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B978-3-437-56353-9.00028-1

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Fallzahlen zu Impfnebenwirkungen in den Jahren 2004 und 2005 in Deutschland (PEI 2006)

Impfungen, Impfeinführungen, Impfstoffarten

(nach Rappuoli 2001)

Tab. 28.1
Jahr Krankheit Art des Impfstoffs
1796 Pocken Attenuierter Lebendimpfstoff
1885 Tollwut Attenuierter Lebendimpfstoff
1907 Tollwut Abgetötetes Virus
1912 Salmonella typhi Abgetötete Bakterien
1921 Tuberkulose Lebendes, attenuiertes Bakterium (BCG)
1939 Diphtherie Toxoid
1940 Gelbfieber Lebendes, attenuiertes Virus (Stamm 17D)
1949 Tetanus Toxoid
1953 Pertussis Abgetötete Bakterienzellen
1954 Poliovirus Salk Abgetötetes Virus (Salk)
1958 Influenza Abgetötetes Virus
1960 Cholera Abgetötete Bakterien (injizierbar)
1961 Poliovirus Sabin Attenuierter Lebendimpfstoff (Sabin)
1963 Masern Lebendes, attenuiertes Virus
1966 Mumps Lebendes, attenuiertes Virus
1968 Influenza Split-Impfstoff
1969 Röteln Lebendes, attenuiertes Virus
1969 Meningococcus Gereinigtes Kapselpolysaccharid
1976 Influenza Spalt-Impfstoff
1977 Pneumococcus Gereinigtes Kapselpolysaccharid (14-valent)
1981 Pertussis Azellulär (Japan)
1981 Zeckenenzephalitis (FSME) Abgetötetes Virus
1981 Hepatitis B Aus dem Plasma isolierte Partikel (HBsAg)
1983 Pneumococcus Gereinigtes Kapselpolysaccharid (23-valent)
1984 Meningococcus (Vierfachimpfstoff: A, C, Y, W135)
1985 Haemophilus influenzae Polysaccharid-Vakzine
1986 Hepatitis B Rekombinante Partikel (HBsAg)
1987 Haemophilus influenzae Konjugat-Vakzine (Kleinkinder)
1990 Haemophilus Influenzae Konjugat-Vakzine (Säuglinge)
1991 Salmonella typhi Attenuierter Lebendimpfstoff (Ty 21A)
1991 Salmonella typhi Gereinigtes Kapselpolysaccharid
1993 Pertussis Rekombinant
1994 Cholera Abgetötetes Bakterium + CTB (oral)
1994 Hepatitis A Abgetötetes Virus
1995 Cholera Attenuierter Lebendimpfstoff (rekombinant) (CVD 103 HgrR)
1995 Varicella Lebendes, attenuiertes Virus
1996 Pertussis Azellulär (USA)
1997 Influenza Adjuvierte Vakzine
1998 Lyme-Borreliose Rekombinant
1998 Rotavirus Attenuierter Lebendimpfstoff
2005 Varicella-Virus (Windpocken) Lebender attenuierter Varicella-Virus. Der Impfstamm wird durch die Passage des Virus in Meerschweinchen-Gewebe abgeschwächt und dann in menschlichen Zellkulturen vermehrt
2007 Humanes Papilloma-Virus „Virus-like particles“ (VLPs), aus dem Hauptkapsidprotein L1 der Papillomviren.
2015 Malariaimpfstoff RTS,S Proteinstruktur von Plasmodium falciparum

WHO-Kriterien zur Bewertung eines Verdachtsfalls einer Nebenwirkung (WHO 2000, 2008)

Tab. 28.2
Gesichert (certain) Ein klinisches Ereignis (inkl. Veränderung von Laborparametern) gilt als gesicherte unerwünschte Arzneimittelwirkung (UAW 28.3.3), wenn ein plausibler zeitlicher Rahmen vorliegt und keine anderen Ursachen infrage kommen. Des Weiteren muss die Reaktion bekannt und pathophysiologisch erklärbar sein, wobei ein positiver Reexpositionsversuch nicht zwangsläufig gefordert wird, i. d. R. aber vorhanden sein sollte.
Wahrscheinlich (probable/likely) Plausibler zeitlicher Rahmen und wahrscheinlich keine andere Ursachen. Die Reaktion sollte bekannt und pathophysiologisch erklärbar sein, wobei ein positiver Reexpositionsversuch nicht gefordert wird.
Möglich (possible) Plausibler zeitlicher Rahmen, aber es kommen auch andere Ursachen infrage (z. B. zeitgleiche Erkrankungen oder Medikamenteneinnahme).
Unwahrscheinlich (unlikely) Zweifelhafte zeitliche Korrelation, insgesamt sprechen mehr Aspekte gegen einen Kausalzusammenhang.
Unvollständig (conditional/unclassified) Die Datenlage ist zur Beurteilung unzureichend, weitere Daten sind angekündigt oder angefordert.
Nicht zu beurteilen (unassessible/unclassificable) Die Datenlage ist zur Beurteilung unzureichend, keine weiteren Daten sind zu erwarten.

Häufigkeit von Impfnebenwirkungsmeldungen (PEI 2008)

Tab. 28.3
2004 1 237 Verdachtsfälle (davon 858 schwere Verdachtsfälle)
2005 1 393 Verdachtsfälle (davon 919 schwere Verdachtsfälle)
2006 1 597 Verdachtsfälle
2007 1 812 Verdachtsfälle

Häufigkeitsangaben der Impfstoffhersteller zu Impfnebenwirkungen

Tab. 28.4
Sehr häufig ≥ 1/10 (> 10 %)
Häufig ≥ 1/100 bis < 1/10 (1–10 %)
Gelegentlich ≥ 1/1 000 bis ≤ 1/100 (0,1–1 %)
Selten ≥ 1/10 000 bis ≤1/1 000 (0,01–0,1 %)
Sehr selten ≤ 1/10 000 (< 0,01 %)

Einzelimpfstoffe mit niedrigem Aluminiumgehalt (Totimpfstoffe) ImpfstoffeEinzelimpfstoffe

Tab. 28.5
Impfstoff Tetanus Diphtherie Polio Hib Hepatitis B Pneumokokke Meningokokken
Tetanol pur x
IPV Mérieux (D)
Polio Salk Mérieux (A)
Poliorix (CH)
x
ACT-Hib (D, A)Hiberix (CH) x
HBVax PRO x
Prevenar 13 x
Meningitec x

Kombinationsimpfstoffe für Säuglinge und KleinkinderImpfstoffeKombinationsimpfstoffe

Tab. 28.6
Impfstoff Tetanus Diphtherie Polio Keuchhusten Hib Hepatitis B
DT-Impfstoff für Kinder (CH) x x
Infanrix (D) x x x
Infanrix-IPV+Hib,
Pentavac
x x x x x
Hexyon (D), Hexacima (A), Infanrix Hexa x x x x x x

Impfstoffe mit Zulassung nach dem dritten Lebensjahr

Tab. 28.7
Impfstoff Tetanus Diphtherie Polio Keuchhusten
Td-rix (D, A), Td-pur (CH): ab 5 Jahren. x x
Revaxis: nur zur Auffrischung ab 5 Jahren x x x
Bostrix (D, A, CH): nur zur Auffrischung ab 3 Jahren
Covaxis (D) bzw. Triaxis (A): nur zur Auffrischung ab 4 Jahren
x x x
Repevax (D, A): nur zur Auffrischung ab 3 Jahren
Boostrix Polio (D, A, CH): nur zur Auffrischung ab 4 Jahren
x x x x

Bewerten und Behandeln von Impfnebenwirkungen

Thomas Quak

Martin Hirte

28.5
  • 28.1

    Überblick774

  • 28.2

    Vorüberlegungen aus ethischer Sicht776

  • 28.3

    Impfkomplikationen777

    • 28.3.1

      Meldepflichtige Impfkomplikationen777

    • 28.3.2

      Nicht meldepflichtige Impfreaktionen777

    • 28.3.3

      Unerwünschte Arzneiwirkung (UAW)778

    • 28.3.4

      Impfschaden778

    • 28.3.5

      Häufigkeit von Nebenwirkungsmeldungen779

    • 28.3.6

      Angaben der Pharmaindustrie zu Impfnebenwirkungen780

  • 28.4

    Homöopathische Behandlung von Impfnebenwirkungen781

  • 28.5

    Differenzierte Impfschemata und deren Anwendung in der Praxis Martin Hirte 785

    • 28.5.1

      STIKO-Empfehlungen versus individuelle Impfentscheidung786

    • 28.5.2

      Impfstoffe786

    • 28.5.3

      Vorgehensweise787

    • 28.5.4

      Impfung gegen Keuchhusten789

    • 28.5.5

      Impfung gegen Hepatitis B789

    • 28.5.6

      Impfungen gegen bakterielle Meningitis789

    • 28.5.7

      Impfung gegen Rotaviren791

    • 28.5.8

      Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln791

    • 28.5.9

      Impfung gegen Windpocken792

    • 28.5.10

      Impfung gegen Humane Papillomaviren (HPV)793

    • 28.5.11

      Impfung gegen FSME793

    • 28.5.12

      Impfung gegen Influenza794

Überblick

Seit ImpfnebenwirkungenEinführung der ersten Nebenwirkungen, ImpfungImpfung im Jahr 1796 ist die Zahl der Impfstoffe v. a. in den vergangenen Jahren um ein Vielfaches gestiegen (Tab. 28.1). Die ständige Impfkommission (STIKOImpfkommission, ständige (STIKO)) empfiehlt STIKOaktuell 14 Schutzimpfungen. Dazu kommen noch optionale Empfehlungen für Auslandsreisen oder spezielle Risikogruppen (z. B. Typhus, Gelbfieber, Cholera, Hepatitis A, FSME, Influenza).
  • Allein die vollständige Grundimmunisierung mit zehn Kombinationsimpfungen bis zum 15. Lebensmonat (4-mal die Sechsfachimpfung, 4-mal die Pneumokokkenimpfung und 3-mal die Rotavirusimpfung). Dazu im 2. Lebensjahr 2-mal die MMRV-Impfung und 1-mal die Meningokokken-C-Impfung

  • Dies führt bei Kindern zum Kontakt mit 40 Einzelimpfstoffen (bei der letzten Auflage dieses Buches waren es noch 31!)

