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B978-3-437-56353-9.00023-2

10.1016/B978-3-437-56353-9.00023-2

978-3-437-56353-9

Infektionskrankheiten

Henning Droege

Thomas Quak

(miasmatische Zuordnung)
  • 23.1

    Geschlechtskrankheiten574

    • 23.1.1

      Syphilis574

    • 23.1.2

      Gonorrhoe574

  • 23.2

    Infektionen des Nervensystems575

    • 23.2.1

      Zeckenbedingte ZNS-Infektionen575

    • 23.2.2

      Tetanus576

  • 23.3

    Organübergreifende Infektionen577

    • 23.3.1

      Grippe577

    • 23.3.2

      Infektiöse Mononukleose583

    • 23.3.3

      Tuberkulose585

    • 23.3.4

      Toxoplasmose585

    • 23.3.5

      Malaria586

Geschlechtskrankheiten

Syphilis

Definition: LuesLues, harter SchankerSchanker. Geschlechtskrankheit, chronische Infektionskrankheit, hervorgerufen durch Treponema pallidum, in 3 Stadien (Primär-, Sekundär-, Tertiärstadium) verlaufend, mit Auswirkung auf den gesamten Körper. Ca. 100-mal seltener als die Gonorrhoe (23.1.2), ernste (Spät-)Folgen sind möglich. Weitere Informationen zum Krankheitsbild 3.4.3.

Symptomatik: Primärstadium mit Primäreffekt; 6–8 Wo. später Sekundärstadium mit vielfältigen Hauterscheinungen (Eruptionsstadium) und generalisierter Lymphknotenschwellung. Nach Monaten bis Jahren Tertiärstadium mit Organmanifestation an Haut, Knochen, Herz (Mesaortitis luica).

Heute wird eine Syphilis immer AntibiotikaSyphilisantibiotisch behandelt, obwohl in der vorantibiotischen Ära eine alleinige homöopathische Behandlung üblich und mitunter auch erfolgreich war.
Der Mangel an konkreten Erfahrungen mit der ausschließlich homöopathischen Behandlung der akuten Syphilisinfektion in der heutigen Zeit verbietet eine Empfehlung bewährter Mittel oder einer bewährten homöopathischen Strategie bei einer Treponema-pallidum-Infektion.
Miasmatische Zuordnung: Die schulmedizinische Syphilis ist identisch mit der homöopathischen Syphilis. Das homöopathische Verständnis der Syphilis unterscheidet sich vom schulmedizinischen allerdings durch die Beobachtung der hereditären Weitergabe des Miasmas an die nachfolgenden Generationen, auch wenn der Erreger Treponema pallidum dann nicht mehr vorhanden ist (3.4.3). Unabhängig von der Frage nach der Behandlung der „akuten“ Syphilis hat die Erkrankung über die von Hahnemann$Hahnemann, Samuel eingeführte Miasmenlehre eine große praktische Bedeutung bei der Beurteilung und Behandlung chronischer Erkrankungen (3.1).

Gonorrhoe

Definition: TripperTripper. Einzige Erkrankung des Menschen durch Gonokokken (Neisseria gonorrhoeae), die sich u. a. durch Urethritis bemerkbar macht. Mischinfektionen mit Chlamydien und anderen Erregern sind möglich. Weitere Informationen zum Krankheitsbild 3.4.2.

Symptomatik: Beim Mann nach 2–5 d Urethritis mit Rötung, Dysurie und eitrigem Ausfluss. Bei der Frau Befall von Zervix, seltener der Urethra, meist blande Symptomatik. Bei Neugeborenen Konjunktivitis.

Da heutzutage alle gonorrhoischen Infektionen AntibiotikaGonorrhoeantibiotisch behandelt werden, ist die manifeste Gonorrhoe in der homöopathischen Praxis eine Rarität. Wie bei der Syphilis (23.1.1) gibt es kaum konkrete praktische Erfahrungen in der Behandlung der akuten Gonorrhoe. Dementsprechend finden sich Therapiehinweise v. a. in der historischen Literatur. Es gibt jedoch keine allgemeinen Therapieprinzipien, die sich aus aktueller Erfahrung ableiten lassen.
Das Miasma der sog. primär chronischen Gonorrhoe (= Sykosis) sieht der homöopathische Arzt jedoch ständig, z. B. Candidosen (20.3.11), Chlamydien, Pappillomaviren, Herpes genitalis (17.4.3).
Miasmatische Zuordnung: Ausführliche Hinweise zur Miasmatik der Gonorrhoe 3.4.2.

Infektionen des Nervensystems

Zeckenbedingte ZNS-Infektionen

  • Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSMEFSME)Frühjahrsommer-Meningoenzephalitis (FSME): Erreger ist das FSME-Virus, das durch Zecken übertragen wird (Übertragungsrisiko 1:500 bis 1:100 000 in Endemiegebieten in Süddeutschland, Österreich, Tschechische Republik). 70–90 % der Infektionen verlaufen asymptomatisch, ansonsten finden sich meningitische und enzephalitische Symptome (25.3). 1 % der Verläufe enden letal.

