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B978-3-437-57631-7.00011-6

10.1016/B978-3-437-57631-7.00011-6

978-3-437-57631-7

Auswirkungen der Medikation mit Psychopharmaka auf die Homöopathie in den Bereichen A, B, C (Koch 2012)Psychopharmakaund Homöopathie

Tab. 11.1
A (Anamnese eingeschränkt) B (Beeinflussung des Behandlungsverlaufs) C (Konsequenzen der Behandlung)
Antidepressiva
(alle Stoffklassen)
Kaum Gering Absetzen meist mittelfristig möglich
Neuroleptika
(typische und atypische)
Moderat Gering Oft nur Reduktion möglich
Anxiolytika
(meist Benzodiazepine)
Moderat Gering Absetzen möglich, als Bedarfsmedikation im Verlauf unproblematisch
Phasenprophylaktika
(Lithium und diverse Antiepileptika)
Moderat, nach länger vorbestehender Einnahme deutlich Häufig, oft schwierige Verlaufsbeurteilung und unklare Reaktionen auf Arzneigaben Oft nur Reduktion möglich
Methylphenidat Deutlich in Bezug auf ADHS-Symptomatik, sonst kaum Gering Absetzen möglich
Hypnotika (Benzodiazepine und Benzodiazepinrezeptoragonisten) Kaum, nur in Bezug auf Schlafsymptome Gering Absetzen möglich, als Bedarfsmedikation im Verlauf unproblematisch

Vergleich diätetischer und ordnungstherapeutischer Ansätze von der Antike bis zur GegenwartDiätetik

Tab. 11.2
Fundstellen in der Literatur
Antike Diätetik
Die „sex res non naturales“
(z. B. Sortres 1993, Eckart 1998)
Hahnemann
  • ORG VI, §§ 3, 150, 252, 255, 259–263

  • CK Bd. 1, S. 131–146 (2. Aufl.), S. 68–76 (3. A.)

  • GKS, S. 119, 133–135, 137–142, 351–364

  • Haehl, Bd. II, S. 54–65

Moderne Ordnungstherapie
(Dobos, Deuse und Michalsen 2006, Dobos und Paul 2011).
Wohnverhältnisse und frische Luft
„Umgebende Luft“
(keine spezifischen Angaben)
  • In der Stube: kein Übermaß an Blumen, Lichtern; nach dem Essen lüften

  • Kein Obstvorrat in der Schlafstube

  • Kein Übermaß an Feuchtigkeit

  • Öfen brauchen gute Abluft

  • Sumpfige Wohngegend meiden

  • Regelmäßige Bewegung an frischer Luft, Wandern

  • Baubiologische Aspekte, Meiden von feuchten Räumen und von Schimmel

Ernährung
„Essen und Trinken“
  • Mäßigkeit der Menge

  • Empfehlungen zu Nahrungsmitteln regional unterschiedlich

  • Mäßigkeit bei Essen und Trinken

  • Auf einzelne Erkrankungen bezogene Diät

  • Vermeiden: arzneiliche Reize in der Nahrung, um die homöopathische Arzneiwirkung nicht zu stören

  • Verbot: Kaffee, chinesischer Tee, Schnupftabak, Branntwein, Bier

  • Einschränkung bei Tabak und Wein

  • Mediterrane Vollwerternährung (Tab. 11.3)

  • Diagnosespezifisches Ernährungs- und Trinkverhalten

  • Diagnosespezifische Mahlzeitenhäufigkeit, -situation, -umstände

  • Angemessenes Ernährungsverhalten als Selbstpflege

  • Kochkurs

Ausscheidungsvorgänge, Sexualität
„Nahrungsaufnahme und Ausscheidung inkl. Sexualität“Vorstellungen und Empfehlungen geprägt von Humoralpathologie (Säftelehre)
  • Vermeiden: übermäßiges Stillen

  • Ablehnung: Aderlass, Schröpfen

  • Unnatürliche Wollust, Onanie oder unvollkommener oder ganz unterdrückter Beischlaf schaden der Gesundheit

Keine Angaben
Bewegung, Sport
„Bewegung und Ruhe“
  • Große Bedeutung

  • Dauer, Intensität und Schnelligkeit abhängig von Lebensalter und Konstitution

  • V. a. Laufen, aber auch Springen, Zweikampf, Wandern, Reiten etc.

  • Empfohlen: regelmäßige Bewegung in freier Luft

  • Vermeiden: übermäßige Anstrengung des Körpers

  • Sitzende Lebensweise und häufige passive Bewegung wie Reiten, Fahren und Schaukeln erfordern Ausgleich

  • Positive Effekte von krankheits- und situationsgerechter Bewegung im Alltag

  • Den eigenen Körper mit Bewegungsvorlieben positiv wahrnehmen

  • Loslösung von Leistungsdruck

  • Möglichst 30 Minuten täglich Bewegung von leichter Intensität

  • Möglichst 3- bis 5-mal wöchentlich 20–60 Minuten Körpertraining von mittlerer bis starker Intensität

