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B978-3-437-56353-9.00017-7

10.1016/B978-3-437-56353-9.00017-7

978-3-437-56353-9

Gynäkologie

Thomas Quak

    Inhaltsverzeichnis
  • 17.1

    Miasmatische Vorüberlegungen384

  • 17.2

    Erkrankungen der Eierstöcke und der Eileiter384

    • 17.2.1

      Funktionelle Ovarialzysten384

    • 17.2.2

      Zystische und solide Ovarialtumoren386

    • 17.2.3

      Adnexitis389

  • 17.3

    Erkrankungen der Gebärmutter391

    • 17.3.1

      Uterusmyome391

    • 17.3.2

      Uteruspolyp393

    • 17.3.3

      Uterussenkung, Uterusprolaps393

    • 17.3.4

      Endometriose395

  • 17.4

    Vaginale Infektionen396

  • 17.5

    Erkrankungen der äußeren Geschlechtsorgane398

    • 17.5.1

      Bartholinitis398

    • 17.5.2

      Condylomata acuminata/lata400

    • 17.5.3

      Herpes genitalis402

    • 17.5.4

      Lichen sclerosus et atrophicans402

  • 17.6

    Erkrankungen der weiblichen Brust402

    • 17.6.1

      Mastopathie402

    • 17.6.2

      Mastitis404

    • 17.6.3

      Gutartige Brusttumoren406

  • 17.7

    Prämenstruelles Syndrom (PMS)407

  • 17.8

    Zyklusstörungen409

  • 17.9

    Klimakterium411

Miasmatische Vorüberlegungen

GynäkologieDie meisten Erkrankungen des Urogenitalsystems gehören zum sykotischen Miasma (3.4.2). Es ist daher eminent wichtig, in der Anamnese besonders auf sykotische Symptome bei der Patientin und sykotische Zeichen in der Familiengeschichte zu achten: Rezidivierende Candidosen, fleischige Muttermale, rote Nävi (z. B. am Jochbein), Storchenbiss, rezidivierende Zystitiden oder Otitiden als Kind (besonders, wenn eine gelblich-grüne oder nur grüne Sekretion bestand), Spider-Nävi, Geschlechtskrankheiten in der Familie (Gonorrhoe, Chlamydien- und Papillomaviren-Infektionen etc.) sind dabei unter vielen anderen Symptomen (3.4) stark wegweisende Merkmale. Die Erkenntnis des zugrunde liegenden Miasmas ist entscheidend für die Auswahl der mittelweisenden Symptome und letztlich dafür, eine Arznei zu wählen, die mehr erfasst, als nur den akut sichtbaren Zustand.

Erkrankungen der Eierstöcke und der Eileiter

Funktionelle Ovarialzysten

Definition: Follikelzysten, Corpus-luteum-Zysten. ZysteOvarCorpus-luteum-ZysteFollikelzysteOvarZyste

Symptomatik: Gutartige, fast immer symptomlose, zystische Tumoren, die meist als Zufallsbefund in der Sonographie entdeckt werden. Enger Zusammenhang zwischen Zyklusstörungen und hormonellen Dysregulationen. Verschwinden häufig spontan nach einigen Zyklen.

Therapeutische Strategie
Follikelzysten und Corpus-luteum-Zysten sind meist Ausdruck einer funktionellen Störung im Hormonhaushalt der Frau. Diese lässt sich gut beeinflussen. In der Regel sieht man bei Behandlung mit dem richtigen Medikament nicht nur ein Verschwinden der Zysten innerhalb einer Zyklusperiode, sondern auch eine deutliche Besserung von zyklusabhängigen Beschwerden und eine Normalisierung des Menstruationsablaufes (Hypo-, Hyper- und Dysmenorrhoe werden deutlich positiv beeinflusst).

Unter Hormontherapie, OvarialzysteHormoneinnahme (Kontrazeptiva oder Wechseljahrshormone) ist eine Verlaufsbeurteilung der homöopathischen Therapie nicht möglich.

Homöopathische Behandlung
Ovarialzysten gehören zum Formenkreis der chronischen Erkrankungen und sind oft Ausdruck einer sykotischen Diathese (3.4.2). Die Mittelwahl darf sich hier nicht nur auf das Lokalsymptom der Zysten beschränken, sondern muss die Gesamtheit der Symptome der Patientin berücksichtigen. Da Follikelzysten ein zyklusabhängiges Phänomen sind, ist es bei der Wahl der mittelweisenden Symptome folgerichtig, unabhängig von eventuellen Lokalbeschwerden nach weiteren Symptomen im Zusammenhang mit dem Zyklusgeschehen zu suchen.
Wahl der Symptome
  • SymptomenwahlOvarialzysteArt und Beschaffenheit des Menstruationszyklus: z. B. Dauer, Menge, Farbe, Konsistenz.

  • Zyklusabhängige Begleitbeschwerden: z. B. Kopfschmerzen, Launen, Veränderungen des Geruchsempfindens, Brustspannen, Milchfluss, Libido.

  • Hautverfärbungen: z. B. Chloasma, braune Nävi.

  • Zyklusabhängige Zahnempfindlichkeiten: z. B. heiß, kalt, süß, sauer.

  • Leukorrhoe: z. B. Farbe, Geruch, mit und ohne Pruritus, wund machend.

  • Vikariierende Symptome: Symptome, die anstelle der Mens auftreten: Nasenbluten statt Mens, Kopfschmerzen statt Mens, Leukorrhoe statt Mens.

  • Zystenbildung in anderen Organen: z. B. Brust, Niere.

  • Haarausfall (auch im Scham- oder Achselhaarbereich) oder vermehrtes Haarwachstum (auch an ungewöhnlichen Stellen, z. B. Damenbart).

  • Beschaffenheit der Finger- und Zehennägel.

  • Warzen: Lokalisation, Beschaffenheit.

Miasmatische Zuordnung
Ovarialzysten gehören zum Formenkreis der chronischen Erkrankungen und sind oft Ausdruck einer sykotischen Diathese (3.4.2).
Repertorium
RepertorisationOvarialzysteDie große Rubrik für Ovarialzysten findet man im Repertorium unter Weibliche Genitalien – Tumoren – Zysten – Eierstöcke (47 AM). Da man früher ohne die Hilfe bildgebender Verfahren nicht immer zwischen einem zystischen oder soliden Tumor unterscheiden konnte und auch heute noch ohne operativen Eingriff die Art eines Ovarialtumors letztlich nicht eindeutig bestimmt werden kann, empfiehlt es sich, auch die größere Allgemeinrubrik Weibliche Genitalien – Tumoren – Eierstöcke zu Rate zu ziehen.
Wichtige Rubriken für Begleitsymptome, z. B. Menssymptome (Art, Beschaffenheit etc.), findet man unter Weibliche Genitalien – Menses.

Diagnosebezoge Rubriken

Weibliche Genitalien – Tumoren – Zysten – Eierstöcke (47 AM)
Weibliche Genitalien – Tumoren – Eierstöcke

Begleitsymptom: Kopfschmerzen

Kopf – Schmerz // Menses – agg. // Menses – vor // Menses – Einsetzen, beim // Menses – bei

Begleitsymptom: Nasenbluten

Nase – Nasenbluten // Menses – vor // Menses – zu Beginn // Menses – bei // Menses – nach // Menses – anstelle von // Menses – aussetzend // Menses – unterdrückte

Begleitsymptom: Brustspannen

Brust – Schmerzen – Mammae //Menses – vor // Menses – während // Menses – nach // Menses – amel. // Menses – unterdrückten, bei

Psychische Begleitsymptome

Gemüt – Traurigkeit // Menses – vor // Menses – Einsetzen der, beim // Menses – nach // Menses – Menarche eingetreten ist und danach die Menses ausbleibt, nachdem die // Menses – unterdrückt //Menses – verspätete, durch

Begleitsymptom: Chloasma

Gesicht – Verfärbung // braun // braun – Flecke // braun – Stirn

Begleitsymptom: Zahnschmerzen

Zähne – Schmerzen // Menses – vor // Menses – Einsetzen, beim // Schmerzen – Menses – während

Begleitsymptom: Warzen

Weibliche Genitalien – Kondylome
Extremitäten – Warzen

Begleitsymptome: Leukorrhoe

Weibliche Genitalien – Ausfluss, Fluor // Menses – vor // Menses – während // Menses – nach // Menses – anstelle von

Begleitsymptom: Haarausfall

Weibliche Genitalien – Schamhaare fallen aus
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Da Ovarialzysten i. d. R. nur ein Symptom eines in Wirklichkeit komplexeren Krankheitsgeschehens bei der Patientin sind, ist eine Besserung der anderen Zeichen und Symptome, wie sie oben beschrieben wurden, eine notwendige Voraussetzung, um von einer dauerhaften Heilung der Patienten ausgehen zu können, selbst wenn die Zysten im Behandlungsverlauf bereits verschwunden sind.
Prognose: Unter dem passenden homöopathischen Medikament sollten sich die Ovarialzysten innerhalb eines Zyklus bessern. Gleichzeit sollten sich Zyklusgeschehen und Begleitsymptome allmählich zum Gesunden entwickeln.
Wichtige homöopathische Arzneimittel

!!! Apis, Lyc., Nat-m., Sep., Thuj., Tub.
!! Coloc., Plat., Sabin.

Eine genaue Differenzierung der genannten Arzneimittel bezüglich der meist oligo- oder asymptomatischen funktionellen Ovarialzysten soll an dieser Stelle nicht vorgenommen werden. Die möglichen Indikationen sind vielfältig und können letztlich aus allen Bereichen der Arzneimittelbilder stammen, sodass auf die Materia medica (35) verwiesen sei.

Zystische und solide Ovarialtumoren

Ovar Tumor

Definition: BlastomeTumorBlastomBlastom. Zystische oder solide Tumoren, die von Strukturen des Ovars oder des Eileiters ausgehen („echte Ovarialtumoren“). Einteilung:

  • Zystadenome (ca. 70 % aller gutartigen Ovarialtumoren): Vom Oberflächenepithel ausgehende Tumoren, ein oder mehrkammerige Zysten mit serösem oder muzinösem (schleimigem) Inhalt.

  • Fibrome: Bindegewebstumoren, ohne zystische Flüssigkeitsbildung, jedoch oft mit Aszitesbildung, selten Entwicklung eines Hydrothorax.

  • Teratome (ca. 25 %): Vom Keimepithel ausgehende, hormonproduzierende Tumoren (ausgehend von hormonproduzierenden Zellen), embryonale Teratome (ausgehend von embryonalen Keimzellen).

Symptomatik: Meist asymptomatisch, gelegentlich Ziehen im Unterbauch oder Druckgefühl. Selten lokalisierte Schmerzen beim Koitus.

