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B978-3-437-56865-7.00003-3

10.1016/B978-3-437-56865-7.00003-3

978-3-437-56865-7

Homöopathika C

Cactus grandiflorus
AllgemeinesDie Hauptwirkung ist auf Herz und Kreislauf konzentriert. Viele Beschwerden sind mit Herzleiden assoziiert. Affiziert die Ringmuskeln und erzeugt Zusammenschnürungen: des Herzens, des inneren und äußeren Halses, der Brust, der Blase, des Mastdarms, der Vagina. Die Blutzirkulation wird ungleichmäßig, und es kommt zu heftigen Hyperämien oder lokalem Pulsieren, etwa hinter dem Magen oder an ungewöhnlichen Stellen. Ein Blutungsmittel, das die schnelle Gerinnung des Blutes begünstigt. Zusammenschnürende oder krampfartige Schmerzen, die Schreie auspressen. Ausgeprägte Periodizität, neuralgische Schmerzen, die periodisch auftreten. Gefühl, als wäre der Körper eng eingespannt1

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„Als wäre der ganze Körper in einen Drahtkäfig eingespannt, wobei jeder einzelne Draht immer enger und enger zusammengedreht zu werden schien“ (Farrington, zitiert nach Hale, New Remedies, Band 2).

oder fest eingepackt. Ein Gefühl wie ein Hitzeergießen in die Brust. Basedow-Krankheit, mit Herzsymptomen. Allgemeine Schwäche und Erschöpfung. Ohnmachtsanwandlungen. Hydropische Affektionen. Üble Folgen von: Sonneneinstrahlung; Feuchtigkeit; Enttäuschungen in der Liebe. Pulslosigkeit, keuchende Atmung, Prostration. Niedriger Blutdruck, infolge von Herzschwäche.
SchlimmerLiegen: auf der linken Seite; auf dem Hinterkopf. Periodisch. Anstrengung. 10–11 Uhr oder 23 Uhr. Nachts. Gehen. Treppensteigen. Geräusche. Licht. Sonnenhitze.
BesserIm Freien. Drücken auf den Scheitel.
Geist und GemütSchweigsam, wortkarg. Weint, ohne zu wissen warum; schlimmer durch Trost. Hält seine Krankheit für unheilbar. Traurig. Schlechtgelaunt. Schreckhaft. Heiter [und lebhaft; bei Herzkrankheit]. Furcht: vor dem Tod; dass etwas Schlimmes passieren könnte.
KopfSchwere-Kopfschmerz, wie von einem Gewicht auf dem Scheitel; besser durch Druck darauf, schlimmer durch Sprechen-Hören und starkes Licht. Kopfweh schlimmer durch Opernbesuch; durch Auslassen von Mahlzeiten, durch Geräusch, Licht; periodisch; zusammenpressend oder pulsierend. Schwindel, schlimmer durch Tiefatmen, körperliche Anstrengung.
AugenTrübsehen. Blutunterlaufene Augen. Basedow-Krankheit.
OhrenPulsieren in den Ohren. Singen und Klingen in den Ohren.
NaseStarkes Nasenbluten, das jedoch bald aufhört.
GesichtRechtsseitige Prosopalgie, schlimmer durch Auslassen von Mahlzeiten. Gesicht: rot und gedunsen; blass, abgemagert.
HalsZusammenschnürung der Speiseröhre, muss viel trinken, um etwas Festes hinunterzubringen. Zusammenschnürung mit Erstickungsgefühl und vollen, klopfenden Karotiden.
MagenKlopfen des Truncus coeliacus, hinter dem Magen. Bluterbrechen. Übelkeit morgens; den ganzen Tag anhaltend. Appetitlosigkeit. Abneigung gegen Fleisch, das er bislang sehr mochte.
AbdomenStarkes Brennen im Bauch. Gefühl wie von einem schweren Gewicht im After [und starker Drang, eine große Menge Kot auszuscheiden, doch nichts geht ab]. Nadelstiche im After, aufhörend durch leichtes Reiben. Analfistel, mit heftigem Herzklopfen. Leberanschoppung infolge von Herzkrankheit. Scharfer Schmerz, der durchs Zwerchfell und aufwärts in die Brust schießt. Gefühl, als würde eine Schnur enger und enger um die Ansatzstelle des Zwerchfells gezogen, sodass dem Patienten die Luft wegbleibt.
HarnwegeZusammenschnürung des Blasenhalses, die Harnverhaltung hervorruft. Anurie während der Fieberhitze [wenn der Schweiß ausbleibt]. Hämaturie; Urinieren durch Blutgerinnsel [in der Urethra] verhindert, bei Frauen auch durch Blutgerinnsel in der Vagina.
Weibliche GenitalienMonatsblutung: klumpig; schwarz [wie Pech]; zu früh; hört im Liegen auf. Schmerzhafte Menses, der Schmerz presst laute Schreie aus. Menstruationsstörungen, mit Herzsymptomen. Zusammenschnürung der Vagina, die den Koitus verhindert; Vaginismus. Pulsieren in der Ovarialregion. Zyanotische Säuglinge.
AtemwegeAtembeklemmung, beim Treppensteigen. Husten, durch Herzleiden bedingt. Stetes Schleimrasseln auf der Brust. Zusammenschnürung der Brust, wie gebunden; hindert am Atmen. Periodische Erstickungsanfälle; mit Ohnmacht, [kaltem] Schweiß im Gesicht und Pulslosigkeit. Hämoptysis, mit krampfhaftem Husten. Entzündung des Zwerchfells, mit sehr erschwerter Atmung.
HerzGefühl, als würde das Herz abwechselnd zusammengepresst und losgelassen, wie durch ein eisernes Band2

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Rubinis Symptom wird in etwa der Hälfte der Übersetzungen mit „Band“, in den anderen mit „Hand“ wiedergegeben. Was korrekt ist, kann ich mangels des italienischen Originals nicht nachprüfen.

, oder spürt ein abwechselndes Ausdehnen und Zusammenziehen; das Herz scheint sich zu überschlagen. Endokarditis, mit Mitralklappeninsuffizienz. Endokardiale Herzgeräusche. Herzhypertrophie. Herzklopfen: schlimmer im Liegen auf der linken Seite; beim Eintritt der Menstruation; tagsüber beim Gehen; infolge von unglücklicher Liebe. Herzstiche. Hypotonie. Puls: reizbar, aussetzend, schwach. Unregelmäßige, aussetzende Herztätigkeit, nach Zangengeburt. Herzkrankheiten mit Ödem der linken Hand. Gefühl, als sollte das Herz in Stücke zerspringen, beim Anhalten des Atems. Aneurysma der großen Arterien, des Herzens. Raucherherz.
ExtremitätenLinker Arm taub. Prickeln in den Fingern. Eiskalte Hände. Ödem der (linken) Hand bei Herzkrankheiten; auch der Füße und Unterschenkel, bis zu den Knien hinauf; Hände weich, Füße angeschwollen. Schmerz im linken Arm, bis in die Finger.
SchlafSchlaflosigkeit, aufgrund starken Pulsierens in verschiedenen Körperregionen. Träume: vom Fallen; erschreckend; lasziv. Erwacht voller Schrecken.
FieberFrieren, nicht gebessert durch Zudecken. Anhaltend subnormale Körpertemperatur.
VerwandtAconitum; Coccus cacti; Digitalis; Lachesis; Nux vomica; Sulfur.

  • Cereus grandiflorus oder auch Selenicereus grandiflorus, eine Kaktuspflanze, nämlich die sog. Königin der Nacht. Tinktur aus den zartesten Sprossen und den Blüten, im Sommer gesammelt.

  • Prüfung von Rubini (in italienischer Sprache), mehrfach unterschiedlich übersetzt, zu finden etwa in AE, Band 2, Hughes' Cyclopedia, Band 2, Anhang (berichtigte Fassung); AHZ, Band 69. Weitere Prüfungen von Hencke (AHZ) und Lembke (NZfHK) haben kaum Eingang in dieses Arzneibild gefunden.

Cadmium sulfuratum
AllgemeinesDie Hauptwirkung konzentriert sich auf Magen und Atemwege. Extreme Erschöpfung und Hinfälligkeit, mit Erbrechen; Patient muss ganz stillhalten. Gefühl von Eiseskälte, selbst am Feuer. Schleichende Krankheitsformen [mit den eben genannten Symptomen], die auf ein letales Ende zusteuern. Schwäche, die nach Schlaganfall3

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Phatak schreibt „epileptischem Anfall“, dies ist jedoch vermutlich ein Schreibfehler für „apoplektisch“. Das Symptom wird hier nach Phataks Quelle, Kents Lectures, wiedergegeben.

zurückbleibt; z. B. eines Arms und eines Beins. Ameisenlaufen, zwischen der Haut und den tieferen Geweben empfunden. Taubheitsgefühle: einzelner Körperteile, der Nase, des Kopfes usw. Gelähmte Körperteile schmerzhaft, oder Kribbeln darin.
SchlimmerAufrichten. Geringste Bewegung. Tragen von Lasten. Nach dem Schlaf. Stimulanzien [Alkohol]. Im Freien. Kälte. In der Sonne. Gehen. Treppensteigen. Ärger. Schlucken.
BesserEssen. Ruhe.
Geist und GemütAbscheu vor Alleinsein und vor Arbeiten.
KopfOhnmachtsanfall beim Aufstehen. Schwindel; als ob Zimmer und Bett sich drehten.
AugenHornhautflecken; nach Verletzung oder Entzündung des Auges zurückbleibend. Nachtblindheit. Tränen heiß, brennend. Kann kleine Schrift nicht lesen.
NaseOzäna. Polypen. Furunkel auf der Nase. Gefühllosigkeit der Nase.
GesichtGesichtslähmung, besonders linksseitig; durch kalten Wind veranlasst; seitliche Verziehung des Mundes; Unfähigkeit, die Augen zu schließen; erschwertes Sprechen und Schlucken. Zittern des Unterkiefers.
MagenVerlangt nach kleinen Schlucken kalten Wassers, die jedoch sofort wieder erbrochen werden. Brennende und schneidende Schmerzen im Magen; intensives Würgen, Brechwürgen. Starke Übelkeit, muss stilliegen, um Erbrechen zu verhüten. Selbst geringste Berührung der Lippen ruft Übelkeit und Erbrechen hervor. Schwarzes Erbrechen. Kaffeesatzerbrechen. Magenkrebs. Dysphagie. Magensymptome schlimmer durch Tragen von Lasten.
HarnwegeUrin mit Eiter und Blut vermischt.
AtemwegeErstickungsgefühl beim Einschlafen [oder Erwachen]. Zusammenziehendes Gefühl in der Brust, bei Asthma. Brustsymptome schlimmer in kauernder oder hockender Stellung.
HautBlau oder gelb verfärbt, schuppig. Gänsehaut: nach Trinken; mit heißen Händen; mit Sodbrennen. Chloasma [gelbliche Flecken auf Nase und Wangen], schlimmer durch Sonnenexposition.
SchlafAtmung setzt aus beim Einschlafen [oder im Schlaf]. [Erwacht mit Erstickungsgefühl.] Furcht, sich wieder zu Bett zu begeben. Anhaltende Schlaflosigkeit. Schläft mit offenen Augen.
FieberGelbfieber. Körper eiskalt.
VerwandtZincum.

  • Kadmiumsulfat, CdSO4.

  • Das Arzneibild baut im Wesentlichen auf der Prüfung von Petroz auf (Übersetzungen nachzulesen in AE, Band 2; AHZ, Band 48). Dazu kommt ein Prüfungsfragment von Burdach (Franks Magazin, Band 2).

Caladium seguinum
AllgemeinesHat eine spezifische Wirkung auf die Genitalien beider Geschlechter. Masturbation und deren Folgen bei Männern; Schamjucken bei Frauen, gelegentlich möglicherweise durch Madenwürmer verursacht, die [vom Rektum] zur Vagina gelangt sind; Masturbation und sogar Nymphomanie bei Frauen.4

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Phatak schreibt, Clarke folgend, Masturbation oder Nymphomanie seien durch das Schamjucken „induziert“.

Männer sind lüstern, ziehen Frauen auf der Straße mit den Augen aus; aber impotent. Großes Verlangen zu liegen, große Scheu vor Bewegung; doch wenn man sich zusammennimmt, ist man stark genug. Gefühl, als sollte man ohnmächtig werden, nach Schreiben, Nachdenken, Liegen und beim Aufrichten. [Objektive] Trockenheit von Teilen, die normalerweise feucht sind. Trockenheitsempfindungen. Beeinflusst das Tabakverlangen. Raucherherz. Asthma, im Wechsel mit einem juckenden Hautausschlag. Kann nicht mit geschlossenen Augen gehen. Mückenstiche, die stark jucken und brennen.
SchlimmerSexuelle Ausschweifungen. Bewegung. Plötzliche Geräusche. Beim Einschlafen. Tabak.
BesserKalte Luft. Kurzer Schlaf [am Tage]. Schwitzen.
Geist und GemütSehr besorgt um die eigene Gesundheit. [Über alles besorgt und ängstlich.] Hat Angst vor dem eigenen Schatten. Furcht, sich eine ansteckende Krankheit zu ‚holen‘. Unruhe, dass er sich kaum zu bezähmen weiß, beim Rauchen. Weigert sich, die Medizin zu nehmen. Vergesslichkeit. Nervöse Erregung. Törichte Tollkühnheit.
KopfSchwindel; als würde man gewiegt, wenn man sich legt und die Augen schließt. Eine Kopfseite wie eingeschlafen.
AugenZufallen der Augen, sogar beim Gehen im Freien.
OhrenGeräuschempfindlich; das geringste Geräusch lässt ihn aus dem Schlaf hochfahren.
NaseBlutige Schleimabsonderung beim Schneuzen.
GesichtSpinnweb- oder Kribbelgefühle.
MundDas Essen kommt ihm zu trocken vor; muss trinken, um es hinunter zu bekommen. Roter, trockener Streifen die Mitte der Zunge entlang, der sich zur Spitze hin verbreitert. Speichel wie Eiweiß. Milch schmeckt sauer.
Magen[Ein öfteres Aufstoßen von sehr wenig Luft], als wäre der Magen voll trockener Speise (bei Asthma). Brennen im Magen, hindert am Tiefatmen; nicht beeinflusst5

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Phatak schreibt „schlimmer durch“. Dies ist jedoch nicht durch die Prüfung gedeckt, denn dort heißt es: „bleibt trotz Tee und Schokoladetrinken sich immer gleich.“ Durch eine irreführende Übersetzung bei Allen wird daraus eine „Schlimmer“-Modalität.

durch Trinken von Tee oder Schokolade. Flatterndes Gefühl im Magen [wie von einem Vogel darin]. Toleriert nur warme Getränke [keine kalten]. Isst ohne Hunger, trinkt ohne Durst.6

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Dies ist mit den charakteristischen Trockenheitsempfindungen verbunden. Aus Herings Prüfung: „Nach dem Essen trinkt er nur, weil es ihm so trocken im Magen liegt, welches Gefühl nicht Durst genannt werden kann und davon sehr verschieden ist.“ Auch: „Er isst nur, weil ihm der Magen so hohl ist, ohne Hunger, aber sehr hastig, und ist sogleich wieder satt.“

Tagelang durstlos.
AbdomenGefühl, als wände sich ein langer Wurm in der Gegend des Colon transversum.
HarnwegeUrin übel riechend; spärlich.
Männliche GenitalienGeschlechtsteile größer, wie gedunsen, schlaff und schwitzend. Eichel schlaff, wie ein Lappen aussehend. Genitalien kalt. Impotenz: nach Tripper; mit Depressionen. Juckreiz im Schambereich. ‚Atonische Pollution‘ [Spermatorrhö]. Vorhaut [bleibt] zurückgezogen, nach dem Koitus [lässt sich nicht mehr über die Eichel bringen, mit Schmerz und Anschwellung].
Weibliche GenitalienSchamjucken: mit Masturbation; mit Brennen; von Würmern; während der Schwangerschaft. Heftige sexuelle Erregung, oder Neurasthenie.
AtemwegeKatarrhalisches Asthma, Schleim nicht leicht heraufzubringen, aber wenn er expektoriert werden kann, bessert dies. Harter Husten, bei Asthma. Seufzendes Einatmen.
ExtremitätenSchwach, kommt nicht aus dem Bett. Hände taub. Kann nicht stehen und gehen, wenn die Augen geschlossen sind.
SchlafÄngstliches Stöhnen und Ächzen, laut, im Schlaf. Lebhafte Träume.
HautRau und trocken anzufühlen. Brennen auf kleinen Hautstellen; nötigt zum Berühren, verträgt aber Kratzen nicht.
FieberKälte einzelner Teile; der Füße. Schweiß süßlich riechend, lockt die Fliegen an. „Während des Abendfiebers schläft er ein und erwacht, wenn solches aufhört.“ Schleichende Fieber.
KomplementärNitri acidum.
VerwandtCapsicum.

  • Caladium seguinum wird heute meist als Dieffenbachia seguine bezeichnet. Es ist ein Aronstabgewächs, auf Deutsch Schweigrohr, „Giftiger Aron“ (Jahr) oder „Schierlings-Caladium“ (Noack/Trinks) genannt, das im nördlichen Süd- und in Mittelamerika vorkommt. Verwendet werden frischer Wurzelstock, Stängel und Blätter zusammen.

  • Prüfungen: von Hering (AfH 11), der die Pflanze in Surinam kennen lernte; Schréter (NAfH 3); Berridge (in AE).

Calcarea arsenicosa
AllgemeinesDiese Arznei ist klinisch als nützlich befunden worden bei: Beschwerden dicker Frauen in den Wechseljahren, wenn die geringste Gemütsbewegung Herzklopfen verursacht; bei Kindern mit vergrößerter Leber und Milz; bei Entzugserscheinungen von trockenen Alkoholikern. Nephritis, Albuminurie, Ödem. Epilepsie mit Blutandrang zum Kopf [vor dem Anfall]; Aura wird in der Herzgegend empfunden. Epilepsie im Zusammenhang mit Herzkrankheiten. [Euphorisches] Gefühl von Fliegen oder Schwimmen, als ob die Füße den Boden nicht berührten.
SchlimmerGeringfügige Anstrengung. [Vom geringsten] Diätfehler. Kalte Luft.
Geist und GemütNiedergeschlagenheit und Ängstlichkeit. Verlangen nach Gesellschaft.
KopfBlutandrang zum Kopf, mit Schwindel. Wöchentlich wiederkehrende Kopfschmerzen, besser beim Liegen auf der schmerzenden Seite. [Kopfschmerz immer auf der Seite, auf der man nicht liegt.] Kopfweh mit Herzklopfen, beide Symptome gemeinsam ansteigend und fallend.
AbdomenVergrößerte Leber und Milz bei chronischer Malaria; bei Kindern. Erkrankungen des Pankreas. Lindert den brennenden Schmerz bei Krebs [des Pankreas]. Durchfall, schlimmer durch Süßkartoffeln, Yamswurzeln. Geschwollene Leistenlymphknoten, mit reißenden Schmerzen in den Beinen.
HarnwegeNierengegend druckempfindlich. Stündliches Wasserlassen [mit Albuminurie].
Weibliche GenitalienÜbelriechender, blutiger Ausfluss. Uteruskarzinom. Brennen in Uterus und Vagina.
AtemwegeBrennende Hitze in der Brust. Erstickungsgefühl, mit Herzklopfen. Ein Gefühl, als zöge jemand mit einem Faden am Kehlkopf, nach hinten.
HerzHerzklopfen und Herzschmerzen vor einem epileptischen Anfall. Aussetzender Puls; mit großer Regelmäßigkeit wird jeder vierte Schlag ausgelassen.
Äußerer Hals und RückenSchmerz und Steifheit in der Nähe des Genicks. Heftiger, klopfender Rückenschmerz, der aus dem Bett treibt.
ExtremitätenMattigkeit, ja Lahmheit der unteren Gliedmaßen. Beseitigt Entzündungsprodukte in den Venen der Beine.
FieberLarvierte7

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Phataks „marked“, ausgeprägt, dürfte Schreibfehler für „masked“, larviert, sein.

Malaria. Frostig.

  • Calciumarsenit; Formel Ca3(AsO3)2.

  • Eine Prüfung von Hering, deren Resultate in den Guiding Symptoms, Band 3, nachzulesen sind.

Calcarea carbonica
AllgemeinesDer Hauptrepräsentant der Calcium-Verbindungen. Der Calcium-Stoffwechsel ist besonders während der Kindheit aktiv, und im mittleren Alter treten Kalkmangelerscheinungen auf. Gestörte Calcium-Assimilation führt zu Mangelernährung, die sich besonders auf die Drüsen und Lymphknoten (bei Kindern speziell Halslymphknoten und Mesenteriallymphknoten), die Knochen und die Haut auswirkt. Fehlernährung. Verändert auch das Blut und ruft Anämie hervor. Anschwellen der Drüsen und Lymphknoten unter dem Unterkiefer und am Hals; mangelhafte Entwicklung der Knochen. Offenbleibende Fontanellen. Knochenverkrümmungen; Exostosen; Rachitis. Muskeln und Haut werden schlaff bzw. schwabbelig; der Patient wird fett, aber nicht kräftig. Schwitzt leicht; partielle Schweiße, am Kopf, an der Brust; im Schlaf. Absonderungen sind reichlich und häufig sauer: die Stühle, der Schweiß, auch saurer Körpergeruch; der Speichel usw. Passt auf blonde Personen mit weichem Gewebe und torpidem Habitus. Beschwerden zahnender Kinder: Krämpfe, säuerlicher Durchfall; verspätete Zahnung, spätes Laufenlernen; Kinder setzen die Füße nicht richtig auf den Boden. Abgemagerte Kinder mit großem Kopf und dickem Bauch. Kälteempfindlich; kalte, feuchte Luft geht durch und durch; Erkältungsneigung, besonders die Brust betreffend. Neigung zu Muskelzerrungen und Verrenkungen. Teile, auf denen man liegt, schlafen ein. Neigung zur Steinbildung. Muskelatrophie. Frühstadium der Lungentuberkulose; mit Kitzelhusten, flüchtigen Brustschmerzen, Übelkeit, Magenübersäuerung und Abneigung gegen Fett. Ein geistiger und physischer Erschöpfungszustand infolge von Überarbeitung. Muskelkrämpfe, die die Gliedmaßen krumm ziehen. Abszesse in tiefen Muskeln. Polypen der Nasenschleimhaut, des Uterus usw.; Zysten. Eine Kurzbeschreibung des Calcarea-Patienten: fett, schlaff, hellhäutig, um die Vierzig8

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Im Original: „fat, flabby, fair, forty“. Die 4 (oder 5) Fs (manchmal mit „female“, weiblich, oder „fertile“, fruchtbar, ergänzt) bezeichnen in der englischsprachigen Fachliteratur den „Typ“ der Gallensteinpatientin, worauf mich Petra Körbächer aufmerksam gemacht hat. Die Zusammenstellung geht zurück auf Walter Scotts Heilbad-Roman „St. Ronan's Well“, wo eine Dame als „fat, fair and forty“ beschrieben wird. Phatak stützt sich möglicherweise auf Dewey, Essentials of Homeopathic Materia Medica and Homeopathic Pharmacy, wo die 4 Fs als eine Merkformel für „weitere Calcarea-Charakteristika“ genannt werden.

, schweißig, kalt und feucht. Bei epileptischen Anfällen breitet sich die Aura vom Solarplexus nach oben aus, oder sie besteht aus einem Gefühl, als ob eine Maus den Arm hinauf oder vom Oberbauch hinab zu Uterus und Beinen liefe. Muskelzuckungen, Zittern, Chorea; Neuralgien, Lähmungen; grausige Phantasien; all dies gehört ebenfalls zu den Calcarea-carbonica-Wirkungen. Krampfadern; Brennen in den Adern. Osteomyelitis. Üble Folgen von: Alkohol; Säfteverlust; übermäßiger sexueller Betätigung, Masturbation; Überanstrengung, Zerrung, Verstauchung; schwerem Heben; Ausbleiben oder Unterdrückung von Schweiß, Hautausschlägen, Menstruation; Schreck; übersteigertem Geltungsbedürfnis. Beschwerden von Steinmetzen [Staublunge, Pneumonie usw.]. Abgestumpfte, lethargische Kinder, die nicht spielen wollen. Dysfunktionen der Hypophyse und der Schilddrüse. Nach Verbrennungen: Durchfall; Tumoren9

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Bei Phatak: Tremor (tremors), was jedoch ein Lesefehler bei der Übernahme aus Herings Guiding Symptoms sein dürfte („tumors“).

.
SchlimmerKälte; kalte, raue Luft; kaltes Baden; Abkühlung; Wetterumschwung zum Kalten hin. Anstrengung: physisch; geistig; Steigen; Anstrengung der Augen. Zahnung. Pubertät. Kleiderdruck. Milch. Angst. Beim Erwachen. Vollmond. Stehen. Aufwärtssehen. Wechseljahre. Drehen des Kopfes.
BesserTrockenes Klima, trockenes Wetter. Liegen: auf der schmerzenden Seite; auf dem Rücken. Niesen (bessert Kopfschmerzen). Reiben, Kratzen; Darüberwischen, Beruhigen mit den Händen. Nach dem Frühstück. Im Dunkeln.
Geist und GemütVergesslich; lernt nicht gut. Niedergeschlagenheit. Melancholische oder zögerliche, zweiflerische Stimmung. Übervorsichtig. Traurig. Melancholie: möchte weinen, will nach Hause. Ängste: vor Krankheit, Elend [und Armut], Katastrophen; den Verstand zu verlieren; beobachtet zu werden. [Sie fürchtet, die Leute sehen ihr ihre Verwirrtheit im Kopfe an.] Argwöhnisch; bildet sich ein, die Leute sähen ihn misstrauisch an, und er sieht sie ebenfalls misstrauisch an [und wundert sich, warum sie nichts über seinen Geisteszustand zu ihm sagen]. „Angst nach Anhörung von Grausamkeiten.“ Verwirrt; verwechselt die Worte, verspricht sich leicht. Gleichgültigkeit. Wortkarg. Faul, zu aller Arbeit unaufgelegt; Faulheit plötzlich eintretend. [Lässt plötzlich sein blühendes Geschäft im Stich.] Visionen [bzw. Schwatzen]: von Feuer, Mord, Ratten und Mäusen, im Delirium. Ohne Hoffnung, jemals wieder gesund zu werden. Unfähig, sich irgendeiner Aufgabe zu widmen. [Kann nicht denken nach Aufregung, Störung oder Sorge.] Sitzt da und denkt über unbedeutende Dinge nach, die zu nichts führen. Sitzt den ganzen Tag herum und zerbricht Stöckchen o. Ä. Bildet sich ein, hinter [oder neben] ihr gehe jemand. Hat das Gefühl, als sollte sie auf und ab laufen und schreien. Schreckhaft, leicht beleidigt. Eigensinn; auch bei Kindern. Boshaftigkeit. Hartnäckigkeit. Kind hat Angst vor allem, was es sieht. Gereizte Stimmung, weint über Kleinigkeiten; macht sich permanent Sorgen.
KopfSchwindel: bei allen möglichen Gelegenheiten und Krankheitszuständen; schlimmer durch Steigen [Treppensteigen, Steigen aufs Dach], durch Drehen des Kopfes, auch nach Kratzen am Kopf10

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Das Symptom lautet bei Hahnemann: „Jücken hinter dem Ohre, mit Düseligkeit im Kopfe nach Kratzen.“ Möglicherweise ist dies einfach ein weiterer Fall von „Schwindel nach schnellem Drehen des Kopfes“, was ja beim Kratzen hinter dem Ohr nicht ganz unwahrscheinlich ist.

; nach epileptischen Anfällen. Blutandrang zum Kopf. Eiseskälte im und am Kopf; viel Kopfschweiß, besonders am Hinterkopf, der das Kissen durchnässt. Scheitel eiskalt.11

11

Wohl in erster Linie subjektiv gemeint, als „Empfindung von Eiseskälte“.

Kopfschweiß, mit Herzklopfen. Kratzt sich am Kopf; beim Erwachen. Kopfschmerzen tief im Gehirn, klopfend, hämmernd, erschütternd; schlimmer durch Windexposition; besser im Dunkeln, durch Schließen der Augen, durch darauf Drücken; verbunden mit leerem Aufstoßen. Kopfweh vom Verheben oder anderen Überbeanspruchungen der Muskeln. Milchschorf, dicke, faulig riechende Krusten; mit geschwollenen Halslymphknoten. Großer Kopf und dicker, harter Bauch. Heißer Kopf bei geistiger Anstrengung. Kälteempfindung in einzelnen Stellen des Kopfes. Brennen auf dem Scheitel; auch nach Kummer. Hydrozephalus; chronisch. Haarausfall.
AugenErweiterung der Pupillen. „Fatale Gesichter“ beim Schließen der Augen; sieht Dinge jenseits seines Gesichtsfeldes. Hornhautflecken und -geschwüre, Trübungen. Eiternde Tränenfistel; Tränen der Augen. Große Lichtscheu. Jucken der Augen. Kann bei künstlichem Licht nicht lesen [wegen Brennen und Schneiden in den Augen]. Empfindung, als ob sie schielte. Ophthalmie: der Neugeborenen; nach Erkältung. Trübsehen durch längeres Lesen, Schreiben usw. Leichtes Ermüden der Augen.
OhrenTaubheit: von Arbeit [und Waschen] im Wasser oder infolge von Chinin-Abusus. Anomalien des Gehörs [Schwerhörigkeit, Ohrgeräusche usw.] Leicht blutende Polypen im Gehörgang. Ohrenschmerz beim Schneuzen und Husten. Eitrige, übel riechende Absonderung aus den Ohren, und vergrößerte Lymphknoten oder Drüsen. [Parotisgeschwulst.] Eingebildete Geräusche.12

12

„Beim Einschlafen Phantasietäuschung, als höre sie ein Poltern und Klappern über ihrem Bette, wovon sie ein Schauder überlief“ (Hahnemann).

Ohrgeräusche beim Schlucken, beim Kauen. Pulsierender Ohrenschmerz, mit Gefühl, „als wollte sich etwas durchdrängen“.
NaseTrockene Nase, Nasenlöcher wund, geschwürig. Schnupfen, mit Polyurie. Übler Geruch in der Nase. Verstopfte Nase. Nase mit gelbem, stinkendem Eiter verstopft. Anschwellung der Nase und der Oberlippe; bei Kindern. Polypen, mit Verlust des Geruchssinns. Katarrh alter Leute. Niesen, öfters, ohne erkältet zu sein. Nasenbluten bei Kindern, die zum Dickwerden neigen.
GesichtBlass, aufgedunsen, teigig. Alt aussehend, runzlig. Anschwellung der Oberlippe, morgens; sie springt auf und blutet. Unterkieferdrüsen geschwollen. Kauen und Schlucken im Schlaf; bei Kindern. Juckende Ausschläge am Kinn.
MundSaurer Mundgeschmack. Der Mund füllt sich mit saurer Flüssigkeit. Ranula unter der Zunge. Epulis; weich, schmerzlos. Zunge trocken, nachts [oder morgens beim Erwachen]; spricht nicht gern. Zungenspitze wie verbrannt schmerzend, schlimmer durch Warmes im Mund. Zahnschmerzen, schlimmer durch Eindringen kalter Luft; von Heißem [oder Kaltem] erregt.
HalsSchwellung der Tonsillen. Struma. Parotisfistel. Stechender Schmerz im Hals beim Schlucken. Kleine Geschwürchen [im Hals], die sich aufwärts zum Gaumen hin ausbreiten. Uvula: geschwollen, ödematös. Räuspert salzigen Schleim herauf.
MagenAppetitlosigkeit durch Überarbeitung. Appetitlosigkeit, aber wenn das Essen kommt, schmeckt es doch. Verlangen nach Unverdaulichem: Kalk, Kohle, Bleistiftminen; auch Verlangen nach Eiern, Eiskrem, Salzigem und Süßigkeiten. Abneigung gegen Fleisch, Milch, Gekochtes, Fett. Milch bekommt nicht. Durst auf kaltes Wasser, nachts. Wassertrinken, auch noch so wenig, erregt Übelkeit – aber nicht, wenn es sich um Eiswasser handelt. Saures Aufstoßen, saures Erbrechen geronnener Milch. Hyperchlorhydrie. Geschwulst in der Magengrube, wie eine umgestülpte Untertasse hervortretend. [Magengrube konvex statt konkav.] Gefühl, als stiege etwas aus dem Magen in den Kopf auf.
AbdomenDick und hart. Kolikschmerzen: mit Kälte der Oberschenkel; nachdem ein Schnupfen vergangen ist; oder auch mit Kältegefühl im Unterleib. Eingeklemmte Blähungen. Bauchauftreibung, besser [?]13

13

Dafür konnte ich keine Belege finden. Wahrscheinlich muss es heißen: Schmerz schlimmer durch den geringsten Druck. Vergleiche z. B.: „Unerträglichkeit fester Bekleidung um die Herzgrube“, „Die fest anliegende Bekleidung um die Hypochondern ist ihr unerträglich“ (Hahnemann) usw.

durch den leichtesten Druck. Lebergegend schmerzhaft, schlimmer durch Bücken. Gallensteinkolik. Peritonitis, wenn der Schmerz durch Anwendungen kalten Wassers besser wird. „Krampfhaftes Zusammendrehen und Zusammenwickeln um den Nabel.“ Nabel: wund; Wucherungen wie wildes Fleisch bei Säuglingen. Mesenterial- und Inguinallymphknoten geschwollen und schmerzhaft. Wässrige kreideweiße, graue oder grünliche Stühle. Diarrhö von Kindern, mit Heißhunger. Durchfälle schlimmer durch Essen und Trinken. Durchfall: chronisch, auch nach Verbrennungen. Unverdaute [harte oder dünne] Stühle; die Speisen passieren den Darmkanal unverändert. Stuhl erst fest, dann breiig, dann dünn. Es geht ihm am besten, wenn er verstopft ist. Analprolaps. Krabbeln im Mastdarm [wie von Maden]. Hämorrhoiden, die beim Gehen stark schmerzen, besser im Sitzen14

14

Diese Modalität ist fragwürdig. Möglicherweise handelt es sich um eine Entstellung des Hahnemannschen Symptoms Nr. 827, das im Folgenden in eckigen Klammern zitiert wird.

. [Die Mastdarm-Aderknoten treten heraus und schmerzen beim Gehen sehr, weniger beim Stuhle.] Hartnäckiger Tenesmus, nach dysenterischen Stühlen. Bandwürmer, Spulwürmer.
HarnwegeUrin: dunkelfarbig, braun; riecht säuerlich, faulig oder überhaupt stark. Weißer Bodensatz, milchiger Urin. Blutiger Urin. Blasenpolypen. Nierenkolik. Enuresis: Bettnässen; beim Gehen.
Männliche GenitalienErhöhtes Sexualverlangen, mit verlangsamtem Zustandekommen von Erektionen15

15

Evtl. sind hier Ejakulationen gemeint, was jedenfalls bei Hahnemann belegt wäre: „Beim Beischlafe sehr später Samenerguß.“ „Beim Beischlaf spritzt im Wollust-Moment der Same nicht fort, sondern er läuft gleichsam nur hinterdrein aus.“

. Öftere Pollutionen. Brennen in den Geschlechtsteilen beim Samenerguss. Koitus gefolgt von ungeheurer Schwäche, Schwindel, Reizbarkeit, Lahmheit von Rücken und Knien, Kopfweh und Schweiß.16

16

Wenigstens ein Teil dieser Symptome ist bei Hahnemann nach einem zu frühen Samenabgang („kaum aber eingedrungen, entging ihm der Samen“) verzeichnet, nämlich „ungeheure Schwäche mit großer Erregtheit der Nerven, unzufrieden und zornmütig, und die Knie schienen ihm vor Schwäche brechen zu wollen“.

Jucken und Brennen in den Geschlechtsteilen. Impotenz, infolge von Masturbation oder exzessiver sexueller Betätigung. Ejaculatio praecox. Hydrozele, bei Knaben.
Weibliche GenitalienMenstruation: zu früh (auch die Menarche bei Mädchen); zu stark, zu lang anhaltend; mit Schwindel, Zahnweh und feuchtkalten Füßen. Milchartiger, schussweiser Ausfluss, auch dick und gelb; meist mit dem Urin abgehend; mit Jucken und Brennen. Brüste schmerzhaft und geschwollen, vor den Menses. Milchproduktion im Überfluss, die Milch bekommt dem Säugling aber nicht. [Oder:] Milchmangel. Brustwarzen: rissig, ulzeriert; sehr empfindlich. Starke Stiche in den Brustdrüsen, beim Stillen. Unfruchtbarkeit, bei starker Monatsblutung. Uteruspolypen. Aufregung löst Dysmenorrhö aus oder führt zur Wiederkehr der Blutung. Krämpfe in den Zehen oder Fußsohlen, während der Schwangerschaft. Verspätete Menstruation [bzw. verzögerte Menarche] bei dicken, schlaffen Mädchen; mit Herzklopfen, Atemnot und Kopfweh. Amenorrhö bei plethorischen Frauen; aufgrund von Schreck. Schweiß und Erschöpfung nach dem Koitus. Jucken und Brennen in den Geschlechtsteilen. Schwerfällig, ungeschickt und müde, während der Schwangerschaft.
AtemwegeSchmerzlose Heiserkeit, schlimmer morgens. Praktisch alles macht ihn kurzatmig. Emphysem. Kitzelhusten, wie von Federstaub im Hals. Hustenreiz beim Einatmen; Husten erregt von Klavierspielen [jeder angeschlagene Ton scheint im Kehlkopf zu vibrieren], von Essen. Scharfe Schmerzen in der Brust, von vorn nach hinten. Auswurf eitrig [wie purer Eiter], locker. süßlich schmeckend. Brust schmerzhaft empfindlich gegen Berührung, Abklopfen oder Druck. Erstickungsanfälle. Schwächegefühl in der Brust, kann nicht einmal sprechen. Geschwüre oder Abszesse in den Lungen. Habitueller Husten. [Den ganzen Tag lang ein beständiges Hüsteln, so etwas wie eine unwillkürliche Gewohnheit, bei Kindern.]
HerzSchwach. Starkes Herzklopfen, mit Kältegefühl17

17

Bei Hahnemann ist von „Kälte des Körpers und kaltem Schweiß“, also offenbar von objektiver Kälte die Rede.

, mit Unruhe und Brustbeklemmung.
Äußerer Hals und RückenHalsweh [und Genicksteifigkeit], ausgelöst durch Verheben. Steifheit und Starrheit im Nacken. Schmerz im Rücken wie verrenkt, kann kaum vom Sitzen aufstehen. [Druck-]Schmerz zwischen den Schulterblättern, den Atem nehmend. Kann nicht aufrecht auf dem Stuhl sitzen, weil der Rücken so schwach ist. Rückenwirbel wie locker; druckschmerzhaft.
ExtremitätenKalte, feuchte Füße; Empfindung, als hätte man feuchte Strümpfe an. Kalte, feuchte, klebrige Hände oder Knie. Wadenkrämpfe: beim Ausstrecken des Beins; nachts. Brennen in den Fußsohlen. Fußsohlen rau [durch übel riechenden Fußschweiß]. [Plötzliche] Mattigkeit der Arme, wie Lähmung. Hand schläft ein, beim Zugreifen. Einschränkung der Beweglichkeit der Finger. Krabbeln auf den Gliedmaßen, wie von einer Maus [vor epileptischem Anfall]. Aufgesprungene Hände. Schwerfällig, unbeholfen, fällt leicht hin. Schwache Fußgelenke bei Kindern, Füße werden nach innen gesetzt beim Gehen. „Nach jedem kleinen Gange große Ermattung.“ Anschwellung der Gelenke, besonders der Knie. Schwäche und Zittern der Glieder. Gichtknoten; Arthrosis deformans.
HautKalt, wie die einer Schlange; schlaff; unheilsam, selbst kleine Verletzungen wollen nicht heilen. Psoriasis. „Nesselausschlag, welcher immer an kühler Luft vergeht.“ „Sichtbares Gluckern in der Haut, von den Füßen bis zum Kopf hinauf, worauf es ihm dann düselig wird.“ Furunkel; rezidivierend. Milchweiße Flecken [mit dunklem Rand]. Petechiale Ausschläge. Frostbeulen. Kälte. Eiseskälte am Scheitel; oder stellenweise Kälte auf dem Kopf; oder Kälte des Kopfes, der Hände, der Knie, der Füße oder des leidenden Teils.
SchlafSchlaflos durch Ideenandrang; verfolgt von einem unangenehmen Gedanken, der ihn regelmäßig aufweckt, sobald er in einen leichten Schlummer gesunken ist. Alpträume; Kinder wachen nach Mitternacht schreiend auf und sind überhaupt nicht zu beruhigen. Grausige und phantastische Träume. Schreckliche Visionen beim Schließen der Augen.
FieberFrostigkeit mit Durst. Kälte: Eiseskälte in verschiedenen Körperteilen; des leidenden Teils. Innere Hitze mit äußerlichem Frieren, dabei Schwitzen. Fieberhitze mit Schweiß. Schweiß kalt; partielle Schweiße. Hitzegefühl: nachts; während [oder vor] der Menstruation.
KomplementärBaryta carbonica; Lycopodium; Silicea.

  • Calciumcarbonat (CaCO3), jedoch kein reines. Wird aus der mittleren Schicht der Austernschale gewonnen, deshalb (u. a. bei Hering) auch Calcarea ostrearum genannt. Die Symptome des essigsauren Kalks [Calcarea acetica, Ca(COO)2] sind in dieses Arzneibild mit aufgenommen.

  • Prüfungen: Hahnemann, Chronische Krankheiten, Band 2; daneben einige Symptome aus Kochs Nachprüfung (Hygea, Band 5).

Calcarea fluorica
AllgemeinesDieses Gewebesalz bewirkt Erschlaffung der elastischen Bindegewebefasern, besonders in den Wandungen der Blutgefäße, auch mit starker Wirkung auf Drüsen und Lymphknoten. Drüsen bzw. Lymphknoten vergrößern sich und werden steinhart. Gefäßerweiterungen, Varikose, Phlebitis. Aneurysma. Zerteilt Knochenwucherungen, osteoplastische Sarkome sowie Exostosen; auch nach Verletzung entstandene. Kephalhämatom. Zahnschmelzdefekte. Beseitigt die Neigung zu Schwartenbildung und Verwachsungen [und resorbiert diese], nach Operationen. Steinharte Indurationen: der Tonsillen, der Halslymphknoten; von Tumoren nach Verletzungen; von Geschwürsrändern usw. Verhärtungen mit drohender Eiterung. Arteriosklerose. Drohender Schlaganfall. Fisteln. Katarakt. Sekrete färben sich grasgrün. Stinkender Eiter. Allgemeine Steifheit. Schwäche, morgens. Müdigkeitsgefühl den ganzen Tag. Taubheitsempfindungen, verschiedener Körperteile. Träges Temperament. Hypertrophierte Nägel. Verbrennungen durch Röntgenstrahlen. Periostitis des Unterkiefers, der Rippen usw. Syphilis congenita, die sich in Ulzeration der Mund- und Halsschleimhaut äußert. Knoten in der weiblichen Brust.
SchlimmerBeginn der Bewegung. Kälte; nasskalt. Zugluft. Wetterwechsel. Verstauchungen, Verrenkungen.
BesserFortgesetzte Bewegung. Wärmeanwendung; Hitze. Reiben.
Geist und GemütUnentschlossen. Grundlose Furcht vor finanziellen Verlusten; vor Armut.
KopfEine Art Knarren, Zerren und Ziehen im Kopf, eine Geräuschwahrnehmung, die am Schlafen hindert. Kephalhämatom neugeborener Kinder.
AugenSchmerz in den Augäpfeln, besser durch Schließen der Augen und Drücken darauf. Funken und Flimmern vor den Augen. Keratoconjunctivitis phlyctaenularis. Subkutane Zysten der Augenlider. Katarakt. Hornhauttrübungen, Maculae.
OhrenChronische Otorrhö. Kalkablagerungen am Trommelfell.
NaseReichliches, gelbliches, dickes, klumpiges, übel riechendes Sekret aus der Nase. Ozäna.
GesichtHarte Geschwulst auf der Mandibula. Periostitis des Unterkiefers. Harte Geschwulst der Wange, schmerzhaft oder mit Zahnschmerz. Kleine, harte Herpesbläschen auf den Lippen.
MundZahnfleischabszess, mit harter Geschwulst des Kiefers. Zähne locker. Zunge verhärtet. Zahnweh, sobald Essen mit dem Zahn in Kontakt kommt.
HalsTonsillen: rau, zerklüftet; mit ständiger Bildung von Schleimpfropfen [in den Krypten]. Halsweh, Brennen [mit Stechen und Erstickungsgefühl, schlimmer durch kalte Getränke], besser durch warme Getränke.
MagenErbrechen: unverdauter Speisen; bei Säuglingen. Akute Magenverstimmung nach Übermüdung, vor allem geistiger Erschöpfung; bei überforderten Kindern. Schluckauf, erregt durch Ausräuspern von Schleim.
AbdomenBlähungen; in der Schwangerschaft. Stühle: schussweise, wässrig, von stinkendem Geruch. Blutende Hämorrhoiden; mit Schmerz im Kreuzbein. Analfissuren, Analfisteln.
Männliche GenitalienHydrozele. Verhärtungen der Hoden.
Weibliche GenitalienHarte Knoten in den Brüsten. Erleichtert den Geburtsvorgang.
AtemwegeHusten, mit Auswurf kleiner, zäher, gelber Schleimklümpchen. Heiserkeit, nach lautem Lachen oder Lesen. Atembeklemmung, Atmen so schwierig, als wäre der Kehldeckel fast ganz verschlossen.
HerzFibröse Einlagerungen im Endokard. Herzklappenaffektionen.
Äußerer Hals und RückenStruma. Lumbago; durch Überanstrengung, besser durch [fortgesetzte] Bewegung und Wärme. Rückenschmerzen [wie] nach einem langen Ritt.
ExtremitätenEingekapselte Tumoren am Rücken des Handgelenks. Schleimbeutelentzündungen. [Steinharte] rachitische Hypertrophie des Oberschenkelknochens bei Kindern. Chronische Synovialitis; des Kniegelenks. Kalte Hand- und Fußgelenke. Verdickungen und Verhärtungen im Bereich der Sehnen und Gelenke. [Verhärtete Vergrößerungen in den Faszien und Gelenkbändern.] Rezidivierendes Fibrom in der Kniekehle. Coxarthrose. Reiskörperchen in Gelenkhöhlen.
HautRissig, trocken, hart, weiß wie Alabaster. Muttermale. Geschwüre mit harten Rändern. Warzenartige Gewächse.
SchlafLebhafte Träume [vom Tod eines Verwandten, der eigenen Tochter usw.], mit Weinen. Springt aus dem Bett, im Traum.
KomplementärRhus toxicodendron.
VerwandtGraphites; Hecla.

  • Calciumfluorid, CaF2, Flussspat. Eines der 12 Schüßler-Gewebemittel.

  • Prüfungen von Murch und Bell (AE, Band 10), von Sarah N. Smith (zitiert in Clarkes Dictionary); dazu kommen zahlreiche Indikationen von Schüßler und seinen Schülern. Zusammenfassungen in der AHZ 97 (von Hering) sowie bei Boericke und Dewey, The Twelve Tissue Remedies of Schüßler.

Calcarea hypophosphorosa
AllgemeinesCalciumhypophosphit ist bei Personen angezeigt, die blass und schwach werden, starke, durchnässende Schweiße haben, rapide abmagern und unter extremer Entkräftung leiden, infolge von herabgesetzter Vitalität, die auf Säfteverluste oder hartnäckige Abszesse zurückgeht. Säuglingsatrophie.
SchlimmerSäfteverlust.
Geist und GemütErregbar, nervös und schlaflos. Redet schnell und ist leicht erzürnt.
OhrenBrutzel- oder Zischgeräusche in den Ohren.
MagenHeißhunger, schlimmer zwei Stunden nach der Mahlzeit; nur so lange gelindert, wie der Magen voll ist. [Oder:] Appetitlosigkeit.
AbdomenEmpfindliches Klopfen in der Milz. Mesenteriallymphknotentuberkulose. Durchfall; bei Schwindsucht.
AtemwegeScharfer Schmerz in der Brust. Husten; bei Schwindsucht. Lungenblutungen. Asthma. Bronchitis.
HerzAngina pectoris. Venen hervortretend wie Peitschenschnüre [besonders an Hals, Kopf und den oberen Extremitäten].
ExtremitätenImmer kalte Gliedmaßen.
HautPustulöse Akne am ganzen Körper.
SchlafZusammenfahren im Schlaf.
FieberSchwächende Nachtschweiße.
VerwandtChina.

  • Calciumhypophosphit, Ca(H2PO2)2.

  • Prüfungen von Barrett, nachzulesen in Clarkes Dictionary und bei Hughes (Cyclopedia, Band 4). Ferner eine Reihe klinischer Bemerkungen bei Hale, New Remedies.

Calcarea iodata
AllgemeinesWird gewöhnlich bei Verhärtungen von Drüsen und Lymphknoten verwendet, wie es die Elemente nahe legen, aus denen diese Verbindung besteht. Kann bei vergrößerten Tonsillen gegeben werden, die voller kleiner Krypten sind. Hypertrophie der Schilddrüse etwa zu Zeit der Pubertät. Rachenmandelhyperplasie. Schwabbelige, schlaffe Kinder, die sich leicht erkälten. Absonderungen reichlich und gelb. Schmerzlose Geschwüre in Begleitung von Varizen. Kopfweh beim Reiten oder Fahren gegen kalten Wind. Verhärtete Gewächse in den Brustdrüsen, verschieblich, druckschmerzhaft und bei Bewegung des Arms schmerzend. Starke Schweiße.

  • Calciumjodid, CaI2.

  • Prüfungen von Blakeley, zu finden in AE, Band 2.

Calcarea phosphorica
AllgemeinesObwohl dieses Gewebemittel in vielen Aspekten Calcarea carbonica ähnelt, hat es doch seine eigenen charakteristischen Symptome. Es beeinträchtigt die Ernährung der Knochen, Drüsen und Lymphknoten. Die Knochen werden weich, dünn und brüchig. Unterstützt die Kallusbildung und Ossifikation bei Frakturen, die nicht verheilen wollen. Langsame Ossifikation; Knochen wachsen nicht zusammen. Die Drüsen und Lymphknoten sind geschwollen. Das Mittel hat eine besondere Affinität zu Knochensuturen und Symphysen. Schmerz entlang der Knochennähte; brennender Schmerz [oder ziehend, reißend, zerreißend]. Die Patienten, besonders die Kinder, sind zart, hochgewachsen, dünn oder hager; mit schmutzigweißer oder bräunlicher Haut. Anämische Zustände; in der Rekonvaleszenz nach akuten Krankheiten oder chronischen, zehrenden Leiden. Zittern, auch der Hände; begleitet Schmerzen und andere Beschwerden. Kälte, Empfindlichkeit oder Wundheitsgefühl, punktförmig: am Scheitel; an den Augäpfeln, der Nasenspitze, den Fingerspitzen usw. Empfindungen von Kribbeln und Taubheit; nach unangenehmen Nachrichten.18

18

Vgl. dazu folgende Schilderung aus der Prüfung von Schréter: „Sehr verstimmt, will nichts reden, es ist ihm am liebsten, wenn man ihn nichts fragt und ihn in Ruhe lässt, nach einer unangenehmen Nachricht. – Sehr unruhiger Schlaf. – Des Morgens nach dem Erwachen sind die Extremitäten eingeschlafen, besonders die Hände und Füße (nach einer tags vorher unangenehmen Nachricht).“

Kindern bleibt der Atem stehen, wenn man sie hochnimmt.19

19

Aus einem Fall in Franks Magazin 4:811: „Halbjähriger Bauernknabe litt … an sehr häufigen Erstickungsanfällen, besonders wenn er geweint, auch zuweilen wenn er getrunken (die Brust der Mutter) oder eben geschlafen hatte, oder aus der Wiege genommen wurde; dabei wurde er plötzlich blau, der Atem blieb stehen, oft Minuten lang, er bog den Kopf öfter weit zurück, schlug mit Händen und Füßen um sich, und dieser Zustand höchster Gefahr machte dann sogleich wieder der Ruhe Platz, nur mit den Zeichen großer Erschlaffung und Mattigkeit.“

Albuminöse Absonderungen. Schmerzen wechseln den Ort. Arthritis. Rheumatismus. Malassimilation. Rachitis. Addison-Krankheit. Bei schlimmen Folgen von: übermäßigem Wachstum; Verheben; geistiger Überanstrengung; sexuellen Exzessen oder Abweichungen; Kummer; enttäuschter Liebe; unangenehmen Nachrichten; Fisteloperationen [am Anus]; Nasswerden. [Beschwerden in der Pubertät bei] Mädchen, deren Entwicklung zur Geschlechtsreife verlangsamt ist. Bei Folgen von Erkältung während der ersten Monatsblutung [langjährige Dysmenorrhö]. Geistig zurückgebliebene Kinder. Diabetes, wenn Lungenkomplikationen auftreten.
SchlimmerWetterwechsel. Zugluft. Kälte. Schneeschmelze20

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Vgl. Nash: „Rheumatische Beschwerden, die schlimmer im Herbst oder Frühling sind, wenn die Luft von schmelzendem Schnee erfüllt ist.“

. Zahnung. Geistige Anstrengung. Verlust von Körpersäften. Pubertät. Obst, Apfelwein. Bewegung. Denken an die Symptome. Heben. Treppensteigen.
BesserIm Sommer. Bei warmem, trockenem Wetter. Im Liegen.
Geist und GemütMissmutig, gereizt, unruhig. Vergesslich. Möchte immer weggehen; will nach Hause, wenn sie anderswo ist, und wenn sie daheim ist, möchte sie wieder weg. Geistige Behinderung, Kretinismus, mit motorischer Unruhe.
KopfKopfweh: im Hinterkopf [um die lateralen Hinterhaupthöcker]; die Wirbelsäule herab. Schmerzen besser durch Waschen mit kühlem Wasser oder durch Niesen. Schulkinder-Kopfschmerz; mit Durchfall. Kopfweh besonders in der Nähe der Suturen; brennend [oder ziehend, reißend, zerreißend]. [Schmerzhaftes Gefühl von Vollheit im Kopf], als würde das Gehirn gegen den Schädel gedrückt. Verspäteter Fontanellenschluss, oder die bereits verknöcherten Fontanellen öffnen sich erneut. Schädelknochen weich und dünn, auf Fingerdruck ein Gefühl wie Papierknistern; besonders am Os occipitale. Kälte- oder Wundheitsgefühl am Scheitel. Kopf heiß, mit schmerzenden Haarwurzeln. Gefühl, als ob Eis auf dem Hinterkopf wäre. Depression, Einsenkung auf dem Hinterhauptbein. Hydrozephalus. Kann den Kopf nicht aufrecht halten, er wackelt.
AugenGefühl von Kühle hinter den Augen. Empfindung, als wäre etwas in den Augen, kommt jedes Mal wieder, wenn man daran denkt [bzw. wenn es im Gespräch erwähnt wird]. Diffuse Hornhauttrübung. Kann bei künstlichem Licht die Augen nicht anstrengen [das Licht tut den Augen weh, kann nicht lesen].
OhrenPlötzliches Anschwellen des äußeren Ohres. Kältegefühl in den Ohren. Ohrgeräusche nach Stuhlgang.
NaseEiskalte Nasenspitze. Große, gestielte Polypen. Schnupfen, mit Speichelfluss.
GesichtBlass, gelblich, erdfahl; voller Pickel. Kalter Schweiß im Gesicht. Oberlippe geschwollen.
MundVerspätete Zahnung. Zähne weich, Neigung zu Karies. Beschwerden beim Zahnen: Krämpfe ohne Fieber. Zähne empfindlich beim Kauen. Ekelhafter Mundgeschmack, besonders morgens beim Erwachen; bitterer Geschmack morgens, bei Kopfschmerzen.
HalsHals schmerzt wie wund und weh; Empfindung wie hohl im Schlund.21

21

Vgl. das Prüfungssymptom von Jones: „Empfindung von Leere oder Schwäche (emptiness or faintness) im Schlund“ (AE, Band 10, Symptom 673).

Vergrößerte Tonsillen. Schmerz [an den Mandeln] beim Öffnen des Mundes. Rachenmandelhyperplasie.
MagenSäuglinge wollen andauernd gestillt werden und erbrechen leicht. Ständiges Erbrechen von Mutter- oder Flaschenmilch. Verlangen: nach rohen, salzigen oder pikanten Speisen; nach Schinken, nach fettem Speck; nach Salz- oder Räucherfleisch. Schwache Verdauung; jeder Bissen verursacht Magenschmerzen. Verlangen zu rauchen, was den Kopfschmerz bessert. Brechreiz beim Schleimausräuspern. Erbrechen mit Zittern der Hände.
AbdomenKolikartige Schmerzen: bei jedem Versuch zu essen; nach Genuss von Gefrorenem, kaltem Wasser oder Obst. Schlaffer, eingefallener Bauch. Aussickern einer blutigen Flüssigkeit aus dem Nabel von Säuglingen. Nässender Nabel. Neigung zu Durchfällen: von saftigem Obst; während der Zahnung. Stühle: faulig riechend, heiß; wässrig, herausspritzend, grünlich, schleimig; unverdaut; mit stinkenden Blähungen. Bewegungen im Bauch, wie von einem Lebewesen. Analfistel; im Wechsel mit [oder begleitet von] Brustsymptomen22

22

Solche Brustsymptome können etwa sein: Husten mit wundem, trockenem Hals, dumpfem Schmerz in der Brust (Boericke & Dewey).

