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B978-3-437-56353-9.00011-6

10.1016/B978-3-437-56353-9.00011-6

978-3-437-56353-9

Herz

Henning Droege

Thomas Quak

(miasmatische Zuordnung)
  • 11.1

    Durchblutungsstörungen des Herzens260

    • 11.1.1

      Angina pectoris260

    • 11.1.2

      Myokardinfarkt263

    • 11.1.3

      Herzinsuffizienz265

    • 11.1.4

      Herzrhythmusstörungen267

  • 11.2

    Funktionelle Herzbeschwerden269

Durchblutungsstörungen des Herzens

Bei Mangeldurchblutung (Ischämie) und dadurch Sauerstoffmangel (Hypoxie) des Herzmuskels durch Einengung oder Verschluss von Koronararterien. Zum Formenkreis der koronaren Herzkrankheit KHK zählen die Krankheitsbilder Angina pectoris (11.1.1) und Herzinfarkt (11.1.2) sowie eine durch Mangeldurchblutung der Koronarien entstandene Herzinsuffizienz (11.2). Die KHK ist eine häufige Erkrankung, ca. 5–10 % der männlichen Bevölkerung betroffen, bei Frauen vor der Menopause selten, danach rascher Risikoanstieg.

Angina pectoris

Angina pectoris

Definition: Häufigstes Symptom der Koronaren HerzkrankheitHerzkrankheit, koronare (KHK).KHK (koronare Herzkrankheit)

Symptomatik: Typischerweise Angina-pectoris-Anfälle (Sekunden bis Minuten anhaltende Schmerzen im Brustkorb, mit Beklemmung und Engegefühl), die vom Patienten als äußerst bedrohlich empfunden werden. Angstzustände bis hin zu Todesangst. Ausstrahlung der Schmerzen oft in den linken Arm, seltener in den Oberbauch, den Rücken, den rechten Arm, den Hals, den Unter- oder Oberkiefer.

Therapeutische Strategie
Der akute Angina-pectoris-Anfall kann homöopathisch behandelt werden. Wichtiger ist jedoch eine langfristige Behandlung zur Vermeidung von erneuten Herzischämien. Ziel ist dabei nicht nur, einen Infarkt zu vermeiden, sondern auch das Fortschreiten der Koronarstenose aufzuhalten oder zurückzudrängen. Wegen der Bedrohlichkeit der Erkrankung für Leib und Leben sollte die allopathische Langzeitmedikation beibehalten werden und die Akutmedikation wenigstens zur Hand sein. Es gibt jedoch Patienten, die diese im Lauf der Behandlung nicht mehr benötigen und auch im Anfall z. B. statt eines Nitrosprays lieber Cactus#CactusAngina pectoris als Bedarfsmedikation nehmen. Durch eine homöopathische Konstitutionstherapie ist es unter Umständen möglich, die Langzeitmedikation zu reduzieren.
Die homöopathische Akutbehandlung ist aufgrund der Eindeutigkeit der Symptome oft einfach. Die homöopathischen Behandlung muss immer unter Einhaltung aller medizinischen Richtlinien zur Sicherheit des Patienten erfolgen. Die Verlaufsbeurteilung richtet sich zunächst in erster Linie nach dem Befinden und erst in zweiter Linie nach dem EKG.

Obgleich hier einige allgemeine und spezielle Aspekte der Therapie der Angina pectoris geschildert werden, sollte die Behandlung nur dem erfahrenen Spezialisten vorbehalten bleiben. Eine interdisziplinäre Vorgehensweise ist empfehlenswert.

Homöopathische Behandlung
Akut gefährdete „Koronarpatienten“ kommen meist nicht in die homöopathische Praxis. Häufiger ist die Koronarinsuffizienz im Rahmen einer allgemeinen Arteriosklerose zu behandeln. Dann wird ein individuelles KonstitutionsmittelKonstitutionstherapieAngina pectoris verordnet, ggf. zusätzlich ein Bedarfsmittel für Angina pectoris. Unter dem Konstitutionsmittel sollte und wird i. d. R. eine langfristige Stabilisierung eintreten. Bei der Anamnese müssen folgende Aspekte erfragt und berücksichtigt werden.
  • Symptome der chronischen Erkrankung, die alle Aspekte der Krankengeschichte sowie alle nicht krankhafte Symptome und Zeichen des Patienten erfasst.

  • Symptome des akuten Angina-pectoris-AnfallsAkuttherapieAngina pectoris in allen Einzelheiten mit allen beteiligten Umständen.

Wahl der Symptome
SymptomenwahlAngina pectorisZur Symptomenauswahl siehe Konstitutionstherapie 4.2. Im Angina-pectoris-Anfall gibt der akute Zustand des Patienten mit all seinen Facetten Hinweise für die Verordnung.
  • Lokalsymptome: umfassen die Schmerzbeschreibung, z. B. einschnürend, wie von einer Kralle, Ort und Erstreckung, z. B. in den linken oder rechten Arm, in den Rücken.

  • Verhalten des Patienten: während des Anfalls, z. B. reißt Hemd oder Fenster auf, will ganz ruhig sein, langt mit der Hand an die Brust, will flach liegen, sich aufsetzen, ist ängstlich, unruhig.

