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B978-3-437-56353-9.00027-X

10.1016/B978-3-437-56353-9.00027-X

978-3-437-56353-9

Kinder

Martin Schmitz

  • 27.1

    „Klassische“ Kinderkrankheiten700

    • 27.1.1

      Dreitagefieber700

    • 27.1.2

      Masern702

    • 27.1.3

      Mumps706

    • 27.1.4

      Ringelröteln710

    • 27.1.5

      Röteln711

    • 27.1.6

      Streptokokkenangina, Scharlach714

    • 27.1.7

      Windpocken719

    • 27.1.8

      Keuchhusten (Pertussis)722

  • 27.2

    Häufige Erkrankungen im Kindesalter727

    • 27.2.1

      Icterus neonatorum727

    • 27.2.2

      Säuglingsakne729

    • 27.2.3

      Windeldermatitis731

    • 27.2.4

      Milchschorf733

    • 27.2.5

      Dellwarzen735

    • 27.2.6

      Zahnungsbeschwerden737

    • 27.2.7

      Dreimonatskolik739

    • 27.2.8

      Übelkeit und Erbrechen741

    • 27.2.9

      Diarrhoe745

    • 27.2.10

      Obstipation749

    • 27.2.11

      Fieber und Fieberkrampf752

  • 27.3

    Entwicklungs- und Gedeihstörungen756

  • 27.4

    Psychosomatische Störungen760

    • 27.4.1

      Schlafstörungen760

    • 27.4.2

      Enuresis, Enkopresis764

    • 27.4.3

      Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS)767

    • 27.4.4

      Lernschwierigkeiten, Legasthenie769

„Klassische“ Kinderkrankheiten

Dreitagefieber

Definition: Exanthema subitum. Akute, harmlose Exanthema subitum s. DreitagefieberFieberDreitagefieberDreitagefieberViruserkrankung des Kleinkindalters, meist zwischen 6. Lebensmonat und 3. Lj. Erreger ist das humane Herpesvirus 6. Übertragung durch Tröpfcheninfektion. InkubationszeitInkubationszeitDreitagefieber: 5–15 d.

Symptomatik: Unvermittelt hohes Fieber von 39–40 °C, das nach 3–4 d ebenso schnell wieder abfällt. Evtl. leichte katarrhalische und gastroenteritische Erscheinungen. Allgemeinzustand recht gut. Charakteristischer klein- oder mittelfleckiger Ausschlag v. a. am Körperstamm, der sich erst nach dem Fieberabfall entwickelt, sehr diskret sein kann und oft nur wenige Stunden anhält. KomplikationenKomplikationenDreitagefieber: Fieberkrämpfe wegen des raschen Fieberanstiegs bei entsprechend veranlagten Kindern.

Therapeutische Strategie
Harmlose Erkrankung, bei der allopathische fiebersenkende Arzneien im Allgemeinen nicht sinnvoll oder gar notwendig sind; lässt sich homöopathisch gut behandeln.
Homöopathische Behandlung
Ist das Kind in konstitutioneller Behandlung, reichen oft Allgemeinmaßnahmen wie ausreichendes Trinken und Wadenwickel aus, ggf. kommt ein Komplementärmittel infrage. Bei Kindern ohne Konstitutionsmittel v. a. an die Arzneimittel mit plötzlich auftretendem hohem Fieber denken. Wenn das Exanthemstadium erreicht ist und das Fieber sinkt, ist nur selten ein homöopathisches Mittel notwendig.
Wahl der Symptome
SymptomenwahlDreitagefieberDie Wahl stützt sich insbes. im Frühstadium auf die Begleiterscheinungen beim Fieber:
  • Begleitsymptome wie Fieberkrämpfe, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Ohrenschmerzen oder -entzündungen, Erbrechen, Durchfall, Durstlosigkeit, Lymphknotenschwellungen.

  • Schweiß evtl. nur an einzelnen Körperregionen oder abwesend trotz Fieber.

  • Verhaltensauffälligkeiten wie Ruhelosigkeit, Apathie oder delirante Symptomatik.

Miasmatische Zuordnung
Das Dreitagefieber ist ein akutes Miasma.
Repertorium
RepertorisationDreitagefieberEine eindeutig der Diagnose zuzuordnende Repertoriumsrubrik gibt es nicht. Es geht im Wesentlichen um das Fieber (27.2.11) und die entsprechenden Rubriken. Hinzu kommen individuell auffallende Modalitäten und Begleitsymptome. Die Rubriken der Hautausschläge sind nebensächlich.

Allgemeines – plötzlich auftretende Symptome – Fieber // aufsteigend // intensive Hitze // intensive Hitze – Konvulsionen, mit

Haut – Hautausschläge – Exanthem, flüchtiges // scharlachrot // Kindern, bei

Gemüt // Angst – Fieber, während // Gleichgültigkeit – Fieber, während // Ruhelosigkeit – Fieber, während

Dosierung, Verlaufsbeurteilung und Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Eine Fiebersenkung (wie sie in der Schulmedizin üblich ist) ist für die Infektbewältigung eher kontraproduktiv. Dies muss auch bei der homöopathischen Therapie berücksichtigt werden, die nie auf eine ausschließliche Fiebersenkung ausgelegt sein darf.
Wichtig für die Verlaufsbeurteilung ist v. a. das Allgemeinbefinden, das durch ein homöopathisches Arzneimittel gebessert werden sollte. Zu beachten sind hier besonders Symptome wie Stimmung, Schwäche, Temperaturempfindlichkeit, Appetit und Durst.
Die Prognose ist in jedem Fall sehr gut, es handelt sich um eine harmlose Erkrankung.
Unterstützende Maßnahmen
Viel trinken, Wadenwickel (bei warmen Waden), Anregung des Schwitzens durch Lindenblüten- oder Holunderblütentee.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Acon., Bell.
!! Bry., Hyos.
! Ferr-p., Phos., Puls., Rhus-t., Stram.