  • Ergänzendes Krafttraining oder kleine Kräftigungseinheiten

Schlaf
„Schlafen und Wachen“
  • Schlafen nur in den Nachtstunden

  • Empfehlungen zur Schlaflage

Vermeiden: langer Mittagsschlaf, Lesen in waagerechter Lage, Nachtleben Schlafhygiene mit Beachtung von Regelmäßigkeit, Schlafumgebung und Chronotypus
Emotionen
„Störungen der Seele“
  • Freude ist gesundheitsfördernd und soll durch geeignete Speisen, Genuss, Freunde, Musik, schöne Frauen und Leben im Einklang mit dem gesellschaftlichen Rang gefördert werden

  • Vermeiden: Traurigkeit und Angst (blockieren lebenswichtige Reaktionen)

  • Zorn kann gesundheitsschädigend sein, ist aber manchmal angemessen (kann durch Musik, Lektüre und Schlaf gelindert werden)

  • Negative Emotionen wie Zorn, Gram und Ärger spielen eine bedeutende Rolle bei der Entstehung von Krankheiten

  • Empfohlen: Erheiterung, Abbau von Langeweile, Zuwendung mit Sorgfalt und Menschenliebe

  • Individuelle Stressregulation mit situationsgerechten Methoden für den Alltag

  • Gelassenheit, achtsamer Umgang mit sich selbst und der Umwelt

  • Psychophysiologische Entspannungstechniken (z. B. Bodyscan, Atemübungen, autogenes Training, Hatha-Yoga, Meditation, progressive Muskelrelaxation nach Jacobson)

Kognitionen, Verhalten und psychosoziale Aspekte
Keine Angaben
  • Krankheitsauslösend und die Heilung behindernd: Spielsucht, Ausschweifungen, Schwelgerei, Liebeleien, Lesen schlüpfriger Romane, abergläubische und schwärmerische Bücher, übertriebene Anstrengung des Geistes

  • Schwierige psychosoziale Situation (ausgelöst z. B. durch unglückliche Ehe, Verlust der gesellschaftlichen Position, Tod des einzigen Sohnes oder verschmähte Liebe und dadurch entstehendes nagendes Gewissen, ununterbrochener Kummer und Verdruss)

  • Kognitive Umstrukturierung

  • Prinzipien der Verhaltensänderung

  • Bewusst gestalteter Umgang mit Krankheit

  • Gesundheitsförderndes Verhalten

  • Selbstmotivationsstrategien

  • Biopsychosoziales Gesundheits- und Krankheitsverständnis (eigene Symptome und Beschwerden besser einschätzen können)

  • Eigene Ressourcen, Risikoverhalten und krankheitsbedingte Grenzen erkennen

  • Naturheilkundliche Selbsthilfestrategien (wann ist medizinische Hilfe nötig?)

Ernährungstherapeutische Empfehlungen Hahnemanns und mediterrane Vollwertkost im Vergleich

(nach Pithan und Michalsen 2006)

Tab. 11.3
Hahnemann Mediterrane Vollwertkost
Allgemeine Empfehlungen
In geringen Mengen: saures Obst, zitronensaure Nahrungsmittel Bevorzugt pflanzliche Lebensmittel: Gemüse, Obst, vollwertiges Getreide, Hülsenfrüchte, Nüsse, Samen, Kräuter
  • Fisch nur in Wasser zubereitet

  • Selten salzige Heringe und Sardellen

  • Vermeiden: geräucherter oder luftgetrockneter Fisch

Mäßiger Verzehr: Fisch, Geflügel, fettarme Milchprodukte
  • Empfohlen: Rindfleisch, Hammel, Wild, ältere Hühner, junge Tauben

  • Selten und in geringen Mengen: gepökeltes und geräuchertes Fleisch

  • Für chronisch Kranke nicht erlaubt: alter Käse, Fleisch und Fett von Schweinen, Enten, Gänsen, allzu junges Kalbfleisch

Verzehr in geringen Mengen: Fleisch, Eier, Produkte mit einem hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren (tierische und sichtbare Fette, industriell hergestellte Nahrungsmittel, Frittierwaren)
In Maßen: Süßes, Schokolade Verzehr in geringen Mengen: Süßigkeiten, leicht verdauliche Kohlenhydrate
  • Vermeiden wegen arzneilicher Wirkung: Kaffee, chinesische und andere Kräutertees, Biere mit arzneilichen Zusätzen, Gewürzliköre, Punsch, gewürzte Schokolade, Speisen mit Soßen, Backwerk

  • Gemüse von Kräutern, Wurzeln, Keimstengeln (Spargel, Hopfenkeime), Sellerie, Petersilie, Sauerampfer, Estragon, Zwiebeln, Salat

  • In geringen Mengen: Gewürze (Kochsalz, Zucker), Essig

  • Vermeiden: andere Gewürze (potenziell arzneilich)

  • Selten: Zucker, Salz

Alkohol: geistige Getränke verdünnen
  • Empfohlen: Öle mit einem günstigen Verhältnis von einfach zu mehrfach ungesättigten Fettsäuren

  • Empfohlen: Nahrungsmittel mit günstigem Verhältnis von Omega-3- zu Omega-6-Fettsäuren

