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Veratrum album – Viscum album

Veratrum album

Weitere Namen: Weiße Nieswurz
Jeder kennt Veratrum album als großes Heilmittel bei Kollapszuständen: Kreislauf-kollaps mit eisiger Kälte, viel kaltem Schweiß, besonders auf der Stirn, mit profusen -Diarrhöen und mit großem Durst. Bei weitem nicht jeder aber kennt Veratrum auch als beachtliches Mittel bei Schmerzen – oder in seinen psychischen Aspekten, wie Hahnemann sie gekannt und für uns niedergelegt hat und wie es seine treuesten Nachfolger selbst erfahren und gelehrt haben.
Es ist eine weitverbreitete Unsitte, Meinungen für Tatsachen auszugeben. Hahnemann hat uns Tatsachen an die Hand gegeben, und diese Tatsachen waren das Ergebnis sorgfältig durchgeführter Experimente und entsprangen der Erfahrung eines der scharfsinnigsten Beobachter, die je etwas zu Papier gebracht haben. Seither jedoch haben einige Lehrer der Homöopathie, die sich für besonders schlau hielten, dieses Wissen und damit auch seinen Wert verstümmelt, indem sie Fakten durch Meinungen ersetzten. Vielleicht der schlimmste von ihnen war Hughes, dessen Pharmacodynamics von seinen Zeitgenossen den Spitznamen „homöopathische Milch für allopathische Babys“ erhielt und der, stets darauf bedacht, Hahnemann einen Schritt voraus zu sein, uns durch Auslassungen und ungenaues Zitieren vieler Erfahrungen Hahnemanns beraubte oder sie durch seine Kommentare herabzusetzen suchte. So zog er z.B. Hahnemanns Beobachtung in Zweifel, dass eine einzige Gabe droseraDROSERA C 30 „zur homöopathischen, völligen Heilung des epidemischen Keichhustens“ hinreiche (nach Anleitung der Symptome, die er aufzählt); „die Heilung erfolgt sicher binnen 7 oder 9 Tagen, bei unarzneilicher Diät“ (siehe Homœopathy, Bd. 3, S. 24). Dies war nicht die Homöopathie von Hughes, der wiederholte Gaben von Tiefpotenzen bevorzugte, damit allerdings, nach seinen eigenen Angaben, nur sehr mäßige Resultate erzielte. In späteren Auflagen seines Werks war er dann gezwungen, eine Fußnote abzudrucken des Inhalts, dass jene Beobachtung Hahnemanns von anderen Ärzten bestätigt worden war. Ich selbst darf hinzufügen, dass in letzter Zeit viele Kollegen hocherfreut Erfolge vermelden konnten, die sie der Befolgung von Hahnemanns Anweisungen zur Keuchhustenbehandlung verdankten.
Spätere Autoren wiederum haben uns eine gute Dienste leistende ‚Gebrauchsanweisung‘ vorenthalten, indem sie Hahnemanns gesperrt droseragedruckte DROSERA-Symptome in Bezug auf Knochen und Gelenke ignorierten, so als ob der wahre, ja einzige Wirkungsbereich des Mittels auf Keuchhusten und Laryngitis beschränkt sei. Nicht wenige Fälle von Arthritis und selbst rheumatoider Arthritis, wo droseraDROSERA hätte helfen können, sind auf diese Weise ungeheilt geblieben.
Was nun Veratrum album angeht, so zeigt sich Hughes sichtlich erfreut, in der angemaßten Rolle des Kritikers sagen zu dürfen, dass die ausgeprägten Wahnsinnssymptome, die Hahnemann zu Beginn seiner Auflistung der Gemütssymptome1

1

Gredings Beobachtungen an manisch-depressiven und epileptischen Patienten; Reine Arzneimittellehre, Band 3, S. 367–368.

wiedergibt, „an geisteskranken Patienten, die das Mittel eingenommen hatten, beobachtet wurden und daher mehr als wertlos sind“. Stellen Sie sich vor: mehr als wertlos! – nach Dr. Hughes’ Meinung. Und in Allens Encyclopedia, bei der Richard Hughes einer der ‚Mitarbeiter‘ 2

2

M. Tyler setzt hier ‚Mitarbeiter‘ in Anführungszeichen, offensichtlich um den Beitrag von Hughes zu schmälern. Dies ist m.E. nicht ganz gerechtfertigt, denn Hughes hatte die verdienstvolle Aufgabe übernommen, die Richtigkeit und den Zusammenhang der von Hahnemann zitierten Symptome anderer Autoren anhand der Quellen zu überprüfen, was, wie er in der lesenswerten Einleitung zu Allens Encyclopedia schreibt, sehr erhellend gewesen sei.

war, findet sich [zu den von Greding stammenden Symptomen] eine Fußnote folgenden Inhalts: „Alle Geistes- und Gemütssymptome … und alle spasmodischen Phänomene … wurden in Klammern gesetzt, da die verabreichten Dosen zu klein waren, um sie bewirken zu können. – Hughes.“3

3

Auch Mezger (Gesichtete Homöopathische Arzneimittellehre, Haug Verlag) zitiert diese Fußnote, ist jedoch mit Hughes der Ansicht, dass „die von Greding angeführten Symptome nicht als reine Arzneiwirkung zu werten und sie auszuscheiden“ seien. Allerdings: „Dies beeinträchtigt nicht die klinische Hochschätzung von Veratrum bei Psychopathien.“

Auch hier wieder: Meinung gegen Tatsachen! Ich frage mich, was Dr. Hughes wohl sonst noch alles von Hahnemann weggelassen oder verfälscht wiedergegeben hat! Diese Dinge findet man ja nur nach und nach heraus. Herings Guiding Symptoms zeigen keine Spur solcher Dummheiten, und auch Kent, ein weitaus größerer Lehrer und Praktiker der Homöopathie als Hughes – wie ich mir zumindest denken kann –, erkennt die große Bedeutung, die Veratrum album bei Geisteskrankheiten zukommt, wie wir noch sehen werden.
Hören wir inzwischen Hahnemann zu diesem Thema: „So ist es auch ganz unwahr, daß die Gemüths- und Geistes-Kranken überhaupt ungeheuere Arzneigaben brauchten und vertrügen, wie sich noch jetzt unsre Aerzte einbilden. … In solchen Krankheiten“, so sagt er, „leidet … die allgemeine Gesundheit … am wenigsten, und die Personen sind von dieser Seite oft sehr robust; größtentheils hat sich das Uebel auf die feinen, unsichtbaren, durch keine Anatomie zu entdeckenden Geistes- und Gemüths-Organe (die der bloß geistigen Seele zum Medium dienen, den gröbern Körper zu regieren) geworfen.“ Und seine Erfahrung ist, „daß solche Geistes- und Gemüths-Kranke durch eben so kleine Gaben, als in andern, unpsychischen Uebeln gnügen, durch ganz kleine Gaben, aber nur des passend und völlig homöopathisch gewählten Arzneimittels, gar bald zur Gesundheit ihrer Geistes- und Gemüths-Organe, das ist, zur völligen Genesung und zur völligen Vernunft gelangen.“ An dieser Stelle darf ich vielleicht anfügen, dass bei den Arzneiprüfungen, die ja sowohl die körperlich als auch die geistig-seelisch krankmachenden Kräfte ermitteln sollen, damit diese zur Neutralisierung von ähnlichen Krankheiten eingesetzt werden können, die psychischen Symptome am besten durch die höheren Potenzen herausgeholt werden.
Hahnemann wusste, wovon er sprach, wenn er sich über den Wahnsinn äußerte. Er beschreibt [Kleine Medizinische Schriften, Bd. 2, S. 239], wie er („nach mehrjähriger, geflissentlicher Beschäftigung mit Krankheiten der langwierigsten und verzweifeltsten Gattung überhaupt, und mit allen venerischen Beschwerden, Kachexien, Hypochondrie und Wahnsinn insbesondere“) mit Hilfe des regierenden Herzogs ein eigenes „Genesungsinstitut“ für Patienten mit solchen Geistesstörungen in Georgenthal bei Gotha einrichten konnte. Hier behandelte und heilte er den „Geheimen Kanzleisekretair Klockenbring aus Hanover …; ein Mann, der in seinen gesunden Tagen durch praktischen Geschäftssinn und Tiefblick, so wie durch alte und neuere Kenntnisse und eine Menge sehr voneinander abweichender Wissenschaften, die Bewunderung eines großen Theils von Deutschland auf sich gezogen. – Fast übermenschliche Arbeiten im Polizeifache, in welchem er groß war, anhaltendes Sitzen, eben so anhaltendes Nachdenken und eine allzu nahrhafte Kost hatten schon fünf Jahre vor dem lauten Ausbruche der Verstandesverwirrung seinem Körper eine Mißstimmung beigebracht, welche allmählig in oft beleidigende Wunderlichkeit und unerträgliche Launen ausartete; wie viel der feurige Wein hierzu beigetragen, laß' ich unbestimmt.“ … Wie auch immer, eine ekelhafte Schmähschrift brachte schließlich das Fass zum Überlaufen und vollendete seinen geistigen Zusammenbruch.
Bis ins Detail beschreibt Hahnemann dessen wilden Wahnsinnszustand: Mal zitierte er verschiedene Klassiker in verschiedenen Sprachen, dann wieder brach er „in ein dumpfes Geheul mit Weinen und Schluchzen aus, oft zu den Füßen des erstaunten Wärters“; bald „zergliederte und zerstückelte er seinen Anzug und sein Lager“, bald lief er nackt umher und brüllte; „alle Augenblicke hatte er ein dringendes Verlangen, begehrte entweder zu essen oder zu trinken … oder sonst etwas, ungeachtet er anfangs alles Essen verabscheute und zurücksetzte, verschüttete, verunreinigte …“
In den ersten Wochen beobachtete Hahnemann ihn nur; dabei behandelte er ihn mit größter Freundlichkeit und Rücksicht und sorgte dafür, dass auch die anderen so mit ihm umgingen, wodurch er schließlich sein Vertrauen gewann. Dann wurde mit Hilfe homöopathischer Arzneien – ganz ohne Zweifel war auch Veratrum4

