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B978-3-437-56353-9.00022-0

10.1016/B978-3-437-56353-9.00022-0

978-3-437-56353-9

Augen

Gudrun Schwoerer

  • 22.1

    Augenheilkunde546

  • 22.2

    Konjunktivitis546

  • 22.3

    Chalazion (Hagelkorn)550

  • 22.4

    Hordeolum (Gerstenkorn)552

  • 22.5

    Keratitis (Hornhautentzündung)554

  • 22.6

    Erkrankungen der Tränenorgane556

  • 22.7

    Uveitis558

  • 22.8

    Katarakt (grauer Star)561

  • 22.9

    Glaukom (grüner Star)563

  • 22.10

    Strabismus (Schielen)566

  • 22.11

    Netzhautveränderungen567

  • 22.12

    Kleine Materia medica bewährter Mittel aus der augenärztlichen Praxis568

Augenheilkunde

„Wie Du Dein Auge nicht behandeln kannst, ohne den Kopf zu behandeln, kannst Du den Kopf nicht behandeln, ohne den ganzen Menschen zu behandeln.“
Plato veröffentlichte diesen Satz aus dem Dialog zwischen Sokrates mit Chermides. Diese Worte gelten heute noch, werden doch die meisten Informationen der Umwelt über die Augen aufgenommen, beeinflussen also den ganzen Körper. Ein erkranktes Auge ist ein äußerliches Zeichen dafür, dass dieser Mensch aus seinem inneren Gleichgewicht geraten ist. Wünscht er eine Besserung seines Zustandes, werden wir uns bemühen, sein Gleichgewicht wieder zu stabilisieren. Mit der Homöopathie wird er fähig, die Sichtweise seiner Probleme zu ändern. Zusätzlich aber müsste der Patient seinen Willen zum Leben steigern. Ohne diesen Willen wird wenig erreicht.
Erfordert die Art der Erkrankung ein schnelles Handeln, mag die Gabe eines bewährten Mittels, z. B. vor der Weiterleitung zum Spezialisten, gerechtfertigt sein, generell aber sollten wir uns bemühen, das individuelle Mittel zu finden.
Grundsätzlich ist bei allen im Folgenden abgehandelten Veränderungen zu bedenken, dass ein rotes Auge als häufiges Symptom von Erkrankungen des Auges vielerlei Ursachen haben kann: eine Allergie, ein Sandkörnchen, eine Regenbogenhautentzündung, eine Blutung, ein Glaukom u. v. m. Eine exakte Diagnosestellung durch den Spezialisten ist deshalb unabdingbar.
Nebenbei sollten folgende allgemein gültige Richtlinien beachtet werden: Es werden keine alkoholischen Lösungen verordnet, um trockene Alkoholiker nicht zu gefährden. Bei sehbehinderten Patienten sind unter Umständen Tabletten (anstatt Globuli) zu empfehlen, damit eine genaue Einnahme gewährleistet ist.

Damit der Körper auf ein homöopathisches Mittel reagieren kann, benötigt er Energie. Vor der Mittelgabe überprüfe man daher, ob der Patient noch über diese Vitalität verfügt.

Konjunktivitis

Definition: Akute oder chronische Entzündung der Bindehaut unterschiedlicher Ätiologie. Ursachen: Infektionen mit Bakterien (Staphylokokken, Streptokokken, Pneumokokken, Gonokokken, Chlamydien, Mykobakterien), Viren (Adenoviren, HSV) und Pilzen. Physikalische, thermische, chemische Reize; Verletzungen, Fremdkörper, Lidanomalien, Störungen der Tränenproduktion und des -abflusses. Allergien, Allgemeinerkrankungen, Refraktionsfehler. Langes Tragen von Kontaktlinsen, deren mangelnde Pflege, ungeschicktes Einsetzen und Herausnehmen, Kontaktlinsendefekte oder Unverträglichkeit der Pflegemittel.

Symptomatik: Fremdkörpergefühl, Brennen, Juckreiz, Schmerzen, Tränenfluss, Lichtscheu, Lidkrampf, Bindehautrötung, Bindehautschwellung, Sekret, Fibrinabsonderung.

Therapeutische Strategie

Cave: Die Rötung eines oder beider Augen muss nicht durch eine Konjunktivitis bedingt sein – es könnte auch ein akutes GlaukomGlaukom vorliegen: den Augenarzt auch wegen möglicher Hornhauterosionen und -ulzera konsultieren. Bei einseitiger Konjunktivitis muss als Ursache ein Fremdkörper sowie Tränenwegsverschluss ausgeschlossen und differenzialdiagnostisch auch an eine Iritis gedacht werden.

Um die Schwere der Entzündung einzuschätzen, ist die Prüfung der Augenmotilität sowie der regionalen Lymphknoten auf Druckempfindlichkeit und Schwellung unerlässlich. Eine diagnostizierte allergische Konjunktivitis ist homöopathisch schneller zu behandeln, auf Cortison kann man meist verzichten.
Eine infektiöse Konjunktivitis wird ohne Antibiotika länger dauern. Erklärt der Patient sich zu einer homöopathischen Behandlung bereit, müsste er spätestens nach einigen Tagen eine Verbesserung spüren.
Fremdkörper oder defekte Kontaktlinsen sollte man dem Augenarzt überlassen.
Homöopathische Behandlung
Die homöopathische Konjunktivitisbehandlung muss sich häufig auf die vorhandenen Lokalsymptome stützen, da meist keine oder nur sehr wenige begleitende Störungen beobachtet werden können. Trotzdem findet sich bei genauerer Betrachtung eine Reihe von Symptomen, welche für die Arzneiwahl hilfreich sind.
Wahl der Symptome
  • Lokaler Befund: z. B. Verfärbung der Lider, Bindehautrötung (evtl. nur begrenzt), Schwellung, Sekret, Absonderung, Injektion.

  • Begleitsymptome: z. B. Fremdkörpergefühl, Brennen, Juckreiz, Schmerzen, Tränenfluss, Lichtscheu, Lidkrampf.

  • Causa: z. B. Wind, Fremdkörper, Verletzung.

Miasmatische Zuordnung
Die einfachen und die rezidivierenden Bindehautentzündungen sind psorischer Natur. Die psorischen Konjunktivitiden jucken. Reiben verschlechtert. Bindehautentzündungen im Rahmen spezifischer Prozesse können sich aus jedem Miasma heraus entwickeln.
Repertorium
Die große Hauptrubrik für die Konjunktivitis findet sich im Kapitel „Auge“: Augen – Entzündung – Bindehaut (149 AM). Zu berücksichtigen sind ferner Rubriken, welche die Lokalbefunde und die Causa abbilden. Besondere Beachtung sollten auch die Missempfindungen sowie die Umstände des häufig begleitenden Tränenflusses und der Lichtscheu finden.

Diagnosebezogene Rubrik

Augen – Entzündung – Bindehaut // eitrig // granulär // pustulös

Lokalbefunde

Augen – Absonderung von Schleim oder Eiter – allgemein // blutig // grün // hart, Augenwinkel // scharf, ätzend
Augen – Jucken – Sand, wie durch
Augen – Photophobie // künstliches Licht // Sonnenlicht // warm – Zimmer agg.
Augen – Tränenfluss // Öffnen der Augen, durch // reichlich // Wind, im

Causa

Augen – Entzündung // Verletzungen, nach // Wind – Fahren oder Reiten im // Wind – trockener kalter
Augen – Verfärbung // Rötung – Nähen, beim // Rötung – Verletzungen, nach // Rötung – Geschwüre – Bindehaut
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Während der konstitutionellen homöopathischen Behandlung beobachtet man häufig eine Ausscheidungsreaktion über die Augen. Am häufigsten sieht man dies bei Säuglingen wenige Tage nach dem passenden Konstitutionsmittel. Diese Art der Konjunktivitiden darf nicht lokal unterdrückt werden. In der Regel verschwindet diese Ausscheidung von selbst nach einigen Tagen, selten ist ein interkurrentes Medikament nötig.
Infektiöse Augenentzündungen bei Erwachsenen sind häufig durch eine sykotische Diathese (3.4.3) bedingt (besonders wenn Chlamydien nachgewiesen wurden). Epidemische Konjunktivitiden (z. B. in Kindergärten) erfordern manchmal ein Epidemiemittel und benötigen die Exploration mehrerer betroffener Kinder, um das entsprechende Heilmittel finden zu können. Oft genügt aber auch die Gabe des bisherigen Konstitutionsmittels (unter Beachtung der Mindestwirkzeit, 6.1.2), um die Augenentzündung innerhalb weniger Tage ausheilen zu lassen.
Im Handel erhältlich sind homöopathische AugentropfenAugenTropfen in D-Potenz von Apis mellifica, Argentum nitricum, Borrago, Calendula, Chelidonium, Cineraria maritima, Cuprum sulfuricum, Euphrasia, Formica, Mel, Mercurialis, Quarz, Ruta graveolens, deren lokale Anwendung aus klassisch-homöopathischer Sicht jedoch kritisch zu betrachten ist.
Je nach auslösender Ursache muss die Prognose der Konjunktivitis unter homöopathischer Behandlung unterschiedlich eingeschätzt werden. Als Extreme lassen sich die einmalige, akute, virale Konjunktivitis mit einer Ausheilung innerhalb weniger Stunden bis Tage und die allergische Konjunktivitis mit einer Ausheilung erst nach längerer homöopathischer Behandlung (z. T. Wochen oder sogar Monate) der allergischen Grunderkrankung nennen.
Unterstützende Maßnahmen
  • Häufig Hände waschen; feuchte – entweder kalte oder warme – Auflagen, auch von schwarzem Tee (Kamille wirkt allergisierend).

  • Keinen Verband anbringen, Tränen sollen ablaufen können. Zur Vitalisierung bei Ermüdung können Augenkompressen helfen (z. B. Dr. Hauschka).

  • Bei nicht eitriger Bindehautentzündung: Eine Lösung aus abgestandenem Tee, Kamillenblüten, Arnikablüten, Fenchelsamen je 10 g, Augentrost 20 g, als Auflagen auf die Lider.

  • Bei akuter Blepharitis und Konjunktivitis: feuchte Auflagen mit Eichenrinde (Eichenrinde ist ein reines Adstringens). Milder wirken feuchte Packungen mit Fenchelwasser oder Fencheltee. Das ätherische Öl wirkt eher beruhigend, wird daher gern zur Stärkung der Augen bei allgemeiner Sehschwäche gebraucht.

  • Bei Lidödem auch Quarz 0,4 % Gelat oder Vespa Crabro 1 % Salbe auf die Lider auftragen.

Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Acon., All-c., Apis, Euphr.
!! Bell., Sep.
! Alum., Arg-n., Ars., Lyc., Nux-v., Stram., Sulph.