Spezielle Empfehlungen
  • Vermeiden bei Nerven- und Unterleibsleiden: essig-zitronensaure Dinge

  • In geringen Mengen: saures und mäßig süßes Obst

  • Vermeiden bei Verstopfung: gebackene Pflaumen, junges Kalbfleisch, blähendes Gemüse

  • Vermeiden bzw. einschränken bei gesunkenem Geschlechtsvermögen: junge Hühner, Eier, Palliativa wie Vanille, Trüffel und Kaviar

  • Vermeiden bei spärlichem Monatsfluss: Safran, Zimt

  • Vermeiden bei schwachem Magen: Palliativa wie Zimt, Würznelken, Pfeffer, Ingwer, bittere Nahrungsmittel

Besondere Diätempfehlungen für:
  • koronare Herzkrankheit, Hypertonie

  • Diabetes

  • Adipositas, metabolisches Syndrom

  • Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

  • Laktoseintoleranz

  • Zöliakie

  • Rheumatischer Formenkreis

Homöopathie in Kombination

Jörn Dahler

  • 11.1

    Kombination mit anderen Therapien198

    • 11.1.1

      Moderne Ordnungstherapie198

    • 11.1.2

      Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Psychotherapie199

    • 11.1.3

      Chirurgie199

    • 11.1.4

      Komplementärmedizinische Verfahren199

    • 11.1.5

      Selbstmedikation199

    • 11.1.6

      Pharmakologische Therapie199

    • 11.1.7

      Psychopharmaka200

  • 11.2

    Antidote und Antidotierung201

    • 11.2.1

      Begriffsklärung201

    • 11.2.2

      Antidote201

    • 11.2.3

      Antidotierung der homöopathischen Arznei202

    • 11.2.4

      Schlussfolgerungen und Praxistipps202

  • 11.3

    Begleitende Therapien und Empfehlungen bei Hahnemann202

    • 11.3.1

      Diätetik204

    • 11.3.2

      Ernährung205

    • 11.3.3

      Andere Therapieverfahren207

HomöopathieKombinationstherapieHomöopathie kann mit einer Vielzahl an Therapien kombiniert werden. Besonders empfehlenswert ist die Kombination mit Ordnungstherapie, Physiotherapie, Ergotherapie und Psychotherapie. Bei anderen komplementären und konventionellen Therapien kann es zu einer Veränderung der Symptomatik und damit zu Schwierigkeiten im Behandlungsverlauf kommen. Eine bereits bestehende konventionelle pharmakologische Therapie sollte erst nach Einsetzen einer Besserung und mit aller Vorsicht reduziert oder eingestellt werden, um keine Verschlechterung des Gesundheitszustands des Patienten zu riskieren. Es gibt Berichte von Fällen, bei denen ein unter einer homöopathischen Therapie begonnener Heilungsprozess durch ungewohnte und intensive arzneiliche, emotionale, olfaktorische und chemikalische Reize beeinträchtigt wurde. Dies wird „Antidotierung“ genannt; der auslösende Reiz wird als „Antidot“ bezeichnet. Für Hahnemann spielte neben der arzneilichen Therapie die Lebensordnung eine sehr wichtige Rolle.

Kombination mit anderen Therapien

KombinationstherapieHomöopathieKombinationstherapieKombiniert man eine homöopathische Therapie mit anderen Therapieverfahren, können unter Umständen die folgenden Probleme auftreten:
  • Die Symptomatik wird durch die begleitende Therapie verändert, was die homöopathische Arzneiwahl erschwert oder sie unmöglich macht.

  • Die begleitende Therapie verändert das Symptombild und erschwert die Verlaufsbeurteilung.

  • Die homöopathische Arzneiwirkung wird durch die begleitende Therapie kurzfristig oder anhaltend gestört, was als „Antidotierung“ bezeichnet wird (11.2).

Moderne Ordnungstherapie

OrdnungstherapieMind-Body-MedizinTherapieMind-Body-MedizinDie moderne Ordnungstherapie (Mind-Body-Medizin) eignet sich bei der Behandlung chronischer KrankheitenKrankheit, chronischeMind-Body-Medizin gut zur Kombination mit Homöopathie. Sie ist das moderne Äquivalent zu den von Hahnemann ausgiebig angewendeten diätetischen Maßnahmen (11.3.1). Moderne ordnungstherapeutische Ansätze beinhalten Meditations- und Entspannungsverfahren, Yoga und Qigong, Techniken der Stressbewältigung, Elemente der traditionellen europäischen Naturheilkunde und Selbsthilfestrategien wie Wickel und Güsse. Mind-Body-MedizinDarüber hinaus werden Lebensziele, soziale Beziehungen und die berufliche Leistungsfähigkeit berücksichtigt. Ziel ist eine nachhaltige Veränderung des Lebensstils und der Selbstfürsorge und eine innere Haltung, die den Menschen befähigt, mit den Ansprüchen des Alltags und des Lebens gelassen und kompetent umzugehen (Dobos und Paul 2011).
Ordnungstherapeutische Tipps für die Praxis
Ernährung Ernährung Ordnungstherapie
  • Vielseitige und abwechslungsreiche Kost, schonende Zubereitung, genussvoller Verzehr