4

Eine ausführliche Analyse und Repertorisierung des Falles Klockenbring findet sich im Anhang von Seilers Die Entwicklung von Samuel Hahnemanns ärztlicher Praxis (Haug Verlag). Danach ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit STRAMONIUM das Mittel gewesen, das zur Heilung Klockenbrings geführt hat. Dass er daneben auch noch Veratrum bekommen hat, ist nicht auszuschließen.

darunter – der Verstand des berühmten Mannes nach und nach wiederhergestellt; so vollständig geschah dies, dass ihm „nach seiner Rückkehr …, statt seiner vorigen, allzu ermüdenden Stelle, die Lotteriedirektion [gegeben wurde], die er bis an seinen Tod … fortführte“.
Und so kann Hahnemann aus seiner großen Erfahrung heraus Folgendes über Veratrum album berichten:
„Welche Kraft diese Arznei zur Beförderung der Heilung fast eines Drittels von den Wahnsinnigen in den Irrenhäusern (wenigstens als homöopathisches Zwischenmittel) besitze, ahneten die Aerzte nicht, da ihnen unbekannt blieb, welcher besondern Art von Wahnsinn diese Wurzel entgegenzusetzen und in welcher Gabe sie wirksam und doch ohne Nachtheil anzuwenden sei.“
Bei der Behandlung geisteskranker Patienten entfernte sich Hahnemann weit von den seinerzeit üblichen Praktiken, die in höchstem Maße brutal waren. Seine vollkommen neuen Methoden beschreibt er folgendermaßen5

5

In seinem Artikel Striche zur Schilderung Klockenbrings während seines Trübsinns (Kleine Medizinische Schriften, Bd. 2, S. 245–246).

:
„Da ich keinen Wahnsinnigen je mit Schlägen oder andern schmerzhaften körperlichen Züchtigungen bestrafen lasse, weil es für Unvorsetzlichkeit keine Strafe giebt und weil diese Kranken bloß Mitleid verdienen und durch solch rauhe Behandlung immer verschlimmert, wohl nie gebessert werden: so zeigte er [Klockenbring] mir oft mit Thränen die Reste der Schwielen von Stricken, deren sich seine vorigen Wächter bedient hatten, ihn in Schranken zu halten. Wohl muß der Arzt solcher Unglücklichen ein Betragen in seiner Gewalt haben, was Achtung einflößt, was aber auch Zutrauen erweckt; er fühlt sich nie von ihnen beleidigt, weil ein Vernunftloser nicht beleidigen kann. Der Ausbruch ihres ungegründeten Zorns erregt bloß seine Theilnahme an ihrem jammervollen Zustande und feuert seine Menschenliebe zur Hülfe an.“
Auch im Organon [§ 228, 6. Auflage] beschäftigt er sich mit dem angemessenen Verhalten psychisch gestörten Patienten gegenüber:
„Dem wüthenden Wahnsinn muß man stille Unerschrockenheit und kaltblütigen, festen Willen, – dem peinlich klagenden Jammer, stummes Bedauern in Mienen und Gebehrden, – dem unsinnigen Geschwätze, nicht ganz unaufmerksames Stillschweigen, – einem ekelhaften und gräuelvollen Benehmen und ähnlichem Gerede, völlige Unaufmerksamkeit entgegensetzen. Den Verwüstungen und Beschädigungen der Außendinge beuge man bloß vor, verhüte sie, ohne dem Kranken Vorwürfe darüber zu machen, und richte alles so ein, daß durchaus alle körperlichen Züchtigungen und Peinigungen wegfallen. Dieß geht um desto leichter an, da beim Arznei-Einnehmen … in der homöopathischen Heilart die kleinen Gaben hülfreicher Arznei dem Geschmacke nie auffallen, also dem Kranken ganz unbewußt in seinem Getränke gegeben werden können, so daß aller Zwang unnöthig wird.“ … Er fügt [in § 229] hinzu: „Am meisten werden sie jedoch durch Hohn, Betrug und ihnen merkliche Täuschungen erbittert und in ihrer Krankheit verschlimmert. Immer müssen Arzt und Aufseher den Schein annehmen, als ob man ihnen Vernunft zutraue.“
Hauptsymptome6

6

Die im Folgenden verwendeten Kennzeichnungen der Symptome bedeuten:

  • a

    Hahnemann, Reine Arzneimittellehre; die Symptome Gredings sind mit einem zusätzlichen † versehen.

  • b

    Schelling, in A.H.Z., 83, 19;

  • c

    Waltl, in A.H.Z., 47, 48;

  • d

    Lembke, in Neue Zeitschrift für homöopathische Klinik, 7, 73;

  • e

    Roth, in dessen ‚gereinigter‘ Symptomensammlung, Homöopathische Vierteljahrschrift, 12, 317;

  • f

    Wagner, zitiert nach Roth, a. a. O.

Geist und GemütUeber das eingebildete Unglück ist sie untröstlich, läuft heulend und schreiend in der Stube herum, mit dem Blick auf die Erde gerichtet, oder sitzt sinnend in einem Winkel, jammernd und untröstlich weinend …a
Bei anhaltender Wuth, große Hitze des Körpers.a†
Stillschweigen.a
Aergerlichkeit bei Veranlassungen.a7

7

Was mit diesem bei Hahnemann gesperrt gedruckten Symptom, das ja relativ ‚normal‘ erscheint, eigentlich gemeint ist, erhellt aus den Beobachtungen zweier weiterer Prüfer: „Bei der geringsten Veranlassung ärgerlich …“ und „Er wird sehr ärgerlich, jede Kleinigkeit bringt ihn auf.“

Wahnsinn: mit Verlangen, alles zu zerschneiden und zu zerreißen, besonders die Kleider; mit Lüsternheit und unzüchtigem Gerede; religiös oder amourös.
Größenwahn.
Schmerzanfälle mit Delirium8

8

„Attacks of pain with delirium, driving to madness.“ Dieses Symptom aus den Guiding Symptoms hat in Kents Repertorium Eingang gefunden als „Delirium mit Schmerzen“. Dasselbe Symptom findet sich im Repertorium von Knerr aber unter „Delirium from pains (driving to madness)“, also „… durch Schmerzen“, und als solches ist es als Ergänzung ins Synthetische Repertorium aufgenommen worden. Die Richtigkeit letzterer Version wird untermauert durch Hahnemanns Bemerkung über die „Paroxysmen von Schmerzen …, die den Kranken jedesmal auf kurze Zeit zu einer Art Delirium und Wahnsinn brachten“.