  • Aconitum#AconitumKonjunktivitis: Eine Gabe im Anfangsstadium bei Fremdkörpergefühl, heftigen Schmerzen, Hitze im Auge bei großer Trockenheit, engen Pupillen. Starke Zugluftempfindlichkeit, Ängstlichkeit, heftigste Beschwerden, Bindehaut hyperämisch, auch ödematös. Plötzlich ausgelöst durch Erkältung bei trockenem Ostwind, Schreck, Angst. Begleitend Unruhe, hohes Fieber.

  • Allium cepa#Allium cepaKonjunktivitis: Anfangs bei akutem Schnupfen mit sehr scharfem, wässrigem Nasensekret und reichlich mildem, wässrigem Tränensekret, Juckreiz und Nasennebenhöhlenentzündung; Heuschnupfen, Kopfschmerzen, die bei Lidschluss zunehmen. Deutliche lokale und allgemeine Besserung in frischer Luft und durch Kälte.

  • Alumina#AluminaKonjunktivitis: Für magere, geschwächte, chronisch Kranke, deren Beschwerden sich durch geringste Anstrengung der Augen verschlimmern. Schwere- und Trockenheitsgefühl, verklebte Lider, Blepharitis mit Ausfallen der Wimpern.

  • Apis#ApisAugenverletzung: bei akuter Konjunktivitis mit hellrot geschwollener Bindehaut, heißen Tränen, brennendem, beißendem oder stechendem Juckreiz und heftigen Augenschmerzen. Starkes Fremdkörpergefühl mit glasiger Lidschwellung, Oberlidödem; durstlos trotz Fieber, schläfrig. Kühle Umschläge erleichtern. Bei akuter Bienenallergie C30 in Wasser verkleppert schluckweise trinken.

  • Argentum nitricum#Argentum nitricumKonjunktivitis: eitrige, profuse Absonderung, starkes Brennen, Splittergefühl, Besserung im Freien, Augen morgens verklebt; auch geeignet bei chronischem Verlauf mit scharlachroter Verfärbung und pflastersteinartiger Vorwölbung der Bindehaut. Verlangen nach süßen Speisen, die schlecht vertragen werden.

  • Arsenicum album#Arsenicum albumKonjunktivitis: ältere, schwache, chronisch Erkrankte oder lebhafte Astheniker mit Angst (besonders nachts), sterben zu müssen, ohne dass jemand helfen kann, Ruhelosigkeit, großer Erschöpfung, Empfindlichkeit gegen jegliche Unordnung bis zur Pedanterie; Entzündung aller Augenabschnitte, Schwellung um die Augen, unter den Unterlidern, heiße, beißende Tränen, wunde Lider, Hornhautulzera, Sandgefühl, brennende Augen und Lidränder. Warme Auflagen bessern. Kopfschmerzen treten periodisch in täglichem, wöchentlichem oder 14-tägigem Rhythmus auf. Starker Durst mit Verlangen nach Wasser, das in kleinen Schlucken getrunken und oft sofort erbrochen wird.

  • Belladonna#BelladonnaKonjunktivitis: Trockenheit des Auges und der roten, verdickten Lider mit stechenden, brennenden Schmerzen. Lichtscheu, erweiterte Pupillen, Kopfschmerzen. Folge von Abkühlung besonders am Kopf und von zu viel Sonne, Ärger, anstrengender Arbeit bei künstlichem Licht. Geistig, seelisch übererregbar. Überempfindlich gegen Druck, Zugluft, Berührung, Geräusche. Kombiniert mit plötzlich heftigen Ohrenschmerzen, Hämmern, Klopfen.

  • Calendula#CalendulaKonjunktivitis: wirkt bei Operationen vorbeugend gegen Infektionen.

  • Euphrasia#EuphrasiaKonjunktivitis: für akute und chronische Entzündungen, mildes Nasen- und scharfes, wund machendes Tränensekret, sehr rote und geschwollene Bindehaut. Absonderung dick, gelb, schleimig-eitrig; verschwommenes Sehen, Lichtscheu. Gefühl, als sei die Hornhaut mit viel Schleim bedeckt, der am Sehen hindert und häufigen Lidschluss hervorruft; Lidkrämpfe; morgens eingedicktes Sekret im nasalen Lidwinkel; Tränen fließen in Strömen; bei Nasennebenhöhlenentzündungen mit Druckgefühl im Bereich der Augen. (Keratitis epidemica 22.5)

  • Lycopodium#LycopodiumKonjunktivitis: Patienten haben die Empfindung, ihre Bindehaut fühle sich wie „rohes Fleisch“ an.

  • Nux vomica#Nux vomicaKonjunktivitis: Trockenheit, Brennen, Juckreiz in den lateralen Lidwinkeln (wie von Salz), der durch Reiben gebessert wird. Ursache ist oft Missbrauch von Alkohol, Kaffee, Nikotin oder Medikamenten; typisch ist ein punktförmige Kopfschmerz mit tags laufender und nachts verstopfter Nase.

  • Sepia#SepiaKonjunktivitis: ziehendes Gefühl der seitlichen Lidwinkel; die Lider erscheinen zu straff.

  • Stramonium#StramoniumKonjunktivitis: Augenentzündungen mit Tränen und Lidödemen, besonders bei psychotischen Patienten. Pupillenerweiterungen bei jeder Gemütserregung, temporäre Amaurose, Farbtäuschungen.

  • Sulfur#SulfurKonjunktivitis: wie mit Nadeln durch das Auge gestochene Schmerzen, zwischen 1 und 3 Uhr nachts, dadurch erwachend; Tränenfluss im Freien verstärkt, lichtempfindlich, Rötung, Brennen.

Chalazion (Hagelkorn)

Definition: Chronischer Entzündung der Meibom-TalgdrüsenMeibom-Talgdrüsen, hervorgerufen durch einen Sekretstau (im Gegensatz zum Hordeolum nicht von Bakterien hervorgerufen).

Symptomatik: Schmerzfreie Schwellung der Meibom-Talgdrüsen;Meibom-Talgdrüsen derber, frei verschieblicher, wenig geröteter, etwa zierstecknadelkopfgroßer Knoten.

Cave: Ähnliche Symptome verursacht das Adenokarzinom am Lid!

Therapeutische Strategie
Hagelkörner lassen sich homöopathisch sehr gut behandeln, auf adjuvante schulmedizinische Therapie kann verzichtet werden.
Das Hagelkorn, auch bei Erstmanifestation, ist ein wichtiger Hinweis auf die zugrunde liegende Diathese (3.4). Es sollte gerade auch deshalb nicht lokal unterdrückend behandelt werden. Sollte es bei passender homöopathischer Behandlung auch nach zwei Wochen zu keiner Besserung kommen, dringend zum Tumorausschluss einem Augenarzt hinzuziehen.
Homöopathische Behandlung
Auch bei Erstmanifestation eines Chalazions muss daran gedacht werden, dass es sich um ein Symptom einer chronischen Grundstörung handelt. Dementsprechend – weil häufig wenige Lokalsymptome zum Verordnen vorhanden sind – muss immer der Gesamtzustand des Patienten bei der Symptomenwahl und der Verschreibung berücksichtigt werden.
Wahl der Symptome
Als einzige Lokalsymptome stehen die Knötchen der Lider zur Verfügung. Bestehen begleitende, konjunktivale Beschwerden, sollten diese bei der Arzneiwahl (sofern diese „akut“ ausgelegt ist) mitberücksichtigt werden.
Miasmatische Zuordnung
Das Chalazion wird der Psora oder der Tuberkulinie zugeordnet.
Repertorium
RepertorisationChalazionDie passende und klinisch bestätigte Rubrik im Kapitel „Auge“ ist Augen – Tumoren – Lider – Knötchen in den Lidern. Weitere Symptome s. Konjunktivitis (22.2).

Allgemeines – Entzündung

Augen // Entzündung – Lider – Lidränder // Farbe – rot – Lidränder // Tumoren – Lider – Knötchen in den Lidern

Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Unter der langfristig angelegten konstitutionellen Therapie verschwindet die Neigung zur Bildung eines Chalazions. Bei einer akuten Verordnung sollte der Lokalbefund innerhalb weniger Tage rückläufig sein, Restitutio ad integrum ist im Zeitraum von zwei bis vier Wochen zu erwarten.
Unterstützende Maßnahmen
Evtl. Euphrasia als Salbe auftragen (kann aber Allergien auslösen).
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Euphr., Staph.
!! Eup-per., Hep.
! Carb-s., Graph.

Wegen der Einförmigkeit des Lokalbefundes werden mögliche Begleitsymptome erwähnt:
  • Carbonicum sulfuratum#Carbonicum sulfuratumChalazion: Angezeigt bei toxischen, verwirrten oder berauschten Zuständen. Folge einer Vergiftung mit blitzartigen Schmerzen, plötzlichen Sehstörungen, Farbenblindheit oder Hautausschlägen. Konjunktivitis mit weiter, träg reagierender Pupille, Visusabfall.

  • Eupatorium perfoliatum#Eupatorium perfoliatumChalazion: bekannt für grippale Infekte mit Fieber, Schmerzempfindlichkeit des ganzen Körpers und Zerschlagenheitsgefühl. Der Kopf ist so schwer, dass er mit den Händen vom Kissen angehoben werden muss. Großer Durst auf kalte Getränke, bes. bei Frost.

  • Euphrasia#EuphrasiaChalazion: Reichlicher, scharfer Tränenfluss begleitet alle Beschwerden.

  • Graphites#GraphitesChalazion: Bewährt sich bei Neigung zu trocken-rissigen Hautausschlägen, kälteempfindlichen Patienten, die sich ungern waschen. Bei ihnen wechseln sich Magen- mit Augenproblemen ab. Heißhunger mit Besserung durch Essen. Verklebte, gerötete Lidränder, Einrisse in Lidern und Augenwinkeln, Photophobie.

  • Hepar sulfuris#Hepar sulfurisChalazion: Beginnende Abszessbildung, große Berührungsempfindlichkeit, evtl. Amalgambelastung bedenken. Hepar sulfuris hilft Personen, die zu eitrigen Entzündungen neigen und leicht frieren. Sie sind immer in Eile, stets nervös, ihre „Nerven liegen blank“.

  • Staphisagria: Chalzion bei sensiblen, #StaphisagriaChalazionleicht zu irritierenden Kindern. Folgen von „Ausgeliefert sein“ mit unterdrückten Emotionen. Berührungsempfindlichkeit.

  • Thuja#ThujaChalazion: Auch postoperativ, um die Resorption der verdickten Chalazionwand nach dessen Ausschälung zu beschleunigen.

Hordeolum (Gerstenkorn)

Definition: Entzündliche, schmerzhafte Schwellung durch akute eitrige Infektion der Lidranddrüsen (Zeis-Talgdrüsen oder Moll-Schweißdrüsen). Ursächlich sind meist Staphylokokken, seltener Streptokokken. Hordeolum externum (Lidkanten- oder Wimpernbereich), Hordeolum internum (Lokalisation an der Lidinnenseite).