  • Reichlich frische, rohe oder gering verarbeitete Lebensmittel

  • Reichlich Gemüse, Obst, Vollwertgetreide, Kartoffeln

  • Viel Flüssigkeit (> 1,5 Liter täglich)

  • Mäßige Mengen an Fisch und Geflügel

  • Regelmäßig fettarme Milchprodukte

  • Bevorzugt Öle mit ungesättigten Fetten (z. B. Olivenöl, Rapsöl)

  • Geringe Mengen Fleisch, Eier, Süßigkeiten, Weißmehlprodukte

  • Vermeiden: gesättigte Fette (Industrieprodukte, Chips, Pommes etc.), Zucker, Salz möglichst selten

Bewegung Bewegung, Ordnungstherapie
  • Möglichst viel Bewegung in den Alltag integrieren

  • Möglichst 30 Minuten täglich Bewegung von leichter Intensität an frischer Luft (z. B. Spazierengehen)

  • 3- bis 5-mal wöchentlich 20–60 Minuten Körpertraining von mittlerer bis starker Intensität (z. B. Joggen, Walking, Radfahren, Schwimmen)

  • Zusätzlich Hatha-Yoga, Qigong oder ein ähnliches Verfahren zur Verbesserung der Beweglichkeit, der Koordination und des Gleichgewichts

  • Ergänzendes Krafttraining oder kleine Kräftigungseinheiten (z. B. Liegestütze, Kniebeugen, Bauch- und Rückenmuskeltraining)

Stressmanagement Stressmanagement, Ordnungstherapie , Entspannungstraining Entspannungstraining
  • Regelmäßiges (möglichst tägliches) Ausüben eines Entspannungsverfahrens (z. B. Meditation, progressive Muskelrelaxation, autogenes Training) über 20–45 Minuten

  • Ersetzen selbstschädigender negativer durch angemessene Gedanken in vermeintlich bedrohlichen und stressigen Situationen

Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Psychotherapie

Therapienicht medikamentöseBei Krankheitsbildern mit einer Indikation für Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie oder Psychotherapie, also Therapien, bei denen der Patient auf körperlicher oder kognitiver Ebene etwas lernen, ein neues Verhalten oder Muskulatur aufbauen soll, wird eine homöopathische Arznei alleine in der Regel nicht reichen. Eine Kombination mit einer homöopathischen Therapie ist sinnvoll, um den Organismus in diesem Prozess zu unterstützen.

Chirurgie

ChirurgieBesteht bei einem Patienten eine Erkrankung, bei der eine chirurgische Intervention eine Behandlungsoption darstellt, ist eine differenzierte Betrachtung notwendig. Je besser der Therapeut die chirurgischen Therapieoptionen und ihre Erfolgsquoten sowie die Möglichkeiten und Grenzen einer homöopathischen Therapie bei dem zu behandelnden Krankheitsbild kennt, desto eher wird eine für den Patienten angemessene Entscheidung möglich sein. Auch Pichiah SankaranSankaran, Pichiah (Sankaran 2003b) ist in Bezug auf das Verhältnis von Homöopathie und Chirurgie der Ansicht, dass eine homöopathische Therapie manche, aber sicher nicht jede chirurgische Intervention verhindern kann. Habe man sich für eine chirurgische Therapie entschieden, sei eine Vor-, Begleit- und Nachbehandlung mit Homöopathie sinnvoll.

Komplementärmedizinische Verfahren

Therapien, komplementärmedizinischeBei einer Kombination mit komplementärmedizinischen Therapien, wie z. B. Osteopathie, traditioneller chinesischer Medizin, ayurvedischen oder anthroposophischen Konzepten, stellt sich die Frage, ob synergistische oder einander störende Effekte auftreten können. Es besteht die Möglichkeit, dass sich die Symptomatik ändert und die Arzneiwahl und/oder Verlaufsbeurteilung erschwert oder die homöopathische Arzneiwirkung beeinträchtigt wird. Insofern sollten der Nutzen und die Notwendigkeit einer Kombination sorgfältig abgewogen werden.

Selbstmedikation

SelbstmedikationHomöopathieSelbstmedikationTherapieSelbstmedikationDie Häufigkeit der Selbstmedikation bei Befindlichkeitsstörungen und leichteren Erkrankungen hat zwischen 1992 und 2007 stetig zugenommen (Allensbacher Archiv, 2007). Es ist davon auszugehen, dass die Selbstmedikation in vielen Fällen auch dann beibehalten wird, wenn Patienten sich in Behandlung begeben.

Im Rahmen der homöopathischen Therapie in Praxis und Klinik ist es deshalb wichtig, gezielt nach zusätzlicher Selbstmedikation zu fragen, da der Patient von sich aus selten darüber reden wird.

