© 2019 by Elsevier GmbH

Bitte nutzen Sie das untenstehende Formular um uns Kritik, Fragen oder Anregungen zukommen zu lassen.

Willkommen

Mehr Informationen

B978-3-437-56353-9.00021-9

10.1016/B978-3-437-56353-9.00021-9

978-3-437-56353-9

HNO-Erkrankungen

Karl-Heinz Friese

  • 21.1

    Laryngitis und Heiserkeit502

  • 21.2

    Pharyngitis und Seitenstrangangina504

  • 21.3

    Tonsillitis505

  • 21.4

    Peritonsillarabszess509

  • 21.5

    Adenoide Vegetationen511

  • 21.6

    Rhinitis514

  • 21.7

    Sinusitis518

  • 21.8

    Heuschnupfen521

  • 21.9

    Epistaxis525

  • 21.10

    Geruchs- und Geschmacksstörungen527

  • 21.11

    Otitis media528

  • 21.12

    Otitis externa533

  • 21.13

    Hörsturz und Tinnitus537

  • 21.14

    Morbus Menière539

  • 21.15

    Schallempfindungs-schwerhörigkeit542

Laryngitis und Heiserkeit

Definition: Kehlkopfentzündung. Viral bedingt als Begleiterscheinung bei Infekten der Nase, Nasennebenhöhlen und Tonsillen, bakteriell verursacht infolge einer Superinfektion. Weitere Ursachen: toxisch (z. B. bei Reizgasen), thermisch bei starken Temperaturschwankungen und trockenem oder heißem Raumklima, mechanisch durch akute Stimmüberlastung.

Symptomatik: Der Patient ist heiser oder völlig stimmlos (aphon). Oft hat er leichte Halsschmerzen, Hustenreiz und subfebrile Temperaturen.

Therapeutische Strategie
Eine akute Laryngitis dauert zwischen einem und sieben Tagen. Bei längerer Heiserkeit ist dringend eine HNO-ärztliche Abklärung erforderlich, um mögliche andere Ursachen der Heiserkeit auszuschließen (z. B. Stimmbandtumoren).
Homöopathische Behandlung
Bei akuter Heiserkeit haben sich Arzneimittel bewährt, die eine deutliche Wirkung auf den Kehlkopf haben, bei chronischer Heiserkeit kommen Konstitutionsmittel infrage, deren Bezug zum Kehlkopf nachrangig sein darf. Hilfreich für die Arzneiwahl und für die Verlaufsbeurteilung ist der Lokalbefund der Stimmbänder (der gegebenenfalls extern vom Facharzt erhoben werden muss).
Meist sind die Symptome der Heiserkeit so eindeutig, dass eine sichere Verschreibung getätigt werden kann und im weiteren Verlauf kein häufiger Mittelwechsel erforderlich ist. Bei einer akuten Laryngitis und einer akuten Aphonie ist mit einer Krankheitsdauer von drei bis sieben Tagen zu rechnen. Bei einer chronischen Heiserkeit infolge einer Dysphonie ist häufig eine monatelange Therapie erforderlich, um eine substanzielle Besserung zu erreichen.
Wahl der Symptome
SymptomenwahlLaryngitisDie Mittelwahl stützt sich u. a. auf die Causa (z. B. Überanstrengung der Stimme, kalte Luft, emotionale Traumata) und die zeitlichen Modalitäten der Heiserkeit, auf die Begleitsymptomatik und deren genaue Umstände (z. B. „Frosch im Hals“, Halsschmerzen, Rhinitis, Hustenreiz) und auf den Stimmbandbefund:
  • Farbe der Stimmbänder.

  • Beweglichkeit der Stimmbänder.

  • Stimmbandspannung (Überfunktion, Unterfunktion).

  • Glottisschluss.

Miasmatische Zuordnung
Die Laryngitis ist meist psorischen oder tuberkulinischen Ursprungs. Sind Kondylome die Ursache, ist die Syphilis beteiligt (ebenso bei Kehlkopftuberkulose).
Repertorium
Die Hauptrubrik für die Heiserkeit ist Sprechen und Stimme – Stimme – Heiserkeit. Sie enthält 362 Arzneimittel und ist für die differenzierende Betrachtung deshalb ungeeignet. Die große Mittelanzahl zeigt, wie unterschiedlich die Genese der Laryngitis sein kann.
Die Oberrubrik für die Laryngitis Larynx und Trachea – Entzündung – Laryngitis ist mit 162 Mitteln ebenfalls sehr umfangreich.
Bei Heiserkeit und Laryngitis sind folgende Rubriken sind für die Arzneiwahl hilfreich.

Sprechen und Stimme – Heiserkeit // Schleim im Larynx, durch // Überbeanspruchung der Stimme // chronisch // schmerzhaft // schmerzlos // plötzlich

Larynx und Trachea // Entzündung – Laryngitis – Rednern, bei // Schmerzen – Larynx – Berührung, bei // Schmerzen – Larynx – Singen, beim

Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Bei der akuten Laryngitis ohne weitere Symptome dient die Heiserkeit als Verlaufsparameter, wenn möglich auch der Lokalbefund der Stimmbänder. Bei Laryngitiden im Rahmen von Infekten mit anderen Symptomen (beispielsweise Rhinitis, Fieber, Husten) müssen diese bei der Beurteilung selbstverständlich mitberücksichtigt werden. Einzelgaben der C30 oder C200 haben sich bewährt.
Prognose: Je nach bisheriger Krankheitsdauer sollte sich der Krankheitszustand nach spätestens 48 Stunden gebessert haben, nach einer Woche sollte die Stimme wieder klar sein. Bei funktionellen Dysphonien dauert der Heilungsverlauf dagegen häufig Monate. Einzelgaben in aufsteigender Kent-Reihe in großen Abständen sind angezeigt.

Nach Abklingen der Akutsymptome sollte zum Ausschluss möglicher anderer Ursachen (z. B. Tumoren, Lähmung der Stimmbänder) eine HNO-ärztliche Diagnostik erfolgen.

Unterstützende Maßnahmen
Rauchverbot ist sinnvoll, meistens aber nicht durchsetzbar. Sprechen sollte nach Möglichkeit vermieden werden. Aufenthalt am Meer ist im Falle chronischer Laryngitiden günstig. Akut haben sich Inhalationen mit Emser® Salz und Mikrowellenbestrahlungen bewährt.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Apis, Ars., Caust., Hyos., Ign., Kali-ar., Phos., Thuj.
!! Arg-n., Arn., Arum-t., Dulc., Nit-ac., Tub.
! Dros., Plat.

Akutes, chronisches Geschehen, Begleitsymptome
  • Tritt akut eine Heiserkeit auf, ist das Hauptmittel bei morgendlicher Heiserkeit Causticum#CausticumHeiserkeit, bei abendlicher Heiserkeit Phosphorus#PhosphorusHeiserkeit.

  • Bei einer akuten Aphonie (Frauen zwischen 30 und 50 Jahren), die nur im Frühjahr und Herbst auftritt, ist Phosphorus#PhosphorusAphonie Mittel der Wahl.

  • Ist die Heiserkeit mit Husten und einer tiefen Bassstimme verbunden, sollte man an Drosera#DroseraHeiserkeit denken.

  • Bei übermäßig arroganten Patientinnen, die völlig verspannt sind, kommt Platinum#PlatinumHeiserkeit zum Einsatz.

Ätiologie
  • Tritt die Heiserkeit infolge einer stimmlichen Überlastung auf, kommt häufig Arum triphyllum#Arum triphyllumHeiserkeit infrage. Hier sind die Lippen oft entzündet und aufgesprungen.

  • Bei starker psychischer Belastung als Causa wird mit Ignatia#IgnatiaHeiserkeit behandelt.

Funktion der Stimmbänder
  • Bei einer hyperfunktionellen Dysphonie liegt häufig eine Arsenicum-Konstitution#Arsenicum albumDysphonie vor, die entsprechend behandelt werden muss. Bei weniger typischer Arsenicum-Konstitution kommt auch Kalium arsenicosum#Kalium arsenicosumDysphonie infrage (meist nur bei Frauen).

  • Bei der hypofunktionellen Dysphonie ist Hyoscyamus#HyoscyamusDysphonie oder Causticum#CausticumDysphonie angezeigt.

Zustand der Stimmbänder
  • Bei einer spontanen Rekurrensparese ist oft Causticum#CausticumHeiserkeit Mittel der Wahl.

  • Bei Stimmbandzysten und bei Reinke-Ödemen wird mit Apis#ApisStimmbandzysten behandelt (meist Frauen).

  • Bei Heiserkeit im Zusammenhang mit Stimmbandpolypen kommen Nitricum acidum#Nitricum acidumStimmbandpolypen, Argentum nitricum#Argentum nitricumStimmbandpolypen oder Thuja infrage.

  • Bei Stimmbandpapillomen sind Thuja#ThujaStimmbandpapillom/ polyp und Nitricum acidum Mittel der Wahl.

  • Stimmbandgranulome werden mit Tuberculinum#TuberculinumStimmbandgranulom, Dulcamara#DulcamaraStimmbandgranulom und Arnica#ArnicaStimmbandgranulom behandelt.

Pharyngitis und Seitenstrangangina

  • Pharyngitis: Akute oder chronische Entzündung der Rachenschleimhaut infolge einer Infektion der oberen Atemwege, durch Bakterien (häufig Streptokokken) oder Viren (z. B. Influenza-, Parainfluenzaviren) oder durch langfristige Einwirkung verschiedener Noxen wie Staub, Nikotin, Alkohol, Chemikalien oder Reizgase, aber auch bei chronisch behinderter Nasenatmung, etwa durch eine Abweichung der Nasenscheidewand.

    Symptome: Der Patient klagt über einen ständig trockenen Hals sowie Räusperzwang und zähen Schleim. Die Beschwerden nehmen besonders nach längerem Sprechen zu.

  • Seitenstrangangina: Entzündung der lymphatischen Strängen in der Plica salpingopharyngea. Auftreten häufig bei Patienten nach operativer Entfernung der Gaumenmandeln (Tonsillektomie).

    Symptome: gerötete Schleimhaut mit Belägen bzw. Stippchen. Typischerweise werden ausstrahlende Schmerzen in die Ohren beschrieben. Eine Infektion durch A-Streptokokken ist möglich.

Therapeutische Strategie und homöopathische Behandlung
Die Behandlung folgt den Richtlinien zur Behandlung der akuten Tonsillitis (21.3). Die Behandlungsdauer ist oft länger als bei der akuten Tonsillitis, was daran liegt, dass die Seitenstrangangina die Folge einer operativen Unterdrückung (Tonsillektomie) von Tonsillitiden und somit ein verkompliziertes Krankheitsgeschehen ist. Zusätzliche Behandlung mit Salbei (Tee gurgeln oder Salbei-Lutschtabletten) wirkt sich oft günstig aus. Die Patienten müssen unbedingt viel trinken. Rauchen sollte vermieden werden.
Im Regelfall ist nur ein homöopathisches Mittel zur Ausheilung der akuten Seitenstrangangina erforderlich, bei rezidivierenden Entzündungen muss eine homöopathische Konstitutionstherapie erfolgen (ähnlich der chronischen Tonsillitis, 21.3).
Wahl der Symptome
Die Mittelwahl stützt sich auf den Lokalbefund, auf die Begleitsymptomatik und die Causa, wenn diese auffallend im Sinne des „Organon“ (§ 153) sind (21.3).
Repertorium (21.3)
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Eine Besserung des Krankheitszustandes sollte sich spätestens 24–48 Stunden nach Arzneimittelgabe einstellen (C30 oder C200), ansonsten muss ein neues Arzneimittel verordnet werden. Bei der Verlaufsbeurteilung ist zu beachten, dass es sich bei der Seitenstrangangina um ein Krankheitsbild mit individuell sehr unterschiedlicher Intensität (z. B. Lokalbefund, Schmerzen, Krankheitsgefühl) und Dynamik (z. B. nur Halsschmerzen oder Halsschmerzen mit grippalen Symptomen etc.) handelt. Pauschale Richtlinien zur Verlaufsbeurteilung können an dieser Stelle deshalb nicht gegeben werden.
Eine akute Pharyngitis bzw. Seitenstrangangina sollte sich innerhalb von zwei Tagen wesentlich gebessert haben, nach einer Woche sollte das Krankheitsbild verschwunden sein. Bei chronischem Verlauf, insbesondere bei Rauchern, kann die Krankheit Monate dauern. Es werden Hochpotenzen nach der Kent-Skala verwendet.
Unterstützende Maßnahmen
Wärmebestrahlungen des Halses wirken sich günstig aus. Ein Rauchverbot ist obligat. Die Patienten sollen viel trinken.
Wichtige homöopathische Arzneimittel
Wegen der inhaltlichen Überschneidungen mit dem Kapitel „Tonsillitis“ wird bezüglich der Arzneimitteldifferenzierung dorthin verwiesen (21.3).

Tonsillitis

Definition: Angina tonsillarisAnginatonsillaris. Akute Entzündung der Gaumenmandeln (Tonsillen); meist durch Streptokokken, seltener durch Pneumokokken oder Staphylokokken verursacht.

Symptomatik: Plötzlicher Beginn mit starker Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens: Schluckbeschwerden, Halsschmerzen, verstärkter Speichelfluss, Kopfschmerzen, Fieber (mit Schüttelfrost) und Abgeschlagenheit. Lokalbefund: anfangs gerötete und geschwollene Gaumentonsillen, später fibrinhaltige, gelbweißliche Stippchen und Pfröpfe (Angina lacunaris). In manchen Fällen (z. B. bei einer Pneumokokkeninfektion) greifen die Beläge auf den Gaumenbogen über.

Therapeutische Strategie
Aus heutiger schulmedizinischer Sicht ist die akute bakterielle Tonsillitis antibiotikapflichtig, obwohl die gefürchteten KomplikationenTonsillitisNachkrankheiten wie Endokarditis oder Nephritis laut Cochrane-Library dadurch nicht vermieden werden können. Die Folgekrankheiten sind auch dem Laien bekannt und führen in der Praxis häufig zu der Situation, dass von den Patienten angstbegründet auf Antibiotika zurückgegriffen wird.
In der täglichen Praxis zeigt sich, dass akute TonsillitidenAkuttherapieTonsillitis i. d. R. sehr gut auf eine homöopathische Therapie ansprechen und sowohl die Erkrankungsdauer als auch die Beschwerdeintensität sehr günstig zu beeinflussen sind. Auch die gefürchteten Nacherkrankungen werden nicht beobachtet. Letztlich muss die Entscheidung über das jeweilige therapeutische Vorgehen aber vom selbstverantwortlichen Patienten und vom behandelnden Arzt (nach der jeweiligen Einschätzung der Situation, auch in Bezug auf seine Kenntnisse der Homöopathie) getroffen werden.
Homöopathische Behandlung
Die Entzündung der Rachenmandeln und der angrenzenden lymphatischen Gewebe ist die natürliche Reaktion des Organismus auf das Eindringen eines Erregers und gleichzeitig Ausdruck der Auseinandersetzung mit ihm. Bei einem weitgehend gesunden Menschen ist diese Auseinandersetzung meist kurz und heftig, der Erreger wird überwunden, anschließend besteht Immunität. Leidet der Organismus jedoch an einer miasmatischen Grundstörung (bei den Rachenmandeln meist Psora oder Syphilis), kompliziert sich das Geschehen, der Körper überwindet den Erreger nicht vollständig und die Auseinandersetzung mit ihm findet offensichtlich kein Ende. Die Folge ist die chronische Vergrößerung der lymphatischen Organe im Rachenraum.
Während die akute BehandlungAkuttherapieTonsillitis einer unkomplizierten Tonsillitis i. d. R. Linderung innerhalb von 24 Stunden bringt, bedarf die chronifizierte Tonsillenvergrößerung einer genauen Analyse und der Aufnahme der Gesamtheit der Symptome. Sie verschwindet erst nach Beseitigung der zugrunde liegenden Psora oder Syphilis (3.4). Die Unterscheidung zwischen „akut“ und „chronisch“ ist hier besonders wichtig, weil viele Praktiker auch für die akuten Tonsillitiden häufig tief wirkende Antisyphilitika in wiederholten Gaben verschreiben (z. B. Mercurius#Mercurius solubilisTonsillitis und seine Salze). Dies kann zu einer erfolgreichen lokalen Unterdrückung der Symptome führen, deren negative Konsequenzen für den Gesamtorganismus beträchtlich sein können.
Wahl der Symptome
SymptomenwahlTonsillitisDie Mittelwahl stützt sich bei der akuten Tonsillitis auf den Lokalbefund und auf die Begleitsymptomatik. Die Causa spielt hier nur selten eine Rolle.
  • Lokalbefund: z. B. Farbe der Tonsillen, der Rachenhinterwandschleimhaut, Tonsillenbeläge, begleitende Halslymphknotenschwellungen.

  • Ausmaß, Erstreckung und Modalitäten der Schmerzen: z. B. Schmerzen beim Schlucken erstrecken sich zu den Ohren, Schmerzen besser oder schlechter durch warme oder kalte Getränke, Halsschmerzen besonders nachts oder morgens.

  • Seitenbeziehung: Schmerzen und/oder Tonsillenschwellung nur rechts, nur links, von rechts nach links, von links nach rechts oder mehrmals die Seite wechselnd.

  • Begleitsymptome: Wie jede fieberhafte Erkrankung ist bei der akuten Tonsillitis bei der Symptomenaufnahme auf auffällige Fiebersymptome, Schweiße, Schmerzerstreckungen, Appetit und Durst, Geschmacksstörungen, Zungenbelag, Mundgeruch, Allgemeinsymptome etc. genauestens zu achten.

