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B978-3-437-56865-7.00001-X

10.1016/B978-3-437-56865-7.00001-X

978-3-437-56865-7

Homöopathika A

Abies canadensis
AllgemeinesGreift die Schleimhäute und die Nerven an. Ruft im Magen einen katarrhalischen Zustand hervor, mit gesteigertem Appetit und starkem Verlangen nach kräftiger, derber Kost, etwa nach in Essig Eingelegtem, Rettich, weißen Rüben usw. Patient möchte, aufgrund eines nervösen Schwächezustands, die ganze Zeit liegen; flaues Schwächegefühl. Bei Frauen erzeugt das Mittel Uterusverlagerungen, infolge mangelhafter Ernährung und Schwäche. Eigentümliche Empfindungen: als ob die rechte Lunge und die Leber hart und klein wären; als ob der Uterus weich wäre. Liegt mit angezogenen Beinen.
Geist und GemütLeicht gereizt, oder ruhig und sorglos.1

1

Das Prüfungssymptom lautet: Gemüt ruhig, sorglos, aber leicht gereizt.

KopfSchwindelgefühl, wie schwummrig im Kopf [wie beschwipst].
MagenHeißhunger. Neigung, viel mehr zu essen, als man vertragen kann. Auftreibung von Magen und [Ober-]Bauch, mit Herzklopfen.
Weibliche GenitalienWundheitsgefühl am Fundus uteri, besser durch Druck. Empfindung, als wäre der Uterus weich und schwach.
FieberKälteschauer, als wäre das Blut zu Eiswasser geworden.
HautKalt, feucht, klebrig.

  • Abies canadensis Michx. = Tsuga canadensis (L.) Carr. ist die Hemlock- oder Schierlingstanne. Die Tinktur wird aus der frischen Rinde und den jungen Zweigspitzen (mit Nadeln) gewonnen.

  • Es existiert eine Prüfung (laut AE von Gatchell, laut Mezgers Gesichteter Arzneimittellehre von Milspaugh). Klinische Erfahrungen werden in Hales New Remedies aufgeführt.

Abies nigra
AllgemeinesEin nützliches Mittel bei vielen pathologischen Zuständen, wenn sie mit gastrischen Symptomen verbunden sind. Es erzeugt Dyspepsie mit funktionellen Herzsymptomen, besonders bei alten Menschen. Auch bei Verdauungsstörungen von Personen, die zuviel Tee trinken oder Tabak rauchen bzw. kauen, wird es von Nutzen sein. Das Hauptsymptom bei Dyspepsie ist ein Gefühl, als ob ein hartgekochtes Ei in der Pars cardiaca des Magens festsäße. Dies kann von Patienten auch als eine Empfindung beschrieben werden, als ob ein harter Klumpen in der Magengrube wäre – oder auch in der Lunge [bzw. in der Brust], mit dem Bedürfnis, den vermeintlichen Fremdkörper auszuhusten.
SchlimmerNach dem Essen.
Geist und GemütSehr niedergeschlagen; unfähig zu denken oder zu lernen.
MagenGänzliche Appetitlosigkeit morgens, dagegen mittags und nachts starkes Essverlangen. Magenschmerzen immer nach dem Essen.
Atemwege, HerzAtemnot, schlimmer nach dem Hinlegen. Schweres, langsames Schlagen des Herzens. Tachykardie oder Bradykardie.

  • Picea mariana (Mill.) B. S. P., die Amerikanische Schwarzfichte. Die Tinktur wird aus dem Harz hergestellt.

  • Es existieren Prüfungen mit der Tinktur (von Leaman oder Seaman, die Schreibung variiert) und mit Potenzen (von Bell); ferner eine Beobachtung von St. Clair Smith. Sie sind zugänglich u. a. in AE, Band 1 und 10.

Abrotanum
AllgemeinesWirkt auf die Nerven und verursacht Taubheitsempfindungen, Schwäche, Zittern und Lähmungszustände. Angezeigt bei Marasmus von Kindern mit gestörter Assimilation. [Die Speisen passieren den Darm unverdaut.] Trotz guten Appetits magern die Kinder ab, besonders an den unteren Extremitäten. Verursacht echte metastatische Zustände2

2

Metastasis oder Metastasierung ist die Verlagerung von Krankheitsprozessen von einem Organ zu einem anderen. Neben den im Text folgenden metastatischen Prozessen wird bei Abrotanum unter anderem auch genannt: Mumps, der sich von der Parotis auf die Hoden oder Mammae verlagert (Farrington, Kent).

; auch alternierende Zustände, wenn ein Krankheitszustand verschwindet und stattdessen ein anderer erscheint. Etwa: Hämorrhoiden wechseln mit Rheumatismus. Wenn Durchfall aufhört oder gestoppt wird, tritt Rheumatismus auf. Beschwerden nach Zurücktreten von Gicht [Nasenbluten, Nierenblutungen]. Neigung zur Exsudation. Ergüsse als metastatische Prozesse oder in anderem Zusammenhang, in den Pleuraraum, die Gelenke usw. Passt bei Beschwerden von Neugeborenen und kleinen Kindern, besonders Jungen: Hydrozele; Nasenbluten; beseitigt Schwäche, die nach einer Influenza zurückbleibt. Nässen und Sickern von Blut aus dem Nabel bei Neugeborenen. [Magenverstimmung mit] Erbrechen von großen Mengen einer übel riechenden Flüssigkeit. Nachwirkungen von Brustoperationen3

3

Etwa aufgrund von Hydrothorax (besonders Pleuraerguss) oder Empyem, nach Boericke. Als eine Nachwirkung führt dieser ein anhaltendes Druckgefühl in der betroffenen Seite an.

.
SchlimmerKalte Luft; Nässe. Nebel. Aufhören bzw. Unterdrückung von Absonderungen; insbesondere Diarrhö. Nachts.
BesserSolange Durchfall besteht. Bewegung.
Geist und GemütGroße Angst und Niedergeschlagenheit. Übellaunig und reizbar (marastische Kinder). Das Denken fällt schwer; mangelndes Begriffsvermögen [als ob alle körperlichen und geistigen Kräfte aufgebraucht wären]. Hat das Gefühl, als würde sie gern etwas Böses, Grausames tun; keine Menschenliebe.
KopfKann den Kopf nicht aufrecht halten, weil der Hals schwach ist. Gefühl von Schwäche [besonders der linken Hälfte] des Hirns, es scheint von Gesprächen oder geistiger Anstrengung leicht zu ermüden. Geschwollene Stirnadern. [Teleangiektasien.]
AugenBlaue Ringe um die Augen. Hohläugig.
NaseNasenbluten bei Knaben.
GesichtFaltig, greisenhaft aussehend, trockene Haut, Kältegefühl; bei Marasmus. Blass und hohläugig. [Komedonen-]Akne, mit Abmagerung. [Rosacea.] Hämangiom des Gesichts.
MagenFortschreitende Abmagerung, bei gutem Appetit. Speisen passieren den Magen-Darm-Trakt unverdaut. [Nagender Hunger]; Verlangen nach in Milch gekochtem Brot. Schneidende, nagende, brennende Schmerzen im Magen, besonders nachts. Empfindung, als ob der Magen in Wasser schwimmen würde; mit Kältegefühl.
AbdomenGefühl von harten Klumpen in verschiedenen Teilen des Abdomens. Gebläht, aufgetrieben [kann kaum gehen oder sich bücken]. Peritonitis tuberculosa. Flaues Schwächegefühl in den Därmen. Hämorrhoiden, hervortretend, die bei Berührung brennen. [Hämorrhoiden, die schlimmer werden, sobald die rheumatischen Schmerzen nachlassen]; häufiger Stuhldrang, es kommt aber nur etwas Blut.
Männliche GenitalienHydrozele bei Jungen.
Weibliche GenitalienSchießender Schmerz in der Gegend des linken Eierstocks. Ausbleiben der Menstruation.
AtemwegeTrockener Husten folgt auf Diarrhö. Nach Pleuritis [und nach Brustoperationen] bleibt in der betroffenen Seite ein Druckgefühl zurück, das das freie Atmen behindert.
Äußerer Hals und RückenPlötzlicher Rückenschmerz, schlimmer nachts, besser durch Bewegung. Kreuzschmerzen bei Hämorrhoiden. Schwäche des Rückens, mit Schmerzen [und sich zum Rücken erstreckenden Zuckungen] in den Ovarien.
ExtremitätenSchmerzen in Schultern, Armen, Hand- und Fußgelenken. Beine sehr abgemagert. Finger und Zehen kalt, taub, prickelnd. Kann die Gliedmaßen nicht bewegen, bei Rheumatismus. Kontraktionen der Glieder infolge schmerzhafter Krämpfe oder nach einer Kolik.
HautSchlaff, lose am Körper hängend. Blaurote Verfärbungen der Haut; nach Unterdrückung von Ausschlägen. Juckende Frostbeulen.
Folgt gut aufAconitum und Bryonia bei Pleuritis.
VerwandtAgaricus; China; Ledum; Nux vomica.

  • Die Eberraute, auch Zitronenkraut genannt, Artemisia abrotanum L. Die Tinktur, die in den Prüfungen verwendet wurde, stammt aus den frischen Blättern und Stängeln. Es sind auch Tinkturen aus der ganzen frischen Pflanze „zur Zeit der beginnenden Blüte“ benutzt worden.

  • Die älteren homöopathischen Prüfungen von Gatchell und Cushing sind zugänglich in AE, Band 1 und 10, eingeordnet jeweils unter dem Titel „Artemisia Abrotanum“. Die Symptome einer weiteren Prüfung von Stockebrand, veröffentlicht in Hippokrates 1947, sind z. T. in Mezgers Gesichteter Arzneimittellehre nachzulesen. Laut Hering ist die Arznei von Deventer (Homöopathische Pharmacopöe, 2. Aufl. 1878) in die homöopathische Materia Medica eingeführt worden.

Absinthium
AllgemeinesErzeugt Krampfanfälle, denen Zittern vorangeht. Bei den Anfällen beißt der Patient sich auf die Zunge, Schaum tritt vor den Mund, die Gesichtszüge sind krampfhaft verzerrt. Tremor ist ein ausgeprägtes Kennzeichen: Zittern der Zunge, Herzzittern. Plötzliche und heftige Schwindelattacken, epileptiforme Anfälle, Delirium mit Halluzinationen, Bewusstlosigkeit. Die Anfälle treten in schneller Folge auf. Ein nützliches Mittel bei nervöser Unruhe, Aufregung und Schlaflosigkeit von Kindern. Chorea. Opisthotonus.
Geist und GemütSchwindel [beim Aufrichten], mit Neigung, rückwärts hinzufallen. Vergisst, was eben geschehen ist; nach den Krampfanfällen kann er sich an nichts erinnern, [weiß auch nicht mehr, warum und ob er die Droge überhaupt genommen hat]. Will mit niemandem etwas zu tun haben. Gewalttätiger, brutaler Irrsinn [im Wechsel mit Stupor]. Kleptomanie.
OhrenOtorrhö; besonders nach Migräne.
GesichtKrampfhafte Gesichtszuckungen. Törichter, blöder Blick [und idiotisches Benehmen].
HarnwegeHarn hochgestellt, tiefgelb, sehr stark riechend [nach Pferdeurin].
HerzStürmischer, tumultuarischer Herzschlag, das Pochen ist im Rücken zu hören.
Weibliche GenitalienBei vorzeitigem Eintritt der Menopause.
VerwandtArtemisia vulgaris; Cicuta virosa; Cina; Hydrocyanicum acidum.

  • Stammpflanze ist Artemisia absinthium L., der Wermut. Die Tinktur wird aus den frischen jungen Blättern und Blüten hergestellt.

  • An homöopathischen Prüfungen ist nur eine einzige zu verzeichnen, die von Gatchell an einer Frau vorgenommen wurde, zugänglich in AE, Band 1. Die meisten epileptiformen Symptome stammen aus Beobachtungen von akuten und chronischen Vergiftungen mit Absinth, einem Wermutschnaps, der in den romanischen Ländern, besonders in der Schweiz, weit verbreitet war, wegen seiner Schädlichkeit dann aber verboten wurde. Laut Allen enthält dieses Destillat neben Oleum absinthii, dem ätherischen Öl des Wermuts, auch andere Artemisia-Arten. Diese Beobachtungen sind in AE, Band 1 und 10, in Herings Guiding Symptoms und in Clarkes Dictionary gesammelt.

Aceticum acidum
AllgemeinesZu den Leitsymptomen dieser Arznei gehören: profunde Anämie, mit wachsartiger Gesichtsblässe; extreme Abmagerung; große Hinfälligkeit; häufige Ohnmachten; erschwerte Atmung; Herzschwäche; reichlicher Harnabgang und Schweiß; Erbrechen. Der Essig antidotiert die Wirkung aller Inhalationsanästhetika.4

4

Guernsey, Keynotes: „Tauche den Finger in Essig und reibe ihn in die Zunge.“

Krämpfe; springt wie wahnsinnig aus dem Bett und wälzt sich auf dem Boden. Nützlich bei generalisiertem Hydrops ana sarca und anderen hydropischen Affektionen. Blutungen: aus Nase, Magen, Darm, Lungen, [Uterus] usw., auch aus Geschwüren. Kinder wollen getragen werden. Nävi, Warzen, Hühneraugen.
Geist und GemütGrämt sich sehr wegen seiner Krankheit, hat Angst um seine Kinder. Besorgt über geschäftliche Angelegenheiten. Macht sich unnötig Sorgen. [Glaubt, es würde etwas Schlimmes passieren.] Vergisst, was eben erst geschehen ist. Erkennt niemanden, nicht einmal die eigenen Kinder.
KopfKopfweh von Narkotika- oder Tabakmissbrauch. Kinder lassen sich nicht am Kopf berühren.
NaseNasenbluten, besonders nach Sturz oder Schlag.
GesichtLinke Wange rot, bei Fieber. Wachsartig blass, abgezehrt.
HalsKinder sind durstig, haben aber Schluckbeschwerden, selbst wenn es nur um einen Teelöffel voll Wasser geht (bei Diphtherie).
MagenKein Durst bei Fieber. Großer Durst bei Ödemen. Heftiger, brennender Schmerz in Brusthöhle und Magengegend, gefolgt von Kälte der Körperoberfläche und kaltem Schweiß auf der Stirn. Erbrechen nach jeder Speise. Magengeschwür, Magenkrebs. Unbekömmlich: kalte Getränke [liegen schwer im Magen]; Gemüse, außer Kartoffeln; Brot und Butter.
AbdomenTympanie. Aszites. Darmblutungen. Chronische Diarrhö, bei abgemagerten Kindern. Szirrhus des Magenpförtners.
HarnwegeAusscheidung großer Mengen blassen Urins. Diabetes, mit starkem Durst und großer Schwäche.
Weibliche GenitalienUterusblutungen: mit großem Durst; nach Entbindung. Drohender Mammaabszess. Milch nährstoffarm [verringerter Casein- und Fettgehalt], bläulich, sauer; der Säugling ‚kümmert‘, nimmt ab, wird marastisch.
AtemwegeHusten beim Einatmen. Beschleunigtes und mühsames Atmen. Rasseln [im Hals oder] in der Brust.
Äußerer Hals und RückenRückenschmerz (Myelitis), der nur in der Bauchlage gelindert wird; mit reichlichem Harnabgang.
ExtremitätenÖdem der Füße und Beine, mit Durchfall.
HautVerminderte Sensibilität der gesamten Körperoberfläche. Brennende, trockene Haut [oder profuse Schweiße].
FieberFebris hectica; mit durchnässenden Nachtschweißen; Schweiße reichlich und kalt.
VerwandtFolgt gut auf China bei Blutungen.

  • Aceticum acidum ist die Essigsäure, CH3–COOH.

  • Das Arzneibild besteht vornehmlich aus Vergiftungssymptomen: ein Fall von Vergiftung mit „Radikalessig“ (Essigalkohol), beobachtet von Melion, unter anderem in Franks Magazin 3:343 nachzulesen; die chronischen Vergiftungserscheinungen bei einem Arbeiter in einer Essigfabrik, berichtet von Hering in der AHZ 43:74; Folgen starken Konsums von „Acetum rosarum“ (Rosenessig) bei einer Amme und dem von ihr gesäugten Kind; und weitere Folgen von Essigtrinken (unter anderem von Berridge beschrieben). All diese Fälle sind auch in AE, Band 1 und 10, wiedergegeben; daneben hat Allen auch Symptome aus diversen Sammlungen aufgenommen.

Aconitum
AllgemeinesDie Symptomatik von Aconitum wird von seiner rasanten Wirkungsgeschwindigkeit bestimmt. Seine Symptome sind akut, heftig und schmerzhaft. Sie erscheinen plötzlich und bleiben nur kurze Zeit bestehen – wie ein Orkan aus heiterem Himmel, der sich bald wieder legt. Geist und Gemüt werden von emotionalen Faktoren in Mitleidenschaft gezogen, besonders Schreck; auch Schock und Ärger. Nervöse Erregung, der Patient steht unter anhaltender nervöser und emotionaler Spannung. Die neuralgischen Schmerzen sind sehr stark. Extreme Furcht, so stark, dass der Patient außer sich gerät, schreit, stöhnt, an den Fäusten nagt, sich auf die Nägel beißt, sich den Tod wünscht. Nach einem Schreck bleibt Furcht zurück.5

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Etwa: Der Patient hat einen Schreck in der Dunkelheit erfahren und ist seitdem im Dunkeln immer ängstlich (Nash, Leaders).

Furcht begleitet die meisten Beschwerden, selbst ganz unbedeutende. Herz und arterielles Gefäßsystem werden stark angegriffen, die Arznei erzeugt Blutandrang zum Kopf (oft apoplektisch) und zur Brust. Sie kann bei akuten Entzündungen und Kongestionen angezeigt sein. Blutungen sind hellrot. Die Schmerzen sind stechend und reißend. Ausgeprägte Empfindungen von Brennen, Taubheit, Kribbeln, Prickeln, Krabbeln oder Laufen. Gefühl, Körperteile seien zu groß oder deformiert. Schmerzhafte Empfindlichkeit äußerlich, bei innerlichem Schweregefühl. Plötzliches Sinken der Kräfte – Kollaps. Die speziellen Sinne sind geschärft und überempfindlich. Nach Schmerzen bleiben Wundheits- oder Taubheitsempfindungen in den betroffenen Teilen zurück. Konvulsionen. Ohnmachtsanwandlungen. Kinder führen die Hände zu dem betroffenen Körperteil. Beschwerden durch kalte, trockene Luft, insbesondere Erkrankungen der Atemwege. Magen-Darm-Störungen durch sehr heißes Wetter. Passt besonders auf Menschen mit robustem Körperbau. Beschwerden nach chirurgischen Eingriffen, nach Verletzungen, Verletzungsschock; auch nach Hemmung der Schweißsekretion. [Unmittelbare und] entfernte Folgen von Schreck. Schreit auf und greift sich an die Genitalien [bei Zystitis oder Harnverhaltung beobachtet]. Krepitationen.
SchlimmerHeftige Emotionen: Schreck; Schock; Ärger. Erkältung oder Verkühlung: durch Einwirkung trockener Kälte, besonders während man schwitzt. Druck und Berührung. Im Bett, nachts, abends. Liegen auf der Seite. Geräusch. Licht. Zahnung. Während der Menstruation. [Sonneneinstrahlung, vor allem] Schlafen in der Sonne. Musik. Tabakrauch. Einatmen.
BesserIm Freien. In Ruhe. Durch warmen Schweiß.
Geist und GemütGroße Angst, quälende Furcht und Unruhe begleiten jede Beschwerde, sei sie auch noch so unbedeutend. Furcht: vor dem Tod; vor Gedränge; die Straße zu überqueren; vor der Zukunft; auf der Straße fürchtet er an die Vorübergehenden anzustoßen. Ungeduld; außer sich; zum Wahnsinn getrieben durch die Intensität der Schmerzen; mit Furcht; schreit, stöhnt, nagt an den Fäusten, beißt sich auf die Nägel; wünscht sich den Tod. Angst, aus dem Haus zu gehen. Vorahnungen, sagt den Zeitpunkt des Todes voraus. Von Entsetzen gepackt. Musik macht wehmütig. Ahnungen, wie die eines Hellsehenden6

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Etwa: Spürt, dass seine Geliebte eben die gleiche Stelle gesungen haben muss wie er, obwohl er das nicht wissen konnte (vgl. Hahnemann, Reine Arzneimittellehre).

. [Mangel an Gedächtnis]; was er eben erst getan hat, ist ihm wie ein Traum, [und er kann sich dessen kaum entsinnen.] Delirium. Wechselnde Stimmungen; bald Lachen und Singen, bald Traurigkeit und Ängstlichkeit. Ängstlich, aufgeregt, nervös, fieberhaft. Bildet sich ein, ein Körperteil wäre deformiert. Fühlt, dass das Denken [nicht im Kopf, sondern] in der Gegend der Magengrube vor sich geht.
KopfSchwer, heiß, zum Bersten voll. Brennendes Kopfweh; Schwanken und Schaukeln im Gehirn. Als wenn ein heißes Eisen um den Kopf gespannt wäre; als wenn das Gehirn von siedendem Wasser bewegt würde. Heftiges Klemmen oder berstendes Herausdrücken in der Stirn oder in den Augen. Kopfweh mit vermehrtem Harnfluss. Schwindel, schlimmer beim Aufrichten, auch bei jeder anderen Kopf- oder Körperbewegung. Gefühl, als zerrte ihn jemand bei den Haaren aufwärts; als sträubten sich die Haare. Empfindung von Knistern im Kopf [in Schläfen, Nase und Stirn]. Klopfen in der Stirn. Schlägt sich an den Kopf.
AugenFühlen sich trocken und heiß an; mit Gefühl wie von Sand darin. Lider geschwollen, hart und rot. Schießende Schmerzen in den Augäpfeln. Kann die Reflexion des Sonnenlichts im Schnee nicht ertragen. Konjunktivitis von Splittern oder anderen Fremdkörpern im Auge. Augen glänzend, funkelnd; stier; trüb, matt. Lichtscheu, oder „Lichtsucht, Begierde, ins Helle zu sehen“.
OhrenSehr geräuschempfindlich. Musik ist unerträglich [es geht ihr durch alle Glieder, sie wird ganz wehmütig]. Gefühl, als ob ein Wassertropfen im Ohr wäre.
NaseNasenbluten; mit Taubheit der Nase. Äußerste Empfindlichkeit des Geruchssinns [widrige Gerüche greifen sie sehr an]. Schmerz an der Nasenwurzel [klemmend, als wenn man den Verstand verlieren sollte, oder betäubendes Zusammendrücken]. Trockene, verstopfte Nase, oder Heraustropfen heißer, klarer Flüssigkeit in geringer Menge.
GesichtÄngstlicher Gesichtsausdruck; abwechselnd rot und blass. Heiße, rote Wangen. Rotes Gesicht, das beim Aufrichten totenblass wird, oder Aufrichten erzeugt Schwindelgefühl. Röte und Hitze der einen, Blässe und Kälte der anderen Wange. Gesichtsneuralgie mit Unruhe, Kribbeln und Taubheitsempfindungen. Schwarze, trockene, sich abschälende Lippen. Das ganze Gesicht fühlt sich schwer, [taub und wie gelähmt] an. Kaubewegungen des Unterkiefers.
MundZahnschmerzen, auch in gesunden Zähnen. Klopfende Schmerzen in Zähnen und Kopf. Zähneknirschen. Zahnfleisch heiß und entzündet. Gefühl von Anschwellung der Zunge. Alles schmeckt bitter außer Wasser. Wasser hat einen schlechten Geschmack.7

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Aus Bogers Synoptic Key, aber nirgends bestätigt. Im Gegenteil wird wiederholt erwähnt, dass Wasser gut schmeckt und in großen Mengen getrunken wird. Vielleicht liegt eine Verwechslung mit dem folgenden Symptom aus der Reinen Arzneimittellehre vor.

[?] [Lätschiger, fischartiger Geschmack, wie von abgestandenem, fauligem Wasser.] Zitternde Sprache, zeitweise Stottern. Mund und Zunge taub; trockene brennende Hitze im Mund. Kribbeln beim Husten und Schlucken.
HalsRot, trocken, heiß, zusammengeschnürt; Würgegefühl oder Verschlucken beim Schlingen. Mandeln geschwollen und trocken.
MagenErbrechen mit Ängstlichkeit, Hitze, starkem Schweiß und vermehrtem Harnfluss. Starker, brennender Durst. Verlangen nach Bier, nach sauren oder bitteren Getränken. Durst; Verschlimmerung [von Magenbeschwerden usw.] nach Trinken von Eiswasser. Hungrig. Milch wird schlecht vertragen.8

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Boger schreibt im Synoptic Key: Milch bekommt gut. Weder für die eine noch für die andere Version lassen sich in der Pathogenese von Aconitum napellus Anhaltspunkte finden, wohl aber bei Aconitum lycoctonum, wo Petroz' Prüfungen Folgendes ergeben haben: Abneigung gegen Essen im allgemeinen, besonders gegen fettige Speisen und Milch, die Unbehagen auslösen. – Einfacher Schmerz im Bauch nach Milchtrinken. – Stechender Schmerz im Bauch nach Milchtrinken.

Stoßweises Erbrechen [wie heraufgepumpt, sehr profus, alles überschwemmend]. Heftiges Erbrechen von Galle oder Blut. Drücken in der Magengrube, das zu Atemnot wird. Von Wein öfter gebessert als verschlimmert. Übelkeit mit Schweiß, bald vor, bald nach Durchfall.
AbdomenBerührungsempfindlich. Kolik, keine Lage bringt Linderung. Heiß, aufgetrieben. Gelbsucht: der Neugeborenen; durch Schreck ausgelöst. Brucheinklemmungen. Stühle: aus reinem Blut; schleimig, grasgrün oder weiß. Ruhr, besonders wenn auf heiße Tage kalte Nächte folgen. Wässriger Durchfall bei Kindern an heißen Tagen, sie weinen, sind unruhig und können nicht schlafen. Jucken und Stechen am After; Gefühl, als ob eine warme Flüssigkeit aus dem After käme.
HarnwegeHarn spärlich, rot, heiß, schmerzhaft. Harnverhaltung oder Anurie: bei Neugeborenen; infolge von Kälteexposition; fasst sich an die Genitalien. Quälende Dysurie. Zystitis. Erkältung der Harnröhre.9

9

Die Formulierung, die im Original sowie bei Boger steht, lautet „urethral chill“.

Männliche GenitalienOrchitis; die Hoden fühlen sich geschwollen und hart an.
Weibliche GenitalienAusbleiben oder Versiegen der Monatsblutung nach Schreck oder Verkühlung; bei plethorischen Patientinnen. Nachwehen mit Angst und Unruhe. Manische Raserei beim Eintreten der Menstruation. Aktive Uterusblutungen. Oophoritis nach plötzlich versiegender Monatsblutung. Vagina heiß, trocken und empfindlich. Milchfieber, wenn sich Delirien einstellen. Vermehrte Milch in den Brüsten.
AtemwegeHusten heiser, trocken, kruppartig, schmerzhaft; oder kurz, bellend; hellklingend oder pfeifend; scheint bei jedem Einatmen schlimmer zu werden, stärker auch nachts und nach Trinken; greift sich an die Kehle. Husten in der Rückenlage erleichtert [und in Seitenlage verschlimmert]. Kurzer Atem im Schlaf; setzt sich aufrecht. Kehlkopfentzündung. Krupp mit Fieber. Heftiger Blutandrang zur Brust. Pneumonie. Brustbeklemmung bei starker Bewegung und Treppensteigen; bei Herzleiden. Auswurf von Blut beim Räuspern [mit großer Leichtigkeit]. Hitzegefühl in den Lungen. Stiche in der Brust. Pleuritis. Kribbeln in der Brust nach dem Husten.
HerzHerz wie geschwollen; Karditis. Herzklopfen, mit Angst, ohnmächtiger Schwäche, Kribbeln in den Fingern. Herzschmerzen in die linke Schulter und den Arm herab; die Schmerzen hindern am gerade Aufrichten. Tachykardie. Puls frequent, schnellend, kräftig, erschütternder, stürmischer, tumultuarischer Herzschlag; oder auch drahtartiger Puls; sehr reizbar. Gespannter Puls, erhöhter arterieller Tonus.
Äußerer Hals und RückenSchmerz im Rücken, das Tiefatmen hindernd.10

10

Vermutlich abgeleitet von einem Symptom aus den österreichischen Nachprüfungen: „Schwere unter dem Brustblatt, das Tiefatmen hindernd – ein schmerzhafter Druck vom Sternum gegen die Wirbelsäule.“

Schmerz wie zerschlagen zwischen den Schultern; im Kreuz [im Gelenk von letztem Lendenwirbel und Kreuzbein].
ExtremitätenDie Arme hängen kraftlos nieder. Taubheit im linken Arm, mit Kribbeln in den Fingern. Rote Fingerspitzen. Heiße Hände und kalte Füße. Rote, glänzende Schwellung der Gelenke. Hellrote Kleinfingerballen. Beine kraftlos; müde Beine, besonders in der Ruhe. Gefühl, als tröpfelte kaltes Wasser die Oberschenkel herab. Zuckungen des linken Beins oder Arms. Heiße Handflächen.
HautTrocken, heiß; oder wie von Eiswasser darauf [besonders entlang der Nervenbahnen]. Frieselausschläge. Jucken besser durch Stimulanzien [Weintrinken].
SchlafAlpträume. Ängstliche Träume. Schlaflosigkeit mit Unruhe und Umherwerfen; ausgelöst durch Furcht, Schreck oder Angst. Schlaflosigkeit im Alter.
FieberFrost durchläuft ihn in Wellen. Frost oder Kälte abwechselnd mit Hitze. Hohes Fieber; trockene brennende Hitze; in Augenlidern, Nase, Mund, Hals, Lungen und Handflächen; muss sich aufdecken. Schweißgebadet, mit Neigung zum Entblößen. Schweiß: unbedeckter Teile11

11

Nach Boger. Bönninghausen, Jahr, Hering und Clarke sprechen jedoch einheitlich von Schweiß der bedeckten Teile.

[?]; [vorzüglich der bedeckten Teile]; der erkrankten Teile; [der aufliegenden Teile].
KomplementärCoffea; Sulfur.
VerwandtBelladonna; Chamomilla; Coffea.

  • Aconitum napellus L. ist der Blaue Eisenhut oder Sturmhut. Benutzt wird „der aus dem Kraute zur Zeit der anfangenden Blüte frisch ausgepresste und mit gleichen Teilen Weingeist gemischte Saft“ (Hahnemann). Auch ein Symptom aus Petroz' Prüfung von Aconitum lycoctonum, dem Wolfs-Eisenhut, scheint in Phataks Aconitum-Bild eingegangen zu sein.

  • Die Basis des Arzneibildes stammt aus Hahnemanns Prüfung in der Reinen Arzneimittellehre, Band 1, die auch Symptome älterer Autoren (meist aus Vergiftungsfällen) einschließt. Hinzu kommen Prüfungen von Hencke (in: AfH) sowie die umfangreichen österreichischen Nachprüfungen (in: ÖZ, Band I). In AE wird eine große Zahl von weiteren Quellen genannt, von denen besonders die von Robinson einige Symptome geliefert hat, die in Phataks Darstellung eingegangen sind.

Actaea racemosa
Cimicifuga
Actaea spicata
AllgemeinesWirkt auf die Gelenke, besonders die kleinen Gelenke. Vorzugsweise sind es die Handgelenke, die [von Rheumatismus] betroffen sind; aber auch Fingergelenke und Sprunggelenke werden angegriffen. Die Schmerzen, die das Mittel erzeugt, sind gewöhnlich reißend [oder ziehend]; auch kribbelnd [bzw. zuckend]. Sie sind schlimmer durch Berührung und Bewegung.12

12

Ein früher Fallbericht: „Rückert führt eine von ihm selbst durch dieses Mittel vollbrachte Heilung eines hartnäckigen Gesichtsschmerzes an. Dieser Schmerz war halbseitig, rheumatisch, ein heftiges Reißen und Ziehen aus den Zähnen des Oberkiefers durch das Jochbein, bis in die Schläfe, durch jede Berührung oder Bewegung der Gesichtsmuskeln aufs höchste gesteigert“ (Jahr, Symptomencodex). Die Bewegungsverschlimmerung bezieht sich also wohl auf Bewegung des leidenden Teils.

Gelenkanschwellung, schon nach geringer Anstrengung und Ermüdung. Das Mittel verursacht lähmungsartige Schwäche der betroffenen Teile. Durch Schreck13

13

Etwa: Ausbleiben bzw. Aufhören der Regelblutung nach Schreck (Hering).

und durch Ermüdung werden Symptome ausgelöst. Kurzatmigkeit, wenn man kalter Luft ausgesetzt ist. Alte Leute. Überempfindlichkeit gegen Kälte; Schwäche.
SchlimmerWetterumschwung; Anstrengung, schon geringfügige; Kälte; nachts; Berührung.
AugenGegenstände sehen blau aus.
OhrenZuckender Schmerz beim Niesen oder Schneuzen.
KomplementärCaulophyllum; Colocynthis; Sabina; Sticta; Viola odorata.

  • Actaea spicata L. ist das Ährige Christophskraut. Die Prüfungen wurden mit einer Tinktur aus der Wurzel vorgenommen.

  • Der Großteil der Prüfungssymptome stammt aus einer französischsprachigen Prüfung von Petroz, die in AE, Band 1, wiedergegeben ist. Allen gibt ferner einige Symptome von Linné, Colden und Lemercier; Herings Guiding Symptoms fügen eine Prüfung von Macfarlan hinzu.

Adonis vernalis
AllgemeinesWirkt vorwiegend auf das Herz, wenn es im Gefolge von Rheumatismus, Influenza oder Nephritis angegriffen wird und der Herzmuskel sich im Zustand der fettigen Degeneration befindet. Es reguliert den Puls, verstärkt die Kontraktionskraft des Herzens und bewirkt auch vermehrte Harnsekretion. Ein wertvolles Mittel bei Herzwassersucht, bei Hydrothorax; auch bei Aszites und Anasarka. Arrhythmie. Kompensatorische Herzhypertrophie bei Herzklappenstenose oder bei Mitralinsuffizienz mit Regurgitation. Wirkt nicht [bzw. kaum] kumulativ [im Gegensatz zu Digitalis]. Schmerzen wandern von Ort zu Ort.
SchlimmerKälte. Im Liegen.
BesserKörperliche Anstrengung.
KopfSchwindel, schlimmer beim Aufstehen, bei schnellem Drehen des Kopfes, aber auch beim Hinlegen; mit Herzklopfen. Kopfweh vom Hinterkopf um die Schläfen herum zu den Augenhöhlen. Empfindung, als wäre die Kopfhaut straff über den Schädel gespannt.
MundZunge wund, wie verbrannt.
Magen, AbdomenDurstlos. Ohnmachtartiges Schwächegefühl im Epigastrium; mit Schwindel; besser im Freien. Gefühl wie von einer schweren Last im Epigastrium. Empfindung, als ob die Eingeweide brechen wollten, besonders beim Vorwärtsbeugen.
HarnwegeHarndrang. Albuminurie; spärlicher Urin, auf dem sich ein öliges Häutchen bildet.
AtemwegeHäufiges Bedürfnis, tief durchzuatmen. Atemnot, schlimmer bei Berührung des Rückens. Herzhusten, trockener Kitzelhusten.
HerzSchwach, verfettet, arrhythmisch schlagend. Präkordialschmerz, Herzklopfen und Dyspnoe. Puls frequent, unregelmäßig.
Äußerer Hals und RückenRückgrat und Nacken steif; schmerzender, müder Rücken.
HautBlasen auf der Haut.14

14

Wohl von äußerlicher Anwendung, vgl. die von Madaus referierten Berichte aus der russischen Volksmedizin: „Wenn Kraut, Blume und Wurzel … frisch zerquetscht auf die Haut gebunden wird, entsteht Entzündung mit Blasen.“

SchlafSchlaflosigkeit von schweifenden Gedanken, oder mit schrecklichen Träumen.
VerwandtBufo.
VergleicheConvallaria; Crataegus; Digitalis; Strophanthus.
Dosis5–10 Tropfen der Urtinktur [warum nicht in Potenz?].

  • Adonis vernalis L. ist das Frühlings-Adonisröschen, auch Teufelsauge genannt. Benutzt wird gewöhnlich das frische blühende Kraut, mit oder ohne Wurzel.

  • Von Adonis vernalis existieren Prüfungen (von Lane und Pleasanton), die bei Hughes, Cyclopedia, Band 4 zu finden sind. Ferner hat Gisevius eine Arzneiprüfung durchgeführt (Zeitschrift des Berliner Vereins homöopathischer Ärzte 17:411), die mir im Original leider nicht zugänglich war (einen kurzen Überblick bietet Leeser). Die klinischen Indikationen stammen zum großen Teil aus der Volksmedizin und Phytotherapie und sind in die Homöopathie übernommen worden.

Aesculus hippocastanum
AllgemeinesHat eine ausgeprägte Wirkung auf die Venen des unteren Darmabschnitts und der Beckenorgane und erzeugt Hämorrhoiden. Auch die Venen des Pfortaderkreislaufs sind gestaut, mit Empfindlichkeit und Vollheit der Leber und des ganzen Abdomens. Viele der von Aesculus hervorgebrachten Symptome sind durch Affektionen der Leber bedingt, oder sie sind Reflexe der Hämorrhoidalvenenstauung. Die Arznei bewirkt allgemeine venöse Stase, die betroffenen Teile werden bläulich rot und aufgedunsen; Varizen, die eine Purpurfärbung annehmen. Alle Funktionen werden verlangsamt, Verdauung, Herz, Darmtätigkeit. Zu dem Vollheitsgefühl der inneren Teile kommen Empfindungen von Hitze, Trockenheit, Steifheit und Rauheit in Hals, Nase, Anus usw. Aesculus hat einen charakteristischen Rückenschmerz, der den Patienten zu jeder Arbeit unfähig macht. Die Schmerzen sind stechend oder ‚fliegen‘ über den ganzen Körper, wie heiße Blitze.
SchlimmerMorgens beim Erwachen. Von jeder Bewegung. Liegen. Bücken. Nach Stuhlgang; beim Wasserlassen. Kalte Luft, und nach Waschen. Im Winter. Stehen.
BesserKühle frische Luft; kühles Baden15

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Die gegensätzlichen Modalitäten bezüglich der Kälteeinflüsse beziehen sich auf unterschiedliche Symptome. Während die Symptome der Venenstauung meist durch Hitze schlimmer und durch kalte Luft oder lauwarme Bäder besser werden (Kent), sind viele katarrhalische Symptome oder auch die Nervenschmerzen durch Kälte schlimmer. Ähnliches gilt auch für das Liegen, was u. a. die Herzsymptome verstärkt (Hering), aber Rückenschmerzen bessern kann.

. Wenn die Hämorrhoiden bluten. Im Knien16

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Bezieht sich auf die Hämorrhoiden. Vgl. Hering: „Schmerz in den Aderknoten … konnte weder sitzen noch stehen, noch liegen; nur Knien war möglich.“

. Fortgesetzte körperliche Anstrengung. Sommer.
Geist und GemütTrübsinnig und reizbar; unfähig, sich zu konzentrieren. Beim Erwachen durcheinander [kennt nicht, was sie sieht, weiß nicht, wo sie ist, noch, wo die Gegenstände in ihrer Umgebung herstammen]; verwirrt, bestürzt, besonders bei Kindern.
Kopf[Dumpfer oder] Zerschlagenheitsschmerz im bzw. am Hinterkopf; erstreckt sich bis zur Stirn; mit fliegender Hitze über den Hinterkopf, den Nacken und die Schultern.
AugenDumpfe Schwere- und Hitzeempfindung und Schmerzhaftigkeit der Augäpfel, mit Tränen. Erweiterte Blutgefäße.
NaseEmpfindlich gegen eingeatmete kühle Luft17

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Buchmanns Prüfung legt nahe, dass die Empfindlichkeit sich nicht nur auf kühle Luft bezieht: „Empfindlichkeit der Nasenschleimhaut gegen das Einatmen der Luft, die das Gefühl von Kälte in der Nase verursacht.“

, die Brennen, Wund- und Rohheitsgefühl, Fließschnupfen und Niesen auslöst. Verstopfte Nase infolge von Leberproblemen. Kongestiver Katarrh.
MundZunge und Mund [und Hals] wie verbrannt. Zunge dick belegt. Verstärkter Speichelfluss. Hat die Zunge nicht unter Kontrolle, kann Worte nicht richtig artikulieren. Mundgeschmack süß [wie Lakritz]; bitter; metallisch. Gefühl, als ob die Zähne mit Öl überzogen wären.
HalsChronische Pharyngitis mit großen Lymphfollikelschwellungen in Verbindung mit Stauungsleber. Gefühl von Rauheit, Wundheit, Trockenheit und Stechen oder Brennen wie Feuer, [besonders] beim Schlucken. Neuralgische Schmerzen im Schlund. Ausräuspern von dickem Schleim, der süßlich schmeckt.
MagenDruck wie von einem Stein in der Magengrube; mit nagendem, drückendem Schmerz, besonders ungefähr drei Stunden nach den Mahlzeiten. Sodbrennen und Herauswürgen des Gegessenen. Drang zum Erbrechen, mit anhaltendem Brennen und quälenden Schmerzen im Magen.
AbdomenPochen tief im Abdomen (Hypogastrium und Becken). Empfindlichkeit und Vollheit in der Lebergegend. Gelbsucht.
Rektum, StuhlStühle trocken, hart; mehrfarbig. Verstopfung; Stühle knotig und weiß. Stühle, deren erster Teil schwarz und hart ist, der Rest aber weiß und weich [oder „von natürlicher Konsistenz“]. Empfindung, als wäre das Rektum voller kleiner Stöckchen oder Splitter. Hämorrhoiden: mit scharfen, schießenden Schmerzen den Rücken hinauf; blind oder blutend; blaurot, schmerzhaft, prolabierend, äußere Hämorrhoiden; schlimmer beim Stehen und Gehen. Gefühl im Rektum, als ob ein Käfer herauskrabbelte. Brennen im Anus, mit Frostschauern, die den Rücken hinauf und herunter laufen. Schmerzhafte Zusammenschnürung des Afters. Schmerzen lange nach dem Stuhlgang.18

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Verzeichnet werden nicht nur Schmerzen, die nach dem Stuhl lange anhalten, sondern auch solche, die erst ein oder zwei Stunden nach der Defäkation beginnen und dann stundenlang andauern (Hering, Guernsey, Tyler).