Pharmakologische Therapie

KombinationstherapieWechselwirkung, KombinationstherapieHomöopathieKombinationstherapieDas Wissen über die Auswirkungen einer Kombination von homöopathischen mit konventionellen oder phytotherapeutischen Medikamenten basiert auf Erfahrungen und Empfehlungen aus der Praxis.
Bei einer additiven medikamentösen TherapieTherapiemedikamentöse sind folgende Indikationen zu unterscheiden:
  • Bereits bestehende allopathischeAllopathieBegleitmedikation Dauermedikation, die nur dann reduziert oder abgesetzt werden darf, wenn dadurch keine Gefahr für den Patienten entsteht und sich eine deutliche Besserung der Symptomatik unter homöopathischer Therapie zeigt (z. B. Hypertonusbehandlung, Schmerztherapie). Hier bieten sich Q-Potenzen, die regelmäßig verabreicht werden können, oder auch Tiefpotenzen an. Dies gilt insbesondere bei einer homöopathischen Behandlung, die parallel zu einer immunsuppressiven Therapie z. B. mit Kortison, Antirheumatika oder Antiallergika durchgeführt wird.

  • Vorübergehende Substitution mit dem Körper bekannten, nicht mehr in ausreichender Menge hergestelltem oder diesen ähnliche Substanzen (z. B. Schilddrüsenhormonen, Insulin), die bei passagerem Mangel oder dauerhaft nach Organentfernung/-verlust erforderlich ist. Beeinträchtigungen der homöopathischen Therapie sind nicht zu erwarten.

  • Krankheitszustände, in denen phytotherapeutische oder allopathische Arzneien BegleitmedikationphytotherapeutischeBegleitmedikationallopathischezur Linderung unangenehmer, aber nicht bedrohlicher Beschwerden verwendet werden (z. B. Hustensaft, Schmerzmittel). Bei vielen homöopathischen Praktikern ist diese Begleitmedikation wegen potenzieller Antidotierung und erschwerter Verlaufsbeurteilung nicht gern gesehen. In der Praxis gibt es jedoch immer wieder Situationen, in denen die Linderung durch eine homöopathische Arznei nicht ausreicht oder der Patient (oder die Mutter eines Kindes) auf entsprechende Maßnahmen drängt. Hier ist mit dem Patienten gemeinsam eine Entscheidung unter Abwägen der möglichen Vor- und Nachteile zu suchen. Naturheilkundliche Selbsthilfestrategien, wie z. B. Wickel oder Zwiebelsäckchen, sind in solchen Situationen oft eine Hilfe, um die Begleitmedikation zu vermeiden.

  • Meist weit fortgeschrittene Krankheitszustände, die so schmerzhaft oder unangenehm sind, dass eine palliative Hilfe notwendig ist (z. B. Opiate). Das Lindern des Leidens in dieser Lebensphase sollte absolut im Vordergrund stehen. Ergänzende homöopathische Therapie, um diese letzte Lebensphase zu erleichtern, bieten sich an.

  • Uneingeschränkt empfehlenswert zur Kombination mit Homöopathika sind Kochsalzpräparate bei Atemwegsinfekten, z. B. in Form von Nasenspray, Lutschpastillen oder zur Inhalation.

Veronica CarstensCarstens, Veronica plädierte für eine individuelle und angemessene Kombination: „Eine große Kluft zwischen Schulmedizin und Naturheilkunde war immer deutlicher zu erkennen, wo doch ein Zusammengehen das Vernünftigste gewesen wäre. Denn beide Richtungen waren und sind unverzichtbar. Es kommt nur darauf an, die jeweils sinnvolle Therapie herauszufinden und die eigenen Grenzen zu erkennen“ (Kerckhoff 2003). Dass diese „angemessene“ Kombination möglich ist, zeigen die Integrationsprojekte für Homöopathie in pädiatrischen, psychiatrischen und gynäkologischen Kliniken der Karl-und-Veronica-Carstens-StiftungKarl-und-Veronica-Carstens-Stiftung (14.2, 14.4).

Psychopharmaka

PsychopharmakaLegt man die aktuellen Erfahrungsberichte zur Behandlung von psychiatrischen Patienten im stationären und ambulanten Setting zugrunde, scheint die Kombination von homöopathischer Behandlung und Psychopharmaka unter Beachtung einiger Regeln und Ausnahmen gut durchführbar. Dabei können die Behandlungsziele je nach Vorgeschichte und Behandlungsanlass unterschiedlich sein. Eine Reduktion oder gar ein Absetzen der bestehenden Medikation kann ebenso ein Ziel sein wie eine parallele Behandlung bei chronifizierten Fällen. Psychopharmaka können in akuten Krisen eine stationäre Behandlung überflüssig machen oder schwere akute Krankheitsbilder mit wahnhafter Symptomatik und hoher Suizidgefahr lindern. Dies kann für den Patienten gerade im Akutfall oder bei schwerstchronifizierten Fällen eine erhebliche Erleichterung, wenn nicht gar lebensrettend sein. Die Wirkmechanismen von homöopathischer Arznei und Psychopharmaka sind eher als komplementär denn als gegensätzlich zu betrachten. Während PsychopharmakaPsychopharmakaWirkung eine Regulation des Nervensystems erzwingen und damit eher eine quantitative Verminderung der Symptome bewirken, werden mit der Homöopathie über die Aktivierung von Selbstheilungsmechanismen eher qualitative Veränderungen erzielt. Als Verlaufsparameter eignen sich die Veränderung der Restsymptomatik, die Ausprägung von Nebenwirkungen und die mögliche Reduktion der Psychopharmaka. Der Erfahrungsstand zu den einzelnen Medikamentenklassen findet sich zusammengefasst in Tab. 11.1 (Koch 2012).