Symptomatik: Lidrandrötung, gelblicher Eiterhof und Bindehautreizung, manchmal mit umschriebener, schmerzhafter, roter Lidkantenvorwölbung. Oft Schwellung des präaurikulären Lymphknotens, erhöhte Körpertemperatur, beeinträchtigtes Allgemeinbefinden.

Therapeutische Strategie
Als wichtiges Lokalsymptom chronischer Erkrankungen (4.3) sollte das Gerstenkorn niemals unterdrückend behandelt werden. Vielmehr muss der Patient über diesen Sachverhalt aufgeklärt werden, damit die nötige Ruhe und Zeit für eine passende homöopathische Behandlung zur Verfügung steht. Dies gilt besonders bei chronisch rezidivierenden, mehrfach vorbehandelten Gerstenkörnern. Diabetes mellitus ausschließen.
Homöopathische Behandlung
Die Neigung zu rezidivierenden Gerstenkörnern und manchmal auch deren Lokalisation können im Rahmen einer konstitutionellen Behandlung als auffallende Lokalsymptome mittelweisend sein. Ein spezieller, bemerkenswerter Aspekt von Gerstenkörnern ist die Tatsache, dass sie oft nach Kränkungen auftreten, was aus homöopathischer Sicht ein Hinweis auf Staphisagria#StaphisagriaGerstenkorn sein kann.
Wahl der Symptome
Gerstenkörner sind ein Lokalsymptom und helfen bei der Mittelwahl im Rahmen der konstitutionellen Behandlung. Die Lokalrubriken (Oberlid, Unterlid, Canthi) können als auffallend gewertet werden.
Miasmatische Zuordnung
Wie das Chalazion (22.3) werden auch die Gerstenkörner von den alten Autoren der Psora oder dem tuberkulinischen (pseudopsorischen) Miasma zugeordnet (3.4).
Repertorium

Augen – Gerstenkörner // allgemein// rezidivierende

Augen – Gerstenkörner – Lider // Oberlider // Unterlider

Augen – Gerstenkörner – Canthi – innen

Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Verschwindet unter dem richtigen Konstitutionsmittel die Neigung zu Gerstenkörnern, ist dies ein wichtiger Hinweis auf die erfolgreiche antimiasmatische Behandlung. Bei unkomplizierten Fällen ohne gravierende Grunderkrankung gelingt dies meist innerhalb weniger Wochen. Bei schwer kranken Patienten verschwindet die Neigung zur Gerstenkornbildung erst nach Besserung der zugrunde liegenden Störung. Dies kann länger dauern.
Unterstützende Maßnahmen
Ein Augenverband ist nicht empfehlenswert.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Euphr., Sep., Sulph-i.
!! Staph.
! Lyc., Sil.

Unabhängig von der notwendigen konstitutionellen Therapie haben sich folgende Mittel besonders bewährt:
  • Euphrasia#EuphrasiaGerstenkorn: in Begleitung von reichlichem, scharfem Tränenfluss. Lokal auch als Tropfen tagsüber oder Salbe nachts.

  • Lycopodium#LycopodiumGerstenkorn: Patienten haben das stärkste Verlangen nach Süßigkeiten, Lakritze, sind trotz Hunger nach wenigen Bissen satt. Mehrere Amalgamfüllungen könnten eine Belastung darstellen, die zusätzlich auf dieses Mittel hinweisen.

  • Staphisagria#StaphisagriaGerstenkorn: bewährt bei Rezidiven; allgemeine Verschlimmerung durch Demütigung, Kränkung, Ärger, Kummer oder Zorn; überempfindlich, übererregt, auch zurückhaltend; ziehend, spannende Schmerzen, Trockenheitsgefühl trotz Tränenfluss.

  • Sepia#SepiaGerstenkorn: Kann an Gegenständen reflektierendes Licht nicht ertragen. Tränen fließen besonders morgens und abends, die Lider fallen leicht zu, wirkt besonders bei emotional harten, gleichgültigen Personen – auch ihrer Familie gegenüber –, die Gesellschaft nicht mögen, doch große Angst vor völligem Alleinsein verspüren. Mangel an Lebenswärme; Schlafmangel; Bindegewebsschwäche; schlimmer durch Kälte; kräftige körperliche Anstrengung bis zur Erschöpfung bessert.

  • Silicea#SiliceaGerstenkorn: bei Rezidiven, Wimpernverlust, wenn morgens die Lider rot und heiß sind und tagsüber Lichtscheu besteht.

  • Sulfur iodatum#Sulfur iodatumGerstenkorn: sehr schmerzhafte Schwellung auch der lokalen Lymphknoten, rezidivierende Gerstenkörner; Nervosität.

Keratitis (Hornhautentzündung)

Definition: bakteriell, viral und mykotisch oder durch UV- und Wärmestrahlen bedingte Entzündung der Hornhaut, auch nach Hornhautverletzungen, bei gestörtem Tränenfilm, mangelnder Immunabwehr, längerer Cortisongabe, Tränendrüsenproblemen. Herpes-simplex-Virus (HerpesHerpescorneae corneae).

Symptomatik: Es gibt folgende Verlaufsformen:

  • Keratitis dendritica: Lichtscheu, Fremdkörpergefühl, Schmerzen und Tränenträufeln.

  • Keratitis disciformis: deutliche Sehverschlechterung.

  • Bakterielle Keratitis: Eine Verletzung der Hornhaut kann durch das Eindringen von Bakterien in Epitheldefekte zu einer tiefen bakteriellen Hornhautentzündung und oft innerhalb weniger Stunden zu einem Ulcus serpens (kriechendes Hornhautulkus) oder gar einer Hornhautperforation führen. Symptome: anfangs Schmerzen, Lichtscheu und Tränenträufeln, starke Bindehautreizung. Eine Eiteransammlung in der Vorderkammer (Hypopyon) weist auf den bedrohlichen Zustand hin.

    Tuberkulose, Toxoplasmose, Mumps, Herpes können Jahre nach der Erstinfektion zu diffusen, tiefen Hornhautentzündungen mit tiefer Vaskularisation führen.

  • Keratitis parenchymatosa (interstitialis): In 90 % der Fälle liegt eine konnatale Lues vor. Die Patienten leiden unter Schmerzen, Photophobie und Blepharospasmus.

  • Keratokonjunctivitis epidemica: durch APC-Viren (adeno-pharyngo-conjunctivaler Befall) hervorgerufene, epidemisch auftretende Binde- und Hornhautentzündung meist beidseitiger Befall. Symptome: starke Schwellung der Plica semilunaris, Karunkel und Lider, münzförmige, subepithelial gelegene Hornhautinfiltrate. Allgemeinbefinden herabgesetzt, Lymphknotenschwellung. Sehr kontagiös (Tröpfcheninfektion oder direkter Kontakt).

Therapeutische Strategie und homöopathische Behandlung
Die Keratitis mit ihren verschiedenen Ursachen stellt eine schwere Erkrankung mit der Möglichkeit schwerer KomplikationenKomplikationenKeratitis dar. Dieser Tatsache sollte in der allgemeinmedizinischen Praxis durch die Überweisung zu einem Facharzt Rechnung getragen werden. Eine alleinige homöopathische Behandlung ist schon aus forensischen Gründen problematisch. Zusätzlich zu suffizienter schulmedizinischer Diagnostik (beispielsweise kurzfristige Spaltlampenkontrollen) und Therapie scheint eine begleitende homöopathische Behandlung aber sinnvoll.
Für die homöopathische Verschreibung sollten neben den Lokalsymptomen, die z. T. nur durch einen Augenarzt festzustellen sind (s. u. Repertorium) auch unbedingt die begleitenden Symptome, die Auslöser und v. a. unabhängig von der Keratitis bestehende Symptome bzw. allgemeine Erkrankungen berücksichtigt werden.
Miasmatische Zuordnung
Die Keratitis wird dem syphilitischen Formenkreis zugeordnet (3.4.4).
Repertorium
Zusätzlich zu den unten aufgeführten Rubriken sind auch die des Kapitels „Konjunktivitis“ (22.2) zu berücksichtigen.

Auge – Entzündung – Hornhaut // rechts // chronisch // herpetisch // interstitiell // parenchymatös // phlyktänulös // pustulös

Auge // Flecken, Punkte – Hornhaut, auf der // Geschwüre – Hornhaut (mit Unterrubriken) // Injiziert – Hornhaut // Keratokonus

Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Die Verlaufsbeurteilung erfolgt primär und unabhängig vom gewählten Therapiekonzept immer beim Augenarzt. Bei Ausschöpfung aller therapeutischen Möglichkeiten ist die Prognose günstig.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Apis, Arn., Hyper., Ruta
!! Aur-m., Calc., Kali-m., Rhus-t.
! Ars., Con., Merc., Sulph.

Folgende Arzneimittel haben sich bei Keratitis besonders bewährt:
  • Apis#ApisKeratitis: Ödemneigung, Lichtscheu, hellroter Schwellung, heißen Tränen, stechenden Schmerzen (Keratoconjunctivitis epidemica), mit Besserung durch kalte Umschläge; durstlos trotz Fieber, Benommenheit; verhindert Rezidive. Auch als Augentropfen erhältlich.

  • Aurum muriaticum#Aurum muriaticumKeratitis: Hornhautaffektionen mit starker Lichtscheu, Tränen, Sandgefühl; Knochenschmerz rund um das Auge, der von außen nach innen strahlt. Hauptmittel bei Trachom, starker Hornhautvaskularisaton, tiefen Hornhauttrübungen.

  • Arsenicum album: Häufig indiziert bei Keratitis. #Arsenicum albumKeratitis

  • Calcarea carbonica#Calcium carbonicumKeratitis: Hilft, wenn Kälte, Feuchtigkeit oder geistige Anstrengung verschlechtern. Tränen, besonders an der frischen Luft; kränkelnde Kinder mit großem Kopf, dickem Bauch, blasser Haut, adenoiden Wucherungen; Hinterkopfschweiß, besonders nachts. Amalgamproblem berücksichtigen.

  • Cineraria maritima#Cineraria maritima, Hornhauttrübung: Hellt Hornhauttrübungen, die durch Narbenbildung entstanden sind, auf.

  • Conium#ConiumKeratitis: bei oberflächigen Ulzera und Epitheldefekten, starker Lichtscheu und Tränen. Beim Öffnen der krampfhaft geschlossenen Lider schießt ein Tränenstrom heraus.

  • Hypericum perforatum#HypericumKeratitis: bei Hornhautverletzungen, z. B. durch Fingernägel.