  • Es ist davon auszugehen, dass ein großer Teil der Bevölkerung sich auch im Erwachsenen- und insbesondere im Rentenalter (jährliche Grippeimpfung) an die STIKO-Empfehlungen hält, sodass über 50 Impfstoffgaben im Laufe des Lebens keine Seltenheit mehr sind.

Schon allein wegen der hohen Zahl an Impfungen ist es deshalb nicht verwunderlich, dass die in der homöopathischen Praxis berichteten Impfschäden zunehmen und dazu nötigen, nach Therapiemöglichkeiten zu suchen. Eine der wichtigsten Aufgaben des Arztes ist dabei, das Verhältnis zwischen der Symptomatik des Patienten und der vorausgegangen Impfung in den richtigen Zusammenhang zu stellen. Zu diesem Zweck ist es erforderlich, sich mit den Impfungen selbst, den Nebenwirkungsdefinitionen und deren Auswirkungen auf der Symptomebene auseinanderzusetzen.
Dank der Einführung der Meldepflicht für Meldepflicht, ImpfkomplikationenImpfkomplikationen im Jahr 2006 besteht erstmals die ImpfkomplikationenMöglichkeit, Impfschäden offiziell zu registrieren und einer unabhängigen wissenschaftlichen Betrachtung zu unterziehen. Es obliegt also der Verantwortung der Ärzte die wahrnehmbaren Schäden zu erkennen und zu melden, um in der Zukunft differenzierte Impfentscheidungen auf eine solide Datenbasis stellen zu können. Seit 2012 wurden auch in Deutschland die Bestimmungen der europäischen Arzneiüberwachung umgesetzt, in der es heißt: Nicht nur Angehörige der Gesundheitsberufe, sondern auch die Patienten sollen den Zulassungsbehörden Verdachtsfälle von Nebenwirkungen melden.

Vorüberlegungen aus ethischer Sicht

Impfungen unterscheiden sich von medizinischen Eingriffen bei Kranken dadurch, dass sie an einem Gesunden durchgeführt werden. Ziel der Schutzimpfung ist nicht, eine bestehende Krankheit zu Schutzimpfungbehandeln, sondern den Organismus gegen Infektionskrankheiten zu immunisieren, also eine möglicherweise in der Zukunft auftretende Erkrankung zu verhindern oder ihren Verlauf abzumildern.

Zweck einer Impfung ist die Prophylaxe einer möglichen, aber nicht sicheren Erkrankung in der Zukunft.

Die Abwägung von Nutzen und Risiken eines medizinischen Eingriffs am gesunden Menschen bedeutet eine besondere und erhöhte Verantwortung für den Arzt, da er Wirkung und Nebenwirkungen der Maßnahme nicht in einen direkten Bezug zu einer manifesten Erkrankung setzen kann, sondern nur in ein Verhältnis zu einer statistischen Erkrankungswahrscheinlichkeit. Somit werden immer auch Menschen geimpft, die möglicherweise ohne Impfung nie erkrankt wären. Die Unmöglichkeit der Vorhersage, ob ein Individuum erkranken wird oder nicht, bringt es mit sich, dass Menschen einem Nebenwirkungsrisiko ausgesetzt werden, die von den positiven Effekten der prophylaktischen Maßnahme gar nicht erreicht werden. Das hippokratische Prinzip „Primum nihil nocere“ (v. a. nicht schaden) hat als ethischer Standard bei der Behandlung von Gesunden eine viel höhere Bedeutung als bei der Behandlung von Kranken.
Darüber hinaus stellt sich bei Massenimpfungen zum Zweck der „globalisierten“ (nicht „globalen“) Ausrottung bestimmter Krankheiten die altbekannte Frage, ob und inwieweit das Gemeinwohl einen höheren Stellenwert hat als die Willensfreiheit und Unversehrtheit des Individuums. Je seltener die Krankheiten werden, vor denen man schützen will, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, durch Schutzimpfungen Einzelnen zu schaden, und umso stärker treten die Gefahren für das Individuum in den Vordergrund. Der letzte Poliofall trat in Deutschland 1990 auf. Der letzte Poliofall in Europa 1998. Die 2015 aufgetreten 3 Poliofälle in der Ukraine wurden durch den Impfstoff ausgelöst. Seit 2001 gab es keinen einzigen Todesfall durch Tetanus bei unter 30-jährigen Menschen, sodass 2011 die Meldepflicht dafür aufgehoben wurde.
Ein häufig zitiertes Beispiel für das Missverhältnis von Impfschutz und Impfschaden ist die Polio-Lebendschluckimpfung in der zweiten PolioimpfungHälfte des vergangenen Jahrhunderts, durch die jedes Jahr einige wenige Gesunde an Polio erkrankten, obwohl es in Deutschland seit über zwei Jahrzehnten keinen auf natürlichem Weg an Polio erkrankten Menschen mehr gab und die daraufhin erfolgte Wiedereinführung des Totimpfstoffs 1998, der davor seinerseits wegen erheblicher Nebenwirkungen nicht mehr empfohlen worden war. (1955 „Cutter-Vorfall“ in den USA: 250 Polioerkrankungen und 10 Tote durch lebende Erreger im Totimpfstoff. In Berlin traten 1960 innerhalb von vier Wochen 25 Fälle von paralytischer Poliomyelitis auf, nachdem ein Impfstoff angewendet worden war, der noch eine Restfähigkeit zur Erzeugung einer Poliomyelitis besaß.)
Die Notwendigkeit, Risiko und Nutzen einer Schutzimpfung gegeneinander abwägen zu müssen, führt oft in ein Dilemma, dem sich Arzt und Patient stellen müssen, um in einem informierten Dialog eine von gegenseitigem Respekt getragene, verantwortliche Entscheidung zu treffen. Eine notwendige Voraussetzung dafür ist, dass die Fachinformationen über Schaden und Nutzen von Impfungen nicht nur den Ärzten, sondern auch den zu Impfenden zur Verfügung stehen. Nur so werden sie überhaupt in die Lage versetzt, eine stimmige und selbstbestimmte Beurteilung zu treffen. Der Gesetzgeber hat zu diesem Zweck im Rahmen des Impfschutzgesetzes Melde- und Veröffentlichungsverpflichtungen eingeführt. Der Text der Verordnungen und die Meldeformulare stellt das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) zur Verfügung Paul-Ehrlich-Institut, Impfschutzgesetz(www.pei.de).

Impfkomplikationen

Meldepflichtige Impfkomplikationen

Meldepflicht, ImpfkomplikationenMeldepflicht: Nach § 6 ImpfschutzgesetzImpfschutzgesetz (IfSG) (IfSGIfSG) hat der Arzt bzw. Heilpraktiker den Verdacht einer ImpfkomplikationImpfkomplikationen namentlich an das Gesundheitsamt zu melden. Das Gesundheitsamt ist nach § 11 IfSG seinerseits verpflichtet, die Meldung pseudonymisiert der zuständigen Landesbehörde und dem Paul-Ehrlich-Institut zu melden.

Meldepflichtig ist der ImpfkomplikationenVerdacht auf eine über das übliche Ausmaß einer Impfreaktion hinausgehende gesundheitliche Schädigung (§ 6 Abs. 1, Nr. 3 IfSG). Eine namentliche Meldepflicht an das Gesundheitsamt besteht dann, wenn nach einer Impfung auftretende Krankheitserscheinungen in einem ursächlichen Zusammenhang mit der Impfung stehen könnten und über die im Folgenden aufgeführten, nicht meldepflichtigen Impfreaktionen hinausgehen.

