© 2019 by Elsevier GmbH

Bitte nutzen Sie das untenstehende Formular um uns Kritik, Fragen oder Anregungen zukommen zu lassen.

Willkommen

Mehr Informationen

B978-3-437-56353-9.00006-2

10.1016/B978-3-437-56353-9.00006-2

978-3-437-56353-9

Schematisierter Vergleich der Dosierung einer C-Potenz-Reihe und einer Q-Potenz-Reihe

Treppchenartiger Verlauf durch tägliches leichtes Potenzieren der Q-Potenzen

Kriterien zur Wahl der Einstiegspotenz bei Behandlung mit hohen C-Potenzen nach der Kent-Reihe

Tab. 6.1
Leichte Erkrankungen Höhere Einstiegspotenz
Schwere Erkrankungen Niedrigere Einstiegspotenz
Hohe Vitalität Höhere Einstiegspotenz
Niedrige Vitalität Niedrigere Einstiegspotenz
Erstverschlechterung ist wahrscheinlich oder soll vermieden werden Niedrigere Einstiegspotenz
Erstverschlechterung ist unwahrscheinlich oder tolerabel Höhere Einstiegspotenz

Mindestwirkzeiten (angegeben für die derzeit erhältlichen hohen C-Potenzen)Mindestwirkzeit, ArzneimittelMindestwirkzeit, ArzneimittelMindestwirkzeit, Arzneimittel

Tab. 6.2
C30 35 Tage
C200 35 Tage
C1000 (M) 35 Tage
C10000 (XM) 35 Tage
C50000 (LM) 35 Tage
C100000 (CM) 3 Monate
C1000000 (MM) 1 Jahr

Übersicht über Vorgehen und Dosierung bei akuten Erkrankungen

Tab. 6.3
Vorgehen Dosierung
Leichte Akuterkrankungen
Standardvorgehen
  • C30 und C200 als Einmalgabe oder maximal 2–3-mal tgl. über einige Tage

  • Evtl. in Wasser verdünnen, teelöffelweise einnehmen

Alternativ
  • Niedrige C- oder D-Potenzen (z. B. D6, D12, C12, D30 D200) über einige Tage regelmäßig wiederholt, 2–3-mal tgl.

  • Evtl. in Wasser verdünnen, teelöffelweise einnehmen

Mittelschwere Akuterkrankungen
Standardvorgehen
  • C30 bis C 10000 (XM) als Einmalgabe oder maximal 2–3-mal tgl. über einige Tage

  • Evtl. in Wasser verdünnen, teelöffelweise einnehmen

Alternativ
  • Q-Potenzen, ein- bis mehrmals tgl.

  • Niedrige D- oder C-Potenzen (z. B. D6, D12, C12, D30 D200) nur, wenn keine andere Potenzstufe verfügbar ist

Schwere Akuterkrankungen
Standardvorgehen
  • C30 bis C10000 (XM) als Einmalgabe oder bei bedrohlichen Zuständen regelmäßig wiederholt, bis hin zur stündlichen Gabe bevorzugt als C30 oder C200

  • Evtl. in Wasser verdünnen, teelöffelweise einnehmen

Alternativ
  • Q-Potenzen, ein- bis mehrmals tgl.

  • Niedrige D- oder C Potenzen nur, wenn keine anderen Potenzen verfügbar sind.

Übersicht über Vorgehen und Dosierung bei chronischen Erkrankungen

Tab. 6.4
Vorgehen Dosierung
Leichte bis mittelschwere chronische Erkrankungen
Standardvorgehen
  • C-Potenzen in Einmalgaben nach der Kent-Reihe (6.3.2) unter Einhaltung der Mindestwirkzeiten

Alternativ
  • Q-Potenzen, 1-mal l tgl.

  • Niedrige D- oder C Potenzen (D6, D12, C12), 1–2-mal tgl. über 1–2 Wochen, zum Hinauszögern der nächsten Hochpotenz der Kent-Reihe

Schwere chronische Erkrankungen
Standardvorgehen
  • C-Potenzen in Einmalgaben nach der Kent-Reihe (6.1.2), die Wirkzeit kann deutlich kürzer sein als die üblichen Mindestwirkzeiten → evtl. häufigere Wiederholungen einer Potenzstufe

  • Q-Potenzen, ein- bis mehrmals tgl.

Alternativ
  • Mittelhohe C-und D-Potenzen (v. a. D30, D200, C30, C200) als Einmalgaben in regelmäßig und häufiger Wiederholung über einen längeren Zeitraum – bis zu 3-mal tgl., bei Schwersterkrankungen oder starker schulmedizinischer Begleitmedikation

  • Niedrige D- oder C Potenzen (D6, D12, C12), ein- bis mehrmals tgl. über längeren Zeitraum, z. B. 1 oder 2 Wochen, zur Unterstützung der Hochpotenzen nach der Kent-Reihe (6.3.2), bei Schwersterkrankungen oder starker schulmedizinischer Begleitmedikation