, treiben zum Wahnsinn.
Kalter Schweiß auf der Stirn, mit qualvoller Angst und Furcht vor dem Tod.
Verzweiflung um ihr Seelenheil, bei unterdrückter Menstruation.
Seine Besinnung ist nur wie im Traum.a
KopfPlattdrückender Kopfschmerz im Scheitel, der bei Bewegung klopfend ward.a
Empfindung eines Eisklumpens auf dem Scheitel.
Kalter Stirnschweiß.a
GesichtEingefallen, mit ängstlichem Ausdruck.
Gesichtsblässe.a
Er wird blaß im Gesichte beim Stuhlgange.a
MundSpeichel läuft ununterbrochen aus dem Munde, wie Würmerbeseigen [Kap. S, Fußnote 3].a
Unschmackhafter [= ohne allen Geschmack, fade] Speichel, Geschmacklosigkeit im Munde.a
Geschmack und Kühle im Munde und Halse, wie von Pfeffermünzkügelchen.a
HalsBeißender Pfeffermünzgeschmack im Halse, mit Gefühl wie von aufsteigender Hitze aus dem Schlunde in den Mund …a
Er kann nicht reden.a
MagenAppetit auf Obst.a
Viel Durst auf kaltes Getränk.a
Verlangen nach Eis.
Beim Schweiße, ungeheurer Durst.a
Bei Hunger, großer Durst.a
Starkes Hungergefühl.b
Große Uebelkeit vor dem Erbrechen.a
Heftiges Erbrechen von schleimiger, saurer Flüssigkeit, die Teile des Gegessenen enthält.
Gewaltsamstes, ungeheures Erbrechen.a
10maliges Erbrechen mit noch mehr Stühlen, das Gesicht war eingefallen, blaß, mit kaltem Schweiße bedeckt, wirklich hippokratisch.c
Erbrechen grünen Schleims.a
Magenkatarrh, mit großer Schwäche und plötzlichem Kälte- und Flauheitsgefühl im Magen.
AbdomenLeibschneiden, zuweilen mit einem Gefühl verbunden, als sei alles Gedärm wie ein Knäuel im Leibe zusammengewunden.f
Kältegefühl im Abdomen.
Kolik: mit Brennen; … mit kaltem Schweiß.
Schneidende Bauchschmerzen.a
Blähungskolik, welche bald hie, bald da die Gedärme und den ganzen Unterleib angreift; je später die Winde abgehen, desto schwieriger gehen sie fort.a
RektumDurchfall, mit starkem Schweiße.a
Oeftere und heftige Durchfallstühle.a
Sehr häufiger und schmerzhafter Bauchfluß.a
Uebermäßige Ausleerungen.a
Cholera9

9

Im Sinne einer mit Durchfällen und Erbrechen einhergehenden Magen-Darm-Erkrankung, welche nicht durch Vibrionen (die Erreger der Cholera asiatica) hervorgerufen wurde.

: < nachts; kalter Schweiß auf der Stirn; Erbrechen und Abführen zur gleichen Zeit; nach Essen von Obst; mit profusen, bräunlichen Entleerungen, Durst und schmerzhaften Krämpfen in Waden, Füßen und Fingern; Prostration; kalter Schweiß; große Schwäche nach Stuhlgang.
Cholera asiatica: … heftige Entleerungen nach oben und unten; eisige Kälte des Körpers; Wadenkrämpfe; Erbrechen, mit beständigem Verlangen nach kalten Getränken; Gesicht blass oder bläulich; blaue Ränder um die Augen; Todesangst in den Gesichtszügen; kalte Zunge und kalter Atem; heisere, schwache Stimme; große, beklemmende Angst in der Brust, mit Verlangen, dem Bett zu entfliehen; heftige Koliken, besonders um den Nabel, als würde der Bauch aufgerissen; Abdomen berührungsempfindlich, dabei Ziehen und schmerzhafte Krämpfe in den Fingern; runzlige Haut an den Handflächen; Harnverhaltung.
Hartleibigkeit, Leibverstopfung wegen Härte und Dicke des Kothes.a
Atemwege, HerzAnfälle von Zuschnürung der Kehle, Erstickungsanfälle …a
Krampfhafte Zusammenschnürung der Kehle, bei verengerter Pupille.a
Tiefer, hohler Husten von drei, vier Stößen jedesmal …a
Sie schwebten in der Gefahr des Erstickens, so beengt war ihr Athem.a
Kalter Atem (bei Cholera).
Höchste Angst, die den Athem benimmt.a
Herzklopfen mit Aengstlichkeit und schnellerem, hörbarem Athem.a
RückenBei Bewegung fühlbarer, rheumatischer Schmerz zwischen den Schulterblättern und vom Genick bis zum Kreuze…a
ExtremitätenHände eiskalt, blau.
Die Nägel werden vor Kälte bläulich.d
Sehr beschwerliches Gehen, wie eine Lähmung, erst des rechten, dann auch des linken Hüftgelenkes.a
Schmerz beim Auftreten gleich unter dem Knie im Knochen, als wäre er zerbrochen gewesen und noch nicht recht haltbar.a
Schwerheitsschmerz der Unterschenkel, wie von Müdigkeit.a
Nerven, GewebeHöchste Schwäche.a
Hinfälligkeit und Schwäche des ganzen Körpers …a
Ohnmacht.a
Gähnen.a
Lähmungsartiges Sinken der Kräfte.a
Ganzer Körper samt Gesicht blass.
Fieberfrost und KälteMit Durst …a
Bei öftern Stuhlgängen, Frost und Schauder.a
Ueberlaufen von Kälte durch den ganzen Körper …a
Innere Frostempfindung durchlief ihn vom Kopfe bis in die Fußzehen beider Füße zugleich, mit Durste.a
Allgemeine Kälte der Haut.e
Sehr häufiges Ueberlaufen von Kühle durch den Kopf, besonders wie über den Scheitel sich ergiessend.d
Empfindung eines Eisklumpens auf dem Scheitel.
Kaltes, entstelltes Todtengesicht.a
Kälte durch den Rücken.d
Extremitäten kalt.
Sehr bemerkliche äussere Kälte der Hände.d
Typhöse Fieberformen …, wenn die Lebenskräfte plötzlich sinken; kalter Schweiß; Koma; Erbrechen und wässriger Durchfall; bläuliches Gesicht; spitze Nase; runzlige Haut.
SchweißKalt.a – Kalter Schweiß am ganzen Körper.a
Kalter Stirnschweiß.a
Bei Ausleerungen, kalter, häufiger Schweiß an der Stirne.a
(Hahnemann hebt auch „Hitze und Röthe im Gesichte“ hervor.)
Sonderbare Empfindungen oder Einbildungen
Sie giebt vor, Geburtswehen zu haben.a†
Sie rühmt sich, schwanger zu seyn. a†
Angst, wie von bösem Gewissen, als wenn er etwas Böses begangen hätte.a
Empfindung, als wäre die Zunge zu schwer.
Gefühl, als stiege etwas Lebendiges vom Magen in den Hals hinauf.
Schmerz im Unterleibe, als wenn es mit Messern darin schnittea; wie von heißen Kohlen im Abdomen; Zwicken wie von Kneifzangen im Bauch.
Gefühl, als ob kaltes Wasser in den Adern flösse.
Schmerz in der Mitte des linken Vorderarms, als würde der Knochen gedrückt.a
Schmerzen in Gliedern oder Rücken, wie zerschlagen oder zerbrochen.
Schmerzen in den Füßen, besonders den Knieen, … als wenn große Steine daran gebunden wären …a
So nervös und kribbelig, als müsste sie jeden Augenblick vom Boden abheben.
Veratrum hat also Manie, Wahnsinn, Delirium, alles sehr heftig und gewaltsam. Kent fasst diese Zustände viel anschaulicher zusammen, als ich es könnte; daher nun einige Zitate:
„Die psychischen Symptome sind von Heftigkeit und Zerstörungswut gekennzeichnet; der Kranke will etwas zerstören, zerreißen; reißt sich die Kleider vom Leib. Er will immer etwas zu tun haben, will seiner gewohnten Arbeit nachgehen. Ein Böttcher, der am Veratrum-Wahnsinn litt, pflegte dauernd Stühle übereinanderzutürmen; nach seinem Tun befragt, antwortete er, er sei gerade dabei, Faßdauben aufeinanderzustapeln. Wenn er gerade nicht damit beschäftigt war, zerriss er entweder seine Kleider, oder er betete“ (stramoniumSTRAMONIUM) „stundenlang auf den Knien, so laut, dass man ihn noch mehrere Häuserblocks weiter hören konnte.
Exaltierte Zustände religiösen Wahnsinns: glaubt, er sei der auferstandene Christus; brüllt und schreit, dass sein Gesicht blau anläuft; Kopf eiskalt, Stirn oder Kopf von kaltem Schweiß bedeckt; breitet die Arme aus und mahnt seine Mitmenschen zur Reue; hält Predigten.
Viel Fluchen und Lärmen … Singt obszöne Lieder, entblößt sich vor anderen“ (hyoscyamusHYOSCYAMUS). „Furcht und Folgen von Furcht; Furcht vor Tod und Verdammnis. Bildet sich ein, die Welt stünde in Flammen.
‚Wahnsinn: mit Bestreben, alles zu zerschneiden und zu zerreißen, besonders die Kleider …‘ ‚Wochenbettpsychose und Konvulsionen, mit heftiger Kopfkongestion; bläuliches und aufgedunsenes Gesicht; hervortretende Augen; wildes Schreien, mit Neigung, zu beißen und Sachen zu zerreißen.‘ … Abwechselndes Grübeln und Schreien oder Kreischen. Ein paar Arzneien dieser Art würden ausreichen, unsere Irrenanstalten zu leeren, vor allem von den Fällen, bei denen die Psychose noch nicht lange besteht. Geisteskrankheiten sind heilbar, sofern noch keine unheilbaren Krankheitsfolgen entstanden sind.“
Weiter schreibt Kent: „Veratrum album ist ein Mittel, das viele Frauen, besonders jene mit uterinen Störungen, vor der Irrenanstalt bewahren könnte. … Während der Regel werden sie kalt wie eine Leiche, bekommen blaue Lippen und livid-kalte Extremitäten; furchtbare Schmerzen; vor der Regel Manie, jeden zu küssen“ (crocusCROCUS); „Hysterie während der Regel, mit Kälte, kopiösen Schweißen, Erbrechen, Durchfall, etc.“
Kent führt den Fall eines Farmers an, der ihn eines Sommers aufsuchte. Er hatte beim Wassertrinken das seltsame Gefühl, als würde das Wasser außen am Hals herunterlaufen und nicht die Speiseröhre herab. Dieses Gefühl war so deutlich, dass er seine Angehörigen bat, nachzusehen, ob es nicht vielleicht doch außen herunterflösse. Veratrum 2 M heilte ihn. „Kein Mittel hat je eine solche Empfindung hervorgerufen, aber durch Analogieschluss bin ich auf Veratrum gekommen“, schreibt Kent. Veratrum hat auch das Gefühl, als wenn kaltes Wasser in den Adern flösse.10