Nicht meldepflichtige Impfreaktionen

Nicht meldepflichtig sind kurzzeitige, vorübergehende Lokal- und Allgemeinreaktionen, die das übliche Ausmaß nicht überschreiten und als Ausdruck der Auseinandersetzung des Organismus mit dem Impfstoff anzusehen sind, z. B.
  • für die Dauer von ein bis drei Tagen (gelegentlich länger) anhaltende Rötung, Schwellung oder Schmerzhaftigkeit an der Injektionsstelle,

  • Fieber unter 39,5 °C (rektal), Kopf- und Gliederschmerzen, Mattigkeit, Unwohlsein, Übelkeit, Unruhe, Schwellung der regionären Lymphknoten,

  • oder im gleichen Sinn zu deutende Symptome einer „Impfkrankheit“ (ein bis drei Wochen nach der Impfung),Impfkrankheit z. B. leichte Parotisschwellung oder ein Masern- bzw. Varizellen-ähnliches Exanthem oder kurzzeitige Arthralgien nach der Verabreichung von Impfstoffen gegen Mumps, Masern, Röteln oder Varizellen, die auf der Basis abgeschwächter Lebendviren hergestellt wurden.

Ausgenommen von der Meldepflicht sind außerdem Krankheitserscheinungen, denen offensichtlich eine andere Ursache als die Impfung zugrunde liegt.

Unerwünschte Arzneiwirkung (UAW)

Die Begriffe „unerwünschte ArzneiwirkungunerwünschteArzneiwirkung“ und „Nebenwirkung“ werden synonym verwendet. Eine Nebenwirkung wird im Arzneimittelgesetz als eine schädliche, unbeabsichtigte Reaktion definiert, die beim bestimmungsgemäßen Gebrauch eines Arzneimittels auftritt (z. B. Abszess nach Injektion, Urtikaria, fieberhafter Infekt, Meningitis). Die europäische Richtlinie 2001/83/EG führt dazu weiter aus, dass eine Nebenwirkung als Reaktion auf ein Arzneimittel zu verstehen ist, die schädlich und unbeabsichtigt ist und bei Dosierungen auftritt, wie sie normalerweise beim Menschen zur Prophylaxe, Diagnose oder Therapie von Krankheiten oder für die Wiederherstellung, Korrektur oder Änderung einer physiologischen Funktion verwendet werden.
Schwere unerwünschte Arzneiwirkung: Die Schwere einer Nebenwirkung wird weitgehend durch die Folge des Krankheitsgeschehens bestimmt. Eine Nebenwirkung ist als „schwerwiegend“ einzustufen, wenn sie tödlich oder lebensbedrohend ist, eine stationäre Behandlung oder Verlängerung einer stationären Behandlung erforderlich macht, zu bleibender oder schwerwiegender Behinderung oder Invalidität führt oder eine kongenitale Anomalie bzw. einen Geburtsfehler zur Folge hat (z. B. anaphylaktischer Schock mit zerebraler Schädigung, aseptische Meningitis, Guillain-Barré-Syndrom).

Impfschaden

Laut IfSG ist Impfschadenein Impfschaden die Impfschutzgesetz (IfSG)gesundheitliche und wirtschaftliche Folge einer über das übliche Ausmaß einer Impfreaktion (28.3.2) hinausgehende gesundheitliche Schädigung durch die Schutzimpfung. Ein Impfschaden liegt auch vor, Schutzimpfungwenn mit vermehrungsfähigen Erregern geimpft wurde und eine andere als die geimpfte Person geschädigt wurde. Als Impfschaden gilt ferner eine gesundheitliche Schädigung, die durch einen „Wegeunfall“ (Unfall auf dem Weg zur Impfung, § 60 Abs. 5 IfSG) herbeigeführt wurde.
Nach § 61 IfSG genügt für die Anerkennung eines Gesundheitsschadens als Folge einer Impfung die Wahrscheinlichkeit des ursächlichen Zusammenhangs (Tab. 28.2). Wenn die Wahrscheinlichkeit nur deshalb nicht gegeben ist, weil in der medizinischen Wissenschaft Ungewissheit über die Ursache des festgestellten Leidens besteht, kann mit Zustimmung der für die Kriegsopferversorgung zuständigen obersten Landesbehörde Versorgung in gleicher Weise für einen Impfschaden gewährt werden.

Häufigkeit von Nebenwirkungsmeldungen

Das Paul-Ehrlich-Institut gibt für Deutschland in den Jahren 2004 und 2005 Verdachtszahlen in Höhe von 1 237 und 1 393 an (Tab. 28.3, Abb. 28.1). Setzt man diese Gesamtzahlen jeweils mit der Gesamtzahl der in Deutschland verkauften Impfstoffdosen nach Angaben der pharmazeutischen Unternehmen in Beziehung, ergibt sich für beide Jahre eine auf alle Impfstoffe bezogene Melderate von ca. 2,6 Verdachtsfällen pro 100000 Impfstoffdosen (0,0026 %, PEI 2006). Bei sieben Impfstoffdosen pro Kind im ersten Lebensjahr bedeutet das mindestens 1,82 Verdachtsfälle auf 10000 der nach STIKO-Empfehlung geimpften Kinder im ersten Lebensjahr (0,0182 %).
Bei geschätzten ca. 50 Millionen Impfstoffdosen pro Jahr in Deutschland und durchschnittlich 650 000 Geburten jährlich (sieben Impfstoffdosen mit 31 Einzelimpfstoffen im ersten Lebensjahr, Stand 2005) werden im ersten Lebensjahr an die Kinder ca. 4,1 Millionen Impfstoffdosen (bei einer 90-prozentigen Durchimpfungsrate) verimpft.
In den Jahren 2005 und 2006 wurden vom PEI 67,7 % der registrierten Fälle den Kategorien „sicher“, „wahrscheinlich“ und „möglich“ zugeordnet (Tab. 28.2). Das statistisch ermittelte Risiko für ein Kind, das im ersten Lebensjahr nach STIKO-Empfehlung (sieben Impfstoffdosen) Impfkommission, ständige (STIKO)geimpft wurde, einen sicheren, wahrscheinlichen oder möglichen Impfschaden zu erleiden, liegt somit bei mindestens 1,21 auf 10000 geimpfte Kinder. Leider stellt das PEI diese Zahlen seit einigen Jahren nicht mehr zur Verfügung, sodass sie hier nicht aktualisiert werden können. Hirte (28.5) schätzt heute (2015) das Risiko für eine Impfnebenwirkung bei den 1–2-Jährigen auf 0,87 zu 10 000 ein, davon handelt es sich bei 0,15 zu 10 000 um vermutlich schwere Fälle. Wegen der geringen Meldefreudigkeit muss allerdings von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen werden.

Angaben der Pharmaindustrie zu Impfnebenwirkungen

In den Fach- und ImpfnebenwirkungenGebrauchsinformationen von Impfstoffen werden Häufigkeitsangaben zu Impfnebenwirkungen in folgende Kategorien eingeteilt: sehr häufig, häufig, gelegentlich, selten, sehr selten (Tab. 28.4).
Folgende unterschiedliche Reaktionen des Organismus auf die Impfung lassen sich prinzipiell unterscheiden:
  • Allergische Erscheinungen.

  • Entzündungsreaktionen.

  • Folgen von Quecksilber (Thiomersal®).

  • Folgen des Stichs.

  • Neurologische Komplikationen.

  • Psychische Reaktionen.

  • Reaktionen auf das Impfvirus.

  • Reaktionen auf Impfstoffbestandteile (Konservierungsstoffe, Antibiotika, Hilfsstoffe).

  • Serumkrankheit (Reaktionen auf Fremdeiweiße).

  • Autoimmunreaktionen.

Homöopathische Behandlung von Impfnebenwirkungen

Wahl der Symptome
Die Vielzahl der SymptomenwahlImpfnebenwirkungenmodernen Impfstoffe, die verschiedenartigen Zusammensetzungen der Kombinationsimpfstoffe, die ständige Veränderung der Begleitstoffe und die unterschiedliche Art der Impfstoffgewinnung und Konservierung lassen eine Vereinheitlichung in der Symptomwahl kaum zu. Die in der homöopathischen Literatur beschriebenen Strategien beziehen sich allesamt auf die heute abgeschaffte Pockenimpfung und sind für die modernen Impfstoffe nur sehr bedingt verwendbar.
Über die Jahre beobachtet und unter Sichtung der Nebenwirkungsbilder, lassen sich aber folgende wiederkehrende Hauptklassen von Impfnebenwirkungen beschreiben:
  • Neurologische Symptome (z. B. aseptische Meninigitis, Erschöpfungssyndrom, Kopfschmerzen, nächtliches Schreien bei Kindern).

  • Entwicklungsverzögerung (z. B. Sprachentwicklung, motorische Entwicklung, Zahnung).

  • Autoimmunreaktion (z. B. Allergie, Anaphylaxie, Dermatose, Erkältungsanfälligkeit).

  • Unspezifische Allgemeinreaktion (z. B. Konzentrationsstörung, Schlafstörung, Fieber).

  • Lokalreaktion.

