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B978-3-437-56353-9.00024-4

10.1016/B978-3-437-56353-9.00024-4

978-3-437-56353-9

Hämatologie

Miklós Takács

  • 24.1

    Erkrankungen der Erythrozyten: Anämie588

  • 24.2

    Störungen der Blutgerinnung: hämorrhagische Diathesen598

  • 24.3

    Erkrankungen der weißen Blutzellen und der blutbildenden Organe (Auswahl)604

Erkrankungen der Erythrozyten: Anämie

Anämie Erythrozyten, Anämie

Definition

Verminderung der Erythrozytenzahl; eigenständige Krankheit oder Folge einer anderen Erkrankung. Ursachen: Vorerkrankungen wie chronische Entzündungen, Tumoren oder Magenresektion, Ernährung (einseitig? fleischlos?), Alkoholkonsum sowie Einnahme von Medikamenten, chronischer Blutverlust z. B. durch Magenulcera, Hypermenorrhoe (Zyklusanamnese), genitale Blutungen (z. B. nach Geschlechtsverkehr).

Symptomatik

Müdigkeit, eingeschränkte Leistungsfähigkeit; blasse Haut, Schleimhäute und Konjunktiven; Tachykardie; Herzklopfen und Atemnot schon bei geringer körperlicher Anstrengung. Häufig Kälteempfindlichkeit, Verfärbung von Stuhl oder Urin.
Bei einer ausgeprägten Anämie kann die Sauerstofftransportkapazität des Blutes so weit absinken, dass besonders bei vorgeschädigten Organen eine kritische Schwelle unterschritten wird, z. B. Auftreten von Herzschmerzen bei unbekannter koronarer Herzkrankheit oder Verwirrtheit bei älteren Anämiepatienten mit einer Arteriosklerose der hirnversorgenden Blutgefäße.

Differenzialdiagnostik

Die Anämien sind je nach Hämoglobingehalt der Erythrozyten: hypochrom (MCH < 27 pg), normochrom (MCH 27–33 pg), hyperchrom (MCH > 33 pg).
  • Hypochrome Anämien: EisenmangelanämieEisenmangelanämie. Infekt- und Tumoranämie: Kein eigentlicher Eisenmangel, sondern eine Eisenverwertungsstörung. Das Eisen wird in Milz, Leber oder Knochenmark verschoben. Eisengaben sind daher unzweckmäßig. Oft stehen die Symptome des Grundleidens (wie Tuberkulose, Nierenbeckenentzündung oder Tumorzeichen) im Vordergrund. Labor: Eisen erniedrigt, Ferritin normal oder erhöht, Transferrin normal oder erniedrigt, MCH und MCV können normal sein. Ist die Grundkrankheit nicht bekannt, muss eine fachärztliche, evtl. onkologisch-internistische Abklärung erfolgen. Seltenere hypochrome Anämien sind Thalassämie, Vitamin-B6-Mangel-Anämie (Eisenwert erhöht), sideroachrestische Anämie (durch Enzymdefekt wird der Eiseneinbau in Hämoglobin verhindert, Eisenwert erhöht).

  • Normochrome Anämien: Die meisten hämolytischen Anämien. Akute Anämie durch Blutung: Notfall mit drohendem Kreislaufschock, sofortige Klinikeinweisung erforderlich.

  • Hyperchrome Anämien: Perniziöse Anämie. Andere, nicht perniziöse megaloblastäre Anämien: MegaloblastenMegaloblasten, Anämie im Blutausstrich, z. B. bei Folsäuremangel. Megaloblasten: größer als normale Erythrozyten, ovale Form, hämoglobinreich.

  • PanmyelopathiePanmyelopathie (aplastische Anämie): Gruppe von Krankheitsbildern, die durch Anämie, Leuko- und Thrombopenie gekennzeichnet ist. Ursache sind z. B. Strahlentherapie, Medikamente, Infektionen oder bösartige Erkrankungen mit Verdrängung des Knochenmarks. Hier gilt ebenfalls: kommt der Patient ohne entsprechende Diagnose, ist eine fachärztliche hämatoonkologische Abklärung unerlässlich.

  • Makrozytäre Anämie: MakrozytenMakrozyten, Anämie im Blutausstrich, Makrozyten stehen größenmäßig zwischen Erythrozyten und Megalozyten. Ursache ist z. B. eine Leberzirrhose, Bauchspeicheldrüsen- oder chronische Nierenerkrankung (Mangel an Erythropoetin).

  • Infekt- oder Tumoranämie: Meist hypochrom, gelegentlich normochrom.

Therapeutische Strategie
Angesichts der vielfältigen Ursachen einer Anämie sind unterschiedliche therapeutische Vorgehensweisen erforderlich. Dies zeigt sich auch bei der miasmatischen Betrachtung: Anämien entstehen am häufigsten aus der Verbindung von Psora mit der Syphilis, der Tuberkulose oder der Sykosis. Oft ist eine Anämie jedoch auch nur Ausdruck der Sykosis III (3.4).
Die klassische Homöopathie behandelt den kranken Menschen mit der Gesamtheit seiner individuellen Symptome, nicht seine Diagnose(n). Bei so unterschiedlichen Erkrankungen wie Hypermenorrhoe, myelodysplastisches Syndrom oder erosive Gastritis sollen sich deshalb im Laufe einer chronischen Behandlung nicht nur die typisch krankheitsbezogenen Symptome bessern, sondern auch Beschwerden, die den Allgemeinzustand des Patienten beeinträchtigen.
Außer bei akuter Blutungsanämie sind alle Anämien aus homöopathischer Sicht als Ausdruck der chronischen Krankheit (bzw. der Tumorerkrankungen bei der Tumoranämie) zu behandeln und erfordern je nach Grunderkrankung eine unterschiedlich lange Behandlungsdauer. Das Mittel wird nach Ätiologie und individueller Symptomatologie ausgewählt. Ob eine „kausale“ bzw. eine symptomatische schulmedizinische Behandlung sinnvoll oder notwendig ist, hängt von der Ursache und Ausprägung der Anämie ab.

Bei chronischen Anämien im Rahmen von chronischen Krankheiten ist mit einer Behandlungsdauer von einigen Jahren zu rechnen.