. Analfissur, bei hoch gewachsenen, schlanken Kindern. Hämorrhoiden, die ständig eine wässrige Flüssigkeit absondern.
HarnwegeVermehrter Harnabgang, bei Abgespanntheit und Mattigkeit des Körpers. Schmerz in der Nierengegend beim Heben, [Umgraben] oder Naseputzen. Schmerz in der Blase, schlimmer, wenn sie leer ist [nach der Miktion].
Männliche GenitalienSchießender Schmerz durch den Damm in den Penis. Erektionen beim Fahren, ohne sexuelles Verlangen. Gefühl von Ermattung in den Geschlechtsteilen, nach Stuhlgang [und Miktion].
Weibliche GenitalienMenstruation: zu früh, helles Blut, bei Mädchen; zu spät, dunkles Blut [oder erst hell, dann dunkel], bei erwachsenen Frauen. Menses alle zwei Wochen. Spärliche oder zu starke Blutung. Sexuelles Verlangen verstärkt, besonders vor der Regelblutung; während der Laktationsperiode. Ungewöhnliche Gelüste während der Schwangerschaft. Fluor: brennend; eiweißartig; von einer Monatsblutung bis zur nächsten; mit vorhergehenden Bauchschmerzen. Kribbeln in den Genitalien; wollüstiges Kitzeln [und Pochen]. Prolapsus uteri: bei geschwächten, erschöpften Frauen; schlimmer während der Ausscheidung von Harn, Stuhl oder Menstruationsblut; in Verbindung mit rheumatischen Schmerzen. Schweregefühl, Schwäche und Schmerzen des Uterus. Muttermilch schmeckt salzig, das Kind lehnt die Brust ab. Hautausschläge schlimmer während der Menses. Verspätete Menstruation, mit heftigen Rückenschmerzen. Brüste wund, berührungsempfindlich; Vergrößerungsgefühl.
AtemwegeKindern bleibt der Atem stehen, wenn man sie hochnimmt [Fußnote 19]. Husten, besser im Liegen. Zahnungshusten. Unwillkürliches Seufzen. Lungentuberkulose: kavernös; mit Nachtschweißen; mit gelbem Auswurf. Schmerz in der Brust von Zugluft. [Verschleimter Hals], muss sich immer räuspern, bevor er singen oder sprechen kann. Hartnäckige Fälle von Keuchhusten. Tumor in der (linken) männlichen Brust, druckschmerzhaft.
HerzWassersucht nach Herzkrankheiten. Herzklopfen, gefolgt von zittriger Schwäche, besonders der Waden.
Äußerer Hals und RückenSchmerzen im Nacken von Zugluft. Hals schwach, dünn; der Kopf wackelt. Verkrümmung der Wirbelsäule nach links. Heftiger Kreuzschmerz bei der mindesten Körperanstrengung; schreit vor Schmerz. Kreuz gefühllos und lahm. Spina bifida. Pott-Krankheit (Wirbeltuberkulose).
ExtremitätenRheumatismus in der kalten Jahreszeit [auch bei Tauwetter]. Wunde Fingerspitzen. [Geschwürschmerz in den Nagelwurzeln], wie von Splittern unter den Nägeln. Gesäßbacken schlafen ein. Schwach in den Hüften [als ob sie auseinander fallen würden]. [Wundheitsgefühl in der sakroiliakalen Symphyse, als wäre sie auseinander gegangen.] Coxarthrose. Kalte Gliedmaßen bei Verdauungsbeschwerden. Schmerz um die Nägelränder, brennend [oder geschwürig]. Harte bläuliche Geschwülste in den Achselhöhlen. Zittern der Arme und Hände, als Begleitsymptom vieler Beschwerden. Fistulöse Geschwüre an Sprunggelenk und Knöchel.
HautDunkler Teint; braun oder gelb [oder schmutzigweiß]. Exulzeration von Amputationsnarben. Geschwürbildung nach Anwendung einer Senfpackung.
SchlafStändiges Strecken und Gähnen. Kinder schreien im Schlaf. Kann am frühen Morgen nicht recht wach werden.
FieberFriert leicht. Kältegefühl begleitet die Schmerzen. Frost läuft den Rücken hinauf, Hitze den Rücken herab. Klebriger, kränklicher Schweiß, besonders an Kopf und Hals; [starker] Nachtschweiß.
KomplementärHepar sulfuris; Ruta graveolens.
VerwandtCarbo animalis; China; Ferrum phosphoricum; Natrium muriaticum.

  • Der phosphorsaure Kalk ist in unterschiedlicher Weise zubereitet und geprüft worden. Die ersten Prüfungen wurden mit einem Präparat vorgenommen, das „durch Eintröpfeln verdünnter glasiger Phosphorsäure in Kalkwasser“ hergestellt wurde (Hering, Medizinische Schriften, Band 3, S. 1356); dieses Präparat wird von Hering als „Calcarea phosphorica mixta“ bezeichnet, da es verschiedene Calciumsalze der Phosphorsäure und auch noch weitere Stoffe enthält. Später wurde versucht, eine Reindarstellung des phosphorsauren Kalks der Knochen zu erreichen (von Hering als Calcarea phosphorica basica bezeichnet), und auch mit diesem Präparat wurden Prüfungen angestellt. Im Allgemeinen handelt es sich um Gemische, die Calciumhydrogenphosphat (CaHPO4), Calciumphosphat [Ca3(PO4)2] und Hydroxylapatit enthalten können.

  • Gehört zu den 12 Gewebemitteln von Schüßler. Die Indikationen von Schüßler (Eine abgekürzte Therapie) und seinen Schülern bilden einen Teil des Arzneibildes, ein anderer Teil stammt aus homöopathischen Prüfungen. Letztere sind hauptsächlich in AE, Band 1 und 10, teilweise auch in deutscher Übersetzung in Noack/Trinks/Müllers Handbuch zugänglich; zu den Prüfern gehörte auch Hering (der nach eigenen Angaben beide Präparate geprüft hat). Eine Prüfung von Schréter liegt in NAfH 3:3:153 vor.

Calcarea sulfurica
AllgemeinesDies ist das Bindegewebemittel von Dr. Schüßler. Es wirkt auf Drüsen und Lymphknoten, Schleimhäute, Knochen und Haut. Torpide, langsam sich entwickelnde Drüsenschwellungen. Zystische, eingekapselte Tumoren. Fibrome, Myome. Neigung zu Eiterungsprozessen. Eiterungen, bei denen der Eiter bereits einen Abfluss gefunden hat, fallen in die Wirkungssphäre dieser Arznei. Eitrige Absonderungen dick, gelb, klumpig, blutig; Schleimhautsekrete [Schnupfen, Husten, Leukorrhö, Tripperausfluss], die ebenfalls dick, gelb, klumpig sind. Abszesse mit [kontinuierlicher] Eiterung; wiederkehrende Abszesse. Bösartige Geschwüre; tiefe Geschwüre der Hornhaut des Auges. Fistelbildung. Schneidende Schmerzen. Reaktionsmangel. Säuglinge mit blutigem Schnupfen, Durchfall oder Ekzem. Verbrennungen und Verbrühungen, sobald Eiterung beginnt. Bösartige Wucherungen, nachdem Geschwürbildung eingesetzt hat.
SchlimmerZugluft. Berührung. Kälte; Nässe. Zimmerwärme.
BesserIm Freien, durch frische Luft. Baden. Aufdecken, Entblößen. Nach Essen. Wärme (lokal angewendet).
Geist und GemütStets in Eile. Bringt jenen, die nicht einer Meinung mit ihm sind, [Hass und] Verachtung entgegen. Murrt oder jammert, dass ihm die gerechte Anerkennung nicht zuteil werde, dass die anderen seinen Wert nicht zu schätzen wüssten. Sitzt da und grübelt über eingebildetes Unglück nach.
KopfMilchschorf; mit eitrigem gelbem Sekret.
AugenKonjunktivitis; mit Absonderung von dickem gelbem Eiter. Rote, juckende Lider.
OhrenKlumpen von dunkelbraunem Ohrenschmalz. [Durch Entfernen wird der Ohrenschmerz gelindert.] Pickel rings um das Ohr. Otitis nach einer Ohrfeige.
NaseBlutiger Schnupfen; bei Säuglingen. Niesen [und Schnupfen], besser im Freien.
GesichtPickel und Pusteln im Gesicht.
MundZunge schlaff. Seifiger Mundgeschmack.
AbdomenDurchfall: bei Kindern; mit Abgang von Eiter bzw. blutigem Eiter. Durchfall nach Genuss von Ahornzucker. Stühle weiß überzogen. Schmerzhafter periproktitischer Abszess in Fällen von Analfistel.
HarnwegeNierenbeckenentzündung. Chronische Nephritis.
Weibliche GenitalienAusfluss, dick, weiß [oder gelb]. Schneidender Schmerz im (rechten) Eierstock. Menses: später als gewöhnlich eintretend, länger andauernd.
AtemwegeKrupp mit Erstickungsgefühl.23

23

Dabei bessert Aufdecken oder Entblößen, während Hepar sulfuris in derartigen Zuständen schon durch Herausstrecken einer Hand unter der Bettdecke deutliche Verschlimmerung erfährt – laut Kent ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal der eng verwandten Mittel.

Empyem [im Pleuraraum, besonders nach Thorakozentese].
ExtremitätenFußschweiß, kalt, übel riechend. Brennen und Jucken in den Fußsohlen.
HautUnheilsame Haut; Schnitt- und andere Wunden wollen nicht heilen. Trockenes Ekzem; besonders Säuglingsekzem.
SchlafSchreckt aus dem Schlaf auf, wie in Atemnot.
FieberFebris hectica, verursacht durch Eiterbildung. Abneigung gegen Decken, möchte kühl bleiben.24

24

Phatak hat im Englischen die etwas kryptische Formulierung: „Abneigung gegen Decken, wenn kühl.“ Die oben gewählte Formulierung stammt von Farrington. Kent gibt an: „Während der Patient im Allgemeinen kalt ist, verlangt er in bestimmten Zuständen, aufgedeckt zu werden“ (nämlich bei Krupp und Kopfweh).

Trockene Fieberhitze, nachts. Schwitzt leicht, schlimmer beim Husten.
VerwandtHepar sulfuris; Silicea.

  • Calciumsulfat (Gips), CaSO4.

  • War zunächst eines der 12 Schüßler-Gewebemittel, wurde jedoch von Schüßler wieder fallengelassen, weil es „nicht in die konstante Zusammensetzung des Organismus eingehe“. Neben Indikationen von Schüßler und seinen Schülern gibt es Prüfungen von Conant (in AE, Band 2), Hering, Withy „und einer jungen Frau“ (in den Guiding Symptoms und in AHZ 97:104–119). Kent spricht in den Lectures überdies von „zahlreichen fragmentarischen Prüfungen“, die er verwertet habe.

Calendula officinalis
AllgemeinesDiese Arznei wirkt auf die Muskeln; auch auf das Rückgrat25

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Aus einer unfreiwilligen Prüfung (Clarke, Dictionary): „Es war ein Gefühl, als ob ein überwältigendes Unglück über mir schwebte, so schlimm, dass es fast unerträglich war. Vor drei Jahren packte mich direkt nach dem Zubereiten der Tinktur mein alter Feind, die Gicht, in der Mitte des Rückgrats und raubte mir innerhalb von drei Tagen alle Kraft zu gehen, und daraufhin steigerte sich jenes entsetzliche Gefühl noch sehr.“ Diese Erfahrung brachte den Prüfer zu der Schlussfolgerung, dass Calendula auf das Rückenmark wirke.

und die Leber. Ein bemerkenswertes Heilmittel bei offenen Fleischwunden: Riss- oder Schnittverletzungen [oder auch Schusswunden], gezackte, zerklüftete oder eiternde Wunden; überstarke Schmerzen, die in keinem Verhältnis zu der Verletzung stehen. Fördert die Bildung von gesundem Granulationsgewebe und eine rasche primäre Wundheilung; verhindert Pyämie, Sepsis und Gangrän.26

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Die Anwendung bei Wunden ist oft äußerlich geschehen: mit Calendula-Lösung getränkte Wundverbände oder Umschläge. Die Arznei ist aber auch, zusätzlich oder ausschließlich, per os gegeben worden.

Blutungen: bei Verletzungen der Kopfhaut; nach Zahnextraktion. Erkältungsneigung. Empfindlich gegen feuchte Luft oder überhaupt gegen freie Luft. Bei Krebs, als interkurrentes Mittel. Die Applikation eines Schwamms, getränkt mit einer Lösung von Calendula in heißem Wasser, nach der Entbindung verschafft der Patientin die größte Erleichterung. [Die Arznei wird auch bei Dammrissen empfohlen.] Lähmung nach Apoplexie.
SchlimmerFeuchtes Wetter; bewölktes Wetter. Während des Fieberfrostes.
BesserBeim Herumgehen oder wenn man ganz still liegt.
Geist und GemütGroße Reizbarkeit, er erschrickt sehr leicht, [das Gehör ist sehr scharf]; fährt hoch vor Schreck [bei Geräuschen].
KopfGefühl einer Last auf dem Gehirn.
AugenBlennorrhö des Tränensacks; Gelbsehen.
Ohren[Schwerhörigkeit.] Hört am besten bei einer Zugfahrt und entfernte Geräusche. Überempfindliches Gehör, Geräuschempfindlich.
NaseSchnupfen:in einem Nasenloch; mit viel grüner Absonderung.
HalsSchmerzhafte Schwellung der Unterkieferdrüsen. [In den Drüsen hinter dem linken Aste des Unterkiefers herauf, ziehend spannender] Schmerz bei Bewegung des Kopfes.
MagenSodbrennen, mit Gänsehaut. Übelkeit [„ganz weichlich“] auf der Brust. Vom Tabakrauchen bekommt er Schluckauf.
AbdomenAufblähung des Epigastriums. Stuhl mit geronnenen Klümpchen.27

27

Bei einem Säugling, dessen Mutter ihre Brustwarzen mit einer Calendula-Lösung behandelte (vgl. Hughes, Cyclopedia, Band 4, S. 730).

Gelbsucht. Spannen und Zerren in den Leisten.
Männliche GenitalienMechanische Exkoriation der Schleimhaut des Präputiums nach Koitus.
Weibliche GenitalienWarzen am [äußeren] Muttermund; Muttermund liegt weiter unten als normal. Hypertrophie des Uterus. Menorrhagie. Reichlicher übel riechender Ausfluss nach Zangengeburt.
RückenUnter dem unteren Winkel des Schulterblatts in der rechten Seite [drückender Schmerz mit] Empfindung, als wäre alles zerschlagen.
ExtremitätenKalte Hände.
HautGelblich. Gänsehaut.
FieberFrostig, sehr empfindlich gegen frische Luft. Schauder im Rücken. Während die Haut warm anzufühlen ist, empfindet er Schauder und bekommt eine Art Gänsehaut. Abends [im Bett] große Hitze.
VerwandtArnica; Bellis perennis.

  • Calendula officinalis L. ist die Ringelblume, ein altbekanntes volksmedizinisches Heilmittel. Verwendet wird das frische blühende Kraut.

  • Eine homöopathische Prüfung „aus dem Nachlass von Dr. Franz“ ist im Archiv für die homöopathische Heilkunst, 17, 3: 179 zu finden. Ferner sind einige Symptome von Price und Fitch in AE, Band 2 bzw. 10 vermerkt, und Hughes' Cyclopedia bietet einen unfreiwilligen Prüfungsbericht an einem Säugling, dessen stillende Mutter ihre Brustwarzen in Calendula-Lösung badete; schließlich erwähnt Clarke einige Symptome eines Apothekers nach der Zubereitung der Tinktur. Die weitaus meisten Symptome stammen jedoch aus der (äußerlichen) klinischen Anwendung zur Wundbehandlung.

Camphora
AllgemeinesKälte, Crampi, [tonische] Krämpfe, verbunden mit quälender Angst, das sind die kennzeichnenden Merkmale der Zustände, in denen Camphora angezeigt ist. Krämpfe mit blauen Lippen, Schaum vor dem Mund und Kieferklemme. Tetanische Krämpfe mit zurückgezogenen Lippen und Entblößung der Zähne, danach Stupor; mit Kälte des Körpers. Trismus bei Neugeborenen. Camphora ist ein Mittel bei plötzlichem Kollaps infolge überwältigender Einwirkung auf die Nervenzentren [etwa bei Sonnenstich]. Der Patient wird eiskalt, kann aber dennoch keine Bedeckung vertragen bzw. will, dass man die Decken entfernt; dann verlangt er wieder, dass man ihn zudeckt, bei brennender innerer Hitze mit Angst. Plötzliches Sinken aller Kräfte; Ohnmachtsanfälle, die immer schlimmer werden. ‚Trockener‘ Kollaps, kaum von Erbrechen und Durchfall begleitet, bei Cholera [Cholera sicca]. Absonderungen spärlich, oder gänzlich im Körper zurückgehalten. Im Anfangsstadium einer Erkältung, wenn Frösteln besteht. Extrem empfindlich gegen kalte Luft, sehr erkältungsanfällig. Ungeschicklichkeit, Ataxie.28

28

Hahnemann gibt in seinem Aufsatz Über ein neues Princip … an: „Unvermögenheit, die Muskeln nach Willkür zu regieren.“

Weichteile eingezogen.29

29

Clarke sagt: „Es verursacht Rückzug von der Peripherie zum Zentrum.“ Etwa: Eingefallenes Gesicht, eingezogenes Abdomen (Hering).

Bei Folgen von unterdrückten Hautausschlägen [bzw. wenn ein Exanthem nur zögernd ausbricht oder wieder zurücktritt]. Folgen von Verletzungs- oder Operationsschock; Folgen von Sonnenstich; von Ärger. Antidotiert viele Arzneien (besonders die aus dem Pflanzenreich stammenden) und korrigiert verdorbene Fälle. Wirkt besonders auf den Verdauungstrakt, das zentrale Nervensystem, die Harnwege und die Nase. Hitzewellen beim Auftreten von Schmerzen, mit Unruhe.
SchlimmerKälte; Zugluft. [Beim Einschlafen], wenn man schon halb schläft; im „Zustande der halben Aufmerksamkeit“, wenn man nicht auf die Symptome achtet. Geistige Anstrengung. Nach Schock; nach Unterdrückung [von Hautausschlägen oder Absonderungen]. Bewegung. Nachts.
BesserUngehemmte Absonderungen. Schweiß. Denken an die Beschwerden. Trinken von kaltem Wasser.
Geist und GemütUnempfindlichkeit30

30

Hahnemanns Übersetzung für Cullens Ausdruck „insensibility“. Steht wahrscheinlich sowohl für Anästhesie und Lethargie als auch für Verlust der Besinnung. Zumindest sind all diese Zustände in den Prüfungen reichlich belegt.

, Schwinden aller Sinne; oder große Angst. Ungeschicklichkeit. Gedächtnisverlust. Delirium. Wahnzustände; religiöser Wahn, Wochenbettpsychose. Will aus dem Bett oder aus dem Fenster springen. [Die Haut des ganzen Körpers ist schmerzhaft empfindlich und tut schon bei leiser Berührung weh.] Mag es nicht, wenn ihm jemand zu nah kommt. [Aber auch: Große Angst vor dem Alleinsein.] Ist mit nichts und niemand zufrieden. Große Erregung, redet unaufhörlich, schimpft in den unzüchtigsten Ausdrücken. Hysterische Erregungszustände, kratzt, spuckt, beißt, zerreißt sich die Kleider. Nächtliche Anfälle quälender Angst. Hat das Gefühl, dass sie jeden Augenblick sterben werde; große Erleichterung, wenn sie erkennt: Nanu, ich lebe ja noch! Schreit laut, ruft um Hilfe. Hat die Augen geschlossen, gibt keine Antworten auf Fragen.
KopfEmpfindung wie zusammengeschnürt. Klopfender Schmerz im Hinterkopf, durch Aufrichten gebessert; [im Cerebellum], synchron mit dem Puls, besonders bei sexueller Abstinenz. Flüchtige Stiche in Schläfen und Augenhöhlen. Der Kopf wird krampfhaft zur Seite gezogen. Schmerzen, die vom Kopf bis zu den Fingerspitzen laufen.
AugenGegenstände erscheinen zu hell und glänzend; oder sie scheinen sich fortzubewegen, wenn man das Auge auf sie richtet, als bekämen sie einen Ruck zur Seite. Unverwandter, starrer Blick, mit aufwärts oder auswärts gerichteten Augäpfeln; erweiterte Pupillen. [Verengte und wieder erweiterte Pupillen.] Augen tief eingesunken; oder aus den Höhlen tretend, in Wahnzuständen.
OhrenHeiße, rote Ohrläppchen.
NaseKalt und spitz. Schnupfen, besonders bei alten Leuten. Die Zimmerluft, durch die Nase geatmet, erscheint kühler. Anhaltendes Nasenbluten, besonders mit Gänsehaut am Körper.
GesichtHager, spitz, blass oder bläulich, alt aussehend. Abwechselnd blass und gerötet. Kalter Schweiß. Hochgezogene Oberlippe. Trismus. [Krampfhafte] Verzerrung der Gesichtsmuskeln; Grimassieren. Schaum vor dem Mund.
MundZunge: bläulich; kalt und zitternd. [Verlust des Unterscheidungsvermögens zwischen heiß und kalt], kochendheißer Tee wird als kalt empfunden. Zahnschmerzen, gelindert durch Bier [und Trinken von kaltem Wasser, aber schlimmer durch kaltes Wasser, das zum Ausspülen im Mund behalten wird].
Magen, AbdomenBrennender Durst. Brennen im Magen; im Abdomen. Cholera asiatica; kaum Erbrechen oder Durchfall; ‚trockener Kollaps‘. Reiswasserstühle. Morgenerbrechen; sauer oder gallig.
HarnwegeStrangurie. Harnverhaltung. Hämaturie.
Männliche GenitalienSexuelle Erregung. Satyriasis. Schmerzhafte Dauererektion, im Traum [oder während tranceartiger Zustände]31

31

Die von Hering stammende Angabe „Anfälle von heftigem Priapismus, während man träumt“ geht wahrscheinlich auf einen Fall aus Franks Magazin 4:75 zurück, wo heftiger Priapismus im Zusammenhang mit „Somniatio spontanea“ beobachtet worden war, einem tranceartigen Zustand, in dem der Patient bei geschlossenen Augen aufstand, Briefe schrieb usw., bei völliger Amnesie danach.

. Impotenz.
Weibliche GenitalienErhöhtes sexuelles Verlangen. Hitzewallungen bei Kälte des Abdomens und der Extremitäten, im Klimakterium. Entblößt beständig die Brüste; bei Wochenbettpsychose.
AtemwegeAsphyxia neonatorum. Stimme: spröde, schwach, heiser; oder hoch, kieksend. Kalter Atem.32

32

„Beständige Empfindung von Kälte geht von der Herzgrube aus, erstreckt sich über das ganze Brustblatt und wird als kalter Hauch ausgeatmet“ (Rückert, Klinische Erfahrungen, Supplementband 1:796).

Stockender Atem. Heftige Anfälle trockenen Hustens.
HerzPuls: schwach, nicht tastbar, klein, frequent. [Oder: Immer langsamerer und langsamerer Puls.] Herzklopfen nach dem Essen.
Extremitäten[Steife, gespreizte Finger], Daumen nach hinten gebogen [fast im rechten Winkel]. Wadenkrämpfe. Knacken in den Gelenken. Gliedmaßen kalt, taub, prickelnd. Kalte Füße; Schmerz im Fußgelenk wie vertreten oder verstaucht.
HautTrocken; livide, blau, kalt, kann aber Zudecken dennoch nicht ertragen. Erysipel. Alle Folgezustände von Masern.
SchlafSchlaflosigkeit mit kalten Extremitäten. Sehr unruhige Nächte. Tiefer, fester Schlaf wie im Koma.
FieberSchüttelfrost mit objektiv kalter Haut; möchte nur im Hitzestadium zugedeckt sein. Plötzlich eintretende entzündliche Fieber, mit schnellem Wechsel von Hitze und Kälte; danach rapider Kräfteverfall. Hitze oder Schweiß [mit Scheu vor Entblößung]; besser, wenn zugedeckt. Frösteln: innerlich, zwischen den Schulterblättern; im Anfangsstadium von Erkältungen. Körper wird kalt, wenn unbedeckt; schwitzt stark, wenn sie sich zudeckt; [obwohl sie unter der Kälte leidet, kann sie die zum Wärmen ihrer kalten Glieder bestimmten Decken nicht ertragen].
KomplementärCantharis.
VerwandtCarbo vegetabilis; Cuprum; Opium; Secale cornutum.

  • Camphora, der Campher oder Kampfer (C10H16O), wird durch Wasserdampfdestillation aus dem zerkleinerten Holz des Kampferbaums (Cinnamomum camphora L.) gewonnen. Es handelt sich um den rechtsdrehenden Campher (im Gegensatz zum synthetisch hergestellten, der als Gemisch von links- und rechtsdrehenden Molekülen vorliegt).

  • Hahnemann hat den Campher bereits in seinem Versuch über ein neues Princip zur Auffindung der Heilkräfte der Arzneisubstanzen, nebst einigen Blicken auf die bisherigen (1796) in die homöopathische Literatur eingeführt. Eine Arzneiprüfung Hahnemanns und anderer, ergänzt um zahlreiche andere Quellen, findet sich in der Reinen Arzneimittellehre, Band 4. Weitere Prüfungen in deutscher Sprache: von Jörg und anderen, in: J. C. G. Jörg: Materialien zu einer künftigen Heilmittellehre durch Versuche der Arzneien an gesunden Menschen; von Schréter, in: NAfH 3, 1:83; von Lembke, in: NZfHK 10:161 und 169; sowie ein umfangreicher Bericht über eine Camphervergiftung von Kurtz, in: HVJ 1:231. Schließlich beschreibt Emmrich in AfH 18, 2:35 Symptome, die von der Anwendung des Camphers in Meiningen als Scharlachprophylaxe für Kinder (nämlich „in einem roten Säckchen … an einem roten Bändchen den Kindern angehängt“) beobachtet wurden.

Cannabis indica & sativa
AllgemeinesCannabis indica wird als Rauschmittel verwendet. Es hat eine sehr ausgeprägte Wirkung auf Geist und Emotionen, nämlich eine starke Exaltation mit extremer Übersteigerung der Denktätigkeit und der Wahrnehmung. Unter dem Einfluss des Mittels durchlebt man die wunderbarsten Halluzinationen und Phantasien und fühlt sich sehr glücklich und zufrieden; manchmal aber kommen auch halluzinatorische Erlebnisse von quälendem Schrecken und Schmerz zustande. Der Sinn für Proportionen geht verloren; oder auch das Zeit- und Raumgefühl. Größenwahn. Levitationserlebnisse, Gefühl von Schweben und Schwerelosigkeit. Heiterkeit; unkontrollierbares Lachen. Gewalttätigkeit, Heftigkeit. Delirium tremens. Fühlt sich schwach, ja ganz vernichtet. Morbus Basedow. Katalepsie. Wenn Harnwegssymptome und Zeichen von akuter Gonorrhö dominieren, sollte Cannabis sativa der Vorzug vor Cannabis indica gegeben werden. Unter Cannabis sativa wurden Empfindungen von Tröpfeln beobachtet: als würde er wiederholt mit heißem Wasser begossen, oder als fielen kalte Wassertropfen herab – auf den Kopf, aus dem After [an der Haut hin träufelnd] oder am Herzen.
SchlimmerUrinieren (Cann-s.). Dunkelheit. Körperliche Anstrengung, Sprechen, Gehen. Kaffee33

33

Andererseits werden Kopfschmerzen und Schwindel durch Kaffee manchmal augenblicklich gebessert (vgl. AE).

, Alkohol, Tabak. Im Liegen und beim Treppensteigen (Cann-s.).
BesserFrische Luft. [Waschen mit] kaltem Wasser. Ruhe.
Geist und GemütGeschwätzigkeit. Sehr vergesslich, kann den begonnenen Satz nicht zu Ende bringen. Die Zeit scheint gedehnt, zu lang. Räumliche Entfernungen scheinen unermesslich. Verlangt nach Licht. [Grauen vor der Dunkelheit.] Lectophobie, Furcht, ins Bett zu gehen (Cann-s.). Lacht unmäßig; auch über ernste Bemerkungen oder über jede Kleinigkeit. Lacht und weint [gleichzeitig oder abwechselnd]. Stöhnen und Weinen. Ekstatische, himmlische Visionen. Hört Stimmen, Glockengeläut, Musik. Fixe Ideen, oder extreme Ideenflucht. Hellsichtigkeit.34

34

Die Prüfungen berichten von empathischen Phänomenen, gesteigerter Wahrnehmung unwillkürlicher Körperfunktionen, visueller Hellsichtigkeit (kann im Dunkeln Gegenstände erkennen) und Hellhörigkeit (nimmt auch leise geflüsterte Worte wahr). In den Prüfungsberichten wird dies teilweise darauf zurückgeführt, dass Erinnerungsspuren in Sinneseindrücke umgesetzt werden.

Alles erscheint unwirklich. Die eigene Stimme klingt fremd, als wäre es jemand anders, der spricht.
KopfHeftige Kopfschmerzen; mit Halluzinationen. Empfindung von Öffnen und Schließen am Scheitel, verschlimmert durch Geräusch. Als ob der Kopf vom Rumpf getrennt wäre [und in der Luft schwebte]. Unwillkürliches Kopfschütteln. Heftige Schläge durchziehen das Gehirn.
AugenStarrer Blick. Beim Lesen laufen die Buchstaben ineinander. Schwachsichtigkeit. Sieht Gegenstände außerhalb des Gesichtsfelds [glaubt Gegenstände zu sehen, die in einem anderen Zimmer sind]. Hornhautflecken (Cann-s.).
OhrenOhrgeräusche wie von kochendem Wasser.
GesichtEmpfindung, als ob die Haut straff über das Gesicht gespannt wäre. Niedergeschlagener, sorgengequälter Gesichtsausdruck. Die Lippen kleben zusammen.
Mund, MagenZähneknirschen im Schlaf. Speichel: weiß, dickflüssig, schaumig. Stammeln und Stottern. Jegliche Speise erscheint ihm äußerst schmackhaft. Abneigung gegen Fleisch, das sie früher gern mochte (Cann-s.).
Abdomen[Schmerzliche Rucke im Bauch herum von einer Stelle zur anderen], als wäre etwas Lebendiges darin [Cann-s.]. Pochen im Bauch, hier und da [Cann-s.]. Empfindung im After, als ob man auf einem Ball säße [und als ob der Anus und ein Teil der Harnröhre von einem harten runden Objekt ausgefüllt wären].
HarnwegeNierenschmerzen; beim Lachen. Nierenkoliken. Muss pressen, um Harn lassen zu können; muss eine Zeitlang darauf warten, dass der Urin fließt; Harntröpfeln nach Ende der Miktion. Spärlicher, brennender Urin, der tropfenweise ausgeschieden wird; mit Schmerzen von der Harnröhrenmündung „bis hinter“ (zur Blase) [hauptsächlich bei Cann-s.]. Akutes, entzündliches Stadium der Gonorrhö – mit sehr berührungsempfindlicher Urethra, muss mit gespreizten Beinen gehen (Cann-s.). Empfindliche, gereizte Harnröhrenkarunkel.
Männliche GenitalienAnschwellung der Vorhaut [Cann-s.]. Vermehrtes sexuelles Begehren. Schmerzhafte Dauererektionen. Erektionen ohne erotische Vorstellungen.
Weibliche GenitalienReichliche Monatsblutung; mit heftigen wehenartigen Uteruskrämpfen; mit Dysurie [hauptsächlich bei Cann-s.]. Sexuelles Verlangen vermehrt, besonders bei unfruchtbaren Frauen oder im Zusammenhang mit Dysmenorrhö.35

35

Vgl. Hale, New Remedies, Band 2: „Cannabis indica ist bei Dysmenorrhö besonders dann angezeigt, wenn … vor, bei oder nach der Regelblutung ungewöhnliche sexuelle Gelüste auftreten.“

Drohender Abort: bei sehr häufigem Geschlechtsverkehr; bei Komplikationen durch Tripper [auch bei Frauen, die früher einmal einen Tripper hatten]. Ausfluss bei kleinen Mädchen.
AtemwegeAsthma mit Auswurf, Asthma humidum. [Orthopnoe.] Atemnot mit Herzklopfen, muss sich hinstellen [besonders ans offene Fenster], um Luft zu bekommen (Cann-s.). Erstickungsanfälle. Hat die Stimme nicht unter Kontrolle [spricht unwillkürlich zu laut oder zu leise].
HerzHerzklopfen, das aus dem Schlaf weckt. Puls langsam. Empfindung von Tröpfeln am Herzen (Cann-s.).
Äußerer Hals und RückenSchmerz quer über Schultern und Rückgrat, nötigt zum Bücken, hindert am Aufrechtgehen. Torticollis, das Kinn wird [plötzlich] zum Sternum gezogen.
ExtremitätenSchmerzen in den Gliedmaßen, schlimmer beim Tiefatmen. Vollständige Lähmung der Beine. Kontraktur der Finger nach Verstauchung (Cann-s.). Völlig erschöpft nach einem kurzen Spaziergang. [Angenehmes Schaudern in beiden Beinen, von den Knien abwärts, mit einem] Gefühl, als würden die Knie von Vogelkrallen umklammert. Dislokation [„Überschnappen“] der Kniescheibe beim Treppensteigen (Cann-s.).
SchlafTräume: erotisch; von Leichen. Schläfrig, kann aber nicht schlafen.
AntidotApis.

  • Cannabis indica ist der Indische Hanf, die Stammpflanze des Haschisch, Cannabis sativa der Kulturhanf. Die beiden Pflanzen werden heute als Varietäten zur gleichen botanischen Art (Cannabis sativa) gerechnet. Der Indische Hanf enthält mehr THC (die wichtigste berauschende Substanz in Haschisch und Marihuana). Von Cannabis sativa wurde „der frisch ausgepresste Saft aus Krautspitzen der blühenden Hanfpflanze“ geprüft. Das gleiche scheint für einen Teil der Cannabis-indica-Prüfungen zu gelten, ein Großteil der Symptome dieser Arznei stammt aber von Haschischgenuss zum Zweck der Berauschung. Zur Ähnlichkeit der beiden Präparate: Im Journal of Homoeopathic Clinics, Band 4 (1871), S. 26 berichtet Berridge von einem Fall mit (überwiegend) Cannabis-indica-Symptomen, bei dem er als Heilmittel Cannabis sativa verabreichte, „um die Frage zu entscheiden, ob die unterschiedlichen klimatischen Bedingungen der beiden Pflanzen zu unterschiedlichen medizinischen Eigenschaften führen“. Die Verordnung war erfolgreich. Die Differenz zwischen beiden wird seitdem zumeist als sehr gering eingeschätzt.

  • Cannabis sativa ist geprüft worden von Hahnemann (Reine Arzneimittellehre, Band 1), von Lembke (ZfHK, Band 4) und von Schréter (NAfH 3, 1:172). Auch eine Prüfung von Wibmer (Die Wirkungen der Arzneimittel und Gifte) ist überliefert. Zu den reinen Wirkungen von Cannabis indica existiert eine Vielzahl von Quellen. Die bedeutendsten sind Prüfungen der American Provers' Union und von Berridge sowie zahlreiche Berichte von Rauschzuständen (unter anderem von einem Autor unter dem Pseudonym „Hashish-Eater“) und Vergiftungen (sämtlich bei AE, Band 2 und 10 zugänglich). In deutscher Sprache liegt eine Prüfung von Lembke (s. o.) vor, ferner eine sehr dramatische Schilderung eines Haschisch-Vergiftungsfalls in der Zeitschrift des Vereins der homöopathischen Ärzte Österreichs, 1857, Band 2, S. 306.

Cantharis
AllgemeinesDie Spanische Fliege – unter diesem Namen ist Cantharis allgemein bekannt – greift die Harn- und Geschlechtsorgane an, pervertiert deren Funktion und verursacht heftige Entzündungen mit rasenden Delirien. Die Wirkung ist schnell und intensiv. Akute, heftige Entzündungen, oder solche, die schnell die Gewebe zerstören; besonders der Schleimhäute und serösen Membranen. Die Schmerzen sind schneidend, beißend, brennend, oder auch wie roh und wund; sie führen zu Erregungszuständen der Psyche. Bei jedem Krankheitszustand, der mit brennendem, schneidendem Schmerz beim Urinieren und spärlicher Harnausscheidung einhergeht, sollte Cantharis in Betracht gezogen werden. Absonderungen blutig, wässrig, scharf; auch zäher Schleim. Seröse Ausschwitzungen [zwischen Corium und Epidermis, in den Pleuraraum, in den Herzbeutel]. Nephritis; akute Entzündung des Nierenparenchyms. [Zystitis.] Treibt Molen, abgestorbene Föten und die Nachgeburt ab; befördert die Empfängnis. Plötzliche Schwächeanfälle, die Aphonie mit sich bringen. (Rechtsseitige) Hemiplegie, Sprache kaum verständlich. Krämpfe, mit Dysurie und Tollwutsymptomen. Ein wertvolles Mittel bei Verbrennungen und Verbrühungen.
SchlimmerUrinieren. Trinken; kalte Getränke. [Anblick von Wasser und] hellen, blendenden Gegenständen; Geräusch von Wasser. Berührung, besonders des Kehlkopfes. Kaffee.
BesserWärme. Ruhe. Reiben.
Geist und GemütErotomanie. Akute Wahnzustände; sexueller Art. Unersättliches Sexualverlangen; bisweilen selbst durch Koitus nicht gemindert. Singt obszöne Lieder. Schwatzt von Geschlechtsteilen, Urin und Kot. Anfälle von Raserei mit Geheul, das wie Bellen klingt, oder Beißen; [mit Krämpfen], erneuert durch den Anblick glänzender Gegenstände, Trinken von kaltem Wasser, Berührung der Kehle. Plötzliche Bewusstlosigkeit, mit rotem Gesicht (während der Zahnung). Versucht ständig etwas zu tun, bringt aber nichts zustande. Trotz und Widerspenstigkeit [nachmittags].
KopfBrennen im Kopf, auch Gefühl wie von kochendem Wasser im Gehirn. Kopf schwer; Kopfweh nach Waschen oder Baden. Die Haare gehen beim Kämmen stark aus.
AugenGegenstände sehen gelb aus. Starrer Blick, feurig funkelnde Augen.
OhrenGefühl, als käme [absatzweise und öfters] ein heißer Dunst oder Wind aus den Ohren.
GesichtBlass, elend, totenähnlich [während und nach den Schmerzen]. Gesichtsausdruck bietet ein Bild von extremem Leiden, Schrecken und Verzweiflung. [Oder:] Heißes, rotes Gesicht. Juckende Bläschen im Gesicht. Fest zusammengepresste Kiefer; bei akuten Wahnzuständen. Trismus mit Zähneknirschen.
MundBrennen in Mund, Pharynx, Ösophagus, [Magen, Darm, After]. Zunge geschwollen, zitternd; [in der Mitte belegt], an den Rändern rot. Es läuft ein widrig süßer Speichel im Mund zusammen.
HalsBrennt wie Feuer. Schmerzhaftes Zusammenziehen; große Schluckbeschwerden, besonders beim Schlucken von Flüssigkeiten. [Lippen, Zunge, Gaumen], Schlund voller Blasen.
MagenBrennender Durst; aber [Schlund so zusammengezogen, dass man nicht einen Tropfen hinunterbringen konnte, mit] Abscheu vor allem Flüssigen. Heftiges Würgen und Erbrechen. Empfindlichkeit in der Magengegend; der leichteste Druck dort führt zu Krämpfen. Verschlimmerung durch Trinken von Kaffee; durch Trinken selbst geringer Mengen. Ekel vor allem [mag gar nichts hören und sehen vom Essen].
AbdomenHeftige brennende Schmerzen den gesamten Verdauungskanal entlang; mit äußerster Empfindlichkeit des Bauches gegen Berührung. Stühle brennend, mit Flocken wie Schleimhautfetzen36

36

Vgl. Hahnemanns Prüfungssymptom: „In der Nacht siebenmaliger Abgang durch den Stuhl von weißem festem Schleime, wie Abschabsel von Gedärmen mit Blutstreifen.“

, mit Stuhl- und Harnzwang; Schauder nach dem Stuhl. Dysenterie oder Diarrhö, mit Dysurie. Schneidender Schmerz im Mastdarm, Blähungsabgang erleichtert vorübergehend, nach Stuhlgang hört der Schmerz gänzlich auf. Stuhlverstopfung, mit Harnverhaltung. [Vergeblicher] Stuhldrang beim Wasserlassen [der aufhört, wenn der Urin aus der Blase abgelaufen ist].
HarnwegeNierenregion sehr berührungsempfindlich. Strangurie. Dysurie. Urin brennend, wie verbrühend; schneidender Schmerz bei der Miktion; unerträglicher Drang; entsetzlicher Tenesmus [mit völligem Unvermögen zu urinieren] oder tropfenweiser Abgang. Blutiger Urin. Zwicken, Kneifen in der Blase. Akute Nephritis; Nierenkolik; Zystitis. Wassersucht. Nierenkolik, [schneidende Schmerzen von den Harnleitern zum Penis herab]; etwas gelindert durch Druck auf die Eichel. Atonie des Blasenhalses mit Harnverhaltung von zu großer Anfüllung der Blase. 37

37

Vgl. aber auch dieses Prüfungssymptom von Hartlaub/Trinks: „Eine Art Lähmung des Blasenhalses: der Urin fließt ab, ohne dass man die mindeste Kraftäußerung dazu nötig hat; dieser Zufall erhielt sich längere Zeit und nahm allmählich so weit zu, dass der Urin ohne Drängen [d. h. ohne dass Harndrang aufgetreten wäre] fast nicht gehalten werden konnte.“

Männliche GenitalienSchmerzhafte Anschwellung der Genitalien. Schmerzhafte Dauererektionen. Gesteigertes sexuelles Verlangen, bisweilen selbst durch Koitus nicht gemindert. Zerrt am Penis [bei kleinen Jungen].38

38

Farrington schreibt diese Manipulation einer nicht unbedingt schmerzhaften Reizung der Glans penis bei Harngrieß zu.

Pollutionen [und Spermatorrhö]. „Statt des Samens fließt Blut aus.“ Gonorrhö. Brennen in der Harnröhre [am Ausführungsgang der Samenbläschen, während und] nach Koitus.
Weibliche GenitalienNymphomanie. Brennender Schmerz in den Ovarien; Oophoritis mit schneidenden, brennenden Schmerzen [beim Harnabgang]. Menses: zu früh; zu stark, oder auch spärlich; schwarzes Blut. Schmerzende Brüste, mit Dysurie. Treibt Molen, abgestorbene Feten und die Nachgeburt ab. Pruritus; im Klimakterium; auch mit starkem sexuellem Verlangen. Ausfluss; mit Jucken; mit sexueller Erregung, Masturbation.
AtemwegeStimme: heiser, schwach. Zäher Schleim in den Luftwegen. Kurze Stöße trockenen Hustens. Pleuritis exsudativa. Brustbeschwerden erleichtert durch Luftaufstoßen. Brennen in der Brust. Stiche am Brustbein.
HerzNeigung zu Synkope. Pericarditis, mit Erguss. Puls: schwach, unregelmäßig.
RückenEmprosthotonus und Opisthotonus [miteinander abwechselnd]. Schmerzen in den Lenden mit unaufhörlichem Harndrang.
ExtremitätenBeim Herabsteigen der Treppe wackeln die Knie. Geschwürschmerz in den Fußsohlen, kann nicht auftreten.
HautBläschenausschläge, mit Brennen und Jucken. Hautausschläge, die bei Berührung brennen. Erysipelas bullosum; wird schnell schwarz. Neigung zu Nekrosen. Verbrennungen und Verbrühungen, Schmerz besser durch kaltes Wasser.
FieberFrösteln; nach dem Stuhl, als würde man mit kaltem Wasser übergossen. Kalte Hände und Füße. Schweiß: an den Genitalien; nach Urin riechend.
KomplementärApis.
VerwandtApis; Arsenicum; Mercurius corrosivus.

  • Cantharis wird aus den getrockneten und zu Pulver zerriebenen Käfern der Spezies Lytta vesicatoria Fabric. („Spanische Fliege“) gewonnen und hat wegen seiner Reizwirkung auf Harn- und Geschlechtsorgane eine lange Geschichte als Aphrodisiacum.

  • Eine erste Prüfung ist von Hahnemann vorgenommen worden (AfH 13, 1:157). Die umfangreichste Arzneiprüfung findet sich aber in der Reinen Arzneimittellehre von Hartlaub/Trinks, Band 1 und 2. In das Symptomenverzeichnis sind auch zahlreiche Vergiftungsfälle aufgenommen worden, unter anderem ein Fall von Giulio, der bei Wibmer oder Hughes im Einzelnen nachzulesen ist; aus diesem Fall stammen die meisten Tollwut- und Krampfsymptome.

Capsicum
AllgemeinesWirkt mit großer Intensität auf die Schleimhäute; auch auf die Knochen, besonders den Processus mastoideus. Die Schleimhäute werden dunkelrot und schwammig, oder sie sondern blutigen Schleim ab. Die Schmerzen sind brennend-beißend, ätzend-stechend, verschlimmert durch kaltes Wasser; oder einschnürend, so fein wie festgezogene Fäden. Empfindungen von Wundheit und Zusammenschnürung. Das Mittel scheint auf Personen von schlaffer Faser zu passen, schwach, träge, phlegmatisch, fettleibig, rotgesichtig, unbeholfen und ungeschickt, unreinlich und ungepflegt. Solche Menschen scheuen jegliche körperliche Anstrengung, sind Abweichungen von ihrer gewohnten Routine abgeneigt und bekommen leicht Heimweh. Alte Leute, deren Lebenskraft erschöpft ist; besonders durch geistige Arbeit und ärmliche Lebensverhältnisse. Reaktionsmangel und Frostigkeit, Angst vor Kälte. Bei Alkoholikern im Entzug. Faulig riechende Absonderungen und Ausdünstungen. [Phlegmonöse Entzündungen], Abszesse tief im Körperinneren [Ohren, Lunge]. Muskelschmerzen. Neuralgien. Der Kreislauf ist träge, und Stellen, in die man kneift, verbleiben längere Zeit in ihrer erhabenen Position. Schaudern und Frösteln, das die Schmerzen begleitet oder nach dem Trinken auftritt.
SchlimmerGeringer Luftzug; selbst wenn warm. Kälte; kühle Luft, kaltes Wasser. Entblößung. Feuchtigkeit. Waschen, Baden. Leerschlucken. Trinken; es [macht Frösteln und Schauder], verschlimmert die Halsbeschwerden oder erregt Harndrang39

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Oder Stuhldrang. Hahnemann: „Nach Trinken muss er, bei aller Hartleibigkeit, zu Stuhle; es geht aber nur Schleimiges fort.“ „Sobald er etwas getrunken hat, ist es ihm, als sollte Durchfall kommen; es geht aber jedesmal nur wenig fort.“

. Nach dem Essen. Alkoholiker.
BesserFortgesetzte Bewegung. Wärme. Beim Essen.
Geist und GemütHeimweh mit Backenröte und Schlaflosigkeit; mit Suizidneigung [verfolgt von hartnäckigen Suizidgedanken]. Launen, wechselnde Stimmungen. Bald [immerwährendes] Lachen, bald wieder Weinen. Macht Späße und Witzeleien und trällert, ist aber dennoch bei der mindesten Veranlassung geneigt, böse zu werden. Mürrisch, reizbar, leicht erzürnt; nimmt alles übel. Fasst alles als Beleidigung auf. Unbeholfen, ungeschickt; stößt überall an. Hartnäckig, widerspenstig, besonders Kinder. Wenn sie etwas Bestimmtes will, lehnt sie es ab, wenn der Vorschlag dazu von jemand anderem kommt. Trunksucht.
KopfKopfschmerzen: als wenn die Hirnschale zerspringen sollte, besonders beim Husten, [bei Bewegung des Kopfes und beim Gehen]40

40

Der berstende Kopfschmerz wird, wie die Prüfungen und die weitere Literatur ausweisen, meist durch Bewegung schlimmer oder erst hervorgebracht: „Bei Bewegung des Kopfes und beim Gehen Kopfweh, als wenn die Hirnschale zerspringen sollte“ (Reine Arzneimittellehre). Daher wurden diese Modalitäten hier eingefügt. Die Bewegungsbesserung, die Phatak anführt, scheint eher auf andere Kopfschmerz-Qualitäten zuzutreffen; vgl. Hahnemanns Prüfungssymptom: „Ein mehr stechender als reißender Kopfschmerz, der in der Ruhe schlimmer, bei Bewegung aber gemäßigter ist.“

; besser durch Wärme, durch Bewegung, im Liegen mit hoch gelagertem Kopf.
AugenGegenstände erscheinen schwarz vor den Augen. Aus den Höhlen tretende Augen; mit Brennen und Tränen; beim Husten.
OhrenAbwechselnd betroffen. Schwellung und Schmerz hinter den Ohren, am Felsenbein; sehr berührungsempfindlich. Mastoiditis. Heiße Ohren. Ohrenschmerzen [Brennen und Stechen]; gefolgt von Taubheit. Ohrenleiden während der Schwangerschaft.41

41

Vgl. Hering, Gynäkologie und Geburtshilfe: „Bei Schwangeren, das Felsenbein des Ohrs sehr geschwollen, rot und schmerzhaft.“

Perforiertes Trommelfell.
NaseRot, aber kalt; [oder] heiße, rote Nasenspitze. Nasenbluten; morgens im Bett.
GesichtRot, aber kalt; oder abwechselnd blass und rot. Gesichtsschmerzen, feine, in einer fadendünnen Linie den Nerv entlanglaufende Schmerzen. Lippen: geschwollen; aufgesprungen; brennend.
Mund[Brennende] Bläschen oder flache, schmerzhafte Geschwüre. Fauliger, aashafter Mundgeruch. Stomatitis. Zunge an der Basis grünlich. Zahnfleisch heiß, schwammig, zurückgezogen. Beißendes Brennen an der Zungenspitze. Vermehrter Speichelfluss. Mundgeschmack: faulig, wie verdorbenes Wasser; Speisen schmecken sauer [Fleischbrühe].
HalsÄtzendes Brennen im Hals. Krampfhafte Zusammenziehung des Schlundes; mit Drang zum Schlucken. Halsweh von Rauchern und Trinkern. Schmerz und Trockenheit im Hals, die sich zu den Ohren erstreckt. Uvula: geschwollen; schlaff, verlängert, mit einer Empfindung, als drückte sie auf etwas Hartes.42

42

Vgl. Hahnemanns Prüfungssymptom: „In der Gaumendecke, ein Schmerz, als wenn sie von etwas Hartem gedrückt oder geknippen würde.“

Heiße, scharfe, ätzende Luft steigt aus der Kehle auf, beim Husten erregt sie einen fauligen Geschmack. Schmerzen im Hals beim Husten. Dysphagie infolge von Lähmung der Muskulatur.
MagenVerlangt nach Anregungsmitteln, scharfen Speisen, ‚scharfen Sachen‘; hat Lust auf ein Schnäpschen. Viel Durst, aber Trinken erzeugt Schauder und Frostschütteln. Sodbrennen. Dyspepsia acida; Brennen im Magen, oder eisige Kälte, oder Gefühl, als wäre kaltes Wasser darin, gefolgt von Empfindung, als zitterte der Magen. Verlangen nach Kaffee, der aber Übelkeit verursacht. Gemüsegenuss führt zu Blähungen.
AbdomenBlähungskolik. Kolikschmerzen um den Nabel, mit Abgang von Schleim durch den Stuhl. Stühle klein, heiß, brennend, blutig, schleimig; Tenesmus von Rektum und Blase zur gleichen Zeit; nach jedem Stuhlgang Durst, aber Trinken verschlimmert [erzeugt Schauder, vermehrt die Schmerzen]. Trinken erregt Stuhl- und Harndrang. Schleimige Durchfälle. Ruhr. Ungewöhnlich starkes Pulsieren der Blutgefäße des Unterleibes. Brennende Hämorrhoiden; blutend, mit Wundschmerz im Anus.
HarnwegeHäufiger, fast vergeblicher Harndrang. Strangurie. Brennen in der Harnröhrenmündung [gleich vor, während und eine Minute nach dem Urinieren]. Harn geht erst in Tropfen, dann in schubweisen Spritzern ab. Dicker weißer Ausfluss, wie fette Milch; Tripper. Ektropium der Harnröhre.
Männliche GenitalienHodensack kalt und faltig, geschrumpft. Atrophie und Erweichung der Hoden, mit Verlust der Empfindlichkeit; Samenstrang verkümmert.43

43

Diese Symptome stammen laut Noack/Trinks von französischen Soldaten in Ägypten, die mit Capsicum verfälschten Branntwein getrunken hatten (vgl. Anmerkung).

Extremes Brennen in der Prostata; Tripper. Unbändiges Zittern des ganzen Körpers bei „verliebten Tändeleien“. Geschwollene Vorhaut. Klemmender Schmerz im Hoden; nach Samenerguss [auch: während des Urinierens und einige Zeit danach].
Weibliche GenitalienKlimakterische Beschwerden, mit Brennen der Zungenspitze. Stoßende oder stechende Empfindung in der Gegend des (linken) Eierstocks, bei Menstruationsstörungen. Menorrhagie; während der Blutung [Drücken in der Magengrube und] Übelkeit.
AtemwegeMuss oft einen tiefen Atemzug holen, wodurch er sich in allem, was ihn beschwert, Erleichterung zu verschaffen wähnt. Husten verursacht Schmerzen in entfernten Körperteilen: in der Blase, den Ohren, den Beinen etc.; oder der Husten stößt einen übel riechenden Atem aus der Lunge; Husten besser durch Trinken von kaltem Wasser. Zu schwach, um den Auswurf auszuhusten. Zusammenschnürungsschmerz der Brust, der den Atem beengt [und sich selbst bei geringer Bewegung vermehrt]. Heiserkeit; von Sängern und Kanzelrednern. Asthma mit Gesichtsröte, schlimmer beim Treppensteigen. Die Rippen fühlen sich an wie verrenkt. Lungengangrän.
RückenRücken- und Kreuzschmerzen bei Hämorrhoiden und ruhrartigen Durchfällen; nach dem Stuhl. Trinken kann die Schmerzen vermehren.44

44

Phataks Formulierung „Rückenschmerzen beim Wassertrinken“ dürfte auf ein Missverständnis von Bogers Formulierung zurückgehen („kleine, heiße, schleimige Stühle, mit Tenesmus, auch der Blase; dann Durst und Kreuzschmerz; Trinken verschlimmert“), denn Boger meint sehr wahrscheinlich eine Verschlimmerung des Stuhldrangs durch Trinken. Andererseits ist eine allgemeine Verschlimmerung durch Trinken bei Capsicum bekannt. Im Text wird nach Farrington zitiert, der sich auf Dysenterie mit Rückenschmerzen nach dem Stuhlabgang bezieht.

Empfindung, als tropfte kaltes Wasser den Rücken herunter.
ExtremitätenGelenke: knacken; sind steif; schmerzen zu Beginn der Bewegung [besser bei fortgesetzter Bewegung]; „lähmiger Steifheitsschmerz“. Schmerz vom Hüftgelenk bis zu den Füßen, besonders beim Husten. Ischialgie, schlimmer beim Zurückbeugen des Rumpfes und beim Husten. Atrophie des (linken) Beins, mit heftigen Schmerzen. Schwanken beim Gehen.
HautBrennend. Schlaff und gedunsen.
SchlafSchlaflosigkeit: durch Gefühlsregungen, Heimweh; Husten. Schläfrig nach den Mahlzeiten. Als fiele er von einer Höhe herab, im Schlaf. Gähnen bei Tage [und schlaflos nachts].
FieberFrösteln begleitet die Schmerzen. Frost beginnt im Rücken, mit heftigem Durst, aber nach jedem Trinken Schauder und Frostschütteln; quälende Rückenschmerzen im Froststadium. Frost wechselt mit Hitze ab, die zum Kopf steigt, mit Schweiß. Kälte der leidenden Teile. Schwitzt leicht. „Beim Gehen in freier Luft Gefühl an den Oberschenkeln, als ob sie mit kaltem Schweiß überzogen wären (wie wenn kalte Luft einen schweißigen Teil berührt), und doch schwitzten die Oberschenkel nicht.“45

45

Hahnemann, Reine Arzneimittellehre. Die Formulierung „kalter Schweiß an den Oberschenkeln“ bei Hering, Boger und Phatak dürfte auf einer nachlässigen Übersetzung von Hahnemanns Prüfungssymptom beruhen.

Fieber [mit Backenröte]: nach Gemütserregungen; bei Heimweh.
KomplementärNatrium muriaticum.
VerwandtCantharis.

  • Capsicum annuum L. ist der Spanische Pfeffer (Paprika, Cayennepfeffer), der zur Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae) gehört, wie Belladonna, Hyoscyamus oder Dulcamara. Benutzt werden die Samenkapseln samt den Samen.

  • Der größte Teil der Prüfungssymptome geht auf Hahnemanns Prüfung in der Reinen Arzneimittellehre, Band 6 zurück. Sie werden ergänzt durch sieben Symptome, die in der Reinen Arzneimittellehre von Hartlaub/Trinks, Band 1, zu finden sind. Noack/Trinks/Müller fügen in ihrem Handbuch Vergiftungssymptome von französischen Soldaten auf Napoleons Ägyptenfeldzug hinzu, die „in Folge des Genusses von Branntwein, welcher mit Solanum capsicum und pseudocapsicum verfälscht worden war“, zustande kamen – wobei offen bleiben muss, wieweit diese Symptome Capsicum zuzurechnen sind. Dazu kommt in AE ein tödlich verlaufener Vergiftungsfall von als Heilmittel eingenommenem Cayennepfeffer in hohen Dosen, eine Beobachtung von Farrington beim „Zubereiten von rotem Pfeffer“ für chinesisches Essen („chow chow“) und ein weiterer kurzer Prüfungsbericht (Högyes).