  • Auslöser des Anfalls: sich wiederholende Auslöser, z. B. Treppensteigen, Kälte, Erwachen, Niesen, Wetterwechsel.

  • Begleitsymptome: die sich nicht am Herz manifestieren wie z. B. Übelkeit, Frösteln, Wadenkrämpfe, Speichelfluss, Atemnot.

  • Zeitliche Muster: Tages- oder Nachtzeiten, Angina pectoris periodisch jede Woche, jeden Monat.

Miasmatische Zuordnung
Die Angina pectoris kann psorischen, sykotischen oder syphilitischen Ursprungs sein.
Repertorium
RepertorisationAngina pectorisDie Hauptrubrik für Angina pectoris findet sich im Kapitel Brust – Angina pectoris, Stenokardie. Weitere Rubriken, welche die Lokalsymptome in typischer Weise beschreiben, sind im Kapitel „Brust“ zu finden (s. u.).

Diagnosebezogene Rubriken

Brust – Angina pectoris, Stenokardie
Brust – Einschnürung, Spannung, Engegefühl – Herz
Brust – Schmerzen – einschnürender Schmerz – Herz

Lokalsymptome

Brust – Angst; Herzregion
Brust – Schmerz – Herz // abends/nachts // anfallsweise // Anstrengung, bei // Begleitet von – erschwerter Atmung // Bewegung agg. // erstreckt sich – Rücken/ Schulterblatt links // Gehen beim // Herzgegend – erstreckt sich – Arme – links // Liegen beim – agg. // Liegen beim – Seite auf der – linken – agg. // Liegen beim – Seite auf der – rechten – nur auf der re. liegen, kann
Brust – Beschwerden des Herzens – begleitet von // Arme – links – Gefühllosigkeit, Taubheit // Arme – links – Schmerz
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Im AkutfallAkuttherapieAngina pectoris sollte es rasch nach Gabe zu einer Erleichterung kommen. Bei nachfolgender erneuter Verschlimmerung wird das Mittel wiederholt, auch wenn es eine Hochpotenz war und erst kurze Zeit vergangen ist. Wenn das Mittel nicht mehr oder nicht umfassend genug wirkt, zunächst die Potenz erhöhen. Wenn sich das Befinden nicht klar bessert, muss das Mittel gewechselt werden. Die Domäne der Homöopathie liegt eher in der langfristigen Senkung von Frequenz und Intensität der Anfälle durch KonstitutionstherapieKonstitutionstherapieAngina pectoris als in der Kupierung des einzelnen Anfalls. Deshalb sollte die allopathische Medikation fortgeführt werden, solange sie erforderlich ist. Die Verlaufsbeurteilung erfolgt hier sowohl anhand des subjektiven Wohlbefindens als auch an objektiven Parametern (z. B Blutdruck, Belastungs-EKG etc.).
Ohne Behandlung ist ein Fortschreiten der Krankheit bis zum Herztod nicht auszuschließen. Bei entsprechender Umstellung der Lebensweise und passender (homöopathischer) Behandlung ist die Prognose gut.
Unterstützende Maßnahmen
Krankheitsursachen und Risikofaktoren wie Rauchen und Fehlernährung müssen abgestellt werden. Regelmäßige Bewegung ist wichtig. Schonung ist nur vorübergehend indiziert.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Cact.
!! Bry., Carb-v., Lob.
! Acon., Arn., Cupr., Kalm., Lach., Lat-m., Lil-t., Spig.

Im folgenden Abschnitt werden einige typische Aspekte von Arzneimitteln geschildert, die mit der Angina pectoris korrespondieren. Es versteht sich von selbst, dass in der Praxis gerade bei dieser schwerwiegenden Diagnose deutlich mehr Gesichtspunkte bei der Verschreibung eine Rolle spielen als im Rahmen eines Leitfadens abgehandelt werden können.
Bewährte Indikation
Bei der Blickdiagnose Angina pectoris kann akut Cactus#CactusAngina pectoris gegeben werden, das in vielen Aspekten des Arzneimittelbilds besonders geeignet für Herzischämien scheint (typisch ist das Gefühl einer eisernen Faust, die das Herz zusammendrückt). Andere diagnosetypische Mittel sind z. B. Lilium tigrinum, Bryonia oder Lobelia.
Akutsymptome
  • AkuttherapieAngina pectorisCactus: Gefühl eines enger werdenden Eisenrings oder eine eisernen Faust um die Brust bzw. das Herz.

  • Bryonia#BryoniaHerzschmerzen: stechende Schmerzen bei jeder Bewegung, muss auf der schmerzhaften Seite liegen.

  • Lobelia#Lobelia inflataHerzschmerzen: Atemnot bei Anstrengung, der Herzschmerz ist besser beim Umhergehen, schlimmer durch Tabakrauch.

  • Carbo vegetabilis#Carbo vegetabilisHerzschmerzen: kollaptisch, blau, braucht frische Luft, Brennschmerz, schwacher Puls.

  • Aconitum: unruhig, ängstlich, sagt die Todesstunde voraus.