Homöopathische Behandlung, Reaktion auf Erstverordnung, Verlaufsbeurteilung
Hypochrome Anämien (MCH ↓)
Eisenmangelanämie (Eisen ↓, MCH ↓)
EisenmangelanämieDie Eisenmangelanämie ist mit 80 % aller Anämien die häufigste Anämieform. In Europa besteht bei ca. 10 % aller Frauen im gebärfähigen Alter eine Eisenmangelanämie. Eine chronische, über Jahre bestehende Anämie ist ernst zu nehmen, weil sie eine PräkanzerosePräkanzerose, Eisenmangelanämie darstellt, das heißt anamnestisch ist bei vielen Tumorpatienten eine bereits langjährig bestehende Anämie in der Vorgeschichte zu eruieren.
Nach einer gründlichen homöopathischen Erstanamnese und einer fachärztlichen Ursachenabklärung der Eisenmangelanämie (chronische Blutungen sind mit ca. 80 % der Fälle die häufigste Ursache eines Eisenmangels) dienen neben den anderen individuellen Symptomen des Patienten zur Verlaufsbeurteilung die klinischen Zeichen der Anämie wie blasse Schleimhäute/Konjunktiven, Müdigkeit, Tachykardie etc. wie auch regelmäßige Laborkontrollen von Hämoglobin (Hb), Erythrozyten, Ferritin, Transferrin und Transferrinsättigung. Die Bestimmung von Eisen spielt eine untergeordnete Rolle, da der Eisenwert starken Schwankungen unterworfen ist.
Eine durch MenstruationsunregelmäßigkeitenMenstruationsstörung, Eisenmangelanämie bzw. durch eine zu starke Menstruationsblutung verursachte Anämie kann durch das richtige homöopathische Mittel innerhalb von Monaten bis ein, zwei Jahren Behandlungszeit gebessert bzw. behoben werden. Selbst wenn das Hb noch nicht vollends zufrieden stellend ist, weist eine Normalisierung der Mensfrequenz und -intensität gemeinsam mit einer Besserung des Allgemeinbefindens auf eine richtige Verschreibung hin.
Eine letzte Sicherheit wird man erst nach mehreren Jahren der Behandlung haben. Denn man kann lange Zeit mit einem SimileSimile statt einem SimillimumSimillimum partiell Symptomenkomplexe bessern, ohne den tatsächlichen Kern der Erkrankung des Patienten erfasst zu haben.
Selbst mit Hilfe der Hering-Regeln ist die Verlaufsbeurteilung von chronischen Fällen im Alltag nicht immer einfach und bietet zahlreiche Fallen. Die Kunst besteht darin, einerseits ein wirksames Mittel nicht zu früh zu verlassen und andererseits ein nur partiell wirkendes Mittel nicht zu lange zu verordnen.
Im Fall einer durch Hypermenorrhoe verursachten Anämie ist auf eine allzu voreilige Gabe von Eisenpräparaten zu verzichten, wenn auch der gynäkologische Kollege dazu drängen wird. Ein durch EisensubstitutionEisensubstitution, Anämie gebessertes Hb kann die Therapiekontrolle aus homöopathischer Sicht unnötig erschweren, man bleibt unter Umständen länger beim falschen Mittel. Es ist unabdingbar, regelmäßige Kontrolle von Hb, Transferrin und Ferritin durchzuführen, um die Verlaufsbeurteilung zu objektivieren.
Wenn der Blutverlust durch blutende MyomeMyom, UterusUterusMyom verursacht wird, ist es meist schwierig gegen das Drängen des Gynäkologen zu einer baldigen Hysterektomie anzukommen. Gelingt es, durch eine homöopathische Behandlung Myomblutungen zu heilen bzw. Myome zu verkleinern, ist davon ausgehen, dass man ein sehr tief wirkendes Mittel gefunden hat. Eine HysterektomieHysterektomie entspricht aus homöopathischer Sicht einer rein symptomatischen Behandlung. Sie heilt nicht die Ursache. Außerdem wird die Frau eines Organs „beraubt“, dessen subtile Funktionen im psycho-hormonellen Gesamtsystem (auch nach erfülltem Kinderwunsch) nicht einfach mit allzu mechanistischem Denken vernachlässigt werden darf. In der Praxis ist immer wieder zu beobachten, dass der Beginn einer Vielzahl von Beschwerden mit einer Hysterektomie in Zusammenhang steht. Dennoch lässt sich bei profusen Blutverlusten eine Hysterektomie nicht immer vermeiden. Danach führt man die konstitutionelle Behandlung weiter durch.
Bei Schwangeren ist durch die Wasserretention während der Schwangerschaft eine SchwangerschaftAnämieVerdünnungsanämie (Schwangerschaftshydrämie) und Vitamin-B12-Mangel mit Absinken des Hb auf 10 (und noch weniger) häufig. Sie kann homöopathisch und durch eine Ernährungsumstellung begleitet bzw. gebessert werden. Ist das Allgemeinbefinden der Schwangeren gut, kann das niedrige Hb durchaus toleriert werden. Auch ohne Eisengabe steigt der Hb-Wert gegen Ende der Schwangerschaft physiologischerweise wieder an.
Akute Blutverluste durch Blutungen aus dem Gastrointestinaltrakt, Urogenitaltrakt wie auch Oropharynx, Nase und Lunge müssen fachärztlich abgeklärt werden. Je nach Intensität der Blutung ist eine notfallmäßige schulmedizinische Behandlung erforderlich. Wenn die Möglichkeit besteht, kann zusätzlich ein homöopathisches Mittel gegeben werden, und sei es auf dem Weg ins Krankenhaus.
Wenn keine akute Gefahr droht, sondern eine chronische Sickerblutung mit Anämiezeichen vorliegt und ein Karzinom ausgeschlossen ist, kann klassisch homöopathisch behandelt werden. Neben der Beachtung der symptomatischen Verlaufsparameter sollten zusätzlich regelmäßige Laborkontrollen durchgeführt werden. Das Nachlassen der Blutung nach Mittelgabe sollte sich innerhalb von Wochen im zumindest tendenziell steigenden Hb-Wert spiegeln.
Tumoranämie (MCH ↓, Eisen ↓)
TumoranämieAnämieTumoranämieEin Karzinom-Patient mit Tumoranämie kann in jedem Fall begleitend homöopathisch behandelt werden. Bei neu entdecktem Karzinom möglichst noch vor Beginn der schulmedizinischen Therapie, mit engmaschiger Kontrolle der subjektiven und objektiven Parameter. Auch (bzw. gerade) parallel zu einer Chemo- bzw. Strahlentherapie sollte die homöopathische Behandlung unbedingt weiter geführt werden, um die Konstitution des Patienten zu stärken. Dabei ist eine etwas andere Vorgehensweise notwendig als bei anderen chronischen Krankheiten (Onkologie 31). Der Arzt muss viel Praxiserfahrung und Ausdauer für die Behandlung von Patienten mit Krebserkrankungen haben. Es ist mit häufigeren Mittelwechseln nach miasmatischen Gesichtspunkten und Überlegungen zur Antidotierung der Nebenwirkungen der schulmedizinischen Therapie zu rechnen. Krebspatienten sollten auch nach jeder Art schulmedizinischer Intervention und sogar nach schulmedizinischer Beseitigung der Krebserkrankung ein Leben lang kontinuierlich und sehr sorgfältig homöopathisch behandelt werden.
Bei Entzündungs-, Infekt- und Tumoranämie ist die EisensubstitutionEisensubstitution, Anämie kontraindiziert.
Myelodysplastisches Syndrom (MCH ↓, Eisen ↑)
Myelodysplastisches SyndromSyndrommyelodysplastischesDiese heterogene Gruppe klonaler Erkrankungen der hämatopoetischen Stammzellen mit ineffektiver Hämatopoese und peripherer Zytopenie ist eine sehr schwere Krankheit, die nach Monaten oder Jahren in eine akute myeloische Leukämie münden kann.
Gerade die „Watch-and-wait“-Phase dieser Erkrankung eröffnet dem homöopathischen Arzt die Möglichkeit, im Sinne einer ProphylaxeProphylaxeSyndrom, myelodysplastisches sinnvoll tätig zu werden: Konstitutionelle Behandlung des Patienten nach dem Simileprinzip und daneben die Behandlung von interkurrenten Infekten durch komplementäre Akutmittel. Das Ziel ist primär, die Krankheit zum Stillstand zu bringen und dem Patienten eine gute Lebensqualität zu ermöglichen.
Normochrome Anämien (MCH normal)
Blutungsanämie (Retikulozyten ↑)
BlutungsanämieBlutungsanämieRetikulozytenHandelt es sich um einen drohenden hämorrhagischen SchockSchock, hämorrhagischer bei Blutverlust durch eine sichtbare Verletzung oder eine nicht endende profuse Blutung z. B. bei Ulkusblutung oder Plazentaretention, stellt dies einen medizinischen Notfall dar. Die notfallmäßige Einweisung in die Klinik ist zu veranlassen, ebenso muss ein venöser Zugang gelegt werden und Volumensubstitution erfolgen. Unabhängig von den durchzuführenden Notfallmaßnahmen kann eine schnellstmögliche Gabe des richtigen homöopathischen Mittels Blutungen zum Sistieren bringen. Die praktische Erfahrung zeigt, dass bei korrekt gewählter Arznei akute Blutungen innerhalb von Sekunden oder wenigen Minuten zum Stillstand kommen.
Hämolytische Anämien (Retikulozyten ↑)
AnämiehämolytischeHämolytische Anämien werden anhand ihrer Ätiologie unterschieden. Sie entstehen durch diverse Defekte der ErythrozytenErythrozyten, Anämie oder durch verschiedene extraerythrozytäre Faktoren.
Grundsätzlich muss aus homöopathischer Sicht bei diesen Anämien an die verschiedenen SchlangengifteSchlangengifte, Anämie als Homöotherapeutika gedacht werden, die im Vergiftungsfall ebenfalls hämolytische Anämien hervorrufen. Auch hier muss nach einer genauen Hierarchisierung der individuellen Symptome verschrieben werden. Tritt die Hämolyse im Rahmen einer Malaria auf, muss man die entsprechenden Mittel ebenfalls aufgrund der individuellen Symptome differenzieren. Eine Hämolyse im Rahmen einer schweren Infektionskrankheit wird aufgrund der auffallenden Symptome der Akutkrankheit behandelt.
Renale Anämie (Retikulozyten ↓)
Renale AnämieAnämierenaleRetikulozytenHauptursache ist der Erythropoetinmangel infolge einer chronischen Niereninsuffizienz diverser Ätiologie wie z. B. chronische Glomerulonephritis (20 %), diabetische Nephropathie (> 20 %) u. a., welche als schwere Erkrankung homöopathisch konstitutionell behandelt werden muss, am besten noch bevor es zu einer terminalen Niereninsuffizienz kommt. Als organotropes Mittel in niedriger Potenz (z. B. D3, D6) leistet Serum anguille wichtige Dienste bei schweren Nierenpathologien. Entweder begleitend zur konstitutionellen Behandlung oder zeitweise sogar als alleiniges Mittel.
Aplastische Anämie (Retikulozyten ↓)
aplastische AnämieAnämieaplastischeRetikulozytenSeltene angeborene Formen wie die Fanconi-Anämie sind nach den Regeln der klassischen Homöopathie mit dem Konstitutionsmittel zu behandeln. Das Fernziel ist ein Progressionsstopp der Krankheit mit möglichst guter Lebensqualität. Auch angeborene Krankheiten lassen sich im Phänotyp durch die Homöopathie beeinflussen.
Die häufigeren erworbenen Formen der aplastischen Anämie sind in 70 % der Fälle idiopathisch, was ebenfalls eine konstitutionelle homöopathische Behandlung verlangt. Die restlichen 30 % sind sekundär ausgelöst, z. B. durch Medikamente wie Chloramphenicol, nichtsteroidale Antirheumatika, Goldpräparate u. a. sowie durch toxische Stoffe (z. B. Benzol), ionisierende Strahlen und Virusinfekte.
Ist die ionisierende Strahlung als Ursache wahrscheinlich, muss – zumindest als Zwischenmittel – eine für diese Störungen spezifische Arznei wie Phosphorus#PhosphorusAnämie oder Radium bromatum#Radium bromatumAnämie zur Antidotierung der Strahlenfolgen gegeben werden. Sind toxische Substanzen als Causa identifiziert, können sie mit homöopathischen Arzneien „antidotiert“ werden (9.3.1). Gelingt dieser Behandlungsversuch, treten meist die individuellen Symptome und damit das Arzneimittelbild des Patienten deutlicher hervor.
Hyperchrome Anämie (MCH ↑): megaloblastäre Anämie
AnämiemegaloblastäreAm häufigsten bedingt durch einen Mangel an VitaminVitaminB12-Mangel, Anämie B12. Dieser ist wiederum am häufigsten bei der perniziösen Anämie mit Antikörperbildung gegen Parietalzellen und Intrinsic-Faktor.
Auch bei Erkrankungen mit Malabsorptionssyndrom kommt es zum Vitamin-B12-Mangel.
Sowohl die perniziöse Anämie wie auch die Erkrankungen mit Malabsorptionssyndrom werden aufgrund der auffallenden individuellen Symptome und der Totalität der Symptome des Patienten mit dem SimillimumSimillimum behandelt.
Die zweite Hauptursache ist der FolsäuremangelFolsäuremangel, Anämie bei Mangelernährung (z. B. Alkoholiker) oder bei erhöhtem Bedarf z. B. in der Schwangerschaft oder bei Hämolyse.
Neben der Umstellung der Ernährung und der homöopathischen Behandlung erfolgt ggf. zumindest kurzzeitig die Substitution mit Folsäure und Vitamin B12.
Repertorisation, Dosierung, Prognose
Wahl der Symptome
SymptomenwahlAnämieDas homöopathische SimillimumSimillimum wird einerseits nach den „§-153-Symptomen“ (Organon), andererseits aufgrund der Totalität der Symptome ausgewählt. Daneben ist die miasmatische Analyse von größter Bedeutung. Die Symptomsammlung sowie die Hierarchisierung und Ordnung der Symptome in auffallende, sonderliche (Organon, § 153) Symptome (I), in gut beobachtete Geistes- und Gemütssymptome bzw. Gemütszustand (II), in deutliche Allgemeinsymptome (III), deutliche Causa (IV), z. B. Bestrahlung als Auslöser, und Lokalsymptome (V) ist unerlässlich und wird an anderer Stelle in diesem Buch (4.2) ausführlich beschrieben.
  • Die sichtbaren Symptome der Anämien, welcher Ätiologie auch immer, sind meist pathognomonisch und gelten als Lokalsymptome/Allgemeinsymptome. Sie werden nur in seltenen Fällen zur Mittelwahl herangezogen und dienen neben der Laborkontrolle hauptsächlich als klinische Verlaufsparameter. (Eine Blässe der Schleimhäute bei einer Eisenmangelanämie sollte sich z. B. unter der homöopathischen Therapie bessern. Im Fall einer angeborenen Fanconi-Anämie oder eines myelodysplastischen Syndroms muss man sich mit kleinen Besserungen bzw. einer Stabilität der Symptome/Laborwerte zufrieden geben.)

  • Die für die Grunderkrankung pathognomonischen SymptomeSymptomepathognomonische können für die Mittelwahl herangezogen werden, wenn sie deutliche individuelle Merkmale aufweisen. Z. B. sind PetechienPetechien, Anämie bei einer aplastischen Anämie aufgrund der Panzytopenie pathognomonisch, und doch grenzt die Rubrik Petechien im Repertorium eine Gruppe von Arzneimitteln ein, die einen starken, organotropen Bezug zu dieser Pathologie haben. Man muss die Mittel in dieser Rubrik genau studieren und gute Gründe haben, eine Arznei zu verschreiben, die bei Vorliegen dieses Symptoms nicht in dieser Repertoriumsrubrik aufgeführt ist. (Das Repertorium ist niemals vollständig, es ist ein Hilfsmittel, das Ideen gibt.)

  • Beim Vorliegen einer Eisenmangelanämie infolge einer übermäßig starken MenstruationsblutungMenstruationsstörung, Eisenmangelanämie sind Beschaffenheit und Modalitäten der Menstruation genau zu erfragen und zu repertorisieren, z. B. ob es helles oder dunkles, flüssiges oder koaguliertes Blut ist, ob die Koagele groß sind, wie „Leberstückchen“ oder eher wie „Membranen“ aussehen etc.

  • Ebenso sind bei allen anderen Blutungen Farbe und Beschaffenheit genau zu beobachten, denn nach Kent sind die Exkrete und Sekrete wichtige individuelle Allgemeinsymptome.

  • Bei manifesten Blutungen stehen bei der Arzneimittelwahl die akuten Blutungssymptome und deren Begleitumstände im Vordergrund. Bei chronischen oder wiederkehrenden Blutungen stützt sich die Mittelwahl auf die Gesamtheit der Symptome unter Betrachtung des miasmatischen Hintergrundes.