Carbo animalis
AllgemeinesCarbo animalis, die Tierkohle, wird durch Verkohlung von Rindsleder hergestellt; sie enthält unter anderem geringe Mengen von phosphorsaurem Kalk. Passt auf alte Leute von schwacher Konstitution oder auf Menschen, deren Lebenskraft aufgrund schwerer Krankheit, eines tiefsitzenden Krankheitsprozesses oder Säfteverlust geschwächt ist. Die Patienten sind anfällig für Erkältungen; leichtes Verrenken der Gelenke. Unverhältnismäßige Folgen geringfügiger Säfteverluste. Venöse Stauung, daher färbt sich die Haut bläulich. Schwellung von Drüsen oder Lymphknoten, sich langsam entwickelnd, mit Schmerzhaftigkeit und Verhärtung. Langsam fortschreitende Krankheitsprozesse, mit Härte und Schmerzhaftigkeit. Neigung zur Malignität. Brennende Schmerzen, wie Feuer. Ulzerations- und Zersetzungsprozesse [Verjauchung]. Die Absonderungen sind scharf und faulig. Empfindungen: von Lockerheit [des Gehirns, der Augäpfel]; von Kribbeln, wie von Käfern. Gummata. Alte, vernachlässigte [oder falsch behandelte] Bubonen. Schwäche stillender Frauen; sie weinen beim Essen46

46

Das Weinen beim Essen findet sich sonst nur bei Clarke. Möglicherweise besteht ein Zusammenhang zu folgendem Prüfungssymptom von Hartlaub/Trinks: „Einige Male, schluchzendes Aufstoßen, beim Mittagessen.“ Mit „schluchzend“ dürfte jedoch „wie Schluckauf“ gemeint sein, bereits in den Chronischen Krankheiten wird das Symptom als „schlucksendes Aufstoßen“ wiedergegeben. Allerdings stellt Jahr einen „Hang zum Weinen“ bei Carbo animalis fest.

und sind kaum in der Lage, auch nur durchs Zimmer zu gehen. Stichschmerzen, die nach einer Pleuritis zurückbleiben. Blutungen. Kupferfarbene Hautausschläge. Üble Folgen nach Genuss von verdorbenem Fisch oder Gemüse. „Die Tierkohle scheint tiefer und nachhaltiger in die organische Metamorphose, namentlich der niederen Systeme, einzugreifen als die Carbo vegetabilis.“
SchlimmerGeringfügige Ursachen: geringer Säfteverlust, leichtes Verrenken und Verheben, Erkältungen. Trockene, kalte Luft [„scharfe Winterluft“]. Nach der Regel. Rasieren. Essen; beim Essen.
BesserAuflegen der Hand auf die betroffene Stelle.
Geist und GemütWeinerlich. Traurig und in sich gekehrt. Wünscht nur immer allein zu sein. Vermeidet jedes Gespräch. Weint während der Mahlzeiten [Fußnote 46]. Schreckhaftigkeit. Heimweh. Angst im Dunkeln, verstärkt nach Schließen der Augen.
KopfGefühl von schmerzhafter Lockerheit des Gehirns im Kopf, bei Bewegung und beim Husten. Schmerz [im Scheitel], als wäre die Hirnschale auseinander gegangen oder zersprengt; muss den Kopf mit beiden Händen halten; besser durch Essen. Klopfender Kopfschmerz nach den Menses. Schwindel: gefolgt von Nasenbluten; nach dem Rasieren; [beim Aufrichten des Kopfes geht alles mit ihr herum, muss immer gebückt sitzen, taumelt beim Aufstehen hin und her], besser beim Zurücklehnen oder Liegen.47

47

Phatak schreibt „besser durch Drehen (reeling)“, bei Hering heißt es aber „besser durch Zurücklehnen bzw. Liegen“ („reclining“).

AugenSchmerz von oben nach unten durch den Augapfel.48

48

Phatak gibt, nach Boger, in Klammern „rechts“ an; das Prüfungssymptom in den Chronischen Krankheiten lautet aber: „Von oben nach unten drückender, stechender Schmerz über dem linken Auge, im Augenlide und der oberen Hälfte des Augapfels.“ Wahrscheinlich liegt eine Verwechslung mit einem Carbo-vegetabilis-Symptom vor, nämlich Nr. 95 in der Reinen Arzneimittellehre: „Empfindlicher Druck auf dem rechten Augapfel, von oben her.“

Gefühl, als läge etwas über den Augen, sodass sie nicht aufsehen könne. Die Augen scheinen lose in ihren Höhlen zu liegen [und er scheint, bei aller Anstrengung, nicht die Kraft zu haben, scharf zu sehen]. Gegenstände erscheinen weiter auseinander [und heller als gewöhnlich, wie in einer leeren, verlassenen Stadt]. Trübheit vor den Augen beim Lesen, besser durch Reiben der Augen. Cataracta senilis.
Ohren[Schwaches, verwirrtes Gehör], weiß nicht, von welcher Seite die Töne kommen [es ist ihm, als kämen sie aus einer anderen Welt]. Ohrenklingen; Pfeifen beim Schneuzen. Parotis geschwollen. Stechende Schmerzen. Ohrenfluss mit Schwellung des Processus mastoideus.
NaseRot, hart geschwollen; heiß, brennend; mit juckenden Effloreszenzen; mit Abschälen der Haut. Brauner Sattel quer über die Nase. Harte, bläuliche Geschwulst auf der Nasenspitze. Fließschnupfen; mit Geruchsverlust, Gähnen und viel Niesen.
GesichtBläuliche Wangen und Lippen. Kupferfarbener Ausschlag. Akne. „Gesichtsblüten in Menge.“
MundKnotige Verhärtungen in der Zunge. Beißt sich die Wange auf; beim Essen. Lockerheit der Zähne, kann die weichsten Speisen nicht ohne Schmerz kauen, empfindlich gegen die geringste Kälteeinwirkung. Zahnschmerzen, erregt49

49

Phatak schreibt, den Guiding Symptoms folgend, „gebessert durch Salziges“. Dies ist jedoch ein Druckfehler, wie die Wiedergabe des entsprechenden Falls in Rückerts Klinischen Erfahrungen (Supplementband 1, S. 206) und im Journal of Homoeopathic Clinics 1:186 (die übrigens von Hering selbst stammt) erkennen lässt. Vgl. übrigens auch Carbo vegetabilis, Symptom 271 in den Chronischen Krankheiten: „Zahnschmerzen, wie von Saurem, besonders im Zahnfleische, sooft sie Salziges genießt.“

von salzigen Speisen.
HalsRauheitsgefühl und Wundheitsschmerz im Hals, wie bei Sodbrennen, gebessert durch Essen.
MagenVom Essen wird er müde. Auslaufen salzigen Wassers aus dem Magen durch den Mund. Würgen; Erbrechen; Schluckauf; bei Magenkrebs. Ohnmachtsartiges Leeregefühl im Magen, nicht gebessert durch Essen; bei stillenden Frauen. Verdauungsschwäche, fast alle Speisen verursachen Magenbeschwerden. Übelkeit vom Tabakrauchen und Widerwille dagegen. Übelkeit, besonders nachts; während der Schwangerschaft. Kälteempfindung in der Magengegend, besser durch Reiben und Druck.
AbdomenStarke Bauchauftreibung; auch nach Bauchoperationen. Gefühl in der (linken) Weiche, als wenn ein großer schwerer Körper dort läge, beim Hinsetzen; erleichtert durch Druck und darauf folgenden Blähungsabgang. Alte, vernachlässigte Bubonen. Wundheit des Afters. [Klebrige, geruchlose] Feuchtigkeit dringt aus dem Mastdarm; wird vom Perineum ausgeschwitzt. Kältegefühl, das aus dem Unterleib in Hals [und Mund] aufzusteigen scheint. Pankreasverhärtung.
Männliche GenitalienSyphilis. Bubonen.
Weibliche GenitalienMonatsblutung: dunkel, geronnene Klumpen, faulig; Blutfluss nur morgens; nach Eintritt der Regel so große Mattigkeit, dass sie kaum sprechen kann. Rechtes Ovar fühlt sich wie eine schwere Kugel an. Ausfluss: wässrig, im Gehen und Stehen; brennend-beißend; färbt die Wäsche gelb. Uteruskrebs; brennender Schmerz im Leib, der sich bis [ins Kreuz und] in die Oberschenkel erstreckt; Beckenknochen tun beim Sitzen weh. Verhärtung des Muttermunds, mit brennenden Schmerzen. Stechende Schmerzen in den Brüsten, die den Atem nehmen; bei stillenden Frauen. Schmerzhafte Knoten und Verhärtungen in den Brustdrüsen, besonders in der rechten. Uterusblutungen bei Frauen mit Drüsenaffektionen. Lochien: lang anhaltend, dünn, übel riechend [und wund machend], mit Taubheit in den Gliedern.
Atemwege[Abends im Bett] Furcht vor dem Ersticken beim Schließen der Augen [die nur beim Aufsitzen und Öffnen der Augen verging]. Nervöse Atemnot. Lungeneiterung, mit Empfindung von Kälte in der Brust. Husten mit grünlichem Eiterauswurf. Dunkelbraune, zähe, sirupähnliche Sputa [von „pestilenzialischem Geruch“]. Stichschmerzen, die nach Pleuritis zurückbleiben.
HerzHerzklopfen beim Kirchengesang; überhaupt an öffentlichen Orten. Kältegefühl in den Präkordien, mit Frostüberlaufen (Horripilationen).
RückenSteißbeinschmerzen: wie zerschlagen; Brennen bei Berührung; [Schmerz wie von einem Geschwür unter der Haut], besonders im Sitzen oder Liegen. Kälte und Schmerz in der Lumbalregion, bei Husten.
ExtremitätenAchsellymphknoten geschwollen, verhärtet. Taubheitsgefühl der Hände, besonders bei Brustaffektionen. Gelenkschwäche, leichtes Verrenken. Leichtes Umknicken der Füße.
HautBläulich; an den betroffenen Teilen. Schwammige Geschwüre. Kupferfarbene Hautausschläge. Unansehnliche Narben von Hautausschlägen.
SchlafVoll lebhafter Phantasien [„Schwärmerei“]. Lautes Reden, Stöhnen, Weinen im Schlaf.
FieberBlutwallungen, aufsteigende Hitze, fliegende Hitze. Schweiß: stinkend, ermattend; besonders nachts; färbt die Wäsche gelb.
KomplementärCalcarea phosphorica.
VerwandtCalcarea fluorica; Graphites.

  • Nach Hahnemanns Rezept wird die Tierkohle durch Verkohlung von Rindsleder zubereitet; es sind aber auch Fleisch, Knochen oder Blut als Ausgangsstoffe benutzt worden.

  • Die Prüfungen von Hahnemann, Adam, Nenning und Wahle sowie von Weise finden sich teilweise in der Reinen Arzneimittellehre von Hahnemann sowie dem gleichnamigem Werk von Hartlaub/Trinks; zusammengefasst sind sie in Hahnemanns Chronischen Krankheiten, Band 3.

Carbo vegetabilis
AllgemeinesDie Holzkohle ist als Substanz ein Produkt unvollständiger Verbrennung; unvollkommene Oxidation [mangelhafte Versorgung mit Sauerstoff] und Zersetzung sind entsprechend die Leitsymptome dieser Arznei. Die Holzkohle enthält kohlensaures Kali in geringer Menge. Ihre desodorierenden, desinfizierenden und antiseptischen Eigenschaften werden durch Potenzierung noch erweitert. Wirkt auf den venösen Kreislauf, speziell auf die Haargefäße, in denen das Blut zu stocken scheint. Das Resultat sind Blaufärbung des Körpers, Kälte und Ekchymosen. Blaufärbung und Zersetzungsprozesse. Lebenskraft geschwächt: durch Säfteverluste; nach schweren Krankheiten; infolge kombinierter Wirkungen von Medikamenten und Krankheiten50

50

Etwa: „Langwierige Beschwerden vom Missbrauch der Chinarinde“ (Hahnemann, Chronische Krankheiten). Auch „wenn die Symptome chaotisch sind – wenn an dem Patienten so viel herumgedoktert worden ist, dass die Symptome kein kongruentes Bild mehr ergeben; bei invertierten Ohrenflüssen oder Kopfschmerzen, wo alle Symptome unterdrückt wurden“ (Kent, Lectures).

; bei langwierigen Komplikationen oder Folgeerscheinungen. Passt auf atonische Zustände mit Mangel an Reaktion der Lebenskraft. Reaktionsmangel nach „fruchtlosen Reaktionsstürmen“: nach einer heftigen Krankheitsattacke, nach Verletzungs- oder Operationsschock; nach intensiv empfundenen Leidenszuständen. ‚Seitdem nie wieder richtig gesund geworden‘; Personen, die sich von den Folgen einer früheren Krankheit nie mehr richtig erholt haben. Beschwerden alter Leute. Der typische Carbo-vegetabilis-Patient ist dick, träge, faul, seine Beschwerden werden leicht chronisch. Kollapszustände: bei Cholera, Bauchtyphus oder anderen schweren Krankheiten, wenn der Patient kaum mehr Lebenszeichen zeigt, mit Kälte des Körpers und des Atems, Puls nicht tastbar, beschleunigte Atmung, Luftmangel, es muss ihm ständig und sehr intensiv Luft zugefächelt werden; dennoch bleibt der Kopf heiß. Blutungen: schwarzes Blut, das langsam aussickert51

51

„Dunkles, zersetztes, nicht koaguliertes Blut; kann nicht gerinnen, weil es in so heruntergekommenem Zustand ist … Keine Arznei kann den Platz der Holzkohle einnehmen bei heruntergekommenen, sehr geschwächten Konstitutionen, wo die Gewebe, aus denen das Blut austritt, zu schwach und aufgelockert scheinen, um das Blut halten zu können“ (Nash, Leaders).

; nach Traumata oder chirurgischen Eingriffen; stunden-, ja tagelang anhaltend. Die Glieder, auf denen er liegt, schlafen leicht ein. Brennende Schmerzen: in [Gliedern], Knochen und Geschwüren. Schweregefühle oder schweres Drücken. Schwäche, Flatulenz, Fötor oder Lufthunger sind Symptome, die bei den meisten Beschwerden bestehen. Zittrigkeit. Beständig schwach, matt, kränklich, erschöpft; solche Erschöpfungszustände können jedoch auch plötzlich eintreten. Ohnmachtsanfälle. Dickflüssige und scharfe Absonderungen. Kälte; zugleich Verlangen, Luft zugefächelt zu bekommen, oder Durst auf kaltes Wasser. Septische Zustände. Empfindungen [im Kopf und Körper] wie zu voll. Venöse Stase. Neigung zu Ulzerationen, zu Aphthen. Allgemeines Zerschlagenheitsgefühl; Katarrh, der schon lange besteht. Schulkinder, die träge sind und langsam lernen, mit nächtlichen Angstzuständen; sie wollen nicht allein schlafen oder in der Dunkelheit alleingelassen werden. Lymphknoten: geschwollen, verhärtet oder eiternd [mit brennenden Schmerzen]. Gangrän: feuchter Brand; Altersgangrän.
SchlimmerWärme, Erhitzung. Abkühlung, Erkältung.52

52

Vgl. Hahnemann, Chronische Krankheiten: „Im warmen Zimmer schwitzt er leicht am Oberkörper und erkältet sich dann ebenso leicht.“ Kent, Lectures: „Leidet unter der Hitze und friert in der Kälte; jeder Luftzug kann Erkältung bewirken; im warmen Zimmer aber schwitzt er; so leidet er unter beidem.“

Säfteverlust. Schwächende, erschöpfende Krankheiten. „Schwelgerei.“ Vom Genuss nahrhafter, fetter Speisen; von verdorbenen Speisen; von Geflügel; geeisten Getränken; alkoholischen Getränken. Verheben. Gehen im Freien. Kleiderdruck. Extreme Temperaturen; kalte Nachtluft; Frostwetter; feuchte Luft [nasskalt oder schwülwarm]; Zugluft am Kopf. Unterdrückung von Symptomen. Im Alter. Lautes Lesen. Singen.
BesserAufstoßen. Kühle Luft.53

53

Zum Beispiel bei Asthmaanfällen. Dagegen kann kühler Luftzug, besonders am Kopf, deutlich verschlimmern: Erkältungen, Heiserkeit usw.

Luftzufächeln. Hochlegen der Füße.
Geist und GemütLangsamer Gang der Ideen [die sich immer um einen Gegenstand herumdrehen]. Geist träge [und unaufgelegt zum Denken]. Trägheit, Faulheit, „Dummlichkeit im Kopf“. Beängstigung. Große Reizbarkeit. Niedergeschlagen, kleinmütig. Unglücklich [bei jedem kleinen Schmerz; wünscht sich den Tod]. Gleichgültig, hört alles ohne Wohl- oder Missbehagen mit an. Abneigung gegen die Dunkelheit. Nächtliche Gespensterfurcht. Plötzlicher Gedächtnisverlust [konnte sich nicht besinnen, was er soeben mit jemand gesprochen und dieser ihm erzählt hatte]. Schreckhaftigkeit, schrickt leicht zusammen.
KopfDumpfer, zusammendrückender Kopfschmerz, mit Bleischwere; besonders im Hinterkopf; nach Erhitzung oder Rausch; durch Druck des Hutes54

54

Vollständig lautet das bei AE fett hervorgehobene, charakteristische Symptom aus Hahnemanns Prüfung: „Der Hut drückt auf dem Kopfe wie eine schwere Last, und wenn er ihn abnimmt, behält er doch das Gefühl, als sei der Kopf mit einem Tuche zusammengebunden.“

; schlimmer im Liegen. Schwindel mit Übelkeit und Ohrenklingen. Kopfjucken beim Warmwerden im Bett. Haare: Kopfhaut schmerzhaft bei Berührung der Haare; Haarausfall, handvollweise, auch nach schweren Krankheiten oder Entbindung. Schweiß auf der Stirn, meist kalt. Heißer Kopf, kalte Extremitäten. „Verkältlichkeit des Kopfes.“
AugenEs liegt ihm schwer auf den Augen [sodass er sich beim Lesen und Schreiben sehr anstrengen muss, es zu erkennen]. Blutungen aus den Augen, unter Blutdrang zum Kopf. Schwarze, fliegende Flecke vor den Augen. Brennen in den Augen. Die Augenmuskeln schmerzen beim In-die-Höhe-Sehen. Pupillen unempfindlich, reagieren nicht auf Licht.
OhrenEs liegt ihm schwer vor den Ohren. Taubheit oder auch Ohrenfluss, nach Exanthemen. Mangel an Ohrenschmalz; oder Ohrenschmalz gelb und übel riechend. Mumps, auch mit Metastasis [etwa Hodenschwellung].
NaseNiesen von einem Reiz im Kehlkopf; Schneuzen oder Niesen erzeugt Schmerzen [in der Nase, im Rachen und den hinteren Nasenöffnungen].55

55

Bei Phatak heißt es „Niesen von Reiz im Kehlkopf; schlimmer durch Schneuzen“ und weiter hinten „Niesen schlimmer durch Niesen“. Dies dürfte aus Bogers Synoptic Key stammen, wo beide Symptome zusammengefasst sind als „Niesen von Reiz im Kehlkopf; schlimmer Schneuzen oder Niesen.“ Die Prüfungssymptome aus den Chronischen Krankheiten lassen aber darauf schließen, dass nicht der Niesreiz, sondern diverse Schmerzen durch Niesen und Schneuzen stärker werden: „Heftiges Niesen mit nachherigem, stark beißendem Schmerz über und in der Nase und Tränen der Augen, wie wenn starker Schnupfen ausbrechen will, auch beim Schnauben entstand dieser Schmerz in der Nase.“ „Beim Schlingen, Husten und Schnauben tuts im Rachen und den hinteren Nasenöffnungen wie wund weh.“

Vergeblicher Niesreiz. Tägliche Anfälle von Nasenbluten, mit großer Gesichtsblässe [jedes Mal vorher und nachher]. Absteigende Erkältungen [von der Nase in den Hals und dann in die Brust]. Rote Nase. Pollinosis, Heufieber mit Asthma; dabei häufiges Niesen, viel Schnupfen. [Sehr häufiges Niesen ohne Schnupfen.]
GesichtSpitz, Facies hippocratica; oder dunkelrot; oder starke Gesichtsblässe. Gesicht kalt, mit kaltem Schweiß. Zucken in der Oberlippe. Aufgesprungene Lippen, von braunem oder schwärzlichem Aussehen.
MundGanz kalter Atem [auch Kälte im Hals, im Mund und in den Zähnen]. Zunge kalt. Zunge schwarz; geschwollen; weiß oder mit gelbbraunem Schleim belegt. Aphthen; bläuliche oder schwärzliche Geschwüre, mit brennenden Schmerzen. Lockerheit der Zähne. Skorbutische Zustände des Zahnfleischs. Zahnfleischbluten beim Zähneputzen. Zahnfleisch schmerzhaft empfindlich beim Kauen. Zahnfleisch wird schwarz [von schwärzlichen, blutigen, fauligen Exsudaten]. Alveolarpyorrhö. Zahnschmerz, wenn man Kaltes oder Warmes in den Mund nimmt. Bitterer oder saurer Mundgeschmack. Übler Geruch aus dem Mund. Vermehrter Speichelzusammenfluss im Mund.
HalsGefühl wie zugezogen oder zugeschnürt. Wehtun wie wund; voller kleiner Aphthen. Ausräuspern von viel Schleim; von blutigem, schwärzlichem Schleim. Beim Essen tut es im Hals wie wund weh.
MagenVerdauungsträgheit; jegliche Nahrung zersetzt sich und wird zu Gas. Widerwille gegen Fleisch, besonders gegen fettes; gegen Milch, die bläht. Abneigung gegen die bestverdaulichen und wertvollsten Speisen. Verlangen nach Salzigem, Saurem oder Süßem; nach Kaffee. Ekel, wenn sie nur an Essen denkt. Morgenübelkeit. Aufstoßen; ranzig schmeckend; laut, [auch] ohne Besserung56

56

Nach Boger, Synoptic Key. Häufiger wird jedoch betont, dass Aufstoßen die Flatulenz bessert, auch bei Phatak selbst (vgl. unter „Besser“). So betont Kent eine entschiedene Besserung durch Aufstoßen bei Carbo animalis, im Gegensatz zu China oder Lycopodium. Andererseits wird öfters erwähnt, dass Luftaufstoßen „nur kurze Zeit erleichtert“ (etwa: Hering, Gynäkologie und Geburtshilfe), und Tyler (Homöopathische Arzneimittelbilder) berichtet von exzessiver Flatulenz mit stundenlangem quälendem Luftaufstoßen, das offenbar keine Besserung brachte.

; beim Husten57

57

Vgl. Kent, Lectures: „Beim Schnupfen hat er Aufstoßen, Magenübersäuerung, Magenverstimmung. Bei jeder Magenverstimmung ist er anfällig für einen Schnupfen.“

. Nach dem Essen Schwere, Vollheit und Schläfrigkeit. Zusammenziehender Magenkrampf, bis zur Brust heraufsteigend [bei Leibauftreibung; muss sich zusammenkrümmen, kann sich nicht legen; Schmerz kommt anfallsweise und nimmt den Atem]. Brennen im Magen; manchmal bis nach hinten zum Kreuz und entlang der Wirbelsäule; Brennen mit Kälte. Magenschmerzen der Stillenden [mit Herzabdrücken]. Dyspepsie. Bluterbrechen; Magengeschwüre, Magenkrebs.
AbdomenExzessive Blähungen, die den Bauch enorm auftreiben, besonders den Oberbauch; schlimmer beim Niederlegen. Magengegend sehr empfindlich. Aufgestaute, eingeklemmte Blähungen, und daraus erwachsende Beschwerden [ob Kopfschmerz, Herzschmerz oder anderes, besser durch Blähungsabgang]. Erhöhung der Bauchbeschwerden nach Essen, auch in geringsten Mengen oder der bestverdaulichen Speisen. Kolikschmerzen, die zum Zusammenkrümmen nötigen. Kolik vom Fahren; erleichtert durch Windabgang. Leberschmerzen. Jedes anliegende Kleidungsstück um die Taille ist unerträglich. Gefühl, als hinge der Leib schwer herab; muss ganz krumm gehen. Brennen im Mastdarm. Afterjucken. Blähungsabgang: heiß, feucht, übel riechend. Ausfluss einer scharfen, beizenden Feuchtigkeit aus dem Mastdarm. Nässen des Perineums. Hämorrhoiden: blau oder weiß; brennend; schmerzen nach dem Stuhl. Schmerzhafte Durchfälle alter Leute. Stühle: faulig riechend; vergeblicher Stuhldrang; selbst weicher Stuhl wird nur unter viel Anstrengung ausgeschieden. Mit den Blähungen geht unwillkürlich Kot ab. Gelbsucht; von zuvielem oder zu nahrhaftem, fettem Essen.
HarnwegeProteinurie. Nierenentzündung: septisch oder als Folge von Alkoholabusus. Urin reichlich, hellgelb; oder auch dick und milchig [gegen Ende des Urinierens]. Diabetes. Nächtliches Bettnässen. Anurie bei Cholera; Harnverhaltung von Stehen auf kaltem Pflaster.
Männliche GenitalienEjaculatio praecox beim Beischlaf, und darauf Brausen des Blutes im Kopf. Abgang von Prostatasekret beim Drücken zum Stuhlgang. Jucken neben dem Hodensack, am Oberschenkel, mit Nässen der Stelle. Hodengeschwulst bei Mumps (Metastasis).
Weibliche GenitalienUterusblutungen passiver Art, mit brennendem Schmerz durch das Sacrum. Vulva wund, heiß, juckend, geschwollen. Ausfluss: dicklich; grünlich; milchfarbig; [wund machend], Jucken und Brennen hervorrufend; besonders vor der Regel. Während sie Ausfluss hat, geht es der Patientin besser. Knoten in den Brüsten, mit Verhärtung der Achsellymphknoten [und brennenden Schmerzen]. Brustdrüsen hart, geschwollen, drohende Abszedierung. Zu frühe Monatsblutung. Varizen an der Vulva und den Geschlechtsteilen überhaupt; variköse Geschwüre, bläulich, mit brennenden Schmerzen. Erschöpfung vom Stillen. Scheidenfistel, mit Brennen.
AtemwegeHeiserkeit abends. Raue Kehle, mit tiefer Rauheit der Stimme [die ihm versagt, wenn er sie anstrengt, doch ohne Halsschmerz beim Schlucken]. Husten von Jucken in der Kehle. Anfälle quälenden Hustens, hohl oder erstickend und würgend; mit Kopfschmerzen58

58

Vgl. Hahnemann, Chronische Krankheiten: „Beim Husten, schmerzhafte Stiche durch den Kopf.“

, Erbrechen, Brennen auf der Brust; schlimmer nach kalten Getränken und beim Liegen im Bett. Würgen beim Auswerfen des Schleims. Auswurf: dick; zäh; gelblich; in großen Massen. Keuchhusten und Komplikationen desselben; mit bläulicher Gesichtsfarbe. Auf der Brust, Schweregefühl, Wundheitsschmerz oder Gefühl von Schwäche und Ermattung; beim Erwachen. Atmung mühsam, schnell, kurz; besonders beim Gehen. Asthma: bei bejahrten Personen, mit blauer Farbe der Haut; besser im Sommer. Cheyne-Stokes-Atmung bei organischen Herzleiden. Drang, tief Atem zu holen. Brennschmerz in der Brust; bei Bluthusten. Bräunliche Flecke auf der Brust. Destruktive Lungenkrankheiten. Rippen wund schmerzhaft, berührungsempfindlich.
HerzAnhaltendes Herzklopfen mit Ängstlichkeit; nach dem Essen; am meisten im Sitzen. Puls: fadenförmig; schwach, klein; aussetzend. Brennen in der Herzgegend. Herzschlag wird im ganzen Körper gefühlt. [Wenn sie unter Menschen sprechen soll, klopfen ihr alle Pulse …]
Äußerer Hals und RückenArger Kreuzschmerz; kann nicht sitzen, es ist dann wie ein Pflock im Rücken; muss ein Kissen unterlegen. Brennen im Bereich von Schulter und Schulterblatt.
ExtremitätenSchwer, steif, wie gelähmt. Die Glieder, auf denen er liegt, schlafen leicht ein. „Lähmigkeit und Schwäche“ von Handgelenk und Fingern, beim Zugreifen. Mattigkeit in den Armen, beim Schreiben. Fußsohlenkrämpfe. Füße gefühllos; schwitzend. Fußschweiß: faulig riechend; beim Gehen. Kälte von den Knien abwärts. Altersgangrän: der Finger und Zehen; mit Blasenbildung, Aussickern von blutig-wässrigem Sekret und Brennen wie Feuer.
HautBlau. Rau; fleckig; kalt; Ekchymosen. Geschwüre: faulig, brennend, leicht blutend; Ulcera varicosa; Absonderung wie Aas stinkend; geheilte Geschwüre brechen wieder auf. Wundnarben brechen wieder auf. Karbunkel. Gangräna senilis, die an den Zehen beginnt [und sich nach oben verbreitet]. Dekubitus; Blutungsneigung. Varizen bei Schwangeren. Brennen an verschiedenen Stellen der Haut. Feiner, nässender Hautausschlag, mit Brennen [an Stellen, wo kein Ausschlag besteht].
SchlafAngst, Grauen, Schrecken im Schlaf. Erwacht oft mit Kälte in den Gliedern, besonders in den Knien. Schlaf ohne Erquickung. „Betäubte Schlafsucht“ mit Röcheln in der Kehle. Häufiges Gähnen, Dehnen und Recken, was wohl tut.
FieberFrösteln mit untermischter Hitze. Eiseskälte; einseitig [vorherrschend links]; der Zunge; der Knie, der Füße, besonders nachts. Kopf warm, Gliedmaßen kalt. Innere Hitze mit Brennen; in der Herzgegend, in der Brust; dabei eiskalte Körperoberfläche und kalter Schweiß. Sehr zum Schweiß geneigt. Schweiß: sauer riechend; kalt; beim Husten; besonders im Gesicht. Gelbfieber.
KomplementärArsenicum; China; Kali carbonicum; Lachesis; Phosphorus.
VerwandtAmmonium carbonicum; Arsenicum; Colchicum; Graphites; Lycopodium.

  • Carbo vegetabilis ist die „wohl ausgeglühte Kohle jeder Art Holzes“ (Hahnemann). Hahnemann benutzte Birkenholz, andere Prüfer Rotbuchenholz. Die physikalischen Wirkungen der Holzkohle („den fauligen und moderigen Substanzen den üblen Geruch zu benehmen“) hatten bereits vor Hahnemann zur medizinischen Anwendung in der Rohsubstanz geführt.

  • Die wichtigste Prüfung stammt von Hahnemann (Reine Arzneimittellehre, Band 6, erweitert in Chronische Krankheiten, Band 3), mit Unterstützung anderer Prüfer, insbesondere Caspari. Weitere Prüfungen wurden von Wesselhoeft publiziert, ferner findet sich eine unfreiwillige Prüfung bei einer Patientin, die von Smith veröffentlicht wurde. Die Symptome sind zugänglich in AE, Band 10.

Carbolicum acidum
AllgemeinesDie Karbolsäure ist ein starkes Antiseptikum, Reizmittel und Anästhetikum. Sie wirkt auf die Schleimhäute, das Herz, das Blut und die Atmung. Es handelt sich um ein destruktives, gewebezerstörendes Agens, mit den Charakteristika Mattigkeit, Schmerzlosigkeit59

59

Gemeint ist Schmerzlosigkeit in Zuständen, wo sonst starke Schmerzen erwartet würden (etwa bei Diphtherie); es gibt aber auch Schmerzzustände, die Carbolicum acidum indizieren können (wie wenige Sätze weiter unten deutlich wird).

und Putridität. Die Absonderungen sind faulig und brennen. Maligne und septische Zustände. Erschöpfung ist eine sehr ausgeprägte Wirkung, selbst paralytische Erschöpfungszustände mit Ausfall der Sensibilität und Motorik. Schreckliche Schmerzen [meist linksseitig, vor allem in den Muskeln und Gelenken]; sie kommen und gehen plötzlich [und halten meist nur kurze Zeit an]. Stechend-brennende Empfindungen. Überempfindlichkeit des Geruchssinns ist ein starkes Leitsymptom. Körperliche Anstrengung bringt irgendwo am Körper einen Abszess hervor [vorzugsweise im rechten Ohr]. Bei Cholera, wenn Veratrum album angezeigt scheint, aber versagt. Kollaps. Blutige Exsudate [besonders in Bläschen oder Pusteln]. Unfähig zu geistiger Arbeit, weil Lesen alle Symptome verschlimmert. Zittern; zitternder, unsicherer, taumelnder Gang.
SchlimmerErschütterung [etwa vom Reiten oder Fahren]. Lesen. Während der Schwangerschaft. Kämmen.
Geist und GemütGeistige und körperliche Mattigkeit und Trägheit, Abneigung gegen geistige oder auch gegen jegliche körperliche Arbeit.
KopfEngegefühl, wie von einem fest gespannten Gummiband zusammengepresst; Kopfschmerzen besser durch grünen Tee, auch beim Rauchen. [Dumpfes, heißes, zusammenschnürendes Gefühl im Kopf, besonders in der Stirn. Kopf scheint anzuschwellen, heiß zu werden und Hitze auszuströmen wie ein Ofen.] Empfindung wie ein Feuerball in der Stirn. Kopfhaut empfindlich [Kämmen ist schmerzhaft]. Kopfweh, das zur Zeit der Monatsblutung auftritt.
AugenSchlimme Orbitalneuralgie über dem rechten Auge.
NaseGroße Überempfindlichkeit des Geruchssinns. Ozäna mit starkem Fötor und Geschwürbildung.
GesichtDunkelrotes Gesicht; blass um Nase und Mund. [Oder: Gesichtsblässe.]
MundIntensiv fauliger Geruch des Atems; auch bei Verstopfung. Brennen im Mund, bis zum Magen herab.
HalsGlänzend, wie glasiert [rötlich-perlmuttartiger Schimmer, ähnlich wie bei Diphtherie]. Uvula weißlich und eingeschrumpft.60

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Vergiftungsfolge vom Schlucken eines Löffels voll Carbolsäure (AE, Band 10, Symptom 617).

Diphtherie: stinkender Atem, geschluckte Flüssigkeiten kommen wieder hoch, aber nur wenig Schmerz.
MagenÜbelkeit und Erbrechen: bei Schwangeren, bei Seekrankheit, bei Krebs; dunkel-olivgrüner Flüssigkeit. Sodbrennen. Wundheitsschmerz im Magen. [Brennen im Magen mit Wundheitsgefühl bei Berührung.] Gärungsdyspepsie mit üblem Mundgeruch und -geschmack. Verlangen nach Stimulanzien [Whisky] oder Tabak.
AbdomenFlatulenz. Obstipation: mit eingezogenem Abdomen; [mit starkem fauligem Mundgeruch]. Stühle „wie Schabsel der Schleimhaut“. Schleimabgang aus dem After beim Wasserlassen [jedes Mal]. Diarrhö: Reiswasserstühle, stinkend wie faule Eier.
HarnwegeUrin spärlich, grün oder dunkel, fast schwarz. Häufiges nächtliches Wasserlassen alter Männer. Diabetes. Albuminurie.
Weibliche GenitalienAusfluss: dickflüssig, Jucken hervorrufend. Quälende Rückenschmerzen quer über die Lenden, mit herabzerrender Empfindung bis in die Schenkel; bei Uterusverlagerung. Fötide, scharfe Absonderungen; Erosion der Cervix uteri.
HerzFadenförmiger Puls.
RückenWehtun zwischen den Schulterblättern.
HautJuckende und brennende Bläschen und Pusteln; sie können sich mit blutigem Eiter füllen. Verbrennungen, die zur Eiterung und Geschwürbildung neigen. Erysipel.
SchlafSehr schläfrig.
FieberStarker, kalter Schweiß.
VerwandtKreosotum.

  • Carbolsäure ist der alte Name des Phenols, C6H5OH. Dieser Stoff kommt im Steinkohlenteer vor und wurde 1834 von Runge daraus isoliert (vgl. die Verwandtschaft mit Kreosot, das aus dem Buchenholzteer gewonnen wird und zahlreiche Phenolabkömmlinge enthält). Früher viel benutzt als Desinfiziens und Antiseptikum, besonders in der Chirurgie (Listersches Carbolspray).

  • Homöopathische Arzneiprüfungen wurden angestellt von Hoyne und anderen (Hoyne veröffentlichte 1869 in Chicago eine Monografie über Carbolicum acidum) sowie von Lilienthal; teils mit oral eingenommenen Dilutionen (bis zur 12. Dilution), teils mit der Urtinktur (in Alkohol gelöstes Phenol), teils mit Carboldämpfen. Dazu kommen Wirkungen bei lokaler Applikation (Haut, Klistiere, auch einer Zahnfüllung mit Carbolsäure) sowie eine große Zahl von Vergiftungen (sowohl beim medizinischen Gebrauch als auch bei Verwechslungen und Suizidversuchen). Die Prüfungs- und Vergiftungssymptome sind nachzulesen in Band 2 und 10 von AE und in Hales New Remedies. Eine gute Übersetzung zahlreicher Symptome, ergänzt durch eigene Beobachtungen, findet sich in Band 86 der AHZ.

Carboneum sulfuratum
AllgemeinesHat eine spezifische Affinität zu den Augen. Nützlich bei Verlust der Sehkraft; fortschreitende Schwächung des Gesichtssinns; mit Zentralskotom. Farbenblindheit, vor allem für Rot und Grün; auch wenn Zentralskotom für diese Farben, aber nicht für Licht (Weiß) besteht. Bei Folgen von Kohlendunstvergiftung.

  • Der Schwefelkohlenstoff mit der Formel CS2.

  • Eine umfangreiche Prüfung ist in der Allgemeinen Zeitung für Homöopathie, Beilage „Neue Beiträge zur Arzneimittellehre“, S. 59 ff. dokumentiert; Phatak hat ihre Symptome allerdings nicht benutzt. Ferner gibt es eine große Zahl von Beobachtungen an Arbeitern in der Gummiindustrie, wo Schwefelkohlenstoff als Vulkanisierungsmittel benutzt wurde. Die Augensymptome, die durch die Dämpfe hervorgerufen wurden, stammen aus diesen Beobachtungen. Sie sind am ausführlichsten in Hughes' Cyclopedia, Band 2 und 4, zu finden, teilweise aber auch bei Clarke, Dictionary.

Carcinosinum
AllgemeinesEine aus einem Karzinom hergestellte Nosode, die Fälle mit einer Vorgeschichte von Krebs [auch in der Familienanamnese] oder mit aktuell bestehender Krebserkrankung günstig beeinflussen soll. Kann als Zwischenmittel gegeben werden, neben dem durch die Symptome angezeigten Mittel.

  • Die Krebsnosode Carcinosinum taucht in der homöopathischen Literatur zuerst in Kents Lesser Writings auf, unter dem Namen Carcinomsa. Kent gewann das Präparat aus der wässrigen Absonderung eines Mamma-Ca und setzte es als Palliativ bei Tumorschmerzen ein.

  • Erst in den 1950er-Jahren ist eine reguläre Arzneiprüfung von Lees Templeton vorgenommen und publiziert worden (im British Journal of Homœopathy). Heute gibt es ein umfassendes und detailliertes Arzneibild von Carcinosinum; nachgelesen werden können die Symptome etwa in Vithoulkas' Materia Medica Viva unter Cancerinum.

Carduus marianus
AllgemeinesIn erster Linie ein Leber- und Milzmittel, auch bei Blutungen61

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Vor allem aus den Verdauungsorganen (Hämatemesis, Melaena); vgl. Clarke, Dictionary.

infolge von Erkrankungen dieser Organe; die Blutungen führen zu Linderung der Symptome. Es wirkt auf das venöse System und erzeugt Blutstauung, Varizen und Ulcera varicosa. Bergmannskrankheiten, die mit Beeinträchtigung der Atmung verbunden sind [„Bergsucht“ mit Kachexie, Atemnot, Herzklopfen usw.]. Hydropische Zustände aufgrund Pfortaderstauung und Kongestion der Beckenorgane. Folgen von [Alkoholabusus, besonders von] übermäßigem Bierkonsum. Mattigkeit, Müdigkeit; besonders nach dem Essen und beim Fahren; mit häufigem Gähnen. Schmerzen stechend, ziehend, brennend. Leberaffektionen, die die Lungen in Mitleidenschaft gezogen haben.
SchlimmerLiegen auf der linken Seite. Bier. Essen. Berührung. Bewegung. Kellerluft.
BesserDurch Blutungen.
Geist und Gemüt„Große Unbesinnlichkeit auf das eben Gewollte.“ Hypochondrisch. Traurig, verzagt. Freudlos, apathisch.
KopfDumpfer Kopfschmerz in der Stirn [über den Augen]. Schwindel mit Neigung, nach vorn zu fallen, [dann plötzliches und starkes] Nasenbluten, das deutlich bessert.
AugenBrennen und Drücken in den Augäpfeln.
NaseEpistaxis; auch habituell, bei psorischen jungen Leuten.
Gesicht, MundErdfahl, gelblich-grau; oder auch hochrot, blühend. Schwäche der Oberlippe und der Zunge. Zunge in der Mitte weißlich belegt, Rand gerötet, mit Zahneindrücken. Bitterer Mundgeschmack.
MagenAppetitlosigkeit. Übelkeit, Würgen und Erbrechen saurer, grün gefärbter Flüssigkeit, oder auch von Blut. „Fader Geschmack der wie gewöhnlich gesalzenen Suppe. Wohlgeschmack der scharf gesalzenen Suppe, obwohl sonst scharf gesalzene Speisen zuwider sind.“62

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So sagt es Buchmann in seiner Arzneiprüfung. Phatak spricht, ebenso wie Boericke im Pocket Book und Allen im Handbook, von „Abneigung gegen Salzfleisch“. Dies geht jedoch auf eine falsche Übersetzung des Prüfungssymptoms durch Allen (und Hughes) zurück.

AbdomenAnschoppung der Leber, die lateral63

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So bei Boger. Clarke spricht von einer transversalen Lebergeschwulst, im Unterschied zu einer eher vertikalen bei Chelidonium.

geschwollen ist, mit Druckschmerzhaftigkeit. Gelbsucht. Stechende Schmerzen in der Milzgegend, besonders beim Einatmen und Bücken. Stechen [oder Spannungs- und Druckgefühl] in der Leber, schlimmer beim Liegen auf der linken Seite. Leberaffektionen, die die Lungen in Mitleidenschaft gezogen haben, mit Bluthusten. Gallensteine. Leberzirrhose, mit Ödem. Bauchauftreibung; mit Kollern im Leib. Zwerchfellhochstand. Harte, schwer abgehende, knotige, lehmfarbene Stühle. Blutende Hämorrhoiden. Starker Durchfall bei Mastdarmkrebs. Teerstühle. Bis eine Handbreit um den Nabel Empfindung, wie wenn die Därme sich beim Ausatmen bewegten.
HarnwegeUrin: trüb; goldgelb.
Weibliche GenitalienChronische Uterusblutungen, wo Störungen des Pfortaderkreislaufs bestehen.
AtemwegeSeitenstechen und Husten mit blutigem Auswurf. Schmerzen in der Brust, die [von den Seiten zur vorderen Seite des Brustkastens], zu den Schulterblättern, dem Rücken, den Lenden und dem Bauch wandern, verbunden mit Harndrang. Asthmatische Atmung.
Rücken, ExtremitätenZiehender Schmerz im ganzen Rücken. Schmerz in den Hüftgelenken, durch die Hinterbacken in die Schenkel sich verbreitend, das Aufstehen erschwerend, durch Bücken verschlimmert. Füße schwach nach dem Sitzen.64

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Dieses (leicht modifizierte) Symptom stammt von Carduus benedictus (vgl. Rückert, Praktische Mitteilungen, Symptom Nr. 64).

HautHarte, thrombotische Venen, oder geborstene Aderknoten. Ulcus varicosum.
FieberAnfälle von Hitze und Frost, mit Ikterus.
VerwandtCalcarea carbonica; Sanguinaria.

  • Die Mariendistel, Silybum marianum (L.) Gaertner. Geprüft wurden die Früchte (Samen). Es existiert auch eine Prüfung des verwandten Benediktenkrauts Carduus benedictus, heute botanisch als Cnicus benedictus L. bezeichnet, von Rückert (in: Praktische Mitteilungen der korrespondierenden Gesellschaft homöopathischer Ärzte), aus der ein Symptom in dieses Arzneibild übernommen wurde (Fußnote 64).

  • Von Rademacher und seinen Schülern als „Organmittel“ für Leber und Milz benutzt. Aus diesem klinischen Gebrauch stammt eine Reihe von Symptomen. Homöopathische Prüfungen wurden vorgenommen durch Reil (HVJ 3), Lembke (NZfHK, Band 6) und Buchmann (AHZ 98).

Castor equi
AllgemeinesVerreibungen aus den abgeschilferten Plättchen der rudimentären ‚Daumennägel‘ des Pferdes. Wirkt auf die Haut und verursacht Verdickung derselben; auf die Nägel, die spröde werden, abbröckeln oder abfallen. Knochenschmerzen, besonders der [rechten] Tibia und des Steißbeins. Rissige, wunde Brustwarzen stillender Frauen; extrem empfindlich, Berührung der Kleider wird nicht ertragen; [auch in verschleppten, unbehandelten Fällen, in denen die Brustwarze fast abzufallen scheint], nur noch an einigen Fäden zu hängen scheint. Anschwellen der Brustdrüsen, die besonders bei Berührung schmerzen; Schmerz schlimmer beim Treppabgehen.65

65

Dieses Symptom wurde an einem männlichen Prüfer beobachtet.

[Inneres] Jucken66

66

In der deutschsprachigen Prüfung heißt es „Zucken“, was aber wohl ein Druckfehler ist, da es unmittelbar darauf heißt: „Das Jucken erstreckt sich nach hinten bis zur Schulter“. Auch die Besserung durch Reiben und Kratzen, die dort genannt ist, spricht für „Jukken“, ebenso die Formulierung in den Guiding Symptoms.

in den Brüsten; Areola weit umher gerötet. Warzen an Stirn und Brüsten. Schuppenflechte der Zunge [Leukoplakia lingualis, Exfoliatio areata linguae].

  • Castor equi („Kastanie“) ist ein hornartiger Auswuchs (Hauthorn) am Sprunggelenk der Vorder- und Hinterbeine, der früher als verkümmertes Daumen- bzw. Großzehenglied betrachtet wurde. Bei Verreibung entsteht ein süßlicher Geruch, „den einige dem Moschus, andere dem Castoreum ähnlich finden“ (Hering); daher wohl der Name „Castor“.

  • Hering hat in der Akademie zu Allentown 1836 Prüfungen vorgenommen und veranlasst, die im Anhang zur Allgemeinen Zeitung für Homöopathie veröffentlicht wurden. Auch fast alle klinischen Empfehlungen stammen von ihm.

Castoreum
AllgemeinesTinktur, zubereitet aus dem Sekret, das sich in den Bauchdrüsensäcken des Bibers findet. Passt auf nervöse, hysterische Frauen, mit Krämpfen und Schmerzen, mit Schwächezuständen nach schwerer Krankheit. Nervöse Frauen, die nicht vollständig gesund werden, sondern andauernd reizbar bleiben und unter erschöpfenden Schweißen leiden. Schwäche und Reaktionsmangel. Nerven- und Krampfleiden; als Reflexe vom Uterus. Faszikuläre Muskelzuckungen. Schweregefühl des ganzen Körpers. Stetes Gähnen. Chorea. Epilepsie. Nervöses Pochen.
SchlimmerGemütsbewegungen. Erkältung. Während der Menses. Nach erschöpfenden Krankheiten.
BesserDruck [und Zusammenkrümmen].
Geist und GemütReizbarkeit. Vergießt leicht Tränen. Melancholisch, wehmütig, voll von bangen Sehnsüchten.
AugenTagblindheit; kann das Licht nicht ertragen.
MundZunge: geschwollen; Zucken67

67

Die Prüfung hat hier „Jucken“, was wahrscheinlich ein Druckfehler ist. Jedenfalls spricht die Beobachtung „Jucken und Ziehen zum Hals hin“ eher dafür, dass eigentlich Zucken gemeint ist.

darin. Runde, erbsengroße Erhebung in der Mitte der Zunge, mit geröteter Umgebung; Zunge empfindlich gegen Berührung, auch von Speisen, mit ziehender Empfindung, als würde das Zentrum der Zunge wie von einem Band zum Zungenbein hingezogen.
Magen, AbdomenBauchschmerzen oder andere abdominelle Beschwerden [Durchfall], die von Gähnen begleitet sind. Koliken mit Schwäche, besser durch Druck [und Zusammenkrümmen]. Sommerdurchfälle mit aus grünlichem Schleim bestehenden Stühlen. So heftiger Durst, dass sie gar nicht genug trinken kann [nach dem Mittagessen].
Weibliche GenitalienHeftige, schneidende Schmerzen bei Dysmenorrhö, bei Abgang nur weniger Tropfen Blut, darauf kalter Schweiß; Amenorrhö mit schmerzhafter tympanitischer Auftreibung des Abdomens.
SchlafStetes Gähnen als Begleitsymptom vieler Beschwerden. Unruhiger Schlaf mit schrecklichen Träumen und Aufschrecken. Gähnt im Schlaf.
Fieber[Anfälle von] Schüttelfrost, mit Eiseskälte im Rücken. Erschöpfende Schweiße nach fiebrigen Krankheiten.
VerwandtMoschus; Valeriana.

  • Castoreum oder Bibergeil ist das Sekret der Bauchdrüsen des Bibers (und zwar beider Geschlechter), deren Ausführungsgänge in die äußeren Genitalien münden.

  • Eine Prüfung existiert von Caspari und Nenning, veröffentlicht in den Annalen der homöopathischen Klinik.

Caulophyllum
AllgemeinesEin ‚Frauenmittel‘, ebenso eine Arznei, die bei rheumatischen Schmerzen angezeigt ist, wobei sie besonders auf die kleinen Gelenke wirkt. Erzeugt wandernde Schmerzen, die von einer Stelle zur anderen überspringen68

68

„Sie bleiben nur zwei oder drei Minuten lang auf derselben Stelle“ (aus Burts Prüfung).

, von ziehender, krampfhafter oder schießender Qualität, rheumatische Schmerzen; diese wandern schließlich bisweilen [von den Fingergelenken] zum Nacken, der steif wird. Viele Beschwerden stehen im Zusammenhang mit Dysfunktionen des Uterus. Tonusmangel des Uterus. Hysterische oder epileptiforme Krämpfe während der Pubertät; [bei Zyklusstörungen, Ausbleiben der Monatsblutung oder] bei Dysmenorrhö. Chorea während der Pubertät. Zittern, innerlich69

69

Subjektiv empfundener Tremor, der äußerlich nicht zu sehen ist (Nash).

, mit allgemeiner Schwäche. Große Erschöpfung. Paraplegie nach Entbindung. Vollheitsgefühle, wie von zu großer Blutfülle [Kopf, Uterus usw.].
SchlimmerSchwangerschaft. Ausbleiben der Regelblutung. Im Freien. Kaffee.
Geist und GemütGereizt, ängstlich besorgt. Leicht unzufrieden. Nervös. Aufgeregt.
KopfKopfschmerzen im Zusammenhang mit Störungen der Uterusfunktion oder spinaler Reizung. [Vollheitsgefühl] mit Druck hinter den Augen; Schmerzen schlimmer durch Bücken, Licht und von mittags bis nachts.
GesichtGelbe oder braune Pigmentflecke (Chloasma); auf der Stirn, [bei Menstruationsstörungen oder] bei Leukorrhö. Schwere Oberlider, muss sie mit den Fingern anheben; ebenfalls im Zusammenhang mit Fluor.
MundAphthen. Mundfäule (lokal und innerlich anzuwenden).
MagenHäufiges Aufsteigen saurer, bitterer Flüssigkeit, mit Schwindel. Krampfhaftes Erbrechen in Verbindung mit Uterusreizung.
Weibliche GenitalienHeftige, intermittierende, krampfartige Schmerzen; bei Dysmenorrhö, mit geringer Blutung; bei Retroversio uteri. Wehenartige Schmerzen, die in alle Richtungen ‚fliegen‘; zur Brust hin.70

70

Auch bei den Wehen selbst: „Die Wehenschmerzen sind spasmodisch und wandern von einer Stelle zur anderen, mal in die Leisten, dann ins Abdomen, schließlich zur Brust; aber nicht in die Richtung normaler Wehen“ (Farrington, Clinical Materia Medica). „Unwirksame Wehen, die nicht abwärts pressen, sondern in alle Richtungen gehen“ (Allen, Handbook).

Beim Geburtsvorgang sind die Wehen zu schwach, zu kurz oder unregelmäßig; sie hören wegen Erschöpfung der Schwangeren auf oder sind allzu schmerzhaft [ohne den Geburtsvorgang zu fördern]. Vorzeitige Wehen, ‚falsche Wehen‘.71

71

„In den letzten Schwangerschaftswochen, wenn die Schwangere unter ‚falschen Wehen‘ leidet, die in Empfindungen von schmerzhaftem Herabdrängen im Hypogastrium bestehen. Ich habe erfahren, dass eine Einzelgabe sie nach stundenlanger Dauer beseitigen konnte“ (Farrington).

Erleichtert die Geburt; wenn die Gebärende durch die lange Dauer der Wehen erschöpft ist. Habitueller Abortus; aufgrund von Tonusmangel des Uterus. Nachwehen; besonders nach langwierigen, erschöpfenden Geburten. Rigidität des Muttermundes, Schmerzen wie von Nadelstichen in der Cervix. Starker, wund machender Ausfluss; häufig bei jungen Mädchen. Verspätete [oder ausbleibende] Monatsblutung. Reizung der Vagina, starke, krampfhafte Schmerzen. Uterusblutungen; sehr starke Blutung, besonders nach Frühgeburt. Wochenfluss reichlich und zu lang anhaltend.
Äußerer HalsSteif. [Heftig ziehender Schmerz im M. sternocleidomastoideus, dadurch] Kopf auf die linke Seite gezogen.
ExtremitätenSchmerzende Knoten an den Fingergelenken. Rheumatismus der kleinen Gelenke. Schneidende Schmerzen in den Fingergelenken beim Faustschluss. Wehtun und Empfindlichkeit der unteren Extremitäten, vor der Regel. Paraplegie nach Entbindung.
HautChloasma; am Hals, [an der Stirn].
FieberHohes Fieber.
VerwandtCimicifuga; Pulsatilla; Sepia.

  • Caulophyllum thalictroides Michx. = Leontice thalictroides L., eine nord-amerikanische Pflanze aus der Familie der Berberitzengewächse, im Deutschen gelegentlich als „Blauer Hahnenfuß“ bezeichnet. Verwendet wird der Wurzelstock (Rhizom) mit den Wurzeln.

  • Die meisten Indikationen, insbesondere die gynäkologischen und geburtshilflichen, stammen aus der Volksmedizin der Indianer und klinischen Erfahrungen. Von Burt existiert eine Prüfung, ausschließlich an Männern. In Hales New Remedies werden die Prüfungssymptome und die wichtigsten klinischen Indikationen und Erfahrungen zusammengefasst; ferner sind die Prüfungssymptome zugänglich in AE, Band 3.

Causticum
AllgemeinesDie chemische Zusammensetzung dieses Mittels ist noch immer ungewiss, die Rohsubstanz wird jedoch oft für eine Kalilauge („Ätzkali“) gehalten [s. u.]. Causticum ist ein großes Polychrest. Es wirkt auf die Nerven, die motorischen wie die sensorischen, sowie auf die Muskulatur, sowohl die willkürliche als auch die unwillkürliche; besonders der Blase, des Kehlkopfs und der Gliedmaßen. Schwäche: progressive Abnahme der Muskelkraft mit zunehmender Unsicherheit der Muskelbeherrschung, was schließlich in Lähmung endet; Lähmung einzelner Organe oder Körperteile. Ätiologie der Lähmung: Kälteexposition; postdiphtherisch; von Bleivergiftung. Kaltes Wasser scheint als Tonikum bei lähmungsartigen Zuständen zu wirken. Chronische rheumatische Erkrankungen führen zu Sehnenverkürzungen und Gelenkdeformationen. Schmerzen: reißend, ziehend, brennend; „wo sie hingreift, brennt es“. Empfindungen wie wund und roh [besonders an den Schleimhäuten].72

72

„Diese Wundheitsempfindung ist nicht die von Arnica (wie geprellt oder zerschlagen und in erster Linie in den Muskeln), auch nicht die von Rhus toxicodendron (ein Wehtun wie verrenkt, meist in den Sehnen und Sehnenscheiden), sondern es ist hauptsächlich, wenn nicht ausschließlich eine Wundheit der Schleimhäute, als wären die Teile roh“ (Nash, Leaders).

Zittern, Krampfanfälle, Chorea; veitstanzartiges Muskelzucken bei nervösen Mädchen; Krämpfe schlimmer während der Menses. Epilepsie: läuft im Kreis herum, stürzt dann bewusstlos zu Boden; Epilepsie in der Pubertät. Chorea: Bewegungen, die an Koitus erinnern.73

73

Dieses Symptom wurde bei einem vier- oder fünfjährigen Mädchen beobachtet (liegt auf dem Bauch, „stoßende“ Bewegung des Gesäßes); vgl. Hering, Guiding Symptoms, und Rückerts Klinische Erfahrungen 4, 503.

Weitere charakteristische Symptome sind sympathetisches74

74

Nicht nur in dem Sinn, dass Affektionen eines Körperteils von Muskelzuckungen an anderen begleitet werden, sondern auch z. B.: „Nach dem Anblick einer mit Chorea behafteten Person bekommt sie selbst Zuckungen“ (Hering, Guiding Symptoms).