  • Lyme-BorrelioseLyme-Borreliose: Durch Borrelia burgdorferi hervorgerufene Infektion, die stadienhaft, chronisch und mit Beteiligung verschiedener Organe bzw. Organsysteme verläuft (ZNS, Gelenke, Haut, Herz etc.). Vorkommen: Mittel-, Ost-, Nordeuropa, Nordamerika und Australien, besonders von März bis November, Häufigkeitsgipfel: Sommermonate.

Therapeutische Strategie
Die auslösende Situation, nämlich der Zeckenbiss mit Infektionsgefahr, steht sowohl im Praxisalltag als auch in der homöopathischen Strategie ganz im Vordergrund. Falls Symptome einer Borreliose oder Meningoenzephalitis auftreten, folgt die Verordnung den jeweils vorhandenen Symptomen, der Auslöser ist dann nur noch ein Aspekt unter mehreren. Die Vielschichtigkeit der Stadien und Zielorgane kann im Verlauf auch verschiedene homöopathische Vorgehensweisen erfordern.
Die homöopathische Behandlung zielt schon nach Zeckenbiss auf die Verhütung einer Folgekrankheit.
Die Borreliose kann auch unter dem Aspekt des syphilitischen Miasmas gesehen werden, da Borrelien ebenso wie Treponema pallidum Spirochäten sind und auch der stadienhafte, chronische Verlauf Ähnlichkeiten mit der Syphilis aufweist. Das kann den Blick auf syphilitische Mittel wie Schwermetalle oder Nosoden lenken.
Da die Borreliose abgesehen vom typischen Hautbild (Erythema migrans) – das zudem selbstlimitierend ist – im Beginn häufig symptomlos abläuft, lässt sich nicht beurteilen, ob eine antibiotische Behandlung entbehrlich wäre. Sie wird also sicherheitshalber gleichzeitig durchgeführt, sofern nicht die Patientenfamilie strikt dagegen ist.
Homöopathische Behandlung
Zunächst ist nur der Zeckenbiss vorhanden, mit Papel oder Erythema migrans; das führende Mittel dafür ist Ledum palustre. Deshalb möglichst rasch nach jedem Zeckenbiss Ledum geben, auch noch im Stadium des Erythema migrans.
Aufgrund der Vielfalt der Borreliose-Symptome im fortgeschrittenen Erkrankungsstadium verlangt die homöopathische Behandlung große Erfahrung im Fallmanagement und in der Beurteilung des Krankheitsverlaufs bei einer manifesten Borreliose.
Eine weitere Möglichkeit der Behandlung ist isopathische Gabe der Nosode Borrelia burgdorferi D30 („Zeckenbissfiebernosode“), ggf. muss diese öfter verabreicht werden. Insbesondere das unklare und symptomlose Erscheinungsbild kann dies erforderlich machen.
Die gewünschte und regelmäßige Reaktion ist, dass der Patient nach dem Zeckenbiss und ggf. Erythema migrans keine Symptome einer manifesten Borreliose bzw. FSME entwickelt. Bei einer manifesten Borreliose folgt die Behandlung dem Krankheitsverlauf. Die Behandlung ist i. d. R. mit der einmaligen Gabe abgeschlossen.
Bei einer manifesten Borreliose ist mit einem langwierigen und vielschichtigen Verlauf zu rechnen.

Tetanus

Definition: WundstarrkrampfWundstarrkrampf s. Tetanus. Schwere, in 30–50 % tödliche Erkrankung mit Muskelkrämpfen, hervorgerufen durch Clostridium tetani (sporenbildendes, grampositives Stäbchen, das sich nur unter anaeroben Bedingungen vermehrt); Häufigkeit: 5–10 Fälle pro Jahr in Deutschland.

Symptomatik: Nach ersten Anzeichen (Schwindel, Schweißausbrüche, gesteigerte Muskeleigenreflexe) spastische Lähmungen – Trismus, Risus sardonicus. Gefährliche Ausmaße können die tonisch-klonischen Krämpfe annehmen, ein Befall der Atemmuskulatur bedingt akute Lebensgefahr.

In der Alltagspraxis geht es beim Thema Tetanus ausschließlich um die Frage der ProphylaxeProphylaxeTetanus, was angesichts der tatsächlichen Erkrankungszahlen (5–10 Fälle pro Jahr, ausschließlich Senioren) nicht verwundert. Im Gegensatz zur konventionellen Tetanusprophylaxe orientiert sich die homöopathische Prophylaxe an der Art der vorhandenen Wunde: z. B. Stichwunde → Ledum#LedumTetanusprophylaxe , nervenreiches Gewebe → Hypericum#HypericumTetanusprophylaxe (29.1 Unfälle und Verletzungen).
Mit Abheilung der Wunde ist das Tetanusrisiko i. d. R. ausgestanden. Die manifeste Tetanuserkrankung und deren Therapie kennen wir nur aus der homöopathischen Literatur, in der regelmäßige vollständige Heilungen dokumentiert sind. Unterstützend kann eine chirurgische Wundversorgung angezeigt sein.

  • Viel Erfahrung liegt auf dem Gebiet der „homöopathischen Traumatologie“ (29.1) vor. Durch die passende homöopathische Behandlung wird aktive Prophylaxe bei den unterschiedlichsten Verletzungstypen betrieben, z. B. bei einer „banalen“ Wundinfektion, Lymphangitis, Sepsis und eben auch Tetanus.