Therapeutische Strategie
Durch die modernen bildgebenden Verfahren und die Möglichkeit der mikroinvasiven Diagnostik hat die Beurteilung der Dignität von Ovarialtumoren heute zusätzliche an Sicherheit gewonnen. Dennoch ist es aufgrund der vielfältigen Tumorarten der Ovarien und deren Anhangsgebilde sehr schwierig, ohne histologischen Befund eine karzinomatöse Genese des Geschehens auszuschließen. Die grundsätzlich gutartigen Ovarialkystome, Teratome, Granulosa- und Thekazelltumoren (östrogenbildende Tumoren) oder Arrhenoblastome (Androgenbildner) zeichnen sich durch ein gewisses Entartungsrisiko aus. Große Ovarialtumoren bergen zudem die Gefahr der „Stieldrehung“, bei der sich das Ovar wegen einer durch den Tumor bedingten Rotation des Eileiters die eigene Blutversorgung abklemmt, was zum Symptomenbild des akuten Abdomens führt und eine zwingende Operationsindikation ist.
Ziel der homöopathischen Behandlung ist im Idealfall ein Verschwinden, zumindest aber ein Wachstumsstillstand des Tumors bei gleichzeitigem Verschwinden der durch den Tumor bedingten Abdominalbeschwerden. Die Behandlung erfordert – unter ständiger Kontrolle des Tumorwachstums – Geduld (Monate bis Jahre) und eine konsequente antimiasmatische therapeutische Strategie.
Homöopathische Behandlung
Die Behandlung von echten Ovarialtumoren richtet sich nach den Grundsätzen der konstitutionellen Behandlung: Aufnahme der Gesamtheit der Symptome, Auswahl der auffallenden und sonderlichen Symptome und deren miasmatische Zuordnung (s. u.). Wichtig für die Einschätzung der Prognose ist die Familienanamnese hinsichtlich maligner Erkrankungen bei Männern und Frauen. Geschlechtskrankheiten der Patientin, des aktuellen oder früheren Sexualpartners oder ihrer Vorfahren können mittelweisend sein. Organpathologien entwickeln sich fast nie aus dem Nichts, die Patientin hat i. d. R. eine Vorgeschichte früher funktioneller Störungen des Menstruationszyklus (Amenorrhoe, Dysmenorrhoe, Hypermenorrhoe, verspätete Menarche etc), die häufig jahrelang durch Einnahme eines hormonellen Kontrazeptivums überdeckt bzw. unterdrückt wurden.
Wahl der Symptome
  • SymptomenwahlOvarialtumorMenarche: (verfrüht, verspätet).

  • Regelbeschwerden: z. B. Schmerzen, Hypermenorrhoe, Brustspannen, Depression, Beinödeme, Übelkeit.

  • Hormoneinnahme: z. B. Unterdrückung von Regelsymptomen oft über Jahre.

  • Ohnmachten oder Synkopen (als Kind oder in der Pubertät).

  • Warzen und deren Lokalisation (aktuell oder in der Kindheit).

  • Unterdrückte oder noch bestehende Genitalcondylomata.

  • Historie von Zystitiden vor Aufnahme des Geschlechtsverkehrs.

  • Beginn von Unterleibsbeschwerden mit Aufnahme einer neuen Partnerschaft (miasmatische Infektion).

  • Aborte (welcher Monat?), Ausschabungen und Abtreibungen (Sykotisierung).

  • Leukorrhoe: z. B. Beschaffenheit, Farbe, Geruch.

  • Libido: z. B. vermehrt, vermindert.

Miasmatische Zuordnung
Gutartige Tumoren der Eierstöcke und Eileiter sind meist ein Symptom der Sykosis.
Repertorium
RepertorisationOvarialtumorDie große Rubrik für die Ovarialtumoren findet man unter Weibliche Genitalien – Tumoren – Eierstöcke (74 AM). Da die Dignität eines Ovarialtumors (bis zur histologischen Abklärung) theoretisch auch immer kanzerös sein kann, empfiehlt es sich, auch die Rubrik Allgemeines – karzinomatöse Leiden – Drüsen im Auge zu behalten. Zudem können folgende Rubriken bei der Arzneiwahl hilfreich sein.

Diagnosebezogene Rubriken

Weibliche Genitalien – Tumoren – Eierstöcke (74 AM)
Allgemeines – karzinomatöse Leiden – Drüsen

Begleitsymptome

Weibliche Genitalien // Menses – verspätet bei Mädchen, Menarche // Abort, Fehlgeburt – Schwangerschaftsmonat – dritten Monat, im // Ausfluss, Fluor – grünlich // Koitus – Abneigung gegen // Kondylome
Blase – Entzündung // chronisch // rezidivierend
Allgemeines – Ohnmacht, in Ohnmacht fallen // Menses – vor // Menses – Anfang der, am // Menses – bei // Menses – nach // Menses – unterdrückte, durch // Schwangerschaft, in der
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Da Tumoren pathologische Gewebsveränderungen sind, also bereits ein tiefgreifendes Krankheitsgeschehen repräsentieren, ist im Verlauf der Behandlung mit zum Teil heftigen AusscheidungsreaktionenAusscheidungsreaktionOvarialtumor zu rechnen (z. B. Leukorrhoe, Metrorrhagien, Dermatosen), deren kritische Behandlung oft das ganze Können des Therapeuten erfordern. Werden diese Ausscheidungsreaktionen medikamentös unterdrückt, führt dies i. d. R. zu einem weiteren Wachstum des Tumors oder zumindest zu einer nachhaltigen Unterbrechung des Heilungsvorgangs. Q-Potenzen wirken milder, kontinuierlicher und lösen weniger heftige Erstreaktionen aus als hohe C-Potenzen.

Eine Tumorheilung ohne Ausscheidungsreaktionen ist immer hinsichtlich einer zentripetalen Verschiebung des Krankheitsgeschehens kritisch zu hinterfragen.

Wegen des häufig oligo- oder asymptomatischen Krankheitsverlaufs müssen zur Verlaufsbeurteilung auch alle anderen Symptome bzw. Erkrankungen der Patientin herangezogen werden.
Wichtige homöopathische Arzneimittel

(Neben vielen anderen) Aur., Carb-an., Con., Lach., Plat., Thuj.

Angesichts der mannigfaltigen Möglichkeiten der Arzneiwahl bei Ovarialtumoren (allein über 30 Medikamente in der Rubrik Weibliche Genitalien – Tumoren – Ovarien – Zysten) können an dieser Stelle keine speziellen Indikationen angegeben werden.

Adnexitis

Adnexitis Eierstockentzündung s. Adnexitis

Definition: Meist einseitige Entzündung des Eierstocks oder seiner Anhangsgebilde. Oft ausgelöst durch ungeschützten Verkehr (DD: Zystitis), Spirale, Abort, Abrasio, Abruptio etc. Infektion mit Chlamydien, Gonokokken, Anaerobiern, Staphylokokken, Streptokokken, Proteus, E. coli.

Symptomatik: Einseitige Unterbauchschmerzen, oft mit Übelkeit, Meteorismus, Leukorrhoe und Schmierblutung. Dyspareunie (schmerzhafter Koitus), Fieber und Krankheitsgefühl.

Therapeutische Strategie und homöopathische Behandlung
Wegen der oft starken Beschwerden der Patientinnen und der möglichen Spätkomplikationen (z. B. Pyosalpinx, Sterilität, Neigung zur Tubargravidität) ist eine rasche, auf die akuten Symptome gerichtete Behandlung notwendig. Unter dem richtigen homöopathischen Mittel ist ein deutlicher Rückgang der Beschwerden, insbesondere der Schmerzen, innerhalb von 48 Stunden zu fordern.
Da die Adnexitis sich wie ein akutes Krankheitsbild darstellt, sind i. d. R. deutliche Symptome vorhanden, anhand derer eine Mittel verschrieben werden kann.
Gelegentlich entwickelt sich eine Adnexitis im Rahmen einer Konstitutionsbehandlung und weist mit ihren zugrunde liegenden Symptomen auf eine Nosode wie Tuberculinum, Medorrhinum oder Syphilinum hin. Die Adnexitis ist in diesem Fall also ein Ausdruck des aktivierten Miasmas und verschwindet unter der Wirkung der Nosode schnell (klare, rasche Besserung; andernfalls neues Mittel wählen; nicht Mindestwirkzeit von 35 Tagen abwarten).

30 % der Adnexitiden sind durch GonokokkenGonokokken, Adnexitis verursacht.

Miasmatische Zuordnung
Adnexitiden sind meist ein Symptom der Sykosis.
Repertorium
RepertorisationAdnexitisDie große Rubrik für Adnexitiden findet man unter Weibliche Genitalien – Entzündung – Eierstöcke, Adnexitis (88 AM). Die Modalitäten oder die auslösende Causa, z. A. Adnexitis nach Aborten, Ausschabungen, Schwangerschaftsabbrüchen oder Spiralimplantationen, sind oft mittelweisend und werden in den entsprechenden Unterrubriken abgebildet. Zu berücksichtigen sind ebenfalls Rubriken, welche die Unterbauchbeschwerden thematisieren.

Diagnosebezogene Rubrik

Weibliche Genitalien – Entzündung – Eierstöcke, Adnexitis (88 AM)

Modalitäten

Weibliche Genitalien – Entzündung – Eierstöcke, Adnexitis // abwechselnde Seiten // links // rechts // Peritoneums, mit Beteiligung des

Causa

Allgemeines // Abort, Beschwerden nach // Verletzungen, Stöße, Stürze, Prellungen – Operation, Beschwerden durch
Weibliche Genitalien – Entzündung – Eierstöcke, Adnexitis // Abort, nach // Blutung, nach einer // Furcht, durch // Füße, nach Durchnässung der // Gonorrhoe, nach unterdrückter // Klimakterium, im // Menses, mit unterdrückten // Menstruationsfluss setzt plötzlich aus // Mumps, nach // Rheumatikern, bei // sexuelle Exzesse, durch

Unterbauchbeschwerden

Weibliche Genitalien – Schmerzen – Ovarien // Koitus, während // Koitus, nach
Weibliche Genitalien – Schmerzen – Uterus // Koitus, während // Schmerzen – Uterus – Koitus, nach
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Höhere C-Potenzen (200, M) haben sich bewährt. Bei kolikartigen Beschwerden, hohem Fieber oder septischen Zuständen auch in kürzeren (Minuten) Abständen, mit Wasser verkleppert, bis Besserung eintritt. Besserung bedeutet immer ein Stopp in der Medikamentengabe. Je bedrohlicher die Situation, desto klarer sind i. d. R. die Symptome des Patienten. Wegen des heftigen Entzündungszustandes ist die Arzneimittelwirkung häufig schnell verbraucht, insbesondere von niedrigen Potenzen, die deshalb nur selten angezeigt sind. Eine fachärztliche Verlaufskontrolle ist notwendig, da es sich um ein schwerwiegendes Krankheitsgeschehen handelt.

Nie in eine Besserung hinein weiter Medikamente geben!

Wichtige homöopathische Arzneimittel

!Apis, Ars., Bry., Coloc., Lach., Med., Merc., Tub.

Die Behandlung der Adnexitis als akutes Krankheitsbild mit dem Risiko erheblicher Spätkomplikationen ist schwierig und sollte dem versierten Homöopathen vorbehalten bleiben. Eine Beschreibung der entsprechenden Mittel und deren Indikationen fehlt deshalb an dieser Stelle.

Erkrankungen der Gebärmutter

Uterusmyome

Uterus Myom Myom, Uterus

Definition: Hormonabhängige, gutartige Geschwülste des Myometriums. Häufigste gutartige Tumoren des Uterus. Hormonabhängige Entstehung nur während der Geschlechtsreife. Man unterscheidet je nach Lokalisation submuköse (unter der Gebärmutterschleimhaut liegende), intramurale (in der Gebärmutterwand liegende) und subseröse (an der Gebärmutteroberfläche liegende) Myome. Größe: i. d. R. einige Zentimeter, in seltenen Fällen bis zur Größe einer schwangeren Gebärmutter. Etwa 20 % aller Frauen > 35. Lj. betroffen.