Rucken und Zucken sowie Aufschrecken und Unruhe [motorisch oder als innere Unruhe]. Unruhe nachts, besonders die Beine sind ständig in Bewegung. Schmerzhafte Muskelkrämpfe hier und da am Körper. Abmagerung: infolge von Krankheit, Schreck, Sorge, Kummer; Abmagerung im Verlauf langwieriger Erkrankungen. Kinder lernen langsam gehen und sprechen. Anästhesie. Patient ist sowohl kälte- als auch hitzeempfindlich. Steife Gelenke. Passt auf ausgelaugte altersschwache Personen mit zerrütteter Gesundheit; auf dunkle Typen von straffer Faser. Üble Folgen von Verbrennungen und Verbrühungen; von Schreck, Kummer, Sorge, Gram; von Nachtwachen. Bei Geschwüren, die mit Bleisalbe malträtiert worden sind. Warzen. Fissuren: bei geringfügigsten Anlässen; an Nasenflügeln, Lippen, Anus usw. Ungeschickt und unsicher beim Sprechen, Kauen, Gehen. Geisteskrankheiten und Krampfattacken [sowie Lähmungen] nach unterdrückten Hautausschlägen. Gefühl, als ob kaltes Wasser vom Schlüsselbein [über die Brust] bis zu den Zehen herab liefe [auf einem schmalen Strich].
SchlimmerTrocken-kalte oder raue Luft; Wind; Zugluft. Extreme Temperaturen. Wetterwechsel. Flussbad an heißem Sommertag. Bücken. Unterdrückung von Hautausschlägen. Kaffee. Fett. Saures. 3–4 Uhr morgens; oder am Abend. Dämmerung. Dunkelheit. Anstrengung. Nach Stuhlgang. Bewegung des Wagens [Erschütterung]. Beim Ergreifen eines Gegenstandes.
BesserKalte Getränke (die sogar Frösteln bessern). Feuchtes, nasses Wetter. Waschen [des kranken Teils]. Wärme; Bettwärme. Sanfte, langsame Bewegung.
Geist und GemütHoffnungslosigkeit, Verzagtheit, will nicht mehr leben. Energielos, keine Initiative. Geistige Erschöpfung. Ängstliche Vorahnungen [„als stünde ihm Unangenehmes bevor“], schlimmer in der Abenddämmerung. Still, in sich gekehrt. Übertrieben mitleidig. [Bei Erzählungen anderer und ihnen angetaner Grausamkeiten ist sie außer sich vor Weinen und Schluchzen und kann sich nicht zufrieden geben.] Kind will nicht allein ins Bett gehen; ist weinerlich über jede Kleinigkeit. Denken an die Beschwerden verschlimmert diese; besonders Hämorrhoiden. Bald Weinen, bald Lachen; Chorea. Krampfhafte Lachanfälle vor, bei oder nach den Krämpfen. [Risus sardonicus.] Gewissensangst, als hätte man ein Verbrechen begangen. Traurig, schwermütig; weinerliche Stimmung. Argwöhnisch, misstrauisch. Zerstreut, geistesabwesend. Schwermut, sieht alles „in schwarzen Farben“. Unausgeglichen, hat seine Gefühle nicht unter Kontrolle [alles erregt ihn]. Spricht Worte falsch aus, verwechselt Silben und Buchstaben.75

75

Etwa: „Schnaufender Lupfen statt laufender Schnupfen“ (Hahnemann).

Gequält durch geschäftliche Sorgen.
KopfSchmerzloses Wühlen im ganzen Kopf. Kopfweh, als wäre zwischen Stirnbein und Gehirn ein Hohlraum; besser durch Wärmeanwendung. Unwillkürliche Kopfbewegungen: dreht ihn hin und her, oder nickt, oder wendet ihn nach rechts. Spannen der Kopfhaut. Stechen in den Schläfen bei geistiger Anstrengung [Lesen, Schreiben]. Kopfschmerz mit Übelkeit und Erbrechen; oder mit Blindheit; blind machende Kopfschmerzen, gefolgt von Lähmung. Schwindel: im Schlaf; nachts; morgens; beim Hinlegen; beim Bücken; während der Regel; beim Sehen in die Höhe. Kleine, weiche, runde Knoten auf der Kopfhaut und der Glabella.
AugenFunken und dunkle „Gewebe“ oder Punkte vor den Augen. Lähmung eines Augenlids (des rechten). Schwere, hängende, herabfallende Oberlider. Lidptose. Schwäche der geraden Augenmuskeln; Diplopie, besser im rechten Gesichtsfeld.76

76

Das Symptom stammt aus einem Fall, der in NZfHK 14:132 erschienen ist. Über Rückerts Klinische Erfahrungen (Supplementband 2:173) sind einige seiner Symptome in Herings Guiding Symptoms gelandet, freilich in recht verwirrender Formulierung. Diagnostiziert wurde in diesem Fall eine Parese des linken N. abducens. Die Patientin konnte einen Gegenstand fixieren, der in der Medianlinie vor sie gehalten wurde; Bewegung des Objekts nach rechts machte keine Probleme; bei Linksbewegung blieb jedoch das linke Auge zurück, und es entstanden Doppelbilder. Sie drehte den Kopf daher nach links, um dem Phänomen zu entgehen.

Ständiger Druckschmerz im Auge, mit steter Neigung, es zu berühren und zu reiben, was den Druck zu lindern scheint. Katarakt. Gesichtsfeld verdunkelt, wie durch eine feine Haut oder einen Schleier; [für einen Augenblick], beim Schneuzen. Gegenstände sehen größer aus [mit Drehschwindel]. Reichlicher scharfer Tränenfluss. Rollt die Augen; Epilepsie. Sichtbares Zucken der Lider [und der linken Augenbraue]. Warzen in den Augenbrauen. Rhagaden der Augenwinkel. Augen bleiben ständig offen, ohne Blinzeln; bei Gesichtslähmung.
OhrenKlingen, Sausen, Pochen; mit Schwerhörigkeit. „Widerhall in den Ohren von ihren Worten und Tritten.“ Menière-Krankheit. Brennen der Ohren, sie werden rot. Viel Ohrenschmalz, gelegentlich faulig riechend; braun. Dicker, klebriger, eitriger Ohrenfluss.
NaseSchnupfen mit Heiserkeit. Ausschlag auf der Nasenspitze. Heilt alte Warzen an der Nase. Morgendliches Niesen. Katarrh mit dickem, gelbem oder gelblich-grünem Sekret. Nasenbluten, bei Krampfanfällen.
GesichtGesichtsneuralgie, besser durch Abreiben mit kaltem Wasser. Gesichtslähmung (rechtsseitig), schlimmer beim Öffnen des Mundes77

77

Mit der Modalität ist wohl gemeint, dass, da die rechte Zungen- und Mundseite gelähmt waren, die Zunge nach links fiel und der Mund sich verzog, wenn dieser geöffnet wurde (vgl. einen Fall in Rückerts Klinischen Erfahrungen 4:465).

. [Spannen und] Schmerz in den Kinnladen, kann den Mund kaum aufmachen. Gesicht gelb, krank aussehend. Krampfhafte Empfindung in den Lippen. Pelziges Gefühl im Gesicht. Hautausschläge im Gesicht.
MundBeißt sich innen auf die Wange, beim Kauen. Lähmung der Zunge; undeutliches Sprechen, oder die Worte scheinen stoßweise herauszukommen. Schwellung an der Zungenwurzel. Leicht blutendes Zahnfleisch; schwammig, zurückgezogen. Rezidivierende Abszesse des Zahnfleischs. Zahnfistel. Gefühl von Lockerheit und Verlängerung der Zähne; Zahnweh, kann weder Kaltes noch Warmes in den Mund nehmen. Fettiger Mundgeschmack. Schwellung der inneren Wange; oder auch Verhärtung an der Wangenschleimhaut. Zunge: in der Mitte rot, zu beiden Seiten [weiß] belegt. Schmerzhafte Blasen an der Zungenspitze.
HalsMuss immer schlucken, mit Gefühl, als ob der Hals zu eng wäre. Verschluckt sich, oder Speisen geraten in die Nase. Erschwertes Schlucken, durch Schlucklähmung. Oder: Kann Schleim nicht ausräuspern, muss ihn hinunterschlucken. Halssymptome schlimmer durch Bücken.78

78

Bezieht sich vor allem auf Heiserkeit und Husten, aber auch auf Halsschmerzen.

Kratzen, Brennen, Rauheit im Hals.
MagenFettiges Aufstoßen, fettiger Mundgeschmack. Aufsteigen salzigen Wassers in den Mund. Widerwille gegen Süßigkeiten. Gefühl [beständigen Aufwallens], als ob Kalk im Magen gelöscht würde [mit rollendem Luftaufstoßen]. Magenschmerzen nach Trinken von Eiswasser. Gefühl, als ob eine Kugel in den Hals aufstiege. Saures Erbrechen, gefolgt von saurem Aufstoßen. Frisches Fleisch erzeugt Übelkeit; kann bloß Geräuchertes zu sich nehmen. Hat zwar Appetit, der aber beim Anblick oder Geruch des Essens oder beim Denken daran vergeht; in der Schwangerschaft. Erbrechen von [geronnenem] Blut, nachts. Dyspepsie von Magenübersäuerung.
AbdomenDicker Bauch bei Kindern. Krampfartige Bauchschmerzen. Schmerz strahlt ins Kreuz und in die Brust aus, nötigt zum Zusammenkrümmen, schlimmer nach dem geringsten Essen [etwa bei Uteruskrämpfen]. Stühle: hart; zäh, schleimbedeckt, fettig glänzend; weich und sehr dünn geformt, wie ein Federkiel. Der Stuhl geht besser im Stehen ab. Krampf im Rektum: beim Bücken; mit Harndrang. Analprolaps beim Husten. Jucken am After, besser durch kaltes Wasser. Kleine harte Pusteln um den Anus. Große Hämorrhoiden, die den Stuhlgang behindern, schlimmer beim Gehen, Stehen und daran Denken. Fistel; mit Pulsieren und Schmerz im Perineum. Rektum unempfindlich für festen Stuhl [der unbemerkt abgehen kann]. Durchfall von Verkühlung des Unterleibs. Geschwulst des Nabels, schmerzhaft [beim Betasten]. Verstopfung, mit häufigem vergeblichem Stuhldrang.
HarnwegeBlasenlähmung, durch langes Zurückhalten des Harns, mit Inkontinenz als Folge (etwa bei Schulmädchen [oder Verkäuferinnen], auch im Schlaf). Unwillkürlicher Harnabgang beim Husten, Gehen, Schneuzen, Niesen. Bettnässen im ersten Schlaf. Harnverhaltung; nach Entbindung, nach Operationen. Brennen in der Harnröhre beim Urinieren, besonders nach Pollutionen. Urin geht tropfenweise ab, oder fließt sehr langsam. Unempfindlichkeit der Harnröhre beim Wasserlassen [kann im Finstern kaum glauben, dass er harnt, bis er sich mit der Hand davon überzeugt]. Urin geht besser im Sitzen ab. [Öfterer Harndrang, ohne Abgang; dann, beim Sitzen, unwillkürlicher Abfluss.] Urin: schwarz [bzw. dunkelbraun] oder weiß wie Wasser; wird beim Stehenlassen trüb und wolkig. Jucken an der Mündung der Harnröhre.
Männliche GenitalienVermehrtes Smegma. Ejakulat blutig, beim Beischlaf. Rote Flecken am Penis. Drückender Schmerz, wie gequetscht, im Hoden.
Weibliche GenitalienAbneigung gegen Koitus. Menstruation: Blutung nur tagsüber; auch mit Blutklumpen; verringerte Blutung, bei Gesichtsneuralgie. Dysmenorrhö, mit reißenden Schmerzen in Rücken und Oberschenkeln. Während der Monatsblutung Angst, Niedergeschlagenheit, Schwäche. Ängstliche Träume in den letzten Tagen vor der Periode.79

79

Nach einem Prüfungssymptom aus den Chronischen Krankheiten umformuliert; Phatak schreibt nur: „Träume während der Regel.“

Späte, aber verstärkte Blutung. Ausfluss: sehr stark; nachts; mit großer Ermattung; riecht wie das Monatsblut. Wehenschwäche, Untätigkeit des Uterus. Beißen [wie Salz] in der Scham nach dem Wasserlassen. Brustwarzen: wund, rissig, mit Flechten umgeben. Aufhören der Milchsekretion; aufgrund von Erschöpfung, Nachtwachen oder Angst. Stichschmerz unter der linken Brust bei der Regel; Dysmenorrhö. Starkes Jucken um die Brüste bei Stillenden.
AtemwegeStimmlosigkeit oder Heiserkeit: mit Schmerz in der Brust; schlimmer morgens, schlimmer durch Bücken, besser durch Sprechen80

80

Mezger zitiert in seiner Gesichteten Arzneimittellehre einen Laryngitisfall mit Transversusparese und viel fest anhaftendem, zähem Schleim im Hals. Konnte der Schleim entfernt werden, so war die Stimme relativ klar; durch Nichtgebrauch der Stimme trat jedoch infolge der Neuauflagerung von Schleim der alte Zustand wieder auf. Vgl. aber das folgende Symptom, wo Überanstrengung der Stimme die Heiserkeit offensichtlich hervorruft bzw. verschlimmert.

; Heiserkeit der Sänger oder Kanzelredner. Husten: hohl, hart, trocken; während der Schwangerschaft; durch Kitzelreiz in der Halsgrube oder im Kehlkopf ausgelöst; unaufhörlich; trockener Husten nachts und morgens; schlimmer durch Bücken, Bettwärme, kalte Luft, besser durch einen Schluck kalten Wassers. Kann nicht tief genug husten [kommt nicht ‚unter den Schleim‘]; Auswurf gleitet wieder zurück, muss geschluckt werden. Sputum: spärlich; fettig oder seifig schmeckend, zäh. Wundheitsgefühl auf einem Streifen im Inneren der Luftröhre [wo es bei jedem Hustenstoß schmerzt]. Brust wie wund und roh, wie zu eng; die Weste scheint zu eng. Kratzen auf der Brust. Kurzatmigkeit, vor Beginn eines Hustenanfalls. Röcheln oder Rasseln auf der Brust. Wandernde Brustschmerzen, besser durch Druck, schlimmer durch Niesen. Empfindlicher Druckschmerz im Kehlkopf beim Schneuzen. Beim Sprechen und schnellen Gehen bleibt die Luft weg [muss plötzlich nach Luft schnappen].
HerzHerzklopfen, mit Schmerz in der Brust, Brennen in der Herzgegend und Mattigkeit.
Äußerer Hals und RückenSchmerzhaft steifer Rücken, beim Aufstehen vom Sitzen. Steifheit von Nacken und Hals, kann kaum den Kopf bewegen. Rückenschmerzen, die nach vorn ziehen, oder in die Hüften und Oberschenkel. Schmerz in der Mitte der Wirbelsäule, beim Schlucken [wenn die Speisen den Ösophagus passieren]. Schmerz in den Hüften, schlimmer beim Husten [als wollte es da aufplatzen]. Torticollis. Schmerzen im Steißbein, wie zerschlagen oder auch zuckend. Kneifender Krampfschmerz in Kreuz und Gesäß.
ExtremitätenLähmungsgefühl in der rechten Hand; [Lähmung des rechten Arms], mit Lähmung der Zunge. Lähmung des Deltamuskels, kann die Hand nicht zum Kopf heben. Zittern der Hände. Schreibkrampf. Hände eingeschlafen, gefühllos. Vollheitsempfindung in der Hand beim Zugreifen. Schmerz in den Fingerspitzen, als wollten sie aufspringen. Warzen auf den Fingerspitzen. Krämpfe in den Waden, Füßen, Zehen; Krampfschmerz entlang der Achillessehne. Schwäche in den Fußgelenken. Unsicherer Gang und leichtes Fallen; bei Kindern. Rheumatisches Gliederreißen, besser in der Wärme; in der Bettwärme. [Auch:] Brennende Schmerzen in den Gelenken. Knacken, Spannen, Steifheit in den Knien. Spannen in den Kniekehlen im Sitzen [und zu Beginn des Gehens], besser beim Weitergehen. Schmerzhaftes Knacken im Knie, schlimmer beim Gehen, vor allem wenn man abwärts geht. Neigung, die Gelenke zu strecken oder zu beugen, oder auch sie knacken zu lassen. Sehnenverkürzungen. Arthrosis deformans. Verdrehungen und Zuckungen der Glieder; Chorea. Unruhe in den Beinen, nachts. Schmerz wie elektrische Schläge, in den Beinen. Kann nicht auf den Fersen stehen.81

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Causticum gehört nach Farrington zu den Mitteln, die auf die Fersen einwirken. So gehören zu den Prüfungssymptomen etwa: „Geschwürige Ferse.“ „Fressblase an der Ferse …“ „Taubheit der Ferse, beim Auftreten.“ Phataks Angabe kann aber auch auf die Verkürzungsprozesse von Sehnen und Muskeln Bezug nehmen, die für Causticum typisch sind.

Nagelgeschwür am großen Zeh.
HautHautrisse; Geschwüre. Wundheit in den Hautfalten. Neigung zu Intertrigo, besonders während der Dentition. Warzen: Viruspapillome, groß, gezackt, leicht blutend, entzündet, geschwürig werdend; an Fingerspitzen, Nase, Lidern, Augenbrauen. Jucken. Tiefe Verbrennungen und deren Folgen [schlechte Verheilung; Verbrennungsgeschwüre; Muskelatrophie]. Narben brechen wieder auf.
SchlafViele Bewegungen mit Armen und Beinen im Schlaf. Lacht und weint im Schlaf. Sehr schläfrig, kann sich kaum wach halten. Gähnen, Dehnen und Strecken. Nächtliche Schlaflosigkeit: wegen trockener Hitze des Körpers; durch [Angst und] Unruhe. Wacht beim geringsten Geräusch auf. Gähnen; unwiderstehlicher Drang dazu, wenn man anderen zuhört oder ihnen Aufmerksamkeit schenkt.
FieberKälte [an der Hand oder am Rückgrat], die durch äußere Wärme nicht gebessert wird. Schweiß: gegen 4 Uhr morgens; starker Schweiß bei der geringsten körperlichen Anstrengung, besonders im Freien. Fieberhitze von 18–20 Uhr. Kälte: der linken Seite; des leidenden Körperteils; mit Schmerz. Hitzeüberlaufen, gefolgt von Frost.
KomplementärCarbo vegetabilis; Graphites; Lachesis; Stannum; Staphysagria.
VerwandtGelsemium; Kali bichromicum; Phosphorus; Rhus toxicodendron; Sepia.

  • Hahnemann hatte vermutet, dass der gebrannte Kalk (Ätzkalk) beim Brennen eine Substanz aufnimmt, „welche, ungekannt, von der Chemie, ihm seine ätzende Beschaffenheit erteilt“. Diese hypothetische Substanz, die Hahnemann Ätzstoff oder Causticum nannte, versuchte er experimentell nachzuweisen und in ihren Auswirkungen auf den menschlichen Organismus zu prüfen. Hahnemanns ‚substanzielle‘ Interpretation des basischen Verhaltens von gebranntem Kalk ist chemisch freilich nicht haltbar. Damit ist allerdings noch nicht geklärt, welche Substanz Hahnemann eigentlich hergestellt und geprüft hat. Es gibt im Wesentlichen zwei Theorien: a) Es handelt sich um eine schwache Kalilauge, die durch die Unvollkommenheit von Hahnemanns Apparatur in das Destillat gelangt. Diese Vermutung, die auch Phatak ausspricht, wird durch neuere Versuche von Grimm (Klassische Homöopathie, 1989) gestützt. b) Es handelt sich um ein Gemisch von Ammoniumsalzen, die durch tierische Einschlüsse in Hahnemanns Ausgangsmaterial Marmorkalk zu erklären sind.

  • In den Chronischen Krankheiten hat Hahnemann Prüfungssymptome aus verschiedenen Quellen vereinigt: die Symptome der „Tinctura acris sine Kali“ (dies war ein früherer Versuch Hahnemanns, den „Ätzstoff“ rein darzustellen) aus seinem Werk Fragmenta de viribus; Prüfungssymptome von sich und anderen mit Causticum, die bereits in den früheren Auflagen seiner Reinen Arzneimittellehre veröffentlicht wurden, sowie einige Ergänzungen dazu; Symptome von Nenning, die zunächst in den Bänden 2 und 3 von Hartlaub/Trinks‘ Reiner Arzneimittellehre erschienen waren.

Ceanothus
AllgemeinesDiese Arznei hat eine spezielle Affinität zur Milz, die enorm vergrößert sein kann. Schmerz im linken Hypochondrium; mit Atemnot, Durchfall, starker oder auch ausbleibender Monatsblutung, Leukorrhö. Menses alle zwei Wochen. Anämische Patienten mit Funktionsstörungen der Leber und Milz. Leukämie. Hypertrophie der Leber. Urin grün; schaumig. Periodisch auftretende Neuralgien.
SchlimmerKaltes Wetter. Linke Seitenlage. Bewegung.
KomplementärNatrium muriaticum.
VerwandtChina.

  • Ceanothus americanus L., die Seckelblume („Theeseckelblume“ heißt sie in Hahnemanns Apothekerlexikon); ein in Nordamerika wachsender Strauch. Benutzt werden die getrockneten Blätter.

  • Die meisten klinischen Angaben stammen von Burnett (Diseases of the Spleen and Their Remedies). Eine Prüfung von Fahnestock wird in Clarkes Dictionary zitiert (aus ihr stammt das Harnsymptom).

Cedron
AllgemeinesNeuralgien, die mit exakter Periodizität auftreten, stellen das ausgeprägteste Merkmal dieses Mittels dar. Es passt auf Menschen, die zu sexueller Erregung geneigt sind, auf erregbare, nervöse Temperamente. Antidotiert Folgen von Schlangenbissen und Insektenstichen. Beschwerden nach Koitus: Chorea bei Frauen82

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„Post coitum unregelmäßige und unkontrollierbare Bewegungen der linken oberen und unteren Extremitäten und einiger Gesichtsteile … konnte nicht ohne Stottern sprechen“ (Hale, New Remedies, Band 2).

, Neuralgie bei Männern [besonders über dem linken Auge]. Zittern. Taubheitsempfindung über den ganzen Körper. Malariaartige Affektionen in feuchtwarmen, sumpfigen Gegenden. [Epileptiforme] Konvulsionen während der Regel. Lectophobie [Furcht vor dem Bett].
SchlimmerPeriodisch; genau zur gleichen Stunde. Im Freien. Im Liegen. Vor Gewitter. Nach Schlaf.
BesserAufrechtstehen.
Kopf[Supra-]Orbitalneuralgie. „Verrücktes Gefühl“, verursacht durch Kopfschmerz quer über die Stirn. Während des Kopfwehs ist der ganze Körper wie taub. Empfindung, als wäre der Kopf geschwollen.
Augen[Neuralgien:] Augen brennen wie Feuer. Starker Schmerz im Augapfel, mit ausstrahlenden Schmerzen überall ums Auge herum; mit brennenden Tränen. Iritis, Chorioiditis. Schmerz über dem [linken] Auge; schlimmer nach Koitus83

83

Hier werden in der Literatur Fälle von Schmerzen angeführt, die nur nach Koitus auftraten, so etwa in Hales New Remedies: „Ticartiger Schmerz über dem linken Auge, ausschließlich nach Koitus, seit 13 Jahren.“

. Augen rot. Gegenstände erscheinen nachts rot, tagsüber gelb.
GenitalienStottern nach Koitus.
ExtremitätenPlötzlicher scharfer Schmerz im rechten Daumenballen, den ganzen Arm hinauf bis zur Schulter ziehend; derselbe Schmerz im rechten Fußballen, fällt zu Boden, Schmerz zieht bis über das Knie hinauf.
FieberErregungszustände vor dem Frostanfall.
VerwandtAranea diadema.

  • Die Stammpflanze ist ein mittel- und südamerikanischer Baum, Simaba cedron Planch. Die bohnengroßen Samen galten bei den Einheimischen als Gegengift bei Schlangenbissen („Klapperschlangenbohne“), die Tinktur wird aus den getrockneten Samen hergestellt.

  • Prüfungen von Teste, Casanova, Douglass und Stennett (AE, Band 3); klinische Erfahrungen bei Hale, New Remedies.

Chamomilla
AllgemeinesHochgradig emotional, temperamentvoll und überempfindlich; Überempfindlichkeit von Kaffeetrinken und Narkotika-Gebrauch. Passt besonders auf Krankheiten schwangerer und stillender Frauen sowie kleiner Kinder. Übellaunig, gereizt bis zur Raserei; schnippisch, bissig. Schmerz ist unerträglich, treibt zum Wahnsinn; oder Patient übertreibt den Schmerz84

84

Vgl. Hoppes Prüfungen, wo öfter Angaben wiederkehren wie: „Alle diese Schmerzen, wenn sie auch gering sind, können ganz unausstehlich, unerträglich werden und sie machen leicht ärgerlich.“

; Schwäche zum Niedersinken vor Schmerz. Sehr übellaunig, nicht zu beschwichtigen. Wirft sich herum, läuft hin und her oder schreit laut auf. Verlangt sofortige Linderung seiner Leiden; möchte lieber sterben, als so zu leiden. Heiß und durstig; oder heißer Schweiß, bei den Schmerzen. ‚Das Opium der Homöopathie.‘ Geistige und körperliche Symptome treten in Anfällen auf: Gereiztheit, Unruhe, Koliken, Husten usw. Taubheitsempfindungen: wenn der Schmerz nachgelassen hat85

85

Aber auch gleichzeitig mit dem Schmerz, vgl. Hahnemanns Anmerkung: „Die lähmige Empfindung von Chamille in irgendeinem Teile ist wohl nie ohne gleichzeitigen ziehenden oder reißenden Schmerz, und der ziehende oder reißende [Schmerz] von Chamille ist fast nie ohne eine gleichzeitige lähmige oder taube Empfindung in dem Teile.“

; auch beim Erwachen aus dem Schlaf. Wiederkehrende Krampfanfälle: der Gesichtsmuskeln, Arme, Beine usw. Kinderkrämpfe beim Zahndurchbruch. Während der Krämpfe wird der Körper steif, mit Opisthotonus; Verdrehen der Augen, Verziehen der Gesichtsmuskeln; Daumen eingeschlagen. Schmerzhafte Muskelkrämpfe; [Bauch-]Krämpfe mit Galleerbrechen. Üble Folgen von übler Laune, Ärger, Zorn. Kolik, Durchfall, Gelbsucht, Zuckungen und Spasmen nach „zornmütiger Ärgernis“. Personen, die zu Neuralgien neigen, oder gichtisch-rheumatische Diathese.
SchlimmerZorn, Ärger. Nachts. Zahnung. Kalte Luft, feuchte Luft. Wind. Erkältung. Hitze. Warme Speisen, warmes Einhüllen. Kaffee. Narkotika. Alkohol. Liegen im Bett. Aufstoßen.86

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„Durch Aufstoßen verstärken sich die vorhandenen Schmerzen“ (Hahnemann).

Musik. Berührung; [selbst] Angesehenwerden.
BesserGetragenwerden [bei Kindern]. Mildes Wetter. Hitze.87

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Hier gehen die Meinungen auseinander. Bei Boericke, Clarke, Dunham, Mezger usw. ist, gestützt auf Herings Guiding Symptoms, von einer allgemeinen Verschlimmerung, besonders der Schmerzen, durch Wärme die Rede. Kent (Lectures) hält das für falsch; nur Zahn- und Kieferschmerzen würden durch Wärme hervorgerufen oder verschlimmert (die Modalität sei daher ein Partikularsymptom), der Allgemeinzustand und die anderen Schmerzen würden hingegen durch Wärme besser. Phatak hat sich dafür entschieden, „Hitze“ sowohl unter „Schlimmer“ (wohl von Clarke oder Boericke übernommen) als auch unter „Besser“ (von Kent und Boger) aufzuführen. Vgl. auch Hering/Groß, Vergleichende Arzneiwirkungslehre: „Besser (schlimmer) beim Kaltwerden oder beim Warmwerden.“

Nach Schwitzen. Kälteanwendung.
Geist und GemütGarstig, übellaunig und unhöflich. Zum Streit aufgelegt. Ärgert sich über jede Kleinigkeit. Frauen werden plötzlich verdrießlich, unleidlich, bis zum Zanken eigensinnig, vor [bzw. zu Beginn] der Monatsblutung. Redet mit Widerwillen, abgebrochen, kurz. Kann es nicht ausstehen, angesprochen oder berührt zu werden; oder sogar sich nur ansehen zu lassen. Kann niemanden in seiner Nähe ertragen. Kinder wollen getragen werden, wollen dauernd in den Arm genommen werden. [„Nur wenn man es auf dem Arme trägt, kann das Kind zur Ruhe kommen.“] Sie verlangen dies und jenes, und wenn man es ihnen gibt, wollen sie es nicht oder stoßen es von sich. Jämmerliches Heulen [des Kindes], weil man ihm das Verlangte abschlug. Lässt beim Schreiben oder Sprechen ganze Worte aus. Ungeduldig, hastig [es schien alles zu langsam zu gehen]. Nachts kommt es ihm vor, als höre er die Stimme abwesender Personen.
KopfKlopfendes Kopfweh, in einer Gehirnhälfte; Neigung, den Kopf zurückzubeugen. Empfindung, als ob die Haare zu Berge stünden, mit Schaudern. Heißer, klebriger Schweiß auf Stirn und Kopfhaut; im Schlaf, macht die Haare nass. Kopfweh zierlicher, übermüdeter Frauen. Kopfweh, [schlimmer, wenn die Aufmerksamkeit darauf gerichtet wird], besser durch Ablenkung oder Beschäftigung des Geistes. [Verschlimmerung der Kopfschmerzen durch Geistesanstrengung, selbst Lesen und Nachdenken.] Kopfweh schlimmer morgens und gegen 21 Uhr. Über der Nase gerunzelte Stirnhaut.
AugenGelbes Augenweiß. Krampfhafte Verschließung der Lider. Blutiges Wasser kommt aus den Augen Neugeborener.
OhrenEmpfindlich gegen kalten Wind um die Ohren88

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Kent: „Empfindliche Frauen, die nicht im Wind fahren können, ohne die Ohren zu bedecken. Wenn die Ohren empfindlich gegen die Luft sind, während andere Teile von Gesicht und Kopf nicht empfindlich sind.“

, auch sehr geräusch-empfindlich. Musik ist unerträglich. Ohrenschmerzen, stechend, besser durch Wärme89

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Nach Kent. Dagegen Dunham: „Es muss immer Unerträglichkeit von Schmerz, Verschlimmerung in der Nacht und durch Wärme bestehen. Das gilt für Zahnschmerzen, Ohrenschmerzen …“

. Empfindung wie von Verstopfung der Ohren [und wie Rascheln und Scharren von einem Vogel darin]. Ohrenklingen; nach Blutungen. Sausen in den Ohren, wie von Wasserrauschen. Empfindung, als ob heißes Wasser aus dem Ohr liefe.
NaseÄußerst empfindlich gegen alle Gerüche. Schnupfen, mit heißem Tröpfeln aus der Nase und Nasenverstopfung; kann nicht schlafen. Kribbeln in der Nase bis zum Tränen der Augen.
GesichtSchwellung oder Röte einer Wange [meist halbseitig]. Eine Wange rot und heiß, die andere blass und kalt. Gesicht blass, eingefallen, schmerzverzerrt. Gesichtsneuralgie, mit heißem Schweiß um den Kopf; Schmerz geht ins Ohr. Zuckungen der Gesichtsmuskeln. Kiefer wie müde. [Gefühl von Schwere im Unterkiefer, Schwächegefühl in den Kaumuskeln mit Neigung, den Mund etwas offen zu halten.] Nach Essen und Trinken, [Hitze und] Schweiß des Gesichts.
MundZahnweh: schlimmer nach warmen Getränken, besonders nach Kaffeetrinken; bei Schwangeren. Zähne wie zu lang. Konvulsivische Bewegungen der Zunge. Zunge dick gelb-weiß belegt. Nächtlicher Speichelfluss, von süßlichem [metallischem] Geschmack. Fauler oder saurer Mundgeruch. Bitterer Mundgeschmack.
HalsUnmöglichkeit, feste Speisen zu schlucken, besonders im Liegen. Zusammenschnürungsgefühl, oder Halsweh wie von einem Pflock im Hals.
MagenAufstoßen, wie faule Eier riechend. Heftiges, gallebitteres Erbrechen, mit greifenden Magen- oder Bauchschmerzen. Starkes Würgen vor dem Erbrechen [oder fruchtlose Anstrengung zum Brechen]. Erbrechen nach Morphiumgaben. Magendrücken, wie wenn ein Stein herabdrückte. Schweiß nach Essen und Trinken. Durst: [unauslöschlich]; auf kaltes Wasser; auf saure Getränke. Abneigung gegen Kaffee.
AbdomenAufgetrieben. Kolikanfälle; von Zeit zu Zeit wiederkehrend; Schmerz von einer Seite zur anderen, oder aufwärts [„nach der Brust herauf“] gehend; nach Ärger, Zorn. Schneidende Blähungskolik, schlimmer nachts, besser durch Auflegen warmer Tücher; Kolik während des Wasserlassens. Während der Kolik wird eine Wange rot, mit heißem Schweiß. Empfindung, als wäre der ganze Leib wie hohl; Därme wie verknotet oder zu einer Kugel zusammengeballt. Gelbsucht; nach Zorn. Durchfallstühle: heiß, sauer [und wund machend]; grasgrün; schleimig; wie gehackt [gehacktes „Ei mit Spinat“], gelb und grün; oder unverdaut; nach faulen Eiern riechend. Durchfälle beim Zahnen, von Erkältung oder nach Zorn und Ärger. Hämorrhoiden, mit schmerzhaften Schrunden am After. Anus geschwollen, rot, vortretend, wie ‚Schmollmündchen‘.
HarnwegeHarn heiß, brennend, gelb. Stechender Schmerz in der Harnröhre [im Blasenhals, außer dem Urinieren].
Weibliche GenitalienIrreguläre Wehen oder wehenartige Schmerzen; aufwärts pressend, oder [vom Rücken aus] die Innenseite der Oberschenkel herab. Wehenartige Schmerzen mit reichlichem Abgang geronnenen, dunklen Bluts. Unerträgliche Wehenschmerzen; sehr reizbar, schickt Ärzte und Hebamme weg, lässt sie dann wieder rufen. Krampfanfälle im Wochenbett, nach Zorn. Extrem quälende Nachwehen. Brüste empfindlich und wund, Warzen entzündet, [geschwollen], sehr berührungsempfindlich. Krämpfe [in Uterus und Rücken], wenn sie das Kind an die Brust legt. Milch verdorben, Baby will nicht saugen. [Kinderkrämpfe nach Zornesausbruch der Stillenden.] Empfindliche [und verhärtete] Brustdrüsen bei Säuglingen. Gelber, beißender Ausfluss; dunkle, klumpige Absonderungen [Menses, Wochenfluss]. Lochien übermäßig stark, blutig, oder auch unterdrückt [und darauf Durchfall, Kolik, Zahnweh]. Membranöse Dysmenorrhö, besonders in der Pubertät. Dysmenorrhö, durch Zorn oder andere Gemütsbewegungen bei Frauen, die sonst nicht darunter leiden, auch nach sexueller Aufreizung90

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Nach Kent, der „sexuelle Aufgereiztheit“ (sexual irritability) neben Gemütsbewegungen zu den auslösenden Ursachen der Dysmenorrhö zählt. Phataks Version des Begehrens als Begleitsymptom habe ich nirgends belegt gefunden, sie erscheint mir auch unwahrscheinlich.

. Uterusblutungen, von schwarzem Blut in geronnenen Stücken, reichlich, mit viel Durst und Kälte der Extremitäten. Anhaltende Sickerblutung, dunkel, faulig riechend, mit gelegentlichem Schwall hellroten Bluts.
AtemwegeAnfälle von trockenem Kitzelhusten. Asthma: nach Zorn, Ärger; schlimmer bei trockenem Wetter, besser beim Zurückbeugen des Kopfes. Schleimrasseln auf der Brust des Kindes. Zorn provoziert Hustenanfälle; bei Kindern. [Das Kind erbost sich und bekommt dann Husten.] Keuchhusten, mit Erstickungsgefühl91

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Vgl. Hahnemann: „Um Mitternacht ein Hustenanfall, wobei ihr etwas im Halse heraufzukommen scheint, als wenn sie ersticken sollte.“

; dann Erbrechen. Husten schlimmer von 21 Uhr bis Mitternacht [danach aufhörend]; selbst im Schlaf; auch ohne das Kind aufzuwecken.
RückenUnerträglicher Schmerz in den Lenden und dem Hüftgelenk, wenn er auf der entgegengesetzten Seite liegt. Lumbago.
ExtremitätenArme schlafen ein und werden steif, wenn man mit der Hand zugreift. Wadenkrämpfe. Heftige rheumatische Schmerzen, die nachts aus dem Bett treiben; muss umhergehen. Brennen der Fußsohlen, nachts [steckt die Füße zum Bett heraus]. Fußgelenke knicken ein, nachmittags. Hat das Gefühl, als ob sie auf den Enden ihrer Unterschenkelknochen liefe [als wären die Füße fort]. Nächtliche Kraftlosigkeit der Füße, wie gelähmt, kann nicht auftreten. Trockene Handflächen.
HautFrieselausschläge von Kindern und stillenden Frauen. Gelbsucht. Brennender und beißender Schmerz in Geschwüren, nachts. Unheilsame Haut, jede Verletzung eitert.
SchlafSchläfrigkeit, ohne schlafen zu können. „Schlummersucht“ mit Stöhnen; Wimmern, Weinen und Heulen im Schlaf. Schlaf durch Schmerz gestört. Schlaflos durch Missbrauch von Narkotika. Im Schlaf stetes Auseinanderlegen der Oberschenkel.
FieberFrostig, aber leicht erhitzt; erkältet sich daher schnell. Kälte eines Körperteils, mit Hitze eines anderen; Aufdecken verschlimmert [macht Schaudern, heftigen Frost]. Beständiger Wechsel von Hitze und Kälte [in verschiedenen Teilen]. Fiebrig nach Unterdrückung von Absonderungen [etwa Muttermilch]. Schweiß am Kopf. Durst in der Fieberhitze.
KomplementärBelladonna; Magnesia carbonica; Sanicula.
VerwandtNux vomica; Staphysagria.

  • Die Feldkamille oder Echte Kamille, Matricaria chamomilla L. = Chamomilla recutita (L.) Rausch. Benutzt wird „der aus der ganzen Pflanze ausgepresste und mit gleichen Teilen Weingeist gemischte Saft“ (Hahnemann).

  • Die erste und wichtigste Prüfung steht bei Hahnemann, Reine Arzneimittellehre, Band 3; sie enthält auch Symptome von Kamillenteemissbrauch bei Kindern wie Erwachsenen. Eine Nachprüfung hat Hoppe angestellt (HVJ 13, 14, 15); dabei sind jedoch hauptsächlich seine Versuche mit Haynel verwertet worden, da Hoppes eigenes, äußerst umfangreiches Prüfungsprotokoll zu große Schwierigkeiten bei der Unterscheidung zwischen Krankheits- und Arzneisymptomen bot. Es gibt einige weitere fragmentarische Prüfungen, doch nur aus derjenigen von Berridge (AE, Band 3) ist ein Symptom in dieses Arzneibild übernommen worden.

Chelidonium
AllgemeinesDies ist eine vorwiegend rechtsseitige Arznei. Sie wirkt auf die Leber, das Pfortadersystem, die rechte Seite des Abdomens und den rechten unteren Lungenlappen. Es besteht eine enge Beziehung zu Lycopodium; wenn Lycopodium angezeigt scheint, aber nicht wirkt, sollte Chelidonium gegeben werden. Seine ausgeprägtesten Züge sind Gelbfärbung und Gallenprobleme. Anhaltender, festsitzender Schmerz am unteren Winkel des rechten Schulterblattes ist das wichtigste Leitsymptom. Schmerzen schießen nach hinten oder in alle Richtungen. Stechende Schmerzen aufgrund seröser Ergüsse. Empfindungen von Schwere, Steifheit, Wundheit, Lahmheit, Verrenkungs- und Zerbrochenheitsgefühle. Taubheitsempfindungen. Es herrscht eine große allgemeine Lethargie vor, jeder Anstrengung abgeneigt. Den Patienten graut es vor Bewegung. Schon nach geringer Anstrengung fühlen sie sich müde und angegriffen. Gallenbeschwerden komplizieren andere Zustände: Schwangerschaften, auch Lungenkrankheiten. [Etwa: rechtsseitige Pneumonien mit gelb gefärbten Sputa und ikterischen Erscheinungen.] Gelbsucht.
SchlimmerBewegung. Husten. Berührung. Wetterumschwünge. Steifer Nordwestwind.92

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Im Original heißt es „Nordostwind.“ Diese Modalität ist offensichtlich aus Bogers Synoptic Key entnommen. Boger, der an der amerikanischen Ostküste gelebt hat, spricht von „North Easters“; dies sind starke Nordostwinde oder -stürme. „Ein guter Northeaster, das bedeutet gewöhnlich drei Tage Wind und Regen“, zitiert Webster's Third New-International Dictionary als Belegsatz für den Begriff. Ähnlich das Oxford English Dictionary, das Longfellow anführt: „Das bedeutet einen Sturm – oder Northeaster, der übers Meer kommt.“ In Europa sollte eine solche Beschreibung eher auf einen Nordweststurm zutreffen, da Nordostwinde hier kontinentales Klima bringen. In Buchmanns Prüfung an sich selbst kommt es einmal zu einer Verschlimmerung bei Einsetzen von Frostwetter (nach fünftägigem Wohlbefinden); auch hier ist es ein kalter Nordwestwind, der den Umschwung bringt.

4 Uhr und 16 Uhr. Sehen nach oben.
BesserWarme oder heiße Speisen [und Getränke]. Essen. Nach dem Mittagessen. Milch. Druck. Heißes Bad. Rückwärtsbeugen. Liegen auf dem Bauch.
Geist und GemütAbneigung gegen geistige Anstrengung oder gegen Gespräche. Niedergeschlagen. Gewissensangst, als habe sie ein großes Verbrechen begangen; Furcht, den Verstand zu verlieren. Neigung zum Weinen, mit verdrießlicher Stimmung oder auch ohne jeden Grund. Unruhe; nötigt zu Bewegungen.
KopfSchwindel, Taumel, Dusel; „duselige“ oder schwindlige Schwere am Oberkopf, besonders am Scheitel93

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Phatak hat „Schwindel; im Scheitel empfunden“; hier nach Buchmanns Prüfung präzisiert.

; Schwindel beim Schließen der Augen; Schwindel mit galligem Erbrechen und Leberschmerzen. Kopfschmerzen, die sich nach hinten, zum Nacken hin erstrecken. Der Hinterkopf wird schwer wie Blei; Gefühl von Kälte im Hinterkopf, vom Nacken heraufsteigend. Neuralgien in der rechten Kopfseite: über dem rechten Auge, mit starkem Tränen des Auges; über dem rechten Jochbein und dem rechten Ohr. Gefühl, der Schädel wäre zu klein. [Drängen im Großhirn, als ob es im Schädel nicht Raum hätte …]
AugenDas Weiße im Auge ist schmutzig gelb gefärbt. Schmerz in den Augäpfeln beim Sehen nach oben. Blendender Fleck vor den Augen; [wenn er hineinsieht, tränen sie]. Tränen der Augen; beim angespannten Sehen, bei den Augenschmerzen oder von Kitzel im Kehlkopf [der Husten erregt94

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Ergänzt nach Buchmann; sein Prüfungssymptom lautet: „Husten mit starkem Kitzel im Kehlkopf abends, Tränen hervorpressend.“

]. Schleim in den Augen. [Lider morgens von getrocknetem Schleim verklebt.] Bei neuralgischem Gesichtsschmerz konnte das Auge überhaupt nicht mehr geöffnet werden.
OhrenUnleidliches Gefühl in beiden Ohren, als strömte aus ihnen Wind aus; oder auch als wollte etwas heraus kriechen. Während des Hustens vergeht ihm das Gehör, [als würde das Ohr zugehalten].
NaseRot. Nasenflügelatmen. Nasenspitze angeschwollen und gerötet. Verstopfte Nase bei Leberbeschwerden. Trockene Nase.
GesichtDunkelrot oder graugelb, fahl, eingesunken. Auffallende Gelbfärbung, hauptsächlich auf Stirn, Nase und Wangen. Geschwulstgefühl im rechten Backenknochen; Schmerzen, als würde das Jochbein zerrissen. Fliegende Hitze im Gesicht. Knötchenausschläge im Gesicht.
MundBitterer Mundgeschmack. Zunge: gelb, [mit rotem Rand], an dem die Zahneindrücke sichtbar sind; groß, schlaff [?]95

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Phatak hat diese Angabe von Boericke übernommen; sie ist jedoch sehr zweifelhaft. Denn Boericke könnte sie in H. C. Allens Keynotes gefunden haben, wo es heißt: „Zunge dick gelb belegt, mit rotem Rand, an dem die Zahneindrücke sichtbar sind (Podo. – groß, schlaff, mit Zahneindrücken: Mercur)“. Die große, schlaffe Zunge ist in den Keynotes jedoch allein Mercur zugeordnet, ja sie soll helfen, Mercur von Chelidonium und Podophyllum zu unterscheiden, weil alle drei die Zahneindrücke am Zungenrand aufweisen. Es ist mir nicht gelungen, irgendwo einen zuverlässigen Beleg für eine „große, schlaffe Zunge“ bei Chelidonium zu finden.

. Zunge schmal und spitz zulaufend. Übler Geruch aus dem Mund. Wasserzusammenlaufen im Munde mit Übelkeit und Schwindel. Bitteres Wasser läuft im Mund zusammen.
HalsWürgende Empfindung im Halse, durchs Atmen verschlimmert; Würgen, als wenn man einen zu großen Bissen allzu schnell hinunterschlingt. Linksseitige Struma.
MagenVerlangen nach Milch, nach pikanten, scharfen oder warmen Speisen, nach heißen Getränken. Übelkeit, die durch Milchtrinken gebessert wird. Erbrechen, besser durch sehr heißes Wasser. [Nur ganz heißes, fast kochendes Wasser kann im Magen behalten werden.] Magenschmerzen, nagend, grabend, wühlend, die durch Essen gelindert werden. Drücken im Magen wie von einem stumpfen Gegenstand oder Pflock. Abneigung gegen Fleischspeisen; gegen Käse; gegen Kaffee. Verlust des Appetits.
AbdomenSpannen und Empfindlichkeit in der Oberbauchgegend. Leberschmerzen, die nach dorsal gehen; oder festsitzender Schmerz am unteren Winkel des rechten Schulterblatts. Leber vergrößert; empfindlich. Gallensteine. Zusammenschnürungsgefühl quer über den Nabel weg, als werde der Leib durch einen Strick zusammengeschnürt. Stühle: breiig, blass, hellgelb, auch lehmfarben; oder harte Kügelchen [wie Schafkot]. Wechsel von Durchfall und Verstopfung. Bauchwassersucht mit Gelbfärbung der Handflächen96

96

In dem Fall, auf den dieses Symptom zurückgeht (Kissel, zu finden in Franks Magazin, Band 4, Seite 100), war auch hellgelber Durchfall vorhanden, am Körper aber sonst keinerlei Gelbfärbung wahrzunehmen.

. Kriebeln und Jucken im Mastdarm. Gefühl oberhalb des Nabels, als schlängele sich ein Tier durch die Därme. Krampfhaftes Einziehen des Nabels; bei Koliken.
HarnwegeReichlicher schäumender Urin, gelb, wie Bier. Krampfschmerz in der rechten Niere und in der Leber. Bei Kindern färbt der Urin die Windeln dunkelgelb [rötlich-gelb oder rötlich-braun].
Männliche GenitalienHäufige Erektionen, auch bei Tage. Schmerz in der Eichel. Jucken und Kriebeln an Eichel und Hodensack.
Weibliche GenitalienMenses zu spät und zu stark. Verlangen nach ungewöhnlichen Speisen während der Schwangerschaft. Ausfluss weißliche Absonderung, die Wäsche gelblich färbend. Täglich vormittags und nachmittags bis zu einer Stunde anhaltendes Brennen in der Scheide.97

97

Nach einem Vergiftungssymptom bei Buchmann korrigiert. Phatak schreibt, Herings Guiding Symptoms folgend: „Brennen in der Scheide, täglich exakt zur selben Stunde wiederkehrend.“ Diese Formulierung geht jedoch auf einen Übersetzungsfehler zurück, der sich bereits in Hales New Remedies findet.

AtemwegeKurzatmigkeit und Brustbeklemmung; Kleidungsstücke scheinen zu eng; einige tiefe Atemzüge lindern. Atemnot, schlimmer beim Wasserlassen.98

98

Dieses Symptom ist von Boger (Synoptic Key) übernommen und findet sich auch in Kents Repertorium: Respiration, asthmatic, urinating, while: Chel. als einziges Mittel. Es dürfte auf folgende Beobachtung von Buchmann zurückgehen: „Gegen 11 Uhr beim Nachhausegehen während des Harnens plötzlich asthmatischer Anfall. Er kann nur kurz und mit Anstrengung atmen, als müsse er ersticken mit Angst.“ Buchmann hat die Verbindung von Wasserlassen und Atemnot freilich nicht in sein Symptomenverzeichnis aufgenommen.

Beim tiefen Atmen drückender Schmerz in der Brust. [Beim tiefen Atemholen ringsherum an der inneren Seite des Thorax an der Basis derselben schmerzhafte Spannung.] Husten: wie von Staub [in der Luftröhre, im Hals und hinter dem Brustbein, Husten beseitigt das Staubgefühl nicht]; mit viel Schleimrasseln; aber nur mit wenig Auswurf. Oder: Auswurf fliegt förmlich aus dem Mund. Tiefsitzender Schmerz in der rechten Brustseite oder Gefühl wie von einem Nagel tief in der rechten Brustseite. Lungenentzündung mit Gallensymptomen („biliöse Pneumonie“); Atmungssymptome, die mit Lebersymptomen vergesellschaftet sind. Gefühl von Druck auf den Kehlkopf, Geschwulstgefühl, als könne die Luft nicht hindurch. Stiche in der Brust.
HerzHeftiges Herzklopfen mit Brustbeklemmung. Periodisches Herzklopfen.
Äußerer Hals und RückenFestsitzender Schmerz unter dem inneren unteren Winkel des rechten Schulterblatts; der Schmerz kann sich in die Brust und den Magen ziehen und Übelkeit oder Erbrechen verursachen. Schmerzen am Hals [vorn oder an Genick und Hinterkopf], die sich nach den Schläfen ziehen; zur rechten Schläfe. Reißender Druck an den untersten Lendenwirbeln, bloß beim Vorwärtsbiegen und wenn er sich dann wieder zurückbeugt. Schweregefühl im Hinterkopf bei Schmerz in der rechten Seite des Rückens. Hals wie durch ein Tuch zusammengeschnürt. Zervikobrachialneuralgie.
ExtremitätenÄußerst berührungsempfindlich. Kalte Fingerspitzen. Schmerz in den Fersen, als ob der Schuh zu eng wäre und zwickte. Steifheitsgefühl mit Brennen im rechten99

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Phatak hat dies aus Herings Guiding Symptoms übernommen, wo das Symptom mit zwei fetten Balken hervorgehoben ist; in Buchmanns Prüfung ist es jedoch das linke Knie. Freilich ist Chelidonium bekanntlich ein stark rechtsseitiges Mittel.

Kniegelenk; Schmerz im rechten Kniegelenk, durch Bewegung verschlimmert. „Lähmiges Gefühl“ in den Gliedmaßen. Schweregefühl in den Beinen. Steife Knöchel. Ödematöse Geschwulst um die Knöchel herum; der Füße. Parese der Beine, mit Starrheit der Muskeln. Ein Fuß kalt, der andere warm.100

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Dürfte auf folgendes Prüfungssymptom aus Hahnemanns Reiner Arzneimittellehre zurückgehen: „Der rechte Fuß, bis ans Knie, ist eiskalt, mit Kälteempfindung daran, während der andere Fuß und der ganze übrige Körper ihre gehörige Wärme haben.“

HautGelb. Hautjucken, gebessert durch Essen. Schmerzhafte Hautblüten und Pusteln. Welke Haut.
SchlafLethargisch, schläfrig und frostig. Träume von Leichen und Begräbnissen. Müdigkeit, ohne schlafen zu können. Schläft beim Sprechen ein.
FieberBrennende Hitze in den Händen, verbreitet sich, von dort ausgehend, im ganzen Körper. Verschwitzt, aber mit Abneigung gegen Aufdecken oder Entblößen und ohne dass der Schweiß Linderung brächte. Schweiß: im Schlaf, nach Mitternacht; bei der geringsten Anstrengung. Schwankende Temperatur.101

101

Aus Bogers Synoptic Key. In den Prüfungen finden sich Schwankungen des Temperatur-Empfindens: „Bald hatte er ein Gefühl von Wärme zugleich im ganzen Körper, bald ein Gefühl von Kälte; oft wechselte es auf diese Art in einzelnen Gliedern ab“ (Hahnemann, Reine Arzneimittellehre).

Starkes Fieber.
KomplementärLycopodium; Mercurius dulcis.
VerwandtBryonia; Kali bichromicum; Mercurius solubilis; Opium.

  • Chelidonium majus L., das Große Schöllkraut. Benutzt wird „der aus der frischen Wurzel des Chelidonium majus ausgepresste und mit gleichen Teilen Weingeist gemischte Saft“ (Hahnemann).

  • Es gibt eine Reihe von Prüfungen: zunächst von Hahnemann und anderen (Reine Arzneimittellehre, Band 4); von Nenning und Schönke (in: Hartlaub/Trinks, Reine Arzneimittellehre, Band 1 und 3); von Schneller und anderen (unter anderem abgedruckt in Franks Magazin, Band 2); von Liedbeck und Lembke (AHZ 45, 26); von Teste (zu finden in AE). Die umfangreichste Prüfung stammt jedoch von Buchmann (AHZ 70 und 71), der auch ein erschöpfendes Symptomenregister aller vorgenannten sowie der unter seiner eigenen Leitung durchgeführten Prüfungen erstellt hat (Monatsblatt zum 71. Band der AHZ).

Chenopodium anthelminticum
AllgemeinesGanz ähnlich wie Chelidonium verursacht diese Arznei einen dumpfen Schmerz unter dem Winkel des rechten Schulterblattes, jedoch näher an der Wirbelsäule. Es erzeugt die Symptome einer Apoplexie mit nachfolgender rechtsseitiger Lähmung, verbunden mit Aphasie. Stertoröse Atmung mit einem ganz eigentümlichen Rasseln, als rollte eine Kugel lose in der Luftröhre herum. Schweres Atmen mit Flattern der Wangen. Wiederholt immer und immer wieder die gleiche Tätigkeit [Händeschütteln, Händewaschen etc.]. Wachsende Taubheit für die menschliche Stimme, aber große Empfindlichkeit des Gehörs für Geräusche etwa von vorbeifahrenden Wagen; auch für entfernte Geräusche. Lähmungen: von Unterarm und Hand, in krampfhaft gebeugter Stellung [Finger eingebogen, Hand gewaltsam zum Unterarm gebogen]; Kontraktion der Glieder. Ikterus. Vertigo vestibularis. Menière-Schwindel. Urin: reichlich, schäumend, gelb, brennend.

  • Chenopodium anthelminticum L. = Chenopodium ambrosioides var. anthelminticum (L.) A. Gray. Das Amerikanische Wurmkraut, der Wurmtreibende Gänsefuß.

  • Die wesentlichen Quellen sind drei Vergiftungsfälle, zitiert in AE, Band 10, sowie zwei weitere Vergiftungsfälle bei Hughes, Cyclopedia, Band 2; ferner drei Prüfungssymptome, z. T. klinisch bestätigt, von Jeanes, zitiert in AE, Band 3.

Chimaphila umbellata
AllgemeinesIn erster Linie wirkt diese Arznei auf Nieren und Blase; sie erzeugt Nierengrieß sowie akute und chronische katarrhalische Blasenentzündungen. Auch auf die Drüsen wirkt sie ein: auf die Mesenteriallymphknoten, die Prostata, die weiblichen Brustdrüsen und die Leber. Chimaphila ist nützlich bei Wassersucht aufgrund von Nieren- oder Leberkrankheiten. Es kann angezeigt sein bei Frauen mit sehr großen Brüsten [auch mit Tumoren der Mammae]; bei plethorischen Frauen mit Dysurie. Katarakt, im Anfangs- oder fortgeschrittenen Stadium.
SchlimmerNasse Kälte. Stehen. Im Sitzen; nach Sitzen auf kaltem Stein. Zu Beginn der Miktion.
BesserGehen.
KopfSchmerz im [linken] Stirnhöcker.
AugenUm eine Lichtquelle wird ein Hof gesehen. Stechender Schmerz im linken Auge; mit Tränen.
MundKann nachts den Mund nicht zumachen, die Kiefer sind wie steif, schläft mit offenem Mund. Zahnschmerzen: als ob sanft an dem Zahn gezogen würde; schlimmer nach Essen und durch körperliche Anstrengung; besser durch kaltes Wasser.
HarnwegeUrin: fadenziehender Schleim oder schleimig-eitriges Sediment, riecht faulig; spärlich; dick, trüb. Muss pressen, bevor der Harn ausgeschieden werden kann. Akute Prostatitis [vom Sitzen auf kaltem, feuchtem Stein], mit Dysurie, die sich zur Harnverhaltung steigert, und Gefühl, als presste ein Ball gegen das Perineum, als säße man auf einem Ball. Gonorrhoische Prostatitis. Gefühl in den Nierengegenden [von einer Seite des Rückgrats zur anderen wechselnd], als ob etwas darin flatterte. Blasentenesmen; schlimmer im Sitzen, besser im Gehen. [Muss umhergehen.] Unfähig, Wasser zu lassen, außer im Stehen mit weit gespreizten Beinen und vorgebeugtem Rumpf. Akute Harnwegsinfekte. Anurie bei Säuglingen. Mit dem Harn geht geronnenes Blut ab.
Weibliche GenitalienSchmerzhafte Tumoren in den Brüsten; mit irregulärer Milchsekretion; bei Frauen mit großen Brüsten und scharfen Schmerzen durch die Mammae. Schnell fortschreitende Atrophie der Brüste.
KomplementärKali muriaticum.102

102

Diese Angabe stammt aus Bogers Synoptic Key. Viel häufiger wird allerdings Kalmia angegeben (etwa bei Hering und Clarke). Aufgrund der Ähnlichkeit der Abkürzungen (Kali-m. und Kalm.) besteht die Gefahr einer Verwechslung.

VerwandtBerberis; Coccus cacti; Sabal serrulatum.

  • Chimaphila umbellata (L.) Bart. = Pyrola umbellata L., das Doldenblütige Winterlieb, auch als Harn-, Nabel- oder Gichtkraut bezeichnet. Hering bevorzugt die Schreibung „Chimophila“.