  • Zur Verbesserung der Wundheilung und Verhütung von Infektionen jede Wunde nicht nur chirurgisch, sondern immer auch homöopathisch versorgen.

Organübergreifende Infektionen

Grippe

  • InfluenzaInfluenza, Virusgrippe, „echte Grippe“. Erreger ist der Influenza-Virus (Typ A, B oder C), der zu den Myxoviren gehört. Übertragung durch Tröpfcheninfektion, gehäuft in den Herbst- und Wintermonaten. InkubationszeitInkubationszeitInfluenza: 1–5 Tage. Erhöhte Gefährdung bei älteren Menschen (Herz-Kreislauf-Beschwerden, Bradykardie, Hypotonie) und Kleinkindern (Darmgrippe mit Erbrechen und Durchfall, „Pseudokrupp“).

    Symptome: innerhalb weniger Stunden hohes Fieber, schweres Krankheitsgefühl mit Kopf-, Glieder- und Rückenschmerzen, Tracheobronchitis, Halsschmerzen und Heiserkeit. Bei Fieberdauer von mehr als 3–4 d besteht der Verdacht auf eine bakterielle Sekundärinfektion.

  • „Grippaler Infekt“Infekt, grippaler: Umgangssprachlicher Sammelbegriff für fieberhafte Allgemeinerkrankungen, die v. a. durch Viren, selten durch Bakterien hervorgerufen werden; meist Beteiligung der oberen Atemwege (Halsschmerzen, Husten, Schnupfen, Heiserkeit); gelegentlich zusätzlich Übelkeit, Diarrhoe. Liegt keine Immunschwäche vor, klingt der Infekt innerhalb von 5–14 d folgenlos ab.

Therapeutische Strategie
Für die homöopathische Behandlung gibt das klinische Erscheinungsbild den Ausschlag, sodass die Abgrenzung von Grippe und grippalem Infekt keine Konsequenzen hat. Die Grippe ist dankbar zu behandeln, sowohl was die Dauer als auch was die Schwere der akuten Erkrankung angeht. Auch ungeübte Homöopathen wie z. B. Mütter von erkrankten Kindern finden oft das passende Heilmittel, wenn sie das Krankheitsbild sorgfältig differenzierend beobachten.
In unkomplizierten Fällen ist außer Hausmitteln i. d. R. keine weitere Behandlung erforderlich. Auch Restbeschwerden und leichtere Komplikationen (z. B. Bronchitis, Otitis etc.) sind gut behandelbar, treten aber bei passender homöopathischer Behandlung i. d. R. gar nicht erst auf.
Kommt es zu bedeutenden Komplikationen wie Myokarditis, Pneumonie o. Ä., sollte die Behandlung unter Nutzung aller diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten dem Spezialisten vorbehalten bleiben.
Homöopathische Behandlung
Die Anwendung homöopathisch bewährter Indikationen bei Grippe ist für viele Anfänger das erste Erfolgserlebnis in der Homöopathie. Durch die akut und deutlich auftretenden Symptome ergeben sich klare Indikationen für eine Arznei. Andererseits kann die Behandlung auch misslingen, wenn keine klaren Symptome vorliegen oder geschildert werden. Gerade die banalsten Infekte trotzen gern jeder Behandlung.
Manchmal kann sich ein beiläufig gegebenes Akutmittel unbeabsichtigt als das Heilmittel für die chronische Krankheit herausstellen und sogar zum Schlüssel für einen bisher unlösbaren Fall werden. Schon deshalb lohnt es sich, auch bei einer chronischen Krankheit den akuten grippalen Infekt zu behandeln, ggf. auch mit einer Abfolge mehrerer Mittel, bevorzugt Komplementärmittel. Im günstigsten Fall wird der ganze Infekt kupiert, meist aber bessern sich die aktuellen Hauptbeschwerden, sodass der weitere Krankheitsverlauf noch zu verfolgen ist.
Bei epidemischem Verlauf muss der sog. Genius epidemicusGenius epidemicus, Grippe herausgearbeitet werden – das Arzneimittel, das die gemeinsame Symptomatik mehrerer Erkrankter in der Gesamtheit deckt. In der Regel lassen sich so mit 2–3 Arzneimitteln die meisten Grippekranken erfolgreich therapieren. Wenn in der eigenen Praxis nicht ausreichend viele Patienten erkrankt sind, ist ein Austausch mit Kollegen während einer Epidemie sehr hilfreich, um den Genius epidemicus sicher bestimmen zu können.
Bei den früheren Grippeepidemien gab es unter allopathischer Behandlung viele Todesfälle, nicht jedoch unter homöopathischer.
Wahl der Symptome
Auch wenn die allgemeinen grippalen Symptome immer wieder ähnlich sind (Husten, Schnupfen, Fieber etc.), ist die individuelle Ausprägung doch jedes Mal anders. Deshalb müssen die Details im Einzelnen erhoben werden. Die Eigenarten des Fieberverlaufs bieten gute Anhaltspunkte für die Verordnung. Die sorgfältige Beobachtung der Ärzte aus der Zeit vor Erfindung des Fieberthermometers, die sich in der Homöopathie erhalten hat, soll wieder geübt werden! Die gemessene Fieberhöhe hilft dagegen nicht weiter. Daneben sind wie immer alle auffallenden Begleitsymptome, Auslöser, Stimmungsveränderungen und Modalitäten zu beachten:
  • Auslöser sind der Königsweg zum Akutmittel, sofern diese eindeutige vorhanden sind. Beispielsweise Durchnässung durch Schwitzen, kalter trockener Wind usw.