Homöopathische Potenzen und ihre Dosierung

Jan Geißler

  • 6.1

    Grundlagen der homöopathischen Dosierung154

    • 6.1.1

      Entwicklung der Potenzen154

    • 6.1.2

      Allgemeine Richtlinien155

    • 6.1.3

      Einnahmezeitpunkt homöopathischer Arzneimittel158

  • 6.2

    Dosierung bei Akuterkrankungen159

    • 6.2.1

      Leichte Akuterkrankungen159

    • 6.2.2

      Mittelschwere Akuterkrankungen160

    • 6.2.3

      Schwere Akuterkrankungen160

    • 6.2.4

      Dosierung bei Patienten unter allopathischer Medikation160

    • 6.2.5

      Übersicht: Dosierung bei akuten Erkrankungen (Tab. 6.3)161

  • 6.3

    C-Potenzen bei chronischen Erkrankungen161

    • 6.3.1

      Leichte bis mittelschwere chronische Erkrankungen162

    • 6.3.2

      Schwere chronische Erkrankungen162

    • 6.3.3

      C-Potenzen bei Patienten unter allopathischer Medikation162

  • 6.4

    Q-Potenzen bei chronischen Erkrankungen163

  • 6.5

    Übersicht: Dosierung bei chronischen Erkrankungen (Tab. 6.4)166

  • 6.6

    Andere Dosierungs-konzepte166

  • 6.7

    Schlussbemerkung168

Grundlagen der homöopathischen Dosierung

DosierungArzneimittelDosierungDosierungPotenzenNachdem das passende homöopathische Medikament für den vorliegenden Krankheitsfall ausgesucht wurde, ist der nächste Schritt die Auswahl der jeweils passenden Potenz bzw. Dosierung. Zur Verfügung stehen D-, C- und Q-Potenzen (6.1.2). Bei der korrekten Anpassung der Arzneipotenz an das jeweils vorliegende gesundheitliche Problem spielen neben den Vorgaben durch die Pioniere der Homöopathie, insbesondere Hahnemann$Hahnemann, Samuel und Kent$Kent, James Tyler, auch persönliche Vorlieben und Erfahrungen der einzelnen Therapeuten eine Rolle. Ein weiterer, in der Praxis wichtiger Faktor ist natürlich die Verfügbarkeit der gewünschten Potenz.
Im Folgenden wird die Methode des Dosierens dargestellt, wie sie von den meisten klassischen Homöopathen praktiziert wird. Außerdem werden Alternativ- bzw. Ausweichmöglichkeiten genannt, die sich in der täglichen Praxis bewährt haben.
Wie schon bei der Anamnesetechnik und später bei der Verlaufsbeurteilung muss auch bei der Dosierung zwischen akuten und chronischen Erkrankungen im homöopathischen Sinn unterschieden werden.

Entwicklung der Potenzen

Im Zuge der Entwicklung des Therapiesystems Homöopathie teste Hahnemann$Hahnemann, Samuel unterschiedliche Formen der Verdünnung und Verschüttelung (= Potenzierung, 2.4.1) seiner Heilmittel. Im Laufe der Zeit wagte er sich an immer höhere Verdünnungen und bei der Herausgabe der 5. Auflage des „Organon der Heilkunst“ (ORG V) arbeitete er mit, für damalige Verhältnisse, hohen C-Verdünnungen bis etwa zur C200. Die letzte Phase seiner Arbeiten zur Potenzierung brachte ihn zu den Q-Potenzen, die eine raschere und mildere Wirkung bei den Patienten zeigten. Diese Weiterentwicklung beschrieb er in der 6. Auflage des „Organon“, die aber erst 1921, knapp 80 Jahre nach seinem Tod veröffentlicht wurde.
Diesem geschichtlichen Umstand ist es zuzurechnen, dass mit dem Aufblühen der Homöopathie in Amerika die dort ansässigen Homöopathen, u. a. Hering$Hering, Constantin, Skinner$Skinner, Thomas und ganz besonders Kent$Kent, James Tyler das Heilen mit C-PotenzenC-Potenzen weiterentwickelten, denn sie lernten und erforschten die Homöopathie auf der Grundlage des ORG V. Während die Homöopathie in Europa nahezu in Vergessenheit geriet, erlebte sie im Amerika der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine Blütezeit, das Heilen mit C-Potenzen wurde von Kent$Kent, James Tyler und später von seinen Schülern perfektioniert. Dieses Wissen um das Arbeiten mit C-Potenzen kehrte durch Pierre Schmidt$Schmidt, Pierre, der u. a. bei Frederika Gladwin$Weir, Sir John, einer direkten Kent-Schülerin gelernt hatte, in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nach Europa zurück und wurde von seinem Schüler Künzli von Fimmelsberg$Künzli von Fimmelsberg, Jost zurück in den deutschsprachigen Raum gebracht. Es etablierte sich das Arbeiten mit C-Potenzen nach der Kent-Skala (6.1.2).
Erst eine erneute, intensive Auseinandersetzung mit Hahnemanns Werk, unter anderem durch Rudolf Fluri, Pierre Schmidt, Jost Künzli und Dario Spinedi in der Schweiz, richtete das Licht auf die Q-PotenzenQ-Potenzen, die inzwischen ihren festen Platz im homöopathischen Praxisalltag, v. a. bei der Behandlung von Schwer- und Schwerstkranken, eingenommen haben. Die ausschließliche Verwendung von niedrigen D-PotenzenD-Potenzen zur Behandlung von Krankheiten, wie Hahnemann$Hahnemann, Samuel es zu Beginn seiner Forschungen praktizierte, entspricht dem Arbeiten auf einer sehr rudimentären Ebene der Homöopathie. Dass sie damals wie heute so weite Verbreitung findet, entspricht letztlich dem Bedürfnis vieler Ärzte und Therapeuten, sich nicht zu weit von der „naturwissenschaftlichen“ Schulmedizin und ihrer Doktrin von den grobstofflichen Arzneimitteln zu entfernen. Trotzdem haben niedrige D-Potenzen im Praxisalltag ihre Bedeutung, z. B. bei der Behandlung von interkurrenten AkuterkrankungenInfektioninterkurente im Rahmen konstitutionell-homöopathischer Therapien. Manchmal auch nur deshalb, weil das zu verabreichende Arzneimittel eben gerade nur in einer niedrigen D-Potenz verfügbar ist.

Allgemeine Richtlinien

C-Potenzen
  • DosierungC-PotenzenC-PotenzenDosierungHohe C-Potenzen (C30, C200, C1000 = M, C10 000 = XM, C50 000 = LM, C100 000 = CM, C1 000 000 = MM) werden in Einzelgaben von 2 bis 5 (oder mehr) Globuli verabreicht, die genaue Anzahl variiert aus unterschiedlichen Gründen (Konvention, Globuligröße etc.) von Behandler zu Behandler. Für den Heilerfolg von Einzelgaben hoher C-Potenzen spielt die genaue Anzahl der verabreichten Globuli verglichen mit der Auswahl des Arzneimittels eine untergeordnete Rolle (zeitliche Abstände und Potenzabfolge für hohe C-Potenzen 6.3).

  • Niedrige C-PotenzenC-Potenzenniedrige (z. B. C12) werden dosiert wie niedrige D-Potenzen.

  • Einnahmezeitpunkt: Bei Akuterkrankungen werden hohe C-Potenzen möglichst bald eingenommen, bei chronischen Erkrankungen sollte das Mittel abends vor dem Schlafengehen genommen werden. In Abhängigkeit von den aktuellen Lebensumständen (z. B. Schichtarbeit, unregelmäßiger Lebenswandel) kann die Einnahme zu einem anderen Zeitpunkt, z. B. morgens, sinnvoll sein.