  • Chimaphila stammt aus der nordamerikanischen Volksmedizin und wurde etwa bei den Huronen als Diuretikum verwendet. Eine Sammlung von Arzneiwirkungen „aus verschiedenen Quellen“, die Jones zusammengestellt hat, findet sich in AE, Band 3. In Herings Guiding Symptoms werden Prüfungssymptome von Jeanes und Bute wiedergegeben, ferner eine Reihe klinischer Erfahrungen, die teilweise von Hales New Remedies übernommen sind.

China officinalis
AllgemeinesDies ist die erste Arznei, die von Hahnemann geprüft wurde. Sie wirkt auf das Blut ein: es wird dünnflüssig und ausgelaugt. Das Herz wird geschwächt und der Kreislauf beeinträchtigt, und es kommt zu Kongestionen und Blutungen; auch zu Anämie, völliger Erschlaffung der Gefäße und Kreislaufkollaps. Die Schwäche von China lässt sich auf Säfteverlust zurückführen: reichliche, ermattende Absonderungen; starke Eiterung; Durchfall; Blutungen usw. Intermittierende Periodizität ist ein ausgeprägtes Merkmal, sowohl bei fiebrigen Erkrankungen als auch bei Neuralgien. Die Patienten werden schwach und gleichzeitig überreizt und überempfindlich. „Allzugroße Zartheit und Überempfindlichkeit des Nervensystems; alle Gegenstände des Gesichts, Geruchs, Gehörs und Geschmacks sind ihm zu stark, beleidigen sein inneres Gefühl und sind seinem Gemüt empfindlich“; das gilt auch für Schmerzen. Oft sind diese berstend, als sollte es den Körperteil zersprengen. Neuralgien. Ödem nach Säfteverlusten, etwa Blutungen. Abmagerung, kachektische Zustände; besonders bei Kindern. Anämie. Rheumatismus; harte rote Anschwellungen. Sepsis. Entzündungen des blutenden Teils [oder auch entfernter Organe] im Zusammenhang mit Blutungen; [rasch fortschreitend und in Gangrän übergehend], mit Schwarzfärbung des betroffenen Teils. Wunden werden nekrotisch und färben sich schwarz. Krämpfe bei Blutungen [z. B. während des Geburtsvorgangs]. Reichliche Blutungen; mit Schwarzwerden vor den Augen, Ohnmachtsanfällen und Ohrenklingeln. Blähungsschmerzen nach Operationen, die durch Abgang der Winde nicht gebessert werden. Üble Folgen von: Masturbation103

103

Die kausale Beziehung, die hier und in den Quellen hergestellt wird, kann als zweifelhaft gelten. In einem von Groß (AfH 10, 1:99 ff.) beschriebenen Fall etwa hält der Patient seine Symptome für Folgen einer Geschlechtskrankheit, obwohl er weiß, dass er nie Geschlechtsverkehr hatte, und führt sie deswegen auf die vor Jahren (in der Pubertät) regelmäßig ausgeübte Masturbation zurück.

; Ärger; Erkältung oder Verkühlung; unterdrücktem Schnupfen; Tee; Quecksilbermissbrauch; Alkoholkonsum. Psoasabszess. Passt auf Menschen von dünner, trockener, ‚galliger‘, cholerischer Konstitution. Epilepsie, Chorea oder Lähmungen; von Säfteverlust.
SchlimmerSäfteverlust. Berührung [vor allem leichte Berührung]. Erschütterung. Geräusche. Periodische Verschlimmerungen; jeden zweiten Tag. Kälte, Verkühlung. Wind, Zugluft. Im Freien. Essen. Obst. Milch. Fisch. Genuss von verdorbenem Fleisch oder Fisch. Verunreinigtes Wasser. Tee. Geistige Anstrengung. Während und nach dem Stuhlgang. Tabakrauchen. Herbst. Sommer.
BesserHarter, fester Druck. Lockere Kleidung [Kleiderdruck verschlimmert]. Zusammenkrümmen. Im Zimmer; durch Wärme und warme Anwendungen.
Geist und GemütUnfolgsamkeit, Ungehorsam. Hartnäckig, stur. Verachtung aller Dinge. Fixe Ideen. Er hält sich für unglücklich und glaubt, [von jedermann gehindert und gequält zu werden], oder von Feinden verfolgt zu werden. Neigt dazu, die Gefühle anderer zu verletzen. [Aufgelegt, andere zu ärgern und ihnen Vorwürfe und Verdruss zu machen.] Furcht vor Hunden und anderen Tieren, besonders nachts. Während heiterer Gemütsstimmung plötzliches Aufschreien und Herumwerfen. Schlechte Laune. Liebkosungen vermehren seine Verdrießlichkeit. Abneigung gegen alle körperliche und geistige Arbeit. Baut Luftschlösser. [„Projektierende Ideen in Menge“.] Gleichgültigkeit, Unempfindlichkeit. Gemüt düster, keine Lust zu leben. Will sich das Leben nehmen, aber es fehlt ihm der Mut dazu [„fürchtet sich doch, an das offene Fenster zu gehen oder sich dem Messer zu nähern“]. Nicht aufgelegt zu sprechen, maulfaul. Fehler im Schreiben und Reden, indem er Wörter, die nachfolgen sollten, voraus setzt. Verliert die Herrschaft über seine Geisteskräfte [kann seinen Verstand nicht dazu bringen, das zu tun, was er will].
KopfBerstende, pochende Kopfschmerzen, mit Klopfen der Karotiden. Das Gehirn schlägt wellenförmig an die Hirnschale an, was höchst schmerzhaft ist; [kann den Kopf nicht stillhalten], wackelt mit demselben auf und ab, was bessert. Kopfweh, als wenn das Gehirn wund wäre; Kopfweh besonders [oder nur] in den Schläfen. Schwindel, der Kopf will rückwärts sinken, beim Gehen heftiger. Stiche durch den Kopf, von einer Schläfe zur anderen. Die Hautdecken des ganzen Kopfs sind bei Berührung so empfindlich, dass ihn alles daran schmerzt [und die Wurzeln der Haare besonders zu leiden scheinen]; schlimmer durch Kämmen. Kopfschmerzen durch Sonneneinwirkung. Kopfschmerzen besser durch harten Druck oder Reiben. Starker Schweiß in den Kopfhaaren beim Gehen in freier Luft. Schwere des Kopfs.
AugenBlaue Ringe um die Augen. Nachtblindheit; bei Anämie der Netzhaut. Tränen der Augen mit beißendem Schmerz. Drücken in den Augen, wie von Müdigkeit [und unterdrücktem Schlaf]. Es fliegen schwarze Punkte vor dem Gesicht. Erweiterte Pupillen. Intermittierende Ziliarneuralgie. Schmerz in den Augen wie von Salz. Stechendes Gefühl wie von Sand im Auge. Die Augen schmerzen beim Versuch, sie zu gebrauchen, beim Lesen oder Schreiben.
OhrenRot und heiß. Ohrenklingen; mit Kopfweh. Tinnitus aurium; später Schwindel. Stiche in den Ohren. Schwerhörigkeit. Übel riechende, blutige, eitrige Absonderungen aus den Ohren.
NaseÜble Folgen von unterdrücktem Schnupfen: Kopfweh. [Auch: Kopfweh in den Schläfen, wie Stockschnupfen.] Habituelle Neigung zum Nasenbluten; besonders morgens nach dem Aufstehen aus dem Bett. Überempfindlicher Geruchssinn. Rote, heiße Nase. [Röte und Hitze bloß an der Nase.] Kalter Schweiß um die Nase [und den Mund]. Gewaltsames, trockenes Niesen.
GesichtErdfahl, kränklich aussehend, blass; hippokratisches Gesicht, hohle Augen mit blauen Ringen. Gedunsenes, rotes Gesicht. Rotes, heißes Gesicht, bei kalten Händen. Gerötetes Gesicht: nach Säfteverlust, z. B. Blutungen, Durchfall, sexuellen Exzessen; auch bei Koma. Anschwellen der Kopf- und Gesichtsadern. Lippen: trocken, schwarz belegt, „zusammengeschrumpfte, runzlige Oberhaut“.
MundZahnschmerzen bei stillenden Müttern, während das Kind saugt. Klopfende Zahnschmerzen, durch festes Zusammenbeißen der Zähne [und starkes Drücken darauf] gemildert; dabei [fortwährender Durchfall und] jede Nacht starke Schweiße. Klopfendes Zahnweh, besser durch äußere Wärme. Geschwulst des Zahnfleischs. Überempfindlicher Geschmackssinn; alles Essen schmeckt bitter, sogar Wasser; oder alle Speisen schmecken ungewöhnlich salzig. Bitterer oder salziger Mundgeschmack. Zunge: mit einer dicken, schmutzigen Kruste belegt; Beißen vorne auf der Zungenspitze, dann Zusammenfluss des Speichels an dieser Stelle.
MagenBitteres Aufstoßen [nach dem Essen]; nach Milchgenuss säuerliches Aufstoßen. Lautes Aufstoßen, was aber [die Blähungen bzw. das Vollheitsgefühl] nicht bessert. Verlangen: nach Leckereien; auf Saures; auf Süßes; auf stark gewürzte, scharfe Speisen; Appetit auf mancherlei, weiß aber nicht genau, auf was, auch bei Kindern. Ist immer gleich satt. Anorexie; andauerndes Sattheitsgefühl; Widerwille gegen alles Essen. Abneigung: gegen Brot; gegen Butter; gegen Kaffee. Heißhunger bei schnell fortschreitender Abmagerung, bei Kindern. Hunger und doch Mangel an Appetit. Gleichgültigkeit gegen Essen und Trinken; erst während des Essens entsteht einiger Appetit und Wohlgeschmack der Speisen. Durst auf kaltes Wasser, das jedoch den Durchfall verschlimmert. Durst: vor dem Froststadium; in der Apyrexie. Träge Verdauung. Milch verdirbt leicht den Magen. Üble Folgen von Tee. Von Obstessen Gärung im Unterleib. Schwere und Druck im Magen, nach der geringsten Nahrungsaufnahme. Gefühl von Kälte im Magen. Pulsieren und Kollern, im Oberbauch. Häufiges Erbrechen. Bluterbrechen. Singultus [periodicus, täglich 2–3 Stunden nach der Mahlzeit auftretend]. Wundheitsgefühl im Magen.
AbdomenLeber und Milz geschwollen. Periodisch wiederkehrende Lebersymptome. Koliken von Gallensteinen. Gelbsucht: nach Fluor albus, Masturbation, geschlechtlichen Exzessen, Durchfall. Blähungsauftreibung; besser bei Bewegung. Kolikschmerzen, muss sich zusammenkrümmen, um sich zu erleichtern. Blähungsschmerzen nach Operationen, die durch Abgang der Winde nicht gebessert werden. [Brennende oder wärmende Empfindung im Magen, auf- oder absteigend.] Es ist im Gehen am104

104

Dieses Symptom, hier zitiert nach Hahnemanns Reiner Arzneimittellehre, ist durch einen Übersetzungsfehler in AE und den Guiding Symptoms in seinem Sinn verändert worden. Dort und bei Phatak heißt es nämlich „im Unterleib“ (in abdomen) statt „am Unterleib“.

Unterleib, als liefe heißes Wasser daran herunter (ein Überlaufen von Hitze am ganzen Unterleib und die Oberschenkel herab). „Krampfhaft zusammenziehender Schmerz vom Mastdarm an durch die Harnröhre bis zur Eichel und durch die Hoden.“ Durchfällige Stühle: unverdaut; dunkel; faulig riechend; wässrig; blutig; schmerzlos; besonders nachts, tagsüber vor allem nach den Mahlzeiten; von Obstgenuss, Milch oder Bier; bei heißem Wetter. Diarrhö bei Kindern nach dem Abstillen. Nach chronischen Durchfallerkrankungen bei Kindern sind diese ständig müde, die Pupillen werden sehr groß, das Atmen wird sehr schnell; die Körperoberfläche wird kühl, besonders [Ohren], Nase und Kinn. Unwillkürlich abgehende Stühle.
HarnwegeHäufiges Wasserlassen. Brennen an der Mündung der Harnröhre [mit Wundheitsempfindung am Saum der Vorhaut], besonders schmerzhaft beim Reiben der Kleider. Urin dunkel, trüb, spärlich. Ziegelroter oder rosenroter Bodensatz. Hämaturie. Bettnässen schwächlicher Kinder.
Männliche GenitalienImpotenz oder krankhaft gesteigertes Sexualverlangen, beides mit lasziven Phantasien. Gesteigertes sexuelles Begehren, verbunden mit Verlangen nach Leckereien.105

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Diese Angabe (aus Herings Guiding Symptoms stammend) geht auf folgenden Fall zurück: „Aufregung des Geschlechtstriebes; v. Hrn. D. Bethmann. – Ein in jeder Hinsicht gesitteter, und ganz moralisch lebender Mann, von nicht gemeiner Festigkeit des Charakters, 30 Jahre alt, und Bräutigam, teilte mir in freundschaftlichem Gespräche mit, dass er seit mehreren Tagen eine ganz unausstehliche Lüsternheit bald nach dieser, bald nach jener Leckerei habe; Dinge, aus denen der übrigens [= sonst] höchst frugal lebende Mann, bei gewöhnlicher Freiheit und Festigkeit seiner Gemütskräfte, sich nie etwas machte. Am meisten peinigte ihn aber ein Tag und Nacht höchst aufgeregter Geschlechtstrieb. Mit dem größten Widerwillen drängten sich ihm lüsterne Phantasiebilder auf. Am meisten verdross es dem platonischen Bräutigam, dass hier stets seine sehr geachtete Braut mit ins Spiel gezogen wurde, und er nie mit der sonstigen Seelenreinheit an sie denken konnte. Bei dieser Erregung der Phantasie fühlte er eine ganz eigene Schwere, Lässigkeit, ja Kraftlosigkeit im ganzen Körper, besonders aber in den Knien. … [Er erhält einen Tropfen China C 9.] Den anderen Abend sagte er mir: ‚ich habe die ganze Nacht gut und ohne die hässlichen und lästigen Phantasiebilder geschlafen, bin die Lassheit meines Körpers los, fühle mich wieder geistesfest und stark, und kann auch wieder mit der gewohnten Seelenreinheit an meine Braut denken.‘ – Dieser Zustand blieb konstant“ (Annalen der homöopathischen Klinik, hrsg. von Hartlaub/Trinks, 1830, Band 1, S. 100).

Häufige Pollutionen mit nachfolgender großer Schwäche. Geschwulst des Samenstranges und Hodens; Hodengeschwulst nach Gonorrhö. Orchitis.
Weibliche Genitalien„Eierstockentzündung nach übermäßigem Beischlafe“ [oder auch nach Uterusblutungen; sie kann in der Eierstockgegend nicht die geringste Berührung vertragen]. Zu starkes sexuelles Begehren bei Wöchnerinnen. Menstruation: zu früh, zu reichlich [„bis zum Mutterblutsturze“], dunkel, geht in schwarzen Klumpen ab; mit Bauchauftreibung. Fluor: blutig; scheint anstelle der normalen Regelblutung einzutreten. Uterusblutungen von dunklem Blut, mit Ohnmachtsanfällen und Krämpfen. Asphyxia neonatorum, infolge von Blutverlust der Gebärenden. Verhärtungen in der Vagina [oder Cervix bzw. Os uteri] mit Schmerzempfindung.
Atemwege, HerzHämoptysis. Atmung röchelnd, rasselnd, Ausatmen blasend. Erstickungsasthma; „Erstickungskatarrh“106

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In AfH 6, 2:52 wird diese asthmatische Affektion so beschrieben: „Hüsteln, wozu sie ein fortwährender Kitzel tief in der Luftröhre reizt; dieses steigert sich immer mehr und wird ein immerwährender, heiserer, keuchender Husten mit dem feinen, gellenden Ton eine Huhnes (Kickikkih), der ihr das Einatmen gänzlich hemmt und bei den einzelnen Stößen schmerzhaft in den Kopf fährt.“ Allerdings erzielte in dem beschriebenen Fall China nur zeitweilige und teilweise Besserung, und erst Arsenicum C 30 heilte.

. Bekommt nur bei hoch gelagertem Kopf Luft. Asthma schlimmer bei nassem Wetter, im Herbst oder nach erschöpfenden Flüssigkeitsverlusten. Jede Bewegung erregt Herzklopfen und nimmt den Atem. Brust schmerzhaft berührungsempfindlich, ebenso die Wirbelsäule zwischen den Schulterblättern; kann Perkussion und Auskultation nicht ertragen. Lungeneiterungen; bei Lungentuberkulose. Hustenanfälle: gleich nach dem Essen; vom Lachen erregt; schlimmer abends und nachts. Möchte angefächelt werden, aber nicht zu sehr, da es ihr sonst den Atem nimmt.
HerzJede Bewegung erregt Herzklopfen.
Äußerer Hals und RückenZwischen den Schulterblättern Druck wie von einem Stein. Wirbelsäule zwischen den Schulterblättern berührungs- und druckschmerzhaft. Scharfe Schmerzen quer über die Nieren, schlimmer durch Bewegung und nachts. Schmerzen wie von Messern um den Rücken herum. Schmerz im Kreuz, wie von einer schweren Last oder wie nach langem Bücken. Lumbago, schlimmer bei der mindesten Bewegung.
ExtremitätenSchmerz wie von einer großen Last auf den Schultern. Krampfhaftes Ausstrecken der Arme, mit gekrümmten Fingern. Zittern der Hände (auch beim Schreiben). In den Knien zuckender Schmerz. Gefühl im Unterschenkel, als wenn Strumpfbänder zu fest darum gebunden wären; ähnlich auch in den Armen. Die eine Hand ist eiskalt, die andere warm. Aufgetriebene Adern auf den Händen. Blaue Nägel. Schmerzen in Gliedern und Gelenken wie verrenkt oder verhoben; schlimmer durch leichte Berührung, besser durch harten Druck. Mattigkeitsgefühl in den Gelenken, am schlimmsten morgens im Bett und beim Sitzen. Schmerzen im Knochenmark. Knochenkaries mit profusen Schweißen.
HautÜbermäßige Empfindlichkeit der Haut des ganzen Körpers gegen Berührung; aber harter Druck bessert. Dermatitis. Feuchte Gangrän. Gelbliche Hautfarbe.
SchlafMüdigkeit, Schläfrigkeit, „schlummerhaft“ [dass er sich nicht besinnen kann]. Tiefer, schwerer Schlaf mit Schnarchen; besonders bei Kindern. Angstvolle, erschreckende Träume, die ihn auch nach dem Aufwachen noch ängstigen. Schlaflosigkeit als Vorbote [eines Fieberanfalls].
FieberAusgeprägte, charakteristische Prodromalerscheinungen.107

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„Das China-Fieber fängt oft mit einem Nebenzufalle an, mit Herzklopfen, oder mit Niesen, oder großer Ängstlichkeit, oder Übelkeit, oder großem Durste, oder Heißhunger oder drückendem Schmerze im Unterbauche oder Kopfweh“ (Reine Arzneimittellehre, Fußnote zu Symptom 386).

Frost-, Hitze- und Schweißstadium deutlich ausgeprägt. Frost, dann Durst, dann Hitze, dann Durst.108

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Vgl. Reine Arzneimittellehre, Fußnote zu Symptom 380: „Denn in allen anderen Beobachtungen fand ich, dass im China-Fieber beim Schauder oder Froste kein Durst, der Durst vielmehr erst nach dem Schauder oder Froste kam, oder, welches auf eins hinausläuft, gleich vor der Hitze. So ist auch der Durst beim Chinafieber, selbst in der vollkommenen Fieberhitze, nicht anzutreffen. Vielmehr ist der Durst erst nach der Hitze beim Chinarindenfieber, oder, was dasselbe ist, beim Schweiße.“

Frost beginnt in der Brust. Rotes heißes Gesicht, bei kalten Händen. Febris hectica. Triefende Schweiße: nachts; bei der geringsten Bewegung; bei Schwäche, Mattigkeit, erschöpfenden Säfteverlusten usw. Tropenkrankheiten. Sepsis.
KomplementärCarbo vegetabilis; Ferrum; Kali carbonicum.
VerwandtCarbo vegetabilis.

  • China officinalis, Chinarinde (Cortex peruvianus, Cortex Chinae); vom Chinarindenbaum, Cinchona succirubra Pav. oder Cinchona pubescens Vahl.

  • Quellen: Prüfungen von Hahnemann (Reine Arzneimittellehre, Band 3) liefern den größten Teil der Arzneisymptome; daneben einige Prüfungssymptome aus Jörgs Kritischen Heften (dieser Gegner der Homöopathie von Hahnemann hatte selbst Prüfungen angestellt, um Hahnemann zu widerlegen; die Symptome sind nachzulesen in AfH 1, 3:72, nebst einer umfangreichen Stellungnahme von Moritz Müller); sowie Prüfungen von Robinson (bei AE).

Chininum arsenicosum
AllgemeinesSchwäche, Mattigkeit, Erschöpfung und Abneigung gegen geistige Tätigkeit sind ausgeprägte Symptome dieser Arznei. Plötzliche Schwindelanfälle, die sich beim Sehen in die Höhe vermehren. Infolge eines Schreckens halbseitiger Kopfschmerz (links); zu den Vorboten der Kopfschmerzattacken gehört jeweils eine gereizte Stimmung. Anorexie. Essen von Eiern und Fisch erzeugt [sofortigen schmerzlosen] Durchfall. Übersäuerung des Magens wechselt mit Rückgang der Magensäure. Kurzatmigkeit; beim Steigen Atemnot. Kardiale Dyspnoe; frühzeitige Degeneration des Herzmuskels, nach akuten Infektionen. Herzklopfen. Gefühl von Stillstand des Herzens. Regelmäßig wiederkehrende Erstickungsanfälle, die größte Erschöpfung zur Folge haben. Nervös bedingte Schlaflosigkeit. Kälte: der Hände und Füße; der Knie; der Gliedmaßen. Febris continua. Oszillierende Körpertemperatur. Schweiß: reichlich, ermattend; nachts. Üble Folgen von Tabakgenuss. Im Sonnengeflecht ein Drücken [das sich gegen den Rücken als ein klemmendes Gefühl äußerte]; das Rückgrat war an dieser Stelle gegen Berührung drückend schmerzend.
SchlimmerRuhe. Morgens. Bei leerem Magen.
BesserBewegung.

  • Das Arsenit des Chinins, des bekanntesten Alkaloids des Chinarindenbaums.

  • Die erste Arzneiprüfung stammt von Muhr (AHZ 88); es handelt sich um eine unfreiwillige Prüfung bei der Verreibung der Arznei. Weitere Prüfungen wurden vorgenommen durch die Philadelphia Clinical Society (die Symptome finden sich bei Hering, Guiding Symptoms); von amerikanischen Medizinstudenten (Northrop et al., nachzulesen in Hughes‘ Cyclopedia); sowie von Bonino (am ausführlichsten in AHZ 119 referiert, auszugsweise auch in Clarkes Dictionary).

Chininum sulfuricum
AllgemeinesDas schwefelsaure Chinin wirkt auf das Nervensystem und erzeugt große Empfindlichkeit gegen äußere Einflüsse, ebenso auch periodisch wiederkehrende Neuralgien. Auch das Blut wird beeinträchtigt: es kommt zu rascher Abnahme der roten Blutkörperchen und schnellem Abfallen des Hämoglobinwerts; Tendenz zur Leukozytose. Schwach und nervös; Herzklopfen von geringfügiger Anstrengung. Retrobulbärneuritis mit plötzlichem Verlust der Sehkraft. Konnte oft nicht stehen und fiel mehrfach auf der Straße plötzlich hin. Bedürfnis, sich hinzulegen. Tödliches Krankheits- und Schwächegefühl, glaubt durch das Bett zu sinken.
SchlimmerExakte Periodizität. Kälte. 10–11 Uhr vormittags. Berührung.
BesserGähnen. Druck. Vorwärtsbeugen.
Geist und GemütNervös. Wortfindungsstörungen; muss sich auf die Benennung ganz gewöhnlicher Gegenstände lange besinnen.
KopfNeuralgische Kopfschmerzen, vorwiegend links, gegen Mittag eintretend, allmählich an Intensität zunehmend; von früherer Malaria bzw. Wechselfieber herrührend. Orbitalneuralgien; Supraorbitalneuralgien, ‚Augenbrauenschmerzen‘, als Folge von Malaria.109

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Englisch „brow ague“, was laut Oxford Dictionary im strengen Sinn Supraorbitalneuralgie bedeutet, die von Malaria herrührt, oft aber allgemeiner für halbseitigen Kopfschmerz oder Migräne benutzt wird.

Schwindel: mit Tinnitus; mit pulsierendem Kopfschmerz; mit Zucken der Augenlider.
AugenWie ein Netz, wie [finsterer] Nebel oder wie Flecken vor den Augen. Erkennt Gegenstände nur von der Seite [geradeaus sieht er gar nichts]. Intermittierender Strabismus; Kinder schielen den einen Tag, am nächsten sehen sie völlig normal.
OhrenTinnitus. Taubheit. Morbus Menière.
GesichtGesichtsneuralgien, die mit großer Regelmäßigkeit wiederkehren; besser durch Druck. Gesicht blass, ängstlich.
HarnwegeUrin setzt strohgelbes, körniges Sediment ab; oder ziegelroten Bodensatz. Blutiger Urin.
Äußerer Hals und RückenEmpfindliches Wehtun und Druckschmerzhaftigkeit von Hals- und Brustwirbelsäule [des letzten Halswirbels und der ersten Brustwirbel]; Druck erregt Atembeklemmung.
ExtremitätenAkuter Gelenkrheumatismus. Gelenke äußerst empfindlich.
HautJucken. Petechien. Urticaria.
FieberAnteponierende Fieberfröste. Durst in allen Stadien [Frost, Fieber, Schweiß]. Delirium während der Fieberhitze. Steigendes Fieber und wachsende Entkräftung, mit reichlichen Nachtschweißen. Starker Schweiß, der viele Symptome lindert, aber sehr ermattet. Ganz reine Intermissionen im Wechselfieber; Apyrexie praktisch symptomfrei. Malaria in typischer Verlaufsform. Subnormale Körpertemperatur.
VerwandtChina.

  • Chininsulfat, schwefelsaures Chinin; die gebräuchlichste Zubereitung des Chinins, des meistbenutzten Chinarinden-Alkaloids.

  • Von Noack (Journal für Arzneimittellehre) stammt eine umfangreiche Monografie zu diesem Mittel, die auch ältere Vergiftungsfälle und Prüfungen einbezieht und zudem eine Reihe von geheilten Fällen gibt; weitere Prüfungen finden sich in AE, insbesondere eine umfangreiche Prüfung von Morgan. Viele Symptome stammen aus der hoch dosierten allopathischen Anwendung des Chinins als „Tonikum“ oder gegen Wechselfieber aller Arten.

Chionanthus virginica
AllgemeinesDiese Arznei hat eine kraftvolle Wirkung auf die Leber; ebenso auch auf den Kopf. In diesem Bereich ist es besonders bei Kopfschmerzen hilfreich: Kopfweh neurasthenischer Art; regelmäßig wiederkehrende Migräne; biliöse Kopfschmerzen; menstruationsbedingtes Kopfweh. Gefühl von Wundheit und Zerschlagenheit in verschiedenen Körperregionen: in den Augäpfeln, in der Leber usw. Aufsteigende Schmerzen: von der Stirn, vom Magen usw. Gelbsucht, jährlich im Sommer wiederkehrend.
SchlimmerErschütterung. Bewegung. Kälte.
BesserLiegen auf dem Bauch.
Geist und GemütFühlt sich ‚total erledigt‘. Keine Lust, irgendetwas zu tun; will in Ruhe gelassen werden.
KopfStarke Migräne- oder biliöse Kopfschmerzen, schlimmer durch Erschütterung, Bewegung, Bücken.
AugenAugäpfel schmerzhaft, wie zerschlagen. Bindehaut gelb verfärbt.110

110

Vgl. das Prüfungssymptom von Lawshe: „Vom äußeren zum inneren Canthus ein gelb-rötlicher Streifen, gut 0,5 cm breit, im Weißen beider Augen; Blutgefäße der Sklerotika sehr stark vergrößert und deutlich sichtbar.“

NaseDruck an der Nasenwurzel; drückendes oder klemmendes Gefühl am Nasensattel.
MundTrockenheitsgefühl trotz normaler bzw. reichlicher Speichelmenge111

111

Phatak gibt das Trockenheitsgefühl und den Speichelfluss als zwei getrennte Symptome an; den Prüfungen und den sonstigen Erfahrungen entspricht aber der hier hergestellte Zusammenhang. Vgl. das Prüfungssymptom von Lawshe: „Gaumen und Zunge fühlen sich sehr trocken an, obwohl die übliche Speichelmenge vorhanden ist; überhaupt kein Durst.“

, durch Wasser nicht gelindert. Zunge: breit; dick gelblich-grün belegt; [Zentrum] fühlt sich hochgezogen [und schrumpelig] an.
Magen‚Hochkommen‘ oder Erbrechen: sauer, heiß; von Galle, zäh, in einem Schwall; macht die Zähne stumpf [wie Oxalsäure oder Rhabarber]. Erbrechen mit Kolik; mit kaltem Schweiß auf der Stirn und auf den Handrücken.
AbdomenLeber enorm vergrößert, mit unangenehmen Empfindungen in der Lebergegend; mit Gelbsucht. Kneifende [und schneidende] Schmerzen um den Nabel. Gefühl wie von einem um die Därme geknoteten Strick, der plötzlich festgezogen und dann allmählich wieder gelockert wird. Gallenblasenentzündung. Gallensteine. Gelbsucht; mit Aufhören der Regelblutung. Schwächegefühl tief im Hypogastrium. Stühle: teerartig; tonfarben; mit unverdauten Nahrungsbestandteilen. Beim Stuhlgang kalter Schweißausbruch auf Stirn und Handrücken. Pankreasaffektionen.
HarnwegeUrin: orange-gelb; [fast] schwarz, dick, sirupartig. Galle und Zucker im Urin. Diabetes mellitus. Hohes spezifisches Gewicht des Urins [trotz großer Harnmenge].
AtemwegeAdstringierende Expektoration.
HautGelb am ganzen Körper. Gelbsucht: chronisch; jeden Sommer wiederkehrend; nach übermäßigem Apfelweingenuss.
FieberFieberhitze, mit Abneigung gegen Entblößung. Kalter Schweiß auf den Handrücken.
VerwandtBryonia; Iris; Leptandra; Mercurius.

  • Chionanthus virginica L.; Giftesche, Schneeflockenbaum, Schneeflockenstrauch.

  • Die wichtigste Prüfung stammt von Lawshe, abgedruckt bei Anshutz (New, Old, and Forgotten Remedies) sowie bei Hughes, Cyclopedia; ferner drei kurze Versuche von Scudder (in AE). Eine neuere kurze Prüfung hat Mezger an sich vorgenommen (Gesichtete Arzneimittellehre); dort ist auch ein längerer Bericht von Kläger aus der AHZ referiert, der die klinischen Erfahrungen in einer Vielzahl von Fällen zusammengestellt und überprüft hat.

Chloralum
AllgemeinesDiese Droge wirkt auf das Gehirn ein und erzeugt zerebrale Erregung mit Halluzinationen; auch Pavor nocturnus, vor allem bei Kindern. Das Herz ist ausgeweitet oder geschwächt; ein charakteristisches Symptom ist ein eigentümliches Vollheitsgefühl in der Brust, mit Enge- und Druckempfindung112

112

Bei Phatak ist von Vollheits- und Leichtigkeitsgefühl (lightness) in der Brust die Rede, ebenso wie bei Hering (Guiding Symptoms) und Clarke (Dictionary). Swans Hochpotenzprüfung (mit der C 200), der das Symptom zu entstammen scheint, verzeichnet jedoch „ein einzigartiges Vollheitsgefühl der Brust, nicht als ob sie mit etwas gefüllt wäre, wie es nach einem herzhaften Mahl empfunden werden mag, sondern eher so, als wären sämtliche Gewebe hypertrophiert, was ein unbeschreibliches Enge- (tightness) und Druckgefühl auf den Lungen erzeugt, das wiederum zu sehr mühsamem Atmen und auffälliger Gesichtsröte führt …“ (zitiert nach AE). Eine Verwechslung infolge eines Druckfehlers liegt folglich nahe.

auf den Lungen; dazu ein Leere- oder Flauheitsgefühl im Magen. Erschöpfung der Muskelkraft. Chorea: hartnäckige, seit Langem bestehende Fälle; schwerste Formen, kann weder stehen noch liegen [da Kopf, Gliedmaßen und Rumpf in ständiger Bewegung sind und buchstäblich jeder Muskel beteiligt scheint].
SchlimmerAlkohol und andere Stimulanzien. Nachts. Körperliche Anstrengung. Im Liegen. Heiße Getränke.
BesserIm Freien. Luftzufächeln.
Geist und GemütMelancholie, Imbezillität und manische Zustände. Läuft hastig im Zimmer auf und ab, spricht in erregtem Ton mit sich selbst, führt Gespräche mit imaginären Wesen. Stimmenhören.
KopfGefühl wie von einem heißen Band [quer über die Stirn] von Schläfe zu Schläfe.
AugenBlutunterlaufen und tränend. Augäpfel fühlen sich zu groß an. Alles sieht weiß aus; Farbenblindheit. Schwere Lider, kann sie kaum heben.
GesichtGesicht und Augenlider stark geschwollen, kann kaum sehen; nesselsuchtartiger Ausschlag.
StuhlFehlen von Gallenfarbstoff.
HarnwegeEnuresis: uriniert ins Bett, ohne davon zu wissen; in der zweiten Nachthälfte.
AtemwegeDyspnoe. Empfindung eines Gewichts auf der Brust. In Rückenlage Einatmen durch die Nase, [blasendes] Ausatmen durch den Mund.
HerzGeschwächt oder ausgeweitet.
HautUrticaria: schlimmer nachts, bei Tag verschwindend; plötzlich durch Kälte ausgelöst [nicht durch Hitze], bei Wärme gebessert; ausgelöst oder stark verschlimmert durch Alkohol. Körperoberfläche ‚kalt wie Stein‘.
SchlafSchlaflosigkeit von Übermüdung. Entsetzliche Träume [erwacht schreiend, ist nicht zu beruhigen].
VerwandtApis; Astacus fluviatilis.

  • Chloralum ist Chloralhydrat, Trichlor-acetaldehyd-monohydrat, 2,2,2-Trichlor-1,1-ethandiol, als therapeutisches Agens eingeführt von M. Liebreich in Berlin 1869. Es ist vielfach (auch in sehr hohen Dosen) als Schlafmittel, Hypnotikum und Sedativum (besonders bei psychischen Krankheiten) benutzt wurden. Auch die berüchtigten „K.-o.-Tropfen“ bestehen meist aus Chloralhydrat.

  • Die durch Überdosierung bewirkten schweren akuten oder chronischen Vergiftungen, die nicht selten tödlich endeten, liefern einen Teil des Arzneimittelbildes. Der andere Teil stammt aus homöopathischen Prüfungen (darunter eine Prüfung mit der C 200 von Swan); für beides sind die Quellen: AE, Hughes' Cyclopedia, Hales New Remedies.

Chlorum
AllgemeinesChlor ist in Form von Chlorwasser (Aqua chlorata) geprüft worden. Es hat eine ausgeprägte Wirkung auf die Atmungsorgane; insbesondere ruft es Stimmritzenkrampf hervor. Zusammenschnürungsgefühle sind ebenfalls ein auffallender Zug. Die Patienten magern rapide ab. Die Schleimhäute entzünden sich und ulzerieren.
SchlimmerAusatmen. Nach Mitternacht. Im Liegen.
BesserIm Freien. Bewegung.
Geist und GemütFürchtet, verrückt zu werden oder die Besinnung zu verlieren. Kann sich nicht auf Namen besinnen [wenn er die Personen sieht], und auch nicht auf die Personen [wenn er ihre Namen sieht].
AugenHervorgetreten.
NaseNasenlöcher rußig, oder wie von Rauch geschwärzt. Schnupfen: wund fressendes wässriges Sekret, plötzlich aus der Nase fließend und tröpfelnd, dabei Tränen der Augen; mit Kopfweh.
GesichtGedunsen, mit hervorgetretenen Augen.
MundFauliger Mundgeruch. Faulige Aphthen. Zunge: trocken; schwarz.
HalsErdrosselungsgefühl; kann nicht schlucken.
AtemwegeLaryngospasmus. Plötzliche Atemnot von Stimmritzenkrampf, mit vortretenden Augen, lividem Gesicht und kaltem Schweiß am ganzen Körper. Einatmen unproblematisch, Luft kommt frei hindurch; aber Ausatmen praktisch unmöglich. [Dadurch äußerst schmerzhafte Aufblähung der Lungen.] Gefühl, als würde Luft in den oberen Brustraum gepresst. Empfindlichkeit und Kitzelreiz am Halsgrübchen [hinter dem Schildknorpel], oder Pfeifgeräusch dort [besonders bei forcierter Ausatmung]. Laryngitis. Asthma von Heuschnupfen.
HautSehr empfindlich; trocken, gelb, verschrumpelt.
FieberSchwitzt leicht.
VerwandtArsenicum iodatum; Iodium; Mephitis; Mercurius.

  • Chlorwasser, Aqua chlorata, (gesättigte) Lösung von Chlor in Wasser (0,4–0,5 %). „Gesättigtes Chlorwasser wurde ein Tropfen mit einer halben Unze Wasser verdünnt und so wiederholt jedesmal sogleich verbraucht, indem kleine Mengen davon genommen wurden“ (aus Herings Prüfungsbericht). Unter Lichteinwirkung entstehen Salzsäure und unterchlorige Säure, die in wechselnden Mengen im Präparat stets enthalten sind.

  • Die erste Prüfung stammt von Hering und ist in NAfH 2, 3:165 erschienen; sie enthält auch Symptome von Vergiftungen mit Chlorgas (u. a. bei Arbeitern) und von äußerer Anwendung des Chlorwassers, die Hering von anderen Autoren übernommen hat. Ferner Prüfungen von Dunham, Jones und anderen (in AE).

Cholesterinum
AllgemeinesDiese Substanz findet sich reichlich in der Galle und in Gallensteinen. Cholesterinum ist ein nützliches Mittel bei hartnäckiger Stauungsleber; bei Leberkarzinom; bei hartnäckigen Gallensteinen; bei hartnäckiger Gelbsucht; bei Glaskörpertrübungen.
SchlimmerBerührung oder Erschütterung [der Lebergegend]. Seitenlage. Beugen oder plötzliche Bewegungen.

  • Cholesterin oder Cholesterol, Summenformel C27H46O; ein Steroidalkohol, Bestandteil der Galle.

  • Prüfungen existieren nicht. Ameke, Burnett, Swan, Yingling, Clarke und andere geben Indikationen und z. T. geheilte Fälle (vgl. Clarkes Dictionary und H. C. Allens Nosodes). Zwei Gallenstein-Fällen von Yingling aus den Nosodes sind auch die von Phatak angegebenen Modalitäten entnommen.

Cicuta virosa
AllgemeinesDie Hauptwirkung des Wasserschierlings richtet sich auf Gehirn und Nervensystem. Ruft heftige Spasmen hervor: Konvulsionen, Trismus, Tetanus, Singultus. Rucken und Zucken: des Kopfes und verschiedener anderer Körperteile; in Armen und Fingern. Schreckliche Verdrehungen des Körpers. Krämpfe, die sich mit furchtbarer Heftigkeit von oben [Kopf, Augen, Hals] nach unten bewegen. [Zunächst] plötzliche Rucke oder Stöße, wie elektrische Schläge, durch Körper oder Kopf, dann krampfhafte Steifheit oder durchdringendes Geschrei; nach den Anfällen lang anhaltende Bewusstlosigkeit. Opisthotonus und grässliche Verzerrungen des Gesichts; mit blutigem Schaum vor dem Mund; nachher äußerste Erschöpfung. Die Anfälle wiederholen sich bei jeder Berührung, bei jedem Geräusch, auch etwa wenn jemand im Zimmer laut spricht. Epilepsie. Krämpfe des Zwerchfells, mit Singultus; auch Schlundkrämpfe. Muskeln werden starr und steif [lokal oder generalisiert]. Katalepsie. Zerebrospinale Meningitis. Gehirnerschütterung. Beschwerden vom Rasieren [Hautausschläge, Bartflechte]. Erkennt niemanden, aber beantwortet Fragen korrekt; hat später keine Erinnerung an das, was vorgefallen ist.
SchlimmerVerletzungen des Gehirns; der Speiseröhre [durch Knochensplitter, Fischgräten]; von Splittern im Fleisch113

113

Vgl. Kent: „Es war das alte Mittel bei Wundstarrkrampf und Spasmen durch eingezogene Splitter in der Haut oder unter den Nägeln; dabei rivalisierte es mit Belladonna.“

. Erschütterung. Geräusch. Berührung. Kälte, Erkältung. [Krämpfe] während der Zahnung; nach Unterdrückung von Hautausschlägen. Zugluft. Tabakrauch. Drehen des Kopfes.
BesserDenken an den Schmerz. Wärme. [Sie verlangen alle nach dem warmen Ofen.]
Geist und GemütKindisches Verhalten. [Er dünkte sich wie ein Kind von 7, 8 Jahren, als wären ihm die Gegenstände sehr lieb und anziehend, wie einem Kind das Spielzeug.] Delirium. Singt, tanzt, schreit. Manische Zustände, tanzt, lacht, treibt allerlei Narrheiten, macht lächerliche Gesten. Sehr heftig [in all seinen Handlungen]. Überstürzte [und absurde] Aktionen. Wimmern, Winseln und Heulen. Wird von traurigen Erzählungen heftig angegriffen. Mangel an Zutrauen zu den Menschen und Menschenscheu. Geringschätzung und Verachtung der Menschheit. Verwechselt Gegenwärtiges mit Vergangenem. Glaubt an einem fremden Ort zu sein. [Glaubt nicht in den gewöhnlichen Verhältnissen zu leben]; es kommt ihm alles fremd und fast furchtbar vor. „Wo andere lustig waren, war er traurig.“ Gedächtnislücken, stunden- oder tagelang. Fällt zu Boden und wälzt sich umher, mit oder ohne Konvulsionen. [Glaubt sich fester stellen oder setzen zu müssen, weil sie nichts Stetes oder Festes vor sich sieht und also] wähnt, sie selbst wanke. Selbstüberschätzung.
KopfKopf nach einer Seite [oder hintenüber] verdreht oder gewandt (bei Spasmen). Kopf sinkt nach vorn, wenn sie lange nach derselben Stelle sieht oder scheinbar schlafend dasitzt. Rucken des Kopfes. Hirnkongestion; mit Erbrechen und Durchfall. Schwindel; Gegenstände scheinen sich von einer Seite zur anderen zu bewegen, oder sie kommen näher und entfernen sich wieder. Plötzliche heftige Rucke durch den Kopf, wie elektrische Schläge. Kopfschmerzen besser durch daran Denken114

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„Früh, beim Erwachen, Kopfweh, gleich als wäre das Gehirn locker und würde erschüttert beim Gehen; wenn er drauf dachte, wie der Schmerz genau beschaffen sei, so war er verschwunden“ (Hahnemann).

, Aufrechtsitzen und Blähungsabgang. Dicke, Gelber Grind auf der Kopfhaut. Kopfschweiß im Schlaf. Meningitis. Schwindel, mit Magenschmerzen [und Erbrechen], mit Muskelkrämpfen [und Neigung zu Konvulsionen]. Kopf zurück gebogen, Rückgrat steif und starr.
AugenPupillen erweitert bei Gehirnerschütterung; verengt [oder erweitert] bei Krampfleiden. [Pupillen bald eng, bald weit.] Beim Lesen scheinen sich die Buchstaben zu drehen oder auf- und abzutanzen, oder sie verschwinden [„da sie dann mit offenen starren Augen keinen Buchstaben mehr erkennt“]. Strabismus: periodisch, spastisch bedingt; auch nach einem Sturz oder Stoß. Üble Folgen vom Sehen auf Schneeflächen. [Der weiße Schnee ist zu blendend.] Gegenstände erscheinen doppelt und von schwarzer Farbe. Stierer Blick, Neigung, irgendwohin zu starren. Verdrehen der Augen, Zucken und Rucken der Augenmuskeln. Zucken der Lider.
OhrenBluten aus den Ohren; bei Hirnaffektionen. Plötzliches Platzen oder Knallen im Ohr, besonders beim Schlucken. Ohren heiß oder kalt.
NaseGeringe Berührung der Nase erregt Nasenbluten. Häufiges Niesen, ohne Schnupfen.
GesichtRot; oder bleich und entstellt; schweißbedeckt; lächerliche oder grässliche Verziehung des Gesichts. Kieferklemme. Pusteln, die zusammenfließen und dicke [honiggelbe] Schorfe oder Krusten bilden. Epitheliom der Lippen.
MundSchaum im und vor dem Mund. Zähneknirschen, mit Trismus. Angeschwollene Zunge; Sprechen schwierig. Beißt sich auf die Zunge.
HalsFühlt sich an wie verschlossen, „innerlich wie zugewachsen“. Üble Folgen von Fischgräten usw., die in den Hals geraten. Speiseröhrenkrämpfe, kann nicht schlucken; als Folge von Verletzungen. [Erstickung drohende Halsanschwellung, durch einen Knochensplitter beim Schlingen verursacht.] Striktur des Ösophagus.
MagenGroßes Verlangen nach Kohlen, Kreide und vielen anderen seltsamen Dingen; bedingt durch Unfähigkeit, zwischen genießbaren und ungenießbaren Dingen zu unterscheiden. [Isst rohe Kartoffeln.] Laut schallender Schluckauf; mit Schreien oder Weinen; abwechselnd mit Krämpfen der Brustmuskeln. Erbrechen: von Galle; von Blut; beim Bücken; beim Versuch, sich aufzurichten; in der Schwangerschaft. Klopfen in der Magengrube, die aufgetrieben ist. „Ein Gefühl aus dem Magen herauf, wie Würmerbeseigen“ [= Wasserzusammenlaufen im Mund]; „es ward ihm weichlich und über und über heiß, und es floss ihm eine Menge aus dem Magen zum Mund heraufgekommenen Speichels zum Munde heraus.“
AbdomenLeibschmerzen, Erbrechen und Konvulsionen. Viel Blähungsanhäufung, mit steter Angst und Verdrießlichkeit.
HarnwegeUnwillkürlicher Harnabgang; auch bei alten Männern. Blasenlähmung. Urin wird mit großer Gewalt ausgespritzt.115

115

Aus einem Vergiftungsfall, der von Wepfer (vgl. Anmerkung) beschrieben wurde und dessen Symptome Hahnemann in seine Reine Arzneimittellehre übernommen hat. Zumindest in der Quelle handelt es sich um unwillkürlichen Harnabgang. Vgl. die Wiedergabe in NAfH 1, 1:185: „Sie fielen zur Erde, harnten mannshoch …“, worauf Konvulsionen folgten.

Harnröhrenstriktur; nach Entzündungen, gelegentlich nach Gonorrhö.
Männliche GenitalienHoden straff an den äußeren Leistenring gezogen.
Weibliche GenitalienKrampfzustände, wenn die Monatsblutung116

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Gemeint ist wahrscheinlich in erster Linie die Menarche. In Rückerts Klinischen Erfahrungen (Band 4, Seite 551) wird ein derartiger Fall berichtet, wo die Menstruation bei einer Siebzehnjährigen noch nicht eingesetzt hatte. Auf diesen Fall nimmt auch Hering in seinen Guiding Symptoms Bezug. Andererseits findet sich bei Hahnemann auch die Angabe: „Das Monatliche kommt später“, die sich sicher nicht auf die Menarche bezieht.

nicht eintritt. Steißbeinschmerzen während der Regel. Wochenbettkrämpfe.
AtemwegeEng auf der Brust, kann kaum Luft bekommen. Hitze- oder Kälteempfindung in der Brust.
HerzZitterndes Herzklopfen. Plötzliches Gefühl, als ob der Herzschlag ausbliebe; auch mit Gefühl, als ob man ohnmächtig werden sollte.
Äußerer Hals und RückenSpasmen und Crampi in der Halsmuskulatur; Kopf wird krampfhaft nach hinten gezogen. Opisthotonus. [Auch: Eine Art Krampf in den Halsmuskeln: wenn er sich umsieht, kann er mit dem Kopf nicht gleich zurück – die Halsmuskeln geben nicht nach, und wenn er's erzwingen wollte, würde es sehr wehtun.] Reißendes Zucken im Steißbein; besonders während der Regel.
ExtremitätenHäufiges unwillkürliches Zucken und Rucken in den Armen und Fingern. Zucken im linken Arm den ganzen Tag. Zittern des linken Unterschenkels. Fußsohlen beim Gehen einwärts gekippt. Bogenförmiges Schlenkern des Unterschenkels beim Gehen. Füße einwärts gedreht; Zehen aufwärts gebogen, bei Krämpfen. [Die heftigsten tonischen Krämpfe]; gebeugte Glieder können nicht gestreckt, gestreckte nicht gebeugt werden.
SchlafBeißt sich im Schlaf auf die Zunge. Tiefer, fester Schlaf. [Dennoch beim Aufstehen körperlich matt.] Träume lebhaft, aber nicht erinnerlich.
HautPusteln, die zusammenfließen und einen dicken, gelben Grind bilden; besonders an Kopf und Gesicht. Impetigo. Ekzem ohne Jucken [mit Bildung harter, zitronenfarbener Krusten aus dem Exsudat]. Bartflechten, Berufsdermatosen (Bäckerekzem). Hirnaffektionen nach unterdrückten Hautausschlägen.
VerwandtCuprum; Strychninum.

  • Cicuta virosa L., der Wasserschierling, bei Hahnemann „Wütherich“ genannt. Benutzt wird der ausgepresste Saft der frischen Wurzel.

  • Grundlage des Arzneibildes sind die Prüfungen Hahnemanns und seiner Mitprüfer (Reine Arzneimittellehre, Band 6). Hahnemann hat auch zahlreiche Vergiftungssymptome in sein Verzeichnis aufgenommen, insbesondere aus Wepfers Schrift Cicutae aquaticae historia et noxae von 1679. (Es ist allerdings nicht gesichert, ob Wepfers Cicuta aquatica dem Wasserschierling oder nicht vielmehr einer Pflanze aus der Gattung Oenanthe entspricht.) Eine Reihe weiterer Vergiftungssymptome sind über AE in die homöopathische Literatur übernommen worden. Eine weitere Prüfung hat Lembke angestellt (AHZ 51).

Cimicifuga
AllgemeinesHat eine breit gefächerte Wirkung auf die Nerven und Muskeln. Verursacht Niedergeschlagenheit und gedrückte Stimmung; auch Erschöpfung in Verbindung mit nervöser Überempfindlichkeit, besonders für Schmerzen. Ein großes ‚Frauenmittel‘. Korpulente Frauen; oder auch zarte, empfindliche, nervöse Frauen, die leicht frösteln und über Schmerzen im Rücken und Nacken sowie an wechselnden Stellen („hier und da“) klagen; viele ihrer Beschwerden stehen im Zusammenhang mit Reizungen des Uterus bzw. der Ovarien. Allgemeines Krankheitsgefühl; mit Erschöpfung. Viele der Symptome treten unregelmäßig auf, sie verändern sich, oder Symptomengruppen wechseln sich ab. Alternieren von körperlichen, besonders rheumatischen, und Gemütssymptomen. Die Schmerzen sind heftig, ein Wehtun117

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Original: „aching“. In seinen Vorlesungen über Materia Medica sagt Boger: „Es sind dieselben Schmerzen, die wir bei bestimmten Grippeformen sehen“.

oder ein Schießen, das mal hierhin, mal dorthin gehen kann, manchmal blitzartig wie elektrische Schläge; sie sind begleitet von Schreien, Ohnmachtsanfällen usw.; sie können aufwärts schießen oder von einer Seite zur anderen – etwa den Nacken hoch; um den Brustkorb118

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Original: „throat“, innerer Hals; dies ist sicherlich ein Übertragungsfehler, da Boger (Synoptic Key), von dem der ganze Satz sonst weitgehend wörtlich übernommen ist, vom Thorax spricht.

herum; von Eierstock zu Eierstock. Wundheitsgefühl und Empfindlichkeit entlang der Bahn, die der Schmerz genommen hat. Auch Schmerzen wie ein Zusammendrücken [etwa an den Schläfen]. Muskeln wund schmerzhaft, wie zerschlagen, mit Schweregefühl [am ganzen Körper oder an einzelnen Stellen, die oft den Ort wechseln]. Es sind besonders die Muskelbäuche betroffen. Zittern und Zucken; in verschiedenen Teilen, oder speziell der Teile, auf denen man liegt. [Nach dem Schlafengehen begann ein Zucken auf der Seite, auf der er lag, das ihn zum Positionswechsel nötigte; es begann als wahrnehmbare Zuckung im linken Fuß.] Hysterische oder epileptiforme Krämpfe zur Zeit der Menstruation. Klonische und tonische Spasmen im Wechsel. Chorea: in der Pubertät; wenn die Regel ausbleibt oder verspätet eintritt; des Herzens119

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Was damit gemeint ist, erhellt aus Hales New Remedies: „Veitstanz des Herzens, eine Krankheit, deren Existenz heute zugegeben wird, selbst wenn sich sonst keine choreatischen Symptome zeigen. Sie ist charakterisiert durch stürmische, unregelmäßige, unerwartete und seltsame Bewegungen des Herzens, die durch Gemütsbewegungen verschlimmert werden und im Schlaf aufhören.“

. Nervöses Schaudern [wie von Kälte, aber ohne wirkliches Kältegefühl]. Vor dem Geburtstermin gegeben, macht das Mittel die Wehen leichter und verhindert schmerzhafte Nachwehen; es heilt Schwangerschaftserbrechen. Zudem hat es Lebendgeburten bei Frauen ermöglicht, die vorher ohne erkennbaren Grund nur Totgeburten hatten. (Sollte [nach Clarke] in täglichen Dosen und tiefer Potenz, etwa der C 1, in den letzten zwei Monaten vor dem Geburtstermin gegeben werden.) Bei Myalgien; Ovaralgien; Lumbago. Krämpfe bei fiebrigen Erkrankungen mit zerebrospinaler Reizung [auch bei Meningitis]. Influenza. Üble Folgen von: Angst; Schreck; enttäuschter Liebe; geschäftlichen Misserfolgen; Überanstrengung; Schwangerschaft. Auch bei Beschwerden von Kindern während der Zahnung.
SchlimmerWährend der Regel bzw. bei Ausbleiben derselben. Während des Geburtsvorgangs. Pubertät und Wechseljahre. Gemütsbewegungen. Alkohol, Wein. Nachts. Wetterumschwünge. Hitze und Kälte. Feuchtkalte Luft; Wind; Zugluft. Bewegung. Im Sitzen.
BesserWarmes Einpacken. [Aber auch, besonders die Kopfschmerzen:] Im Freien. Druck. Essen. Fortgesetzte Bewegung. Wenn man nach Dingen greift oder sie packt.
Geist und Gemüt[Stete Unruhe]; Verlangen umherzuwandern, von einem Ort zum anderen. Agitiertheit. Nervös, zappelig, erregbar, fahrig. Melancholie, Niedergeschlagenheit, depressive Zustände. Reizbar, die geringste Kleinigkeit, die schief geht, treibt sie zum Wahnsinn. Redet unaufhörlich, mit stetem, sprunghaftem Themenwechsel. Düstere Vorahnungen: des eigenen Todes; verrückt zu werden; von drohendem Unheil usw. Glaubt, verrückt zu werden. Misstrauisch [gegen alles und jeden]; will die Arznei nicht nehmen [glaubt, es sei Gift]. Fürchtet, dass die Hausbewohner ihn töten wollen. Furcht, im geschlossenen Wagen zu fahren [hat Angst, dass er zum Herausspringen gezwungen sein wird]. Sieht Ratten und Mäuse, oder diverse Farben und Formen. Tödliche Furcht vor Ratten. Flaues Gefühl in der Magengegend, wenn man einen Bekannten trifft. Manische Zustände: vor [oder während] der Menstruation; im Kindbett; nach Alkoholkonsum; wenn neuralgische Zustände abgeklungen sind; versucht, sich selbst zu verletzen. Willensschwäche. Teilnahmslos und gleichgültig, auch in Bezug auf den eigenen Haushalt. Deprimiert, verzweifelt, fühlt sich wie von einer schweren schwarzen Wolke eingehüllt und niedergedrückt. Sitzt nur da und brütet vor sich hin, sehr traurig; wenn sie etwas gefragt wird, bricht sie in Tränen aus. Die Gemütssymptome bessern sich, wenn Durchfall oder die Monatsblutung120

120

Von Kent, Lectures, übernommen. Der Besserung durch Ausscheidung aus dem Darm oder Uterus, die Kent mit Abrotanum vergleicht, steht jedoch eine Verschlimmerung von Symptomen, auch der Gemütssymptome, zur Zeit der Menses gegenüber, die Kent im selben Text hervorhebt. Diese Modalität trifft (nach Kent, Hering und anderen) nicht nur bei Ausbleiben oder Verspätung der Regel zu, sondern auch während der Blutung.

einsetzt; sie werden schlimmer, wenn rheumatische Zustände aufhören.
KopfWogende Empfindung oder ‚wildes Gefühl‘ im Gehirn. Kopf rückwärts gezogen (Meningitis). Schießende und pochende Schmerzen, nach Sorge, geistiger Überanstrengung oder als Reflex von Uteruserkrankungen; besser im Freien. Kopfweh der Studenten. Gefühl wie von hämmernden Schlägen, oder Schmerz, als ob [mit jedem Pulsschlag] ein Bolzen [oder eine Kugel] vom Hinterkopf nach dem Scheitel hinauf getrieben würde; oder auch bis in die Augen (besonders das linke). Gehirn wie zu groß für den Schädel, oder Gefühl, als wäre der ganze Kopf zu groß. Empfindung, als würde sich der Schädel am Scheitel öffnen und schließen. Empfindung, als ob der Scheitel explodieren und wegfliegen würde, besonders beim Treppensteigen; als ob er sich öffnete und kalte Luft hereinließe; als ob kalte Luft auf das Gehirn wehte; oder ein Hitzegefühl auf dem Scheitel.
AugenHeftige Schmerzen in den Augäpfeln oder dahinter [wie zwischen Bulbus und knöchernem Dach der Augenhöhle]; schlimmer durch die geringste Bewegung des Kopfes oder der Augen; besser durch Druck121

121

Diese Modalität, aus Clarkes Dictionary übernommen, scheint besonders für die Schmerzen hinter und über den Augen zu gelten. Auf der anderen Seite heißt es auch (Rückerts Klinische Erfahrungen, 2:59): „Wenige Mittel verursachen so heftigen und beständigen Schmerz in den Augen, welche trübe aussehen und druckempfindlich sind.“ Vgl. auch ein Symptom aus der Prüfung des Cimicifuga-Harzes Macrotin: „Dumpfes Kopfweh, im Hinterkopf beginnend, allmählich zum Scheitel und zur Stirn ziehend, temporär durch Druck und Schlaf gebessert; am nächsten Tag Wehtun in den Augäpfeln, schlimmer durch Druck.“

. Schmerz von den Augen bis zum Scheitel. Vergrößerungsgefühl der Augäpfel. Wilder Blick. Sieht rote Blitze mit dunklen Rändern. Kann kein künstliches Licht ertragen. Starker stechender Schmerz, als ob Nadeln in die Augäpfel getrieben würden, schlimmer beim Schließen der Augen. Ziliarneuralgie.
OhrenTinnitus. Starke Ohrgeräusche, mit Schwerhörigkeit. Empfindlich gegen das leiseste Geräusch; bei spastischen Wehenschmerzen.
Nase[Schnupfen]; Schleimhäute empfindlich gegen kalte Luft [als ob die Hirnbasis freiläge]; jedes Einatmen scheint die kalte Luft mit dem Gehirn in Berührung zu bringen.
GesichtBlass, heiß. Stirn ist kalt oder wird als kalt empfunden. Neuralgie des Jochbeins, Schmerz klingt nachts ab, erneuert sich am nächsten Tag. Male, ‚Schönheitsfehler‘ im Gesicht junger Frauen. Wilder, angstvoller Gesichtsausdruck.
MundDickflüssiger Speichel, [der im Mund und Hals zu kleben scheint und nur schwer zu lösen ist, wird ausgespuckt]. Zäher Schleim, der nach Kupfer schmeckt, wird ausgeräuspert; Kupfergeschmack im Mund. Belag dicken Schleims auf den Zähnen. Wärme- [und Trockenheits-]Empfindung an der Zunge und im Mund. Zunge geschwollen. Zittern der Zunge. Kann kein Wort sprechen, obwohl sie den Versuch unternimmt.
HalsBrennen im Hals. Schmerz der Schilddrüse vor der Menstruation.
MagenÜbelkeit: morgens; in der Schwangerschaft; bei Alkoholismus; wird im Darm bzw. im ganzen Abdomen verspürt. Brechwürgen bei Druck auf die Halswirbelsäule [zwischen dem 4. und 5. Halswirbel]. Erbricht eine grüne Substanz, stöhnt und tobt, presst beide Hände gegen den Kopf, um Linderung zu erzielen. Flaues Gefühl in der Magengegend; auch wenn man einen Bekannten trifft. Aufstoßen, Übelkeit, Erbrechen und Kopfweh (bei Frauen). [Übelkeit, Erbrechen und starke Magenreizung bei weiblichen Versuchspersonen, während bei männlichen fast überhaupt kein Einfluss auf den Magen festzustellen war.]
AbdomenKolikschmerzen, die zum Zusammenkrümmen nötigen, besser nach Stuhlgang. Scharfe Schmerzen quer durch den Unterbauch. Häufige dünne, dunkle, übel riechende Stühle. Morgendiarrhö bei Kindern. Wechsel von Durchfall und Verstopfung.
HarnwegeReichlicher, klarer Urin; schwächend. Bodensatz gelben Sandes. Nervöser Harndrang.
Weibliche GenitalienMenses: stark oder auch spärlich; mit dunklem, geronnenem Blut, unregelmäßig bezüglich Zeitpunkt und Stärke der Blutung; mit Rückenschmerzen und nervöser Erregung. Der Schmerz wird um so stärker, je mehr die Blutung zunimmt. [Die Schmerzen beginnen vor dem Einsetzen der Regel und nehmen zu, so wie die Blutung zunimmt, bis diese ihren Höhepunkt erreicht hat; erst dann gehen sie zurück.] Große Schwäche zwischen den Perioden. Ausbleiben der Monatsblutung oder der Lochien; nach Gemütsbewegungen oder Erkältung. Hysterische oder epileptiforme Krämpfe zur Zeit der Menstruation. Ausfluss; mit Gefühl von Schwere und Herabdrängen im Uterus. Ovarialneuralgie; Schmerz quer durch das Becken, von einem Ovar zum anderen schießend, oder nach oben in die Seiten, oder abwärts, die Schenkel herab. Uterusatonie, Wehenschwäche. Langsam vorankommende Wehen mit nervösem Schaudern. Herzneuralgie bei der Entbindung. Unerträgliche Nachwehen, besonders in den Leisten gespürt. Manische Zustände [Wochenbettpsychose]; packt ihre Brust, als hätte sie dort Schmerzen. Brennen in den Mammae. Inframammäre Schmerzen, besonders linksseitig. Nervöses Schaudern, Husten oder Harndrängen.
AtemwegeKurzer, trockener, unaufhörlicher Kitzelhusten; schlimmer nachts; bei jedem Versuch zu sprechen. Nervöser Hustenreiz. Scharfes Stechen in der linken122

122

Zwar ist die linke Seite (auch des Thorax) bevorzugter Sitz der Schmerzen, die nachfolgende Modalität (< Bewegung) stammt aber aus einem Fall, wo der Schmerz in der rechten Seite saß.