  • Zeitliche Muster: z. B. Tages- oder Nachtzeiten bei den jeweiligen Beschwerden, wie Husten nur beim Erwachen, auch Periodizität.

  • Abfolge von Frost, Fieberhitze und Schweiß: Für die Mittelwahl sind nur diese beobachtbaren Fieberstadien hilfreich, nicht aber die gemessene Fieberhöhe.

  • Temperaturabhängigkeit: z. B. Empfindlichkeit auf Frischluft, Umgang mit der Bettdecke (z. B. zugedeckt bis über beide Ohren, abgedeckt, nur die Füße abgedeckt etc.).

  • Schweiß: Zeiten, Auslöser, aber auch Geruch, Konsistenz, z. B. ölig, nur an unbedeckten Stellen, einseitig, nur bei geschlossenen Augen usw.

  • Begleitsymptome: sind meist vorhanden, wie z. B. Übelkeit, Erbrechen, Gliederschmerzen usw., wiederum mit möglichst genauer Beschreibung.

  • Verhalten des Patienten: beispielsweise verkriecht sich oder sucht nach Gesellschaft.

  • Stimmung und Bewusstsein: z. B. delirant („typhös“), ängstlich, anhänglich, reizbar. Je mehr der Gemütszustand vom gesunden Zustand abweicht, umso wichtiger.

  • Appetit und Durst: welche Speisen und Geschmacksrichtungen, wann? Was ist anders als sonst? Was ist bei Grippe unerwartet, z. B. Gier nach Milch, Speck. Ggf. auch Übelkeit, Erbrechen (wodurch ausgelöst?), Durchfall usw.

  • Schlaf bzw. Zustand in der Nacht, ggf. auch Träume, insbesondere bei Kindern.

Miasmatische Zuordnung
Die Influenza gedeiht besonders gut auf dem Boden einer sykotischen Veranlagung. Grundsätzlich sind jedoch alle epidemisch auftretenden Erkrankungen eigene, festständige Akuterkrankungen (3.2). Diese werden durch einige wenige Epidemiemittel geheilt, die über die Gesamtheit der Symptomatik mehrerer erkrankter Menschen erkannt werden können.
Repertorium
RepertorisationInfluenzaIm Repertorium findet sich eine Hauptrubrik zum Thema „Grippe“: Allgemeines – Influenza (105 AM). Außerdem gibt es viele Rubriken, die bestimmte Syndrome oder Symptome im Zusammenhang mit Grippe (bzw. grippeähnlichen Syndromen) beschreiben. Wichtiger als die diagnosebezogenen Rubriken ist aber die genaue Differenzierung der entsprechenden Symptome (s. o. „Wahl der Symptome“), z. B. Auslöser (Causa).
Wichtig: Die Rubrik Frost – Zeiten kann auch für andere zeitabhängige Beschwerden verwendet werden.

Diagnosebezogene Rubriken

Allgemeines – Influenza
Auge // Schmerz – wund schmerzend – Influenza, bei
Brust // Entzündung – Lungen – begleitet von – Influenza
Schlaf // Schläfrigkeit – Influenza, bei
Allgemeines // Genesung, Rekonvaleszenz – Beschwerden während der – Influenza, nach

Causa

Gemüt – Beschwerden durch // Ausschweifungen // Liebe, enttäuschte, unglückliche // schlechte Nachrichten
Allgemeines // Durchnässung – agg. // Kalt – Abkühlung eines Körperteils agg. – Füße // Luft – kalte – agg. // Luftzug – agg. Fieber, Hitze – Verletzungen, nach

Zeitliche Muster

Husten // Erwachen, beim
Schweiß // Periodisch
Frost // Periodisch – Stunde wieder, kehrt zur selben

Abfolge von Frost, Fieber und Schweiß

Frost // Schweiß – Frost, nach
Fieber, Hitze // abwechselnd mit – Frostschaudern – nachts // abwechselnd mit – Schweiß // Schweiß – abwesend

Temperaturabhängigkeit

Allgemeines – Luft – frische // Abneigung // verlangt – Luftzug agg., aber

Schweiß

Kopf – Schweiß // Hinterkopf // kalter Schweiß
Schweiß // ölig // Geruch – sauer

Begleitsymptome

Magen // Erbrechen – Hitze, während /// Übelkeit – Fieber, während
Magen – Durstlosigkeit // Fieberhitze, bei // Schweiß, bei
Allgemeines – Speisen und Getränke // saure Dinge – Verlangen // warme Getränke – Verlangen // Stimulanzien – Verlangen

Psychische Symptome

Gemüt – Antworten // Abneigung zu // langsam // irrelevant, ohne Bezug zur Frage
Gemüt // Gesellschaft, Gemeinschaft, Geselligkeit – Abneigung gegen, agg. Anwesenheit von – Fremden // Ruhelosigkeit, Nervosität – Fieberhitze, mit // Reizbarkeit, Gereiztheit – Fieberhitze, mit