Repertorium
Repertorisation Anämie

Diagnosebezogene Rubriken

Allgemeines – Anämie (220)
Allgemeines – Anämie – Blutverlust, durch // Hämorrhagie, nach // Metrorrhagie, Menorrhagie, Menstruationsstörungen, durch
Allgemeines – Anämie – Erythropoese beeinträchtigt // Eisenmangel, durch – Chlorose // Ernährungsstörung, durch // perniziöse // perniziöse – hereditäre // Nephritis, bei akuter // erschöpfende Erkrankung, durch
Anämie – hämolytische // Malaria, durch

Weitere hilfreiche Rubriken

Brust – Herzklopfen // Anämie, mit // Anämie, durch
Allgemeines // Anämie – Blutverlust, durch – Nasenbluten, mit // Flüssigkeitsverlust – allgemein – Blut // Hämorrhagie // agg. nach
Allgemeines – Hämorrhagie – Neigung oder tatsächlich // akut // chronische Folgen von // innerlich // Körperöffnungen, aus // passiv, sickernd // kleine Wunden bluten stark
Allgemeines – Ohnmacht, in O. fallen // Neigung – Anämie, bei
Allgemeines – Schwäche, Entkräftung, Erschöpfung, Prostration, Hinfälligkeit // Anämie, bei
Allgemeines – Wunden – bluten // frei // frei – kleine Wunden
Schwindel // Anämie, mit
Hören – Schwerhörigkeit // Anämie, mit
Gesicht – Hautausschläge – Akne // anämischen Mädchen, bei – in der Pubertät
Weibliche GenitalienMenses // unterdrückt – Anämie, bei
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
  • Man lässt die Hochpotenz-Einzelgaben (ab der C30 aufwärts, also C200, M, XM) jeweils mindestens 35 Tage (die LM und die CM mindestens 3 Mon., die MM mindestens 1 Jahr) auswirken, bevor man nach dem Follow-up entscheidet, ob man noch weiter wartet, das Mittel wiederholt oder eine andere Arznei gibt. Der vorzeitige Mittelwechsel ist einer der häufigsten Fehler, die man in der Behandlung chronischer Krankheiten macht. Bei akuten und schweren Blutungen bewähren sich hohe und höchste C-Potenzen (C200, M, XM, CM) in Einzelgaben (ggf. auch häufiger wiederholt).

  • Bei schweren Grunderkrankungen wie z. B. Krebs als Ursache einer Anämie sowie bei intensiver schulmedizinischer Therapie empfiehlt sich die Anwendung von Q-Potenzen. Während C-Potenzen lange Wirkzeiten haben, besteht der Vorteil bei Q-Potenzen in der schnellen Reaktion des Patienten. Dadurch kann frühzeitig erkannt werden, ob die korrekte Arznei verordnet wurde bzw. im Behandlungsverlauf ein Mittelwechsel nötig ist. Zudem werden Q-Potenzen häufig wiederholt, wodurch die Wirkung durch schulmedizinische Therapien weniger gestört wird.

Die Prognose ist abhängig von der Grunderkrankung. Die Eisenmangelanämie als die häufigste Form der Anämie ist für die regulative Wirkung der klassisch-homöopathischen Behandlung empfänglich. Schwieriger ist die Behandlung der aplastischen Anämie, des myelodysplastischen Syndroms sowie der angeborenen Formen der hämolytischen Anämien. Oft müssen sich Patient wie auch behandelnder Arzt mit der Stabilisierung des Allgemeinzustands und der Laborparameter zufrieden geben.
Unterstützende Maßnahmen
Wenn bei einer Eisenmangelanämie eine EisensubstitutionEisensubstitution, Anämie von den Patienten gewünscht wird, sind im ersten Behandlungsschritt möglichst natürliche Quellen zu empfehlen:
  • Eisenhaltiges GemüseErnährungAnämie, z. B. Rote Bete, am besten kombiniert mit Vitamin-C-reichem Gemüse wie Sauerkraut (zur Reduktion von dreiwertigem Eisen zu zweiwertigem Eisen). Auch Hirse und (frisch gepresste) Haferflocken, Sesamsamen bzw. Sesammus, Soja und Linsen enthalten viel Eisen, das ebenfalls mit Vitamin-C-haltigem Obst und Gemüse kombiniert werden muss, ebenso wie Zitrusfrüchte (am besten aus biologischem Anbau).

  • Wer nicht Vegetarier ist, kann durch dunkles Fleisch wie Rindfleisch (wenn möglich, aus artgerechter, biologischer Tierhaltung) natürlich besonders viel Eisen resorbieren (die Absorptionsrate aus tierischen Lebensmittel beträgt 10–30 % gegenüber 1–10 % bei pflanzlichen Lebensmitteln, aus Sojabohnen 20 %).

  • Es gibt auch ein „pflanzliches“ Eisenpräparat aus der Curry-Pflanze, das eine bessere biologische Verfügbarkeit aufweist als die herkömmlichen Eisenpräparate.

  • Durch Vitamin CVitaminC, Anämie lässt sich die Absorptionsrate des Eisens aus pflanzlichen Lebensmitteln um ca. das Siebenfache steigern.

  • Man kann auch einen Apfel mit ca. 10 Eisennägeln spicken, über Nacht stehen lassen und am nächsten Morgen essen, die Nägel gleich in den nächsten Apfel stecken und diesen am nächsten Morgen verzehren usw. Äpfel aus kontrolliert biologischem Anbau oder im eigenen Garten geerntet, stellen eine ideale Versorgung des Menschen mit allen wichtigen Vitaminen und Spurenelementen dar. Die Fruchtsäure des Apfels trägt zur Reduktion von drei- zu zweiwertigem Eisen bei.

  • Kaffee und schwarzer Tee müssen bei einer Eisenmangelanämie strikt vermieden werden, weil sie die Resorption von Eisen hemmen.

Auch der VitaminVitaminB12-Mangel, Anämie-B12- und FolsäuremangelFolsäuremangel, Anämie sollte möglichst durch eine Ernährungsumstellung behoben werden. Alkohol hemmt die Resorption beider Vitamine. Der Bedarf von Folsäure für Schwangere ist deutlich erhöht, dem kann statt der oft empfohlenen medikamentösen Folsäuresubstitution in der Schwangerschaft durch bewusste Ernährung Rechnung getragen werden:
  • Insbesondere Weizenkeime, rote Bohnen, Weizenkleie, roher Spinat und Endivien enthalten als pflanzliche Nahrung einen hohen Gehalt an Folsäure.

  • Hühnerleber und Rindernieren als tierische Nahrung mit hohem Folsäuregehalt sind wegen ihrer Funktion als Filter- und Speicherorgane nicht zu empfehlen.

  • Der Bedarf an Vitamin B12 scheint bei normaler Mischkost weitgehend gedeckt zu sein, bei älteren Menschen ist die Versorgung oft unzureichend, besonders voll gestillte Säuglinge von vegan ernährten Müttern sind gefährdet, einen Vitamin-B12-MangelVitaminB12-Mangel, Anämie zu bekommen. Durch bakterielle Gärung können vegetarische Lebensmittel wie Sauerkraut geringe Mengen Cobalamin enthalten, diese reichen aber nicht zur Versorgung aus. Die einzigen signifikanten Nahrungsquellen sind tierischen Ursprungs: Fleisch, Meeresfrüchte, Eier und Milchprodukte.

Das Verzehren von frisch gesammelten Wildkräutern und Wildsalaten, v. a. im Frühling, ist besonders empfehlenswert, da sie äußerst reich an Eisen sind und wichtige Spurenelemente, Alkaloide, Polyphenole sowie Schleimstoffe enthalten. Wildpflanzen sind Heilpflanzen und in ihrer Kombination an Inhaltsstoffen unnachahmlich – in dieser Funktion sind sie „Nahrungsergänzungsmittel“ von höchster Qualität.
Ausreichend Bewegung an der frischen Luft, ausreichend Schlaf, ca. 20 bis 30 Minuten tägliche Meditations- oder Yogapraxis, sowie ein achtsamer, aufrechter Umgang in Partnerschaft, Familie und am Arbeitsplatz seien hier ganz kurz als die Faktoren genannt, die als Basis eines gesunden Lebens im Alltag meistens viel zu wenig realisiert sind.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung
Bei akuter Anämie durch Blutungen kommen folgende Mittel infrage.

!!! Acon., Arn., Bell., Chin., Ham., Ip., Lach., Mill, Phos.
!! Crot-h., Erig., Sabin., Sec.