Kent-Reihe
Kent-ReiheKent (33.1) fand während der Jahre seiner Praxistätigkeit heraus, dass bei der Behandlung chronischer Erkrankungen eine bestimmte Abfolge von Einzelgaben hoher C-Potenzen (seinerzeit wurde mit den verschiedensten C-PotenzstufenC-PotenzenKent-Reihe experimentiert und gearbeitet) über einen langen Zeitraum die besten Heilerfolge erbrachte.
In erster Linie ist die sog. Kent-Reihe also eine Vorgabe für die Abfolge von hohen C-Potenzen bei der Therapie von chronisch Kranken.

Die Kent-Reihe: C-PotenzenKent-Reihe

  • C200.

  • C200.

  • C1000 (M).

  • C1000 (M).

  • C10 000 (XM).

  • C10 000 (XM).

  • [C50 000 (LM)].

  • [C50 000 (LM)].

  • C100 000 (CM).

  • C100 000 (CM).

  • [C1 000 000 (MM)].

  • [C1 000 000 (MM)].

Die C50 000 und die C1 000 000 sind optional und können beim Durchlaufen der Kent-Reihe auch übersprungen werden.

EinstiegspotenzJe nach Krankheitsfall beginnt man als Einstiegspotenz bei der C200, der C1000 (M) oder der C10 000 (XM). Entscheidend sind hier die Schwere der Erkrankung, die Vitalität des Patienten und die Bedrohlichkeit eventueller Erstverschlechterungen. Potenzen über der C10 000 (XM) sind sehr selten als Einstiegspotenz angezeigt (Tab. 6.1).
Mindestwirkzeit
ArzneimittelMindestwirkzeitMindestwirkzeit, ArzneimittelDefinition: Die Mindestwirkzeit eines Medikamentes ist die Zeitdauer, die ein passendes homöopathisches Arzneimittel mindestens wirkt. In der Praxis ergeben sich aus dieser Definition zwei Konstellationen, die grundsätzlich unterschieden werden müssen:
  • Die Mindestwirkzeit ist der Zeitraum, in dem – bei korrekter Verordnung, aber bisher fehlender Wirkung – die positive Wirkung einsetzen kann, der also nach Einnahme mindestens abgewartet werden sollte.

  • Die Mindestwirkzeit ist der Zeitraum nach der Einnahme, über den die am Patienten sichtbare kurative Medikamentenwirkung (im Normalfall) mindestens anhält (Tab. 6.2).

Während der Mindestwirkzeit sollten nach Möglichkeit keine anderen homöopathischen Medikamente verordnet werden.
Die jeweils nächste Potenz in der Kent-Reihe sollte im Normalfall frühestens erst nach Ablauf der Mindestwirkzeit verabreicht werden.

Hinsichtlich der Wirkzeit des passenden Arzneimittels ist Folgendes zu beachten.

  • Bei chronischen Erkrankungen kann sie deutlich länger als die entsprechende Mindestwirkzeit anhalten (unter Umständen mehrere Monate bis Jahre). Ein zu vermeidender Fehler in der Praxis ist das pauschale Wiederholen von Medikamenten der Kent-Reihe nach Ablauf der Mindestwirkzeit.

  • Bei akuten und chronischen Erkrankungen kann die Wirkzeit auch deutlich kürzer sein, z. B. bei sehr heftigen akuten oder chronischen Entzündungen, bei schweren Erkrankungen in Endstadien, bei zusätzlicher allopathischer Medikation.

Behandlungsprinzipien
  • Wirkt die zweite Gabe einer Potenzstufe länger als die erste, kann diese auch ein drittes Mal wiederholt werden, jede Potenzstufe sollte jedoch nicht öfter als dreimal hintereinander verabreicht werden.

  • Eine Erweiterung der Kent-ReiheKent-Reihe nach oben kann durch die C50 000 (LM) und C1 000 000 (MM) erfolgen. Diese können ebenfalls zweimal (maximal dreimal) wiederholt werden.

  • Wurde die Kent-Reihe mit positiven Effekten auf die Gesundheit des Patienten bereits einmal durchlaufen, kann sie wiederholt werden, bei sehr langen Therapieverläufen sogar mehrmals. Wird die Kent-Reihe zum dritten Mal begonnen, kann alternativ auch mit der C30 begonnen werden (Künzli von Fimmelsberg).

  • Treten während des Durchlaufens der Kent-Reihe interkurrente, echte akute Erkrankungen auf, kann sie, falls notwendig, zu Zwecken der homöopathischen Akuttherapie jederzeit unterbrochen werden.

Von den echten Akuterkrankungen abzugrenzen sind wieder auftretende, frühere Erkrankungen.

  • Kommt es zu einer (echten homöopathischen) Heilung der Erkrankung, kann die Kent-ReiheKent-Reihe jederzeit beendet werden. Sollten sich im weiteren Verlauf erneut Symptome der chronischen Erkrankung zeigen, wird die Kent-Reihe fortgesetzt. Dies gilt unabhängig von der Dauer der Unterbrechung (unter Umständen mehrere Jahre). Da der Zeitpunkt der echten Heilung einer Erkrankung (nicht der Symptomenfreiheit) in der Praxis häufig schwer zu bestimmen ist, empfiehlt es sich auch nach Verschwinden der Beschwerden einer Erkrankung, die homöopathische Behandlung einen entsprechend langen Zeitraum fortzuführen. Medikamentenwechsel: Ergibt sich aus dem Therapieverlauf ein notwendiger Wechsel auf ein anderes Konstitutionsmittel, wird unabhängig von der letzten Potenzstufe des zuvor verordneten Medikamentes eine neue Kent-Reihe begonnen.

  • Kehrt man nach einer Unterbrechung durch ein anderes Arzneimittel zum ursprünglichen Medikament zurück, fährt man nach der Kent-Reihe fort und beginnt diese nicht erneut von vorne.

Erweiterungen des Behandlungskonzepts
  • Nach der Erfahrung des Autors können bei mittelschweren oder schweren Erkrankungen (akut, chronisch) C-Potenzen öfters wiederholt werden, 2–3-mal täglich über mehrere Tage, manchmal sogar stündlich, ohne dass unerwünschte Reaktionen z. B. Arzneimittelprüfsymptome, auftreten. Wenn sich bei diesen häufigen Wiederholungen doch überschießende Arzneimittelwirkungen entwickeln sollten, muss die Einnahme gestoppt werden.