Miasmatische Zuordnung
Die einfache Tonsillitis ist psorischer Natur, die chronische Tonsillenvergrößerung psorischen oder syphilitischen Ursprungs.
Repertorium
RepertorisationTonsillitisDie große Hauptrubrik für die Tonsillitis findet man unter Hals – Entzündung, Halsweh – Tonsillen (184 AM). Allein schon an der sehr großen Mittelzahl dieser Rubrik erkennt man die Notwendigkeit exaktester Individualisierung und Unterscheidung zwischen „akut“ und „chronisch“. Die Lokalsymptome der Tonsillitis sind in den entsprechenden Rubriken (s. u.) zu finden.

Diagnosebezogene Rubrik

Hals – Entzündung – Tonsillen // erstreckt sich zu – Nase // erstreckt sich zu – oben und unten, nach

Lokalsymptome

Hals – Schmerzen // allgemein – links – rechts, nach // rechts – links, nach // Schlucken – agg. – Speisen // Schlucken – agg. – Flüssigkeiten // Schlucken – agg. – Speichel schwieriger als Nahrung
Hals – Schwellung – Uvula
Innerer Hals – Schmerz // Getränke – kalte – agg. // Getränke – kalte – amel. // Getränke – warme – agg. // Getränke – warme – amel. // Sprechen – agg. // Zugluft, durch
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Je nach Schwere der Erkrankung sollte sich der Krankheitszustand nach 24, maximal nach 48 Stunden wesentlich gebessert habenAkuttherapieTonsillitis. Meist verbessern sich Lokal- und Allgemeinbefund gleichermaßen. In diesem Fall ist die Arzneiwirkung eindeutig. In seltenen Fällen, meist bei nur teilweise passendem Arzneimittel (es deckt nur einige wenige Aspekte der Erkrankung und wird in niedriger Potenz zu häufig wiederholt → Unterdrückung), bessert sich der Lokalbefund bei gleichzeitiger Verschlechterung des Allgemeinbefindens. Hier sollte die Behandlungsstrategie überdacht und ein besser passendes Arzneimittel ausgewählt werden. Die Verlaufsbeurteilung chronischer Tonsillitiden erfolgt ausschließlich nach den Richtlinien der klassisch homöopathischen Konstitutionstherapie (7.3) und richtet sich nicht nur nach evtl. kurzzeitigen Veränderungen des Lokalbefunds.
Prognose: Eine akute Angina oder ein Scharlach sollten innerhalb von zwei Tagen wesentlich besser sein (C30 oder C200), nach einer Woche muss das Krankheitsbild völlig verschwunden sein. Chronische Tonsillitiden bedürfen einer wesentlich längeren Behandlungsdauer (oft Wochen oder sogar Monate), aber auch hier ist die Prognose bezüglich einer Heilung äußerst günstig.
Unterstützende Maßnahmen
Hilfreich sind Wärmebestrahlung des Halses und Gurgeln mit Salbei oder Salz.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Apis, Bell., Lach., Lyc., Merc., Phyt.
!! Bapt., Hep., Lac-c., Kali.-i, Sil.
! Kali-bi., Kreos., Merc-i-f., Merc-i-r., Nat-m., Phos., Sep., Tell.

Da es sich bei akuten Tonsillitiden um Erkrankungen mit teils erheblichen Beschwerden und potenziell bedrohlichen Komplikationen handelt, sollte die Arzneiwahl immer sehr differenziert, d. h. unter Berücksichtigung aller vorhandenen Zeichen und Symptome erfolgen. Nachfolgend werden einige ausgewählte praktische Aspekte der Behandlung näher beleuchtet.
Akute und chronische Tonsillitis
  • Bei plötzlich auftretenden Halsschmerzen ist häufig Belladonna#BelladonnaTonsillitis angezeigt (das schon von Hahnemann$Hahnemann, Samuel als das Hauptmittel für Tonsillitis empfohlen wurde), v. a. wenn der Hals hochrot ist und die Tonsillen noch nicht belegt sind. Blasst der Hals ab und werden die Tonsillen eitrig, kommt als Folgemittel sehr oft Mercurius solubilis#Mercurius solubilisTonsillitis infrage.

  • Länger bestehende Erkrankung mit Sekretion aus den Tonsillen erfordert Silicea#SiliceaTonsillitis, gelegentlich auch Tellurium#TelluriumTonsillitis und Kreosotum#KreosotumTonsillitis.

  • Konstitutionell kommen bei chronischen Verläufen u. a. Natrium muriaticum, Phosphorus oder Sepia als Heilmittel infrage.

Seitenbezug
  • Bei linksseitiger Angina ist häufig Mercurius iodatus ruber#Mercurius iodatus ruberTonsillitis oder Lachesis#LachesisTonsillitis angezeigt, bei rechtsseitiger Angina Mercurius iodatus flavus#Mercurius iodatus flavusTonsillitis oder Lycopodium#LycopodiumTonsillitis.

  • Bei Halsschmerzen mit Ohrenschmerzen (z. B. bei jedem Schlucken) ist Phytolacca#PhytolaccaTonsillitis das Mittel der Wahl, besonders wenn Schleimhäute und Tonsillen dunkelrot sind.

  • Beginnt die Angina rechts und geht auf die linke Tonsille über, ist Lycopodium#LycopodiumTonsillitis angezeigt. Beginnt die Angina links und verlagert sich auf die rechte Tonsille, ist Lachesis#LachesisTonsillitis das Mittel der Wahl. Wechselt die Angina ständig die Seiten, kommt Lac caninum#Lac caninumTonsillitis infrage.

Zustand der Tonsillen
  • Bei blassroten Tonsillen und wenn der Patient nach kalten Getränken verlangt, ist Apis#ApisTonsillitis Mittel der Wahl.

  • Sind die Tonsillen eitrig belegt und schmerzlos, ist Baptisia#Baptisia, Tonsillitis indiziert.

  • Bei der Herpangina (Bläschen an Tonsillen und Mundschleimhaut) ist Kalium bichromicum#Kalium bichromicumHerpangina angezeigt.

  • Bei der infektiösen Mononukleose mit Tonsillenbeteiligung ist häufig Kalium iodatum#Kalium iodatumTonsillitis Mittel der Wahl.

  • Bei einer Angina mit weißlichen Stippchen hilft häufig Hepar sulfuris#Hepar sulfurisTonsillitis, besonders wenn starke, stechende Schmerzen vorhanden sind, die durch warme Getränke gebessert werden.

Bewährte Indikationen bei Halsentzündungen
  • Schwellung der Mandeln allgemein: Aconitum, Belladonna, Hepar sulfuris, Lachesis, Mercurius, Calcarea carbonica, Sepia, Silicea; Schwellung des Gaumens: Belladonna, Phosphorus; Schwellung des Zäpfchens: Lachesis, Coffea.

  • Umschriebene Röte: Mercurius; leuchtend helle Rötung: Belladonna, dunkle und blaue Rötung: Lachesis, Arsenicum, Mercurius, Sulfur; dunkle und blaue Gefäßnetze: Pulsatilla.

  • Im entzündlichen Stadium: Belladonna, Lachesis, Hepar sulfuris, Silicea, Mercurius, Barium carbonicum, Sepia, Sulfur.

  • Bei Geschwüren: Lachesis, Ignatia, Mercurius, Silicea, Sulfur, Arsenicum, Capsicum, Carbo vegetabilis, Nitricum acidum; bei Wasserblasen: Arsenicum; brandige Zerstörungen: Arsenicum, Belladonna, Silicea, Lachesis.

Schmerzarten
  • Brennen beim Schlucken: Belladonna, Hepar sulfuris; Drücken: Arsenicum album, Mercurius, Ignatia; Pflockgefühl: Lachesis, Hepar sulfuris, Belladonna, Chamomilla, Nux vomica, Sepia, Sulfur; Stechen: Mercurius, Belladonna, Hepar sulfuris, Nitricum acidum, Pulsatilla, Sulfur; Wundheitsschmerz: Nux vomica, Ignatia; Würgen und Zuschnüren: Belladonna, Lachesis.

  • Brennen ohne Schlucken: Arsenicum album, Aconitum, Capsicum; Pflockgefühl: Ignatia, Coffea, Sulfur; Stechen: Ignatia, Aconitum, Pulsatilla, Sulfur; Wundheitsschmerz: Ignatia, Nux vomica, Pulsatilla, Arsenicum album, Sulfur; Zusammenschnüren: Aconitum, Sepia, Arsenicum album.

Modalitäten
  • Verschlimmerung abends: Pulsatilla; nachts: Mercurius; morgens: Nux vomica.

  • Schlimmer nach Schlafen: Lachesis; durch Bewegung: Aconitum, Bryonia; durch Drehen und Biegen des Halses: Chamomilla, Bryonia; durch Berührung des Halses: Lachesis, Bryonia; durch Rückenlage: Silicea, Aconitum; durch kühle Luft: Nux vomica, Coffea, Hepar sulfuris, Mercurius, Arsenicum; beim Sprechen: Aconitum, Nux vomica.

  • Durch Trinken kommt ein Krampf: Belldonna, Lachesis.

Begleitsymptome
  • Starker Blutandrang zum Kopf: Belladonna.

  • Schwellung des äußeren Halses: Belladonna, Bryonia.

  • Drüsenschwellung an Hals oder Unterkiefer: Bryonia, Chamomilla, Mercurius, Nitricum acidum.

  • Begleitender Speichelfluss: Mercurius, Dulcamara, Hepar sulfuris, Lachesis, Nitricum acidum.

  • Viel Schleim im Hals: Mercurius, Belladonna, Lachesis.

  • Gestank aus dem Mund: Mercurius, Belladonna, Lachesis, Nitricum acidum.

  • Fieber: Aconitum, Belladonna, Bryonia, Lachesis, Pulsatilla, Mercurius.

Peritonsillarabszess

Definition: Entwicklung einer abszedierenden Entzündung der Tonsillen bzw. der umliegenden Gewebe wenige Tage nach einer akuten Angina (21.2).

Symptomatik: Hohes Fieber, einseitig starke Schluckbeschwerden und Halsschmerzen, die bis zum Ohr ausstrahlen können, kloßige Sprache. Die Mundöffnung kann behindert sein (Kieferklemme).

Achtung: Sofortige Krankenhauseinweisung kann erforderlich sein.

Therapeutische Strategie
Der Peritonsillarabszess ist eine potenziell lebensbedrohliche Erkrankung. Es besteht die Gefahr, dass sich der Eiter über das Mediastinum bis in den Herzbeutel ausbreitetKomplikationenPeritonsillarabszess. Außerdem droht bei Patienten mit massiver, schmerzbedingter KieferklemmeKieferklemme, Peritonsillarabszess die Gefahr der Exsikkose. Ultraschallkontrollen des Halses sind wünschenswert, um die Größe des Abszesses abzuschätzen. Gelegentlich ist eine Punktion bzw. Spaltung des Abszesses erforderlich, wonach es den Patienten schnell besser geht und weitere Komplikationen verhindert werden.
Eine TonsillektomieTonsillektomie während eines Peritonsillarabszesses ist wegen der Gefahr von Nachblutungen sehr gefährlich. Antibiotika sind im Regelfall nicht erforderlich und führen nur zu häufigen Rezidiven. Die homöopathische Behandlung eines Peritonsillarabszesses erfordert viel Erfahrung und sollte auf keinen Fall von Anfängern durchgeführt werden. Bleibt der gewünschte Erfolg bei der homöopathischen Behandlung aus, sollte auf den Einsatz von Antibiotika nicht verzichtet werden.
Homöopathische Behandlung
Als lebensbedrohliche Erkrankung fordert der Peritonsillarabszess die ganze Aufmerksamkeit des Arztes: Niemals in Eile verschreiben, immer alle Symptome genau aufnehmen, um bei eventuell fehlerhafter Verschreibung eine genaue Datengrundlage zu haben, auf die man im weiteren Verlauf zurückgreifen kann.
Wahl der Symptome
SymptomenwahlPeritonsillarabszessDie Mittelwahl stützt sich auf den Lokalbefund inkl. Modalitäten sowie auf die Begleitsymptomatik. Wichtig ist auch die Causa.
  • Causa: z. B. Folge von Kummer, Folge von Aufenthalt in kaltem Wind.

  • Lokalisation und Lokalbefund: z. B. Seite des Abszesses, Farbe der Schleimhaut.

  • Modalitäten des Lokalbefundes und des Allgemeinzustandes und der Psyche: äußere Wärme oder Kälte agg. oder amel., warme oder kalte Getränke agg. oder amel., der Patient ist verzweifelt, unruhig, apathisch.

Da bei Peritonsillarabszessen regelhaft extrem starke, einseitige Schmerzen vorhanden sind, lässt sich dieser Aspekt der Symptomatik nur selten für die Arzneiwahl nutzen.
Miasmatische Zuordnung
Der Peritonsillarabszess ist syphilitischer Natur.
Repertorium
RepertorisationPeritonsillarabszessDie Rubriken für den Peritonsillarabszess finden sich im Repertorium unter Hals – Eiterung – allgemein – Tonsillen (61 AM) und Innerer Hals – Entzündung – phlegmonös (27 AM). Für die genaue Differenzierung der Arzneimittel müssen die Rubriken des Kapitels „Tonsillitis“ (21.3) berücksichtigt werden.
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Meist wird das Beschwerdebild des Patienten durch die starken einseitigen Schmerzen und eine erhebliche allgemeine Beeinträchtigung dominiert, für andere Aspekte der Erkrankung fehlt den schwer kranken Patienten meist der Sinn. Genau diese beiden Aspekte stehen auch im Zentrum der Verlaufsbeurteilung. Kommt es bei passender homöopathischer Behandlung zu einer Abszesseröffnung in den Rachenraum, tritt meist schnell eine Besserung der Schmerzen und des Allgemeinbefindens ein. Der heftige Krankheitsverlauf erfordert häufig einen Wechsel des Arzneimittels, da die Symptome sich schnell ändern oder nicht sofort das richtige Mittel gegeben wurde. Mit nur einem einzigen homöopathischen Arzneimittel wird äußert selten eine Ausheilung erreicht. Unter Umständen müssen sogar Hochpotenzen in kurzen Abständen gewechselt werden.

Die Abszesseröffnung in den Rachenraum im Rahmen einer homöopathischen Therapie stellt keine Komplikation, sondern einen Heilungsverlauf dar (ähnlich der Trommelfellruptur bei Otitis media, 21.11).

Erfolgt die Ausheilung des Abszesses über die Resorption, muss von einer etwas verzögerten Besserung des Lokalbefundes und des Allgemeinzustandes ausgegangen werden. In jedem Fall sollte eine spürbare positive Reaktion innerhalb von 24–48 Stunden erfolgen.
Jede Verschlechterung des Lokal- oder Allgemeinzustandes sollte zu einer kritischen Überprüfung der bisherigen Therapiestrategie führen.
Unterstützende Maßnahmen
Reichliche Flüssigkeitszufuhr. Trinken ist zwar für den Patienten schmerzhaft, verhindert aber die Austrocknung. Wärmebestrahlungen des Halses wirken sich günstig aus.
Wichtige homöopathische Arzneimittel
Die homöopathische Behandlung von Peritonsillarabszessen ist ausschließlich dem Spezialisten vorbehalten. Eine Differenzierung von möglichen Arzneimitteln soll deshalb an dieser Stelle nicht erfolgen.

Adenoide Vegetationen

Definition: Hyperplasie der RachenmandelRachenmandelHyperplasie, die fast ausschließlich bei (Klein-)Kindern auftritt.

Symptomatik: Behinderte Nasenatmung, deshalb ständige Mundatmung. Oft entsteht ein etwas „dümmlicher“ Gesichtsausdruck (Facies adenoidea). Rezid. Infekte, Appetitlosigkeit, Hörminderung und Schnarchen. Da die vergrößerte Rachenmandel die Mündung der Ohrtrompete im Nasopharynx verlegt und zu Tubenbelüftungsstörungen führt, kommt es zu gehäuften Mittelohrentzündungen mit Paukenergüssen. Die Schwerhörigkeit birgt längerfristig die Gefahr einer Sprachentwicklungsverzögerung.

Therapeutische Strategie
Adenoide Vegetationen bei Kindern sind nur behandlungswürdig, wenn sie tatsächlich Beschwerden machen. Das Haupterkrankungsalter liegt bei drei bis sieben Jahren. Danach erfolgt fast immer eine spontane Rückbildung.
Beschwerden, die eine Behandlung erforderlich machen, sind nächtliches Schnarchen, Entwicklungs- und Konzentrationsstörungen sowie Hörstörungen durch Tubenkatarrh. Häufig verbunden mit adenoiden Vegetationen sind stark vergrößerte Gaumenmandeln, die mitbehandelt werden müssen.
Eine Spiegelung des Epipharynx ist notwendig, da es auch andere Ursachen für eine behinderte Nasenatmung bei Kindern gibt (z. B. extrem trockene Nasenschleimhaut oder Allergien) und sich das Therapiekonzept an der jeweils vorliegenden Diagnose orientiert.

Adenoide Vegetationen sind keine echten Polypen, wie sie umgangssprachlich betitelt werden, sondern vergrößertes lymphatisches Gewebe. Daher kommen in der homöopathischen Behandlung primär auch keine „Polypenmittel“ zum Einsatz.

