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B978-3-437-56873-2.00009-3

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978-3-437-56873-2

Jodum

Jodum

Weitere Namen: Jod
Jodum ist ein sehr nützliches Mittel, wenn es auf seine einzigartigen Indikationen hin zur Anwendung kommt, als da sind: Wärmeunverträglichkeit; unmäßiger Hunger bei zugleich starker Abmagerung; Auszehrung, mit Vergrößerung der Drüsen und Lymphknoten; größte Ruhelosigkeit und Angst.
Hahnemann, der das Mittel geprüft hat, bezeichnete Jodum (in den Chronischen Krankheiten) als eine selbst in den höchsten Potenzen „sehr heroische Arznei, die alle Vorsicht eines guten homöopathischen Arztes in Anspruch nimmt, während er sie, von allöopathischen Händen gemissbraucht, häufig die grössten Zerstörungen an Leib und Leben der Kranken anrichten sieht“.
„Vorzüglich that sie Dienste“, fasst er zusammen, „wenn folgende Zustände zugleich mit zugegen waren:
Früh-Duseligkeit;
Pochen im Kopfe;
Schründen der Augen;
Sumsen vor den Ohren;
Schwerhörigkeit;
Belegtheit der Zunge;
Merkurial-Speichelfluss;
Uebler, seifiger Geschmack;
Säuerliches Aufstossen mit Brennen;
Sodbrennen nach schweren Speisen;
Heisshunger;
Uebelkeiten;
Blähungs-Versetzung;
Leib-Auftreibung;
Stuhl-Verstopfung;
Nacht-Harnen;
Verzögerte Regel;
Husten;
Alter Früh-Husten;
Schweräthmigkeit;
Aeussere Halsgeschwulst;
Mattigkeit der Arme, früh im Bette;
Einschlafen der Finger;
Verkrümmung der Knochen;
Dürre der Haut;
Nacht-Schweiss.“
Nach dem üblichen Schema geordnet, bringt Hahnemann dann eine Zusammenstellung der Prüfungssymptome, wobei er auch aus den Prüfungen und Beobachtungen anderer Ärzte zitiert.
Hauptsymptome1
AugenStarren mit weitgeöffneten Augen; die Lider scheinen zurückgezogen zu sein.

1

Mit a sind die Symptome aus Hahnemanns Chronischen Krankheiten bezeichnet; b steht für Symptome aus einem Beitrag Herings in Stapfs Archiv (Gesammelte Arzneimittelprüfungen aus Stapfs „Archiv für die homöopathische Heilkunst“, Bd. 3, S. 1274 f.).