Symptomatik: Patientinnen mit kleinen Myomen sind i. d. R. beschwerdefrei. Häufiger finden sich längere oder verstärkte Regelblutungen, z. T. mit verstärkten Menstruationsschmerzen und stärkerer Koagelbildung. Myome können zu Konzeptions- und Geburtsproblemen führen. Sehr große Myome können durch Druck- und Verdrängungsprozesse Beschwerden an umliegenden Organen wie Blase, Harnleitern und Darm auslösen. Durch Druck auf die Kreuzbeinhöhle können ischialgieähnliche Schmerzen entstehen.

Therapeutische Strategie
Uterusmyome sind Ausdruck einer miasmatischen, chronischen Krankheit. Das Wachstum von Myomen ist hormonabhängig. Deshalb ist das Absetzen östrogenhaltiger Hormonsubstitution eine Notwendigkeit. Da Myome nur in sehr seltenen Fällen maligne werden (Leiomyosarkom), kann die Therapie mit der gebotenen Ruhe und Gelassenheit durchgeführt werden. Geduldiges Vorgehen bewährt sich auch bei verstärkten Mensesblutungen oder durch die Myome verursachter Dysmenorrhoe.

Das erste therapeutische Ziel besteht in der Beseitigung von Metrorrhagien, Dysmenorrhoe und Hypermenorrhoe. Erstaunlicherweise geht die Besserung dieser funktionellen Beschwerden dem Verschwinden der Myome zeitlich meist deutlich voran. Die Myome neigen zur Persistenz und beginnen sich häufig erst nach monatelanger homöopathischer Therapie zu verkleinern.

Homöopathische Behandlung
Für die Behandlung von Myomen ist eine konstitutionelle Therapie unter Betrachtung der Gesamtheit der Symptome notwendig. Es gibt keine Möglichkeit, über einen verkürzten Weg zum Erfolg zu gelangen.
Besonders beachtenswert bei der Behandlung sind die Begleitsymptome, die den Myomen zwar oft kausal zugeschrieben werden, jedoch fast immer unabhängig von der Myomgröße gebessert werden können (s. o.). Sie geben u. U. wertvolle Hinweise auf das zu wählende Konstitutionsmittel.
Wahl der Symptome
  • SymptomenwahlUterusmyomFarbe des Bluts: z. B. hellrot, dunkel, schwarz.

  • Konsistenz der Mens: z. B. zäh, dünnflüssig, wund machend, schleimig, klumpig.

  • Modalitäten der Mensesblutung: z. B. intermittierend, zwei Tage aussetzend, fließt nur nachts oder nur tagsüber, vikariierende Mens.

  • Östrogenszeichen: wie Chloasma, Brustspannen, Ödeme, Haarausfall.

Miasmatische Zuordnung
Myome sind ein Symptom der Sykosis.
Repertorium
RepertorisationUterusmyomeDie große Rubrik für Uterusmyome findet man unter Weibliche Genitalien – Tumoren – Fibrom (bzw. Myom) – Uterus. Für die Arzneiwahl von Bedeutung im Sinne einer individuellen Krankheitsäußerung sind u. a. Rubriken, welche die Charakteristika der Blutung (Farbe, Konsistenz) und die Modalitäten der Menstruation abbilden.

Diagnosebezogene Rubrik

Weibliche Genitalien – Tumoren – Fibrom (bzw. Myom) – Uterus

Farbe und Konsistenz der Blutung

Weibliche Genitalien – Menses // hellrot // schwarz
Weibliche Genitalien – Menses // dünnflüssig // geronnen – dunkle Klumpen // scharf, ätzend, wund machend // zäh

Modalitäten der Blutung

Weibliche Genitalien – Menses // aussetzend – Minuten, kommt für ein paar, hört dann sechs oder acht Stunden lang auf // aussetzend // kehren wieder, nachdem sie aufgehört hatten // übel riechend

Östrogenzeichen (Überschuss oder Mangel)

Weibliche Genitalien – Schamhaare fallen aus
Gesicht – Verfärbung // braun – Flecken // Chloasma
Brust – Schmerzen – Mammae // Menses – vor // Menses – während
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Wie oben bereits erwähnt, richtet sich die Beurteilung des Therapieverlaufs zunächst nicht ausschließlich nach dem Kriterium der Myomverkleinerung, sondern nach den individuellen Krankheitserscheinungen, die durch das/die Myom(e) hervorgerufen werden (beispielsweise Schmerzen, Hypermenorrhoe, Metrorrhagie). Liegen anderen Erkrankungen oder Symptome (unabhängig von den Myomen) vor, müssen auch diese zur Beurteilung des Therapieverlaufs herangezogen werden. Die Behandlung von Myomen ohne Komplikationen erfolgt mit Einzelgaben hoher C-Potenzen. Symptomatische Myome (Blutungen, Schmerzen, etc.) lassen sich gut mit Q-Potenzen behandeln.
Prognose: Die Prognose bezüglich der Beschwerden ist unter klassisch-homöopathischer Behandlung sehr gut. Ob sich die Myome komplett zurückbilden, hängt von deren ursprünglicher Größe ab. Die Rückbildung ist bei sonstiger, langfristiger Beschwerdefreiheit nach den Kriterien einer homöopathischen Heilung keine „Conditio sine qua non“.
Wichtige homöopathische Arzneimittel

!!! Aur., Aur-i., Aur-m-n., Calc., Calc-f., Kali-c, Merc., Merc-c., Phos., Puls., Sabin., Sep., Sil., Thuj.
!! Apis, Ars., Calc-p., Carc., Con, Hydr., Lach., Lap-a., Led., Lil-t., Lyc., Lyss., Med., Meph., Merc., Nit-ac., Sanic., Thuj.
! Thlaspi

Uteruspolyp

Uterus Polyp

Definition: Hyperplasie des Endometriums, meist im Klimakterium und der Postmenopause.

Symptomatik: Auffällige Anzeichen sind v. a. Metrorrhagien und Unterbauchkoliken.

Vorgehen wie beim Uterusmyom (17.3.1) unter besonderer Berücksichtigung der Blutungssymptome (Metrorrhagien, Dysmenorrhoe, Hypermenorrhoe).
Miasmatische Zuordnung: Uteruspolypen sind ein Symptom der Sykosis.
Zur Wahl der Symptome/Repertorium (17.3.1).

Cave: Endometriumkarzinom!

Uterussenkung, Uterusprolaps

Gebärmutter s. Uterus Uterus Senkung/Prolaps

Definition: Vorfall des Uterus in das Vaginalcavum, meist einhergehend mit Miktionsstörungen. Überwiegend bei Multipara. Ein Vorfall bis zum Scheideneingang wird als Senkung, darüber hinaus als Prolaps bezeichnet. Ursache: Schwäche und/oder Defekt des Beckenbodens oder des Aufhängeapparats des Uterus infolge von schweren Geburten. Adipositas oder schwere körperliche Tätigkeit.

Symptomatik: Örtliches „Druckgefühl nach unten“, Kreuzschmerzen, Harninkontinenz, rezid. Harnwegsinfektion, Verstopfung, Pollakisurie, oft auch blutige Leukorrhoe (durch Entzündungsvorgänge).

Therapeutische Strategie
Behandlungsbedürftig wird der Uterusprolaps durch die gelegentlich einhergehenden Begleitstörungen: Harninkontinenz, UterusprolapsStress- und Urge-Inkontinenz (Husten, Niesen, Lachen, Treppensteigen, Hüpfen, plötzlicher zwingender Harndrang etc.), rezidivierende Blasenentzündungen, Obstipation, Vaginitis etc. Diese Beschwerden liefern viele hilfreiche Symptome bei der Mittelwahl. Ein homöopathischer Behandlungsversuch ist in jedem Fall gerechtfertigt, da neben gymnastischer Beckenbodenstärkung nur operative Maßnahmen mit den bekannten Risiken als Behandlungsalternativen zur Verfügung stehen.
Homöopathische Behandlung
Ziel ist das Verschwinden der Begleitbeschwerden und ein Rückgang des Prolaps. Einerseits liegt beim Uterusprolaps eine genetische (miasmatische) Disposition vor, die eine konstitutionelle Behandlung erforderlich macht. Andererseits können auch einige der homöopathischen Verletzungsmittel angezeigt sein (33.6), wenn ein klarer Zusammenhang zwischen einer Geburt und der Uterussenkung besteht.
Lange Zeit machte man v. a. eine Überdehnung des Bindegewebes während einer Geburt oder sonstige Stressoren für den Beckenboden als Causa für den Prolaps verantwortlich. Mindestens ebenso bedeutsam sind jedoch traumatische Schädigungen der die Beckenboden- und Vaginalmuskulatur ansteuernden Nervenbahnen. Besonders nach schweren Geburten mit Eingriffen wie Dammschnitt, Pudendusblockade, PDA, Zangengeburt etc. Deshalb hilft auch gezielte Beckenbodengymnastik oft nicht ausreichend, weil die Muskelgruppen aufgrund der ungenügenden nervalen Ansprechbarkeit nicht voll aufbaubar sind. Hier helfen die homöopathischen Verletzungsmittel (z. B. Hypericum perforatum) erstaunlich gut.
Wahl der Symptome
SymptomenwahlUterusprolapsDurch genaue Befragung der Patientin sollten bezüglich des Prolaps uteri folgende Punkte exploriert werden:
  • Schwangerschafts- und Geburtsverlauf (Zahl der Geburten).

  • Frühere Ausschabungen, Schwangerschaftsabbrüche (Sykotisierung).

  • Wundheilungsverhalten.

  • Inkontinenzmodalitäten (wann und unter welchen Bedingungen tritt die Inkontinenz auf).

  • Stuhlgangsmodalitäten.

  • Hämorrhoiden (und deren Modalitäten, falls vorhanden).

  • Subjektive Empfindungen (z. B. Abwärtsdrängen, Gefühl einer Kugel im Unterleib).

Miasmatische Zuordnung
Der Uterusprolaps ist ein Symptom der Psora, nach J. H. Allen jedoch der Pseudopsora (Tuberkulinie).
Repertorium
RepertorisationUterusprolapsDie große Rubrik für Uterusprolaps findet sich unter Weibliche Genitalien – Prolaps – Uterus. Zu berücksichtigen sind auch die zahlreichen Unterrubriken. Zudem die Rubriken, die mögliche Inkontinenz abbilden und die Causa berücksichtigen, wenn z. B. der Prolaps Folge einer Geburtsverletzung (Dammschnitt, Dammriss) ist. Relevant sind ebenfalls Rubriken, welche die Schmerzen charakterisieren.

Diagnosebezogene Rubrik

Weibliche Genitalien – Prolaps – Uterus – Entbindung, nach der // Heben, durch // nachmittags // Schreck, nach // Stuhlentleerung, während // Überanstrengung, durch // Zangengeburt, nach

Blasensymptome

Harnentleerung – unfreiwillig – Anstrengung, bei // Husten, bei // Lachen // Schwangerschaft, während der // Stehen, im

Causa: Verletzungen

Allgemeines – Verletzungen, Stöße, Stürze, Prellungen – Muskeln, der // Operation, Beschwerden durch // Überanstrengung, durch // weiche Partien, Kontusion
Allgemeines – Wunden // Beckenorgane, der // heilen, langsam // Risswunden, Zerreißungen // Schnittwunden

Empfindungen

Weibliche Genitalien – Schmerz – abwärtsdrängend – Uterus // Gehen, beim // herauskommen, als würde alles // herauskommen, als würde alles – Stuhlgang, beim // Kreuzen der Beine amel. // Schmerz – abwärtsdrängend – Uterus – Stehen agg.
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Je nach Schwergerad des Prolaps lassen sich unter homöopathischer Therapie gute Erfolge erzielen. Operationen lassen sich im Regelfall vermeiden. Wichtig ist die Unterstützung durch spezielle Physiotherapie der Muskulatur des kleinen Beckens.
Unterstützende Maßnahmen
Beckenbodentraining, Yoga.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!Aur., Calc., Kali-c., Nux-v. Rhus-t., Plat., Sep., Sil.