  • Arnica#ArnicaHerzschmerzen: Herz fühlt sich wie zusammengedrückt oder wund an, Schmerz plötzlich einsetzend, der Patient lehnt Hilfe ab.

  • Cuprum#Cuprum metallicumHerzschmerzen: Krampf oder Stiche am Herz, der Patient wird blau.

  • Kalmia: #KalmiaHerzschmerzenHerzschmerzen erstrecken sich zur linken Hand oder in die Schulterblätter, Herzschmerzen kommen anfallsweise und nehmen den Atem.

  • Lachesis: kann keine Kleidung an Hals oder Thorax ertragen. #LachesisHerzschmerzen

  • Latrodectus mactans#Latrodectus mactansHerzschmerzen: ausgeprägtes Vernichtungsgefühl, Patient schreit vor Schmerz.

  • Lilium tigrinum:#Lilium tigrinumHerzschmerzen Schmerzen erstrecken sich in den rechten Arm.

  • Spigelia#SpigeliaHerzschmerzen: hörbares Herzklopfen, die Schmerzen ziehen in den linken Arm, dabei Verlangen nach heißem Wasser.

Myokardinfarkt

Myokardinfarkt

Definition: HerzinfarktHerzinfarkt. Akute und schwerste Manifestation der KHK mit umschriebener Nekrose (Gewebetod) des Herzmuskelgewebes infolge Ischämie (Mangeldurchblutung). Der nekrotische Myokardbezirk ist nicht mehr funktionsfähig. Herzrhythmusstörungen, Nachlassen der Pumpfunktion oder ein Riss in der Herzwand können die Folgen sein und – je nach Schweregrad – zum Tod führen.

Symptomatik: Lang anhaltende (> 15–30 Min.), heftige Angina pectoris (11.1.1) mit typischer Schmerzausstrahlung, Todesangst, Vernichtungsgefühl, Schwäche, Schweißausbruch, Übelkeit, Dyspnoe. In 15–20 % schmerzloser, „stummer“ Infarkt bes. bei Diabetikern und älteren Patienten.

Therapeutische Strategie
Der Herzinfarkt ist die hochakute Krise einer jahrzehntelangen chronischen Erkrankung, er bedarf notärztlicher bzw. intensivmedizinischer Intervention und wird nur in diesem Rahmen homöopathisch mitbehandelt. Für die längerfristige Überlebensrate wesentlicher ist es, den Herzinfarkt bzw. Reinfarkt zu verhüten (Angina pectoris 11.1.1). Dies setzt – neben einer Änderung der Lebensführung – eine langfristig angelegte Konstitutionsbehandlung voraus. Eine entsprechende Erfahrung des Arztes ist unabdingbar.
Homöopathische Behandlung
Der Herzinfarkt wird in aller Regel durch den Notarzt versorgt und intensivmedizinisch weiter betreut. Die Gabe symptomatischer homöopathischer Arzneien kann hilfreich sein und die schulmedizinische Therapie unterstützen.
Wahl der Symptome/Repertorium
In der begrenzten Zeit, z. B. bis zum Eintreffen des Notarztwagens, wird aus wenigen Hauptmitteln das passende ausgesucht. Eine möglichst schnelle Gabe ist dabei wichtig und hat im Zweifelsfall Vorrang vor einer umfassenden und zeitintensiven Auswahl des genau passenden Arzneimittels.
Die Auswahl der Arzneimittel bezüglich der Akutsymptome und der dazu passenden Repertoriumsrubriken entspricht im Wesentlichen denen der Angina pectoris (11.1.1).
Miasmatische Zuordnung
Der Herzinfarkt ist die akute Krisis einer chronischen Systemerkrankung, die sich meist langsam auf dem Boden von Psora, Sykosis oder Syphilis entwickelt. Patienten, die über längere Zeiträume leichtere Herzbeschwerden ohne besondere Beeinträchtigung hatten und überraschend einen massiven Infarkt erleiden, zeigen fast immer Symptome von Sykosis und Syphilis.
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Eine schnelle, symptomorientierte Verschreibung nach den akut auffallendsten Charakteristika kann maßgeblich Beschwerden und Überlebenschancen beeinflussen. Auf eine schulmedizinische Intensivbehandlung kann nicht verzichtet werden. Bewährt haben sich Einzelgaben von C200 und C1 000 (M – auch aufgelöst in Wasser mehrmals wiederholt) oder wiederholte Gaben der C30. Wenn nur eine Tiefpotenz verfügbar ist, wird diese sofort gegeben, je tiefer, desto öfter. Wie in allen hochakuten Situationen erwartet man die Besserung binnen Minuten, ansonsten ist ein Mittelwechsel angezeigt.
Prognose: Die Sterblichkeit beim akuten Myokardinfarkt liegt bei etwa 50 Prozent. In günstigen Fällen kann ein Patient die Risikofaktoren ganz vermeiden und seine Lebensführung gründlich ändern, sodass er im besten Fall beschwerdefrei weiterleben kann. Eindrucksvoll sind diejenigen Patienten bzw. Mitmenschen, die nach einem Herzinfarkt vor Jahrzehnten ihr Leben völlig umgestellt haben, seitdem völlig gesund sind und ein gutes Risikoprofil haben. Gerade diese Patienten setzen oft auf die Homöopathie. Dies ist jedoch leider nicht der Regelfall, ungünstige Verläufe mit weiteren Infarkten sind deutlich häufiger.
Unterstützende Maßnahmen
Eine aktive Lebensweise mit regelmäßiger Bewegung, vegetarischer oder veganer Ernährung, Verzicht auf schädliche Noxen (Rauchen, Alkohol etc.) und die Bereitschaft, eigene Handlungsmuster evtl. mithilfe von Psychotherapie zu verändern, können einen wesentlichen Beitrag zur Gesundung leisten.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Arn., Cact., Lob., Lat-m., Rhus-t.
!! Bry., Carb-v., Naja, Tab.
! Acon., Cupr., Kalm., Lach., Lil-t., Spig.