  • Kalium muriaticum#Kalium muriaticumKeratitis: Absonderungen sind milchig-weiß bis gelb, Schmerzen brennend, drückend, wie durch Sand, pustlöse Entzündungen.

  • Mercurius#Mercurius solubilisKeratitis: bei heftigen, wechselnden Schmerzen, oft nachts, scharfen Absonderungen; berührungs- und temperaturempfindlich. Amalgamfüllungen erfragen.

  • Rhus toxicodendron#Rhus toxicodendronKeratitis: Wenn bei Hornhautgeschwüren große Lichtscheu dazu führt, dass der Patient auf dem Gesicht liegt. Beim Öffnen der Augen schießt ein Tränenstrom heraus. Durch seine große Unruhe kann er sich nicht entspannen, nicht still sitzen; oft durstig; Folge von Durchnässung, feuchter Kälte; besser bei fortgesetzter Bewegung.

  • Sulfur#SulfurKeratitis: Wenn die Hornhaut wie matt geschliffenes Glas erscheint, scharfe, brennende Tränen, wie von Nadeln stechende Schmerzen; hellt Hornhautnarben auf.

  • Symphytum: bei rezidivierenden Hornhautulzera

  • Arnica, Ruta, Hypericum: präoperativ gegeben, lassen den Hornhautschnitt bei Katarakt-Operationen schneller heilen.

Erkrankungen der Tränenorgane

  • Akute Dakryoadenitis (Tränendrüsenentzündung): selten; gehäuft bei Kindern mit bakteriellen oder viralen Infekten. Typische Paragraphenform des Oberlides temporal mit Schwellung, Rötung, Druckschmerz im Drüsenbereich. Entleerung von weißem Eiter bei Druck auf Canaliculus und Tränensack aus dem unteren Tränenpunkt deuten auf eine Canaliculitis und Dakryozystitis.

  • TränenwegsentzündungTränenwegsentzündung: meist nur einseitig; lokalisierte, schmerzhafte Rötung und Schwellung, die sich durch ihre Lokalisation im Lid von der Tränensackentzündung unterscheidet. Begleitkonjunktivitis ist charakteristisch. Im Canaliculus werden bei der häufigen Aktinomyceten-Entzündung Konkremente/Steine gefunden. Auch Viren (HSV, Adenoviren als Erreger der Keratoconjunctivitis epidemica), Bakterien (Chlamydien) und Pilze führen zu Canaliculitis und Stenose.

  • Dakryozystitis (Tränensackentzündung):Dakryozystitis Ursache ist oft eine infrasaccale Stenose, die durch Tränenrückstau eine Ausweitung des Sackes bewirkt. Häufigste Erreger Staphylokokken, Pneumokokken, Pseudomonas und Anaerobier. Schmerzen, Rötung und Schwellung über dem Tränensack; gelegentlich Spontanperforation und Fistelbildung.

Cave: Sepsis, Phlegmone sowie Sinus-cavernosus-Thrombose.

Therapeutische Strategie und homöopathische Therapie
Erkrankungen der Tränenorgane kommen in jedem Alter sowohl akut als auch chronisch vor. Dies gilt sowohl für die schulmedizinische als auch für die homöopathische Betrachtungsweise. Dementsprechend unterschiedlich sind die verschiedenen therapeutischen Konzepte, die in der Praxis Anwendung finden.
Unabhängig von der speziellen Diagnose (z. B. Dakryozystitis, Tränengangstenose etc.) sollte nur in Zusammenarbeit mit dem Augenarzt auf Antibiotika (lokal oder systemisch) verzichtet werden, da sie einerseits zu einer Unterdrückung und so im weiteren Verlauf zu einer Verkomplizierung der gesundheitlichen Situation des Patienten führen, andererseits eine Sinus-cavernosus-Thrombose verhindern.
Die Lokalsymptome vieler Augenerkrankungen sind oft hochwertige Lokalsymptome, die als Charakteristika mittelweisend und wahlanzeigend sein können. Sie sind immer ein Hinweis auf die tiefer liegende miasmatische Problematik des Patienten und zeigen ein aktives Miasma an. Deswegen muss auch bei dem Versuch einer „akuten“ Verschreibung der Lokalbefund besonders differenziert betrachtet werden.
Wahl der Symptome
Bezüglich des Lokalbefundes sollten folgende Punkte besondere Beachtung finden:
  • Genaue Lokalisation und Art der Erkrankung (z. B. Entzündung der Tränendrüse, Tränenkanal, Tränensack, Striktur des Tränenkanals).

  • Zeitpunkt und Umstände des Auftretens der Entzündung (z. B. bei Kleinkindern, Neugeborenen).

  • Umstände und Beschaffenheit des Tränenflusses (z. B. scharf, brennend, herausspritzend, bestimmte Tageszeiten der Tränenabsonderung etc.).

  • Begleitende entzündliche Erscheinungen (22.2).

Miasmatische Zuordnung
Erkrankungen des Tränenapparates sind tuberkulinisch oder syphilitisch.
Repertorium
Neben den unten aufgeführten Rubriken sind bei entsprechender Symptomatik auch die Rubriken des Kapitels „Konjunktivitis“ (22.2) zu berücksichtigen.

Diagnosebezogene Rubrik

Augen – Entzündung // Tränendrüsen // Tränenkanal // Tränensack
Augen – Striktur des Tränenkanals // Kindern, bei // Kindern, bei Neugeborenen

Tränenfluss

Augen – Tränen // nachts // brennend // Tränen spritzen aus den Lidern // scharf
Augen – Tränenfluss // tagsüber, nur // morgens // nachts
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Allgemein gilt: Je kürzer eine Erkrankung besteht, desto schneller sollte sie ausheilen. Die Prognose ist bei diesen meist benignen Erkrankungen der Tränenorgane gut.
Unterstützende Maßnahmen
Körpertemperatur messen, Lymphknoten tasten.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Euphr., Sil.
!! Nat-m., Puls., Sulph.
! Calc., Calc-p., Petr., Merc., Tub., Zinc-s.

  • Euphrasia#EuphrasiaTränenorgane: Reichlich dicke, gelbe und scharfe Absonderungen, die Lider wund machend bei milder Nasensekretion. Die Augen brennen, sind gereizt; Photophobie, Augenzwinkern, klebriger Schleim auf Hornhaut und in Lidwinkeln.

  • Mercurius solubilis hilft bei dünnen, #Mercurius solubilisTränenorganewund machenden Absonderungen und Nachtverschlimmerung.

  • Natrium muriaticum#Natrium muriaticumTränenorgane: heiße, wund machende Tränen mit Sandgefühl ohne wesentliche Bindehautreizung, Augenschmerzen bei Anstrengung der Augen (z. B. Nadeleinfädeln). Große Angst zu erblinden. Folge von Kummer, Liebeskummer, Eifersucht; Angst, wieder verletzt zu werden, Patienten ziehen eine Schutzmauer um sich, lassen ihre Gefühle zu einer Salzsäule erstarren.

  • Petroleum#PetroleumTränensackentzündung: Absonderung aus dem Tränensack, Empfindlichkeit gegen Wetterwechsel, Kälte; chronisch rezidivierende Lidrandentzündungen bei trockener, rissiger Haut mit Neigung zu Rhagaden, Ekzemen, übel riechendem Schweiß. Tränensackentzündungen sowie Tränensackfisteln.

  • Pulsatilla#PulsatillaTränensackentzündung: besser an frischer Luft. Lichtscheu, Nebelsehen, Ohnmachtsgefühl, Reiben der Augen; durstlos auch bei Fieber mit trockenem Mund. Hilft bei Tränensackeiterung mit serösen, profusen Absonderungen.

  • Silicea#SiliceaTränengangstenose: große Kälteempfindlichkeit, Angst vor Nadeln oder Spritzen, mangelndes Selbstvertrauen. Folge von fehlendem Rückhalt oder zu großer Erwartung. Tränengangstenose, auch bei längerem Bestehen.

  • Sulfur: Chronisches Mittel zu Aconitum, bewährt sich, wenn andere Mittel – obwohl korrekt gewählt – nicht wirken. Patienten (Eigenbrötler) sind tags reizbar, nachts unruhig; Schleimhäute sind gerötet, trocken, jucken; stechende Schmerzen. Amalgamfüllungen kontrollieren.

  • Zincum sulfuricum: bei roten Lidwinkeln und Hornhautmitbeteiligung.

Vor dem ersten Lebensjahr bewährt sich oft Calcarea carbonica, bei zartgliedrigen, lebhaften älteren Kindern Calcium phosphoricum.

Uveitis

Uveitis

Definition: Entzündungszustände von Regenbogenhaut (Iritis) und Aderhaut (Choroiditis, Retinochoroiditis), meist allergisch-hyperergisch (immunologisch) bedingt, z. B. als Reaktion auf Bakterientoxine, Begleiterkrankung bei allgemeinen oder immunologischen Erkrankungen; bei einigen Uveitisformen sind HLA-Antikörper nachweisbar.

Symptomatik: Unterschieden werden folgende Verlaufsformen und Symptome:

  • IritisIritis (vordere Uveitis): tritt am häufigsten und meist akut auf. Symptome: dumpfe Schmerzen, Sehverschlechterung, Lichtscheu und Tränenfluss.

  • Zyklitis (intermediäre Uveitis): durch Glaskörpertrübungen gekennzeichnet, meist von einer Iritis begleitet. Oft chronische Verläufe mit Rezidiven.

  • Chorioiditis (hintere Uveitis): gekennzeichnet durch unscharf begrenzte, weiße, ödematöse Herde mit Exsudation in den Glaskörper, meist mit einer Retinitis kombiniert. Die Patienten sind schmerzfrei. Entsprechend der Lage der Entzündungsherde reduzierte Sehschärfe. Die Glaskörpertrübungen verursachen Schleier, die den Augenbewegungen folgen.

  • Panuveitis (anteriore und posteriore Uveitis).

  • Rezid. chronische Uveitis anterior und posterior (vordere und hintere Uveitis). Beginn mit einer Iridozyklitis (unspezifische Entzündung infolge immunpathologischer Vorgänge). Die Folgen können bei der meist vorderen Uveitis u. a. Verwachsungen der Regenbogenhaut mit der Linse, zelluläre Mitreaktion des Glaskörpers und ein Sekundärglaukom sein. Schwerwiegender sind die Folgen der selteneren chronischen hinteren Uveitis, wobei Netzhautentzündungen, die Zerstörung des Glaskörpers (Glaskörperschrumpfung) und eine evtl. dadurch bedingte Traktionsamotio der Netzhaut im Vordergrund stehen. Der entzündliche, chronische Prozess führt nicht selten trotz aller therapeutischer Bemühungen zur Bulbusschrumpfung und funktionell zur Erblindung des Auges.