Im Folgenden werden lediglich die wichtigsten Medikamente für akute Blutungszustände genannt. Die Behandlung chronischer Anämien erfolgt nach den Regeln der homöopathischen Fallanalyse und der Aufnahme der Gesamtheit der Symptome. Das daraus resultierende Arzneimittelspektrum kann hier nicht abgehandelt werden (Materia medica 34).
Aconitum
#AconitumBlutungGroße Angst, Todesangst im Rahmen der Blutungen steht im Vordergrund, sowohl bei akuten uterinen als auch gastrointestinalen Blutungen. Ist überzeugt, dass er sterben wird, ist ruhelos. Schwindel bei uteriner Blutung. Extrem profuse, akute Nasenblutung. Starke arterielle (helle) Blutungen, heißes Blut mit klopfendem Pulsschlag. Hitze und Trockenheit des Genitale bei der Geburt, dabei heißer Schweiß. Plötzlichkeit, Heftigkeit, Notfallsituation, in der es schnell gehen muss.
Arnica
#ArnicaBlutungTraumatisch bedingte Blutungen. Zerebrale Blutungen (traumatisch). Hitze des Kopfes mit Kälte des restlichen Körpers bei uterinen Blutungen. Retinablutungen vom Husten. Massive Zahnfleischblutungen nach Zahnextraktion. Bluthusten nach Entbindung, nach körperlicher Anstrengung. Atemnot bei Bluthusten. Verhindert Nachblutungen und lindert Schmerzen nach der Geburt, v. a. wenn diese lang dauernd und sehr schmerzhaft (und instrumentell) war. (Drohende) Sepsis nach der Entbindung. Wundes, lahmes, zerschlagenes Gefühl. Patient/in sagt, es fehle ihm/ihr nichts, möchte alleine gelassen werden, fürchtet Berührung.
Belladonna
#BelladonnaBlutungHeftigkeit, Blutandrang zum Kopf, roter Kopf, pulsierende Karotiden, voller Puls, weite Pupillen, injizierte Skleren, Erregtheit bis hin zur Rage, Panik, profuse, eher helle, heiße Blutung. Plazentaretention mit heller Blutung mit Koageln. Rückenschmerzen, als ob der Rücken brechen wollte bei uteriner Blutung.
China
#ChinaBlutungTotale Schwäche durch den Blutverlust charakterisiert den Akutzustand von China, bis hin zur Bewusstlosigkeit z. B. bei uteriner Blutung. Kaum tastbarer Puls, Kälte der Haut, kalter („clammy“) Schweiß während Blutung. Kalter Schweiß um den Mund. Schwindel, klingende Ohrgeräusche, Konvulsionen (Crotalus horridus) bei Blutverlust. Die Art der Blutung kann unterschiedlich sein, sowohl hellrote intermittierende Blutungen in Güssen, als auch passive dunkle Blutungen. Die alarmierende Erschöpfung (mit Zittern) steht im Vordergrund. Placentaretention. Reines Blut aus der Urethra. Blaue oder extrem blasse Haut, v. a. die Haut der Hände, bei uteriner Blutung. Profuser Schweiß an bedeckten Körperteilen. Das Mittel erster Wahl bei Schwäche durch Blutverlust/Säfteverlust.
Crotalus horridus
#Crotalus horridusBlutungSepsis mit generalisierter Hämorrhagie. Dunkle bis schwarze (Sicker-)Blutung aus dem Anus, v. a. im Stehen und Gehen. Blutung aus allen Körperöffnungen. Dunkles und dünnes Blut bei Nasenbluten. Dunkles, dünnes, fädiges oder klebriges Blut, fädige Koagele. Krämpfe aufgrund von Blutverlust (China). Purpura haemorrhagica (M. Werlhof). Angst und Traurigkeit mit gastrointestinaler Blutung. Marmorierte Flecken auf der Brust. Aphasie nach Apoplex. Übelkeit mit Todesangst. Blutiger Schweiß.
Erigeron
#ErigeronBlutungProfuser Fluss von hellrotem Blut, durch jede Bewegung alarmierend verschlimmert, kann manchmal durch absolute Ruhe unter Kontrolle gebracht werden. Blutung kommt plötzlich gussweise, sistiert dann wieder. Heftiges Aufstoßen und Brennen im Magen, mit Bluterbrechen.
Hamamelis
#HamamelisBlutungAnhaltende, stetige Blutung, passiv, hellrot, nicht gerinnend, teils in Güssen. Keine Beunruhigung durch die Blutung, fühlt sich lediglich müde.
Ipecacuanha
#IpecacuanhaBlutungIm Vordergrund steht die Übelkeit bei der Blutung, v. a. bei uteriner Blutung, bis hin zum Erbrechen. Überwiegend hellrote, andauernde, gleichmäßige, aber auch gussweise Blutung mit permanenter Übelkeit. Blasenblutungen. Keuchende, schwere Atmung bei akuter Blutung. Blutung bei Plazcentaretention. Extremes Frieren, Blässe und kalter Schweiß v. a. bei uteriner Blutung. Ohnmacht bei postpartaler und bei sonstiger uteriner Blutung. Krämpfe bei Blutungen.
Lachesis
#LachesisBlutungErregung mit Redefluss, abwechselnd mit depressiven Zuständen. Weigert sich, die Medizin zu nehmen. Extreme Empfindlichkeit gegen Kleiderdruck, v. a. am Hals. Linksseitige Symptomatik. Besserung von chronischen Beschwerden durch den Blutverlust. Besserung von Uterusschmerzen bei Einsetzen der Blutung. Dunkle, fast schwarze Blutung mit dunklen Klumpen. Analblutungen während (spärlicher) Menstruation. Septische Blutung. Schon kleine Wunden bluten ungewöhnlich stark. Marmorierte Flecken auf der Brust. Livide Schwellung der Extremitäten. Blutendes Uteruskarzinom, blutende Myome. Auftreten der Beschwerden im Frühjahr und Herbst. Häufig Beschwerdemaximum und Krankheitsmanifestation im Klimakterium.
Millefolium
#MillefoliumBlutungProfuse, plötzliche, hellrote, schmerzlose Blutung; nach Anstrengung. Von Aconitum zu unterscheiden durch das Fehlen von Angst und Unruhe.
Phosphorus
#PhosphorusBlutungHoch gewachsene, schlanke, feingliedrige Patienten mit heller Haut (mit Sommersprossen), eher blonden oder rötlichen Haaren und blauen Augen (all dies muss insbesondere in akuten Situationen nicht vorhanden sein, um Phosphorus zu verschreiben!); hellrote, kontinuierliche, starke Blutung, bei der man den Eindruck hat, sie hört einfach nicht auf, z. B. nach Geburt, v. a. einer schweren Geburt; dort auch klumpige Blutung möglich. Sympathische, offene Menschen, die zuerst versuchen, keine Umstände zu machen, in fortgeschrittenen Zuständen wollen sie keinesfalls alleine sein, große Angst, gutes Zureden tut sichtlich gut. Antworten langsam, überlegen lange bei den Antworten. Verschlimmerung der Beschwerden beim Liegen auf der li. Seite. Verlangen nach (eis)kalten Getränken, die in großen Mengen (auf einen Zug) getrunken werden. Blutung aus allen Körperöffnungen z. B. bei fortgeschrittenen Leukämien; Purpura haemorrhagica der Unterschenkel. Blutende Myome, frisches hellrotes Blut. Bedrohliche akute Blutung bei einem konstitutionell zur Blutung neigenden Patienten. Große Schwäche bei Anämie.
Sabina
#SabinaBlutungSchwallartige hellrote Blutung mit dunklen Klumpen, stärker bei jeder Bewegung; gefolgt von dunkler, klumpiger Blutung; eines der führenden Mittel bei postpartaler Blutung. Insbesondere angezeigt bei Pat. mit kräftigem Körperbau, blühendem Aussehen, gerötetem Gesicht. Hitze wird schlecht vertragen.
Secale
#Secale cornutumBlutungPassive, dunkelrote flüssige Blutung; Erschöpfung, Erschlaffung, kalte Haut; Ohnmacht, septische Zustände.

Störungen der Blutgerinnung: hämorrhagische Diathesen

Störungen der Blutgerinnung

BlutungsneigungBlutungsneigung. Vermehrtes Auftreten Diathesehämorrhagischevon Blutungen durch Störungen der Blutgerinnung.
  • KoagulopathienKoagulopathieHämophilie: Mangel an oder Funktionsstörungen der Gerinnungsfaktoren, bereits kleinste Traumen führen zu großen Hämatomen. Unbemerkte Traumen führen zu häufigen „blauen Flecken“ an Armen und Beinen. Bei unbehandelten Blutern häufig spontane Gelenkeinblutungen. Ursachen: Hämophilie A, Verbrauchskoagulopathie. Vitamin-K-Mangel, schwere Lebererkrankungen.

  • VaskulopathieVaskulopathie: Defekt der Gefäßwände mit uncharakteristischen Haut- und Schleimhautblutungen; meist punktförmig oder kleinflächig, aber auch Ekchymosen. Kleinflächige Hauteinblutungen bei älteren Menschen (Purpura senilis) aufgrund verminderter Widerstandsfähigkeit der Kapillaren; i. d. R. harmlos.

  • ThrombopenieThrombopenie/Thrombopathie (Thrombozytenmangel)/Thrombopathien (Funktionsstörungen der Thrombozyten): Kleine, punktförmige Einblutungen (Petechien) oder kleinflächige Blutungen (Purpura) in Haut und Schleimhäuten, aber auch größere Hautblutungen (Suffusion oder Ekchymosen). ⅔ aller hämorrhagischen Diathesen haben Störungen der Thrombozyten als Ursache; zählt man die gemischten Fälle hinzu, bei denen Thrombozyten beteiligt sind, sind es über 80 %. ThrombozytopenienThrombozytopenie resultieren entweder als Bildungsstörungen im Knochenmark als aplastische Störung, durch gesteigerten peripheren Umsatz bei gesteigerter Thrombinaktivität (DIC, Infektionen, Malignomen), bei Immunthrombozytopenien (Autoantikörper gegen Thrombozyten, idiopathische thrombozytopenische Purpura; chronisch: M. Werlhof, sekundär bei SLE, malignen Lymphomen, HIV-Infektionen), medikamentös (z. B. Chinin), durch Iso-Antikörper gegen Thrombozyten sowie anderer Genese (Hypersplenismus, Moschkowitz-Syndrom, hämolytisch-urämisches Syndrom u. a.).

Koagulopathien

Hämophilie Hämophilie(Bluterkrankheit): angeborene KoagulopathieKoagulopathie, bei der einzelne Gerinnungsfaktoren nicht oder nicht ausreichend gebildet werden können. Am häufigsten (85 % der Fälle) ist die X-chromosomal-rezessiv vererbte Hämophilie A, bei der die Bildung des Gerinnungsfaktors VIII gestört ist. Ca. 15 % der Fälle stellt die – gleichfalls X-chromosomal rezessiv vererbte – Hämophilie B dar, bei der der Gerinnungsfaktor IX betroffen ist. In ca. 30 % der Fälle ist der genetische Defekt durch Spontanmutationen neu erworben („leere“ Familienanamnese). Aufgrund des X-chromosomalen Erbgangs sind fast alle Hämophiliekranke Jungen bzw. Männer. Typischerweise haben sie bereits nach kleinen Verletzungen großflächige Blutungen. Auch Spontanblutungen in
Muskelgewebe und Gelenke sind häufig. Charakteristisch ist, dass die Blutung zunächst aufhört, da Gefäßreaktion und Blutstillung intakt sind, aber nach Stunden oder Tagen wieder beginnt. Bei leichter Krankheitsausprägung zeigt sich die erhöhte Blutungsneigung nur in Ausnahmesituationen, beispielsweise nach Zahnextraktionen oder Operationen.
Beim angeborenen Willebrand-Jürgens-SyndromWillebrand-Jürgens-Syndrom, welches meist heterozygot vererbt wird, besteht ein Mangel (Typ I, 70 % der Fälle, autosomal-dominant vererbt), beim seltenen Typ III (autosomal rezessiv vererbt) fehlt der Willebrand-Faktor. Bei Typ II ist der Faktor zwar vorhanden, aber seine Funktion ist gestört. Im Rahmen eines systemischen Lupus erythematodes (SLE)Lupus erythematodes, systemischer (SLE)SLE und anderer Krankheiten kann dieses Syndrom auch erworben vorkommen. Experten schätzen, dass jeder Hundertste in der Bevölkerung die genetische Veranlagung dafür aufweist. Im Gegensatz zur Hämophilie ist die Blutstillung (nicht primär die Blutgerinnung) defekt, sodass sich die Blutungszeit verlängert. Sekundär kommt es zu einer verminderten Aktivität von Faktor VIII:C, was zu einer gestörten plasmatischen Gerinnung führt.

DIC

DIC (disseminated intravascular coagulation)VerbrauchskoagulopathieVerbrauchskoagulopathie s. DIC (disseminierte intravasale Gerinnung, Disseminated intravascular coagulation): ausgelöst durch verschiedene Grundkrankheiten zunächst Bildung von Mikrothromben (kleinste Gerinnsel) in den Gefäßen; im weiteren Verlauf durch den Verbrauch von Gerinnungsfaktoren und Thrombozyten Entwicklung einer Blutungsneigung. Das Krankheitsbild ist vorwiegend im Krankenhaus zu beobachten und stellt oft einen medizinischen Notfall dar. Meist sind die Patienten bereits zuvor schwer krank (z. B. Schock, Sepsis) oder die DIC entwickelt sich als Komplikation während einer OP oder einer Geburt. Außerhalb der Klinik sieht man dieses Krankheitsbild extrem selten; mögliche Auslöser können sein: maligne Erkrankungen, Hitzschlag, Hormonerkrankungen (z. B. M. Cushing) oder Schlangenbiss. Das voll ausgeprägte Krankheitsbild zeigt sich mit folgenden Symptomen: hämorrhagische Diathese mit Haut- und Schleimhautblutungen, verstärktes Nachbluten z. B. aus Stichkanälen, Magen-Darm-Blutungen, Nieren- oder Gehirnblutung sowie gleichzeitiges Organversagen (Niere!) infolge von Mikrothromben.