Schlaf

Gemüt – Reden // redet – Schlaf, im // Delirium – nachts
Schlaf – gestört // Hitze, durch // Geräusch, durch das geringste // Schweiß, durch
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Im günstigsten aber seltenen Fall ist der Infekt mit einer Gabe einer Hochpotenz oder wenigen Gabe einer Tiefpotenz sofort ausgestanden. Sonst kann sich bald eine nächste Phase anschließen, die i. d. R. ein neues Mittel erfordert. Die Schwere der Beschwerden soll dabei jeweils abnehmen.
Die Beurteilung des Verlaufs ist sehr wichtig: Entscheidend ist das Wohlbefinden – an erster Stelle steht das seelische Wohlbefinden, z. B. Delirium, Angst oder Unruhe; an zweiter Stelle das Vegetativum, v. a. der Schlaf (tiefer und langer Schlaf nach Mitteleinnahme als wichtiges Heilungszeichen; aber auch besserer und ruhigerer Nachtschlaf). Falls eine quälende Hauptbeschwerde im Vordergrund steht, z. B. Schmerzen oder Husten, soll diese vorrangig verschwinden.
Als Heilungsbemühungen des Körpers gelten dagegen Fieber, Schläfrigkeit, Appetitlosigkeit, Ausscheidungen wie z. B. Schweiß, Auswurf, ggf. Durchfall, u. U. Hautausschläge (v. a. bei Kinderkrankheiten). Die betreffenden Symptome dürfen sogar vorübergehend zunehmen oder neu auftreten – dies ist dann als gutes Zeichen für die weitere Prognose zu werten.
Eine Symptomenentwicklung (selbst bei homöopathischer Therapie) gegen diese Reihenfolge gilt als Unterdrückung und ist zu vermeiden. Sie verschleppt letztlich die Heilung oder kann sogar zu Komplikationen führen.

FieberFieberInfluenza ist an sich noch keine Behandlungsindikation!

Falls sich das Wohlbefinden innerhalb von 24 bis max. 48 Stunden nicht bessert oder gar verschlechtert, muss die Verordnung geändert werden.
Prognose: Die Hauptbeschwerden der Akuterkrankung sollten sich in jedem Fall nach wenigen Tagen, maximal nach einer Woche zurückgebildet haben. Eventuelle Restbeschwerden, z. B. Reizhusten, können auch bei guter homöopathischer Therapie noch einige Zeit andauern.
Unterstützende Maßnahmen
Bettruhe, Lindenblüten- oder Holunderblütentee. Viel trinken, wenig essen, v. a. keine schwer verdaulichen oder tierischen Nahrungsmittel. Ganzwaschung nach Kneipp. Wadenwickel bei Fieber sind als Unterdrückung zu bewerten. Antipyretika werden nicht eingesetzt, weil Fieber an sich nicht schadet, sondern nützt.
Antibiotika kommen nur zur Anwendung, wenn sie medizinisch tatsächlich indiziert sind (Grippe an sich ist keine Indikation), und auch dann nur, wenn die Homöopathie nicht greift. D. h., sie kommen bei einem erfahrenen Homöopathen so gut wie nie zum Einsatz.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Ant-t., Ars., Bell., Bry., Gels., Nux-v.
!! Acon., Carb-v., Cham., Chin., Eup-per., Hep., Lyc., Puls., Sulph.
! Camph., Con., Ip., Kali-i., Kali-c., Lach., Merc., Nat-m., Ph-ac., Phos., Rumx., Samb., Sec., Sil., Thuj., Verat.

Auslöser
Wenn es einen klaren Auslöser gibt, kann unter Umständen sofort nach der entsprechenden Indikation verordnet werden: Bei „Beschwerden infolge von …“ kommen vorrangig folgende Mittel infrage.
  • Kalter Wind: Aconitum oder Hepar sulfuris.

  • Nasse Füßen: Nux vomica, Pulsatilla oder Silicea.

  • Schwitzen und Auskühlung: Rhus toxicodendron.

  • Auskühlung: Dulcamara.

  • Schlafmangel: Nux vomica, Cocculus oder Phosphorus.

  • Schlechte Nachrichten: Gelsemium.

  • Impfung: Silicea oder Antimonium tartaricum.

Für jeden dieser Auslöser kommen auch weitere Mittel infrage, die im Repertorium zu finden sind.
Zeitliche Muster
Aconitum und Arsenicum album haben die Verschlechterung um oder kurz nach Mitternacht, Lachesis nach Schlaf, ggf. auch tagsüber, Eupatorium perfoliatum um 9 Uhr, Natrium muriaticum um 10 Uhr, Sulfur um 11 Uhr.
In den frühen Nachtstunden kommen nach Arsenicum album dann auch Kalium carbonicum, Sulfur, Nux vomica und andere infrage. Lycopodium wird von 16–20 Uhr schlimmer, Pulsatilla abends, Mercurius solubilis nachts.
Abfolge von Frost, Fieber und Schweiß
  • Schüttelfrost immer zu gleichen Uhrzeit: China oder eine Chininverbindung.

  • Schneller Fieberanstieg: v. a. Aconitum oder auch Belladonna.

  • Frost: Aconitum, Belladonna, Eupatorium perfoliatum, Nux vomica, Arsenicum album.