Therapeutische Strategie
Wegen möglicher Komplikationen wie z. B. Hornhautveränderungen, Katarakt, Seclusio pupillae, Sekundärglaukom, Amotio retinae, Phthisis bulbi ist eine augenärztliche Kontrolle in jedem Fall dringend erforderlich.
Schulmedizinisch besteht die Therapie der Wahl bei immunpathologisch bedingten Uveitiden in der Anwendung von Immunsuppressiva aufgrund ihrer antientzündlichen und immunsuppressiven Eigenschaften. Bei chronischen Verlaufsformen wird hier eine intensive und langfristige Behandlung mit Cortison, Imurek, Methotrexat, Ciclosporin A oder Ähnlichem empfohlen.
Eine erfolgreiche homöopathische Behandlung ist möglich, sollte aber unter Berücksichtigung der oben genannten Komplikationen nur unter augenärztlichen Kontrollen durchgeführt werden.
Homöopathische Behandlung
In der Praxis zeigen sich Uveitiden oft als Symptom einer zugrunde liegenden allgemeinen Gesundheitsstörung (z. B. Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises, 26.3). Unabhängig von der Akuttherapie, die durch den Augenarzt erfolgt, kann konstitutionell homöopathisch behandelt werden. Bewährt hat sich hier die Empfehlung von Mathias Dorcsi, eine Einmalgabe Tuberculinum#TuberculinumUveitis C200 zu verabreichen. Über diese Empfehlung hinaus muss das individuell passende Konstitutionsmittel gefunden werden, um die Rezidivintervalle zu verlängern und den Visus zu erhalten. Ein Patient, der eine Uveitis durchgemacht hat, bleibt sein Leben lang ein – ggf. rezidivfreier – Uveitis-Patient.
Wahl der Symptome
  • SymptomenwahlUveitisGenaue Diagnostik durch den Augenarzt (z. B. Iritis, Chorioiditis, Chorioretinitis, Iridochorioiditis).

  • Schmerzcharakter: mit Modalitäten, z. B. stechend, brennend, besser durch warme oder kalte Applikationen.

  • Sehstörungen: z. B. Photophobie, Schleiersehen, Farbensehen.

  • Symptome evtl. vorhandener Grunderkrankungen: z. B. Gelenkprobleme bei rheumatischen Erkrankungen.

  • Causa: unabhängig von der evtl. vorliegenden Grunderkrankung eruierbare Auslöser wie z. B. Kummer, Überanstrengung, Verletzungen.

Miasmatische Zuordnung
Entzündungen der Iris und der umliegenden Strukturen sind ein Hinweis auf eine syphilitische Störung. Iritiden im Rahmen rheumatischer Grunderkrankungen entstehen oft aus einer Verbindung von Psora und Sykosis.
Die diagnosebezogene Hauptrubrik ist Augen – Entzündung – Iris (71 AM). Genauere, diagnostische Differenzierungen finden sich ebenfalls unter dem Unterpunkt Augen – Entzündung. Nur die sichere augenärztliche Diagnose hilft weiter.

Diagnosebezogene Rubrik

Augen – Entzündung // Chorioidea // Chorioretinitis // Iridochorioiditis

Augenschmerz

Augen – Schmerz // Anstrengung der Augen – durch // Berührung – agg. // Blicken, beim – angestrengt // Fremdkörper – wie durch einen // Gebrauch der Augen // Licht, durch // Schreiben, beim

Sehstörungen

Sehen // Akkommodation – gestört // Farben // Flimmern, Flackern // Hof um das Licht

Grunderkrankungen, Auslöser

Augen – Entzündung – Iris – rheumatisch
Gemüt – Beschwerden durch // Kummer // Zorn
Allgemeines – Schlaf – Schlafmangel, durch
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Der Verlauf lässt sich anhand der subjektiven Beschwerden beurteilen, sollte aber in jedem Fall durch den Augenarzt, gegebenenfalls engmaschig, kontrolliert werden. Bessern sich die subjektiven Symptome, ist davon auszugehen, dass das verabreichte Arzneimittel stimmt, und sich auch die manifeste Augenentzündung bessern wird.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Acon., Gels., Nat-m., Rhus-t., Tub.
!! Bry., Clem., Puls.
! Aur., Aur-m., Merc., Nit-ac., Syph.

Trotz der erheblichen Bandbreite therapeutischer Möglichkeiten (über 70 Arzneimittel in der Rubrik „Iritis“) werden im Folgenden einige wichtige Arzneimittel differenziert:
  • Im Anfangsstadium sollte Aconitum#AconitumUveitis gegeben werden, wenn trockene Kälte oder Nordostwind Auslöser waren, die Beschwerden plötzlich eintraten und evtl. Kreislaufprobleme bestehen.

  • Aurum und Aurum muriaticum haben sich bei schweren Fällen von autoimmuner Panuveitis bewährt. Verschrieben wurde dabei nach den charakteristischen Symptomen.

  • Bryonia: Schmerzen, „als würde das Auge aus seiner Höhle getrieben“, die sich bei Bewegung verstärken, bei lokaler Kälte bessern#BryoniaUveitis.

  • Clematis: Bei viel Hitze und Trockenheit im Auge und großer Empfindlichkeit gegen kalte Luft, Licht, Wasser jedoch mit wenig Schmerzen#ClematisUveitis.

  • Gelsemium: Synechien, schwankendem Augendruck, Glaskörpertrübung, Wolken in der Vorderkammer und Schmerz im ganzen Bulbus bei geringster Bewegung.

  • Mercurius#Mercurius solubilisUveitis: wenn bereits ein Hypopyon besteht und der Patient äußert, sein Bulbus sei eine „feurige Kugel“.

  • Natrium muriaticum heilte Fälle mit Syphilinum als Zwischenmittel.

  • Nitricum acidum: #Nitricum acidumUveitisAngst um seine Gesundheit, droht mit Suizid, ist sehr nachtragend, akzeptiert keine Entschuldigung. Häufig mit Amalgamproblem kombiniert. Die Tränen brennen, beißen, es besteht Lichtscheu; stechende oder splitterartige Schmerzen.

  • Rhus toxicodendron: Iritiden nach Operationen, wenn die Erkrankung nach Durchnässung oder im Rahmen rheumatischer Erkrankungen auftritt. Fortgesetzte Bewegung bessert das Befinden.

  • Pulsatilla: Chorioiditis bei Teetrinkern mit Durstlosigkeit bei trockenem Mund. Jede Erkältungen schlägt auf das Auge.

Katarakt (grauer Star)

Definition: Linsentrübung. Je nach Ursache werden unterschieden:

  • Altersstar (Cataracta senilis): häufigste erworbene Linsentrübung, Entstehungsursache noch nicht völlig geklärt. Veränderungen der Linseneiweiße führen zu einer verminderten Lichtdurchlässigkeit und einer Streuung der einfallenden Lichtstrahlen (Brechungsanomalie).

  • Cataracta complicata: Linsentrübung bei anderen Augenerkrankungen (z. B. bei chronischer Uveitis, Netzhautablösung, Glaukom).

  • Cataracta traumatica: Linsentrübung nach Augenverletzungen. Entstehung auch Jahrzehnte nach einer Prellung z. B. durch Schneeball, Faustschlag.

  • Katarakt bei Neugeborenen: Die angeborene Linsentrübung ist erblich bedingt oder durch Infektionen der Mutter während der Schwangerschaft (z. B. Röteln).

Symptomatik: unscharfes Sehen (wie durch einen „grauweißen Nebel“), Verschwimmen von Farben und Konturen, Doppelbilder bei der speichenförmigen Linsentrübung (monokular), Blendungserscheinungen bei Tageslicht (typischerweise besseres Sehen in der Dämmerung bei weiter Pupille), keine Schmerzen. Es gibt Rindentrübungen, kranz-, kern-, speichenförmige Trübungen. Die Sehstörungen nehmen allmählich zu und schränken den Erkrankten schließlich in allen Aktivitäten erheblich ein.

Therapeutische Strategie und homöopathische Behandlung
Allgemein führen Einschränkungen der Sehkraft zu einem deutlichen, subjektiven Leidensdruck. Diesem Druck wird vom „Kataraktpatienten“ häufig durch die verständliche Entscheidung zur Kataraktoperation nachgegeben. Obwohl auch bei Katarakt eine klassisch-homöopathische Konstitutionstherapie durchgeführt werden kann, führt diese meist nicht zum vom Patienten gewünschten Ergebnis. Alternativ zur homöopathischen Konstitutionstherapie, die unabhängig von der speziellen Kataraktbehandlung durchgeführt werden sollte, gibt es homöopathische Vorgehensweisen, die zum Teil von den Vorgaben der klassischen Homöopathie abweichen. Da sie sich in der Praxis bewährt haben, sollen sie hier vorgestellt werden:
  • Nach Prellungen eine Gabe Arnica#ArnicaKatarakt C30, nach Commotio cerebri anfangs 1-mal Arnica C200.

  • Um eine mögliche Blockade infolge früherer Medikamentengabe (z. B. Cortison) „auszuradieren“, Phosphoricum acidum#Phosphoricum acidumKatarakt D12, Hepar sulfuris D12 oder Sulfur#SulfurKatarakt D12, 1–2 × tgl. etwa 10 Tage (Patientenrücksprache!). Oft reicht aber auch eine Gabe Sulfur C30.

  • Bei ersten Beschwerden ist die Waterloh-Kur zu empfehlen: 17 Tage lang jeden Morgen zunächst Calcium fluoratum D12, danach Magnesium fluoratum D6, dann Magnesium fluoratum D12, schließlich Magnesium carbonicum D8. Man kann danach eine Pause einlegen oder wieder mit Calcium fluoratum beginnen.

  • Homöopathische Vorbereitung der Kataraktoperation: 3 × tgl. Arnica D4, Ruta D4 und Hypericum D3.

  • Zusätzlich zur homöopathischen Therapie Cineraria maritima AugentropfenAugenTropfen.

Wahl der Symptome
Die Katarakt stellt (wenn nicht medikamentös oder durch Trauma verursacht) aus homöopathischer Sicht die Folge einer chronisch-miasmatischen Erkrankung dar und muss als solche unter Berücksichtigung aller Symptome und Zeichen des Patienten behandelt werden. Bei der Symptomenauswahl kann die Katarakt aber durchaus als auffallendes Lokalsymptom im Sinne des „Organon“, § 153, gewertet werden.
Miasmatische Zuordnung
Die Katarakt ist der Psora zuzuordnen.
Repertorium
Die übergeordnete Rubrik Augen – Katarakt enthält 95 Arzneimittel und verdeutlicht, wie viele Medikamente für die Behandlung infrage kommen. Innerhalb der Kataraktrubrik finden sich noch einige praxisrelevante Differenzierungen, die bei der Arzneimittelfindung hilfreich sein können.