Vaskulopathien

VaskulopathieHereditär wie M. Osler-Weber-Rendu u. a. oder erworben, z. B. bei Vitamin-C-Mangel oder bei der Purpura Schönlein-Henoch (allergische Vaskulitis der kleinen Blutgefäße und Kapillaren in zeitlichem Zusammenhang mit einem vorausgegangenen Infekt der oberen Atemwege).
Therapeutische Strategie und homöopathische Behandlung
(Vgl. Anämie, da viele der hier aufgeführten Krankheiten in Anämien münden; Notfallbehandlung bei akuten Blutungen 24.1)
Sind die Ursachen einer ThrombozytopenieThrombozytopenie exogener Natur, kann nach Weglassen sämtlicher potenziell auslösender Substanzen mit entsprechenden homöopathischen Arzneien behandelt werden, z. B. wenn ein Strahlenschaden oder die Folgen einer Zytostatikabehandlung vorliegen.
Sind Karzinome, Leukämien, Osteomyelosklerosen, maligne Lymphome etc. Ursache einer Thrombozytopenie müssen homöopathische Mittel je nach Einzelfall und Stadium der Erkrankung begleitend zur schulmedizinischen Therapie eingesetzt werden (Onkologie 31). Gleiches gilt, wenn ein systemischer Lupus erythematodes (SLE) oder ein M. Werlhof vorliegen.
Liegt eine Reifungsstörung der Megakaryozyten vor, so erfolgt neben der homöopathischen Behandlung und diätetischen Maßnahmen ggf. die Substitution mit Vitamin B12 und Folsäure.
Ein Mangel an Vitamin K beim Malabsorptionssyndrom oder bei einem Leberschaden, der zu einer Koagulopathie führen kann, muss entsprechend homöopathisch behandelt werden. Gegebenenfalls muss Vitamin K substituiert werden.
Die angeborenen HämophilienHämophilie müssen je nach Schweregrad der Ausprägung mit den Faktoren VIII (Hämophilie A) bzw. IX (Hämophilie B) substituiert werden, dennoch lohnt sich die homöopathische Behandlung, weil der Phänotyp (die klinische Ausprägung) auch bei genetisch bedingten Krankheiten positiv modulierbar ist.
Das Gleiche gilt für das Willebrand-Jürgens-SyndromWillebrand-Jürgens-SyndromSyndromWillebrand-Jörgens, das nur durch spezielle Laboruntersuchungen diagnostiziert werden kann. Bei leichter Ausprägung besteht z. B. lediglich häufiges Nasen- oder Zahnfleischbluten bzw. eine stark protrahierte Monatsblutung.
Die DIC stellt zumeist einen medizinischen Notfall dar und muss entsprechend der Causa bzw. schulmedizinisch symptomatisch behandelt werden, falls homöopathische Mittel nicht sofort greifen.
Wahl der Symptome
SymptomenwahlDiathese, hämorrhagischeUm wirklich klassisch homöopathisch zu therapieren, muss unabhängig von der Diagnose immer die Totalität der Symptome erfasst (24.1) und aufgrund der auffallenden, sonderlichen, individuellen Symptome verschrieben werden. Manchmal sind diese im Bereich der „lokalen“ Symptome selbst zu suchen. Rubriken wie „Petechien“ oder „blaue Flecken“ sind nicht nur pathognomonische Symptome. Es lohnt sich, die entsprechend infrage kommenden Mittel genau zu studieren. (Man bedenke, dass zur Entstehungszeit des Repertoriums viele heute bekannte Diagnosen so nicht existierten und somit unbefangener mit den Symptomen umgegangen wurde.) Andererseits dürfen diese Rubriken keinen kategorischen Ausschlusscharakter haben in dem Sinne, dass z. B. das Heilmittel für einen Patienten mit Petechien in der entsprechenden Rubrik aufgeführt sein muss. Das Repertorium ist ein Hilfsmittel, das Ideen gibt.
Repertorium
RepertorisationDiathese, hämorrhagischeEinige kleine Rubriken mit den entsprechenden Lokalisationen der Petechien und Purpura können direkt zum Mittel führen, wenn die Arzneiwahl nach konstitutionellen Gesichtspunkten nicht den gewünschten Erfolg brachte.
Das Gesamtbild der Lokalisation aller Hauterscheinungen ist von großer Bedeutung und nur durch eine gründliche körperliche Untersuchung und genaue Befragung des Patienten zu erlangen.

Diagnosebezogene Rubriken

Allgemeines – Anämie // hereditäre
Allgemeines – Anämie // Erythropoese beeinträchtigt – Eisenmangel, durch – Chlorose // perniziöse // perniziöse – hereditäre
Hämorrhagie – Neigung oder tatsächlich // Blut – gerinnt nicht – Hämophilie – intermittierend // Blut gerinnt nicht – Hämophilie – dünn, dunkel
Haut // Ekchymose // Purpura – haemorrhagica // Purpura – Thrombozytopenie, idiopathische, M. Werlhof // Hautausschläge – Petechien

Weitere hilfreiche Rubriken

Allgemeines – Anämie – Erythropoese beeinträchtigt // erschöpfende Erkrankung, durch // Eisenmangel, durch
Allgemeines – Chlorose // Ernährungsstörung, durch // perniziöse // perniziöse – hereditäre
Allgemeines – Hämorrhagie – Neigung oder tatsächlich // Blut – zersetzt // Blut – zersetzt – schnell // Verletzung, durch die leichteste // Schleimhäuten, aus // Körperöffnungen, aus // Körperöffnungen, aus – Oberflächen, und // passiv, sickernd // kleine Wunden bluten stark
Allgemeines – Nephritis – Hämorrhagien, mit // Tumoren, gutartige – Fibroid, Fasergeschwulst – Hämorrhagie, mit // Schwäche, Entkräftung, Erschöpfung, Prostration, Hinfälligkeit – Anämie, bei
Allgemeines – Wunden – bluten // frei – schwarzes Blut // frei – kleine Wunden

Lokalisation

Mund – Ekchymose // Zunge // Zahnfleisch
Mund – Hämorrhagie // Gaumen – sickernd – Purpura // Zahnfleisch – Berührung, bei // Zahnfleisch – leicht // Zahnfleisch – Zähneputzen, beim // Zahnfleisch – Zahnextraktion, stark nach
Mund – Purpura // Schwellung – Zahnfleisch – bläulich rot // Ekchymose
Auge – Ekchymose, subkutane Blutung // rechts // Husten, durch // Lider
Abdomen // Ekchymose
Brust // Petechien // Purpura
ExtremitätenHautausschläge – Petechien // obere Gliedmaßen // untere Gliedmaßen // Oberschenkel // Unterschenkel // Unterschenkel – links – Vorderseite
Haut – Verfärbung – Ekchymose // Purpura haemorrhagica – obere Gliedmaßen // Purpura haemorrhagica – Handrücken // Purpura haemorrhagica – untere Gliedmaßen // Purpura haemorrhagica – Unterschenkel // Petechien – obere Gliedmaßen
Rücken // Ekchymose, in der Lumbalregion // Hautausschläge – Purpura – Zervikalregion
Blase // Hämorrhagie
Haut – Ekchymose // Fieber, im // Ekchymose – jährlich wiederkehrend
Haut – Hautausschläge – Petechien // alten Menschen, bei // Petechien schmerzhaft, abends
Haut – Purpura // älteren Menschen, bei // haemorrhagica // miliaris // rheumatica // Thrombozytopenie, idiopathische – Morbus Werlhof
Prognose
Je nach Ätiologie ist eine ganz unterschiedliche Prognose der ThrombozytopenienThrombozytopenie zu erwarten. Auch bei stark fortgeschrittenen Fällen ist die Einleitung einer homöopathischen Therapie empfehlenswert. Die objektiven Verlaufsparameter (z. B. Laborkontrollen über die Thrombozytenzahlen) sind für die Beurteilung der Wirksamkeit einer homöopathischen Arznei maßgeblich.
In der Regel besteht keine Blutungsgefahr, solange die Zahl funktionstüchtiger Thrombozyten über 30 000/ml liegt und die plasmatische Gerinnung sowie die Gefäßfunktion intakt sind. Unter einer homöopathischen Therapie kann in Einzelfällen beobachtet werden, dass ein schlechter Laborwert vom klinischen Zustand des Patienten differieren kann, dass z. B. ein Patient mit schlechten Thrombozytenwerten unter korrekter homöopathischer Behandlung erstaunlicherweise keine gefährlichen Blutungen erleidet.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung
Erfahrungsgemäß spielt bei Störungen der Blutgerinnung, im Gegensatz zu anderen chronischen Krankheiten, die Organotropie der ArzneienArzneimittelorganotropes eine große Rolle. Es bedarf guter Gründe, eine Arznei, die z. B. nicht in der Rubrik „Petechien“ aufgeführt ist, zu verschreiben, wenn Petechien vorliegen.
Oft lassen sich die Mittel innerhalb dieser Rubrik nur aufgrund der Causa, des Gesamtbildes, der (deutlichen) Allgemeinsymptome, des psychischen Zustandes oder einzelner auffallender psychischer Symptome differenzieren.

!!! Ars., Lach., Phos.
!! Crot-h., Nat-m., Sulph. (steht nicht in der Rubrik „Petechien“)