  • Hitzestadium: Belladonna, Pulsatilla, Gelsemium, Bryonia und andere.

  • Schweißausbruch: Hepar sulfuris, China, Sambucus, Psorinum, Mercurius solubilis, China.

Temperaturabhängigkeit
  • Empfindlich gegen frische Luft: Silicea, Hepar sulfuris, Nux vomica. Besonders die letzten beiden können nicht einmal die Hand unter der Bettdecke hervorstrecken, auch bei Rumex löst das sofort Husten aus.

  • Verlangen nach frischer Luft:

    • Pulsatilla und Carbo vegetabilis, auch wenn die Haut kalt ist.

    • Kalium iodatum und andere Jodverbindungen (mit viel Lebenswärme).

    • Sulfur, Pulsatilla und Chamomilla strecken die Füße unter der Bettdecke hervor.

    • Secale und Camphora decken sich ganz auf, obwohl sie eiskalt sind.

Schweiß
  • Hepar sulfuris und Mercurius solubilis schwitzen unter der Bettdecke, aber decken sich nicht auf.

  • Bei Nux vomica lässt das Schwitzen durch Zudecken nach.

  • Sambucus ist im Schlaf trocken, aber schwitzt sofort beim Erwachen.

  • Conium schwitzt dagegen nur bei geschlossenen Augen.

  • Thuja schwitzt nur an unbedeckten Körperstellen oder nur auf einer Körperhälfte, wie auch Nux vomica und Pulsatilla.

Begleitsymptome
  • Übelkeit und Erbrechen: Eupatorium perfoliatum, Pulsatilla, Ipecacuanha, Nux vomica u. a.

  • Gliederschmerzen: meist Bryonia, Gelsemium, Eupatorium perfoliatum.

  • Kopfschmerzen: oft Bryonia, Belladonna, Eupatorium perfoliatum.

Grippeuntypische Begleitsymptome sind noch interessanter und dann ggf. im Repertorium zu finden.
Verhalten und Stimmung des Patienten
Insbesondere Stimmungen und Verhalten, die in deutlichem Gegensatz zu der Stimmung an gesunden Tagen stehen, führen zum Heilmittel.
  • Pulsatilla wird auf einmal anhänglich und weinerlich.

  • Bryonia will ungestört mit dem Gesicht zur Wand liegen.

  • Phosphorus braucht Gesellschaft und Mitleid.

  • Antimonium tartaricum will nicht angesehen oder angefasst werden.

  • Arsenicum album braucht jemanden als Schutz in der Nähe.

  • Gelsemium wird schläfrig und kann die Augen kaum aufhalten.

  • Belladonna und Phosphorus werden delirant und sehen Fratzen.

  • Nux vomica, Hepar sulfuris und Chamomilla sind reizbar und ungeduldig.

Appetit und Durst
  • Durst: Auffallend großer Durst spricht für Bryonia, Arsenicum album oder Eupatorium perfoliatum (im Froststadium). Bei Bryonia in großen Schlucken, bei Arsenicum album eher viele kleine Schlucke warmer Getränke; Eupatorium perfoliatum braucht dagegen kalte Getränke.

  • Durstlosigkeit: Pulsatilla hat nicht einmal bei hohem Fieber oder beim Schweißausbruch Durst.

  • Abneigung schweres und fettes Essen: Pulsatilla und Carbo vegetabilis vertragen nichts Fettes oder Schweres, was ggf. wieder erbrochen wird.

  • Verlangen nach Erfrischendem ist zwar normal, kann aber doch ein Hinweis auf Phosphoricum acidum oder Veratrum sein.

  • Abneigung und Unverträglichkeit gegen Obst findet sich bei China.

Schlaf
Der Schlaf bzw. Zustand in der Nacht ist oft wichtig und sollte immer erfragt werden. Zu den meisten nächtlichen Symptomen und Zeiten s. o. (zeitliche Muster). Besonders Kinder können im Schlaf ängstlich hochschrecken, was auf Aconitum, Antimonium tartaricum, Belladonna, Chamomilla u. a. hinweist.

Infektiöse Mononukleose

Definition: Pfeiffer-DrüsenfieberPfeiffer-Drüsenfieber, Monozyten-AnginaMonozyten-Angina, „Kissing disease“. Allgemeinerkrankung mit Beschwerden vorwiegend an den Gaumenmandeln. Erreger ist das Epstein-Barr-Virus (EBV). Übertragung durch Speichel, Häufung im Frühling, vorwiegend Jugendliche betroffen. InkubationszeitInkubationszeitMononukleose, infektiöse 7 d – 3 Wo.

Symptomatik: Nach kurzem Prodromalstadium mit Müdigkeit, Schlafstörungen und Appetitlosigkeit mäßiges Fieber und oft sehr starke Schluckbeschwerden. Kieferwinkel-, Hals- und Nackenlymphknoten können massiv angeschwollen sein. Evtl. generalisierte Lymphknotenschwellung (50 %), Milz- (70 %) und Lebervergrößerung (20–40 %). Hochrote, mit grauen Fibrinbelägen bedeckte, geschwollene Tonsillen. Rachenenanthem und gelegentlich Exanthem der Haut. Verlauf: in 60 % symptomarm. Die Erkrankung kann Tage bis Wochen dauern. Als Folgeerkrankung treten Erschöpfungszustände auf, die Wochen bis Monate andauern können.