Antidote und Antidotierung

Begriffsklärung

Antidot/AntidotierungWird ein Heilungsprozess, der unter einer homöopathischen Behandlung aufgetreten ist, durch Substanzen, Gerüche, andere Therapien, seelische oder körperliche Traumata oder Umwelteinflüsse gestört oder aufgehoben, spricht man von Antidotierung. Sie ist ein Aspekt der sogenannten Heilungshindernisse (9.2.2). Eine Antidotierung ist charakterisiert durch eine Besserung der Beschwerden, die plötzlich aufhört und verzögert oder gar nicht mehr wiederkehrt. Auch bei einer ausbleibenden Besserung trotz offensichtlich guter Arzneiwahl ist an eine Antidotierung zu denken. Im Falle einer übermäßigen Erstverschlimmerung kann eine Antidotierung erwünscht sein (9.3.2). Der betreffende Auslöser wird im homöopathischen Sprachgebrauch als Antidot bezeichnet. Auch in der ToxikologieToxikologieAntidot wird ein bei einer Vergiftung eingesetztes Gegengift als „Antidot“ bezeichnet. Wegen dieser Bedeutungsüberschneidung sprach Klunker sich gegen eine Verwendung dieses Begriffs in der Homöopathie aus. Er schlug stattdessen vor, von einem DiadotDiadot zu sprechen, setzte sich damit aber im homöopathischen Sprachgebrauch nicht durch (Miller 1998).

Antidote

Die Kenntnisse über spezifische Antidote im homöopathischen Sinn stammen in erster Linie aus Praxisbeobachtungen, die im Laufe der Jahrhunderte von homöopathischen Praktikern zusammengetragen wurden (Miller 1998, Rehman 2007). Systematischere Untersuchungen dazu gibt es nur in Form einer einzigen retrospektiven Analyse von homöopathischen Behandlungsfällen einer homöopathischen Klinik am Hahnemann College of Homeopathy in Berkeley, Kalifornien (Shoonover 1990).
Moira McGuigan (McGuigan 2014) hat beschrieben, auf welche Weise eine AntidotierungAntidot/AntidotierungAuslösung physiologisch ausgelöst werden könnte. Im Mittelpunkt ihrer Überlegungen stehen das olfaktorische, gustatorische und chemosensorische System. Diese Körpersysteme sind darauf ausgerichtet, bedrohliche Umweltreize wie z. B. Gifte, Toxine, verdorbene Lebensmittel, Gerüche von Tieren oder fremden Menschen zu erkennen. Bei einer möglichen Bedrohung wird eine Stressreaktion mit nachfolgender Kaskade im Stressnetzwerk des Organismus ausgelöst. Diese Stressreaktion werde vom Organismus als vorrangig angesehen, und andere Prozesse, so z. B. auch eine Selbstheilungsreaktion durch eine homöopathische Arznei, könnten dadurch gestört werden. McGuigan geht davon aus, dass insbesondere starke und ungewohnte Gerüche, Pheromone (penetrante, giftige, starke animalische und pflanzliche Duftstoffe), Chemikalien, Parfüme u. a. eine Antidotierung bewirken können.
Die durch Shoonover erhobenen Daten wie auch die Überlegungen von McGuigan decken sich weitgehend mit dem Wissen, das homöopathische Praktiker zuvor gesammelt haben. Dies sind die wichtigsten Antidote (nach Miller 1998, Rehman 2007, Shoonover 1990, McGuigan 2014):
  • Kaffee und Kaffeeprodukte

  • Kampfer (z. B. Lippenbalsam, Wick Vaporub)

  • Drogen

  • Pflanzliche Säuren (z. B. Essig und Zitronensaft)

  • Ätherische Öle (Menthol, Erkältungsarzneien, Lutschbonbons, Zahnpasta, Kaugummi, Duftlampen, Kosmetika)

  • Intensive olfaktorische Reize

  • Zahnbehandlung

  • Konventionelle Medikamente (z. B. Antibiotika)

  • Chemikalien (z. B. Formaldelhyd, Lösungsmittel)

  • Komplementärmedizinische Verfahren

Antidotierung der homöopathischen Arznei

Antidot/Antidotierungder homöopathischen ArzneiAuch die homöopathischen Arzneien werden als potenziell anfällig für Störungen durch äußere Einflüsse eingeschätzt. Es wird z. B. empfohlen, homöopathische Hausapotheken vor Durchleuchtungsgeräten an Flughäfen zu schützen und nicht in der Nähe von Computern, Lautsprechern und Mikrowellengeräten aufzubewahren. Beim Verkleppern sollte statt eines Metalllöffels ein Plastiklöffel verwendet werden (8.2.2). Wissenschaftliche Untersuchungen zu Einflüssen dieser Art sind nicht bekannt. Da unklar ist, auf welche Art die arzneiliche Information gespeichert ist, und die genannten Vorsichtsmaßnahmen wenig Aufwand bedeuten, wird empfohlen, hierauf zu achten.