Nach traumatischen Geburten: Arn., Hyper., Rhus-t.

Im Repertorium werden für den Uterusprolaps 137 Arzneimittel erwähnt, von denen einige der häufigsten oben aufgeführt sind. Da neben den speziellen Indikationen (z. B. Prolaps durch Greifen nach oben → Calcarea carbonica#Calcium carbonicumUterusprolaps, Kreuzen der Beine amel. → Sepia#SepiaUterusprolaps, Prolaps nach zur früher Belastung nach der Entbindung → Nux-v., Prolaps durch Heben → Rhus toxicodendron#Rhus toxicodendronUterusprolaps) häufig andere Symptome für die Arzneiwahl entscheidend sind, soll an dieser Stelle anstatt einer Differenzierung der Arzneimittel auf die Materia medica (35) verwiesen werden.

Endometriose

Endometriose

Definition: Ektopisches (außerhalb des Uterus befindliches), hormon- und zyklusabhängig proliferierendes Endometriumgewebe. Gutartig. Je nach Lokalisation (Ovar, Tuben, Bauchhöhle etc.) entsprechende Abdominalbeschwerden im Zusammenhang mit der Menstruation. Wichtige Ursache für Sterilität.

Symptomatik: Meist im Zusammenhang mit der Menstruation auftretende, oft sehr starke Unterleibsbeschwerden, Krämpfe, Abdominalkoliken. Häufig Zwischenblutungen, auch Rückenschmerzen und Beschwerden beim Koitus. Jedoch nur etwa 50 % der Fälle symptomatisch. Symptomatik hängt stark von der Lokalisation des ektopen Endometriums ab.

Therapeutische Strategie und homöopathische Behandlung
Eine genaue Fallaufnahme unter Betrachtung der Gesamtheit der Symptome ist notwendig. Jahrelange konsequente Behandlung bringt deutliche Erfolge, insbesondere bei Kinderwunsch.

Unter Hormoneinnahme ist keine homöopathische Beurteilung des Therapieverlaufs möglich.

Miasmatische Zuordnung
Die Vielfalt und Hartnäckigkeit der im Rahmen einer Endometriose auftretenden Beschwerden und die häufig damit einhergehende primäre Sterilität zeigt deutlich das Stadium II einer Sykosis (3.4.2) an.
Wahl der Symptome, Repertorium
Je nach Sitz der ektopen Schleimhaut, kommt es zu unterschiedlichsten Symptomen im Bereich des Abdomens und des Unterleibes, unter Umständen können auch zystitische Beschwerden oder sogar Blutungen des Rektums auftreten. Die entsprechenden Informationen zur Wahl der Symptome, den Repertoriumsrubriken und den Arzneimitteln sind den jeweiligen Kapiteln zu entnehmen (4.2, 5.2, 6.3).
Wichtige homöopathische Arzneimittel

Langzeitbehandlung: Kali-c., Lach., Lyc., Med., Nit-ac., Phos., Puls., Sep., Sulph., Thuj.

Akutmittel bei abdominalen Schmerzzuständen: Bell., Cham., Cimic., Coloc., Cycl., Nux-v., Sec.

Vaginale Infektionen

Mykosen Candidose Vaginalinfektion Infektion vaginale

  • Candidosis: Bei nicht immunsupprimierten Patientinnen an sich harmlose Pilzerkrankung. Wird symptomatisch durch LeukorrhoeLeukorrhoe, Genitalpruritus und Schmerzen beim Koitus.

  • Bakterielle Infektionen: Je nach Erreger unterschiedliche Symptome einer Vaginitis und Vulvitis. Erregernachweis für Prognose wichtig.

  • Virale Infektionen: HerpesHerpesgenitalis genitalis, ulzerierender, brennend schmerzhafter Bläschenausschlag im Genital- und Anusbereich.

Therapeutische Strategie
Die Behandlung der Genitalinfektionen richtet sich je nach der Beschwerdelage an den vordringlichen akuten Symptomen oder an den konstitutionellen Beschwerden der Patientin aus. Die Aufnahme der Gesamtheit der Symptome ist hierbei notwendig.
Die schulmedizinische Therapie mit Antibiotika und Antimykotika in den verschiedenen Applikationsformen stellt aus homöopathischer Sicht eine eindeutige Unterdrückung und somit ein erhebliches Risiko für die Gesamtgesundheit der Patientin dar. Aus diesem Grund und weil akute wie chronische Genitalinfektionen gut auf die homöopathische Behandlung ansprechen, kann auf jede zusätzliche schulmedizinische Therapie verzichtet werden.
Homöopathische Behandlung
Viele Symptome, die mit einer Infektion des Urogenitalbereiches einhergehen, sind sykotischer Natur und deshalb zur Mittelwahl heranzuziehen.
Das richtige homöopathische Medikament schützt vor einer aufsteigenden Infektion. Kompliziert oder weitet sich die Infektion während der Arzneiwirkung aus, muss die Mindestwirkzeit nicht abgewartet werden, bevor ein neues Mittel gewählt wird.
Wahl der Symptome
  • SymptomenwahlVaginalinfektionFarbe, Menge, Konsistenz und Geruch der LeukorrhoeLeukorrhoe.

  • Zyklusabhängiges Auftreten der Beschwerden.

  • Modalitäten der Leukorrhoe.

Miasmatische Zuordnung
Eine erstmalig auftretende Genitalinfektion (z. B. bei neuem Geschlechtspartner) kann zunächst als akute Erkrankung betrachtet werden. Das akute Beschwerdebild liefert die Symptomatologie für die Mittelwahl.
Handelt es sich um rezidivierende Genitalinfektionen, liegt eine chronische Infektion (Sykosis) vor (3.4.2).
Repertorium
RepertorisationVaginalinfektionDie übergeordnete Rubrik des Repertoriums Weibliche Genitalien – Fluor ist mit über 300 aufgeführten Arzneimitteln sehr groß und deshalb für die Arzneiwahl ungeeignet. Sie verdeutlicht aber die therapeutischen Möglichkeiten bei dieser häufigen Diagnose. Wichtiger für die Arzneiwahl sind die speziellen Charakterisierungen der Leukorrhoe, z. B. die Konsistenz und die Modalitäten der Leukorrhö.
Da die Leukorrhoe bei Genitalinfektion das im Vordergrund stehende Lokalsymptom ist, sind im Folgenden die wichtigsten Leukorrhoe-Rubriken im Repertorium genannt, deren Vielfalt die Notwendigkeit der individuellen Differenzierung in jedem Einzelfall zeigt. Die Mittelwahl erfolgt selbstverständlich über die auffallenden, sonderlichen und eigenheitlichen Symptome gemäß „Organon“, § 153.

Diagnosebezogene Rubrik

Weibliche Genitalien – Fluor (300 AM)

Konsistenz, Modalitäten der Leukorrhoe

Weibliche Genitalien – Ausfluss, Fluor // fädig, fadenziehend, zäh // läuft die Beine herab // übel riechend – Fischlake, wie
Weibliche Genitalien – Ausfluss, Fluor // abwechselnd mit, Gemütsstörungen // Bettwärme agg. // Harnentleerung, nach // Harnentleerung, während // nachts, nur // periodisch // Stuhlentleerung, nach // Stuhlentleerung, während

Leukorrhoe-Differenzierung

Weibliche Genitalien – Ausfluss, Fluor // albuminös // Bläschen, verursacht // bläulich // blutig // braun // brennend // chronisch // dick // dunkel // dünnflüssig, wässrig // durchsichtig // eitrig // fädig, fadenziehend, zäh // fleischfarben // Fleischwasser, wie // flockig // gelb // geleeartig // grau // grünlich-gelb // grünlich // harnartig // hefeartig // heiß // heraustropfend // honigfarben // klar, durchsichtig // klumpig // kremig // läuft die Beine herab // membranös // milchig // ölig // orangene Flüssigkeit // profus // rosa // scharf, ätzend, wund machend // schaumig // schmutzig // schubweise // schwarz // spärlich // sprudelnd // ständig, chronisch // Stärke, wie gekochte // steif, macht die Wäsche // übel riechend // verfärbt die Wäsche // verklumpt // weiß
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Im Akutfall, egal ob bei Erstinfektion oder bei wiederholtem Auftreten, kann mit dem passenden Mittel eine Beschwerdebesserung innerhalb von 24–48 Stunden erwartet werden. Dabei zählt nur die Lokalsymptomatik als Verlaufsparameter.
Bei chronischen oder chronisch rezidivierenden Genitalinfektionen stellt die Unterleibssymptomatik meist nur einen Teilaspekt des Symptomenspektrums der Patientin dar. Also muss bei der Beurteilung der Arzneimittelwirkung das Gesamtbild betrachtet werden. Dabei kann nicht selten eine positive Arzneimittelwirkung konstatiert werden, obwohl z. B. der Fluor vaginalis weiter besteht und über einen längeren Behandlungszeitraum als positive Ausscheidungsreaktion betrachtet werden muss. Behandelt wird mit Einzelgaben hoher C-Potenzen.
Prognose: Rezidivierende Genitalinfektionen mit Candida, Chlamydien, Mykoplasmen oder Streptokokken lassen sich meist innerhalb von wenigen Wochen bis Monaten zur Beschwerdefreiheit bringen. Die Erreger sind dann nicht mehr nachweisbar. Dies gilt auch für Genitalinfektionen in der Schwangerschaft, die der besonderen Achtsamkeit des Therapeuten bedürfen.
Die Behandlung der Gonorrhoe, als meldepflichtige Erkrankung, bleibt der Schulmedizin und der antibiotischen Therapie vorbehalten.
Wichtige homöopathische Arzneimittel

Akute Genitalinfektionen: Bell., Canth., Cann-s., Merc., Petros., Puls., Sars., Sep.

Da bei der Behandlung sowohl akuter als auch chronischer Vaginalinfektionen neben den Lokalsymptomen häufig mannigfaltige Symptome außerhalb des Genitalbereichs wahlanzeigend sind, sollte bezüglich der Indikationen für die einzelnen Arzneimittel die Materia medica studiert werden (34).

Erkrankungen der äußeren Geschlechtsorgane

Bartholinitis

Bartholinitis

Definition: Entzündung und oft hühnereigroße, abszedierende Schwellung der bartholinischen Drüsen oder deren Ausführungsgänge. Gelegentliches Auftreten im Rahmen einer Gonorrhoe.

Symptomatik: Äußerst schmerzhafte Entzündung, Rötung und Anschwellung im Bereich der Schamlippen. Bewegung und Berührung verschlimmert.