Wie schon im Fall der Angina pectoris (11.1.1) werden auch in diesem Abschnitt nur einige Aspekte des Themas „Arzneimittel und Herzinfarkt“ ohne Anspruch auf Vollständigkeit beleuchtet.
Bei jeder Stenokardie kann als bewährte Indikation sofort Cactus#CactusStenokardie gegeben werden. Beim typischen Infarkt mit Vernichtungsschmerz, Übelkeit usw. kommen außerdem v. a. Arnica, Latrodectus mactans#Latrodectus mactansHerzinfarkt und Lobelia #Lobelia inflataHerzinfarktinfrage. Folgende Symptome sind typisch:
  • Arnica: lässt sich nicht helfen und weist die Unterstützung sogar des Notarztes zurück. Schmerz besonders stark im Ellenbogen des linken Arms.

  • Cactus: Gefühl eines enger werdenden Eisenringes um die Brust. Schmerzen in der Herzspitze, den linken Arm bis in die Fingerspitzen hinunterschießend. Herzerkrankung mit Ödem nur der linken Hand.

  • Latrodectus mactans: ausgeprägtes Vernichtungsgefühl mit Schreien vor Schmerz, Hämatemesis, brettharter Bauch, Schmerzerstreckung in den linken Arm, kalte marmorierte Haut, schneller schwacher Puls.

  • Lobelia: Brennen in der Brust, Atemnot schlimmer durch geringste Anstrengung, Herzschmerz besser beim Herumgehen, schlimmer durch Tabakrauch.

  • Rhus toxicondendron: typische Erstreckung des Schmerzes in den linken Arm, Taubheit des li. Arms, Bewegungsunruhe.

  • Weitere infrage kommende Arzneimittel sind Bryonia, Carbo vegetabilis, Aconitum, Cuprum, Kalmia, Lachesis, Spigelia (11.1.1 Angina pectoris).

Herzinsuffizienz

Herzinsuffizienz

Definition: Herzmuskelschwäche. Unvermögen des Herzens, das zur Versorgung des Körpers erforderliche Blutvolumen zu fördern. Die Herzinsuffizienz ist keine eigenständige Krankheit, sondern die Folge einer bereits existierenden Herz-Kreislauf-Erkrankung. Einteilung nach primärer Lokalisation (Links-, Rechts- und Globalinsuffizienz) sowie nach zeitlichem Verlauf (akut und chronisch).

Symptomatik: Leistungsminderung, Schwäche, Schwindel, zerebrale Insuffizienz (v. a. bei älteren Patienten), Dyspnoe zunächst bei Belastung, später auch in Ruhe, Zyanose, Ödeme, Gewichtszunahme, Nykturie, Tachykardie, Rhythmusstörungen.

Therapeutische Strategie
In der Allgemeinarztpraxis kommt v. a. die chronische Verlaufsform vor. Eine akute Dekompensation kann homöopathisch mitbehandelt werden. Obwohl die Patienten dazu neigen, ihre Krankheit zu bagatellisieren, ist die Herzinsuffizienz als schwere Erkrankung vorrangig zu berücksichtigen. Eine gleichzeitige allopathische Medikation wird so lange weitergeführt, bis sich deutliche Wirkungen der homöopathischen Arznei zeigen. Dies ist der Zeitpunkt, an dem allopathische Medikamente schrittweise reduziert werden können. Bei schwerer Herzinsuffizienz muss jedoch auch bei guter homöopathischer Arzneimittelwirkung äußerst kritisch überprüft werden, ob ein Absetzen der Allopathika tatsächlich möglich ist, da bei schweren Pathologien die Regenerationsmöglichkeiten des Organismus beschränkt sein können.
Homöopathische Behandlung
Es ist eine Konstitutionsbehandlung erforderlich (4.3). Erstaunlicherweise gibt es rasche Heilungen selbst bei fortgeschrittener Herzinsuffizienz, aber langsame Besserungen über viele Monate sind eher der Regelfall. Akute Verschlechterungen chronisch bestehender Herzinsuffizienzen reagieren mitunter sehr gut auf eine homöopathische „Akutbehandlung“.
Wahl der Symptome
Die zunächst im Vordergrund stehenden sog. pathognomonischen Symptome der Herzinsuffizienz können bei klaren Modalitäten (was, wann, wo unter welchen Umständen) zur Mittelwahl beitragen. Wirkliche Heilungen erfordern allerdings die Arzneiwahl über individuelle Charakteristika bzw. die Gesamtheit der Symptome.
Miasmatische Zuordnung
Die Ursachen der Herzinsuffizienz sind vielfältig und können je nach Symptomatik unterschiedlichen Miasmen zugeordnet werden:
  • Sykosis: Herzdilatation, Herzhypertrophie, Herzerkrankungen im Rahmen rheumatischer Diathesen.

