissenschaft voran“ und dekretiert, dass Orangensaft, Zitronensaft oder der „preiswerte rohe Saft der Steckrüben“ hinzugefügt wird, etwas, was als Aufbaunahrung von Kleinkindern niemals ‚vorgesehen‘ war. Es werden Babys zu uns gebracht, die mit Knochenmark gefüttert wurden, mit Trockenmilch, peptonisierter Milch oder mit vorverdauten Speisen, alles Dinge, die von experimentierfreudigen Apothekern in ihrer prahlerischen Werbung als geeignete Ersatzstoffe für die Muttermilch ausgegeben werden, oft mit der Folge, dass die notwendige Tätigkeit der Verdauungsdrüsen beim Kind gehemmt wird. Dann macht die Wissenschaft einen weiteren Fortschritt und entdeckt die Vitamine (die natürlich in der normalen Ernährung stets und in ausreichender Menge vorhanden sind, seit Anbeginn der Schöpfung, und allen zur Verfügung stehen – außer den Kindern der Zivilisation). Da diese Vitamine nun aber durch Trocknen und Sterilisieren zerstört werden, wird es erforderlich, sie künstlich herzustellen und den Produkten wieder hinzuzufügen, wobei sie aber (und das ist das nächste Problem) nicht überdosiert werden dürfen, was die Wissenschaft in Bezug auf Vitamin D bereits als Problem entdeckt hat.
Natürliche Nahrungsmittel enthalten in den erforderlichen Proportionen all die Grundstoffe, die wir für Gesundheit und Leben brauchen. Ach, ihr neunmalklugen Wissenschaftler! … dabei hat die Chemie des Lebens in ihrer Vollkommenheit funktioniert, seit Menschen die Erde bevölkern und Frauen ihre Babys stillen; und das tut sie immer noch – sofern sich nicht eine ephemere ‚Wissenschaft‘ in sie einmischt. Kinder hatten ein wunderbares Leben und gediehen prächtig, und sie wuchsen zu gesunden, robusten Männern und Frauen heran, deren Nachkommen wir heute sind.

Wissen ist stolz, weil es so viel weiß,

Weisheit ist bescheiden, weil sie nicht mehr weiß.

Ich muß an das Familienleben denken, wie es früher war, an die wohlgenährten, glücklichen, rosigen Babys – auf dem Lande, denn das Stadtleben (heute zumeist gleichbedeutend mit Leben in einer Etagenwohnung) ist Kindern alles andere als zuträglich. Ich denke an die ausgewählte Kuh, deren ungekochte Milch die Kinder nährte; an die wilden und aufregenden Spiele im Garten und in den Wäldern; daran, wie im Umgang mit den anderen die verschiedenen Willen und Temperamente zusammenstießen und wie dabei der Keim der Selbstbeherrschung, der Disziplin gelegt wurde – welch ideales Training, um mit den Widrigkeiten und Problemen im späteren Leben fertigzuwerden!
Die vier Gewebesalze, die ich (außer den obengenannten natrium muriaticumNATRIUM MURIATICUM und siliceaSILICEA) am besten kenne, sind merkwürdigerweise alles Phosphate: calcarea phosphoricaCALCAREA PHOSPHORICA, wie bereits erwähnt; Ferrum phosphoricum, bei eher vagen, unbestimmten akuten Entzündungen im Frühstadium (Erkältungen, Pneumonien etc.), wo es an klaren Indikationen fehlt, um aconitumACONITUM, bryoniaBRYONIA, phosphorusPHOSPHORUS o.Ä. einzusetzen; magnesia phosphoricaMAGNESIA PHOSPHORICA, bei schrecklichen Nervenschmerzen, wo uns früher nur spigeliaSPIGELIA, colocynthisCOLOCYNTHIS etc. zur Verfügung standen, anders als diese aber mit dem sehr deutlichen Verlangen nach Druck und Wärme; schließlich natrium phosphoricumNATRIUM PHOSPHORICUM, das bei Muskelübersäuerung so hilfreich ist, sei diese durch Ermüdung (arnica montanaARNICA) oder durch Krankheit bedingt. Beispielsweise kann es angezeigt sein bei jenen unbestimmten Gelenkbeschwerden kleiner Kinder, die nicht selten als ‚Wachstumsschmerzen‘ verkannt werden, die aber Unheil verkünden, wenn sie mit leichtem Temperaturanstieg einhergehen und vielleicht auch andeutungsweise mit blasenden Herzgeräuschen.
Kommen wir nun zu unserem Thema: Ferrum phosphoricum.
Schüßlers Theorie stellt sich so dar:9

9

Zitiert nach der letzten Ausgabe seiner Abgekürzten Therapie von 1898.