  • Als Einstiegsstrategie bei der Behandlung chronischer Erkrankungen kann das Arzneimittel über einen definierten Zeitraum (meist 4 Wochen) regelmäßig, z. B. 1-mal wöchentlich, verabreicht werden. Diese Strategie hat sich v. a. bei den Potenzen C200 und C1 000 bewährt. Wenn sich eine klare Arzneiwirkung zeigt, wird die regelmäßige Einnahme gestoppt und es wird nach der Kent-Reihe weiterdosiert. Kommt es bei dieser regelmäßig wiederholten Gabe des Arzneimittels zu überschießenden Arzneimittelwirkungen, sollte die Einnahme ebenfalls gestoppt werden.

  • Bei schwereren Erkrankungen oder allopathischer Zusatztherapie kann eine Einmalgabe „gestreckt“ werden, indem z. B. zwei Globuli abends, zwei Globuli am nächsten Morgen eingenommen werden.

Q-Potenzen
Q-PotenzenDosierungQ-Potenzen werden, in Alkohol (alternativ in Wasser) aufgelöst, regelmäßig, kontinuierlich und in aufsteigender Reihenfolge (Q1, Q2, Q3, … Qx) eingenommen. Dabei werden sie
  • bei jeder Einnahme durch eine definierte Anzahl von Schüttelschlägen (meist fünf oder zehn) potenziert (2.4.3),

  • optional bei jeder Einnahme durch ein oder mehrere Gläser Wasser weiter verdünnt, wenn die Reaktion auf die Einnahme zu heftig ist.

Dies betrifft auch die derzeit im Handel erhältlichen, in Alkohol gelösten „LM-PotenzenLM-Potenzen“ (bei denen es sich definitionsgemäß eigentlich um Q-Potenzen handelt).
Q-Potenzen finden meist Anwendung bei der Langzeitbehandlung chronischer Erkrankungen. Ihr Vorteil gegenüber den C-Potenzen liegt in einem milderen Einsetzen der Wirkung (da es sich quasi um „sehr niedrige Hochpotenzen“ handelt) und der guten Handhabbarkeit (Einstellbarkeit) der Dosierung durch die Möglichkeit des Weiterverdünnens jeder Arzneieinnahme. Außerdem lässt sich durch die kontinuierliche Einnahme (ein- oder mehrmals tgl.) eine gute Wirkung auch bei zusätzlicher, allopathischer Therapie (z. B. bei schwer chronisch Kranken) erzielen.
Zur praktische Anwendung von Q-Potenzen 6.4.
D-Potenzen
D-PotenzenDosierungDosierungD-PotenzenNiedrige D-Potenzen (typischerweise D1–D12) werden ein bis mehrmals täglich in Gaben von 2–5 Globuli regelmäßig über einen längeren Zeitraum eingenommen. Dasselbe gilt für niedrige C-Potenzen (C6, C12 etc.). Höhere D-Potenzen (z. B. D30, D200) nehmen eine Zwischenstellung ein und können wie hohe C-Potenzen als Einzelgaben (2–5 Globuli) verabreicht werden oder über einen kurzen Zeitraum regelmäßig wiederholt werden.

Einnahmezeitpunkt homöopathischer Arzneimittel

  • ArzneimittelEinnahmezeitpunktAm besten wird das homöopathische Medikament abends vor dem Schlafengehen, mindestens 10 Minuten nach dem Zähneputzen eingenommen.

  • Grundsätzlich sollten homöopathische Medikamente in einem gewissen Abstand vor oder nach dem Essen eingenommen werden (ca. 30 Minuten). In der Zeit nach der Einnahme sollte dem Körper, außer Wasser, nichts zugeführt werden (ebenfalls ca. 30 Minuten). Es handelt sich hierbei um Richtlinien und keine festen Regeln (8.5.3).

  • Nach der Einnahme von C-Potenzen in Einzelgabe sollte auf alkoholische Getränke verzichtet werden, wenn möglich (zunächst) auch auf Kaffee, der die Arzneimittel antidotieren kann (8.4.1). Eine antidotierende Wirkung kann unter Umständen in geringerem Maße auch von schwarzem und grünem Tee, Kamille und Cola ausgehen, über einen Verzicht um den Zeitpunkt der Medikamenteneinnahme herum sollte deshalb zumindest nachgedacht werden (8.4.1). Allerdings ist nach Erfahrung des Autors bei allen oben genannten Substanzen in den allermeisten Fällen keine negative Wirkung auf die Arzneiwirkung zu erwarten (8.4.3).

  • Werden parallel allopathische Medikamente eingenommen, ist grundsätzlich darauf zu achten, dass diese, wenn möglich, in gewissem Abstand zu den Homöopathika verabreicht werden (z. B. Antihypertonikum in der Früh, Homöopathikum am Abend oder umgekehrt, 8.2).

Die Reaktion des Organismus auf das richtige homöopathische Medikament ist eine energetische und stellt ein äußerst stabiles System dar. Auch unter dem Einfluss von potentiell störenden Faktoren sollte zuerst davon ausgegangen werden, dass das Medikament (weiter) wirkt.

Dosierung bei Akuterkrankungen

Dosierung Akuterkrankung
  • AkuttherapieDosierungKrankheitakuteUm sich der Frage der passenden Dosierung bei Akuterkrankungen zu nähern, ist es wichtig, diese in unterschiedliche Schweregrade zu unterteilen. Dabei gibt es Überschneidungen zwischen den Gruppen der leichten und mittelschweren Akuterkrankungen, je nachdem, wie heftig die Symptomatologie ausgeprägt ist. Ein gutes Maß für die Gruppenzugehörigkeit liefern dabei die Selbstheilungstendenz der jeweiligen Erkrankung, deren Komplikationsrate, der subjektive Leidensdruck und auch die (theoretische) Erkrankungsdauer. Die Gruppe der schweren Akuterkrankungen ist dagegen relativ klar umrissen.

  • Bei der Frage der Dosierung gibt es dabei für jede der drei Gruppen ein mehr oder weniger klassisches Vorgehen und einige Ausweichmöglichkeiten (Tab. 6.3).

Scheinbar akute Erkrankungen, die langfristig einen chronischen Verlauf haben können (z. B. Hepatitis B, Endokarditis etc.), Immunreaktionen nach Akuterkrankungen (rheumatisches Fieber, postinfektiöse Nephritis etc.) und Autoimmunerkrankungen die einen scheinbar akuten Verlauf nehmen (kindliches Rheuma etc.) werden den chronischen Erkrankungen zugerechnet (6.3).