  • Tuberkulinie: Kann nicht auf Berge gehen, Gewichtsverlust, Blässe, Schwäche, Ohnmacht, Ohrensausen, Beschwerden besser im Liegen.

  • Kombination aus Psora und Sykosis: Herzklappenveränderungen.

Repertorium
RepertorisationHerzinsuffizienzBei Herzinsuffizienzen kommt je nach vorliegender Symptomatik eine Vielzahl von Repertoriumsrubriken in verschiedenen Kapiteln infrage, u. a. im Kapitel „Atmung“ (z. B. Atemnot), „Brust“ (z. B. alle Art von Herzschmerzen), „Extremitäten“ (z. B. Ödeme) und „Allgemeines“ (z. B. Schwäche, Ödeme).

Atemnot

Atmung – Atemnot (mit Unterrubriken)

Herzbeschwerden, Ödeme

Brust – Herzbeschwerden (mit Unterrubriken)
Brust – Schwäche – Herz (mit Unterrubriken)
Brust – Schmerz – Herz (mit Unterrubriken)
Extremitäten – Schwellung (mit Unterrubriken)
Allgemeines – Wassersucht (mit Unterrubriken)

Herzinsuffizienz

Allgemeines – Ödem, Hydrops – Herzerkrankung, bei
Atmung – schwierig – Herz – Herzbeschwerden, mit
Atmung – asthmatisch – Herzbeschwerden
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Bei den oft schwerkranken und multimorbiden Patienten, die meist eine Mehrfachkombination von Allopathika einnehmen, hat sich die Gabe von Q-Potenzen in aufsteigenden Reihen bewährt. Akut auftretende Krisen werden mit Gaben der C30 oder C200 behandelt. Nach klarer Stabilisierung und Besserung kann ein Wechsel auf hohe C-Potenzen erfolgen.
Prognose: Im günstigsten Fall rasche Besserung selbst fortgeschrittener Herzinsuffizienz. Im ungünstigen Fall lässt sich das Fortschreiten kaum aufhalten. Meist findet sich ein Schwanken zwischen recht guten Phasen und Rückfällen, auch unter kontinuierlicher Therapie.
Unterstützende Maßnahmen
Fasten kann Wunder bewirken. Noch wichtiger als die Gewichtsreduktion ist die Diurese, die bei Frischkost und Fasten nachhaltiger eintritt als durch Diuretika.
Bei der häufig zugrunde liegenden koronaren Minderperfusion sind zusätzlich folgende Maßnahmen angezeigt: regelmäßige Bewegung, Kneipp-Güsse und phytotherapeutisch Weißdorn (Crataegus), der über lange Zeit eingenommen werden muss.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

! Apoc., Carb-v., Crat., Dig., Laur., Olnd.

Die herzinsuffizienztypischen Mittel Apocynum cannabinum, Carbo vegetabilis, Crataegus oxyacantha, Digitalis, Laurocerasus und Oleander sind ggf. ein guter Einstieg in den therapeutischen Prozess, aber das passendste Mittel muss über eine ausführliche individuelle Anamnese und Repertorisation gefunden werden.

Herzrhythmusstörungen

Definition: Störung der Herzfrequenz Herzrhythmusstörungenoder der Regelmäßigkeit des Herzschlags. Können beim Gesunden vorkommen oder Krankheitswert haben.

Symptomatik:

  • Bradykardie (Frequenz < 60/Min.): meist asymptomatisch, Schwindel, Synkopen, Herzinsuffizienz bei Bradykardie < 40/Min.

  • Tachykardie (Frequenz > 100/Min.): schlagartiges Einsetzen von Herzrasen, das Min. bis Tage dauern kann (paroxysmal), Hypotonie, Schwindel, Synkopen, Angst.

Wichtig: Bei Verdacht auf Herzrhythmusstörungen immer schulmedizinische Abklärung durch EKG (Ruhe-, Langzeit-, Belastungs-EKG) erforderlich.

