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Behandlungsansätze nach dem ÄhnlichkeitsprinzipÄhnlichkeitsprinzip

Tab. 2.1
Medikament Indikation Wirkrichtung Paradoxe Reaktion
Acetylsalicylsäure Zum Beispiel Kopfschmerzen Analgesie Analgetikakopfschmerz
Benzodiazepine Sedierung, Anxiolyse bei Unruhezuständen und Angst Sedierung, Anxiolyse Unruhe, Agitation
Methylphenidat Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) Aktivitätssteigerndes Amphetamin Beruhigung, Konzentrationssteigerung
Trizyklische Antidepressiva und SSRI Depression Antidepressivum Depressogene Wirkung
Protonenpumpenhemmer Vermehrte Magensäurebildung, Sodbrennen Protonensekretionsblockade Säurehypersekretion

Ähnlichkeitsprinzip und Krankheitsbegriff

Ulrich Koch

  • 2.1

    Einführung4

  • 2.2

    Die geschichtliche Entwicklung des Ähnlichkeitsprinzips4

  • 2.3

    Hahnemanns Entwurf6

  • 2.4

    Homoeopathia involuntaria7

  • 2.5

    Aktuelle Forschungsergebnisse zum Ähnlichkeitsprinzip8

  • 2.6

    Krankheitskonzepte in der Homöopathie9

    • 2.6.1

      Lebenskraftmodell9

    • 2.6.2

      Phänomenologie11

  • 2.7

    Theorien integrativer Behandlungsprozesse11

    • 2.7.1

      Selbstregulation und Reorganisation11

    • 2.7.2

      Nanomedizin12

    • 2.7.3

      Quantenphysik und Informationstheorie13

Ähnlichkeitsprinzip

Das Ähnlichkeitsprinzip ist die zentrale, tragende Säule des homöopathischen Behandlungsansatzes. Seit dem Altertum fand es in religiösen und medizinischen Schriften immer wieder Erwähnung, wurde aber erst von Samuel Hahnemann als Grundlage eines in sich geschlossenen Behandlungssystems formuliert. Bei dem Studium alter wie auch aktueller medizinischer Literatur finden sich viele Hinweise darauf, dass die Wirkungsweise unterschiedlichster Medikamente – auch aus dem Bereich der chemischen und phytopharmakologischen Therapie – zu einem bedeutenden Teil durch das Ähnlichkeitsprinzip erklärt werden kann. Moderne zellbiologische Forschungen sichern dieses Modell, indem sie Belege für das Ähnlichkeitsprinzip als Grundlage zellulärer Reperaturmechanismen liefern.

Das Ähnlichkeitsprinzip wirkt laut Hahnemann im Organismus auf dem Boden der Lebenskraft. Das Konzept der Lebenskraft beschreibt die Regulationsvorgänge im Organismus als ganzheitliches, dynamisches Modell, dessen Schwächen von Anbeginn die unzureichend genaue Definition des Begriffs und die fehlende Nachweisbarkeit waren. Deshalb wurden in den vergangenen 50 Jahren mehrere neue Modelle entwickelt – mit dem Ziel, die bei einem Heilungsprozess stattfindenden Vorgänge zeitgemäßer und genauer zu beschreiben. Von der Kybernetik und Systemtheorie über die Chaostheorie bis zu den aktuellen Modellen der Nanomedizin, Quantenphysik und Informationstheorie wurden Ansätze zusammengetragen, die ein tieferes Verständnis der im Organismus ablaufenden Prozesse ermöglichen und dabei nicht im Widerspruch zu den tragenden ursprünglichen Gedanken der Homöopathie stehen.

Einführung

Das Ähnlichkeitsprinzip, Similia similibus curenturSimilia similibus (curentur), das im Namen „Homöopathie“ verankert ist (1) und ein zentrales Element der homöopathischen Behandlung darstellt, ist als Grundlage einer möglichen und sinnvollen Behandlungsform medizingeschichtlich und kulturhistorisch schon sehr lange bekannt. Zu seiner Anwendung existieren praktisch gut verwendbare Verfahrensanweisungen, die aber oft nicht berücksichtigen, dass es keine allgemeinverbindliche Definition dieses Prinzips gibt und geben kann. Das beginnt bereits bei der Unmöglichkeit, den Begriff „Ähnlichkeit“Ähnlichkeit genau zu definieren, da Ähnliches immer Gleiches wie auch Ungleiches beinhaltet, und es oft kaum möglich ist, Ähnliches genauer als das Überwiegen von Gleichem gegenüber Verschiedenem zu beschreiben. Wesentlich für das Auffinden der ähnlichsten Arznei wäre einerseits ein Überwiegen quantitativer Übereinstimmungen, z. B. durch die Anzahl zutreffender Symptome zwischen Krankheitsfall und Arznei (2.6.2), andererseits aber auch das Auffinden qualitativer Entsprechungen, z. B. in Form charakteristischer Symptome oder Symptomenkomplexe (7.1.2).
Spätestens am Patienten wird deutlich, dass diese Einteilung stets subjektiv und relativierbar bleibt und nie die Präzision der mathematisch beschreibbaren Ähnlichkeitsbeziehung, z. B. zwischen zwei Dreiecken, erreichen kann. Deshalb bleibt die Anwendung des ÄhnlichkeitsprinzipsÄhnlichkeitsprinzip in der homöopathischen Arzneifindung stets ein unscharfer Prozess, der sehr von der Erfahrung des Behandlers abhängig ist und im Idealfall einer genauen Entsprechung der Krankheits- und Arzneisymptomatik in quantitativer und qualitativer Hinsicht nahekommt.

Daraus folgt, dass das ÄhnlichkeitsprinzipÄhnlichkeitsprinzip sich nicht nur in phänomenologischen Analogien ausdrückt, sondern im Behandlungsfall funktionell wirksam wird.