Leichte Akuterkrankungen

Akuterkrankung leichte
  • AkuttherapieDosierungKrankheitakuteBeispiele: Rhinitis, Reizhusten, leichte grippale Infekte, banale fieberhafte Infekte, akute Gastroenteritis, Masern, Windpocken etc.

  • Klassisches Vorgehen: Da es sich um Erkrankungen mit meist benignem Verlauf handelt, sollte, wenn überhaupt eine Therapie notwendig ist, so zurückhaltend wie möglich dosiert werden. Es kommen hauptsächlich C30 und C200 in Einzelgaben oder in seltenen Wiederholungen (2–3-mal täglich über einige Tage) zum Einsatz.

  • Ausweichmöglichkeiten: Niedrige C- oder D-Potenzen über einige Tage regelmäßig wiederholt (ggf. verkleppert [in Wasser aufgelöst] teelöffelweise, nach 5–10-maligem Umrühren oder Schütteln)

Mittelschwere Akuterkrankungen

Akuterkrankung mittelschwere
  • AkuttherapieDosierungKrankheitakuteBeispiele: Bronchitis, Influenza, Sinusitis, Otitis media, Stomatitis aphthosa, Pleuritis, Pertussis, Zystitis, Mononukleose, Mastitis, Tonsillitis etc.

  • Klassisches Vorgehen: Abhängig von der Reaktionskraft des Organismus und der Intensität der vorliegenden Symptomatik werden C Potenzen von C30 bis zur C10 000 (XM) in Einzelgaben zu 2 Globuli verabreicht.

  • Ausweichmöglichkeiten: Bei Erkrankungen mit erhöhtem Leidensdruck können die C-Potenzen über einen kurzen Zeitraum (ein bis mehrere Tage) als Globuli oder in verklepperter Form (in Wasser aufgelöst, teelöffelweise, nach 5–10-maligem Umrühren oder Schütteln) mehrmals wiederholt eingenommen werden (bis zu stündlich). Hierfür eignen sich besonders die C30 und die C200. Alternativ zu dieser Darreichungsform können Q-Potenzen (zu Beginn am besten die Q1) verabreicht werden. Niedrige D- oder C-Potenzen versprechen weniger Wirkung und sollten v. a. dann gegeben werden, wenn keine andere Potenzstufe verfügbar ist.

Schwere Akuterkrankungen

Akuterkrankung schwere
  • AkuttherapieDosierungKrankheitakuteBeispiele: Pneumonie, Pyelonephritis, Meningitis, Ovariitis, Peritonsillarabszess etc.

  • Klassisches Vorgehen: Hohe C-Potenzen von C200 bis C10 000 (XM) in Einzelgaben oder regelmäßig wiederholt als Globuli (v. a. C200) oder in verklepperter Form (bis mehrmals pro Stunde). Alternativ zu C-Potenzen bieten sich hier Q-Potenzen (zu Beginn am besten Q1) an.

  • Ausweichmöglichkeiten: C30-Potenzen in kurzen Abständen mehrmals wiederholt. D-Potenzen kommen bei schweren Akuterkrankungen nur zum Einsatz, wenn keine anderen Potenzen verfügbar sind.

Dosierung bei Patienten unter allopathischer Medikation

Dosierungbei allopathischer MedikationBegleitmedikation, allopathischeArzneimittelpalliativesAllopathieBegleitmedikationBei Verabreichung des richtigen homöopathischen Arzneimittels in der passenden Dosierung ist eine zusätzliche Gabe von allopathischen Medikamenten meist nicht notwendig, zumindest bei leichten bis mittelschweren akuten Erkrankungen. Wird trotzdem eine adjuvante allopathische Therapie durchgeführt, ergeben sich in der Praxis folgende Konsequenzen:
  • Die seltene Einnahme von palliativ verabreichten antiphlogistischen, antipyretischen oder analgetischen Medikamenten stören die Wirkung von homöopathischen Arzneimitteln meist nicht oder nur kurz, auch wenn diese als Einmalgabe in Hochpotenz verabreicht wurden. Eine Wiederholung des homöopathischen Medikaments ist nicht unbedingt notwendig, außer eine Antidotierung ist offensichtlich. Bei der regelmäßigen Einnahme eines homöopathischen Medikaments (Globuli, verkleppert, Q-Potenzen) ist in noch geringerem Maße eine antidotarische Wirkung von allopathischen Medikamenten zu erwarten.

  • Werden parallel zur homöopathischen Therapie „kurativeallopathische Therapeutika wie Antibiotika eingesetzt, kann eine wiederholte Gabe von hohen C-Potenzen notwendig werden. Meist ist in diesem Fall der Therapieverlauf bzgl. der homöopathischen Therapie schwer einzuschätzen.

Weit größer als die Gefahr, die homöopathische Therapie zu stören oder zu unterbrechen, ist das Problem der kurz- und langfristigen UnterdrückungUnterdrückungKrankheitsprozess und Verlagerung von Krankheitsprozessen bei begleitender palliativer und/oder kurativer allopathischer Therapie (8.2).

Übersicht: Dosierung bei akuten Erkrankungen (Tab. 6.3)

Dosierung akute Erkrankung

C-Potenzen bei chronischen Erkrankungen

Dosierungchronische ErkrankungKonstitutionstherapieDosierungKrankheitchronischeUm bei der heterogenen Gruppe der chronischen Erkrankungen korrekt zu dosieren, muss zwischen leichten, mittelschweren oder schweren chronischen Erkrankungen unterschieden werden.
Innerhalb dieser Differenzierung spielen folgende weitere Überlegungen eine Rolle (Tab. 6.4):
  • Ist die Erkrankung heilbar? (Anmerkung: auch schwere chronische Krankheiten können heilbar sein.)

  • Besteht begleitende schulmedizinische Therapie (8.2)?

  • Besteht Behandlungs- bzw. Zeitdruck durch den Krankheitsverlauf oder durch anstehende, anderweitige therapeutische Maßnahmen (beispielsweise Operationen, Chemotherapie, Strahlentherapie, Cortisontherapie, Interferontherapie etc.).