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Hahnemann berichtet von einem noch ähnlicheren Symptom: „Empfindung an der Schläfe herab, als ob ihm ein Tropfen Wasser dran herabliefe …“

Bezüglich des Symptoms „Kopf fühlt sich an wie in Eis gepackt; als ob Eis auf dem Scheitel läge“ erinnere ich mich an eine Krankenhauspatientin, eine kräftige, ältere Frau, voll gesunden Menschenverstands und von ungewöhnlich fröhlicher Natur, die entsetzliches Kopfweh bekam und halb wahnsinnig vor Schmerzen und mit verzerrtem Gesicht eingeliefert wurde. Ein Mittel nach dem anderen versagte, bis sich eines Tages herausstellte, dass sie das Gefühl hatte, einen Eisblock auf dem Scheitel zu haben. Dies ließ mich sofort an Veratrum album denken, ebenso das Symptom „Schmerzanfälle mit Delirium, treiben zum Wahnsinn“ – denn so schlimm war es ja beinahe! Nach Veratrum wandelte sich das Bild rasch, und ihr altes Selbst kam wieder zum Vorschein. So wird mir Veratrum immer gegenwärtig sein, wenn Kopfschmerzen so schlimm und unerträglich sind, dass sie das Gesicht entstellen und fast zum Wahnsinn treiben – zumal wenn dabei dieses eisige Gefühl auf dem Scheitel vorhanden ist.
Zum Thema Schmerz sagt Hahnemann: „Solche Paroxysmen von Schmerzen, welche die Weißnießwurzel in Aehnlichkeit selbst erzeugen kann und die den Kranken jedesmal auf kurze Zeit zu einer Art Delirium und Wahnsinn brachten, wichen oft der kleinsten Gabe der gedachten Auflösung“, also einem „Quadrilliontel eines Grans Kraft von dieser Wurzel“.
Folgende Symptome sind demnach gewissermaßen ein Schrei nach Veratrum album: äußerste Kälte; profuser, kalter Schweiß; extremer Durst; heftigste Entleerungen; Erbrechen, Durchfall und Schweiß in größten Mengen; Kollaps; paralytische Schwäche und Kräfteverlust – all dies begleitet von heftigsten Reaktionen auf Schmerzen, bis hin zum Wahnsinn.
Wohl am nächsten stehen dieser Arznei arsenicumARSENICUM und carbo vegetabilisCARBO VEGETABILIS. Bei ARSENICUM besteht aber größte Angst und Unruhe, während Veratrum-Patienten auch ganz ruhig und still bleiben können [z.B. „sinnend in einem Winkel sitzen“]. Bei CARBO VEGETABILIS wiederum fehlen das starke Schwitzen und die enormen Entleerungen. Letztere unterscheiden Veratrum auch von camphoraCAMPHORA und cuprumCUPRUM (bei Cholera).
Die Homöopathie hat ja bei der Cholera ihre ersten Lorbeeren geerntet, und zwar mit den drei von Hahnemann dazu ausersehenen Hauptmitteln. Hahnemann hatte die Krankheit nie mit eigenen Augen gesehen, aber ihre Symptome genau studiert und mehrere Flugschriften zu ihrer richtigen Behandlung verfasst. … Die Frühstadien mit Kollaps, Kälte und plötzlicher Hinfälligkeit verlangen demzufolge nach camphoraCAMPHORA; bei heftigsten Krämpfen [Crampi] – nicht nur im Abdomen, sondern auch in Fingern und Zehen sowie von dort ausgehend – ist cuprumCUPRUM das Mittel der Wahl; Veratrum album schließlich ist bei profusem, kaltem Schweiß und exzessivem Erbrechen und Durchfall angezeigt (siehe Homœopathy, Band 1, S. 126; Band 3, S. 338).11

11

Vgl. Tylers Darstellung der Geschichte und Behandlung der Cholera am Schluss ihrer Einleitung zu diesem Buch sowie in den Kapiteln über die o.g. Arzneien.