Therapeutische Strategie
Aus schulmedizinischer Sicht gibt es für die infektiöse Mononukleose keine suffiziente Therapie. Um einen unkomplizierten Krankheitsverlauf und eine kurze Rekonvaleszenz zu gewährleisten, sind Ruhe und Verzicht auf Sport (auch einige Wochen nach Abklingen der Krankheitssymptome) wichtig. Aus homöopathischer Sicht stellt sich die Mononukleose und deren Behandlung eine gewisse Herausforderung dar:
  • Die Erkrankung hat eine längere Dauer als andere Infektionskrankheiten; mit einer gewissen Regelmäßigkeit findet sich eine Mitbeteiligung innerer Organe (z. B. Leber und Milz).

  • Häufig führt eine durchgemachte Mononukleose zu einer Änderung im Gesamtgesundheitszustand des Patienten, z. B. in Form von chronischen Schwächezuständen noch lange nach Abklingen der eigentlichen Erkrankung.

Es scheint also, als ob die Mononukleose als Akuterkrankung in der Lage ist, chronische Störungen hervorzurufen oder an die Oberfläche zu bringen. Deshalb muss ihr, trotz häufig subakutem Verlauf, bei der homöopathischen Behandlung der entsprechende Respekt entgegengebracht werden und besonders genau nach dem exakt passenden Arzneimittel gesucht werden. Bei protrahierten Verläufen kann dabei die Gesamtkonstitution des Patienten mitberücksichtigt werden, bei chronischen Folgen hat die Behandlung eindeutig unter konstitutionellen Gesichtspunkten zu erfolgen.
Homöopathische Behandlung
Für die homöopathische Verordnung kommt es aus homöopathisch-phänomenologischer Sicht nicht auf die Diagnose an, sondern auf das klinische Bild. Sie entspricht deshalb weitgehend der Behandlung einer Angina tonsillaris (21.3) bzw. des grippalen Infektes (23.3.1), je nachdem, welche speziellen Symptome beim Patienten gerade im Vordergrund stehen. Außerdem muss bei schweren oder protrahierten Verläufen auch an die Verordnung tiefer wirkender Medikamente gedacht werden, da die Mononukleose eine tiefere Wirkung auf die Gesamtgesundheit haben kann als andere Virusinfekte.
Miasmatische Zuordnung
Die meisten EBV-Infektionen verlaufen harmlos und ohne besonderes Beschwerdebild. Dementsprechend können sie als „aufflackernde“ Psora verstanden werden. Die chronischen Erschöpfungszustände nach Mononukleose deuten auf eine tuberkulinische Belastung hin.
Wahl der Symptome
Die Symptome der EBV-Infektion imitieren häufig Tonsillitiden (Halsschmerzen, Lymphknotenschwellungen, 21.3) bzw. grippale Infekte (ausgeprägte Schwäche, katarrhalische Symptome, Gliederschmerzen etc., 23.3.1). Finden sich die typischen (bei weitem aber nicht immer vorhandenen), deutlichen, zervikalen Lymphknotenschwellungen, können diese bei der Arzneiwahl eine Rolle spielen, ebenso die Begleithepatitis oder die Milzschwellung (obwohl sie pathognomonisch für das Krankheitsbild sind). Auch die häufig vorkommenden (aber deshalb nicht als „normal“ zu akzeptierenden) Folgeprobleme wie Schwächezustände oder Infektanfälligkeit können als Symptom zur Arzneimittelfindung dienen.
Repertorium
RepertorisationMononukleose, infektiöseAufgrund moderner diagnostischer Möglichkeiten hat die Mononukleose Einzug ins Repertorium gehalten. Die entsprechenden Rubriken (z. B. „Allgemeines – Mononukleose“ mit fünf Arzneimitteln) sind mit Sicherheit noch unvollständig.
Für die Arzneimitteldifferenzierung müssen deshalb die Repertoriumsrubriken „Tonsillitis“ und „grippaler Infekt“ herangezogen werden. Nicht mononukleosespezifische Rubriken, die für die Arzneifindung von Bedeutung sein können, sind neben den tonsillitis- und influenzatypischen Symptomen z. B. folgende Rubriken.

Äußerer Hals – Schwellung // Halsdrüsen – hart

Abdomen – Schwellung // Milz

Rücken – Schwellung // Zervikalregion – Nackendrüsen

Allgemeines – Schwäche // akuten Krankheiten, mit

Allgemeines – Schwellung // Drüsen, der – Fieber, während // Drüsen, der – hart // Drüsen, der – schmerzlos

Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung, 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Unter guter homöopathischer Therapie und aufmerksamer Beobachtung ist die Prognose der infektiösen Mononukleose gut, chronische Folgezustände können immer vermieden werden.
Auch die chronischen, oft langwierigen Folgen der Mononukleose reagieren gut auf homöopathische Behandlung.
Homöopathische Arzneimittel
Bei der homöopathischen Behandlung der Mononukleose kommen nahezu alle homöopathischen Arzneimittel in Betracht – je nach der vordergründigen Symptomatik besonders auch die für Tonsillitis (21.3) und grippale Infekte (23.3.1). Besonders bewährt bei der Behandlung der Erschöpfungszustände und der Infektanfälligkeit nach durchgemachter Mononukleose hat sich die Nosode Carcinosinum.