Schlussfolgerungen und Praxistipps

Aus den dargestellten Veröffentlichungen und Praxisbeobachtungen lassen sich die folgenden Schlüsse ziehen:
  • Eine grundsätzliche umfangreiche diätetische Verbotsliste und eine Änderung bestehender Lebensgewohnheiten ist in der Regel weder notwendig noch praktikabel.

  • Es wird vermutet, dass v. a. ungewohnte und intensive arzneiliche, emotionale, olfaktorische und chemische Reize Antidotierungen auslösen.

  • Konventionelle Arzneien und andere komplementäre Therapieverfahren können möglicherweise antidotierend wirken.

  • Substanzen, die gewohnheitsmäßig konsumiert werden, wie Kaffee, Gewürze und ätherische Substanzen, antidotieren vermutlich nur, wenn sie in ungewohnt intensiver Form oder hoher Dosis aufgenommen werden.

  • Die Mehrzahl der beschriebenen Antidotierungen tritt in der Frühphase der Behandlung auf.

  • Auch eine gut gewählte und langjährig hilfreiche Arznei kann antidotiert werden.

  • Laut publizierter Berichte kann der positive Behandlungsverlauf durch die Wiederholung der Arznei in der Regel fortgesetzt werden.

  • Patienten, die nur gelegentlich Kaffee trinken, Duftlampen oder Badezusätze mit ätherischen Ölen verwenden, sollte empfohlen werden, zumindest in der Frühphase der Behandlung auf diese Substanzen zu verzichten, bis ihr Gesundheitszustand sich stabilisiert hat.

Gibt es Hinweise auf eine Antidotierung, empfehlen sich die folgenden Maßnahmen:
  • Versuchen, den Auslöser zu identifizieren und möglichst zu meiden.

  • Zunächst abwarten, ob sich die Symptomatik wieder bessert.

  • Ist dies innerhalb von 1–2 Wochen nicht der Fall, die zuletzt gegebene Arznei wiederholen. Gegebenenfalls warten, bis die Konfrontation mit dem Antidot sicher beendet ist.

Begleitende Therapien und Empfehlungen bei Hahnemann

TherapiebegleitendeHahnemann, SamuelHahnemanns Empfehlungen zu Diätetik und Ernährung waren sehr umfassend. Ein Vergleich mit modernen wissenschaftlichen Erkenntnissen in diesem Bereich hilft dabei, ihren Wert für die heutige Praxis einzuschätzen.

Diätetik

DiätetikTherapieDiätetikLebensordnungHahnemann legte nicht nur großen Wert auf die homöopathische Arzneitherapie, sondern auch auf diätetische Empfehlungen. Er orientierte sich dabei im Wesentlichen an den Empfehlungen der antiken Diätetik. Regelmäßige Bewegung an frischer Luft war der häufigste Rat, den er erteilte. Auch über Schlaf, Ruhezeiten, genossene Speisen und Getränke, Gemütsverfassung, Ausscheidungsfunktion, Menses und Geschlechtsleben berichteten Hahnemanns Patientinnen und Patienten ausführlich, wie aus den Krankenjournalen und Patientenbriefen hervorgeht. Er wies seine Patienten darüber hinaus auf gesundheitsschädigende Einflüsse von „mancherlei Gasarten“ in der Atmosphäre sowie in Werkstätten und Wohnungen, von verunreinigtem Trinkwasser und von verfälschten, nachlässig zubereiteten oder verdorbenen Lebensmitteln hin (Henne 1975, Nachtmann 1986, Busche 2006, Busche 2013, Ulrich 2007).
Generell forderte Hahnemann eine ausgeglichene und auf Mäßigkeit beruhende Lebensweise, verbot gesundheitsschädigende Verhaltensweisen und forderte, Heilungshindernisse aus dem Weg zu räumen. Der entscheidende Aspekt bei der Behandlung und Heilung des Kranken war jedoch die Arzneitherapie: „Die strenge, homöopathische Diät und Lebensweise heilt nicht die langwierig Kranken, die wie Widersacher vorgeben, um der Homöopathie ihr Verdienst zu schmälern, sondern auf der arzneilichen Behandlung beruht die Hauptsache.“ (CK Bd. 1., S. 132 [2. Aufl.], S. 68 [3. Aufl.])
Inge Heinz hat Hahnemann als „Psychotherapeuten“ der Prinzessin Luise von Preußen bezeichnet, deren Krankengeschichte sie anhand von Briefen und Krankenjournalen Hahnemanns ausführlich analysiert hat. Es wird deutlich, wie wichtig für die an einer affektiven Störung leidende Patientin Hahnemanns „Zuspruchstherapie“ war und wie sehr sie von Hahnemanns starker Ausstrahlung eingenommen war (Heinz 2011). Aus heutiger Sicht würden die Gespräche am ehesten einer supportiven Psychotherapie oder einer Leistung der psychosomatischen Grundversorgung entsprechen.
In Tab. 11.2 werden Leitsätze der antiken Diätetik, Empfehlungen Hahnemanns und die moderne Ordnungstherapie einander gegenübergestellt.