Nachfolgend werden in alphabetischer Reihenfolge die wichtigsten Mittel zu Petechien und/oder Ekchymosen und/oder Purpura haemorrhagica dargestellt.
Arsenicum album
#Arsenicum albumPetechienFolge von Chemotherapie; von Fischvergiftung; von Vergiftung allgemein.
Als Konstitutionsmittel: Folge von rigider, emotionsarmer Erziehung, von zu früher Sauberkeitserziehung; Schwäche, (innere und äußere) Ruhelosigkeit, Angst, will nicht allein sein, Gehetztheit; Geiz, kleinlich, überkorrekt; Arsenicum erkennt man an der inneren Unruhe mit großer Angst und großer Schwäche. Oftmals passend für pathologische Endzustände; aber manchmal kann man schweren Krankheiten vorbeugen, wenn Ars. schon vor Ausbruch der (z. B. Krebs-)Pathologie als Konstitutionsmittel erkannt wird.
Starke Verfrorenheit, agg. durch Kälte jeder Art, kalte Getränke, kalte Speisen; Besserung durch Wärme, warme Anwendungen, warme Speisen und Getränke; Periodizität (nach Mitternacht, nach 2 Uhr, alle 14 Tage).
Brennende Schmerzen, die aber durch warme Anwendungen gebessert werden (amel. durch Kälte: Secale cornutum, z. B. bei Gangrän); großer Durst, trinkt häufig, aber nur in kleinen Schlucken; Erbrechen mit gleichzeitiger Diarrhoe, abdominelle Schmerzen während Diarrhoe, Erschöpfung (z. B. als Nebenwirkung von Chemotherapien); Durchfall wie braunes Wasser (DD Phosphorus); Petechien, die immer wieder nur auf der Brust, am Oberschenkel auftreten; Petechien, die abends schmerzen; Leukämie (24.3).
Crotalus horridus
#Crotalus horridusHämophilieZersetzung des Blutes, dunkle, flüssige Blutungen, die nicht gerinnen; eher rechtsseitige Wirkung; eher verfroren (Lachesis beides umgekehrt); intraokulare Einblutungen; Nasenbluten: fast schwarzes, fadenziehendes Blut; kann Kleiderdruck am Magen, am Oberbauch nicht ertragen; Erbrechen von Blut; Stuhl (fast) schwarz, dünn, wie Kaffeesatz; intestinale Blutungen, Blut sickert aus dem Rektum während der Patient geht; Ekchymosen der Unterschenkel; Ekchymosen, die jährlich wiederkehren; Purpura haemorrhagica der Mundhöhle, Sickerblutung aus dem Mund, aus allen Körperöffnungen; Hämophilie mit dunklem, dünnem Blut; eine auffallende Abneigung gegen einzelne Familienmitglieder ist Schlüsselsymptom von Crotalus horridus.
Lachesis
#LachesisHämophilieFolge von Unterdrückung einer Ausscheidung, einer Absonderung, z. B. deutliche Beschwerden seit der Menopause oder der vorzeitigen Menopause nach Hysterektomie.
Starke Eifersuchtsthematik; sehr redegewandt und redselig, spricht sehr schnell, wechselt ständig das Thema.
Lachesis lässt sich gut im psychischen Zustandsbild des Patienten erkennen, besonders wenn eine stark religiös geprägte Thematik dazu kommt. Der Patient fühlt sich von einer übermenschlichen Macht kontrolliert (auch Naja, Thuja), religiöse Verzweiflung, auffallend starke Religiosität schon bei Kindern und in der Pubertät, religiös geprägte Depression, wenn Identitätsstörungen auftreten wie das Empfinden, doppelt zu sein. (Um diese Thematiken erkennen zu können, kann man die Patienten auffordern, Bilder zu malen und diese anschließend zu deuten.)
Überwiegend linksseitige Beschwerden, warmblütige Patienten, eher dunkle, starke Blutungen, starke Empfindlichkeit auf Kleiderdruck, v. a. am Hals; meist stark ausgeprägte Libido; agg. vor und während des Schlafes; Absonderungen amel., v. a. die Menstruation; Beschwerden bei warmem, feuchtem, schwülem Wetter, periodisch im Frühjahr und Herbst; linksseitige Mandelentzündungen, die sich nach re. erstrecken, agg. durch warme Getränke, amel. durch kalte Getränke; linksseitige Tumoren/Zysten der Ovarien; Leukämie (24.3); alle Arten von Hautblutungen; livide/rote Hautfarbe des Gesichts, der Extremitäten oder der Mammae.
Natrium muriaticum
#Natrium muriaticumHämophilieFolge von langem (stillem, nicht geäußerten) Kummer, von tief empfundener Verletzung in Liebesbeziehungen, in Partnerschaften; Kummer bei Kindern durch Scheidung/Streit der Eltern; leicht verletzt, zieht sich zurück, sucht die Einsamkeit; zeigt die Verletzung nicht oder nur durch Wortkargheit und Rückzug; Verweilt innerlich lange bei emotionalen Verletzungen durch Andere, ruft sich unangenehme Erfahrungen in Erinnerung (z. B. durch traurige Musik).
Weint bei Trost (im Repertorium: Gemüt – Weinen – Trost – agg.), agg. durch Trost (im Repertorium: Gemüt – Trost – agg.). Natrium muriaticum darf nicht ausgeschlossen werden, wenn Trost sichtlich bessert. Dieses Symptom kann fehlen. Eher warm, nicht so sehr verfroren (Sepia: verfroren); agg. durch Sonne, Hitze; Verlangen nach Salz, Durst auf große Mengen (kalte Getränke); agg.: Schweinefleisch, Gurken; amel. oder agg. durch Aufenthalt am Meer; auffallend weiße Absonderungen aller Art; rezidivierender Herpes labialis, Landkartenzunge; Trockenheit der Vagina, aber auch anderer Schleimhäute; chronische, schwere Kopfschmerzen, Migräne mit Flimmern oder Zickzacklinien-Aura; Petechien; Leukämie (24.3).
Phosphorus
#PhosphorusPetechien/PurpuraFolge von Bestrahlung (Wichtigstes Mittel für Folgen von Bestrahlungen, gefolgt von Radium bromatum, X-ray, Silicea, Cadmium sulfuratum, Calcium fluoricum); Folge von Chemotherapien (wichtigstes Mittel, gefolgt von Arsenicum, Nux vomica, China); Folge von Narkosen; Folge von langem Kummer; von enttäuschter Liebe; sehr gutmütige Patienten, die alles tun, um Liebe zu bekommen.
Phosphorus ist verfroren, hat Durst auf große Mengen, v. a. (eis-)kaltes Wasser oder kalte Milch; rötliche Haare, Sommersprossen (auf der Nase), Heiserkeit durch Reden, hellrote und starke Blutungen etc.
Manchmal direkte Mittelhinweise durch Lokalisation von Petechien/Purpura, z. B. Petechien, die ohne ersichtliche Causa immer wieder nur am Abdomen oder an den oberen Extremitäten oder am Unterschenkel (auch Lachesis und Secale) auftreten. Oder Purpura haemorrhagica nur am Gaumen (auch Lachesis, Crotalus horridus) oder an der Brust. Während Petechien, die immer wieder nur auf der Brust auftreten für Arsenicum sprechen. Leukämie (24.3).
Sulfur
#SulfurHämophilieUnterdrückung von Hautausschlägen jeder Art; hitzig, kann keine Bettwärme ertragen, streckt Füße aus dem Bett, v. a. heiße Fußsohlen; agg.: 4–5 Uhr, 11 Uhr; Stuhldrang bzw. Durchfall morgens (um 5 Uhr), treibt aus dem Bett.
Heißhunger, Leeregefühl im Magen um 11 Uhr; agg.: übermäßig langer Schlaf; übel riechende Absonderungen, können ungepflegt wirken; Verlangen nach gewürzten Speisen, nach Süßigkeiten.
(Peri)analer Juckreiz, bis hin zum Brennen, agg. in Bettwärme; Zittern der Hand bei feiner Arbeit.
Sulfur ist der „große Reiniger“ und kann den Fall klären, besonders wenn unterdrückte Hautausschläge oder Impfungen die Vorgeschichte prägen.
Gerötete Lidränder, chronische Blepharitis; gebeugte Haltung, Dorsalkyphose; Purpura haemorrhagica, Ekchymosen, Hämophilie; Leukämie; Sulfur steht nicht in der Rubrik Petechien, was unter Umständen bei der Differenzierung zwischen Phosphorus und Sulfur entscheidend sein kann.

Erkrankungen der weißen Blutzellen und der blutbildenden Organe (Auswahl)

  • Akute lymphatische Leukämie, akute lymphoblastische Leukäme (ALL): Leukämieakute lymphatische/lymphoblastische (ALL)Maligne Transformation einer lymphatisch determinierten Stammzelle. Häufigste Leukämie des Kindesalters. Die Grenze zwischen den lymphoblastischen Non-Hodgkin-Lymphomen und den ALL ist fließend; wahrscheinlich handelt es sich um ähnliche Krankheitsbilder mit unterschiedlicher Manifestation. Klassifikation: Neben Zellmorphologie und Zytochemie wird v. a. die Immunzytologie herangezogen. Der immunologische Phänotyp wird mittels monoklonaler Antikörper ermittelt (T-Zell-Marker, B-Zell-Marker, Common-ALL-Antigen = CALLA) und bestimmt wesentlich Therapie und Prognose.

  • Akute myeloische Leukämie (AML), akute nicht lymphatische Leukämie (ANLL): Leukämienichtlymphatische (ANLL)Leukämieakute myeloische (AML)Maligne Transformation einer myeloisch determinierten Stammzelle. Etwa 80 % der akuten Leukämien im Erwachsenenalter, zweithäufigste Leukämie des Kindesalters. Nach morphologischen Kriterien der atypischen Zellen unterschieden in myeloblastäre, promyelozytäre, myelomonozytäre und monozytäre Leukämie, ferner unter Einbeziehung zytochemischer Methoden gemäß der FAB-Klassifikation. Als Unterform die akute Erythroleukämie (nach FAB myeloische Form M6).

  • Chronische myeloische LeukämieLeukämiechronisch myeloische/lymphatische (CML): Gehört zu den myeloproliferativen Erkrankungen, v. a. des mittleren bis höheren Lebensalters. Symptome: Meist sehr lange Latenz, dann Müdigkeit, Gewichtsabnahme, Atemnot, Nachtschweiß, Knochenschmerzen, Fieber, Völlegefühl im Bauch durch Splenomegalie. Selten: Haut- und Zahnfleischblutungen.

  • Chronische lymphatische Leukämie (CLL): Gehört Leukämiechronisch myeloische/lymphatischezu den Non-Hodgkin-Lymphomen vom niedrigen Malignitätsgrad, häufigste Leukämie des höheren Lebensalters. Symptome: In 70 % der Fälle symptomlos, ggf. vermehrte Neigung zu bakt. und viralen Infekten (30–35 %), Pruritus, Hautveränderungen (chron. Ekzem, Pyodermien, leukämische Hautinfiltrate), Leistungsminderung, B-Symptomatik (Gewichtsverlust, Nachtschweiß, Fieber, selten Neuralgien und Atemnot).

Therapeutische Strategie
In diesem Kapitelabschnitt soll kurz auf die Möglichkeit einer begleitenden homöopathischen BehandlungBegleitbehandlung, homöopathischeLeukämie von Leukämien eingegangen werden.
Angesichts der guten Prognose der akuten (lymphatischen) Leukämien (ALL) bei schulmedizinischer Therapie ist die PolychemotherapieChemotherapieALL bei Kindern notwendig und gerechtfertigt. Durch eine homöopathische Begleittherapie kann die Lebensqualität verbessert sowie möglicherweise die Rezidivgefahr einerseits als auch das Risiko von späten Zweitneoplasien aufgrund der aggressiven konventionellen Therapien reduziert werden.
Mit der alleinigen homöopathischen Therapie von kindlichen Leukämien hat der Verfasser keine Erfahrung. Wenn Eltern die schulmedizinische Therapie verweigern, droht der Entzug des Sorgerechts. Es existieren in der Literatur allerdings Fälle von erfolgreich behandelten Leukämien allein durch Homöopathie. Sie stammen aus Ländern wie Indien, wo sich ein Großteil der Bevölkerung eine schulmedizinische Leukämietherapie nicht leisten kann.
Unter einer korrekten und lange genug durchgeführten homöopathischen Behandlung mit dem Konstitutionsmittel sollte bei Kindern rein theoretisch keine Leukämie auftreten. Der homöopathische Arzt betreibt immer auch Prophylaxe, wenn er kleine Beschwerden (z. B. Symptome der latenten Psora 3.4.1) ernst nimmt und korrekt behandelt. Dieser hohe Anspruch an die therapeutisch-prophylaktische Wirksamkeit der Homöopathie stellt jeden Arzt auf die Probe und verlangt viel Wissen, sorgfältiges Arbeiten, Wachsamkeit, Austausch mit Kollegen und langfristige Strategien, die leider im Alltag nicht immer durchgehalten werden können. Bösartige Erkrankungen können nicht verhindert werden, wenn man mit SimileSimile und nicht mit dem SimillimumSimillimum behandelt.
Die weiteren Ausführungen beschreiben v. a. die kindliche ALL (80 % der kindlichen Leukämien), die kindliche akute myeloische Leukämie (AML), deren Prognose schlechter ist, sowie die chronischen Leukämien des Erwachsenenalters.
Homöopathische Behandlung
Akute lymphatische Leukämie im Kindesalter
Leukämieakute lymphatische/lymphoblastische (ALL)Mit der Diagnose Leukämie wird unverzüglich die Remissionsinduktionstherapie nach festgelegten Polychemotherapieschemata eingeleitetChemotherapieALL. Der Wettlauf mit der Zeit gilt auch für den Homöopathen, dessen Behandlung möglichst noch vor der schulmedizinischen Therapie beginnen sollte.
Schwerpunkt in der Anamnese sind Vorgeschichte und aktuelle Symptomatik (Suche nach auslösenden Ursachen wie Bestrahlung, radioaktive Belastung, elektromagnetische Felder sowie nach dem miasmatischen Hintergrund).
Ziel ist, bis zum Beginn der schulmedizinischen Therapie die Wirkung der Mittel auf die Pathologie zu testen. Dabei haben sich Q-Potenzen durch das schnellere Reaktionsverhalten des Patienten bewährt.
Dabei ist minutiös auf Veränderungen des Allgemeinbefindens zu achten: Abgeschlagenheit, Fieber, Nachtschweiß, schlechter Appetit, unruhiger Schlaf, Dyspnoe, Müdigkeit.
Weitere Leitsymptome sind Lymphknotenschwellungen, evtl. Splenomegalie/Hepatomegalie und Veränderungen infolge der Verdrängung der normalen Hämatopoese, dazu gehören Blässe, Blutungsneigung, Hämatome, Zahnfleischbluten.
Ebenso müssen die parallel stattfindenden Laboruntersuchungen zur Verlaufsbeurteilung herangezogen werden: Anämie, Thrombozytopenie, Granulozytopenie. Die Leukozytenzahl gibt keine sichere Auskunft über den Verlauf, weil sie durch zu viele Nebenfaktoren günstig oder ungünstig beeinflusst sein kann.
Bis zum Beginn der schulmedizinischen Induktionstherapie können auch kleine Veränderungen der Symptomatik das verabreichte Arzneimittel als das richtige bestätigen. Mit Einsetzen der Chemotherapie ist meist ein „Akut-Mittel“ erforderlich, das die von der Chemotherapie erzeugten Symptome behandelt. Anschließend wird ggf. das zuvor bestätigte Mittel in Q-Potenzen weiterverordnet.