Schmerz wie von einem auf und ab sägenden Messer. Hämorrhoiden werden besonders lästig in den Wechseljahren.
HarnwegeHäufiges Lassen geringer Harnmengen, Urin trüb, dunkel, heiß [brennt wie heißes Wasser].
Männliche GenitalienAbgang von Prostatasekret bei jedem Stuhlgang und beim Wasserlassen.
Weibliche GenitalienStändiges Pochen hinter der Schambeinsymphyse. Ausfluss: mit Lahmheit des Rückens, die quer über die Iliosakralgelenke gefühlt wird, auch mit Schmerzen in den Knien. [Die gleichen Rückenbeschwerden während der Schwangerschaft.] Dunkler, gelb gefärbter Ausfluss, klebrig, wundmachend; schlimmer nach der Menstruation.
Atemwege, HerzZusammenschnürende Empfindung; Hitzegefühl im Brustkorb. Husten, der von Leberfunktionsstörungen herkommt. Schmerzen in der Herzregion, bei Patienten mit Hämorrhoiden. Hörbares Herzklopfen, wenn das Pulsieren bis in die Extremitäten gefühlt wird.
Äußerer Hals und RückenLähmender, dumpfer Lumbalschmerz. Das Kreuz gibt nach [die Iliosakralverbindungen halten das Gehen nicht aus]. Rückenschmerzen, als ob das Kreuz brechen sollte; ist erst nach wiederholten Versuchen imstande aufzustehen; schlimmer beim Gehen und Bücken [und beim Aufstehen vom Sitzen]. Rückenschmerz wie zerschlagen, der das Kreuzbein und die Hüften ergreift. Empfindung von Schwäche des Rückgrats.
ExtremitätenWehtun und Schmerzhaftigkeit der Glieder [besonders morgens beim Erwachen]. Lähmungs- und Schweregefühl der Arme, des Rückgrats, der Beine. Hände und Füße geschwollen19

19

Dies ist nach Kent keine weiche Schwellung, die auf Fingerdruck nachgibt; sie ist vielmehr mit einem Spannungs- oder Ballongefühl verbunden, wie es für die Arznei auch sonst charakteristisch ist.

, werden nach dem Waschen rot.
SchlafNeigung zum Gähnen und Recken.
KomplementärCarbo vegetabilis; Lachesis; Muriaticum acidum.
VerwandtAloe; Collinsonia; Pulsatilla.

  • Aesculus hippocastanum L. ist die Rosskastanie. Benutzt werden die Früchte.

  • Die erste bekannte Prüfung stammt von Buchmann (Homöopathische Vierteljahrschrift, Band 10). Weitere Arzneiprüfungen, die einen großen Teil der kennzeichnenden Rektum- und Rückensymptome ergeben haben, finden sich in Hales New Remedies bzw. in Allens Encyclopedia. Hering bezieht in seinen Guiding Symptoms die Symptome einer weiteren Prüfung mit ein (von Neville). Auch Hahnemann erwähnt bereits eine Arzneiwirkung, die jedoch durch die Rinde erzeugt wurde (Versuch über ein neues Princip zur Auffindung der Heilkräfte der Arzneisubstanzen).

Aethusa cynapium
AllgemeinesWirkt auf Gehirn und Nervensystem und ruft zugleich Affektionen des Magen-Darm-Trakts hervor. Heftigkeit ist ein Charakteristikum seiner Wirkung: Erbrechen, Krämpfe, Schmerzen, Delirium setzen heftig ein. Andererseits erzeugt die Arznei auch tiefe Erschöpfung und Stupor, Reaktionsmangel, ja Unfähigkeit zu sprechen. Geist und Körper werden schwach. Besonders nützlich bei Kindern mit Zahnungsbeschwerden und Sommerdurchfällen, wenn ihr Gesicht große Angst und Unruhe, auch Verdruss und Unzufriedenheit zeigt und wenn sie weinen und schreien vor Angst. Mit Fortschreiten der Krankheit zieht sich der Patient immer mehr in sich selbst zurück und neigt verstärkt zur Weinerlichkeit. Epileptiforme Krämpfe mit eingeschlagenen Daumen, rotem Gesicht, nach unten gewendeten Augäpfeln, unbeweglichen, erweiterten Pupillen, Schaum vor dem Mund. Schwache, nervöse, erschöpfte Personen; durch Überarbeitung. Der Patient kann nicht stehen, nicht aufsitzen, nicht einmal den Kopf heben oder aufrecht halten. Kinder, denen die Kraft fehlt, den Kopf hochzuhalten oder zu stehen, die Beine tragen ihr Gewicht nicht – ohne dass irgendeine fassbare Krankheit vorläge. Säuglinge, die unangemessen gefüttert bzw. gestillt werden.20

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Von Kent, der damit ein besonders häufiges Stillen bzw. Füttern meint: „Wenn Babys, jedes Mal wenn sie schreien, augenblicklich gefüttert werden, obwohl sie die Milch noch nicht einmal verdaut haben können, wird irgendwann ihre Verdauung versagen, und es kommt zu den Symptomen, die weiter unten beschrieben werden, nämlich heftiges Erbrechen und Durchfall.“

Schwachsinn, Senilität. Lanzinierende Schmerzen. Empfindungen „wie zusammengeschraubt“, wie in einen Schraubstock gespannt [Kopf, Kreuz usw.].
SchlimmerNachts zwischen 3 und 4 Uhr21

21

Allerdings heißt es in AE beim Referat der Prüfung von Bigler: „Alle Symptome schlimmer zum Abend hin und in der Nacht, bis 3 oder 4 Uhr morgens.“ Hering und alle anderen Autoren nennen hingegen die angegebene Verschlimmerungszeit.

; abends. Wärme; heißes Wetter. Milch. Zahnung. Zu häufiges Essen. Überanstrengung [vor allem geistige].
BesserIm Freien, beim Gehen im Freien. Konversation.
Geist und GemütUnfähig zu denken oder sich zu konzentrieren, infolge von zuviel Kopfarbeit. Delirium, sieht Katzen, Hunde, Ratten usw. Imbezillität [„Blödsinnigkeit“], auch mit Raserei abwechselnd. Schwachsinnige Kinder. Möchte aus dem Bett springen; auch aus dem Fenster. Prüfungsangst, wenn man einfach das Gefühl völligen Unvermögens hat.22

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Die Angabe stammt von Clarke und Tyler. Tyler kontrastiert diesen Zustand mit der Prüfungsangst von Argentum nitricum, wo stattdessen akute Versagensängste charakteristisch sind.

Ungeschickt.
KopfQuälende Schmerzen in Hinterkopf und Nacken, die ins Rückgrat herabziehen; besser durch Druck, im Liegen. Kopfschmerzen besser durch Blähungsabgang und nach [dünnem] Stuhlgang. Gefühl, als würde ständig an den Haaren gezogen. Schwindel: mit Schläfrigkeit; mit Herzklopfen; mit Schwäche. Kann den Kopf nicht heben. Hitzeaufwallen im Kopf nach Schwindel [unter Nachlassen des Schwindels]. Kopfschmerzen: wie zusammengedrückt oder zusammengeschraubt; mit Schwindel, schlimmer beim Gehen und beim Sehen nach oben.
AugenPhotophobie (chronisch). Glänzende, hervortretende Augen. Augäpfel nach unten gewendet [bei epileptiformen Krämpfen]. Cornea eingesunken. Gegenstände sehen größer aus, zuweilen werden sie auch doppelt gesehen. Schwellung der Meibom-Drüsen. Augenrollen beim Einschlafen.
OhrenEmpfindung, als käme etwas heiß aus dem Ohr. Gefühl von Verstopfung der Ohren; Ohrensymptome besser, wenn man den Finger hineinbohrt und die Teile auseinander zieht.
NaseHerpetische Ausschläge an der Nasenspitze. Häufiger erfolgloser Drang zu niesen.
GesichtEingefallen; blass, aufgedunsen, rot gefleckt; rot. Ausgeprägte Linea nasalis, Nasolabialfalte, die eine bläulich weiße Verfärbung der Lippen einschließt.23

23

Das Symptom „eingezogene Nasenflügel“ wurde weggelassen, weil es offensichtlich auf eine falsche Übersetzung in AE zurückgeht. Das betreffende Symptom lautet im Original: „Ein Zug, der an dem Nasenflügel anfing und sich nach den Mundwinkeln hinzog, und dem Gesicht einen Ausdruck von hoher Angst und Schmerzen gab.“ Dies erscheint bei Allen als „ein eingezogener Zustand, der an den Nasenflügeln beginnt …“.

Todgeweihtes Aussehen, Facies hippocratica. Kältegefühl an Kinn und Mundwinkeln.
MundEmpfindung, als wäre die Zunge zu lang [und drückte gegen die Zähne]. Aphthen im Mund. Langsames, beschwerliches Sprechen. Sprachlosigkeit. Mundgeschmack: bitter; nach Zwiebeln; nach Käse; süßlich, morgens.
MagenStändige Esslust ‚zwischendurch‘ [knabbert dauernd an Keksen]. Unverträglichkeit von Milch. Sie wird plötzlich und gewaltsam erbrochen, entweder sofort nach dem Schlucken oder [einige Minuten später] geronnen, in großen Klumpen. Nach dem Erbrechen: schlaff und erschöpft, fällt in einen komatösen Schlaf; erneut hungrig [nach dem Erwachen, trinkt wieder Milch und erbricht erneut]. Tödliche Übelkeit. Heftiges Würgen. Regurgitation des Gegessenen lange nach der Mahlzeit. Erbrechen einer schaumigen, milchweißen Masse; oder einer gelben Flüssigkeit. Gefühl im Magen, als wenn sich etwas umgewendet hätte [dann aufsteigendes brennendes Gefühl bis in die Brust]. Verdauung gestört aufgrund von Erschöpfung des Gehirns [bei zerebraler Reizung bzw. Erregung].
AbdomenAufschwellen des ganzen Leibes, mit schwarzblauer Färbung. Kälte des Abdomens, subjektiv und objektiv, mit Kälte der Beine und Schmerzen in den Därmen; besser durch warme Umschläge. Kolik, gefolgt von Erbrechen, Schwindel und Schwäche. Wallen wie siedendes Wasser in der Nabelgegend.
StuhlGelbe oder grünliche, [wässrige oder] schleimige Durchfälle. Unverdaute Stühle. Hartnäckige Verstopfung, mit dem Gefühl, als ob alle Darmtätigkeit aufgehört hätte. Choleraartige Durchfälle alter Menschen.
HarnwegeSchneidende Schmerzen in der Blase; mit häufigem Harndrang.
Männliche GenitalienRechter Hoden hochgezogen. Mit Nierenschmerzen.
Weibliche GenitalienMonatsblutung wässrig. Anschwellung der Brustdrüsen, mit lanzinierenden, durchbohrenden Schmerzen. Papulöse Ausschläge an den äußeren Genitalien; jucken beim Warmwerden.
AtemwegeKurzes, durch Schluckauf unterbrochenes Atmen. Seine Leiden machen den Patienten sprachlos. Krampfhaftes Zusammenschnüren in der Brust [und im Herzen]. Husten erzeugt [betäubende] Schmerzen im Kopf. Stiche in der linken Brustseite.
HerzStarkes Herzklopfen, mit Schwindel, Kopfweh und Unruhe. Puls beschleunigt, hart, klein, unregelmäßig, unrhythmisch.
Äußerer Hals und RückenZu schwach, um zu stehen oder den Kopf hochzuhalten. Gefühl im Kreuz wie zusammengeschraubt. Perlenschnurartige Schwellung der Lymphknoten um den Hals. Gefühl, als würde der Rückenschmerz [der sich vom Kopf und Nacken das Rückgrat herab erstreckt] gebessert durch Ausstrecken und steifes Rückwärtsbeugen.
ExtremitätenFinger und Daumen eingebogen oder eingeschlagen. Gefühl, als wären die Arme erheblich kürzer geworden [so lebhaft, dass sie sie morgens untersuchen muss, um sich zu überzeugen, dass es nicht wirklich so ist]. Taubheit von Händen und Füßen. Schwere und Mattigkeit der Gliedmaßen, Kontraktion der Finger. Läuft sich leicht wund, an den Oberschenkeln.
HautPerlschnurartige Schwellung der Lymphknoten [Hals, Axilla usw.]. Haut kalt, mit kaltem, klebrigem Schweiß bedeckt. Ausschläge, juckend; besonders an den Gelenken; schlimmer24

24

Phataks Angabe „besser durch Hitze“ dürfte ein Irrtum sein. Mehrere Prüfungssymptome von Petroz sowie Angaben von Guernsey und Hering zeigen das Gegenteil an (vgl. etwa die Symptome Nr. 483–486 in AE).

durch Hitze. Ekchymosen. [Auf Rumpf und linkem Bein erscheinen rötlich blaue Punkte, wie Petechien bei Fleckfieber.] Der ganze Leib kann sich schwarzblau färben. Anasarka.
FieberVöllige Durstlosigkeit trotz großer Fieberhitze. Muss beim Schwitzen zugedeckt bleiben. Schwitzt bei der geringsten körperlichen Betätigung.
SchlafGestört durch heftiges Auffahren; [durch Kältegefühl]; dabei Schweiß. Dösen oder Somnolenz nach Erbrechen oder Stuhl. Beim Einschlafen Augenrollen oder leichte Krämpfe
KomplementärCalcarea carbonica.
VerwandtAntimonium crudum; Cicuta virosa.

  • Aethusa cynapium L. ist die Hundspetersilie oder der „Hundsdillgleiß“ (Hahnemann). Benutzt wird die frische, blühende Pflanze mit Wurzel.

  • Prüfungen dieser Pflanze wurden von Nenning und Hartlaub vorgenommen; zuerst veröffentlicht in den Praktischen Mitteilungen der korrespondierenden Gesellschaft homöopathischer Ärzte 1828, später, ergänzt um einige weitere Prüfungssymptome und eine Reihe von Vergiftungssymptomen, im 4. Band der Annalen von Hartlaub/Trinks. Dazu kommen Prüfungen von Petroz und Bigler (AE, Band 1). Ferner ist eine Bemerkung Hahnemanns im Versuch über ein neues Princip zur Auffindung der Heilkräfte der Arzneisubstanzen wichtig für das Arzneibild.

Agaricus muscarius
AllgemeinesDieser giftige Pilz wirkt auf die zerebrospinale Achse. Sein Einfluss auf das Gehirn führt zu Rauschzuständen mit mehr Schwindel und Delirium [als beim Alkoholrausch]. Er greift das Rückenmark mit der Medulla oblongata25

25

Phatak schreibt nur „Medulla“, was im vorliegenden Zusammenhang sicherlich das verlängerte Rückenmark meint. Allerdings berichtet Apelt in der Einleitung seiner Prüfung, dass er Knochenschmerzen geheilt habe, „wo vorzüglich eine krankhaft veränderte Beschaffenheit in der Medulla des Knochens stattzufinden schien“. Knochenschmerzen wie im Mark sind in den Prüfungen erzeugt worden.

sowie die Nerven an und ruft unregelmäßige, eckige, unsichere und übertriebene Bewegungen hervor; der Patient greift zu weit, taumelt oder tritt zu hoch, lässt Dinge fallen usw. Die Symptome erscheinen langsam, allmählich. Die Patienten leiden unter zahlreichen und mannigfaltigen Symptomen. Zittern, Zucken, ruckartige Erschütterungen, faszikuläre Zuckungen sind sehr ausgeprägt, bald hier, bald dort; die Augenlider und auch die Zunge sind besonders betroffen. Diagonal, über Kreuz auftretende Symptome, etwa am rechten Arm und am linken Bein zugleich. Schauder [im ganzen Körper]. Nervosität und Unruhe [des Geistes und Körpers]. Zuckungen, die im Schlaf ganz aufhören oder stark nachlassen; Chorea. Empfindungen, als ob kalte Nadeln eine Körperstelle durchbohrten, auch wie von heißen Nadeln; auch lokale Kältegefühle, als ob ein Tropfen26

26

Die österreichische Prüfung nennt mehrfach ein Kältegefühl wie von Quecksilber auf der Haut.

oder ein Gewicht dort läge. Schmerzhafte Zuckungen, dann werden die Teile steif und kalt. Bei epileptischen und anderen Krämpfen [und im Delirium] ist die Körperkraft gesteigert, man ist in der Lage, die schwersten Gewichte zu heben. Krampfhaftes Zucken nach Koitus; wenn die Milchsekretion versiegt; nachdem man ausgeschimpft oder bestraft worden ist [bei Schulkindern]. Jung verheiratete, nervöse Frauen, die nach dem Geschlechtsverkehr hysterische Ohnmachten erleiden. Kinder, die spät laufen und sprechen lernen, aufgrund zerebraler Störungen. Gähnen vor dem Einsetzen von Beschwerden.
SchlimmerKalte Luft. Frostluft. Vor Gewitter. Geistige Anstrengung und Überforderung. Koitus; Alkohol; Ausschweifungen. Druck auf die Wirbelsäule. Berührung. Morgens. Während der Menstruation. Sonne. Schreck.
BesserSanfte Bewegung [langsamstes Gehen].
Geist und GemütSingt, redet unzusammenhängend, schnell von einem Thema zum anderen springend, aber antwortet nicht auf Fragen. Geschwätzigkeit. Abscheu vor allen Arbeiten, besonders geistigen [„welche die Gedanken beschäftigten“]. Furchtlos. [„Trunkener, furchtloser Wahnsinn mit kühnen Vorsätzen.“] Neigung zum Versemachen. Heitere, sorglose Gemütsstimmung. Umarmt seine Kameraden und küsst ihnen die Hände. Egozentrisch. [Unruhiges und bekümmertes Gemüt; stets nur mit sich selbst und seiner Lage beschäftigt.] Gleichgültigkeit. Wie betäubt, stumpf und schwindlig, wie bei oder nach Alkoholrausch. Mürrisch, verdrießlich, eigensinnig, starrköpfig; langsames Gehen- und Sprechenlernen. Unbeholfen, ungeschickt. [Unsicherheit des Bewegens.] [Delirium], erkennt niemanden, wirft mit Gegenständen. Druck auf die Wirbelsäule erzeugt Reiz zum Lachen. [Trieb zum Lachen aufgrund einer unbeschreiblich gemischten Empfindung von Wohl- und Wehsein.] Kann nichts Neues aufnehmen, was über seine gewohnte Arbeit hinausgeht [besonders morgens]; oder kann seine gewohnte Arbeit nicht mehr tun; oder tut das Gegenteil von dem, was er sich vorgenommen hat.
KopfSchwindel; durch Sonnenlicht. Dumpfer Kopfschmerz; muss den Kopf immer hin und her bewegen. Kopfweh, besser nach Stuhlgang oder Wasserlassen. Kopfschmerz [ziehend, bis zur Nasenwurzel], mit Nasenbluten oder dicker, schleimiger Absonderung aus der Nase. Schmerz in der rechten Kopfseite, als stäke ein Nagel darin. Kopf in steter Bewegung. [Starke Gesichts- und Halsmuskelkrämpfe], der Kopf wird zur Schulter hingezogen.
AugenSchweres Lesen, weil die Schrift sich zu bewegen oder zu verschwimmen scheint. Doppeltsehen. Nystagmus; [laterales] Oszillieren der Augäpfel; Strabismus. Mückensehen; [schwarze oder] braune ‚Mücken‘. Augenbutter in den Augenwinkeln. Zucken der Augenlider. Verengung der Lidspalte. Lider geschwollen, trocken, brennend [wie wenn man eine Nacht bei Licht durchgewacht hat].
OhrenJucken, Röte und Brennen an den Ohren, als wären sie erfroren gewesen. Zucken der Muskeln um die Ohren herum [auch des M. tensor tympani]. Ohrgeräusche [und Gehörtäuschungen].
NaseHäufiges Niesen, ohne Schnupfen. Auströpfeln hellen Wassers aus der Nase, ohne Schnupfen. Niesen am Ende von Hustenanfällen. Jucken an und in der Nase. Stinkende Absonderung aus der Nase, zuweilen dunkel und blutig. Nasenbluten; bei alten Leuten. Rote Nase. Schnupfen mit Verstopfung der Nase, besonders beim Bücken.
GesichtZuckungen der Gesichtsmuskeln. Empfindung von Steifheit der Gesichtsmuskeln. Jucken und Brennen. Schmerz in den Wangen, als ob Splitter zwischen Haut und Muskeln eingedrungen wären. Gesichtsneuralgien, als ob kalte Nadeln durch die Nerven stächen. Grimassenschneiden. Idiotischer Gesichtsausdruck. Gesicht blau und aufgedunsen [oder rot, juckend, brennend, wie von Erfrierung].
MundLähmung der Gesichtsmuskeln; hängende Mundwinkel; Speichelausfluss aus dem Mund. Herpes labialis. Mundgeschmack: süßlich, bitter. Aphthen am Gaumen [und der Zunge]. Zunge: trocken; zitternd; einseitig gefühllos, bei Schwindelanfällen. Undeutliches, stoßweises Sprechen. Übler Mundgeruch. Schaum vor dem Mund. Zahnfleisch geschwollen, blutend, schmerzhaft.
HalsTrockenheit des Schlundes, mit Zusammenziehen [wie nach dem Trinken einer adstringierenden Flüssigkeit]; mit krampfhaften Schluckbeschwerden. Auswurf kleiner Schleimflocken oder fester Schleimkügelchen, ohne [bzw. fast ohne] Husten. Kratzige Empfindung im Hals, die jedes Mal durch Singen von neuem erregt wird.
MagenImmer durstig. Öfteres leeres Aufstoßen; mit Geschmack nach Äpfeln; oder nach faulen Eiern; mit Singultus abwechselnd. Gefühl wie von einem Klumpen in der Magengegend. Magenbeschwerden mit scharf stechenden Schmerzen in der Lebergegend. Erbrechen: bitter; gefolgt von großer Schwäche oder von Stichen im Mastdarm und in der Lende.
AbdomenPoltern und Gären im Bauch. Abgang vieler geruchloser Blähungen. Durchfälle mit viel Abgang von Blähungen, die stinken, nach Knoblauch riechen [oder geruchlos sind]. Diarrhö bei Kindern, mit grasgrünen, biliösen Stühlen. Abgehende Winde werden als heiß empfunden [mit Brennen im Mastdarm]. Windende Empfindung im Unterleib. Stechen in der Milzgegend; bei Läufern.
HarnwegeUrin hell, klar, zitronengelb; reichlich, wässrig, farblos. Häufiger Harnabgang. Ausfluss zähen, klebrigen Schleims aus der Harnröhre. Harn kalt. [Gefühl in der Harnröhre, als ginge ein Tropfen kalter Harn durch, was aber nicht der Fall ist.] Miktion langsam [und mit schwachem Strahl], zuweilen nur tropfenweise; muss oft drücken, um den Abfluss zu befördern.
Männliche GenitalienVerstärktes sexuelles Verlangen. Nach dem Geschlechtsverkehr: große Ermattung der Körperkräfte; heftiges Schwitzen unter brennendem Hautjucken; drückende Spannung unter den Rippen. Gefühl von Hitze des Ejakulats [mit Brennen in der Urethra]. Herzklopfen beim Koitus; danach niedergeschlagene Stimmung. Ejaculatio praecox [oder „es fehlt beim Beischlafe das Wollustgefühl“]. Zurückziehen der Hoden gegen den Leistenring, schmerzhaft [muss sie von der Leistenöffnung wegschieben]. Seit langem bestehender Nachtripper. Beschwerden „nach zu oft ausgeübtem Beischlafe“.
Weibliche GenitalienHerzklopfen beim Koitus; danach niedergeschlagene Stimmung. Herabdrängende Schmerzen, besonders nach der Menopause. Sexuelle Erregung. Zu starke Monatsblutung. Beschwerden nach Geschlechtsverkehr, nach Entbindung. Brustwarzen jucken, brennen, sind sehr rot; während der Schwangerschaft [oder während der Stillperiode]. Metastasis: nach Unterdrückung der Milchsekretion zerebrale Symptome [Kongestion, epileptische Anfälle], Bauchbeschwerden usw. Ausfluss dunkel, blutig, scharf, wundmachend, sodass die Patientin nicht gehen kann. Jucken an den äußeren Genitalien; mit sexuellem Verlangen.
AtemwegeHusten in einzelnen Anfällen [im Abstand von mehreren Stunden oder halben Tagen], die jedes Mal mit Niesen enden. [Das Niesen folgt dem Husten so schnell, dass ich oft nicht weiß, ob ich huste oder niese.] Der Husten scheint vom Rückenmark zu kommen.27

27

Bei Phatak als „As-If-Empfindung“, wie bei Boger. In der (österreichischen) Prüfung dagegen eine Spekulation, die auf die gleichzeitig beobachtete „Spinalirritation“ zurückgeht. Der Prüfer Zlatarovich schreibt: „Möglich, dass der eigentümliche Husten auch von den Rückenmarknerven ausgeht.“

Leichtes Auswerfen von Schleimflocken oder -klümpchen. Erschwerte Atmung, Atembeklemmung. [Gefühl von Beklemmung in der Herzgegend], als wäre die Brusthöhle zu eng.
HerzHerzklopfen: beim Koitus; unregelmäßige, starke Schläge; bei Röte des Gesichts; besonders bei Rauchern28

28

Bei Phatak irrtümlich: besser durch Tabak.

. Drücken oder stechend brennende Schmerzen, von der Herzgegend bis ins linke Schulterblatt. Angina pectoris, wenn nur ein extrem starker Schmerz auftritt, [die typischen Krampfzustände aber fehlen]. Empfindungen von Schlägen oder Stößen ins Herz, in der Herzgegend; hervorgerufen durch plötzliches Geräusch, Aufstoßen oder Husten.
Äußerer Hals und RückenWirbelsäule empfindlich für Berührung und Druck; Ähnliches gilt für den ganzen Körper. [Schmerzhafte Empfindlichkeit des Körpers; wenn man auf irgendeinen Teil nur schwach drückt, so schmerzt die Stelle noch lange.] Einzelne Wirbel29

29

In dem Fall, auf den dieses Symptom zurückgeht, war es die Gegend des 2. und 3. Lendenwirbels.

empfindlich gegen heiße Berührung [Druck mit heißem Schwamm]. Schmerz wie von Ermüdung [als ob man sich anhaltend gebückt hätte]. Schmerzhaftigkeit des Rückgrats, schmerzhafte Schwäche der Rückenmuskeln. Rücken- und Nackenmuskeln schmerzen wie zerschlagen, mit Spannungsgefühl; beim Vorwärtsbeugen wie zu kurz30

30

Bei Phatak heißt es „Rückgrat scheint zu kurz“, es handelt sich aber, wie Hahnemanns Prüfung zeigt, um die Rückenmuskeln. Der Fehler dürfte auf eine verkürzende und bei der Übersetzung missverstandene Formulierung Jahrs zurückgehen.

, als ob etwas dort brechen sollte. Stechend brennende Schmerzen das Rückgrat entlang. Schmerz in der Lumbalregion und im Kreuz, eine Art Hexenschuss, der sich längs der ganzen Wirbelsäule bis in den Nacken erstreckt; schlimmer beim Bücken. Lumbago schlimmer im Sitzen; ebenso im Freien. Zuckungen der Halsmuskeln. Längs der Wirbelsäule ein Gefühl, als wenn Ameisen darauf kröchen. Ein Gefühl, als ob kalte Luft sich vom Rückgrat über den ganzen Körper verbreitete; wie Aura epileptica.
ExtremitätenRastlose Bewegungen der oberen Extremitäten. Jucken und Brennen wie nach Erfrierung: beider Hände; der Füße; der Zehen. Zittern der Hände. Die Finger öffnen sich krampfartig, wenn man etwas damit hält. Unsicherheit der rechten Hand beim Schreiben; Lahmwerden des Oberarms vom Schreiben. Unsicherer Gang [und Stolpern über jeden Gegenstand]. Schmerzhafte Krämpfe in den Füßen; den Fußsohlen. Schienbeinschmerzen. Heftiger Schmerz in den Oberschenkeln beim übereinander Legen. Einschlafen der Beine, sobald man sie übereinander legt. Lähmung der Beine, bei leichtem krampfhaftem Verdrehen der oberen Extremitäten. Gesäß kalt. [Kältegefühl in den Gesäßmuskeln, wie von Quecksilber auf der Haut.] Schmerzen in den Hüften, schlimmer im Liegen. Schwere in den Beinen. Hat das Gefühl, als ob ihre Gliedmaßen gar nicht zu ihr gehören würden.
HautBrennen und Jucken; rot und geschwollen; wie erfroren. Frostbeulen. Die Haut tut in der Kälte weh.31

31

Vgl. Tyler: Agaricus leidet zutiefst unter der Kälte, und seine Frostbeulen schmerzen fürchterlich, wenn Hände oder Füße kalt werden.

Jucken, das zum Kratzen nötigt und dann schnell seinen Sitz wechselt. Hautjucken über dem betroffenen Organ. Hirsekorngroße Papel- oder Bläschenausschläge mit unerträglichem Jucken und Brennen. Quincke-Ödem. Ekchymosen schon nach leichtem Stoß oder Schlag.
SchlafGähnen: häufig; vor dem Auftreten von Schmerzen oder Krämpfen; als Begleitsymptom. Gähnen, [jedes Mal] gefolgt von unwillkürlichem Lachen. Beim Einschlafen Hochfahren, Zucken [wie von elektrischen Schlägen]; häufiges Erwachen.
FieberFriert leicht, schwitzt leicht. Partielle Schweiße auf abwechselnden Seiten. Nachtschweiße.
KomplementärCalcarea carbonica.
VerwandtPhysostigma; Tuberculinum.

  • Agaricus muscarius, der Fliegenpilz, wird heute, wie es bereits Hering getan hat, als Amanita muscaria bezeichnet.

  • Grundlage des Arzneibilds ist Hahnemanns Symptomenverzeichnis in den Chronischen Krankheiten, Band 2. Hahnemann trägt hier die Ergebnisse mehrerer Prüfungen zusammen: seine eigene, zuerst veröffentlicht in AfH, Band 9; die von Apelt, aus dem 10. Band von AfH; die zunächst in Hartlaub/Trinks' Reiner Arzneimittellehre erschienenen Symptome von Woost und Seidel; sowie Symptome von Stapf und Schréter, die zunächst in den Praktischen Mitteilungen der Gesellschaft korrespondierender homöopathischer Ärzte 1828 veröffentlicht wurden. Später wurde von der österreichischen Prüfergesellschaft eine umfangreiche Nachprüfung vorgenommen, deren Wiedergabe sich über alle 3 Bände der Zeitschrift des Vereins homöopathischer Ärzte Österreichs 1863 erstreckt.

Agnus castus
AllgemeinesDie Hauptwirkung richtet sich auf die Sexualorgane beider Geschlechter (die Wirkung auf Männer ist jedoch deutlicher ausgeprägt32

32

Freilich sind auch fast alle Prüfungssymptome an Männern erzeugt worden (bis auf einige in Helbigs Heraklides).

), zudem existieren charakteristische Symptome im Bereich von Geist und Gemüt. Die Arznei bewirkt eine Depression der Sexualfunktionen; damit korrespondieren Niedergeschlagenheit und Verlust der Nervenkraft. Große Traurigkeit, mit der fixen Idee, der Tod sei nahe. Impotenz und vorzeitiges Altern, infolge „Missbrauchs der Sexualkräfte“. Wiederholte Gonorrhö in der Vorgeschichte. Selbstverachtung [„als wenn er sich selbst für nichts hielte“] durch sexuellen Missbrauch.33

33

Bei Hering bezieht sich diese Angabe auf den oben genannten „Missbrauch der Sexualkräfte“, also exzessive oder wahllose sexuelle Betätigung oder auch häufige Masturbation. Es spricht aber nichts gegen eine Einbeziehung anderer Ätiologien.

Nervöse Schwäche bei unverheirateten Personen. Ein ausgezeichnetes Mittel bei Verrenkungen, Verstauchungen und Zerrungen. „Fressendes Jücken“ an allen Körperteilen, besonders um die Augen. Tachykardie aufgrund von Tabakkonsum bei nervenkranken jungen Männern. Ermattete Lebemänner, ‚alternde Wüstlinge‘ [mit Impotenz und Spermatorrhö]. „Schon in den ältesten, bis herab auf die neueren Zeiten bediente man sich verschiedener Teile dieses Gewächses zu künstlicher Besänftigung des Befriedigung fordernden Geschlechtstriebs“, bei Männern wie bei Frauen.
SchlimmerExzessive sexuelle Betätigung. Verheben (Verrenkungen, Zerrungen).
Geist und GemütGeistesabwesend. Ungeheure Zerstreutheit. Kann sich nicht besinnen.34

34

„Er wusste z. B. beim Kartenspiel, was ihm sonst so geläufig war, nicht, was er für eine Karte geben sollte, nicht, was am Spiele war, oder was er tun sollte“ (AfH, Band 10).

Verzweifelnde Traurigkeit, hat das Gefühl, der Tod werde bald kommen. [Gemütsstimmung, als wenn er sich selbst für nichts hielte, wünscht, lieber tot zu sein;] hat keinen Mut zu irgendetwas. Sagt wiederholt, dass sie bald sterben werde, glaubt, dass es keinen Sinn mehr hat, noch irgendetwas zu tun. Täuschungen des Geruchssinns: Hering- oder Moschusgeruch. Schlechtes Gedächtnis.
KopfSchmerz [oben im Kopf], als hätte man in einer verräucherten Stube gesessen, besser durch Sehen nach einem Punkt hin [aber Schweregefühl im Kopf beim Wegsehen].
AugenErweiterte Pupillen. „Fressendes Jücken“ um die Augen.
NaseTäuschungen des Geruchssinns: Hering- oder Moschusgeruch. Hart drückender Schmerz [wie von einem Stein] auf dem Nasenrücken, der beim darauf Drücken verschwindet.
Gesicht„Fressendes Jücken“ auf beiden Wangen. Ameisenkriechen auf den Wangen. Tiefes Reißen im rechten Unterkieferast, noch unter den Zahnfächern.
MundGeschwüre im Mund und am Zahnfleisch. Zähne schmerzen bei Berührung mit warmen Speisen oder Getränken.
MagenÜbelkeit mit Empfindung, als senkten sich alle Eingeweide; will sie mit den Händen stützen. Nur die allereinfachste Kost wird vertragen. Die Luft beim Aufstoßen riecht wie Urin.
AbdomenLautes Kollern im Bauch, während des Schlafs. Milz geschwollen und schmerzend. Blähungen riechen „wie alter Harn in Kleidern“. Tiefe Analfissuren. Schmerz wie von subkutanem Geschwür neben dem After, nur beim Gehen. Empfindung, als senkten sich alle Eingeweide, muss sie mit den Händen stützen.
HarnwegeMuss oft und jedes Mal viel urinieren.
Männliche GenitalienSexuelles Verlangen vermindert, fast verschwunden. Hoden kalt, geschwollen, hart; Penis klein, schlaff. Spermatorrhö; mit Impotenz. Abgang von Prostatasekret beim Pressen zum Stuhl. Gelber Ausfluss aus der Harnröhre.
Weibliche GenitalienDurchsichtiger Ausfluss, der unmerklich abgeht, bei sehr erschlafften Genitalien. Fluor, der die Bettwäsche gelb färbt. Abscheu vor Geschlechtsverkehr. Agalaktie, besonders bei deprimiertem Gemütszustand. Monatsblutung unterdrückt; mit Schmerzen im Unterleib. Hysterisches Herzklopfen mit Nasenbluten. Sterilität35

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Es wird auch von Sterilität beim Mann berichtet.

; bei Ausbleiben sowohl der Menses als auch des sexuellen Begehrens. Ausbleiben des Orgasmus beim Koitus, nach exzessiv praktizierter Masturbation.
VerwandtOleander; Phosphoricum acidum.

  • Vitex agnus-castus L. ist das Keuschlamm oder der Mönchspfeffer. Meist werden die getrockneten Beeren benutzt, obwohl Stapf in der Einleitung seiner Prüfung den Saft der frischen Beeren für „zweckmäßiger“ hält; einige andere Symptome sollen von „der Essenz des Krautes von Vitex agnus-castus“ stammen (Heraklides).

  • Die Arznei ist zuerst geprüft von Stapf und anderen (AfH 10, 1:177), der auch bereits von erfolgreichen Anwendungen bei Impotenz berichtet; dazu kommen einige Symptome von Seidel (AfH 13, 2:186) sowie aus dem Heraklides von Helbig (1:41). Dieser fügt auch diverse Heilanwendungen seit der Antike (Dioscorides) bei. Die Prüfungssymptome sind gesammelt in Stapfs Beiträgen zur Reinen Arzneimittellehre.

Agraphis nutans
AllgemeinesBewirkt Erschlaffung des gesamten Organismus. Erkältungsneigung, wenn man kaltem Wind ausgesetzt ist. [Besserung durch Aufenthalt an geschützten Stellen.] Adenoide Vegetationen mit Hypertrophie der Tonsillen. Taubheit infolge von Halsbeschwerden [Verlegung der Tuba auditiva]. Schleimige Diarrhö nach unterdrückter Erkältung. Mutismus der Kinder, nicht mit Taubheit verbunden.

  • Der botanische Name ist Scilla nutans, die Sternhyazinthe. Benutzt wird die frische Pflanze mit den wachsenden Trieben.

  • Ungeprüft; von Cooper in die Homöopathie eingeführt. Literatur bei Clarke, Dictionary; Boericke, Pocket Book; Mezger, Gesichtete Arzneimittellehre.

Ailanthus glandulosa
AllgemeinesWirkt auf das Blut; zersetzt es und erzeugt Zustände, die schleichenden Fiebern36

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„Low fevers“; schwere Verlaufsformen, die durch Schwäche, Erschöpfung, auch Benommenheit, Reaktionsmangel, „Adynamie“ gekennzeichnet sind. Kent spricht von „low zymotic diseases“, womit besonders septische Formen von Krankheiten, hier speziell Scharlach, gemeint sind.

ähneln: schleichende, bösartige Verlaufsformen von exanthematischen Infektionskrankheiten. Hämorrhagische Diathese. Streptokokkeninfektionen. Sepsis. Zieht den Hals in Mitleidenschaft; Diphtherie, Tonsillitis follicularis. Die Haut erscheint livide oder bläulich rot. Bläuliche Verfärbung, Stupor, Fötor und Malignität sind ausgeprägte Merkmale. Sehr schnell eintretende extreme Erschöpfung [gleich zu Beginn der Krankheit]. Absonderungen sind dünn und scharf, wundmachend. Der Hautausschlag kommt oft jedes Jahr zur gleichen Zeit wieder.37

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In dem Vergiftungsfall, der am Anfang des homöopathischen Gebrauchs stand, kehrte das Exanthem jedes Jahr zur Blütezeit des Götterbaums zurück.

Passt auf nervöse, empfindliche Personen. Auch cholerische Temperamente; stämmig, robust.
SchlimmerUnterdrückung [vor allem Zurücktreten oder Fehlen des Exanthems bei Scharlach, Masern usw.]. Aufrichten, Aufstehen, Aufsetzen. Schon beim Anblick von Essen. [Körperliche Anstrengung], Bewegung, Gehen.
BesserHeiße Getränke. Liegen auf der rechten Seite.
Geist und GemütStupor; oder stoische Gleichgültigkeit gegen alles, mit Seufzen. Intellekt stumpf, muss eine Passage mehrmals lesen oder Rechnungen immer wieder durchgehen. Alles Vorausgegangene wird vergessen [oder für etwas gehalten, was einem anderen zugestoßen ist oder was man gelesen hat]. Anhaltendes murmelndes Delirium; mit Schlaflosigkeit und Unruhe. [Oder:] Rasendes Delirium, mit glänzenden Augen.
KopfKopfschmerzen, besonders in der Stirn; mit Schwindel und rotem, heißem Gesicht; kann sich nicht aufsetzen. Ohnmachtsanwandlungen beim Aufstehen, oder auch Schwindel, der schlimmer im Liegen ist [?].38

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Die Prüfungen (AE) haben nur: „Taumel und Schwindel beim Aufstehen oder bei Bewegung.“ „Schwindel, besonders beim Bücken.“

AugenBlutunterlaufen und hyperämisch; erschreckter Blick, wenn man den Patienten aufrüttelt. Erweiterte Pupillen. Photophobie.
OhrenSchmerz in den Ohren beim Schlucken. Parotis empfindlich und vergrößert.
NaseDünne, reichliche, blutige, jauchige Absonderung aus der Nase [die die Haut reizt]. Nase trocken. Jucken und unangenehmes Gefühl um die Nase herum.
GesichtDunkel gefärbt und aufgedunsen; mahagonifarben. Gesicht chronisch gefleckt oder gesprenkelt; eine Art Akne. Lippen geschwollen und aufgesprungen.
MundSordes auf den Zähnen. Zunge: trocken, ausgedörrt, rissig; braun belegt.
HalsFauces trocken, mit fauligem Exsudat. Hals dunkelrot [oder bläulich], geschwollen. Starke Schwellung innerlich wie äußerlich. Tonsillen (besonders die linke) mit vielen tiefen Geschwüren übersät; lockeres, breiartiges Exsudat. Angina lacunaris [Stippchen in den Krypten der Tonsillen]. Hintere Rachenwand gereizt, juckend. Diphtherie.
MagenPlötzliches heftiges Erbrechen beim Aufsetzen. Eigentümliches Leeregefühl im Magen.
AbdomenDiarrhö oder Dysenterie, mit großer Schwäche und Erschöpfung. Stühle dünn, wässrig, übel riechend, bei der Miktion unwillkürlich abgehend. Bewirkt den Abgang von Bandwürmern. ‚Unsicheres Gefühl‘ bezüglich Stuhl, Urin usw. [als würde jeden Augenblick eine Durchfallattacke kommen].
HarnwegeUrin spärlich, auch ausbleibend; unbemerkt abgehend.
Weibliche GenitalienBösartige [septische] Verlaufsformen von Kindbettfieber.
AtemwegeAtmung beschleunigt, unregelmäßig. Trockenes Hüsteln [beinahe ständig, mit Empfindlichkeit und Wundheit der Brust]. Äußerste Schmerzhaftigkeit der Lungen, und ein Ermüdungsgefühl darin [schon Atmen wird zu einer großen Anstrengung].
HerzPuls beschleunigt, klein, schwach.
Äußerer Hals und RückenHals schmerzend und sehr stark geschwollen.
HautExanthem aus dunklen Flecken, partiell, unregelmäßig verstreut, spärlich; kommt nur langsam und verspätet heraus; auf Fingerdruck wird die Haut weiß, und die livide Verfärbung kehrt dann nur sehr langsam zurück. Fleckige, wie gesprenkelte Haut. Petechialer Ausschlag. Große Bullae, die mit dunklem Serum gefüllt sind. Maligner Scharlach [Scarlatina septica, mit zerebraler Intoxikation]. [Das Exanthem kommt nur langsam heraus und nimmt niemals die typische Scharlachfarbe an; es bleibt bläulich.] Kribbeln und Prickeln am ganzen Körper. [Gefühl, als liefe eine Ratte oder Schlange das Bein hinauf.]
SchlafSchläfrig und benommen, zugleich unruhig.
FieberAdynamische, schleichende Fieber, mit Herzschwäche. Kalter Schweiß.
VerwandtArum triphyllum; Baptisia; Lac caninum.