Veratrum viride

Weitere Namen: Grüne Nieswurz
Die Grüne Nieswurz (verschiedentlich auch Amerikanische Nieswurz oder Grüner Germer genannt) ist „eine Veratrum-Spezies, die in Sümpfen, auf feuchten Wiesen und entlang kleiner Bergflüsse wächst, von Kanada bis Carolina“ [Guiding Symptoms]. Die Weiße Nieswurz, veratrum albumVERATRUM ALBUM, kommt dagegen in Europa und Asien vor; es handelt sich um eine andere Art, mit ganz anderen Symptomen und Anwendungsbereichen.
Veratrum viride hat Pneumonien hervorgerufen und geheilt; ja man könnte auch sagen, es ist eines der großartigsten Heilmittel, die wir in der Homöopathie für Lungenentzündungen haben – wenn die Symptome passen. Ich habe schon erstaunliche Heilungen damit gesehen, besonders in den Händen eines unserer Ärzte, der genau weiß, wann das Mittel zu verschreiben ist. Und dies sind seine Indikationen: „Der Fall sieht sehr nach phosphorusPHOSPHORUS aus. Das Gesicht ist gerötet, mit reichlichem Schweiß. Roter Streifen die Mitte der Zunge hinunter. Hohes Fieber, schnellender Puls [Pulsus celer]; eventuell Delirium. Durst. Der Patient hat eine Abneigung gegen Süßes; es kommt sogar vor, dass er über den süßen Geschmack von gewöhnlichem Wasser klagt.“ … Gehen wir also alle ans Werk und machen es diesem Kollegen nach!
Ein roter (manchmal trockener) Streifen längs der Mittellinie der Zunge ist das charakteristischste und markanteste Symptom. Doch wie es bei so vielen Mitteln der Fall ist, kann auch das genaue Gegenteil vorkommen; sehen wir uns nämlich die Prüfungen an, stellen wir fest, dass es auch einen weißen Streifen an dieser Stelle hervorgerufen hat. Offensichtlich hat die Arznei irgendeine Wirkung auf die Blutversorgung der Zunge.
Veratrum viride hat u. a.: „Zunge weiß, nicht belegt; sieht aus wie gebleicht. – Zunge weiß in der Mitte, mit roten Rändern und weißer Spitze; sieht nicht wie belegt aus, sondern als ob das Blut herausgepresst worden wäre. – Zunge fühlt sich wie verbrüht an, … mit einem roten Streifen längs der Mittellinie.“ Und Letzteres ist der klassische Hinweis auf Veratrum viride, nicht nur bei Pneumonie, sondern auch bei jedem anderen Leiden, wo es von Nutzen sein kann.
Überfliegt man die Prüfungsaufzeichnungen, wie sie in der Cyclopaedia of Drug Pathogenesy vorliegen, fallen einem ein paar weitere Besonderheiten auf. Zum Beispiel bekamen fast alle Prüfer prompt einen Schluckauf. Eine erstaunliche und sehr rasche Wirkung hatte das Mittel auch auf die Pulsfrequenz; sie sank manchmal auf 40, auf 34 oder gar noch tiefer. In anderen Fällen wiederum (die vielleicht nur besser beobachtet wurden) stieg der Puls zunächst an und ging erst danach herunter. Im Allgemeinen war er sehr klein und schwach, oft kaum tastbar.
Wie Nash schreibt, hatte dieses Mittel einst einen guten Ruf in den ersten, kongestiven Stadien entzündlicher Krankheiten. … „Eine Zeitlang quollen die Fachzeitschriften geradezu über von Berichten über Pneunomieheilungen mit Veratrum viride, wobei dessen Heilkraft dem regulierenden Einfluss auf Herztätigkeit und Puls zugeschrieben wurde. … Ich war damals noch ein junger Arzt und glaubte, mit diesem Mittel das große Los gezogen zu haben. Doch eines Tages“, so erzählt er, „ließ ich einen Kranken, dem ich mit Veratrum viride Erleichterung bei einer akuten und heftigen Lungenentzündung verschafft hatte, allein, um in eine fünf Meilen entfernte Stadt zu eilen, und als ich zurückkehrte, war er tot. Nach diesem Vorfall achtete ich verstärkt auf andere Patienten, die mit diesem Mittel behandelt wurden, und immer mal wieder war ein Pneumoniepatient darunter, der – nach anfänglicher Besserung – plötzlich verstarb.
Heute ist der Ruhm von Veratrum viride als wichtigstes Heilmittel für das erste Stadium dieser Erkrankung deutlich verblasst. Was sind die Gründe? (1) Die Arznei wurde (wie andere Modemittel) zu wahllos angewandt. (2) Es ist falsch, den Puls ohne Berücksichtigung der sonstigen Gegebenheiten zügeln oder gar senken zu wollen. (3) Diejenigen Kranken, die ein schwaches Herz hatten, sind von diesem die Herztätigkeit massiv herabsetzenden Mittel nicht selten getötet worden. Eine beschleunigte Blutzirkulation aber ist bei allen entzündlichen Erkrankungen heilsam, und sie zeigt an, dass die natürlichen Abwehrkräfte vorhanden und bereits am Werk sind.“
Da Nash auf seine frühen Erfahrungen anspielt, nehme ich an, dass die Dosis, die ‚den Puls herunterbringen‘ sollte, hoch genug war, um eine unmittelbare physiologische Wirkung hervorzubringen (anders wäre der gewünschte Effekt kaum zu erreichen gewesen). Bei der homöopathischen Verschreibung hingegen wird das Mittel, wie jedes andere Homöopathikum, gemäß den Symptomen eingesetzt: nicht um den Körper zu etwas zu zwingen (was eben auch sehr gefährlich sein kann, wie gesehen), sondern um den Patienten anzuregen, selbst etwas zur Heilung zu tun – was zwei völlig verschiedene Dinge sind. Tatsächlich hätten wir an Veratrum viride vielmehr dann zu denken, wenn der Puls verlangsamt ist.
Nash nennt als seine Hauptindikationen für diese Arznei: „Ein schmaler, scharf umrissener roter Streifen genau die Mitte der Zunge entlang. – Hohes Fieber, mit Zuckungen und Neigung zu Krämpfen.“
Clarke (Dictionary) bringt einen lehrreichen Fall, den ich hier wiedergeben will – eine versehentliche Prüfung des Mittels mit beinahe tödlichem Ausgang. Er schreibt: 12

12

Der ausführliche Bericht von Burt selbst findet sich in der Cyclopaedia of Drug Pathogenesy (Hughes). Ich habe die Darstellung Clarkes etwas modifiziert und um einige Angaben aus Burts Bericht ergänzt, weil sie sonst missverständlich gewesen wäre.