Meist werden die Symptome der Leukämie von den Symptomen der ChemotherapieALLChemotherapiekrankheit überlagert.

Günstig auf eine homöopathische Behandlung sprechen besonders Fälle an, bei denen sowohl die auffallenden Symptome des Patienten, die Symptome der Leukämie und die durch Chemotherapie erzeugten Symptome von einer einzigen homöopathischen Arznei abgedeckt sind (z. B. mit Phosphorus#PhosphorusALL oder Arsenicum album#Arsenicum albumALL).
Im Idealfall verlaufen die Chemotherapie sowie die Schädelbestrahlung ohne große Komplikationen (z. B. interkurrente Infektionen und ohne übermäßig starke Ausprägung der Nebenwirkungen wie Nausea, Diarrhoe, Schleimhautläsionen und Schwäche). InfektioninterkurrenteInterkurrente Infekte können unter Umständen gut mit einem Ergänzungsmittel (4.3.3, 9.3 Arzneimittelbeziehungen) des Hauptmittels behandelt werden, sodass während der Erhaltungstherapie auf Antibiotikagaben verzichtet werden kann. Unerlässlich ist dabei eine kontinuierliche engmaschige Beobachtung des Patienten.
Erfahrungswerte zeigen, dass sich die Blutzellen unter begleitender homöopathischer Therapie nach den Chemotherapien schneller erholen und seltener Blutkonzentrate, Neupogen (CSF: Colony-stimulating-factor) und Antiemetika nötig sind als beim Durchschnitt der nicht homöopathisch behandelten Patienten.
Kommt es trotz homöopathischer Behandlung zu Rezidiven, verschlechtert sich bei diesen Patienten auch die Prognose fortlaufend. Eine palliative homöopathische BehandlungPalliation, ALL ist bei diesen schweren Verläufen Therapie der Wahl. Sind Tumorschmerzen oder starke Übelkeit schulmedizinisch nicht mehr behandelbar, können gut gewählte homöopathische Mittel Erstaunliches leisten.
Geht es den Patienten während der Chemotherapie und begleitenden homöopathischen Therapie relativ gut, sollte das Mittel bei kleinen Schwankungen der Symptome/Beschwerde nicht gewechselt werden.
Bei der PalliationPalliationALL ist es anders: Der Therapeut wird oft durch den Wechsel des Beschwerdebildes von einem Mittel zum nächsten „gejagt“, es sind ganze Mittelreihen notwendig. Unzählige Faktoren sind zu berücksichtigen und das Leiden der Patienten erlaubt kein Verharren auf einer Arznei, die nicht unmittelbar hilft.

Wer Krebspatienten (begleitend) homöopathisch behandeln willBegleitbehandlung, homöopathischeLeukämie, muss für den Patienten ständig erreichbar sein, da die gesundheitliche Situation des Patienten jederzeit eine Veränderung der Therapiestrategie erfordern kann.

Anmerkung zu den chronischen Leukämien (myeloisch/lymphatisch)
Leukämiechronisch myeloische/lymphatischeBei chronisch myeloischen Leukämien im Erwachsenenalter ist im Initialstadium der Erkrankung die Vorgehensweise weniger von Zeitdruck und schulmedizinischer Therapie geprägt wie bei der akuten Leukämie. Die Phase der schleichenden Entwicklung, in der ohnehin keine schulmedizinische Therapie stattfindet, kann homöopathisch gut genutzt werden. Das Ziel ist die Stabilisierung der Leukozytenzahlen. Neben den subjektiven Beschwerden des Patienten sowie Häufigkeit und Ausprägungsgrad von Infektkomplikationen dienen Leukozytenzahl, Linksverschiebung, das Auftreten von Vorstufen der Granulozytopoese, Lymphknotenschwellungen und Splenomegalie als objektive Verlaufsparameter.
Wahl der Symptome
SymptomenwahlLeukämieDie zur Arzneiwahl ausgewählten Symptome müssen entsprechend dem „Organon“, § 153, auffallend, sonderlich und individuell sein.
  • Gut beobachtete Geistes- und Gemütssymptome können Arzneimittel voneinander abgrenzen, wenn keine klaren §-153-Symptome auffindbar sind. Dabei ist wichtig, welche Symptome in der Zeit vor Verdachtsdiagnose besonders auffallend und abweichend vom bisherigen Verhalten des Patienten waren.

  • Ebenfalls wichtig ist die Summe der gut beobachteten Allgemeinsymptome, besonders die erst kurzzeitig bestehenden Veränderungen z. B. des Trinkverhaltens oder Schlafsymptome (partielle Schweiße, auffallende Körperlagen, Lachen im Schlaf, Zähneknirschen).

  • Von den pathognomonischen SymptomenSymptomepathognomonische sind zu berücksichtigen: fehlerhafte Hämatopoese (Petechien, Ekchymosen, Sugillationen) und ihre genaue, evtl. auffallende Lokalisation, Lymphknotenschwellungen (genaue Lokalisation und Beschaffenheit der Schwellungen – steinhart, hart), Splenomegalie. Es führen die Symptome zum Arzneimitteln, die einen starken Bezug zu den hämatologischen Erkrankungen aufweisen, also ihren „Haltepunkt der Wirkung“ (Burnett) dort haben.

  • Während der ChemotherapieChemotherapie müssen die nebenwirkungsbedingten Symptome berücksichtigt werden, wenn sie in den Vordergrund rücken. Auch dabei muss die individuelle Reaktionsweise beachtet werden, z. B. ob der Patient eine Kälteempfindlichkeit oder starke Unruhe entwickelt, auffällig gereizt erscheint (im Vergleich zu vorher) oder z. B. Nasenbluten auftritt. Kommt es zu Durchfall, sind Beschaffenheit und Farbe relevant ebenso ob Unverdautes oder Blut enthalten ist. Insgesamt ist die Qualität der Exkrete und Sekrete wichtig, gerade im Vergleich zu der Zeit vor der Chemotherapie.

Repertorium: Wegen der Komplexität der Thematik werden in diesem Kapitel keine speziellen Repertoriumsrubriken angegeben.
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Um keine Zeit zu verlieren und um eine schnelle Beurteilung zu ermöglichen sollte man mit täglichen Gaben von Q-PotenzenQ-PotenzenLeukämie der ermittelten Arznei beginnen, am besten abends vor dem Schlafengehen. (Zubereitung und Handhabung der Q-Potenzen 2.4, 6.3.4)
Auch der eventuell rasch notwendige Wechsel des homöopathischen Mittels bei Beginn der ChemotherapieBegleitmedikation, homöopathischeChemotherapie sowie die Anpassung an eventuelle Zwischenfälle lassen die Q-Potenzen als ideale Verabreichungsform der homöopathischen Arznei erscheinen, da sie durch ihre kurzen Wirkzeiten ideal steuerbar sind und weniger störanfällig auf die Wirkung von Chemotherapeutika und anderen notwendigen Medikamenten reagieren. Engmaschige Kontrollen (am besten täglich) sind notwendig, um die Arzneiwirkung beurteilen und notwendige Mittelwechsel erkennen zu können.

Q-PotenzenQ-PotenzenLeukämie (6.3.4) ermöglichen eine rasche Beurteilung der Mittelwirkung und vereinfachen die Möglichkeit, das Mittel bei Beginn der Chemotherapie zu wechseln. Akutsituationen können leichter durch interkurrente Mittel behandelt werden.

Bei den kindlichen Leukämien sowie den akuten Leukämien im Erwachsenenalter können Q-PotenzenQ-PotenzenLeukämie über die gesamte Periode der schulmedizinischen Remissionsinduktionstherapie und der Konsolidierungstherapie fortgesetzt werden. Bei den chronischen Leukämien des Erwachsenen kann nach anfänglicher „Einstellung“ des Patienten mit dem richtigen Konstitutionsmittel (Q-Potenz) im Behandlungsverlauf auf Einzelgaben hoher C-Potenzen nach dem Kent-Schema (7.3.2) übergegangen werden. Ebenso können C-Potenzen aber auch von Anfang an eingesetzt werden. Es empfiehlt sich mit der C200 zu beginnen und erst allmählich höhere Potenzen zu verordnen, um zu heftige Reaktionen zu vermeiden und die Lebenskraft des Patienten nicht zu überfordern.
Prognose: Die begleitende homöopathische Behandlung kann die Nebenwirkungen der schulmedizinischen Therapie reduzieren und dadurch in vielen Fällen das Allgemeinbefinden deutlich verbessern. Es bedarf aufgrund des schweren Krankheitsbildes und der Spätfolgen der Chemo- oder Strahlentherapie einer jahrelangen, eigentlich lebenslangen begleitenden homöopathischen Behandlung.
Die Behandlung onkologischer Erkrankungen beinhaltet immer auch die gleichzeitige Auseinandersetzung mit finalen Lebenskrisen und dem Tod, der leider oft genug nicht verhindert werden kann.
Unterstützende Maßnahmen
Es ist unerlässlich, dass Krebskranke auf eine gesunde ErnährungErnährungLeukämie achten. Was jedoch ist eine gesunde Ernährung? Hierüber gehen die Lehrmeinungen teilweise diametral auseinander. Die eigene Meinungsbildung des Arztes ist notwendig. Dem Verfasser sind Herkunft der Nahrungsmittel aus biologischem Anbau, eine vegane oder vegetarische Vollwert-Kost wichtige Grundlagen für eine gesunde Ernährung (nicht nur) für Krebskranke. Die Wichtigkeit der sog. sekundären Pflanzenstoffe ist erst in den letzten Jahren erkannt worden. Alte Gemüse- und Obstsorten, die mehr Bitterstoffe enthalten als neue Züchtungen, die den Gaumen verwöhnen sollen, sind hier besonders wertvoll. Auch die mehrfach ungesättigten Fettsäuren in verschiedenen Pflanzenölen sind enorm wichtig. Dabei ist auf die schnelle Oxidation der Öle zu achten, d. h., sie sollten frisch oder unter Vakuum-Bedingungen gepresst sein und nach Öffnung zügig verbraucht werden. Sog. Nahrungsergänzungsmittel sollten sparsam eingesetzt werden und aus bestem biologisch angebautem Obst und Gemüse hergestellt sein.
Die achtsame Zubereitung und der bewusste, langsame Verzehr der Speisen sind nicht zu trennen von der Qualität der Ausgangsstoffe
Eine der wichtigsten unterstützenden Maßnahmen ist die psychologisch-menschliche Begleitung der Patienten bzw. der Eltern von schwer kranken Kindern.
Oftmals entsteht während einer homöopathischen Behandlung eine enge Beziehung zum Patienten bzw. zu dessen Eltern. Die emotionale Grenzerfahrung des Patienten (des Kindes und seiner Eltern) in der unmittelbar empfundenen Todesbedrohung durch die Krankheit öffnet bei vielen von ihnen neue psychologische und spirituelle Dimensionen, denen sich der begleitende Arzt nicht entziehen sollte. Der Arzt kann im Gespräch auf die oft schwierige Familiensituation einwirken und aufgrund seiner Erfahrung mit ähnlichen Situationen durch anerkennende Unterstützung viel Leid lindern. Sind zu viele (familiäre) Konflikte ungelöst und stößt die Beratung auf Grenzen, sollte ein (Familien-)Psychotherapeut hinzugezogen werden.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung
Leukämien bzw. Chemotherapie und Bestrahlung.