Fieber
Beim frühen Fieberstadium kommen Aconitum#AconitumFieber, Belladonna und Ferrum phosphoricum#Ferrum phosphoricumFieber infrage.
  • Aconitum: schnell steigendes Fieber, trockene Hitze, Durst; Gesicht rot und beim Aufsetzen blass; Unruhe.

  • Belladonna#BelladonnaFieber: plötzlich steigendes Fieber; warmer Schweiß v. a. an bedeckten Körperpartien; weite Pupillen; Gesichtsröte; sehr empfindlich auf Berührung oder Licht; Unruhe.

  • Ferrum phosphoricum#Ferrum phosphoricumFieber: langsam steigendes Fieber; Kind bemerkt Fieber nicht, guter Allgemeinzustand; wellenförmiger Schmerzcharakter.

Treten Fieberkrämpfe oder delirante Zustände auf, so ist neben Belladonna an Hyoscyamus#HyoscyamusFieberkrampf und Stramonium#StramoniumFieberkrampf zu denken.
Begleitsymptome
Weitere Mittel werden nach entsprechender Begleitsymptomatik differenziert.
  • Pulsatilla: Otitiden; Durstlosigkeit, evtl. katarrhalische Symptome mit gelblich-grünen Absonderungen.

  • Phosphorus: Husten; Durst auf Kaltes, Bronchitis oder Pneumonie; auch Meningitis; Halsschmerzen.

  • Bryonia: jede Bewegung agg.; viel Durst, trockene Haut und Schleimhäute; Pneumonie.

  • Rhus toxicodendron: Ruhelosigkeit mit starkem Bewegungsdrang, Gliederschmerzen, evtl. Verlangen nach Milch.

Masern

Definition: Akute Virusinfektion mit typischen Vorläufersymptomen und charakteristischem Hautausschlag. Erreger: Masernvirus. Übertragung durch Tröpfcheninfektion. Kontagionsindex liegt bei 95 %, Ansteckungsfähigkeit von Beginn der Prodromi bis zum Ende des Exanthems. InkubationszeitInkubationszeitMasern: 9–12 d.

Symptomatik:

  • Prodromalstadium: mäßiges Fieber, Husten, Schnupfen und Bindehautentzündung mit Lichtscheu. Das Kind ist unruhig, fühlt sich sehr krank und sieht verquollen aus. Enanthem im Rachen (kalkspritzerartige, weiße Koplik-Flecken der Wangenschleimhaut gegenüber den Backenzähnen). Nach 3–5 d fällt das Fieber für 1–2 d ab.

  • Exanthemstadium: Das Fieber steigt erneut auf ca. 40 °C an. Der Ausschlag beginnt meist hinter den Ohren und im Gesicht, um sich über Schultern, Rumpf und Extremitäten bis zu den Füßen auszubreiten. Zunächst kleine, rosa-violette bis rote, erhabene Papeln, die zu unregelmäßig geformten, größeren Flecken (grobfleckig) oder flächigen Rötungen konfluieren, evtl. in der Mitte hirsekorngroße Bläschen (Morbilli vesiculosi). Oft lokale oder generalisierte Lymphknotenschwellung. Nach 3–4 d klingen Fieber und Ausschlag wieder ab.

  • Rekonvaleszenzphase: Kleieförmige Abschuppung der Haut, Lymphknoten schwellen ab.

KomplikationenMasernDie gefährlichste Akutkomplikation ist die MasernenzephalitisEnzephalitisMasern (Häufigkeit ca. 1:1 000 bis 1:5 000). Otitis media ist am häufigsten, seltener Bronchitis, Pneumonie oder Herz-Kreislauf-Versagen. Sehr selten, aber meist tödlich ist die sich erst nach 5–10 Jahren zeigende, subakute sklerosierende Panenzephalitis mit allmählicher Zerstörung des Gehirns.

Therapeutische Strategie
Wichtig sind Bettruhe und je nach Symptomatik die unten genannten unterstützenden Maßnahmen. Fiebersenkende Mittel sind nicht zu empfehlen, da sie die physiologischen Abwehrvorgänge behindern. Antibiose ggf. bei Komplikationen wie Pneumonie (10.1.2), Otitis (21.12, 21.12) oder Enzephalitis (die besonders ernst zu nehmen ist, 25.3). Die Gabe von Vitamin A (200 000 I. E.) an zwei aufeinander folgenden Tagen wird von der WHO zumindest bei schlechtem Ernährungszustand empfohlen.
Homöopathische Behandlung
Die Krankheit lässt sich im Sinne einer Akuttherapie homöopathisch gut behandeln. Wurde der Patient konstitutionell behandelt, sollten Komplementärmittel bevorzugt werden. Treten im Krankheitsverlauf Bronchitis oder Otitis auf, ist ein Wechsel der Arznei angezeigt. Im Allgemeinen lassen sich diese leichten Komplikationen der Masernerkrankung homöopathisch gut beherrschen. Sollten Zeichen einer Hirnhautreizung oder Enzephalitis auftreten, ist ein Facharzt hinzuzuziehen und eine stationäre Einweisung zu erwägen.
Auch bei Rekonvaleszenz-Beschwerden oder anhaltenden Beschwerden nach einer Maserninfektion wie z. B. rezidivierenden Bronchitiden ist eine homöopathische Therapie sinnvoll.
Wahl der Symptome
SymptomenwahlMasernDie Wahl hängt von der individuellen Manifestation der Symptomatik, den Modalitäten und den Veränderungen des Gemütszustandes ab. Je nach Stadium stehen unterschiedliche Mittel im Vordergrund. Im Krankheitsverlauf ist gegebenenfalls ein Mittelwechsel indiziert. Der Hautausschlag ist bei der Mittelwahl meist nebensächlich, aber z. B. relevant bei Einblutungen. Auffällig wäre auch das Ausbleiben des Hautausschlags.
  • Manifestation: Wo zeigt sich die Erkrankung? Meist Husten und Symptome der Atemwege, häufig auch Augen- oder Ohrenbeschwerden. Selten Durchfall oder Erbrechen.