Nase, MundDünnflüssiger Nasenkatarrh, wundmachend.
Speichel-Absonderung vermehrt.a
Merkurial-Speichelfluss.a
MagenLeidet Hunger, muss alle paar Stunden essen; wird ängstlich und unruhig, wenn er nicht isst; fühlt sich nach dem Essen wohler.
Heisshunger; sie ist nicht satt zu machen.a
Die meisten Symptome bessern sich nach dem Essen.
Stetes leeres Aufstossen, von früh bis Abends, als verwandelten sich alle Genüsse in Luft.a
AbdomenDie linke Hypochonder-Gegend ist hart und schmerzt empfindlich beim darauf Drücken.a
Milz vergrößert, nach Wechselfieber.
GenitalienEin langdauernder Weissfluss, am stärksten zur Zeit der Regeln, welcher die Schenkel wund machte und die Wäsche zerfrass, verschwindet gänzlich (Heilwirkung).a
HustenTrocken, mit Stechen und Brennen in der Brust.
Jucken: tief unten in den Lungen, hinter dem Brustbein; reizt zum Husten; dehnt sich über die Bronchien bis zur Nasenhöhle aus.
HerzZusammenquetschen des Herzens.a
Gefühl, als ob das Herz von einer eisernen Hand gepackt würde. (lilium tigrinumLILIUM TIGRINUM)
Herzklopfen, durch jede Muskel-Anstrengung so vermehrt, dass sie keine Minute lang stehen konnte ohne Anwandlung von Ohnmacht …a
ExtremitätenChronische arthritische Beschwerden, mit heftigen nächtlichen Schmerzen in den Gelenken, jedoch ohne Schwellung derselben.
NervenGroße Schwäche und Atemlosigkeit beim Treppensteigen.
GewebeHypertrophie und Verhärtung der Drüsen und Lymphknoten.
KonstitutionSkrofulöse Diathese.
Schlechter, kachektischer Allgemeinzustand, mit großer Hinfälligkeit und starker Abmagerung.
Andere wichtige oder eigentümliche Symptome
Es ist ihm immer, als sollte er sich auf etwas besinnen, aber er weiß nicht auf was, auch fällt ihm nichts ein.b
Muss Tag und Nacht in Bewegung bleiben, mit dem Gefühl, als würde das Gehirn umgerührt und als sollte er verrückt werden.
Unruhige Beweglichkeit; sie läuft unaufhörlich herum und kommt nicht zum Sitzen, schläft auch nicht die Nacht …a
Er befürchtet bei jeder Kleinigkeit, dass dieses oder jenes Uebel daraus entstehen könne.a
Furcht vor Unheil, mit Übervorsichtigkeit.
Schwindel: nur auf der linken Seite, < vom Bücken; mit Zittern in der Herzgegend und Ohnmacht.
Struma; Linksherzhypertrophie, mit starkem Blutandrang zum Kopf und zum Gesicht; Hysterie und Nervosität (Schwindel).
Kopfschmerz: linksseitig; in der Stirne und oben im Kopfea; als wenn ein Band fest um den Kopf gebunden wärea; so heftig, dass er ganz rasend wirda; der ganze Körper, besonders die Arme kraftlos und wie gelähmt.a
Gehirn fühlt sich an, als ob es mit einem Löffel umgerührt würde; muss Tag und Nacht in Bewegung bleiben.
Kopf fühlt sich schwer an, als säße ein Fremdkörper im Gehirn.
Vortreten oder Gefühl von Vortreten der Augäpfel.
Nase früh viel weiter und trockner, den ganzen Tag verstopft …b
Fließschnupfen und anhaltendes Kitzeln in der Brustmitte.
Zuckungen der Gesichtsmuskeln.a
Zunge hypertrophiert, schmerzhaft, knotig oder rissig.
Geschmack: salzig; säuerlich; bitter; süß (Zungenspitze); seifig.
Aphthöse Geschwüre im Mund, mit fauligem Geruch; profuser, fötider Speichelfluss.
Dicke, braune Exsudate in Mund und Rachen.
Gaumensegel und Tonsillen von dicken, gräulichweißen Exsudaten bedeckt (Diphtherie).
Isst zu oft und zu viel und nimmt doch die ganze Zeit ab.
Wechselnder Appetit, bald Heisshunger, bald keine Esslust.a
Verlangen nach Fleisch; nach alkoholischen Getränken.
Lebergegend druckempfindlich. – Gelbsucht.
Fettdurchfall (Steatorrhö) infolge Pankreaserkrankung.
Atrophie der Ovarien und Brustdrüsen; Sterilität.
Schmerz, als ob ein stumpfer Pflock vom rechten Eierstock in Richtung Gebärmutter getrieben würde.
Schweregefühl in den Brüsten, als ob sie abfallen wollten.
Bläulichrote, haselnussgroße Knoten in beiden Brüsten; trockene, schwarze Stellen an den Mamillen.