Die geschichtliche Entwicklung des Ähnlichkeitsprinzips

ÄhnlichkeitsprinzipGeschichteBereits vor 4 000 Jahren finden sich in vedischen Schriften erste Erwähnungen des Ähnlichkeitsprinzips als Behandlungsweg. Hervorzuheben ist auch die oft zitierte alttestamentarische Erwähnung im 4. Buch Mose: Das Volk Israel lehnte sich bei der Wanderung durch die Wüste gegen Moses und Gott auf und beklagte sich, woraufhin der Herr ihnen Giftschlangen schickte, welche die Israeliten bissen, sodass viele von ihnen starben. Dadurch erkannten sie, unrecht gehandelt zu haben und ließen Moses um Vergebung und Hilfe bitten. „Der Herr antwortete Mose: Mach dir eine Schlange und häng sie an einer Fahnenstange auf! Jeder, der gebissen wird, wird am Leben bleiben, wenn er sie ansieht. Mose machte also eine Schlange aus Kupfer und hängte sie an einer Fahnenstange auf. Wenn nun jemand von einer Schlange gebissen wurde und zu der Kupferschlange aufblickte, blieb er am Leben“ (Mose 4; 21,5–9).
Als biblisches Gleichnis einer Heilung verdeutlicht das Bild der kupfernen Schlange zudem einen zentralen Aspekt des Ähnlichkeitsprinzips: Zwei Dinge können als ähnlich bezeichnet werden, wenn in beiden etwas enthalten ist, das gleich ist.
Dies wird auf ganz andere Weise in einer Geschichte aus den Sagen Trojas beispielhaft dargestellt: Im Kampfe wird der mysische König TelephosTelephos von AchillAchill mit dem Speer an der Flanke verletzt. Doch die Wunden, die durch diesen mystischen Speer entstanden sind, widerstehen der Heilung, sodass selbst die berühmtesten Ärzte nur eine Linderung der Schmerzen bewirken können. Mit der Zeit aber hilft keine Behandlung mehr, den Schmerz zu lindern, woraufhin Telephos in seiner Verzweiflung das Orakel Apollos befragen lässt, das ihm die Auskunft gibt, dass nur der Speer, der die Wunde geschlagen habe, sie auch wieder heilen könne. Daraufhin reist Telephos dem inzwischen gen Troja gezogenen Achill hinterher, um ihn um seine Hilfe zu bitten. Die weisen Ärzte Podaleirios und Machaon feilen dort von dem herbeigebrachten Speer ein paar rostige Späne ab und streuen sie über die eitrige, geschwürige Wunde, die sogleich zu heilen beginnt. Binnen weniger Stunden war Telephos durch den Speer des Achill von der Wunde desselben genesen.
In die Heilkunde wird das Ähnlichkeitsprinzip schließlich von Hippokrates (ca. 460–337 v. Chr.) eingeführt, der es als eine Behandlungsmöglichkeit neben anderen im „Corpus Hippocraticum“ anhand vieler Beispiele darstellt und auf den sich später Hahnemann als einen seiner Vorläufer bezieht.
Philosophisch beschreibt PlatonPlaton (427–347 v. Chr.) im „Timaios“ eine zentrale Grundannahme und -voraussetzung des Ähnlichkeitsprinzips, das Alleinheitskonzept. Seiner Auffassung nach ist das Universum ein Ganzes, Vollkommenes aus lauter Ganzen im Sinne von in sich vollkommenen Teilen, sodass die Information des Ganzen sich bereits in jedem Teil wiederfindet und eine durchgängige Einheit und Ganzheit beschreibt, die ein wechselseitiges Durchdringen und Aufeinander-Bezugnehmen überhaupt erst möglich machen. Das findet in der Vorstellung Ausdruck, dass der Mensch als Mikrokosmos alle Wesenszüge des Makrokosmos in sich trägt und somit Schöpfung und Mensch zu einem untrennbaren Ganzen miteinander verwoben sind. Diese implizite Ordnung findet sich beispielsweise in einem Hologramm, einer dreidimensionalen Fotografie, wieder, die – wenn sie in Teile zerschnitten wird – immer noch auf jedem Teil das ganze Bild gut sichtbar enthält. Dadurch dass in einem Ganzen ein innerer Bezug besteht, sind die einzelnen darin auftretenden Objekte erst in der Lage, zueinander in Beziehung zu treten. Wie diese Beziehung aussehen muss, damit zwei Dinge aufeinander einwirken können, wird dann von AristotelesAristoteles (384–322 v. Chr.) ausgeführt: Dinge, die völlig gleich oder voneinander völlig verschieden sind, können nicht aufeinander einwirken. Sie müssen in einer Beziehung gleich und in einer anderen voneinander verschieden, also einander ähnlich sein. In seiner „Poetik“ führt Aristoteles diesen Entwurf unter expliziter Erwähnung des „Similia similibus“Similia similibus (curentur) genauer aus, indem er aufzeigt, dass in einem Drama die Erregung von Furcht und Mitleid beim Zuschauer vorhandene ähnliche Gemütsbewegungen zur Katharsis führt und reinigt. In ähnlicher Weise finden sich später Beispiele in Hahnemanns Schriften zur Untermauerung des Ähnlichkeitsprinzips.
In den folgenden Jahrhunderten wird in den unterschiedlichsten medizinischen Schriften immer wieder die Behandlungsmöglichkeit nach dem Ähnlichkeitsprinzip erwähnt, ohne dass es je als zentrales Element in einem medizinischen System Eingang findet. Erst im ausgehenden Mittelalter entdecken die AlchemistenAlchemie, allen voran ParacelsusParacelsus (1493–1541), den Wert des Ähnlichkeitsprinzips wieder, welches auf dem Boden einer ganzheitlichenGanzheitlichkeit Betrachtungsweise („Omnia in omnibus“) Ausdruck findet, v. a. in der SignaturenlehreSignaturenlehre, den Gebärden, in denen sich das geheimnisvollste Innere der Natur mitteilt. Ähnlich wie Jahrhunderte später Hahnemann war Paracelsus ein scharfer Kritiker der zu seiner Zeit praktizierten und von überkommenen Traditionen gekennzeichneten Medizin und ähnlich wie dieser in seiner Wortwahl und Streitkultur nicht gerade zimperlich. Auf dem Boden der antiken Philosophie entwickelte er aus den alchemistischen Traditionen eine damals revolutionäre Arzneikunst, in der er versucht, die innere Form der Arznei in Beziehung zur inneren Form der Krankheit zu setzen. Dabei zeigt er mehrfach Beispiele von Ähnlichkeitsbeziehungen auf und spricht sich explizit gegen die Anwendung des Prinzips „Contraria contrariis“Contraria contrariis aus: „Kalt überwindet das Heiß nicht, noch Heiß das Kalt […], es geht die Kur nur durch das [Prinzip], was die Krankheit erzeugt hat“. Schließlich entwickelte er Ansätze zu einer homöopathischen Behandlung. Er schreibt beispielsweise (zit. n. Tischner 1998, S. 50): „Kennst du nun den Arsenik in seiner Natur, so weißt du auch im Leib den Arsenik zu erkennen. […] So du nun das hast, so zeigt es dir die Kur an, denn Arsenik heilt Arsenik, wie da Gift Gift heilet […] und also heilt gleiche Anatomie je eins das andere; das ist die Philosophie“, wobei bei seinem Behandlungsansatz der Weg der Arzneierkenntnis noch ein viel mehr die Natur beobachtender ist als bei Hahnemanns experimentellem. Auch formuliert ParacelsusParacelsus die „homöopathischen Anteile“ seines Konzepts nie zusammenhängend aus, sondern sie finden sich verstreut in seinem ganzen Werk zwischen allen anderen Ideen und Auffassungen.
In historischer Folge wird der Ähnlichkeitsgedanke von den Alchemisten Oswald CrollCroll, Oswald, Petrus SeverinusPetrus Severinus, Robert FluddFludd, Robert und BasiliusBasilius Valentinus Valentinus aufgegriffen und teilweise weiterentwickelt. Im 17. Jahrhundert schließlich wird das Ähnlichkeitsprinzip erstmalig in seiner später bei Hahnemann auftauchenden Formulierung von dem Alchemisten Johann Pharamundus RummelRummel, Johann Pharamundus (ca. 1600–1660) erwähnt: Similia similibus curenturSimilia similibus (curentur) – Ähnliches möge mit Ähnlichem behandelt werden. Aber auch er bleibt bei der Behandlung des Themas noch sehr in der alten SignaturenlehreSignaturenlehre verwurzelt, sodass es medizinhistorisch schließlich ohne nennenswerte Auswirkungen bleibt. Auch in den darauffolgenden Jahren setzen sich Alchemisten, aber auch Ärzte immer wieder auch öffentlich mit dem Ähnlichkeitsprinzip auseinander, ohne aber daraus ein Behandlungssystem zu entwickeln oder die mögliche Tragweite ihres Ansatzes zu erkennen. Das ist wahrscheinlich auch der Grund dafür, warum die meisten dieser Behandlungsansätze in den damals noch völlig uneinheitlichen Konzepten universitärer Medizin weder nennenswerten Widerstand noch Widerhall fanden.
Einzig der Wiener Hofmedicus und spätere Leibarzt der Kaiserin Maria Theresia, der von Hahnemann hochverehrte Anton StoerckStoerck, Anton (1731–1803) verdient noch eine Erwähnung als geistiger Wegbereiter. Stoerck machte sich sowohl in der Entwicklung der Arzneimittelprüfung am Gesunden – er prüfte an sich selbst u. a. Conium, Stramonium, Hyoscyamus, Aconitum, Colchicum und Pulsatilla – als auch in der Darstellung des ÄhnlichkeitsprinzipsÄhnlichkeitsprinzip – er schlug beispielsweise vor, Geistesverwirrungen mit Stramonium zu behandeln – einen Namen und bereitete so den Boden für Hahnemanns Gedanken, der sich auf ihn als Autorität gern bezog.