Therapeutische Strategie
Aufgrund der starken Beschwerdesymptomatik ist der Arzt oft gezwungen, zunächst die Lokalsymptomatik unter Ausschluss der Gesamtsymptome zu betrachten. Die Mittelwahl richtet sich im akuten Fall nach den Lokalsymptomen und ist palliativer Natur. Selten ist eine chirurgische Abszesseröffnung notwendig, die für die Frauen oft eine traumatisierende Erfahrung ist. Wegen starker Rezidivneigung ist eine anschließende Konstitutionsbehandlung zwingend.
Akute Behandlung
AkuttherapieBartholinitisDie Behandlung einer floriden Bartholinitis folgt den Richtlinien der Akuttherapie (4.3). Die Arzneiwahl richtet sich nach den Modalitäten und auffallenden Symptomen der Lokalsymptomatik, die wegen ihrer Intensität die Qualität von Allgemeinsymptomen bekommen.
Wahl der Symptome
  • SymptomenwahlBartholinitisArt der Entzündung (inflammatorisch, abszedierend).

  • Schmerzqualitäten: z. B. stechend, brennend, juckend, schmerzlos.

  • Farbqualitäten: z. B. hellrot, bläulichrot, dunkelrot, Blässe.

  • Temperatur: z. B. rot glühend, kalt.

  • Empfindungen: z. B. wie ein Messer, wie von einer Nadel.

  • Entstehungszeit: z. B. plötzlich, allmählich.

  • Seitenlokalisation: z. B. links oder rechts.

Miasmatische Zuordnung
Die Bartholinitis ist ein Symptom der Sykosis, bei Fistelbildung auch der Tuberkulinie.
Repertorium
RepertorisationBartholinitisDie Lokalrubrik Weibliche Genitalien – Entzündung – Vagina, Kolpitis – Bartholinitis ist als sehr kleine und reine „Nachtragsrubrik“ weitgehend unbrauchbar. Mehr Hinweise gibt hier die Rubrik Weibliche Genitalien – Abszess oder Allgemeines – Geschwüre – Drüsen. Eine bewährte Rubrik ist Weibliche Genitalien – Geschwüre – schmerzhaft.
Die meisten Hinweise auf passende Arzneimittel findet man bei den Hautrubriken oder bei den Allgemeinsymptomen.
Wichtig: Die meisten Rubriken des Kapitels „Weibliche Genitalien“ zum Thema „Schmerzen“ im affizierten Bereich sind zu klein und deshalb zu selektiv.

Diagnosebezogene Rubriken

Weibliche Genitalien – Abszess
Allgemeines – Geschwüre – Drüsen
Weibliche Genitalien – Ulzera, Geschwüre – schmerzhaft

Allgemeinsymptome

Allgemeines // langsame Manifestation // plötzliche Manifestationen
Allgemeines – Schmerzen // allgemein – auftretend, allmählich // allgemein – erscheint plötzlich // Brennen – Drüsen // Splittergefühl // stechend, Stiche – Drüsen
Allgemeines – Verfärbung // Röte – dunkelrot, Varizen, Schleimhäute // Röte – hellrot, Schleimhäute // Röte – Teile, betroffene // weiß, normalerweise rote Partien sind – Schleimhäute
Haut // Abszess // Eiterung, zur Förderung // Entzündung // Verfärbung – rot, scharlachrot
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Die Symptome der akuten Bartholinitis sind heftig und überlagern meist jede weitere Symptomatik. Dementsprechend zählt für die Verlaufsbeurteilung ausschließlich die Entwicklung der Lokalbeschwerden. Sind sie besser, wird abgewartet, tritt in einem entsprechenden Zeitraum (ca. 12–24 Stunden) keine wesentliche Verbesserung auf, muss das Arzneimittel gewechselt werden. Ob sich die Entzündung im Heilungsverlauf zurückbildet oder eine spontane Abszesseröffnung erfolgt, hängt vom Lokalbefund zu Beginn der homöopathischen Behandlung und von der individuellen Reaktionsweise des Organismus ab. Beide Verlaufsformen sind im Sinne einer Heilung akzeptabel.
Die Symptome der akuten Bartholinitis klingen unter homöopathischer Behandlung schnell ab, auf chirurgische Intervention kann verzichtet werden.
Unterstützende Maßnahmen
Sitzbäder.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

Akutphase: Apis, Bell., Hep., Lach., Nit-ac.

Akute Behandlung
  • Apis#ApisBartholinitis: Glänzende, ödematöse Schwellung, mit stechenden Schmerzen bei der geringsten Berührung. Kalte Umschläge bessern sehr.

  • Belladonna#BelladonnaBartholinitis: Hochrote, heiße, entzündliche Schwellung die sich plötzlich entwickelt hat. Die Mens fühlt sich heiß an. Häufig pulsierende Schmerzen. Heißer Kopf, kalte Extremitäten.

  • Hepar sulfuris#Hepar sulfurisBartholinitis: Splitterartiger Schmerz (Nitricum acidum). Abszessbildung hat schon eingesetzt. Hepar sulfuris öffnet oft den Abszess (homöopathisches Skalpell). Verlangen nach Essig oder sauren Speisen. Leukorrhoe riecht wie alter Käse.

  • Lachesis#LachesisBartholinitis: bläulich roter Abszess. Bei verliebten eifersüchtigen jungen Frauen. Enges am Hals wird nicht vertragen.

  • Nitricum acidum#Nitricum acidumBartholinitis: Splitterartiger Schmerz, wie mit heißen Nadeln. Alle Schweiße riechen übel. Wie Stiche durch die Vagina. Schmerzen kommen und gehen schnell. Wenn gleichzeitig Genitalcondylomata vorhanden sind oder früher unterdrückt wurden.

Konstitutionelle Behandlung
KonstitutionstherapieBartholinitisBartholinitiden gehören zum Formenkreis der Sykosis. Soll ein kurativer Prozess eine dauerhafte Heilung bringen, muss die Gesamtheit der Symptome unter Einbeziehung miasmatischer Belastungen aufgenommen werden. Die Unterdrückung des Lokalphänomens sollte so weit wie möglich vermieden werden, da sonst eine Verschiebung zu inneren Organen riskiert wird.

Condylomata acuminata/lata

Condyloma acuminatum

Definition: KondylomKondylom, FeigwarzenFeigwarzen.

Symptomatik: Spitze (acuminata) oder breite (lata) warzenartige Auswüchse im Vulva- und Vaginalbereich. Hervorgerufen durch Papillomavirus, humanes (HPV)humanes Papillomavirus (HPV). Häufig als Begleiterscheinung der Gonorrhoe, aber z. B. auch bei sekundärer Syphilis, Analekzem, chronischer, nicht gonorrhoischer Urethritis, Vaginalfluor, Phimose, Intertrigo, chronischer Proktitis, Oxyuriasis.

Therapeutische Strategie
HPV-VirenPapillomavirus, humanes (HPV) sind nach heutigem Wissen wesentlich an der Entstehung der sykotischen Diathese beteiligt. Aus homöopathischer Sicht ist jede lokale Unterdrückung (durch Silbernitrat, Vereisung, elektrische Koagulation, Laserbehandlung) riskant und kann nach langen Latenzzeiten zu schwerwiegenden Folgeerkrankungen führen.
Homöopathische Behandlung
Eine Lokalbehandlung – auch mit Homöopathika – ist kontraindiziert. Erfolgreich und ohne Folgeerscheinungen kann hier nur das gut gewählte Antisykotikum wirken, das aufgrund der Gesamtheit der Symptome ausgewählt wird. Von einer Mittelgabe nach „bewährten Indikationen“ oder von der Gabe von Komplexmitteln wird aufgrund der Risiken für die Patientin dringend abgeraten.
Wahl der Symptome
SymptomenwahlCondylomaUm ein passendes, antisykotisches Arzneimittel zu verordnen, sollte abseits der Kondylome nach den Zeichen der Sykosis gesucht werden (3.4.2):
  • Menssymptome: z. B. Dauer, Konsistenz, Abstände, Begleitbeschwerden bei der Mens, Schmerzausstrahlungen.

  • Leukorrhoe: z. B. Farbe, Beschaffenheit, Geruch.

  • Schwangerschaftsbeschwerden: z. B. vorzeitige Wehen, LeukorrhoeLeukorrhoein der Schwangerschaft, Frühübelkeit, Schwindel, Ohnmachtsneigung.

  • Östrogenzeichen: z. B. braune Flecken, Chloasma, Weinerlichkeit, Beinödeme.

  • Die Kondylome gelten als Lokalsymptom und haben für die Arzneiwahl eine eher geringe Bedeutung. Trotzdem können sie, wenn eindeutige Charakterisierungen vorliegen (z. B. feucht, blutend, fleischig, empfindlich), das „Zünglein an der Waage“ sein.

Miasmatische Zuordnung
Kondylome sind die lokale Manifestation (Abwehrreaktion) einer bereits generalisierten Sykosis (3.4.2).
Repertorium
RepertorisationCondylomaDie große Rubrik für Kondylome findet man unter Weibliche Genitalien – Kondylome und Weibliche Genitalien – Kondylome – Vagina. Folgende, differenzierende Unterrubriken können für die Arzneiwahl von Bedeutung sein: Zu weiteren Repertoriumsrubriken 17.4 (vaginale Infektionen).

Weibliche Genitalien – Kondylome – Vagina //blumenkohlartig // bluten leicht // empfindlich // gestielt // juckend // trocken // übel riechend // weich, rot, fleischig

Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Prognose: Je nach Dauer des Bestehens der Genitalcondylomata verschwinden diese entweder bereits nach der ersten Gabe oder erst im Verlauf mehrerer Monate nach Beginn der Behandlung. Wird eine konstitutionelle Behandlung durchgeführt, zeigt das Verschwinden der Kondylome die Besserung oder Heilung der Sykose an. Eine lokale Unterdrückung nimmt dem Arzt diese Möglichkeit der Verlaufsbeurteilung. Die Behandlung mit Q Potenzen bietet wegen des oft schnellen Ansprechens der Feigwarzen Vorteile.
Unterstützende Maßnahmen
Keine lokalen Maßnahmen!
Wichtige homöopathische Arzneimittel

!!! Caust., Merc., Nit-ac., Staph., Sulph. Thuj.
!! Cinnb., Med., Sep.
! Sabin., Sars.

Herpes genitalis

(17.4, vaginale Infektionen)

Lichen sclerosus et atrophicans

Lichen sclerosus/atrophicans

Definition: Atrophische Erkrankung der Vulvadermis mit konsekutiver Schrumpfung der Vulva und Sklerosierung des subkutanen Fettgewebes.

Symptomatik: quälender Juckreiz, Brennen und Schmerzen beim Koitus.

Antisykotische Behandlung unter Beachtung der Regeln der konstitutionellen homöopathischen Therapie (4.3) brachten bisher wenig Erfolge. Jahr$Jahr, Georg Heinrich Gottlieb (in „Bewährte Indikationen“) sagt dazu: „Gegen das Jucken der Scham, eine wahre Crux medicorum, haben mir bis jetzt noch am meisten geleistet: Sulph., Calc., Carb-v., Con., Lyc., Kali-c., Sep. und Sil“.
Es scheint eher so, als sei der Lichen sclerosus eine gemischtmiasmatische Problematik. Am ehesten aus der Bereich der syphilitischen Tuberkulinie.
In der Praxis des Autors gab es einige Heilerfolge mit homöopathischen Strahlungsmitteln: Radium bromatum, Strontium carbonicum und X-Ray.