  • Der Götterbaum, Ailanthus altissima (Mill.) Swingle. Benutzt werden die frischen Blüten, Sprossen und die Rinde der jüngeren Zweige.

  • Die homöopathische Geschichte von Ailanthus glandulosa beginnt mit einem Vergiftungsfall: Die Töchter des amerikanischen Arztes Wells spielten im Garten und schälten dabei von einem Götterbaum die Rinde ab; dann leckten sie sich öfters die Finger ab. Die schweren Vergiftungserscheinungen bei einer der beiden bildeten die Grundlage für das Arzneibild. Sie wurden bald ergänzt durch mehrere Prüfungen mit verschiedenen Bestandteilen der Pflanze. Vergiftungs- und Prüfungssymptome sind, neben den Standardwerken von Allen und Hughes, in Hales New Remedies nachzulesen.

Aletris farinosa
AllgemeinesWirkt auf die weiblichen Organe. Viele Symptome treten infolge von Uterusschwäche oder -verlagerung auf. Eine Arznei für anämische, entkräftete Frauen mit erschlafftem Gewebe, schlapp und ständig müde, die an Prolaps, Fluor und Mastdarmbeschwerden leiden. Schwereempfindungen [Uterus, Hinterkopf, Magen]. Passt auf anämische Mädchen und schwangere Frauen; schwache, abgemagerte Personen. Blutungen [besonders vom Uterus].
SchlimmerSäfteverlust.39

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„Schwäche von Säfteverlust“ ist eine der Indikationen von Hale; er nennt die Arznei „das China der Uterinorgane“.

BesserBlähungsabgang. Rückwärtsbeugen.
Geist und GemütBenommenes, verwirrtes Gefühl im Kopf; kann sich nicht konzentrieren.
KopfSchwere im Hinterkopf; als ob ein Gewicht den Kopf nach hinten zöge [der Hals: ist zu schwach, um das zu verhindern]. Schwindel mit Ohnmachtsanwandlungen, Schläfrigkeit, Erbrechen oder Abführen.
OhrenEmpfindung wie von einer offenen Verbindung von einem Ohr zum anderen.
MundViel schaumiger Speichel.
MagenAppetitlosigkeit; Ekel vor Essen. Die geringste Nahrungsmenge liegt schwer im Magen. Hartnäckiges Schwangerschaftserbrechen. Nervöse Dyspepsie. Übelkeit, schlimmer40

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Bei Phatak heißt es (nach Clarke): „besser durch Kaffee“; die Prüfungsberichte in Hughes' Cyclopedia und die Bemerkungen in T. F. Allens Handbook zeigen jedoch, dass das Gegenteil zutrifft.

durch Kaffee, besser durch eine Mahlzeit; mit Druck in der Stirn.
AbdomenKrampfschmerzen [im ganzen Abdomen], die schließlich ihren Sitz im Hypogastrium finden; gebessert durch: Abgang von Blähungen, oder von spärlichen Mengen durchfälligen Stuhls; Rückwärtsbeugen. Furchtbare Schmerzen in Rektum und Anus beim Stuhlgang, als müsste der Weg [durch das Rektum, das wie verschlossen scheint] gewaltsam erzwungen werden. Stühle hart, schwierig, groß [oder auch spärliche Menge, dennoch beschwerlich]. Obstipation, wie von Atonie des Mastdarms.
HarnwegeUnwillkürlicher Harnabgang beim Schnellgehen, beim Niesen [und beim Husten].
Weibliche GenitalienVerfrühte, reichliche Monatsblutung, mit wehenartigen Schmerzen. Menorrhagie von viel schwarzem Blut, mit geronnenen Klumpen. Schweregefühl in der Uterusgegend. Reichliche Monatsblutung, danach zwischen den Perioden wässriges Aussickern aus der Vagina [das ab und zu zu einem gussartigen Ausfließen mit schwarzen Blutklumpen wird]. Weißer, fadenziehender Ausfluss, infolge von Erschöpfung und Anämie. Habituelle Neigung zu Fehlgeburten. Muskelschmerzen [die ‚falsche Wehen‘ vortäuschen] während der Schwangerschaft.
AtemwegeHusten [mit Harninkontinenz] vor den Menses; [hört auf, sobald die Blutung einsetzt].
Äußerer Hals und RückenGefühl, als ob der Rücken brechen wollte, unmittelbar über der Taille. Rückenschmerzen mit Drängen in der Sakralregion und fadenziehendem, farblosem Fluor.
Extremitäten(Rechtes) Bein fühlt sich unterhalb des Knies wie gelähmt an; gefühllos, kann nicht belastet werden.41

41

Ein Prüfungssymptom, das zwei Stunden anhielt.

VerwandtChina; Helonias; Trillium.

  • Aletris farinosa L., die Stern- oder Runzelwurzel. Verwendet wird der Wurzelstock.

  • Die Arznei ist zunächst hauptsächlich nach den ‚bewährten Indikationen‘ der eklektischen Schule in den USA verordnet worden, und aufgrund dieser Indikationen ist es auch von Hale benutzt und in seine New Remedies aufgenommen worden. Später wurden von King auch Arzneiprüfungen angestellt (an 3 Männern und 4 Frauen), die in Hughes' Cyclopedia, Band 1 und 4, nachzulesen sind; die Ergebnisse sind ebenfalls in Phataks Arzneibild eingegangen.

Alfalfa
AllgemeinesDiese Arznei hat eine günstige Wirkung auf die Ernährung und gilt als ein Tonikum. Appetit und Verdauung werden angeregt, die geistigen und körperlichen Kräfte kehren zurück, die Patienten nehmen zu. Ein nützliches Mittel bei Neurasthenie, Melancholie, Nervosität und Schlaflosigkeit. Bewirkt verstärkten Fettaufbau, korrigiert Gewebeabbau. Verbessert Qualität und Quantität der Milch bei stillenden Müttern. Klinisch werden vorteilhafte Wirkungen bei Diabetes insipidus und Phosphaturie berichtet. Lindert Blasenreizung bei Prostatahypertrophie. Dosierung mehrmals täglich 5–10 Tropfen [der Tinktur].

  • Alfalfa ist die Luzerne, Medicago sativa L., die als Viehfutter und Bodenverbesserer wohlbekannt ist. Benutzt werden die frischen (oder getrockneten) Blättchen und Blüten.

  • Es existiert eine Prüfung von Blackwood, in Anshutz, New, Old, and Forgotten Remedies abgedruckt und um einige klinische Fälle ergänzt.

Allium cepa
AllgemeinesWirkt auf die Schleimhäute von Nase, Augen, Kehlkopf und Darm, steigert die Schleimhautsekretionen. Brennen und Stechen in Augen, Nase, Mund, Hals, Blase und auf der Haut sind ausgeprägte Empfindungen. Die Nasenabsonderung ist scharf, die Absonderung vom Auge ist mild. Neuralgische Schmerzen, schießend, „dünn wie ein Faden“; nach Verletzungen der Nerven, nach Amputationen [Stumpfneuralgien, Phantomschmerzen] oder anderen chirurgischen Eingriffen. Traumatisch bedingte chronische Neuritis. Neurom. Symptome beginnen links und gehen dann auf die rechte Seite über. Schnupfen von Sängern. Altersgangrän. Gefühl wie von brennender Glut in verschiedenen Körperteilen.42

42

„Das Gefühl war, wie wenn einem eine Glut entgegenschlägt, aber ohne dieselbe Hitze, nur warm“ (Hering, Amerikanische Arzneiprüfungen).

SchlimmerWarmes Zimmer. Nasse Füße. Singen. Feuchtes Wetter [kalte, feuchte Seewinde]. Frühling. Abends. Essen von verdorbenem Fisch; von Gurken, Salat [Bauchschmerzen].
BesserKühle Luft, im Freien. Baden, Waschen. Bewegung.
Geist und GemütFurcht, dass die Schmerzen bis zur Unerträglichkeit schlimmer werden. Melancholisch.
KopfStirnkopfschmerzen, die abwärts zu den Augen und ins Gesicht gehen; besser, wenn Schnupfen oder Menses ungehemmt fließen; wenn die Monatsblutung aufhört, kommt der Schmerz wieder. [Drückende Kopfschmerzen], wie ein elektrischer Schlag durch den Kopf gehend. Eingeschlafenheitsgefühl, wie in den Schädelknochen.
AugenViel Brennen und Beißen; profuser milder Tränenfluss, schlimmer beim Husten; Reiz zum Reiben. Nahes scheint wie fern, beim [Schläfrigwerden und] Gähnen.
OhrenOhrenschmerzen; zum Hals hin gehend.
NaseHäufiges, heftiges Niesen; Schnupfen, mit scharfem, wässrigem Sekret, das Brennen und Wundsein der Nase [und Oberlippe] verursacht. Tröpfeln der Nase. Empfindlich gegen Gerüche, besonders von blühenden Pflanzen; gegen die Haut von Pfirsichen. Scharfe [jauchige] Flüssigkeit aus der Nase, beim Singen.
GesichtLähmung der linken Gesichtshälfte, auch etwas bemerkbar in den Gliedern derselben Seite.
HalsRaues Gefühl im Hals. Halsschmerzen ziehen bis zum Ohr. [ein Kältegefühl hervorrufendes oder brennendes Zucken rechts im Halse, in der Gegend der Ohrtrompete, dann oben eine Art Nagen, beides nicht schmerzhaft.] Tröpfeln von der Uvula. „Wie ein Knollen im Hals“, oder Schmerz wie nach dem Verschlucken eines zu großen Bissens.
MagenGroßes Verlangen nach rohen Zwiebeln [kann sonst nichts essen], die gut vertragen werden. Schmerz in der Gegend des Pylorus. Nach jeder Mahlzeit prickelnder Schweiß am kahlen Scheitel. Heißhunger und Durst. Übelkeit. Aufstoßen.
AbdomenPoltern im Bauch, mit Abgang übel riechender Blähungen. Blähungskolik, Schmerzen schlimmer im Sitzen, besser43

43

Bei Phatak, wie bei Boericke, fehlt das Zeichen für „besser“. Das Prüfungssymptom lautet so: „Die Bauchschmerzen heftiger beim Sitzen; beim Bewegen gehen die Winde ab und die Schmerzen bessern.“

beim Bewegen. Glühende Hitze im Rektum.44

44

Vgl. folgende Prüfungssymptome: „Ein warmes oder kältendes Gefühl, wie eine Glut innen wider den Unterleib schlagend, rechter Seite, und über die beiden Oberschenkel außen und oben.“ „Brennende Glut oder kältendes Gefühl, als flöge es an, mit Eingenommenheit rechts im Bauche; hierauf halblaut abgehende kleine, sehr stinkende Zwiebelwinde.“

HarnwegeReichlicher Harn; bei Schnupfen. Strangurie, die nach Nasswerden der Füße entsteht. Tröpfelnder [oder schussweiser] Harnabgang bei alten Menschen.
Männliche GenitalienSchmerz in Blase und Prostata nach Koitus.
Weibliche GenitalienPhlegmasia alba dolens; nach Zangengeburt.
AtemwegeHeiserkeit, Kitzelreiz mit steter Neigung zum Hüsteln, besonders beim Einatmen kalter Luft; Husten mit sehr schmerzhaftem Gefühl, als ob der Kehlkopf gespalten und zerrissen würde; nötigt dazu, sich an den Kehlkopf zu greifen. Der Husten ist so schlimm, dass er alle Anstrengungen unternimmt, ihn zu unterdrücken. Kehlkopf schmerzt beim Sprechen. Bronchitis bei alten Leuten.
ExtremitätenLahmheitsgefühl in den Gelenken. Wundgeriebene Stellen oder Geschwüre an den Füßen durch Reibung der Schuhe, besonders an den Fersen. Wunde Füße vom langen Gehen. An allen Gliedern, besonders den Armen, wund [als wäre alles aufgekratzt], mit Müdigkeitsgefühl darin.
HautRote Streifen den Arm hinauf, bei Panaritium; bei Frauen im Wochenbett.
SchlafGähnen: im tiefen Schlaf; bei Kopfschmerz und Magendrücken, mit Schläfrigkeit.
KomplementärPhosphorus; Pulsatilla; Theridion.
VerwandtEuphrasia [milde Nasen- und scharfe Augenabsonderung]; Gelsemium; Kali iodatum.

  • Allium cepa L., in der homöopathischen Literatur gelegentlich auch als „Cepa“ figurierend, ist die Speisezwiebel. Hering empfiehlt zum Arzneigebrauch „die roten, länglichen, überhaupt die schärfsten“; benutzt wird der aus der Zwiebel ausgepresste Saft.

  • Das Arzneibild der Zwiebel verdankt die Homöopathie Hering, der in seinen Amerikanischen Arzneiprüfungen Prüfungssymptome an sich selbst und von anderen (Jeanes, Lingen usw.), Beobachtungen seit der Zeit der Antike und Heilanzeigen aus verschiedenen Quellen zusammengeführt hat.

Allium sativum
AllgemeinesWirkt auf die Darmschleimhaut und fördert die Peristaltik. Passt auf beleibte Personen, die in Saus und Braus leben und an Dyspepsie und katarrhalischen Beschwerden leiden. Patienten, die erheblich mehr essen als trinken, besonders Fleisch. Verdauungsstörungen beim geringsten Diätfehler. Der Knoblauch hat gefäßerweiternde Eigenschaften. Wirkt bei Fleischessern besser als bei strengen Vegetariern. Kinder sind schläfrig, wirken leblos, sehen extrem blass aus, leiden unter Darmträgheit, wollen nicht laufen; die Beine wachsen nicht so schnell wie der übrige Körper.
SchlimmerÄnderungen der Temperatur. Abends und nachts. Gehen. Druck.45

45

Äußerer Druck kann jedoch auch bessern; so wird ein Drücken im Oberbauch durch vorgebeugtes Sitzen und Gegendruck mit beiden Händen gemildert (vgl. AE; s. a. unter „Besser“).

Beschwerden von Trinken verunreinigten Wassers [aber auch von Heilwässern und allen Abänderungen der gewohnten Ernährung]; von Völlerei.
BesserVornüber gebeugtes Sitzen.
Geist und GemütFurcht: nie wieder gesund zu werden; keine Medizin zu vertragen; vergiftet zu werden. Möchte alles Mögliche, ist aber mit nichts zufrieden.
KopfSchwindel beim Lesen [und bei längerem Fixieren eines Gegenstands]. Kopfweh vor der Monatsblutung, hört während der Periode auf, kehrt danach aber wieder zurück. Kopfschuppen.
GesichtFlecken oder Punkte im Gesicht. Trockene Lippen.
MundViel süßlicher Speichel im Mund, nach den Mahlzeiten und nachts. Empfindung eines Haars auf der Zunge oder im Hals. Zunge blass, mit roten Papillen.46

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So bei Boericke. In Hughes' Pharmacodynamics heißt es hingegen, dass Petroz Allium sativum bei blassrotem Aussehen der Zunge mit abgetragenen, erodierten Papillen für angezeigt gehalten hat.

MagenGefräßiger Appetit. Verlangen nach Butter. Die geringste Abweichung von der geregelten Diät führt zu Magenverstimmung. Beschwerden durch verunreinigtes Wasser [auch durch Heilwässer]. Gefühl, als ob etwas kalt und/oder heiß in der Speiseröhre aufstiege.
Weibliche GenitalienReichliche Monatsblutung. Vulva und [Innenseite der] Oberschenkel wund [während der Menses]. Brüste geschwollen und berührungsempfindlich; während der Regel. Anschwellen der Brüste nach dem Abstillen.
AtemwegeMorgenhusten mit viel Schleimauswurf; [klebriger Schleim] schwer zu expektorieren. [Plötzliche Anfälle von trockenem, hartem] Husten beim Rauchen. Bronchiektasien, mit übel riechendem Sputum. Hämoptysis.
ExtremitätenHüftschmerzen; Schmerzen im gemeinsamen Anteil von M. psoas und iliacus [schlimmer durch die geringste Beanspruchung der Muskeln], besonders stark beim Übereinanderschlagen der Beine.
KomplementärArsenicum.

  • Allium sativum L. ist der Knoblauch; benutzt wird die Zwiebel.

  • Die homöopathische Anwendung stützt sich in erster Linie auf Prüfungen von Petroz und Teste (AE).

Aloe
AllgemeinesWirkt auf die abdominalen Venen [Pfortaderkreislauf] und verursacht Hyperämie und Erschlaffung: des Rektums; auch von Leber, Dickdarm und Beckenorganen. Stellt das physiologische Gleichgewicht wieder her, wenn Krankheits- und Arzneisymptome stark vermengt sind. Periodischer Kopfschmerz, der mit Lumbago wechselt. Ein Mittel für üble Folgen sitzender Lebensweise, für Leute, die sich wenig Bewegung machen. Passt auf ermattete Menschen, auf alte Leute, bei alten Biertrinkern. Es besteht ein Vollheitsgefühl in den betroffenen Teilen. Schweregefühl, Herabdrängen, wie von einer Last; ein Abwärtsziehen. Gallertige, geleeartige Absonderungen: aus den Choanen, mit dem Stuhl usw. Gefühl von Unsicherheit [bezüglich des Stuhls; auch beim Schwindel]. Allgemeine Abgeschlagenheit und Mattigkeit. Hitze, sowohl innerlich als auch äußerlich. Kinder sehr aufgeregt und lebhaft, schwatzen und lachen.
SchlimmerHitze, feuchtwarmes Wetter; im Sommer. Am frühen Morgen. Abends. [Bei Zuständen] nach Dysenterie. Gähnen oder Kauen. Festes Auftreten. Nach Essen und Trinken.47

47

„Muss unmittelbar nach Essen oder Trinken zur Toilette rennen“ (Guernsey, Hering, Dunham u. a.), extremer Stuhldrang, kann den Stuhl kaum halten.

BesserIm Freien, von kühler Luft. Kalte Umschläge. Blähungsabgang. Schließen der Augen.48

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Bezieht sich auf den Kopfschmerz, der zum Zusammenziehen oder Schließen der Augen nötigt.

Tee oder Alkohol [bessern einen Erregungszustand mit Zorn und Zerstörungswünschen].
Geist und GemütUnzufrieden und ärgerlich über sich selbst; schlimmer bei Verstopfung. Unlust zu geistiger Beschäftigung. Menschenhass, stößt jeden ab. Missmutig, verdrießlich, schlimmer bei trübem Wetter. Glaubt zu wissen, dass sie in einer Woche sterben werde. Das Leben ist nur noch eine Last. Zittern von musikalischen Tönen und von Geräuschen. Klagt darüber, dass Leute so fest auftreten oder so schnell gehen.
KopfKopfweh über die Stirn herüber, mit Schwere in den Augen; ist genötigt, „kleine Augen zu machen“ oder sie zu schließen. Schwindel, dabei ein „innerliches, alles unsicher machendes Gefühl, sehr ängstigend“. Kopfschmerzen wechselnd mit Bauchbeschwerden [Schmerzen, Durchfall] oder Lumbago. Schweres Druckgefühl auf dem Scheitel. [Klirren im linken Ohr], das Klirren wie von dünnen Glassplittern wurde an der Basis des Kopfes gehört und ging von dort zum rechten Ohr.
AugenSchmerz hinten in den Augenhöhlen. Flimmern vor den Augen. Muss „kleine Augen machen“, bei Stirnschmerz.
OhrenKnacken in den Ohren, beim Kauen.
NaseKalte Nasenspitze. Nasenbluten nach dem Erwachen, noch im Bett.
GesichtLippen stark gerötet, trocken, aufgesprungen; blutend.
Mund„Bitterer saurer Geschmack.“ Zunge und Mund trocken. Schmerzen [am Gaumen] beim Kauen und beim Gähnen.
HalsAusräuspern dicken, klumpigen Schleims, wie gallertig. Gefühl wie rau und geschwollen im Schlund.
MagenVerlangen nach saftigen Speisen, Obst, besonders Äpfeln; nach Salzigem. Kein Appetit auf Fleisch. Schmerz in der Magengrube beim Fehltreten [auf dem Steinpflaster]. Windaufstoßen, bei Magendrücken. Hungrig nach dem Stuhlgang.
AbdomenGefühl von Vollsein, Schwere, Hitze, Aufgetriebenheit im ganzen Unterleib. Schwere im Unterbauch; im Mastdarm; Abwärtsdrängen im Abdomen. Prolapsus recti. Schmerzen, die vom Nabel zum Rektum schießen. Gefühl wie von einem zwischen Schambeinsymphyse und Steißbein eingekeilten Pflock, bei Stuhldrang. Kollern und Gurgeln im Bauch; dann plötzlicher Stuhldrang, mit Gefühl von Unsicherheit; eilt sofort zur Toilette und entleert einen Schwall wässrigen Stuhls.49

49

Dies findet meist am frühen Morgen statt, zwischen 2 und 10 Uhr (Dunham und andere); der durchfällige Stuhl ist oft begleitet von starkem Blähungsabgang (Hering drückt es so aus: „beim Stuhl Quatschern“).

Ist unsicher, ob Blähungen oder Stuhl abgehen werden. Unwillkürliches Stuhlentgehen, bei Windabgang oder beim Wasserlassen. Stuhldrang, aber es gehen nur Blähungen ab [mit Erleichterung der Bauchschmerzen]. Selbst feste Stühle gehen unwillkürlich ab. Kleine Kinder, die im Haus herumlaufen und überall kleine, harte, runde Kotballen verlieren, wie Murmeln [ohne es auch nur zu merken]. Schließmuskeln schwach; Schleim sickert aus dem Anus. Durchfälle, mit Schmerzen im Rektum nach dem Stuhl; unverdaut. Entleerung großer Schleimmengen, mit Mastdarmschmerzen danach. Stühle: breiig; klumpig; wässrig; gallertartige Schleimstücke; blutig. Wässrige Stühle mit Klumpen darin [wie Schafkot, oder gallertige „Schleimkuchen“, oder wie Froschlaich]. Hämorrhoiden, die traubenartig aus dem After treten; Kaltwasserumschläge lindern. Brennen und Stechen in Anus und Rektum, hindert am Einschlafen; durch Hämorrhoiden. Stühle und Blähungen gehen heiß ab. Brennen im Mastdarm. Pulsieren im After nach dem Essen. Diarrhö: vom Austernessen; während der heißen Jahreszeit; vom Biertrinken.
HarnwegeHarninkontinenz bei alten Menschen. Vergrößerung der Prostata. Beim Harnlassen jedes Mal Gefühl, als wollte etwas dünner Stuhl mit abgehen. Urin heiß, brennend.
Männliche GenitalienSexuelle Erregung: nach dem Essen; nach dem Erwachen (auch bei Kindern). Pollutionen im Mittagsschlaf.
Weibliche GenitalienSchweregefühl und Hyperämie des Uterus; mit wehenartigen Schmerzen, die in Leisten und Hüften verspürt werden; schlimmer im Stehen und während der Menses. Uterusblutungen im Klimakterium. Die Monatsblutung kommt zu früh und dauert zu lange. Ausfluss blutigen Schleims, dem Kolikschmerzen vorhergehen. Ruhr, nach der Entbindung.
AtemwegeWinterhusten, mit Jucken. Erschwertes Atmen; aus der Lebergegend in die Brust fahrende Stiche nehmen den Atem. Husten, immer wenn sie sich hinsetzt oder vom Sitzen aufsteht, mit Tränen der Augen.
Äußerer Hals und RückenLumbago abwechselnd mit Kopfweh; abwechselnd mit [oder zugleich mit] Hämorrhoiden. Schmerzen im Kreuz, besonders im Sitzen, durch Bewegung erleichtert.
Extremitäten[Zuckend] ziehender Schmerz in den Gelenken. Lähmung in allen Gliedern. Fußsohlen schmerzen beim Gehen auf Steinpflaster.
SchlafTräumt, er habe in die Hose gemacht.
FieberInnere Hitze [mit heißen Stühlen, Blähungen, Urin].
KomplementärSulfur.
VerwandtLilium tigrinum; Podophyllum; Sepia; Sulfur.

  • Unter dem Namen Aloe wurden verschiedene Pflanzen geprüft und als Heilmittel benutzt. Es handelt sich in erster Linie um Aloe ferox Mill. und Aloe socotrina Perry (mit letzterer, von der Insel Sokotra, hat Hering seine eigenen Prüfungen angestellt).

  • Hering hat in seinen Amerikanischen Arzneiprüfungen fast 100 Seiten der Aloe gewidmet. Er trägt bereits veröffentlichte (Buchner) und neue Prüfungen (Helbig, Henke, Preu, Hering selbst und andere) sowie zahlreiche Beobachtungen, Lesefrüchte, Indikationen usw. aus der Literatur zusammen. Dazu kommen eine kurze Prüfung von Watzke (AHZ 74:29), einige Versuche von Müller (Zeitschrift des Vereins der homöopathischen Ärzte Österreichs 1857, Band 1) und Prüfungen von Fischer (AE).

Alumen
AllgemeinesErzeugt eine lähmungsartige Muskelschwäche in allen Teilen des Körpers. Erschlaffung der Muskeln. Sehr ausgeprägte Tendenz zur Induration von Drüsen, Lymphknoten und anderen Geweben. Verhärtung von Zunge, Rektum, Uterus usw.; Geschwüre mit verhärteter Basis. Passt auf alte Leute, die an Bronchialkatarrh leiden. Empfindungen von Trockenheit, von Zusammenziehen und Zusammenschnüren. Gefühl, als wäre ein Strick oder eine Bandage fest um ein Glied gebunden, bei paralytischen Zuständen. Obstipation der schlimmsten Art, wie etwa in Fällen von Uterus- und Mastdarmkrebs. Blutungen: von Blutegelbissen [und nach Zahnextraktion]; große geronnene Blutklumpen [bei Darmblutungen]. Kälteempfindlich; kalter Luft ausgesetzte Hautstellen werden hart und spröde. Nützlich nach Augenoperationen und Zahnextraktionen. Gelbe, milde Absonderungen [Augen, Vagina, Tripper].
SchlimmerIm Schlaf; Liegen auf der rechten Seite [Herzklopfen]; Kälte. Schlechte Nachrichten.
Geist und GemütNervöses Zittern, von unangenehmen Nachrichten. Zweifler [an der Wirkung der Arznei]. Furcht vor dem Bett.50

50

Die Angabe „Lectophobie“, also Furcht vor dem Bett, könnte zurückgehen auf eine Fallbeschreibung aus Franks Magazin (2:591), aus der eine ganze Reihe von Symptomen in die Standardwerke übernommen wurde. Der Patient hatte eine Vorgeschichte von Bleikoliken (er war Malerlehrling gewesen) und hatte nun Leibschmerzen, Obstipation und eine Reihe krampfhafter und nervöser Symptome bekommen. Unter anderem heißt es: „Heftige Angst, besonders des Nachts, Zittern der Hände und Erbrechen … Bei Tage schlief er gar nicht, nachts wenig, unruhig und ängstlich und träumte von fürchterlichen Dingen, die ihn oft bewusstlos zum Bett und Zimmer hinaus trieben.“ Er bekam, nach vergeblicher Anwendung zahlreicher Mittel, „Pulv. Alum crud.“ mit Gummi arabicum, was sehr gebessert haben soll. Alumen ist im Übrigen häufig bei „Malerkoliken“ angewandt worden. Freilich findet sich bei Hering und Clarke nicht die Angabe „Lectophobie“, sondern „Lectophilie“, also Neigung, im Bett zu bleiben, die offensichtlich auf andere Quellen zurückgeht. Daher wurde hier auch das folgende Symptom zitiert.

[Bleibt ohne Grund im Bett und terrorisiert damit ihre Familie.]
KopfBrennen und Schmerz wie von einem Gewicht auf dem Scheitel, besser durch Druck mit der Hand und Auflegen eines mit Kaltwasser getränkten Tuches. Schwindel mit Schwächeempfindung in der Magengrube [in Rückenlage], besser beim Öffnen der Augen und Drehen auf die rechte Seite. Kopfweh besser durch Trinken kalten Wassers.
AugenIrisprolaps, nach Staroperation. Rechtes Auge ganz nach der Nase hin gekehrt.51

51

Ebenfalls aus dem zitierten Fall (Franks Magazin 2:591).

OhrenHört im Schlaf jedes Geräusch. [Sehr leichter Schlaf, Halbschlaf.] Eitriger Ohrenfluss.
HalsVergrößerte und verhärtete Tonsillen, infolge häufiger Erkältungen. Verlängerte, schlaffe Uvula [wie eine an einem Faden herabhängende Beere]. Krämpfe der Speiseröhre, selbst Flüssiges kann kaum geschluckt werden.
AbdomenHartnäckigste Verstopfung; tagelang kein Stuhldrang. Absetzen einer harten, wie [aneinanderhaftende] Murmeln geformten Kotmasse, danach aber weiterhin Vollheitsgefühl im Rektum. Nach Stuhlgang Beißen und Brennen im Mastdarm; lang anhaltende starke Schmerzen in After und Rektum. Bluterbrechen bei starken Trinkern. Abgang großer Massen geronnenen Blutes vom Anus.
Weibliche GenitalienVerhärtungen: von Gebärmutterhals und Brustdrüsen. Chronischer, gelber Vaginal-Ausfluss. Wässrige Monatsblutung. Während der Menses Schwäche der Hände, lässt Dinge fallen.
AtemwegeVollständige Aphonie. Kratzen im Hals, beim Husten. Morgendlicher Auswurf, reichlich und zäh; mit Bronchialkatarrh, Bluthusten und großer Schwäche der Brust, der Schleim ist schwierig auszuwerfen; bei alten Leuten.
HerzHerzklopfen: schlimmer im Liegen auf der rechten Seite; beim Denken an die Krankheit.
HautEkzem an Skrotum und Penisrücken. Alopezie.

  • Alaun ist ein Doppelsalz des Aluminiums, nämlich Kalium-Aluminiumsulfat, KAl(SO4)2 mit 12H2O.

  • Prüfungen existieren von Hering, Barthez, Wibmer und anderen; sie sind, neben klinischen Angaben, Vergiftungsfällen usw., in AE und in Herings Guiding Symptoms dokumentiert. Ein recht großer Teil der Arzneisymptome entstammt dem klinischen Gebrauch, sowohl aus der „alten Schule“ als auch in der Homöopathie. Geheilte Fälle sind unter anderem in Franks Magazin (Fußnoten 50–51) und in NAfH, Band 3 nachzulesen.

Alumina
AllgemeinesWirkt auf das zerebrospinale Nervensystem und erzeugt Koordinationsstörungen und Lähmungseffekte. Parästhesien. Im intellektuellen Bereich sind Realitätsbewusstsein und Urteilsfähigkeit gestört. Erzeugt Trockenheit von Haut und Schleimhäuten: der Augen, des inneren Halses, des Mastdarms; auch Reizung und Erschlaffung der Schleimhäute. [Aber auch:] Reichliche Schleimabsonderungen. [Oder:] Körpersekrete dünn52

52

Bei Boger heißt es „dickflüssig“ statt „dünn“. Beides dürfte seine Berechtigung haben; so gibt es etwa Ausfluss, der die Beine herunter läuft (dieser ist allerdings scharf und reichlich), die Schleimabsonderungen sind jedoch meistens dick und zäh (etwa im Hals oder in der Nase).

, scharf und ätzend, spärlich. Verhärtungsneigung. Alle Körperfunktionen werden träge, die Reaktionen sind verlangsamt. Ein Nadelstich wird mit Verzögerung empfunden, Sinneseindrücke erreichen das Bewusstsein nur langsam. Passt auf alte Leute, mit Mangel an natürlicher Körperwärme, oder auf vorzeitig Gealterte, die schwach und erschöpft sind. Dünne, untätige Patienten mit Neigung zum Hinlegen, was die Mattigkeit aber noch vermehrt. Nützlich bei zarten, empfindlichen Kindern, die mit Fläschchen und Babynahrung aufgezogen wurden [habituelle Verstopfung]. [Anämische, ‚bleichsüchtige‘] Mädchen in der Pubertät. Runzliges, ausgetrocknetes Aussehen.53

53

Bei Phatak nur auf die pubertierenden Mädchen bezogen; hier nach Farrington, der offensichtlich Phataks Quelle ist, allgemeiner gefasst.

Empfindungen von Pulsieren in verschiedenen Körperteilen oder -stellen; Schmerzen, die aufwärts ziehen.54

54

Etwa: „Stechende Schmerzen im Bauche, in der Richtung von unten nach oben, und bis in die Brust hinauf“ (Bönninghausen, Übersicht).

Empfindungen von Zusammenschnürung; auch Reifengefühle oder wie von einem Band zusammengeschnürt.55

55

Nach Kent, Bönninghausen, Hartlaub/Trinks. Bei Phatak ist das „Bandgefühl“ nur auf den Rücken bezogen; diese spezielle Lokalität taucht zwar auch im Repertorium auf, lässt sich aber in der Materia Medica nirgends nachweisen, während zahlreiche andere Lokalitäten (Glieder, Bauch, Brust usw.) häufig erwähnt werden. Es wurde daher hier allgemeiner gefasst.

Chronischer Charakter der Beschwerden. Periodizität; die Patienten fühlen sich zeitweise ganz wohl, doch dann folgt ohne erkennbare Ursache ein Rückfall. Erschöpfung: vom Sprechen; nach der Monatsblutung. Degeneration des Rückenmarks [Hinterstrangdegeneration]. Unfähig, mit geschlossenen Augen zu gehen. Unwillkürliche Bewegungen einzelner Körperteile. Zittern, krampfhafte Bewegungen, Zuckungen; mit Lach- und Weinkrämpfen, oder abwechselndem Lachen und Weinen. Üble Folgen von Enttäuschungen [und Ärger].
SchlimmerZimmerwärme; Bettwärme. Speisen: künstliche Babynahrung, Kartoffeln und andere stärkehaltige Speisen, Salz. Tabakrauchen. Sprechen. Trockenes Wetter. Frühmorgens, beim Erwachen. Im Sitzen. Nach der Monatsblutung [Erschöpfung]. Periodische Verschlimmerung; jeden zweiten Tag. Vollmond und Neumond. Koitus [und Pollutionen]. Körperliche Anstrengung; Heben.
BesserAbends. Im Freien. Mäßige Körperbewegung, mäßige Temperaturen. Feuchtes Wetter; Waschen mit kaltem Wasser [und Befeuchtung des leidenden Teils].
Geist und GemütStörungen des Körperempfindens: als wenn einige Körperteile größer geworden wären; Schwere- und Taubheitsempfindungen [mit Kribbeln, Laufen usw.]; wie glatt und weich56

56

Diese Angabe (von Boger übernommen) bezieht sich wohl vor allem auf die Fußsohlen; bei Bönninghausens Fällen von Rückenmarkerkrankungen, die er mit Aluminium metallicum heilte bzw. besserte, kam mehrfach ein Gefühl, wie auf Kissen zu gehen, und ein Gefühl von Weichheit in den Fußsohlen vor, das er aufgrund eines unten (Extremitäten) zitierten Symptoms als hinweisend für die Arznei verwertete.

. Hastig, gehetzt, aber langsam in der Ausführung ihres Vorhabens; daher Fehler beim Sprechen und Schreiben. [Er verspricht sich stets und wählt andere Worte, als er will.] Depressive Zustände. Niedergedrückt morgens beim Erwachen. „Was sie nur ansieht, erfüllt sie mit Traurigkeit.“ Ängstlichkeit. Fürchtet sich vor den eigenen Impulsen: kann kein Blut, kein Messer liegen sehen, ohne dass sich ihr grässliche Gedanken in die Seele drängen, als sollte sie etwa einen Selbstmord begehen; hat Angst, den Verstand zu verlieren. [Als ob sein Bewusstsein außer seinem Körper wäre;] wenn er etwas spricht oder sieht, ist es ihm, als hätte es ein anderer gesagt oder als ob ein anderer es sähe, oder als ob er sich in einen anderen versetzen könnte und es dann erst sähe. Dinge erscheinen unwirklich. Zeit vergeht zu langsam.57

57

„Unausstehliche Langeweile, eine Stunde deuchtet ihm wie ein halber Tag“ (Hahnemann, Chronische Krankheiten). Kent scheint allerdings mit diesem Symptom andere Erfahrungen gemacht zu haben, da er es dem oben beschriebenen gehetzten Zustand zurechnet: „Nichts bewegt sich schnell genug; die Zeit scheint zu langsam zu vergehen; alles kommt ihm verlangsamt vor.“

Unaufhörlich ächzend, stöhnend, besorgt, sich Gedanken machend. Schlechtes Gedächtnis. Häufig wechselnde Stimmungen. Lacht verächtlich über alles. Missmutig, verdrießlich, ärgerlich; „brummt in einem fort.“ Empfindung, als sollte er vorwärts fallen, wovor er große Angst hat. Krämpfe; Lachen und Sprechen zwischen den Anfällen.
KopfSchwindel: schlimmer beim Sprechen; beim Schließen oder Öffnen der Augen; vor dem Frühstück [mit ohnmachtartiger Übelkeit, die danach aufhört]. ‚Visueller Schwindel‘: weiße Sternchen flimmern vor den Augen; wenn die Augen plötzlich nur mehr unscharf sehen und sie innehalten und warten muss, bis sie wieder normal sehen kann; Reiben oder Wischen der Augen bessert. Starke Stiche im Gehirn, mit Übelkeit. Kopfschmerzen besser, wenn man den Kopf im Bett ganz ruhig hinlegt. Kopfweh, als ob man an den Haaren in die Höhe gezogen würde. Haarausfall; Kopfhaut juckt und ist taub. Trockenes Haar.
AugenWeiße Sternchen flimmern vor den Augen, mit Schwindel. Lider schwach, herabhängend oder -fallend; verdickt, trocken, brennend und schmerzend. Strabismus beider Augen; besonders während der Zahnung. Was sie ansieht, kommt ihr gelb vor. Augen entzündet, brennend; nachts zusammenklebend, tagsüber tränend. Kältegefühl in den Augen [beim Gehen im Freien].
OhrenEin Ohr heiß und rot. Ohrtrompete wie verstopft. [Wenn sie sich schnäuzt, tritt es vor das Ohr, und wenn sie schluckt, geht es wieder auf.] Ohrensausen; Knistern im Ohr beim Kauen oder Schlucken.
NaseNasenlöcher wund und gerötet; mit Schorf darin und dickem, gelblichem Schleim. Nasenspitze aufgesprungen.
GesichtSieht alt aus; dunkelrot, faltig, runzlig. Empfindung, als ob Eiweiß auf dem Gesicht trocknete, oder wie von Spinnweben. Furunkel und Pickel im Gesicht. Unwillkürliches krampfhaftes Zucken des Unterkiefers. Spannungsschmerz in den Kiefergelenken beim Kauen oder Öffnen des Mundes.
MundDumpfer, fauler Mundgeruch. Gefühl, als wären die Zähne zu lang; Zahnschmerz verbreitet sich in andere Körperteile: bis zum Kehlkopf herab, in den Nacken, in die Schultern. Trockenheitsgefühl im Mund [und Hals]; auch, obwohl vermehrte Speichelabsonderung besteht. Kribbeln und Jucken in der Zunge [dass er sie zerkratzen möchte].
HalsTrocken, und Gefühl, als ob etwas Spitziges darin steckte; oder wie zusammengeschnürt, Speisen scheinen nicht hindurchzugehen. Halsschmerzen von Zwiebeln im Essen. Beständige Neigung zum Räuspern. Verlängerte, schlaff herabhängende Uvula. Schlucken schmerzhaft, besonders Schlucken fester Speisen, während Leerschlucken oder warme Getränke die Halsbeschwerden bessern können. Klemmendes Gefühl beim Schlucken jedes Bissens vom Schlund bis in den Magen, als ob die Speisen nicht hindurch könnten; kann zwar schlucken, aber nur kleine Mengen auf einmal. Spürt den Bissen die ganze Länge der Speiseröhre hinunter.
MagenAbnorme Gelüste: auf grobe, derbe Dinge; Kreide, Holzkohle; trockene Speisen, etwa trockenen Reis; saubere Lumpen; Teeblätter oder Kaffeesatz; Unverdauliches; auch starker Hunger auf Gemüse und Obst. Zusammenschnüren in der Magengegend, bis in den Hals.58

58

Hier folgt bei Phatak das Symptom „Magenschmerzen bis drei Stunden nach einer Mahlzeit“, das ich in der Materia Medica für Alumina nirgends belegen konnte. Sehr wahrscheinlich gehört dieses Symptom zu Ammonium carbonicum. Dafür spricht insbesondere, dass noch weitere Symptome dieser Arznei in ‚falschen‘ Arzneibildern verstreut zu sein scheinen (vgl. unter Ambra).