Hahnemanns Entwurf

Hahnemann, SamuelSamuel Hahnemann (12.2.2) blieb es schließlich vorbehalten, aus den oben beschriebenen Ansätzen (2.2) und seinen eigenen Beobachtungen ein eigenständiges und in sich geschlossenes Behandlungssystem zu formen. Die antiken Schriften kannte er bereits aus seiner Schulzeit in St. Afra in Meißen und die bereits erwähnten alchemistischen Schriften (2.2) wohl aus seiner Zeit als Bibliothekar des Barons Samuel von BrukenthalBrukenthal, Samuel von in Hermannstadt. Allerdings gab sich Hahnemann zeitlebens große Mühe, sich von den Schriften des ParacelsusParacelsus und der anderen Alchemisten zu distanzieren, da die Alchemie im Zeitalter naturwissenschaftlicher Aufklärung und der durch LavoisierLavoisier, Antoine Laurent entwickelten, quantitativen naturwissenschaftlichen Chemie nach und nach ihren Status als Wissenschaft verlor und als Geheimwissenschaft weitergeführt wurde oder eine Randexistenz in den Konzepten der romantische, mystische und vitalistische Sichtweisen vertretenden Naturphilosophen, z. B. Schelling, führte.
Hahnemann veröffentlichte 1796 seine grundlegende Schrift zur Homöopathie unter dem Titel „Versuch über ein neues Prinzip zur Auffindung der Heilkräfte der Arzneisubstanzen, nebst einigen Blicken auf die bisherigen“. Doch bereits in seinem Frühwerk finden sich schon einige Hinweise zur Auseinandersetzung mit dem Ähnlichkeitsgedanken. Hier sind v. a. seine Gedanken zur ArsenikvergiftungArsenikvergiftung, die noch deutlich alchemistische Züge tragen, und zum MerkurialfieberMerkurialfieber von Bedeutung. Hahnemann war aufgefallen, dass Arbeiter aus Quecksilberbergwerken eine ähnliche Symptomatik aufwiesen wie SyphiliskrankeSyphilis. Quecksilberpräparate waren schon seit Jahrhunderten als Medikamente gegen die Syphilis im Einsatz und besserten offenkundig – auch in toxischen Dosen gegeben – die Beschwerden zunächst, bewirkten dann aber entweder nichts mehr oder entfalteten gar eine Giftwirkung mit allen Folgen. Hahnemann experimentierte deshalb bereits früh mit der Verringerung der Dosis mit dem Ziel, das sogenannte MerkurialfieberMerkurialfieber auszulösen, was tatsächlich eine offenbar länger anhaltende Zustandsverbesserung bei den Syphiliskranken auslöste und deutlich weniger Vergiftungssymptome nach sich zog.
Zu einer weiteren experimentellen Überprüfung des Ähnlichkeitskonzepts kam es 1790, als Hahnemann das Werk „A treatise of the materia medica“ von William CullenCullen, William übersetzte und dabei dessen Erklärung über die Wirkungsweise der ChinarindeArzneimittelselbstversuchChinarindenversuch Chinarindenversuchbei Wechselfieber (Malaria) nicht nachvollziehen konnte: Mithilfe eines Selbstversuches wollte er sich deshalb Klarheit verschaffen: „Ich nahm des Versuchs halber etliche Tage zweimahl täglich jedes Mal viel Quäntchen gute China ein; die Füse, die Fingerspitzen u. s. w. wurden mir erst kalt, ich ward matt und schläfrig, dann fing mir das Herz an zu klopfen, mein Puls ward hart und geschwind; eine unleidliche Aengstlichkeit, ein Zittern (aber ohne Schauder), eine Abgeschlagenheit durch alle Glieder; dann Klopfen im Kopfe, Röthe der Wangen, Durst, kurz alle mir sonst beim Wechselfieber gewöhnlichen Symptomen erschienen nach einander, doch ohne eigentlichen Fieberschauder. Mit kurzem: auch die mir bei Wechselfieber gewöhnlichen besonders charakteristischen Symptome, die Stumpfheit der Sinne, die Art von Steifigkeit in allen Gelenken, besonders aber die taube widrige Empfindung, welche in dem Periostium über allen Knochen des ganzen Körpers ihren Sitz zu haben scheint – alle erschienen. Dieser Paroxysm dauerte zwei bis drei Stunden jedesmahl, und erneuerte sich, wenn ich diese Gabe wiederholte, sonst nicht. Ich hörte auf, und war gesund“ (Hahnemann 2001, S. 100). Hahnemann hatte, wie anderen Fußnoten zu Cullens Materia medica zu entnehmen ist, zuvor bereits selbst Malaria behandelt und dabei den Einsatz von China eher als antagonistisch erlebt.
Dieser Arzneimittelselbstversuch führte ihn also näher an die Erkenntnis des ÄhnlichkeitsprinzipsÄhnlichkeitsprinzip heran, nimmt aber nicht die Schlüsselfunktion ein, die ihm in der homöopathischen Literatur meist beigemessen wird (Lochbrunner 2007). Erst nach weiteren Studien und klinischen Erfahrungen stellte er 6 Jahre später im „Versuch über ein neues Prinzip zur Auffindung der Heilkräfte der Arzneisubstanzen“ (1796) erstmalig das Ähnlichkeitsprinzip als Behandlungskonzept dar: „Man ahme der Natur nach, welche zuweilen eine chronische Krankheit durch eine andre hinzukommende heilt, und wende in der zu heilenden (vorzüglich chronischen) Krankheit dasjenige Arzneimittel an, welches eine andre möglichst ähnliche, künstliche Krankheit zu erregen imstande ist, und jene wird geheilet werden1

1

Diese Textstelle hat offensichtlich dazu geführt, dass „Similia similibus curentur“ oftmals als „Ähnliches möge mit Ähnlichem geheilt werden“ übersetzt wird, wobei es – wie in dem Satz „Medicus curat, natura sanat“ leicht ersichtlich wird – eindeutig „Ähnliches möge mit Ähnlichem behandelt werden“ heißen muss.

