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Was ist Homöopathie?

Michael Teut

Ein modernes Lehrbuch zur Homöopathie steht vor der Aufgabe, mehr als 200 Jahre homöopathisch-therapeutischer Erfahrung und Heilkunst zusammenzufassen und Perspektiven für die Gegenwart und Zukunft aufzuzeigen.

Eine zentrale Frage dabei lautet: Was ist Homöopathie im 21. Jahrhundert?

Homöopathie als Heilkunst
Homöopathie ist eine Heilkunst. Es geht in der Homöopathie nicht darum, standardisierte Lösungen für typische gesundheitliche Probleme zu finden, sondern spezifische Therapieansätze für individuelle Manifestationen akuter und chronischer Erkrankungen (10). Dabei blickt die Homöopathie auf individuelle Manifestationen der Krankheiten und sucht ganzheitlicheGanzheitlichkeitHomöopathieGanzheitlichkeit therapeutische Lösungen. Selbstheilungsprozesse werden mittels spezifischer homöopathischer Arzneien angestoßen. Homöopathie zielt auf eine möglichst weitgehende Gesundung des Individuums.
Homöopathie und Selbstheilung
SelbstheilungskraftOrganismusSelbstheilungskraftDie Homöopathie vertraut den Selbstheilungskräften des Organismus. Was vor 200 Jahren mit dem Begriff „Lebenskraft“ (2). umschrieben wurde, stellt bis heute eines der größten Rätsel der Medizin dar. Wie gelingt es Organismen, sich von schweren Krankheiten zielgerichtet zu heilen, wie organisieren sich Selbstheilungsprozesse, und wie können Therapeuten diese Kräfte anregen, steuern und nutzen? Wie gelingt es dem Therapeuten, den Patienten durch homöopathische Therapie zur Genesung zu führen?
Homöopathie und Ähnlichkeit
ÄhnlichkeitIm Zentrum der Homöopathie steht der kreative Umgang mit dem Ähnlichkeitsprinzip. Was den Gesunden krank macht, soll helfen, den Kranken zu heilen: Similia similibus curentur – Ähnliches soll mit Ähnlichem behandelt werden (2). Die physiologische Basis des ÄhnlichkeitsprinzipSimile-Prinzip Simile-Prinzips liegt in der Anpassungs- und Regulationsfähigkeit des lebenden Organismus. Erkrankt ein Mensch, therapiert man ihn mit einer Arznei mit möglichst ähnlichem pathogenetischem Potenzial am Gesunden. Der Organismus des Kranken wird auf den ArzneireizReiz, arzneilicher mit regulativen Prozessen reagieren und im Idealfall eine Genesung hervorbringen. Dieses Prinzip findet auch in der Namensgebung des Behandlungsverfahrens Ausdruck: „homoios“ (griech.) = ähnlich und „pathos“ (griech.) = Leiden.
Homöopathie als sanfte und spezifische Therapie
TherapiespezifischeUm eine möglichst ungefährliche Reaktion des Organismus auf den therapeutischen Reiz zu induzieren, wurden die homöopathischen Arzneimittel im Laufe der Homöopathiegeschichte immer sanfter und spezifischer hergestellt und angewendet (3, 8).
Spezifität wird erzielt durch Verschreibungsgenauigkeit, die wiederum durch die systematische Beobachtung in der homöopathischen Arzneimittelprüfung (4). und in der Therapie am erkrankten Menschen (7, 9) ermöglicht wird.
Sanftheit und Verträglichkeit verdankt die homöopathische Therapie dem speziellen Herstellungsprozess der Arzneien, dem schrittweisen Verdünnen und Potenzieren (3).
Homöopathie als Wissenschaft
Die methodische Anwendung des Ähnlichkeitsprinzips zur Induktion von Heilungsprozessen macht die Homöopathie zu einer praktischen und nachvollziehbaren WissenschaftHomöopathieWissenschaftlichkeit. Resultate ihrer 200-jährigen Geschichte sind ein ständig wachsender Schatz systematischer Arzneimittelprüfungen, Kasuistiken, Studien, Arzneimittelbeschreibungen, Repertorien, pharmazeutischer Anleitungen sowie Ergebnisse der Grundlagenforschung. Auch wenn für die Hochpotenzen der Wirkmechanismus bis heute nicht geklärt ist, zeigt die moderne Versorgungsforschung das Potenzial für die Praxis (13). Angewandte Homöopathie zeichnet sich durch wissenschaftliche Genauigkeit und therapeutische Kreativität aus, die sie zu einer einmaligen Therapieform machen.
Homöopathie als „sprechende Medizin“
Medizin„sprechende“Das wichtigste Instrument des homöopathischen Therapeuten bei Diagnostik und Therapie ist das Erfassen der meist sprachlichen, sowohl objektiven als auch subjektiven Krankheitserfahrungen in Form der homöopathischen Anamnese (6). Insofern handelt es sich um eine narrativ verankerte Heilkunst. Die „sprechende Medizin“ ist die Basis der Analyse des kranken Patienten, der Arzneimittelprüfung und der klinischen Verifikation sowie der schriftlichen Dokumentation.
Homöopathie als therapeutische Begegnung
Arzt-Patient-BeziehungDie homöopathische Therapie setzt ein individuelles Verständnis des Patienten und seiner Krankheitsgeschichte voraus. Dies ermöglicht den Aufbau einer intensiven therapeutischen Beziehung zwischen Therapeut und Patient (6).
Homöopathie als Basisversorgung
Homöopathie vertraut auf die Heilungspotenziale des Organismus, induziert diese durch sanfte und spezifische Reize und basiert auf „sprechender Medizin“ und Beziehungsarbeit. Sie pflegt einen kritischen Umgang mit nebenwirkungsreichen konventionellen therapeutischen Interventionen und ermutigt den Patienten dazu, auf die ihm innewohnenden Heilkräfte und den homöopathischen Heilungsprozess zu vertrauen. Somit ist die Homöopathie in der heutigen modernen Medizin eine ideale komplementäre Therapiestrategie der medizinischen Basisversorgung (14).
Homöopathie als therapeutische Herausforderung
Häufig wird in der Diskussion um die Wirksamkeit homöopathischer Hochpotenzen (3, 8) das Argument vorgebracht, es handle sich dabei um „den Tropfen im Bodensee“. Fragen wir einmal andersherum: Ist es nicht für jeden Therapeuten faszinierend, mit einem „Tropfen im Bodensee“ und einer systematischen und zugleich kreativen Vorgehensweise komplex chronisch erkrankte Menschen zur Heilung zu führen? Handelt es sich nicht bei dieser Form der therapeutischen Minimalintervention mit bestmöglichem Effekt um eine ausgesprochen praktische und klinisch nützliche Heilkunst?

Defintion

Homöopathie ist eine Heilmethode mit Arzneien, die nach Prüfung ihrer Wirkung am Gesunden aufgrund der individuellen Krankheitszeichen des Patienten auf der Basis des Ähnlichkeitsprinzips als Einzelmittel zur Heilung und Linderung von Krankheiten angewendet werden.

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