Katarakt // rechts // links // alten Menschen, bei // Anfangsstadium // dunklen Tag besser sehen – kann an einem // Fußschweiß – nach unterdrücktem // Operation, nach // Quetschung, durch // Rindenstar

Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Die Kataraktbehandlung zielt selten auf eine Ausheilung der Gewebeveränderung, sondern eher auf eine Verzögerung der Krankheitsentwicklung bzw. auf einen Krankheitsstillstand. Selten kann bei Behandlungsbeginn vorausgesagt werden, inwieweit sich die Erkrankung beeinflussen lässt. Der objektive Befund „Katarakt“ ist also zumindest kurz- und mittelfristig nicht sehr gut zur Beurteilung des Therapieverlaufs geeignet. Im Rahmen der Anamnese muss deshalb genauestens auf andere Parameter geachtet werden, die sich als Entscheidungsgrundlage für den weiteren Therapieverlauf eignen. Das Fortschreiten der Linsentrübung bzw. der Sehverschlechterung ist durch den Augenarzt zu kontrollieren.
Prognose: Oft kann eine Entfernung der getrübten Linse verzögert, eventuell sogar umgangen werden.
Unterstützende Maßnahmen
Vergrößernde Lupen, bei vitalen Patienten Kamera-Lesesystem. Entsäuerung, Durchblutung und Bewegung fördern.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Calc.
!! Calc-f., Calc-p., Mag-f., Sil., Sulph.
! Caust., Mag-c.

Über die Katarakt-Symptomatik eine Arzneimitteldifferenzierung zu treffen, ist aus homöopathischer Sicht nicht sinnvoll. Deshalb werden nachfolgend lediglich einige der Hauptmittel bei Linsentrübung aufgrund ihrer häufigen, kataraktunabhängigen Grundzüge differenziert:
  • Calcarea carbonica#Calcium carbonicumLinsentrübung ist eines der Hauptpolychreste, von Geburt bis ins hohe Alter, benötigt bei einfachen Erkältungen bis hin zu Krebs oder Geisteskrankheiten. Diese Menschen sind verantwortungsbewusst, arbeiten hart, übernehmen immer mehr Verpflichtungen bis sie unter dieser Last physisch und psychisch zusammenbrechen. Schon dem Kind fehlt Widerstandskraft, Ausdauer; Empfinden von innerlichem Zittern.

  • Viele Merkmale sind Calcium fluoricum und Calcium carbonicum gemeinsam, Calcium fluoricum greift jedoch mehr die Knochen, Gelenke, den Bewegungsapparat an, es verursacht Exostosen.

  • Der Calcium-phosphoricum-Patient versteht seine tiefe Unzufriedenheit oft selbst nicht, er möchte seine Umgebung verändern, reist gern auf der Suche nach seinem Glück. Als Kind schon schnell erschöpft, nach 10 Minuten Pause oder kurzem Schlaf ist die Energie wieder da.

  • Causticum #CausticumLinsentrübungwirkt bei mitfühlenden Menschen (z. B. Tierfreunden), die ihre Emotionen intensiv empfinden und starkes Mitgefühl für die Leiden anderer haben. Sie fürchten, es könne etwas „Schlimmes“ passieren; Erkrankungen als Folge auswegloser Situationen, infolge von lang anhaltendem Kummer, nach Enttäuschungen oder Beleidigung.

  • Eine Magnesium-carbonicum-Persönlichkeit#Magnesium carbonicumLinsentrübung wirkt müde, erträgt keinen Streit, braucht Frieden und Harmonie. Alles ist sauer: Laune, Stuhl, Schweiß, Menstruation; Hypochonder oder Choleriker mit starker nervöser Reizbarkeit.

  • Magnesium-fluoratum-Konstitutionen#Magnesium fluoratum, Linsentrübung erscheinen vorzeitig gealtert, gereizt, arbeitsunlustig; Verschlimmerung nach dem Aufstehen.

  • Silicea#SiliceaLinsentrübung: den Patienten fehlt Selbstvertrauen, sie reagieren auf Widerspruch empfindlich, machen sich wegen Kleinigkeiten Gewissensbisse, glauben, großes Unrecht getan zu haben. Sie erkranken infolge fehlenden Rückhaltes oder zu großer Erwartungen.

  • Sulfur: besonders bei linksseitiger Katarakt.

Glaukom (grüner Star)

Definition: Erhöhung des AugeninnendrucksAugenInnendruck, Glaukom (Intraokulardrucks), der meist durch Schädigung des Sehnervs zur Erblindung führt (absolutes Glaukom). Ursachen sind i. d. R. Abflussbehinderung des Kammerwassers. Der erhöhte Augeninnendruck wirkt auch auf die zuleitenden Gefäße des Sehnervenkopfes ein und führt zu einer Versorgungsstörung mit nachfolgender Atrophie des Sehnervs. Es gibt folgende Formen:

  • Kongenitales Glaukom (Hydrophthalmus, Buphthalmus = Ochsenauge): Kammerwinkel durch mesodermales Gewebe verlegt, Vergrößerung des kindlichen Bulbus.

  • Primäres Glaukom (Glaucoma simplex): häufigste Form (v. a. ab 40 Lj.), symptomarm; Verlaufsformen: akutes Winkelblockglaukom (akutes Glaukom, Glaukomanfall), chronisches Winkelblockglaukom (chronisches Engwinkelglaukom, drohendes Winkelblockglaukom, chronisch-kongestives Glaukom).

  • Sekundäres Glaukom: Ursache für die Augeninnendruckerhöhung ist eine Ersterkrankung, z. B. Verletzung, Gefäßneubildung bei Diabetes mellitus, Entzündung oder Tumor des Auges, Arzneimittelnebenwirkung (Cortison, Antidepressiva).

Symptomatik: Lange Zeit symptomlos, erst in Spätstadien, wenn die Gesichtsfelddefekte das zentrale Sehen erfassen, bemerkt der Patient den hochgradigen, irreversiblen Sehverlust. Leichte Sehverschlechterung, Schleier- oder Nebelsehen sowie das Sehen farbiger Ringe um Lichtquellen (Newton-Ringe) sind Hinweise für Druckprobleme. Ein Glaukomanfall kann durch folgende Faktoren ausgelöst werden:

Psychische Erregung oder Pupillen erweiternde Medikamente (z. B. Anticholinergika). Plötzlicher Druckanstieg führt zu derartig starken Kopfschmerzen mit Erbrechen, dass die Schwere der Allgemeinsymptome primär nicht an eine Erkrankung der Augen denken lässt.

Der Augeninnendruck sollte ab dem 40. Lj. auch bei völliger Beschwerdefreiheit jährlich gemessen werden.

Therapeutische Strategie
Unabhängig von der jeweils durchgeführten Therapie sollten Glaukompatienten regelmäßig augenärztlich kontrolliert werden (Sehschärfe, Augendruck, Gesichtsfeld und Papillenbefund usw.). Wegen des symptomarmen Krankheitsverlaufs und der erheblichen Folgen für die Sehkraft, sollte jede Therapie bei Glaukom immer wieder kritisch hinterfragt werden. Das primäre Ziel der Behandlung ist die Stabilisierung des Augeninnendrucks im Normalniveau. Gelingt dies nicht, muss das Therapiekonzept ausgedehnt werden, z. B. auf drucksenkende Augentropfen. Lässt sich der Augendruck auch mit pharmakologischen Mitteln schlecht einstellen, hat sich in der Praxis (als „homöopathische Lokaltherapie“) zusätzlich Jaborandi#JaborandiGlaukom D4 3 × tgl. (oral) bewährt. Weitere Druckreduzierung ist mit Solidago #SolidagoGlaukomD3 möglich.
Homöopathische Behandlung
Aus homöopathischer Sicht stellt das Glaukom meist die Folge einer lange bestehenden miasmatischen Grundstörung dar (3.4). Dementsprechend sollte immer in Absprache mit dem Augenarzt eine konstitutionelle, homöopathische Therapie durchgeführt werden. Hier müssen neben dem Glaukom auch alle anderen Erkrankungen und Symptome des Patienten für die Arzneiwahl und die Verlaufsbeurteilung herangezogen werden.
Anders ist das akute Glaukom zu beurteilen. Obwohl auch der Glaukomanfall die Komplikation einer chronischen Störung ist, muss hier nach den Richtlinien der Therapie von Akuterkrankungen verfahren werden (4.3): Berücksichtig werden bei der Arzneiwahl nur die gerade vorhandenen Beschwerden. Unabhängig davon, ob die akute Augendruckerhöhung mit homöopathischen oder schulmedizinischen Mitteln eingedämmt wurde, sollte nach einem Glaukomanfall wieder homöopathisch konstitutionell behandelt werden.
Wahl der Symptome
SymptomenwahlGlaukomBei der Konstitutionsbehandlung spielt das symptomarme Glaukom eine eher untergeordnete Rolle.
  • Causa: Belastungen (z. B. Kummer, berufliche Belastungen). Lässt sich die emotionale Ursache des Augendruckes herausfinden, wird sich der Druck mit dem situativ angezeigten Mittel gut senken und im Normbereich halten lassen.

  • Schmerzen des Auges: genaue Schmerzbeschreibung (stechend, drückend, pulsierend), Erstreckungen (z. B. nach hinten, nach oben, ins Gesicht) und Schmerzmodalitäten (z. B. besser durch kalte oder warme Anwendungen, Bewegung der Augen verschlechtert).

  • Sehstörungen: neben dem schleichenden Visusabfall sind die farbigen Ringe um Lichtquellen typisch. Falls vorhanden, sollten auch andere Beeinträchtigungen verwendet werden (z. B. trübes Sehen, Schleier vor den Augen etc.).

  • Lokalbefund: z. B. Rötungen, Injektion, Schwellungen.

  • Begleitsymptome: z. B. Photophobie, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen mit exakter Beschreibung, den Erstreckungen und den Modalitäten.

Miasmatische Zuordnung
Das Glaukom ist ein Symptom der Psora.
Repertorium
Die übergeordnete Rubrik findet sich im Kapitel Auge Augen – Glaukom (68 AM). Interessant für die Verschreibung ist die Rubrik Augen – Glaukom – begleitet von mit den entsprechenden Unterrubriken. Die typischen, farbigen Ringe um Lichtquellen finden sich an mehreren Stellen im Kapitel „Sehen“. Dort findet sich auch die Hauptrubrik Sehen – Farben vor den Augen – Hof, ein farbiger – Licht, um das (44 AM).