Homöopathische Behandlung
Die typischen, durch adenoide Vegetationen ausgelösten Symptome sind im Regelfall nicht charakteristisch und individuell, vielmehr leiden praktisch alle betroffenen Kinder an der typischen, behinderten Nasenatmung, der Mund ist offen, das Hören ist oft schlecht. Die homöopathische Verschreibung muss sich auf andere Kriterien stützen. Erschwert wird die Behandlung der Kinder häufig durch antibiotische Vorbehandlungen. Normalerweise ist eine Aufnahme der Gesamtheit der Symptome notwendig, um eine suffiziente, konstitutionelle Verschreibung vornehmen zu können.
Bei Kindern mit adenoiden Vegetationen ist mit interkurrenten Infekten zu rechnen, z. B. akuten Mittelohrentzündungen, häufigen Anginen und Husten. Diese interkurrenten Infekte sollten unbedingt homöopathisch behandelt werden, da durch unterdrückende Therapien mit Antibiotika oder anderen Medikamenten eine Symptomverschleierung erfolgt und die homöopathischen Medikamente in ihrer Wirkung blockiert werden.
Es hat sich gezeigt, dass während der konstitutionellen Behandlung des Öfteren Nosoden (besonders Tuberculinum und Medorrhinum#MedorrhinumRachenmandelhyperplasie) als Zwischenmittel eingesetzt werden müssen.
Wahl der Symptome
SymptomenwahlRachenmandelhyperplasieWie bereits erwähnt, sind die typischen Symptome der sogenannten Polypen sehr einförmig und deshalb meist unbrauchbar für die Arzneiwahl. Die besten Hinweise für ein passendes, konstitutionell wirksames Medikament finden sich i. d. R. in anderen Daseinsbereichen des Patienten (z. B. psychische Alterationen, Schlafverhalten, Essgewohnheiten, Verdauungsstörungen, andere Erkrankungen). Finden sich keine Symptome für eine Verschreibung, können unter Umständen auch die Lokalsymptome der adenoiden Wucherungen zur Arzneiwahl herangezogen werden.
Miasmatische Zuordnung
Die chronische Tonsillenvergrößerung ist syphilitisch, die chronisch wiederkehrende Mandelentzündung (21.3) tuberkulinisch (Pseudopsora). Ausdrücke wie „Facies adenoidea“ und das ganz offensichtliche Vorliegen eines typisch ablaufenden, fast syndromhaften Krankheitsbildes bei Kindern lässt deutlich die hereditäre Miasmatik erkennen.
Repertorium
RepertorisationAdenoideDie Hauptrubrik für die vergrößerten Rachenmandeln findet sich im Repertorium unter Hals – Vergrößerung – allgemein – Tonsillen. Wichtige Lokal- und Allgemeinrubriken mit Bezug zu den Rachenmandeln sind unten aufgeführt.

Diagnosebezogene Rubrik

Hals – Vergrößerung – allgemein – Tonsillen

Lokal- und Allgemeinrubriken

Hals // Entzündung – rezidivierend, Tonsillen // räuspert käsige Klumpen hoch // Schwellung – Tonsillen – links // Schwellung – Tonsillen – rechts // Vergrößerung – Tonsillen – Schwerhörigkeit, mit
Mund // Herausstrecken, Vorspringen, Vorwölbung – Zunge // offen – Schlaf, im
Gesicht // Ausdruck – dumm, stupide
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Es geht bei der homöopathischen Behandlung der adenoiden Vegetationen und großen Mandeln nicht darum, das lymphatische System durch lokale Therapie zu verkleinern, sondern die Kinder insgesamt so zu stabilisieren, dass das überschüssige lymphatische Gewebe nicht mehr benötigt wird. Dies ist meist ein langwieriger Prozess, weshalb die Ausdehnung der Adenoide bzw. der konsekutiven Lokalbefunde (behinderte Nasenatmung, Schnarchen, Schwerhörigkeit etc.) zumindest zu Behandlungsbeginn nicht als alleiniger Verlaufsparameter dienen darf.
Ein wichtiges Indiz für einen gebesserten Gesamtzustand ist die Häufigkeit und der Verlauf von Infekten der oberen Atemwege (z. B. Otitis media, Tonsillitis, Rhinitis), die im Zusammenhang mit den Adenoiden auftreten. Werden diese seltener und/oder nehmen einen unkomplizierteren Verlauf, ist dies ein deutlicher Hinweis auf eine positive Arzneiwirkung. Bei der Beurteilung des Therapieverlaufs muss außerdem unbedingt berücksichtigt werden, dass sich die typischen Beschwerden häufig in den Sommermonaten verbessern und im Winter verschlechtern.
Bei interkurrenten Erkrankungen mit entsprechendem Leidensdruck ist die Behandlung der adenoiden Vegetationen nötigenfalls zugunsten der entsprechenden Akutmittel zu unterbrechen. Nach Abklingen der Akutsymptomatik kann die Behandlung der adenoiden Vegetationen wieder aufgenommen werden. Bewährt hat sich die Anwendung hoher Potenzen nach der aufsteigenden Kent-Skala.
Prognose: Eine Besserung der Symptomatik kann innerhalb von Wochen bis Monaten beobachtet werden. Häufig ist viel Geduld vonseiten der Eltern und des Behandlers erforderlich, da wegen der Symptomatik (Schwerhörigkeit, Konzentrationsstörungen etc.) nicht selten ein erheblicher Druck durch das soziale Umfeld besteht (Kindergarten, Schule, Verwandte etc.). Eine Adenektomie kann in den allermeisten Fällen sicher vermieden werden.
Unterstützende Maßnahmen
Häufig bekommen die Kinder zu viel Kuhmilch. Bei großen Tonsillen sollte maximal ein Glas Milch pro Tag erlaubt werden. Oft ist eine Allergietestung auf Kuhmilch angezeigt (RAST).
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Bar-i., Calc-br., Calc-i., Nux-v., Okou., Tub.
!! Calc., Calc-p.

In der homöopathischen Praxis zeigt sich, dass langfristige Therapieerfolge bei adenoiden Vegetationen mit den verschiedensten homöopathischen Arzneimitteln erreicht werden können, wenn diese aufgrund charakteristischer Symptome angezeigt sind. Trotz der Fülle der Möglichkeiten werden nachfolgend einige wenige, häufig indizierte Arzneimittel in aller Kürze abgehandelt.
Abwehrschwäche
  • Zu Beginn der Behandlung hat sich Tuberculinum#TuberculinumRachenmandelhyperplasie sehr bewährt, das einen deutlichen Bezug zum Abwehrsystem hat und außerdem häufig bei Kindern indiziert ist. Individuelle, zusätzliche Hinweise können z. B. Ruhelosigkeit, nächtliches Zähneknirschen, Furcht vor Hunden oder das typische Verlangen nach Geräuchertem sein.

  • Vergrößerte adenoide Vegetationen bei normal großen Tonsillen weisen oft auf Barium iodatum#Barium iodatum, Rachenmandelhyperplasie. Erhebliche Entwicklungsverzögerungen auf körperlicher und geistiger Ebene bestätigen das Arzneimittel.

Kalziumverbindungen
  • Vergrößerte adenoide Vegetationen mit großen Tonsillen bei dunkelhaarigen Kindern erfordern häufig Calcium iodatum#Calcium iodatum, Rachenmandelhyperplasie.

  • Große adenoide Vegetationen mit großen Tonsillen bei hellhaarigen Kindern führen manchmal zu Calcium bromatum#Calcium bromatum, Rachenmandelhyperplasie.

  • Bei Kindern, die unter großen Adenoiden und unter großen Tonsillen leiden, dick und phlegmatisch sind, sehr nach süßen Speisen verlangen und am Kopf schwitzen, ist Calcarea carbonica#Calcium carbonicumRachenmandelhyperplasie angezeigt.

  • Calcium phosphoricum#Calcium phosphoricumRachenmandelhyperplasie ist Mittel der Wahl bei Kindern, die ebenfalls große Mandeln haben, schlank und unzufrieden sind sowie kein ausgeprägtes Süßverlangen haben.

Rhinitis

  • Akute Rhinitis: akuter Katarrh der Nasenschleimhaut mit Niesreiz, Brennen in Nase und Rachen, Nasensekretion sowie allgemeinem Krankheitsgefühl. Meistens Virusinfektion (u. a. Rhino-, Corona-, Influenza-, Adenoviren). Übertragung durch Tröpfcheninfektion; Inkubationszeit: 3–7 d.

  • Chronische Rhinitis: Überbegriff für chronische Schleimhauterkrankungen der Nasenhaupt- und -nebenhöhlen. Ursachen: Reizstoffe wie z. B. Staub, extreme Dauertemperaturen, Polypen und Tumoren der Nase und der Nasennebenhöhlen. Symptome: behinderte Nasenatmung, ständige schleimige Nasensekretion; bei Verlegung der Nasennebenhöhlen zusätzlich Kopfdruck oder Kopfschmerzen. Differenzialdiagnostisch muss immer eine Allergie ausgeschlossen werden.

Therapeutische Strategie
Eine Behandlung ist v. a. bei infektiösen Rhinitiden nicht immer erforderlich, da die Spontanheilungsrate extrem hoch ist. Häufig scheint eine Behandlung aber schon deshalb sinnvoll, um die Ängste der Patienten abzubauen.

  • Pflanzliche oder andere schleimlösende Mittel sind bei akuter Rhinitis im Regelfall nicht indiziert. Ggf. können Salzinhalationen zusätzliche Linderung bringen.

  • Keinesfalls sollten abschwellende Nasentropfen verwendet werden, da diese die Nasenschleimhaut austrocknen, das Abhängigkeitspotenzial extrem hoch ist und die Blutzufuhr zur Nase eingeschränkt wird (längerfristig Atrophie der Schleimhaut), wodurch der Schnupfen dann eher länger dauert.

Homöopathische Behandlung
Die Symptome des Schnupfens im Rahmen fieberhafter Erkrankungen oder grippaler Infekte wird als Lokalsymptom in der Hierarchisierung der Gesamtheit der Symptome verwertet (4.2.2). Zeigt der Schnupfen besonders auffällige Qualitäten, kann dieses Lokalsymptom auch wesentlich zur Mittelfindung beitragen und die Qualität eines „§-153-Symptoms“ bekommen (vgl. Organon, § 153).
Chronische Schnupfenformen, allergische Rhinitis oder Schnupfen ihm Rahmen chronischer Sinusitiden erfordern eine lange Anamnese und die Analyse der Gesamtheit der Symptome.
Wahl der Symptome
SymptomenwahlRhinitisBei akuten Verlaufsformen sind Lokalsymptome für die Arzneimittelwahl entscheidend:
  • Beschaffenheit des Sekrets (grün, gelb, weiß), Geruch (fötide, wie Käse etc.) und Konsistenz (blutig, zäh, klebrig, fadenziehend, krustig etc.).

  • Modalitäten des Schnupfens: Ob es im Freien oder in geschlossenen Räumen besser oder schlechter geht, zu welcher Tageszeit die Nase läuft etc.

  • Spezielle Charakterisierungen eines evtl. vorhandenen Niesreizes sind für die Mittelwahl ebenfalls wichtig, z. B. anfallsartiges Niesen, Niesen im Freien, durch Entblößen eines Körperteils.

  • Alter des Erkrankten: z. B. Schnupfen bei Säuglingen oder bei alten Menschen.

  • Auslöser: z. B. Folgen von Durchnässung (des Kopfes, der Füße), von kalter oder zu warmer Witterung, Kränkung, Kummer, Stress („die Nase voll haben“).

  • Häufig äußert sich eine Rhinitis durch Verstopfung der Nase oder ist zumindest zeitweise davon begleitet. Die entsprechenden Modalitäten der Nasenobstruktion können gute Hinweise auf passende Arzneimittel geben (z. B. Verstopfung mit Absonderungen, im Freien besser oder schlechter, im Schlaf, frustrane Versuche, die Nase frei zu schnäuzen etc.).

Miasmatische Zuordnung
Als Symptom verschiedenster Erkrankungen ist die Diagnose „Rhinitis“ nur über ihre Modalitäten, insbesondere über die Absonderungsqualitäten, einem Miasma zuzuordnen:
  • Psora: einseitige und abwechselnde Nasenverstopfung. Verschlimmerung des Fließschnupfens im Freien, trockene Nasenschleimhäute, Nasenkatarrh erstreckt sich zur Brust.

  • Tuberkulinie: blutige, dicke oder gelbe Absonderungen, Absonderungen mit Geruch nach altem Käse.

  • Sykosis: Absonderungen mit fischigem Geruch, viel dünner Schleim.

  • Syphilis: Krusten, die sich schwer ablösen lassen und wunde, schmerzhafte Stellen hinterlassen. Krusten, die sich nach dem Ablösen immer wieder neu bilden. Dicke, braune, (grünlich) schwarze Absonderungen.

Das Schniefen bei Säugligen ist entweder sykotisch oder syphilitisch.
Repertorium
RepertorisationRhinitisDie übergeordnete Repertoriumsrubrik für Schnupfen findet sich im Kapitel „Nase“ und enthält über 300 Arzneimittel. Die Unterrubriken beschreiben dabei hauptsächlich die genaueren Umstände und Modalitäten der Rhinitis. Alle wesentlichen Lokalbefunde einer Rhinitis findet man in den Unterrubriken von Nase – Absonderungen.

Nase – Schnupfen // eine Seite // rechts// links // morgens – Erwachen, beim // Absonderung, mit – morgens //

Nase – Schnupfen // Absonderung, mit – Freien, im // Absonderung, mit – warmes Zimmer // Absonderung, ohne – nachts // Absonderung, ohne – nachts – Fließschnupfen am Tage, mit // Absonderung, ohne – warmen Zimmer, im //

Nase – Schnupfen // begleitet von – Geruchsverlust // begleitet von – Stimme – Beschwerden der // Frösteln, mit // Haareschneiden, durch // Luft – Freien, im // Luft – Freien, im – amel. // Menses, während // Rosen – durch den Geruch von // Scharlach, bei // Überhitzung, nach // unterdrückt // Unterkühlung, durch – Überhitzung, bei // Schnupfen – kalten Wind, durch – trockenen Wind hervorgerufen

Nase – Absonderungen // wund machend // gelblich grün // grau // zäh-klebrig // Choanen, hintere Nasenlöcher // zäh-klebrig // Krusten, Borken, innen schwarze // Krusten, Borken, innen – Septum // Krusten, Borken, innen – Choanen, hintere Nasenlöcher // Krusten, Borken, innen – elastische Pfropfen

Nase // Laufnase, chronischer Schnupfen – Säuglingen und Kleinkindern, bei – Neugeborene // Trockenheit innen – schmerzhaft

Nase – Niesen // anfallsartig // gewaltsam // häufig // ständig, anhaltend

Nase – Verstopfung // abwechselnde Seiten // einseitig // Absonderung, mit // Kinder // chronisch // hartnäckig, Kinder

Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Die Beobachtung der Mittelwirkung ist i. d. R. sehr unsicher, da die Spontanheilungstendenz von „banalem“ Schnupfen extrem hoch ist. Im Akutfall und bei passender homöopathischer Behandlung sollte die Rhinitis nach 24–48 Stunden wesentlich besser sein, sonst kommt ein Mittelwechsel infrage. Bei chronischen Verlaufsformen kann die Heilung auch Monate dauern.
Im Falle einer isolierten Rhinitis zählt als Verlaufsparameter natürlich nur der Lokalbefund. Vorsicht ist hier jedoch bei der akut infektiösen Rhinitis geboten, die teilweise als isoliertes Symptom, teilweise aber auch als passageres Symptom im Rahmen von Infekten der oberen Atemwege auftritt. Hier muss zur Beurteilung immer der gesamte Erkrankungsverlauf betrachtet werden. Das Sistieren einer Rhinitis mit nachfolgenden Halsschmerzen und Fieber kann z. B. sicher nicht als Behandlungserfolg gewertet werden. Vielmehr entspricht der Verlauf der natürlichen Krankheitsentwicklung. Gerade bei Infekten der oberen Atemwege ist deshalb eine kritische Überprüfung des Therapieverlaufs wichtig. Häufig müssen die Arzneimittel an die oft sehr variablen Krankheitsverläufe angepasst werden (z. B. erst Rhinitis, dann Halsschmerzen, dann Fieber; oder erst Halsschmerzen, dann Rhinitis, dann Husten etc.).

Sehr eindringlich sei an dieser Stelle nochmals auf die Gefahr einer Unterdrückung von Absonderungen (beispielsweise auch Rhinitis) hingewiesen, die sich im Akutfall unter Umständen negativ auf den Krankheitsverlauf, bei chronischer Rhinitis negativ auf die Gesamtgesundheit auswirkt. Als unterdrückende Maßnahmen sind dabei nicht nur Nasensprays, Antihistaminika o. Ä. anzusehen, sondern auch homöopathische Medikamente, die nur den Lokalbefund abdecken und zu häufig wiederholt werden.

Unterstützende Maßnahmen
Inhalationen mit Salz und Rotlichtbestrahlungen wirken sich durchaus günstig aus. Außerdem sollte darauf geachtet werden, dass die Füße immer warm gehalten werden.
Die Patienten sollten unbedingt viel trinken, damit die Sekrete flüssig bleiben können.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Acon., All-c., Ars., Kali-bi., Luf-op., Nat-m., Thuj.
!! Hep., Lac-c., Nit-ac., Nat-m., Nux-v., Puls., Samb. Syph.
! Kreos.

Von den vielen Arzneimitteln, die bei Schnupfen infrage kommen (über 300 in der Rubrik Nase – Schnupfen), werden an dieser Stelle nur wenige exemplarisch differenziert.
Beginnender Schnupfen, chronischer Schnupfen
  • Im Anfangsstadium eines Schnupfens ist oft Aconitum#AconitumRhinitis angezeigt, Causa ist häufig Kälteexposition (auch kalter Wind), die Symptome beginnen plötzlich, nachts, verbunden mit Angst.

  • Bei chronischer Rhinitis mit verstopfter Nase kommt Natrium muriaticum#Natrium muriaticumRhinitis infrage. Als Auslöser finden sich emotionale Belastungen oder Kummer in der Anamnese.