Abneigung gegen Kartoffeln und Fleisch; beides ist unbekömmlich.
AbdomenLinksseitige Bauchbeschwerden. Drängen in beiden Leisten zu den Geschlechtsteilen hin. Kinder mit dicken Bäuchen. Schmerzen vom Rektum zum Fußknöchel. Untätigkeit des Mastdarms; selbst weicher Stuhl wird nur schwer ausgeschieden, harte Stühle erzeugen starke schneidende Schmerzen im After. Stühle hart und knotig, aus kleinen Kugeln bestehend [„lorbeerartig“]; oder aus hellen Blutklumpen. Schmerzhaftes Drängen schon lange vor dem Stuhlgang, der Stuhl selbst erfolgt nur durch Anstrengung der Bauchmuskeln, Drücken und Pressen. Nach der Entleerung kann Stuhldrang zurückbleiben. Verstopfung: der Säuglinge [besonders Flaschenkinder]; alter Leute; von [schwangeren] Frauen; von Leuten mit sitzender Lebensweise. Kann nur im Stehen Stuhl absetzen.
HarnwegeBlasenmuskulatur gelähmt, muss zum Stuhl pressen, um Urin auszuscheiden. [Auch: Beim Pressen zum Stuhlgang, der sehr schwierig erfolgt, entgeht ihm der Harn unwillkürlich.] Nierenschmerzen [wie von Fahren auf holprigen Wegen], schlimmer durch Tanzen. Häufiger Harndrang alter Leute. Zögernder, langsamer Harnabgang. Harnverhaltung mit Harntröpfeln. Schwächegefühl in der Blase und den Geschlechtsteilen, mit Furcht, man werde das Bett nässen. Beißender Schmerz beim Wasserlassen.
Männliche GenitalienSexuelles Verlangen vermehrt. [Oder: Unterdrückung des Geschlechtstriebs.] „Wollüstiges“ Jucken oder Kitzeln an den Geschlechtsteilen. Unwillkürlicher Abgang von Sperma [oder: von Prostatasekret] beim Pressen zum Stuhl. „Nach einer Pollution werden alle bisherigen Beschwerden erneuert und sehr erhöht.“ Schmerz im Perineum, bei Erektionen und beim Beischlaf. Nachts schmerzhafte Erektionen.
Weibliche GenitalienMenses: zu früh, kurz dauernd, spärliche, blasse Blutung, gefolgt von großer Angegriffenheit. Braucht fast die ganze Zeit bis zur nächsten Periode, um sich wieder zu erholen. Ausfluss: scharf und reichlich59

59

„Der Ausfluss ist so reichlich, wie es die Monatsblutung eigentlich sein sollte“ (Nash).

, rinnt die Schenkel herab „beinahe über die Füße“; bisweilen nur am Tage; besonders vor der Periode; [mit Brennen an Geschlechtsteilen und Mastdarm], besser durch Waschen mit kaltem Wasser. Unerträglicher herabdrängender Schmerz. [Gefühl, als sollte alles aus dem Leib fallen.] Kitzel und Jucken in den Geschlechtsteilen; mit starkem Verlangen nach Koitus. Brustwarzen jucken, brennen und sehen entzündet aus (während der Schwangerschaft).
AtemwegeHalsentzündung der Kanzelredner, ‚Predigerhals‘. Husten: anhaltend, trocken, kurz, nimmt den Atem; auch mit Niesen; besonders morgens nach dem Erwachen; von Kitzelreiz durch Erschlaffung der Uvula60

60

Auch von einem Gefühl wie von Verlängerung des Zäpfchens ist die Rede, etwa so ausgedrückt: „wie von einem lose herabhängenden Hautfetzen“ (Hering).

; vom Verzehr Schleimhaut reizender Speisen, auch Gewürzen; von Sprechen oder Singen. Plötzliches Versagen der Stimme; auch bei Erkältung. Wie zusammengeschnürt um die Brust, besonders beim Gebücktsitzen oder Bücken. Schmerzhaftigkeit der Brust: beim Reden; beim Heben.
HerzHerzklopfen und Stöße am Herzen. Wird morgens gegen 4 oder 5 Uhr aufgeweckt von Angst am Herzen, [als sollte Schweiß kommen, der dann doch nicht eintritt], beim Aufstehen vergeht die Angst.
Äußerer Hals und RückenRückenschmerz, als ob ein heißes Eisen durch die untersten Wirbel gestoßen würde. Starkes Stechen im Rücken. Rücken wie von einem Band zusammengeschnürt.
ExtremitätenBrennen an Armen, [Ellbogen] und Fingern, wie von einem glühenden Eisen. Schwere wie gelähmt in den Armen; die Arme kommen ihr wie kürzer vor; sie schlafen ein. Schwere der Beine. Schwankt oder torkelt beim Gehen. Beine schlafen ein, besonders beim Sitzen mit übereinander geschlagenen Beinen. Taubheit der Fersen beim Auftreten. Lokomotorische Ataxie. Festination [Trippelgang]. Kann nur bei hellem Licht und offenen Augen gehen, bei geschlossenen Augen oder im Dunkeln taumelt und torkelt sie. Schmerz in der Fußsohle, beim Auftreten, als wäre sie zu weich [und geschwollen]. Schmerzhafte Wadenkrämpfe, wenn man die Beine übereinander legt. Quälender Schmerz in den Gliedern, als wären die Knochen eingeengt. Nägel spröde, brüchig; oder verdickt. Nagender Schmerz unter den Nägeln der Finger.
HautUnerträgliches Jucken beim Warmwerden im Bett; muss sich blutig kratzen. Trockene, raue, aufgesprungene Haut. Jucken und Brennen auf der Haut, über dem Sitz der Schmerzempfindung.61

61

Vgl. auch Symptom Nr. 867 aus Hartlaub/Trinks' Symptomenregister: „An der Stelle, wo das juckende Laufen war, entsteht hierauf dröhnender Schmerz.“ Juckendes Laufen wie von einem Insekt wird von zahlreichen Körperstellen berichtet.

Ekzem. Kleine Verletzungen der Haut schmerzen wie aufgesprungen und entzünden sich. Hautsymptome schlimmer: im Winter und bei jedem Voll- und Neumond.
SchlafUnruhiger Schlaf, mit Beängstigung und verwirrten Träumen; träumt von Dieben, von Gespenstern, auf einer sinkenden Fähre zu sein.
FieberFrösteln; [Erkältungsneigung, selbst im Zimmer, mit Heiserkeit], besser im Freien. Es wird ihm heiß [im Bett], mit Hautjucken.
KomplementärBryonia.
VerwandtBryonia; Plumbum.

  • Alumina ist Al2O3, Aluminiumoxid oder Tonerde. Hahnemann stellte das Präparat aus Alaun her, dem die Schwefelsäure entzogen wurde.

  • Die Prüfungen stammen von Hahnemann (zuerst veröffentlicht in AfH, Band 9), Hartlaub, Trinks, Nenning und Schréter (Hartlaub/Trinks: Reine Arzneimittellehre, Band 2). Ergänzt um einige Symptome von Bute, wurden die Ergebnisse zusammengefasst im 2. Band der Chronischen Krankheiten. Für die klinische Anwendung waren besonders Bönninghausens Erfolge bei lokomotorischer Ataxie mit potenziertem Aluminium metallicum bedeutsam; er benutzte als Grundlage für die Verschreibung dieses ungeprüften Mittels die Prüfungssymptome des Oxids, offenbar mit guten Ergebnissen.

Alumina silicata
AllgemeinesWirkt auf das Rückenmark. Zusammenschnürung ist ein ausgeprägtes Allgemeinsymptom; auch Zusammenziehen von Körperöffnungen [und Empfindungen wie zusammengeschnürt]. Wehtun und Brennen in der Wirbelsäule. Ameisenlaufen, Taubheit und Schmerzen in allen Gliedern. Während der Schmerzen ist ihm sehr kalt [und warme Anwendungen bessern den Schmerz]. Epileptiforme Konvulsionen.
SchlimmerKalte Luft. Nach dem Essen. Stehen.
BesserWärme. Wenn nüchtern bzw. wenn man nur geringe Mengen isst. Völlige Bettruhe.

  • Alumino-Silicate bilden einen erheblichen Teil der Gesteine und ihrer Verwitterungsprodukte. Die hier dargestellte Arznei stammt von dem Mineral Andalusit [chemisch: Al2(O/SiO4)], das häufig als Nebenbestandteil des Gneises gefunden wird. Auch Kaolin (Porzellantonerde) taucht in der Literatur gelegentlich unter dem Namen „Alumina silicata“ auf, ist hier aber offenbar nicht gemeint. Ein weiteres Alumino-Silicat ist das Gneispräparat Lapis albus.

  • Kent, der die Arznei eingeführt hat, gibt an, er habe sie geprüft und viele Jahre lang klinisch angewandt. Seine Symptome, die in den New Remedies 11 Seiten füllen, wurden von Boericke für sein Arzneibild von Alumina silicata verwandt, das wiederum die Quelle von Phataks Text darzustellen scheint.

Ambra grisea
AllgemeinesWirkt auf die Nerven und erzeugt Nervosität, Rucken und Zucken. Passt auf hysterische Personen; auf dünne, magere Frauen [und Männer]; auf Patienten, die durch Alter oder Überarbeitung geschwächt sind; auf alte Leute, bei denen alle Funktionen des Organismus in Mitleidenschaft gezogen sind. Auch bei ‚modernen jungen Mädchen‘ aus der besseren Gesellschaft.62

62

Diese Angabe stammt von Kent. Sie bezieht sich auf ein fahriges, „neurasthenisches“ Wesen, das er besonders bei diesen beobachtet habe (siehe unter „Geist und Gemüt“). Hier sollten natürlich die Moden, die Mann bzw. Frau Ende des 19. Jahrhunderts ‚trug‘, bedacht werden, und noch mehr die Vorurteile der Zeit, wie sie in Kents Beschreibung herauskommen: „Eine moderne Schöne der Gesellschaft, die nicht in der Lage wäre, an ihrem Strumpf die Ferse zu stopfen, wenn es auch um ihr Seelenheil ginge, wird in wenigen Jahren diesen Zustand erreichen, und dann wird auch Ambra nichts mehr helfen …“

Die Patienten sind ausgelaugt und erschöpft, aber zugleich überempfindlich für äußere Eindrücke. Zustände nach Schicksalsschlägen, etwa Misserfolg in Geschäften oder mehrere aufeinander folgende Todesfälle in der Familie bzw. der nahen Verwandtschaft; nach geschäftlichen Sorgen. Schwäche, besonders im Oberkörper; Zittern, vor allem in den Beinen. Bei geringfügigen Veranlassungen bzw. bei allem, was man nicht gewohnt ist, werden Atmung und Herz beeinträchtigt, setzt eine Uterusblutung ein usw.; halbseitige Beschwerden; Symptome, die plötzlich den Ort wechseln. Kälte- und Taubheitsempfindungen an einzelnen Stellen oder einzelnen Körperteilen, etwa an Armen, Fingern [am oder im Bauch] usw.; Zucken, Zittern, Jucken; Blutwallungen. Pulsschlag wird im ganzen Körper gefühlt [wie das Ticken einer Uhr]. Haut des ganzen Körpers wie taub und gefühllos, besonders morgens beim Erwachen. Kälte des Körpers, mit Zucken in den Gliedern. Phantasien.63

63

Neben den unter „Geist und Gemüt“ angeführten auch erotische: „Die Phantasie beschäftigt sich mit vielen geilen Bildern, auch im Traume – wovon doch das Gemüt und die Geschlechtsorgane nur wenig aufgereizt werden“ (Hahnemann).

SchlimmerMusik. Anwesenheit anderer. [Schon von Kleinigkeiten, etwa:] Verlegenheit; Aufregung; Sorgen; Denken an die Beschwerden; alles Ungewohnte; [Sprechen, Zuhören]. Schweres Heben. Morgens [und beim Erwachen aus dem Schlaf]. Wärme. Warme Milch.
BesserLangsame Bewegung im Freien. Liegen auf dem schmerzenden Teil. Kalte Getränke [und Speisen].
Geist und GemütSchlechtes Gedächtnis; langsames Verstehen. Muss alles mehrmals lesen und hat es doch nicht verstanden. Wie im Traum. Flüchtige Gedanken schießen ihm durch den Kopf, oder unangenehme Vorstellungen bemächtigen sich seiner und sind nicht zu vertreiben. Zerrbilder, Fratzen, Teufelsgesichter, die er nicht loswerden kann. Traurig. Depressiv, sitzt tagelang weinend da. Ungeschickt [lässt alles fallen]. Fahrige, sprunghafte Konversation; springt von einem Thema zum anderen, stellt eine Frage und gleich die nächste, ohne auf Antwort zu warten. ‚Moderne junge Mädchen aus der besseren Gesellschaft.‘ Sprechen oder Zuhören bei einem Gespräch greift sehr an. Menschenscheu, die Nähe anderer ist unerträglich. Möchte allein sein. Schüchtern; [verlegen in Gesellschaft], errötet leicht. Zeit vergeht zu langsam.64

64

Diese Angabe (bei Boger/Bönninghausen, Boericke, Lippe, Dewey) dürfte in den Zusammenhang von Ungeduld und Nervosität gehören, also im Sinn von „alles geht ihm zu langsam“. Vgl. die Prüfungssymptome „Bei geistigen Arbeiten, Hastigkeit“ und „Gereizte Stimmung, wie nervenschwach und ungeduldig“ (Hahnemann).

Widerwille gegen Lachen. Musik macht Weinen und Zittern. [Musik treibt ihm das Blut nach dem Kopf.]
KopfSchwindel: bei alten Leuten; mit Schwächegefühl in Kopf und Magen. Reißen wie in der ganzen oberen Hälfte des Gehirns [mit Kälte der linken Hand]. Die Kopfhaare gehen aus. Benommenheit im Hinterkopf; auch ein Schmerz wie von Verheben am Kopf, [im Genick und am Hals]. Kopfschmerz beim Naseputzen.
AugenJucken65

65

Phatak schreibt „Stechen“; Hahnemann (Symptom Nr. 57) und alle anderen Autoritäten haben jedoch „Jucken“.

am Augenlid, als wollte ein Gerstenkorn entstehen. Druck auf den Augen, die schwer zu öffnen sind; oder Drücken, als ob sie zu tief lägen.66

66

Nach den Prüfungen verändert; Phatak hatte irrtümlich ein Symptom von Ammonium carbonicum genannt. Weitere Symptome (ein Augen- und ein Kopfsymptom) werden hier ganz weggelassen, da sie offensichtlich zu Ammonium carbonicum gehören.

OhrenSchwerhörigkeit, mit Kältegefühl im Bauch. Taubheit eines Ohrs. Brausen und Pfeifen im Ohr.
NaseNasenbluten, besonders morgens. [Morgens die Nase voll Blutkrusten, nach dem Reinigen blutet es aus der Nase.]67

67

So sagt es Hering in einem Artikel in NAfH 3, 1:108. Phataks Symptom „Nasenbluten, morgens, beim Waschen des Gesichts“ scheint aus Hahnemanns Einleitung zu Ammonium carbonicum zu stammen.

Nasenbluten während der Menses. Verstopfte und inwendig wund schmerzende Nase; langwierig unterdrückter Schnupfen.68

68

Nach der Prüfung (Symptom Nr. 247) und Jahrs Symptomencodex verändert. Phataks Symptom entspricht Nr. 443 und 444 von Hahnemanns Ammonium-carbonicum-Prüfung in den Chronischen Krankheiten.

GesichtKrampfhaftes Zittern und Zucken der Gesichtsmuskeln. Krampf in der Unterlippe. Heiße Lippen. Roter Fleck auf der Wange, ohne Empfindung.69

69

Nach Prüfungssymptom Nr. 68 von Hahnemann verändert. Phataks Symptom entspricht Nr. 155 unter Ammonium carbonicum.

Fliegende Hitze im Gesicht. Gelbsüchtiger Teint. Wirkt verlegen. Trismus bei Neugeborenen.
MundStarkes Zahnfleischbluten; übel riechender Atem. Ranula. Säuerlich im Mund, nach Milchtrinken. Wasserzusammenlaufen im Mund, beim Husten.
HalsGefühl, als ob etwas im Hals steckte, wie ein Hindernis beim Schlucken. Halsweh mit Rauheit und Kratzen; nach Zugluftexposition, [mit Stechen ins rechte Ohr], schlimmer beim Bewegen der Zunge.
MagenNach dem Essen: Husten, begleitet von Brechwürgen70

70

Nach Herings Guiding Symptoms und dem Fall, der Herings Angabe offenbar zugrunde liegt (in Rückerts Klinischen Erfahrungen, Supplementband 1: 675), korrigiert. Phatak schreibt „Gähnen“ (gaping), offenbar von Clarke übernommen; richtig ist aber „gagging“, Brechwürgen. Dasselbe Symptom existiert noch in einer dritten Variante, nämlich mit „Keuchen“ (gasping), in Guernseys Keynotes.

; Drücken im Halsgrübchen, als steckte da noch Speise, die nicht hinuntergehe. Aufstoßen, bei starkem Krampfhusten. Sodbrennen nach Milchtrinken. Durstlosigkeit [auch mit Trockenheit im Mund].
AbdomenBlähungsbeschwerden. Auftreibung des Unterleibs gleich nach Mitternacht. Erträgt die Anwesenheit anderer beim Wasserlassen und Stuhlgang nicht; besonders in der Schwangerschaft [und im Kindbett, selbst die Krankenschwester oder Hebamme darf nicht dableiben]. Verstopfung, während der Schwangerschaft und im Kindbett. Häufiger vergeblicher Stuhldrang.71

71

Vgl. Hahnemann: „Es kommt aber kein Stuhl, und das macht sie sehr bänglich, wobei ihr die Nähe anderer Menschen unerträglich wird.“

Kältegefühl am oder im Bauch [auch nur einer Seite]. Drückender Schmerz auf einer kleinen Stelle in der Lebergegend; besser durch Druck [Legen auf die schmerzende Seite]. Viel Blutabgang beim Stuhl. Schweiß am Unterleib und den Oberschenkeln. Schmerz im Mastdarm und zugleich in der Blase.
HarnwegeKann in Gegenwart anderer kein Wasser lassen. Empfindung, als gingen einige Tropfen aus der Harnröhre. Harn schon beim Lassen trübe, bildet braunen Satz. Lässt mehr Wasser, als er trinkt. Sauer riechender Harn; bei Keuchhusten. Brennen, Beißen, Kitzel und Jucken in der Scham, beim Wasserlassen.
Männliche GenitalienHeftiges Lustgefühl im Inneren der Geschlechtsteile [ohne sonderliche Erektion]; auch Jucken darin. Heftige Erektionen ohne Lustempfindung, bei äußerlicher Taubheit der Teile; innerliches Brennen [in der Gegend der Samenbläschen]. Impotenz.
Weibliche GenitalienStarkes Jucken an der Scham, mit Wundheit und Schwellung der Schamlippen, die ebenfalls jucken. Zwischenblutungen: nach jeder geringen Veranlassung, nach hartem Stuhlgang, etwas längeren Spaziergängen als gewöhnlich usw. Ausfluss: bläulich-weißen Schleims; reichlich, besonders nachts. Verstärktes sexuelles Verlangen. Im Liegen werden die Uterussymptome schlimmer. Menses zu früh; zu reichlich.
AtemwegeAsthma: bei alten Leuten; asthmatische Atmung tritt auf beim Koitus. Hohler, bellender Krampfhusten, tief aus der Brust kommend, dann Aufstoßen. Husten hervorgerufen oder schlimmer: von Musik; in Anwesenheit vieler Menschen; durch lautes Lesen und Sprechen; schweres Heben. Husten, der den Atem nimmt. Auswurf weiß, bläulich, [grau]. Husten mit Abmagerung.
HerzHerzklopfen, mit Pressen in der Brust, als ob dort ein Klumpen läge oder als ob die Brust dort verstopft wäre. Herzklopfen mit Gesichtsblässe. Ängstlichkeit am Herzen [bis zur Hemmung der Atmung, mit fliegender Hitze].
ExtremitätenKrämpfe in den Händen und Fingern; besonders beim Anfassen oder Zugreifen. Krämpfe in den Beinen, Wadenkrämpfe [fast jede Nacht]. Während der Monatsblutung wird der linke Unterschenkel ganz blau [von geschwollenen Krampfadern]. Zucken in den Gliedern, mit Kälte des Körpers, im Schlaf. Leichtes Einschlafen der Glieder. Lässt fallen, was er trägt. Brüchige, spröde Fingernägel. Wund und wie roh zwischen den Oberschenkeln. Kälte der (linken) Hand, bei Kopfweh.
SchlafKann vor lauter Sorgen nicht schlafen, muss wieder aufstehen. Müde beim Zubettgehen, aber sobald der Kopf das Kissen berührt, wieder hellwach.
HautJucken und Wundheit, besonders um die Genitalien.
FieberFliegende Hitze in kurzen Intervallen. Schweiß bei der geringsten Anstrengung, besonders am Bauch und den Oberschenkeln.
VerwandtBaryta carbonica; Ignatia.

  • Graue Ambra, eine wachsartige, aufgrund eines Gehalts an flüchtigen Ölen stark (wohl-)riechende Substanz, ein Stoffwechselprodukt des Pottwals, das in seinen Eingeweiden oder auf dem Meer schwimmend gefunden wird.

  • Hahnemanns Prüfung findet sich in der Reinen Arzneimittellehre, Band 6. Hering hat (in NAfH) einige Symptome aus der Erfahrung mit Kranken beigetragen. Offensichtlich ist beim Zusammenstellen des Textes ein Teil der Ammonium-carbonicum-Symptome unter Ambra geraten; sie wurden hier entweder weggelassen oder entsprechend den Prüfungen modifiziert.

Ambrosia
AllgemeinesBei Heuschnupfen, tränenden Augen und unerträglichem Jucken der Lider. Nasenbluten. Gefühl wie verstopft in Nase und Kopf. [Sinusitis.]
VerwandtArsenicum iodatum; Sabadilla.

  • Ambrosia artemisiifolia L.; die Beifußblättrige Ambrosie.

  • In AE, Band 10, berichtet Marsh über verschiedene zufällige und absichtliche Berührungen des Blütenstaubs mit der Schleimhaut der Atemwege, die regelmäßig Heuschnupfen hervorgerufen haben. (Es soll auch eine Prüfung von E. E. Holman vorliegen, die mir jedoch nicht zugänglich war.) Ein Bericht (von Millspaugh) über die Anwendung findet sich in Anshutz, New, Old, and Forgotten Remedies.

Ammonium bromatum
AllgemeinesAngezeigt bei Katarrhen des Larynx und Pharynx. Plötzlicher Hustenreiz mit Erdrosselungs- und Erstickungsgefühl. Erstickungsgefühl vor einem epileptischen Anfall (Aura).72

72

Vgl. das Prüfungssymptom von Cushing: „Ohnmachts- oder Erstickungsgefühl, in der Magengegend anfangend und auf beiden Seiten des Brustbeins zum Hals aufsteigend, muss seufzen und im Zimmer herumlaufen; hat Angst zu sterben.“

Reiz unter den Fingernägeln, nur besser durch Beißen auf die Nägel.

  • Ammoniumbromid, NH4Br.

  • Prüfungen liegen vor von Cushing (AE, Band 1) und Morgan (Hughes, Cyclopedia, Band 4).

Ammonium carbonicum
AllgemeinesWirkt auf Herz, Kreislauf und Blut. Das Herz wird schwach, mit Neigung zum Kreislaufkollaps. Die Blutzirkulation wird träge, und Sauerstoffmangel im Blut führt zu livider Verfärbung der Haut, Schwäche und Somnolenz. Verminderung der Vitalität, Reaktionsmangel. Passt auf fettleibige Menschen mit schwachem Herz, Keuchen auf der Brust und Erstickungsanfällen; auf korpulente Frauen, die immer müde und matt sind, sich leicht erkälten und zu Anfang der Menstruation an choleraähnlichen Symptomen leiden; auf Leute von sitzender Lebensweise. Bei Krankheiten alter Leute. Sehr empfindlich gegen kalte Luft. Große Abneigung gegen Wasser, kann es nicht ‚anfassen‘. Gewohnheitsmäßige Unreinlichkeit. [Große Abneigung zu baden, bei Kindern.] Schwere in allen inneren Organen. Schmerzen: wie zerschlagen, wie wund. Inneres Brennen, wie wund und roh. Absonderungen: brennend, scharf, anhaftend. Dunkle, dünnflüssige Blutungen. Skorbutartige Zustände. Bösartige Erkrankungen. Erschöpfung schon von Kleinigkeiten. Muss sich hinlegen, wegen Mattigkeit, Abspannung, Schwäche; auch mit Zerschlagenheitsschmerz des ganzen Körpers. Bei Vergiftungen durch Kohlendunst.73

73

Vgl. Hahnemanns Prüfungssymptom: „Drückende Vollheitsempfindung in der Stirne, wie von Kohlendunst.“

SchlimmerKälte; nasse Kälte. Trübe Tage. Im Freien, bei kalter, rauer Luft. Beim Einschlafen; auch 3–4 Uhr morgens. Während der Monatsblutung. Bewegung, körperliche Anstrengung. Kauen, Zusammenbeißen der Zähne. Bücken. Neumond.
BesserDruck; Bauchlage. Essen.74

74

Diese von Boger stammende Angabe wird bestätigt in Allens Handbook: „Alle Symptome gebessert nach einer guten Mahlzeit.“ Andererseits gibt es bei Hahnemann und vielen anderen zahlreiche Symptome, die sich „nach Tische“ verschlimmern (Kopfschmerzen, Übelkeit, Sodbrennen usw.).

Trockenes Wetter. Liegen auf der rechten Seite.
Geist und GemütAktiv, aber schnell erschöpft. Vergesslich, übellaunig, verstimmt; bei [trübem und] stürmischem Wetter. Gedankenlos, zerstreut, ungehorsam, unlenksam. Niedergeschlagen, mit Schwäche der intellektuellen Fähigkeiten. Geist wie leer; „Kopf sehr gedankenlos.“ Gedächtnisschwäche; schlimmer durch Ärger. Sehr angegriffen vom Sprechen und Zuhören. Unlust zur Arbeit. Mürrisch, besorgt, ängstlich, als hätte man ein Verbrechen begangen. Weinerlich. Neigt zu Fehlern beim Sprechen, Schreiben und Rechnen.
KopfEs fährt ihm in Kopf, Augen, Ohren und Nase, beim Zusammenbeißen der Zähne. Heftiger Kopfschmerz; Vollheitsempfindung in der Stirn, als wollte sie zerplatzen. Lockerheitsgefühl des Gehirns [scheint nach der Seite zu fallen, auf die er sich bückt].
AugenBrennen der Augen; trockene Lider. Lange Anstrengung der Augen führt zu Asthenopie; es erscheinen gelbe Punkte, wenn man auf weiße Gegenstände blickt. Viel Tränen der Augen, wahre Tränenfluten. Großer schwarzer Fleck schwebt vor dem Auge, wenn man genäht hat. Muss sich nachmittags hinlegen, sonst tun ihm die Augen weh. [Beim Erwachen, und wenn er einschlafen will, Druck auf die Augenlider, dass er sie nicht öffnen kann, wenn er auch schon innerlich wach ist.]75

75

Aus Phataks Ambra-Bild übernommen, wo das Symptom offensichtlich irrtümlich gelandet ist. Es handelt sich um das Symptom Nr. 91 aus den Chronischen Krankheiten. Ähnliches gilt für einige weitere, in eckigen Klammern ergänzte Symptome.

OhrenSchwerhörigkeit. Jucken oberhalb der Ohren, das sich über den ganzen Körper verbreitet. Harte Geschwulst der Parotiden und Halslymphknoten.
NaseVerstopfte Nase, nachts, kann nur durch den Mund atmen; lang anhaltender Schnupfen. Stockschnupfen der Kinder. Kinder, die unfähig sind, sich die Nase zu putzen. Nasenbluten: beim Waschen von Gesicht76

76

Vgl. z. B. einen Fall von Ri „Er konnte das Nasenbluten jederzeit hervorrufen, indem er einfach sein Gesicht mit Wasser benetzte“ (Journal of Homoeopathic Clinics 3:76).

oder Händen, besonders morgens; auch nach Tisch. Ständiger Reiz zum Niesen. Starker wässriger Fließschnupfen. Katarrhe der Atemwege, die in der Nase beginnen. Furunkel an der Nasenspitze.
GesichtFurunkel und Pusteln; während der Regel. Mundwinkel entzündet, rissig, brennend; Lippen aufgesprungen, mit brennendem Schmerz. Harte Geschwulst der Wange. [Röte der linken Wange.]
MundZahnfleisch empfindlich und blutend. [Schmerz in den Zähnen] beim Zusammenbeißen, es fährt ihm durch Kopf, Augen, Ohren und Nase. Mund und Hals: trocken. Zähne locker und wie stumpf. Bläschen auf der Zunge; hindern beim Sprechen und Essen, mit Brennschmerz. Zahnschmerzen während der Regel. Schwellung der inneren Wange.
HalsGeschwollene Mandeln und Halslymphknoten. Angina, nekrotisierende Geschwüre der Mandeln. Diphtherie: bei verstopfter Nase; die Pseudomembran reicht bis zur Oberlippe.
MagenSchmerz in der Magengrube, mit Sodbrennen, Übelkeit, Wasseraufsteigen und Frösteln. [Gefühl wie von Überladung des Magens, bis drei Stunden nach Tisch.]77

77

Aus Phataks Alumina-Bild übernommen, wo das Symptom offensichtlich irrtümlich gelandet ist. Es handelt sich um Symptom Nr. 306 aus den Chronischen Krankheiten.

Blähungsdyspepsie. Vermehrter Appetit, und doch gleich satt.
AbdomenKolikartige Leibschmerzen, mit Schmerzen zwischen den Schulterblättern. Blutende Hämorrhoiden; schlimmer während der Menses. Prolabierende Hämorrhoiden, besonders beim Stuhlgang, aber auch unabhängig davon; mit Schmerzen, sodass man nicht gehen kann; im Liegen ziehen sie sich zurück. Blutabgang bei78

78

Phatak schreibt „vor“, was ein offensichtliches Versehen ist.

und nach Stühlen. Durchfall, Stuhl dunkel und ätzend. Verstopfung; harte, trockene Stühle.
HarnwegeHäufiger Harndrang. Urin: weiß, sandig; blutig; vermehrt, trübe; übel riechend. Unwillkürlicher Harnabgang im Schlaf, gegen Morgen.
Männliche GenitalienAnhaltende Erektionen, ohne sexuelles Verlangen; oder heftiges sexuelles Verlangen ohne Erektion. Pollutionen: sehr häufig; nach dem Beischlaf79

79

Von Guernsey übernommen. Hahnemann schreibt: „Pollution, zwei Tage nach dem Beischlaf.“

.
Weibliche GenitalienCholeraartige Symptome zu Beginn der Menstruation [Durchfall, Erschöpfung usw.]. Menses: zu häufig, zu stark, zu früh; schwarzes Blut, in ganzen Stücken, mit krampfhaftem Bauchschmerz und hartem, schwierigem Stuhl; mit großer Abgeschlagenheit, besonders der Oberschenkel, Gähnen und Frostigkeit. Blutung stärker nachts; dann Atemnot oder Erschöpfung. Starker Ausfluss, scharf, wundmachend, brennend, wässrig. Reizung der Klitoris.
AtemwegeZunehmende Atembeschwerden, die sie nachts aufwecken; besser durch kühle Luft. Große Atembeklemmung, schlimmer bei der geringsten Anstrengung, auch beim Betreten eines geheizten Zimmers. Emphysem. Lungenödem. Hypostatische Lungenanschoppung. Schleimrasseln auf der Brust, bringt aber nur wenig Schleim herauf. Heiserkeit. Husten, der nach einer Influenza zurückbleibt. Auswurf reinen Blutes; nach Husten.80

80

Diese Angabe geht wohl zurück auf Hahnmanns Prüfungssymptom: „Rauheit und Blutgeschmack im Mund, und beim Bücken bekommt sie trockenen Husten; etwas später hus-tete sie eine Menge hellrotes Blut aus …“

HerzSchwach; mit Stockung des Blutkreislaufs. Nächtliches Erwachen mit Schweratmigkeit und Herzklopfen. Herzklopfen: hörbar, mit Angst [als müsse sie sterben], kaltem Schweiß und unwillkürlichem Tränenfluss, Unfähigkeit zu sprechen, Zittern der Hände. Angina pectoris.
ExtremitätenEinschlafen der Teile, auf denen man liegt. Krämpfe in Waden und Fußsohlen. Anschwellen der Hände und Finger beim Hängenlassen der Arme. Neigung, die Glieder auszustrecken. Panaritium. Reißende Gliederschmerzen, besser in der Bettwärme. Taubheit des rechten Fußes [Unterschenkels]. Hygrom, ‚Überbein‘. Knochenschmerzen, bei81

81

Phatak schreibt „besser bei Wetterumschwung“; Bogers Angabe lautet aber: „Bones ache as weather changes.“

Wetterumschwung. Rechter Arm zentnerschwer und kraftlos.
HautRote oder fleckige Haut [„wie mit Scharlach überzogen“]. Bösartiger Scharlach [Scarlatina septica]. Erysipel; bei alten Leuten.
SchlafSchläfrigkeit tagsüber. Erwacht nachts mit Erstickungsgefühl. Je zeitiger sie schlafen geht, desto besser schläft sie [und je später sie zu Bett geht, desto weniger kann sie schlafen].
FieberKälte des Körpers. Brennende Hitze, mit Durst.
VerwandtAntimonium tartaricum; Carbo vegetabilis; Glonoinum; Lachesis; Muriaticum acidum.

  • Ammonium carbonicum, das Hirschhornsalz, wurde früher (etwa bei Clarke) als „eineinhalbfach kohlensaures Ammonium“ betrachtet. Es besteht aus den Ammoniumsalzen der Kohlensäure (vor allem NH4HCO3) und der Carbamidsäure (NH4O-CO-NH2). Der Stoff bildet sich bei der Verwesung vieler stickstoffhaltiger organischer Körper und wurde früher u. a. aus Hirschgeweihen gewonnen (daher der Name). Hahnemann schrieb die Herstellung aus „kristallinischem Natrium“ (Soda) und Salmiak vor und verlangte Zubereitung durch Verreibung.

  • Die wichtigste Prüfung steht in Hahnemanns Chronischen Krankheiten; sie umfasst neben Hahnemanns Symptomen auch die hauptsächlich von Nenning stammenden, die zuerst in der Reinen Arzneimittellehre von Hartlaub/Trinks erschienen sind. Eine Nachprüfung findet sich in der HVJ 10:67 (Martin). – Einige Symptome von Ammonium carbonicum scheinen beim Zusammenstellen des Bandes unter Ambra, in einem Fall auch Alumina geraten zu sein; sie wurden hier nach den Prüfungen ergänzt.

Ammonium muriaticum
AllgemeinesWirkt auf die Schleimhäute und verstärkt deren Sekretionen, die im Körperinneren zurückgehalten werden82

82

Es werden auch öfters reichliche, frei abfließende Sekretionen erwähnt, insbesondere der Atemwege; vgl. z. B. unter „Nase“.

. Besonders die Brust [Atemwege] und die Gallengänge sind betroffen. Erzeugt Regulationsstörungen des Blutkreislaufs, der ständig in einem Erregungszustand zu sein scheint, mit Wallungen, Brennen und lokalem Pulsieren. „Es wallt im ganzen Körper.“ Viele Symptomengruppen werden von Husten oder reichlichen eiweißartigen, zähen Schleimabsonderungen begleitet; Husten mit Leberaffektionen. Spannen, als ob Muskeln oder Sehnen zu kurz wären; in den Leisten, Kniesehnen, im Kreuz usw. Verursacht Schmerzen wie von Eiterung oder Geschwür, auch tatsächliche Geschwürbildung. Neuralgische Schmerzen in den Stümpfen amputierter Gliedmaßen. Blutungen. Passt auf fettleibige, aufgedunsene, träge Patienten mit mageren Extremitäten, die sich immer müde und wie zerschlagen fühlen. Folgen von Kummer.
SchlimmerMorgens: Kopf- und Brustbeschwerden; nachmittags [nach dem Essen]: abdominale Beschwerden; abends [und nachts]: Gliederschmerzen, Hautbeschwerden und Fiebersymptome. Chronische Verrenkungen. Aufrechtgehen [oder Aufrichten, Geraderichten]. Periodisch [Fieberanfälle alle 7 Tage]. Nachts von 2–4 Uhr.
BesserIm Freien. Schnelle Bewegung.83

83

Wahrscheinlich nach folgendem Symptom aus Hartlaub/Trinks' Annalen, das auch in Boger/Bönninghausens Characteristics wiedergegeben ist: „Früh nach dem Erwachen, und auch noch länger, wie kontrakt im ganzen Körper, dass sie kaum gehen konnte, und doch verging dieser Zufall durch stärkeres Gehen.“

Gebücktes, krummes Gehen.
Geist und GemütMöchte weinen, kann aber nicht. [Möchte gern weinen, und weint auch zuweilen.] Unwillkürliche Abneigung gegen bestimmte Personen. Schwermütig und bang; wie von innerem Kummer. Hirnlähmung.
KopfSchwere in der Stirn; Herunterdrücken zur Nasenwurzel hin, mit Gefühl, als ob das Gehirn innerlich zerrissen wäre. Haarausfall, mit Jucken und Schuppen.
AugenNebel vor den Augen [im Freien, selbst] bei hellem Sonnenschein; [besser im Zimmer]. Fliegende Punkte oder gelbe Flecken vor den Augen. Beginnender Katarakt, Kapselstar.
NaseSchnupfen mit reichlicher wässriger, scharfer, brennender Absonderung [die die Lippen ätzt]; dabei Verschließung eines Nasenlochs. Verlust des Geruchssinns. Verstopfungsgefühl in der Nase: mit Reiz zum Schneuzen; mit Gefühl, als ob ein rauer, großer Körper oben in der Nase stäke. Nase empfindlich gegen Berührung. Niesen: weckt sie aus dem Schlaf; mit reißenden Stichen im Genick, bis in die Achseln. Schnupfen bei Kindern, mit bläulicher Absonderung.
GesichtBlass. Lippen brennen wie Feuer. Lippen trocken, zusammengeschrumpft, aufgesprungen, muss sie ständig mit der Zunge befeuchten. Brennender Ausschlag im Gesicht, besser durch Kälteanwendung.
MundVerschleimt. Brennende Bläschen an der Zungenspitze.
HalsVerschleimt [Schleim nicht oder kaum auszuräuspern oder hinunterzuschlucken]. Hals innerlich und äußerlich geschwollen, mit klebrigem, zähem Schleim. Geschwollene Mandeln; Pochen in den Mandeln. Ösophagusstriktur.
MagenDurst auf Limonade. [Nur durch Limonade zu stillender, starker Durst.] Übelkeit, mit bitterem Wasseraufschwulken, besonders nach dem Essen, mit Schaudern über und über. Nagen im Magen; Brennen und Stechen in der Magengrube, das in die rechte Achselhöhle und den Oberarm zieht. Magenkrebs. Gefühl von Leere im Magen, ohne Verlangen zu essen. Erbrechen und Durchfall, während der Regel.
AbdomenStiche in der Milz, morgens beim Erwachen84

84

Phatak schreibt „beim Essen“, was offenbar ein Irrtum ist; das Symptom wird hier nach Hahnemann wiedergegeben.

, mit Atembeschwerden; [auch im Sitzen]. Leberaffektionen mit Husten. Sehr große Fettpolster am Bauch, Schmerbauch. Harter, bröckliger und geringer Stuhl; Stühle von wechselnder Farbe und Konsistenz.85

85

Vgl. Guernsey: „Keine zwei Stühle sehen gleich aus“ und Hartlaub/Trinks: „Stuhl, dessen erster Teil hart, der letzte weich war.“

Blutabgang beim Stuhl oder Durchfall, während der Regel. Hämorrhoiden [mit Wundschmerz], nach unterdrückter Leukorrhö. Brennen im After, während des Stuhlgangs und noch stundenlang danach. Spannendes Gefühl oder Schmerz wie von Verrenkung in den Leisten; muss krumm gehen. Leisten fühlen sich geschwollen und wund an.
HarnwegeReichliches und häufiges Wasserlassen. Harndrang, aber es gehen nur ein paar Tropfen ab, bis der Urin beim nachfolgenden Stuhlgang wieder wie gewöhnlich fließt. Reichlicher, stark nach Ammoniak riechender Harn.
Weibliche GenitalienMenses zu früh, mit Bauch- und Kreuzschmerzen; Blutung nachts stärker. Uterusprolaps. Ausfluss: wie Eiweiß, zuvor Zwicken um den Nabel; [braun schleimig], nach jedem Urinieren.
AtemwegeHeiserkeit und Brennen in der Kehlkopfgegend. Husten: mit reichlicher Speichelabsonderung [oder Wasseraufsteigen in den Mund]; mit Lebersymptomen; besonders in Rücken- oder rechter Seitenlage. Bekommt vor Husten keine Luft. Lautes Schleimrasseln, zäher Schleim auf der Brust. Pulsieren oder Brennen auf kleinen Stellen in der Brust.
Äußerer Hals und RückenGeschwollene Halslymphknoten. Zerschlagenheits- und Verrenkungsschmerz zwischen den Schulterblättern, oder auch Eiseskälte dort, durch äußere Wärme nicht gebessert. Stiche in den Schulterblättern, besonders beim Atemholen. Lumbago. Zerschlagenheitsschmerz des Sitzbeins86

86

Phatak schreibt, wie Allen und viele andere, „des Steißbeins“, was auf eine falsche Übersetzung von Hahnemanns Prüfungssymptom zurückgeht.

, beim Sitzen. Fettwulst im Nacken, von einem Ohr zum anderen reichend.87

87

Aus einem Fall von Fettsucht (Gumpert, zitiert in Franks Magazin 1:9 ff.), der mit Ammonium muriaticum deutlich gebessert wurde. Aus demselben Fall stammen die Angaben zum Schmerbauch und den gewaltigen Hinterbacken, „um deren Fülle ihn so manche Dame unserer Zeit beneiden möchte“.

ExtremitätenIn der Hüfte Schmerz, als wären die Sehnen zu kurz, muss beim Gehen hinken.88

88

Eingefügt (nach Hahnemann) anstelle des Verrenkungs- und Spannungsschmerzes in den Leisten, der bereits unter „Abdomen“ erwähnt ist.