Brustseite, kann sich nicht bewegen, ohne aufzuschreien. Pleurodynie.
HerzGefühl, als wäre das Herz wund, geschwollen oder vergrößert. Schmerz in der Herzgegend wie von feinen Nadeln [begleitet von leichtem Zucken oder Pulsieren in den äußeren Muskeln dieser Region]. Angina pectoris: Schmerz erstreckt sich über die ganze Brust und in den Rücken sowie hinunter in den linken Arm, der taub wird, mit Empfindung, als wäre er an der Seite festgebunden. Plötzliches Aufhören der Herztätigkeit, drohende Erstickung. Puls schwach, unregelmäßig, zitternd; setzt jeden dritten oder vierten Schlag aus.
Äußerer Hals und RückenNackenschmerzen, wirft den Kopf nach hinten. Hals und Kopf rückwärts gezogen. Steifer Hals, Schmerz schlimmer selbst vom Bewegen der Hände. Hals- und Rückenmuskeln schmerzhaft, mit Gefühl von Steifheit und Verkürzung. Hals- und obere Brustwirbelsäule sehr empfindlich, besonders gegen Druck, mit Zerschlagenheitsgefühl aller Muskeln. Darauf Drücken kann Brechwürgen auslösen. Schmerz am Winkel123

123

Es ist nicht ganz klar, welcher Winkel (engl.: angle) gemeint ist. Boger, von dem das Symptom stammen dürfte, gibt Chenopodium als Vergleichsmittel an, was auf den unteren Winkel hindeutet; es existiert auch ein Prüfungssymptom „Schmerz unter dem linken Schulterblatt.“ Nicht auszuschließen ist freilich, dass ein Übertragungsfehler vorliegt, da die Prüfungen auch „scharfe wandernde Schmerzen im linken Knöchel (ankle) und Schulterblatt“ angeben.

des linken Schulterblatts. Lumbalschmerzen, mit Schweregefühl und Pulsieren, die sich quer zwischen den Hüften und die Oberschenkel herab erstrecken.
ExtremitätenUnbehagliches Gefühl [„fast ein Schmerz“] und Unruhe in den Gliedern. Linker Arm wie an der Seite festgebunden. Dauernde unregelmäßige Bewegungen des linken Arms (Chorea). Die Finger zittern beim Schreiben. Zittern der Beine, kann kaum gehen. Schmerzhafte Muskelkrämpfe in den Gliedern; in den Waden. Steifheits- und Verkürzungsgefühl in der Achillessehne. Abwechseln von rheumatischen und Gemütssymptomen. Jucken der Fußsohlen. Kalter Schweiß an Händen und Füßen. Taubheit der Gliedmaßen.
SchlafZustände, die Sopor oder Koma ähneln; wie betrunken. Stete Neigung zum Gähnen. Schlaflosigkeit. Schläft mit über dem Kopf gefalteten Händen.
VerwandtBaptisia; Caulophyllum; Gelsemium; Ignatia; Pulsatilla.

  • Cimicifuga racemosa (L.) Nutt. = Actaea racemosa L., das Wanzenkraut oder die Schlangenwurzel. Unter dem Namen Actaea racemosa wird das Mittel bei Hering und Guernsey sowie in Hughes' Pharmacodynamics geführt. Benutzt wird der frische Wurzelstock mit Wurzeln.

  • Es sind eine Reihe von Prüfungen durchgeführt worden, insbesondere von Paine, von Bigelow sowie von Hill und Douglas (letztere überliefern lediglich ein Symptomenverzeichnis, das auch die meisten Symptome Paines in verkürzter Form enthält); die Prüfungssymptome sind nachzulesen in AE, Band 3 und 10, sowie in Hughes' Cyclopedia, Band 2. Dort finden sich auch einige Vergiftungsfälle und Symptome, die an Kranken hervorgerufen wurden. Ferner steht im Appendix von Band 2 der Cyclopedia eine Prüfung von Macrotin, dem Harz von Cimicifuga, aus der einige wichtige Symptome stammen; sie ist auch in AE, Band 6 enthalten. Mit der klinischen Anwendung von Cimicifuga hat sich besonders Hale beschäftigt, der der Arznei in den beiden Bänden seiner New Remedies 26 Seiten widmet.

Cina
AllgemeinesCina enthält den Wirkstoff Santonin. Die nervösen psychischen und körperlichen Symptome, die diese Arznei hervorruft, können Reflexe von abdominellen Reizungen, etwa durch Spulwürmer, darstellen oder auf Affektionen des Verdauungstrakts zurückgehen. Ein Kindermittel; bei großen und dickbäuchigen, rosigen, skrofulösen Kindern; sie machen sich ganz starr und steif, wenn man sie ansieht oder wenn sie gereizt sind, sowie bei Hustenanfällen. Die Kinder sind unruhig und werfen sich herum. Zuckungen. Spasmen: im Zusammenhang mit Wurmbefall; einseitig [besonders links]; Kinder schleudern die Arme von einer Seite auf die andere. Chorea. Konvulsionen, ohne Verlust des Bewusstseins. Schmerzhafte Empfindlichkeit in den Gliedern des ganzen Körpers beim Bewegen und Anfassen; Schmerzen wie wund und zerschlagen. Hungrige Kinder, die dennoch abmagern; je größer der Hunger, desto dünner werden sie. Gähnen wird von Beschwerden begleitet; sie treten jedes Mal auf, wenn man gähnt124

124

Phatak schreibt „jedesmal wenn jemand (someone) gähnt“, was jedoch ein Missverständnis seiner Quelle, nämlich Guernseys Keynotes, darstellen dürfte (dort heißt es: „whenever one yawns“).

. Zittern des Körpers; beim Gähnen, mit Schauder-Empfindung. Saurer Körpergeruch [auch saurer Mundgeruch, saures Aufstoßen], besonders bei Kindern. Stöße oder Rucke, wie durch Schmerzen erzeugt; fährt plötzlich hoch, als ob er Schmerz verspürte. Paraplegie, mit unnatürlichem Hunger.
SchlimmerBerührung. Wurmbefall. Ärger. Wenn man sie ansieht. Im Schlaf. Fixieren eines Gegenstandes mit den Augen [Lesen, feine Handarbeiten]. Gähnen. Vollmond. In der Sonne; im Sommer.
BesserBauchlage. Wischen oder Reiben der Augen. Bewegung. Kopfschütteln.125

125

Kent kritisiert: „Die [Kopf-]Schmerzen sind manchmal besser, wenn man den Kopf hin- und herbewegt. Das kann man bei empfindlichen Frauen sehen … Hin- und Herrollen des Kopfes bessert, nicht Schütteln, wie es im Text [Herings Guiding Symptoms] heißt, denn das wäre zu heftig.“

Wenn man gewiegt oder geschaukelt wird.
Geist und GemütAusgesprochen überempfindlich; garstig, übellaunig; quengelig, unzufrieden. Kinder wollen nicht angefasst oder geführt werden, sie wollen gewiegt werden126

126

Nach Nash, Leaders, sind diese beiden Zustände alternativ zu verstehen: „Will getragen oder gewiegt werden, oder will nicht berührt, nicht einmal angesehen werden.“ Bei Phatak heißt es übrigens „getragen“ statt „geführt“, doch dies geht auf eine irrige Übersetzung von Hahnemanns Prüfungssymptom in AE zurück.

; sie begehren viel und mancherlei, verschmähen aber alles Angebotene [auch was ihnen sonst am liebsten war]; unaufhörliche Unruhe, ständiges Unbehagen. Nervös. Ein ‚unwirkliches‘ Gefühl, etwas Böses begangen zu haben. Krämpfe von Kindern, wenn sie ausgeschimpft oder bestraft werden. Kinder sind taub gegen alle Liebkosungen [lassen sich durch kein Zureden beruhigen]. Sonst brave Kinder werden reizbar und übellaunig.
KopfKopfschmerz: im Wechsel mit Bauchschmerz; gemindert durch Bücken. Schmerzen im inneren Kopf, beim Lesen oder bei scharfem Fixieren eines Gegenstandes mit den Augen [feine Handarbeit]. Das Kind lehnt seinen Kopf die ganze Zeit auf die Seite. [Oder:] Dreht den Kopf von einer Seite zur anderen. [Vor und bei Kopfschmerzen Empfindlichkeit am Kopf:] Frauen müssen ihr Haar lösen; Kinder wollen sich nicht kämmen lassen. Kopfweh vor und nach epileptischen Anfällen.
AugenPupillen erweitert. Pulsieren des Augenbrauenmuskels, eine Art Krampf. „Abends, wenn er bei Licht scharf sehen (lesen) will, sieht er alles wie durch einen Flor; wischt er in den Augen, so wird's auf kurze Zeit besser.“127

127

Nach Hahnemann zitiert; Phataks Version, „die Augenbrauen zucken beim Fixieren eines Gegenstands“, dürfte auf einer irrigen Verbindung des vorigen mit diesem Symptom beruhen.

Ermüdung der Sehkraft [durch Anstrengung der Augen]. Langwierige Sehschwäche [mit Lichtscheu und Drücken in den Augen wie von Sand]; nach Masturbation. Verändertes Farbensehen: sieht gelb, blau, violett oder grün.128

128

Etwa: Der Himmel erscheint grün statt blau; tiefblau gefärbte Stoffe erhalten einen Grünstich, karmesinrote sehen fahl aus, krapprote spielen ins Bronzefarbene, weiße sehen auffallend gelb aus (nach Schmid, Franks Magazin 4:1.014).

Strabismus; bei Wurmleiden.
NaseJucken in der Nase; zupft und bohrt darin, bis Blut herauskommt, will sie dauernd reiben. [Affektion der Nasenschleimhaut] mit öfterem Niesen, bei Keuchhusten. Nase sieht zugespitzt aus, Nasenflügel eingefallen.
GesichtBlass, sieht krank aus; auch bei Husten. Weiß und bläulich um den Mund herum. Dunkle Ringe um die Augen. Bald blasses, kaltes Gesicht, bald rot und heiß. Veitstanzartige Bewegungen von Gesicht und Händen.
MundZähneknirschen; nachts, im Schlaf. Kau- und Schluckbewegungen im Schlaf. [Bei Erbrechen und Fieber:] Reine Zunge.
HalsSchwieriges Schlucken von Flüssigem. Geräuschvolles Schlucken. Glucksendes Geräusch vom Hals zum Unterleib herab; nach Husten oder Krämpfen. Ständige Schluckbewegungen, unwillkürlich [auch im Schlaf].
MagenHeißhunger, starker Hunger: kurz nach einer Mahlzeit; gleich nach Erbrechen; mit nagendem Gefühl im Magen; im Wechsel mit Appetitlosigkeit; [bei Wechselfiebern] vor dem Frost- oder nach dem Schweißstadium; bei Paraplegie. „Begehrt viel und mancherlei“; starkes Verlangen nach Süßigkeiten, nach Brot. Abneigung des Säuglings gegen die Muttermilch. Erbrechen bei reiner Zunge. Erbrechen und Durchfall unmittelbar nach Essen und besonders nach Trinken.
Abdomen„Bohrender Schmerz über dem Nabel, durch Daraufdrücken vergehend. Um den Nabel ein schmerzhaftes Winden, auch beim Daraufdrücken.“129

129

Nach Hahnemann. Phatak zieht die beiden Symptome nach Bogers Vorbild zusammen: „Winden um den Nabel, besser durch Druck“, befindet sich dabei aber im Widerspruch zu den Prüfungssymptomen.

Leib aufgetrieben und hart. Schneidender, kneifender Bauchschmerz bei Wurmleiden. Unangenehmes Wärmegefühl im Unterleib. Afterjucken. Durchfällige, weiße, wässrige Stühle.
HarnwegeBettnässen, schlimmer jeden Vollmond. Harn: trüb, weiß, molkig; oder wird erst beim Stehen molkeartig.
Männliche GenitalienÜble Folgen von Masturbation: Sehschwäche.
Weibliche GenitalienUterusblutungen vor der Menarche. Regelblutungen zu früh und zu stark. Säuglinge verweigern die Brust.
AtemwegeRegelmäßig wiederkehrender Husten, von Würgen begleitet; mit Niesen. So gewaltsames Husten, dass ihm Tränen in die Augen treten; Husten, sodass es unter dem Brustbein wehtut; danach schmerzt diese Stelle, als wäre da etwas losgerissen. Nach dem Husten hörbares Glucksen vom Hals zum Unterleib herab. Das Kind hält still, spricht nicht, bewegt sich nicht, aus Furcht, einen Hustenanfall zu provozieren. [Eine Art von Brustbeklemmung]; das Brustbein scheint zu eng anzuliegen. Hustenanfälle enden in Krämpfen [etwa in einer Erstarrung des ganzen Körpers oder auch einem krampfhaften Hintenüberwerfen, so gewaltsam, dass das Kind vom Schoß herab geworfen wird]. Erstickungsanfälle. Auswurf löst sich nur schwer.
ExtremitätenSchleudert die Arme von einer Seite auf die andere. Streckt die Beine130

130

Bei Phatak wie Hahnemann heißt es hier und im folgenden Symptom „Füße“ bzw. „Fuß“, was jedoch Dialektausdruck für „Beine“ ist. Dies ist an der Anordnung der Symptome in der Reinen Arzneimittellehre auch deutlich zu erkennen; vgl. ferner Bönninghausen: „Steifes Ausstrecken der Beine.“

krampfhaft von sich. Das linke Bein in beständiger krampfhafter Bewegung (alle Symptome bei Kindern beobachtet). Schnelles Einwärtszucken der Finger der rechten Hand. Zucken und Rucken in den Gliedern. Plötzliche Lähmung beider Beine, mit unnatürlichem Hunger.
SchlafUnruhig. Nimmt im Schlaf eine Lage auf Händen und Knien ein, oder dreht sich auf den Bauch. Pavor nocturnus bei Kindern. Sie schreien laut auf und erwachen voller Furcht und Schrecken. Schreit und spricht im Schlaf.
Fieber[Fieberfrost] mit blassem, kaltem Gesicht und warmen Händen. [Gesichtsblässe auch während der Fieberhitze.] Starkes Fieber; bei reiner Zunge. Kalter Schweiß an Stirn, Nase und Händen. Heißhunger vor dem Fieberfrost und nach dem Schweißstadium.
KomplementärCalcarea carbonica; Drosera; Ratanhia.
VerwandtChamomilla; Natrium phosphoricum.

  • Die „Wurmsamen“ sind die ungeöffneten Blütenknospen von Artemisia cina Berg u. Schmidt, dem Zitwerbeifuß, einer Steppenpflanze aus Turkestan, die als Wurmmittel schon seit Langem in Gebrauch war. Ihr wichtigster Wirkstoff ist das Santonin (C15H18O3), das Anhydrid der Santoninsäure; auch Santonin als Reinstoff ist in der Homöopathie verwendet worden.

  • Die Grundlage für das Arzneibild ist Hahnemanns Prüfung in der Reinen Arzneimittellehre, Band 1. Einige Vergiftungssymptome als Folgen von Überdosierung bei Verwurmung berichten Bethmann (AfH 16, 2:106) und Noack (Hygea 16:81). Veränderungen im Farbensehen (bis hin zu Farbhalluzinationen) wurden auch mit den „Wurmsamen“ schon festgestellt (etwa von Schmid, Franks Magazin 4:1014). Hervorstechendes Symptom waren sie bei Experimenten mit Santonin, die in AE, Band 8, breit dargestellt werden; Hale gibt in der 4. Aufl. seiner New Remedies einen Überblick über die therapeutischen Anwendungsbereiche dieser Droge.

Cinnabaris
AllgemeinesQuecksilbersulfid, ein antisykotisches und antisyphilitisches Arzneimittel. Faulheit, Indolenz, nicht zu geistiger Arbeit aufgelegt. Allgemeine Berührungsempfindlichkeit; besonders der Knochen [des Schädels], der Kopfhaut usw. Beim Liegen auf der rechten Seite kommt es ihm vor, als würde der Inhalt des Körpers auf diese Seite gezogen.
SchlimmerBerührung. Licht. Feuchtigkeit. Gehen.
BesserIm Freien. Sonnenschein. Nach dem Mittagessen.
AugenAuswärts gerichteter Schmerz entlang der Brauen; läuft um die Augen herum, oder zieht sich wie ein Sattel über die Nasenwurzel. Rötung des ganzen Auges.
NaseSchweres Drücken an der Nasenwurzel, schlimmer durch den Druck einer Brille131

131

Nach Boger. Die Prüfungen bieten einen Druck auf die Nasenwurzel, als ob man eine ungewohnte schwere Brille aufhätte.

. Nasensekret ätzend, faulig, brennend, wässrig; oder dunkle Klumpen [von den Choanen].
MundTrockenheit von Mund und Kehle, weckt aus dem Schlaf; muss den Mund ausspülen. Räuspert zähen Schleim aus dem Hals herauf; oder Schleimklümpchen geraten von den Choanen in den Hals. Nasopharyngealer Katarrh.
AbdomenAmeisenlaufen im After; wie von einem großen Wurm dort. Blutige Ruhr. Dünne, weiße Stühle. Grüner, schleimiger Durchfall, der der Haut um After und Skrotum eine Kupferfarbe mitteilt.
Männliche GenitalienZucken im Penis; im Schlaf. Faulig riechender, wund fressender Schweiß zwischen Hodensack und Oberschenkeln. Warzen an der Vorhaut, besonders fächerartig nebeneinander stehende. Kleine rote Pünktchen an der Eichel. Alte, indurierte Schankergeschwüre. Jucken an der Eichelkrone. Röte und Schwellung der Vorhaut.
Weibliche GenitalienAusfluss, der beim Abgang ein Pressen in der Vagina erregt.
HerzHerzflattern, dann Blutwallungen zum Kopf.
ExtremitätenTophi an den Schienbeinen. Linkes Bein wird als kürzer empfunden als das rechte, beim Gehen. Wadenkrämpfe nach Gehen. Schmerz in Achillessehne und Fersenbein beim Gehen. Kälte in den Knien; oder in den Gelenken. Schmerz vom Ellbogen abwärts in die Hände [wie von einem Schlag auf den ‚Musikantenknochen‘].
HautFeuerrote Geschwüre auf Haut und Schleimhäuten. Rote Hautausschläge. Heftiges Jucken und Feinstechen. Schweiß besonders mittags.132

132

Im Original „Schweiß, schlimmer Nase“, nach Boger. Wohl ein Irrtum. Die Prüfungen geben eine außergewöhnliche Verschlimmerung des Schwitzens gegen 12 Uhr mittags („noon“) an, was vermutlich mit „nose“ verwechselt wurde.

Wabige Geschwüre.
KomplementärThuja.
VerwandtMercurius.

  • Zinnober ist das natürlich vorkommende Quecksilbersulfid, HgS.

  • Neben einer Prüfung von Hahnemann (Reine Arzneimittellehre, Band 1) existiert eine große Zahl von Symptomen aus Prüfungen, die unter der Leitung von Neidhard angestellt wurden; nachzulesen sind sie in AE. Ferner einige Vergiftungssymptome, unter anderem von einem mit Zinnober gefärbten künstlichen Gebiss (Oehme, in NZfHK 17:125).

Cistus canadensis
AllgemeinesBekannt unter dem Namen ‚Felsröschen‘, ist dies ein altes Heilmittel bei Skrofulose. Es greift die Drüsen und Lymphknoten an, besonders im Nasen-Rachen-Raum; auch am äußeren Hals, sowie die Mammae (besonders die linke). Erzeugt auch flechtenartige, herpetische Ausschläge, skorbutartige Zustände, chronische [Drüsen-]Geschwülste und nekrotisierende Ulzerationen. Bösartige Erkrankungen der Halsdrüsen. Vergiftete Wunden, Tierbisse, phagedänische Geschwüre. Patient ist schmerzhaft empfindlich gegen Kälte; gegen kalte eingeatmete Luft. Kältegefühle in verschiedenen Körperteilen: Kälte der Zunge, des Speichels, im inneren Hals; kalte Ructus, Kälte im Magen; Kälteempfindungen schlimmer durch Schwitzen; selbst die Absonderungen werden als kalt empfunden. [Aber auch:] Brennen. Schleimabsonderungen [von allen Schleimhäuten], die dickflüssig, gelb und faulig sind; sie hinterlassen ein schmerzhaftes Roheitsgefühl. Eiterungen. Inneres und äußeres Jucken. Ameisenkribbeln durch den ganzen Körper, mit ängstlicher Schweratmigkeit. Verhärtungen. Schwielenbildung, mit Hautrissen.
SchlimmerKälte; Erkältung; Zugluft; kalte eingeatmete Luft. Kaltes Wasser. Geistige Anstrengung; Aufregung. Berührung. Bewegung.
BesserEssen. Auswurf.
Geist und GemütÜble Folgen von Ärger. Furcht.
KopfKopfweh, wenn man eine Mahlzeit auslässt, besser durch Essen. Kopf auf eine Seite gezogen, durch Geschwülste am Hals.
AugenIm Auge Gefühl, als drehte sich darin etwas herum. Risse an den Augenwinkeln.
OhrenOtorrhö: wässriges Sekret und stinkender Eiter; nach Exanthemkrankheiten. Flechten an und in den Ohren, die sich bis in den äußeren Gehörgang erstrecken.
NaseKühles Gefühl oder Brennen in der Nase. Schmerzhafte Nasenspitze. Ekzem der Nase. Klumpengefühl im Nasopharynx. Chronischer Schnupfen, häufiges heftiges Niesen. Schmerz an der Nasenwurzel wie Druck, bei Kopfweh.
GesichtJucken und Krustenbildung, mit Brennen am Jochbein. Knochenfraß am Unterkiefer, mit Eiterung der Halsdrüsen. Offene, blutende Krebsgeschwulst an der Unterlippe. Aufgesprungene Lippen.
MundSkorbutisches, von den Zähnen zurückweichendes Zahnfleisch, leicht blutend, faulig, Ekel erregend. Zunge kühl; Atem kühl; Speichel kühl. Es tut weh, wenn man die Zunge herausstreckt. Pyorrhö [eitrige Parodontitis].
HalsKälte greift den Hals an; Kältegefühl im Hals. Gefühl von Weichheit, schwammige Empfindung im Hals; Jucken im Hals. Halsweh beim Einatmen des geringsten kalten Lüftchens. Trockenes Fleckchen im Hals, besser durch Trinken von etwas Wasser. Halsschmerz beim Husten. Halsdrüsen geschwollen, eiternd. Struma, mit häufigem Durchfall.
MagenKältegefühl im Magen; vor und nach dem Essen. Kühles Aufstoßen. Verlangen nach Käse; nach stark schmeckenden, pikanten Speisen133

133

Original „pungent“ = scharf; Kent erläutert aber, dass es um Dinge wie Hering oder Käse geht. Die Prüfungen erwähnen Verlangen nach sauren Speisen.

.
AbdomenKältegefühl im ganzen Unterleib. Durchfall: nach Kaffeetrinken und Obstessen; bei Struma; mit Übelkeit. Dünne, ‚eilige‘ Stühle, schlimmer morgens.
Männliche GenitalienJucken am Hodensack.
Weibliche GenitalienVerhärtung und Entzündung der Mammae (besonders der linken). [Mammae] empfindlich gegen kalte Luft. Brustkrebs. Übel riechender Ausfluss.
AtemwegeGefühl der Kühlheit am Kehlkopf und in der Luftröhre, beim Einatmen kalter Luft. Kälte in der Brust. Auswurf von Massen eiweißartigen, zähen Schleims, im Liegen. Gefühl, als wäre nicht genug Raum in der Luftröhre; Schweratmigkeit; zuvor Ameisenkribbeln [durch den ganzen Körper]. Roheitsgefühl in der Brust, nach Auswurf [der jedoch erleichtert].
Äußerer Hals und RückenHarte, geschwollene Halsdrüsen und Lymphknoten. Brennender Zerschlagenheitsschmerz im Steißbein, der Sitzen nicht zulässt, schlimmer durch Berührung.
ExtremitätenKalte Füße. Fingerspitzen: aufgesprungen, kälteempfindlich. Arbeiter entwickeln harte Stellen auf der Haut der Hand, mit Rissen.
HautHart, dick, trocken, rissig [besonders an den Händen]. Jucken, Kribbeln über den ganzen Körper, ohne Ausschlag.
FieberFrostigkeit. Schwitzt leicht; Nachtschweiße.
VerwandtCalcarea carbonica; Heloderma; Hepar sulfuris.

  • Das kanadische Ziströschen oder Felsröschen, Helianthemum canadense Mich.; verwendet wird die frische blühende Pflanze.

  • Die Prüfung stammt von Bute und Gosewisch unter der Leitung von Hering und wird in der AHZ 72 berichtet, zusammen mit einer Reihe klinischer Erfahrungen.

Clematis recta
AllgemeinesGreift die Schleimhäute der Augen und der Harnröhre an, sowie die Drüsen, besonders die Hoden, Brustdrüsen und Eierstöcke, die anschwellen, sehr hart und schmerzhaft empfindlich werden. Neuralgische Schmerzen in verschiedenen Körperteilen. [Schmerzen sind] brennend, juckend, stechend, prickelnd, kribbelnd. Große Schwäche. Abmagerung. Muskeln schlaff, oder Muskelzucken. Empfindung von Erzittern [„Dröhnen“] durch den ganzen Körper, nach dem Hinlegen. Abneigung gegen Waschen. Rheumatische, gonorrhoische und syphilitische Patienten. Strikturen [der Harnröhre], auch organisch bedingte [durch Schleimhautverdickung, besonders nach Gonorrhö].
SchlimmerGonorrhö. Bettwärme. Nachts. Kaltes Waschen. Kalte Luft. Licht. Symptome nehmen zu und ab mit dem Mond.134

134

Gilt besonders für Hautausschläge, die bei zunehmendem Mond nässen und sich entzünden, bei abnehmendem Mond wieder austrocknen sollen.

Quecksilbermissbrauch.
BesserSchwitzen. Im Freien.
Geist und GemütGleichgültigkeit. Furcht vor dem Alleinsein, und doch flieht er selbst die ihm sonst angenehmste Gesellschaft. Beschwerden von Heimweh. Mürrisch, missvergnügt, ohne Ursache. Melancholie.
KopfGefühl von Benommenheit, besser im Freien. Hautausschläge: am Hinterkopf, am Haaransatz, nässend, pustulös, berührungsempfindlich, juckend.
AugenIritis. Chronische Konjunktivitis. Tränen der Augen. Beißender Schmerz, schlimmer beim Schließen der Augen. Augen empfindlich gegen Luft, muss sie schließen [bzw. traut sich nicht, sie wieder zu öffnen]. Beschwerden von hellem Sonnenlicht. Brennen, als strömte Feuer aus den Augen.
OhrenGlockenläuten vor den Ohren.
Gesicht[Von einem schmerzenden Zahn ausgehender] Schmerz in der rechten135

135

In den Prüfungen ist meist entweder von der linken oder von keiner bestimmten Gesichtsseite die Rede.

Gesichtsseite, bis zum Auge, zum Ohr und über die Schläfengegend, besser, wenn man kaltes Wasser im Mund behält. Geschwollene Submaxillardrüsen, mit harten Knötchen, die klopfen [und spannen], berührungsschmerzhaft. Lippenkrebs.
MundZahnweh, schlimmer nachts und durch Tabakrauchen; besser durch „Herausziehen“136

136

Im englischen Original: „Einziehen“, wie bei Hering, Clarke, Kent und anderen, doch dies ist eine falsche Übersetzung. In den Prüfungen heißt es „Herausziehen“, gemeint ist ein Herausziehen von Luft aus dem schmerzenden hohlen Zahn mit Hilfe der Zunge.

von Luft und Ausspülen mit kaltem Wasser. Atem ist für andere Personen übel riechend.
MagenSchwäche in allen Gliedern nach dem Essen, bei starkem Schlagen der Arterien. Übelkeit beim Tabakrauchen, mit Schwächegefühl in den Beinen. Unangenehmes Kältegefühl im Magen.
AbdomenBesonders beim Urinieren Stechen von der Bauchhöhle zur Brust herauf, heftiger beim Einatmen. Schwellung der Leistenlymphknoten, mit zuckendem Schmerz darin; bei Szirrhus, unterdrücktem Tripper, Gelenkrheumatismus.
HarnwegeKann den Harn nicht auf einmal entleeren; Harnfluss stockt öfters und beginnt wieder, danach Harntröpfeln. Muss pressen, um wenige Tropfen lassen zu können, dann folgt ein voller Strahl. Harnröhrenstriktur. Harnröhre fühlt sich an wie dicke Peitschenschnur und ist druckschmerzhaft [durch chronische Entzündung und Infiltration nach unterdrücktem oder vernachlässigtem Tripper]. Brennen in der Harnröhre beim Wasserlassen. Die letzten Tropfen verursachen heftiges Brennen.
Männliche GenitalienAbscheu vor Koitus.137

137

Nach der Prüfung ist dies „selbst während der Erektionen“ der Fall, „als ob er den Geschlechtstrieb im Übermaß befriedigt hätte“ und „als wäre ihm schon der Gedanke zuwider geworden“.

Hoden verhärtet, mit Zerschlagenheitsschmerz. Orchitis. Hoden schwer herabhängend, oder hochgezogen. Schwellung des Samenstrangs, mit Brennen und empfindlichem Wehtun, Schmerz zieht bis in den Unterleib herauf. Brennen im Penis bei Ejakulation, beim Koitus. Geschwulst nur der rechten Hälfte des Hodensacks. Heftige [und lang anhaltende] Erektionen, mit Stichen in der Harnröhre.
Weibliche GenitalienVolle, schwere, empfindliche Brüste; schießender Schmerz von innen nach außen darin. Lanzinierende Schmerzen in den Mammae, schlimmer beim Wasserlassen. Schwellung und Verhärtung der Brustdrüsen. Brustkrebs, mit Stichen in Schultern und Uterus. Monatsblutung zu früh.
AtemwegeAtembeschwerden, schlimmer beim Ersteigen eines kleinen Hügels oder beim Gehen auf unebenem138

138

Auch schon bei halbstündigem Gehen auf „ebenem Weg“, wie die österreichische Nachprüfung zeigt.

Untergrund. Bellender, trockener Husten, mit Stichen in der Brust.
HerzScharfe Stiche in der Herzgegend, von innen heraus.
ExtremitätenSchwäche in den Gliedern nach dem Essen; oder bei Übelkeit vom Tabakrauchen. Achsellymphknoten geschwollen.
Haut[Hautausschläge:] Heftiges Jucken mit viel Abschuppung, das sich durch Waschen mit kaltem Wasser verstärkt. Bläschen oder Pusteln. Hautausschläge mit ätzenden Absonderungen, die in flachen Geschwüren enden; mit Bildung dicker Krusten; Ekzem; schlimmer am Hinterkopf und den Unterschenkeln. Ulcus varicosum. Herpes zoster.
SchlafSchläfrigkeit. Unruhiger, traumvoller Schlaf, mit Empfindung von Erzittern [„Dröhnen“] durch den ganzen Körper.
KomplementärMercurius.
VerwandtPhosphorus; Rhododendron; Staphysagria.

  • Clematis recta (in der homöopathischen Literatur oft als Clematis erecta bezeichnet) ist die Aufrechte Waldrebe, zu unterscheiden von der rankenden Liane Clematis vitalba, die in unseren Wäldern häufig zu sehen ist. Benutzt wird laut Stapf der ausgepresste Saft der Blätter und Stängel der eben zu blühen beginnenden Pflanze.

  • Prüfungen: von Stapf und Hahnemann, zuerst in AfH und in Stapfs Beiträgen zur Reinen Arzneimittellehre, später erweitert in den Chronischen Krankheiten erschienen. Hahnemann greift dabei auch auf die Erfahrungen von Stoerck zurück. Eine umfangreiche Nachprüfung unter Leitung von Weinke erschienen in der Zeitschrift des Vereins der homöopathischen Ärzte Österreichs, 1857.

Cobaltum
AllgemeinesDieses Metall greift das Rückgrat an (speziell die Lumbalregion); ferner die Genitalien, die Nieren und die Knochen; es passt auf neurasthenische Zustände spinalen Ursprungs, auch mit sexuellen Störungen. Sekrete schaumig. Schmerzhaftigkeit wie wund. Knochenschmerzen. Saurer Mundgeschmack, Magenübersäuerung, saurer Fußschweiß usw. Ermüdung und Ermüdungsgefühl [und Schwäche].
SchlimmerPollutionen. Sitzen. Bettwärme oder Sonnenwärme. Morgens.
BesserSchleimausräuspern. Fortgesetzte Bewegung.
Geist und GemütSchuldgefühl [als hätte man etwas Böses begangen, wovon andere wüssten; als ob man niemandem ins Gesicht sehen könnte]. Denkt zu geringschätzig von sich selbst. Jede Aufregung verstärkt die Beschwerden.
KopfSchwindel und Gefühl, als würde der Kopf größer; während des Stuhlgangs. Kopfweh schlimmer durch Bücken; durch Erschütterung. Gefühl, als ginge das Gehirn auf und nieder, beim Gehen.
AugenPhotophobie im Frühling; Frühjahrskatarrh. Stechende Schmerzen in den Augen, wenn man [aus dem Zimmer] in die helle Sonne kommt.
GesichtNeigung, die Kiefer fest geschlossen zu halten.
MundVerlängerungsgefühl der Zähne. Weiß belegte Zunge; Einrisse in der Mitte der Zunge. Saurer Mundgeschmack.
MagenAufsteigen sauren oder bitteren Wassers, mit Schmerz im Magen.
AbdomenStechender Schmerz schießt von der Lebergegend zu den Schenkeln herab. Leeregefühl im Bauch, in der Nabelgegend. Stuhldrang: beim Gehen, schlimmer beim stehen Bleiben; dann Durchfall. Beständiger tropfenweiser Blutabgang aus dem After, nicht aber mit dem Stuhl. Gelbbraune Flecken am Unterleib, in der Nähe der Genitalien. Schießende Schmerzen in der Lebergegend und scharfe Schmerzen in der Milzgegend, schlimmer beim Tiefatmen.
HarnwegeAlbuminurie. Beißen an der Mündung der Harnröhre zu Ende der Miktion. Urin hat starken, stechenden Geruch.
Männliche GenitalienSchmerz im rechten Hoden, gebessert nach Wasserlassen. Häufige nächtliche Pollutionen, mit geilen Träumen, Kopf- und Rückenschmerzen. Gelbbraune Flecken auf den Geschlechtsteilen. Abgang von Sperma ohne Erektion. Impotenz.
AtemwegeHusten, mit Auswurf großer Mengen schaumigen, süßlich schmeckenden, weißen Schleims, der Klümpchen enthält.
Äußerer Hals und RückenSchmerz in der Lumbalregion; schlimmer durch Beischlaf und beim Sitzen; besser beim Aufstehen und Umhergehen sowie im Liegen; mit Schwäche in den Knien. Rückenschmerz, wie wenn man sich nicht gerade richten könnte. Schwäche und Schmerz des Rückens nach Ejakulationen. Schmerz entlang der Wirbelsäule und vom Kreuz herab durch die Schenkel in die Füße.
ExtremitätenSchießender Schmerz von der Leber zu den Schenkeln herab. Schwäche in den Knien. Zittern der Gliedmaßen, besonders der Beine, die beim Sitzen schmerzen. Hitzewellen die Beine entlang. Fußschweiß, besonders zwischen den Zehen, säuerlich [wie Sohlenleder riechend]. Kribbeln und Prickeln in den Füßen. Plötzliche Schwäche in der linken Hüfte, schlimmer beim Gehen.
SchlafMunter, kann nicht schlafen; kommt aber mit weniger Schlaf aus als sonst. Große Schläfrigkeit, kann gar nicht genug Schlaf bekommen. Schlaf gestört durch geile Träume.
HautHautblüten [Furunkel] am Gesäß, am Kinn, auf der behaarten Kopfhaut [Haaransatz am Hinterkopf]. Jucken am ganzen Körper beim Warmwerden im Bett.
VerwandtEupatorium perfoliatum.

  • Metallisches Kobalt, Co.

  • Prüfungen von Hering, Jones, Lippe und Sparhawk. Zu finden in AE, Band 3, teilweise auch in der AHZ in Übersetzung erschienen; eine zusammenfassende Übersetzung bei Possart, Homöopathische Arzneimittellehre.

Coca
AllgemeinesCoca ist die Quelle des Alkaloids Cocain, eines Lokalanästhetikums. Eine Arznei bei Erschöpfung von Gehirn und Nervensystem aufgrund physischer und geistiger Anstrengung, und für Patienten, die in großen Höhen unter Schwindelgefühlen, Atemnot und Erschöpfung leiden, etwa beim Bergsteigen, im Flugzeug usw. Eine charakteristische Empfindung, als ob ein Wurm oder kleine Fremdkörper [wie Sandkörner] unter der Haut wären; der Wurm scheint weg zu kriechen [und zu verschwinden, nur um an anderer Stelle wieder aufzutauchen], wenn man die Stelle berührt; wenn dieses Symptom im Zusammenhang mit irgendeinem Krankheitszustand auftritt, ist Coca angezeigt [Magnan-Zeichen].139

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Dieses sowie alle mit einer hochgestellten 1 versehenen Symptome stammen von Cocain-Gaben, meist per Injektion.

Passt auf alte Leute; kurzatmige Personen; schwächliche, nervöse, dickleibige oder plethorische Patienten. Marastische Kinder. Muskelermüdung.
SchlimmerSteigen. Große Höhen. Kälte. Geistige Anstrengung. Gehen. Sitzen. Salziges Essen.
BesserSchnelle Bewegung, Reiten oder Fahren an frischer Luft. Nach Sonnenuntergang. Wenn man auf dem Gesicht liegt.140

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„Das Gefühl von Schlägen im Kopf ist schlimmer im Liegen, oft ist es die einzige erträgliche Position, wenn man auf dem Gesicht liegt“ (Hering, Guiding Symptoms).

Geist und GemütGeistige Erschöpfung im Wechsel mit exaltierter Erheiterung. Ängstlich, scheu, fühlt sich nicht wohl in Gesellschaft; verlangt nach Einsamkeit und Dunkelheit. Gefühl des bevorstehenden Todes. Halluzinationen: akustische; unangenehme, die sich auf den eigenen Körper beziehen. Erregung mit Redseligkeit und wunderbaren, schönen, wonnigen Visionen. Heitere Erregung; vor der Regel. Empfinden für Richtig und Falsch verloren. Vernachlässigung der äußeren Erscheinung.
KopfKopfweh mit Schwindel, zuvor Lichtblitze vor den Augen. Eigentümliches Gefühl von Schlägen, die vom Hinterkopf zu kommen scheinen, mit Schwindel [und Taumeln]. Migräne, schlimmer durch Husten, besser durch Essen; besser nach Sonnenuntergang.
AugenFlimmern vor den Augen. Weiße Flecken, schwarze oder feurige Punkte vor den Augen. Pupillen erweitert. Doppeltsehen.
OhrenOhrgeräusche. Tinnitus.
NaseGeruchssinn stark vermindert.
MundZahnkaries. Belegte Zunge. Brennen wie von Pfeffer im Mund.
HalsRuctus steigen laut und gewaltsam auf, als wollten sie die Speiseröhre spalten.
MagenGroße Sättigung über lange Zeit, ohne Verlangen nach Speisen. Coca retardiert Hunger und Durst. Verlangen nach Alkohol und Tabak. Kein Appetit, außer auf Süßes. Abneigung gegen feste Speisen.
AbdomenBlutiger Durchfall bei Aufenthalt in großen Höhen. Abdomen aufgetrieben.
Männliche GenitalienGefühl, als wäre der Penis nicht mehr da. Diabetes, mit Impotenz.
Weibliche GenitalienMonatsblutung kommt gussweise, [nachts], weckt aus dem Schlaf.
AtemwegeStimmlosigkeit (5 oder 6 Tropfen jede halbe Stunde, zwei Stunden vor der erwarteten Anstrengung der Stimme). Asthma alter Leute. Emphysem. Atemlosigkeit, Kurzatmigkeit, besonders bei gealterten Sportlern. Heiserkeit, schlimmer nach Sprechen.
HerzHerzklopfen; mit Hitzewallungen und extrem beschleunigtem Puls; mit starkem Schweiß.
ExtremitätenKribbeln und Taubheit in den Armen. Beim Gehen unwillkürlicher Geschwindschritt, Kopf nach vorn geneigt, mit Schwindel [und Furcht zu fallen].
HautWie ein Wurm unter der Haut, scheint wegzukriechen [und zu verschwinden], wenn man die Stelle berührt.
SchlafSchlaflosigkeit. Kann nirgends Ruhe finden, dennoch müde und schläfrig. Erwacht mit einem Gefühl wie Schläge im Gehirn.
VerwandtCannabis.

  • Erythroxylum coca, der Cocastrauch. Benutzt werden meist die Blätter; zahlreiche Symptome vom gewohnheitsmäßigen Kauen von Cocablättern, auch von Cocain-Injektionen.

  • Eine erste Prüfung in der HVJ, Band 7, eine große Zahl weiterer ist zu finden in AE, Band 3 und 10, darunter auch Reiseberichte aus Südamerika (Cocablätter-Abusus); ferner, davon nicht klar getrennt, zahlreiche Symptome von Cocain (Folgen von Cocain-Abusus oder von Gebrauch als Anästhetikum; auch Cocain-Prüfungen).

Cocainum
AllgemeinesDie Symptome von Coca und Cocainum sind im Wesentlichen sehr ähnlich. Die Missempfindungen – wie von einem kleinen Fremdkörper [Sandkorn] oder einem Wurm unter der Haut; glaubt Käfer [oder Würmer] auf dem eigenen Körper und den Kleidern zu sehen und zu spüren; als ob Körperteile nicht mehr da wären [Penis] – sind bei Cocainum ausgeprägter als bei Coca. Moralisches Empfinden abgestumpft. Schreckliche Wahnideen von Verfolgung. Vernachlässigung der äußeren Erscheinung. Glaubt, unerfreuliche Bemerkungen über seine Person zu hören. Unbegründete Eifersucht. Stetes Verlangen, Großes zu vollbringen; Herkulesarbeiten zu unternehmen. Chorea. Morbus Parkinson. Tremor, von Alkoholismus oder als Alterserscheinung.

Kokain, das bekannteste Alkaloid von Erythroxylum coca. Bekannte Genussdroge. Weiteres siehe unter Coca.

Cocculus indicus
AllgemeinesDies ist ein Gift, das betäubende Wirkung hat. Es erzeugt Störungen des Sensoriums und wirkt auf die zerebrospinale Achse [insbesondere auf die motorischen Nervenbahnen]; paralytische Erschlaffung der Muskeln, mit Schweregefühl. Der Patient ist sehr empfänglich für Furcht, Zorn, Kummer und alle störenden psychischen Einflüsse. Er ist zu schwach, seinen Kopf frei zu halten, zu stehen oder auch nur zu sprechen. Lähmungen: der Gesichtsmuskeln; der Zunge; des Schlundes; Paraplegie [oder Hemiplegie], mit Taubheitsempfinden und Kribbeln. Passt besonders bei hellhaarigen, schüchternen, furchtsamen, nervösen Personen; bei ‚Bücherwürmern‘; bei unverheirateten oder kinderlosen Frauen; bei empfindsamen, romantischen Mädchen. Hysterische Beschwerden. Taubheitsempfindungen. Empfindung von Eingeschlafenheit einzelner Körperteile. Gefühl wie hohl oder leer: in Kopf, Brust, Abdomen. [Es ist ihr im Unterleib so leer und hohl, als ob sie keine Eingeweide hätte.] Schauder. Schmerzhaftes Zusammenziehen der Glieder und des Rumpfs. Zittern: des Kopfes, des Unterkiefers, Intentionstremor; durch Aufregung, Anstrengung, Schmerzen. Schmerzhafte Muskelkrämpfe: in den Kaumuskeln; Unterleibskrämpfe, auch bei Dysmenorrhö; des Herzmuskels. Rucke, wie elektrische Schläge, durch den ganzen Körper. Krämpfe bei Ausbleiben oder plötzlichem Aufhören der Monatsblutung. Zucken oder „Aufhüpfen“ einzelner, isolierter Muskelgruppen. Alternierende Symptome. Halbseitige Affektionen. Üble Folgen von Zorn, Schreck, Kummer, Angst, Enttäuschung; von Nachtwachen141

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Vgl. Hahnemanns Symptom: „Die mindeste Abbrechung vom Schlaf erzeugt Kräfteverlust; er vermisst jede Stunde Schlaf.“

; von geistiger wie körperlicher Überanstrengung [etwa bei der Pflege Angehöriger]; von Reisen; von Sonnenbestrahlung; von Teetrinken. Kälteempfindlich. Seekrankheit, Reisekrankheit. Hyperästhesie aller Sinne. Langsam: beim Bewegen; beim Antworten; braucht für alles sehr viel Zeit. Fällt plötzlich bewusstlos zu Boden [etwa bei Schwindelanfällen usw.].
SchlimmerBewegung; auch passive, des Schiffs oder Wagens; Schwimmen. Schlafmangel. Berührung. Geräusch. Erschütterung. Gemütsbewegungen. Angst. Knien; Bücken. Während der Menstruation. Essen. Kälte. Freie Luft [kalt oder warm]. Anstrengung. [Schon bei geringem] Schmerz.
BesserSitzen. Im Zimmer. Seitenlage.
Geist und GemütBenommen, „dumm im Kopf“. Dinge scheinen unwirklich. Tiefe Traurigkeit. Extrem traurig, still, verdrießlich. Auf einen einzigen unangenehmen Gegenstand fixierte Gedanken, in traurigste Gedanken versunken, in sich vertieft dasitzend, bemerkt nichts um sich her. Plötzliche, heftigste Angst. Langsame Auffassung.142

142

„Dummheit und Eingenommenheit des Kopfes, die sich durch Lesen vermehrt, sodass er eine Periode [= ein Satzgefüge] mehrmals lesen musste, um sie zu verstehen“ (Hahnemann).

Ärgert sich über jede Kleinigkeit, kann keine Zwischenrede und keinen Widerspruch vertragen. Nimmt alles übel. Die Zeit vergeht zu schnell. Sehr ängstlich um die Gesundheit anderer. Alkoholiker; taumeln, schreien herum, sind streitsüchtig, singen. Gesprächig, witzig, macht Scherze; tanzt, macht allerlei Gebärden. Sieht etwas Lebendiges an den Wänden, auf dem Boden, auf den Stühlen usw. [„es rollt immerfort und wird sich auf mich rollen“]. Trödelig, kann in Geschäften nichts zustande bringen und mit nichts fertig werden. Fürchtet den Tod und unbekannte Gefahren. [Er fürchtet sich vor allem ihn jählings Überraschenden.]
KopfSchwindel: mit Übelkeit; mit Herzklopfen; besonders morgens und vormittags; beim Heben des Kopfes; wird in der Stirn verspürt143

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„Trunkenheitsschwindel und dumm in der Stirn, als hätte er ein Brett vor dem Kopf“ (Hahnemann).

. Schwere des Kopfs; [am meisten erleichtert durch Rückwärts-Anlehnen]. Schmerz im Hinterkopf und Nacken, schlimmer beim darauf Liegen, auch durch Kaffeegenuss; gebessert durch Zurückbeugen. Kann nicht einen Augenblick auf dem Hinterkopf ruhen. Gefühl wie Öffnen und Schließen, [wie von einer Tür], besonders am Hinterkopf. Krampfhaftes Zittern des Kopfes, durch Schwäche der Halsmuskeln. Krampfartiger Schmerz im linken Schläfenmuskel.
AugenKopfweh, als wenn die Augen herausgerissen würden. Augen geschlossen, Augäpfel in steter Rotation begriffen; bei Krämpfen. Hervortreten der Augen. Pupillen verengt oder erweitert. Die Gegenstände scheinen sich auf und nieder zu bewegen.144

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Bei Kopfschmerz und Schwindel. Vgl. Black, zitiert bei Hughes, Pharmacodynamics: „Beim Kopfweh fühlt sie sich wie seekrank, und sobald sie sich aufsetzt, scheinen die umgebenden Gegenstände sich auf und nieder zu bewegen.“

Zucken der Augenlider.
OhrenÜberempfindliches Gehör; ein geringes Geräusch fährt durch alle Glieder; fürchtet sich vor allem ihn plötzlich Überraschenden. Ohren wie verschlossen (besonders rechts) [oder abwechselnd rechts und links]. Getöse in den Ohren wie Wasserrauschen. Schwerhörigkeit.
NaseHohe Geruchsempfindlichkeit.
GesichtGesichtslähmung, halbseitig. Krampf in den Kaumuskeln; durch Öffnen des Mundes noch vermehrt. Prosopalgie, Schmerz strahlt weit aus, bis in die Finger. Zittern der Unterkiefers und Zähneklappern, beim Versuch zu sprechen. Aufgetrieben; krampfhaft verzerrt, objektiv kalt.
MundZunge wie gelähmt, Sprechen erschwert, mühsam; oder hastiges, überstürztes Sprechen. Streckt er die Zunge weit heraus, so schmerzt sie hinten wie zerschlagen. Metallischer Mundgeschmack. Speisen schmecken wie ungesalzen; Tabak schmeckt beim Rauchen bitter. Zahnschmerz [beim Essen], aber nicht beim Zusammenbeißen der Zähne mit leerem Mund. „Frieren an den Zähnen“ [und schrilles feines Ziehen an den Zahnrändern].
HalsEine Art Lähmung, die das Schlucken nicht zulässt. Kitzel im Hals, mit Tränen. Speiseröhre trocken, brennend. Zusammenschnüren oben im Schlund, das den Atem beengt und zum Husten reizt.
MagenAbscheu gegen alle Speisen und Getränke. Schon der Geruch der Speisen erregt Ekel. Übelkeit: steigt in den Kopf auf, oder wird im Kopf verspürt. [Nach jedem Trinken nachmittags Übelkeit, die meist im Mund zu sein scheint.] Würgen. Erbrechen: mit häufigem Speichelzusammenfluss im Mund; mit Kopfweh und Schmerz in den Eingeweiden; wenn er sich erkältet; Erbrochenes schmeckt sauer oder bitter, riecht sauer oder faulig. Erbrechen mit Ohnmächtigwerden. Erbrechen aufgrund von Hirntumoren; infolge von lautem Sprechen. Im Magen ein Gefühl, als ob ein Wurm sich darin bewegte. Singultus und krampfhaftes Gähnen. Durst auf Bier. „Empfindung im Magen, als wenn man lange nichts gegessen und den Hunger übergangen hätte.“
AbdomenAuftreibung. Koliken: Windkoliken, mit drehendem Schmerz; hysterische Krämpfe, bei nervösen Personen; mit Wasserzusammenfließen im Mund; bis zum Ohnmächtigwerden. Schmerz wie von scharfen Steinen im Bauch, bei jeder Bewegung; auch mit Durchfall; muss sich von einer auf die andere Seite legen, um sich zu erleichtern. Krämpfe, Zusammenkneifen im Oberbauch, was den Atem nimmt. Leberschmerzen, die stärker sind nach Zorn; auch nach der geringsten Erschütterung. Bauchmuskeln schwach. [Schmerzhafte Neigung zu einem Leistenbruch.] Schmerz im Bauchring, als wollte sich da etwas durchdrängen.
HarnwegeHäufiger Harndrang, mit wenig Urinabgang; auch bei Schwangeren. Wässriger Harn.
Männliche GenitalienZiehender oder Zerschlagenheitsschmerz in den Hoden, besonders bei Berührung. Erhöhte Empfindlichkeit der Geschlechtsteile, Verlangen nach Koitus.
Weibliche GenitalienMenses: zu zeitig und zu oft; profus; ein Blutstrom geht ab, wenn sie aufsteht oder sich gar auf die Zehenspitzen stellt. Sehr schwach während der Menstruation, kann kaum stehen. Eitriger Ausfluss, beim Bücken und Niederkauern gussweise abgehend; zwischen den Perioden, oder anstatt der Menstruation; sehr schwächend, Patientin kann kaum sprechen. Dysmenorrhö [mit den oben angeführten Unterleibskrämpfen]; nach der Blutung Hämorrhoiden. Greifen oder Krallen im Uterus. Schauder über die Brüste. Ausfluss während der Schwangerschaft, mit häufigem Harndrang.
AtemwegeGefühl von Leere in der Brust, oder Brustkrämpfe. Hysterisches Asthma. Husten von würgendem Zusammenschnüren im Schlund. Hörbares Kollern in der (linken Seite der) Brust, „als wäre es von einer Leerheit darin“, besonders beim Gehen fühlbar.
HerzHerzklopfen, wenn man sich rasch bewegt oder aufregt; mit Schwindel und Ohnmacht-ähnlichem Gefühl. Herzklopfen, danach Ausstrecken der Arme, Daumen eingeschlagen.
Äußerer Hals und RückenSchwäche der Halsmuskeln, sie können den Kopf nicht tragen. Schmerz im Nacken oder schmerzhaftes Knacken der Halswirbel beim Bewegen des Kopfes; auch beim Gähnen. Lähmende Schwäche des Rückgrats: besonders im Bereich der Lendenwirbelsäule; das Kreuz versagt beim Gehen. „Ein lähmiger Schmerz im Kreuz, wie kreuzlahm.“
ExtremitätenSchmerzen wie zerschlagen in Schultergelenk und Arm. Humerus schmerzt wie zerbrochen. Hände: gefühllos, oder werden beim Zugreifen taub; abwechselnd heiß und kalt; zittern beim Essen [und zwar desto mehr, je höher sie sie hebt]. Ergreift Dinge ungeschickt, lässt sie fallen. Symptome der Oberglieder wechseln die Seiten.145

145

Etwa: „Bald die eine, bald die andere Hand ist wie gefühllos und eingeschlafen.“ „Bald die eine, bald die andere Hand ist abwechselnd heiß und kalt.“ „Kalter Schweiß bald der einen, bald der anderen Hand.“ (Alle Symptome aus Hahnemanns Reiner Arzneimittellehre.)