Die große Vielfalt der in den Nebenwirkungslisten der Hersteller beschriebenen Symptome macht deutlich, dass im Einzelfall eine vollständige Symptomenerhebung notwendig ist.
Impfstoffnosoden
Zahlreiche Hersteller Impfstoffnosodenhomöopathischer NosodenArzneimittel haben Impfstoffnosoden im Programm. Sie werden empirisch bei Krankheiten eingesetzt, deren Ursache in einer Impfung vermutet wird. Der Einsatz erfolgt nach Maßgabe der Vorstellung, dass die Impfstoffe eine Art Arzneikrankheit ausgelöst haben, die sich auf diesem isopathischen Weg beseitigen lässt. In der Literatur lassen sich hierzu Heilungsberichte finden. Der standardisierte Einsatz von Impfstoffnosoden nach jeder Impfung, um die Nebenwirkungen zu „reduzieren“, lässt sich homöopathisch nicht begründen.
Miasmatische Zuordnung
Die Impfnebenwirkungen der Pockenimpfung gehören zum sykotischen Formenkreis (Vakzinose) und haben ihr Hauptmittel in Thuja.
VakzinoseReaktionen auf moderne Impfstoffe lassen sich am ehesten als Aktivierung eines zugrunde liegenden Miasmas verstehen. Psorische Konstitutionen reagieren auf eine Impfung i. d. R. zunächst nur mit Fieber und Hauterscheinungen. Steht die neurologische Symptomatik im Vordergrund, lässt sich ein pseudopsorisches oder syphilitisches Miasma vermuten.
Repertorium
RepertorisationImpfnebenwirkungenDie Repertoriumsrubriken beziehen sich fast ausschließlich auf Folgen der Pockenimpfung und sind daher auf die modernen Impfstoffe nur sehr bedingt anwendbar. Die Hauptrubrik Allgemeines – Impfung, nach enthält etliche Beispiele für hilfreiche Arzneimittel bei neurologischen Impffolgen. Herangezogen werden können auch die unten aufgeführten Rubriken.

Allgemeines // Impfung, nach

Gemüt // Schreien, Kreischen – Kindern, bei – Schlaf, im // Schreien, Kreischen – Cri encéphalique

Extremitäten // Zucken – Schlaf – agg. – während

Augen // Offen, öffnen – allgemein – halboffen // Lähmung – Lider – Oberlider

Gesicht // Faltig, runzelig – allgemein – Stirn

Dosierung
Bei akuten Impfkomplikationen haben sich Einmalgaben von Hochpotenzen (C30, C200, M) bewährt. Bei chronischen Impfschäden werden Einzelmittel in großen Abständen nach den Kriterien für die Behandlung chronischer Erkrankungen verordnet (3.3).
Verlaufsbeurteilung
Chronifizierte Impfschäden sind schwer zu behandeln und bedürfen einer jahrelangen Therapie, die insbesondere dadurch erschwert wird, dass die Symptome der Patienten mit denen der Impfkrankheit durchmischt sind. Die Auswahl der wahlanzeigenden Charakteristika ist oft behindert, weil eine Unterscheidung zwischen Impfkrankheit und Miasma des Patienten kaum noch möglich ist.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Apis, Ars., Echi., Hep., Kali-chl., Maland., Sil., Sulph., Thuj.