; Similia similibusSimilia similibus (curentur).“
Erst 11 Jahre später verwendete er erstmalig in seiner Veröffentlichung „Fingerzeige auf den homöopathischen Gebrauch der Arzneien in der bisherigen Praxis“ (1807) den Begriff „homöopathisch“ und definiert: „Homöopathisch ist, was ein ähnliches Leiden zu erzeugen Tendenz hat.“

Homoeopathia involuntaria

Homoeopathia involuntariaIn den „Fingerzeigen“ unterfüttert Hahnemann die Begründung seines Behandlungsprinzips, indem er aus dem medizinischen Schrifttum ausführlich zitiert und aufzeigt, dass auch schon vor ihm und von vielen Zeitgenossen erfolgreiche Behandlungen oder gar Heilungen erreicht werden konnten, weil ihrem Vorgehen das ÄhnlichkeitsprinzipÄhnlichkeitsprinzip zugrunde lag. Damit eröffnete er den Reigen einer Reihe von Veröffentlichungen unterschiedlicher Autoren, die ebenfalls einen Beweis für die Existenz dieses Grundpfeilers der Homöopathie führen wollten.
In jüngster Vergangenheit überprüfte beispielsweise Boucsein Hahnemanns Indikationen für pflanzliche Arzneimittel im Spiegel der Erkenntnisse moderner Phytopharmakologie und kam zu dem Schluss, dass auf dem Boden der Intoxikationssymptome und Therapieindikationen knapp die Hälfte der schulmedizinischen Anwendungen in diesem Bereich auf dem homöopathischen Prinzip beruhen müssen (Boucsein 1992). Eskinazi und Teixeira zeigten schließlich in mehreren ihrer Veröffentlichungen, dass auch für die chemisch-pharmakologische Lehrmedizin das Ähnlichkeitsprinzip für viele Substanzen Gültigkeit hat. Dazu verweisen sie hauptsächlich auf Hahnemanns Konzept der Erst- und Nachwirkung, wobei die Erstwirkung die primär von der Arznei ausgelöste Symptomatik, die Nachwirkung hingegen die heilende Reaktion des Organismus darstellt, und sammeln Beispiele paradoxer Reaktionen und von sogenannten Reboundeffekten nach Nachlassen der unmittelbaren Medikamentenwirkung (Eskinazi 1999, Teixeira 1999, 2006, 2009, 2011a, 2011b).
Tab. 2.1 führt einige Beispiele auf, die die unbewusste Verwendung des Ähnlichkeitsprinzips (Homoeopathia involuntaria) anschaulich belegen.

Aktuelle Forschungsergebnisse zum Ähnlichkeitsprinzip

Forschung, homöopathischeHomöopathieWirksamkeitsnachweisÄhnlichkeitsprinzipAus der Grundlagenforschung sind v. a. die Arbeiten, die Van Wijk und Wiegant zur Erforschung des Ähnlichkeitsprinzips über Jahre an der Universität Utrecht an zellbiologischen SystemenSystem, biologisches durchführten, erwähnenswert (Van Wijk und Wiegant 1997, 2006; Wiegant und Van Wijk 2010). Hierbei wurden unter der Annahme, dass nach dem Ähnlichkeitsprinzip verabreichte Substanzen die SelbstheilungskräfteSelbstheilungskraft eines OrganismusOrganismusSelbstheilungskraft aktivieren, die Regenerationsprozesse von Zellkulturen nach vorangegangener spezifischer Schädigung untersucht. Als wichtigste Parameter der Regeneration wurden die Zunahme der Überlebensfähigkeit der Zellen und die Produktion von Reparaturproteinen ausgewählt. Vereinfacht dargestellt, wurden die Zellen zunächst mittels Hitzeschock oder toxischen Dosen von Arsen, Cadmium, Quecksilber, Blei, Kupfer, Menadion und DDTC (Diethyldithiocarbamat) geschädigt. Daraufhin wurde das jeweils spezifische Reaktionsmuster der Reparaturproteine genau beschrieben und dann in einem zweiten Schritt untersucht, welche Interventionen die Überlebensraten und die Produktion von Reparaturproteinen verbesserten.
Dabei zeigte sich, dass das schädigende AgensAgens, schädigendes die beiden Zielparameter zunächst deutlich positiv beeinflusste, wenn es in nicht mehr toxischer Verdünnung erneut mit der Zellkultur in Kontakt gebracht wurde. Diesen Ansatz bezeichneten Van Wijk und Wiegant als Homologiehomolog, was einem isopathischenIsopathie Vorgehen entspricht. Allerdings zeigte sich, dass der homologe Ansatz nur in der ersten Regenerationsphase zu einer deutlichen Verbesserung von Überlebensrate und Reperaturproteinproduktion führte und danach eine Toleranzentwicklung einsetzte. Nach diesem Zeitpunkt war eine weitere Steigerung der Reperaturproteinproduktion nur durch die verdünnte Anwendung derjenigen Substanzen zu erreichen, die im ersten Untersuchungsgang das ähnlichste Muster an Reparaturproteinen als zelluläre Reaktion auf die spezifische Schädigung mit den toxischen Substanzen hervorgebracht hatten. Dieser Ansatz wurde von den Autoren als heterologHeterologie bezeichnet, was im Prinzip einer homöopathischen Anwendung nach dem ÄhnlichkeitsprinzipÄhnlichkeitsprinzip entspricht.

Das zentrale Ergebnis der Arbeiten von Van Wijk und Wiegant ist demnach, dass das Ähnlichkeitsprinzip auf zellulärer Ebene als wirksamer Mechanismus von SelbstheilungsprozessenSelbstheilungskraftOrganismusSelbstheilungskraft nachzuweisen ist.

Dieses Forschungsergebnis ist für die Homöopathie insbesondere deshalb von so großer Bedeutung, weil es das Argument vieler Gegner der Homöopathie entkräftet, es sei unsinnig, nach dem Ähnlichkeitsprinzip zu behandeln, da nur der Einsatz entgegengesetzter Kräfte den Organismus wieder ins Gleichgewicht bringen könne.

Krankheitskonzepte in der Homöopathie

HomöopathieKrankheitskonzepteNach der Klärung des Ähnlichkeitsprinzips stellt sich die Frage, wie oder auf was dieses Prinzip seine Wirkung entfaltet – die Frage nach dem Krankheits- und Heilungsverständnis in der Homöopathie. Hahnemann verwendete – dem damaligen Zeitgeist entsprechend – die Vorstellung der LebenskraftLebenskraft als regulierender Kraft als zentrales Erklärungsmodell. Im Laufe der Zeit wurden viele weitere Modelle entwickelt, deren Zweck es war, die Schwächen der anderen oder vorangegangenen Modelle zu beheben und ein besseres Verständnis der Wirksamkeit der Homöopathie zu ermöglichen. Keines dieser Modelle war bis heute in der Lage, die Beobachtungen aus mehr als zwei Jahrhunderten ausreichend zu erklären, obwohl sich aus ihnen teilweise sehr interessante Perspektiven ergeben haben. Im Folgenden werden die wichtigsten Modelle in ihren Grundzügen dargestellt.