Therapeutische Strategie
Die Homöopathie geht primär von geklagten und beobachtbaren Symptomen aus. Gerade in der Blütezeit der klinischen Homöopathie (im vorletzten Jahrhundert) waren die Möglichkeiten, Symptome technisch zu objektivieren sehr begrenzt. Erst durch die Einführung des peripheren und intrakardialen EKG, der Dopplersonographie und weiterer bildgebender Verfahren konnten unterschiedliche Formen von Herzrhythmusstörungen und deren Dignität genauer erkannt und verstanden werden. In den homöopathischen Arzneimittellehren und Repertorien sind diese Möglichkeiten noch nicht repräsentiert, weshalb sich die Arzneimittelwahl, wie in der Homöopathie üblich, auf die subjektiv vom Patienten und vom Arzt wahrgenommen Symptome beziehet. Neben den Lokalsymptomen (Herz, Puls) sind die Modalitäten und die Begleitsymptome, die gleichzeitig mit der Rhythmusstörung auftreten, oft mittelweisend. Vor der homöopathischen Behandlung muss anhand des EKG geklärt werden, ob die Herzrhythmusstörungen vital bedrohlich sind und ob sie zusätzlicher Behandlung bedürfen. Neben den kardial verursachten Rhythmusstörungen sind auch eine Vielzahl von anderen Erkrankungen als kausal in Betracht zu ziehen, z. B. Schilddrüsenerkrankungen, Tumoren, Medikamentennebenwirkungen, Nierenerkrankungen.
Homöopathische Behandlung
Die große Vielfalt der kardialen Rhythmusstörungen lässt eine generelle Behandlungsempfehlung nicht zu. In allen Fällen ist jedoch eine Erhebung der Gesamtheit der Symptome notwendig.
Einfach und unkomplizierte Rhythmusstörungen lassen sich über das richtige Konstitutionsmittel gut behandeln. Komplizierte und bedrohliche Herzrhythmusstörungen (wie z. B. Vorhofflattern oder -flimmern, AV-Block höheren Grades etc.) bedürfen einer jahrelangen homöopathischen Begleitung, oft notwendigerweise in Kombination mit allopathischen Medikamenten. Es hat sich gezeigt, dass es hilfreich sein kann, frühe emotionale Traumata als wesentliche Causa mit in Betracht zu ziehen, insbesondere in der „Kriegskindergeneration“, d. h. bei den heute über 70-Jährigen.
Wahl der Symptome
SymptomenwahlHerzrhythmusstörungenDie kardiologischen Symptome sind nur dann von Bedeutung, wenn sie sehr auffällig sind.
  • Pulsqualität: z. B. zweigipflig, intermittierend, unregelmäßig langsam oder schnell, sofern differenzierbar.

  • Herzklopfen: Beschreibungen des Patienten sind oft der Schlüssel zum Heilmittel, z. B. Herz schlägt in Wasser, gegen Widerstand, hängt an einem Faden usw.

  • Modalitäten: können ausschlaggebend sein, sind aber nicht herzspezifisch, z. B. Einfluss durch Körperstellungen, Bewegung, Schlaf, Wetter usw.

  • Auslöser: z. B. Schreck, Sturz etc.

  • Begleitsymptome, die sich nicht am Herz manifestieren, sind meist wichtiger als die Herzsymptome. Auch der Gesamtzustand des Patienten ist besonders ins Auge zu fassen.

Miasmatische Zuordnung
Die meisten Herzrhythmusstörungen sind psorischer Natur, v. a. wenn Ängstlichkeit mit den Beschwerden einhergeht. Herzrhythmusstörungen bei Wetterwechsel können ein Hinweis auf Sykosis sein. Maligne, chaotische und sehr unregelmäßige Rhythmusstörungen können auch syphilitischer Natur sein.
Repertorium
RepertorisationHerzrhythmusstörungenDie passenden Rubriken im Repertorium finden sich im Kapitel Allgemeines – Puls (mit den jeweiligen Unterrubriken). Weitere Lokalsymptome finden sich im Kapitel Brust – Herzklopfen mit Unterrubriken.

Allgemeines – Puls // doppelschlägig, Dikrotie // hörbar // intermittierend, aussetzend // langsam, Bradykardie – langsamer als der Herzschlag // schnell, beschleunigt, jagend, unzählbar – schneller als der Herzschlag // ruckend // unregelmäßig // zittrig

Brust – Herzklopfen // nicht synchron mit dem // unregelmäßigem, mit // hörbar // stehen bleibt, als ob es // unregelmäßig

Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Unkomplizierte Rhythmusstörungen reagieren gut auf Hochpotenzen, die als Einzelgaben in großen Abständen verabreicht werden. Komplexe Störungen, insbesondere, wenn parallel Allopathika eingenommen werden, brauchen eher Q-Potenzen in aufsteigender Reihe.
Als ersten Erfolg kann man es werten, wenn die subjektive Wahrnehmung der Rhythmusstörungen nachlässt und diese den Patienten weniger beeinträchtigen, ängstigen oder ihm den Schlaf rauben. Hinweise auf eine ebenfalls gute homöopathische Arzneiwirkung liegen vor, wenn Begleitsymptome wie z. B. Schweiße, Nachtschreck, Tinnitus, Benommenheitsgefühle, kalte Füße nachlassen oder verschwinden. Sehr häufig folgt dann kurz- bis mittelfristig auch eine Besserung im EKG. Wichtig ist es, die Arzneimittel nicht zu rasch zu wechseln, wenn sich derartige Besserungen zeigen.
Prognose: Benigne bzw. unkomplizierte Herzrhythmusstörungen reagieren gut auf homöopathische Behandlung. Maligne Herzrhythmusstörungen sind schwer beeinflussbar. Damit verbundene subjektive Missempfindungen sprechen jedoch sehr gut auf homöopathische Behandlung an. In Anbetracht der Tatsache, dass die meisten allopathischen Antiarrhythmika sehr nebenwirkungsreich sind, scheint eine homöopathische Konstitutionstherapie in jedem Fall gerechtfertigt.
Unterstützende Maßnahmen
Noxen, die die Herzrhythmusstörungen fördern, sollten beseitigt werden. Dazu zählen Rauchen, Medikamente, Stress, Fehlernährung mit Mangel an Magnesium und Kalium. Hilfreich sind Meditation oder Entspannungsverfahren. Anderweitige Ursachen sind abzuklären. Wenn eine Ischämie zugrunde liegt, sind die Risikofaktoren abzubauen.
Wichtige homöopathische Arzneimittel
Eine Darstellung homöopathischer Arzneimittel zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen kann an dieser Stelle nicht erfolgen, da sich die Differenzierung der Arzneimittel in den seltensten Fällen hauptsächlich an den vorliegenden Herzbeschwerden orientiert. Wie oben bereits erwähnt, sind es insbesondere konstitutionell-homöopathische Überlegungen, die auf das passende Arzneimittel hinweisen.

Funktionelle Herzbeschwerden

Herzbeschwerden, funktionelle

Definition: Herzbeschwerden ohne nachweisbare, pathologische Veränderungen.

Symptomatik: Brustschmerzen oder erhöhte Herzfrequenz ohne organische Ursache. Diese können sich bei selbstunsicheren und depressiven Persönlichkeiten bis zur Herzneurose steigern.

Therapeutische Strategie
Funktionelle Beschwerden sind aus homöopathischer Sicht Vorläufersymptome tiefer gehender Pathologien. Sie sind fast immer Ausdruck von chronifizierten Fehlaktivierungen des vegetativen Nervensystems und geben mit ihren Begleitsymptomen oft klare Hinweise auf das zu wählende Homöopathikum und die zugrundeliegende miasmatische Störung. Die homöopathische Behandlung kann solche Beschwerden heilen bzw. verhindern, dass sich aus funktionellen Syndromen schwere Organpathologien entwickeln. Hierbei sind besonders die charakteristischen und eigenheitlichen sowie die Allgemeinsymptome entscheidend für die Mittelwahl, da sie einen deutlichen Bezug zum Vegetativum haben. Auch die emotionale Symptomatik, z. B. Nachtschreck, diverse Ängste, sind als Teil des Krankheitsbildes aufzufassen und nicht als Eigenschaft des Patienten. Sie verschwinden mit dem richtigen Heilmittel ebenso wie die geschilderte Herzproblematik.
Homöopathische Behandlung
Über eine ausführliche und umfassende Anamnese, inklusive der Familienanamnese mit besonderer Berücksichtigung traumatischer Ereignisse im Familiensystem, die möglicherweise schon mehr als eine Generation zurückliegen (11.3) sowie über das Erfassen des Ganzkörperstatus und der emotionalen Situation des Patienten lassen sich fast immer wegweisende und charakteristische Symptome finden, die eine klare Arzneimittelwahl begründen. Daher lassen sich funktionelle Herzrhythmusstörungen meist gut behandeln.
Wahl der Symptome
SymptomenwahlHerzbeschwerdenFälle mit funktionellen Herzbeschwerden sind sehr individuell und komplex, sodass hier nur die Zielrichtung angegeben kann, wo zu suchen ist. Im Einzelfall kann die Anamnese, v. a. die psychische, den Schwerpunkt der Symptomwahl bestimmen. Des Weiteren müssen, entsprechend den vorliegenden subjektiven Symptomen, auch die Inhalte der Kapitel Angina pectoris (11.1.1), Myokardinfarkt (11.1.2) und Herzrhythmusstörungen (11.3) berücksichtigt werden.
  • Symptomschilderung: Wichtig sind die subjektiven Herzsymptome und „Als-ob-Empfindungen“ des Herzens, wie z. B. „das Herz könne aufhören zu schlagen“ oder das Gefühl von Schwäche in der Herzgegend.

  • Modalitäten: z. B. Stellungen, Bewegung, Schlaf, Wetter usw. in Bezug auf die Herzbeschwerden, aber auch nicht herzspezifische Umstände der Verschlechterung oder Verbesserung können hilfreich sein (4.2).

  • Auslöser: Auslösende Faktoren der Erkrankung oder aber auch einzelner „Herzanfälle“ sind oft der Schlüssel, z. B. Schreck, Sturz, Todesfall usw.

  • Begleitsymptome, die sich nicht am Herz manifestieren, sind unter Umständen wichtiger als die Herzsymptome selbst (z. B. Magen- oder Verdauungsstörungen, Schlafstörungen). Es ist deshalb besonders wichtig, den Gesamtzustand des Patienten zu erfassen.

  • Psychodynamik: Die Herzsymptome sind gelegentlich Ausdruck eines neurotischen Komplexes, der für die Arzneiwahl wertvolle Symptome liefert (definierte Ängste, depressive Verstimmungen etc.).