Das Hauptmittel für die Folgen der Pockenimpfung ist Thuja.
Apis
Berührungsempfindlichkeit der #ApisImpfnebenwirkungenHaut. Brennen, durch Wärme. Ruhelosigkeit und Nervosität. Starke Schwellung. Stechen. Dyspnoe, erschwertes Einatmen. Glottisödem. Hände werden blau und kalt. Purpurfarbenes Gesicht. Schreckliche Ruhelosigkeit. Urtikaria. Wundheitsgefühl in der Brust. Zusammenschnürungsgefühl im Hals. Neurologische Zeichen. Cri encéphalique. Dauerndes Wimmern bei Kindern. Diarrhoe durch zerebrale Reizung. Empfindlichkeit der Magengegend und des Abdomens. Extreme Schläfrigkeit. Halbseitiges Zucken mit Lähmung der anderen Seite. Häufiges Gähnen. Klonische und tonische Krämpfe. Photophobie. Schielen. Schreien im Schlaf, plötzliches Aufschreien. Steifheit des Unterkiefers. Ungeschickt, lässt Gegenstände fallen. Zähneknirschen.
Arsenicum album
Heftiges Brennen.#Arsenicum albumImpfnebenwirkungen Stechen, heißes Jucken und heftiges Brennen der Haut. Rötliche oder bläuliche Flecken auf der Haut. Blasenausschlag. Geschwüre mit erhabenen und harten Rändern. Todesfurcht. Extreme Ruhelosigkeit. Patient dreht und windet sich. Heftige Bauchschmerzen. Kalte, feuchte Haut. Brustbeklemmung, erschwerte Atmung, Ohnmacht. Außerordentliche Schwellung von Kopf und Gesicht. Schwellung des Gesichts und der Genitalien. Schwellung der Augen. Rötung der Konjunktiven. Schwellung der Nase. Heftiges Niesen. Ausschlag an Mund und Lippen (nahe des Lippenrots). Brennen und starkes Trockenheitsgefühl im Rachen. Bitterer Mundgeschmack. Heftige Bauchschmerzen (linksseitig). Kältegefühl oder unerträgliches Brennen im Abdomen. Spasmodisches Zusammenschnürungsgefühl des Kehlkopfs. Atembeklemmung, ängstliche, kurze Atmung. Periodische Hustenanfälle. Erstickungsanfall mit kaltem Schweiß. Große Schwäche, Erschöpfung. Heftiges Herzklopfen. Asthmaanfälle. Leichtes Erschrecken. Extreme Unruhe. Rucke und Auffahren beim Einschlafen. Wechselt häufig die Lage im Bett. Rechtsseitige Neuralgien. Große Gedächtnisschwäche. Schwindel beim Gehen ins Freie. Extreme Photophobie. Verengte Pupillen. Krampfhaftes Schließen der Lider, manchmal wegen des Lichts. Schlucken schmerzhaft und erschwert, wie durch Lähmung des Ösophagus. Harnverhaltung, wie durch Blasenlähmung. Krämpfe in den Fingern. Lähmungsartige Schwäche der Oberschenkel. Zittern der Glieder. Anhaltende Schläfrigkeit mit heftigem und häufigem Gähnen. Zucken der Glieder beim Einschlafen. Während des Schlafs schreckhaftes Auffahren, Stöhnen, mürrische Ausrufe, Zähneknirschen, konvulsivische Bewegungen von Händen und Fingern.
Echinacea
Beißende, kribbelnde #EchinaceaImpfnebenwirkungenEmpfindung an Zunge, Lippen und Schlund, mit Furcht und Schmerz um das Herz herum. Brennen der Zunge mit vermehrtem Speichel. Beschleunigter Puls. Dumpfe Zahnschmerzen. Verlangen nach kaltem Wasser. Empfindung von etwas Großem und Hartem im Magen. Heisere Stimme. Intensives Jucken und Brennen der Haut am Hals (Gefühl wie von Nesseln). Schläfrigkeit mit Gähnen. Schwindel bei Lagewechsel des Kopfes. Linksseitige, obere Trigeminusneuralgie.
Hepar sulfuris
Urtikaria. Schwer #Hepar sulfurisImpfnebenwirkungenheilende Haut. Eitrige Prozesse. Schwitzt Tag und Nacht. Absonderungen, die wie alter Käse riechen. Fleckartiger Haarausfall. Nächtlicher Tränenfluss und Verklebung der Augenlider. Entzündung, Rötung und Schwellung der Nase. Erysipelartige Entzündung und Schwellung von Gesichtes und Wangen, mit stechendem Ziehen und Bläschenausschlag. Schwellung der Lippen, mit Spannungsgefühl und Schmerz bei Berührung. Bläschen am Kinn. Zahnfleisch blutet leicht. Zungenspitze ist sehr schmerzhaft und fühlt sich wund an. Splitterschmerz beim Schlucken bis in die Ohren. Druck im Magen, als wäre Blei darin. Krampfartige Schmerzen im Abdomen. Eiterung der Inguinaldrüsen. Heiserkeit. Nesselausschlag. Schweiß tagsüber bei der geringsten Anstrengung. Könnte jemanden kaltblütig ermorden (bei sonst friedlichen Personen). Schmerzempfindlichkeit. Stuhl wird nur unter Schwierigkeiten ausgeschieden. Hastige Sprache und Gedächtnisschwäche. Schmerzhafte und schwierige Augenbewegungen. Odontalgie mit plötzlichen ziehenden Schmerzen, beim Zusammenbeißen der Zähne, beim Essen und im heißen Zimmer. Bitterer Geschmack im Mund. Starkes Schlafbedürfnis, mit konvulsivem Gähnen. Zuckt in der Nacht, während des Schlafs, als bestünde ein Luftmangel, mit Tränenfluss und großen Qualen.
Kalium chloricum
Psychische #Kalium chloricumImpfnebenwirkungenReizbarkeit. Fühlt sich dumpf und dumm. Geschwollenes Gesicht. Schmerzen der Zunge. Kälteempfindung in der Präkordialregion. Pickel zwischen Lippe und Kinn. Nasenbluten nachts. Leichtes Zahnfleischbluten. Viel Aufruhr und Flatulenz im Abdomen. Heiserkeit. Trockenheit des Halses und der Brust mit heftigem Husten, wie von Schwefeldämpfen. Kongestion zum Thorax. Angst mit Herzrasen und Druck. Zyanose der Lippen und der Extremitäten. Miliarausschlag. Juckende, sekretgefüllte Pusteln an den Extremitäten, mit rotem Hof. Juckende Bläschen auf dem rechten Handrücken. Jucken des ganzen Körpers (v. a. abends im Bett). Unerträgliche Hitze im Kopf. Schwindel beim Bücken und Aufstehen. Gesichtslähmung. Rasch betrunken durch wenig Alkohol. Zucken der inneren Canthi. Sieht Lichtblitze beim Husten oder Niesen. Trigeminusneuralgie. Rigidität der Armmuskulatur.
Malandrinum
Impffolgen. Prophylaxe #MalandrinumImpfnebenwirkungengegen Infektion mit Pocken und Kuhpocken. Verhindert das Angehen der Pockenimpfung. Folgen von Pockenimpfung. Trockene, raue Haut nach der Impfung. Impetigo (Hinterkopf, Rücken, Gesäß, Labien, Unterarme). Rote Streifen unter den Augen. Pustula maligna. Gelblicher, faulig riechender Durchfall.
Silicea
Gefühl eines Splitters im #SiliceaImpfnebenwirkungenFinger; einer Nadel im Hals. Eiterung und Schwellung aller Lymphdrüsen. Jede Verletzung eitert und ulzeriert. Übel riechender Schweiß. Abneigung gegen die Muttermilch. Diarrhoe nach Impfung. Abszess. Ruhelosigkeit und Zappeligkeit. Haarausfall. Nasenbluten. Einseitige Zungenschwellung. Schwellung der Uvula. Erbrechen nach dem Trinken. Hartes heißes Abdomen, manchmal schmerzhaft bei Berührung. Schwellung der Leistenlymphknoten. Ödematöse Schwellung des Skrotums. Spätes Gehenlernen. Epileptische Konvulsionen nach Impfung. Lokomotorische Ataxie. Rückenmarksreizung, steifer Nacken. Lärmempfindlich und Angst durch Lärm. Unruhe und schlechte Laune, ausgehend von einer exzessiven nervösen Schwäche. Erschrecken bei leisen Geräuschen. Gedächtnisschwäche. Photophobie im hellen Tageslicht. Vorübergehende, plötzliche Blindheit. Dröhnen und Singen in den Ohren. Anosmie. Zahnschmerz durch heiße Speisen und kalte Luft. Die Zähne fühlen sich verlängert an. Lähmung der Uvula. Speisen rutschen beim Schlucken in die Choanen der Nase. Saurer Geschmack nach dem Essen. Schluckauf vor und nach dem Essen. Stuhl rutscht zurück. Stuhl bleibt lange im Rektum. Konstriktion des Anus während des Stuhlgangs. Bettnässen (nachts). Nackensteifigkeit mit Kopfschmerz. Rucken in den Extremitäten tagsüber und nachts. Schreibkrampf. Epileptische Anfälle. Sprechen im Schlaf. Somnambulismus.
Sulfur
Asthma. Ekzem. Rötung aller #SulfurImpfnebenwirkungenKörperöffnungen. Milch wird erbrochen. Abneigung, gewaschen zu werden. Heißer Kopf mit kalten Füßen. Blutwallungen zum Kopf. Haarausfall mit Trockenheit der Haare. Injektion der Gefäße der Konjunktiven. Reichlicher Tränenfluss (v. a. an der frischen Luft). Rote, leuchtende Nasenspitze. Rötung und Schwellung der Lippen. Trockenheit des Gaumens mit viel Durst. Abhäutung der Mundschleimhaut. Schmerz, Schwellung und Entzündung der Zunge. Stiche im Hals beim Schlucken. Pflockgefühl im Hals, mit verbranntem (rauchigem) Geschmack. Kälte- oder Hitzegefühl im Magen. Stinkender Schweiß an den Genitalien. Thoraxschmerzen wie wund. Kribbeln und Kitzeln im Larynx mit Neigung zu Husten. Kälte im Hals beim Einatmen. Patient fühlt sich wie erstickt, möchte Türen und Fenster weit offen haben. Schwellung der Hände und Daumen. Brennende Empfindung der Fußsohlen. Innerliches Zittern. Ausschläge nach Impfung. Schmerzhaftigkeit der Kopfhaut bei Berührung. Schwerhörig für die menschliche Stimme. Trigeminusneuralgie. Große Empfindlichkeit der Zähne. Bitterer Geschmack im Mund mit Dumpfheit des Kopfes und schlechter Laune. Stuhlgang mit Empfindung, als würde etwas zurückbleiben. Kind kann den Kopf nicht halten, weil die Halsmuskeln zu schwach sind. Extremitäten schlafen leicht ein. Zitternde Hände bei feinen Arbeiten. Epileptische Konvulsionen durch Schreck mit einem Gefühl, als würde eine Maus den Arm hinauflaufen. Sprechen und Singen im Schlaf. Lamentieren und Stöhnen im Schlaf. Arme über dem Kopf im Schlaf.
Thuja
Die Bedeutung von Thuja als#ThujaImpfnebenwirkungen interkurrentes Medikament bei Patienten, die in ihrer Kindheit gegen Pocken geimpft wurden, ist nicht zu unterschätzen. Der standardisierte Einsatz von Thuja nach jeglicher Impfung (auch gegen andere Erkrankungen), um Nebenwirkungen zu reduzieren, lässt sich homöopathisch nicht begründen.
Symptome: Asthma. Präventiv und kurativ bei Pocken. Mammatumoren nach Impfung. Schuppiger, rundfleckiger Hautausschlag. Schwellung der Schläfenvenen. Brennender Ausschlag auf den Lidern. Empfindung von Hitze und Trockenheit in den äußeren Augenwinkeln. Trockenheitsempfindung in den Augen. Rote und heiße Nase. Häufiges Nasenbluten (v. a. nach Überhitzung). Hitze und Rötung des Gesichts. mit feinen Venennetzen (wie marmoriert). Ödematös gedunsenes Gesicht. Schmerzhaftes Schlucken. Unruhe und Schwellungsempfindung im Thorax. Sichtbares Herzklopfen. Reichlicher Achselschweiß. Geschwollene Handvenen. Neuralgien nach Pockenimpfung. Augenlider schwer wie Blei. Sieht grüne/fließende Streifen. Musik lässt den Patienten weinen, mit Zittern der Füße. Verwendet beim Lesen und Schreiben falsche Ausdrücke. Fischlakengeruch in der Nase oder Geruch wie von gärendem Bier. Zahnschmerz nach Teetrinken. Langsames Sprechen. Inaktivität der Eingeweide. Blase und Rektum fühlen sich gelähmt an, keine Kraft zur Ausscheidung. Parese und Atrophie eines Beins. Leichtigkeitsempfindung des Körpers beim Gehen. Taubwerden der Extremitäten (v. a. nachts).

Differenzierte Impfschemata und deren Anwendung in der Praxis

Martin Hirte
ImpfschemataIn keinem anderen europäischen Land wird so viel und so früh geimpft wie in Deutschland. Die Ständige Impfkommission (STIKO) beruft sich bei ihren Empfehlungen auf die Zulassungsstudien der Impfstoffhersteller, ohne Nutzen und Risiken umfassend abzuwägen. Dadurch sind die Impfempfehlungen in verfassungswidriger Weise unvollständig. Auf ihrer Grundlage ist weder für den Arzt, der auch über seltene schwere Impfnebenwirkung aufklären muss, eine ordnungsgemäße Impfaufklärung möglich, noch können der Impfling oder seine Eltern eine informierte Entscheidung treffen.
Dennoch sind die STIKO-Empfehlungen nach einem Urteil des Bundesgerichtshofes „medizinischer Standard“. Dies verpflichtet Ärztinnen und Ärzte, über alle öffentlich empfohlenen Impfungen umfassend – in mündlicher oder schriftlicher Form – aufzuklären. Dazu gehört auch die Aufklärung über die bekannten schweren Risiken, sollten sie auch noch so gering sein. Allerdings muss kein Arzt gegen seine eigene Überzeugung beraten. Empfiehlt er ein Impfvorgehen, das von den STIKO-Empfehlungen abweicht, sollte er es aber im Zweifelsfall gut begründen können.

STIKO-Empfehlungen versus individuelle Impfentscheidung

Angesichts der inflationären Impfempfehlungen sind viele Eltern kritisch geworden. Nach einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sind 36 % der Eltern in Deutschland skeptisch gegenüber Impfungen im Kindesalter und haben sich zumindest gegen einzelne Impfungen entschieden. Wünschen Eltern ein Abweichen von den öffentlichen Impfempfehlungen, so sollte der Arzt dies dokumentieren und es sich möglichst schriftlich von den Eltern bestätigen lassen. Ausreichend ist z. B. folgender Wortlaut: „Ich/Wir sind über die Impfempfehlungen der STIKO aufgeklärt worden, möchten aber nicht, dass mein/unser Kind danach geimpft wird“.
Durch die auf dem Markt befindlichen Impfstoffe gibt es zahlreiche Möglichkeiten, individuelle Impfwünsche zu erfüllen. Ratsam dabei sind Impfstoffe mit möglichst niedrigem Aluminiumgehalt: Das Adjuvans ist neurotoxisch und kann möglicherweise allergische und autoimmune Erkrankungen triggern.