Erkrankungen der weiblichen Brust

Mastopathie

Mamma Mastopathie Mastopathie

Definition: Knotenförmige Umwandlung (Fibrosierung, intraduktale Epithelproliferationen, Gangektasien und Zystenbildung) der weiblichen Brust, überwiegend peri- und postmenopausal auftretend. Häufigste gutartige Erkrankung der Mamma, bei ca. 50 % aller Frauen zwischen dem 35 Lj. und der Menopause. Die Ursache ist unklar, es werden hormonelle Schwankungen (relativer Hyperöstrogenismus) und andere Ursachen diskutiert.

Symptomatik: In schweren Fällen fühlt sich die ganze Brust knotig an.

Therapeutische Strategie
Die MastopathieMammaMastopathieMastopathie (Knotenbildung) wird miasmatisch sowohl der Psora, der Sykosis als auch der Tuberkulose zugeordnet. Zudem liegt eine klare Organpathologie (knotige Umwandlung des Drüsengewebes) vor. Der Erkrankungszustand ist also bereits im fortgeschrittenen Stadium und entsprechend nur langfristig therapeutisch zu beeinflussen.
Homöopathische Behandlung
Wichtig sind die genaue Fallaufnahme von Geburt an, die Betrachtung der Gesamtheit der Symptome und die besondere Betrachtung der auffallenden und sonderlichen Symptome des Falles und ihre miasmatische Zuordnung (s. u.). Unter diesen Voraussetzungen können mit einer mehrjährigen homöopathischen Behandlung beachtliche Erfolge erzielt werden. Die multimiasmatische Genese erfordert Mittelwechsel in größeren zeitlichen Abständen, die Arzneimittel müssen dabei nach dem jeweils im Vordergrund stehendem Miasma verordnet werden.
Wahl der Symptome
SymptomenwahlMastopathieAls manifeste pathologische Befunde stellen Knoten in der Brust immer ein fortgeschrittenes Stadium einer miasmatischen Störung dar. Die Behandlung ist deshalb eine konstitutionelle, die Symptomenwahl muss sich also auf die Gesamtheit der Symptome stützen. Besonders zu erfragen sind aufgrund der mehrmiasmatischen Natur der Erkrankung (3.4) die familiären Belastungen:
  • Tuberkulose, Krebserkrankungen und Geschlechtskrankheiten bei den Vorfahren oder beim Patienten.

  • Miasmatische Stigmata, z. B. Spider-Nävi, Mammahypertrophie, Muttermale, Diasthema, gravierende Zahnfehlstellungen, Phimose, abstehende Ohren, Steißlage, Mehrlingsgeburten. (3.4).

Im Übrigen richtet sich die Aufmerksamkeit wie immer auf die auffallenden, sonderlichen und eigenheitlichen Symptome nach „Organon“, § 153.
Miasmatische Zuordnung
Knoten in den Mammae werden der Psora oder der Pseuodpsora (Tuberkulinie) zugeordnet. Nach Clarke und Burnett auch der Sykosis, insbesondere wenn Schwellungen der Axillarlymphknoten damit einhergehen.
Repertorium
RepertorisationMastopathieDie Mastopathie findet sich im Repertorium unter der Rubrik Brust – Knoten – Mammae. Neben den Knoten der Mammae (und evtl. deren Lateralität) gibt es wenige Repertoriumsrubriken, die bei der Bestimmung des homöopathischen Konstitutionsmittels hilfreich sind. Zwei wahlanzeigende Rubriken sind: Brust – Schmerzen // Menses – vor // Menses – während.
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Ob und wann die Mastopathie auf die homöopathische Behandlung reagiert, sollte nicht zum zentralen Kriterium für die Verlaufsbeurteilung gemacht werden. Besonders die klinische Ausprägung reagiert nur sehr langsam im Sinne einer Ausheilung. Bestehen durch die Mastopathie subjektive Beschwerden (z. B. Schmerz vor der Mens), sind diese bzw. deren Sistieren ein sehr sensibler Gradmesser für die Arzneiwirkung. Ansonsten erfolgt die Verlaufsbeurteilung strikt nach den im Grundlagenteil geschilderten Kriterien (7.3).
Prognose: Was das Verschwinden der Mastopathie betrifft, muss die Prognose vorsichtig gestellt werden. In der Regel sind Jahre konsequenter homöopathischer Behandlung notwendig, um die entsprechenden strukturellen Veränderungen einzuleiten. Sehr schnell finden sich dagegen positive Effekte bei der subjektiven Begleitsymptomatik, und auch die Prognose bezüglich kanzeröser Entartung kann deutlich verbessert werden.
Unterstützende Maßnahmen
Verzicht auf Hormonersatztherapie.
Wichtige homöopathische Arzneimittel

!Carb-an., Con., Lyc., Phos., Sil., Tub.

Bei der strikt homöopathisch-konstitutionellen Therapie spielt die Mastopathie als Teilaspekt einer Gesamtsymptomatik bei der Arzneiwahl keine dominierende Rolle. Dementsprechend werden hier keine speziellen Indikationen für einzelne Arzneimittel angegeben, obwohl sich einige Arzneimittel (s. o.) beim Vorliegen einer Mastopathie durchaus besonders bewährt haben.

Mastitis

Mamma Mastitis Mastitis

Definition: Schmerzhafte Entzündung meist einer Mamma, häufig mit konsekutiver Abszessbildung. Überwiegend bei stillenden Frauen.

Symptomatik: Erstsymptom oft dolenter umschriebener Knoten, dann Rötung, Überwärmung, Fieber, schmerzhafte axilläre Lymphknotenschwellung, ausgeprägtes Krankheitsgefühl, in ca. 50 % Abszedierung.

Therapeutische Strategie
Die Mastitis verläuft häufig hochakut und mit starken Schmerzen. StillenMastitisDie Mutter leidet, und es besteht das Risiko, dass das Kind abgestillt werden muss. Dementsprechend richtet sich das therapeutische Vorgehen auf schnelle Symptombeseitigung. Daher wird jede Mastitis wie eine akute Erkrankung betrachtet und aufgrund der im Vordergrund stehenden Symptome behandelt. Konstitutionelle Symptome treten bei dieser entzündlichen Erkrankung mit hohem physischem und psychischem Leidensdruck in den Hintergrund oder werden für die Verschreibung außer Acht gelassen.
Auf Antibiotika oder chirurgische Maßnahmen kann fast immer verzichtet werden (wofür die Patientinnen immer sehr dankbar sind).

  • Häufig emotionale Auslöser als Causa! Nachfragen.

  • Cave: Bei Mastitis nicht stillender Frauen an Mammakarzinom denken.

Homöopathische Behandlung
Die Symptome des akuten Zustandes und die Lokalsymptome führen meist klar zum richtigen Mittel. Das passende Arzneimittel führt seinerseits zu einer raschen (meist in wenigen Stunden) Besserung. Bei richtiger Verordnung ist eine einmalige Gabe meist ausreichend.
Wahl der Symptome
  • SymptomenwahlMastitisArt und Entwicklung des Fiebers: z. B. mit Schweiß – ohne Schweiß, rasche oder langsame Entwicklung, Periodizität, Fieberzeiten.

  • Entstehungsgeschwindigkeit, Reifung der Entzündung und des Abszesses.

  • Rhagadenbildung oder pathologische Absonderungen der Brustwarze: z. B. Blut, Eiter.

  • Allgemeinsymptome der Patientin: z. B. Durst, Verlangen und Abneigungen; was bessert? Was verschlechtert?

  • Auslösende Ursache: z. B. kalter Wind, Ehestreitigkeiten oder andere familiäre Konflikte, Schlafmangel.

  • Lokaler Aspekt der Haut im Entzündungsgebiet: z. B. Farbe, Temperatur, Berührungsempfindlichkeit.

Miasmatische Zuordnung
Die unkomplizierte Entzündung der Mamma ist ein Symptom der Psora. Bei Abszessbildung sind die Syphilis oder Pseudopsora (Tuberkulinie) die zugrunde liegenden Miasmen.
Repertorium
RepertorisationMastitisDie große Rubrik der Mastitis finde man unter Brust – Entzündung – Mammae, Mastitis. Kommt die Mastitis unmittelbar nach der Entbindung (nicht mehr als ein Tag), kann folgende Rubrik hilfreich sein: Brust – Entzündung – Mammae, Mastitis – Entbindung, während // nach der.
Die Rubrik für Risse in den Brustwarzen findet man unter Brust – Schrunden, Fissuren – Mammae – Brustwarzen. Zu berücksichtigen sind außerdem die verschiedensten Auslöser (Causa).

Diagnosebezogene Rubriken

Brust – Entzündung – Mammae, Mastitis
Brust – Entzündung – Mammae, Mastitis // Entbindung, während // Entbindung, nach der
Brust – Schrunden, Fissuren – Mammae – Brustwarzen

Causa

Gemüt – Beschwerden durch // Ermahnung, Belehrung // Grobheit, unhöfliches Benehmen anderer Personen // Unstimmigkeiten zwischen – Verwandten, Freunden // Verachtung, geringschätzige Behandlung durch andere
Allgemeines //Durchnässung – agg.// Luftzug – agg. // Wetter – kalt, feucht – agg. // Wetter – kalt, trocken – agg.
Allgemeines – Schlaf – Schlafmangel, durch

Lokalsymptome

Haut – Verfärbung // rot // blaurote Flecke // scharlachrot // Streifen, in, Lymphangitis

Schmerzen, Missempfindungen, Modalitäten

Brust – Schmerzen – Mammae // rechte // schneidend, plötzlicher scharfer Schmerz
Allgemeines – Berührung – agg. – leichte
Brust – Hitze – Mammae
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Als hochentzündlicher Prozess bedarf die Mastitis hoher Potenzen (C200, M, XM). Sieht man eine kurzfristige Besserung nach Mittelgabe und anschließend eine Rückkehr des vorherigen Zustandes, kann es notwendig sein, das Medikament in Wasser gelöst auch in hoher Potenz mehrmals zu geben, bei Bedarf auch alle 5 Min. einen Teelöffel (vorher Umrühren → leichte Modifikation der Arzneipotenz).
Die Beurteilung des Therapieverlaufs bezieht sich nur auf die Lokalsymptomatik, mit deren Verbesserung automatisch eine Verbesserung des Allgemeinzustandes und der Psyche der Patientin einsetzt (gerade bei der Mastitis in der Stillzeit besteht eine sehr enge Verbindung zwischen Lokalbefund und Psyche wegen des drohenden „Versagens“ bei der Versorgung des Kindes). Bei fehlender Arzneiwirkung kann nach 12–24 Stunden ein neues Arzneimittel verordnet werden.
Prognose: Die akute Mastitis kann mit etwas Geduld und unter Anleitung eines aufmerksamen Arztes nahezu immer ohne Antibiose oder chirurgischen Eingriff homöopathisch erfolgreich und ohne Folgeschäden behandelt werden.
Unterstützende Maßnahmen
Kühlen, Quarkwickel, Kind verkehrt herum anlegen.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!Bell., Bry., Carb-an., Con., Hep., Lach., Phyt., Sil.

  • Belladonna#BelladonnaMastitis: heftige sich schnell entwickelnde Mastitis mit hohem Fieber (heißer, evtl. roter Kopf, kalte Extremitäten). Besonders für die frühen Entzündungsstadien geeignet, dabei Rötung und starke Hitze des Lokalbefundes, Erschütterung verschlechtert.

  • Bryonia#BryoniaMastitis: Die Mastitis entwickelt sich allmählich, mit starken Schmerzen bei jeder Bewegung, Druck bessert (z. B. durch einen engen BH oder Festhalten). Fleckweise Rötung der Mammae oder des Gesichts.