  • Modalitäten: Wodurch wird das Kind beeinflusst, auf welche äußeren Einflüsse reagiert es empfindlich? Lichtempfindlichkeit, Geräuschempfindlichkeit, Verlangen nach frischer Luft oder nach kühlen Getränken. Individuelle Symptomatik beachten.

  • Verhalten: Ist das Kind ruhelos, weinerlich oder benommen, will es sich viel bewegen oder ganz ruhig liegen?

  • Zeitliche Faktoren: zu bestimmten Zeiten individuelle Verschlechterung des Gesamtbefindens oder eines Symptoms (z. B. Husten, Fieber).

Miasmatische Zuordnung
Masern sind ein akutes Miasma. Folgeerkrankungen nach Masern sind meist auf die Aktivierung von Psora oder Tuberkulinie zurückzuführen.
Repertorium
RepertorisationMasernUnter Haut – Hautausschläge – Masern (78 AM) sowie Fieber – Ausschlagsfieber; Fieber bei Ausschlagserkrankungen – Masern (31 AM) lassen sich die zur Masernbehandlung infrage kommenden Mittel finden.
In den verschiedenen Unterrubriken von „Fieber“, „Husten“ und unter „Auge“ lassen sich ebenfalls viele passende Rubriken finden, welche die individuelle Ausprägung der Symptomatik widerspiegeln. Auch andere Kapitel des Repertoriums geben spezifische Hinweise bezüglich der Symptome bei Masern. Zu unterscheiden sind dabei die Rubriken der Symptome „während Masern“ und „nach Masern“ (s. u.).

Diagnosebezogene Rubrik

Haut – Hautausschläge – Masern
Fieber – Ausschlagsfieber; Fieber bei Ausschlagserkrankungen – Masern

Masernsymptome

Augen // Entzündung – Masern, nach
Sehen // Trübsichtigkeit, trübes Sehen – Masern, nach
Hören // Schwerhörig – Masern, nach
Ohren // Masern, nach // Absonderungen – Masern, nach
Kopf // Schmerz – Masern, nach
Kehlkopf und Trachea // Katarrh – Masern, nach
Brust // Entzündung – Lungen – Masern, nach
Atmung // Asthma, asthmatische Atmung – Masern, nach
Husten // Masern – während // Trocken – Masern, nach
Rektum // Diarrhoe – Masern, bei // Diarrhoe – Masern, nach
Schlaf // Schläfrigkeit – Masern, bei // Schlaflosigkeit – Masern, bei
Allgemeines // Masern – Beschwerden, nach
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Da die Masern durch eine homöopathische Therapie nicht abgekürzt werden und das Therapieziel ein komplikationsloser, subjektiv erträglicher Krankheitsverlauf ist, sind Parameter wie Fieberhöhe, Hautausschlag und katarrhalische Symptome nicht unbedingt zur Verlaufsbeurteilung geeignet. Ihr Verschwinden ist keine „Conditio sine qua non“ der suffizienten homöopathischen Behandlung. Es gibt zwei verlässliche Verlaufsparameter:
  • Der Allgemeinzustand inkl. Beeinträchtigung von Appetit und Durst, Schlaf und psychischer Reaktion auf die Erkrankung.

  • Das Auftreten bzw. Ausbleiben von Komplikationen.

Die Prognose ist mit homöopathischer Behandlung immer gut, das Auftreten von Komplikationen wird in den allermeisten Fällen vermieden.
Unterstützende Maßnahmen
Bettruhe solange Fieber besteht, Zimmer abdunkeln, viel trinken (günstig sind Salbei- oder Thymiantee), ggf. Euphrasia-Augentropfen oder Expektoranzien (Efeu, Eibisch Thymian etc.).

Die homöopathische Behandlung der Masern zielt nicht auf eine Verkürzung der Erkrankung, sondern auf einen benignen, subjektiv erträglichen Krankheitsverlauf ab.

Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Puls.
!! Acon., Bry., Carb-v., Chin., Dros., Euphr., Ip., Rhus-t., Stict., Sulph.
! All-c., Am-c., Ant-c., Ant-t., Apis, Ars., Bell., Brom., Calc., Cupr., Dulc., Ferr-p., Gels., Kali-c., Morb., Tub., Zinc.

Das Hauptmittel der Masern in allen Stadien ist Pulsatilla.
Prodromalstadium
Beim anfänglichen Fieberanstieg stehen als Mittel Aconitum#AconitumMasern, Belladonna und Ferrum phosphoricum im Vordergrund.
  • Aconitum: plötzlicher Beginn, hohes Fieber; Lichtscheu; trockener Husten, greift sich an den Kehlkopf beim Husten; heißes Nasensekret; unruhig; ängstlich.

  • Belladonna: #BelladonnaMasernplötzlicher Beginn, hohes Fieber; Konjunktivitis mit Lichtscheu; Kopfschmerzen, Hirnaffektionen.

  • Ferrum phosphoricum#Ferrum phosphoricumMasern: mäßiges Fieber, gutes Allgemeinbefinden; Schlaflosigkeit bei Masern.