Lebenskraftmodell

LebenskraftDie HomöopathieHomöopathieGanzheitlichkeit hat ein ganzheitlichesGanzheitlichkeit, dynamisches und prozesshaftes Verständnis von Lebensvorgängen und Erkrankungen, in dem das Konzept der Lebenskraft eine zentrale Stellung einnimmt. Deshalb erschließen sich aus einer medizinhistorischen Analyse der Idee der Lebenskraft die wesentlichen Grundzüge von Hahnemanns Krankheitsverständnis.
Krankheitsbegriff
KrankheitsbegriffDer Organismus des Menschen wird von Hahnemann als ein materieller Körper beschrieben, der nur durch das geistartige Vermögen der Lebenskraft unumschränkt beherrscht, belebt und verwaltet wird, der nur durch die immaterielle Lebenskraft zu Empfindung, Tätigkeit und Selbsterhaltung sowie zum „harmonischen Lebensgange“ befähigt wird (Organon, § 9). Dabei ist nach Hahnemann die Lebenskraft selbsttätig und im OrganismusOrganismusLebenskraft überall anwesend und wirkt automatisch und instinktartig. Ihre Hauptaufgabe besteht in der Gesunderhaltung. Krankheit befällt den Organismus von außen und führt so zu einer Verstimmung der Lebenskraft, wodurch Symptome entstehen können, wenn die Lebenskraft den Störeinfluss nicht bewältigen kann. Dabei werden Krankheiten nicht primär als mechanische oder chemische Veränderungen der materiellen Körpersubstanz aufgefasst, sondern als dynamische Verstimmung der Lebenskraft durch dynamische Einflüsse oder krankmachende Agentien oder „Miasmen“ und nicht zuletzt durch die Einbildungskraft. Verschiedene Krankheiten und Krankheitszeichen bei einem Kranken werden also nicht als eigenständige, voneinander unabhängige Entitäten betrachtet, sondern als gemeinsamer Ausdruck einer krankhaften Veränderung des gesamten Organismus (Organon, § 11).
Da die Lebenskraft als solche der Beobachtung nicht direkt zugänglich ist, kann nur indirekt anhand von Symptomen auf ihren Zustand geschlossen werden. Die Gesamtheit der SymptomeSymptomeGesamtheit der ist das sichtbare Bild des inneren Wesens der Krankheit und ihrer Entwicklung, was Hahnemann als Verstimmung der Lebenskraft beschreibt (Organon, §§ 11–18). Wenn die Lebenskraft nun krankheitsbedingt geschwächt oder verstimmt ist, kann eine Heilung entweder spontan oder über Umwege – durch den Einfluss anderer Krankheiten oder die Hilfestellung homöopathischer Arzneien – erreicht werden. Da die Lebenskraft sich immer im ganzen OrganismusOrganismusLebenskraft symptomatisch ausdrückt, dürfen zum Verständnis einer Krankheit nicht nur einzelne und ausgewählte Symptome herangezogen werden, sondern stets die GesamtheitSymptomeGesamtheit der der zu beobachtenden Symptome. Diese sind dann auch ausschlaggebend für die Wahl der homöopathischen Arznei, und umgekehrt ist eine Genesung an der Veränderung der Gesamtheit der Symptome erkennbar.
Wirkmechanismus der Arzneien
ArzneiWirkmechanismusZur Wirkungsweise homöopathischer Arzneien entwickelte Hahnemann folgende Erklärung: Jede auf das Leben einwirkende PotenzPotenzArzneiPotenz (Arznei) führt zu einer Umstimmung der Lebenskraft, die eine BefindensänderungBefindensänderung auslösen kann. Dabei kommt es nach Gabe einer Arznei zunächst zu einer „Erstwirkung“Erstwirkung, die sich aus der Zusammenwirkung von Arznei- und Lebenskraft ergibt. „Künstlichen Arzneipotenzen“ gegenüber verhält sich die Lebenskraft empfänglich-passiv („gleichsam leidend“), was zu einer Befindensänderung führt. Dieser „Erstwirkung“ setzt die Lebenskraft dann ihre Energie entgegen, was zur „Nach- oder Gegenwirkung“Nachwirkung Gegenwirkungführt. Sie verfügt dabei mechanisch-reflexartig über zwei Grundreaktionsmuster auf äußere Einwirkungen: Entweder sie bewirkt das Gegenteil des Reizes, die Gegenwirkung, oder sie führt zur Auslöschung der von außen bewirkten Veränderung, was der erwünschten HeilwirkungHeilwirkung entspricht.
Begriffsentwicklung
LebenskraftDer Begriff „Lebenskraft“ erscheint im deutschsprachigen Raum im 18. Jahrhundert wahrscheinlich erstmals in einer publizierten Rede, die Casimir Friedrich MedicusMedicus, Casimir Friedrich (1736–1808) 1774 vor der Kurpfälzischen Akademie hielt. In dieser Rede, die aus der Auseinandersetzung mit Stahls Seelenbegriff einerseits und dem erstarkenden mechanistischen Denken (Boerhave, Haller, Hoffmann) andererseits entstand, entwirft er ein Konzept, in dem – neben der unsterblichen und selbstbewussten Seele und der organisierten Materie – der Lebenskraft als drittem Prinzip die Rolle zukommt, Stoffwechselprozesse, Herzschlag, Kreislauf, Blutbildung, Sekretion und Verdauung zu regeln. Goldmann beschreibt in seinem Beitrag „Von der Lebenskraft zum Unbewussten – Konzeptwandel in der Anthropologie um 1800“, wie das Konzept der Lebenskraft zum theoretischen Unterbau der Wissenschaftlergeneration des Sturm und Drang wurde: Unter anderen Christoph Wilhelm HufelandHufeland, Christoph Wilhelm, Johann Christian ReilReil, Johann Christian, Joachim Dietrich BrandisBrandis, Joachim Dietrich, Alexander von HumboldtHumboldt, Alexander von und auch Samuel HahnemannHahnemann, Samuel diente die Lebenskraft als Integrationsmodell für die damals ungeheuer vielfältige Landschaft medizinischer Theorien und Anschauungen.
Hinter dem Konzept der Lebenskraft verbirgt sich letztlich die fundamentale Frage nach der Natur und Zielgerichtetheit biologischer Prozesse. Für die Ärzte des ausgehenden 18. Jahrhunderts hieß diese Frage: Wie lässt sich die Zielgerichtetheit und Zweckmäßigkeit physiologischer Vorgänge erklären? Wie die Bewahrung der Integrität und Ganzheit des OrganismusOrganismusGanzheit, wie das Wesen von Erkrankungen und Heilungsprozessen? Wie lässt sich die Beeinflussung des Organismus durch Arzneien erklären?
Das Konzept der Lebenskraft ermöglichte es Hahnemann, eine teleologische Interpretation medizinischer Phänomene im Rahmen des damaligen naturwissenschaftlichen Denkens zu entwerfen. Dennoch ist es schwer verständlich, wie sich dieses Modell über mehr als 200 Jahre in der Rezeption und Lehre der Homöopathie halten konnte, da der Begriff der Lebenskraft einerseits bis heute nicht exakt und allgemeinverbindlich definiert werden konnte und andererseits bis heute für die Lebenskraft keine einzige naturwissenschaftlich objektive Nachweismethode entwickelt werden konnte. Das Modell der Lebenskraft stellt also eine „Black-Box“ dar, die Erkrankungs- und Genesungswege beschreiben, aber nicht, wie ursprünglich von Hahnemann beabsichtigt, erklären kann.