Einschlafen der Gliedmaßen. Zittern und Schmerz in den Gliedern. Im Sitzen schlafen beide Füße ein. Schwäche in den Knien; sie knacken bei Bewegung. Paralytische Unbeweglichkeit der Untergliedmaßen. Lähmung der Beine, mit Fußödem. Glieder steif ausgestreckt, tun weh, wenn sie gebeugt werden; oder auch umgekehrt. Schwerfälliger Gang. Unwillkürliche Bewegungen mit der rechten Hand und dem rechten Fuß, die beim Einschlafen nachlassen.146

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Diese „possierlichen Bewegungen“ wurden von krampfhaften Bewegungen der rechten Gesichtsmuskeln begleitet; keine Bewusstseinstrübung, keine Klagen des Patienten. (Der Fall ist zu finden in Rückerts Klinischen Erfahrungen, Band 4, S. 506.)

SchlafSchlaflos durch geistige oder körperliche Erschöpfung. Ständige Schläfrigkeit, „unüberwindliche, wachende Schläfrigkeits-Betäubung“; nach Nachtwachen, besonders bei Pflege Angehöriger. Krampfhaftes Gähnen, mit Schluckauf. Angstträume, Furcht erregende Träume.
HautViel Jucken, besonders abends beim Ausziehen der Kleider; auch unter dem Federbett. Geschwüre sehr berührungsempfindlich.
FieberBeständiges Frösteln, bei heiß anzufühlender Haut und Schwitzen. Schneller Wechsel von Hitze und Frost. „Einige Arten schleichender Nervenfieber“; nach Anfällen von Ärger oder Zorn. Frost mit Leibschneiden, Übelkeit, Schwindel. Schweiß durch die geringste Anstrengung; Schweiß an den kranken Teilen.
KomplementärPetroleum.
VerwandtGelsemium; Ignatia.

  • Die „Kockelskörner“ sind die getrockneten Früchte des „Kockelstrauchs“, Anamirta cocculus Wright et Arn. Der Strauch wächst in Vorderindien, Sri Lanka und im Malaiischen Archipel. Zu Hahnemanns Zeiten war Cocculus hauptsächlich als Betäubungsmittel für Fische bekannt, die sich mit der Hand fangen ließen, wenn man vorher „Kockelskörner“ ins Wasser geworfen hatte.

  • Die Grundlage des homöopathischen Arzneibilds stellen die Prüfungen von Hahnemann dar (Reine Arzneimittellehre, Band 1), die von einigen Vergiftungsfällen ergänzt werden.

Coccus cacti
AllgemeinesDies ist ein Insekt, das Kaktuspflanzen befällt. Die Tinktur wird aus den getrockneten Körpern der Weibchen zubereitet. Greift die Schleimhäute an und erzeugt katarrhalische Zustände und Reizungen des inneren Halses, der Atemwege und des Urogenitaltrakts. Absonderungen sind fadenziehend, Blutungen erscheinen oft in großen schwarzen Klumpen. Unerträgliches innerliches Jucken; Brennen wie von Pfeffer; Pulsieren in verschiedenen Organen. Empfindung, als bräche sich eine Flüssigkeit im Körper Bahn, als Begleitempfindung von Schmerzen. Spasmen. Harnsaure, gichtisch-rheumatische Diathese. Anurie. Anasarka. Aszites. Allgemeine Abgeschlagenheit.
SchlimmerPeriodisch. Wärme. Liegen. Kälteexposition.147

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Nach Kent ist der Patient kälteempfindlich, während die Lokalsymptome der durch Kälteexposition hervorgerufenen Krankheit (etwa der Husten) durch Kälte gebessert und durch Wärme verschlimmert werden. So erklärt sich die Verschlimmerung durch Kälteexposition und Wärme.

Beim Erwachen. Berührung. Kleiderdruck. Geringste körperliche Anstrengung. Jegliche Reizung des inneren Halses; Zähneputzen; Mundausspülen.
BesserWaschen mit kaltem Wasser. Kalte Getränke. Gehen.
Geist und GemütTraurigkeit, bei frühmorgendlichem Erwachen oder nachmittags, 14–15 Uhr.
KopfPochender Kopfschmerz, mit Empfindung, als würde eine Flüssigkeit stoßweise in ein enges Blutgefäß eingespritzt.148

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Nach dem Prüfungssymptom korrigiert; davon dürfte die als Allgemeinsymptom genannte „Empfindung, als bräche sich eine Flüssigkeit Bahn“ abgeleitet sein. Sie ist auch an anderen Körperteilen klinisch bestätigt.

AugenEmpfindung wie von einem Fremdkörper zwischen Oberlid und Augapfel.
OhrenKnacken im Ohr beim [Leer-]Schlucken.
NaseBrennen wie von Pfeffer in den Nasenlöchern. Ansammlung dicken, zähen Schleims im Nasopharynx.
GesichtEmpfindungen von Kribbeln. Wird rot oder purpurfarben, besonders beim Husten.
MundLautes Sprechen, [Mundausspülen] oder Zähneputzen reizt zum Husten [oder Brechwürgen]. Zungenspitze brennt wie von Pfeffer. Süßlich-metallischer Mundgeschmack. Vermehrte Speichelabsonderung mit fortwährendem Drang zum Ausspucken.
HalsAnsammlung von viel zähem Schleim; Ausräuspern des Schleims reizt zum Husten, Würgen und Erbrechen, ebenso wie jede sonstige Reizung von Schlund und Rachen. Gefühl, als hinge ein Faden in den Schlund hinab, an der hinteren Schlundwand. Zusammenschnüren im Hals; oder Empfindung, als stäke ein Knödel oder Pflock darin. Gefühl, als verlängerte sich das Zäpfchen, daher fortwährendes Räuspern. Reichliche Sekretion aus den Choanen.
MagenReizung des Halses (auch Zähneputzen, Räuspern usw.) führt zum Würgen und Erbrechen. Durst; trinkt oft und in großen Mengen Wasser.
AbdomenQuälender Schmerz, der von der linken Iliakalregion ausgeht und sich zur Leiste und den halben Oberschenkel herab verbreitet; mit Empfindung, als bräche sich dort eine Flüssigkeit Bahn.
HarnwegeLebhafte Stiche, von der Niere ausgehend und längs der Harnleiter in die Blase sich verbreitend; mit Dysurie. Nierenkolik. Nephritis. Beständiger Harndrang, kann aber kein Wasser lassen, bevor nicht ein großer Blutklumpen durch die Vagina abgegangen ist. Urin: spärlich, dickflüssig, schwer, sauer, scharf; Bodensatz: sandig, dunkelrot, braun [Ziegelmehlsediment] oder weiß; blutiger Schleim im Harn.
Männliche GenitalienDumpfes Klopfen in der Eichel.
Weibliche GenitalienEmpfindlichkeit der Vulva, besonders beim Wasserlassen [mit starkem Brennen]. Menses zu früh, Blutung stark, Blut schwarz und dickflüssig. Abgang dunkler Koagula, mit Dysurie; große Blutklumpen gehen aus der Vagina ab, in der Ruhe oder beim Aufstehen zum Wasserlassen. Menses: intermittierende Blutung; nur abends oder nachts [nach dem Hinlegen].
AtemwegeRegelmäßige Anfälle heftigen Kitzelreizes mit anstrengendem, erschütterndem Husten, der mit Erbrechen oder Expektorieren großer Mengen hellen, zähen, klebrigen Schleims endet, der in Fäden vom Mund herabhängt; mit purpurrotem Gesicht und allgemeinem innerem Hitzeempfinden. Husten periodisch auftretend, an Heftigkeit langsam zu-, dann allmählich wieder abnehmend; Besserung durch kalte Luft, kalte Getränke. Chronische Bronchitis, kompliziert mit Harngrieß. Keuchhusten. Husten von Trinkern. Gehen gegen den Wind nimmt den Atem. Kurzatmigkeit. Wundheitsschmerz oder Stechen in den Lungenspitzen.
HerzGefühl, als würde alles zum Herzen gedrängt.
RückenKältegefühl im Rücken. Nierenregion druckschmerzhaft.
ExtremitätenFeines Stechen wie von Glassplittern unter den Fingernägeln.
FieberBrenngefühle; wie von Pfeffer.
VerwandtApis; Berberis; Lachesis; Phosphorus.

  • Die Cochenille-Laus, aus der der bekannte karminrote Farbstoff Cochenille gewonnen wird.

  • Das Arzneibild basiert im Wesentlichen auf den Prüfungen von Wachtel u. a., Österreichische Zeitschrift für Homöopathie, Band 4, sowie auf einigen klinischen Erfahrungen, darunter denen von Rademacher.

Coffea cruda
AllgemeinesEs gibt keinen Unterschied zwischen den Symptomen der gerösteten [Coffea tosta] und der ungerösteten Kaffeebohne [Coffea cruda]. Es besteht die Ansicht, dass Kaffee beinahe alle homöopathischen Heilmittel antidotiert; aber es ist zweifelhaft, ob der Kaffee dazu wirklich in der Lage ist, besonders wenn die Heilmittel in hohen Potenzen gegeben werden (Clarke). Die Erfahrung zeigt, dass korrekt gewählte Mittel trotz Kaffeekonsums wirken können. Kaffee erhöht die Reizbarkeit der Nerven und erzeugt Übererregtheit und Überempfindlichkeit, auch die speziellen Sinne werden überempfindlich; Gemütsbewegungen, besonders plötzliche Freude und angenehme Überraschungen, lösen gefährliche Symptome aus. Schmerz, Berührung, Geräusche und Gerüche werden unerträglich. Schmerzen, die nicht auszuhalten sind und zur Verzweiflung treiben. „Ungemeine Munterkeit des Geistes und des Körpers.“ Krämpfe zahnender Kinder, mit Zähneknirschen und Kälte der Gliedmaßen. Krämpfe von zuviel Spielen oder Lachen, bei schwächlichen Kindern. Passt auf hoch gewachsene, schlanke Personen mit gebeugter Körperhaltung und dunklem Teint; von cholerischem Temperament. Üble Folgen von: [plötzlicher Freude], Furcht, Schreck, enttäuschter Liebe; Übermüdung; übermäßigem Lachen; langen Reisen. Empfindungen von gesteigerter Wärme. Große nervöse Agitiertheit und Unrast. Hysterie; Schreien, Weinen.
SchlimmerGeräusche. Berührung. Gerüche, vor allem starke Gerüche. Im Freien; an kalter, windiger Luft. Geistige Anstrengung; Gemütsbewegungen. Überessen. Alkohol. Nachts. Narkotika.
BesserLiegen. Schlaf. Wärme.
Geist und GemütEkstatische Zustände; voller Ideen, schnell im Handeln, daher schlaflos. Weint, wehklagt, wirft sich herum; wegen Kleinigkeiten. Weint und lacht leicht; fängt mitten im Weinen plötzlich ganz herzhaft zu lachen an, weint dann wieder. Bald freudig erregt, bald düsterer Stimmung. Weist Mitleid entrüstet zurück, nimmt es übel. Fällt leicht in Ohnmacht. Reizbar und schlaflos. Zittert. Wirft Dinge hin oder umher. [„Ärgerlich, er hätte gleich alles hinwerfen mögen.“] Schreck durch angenehme Überraschung.
KopfKopfweh, als ob das Gehirn zerrissen, zertrümmert oder zerschmettert wäre. Empfindung, als ob ein Nagel in das Seitenbein eingeschlagen wäre (Clavus). Enge-Kopfschmerz, „wie allgemeine Spannung des Gehirns“. Kopf wie zu klein empfunden. [Kopfschmerz, als ob der Kopf zerspringen sollte.] Fühlt und hört ein Knacken im Scheitel. [Migräne:] Pochen in den Schläfen, mit Brennen der Augen.
AugenKann kleine Schrift deutlich lesen. Pupillen erweitert. Glänzende Augen.
OhrenGeräusche tun weh [selbst Gliederschmerzen sind schlimmer durch Geräusch]. Gehör überempfindlich; hört entfernte Geräusche, die andere nicht hören. Schwerhörigkeit, mit summendem Ohrgeräusch wie von einem Bienenschwarm.
NaseÜberempfindlicher Geruchssinn. Nasenbluten: bei Schwere des Kopfes, unter mürrischer Verdrossenheit; beim Pressen zum Stuhl.
GesichtGesichtsschmerz (rechtsseitig), ausstrahlend [zu den Zähnen, dann auch bis in die Fingerspitzen]. Gesicht trocken und heiß, mit roten Wangen.
MundZahnweh; besser, solange man Eiswasser im Mund behält, wieder schlimmer, sobald es warm wird. Zahnschmerz, der die Arme herab bis in die Fingerspitzen fährt. Zahnweh während der Menses. Geschmackssinn fein. Speichelfluss; während der Schwangerschaft.
HalsSchmerz wie von einem Pflock im Hals, mit stetem Schluckbedürfnis. Uvula verlängert.
MagenUnmäßiger Hunger; isst und trinkt hastig. Gefühl, als wäre der Magen überladen; bei kolikartigen Bauchschmerzen.
AbdomenKleider wie zu eng, mit Empfindung von Pressen in der Magengrube. Bauchweh mit Empfindlichkeit bis zur Verzweiflung (besonders bei Frauen). Durchfall: bei Hausfrauen, von allzu viel Sorge und Aufregung über Haushaltsangelegenheiten; während der Zahnung.
HarnwegeHarnverhaltung. Häufiges, reichliches Lassen farblosen Urins.
Männliche GenitalienGeschlechtsteile heiß, juckend.
Weibliche GenitalienMonatsblutung zu früh, zu lang anhaltend. Dysmenorrhö, Blut geht in großen schwarzen Stücken ab. Wollüstiges Schamjucken, aber Vagina und Vulva sind so empfindlich, dass sie nicht reiben oder kratzen kann [obwohl sie es möchte]; daher auch Abneigung gegen Koitus [der Schmerzen verursacht]. Zahnschmerzen während der Menses. Übermäßig heftige Nach- oder Geburtswehen; mit Todesfurcht. Nymphomanie.
AtemwegeStetes kurzes, trockenes Hüsteln; bei Masern; bei nervösen, zarten Kindern.
HerzNervöses Herzklopfen, mit Zittern der Glieder; schlimmer in der Sonnenhitze; nach übermäßiger Freude oder nach Überraschung. Plötzlicher Anstieg des Blutdrucks.
ExtremitätenZittern der Hände, kann die Schreibfeder nicht stillhalten. Ischialgie oder Femoralis-Neuralgie, schlimmer durch Bewegung, besser durch Druck. Zucken durch die Glieder.
HautSchmerzhaft empfindlich. Jucken – kratzt, bis es blutet.
SchlafNervöse Schlaflosigkeit; durch Ideenzudrang, geistige Aktivität; wacht von jedem Geräusch auf, oder kann nicht schlafen, weil er alles hört [weit entfernte Geräusche, selbst eingebildete]; nach angenehmer Erregung.
FieberFiebrig mit Schmerzen, dabei allzeit zum Weinen aufgelegt. Wundfieber nach Verletzungen.
KomplementärAconitum.
VerwandtCoca; Ignatia.

  • Die Kaffeebohne, die Frucht des Kaffeebaums Coffea arabica L., gewöhnlich in getrockneter, aber ungerösteter Form (Coffea cruda), gelegentlich auch geröstet (Coffea tosta).

  • Die wichtigste Prüfung der rohen Kaffeebohne stammt von Hahnemann, Stapf und anderen und findet sich in AfH 2 sowie, etwas erweitert, in Stapfs Beiträgen zur Reinen Arzneimittellehre. Dazu kommen diverse Beobachtungen mit Coffea tosta (in AE zu finden) und „Folgen des Kaffeetranks“ (an der Spitze Hahnemann in seinen Kleinen Medizinischen Schriften).

Colchicum autumnale
AllgemeinesWirkt in ausgeprägter Weise auf die Muskeln, Bindegewebe, serösen Häute und die Gelenke, besonders die kleinen. Führt zu extremer Muskelerschlaffung: der Kopf fällt nach vorn oder hinten, wenn man ihn vom Kissen hebt; Arme fallen hilflos herab. Patient ist schwach und (innerlich) kalt, aber empfindlich und unruhig. Schmerzen reißend, nagend, ziehend; schlimmer durch geistige Anstrengung und Gemütsbewegungen, durch die geringste Berührung, durch Vibrationen. [Gelenkrheumatismus, Gicht:] Viele Gelenke zur gleichen Zeit befallen. Kleine, schnell wandernde Areale starken Schmerzes, aber wenig Anschwellung. Arthritische Zustände mit Herzbeteiligung. [Empfindungen:] Prickeln, Kribbeln. Frostüberlaufen. Wassersucht: Hydroperikard, Hydrothorax; Aszites; Hydrometra. Kollapsneigung; ‚Flüssigkeitskollaps‘, bedingt durch Dehydratation, nach wiederholtem Erbrechen oder Abführen. Wie elektrische Schläge durch eine ganze Körperhälfte; schlimmer durch Bewegung. Üble Folgen von Kummer; von Unarten anderer; Nasswerden; unterdrücktem Schweiß; Nachtwachen; angestrengtem Lernen. Reizbar und empfindlich gegen Sinneseindrücke: gegen starke Gerüche usw. Schnelles Sinken der Kräfte. Jede kleine Verletzung tut furchtbar weh. Vom Anstoßen der Zehen extreme Schmerzen. Lähmung nach plötzlicher Hemmung der Schweißsekretion, besonders von Fußschweiß, infolge von Nasswerden des Körpers.
SchlimmerBewegung. Berührung. Nachts. Anstoßen der Zehen. Vibrationen. Wetter: kalt und feucht. In feuchtem Zimmer. Wetterwechsel. Herbst. Schon geringe Anstrengung (geistig oder körperlich), Aufrichten, Strecken [etwa der Beine]. Unterdrückter Schweiß. Von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang. Schlafmangel. Essensgerüche.
BesserWärme. Ruhe. Zusammenkrümmen. Bücken. Sitzen. Nach Stuhlgang.149

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Vgl. aber die nach Stuhlgang noch lange anhaltenden quälenden Schmerzen (unter „Abdomen“ erwähnt).

Geist und GemütNiedergeschlagen; gereizt und empfindlich. [Sehkraft geschärft, intellektuelles Vermögen geschwächt], versteht nicht, was er liest, selbst in den kürzesten Sätzen nicht. Schwaches Gedächtnis. Äußere Anlässe150

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Phatak schreibt: „Extreme Anlässe“, was auf eine Verwechslung von „extreme“ und „external“, äußerlich, zurückzuführen ist.

wie helles Licht, starke Gerüche, Berührung, Ungezogenheit anderer bringen ihn ganz außer sich.
KopfKriebeln im Kopf unter der Stirn. Drückendes Kopfweh, besser nach dem Abendessen; besser durch Wärme, Stilliegen.
AugenPupillen ungleich [eine stark erweitert, die andere stark kontrahiert]. Schmerz in einem Augapfel und in dessen Umgebung, [auf derselben Seite] zum Hinterkopf hinziehend. Beißende, wund machende Tränen. Wechselhafte Sehschärfe. Augen halb offen. Sichtbares Ziehen [fast wie ein Zucken] im Unterlid. Trübsehen nach Lesen.
OhrenGehör sehr empfindlich. Jucken tief in den Ohren. Ohren wie verstopft.
NaseNasenlöcher trocken und schwärzlich. Geruchssinn krankhaft gesteigert; Gerüche erzeugen Übelkeit bis hin zur Ohnmacht usw. Hartnäckiger Schnupfen.
GesichtSpitz; eingefallen. Kribbelgefühle und ödematöse Schwellung; Wange rot, heiß, feucht. Schmerz hinter dem Kiefergelenk.
MundZunge: hellrot; schwer, starr, gefühllos151

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Symptom erzeugt vom Halten der zerriebenen Wurzel an die Zungenspitze.

; nur schwer herauszustrecken. Glossitis. Mundgeschmack: fade, bitterlich. Mund steht offen, Unterkiefer hängt herab. Speichelfluss, dabei Trockenheitsgefühl [im Hals]. Heiß im Mund, mit Durst. Zahnweh, schlimmer sowohl durch Kälte als auch durch Wärme. [„Ziehender Schmerz in den Zähnen, wie er zu entstehen pflegt, wenn man auf etwas Warmes sogleich etwas Kaltes trinkt.“]
HalsViel grünlicher, dünner Schleim im Hals; wird [beim Niesen] unwillkürlich durch den Mund ausgeworfen.
MagenAppetit zu diesem und jenem, aber sobald er es riecht, schüttelt ihn Ekel. Durstig, aber angeekelt durch Geruch oder Anblick von Essen; [Übelkeit und Erbrechen] besser durch Stilliegen. Übelkeit; Brechwürgen. Eier werden nicht vertragen. [„Der Geruch eines frisch aufgeschlagenen Eis brachte ihn der Ohnmacht nahe.“] Brennen oder Eiseskälte im Magen; mit Kolikschmerzen. Will Sprudelwasser oder kohlensäurehaltige Getränke [Champagner]. „Verschluckt er den Speichel, so wird ihm übel und brecherlich.“
AbdomenAufgetrieben; zieht sich bei Berührung krampfhaft zusammen; mit Unfähigkeit, die Beine auszustrecken. Kolikschmerzen. Aszites, auch mit einer Querfalte über dem Schambogen. Durchfall im Zusammenhang mit gichtartigen Zuständen. Stühle: sehr schmerzhaft; übel riechend; choleraähnlich; blutig, mit Schleimfetzen [„Gedärm-Abschabsel“]; von gallertartigem Schleim; in Verbindung mit Stuhlzwang oder Krampf im Schließmuskel. Der quälende Schmerz [in Rektum und Anus] kann lange nach dem Stuhlgang bestehen bleiben. Mukomembranöse Colitis; nach Ruhr. Herbstruhr.
HarnwegeMehr Harndrang, mehr Harnausscheidung. Urin wässrig, häufig; oder hochgestellt, heiß brennend. Harn blutig; dunkel, fast tintenschwarz; schwarzer Bodensatz. Albuminurie. Diabetes. Nephritis.
Männliche GenitalienÖdem des Skrotums.
Weibliche GenitalienKälte der Oberschenkel; nach der Menstruation. Schwellungsgefühl in Vulva und Klitoris. Fieberhafte Unruhe im letzten Schwangerschaftsmonat.
AtemwegeBrust wie von einem festen Band152

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Phatak schreibt irrtümlich „Hand“; korrigiert nach Boger, Synoptic Key und Hering, Guiding Symptoms.

zusammengepresst. Nachthusten, mit unwillkürlichem Herausspritzen des Harns. Große Atemnot.
HerzSchneidende oder stechende Schmerzen am Herzen; schwaches Herz. Herzkrankheiten nach Rheumatismus. Hydroperikard. Kardial bedingte Atemnot. Perikarditis. Druck und Beklemmung in der Herzgegend, besser durch Herumgehen. Puls fadenförmig, fast nicht tastbar.
Äußerer Hals und RückenRückenschmerz, besser durch Druck und Ruhe. Spannender Schmerz in den Halsmuskeln, auch beim Schlucken zu spüren. Heftiger Schmerz in der Nierengegend, besser nur in Rückenlage.
ExtremitätenGliedmaßen kalt. Hände und Handgelenke schlafen ein, mit Prickeln und Nadelstichen; Finger taub. Gelenke rot, heiß, geschwollen [oder geringe Schwellung, aber starker Schmerz]; steif; wandernder Gelenkrheumatismus; schlimmer nachts. Schwellung des großen Zehs. Berührung desselben unerträglich. Prickeln in [unter?] den Fingernägeln. Fingergelenke deformiert, Finger gebeugt, aber in steter Bewegung. Einknicken153

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Im Original: „knocking together“, „Zusammenstoßen“. Eine Falschübersetzung von „Zusammenknicken“ (AfH, Symptom 313), die sich durch die ganze Literatur zieht.

der Knie, kann kaum gehen. Ödematöse Schwellung und Kälte der Füße und Unterschenkel. Gesäßbacken heiß.
HautViolette Flecke auf Rücken, Bauch und Brust.154

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Beobachtung post mortem.

Urticaria. Haut trocken; Schweiß unterdrückt oder reichlich.
SchlafSchläft beim Lesen ein. Liegt auf dem Rücken.
FieberReichlicher saurer Schweiß, der plötzlich eintritt und ebenso plötzlich wieder verschwindet; bei Rheumatismus. Säuerlich riechender Schweiß; nachts. Rumpf heiß, Glieder kalt. Kalter Gesichtsschweiß.
KomplementärArsenicum; Spigelia.
VerwandtArsenicum; Carbo vegetabilis; Veratrum album.

  • Die Herbstzeitlose. Verwendet wird im Allgemeinen die Knolle (eine Rhizomverdickung). Der wichtigste Wirkstoff ist das Zellgift Colchicin, das die Zellteilung hemmt.

  • Prüfungen: In AfH 6,1 findet sich eine Zusammenstellung von Prüfungssymptomen von Stapf, Hahnemann und anderen. In diese wurden teilweise auch die Symptome einer Prüfung von Störck aufgenommen, der schon vor Hahnemann Versuche mit der Colchicum-Wirkung auf Gesunde angestellt hat. Genauer wird darauf eingegangen in einem langen Text von Hartlaub (HVJ, Band 8), der zunächst eine Kompilation Reils von zahlreichen Vergiftungsfällen, Prüfungsfragmenten und klinischen Erfahrungen referiert und dann einige neuere Prüfungen wiedergibt.

Collinsonia
AllgemeinesErzeugt venöse Stauungen im Becken, besonders in Anus, Rektum und Uterus, was zu Hämorrhoiden und Stuhlverstopfung führt; besonders bei Frauen. Obstipation von Kindern infolge Atonie des Intestinums. Nützlich bei Beschwerden, die im Zusammenhang oder im Wechsel mit Hämorrhoiden auftreten, besonders wenn es sich um Herzsymptome handelt. Blutstau im Pfortaderkreislauf, der chronische Katarrhe der Nasen-, Schlund- und Magenschleimhäute hervorruft. Empfindungen von Zusammenschnürung [und Schwere]. Vergrößerungsgefühle werden in verschiedenen Teilen bzw. Organen des Körpers empfunden: Gliedmaßen, Vulva, Klitoris usw. Vor einer Operation am Mastdarm gegeben, wird es die Gefahr postoperativer Komplikationen verringern. Hydrops infolge von Herzkrankheiten.
SchlimmerHämorrhoiden; während sie manifest sind, oder aber wenn sie verschwinden bzw. eine Hämorrhoidalblutung aufhört. Nachts. Während der Schwangerschaft. Kälte. Aufregung.
BesserHitze. Morgens.
Geist und GemütDüstere, niedergedrückte Stimmung.
KopfDumpfes Stirnkopfweh; bei Stuhlverstopfung, Hämorrhoiden oder unterdrücktem Hämorrhoidalfluss.
MundZunge gelb belegt [entlang der Mitte und am Zungengrund], mit bitterem Mundgeschmack.
AbdomenDumpfe Schmerzhaftigkeit in der Lebergegend. Drängender Schmerz mit Schweregefühl im Beckenraum. Hämorrhoiden: blutend; chronisch [und schmerzhaft]; im Wechsel mit Herz-, Brust- oder rheumatischen Symptomen. Mastdarm: tut weh, brennt, Gefühl wie trocken und wie voller Holzstückchen oder Sand; verbunden mit Herzschmerzen. Afterjucken. Prolapsus ani. Hartnäckige Stuhlverstopfung, mit Hämorrhoiden; Stühle hart. Obstipation oder Hämorrhoiden während der Schwangerschaft. Stühle: hellfarbig, in Ballen, nach starkem Pressen [gefolgt von dumpfen Schmerzen in After und Unterbauch]. Abwechselnd Verstopfung und Durchfall. Durchfall: ätzend, die Haare zerstörend. Stühle nur aus Schleim bestehend, oder Schleim mit schwarzer Fäkalmasse vermischt. Chronische Diarrhö der Kinder. Durchfall nach Entbindung.
Männliche GenitalienVarikozele; mit Mastdarmsymptomen [hartnäckigster Verstopfung].
Weibliche GenitalienUterusprolaps; mit Hämorrhoiden. Schamjucken; mit Hämorrhoiden; während der Schwangerschaft. Schwellungsgefühl der Schamlippen und der Klitoris.155

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Dieses Symptom hat Phatak wörtlich von Boericke übernommen, ebenso wie ein zweites, nämlich „Kältegefühl in den Oberschenkeln nach der Monatsblutung“. Das zweite dieser Symptome wurde hier weggelassen, weil vieles für einen Irrtum bei der Zusammenstellung des ‚Boericke‘ spricht. Beide Symptome erscheinen nämlich bei Boericke wortgleich auch unter Colchicum. Während das erste Symptom durchaus beiden Mitteln gemeinsam sein könnte, habe ich unter Collinsonia keinerlei Anhaltspunkte für das zweite Symptom gefunden.

[Pruritus einer Schwangeren; heftiges Schamjucken, äußere Geschlechtsteile stark geschwollen, dunkelrot, hervortretend; kann nicht liegen.] Dysmenorrhö, begleitet von Hämorrhoiden; membranöse Dysmenorrhö. [Amenorrhö, durch Blutstau im Uterus und den Beckenorganen.]
AtemwegeHalsschmerzen (Predigerhals) oder Husten durch exzessiven Gebrauch der Stimme. Blutspucken nach Verschwinden von Hämorrhoiden [bzw. nach Aufhören einer Hämorrhoidalblutung]. Brustschmerzen im Wechsel mit Hämorrhoiden.
HerzHerzklopfen [schlimmer durch die geringste Bewegung oder Aufregung]; bei Personen, die zu Hämorrhoiden neigen. Nach Besserung der Herzsymptome kehren alte Hämorrhoiden wieder, oder die ausgebliebene Monatsblutung kommt zurück.
ExtremitätenVergrößerungsgefühl von Gliedmaßen [mit Taubheitsgefühl und Parästhesien]. Empfindung, als ob die Beine gar nicht mehr zu ihm gehörten. [Sie sind seltsam leicht, als könnte man rennen wie ein Reh.]
FieberHitzeüberlaufen; mit Atembeklemmung; bei Hämorrhoiden.
VerwandtLycopus; Nux vomica; Sulfur.

  • Collinsonia canadensis L., die Grießwurzel oder Steinwurzel, ein Lippenblütler, der im östlichen Nordamerika wächst. Verwendet wird der frische Wurzelstock.

  • Prüfungen von zwei Einzelprüfern: Burt und Dowle (vgl. AE, Band 3 und 10, sowie Hale, New Remedies). Der größte Teil der Symptome stammt aus der klinischen Erfahrung, der Phytotherapie oder der Volksmedizin. Da beide Prüfungen an Männern vorgenommen wurden, gibt es insbesondere keine Prüfungssymptome aus der weiblichen Genitalsphäre.

Colocynthis
AllgemeinesIn der Praxis der Schulmedizin wurde Colocynthis als drastisches Abführmittel verwendet. In der Homöopathie erweist es sich nicht nur bei akuten Beschwerden des Verdauungstrakts bzw. des Intestinums als nützlich, sondern zeigt auch eine lang anhaltende Wirkung auf die (großen) Nerven, besonders auf den Trigeminus und Ischiadicus sowie auf die Spinalnerven. Im Bauchraum ruft es plötzliche, ungeheure Krampfschmerzen hervor; greifende und reißende Schmerzen, die Leidenden schreien laut auf, drehen, wälzen und winden sich, um Erleichterung zu bekommen, oder sie krümmen sich zusammen, oder sie pressen etwas Hartes gegen den Bauch; die Schmerzen sind begleitet von Übelkeit und Diurese, und die Kranken übergeben sich, weil der Schmerz so stark ist. Neuralgische Schmerzen sind schneidend, kneipend, umklammernd, nagend oder bohrend, danach Gefühllosigkeit im leidenden Teil; besser durch Druck. Schmerzhafte Krämpfe, Zuckungen, Verkürzungen von Muskeln; oder Teile werden als zu kurz empfunden [etwa der Psoasmuskel]. Empfindungen von Zusammenschnüren. Krampfhafte Rucke und Zusammenschnüren, während der Schmerzen. Empfindung wie von einem Eisenband umschlossen und fest zusammengeschraubt [vor allem bei Hüftschmerzen, Ischialgien usw.]. [„Ungemeine Neigung der Muskeln aller Körperteile, sich schmerzhaft zusammenzuziehen.“] Passt auf leicht erzürnte, reizbare Personen, mit Neigung zur Korpulenz. Frauen mit sitzender Lebensweise und mit starker Monatsblutung. Bei Blasenkrämpfen nach Operationen an Körperöffnungen. Üble Folgen von: Erbitterung, Entrüstung, Kränkung; Kummer; Erkältung; allzu häufigem Koitus.156

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„Kolikschmerzen (Coeliacalneuralgien), welche Venusdirnen befallen“ (Rückert, Klinische Erfahrungen, 1:749).

Spürt das Schlagen der Blutgefäße durch den ganzen Körper. Empfindungen von Brennen. Erschöpfung, als ob alle Kräfte nachließen. Ohnmacht; vor Schmerzen; mit Kälte [der äußeren Teile]. Ameisenlaufen im betroffenen Körperteil.
SchlimmerGemütsbewegungen; „Ärgernis“; Kränkung. Zorn. Liegen auf der schmerzlosen Seite. Nachts, im Bett. Zugluft. Erkältung. Vor und nach dem Wasserlassen.
BesserHarter Druck; gegen eine Kante [Tischkante, Bettpfosten usw.]. Hitze. Ruhe. Sanfte Bewegung. Nach Stuhl- oder Blähungsabgang. Zusammenkrümmen.
Geist und GemütSehr betroffen von den Missgeschicken anderer.157

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Von Hering, Condensed Materia Medica übernommen, wo es aber weiter heißt: „ebenso wie von den eigenen“!

[Nachteile und Beschwerden mannigfacher Art von innerer, nagender Kränkung über unwürdige Behandlung seiner selbst oder anderer, sein Mitleid erregender Personen …] Zornig, leicht zu verärgern während der Schmerzen. „Mangel religiöser Gefühle.“ Schreit vor Schmerz; will herumlaufen; Unlust zu sprechen, gibt nicht gern Antwort. Ungeduldig. „Selbst zum Besuchen ihm teurer Personen unaufgelegt.“ Mürrisch; nimmt alles übel.
KopfSchwindel, beim schnellen Wenden des Kopfes, besonders nach links. Kopfschmerzen schlimmer beim Bücken, in der Rückenlage und bei Bewegung der Augenlider; mit Übelkeit und Erbrechen. Die Haarwurzeln schmerzen. Kopf heiß.
AugenBeim Bücken Gefühl, als fielen die Augen aus dem Kopf. Starke Schmerzen im Augapfel vor der Herausbildung eines Glaukoms; Augen werden steinhart. Schmerz und Zucken in den Augenlidern. Brennen in den Lidern.
OhrenKlänge hallen im Ohr wider. Kribbeln, juckendes Stechen, Schmerz im Ohr, durch Einbringen des Fingers vergehend.
GesichtProsopalgie: mit Augensymptomen, oder im Wechsel mit Neuralgie des Plexus coeliacus; mit Frösteln. Gesicht verzerrt [wegen der starken Schmerzen]. [Unter dem Nabel waren die Schmerzen so heftig, dass es ihm die Gesichtsmuskeln gewaltig verzog …] Wangen kalt. Reflexschmerzen im Gesicht, egal wo die Quelle des Schmerzes ist.
MundAnhaltend bitterer Mundgeschmack. Brennen auf der Zungenspitze; Empfindung, als hätte man sich die Zunge mit einer heißen Flüssigkeit verbrannt. Zähne werden wie zu lang empfunden.
HalsKrampf im Schlund, mit leerem Aufstoßen und Herzklopfen.
MagenErbrechen, durch Schmerzen hervorgerufen. Empfindung im Magen, als gäbe etwas nicht nach; ziehender Schmerz im Magen. Heftiger Durst. Erbrechen bitterer Flüssigkeit. Magenschmerzen, die regelmäßig mit Zahn- oder Kopfschmerzen verbunden sind. Kartoffeln und andere stärkehaltige Speisen unbekömmlich. Kaffee bessert Kolikschmerzen.
AbdomenHeftige schneidende, kneipende, greifende, zerrende, klemmende oder ausstrahlende, kolikartige Schmerzen, die in Wellen auftreten; besser durch Zusammenkrümmen, harten Druck; schlimmer durch noch so wenig Essen oder Trinken, außer bei Kaffee oder Tabakrauchen [welche lindern]. Blähungskoliken. Leibschmerz, als würden die Därme zwischen Steinen eingeklemmt. Kolik: mit Wadenkrämpfen; nach [kaltem] Trinken in erhitztem Zustand. Schneiden in den Därmen, in der Nabelregion. Druck bessert den Bauchschmerz, solange dieser akut ist; hält der Schmerz aber lange an, so werden die betroffenen Teile berührungsempfindlich, und dann verstärkt äußerer Druck das Schmerzempfinden sogar. Durchfallstühle: schaumig, wässrig, gelb; mit Schleimfetzen; säuerlich-faulig riechend; gallertartig; mit Blähungen und Schmerzen verbunden. Ruhrartige Stühle, die nach jedem noch so geringen Essen oder Trinken wiederkehren. „Schlüpfrige Blasen“ entweichen aus dem After.158

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Gemeint sind, wie aus dem Prüfungsbericht hervorgeht, „Winde, welche schleimige Flüssigkeit vor sich hertrieben (und) in raschester Folge durch die schlüpfrigen Schließer drangen“.

Während der Kolik liegt der Säugling auf dem Bauch; sobald man ihn im Geringsten bewegt, fängt er wieder an zu schreien. Chronischer wässriger Durchfall, besonders wenn er sich immer morgens zeigt. Durchfall, durch Schmerzen oder durch Zorn mit Entrüstung hervorgerufen.
HarnwegeBrennen entlang der Harnröhre während des Stuhlgangs. Schmerz beim Wasserlassen erstreckt sich über das ganze Abdomen. Nierenkolik mit Diurese. Blasenkrämpfe nach Operation an Körperöffnungen. Urin wird [beim Stehen] alsbald dick, gallertartig, klebrig [wie geronnenes Eiweiß]. Rötliche, harte Kristalle, die fest an den Wänden des Uringlases haften. Milchweißer Urin, der beim Stehenlassen zu einer gallertartigen Masse gerinnt; Diabetes.
Männliche GenitalienDrängen von beiden Seiten des Unterbauchs nach der Mitte des Schoßes zu, zur Samenentleerung reizend. Paraphimose.
Weibliche GenitalienZerrender Schmerz in der Eierstockgegend, besser durch Zusammenkrümmen, mit Unruhe. Dysmenorrhö, schlimmer durch Essen und Trinken. Eierstocktumoren, Zysten. Ovarialneuralgie, Patientin ist genötigt, den Schenkel auf der schmerzhaften Seite gegen den Bauch zu ziehen, was bessert. Ausbleiben der Menses oder des Wochenflusses nach Entrüstung bzw. Ärger. Starke Monatsblutung bei Frauen mit sitzender Lebensweise. Schmerzhafte Knoten in den Brüsten.
AtemwegeHüsteln beim Tabakrauchen. Schweratmigkeit während der Periode; Eierstocktumor.
HerzEmpfindung, als würde das Herz durch den aufgetriebenen Magen nach oben gedrängt. Starkes Klopfen in allen Blutgefäßen. [Fühlt den Herzschlag durch den ganzen Körper.]
Äußerer Hals und RückenSchmerz unter dem rechten Schulterblatt, besser durch Druck. Schmerz in der Lumbalregion, besser durch Druck. Krampfartige Schmerzen in den Hüften, besser durch Liegen auf der betroffenen Seite. Steifer Hals, Schmerz schlimmer beim Bewegen des Kopfes. Empfindung einer schweren Last in der Lumbodorsalgegend, besser beim Liegen auf der linken Seite.
ExtremitätenMuskelkontraktionen. Krampfhafte Zusammenziehung aller Gliedmaßen, sodass er einem Igel ähnelt. Ischiasschmerz: herab schießend, oder wie von einer Bandage eingezwängt, oder wie mit Eisenklammern zusammengeschraubt, besser durch Druck und Hitze; schlimmer durch die geringste Bewegung, durch Drehung des Beins, nachts. [„Hüftweh, wo das Hüftgelenk wie mit eisernen Klammern am Becken und der Kreuzbeingegend befestigt ist, mit periodisch aus dem Lendenmuskel in den Schenkel herabfahrenden Schmerzen.“] Muskelkrämpfe beim Koitus. [Heftiger Wadenkrampf, vorzüglich nach Beischlaf.] Schmerz im (rechten) M. deltoideus. Knie wie steif und kalt. [Kältegefühl an den Knien, die doch warm sind.] Kalte Füße, bei Kolik.
SchlafSchlaflosigkeit und Unruhe: bei Schmerzen; nach Zorn.
FieberKalte Hände und Fußsohlen, übriger Körper warm. Frösteln und Schaudern während der Schmerzen. Nachtschweiß: kalt; von urinartigem Geruch.
KomplementärCausticum.
VerwandtStaphysagria.

  • Citrullus colocynthis, die Koloquinte (ein Kürbisgewächs). Benutzt werden die getrockneten Früchte.

  • Die wichtigsten Prüfungen stammen von Hahnemann und seinen Mitarbeitern (Reine Arzneimittellehre, Band 6; erweitert in Chronische Krankheiten, Band 3) sowie von der Österreichischen Prüfergesellschaft unter der Leitung von Watzke (Österreichische Zeitschrift für Homöopathie, Band 1).

Comocladia dentata
AllgemeinesEin Gift, das Reizerscheinungen ähnlich denen des Giftsumachs (Rhus toxicodendron) hervorruft und bösartige Dermatitiden erzeugt, mit enormer Anschwellung bzw. Ödem. Gewaltige Anschwellung des linken Unterschenkels und Fußes [mit Fieber; geheilter Fall]. Brennen und Jucken der Augen, die wie zu groß empfunden werden. Rechtes Auge schmerzt stark, wird als viel größer und weiter vorstehend empfunden als das linke. Ziliarneuralgien. Brennen und Jucken der Nase, mit heftigem Niesen. Husten, mit Schmerz unter der linken Brust bzw. Brustwarze, der zum linken Schulterblatt durchgeht. Wandernde rheumatische Schmerzen. Tiefe Geschwüre mit harten Rändern. Lepra. Hautrötung am ganzen Körper [wie bei Scharlach; Vergiftungsfolge durch Pflanzensaft auf der Hand]. Rezidivierendes Ekzem.
SchlimmerBerührung. Wärme. Ruhe. Nachts.
BesserIm Freien. Bewegung. Kratzen.

  • Comocladia dentata ist der Guao-de-Kuba-Baum, ein Verwandter von Rhus toxicodendron, aus der Familie der Anacardiaceae (Sumachgewächse). Bei den Prüfungen wurde eine Tinktur (Urtinktur und Potenzen) aus der frischen Rinde und den Blättern eingenommen, zudem gibt es Beobachtungen aus der Wirkung des Saftes auf die Haut.

  • Die Arzneiwirkungen sind nachzulesen bei AE, Band 3 und 10, sowie in Hughes' Cyclopedia (Band 2 mit Appendix) und bei Hale, New Remedies.

Condurango
AllgemeinesDie Kondorpflanze ist als Krebsmittel in die medizinische Praxis eingeführt worden. Schmerzhafte Risse in den Mundwinkeln sind ein Leitsymptom, besonders bei kanzerösen oder syphilitischen Zuständen. Tumoren; Ösophagusstrikturen. Magenkrebs, mit stetem Brennen und Erbrechen; die Speisen scheinen hinter dem Brustbein stecken zu bleiben. Brustkrebs mit Einziehung der Brustwarze, mit stechenden Schmerzen, die vom Sitz des Tumors aus über die ganze Mamma ausstrahlen. Geschwüre der Zunge, mit gezackten Rändern. Wenn andere, scheinbar angezeigte Arzneien die Krankheit nicht beeinflussen, ist dieses Mittel einen Versuch wert.
VerwandtAsterias rubens; Conium; Hydrastis.

  • Diese Pflanze, in der englischen Literatur meist „Cundurango“ geschrieben, ist ein Schlinggewächs der Hochlagen der Anden aus der Familie der Asclepiadaceae. Ihr botanischer Name wird bei Leeser und Madaus als Marsdenia condurango Reichenbach fil., bei Mezger und Clarke als Gonolobus condurango angegeben. Tinktur oder Trituration aus der getrockneten Rinde.

  • Einige Prüfungen, u. a. von Burnett (Symptom „Risse in den Mundwinkeln“); alle anderen Symptome aus der klinischen Anwendung.

Conium maculatum
AllgemeinesDies ist das Gift, das dem griechischen Philosophen Sokrates verabreicht worden sein soll, um seinen Tod herbeizuführen. Es wirkt auf die Nerven und Muskeln und führt zu Koordinationsstörungen und Lähmung. Der Gang wird unsicher, die Artikulation schwierig, der Patient wird allmählich immer schwächer. Irreguläre, erratische Arzneiwirkung und Symptomentwicklung. „Jählinge Erschlaffung“ beim Gehen. Plötzlich matt und krank; mit Gefühllosigkeit. Zittern aller Glieder. Nützlich bei betagten oder vorzeitig gealterten Personen; bei alten Jungfern und Junggesellen; bei Jugendlichen, die unter üblen Folgen von Masturbation leiden. Die Drüsen, besonders die Brustdrüsen und die Eierstöcke, neigen zu Anschwellung und steinharter Induration. Gefühl wie von einem Fremdkörper: im Gehirn; im Oberbauch. Symptome verlaufen in aufsteigender Richtung, von unten nach oben: bei Lähmung. Paralyse nach Diphtherie. Reißende, stechende Schmerzen. Neoplasmen. Arteriosklerose. Polyneuritis. Cancerinische Diathese. Patienten, deren Zustand durch Müßiggang schlechter wird. Hysterische und hypochondrische Anfälle durch sexuelle Enthaltung oder auch durch ungehemmte Befriedigung des Geschlechtstriebs. Hysterische Krämpfe. Üble Folgen von: Prellungen oder Quetschungen, Schlag oder Stoß, Überanstrengung, Überarbeitung; Kummer. Leicht berauscht. [„Das mindeste Geistige berauscht ihn.“] Frauen mit zerrütteter Konstitution, lebensmatt, mutlos, die das Gefühl haben, sie fingen gleich an zu weinen, und die schlucken und würgen, als hätten sie einen Kloß im Hals. Zunehmende [lähmungsartige] Schwäche und Erschöpfung. Chronizität. Beschwerden durch Kleiderdruck. Fällt beim Stuhlgang in Ohnmacht. Empfindung eines Reifens oder Bandes oder von etwas straff Gespanntem um den leidenden Teil.
SchlimmerSehen auf sich bewegende Objekte. Alkohol. Heben der Arme. Nach Anstrengung, körperlicher wie geistiger. Verletzungen. Sexuelle Perversionen oder Exzesse; auch Enthaltsamkeit. Kälte; Erkältung. Im Alter. Liegen; mit tief gelagertem Kopf. Umdrehen im Bett. Druck eng sitzender Kleider. Erschütterung. Nachts. Stehen. Vor und während der Monatsblutung. Trocken-heiße Luft. Frühling.
BesserHerunterhängenlassen des leidenden Teils. Bücken. Bewegung, Gehen. In der Sonne.159

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Gemeint ist die Sonnenwärme, nicht das Sonnenlicht (vgl. die folgende Angabe „besser im Dunkeln“, die mit der starken Lichtscheu harmoniert). „Frieren mit Zittern in allen Gliedern, sodass sie sich immer in der Sonne aufhalten muss“ (Hahnemann, Chronische Krankheiten).

Dunkelheit. Druck. Gebücktes Gehen. Beim Hinsetzen. Nüchtern.
Geist und GemütNiedergeschlagen, verzagt, menschenscheu, Abneigung gegen Gesellschaft, und dennoch Scheu vor Alleinsein. Furcht beim Alleinsein, aber auch Angst vor Fremden oder Gesellschaft, während der Menses. Langsame Auffassung; schwer von Begriff. Schweres Begreifen dessen, was man liest. Schwaches Gedächtnis. Unfähig zu jeder längeren geistigen Anstrengung. Nicht zum Arbeiten oder Lernen aufgelegt. Gleichgültig. Abergläubische Gedanken. Periodische Wahnzustände, in alternierendem Typus.160

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Gemeint dürften manisch-depressive Krankheitsbilder sein. Zwar stehen depressive Symptome im Vordergrund, aber die im Folgenden beschriebenen manischen Zustände sind ebenfalls beobachtet worden.

Auf der Straße kommt ihn die Neigung an, vorbeigehende Leute zu packen und zu misshandeln. „Zieht gern seine beste Kleidung an, [hat keine Lust zur Arbeit, geht aber gern ins Wirtshaus, spielt und führt darin das erste Wort, wobei es dann wohl auch zu Schimpfreden kommt]; kauft unnötige Sachen ein, die er dann nicht weiter achtet, selbst wieder verschenkt oder bei einem kleinen Anlasse ruiniert …“ Kleinigkeiten erscheinen hochwichtig. Bildet sich ein, Tiere auf seinem Bett tanzen zu sehen. Traurig; unzufrieden mit sich und ihrer Umgebung. Kann nicht denken, nachdem sie die Augen angestrengt hat [vor allem nach Bewegung der Augen]. Traurigkeit, schlimmer durch Trost. [Missmutig], als ob ihn eine große Schuld drückte.
KopfSchwindel; Drehschwindel; schlimmer im Liegen, beim Umdrehen im Bett und durch die geringste Bewegung der Augen oder des Kopfes; Schwindel alter Leute. Heiße Stellen auf dem Kopf. Wie ein Zusammendrücken von beiden Schläfen aus, nach jedem Essen. Gefühl in der rechten Gehirnhälfte, als ob ein großer Fremdkörper darin wäre. Migräne, mit Unfähigkeit zu urinieren. Schmerz im Kopf, zuerst im Vorderhaupt, dann im Hinterkopf, besser durch Bücken und Bewegen des Kopfes. Vollheitsgefühl im Gehirn, als sollte der Kopf platzen, bei Kopfweh. Taubheits- und Kältegefühl auf einer Kopfseite.
AugenGefühl, als ob man schielte. [Gefühl, als würden die Augen von der Nase weg nach außen gezogen.] Lider: schwer, herabhängend, schlimmer im Freien. Lidptosis. Lichtscheu und exzessives Tränen der Augen; ohne jede Entzündung, oder von der geringsten Abschürfung oder Ulzeration des Auges. Brennen in den Augen. Farbensehen; Gegenstände sehen rot aus. Als ob so etwas wie ein Faden oder eine Franse vor den Augen herabfiele. Sehkraft bei künstlichem Licht vermindert. Katarakt nach Augenverletzung [äußerem Stoß]. Schwitzt beim Schließen der Augen. Doppeltsehen. Schwarze Punkte vor den Augen, bei Schwindel. Kurzsichtigkeit. Es verschwimmt ihm alles vor den Augen, wenn er sich aufregt.
OhrenAnsammlung von Ohrenschmalz, das wie verfaultes Papier aussieht; oder blutrotes, hartes Ohrenschmalz, das Schwerhörigkeit mit sich bringt. Sehr geräuschempfindlich. Parotis geschwollen und verhärtet. Beim Schneuzen fährt es ihr vor die Ohren, sie sind dann wie zugestopft.
NaseÜberempfindlicher Geruchssinn. Nase blutet leicht, bohrt dauernd darin herum. Schleimhautpolypen. Häufiges Niesen. Hartnäckig verstopfte Nase [„jahrelang“].
GesichtNässende, sich ausbreitende Ausschläge im Gesicht [„Gesichts-Flechte“]. Lippenkrebs (durch den Druck der Tabakspfeife). Unterkieferdrüsen geschwollen und hart.
MundZahnweh beim kalten Essen, nicht beim kalten Trinken. Schwieriges Sprechen durch Lähmung der Zunge; Verziehung von Zunge und Mund. Zungenkrebs. Säuerlich schmeckender Speichel.
HalsDrücken von der Magengrube herauf, als wollte ein runder Körper heraufsteigen (Globusgefühl). Bekommt das Essen in den falschen Hals, oder es bleibt beim Schlucken im Hals stecken. Parese der Speiseröhre. Stete Schluckneigung, als hätte man einen Kloß im Hals, schlimmer beim Gehen im Freien [„im Winde“]. Tonsillen hypertrophiert.
MagenScharfes Sodbrennen und saures Aufstoßen, schlimmer beim Schlafengehen. Aufblähung des Magens nach Milchgenuss. Magenschmerzen, besser durch Essen, aber schlimmer ein paar (zwei bis drei) Stunden danach; besser in Knie-Ellbogen-Lage. Übelkeit und Erbrechen während der Schwangerschaft. Großes Verlangen nach Kaffee, Saurem, Salz und salzigen Speisen. Abneigung gegen Brot. [Brot will nicht hinunter, es schmeckt nicht.] Erbrechen: kaffeesatzähnlicher Flüssigkeit; schokoladefarbener Massen; oder klarer, saurer Flüssigkeit. Magenkrebs, Magengeschwüre.
AbdomenAufblähung des Bauches nach Milchgenuss. Schneiden im Leib vor Blähungsabgang. Abdomen hart und sehr aufgetrieben. Starke Schmerzen in der Leber und ihrer Umgebung. Chronische Gelbsucht und Schmerzen im rechten Hypochondrium. Zittern des ganzen Bauches. Zittrige Schwäche und Herzklopfen nach jedem Stuhlgang. Unwillkürlicher Stuhlabgang, im Schlaf. Kalte Ausscheidungen: kalte Blähungen; kalter Stuhl. Verstopfung; harter Stuhl, nur alle zwei Tage. Brennen oder Kältegefühl im Mastdarm. Schmerzen im Unterbauch, bis in die Beine herabziehend. Vergeblicher Stuhldrang.
HarnwegeUnterbrochene Miktion, der Harnabgang stockt plötzlich und fließt erst nach einer Weile wieder; besser im Stehen. Wasserlassen zu Beginn schwierig, selbst im Stehen; dann aber fließt der Urin frei ab. Harntröpfeln alter Männer. Schneiden und Brennen nach dem Wasserlassen. Urin wird heiß empfunden.
Männliche GenitalienHoden geschwollen. Ungenügende, zu kurz dauernde Erektionen. Ejaculatio praecox, schon durch die bloße Anwesenheit einer Frau oder „beim Tändeln mit Frauenzimmern“ provoziert. Nervosität, Abgeschlagenheit oder Melancholie im Zusammenhang mit der Sexualität; niedergeschlagen und matt nach dem Koitus. Üble Folgen von Unterdrückung des sexuellen Begehrens. [„Hypochondrie von Enthaltsamkeit bei ehelosen Mannspersonen.“] Reges sexuelles Verlangen, ohne Erektion. Impotenz. Schneiden in der Harnröhre beim Durchgang des Spermas. Tropfenweiser Abgang von Prostatasekret, besonders beim Pressen auf den Stuhl, bei jeder Gemütsbewegung usw. Jucken in der Vorhaut.
Weibliche GenitalienMenses unregelmäßig; verspätet; spärlich. Dysmenorrhö, mit [Pressen nach unten und] Ziehen im Oberschenkel. Brüste anschwellend und wund schmerzend vor und während der Periode, Schmerz schlimmer bei jedem Schritt. Möchte mit der Hand fest gegen die Mamma pressen. Brüste schlaff und schrumpfend, unter Fortbestehen oder Verlust des sexuellen Verlangens. Harte Geschwülste in den Brüsten; mit stechenden oder durchbohrenden Schmerzen. Brustkrebs. Stiche in den Brüsten und in den Brustwarzen, beim tiefen Durchatmen oder beim Gehen. Die Brustdrüsen produzieren zu viel [oder zu lange] Milch; Beschwerden der Mammae schlimmer vor der Regel. Ausfluss: weiß, beißend, wund machend; zuvor Kneipen im Bauch; nach dem Wasserlassen161

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Bei Hahnemann bezieht sich diese Modalität auf einen Mann: „Schleimausfluss aus der männlichen Harnröhre, auch nach dem Harnen.“

. Schneidender Schmerz in Ovarien und Uterus. Eierstöcke vergrößert und verhärtet; lanzinierende Schmerzen; Oophoritis. Furcht beim Alleinsein, dennoch Angst vor Fremden oder Gesellschaft während der Periode. Üble Folgen von unterdrücktem sexuellem Begehren; von Ausbleiben der Monatsblutung. Bewegungen des Fetus schmerzhaft, während der Schwangerschaft. Uterusprolaps vom Pressen bei hartem Stuhlgang. Jucken tief in der Scheide.
AtemwegeStändiger quälender Husten, provoziert durch ein trockenes Fleckchen im Kehlkopf oder durch Kitzelreiz in der Brust und im Halsgrübchen, schlimmer im Liegen, beim Lachen, beim Sprechen und während der Schwangerschaft; muss sich aufsetzen. Der Husten scheint aus dem Bauch zu kommen. Lockerer Husten, ohne dass man etwas aus werfen kann; muss schlucken, was heraufkommt. Knochenkaries des Brustbeins. Gerät bei der geringsten Anstrengung außer Atem. Die Kleider liegen wie eine Last auf Brust und Schultern. Husten, durch Tiefatmen erregt. Brustbeklemmung, besser durch Husten. Scharfer Stoß mitten durch die Brust, vom Brustbein gegen die Wirbelsäule.
HerzHerzklopfen, schlimmer durch Anstrengung, Trinken, beim Stuhlgang usw. Puls ungleich und unregelmäßig.
Äußerer Hals und RückenSchmerz zwischen den Schultern. Bei Verletzungen der Wirbelsäule. Ziehen durch die Lendenwirbelkörper, im Stehen. Steißbeinschmerzen. Gestielter, ca. kirschgroßer Tumor mitten auf dem Rücken. Nacken kalt. „Anscheinende Verdickung des Halses.“ Kleine, flache, warzenartige Gewächse auf den Gesäßbacken.
ExtremitätenSchultern wie wund gedrückt; Kleider liegen wie eine Last darauf. Hände: matt, schwer, zitternd, unstet. Achsellymphknoten geschwollen. Gelbe Fingernägel. Taubheit der Finger und Zehen. Fersen: Gefühl, als stieße der Knochen hindurch; schießender Schmerz in den Fersen. Schweiß der Handteller. Untere Gliedmaßen kraftlos, wie gelähmt. Knacken im Kniegelenk. Kann sicher und gerade gehen, wenn die Augen geschlossen sind, aber beim Gehen mit offenen Augen taumelt er, ihm wird schwindlig und übel.
HautGrünlich, von der Farbe einer alten Prellung. [Schmerzhafte] rötliche Flecken [an den Waden], die später grün oder gelb werden. „Nesselausschlag von starker Körperbewegung.“ Hautausschläge mit Fäulnisprozessen; Ekzeme. Nekrotisierende Geschwüre. Petechien bei alten Leuten. Anästhesie oder Inaktivität der Haut. Kleine, rote, brennende Effloreszenzen erscheinen mit der schwachen Monatsblutung auf der Haut und verschwinden nach der Periode wieder.
SchlafSchläfrigkeit tagsüber. [„Schlafsucht, nachmittags; er musste trotz aller Gegenwehr sich legen und schlafen.“] Spätes Einschlafen, erst nach Mitternacht. Alpdrücken im Schlaf.
FieberLokale Kälte: des Nackens, der Waden usw. Hitzewellen oder Schweiß im Augenblick des Einschlafens, ja sogar beim Schließen der Augen. Schweiß: unter den Augen, am Kinn, in der Kniekehle; kalter Schweiß am Nacken und in den Handflächen; übel riechender Schweiß, der auf der Haut beißt.
KomplementärPhosphorus.
VerwandtArnica; Baryta carbonica; Calcarea fluorica; Causticum; Gelsemium; Iodium.