Bei Augenbeschwerden sind Euphrasia und Allium cepa in Betracht zu ziehen.
  • Allium cepa: Lichtscheu mit milden Tränen, wund machender Schnupfen.

  • Euphrasia: Konjunktivitis mit Lichtscheu, Augenschmerzen bei wund machenden Tränen; mildes Nasensekret; trockener Husten insbesondere tagsüber, durch Liegen amel.

Exanthemstadium
  • Bei trockenem Husten sind die führenden Mittel Bryonia und Drosera.

    • #BryoniaHustenBryonia: trockene Schleimhäute, viel Durst; schmerzhafter Husten, hält sich die Brust dabei; jede Bewegung agg., will in Ruhe gelassen werden.

    • Drosera#DroseraHusten: tiefer, heiserer, bellender Husten, hält sich die Brust beim Husten; Kitzeln im Rachen; Erbrechen beim Husten; Lichtscheu; juckendes Exanthem.

  • Bei lockerem Husten Pulsatilla#PulsatillaHusten: tagsüber lockerer und nachts trockener Husten, im Liegen agg.; Durstlosigkeit; Absonderungen aus Auge und Nase mild und evtl. gelblich; Lichtscheu; begleitende Otitis oder Diarrhoe; Weinerlichkeit.

  • Bei hackendem Husten Sticta pulmonaria: #StictaHustenhackender, harter Husten, v. a. abends beim Hinlegen oder nachts; Schlaflosigkeit; Schnupfen, der sich festgesetzt hat, die Nase wird auch durch Schnäuzen nicht frei.

  • Bei sehr produktivem Husten kommen Ammonium carbonicum und Antimonium tartaricum infrage: #Ammonium carbonicumMasern

    • Ammonium carbonicum: schwaches Exanthem, sichtbares Enanthem; begleitende Bronchitis mit grobem Schleimrasseln, Schnupfen mit verstopfter Nase.

    • Antimonium tartaricum#Antimonium tartaricumMasern: Enanthem; begleitende Bronchitis mit viel Auswurf und Schleimrasseln; Lichtscheu.

  • Bei hinzukommendem Erbrechen sind Antimonium crudum und Ipecacuanha die Mittel der Wahl.

    • #Antimonium crudumMasern Antimonium crudum: Erbrechen bei Masern; dick weiß belegte Zunge; Konjunktivitis mit Lichtscheu; mürrische Stimmung.

    • Ipecacuanha: Brechreiz; grobblasiges Rasseln; auffallend reine Zunge; Hautausschlag entwickelt sich langsam; begleitende Diarrhoe; Konjunktivitis mit Lichtscheu; Reizbarkeit.

  • Eine auffallende Schläfrigkeit verweist auf Apis#ApisMasern: Schläfrigkeit bei Masern; Durstlosigkeit; Konjunktivitis mit Lichtscheu.

  • Rhus toxicodendron#Rhus toxicodendronMasern kommt als weiteres Mittel in Betracht: Hautausschlag leicht erhaben und bläulich, sichtbares Enanthem; starker Juckreiz; Konjunktivitis mit Lichtscheu; Ruhelosigkeit mit starkem Bewegungsdrang, Verlangen nach Milch.

Rekonvaleszenzphase
Bei zurücktretendem oder unterdrücktem Ausschlag, aber weiterhin stark beeinträchtigtem Allgemeinbefinden, ist v. a. Sulfur#SulfurMasern angezeigt, um den Hautausschlag noch herauszubringen. Zincum metallicum ist eine Alternative, wenn Sulfur keinen Erfolg zeigt, Morbillium kommt als Nosode in Betracht.
  • Morbillium: Verlauf#Morbillium, Masern mit mangelnder Erholung, Hautausschlag kommt nicht richtig heraus.

  • Sulfur: unterdrückter Hautausschlag, Juckreiz, Schwäche.

  • Zincum metallicum#Zincum metallicumMasern: Atemnot bei unterdrücktem Hautausschlag; Taubheitsgefühl der Arme bei Masern; Konjunktivitis mit Lichtscheu; Ruhelosigkeit der Beine und Arme.

Bei sogenannten bösartigen Masern mit neuralgischen Symptomen steht Arsenicum album#Arsenicum albumMasern im Vordergrund, angezeigt sind ebenfalls Gelsemium, und Carbo vegetabilis, wenn der Hautausschlag eine violette Färbung aufweist. Tuberkulinum ist als Nosode zu erwägen, wenn sich der Husten in die Länge zieht.
  • Arsenicum album: Erschöpfung; brennende Haut; Diarrhoe; Konjunktivitis mit Lichtscheu; Hirnaffektionen; Durst auf kleine Schlückchen; Angst mit Ruhelosigkeit.

  • Carbo vegetabilis#Carbo vegetabilisMasern: Haut bläulich und kalt, Enanthem am Gaumen; rauer Husten; Schwäche.

  • Gelsemium#GelsemiumMasern: gedunsenes Gesicht; Durstlosigkeit; langsame Entwicklung der Beschwerden; wund machendes Nasensekret; Konjunktivitis mit Lichtscheu; Erschöpfung mit Benommenheit und Zittrigkeit, Gliederschmerzen.

  • Tuberculinum#TuberculinumMasern: Infektanfälligkeit mit chronischem Husten; Konjunktivitis mit Lichtscheu; rastlos, ruhelos.

Bei Hirnaffektionen kommt neben den bereits genannten Mitteln (Arsenicum album und Belladonna) v. a. noch Cuprum metallicum mit seiner charakteristischen Krampfneigung in Betracht.
Beschwerden nach Masern
Hauptmittel sind Pulsatilla#PulsatillaMasern, Carbo vegetabilis, Sulfur und China.
  • Carbo vegetabilis#Carbo vegetabilisMasern: Ohrabsonderungen, Schwerhörigkeit, Durchfall, Katarrh oder Asthma nach Masern.