„Das Eisen und die Eisensalze haben die Eigenschaft, Sauerstoff anzuziehen. Das in den Blutkörperchen enthaltene Eisen nimmt eingeatmeten Sauerstoff auf, mit welchem alsdann alle Gewebe des Organismus versorgt werden. Der Schwefel des in den Blutkörperchen und in anderen Zellen enthaltenen schwefelsauren Kalis beteiligt sich an der Uebertragung des Sauerstoffes auf alle Zellen, welche Eisen und Kalisulphat enthalten.
Wenn die in Muskelzellen enthaltenen Eisenmoleküle durch einen fremdartigen Reiz eine Bewegungsstörung erlitten haben, so erschlaffen die betr. Zellen. Betrifft eine solche Affektion die Ringfasern der Blutgefäße, so erweitern sich diese; demzufolge vermehrt sich ihr Blutinhalt. Ein solcher Zustand wird Reizungshyperämie genannt. Eine Reizungshyperämie bildet das erste Stadium der Entzündungen. Sind die betr. Zellen durch die Wirkung des therapeutisch angewandten Eisens (Eisenphosphates) auf ihren Normalzustand zurückgeführt worden, so sind sie befähigt, die Erreger der Hyperämie abzustoßen, welche alsdann von den Lymphgefäßen behufs Elimination aus dem Organismus aufgenommen werden.
Haben die Muskelzellen der Darmzotten Eisenmoleküle verloren, so sind die Zotten funktionsunfähig: es entsteht Durchfall.
Haben die Muskelzellen der Darmwandung Eisenmoleküle verloren, so verlangsamt sich die peristaltische Bewegung des Darmrohres; demzufolge entsteht Trägheit in der Entleerung der Fäces.
Aus Obigem ergeben sich die Indikationen des Eisens.
Gibt man den durch Eisenverlust erschlafften Muskelzellen neuen Ersatz, so stellt sich das normale Spannungsverhältnis wieder her: die Ringfasern der Gefäße verkürzen sich auf das richtige Maß, das Lumen der Gefäße wird wieder ein normales und die Hyperämie wird ausgeglichen, das Entzündungsfieber hört demzufolge auf.
Das Eisen heilt:
  • 1.

    das erste Stadium aller Entzündungen;

  • 2.

    Schmerzen, die durch Hyperämie bedingt sind;

  • 3.

    Blutungen, die durch Hyperämie bedingt sind;

  • 4.

    frische Wunden, Quetschungen, Verstauchungen etc., indem es die Hyperämie tilgt.