„Burt führte an sich selbst eine heroische Prüfung des flüssigen Extraktes durch, und seine kleine Tochter (einundzwanzig Monate alt) wäre um ein Haar gestorben, nachdem sie ein paar Tropfen der Tinktur aus einem Fläschchen getrunken hatte. Wenige Minuten danach begann sie zu erbrechen. Kaffee wurde als Antidot gegeben. Nach fünf Minuten waren ihre Kiefer starr, die Pupillen stark dilatiert, das Gesicht blau, Hände und Füße kalt; am Handgelenk war kein Puls mehr zu tasten. Bauch und Rücken wurden mit Kampfer eingerieben; daraufhin verfiel sie in mit schrillen Schreien einhergehende Krämpfe, die nach kurzer Zeit noch einmal auftraten. Ein warmes Bad war zur Entspannung der Muskeln sehr wirkungsvoll. Das Erbrechen hielt noch weitere drei Stunden an und bestand aus zähem Schleim. Während dieser ganzen Zeit war der Puls nicht tastbar gewesen, das Gesicht blau und hippokratisch; Hände und Füße waren so verschrumpelt, als wären sie lange Zeit im Wasser gewesen. Puls nach drei Stunden wieder schwach fühlbar, Frequenz 36/min. Dreieinhalb Stunden nach der Einverleibung des Gifts fiel die Kleine in einen ruhigen und tiefen Schlaf, und als sie drei Stunden später erwachte, war sie wieder wohlauf, wenngleich noch ein bisschen schwach.“
Bei der Durchsicht der Prüfungen fällt eines besonders auf, nämlich die rasche Erholung von der Einwirkung der Arznei, besonders nach Schlaf: „Schlief gut und erwachte ohne eine Spur von Beschwerden“; „Fühlte sich am nächsten Morgen wieder gut.“
In manchen Fällen hatten die Prüfer „viel geträumt, besonders von Wasser“. Und auch eine Tasse heißen, starken Kaffees „tat wohler als alles andere“.
In einem Fall „wollten ihm die Kleider nicht mehr passen, es schien, als ob sie ihn irgendwo kratzten; ständiges Zucken an verschiedenen Stellen des Körpers.“
Ein schwerer Vergiftungsfall, mit starkem, fortgesetztem Erbrechen: Kälte der Körperoberfläche; profuser, klebriger Schweiß; Puls schwach und unregelmäßig, 44 Schläge pro Minute. Liegen auf einer Couch vor dem Kamin und in kurzen Abständen verabreichter Brandy bewirkten, dass sich die Körperoberfläche allmählich wieder erwärmte und der Puls sich kräftigte. Nach etwa einer Stunde schlief er für fünfzehn Minuten ein und sagte beim Erwachen: „Ich bin wieder in Ordnung“, und so schien es tatsächlich zu sein. Vom vielen Würgen taten am nächsten Tag nur noch die Muskeln etwas weh.
In den Keynotes von H. C. Allen heißt es:
„Bei vollblütigen, plethorischen Menschen.
Blutandrang, besonders zu Hirnbasis, Brust, Wirbelsäule und Magen.
Entzündungen mit heftigen Schmerzen.
Akuter Gelenkrheumatismus, mit hohem Fieber …
Starke Gehirnkongestion, fast apoplektisch, mit heftiger Übelkeit und Erbrechen.
Kongestive Apoplexie, heißer Kopf, blutunterlaufene Augen, belegte Stimme, langsamer, voller Puls, hart wie Eisen.
Das Kind zittert und zuckt, als sei es im Begriff, in Krämpfe zu verfallen (Meningitis).
Beständiges Rucken oder Nicken des Kopfes (Chorea).
Zerebrospinale Erkrankungen (vgl. cicuta virosaCICUTA): mit Spasmen, erweiterten Pupillen, tetanischen Krämpfen, Opisthotonus; kalter, klebriger Schweiß.
Sonnenstich … (siehe gelsemiumGELSEMIUM, glonoinumGLONOINUM, belladonnaBELLADONNA).
Puls: steigt plötzlich an und fällt dann allmählich unter normal ab; langsam, weich, schwach.“
Dann die charakteristische Zunge … (die wir bereits kennen).
Auch Allen betont: „Veratrum viride sollte nicht gegeben werden, nur ‚um den Puls herunterzubringen‘ oder ‚die Herztätigkeit zu regulieren‘, sondern wie jedes andere Mittel auch: der Gesamtheit der Symptome entsprechend.“
Boger (Synoptic Key) hat, möglicherweise aufgrund späterer Erfahrungen, recht viel über Veratrum viride zu berichten:
Plötzliche, heftige Kongestionen; zerebellar oder thorakal; mit Übelkeit und Erbrechen. … Entkräftung der Muskeln. … Kopf: nach hinten geworfen; nickende oder rollende Kopfbewegungen. … Sieht rote Flecken; purpurfarbene Flecken beim Schließen der Augen. … Livides, geschwollenes Gesicht, wird aber beim Aufrichten vom Liegen blass und ohnmächtig.Roter oder trockener Streifen längs der Zungenmitte. … Heftiges Erbrechen ohne Übelkeit. … Langsames, schweres Atmen. … Gleich von Beginn an heftiger Husten.13

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Worauf sich die Aussage bezieht, geht aus dem Zusammenhang bei Boger nicht klar hervor. Vor diesem Satz heißt es dort: „Dyspnœa.“ Auf ihn folgt: „Pneumonia.“ Für Letzteres spräche ein Pneumoniefall, der in den Guiding Symptoms wiedergegeben ist: „After exposure, severe chills and headache, pain in right side, cough …“

Voller, großer, weicher Puls; oder langsamer Puls, bei kräftigem Herzschlag. Hyperpyrexie oder rasch schwankende Temperatur. … Meningitis cerebrospinalis.“
Hauptsymptome
Geist und GemütStreitsüchtig und delirant …
AugenErweiterte Pupillen.
GesichtGerötet.
Trockener Mund, trockene Lippen, den ganzen Tag über.
ZungeIn der Mitte leicht gerötet.
Zunge … mit rotem Streifen längs der Mittellinie.
Zunge: weiß oder gelb, mit rotem Streifen längs der Mittellinie; trocken oder feucht, mit weißem oder gelbem Belag oder ganz ohne Belag; fühlt sich verbrüht an.
MagenErbrechen.
AbdomenSchmerz und Wundheitsgefühl direkt oberhalb des Beckens.
MenstruationUnterdrückt mit zerebraler Kongestion.
Dysmenorrhö: mit kolikartigen Schmerzen; viel Übelkeit und Erbrechen; Plethora; zerebrale Kongestion.
LungenPneumonie, Puls dabei hart, kräftig, schnell; Anschoppung der Lungen, mit Schwächegefühl im Magen, Übelkeit, Erbrechen, langsamem oder aussetzendem Puls.
BlutandrangBesonders zu Hirnbasis, Brust, Wirbelsäule und Magen.
Auffällige oder seltsame Symptome
Große, grüne Kreise um das Kerzenlicht, die sich, als er bei Beginn des Schwindels die Augen schloss, rot färbten.
Schluckauf: fast ständig; schmerzhaft; mit Krämpfen der oberen Speiseröhre.
Erbrechen: langwierig; von eiweißartigem Schleim nach dem Essen; schmerzhaftes, leeres Brechwürgen; bei entzündlichen und zerebralen Erkrankungen; die kleinste Menge Speise oder Trank wird sogleich wieder erbrochen; bei Kollaps, dabei sehr langsamer Puls und kalter Schweiß.
Puerperale Konvulsionen; tobsüchtiges Delirium; „arterielle Erregung“; kalter, klebriger Schweiß. – Wochenbettpsychose mit Krämpfen.
Hände und Füße schrumpelig, als wären sie lange im Wasser gewesen.14

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Ein fragwürdiges Symptom, da das Kind tatsächlich zuvor, wenn auch wohl nicht so lange, gebadet worden war.

Atmung: mühsam, muss sich aufsetzen, dabei kalter Schweiß im Gesicht; schwierig, krampfhaft, fast bis zum Ersticken; Gefühl einer schweren Last auf der Brust.
Pleuritis: hält sich die Seite, klagt, dass er nicht atmen könne; stechende Schmerzen. (BRYONIA)
In kaltem Schweiß gebadet. (Vgl. VERATRUM ALBUM)
Chorea: Zuckungen und Verdrehungen des Körpers, durch Schlaf unbeeinflusst (Gegenteil von AGARICUS); Rucken oder beständiges Nicken des Kopfes ist dabei typisch.
Schneidet Grimassen; ruckweise Bewegungen des Kopfes; Gesicht livide und mit kaltem Schweiß bedeckt (Chorea).
Macht beim Aufstehen eine Reihe von Sprüngen; offenbar kann sie nicht einen Fuß vom Boden lösen, ohne den anderen gleichzeitig mit zu heben (Chorea).
Empfindungen
Als ob der Kopf zerspringen sollte.
Zunge wie verbrüht.
Als ob der Magen fest zur Wirbelsäule gezogen würde. (Vgl. plumbumPLUMBUM, platinumPLATINUM.)
Wie von einer Last auf der Brust.
Wie von feuchter Kleidung an Armen und Beinen. (sepiaSEPIA)
Als ob kochendes Wasser über Teile des Körpers gegossen würde.
Peinigende Schmerzen im unteren Teil des Magens.
Träume von Wasser.