Art der Absonderung
  • Wenn die Patienten sehr oft niesen und sich fühlen, als ob sie Zwiebeln schneiden, die Nasenabsonderung scharf und der Tränenfluss mild ist, mit einer Besserung im Freien: Allium cepa#Allium cepaRhinitis.

  • Bei Schnupfen mit wund machendem Sekret und geröteten Nasenöffnungen ist Arsenicum#Arsenicum albumRhinitis angezeigt. Häufig bestehen eine nächtliche Verschlechterung, Frieren und eine ängstliche Grundstimmung.

  • Akuter oder subakuter Schnupfen mit grünen, milden Nasenabsonderungen, wenig Durst, als Folge von Durchnässung (z. B. der Füße) wird durch Pulsatilla#PulsatillaRhinitis geheilt.

  • Bei chronischer, grüner Nasensekretion ist häufig Thuja#ThujaRhinitis angezeigt.

  • Bei gelbem, zähem, evtl. fadenziehendem Sekret ist Kalium bichromicum#Kalium bichromicumRhinitis das Mittel der Wahl. Auch Krustenbildungen der Nase, die nach dem Ablösen wunde, blutige Stellen hinterlassen, sprechen für dieses Arzneimittel.

  • Schnupfen mit Rissen am Naseneingang indizieren häufig Nitricum acidum#Nitricum acidumRhinitis.

  • Sind die Nasenabsonderungen fötide, muss an Kreosotum#KreosotumRhinitis als Heilmittel gedacht werden.

Seitenbezug
  • Bei einseitiger Rhinitis mit weißlicher Sekretion ist Hepar sulfuris#Hepar sulfurisRhinitis angezeigt. Häufig sind die Patienten verfroren, Auslöser ist trockenes, kaltes Wetter.

  • Häufiger Seitenwechsel, sowohl der Nasenverstopfung als auch des Fließschnupfens ist ein Hinweis auf Lac caninum#Lac caninumRhinitis.

Weitere Besonderheiten
  • Finden sich keinerlei Symptome bei einer Rhinitis, die eine Differenzierung der Arzneimittel zulassen, kann (gleichsam als „bewährte Indikation“) Luffa#Luffa, Rhinitis versucht werden.

  • Schnupfen oder auch die typische Obstruktion der Nasengänge bei Säuglingen erfordert meistens Sambucus nigra#Sambucus nigra, Rhinitis. Ein angeborener Schnupfen kann aber auch Syphilinum als Heilmittel indizieren.

  • Bei frierenden, verschnupften Patienten ist Nux vomica#Nux vomicaRhinitis angezeigt, wobei der Schnupfen im Freien besser ist. Häufig tritt der Schnupfen als Folge einer Überbelastung auf; es besteht mitunter reizbare Stimmung.

Sinusitis

  • Akute Sinusitis: akute (bakterielle) Entzündung der Nasennebenhöhlenschleimhaut mit Sekretbildung; häufig bei Schnupfen, Nasennebenhöhlenentzündungbegünstigt durch Verlegung der Ausführungsgänge der Nasennebenhöhlen durch die angeschwollene Nasenschleimhaut; betrifft oft nur eine Nasennebenhöhle.

  • Chronische Sinusitis: Kann sich aus einer akuten Sinusitis entwickeln, wenn diese nicht vollständig abgeheilt ist; begünstigt wird die Entstehung zusätzlich durch anatomische Besonderheiten (z. B. eine Verbiegung der Nasenscheidewand), durch allergische Reaktionen der Nasenschleimhaut oder durch eine Immunschwäche.

  • Pansinusitis: Entzündung aller Nasennebenhöhlen.

Therapeutische Strategie
Neben der meist eindeutig geschilderten Symptomatik und der meist recht zuverlässigen „Selbstdiagnose“ der Patienten sollte die Diagnostik möglichst mittels Ultraschall (B-Scan) erfolgen. Röntgenuntersuchungen sind im Regelfall nicht erforderlich, da dadurch unnötige Strahlenbelastung verursacht wird, die sich durch den meist geringen zusätzlichen Informationsgewinn nicht rechtfertigen lässt. Das Gleiche gilt für das CT. Die Diagnose mittels Abklopfen der Kieferhöhle ist völlig unsicher.
Zur üblichen, aber nicht evidenzbasierten Therapie der Sinusitis lassen sich folgende Aussagen treffen:
  • Keine AntibiotikaSinusitisAntibiotika geben, da eine Dysbiose im Darm entsteht und dadurch die Sinusitis chronifizieren kann (Zusammenhang Darm, Bronchien und Nebenhöhlen).

  • Keine abschwellenden NasentropfenNasentropfen, Sinusitis anwenden, da die Blutzufuhr zur Nase verringert wird und dadurch der Körper weniger Chancen hat, die Sinusitis auszuheilen. Außerdem besteht leichtes Spiel für die Bakterien, in bisher nicht befallene Nebenhöhlen zu gelangen.

  • Keine Antipyretika, da Fieber als sichtbares Zeichen der gesteigerten Immunaktivität die Ausheilung der Sinusitis begünstigt.

Homöopathische Behandlung
Obwohl es sich aus homöopathischer Sicht bei Sinusitiden (auch bei Erstmanifestationen) meist um eine Komplikation (akute Exazerbation) einer chronisch-miasmatischen Erkrankung handelt, werden manifeste Nasennebenhöhlenentzündungen in der Praxis wie akute Krankheiten behandelt. Die aktuellen, im Vordergrund stehenden Symptome führen zum Mittel, konstitutionelle Symptome werden zunächst nicht betrachtet (4.2). Häufig findet sich ein recht klares Beschwerdebild, das vom Patienten subjektiv als sehr belastend empfunden wird. Dies wiederum bedingt einen relativ hohen Behandlungsdruck, dem in der Praxis nicht selten durch häufigere Wechsel der Arzneimittel Rechnung getragen wird.
Treten die akuten Symptome in den Hintergrund, sollte sowohl bei Erstmanifestation als auch bei rezidivierenden Sinusitiden auf jeden Fall eine konstitutionelle homöopathische Therapie durchgeführt werden. Primäres Ziel ist dabei nicht, den Patienten infektfrei zu halten, sondern die Neigung zur Verkomplizierung von banalen Infekten mit Sinusitis zu heilen. Die praktische Erfahrung zeigt, dass dies – entgegen allen mechanistischen Vorstellungen – auch ohne Operation möglich ist, selbst wenn erhebliche Deformationen der Nasenscheidewände vorliegen.
Wahl der Symptome
SymptomenwahlSinusitisIm Wesentlichen soll im Folgenden die Behandlung der akuten Sinusitis abgehandelt werden, da die chronische oder rezidivierende Sinusitis ausschließlich konstitutionell behandelt wird.
Symptome bei der akuten Sinusitis
  • Erkrankungsstadium: z. B. Beginn, Ende, drohende Chronifizierung.

  • Lokalisation der Schmerzen: z. B. im Oberkieferbereich, im Stirnhöhlenbereich, tief im Kopf.

  • Art des Nasensekrets: z. B. gelb, grünlich, scharf, mild, klebrig, zäh, übel riechend.

  • Lateralität: rechts, links, oder häufiger Seitenwechsel unter Berücksichtigung der Schnupfensymptome (Fließschnupfen, Nasenverstopfung) als auch der Schmerzen.

  • Bei chronischer Sinusitis spielt die psychische Begleitsymptomatik eine Rolle. Dies führt häufig zur Wahl eines Konstitutionsmittels. Aber auch bei der akuten Sinusitis sind psychische Veränderungen, wenn sie deutlich sind, durchaus für die Arzneimittelfindung hilfreich (z. B. Zorn, Weinen, Verzweiflung).

Miasmatische Zuordnung (21.6)
Repertorium
RepertorisationSinusitisDie Sinusitis-Hauptrubriken sind die großen Rubriken unter Nase – Katarrh: Ihre jeweilige Größe zeigt die Vielfalt der therapeutischen Möglichkeiten. Für die Arzneiwahl hilfreiche Rubriken können z. B. sein, Nase – Absonderungen oder Gesicht – Schmerzen, hinsichtlich der Kausalitäten finden sich wichtige Hinweise in den Kapiteln „Gemüt“ und „Allgemeines“. Weiterhin sind auch alle Rubriken zum Thema „Rhinitis“ zu berücksichtigen (21.6).

Nase – Katarrh – allgemein // erstreckt sich zu – Nebenhöhlen // Stirnhöhle // Kiefernhöhle

Nase – Absonderungen // zäh-klebrig // grün // hart, trocken // heiß // klebrig // klumpig // mild // Absonderungen – wund machend

Gesicht – Schmerzen // Jochbeine – links // Jochbeine – rechts // Taubheitsgefühl, mit // Wind agg. // Zugluft agg. // Nerven entlang, die

Gemüt – Beschwerden durch // Ärger, Zorn // Ausschweifungen // Enthaltsamkeit // Enttäuschung, Täuschung

Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Eine Sinusitis ist keine Krankheit, die innerhalb von Stunden auf das passende Arzneimittel reagiert. Die massiven Symptome, insbesondere die Schmerzen und die allgemeine Beeinträchtigung, sollten bei richtiger Arzneiwahl innerhalb von ein bis zwei Tagen verschwunden sein. Eine eitrige Nasensekretion kann noch bis zu einer Woche andauern.
Fehlt eine deutliche positive Reaktion der Nasennebenhöhlen auf das Arzneimittel, muss das Arzneimittel nach 24–48 Stunden gewechselt werden. Die psychische Alteration und der beeinträchtigte Allgemeinzustand sind meist direkt an die lokal entzündliche Symptomatik der Nebenhöhlen gekoppelt, Verbesserungen auf allen drei Ebenen erfolgen meist parallel oder leicht zeitlich versetzt. Verbesserungen im Bereich der Psyche oder des Allgemeinbefindens bei substanzieller Verschlechterung auf der lokalen Ebene sollten äußerst kritisch betrachtet werden. Folgende Ausnahmen gilt es allerdings zu berücksichtigen:
  • Bei Sinusitis ohne Nasenabsonderung kommt es im Heilungsverlauf häufig zu erheblicher Rhinitis, die als positive Ausscheidungsreaktion zu interpretieren ist und vom Patienten durchaus als angenehm empfunden wird. Im Gegensatz dazu ist ein Sistieren von Nasenabsonderungen eher als ungünstiges Zeichen zu werten.

  • Tritt Fieber zum Erkrankungsbild hinzu, kann dies als positive Aktivierung der Abwehrkräfte interpretiert werden. Dem Fieber sollte innerhalb von 24–48 Stunden eine erhebliche Verbesserung der Lokalsymptomatik folgen.

Prognose: Eine akute Sinusitis sollte innerhalb von sieben Tagen ausgeheilt sein. Bei chronischem oder chronisch rezidivierendem Verlauf einer Sinusitis kann es Monate dauern, bis eine vollständige Ausheilung erreicht ist (insbesondere wenn sie allergisch bedingt ist).
Unterstützende Maßnahmen
Zusätzliche Phytotherapie wirkt sich oft günstig aus (z. B. Sinupret® zum Schleimlösen oder Umckaloabo® zur Immunsteigerung). Sinnvoll sind auch Inhalationen mit Emser® Salz; auch Rotlichtbestrahlungen können Erleichterung bringen.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Acon., Cinnb., Hep., Kali-bi., Sulf-i.
!! All-c., Arg-n., Nat-m., Sil.
! Ars., Lyc., Teucr.

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit werden im Folgenden einige wichtige Arzneimittel für Sinusitis mit ihren Indikationen vorgestellt. Die Entscheidung, welches Arzneimittel verordnet wird, kann aber immer nur aufgrund differenzierter Fallbetrachtung und mithilfe der Arzneimittellehre und des Repertoriums getroffen werden.
Akute Sinusitis
  • Bei der akuten Sinusitis kommt als erstes Mittel Aconitum#AconitumSinusitis infrage: Folge von Wind, plötzlicher, nächtlicher Erkrankungsbeginn mit Fieber und Angst.

  • Ein sehr häufiges Folgemittel ist Cinnabaris#CinnabarisSinusitis, wobei besonders Schmerzen im Oberkieferbereich und eine eitrige Sekretion auf dieses Mittel hinweisen.

  • Bei akuten Schmerzen im Nasenwurzelbereich kommt eher Kalium bichromicum#Kalium bichromicumSinusitis infrage, dabei bestehen die charakteristischen, zähen, fadenziehenden Absonderungen aus der Nase.

  • Bei akuten Schmerzen im Stirnbereich infolge einer Sinusitis frontalis hilft oft Natrium muriaticum#Natrium muriaticumSinusitis.

Chronische Sinusitis
  • Bei chronischen Verlaufsformen und einer nicht vollständig abgeheilten akuten Sinusitis wirkt Sulfur iodatum#Sulfur iodatumSinusitis als Resorptionsmittel.

  • Bei einer chronischen Sinusitis mit einseitiger Nasensekretion kommt Hepar sulfuris#Hepar sulfurisSinusitis infrage.

  • Bei der chronischen Sinusitis verbunden mit diffusem Schwindel ist häufig Silicea#SiliceaSinusitis hilfreich.

  • Bei chronischer Sinusitis verbunden mit Magenschmerzen und Platzangst ist an Argentum nitricum#Argentum nitricumSinusitis zu denken.

  • Bei einer chronischen Sinusitis mit Polypenbildung in der Nase ist Teucrium#Teucrium, Sinusitis marum verum das Hauptmittel.

Konstitutionelle Behandlung, weitere Besonderheiten
  • Konstitutionell ist bei chronischen Sinusitiden an Lycopodium, Lachesis und Natrium muriaticum zu denken.

  • Ist der Patient auffallend blass und die Nasenöffnung rot, kann Arsenicum#Arsenicum albumSinusitis hilfreich sein.

  • Bei Sinusitis und Niesreiz kommt oft Allium cepa#Allium cepaSinusitis zur Anwendung.

Heuschnupfen

Definition: Allergischer Schnupfen (Rhinitis allergica). Saisonal durch Pollen (Heuschnupfen), aber auch das ganze Jahr über durch Nahrungsmittel, Hausstaubmilben, Tierhaare, Bettfedern oder Berufsallergene (z. B. Mehl bei Bäckern, Chemikalien bei Friseuren) bedingt.

Symptomatik: Behinderte Nasenatmung, Niesattacken, wässrige Nasensekretion sowie Juckreiz in Nase und Augen.

Wichtig: Die Diagnose sollte durch einen Allergologen gesichert werden.

Therapeutische Strategie
Zunächst ist eine Diagnostik durch Allergietest, HeuschnupfenAllergietestung erforderlich. Dabei ist zu beachten, dass nicht das Testergebnis, sondern der Patient behandelt wird. Ist z. B. ein Patient nach Allergietest gegen Gräser allergisch und hat in dieser Zeit keinerlei Symptome, muss keine Behandlung erfolgen. Der Allergietest dient im Wesentlichen dazu, dem Patienten zu erklären, warum er wann leidet. Wenn der Patient dies versteht, kann er mit den Beschwerden wesentlich besser umgehen und auch eine maximale Pollenbelastung vermeiden.

Den Patienten den Zusammenhang zwischen Pollenbelastung und Beschwerden erklären bzw. Aufklärung über den Krankheitsverlauf bei Heuschnupfen. Extreme Pollenbelastung sollte in jedem Fall vermieden werden (z. B. Fahrradfahren, Rasenmähen).

Durch die Behandlung des Heuschnupfens im symptomfreien Intervall mit Konstitutionsmitteln wie Formicicum acidum#Formicicum acidum, Heuschnupfen und Tuberculinum#TuberculinumHeuschnupfen ist die Symptomatik während der Blütezeit oft relativ gering ausgeprägt, sodass keine weitere akute Behandlung erforderlich ist. Die Einnahme von Antihistaminika sollte vermieden werden. Bei heftiger Akutsymptomatik können kurzfristig lokal wirksame Antihistaminika gegeben werden. Unter Antihistaminika können die Patienten die Pollenbelastung nicht richtig einschätzen und gehen unter Umständen zu leichtsinnig damit um. Die Wirkung von Antihistaminika klingt relativ schnell ab, wenn sie über längere Zeit genommen werden. Eine gute Alternative zu Antihistaminika ist das „akute“, homöopathische Heuschnupfenmittel, d. h. das Medikament, das die Heuschnupfensymptome am besten abdeckt. Das akute „Heuschnupfenmittel“ des Patienten kann sich saisonal ändern.
Homöopathische Behandlung
Es ist zu unterscheiden, ob der Heuschnupfenpatient während der Blütezeit mit akuten Beschwerden oder außerhalb der Blütezeit ohne akute Beschwerden kommt.
Akuter Heuschnupfen
  • AkuttherapieHeuschnupfenDie meist deutlich ausgeprägte, aber auf wenige Symptome beschränkte Erkrankung macht die Wahl des Akutmittels nicht allzu einfach, häufiger müssen einige Arzneimittel ausprobiert werden, bis das richtige gefunden ist.

  • Verändern sich die Heuschnupfensymptome (z. B. Beginn mit Augenjucken, später Rhinitis, dann evtl. mit spastischer Bronchitis), muss die Arzneiwahl überdacht werden.

  • Es gibt das Phänomen der „saisonalen Mittel“, d. h., viele Heuschnupfenpatienten haben in einer Saison ähnliche Symptome und brauchen deshalb das gleiche Mittel.