  • China: Schwäche durch Folge von Säfteverlust; Diarrhoe während oder nach Masern; Konjunktivitis mit Lichtscheu.

  • Pulsatilla: Ohrabsonderungen, Schwerhörigkeit, Trübsichtigkeit, Kopfschmerz oder Durchfall nach Masern.

  • Sulfur#SulfurMasern: Ohrabsonderungen, Schwerhörigkeit, oder Kopfschmerz nach Masern.

Eine Lungenentzündung nach Masern weist oft auf Kalium carbonicum hin#Kalium carbonicumMasern, aber auch Bryonia, Calcarea carbonica, Phosphorus oder Sulfur können hier die passende Arznei sein.
Ein anschließendes Asthma weist neben Carbo vegetabilis#Carbo vegetabilisMasern ggf. auf Bromium#BromiumMasern hin. Eine langwierige Heiserkeit nach Masern ist für Carbo vegetabilis, Drosera und Dulcamara typisch.

Mumps

Definition: Parotitis epidemicaParotitis epidemica. Akute, viral bedingte Allgemeinerkrankung mit Schwellung der Ohrspeicheldrüse. Erreger ist das Mumpsvirus. Übertragung durch Tröpfcheninfektion, Ansteckungsfähigkeit ca. 1 Wo. vor Auftreten der Symptome bis ca. 10 d nach Krankheitsausbruch. InkubationszeitInkubationszeitMumps: 2–3 Wo.

Symptomatik: Müde, kränklich, Fieber. Ohrspeicheldrüsen schwellen erst einseitig und in 75 % der Fälle dann beidseitig schmerzhaft an. Abstehende Ohrläppchen, schmerzhaftes Kauen. Auch die übrigen Speicheldrüsen können befallen sein. Nach ca. 1 Wo. gehen die Symptome wieder zurück.

KomplikationenKomplikationenMumps: ZNS-Beteiligung (25 %) mit Meningitis oder teils irreversiblen Hörschädigungen (häufigste Ursache der frühkindlichen Ertaubung). Hodenentzündung (30 %) mit der Gefahr bleibender Sterilität bei Jungen nach der Pubertät. Begleitpankreatitis, meist gutartig verlaufend, selten Entwicklung eines Diabetes mellitus. Selten tritt eine Orchitis, Oophoritis oder Mastitis auf.

Therapeutische Strategie
Allgemein ist Bettruhe während der Fieberphase ratsam. Spezielle Maßnahmen neben den unterstützenden Maßnahmen und der homöopathischen Therapie sind nur bei Komplikationen indiziert; hier sollte ggf. ein Facharzt hinzugezogen werden. Bei Orchitis sollten die Schmerzen durch Hochlagern der Hoden reduziert werden. Bei Pankreatitis Fasten oder leichte, fettarme Kost sowie feuchtwarme Bauchwickel.
Homöopathische Behandlung
Die Krankheit lässt sich homöopathisch meist gut behandeln. In vielen Fällen ist nicht mehr als ein Akutmittel notwendig. Ist der Patient zuvor konstitutionell behandelt worden, sollten bei leichtem Verlauf Komplementärmittel bevorzugt werden. Im Falle einer Metastasierung als Komplikation ist ein Facharzt hinzuzuziehen. Sollte zuvor bereits ein homöopathisches Mittel gegeben worden sein, ist das Mittel zu wechseln. Ansonsten die passende Arznei repertorisieren.
Wahl der Symptome
  • SymptomenwahlMumpsLokalisation: Betroffene bzw. stärker betroffene Seite ist wichtig, evtl. Seitenwechsel beachten.

  • Progredienz und Verlagerung (Metastasierung) der Symptomatik: Evtl. auftretende Metastasierung zu Hoden, Eierstöcken, Mammae oder Gehirn ist ein entscheidendes Kriterium für die Mittelwahl.

  • FieberFieberMumps: Die Art des Fiebers spielt v. a. im Frühstadium eine Rolle. Plötzliches Erscheinen, allmähliche Entwicklung, leichtes oder hohes Fieber?

  • Art der Schwellung der betroffenen Organe: harte oder weiche Schwellung?

Miasmatische Zuordnung
Mumps ist ein akutes Miasma. Komplikationen weisen je nach Symptomen auf eine psorische, tuberkulinische oder syphilitische Belastung hin.
Repertorium
In der Rubrik Gesicht – Entzündung – Parotis – Mumps finden sich 21 Arzneimittel. Sie ist als relativ vollständig zu betrachten. Ggf. kann man der Vollständigkeit halber darüber hinaus die Rubrik Gesicht – Schwellung – Parotis (86 AM) mit einbeziehen. Ganz entscheidend sind die Rubriken der Metastasierung und diejenigen, die den Seitenbezug und Seitenwechsel abbilden.

