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B978-3-437-56353-9.00016-5

10.1016/B978-3-437-56353-9.00016-5

978-3-437-56353-9

Geschlechtsorgane des Mannes

Ulrich Zenker

  • 16.1

    Erkrankungen des Penis und der Harnröhre362

    • 16.1.1

      Balanitis, Posthitis362

    • 16.1.2

      Condylomata acuminata364

    • 16.1.3

      Urethritis367

  • 16.2

    Erkrankungen des Hodens und des Nebenhodens370

    • 16.2.1

      Orchitis, Epididymitis370

    • 16.2.2

      Lageanomalien des Hodens374

  • 16.3

    Erkrankungen der Prostata375

    • 16.3.1

      Prostatitis375

    • 16.3.2

      Benignes Prostatasyndrom (BPS)380

Erkrankungen des Penis und der Harnröhre

Balanitis, Posthitis

Posthitis Balanitis

Definition: Entzündung der Eichel (Balanitis) und/oder der Vorhaut (Posthitis) infolge von i. d. R. Bakterien oder Pilzen. Prädisponierende Faktoren: Phimose, mangelnde Hygiene, Immunschwäche.

Symptomatik: Rötung, Überwärmung, Schmerz, Schwellung. Evtl. übel riechender Ausfluss.

Therapeutische Strategie
Oft ist vom Beginn der Symptome bis zum Arztbesuch schon einige Zeit verstrichen. Der Patient ist häufig beunruhigt und hat evtl. die Befürchtung, dass es sich um ein Peniskarzinom oder eine Geschlechtserkrankung handelt. In diesem Fall ist es zunächst wichtig, den Patienten zu beruhigen und ihm die Angst zu nehmen.
Bei chronischen Balanoposthitiden, die auch über Jahre bestehen können, sollte eine fachärztlich urologische und internistische Abklärung erfolgen, da auch Präkanzerosen das Bild einer Balanitis imitieren können.
Homöopathische Behandlung
Im Akutfall handelt es sich im homöopathischen Sinn oft um einseitige Krankheiten, d. h., es liegen außer dem Lokalbefund keine weiteren Symptome vor. Die Verordnung kann also häufig nur aufgrund der vorliegenden Lokalsymptome geschehen. Bei chronischen Balanoposthitiden sollten neben den Lokalsymptomen auch die Allgemeinsymptome und sonderlichen Symptome des Patienten zur Verschreibung berücksichtigt werden (i. S. einer homöopathischen Konstitutionstherapie, 4.3).
Bei richtiger Mittelwahl ist nach 24 Stunden eine eindeutige Befundbesserung zu verzeichnen, Schmerzen und Schwellung sind i. d. R. bereits deutlich besser. In den nachfolgenden zwei bis drei Tagen heilt die Infektion dann vollständig ab.
Wahl der Symptome
  • SymptomenwahlBalanithis/PosthitisAuffällige und eigenheitliche Symptome (vgl. Organon, § 153) ergeben sich durch genaue Betrachtung der Effloreszenzen (Pickel, Krusten, Bläschen, Geschwüre, Rhagaden u. a.) sowie evtl. der begleitenden Absonderungen (Feuchtigkeit, Schweiß, Eiterung, vermehrt Smegma u. a.) oder evtl. aufgrund des Geruchs.

  • Mitunter bestehen eigentümliche Empfindungen wie Juckreiz, Kribbeln oder Pulsieren.

  • Schmerz (im Allgemeinen) und Rötung sind übliche Entzündungszeichen und keine Symptome nach „Organon“, § 153. Die Rubriken dazu werden zur Mittelfindung daher nicht in die engere Wahl gezogen.

Miasmatische Zuordnung
Die Schwellung der Vorhaut ist ein sykotisches Symptom.
Repertorium
RepertorisationBalanithis/PosthitisDie diagnosebezogene Rubrik mit Unterrubriken zu Balanitiden und Posthitiden findet sich im Kapitel „Männliche Genitalien“ (Synthesis) bzw. „Maskulin“ (Complete Repertory). Zu berücksichtigen sind kleinere Rubriken mit Hinweisen zu Modalitäten oder Lokalisationen.
Erkrankungsrelevante Hauptsymptome im Kapitel „Männliche Genitalien“ sind die Veränderungen der Glans penis und der Vorhaut. Schwellung ist bei „Männliche Genitalien“ unter Schwellung – Penis – Eichel/ Skrotum zu finden, die Schmerz- und evtl. die Ausflusscharakteristik im Kapitel Harnröhre – Absonderung (16.1.3, Urethritis).

Diagnosebezogene Rubrik

Männliche Genitalien – Entzündung // Penis (79 AM) // Entzündung – Penis – Glans, Balanitis // Entzündung – Penis – Vorhaut, Balanitis

Modalitäten oder Lokalisationen

Entzündung – Penis //Bettwärme agg. // gonorrhoisch // kaltes Wasser agg.
Entzündung – Penis – Glans, Balanitis //gonorrhoisch
Entzündung – Penis – Vorhaut, Balanitis // erysipelatös // Frenulum // Innenfläche

Hautsymptome

Männliche Genitalien – Hautausschläge // Penis – Eichel – Bläschen/glänzende rote Punkte // Penis – Vorhaut – Bläschenherpetisch schuppig abblätternd
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Wenn trotz gut gewählter Mittel die Krankheitssymptome nicht verschwinden, besteht mutmaßlich eine tiefer liegende Pathologie mit Ausleitung über die Haut. Eine präzise Erforschung aller Belastungen mithilfe einer kompletten homöopathischen Anamnese lässt die Krankheit oft unter einem anderen Aspekt erscheinen, sodass andere Mittel eingesetzt werden können, die das gesamte Symptomenbild einschließen. Bei richtiger Verordnung tritt eine prompte, eindeutige Heilreaktion meist bereits innerhalb von 24 Stunden auf.
Prognose: In vielen akuten Fällen ist die homöopathische Therapie erfolgreich. Allerdings ist die Mittelfindung bei Symptomenarmut gelegentlich schwierig. Bei chronischen Balanoposthitiden kann, insbesondere, wenn es sich um eine Ausscheidungsreaktion des Organismus handelt, häufig eine längere Behandlung (mehrere Wochen, unter Umständen Monate) notwendig sein, bis sich die Symptome zurückbilden. Für den homöopathisch tätigen Arzt ist es wichtig, diesen Umstand zu erkennen und zum Wohle des Patienten auf dem gewählten Weg weiterzubehandeln.
Unterstützende Maßnahmen
Als begleitende Therapie zur homöopathischen Behandlung sind Penisbäder mit Kamillenextrakten oder Hautdesinifizienzien sinnvoll, insbesondere, wenn man sich über die Wirkung des homöopathischen Mittels nicht sicher ist.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Apis, Bell., Cinnb., Merc., Nit-ac.
!! Caust., Puls., Rhus-t., Sulph., Thuj.
! Ars., Cald., Canth., Cor-r., Jac-c.

  • Mercurius #Mercurius solubilisBalanithis/Posthitiskommt infrage, wenn Eiter unter der Vorhaut abgesondert wird. Die Haut von Eichel und Vorhaut ist erosiv aufgeschürft, oft bestehen brennende Bläschen, die sich unter Geschwürsbildung entleeren.

  • Ähnliche Erscheinungen finden sich bei Sulfur#SulfurBalanithis/Posthitis. Auffallend sind neben den Ulzerationen v. a. der Schweiß des Genitales sowie der Juckreiz der Glans penis.

  • Noch stärkere lokale Schweißbildung als bei Sulfur tritt bei Thuja #ThujaBalanithis/Posthitisauf; dieses Mittel hilft dann am besten, wenn noch weitere anamnestische Hinweise auf sykotische Belastung bestehen (z. B. Kondylome, Gonorrhoe etc.).

  • Cinnabaris#CinnabarisBalanithis/Posthitis (eine Quecksilberverbindung mit Schwefel) zeigt zum Teil Sulfur- und auch Mercurius-ähnliche Symptome: Eiterfluss, Bläschen, unter Umständen aber auch nur einen miliaren Hautausschlag, begleitet von Feuchtigkeit und Juckreiz.

Akutes Geschehen
  • Bei Belladonna #BelladonnaBalanithis/Posthitisfindet sich ein hochakuter lokaler Entzündungszustand mit deutlicher Rötung, Überwärmung und pulsierenden Schmerzen.

  • Apis #ApisBalanithis/Posthitiskommt (neben Arsenicum album, Pulsatilla und Rhus toxicodendron) bei akuter Balanitis in Betracht, v. a. wenn ein Ödem der Vorhaut mit erysipelähnlicher Rötung imponiert, das innerhalb von wenigen Stunden entstanden ist. Bestehen neben der Rötung auch schmerzhafte Ulzerationen, so ist dies ein Zeichen für Arsenicum album#Arsenicum albumBalanithis/Posthitis; die Verfärbung ist eher livide und dunkler als bei Apis.