Beschwerdefreies Intervall
KonstitutionstherapieHeuschnupfenDie Behandlung des Heuschnupfens sollte immer in eine konstitutionelle Behandlung eingebettet sein. Fast alle Heuschnupfenpatienten leiden an weiteren Beschwerden aus dem atopischen Formenkreis (Asthma, Neurodermitis und andere chronisch wiederkehrenden Hautausschläge) oder an einer allgemeinen Erkältungsneigung außerhalb der Heuschnupfensaison. Nicht selten findet sich die atopische Diathese schon über mehrere Generationen in der Familie. Die nur symptomatische Therapie des Heuschnupfens birgt die Gefahr der Symptomverschiebung und ist daher mit Vorsicht zu betrachten. Es wäre zudem das Ziel, durch eine langfristige homöopathische Behandlung eine Weitergabe der Atopieneigung an die nächste Generation soweit wie möglich zu verhindern.
Wahl der Symptome
SymptomenwahlHeuschnupfenBei akutem Heuschnupfen stützt sich die Mittelwahl auf die akuten Beschwerden, z. B. Niesreiz, Gaumenjucken, Augenjucken, Husten, Asthma, Hautausschläge. Begleitsymptome spielen wegen der geringen Varianz (z. B. Müdigkeit) meist keine allzu große Rolle.
Die chronische Behandlung erfasst die Gesamtheit der Symptome unter besonderer Berücksichtigung der miasmatischen Hinweise (3.4).
Miasmatische Zuordnung
Der Heuschnupfen wird der Psora zugeordnet. Er kann aber auch aus einer Kombination von erworbener Sykosis (z. B. Impfung) und Tuberkulinie hervorgehen. Nach H. A. Roberts sind an der Entstehung von Heuschnupfen sowohl Psora, Sykosis als auch Syphilis beteiligt.
Repertorium
RepertorisationHeuschnupfenDie Hauptrubrik für den Heuschnupfen findet man unter Nase – Schnupfen – jährlich – Heuschnupfen (über 140 AM). Die Vielzahl der Mittel in dieser Rubrik zeigt auf der einen Seite die therapeutischen Möglichkeiten, andererseits aber auch die arzneimitteldiagnostischen Schwierigkeiten. Interessante Unterrubriken sind unten aufgeführt. Bezüglich der Rubriken zu den jeweiligen Lokalsymptomen sei auf die entsprechenden Kapitel verwiesen (z. B. 21.6 Rhinitis, 12.1.1 Bronchitis).

Nase – Schnupfen – jährlich // Heuschnupfen // Frühling, im // Sommer, im // August, im // Herbst, im // Asthma, asthmatischer Atmung, mit

Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Akuttherapie
AkuttherapieHeuschnupfenDie Besserung der Symptome muss im Zusammenhang mit der akuten Pollenbelastung gesehen werden. Die Pollenbelastung ist höher bei schönem, warmem und windigem Wetter, kurz vor Gewitter und wenn schwarze Wolken aufziehen. Die Pollenbelastung ist gering bei kühlem und regnerischem Wetter. Informationen über die Pollenbelastung gibt es im Internet oder im Videotext der Dritten Programme. Es gibt etwa fünf Tage im Jahr, an denen die Pollenbelastung maximal ist. Hier ist keine Besserung mit homöopathischen Arzneimitteln zu erwarten (auch nicht mit schulmedizinischen Mitteln). Bei mittlerer bis schwacher Pollenbelastung lässt sich eine Mittelwirkung relativ schnell erkennen, häufig schon innerhalb weniger Stunden. Während der Allergiesaison hat sich die Gabe von Q Potenzen bewährt. Außerhalbe dieser Zeit behandelt man wie üblich mit Einzelgaben nach der Kent-Skala.
Konstitutionstherapie
KonstitutionstherapieHeuschnupfenDie einzige tatsächliche Bestätigung für eine gelungene Heuschnupfentherapie ist das Ausbleiben oder zumindest die Besserung der Heuschnupfensymptome in der nächsten Saison. Da der Therapiebeginn aber günstigerweise einige Monate vor den nächsten zu erwartenden Heuschnupfenattacken liegt, müssen andere Parameter für die Verlaufsbeurteilung gesucht werden, um die homöopathische Therapie auch im krankheitsfreien Intervall konsequent durchführen zu können. Dies gilt umso mehr, als sogar eine bessere Heuschnupfensaison nicht unbedingt auf eine positive Arzneimittelwirkung, sondern auch auf saisonale Unterschiede zurückgeführt werden könnte. Erst wenn der Heuschnupfen mehrere Jahre ausbleibt oder deutlich gebessert ist, ist dieser Erfolg eindeutig auf die homöopathische Therapie zurückzuführen. Gute Verlaufsparameter außerhalb der Heuschnupfenzeit sind andere atopische Erkrankungen (z. B. Ekzeme, Tierhaarallergien, Hausstaubmilbenallergie, Nahrungsmittelallergien etc.), aber auch nicht- oder wenig krankheitswertige Symptome wie Schlafstörungen, Verdauungsstörungen, psychische Alterationen sowie das Allgemeinbefinden.
Unterstützende Maßnahmen
Eine begleitende Sinusitis muss behandelt werden. Ein Aufenthalt in einer pollenarmen Gegend (z. B. Berge über 1 500 m) bringt spontane Besserung, ist aber eine Vermeidung und keine Heilung. Auf ausreichend Schlaf achten.
Stark wirksame Medikamente wie Antibiotika und Cortison sollten in jedem Fall vermieden werden, da diese die Allergie langfristig verstärken können. Während der Pollenflugzeit hilft akut das Vermeiden von Alkohol, Fleisch und pollenassoziierten Nahrungsmittelallergenen (z. B. Äpfel und Haselnüsse bei Frühblüherallergikern).

Am erfolgreichsten ist die homöopathische Behandlung der Frühblüherallergie, die Prognose bei der Gräserallergie ist gut. Eine wesentliche Besserung der allergischen Symptome kann innerhalb von zwei bis drei Jahren erreicht werden.

Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Acid-f., All-c., Euphr., Galph., Iod., Kali-p., Okou., Tub., Wyeth.
!! Ars., Lach., Lyc., Nat-m., Puls.
! Gels., Med., Nux-v., Sin-n., Stict., Sulph., Syph.

Konstitutionstherapie
  • Konstitutionell, im anfallsfreien Intervall, haben sich oft Lycopodium, Lachesis, Pulsatilla, Natrium muriaticum oder Sulfur bewährt; die Verschreibung erfolgt nach den Richtlinien der klassisch homöopathischen Konstitutionstherapie (4.3).

  • Miasmatisch ist gelegentlich die Einmalgabe von Medorrhinum#MedorrhinumHeuschnupfen oder Syphilinum#SyphilinumHeuschnupfen angezeigt, jeweils entsprechend der vorherrschenden miasmatischen Symptomatik.

  • Im heuschnupfenfreien Intervall kann sich die einmalige Gabe von Tuberculinum#TuberculinumHeuschnupfen in einer Hochpotenz (z. B. C200) günstig auf den Verlauf auswirken.

Akuter Heuschnupfen
  • Bei starken Augensymptomen wird Euphrasia#EuphrasiaHeuschnupfen verordnet (milde Nasenabsonderungen, scharfe Tränen).

  • Starker Niesreiz führt zu Allium cepa#Allium cepaHeuschnupfen (scharfe, wund machende Nasenabsonderungen, milde Tränen).

  • Bei starkem Juckreiz, besonders in Hals und am Gaumen, ist Wyethia#Wyethia, Heuschnupfen angezeigt.

  • Wenn der Patient Heuschnupfen mit Husten hat, kommt Kalium phosphoricum#Kalium phosphoricum, Heuschnupfen infrage.

  • Bei Heuschnupfen in Verbindung mit Asthma (insbesondere bei der Birkenallergie) kommt Iodium#IodiumHeuschnupfen infrage.

  • Ist der Heuschnupfen mit einer ausgeprägten Darmsymptomatik (z. B. Nahrungsmittelallergie, die sich im Verdauungstrakt manifestiert) verbunden, kommt Okoubaka#OkoubakaHeuschnupfen in Betracht.

  • Heuschnupfen besonders im Frühjahr mit deutlich ausgeprägter Schwäche und grippalen Symptomen wie Gliederschmerzen wird durch Gelsemium#GelsemiumHeuschnupfen gebessert.

  • Bei allgemeinen Symptomen vom Juckreiz der Augen bis zum Husten ohne weitere spezielle Hinweise kann Galphimia glauca#Galphimia glauca, Heuschnupfen versucht werden.

  • Bei Heuschnupfen mit nächtlichem Asthma kommt Arsenicum#Arsenicum albumHeuschnupfen oder Arsenicum iodatum infrage, besonders wenn der Patient stark friert und blass ist.

  • Bei Fließschnupfen, schlimmer im Freien mit etwas Asthma und Frostigkeit, ist Nux vomica#Nux vomicaHeuschnupfen Mittel der Wahl.

  • Speziell bei der einseitigen Nasenverstopfung links wird Sinapis nigra#Sinapis nigra, Heuschnupfen angewendet.

  • Bei stark verstopfter Nase mit vergeblichem Schneuzen kommt Sticta#StictaHeuschnupfen infrage.

Alternative Strategien
Bestimmte Autoren empfehlen außerdem die dreimalige Gabe von Formicicum acidum#Formicicum acidum, Heuschnupfen D200 intravenös im Abstand von zwei Wochen, sechs Wochen vor der erwarteten Symptomatik. Es handelt sich hier nicht um ein klassisch homöopathisches Vorgehen.

Epistaxis

Definition: NasenblutenNasenbluten durch lokale (z. B. Gefäßanomalien, Trauma, Fremdkörper, Rhinitis sicca, Tumoren) oder systemische (z. B. Hypertonie, Infektionskrankheiten, Gerinnungsstörungen, M. Osler) Faktoren bedingt.

Symptome:

  • Unkompliziertes Nasenbluten: plötzlich beginnendes tröpfelndes Nasenbluten aus einer Nasenhaupthöhle mit spontanem Sistieren meist nach 10–15 Minuten.

  • Komplizierte Epistaxis: heftiges Bluten aus der Nasenhaupthöhle oder in den Nasenrachenraum.

Therapeutische Strategie
Beim Nasenbluten muss zuerst die Therapie und dann die Diagnostik erfolgen, weil sich bei der akuten Epistaxis große Blutverluste einstellen können. Wenn das Nasenbluten gestillt ist, muss der Patient zumindest einmal einem HNO-Arzt vorgestellt werden, um Tumoren oder sonstige pathologische Befunde in der Nase auszuschließen (auch die Blutung durch einen Tumor sistiert bei passender homöopathischer Behandlung, ohne dass der Tumor geheilt wäre). Die Gefahr, einen Tumor zu übersehen, besteht insbesondere bei Patienten, die konstitutionell Phosphorus#PhosphorusNasenbluten als Heilmittel bekommen, da sowohl die Blutungsneigung als auch Tumoren im Arzneimittelbild von Phosphorus beschrieben sind.
Homöopathische Behandlung
Habituelles Nasenbluten ist ein auffallendes Allgemeinsymptom dessen Modalitäten für die Arzneimittelwahl wichtig sein können, selbst wenn es nur während einer bestimmte Lebensphase aufgetreten ist. In der Regel ist das Nasenbluten nicht der Anlass einer homöopathischen Konsultation, sondern nur eines von vielen Symptomen in der gesamten Krankheitsgeschichte. Aktuelles, heftiges Nasenbluten wird mit akuten Arzneimitteln behandelt.
Wahl der Symptome
Die Mittelwahl im Akutfall stützt sich auf den Lokalbefund (Beschaffenheit der Blutung und des Blutes) und auf den Zeitpunkt des Auftretens bzw. die Causa. Bei habituellem Nasenbluten ist die Konstitution des Patienten ausschlaggebend für die Arzneiwahl (sehr häufig Phosphorus).
Miasmatische Zuordnung
Aus homöopathisch-miasmatischer Sicht ist Nasenbluten bei Kindern nahezu immer psorischer Genese, gelegentlich auch syphilitischer Natur. Nasenbluten im Zusammenhang mit der Menstruation weist auf eine tuberkulinische Diathese hin.
  • Psora: reichliches Nasenbluten bei Kindern (Mädchen und Jungen).

  • Tuberkulinie: starke, hellrote, schwer zu stillende Blutungen, besser durch Kälte. Nasenbluten durch Anstrengung oder heißes Wetter, während der Menses, durch Naseschnäuzen, beim Waschen des Gesichts. Helles, blasses Blut.

  • Syphilis: nur ganz leichtes Nasenbluten.

Repertorium
RepertorisationEpistaxisDie übergeordnete Rubrik Nase – Nasenbluten enthält über 300 Arzneimittel und ist somit in der Praxis wenig hilfreich. Besonders bewährt haben sich unter anderem folgende Rubriken.

Nase – Nasenbluten // morgens // nachts // Alkoholikern, bei // Amenorrhoe, mit // Anstrengung, durch // Kindern, bei // Menses – unterdrückte // Menses – anstelle von // Schnäuzen, durch // hellrotes // klumpig, geronnen // Strömen, in

Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Wenn der Patient akut stark aus der Nase blutet, ist im Regelfall eine hohe D- oder C-Potenz erforderlich. Sistiert das Nasenbluten nicht innerhalb von fünf Minuten, kann eine noch höhere C- oder D-Potenz verordnet werden. Kommt der Patient in die Praxis und berichtet über häufiges Nasenbluten, blutet aber akut nicht, sind ebenfalls Hochpotenzen eines passenden Konstitutionsmittels zu verabreichen.
Miasmatische Erkenntnisse (s. u.) führen zu dem Schluss, dass Patienten mit rezidivierendem Nasenbluten – auch wenn es meist nicht mehr als ein lästiges, aber erträgliches Symptom darstellt – einer homöopathischen Konstitutionstherapie nach miasmatischen Gesichtspunkten (3.4, 4.3) bedürfen.
Prognose: Die langfristige Behandlung führt i. d. R. zu bleibendem Erfolg.
Unterstützende Maßnahmen
Eisbeutel in den Nacken, spezielle Nasensalben (Hamamelissalbe, Weiche Nasensalbe Dextropur® 4,0; Adeps lanae 10,0; Oleum neutrale ad 20,0).
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Arn., Phos.
!! Cact., Erig., Ham., Ip., Meli.

Bewährte Indikationen
Akute Epistaxis
  • Hat der Patient ein Nasentrauma erlitten, ist als erstes Mittel Arnica#ArnicaNasenbluten angezeigt.

  • Bei akuten Blutungen ohne bekannte Causa hat sich Phosphorus#PhosphorusNasenbluten besonders bewährt, ebenso Hamamelis (dunkles Blut), und Ipecacuanha (schwallartiges Nasenbluten).

Rezidivierende Epistaxis
  • Hellrote Blutungen bei Kindern erfordern Erigeron#ErigeronNasenbluten canadensis.

  • Rezidivierendes Nasenbluten bei Jugendlichen, gelegentlich verbunden mit Herzfehlern, führt zur Arzneimittelwahl von Cactus#CactusNasenbluten.

  • Bestehen zusätzlich Kopfschmerzen, die durch das Nasenbluten gebessert werden, kommt Melilotus#MelilotusNasenbluten infrage.

  • Bei typischen Varizen am Locus Kiesselbachii wird Hamamelis#HamamelisNasenbluten verabreicht.

Modalitäten des Nasenblutens
  • Sehr blasses Gesicht: China, Carbo vegetabilis und Veratrum album (Veratrum album v. a. bei begleitenden Ohnmachtsanfällen und allgemeiner Kälte der Glieder und wenn China nicht hilft).

  • Geht den Blutungen viel Kribbeln in der Nase voraus: Belladonna, Arnica oder Rhus toxicodendron.

  • Cina bei Kindern, die an Würmern leiden.

  • Bei sehr heftigen Blutungen: Crocus, China, Carbo vegetabilis und Sepia.

  • Blutungen bei geschwächten Menschen: China, Carbo vegetabilis, Secale cornutum und Veratrum album.

  • Rezidivierendes Nasenbluten: Aconitum, Bryonia oder Nux vomica.

  • Nasenbluten v. a. abends: Pulsatilla.

  • Nasenbluten nachts: Mercurius, Arsenicum, Bryonia, Rhus toxicodendron.

  • Nasenbluten morgens: Nux vomica, Bryonia.

  • Nasenbluten nach Stößen oder Schlägen auf die Nase: Arnica, Sepia.

  • Nasenbluten nach Bücken oder sonstigen Anstrengungen: Rhus toxicodendron, Carbo vegetabilis.

Geruchs- und Geschmacksstörungen

Geruchsstörungen

  • AnosmieAnosmie: Vollständiger Ausfall der Riechfunktion.

  • HyposmieHyposmie: Zunächst Verlust der Erkennungsschwelle des Geruchs, dann Verlust der Wahrnehmungsschwelle.

  • ParosmieParosmie (Fehlriechen): Dem Patienten erscheint beispielsweise alles übel riechend.

Geschmacksstörungen

  • AgeusieAgeusie: Ausfall der Empfindung für einzelne oder alle Geschmacksrichtungen.

  • HypogeusieHypogeusie: Abschwächung des Geschmacksempfindens.

  • ParageusieParageusie: Fehlwahrnehmung von Geschmacksstoffen.