Die dem Eisen entsprechenden Schmerzen werden durch Bewegung vermehrt, durch Kälte gebessert.“ (Nein! ferrumFERRUM METALLICUM jedenfalls geht es besser durch sanfte Bewegung.)
„In den Muskelzellen kommt das Eisen als Phosphat vor; daher ist Ferrum phosphoricum therapeutisch anzuwenden.“
Schüßler empfahl Ferrum phosphoricum, siliceaSILICEA und calcarea fluoricaCALCAREA FLUORICA in der 12., die übrigen Mittel in der 6. Dezimalpotenz. Seine Vorstellung scheint es, wie gesagt, gewesen zu sein, die „biochemischen Mittel“ in substanziellen Dosen zuzuführen, in Potenzen, die noch eine materielle Verwertung ermöglichen. Für den subtileren Zweck der Stimulation der Lebenskraft aber dürften höhere Potenzen (in selteneren Gaben) vorzuziehen sein – sie können wahrscheinlich noch größere Dienste leisten.
So viel zur Theorie; lassen Sie uns nun zu den praktischen Erfahrungen jener kommen, die das Mittel erfolgreich eingesetzt haben.
Nash widmet Ferrum phosphoricum immerhin eine volle Seite seiner Leitsymptome. Ein paar Zitate daraus:
„Ein wertvolles Mittel bei einigen entzündlichen Erkrankungen.
In Übereinstimmung mit seinem Eisenelement zeigt es eine Neigung zu lokalen Kongestionen, mit seinem Phosphorelement eine Affinität zu Lunge und Magen; und die Verbindung der beiden Elemente erweist sich als wichtiges Blutungsmittel. Das Blut ist dabei hellrot und kann aus jeder Körperöffnung kommen.“
Eine präzisere wissenschaftliche Anwendung als heute wäre möglich, so Nash, wenn weitere Prüfungen vorgenommen und klinische Erfahrungen gesammelt würden.
„Nach meinen Beobachtungen passt es nicht bei vollblütigen, vitalen Sanguinikern mit einem Überschuss an arteriellem Blut, die von aconitumACONITUM geheilt werden, sondern eher bei blassen, anämischen Kranken, die bei all ihrer Schwäche dennoch zu plötzlichen und heftigen lokalen Kongestionen und Entzündungen neigen, wie etwa zu Pneumonien, zu plötzlichem Blutandrang nach Kopf, Eingeweiden oder anderen Körperteilen, oder auch zu entzündlichen Affektionen rheumatischen Charakters. Doch Ferrum phosphoricum hilft nur im ersten Stadium solcher Entzündungen, bevor das Exsudationsstadium einsetzt. … Im ersten Stadium der Dysenterie, mit ziemlichen Mengen Blut in den Stühlen, ist das Mittel von großem Wert und heilt oft in kürzester Zeit.“
„Ich bin fest davon überzeugt, dass wir es mit einem sehr wertvollen Mittel zu tun haben, das einer gründlichen Prüfung nach Hahnemanns Art unterzogen werden sollte.“
Boger, Synoptic Key to Materia Medica:
Regionen: Vasomotoren; venöser Blutkreislauf (Lungen, Ohren, Tuba Eustachii, Nasenwurzel).
Schlimmer: nachts (4–6 Uhr), Bewegung, Erschütterung, Geräusche, kalte Luft, Schweißunterdrückung.
Besser: Kälte, Blutungen, Liegen.
Voller, weicher, fließender Puls. (aconitumACONITUM: voll, hart, ‚schnellend‘.)
Passive Kongestion und Schwäche.
Blutige Absonderungen.
Wundheitsgefühl: Brust, Schulter, Muskeln.
Aufgeregt und gesprächig.
Heftige Ohrenschmerzen.
Häufige, blutig-wässrige Stühle.
Laryngitis bei Sängern.
Brust (Lunge) kongestioniert.
Fiebererkrankungen.
Pneumonie.
Hämorrhagische Masern; etc., etc.
Markante Symptome und typische Indikationen
Hering, Guiding Symptoms;
Boericke & Dewey, The Twelve Tissue Remedies of Schüssler10

10

Die im Folgenden kursiv gesetzten Symptome sind beiBoericke und Dewey besonders hervorgehoben; einige davon habe ich zusätzlich eingefügt.