Kontraktur der Kniesehnen. Die Sehnen in den Kniegelenken schmerzen beim Gehen wie zu kurz. Ischialgie (links), schlimmer im Sitzen, [etwas gebessert im Gehen], schmerzfrei im Liegen. [Pulsierender] Schmerz in den Fingerspitzen, wie von einem Geschwür. Geschwürschmerz oder Geschwürbildung an den Fersen. Reißen in den Füßen, während der Regel. Gewaltige Hinterbacken.
SchlafErotische Träume. Ängstigende, fürchterliche Träume. Aufschrecken aus dem Schlaf [auch schon beim Einschlafen].
HautBlutende Ausschläge. Abschälen der Haut zwischen den Fingern; auch an den Handgelenken [Handrücken]. Jucken an verschiedenen Körperteilen, besonders abends.
FieberFrost, abends nach dem Niederlegen und so oft sie erwacht. Hitzegefühl: besser im Freien89

89

Vgl. Hahnemann: „Brennende Hitze im Gesicht, im Freien vergehend.“

; im Wechsel mit Frost. Starke Nachtschweiße. Schweiß bricht bei jeder Bewegung aus.
VerwandtCalcarea carbonica; Causticum; Senega.

  • Salmiak, salzsaures Ammonium, NH4Cl.

  • Die wichtigste Prüfung liegt in den Chronischen Krankheiten, Band 2 vor; Hahnemann vereinigt dort die von Hartlaub und Nenning gewonnenen Symptome (zuerst veröffentlicht in den Annalen von Hartlaub/Trinks, Band 4) mit einigen von ihm selbst oder von Rummel stammenden. Es existieren noch einige weitere Prüfungsberichte, die jedoch mit einer Ausnahme nicht in Phataks Arzneibild eingegangen sind: diese Ausnahme ist das Bild einer „Salmiak-Intoxikation“, das Gumpert bei der Verabreichung von Salmiak an Kranke beobachtet hat (nachzulesen u. a. in Franks Magazin 1:9 ff.).

Amylenum nitrosum
AllgemeinesWirkt auf die vasomotorischen Nerven, indem es Erweiterung aller Arteriolen und Kapillaren hervorruft. Dies führt zu Gesichtsrötung und zu Hitze und Pulsieren im Kopf. Hitzewallungen, gefolgt von durchnässenden Schweißen (die auch einseitig sein können), stellen ein ausgeprägtes Symptom dar. Erweiterung der zerebralen Blutgefäße. Pochen, ganz besonders im Kopf. Struma mit Exophthalmus, nach Kummer. Bewusstlosigkeit, mit Unfähigkeit zu schlucken [bei Konvulsionen]. Schwach, abgemagert, schwankender Gang, neigt beim Gehen zu seitlicher Abweichung. Kann nicht still sitzen [vor Furcht, es werde etwas Schreckliches passieren].
SchlimmerKlimakterium. Bei geringfügigen Anlässen. Gemütsbewegungen aller Art. Hitze. Geschlossene Räume.
BesserIm Freien, an frischer Luft; bei körperlicher Bewegung im Freien. Kaltes Wasser [und kalte Luft].
Geist und GemütAngst, als sollte etwas passieren; braucht frische Luft.
KopfDas Blut steigt in den Kopf; feuerrotes Gesicht. Migräne, mit Blässe [und Kälte der Körperoberfläche].
GesichtWird leicht heiß und rot, bei der geringsten Gemütsbewegung. Unterkiefer wird wie beim Kauen bewegt; oder die Lippen so, als ob man etwas kosten wollte.
HalsZusammenschnürungs- und Erstickungsgefühl im Hals; Kragen scheint zu eng.
MagenSchluckauf, mit Gähnen und Strecken.
Weibliche GenitalienUterusblutungen, mit überlaufender Gesichtshitze und röte. Neuralgische Schmerzen während der Regel. Hitzewallungen im Klimakterium; mit Kopfweh, Angst und Herzklopfen. Krämpfe im Kindbett, unmittelbar nach der Entbindung.
Brust, HerzSchmerz und Zusammenschnürungsgefühl um das Herz. Herzflattern bei der geringsten Erregung. Stürmisches Herzklopfen. Angina pectoris mit großer Präkordialangst. Voller, weicher Puls. [Auch: Stürmische, aber schwache Herzaktion.] Schmerz an den linken Costae fluitantes entlang, zum Rücken hin.
SchlafTiefes und wiederholtes Gähnen; in Komazuständen. Streckt sich fast andauernd, es ist beinahe unmöglich, das Streckbedürfnis zu befriedigen; [klammert sich ans Bett und ruft, dass man ihm beim Strecken helfen soll]. Strecken und Gähnen, mit Schluckauf.
FieberAbnorme Schweiße nach Influenza.
VerwandtGlonoinum; Lachesis.

  • Amylnitrit, der (Iso-)Amylester der salpetrigen Säure, Formel C5H11–O–NO. Eine organische Verbindung, die 1844 von Ballard zuerst dargestellt wurde. Es handelt sich um eine klare, blass gelbliche Flüssigkeit; bekannt ist die Verwendung bei Asthma zum Kupieren asthmatischer Anfälle (Inhalation).

  • Ein Teil des Arzneibildes ist in Arzneiprüfungen beobachtet worden (von Wesselhoeft, T. F. Allen und anderen, teilweise durch Einatmen, teilweise bei oraler Einnahme, auch in niedrigen Potenzen); sie sind in Band 1 und 10 von AE zu finden. Andere Symptome wurden bei der Anwendung als Arzneimittel bei Kranken, etwa Epileptikern hervorgebracht (teilweise bei Hughes, Cyclopedia, zu finden). Einige Indikationen schließlich stammen aus dem schulmedizinischen Gebrauch (etwa von Ringer, dessen Bericht in Hales New Remedies zitiert wird).

Anacardium
AllgemeinesAnacardium-Patienten sind meist Neurastheniker. Geist und Gemüt, Nerven, Muskeln und Gelenke sind betroffen. Mangel an Kraft, körperlich und geistig. Spezielle Sinne geschwächt: Gesicht, Gehör, Tastsinn usw. Gefühl eines Pflocks, in verschiedenen Körperteilen; oder wie von einem stumpfen Druck, der in Absätzen wiederkehrt. Band- oder Reifengefühle. Intermittieren von Symptomen. [Die Zufälle setzen immer ein, zwei Tage aus und halten dann wieder ein paar Tage an …] Prüfungsangst bei Studenten. Zittern: bei leichter Anstrengung, besonders der Knie oder Arme. Lähmungsartige Zustände. Will sich immer legen oder setzen. [Unvollkommene] Lähmung von willkürlichen Muskeln. Essen lindert zeitweilig alle Symptome. Nervöse Erschöpfung durch Überanstrengung beim Lernen. Verletzte Sehnen. Kontrahierte Gelenke. Alte Menschen. Boshafte Kinder. Nervöse, hysterische Frauen. Erkrankungen des Rückenmarks. Schwere- und Vollheitsgefühl des ganzen Körpers vom Klavierspielen.
SchlimmerGeistige Anstrengung. Gemütsbewegungen: Zorn; Schreck, Sorge; Kränkung. Festes Auftreten. Bewegung. Zugluft, frische Luft; Kälte. Lange [zwei bis drei Stunden] nach dem Essen. Reiben; Kratzen. Sprechen. Morgens. Abends bis Mitternacht. Folgen von unterdrückten Ausschlägen. Starke Gerüche.
Besser[Beim] Essen. Seitenlage. Reiben. Hitze; heißes Bad. In der Sonne.
Geist und GemütFixe Ideen; glaubt, aus zwei Personen zu bestehen oder von zwei Willen besessen zu sein. Illusionen von Dualität; dass andere Personen da wären; dass jemand hinter ihm käme usw. Glaubt, ihr Mann sei nicht ihr Mann, ihr Kind nicht ihr Kind usw. Fixe Idee, alles, was man wahrnehme, entbehre der Realität; alle Dinge erscheinen wie in einem Traum. Fürchtet großen Nachteil von jeder Kleinigkeit. Sinnloses Schwatzen. Schreit laut, als ob er jemanden rufen wollte. Religiöse Wahnvorstellungen. Große Gedächtnisschwäche. Vergisst plötzlich Namen; erkennt die Umstehenden nicht mehr; vergisst alles, was sie gesehen hat. Altersdemenz. Arbeitsscheu. Mangel an Selbstvertrauen. Verlangen zu fluchen und zu schwören. Furcht vor Lähmung. Verzweifelt an der Genesung. Widersprüchliche Impulse – lacht bei ernsthaften Themen, bleibt ernst bei lächerlichen. Feige. Schwankend; uneins mit sich selbst. Unentschlossen; [kann sich nicht zwischen verschiedenen Vorhaben entscheiden], tut deshalb oft gar nichts. [Unlust zu allem.] Melancholisch. Boshaft, verrucht, blasphemisch. Hartherzig, grausam. Nimmt alles übel. Große Empfindlichkeit gegen alle Beleidigungen. Geistesabwesend; wie in einem Traum. Hellhörig [akustische „Phantasie-Täuschungen“] – glaubt Stimmen weit entfernter Personen zu hören, oder Stimmen von Toten. Suizidneigung, durch Erschießen. Sieht die Gesichter aller anderen im Spiegel, nur nicht das eigene. Ungesellig. Neurotisch. Argwöhnisch. Weigert sich zu essen, aus Furcht, vergiftet zu werden.
KopfSchwindel, schlimmer beim Gehen, Bücken und Aufrichten vom Bücken; als wären alle Gegenstände zu weit entfernt. Drückender Schmerz wie von einem Pflock in Schläfen, Hinterkopf, Stirn und Scheitel; besser während des Essens und beim Einschlafen; schlimmer durch Husten, tiefes Einatmen. Jucken und „Beulchen“ auf der Kopfhaut. Gastrische und nervöse Kopfschmerzen. Kopfweh durch starke Gerüche.
AugenDrückender Schmerz wie von einem Pflock am oberen Rand der Augenhöhle. Netze und dunkle Flecken vor den Augen. [Schwindel beim Gehen], als wären alle Gegenstände zu weit entfernt. Undeutliches Sehen; Kurzsichtigkeit.
OhrenSchwerhörigkeit. Drückender Schmerz wie von einem Pflock. Bildet sich ein, Flüstern zu hören [ein Dämon sitzt auf seinem Nacken und flüstert ihm ins Ohr].
NaseGeruchssinn: pervertiert, verloren oder überempfindlich. Eingebildete Gerüche. Häufiges Niesen, gefolgt von Schnupfen und Tränen der Augen. Heftiger Schnupfen mit Herzklopfen, besonders bei alten Leuten.
GesichtBlasse, elende Gesichtsfarbe. Blaue Ränder um die Augen. Gesichtszüge ohne Ausdruck, kindlich, „simpelhaft“; wilder Blick. Ekzem im Gesicht und am Hals.
MundSchlechter Mundgeruch und Mundgeschmack. Schmerzhafte Bläschen im Mund. Zunge wie geschwollen und steif, was Sprechen und Zungenbewegung hindert; mit viel Speichel im Mund. Verlust des Geschmackssinns.
MagenLeeregefühl [wie nüchtern] im Magen. Schwache Verdauung. Es nimmt ihm den Atem beim Essen und Trinken. [Verschluckt sich leicht.] Schluckt Essen und Getränke hastig herunter. Magenschmerzen, besser beim Essen, aber zwei oder drei Stunden später von neuem beginnend. Erbrechen bessert.90

90

Nach Bönninghausen bezieht sich dies auf den Husten, der von „Erbrechen des Genossenen“ begleitet wird, mit Erleichterung.

Appetitlosigkeit, abwechselnd mit heftigem Hunger.
AbdomenSchmerz, als ob ein stumpfer Pflock in die Eingeweide hineingedrückt würde. Härte des Unterleibs. Blähungskolik, mit Knurren, Klemmen und Kneifen. Gefühl, als wäre im Mastdarm alles „eingepfropft“, „als täte er seine Schuldigkeit nicht“; kann nicht einmal weichen Stuhl ausscheiden. Vergeblicher Stuhldrang. Jucken am After; Nässen vom Mastdarm.
HarnwegeÖfter Ausscheidung wasserhellen Urins; trüber, schmutziger, lehmfarbener Bodensatz. Brennen in der Eichel bei und nach dem Wasserlassen.
Männliche Genitalien„Wollüstiges“ Jucken am Hodensack, das sexuelle Begierde erregt. [Nächtliche] Samenergüsse, ohne [sexuelle] Träume. Abgehen von Prostatasekret beim Stuhlgang. Fehlendes sexuelles Lustempfinden.
Weibliche GenitalienAusfluss, mit Jucken und Wundheit der Genitalien. Menstruationsblutung häufig, aber spärlich; mit krampfhaftem Schmerz im Bauch. Übelkeit während der Schwangerschaft, besser während des Essens [schlimmer davor und danach].
AtemwegeEs nimmt ihm den Atem beim Husten oder Schlucken. Husten, von Sprechen erregt; nach dem Essen, mit Erbrechen des Gegessenen; mit Schmerz im Hinterkopf; bei Kindern, nach einem Wutanfall. Nach Hustenanfällen Gähnen und Schläfrigkeit. Asthma: hysterische Brustkrämpfe, die sich unter Weinen lösen.
HerzJeweils zwei kurz aufeinander folgende Stiche am Herzen; Stiche von der Herzgrube zum Kreuz durch. Herzklopfen; bei Schnupfen alter Leute.
Äußerer Hals und RückenStumpfes Drücken oder wie eine schwere Last auf den Schultern. Steifheit des Genicks und Halses; Spannen über den Rücken herab; Schmerz schlimmer durch Bewegung.
ExtremitätenNeuralgie des Daumens. Knie wie gelähmt oder wie umwickelt. Trockenheit der Hände [subjektiv und objektiv]. Wadenkrämpfe, schlimmer beim Gehen oder beim Aufstehen vom Sitzen. Schmerz im Fußgelenk, wie vertreten, besonders beim Auftreten. Schmerzhafte Schläge [wie mit einem schweren Körper] auf der Mitte des (linken) Oberarms. Krampfartige Schmerzen: von den Zehen bis an den Fußrücken; von den Fersen bis in die Waden hinauf. Warzen über die ganzen Hände, selbst in den Handtellern. Schreibkrampf.
SchlafAnfälle von Schlaflosigkeit, mehrere Nächte andauernd. Ängstliche Träume [voll Gefahr].
HautHaut unempfindlich.91

91

Nämlich „gegen juckende Reize“, genauer: „Unreizbarkeit der Haut, durch Harze zum Jücken und Nässen erregt zu werden“ (Hahnemann, Chronische Krankheiten). Die Haut reagiert also nicht auf Reizmittel, die in therapeutischer Absicht angewandt werden.

Jucken, schlimmer durch Kratzen. Dermatitis. Ekzema neuriticum. Gelbe Bläschen. Warzen über die ganzen Hände, selbst in den Handtellern. Urticaria. Fördert die Abstoßung von Splittern.
FieberFriert leicht, besser in der Sonne. Klebriger Schweiß in den Handtellern, besonders links. [Gesichts-]Hitze von 16 Uhr bis zum Abend, nach dem Abendessen vergehend.
VerwandtIgnatia; Lycopodium; Platinum; Rhus toxicodendron.

  • Die „Anakardien-Herznuss“ oder Tintennuss, Anacardium orientale, botanisch: Semecarpus anacardium. Benutzt wird die schwarze, dicke Flüssigkeit, die sich zwischen der Schale und dem Nusskern befindet.

  • Die wichtigste Prüfung von Hahnemann, Chronische Krankheiten, Band 2, weitere Prüfungen haben kaum neue Symptome erbracht.

Anthracinum
AllgemeinesDiese Nosode ist ein sehr wertvolles Mittel bei malignen oder septischen Entzündungen des Binde- oder Zellgewebes. Sie erzeugt Furunkel oder furunkelartige Hautausschläge; Karbunkel; bösartige Geschwüre, Abszesse, Bubonen; angezeigt, wenn ein Eiterherd vorhanden ist. Serienweise auftretende Furunkel. Blutungen: dick, schwarz, wie Teer, aus jeder Körperöffnung. Geschwollene Drüsen und Lymphknoten; Zellgewebe ödematös und verhärtet. Fürchterliches Brennen mit großer Erschöpfung. Bläulich-schwarz gefüllte Blasen auf der Haut. Gangrän, bei Sektionsverletzungen. Üble Folgen vom Einatmen fauliger Ausdünstungen. Septumabszess. Peritonsillarabszess. Steinharte Schwellung am rechten Unterkiefer, in der Gegend der Unterkieferdrüse beginnend.
VerwandtArsenicum; Tarentula cubensis.

  • Die Milzbrandnosode. Alkoholischer Extrakt aus der Milz milzbrandkranker Schafe.

  • Aus Beobachtungen der Krankheit an Menschen sowie aus klinischen Erfahrungen gewonnenes Bild; nachzulesen in Herings Guiding Symptoms und H. C. Allens Nosodes.

Antimonium crudum
AllgemeinesFür die Wahl dieser Arznei sind diejenigen Symptome besonders wichtig, die einerseits im Bereich von Geist und Gemüt, andererseits im Verdauungstrakt entwickelt werden. Wie das zweite Wort des Arzneinamens nahe legt, ist der Antimonium-crudum-Patient eine krude Person92

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Crudum (lat.) bzw. „crude“ (engl.): roh, grob, unkultiviert.

, sowohl geistig als auch körperlich. Er ist ein Fresser, ein Vielfraß; isst mehr, als er verdauen kann, bzw. isst wahllos; Gemüts- und Hautsymptome sind entsprechend auf die Störung im Magen-Darm-Bereich zurückzuführen. Erzeugt Verklumpungseffekte: Stühle flüssig, mit harten Klumpen vermengt; wässriger Ausfluss aus den weiblichen Genitalien, mit Klumpen vermischt; klumpenartige Verbildungen der Haut und der Nägel, die verdickt und verformt werden. Es besteht eine Neigung zur Entstehung von Hautrissen: in den Augenwinkeln; den Nasenlöchern; den Mundwinkeln. Psychisch ist der Patient entweder sentimental, besonders bei Mondschein und in der Dämmerung, auch bei Durchfall und vor der Menstruation; oder empfindlich und gereizt. Es besteht eine eigentümliche Abwesenheit von Schmerz, wo man Schmerz erwarten würde, z. B. bei Dekubitus. Passt auf Säuglinge und Kinder; auf ältere Menschen; auf junge Leute, die zum Dickwerden neigen. Wenn Symptomengruppen wiederkehren, wechseln sie den Ort oder die Körperseite; sie erneuern sich alle fünf, sechs oder zwölf Wochen. Gichtsymptome verschwinden, und die Krankheit schlägt sich auf den Magen. Nervöse Symptome wie Unruhe, Muskelzucken und eine Neigung zum Erschrecken über das geringste Geräusch sind ebenfalls zu finden. Üble Folgen enttäuschter Liebe und unterdrückter Hautausschläge. Chronische Beschwerden, die auf die Unterdrückung von Ausschlägen oder Geschwüren zurückgeführt werden können. Anasarka. Marasmus. Beschwerden nach Schwimmen oder Ins-Wasser-Fallen. Rheumatoide Arthritis. Ist immer schläfrig und matt.
SchlimmerKaltes Baden; feuchte Kälte; kaltes Wasser (am Kopf). Sommerhitze, Sonnenhitze; Strahlungswärme [von Feuer oder Heizung]. Überessen. Säuren; Essig. Süßigkeiten. Schweinefleisch. Mondlicht. Aufstehen. Treppensteigen. Berührung. Nach nächtlichen Gelagen; nach Trunkenheit.
BesserIm Freien. [In kühler Luft.] In Ruhe. Feuchte Wärme [bzw. warme feuchte Anwendungen]. Liegen.
Geist und GemütGroße Angst in Bezug auf sein Schicksal; Neigung, sich zu erschießen. Übellaunig, verdrießlich, ärgerlich; sie weinen, wenn man sie ansieht, anfasst oder wäscht, besonders Kinder; Erwachsene sind mürrisch, wollen mit niemandem reden. [Kinder werden] zornig, wenn man ihnen die geringste Aufmerksamkeit schenkt. Überdruss, Ekel: am Leben, an Speisen, Baden usw. Ekstatische, schwärmerische Liebe. Träumerisch, sentimental. Liebeskummer. So mit sich beschäftigt, dass er Wasserlassen oder Stuhlgang vergisst; isst nur, wenn man ihm Essen anbietet. Erregbarkeit. Nervöse, hysterische Frauen und Mädchen, die von sanft durch farbige Glasfenster scheinendem Licht zutiefst ergriffen sind. Spricht [zwanghaft] in Reimen oder Versen; oder sagt nichts.
KopfKopfschmerz: nach Baden in kaltem Wasser oder infolge von Magenverstimmung, besonders von Süßigkeiten oder saurem Wein, auch von Obst oder Fett; Schlimmer: durch Treppensteigen. Neigung zu Erkältungen im Kopfbereich. Kopfweh infolge von [Sinusitis mit] Stockschnupfen. Schwere in der Stirn, mit Schwindel, Übelkeit und Nasenbluten. Jucken auf dem Kopf, mit Ausfallen der Haare.
AugenAugenwinkel: wie roh, aufgesprungen, rot und nässend. Pusteln an den Lidrändern, chronische Blepharitis. Kinder mit chronisch entzündeten Augen. Röte und Entzündung der Augenlider. Wenn man ins Feuer sieht, bekommt man Husten.93

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So bei Hering, Guiding Symptoms, oder auch bei Kent. Das Symptom hat aber wohl mehr mit der Strahlungswärme des Feuers zu tun; vgl. Bönninghausens Beobachtung „Husten schlimmer vom Feuerschein“ (unter „Atemwege“).

Photophobie.
OhrenOhrenklingen und Taubheit. Schwerhörigkeit, als wäre ein Verband um das Ohr oder als legte sich ein Blättchen vor das Trommelfell eines Ohrs. Nässende Ausschläge in der Umgebung der Ohren. Otorrhö.
NaseNasenlöcher verkrustet, wund, schmerzhaft, aufgesprungen. Ekzem der Nasenlöcher. Nasenbluten, nach Kopfschmerz. Kältegefühl in der Nase beim Luftholen.
GesichtFahl und hager; trauriger Gesichtsausdruck. Pickel, Pusteln und Beulen [wie von Mückenstichen] im Gesicht. Gelb verschorfter Ausschlag an Wange und Kinn. Risse in den Mundwinkeln. Am Kinn kleine, honiggelbe Körnchen, [beim Betasten Empfindung, als streiche man über] kleine wunde Stellen.
MundZunge dick weiß belegt, wie gebleicht. Zahnweh in einem hohlen Zahn, Schmerz zieht in den Kopf; schlimmer, wenn der Zahn mit der Zunge berührt wird; besser beim Gehen im Freien. Zähneknirschen, beim Schlafen im Sitzen. Zahnweh vor der Menstruation. Aphthen. Pickel um den Mund herum. Zahnfleisch blutet leicht. Bitterer Mundgeschmack. Viel salziger Speichel im Mund.
HalsViel dicker, gelblicher Schleim von den Choanen [muss ihn den ganzen Tag in den Rachen ziehen und auswerfen]. Gefühl, als hinge ein Fremdkörper in der Kehle, mit stetem Schluckbedürfnis.
MagenAppetitlosigkeit, mit Ekel vor Speisen. Kein Durst. [Oder: ungeheurer Durst.] Verlangen nach Saurem, nach Eingelegtem. Aufstoßen mit dem Geschmack des Gegessenen; Speisen hinterlassen einen Nachgeschmack oder verursachen dauerndes Aufstoßen. Süßliches Wasseraufschwulken. Neigung zu Verdauungsstörungen. Erbrechen, erneuert durch Essen oder Trinken; ohne Übelkeit, verschafft keine Erleichterung. Furchtbares Erbrechen, mit Zuckungen, durch nichts zu stillen. Magen druckschmerzhaft. Gicht metastasiert zum Magen: und Darm94

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Gemeint ist: Wenn Gichtsymptome schwächer werden (z. B. Schmerzfreiheit), zeigen sich dafür Symptome im Magen-Darm-Trakt, die Krankheit ‚schlägt auf den Magen‘.

. Blähungsauftreibung nach dem Essen. Säugling erbricht geronnene Milch, nach dem Stillen; verweigert danach die Brust (Gegenteil: Aethusa95

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Bei Aethusa schläft das Kind nach dem Erbrechen ein und hat danach wieder Hunger.

). Wenn der Appetit nach einer schweren Krankheit nicht zurückkommt. Großes Verlangen zu essen, aber es fehlt die Kraft dazu (Kind). [?]96

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Es ist zweifelhaft, ob dieses Symptom richtig übertragen wurde. Bei Hering findet sich das in eckigen Klammern folgende Symptom (bei „skrofulösen Kindern“).

[Großes Verlangen zu essen, aber wird davon nicht kräftiger.] Schweinefleisch wird nicht vertragen. Habituelle Empfindung, als ob der Magen überfüllt wäre.
AbdomenVollheit im Leib. Diarrhö, abwechselnd mit Verstopfung, besonders bei älteren Personen. Stühle breiartig oder wässrig, mit harten Klumpen vermengt. ‚Schleimige‘ Hämorrhoiden – kribbelnd und brennend, mit steter Schleimabsonderung aus dem After, die gelbe Flecken in der Wäsche hinterlässt. Katarrhalische Proktitis. Blutungen: bei festen Stühlen, bei Hämorrhoiden. Stühle, die ganz aus Schleim bestehen. Durchfall: Sommerdiarrhö; von Säuglingen nach dem Stillen.
HarnwegeSchneiden in der Harnröhre beim Wasserlassen. Urinieren: häufig, reichlich, mit Brennen in der Harnröhre und Kreuzschmerzen. Unwillkürlicher Harnabgang, beim Husten. Fauliger Geruch des Urins.
Männliche GenitalienAtrophie von Penis und Hoden. Beißendes Jucken am Hodensack, mit Hautausschlag. „Sehr aufgeregter Geschlechtstrieb, mit Unruhe im ganzen Körper.“
Weibliche GenitalienMenstruation ausbleibend, nach kaltem Bad; mit Empfindlichkeit der Eierstöcke. Nymphomanie, nachdem die Regel ausgeblieben ist. Pressen im Uterus, als ob etwas herauswollte, während der Menses. Ausfluss wässrig, mit Klumpen vermischt. Übelkeit, Erbrechen und Durchfall während der Schwangerschaft. Schmerzende Ovarien bei Mädchen mit Liebeskummer.
AtemwegeHusten, schlimmer beim Betreten eines warmen Zimmers; mit Brennen in der Brust. Der erste Hustenstoß ist jedes Mal der stärkste, die folgenden werden immer schwächer. Wenn er ins Feuer schaut, wird der Husten schlimmer. [Husten schlimmer bei Erhitzung in warmer Luft, in der brennenden Sonne und vom Feuerschein.] Schmerz in der Brust, bei der Fieberhitze. Stimme: unkontrolliert, rau, in falscher Tonlage, besser durch Gebrauch der Stimme. [Oder:] Raue Stimme durch Überbeanspruchung derselben. Heiserkeit nach kaltem Bad. Verlust der Stimme, so oft ihm heiß wird. Jucken auf der Brust. Auswurf großer Mengen von Schleim, der den Patienten erschöpft.
Äußerer Hals und RückenHeftige Kreuzschmerzen beim Aufstehen [vom Sitzen], die beim Gehen verschwinden. Jucken an Hals und Rücken. Schweregefühl im Steißbein.
ExtremitätenArthritischer Schmerz in den Fingergelenken. Verhornte oder gespaltene Nägel; Nägel wachsen langsam; verformt; hornartige Auswüchse unter den Nägeln. Hornartige Warzen an Händen und Fußsohlen. Hornige Stellen und Schwielen an den Sohlen. Haut der Fußsohlen schrumpelig, aufgrund von Fußschweiß. Schmerzhafte Sehnenentzündung im Ellbogengelenk, mit starker Röte und Krümmung des Arms. Glänzende Ellbogen.97

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Wohl: „glänzend rot“, im Zusammenhang mit dem vorigen Symptom.

Füße sehr empfindlich; Sohlen empfindlich beim Gehen [besonders auf Steinpflaster]. Mattigkeit und Zittern der Hände beim Schreiben, gefolgt von Abgang stinkender Flatus. Muskelzucken. Rucken durch den Arm. ‚Kaputte Füße.‘
HautEkzem in Verbindung mit Magenverstimmung. Neigung zu Hautausschlägen: „Blüten“, Bläschen, Pusteln. Urticaria: weiße Quaddeln mit rotem Hof, schrecklich juckend. Masernartige Exantheme. Hornartige Warzen. Trockene Nekrosen, Brand. Jucken beim Warmwerden im Bett. Schwielenbildung schon von geringem Druck.
SchlafSchläfrig und matt. Schläfrige Benommenheit alter Leute. Schlaf tief, doch nicht erquickend.
FieberGanz heiß durch die geringste Bewegung, besonders in der Sonnenhitze. [Fieberhitze und Durst, dann Schweiß]; wenn das Schweißstadium vorbei ist, kommen Fieberhitze und Durst wieder. Magenbeschwerden während der Apyrexie, bei intermittierenden Fiebern.
KomplementärScilla.
VerwandtSulfur.

  • „Roher Spießglanz“, Grauspießglanzerz, chemisch eine Verbindung von Antimon und Schwefel (Sb2S3). Eingeschlossen sind Beobachtungen am „Roten Schwefelantimon“ (Sb2S5).

  • Prüfung: von Hahnemann und anderen, in den Chronischen Krankheiten; die meisten Symptome übernommen von Casparis Prüfung, die in Hartlaub/Trinks' Reiner Arzneimittellehre erschienen ist.

Antimonium tartaricum
AllgemeinesEs besteht einige Ähnlichkeit zwischen den Symptomen von Antimonium crudum und Antimonium tartaricum, besonders im Bereich des Gemüts und der Verdauung. Antimonium tartaricum wirkt auf die Schleimhäute, besonders der Bronchien und Lungen, und erzeugt große Schleimanhäufung in den Luftwegen, mit groben Rasselgeräuschen; dadurch wird die Atmung behindert und die Herztätigkeit erschwert; das Blut nimmt nicht genügend Sauerstoff auf. All diese Arzneiwirkungen führen zu Zyanose und Herabsetzung der Lebenskraft. Der Patient wird immer schwächer, schwitzt, wird schläfrig und schlaff, mit Reaktionsmangel. Passt auf alte Leute und Kinder; auf Gichtpatienten und Alkoholiker mit Magenproblemen. Zittern am ganzen Körper, große Erschöpfung, Ohnmacht. Geistig und körperlich erschöpft. Schwereempfindung, wie von einer Last, in vielen Körperteilen: Kopf, Hinterkopf, Steißbein, Gliedmaßen. Krampfhafte Zuckungen. Verdrießlichkeit, jämmerliches Schreien und Weinen, bevor eine Attacke der Krankheit einsetzt. Chronisches Zittern von Kopf und Händen (wie bei Parkinson). Fröste, Kontrakturen, Muskelschmerzen. Synovialitis mit Gelenkerguss (Hydrarthrose). Konvulsionen, wenn Hautausschläge nicht herauskommen. Das Kind will immer aufrecht getragen werden, will sich nicht ansehen oder anfassen lassen. Beschwerden, die im Verdauungstrakt beginnen. Folgen von Zorn und Ärger. Üble Folgen von Pockenimpfung, wenn Thuja nicht wirkt und Silicea nicht angezeigt ist. Säuglinge lassen die Brustwarze fahren und schreien laut, als bekämen sie keine Luft. Kinder bekommen Krämpfe, wenn man ihnen Aufmerksamkeit schenkt. Es ist, als liefe es ihm kalt durch die Adern. Bilharziose. Klammert sich an die Umstehenden.
SchlimmerWärme; warmes Zimmer, warmes Einhüllen, warmes Wetter. Zorn. Liegen. Morgens. Erhitzung. Kälte; feuchtkalt. Beim Hinsetzen, im Sitzen, beim Aufstehen vom Sitzen. Bewegung98

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„Der Schmerz währt immer still und ununterbrochen fort, wird aber durch jede schnelle und heftige Bewegung, besonders beim darauffolgenden Niedersitzen um vieles vermehrt“ (aus Hahnemanns Prüfung).

. Saures. Milch.
BesserExpektoration. Aufrechtsitzen. Bewegung. Erbrechen. Aufstoßen. Liegen auf der rechten Seite.
Geist und GemütFurcht, alleingelassen zu werden. Klammert sich an die Umstehenden. Üble Laune. Verzagte, hoffnungslose Gemütsstimmung. Verzweifelt an der Genesung. Erschrickt über jede Kleinigkeit. Murmelndes Delirium. „Kopf düster und eingenommen“, beim Erwachen. Apathisch oder schnell gereizt; möchte allein gelassen werden. Verdrießlich; Jammern und Stöhnen. Schwinden der Sinne beim Schließen der Augen. Melancholisch; klagt über seine zahlreichen Leiden.
KopfBandgefühl in der Stirn. [Betäubendes Spannen, wie mit einem Band eingeschnürt.] Kopf heiß und verschwitzt. Zittern des Kopfes, besonders beim Husten. Schwindel: mit „Dummheit“ und Benommenheit; im Wechsel mit Schläfrigkeit. Schwindel beim Heben des Kopfes vom Kissen. Anfälle von Schwindel, mit Flirren vor den Augen. Kopfschmerz, als wäre das Hirn zu einem Klumpen geballt, in der Stirn. Kopfbeschwerden besser an der frischen Luft, durch kaltes Waschen und Bewegung. Kopf nach hinten gebogen.
AugenSchwimmende, trübe Augen. Lidränder mit Schleim bedeckt (bei Pneumonie). Ein Auge geschlossen. Pusteln auf der Bindehaut. Flirren; Funken vor den Augen. Stierer Blick.
NaseSpitz. Nasenlöcher geweitet, rußig aussehend. Flattern der Nasenflügel, Nasenflügelatmung.
GesichtKränklich, eingefallen. Blass und bläulich, oder Zuckungen im Gesicht, beim Husten. Mit kaltem Schweiß bedeckt. Unaufhörliches Beben von Kinn und Unterkiefer. Oberlippe hochgezogen. Gesichtsausdruck zeigt größte Angst und Verzweiflung. Pusteln, die hässliche, blaurote Narben zurücklassen.
MundSpeichelfluss; während der Schwangerschaft. Zunge: mit einem dicken, weißen, pappigen Überzug bedeckt; hochrot, oder rot gestreift; in der Mitte trocken; Papillen rot durch den weißen Belag sichtbar. Zunge schlaff, trocken. Zahneindrücke am Zungenrand. Mund bleibt offen nach Gähnen. Mundgeschmack: bitter, fade.
HalsViel Schleim im Hals, und kurzes Atmen. Schlucken schmerzhaft oder unmöglich.
MagenStarker Appetit auf Äpfel, [saftige] Früchte und Saures, was aber schlecht vertragen wird. Übelkeit: in Wellen aufsteigend; mit Mattigkeit und kaltem Schweiß; mit Ekel vor Speisen, Beängstigung oder Furcht; gefolgt von Kopfweh, mit Gähnen, Tränen der Augen; dann Erbrechen. Gewaltsames Erbrechen, dann Erschöpfung und Schlaf. Heftiges Würgen. Erbricht unter großer Anstrengung. Erbrechen besser im Liegen auf der rechten Seite. [Erbricht sich in jeder Lage, außer in der rechten Seitenlage.] Flaues Gefühl im Magen. Aufstoßen wie faule Eier. Durst auf kaltes Wasser, trinkt wenig auf einmal, aber oft. [Oder:] Durstlos. Widerwille gegen Milch, gegen alle Nahrungsmittel [bei einem Säugling].
AbdomenLeib wie mit Steinen voll gestopft. Heftige Krampfschmerzen mit großer Schläfrigkeit. Durchfall, bei Exanthemkrankheiten [besonders wenn das Exanthem nicht herauskommt oder wieder zurücktritt]. Stühle: Schleimstühle; grasgrüne Stühle. Leistenschmerzen und kaltes Überrieseln, vor der Menstruation. Herzklopfen während des Abführens.
HarnwegeBrennen in der Harnröhre beim und nach dem Wasserlassen. Die letzten Tropfen blutig, Abgang unter Schmerz in der Blase.
Männliche GenitalienSchmerzen in den Hoden nach unterdrücktem Tripperausfluss. Orchitis. Warzen hinten an der Eichel.
Weibliche GenitalienAusfluss wässrigen Blutes; schlimmer im Sitzen. Krämpfe beim Geburtsvorgang, besser [?] nach Entbindung.99

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Dies erscheint zweifelhaft. Nur bei Hering ist eine Anwendung auf Wochenbettkrämpfe zu finden, und hier heißt es: „Konvulsionen wie Wochenbettkrämpfe, die nach der Geburt des Fetus anhalten …“

AtemwegeUngleichmäßige Atmung; Bauchatmung; Kurzatmigkeit mit Erstickungsgefühl, vor dem Husten oder im Wechsel damit.100

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Das hier folgende Symptom „Als ob ein Blättchen die Luftröhre zuhielte“ wurde gestrichen. Es wird von Allen in seiner Encyclopedia Antimonium tartaricum zugeschrieben, die Prüfung von Hartlaub/Trinks, der das Symptom entnommen ist, wurde aber mit Braunstein = Manganum vorgenommen.

Lockerer Husten mit groben Rasselgeräuschen. Brust scheint voller Schleim, aber immer weniger kann ausgeworfen werden. Husten, gefolgt von Erbrechen oder Schlaf; Schlimmer: durch Zorn. [Wenn das Kind böse wird, bekommt es Husten.] Muss sich aufsetzen, um atmen oder husten zu können. Hustet und gähnt abwechselnd. Husten und Atemnot besser im Liegen auf der rechten Seite, durch Aufstoßen, schlimmer nach Trinken von Warmem. Das Kind biegt sich zurück, beim Husten. Auswurf zäh, dick. Asphyxia neonatorum, Kind bei der Geburt ohne Atem und blass. Drohende Lungenlähmung, mit Hydrothorax. Bronchiolitis; Pleuropneumonie. Emphysem. Samtiges Gefühl in der Brust.
HerzGroße Präkordialangst, mit Erbrechen von Schleim und Galle. Herzklopfen mit unangenehmem Hitzegefühl. Lähmungsartige Herabsetzung der Herztätigkeit. Schwacher, beschleunigter Puls. Es ist, als liefe es ihm kalt durch die Adern. Herzklopfen bei durchfälligen Stühlen.
Äußerer Hals und RückenHeftiger Schmerz in der Lumbosakralregion, der geringste Versuch, sich zu bewegen, kann Würgen und kalten, klebrigen Schweiß provozieren; schlimmer durch Heben. Gefühl, als hinge ein schweres Gewicht am Ende des Steißbeins und zerrte die ganze Zeit nach unten. Wirbelkörper scheinen gegeneinander zu reiben.
ExtremitätenZittern der Hände. Fingerspitzen eiskalt oder abgestorben, gefühllos, wie trocken und hart. Arme unruhig. Füße schlafen im Sitzen ein [unmittelbar nach jedem Niedersetzen]. Ödem der Unterschenkel; Erguss im (linken) Kniegelenk. Synovialitis. Spannen in den Sehnen in der Kniekehle, beim Gehen. Gelenke geschwollen. Hochschnellen der Gliedmaßen im Schlaf, mit durchfälligen Stühlen.
HautPustulöser Ausschlag, der bläulich-rote Male zurücklässt. Pockenähnliche Hautausschläge, große Pusteln. Bartflechte. Variola. Impetigo. Verzögert erscheinende oder zurücktretende Exantheme. Bläulich verfärbte Ausschläge.
SchlafGroße Schläfrigkeit; bei allen Beschwerden; auch durch Wärme. Gähnen bei vielen Beschwerden. Wie elektrische Stöße und Rucke beim Einschlafen. Schreit aus dem Schlaf auf, mit starren Augen und Zittern. Liegt auf dem Rücken, die linke Hand unter den Kopf gelegt.
FieberStarker kalter, klebriger Schweiß. Kälte, Zittern, Frieren. Brenngefühle. „Es kommt warm herauf ans Herz.“101

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Phatak schreibt „Hitze vom Herz kommend“ und richtet sich damit nach Allens Formulierung „rising of warmth from the heart“. In der Prüfung heißt es aber wörtlich: „Bänglich mit Brustbeklemmung, und dabei kömmt es ihr warm herauf aus Herz“, wobei das „aus“ sicher Druckfehler für „ans“ ist.

Kälteüberrieseln vor der Menstruation.
KomplementärBaryta carbonica; Ipecacuanha; Opium.
VerwandtAesculus; Ammonium carbonicum; Ipecacuanha; Lobelia; Opium.

  • Antimonium tartaricum ist der Brechweinstein, ein Doppelsalz der Weinsäure (mit Kalium und Antimon). Es erscheint in den Arzneimittellehren gelegentlich auch unter „Tartarus emeticus“ oder „Tartarus stibiatus“.

  • Prüfung, unter Einschluss zahlreicher Beobachtungen an Kranken sowie bei Vergifteten sowie mit Symptomen von Hahnemann, Groß, Rückert usw., in AfH, Band 3. Eine weitere Prüfung stammt von „M.“ (wohl Mayerhofer), berichtet von Buchner in der Hygea, Band 18. Dazu zahlreiche weitere Quellen (AE, Band 1 und 10). – Übrigens: Die mit „1“ bezeichneten Symptome in AE, Band 1, stammen nicht von Antimonium tartaricum, sondern von Manganum! Hier sind Brechweinstein und Braunstein verwechselt worden.