Achtung: Patienten mit einer Geruchsstörung klagen subjektiv über eine „Geschmacksstörung“, da Essen anders schmeckt. Aromata werden beim Essen über das Geruchsorgan wahrgenommen, nicht über den Geschmackssinn.
Therapeutische Strategie und homöopathische Behandlung
Die meisten Geruchsstörungen treten nach einem grippalen Infekt auf. Eine konkrete Ursache (neben dem Virusinfekt) für die Geruchsstörung lässt sich meist nicht finden. Bei länger andauernden Anosmien sollte auch an Olfaktoriusmeningeome als mögliche Ursache gedacht werden. Gelegentlich kommt Anosmie im Rahmen von Hinterkopftraumata (Contrecoup) vor. In diesem Fall ist eine Therapie sinnlos, da die Riechfäden abgerissen sind.
Geruchs- und Geschmacksstörungen der oberen Atemwege außerhalb viraler Infekte sind sehr selten, gelegentlich bei Traumata, gelegentlich auch idiopathisch. Ein Zinkmangel als Ursache sollte ausgeschlossen werden. Auf der Symptomebene sind Geruchstörungen „eigenheitliche“ und charakteristische Symptome und damit für die Arzneimittelwahl hochwertig.
Je nach Causa der Störung muss die homöopathische Therapieplanung unterschiedlich erfolgen:
  • Akute Anosmie bei Infekten der oberen Atemwege: Die jeweils vorliegende Störung des Geruchsorgans ist häufig ein wichtiges Symptom bei der Arzneimittelfindung. Nach der Gabe des passenden Arzneimittels (meist Einmalgaben hoher C-Potenzen, z. B. C200) sollten sich sowohl die grippalen Symptome als auch die An- bzw. Hyposmie bessern. Häufig hinkt jedoch die sensorische Störung der Besserung des Allgemeinbefindens um einige Tage bis Wochen hinterher.

  • Anosmie anderer Genese: Meist muss eine homöopathische Konstitutionstherapie erfolgen. Auch hier können bestimmte Charakteristika der Geruchsstörung zur Arzneimittelfindung beitragen. In der Regel muss von einer längeren Behandlungsdauer ausgegangen werden (unter Umständen Monate). Die Prognose orientiert sich dabei an der jeweils vorliegenden Causa. Bei idiopathischer Anosmie ist sie gut, bei Z. n. Schädelhirntrauma sehr schlecht.

Miasmatische Zuordnung
Überempfindlicher Geruchssinn oder Geruchseinbildungen (v. a. übel riechende, faulige, fötide Gerüche) ordnet man der Psora zu. Verminderter oder ganz verloren gegangener Geruchssinn kann psorischen, sykotischen oder syphilitischen Ursprungs sein. Auch an eine Kombination aus Psora und Sykosis kann gedacht werden.
Repertorium
RepertorisationGeruchsstörungenRepertorisationGeschmacksstörungenUm die Möglichkeiten der Homöopathie bei Geruchs- und Geschmacksstörungen aufzuzeigen, werden einige Rubriken des Repertoriums angeführt, die sich bei Störungen in diesem Bereich besonders bewährt haben.

Nase – Geruchssinn, scharf, empfindlich // gegen Geruch von – Blumen // Eiern // Essig // Fisch // Fleisch // Kochen, Speisen beim // starke Gerüche

Nase – Geruch, eingebildet und real // Eiern, nach faulen // stinkend // schweflig // verbrannt

Nase – Verlust, fehlender Geruchssinn // Schnupfen, bei // Geschmackssinnes, mit Verlust des

Magen – Übelkeit //Gerüche, durch // Übelkeit – Speisen – Geruch von

Otitis media

Definition: MittelohrentzündungMittelohrentzündung s. Otitis media, meistens bei Kindern, entweder alleine oder im Rahmen eines Infekts der oberen Luftwege. Beginn häufig nachts, plötzlich, mit hohem Fieber, verbunden mit Angst und als Folge von Kälte oder Wind.

Symptomatik: Ohrenschmerzen, allgemeines Krankheitsgefühl. Trommelfell gerötet, meistens Fieber, gelegentlich Otorrhoe nach Trommelfellperforation.

Therapeutische Strategie
Die Otitis media ist durch den hohen Leidensdruck gekennzeichnet, der durch die starken, gehirnnahen SchmerzenSchmerzenOtitis media entsteht. Seltene, aber von den Patienten oder deren Eltern gefürchtete KomplikationenKomplikationenOtitis media sind Mastoiditis und Hirnabszess. Unabhängig von der Behandlung ist deshalb zunächst die Aufklärung der Patienten oder deren Angehörigen wichtig.
Bei einer akuten Otitis media platzt häufig das Trommelfell und der Eiter schafft sich selbst einen Weg nach draußen. Dies ist eine mögliche Art der Heilung und keine Komplikation. Nach der Perforation heilt das TrommelfellTrommelfellruptur, Otitis media schnell wieder ab. Bei unkomplizierter Otitis media ist nicht mit einer dauerhaften Beeinträchtigung des Gehörs zu rechnen.
Antibiotika sind nicht erforderlich. Ihr wissenschaftlicher Nutzen bei Kindern ist nicht erwiesen (Del Mar 1997). Abschwellende Nasentropfen sind ebenfalls nicht erforderlich – sie haben eine antagonisierende Wirkung auf Homöopathika. Antipyretika sind schädlich, da eventuelles Fieber ein Heilungsversuch des Körpers ist, und ihre Wirkung Homöopathika antagonisiert.
Otitis media ist eine typische Erkrankung von Kindern, tritt meist im Rahmen von Verkühlungen oder Erkältungen auf und ist in diesen unkomplizierten Fällen im Regelfall gut homöopathisch zu beherrschen. Die Schmerzen sollten bei homöopathischer Behandlung nur wenige Stunden andauern bzw. bald nachlassen. Nach zwei Tagen sollte eine Befundkontrolle erfolgen, um die bekannten, aber seltenen Komplikationen (Mastoiditis, Hirnabszess) nicht zu übersehen.
In der Praxis schwieriger zu beurteilen sind rezidivierende Otitiden und Mittelohrentzündungen im Erwachsenenalter. In diesen Fällen sollte die Behandlung durch einen erfahrenen Homöopathen erfolgen.
Homöopathische Behandlung
Akute MittelohrentzündungenAkuttherapieMittelohrentzündung lassen sich im Allgemeinen gut homöopathisch und ohne zusätzliche Therapie beherrschen (fast 100 %). Das Arzneimittelbild scheint wegen der ausgeprägten Symptomatik oft klar, sodass die Arzneimittelwahl leicht fällt. Der natürliche Krankheitsverlauf erfordert trotzdem aus verschiedenen Gründen häufig einen Wechsel der Arzneimittel, da sich das Symptomenbild im Verlauf der Erkrankung ändern kann (z. B. wird ein seröser Schnupfen purulent oder es treten Fieber oder andere Begleitsymptome hinzu, die Schmerzsymptomatik ändert die Seite etc., oder das gut gewählte Medikament zeigt keine ausreichende Wirkung). Scheint ein Wechsel des Arzneimittels angezeigt, sollte bei Otitis media eine neue Arznei verordnet werden, da zu langes Warten die Patienten oft verunsichert.
Wahl der Symptome
SymptomenwahlOtitis mediaDie Mittelwahl stützt sich auf den Lokalbefund sowie auf die Begleitsymptome (Schnupfen, Fieber, Gliederschmerzen etc.) und Modalitäten. Besonders wichtig sind folgende Symptome und Zeichen.
  • Causa: z. B. Folge von Wind oder Folge von Durchnässung.

  • Lokalbefund: Farbe und Aussehen des Trommelfells, z. B. hochrot, blassrot, blasse Vorwölbung, Blasenbildung.

  • Absonderung: Farbe, Geruch oder Konsistenz eines evtl. vorhandenen Ausflusses, z. B. grün, gelb, blutig, übel riechend (wie z. B. Käse oder Fischlake), wund machend, zäh, klebrig.

  • Lateralität: z. B. Beginn rechts, dann links oder andersherum, ständiger Seitenwechsel.

  • Modalitäten: Besserung oder Verschlechterung durch Kälte oder Wärme, Wind, Lageveränderung, bestimmte Tageszeiten, Schmerzen beim Gähnen, Schlucken, Geräusche.

  • Begleitsymptome: Fieber, Frost, Schweiß, Rhinitis, Husten.

Miasmatische Zuordnung
Rezidivierende Mittelohrentzündungen werden dem psorischen oder tuberkulinischen Miasma zugeordnet (3.4). Treten sehr reichliche und übel riechende Absonderungen auf, kann dies Hinweis auf eine syphilitische Diathese sein. (Cave: Das Risiko für zerstörende Prozesse im Mittelohr mit Hörschädigung ist dann höher.) Eitrige Mittelohrentzündungen sind tuberkulinischer Natur.
Repertorium
RepertorisationOtitis mediaDie Hauptrubrik Ohr – Entzündung – Mittelohr gibt mit über 60 Arzneimitteln einen Überblick über die therapeutischen Möglichkeiten. Bezüglich der Causa, des Lokalbefunds und der Lateralitäten gibt es viele Überschneidungen zum Kapitel „Otitis externa“ (21.12), weshalb die entsprechenden Beispielrubriken hier nochmals wiederholt werden.
Da die Otitis media nicht selten im Rahmen von fieberhaften Infekten auftritt, sollten auch die Repertoriumsrubriken zu den vorhandenen Fiebersymptomen studiert werden (21.11).

Diagnosebezogene Rubrik

Ohr – Entzündung – Mittelohr

Causa und Modalitäten

Ohren – Schmerzen – allgemein // Zugluft agg. // Kälte – Verkühlung, durch
Allgemeines – Baden, Waschen // – agg. – Meer, im // agg. – kalt // agg. – Flüsse im Sommer

Lokalbefund

Ohren – Absonderungen // blutige // stinkend // wässrig // wund machend
Ohren // Hautausschläge – Bläschen – Trommelfell // Trockenheit – Gehörgang, äußerer
Allgemeines // Verfärbung – Röte – Teile, betroffene

Lateralität

Ohren – Schmerzen – allgemein // Gehörgang, äußerer – links
AllgemeinesSeite // links // rechts // Schmerzen wandern zur Seite – auf der man liegt // Schmerzen wandern zur Seite – auf der man nicht liegt // links – rechts, dann // rechts – links, dann

Schmerzmodalitäten

Ohren – Schmerzen // Druck, bei – amel. // Geräusche, durch // Halsschmerzen, mit // Kauen, beim // Niesen, beim – agg. // Schlucken, beim // Schneuzen, beim // warm – Bett, Bettwärme agg. – warmes // warm – Bett, Bettwärme agg. – warmes – Einhüllen amel. – und warmes // Zimmer – warmes – agg. // Zugluft agg.

Beeinträchtigungen des Gehörs

Ohr – Geräusche (mit Unterrubriken)
HörenSchwerhörigkeit (mit Unterrubriken)
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Die Schmerzen sollten entsprechend der Dringlichkeit der subjektiven Symptomatik im Regelfall nach ein bis zwei Stunden wesentlich besser sein, nach sechs müssen sie besser sein, sonst ist von einer falschen Mittelwahl auszugehen. Da die SchmerzenSchmerzenOtitis media bei Mittelohrentzündungen aber häufig wellenförmig verlaufen (auch ohne Behandlung), ist gelegentlich die Besserung schwer einzuschätzen.
Nach ein bis zwei Tagen muss der Patient in jedem Fall relativ beschwerdearm sein, d. h., dass die starken Schmerzen verschwunden sind und evtl. noch Ohrabsonderungen und auch Hörstörungen bestehen können. Die Hörstörung kann unter Umständen noch Wochen dauern (bis vorhandene Ergüsse des Mittelohres resorbiert sind).
Die Prognose der unkomplizierten, eitrigen Mittelohrentzündungen ist immer sehr gut, d. h., auch ohne Antibiotikatherapie heilen sie schnell und folgenlos aus. Dies gilt auch für die rezidivierenden Otitiden des Kindesalters. Bei chronischer Mittelohrentzündung ist die Prognose in Abhängigkeit von der bisherigen Anamnese und von der Größe und der Lokalisation des Trommelfelldefekts weniger gut. Auf Tympanoplastiken kann nicht immer verzichtet werden.
Unterstützende Maßnahmen
Viel Flüssigkeit zuführen, Wärmebestrahlung des Ohres, falls diese toleriert wird. Ebenfalls zusätzlich physikalische Therapie mit Emser®-Salz-Inhalationen, Mikrowellen-Bestrahlungen oder auch Zwiebelwickel (klein gehackte, erwärmte Zwiebeln in einem Tuch auf das Mastoid legen).
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Acon., Caps., Dulc., Kali-m., Kali-s., Lach., Lyc., Puls.
!! Bell., Canth., Graph., Thuj., Tub.
! All-c., Apis, Bar-i., Berb., Calc-c., Calc-i., Calc-p., Cham., Ferr-p., Hep., Kali-bi., Kreos., Lac-c., Merc., Nat-m., Nit-ac., Nux-v., Okou., Sil., Solid., Sulph., Tell., Verb.

Krankheitsverlauf
  • Bei Krankheitsbeginn ist als Erstmittel meistens Aconitum#AconitumOtitis (mit Angst und Unruhe) angezeigt. Dies kann im Falle eines nächtlichen Erkrankungsbeginns von den Eltern sofort verabreicht werden.

  • Bei Belladonna#BelladonnaOtitis ist der Krankheitsbeginn weniger plötzlich, gelegentlich tritt gleichzeitig Halsweh auf, das Trommelfell ist bereits hochrot, unter Umständen auch das äußere Ohr oder das Gesicht; es bestehen starke, klopfende Schmerzen.

  • Später kommt sehr häufig Pulsatilla#PulsatillaOtitis (weinerlich, dicker eitriger Schnupfen) infrage, bei sehr starken Ohrenschmerzen Capsicum (unter Umständen drohendes Übergreifen auf umliegende Gewebe, Empfindlichkeit und Schmerzen am Processus mastoideus, Trommelfellperforation und dicker, gelber Eiter), bei schwächeren Ohrenschmerzen ist an Ferrum phosphoricum#Ferrum phosphoricumOtitis (Allgemeinzustand relativ gut, dabei scheinbare Symptomenarmut) zu denken.

  • Bei Blasenbildung auf dem Trommelfell (bei viraler Otitis) ist häufig Cantharis#CantharisOtitis Mittel der Wahl.

  • Schießen die Schmerzen bei der Mittelohrentzündung plötzlich ein und verschwinden langsam, kommt Nitricum acidum#Nitricum acidumOtitis infrage.

  • Bei Ohrenschmerzen ohne organischen Befund ist an Verbascum#Verbascum, Ohrenschmerzen zu denken.

  • Ist die Erkrankung weitgehend abgeklungen und besteht nur noch ein Tubenkatarrh, ist Apis#ApisTubenkatarrh (Kälte oder kalte Anwendungen werden bevorzugt) angezeigt.

  • Bei längerem Tubenkatarrh mit Knacken in den Ohren kommt Kalium muriaticum#Kalium muriaticumTubenkatarrh zur Anwendung.

  • Ein Tubenkatarrh kann auch durch chronische Verstopfung der Nase ausgelöst werden (21.1), hier kommt Allium cepa#Allium cepaTubenkatarrh infrage.

  • Bei Tubenkatarrh durch adenoide Vegetationen kann Barium iodatum, Calcium iodatum zur Anwendung kommen.

  • Bei längerem Tubenkatarrh ist auch an Nierenmittel wie Berberis#BerberisTubenkatarrh zu denken.

  • Bei fötider Ohrsekretion ist Tellurium#TelluriumOtitis (Blasenbildung an Stellen, die mit den Ohrabsonderungen in Berührung waren) oder Kreosotum#KreosotumOtitis angezeigt.

  • Bei der chronischen Mittelohrentzündung mit Otorrhoe kommt Silicea#SiliceaOtitis (eitrige, dicke oder wässrige, käsige, nicht-fötide Absonderungen) und Tellurium#TelluriumOtitis (wässrige, wund machende, nach Fischlake stinkende Absonderungen) in höheren Potenzen infrage. Silicea#SiliceaOtitis folgt dabei häufig auf Pulsatilla und ist auch bei chronischer Mittelohrentzündung mit Trommelfelldefekten angezeigt.

  • Tellurium#TelluriumOtitis ist auch das Hauptmittel für die fötide Ohrsekretion bei einer chronischen Mittelohrentzündung.

  • Weitere Arzneimittel für chronische oder rezidivierende Otitis media sind z. B. Calcarea carbonica, Calcium phosphoricum, Natrium muriaticum, Tuberculinum und Sulfur. Sie werden meist nach ihren bekannten Charakteristika verschrieben (35), oft unabhängig von den jeweils vorhandenen Lokalsymptomen.

Kinder
  • Akute Mittelohrentzündung wird zu Beginn häufig mit Aconitum#AconitumOtitis geheilt (plötzlicher Beginn, nachts, Angst und Unruhe).

  • Bei zahnenden Kindern kommt Chamomilla#ChamomillaOtitis infrage. Die Kinder sind extrem zornig, eine Backe ist rot, die andere blass und sie wollen andauernd herumgetragen werden.

  • Als Folgemittel kommt meistens Pulsatilla#PulsatillaOtitis infrage (dicke, blande, gelbe oder grüne Absonderungen aus Augen und Nase, Kind hat wenig Durst).

  • Bei sehr starker Schmerzempfindlichkeit, unleidigen Kindern und evtl. Verbesserung durch warme Anwendungen (z. B. toleriert das Kind warme Zwiebelwickel) muss auch an Hepar sulfuris#Hepar sulfurisOtitis gedacht werden.

  • Pulsatilla#PulsatillaOtitis hingegen würde die warme Anwendung nicht tolerieren, Chamomilla#ChamomillaOtitis toleriert vor lauter Zorn keinerlei Manipulation am Ohr. Weiter kommt häufig auch Belladonna#BelladonnaOtitis in Betracht, wenn das ganze Ohr oder auch der Kopf des Kindes hochrot sind.