Diagnosebezogene Rubriken

Augen – Glaukom
Augen – Glaukom – begleitet von (mit allen Unterrubriken)
Sehen – Farben vor den Augen – Hof, ein farbiger – Licht, um das // Kreise // Ringe //

Causa

Augen – Verletzungen, durch // Fremdkörper, durch // stumpfe Gegenstände, durch
Gemüt – Beschwerden durch // Kummer // Zorn
Allgemeines – Schlaf // Schlafmangel, durch

Schmerzen

Augen – Schmerz // kalt – Anwendungen, kalte – amel. // kalt – Wasser amel., kaltes // Licht, durch – helles, kräftiges Licht // Licht, durch – künstliches Licht // Druck – agg. // Druck – amel.
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Drucksenkende Augenmedikamente sollten keinesfalls ohne Facharztkontrolle reduziert oder gar abgesetzt werden. Da aber gerade die medikamentöse Senkung des Augendrucks die Zielsymptomatik der homöopathischen Therapie unterdrückt, kann der Augendruck bei begleitender schulmedizinischer Therapie nicht als allein Verlaufsparameter dienen. Bei homöopathischer Konstitutionstherapie müssen deshalb andere Kriterien herangezogen werden (z. B. zusätzliche Erkrankungen, Veränderungen des Schlafverhaltens oder der Verdauung etc.). Im Glaukomanfall sollte die Homöopathie wegen der kurzfristigen Erblindungsgefahr nur als Ergänzung zur Schulmedizin eingesetzt werden.
Prognose: Ein Glaukom verschlechtert sich auch unter schulmedizinischer Therapie über einen längeren Zeitraum (meist Jahrzehnte). Daher ist eine homöopathische Begleitung wünschenswert.
Unterstützende Maßnahmen
  • Blutdruckregulierung.

  • Diabetes mellitus ausschließen bzw. optimal einstellen.

  • Durchblutung fördern (z. B. mit ausreichender Bewegung, Akupunktur, Entspannungsmaßnahmen).

Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung
Bei akutem Glaukom sind folgende Mittel angezeigt.

!!! Acon., Gels., Jab.
!! Bell., Coff.

Bei chronischem Glaukom sind folgende Mittel angezeigt.

!!! Jab., Phos.
!! Aur., Bell., Gels., Lyc., Sil.
! Osm.

Von den über 60 Arzneimitteln zur Behandlung von Glaukom werden im Folgenden einige wenige, besonders häufig indizierte, differenziert.
Akuttherapie in Zusammenarbeit mit einem Augenarzt
  • AkuttherapieGlaukomAconitum#AconitumGlaukom: bei Folgen von Schreck oder Schock, sofern große Angst, allgemeine Unruhe, Tachykardie und Trockenheit des Auges vorherrschen.

  • Belladonna#BelladonnaGlaukom: bei klopfenden Cephalgien, rotem Gesicht, starken, wiederkehrenden Schmerzen, Photophobie.

  • Coffea#CoffeaGlaukom: bei Verschlimmerung durch Aufregung, besonders Freude. Diese Personen haben es immer eilig, sind groß, hager, leicht gebeugt, von schneller Auffassung, starker Phantasie, aktiv bis Mitternacht.

  • Gelsemium: bei schlechten Nachrichten als Causa.

Nach dem Abklingen der Akutsymptomatik sollte unbedingt das Konstitutionsmittel gefunden und verabreicht werden.
Konstitutionstherapie
  • KonstitutionstherapieGlaukomBelladonna, Jaborandi, evtl. in Kombination mit Gelsemium (bei vermehrter Exsudation) oder Osmium (bei heftigen Schmerzen mit Tränenfluss).

  • Aurum#Aurum metallicumGlaukom: Hilft besonders bei vermehrter Netzhautvaskularisation und horizontalem Gesichtsfeldausfall, Druckgefühl im Auge, Depressionen, Angst zu erblinden.

  • Phosphorus#PhosphorusGlaukom: bei Photopsie (Sehen von Lichtphänomenen), besserem Sehen in der Dämmerung, starker Myopie, Erschöpfung, Stirnschweiß.

Strabismus (Schielen)

Definition:

  • Begleitschielen (Strabismus concomitans): Das schielende Auge macht die Bewegungen des anderen Auges mit; zu über 80 % ein- oder wechselseitiges (alternierendes) Einwärtsschielen; häufigste Form des Schielens; Altersgipfel in den ersten 4 Lj.

  • Lähmungsschielen (Strabismus paralyticus): Durch Augenmuskellähmung bedingtes Schielen, das in jedem Alter auftreten kann, z. B. nach Verletzungen, Apoplex oder spontan.

Symptomatik: Normalerweise verschmelzen die wahrgenommenen Bilder beider Augen zu einem Seheindruck. Bei einer Störung kommt es zu einer lästigen Doppelbildwahrnehmung. Cave: Im Vorschulalter führt diese unbehandelt zur Amblyopie, daher unbedingt Vorsorgeuntersuchung u. a. der Sehschärfe im 3./4. Lj.

Therapeutische Strategie
Während Erwachsene gute Erfolge bei der homöopathischen Schielbehandlung zeigen, bereitet die Behandlung der Kinder oft größere Probleme, weil sich die Eltern wegen der drohenden Sehschwäche und der äußerlichen Entstellung dem Augenarzt zuwenden und dem homöopathischen Arzt wenig Zeit für die Behandlung lassen. Da das kindliche Schielen als zentralnervös bedingtes Symptom ein Zeichen für eine tiefgreifende miasmatische Störung des Kindes ist, braucht es viel Zeit für die notwendige homöopathische Konstitutionstherapie. Dieser zeitliche Rahmen steht dem Behandler meist nicht zur Verfügung. Neben der Brillenkorrektur sollten Strabismus-Patienten so lange wie möglich homöopathisch behandelt werden.
Homöopathische Behandlung
Die Auswahl der homöopathischen Arzneimittel richtet sich nach den Gesichtspunkten der klassisch-homöopathischen Konstitutionstherapie und berücksichtigt alle am Patienten beobachtbaren Symptome und Zeichen (35.2). Hierbei kann das Schielen eine bedeutende Rolle spielen, da es durch sein Vorhandensein und die speziellen Gegebenheiten eine individuelle Krankheitsäußerung des Organismus darstellt.
Eine genaue Schilderung der homöopathischen Behandlung von Strabismus unterbleibt an dieser Stelle, da es sich sowohl in der Therapieplanung als auch in der Beurteilung des Behandlungsverlaufs um eine äußerst komplexe Problematik handelt, die in der Praxis immer dem Augenarzt vorbehalten bleiben sollte.
Miasmatische Zuordnung
Dem Schielen liegt meist eine psorische oder syphilitische Diathese zugrunde (3.4.2).
Repertorium
Die Bedeutung des Schielens als Symptom zur homöopathischen Verschreibung dokumentiert sich auch in der Vielzahl der Repertoriumsrubriken zu dieser Gesundheitsstörung.

Auge – Lähmung – Augenmuskeln // Obliquus superior //Rectus externus // Rectus internus

Augen – Lähmung – Augenmuskeln // Abkühlung, Kaltwerden, durch // Nasswerden der Füße, durch

AugeStrabismus, Schielen // rechtes Auge nach innen gedreht // linkes Auge nach innen gedreht // convergens // divergens

Auge – Strabismus, Schielen // angeboren // begleitet von – Würmer – Beschwerden durch // Diarrhoe – durch unterdrückte // Gemütsbewegungen, durch // periodisch

Sehen – Diplopie, Doppeltsehen

Netzhautveränderungen

Definition: Netzhautablösung (Ablatio retinae, Amotio retinae). Durch verschiedene Ursachen auslösbare Abhebung der neurosensorischen Netzhaut von dem darunter liegenden Pigmentepithel, welches zum Funktionsverlust der Photorezeptoren führt.

  • Zentralvenenthrombose: subakute bis akute Zirkulationsstörung im venösen Schenkel der Netzhautgefäße, die sowohl als nicht ischämische als auch ischämische Form auftreten kann.

  • Zentralarterien- oder Arterienastverschluss: führt zu einem perakuten, schmerzfreien Visusverlust auf einem Auge.

  • Retinitis exsudativa externaRetinitis exsudativa externa: ausgeprägte retinale Teleangiektasien und Aneurysmenbildung, die mit massiven subretinalen Exsudaten einhergehen. Erreichen diese die Makula, entwickelt sich eine permanente Visusminderung.

Symptomatik: als Frühsymptom Sehen von Lichtblitzen, Mouches volantes oder schwarzen Punkten, nach erfolgter Netzhautablösung Sehen von Schatten in dem der abgelösten Netzhaut entsprechenden Teil des Gesichtsfelds („sich senkender Vorhang“, „aufsteigende Mauer“), Verzerrtsehen und Abnahme der Sehfähigkeit, keine Schmerzen.

Bei allen Erkrankungen der Netzhaut – Netzhautablösung (Ablatio retinae, Amotio retinae), Zentralvenenthrombose, Zentralarterien- oder Arterienastverschluss, Retinitis exsudativa externa – handelt es sich um schwere Erkrankungen mit der Gefahr dauerhafter Sehstörungen bis zur Erblindung. Berechtigterweise wählen Patienten mit diesen Erkrankungen zuerst den Augenarzt. Keine der oben genannten Diagnosen sollte in der allgemeinärztlich-homöopathischen Praxis ohne suffiziente schulmedizinische Therapie behandelt werden. Die Rolle der Homöopathie beschränkt sich hier auf die Begleitbehandlung bzw. die Nachbehandlung zur Rezidivverhütung.
Aus der Zeit, als Laserbehandlung und Mikrochirurgie noch nicht existierten und somit die Möglichkeiten der Schulmedizin sehr begrenzt waren, finden sich in der Literatur Hinweise auf das Potential der Homöopathie bei diesen Störungen. Dies dokumentiert sich auch in der Vielfalt der Repertoriumsrubriken zu den entsprechenden Diagnosen bzw. deren klinischen Symptomen. So finden sich unter anderem folgende Rubriken, die auf die Möglichkeiten der Homöopathie bei den entsprechenden Diagnosen hinweisen:
  • Auge – Ablösung der Netzhaut

  • Auge – Bluten aus den Augen – Netzhautblutung

  • Auge – Entzündung – Netzhaut – haemorrhagica – Retinitis

  • Auge – Entzündung – Sehnerv

Da es sich bei allen Erkrankungen der Netzhaut und des Sehnerven um schwere und augenärztlich zu versorgende Probleme handelt, soll eine genaue Beschreibung der homöopathischen Therapie an dieser Stelle nicht erfolgen.

Kleine Materia medica bewährter Mittel aus der augenärztlichen Praxis

Unabhängig von der auslösenden Ursache sind die Reaktionsweisen des Auges auf verschiedene Erkrankungen bzw. Probleme häufig ähnlich (z. B. Schmerz, Schleiersehen, rotes Auge, Schwellung, Fremdkörpergefühl etc.). In der Praxis zeigt sich, dass genau für diese Symptome „bewährte“ Mittel schnell zum Ziel führen und dem Patienten Erleichterung verschaffen.
  • Aconitum (Acon.): #AconitumAugenbeschwerdenAugenveränderungen #AconitumAugenbeschwerdenAugenerkrankungen infolge von Schreck oder Verkühlung, u.a Konjunktivitis bei Fazialisparese. Absonderungen aus dem Auge; Gefühl, Augapfel wird nach innen gedrückt.