Phänomenologie

PhänomenologieDa Hahnemann im „Organon“ (§ 6) die Auffassung äußert, dass die wahrnehmbaren Krankheitszeichen die Krankheit in ihrem ganzen Umfang repräsentieren und zusammen ihre einzig wahre und denkbare Gestalt bilden, die LebenskraftLebenskraft aber nie anders als durch die SymptomeSymptome zu sehen oder zu erfahren ist, vertreten einige Homöopathen ein Modell, bei dem der Schwerpunkt auf einer phänomenalen Betrachtungsweise liegt, gemäß dem häufig zitierten Diktum GoethesGoethe, Johann Wolfgang von: „Man suche nur nichts hinter den Phänomenen, sie selbst sind die Lehre.“ Das Phänomen ist demnach das sich an einer Krankheit unmittelbar Zeigende, das einzig Zugängliche, was zum Zwecke der Heilung zu Hilfe genommen werden kann. Darüber hinaus bedarf es laut Will KlunkerKlunker, Will (1923–2002), einem der wichtigsten Vertreter dieser Denkrichtung, keiner weiteren Erklärung; er betrachtet Hahnemanns Konzept der Lebenskraft als ein Theoretisieren in Abhängigkeit von naturphilosophischen Strömungen seiner Zeit (Klunker 1994, 1996).
Klunker ersetzt das theoretische Konstrukt der Lebenskraft durch eine pragmatische Verfahrensanweisung: der Arzneifindung durch das Erkennen der ÄhnlichkeitsbeziehungÄhnlichkeit zwischen den durch Arzneimittelprüfungen und am Patienten gewonnenen Symptomen. Nur Krankheitsphänomene auf der Seite des Patienten und der Arzneien, keine theoretischen Annahmen, können die Wahl des mit GewissheitArzneiwahlGewissheit heilenden Mittels bestimmen. Dieses pragmatische Vorgehen verzichtet auf jegliche weiterführende Erklärung des homöopathischen Heilungsprozesses und nimmt diesen auf phänomenologischer Ebene einfach als gegeben hin, sofern man den Behandlungsregeln strikt und genau folgt. Folglich bewertet Klunker kybernetische (2.7.1), quantenbiologische (2.7.3), psychosomatische und psychologische Modelle, ungeachtet ihres tatsächlichen Erklärungspotenzials, als der Homöopathie unangemessen. Auf der unmittelbaren Ebene der Behandlung schafft der phänomenologische Ansatz eine gewisse Unbefangenheit im Arzneifindungsprozess, befriedigt aber den steten Erklärungsbedarf des suchenden menschlichen Geistes und der Wissenschaft nur wenig.

Theorien integrativer Behandlungsprozesse

Deshalb werden im Folgenden die Modelle Erwähnung finden, die – wissenschaftlich fundiert – dabei helfen, den Behandlungsprozess integrativ zu verstehen, ohne den Wert einer phänomenologischen Betrachtungsweise zu schmälern.

Selbstregulation und Reorganisation

SelbstregulationReorganisationDie Ansätze der Kybernetik und Systemtheorie sowie der Chaos- und Komplextheorie liefern Erklärungen, die den Ansätzen Hahnemanns weitgehend entsprechen, ohne dabei nicht verifizierbare Erklärungsmodelle zu bemühen.
Kybernetik und Systemtheorie
KybernetikSystemtheorieUm die Schwierigkeiten, die sich aus der unscharfen Definition und mangelnden Nachweisbarkeit der LebenskraftLebenskraft ergaben (2.6.1), zu umgehen, entwickelten Bayr, GeorgBayr (1966) und später Hanzl (1995)Hanzl, Günther S. aus der Kybernetik und Systemtheorie ein RegulationsmodellRegulationsmodell, das die dynamische Wirkungsweise der Homöopathie plausibel darstellt, ohne dabei die Lebenskraft selbst als Kraft bemühen zu müssen. Dabei wird der OrganismusOrganismusGanzheit als organisierte GanzheitGanzheitlichkeit verstanden, dessen Teile untereinander in vielfältigen Beziehungen stehen und der als Ganzes wiederum mit anderen Ganzheiten und der Umwelt in komplexen Zusammenhängen verbunden ist. Die Ganzheit des Organismus selbst besteht aus vielen miteinander vernetzten und sich gegenseitig beeinflussenden RegelkreisenRegelkreis, deren autonomes, einwandfreies Funktionieren Gesundheit zur Folge hat. Eine wesentliche Voraussetzung für dieses einwandfreie Funktionieren ist ein ungestörter Informationstransfer innerhalb der Regelkreise. In einem solchen Regelkreis wird ein Ist-Wert mit einem Soll-Wert verglichen, und je nachdem, was für eine Abweichung vorliegt, wird über eine Stellgröße eine regulierende Maßnahme ergriffen. Da jeder Regelkreis in einem biologischen SystemSystem, biologisches mit seiner Umgebung vernetzt ist, können verschiedene Einflüsse oder StörgrößenStörgröße modulierend einwirken und den Regelprozess verändern, was bei einer akuten Erkrankung eine sinnvolle Reaktion auf einen Störeinfluss darstellen kann: Fieber beispielsweise ist eine sinnvolle Reaktion des Organismus auf einen bakteriellen Befall und hilft, das Immunsystem zu aktivieren. Im Falle chronischer Erkrankungen sind oftmals keine oder nur unverhältnismäßig geringe Störeinflüsse feststellbar: Der Organismus reagiert aus einem zu anderen Zeiten erworbenen, nicht ausreichend adaptierten Muster. Das erklärt auch, warum die moderne Medizin in akuten Situationen sehr viel erfolgreicher mit ihren Behandlungsmethoden ist als bei chronischen Krankheiten. Die Hauptbehandlungsmöglichkeiten dieser Medizin bestehen nämlich in einem Ausschalten der Störgrößen, z. B. durch eine Antibiotikagabe bei einem Infekt, oder der Steuerung durch die sogenannte Aufschaltung durch Substitution, z. B. durch Antikörper oder Vitamine. Der Behandlungsweg der Homöopathie hingegen bedient sich der Aktivierung autoregulativer ProzesseSelbstregulation, indem nach dem ÄhnlichkeitsprinzipÄhnlichkeitsprinzip im Regelkreis eine Verstärkung der Rückkopplung des veränderten Ist-Wertes zum Regler induziert wird und so ein zielgerichteter Impuls zur Selbstregulation gesetzt wird. Der Organismus kann auf diese Weise – Informationen aus anderen Regelkreisen nutzend – für das Ganze eine am ehesten optimale Regulationsleistung erbringen. Nach diesem Verständnis ist ein Eingriff von außen nur bei gestörtem Informationsfluss innerhalb eines Regelkreises im Sinne einer Regulationsblockade erforderlich.
Chaos- und Komplexitätstheorie
ChaostheorieKomplexitätstheorieEine weitere wichtige Erkenntnis kommt aus der Chaos- und Komplexitätstheorie: Nach Kauffman (1996)Kauffman, Stuart sind biologische SystemeSystem, biologisches im Randbereich zwischen chaotischen und geordneten Zuständen zur optimalen Anpassung befähigt. Chaotische Prozesse ermöglichen eine schnelle und plötzliche Adaptation an veränderte Lebensbedingungen, geordnete Prozesse sichern die Integrität und Aufrechterhaltung des Systems. Eine Abnahme der chaotischen Schwankungen und die zunehmende Erstarrung in geordneteren Systemzuständen sind inzwischen für viele chronische Erkrankungen beschrieben worden (z. B. Herzerkrankungen, Schlafstörungen, Epilepsien, Schizophrenien) (Gerok, 1989). Auf der Basis dieser Beobachtungen ist anzunehmen, dass eine homöopathische Therapie erstarrte Systemzustände durchbrechen und zu einer Reorganisation des gestörten physiologischen Systems mit folgender Gesundung führen kann, was einem Zugewinn an Regulationsfähigkeit entspräche. Bei einer Steuerung durch Fremdeinflüsse hingegen besteht die Gefahr, ein bereits gestörtes System weiter in eine Regulationsstarre zu treiben.