Krustenbildung, Geschwüre
  • Krustenbildung ist ein Hinweis auf Nitricum acidum#Nitricum acidumBalanithis/Posthitis. Es treten vielfältige Effloreszenzen auf, häufig Bläschen und übel riechende Ulzera; die Schmerzen sind stechend, splitterartig, schneidend oder brennend und äußerst heftig.

  • Bei Krustenbildung ohne starke Schmerzen kommt Causticum#CausticumBalanithis/Posthitis infrage. Neben einer Rötung treten feine, weiche, leicht abzulösende Krusten, ähnlich Schuppen auf.

  • Geschwüre ohne Bläschen können auf Corallium rubrum #Corallium rubrumBalanithis/Posthitishindeuten, v. a. bei starker Schweißbildung im Genitalbereich. Die Ulzera sind schmerzhaft und bluten leicht.

  • Eine auffällige kräftige Rötung und Schwellung der Eichel deutet auf Caladium hin. Das zarte Relief der Vorhaut ist deutlich vergröbert und es besteht eine relative Phimose.

Begleiterkrankungen, weitere Besonderheiten
  • In Zusammenhang mit einem Reiter-Syndrom und Rheumatismus denke man besonders an Jacaranda caroba#Jacaranda caroba, Balanithis/Posthitis.

  • Pulsatilla#PulsatillaBalanithis/Posthitis ist das Mittel der Wahl bei Kindern mit subakuter Balanitis. Oft zeigen sich Allgemeinsymptome von Pulsatilla wie Weinerlichkeit und Verlangen nach Geborgenheit.

  • Rhus toxicodendron#Rhus toxicodendronBalanithis/Posthitis hilft am besten, wenn sich der Hautausschlag auf Skrotum und Oberschenkel ausbreitet, die Effloreszenzen sind fleckförmig, unter Umständen auch herpetisch mit nässenden schmerzhaften Bläschen.

Condylomata acuminata

Condyloma acuminatum

Definition: KondylomKondylom, FeigwarzenFeigwarzen. Erreger sind Subtypen des humanen PapillomavirusPapillomavirus, humanes (HPV)KondylomHPV s. Papillomavirus, humanes (HPV). Bevorzugte Lokalisationen: Vorhaut und Sulcus coronarius glandis (Kranzfurche).

Symptomatik: Nach 3–21 d zuerst Papel, dann blumenkohl- und hahnenkammartige, papilläre Wucherung.

Cave: Da es sich um eine Geschlechtserkrankung handelt, ist aus schulmedizinischer Sicht eine Partnerbehandlung obligatorisch.

Therapeutische Strategie
Die Erstmanifestation von KondylomenKondylom stellt oft eine lebensverändernde Situation dar. Die alleinige homöopathische Behandlung von Patient und Sexualpartner ist bei Erstdiagnosestellung daher eher unüblich.
Meistens werden erstmalig auftretende Kondylome chirurgisch, z. B. mit Laserung behandelt, was aus homöopathischer Sicht eine Unterdrückung darstellt.
Patienten mit rezidivierenden KondylomenKondylom haben oft viele erfolglose, schulmedizinische Therapieversuche hinter sich. Sie sind i. d. R. mit dem Charakter der Erkrankung vertraut und stehen einer homöopathischen Therapie aufgeschlossen gegenüber. Selbst die kosmetische Beeinträchtigung, die Kondylome mit sich bringen, wird hingenommen, wenn die Hoffnung auf dauerhafte Heilung besteht.
Bei entsprechend verantwortungsvollem Verhalten von Patient, Lebenspartner und Arzt ist dann die alleinige homöopathische Therapie auch über einen längeren Zeitraum gerechtfertigt und Erfolg versprechend.
Homöopathische Behandlung
Kondylome sind der lokale Ausdruck einer manifesten Sykosis. Es ist wichtig zu verstehen, dass der gesamte Organismus befallen ist und es nötig ist, die Gesamtheit der Symptome des Patienten zu erfassen. Immer findet man viele weitere sykotische Symptome (siehe Kapitel Sykosis), welche die Arzneifindung klar und deutlich machen. Bei der Repertorisation sollt man darauf achten, Symptome anderer Miasmen getrennt zu betrachten, da sonst die sykotische Arznei in der Gesamtheit der Symptome übersehen werden kann. Man sieht Heilungsverläufe innerhalb weniger Wochen bis mehrere Jahre.
Wahl der Symptome
Leider liegen nur selten auffällige und eigentümliche Lokalsymptome vor, z. B. Schmerzen, auffälliger Geruch oder leicht blutende Kondylome. Die entsprechenden Rubriken erleichtern die Mittelfindung. Entscheidend wie bei vielen rezidivierenden Viruserkrankungen sind jedoch die Allgemeinsymptome, die Geistes- und Gemütssymptome und evtl. Auffälligkeiten aus dem vegetativen Bereich (Schweiß, Schlaf, Kalorik usw.).
Miasmatische Zuordnung
Kondylome sind sykotischer Natur.
Repertorium
RepertorisationKondylomVerwendet werden diagnosebezogenen Hauptrubriken und entsprechende Unterrubriken, welche die auffallenden Lokalsymptome abbilden.
Ähnliche Differenzierungen finden sich unter den Lokalisationen „Glans“ und „Vorhaut“. Berücksichtig werden sollten auch die Unterrubriken des Kapitels „Haut“ Wucherungen – Kondylome, wenn sich die eigenheitlichen Symptome in den dortigen Rubriken wiederfinden.

Diagnosebezogene Rubrik

Männliche Genitalien – Kondylome (62 AM) // Penis // Glans // Vorhaut
Rektum – Kondylome

Lokalsymptome

Männliche Genitalien – Kondylome // bluten leicht // empfindlich // feucht /flach // juckend // Käse – riechen nach altem // stechende Schmerzen Kondylome // trocken
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Grundsätzlich kann auch bei richtiger Mittelwahl nicht von einem sofortigen Verschwinden der Kondylome ausgegangen werden. Zunächst persistieren sie häufig trotz korrekter Verordnungen, v. a. wenn sie schon lange bestehen oder fehlgeschlagene Unterdrückungsversuche unternommen wurden, sodass ggf. andere Verlaufsparameter zur Überprüfung des Heilungsverlaufes herangezogen werden müssen (z. B. Symptome anderer Erkrankungen, Allgemeinzustand, Schlaf, seelisches Befinden).
Prognose: Die Erfolgsaussichten sind gut, sofern die klassischen homöopathischen Prinzipien zur Behandlung chronischer Krankheiten beachtet werden (4.3). Wichtig ist dabei auch eine kontinuierliche, vertrauensvolle Patientenführung.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!! Cinnb., Nit-ac., Sep., Staph., Psor. Sab. Thuj.

In den Repertoriumsrubriken der Lokalsymptome sind Thuja, Nitricum acidum, Sepia, Cinnabaris, Staphisagria, Psorinum und Sabina am häufigsten repräsentiert. Prinzipiell kommt aber auch jedes andere Arzneimittel infrage, wenn es aufgrund der Anamneseerhebung gute Gründe für die Verschreibung gibt und wenn das gewählte Arzneimittel seine Wirkung im Bereich des sykotischen Miasmas hat (3.4.2).
Die Lokalsymptomatik der einzelnen Mittel ist sehr ähnlich, eine Unterscheidung schwierig. Bezüglich der Kondylome lassen sich folgende Differenzierungen treffen:
  • Thuja#ThujaKondylom: leicht blutend oder nässend, aber auch trocken an Glans, Vorhaut oder Skrotum, brennende Empfindung.

  • Nitricum acidum#Nitricum acidumKondylom: leicht blutend oder nässend, übel riechend mit brennenden oder stechenden Schmerzen (auch Analkondylome).

  • Cinnabaris#CinnabarisKondylom: blutend, nässend oder auch trocken, fächerförmig an Glans, Vorhaut oder Frenulum.

  • Staphisagria#StaphisagriaKondylom: trocken, juckend; Beschwerden nach Unterdrückung von Kondylomen.

  • Psorinum#PsorinumKondylom: nässend, juckend mit wunder oder brennender Empfindung.

  • Sabina#SabinaKondylom: juckend, übel riechend (Fischlakengeruch), Wundheitsgefühl oder brennender Schmerz, an Glans, Vorhaut oder Penisrücken.

  • Sepia: Trockenheit der Vagina, Abneigung gegen Koitus bei beiden Geschlechtern, brennende Leukorrhoe. Bei Genitalcondylomata oft sehr hilfreich, wenn die Gesamtheit der Symptome auf Sepia weist.

Urethritis

Urethritis

Definition: Meist bakterielle, deszendierende (Zystitis, Prostatitis) oder aszendierende (nach Geschlechtsverkehr, äußeren Manipulationen an der Harnröhre) Infektion.

Symptomatik: oft uncharakteristisch (Dysurie, Pollakisurie, Juckreiz, Brennen in der Harnröhre). Tritt Ausfluss auf, ist an der Diagnose nicht mehr zu zweifeln. Selten Allgemeinsymptome wie Fieber oder Schüttelfrost.