Miasmatische Zuordnung
Funktionelle Herzbeschwerden sind meist psorischer Natur: Herzklopfen mit Angst, morgens beim Erwachen, durch Ärger, nach Begeisterung oder Erregung, nach dem Essen, durch Freude/Kummer, vor den Menses, nach Schreck, beim Verdauen, durch Zorn. Gelegentlich spielt das tuberkulinische Miasma eine Rolle, wenn z. B. das Herzklopfen nur nachts beim Aufrichten auftritt.
Repertorium
RepertorisationHerzbeschwerdenDie Symptome funktioneller Herzbeschwerden sind meist noch mannigfaltiger als die der organischen. Neben den Lokalsymptomen der Herzsensationen, die in den Kapiteln „Angina pectoris“ (11.1.1), „Myokardinfarkt“ (11.1.2) und „Herzrhythmusstörungen“ (11.3) zu finden sind, müssen insbesondere die psychischen Symptome im Kapitel „Gemüt“ (mit Unterrubriken) berücksichtigt werden, die im Zusammenhang mit den Beschwerden stehen.

Gemüt – Beschwerden durch (mit Unterrubriken bzw. Verweisen)

Gemüt – Furcht – allgemein // Herz – Krankheit, vor //Herz – aufhören zu schlagen, werde

Wahnidee, Einbildung – Herz // Erkrankung haben und sterben, werde eine // Herz oder Atmung würden aussetzen, oder versetzt sich anders in Schrecken, wodurch das Herz heftig schlägt

Gemüt – Angst – Herzklopfen – durch

Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung, 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Einzelgaben hoher Potenzen sind bei funktionellen Störungen am besten wirksam. Mit der richtigen Arznei verschwindet die funktionelle Symptomatik meist rasch und nachhaltig. Die Mittel müssen meist nur selten in großen Abständen gegeben werden.
Prognose: Meist ist eine rasche und vollständige Heilung möglich. Ist der Patient auch mit Hilfe des Arztes nicht in der Lage krankheitsunterhaltende Ursachen zu verändern, z. B. Beziehungsprobleme, Konflikte, berufliche Überlastungen, sind Rezidive wahrscheinlich.
Unterstützende Maßnahmen
Das Bewusstmachen und Klären zugrundeliegender Traumata oder Konflikte durch Psychotherapie bzw. vergleichbare Verfahren wie Entspannungsübungen oder Meditation reduzieren den Krankheitsdruck und die krankheitsunterhaltende Ursachen, z. B. familiäre Konflikte, Überforderungssituationen. Mit Phytosedativa (Melisse u. a.) oder Mineralien (Magnesium, Kalium, möglichst im Rahmen einen vollwertigen Ernährung) lässt sich unter Umständen eine zusätzliche Beruhigung erzielen.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung
Da meist eine psorische Konstitution zugrunde liegt, sind die großen Polychreste wie Arsenicum album, Calcarea carbonica, Lycopodium, Phosphorus, Sepia und Silicea oft sehr hilfreich, sofern sie nach der Gesamtheit der Symptomatik ausgewählt wurden.
  • Das Hauptmittel für Herzbeschwerden mit Todesangst ist Aconitum#AconitumHerzbeschwerden, mit der Überzeugung, dass zu einer bestimmten Zeit das Herz stehen bleiben werde.

  • Argentum nitricum hat Herzbeschwerden oder Herzangst im Zusammenhang mit bevorstehenden Ereignissen (wichtige Termine, Prüfung, Vortrag etc.).

  • Gelsemium#GelsemiumHerzbeschwerden befürchtet dies, sobald es sich nicht mehr bewegt, Digitalis#DigitalisHerzbeschwerden sobald es sich bewegt, Lachesis#LachesisHerzbeschwerden sobald es sich hinlegt oder einschläft, Viburnum#ViburnumHerzbeschwerden bei den Wehen.

  • Kalium arsenicosum#Kalium arsenicosumHerzbeschwerden ist überzeugt, eine schwere Herzkrankheit zu haben.

  • Calcium arsenicosum#Calcium arsenicosumHerzbeschwerden hat Herzstolpern bei leichtester Aufregung.

  • Beispiele für merkwürdige Empfindungen am Herz (im Einzelfall sind sie zu repertorisieren):

    • Chromicum acidum #Chromicum acidumHerzbeschwerdenfühlt ein Vakuum am Herz.

    • Haematoxylon #HaematoxylonHerzbeschwerdenspürt einen Balken quer durch das Herz zur rechten Thoraxseite.

    • Hedera helix hat das Gefühl, das Herz #Hedera helixHerzbeschwerdenschlägt gegen einen Widerstand.

    • Iberis amara #Iberis amaraHerzbeschwerdenhat die Empfindung, das Herz hätte keinen Platz im Thorax.

    • Ranunculus sativus #Ranunculus sativusHerzbeschwerdenfühlt einen Pflock im Herz.

    • Sumbulus moschatus meint, das Herz #Sumbulus moschatusHerzbeschwerdenschlägt wie in Wasser.

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