  • Anacardium (Anac.): #AnacardiumAugenbeschwerdenKopfschmerz „wie durch einen Pflock“ über den Augen mit Miosis, Flimmern. Folge von unerträglichen inneren Konflikten, z. B. nach Missbrauch, Misshandlung oder bei Alkohol- sowie Drogenabusus. Druck amel.

  • Apis (Apis): #ApisLidschwellungSchwellung des Oberlids, Chemosis, Folge von nächtlichen Anstrengungen der Augen, Lidrandulzera.

  • Argentum nitricum: (Arg-n.): #Argentum nitricumFremdkörpergefühl/AugeSchwellung nasal mit Fremdkörpergefühl; mehr linksseitig, besonders Schwimmbadkonjunktivitis oder Folge von Pneumokokken.

  • Arsenicum album (Ars.): #Arsenicum albumKonjunktivitis„Heißer“ Tränenfluss, der die Umgebung wund macht; chronische Konjunktivitis.

  • Aurum metallicum (Aur.m.): #Aurum metallicumAugenbeschwerdenStechende Schmerzen im Bulbus oder der knöchernen Augenhöhle. Bei Glaukom, Exophthalmus oder wenn der Schmerz von außen nach innen drückt; Beschwerden treten auch bei Konzentration oder beim Lesen auf. Plötzlicher Ausfall des oberen Gesichtsfeldes. Patienten sind ängstlich, depressiv.

  • Belladonna (Bell.): #BelladonnaGlaukomAuch im Glaukomanfall, bevor der Patient dem Augenarzt überwiesen wird. Neuritis optica. Patient lässt sich nicht gerne untersuchen.

  • Bryonia (Bry.): #BryoniaAugenschmerzenAugenschmerzen bei Bewegung, stechend, trockene Schleimhaut, trockene Lider. Folge von akutem Ärger. Druck und Ruhe amel.

  • Calendula (Calen.): #CalendulaAugenoperationVorbeugend bei Operationen gegen Eiterungen.

  • Carboneum sulfuratum (Carbn-s.): #Carboneum sulfuratumSehstörungenSehstörungen; blasser Augenhintergrund, exkavierte Papille, geschlängelte Gefäße; weite, träge Pupille, Visusabfall, Farbsinnstörung. Folgen von Alkoholabusus.

  • Coffea (Coff.): #CoffeaGlaukomGlaukom bei Kaffeeabusus oder durch freudige Erwartung z. B. an Festtagen.

  • Eupatorium perfoliatum (Eup-per.): #Eupatorium perfoliatumAugenschmerzenAugenschmerzen sowie rechtsseitiger Migräne bei Gliederschmerzen und grippalem Infekt. Bulbus fühlt sich wund an.

  • Euphrasia (Euphr.): #EuphrasiaKonjunktivitisAllergische oder infektiöse Konjunktivitis, auch skrophulös. Lichtempfindlichkeit, Lidränder rot, geschwollen, Trockenheitsgefühl, Tränen sind scharf, entzündete Nasennebenhöhlen. Schmerzen nach Mittagsschlaf.

  • Gelsemium (Gels.): #GelsemiumSehstörungenOrganisch unbegründete Sehstörungen, Amaurosis fugax, Migraine ophtalmique, Unverträglichkeit neuer, korrekt angepasster Brillengläser, „Rauch vor den Augen“, Lichtscheu, kurzfristiger Gesichtsfeldausfall. Examenskandidaten mit Prüfungsangst, Lampenfieber.

  • Hamamelis (Ham.): #HamamelisAugenschmerzenVenenprobleme mit wundem Augenschmerz, z. B. durch Prellung. Gefühl als würde das „Auge herausgepresst“, brennender Schmerz bei Lidschluss.

  • Jaborandi (Jab.): #JaborandiAugenschmerzenSchmerzen bei Anstrengung der Augen, Lidkrämpfe, Schielen, lange Nachbilder.

  • Hepar sulfuris (Hep.): #Hepar sulfurisAugenbeschwerdenBeschwerden durch kalte Luft (Air condition), evtl. auch als Reaktion auf Amalgam in Zahnfüllungen. Bohrender Schmerz in der oberen Augenhöhle.

  • Kalium arsenicosum (Kali-ar.): #Kalium arsenicosumLidschwellungSchwellung des Unterlides, erschrockener Blick, glänzende Augen.

  • Kalmia (Kalm.): #KalmiaAugenschmerzenNeuralgie und Rheumatismus. Schmerzen im Augenbereich; Steifheit um die Augen und um die Lider (z. B. bei Iritis). Agg. tagsüber, durch Augenbewegung.

  • Ledum (Led.): #LedumAugenverletzungVerletzungen mit Bluterguss, Insektenstich, Stichwunde, blaues „Boxerauge“.

  • Lycopodium (Lyc.): #LycopodiumKonjunktivitisMissempfindung am Auge, Konjunktivitis „wie rohes Fleisch“, Tic, Buchstaben erscheinen beim Lesen verstellt.

  • Natrium muriaticum (Nat-m.): #Natrium muriaticumSehstörungenAugenschmerzen nach Kummer oder Überarbeitung. Verschwimmen beim Fixieren, z. B. Einfädeln, Buchstaben verwirren und trüben sich, lange Nachbilder, Schwäche des Musculus rectus internus. Patient hat Angst zu erblinden.

  • Nux vomica (Nux-v.): #Nux vomicaAugenschmerzenAugenschmerzen nach Kummer bzw. Überarbeitung, Tränen beim Gähnen, Magen-Darm-Störungen. Opticusatrophie nach Tabakmissbrauch.

  • Opium (Op.): #OpiumAugenbeschwerdenFolge von Schreck, Schock – auch nach Jahren. Starke Pupillenkontraktion, glasige Augen, halbgeschlossen, z. B. nach Kopfverletzung.

  • Paris quadrifolia (Par.): #Paris quadrifolia, AugenbeschwerdenEmpfindung in den Augäpfeln, als würden sie „von einem Faden nach hinten gezogen“; ziehendes Gefühl in den Augäpfeln. Die Augen scheinen vergrößert, da die Lider sich nicht schließen.

  • Phosphorus (Phos.): #PhosphorusSehstörungenExophthalmus bei Schilddrüsen-Dysfunktion. Sehstörungen wie farbige Höfe um fixierte Gegenstände, alle Buchstaben sind rot, Empfindlichkeit gegen Tages- oder Zwielicht, Blitze im Dunkeln, beim Schlafengehen, Funkensehen nachts, Amaurosis fugax, auch Lähmungen der Augenmuskeln infolge Erschöpfung nach akuten Krankheiten, langem Fieber. Myopie und deren Folgen; Glaskörperblutungen, Retinopathia diabetica. Nie unter D12 verordnen, da Blutungen auslösend.

  • Physostigma (Phys.): #Physostigma venenosum, AugenbeschwerdenAugenbeschwerden als Folge von Erkrankungen der glatten Muskulatur oder neurologischen Störungen. Mouches volantes, Kurzsichtigkeit, Lichtblitze, Lidzucken, undeutliches, trübes Sehen infolge gestörter Akkommodation, Glaukom, Wundschmerz bei Augen- und Lidbewegungen, Astigmatismus, Diplopie, Photophobie.

  • Pulsatilla (Puls.): #PulsatillaAugenschmerzenBerührungsempfindliche Patienten mit Augenschmerzen, die viele Streicheleinheiten brauchen, evtl. frostig sind, aber sich bei jedem Wetter draußen besser fühlen.

  • Rhus toxicodendron (Rhus-t.): #Rhus toxicodendronAugenschmerzenRuheloser Patient. Augenschmerzen. Lichtscheu bei Hornhautulkus. Fortgesetzte Bewegung oder Anstrengung amel.

  • Ruta graveolens (Ruta): #RutaAugenschmerzenAugenschmerzen; die Augäpfel fühlen sich an wie „feurige Kugeln“. Druckgefühl in den Augenbrauen. Folgen von Überanstrengung bei Brechungsfehlern mit Amblyopie, bei Bildschirmarbeit, langer Naharbeit (Lesen, Handarbeiten, Mikroskopieren), Internusinsuffizienz; Nebelsehen um fixierte Objekte. Unruhe und Zerschlagenheit. Bewegung und warme Umschläge auf die Lider amel.

  • Sepia (Sep.): #SepiaSehstörungenBrennender Wundschmerz abends durch kalten Wind. Augenschwellung; schleimige Absonderungen morgens, abends trockene Augen. Buchstaben verschwimmen vor den Augen, um die Kerze erscheint ein grünlicher Schein, bei Schwäche werden Funken, Flecke gesehen. Bedürfnis, die Augen zu schließen. Agg. Herbst und Frühjahr, in warmen Räumen. Amel. mittags. Patienten sind ausgepowert, Mitleid erregend, wollen Verantwortung, Beruf aufgeben (bes. Männer).

  • Silicea (Sil.): Ödeme besonders morgens; überempfindlich gegen helle Farben. Stechende Augenschmerzen, trübes Sehen nach unterdrücktem Fußschweiß. Ausfallen der Wimpern.

  • Spigelia (Spig.): #SpigeliaAugenschmerzenStarke, linksseitige Schmerzen z. B. bei Iritis, Glaukom; oft über dem linkem Auge oder durch das Auge oder die Augenhöhle hindurch nach innen ziehend. Agg. Berührung, Bewegung, Erschütterung, Bücken, Lärm, Rauch, im Freien.

  • Staphisagria (Staph.): Jucken und Brennen, Trockenheitsgefühl trotz Tränenfluss; berstender Bulbusschmerz. Folgen von Kummer, Ärger, Demütigung, Kränkung. Rezidivierende Gerstenkörner.

  • Sulfur (Sulph.): #SulfurAugenbeschwerdenLider brennen, Jucken; Sandgefühl, stechende Schmerzen; lichtempfindlich, geblendet. Scharfe, brennende Tränen morgens, danach Trockenheit. Körperlich ungepflegt, geistig rege.

  • Tuberculinum (Tub.): #TuberculinumAugenbeschwerdenSchorfige Hautausschläge an den Lidrändern, Photophobie, drückender Schmerz beim Seitwärtsdrehen der Augen, lichtunempfindliche Pupillen; Wundschmerz bei Augenbewegung; Farbensehen (meist blau, grün) vor den Augen, Buchstaben laufen ineinander, horizontale Hemianopsie, Nachbilder verlängert.

  • Zincum metallicum (Zinc.): #Zincum metallicumAugenschmerzenConjunctivitis angularis, Miosis, Lider während Menses geschwollen.

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