Impfstoffe

ImpfstoffeIm Folgenden sind (Stand 2015) Einzel- und Kombinationsimpfstoffe aufgeführt (Tab. 28.5), ebenso Impfstoffe, die erst nach dem dritten Lebensjahr eingesetzt werden dürfen (Tab. 28.6). Über den Aluminiumgehalt der Kombinationsarzneimittel informiert Tab. 28.7 (D = Deutschland, A = Österreich, CH = Schweiz. Alle Tabellen in Anlehnung an: Hirte M. 2015).

Gehalt an Aluminium-Ion (Al3+) in ImpfstoffenImpfstoffeAluminiom-Ion, Gehalt

Tab. 28.8
Impfstoffe Aluminiumgehalt
ActHib (D, A), Hiberix (CH), IPV-Mérieux (D), Nimenrix (D, A), Menveo, Polio Salk Mérieux (A), Poliorix (CH) 0,0 mg
Meningitec 0,125 mg
Prevenar 13 0,13 mg
Engerix B Kinder 0,25 mg
Pentavac, Td-rix 0,3 mg
Covaxis (D), Menjugate Kit, Repevax, Triaxis (A) 0,33 mg
Revaxis 0,35 mg
Boostrix, Boostrix-Polio, Bexsero, Infanrix, Infanrix-IPV-Hib, Neisvac C, Synflorix, Td-pur, TdaP-IMMUN, Tetanol pur 0,5 mg
Hexyon (D), Hexacima (A) 0,6 mg
Infanrix Hexa 0,8 mg
DT-Impfstoff für Kinder (CH), Tetanus-Impfstoff Mérieux (D, A) 1,25 mg
  • Keine Impfung.

  • Einzelimpfstoffe.

  • Drei-, Vier-, Fünf- oder Sechsfachimpstoffe.

  • Kombi-Impfstoffe ohne Zulassung vor dem 6. Lebensjahr.

Vorgehensweise

Im Wesentlichen gibt es beim Impfen vier mögliche Vorgehensweisen:
Keine Impfung
Eltern nehmen durch den Verzicht auf empfohlene Impfungen das Risiko der Erkrankung und damit eventuell verbundener Komplikationen für ihr Kind in Kauf. Das erfordert eine eingehende Aufklärung im Rahmen des Impfberatungsgespräches.
Einzelimpfstoffe
Einzelimpfstoffe mit Zulassung ab dem Säuglingsalter sind Tetanus, Polio, HiB, Hepatitis B, Pneumokokken. Ein Einzelimpfstoff gegen Keuchhusten ist nicht verfügbar.
Drei-, Fünf- oder Sechsfachimpfstoffe
In Tab. 28.6 sind Mehrfachimpfstoffe aufgeführt, die für das Säuglings- und Kleinkindalter zugelassen sind. In Deutschland und der Schweiz sind für die Grundimmunisierung vier Impfungen empfohlen (Lebensmonat 2, 3, 4 und 11–14 in Deutschland bzw. 15–24 in der Schweiz). In Österreich wurde bereits auf schonendere, aber ebenso wirksame Schema mit drei Impfungen umgestellt (Lebensmonate 2, 4 und 11):
  • Dreifachimpfstoff Infanrix (Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten).

  • Vierfachimpfstoff gegen Tetanus, Diphtherie, Polio und Keuchhusten ist nicht mehr lieferbar.

    • Alternativ: Impfung mit Infanrix (Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten) und IPV Mérieux (Polio).

    • Alternativen ohne offizielle Zulassung („off-label“): TdPolio-Keuchhusten-Impfstoffe Repevax oder Boostrix Polio; Pentavac-Impfstoff ohne die Hib-Komponente, die aus einem extra Fläschchen zuzumischen wäre.

  • Fünffachimpfstoffe (Tetanus/Diphtherie/Keuchhusten/HiB/Polio). Offizielle Impfempfehlung in der Schweiz. Sechsfachimpfstoffe (Tetanus/Diphtherie/Keuchhusten/HiB/Polio/Hepatitis B) – offizielle Impfempfehlung in Deutschland und Österreich.

Eine Auffrischungsimpfung gegen Tetanus, Diphtherie und Keuchhusten ist mit Schulbeginn empfohlen, eine weitere Auffrischung zusätzlich auch gegen Polio (mit 9–17 Jahren). Erwachsene sollen sich in Deutschland und Österreich immer noch alle zehn Jahre gegen Tetanus und Diphtherie auffrischen lassen. In anderen Ländern ist das seltener (Schweiz) oder gar nicht mehr empfohlen (Schweden, Großbritannien). Ausreichend ist eine Auffrischung bei Tetanus- bzw. Diphtherietitern unter 0,1 IE/ml.
Kombinationsimpfstoffe ohne Zulassung vor dem 6. Lebensjahr
Td-rix oder Revaxis sind Off-label-Alternativen, wenn gegen Tetanus und Diphtherie, nicht aber gegen Keuchhusten geimpft werden soll. Die Impfstoffe sind niedriger dosiert als die Säuglingsimpfstoffe, Studien mit Kleinkindern liegen nicht vor. Wenn die Eltern die Anwendung dieser Impfstoffe wünschen, handeln sie auf eigene Verantwortung, sofern sich der Arzt durch ihre Unterschrift von seiner Verantwortung entbinden lässt. Im (wenig wahrscheinlichen) Fall eines bleibenden Impfschadens könnte die Haftung des Staates entfallen.
Zur Grundimmunisierung mit Td-rix oder Revaxis empfehlen sich ab dem ersten Geburtstag zwei Impfungen im Abstand von 4–8 Wochen, eine dritte Impfung nach 6–12 Monaten. Bei Impfbeginn vor dem ersten Geburtstag sollten abschließend die Tetanus- und Diphtherie-Antikörper überprüft werden. Erfahrungsgemäß ist bei etwa 10 % eine 4. Impfung notwendig.

Impfung gegen Keuchhusten

ImpfungKeuchhustenKeuchhusten, ImpfungHauptproblem des Keuchhustens sind die Erkrankungen von Säuglingen in den ersten 3–4 Lebensmonaten, mit einer Sterblichkeit von 1: 1 000–10 000. Auch geimpfte Kontaktpersonen können den Keuchhusten auf einen Säugling übertragen, denn die Impfwirkung ist unzuverlässig und kurz, und der Herdenschutz lässt zu wünschen übrig. Dennoch hat die Impfung die Erkrankungswahrscheinlichkeit im Kindesalter gesenkt und zu einem Rückgang der Krankheits- und Todesfälle im Säuglingsalter geführt. Der Keuchhusten wurde jedoch in höhere Lebensalter verschoben und tritt in vielen Ländern wieder gehäuft auf.
Obwohl mehr als 5 000 Kontaktpersonen geimpft werden müssen, um einen Keuchhustenfall bei einem Säugling zu verhindern und sogar 1–12 Millionen (!) zur Verhinderung eines Todesfalls, ist die Impfung von Kontaktpersonen junger Säuglinge offiziell empfohlen.
Die Keuchhustenimpfung ist nur mit einem Kombinationsimpfstoff möglich. Zu erwägen ist sie v. a. bei Risikokindern mit chronischen Atemwegserkrankungen, Herzfehlern und anderen schweren Grundleiden. Probleme kann es auch bei Berufstätigkeit beider Eltern geben, denn die Kinder dürfen wegen der Ansteckungsfähigkeit bis zu drei Wochen nach Beginn des Keuchhustens keine Gemeinschaftseinrichtung besuchen.

Impfung gegen Hepatitis B

HepatitisBImpfungHepatitis BDeutschland ist ein Niedrigrisiko-Gebiet für Hepatitis B. Neuerkrankungen gibt es v. a. in bestimmten Risikogruppen wie Homosexuellen, Drogenabhängigen, Prostituierten, Patienten mit häufigem Bedarf an Plasmaprodukten und Personen, die beruflich Kontakt mit Blut oder Blutprodukten haben. Ein leicht erhöhtes Ansteckungsrisiko haben Familienangehörige von Virusträgern.
Obwohl Kinder seit dem Hepatitis-B-Screening in der Schwangerschaft so gut wie keiner Infektionsgefahr mehr ausgesetzt sind, empfiehlt die STIKO die Impfung ab dem 3. Lebensmonat für alle Säuglinge. Hintergrund ist der von der WHO geforderte Aufbau eines Herdenschutzes. Ein ethisches Problem der Impfempfehlung für Säuglinge ergibt sich aus den Nebenwirkungen der Hepatitis B-Impfung: Sie wird mit seltenen, aber schwerwiegenden autoimmunen und neurologischen Impfreaktionen in Zusammenhang gebracht.