Lokalbefund/Absonderung
  • Auf Pulsatilla folgt häufig Silicea#SiliceaOtitis, insbesondere wenn das Ohr eitert (beide haben gelben oder gelbgrünen, nicht fötiden Eiter).

  • Tellurium#TelluriumOtitis ist angezeigt, wenn eine fötide Sekretion eingesetzt hat, z. B. bei einer Pseudomonasinfektion.

  • Wässrige, bräunlich-eitrige Absonderungen findet man bei Kalium sulfuricum#Kalium sulfuricumOtitis.

  • Kalium bichromicum#Kalium bichromicumOtitis hat die für sein Arzneimittelbild typischen fadenziehenden Absonderungen.

  • Graphites#GraphitesOtitis heilt Otitis media mit eitrigen, gelben, und v. a. klebrigen, honigartigen Absonderungen.

  • Bei extrem starker Mittelohrentzündung mit drohender Mastoiditis ist Capsicum#Capsicum, Otitis angezeigt (die Ohrmuschel steht ab, evtl. ist der Prozessus mastoideus rot, geschwollen und/oder berührungsempfindlich).

  • Ferrum phosphoricum#Ferrum phosphoricumOtitis ist Mittel der Wahl, wenn hauptsächlich das Trommelfell gerötet ist ohne starke Begleitsymptomatik. Die Kinder bzw. Erwachsenen fühlen sich noch relativ wohl.

  • Bei blasser Rötung des Trommelfells und Kältebesserung ist Apis#ApisOtitis angezeigt.

  • Bei Gehörgangspolypen, die sich im Verlauf einer Mittelohrentzündung entwickeln, ist Thuja#ThujaOtitis angezeigt.

  • Bei akuter Mittelohrentzündung in Verbindung mit akuter Angina kommen u. a. Mercurius solubilis#Mercurius solubilisOtitis und Hepar sulfuris#Hepar sulfurisOtitis infrage.

Causa
  • Dulcamara#DulcamaraOtitis ist angezeigt, wenn die Mittelohrentzündung nach Durchnässung aufgetreten ist. Weitere Arzneimittel mit Mittelohrentzündungen nach Durchnässung sind Belladonna#BelladonnaOtitis und Pulsatilla#PulsatillaOtitis.

  • Otitis media nach kaltem Wind werden durch Aconitum#AconitumOtitis und Hepar sulfuris#Hepar sulfurisOtitis geheilt.

Modalitäten
  • Eindeutige Besserung durch kühle Anwendungen am Ohr oder durch frische Luft findet man bei Pulsatilla#PulsatillaOtitis (mit gelben, blanden Absonderungen aus Auge, Nase und Ohr).

  • Besserung durch Wärme, meist in Form von Einhüllen, ist typisch für Dulcamara, Chamomilla und Hepar sulfuris.

  • Bei Silicea#SiliceaOtitis findet man eine typische allgemeine Empfindlichkeit gegen Zugluft.

  • Sehr empfindlich gegen Berührung sind Aconitum#AconitumOtitis, Chamomilla#ChamomillaOtitis und Hepar sulfuris#Hepar sulfurisOtitis, was Ausdruck einer allgemeinen Empfindlichkeit gegen Schmerzen ist.

Lateralität
  • Wechselt die Mittelohrentzündung von links nach rechts, ist Lachesis#LachesisOtitis das Mittel der Wahl.

  • Wechselt die Mittelohrentzündung von rechts nach links, ist Lycopodium#LycopodiumOtitis angezeigt.

  • Bei ständigem Seitenwechsel kommt Lac caninum#Lac caninumOtitis zur Anwendung.

Otitis externa

Definition: Hals-, Nasen-, OhrenerkrankungenHNO s. Hals-, Nasen-, OhrenerkrankungenZuschwellen des Gehörgangs mit oder ohne Sekretion. Ursachen: Meistens im Sommer nach dem Baden in verschmutztem Wasser (z. B. Schwimmbad), ausgelöst durch Bakterien. Gelegentlich auch nach Manipulationen im äußeren Gehörgang (z. B. Ohrenputzen mit Stricknadel usw.) oder spontan.

Symptomatik: Ohrenschmerzen, Hörstörung, gelegentlich Otorrhoe.

Therapeutische Strategie
  • Bei einer chronischen Otitis externa ist generell eine Konstitutionsbehandlung erforderlich. Um akut die Lokalsymptome etwas zu lindern, kann man erst Akutmittel geben und nach einigen Tagen bzw. Wochen mit der Konstitutionsbehandlung beginnen, wenn die Akutsymptome deutlich abgeklungen sind.

  • Bei der akuten Otitis externa hat sich neben der homöopathischen Akuttherapie eine Lokaltherapie bewährt. Eine Konstitutionsbehandlung ist nicht angezeigt, da die Krankheit meist aufgrund äußerer Anlässe auftritt und die Behandlung wegen der sehr starken Schmerzen schnell anschlagen muss.

Günstig ist die mechanische Reinigung unter dem Operationsmikroskop (Absaugen), außerdem die lokale Desinfektion z. B. mit Calendula-Urtinktur, die lokal in das Ohr eingeträufelt wird.
Antibiotika werden normalerweise (auch schulmedizinisch) nicht eingesetzt, da dies keinen positiven Einfluss auf die Gehörgangsentzündung hat. Die Krankheitsdauer wird nicht verkürzt.
Schmerzmittel sollten möglichst vermieden werden. Schwache Schmerzmittel wirken nicht, starke Schmerzmittel können die homöopathische Mittelwirkung antagonisieren. Als Ergänzung kann in Ausnahmefällen eine neuraltherapeutische Injektion von ProcainProcain, Otitis aufs Mastoid erfolgen.
Homöopathische Behandlung
Grundsätzlich lässt sich die Otitis externa homöopathisch gut behandeln. Der natürliche Krankheitsverlauf erfordert häufiger einen Wechsel des Arzneimittels, da die Symptomatik mitunter veränderlich ist. Das Gewebe des Gehörgangs reagiert eher langsam, deshalb ist es wichtig, den verabreichten Arzneimitteln genügend Wirkzeit zu gewähren (6.1.2).
Bei chronischer Otitis externa muss je nach Ausprägung der Symptomatik unterschiedlich vorgegangen werden. Bei starker Lokalsymptomatik wird zu Beginn wie bei der akuten Otitis externa verfahren, bis die Beschwerden deutlich abgeklungen sind. Dann wird die konstitutionelle Behandlung angeschlossen. Bei eher subakuten Formen der chronischen Otitis externa kann gleich mit der Verabreichung des homöopathischen Konstitutionsmittels begonnen werden.
Wahl der Symptome
SymptomenwahlOtitis externaDie Mittelwahl stützt sich auf den Lokalbefund, weniger auf die Begleitsymptomatik, die bei der Otitis externa als lokaler Erkrankung oft sehr gering ausgeprägt ist. Wichtig ist auch die Causa.
  • Causa: Folge von Wind, von Durchnässung z. B. beim Baden („Badeotitis“).

  • Lokalbefund: Hinweise auf das passende Arzneimittel liefern das Sekretionsverhalten (z. B. trockene Otitis externa oder feuchte Otitis), die Art der Absonderung (z. B. die Farbe oder auch der Geruch) sowie der optische Aspekt des Gehöhrgangs, z. B. die Farbe der Entzündung (hochrot, bläulich etc.), oder das Ausmaß der Schwellung.

  • Lateralität: Der Seitenbezug der Otitis kann Hinweise auf das passende Arzneimittel liefern.

  • Schmerzen: treten immer in unterschiedlicher Stärke auf, sodass anhand der Schmerzen weniger differenziert werden kann, die Schmerzmodalitäten können für die Arzneiwahl von Bedeutung sein. Lediglich im Endstadium geht der Schmerz in einen Juckreiz über, was einer Heilreaktion entspricht und kein neues Arzneimittel erfordert.

Miasmatische Zuordnung
Die einfache Gehörgangentzündung ist psorischer Natur (v. a. bei trockenen, schorfigen, schuppigen Zuständen mit dünnen Absonderungen). Juckreiz im Ohr ist ebenfalls ein Hinweis auf die Psora.
Repertorium
RepertorisationOtitis externaDie Hauptrubrik für die Otitis externa findet sich im Kapitel „Ohr“ (Ohr – Entzündung – Gehörgang) und ist mit 67 Arzneimitteln für eine praktische Nutzung zu groß. Sie dokumentiert aber das Spektrum der infrage kommenden Arzneimittel. Exemplarisch werden nachfolgend einige wichtige Rubriken zur Causa, zum Lokalbefund und zur Lateralität aufgeführt.

Diagnosebezogene Rubrik

Ohr – Entzündung – Gehörgang

Causa

Ohren // allgemein // Zugluft agg. // Kälte – Verkühlung, durch
AllgemeinesBaden, Waschen // agg. – Meer, im // agg. – kalt // agg. – Flüsse im Sommer

Lokalbefund

Ohren – Absonderungen // blutige // stinkend // wässrig // wund machend
Ohren – Trockenheit – Gehörgang, äußerer
AllgemeinesVerfärbung – Röte – Teile, betroffene

Lateralität

Ohren // allgemein – Gehörgang, äußerer – links
Allgemeines // links // rechts // Schmerzen wandern zur Seite – auf der man liegt // Schmerzen wandern zur Seite – auf der man nicht liegt // links – rechts, dann // rechts – links, dann
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Je nach Schwere der Erkrankung sollte sich der Krankheitszustand nach 24–48 Stunden gebessert haben. Dann bestimmt die Art der Besserung das weitere Vorgehen.
  • Der verbesserte Lokalbefund (z. B. geringere Schmerzen, weniger Schwellung und/oder Absonderung) bestätigt das Arzneimittel → es kann abgewartet werden. Kommt es nicht zur Restitutio ad integrum, kann für die verbleibende Symptomatik nach frühestens ein bis zwei Tagen ein anderes Arzneimittel ausgewählt werden.

  • Bleibt der Krankheitszustand unverändert, sollte mindestens 24–48 Stunden abgewartet werden. Allerdings ist diese Zeitspanne immer abhängig vom Leidensdruck des Patienten.

  • Verschlechtern sich Lokal- und/oder Allgemeinsymptome, ist das Mittel falsch gewählt → es muss ein neues Arzneimittel verordnet werden.

Prognose: Eine akute Otitis externa sollte sich innerhalb von zwei Tagen wesentlich gebessert haben, nach einer Woche sollte sie verschwunden sein. Bei chronischem Verlauf kann es Monate dauern und mehrere Arzneimittel erfordern. Die Akutsymptomatik muss jedoch mit dem passenden Arzneimittel bald auf ein für den Patienten erträgliches Maß zurückgegangen sein.
Unterstützende Maßnahmen
Wärmebestrahlung der Ohren wirkt sich günstig aus (z. B. 1 × tgl. 10 Min. Mikrowelle oder Rotlicht). Neuraltherapeutische Injektionen von Procain aufs Mastoid können Linderung bringen.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Acon., Dulc., Staph.
!! Apis, Bell., Calc., Graph., Hep., Lac-c., Lach., Lyc., Nit-ac., Phos., Puls., Sulph.
! Canth., Kreos., Mez., Sil., Tell.

Krankheitsverlauf
  • Bei plötzlichem Auftreten infolge von meist kaltem Wind und bei fiebriger Otitis externa ist zunächst Aconitum#AconitumOtitis angezeigt (starke Unruhe, starke Schmerzen, noch wenig Lokalbefund). Ist der Tragus hochrot geschwollen, kommt Belladonna infrage (oft pochende Schmerzen). Beim ersten Auftreten nach dem Baden bietet sich am ehesten Dulcamara#DulcamaraOtitis an. Als Folgemittel bei Aconitum und Belladonna wird häufig Graphites#GraphitesOtitis angewandt (klebrige, honigartige Absonderungen aus dem Gehörgang). Bei Spontanschmerzen ohne erkennbare Ursache ist an Aconitum und anschließend ebenfalls an Graphites zu denken.

  • Bei einer chronischen Otitis externa kommen bei fötider Sekretion zunächst Tellurium (wässrige, übel riechende und wund machende Absonderungen, die Bläschen hinterlassen), ggf. auch Kreosotum (ebenfalls wässrige, übel riechende Absonderungen) infrage. Bei chronischem Verlauf spielen auch PolychrestePolychrestOtitis eine Rolle, insbesondere Lachesis, Lycopodium, Silicea, Phosphorus, Sulfur und Calcarea carbonica.

Lokalbefund
  • Bei Rissen am Gehörgangseingang, als ob mit dem Messer hineingeschnitten worden wurde, kommt Nitricum acidum#Nitricum acidumOtitis infrage.

  • Bei Blässe oder Schwellung des Gehörgangs ist Apis#ApisOtitis angezeigt. Hier besteht (wie bei Pulsatilla) das Verlangen nach kühlen Anwendungen.

  • Bei einer Otitis externa mit hellroter Blutung aus dem Gehörgang kommt Phosphorus#PhosphorusOtitis als Heilmittel infrage.

  • Blasenbildung im Gehörgang ist wahlanzeigend für Cantharis#CantharisOtitis (Tellurium#TelluriumOtitis bei Blasenbildung an den Stellen, über die das Ohrensekret gelaufen ist, also auch außerhalb des Gehörgangs).

  • Bei geringem objektivem Befund und starkem Juckreiz ist Mezereum#MezereumOtitis angezeigt.

  • Ist gleichzeitig das Mittelohr beteiligt, und ist der Patient weinerlich und eher jünger, ist häufig Pulsatilla#PulsatillaOtitis Mittel der Wahl. Hier finden sich meist gelbliche oder grüne, geruchlose Absonderungen aus dem Ohr, und es besteht ein Verlangen nach lokaler Kühlung und frischer Luft.

  • Bei chronischer, nicht fötider Sekretion ist an Silicea#SiliceaOtitis zu denken, das häufig auf Pulsatilla folgt.

  • Bei einem Gehörgangsfurunkel ist Staphisagria#StaphisagriaGehörgangsfurunkel angezeigt.

  • Eine Otitis externa durch Kälte mit großen Schmerzen und starker Berührungsempfindlichkeit mit eitriger, gelber Absonderung erfordert häufig Hepar sulfuris#Hepar sulfurisOtitis.

Lateralität
  • Beginnt die Otitis externa links, und wird dann eventuell auch das rechte Ohr danach betroffen, ist Lachesis#LachesisOtitis Mittel der Wahl.

  • Beginnt die Otitis externa rechts und schlägt dann zusätzlich aufs linke Ohr über, ist Lycopodium#LycopodiumOtitis angezeigt.

  • Wechselt die Otitis von einer Seite zur anderen und wieder zurück, muss an Lac caninum#Lac caninumOtitis als Heilmittel gedacht werden.

Hörsturz und Tinnitus

Definition: Plötzlich auftretende einseitige, selten doppelseitige Hörstörung, ohne dass sich ein Fremdkörper oder Ohrenschmalz im Gehörgang befindet; das Mittelohr ist frei von Erguss. Häufig in Verbindung mit einer Stressbelastung oder mit einem Schalltrauma.

Symptomatik: Plötzliche einseitige Hörstörung, Ohrgeräusche, mit gelegentlichem Schwindel.

Therapeutische Strategie
Der erste und zunächst wichtigste Schritt der Therapie besteht darin, den Patienten zu beruhigen. Die Patienten sind durch Presse- und Medienberichte bezüglich der Diagnose „Hörsturz“ oft verängstigt und verunsichert. Statistisch gesehen, kann auf die hohe Spontanheilungsrate hingewiesen werden. Übermäßige Eile bezüglich einer Behandlung (z. B. nachts, aber auch am Wochenende) und übertriebene therapeutische Bemühungen (z. B. durch Krankenhauseinweisung) sind meistens nicht erforderlich. Dagegen ist es häufig sinnvoll, dem Patienten Ruhe in Form von Krankschreibung zu verordnen. Eine Begleittherapie mit Ginkgo-Präparaten wirkt sich oft günstig aus. Die Wirksamkeit der Therapie mit Infusionen und Cortison ist wissenschaftlich nicht erwiesen und dient letztlich der Beruhigung des Patienten, der sich in einer subjektiv sehr bedrohlichen Situation befindet.
Homöopathische Behandlung
Erstmanifestationen von Hörsturz können zu Beginn quasi wie akute Erkrankungen behandelt werden, obwohl sie das in ihrem Wesen nicht sind, denn es handelt sich bei diesem Krankheitsbild um die Manifestation einer chronischen Erkrankung im homöopathischen Sinne. Bei rezidivierenden Hörstürzen ist in jedem Fall eine Konstitutionsbehandlung angezeigt.
Befindet sich der Patient bereits in konstitutioneller Behandlung, sollte das Konstitutionsmittel beim Auftreten eines Hörsturzes kritisch überprüft und hinterfragt werden. Häufig muss in diesem Fall auf ein anderes Arzneimittel umgestiegen werden.
Der natürliche Krankheitsverlauf des Hörsturzes erfordert im Therapieverlauf häufig einen Wechsel der Arzneimittel, da beim Hörsturz die Symptome relativ schnell wechseln können. Die Qualität des Tinnitus kann sich ebenso ändern wie die Begleitsymptomatik.
Wichtig für die homöopathische Behandlung sind besonders die psychischen Begleitsymptome, da gerade hier die wesentlichen Auslöser und Merkmale dieser meist psychogenen Erkrankung liegen.
Der Hörsturz hat eine hohe Spontanheilungsrate und lässt sich – nicht nur deshalb – gut homöopathisch therapieren. Es ist immer wichtig, schon vor oder während der Behandlung abzuklären, welche Faktoren im Leben des Patienten zu der Symptomatik geführt haben (z. B. beruflicher Stress, Kummer, Schlafmangel etc.) und an ihrer Beseitigung zu arbeiten, da sonst nicht mit einem dauerhaften Behandlungserfolg gerechnet werden kann.
Am Anfang der Behandlung sind wöchentliche Kontrollen beim HNO-Arzt sinnvoll. Sie dienen der Befundkontrolle und helfen dem Patienten, indem sie ihm ein Gefühl von Versorgung in dieser bedrohlichen Situation geben.
Wahl der Symptome
SymptomenwahlTinnitusDie Mittelwahl stützt sich u. a. auf die Qualitäten des Tinnitus und auf das Tonschwellenaudiogramm und dessen spezifische Aussage über die auslösenden Momente. Entscheidend bei der Arzneiwahl sind auch konstitutionelle Überlegungen. Besonders wichtig sind folgende Symptome und Zeichen:
  • Audiogrammkurve: Eine Tieftonschwerhörigkeit spricht für Stressbelastung, eine C5-Senke spricht für ein Knalltrauma oder Lärmbelastung, eine Mitteltonsenke für eine hereditäre Genese.