Apis mellifica
AllgemeinesDie wohlbekannten Auswirkungen eines Bienenstichs: Brennen, Stechen, Beißen, Prickeln, lanzinierende Schmerzen, mit großer Anschwellung, sind die Leitsymptome für die Wahl dieses Mittels. Brennen wie von heißen Nadeln. Brennen und Jucken. Wirkt auf das Zellgewebe, besonders auf Augen, Gesicht, inneren Hals und Ovarien; erzeugt Ödem der Haut und der Schleimhäute. In den serösen Häuten von Herz, Gehirn, Pleura usw. verursacht es Entzündung mit Erguss. Verschiedene Teile geschwollen, aufgedunsen, ödematös; glänzend rosenrot gefärbt. Ödem: der Augenlider, der Lippen; rot, säckchenartig herabhängend. Erschöpfung, als ob man körperliche Schwerarbeit verrichtet hätte; gezwungen, sich hinzulegen. Große Erschöpfung, selbst bis zur Ohnmacht. Symptome entwickeln sich schnell. Schmerzen so plötzlich, dass sie Schreie auspressen. Plötzliche schrille Schreie, bei Hydrozephalus und Meningitis. Extreme Berührungsempfindlichkeit und allgemeiner Wundschmerz wie zerschlagen sind ausgeprägt: Gehirn; Abdomen; Ovarien; Blase. Empfindungen von Zusammenschnürung. Gefühl von Steifheit; Empfindung, als sollte im Körperinneren etwas weggerissen werden, [zerreißen oder brechen]102

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Vgl. z. B. das Spannen im Bauch wie zum Zerbrechen, beim Pressen zum Stuhl (unter „Abdomen“).

. Taubheitsempfindungen. Große Unruhe und Zappligkeit. Zittern, Rucken und Zucken. Gelegentliches Zucken auf einer Körperseite, die andere scheint gelähmt. Lähmungen nach Diphtherie und anderen schweren Erkrankungen. Neuralgien der Lippen, der Zunge, des Zahnfleischs. Infektionen. Thrombose. Lymphangitis. Entzündungen der Nieren, der Blase. Üble Folgen von: Gram; Schreck; Wut; Eifersucht; schlechten Nachrichten; psychischem Schock; unterdrückten Hautausschlägen. Rechte Seite stärker betroffen. Symptome gehen von rechts nach links.
SchlimmerWärme: des Zimmers; heißes Wetter; Feuerhitze; heiße Getränke, heißes Bad, warmes Bett. Berührung, selbst der Haare. Druck. Nach Schlaf. Liegen. Unterdrückte Hautausschläge. Nachmittags, 16 Uhr.
BesserKühle: kühle Luft; kühles Baden oder Waschen; Entblößen. Auswurf, auch geringfügiger. Bewegung. Aufrechtsitzen.
Geist und GemütEifersüchtig, mit obszönen Reden. Heikel, nervös, zapplig; ihm ist nichts recht zu machen. Nichts ist ihm recht; alles ist verkehrt und kommt ihm in die Quere. Ungeschickt – lässt Dinge fallen und lacht darüber, entweder aus Nervosität oder Geistesabwesenheit. Törichter Argwohn. [Will die Arznei nicht nehmen, aus] Furcht, vergiftet zu werden. Kindisches, albernes Benehmen von Frauen nach einer Geburt. Leichtsinnig, überspannte Heiterkeit. Reizbar, erregbar. Fruchtlose Aktivität. Ständiges Jammern bei Kindern. Sehr zum Weinen geneigt, kann die Tränen nicht zurückhalten, weint Tag und Nacht ohne Grund. Sexuelle Manie im Wechsel mit Stupor (bei Frauen). Gleichgültig, sagt, ihm fehle nichts. Kann sich nicht konzentrieren beim Versuch zu lesen und zu schreiben. (Hysterische Mädchen in der Pubertät.) Kann es nicht ertragen, allein gelassen zu werden. Vorgefühl des Todes. Macht sich über alles Sorgen.
KopfGehirn wie müde, [eingeschlafen und kribbelnd]. Schwindel: mit Niesen; Schlimmer: beim Niederlegen und Schließen der Augen. Plötzliches Stechen im Kopf, oder Schmerz wie von einem Schlag, besonders am Hinterkopf, mit gelegentlichen schrillen Schreien. Kopfweh wie gefühllos und matt, erleichtert bei Druck. Tränen der Augen, bei Kopfweh. Rollt den Kopf von einer Seite zur anderen, bei Hydrozephalus; bohrt den Kopf ins Kissen, bei Meningitis. Unfähig, den Kopf aufrecht zu halten, bei Meningitis. Fontanellen eingesunken, [öffnen sich wieder]. Haare schmerzen bei Berührung. Moschusartig103

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Phatak hat, Boger folgend, „musty“ (modrig) statt „musky, musklike“ (moschusartig). Die Quelle dürften jedoch Herings Guiding Symptoms sein, wo von moschusartigem Schweißgeruch gesprochen wird, was auch von Wolf (Homöopathische Erfahrungen) bestätigt wird.

riechender Kopfschweiß. Empfindung, als wäre der Kopf zu groß, geschwollen. Haarausfall; kahle Stellen.
AugenAufgedunsene Augen. Lider oder Konjunktiven gerötet; Lider ödematös geschwollen wie Wassersäcke; wulstige Auftreibung der Bindehaut (Chemosis). Säckchenartige Geschwulst unter den Augen. Ödem und Rötung in der Umgebung der Augen. Heiße Tränen [stürzen aus den Augen]. Glänzende Augen. Brennender, stechender, schießender Schmerz in den Augen. Hornhautstaphylom. Hornhauttrübung. Perforierendes Hornhautgeschwür. Photophobie, aber kann keine Bedeckung über den Augen ertragen. Blindheit, besser durch Stuhlgang.104

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Nach Boger. Dürfte sich am ehesten auf einen Fall aus den Amerikanischen Arzneiprüfungen Herings (S. 289) beziehen. Es bestand fast völliger Verlust der Sehkraft und zugleich starke Stuhlverstopfung (Stuhl manchmal nur alle 14 Tage). Apis förderte sowohl die Wiederkehr des Sehvermögens als auch die Regulierung des Stuhlgangs.

Schielen. Myopie. Kann die Augen nicht auf einen Gegenstand fixieren; oder kann bei künstlichem Licht nicht lesen. Gerstenkörner – verhindert Rezidive.
OhrenÄußeres Ohr rot und entzündet. Hebt bei jedem Schrei die Hand hinters Ohr. Otitis nach Scharlach.
NaseGeschwollen, rot, ödematös. Nase und Nasenspitze kalt. Furunkel im Nasenloch, besser durch Kälte. Schnupfen, mit Gefühl von innerlicher Schwellung der Nase.
GesichtGesichtsausdruck: eigentümlich glücklich aussehend, oder schreck-erfüllt, oder apathisch. Gesicht rot, heiß, ödematös geschwollen, mit stechenden Schmerzen; oder wachsartig blass und ebenfalls ödematös. Lippen bläulich, ödematös; [besonders die] Oberlippe. Kiefer unbeweglich, mit steifer Zunge [durch Schwellung]. Rechtes Auge völlig verschlossen, rechtsseitige Lähmung. Will das Gesicht mit kaltem Wasser gewaschen haben. Laufen und Kribbeln im Gesicht.
MundZunge: gerötet; mit Bläschen den Rand entlang; geschwollen; wie roh; wie verbrannt; wie aus Holz; wund; wie steif. Zähneknirschen. Plötzliches, unwillkürliches Zusammenbeißen der Zähne. Mund glänzt innen wie lackiert. Zunge hängt heraus; oder kann nicht herausgestreckt werden.
Hals‚Sandig‘105

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Gemeint dürfte sein: „gekörnelt“, granuliert, wie Sand.

, wie glasiert oder durchscheinend; besser durch Kälte; innen und außen geschwollen. Blaurot. Mandeln: geschwollen, feuerrot, stechende Schmerzen beim Schlucken, besser durch kalte Getränke. Angina. Diphtherie mit frühzeitiger Erschöpfung; schmutzig aussehende Membranbildung; Ödem des Zäpfchens. Halsweh, Schmerzen beim Schlucken, besonders fester, saurer oder heißer Substanzen.
MagenDurst fehlt, bei Wassersucht. Verlangen: nach Saurem; nach Milch, die bessert. Will weder essen noch trinken; wochenlang. Kind saugt tagsüber, verweigert nachts die Brust. Übelkeit. Erbrechen. Magengrube berührungsempfindlich. Aufstoßen: mit Geschmack des Gegessenen; vermehrt nach Wassertrinken; mit Zusammenfließen von Wasser im Mund.
AbdomenGefühl wie gespannt im Bauch, als würde dort etwas brechen bei zuviel Pressen zum Stuhl. Wundheit im Bauch, wie zerschlagen, bei Druck darauf und beim Niesen. Bauchwassersucht. Peritonitis. Brennen und schmerzhafte Empfindlichkeit, im Oberbauch. Unter den Rippen Brennen, oder Schmerz wie gequetscht. Schmerzen, die sich vom Hypochondrium nach oben verbreiten. Durchfall: wässrig und gelb; orangefarben; oder wie Tomatensoße. Stühle: geruchlos oder übel riechend; unwillkürlich, besonders bei jeder Bewegung. Anus: wund, geschwollen, starke Blutungen vom Anus; [unwillkürliche Stühle mit] Gefühl, „als ob der After stets offenstünde“; Analprolaps. Wie ein elektrischer Schlag im Mastdarm, gefolgt von Drängen zum Stuhl.
HarnwegeBrennen beim Urinieren. Dysurie mit stechenden Schmerzen. Urin: spärlich, faulig riechend, stark gefärbt; die letzten Tropfen brennen und beißen; milchig, bei Hydrozephalus. Albuminurie. Harnabgang reichlich, mehr als die getrunkene Flüssigkeitsmenge. Harnsediment wie feiner Kaffeesatz. Harninkontinenz, schlimmer nachts und beim Husten. Kann nicht urinieren, ohne zugleich Stuhl abzusetzen. Nephritis. Zystitis. Harnverhaltung bei Neugeborenen. Urinieren schwierig und häufig, auch langsam; muss pressen, um Wasser lassen zu können; bei Prostataerkrankungen.
Männliche GenitalienÖdem des Skrotums. Hydrozele, in vielkammerigen Zysten. Erkrankungen der Prostata.
Weibliche GenitalienAmenorrhö in der Pubertät. Eierstöcke: Gefühl wie taub; Anschoppung, bei Ausbleiben der Monatsblutung. Eierstockzysten. Ödem der Schamlippen. Brennend stechende Schmerzen in den Ovarien oder im Uterus. Schmerzen in den Ovarien, schlimmer durch Koitus. Dysmenorrhö, mit spärlicher Absonderung blutigen Schleims oder mit Schmerzen in den Eierstöcken. Uterusblutung, mit Abgang des Fetus. Abortus in den ersten Schwangerschaftsmonaten. Wassersucht in den späteren Phasen der Schwangerschaft, dann Wochenbettkrämpfe. Ausfluss: reichlich, beißend, grün. Brennend stechende Schmerzen in den Brüsten. Knoten in den Brüsten, auch offener Brustkrebs. Wahnzustände bei Frauen, von sexuellen Ausschweifungen106

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Hering spricht von „Sexualmanien der Weiber“.

oder Ausbleiben der Menses. Menstruation hält nur einen Tag an, oder setzt immer mal einen Tag aus. Ulzeration des Nabels bei Neugeborenen; [Neugeborenensepsis].
AtemwegeKeuchende Atmung, hat bei jedem Atemzug das Gefühl, es wäre der letzte. Lufthunger. Kehlkopfödem. Kehlkopf eingezogen. Brennend stechende Schmerzen durch die gesamte Vorderseite der Brust. Hydrothorax, nach Pleuritis. Gefühl wie zerschlagen und wund in der Brust. Schmerzhafte Stöße durch Kopf und Brust bei jedem Husten. Asthma, durch Nesselfieber, besser, sowie eine geringe Menge Schleim ausgeworfen wird. Heiserkeit. Auswurf süßlich.
HerzHerzschläge erschüttern den ganzen Körper. Stiche von der Herzspitze nach hinten. Herzklopfen infolge spärlicher Urinabsonderung. Puls: hart, klein; aussetzend, schnell, schwach. Mitralklappeninsuffizienz. Organische Herzkrankheiten.
Äußerer Hals und RückenSteifer Nacken. Rheumatischer Schmerz im Rücken. Brennendes Drücken in der Steißbeingegend, schlimmer bei jedem Versuch, sich hinzusetzen. Müde, wie zerschlagen im Rücken. Struma vasculosa.
ExtremitätenTaubheitsgefühl der Hände und Fingerspitzen. Handflächen heiß. Ödem der Hände. Beginnende Panaritien, mit brennend stechenden, pochenden Schmerzen. Gliedmaßen unbeweglich, schwer, gefühllos. Füße wie taub und steif. Unterschenkel und Füße wachsartig blass, ödematös geschwollen. Zittern der Hände und Füße. Gefühl, als wären die Nägel ganz lose [und als könnte man sie abschütteln]. Hemiplegie durch schweren psychischen Schock. Taumelt, beim Gehen mit geschlossenen Augen.
HautRosenrot verfärbt, empfindlich, wund. Rau anzufühlende Hautausschläge oder Stellen wie von Insektenstichen auf der Haut. Großflächige Urticaria. Haut trocken, heiß; abwechselnd mit Strömen von Schweiß. Ödematöse Schwellungen. Erysipel. Scharlach. Karbunkel.
SchlafGroße Neigung zum Schlafen; kann aber aufgrund nervöser Unruhe nicht einschlafen. Schläfrigkeit während des Fiebers. Schreit im Schlaf, fährt plötzlich aus dem Schlaf hoch. Tritt die Decke im Schlaf von sich. Träume voller Sorge und Mühe.
FieberFieberfrost: anteponierend; mit Dyspnoe, Urticaria, Verlangen, sich zu entblößen; abwechselnd mit Fieberhitze. Brennende Hitze, aber Frösteln von jeder Bewegung. Durstlos während der Fieberhitze. Durst während des Fieberfrostes. Hitze bestimmter Körperteile bei Kälte anderer. Schweiß in Strömen; partielle Schweiße. Häufige Schweißausbrüche, und dann jeweils wieder Trockenwerden der Haut.
KomplementärArnica; Arsenicum; Helleborus; Mercurius cyanatus; Natrium muriaticum; Pulsatilla.
VerwandtArsenicum; Cantharis; Graphites; Iodium; Lycopodium; Pulsatilla; Stramonium; Sulfur; Urtica urens.

  • Das Gift der Honigbiene, Apis mellifera. Benutzt werden soll nach Hering das reine, vom Stachel der Biene abgenommene Gift. Zahlreiche Symptome sind jedoch entweder Stichfolgen oder wurden unter Verwendung der zerquetschten ganzen Biene erzielt.

  • Die Prüfungsergebnisse sowie eine Sammlung von Stichfolgen und Heilungsberichten sind zu finden in Herings Amerikanischen Arzneiprüfungen.

Apocynum cannabinum
AllgemeinesWirkt auf die Harnorgane, erzeugt Diurese und beseitigt ödematöse Flüssigkeitsansammlungen. Depressorische Wirkung auf die Herztätigkeit. Verdauung gestört. Ein nützliches Mittel bei generalisiertem Ödem, idiopathisch oder aufgrund organischer Krankheit. Anschwellen jedes Körperteils, mit spärlicher Urin- und Schweißsekretion; hat das Gefühl, es würde ihm wieder gut gehen, wenn er nur schwitzen könnte. Hydrops wird meist von Verdauungsstörungen begleitet – Übelkeit, Erbrechen und großer Durst; Schläfrigkeit und Atembeschwerden können Begleitsymptome sein. Wassersucht nach Blutungen; nach Chinin-Abusus. Alle Absonderungen spärlich. Bei akutem Hydrozephalus liegt das Kind im Stupor, ein Arm und ein Bein bewegen sich unwillkürlich. Lähmung der linken Seite; ein Auge unbeweglich, das andere rollend. Ausgeprägte Schwäche. Uterusblutungen.
SchlimmerKälte: kaltes Wetter, kalte Getränke. Entblößen. Liegen. Nach Schlaf.
BesserWärme.
Geist und GemütNiedergeschlagen, nervös und konfus. Kann nicht richtig denken. Ohnmacht beim Heben des Kopfes vom Kissen.
KopfDumpfes Kopfweh. Hydrozephalus, mit Verlust des Sehvermögens und vorgewölbter Stirn.
AugenHeiß und rot; Gefühl, als ob Sand darin wäre. Ein Auge unbeweglich, das andere rollend.
NaseVoll mit dickem gelbem Schleim am Morgen. Verstopfte Nase bei Säuglingen. Erkältet sich leicht.
GesichtAufgedunsen, schlimmer im Liegen, vergeht nach dem Aufsetzen. Gesicht blass, mit kaltem Schweiß bedeckt, bei Durchfall. Lippen und Mund trocken.
MagenÜbelkeit, mit Schläfrigkeit. Durst, aber Wasser wird nicht vertragen, erbricht alle Getränke oder Speisen sofort (Hydrops). Flaues Gefühl in der Magengrube; nach reichlichem Urinieren – Diabetes insipidus. Erbrechen bei urämischen Zuständen.
AbdomenAszites. Durchfall: mit Wassersucht; Stühle gelb, schmerzlos; Abgang geräuschvoll, schwallartig. [Sphinkterschwäche]; Gefühl, als stünde der Anus offen und die Stühle liefen einfach hindurch.
HarnwegeHarnverhaltung, mit Lähmung der Untergliedmaßen. Urin: reichlich; [oder] spärlich. Bettnässen alter Männer.
Männliche GenitalienÖdem von Penis und Skrotum. Hypertrophie der Prostata.
Weibliche GenitalienAmenorrhö junger Mädchen, mit Anschwellung von Bauch und Beinen. Uterusblutungen: das Blut geht in großen Klumpen ab, doch zuweilen auch flüssig; im Klimakterium. Tumoren der Ovarien. Husten während der Schwangerschaft.
AtemwegeAtmung kurz und unzureichend; erschwert. Brustbeklemmung. Kurzer, trockener Husten; Neigung zum Seufzen. Hydrothorax.
HerzPuls langsam, flatternd, unregelmäßig oder aussetzend. Rückstrom des Blutes bei Mitral- und Trikuspidalklappeninsuffizienz.
HautRau, trocken. Kann nicht schwitzen.
SchlafSchläfrig. Große Unruhe mit wenig Schlaf.
VerwandtChininum arsenicosum; Nux vomica.

  • Der Indianische Hanf, ein Hundsgiftgewächs. Verwendet wird der Wurzelstock.

  • Prüfungen bei AE, Band 1 und 10; auch bei Hale, New Remedies, zu finden. Eine spätere Prüfung von Schoeler hat die meisten Zeichen bestätigt (vgl. Mezger, Gesichtete Arzneimittellehre).

Aralia racemosa
AllgemeinesBeeinträchtigt die Atmung und verursacht asthmatische Zustände mit Husten, schlimmer vom Hinlegen und im Liegen. Patient schwach, schlaff, erschöpft. Gallenbeschwerden, ‚Galligkeit‘. Schleimsekretionen scharf, wundmachend.
SchlimmerNach kurzem Schlaf. 23 Uhr (Husten). Zugluft.
BesserLiegen mit hoch gelagertem Kopf. Aufsetzen.
Geist und GemütFurcht vor Lungenkrankheit; nicht abzuschütteln.107

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Trat in der Prüfung im Zusammenhang mit den Asthma- und Hustensymptomen auf.

NaseHeuschnupfen, mit häufigem Niesen. Niesen beim geringsten Luftzug, mit reichlichem, wässrigem, wund machendem Sekret.
Mund, HalsAphthen. Gefühl, als ob ein Fremdkörper im Hals wäre. Übelkeit wird im Hals empfunden.
AbdomenSchmerz von der Leber zum rechten Schulterblatt.
AtemwegeAtemnot und/oder heftiger Husten nach dem ersten Schlaf, besser durch etwas Auswurf. Brennendes Gefühl und wie roh hinter dem Brustbein. Pfeifende Atmung. Salzig schmeckender Auswurf, der sich im Mund warm anfühlt.
KomplementärLobelia.

  • Die Amerikanische Narde, eine Verwandte des Efeus. Verwendet wird der frische Wurzelstock mit Wurzeln.

  • Eine Prüfung von Jones (vgl. Hale, New Remedies, sowie AE). Der Prüfer war allerdings Asthmatiker. Klinische Indikationen von Hale und Burnett.

Aranea diadema
AllgemeinesDieses Spinnengift ist ein Mittel bei Malaria-anfälligen Konstitutionen. Dem Patienten ist es kalt bis auf die Knochen, ihm wird überhaupt nicht mehr warm. Abnorme Anfälligkeit für feuchte Kälte. Kann nicht in der Nähe von Süßwasser leben: an Flüssen, Seen usw., auch in feuchtkalten Wohnungen usw. Wirkt auf die Nerven; verursacht neuralgische Schmerzen, die heftig und plötzlich sind und jeden Tag zur gleichen Zeit auftreten; oder auch jeden zweiten Tag, jede Woche, jeden Monat oder sonst in regelmäßigen Abständen. Gefühl von übermäßiger Vergrößerung oder Taubheit von Körperteilen, schlimmer beim Erwachen; oder erwacht mit dieser Empfindung. Ein Blutungsmittel (hämorrhagische Diathese). Wirkt auf die Knochen und erzeugt Periostitis. Stichwunden. Viele Symptome treten auf der rechten Seite auf. Schmerzen wie elektrische Schläge. Großes Verlangen, sich hinzulegen. Ameisenlaufen über den ganzen Körper.
SchlimmerExakte Periodizität der Symptome. Feuchtigkeit: nasse Kälte; kaltes Baden; so oft es regnet.
BesserTabakrauchen. Im Freien. Druck. Sommer
Geist und GemütNervös. Verzagt, verzweifelt; sehnt den Tod herbei.
KopfKopfweh, gemildert durch Rauchen und Hinausgehen ins Freie. Schwindel, mit Flimmern vor den Augen.
AugenGefühl von Hitze und Zittern108

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Im Original „glittering“, so wurde das „Zittern“ aus der Prüfung ins Englische übersetzt.

in den Augen. Flimmern, dem Kopfweh vorausgehend.
GesichtTrigeminusneuralgie. Empfindung, als ob die Wangen geschwollen wären, bei Zahnweh.
MundHeftiger Schmerz in den Zähnen des ganzen Oberkiefers [und Unterkiefers]109

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Phatak spricht, Boger folgend, nur vom Oberkiefer; bei Grauvogl, von dem das Symptom stammt, sind es aber beide Zahnreihen.

auf einmal; sobald man sich abends hinlegt. Bitterer Mundgeschmack, besser durch Rauchen.
MagenEpigastrium druckschmerzhaft. Magenkrämpfe, sobald man ein bisschen gegessen hat.
AbdomenMilz vergrößert. Koliken, die zur gleichen Stunde wiederkehren. Bauchschmerzen, die durch Reiben mit der Hand gelindert werden.
Weibliche GenitalienMenses zu früh; zu stark. Lumbal-abdominelle Neuralgie; mit Erbrechen und Gähnen; im Zusammenhang mit dem weiblichen Zyklus.
AtemwegeLungenblutung, hellrotes Blut. Interkostalneuralgie, Schmerz erstreckt sich bis zur Wirbelsäule.
ExtremitätenKnochenschmerzen. Schmerz im Fersenbein, [anhaltend nach Bewegung des Fußes, aber] abnehmend bei fortgesetzter Bewegung. Geschwür an der Ferse [bei Periostitis]. Taubheit der Körperteile, die vom N. ulnaris innerviert werden. Arme und Beine wie taub. Kältegefühl in den Knochen, als wären sie aus Eis. Schwereempfindungen der Gliedmaßen.
SchlafUnruhig, mit öfterem Erwachen und dem Gefühl übermäßiger Vergrößerung und Schwere der Hände und Unterarme.
FieberFieberfrost, mit Schmerz in den Röhrenknochen und Schweregefühl wie von einem Stein im Unterbauch. Schweiß fehlt.
KomplementärCedron.

  • Die Kreuzspinne (bei Hering und Jahr erscheint sie als „Diadema aranea“). Mazeration des ganzen Tieres in Alkohol.

  • Prüfung aus der AHZ 1, wiedergegeben bei Jahr, Symptomencodex; ferner Symptome von Grauvogl, der es als ein wichtiges Mittel bei der „hydrogenoiden“ Konstitution betrachtete.

Argentum metallicum
AllgemeinesSilber greift die Nerven an und ruft konvulsivische und spastische Effekte hervor. Es wirkt auf die Gelenke und ihre Komponenten: Knochen, Kondylen, Knorpel und Bänder. Arthralgien. Knochen: schmerzend, empfindlich. Knochenkaries. Absonderungen von den Schleimhäuten sind dickflüssig, grau, zäh; auch wie gekochte Stärke aussehend. Verdickt werden auch die Gewebe, besonders die Knorpel und die Tarsi palpebrae; ferner wirkt die Arznei besonders deutlich auf den Kehlkopf. Symptome treten schleichend auf; langsam, zögerlich, aber doch fortschreitend und tief eindringend. Schmerzen werden allmählich stärker, erreichen große Intensität und hören dann plötzlich auf; sie sind schlimmer durch Berührung. Schmerzen, die mit Polyurie einhergehen. Schmerzen wie wund und roh. Schmerzloses Zucken oder wie elektrische Schläge. Verlust der Kontrolle über Geist und Körper. Schmerzhafte Muskelkrämpfe; Gliedmaßen werden als kraftlos empfunden. Bei Epilepsie folgt den Anfällen rasendes Delirium, der Patient springt umher und schlägt nach den Umstehenden. Passt auf große, dünne, reizbare Personen. Exostosen des Schädels. Üble Folgen von Masturbation; von Sonnenstich. Legt sich hin, aus Müdigkeit und Schwäche. Abmagerung.
SchlimmerGebrauch der Stimme; Sprechen, Singen. Intellektuelle Beanspruchung. Mittags. Nasskalt. 15–18 Uhr. Berührung, Druck. Fahren im Wagen. Liegen auf dem Rücken. Sitzen. Bücken. Betreten eines warmen Zimmers. Sonne.
BesserBewegung. Kaffee. Warmes Einhüllen.
Geist und GemütVerlust der intellektuellen Fähigkeiten. Vergesslich. Hastig; Zeit vergeht zu langsam. Rastlose Angst, die ihn von Ort zu Ort treibt. Falsch, täuscht andere Personen. Redselig, oder unaufgelegt, in Gesellschaft zu sprechen. Springt von einem Thema zum anderen. Nimmt alle möglichen Marotten an, macht oft merkwürdige und unerklärliche Dinge; blockt auf diese Weise jegliches Mitgefühl der Freunde ab.110

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Umformuliert nach Kent, der offensichtlichen Quelle. Bei Phatak heißt es „bars out all sympathy for friends“, also: lässt kein Mitgefühl für Freunde (in sich) zu. Der Zusammenhang bei Kent ist aber so: „Frauen, die Silber benötigen, tun sehr häufig so merkwürdige und unerklärliche Dinge in ihren nervösen Zuständen, dass sie alles Mitgefühl von Freunden abblocken (bar out all sympathy of their friends) und als hysterisch bezeichnet werden.“

Angst um die eigene Gesundheit.
KopfSchwindel: Drehschwindel [mit „Wiebeln“ im Kopf]; schlimmer beim Anblick fließenden Wassers oder beim Betreten eines warmen Zimmers. Kribbeln und wie hohl im Kopf. Kopfhaut sehr berührungsempfindlich.
AugenJucken in den Augenlidern und Augenwinkeln. Reichliche eitrige Absonderung von den Augen. Striktur des Tränengangs. Verdickung der Lider und Lidknorpel.
OhrenJucken an den Ohrläppchen. Jucken am äußeren Ohr; bis zum blutig Kratzen.
NaseSehr starker Fließschnupfen, mit öfterem Niesen, Erschöpfung verursachend. Nasenbluten: mit vorausgehendem Kitzelreiz; besonders nach Naseputzen.
GesichtBlass, fahl, bei Schwächezuständen. Rotes Gesicht. Plötzliche Hitze im Gesicht, bei Herzklopfen.
HalsSchmerz wie roh und wund, beim Ausatmen, Schlucken oder Husten. Zäher, grauer, gallertartiger Schleim, der sich durch Räuspern leicht auswerfen lässt; morgens. Räuspert sich oft. Spannen im Rachen, schlimmer beim Gähnen. Gefühllosigkeit des Schlundes.
MagenBrennende Empfindung im Magen, bis in die Brust. Angst und Drücken in der Magengrube. Appetit gesteigert, oder Ekel vor allen Speisen. Schluckauf beim Rauchen. Ekel erregende Träume.
AbdomenLautes Quaken im Unterleib, mit Hungergefühl. Schmerzhafte Empfindlichkeit des Bauchs, schlimmer beim Fahren im Wagen. Erbrechen beim Stuhlgang.
HarnwegeReichliches und häufiges Urinieren. Diabetes; wenn Anschwellung der Knöchel vorliegt. Urin molkig trüb, von süßem Geschmack. Chronische Urethritis.
Männliche GenitalienQuetschungsschmerz im (rechten) Hoden; selbst der Druck der Hose steigert beim Gehen die Schmerzhaftigkeit. Pollutionen ohne sexuelle Erregung und ohne Erektion. Gelblich grüner Ausfluss.
Weibliche GenitalienSchmerz im linken Eierstock. Uterusprolaps, mit Schmerz im linken Eierstock und im Kreuz, Schmerz erstreckt sich nach vorn und unten. Eierstöcke wie zu groß. Eierstockzysten und -tumoren. Cervix uteri erodiert, von schwammigem Aussehen. Szirrhus des Uterus. Uterusblutungen im Klimakterium. Ausfluss: faulige, blutige Flüssigkeit, wundmachend. Herzklopfen während der Schwangerschaft.
AtemwegeHeiserkeit und Aphonie, schlimmer durch Gebrauch der Stimme. Völlige Stimmlosigkeit bei Berufssängern. Kehlkopf wundschmerzhaft und wie roh. Husten schlimmer durch Lachen. Leichtes Auswerfen von grauem, gallert- oder stärkeartigem Schleim. Wie ein roher Fleck in der Luftröhre, in der Gegend des Halsgrübchens. Große Schwäche in der Brust (links); Stiche in der Brust, die das Atmen hindern, beim Lautlesen oder Sprechen. Furunkel an den letzten Rippen. Neuralgische Schmerzen entlang der gesamten Knorpelwand der linken falschen Rippen.
HerzGefühl, als stünde plötzlich das Herz still, dann Zittern am Herzen, das in heftiges Klopfen übergeht; besser durch Einatmen. Herzklopfen während der Schwangerschaft; besser durch tiefes Einatmen. Puls aussetzend und sehr unregelmäßig, während der Attacke des Herzklopfens. Herzklopfen mit kardiogener Unrast, besser im Liegen auf der linken Seite.
Äußerer Hals und RückenFürchterlicher Rückenschmerz, muss krumm gehen. Eiskaltes Gefühl neben dem Kreuzbein [auf eine kleine Stelle beschränkt].
ExtremitätenArme wie kraftlos. Beine schwach und zittrig, schlimmer beim Treppabgehen. Wadenmuskeln schmerzen wie zu kurz beim Treppabgehen. Schwellung um die Fußknöchel (Diabetes). Zusammenziehen der Finger, mit partieller Lähmung des Unterarms. Schreibkrampf. Gliedmaßen wie taub oder steif. Brennen in Hühneraugen.
HautNervöses Jucken, Krabbeln, Kitzeln an verschiedenen Körperteilen.
SchlafWie elektrische Erschütterungen beim Einschlafen. [Träumt von ekelhaften Dingen], Ekel erregende Träume.
FieberHektisches Fieber mittags [jeden Tag]. Schweiß nur an Unterleib und Brust.
VerwandtCalcarea carbonica; Pulsatilla; Selenum; Sepia; Stannum; Zincum.

  • Das metallische Silber, Ag; Blattsilber.

  • Prüfungen von Hahnemann u. a. (Reine Arzneimittellehre, Band 4) sowie Huber (ÖZ, Band 2); einige klinische Symptome von Hering (NAfH, Band 3). Die Gemütssymptome stammen fast ausschließlich von Kents Lectures.

Argentum nitricum
AllgemeinesDiese Droge wirkt auf Geist und Gemüt und ruft Nervenleiden hervor. Durch ihre Wirkung auf die zerebrospinalen Nerven kommt es zu Inkoordination, Kontrollverlust und Gleichgewichtsstörungen, psychisch ebenso wie physisch. Schleimhäute entzündet und ulzeriert, mit schleimig-eitrigen Sekretionen und Schmerzen wie von einem Splitter. Ein nützliches Mittel bei ausgetrockneten, welken, vorzeitig gealterten Personen, mit Zittern und Schwäche. Hysterische, nervöse Personen. Fortschreitende Abmagerung. Aufsteigende Lähmung. Empfindung, als wären Körperteile vergrößert oder bandagiert. Heftige Schmerzen, wie von einem tief eingedrungenen Splitter; oder scharf, blitzartig schießend; auch wühlend; ausstrahlend; den Patienten zum Zusammenfahren nötigend; den Rücken oder die Beine herab ziehend. Allmähliches Ansteigen und Nachlassen der Schmerzen. Geschwürbildung, mit viel blutigem, gelbem Eiter. Ein Krampfmittel; epileptische Anfälle, durch Schreck oder während der Menses, nachts; vor dem Anfall sind die Pupillen immer ein bis zwei Tage lang geweitet; nach der Attacke Unruhe und Zittern der Hände. Periodisches Zittern am ganzen Leib. Verlust der Fähigkeit zu Willkürbewegungen. Paraplegie. „Sinken vom Kopfe.“111

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Formulierung einer Prüferin. Die Bedeutung dieser Formulierung wird dann so ausgeführt: Es sammelt sich Schleim in Rachen und Choanen, der, wenn er sich tiefer in den Hals senkt, sich zu Klumpen formt, würgt und zum Losräuspern nötigt.

Myelitis. Multiple Sklerose des Gehirns und Rückenmarks. Empfindung wie ein plötzliches Kneifen. Üble Folgen von: Eisessen, Masturbation, übermäßiger sexueller Betätigung; Tabak. Symptome erscheinen auf der linken Seite. Kombinierte psychische und Verdauungssymptome. Kann mit geschlossenen Augen nicht gehen. Schmerzen lassen ihn zusammenfahren. Passt auf Geschäftsleute, Studenten, Kopfarbeiter. Prüfungsangst. Verlangen zu reden. [Weckt oft seine Frau oder sein Kind auf, um jemanden zu haben, mit dem er reden kann.] Anämie. Wahrnehmungstäuschungen; Verkehrungen der Sinneswahrnehmungen.
SchlimmerGemütsbewegungen: Angst; Erwartungsspannung; Furcht oder Schreck. Im Zimmer; in geschlossenen Räumen. Geistige Beanspruchung; Sorge. Zucker. Liegen auf der rechten Seite. Abwärtssehen. Trinken. Menschenmengen. Wärme in jeder Form. Kaltes Essen; Eiskrem. Vor und während der Menstruation. Beim Fahren. Angespanntes Nachdenken.
BesserKühle Luft; im Freien. Kaltes Bad. Fester Druck. Bewegung. Aufstoßen. Zusammenkrümmen.
Geist und GemütVon eigenartigen Zwangsvorstellungen und Gefühlen gequält. Nervös, impulsiv und gehetzt, dabei scheu und ängstlich. Furchtsam. Ihm graut vor Prüfungen. Furcht: vor drohendem Unheil; vor Menschenmengen; an einer bestimmten Stelle vorbeizugehen; vor hohen Gebäuden; vor der Dunkelheit. Zögerlich. [„Große Bedenklichkeit.“] Stocken, Versagen: beim Sprechen; auch im Gehen; versagende Erektionen usw. Antriebslos. Glaubt, von seiner Familie verachtet zu werden; alle seine Unternehmungen müssten misslingen. Verzagtheit. Schwermut. Impuls zu springen: beim Überqueren einer Brücke; aus dem Fenster. Hirnermüdung. Gedächtnisschwäche. Zeit vergeht zu langsam; Zeit scheint zu kurz, will alles in Eile machen, muss schnell gehen usw. Weint, versichert jedem, unrettbar verloren zu sein. Alles kommt ihm verändert vor. Irrational: tut seltsame Dinge, kommt zu seltsamen Schlüssen; zuweilen regelrecht unsinnige Handlungen. Inkohärenz. [Kann nicht im Zusammenhang denken. Unvermögen, zusammenhängend zu sprechen.] Kindisches Gerede, Faseln. Spricht ständig von seinen Leiden. Bleibt oft im Bett, schon bei geringfügigster Unpässlichkeit.
KopfNervöses Kopfweh: mit Kälte und Zittern; schlimmer durch geistige Anstrengung, durch Tanzen; besser durch festes Zusammenbinden. „Zusammenschrauben des Kopfes.“ Zusammenpressender oder tief im Hirn drückender Kopfschmerz; Vergehen der Sinne. Bohren im linken Stirnhöcker. Migräne. Kopfweh, das in Erbrechen endet. Empfindung, der Kopf sei stark vergrößert. [Empfindung von Ausdehnung des Kopfes], als gingen die Schädelknochen auseinander. Schwindel: vor epileptischem Anfall; schlimmer nachts; mit vorübergehender Blindheit; schlimmer bei geschlossenen Augen. Jucken, Kribbeln und Laufen auf der Kopfhaut. Kopfweh hysterischer junger Frauen; zarter, empfindlicher Gelehrter usw.
AugenAugäpfel wie vergrößert. Heftige eitrige Augenentzündung; Ophthalmia neonatorum. Blepharitis, dicke Schleimkrusten auf den Augenlidern. Pupillen geweitet. Tränenkarunkel geschwollen; Photophobie. Hornhautgeschwüre. Hornhauttrübung. Chemosis. Akute Conjunctivitis trachomatosa. Augensymptome verschlimmern sich mit den Bauchsymptomen. Pterygium conjunctivae, rosafarben.
OhrenOhrensausen, mit Schwindel. Ohrenklingen, mit Schwerhörigkeit.
NaseVerlust des Geruchssinns. Schnupfen mit stetem Frieren, Tränen der Augen und Kopfschmerz. Heftiges Jucken in der Nase, reibt ständig daran.
GesichtKränklich, eingefallen, gräulich oder schlammfarben. Sieht aus wie ein alter Mann [die Gesichtshaut spannt sich straffer auf die Gesichtsknochen]. Lippen zittern beim Sprechen. Bläuliche Lippen.
MundZungenspitze rot und schmerzhaft. Papillen angeschwollen. Zunge belegt, mit sauberen Rändern. Aphthen an den Zungenrändern. Zusammenziehender Geschmack im Mund, sauer oder bitter-säuerlich. Zahnschmerzen, Schlimmer: beim Kauen, bei Kontakt mit Kaltem; bei Genuss von Saurem. Essen fällt aus dem Mund, beim Kauen. Kann nicht sprechen; Krampf der Zungen- und Halsmuskeln. Stammeln.
HalsDicker, zäher Schleim im Hals, zum Räuspern nötigend. Dunkle Röte von Zäpfchen und Racheneingang. Gefühl, als würde ein Splitter im Hals stecken, schlimmer beim Schlucken, Atmen oder Bewegen des Halses, besser durch kühle Getränke. Speisen scheinen im Hals stecken zu bleiben. Raucherkatarrh, mit Empfindung wie von einem Haar im Hals. Strangulationsgefühl, Würgen.
MagenUnwiderstehliches Verlangen nach Zucker, der nicht vertragen wird. Verlangen nach Käse. Appetitlosigkeit. Guter Appetit, aber jegliche Speise ist unbekömmlich. Erbrechen mit zusammenziehendem, saurem oder säuerlich-bitterem Mundgeschmack. Erbrochenes färbt die Bettwäsche schwarz. Gastritis durch Alkoholabusus. Gastralgie; Schmerz erscheint an einer kleinen Stelle und strahlt von da nach allen Seiten aus; schlimmer durch den leichtesten Druck. Schmerzhafte Geschwulst der Magengrube. Magengeschwüre, schlimmer durch kaltes Essen. Essen bessert die Übelkeit, verschlimmert aber die Magenschmerzen. Genuss von Saurem lindert die Übelkeit. Aufstoßen, Hochkommen des Gegessenen. Ructus streben nach oben, aber die Speiseröhre ist wie krampfhaft verschlossen. Zittern und Klopfen im Magen.
AbdomenBlähungen; bewirken Auftreibung des Bauchs mit Gefühl, als wollte er platzen. Lautes, explosives Aufstoßen; Windabgang nach oben und unten. Durchfall: emotional bedingt; geräuschvoll; schlimmer unmittelbar nach Essen und Trinken; nach Süßigkeiten, Zuckersachen. Flüssigkeiten ‚laufen glatt durch‘. Nervöser Durchfall. Diarrhö von Kindern nach dem Abstillen. Stühle: mit Schleimfetzen, sich grün färbende schleimige Stühle, wie gehackter Spinat. Afterjucken. Schaudern durch die Därme; Frost den Rücken herauf. Verstopfung, die alle Beschwerden verschlimmert; abwechselnd mit Durchfall.
HarnwegeHeftiger Schmerz von den Nieren zur Blase (Nephralgie), schlimmer durch Berührung, Bewegung, tiefes Einatmen. Harninkontinenz Tag und Nacht. Harndrang; der Harn geht nicht so frei und leicht ab wie sonst. Schneiden in der Harnröhre, mit schmerzhafter Erektion. Geteilter Harnstrahl. Gelber, blutiger Tripperausfluss; Frühstadium der Gonorrhö. Urin: hochgestellt, dunkelrot; eiweißhaltig. Harnverhaltung.
Männliche GenitalienImpotenz; bekommt Erektion, die aber beim Koitusversuch schwindet. Koitus schmerzhaft – Harnröhre wie gespannt, oder besondere Empfindlichkeit nahe der Mündung der Harnröhre. Schankerähnliche Geschwürchen an der Vorhaut. Hoden weit heraufgezogen.
Weibliche GenitalienSchmerzen beim Beischlaf, danach Bluten aus der Scheide. Prolapsus uteri, mit Ulzeration des Muttermundes oder der Cervix. Uterusblutungen, mit nervösem Erethismus, in den Wechseljahren; auch bei jungen Witwen und kinderlosen Frauen. Eierstöcke schmerzhaft, Schmerzen strahlen zum Kreuzbein und in die Oberschenkel aus. Menstruation: unregelmäßig, zu früh, zu spät oder nur einen Tag lang. Schmerz im Magen und krampfhaftes Zusammenziehen in der Brust vor der Regel. Menses spärlich, mit Atemnot. Säuglinge [mit Marasmus], die bald nach der Geburt zu sterben drohen. Ausfluss: reichlich, bei Erosion des Gebärmutterhalses.
AtemwegeChronische Laryngitis bei Sängern; Heben der Stimme und Singen hoher Noten lösen Husten aus. Stimmlosigkeit. Wie roh und wund hoch oben in der Luftröhre, schlimmer durch Husten. Bei vielen Leuten im Zimmer nimmt es ihm den Atem. Verlangen, einen tiefen Atemzug zu tun, was die Atemnot noch verschlimmert. Atemnot, nervös oder durch Blähungen bedingt, schlimmer durch Magenschmerzen. Husten, schlimmer durch Lachen, Bücken, Rauchen, Treppensteigen, vor der Menstruation. Empfindung, als wäre eine Eisenstange um die Brust gespannt. Schweregefühl, wie ein Stein, auf einer Stelle in der Mitte des Brustbeins. Starkes Verlangen nach frischer Luft. Schmerz in der Brust beim Stiefelanziehen. Asthma; schlimmer im Sommer, bei kaltem Wetter oder bei Erkältung.
HerzHerzklopfen: mit Übelkeit; schlimmer im Liegen auf der rechten Seite; beim Fahren im Wagen; besser durch Druck mit der Hand. Unangenehme Empfindung von Vollsein in der Herzgegend, besser an der frischen Luft. Puls unregelmäßig und aussetzend. Herzangst, mit Herzklopfen und Pochen durch den ganzen Körper.
Äußerer Hals und RückenSchmerz im Kreuz, schlimmer beim Aufstehen vom Sitzen, besser im Stehen oder Gehen. Halslymphknoten verhärtet. Pochen in der Wirbelsäule; Schwäche des Rückgrats. Als ob ein Gewicht am Steißbein hinge.
ExtremitätenZittern der Hände, kann nicht schreiben. Taubheit der Fingerspitzen; des Ringfingers, des kleinen Fingers. Krampfhaftes Krummziehen der Finger, kann die zur halben Faust geballte Hand nicht öffnen, kann die dicht aneinander gepressten Finger kaum voneinander lösen. Mattigkeit und Müdigkeit in Unterarmen und Unterschenkeln, mit Zittern. Abgeschlagenheit, Erstarrungsgefühl, „Strammen“ oder Drehen in den Waden. Lähmungen, mit Gemüts- und Bauchsymptomen. Paraplegie, nach schwächenden Auslösern. Kann mit geschlossenen Augen nicht gehen. Geht und steht unsicher, schlimmer, wenn er sich unbeobachtet glaubt. Veitstanzartige Krampfbewegungen; Beine hochgezogen, Arme auswärts und aufwärts schnellend. Periphere Neuralgien. Ödem der Unterschenkel. Gefühl, als wären die Beine aus Holz oder Watte.
HautBraun, gespannt und hart. Geschwüre: ‚böse‘, tief, mit harten Rändern. Warzen-förmige Granulationsgewebe. Fest anhaftende Schorfe oder Krusten.
SchlafGrauenvolle Träume von Schlangen; Träume von sexueller Befriedigung.
FieberFröstelt, wenn entblößt, glaubt zu ersticken, wenn zugedeckt. Frost mit Übelkeit.
KomplementärCalcarea carbonica; Natrium muriaticum; Pulsatilla; Sepia.
VerwandtLycopodium; Pulsatilla.