SchwindelInfolge Blutandrangs zu verschiedenen Teilen des Kopfes oder Gehirns.
Schwindel, häufig mit dem Gefühl, als würde der Kopf plötzlich nach vorne gedrängt, mit der Gefahr zu fallen.
KopfStirnkopfschmerz, gefolgt von Nasenbluten, welches erleichtert.
Blutandrang zum Kopf. (Vgl. belladonnaBELLADONNA, glonoinumGLONOINUM)
Gehirnkongestion; Meningitis im Frühstadium.
(Säue fressen ihre Jungen auf – eine vorübergehende Manie als Folge von Hyperämie des Gehirns.)
Scheitel des Kopfes empfindlich auf kalte Luft, Geräusche und jede Erschütterung.
Beim Bücken scharfer Schmerz durch den Kopf, von hinten nach vorn.
Starker Kopfschmerz mit schmerzhafter Empfindlichkeit des Scheitels und allgemein der Kopfhaut; kann es nicht haben, wenn das Haar berührt wird.
Kopfschmerz mit heißem, rotem Gesicht und Erbrechen von Speisen.
AugenEntzündet, rot, brennend, wund … Gefühl, als befänden sich Sandkörner unter den Augenlidern.
Beim Bücken kann er nicht sehen; es scheint ihm, als würde alles Blut in die Augen strömen.
OhrenErstes Entzündungsstadium bei Otitis.
NaseNasenbluten (viperaVIPERA), besonders bei Kindern; als Begleiterscheinung anderer Beschwerden.
GesichtGerötete Gesichtsfarbe.
MundZahnschmerzen, besser durch kalte Getränke.
HalsGeschwürige Halsentzündung; zur Linderung von Kongestion, Hitze, Fieber, Schmerz und Pochen daselbst. (belladonnaBELLADONNA)
Erstes Stadium der Diphtherie.
MagenBeschwerden schlimmer nach Fleisch, Hering, Kaffee, Kuchen.
Erbrechen: von hellrotem Blut; von unverdauten Speisen.
Rektum, StuhlHämorrhoiden, entzündet oder blutend.
Stühle: aus reinem Blut …; enthalten unverdaute Speisen.
HarnorganeBlutungen aus Blase oder Harnröhre.
Harninkontinenz aufgrund von Sphinkterschwäche.
Atemwege, BrustInitialstadien aller entzündlichen Affektionen der Atemwege.
Stimmverlust, Heiserkeit nach Überanstrengung der Stimme (Laryngitis).
Bronchitis kleiner Kinder.
Pneumonie mit Expektoration von reinem Blut.
Bluthusten nach Erschütterung oder Fall.
Aushusten von reinem Blut; gleichzeitig Nasenbluten (Pneumonie).
Pleuritis und Pneumonie, erstes Stadium.
PulsVoll, aber weniger ‚schnellend‘ als bei aconitumACONITUM und nicht so ‚fließend‘ wie bei gelsemiumGELSEMIUM.
ExtremitätenAkuter Gelenkrheumatismus; ein Gelenk nach dem anderen befallend; Gelenke geschwollen, aber wenig gerötet; geringste Bewegung verschlimmert.
Rheumatismus des rechten Musculus deltoideus – des rechten Schultergelenks.
Nagelbettentzündungen, zu Beginn derselben. (belladonnaBELLADONNA)
FieberHoch …
Haut heiß und trocken.
Scharlach (belladonnaBELLADONNA).
Erysipel.
Alle fieberhaften Störungen und Entzündungen im Anfangsstadium, namentlich bevor die Exsudation beginnt.
Reichliche Nachtschweiße, die die starken Rheumaschmerzen nicht lindern, aus dem Bette treibend.
Schweiß zwischen 4 und 6 Uhr morgens.
GewebeBlutarmut.
„Bei vielen entzündlichen und manchen Ausschlagsfiebern … scheint es zwischen der Intensität von aconitumACONITUM und belladonnaBELLADONNA und der Trägheit von gelsemiumGELSEMIUM zu stehen. …
Bei anämischen Zuständen vergleiche man es mit chinaCHINA, mit dem es viele Symptome gemein hat. Interessanterweise wächst der Baum, von dem die Chinarinde gewonnen wird, stets auf eisenhaltigen Böden.“ – Boericke & Dewey.
„Masern mit Konjunktivitis und Photophobie (35 Fälle).“ – Hering.
Bei vielen Erkältungen im Frühstadium und ohne klare Symptomatik habe ich mit Ferrum phosphoricum sehr rasche Heilwirkungen erlebt; desgleichen habe ich erstaunliche Heilungen von Pneumonien beobachtet, wo jene eindeutigen Symptome fehlten, die nach aconitumACONITUM, bryoniaBRYONIA oder phosphorusPHOSPHORUS verlangt hätten.
Da es noch nicht umfassend geprüft ist, hat Ferrum phosphoricum in der homöopathischen Literatur noch nicht den Rang eingenommen, der ihm gebührt. Sein Wirkungskreis scheint in erster Linie die einfache, aktive Hyperämie zu sein; in Sepsisfällen dürfte es dagegen nutzlos sein.
„Phosphorsaures Eisen ist ein Bestandteil von chinaChin., gelsemiumGels., veratrum albumVerat., aconitumAcon., arnica montanaArn., ailanthusAil., anisum stellatumAnis., stillingia silvaticaStill., phytolaccaPhyt., berberisBerb., rhus toxicodendronRhus-t., asa foetidaAsaf., viburnum opulusVib., secaleSec. (0,25 %) und graphitesGraph. (2,74 %).“ – Boericke.

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