Die Diagnosestellung sollte durch einen Facharzt erfolgen (DD: sexuell übertragbare Erkrankung).

Therapeutische Strategie
Wenn es bei einer Urethritis anamnestische Hinweise auf eine Geschlechtserkrankung gibt, ist die alleinige homöopathische Therapie nur zu verantworten, wenn engmaschige Kontrollen des Betroffenen und seiner Sexualpartner durchgeführt werden, da sich ein chronischer Verlauf mit Komplikationen entwickeln könnte (Sekundärstadium einer Gonorrhoe; Sterilität bei Chlamydieninfektion o.Ä.). Ist eine Geschlechtserkrankung ausgeschlossen, ist eine erfolgreiche homöopathische Therapie durchaus möglich. Zu beachten ist, dass möglicherweise eine chronische Prostatitis zugrunde liegt.
Homöopathische Behandlung
Bei akuter Urethritis erfolgt die Verschreibung nach den im Vordergrund stehenden akuten Symptomen. Bei bakterieller Urethritis muss eine antibiotische Behandlung abgewogen werde. Die chronische oder rezidivierende Urethritis weist auf eine aktive Sykosis II hin. Eine Erhebung der Gesamtheit der Symptome des Patienten mit besonderer Gewichtung der sykotischen Symptome ist erforderlich, da der gesamte Organismus von der Erkrankung erfasst ist. Die Urethritis ist das sichtbare Lokalsymptom der sykotischen Diathese.
Wahl der Symptome
Durch genaues Erheben der Symptomatik lassen sich meist geeignete Rubriken finden und eine gute Verordnung treffen. Da es sich bei Urethritiden meist um oligosymptomatische Erkrankungen mit wenig Allgemeinsymptomatik handelt, liegen meist nur urethritisassoziierte Lokalsymptome vor. SymptomenwahlUrethritisFolgende Details der Entzündungssymptomatik sollten zur Arzneimittelfindung besonders beachtet werden:
  • Charakteristische Absonderung, z. B. blutig, dick, mukös, dünn, klar, eitrig, gelb, grün, milchig, übel riechend.

  • Missempfindungen und deren Modalitäten, z. B. Kribbeln, Prickeln, Juckreiz, Einschnürung, Gefühllosigkeit der Harnröhre bei der Miktion, Tröpfeln, Hitze, Kälte, Reizung, Schmerz in Abhängigkeit von der Miktion oder der Ejakulation.

  • Evtl. Hautausschläge an der Glans (insbesondere Rötung des Meatus).

  • Miktionsauffälligkeiten, z. B. abgeschwächter oder geteilter Harnstrahl.

  • Lokalisation, evtl. vorhandener Schmerzen, vordere oder hintere Harnröhre.

Miasmatische Zuordnung
Die hämorrhagische Urethritis ist meist psorischen Ursprungs. Die rasche Besserung mit einem Akutmittel zeigt eine unkomplizierte Psora an. Ansonsten sind nahezu alle Entzündungen der Urethra Hinweise auf eine Sykosis II (3.4.2). Eine Harnröhrenstriktur ist oft eine Kombination aus Psora und Sykosis.
Repertorium
Neben den diagnosebezogenen Hauptrubriken, die einen Überblick über die beträchtliche Anzahl möglicher Heilmittel geben, sind zur Differenzierung der Symptomatik, z. B. im Hinblick auf die Art der Absonderungen, Missempfindungen der Harnröhre weitere Rubriken zu wählen.
Hautausschläge sind im Kapitel „Männliche Genitalien“ unter dem Absatz Hautausschläge – Penis – Eichel bzw. Vorhaut aufgeführt (16.1.1). Weitere Rubriken finden sich im Kapitel „Harnröhre“ als strukturelle pathologische Veränderung, z. B. Harnröhre – Striktur/Verhärtung bei rezidivierenden Urethritiden oder als funktionelles Symptom, z. B. Harnröhre – Zusammenschnüren, Urinieren, beim. Abgebildet werden kann auch die Schmerzlokalisation im Kapitel „Harnröhre“.

Diagnosebezogene Rubrik

Urethra – Entzündung (81 AM) // Entzündung – chronisch // Entzündung – Meatus

Absonderungen

Harnröhre – Absonderungen // blutig // grünlich // käsig/klebrig

Missempfindungen

Harnröhre – Gefühllosigkeit, Taubheit
Harnröhre – Jucken // Urinieren beim bzw. nach // Fossa navicularis – wollüstig
Harnröhre – Kälte // Urinieren, beim
Harnröhre – Tropfen // Gefühl eines – brennende Tropfen laufen nach dem Urinieren die Harnröhre entlang

Miktionsauffälligkeiten

Harnröhre – Striktur – spasmodisch // Zusammenschnüren – Urinieren, beim
Harnröhre – Verhärtung

Schmerzsymptomatik

Harnröhre – Schmerz // Fossa navicularis // Meatus // vorderer Teil
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Bei der akuten Urethritis kommt es bei erfolgreicher Erstverschreibung bereits in den ersten drei Tagen nach Mittelgabe zu einer kompletten Ausheilung des Infektes. Fehlt dieses eindeutige Ansprechen, kann ein anderes Arzneimittel verabreicht werden. Liegt eine chronische Urethritis (z. B. als Symptom einer chronischen Prostatitis) vor, kann es notwendig sein, nach dem Akutmittel eine zweite Verordnung zu treffen, welche die unter Umständen zugrunde liegende miasmatische Belastung berücksichtigt.
Prognose: Bei Rezidiven ist daran zu denken, dass Partnerinfektionen vorliegen können bzw. eine chronische Prostatitis, insbesondere wenn vorwiegend die hintere Harnröhre von der Infektion betroffen ist. Die Behandlung muss dann unter Berücksichtigung der Prostatitis (16.3.1) gemäß den homöopathischen Kriterien zur Behandlung chronischer Krankheiten fortgeführt werden.
Unterstützende Maßnahmen
Wie bei der Zystitis können pflanzliche Harnwegsdesinfizienzien die Heilung unterstützen. Frauen können Zinnkrautdampfbäder durchführen, um die Harnröhre direkt zu erreichen.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Cann-s., Canth., Thuj., Sulph.
!! Arg-n., Cann-i., Clem., Merc., Petros.
! Camph., Kali-i., Nux-v., Sep.

Qualität der Absonderungen
  • Cannabis sativa#Cannabis sativa, Urethritis hat dickflüssige oder schleimige Absonderungen und eine Entzündung der gesamten Harnröhre, auch des Meatus; die Schmerzen sind brennend, stechend oder beißend und auch außerhalb der Harnentleerung anhaltend; sogar während der Erektion besteht ein Spannungsgefühl oder es bestehen Schmerzen in der Harnröhre.

  • Ebenfalls dickflüssige Absonderungen, grünlich oder gelb, finden sich bei Mercurius#Mercurius solubilisUrethritis. Der Patient empfindet Hitze oder Wundheit in der Harnröhre, unter Umständen auch ein Pulsieren; die Schmerzen sind brennend oder stechend und treten zu Beginn oder gegen Ende, aber auch außerhalb der Harnentleerung auf. Der Meatus ist geschwollen, evtl. ulzeriert.

Spezifische Empfindungen
  • Hitzeempfindung der Harnröhre finden sich bei Argentum nitricum, Cantharis und Sulfur:

    • Sulfur#SulfurUrethritis zeigt dabei stinkende Absonderungen und Juckreiz in der vorderen Harnröhre, die Schmerzen in der Harnröhre erstrecken sich nach hinten, auch während der Stuhlentleerung bestehen Schmerzen in der Harnröhre; der Meatus ist rot oder verschwollen, evtl. ulzeriert.

    • Heftigste Schmerzen, auch im Zusammenhang mit Blasensymptomen (Krämpfe, Tenesmen, Einschnürungsgefühl), deuten auf Cantharis#CantharisUrethritis hin, v. a. bei blutigen Absonderungen.

    • Argentum nitricum#Argentum nitricumUrethritis hat neben einem Einschnürungs- oder Engegefühl das für dieses Mittel typische Zeichen eines oder mehrerer zurückbleibender Tropfen, die letzten Tropfen der Harnentleerung verursachen heftiges Brennen mit Ausstrahlung zum Anus, es besteht Nachtröpfeln bzw. die Empfindung davon.

    • Auch bei Thuja#ThujaUrethritis, Petroselinum#PetroselinumUrethritis und Sepia #SepiaUrethritisist das Gefühl eines oder mehrerer Tropfen in vielen Varianten ein typisches Zeichen (Gefühl, als ob wenige Tropfen abgingen; Tropfen, die entlanglaufen; als ob Harn in der Harnröhre zurückbleibt; Tröpfeln nach der Harnentleerung); wässrige, starke Absonderungen zählen ebenso zu den Thuja-Symptomen wie Kribbeln oder wollüstiger Juckreiz. Die Schmerzen sind stechend, schneidend oder brennend und betreffen meist die vordere Harnröhre. Sepia dagegen zeigt eine milde Symptomatik: wässrige, milchige Absonderung, wenig Schmerzen (am ehesten nach Samenerguss), Juckreiz oder Kribbeln.