Schwellung und Zusammenziehen im Kehlkopf.
Stimmritzenkrampf; erträgt keine Wärme.
Husten: erstickend, kann kaum genügend Luft holen; erschöpfend, beinahe erstickend, verursacht Würgen und Schmerzen in der Stirn; mit bitterem Geschmack von festen Speisen, aber nicht von Getränken.
Keuchhusten bei Patienten, die schwach sind, blass, kurzatmig, abgemagert, mit enormem Appetit.
Auswurf: salzig; süßlich; säuerlich; faulig; grau oder weiß; gelb; blutig gestreift.
Vergrößerung und Verhärtung der zervikalen und mesenterialen Lymphknoten.
Langsames Anschwellen des Halses, besonders auf der rechten Seite, über Jahre hinweg (Struma).
Deutliche Vergrößerung der Schilddrüse; heftiger Schmerz in der Schilddrüse bei Druck oder leisester Bewegung des Kopfes.
Heiße, hellrote Schwellung der Knie.
Schweiss der Füsse, so scharf, dass er die Haut anfrisst.a
Unerträgliches Kitzeln in der ganzen Brust; im Kehlkopf; im Hals.
Allmähliche oder rapide Abmagerung, fast bis aufs ‚Gerippe‘.
Nash fasst Jodum so zusammen:
„Immer hungrig; isst ständig oder möchte ständig essen, magert aber trotzdem ab; > während des Essens.
Hypertrophie sämtlicher Drüsen mit Ausnahme der weiblichen Brüste, die verkümmern; während der Körper ‚dahinschwindet‘, werden Drüsen und Lymphknoten immer größer.
Von ängstlichem Gemüt; Beklommenheit; muss sich unaufhörlich bewegen, irgendetwas tun, sich beeilen; Impuls zu töten; etc. (arsenicumARSENICUM)
Warmblütig trotz Abmagerung; braucht zum Bewegen, Denken oder Arbeiten einen kühlen Ort.
Pulsieren allenthalben: in der Magengegend, im Rücken, sogar in Armen, Fingern und Zehen. (belladonnaBELLADONNA)
Passt besonders bei Personen mit dunklen Haaren und schwarzen Augen; mit dunklem Teint und von skrofulösem Habitus.
Modalitäten: < bei leerem Magen, in warmer Luft oder in einem warmen Raum; > beim Essen, bei Bewegung und in kalter Luft.
Harter Kropf bei Dunkelhaarigen; auch Knoten in den Mammae.
Gefühl, als würde das Herz zusammengequetscht oder wie von einer eisernen Hand gepackt.
Diphtherie: bei skrofulösen Kindern; das Kind greift sich beim Husten an den Hals; Gesicht blass und kalt. …
Außerordentliches und unerklärliches Schwächegefühl mit Kurzatmigkeit beim Treppensteigen. …
Der nur durch ständiges Essen zu lindernde Hunger bei fortschreitender Abmagerung des Patienten ist das allerwichtigste dieser Symptome. Dabei betrifft die Besserung durch Essen nicht nur das Hungergefühl, sondern seine Leiden insgesamt; nur während des Essens [und kurz danach] geht es ihm gut bzw. während des Essens fühlt er sich stets am wohlsten. Egal ob es sich um Lungen-, Mesenteriallymphknoten oder Miliartuberkulose handelt, dieses Symptom schließt, wenn es deutlich ausgeprägt ist, praktisch alle anderen Mittel aus und hat bereits zu vielen bemerkenswerten Heilungen geführt. Ich habe viele Fälle von Kropf mit Jodum CM geheilt (wenn es indiziert war), indem ich an vier aufeinanderfolgenden Abenden jeweils ein Pulver davon einnehmen ließ, und zwar bei abnehmendem Mond, in der Zeit kurz nach dem Vollmond.“
Farrington schreibt über Jodum (ich gebe verkürzt wieder):
„Als Gruppe kann man die Halogene an folgendem wichtigen Charakteristikum erkennen: Sie wirken auf den Kehlkopf und die Bronchien, ja allgemein auf sämtliche Schleimhäute. Sie haben eine ausgesprochene Reizwirkung auf die Schleimhäute, wo sie heftige Entzündungen, Wundheit und Exkoriationen hervorrufen, wie jeder bezeugen kann, der einmal Chlor-, Jod- oder Bromdämpfe eingeatmet hat. Sie alle bewirken Glottisspasmen; am stärksten ausgeprägt ist dies beim Chlor. Alle neigen dazu, pseudomembranöse Gebilde auf den Schleimhäuten hervorzurufen …
Jodum hat stark auszehrende Eigenschaften, insbesondere in Bezug auf Drüsenstrukturen2