  • Carbo animalis#Carbo animalisMastitis: fortgeschrittenes Stadium. Stechende, einschießende Schmerzen in der Brust beim Stillen, die so heftig sind, dass es der Patientin den Atem nimmt. Schmerzhafte Verhärtung der rechten Brust. Krebserkrankungen in der Familie. Harte schmerzhafte Knoten. Schwache Fußknöchel, knickt leicht um.

  • Conium#ConiumMastitis: harte, knotige, schmerzhafte Anschwellung einer oder mehrerer Milchdrüsen. Häufig klagen die Patientinnen über eine Art von Schwindel beim Bewegen des Kopfes oder beim Liegen im Bett, der durch Augenschließen besser wird.

  • Hepar sulfuris#Hepar sulfurisMastitis: fortgeschritteneres Stadium der Abszedierung. Zänkische, unzufriedene, äußerst frostige Patientinnen. Wenn Zugluft der Auslöser war. Splitterschmerz (Nitricum acidum) in der Brust. Oft gut wenn Belladonna schon etwas gebessert hat, aber noch ein Abszessknoten übrig bleibt.

  • Lachesis#LachesisMastitis: livide, bläuliche Rötungen über dem Abszess oder ein blauer Fleck, wie von einem Bluterguss. Bei gleichzeitigen starken Halsschmerzen, schlimmer beim Schlucken. Die Milch ist dünn und bläulich. Unerträglichkeit von Beengung am Hals.

  • Phytolacca#PhytolaccaMastitis: harte, sehr schmerzhafte Knoten in der Mamma. Lymphknotenschwellung in der Axilla. Beim Stillen zieht der Schmerz von der Brustwarze durch den ganzen Körper. Risse in den Brustwarzen. Blutige Milch.

  • Silicea: Harte Knoten in der Brust nach Abklingen der Entzündungsreaktion. Kind lehnt die Muttermilch ab. Empfindliche, schmerzhafte Brustwarzen. Bei jedem Anlegen Blutung aus der Vagina.

Gutartige Brusttumoren

Mamma Tumoren, gutartige

  • ZystenZysteMamma: intramammäre Zysten häufig im Zusammenhang mit fibrös-zystischer Mastopathie. Häufigkeitsgipfel 45–55 Jahre.

  • FibroadenomeFibroadenom, Mamma: Meist solitäre gutartige Knoten bei jüngeren Frauen (20.–24. Lj.), die sich unter Östrogeneinnahme oder Schwangerschaft vergrößern können.

  • LipomeLipom, Mamma: intramammillärer gutartiger Fettgewebstumor, oft auch gleichzeitig an anderen Körperstellen.

  • HamartomeHamartom, Mamma: gut abgrenzbare Tumoren des Mantel-, Stütz und Fettgewebes der Brust.

Gutartige Tumoren sind pathologische Veränderungen und immer Hinweis auf eine bereits fortgeschrittene miasmatische Grundstörung. Dennoch sind sie von der Wertigkeit nur Lokalsymptome. Die Mittelwahl muss sich an der Gesamtheit der Symptome und den auffallenden und sonderlichen Symptomen orientieren.
Gutartige Knoten können sich unter langjähriger homöopathischer Therapie zurückbilden. Es ist dafür jedoch eine konsequente homöopathische Behandlung unter Beachtung der zugrunde liegenden miasmatischen Belastungen notwendig.
Ohne die Unterschiede in der zugrunde liegenden Pathologie zu vernachlässigen, gelten aus homöopathischer Sicht bezüglich des praktischen Vorgehens bei den Punkten „Wahl der Symptome“, „Repertorium“, „Dosierung“, „Verlaufsbeurteilung“ und „Prognose“ die gleichen Aussagen wie zur Therapie der Mastopathie (17.6.1).
Miasmatische Zuordnung: Gutartige Knoten können psorischer, sykotischer oder tuberkulinischer Natur sein.

Prämenstruelles Syndrom (PMS)

PMS Syndrom prämenstruelles (PMS)

Definition: Unspezifisches und häufiges Beschwerdebild in zeitlichem Zusammenhang mit der Menstruation.

Symptomatik: In Abhängigkeit von der Menstruation (vor, während, danach): Regelschmerzen, Brustschwellung und Empfindlichkeit der Brust, Kopf- und Rückenschmerzen mit erhöhter Schmerzempfindlichkeit, Schlafstörungen, Müdigkeit, Erschöpfung, Lethargie, Völlegefühl, Verstopfung, Durchfall, Blähungen, Übelkeit, Brechreiz, prätibiale Ödeme, Gewichtszunahme durch Ödemneigung, Hitzewallungen, depressive Verstimmung, Stimmungsschwankungen, Ängste, Aggressivität, Reizbarkeit, Konzentrationsstörungen, Appetit- und Durstveränderungen.

Therapeutische Strategie
„Den gesunden Körper spürt man nicht.“ (Kent)
Die vielfältigen Beschwerden im Rahmen eines PMSSyndromprämenstruelles (PMS) sind klare Wegweiser zur homöopathischen Mittelwahl. Solange PMS-Beschwerden bestehen, ist die Patientin aus homöopathischer Sicht nicht gesund. Man gebe sich nicht mit psychosomatischen Erklärungsversuchen zufrieden, sondern suche solange nach dem richtigen Mittel, bis die Patientin beschwerdefrei ist.
Die Hinwegnahme der Gesamtheit der Symptome kann nichts anderes übrig lassen als Gesundheit (vgl. Organon, § 22). Deshalb ist das dem Krankheitszustand ähnliche Arzneimittel die eigentlich kausale Therapie. Die vielen auffallenden und sonderlichen Symptome eines PMS weisen fast immer deutlich auf ein Heilmittel hin.
PMS ist ein wichtiges Frühsignal für das Vorliegen einer miasmatischen Belastung. Hormonelle Unterdrückung, symptomatische Schmerztherapie oder Behandlung mit Psychopharmaka sind gefährlich, da nach jahrelanger Latenz aus der Unterdrückung der Primärsymptome vielfältige Komplikationen erwachsen können. Viele PMS-Patientinnen haben, wenn sie homöopathisch unbehandelt bleiben, später Fertilitätsprobleme oder zeigen weitere organische Veränderungen des Urogenitalsystems wie Ovarialzysten (17.2.1), Myome (17.3.1), Endometriose (17.3.4), rezidivierende Genitalinfekte (17.4) etc.
Homöopathische Behandlung
Die Symptome des PMSSyndromprämenstruelles (PMS) sind so auffallende und deutliche Hinweise auf das Heilmittel, dass sie dem Kriterium „auffallend durch die Modalität“ Genüge tun. Sie sind nahezu alle „§-153-Symptome“ und damit sehr wichtig für die Arzneifindung sowie später bei der Verlaufsbeurteilung. Löst man die PMS-Problematik der Patientin, löst man i. d. R. ihre gesamte Krankheitsproblematik.
Wahl der Symptome
  • SymptomenwahlPMSGemütszustand: z. B. Konzentration, Familie und Ehemann, Libido, Laune.

  • Schlaf: z. B. Aufwachzeiten, Schweiße, Träume, Herzklopfen.

  • Ängste (wovor genau?).

  • Begleitsymptome: z. B. Kopfschmerzen, Verdauungsstörungen, Essverhalten, Schwindel.

  • Symptome der Mammae: z. B. Völle, Berührungsempfindlichkeit, Rhagaden, Schmerzen.

  • Regelsymptome: z. B. Schmerzerstreckung, Blutung, Zeiten.

Miasmatische Zuordnung
Die miasmatische Zuordnung lässt sich nur über die Gesamtheit der Symptomatik bestimmen, da PMS ein heterogenes Syndrom mit vielen unterschiedlichen Facetten ist.
Repertorium
RepertorisationPMSDie folgenden Repertoriumsrubriken illustrieren ausschnittweise wichtige auffallende Symptome. Jede der aufgeführten Rubriken kann mittelweisend sein.

Kopfschmerzen, Kopf, Schwindel

Kopf – Schmerz // Menses – agg. – vor // Menses – agg. – nach // Menses – unterdrückten, bei
Schwindel // Menses – vor// Menses – während der – agg.// Menses – unterdrückten, bei
Kopf // Hitze – Menses – bei // Pulsieren, Klopfen, Hämmern, Pochen – Menses – während

Psychische Symptome

Gemüt // Angst – Menses – vor // Angst – Menses – während – agg. // Beschwerden durch – Schreck oder Furcht – Menses – während // Bewusstlosigkeit, Koma – Menses – bei // Gemütserregung, Gefühlsspannung, erregbar – Menses – bei // Gemütserregung, Gefühlsspannung, erregbar – Menses – bei – Dysmenorrhoe // Hysterie – Menses, während – agg. // Menses – agg. – vor // Reizbarkeit, Gereiztheit – allgemein – Menses – vor // Suizidalität – Menses – während // Traurigkeit, Trübsinn, Niedergeschlagenheit, Depression, Melancholie – Menses – während – agg.

Andere auffallende Symptome

Augen // Schmerzen – Menses – während // Verfärbung – Rötung – Menses – während
Ohren – Geräusche – Tinnitus // Menses – vor // Menses – bei
Nase – Nasenbluten // – Menses // Menses – bei // Menses – unterdrückte
Zähne – Schmerzen // Menses – vor // Menses – während
Hals – Schmerzen – Menses – bei – agg.
Rektum // Durchfall – Menses – bei // Obstipation – Menses – agg. – bei
Husten – Menses – agg. – vor
Allgemeines // Ohnmacht, in Ohnmacht fallen – Menses – vor // Ohnmacht, in Ohnmacht fallen – Menses – bei // Schmerzen – Menses – bei // Schwäche, Entkräftung, Erschöpfung, Prostration, Hinfälligkeit – Menses – agg. – während
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Neben den Symptomen des PMS müssen bei der konstitutionellen Behandlung auch alle anderen Erkrankungen, Symptome und Symptomenkomplexe der Patientin für die Verlaufsbeurteilung herangezogen werden. Ein wichtiger Aspekt für die Verlaufsbeurteilung von zyklusassoziierten Beschwerden ist die Tatsache, dass die Beschwerden, abhängig von der Zykluslänge, jeweils erst nach mehreren Wochen wieder auftreten. Zur Beurteilung der Arzneimittelwirkung sollten also, wenn möglich, mindestens zwei Zyklen abgewartet werden. Bei starken Beschwerden können intermittierend Akutmittel nach der vorliegenden Symptomatik in der C30 oder C200 verordnet werden.
Prognose: Unter einer kontinuierlichen Therapie mit gut ausgewählten Einzelmitteln normalisiert sich der Zyklusablauf, Verstimmungen verschwinden, und die Regel läuft nahezu beschwerdefrei ab.
Wichtige homöopathische Arzneimittel
Da neben den oben aufgeführten Symptomen im Zusammenhang mit der Mens meist noch etliche weitere, nicht PMS-assoziierte Symptome für die Arzneimittelwahl herangezogen werden, wäre eine Differenzierung aller möglichen Arzneimittel bezüglich der zyklusassoziierten Symptome im vorgegebenen Rahmen nur sehr unvollständig und wenig gewinnbringend. Deshalb wird an dieser Stelle darauf verzichtet.