Chronische Urethritis, trockene Urethritis
  • Petroselinum#PetroselinumUrethritis ist angezeigt bei chronischer Urethritis mit brennenden, beißenden oder stechenden Schmerzen im Bereich des Meatus. Die Absonderung ist milchig oder klar, unter Umständen scharf oder ätzend.

  • Ebenfalls indiziert bei chronischer Urethritis ist Cannabis indica#Cannabis indicaUrethritis. Typische Empfindungen sind Stiche oder stichelnde Schmerzen, Prickeln oder Zucken in der Harnröhre.

  • Wenn Cannabis indica oder Cannabis sativa trotz klarer Symptomatik nicht helfen, bringt oft Camphora#CamphoraUrethritis die Lösung: Es besteht ein Einschnürungsgefühl der Harnröhre mit brennenden oder beißenden Schmerzen während der Harnentleerung, nur die hintere Harnröhre ist betroffen.

  • Clematis #ClematisUrethritispasst bei trockener Urethritis, mit heftige brennenden, auch reißenden Schmerzen gegen Ende und nach der Miktion, vorwiegend in der vorderen Harnröhre.

Schmerzen, Schmerzlosigkeit
  • Krampfartige, heftige Schmerzen, stechend reißend oder schneidend im vorderen Abschnitt mit Ausdehnung zum Anus, verbunden mit blutiger oder muköser Absonderung, sind typisch für Nux vomica#Nux vomicaUrethritis. Es hat ähnliche Symptome wie Sulfur#SulfurUrethritis, die Schmerzqualität ist jedoch bei Sulfur häufiger brennend.

  • Schmerzlosigkeit bei Urethritis ist ein Hinweis für Kalium iodatum#Kalium iodatumUrethritis; es passt bei chronischem, postgonorrhoischem, grünlichem Ausfluss.

Erkrankungen des Hodens und des Nebenhodens

Orchitis, Epididymitis

Orchitis Epididymitis Hoden Entzündung s. Orchitis

Definition: Hodenentzündung. Entsteht meist durch hämatogene Streuung von Bakterien oder Viren. Bekannteste Form: Mumpsorchitis. Die Nebenhodenentzündung (Epididymitis) ist hämatogen metastatisch (nach Pharyngitis, Tonsillitis, Laryngitis) bedingt, meist jedoch eine kanalikulär fortgeleitete Infektion bei chronischer Prostatitis (16.3.1) oder nicht ausreichend gut behandelter Zystitis (15.1.1).

Symptomatik: Üblicherweise tritt die akute Epididymitis einseitig auf mit Überwärmung und Schwellung des Hodens sowie Fieber und deutlicher Dysurie. In Akutfällen entwickelt sich eine schwere, hochfieberhafte Allgemeininfektion, die eine rasche Therapieeinleitung (u. U. sogar stationär) erforderlich macht. Die chronische Infektion verläuft milder und uncharakteristischer.

Therapeutische Strategie
Bei der MumpsorchitisMumpsorchitis ist eine zusätzliche homöopathische Therapie sehr sinnvoll. Die Verschreibung sollte das gesamte Bild der Mumpserkrankung berücksichtigen.
Bei bakteriellen Infektionen gilt es kritisch abzuwägen, ob homöopathisch oder antibiotisch behandelt werden sollte. Je akuter das Krankheitsbild und je schlechter die Compliance des Patienten, desto problematischer ist es, auf Antibiotika zu verzichten.

Lokale Maßnahmen sind Kühlung und Hochlagerung des Skrotums sowie – unbedingt notwendig! – Verordnung von Ruhe.

Es ist für die Prognose der Epididymitis von entscheidender Bedeutung, wie schnell die Wirkung der gewählten Therapie einsetzt. Sollte durch eine falsche Entscheidung Zeit verloren gehen, ist das Risiko einer Abszedierung von Nebenhoden und Hoden umso größer. Zu Beginn der Erkrankung sollte in jedem Fall eine fachärztliche Begutachtung erfolgen.

Homöopathische Behandlung
Obwohl die Orchitis/Epididymitis aus homöopathischer Sicht eine Exazerbation einer chronischen Grunderkrankung darstellt, wird sie primär im Sinne einer Akutkrankheit therapiert, d. h., zur Arzneiwahl werden ausschließlich die Symptome des momentanen Erkrankungszustandes herangezogen. Auch die Verordnung (evtl. häufige Wiederholungen in kurzen Abständen), und häufige Kontrolluntersuchungen entsprechen den Kriterien der homöopathischen Behandlung hochakuter Erkrankungen (4.3).
Wenn 24 Stunden nach Beginn der homöopathischen Behandlung keine eindeutige Besserung, auch des Allgemeinbefindens, eingetreten ist, muss erneut entschieden werden, ob auf Antibiotika weiterhin verzichtet werden soll. Ggf. ist ein neues homöopathisches Mittel zu verordnen.
Ähnlich wie bei der Zystitis (15.1.1) gilt auch für die Orchitis/Epididymitis, dass die Behandlung der akuten Beschwerden leichter gelingt als die Ausheilung des Infektes. Wenn Mittel wie Aurum metallicum, Rhododendron oder Clematis erfolgreich sind, lohnt es sich, homöopathisch weiter zu behandeln und die evtl. vorliegende Grunderkrankung, z. B. ein Prostataadenom (16.3.2) mit Blasenentleerungsstörung oder eine chronische Prostatitis (16.3.1), zu behandeln.
Wahl der Symptome
  • SymptomenwahlOrchitis/EpididymitisKausalität, z. B. Kälte, Verletzung, unterdrückte Gonorrhoe.

  • Lateralität der Erkrankung, z. B. rechts oder links, bzw. von rechts nach links.

  • Lokalbefund: Ausmaß und Lokalisation der begleitenden skrotalen Schwellung, z. B. Nebenhoden, Samenstrang, gesamtes Skrotum, ödematöse Schwellung oder entzündlich bedingte Begleithydrozele.

  • Schmerzcharakteristik mit ihren Modalitäten, z. B. stechend, brennend, drückend bzw. Bewegung verschlimmert, Schmerzbeeinflussung durch Urinieren.

  • Begleitende Dysurie, z. B. Harnentleerung verbunden mit plötzlichem Harndrang, abgeschwächter Harnstrahl, Tröpfeln vor oder nach der Miktion, Schmerzen im Zusammenhang mit der Miktion, Restharngefühl usw. auch 15.1.1, 16.1.3.

  • Begleitende Allgemeinsymptome, z. B. Fieber, Frösteln, Schweiß mit den jeweiligen Modalitäten.

Miasmatische Zuordnung
Hoden- und Nebenhodenentzündungen sind Ausdruck der Sykosis II (3.4.2).
Repertorium
RepertorisationOrchitis/EpididymitisDie diagnosebezogenen Hauptrubriken finden sich im Kapitel „Männliche Genitalien“ (Synthesis) bzw. „Maskulin“ (Complete Repertory) unter dem Stichwort „Entzündung“. Als Unterrubriken finden sich in diesem Kapitel Hinweise zur Lateralität sowie zu den Kausalitäten und Modalitäten der Entzündung. Zusätzliche hilfreiche Rubriken des Repertoriums, die den Begriff „Orchitis“ beinhalten sind z. B. im Kapitel Gemüt zu finden.
Für die Arzneimittelwahl hilfreiche Rubriken, die den Lokalbefund genauer charakterisieren, sind im Kapitel „ Männliche Genitalien“ aufgeführt, z. B. Schwellung. Schmerzmodalitäten und Erstreckungen sind in demselben Kapitel unter dem Abschnitt „Schmerz“ zu entnehmen (je nach Schmerzlokalisation sind auch die Kapitel „Prostata“, „Blase“ und „Harnröhre“ mit zu berücksichtigen).
Zu den Repertoriumsrubriken einer evtl. bestehenden zystitischen Symptomatik 15.1.1

Diagnosebezogene Rubriken

Männliche Genitalien – Entzündung // Hoden, Orchitis // Hoden, Orchitis – Epididymis, Nebenhoden // Entzündung – Samenstränge
Männliche Genitalien – Hydrozele, Wasserbruch – gonorrhoischer Orchitis, nach

Lateralität

Entzündung – Hoden, Orchitis links/rechts

Kausalität, Modalität

Männliche Genitalien – Entzündung – Hoden, Orchitis // nachts // chronisch // Bettwärme agg. // Gonorrhoe, durch unterdrückte // Kälte, durch // Kälte – Kälteeinwirkung // Kontusion, durch // metastatisch // Mumps, Parotitis, nach // Sitzen auf feuchtem Grund, Sitzen auf feuchtem Boden // Verletzung oder Zerrung, durch // Ausdehnung von rechts nach links