  • Begleittinnitus: Die Qualität des Ohrensausens wichtig, z. B. Zischen, Rauschen, Klack-Klack, Klick-Klick, Bumm-Bumm, bienenartig, maschinenartig, musikartig usw.

  • Umgang des Patienten mit dem Hörsturz: Panik, Gelassenheit, Negierung, Dramatisierung usw.

  • Hyperakusis: Ist der Patient auf den Lärm überempfindlich oder nicht?

Miasmatische Zuordnung
Nahezu alle Schwindelarten und Ohrgeräusche sind psorischer Natur.
Repertorium
RepertorisationHörsturzRepertorisationTinnitusIm 19. Jahrhundert war die Diagnose „Hörsturz“ nicht bekannt. Es gibt im Repertorium jedoch zahlreiche Rubriken zur Schwerhörigkeit und zu Ohrgeräuschen. Für die Repertorisation möglicher Ursachen für einen Tinnitus sind v. a. die Kapitel „Gemüt“ und „Allgemeines“ geeignet

Ohren – Geräusche, Tinnitus – allgemein // abends // Aufstehen – agg. // Kauen, beim // Kopfschmerzen, bei // Liegen, im – agg. // Schwindel – mit // synchron mit dem Puls

Ohren – Schwerhörigkeit // zunehmend – plötzlich // begleitet von – Geräusche im Ohr

Gemüt – Beschwerden, durch // Kummer // Kränkung, Demütigung // geschäftlichen Misserfolg

Allgemeines – Schlaf – Schlafmangel, durch

Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Bei der Verlaufsbeurteilung muss grundsätzlich zwischen der Erstmanifestation eines Hörsturzes/Tinnitus und einem Wiederauftreten unterschieden werden. Außerdem ist die Beurteilung der Arzneimittelwirkung abhängig von der bisherigen Erkrankungsdauer.
Die Prognose bei einem Hörsturz ist allgemein günstig, bei Patienten mit Panikstörungen allerdings schlecht. Im Regelfall hat sich der Hörsturz nach spätestens zwei Wochen zurückgebildet. Gelegentlich bleibt ein Tinnitus, der durch eine homöopathische Konstitutionstherapie günstig beeinflusst werden kann. Bei Patienten mit einer längeren „Hörsturz-“ oder „Tinnituskarriere“ sinken die Chancen für eine komplette Ausheilung, eine Möglichkeit auf Verbesserung der Symptomatik ist jedoch vorhanden.

Das passende Arzneimittel bessert den Lokalbefund (Tinnitus, Schwerhörigkeit) und das Allgemeinbefinden (z. B. Abgeschlagenheit, depressive Verstimmung, Angstzustände etc.).

Unterstützende Maßnahmen
Der Patient muss Stille vermeiden, da sie die Symptomatik subjektiv verstärkt. Krankschreibung und Stressvermeidung sind essentiell notwendig, da sie der Problematik der Erkrankung ursächlich entgegenwirken. Entspannende Maßnahmen wie autogenes Training, progressive Muskelrelaxation nach Jacobsen oder Yoga können bei aufgeschlossenen Patienten positiv wirken.
Wichtige homöopathische Arzneimittel
Da es sich beim Hörsturz um das Symptom einer chronischen Erkrankung (im homöopathischen Sinn) handelt, wird meist auch eine konstitutionelle Behandlung zum Erfolg führen. Spezielle Indikationen für bestimmte Konstellationen von Ohrgeräusch und Schwerhörigkeit sind rar und werden an dieser Stelle nicht ausgeführt.

Morbus Menière

Definition: Drehschwindelanfälle mit einseitiger Hörstörung und einseitigem Tinnitus (typischer Symptomentrias).

Symptomatik: Plötzliches Auftreten nach einem kurzen Prodromalstadium, Dauer der Anfälle ca. 2 h. Gleichzeitig mit den Anfällen häufig Übelkeit und Erbrechen.

Therapeutische Strategie
Zunächst ist die Aufklärung des Patienten sehr wichtig. Er muss verstehen, welche Art Krankheit er hat und wie damit umzugehen ist. Insbesondere sind auch Hinweise auf die Fahrtüchtigkeit wichtig. Alkoholkonsum ist streng zu meiden, da er zu vermehrtem Schwindel führt. Ebenso sollte auf sedierende, vigilanzhemmende Mittel wie z. B. die üblichen Antivertigenosa (z. B. Äquamen®, Dogmatil®, Vomex® usw.) verzichtet werden.
Es handelt sich bei M. Menière um eine chronische Erkrankung, deren Prognose schwer vorhersehbar ist. Auch Spontanheilungen sind möglich. Homöopathisch ist der Schwindel relativ gut in den Griff zu bekommen, TinnitusTinnitus, M. Menière und HörstörungenHörstörung, M. Menière reagieren oft nur mäßig und nach langer Zeit auf die konstitutionelle Behandlung.
Wichtig für therapeutische Überlegungen ist die Abgrenzung des M. Menière von ähnlichen Problemen bei Wirbelsäulenerkrankungen (26.1) oder als Folge von Genussmittel- oder Drogenabusus (29.4).
Homöopathische Behandlung
Bei jeder Menière-Krankheit handelt es sich um die Manifestation einer chronisch-miasmatischen Erkrankung Trotzdem werden im akuten Anfall Homöopathika nach den jeweils vorliegenden Akutsymptomen verabreicht, mit dem Ziel, den Anfall bereits im Prodromalstadium zu kupieren – und so einen massiven Ausbruch des Anfalls zu verhindern.
Eine homöopathische Konstitutionsbehandlung ist bei rezidivierenden Anfällen angezeigt. Dies gilt auch für den Fall, dass die Patienten zum Zeitpunkt der Konsultation keinerlei Symptome des M. Menière mehr aufweisen. Ebenso sollte eine konstitutionelle Therapie immer nach der Akutbehandlung (auch nach der ersten Attacke) eingeleitet werden. Das Arzneimittel wird dann nach der Gesamtheit der Symptome verschrieben, unter Beachtung der auffallenden Symptome nach Organon, § 153.
Wahl der Symptome
SymptomenwahlM. MenièreDie Mittelwahl stützt sich weniger auf die pathognomonischen Symptome, da diese bei einem typischen Menière-Anfall immer sehr ähnlich sind, sondern auf die (häufig ohrunabhängigen) Allgemein- und Begleitsymptome. Wichtig ist auch die psychische Begleitsymptomatik (z. B. spezielle depressive Verstimmungen, Reizbarkeit, Agitiertheit etc.). Eine Ausnahme stellt die Fallneigung bei Schwindel dar. Die genaue Differenzierung (z. B. nach vorne, links oder rechts) führt oft in die Nähe des passenden Arzneimittels.
Bei der Mittelwahl kann auch entscheidend sein, in welcher Situation ein Anfall auftritt, z. B. nach Stressbelastung, als Folge von Ärger, Trauer, durch Medikamentenmissbrauch (29.4) oder durch ein HWS-Syndrom (26.1.4).
Miasmatische Zuordnung
Schwindel und Ohrgeräusche haben i. d. R. einen psorischen Ursprung.
Repertorium
RepertorisationMorbus MenièreDie Hauptrubriken finden sich im Repertorium unter Schwindel – Menière, M. (über 50 AM) und Ohren – Geräusche, Tinnitus – Schwindel, mit (77 AM). Einige wichtige Repertoriumsrubriken zum Thema „Schwindel“ sind außerdem z. B. auffällige Fallneigungen.

Diagnosebezogene Rubriken

Schwindel – Menière, Morbus
Ohren – Geräusche, Tinnitus – Schwindel, mit

Fallneigung

Schwindel – Fallneigung – allgemein // links, nach // rechts, nach // rückwärts // vornüber

Auslösende Faktoren

Schwindel // Engen Straßen, Plätzen, in/auf // emotionaler Erregung, nach // Geistige Anstrengung – agg. // Lesen, beim // Öffnen der Augen, beim
Gemüt – Beschwerden durch // Ärger, Zorn // Ausschweifungen // Enthaltsamkeit // Enttäuschung, Täuschung gg.
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Die Erkrankung tritt anfallsartig auf. Ziel der Behandlung ist zunächst, die akuten Anfälle zu kupieren (hier hat sich Tabacum#TabacumM. Menière oft bewährt), und erst dann durch eine homöopathische Konstitutionstherapie die Anfallshäufigkeit zu senken. Es ist illusorisch, davon auszugehen, dass die Anfälle sofort sistieren. Nach allmählicher Anfallsreduzierung sollte irgendwann Anfallsfreiheit eintreten. Eine intermittierende HörstörungHörstörung, M. Menière tritt dann nicht mehr auf, eine schon manifeste kann leider nur selten deutlich gebessert werden. Die Prognose eines intermittierenden TinnitusTinnitus, M. Menière ist sehr gut, die eines ständigen Tinnitus eher schlecht, mit Geduld und einer homöopathischen Konstitutionstherapie ist eine Verbesserung im langfristigen Verlauf aber möglich.
Verschlechtern sich die Symptome im Behandlungsverlauf, liegt entweder ein Heilungshindernis vor (z. B. Alkohol, Schlafmittel, angeborener Blickrichtungsnystagmus, Amalgam) oder das Mittel muss gewechselt werden.
Prognose: Die Krankheit ist chronisch, mit homöopathischer Therapie sollte aber eine Heilung innerhalb eines Jahres erwartet werden. Gelegentliche Rückfälle sind zu erwarten. Die Prognose bezüglich des Schwindels ist gut, bezüglich des TinnitusTinnitus, M. Menière mäßig und bezüglich einer bereits manifesten HörstörungHörstörung, M. Menière schlecht. Bei einer Tieftonschwerhörigkeit ist eine deutliche Besserung des Hörvermögens möglich. Neben Einzelgaben von Hochpotenzen haben sich Q-Potenzen bewährt.
Unterstützende Maßnahmen
Keinesfalls Bettruhe einhalten, auf einen normalen Alltag achten. Im Anfall nicht fernsehen, lesen und mit dem Auto fahren.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Cocc., Tab.
!! Con., Gels. Lach., Lyc., Nat-m., Phos.

  • Ein akuter Anfall beginnt meist mit leichten Beschwerden und geringer Übelkeit. In diesem Stadium sollten die Patienten sofort als Akutmittel Tabacum#TabacumM. Menière einnehmen.

  • Das weitaus häufigste Mittel beim M. Menière ist Cocculus#CocculusM. Meniè re. Typisch für Cocculus ist neben der Menière-Symptomatik die psychische Überlastung (gestresste Patienten). Die Behandlung mit Cocculus kann über Wochen und Monate gehen.

  • Entsteht der Schwindel beim Umdrehen im Bett, ist Conium#ConiumM. Menière Mittel der Wahl, das auch sehr häufig beim benignen paroxysmalen Lagerungsschwindel infrage kommt.

  • Gelsemium#GelsemiumSchwindelanfall passt, wenn die Anfälle durch ein HWS-Syndrom hervorgerufen werden. Die Patienten klagen in diesem Fall meist über Nackenschmerz und Stirnkopfschmerzen.

  • Typisch für den Nux-vomica#Nux vomicaSchwindelanfall-Patienten ist, dass ihn der Schwindel plötzlich aus dem Schlaf weckt.

  • Bei Patienten mit Logorrhoe, morgendlicher Verschlimmerung nach dem Aufwachen, starker Hitzeempfindlichkeit und linksseitigem M. Menière kommt Lachesis#LachesisM. Menière infrage.

  • Patienten, die alle möglichen Krankheiten aufbauschen und sich auch bei leichten Anfällen richtig krank fühlen, brauchen häufig Lycopodium#LycopodiumM. Menière.

  • Bei hitzeempfindlichen Patienten, die kaltes Wasser brauchen und häufig Nasenbluten haben, die meistens recht groß sind und schon deshalb Probleme mit dem Blutdruck haben, kommt Phosphorus#PhosphorusM. Meniè re in Betracht.

  • Natrium muriaticum#Natrium muriaticumSchwindelanfall kommt infrage, wenn die Patienten eher dissimulieren und die Anfallsqualität und -häufigkeit untertreiben. Auslöser ist häufig ein Kummerereignis.

Schallempfindungsschwerhörigkeit

Definition: Ein- oder beidseitige Verminderung des Hörvermögens. Ursachen: Entsteht entweder im Innenohr (Innenohrschwerhörigkeit: sensorische Schwerhörigkeit), durch Hirnnervenstörung, z. B. durch Tumoren oder Multiple Sklerose (Nervenschwerhörigkeit: neurale Schwerhörigkeit) oder durch zentrale Störungen (z. B. durch Tumoren oder Gefäßprozesse im Gehirn: zentrale Schwerhörigkeit). InnenohrschwerhörigkeitSchwerhörigkeitSchallempfindungsschwerhörigkeit

Symptomatik: Der Patient hört den Ton nur im gesunden Ohr.

Therapeutische Strategie
Schallempfindungsschwerhörigkeiten sind wesentlich schwerer zu behandeln als Schallleitungsschwerhörigkeiten. Häufig bestehen Defekte im Bereich der Haarzellen des Innenohres, die nicht reversibel sind. In einigen Fällen sind Besserungen möglich und deshalb Therapieversuche in jedem Fall sinnvoll (21.3).
Die homöopathische Behandlung einer Innenohrschwerhörigkeit ist sehr langwierig, die Prognose zumindest zu Beginn nicht sicher abzuschätzen. Häufig ist es schon als Erfolg zu werten, wenn geringgradige Besserungen auftreten. Bei fehlenden anderweitigen Therapieansätzen ist der Versuch einer homöopathischen Konstitutionsbehandlung immer gerechtfertigt.
Homöopathische Behandlung
Eine homöopathische Akutbehandlung allein aufgrund der Lokalsymptome der Schwerhörigkeit bringt meist nur leichte Verbesserung. Eine konstitutionelle, langjährige Behandlung unter Berücksichtigung der miasmatischen Hintergründe bringt manchmal unerwartete Erfolge.
Wahl der Symptome
Die Mittelwahl stützt sich auf die Gesamtheit der Symptome und deren Bewertung nach „Organon“, § 153.
SymptomenwahlSchwerhörigkeitIn der Praxis des Autors hat es sich bewährt, die Unterscheidung zwischen Cocculus, Arnica und Syphilinum auf ein Tonschwellenaudiogramm zu stützen, mit dem die Art der Hörstörung und das dazu passende Mittel festgestellt wird.
Miasmatische Zuordnung
Die allgemeinen Symptome der Schwerhörigkeit werden der Psora zugeordnet, vollständige Taubheit allen drei Miasmen (Psora, Sykosis, Syphilis).
Repertorium
RepertorisationSchwerhörigkeitDie übergeordnete Rubrik „Schwerhörig“ im Kapitel „Hören“ hat wegen ihrer Größe (über 260 Arzneimittel) wenig praktischen Nutzen, zeigt jedoch das breite homöopathische Spektrum und die Erfahrungen mit dieser Erkrankung. Nachfolgend werden exemplarisch einige wichtige Rubriken genannt.

Hören – Schwerhörig // begleitet von – Geräuschen im Ohr // Blatt oder eine Haut vor dem Ohr – wie ein // Fahren in einem Wagen – amel. // Gehörnervs – durch Lähmung des // Geräusche – amel. // Masern, nach // Scharlach, nach // Stimme – für die menschliche // verwechselt Geräusche // Wetter – nasskaltem Wetter, bei

Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Die Therapie ist sehr langwierig. Die Prognose ist unter anderem abhängig von der Art und der Dauer der bestehenden Schädigung sowie der Ausprägung des Befundes. Spätestens nach sechsmonatiger Behandlung sollte kontrolliert werden, ob die Behandlung einen Erfolg gebracht hat. Dabei ist einerseits die Selbsteinschätzung des Patienten wichtig, andererseits auch das Tonschwellenaudiogramm.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

! Arn., Cocc., Syph.

Neben der Differenzierung der Arzneimittel nach den charakteristischen, den allgemeinen und den psychischen Symptomen (4.2.2), kann auch aufgrund des Audiogramms zwischen den bestimmten Arzneimitteln differenziert werden:
  • Bei chronischer Innenohrschwerhörigkeit im Tieftonbereich ist oft Cocculus#CocculusSchwerhörigkeit angezeigt.

  • Eine Senke bei 4 000–6 000 Hz erfordert häufig Arnica#ArnicaSchwerhörigkeit (wie bei der Lärmschwerhörigkeit).

  • Eine Senke bei 2 000 Hz verweist auf Syphilinum#SyphilinumSchwerhörigkeit.

Weitere Differenzierungen von Arzneimitteln können wegen der Fülle der Möglichkeiten an dieser Stelle nicht erfolgen.

Holen Sie sich die neue Medizinwelten-App!

Schließen