  • Silbernitrat, salpetersaures Silber, Höllenstein, AgNO3.

  • Einige wenige Prüfungssymptome bei Hahnemann, Reine Arzneimittellehre, Band 4; die meisten stammen aus einer Prüfung von Müller (ÖZ, Band 2), wo auch eine Reihe von Vergiftungssymptomen gesammelt sind. Ferner einige Symptome von Hering (HVJ, Band 10); einige weitere von Müller berichtete Symptome (Zeitschrift des Vereins der homöopathischen Ärzte Österreichs, 1857, Band 1); und eine Reihe weiterer Prüfungen.

Arnica montana
AllgemeinesEin Verletzungsmittel par excellence. Traumata in allen Variationen, psychisch oder physisch, sowie deren unmittelbare oder entfernte Folgen sind mit dieser Arznei zu behandeln. Sie wirkt auf das Blut und erzeugt Fäulnis- und Sepsiszustände. Die Blutgefäße sind erschlafft, was zu Ekchymosen und blauen Flecken führt; Blutungsneigung, Nasenbluten usw. Wirkt auf die Nerven: Neuralgien. Muskeln sehr schmerzhaft, wie wund und zerschlagen; am ganzen Körper. Wundheitsschmerz von Körperteilen, nach Schmerzen oder Blutungen. Ein Prophylaktikum gegen Eiterbildung. Unterhöhlende Eiterung. Resorptionsfördernd. Abszesse, die nicht reifen. Progressive Abmagerung. Große Erschöpfung; Müdigkeitsgefühl [wie nach großer Anstrengung oder wie zerschlagen]. Absonderungen faulig; Atem, Mundgeschmack, Flatus, Stühle faulig. Gefühl, als wäre das Bett zu hart oder als wäre die Matratze klumpig. Unwillkürliche Entleerungen. Quetschungsschmerz. Schmerzen sind „lähmig“; plötzlich von Gelenk zu Gelenk überspringende Schmerzen. Wirkt am besten bei plethorischen, dunkelhaarigen Personen mit straffen Muskeln, von nervös-sanguinischem Temperament. Dagegen nur schwacher Einfluss auf ernsthaft geschwächte Personen mit Blutarmut und schlaffen, weichen Geweben. Komplizierte Knochenbrüche. Zucken in Sehnen und Muskeln. Osteomyelitis. Üble Folgen von Schreck, finanziellen Verlusten, Zorn, Reue; von übermäßigem Gebrauch jedes beliebigen Organs – auch Entzündung der Vagina bei Frauen, Impotenz bei Männern, jeweils nach exzessiver sexueller Betätigung; Überanstrengung jeder Art. Beschwerden von Überhastung. Gemüts- und Uterussymptome abwechselnd. Apoplexie. Typhus, Sepsis. Rezidivierende Furunkel. Nach chirurgischen Eingriffen. Insektenstiche. Splitterverletzungen. Thrombose.
SchlimmerVerletzungen: Sturz, Schlag, Prellung, Quetschung, Stoß, Schock, Erschütterung; nach Entbindung; Überanstrengung; Verrenkung. Berührung. Nach Schlaf. Bewegung. Im Alter. Alkohol. Nasskalt. Kohlendunst. Liegen auf der linken Seite.
BesserLiegen; horizontal ausgestreckt, oder mit tief gelagertem Kopf.
Geist und GemütFurcht: geschlagen oder berührt zu werden, ja selbst vor Annäherung; vor Krankheit; vor sofortigem Tod, besonders bei nächtlichen Herzbeschwerden; vor offenen bzw. öffentlichen Plätzen und Menschenmengen [Agoraphobie]; beim Erwachen. Heftige Panikattacken – Angina pectoris. Eine plötzliche Furcht, die nachts aus dem Schlaf weckt, besonders nach einem Unfall [wobei immer wieder das Unfallerlebnis vor seinen Augen vorüberzieht]. Mürrische, abweisende112

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Bei Phatak stattdessen „reuig“; Boger, von dem das Symptom stammt, hat aber „repellent“ und nicht „repentant“. Vgl. Hahnemanns Prüfungssymptome „Mürrisch, will erst mancherlei haben und verschmäht es dann doch“; „mürrische Trotzigkeit und Befehlhaberei“; „höchst verdrießlich, alles ärgert sie, alle sonstige Heiterkeit und Freundlichkeit ist verschwunden.“

Stimmung. Psychisch ‚erledigt‘ und apathisch, aber physische Ruhelosigkeit; sagt, ihm fehle nichts. Fühlt sich wohl, bei bedrohlichen Krankheitszuständen. Wenn er angesprochen wird, antwortet er langsam und mit Mühe. Vergesslich, Gelesenes entschwindet dem Gedächtnis schnell wieder. Nach Wutanfällen Vergießen von Tränen und laute Ausrufe. Hoffnungslosigkeit; Gleichgültigkeit. Delirium tremens. Großes Verlangen zu kratzen [vor lauter Schmerz]: kratzt mit den Nägeln in die Wand, über das Bett, sich am Kopf usw. Koma. Murmelndes Delir. Gefühl, man sei zu nichts gut. Leicht erschreckt; Schreck und Auffahren bei unerwarteten Kleinigkeiten. Sitzt wie in Gedanken [denkt aber eigentlich nichts].
KopfGehirn: wie müde; Brennen im Gehirn. Hitze im Kopf bei kühlem Körper. Schwindel: chronisch; alter Leute; mit Übelkeit, Erbrechen und Durchfall; als ginge alles im Kreis herum; schlimmer beim Gehen, Aufrechtsitzen, Schließen der Augen. Kopfschmerz, als wenn ein Nagel in die Schläfe gestoßen wäre. Kälteempfindung an einer kleinen Stelle auf der Stirn; heiße, brennende Stelle auf dem Scheitel. Meningitis nach Kopfverletzung. Kopf hintenüber geworfen, beim Gehen.
AugenBlutunterlaufen. Netzhautblutung. Photophobie. Müdigkeits- und Schweregefühl der Augen, nach Besichtigungen, Sehen bewegter Bilder [Kino, Fernsehen] usw. Hohe Gegenstände scheinen sich vorwärts zu neigen und auf ihn stürzen zu wollen. Rechtes Auge etwas aus der Höhle getreten, sieht größer aus als das linke.
OhrenSchwerhörigkeit; Ohrgeräusche. Schwerhörigkeit durch Kopfverletzung. Blut kommt aus den Ohren. Schmerz wie von Stoß oder Quetschung im äußeren Ohr. Empfindlich gegen schrille Geräusche.
NaseNasenbluten: nach jedem Hustenanfall; nach Waschen des Gesichts. Heftiges Niesen nach Verheben. Nase wie wund schmerzend [wie nach einem Sturz darauf]; Nase [objektiv] kalt. Tröpfeln von den hinteren Nasenöffnungen. Katarrh des Antrums. Brennen in der Nase bei Typhus.
GesichtRot, kongestioniert, bläulich rot; bei Schlaganfall oder Fieber. [Oder:] Eingefallen, blass. Wangen aufgedunsen; rot. Lippen: brennen, sind geschwollen und aufgesprungen. Unterlippe zittert beim Essen. Kinnlade hängt herab; Lähmung. Schmerzhafte Akne.
MundFaul riechender Atem. Mund trocken, mit großem Durst. Mundgeschmack wie von faulen Eiern. Angezeigt nach Operationen [z. B. Zahnextraktion], nach Zahnfüllungen usw. Hellroter, aufgedunsener Rachen. Zunge: trocken, fast schwarz. Schlucken verhindert durch eine Art Übelkeit, wie wenn die Speisen nicht hinunter wollten.
MagenAufstoßen: wie nach faulen Eiern; auf den Husten folgend. Appetitlosigkeit tagsüber, aber Heißhunger nachts bis Mitternacht. Übelkeit. Erbrechen dunkelroten, geronnenen Blutes. Fötides Erbrechen. Empfindung, als würde der Magen gegen die Rückenwirbel gedrückt. Schwere wie ein Klumpen, der an der Hinterwand des Magens liegt. Widerwille gegen Milch und Fleisch. Verlangen nach Essig. Will immer trinken, aber weiß nicht was, weil alles zuwider ist.
AbdomenKrämpfe vom Oberbauch ausgehend, die Därme herab, dann faulige Stühle. Scharfe Stöße durch den Bauch, von einer Seite zur anderen. Stühle: blutig; schaumig; eitrig; scharf; unwillkürlich, im Schlaf. Dysenterie; mit Dysurie, den ganzen Sommer und Herbst. Krämpfe im After, beim Stehen. Blähungen, die wie faule Eier riechen. Muss sich nach jedem Stuhlgang hinlegen. Analprolaps, schlimmer, nachdem man ein paar Minuten gegangen ist, nur besser beim Waschen des ganzen Körpers mit kaltem Wasser.
HarnwegeSchneidender Schmerz in den Nieren. Harnverhaltung in der Blase, nach körperlicher Überanstrengung, nach Entbindung. Unwillkürliches Harntröpfeln, mit stetem Harndrängen. Muss lange stehen, bevor Urin abgeht. Gefühl, die Blase sei voll und wund; Druck des Harns tut weh.
Männliche GenitalienImpotenz nach übermäßiger sexueller Betätigung oder Masturbation. Phimose durch Reibung. Ejaculatio praecox bei „verliebter Umarmung“. Hämatozele.
Weibliche GenitalienNachwehen, beim Stillen wiederkehrend. „Angegriffenheit und Verletzung der Teile nach schwerer Niederkunft.“ Gefühl, als läge der Fetus quer. Kann die Fetusbewegungen nicht ertragen; sie rufen Übelkeit und Erbrechen hervor. Blutungen nach Koitus. Wundheit der Brustwarzen [beim Stillen]. Mastitis. Drohende Fehlgeburt nach einem Sturz usw. Wehen schwach, auch ganz aufhörend. Monatsblutung: zu früh, heiß, stark. Wie zerschlagen am ganzen Körper, während der Schwangerschaft. Mammatumoren nach Verletzung. Kindbettfieber.
AtemwegeHeiserkeit; schlimmer durch Anstrengung, Erkältung oder Nasswerden. Heiserkeit von übermäßigem Gebrauch der Stimme. Hustet im Schlaf, ohne zu erwachen. Husten erregt durch Gähnen, Weinen oder Wimmern. Kind schreit vor einem Keuchhustenanfall [als hätte es Angst vor den damit verbundenen Schmerzen]. Vom Husten blutunterlaufene Augen oder Nasenbluten. Kardial bedingter Husten. Kindern bleibt die Luft weg, wenn sie zornig werden. Atemnot, mit Blutspucken. Heftiger krampfhafter Husten, bei Herpes facialis. Alle Gelenke und Zusammenfügungen der zur Brust gehörigen Knochen und Knorpel schmerzen wie zerschlagen, schlimmer bei Bewegung, Atmen, Husten. Schwere des unteren Teils der Brust. Stechende Schmerzen in der Brust, die den Atem nehmen; besser durch Druck.
HerzHerzschläge erschüttern den ganzen Körper. Plötzlicher Schmerz, als würde das Herz zusammengedrückt oder als bekäme es einen Stoß; der Schmerz (bei Angina pectoris) wird im linken Ellbogen empfunden. Überanstrengung des Herzens durch angestrengtes Rennen. Kardiales Ödem. Herzhypertrophie. Fettige Degeneration des Herzens. Geschwächter Herzmuskel. Stiche im Herzen; von der linken zur rechten Seite. Puls schwach und unregelmäßig. Furcht vor sofortigem113

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Bei Phatak „ständigem“, was ein offensichtlicher Irrtum ist; gemeint ist „instant“, nicht „constant“.

Tod, bei nächtlichen Herzbeschwerden. Herzklopfen nach jeder Anstrengung.
Äußerer Hals und RückenHalsmuskeln schwach, Kopf sinkt leicht nach hinten oder auf alle Seiten. Zerschlagenheitsschmerz im Rücken. Halswirbel berührungsempfindlich.
ExtremitätenGliedmaßen schmerzen wie zerschlagen. Schmerzen in den Armen, besser, wenn man die Hände herunterhängen lässt. Kraftlosigkeit der Hände beim Zugreifen. Krämpfe in den Fingern – Schreibkrampf. Aufgetriebene Venen der Hände. Kann nicht aufrecht gehen, wegen Quetschungsgefühl wie wund in der Beckenregion. Hygroma praepatellare. Gicht. Knie knicken plötzlich ein, beim Stehen. Füße wie taub, empfindungslos.
HautDunkelrot, fleckig. Jede geringfügige Verletzung macht blaue Flecken. Sehr schmerzhafte Akne, oder Gruppen kleiner Furunkel. Symmetrisch verteilte Hautausschläge. Petechien. Erysipel. Dekubitus. Kitzeln und Jucken, das von Ort zu Ort wandert; nach Kratzen fängt das Jucken anderswo an. Karbunkel; am Oberschenkel.
SchlafKomatöse Schläfrigkeit; schläft während des Antwortens ein. Träume: vom Tod, von verstümmelten Körpern [„geschundenen Menschen“], ängstliche und schreckhafte Träume, erwacht voller Schrecken, kann dann nicht mehr einschlafen. Übermüdung erregt Unruhe und Schlaflosigkeit.
FieberFrostig, mit Hitze und Röte einer Wange. Nur Kopf oder Gesicht heiß, übriger Körper kalt. Kälteempfindung auf der Seite, auf dem man liegt. Durst beim Fieberfrost. Muss sich aufdecken [vor Hitze], friert aber danach. Intermittens, typhöse Fieber, septische Fieber, Wundfieber.
KomplementärAconitum; Calcarea carbonica; Natrium sulfuricum; Psorinum; Rhus toxicodendron; Sulfuricum acidum.

  • Arnika, „Wohlverleih“ (Hahnemann), „Fallkraut“. Benutzt wird der Wurzelstock.

  • Wichtigste Prüfung bei Hahnemann, Reine Arzneimittellehre, Band 1; ein Symptom stammt aus einer Prüfung von Jörg (Materialien zu einer künftigen Arzneimittellehre).

Arsenicum album
AllgemeinesEin sehr tief wirkendes Mittel, das jedes Organ und Gewebe angreift. In psychischer Hinsicht ist der Patient äußerst nervös, unruhig und ängstlich. Die Absonderungen der Schleimhäute sind scharf, beißend, dünnflüssig und spärlich: Nasenschleim, auch Speichel, Schweiß usw. Das Blut wird geschädigt, und es kommt zu perniziöser Anämie und schweren Sepsis-ähnlichen Zuständen. Schwarze, übel riechende Blutungen. Schwäche und Abmagerung, die schnell voranschreiten. [Oder auch:] Allmählicher Gewichtsverlust. Die Erschöpfung scheint unverhältnismäßig viel stärker als die anderen Krankheitsäußerungen. Plötzlich auftretende, intensive Zeichen; plötzliche große Schwäche bei geringfügigen sonstigen Beschwerden. Schmerzen treiben zum Wahnsinn; Brennen wie Feuer, wie von glühenden Nadeln oder glühenden Drähten; gelindert durch Wärme. Die Schmerzen werden sogar im Schlaf empfunden; wecken den Patienten auf. Schmerzen bringen auch Kurzatmigkeit oder Schauder bzw. Schüttelfrost mit sich. Lokalitäten der Schmerzen wechseln zwischen Kopf und Magen bzw. Kopf und übrigem Körper. Wirkt auf die Nerven. Lange bestehende Neuralgien und Polyneuritis, besser durch Wärme. Öfter Ohnmachten. Zittern, Rucke, Krämpfe, veitstanzartige Zuckungen. Sehr unruhig; Unruhe sogar des leidenden Teils; selbst Stupor ist unterbrochen von Anfällen von Ruhelosigkeit, mit ängstlichem Wimmern. Herabgesetzte Vitalität. Faulige, aashafte Gerüche. Lähmungen. Destruktive Prozesse: Karbunkel, Gangrän, Krebs; Bösartigkeit. Wassersucht; blasse, aufgedunsene, sackartig herabhängende Schwellungen. Milzhypertrophie bei Malaria, bei Kala-Azar. Dem Kind geht es besser, wenn es schnell herumgetragen wird. Üble Folgen: von Eisessen; Mangelernährung; Obst, besonders wässrigem [etwa Melonen]; Tabak; Chinin; Baden im Meer, Reisen, Bergsteigen; Sorge, Kummer, Schreck; Ptomain-Vergiftungen, Sektionsverletzungen. Ein Prophylaktikum gegen Gelbfieber. Akute und chronische Verbrennungen. Epilepsie; wird plötzlich bewusstlos, mit Konvulsionen und Ruhelosigkeit; nach der Krampfattacke Schläfrigkeit.
SchlimmerPeriodisch: um Mitternacht; nach Mitternacht; nach 2 Uhr morgens; alle 14 Tage; jährlich. Kälte: Eis, kalte Getränke; kaltes Essen; kalte Luft; nasskalt. Gemüse [vegetarische Diät]. Saftiges Obst. Trinken. Alkoholabusus. Infektionen. Verdorbenes Fleisch, verdorbenes Essen. Nicht herauskommende oder unterdrückte Hautausschläge. Chinin-Abusus. Liegen auf dem leidenden Teil. Körperliche Anstrengung. Tabak, besonders Tabakkauen. Meeresküste.
BesserWärme: heiße (trockene) Anwendungen; warmes Essen; heiße Getränke; warmes Einhüllen. Bewegung114

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Vgl. aber die ausgeprägte Verschlimmerung durch körperliche Anstrengung.

; Umhergehen. Liegen, mit hoch gelagertem Kopf. Aufrechtsitzen. Gesellschaft. Schwitzen. Im Freien.
Geist und GemütÜberempfindlich. Ängstlich. Pingelig. „Kann nicht aufhören, über die Fehler anderer zu reden.“ [Tadelt alles.] Äußerst anspruchsvoll. Empfindlich gegen Unordnung [erträgt es nicht, wenn auch nur ein Bild nicht ganz gerade hängt]. Qualvolle Angst; verzweifelt an der Genesung. Quälende Todesangst, dennoch lebensüberdrüssig; schlimmer nachts. Furcht: Hungers zu sterben; vor finanziellen Verlusten. Gewalttätig; quält sich selbst, zieht sich an den Haaren, beißt sich auf die Nägel, reißt am eigenen Körper herum. Suizidneigung; Impulse zur Selbsttötung, suizidale Wahnzustände. Ruhelos, wechselt ständig den Ort, will aus einem Bett ins andere, will bald hier, bald dort liegen; Kinder sind launisch, wollen getragen werden, wollen vom Vater zur Mutter, von der Mutter zur Kinderfrau usw. Melancholie. Sieht Würmer und Käfer auf seinem Bett herumlaufen; wirft ganze Hände voll hinaus. Argwöhnisch. Furcht vor allein Sein, bittet die Seinen, ihn nicht aus den Augen zu lassen, damit er sich nicht ein Leid antue. Fürchtet, jemanden umgebracht zu haben. [Fürchtet von sich selbst, er möchte sich nicht enthalten können, jemanden ums Leben zu bringen.] Geizig, boshaft, selbstsüchtig. Mutlos. Reizbar; mehr und mehr. Delirium tremens. Kindisches Benehmen im Alter. Fixe Ideen, Halluzinationen. Bildet sich ein, das Haus wäre voller Diebe; springt aus dem Bett und versteckt sich. Gehetzt. Sieht Tag und Nacht Gespenster. Ächzen, Klagen und Weinen, während der Menses. Ihr Verlangen ist stärker als ihr Bedürfnis [sie isst und trinkt mehr, als ihr gut ist; sie geht weiter, als sie braucht und vertragen kann]. Scheut sich, Bekannten zu begegnen, weil er meint, sie beleidigt zu haben.
KopfKongestives Kopfweh, besser durch Kälte [aber fast alle anderen Beschwerden schlimmer durch Kälte]. Kopf unruhig, in ständiger Bewegung. Schmerz über dem linken Auge. Hemikranie, mit Gefühl von Eiseskälte in der Kopfhaut. Schwindel: mit Verlust der Besinnung; während eines Hustenanfalls, bei Asthmatikern, oder vor einem epileptischen Anfall. Kopfhaut sehr empfindlich; kann sich nicht die Haare bürsten. Frühzeitiges Grauwerden; Haarausfall [auch Alopecia areata]. Schuppen in den Haaren. Chronische Hautausschläge am Kopf, eitergefüllte Effloreszenzen. Schmerz wechselt zwischen Kopf und Magen: bzw. Kopf und übrigem Körper; Schmerzen schlimmer, wenn andere ihn anreden. Geht mit zurückgeworfenem Kopf.
AugenIn die Höhlen gesunken oder hervortretend. Brennen in den Augen, mit scharfem Tränenfluss. Ödem um die Augen herum. Augenlider ödematös geschwollen. Starke Photophobie. Lidkrämpfe. Alles erscheint grün; oder sieht wie durch einen weißen Flor. Bindehaut: injiziert; gelb. Lider rot und ulzeriert [auf der Innenseite]. Trachom. Skrofulöse Ophthalmie [Keratoconjunctivitis phlyctaenularis]. Ausfallen der Wimpern.
OhrenDünnflüssige, übel riechende, wund machende Absonderung. Sausen in den Ohren, bei jedem Anfall der Schmerzen. Schwerhörigkeit, [aber nur] für die menschliche Stimme. [Er versteht die Menschen nicht, was sie reden.]
NaseDünnflüssige, wässrige, wund machende Absonderung. Niesen, mit beißendem, wässrigem Nasenschleim. Niesen, ohne Erleichterung. Gefühl verstopfter Nase, bei Fließschnupfen. [Nase scheint verstopft, gleichzeitig läuft sie aber.] Erkältungen wandern von der Nase in die Brust herab. Atemnot, die in der Nase empfunden wird [Gefühl wie verstopft]. Fieberbläschen, Geschwürchen; in der Nase. Knollige Geschwulst in der Nase. Erträgt Essensgeruch nicht, nicht einmal den Anblick von Speisen. Heuschnupfen. Nase spitz. Akne an der Nase. [„Nasenkupfer“, Rosacea.] Nasenbluten, nach einem leidenschaftlichen Ausbruch [„bei Ärgerlichkeit“] oder nach Erbrechen.
GesichtBlass; ängstlich, eingefallen, hager; verzerrt; hippokratisch, mit kaltem Schweiß bedeckt. Greisenantlitz; bei Kindern. Ödematöse Schwellungen des Gesichts. Brennend stechende Schmerzen wie von rot glühenden Nadeln. Lippen: schwarz; bläulich. Ausschläge auf den Lippen. Lippenkrebs [Epitheliom]. Akne im Gesicht; schwarze Pünktchen.
MundZunge: trocken, sauber, rot; bläulich; weiß; gelblich weiß belegt; braun oder schwärzlich. Zungenrand auffallend rot, mit Zahneindrücken. Brennender Schmerz in der Zunge. Zunge zittert; ist steif [wie ein Stück Holz]. Schwellung um die Zungenwurzel. Neuralgien der Zähne: mit Verlängerungsgefühl derselben; besser durch Wärme, schlimmer nachts. Geschwollenes, blutendes Zahnfleisch, auf Berührung schmerzhaft. Zähneknirschen im Schlaf. Beißt beim Trinken in den Rand des Glases [kann den Mund nur schwer und wenig öffnen]. Trockenheit des Mundes. Aphthen im Mund. Foetor ex ore. Heraufrülpsen brennender Flüssigkeit. Mundgeschmack: Wasser schmeckt bitter; bitterlicher Geschmack nach Essen und Trinken; sauer; faulig; salzig; süß [oder bitter] am Morgen. Blutiger Speichel. Sprache hastig und lispelnd.
HalsÖdematös geschwollen, zugeschnürt, brennend, kann nicht schlucken. Alles Verschluckte drückt in der Speiseröhre, als wäre es da stecken geblieben.
MagenKann Anblick, Geruch oder selbst Denken an Essen nicht ertragen. Starker, unlöschbarer, brennender Durst; trinkt wenig auf einmal, aber oft; verlangt nach eiskaltem Wasser, das jedoch den Magen verstimmt und augenblicklich wieder erbrochen wird. Trinkt wenig und oft, isst selten und viel. Appetitlosigkeit: mit Durst; mit Übelkeit. Übelkeit, Würgen, Erbrechen; nach [fast jedem] Essen und Trinken. Große Ängstlichkeit, in der Magengrube empfunden. Brennender Schmerz im Magen, besser durch süße Milch. Sodbrennen, Heraufrülpsen brennender Flüssigkeit. Erbrechen und Abführen [gleichzeitig]. Schluckauf: häufig; mit Aufstoßen. „Langdauerndes Schlucksen, in der Stunde, wo das Fieber kommen sollte.“115

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So bei Hahnemann, Chronische Krankheiten. Vgl. auch folgendes Symptom Hahnemanns: „Fieber, wenn er aus der freien Luft in die Stube kommt: erst Frost, dann langdauerndes Schlucksen, dann allgemeiner Schweiß, dann wieder Schlucksen.“ Das „Schlucksen“ (= Singultus) tritt also entweder zu der Stunde ein, zu der sonst ein Fieberanfall erwartet wird, oder es nimmt in der Abfolge der (Wechsel-)Fieberstadien (Frost-Fieberhitze-Schweiß) den Ort der Fieberhitze ein.

Abneigung gegen Süßes, Butter, Fett, Fleisch. Verlangen nach Saurem, Branntwein, Kaffee, Milch. Gastritis. Schwarzes Erbrechen. Übelkeitsgefühl, „Weichlichkeit“, „Wabblichkeit“. Magenschmerzen vom geringsten Essen oder Trinken.
AbdomenVerhärtung und Vergrößerung von Milz und Leber. Heftige Schmerzen im Leib, mit so großer Angst, dass er nirgends Ruhe hat, sich auf der Erde herumwälzt und die Hoffnung zu leben aufgibt. Oberbauch berührungsempfindlich, wie wund schmerzend. Stühle: Reiswasserstühle; faulig; klein; unwillkürlich; scharf, brennend, schwarz; Schleimstühle; Stühle mit unverdauten Nahrungsbestandteilen. Durchfall schlimmer nach kaltem Trinken; mit großer Erschöpfung. Dysenterie und Cholera, choleraartige Sommerdiarrhö bei Kindern. Geschwür über dem Nabel. After: rot und wund, brennend. Akuter Mastdarmvorfall. Prolabierende Hämorrhoiden, mit Brennschmerz, der durch Wärmeanwendung gelindert wird. Jucken und ekzemartige Hautausschläge um den After. Peritonitis. Aszites.
HarnwegeUrin: spärlich, brennend; unwillkürlich. Schwächegefühl im Oberbauch, [dass sie zitterte], nach Wasserlassen. Austreibungsschwäche der Blase, bei alten Leuten. Urämie. Albuminurie. Diabetes. Harnverhaltung, wie von Blasenlähmung; nach Entbindung. Dysurie. Harn dunkel, wie Kuhmist in Wasser aufgerührt.
Männliche GenitalienHodensack ödematös. Abgang von Prostatasekret116

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Phatak hat „emission“, Abgang; gemeint ist aber keine Pollution, sondern eben Abgang von Prostatasekret (Hahnemann, Chronische Krankheiten).

bei durchfälligen Stühlen. Rosenartige Entzündung des Skrotums. Syphilitische Geschwüre; mit Brennen und Stechen.
Weibliche GenitalienReichlicher beißender, gelblicher, dicklicher Ausfluss; Schlimmer: beim Stehen, unter Abgang von Winden. Uteruskarzinom. Brennen in der Ovarialregion. Drückend stechender Schmerz in der Ovarialregion, in den Oberschenkel ziehend, der wie taub und lahm ist; schlimmer bei Bewegung, beim Beugen [und gebückt Sitzen]. Allzu großer Blutverlust bei der Regel; schwarzes Blut. Brennen in den Brüsten, besser durch Bewegung. Gesteigertes sexuelles Begehren während der Menstruation. Regelblutung ausbleibend, bei schwachen, müden, sorgengeplagten Frauen. Stechen vom Mastdarm [bis in den After und die Scham] während der Menses. Dysmenorrhö, besser durch Wärme.
AtemwegeKurzatmigkeit; kann nicht liegen, muss sich aufsetzen; schlimmer durch Gerüche, Lachen, Steigen, Umdrehen im Bett oder wenn Hautausschläge zurücktreten; besser durch Trinken von Kaffee oder Zuckerwasser. Pfeifende, giemende Atmung. Asthma, besonders stark bei Erkältung mitten im Sommer. Große Atemnot: in der Nase empfunden [Verstopfungsgefühl]; Gesicht zyanotisch, mit kaltem Schweiß bedeckt, große Angst. Husten abwechselnd trocken und locker; trockener Husten nachts, besser beim Aufsetzen; Schlimmer: durch Trinken. Husten, erregt durch Rauchen; durch Empfindung wie von Schwefeldampf im Kehlkopf. Auswurf von wenigem, schaumigem Schleim. Aphonie. Emphysem. Lungenödem. Brennen oder Frieren in der Brust. Husten mit blutigen Sputa. Hämoptysis mit brennender Hitze über den ganzen Körper oder mit Schmerz zwischen den Schulterblättern; bei Säufern; bei ausbleibender Regel. Gangrän der Lungen. Schießender Schmerz durch das obere Drittel der rechten Lunge. Gelbe Flecken äußerlich auf der Brust.
HerzSchwach, zitternd. Herzklopfen, mit qualvoller Angst; schlimmer in Rückenlage, beim Treppensteigen; aus geringfügigen Anlässen. Herzklopfen mit zittriger Schwäche, nach dem Stuhlgang. Hörbarer und sichtbarer Herzschlag. [Herzklopfen, dass er es zu hören glaubt.] Angina pectoris. Herzschmerzen ziehen in Nacken und Hinterkopf, mit Angst, schwierigem Atmen, Ohnmachtsanwandlungen. Puls morgens beschleunigt, [abends langsam]. Hydroperikard.
Äußerer Hals und RückenSteifheit des Rückens, vom Steißbein aufwärts bis zum Genick. Kaltes Überrieseln am Rücken. Empfindung, als ob warme Luft das Rückgrat hinauf in den Kopf strömte [epileptische Aura]. Zerschlagenheitsschmerz im Kreuz. Kraftlosigkeit im Kreuz.
ExtremitätenZucken, Zittern, heftiges Zusammenfahren, im Schlaf. Ziehender Schmerz vom Ellbogen bis in die Achsel. Mattigkeit der Glieder. Gliedmaßen schwer. Zittern der Hände; der Glieder. Kribbeln in den Fingern. Finger können nicht gestreckt werden. Zehen biegen sich nach unten. Nägel: blau; missfarbig. Geschwüre auf den Fingerspitzen, mit brennendem Schmerz. Geschwüre auf den Fußsohlen und Zehen. Füße: schwach, müde und taub; ödematös geschwollen. Gefühl wie hölzern in den Fußsohlen [sie spüren den Boden nicht]. Zehenballen wie wund gerieben schmerzend, beim Gehen. Unruhe in den Beinen, muss die Füße bald da, bald dorthin legen oder umhergehen. Periphere Neuritis. Ischialgie, besser durch Gehen und Wärmeanwendung. Wadenkrämpfe. Paraplegie, mit Muskelatrophie. Lähmung, mit Kontrakturen der Gliedmaßen.
HautTrocken, rau, schuppig; schmutzig aussehend; faltig, verschrumpelt. Sieht aus wie versengt. Haut trocken wie Pergament. Ekzem. Spitzige Hautausschläge [Knötchen, Bückelchen, Pusteln]. Pickel, Bläschen, heftig brennend. Haut schält sich in großen Schuppen ab. Schuppenflechte. Nesselsucht, schlimmer nach Genuss von Schalentieren. Geschwüre: chronisch, mit Brennen, mit schneidendem Schmerz und blutiger Absonderung. Gangrän. Phagedaena. Karbunkel. Hautsymptome im Wechsel mit innerlichen Symptomen. Flecken auf der Haut: blau; schwarz; weiß.
SchlafGestört, ängstlich, ruhelos. [Zucken wie] erschütternde Stöße beim Einschlafen. Träume: vom Tod; sorgenvoll, bekümmernd und fürchterlich. Schläft mit den Händen über dem Kopf. Gähnen, mit Dehnen der Glieder. Schlafkrankheit. Redet im Schlaf. Erwacht vor Schmerzen.
FieberÄußerlich kalt, innerlich „brennende Glut“. Kälte an einzelnen Stellen. Kälteempfindlich, aber besser im Freien. Unregelmäßige Fieberfröste, Schüttelfröste; verlangt nach heißen Getränken während des Fieberfrosts; Frost mit Atemnot. Hitzegefühl wie von heißem Wasser in den Adern, oder sie brennen wie Feuerbänder; Gefühl, als strömte das Blut kochendheiß durch die Adern. Oder: eiskalte Wellen in den Blutgefäßen. Hohes Fieber; Febris hectica. Schweiß, mit großem Durst, Atemnot oder Erschöpfung. Kalter Schweiß. Intermittens, Gelbfieber.
KomplementärAllium sativum; Carbo vegetabilis; Lachesis; Natrium sulfuricum; Phosphorus; Pulsatilla; Sulfur; Thuja.
VerwandtSulfuricum acidum; Veratrum album.

  • Weißes Arsenik, Arsentrioxid, Anhydrid der arsenigen Säure, As2O3.

  • Von Arsenik gibt es natürlich eine große Zahl von Prüfungssymptomen, Vergiftungsberichten und klinischen Erfahrungen. Bei weitem am wichtigsten sind jedoch Hahnemanns Sammlung in den Chronischen Krankheiten, Band 5 (!), sowie Roths Sammlung von Vergiftungssymptomen, HVJ, Band 12.

Arsenicum iodatum
AllgemeinesAn diese Arznei sollte man denken, wenn die Sekrete der Schleimhäute dauerhaft scharf und reichlich sind; bei chronischen Affektionen dick, klebrig und honiggelb, bei akuten Krankheiten dagegen dünnflüssig. Die Sekrete erzeugen Brennen der Teile, über die sie laufen [sowie derer, von denen sie abgesondert werden]. Die Symptome ähneln sehr denjenigen, die im Frühstadium der Tuberkulose auftreten, wenn die Temperatur nachmittags ansteigt. Bei chronischen Entzündungen von Lungen und Bronchien ist der Auswurf grünlich gelb, eiterartig, mit Kurzatmigkeit verbunden; dabei bestehen tiefe Erschöpfung, Abmagerung, remittierende, wiederkehrende Fieber und Schweiße und eine Neigung zum Durchfall. Eine Arznei beim Altersherz, bei Myokarditis, bei fettiger Degeneration des Herzens. Herzschwäche infolge chronischer Lungenerkrankungen. Schwereempfindungen in vielen Körperteilen. Tumoren in den Achselhöhlen. Reizbare Schwäche und Erschöpfung.
SchlimmerWetter: trocken; kalt; windig; neblig. Anstrengung. Im Zimmer. Äpfel. Tabakrauch.
BesserIm Freien.
Geist und GemütUnfähig zu lernen, der Versuch führt zu Kopfschmerzen.
KopfSchwindel mit zittrigem Gefühl, besonders bei alten Leuten. Dumpfes, schweres Kopfweh, quer über die Stirn oder am Hinterkopf. Schmerz über der Nasenwurzel, als sollte man dumm werden. Kopfschmerzen vom Lernen.
AugenSchweregefühl der Augäpfel.
OhrenFauliger Ohrenfluss. Verdickung des Trommelfells. Hypertrophie der Eustachischen Röhre; Taubheit aus diesem Grund.
NaseHerauströpfeln von Flüssigkeit, die heiß, grün und scharf ist und die Oberlippe rötet. Hartnäckiges, aber unbefriedigendes Niesen. Kribbeln in der Nase und ständiges Verlangen, sich zu schneuzen. Schnupfen mit Atemnot. Retronasaler Katarrh. Heuschnupfen. Influenza. Erkältungen, mit Hungergefühl.
GesichtDumpfer Schmerz im Jochbein. Lippenkrebs.
HalsWie roh, brennend; geschwollene Tonsillen. Chronische granuläre Pharyngitis. Struma.
MagenStarker Durst, mit Verlangen nach kaltem Wasser, das sofort wieder erbrochen wird. Erbrechen eine Stunde nach dem Essen. Unangenehmes Übelkeitsgefühl.
AbdomenDurchfall und Ruhr; Stühle brennend heiß, ‚verbrühend‘; glasig-weiß. Vergrößerte mesenteriale Lymphknoten. Schmerzhafte Schwellung in der rechten Leiste, die sich bis ins Bein erstreckt.
Weibliche GenitalienKnoten in den Brüsten, schmerzhafter bei Berührung. Mamillen eingezogen. Atrophie der Mammae. Fauliger, blutiger, gelber, reizender Ausfluss, mit Schwellung der Schamlippen.
AtemwegeKurzatmig; Lufthunger. Hüsteln, Reizhusten. Auswurf gelbgrün, faulig. Asthma, bei Schwindsüchtigen. Lungenentzündung, die nicht ausheilen will. Pleuritis tuberculosa. Brennende Hitze in der Brust. Heiserkeit. Aphonie.
HerzSchwach, reizbar. Puls beschleunigt, reizbar.
Äußerer Hals und RückenBrennende Hitze in der Lumbalregion, als ob die Kleider Feuer gefangen hätten.
ExtremitätenSchmerz im Humerus, schlimmer durch Schreiben. Kleider fühlen sich kalt an [am linken Bein, mit Kribbeln und Schweregefühl]; besser durch Gehen.
HautTrocken, rau, dunkelrot. Schuppenflechte. Ichthyosis. Ausgeprägte Abschälung der Haut in großen Schuppen, darunter kommt eine nässende Oberfläche zum Vorschein. Akne, harte und runde Effloreszenzen, wie Schrotkörner. Venerische Bubonen. Ekzem im Bartbereich, schlimmer durch Waschen.
FieberRückfallfieber, rekurrierende Schweiße. Durchnässende Nachtschweiße, mit Schwäche. Frostig, verträgt keine Kälte.
KomplementärKali iodatum.
VerwandtKali bichromicum.

  • Arsentrijodid, AsJ3.

  • Zwei kurze Prüfungen (siehe AE, Band 1 und Hale, New Remedies); der Großteil der Indikationen ist jedoch entweder aus den beiden Komponenten Arsenik und Jod abgeleitet oder entspringt klinischen Erfahrungen.

Arsenicum sulfuratum flavum
AllgemeinesAuf Leukoderma soll diese Arznei einen vorteilhaften Einfluss ausüben. Besserung durch Dampf, durch heißes Wasser.

  • „Operment“, Auripigmentum; Arsentrisulfid, As2S3.

  • Diese Arznei wird (mit einigen Symptomen von Langhammer) in Hahnemanns Reiner Arzneimittellehre, Band 2, im Anschluss an Arsenicum album erwähnt; die Indikation ist jedoch klinischen Ursprungs.