Gemüt

Gemüt // Angst – Zukunft, um die – Orchitis, bei chronischer // Delirium – Raserei, Tobsucht – Orchitis, bei // Lebensmüde – Orchitis, bei chronischer

Entzündliche Schwellung

Männliche Geschlechtsorgane – Schwellung // Hoden – rechts/links // Samenstränge – rechts/links // Skrotum – ödematös

Schmerzen

Männliche Geschlechtsorgane – Schmerz – Hoden // Husten, beim // Sitzen, beim // Kleiderdruck agg. // erstreckt sich – oben, nach/unten, nach // erstreckt sich – Abdomen/Samenstrang
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Bei erfolgreicher Erstverschreibung kommt es innerhalb von wenigen Tagen zur Entfieberung und innerhalb von sieben bis zehn Tagen zur vollständigen klinischen Beschwerdefreiheit. Zeigt sich keine Reaktion auf das homöopathische Medikament, sollte nicht länger als 24 Stunden mit einer Neuverordnung gewartet werden.
Oft verbleibt trotz gelungener homöopathischer Akutbehandlung eine harte Schwellung des Nebenhodens für etwa vier Wochen. Sollte sich diese nicht vollständig zurückbilden, muss die Schwellung auch bei sonstiger Beschwerdefreiheit zur Grundlage einer neuen, meist konstitutionellen Verschreibung gemacht werden.
Nach Abklingen der Akuterkrankung sollte zur Behandlung der miasmatischen Wurzeln der Orchitis/Epididymitis auf jeden Fall eine längerfristige homöopathische Konstitutionstherapie erfolgen.
Unterstützende Maßnahmen
Hochlagerung des Hodens (Hodenbänkchen), Kühlung (z. B. durch Quark- oder Retterspitzauflagen) sowie Bettruhe sind wichtige Begleitmaßnahmen, um bei akuter Epididymitis eine allzu starke Schwellung des Hodens zu vermeiden.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Aur., Clem., Con., Merc., Puls., Rhod.
!! Abrot., Acon., Jab., Nux-v., Rhus-t., Spong.
! Agn., Apis, Gels., Ham., Nit-ac., Plb.

In der homöopathischen Praxis hat sich gezeigt, dass es bei den Arzneimitteln zur Behandlung der Orchitis und Epididymitis erhebliche Überschneidungen gibt. Deshalb werden im Folgenden beide Diagnosen gemeinsam abgehandelt. Letztlich sind daher alle Aussagen zur Orchitis übertragbar auf die Epididymitis und umgekehrt.
Chronische Beschwerden
Bei chronischer Entzündung kommen Mittel wie Aurum metallicum, Clematis, Mercurius oder Pulsatilla zum Einsatz.
  • Dabei zeigt Aurum metallicum#Aurum metallicumOrchitis/Epididymitis eine rechtsseitige Entzündung von syphilitischem Charakter, d. h. Einschmelzungstendenz, Schweiß des Skrotums und nächtlicher Verschlimmerung, aber unter Umständen nur geringen Schmerzen.

  • Clematis #ClematisOrchitis/Epididymitishat eine ähnliche Lokalsymptomatik, aber meist brennende Schmerzen. Im Unterschied zu Aurum#Aurum metallicumOrchitis/Epididymitis ist das Skrotum schlaff und geschwollen.

  • Bei Mercurius #Mercurius solubilisOrchitis/Epididymitisstehen Kälte des Skrotums mit Juckreiz im Vordergrund, die Schmerzen sind ähnlich wie bei Aurum ziehend oder drückend bzw. neuralgisch, evtl. ist eine unterdrückte Gonorrhoe die Ursache.

Causa
Nach Kälteexposition oder Sitzen auf feuchtem Untergrund denke man an Pulsatilla#PulsatillaOrchitis/Epididymitis, v. a., wenn sich die Schmerzen nach der Harnentleerung nicht bessern. Auch bei Orchitis während oder nach Mumps-Parotitis ist häufig Pulsatilla (auch Jaborandi) angezeigt; bei Jaborandi besteht i. d. R. eine deutliche Schwellung des Skrotums mit livider Verfärbung.
Schmerzqualität
  • Äußerst starke Schmerzen des Hodens mit Ausstrahlung in die Samenstränge auch ohne Miktion sind kennzeichnend für Nitricum acidum#Nitricum acidumOrchitis/Epididymitis; unter Umständen finden sich Exkoriationen oder Ulzera im Genitalbereich sowie purulenter Ausfluss.

  • Strangulationsgefühl von Hoden und Skrotum findet sich bei Plumbum#Plumbum metallicumMumpsorchitis.

  • Auch Abrotanum #AbrotanumOrchitis/Epididymitisfindet Verwendung bei metastatischer Entzündung; die Schmerzen strahlen in den Rücken aus; es besteht eine Begleithydrozele.

  • Bei Nux vomica #Nux vomicaOrchitis/Epididymitisbesteht ebenfalls die Empfindung der Abschnürung, meist mit Schweregefühl und Verhärtung des Hodens und schlaffem Skrotum.

  • Lokale Kälte des Hodens findet sich bei Gelsemium und Agnus castus#Agnus castus, Orchitis/Epididymitis, bei Gelsemium #GelsemiumOrchitis/Epididymitisziehen die Schmerzen vom Hoden in die Leiste, bei Agnus castus in die Samenstränge.

  • Schmerzausstrahlung in die Samenstränge und bis in den Darm oder Magen ist ein Hinweis für Hamamelis#HamamelisOrchitis/Epididymitis (mit Hitze, Begleithydrozele und nächtliche Verschlimmerung der Symptomatik).

  • Belladonna #BelladonnaOrchitis/Epididymitiszeigt neben den bekannten Allgemeinsymptomen wie Verlangen nach Ruhe, allgemeine Hitze mit kalten Extremitäten etc. auch lokale Hitze und Schweiß des Skrotums, v. a. nachts.

  • Apis zeigt eine ödematöse oder erysipelartige Schwellung, v. a. des Skrotums. Es kommt vorrangig infrage bei entzündlicher Hydrozele, weniger bei Epididymitis oder Orchitis.

  • Eine auffällige Schmerzmodalität ist Besserung durch Bewegung und Verschlechterung beim Sitzen und in Ruhe: Hier ist Rhododendron #RhododendronOrchitis/Epididymitiszu wählen, v. a., wenn der Hoden verhärtet ist und eine Begleithydrozele besteht.

  • Rhododendron und Pulsatilla #PulsatillaOrchitis/Epididymitishaben viele Gemeinsamkeiten: Kälte als Auslöser, Rechtsseitigkeit, Verschlimmerung im Sitzen, Schwellung und Hydrozele, Mitbeteiligung des Samenstrangs. Pulsatilla hat meist Hitze am Skrotum (mit Verlangen nach lokaler Kühlung), ein Unbehagen, Kribbeln oder Schmerzen nach der Miktion; bei Rhododendron ist das Skrotum eher feucht, Wärme bessert die Samenstrangbeschwerden, die Schmerzen erstrecken sich in die Oberschenkel und den After und sind unabhängig von der Miktion.

  • Ein erysipelartiges Exanthem des Skrotums mit deutlicher Schwellung, auch der Samenstränge, findet sich bei Rhus toxicodendron#Rhus toxicodendronOrchitis/Epididymitis, die Rötung breitet sich auf die Oberschenkel oder den Penis aus.

  • Wenn ein Strangulationsgefühl des Hodens mit Schmerzen und Schwellung in den Samensträngen besteht, passt Spongia#SpongiaOrchitis/Epididymitis. Hamamelis #HamamelisOrchitis/Epididymitisund Spongia sind die wichtigsten Mittel bei ausgeprägten Samenstrangbeschwerden.

Lageanomalien des Hodens

Hoden Retention

Definition: Hodenretention (Maldescensus testisMaldescensus testis, KryptorchismusKryptorchismus). Ursachen: peritoneale/inguinale Verwachsungen oder hormonelle Störung.

Symptomatik: Entwicklungsstörung. Während des intrauterinen Wachstums kommt es ein- oder beidseitig nicht zur vollständigen Verlagerung des Hoden von der Bauchhöhle in das Skrotum.