Viburnum opulus und prunifolium

Weitere Namen: Gemeiner Schneeball und Nordamerikanischer Schneeball
Zu ersterer Pflanze sagt Clarke: „Unser Gartenschneeball ist eine kultivierte und unfruchtbare Varietät dieses Strauches.“
Prüfungen von Viburnum opulus wurden von H. C. Allen vorgenommen, mit elf Prüfern – Männern und Frauen. Die Ø sowie die 1. und 30. Potenz wurden verwendet.
Am meisten erfährt man über die ‚Viburnums‘ aus Edwin M. Hales Materia Medica and Special Therapeutics of the New Remedies (Ausgabe von 1880).
Darin schreibt Hale: „Der Arzt, der ein Mittel gegen schmerzhafte Regelblutungen findet, kann sich des Segens Tausender von leidenden Frauen gewiß sein.“
Und er berichtet, dass Viburnum opulus in den Vereinigten Staaten ein traditionelles Mittel für die Behandlung der Dysmenorrhö ist; dass die Ureinwohner es bereits so verwendeten und das Geheimnis an die Weißen weitergaben; dass es als Hausmittel schon mehr als hundert Jahre erfolgreich bei schmerzhaften Frauenleiden eingesetzt wurde. Hale selbst ist erstmals durch die Beobachtung dieser häuslichen Anwendung auf den Wert der Arznei gestoßen. Er benutzte einen schwachen Aufguss der frischen Rinde oder auch Tropfenmengen der Urtinktur, schließlich Dilutionen bis zur D 3. Das Mittel scheint zumeist in den tieferen Potenzen verwendet worden zu sein.
Seinen Angaben zufolge gibt es einige spezifische Indikationen für Viburnum opulus, allen voran die krampfartige Dysmenorrhö; sodann „falsche Wehen, die das Leben der Schwangeren Wochen vor der Geburt zur Qual machen können“, sowie „Nachwehen – eine Gabe nach jeder Wehe“. Schmerzhafte Abdominal- und Beinkrämpfe schwangerer Frauen seien mit diesem Mittel sehr schnell zu beheben. „Es verhindert Fehlgeburten, wenn es rechtzeitig vor Platzen der Fruchtblase gegeben wird und wenn die Wehen krampfartig und bedrohlich werden.“ Hale sagt voraus, dass es sich bei Krampfzuständen sämtlicher Hohlorgane als nützlich erweisen werde. Er habe das Mittel schon in vielen Fällen neuralgischer und krampfartiger Dysmenorrhö verwendet und sei „bisher noch keinem einzigen Fall begegnet, wo es versagt hätte“. So überzeugend waren seine Erfahrungen, dass er sich die Mühe machte, alte Fälle herauszusuchen, die er Jahre zuvor als unheilbar entlassen hatte; „und bis jetzt konnte noch jeder dieser alten, hartnäckigen Fälle durch diese Arznei geheilt werden.“
Auch durch Kollegen, die ihm nach seinen ersten Berichten über den Wert von Viburnum Opulus GESCHRIEBEN hatten, erfuhr Hale vielfache Bestätigung. Einer von ihnen berichtete auch von der Heilung einer membranösen Dysmenorrhö; „falls dies bestätigt werden sollte, haben wir jetzt vier Heilmittel für dieses schmerzhafte Leiden – boraxBORAX, guajacumGUAJACUM, ustilagoUSTILAGO und Viburnum opulus.“
„Ich würde mich nicht wundern“, schreibt er weiter, „wenn es sich auch bei Verkrampfungen des Herzens, wie sie ja bei Angina pectoris eine Rolle spielen, als nützlich erweisen sollte; oder vielleicht auch bei Laryngospasmus.“
(Warum nicht auch bei Asthma?)
Viburnum prunifolium scheint, so Hale, einige Eigenschaften von Viburnum opulus zu besitzen; doch sei es hinsichtlich seiner Heilkräfte wahrscheinlich nicht ganz mit diesem identisch. Hale hat die Tinktur mit gutem Erfolg bei drohenden vorzeitigen Wehen oder drohender Fehlgeburt eingesetzt, ebenso bei Dysmenorrhö und sonstigen krampfartigen Uterusschmerzen.
Ein Allopath aus Alabama, Dr. Phares, den Hale zitiert, sagt dazu: „Es ist besonders wertvoll zur Verhinderung eines Aborts oder einer Fehlgeburt, seien diese habitueller bzw. spontaner Natur oder anderweitig bedingt, z.B. durch Unfall oder vorsätzlichen Missbrauch von Arzneipflanzen. … Die regelmäßige Verabfolgung des Viburnums neutralisiert vollständig die Wirkung von gossypiumGOSSYPIUM15

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GOSSYPIUM HERBACEUM, der Baumwollstrauch; verwendet wird die Wurzelrinde.

(das zu Abtreibungszwecken verwendet wird) und zwingt die pflichtvergessene Mutter, ob sie will oder nicht, den Fötus bis zum Ende auszutragen. Einige Farmer, auf deren Plantagen ich dieses Mittel benutzte und die viel von seiner Wirkung auf Negerinnen gesehen haben, welche es sonst immer fertiggebracht hatten, einen Abort herbeizuführen, sind fest davon überzeugt, dass es keiner Frau mehr möglich ist, abzutreiben, wenn sie gezwungen wird, regelmäßig Viburnum prunifolium einzunehmen.16

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Es sei an dieser Stelle daran erinnert, dass der hier zitierte Text von einem Südstaatler geschrieben wurde, zu einer Zeit, da die Sklaverei noch nicht abgeschafft war.

Dies mag vielleicht etwas übertrieben sein; zumindest hat es aber in jedem Fall, wo ich es zu diesem Zweck verordnet habe, den Abbruch der Schwangerschaft verhindert, und meines Wissens ist es in keinem Fall, wo dieses Mittel vorbeugend eingenommen wurde, zu einer Fehlgeburt gekommen.“ Anschließend bringt Hale einige interessante Fälle von Dr. Phares.
Ich selbst kann dem nur noch hinzufügen, dass ich Viburnum prunifolium bei bestimmten Fällen von drohendem Abort in Urtinktur verabreicht habe – soweit ich mich erinnern kann, mit Erfolg.
Dass Viburnum opulus zu den Leiden, für die es seit alters her in der Medizin der Indianer und als Hausmittel heilbringend eingesetzt wird, vollkommen homöopathisch ist, wird aus den folgenden Prüfungen ersichtlich, von denen einige mit der 30. Potenz vorgenommen wurden. Von daher würde es wahrscheinlich auch in den höheren Potenzen ebensogut, möglicherweise sogar besser wirken und weniger häufige Wiederholungen erforderlich machen. Aber damit habe ich leider keine persönlichen Erfahrungen – noch nicht!
Die wichtigsten Symptome (Viburnum opulus)
KopfDumpfer Stirnkopfschmerz.
Weibliche GenitalienKrampfartige Koliken im Unterleib, die fast unerträglich sind; die Schmerzen kommen plötzlich und mit schrecklicher Heftigkeit. (Während der Regel und auch unabhängig davon.)
Vor den Menses: starkes Herabdrängen; Ziehen in den vorderen Oberschenkelmuskeln; schweres Drücken in der Kreuzbeingegend und über dem Schambein; gelegentliche, heftig stechende Schmerzen in den Eierstöcken, die sie so nervös machen, dass sie nicht stillsitzen kann; quälende, kolikartige Krampfschmerzen im Unterleib und in der Gebärmutter; die Schmerzen beginnen im Rücken, ziehen herum und enden in Uteruskrämpfen.
Während der Menses: Übelkeit; Krampfschmerzen und große nervöse Unruhe; Blutfluss hört für mehrere Stunden auf, kommt dann in Form geronnener Klumpen wieder.
Menstruationsfluss spärlich, dünn, hellrot, mit Schwindel- und Benommenheitsgefühl im Kopf; Ohnmachtsgefühl beim Versuch, sich aufzusetzen; krampfartige oder membranöse Dysmenorrhö.
Fluor: dünnflüssig, gelblichweiß oder farblos; bei Stuhlgang jedoch ist der Ausfluss dick, weiß und mit Blutstreifen untermischt.
Neuralgische oder krampfartige Dysmenorrhö.
Schmerzen beginnen im Rücken, ziehen herum zu den Lenden und von dort quer herüber zum Schambein, wie bei Wehen.
Ovarien empfindlich, bei Dysmenorrhö.
Krampfartige Schmerzen und Spasmen des Magens, des Darms, der Blase oder anderer Organe, als Reflex einer uterinen Reizung.
Schmerzhafte Abdominal- und Beinkrämpfe bei schwangeren Frauen.
Verhindert Fehlgeburten, wenn es rechtzeitig vor dem Platzen der Fruchtblase gegeben wird und wenn die Wehen krampfartig und bedrohlich sind.
NervenHysterische Krämpfe durch uterine Reizung.
Allgemeiner Reizzustand des Nervensystems.
Schmerzhafte Krämpfe und Kontraktionen der Gliedmaßen, besonders während der Schwangerschaft.
An eigentümlichen Empfindungen seien genannt …
Gefühl von Öffnen und Schließen im Bereich des linken Scheitelbeins (am Hinterkopf: cocculusCOCCULUS; vgl. auch cannabis indicaCANNABIS INDICA).
Schmerzen wie von Messerstichen in Augen und Ohren.
Gefühl, als ob das Ohr an den Kopf geheftet wäre.
Ungeheures Übelkeitsgefühl im Magen, als ob sie sterben müsste.
Gefühl, als würden sich die Beckenorgane ‚auf den Kopf stellen‘.
Gefühl des Kollabierens in einem Bereich, der sich von der Taille bis zum kleinen Becken erstreckt.
Gefühl, als verließe der Atem den Körper und als hörte das Herz auf zu schlagen.
Umklammerungs- und Krampfschmerzen im Herzen.
Quälender Krampfschmerz im Herzen.
Beklemmungsgefühl auf der ganzen Brust; Atemnot, als ob die Brustmuskeln versagten.
Schwirrendes Gefühl in den Händen, als ob sie platzen wollten.
Im Schlaf ein Gefühl zu fallen; wacht mit einem Ruck auf. (Vgl. thujaTHUJA.)
Dr. Boger, der offenbar spätere Erfahrungen noch mit verarbeiten konnte, hebt einige weitere Punkte hervor:
Heftige nervöse oder spasmodische Wirkungen, bei Frauen.
Kann nicht stillhalten.
Schmerzhafte Muskelkrämpfe [Crampi].
Hämorrhagien.
Häufiges, reichliches Harnen: bei Kopfschmerzen, Menses, Blutungen etc.
Schweres Drücken oder quälende Krämpfe im Becken, > bei den Menses.
Dysmenorrhö; mit Flatulenz, lautem Aufstoßen und Nervosität.
Fehlgeburt. Falsche Wehen.
Uterusblutungen.
Erstickungsanfälle, nachts; < durch feuchte Kälte.
Asthma bei Kindern.
Schmerzen im Rücken, die in Uteruskrämpfen enden oder die Vorderseite der Oberschenkel hinunterziehen.