Tuberkulose

Definition: TuberkuloseTb, TbcTbc, Schwindsucht. Weltweit verbreitete, bakterielle Infektionskrankheit mit chronischem Verlauf; meist in den Atmungsorganen lokalisiert, jedoch grundsätzlich Befall aller Organe möglich. Erreger ist das Mycobacterium tuberculosis, seltener Mycobacterium bovis. Übertragung durch Tröpfcheninfektion. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Alkoholkranke, sozial schlecht gestellte Immigranten und Abwehrgeschwächte (z. B. HIV-Infizierte). Weltweit über 1 Milliarde Menschen infiziert, Zunahme der Inzidenz in Mitteleuropa seit 1991. Formen: primäre Tbc, postprimäre Tbc (meist Reaktivierung alter Herde in der Lunge bzw. Minimal Lesions in einem anderen Organ durch geschwächte Immunabwehr).

Symptomatik: Oft asymptomatisch, bei schwerem Verlauf Fieber, Nachtschweiß, Husten, Auswurf, evtl. Hämoptyse, Pleuraerguss, Erythema nodosum.

Die Tuberkulose tritt heute in westlichen Ländern fast nur sekundär bei länger bestehender Abwehrschwäche auf. Das Krankheitsbild ist im konkreten Fall also noch komplexer als der lehrbuchmäßige Ablauf der Tbc und erfordert ein entsprechend komplexes Therapieregime.
Vor 100 Jahren wurde die Tbc oft und offenbar erfolgreich homöopathisch behandelt. Heute kommt sie in der homöopathischen Praxis als „Akuterkrankung“ nicht mehr vor. Deshalb soll das Thema hier nicht weiter vertieft werden.

Toxoplasmose

Definition: Protozoeninfektion, Erreger ist das Toxoplasma gondii. Weltweite Verbreitung, hohe Durchseuchung (50–70 %), Hauptwirt: Katze, Mensch als Fehl- bzw. Zwischenwirt. Übertragung durch Verzehr zystenhaltigen Fleisches sowie durch Katzenkot, kontaminierten Erdboden, aber auch durch Verzehr von ungewaschenem Salat und Gemüse. Ca. 25 Fälle angeborener Toxoplasmose in Deutschland pro Jahr.

Symptomatik:

  • Postnatale Infektion: meist asymptomatisch bei Immunkompetenten, in seltenen Fällen fieberhafte Erkrankung mit zervikal betonter, generalisierter, nicht dolenter Lymphknotenschwellung, gelegentlich Hepatosplenomegalie.

  • Enzephalitis bei Immunsupprimierten: reaktivierte Infektion. 50–70 % aller HIV-positiven Patienten sind infiziert, davon erkranken 40 % im Stadium AIDS an einer ZNS-Toxoplasmose (Leitsymptome: fokale neurologische Ausfälle und hirnorganisches Psychosyndrom mit oder ohne Fieber).

Die einzige Form der Toxoplasmose, die in der homöopathischen Alltagspraxis als Problem auftritt, ist die frische Infektion von schwangeren Frauen. Die Behandlung ist, wenn überhaupt, nur von sehr erfahrenen Homöopathen durchzuführen und setzt sehr viel Vertrauen bei der Patientin voraus. Die medizinisch-juristische Problematik ist beträchtlich. Auf konkrete Behandlungshinweise wird deshalb an dieser Stelle verzichtet.

Malaria

Definition: Von ital. malaria (= schlechte Luft). Sammelbezeichnung für Infektionen durch Protozoen der Gattung Plasmodium. Übertragung durch die Stechmückenart Anopheles. Formen: Malaria tertiana, Malaria quartana und Malaria tropica; letztere ist die gefährlichste und verläuft oft tödlich. Vorkommen weltweit in den Tropen und Subtropen mit feuchtwarmem Klima (v. a. Afrika und Südostasien).

Symptomatik: Wiederholte Fieberschübe, die sich bei M. tertiana jeden 3. d, bei M. quartana jeden 4 d und bei M. tropicana unregelmäßig wiederholen.

Die Erfahrung des Autors mit der homöopathischen Behandlung der Malaria ist im Gegensatz zu indischen Kollegen zu gering, um hier fundierte Aussagen treffen zu können. Trotz multipler Erfahrungen mit dieser Erkrankung aus der Vergangenheit (u. a. wurde Hahnemann über die Einnahme von ChinarindeChinarinde, die zur damaligen Zeit zur Behandlung des Wechselfiebers verwendet wurde, auf das Simileprinzip aufmerksam, 1.2.2), lassen sich diese nicht ohne weiteres auf die heutige Zeit übertragen, sodass auf eine detaillierte Darstellung verzichtet wird.
Miasmatische Zuordnung: Die Malaria wird der Psora oder der Tuberkulose zugeordnet. Im „Organon“ beschreibt Hahnemann$Hahnemann, Samuel die Behandlung in den Kapiteln über Wechselkrankheiten und weist auf die Notwendigkeit der antipsorischen Nachbehandlung und auf die gelegentliche Verkomplizierung mit dem syphilitischen Miasma hin (Organon, §§ 231–244).

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