Nanomedizin

NanomedizinNeue Impulse hat das Verständnis homöopathisch angeregter Regulationsprozesse in den letzten Jahren aus der physikalischen HochpotenzforschungHochpotenzforschung, physikalische und der Nanomedizin erhalten. Zunächst konnte die Arbeitsgruppe um Chikramane (2010, 2012) mit unterschiedlichen physikalischen Untersuchungsmethoden (u. a. Transmissionselektronenmikroskopie [TEM] und Feinbereichsbeugung [SAED]) zeigen, dass – entgegen der vorbestehenden Auffassung – bei homöopathischen Hochpotenzen auch jenseits der Avogadro'schen Konstante noch Partikel der Ausgangssubstanz nachweisbar sind. Weitere indische Arbeitsgruppen (Upadhyay und Nayak 2011; Rajendran 2015; Nandy 2015) bestätigten die Ergebnisse und fanden zudem heraus, dass sich die Partikelstruktur durch den Verschüttelungsprozess bis unter 1 Nanometer weiter verkleinerte, die Konzentration insgesamt aber oberhalb einer Potenzstufe von C6 nicht weiter abnahm. Außer den Partikeln der Ausgangssubstanz fanden sich aber auch noch aus dem Potenzierungsprozess verbliebene Nano-Lactose und Nano-Silikate, deren zusätzlicher Einfluss auf die biologischen Wirkmechanismen von Bell und Mitarbeitern (2012, 2013, 2015) und Bellavite et al. (2014a) beschrieben wurde. Nano-Lactose dient hierbei als Transportmedium und die Nano-Silikate als milder immunologischer Stressor und Reizverstärker. Desto kleiner die Partikel sind, desto höher ist die Bioverfügbarkeit und die Fähigkeit, Zellmembranen zu passieren und intrazellulär mit sogenannten allostatischen Stressreaktionsmustern, die für den Erhalt von Stabilität durch permanente spezifische Anpassung zuständig sind, auf dem Boden einer Ähnlichkeitsbeziehung zu interagieren. Dies entspricht dem biologischen Konzept der Hormesis, nach dem zeitabhängig schwache Reize stimulieren und starke Reize auf Dauer hemmen. Deshalb spielt die zeitliche Einflussdauer eine wichtige Rolle, da über ein längeres Einwirken auch schwacher Reize eine ausgeprägtere, aber nichtlineare Gegenreaktion des Organismus als Heilwirkung hervorgerufen werden kann. Am Beispiel von Veränderungen der Genexpression nach dem Einwirken unterschiedlich hoher Potenzen der gleichen Arznei ließ sich dieser Ansatz auch experimentell bestätigen (Übersicht bei: Bellavite et al. 2014b; Dei und Bernardini 2015). Zusammengefasst beschreibt Bell ihr Konzept als „nanoparticle-allostatic-cross-adaption-sensitization model“, in dem biochemische, physikalische und zellbiologische Mechanismen zu einer neuen ganzheitlichen Erklärungshypothese homöopathischer Heilungsprozesse miteinander verknüpft werden.

Quantenphysik und Informationstheorie

In den letzten 40 Jahren ist zunehmend deutlich geworden, dass die Quantenphysik in ihrer mathematischen und logischen Struktur ein Modell darstellt, das geeignet ist, die in biologischen SystemenSystem, biologisches wie auch bei der homöopathischen Behandlung zu beobachtenden Muster annähernd gut zu beschreiben. Die damit verbundene Theorie gilt als die Fundamentaltheorie der derzeitigen physikalischen Weltbeschreibung (von Weizsäcker 1985, Görnitz 1999). Sie regelt die prinzipielle Struktur aller theoretischen Beschreibungen konkreter Objekte und gilt nicht nur für Elementarteilchen, sondern auch für makroskopische Objekte. Bisher wurden trotz vieler Versuche noch keine Beobachtungen gemacht, die ihr in irgendeiner Weise widersprechen (Görnitz 1999, von Weizsäcker in: Lyre, 2004).
Quantentheorie
QuantentheorieIn der klassischen Physik werden Objekte aus dem Ganzen getrennt und so beobachtbare Fakten geschaffen. Dieser Ansatz wird von der bisherigen Lehrmedizin bei der Betrachtung und Behandlung von einzelnen Krankheiten – und nicht des kranken Menschen – weitgehend umgesetzt. Im Gegensatz dazu verlangt die mathematische Struktur der Quantentheorie eine streng holistischeHolismus, Quantentheorie Sichtweise, in der die Beziehungen einzelner Objekte untereinander, also z. B. auch die Zusammenhänge von Symptomen im konkreten Fall, als komplexer Prozess beschrieben werden. Eine derart holistische Betrachtungsweise ist uns aus der Gestaltpsychologie schon lange bekannt: Das Ganze ist in einem quantentheoretisch betrachteten System mehr als die Summe seiner Teile und damit genau genommen auch etwas ganz anderes. Das wird beispielsweise beim Betrachten einer Pflanze deutlich, wo jeder unmittelbar einsehen kann, dass die Entität der Pflanze völlig verschieden ist von der Summe der einzelnen chemischen Elemente, aus denen sie letztlich besteht, und nicht notwendig aus ihr herzuleiten ist. Ähnlich verhält es sich beim Menschen, wenn die Betrachtung des Krankheitszustandes bei der Anamnese (6) über den Lokalbefund hinausgeht und die Zusammenhänge zu anderen Symptomen und Modalitäten oder gar der psychischen Befindlichkeit zu erfassen sucht. Der sogenannte Prozess der QuantisierungQuantisierung führt zur Beschreibung aller nur denkbaren möglichen Beziehungen zwischen verschiedenen Objekten, wobei diese durchaus auch mehrdeutig sein können. Das entspricht unserer Alltagserfahrung vom Verhalten biologischer Systeme weitgehend, wie Görnitz (2005) am einfach nachvollziehbaren Beispiel der Selbstreflektion in ihrer Komplexität verdeutlicht.
Da die Quantenphysik aber eine primär physikalische Theorie ist, stellt sich die unmittelbare Übertragung auf den Bereich der Medizin, wie von Schmahl und von Weizsäcker (1997)Schmahl, Friedrich W.Weizsäcker, Carl Friedrich von gefordert, und insbesondere der Homöopathie als teilweise schwierig dar. Dazu wurden in den vergangenen Jahren v. a. zwei Ansätze unternommen, die hier in ihren Grundlinien wiedergegeben werden.
  • 1.