Die Therapie im Sinne eines Deszensus des Hodens sollte bis zum 18. Lebensmonat abgeschlossen sein. Wenn die Diagnosestellung sowie die Therapie verzögert werden, können Infertilität und ein erhöhtes Hodenkarzinomrisiko die Folge sein.
Die homöopathische Therapie ist daher problematisch und sollte nur im Einvernehmen mit den Eltern und dem Facharzt erfolgen. Sind bei Neugeborenen die Hoden bereits in der Leiste gleitend tastbar oder befinden sich die Hoden schon am Eintritt ins Skrotum, ist ein homöopathischer Behandlungsversuch am ehesten gerechtfertigt.
Erschwert wird die Therapie, wenn es sich um eine im homöopathischen Sinn einseitige Erkrankung handelt, d. h. wenige bis keine anderen Symptome zur Verschreibung vorliegen. Eine sorgfältige Anamnese und Untersuchung, evtl. Nävi, Hämangiome, Nabelbruch, 35.2 (Repertorium der sichtbaren und direkt erfassbaren Symptome) und auch (oder gerade) Berücksichtigung des Schwangerschaftsverlaufes und der Familienanamnese führen am ehesten zu einer guten Verschreibung und dann zur Vollendung der Hodendeszension.
Die Rubrik Maskulin – Retraktion – Hoden – Kryptorchismus, Hodenretention (Aloe, Aurum, Baryta carbonica, Calcarea carbonica, Cantharis, Conium, Corydalis formosa, Cuprum metallicum, Lycopodium, Natrium muriaticum, Psorinum, Sulfur, Syphilinum, Thyreoidinum, Tuberculinum, Zincum) bietet 16 Mittel im ersten Grad an. Zu beachten ist, dass es sich hierbei um eine recht kleine, klinische Rubrik handelt und nicht um ein individuelles Symptom einer Arzneimittelprüfung. Es muss also davon ausgegangen werden, dass prinzipiell noch viele andere homöopathische Mittel infrage kommen, wenn diese aufgrund individueller, eigentümlicher Symptome angezeigt scheinen.
Eine eindeutige miasmatische Zuordnung ist in der Literatur nicht zu finden. Vermutlich entsteht eine Hodenretention aus einer Verbindung von Psora und Sykosis.

Erkrankungen der Prostata

Prostatitis

Prostatitis

Definition: Meist aszendierende bakterielle Infektion, meist als Komplikation einer Zystitis (15.1.1) oder (seltener) hämatogen.

Symptomatik: Als akute Prostatitis Symptome einer Harnwegsinfektion, Schmerzen im Rektum oder Dammbereich, meist abgeschwächter Harnstrahl; zudem schweres Krankheitsgefühl und rascher therapeutischer Handlungsbedarf. Bei chronischer Prostatitis uncharakteristische Entzündungssymptome. Oft werden die Beschwerden (Unterbauchschmerzen, Myalgie des Beckenbodens, perineales Unbehagen etc.) als Lumbalgie fehlinterpretiert. Erst wenn blutiges Ejakulat oder Infektzeichen der mit der Prostata verbundenen Organe (Blase, Harnröhre und Nebenhoden) auftreten, fokussiert sich die Erkrankung diagnostisch erfassbar in den urologischen Bereich.

Therapeutische Strategie
Der Patient mit akuter Prostatitis sollte beim Facharzt vorgestellt werden. Unter Umständen besteht infolge der akuten Schwellung eine erhebliche RestharnbildungRestharnbildung, Prostatitis, die vorübergehend eine suprapubische Urinableitung notwendig macht. Persistierender Restharn, der ebenfalls infiziert ist, stellt schulmedizinisch wie auch homöopathisch ein Heilungshindernis dar.
Die homöopathische Behandlung der akuten Prostatitis ist – ähnlich wie bei der akuten Epididymitis (16.2.1) – durchaus riskant und sollte Ärzten vorbehalten bleiben, die mit diesem Krankheitsbild gut vertraut sind und lange Erfahrung als homöopathischer Therapeut haben. Abszedierung und Chronifizierung sind vermeidbar, wenn die Therapie rasch beginnt und schnell greift.

Im Zweifelsfall erst Antibiotika geben und erst nach Abklingen der akuten Beschwerden eine homöopathische Konstitutionstherapie durchführen.

Bettruhe und reichlich Flüssigkeitszufuhr, ggf. geeignete fiebersenkende Maßnahmen sind empfehlenswert.
Für die Behandlung einer chronischen Infektion ist die Homöopathie gut geeignet. Da auch Antibiotika, selbst über einen längeren Zeitraum gegeben, nur zur Beschwerdefreiheit, nicht aber zur restlosen Beseitigung der Keime im Ejakulat führen, ist jede alternative Therapie, die zumindest ebenfalls Beschwerdefreiheit erzielt, gerechtfertigt. Erfahrungsgemäß haben Patienten mit chronisch oder chronisch rezidivierender Prostatitis bereits zahllose Antibiotikatherapien hinter sich, bevor sie einen Homöopathen aufsuchen.
Homöopathische Behandlung
Wie bei den meisten akuten Urogenitalinfektionen, handelt es sich auch bei der akuten Prostatitis um die Exazerbation einer chronischen Erkrankung im homöopathischen Sinn. Trotzdem erfolgt die Therapieplanung zunächst nach den Kriterien zur homöopathischen Behandlung von Akutkrankheiten (4.3). Nach Verabreichung des passenden Arzneimittels kann davon ausgegangen werden, dass eine rasche, eindeutige Besserung einsetzt. Wenn dies nach 24 Stunden nicht der Fall ist, sollte das Arzneimittel gewechselt werden bzw. bei Unsicherheit bezüglich der homöopathischen Weiterbehandlung ein Facharzt hinzugezogen und ggf. eine Antibiose eingeleitet werden.
Die chronische Infektion wird als chronische Erkrankung klassisch homöopathisch behandelt, d. h., die Prostatitis wird als ein Symptom der insgesamt gestörten Lebenskraft angesehen. Dabei muss berücksichtig werden, dass sich beim Vorliegen weiterer Erkrankungen des Patienten und bei klassischem Heilungsverlauf von „innen nach außen“ die Lokalsymptome der Prostatitis evtl. nicht sofort bessern.
Wahl der Symptome
  • SymptomenwahlProstatitisKausalität: z. B. Kälte, unterdrückte Gonorrhoe, Alkohol.

  • Schmerzen von Prostata, Blase, Harnröhre, Penis und evtl. Hoden mit den charakteristischen Qualitäten, Modalitäten und Ausdehnung.

  • Lokale Empfindung: z. B. Schwere, Spannung, Schwellung, Kugelgefühl, Hitze.

  • Besonderheiten der Ejakulation: z. B. brennend, blutig, schmerzhaft.

  • Begleitende Dysurie: z. B. Harnentleerung mit plötzlichem Harndrang, abgeschwächtem Harnstrahl, Tröpfeln vor oder nach der Miktion, Schmerzen im Zusammenhang mit der Miktion, Restharngefühl.

  • Begleitende Allgemeinsymptome: z. B. Fieber, Frösteln, Schweiß.

Es sei auch auf die Kapitel zur Entzündungen von Blase (15.1), Urethra (16.1.3) und Nebenhoden (16.2.1) verwiesen. Symptome/Repertoriumsrubriken aus diesen Kapiteln sind ebenso zur Mittelfindung bei Prostatitis geeignet.
Miasmatische Zuordnung
Die Prostatitis wird als Symptom der Sykosis II (3.4.2) gewertet.
Repertorium
RepertorisationProstatitisDie übergeordneten Hauptrubriken sind im Kapitel „Männliche Geschlechtsorgane – Prostata“ zu finden. Diese Rubriken werden ergänzt durch die entzündungsspezifischen Rubriken aus den Kapiteln „Blase“, „Urethra“ und „Hoden/Nebenhoden“. Ebenso müssen evtl. vorhandene Schmerzen im Enddarm im Kapitel „Rektum“ unter der Rubrik „Schmerz“ nachgeschlagen werden.
Hilfreich wegen der vielen Qualitäten und Modalitäten ist auch die Rubrik Prostata – Schmerz mit Unterrubriken, z. B. Prostata. Die Symptome der Sekrete und Absonderungen aus der Prostata finden sich in den Abschnitten Prostata – Abgang von Prostatasekret (mit einigen Modalitäten) und Maskulin – Ejakulation (mit vielen Charakterisierungen, z. B. blutig, brennend, Geruch nach Fisch).

Diagnosebezogene Rubriken

Männliche Geschlechtsorgane – Prostata // Entzündung // Entzündung – chronisch // Entzündung – Gonorrhoe, durch unterdrückte
Männliche Geschlechtsorgane – Prostata // Abszess // Eiterung

Modalitäten, Lokalsymptome

Männliche Geschlechtsorgane – Prostata – Schmerz // drückend // brennend //stechend // Gehen, beim // Urinieren, beim bzw. nach
Männliche Geschlechtsorgane – Prostata // Schwellung // Schwere
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Im Falle einer erfolgreichen Erstverschreibung bei akuter Prostatitis kommt es innerhalb von 1–2 Tagen zur deutlichen Besserung des Lokalbefundes und des Allgemeinbefindens und innerhalb von 7–10 Tagen zur vollständigen klinischen Beschwerdefreiheit. Die Fortsetzung der Behandlung nach Abklingen der Akutsymptome orientiert sich dann an den in einer ausführlichen Anamnese explorierten Symptomen und der zugrunde liegenden miasmatischen Belastung.
Prognose: Wird das richtige homöopathische Mittel gefunden, ist die Prognose im Akutfall und besonders bei chronischen Prostatitiden besser als unter schulmedizinischer Therapie. Selbst jahrzehntelang bestehende Erkrankungen können ausgeheilt werden.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Merc., Nux-v., Puls., Sep., Sil., Staph., Thuj.
!! Aur., Chim., Con., Cop., Dig., Kali-bi., Lyc., Sulph.
! Berb., Calc., Cub., Cycl., Hep., Med., Nit-ac., Sabal.