Leichte bis mittelschwere chronische Erkrankungen

chronische ErkrankungleichteC-PotenzenKonstitutionstherapieKrankheitchronischeDie in der täglichen, homöopathischen Praxis am häufigsten vorkommende Gruppe von Patienten leidet an leichten bis mittelschweren, heilbaren chronischen Erkrankungen, die keine oder nur selten adjuvante allopathische Medikamente benötigen. Hierzu zählen unter anderem Erkrankungen aus dem allergischen Formenkreis (Heuschnupfen, Neurodermitis, Asthma, chronische Urtikaria etc.), Migräne und andere Kopfschmerzsyndrome, Erkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis, Stoffwechselstörungen wie Gicht oder Hyperlipidämien, Hypertonie, spezifische und unspezifische Kolitiden, unspezifische Störungen des Immunsystems mit rezidivierenden Sinusitiden, Otitiden, Bronchitiden, Zystitiden etc. Des Weiteren zählen zu dieser Gruppe leichte bis mittelschwere psychische oder psychosomatische Störungen, Schlafstörungen, Verhaltensstörungen, leichte bis mittelschwere Neurosen etc.
Bei all diesen Erkrankungen wird derzeit meist mit hohen C-Potenzen in Einmalgaben nach der Kent-Reihe (6.3.2) behandelt. Zur Erweiterungen des Behandlungskonzepts siehe 6.1.2.

Schwere chronische Erkrankungen

chronische ErkrankungschwereKrankheitchronischeC-PotenzenKent-ReiheKent-ReiheDie Behandlung von Schwersterkrankungen mit homöopathischen Medikamenten erlebt derzeit eine Renaissance, nachdem zur Blütezeit der Homöopathie im Amerika des 19. Jahrhunderts schon viele Erfahrungen zu diesem Thema gesammelt wurden (Burnett, Kent, Clarke etc.). Neben der Behandlung mit Q-Potenzen (6.4) bietet die Behandlung mit C-Potenzen durchaus reelle Chancen einer positiven Arzneiwirkung am schwerkranken Patienten.
  • Patienten mit Schwersterkrankungen und Langzeitverläufen, die keine zusätzliche, schulmedizinische Therapie erhalten, reagieren oft gut auf hohe C-PotenzenC-PotenzenKent-Reihe, die dann nach der Kent-ReiheKent-Reihe verordnet werden können.

  • Alle anderen Schwersterkrankungen (mit protrahiertem Verlauf, schulmedizinischer Therapie wie Bestrahlung, chirurgischen Interventionen, Chemotherapie, Cortison- oder Interferontherapie etc.) benötigen andere homöopathische Behandlungskonzepte. Häufig kommen hier in der Praxis Q-Potenzen zum Einsatz. Andere Behandlungsstrategien sind das häufige Wiederholen von hohen C-Potenzen (z. B. in verklepperter Form) oder auch die Gabe von niedrigen C- oder D-Potenzen (palliativer AnsatzPalliation).

C-Potenzen bei Patienten unter allopathischer Medikation

Dosierungbei allopathischer MedikationIn der täglichen Praxis kommt es immer wieder vor, dass allopathische Medikamente mit Beginn der homöopathischen Therapie nicht abgesetzt werden können (8.2.1).
  • Dies ist der Fall bei der Einnahme von lebenswichtigen Medikamenten wie Insulin bei Diabetes mellitus Typ 1 oder bei Substitutionstherapie, z. B. nach Schilddrüsenoperationen oder deren Zerstörung durch Entzündung.

  • Bei anderen Patienten kann die Risikoabwägung für ein (zumindest vorläufiges) Beibehalten der allopathischen Therapie sprechen (z. B. Antikoagulanzien bei Zustand nach Myokardinfarkt oder bei Herzrhythmusstörungen, Antihypertonika bei ausgeprägter Hypertonie, Bronchodilatatoren bei Asthma bronchiale, Cortison bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen etc.).

  • Auch eine psychische „Abhängigkeit“ bei der Langzeiteinnahme von allopathischen Medikamenten (z. B. Antidepressiva, Antihypertonika etc.) kann im Beginn der homöopathischen Therapie ein (teilweises) Belassen der allopathischen Therapie erfordern.

  • Hormonelle Kontrazeptiva bei jungen Patientinnen müssen unter Umständen, nach individueller Abwägung bezüglich der zu behandelnden Erkrankung, belassen werden.

Außerdem besteht durch das Absetzen der allopathischen Medikamente die Möglichkeit einer erheblichen Symptomveränderung oder -verschlechterung. Deshalb ist es aus Gründen der Verlaufsbeurteilung in der Praxis manchmal sinnvoller, die schulmedizinische Therapie zumindest teilweise über einen bestimmten Zeitraum zu belassen.
Lösungsstrategien: In der Praxis hat sich gezeigt, dass Einzelgaben von hohen C-Potenzen auch bei parallel fortgesetzter allopathischer Therapie eine deutliche Wirkung zeigen, ein Versuch mit hohen C-Potenzen ist in jedem Fall lohnend. Bei eindeutiger Wirkung ist die Wirkdauer dabei eventuell verkürzt, dabei aber meist nicht kürzer als die Mindestwirkdauer.
→ Bei eindeutiger Wirkung wird das homöopathische Medikament erst nach Abklingen der Arzneiwirkung und frühestens nach Ablauf der MindestwirkzeitArzneimittelMindestwirkzeitMindestwirkzeit, Arzneimittel wiederholt.
→ Bei eindeutiger Wirkung und deutlich unterhalb der Mindestwirkzeit liegender Wirkdauer kann auch früher Wiederholt werden. Alternativ empfiehlt sich ein Wechsel zu Q-Potenzen. Plussing-MethodeDosierungPlussing-Methode

Q-Potenzen bei chronischen Erkrankungen

Dosierungchronische ErkrankungQ-PotenzenDosierungDosierungQ-PotenzenKrankheitchronischeDie Behandlung mit Q-Potenzen geht auf Hahnemann$Hahnemann, Samuel zurück und stellt dessen letzte Weiterentwicklung seines Verdünnungs- und Verschüttelungsverfahrens, der Potenzierung und Verabreichung von Arzneimitteln dar (6. Auflage „Organon der Heilkunst“ = ORG VI). Durch die parallel in Amerika des 19. Jahrhunderts weiterentwickelte C-Potenz-Homöopathie stehen derzeit also beide Dosierungsmethoden zur Verfügung und werden in unterschiedlichen Bereichen der täglichen Praxis eingesetzt, obwohl beide Dosierungssysteme letztlich für den Einsatz bei allen Erkrankungen konzipiert sind.
Hauptsächliche Einsatzbereiche
  • C-PotenzenC-PotenzenKent-Reihe nach der Kent-ReiheKent-Reihe werden hauptsächlich bei leichten bis mittelschweren chronischen Erkrankungen angewendet, eignen sich in modifizierter Form aber auch für Schwersterkrankungen (6.3).