Impfungen gegen bakterielle Meningitis

ImpfungMeningitisMeningitisImpfungIn Deutschland, Österreich und der Schweiz sind drei Impfungen empfohlen, mit denen schwere bakterielle Erkrankungen wie Sepsis oder Meningitis verhindert werden sollen. Sie richten sich gegen die drei Bakterien Haemophilus influenzae B (HiB), Pneumokokken und Meningokokken C. Haupterkrankungsalter sind die ersten beiden Lebensjahre.
Ein erhöhtes Risiko für schwere bakterielle Infektionen haben Frühgeborene und Kinder mit Erkrankungen des Immunsystems. Weitere bekannte Risikofaktoren sind Passivrauchen und routinemäßige medikamentöse Fiebersenkung. Einen guten Schutz vermittelt die Ernährung mit Muttermilch in den ersten Lebensmonaten.
Haemophilus Influenzae B (HiB)
Die HiB-Impfung ist sehr effektiv und hat das Erkrankungsrisiko auch der ungeimpften Kinder durch einen robusten Herdenschutz stark verringert. Für ungeimpfte Kleinkinder liegt das Risiko eines bleibenden Schadens durch eine HiB-Infektion rechnerisch bei etwa 1: 150 000, bei gestillten Kindern deutlich niedriger. Die Impfung kann mit Fünf- und Sechsfachimpfstoffen erfolgen oder mit dem Einzelimpfstoff Act-Hib, der ein individuelles Vorgehen ermöglicht.
Verschiebt man die Hib-Impfung vom 3. Lebensmonat, zu der sie empfohlen ist, auf das Alter von einem Jahr, dann wird schon mit einer einmaligen Impfung ein guter und anhaltender Schutz erzeugt. Die HiB-Impfung führt allerdings zu einer leichten Zunahme des Risikos für Asthma bronchiale und steht auch unter Verdacht, zur Zunahme des infantilen Diabetes beizutragen. Bei familiärer Diabetesdisposition ist daher Zurückhaltung anzuraten.
Pneumokokken
In Deutschland kommt es jährlich zu über 400 invasiven Pneumokokken-Erkrankungen im Kindesalter, darunter 150 Menigitiden. Etwa 10 Kinder sterben, bei 35 kommt es zu Folgeschäden. Seit 2006 ist in den deutschsprachigen Ländern für alle Säuglinge die Impfung gegen Pneumokokken empfohlen. Derzeit sind zwei Impfstoffe auf dem Markt: Prevenar 13 gegen dreizehn und Synflorix gegen zehn Erregertypen. Synflorix enthält fünfmal so viel Aluminium wie Prevenar 13.
Da es über 90 verschiedene Pneumokokken-Stämme gibt, ist die Schutzwirkung der Impfstoffe beschränkt. Innerhalb weniger Jahre kommt es zu einem kompletten Serotype Replacement. Deutsche Infektiologen beziffern zwar den Rückgang invasiver Pneumokokkenerkrankungen nach Einführung der Impfung auf über 35 %. Die Zahlen stammen jedoch nicht aus einem verlässlichen Meldesystem und beruhen teilweise auf einem Abwärtstrend, der schon vor Einführung der Impfung zu verzeichnen war. Nicht berücksichtigt sind zudem Erkrankungen durch andere pathogene Keime wie Staphylokokken oder Meningokokken, die bei geimpften Kindern vermehrt nachgewiesen werden. Die zur Verhinderung eines Todesfalls notwendige Anzahl an Impfungen dürfte 1 Million übersteigen.

Die Pneumokokkenimpfung wird nicht von jedem Kind gut vertragen. Von 2001 bis 2014 gab es über 1 800 Verdachtsmeldungen teilweise schwerer Impfreaktionen, darunter 74 Todesfälle.

Die Impfung ist auch mit einem Drei-Dosen-Schema wirksam, wie es in Österreich und der Schweiz empfohlen ist: zweimal im ersten Lebensjahr und einmal im zweiten Lebensjahr. Nach dem ersten Geburtstag ist eine einzige Impfung ausreichend. Andere Impfstoffe sollten besser nicht zeitgleich verabreicht werden.
Meningokokken
Die Hälfte der jährlich 400–500 Meningokokken-Erkrankungen betrifft Kinder unter 15 Jahren. Ein eindeutiger Risikofaktor ist Tabakrauch. Aus ungeklärten Gründen geht die Zahl der Meningokokken-Erkrankungen seit Jahren kontinuierlich zurück – zwischen 2004 und 2014 auf etwa die Hälfte.
Ein Großteil der Erkrankungen in Mitteleuropa wird durch die Serogruppe B verursacht. Ein Impfstoff gegen diese Gruppe wurde vor kurzem in der EU zugelassen, ist aber derzeit (2015) wegen ungeklärter Fragen bezüglich Wirksamkeit und Sicherheit – außer in Österreich, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern – noch nicht empfohlen.
Die Impfkommissionen in Deutschland, Österreich und der Schweiz raten zur Impfung gegen Meningokokken C bei allen Kinder ab dem ersten Geburtstag. Die Gruppe C verursacht in Deutschland etwa 20 % der Meningokokken-Erkrankungen mit jährlich 3–5 tödlichen Verläufen im Kindesalter. Die Meningokokken-C-Impfung vermittelt zwar einen über 90-prozentigen Sofortschutz, lässt aber rasch in der Wirkung nach. Bei Kleinkindern ist bereits im zweiten Jahr nach der Impfung die Wirkung unsicher, bei größeren Kindern und Jugendlichen nach fünf Jahren. Der Prozentsatz der Gruppe-C-Erkrankungen hat sich daher in den letzten Jahren kaum geändert.
Jeder zweite Säugling und jedes fünfte Kleinkind reagiert auf die Impfung mit Unruhe und Reizbarkeit. Besorgniserregende Meldungen betreffen neurologische Impffolgen wie Ataxie, Hirnnervenlähmung, Guillain-Barré-Syndrom und Krampfanfälle. Bei der Impfentscheidung stellt sich die Frage, wie sinnvoll es ist, Kinder vor einem äußerst geringen Krankheitsrisiko mit einer Maßnahme schützen zu wollen, die selber nicht frei von Risiken und von kurzer Wirkdauer ist.

Impfung gegen Rotaviren

ImpfungRotavirenRotaviren sind die weltweit häufigsten Erreger von Durchfallerkrankungen im Kindesalter. Bis zum 5. Lebensjahr erleidet jedes Kind in Deutschland mindestens eine Infektion. Eins von 50 erkrankten Kindern muss stationär behandelt werden.
Die deutschen und österreichischen Behörden empfehlen die Impfung aller Säuglinge ab der 7. Lebenswoche mit einem oralen Lebendimpfstoff. Rotarix muss zweimal, RotaTeq dreimal verabreicht werden, wobei die erste Dosis spätestens im Alter von 12 Wochen, die letzte Dosis spätestens mit 24 (Rotarix) bzw. 32 Wochen (RotaTeq) verabreicht werden soll. Die Impfung hat eine nachgewiesene Wirksamkeit, die jedoch durch sekundäres Impfversagen und Serotype Replacement eingeschränkt ist. In Europa liegen die Kosten eines Impfprogramms für alle Säuglinge weit über den geschätzten Behandlungskosten aller Rotavirusinfektionen.
Bei gestillten Kindern werden die Impfviren teilweise durch Antikörper in der Muttermilch neutralisiert. Dieselben Antikörper schützen gestillte Säuglinge auch vor der Infektion mit dem Wildvirus.
Häufige Nebenwirkungen sind Bauchschmerzen, Durchfall, Erbrechen und Fieber. Beide Impfstoffe fallen zudem durch die Meldung schwerer und teilweise lebensbedrohlicher Nebenwirkungen wie Krampfanfälle, Darminvagination und Kawasaki-Syndrom auf. In Frankreich wurde 2015 die Impfempfehlung wegen mehrerer Todesfälle durch Invagination ausgesetzt.

Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln

ImpfungMasern, Mumps, RötelnDurch die hohe Rate an geimpften Kindern sind die Masern selten geworden. In Deutschland gibt es jährlich nur noch 500–2 000 Fälle. Dadurch hat sich die Immunität in der Bevölkerung verschlechtert: Erwachsene haben oft keine Masern mehr gehabt, und viele, die in der frühen Kindheit geimpft wurden, haben ihren Schutz wieder verloren. Auch die Säuglinge geimpfter Mütter haben keinen zuverlässigen Nestschutz mehr. Bei den Masernausbrüchen der letzten Jahre waren daher mindestens ⅓ der Erkrankten Säuglinge und Erwachsene. Gerade sie sind besonders von Komplikationen bedroht. Ein an Masern erkranktes Kind stellt daher für die Umgebung mehr als früher eine Gefahr dar.
Wenn Eltern ihr Kind nicht gegen Masern impfen lassen wollen, sollten sie zumindest sicher sein, dass sie selber immun sind (evtl. Bluttest auf Antikörper); ein Säugling im Haus sollte Anlass für besondere Wachsamkeit oder für die Impfung der älteren Geschwister sein.
Die Impfung ist empfohlen ab dem 12. Lebensmonat in Kombination mit der Impfung gegen Mumps, Röteln und (außer in der Schweiz) Windpocken. Der frühe Impftermin führt jedoch bei mindestens 5 % zu sekundärem Impfversagen. Die Impfung wirkt nachhaltiger ab dem Alter von 15 bis 18 Monaten. Möglich ist die Impfung auch mit den Einzelimpfstoffen Masernimpfstoff Mérieux (D) bzw. Measles Vaccine (CH). Empfohlen ist eine Zweitimpfung im selben Lebensjahr. Alternativ können sechs bis acht Wochen nach der ersten Impfung die Antikörper überprüft werden.
Mumps- und Rötelnimpfstoffe gibt es nur noch in der Kombination mit dem Masernimpfstoff (MMR oder MMRV). Die Mumpsimpfung bei Kleinkindern führt allerdings zu häufigem Impfversagen im Erwachsenenalter. Vielerorts kommt es inzwischen zu Mumpsepidemien unter geimpften jungen Erwachsenen, mit den bekannten Hodenkomplikationen bei Männern. Der Schutz Erwachsener vor Mumps ist verlässlicher, wenn erst kurz vor Beginn der Pubertät geimpft wird. Bei Mädchen verringert eine Mumpserkrankung das Risiko, im späteren Leben an Eierstockkrebs zu erkranken. Die Mumpsimpfung vermittelt diesen Schutz nicht. Auch hier lohnt ein Verschieben der Impfung bis zum Zeitpunkt der Rötelnimpfung vor der Pubertät.

Erwachsene Frauen sollten wegen der Gefahr der Rötelnembryopathie einen Schutz vor Röteln haben. Ausreichend ist laut WHO eine einmalige Impfung zum Zeitpunkt der Pubertät.

Impfung gegen Windpocken

ImpfungWindpockenWindpockenImpfungDie Durchseuchung mit VZV (Varicella-Zoster-Virus) durch Windpocken im Kindesalter war bis vor wenigen Jahren nahezu komplett, und damit auch der Schutz vor der Erkrankung im Erwachsenenalter, die schwere Komplikationen verursachen kann. Bei Kindern sind schwere Verläufe äußerst selten.
Dennoch empfehlen die Behörden in Deutschland und Österreich die Impfung gegen Windpocken ab dem 12. Lebensmonat zusammen mit der MMR-Impfung – eine Empfehlung, die nach wie vor sehr umstritten ist. Die Impfung hat auch bei zweimaliger Verabreichung ein über 50-prozentiges Risiko für sekundäres Impfversagen. Dadurch steigt das Erkrankungsalter und mit ihm die Gefahr von Komplikationen. Gerade Schwangere und Neugeborene sind dadurch künftig mehr gefährdet. Folge des Impfprogramms ist auch die Zunahme von Zostererkrankungen, denn Erwachsene, die bereits Windpocken hatten, werden infolge der abnehmenden Durchseuchung weniger zuverlässig geboostert.
Seltene, aber gravierende Nebenwirkungen der Impfung sind Enzephalitis, Krampfanfälle, Vaskulitis und allergischer Schock.
Da die Windpocken bei Erwachsenen zu schweren Komplikationen führen können und eine relevante Mortalität haben, ist eine Impfung zu erwägen, wenn bis zur Pubertät keine VZV-Immunität erworben wurde.

Impfung gegen Humane Papillomaviren (HPV)

ImpfungHumane Papillomaviren (HPV)Mit HPV infizieren sich nahezu 100 % aller sexuell aktiven Menschen. Die seltene chronische Infektion mit bestimmten Hochrisiko-HPV kann zu Zelldysplasien und Krebserkrankungen führen, insbesondere zum Zervixkarzinom. Dies wird begünstigt durch zusätzliche Faktoren wie Rauchen, häufigen Partnerwechsel mit ungeschütztem Geschlechtsverkehr, jahrelanges Einnehmen der Pille und mangelnde Genitalhygiene beim Geschlechtspartner.
Seit 2006 sind zwei Impfstoffe gegen die beiden häufigsten Hochrisiko-HPV zugelassen und öffentlich empfohlen, Gardasil und Cervarix. 2015 kam mit Gardasil 9 ein höhervalenter Impfstoff der zweiten Generation auf den Markt. Die Impfung ist empfohlen in Deutschland für alle 9- bis 14-jährigen Mädchen, in Österreich für alle 9- bis 12-jährigen Buben und Mädchen, in der Schweiz für alle 11- bis 14-jährigen Buben und Mädchen.
Die HPV-Impfung verringert das Risiko von Dysplasien, es fehlt jedoch bislang der Beweis für die Verhinderung von Krebserkrankungen. Auch Geimpfte sollten daher die Krebsfrüherkennungsuntersuchung in Anspruch nehmen. Ungeklärte Fragen sind Umfang und Dauer des Impfschutzes und das mögliche Replacement durch andere Virustypen. Nach Schätzungen müssen zur Verhinderung eines Zervixkarzinoms zigtausende Mädchen geimpft werden.
Eine systematische Untersuchung der Impfstoffsicherheit fand bisher nicht statt. Besorgniserregend sind Berichte über mögliche Nebenwirkungen wie allergischer Schock, Lungenembolien, das chronische regionale Schmerzsyndrom (CRPS) und die Auslösung von Autoimmunerkrankungen. Eine bedeutsame Nebenwirkung der HPV-Impfung sind auch die immensen Kosten. Sie führen zu einer Abschöpfung von Ressourcen, die für andere wichtige Aufgaben fehlen.
Ein gesunder Lebensstil trägt zur Verhütung jeglicher Krebserkrankung bei: Gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung und der Verzicht auf Tabakprodukte, Drogen und Alkoholexzesse. Die Teilnahme an der Krebsfrüherkennungsuntersuchung und die chirurgische Therapie entdeckter Dysplasien verringert das Risiko, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken um über 90 %. Die organisatorische und technische Optimierung der Krebsfrüherkennung hätte also einen sofortigen konkreten Nutzen und nicht wie die HPV-Impfung eine spekulative Wirksamkeit in ferner Zukunft.

Impfung gegen FSME

ImpfungFSMEZecken, die FSME übertragen, kommen nur in bestimmten Gebieten vor. Hochrisikogebiete liegen in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz. In Deutschland werden jährlich 200 bis 400 FSME-Fälle gemeldet. Schwere Verläufe oder gar Todesfälle sind sehr selten und betreffen eher ältere Menschen. Bei Kindern und Jugendlichen verläuft die FSME nahezu ausnahmslos gutartig.
Die FSME-Impfung ist in Deutschland und der Schweiz für Bewohner von Risikogebieten empfohlen, in Österreich für die gesamte Bevölkerung. Die Impfung reduziert das Krankheitsrisiko, jedoch müssen rechnerisch viele Hunderttausend Personen geimpft werden, um einen tödlich verlaufenden Krankheitsfall zu verhindern.
Demgegenüber stehen mögliche schwere Nebenwirkungen aus dem allergischen oder autoimmunen Formenkreis, die auch fatal verlaufen können. Verlässliche Risikoberechnungen für Impfschäden verglichen mit Folgeschäden durch FSME-Erkrankungen wurden bisher nicht durchgeführt.
Die Impfung kommt in erster Linie infrage für besonders gefährdete Personen in Hochrisikogebieten, etwa für Gärtner, Waldarbeiter oder Landwirte. Bei Urlaubern in FSME-Risikogebieten dürfte das Impfrisiko über dem Erkrankungsrisiko liegen.

Impfung gegen Influenza

InfluenzaImpfungImpfungInfluenzaMehr als 90 % aller mit Influenza zusammenhängenden Komplikationen und Todesfälle ereignen sich bei über 65-Jährigen. Bei Kindern und gesunden Erwachsenen sind Komplikationen eine Rarität. Die Gabe von Antipyretika begünstigt schwere Verläufe.
In den deutschsprachigen Ländern ist die jährliche Grippeimpfung empfohlen für ältere Menschen, Schwangere, Patienten mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung, Personen mit erhöhtem Ansteckungsrisiko sowie Multiplikatoren (z. B. Kinder-, Kranken- und Altenpfleger). Die Ausdehnung der Impfempfehlung auf alle Kinder ist in Vorbereitung.
Das Fehlen eines Überwachungssystems, die schlechte Qualität der Impfstudien und der starke kommerzielle Einfluss auf die Forschung nähren Zweifel an der Wirksamkeit des Impfprogramms. Die Cochrane Collaboration fordert unabhängige placebokontrollierte Impfstudien, um eine belastbare Entscheidungsgrundlage für Impfempfehlungen zu schaffen. Sie empfiehlt als Schutz vor der Übertragung von Influenzaviren das regelmäßige Händewaschen.

Die Sicherheit der Influenzaimpfstoffe ist ebenso schlecht untersucht wie die Wirksamkeit.

Bekannte Risiken der Influenzaimpfung sind anaphylaktische Reaktionen und Autoimmunerkrankungen, insbesondere im neurologischen Bereich (Guillain-Barré-Syndrom, Enzephalitis, Narkolepsie).

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