Zyklusstörungen

Zyklusstörung

Definition: Unregelmäßigkeiten und Beschwerden im Zyklusverlauf (Rhythmus, Intensität, Zusatzblutungen).

Symptomatik:

  • Störungen des Blutungsrhythmus oder -zeitpunkts (Spotting, Metrorrhagie, Oligomenorrhoe, Amenorrhoe, Polymenorrhoe).

  • Störungen der Blutungsstärke (Hypermenorrhoe, Hypomenorrhoe, Menorrhagie, Schmierblutungen).

Eine schmerzhafte Menstruation (Dysmenorrhoe) kann alleine oder in Kombination mit einigen der vorgenannten Zyklusanomalien auftreten. Daneben können Beschwerden zyklusabhängig auftreten, z. B. Mastodynie oder prämenstruelles Syndrom.

Therapeutische Strategie und homöopathische Behandlung
Zyklusunregelmäßigkeiten sind bei jungen Frauen miasmatische Frühindikatoren. Sie dürfen nicht hormonell unterdrückt werden und müssen als wichtige Symptome zur Mittelwahl herangezogen werden. Zyklusstörungen bei älteren Frauen, insbesondere in der Prämenopause, müssen auch hinsichtlich der möglichen Grunderkrankungen (Myome, Tumoren etc.) genauestens diagnostisch abgeklärt werden.
Im Rahmen einer konstitutionellen Behandlung verschwinden Zyklusstörungen. Die Mittelwahl basiert auf der Gesamtheit der Symptome unter besonderer Berücksichtigung der auffallenden Mensessymptome.
Miasmatische Zuordnung
Zyklusstörungen sind meist Symptome der Psora, sehr häufig jedoch auch der Pseudopsora (Tuberkulinie) und gelegentlich der Sykosis.
  • Psora: Mens mit kleinen Klumpen, zu kurz, nur einen Tag, nur wenige Stunden, Zyklusstörungen kurz vor dem Klimakterium, Menses in zu großen Abständen, wässrige Mens, schmerzhafte Mens in der Pubertät

  • Tuberkulinie (Pseudopsora): blasse Mens, erschöpfende Mens, hellrote Mens, Amenorrhoe durch Gemütsbewegungen

  • Sykosis: Schmerzen nur wenn die Mens fließt, übel riechende Mens, scharfe und wund machende Mens

Repertorium
RepertorisationZyklusstörungIm Repertorium findet sich eine Unmenge an wertvollen „Mensessymptomen“ im Kapitel „Weibliche Genitalien“. Zudem sind in nahezu allen Kapiteln zahlreiche Symptome mit Assoziationen auffallender Symptome zur Menstruation enthalten. Um eine sinnvolle Auswahl zu treffen, ist eine fundierte Kenntnis des Repertoriums nötig.
Die folgende exemplarisch aufgeführten Rubriken geben nur einen kleinen Ausschnitt des tatsächlichen Rubrikenumfangs wieder.

Weibliche Genitalien – Menses // tagsüber, nur // vormittags, nur // nachts – nur // Hautsymptomen, mit // Alter, vor dem normalen // Bewegung – agg. // Liegen – nur im // aussetzend // fädig, zäh, fadenziehend // heiß // kehren wieder, nachdem sie aufgehört hatten // scharf, ätzend, wund machend // verspätet bei Mädchen, Menarche // vikariierend

Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Zyklusstörungen haben sehr vielfältige Ursachen und stehen stellvertretend für ein zugrundeliegendes Miasma. Die Behandlung erfolgt mit aufsteigenden hohen C-Potenzen. Je kürzer die Beschwerden bestehen, desto rascher der Behandlungserfolg (Normalisierung nach wenigen Zyklen). Bei langjährig bestehenden Zyklusstörungen und nach langjähriger Unterdrückung durch die Pille kann die Behandlung mehrere Jahre in Anspruch nehmen.
Prognose: Mittel- und langfristig ist die Prognose bezüglich der Regulierung der Zyklusstörung sehr gut. Probleme in der Praxis entstehen v. a. durch die heute etablierten Hormontherapien, die zu einer scheinbaren, „sofortigen“ Normalisierung des Zyklus führen.
Wichtige homöopathische Arzneimittel
Da der Begriff „Zyklusstörungen“ ein sehr breites Spektrum von Störungen und Pathologien umfasst, lassen sich keine „bewährten“ Mittel angeben. Der ganze Fall muss aufgenommen und analysiert werden.

Klimakterium

Klimakterium Menopause s. Klimakterium

Definition: Hormonelle Umstellungsphase bei Frauen im Alter meist zwischen 47 und 55 Jahren durch Erlöschen der Ansprechbarkeit der Ovarien auf die zentrale Gonadotropinproduktion.

Symptomatik: dysfunktionelle Blutungen, Hitzewallungen, Schweiße, depressive Verstimmtheit, Reizbarkeit, Schlaflosigkeit, Gewichtszunahme, Beschwerden beim Koitus (Scheidenatrophie), Kolpitiden, Schwindel, Tinnitus, paroxysmale Tachykardien, Ängste etc.

Therapeutische Strategie
Während (hormoneller) Veränderungsphasen im Lebenszyklus des Menschen (Pubertät, Adoleszenz, Klimakterium, Senium u. a.) zeigen sich vielfach alterstypische Symptome und Beschwerden aus dem sykotischen Formenkreis, da die meisten von der Sykose befallenen Organe typischerweise geschlechtshormonabhängig reagieren.
Die beste „Therapie“ ist eine prophylaktische Behandlung bereits lange vor Einsetzen des Klimakteriums. Die erfolgreiche homöopathische Behandlung von Zyklusstörungen, Dysmenorrhoe, Akne, Warzen, rezidivierende Zystitiden, Otitiden, Leukorrhoe, Migräne (= sykotische Beschwerden, 3.4.2) sollte Wechseljahrsbeschwerden verhindern.
Aus homöopathischer Sicht ist eine hormonelle Substitution mit Wechseljahrshormonen eine Unterdrückung. Aus dieser Unterdrückung können sich erhebliche Nachkrankheiten entwickeln (insbes. Diabetes, Hypertonie und Karzinome).
Homöopathische Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach den Grundsätzen der Behandlung chronischer Krankheiten: Aufnahme der Gesamtheit der Symptome unter besonderer Berücksichtigung der auffallenden und sonderlichen Symptome.

Klimakterische Symptome liefern wertvolle Hinweise und sind nicht als „wertlose“ pathognomonische Beschwerden beiseitezulassen.

Wahl der Symptome
  • SymptomenwahlKlimakteriumBeschaffenheit der Menses bzw. der Metrorrhagien: z. B. Farbe, Konsistenz, Modalitäten.

  • Genaue Art der Hitzewallungen: z. B. aufsteigend, absteigend, mit Schweiß, ohne Schweiß.

  • Sexualsymptome: z. B. Schmerzen beim Koitus, Scheidentrockenheit.

  • Genaue Art von Schlafstörungen: z. B. Erwachen wann? Schlaflosigkeit – genau von wann bis wann bis

  • Causa für Schlafstörungen: z. B. Gedanken, Schweiß, Unruhe, Schwindel, Angst.

  • Schwindelsymptome: z. B. Fallrichtung, unter welchen Bedingungen.

  • Nächtliche Tachykardien: z. B. wann? Mit oder ohne Angst/Schweiß/Schreck?

  • Träume: z. B. genaue Themen.

Miasmatische Zuordnung
Beschwerden im Klimakterium sind meist psorischen Ursprungs, insbesondere die Hitzewallungen.
Repertorium
RepertorisationKlimakteriumDie folgenden Rubriken aus dem Bereich der klimakterischen Beschwerden können hilfreich und oft mittelweisend sein.

Menstruation

Weibliche Genitalien – Menses //fädig, zäh, fadenziehend // grün // kehren wieder, nachdem sie aufgehört hatten // membranös // scharf, ätzend, wund machend // schwarz // vikariierend

Hitzewallungen

Allgemeines – Hitze – erstreckt sich – aufwärts
Allgemeines – Hitze – Hitzewallungen // Essen – agg., nach // Herzklopfen, mit // Klimakterium, im // nachts // Schweiß, mit

Sexuelle Symptome

Gemüt // Reizbarkeit, Gereiztheit – Koitus, nach – agg.
Weibliche Genitalien // Koitus – schmerzhaft // Trockenheit – allgemein – Vagina // Juckreiz – Labien, zwischen den

Schlafstörungen, Träume

Schlaf // Erwachen – Herzklopfen, mit // Erwachen – Hitze, durch und mit // Schlaflosigkeit – Angst, vor // Schlaflosigkeit – Gedanken, durch // Schlaflosigkeit – Mitternacht, nach – 2 Uhr, nach // Schlaflosigkeit – Mitternacht, nach – 3 Uhr, nach
Schwindel – nachts – weckt sie auf // Schlaf, nach
Gemüt //Träume – Fallen// Koitus, von
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Die Verlaufsbeurteilung orientiert sich nicht allein an den klimakterischen Beschwerden, sondern am Gesamtzustand der Patientin. Trotzdem sind die eindeutigen und subjektiven, oft sehr belastenden Beschwerden des Wechsels (beispielsweise Schlafstörungen, Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen) gute Indikatoren für die Arzneiwirkung. Wichtig ist, jedes Arzneimittel auswirken zu lassen (Mindestwirkzeit), bevor abschließend über die Wirkung geurteilt wird und gegebenenfalls eine neue Verschreibung erfolgt. Die Erfahrung aus der Praxis zeigt, dass häufig zwar ein promptes Ansprechen auf die Arzneimittel erfolgt, das vollständige Ausheilen der Beschwerden aber einige Zeit (oft Wochen bis Monate) in Anspruch nimmt. Hier darf sich der Arzt nicht zu voreiligen Mittelwechseln drängen lassen. Eine Schwierigkeit in der Beurteilung des Therapieverlaufs der klimakterischen Beschwerden ergibt sich dabei aus der Tatsache, dass sie auch ohne jegliche Therapie meist nach einem entsprechenden Zeitraum sistieren. Umso wichtiger ist es daher, die Arzneiwirkung auch an anderen Verlaufsparametern zu messen.
Prognose: Langfristig sehr gut (sogar ohne Therapie). Trotzdem lohnt sich eine homöopathische Behandlung, da sie eine effektive Prophylaxe für die Zeit nach dem Wechsel darstellt.
Wichtige homöopathische Arzneimittel
Häufig im Klimakterium angezeigte homöopathische Arzneimittel sind je nach spezifischer Beschwerde und neben vielen anderen die folgenden Mittel.

! Con., Lach., Nat-m., Phos., Sep., Sulph., Thuj.

Die Komplexität und die Vielfalt der Beschwerden des Wechsels lassen sich in der Praxis nicht einfach unter dem Begriff „klimakterische Beschwerden“ subsumieren. Deswegen ist es schwierig, Mittel mit „bewährten“ Indikationen zu präsentieren, da dies dem Krankheitsgeschehen nicht gerecht wird. Hormonelle Umstellungsphasen sind Belastungssituationen für den Organismus. Es zeigen sich Symptome der bestehenden Miasmen, für deren Kompensation nicht mehr genügend Energie zur Verfügung steht. Dort, wo das Alte zu Ende geht und das Neue noch keinen festen Rhythmus gefunden hat, entsteht ein chancenreiches Chaos in der sonst so geordneten Biologie des Menschen: Diese Umbruchphasen bieten dem Homöopathen die Möglichkeit, die passenden Heilmittel zu erkennen.

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