Gesicht – Entzündung – Parotis // Mumps // Mumps – begleitet von – Speichelfluss // Metastasierung zu – Gehirn // Hoden // Mammae // Parotis – links // rechts

Gesicht // Schwellung – Parotis // Schmerz – Parotis

Männliche Genitalien // Schwellung – Hoden – Mumps, durch

Weibliche Genitalien // Entzündung – Ovarien

Abdomen // Entzündung – Pankreas

Fieber // Entzündungsfieber

Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Die zu Behandlungsbeginn bestehenden Symptome sollten zurückgehen, die krankheitsbedingte subjektive Beeinträchtigung sollte sich in Grenzen halten. Das entscheidende Kriterium für einen guten, homöopathischen Therapieverlauf ist das Ausbleiben von Komplikationen.
Bei angemessener homöopathischer Behandlung ist die Prognose bezüglich eines benignen Krankheitsverlaufs, dem Ausbleiben von Komplikationen und einer raschen Restitutio ad integrum sehr gut.
Unterstützende Maßnahmen
Quarkumschläge oder solche mit Engelwurz auf befallener Parotis. Feuchtwarme Umschläge (bei Bauchschmerzen). Mundspülungen mit verdünnter Calendula-Essenz. Flüssigbreiige Kost, keine sauren Getränke und scharfen Speisen. Ggf. unterstützende Therapie mit Ohrakupunktur.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Merc., Puls.
!! Bar-m., Bell., Brom., Carb-v., Jab., Lach., Phyt., Rhus-t.
! Abrot., Acon., Apis, Ars., Bar-c., Bry., Cham., Clem., Con., Ferr-p., Hep., Hyos., Kali-bi., Kali-c., Lyc., Nat-m., Parot., Phos., Sil., Trif-p.

Krankheitsverlauf
Im fieberhaften Frühstadium ist Belladonna#BelladonnaMumps die Hauptarznei, bei höherem Fieber kommt auch Bryonia#BryoniaMumps infrage, seltener Aconitum#AconitumMumps, bei mäßigem Fieber frühzeitig Ferrum phosphoricum#Ferrum phosphoricumMumps
  • Aconitum:#AconitumMumps höheres Fieber, trockene Hitze, Durst; Unruhe.

  • Belladonna: Rechtsseitigkeit; hohes Fieber, heftige Schmerzen, Berührung agg.; evtl. Metastasierung in Unterkieferdrüsen oder Gehirn.

  • Bryonia#BryoniaMumps: höheres Fieber, Eiterung; begleitende Kopfschmerzen; geringste Bewegung agg.

  • Ferrum phosphoricum#Ferrum phosphoricumMumps: mäßiges Fieber guter Allgemeinzustand.

Das häufigste Mittel auf dem Höhepunkt der Krankheit und bei Metastasierung ist Pulsatilla:#PulsatillaMumps Metastasierung zu Hoden, Mammae oder Unterkieferdrüsen, Ohrenbeschwerden im Krankheitsverlauf; durstlos; weinerlich.
Seitenbezug
  • Linksseitige Parotisschwellung:

    • Bromium#BromiumMumps: li. Parotis geschwollen und verhärtet; evtl. Eiterung; allgemeine Neigung zu Drüsenschwellungen; im warmen Raum agg.

    • Conium#ConiumMumps: Unterkieferdrüsen oder Pankreas mit betroffen; harte Drüsen, li.

    • Lachesis#LachesisMumps: Parotis äußerst berührungsempfindlich, Globusgefühl mit Schluckbeschwerden; evtl. Unterkieferdrüsen befallen; Linksseitigkeit.

    • Rhus toxicodendron#Rhus toxicodendronMumps: Haut über betroffener Ohrspeicheldrüse ist dunkelrot und geschwollen; Schmerz v. a. abends und zu Beginn des Kauens; Ruhelosigkeit; Metastasierung zu Hoden oder Unterkieferdrüsen.

  • Rechtsseitige Parotisschwellung:

    • Barium carbonicum#Barium carbonicumMumps: Mundtrockenheit; harte Schwellung re., Unterkieferdrüse mit betroffen.

    • Barium muriaticum#Barium muriaticumMumps: harte Drüsenschwellung, Unterkieferdrüsen oder Pankreas mitbetroffen, re.

    • Belladonna: #BelladonnaMumpsauch typisch für rechtsseitige Otitiden, schwitzt v. a. unter der Kleidung.

    • Hepar sulfuris: Eiterung; frostig; Rechtsseitigkeit der Beschwerden.

    • Kalium bichromicum, Kalium carbonicum: Unterkieferdrüsen mit betroffen.

    • Mercurius#Mercurius solubilisMumps: übel riechender Atem; viel Schweiß v. a. nachts, starker Speichelfluss; leichtes Fieber; Metastasierung zu Hoden, Pankreas oder Unterkieferdrüsen.

    • Phytolacca#PhytolaccaMumps: Speichel schwer zu schlucken; Neigung, Zähne zusammenzubeißen; evtl. Submaxillardrüse mit betroffen; Wärme amel.; harte Drüsen; Rechtsseitigkeit.

    • Trifolium pratense#Trifolium pratense, Mumps: extremer Speichelfluss, Heiserkeit.

  • Beim Seitenwechsel von rechts nach links ist Lycopodium#LycopodiumMumps ein klassisches Arzneimittel: nachmittags agg.; Verlangen nach warmen Speisen und Getränken; Unterkieferdrüse mit betroffen; re. nach li.

Art der Drüsenschwellung
Bei harten Drüsenschwellungen sind folgende Mittel angezeigt:
  • Barium carbonicum bzw. muriaticum: Mundtrockenheit; harte Schwellung re., Unterkieferdrüse mit betroffen bzw. harte Drüsenschwellung, Unterkieferdrüsen oder Pankreas mit betroffen, re.

  • Bromium: li. Parotis geschwollen und verhärtet; evtl. Eiterung; allgemeine Neigung zu Drüsenschwellungen; im warmen Raum agg.

  • Conium: Unterkieferdrüsen oder Pankreas mit betroffen; harte Drüsen, li.

  • Phytolacca: Speichel schwer zu schlucken; Neigung, Zähne zusammenzubeißen; evtl. Submaxillardrüse mitbetroffen; Wärme amel.; harte Drüsen; Rechtsseitigkeit.

  • Silicea: frostig; stechende Schmerzen; Unterkieferdrüse mit betroffen, Eiterungen, harte Drüsen.