Viscum album

Weitere Namen: Mistel
Viscum album ist eines unserer wenig bekannten Arzneimittel und kann auch nicht gerade als gut geprüft gelten. Aber ein Mittel, das bereits Chorea und Epilepsie geheilt hat, sollte man nicht einfach links liegenlassen.
Es war ein Fall des verstorbenen Dr. Robert Cooper, der mir dieses Mittel wieder ins Gedächtnis gerufen hat. So will ich denn versuchen, ihm Gerechtigkeit widerfahren zu lassen und es für uns alle zugänglich zu machen.
C. M. Boger (Synoptic Key) widmet ihm nur wenige Zeilen, sieht aber eine Verwandtschaft mit bufoBUFO. Einer seiner Punkte ist „Schwindel nach epileptischen Anfällen, mehrere Wochen anhaltend“. In der letzten Ausgabe des ‚Boericke‘ sind bereits recht viele Symptome verzeichnet; vor allem aber hat Clarke in seinem Dictionary eine Menge über Viscum album zu sagen.
Clarke, Burnett und Cooper – es fällt schwer, von ihnen in der Vergangenheitsform zu reden, sprechen sie doch auch nach ihrem Tod noch so überzeugend zu uns. So verschieden ihre Wege waren, zusammen bildeten sie ein wunderbares Trio genialer Köpfe. Jeder von ihnen scheint die beiden anderen ideal ergänzt zu haben.
Eigentlich ist die Mistel ein sehr altes Heilmittel – bei Epilepsie und Chorea, bei Störungen der Milz sowie bei ‚Schwären‘ (eitrige Geschwüre, Abszesse), wie der alte Culpeper vor gut dreihundert Jahren schrieb. Wir werden gleich sehen, inwieweit man ihm in unseren Tagen noch folgt. Er spricht nicht nur von der Mistel, sondern auch von den Qualitäten des Vogelleims, der aus den Beeren der Mistel gewonnen wird; er eigne sich, „um dicke und dünne Säfte reifen zu lassen und aus entlegenen Teilen des Körpers herauszuziehen, sie zu verdauen und zu trennen; um die Härte der Milz zu erweichen; um alte Geschwüre und Wunden zu behandeln; vermischt mit Sandarak und Rauschgelb hilft er, faulende Nägel herauszuziehen. Mistel, zu Pulver zerrieben und ins Getränk gegeben, ist gut gegen die Fallsucht (Epilepsie). Der aus dem zerstoßenen frischen Holze herausgezogene Saft ist, in die Ohren getropft, wirksam zum Heilen der Schwären in selbigen. Mistel ist eine Kopf- und Nervenmedizin, nützlich für Krampfanfälle, Lähmung und Schwindel.“
Diese alten Nutzanwendungen haben noch immer ihre Bedeutung.
Viscum album ist verschiedentlich geprüft worden; bei einer dieser Prüfungen kam es zu Symptomen von epileptischer Aura und Petit mal, die anschließend noch zwei Jahre lang häufig wiederkehrten.
Clarke weiß viele Tatsachen von großem Interesse über die Mistel zu berichten. So heilte Viscum album einen edlen Pferdestamm, bei dem die Tiere im Alter von vier Jahren epileptisch wurden. Es hat Chorea geheilt, Leiden der Ohren, der Milz, der Gebärmutter. Auch von mehreren Fällen „katarrhalischer Taubheit mit Ohrgeräuschen“ sind Heilungen überliefert.
Sonderbar sind die folgenden psychischen und physischen Symptome, die Clarke anführt … Hat, solange das Zittern besteht, das Gefühl, als müsste sie gleich etwas Entsetzliches tun. – Bleibt nachts wach und stellt sich die grausigsten Dinge vor. – Zittern in den Gliedern, Klappern der Zähne … Zuckungen mal hier, mal dort. – Neigung zu röchelnder Atmung (ein Keuchhustenfall wurde innerhalb von zwei Tagen geheilt). – Gefühl auf dem linken Handrücken, als ob eine große Spinne darüberkrabbele; kurz darauf das gleiche Gefühl auf dem rechten Handrücken. – Ein anderes seltsames Gefühl: als ob etwas sie von der Taille an nach unten ziehen würde; unmittelbar darauf scheint der Oberkörper in der Luft zu schweben.
Bei tödlichen Vergiftungsfällen waren alle Muskeln des Körpers gelähmt, mit Ausnahme der Augen. Die Opfer konnten weder sprechen noch schlucken und starben am achten oder neunten Tag.
Dr. Cooper schreibt zu einem Fall, den er heilte:
„Was meine Gründe angeht, Viscum album zu verschreiben – in erster Linie sind dies die wohlbekannten Wirkungen des Mittels auf choreatische Symptome. In dem vorliegenden Fall hatten wir Zittern des Herzens, nächtliches Zucken der Glieder und heftige Schüttelkrämpfe bei einem katalepsieähnlichen Zustand von Bewusstlosigkeit, der über Stunden anhielt. Die Verschreibung von Viscum war hier mehr als gerechtfertigt im Hinblick auf Hahnemanns Prinzip, dass es die Symptome sind, die mit der Arznei übereinstimmen müssen, und nicht etwa die Namen von irgendwelchen Krankheiten …“ Er zitiert außerdem einen Autor, der meint, Viscum habe sich bei Wehen allen anderen Mitteln, die er bisher probiert habe, weit überlegen gezeigt.

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