    Um eine Anwendbarkeit der Quantentheorie jenseits der Physik möglich zu machen, entwickelten Atmanspacher, Römer und Walach (2002) den Ansatz der „Weak Quantum Theory“ (WQT)Weak Quantum Theory (WQT), bei dem die zugrunde liegenden Annahmen und Axiome im Sinne einer allgemeinen Quantentheorie vereinfacht wurden, sodass die eigentliche Quantentheorie einen Sonderfall der WQT darstellt. Die WQT ist widerspruchsfrei zu ihrer Ursprungstheorie formuliert und ermöglicht die Anwendung auf makroskopische, also auch medizinische Vorgänge und psychologische Prozesse, wobei die Grundgedanken der Komplementarität und Verschränkung als zentrale Elemente erhalten geblieben sind. Über Verständnis und Umsetzung der WQT ist in den vergangenen Jahren viel diskutiert worden (Walach und von Stillfried 2011), wobei das Verstehen des homöopathischen Behandlungsprozesses und der sogenannten „Patient-Behandler-Arznei-Verschränkung“ Patient-Behandler-Arznei-VerschränkungVerschränkung, Patient – Behandler – Arzneiim Mittelpunkt standen (Weingärtner 2006). Auch wenn über viele Details noch Unsicherheit besteht, hat die WQT doch einen Rahmen geschaffen, der die Möglichkeiten der Anwendung quantentheoretischer Erkenntnisse auf die Medizin nachvollziehbar und klar definiert.

  • 2.

    Die Probleme mit der konkreten Anwendung physikalischer Gesetzmäßigkeiten auf den Menschen umgehend, vor denen auch schon Hahnemann nicht zu Unrecht gewarnt hatte, wandte Köster (2006)Köster, Walter die logischen Strukturen, die der Quantentheorie zugrunde liegen unter der Mentorenschaft von WeizsäckersWeizsäcker, Carl Friedrich von auf die Möglichkeiten der homöopathischen Behandlung an und schuf so ein stringentes Behandlungssystem. Beispielsweise leitet er aus der UnschärferelationUnschärferelation ab, dass ein Erfassen von Zusammenhängen immer auf Kosten der Einzelinformation geht – und umgekehrt: Einen Krankheitsprozess im Ganzen zu verstehen, macht häufig Einzelfakten unverständlich, und umgekehrt führt das Fokussieren auf einen lokalen Befund dazu, dass der Patient als Ganzes aus den Augen verloren wird und quasi nur noch „aus Versehen dabei ist“. Das Erfassen des Inbegriffs der Symptome mit Empfindungen und psychischen Symptomen ist nur durch das Verlassen des Ortes, also in der Nichtlokalität sinnvoll möglich. Dabei existieren erfahrungsgemäß eine Unbestimmtheit und gleichzeitig eine Vielfalt an möglichen Manifestationsformen von Symptomen und Heilungsverläufen, sodass diese nicht mehr mit den Sätzen der klassisch-aristotelischen Logik sinnerfassend beschreibbar sind, da oft mehrere, sich scheinbar ausschließende oder gar widersprechende Zustände gleichzeitig auftreten können. In seinen Sätzen zur medizinischen QuantenlogikQuantentheorie zeigt Köster auch mit konkreten Fallbeispielen die weite Anwendbarkeit für das medizinische und insbesondere homöopathische Handeln auf, was von ihm aufgrund der Komplexität der theoretischen Grundlage als fortlaufender Arbeits- und Entwicklungsprozess verstanden wird.

Informationstheorie
InformationstheorieEine weitere, auch für die Homöopathie wichtige Konsequenz aus der Quantenphysik ist, dass heute kaum noch ernsthaft behauptet werden kann, wir verstünden, was MaterieMaterie wirklich ist. Gerade die Biowissenschaften und die Medizin arbeiten aber vielfach noch mit einem klassischen, heute überholten Materiebegriff, dessen Begrenztheit besonders in den Erklärungsversuchen zur Homöopathie deutlich wird. Auf dem Boden der Urtheorie von Weizsäckers (1971, 1985)Weizsäcker, Carl Friedrich von hat sich inzwischen eine QuantentheorieQuantentheorie der Information (Lyre 2004) entwickelt, wobei es T. Görnitz (1999)Görnitz, Thomas sowie T. Görnitz und B. Görnitz (2002, 2008) gelang aufzuzeigen, dass masselose Information in Materie und Energie übergehen kann und mit diesen also äquivalent ist. Das hat zur Konsequenz, dass die Descart'sche Trennung von GeistGeist und MaterieMaterie nicht länger aufrechterhalten werden kann, da Geist selbstreflektierend Information über andere Informationen sein kann, ohne dabei lokalisierbar oder auf ein neurobiologisches Korrelat reduzierbar sein zu müssen. Spätestens hier wird deutlich, dass vieles, was bislang gern dem Placebo-EffektPlaceboEffekt zugeschrieben wurde oder nicht erklärbare Wirkweise der Homöopathie darstellte, auf dem Boden der Informationstheorie unmittelbar verständlich werden kann. Da, wo wir in der Homöopathie aufgrund von PotenzierungPotenzierung offensichtlich nicht mehr mit Materie arbeiten, ist es vorstellbar, dass Information die heilenden Veränderungsprozesse induziert, was auch erklären könnte, warum sich dieser Vorgang bislang einer auf klassisch-physikalischen Modellen beruhenden Messbarkeit entzogen hat.

Zusammenfassend ergeben sich aus den Erkenntnissen der Quantenphysik tragfähige Modelle auf dem Boden einer holistischHolismus, Quantentheorie ausgerichteten Naturwissenschaft, die ein Verständnis homöopathischer Behandlungsprozesse wie auch ihrer naturwissenschaftlichen Grundlagen erstmals möglich machen. Hier sind auch – im Gegensatz zu den zuvor vorgestellten Modellen – auf biologische Systeme bezogene, genaue Definitionen und Beschreibungen erarbeitet worden, welche die zeitlose Modernität des Entwurfs von Hahnemann in neuen Kontexten erkennen lassen.

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