2

Laut Kent gilt dies nur für die Brustdrüsen; die anderen Drüsen sowie die Lymphknoten sollen dagegen zur Hypertrophie neigen (s.u.). An den Keimdrüsen (Ovarien, Testes) scheint aber ebenfalls Atrophierung möglich zu sein.

; diese auszehrenden Eigenschaften erstrecken sich auch auf andere Gewebe, und schließlich wird sogar das Nervengewebe in Mitleidenschaft gezogen. … Dem Kranken geht es beim Essen besser, aber trotz der großen Nahrungsmengen, die er zu sich nimmt, magert er immer mehr ab. Früher oder später ist auch das Nervensystem betroffen, und er leidet an Tremor; er wird nervös und reizbar, und jedes kleine Ärgernis ruft Zittern hervor. Er hat ein Bedürfnis nach freier Luft, als ob ihm kalte, frische Luft zu mehr Gesundheit verhülfe. …
Phthisis pulmonalis verlangt gelegentlich nach Jodum. Es ist hier angezeigt bei jungen Leuten, die zu schnell wachsen, ziemlich abgemagert sind und unter einem trockenen Husten leiden, der durch Kitzel im gesamten Brustraum erregt wird. Der Patient hält es nicht in warmen Räumen aus. Der Auswurf ist zäh und blutig tingiert. Es besteht ein ausgesprochenes Schwächegefühl in der Brust, besonders beim Treppensteigen. Er hat einen sehr guten Appetit, und es geht ihm durch Essen besser.
Jodum kann auch bei Herzvergrößerung indiziert sein, unabhängig davon, ob diese mit einer Klappenaffektion einhergeht oder nicht. Neigung zu Herzklopfen schon bei der geringsten körperlichen Anstrengung. Gefühl, als würde das Herz von einer kräftigen Hand zusammengepresst. Zu anderen Zeiten fühlt sich der Kranke so erschöpft und so schwach auf der Brust, dass er kaum sprechen oder atmen kann. Bei Herzklappenerkrankungen sind Vibrationen über dem Herzen zu spüren, die der Empfindung beim Streicheln einer schnurrenden Katze gleichen (spigeliaSPIGELIA). …
Kinder verlangen schreiend nach ihrer Mahlzeit; sie fühlen sich besser, während sie essen, aber sie nehmen kein Gramm zu. … Ungemeine Erregbarkeit des Gemüts. …
Gebärmutterkrebs ist eine weitere mögliche Indikation, besonders wenn starke Blutungen vorhanden sind. Der Ausfluss ist typischerweise gelblich und sehr wundmachend.“
Kent betont in seiner Jodum-Vorlesung die eigentümliche Angst dieses Mittels, die sowohl seelisch als auch körperlich empfunden wird. „Dieser Angstzustand scheint von einer Erregung begleitet zu sein, die den ganzen Körper erfasst, wenn der Patient nicht durch Bewegung oder ständigen Lagewechsel dagegen angeht.“ Daher ist er nicht in der Lage, sich ruhig zu verhalten. Wenn er versucht, still zu sitzen oder zu liegen, wird er geradezu überwältigt von Impulsen, Gewalttaten zu verüben, z.B. von dem Impuls, Dinge zu zerreißen oder gar sich selbst oder andere umzubringen, und so wandert er Tag und Nacht umher, obwohl ihn dies aufs äußerste erschöpft und er schon bei geringeren Anstrengungen in Schweiß ausbricht.
Hypertrophie ist ein charakteristischer Zug der Arznei: Vergrößerung der Leber, der Milz, der Eierstöcke, der Hoden, der Lymphknoten – sämtlicher Drüsen mit Ausnahme der Brustdrüsen. Die Mammae ‚welken dahin‘, während alle anderen Drüsen größer, knotig und hart werden. Insbesondere ist diese Hypertrophie bei den Lymphknoten des Abdomens, den Mesenteriallymphknoten, zu beobachten.
Bei Jodum verfällt der Körper, während die Drüsen immer größer werden; Drüsen und Lymphknoten hypertrophieren in gleichem Maße, wie der Körper schrumpft und die Extremitäten abmagern. Wir sehen dies beim Marasmus: Die Muskeln schwinden, die Haut wird faltig; das Gesicht eines Kindes sieht bald wie das eines Greises aus …
Jodum ist immer hungrig! … Während des Essens vergisst er seine Beschwerden, weil er etwas tun, sich bewegen kann; er ist abgelenkt – besser beim Essen, besser bei Bewegung. Doch obwohl er dauernd hungrig ist und viel isst, magert er immer weiter ab.“
Kent vergleicht Jodum mit arsenicumARSENICUM ALBUM – die Ruhelosigkeit, die Angst, der Beschäftigungsdrang sind beiden gemeinsam. „Aber wenn der Patient warmblütig ist, würden wir nie an ARSENICUM denken, und ist er fröstelig, würde uns niemals Jodum in den Sinn kommen.“ Ferner differenziert er zwischen Jodum und pulsatillaPULSATILLA: „Beide sind warmblütig, beide reizbar, beide voller Ideen; aber dann trennen sich ihre Wege auch schon, denn PULSATILLA ist weitaus launischer, sehr viel weinerlicher, neigt mehr zu Traurigkeit und hat fast ständig wenig oder keinen Appetit, während Jodum Unmengen verzehrt.“
Und er schreibt: „Jodum hat schon häufig eine Symptomengruppe geheilt, die bei der o. g. Konstitution vorkommt, nämlich Linksherzhypertrophie mit Tachykardie, Struma und Exophthalmus (Morbus Basedow). … Doch dieses Krankheitsbild stellt noch keine hinreichende Indikation für ein Heilmittel dar. Um einen solchen Fall mit Jodum heilen zu können, müssten weitere Jodum-Symptome vorhanden sein – wie Wärmeunverträglichkeit, Abmagerung, Blässe, vergrößerte Drüsen und Lymphknoten, etc.“
Nun noch eine kleine Eselsbrücke zu Jodum (für diejenigen, denen solche Dinge helfen):

Der Hunger ist bei Jodum riesengroß,

Doch trotz viel Futterns wird sie dünner bloß.

'Ne Mahlzeit würd' sie nie vergessen,

Denn all ihr Beschwer wird besser beim Essen.

Ist zapplig sie, voll Angst und kann nicht ruh'n,

Spazieren bei Kälte wird sehr gut ihr tun.

Vergrößert sind die Drüsen (die Brust mal ausgenommen),

Der Ausfluss scharf, der Wäsche nicht sehr wohlgesonnen.

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