  • Der Gefleckte Schierling; Tinktur aus dem Saft der ganzen, frischen, blühenden Pflanze.

  • Prüfungen von Hahnemann (Reine Arzneimittellehre, Chronische Krankheiten), Lembke (AHZ) und einer Reihe anderer Personen, dazu Vergiftungsberichte.

Convallaria majalis
AllgemeinesNützlich bei Herzbeschwerden. Bei [beginnender] Herzdilatation, wenn die kompensatorische Hypertrophie nicht eintritt; wenn ausgeprägte venöse Stauung vorliegt. Verstärkt und reguliert die Herztätigkeit. Schmerzhaftigkeit der Uterusregion mit begleitendem Herzklopfen. Empfindung, als hörte der Herzschlag auf und setzte dann ganz plötzlich wieder ein. Bewegungen im Bauch wie von einer Kinderfaust. Bei Atemnot, Hydrops, Neigung zur Anurie. Raucherherz.
SchlimmerLiegen auf dem Rücken. Warmes Zimmer.
BesserIm Freien.

  • Das Maiglöckchen.

  • Prüfungen bei Hughes, Cyclopedia, Band 2; die Indikationen beruhen aber fast ausschließlich auf klinischen Erfahrungen. Zuletzt eine „Traumprüfung“ von König/Santos-König, Burgdorf Verlag 1997!

Copaiva
AllgemeinesWirkt auf die Schleimhäute des Urogenitaltrakts und der Bronchien und ruft vermehrte Schleimsekretion hervor. Faulige Absonderungen: Blennorrhöen; Bronchitis pituitosa; Eiterungen.
SchlimmerMorgens. Erkältung.
Geist und GemütWeint beim Hören von Klavierspiel.
KopfHinterkopfschmerz, besser durch sanften Druck mit der Hand. Blutandrang zum Kopf, zum Gesicht [beim oder nach dem Essen].
OhrenÄußerste Empfindlichkeit gegen ‚scharfe‘ Geräusche.162

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In Testes Prüfung wird als Beispiel das Geräusch beim Auftreffen einer Pistolenkugel auf eine Metallscheibe genannt (nicht etwa die Detonation des Pulvers). Die Empfindlichkeit besteht also gegen plötzliches metallisches Klicken usw., nicht unbedingt nur gegen „schrille Töne“, wie es gelegentlich in Übersetzungen heißt.

NaseBrennen und Trockenheit in der Nase. Nasenbluten, mehrere Tage lang, bei kleinen Jungen. Reichliches dickflüssiges, stinkendes Sekret [das nachts den Rachen hinunterläuft].
GesichtAkne, die das Gesicht entstellt. Gerötetes, heißes Gesicht.
Mund, HalsChronischer Halskatarrh. Kältegefühl in den Zähnen.
Magen, AbdomenEssen schmeckt zu salzig. Stühle, die aus Schleimmassen bestehen oder mit Schleim bedeckt sind. Colitis mucosa.
Harnwege, GenitalienPulsierende Schmerzen durch den Penis; Harnröhre weit offen [entzündet und geschwollen]. Urin: scharf; spärlich; blutig; riecht nach Veilchen. Dysurie. Blasenkatarrh. Aufsteigende eitrige Harnwegsinfekte. Eiterartiger, gelber Tripperausfluss, oder milchiger, wund machender Ausfluss.
AtemwegeHusten, Auswurf reichlich, grünlich-grau, eitrig, übel riechend. Bronchiektasien. Schmerzhafter Husten mit Hitzegefühl und Beklemmung der Brust. Fauliger, blutiger Auswurf. Brennen in den Lungen.
HautQuaddelausschlag [am ganzen Körper] mit Fieber und Stuhlverstopfung. Chronische Nesselsucht bei Kindern.
KomplementärSepia.
VerwandtTerebinthina.

  • Der Copaiva-Balsam, aus dem Harz des Copaivabaums (Copaifera officinalis L.).

  • Neben einigen Symptomen aus Hahnemanns Fragmenta de viribus liegt eine Prüfung von Teste vor; dazu eine Reihe von Beobachtungen der Wirkungen an Kranken. Quellen: AE, Band 3 und 10.

Corallium rubrum
AllgemeinesDie rote Koralle enthält Calciumcarbonat und Eisenoxid. Sie wirkt auf die Schleimhäute, besonders der Atemwege; sie ruft Ulzerationen und fadenziehende Sekretionen hervor. Gefühl, als strömte kalte Luft durch den Schädel und die Luftwege. Dem Patienten ist es zu kalt, wenn er aufgedeckt ist, bei Bedeckung ist es ihm zu warm; Wärmeanwendung [„künstliche Hitze“] tut wohl. Passt auf nervöse Personen. Syphilis-ähnliche Zustände, die mit Psora kompliziert sind.
SchlimmerLuft: eingeatmete; Luftveränderung [beginnt bei der geringsten atmosphärischen Veränderung zu husten, z. B. beim Übergang vom Warmen ins Kalte]. Essen. Gegen Morgen.
Geist und GemütÄrgerlich, übellaunig; [wehleidig], schimpft und flucht vor Schmerzen.
KopfEmpfindung, als wäre das Vorderhaupt platt gedrückt [bei Drücken in Stirn und Schläfe]. Kopfweh, mit starkem Schmerz hinter den Augäpfeln, schlimmer beim Einatmen kalter Luft [durch die Nase]. Kopf wie vergrößert; wie leer und hohl. Als ginge Wind durch die Schädelhöhle, beim schnellen163

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Phataks „sachte“ („quietly“) ist Schreibfehler für „schnell“, „quickly“ (Hering, Guiding Symptoms), wie die Prüfung erkennen lässt.

Bewegen oder Schaukeln des Kopfes.
AugenHeiß und schmerzend; beim Schließen der Lider heiße Empfindung mit Gefühl, als ob das Auge in Tränen schwämme.
NaseReichliche Absonderung von Schleim, der durch die Choanen tropft und zum steten Räuspern nötigt. Retronasalkatarrh. Eingeatmete Luft fühlt sich in der Nase kalt an. Nasenbluten.
GesichtWird blaurot und schwarz im Gesicht, beim Husten.
MundAlle Speisen schmecken wie Sägespäne. Brot [und Mehlspeisen] schmecken wie Stroh. Bier schmeckt süß. Verlangen nach Gesalzenem.
AtemwegeFast ständig Anfälle heftigen krampfhaften Hustens, die mit einem Schnappen nach Luft beginnen und von purpurroter Verfärbung des Gesichts begleitet werden; gefolgt von Erbrechen fadenziehenden Schleims und Erschöpfung. Hallender ‚Schnellfeuerhusten‘. Husten, sobald man etwas isst. Ständiger hysterischer, nervöser Reizhusten; auch wenn der Patient in regelmäßigen Intervallen den ganzen Tag einzelne Hustenanfälle hat. Beim tiefen Einatmen ist es, als wenn die Luft eiskalt wäre, die durch die Luftwege streift. Keuchhusten.
HautSehr rote, flache Schankergeschwüre, auf der Eichel und der Innenfläche der Vorhaut. Schuppenflechte der Handteller und Fußsohlen. Glatte Flecke, [anfangs korallenrot, dann] dunkelrot, endlich kupferrot.
SchlafSchläft mit dem Kopf unter der Bettdecke.
KomplementärSulfur.
VerwandtCoccus cacti.

  • Die rote Koralle. Verreibung des Tierkörpers.

  • Geprüft von Attomyr in der 3. Verreibung (AfH, Band 11).

Cornus circinata
AllgemeinesEine Arznei für inveterierte Malaria. Patient ist schwach und niedergeschlagen. Lebersymptome, verbunden mit Schmerzhaftigkeit der Augäpfel. Dunkle, faulige Stühle, mit Brennen im After. Durchfall, dunkel, gallig, sehr übel riechend, mit fahlem Teint. Bläschenekzem des Gesichts bei Säuglingen, die einen wunden Mund vom Saugen haben. Schläfrig vor dem Fieberfrost, während der Fieberhitze und nach den Mahlzeiten.
SchlimmerErkältung. Nachts.

  • Rundblättriger Hartriegel. Die frische Stammrinde wird verwendet.

  • Prüfung von Marcy (AE; Hale, New Remedies). Das letzte (Fieber-)Symptom stammt von Cornus florida, dem Blumenhartriegel („Dogwood“).

Crataegus
AllgemeinesWirkt auf den Herzmuskel, ein herzstärkendes Mittel; keine kumulative Wirkung. Patient ist schwach und erschöpft, manchmal ganz plötzlich. ‚Kardio-hämorrhagische und lithämische Fälle.‘ Arterieller Hochdruck. Arteriosklerose. Kreislaufkollaps bei Typhus abdominalis. Darmblutungen. Atemnot. Ödeme.
SchlimmerWarmes Zimmer.
BesserRuhe. Stille. Frische Luft.
Geist und GemütReizbar, verdrießlich, schwermütig; verzweifelnd.
HarnwegeDiabetes, besonders bei Kindern.
AtemwegeHusten mit eiweißartigem Auswurf.
HerzSchwach, mit Beklemmung, stechenden Schmerzen und Schlaflosigkeit. Kardiale Dyspnoe. Myokarditis. Herzklappeninsuffizienz. Herzdilatation. Angina pectoris. Kardiale Ödeme. Puls beschleunigt, unregelmäßig, klein, aussetzend. Schmerz unter dem linken Schulterblatt; auch unter dem linken Schlüsselbein.
HautBrennend-beißende Ausschläge am Genick, in den Achselhöhlen und am Kinn; schlimmer in der Wärme und beim Schwitzen; besser durch Waschen. Finger und Zehen blau.
FieberÜbermäßiges Schwitzen. Schweißige Handflächen.
VerwandtApocynum cannabinum; Strophanthus.

  • Der Weißdorn, Gattung Crataegus. Meist werden die Früchte verwendet.

  • Eine Prüfung in Anshutz, New, Old and Forgotten Remedies, aus der einige Symptome stammen.

Crocus sativus
AllgemeinesDer Safran wirkt auf die Nerven und das Gemüt und erzeugt schnell sich wandelnde oder abwechselnde Stimmungen, die gegensätzlicher Art sind: Wutausbrüche, auch mit gewalttätigen Neigungen, rasch gefolgt von tiefster Reue; Lachen, gleich danach Tränen. Rapider Seitenwechsel der Symptome, oder schneller Wechsel psychischer und physischer Symptome. Zuckungen oder krampfhafte Zusammenziehungen einzelner Muskelpartien. Chorea und Hysterie. Chorea alle sieben Tage, mit ungewöhnlicher Heiterkeit, Singen und Tanzen. Erschöpfung, Ermattung, Ohnmacht; bei Epistaxis und Uterusblutungen. Schläfrigkeit, besser durch „literarische Beschäftigung“. Kribbelnde, prickelnde und juckende Empfindungen. Gefühl, als bewegte sich etwas Lebendiges, Hüpfendes im Körperinneren, im Bauch, in der Brust, in verschiedenen Körperteilen usw.; mit Übelkeit, Ohnmacht, Frostschauder. Blutungen – dunkel, zäh, sofort gerinnend, sich selbst in lange schwarze Fäden ausziehend, die von der blutenden Körperöffnung herabhängen. Passt auf hysterische Personen. Tumoren. Lipom. Enzephalom. Folgen von Schlag.
SchlimmerBewegung. In der Pubertät. In der Schwangerschaft. Hitze. Nüchtern. Liegen. Lesen. Bei Neu- und Vollmond. Fixieren eines Gegenstandes mit den Augen.
BesserNach dem Frühstück. Im Freien. Gähnen.
Geist und GemütLeicht zu beeindrucken; „zärtliche Launen“, launenhaft. Schwankende, wechselhafte Stimmungen. Wahnzustände mit unmäßigem Lachen. Springen, Tanzen, Lachen, Pfeifen, will jeden küssen. „Wenn jemand von ungefähr einen einzigen musikalischen Ton ausgibt, so fängt sie unwillkürlich an zu singen [und muss dann über sich selbst lachen].“ Unwillkürliches Lachen und Weinen; besonders bei Musik.
KopfPochender, klopfender Kopfschmerz: in den Wechseljahren, heftiger zu der Zeit, wenn die Regel einzutreten pflegte; während der Menses; besser durch Druck.
AugenTrocken, brennend, Gefühl und Aussehen, als hätte man geweint; Empfindung, als zöge ein kalter Luftzug durch das Auge [und den Kopf]. Als ob Rauch in den Augen beißen würde. Muss öfters blinzeln und in den Augen wischen, als wäre ein Schleimhäutchen davor gezogen; muss die Augen fest zudrücken. [Einfaches Wehtun der Augäpfel], als hätte man durch eine zu scharfe Brille gesehen. Wie elektrische Funken oder tanzende Punkte vor den Augen. Tränen der Augen beim Lesen. [Er kann keinen Buchstaben lesen, ohne dass aus den sehr trüben Augen Wasser in Menge stürzt.] Zucken des Oberlids.
OhrenOhrgeräusche mit Schwerhörigkeit, am meisten beim Bücken.
NaseNasenbluten; Fäden von dunklem Blut ziehen sich von der Nase herab; mit Ohnmacht und kaltem Stirnschweiß. Nasenbluten: in der Pubertät; junger Mädchen.
GesichtHeiß und rot, auch abwechselnd mit Blässe.
MundUngewohnte Wärme im Mund. Saurer Mundgeschmack. Fauliger Geruch des Atems.
HalsGefühl, als wäre das Zäpfchen verlängert [„gefallen“], bei und außer dem Schlucken; bei Hysterie. Übelkeitsgefühl in Brust und Hals [als sollte man sich gleich übergeben].
Magen, AbdomenUngeheurer Durst auf kalte Getränke. Empfindung, als sei etwas Lebendiges, Hüpfendes in Magen und Bauch (besonders in der linken Seite). Stühle enthalten dunkles, in Fäden gezogenes Blut. Hartnäckige Verstopfung; bei Säuglingen. Kribbeln und Stechen im After. Magenbeschwerden, Aufgetriebenheit, Aufstoßen, Erbrechen usw., nach Hämorrhoiden-Operation.
Männliche Genitalien„Aufregung des Geschlechtstriebs.“
Weibliche GenitalienMenses: dunkel, übel riechend, zäh. Drohende Fehlgeburt. Uterusblutungen, schlimmer bei der geringsten Bewegung; schlimmer bei Neu- und Vollmond. Menorrhagien. Scheinschwangerschaften. Bewegungen des Fetus heftig und schmerzhaft.
AtemwegeTrockener Husten, durch Auflegung der Hand auf die Magengrube erleichtert. Auswurf zäh, fadenziehend. Schwere auf der Brust, muss oft tief Atem holen. Zuckender Schmerz in der linken Brust, als würde sie mit einem Faden nach dem Rücken zu gezogen; in der rechten Brust eine Art Hüpfen, wie von etwas Lebendigem.164

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Diese beiden Symptome beziehen sich in der Prüfung nicht, wie bei Phatak, auf die rechte und linke Mamma, sondern auf die rechte und linke Seite des Brustkorbs. Daher wurden sie von der Region „Weibliche Genitalien“ in den Bereich „Atemwege“ verlegt.

Herz„Es kommt ihr warm herauf ans Herz“, mit Atembeklemmung, dass sie nicht tief atmen kann; besser nach Gähnen. Stumpfes Stechen in der linken Brustseite. Herzklopfen, mit Ängstlichkeit am Herzen; schlimmer beim Treppensteigen.
RückenPlötzliches Kältegefühl, als würde man am Rücken mit kaltem Wasser begossen.
ExtremitätenKnacken in Hüft- und Kniegelenken, schlimmer beim Bücken. Eiskalt; bei Uterusblutungen und Nasenbluten.
HautPrickeln und Kribbeln. Scharlachröte des ganzen Körpers, oder scharlachrote Flecken auf der Haut; vernarbte Wunden öffnen sich wieder und eitern. Zerteilt Tumoren; Lipom und Enzephalom.
SchlafTiefer, narkoseartiger Schlaf. Singt im Schlaf.
FieberFliegende Hitze innerlich, mit Prickeln und Kribbeln in der Haut. Schweiß nur an der unteren Körperhälfte. Ständiger faulig riechender Schweiß, der die Schwäche noch erhöht; bei postpartalen Blutungen.
VerwandtIgnatia; Tarentula.

  • Das bekannte Gewürz Safran, das aus den Narbenästen von Crocus sativus L. besteht.

  • Prüfung von Stapf, zunächst in AfH, später etwas erweitert in Stapfs Beiträgen zur Reinen Arzneimittellehre erschienen.

Crotalus horridus
AllgemeinesDas Klapperschlangengift wirkt auf das Blut, das Herz und die Leber. Es ruft einen tief greifenden Nervenschock hervor; mit tödlicher Übelkeit, Zittern und Erschöpfung. Schnell ermüdet von geringer Anstrengung. Lähmungen nach Diphtherie; Lähmungen Geisteskranker. Führt zu Desorganisation und Zerfall von Blut und Geweben. Gewebe zersetzen sich schnell, Fäulnisprozesse und maligne Zustände treten ein. Blutungen sind langsam, Sickerblutungen, dünnes, schwarzes Blut, keine Koagula; aus allen Körperöffnungen und Oberflächen, besonders aus dem Schlund. Blutiger Eiter und Schweiß. Teile dunkel oder bläulich verfärbt. Septische Zustände: der Tonsillen; Struma, Geschwüre, Abszesse, Furunkel. Petechien. Gangrän. Neuralgie als Folgeerscheinung einer Blutvergiftung. Chronische Gallenbeschwerden, Krankheiten der Wechseljahre. Ohnmachten. Konvulsionen: epileptische Anfälle; mit Gliederzittern, Schaum vor dem Mund, heftigem Schreien, Delirium. Pest. Gelbfieber. Gelbsucht. Allgemeines Brennen. Modergeruch; der Sekretionen. Sklerose: Multiple Sklerose; Lateralsklerose. Progressive Muskelatrophie. Zerrüttete Gesundheit, danieder liegende Lebenskraft; Ernährungsstörungen im Alter. Üble Folgen von: Schreck; Sonne [Sonnenstich]; Blitzschlag; verdorbenem Wasser; giftigen Ausdünstungen [z. B. Sumpfluft]. Greift die rechte Körperseite an. Ödem, generalisiert oder des leidenden Teils.
SchlimmerRechte Seitenlage. Beim Einschlafen. [Schläft sich in die Verschlimmerung hinein.] Warmes Wetter, Frühling. Alkohol. Feuchtigkeit, Nässe. Jährlich. Erschütterung. Beim Erwachen.
BesserLicht. Bewegung.
Geist und GemütWeinerliche Stimmung. Schwaches Gedächtnis; kann sich nicht gehörig ausdrücken. Spricht klagend. Ängstlich. Furcht vor drohendem Unheil. Verschreibt sich, macht orthographische Fehler. Delirium: murmelndes; nuschelt, stolpert über die Wörter; Delirium tremens. Melancholie. Traurig. Gedanken verweilen beim Tod. Dementia senilis: in den Anfangsstadien; vergisst Zahlen, Namen und Orte, oder Argwohn gegen Freunde, oder wähnt sich von Feinden oder scheußlichen Tieren umgeben; Antipathie gegen die eigene Familie. Reizbar, verdrießlich.
KopfSchwindel; mit Ohnmacht, Schwäche, Zittern. Schmerz im Hinterkopf, wie von einem Schlag; in Wellen vom Rückgrat herauf. Starker Schmerz in der Mitte der Stirn. Kopfweh mit Schmerz im Herzen beim Liegen auf der linken Seite. Kopfweh schlimmer bei Erschütterung, muss auf Zehenspitzen gehen.
AugenBrennend, rot; tränend. Gelbe Farbe der Augen. Neuralgie [mit reißendem, bohrendem Schmerz], als würde rings um das Auge ein Schnitt geführt. Resorbiert intraokulare Blutungen, besonders bei nichtentzündlichen Prozessen; Netzhautblutung. Amblyopie, von Kummer oder von Überanstrengung der Augen.
OhrenInnenohrschwindel. Blut sickert aus den Ohren.
NaseNasenbluten, besonders bei Diphtherie oder anderen septischen Krankheiten. Ozäna; nach Syphilis; nach Exanthemkrankheiten. Nasenspitze blau und rot.
GesichtVerzerrt, beim Erwachen. Lippen geschwollen, steif und taub. Dunkel verfärbtes Gesicht, benommener Gesichtsausdruck. Gesicht gelb; totenblass. Kieferklemme. Akne: masturbierender Personen; von Trinkern; seitdem die Monatsblutung verspätet eintritt.
MundModriger Atem. Zähneknirschen; nachts. Zunge: gelb, geschwollen, hervortretend; nach rechts herausgestreckt. Mund füllt sich mit Speichel. Speichel blutig, schaumig. Zungenkarzinom mit Blutungsneigung. Gaumensegel wie steif. Kann nicht sprechen, es ist, als ob die Zunge und der ganze Schlund fest zugeschnürt wären.
HalsTrocken, mit Durst. Empfindung engen Zusammenschnürens im Hals. Schluckbeschwerden bei jeder festen Speise. Halsschleimhaut nekrotisiert, angeschwollen.
MagenVerlangen nach: Schweinefleisch, Stimulanzien [besonders Wein], Zucker. Erbrechen: von Galle; grasgrün; kann nichts im Magen behalten. Unerträglichkeit von Kleidung um die Magengegend. Erbrechen, Abführen und Wasserlassen gleichzeitig. Magenkrebs, Magengeschwüre; übergibt sich beim Liegen auf der rechten Seite. [Kann nicht auf der rechten Seite liegen, ohne augenblicklich zu erbrechen.] Hämatemesis; schwarzes Blut. Jeden Monat Übelkeit und Erbrechen; nach der Periode.
AbdomenGeschwollen, heiß, berührungsempfindlich. Peritonitis. Leistenlymphknoten vergrößert. Blutungen aus dem After beim Stehen und Gehen. Intestinale Blutungen. Stühle schwarz, dünn, übel riechend. Perinealabszess. Gelbsucht: hämatogen, bösartig. Kälte in Magen oder Bauch wie von einem Stück Eis. Schmerz in der Leber und auf der Schulterhöhe.
HarnwegeDunkler, blutiger Harn; Albuminurie; Urin spärlich; grüngelb. Hämaturie bei Blasen- oder Prostatakrebs.
Weibliche GenitalienDysmenorrhö mit Schmerz im Unterbauch, die Schenkel herab, und mit Wehtun in der Herzgegend. Gefühl, als sollte der Uterus herausfallen. Kindbettfieber. Übel riechender Wochenfluss. Phlegmasia alba dolens, [Schmerz] schlimmer bei Berührung.
AtemwegeÄngstliches, mühsames Atmen. Husten mit blutigen Sputa, die modrig riechen. Brustbeklemmung bei alten Leuten.
HerzSchwache Herztätigkeit, Herzzittern; Herz wie lose in der Brusthöhle, als ob es sich überschlüge. Herzklopfen während der Menses. Herz tut weh beim Liegen auf der linken Seite.
ExtremitätenArme und Beine werden taub; erst ein Glied, dann das andere. Schmerz auf der Schulterhöhe. Rechtsseitige Lähmung. [Oder:] Lähmung der linken Hand und des linken Beins. Hände wie abgestorben, beim Nähen. Kann die Beine nicht still halten.
HautIkterus; Gelbsucht, Septikämie. Purpura haemorrhagica. Furunkel, Karbunkel; Nagelgeschwüre. Alte Narben brechen wieder auf. Ödem im Umkreis leidender Teile [z. B. von Furunkeln]. Haut kalt und trocken. [Buntscheckige Färbung durch Sugillationen], die Haut bietet alle Farbschattierungen.
SchlafSchläfrig, aber kann nicht schlafen. Schlaflos durch nervöse Erregung. Schreckliche Träume, von Toten. Erstickungsgefühl nach dem Erwachen.
FieberBösartige fiebrige Erkrankungen, hohes Fieber; Gelbfieber; zerebrospinale Meningitis. Schwarzwasserfieber [bei Malaria tropica]. Schweiß: kalt; blutig.
KomplementärLycopus.
VerwandtLachesis; Sulfuricum acidum.

  • Das Gift der nordamerikanischen Klapperschlange. Phatak unterscheidet nicht zwischen Crotalus horridus und Crotalus cascavella, der südamerikanischen Klapperschlange, sodass einige Symptome auch von letzterer stammen.

  • In Herings Wirkungen des Schlangengifts sind Prüfungen und Bissfolgen gesammelt. Erhebliche Erweiterung durch weitere Prüfungen (Hayward, Stokes u. a.) sowie Beobachtungen an Vergifteten; nachzulesen bei AE, Band 3 und Hughes, Cyclopedia, Band 2 sowie in Herings Guiding Symptoms.

Croton tiglium
AllgemeinesIst in der schulmedizinischen Praxis als starkes Abführmittel und als Hautreizmittel benutzt worden; greift die Schleimhäute des Darmtrakts an und ruft wässrige Entleerungen hervor. Die Haut wird noch mehr affiziert, besonders im Gesicht und am Hodensack. Ein eigentümliches Gefühl, als würden Teile des Körpers nach hinten gezogen, die Augen, die Brustwarzen usw. Hautsymptome im Wechsel mit inneren Symptomen, Durchfall usw. Empfindung, als wäre die Haut straff über den Körper gespannt.
SchlimmerTrinken oder Essen; in geringster Menge. Waschen. Sommer. Berührung. Bewegung. Zurücktreten von Exanthemen.
BesserNach Schlaf. Sanftes Reiben.
Geist und GemütEigentümliches Angstgefühl, als stehe ein Unglück bevor. „Keine Freude zur Arbeit, möchte lieber tändeln als sich ernsthaft beschäftigen.“ Gefühl, als könnte man nicht ‚aus sich herausdenken‘, als wäre alles innen eingesperrt165

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Phatak sagt: „Fühlt sich ganz ausgelaugt“ („feels all spent up“). Dies beruht jedoch auf einem Lesefehler, denn richtig heißt es „pent up“, eingesperrt, ‚zu‘. Vgl. dazu auch das Gefühl der straff über den Körper gespannten Haut.

und die Gedanken könnten nicht heraus. Mürrisch und missvergnügt.
KopfKopfschmerz durch den Druck des Hutes. [Übelkeit und] Schwindel, schlimmer durch Trinken.
AugenEitrige Ophthalmie; Augen sehen rot und wie roh aus. Pusteln auf der Hornhaut, mit Hautausschlag rund um die Augen. Augen wie nach hinten gezogen. Spannungsschmerz über der (rechten) Orbita.
OhrenOtorrhö, wenn starkes Jucken vorhanden ist.
GesichtPustelausschläge im Gesicht. Gefühl, als kröchen Insekten im Gesicht.
Mund, HalsNeuralgie der Zunge. Brennen entlang der Speiseröhre.
MagenGroße Übelkeit, dass ihr das Sehen [und Hören] vergeht.
AbdomenBeim Drücken auf den Nabel Schmerzgefühl bis zum Ausgang des Mastdarms [der sich dabei immer etwas auswärts drängt], oder Stuhldrang. Schmerz im After, wie von einem steckengebliebenen und herausdrängenden Pflock. Gurgeln oder Schwappen, als wäre Wasser in den Därmen; dann reichliche, plötzliche, schussweise abgehende Stühle, gelblichem Wasser gleichend; schlimmer durch die geringste Menge Getränk oder auch beim Essen; danach Erschöpfung. Sommerdurchfall, Cholera infantum. Heiße Milch [bzw. Milchsuppe] lindert Bauchschmerzen.
HarnwegeNachturin: schäumend; dunkel oder orangegelb, trübt sich beim Stehenlassen, fettige Partikel schwimmen obenauf. Tagurin: blass, bildet weißen Bodensatz.
Männliche GenitalienEkzem des Skrotums. Bläschenausschläge auf Hodensack und Eichel. Linker Hoden hochgezogen, rechter schlaff herabhängend.
Weibliche GenitalienStarkes Jucken der Geschlechtsteile, besser durch sanftes Reiben. Schmerz von der Brustwarze durch zum Schulterblatt, jedes Mal wenn das Kind die Brust nimmt. Brustwarzen sehr berührungsempfindlich. Knoten in den Brüsten; mit Schmerz von der Brustwarze zum Schulterblatt. Brüste verhärtet, geschwollen.
AtemwegeHusten, sobald der Kopf das Kissen berührt; muss sich aufsetzen. Gefühl, als ob die Luft beim Atmen nicht tief genug in die Zellen eindringen könnte, als ob sich die Lungen nicht gehörig ausdehnten.
Rücken, ExtremitätenNacken und Schultern schmerzen.
HautWie zu straff gespannt. Heftig juckende, brennende, rote Haut; wund schmerzend beim Kratzen, besser bei sanftem Reiben. Hautausschläge: Pusteln, Blasen, in Gruppen; sie brechen auf und bilden Krusten, besonders an den Genitalien, an den Schläfen und am Scheitel. Gürtelrose. Ekzeme.
VerwandtRhus toxicodendron.

  • Das Öl der Samen des Purgierbaums, Croton tiglium L. Verschiedene Prüfungen mit Einnehmen der rohen Substanz oder von Potenzen, Riechenlassen, Applikation auf die Haut usw.; dazu zahlreiche Vergiftungsfälle.

  • Quellen: Hermann, in: Praktische Mitteilungen; Buchner, in: AfH, Band 19 und 20; AE, Band 3 und 10.

Cubeba
AllgemeinesErzeugt Katarrh der Schleimhäute: der Harnröhre, der Blase, der Vagina. Brennen und Roheitsgefühl im Hals, im Magen, im Bauch, im Mastdarm, in der Harnröhre, in der Fossa navicularis. Absonderungen: dick, scharf, gelb oder grünlich, eiterartig, übel riechend; nach heftiger Entzündung.166

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Vgl. Nash, Leaders: „Gonorrhö … wenn, nachdem das erste oder entzündliche Stadium unter den üblichen Mitteln überwunden ist, weiterhin ein Brennen in der Harnröhre besteht und der Ausfluss dick, gelb oder eiterartig bleibt.“

Passt auf Personen von biliöser Konstitution, mit Neigung zur Stuhlverstopfung.
SchlimmerNachts, im Bett.
BesserAufstehen und Umhergehen.
KopfStirn- und Schläfenadern geschwollen.
MundBei jedem Versuch zu lächeln oder zu sprechen scheint sich der Mund nach einer Seite hin zu verziehen.
HalsSchluckt fortwährend Speichel, um Brennen und Trockenheit im Hals zu mildern. Katarrh.
MagenVerlangen nach Orangen, Zwiebeln, Mandeln und Nüssen.
AbdomenBrennen in Magen und Bauch. Stühle: gallertartig, aus durchsichtigem Schleim bestehend, vermischt mit weißlichen, glänzenden, wie Reiskörner aussehenden Teilchen, schlimmer nachts im Bett, besser durch Aufstehen und Umhergehen. Kalte Stühle.
Harnwege, männliche GenitalienKrampfschmerzen [Zusammenschnüren], Schneiden und Brennen in der Harnröhre, nach dem Wasserlassen. Blasenentzündung. Prostatitis, mit dickem, gelbem Ausfluss. Zäher Tripperausfluss.
Weibliche GenitalienEntzündung von Harnröhre und Vagina, chronisch, mit reichlichem Ausfluss. Scharfer Ausfluss bei kleinen Mädchen.
AtemwegeKatarrh von Nase und Hals, mit stinkendem [Nasensekret und] Auswurf.
VerwandtCistus; Copaiva.

  • Der „Kubebenpfeffer“, pfefferähnliche Früchte eines indonesischen Strauchs, Piper cubeba L.

  • Es existieren Prüfungs- und Vergiftungssymptome sowie Beobachtungen an Kranken aus diversen Quellen (zusammengefasst bei Noack/Trinks, Handbuch der homöopathischen Arzneimittellehre, sowie in AE), ferner eine Prüfung von Houat (englische Übersetzung in AE, deutsche Übersetzung in der AHZ erschienen) mit zahlreichen Symptomen.

Culex musca
AllgemeinesSchwindel beim Naseputzen. Empfindung, als bliese kalte Luft durch ein Loch in den Kleidern, an der Brust oder am Rücken. Monatsblutung hinterlässt Flecken auf der Wäsche, die nicht mehr herausgehen. Kneifender Schmerz die Hüften herab, dann in den Uterus hinein. Ödematöse Schwellungen.

  • Eine Mücke; welche Art gemeint ist, ist nicht klar. Phatak gibt in der Überschrift an: „Moskito“. Leeser vermutet, dass es sich entweder um die gewöhnliche Mücke Culex pipiens oder um die Moskito Anopheles maculipennis handelt.

  • Aus einer Prüfung von Kent (New Remedies) ist nichts übernommen worden; alle Symptome stammen von Boger, Synoptic Key.

Cuprum aceticum
AllgemeinesEs dreht sich im Kopf, wenn man in einem Zimmer mit hoher Decke ist. Gesichtsneuralgie: Schmerz im Wangenknochen, Oberkiefer und hinter dem Ohr, besser durch Kauen, äußeren Druck und warmes Einpacken. Chorea: periodisch, mit Schwermut und Grauen vor Gesellschaft. Chronische Schuppenflechte; lepraähnlicher Hautausschlag über den ganzen Körper, aus Flecken unterschiedlicher Größe bestehend, ohne Juckreiz. Bei Epilepsie beginnt die Aura im Knie und steigt zum Unterbauch auf. Sich lange hinziehende Geburten.
SchlimmerHitze167

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Hering erwähnt in den Guiding Symptoms, dass bei einem Fall von Gesichtsneuralgie während der Schmerzen warmes Einpacken half, die Patientin aber keine Wärme um den Kopf vertrug, wenn die Schmerzen abwesend waren. Möglicherweise ist dies der Grund dafür, dass Wärme bzw. Hitze sowohl unter „Besser“ als auch unter „Schlimmer“ auftaucht.

. Bewegung. Gefühlsbewegungen. Berührung.
BesserKauen. Druck. Wärme.

  • Neutrales Kupferacetat, Grünspan.

  • Die Symptome stammen größtenteils aus Grünspanvergiftungen und klinischen Erfahrungen. Es ist nicht möglich, die Symptome von Cuprum aceticum klar von denen von Cuprum metallicum und Cuprum sulfuricum zu trennen (schon Hahnemann hat das nicht getan).

Cuprum arsenicosum
AllgemeinesRuft Infekte des Verdauungstrakts hervor, mit heftigen Kolikschmerzen, Erbrechen, Durchfall; mit Urämie; mit hartnäckigem Singultus und eiskaltem Körper; Cholera. Heftige Muskelkrämpfe in der Brust [Bronchialkrämpfe], in Fingern, Waden, Zehen usw. Krämpfe bei Urämie oder nach gastrointestinalen Symptomen. Viszerale Neuralgie – scharf schießende Bauchschmerzen. Reiswasserstühle; Sommerdurchfall der Kinder. Schwaches Herz. Kalter, klebriger Schweiß, intermittierend. Wadenkrämpfe, besser durch Pressen des Fußes gegen den Boden. [Nächtliche Wadenkrämpfe, nur durch Verlassen des Bettes und Stehen gemildert.] Gefühl wie taub und gelähmt in den Beinen. Chorea nach Schreck. Zittern des ganzen Körpers beim Versuch zu gehen. Urin, der nach Knoblauch riecht.
SchlimmerBerührung. Druck. Feuchtigkeit. Bewegung.

  • Kupferarsenit, „Scheeles Grün“, CuHAsO3.

  • Mehrere Prüfungen (hauptsächlich von Blakeley, in AE, Band 4) und Vergiftungsberichte.

Cuprum metallicum
AllgemeinesMetallisches Kupfer ist eines der wichtigsten Arzneien bei Krankheitszuständen, die ‚nach innen schlagen‘, d. h. wenn Ausschläge und Absonderungen unterdrückt werden oder gar nicht erst erscheinen. Wirkt auf die Nerven der zerebrospinalen Achse und auf die Muskeln und erzeugt spastische Erscheinungen: Konvulsionen und Krämpfe in heftiger Form. Die Krämpfe können tonisch oder klonisch sein; sie beginnen meist in den Knien, Zehen oder Fingern und breiten sich von da über den ganzen Körper aus; begleitet von durchdringenden Schreien und Schiefziehen des Kopfes; auch Kinnbackenkrampf; gefolgt von Kopfschmerz, krampfhaftem Lachen, Frieren, tödlicher Erschöpfung, kaltem Schweiß usw. Epileptische Konvulsionen; nächtliche Krampfattacken, während der Menses. Bei Epilepsie fällt der Patient mit einem Schrei zu Boden und lässt Urin und Kot unter sich; Kopfschmerz nach den Krampfanfällen; eine Gruppe von Krampfsymptomen wird von einem todesähnlichen oder ekstatischen Zustand gefolgt. Kinderkrämpfe während der Zahnung; Kind liegt auf dem Bauch und stößt krampfhaft den Hintern in die Höhe. Krämpfe mit blauem Gesicht und eingeschlagenen Daumen. Schmerzhafte Muskelkrämpfe können auftreten: in der Brust, hinter dem Sternum (auch Angina pectoris), an den Zehen, an den Fingern, in den Waden – wo die Muskeln zu Knoten zusammengezogen werden, besser durch Ausstrecken des Beins –, in den Fußsohlen usw.; sie pressen den Leidenden Schreie aus. Zuckungen; im Schlaf. Chorea nach Schreck; periodische Chorea. Schmerzen: schlimmer durch Berührung und Bewegung; drückend; wie gestoßen oder zerbrochen; erschütternde, durch den ganzen Körper fahrende Schmerzen. Symptome erscheinen in Gruppen, die als erneuerte Anfälle von Zeit zu Zeit wiederkommen; in kurzen Intervallen. Beschwerden beginnen auf der linken Körperseite. Nervöses Zittern, mit allzu großer Feinheit und Empfindlichkeit der Sinne. Anhaltende Schwäche. Üble Folgen von geistiger und körperlicher Erschöpfung; von Schlafmangel. Reaktionsmangel. Latente, symptomenlose Beschwerden. [Aber auch:] Überempfindliche Patienten, jede Arznei zeitigt zu starke Effekte und hat keine Heilwirkung. Rückfallneigung. Bläuliche Färbung der Körperoberfläche. Kollaps. Lähmung einzelner Muskeln. Nachwehen bei Frauen, die mehrere Kinder geboren haben.
SchlimmerGemütserschütterungen; Zorn, Schreck. Unterdrückung [von Ausschlägen usw.]. Überanstrengung, geistig und körperlich. Schlafmangel. Bewegung. Berührung. Heißes Wetter. Erbrechen. Heben der Arme. Vor den Menses. Bei Neumond.
BesserMesmerisieren, Handauflegen auf den leidenden Teil. Kalte Getränke. Äußerer Druck über dem Herzen.
Geist und GemütNervös. Unruhig. Sagt Worte, die er nicht sagen wollte. Durchdringende Schreie. Heftiges Weinen. Lachkrämpfe. Delirium; mit kaltem Schweiß endend. Furcht vor Gesellschaft, flieht die Menschen. Verwirrtheit. Angst vor jedem, der ihm nahe kommt. Geschwätzig; dann melancholisch; mit Anfällen von Todesangst. Gefühl, als ob man das Bewusstsein verlieren würde. Wutanfälle; will die Umstehenden beißen. Manische Zustände: beißt, schlägt zu, zerreißt Dinge; macht andere nach, grimassiert. Mürrisch; tückisch; bald nachgiebig und bald widerspenstig. Boshaft.
KopfSchwindel: mit innerem Zittern; Kopf will auf die Brust sinken; besser durch Stuhlentleerungen und beim Liegen, schlimmer beim In-die-Höhe-Sehen. Kann den Kopf nicht aufrecht halten oder bohrt ihn ins Kissen; bei Meningitis. Seltsames kribbelndes Gefühl im Scheitel (bei Ausbleiben der Monatsblutung). Schmerz im Kopf, wie hohl. Kopfschmerz nach epileptischen Anfällen. Empfindung, als würde [kaltes] Wasser über den Kopf gegossen, bei Kopfschmerzen. Zieht sich an den Haaren. Wiegt den Kopf von einer Seite auf die andere.
AugenStarre, stiere, eingefallene Augen; glänzend; fixiert und nach oben gewendet. Augäpfel rotieren schnell hinter geschlossenen Lidern, oder bewegen sich hin und her wie ein Perpendikel. Augenhöhlen schmerzen wie zerschlagen, beim Wenden der Augen. Lider krampfhaft geschlossen. Zucken der Lider (besonders links) und Lichtscheu; bei Asthma.
GesichtBläulich, livide; blass; verzerrt; eingefallen, spitz. Eiskalt. Blaue Lippen. Trismus. Kaubewegungen des Unterkiefers.
MundFest geschlossen, oder offen stehend mit schnellem Vor- und Zurückfahren der Zunge, wie das Züngeln einer Schlange (bei Konvulsionen). Zähneknirschen. Schleimiger oder metallisch-süßlicher Mundgeschmack. Die Sprache vergeht ihm; Stammeln; Zungenlähmung. Schaum vor dem Mund. „Das Essen schmeckt wie lauter Wasser.“
HalsUnvermögen zu sprechen, wegen Krampf in der Kehle. Hörbares Gluckern im Schlund beim Schlucken von Flüssigkeiten.
MagenVerlangen nach kalten Getränken. Wasseraufschwulken nach Milchgenuss. Singultus: geht Erbrechen, Konvulsionen oder Asthmaanfällen voraus. Übelkeit, ausgeprägter als bei jedem anderen Mittel.168

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Bei Phatak nur: „Übelkeit ausgeprägter“ (?); ergänzt nach Boericke.

Erbrechen: heftig, quälend; mit den schrecklichsten Leibschmerzen; mit Durchfall oder Konvulsionen, mit Schreien; besser durch Trinken kalten Wassers. Schmerzhaftes, krampfartiges Drücken im Oberbauch, schlimmer durch Berührung und Bewegung. Hartnäckiges Erbrechen, immer morgens oder vormittags beim Erwachen; Erbrechen bei der geringsten Bewegung. Periodische Brechanfälle. Empfindung im Magen, als hätte man etwas Bitteres darin.
AbdomenGespannt oder zusammengezogen, heiß, berührungsempfindlich. Furchtbare Kolikschmerzen, mit Zusammenziehung der Bauchdecken, besser durch Druck169

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Vor allem durch festes Bandagieren des Bauches scheint eine Besserung erreicht zu werden, wie beim im nächsten Satz vorgestellten „Kugelgefühl“. Es gibt jedoch auch zahlreiche Angaben, dass Druck Bauchschmerzen verschlimmern kann.

; schlimmer durch Heben der Arme. Empfindung, als ob eine Kugel unter den Rippen hin und her ginge, besser durch eng anliegende Kleidung oder Bandage um den Bauch sowie durch Stillliegen. Invagination [eines Darmabschnitts]; mit Koterbrechen. Durchfall: reichlich, wegspritzend; grüne Flüssigkeit. Cholera; Sommerdiarrhö der Kinder. Würmer: Spul-, Band- oder Madenwürmer. Stuhlverstopfung mit großer Hitze des Körpers. Liegt auf dem Bauch und stößt krampfhaft den Hintern in die Höhe (bei Bauchschmerzen, bei Krämpfen). Krampfhafte Bewegungen der Bauchmuskeln. Leberzirrhose.
HarnwegeAnurie (bei Cholera); Urämie. Ausscheidung klaren, wässrigen Urins während oder nach einer Krampfattacke.
Männliche GenitalienWadenkrämpfe, die den Koitus verhindern, besonders bei alten und bei nervösen jungen Männern.
Weibliche GenitalienAusbleiben der Menses nach Unterdrückung von Fußschweiß. Heftige Bauchkrämpfe, die sich auf die Brust ausdehnen, vor oder während der Periode, oder bei Ausbleiben der Monatsblutung; Konvulsionen vor den Menses. Krampfanfälle [bei der Geburt oder] im Wochenbett, mit offenem Mund und Opisthotonus. Äußerst schmerzhafte Nachwehen, besonders bei Frauen, die schon mehrere Kinder geboren haben.
AtemwegeStimmritzenkrampf. Atemnot – kann nichts in der Nähe des Mundes ertragen170

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„Kann sich nicht einmal ein Taschentuch vors Gesicht halten“, heißt es in Herings Guiding Symptoms.

; schlimmer durch Husten, Lachen, Zurückbiegen des Körpers sowie vor der Monatsblutung. Asthma; dem Anfall geht Schluckauf voraus; Asthma im Wechsel mit krampfhaftem Erbrechen. Husten, in heftigen Anfällen; hustet, bis sie keine Luft mehr bekommt; besser durch kalte Getränke; schlimmer durch Tiefatmen und Zurückbiegen des Körpers; begleitet von Muskelkrämpfen und Tränen der Augen. Keuchhusten. Schmerzhafte Zusammenziehung der Brust (besonders des unteren Brustbereichs). Lautes Rasseln in der Brust. Zittern nach dem Husten. Heiserkeit, sobald er kalte [trockene] Luft atmet. Intermittierende Aphonie bei Berufssängern.
HerzAngina pectoris, mit asthmatischen Symptomen und Muskelkrämpfen. Herzklopfen, vor der Periode. Puls langsam; oder hart, voll und schnell.
Äußerer Hals und RückenLähmung aller Muskeln bis zum Hals hinauf.
ExtremitätenZucken in Händen und Füßen. Einschlagen der Daumen in den Handteller. Schmerzhafte Krämpfe in den Handflächen, Waden und Fußsohlen. Gelenke kontrahiert. [Beugemuskeln stark zusammengezogen, glaubt, die Gelenke werden jeden Augenblick zerbrechen.] Schmerzhafte Schwere im Fußgelenk. Knie: epileptische Aura beginnt in den Knien; Schmerz wie zerbrochen. Schultergelenk ankylosiert. Knie knicken unwillkürlich ein beim Gehen, sodass er fällt.
HautUnterdrückte oder sich nicht entwickelnde Exantheme. Geschwüre, juckende Stellen und Effloreszenzen in den Gelenkbeugen. Gelber, Schuppen bildender Hautausschlag (in der Ellenbeuge). Starkes Jucken ohne Ausschlag. Chronische Schuppenflechte. Lepra [„aussatzähnlicher Ausschlag“].
SchlafTiefer Schlaf, mit Rucken durch den Körper. Im Schlaf stetes Knurren im Unterleib.
FieberEiskalt am ganzen Körper. Friert leicht. Schweiß: kalte, klebrige Nachtschweiße; von saurem Geruch, nach Konvulsionen.
KomplementärCalcarea carbonica.
VerwandtVeratrum album.

  • Metallisches Kupfer.

  • Hahnemanns Zusammenstellung in den Chronischen Krankheiten, Band 3, ist die wichtigste Quelle; sie enthält zahlreiche Prüfungs- und Vergiftungssymptome. Viele davon stammen allerdings von Cuprum aceticum oder sulfuricum. Benutzt habe ich auch eine Zusammenstellung der Kupfersymptome „ab usu in morbis“ von Rückert.

Curare
AllgemeinesEin Gift für die Muskeln [d. h. für die Endigungen der motorischen Nerven], das diese lähmt, ohne die Sinnesempfindungen oder das Bewusstsein zu beeinträchtigen. [Schwappende] Empfindung im Gehirn, als wäre Flüssigkeit [ein seröser Erguss] darin. Absonderungen sind stinkend. Lähmungen: des Gesichts, der Wangen; auch drohende Atemlähmung; Paralysis pseudo-hypertrophica. Diabetes mellitus. Katalepsie. Lepra. Als hinge ein schweres Gewicht an Körperteilen – Armen, Beinen usw.
SchlimmerBewegung. Feuchtigkeit. Kaltes Wetter. Zwei Uhr morgens. Rechte Körperseite.

  • Südamerikanisches Pfeilgift, aus Rinde und Holz einer Reihe von Arten der Gattung Strychnos gewonnen (Verwandtschaft mit Nux vomica und Strychninum). Die verwendeten Pflanzenarten scheinen zu differieren, nicht aber der Inhaltsstoff Curarin.

  • Einige Prüfungen (Wesselhoeft, in Hughes, Cyclopedia, Band 2; Houat, in AE, Band 4, unter „Appendix“), sowie Beobachtungen von Vergiftungsfällen.

Cyclamen
AllgemeinesWirkt auf den Verdauungstrakt und die weiblichen Geschlechtsorgane; erzeugt Sehstörungen oder Schwindel als Folgen der Dysfunktionen im Verdauungsbereich und der Störungen des weiblichen Zyklus. Anämische Personen. Zu keiner Arbeit aufgelegt und leicht ermüdet. Widerwille gegen die freie Luft. Drückende Schmerzen an Körperteilen, wo die Knochen von der Haut unmittelbar bedeckt werden [Schienbein, Schlüsselbein]. Stechende Schmerzen. Üble Folgen von innerem Gram und Gewissensqualen.
SchlimmerKälte. Abends. Sitzen. Stehen. Frische Luft. Fett.
BesserBewegung. Während der Menstruation [bzw. durch ihr wieder Eintreten]. Reiben. Warmes Zimmer. Limonade. Weinen. Waschen oder Baden des leidenden Teils.
Geist und GemütGeist stumpf, schläfrig, verdrießlich. „Unbekanntes, freudiges Gefühl“, im Wechsel mit Reizbarkeit. Selbstvorwürfe. Traurigkeit, als hätte man eine böse Handlung begangen und seine Pflicht nicht erfüllt. Stilles Weinen. Gefühl, als ob ihr alle Zimmer zu klein würden [und doch will sie nicht ins Freie gehen]. Sinnestäuschungen, Einbildungen: als ob zwei Personen in ihrem Bett lägen. Weinerlich, brütet über eingebildetem Kummer. Bildet sich ein, von allen verlassen zu sein oder verfolgt zu werden.
KopfSchwindel – Gegenstände scheinen sich im Kreis zu drehen oder sehen blass aus171

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Es ist nicht klar, was damit genau gemeint ist. Trübsehen wie durch Nebel, mit undeutlichen Konturen der Gegenstände, ist jedenfalls in den Prüfungen vielfach belegt.

, schlimmer [bei Bewegung] im Freien; besser im Zimmer und im Sitzen. [Druck im Scheitel], als ob das Gehirn mit einem Tuch umzogen würde. Kopfschmerzen mit Flimmern vor den Augen, besser durch Umschlag mit kaltem Wasser. Schmerz in der linken Schläfe. Lang anhaltende Migräne. Als schlackerte das Gehirn lose umher, beim Gehen; Monatsblutung ausbleibend oder schwach.
AugenTrübsehen, bei Kopfweh. Flimmern, glänzende Objekte oder schwarze Flecken vor den Augen. Sieht zahllose Sterne. Schielen, besonders in Verbindung mit Störungen des weiblichen Zyklus. Strabismus convergens, auch nach Konvulsionen; linkes Auge nach innen gekehrt. Doppeltsehen. Halbseitenblindheit.
OhrenJucken im Ohr, dabei viel Ohrenschmalz.
NaseNiesen, und zugleich Jucken im Ohr. Verlust des Geruchssinns.
GesichtBlass, anämisch. In der Oberlippe Taubheitsempfindung, oder Gefühl, als wäre eine Verhärtung darin.
MundVerlust des Geschmackssinns, oder salziger Mundgeschmack. Speichel von salzigem Geschmack, der sich auch allen Speisen mitteilt. Alles Gegessene schmeckt salzig.
MagenSatt nach ein paar Bissen. „Genießt er von einer Speise auch nur wenig, so widersteht ihm das Übrige und ekelt ihn an.“ Der Appetit vergeht nach ein wenig Fleischbrühe oder einer Tasse Tee. „Schlucksendes“ Aufstoßen, Schluckauf mit Aufstoßen. Singultus; schlimmer während der Schwangerschaft; mit Gähnen. Übelkeit wird im [Gaumen und] Hals empfunden. Hyperemesis; der Schwangeren. Verlangen nach Limonade; nach ungenießbaren Dingen. Schweinefleisch bekommt nicht. Verlangen nach Sardellen.172

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Es heißt in der Literatur sonst „Sardinen“, nach Herings Guiding Symptoms; dieser bezieht sich jedoch auf einen Fall von Eidherr, wo es um ein Verlangen nach Sardellen geht.

Abneigung gegen Butterbrot, Fleisch, Fett, Bier.
AbdomenDurchfall, nach jedem Kaffeegenuss erneuert. Empfindung von Laufen und Krabbeln in den Därmen, als wäre etwas Lebendes darin. Am After und im Damm [ziehend drückender Schmerz], als ob unter der Haut eine vereiterte Stelle wäre, im Gehen und Sitzen.
HarnwegeUrin reichlich, wässrig und häufig.
Männliche GenitalienWundheitsempfindung an Eichel und Vorhaut nach leichtem Reiben. Stechen und Drücken in der Prostata, mit Stuhl- und Harndrang.
Weibliche GenitalienMenstruation: in großer Menge, schwarz; oder sehr wechselhaft; mit Schleimfetzen; mit Klumpen geronnenen Blutes; zu früh; mit wehenartigen Schmerzen vom Kreuz zur Scham hin; Blutung schwächer, wenn sie umhergeht. Dysmenorrhö. Schmerzhafte postpartale Blutung, Schmerz schwächer, nachdem ein Blutschwall abgegangen ist. Ausbleibende Regelblutung; „infolge forcierten Tanzens“ oder nach Erhitzung. Vergrößerung der Brüste, mit milchartigem Sekret, nach der Regel. Milchproduktion in den Brüsten, bei nicht-schwangeren Frauen oder bei Jungfrauen. Gefühl, als ob Wind oder Luft aus den Brustwarzen strömte. Ausfluss, bei verzögerter oder schwacher Monatsblutung.
AtemwegeHusten im Schlaf, ohne aufzuwachen.
HerzHäufiges Herzklopfen, bei ausbleibender Monatsblutung.
ExtremitätenSchmerzen in Teilen, wo die Knochen dicht unter der Körperoberfläche liegen. Brennender Wundheitsschmerz an den Fersen, besser beim Gehen, schlimmer im Sitzen und Stehen. Mattigkeit in den Knien. Krampfartige, langsame Krümmung des rechten Daumens und Zeigefingers, die mit Gewalt wieder ausgestreckt werden müssen. Schreibkrämpfe.
SchlafTraumvoll, mit Furcht erregenden oder lasziven Träumen.
HautAkne junger Frauen; Juckreiz besser durch Kratzen und wenn die Monatsblutung erscheint, schlimmer nachts im Bett.
FieberFrostigkeit am ganzen Körper, nicht besser durch Bedeckung. Übel riechender Schweiß [zwischen den Zehen].
VerwandtPulsatilla.

  • Cyclamen europaeum auct. = Cyclamen purpurascens Mill., das Wilde Alpenveilchen, von Hahnemann als „Erdscheibe“ und „Schweinsbrod“ bezeichnet. Die Namen kommen vom scheibenartigen Wurzelstock, der gern von Wildschweinen gefressen wird. Benutzt wird der frische Wurzelstock mit Wurzeln.

  • Prüfungen in Hahnemanns Reiner Arzneimittellehre, Band 4, in der Zeitschrift des Vereins der homöopathischen Ärzte Österreichs, 1857, Band 2, unter Leitung von Hampe, und von Lembke, NZfHK (zusammengefasst auch in: Possart, Homöopathische Arzneimittellehre). Bedeutsam für die Anwendung ist auch ein Resümee von Eidherr, der an der österreichischen Prüfung beteiligt war, über die klinischen Anwendungen von Cyclamen in der AHZ.

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