Bei der folgenden Differenzierung werden vorrangig die Prostatasymptome aufgeführt. Zu den evtl. eigentümlichen Symptome anderer Organe schlage man in den jeweiligen Kapiteln der Materia medica oder im Repertorium nach.
Mittel, bei denen die Prostata verspürt wird (Kugel, Schwere, Schwellung, Fülle), sind Chimaphila umbellata, Conium, Digitalis, Sepia, Pulsatilla, Copaiva, Medorrhinum, Cubeba, Silicea, Staphisagria, Nux vomica, Berberis, Cyclamen europaeum, Thuja und Sulfur. Von diesen zeigen Sillicea, Pulsatilla, Sulfur, Chimaphila umbellata, Nux vomica, Lycopodium und Copaiva meist eine deutliche Kälteempfindlichkeit, Medorrhinum, Sepia und Thuja eine größere Empfindlichkeit auf Feuchtigkeit und Nässe.
Ätiologie
  • Causa bei Chimaphila umbellata#Chimaphila umbellata, Prostatitis ist oft Sitzen auf kaltem Untergrund; es entwickelt sich krankhafter Harndrang mit verzögerter Harnentleerung sowie eine urethrale Reizung mit Absonderung von Prostatasekret beim Pressen und Stuhlgang.

  • Conium#ConiumProstatitis ist das Mittel für Prostatabeschwerden nach Unterdrückung des sexuellen Verlangens – ein wichtiges Mittel, wenn z. B. gleichzeitig eine Erektionsstörung besteht. Das Arzneimittelbild weist drückende, beißende oder stechende Prostataschmerzen, verzögerte Blasenentleerung (Lähmung) mit Besserung im Stehen auf.

  • Chronische Prostatitis infolge einer Gonorrhoe ist ein Hinweis für Sepia#SepiaProstatitis (auch Pulsatilla). Bei Sepia wird während der Stuhlentleerung Prostataflüssigkeit abgesondert; es besteht unfreiwillige Harnentleerung, z. B. bei hinausgezögertem Harndrang sowie Blasenschmerzen mit Ausdehnung ins Perineum.

Spezifische Empfindungen
  • Pulsatilla#PulsatillaProstatitis empfindet Hitze in der Prostata sowie drückende oder stechende Schmerzen nach der Harnentleerung; außerdem finden sich Kribbeln in der Harnröhre mit Hämorrhagie oder Hodenschmerzen abends oder im Sitzen.

  • Starke Kälteempfindlichkeit ist ein Leitsymptom für Silicea#SiliceaProstatitis, auch Wetterumschwung von warm nach kalt ist eine häufige Ursache einer Verschlechterung; die chronische Prostatitis äußert sich in stechenden, nach vorne ausstrahlenden Schmerzen mit Absonderung von Prostataflüssigkeit nach Miktion oder Stuhlgang; die Prostata ist hart; am Hoden wird ein drückender oder bohrender Schmerz, auch wie gequetscht, empfunden; die Miktion macht meist keine Probleme. Silicea ist neben Mercurius#Mercurius solubilisProstataabszess und Hepar sulfuris #Hepar sulfurisProstataabszessein wichtiges Mittel für den Prostataabszess.

  • Eine seltene Empfindung ist das Pulsieren der Prostata. Digitalis#DigitalisProstatitis ist eines der Mittel mit diesem eigenartigen Symptom; zusätzlich findet man Prostataschmerz im Sitzen, häufigen Harndrang nachts, tröpfelnde Miktion, unfreiwilligen Urinverlust bei hinausgezögertem Harndrang und Enge der Harnröhre mit Restharngefühl.

  • Nitricum acidum#Nitricum acidumProstatitis zeigt Splitterschmerz der Prostata und Harnröhre, Kälte (auch Sulfur) und Krämpfe der Harnröhre, Blasensymptome sind seltener.

Miasmatische Aspekte
  • Bei sykotischer Belastung (3.4.2) ist evtl. Medorrhinum #MedorrhinumProstatitisangezeigt, v. a., wenn chronischer Ausfluss besteht; auch Auffälligkeiten im Ejakulat (wässrig, dick, fadenziehend) geben Hinweise für dieses Mittel.

  • Ein Thuja#ThujaProstatitis-Bild liegt vor, wenn die Erkrankung nach (unterdrückter) Gonorrhoe entstanden ist und weitere Zeichen der Sykosis bestehen (Kondylome, Warzen 3.4.2); übel riechender Samenerguss und das Vorliegen vieler Harnröhrensymptome erhärten den Verdacht; bei akuter Entzündung findet sich Schweiß im Genitalbereich.

Spezifische entzündliche Symptome
  • Staphisagria#StaphisagriaProstatitis ist häufiger bei Vergrößerung der Prostata angezeigt, aber auch bei chronischer Entzündung, auffällig ist die Schmerzverschlechterung beim Fahren oder Reiten; Blasensymptome (Dysurie, unfreiwillige Harnentleerung u. v. a. m.) sind vorrangig; an Staphisagria denke man v. a. immer dann, wenn Kummer, Empörung, Entrüstung oder die Unterdrückung dieser Emotionen auslösende Faktoren sein könnten. Staphisagria ist ein häufiges Mittel bei urologischen Erkrankungen, deren Ursache ein „sich gegen seinen Willen entblößen müssen“ ist (z. B. Beschwerden nach Geschlechtsverkehr, nach Missbrauch, nach urologischen Eingriffen).

  • Gehen verschlimmert die Beschwerden bei Sulfur #SulfurProstatitis(auch Kalium bichromicum und Cyclamen); drückender oder einschnürender Schmerz sowie Auffälligkeiten der Ejakulation (Brennen, wässriges Ejakulat oder auch vorzeitige oder unvollständige Ejakulation) vervollständigen das lokale Bild; oft bestehen Blasenentleerungsstörungen (nächtlicher Harndrang, plötzlicher Harndrang bei Kälte).

  • Bei abszedierender Entzündung ist ein Versuch mit Hepar sulfuris #Hepar sulfurisProstatitislohnenswert (auch Mercurius, Silicea); heftigste Schmerzen, Kälteempfindlichkeit, ins Skrotum oder in die Oberschenkel ausstrahlende Schmerzen und evtl. ein Pulsieren im Skrotum sind weitere arzneimitteltypische Symptome.

  • Berberis #BerberisProstatitiszeigt fast keine Prostatasymptome (schmerzhafter oder vorzeitiger Samenerguss, drückender Prostataschmerz), aber viele Entzündungssymptome von Blase, Harnröhre und Nebenhoden. Es kommt durchaus bei Prostatitis in Betracht, wenn „eigentümliche Symptome“ darauf hinweisen.

  • Sabal serrulata#Sabal serrulata, Prostatitis: Chronische Entzündung bei Prostatahypertrophie mit brennendem Samenerguss, Kältegefühl der Blase, tröpfelnder oder verzögerter Blasenentleerung und häufigem nächtlichen Harndrang mit uncharakteristischen Schmerzen im Schambereich.

Verschlimmerung durch Alkoholgenuss
Wenn die Beschwerden nach Alkoholgenuss auftreten oder sich dadurch verschlimmern, kommt neben Hepar sulfuris, Sulfur und Pulsatilla v. a. Nux vomica, aber auch Calcarea carbonica oder Mercurius solubilis in Betracht:
  • Nux vomica #Nux vomicaProstatitiszeigt darüber hinaus große Kälteempfindlichkeit; vor, während und nach der Miktion krampfartige, einschnürende Schmerzen von Blase, Urethra und Samenstrang und evtl. Blutung aus der Urethra.

  • Mercurius ist das häufigste Mittel bei blutigem Ejakulat; nächtlicher, krankhafter Harndrang oder dicke grünlich oder gelbe urethrale Absonderungen treten genauso auf wie stechende Schmerzen in der gesamten Harnröhre.

  • Calcarea carbonica #Calcium carbonicumProstatitiszeigt neben der Verschlechterung durch Kälte einige Auffälligkeiten beim Koitus: brennende Ejakulation, brennende oder stechende Schmerzen in der Harnröhre nach Koitus (auch Cubeba officinalis, Mercurius, Sepia, Sulfur und Thuja), zu schnelle Ejakulation, dazu auch stechende Schmerzen in den Samensträngen und Dysurie nach Feuchtigkeit, Nässeeinwirkung oder Stehen auf kaltem Untergrund.