  • Q-PotenzenQ-PotenzenDosierungDosierungQ-Potenzen finden ihren Einsatz eher bei Schwersterkrankungen und bei Erkrankungen, bei denen nicht auf adjuvante, schulmedizinische Dauertherapie verzichtet werden kann.

Grundsätzliche Anwendung von Q-Potenzen
Q-PotenzenDosierungDosierungQ-PotenzenQ-Potenzen sind in Alkohol oder Wasser aufgelöste Potenzen, die zur regelmäßigen Einnahme bestimmt sind und in aufsteigender Reihenfolge (Q1, Q2, Q3 usw.) gegeben werden (zur Herstellung der Arzneimittel 2.4.3), bis der gewünschte therapeutische Effekt eingetreten ist. Bei jeder Einnahme erfolgt dabei eine erneute Verschüttelung und wenn notwendig, z. B. bei deutlicher Arzneireaktion, eine Weiterverdünnung der Arzneilösung über ein oder mehrere Wassergläser. Das Ziel dieses „Weiterpotenzierens“ ist die Annäherung an die nächsthöhere Q-Potenz, sodass über die Zeit eine Steigerung der eingenommenen Potenzen in sehr kleinen Schritten erfolgt (Abb. 6.1, Abb. 6.2). Dies garantiert eine milde Wirkung und der Organismus wird jedes Mal durch eine leicht veränderte Potenz zur Reaktion stimuliert – im Gegensatz zu C-Potenz-Reihen, bei denen die Potenzschritte sehr groß sind (Abb. 6.1), sodass keine kontinuierliche „Aufsättigung“ erfolgt.
Einnahmevorschriften
  • Einnahmevorschrift, Q-PotenzenQ-PotenzenDosierungDosierungQ-PotenzenHerstellung der Stammlösung durch Auflösung der jeweiligen Q-Potenz in 100 ml Lösungsmittel (z. B. 20-prozentiger Alkohol, Wasser) in einem 150-ml-Fläschchen. Die Übergröße des Fläschchens im Vergleich zur Menge Lösungsmittel garantiert einen ausreichenden Bewegungsspielraum für das Lösungsmittel beim Verschütteln des Arzneimittels (s. u.). Alternativ und aus praktischen Gründen können auch kleinere Verdünnungsvolumen (z. B. 20 ml oder 50 ml) verwendet werden.

  • Vor jeder Einnahme wird das Fläschchen mit der Stammlösung kräftig geschüttelt bzw. geschlagen (z. B. in die Handfläche, gegen einen prallelastischen Gegenstand – z. B. Buch, Oberschenkel). Die Zahl der Schüttelschläge ist grundsätzlich variabel (z. B. fünf oder zehn), sollte innerhalb einer Q-Potenz-Reihe aber konstant sein.

Q-Potenzen sollten nach Herstellung der Stammlösung nicht mehr viel umherbewegt werden, damit keine unerwünschte bzw. unkontrollierte Verschüttelung stattfindet.

  • Ein Esslöffel der Stammlösung wird dann in einem Glas Leitungswasser (ca. 100–200 ml) durch kurzes Umrühren gelöst.

  • Aus diesem „ersten“ Glas wird eine kleine Menge (z. B. ein Teelöffel) der verdünnten Q-Potenz eingenommen.

Bei einem mittelgroßen Esslöffel reicht eine Q-Potenz für etwa 10–14 Einnahmen. Danach wird übergangslos mit der nächsten Q-Potenz fortgefahren, bis das gewünschte Therapieergebnis erreicht ist (7.3).
Alternativ, v. a. wenn aus praktischen Gründen ein kleineres Verdünnungsvolumen für die Stammlösung gewählt wurde (z. B. 20 ml oder 50 ml), kann versuchsweise auf die Weiterverdünnung verzichtet werden. Die Einnahme erfolgt dann Tropfenweise direkt aus der Stammlösung (z. B. 3 oder 5 Tropfen). Ist dieses Vorgehen erfolgreich, wird ebenfalls nach 10–14 Tagen auf die nächst höhere Q-Potenz gewechselt.
Vorteile der Q-Potenzen
  • Q-PotenzenDosierungDosierungQ-PotenzenDurch die häufige Einnahme zeigt sich schneller, ob das verabreichte Arzneimittel Einfluss auf den Krankheitsverlauf nimmt.

  • Die positive Wirkung des Arzneimittels tritt mit Nachdruck ein und wird durch jede Einnahme erneuert, dadurch kann die Verbesserung des Krankheitszustandes beschleunigt werden.

  • Störfaktoren der homöopathischen Therapie (meist adjuvante allopathische Medikamente) wirken sich durch die häufigen Wiederholungen nicht so deutlich aus.

Praktische Probleme mit der Einnahme von Q-Potenzen
  • Q-PotenzenDosierungDosierungQ-PotenzenIn der Praxis zeigt sich immer wieder, dass die Einnahmevorschriften für Q-Potenzen von Patienten nicht richtig verstanden oder als „Hokuspokus“ missinterpretiert werden.

  • Durch die wiederholten Gaben kann es zu deutlichen Arzneireaktionen (Prüfungssymptomen) kommen. Ist dies der Fall, muss die Dosierung angepasst werden, durch

    • seltenere Einnahme,

    • Weiterverdünnen aus dem ersten Glas in ein zweites oder drittes Glas.

Der beschleunigte Therapieverlauf durch die häufig wiederholten Gaben bedingt auch einen häufigeren Patientenkontakt, z. B. um notwendige Anpassungen der Dosierung vorzunehmen oder bei entsprechender Sachlage die Einnahme zu stoppen (7.3).
Da die Q-Potenzen oft verdünnt und verschüttelt werden sollen, wirkt sich ein Transport der Stammlösung (z. B. Urlaub, Geschäftsreise) durch unkontrolliert häufiges Schütteln negativ auf die Therapieplanung aus. Besser ist es, die Stammlösung mit der augenblicklich eingenommenen Q-Potenz bei Ortswechsel vor Ort neu herzustellen und sie vor der Einnahme, entsprechend dem letzten Stand am Ausgangsort, erneut zu verschütteln.