Ernährung

ErnährungErnährungstherapieTherapieErnährungHahnemannsHahnemann, Samuel Ausführungen zu Ernährung und Diät haben drei Schwerpunkte: allgemeine Empfehlungen, spezielle Diäten für einzelne Erkrankungen und das Gebot, arzneiliche Stoffe in der Nahrung zu meiden. Mäßigkeit war für Hahnemann nicht nur hinsichtlich der Diätetik (11.3.1), sondern auch im Hinblick auf die Ernährung ein entscheidender Faktor, um die Gesundheit zu erhalten. Obst und Gemüse wurden von ihm weniger empfohlen als heute üblich. Die unschädlichste und natürlichste Nahrung für Gesunde und Kranke war für Hahnemann „Rindfleisch nebst gutem Waizen-, oder Rogken Brode […] nebst Kuhmilch und mäßigem Genusse der frischen Butter […], nur mit wenig Kochsalze zugerichtet.“ (CK Bd. 1, S. 138 [2. Aufl.], S. 71 [3. Aufl.])
In Tab. 11.3 werden Leitsätze der mediterranen Vollwerternährung den Empfehlungen Hahnemanns gegenübergestellt. Die tabellarische Gegenüberstellung macht deutlich, dass es erhebliche Unterschiede zwischen HahnemannsHahnemann, Samuel Empfehlungen und einer mediterranen Vollwertkost nach heutigen Gesichtspunkten gibt. Die Grundsätze Hahnemanns haben im Rahmen einer homöopathischen Therapie heutzutage deshalb nur dort Relevanz, wo es um die Vermeidung arzneilicher ReizeReiz, arzneilicher in der Nahrung geht.
Hahnemann hielt sich streng an die von ihm propagierte LebensordnungLebensordnung. Wie aus zeitgenössischen Berichten von Patienten und Kollegen hervorgeht, war er bis ins hohe Alter außerordentlich vital und sah deutlich jünger aus, als man angesichts seines Alters hätte denken können. Ob dafür die Ernährung, die Spaziergänge, die vielen Arzneimittelprüfungen oder schlicht eine gesunde Konstitution der Hauptgrund waren, ist natürlich nicht eindeutig zu beurteilen.
Kaffee, Kampfer, Tabak
Eine Sonderstellung hatten bei Hahnemann KampferKampfer und Kaffee. Über das vor allem im Kampferbaum vorkommende ätherische Öl schrieb er: „Der Kampher nimmt, wie ich aus Erfahrung sage, die allzu heftigen Wirkungen sehr vieler, theils unpassend angewendeter, theils in zu großer Gabe gereichter Arzneien hinweg, […]. Man muss in daher zu diesem Behufe sehr oft, aber in kleinen Gaben geben […].“ (Hahnemann, Gesamte Arzneimittellehre, 2. Aufl., S. 471) Hahnemann empfahl Kampfer auch, um unerwünschte Folgen einer Arzneimittelprüfung zu beenden. Zum KaffeeKaffee, den er als arzneiliche Substanz einstufte, verfasste er eine ausführliche Darstellung seiner Wirkungen. Er lehnte den täglichen Gebrauch von Kaffee ab (Hahnemann 1803).
Über die Auswirkungen des TabakgenussesTabak schreibt Hahnemann, selbst passionierter Pfeifenraucher: „Als Diäts-Artikel ist auch der Gebrauch des Tabaks wohl zu beachten. Wohl ist das Tabak-Rauchen in einigen Fällen chronischer Uebel zu gestatten, wenn der Kranke von jeher ununterbrochen daran gewöhnt war und er nicht seinen Speichel dabei ausspuckt, doch immer mit der Einschränkung, die größer seyn muß, wenn die Geistes-Funktionen, der Schlaf oder die Verdauung und die Leibes-Oeffnung leidet […].“ (Hahnemann, CK, Bd. 1, S. 138 [2. Aufl.], S. 71 [3. Aufl.])

Andere Therapieverfahren

Allopathie
AllopathieHahnemann äußerte sich häufig zur allopathischen Arzneitherapie seiner Zeit, und sein Urteil ist vernichtend – in Anbetracht der meist toxischen Wirkung damaliger Allopathika durchaus nachvollziehbar. Eine Übertragung dieser Ablehnung auf die heutigen Pharmaka ist jedoch falsch und unsinnig, da diese mit den damaligen Allopathika nichts gemeinsam haben. Ausleitende Verfahren wie Schröpfen und Aderlass lehnte Hahnemann ab.
Nicht arzneiliche Behandlungsformen
Therapienicht medikamentöseIn den „Organon“-Paragrafen 286–291 empfiehlt er den Mesmerismus, Massagen und lauwarme oder kurze kalte Bäder. Diese Therapien hielt er v. a. bei der Rekonvaleszenz noch geschwächter Patienten in Maßen für hilfreich.

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