Metastasierung
  • Bei Metastasierung steht Pulsatilla#PulsatillaMumps im Vordergrund, differenzialdiagnostisch sind v. a. Abrotanum, Arsenicum album, Carbo vegetabilis und Jaborandi in Erwägung zu ziehen.

    • Abrotanum#AbrotanumMumps: metastasiert zu den Hoden oder Mammae; Marasmus.

    • Arsenicum album: metastasiert zu den Hoden und Unterkieferdrüsen; ruhelos; ängstlich.

    • Carbo vegetabilis#Carbo vegetabilisMumps: metastasiert zu den Hoden, Mammae ; schleichendes Fieber, kalter Schweiß; ausgeprägter Schwächezustand.

    • Jaborandi#JaborandiMumps: Metastasierung zu Hoden, Pankreas oder Unterkieferdrüsen; extremer Schweiß und Speichelfluss; laut Burnett eines der wichtigsten Mittel bei Mumps.

    • Pulsatilla: #AbrotanumMumpsmetastasiert zu den Hoden, Mammae, Ovarien, Unterkieferdrüsen.

  • Als weitere Mittel mit Metastasierung zu Hoden und Unterkieferdrüsen sollten Clematis, Mercurius, Natrium muriaticum, Phosphorus und Rhus toxicodendron in Erwägung gezogen werden.

  • Wichtige Mittel mit Metastasierung zum Gehirn sind Apis, Belladonna und Hyoscyamus.

Weitere Arzneimittel
Bei Pankreatitis können von den häufigsten Mumpsarzneimitteln noch Conium und Mercurius indiziert sein.
Die Nosode Parotidinum#Parotidinum, Mumps kommt bei mangelnder Rückbildung der Schwellung sowie bei Metastasierung und unzureichender Wirkung anderer Homöopathika in Betracht.

Ringelröteln

Definition: Harmlose Virusinfektion mit geringen Allgemeinerscheinungen und typischem Hautausschlag. Erreger: Parvovirus B19. Übertragung durch Tröpfchen- und Schmierinfektion, Ansteckungsfähigkeit etwa bis zum Ausbruch des Exanthems. InkubationszeitInkubationszeitRingelröteln: 7–14 d.

Symptomatik: Evtl. leichtes Fieber. Meist erscheint direkt das typische Exanthem mit konfluierender, schmetterlingsförmiger Rötung der Wangen (Kinn und knorpelige Nase bleiben frei). An den Streckseiten der Extremitäten und am Rumpf bildet sich für ca. 10–14 d ein girlandenförmiger, juckender Hautausschlag, evtl. von Gelenkschmerzen begleitet.

KomplikationenKomplikationenRingelröteln: Arthritis. Während der Schwangerschaft kann die Infektion zum Hydrops fetalis (20 % der Fälle) und dadurch zum Fruchttod führen.

Therapeutische Strategie
Da es sich um eine harmlose Krankheit handelt, ist im Allgemeinen keine Therapie notwendig.
Homöopathische Behandlung
In seltenen Fällen mit höherem Fieber, starkem Juckreiz oder ausgeprägten Arthralgien empfiehlt es sich, bei bereits konstitutionell behandelten Patieten ggf. das konstitutionelle Mittel zu wiederholen. Bei Patienten ohne konstitutionelle Vorbehandlung ist eine der typischen Fieberarzneien nach den jeweils vorliegenden Symptomen als Akutmittel zu verabreichen.
Wahl der Symptome
Die Wahl des Mittels hängt von den subjektiv empfundenen Hauptbeschwerden ab: Arthralgien, Juckreiz, Fiebersymptomatik. Der Hautausschlag ist nebensächlich.
Miasmatische Zuordnung
Die Ringelröteln sind ein akutes Miasma.
Repertorium
RepertorisationRingelrötelnEine eindeutig diagnosebezogene Rubrik findet sich nicht im Repertorium. Da die Hautausschläge nebensächlich sind, v. a. nach Fieberrubriken (27.2.11) oder individuellen Auffälligkeiten schauen.

Haut // Hautausschläge – Exanthem, flüchtiges – scharlachrot // Jucken

Extremitäten // Schmerz – Gelenke (mit Unterrubriken)

Fieber (mit Unterrubriken)

Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Auf einer sofortigen Besserung der Erkrankung sollte bei homöopathischer Behandlung nicht bestanden werden (tritt diese auf, könnte es sich um eine Unterdrückung handeln). Wünschenswert ist ein benigner, subjektiv nicht allzu belastender Krankheitsverlauf mit langsam abklingenden Symptomen und völliger Restitutio ad integrum.
Die Prognose ist mit und ohne homöopathische Behandlung gut.
Unterstützende Maßnahmen
Ausruhen, Bettruhe ist nicht notwendig. Infizierte Patienten sollten Kontakt zu Schwangeren meiden.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Acon., Bell., Ferr-p.
!! Bry., Rhus-t.
! Led., Sulph.

Fieber (frühes Fieberstadium)
  • Aconitum#AconitumFieber: trockene Hitze, Durst; Gesicht rot und beim Aufsetzen blass; Unruhe.

  • Belladonna#BelladonnaFieber: warmer Schweiß v. a. an bedeckten Körperpartien; weite Pupillen; sehr empfindlich auf Berührung oder Licht; Gelenkschmerzen, bei Bewegung agg.; Unruhe.

  • Ferrum phosphoricum#Ferrum phosphoricumFieber: langsam steigendes Fieber; Kind bemerkt Fieber nicht, guter Allgemeinzustand.

Gelenkbeschwerden
  • #BryoniaGelenkbeschwerdenBryonia: jede Bewegung agg., Wärme amel.; trockene Schleimhäute; Exanthem.