!!! Ars., Lyc., Nat-s., Phos.
!! Lach., Nat-m., Sulph.
! Thuj. (als Zwischenmittel)

Palliation (interkurrente Infekte, Fieber, Schmerzen, Übelkeit, Schwäche):

!!! Ars., Bell., Nux-v., Op.
!! Chin.

Bei der Therapie schwerer chronischer Krankheiten lassen sich bewährte Medikamente grundsätzlich nicht empfehlen. Dennoch seien aus der Vielfalt der Möglichkeiten die wichtigsten Arzneimittel exemplarisch herausgegriffen.
Arsenicum, Sulfur, Natrium muriaticum, Lachesis
Natrium sulfuricum
#Natrium sulfuricumLeukämieOft nicht einfach zu erkennen; wenn nur ein, zwei deutliche Symptome für Natrium sulfuricum sprechen, aber viele Natrium-muriaticum- und Sulfur-Symptome im Vordergrund stehen, kann bei einer Leukämie (dreiwertig in der Rubrik!) Natrium sulfuricum das korrekte Mittel sein.
Geistige Veränderungen nach Kopfverletzung; generell Kopfverletzung in der Vorgeschichte; deutliche Verschlechterung durch Feuchtigkeit, durch feucht-warmes, aber auch feucht-kaltes Wetter, v. a. Verschlechterung von asthmatischen Beschwerden; Heuschnupfen mit Asthma; Leberbeschwerden (akute oder chronische Hepatitis, Gallensteine); überempfindlich und verschlossen; starkes Pflicht- und Verantwortungsgefühl; Äußerungen von Selbstmordgedanken.
Morgens um 4 Uhr, 5 Uhr (wie Sulfur); eher warmblütig; gestielte Warzen (Haupt-Antisykotikum nach Kent); Verlangen/Abneigung Joghurt; eine deutliche Abneigung gegen Pilze kann an Natrium sulfuricum denken lassen.
Phosphorus
#PhosphorusChemotherapieDa Phosphorus das wichtigste Mittel für Kinder bei Chemotherapie und Bestrahlungen ist, soll es hier ausführlicher dargestellt werden.
  • Causa: Folge von Bestrahlung jeglicher Art, v. a. Röntgenbestrahlungen, therapeutischer Radiatio, atomarem Fallout (z. B. betroffene Kinder nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl; wichtigstes Mittel, gefolgt von Radium bromatum, X-Ray, Silicea, Cadmium sulfuratum, Calcium fluoricum); aber auch Folge von Elektrizität, z. B. schwere hämatologische oder onkologisch Erkrankungen von Menschen, die in unmittelbarer Nähe von Transformatoren leben oder gelebt haben; Folge von Chemotherapien (wichtigstes Mittel, gefolgt von Arsenicum, Nux vomica, China); Folge von Narkosen.

  • Gemüt: Extrovertiert, ausdrucksvoll, herzlich, mitfühlend, beeindruckbar, Überempfindlichkeit der Sinne, voller Ängste (Dunkelheit, Alleinsein, um andere, um die Gesundheit, Gewitter etc.); aber auch: gleichgültig gegen ihre Kinder und gegen geliebte Personen (DD Sepia, Lycopodium); Schlagen. Antwortet langsam, überlegt lange vor einer Antwort.

  • Folge von langem Kummer; von enttäuschter Liebe; sehr gutmütige Patienten, die alles tun (und alles mit sich machen lassen), nur um Liebe zu bekommen.

  • Hellsichtige Träume (führen bei deutlicher Ausprägung oft direkt zum Mittel).

  • Schwindel:

    • Bei plötzlicher, heftiger Bewegung; bei schneller Bewegung des Kopfes (DD Calcarea carbonica, Conium, Gelsemium); stetiges Schauen auf einen Punkt (DD Natrium muriaticum), nach oben sehen; Umdrehen im Bett (DD Belladonna, Conium, Rhus toxicodendron, Sulfur).

    • Gegenstände scheinen sich im Kreis zu drehen, Zimmer wirbelt (DD Calcarea carbonica, Causticum, Nux vomica); liegen auf dem Gesicht, auf der (li.) Seite; aufsetzen im Bett (DD Chelidonium, Cocculus); durch Säfteverlust (DD China, Sepia).

  • Augen/Sehen: Blitze im Dunklen (DD Calcarea carbonica, Lycopodium, Thuja).

  • Nase/Riechen: Überempfindlichkeit des Geruchsvermögens während Kopfschmerz.

  • Magen: Übelkeit amel. durch kalte Getränke; Magenschmerzen amel. nach kalten Getränken und Speisen; agg. nach warmen Speisen.

  • Darm/Rektum/Stuhlgang: Laute Darmgeräusche, die auf Distanz noch zu hören sind; Durchfall wie braunes Wasser (DD Arsenicum bes. bei Leukämiebehandlung bzw. Begleitung Chemotherapie); Stuhl: kleine weiße Einschlüsse; grauer Stuhl, weißer Stuhl, unverdauter Stuhl; Gefühl Anus ist offen; Diarrhoe, amel. kalte Getränke.

  • Genitale: Ausgeprägte Libido; Menses profus, hell.

  • Kehlkopf: Heiserkeit durch (langes) Sprechen; muss sich immer wieder räuspern.

  • Brust: Herzklopfen beim Liegen auf der linken Seite; Knoten/Krebs Mammae; rezidivierende Bronchitiden, chronischer (Reiz)husten, Pneumonien in der Vorgeschichte.

  • Rücken: Krampfartige Schmerzen zwischen den Schulterblättern; brennender Schmerz zwischen den Schulterblättern, amel. Reiben.

  • Extremitäten: Hitze der Handflächen; Gefühllosigkeit der Handflächen, der Fingerspitzen (auch als Chemotherapie-Nebenwirkung); Lähmung der Beine nach Apoplex (DD Nux vomica); Ischias li.

  • Allgemeines: Verlangen nach (eis)kalten Getränken, (eis)kalte Milch, Eiscreme, Durst auf große Mengen auf einen Zug; amel. kaltes Wasser; Verlangen Salz und stark Gewürztes; Abneigung und agg. durch Knoblauch, Zwiebeln; fette Speisen, fettes Fleisch; amel. Berührung, Massage, Schlaf; Verletzungen von Nerven des Rückenmarks; brennende Schmerzen; Hypoglykämien, starker Bezug zum Pankreas (auch Pankreaskarzinom).

  • Zu schnelles Wachstum bei Kindern; Wachstumsschmerzen; hochgewachsene Menschen; heller Teint, häufig blond und blaue Augen; Sommersprossen (Nase), rötliche Haare.

Lycopodium
#LycopodiumLeukämieGutes Mittel bei der Behandlung der chronischen lymphatischen Leukämie bei Erwachsenen; oft sympathische Patienten, manchmal unterwürfig und hofierend, manchmal aber hochmütig und diktatorisch; Gefühl der Hilflosigkeit, unentschlossen, vermeidet Verantwortung bzw. starkes Verantwortungsgefühl; Beschwerden im Verdauungstrakt: leicht gebläht, v. a. nach dem Essen und nachmittags (16 Uhr), amel. Flatusabgang; empfindlich gegen Kleiderdruck, leicht gesättigt, schon nach wenigen Bissen; Temperaturhaushalt meist ausgeglichen, verfroren; amel. Gehen im Freien; rechtsseitige Beschwerden überwiegen, oft wandernde Beschwerden von re. nach li.; diagonal re. oben, li. unten; Verlangen nach Süßigkeiten; Beschwerden durch blähende Speisen wie Kohl, Zwiebeln, Bohnen etc. agg. 16–20 Uhr und agg. 3–4 Uhr morgens; hungrig nachts (DD Phosphorus); ein Fuß kalt, der andere heiß; früh ergraute Haare; gerunzelte Stirn oder Neigung zu Stirnrunzeln.
Thuja
  • #ThujaLeukämieOft über kurze oder auch längere Zeit als Zwischenmittel notwendig, wenn unterdrückte Gonorrhoe (auch der Eltern, Großeltern) vorliegt, oder Unterdrückung von Warzen oder eine übermäßig starke bzw. fehlende Reaktion auf eine Impfung (v. a. Pocken) vorliegt.

  • Zur Klärung des Falles, wenn Gonorrhoe (s. o.) und/oder viele (braune, flache, gestielte, weiche, blumenkohlartige) Warzen vorliegen; fixe Ideen, religiöser Fanatismus, religiöse Verzweiflung; Gefühl des Gespaltenseins (erstaunlich gut zu erkennen, wenn der Patient malt); Wahnidee ist aus Glas, ist zerbrechlich (manchmal wörtlich vom Patienten so geäußert oder als Traumthema).

  • Abneigung gegen oder Verlangen nach Zwiebeln.

  • Chronische Unterleibsbeschwerden bei Frauen, Chlamydieninfektionen; Beschwerden nach häufig wechselnden Geschlechtspartnern; geriffelte Nägel; Schweiß der Oberlippe; Fettige Haut (Natrium muriaticum).

Akute Mittel bei interkurrenten Beschwerden
  • Belladonna#BelladonnaChemotherapie: Hohes Fieber während der Chemotherapie, welches auf Antipyretika nicht mehr anspricht; roter, heißer Kopf, kalte Hände, weite Pupillen, klopfende Karotiden, pulsierende Schmerzen.

  • Nux vomica#Nux vomicaChemotherapie: Bei starker Übelkeit und Erbrechen während der Chemotherapie, wenn nicht so sehr die Schwäche und die Unruhe von Arsen, sondern eher extreme Gereiztheit vorliegen; sehr verfroren, Schüttelfrost beim Herausstrecken der Hände aus dem Bett.

  • Ipecacuanha#IpecacuanhaChemotherapie: Starke Übelkeit und Erbrechen mit blau verfärbtem Gesicht, die Übelkeit bessert sich nicht durch das Erbrechen; saubere Zunge; durstlos; blau im Gesicht und Steifheit der Muskeln beim Husten.

  • Opium#OpiumChemotherapie: Palliativ, Bewusstlosigkeit mit puffender Ausatmung; wichtiges Mittel bei Blasenlähmung im Endzustand und bei Darmträgheit durch Opiate.

Dosierung: Arzneimittel für die PalliationPalliation als C-Potenzen (C30, C200), ggf. in häufiger Wiederholung aufgelöst in Wasser (verkleppert) verabreichen.

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