Artemisia vulgaris
AllgemeinesSpielt eine wichtige Rolle bei Krampfleiden von Kindern und von pubertierenden Mädchen. Epilepsie: ohne Aura; nach Schreck oder Kummer; nach einem Schlag auf den Kopf; im Zusammenhang mit Anomalien der Menstruation. [Am Tag] vor dem Anfall ist der Patient reizbar und erregt. Krampfattacken begleitet oder gefolgt von starken, übel riechenden, nach Knoblauch stinkenden Schweißen; auch von Pollutionen. Petit mal. Bleibt auf der Straße plötzlich stehen, starrt ins Leere, murmelt oft auch ein paar Worte; wird dann wieder normal und kann sich an nichts erinnern. Somnambulismus. Steht nachts auf und tut ihre gewöhnliche Arbeit, legt sich dann wieder hin, weiß aber am Morgen nichts mehr davon. Chorea, mit Unfähigkeit zu schlucken. Rechte Körperseite von Krämpfen befallen, linke paralysiert. Farbiges Licht [z. B. durch gefärbte Scheiben einfallendes Licht] löst Schwindel aus [weißes dagegen nicht]. Neigung zum Stehlen.117

117

Bei einem 13-jährigen Jungen, der nach einer Ohrfeige epileptische Anfälle von zunehmender Häufigkeit bekommen hatte. „Es entwickelte sich dabei ein wahrer Diebessinn; später schien die Verstandeskraft immer mehr zu erlöschen und damit verschwand auch die Sucht zum Stehlen“ (Franks Magazin 2:633; Wagner). Artemisia besserte freilich nur vorübergehend, nach 8 Wochen traten wieder epileptische Symptome auf.

  • Der Gemeine Beifuß; benutzt wird die Wurzel.

  • Soweit erkennbar, ein ungeprüftes Mittel. Meist wird für die Indikationen auf Band 1 von Noack/Trinks/Müllers Handbuch der reinen Arzneimittellehre Bezug genommen. Dort sind einige Wirkungen „auf den tierischen Organismus“ zusammengestellt, womit jedoch offensichtlich Wirkungen bei der therapeutischen Anwendung (also an kranken Menschen) gemeint sind. Einige Fälle werden zitiert in Franks Magazin, Band 1 und 2.

Arum triphyllum
AllgemeinesEin Irritans, das Erregung des Gemüts und Reizung des Körpers hervorbringt. Die Schleimhäute von Mund, Hals und Kehlkopf werden vorzugsweise angegriffen. Die Sekrete sind scharf und erregen schmerzende Rohheit, wie wund, oder Brennen der entsprechenden Teile. Schleimhäute wie roh, verbunden mit Jucken. Zuckend schießender Schmerz. Kinder verlieren den Appetit, wollen nicht spielen, nehmen ab; bekommen Kopfschmerzen.
SchlimmerÜbermäßiger Gebrauch der Stimme: Sprechen, Singen. Nasskalt; kalter Wind. Hitze. Liegen.
GemütAußerordentlich gereizt und starrköpfig. Nervös. Bohrt dauernd in der Nase, oder zupft an den Lippen, den Fingerspitzen oder sonst einer Körperstelle herum, bis diese wund wird oder blutet; besonders bei Kindern.
KopfBohrt den Kopf ins Kissen. Kind legt die Hand an den Hinterkopf und schreit, während des Kopfwehs. Kopfschmerzen schlimmer durch warme Kleidung und heißen Kaffee.
AugenZittern des (linken) Oberlids. Augen schwer, schläfrig.
NaseScharfer, ätzender Fließschnupfen. Verstopfte Nase, muss durch den Mund atmen. Verstopfte Nase mit stinkendem Sekret; Niesen, schlimmer nachts.
GesichtLippen: trocken, geschwollen, brennend, aufgesprungen; Mundwinkel wund.
MundRohheitsgefühl an Zungenwurzel118

118

Bei Phatak: „roof“, also harter Gaumen (roof of mouth), offenbar von Boericke übernommen. Die Prüfungen (Jeanes) geben aber „root of tongue“, Zungenwurzel.

und Gaumen. Mundhöhle schmerzhaft, wie roh, wund, entzündet. Aphthen. Speichel reichlich und scharf. Zunge aufgesprungen, blutig; Erdbeerzunge.
HalsWie roh, wund, tut weh beim Räuspern oder Husten. Fasst sich trotz Berührungsempfindlichkeit an den Hals, möchte schmerzende Stellen kratzen.119

119

Vgl. allgemeiner Hering, Guiding Symptoms: „Kinder zupfen und bohren oft an wunden Oberflächen, obwohl das ihnen Schmerzen bereitet; sie schreien dabei, und doch hören sie mit dem Bohren nicht auf.“

Schwellung von Drüsen und Lymphknoten, am inneren und äußeren Hals.
AbdomenDurchfall. Stühle wie Brei aus Maismehl aussehend. Dünne Stühle, die dem After entschlüpfen und die Teile ständig in einem rohen, wunden, brennenden Zustand halten.
HarnwegeSehr spärliche Urinausscheidung. Urämie.
AtemwegeStimme heiser, überschnappend oder brechend. ‚Predigerhals‘, Heiserkeit der Kanzelredner. Rohheitsgefühl in der Brust. Asthma durch Pollenallergie.
HautJucken von Fingern und Zehen. Hautausschläge, die glänzende rote Flecke hinterlassen. Pemphigus. Impetigo contagiosa.
KomplementärNitri acidum.
VerwandtArsenicum; Mercurius corrosivus.

  • Der Dreiblättrige Aronstab (Araceae); verwendet wird der Wurzelstock.

  • Einige Prüfungen, bei AE und Hale (New Remedies) zu finden. Klinische Erfahrungen und Hinweise besonders von Lippe.

Asa foetida
AllgemeinesHysterische und hypochondrische Manifestationen werden von dieser Arznei abgedeckt. Obwohl der Patient füllig, plethorisch und untersetzt aussieht, ist er doch unerträglich nervös und überempfindlich. Im Verdauungstrakt erzeugt die Arznei Blähungen und krampfhafte Kontraktionen des Magens und der Speiseröhre, wie von umgekehrter Peristaltik: alles strebt nach oben, nichts geht nach unten. Greift Knochen und Periost an; vorteilhafte Wirkung bei Knochenfraß und tiefen Ulzerationen der Knochen. Attacken harten und heftigen Klopfens. Schmerzen sind drückend oder scharf stechend; gehen von innen nach außen; mit Taubheitsgefühl verbunden; wechseln den Ort, werden durch Berührung gelindert. Wehtun und Bohren in den Knochen. Rückfallneigung. Blaufärbung. Faulige, [sehr übel riechende], dünnflüssige, scharfe Absonderungen. Fistelöffnungen, mit fauligem Eiter. Empfindungen wie von einem [z. B. ins Gehirn] hineingetriebenen Nagel oder Pflock. Zucken und „Fippern“ von Muskeln. Wellenförmiges Zucken in Muskeln. Drüsen bzw. Lymphknoten am ganzen Körper heiß, pochend; zuckende und schießende Schmerzen. Unbeholfene, schwerfällige Kinder. Fettleibigkeit. Linksseitige Symptome. Üble Folgen von unterdrückten Hautausschlägen und Absonderungen. Stumpfneuralgie nach Amputation. Nervöse Störungen infolge unterdrückter Hautausschläge.
SchlimmerNachts. Im Zimmer. Ruhe. Essen. Unterdrückung [Hautausschläge, Absonderungen]. Quecksilber-Abusus. Geräusch. Sitzen. Warmes Einhüllen.
BesserBewegung im Freien. Druck; Berührung. Kratzen.
GemütUnbeständig, kann bei keinem Vorsatz ausharren; will bald dies, bald jenes, geht hin und her. Übertreibt ihre Symptome. Verlangt nach Mitgefühl. „Stete Selbstunzufriedenheit mit Klagen über seine Beschwerden.“ Hysterie, nach plötzlichem Aufhören von Absonderungen. Fällt während der Kolikschmerzen in Ohnmacht. Ein Prüfer fiel in Ohnmacht, als er daran dachte, dass er die Droge eingenommen hatte. Ohnmachten: fast ohne jeden Anlass; in engen Räumen; von Aufregung oder Störung; nach einer Pollution. Hysterie mit vielen Beschwerden im Bereich von Hals und Ösophagus; greift sich an den Hals. Stimmungswechsel; Anfälle großer Freudigkeit, mit Ausbrechen in lautes Lachen.
KopfSchmerzen in der Okzipitalregion, besser nach Stuhlgang.
AugenPochende Schmerzen in den und um die Augen, schlimmer nachts. Orbitalneuralgie, besser durch äußeren Druck und Ruhe. Taubheitsempfindung um das Auge; Ulzerationen der Hornhaut. [Trockene Augen], Lider verkleben mit den Augäpfeln. Syphilitische Iritis.
OhrenÜbel riechende, eitrige Otorrhö, mit Schwerhörigkeit. Schmerz im Processus mastoideus mit Gefühl, als drängte etwas heraus.
NaseÜbel riechende Absonderung aus der Nase. Ozaena. Karies des Nasenbeins. Spannen über dem Nasenbein, mit Taubheitsempfindung.
GesichtAufgedunsen, purpurrot, wie erhitzt. Kleine Knötchen in den Wangen. Anschwellung der Unterlippe. Taubheitsempfindung in bzw. über den Gesichtsknochen.
MundRanzig-fettiger Mundgeschmack. Ständige Kaubewegungen, mit schaumigem Speichel vor dem Mund; bei Chorea.
HalsAlles drängt nach oben, zum Schlund hin. Globus hystericus – Empfindung einer bis in den Schlund aufsteigenden Kugel. Krämpfe der Speiseröhre und des Magens.
MagenExplosives Aufstoßen, das nach Knoblauch riecht und ranzig schmeckt. Aufschwulken von Flüssigkeit. Pulsieren in der Magengrube; spürbar für die aufgelegte Hand, oder gar sichtbar. Widerwille gegen alle Speisen.
AbdomenBlähungen: plötzlich, aufwärts drängend; hysterische Blähungen; Blähungskoliken mit Pulsieren im Bauch. Blähungen drängen nach oben, kein Windabgang nach unten. Därme wie verknotet. Durchfall, dunkle, wässrige Stühle von ekelhaftem Geruch. [Oder:] Es wird nur Schleim ausgeschieden, keine Fäzes. Wärmeempfindung in der Milz; im Unterleib.
HarnwegeUrin braun und von stechendem Geruch. Blasenkrampf bei und nach Urinieren.
Männliche GenitalienNadelstiche [äußerlich] am Penis. Ohnmacht nach Pollution.
Weibliche GenitalienBrüste angeschwollen und milchige Flüssigkeit absondernd, bei Nicht-Schwangeren. Milchmangel bei körperlicher Überempfindlichkeit. Herabdrängen nach den Genitalien, besonders beim Fahren im Wagen.120

120

Dieses Symptom wurde in der Prüfung (Siebenhaar, einer von Jörgs Prüfern) von einem Mann empfunden: „… reiste der Experimentierende zu Wagen aufs Land … Als er jedoch zwei Stunden lang gefahren war, empfand er ein besonderes Drängen nach den Genitalien, in Folge dessen die Testilen schmerzend wurden, was sich besonders bei der Berührung oder bei der Bewegung zu erkennen gab.“ Es werden jedoch auch wehenartige, drängende Schmerzen „in der Gegend des Uterus“ bei einer Prüferin beschrieben.

Menses: zu früh, zu schwach, dauern nur kurz; Ausfluss: reichlich, grünlich, dünnflüssig; übel riechend.
AtemwegeKrampfhafte Beengung der Brusthöhle, als könnten sich die Lungen nicht voll ausdehnen. Asthmaanfälle, [„von jeher“] mindestens einmal täglich, Schlimmer: durch körperliche Anstrengung, Koitus, satt Essen. Glottiskrampf, der mit krampfhaften Kontraktionen der Finger und Zehen alterniert.
HerzLeises Herzklopfen, mehr wie ein Zittern des Herzens. [Drückender Schmerz in der Herzgegend], wie von Überfüllung und Ausdehnung des Herzens. Reflexsymptome des Herzens, nervösen Ursprungs.
Rücken, ExtremitätenSchmerz und Empfindlichkeit der Tibia; unerträglich. Schlimmer: nachts. „Kann nicht mehr arbeiten wegen Rückenschmerz.“ Kalte Geschwulst um die Fußknöchel. Konvulsivisches Zittern der Gliedmaßen; besser, wenn man gehalten wird121

121

Bei Hering heißt es: „Konnte gebessert werden durch die Hände einer anderen Person.“

.
HautHautausschläge, die aus luftgefüllten Bläschen bestehen. Geschwüre mit bläulichen, äußerst berührungsempfindlichen Rändern. Jucken, durch Kratzen gebessert. Alte Narben verfärben sich bläulich rot und ulzerieren. Unterhöhlende Eiterung, fauliger, ‚schlechter‘ Eiter.
KomplementärCausticum; Pulsatilla.
VerwandtAurum; China; Lachesis; Mercurius; Sumbulus; Valeriana.

  • Das Harz des „Stinkasant“, Ferula assa-foetida, eines Doldenblütlers.

  • Prüfungen: von Franz, Hahnemann und anderen in AfH, Band 1; von Jörg in seinen Materialien zu einer künftigen Arzneimittellehre, teilweise wiedergegeben bei Hartlaub/Trinks, Reine Arzneimittellehre; von Lembke, in der NZfHK, Band 13; von Berridge (vgl. AE, Band 10). Ein interessantes Symptom (Milchabsonderung bei Nichtschwangeren) stammt aus einem Vergiftungsfall von Boas (Franks Magazin, Band 1).

Asarum europaeum
AllgemeinesErzeugt einen bemerkenswerten Zustand von Überempfindlichkeit der Nerven; Kratzen auf Seide oder Leinwand oder auch Papierrascheln ist unerträglich, ja schon wenn man daran denkt, dass jemand mit der Fingerspitze oder dem Fingernagel Kratzgeräusche hervorbringen könnte, durchschaudert einen ein höchst widriges Gefühl. Kalte Schauder von jeder Gemütsbewegung stellen ebenfalls ein ausgeprägtes Symptom dar. Pressende, spannende und zusammenziehende Empfindungen sind gleichfalls leitende Merkmale; der Patient glaubt, der ganze Körper oder einzelne Teile würden zusammengepresst. Passt auf ‚Buchmenschen‘, Stubenhocker, Gelehrte mit sitzender Lebensweise, die vor Kälte zurückscheuen oder die immerfort frieren. Schleimabsonderungen sind eiweißartig. Leichtigkeitsgefühl, wie in der Luft schwebend. Ein Mittel bei Alkoholikern.
SchlimmerDurchdringende Geräusche. Kaltes, trockenes Wetter. Gemütsbewegungen. Brechwürgen (außer der „Dummheit des Kopfes“, die dadurch gebessert wird).
BesserKaltes Baden oder Waschen; des Gesichts. Feuchtes und nasses Wetter.
GemütAllmähliches Verschwinden der Gedanken [ein Zustand, wie wenn man eben einschläft]. „Ganz dumm im Kopf“, nachlassend durch Brechwürgen. Gefühl von Leichtigkeit, wie in der Luft schwebend oder treibend, beim Gehen im Freien.
KopfZusammenpressender Kopfschmerz. Spannen der ganzen Kopfhaut; verträgt das Kämmen nicht.
AugenTränen und Brennen der Augen. Asthenopie. Zuckende Schmerzen im Auge; nach Augenoperation.
OhrenSchmerzhaft empfindliches Gehör. Gefühl, als wären die Ohren verstopft; bei Schnupfen. Empfindung, als wäre ein Fell über den (rechten) äußeren Gehörgang gespannt.
NaseSchnupfen, mit Niesen [und Verstopfungsgefühl der Ohren].
GesichtWärmegefühl im Gesicht, besser durch kaltes Waschen.
MundAnsammlung von kühlem, wässrigem Speichel im Mund, mit Übelkeit. Tabak schmeckt beim Rauchen bitter. Reine Zunge [bei beständiger Übelkeit]. Widerwärtiger Mundgeschmack.
MagenHeftiges, leeres Brechwürgen, das alle Symptome verschlimmert (außer der „Dummheit des Kopfes“). Heftiges Erbrechen und Abführen mit starken Kolikschmerzen. Verlangen nach alkoholischen Getränken. Schreckliches Gefühl im Oberbauch beim morgendlichen Erwachen; bei Säufern.
AbdomenGeruchloser gelber Schleim wird in Fäden [„in einem dünnen Zuge“] aus dem Darm ausgeschieden. Unverdaute Stühle. Gallertartiger Schleim oder Schleimfetzen im Stuhl; Colitis mucosa. Stuhlsymptome schlimmer nach Essen und Trinken.
Weibliche GenitalienBeim Eintritt der Menses heftiger Schmerz im Kreuz, der kaum zu atmen gestattet; schlimmer durch Bewegung. Klebriger, gelber Ausfluss. Drohende Frühgeburt infolge übermäßiger Sensibilität aller Nerven. Regel zu früh, zu lang dauernd, mit Abgang von schwarzem Blut.
AtemwegeNervöses Hüsteln. Asthmatische Atmung, schlimmer durch Gerüche und Kälte. Schmerz in beiden Lungen, rings herum, als würden sie mit einem Draht zusammengeschnürt. Stiche in der Kehle [und Zusammenschnüren], besser durch Hüsteln122

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Gebessert wird durch das Hüsteln, nach Hahnemann, das Zusammenschnüren der Kehle; ob es auch eine Wirkung auf die „Stiche“ hat, wird nicht gesagt.

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ExtremitätenLeichtigkeit in allen Gliedern [weiß gar nicht, dass er einen Körper hat]. „Glucksen“123

123

Es ist nicht ganz sicher, was dieser Hahnemannsche Ausdruck bedeutet. Vermutlich ist es jedoch nicht „Gluckern“, wie Allen und Hering übersetzen, sondern einfach „Pochen, Pulsieren“, eine zeitgenössische Bedeutung des Wortes, die bei Hahnemann mehrfach vorkommt. – Phatak spricht übrigens, Allen und Hering folgend, von Glucksen in der Patella; dies ist jedoch ein einfacher Übersetzungsfehler.

in der Kniekehle. Mattigkeit, mit Schwanken beim Gehen.
SchlafHäufiges Gähnen; große Schläfrigkeit.
FieberFröstelig, einzelne Körperteile werden eiskalt. Frost nicht gebessert durch Zudecken oder warmes Zimmer. Schweiß: sauer riechend; schwitzt sehr leicht.
KomplementärCausticum; Pulsatilla; Silicea.
VerwandtArgentum nitricum; Castoreum; Theridion.

  • Die Haselwurz; Tinktur aus dem getrockneten Rhizom.

  • Prüfung: Hahnemann, Reine Arzneimittellehre, Band 3.

Asclepias tuberosa
AllgemeinesVermehrt die Absonderungen von der Haut, den serösen und Schleimhäuten; starkes Schwitzen, bei Pleuropneumonie, Diarrhö oder rheumatischen Zuständen; kolliquative Zustände. Erzeugt scharfe, stechende oder fein stechende [nadelstichartige] Schmerzen, schlimmer durch Bewegung. Schwach und matt, wie nach langer Krankheit. Außerordentliche Schwäche, Gehen scheint unmöglich. Ganzer Körper taub. Influenza mit Pleurodynie. Empfindlich gegen Tabak [Beschwerden von Nikotinabusus]. Schmerzen in den Därmen und häufiger Stuhlgang, was arbeitsunfähig macht.
SchlimmerBewegung. Tiefatmen. Liegen. Tabak. Aufstehen. Husten.
Geist und GemütGedächtnisschwäche.
KopfKopfschmerz, besser nach Fußbad.
NaseKlebriges gelbes Sekret aus der Nase; Erkältungen von Kindern, ‚Schniefen‘.
MundZäher, gelber Belag auf der Zunge. Mundgeschmack: faulig; Blutgeschmack.
AbdomenStühle riechen wie verdorbene Eier; oder brennen wie Feuer. Beim Stuhl ein Gefühl, als liefe dieser wie ein Feuerstrom durch die Därme. Katarrhalische Dysenterie [Sprue], mit rheumatischen Schmerzen am ganzen Körper.
Männliche GenitalienGeschlechtsorgane schlaff.
Atemwege, HerzTrockener Husten, mit Zusammenschnürung der Kehle. Brustschmerzen besser beim Vorwärtsbeugen, schlimmer im Liegen und beim Atmen. Kurzatmig und schwach, beim Gehen. Pleurodynie. Pleuritis. Perikarderguss. Schmerz unter der linken Brustwarze, mit Herzklopfen.
VerwandtAntimonium tartaricum.

  • Die Knollige Schwalbenwurz, „Pleuritis-Wurzel“ (pleurisy root); verwendet wird die frische Wurzel.

  • Zwei Prüfungen: von Savary (AE) und Nichol (Hale, New Remedies).

Astacus fluviatilis
AllgemeinesDer Flusskrebs. Die Tinktur wird aus dem ganzen Tier zubereitet [roh zu Brei gestoßen]. Die Arznei hat einen ausgeprägten Einfluss auf Leber und Lymphknoten. Sie bringt Nesselausschlag hervor; in Verbindung mit Leberbeschwerden. Angezeigt bei Gelbsucht kleiner Kinder. Jucken an verschiedenen Teilen der Haut. Milchschorf, mit vergrößerten Lymphknoten. Hypertrophie der Halslymphknoten bei Kindern und alten Leuten. Stechende Schmerzen in bzw. an verschiedenen Körperteilen. Inneres Frieren [und Empfindlichkeit gegen Zugluft und Entblößung, selbst bei noch so großer Fieberhitze]. Starke Fieberhitze, mit Kopfschmerzen; Gesicht rot und scheinbar glühend. Frostschauder. Nervöses Kribbeln über den ganzen Körper. Erysipel, mit Nesselausschlag. Krampfschmerzen in der Lebergegend, Druck [„starke Berührung“] verschlimmert; Hepatitis. Husten, der ihn beim Spazierengehen nicht belästigt, aber zurückkehrt, sobald er sich wieder setzt. Zusammenziehung des Zwölffingerdarms, sodass das Darmrohr beinahe verschlossen war; vollkommene Verschließung der Mündung des Ductus choledochus.124

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Sektionsergebnis bei einem Mann, der nach dem Genuss eines Krebsgerichts heftige Schmerzen in der Gegend des Duodenums bekommen hatte und später monatelang an Gelbsucht gelitten hatte. Er hatte weiße Stühle, Abgänge einer „Fettsubstanz“ aus dem Darmkanal, später fast tägliches Erbrechen „ohne alle Anstrengung“; nach 10 Monaten starb er (Hygea 17, 4 ff.).

SchlimmerZugluft. Entblößung.
VerwandtCalcarea carbonica; Rhus toxicodendron125

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Laut Clarke diente der Flusskrebs den „Lackarbeitern des Ostens“ als Antidot gegen die schädlichen Wirkungen des Giftsumachs, der bei ihrem Handwerk benötigt wird.

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  • Der Flusskrebs, in der homöopathischen Literatur auch unter dem Namen „Cancer fluviatilis“ bekannt.

  • Es existiert eine Arzneiprüfung von Buchner (Hygea 17:1 ff.) an 3 Personen, die um einige Symptome nach Genuss von Krebsfleisch ergänzt ist (darunter der in Fußnote 124 erwähnte tödliche Fall). Kasuistiken sind praktisch nirgends zu finden, bis auf Kammerers Bericht in Hygea 15, der Astacus in der C 18 als „vorzügliches Fiebermittel“ bei einer typhusartigen Epidemie in Ulm angewendet hat, wobei ihm das oben beschriebene innere Frieren als Indikation diente.

Asterias rubens
AllgemeinesDiese Arznei ruft Kreislaufstörungen hervor, mit Pulsieren und Blutandrang in Kopf, Uterus, Brust usw. Affektionen der Nerven, unter anderem Neuralgien, Chorea, Hysterie, Epilepsie. Ausgeprägte Wirkung auf die weiblichen Geschlechts- und Fortpflanzungsorgane. Epileptische Anfälle, [mehrere Tage] zuvor Zucken über den ganzen Körper. Gefühl wie nach innen gezogen in Augen, Brustwarzen usw. Krebs; Brustkrebs. Schlaffe, lymphatische Konstitutionen. Chorea, kann die Hände nur still halten, wenn er sie in die Tasche steckt. Linksseitige Symptome.
SchlimmerWärme126

126

„Abneigung gegen alles, was die Körperwärme vermehrt, großes Verlangen nach kalten Waschungen“ (Possarts Übersetzung von Petroz' Prüfung).

. Menses. Widerspruch. Nasskaltes Wetter. Kaffee. Nachts.
Geist und GemütAnfälle leicht erregt durch jede Gemütsbewegung, besonders aber durch Widerspruch; Epilepsie. Weint bei der geringsten Gemütsbewegung. Sinnestäuschungen: Stimmenhören; Einbildung, als wäre man fort von daheim, unter lauter Fremden. Gefühl von bevorstehendem Unglück; Furcht, dass schlimme Nachrichten eintreffen.
KopfBlutwallungen zum Kopf, mit Klopfen darin. Hitzegefühl des Kopfes, als ob die ihn umgebende Luft sehr heiß wäre. Gefühl, als würde das Gehirn durch elektrische Schläge erschüttert.
AugenAugen in die Höhlen zurückgezogen.127

127

Dieses Symptom wird teilweise als objektive Erscheinung, teilweise als subjektive Miss-empfindung aufgefasst; der Prüfungsbericht gibt darüber keinen genauen Aufschluss.

Blinzeln oder Zucken der Lider.
GesichtRot, erhitzt. Pickel seitlich an der Nase, am Kinn und um den Mund herum. Akne.
AbdomenHartnäckige Verstopfung. Durchfall; wässrige braune Stühle schießen in einem Strahl heraus.
Männliche GenitalienErhöhtes sexuelles Begehren.
Weibliche GenitalienHeftiges und beständiges Sexualverlangen [sehr quälend], durch Beischlaf nicht gestillt; mit nervöser Erregung; mit Verstimmung bis zum Weinen. Empfindung, als würde die linke Brust nach innen [bzw. hinten] gezogen. Dumpfe, neuralgische Schmerzhaftigkeit in den Brüsten. Knoten und Verhärtungen in der Brustdrüse; Brustwarzen eingezogen; Brustkrebs, selbst im Stadium der Ulzeration; scharfe, stechende Schmerzen; Achsellymphknoten geschwollen, hart, knotig. Vagina ungewöhnlich feucht, mit Gefühl von Wohlbehagen [und Erleichterung der Symptome]. Zucken oder andere Missempfindungen [herausdrängendes Gefühl] im Uterus.
ExtremitätenTaubheit der Hände, der Finger; links. Schmerz in der [linken] Brust, erstreckt sich über die Innenseite des [linken] Arms bis in die Spitze des Kleinfingers. Gang unsicher, die Muskeln wollen dem Willen nicht gehorchen.
HautAkne: punktförmig, kleine rote Basis, schwarze Spitze. Schuppenflechte. Gürtelrose.
VerwandtMurex; Sepia.

  • Der Gewöhnliche oder Rote Seestern.

  • Prüfung von Petroz, nachzulesen in AE und in der Arzneimittellehre von Possart.

Aurum metallicum
AllgemeinesGold hat einen tief greifenden Einfluss auf das Gemüt: akute Depression, Hoffnungslosigkeit und Verlust der Liebe zum Leben. Der Blutkreislauf ist gestört, alles Blut scheint augenblicklich vom Kopf in die Beine zu laufen. Wallungen im Blut, als kochte es in allen Adern. Unregelmäßige Blutwallungen, Pulsationen. Venöse Kongestion; besonders zum Kopf und zur Brust. Knochenkaries, besonders der Nasen- und Gaumenknochen, des Processus mastoideus. Knochenschmerzen, bohrend und schneidend. Exostosen, Ostitis. Wandernde Schmerzen, die zu Bewegung nötigen und schließlich auf das Herz übergreifen. Verhärtungen und Anschwellungen von Drüsen. Sklerose: koronare Arteriosklerose; Sklerose der Leber, des Hirns. Äußerst heftige Arzneizeichen. „Merkurio-syphilitische Dyskrasie.“128

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Gemeint sind Zustände, die durch den vereinten Einfluss von Syphilis und massiven Quecksilbergaben entstehen (Hering: „Konstitutionen, die durch den kombinierten Einfluss von Syphilis und Quecksilber zerrüttet sind“).

Chronizität der Beschwerden. „Das Herz scheint im Gehen zu schüttern, als ob es los wäre.“ Empfindung, als bliese Luft auf oder durch einen Körperteil. Passt auf nervöse, hysterische Frauen; Mädchen in der Pubertät; ‚kümmernde‘ Jungen, die nicht recht gedeihen wollen; alte Leute mit Herzkrankheiten; niedergeschlagene, teilnahmslose Leute mit schlechtem Gedächtnis; [schwache], aber überaus schmerzempfindliche Personen, der Schmerz treibt sie zur Verzweiflung. Üble Folgen von Kummer, Schreck, Zorn, enttäuschter Liebe, Widerspruch, nicht geäußertem Missfallen; anhaltender Besorgnis; ungewohnter Verantwortung; von Verlust an materiellen Gütern. Ohne Hoffnung bei Herzkrankheiten129

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Bei Phatak folgt hier: „Voller Hoffnung bei Lungenkrankheiten.“ Diese Bemerkung stammt von Kent, es handelt sich jedoch um ein Missverständnis; Kent spricht in seinem Aurum-Kapitel von einer allgemeinen, nicht auf dieses Mittel beschränkten Beziehung zwischen Herz (bzw. Leber) und Lungen auf der einen, dem Gemüt auf der anderen Seite. Laut Kent neigen Herzkranke generell zur Verzweiflung, Lungenkranke zum Optimismus. Aurum, als ein ‚Herzmittel‘, ist bei Zuständen von Hoffnungslosigkeit angezeigt.

. Kanzeröse Geschwüre. Nekrosen. Hydropische Affektionen.
SchlimmerGemütsbewegungen: niederdrückende Emotionen, aus dem Gleichgewicht geratene Gefühle. Geistige Anstrengung. Kälte, kaltes Wetter. Nachts, von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang. Abusus von Quecksilber; Alkohol; Kaliumjodid130

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Wie Quecksilber früher allopathisch und in hohen Dosen gegen syphilitische Geschwüre gebraucht.

. Bewölkte Tage. Winter.
BesserKühle, frische Luft; im Freien. Kaltes Bad. Warmwerden. Musik. Gehen. Mondlicht.
Geist und GemütStarke Depression mit Hoffnungslosigkeit; Lebensüberdruss. Spricht von Selbstmord. [Geht ernsthaft mit Selbsttötung um.]„Große, bis zur Selbst-Entleibung steigende Angst.“ Ärgerlich und auffahrend, der geringste Widerspruch reizt zum größten Zorn; auch Heiterkeit im Wechsel mit dieser Stimmung. Melancholisches Brüten; abwechselnd mit Reizbarkeit oder mit „mürrischer Ernsthaftigkeit“. Murren. Die Zukunft erscheint düster. Wechselnde Stimmungen. Ärgerliche, verdrießliche Stimmung. [„Widerwärtige Gemütsstimmung.“] Glaubt, verdammt und verloren zu sein, vollkommen wertlos. Selbstvorwürfe; Selbsttadel. Glaubt, alles verkehrt zu machen; immer etwas zu versäumen oder zu vernachlässigen: Freunde, Pflichten. Weinen, Beten und Selbstvorwürfe; bei Herzerkrankung. Geschwätzigkeit, viel Gerede. Stellt in schneller Folge Fragen, ohne eine Antwort abzuwarten.131

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Vgl. dieses Prüfungssymptom von Hahnemann: „Nach 3 Uhr früh ward das Kind munter und sprach in herzhaftem Tone, mit schnellen Worten und bei rotem Gesicht irrig: Mutter, du bist meine Gold-Tochter! Was ist denn das für ein Hund? Was ist das für ein Kopf an der Wand? Was läuft denn da in der Stube herum? Und so bestand alles Irrige aus Fragen.“

[Oder:] Unlust zum Sprechen. Angst vom geringsten Geräusch [ein Geräusch vor der Tür machte ihn ängstlich, er befürchtete, es möchte jemand hereinkommen]. Schwaches Gedächtnis. Heftige Hysterie; mit verzweifelten Handlungen; wirft sich hart zu Boden [oder möchte zum Fenster hinaus springen] usw. Hasserfüllt und streitsüchtig. [Sucht alles auf, um mit jemandem zu zanken und ihm Grobheiten zu sagen.]
KopfHeftiger Kopfschmerz, der zu „vollkommener Verwirrung der Begriffe“ führt. ‚Studentenkopfschmerz‘, mit Präkordialangst und Hitzewallungen zum Kopf. Kopf heiß, voll. Exostosen am Schädel, mit bohrendem Schmerz; Beulen unter der Kopfhaut. Furunkel auf der Kopfhaut. Kahlköpfigkeit durch Syphilis. Gefühl, als zöge Wind durch den Kopf, über das Gehirn.
AugenPhotophobie. Hemianopsie; Gegenstände in der oberen Hälfte des Gesichtsfeldes unsichtbar. Empfindlichkeit und Schmerzhaftigkeit der Orbitae. Glaukom. Pupillen erweitert; ungleichmäßig. Gelbe halbmondförmige Körper treiben im Gesichtsfeld schräg nach oben. Schwarze Flecken, Flammen, Feuerfunken vor den Augen. Alles sieht blau aus.
OhrenKaries des Processus mastoideus. Hartnäckiger übel riechender Ohrenfluss. Nervös bedingte Taubheit; Schwerhörigkeit mit erschwerter Sprache. Überempfindlich gegen Geräusch, aber gebessert durch Musik.
NaseGeschwürige, schmerzhafte, geschwollene Nase [und Nasenlöcher]. Karies des Nasenbeins; stinkende Absonderung, eitrig, blutig. Ozaena. Rote, knollige Nasenspitze. Stupsnase.
GesichtKongestioniert, bläulich rot. Parotiden geschwollen und schmerzhaft bei Berührung. Schmerzen in den Jochbeinen. Feiner Ausschlag an den Lippen, im Gesicht oder an der Stirn.
MundÜbler Mundgeruch; bei Mädchen in der Pubertät. Zunge lederhart. Mundgeschmack: milchig; süßlich; faulig, selbst Wasser schmeckt faulig. Warzen auf der Zunge. Karies der Zähne. Ulzeration und Karies des Gaumens. Zahnfleisch geschwollen, dunkelrot, blutend.
HalsStechen im Hals, beim Schlucken. Getrunkene Flüssigkeiten kommen durch die Nase wieder.
MagenBrennen im Magen, mit heißem Aufstoßen. Verlangen nach Milch und Kaffee. Appetitlosigkeit bei ‚kümmernden‘ Knaben. Durst. Unmäßiger Hunger.
AbdomenLebergegend heiß und schmerzhaft. Hepatitis. Gelbsucht; in der Schwangerschaft. Leberbeschwerden, die mit Herzsymptomen einhergehen. Aszites, bei Herzkrankheiten. Stuhlverstopfung, schlimmer132

132

Nicht „besser“, wie Phatak irrtümlich schreibt. Korrigiert nach Hering, Guiding Symptoms.

während der Regel. Stühle knotig, hart; großkalibrig. Warzen [Kondylome] um den After. Knurren und Kollern im Unterleib. Leistenbruch bei Kindern.
HarnwegeTrüber Harn, wie Buttermilch. Schmerzhafte, lähmungsartige Harnverhaltung.
Männliche GenitalienSchmerz und Schwellung der Hoden – Orchitis. Epididymitis. Chronische Verhärtung der Hoden. Sarkozele. Hydrozele; bei kleinen Jungen. Hodenatrophie bei Knaben.
Weibliche GenitalienSterilität syphilitischen Ursprungs; oder bei Frauen, die wegen ihrer Unfruchtbarkeit deprimiert sind. Uterus vergrößert und prolabiert. Uterusbeschwerden, schlimmer durch Hochhinauflangen mit den Armen. Verhärtung und Ulzeration des Uterus nach wiederholten Fehlgeburten oder Abtreibungen. Ständiges Nässen aus der Scheide. Ausfluss, schlimmer beim Gehen. Vaginismus. Wehenschmerzen bringen zur Verzweiflung. Amenorrhö, mit großer Traurigkeit. Menses spät, spärlich.
AtemwegeGefühl, als läge ein schweres, zerquetschendes Gewicht unter dem Brustbein, schlimmer beim Steigen. [Hat das Gefühl, das Blut würde ihm aus der Brust stürzen, wenn er nicht mit Steigen aufhört.] Atemnot, Brustbeengung, schlimmer beim Lachen und nachts. Trockenes, nervöses, krampfhaftes Husten, wie es manchen Frauen eigentümlich ist; von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang. [Engbrüstigkeit]; holt immer tief Atem und kann nicht genug Luft schöpfen.
HerzGefühl, als ob das Herz stillstünde, unmittelbar darauf tut es plötzlich einen mächtigen Schlag. Beklemmung am Herzen. Heftiges Herzklopfen; in der Pubertät. Herzhypertrophie. Angina pectoris. Aortenklappeninsuffizienz, Aortensklerose. Karotiden und Schläfenarterien pulsieren sichtbar. Puls schnell, schwach, unregelmäßig. Bluthochdruck. „Das Herz scheint im Gehen zu schüttern, als ob es los wäre.“ Herzklopfen zwingt zum Stehenbleiben. Herz schmerzt wie wund und zerschlagen; schlimmer durch unterdrückten Fußschweiß.
Äußerer Hals und RückenGeschwollene Halslymphknoten; wie eine Schnur mit Knoten darin. Als ob die untere Wirbelsäule nach hinten vorgewölbt wäre.133

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Wohl kein echtes „As-If-Symptom“. Möglicherweise gehört es in einen Zusammenhang mit einer „prallen, schmerzhaften Schwellung des Periost am Kreuzbein“ (Rückerts Klinische Erfahrungen, Supplementband 1, S. 850).

Pottsche Krankheit [Spondylitis tuberculosa]. Lendenmuskeln schmerzhaft steif, Oberschenkel kann nicht angehoben werden.
ExtremitätenNächtliche Schmerzen im Bein. Muss den linken Arm packen und fest halten, während eines Anfalls von Herzklopfen. Schwach in den Knien. Gefühl wie gelähmt in den Beinen. Nägel färben sich blau. Schmerzen in beiden Knien, als wären sie fest eingebunden. Zitternde Füße. [?] Heiße Sohlen, wie zerschlagen, nachts. [?] Kalter, fauliger Fußschweiß. [?]134

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Es ist mir nicht gelungen, diese drei Symptome in der Materia medica für Aurum nachzuweisen. Dagegen finden sie sich sämtlich unter Baryta carbonica. Möglicherweise liegt hier ein Irrtum vor.

SchlafUnruhig, mit ängstlichen, schreckhaften Träumen. Wimmert laut im Schlaf. Schlafstörungen durch sexuelle Erregung.
HautLipome. Warzen. Akne.
FieberSchmerzhaft empfindlich gegen Kälte; Fieberschauder im Bett. Kalt und feucht am ganzen Körper.135

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„Es drängt sie, über diesen und jenen Gegenstand tief nachzudenken; sie wird aber davon ganz schwach, zittrig, kalt und feucht am Körper“ (Hahnemann).

Schweiß um die Genitalien, zwischen den Schenkeln.
VerwandtMercurius.

  • Metallisches Gold, Aurum foliatum (Blattgold). Einige Symptome stammen allerdings aus mit Aurum muriaticum geheilten Fällen.

  • Hahnemann, Chronische Krankheiten, Band 2; es gibt auch eine Zusammenfassung von Prüfungen von Molin (z. B. AHZ 29), die jedoch in Phataks Arzneibild keine Rolle spielt.

Aurum muriaticum
AllgemeinesEin sykotisches Mittel, das unterdrückte Ausschläge wieder an die Oberfläche bringt. Katarrhalische Affektionen und Wirkungen auf Drüsen und Lymphknoten sind ausgeprägt. Sklerotische und exsudative Degeneration des Nervensystems. [Multiple Sklerose, exsudative Meningitis usw.] Wertvoll bei Uterusblutungen im Klimakterium. [Feig-]Warzen an verschiedenen Stellen: auf der Zunge, an den Genitalien. Zungenkrebs. Zunge lederhart. Verlangt nach Gesellschaft; wenn er allein gelassen wird, denkt er ausschließlich an seine Beschwerden und gerät immer mehr außer sich. Hypertrophie aller Finger [bei einem Kranken mit Morvan-Syndrom]. Üble Folgen von Ärger, Schreck, Verdruss.
SchlimmerTreppensteigen. Wärme.
BesserKälte; kaltes Waschen, kaltes Wetter.

  • „Salzsaure Gold-Auflösung“, AuCl3 mit HCl und Wasser.

  • Die Indikationen stammen durchweg aus der klinischen Praxis, obwohl es auch Prüfungen gibt (einige Symptome von Hahnemann, Chronische Krankheiten, Band 2; Buchner und Eberle, in NZfHK 4:208).

Avena sativa
AllgemeinesDer gewöhnliche Hafer fördert die Ernährung von Gehirn und Nervensystem. Daher nützlich bei nervöser Erschöpfung, sexueller Schwäche [d. h. sowohl sexuell bedingter Erschöpfung als auch Schwäche des Sexualvermögens]; Entkräftung nach erschöpfenden Krankheiten. Nervöser Tremor bei alten Leuten, Parkinson, Chorea und Epilepsie. Unfähig, sich längere Zeit auf ein bestimmtes Thema zu konzentrieren, besonders im Zusammenhang mit habitueller Masturbation. Üble Folgen von Morphiumsucht.136

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Entzugserscheinungen beim Absetzen von Morphium sollen mit Avena sativa abgeschwächt oder vermieden werden können, so heißt es etwa in Clarkes Dictionary oder Mezgers Gesichteter Arzneimittellehre. Die Angabe ist freilich mit Vorsicht zu genießen. So bemerkt Anshutz (New, Old, and Forgotten Remedies), dass der Hafer in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts in Verruf gekommen war, weil er als Wundermittel angepriesen worden war – und die Analyse zeigte, dass das angebliche Haferpräparat auch Opium enthielt.

Schlaflosigkeit.
Dosis10–30 Tropfen der Tinktur, in heißem Wasser gegeben.

  • Der Saathafer, das bekannte Getreide. Essenz aus der frischen blühenden Pflanze.

  • Die Arznei ist ungeprüft; alle Indikationen empirisch.

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