Übersicht: Dosierung bei chronischen Erkrankungen (Tab. 6.4)

Dosierung chronische Erkrankung

Andere Dosierungskonzepte

Das Arbeiten mit hohen C- und Q-Potenzen ist die Grundlage der klassisch homöopathischen Praxis. Niedrige C- und niedrige bis mittelhohe D-Potenzen kommen vergleichsweise eher selten zum Einsatz. Zusätzlich hat sich in speziellen Situationen das Verkleppern von Arzneimitteln bewährt.
Niedrige D-Potenzen
D-PotenzenniedrigeWegen der fehlenden Tiefe und Nachhaltigkeit der Wirkung kommen niedrige D-Potenzen hauptsächlich bei leichten Akuterkrankungen zum Einsatz oder wenn für den Patienten in einer Notsituation keine andere Potenz verfügbar ist. Bei erfolgreicher Konstitutionstherapie kann im Falle einer intermittierend auftretenden akuten Störung der Versuch unternommen werden, diese mit einer niedrigen D-Potenz des Konstitutionsmittels zu beherrschen.
Mittelhohe D-Potenzen
D-PotenzenmittelhoheD30 und D200 sind weder Hoch- noch Niedrigpotenzen. Anwendung finden sie als Einzelgaben, evtl. tgl. über mehrere Tage, bei akuten Erkrankungen oder in der Konstitutionstherapie, wenn andere Potenzen nicht verfügbar sind.
Niedrige C-Potenzen
C-PotenzenniedrigeNiedrige C-Potenzen (C6, C12 etc.) sind wie niedrige D-Potenzen zu behandeln. Ein spezielles Einsatzgebiet in der Konstitutionstherapie ist das „Auffrischen“ der zuletzt gegebenen Hochpotenz. Besteht Unsicherheit, ob die verabreichte Hochpotenz in ihrer Wirkung erschöpft ist, kann alternativ zur nächsten Hochpotenz das Arzneimittel als C12 (evtl. auch als D6, D12 etc.), regelmäßig (meist 1–2× tgl.) über einen längeren Zeitraum (meist 1–2 Wochen, nicht länger!) verabreicht werden. Hierdurch wird die Wirkung der Hochpotenz nicht gestört sondern erneut „angefacht“ und die Gabe der nächsten Hochpotenz kann hinausgezögert werden.
Dosierung via Muttermilch
ArzneimittelMuttermilchBei der Behandlung von Säuglingen kann das Medikament der stillenden Mutter kurz vor dem Stillen verabreicht werden. Diese Dosierungsform empfiehlt sich besonders dann, wenn die Mutter ebenfalls Symptome für das gewählte Arzneimittel zeigt.
Riechen am Arzneifläschchen
ArzneimittelInhalationEine besonders milde Dosierungsform stellt das Riechen am Arzneifläschchen dar (mit einem Nasenloch, das andere wird zugehalten). Diese Methode kommt bei leichten, interkurrenten Störungen infrage sowie bei Patienten, die auf homöopathische Medikamente überempfindlich reagieren.
Verkleppern
VerkleppernBeim DosierungVerkleppernVerkleppern wird das Arzneimittel (meist niedrige C- oder D-Potenzen bis C200) in Wasser aufgelöst (ca. 100–200 ml) und nach mehrmaligem (immer gleich häufig, z. B. fünf Mal, nicht häufiger als zehn Mal) Umrühren oder noch besser Schütteln (Gefäß mit Deckel) regelmäßig wiederholt, teelöffelweise und über einen begrenzten Zeitraum eingenommen. Diese Methode wird bei schweren Akuterkrankungen und/oder Akuterkrankungen mit starkem Leidensdruck angewendet.
Durch das Umrühren oder Schütteln entsteht ein ähnlicher Effekt wie bei den Q-Potenzen, da das Arzneimittel durch die Bewegung (Umrühren, Schütteln) in seiner Potenzstufe leicht verändert wird.
LM-Potenzen
LM-PotenzenDie Gabe von im Handel erhältlichen, sogenannten LM-Potenzen (= Q-Potenzen) z. B. als LM6, LM12 oder LM18 in flüssiger Form unverdünnt und unverschüttelt über einen längeren Zeitraum, wie sie heute oft praktiziert wird, hat keine homöopathietheoretische Grundlage. Die sogenannten LM-Potenzen sollten strikt nach den Regeln der Verordnung von Q-Potenzen eingesetzt werden (6.4).

Schlussbemerkung

Wie wichtig ist die Dosierungsfrage (8.5.4)? Betrachtet man die Entwicklung der Dosierung in der homöopathischen Therapie von den Anfängen bei Hahnemann (Behandlung mit Urtinkturen) $Hahnemann, Samuelbis zum heutigen Stand, ist zu sehen, dass Behandlungserfolge mit den unterschiedlichsten Dosierungskonzepten erzielt werden. Wie hätte sich sonst die Homöopathie überhaupt entwickeln können? Betrachtet man den heutigen Querschnitt der Dosierungskonzepte, findet man in den verschiedenen Schulen unterschiedlichste Interpretationen „moderner“ Dosierungskonzepte (6.5). Trotzdem scheinen diese Konzepte (mehr oder weniger) zu erfolgreich durchgeführten Therapien zu führen.

In der homöopathischen Praxis ist die Arzneimittelwahl der entscheidende Faktor einer erfolgreichen Behandlung.

Die Weiterentwicklung der Dosierungskonzepte dient der Optimierung der Therapie, spielt aber im Therapieverlauf nicht die alles entscheidende Rolle. Eine homöopathische Behandlung mit gut gewählten Arzneimitteln in „scheinbar“ unpassenden Potenzen – in der Praxis manchmal sogar gezwungenermaßen, weil gerade keine andere Potenz erhältlich ist – führt erwiesenermaßen auch oder zumindest teilweise zum Therapieerfolg. Trotzdem ist es lohnend, sich intensiv mit der Frage der Dosierung homöopathischer Arzneimittel auseinanderzusetzen, da nur mithilfe eines strukturierten Vorgehens beim Dosieren überschaubare Langzeittherapien möglich sind.

Holen Sie sich die neue Medizinwelten-App!

Schließen