Spezifische Schmerzqualitäten
Ein weiteres wichtiges Mittel mit Bezug zu Prostataerkrankungen ist Kalium bichromicum#Kalium bichromicumProstatitis. Die typische Schmerzqualität ist Stechen, dazu Verschlechterung beim Gehen; in der vorderen Harnröhre besteht ein brennendes Gefühl, meist während und nach der Miktion. Eigentümlich ist die Empfindung von weiterhin fließendem Harn nach dem Urinieren oder als ob Harn in der Harnröhre zurückbleibt.
Stechender Prostataschmerz ist weiterhin typisch für Aurum metalllicum, Conium, Copaiva, Cyclamen, Lycopodium, Pulsatilla und Silicea:
  • An Aurum #Aurum metallicumProstatitismuss gedacht werden, wenn die Hoden in Mitleidenschaft gezogen sind (neuralgischer Schmerz, schmerzhafte Empfindlichkeit usw.), brennender Samenerguss und evtl. schmerzhafte Harnretention ergänzen das Bild.

  • Der Prostataschmerz bei Lycopodium #LycopodiumProstatitisist stechend oder drückend und tritt vorwiegend während und nach der Miktion auf; im Vordergrund der Erkrankung stehen Beschwerden der Harnentleerung wie krankhafter Harndrang durch Kälte, Abkühlung oder im Liegen, tröpfelnde Miktion um 16 Uhr, abends und nachts, unfreiwillige Harnentleerung im Stehen; der stechende Schmerz strahlt in Blase, Harnröhre, Glans penis und Anus aus.

  • Cyclamen #Cyclamen, Prostatitiszeigt häufig nur Prostatasymptome, wie stechende Schmerzen bei Harndrang, Stuhldrang oder während der Harnentleerung und drückende oder ziehende Schmerzen beim Gehen oder Sitzen. Außer gewaltsamer anfallsartiger Harnentleerung tritt kaum eine Begleitsymptomatik auf.

  • Copaiva#CopaivaProstatitis: Ein kleines Mittel, das bei stechenden Schmerzen während der Miktion infrage kommt; bei chronischer Entzündung ist die Prostata verhärtet, Harnröhrensymptome wie Stechen, Pulsieren, Beißen, Wundheit – jedoch kein Brennen – stehen im Vordergrund; die Miktion ist tröpfelnd, Auslöser sind Nässe, Verkühlung oder unterdrückte Gonorrhoe.

  • Auch bei Cubeba officinalis#Cubeba, Prostatitis sind Harnröhrensymptome häufig; grünlich-gelbe, klare oder schleimige Absonderung, Juckreiz der Glans und Röte des Meatus, einschnürende oder schneidende Schmerzen immer nur nach der Miktion, blutiger Samenerguss.

Benignes Prostatasyndrom (BPS)

BPS (Prostatasyndrom, benignes)

Definition: Benignes Prostatasyndrom (BPS). Ätiologisch noch nicht geklärte Vergrößerung der periurethralen Drüsen. 50–60 % der Männer > 50 J. betroffen.

Symptomatik: Imperativer Harndrang, Pollakisurie, Nykturie, initiale Miktionsverzögerung, Harnstrahlabschwächung, Restharnbildung, Harninkontinenz (z. B. Tröpfeln vor der Miktion, Nachtröpfeln, Überlaufinkontinenz).

Therapeutische Strategie und homöopathische Behandlung
Die medikamentöse Therapie in der Schulmedizin zielt in erster Linie auf die Beseitigung der Symptome ab. Die Verkleinerung der Prostata gelingt nur z. T. und auch nur mit hormonell wirksamen Substanzen, die i. d. R. erst in späteren Stadien eingesetzt werden. Spätestens wenn die medikamentöse Therapie keine Verbesserung der Befunde erbringt, ist ein operativer Eingriff angezeigt.
Die Entscheidung, welche Therapierichtung eingeschlagen wird, orientiert sich heutzutage weniger an objektiven Befunden wie Harnstrahlstärke, Restharnvolumen oder Miktionsfrequenz, als vielmehr an der durch den Patienten subjektiv empfundenen Einschränkung der Lebensqualität.
Die regelmäßige urologische Überwachung von Patienten mit BPH ist notwendig.
Miasmatische Zuordnung
Die einfache Prostatavergrößerung oder Prostataverhärtung ist ein Symptom der Psora.
Repertorium
RepertorisationProstataadenomDie Rubriken zu den häufigsten Symptomen sind zu groß, als dass sich über sie ein individuelles Mittel herausarbeiten lässt. Hilfreicher sind u. U. Rubriken mit direktem Bezug zu Prostatavergrößerung.
Weitere Rubriken zu den typischen Symptomen finden sich in den Kapiteln „Blase“, „Rektum“, „Männliche Genitalien“, „Urin“ und „Urethra/Harnröhre“. Vgl. auch die Kapitel „Zystitis“ (16.1.1), „Urethritis“ (16.1.3) und „Prostatitis“ (16.3.1).
Beachtet werden müssen mögliche Ursachen der Prostataadenom-Entstehung (im homöopathischen Sinn). Wenn es entsprechende Hinweise gibt, sollten die entsprechenden „Causa-Rubriken“ bei der Hierarchisierung hoch gewichtet werden.

Diagnosebezogene Rubriken

Blase – Harndrang, krankhafter (320) //plötzlich (93) // plötzlich – beeilen, muss sich zur Harnentleerung, sonst geht Harn unfreiwillig ab (61) // Blase – Harnentleerung // schwacher Strahl, langsam (86) //tröpfelnd (164) //unfreiwillig (247) // unterbrochen, aussetzend (50) // verzögert, muss auf den Beginn der Entleerung warten (106) // häufig (266) // Dysurie (177) // unvollständig (34) // tröpfelnd – Harnentleerung – nach (47) häufig – nachts (151)
Männliche Genitalien – Prostata – Vergrößerung (108 AM)
Gemüt // Laszivität, Lüsternheit – alte Männer mit vergrößerter Prostata
Rektum // Obstipation – Prostata, bei vergrößerter
Stuhl // flach wie ein Band – Prostata, durch vergrößerte, oder durch Retroversio uteri
Blase – Entzündung // chronisch – vergrößerter Prostata, mit // Prostatahypertrophie, mit
Blase – Harnentleerung // Dysurie – Prostatavergrößerung, mit // häufig – ältere Menschen – vergrößerter Prostata, mit //tröpfelnd – vergrößerter Prostata, mit // unfreiwillig – älteren Menschen, bei – Männer mit vergrößerter Prostata
Blase – Harnretention // vergrößerte Prostata, durch

Causa

Allgemeines // Quecksilber – Abusus von // Impfung, nach // sexuell – Sexualtrieb, Unterdrückung von – agg. // sexuellen – Exzesse – Beschwerden nach
Gemüt // Beschwerden durch – Entrüstung // Beschwerden durch – finanziellen Verlust // Beschwerden durch – Kränkung, Erniedrigung, Verdruss // Beschwerden durch – Trauer, Kummer, Sorge // Beschwerden durch – Zölibat, Ehelosigkeit, Enthaltsamkeit // Beschwerden durch – Zorn, Verärgerung
Haut – Hautausschläge // Allgemein – unterdrückt
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Mit einem gut gewählten Mittel lassen sich die Hauptbeschwerden i. d. R. bessern; allerdings ist dies nur als symptomatische Linderung zu sehen und meist nicht von anhaltender Dauer.
Die Verkleinerung der Prostata ist homöopathisch eine schwierige, oft nicht lösbare Aufgabe. Die Erfahrung zeigt, dass nur sehr wenige Männer zu einer alleinigen homöopathischen Therapie bereit sind.
Der Behandlung der Lokalsymptomatik muss eine konstitutionelle Therapie folgen. Dabei bereiten die meist schon langjährige Vorgeschichte – oft liegen die ersten Symptome der Erkrankung schon 15 Jahre (und mehr) zurück – und das Fehlen von verwertbaren, eigentümlichen und absonderlichen Symptomen (nach § 153 Organon) die größten Probleme.
Nur ein über Jahre anhaltender objektiver Stillstand des Wachstums der Prostata kann als Erfolg verbucht werden.
Unterstützende Maßnahmen
Hier haben Phytotherapeutika, allen voran Kürbisextrakte, Phytosterole, Sägepalm- und Brennnesselwurzelpräparate die größte Bedeutung. Die darin enthaltenen Wirkstoffe mildern die Hauptbeschwerden meist sehr effektiv. Die Therapie ist i. d. R. nebenwirkungsfrei. Durch die Parallelbehandlung mit Phytotherapeutika kann Zeit für die homöopathische Behandlung gewonnen werden.
Wichtige homöopathische Arzneimittel
Prinzipiell kommt jedes Mittel als Simillimum in Betracht. Da ein Prostataadenom nicht durch Arzneimittelprüfung entsteht, gibt die Hauptrubrik allenfalls Hinweise zu häufigen Mitteln, die sich aus klinischer Erfahrung als nützlich erwiesen haben.
Die Verschreibung richtet sich nach den Richtlinien bei der Behandlung von chronischen Krankheiten.

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