  • Ledum#LedumGelenkbeschwerden: Arthralgien der kleinen Gelenke, Bewegung agg., Wärme agg.

  • Rhus toxicodendron#Rhus toxicodendronGelenkbeschwerden: Ruhelosigkeit mit starkem Bewegungsdrang, Bewegung amel.; Wärme amel.; Exanthem; Juckreiz.

Hautausschlag
Wenn der Hautausschlag nur sehr schwach war und nach der Erkrankung das Allgemeinbefinden lange Zeit schlecht ist, kann Sulfur#SulfurHautausschlag (Gelenkschmerz, Bewegung amel., Wärme amel.; Bettwärme agg.; Juckreiz) den Hautausschlag richtig herausbringen und das Befinden verbessern.

Röteln

Definition: RubeolaRubeola. Meist harmlose Virusinfektion. Jedoch Gefahr einer schwerwiegenden Rötelnembryopathie bei Erkrankung einer Schwangeren im ersten Schwangerschaftsdrittel. Erreger: Rubeolavirus. Übertragung durch Tröpfcheninfektion, Ansteckungsfähigkeit 1 Wo. vor bis 10 d nach Exanthemausbruch. InkubationszeitInkubationszeitRöteln: 14–18 d.

Symptomatik:

  • Prodromalstadium: katarrhalische Erscheinungen (Schnupfen, Halsschmerzen), Fieber um 38,5 °C, typische, fast perlschnurartige Schwellung der Hals- und Nackenlymphknoten mit geringer Druckschmerzhaftigkeit. Evtl. generalisierte Lymphknotenschwellungen und Milzschwellung.

  • Exanthemstadium: Gleichzeitig oder kurz danach für 1–3 d klein- bis mittelfleckiger Hautausschlag, ausgehend vom Gesicht (hinter den Ohren) über den Stamm und die Extremitäten (v. a. Rücken, Streckseiten). Linsengroße, rosa bis hellrote Fleckchen, die selten konfluieren.

Komplikationen: KomplikationenRötelnSelten Rötelnrheumatoid mit Schmerzen in mehreren Gelenken oder Thrombozytopenie. Selten Bronchitis, Hepatitis oder Otitis. Schwangerschaft (1.–4. Monat): Rötelnembryopathie.

Therapeutische Strategie
Eine spezielle Behandlung ist i. d. R. nicht nötig, ggf. entsprechende Therapie bei Komplikationen. Ein Ausschluss Erkrankter aus Gemeinschaftseinrichtungen ist hier nicht erforderlich. Schwangere, die noch keine Röteln hatten, sollten jedoch nicht in Kontakt mit Erkrankten kommen.
Homöopathische Behandlung
Sollten die Röteln ausnahmsweise mit hohem Fieber einhergehen, kann eine bei Fieber indizierte homöopathische Arznei gegeben werden. Im seltenen Fall von auftretenden Komplikationen, bedarf es der gewissenhaften Auswahl des passenden Akutmittels.
Wahl der Symptome
SymptomenwahlRötelnDie Wahl hängt von der Art der evtl. auftretenden Komplikationen ab. In Verbindung damit sind die Modalitäten und die Veränderungen des Gemütszustandes zu beachten. Der Hautausschlag für die Mittelwahl nebensächlich.
  • Nur bei hohem Fieber eine Arznei geben.

  • Komplikationen: Es können massive und schmerzhafte Lymphknotenschwellungen oder unangenehme Bindehautentzündungen auftreten; selten auffällige Petechien bei Thrombozytopenie oder Gelenkbeschwerden.

  • Bei Kindern mit Schäden durch eine Rötelnembryopathie ggf. unterstützende Konstitutionsbehandlung. Jedoch ist zu bedenken, dass zahlreiche Schäden irreversibel sind.

Miasmatische Zuordnung
Die Röteln sind ein akutes Miasma. Komplikationen weisen auf eine Sykosis hin.
Repertorium
Die Rubrik Haut – Hautausschläge – Röteln (12 AM) dient nur der Orientierung, sollte aber nicht ausschlaggebend bei der Arzneiwahl sein. Relevanter sind folgende Begleitbeschwerden und Modalitäten. Zu den Fiebersymptomen (27.2.11).

Haut – Hautausschläge // Röteln // Petechien

Äußerer Hals // Schwellung – Halsdrüsen

Ohren // Schwellung – hinter dem Ohr – Lymphdrüsen

Kopf // Schwellung – Drüsen des Kopfes – Hinterkopfes – Drüsen des

Rücken // Schwellung – Zervikalregion – Nacken – Nackendrüsen

Augen // Entzündung – Bindehaut

Extremitäten // Schmerz // Finger – Gelenke // rheumatisch – Hautausschlägen, nach akuten

Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Der benigne Krankheitsverlauf mit den milden Beschwerden indiziert selten eine homöopathische Therapie. Werden trotzdem homöopathische Arzneimittel verabreicht, sollte sich die Verlaufsbeurteilung an den beschwerlichsten Symptomen orientieren. Bei der Behandlung der seltenen Komplikationen muss die Verlaufsbeurteilung den entsprechenden Kapiteln entnommen werden, z. B. Otitis (21.11, 21.12), Bronchitis (10.1.1).
Die Prognose ist mit und ohne homöopathische Therapie gut.
Unterstützende Maßnahmen
Sinnvollerweise sollten sich Mädchen vor der Pubertät mit Röteln anstecken, um im Fall einer späteren Schwangerschaft keine Rötelnembryopathie des Neugeborenen zu riskieren; die durchgemachte Krankheit schützt sicherer als eine Impfung. Rötelnkranke sollten den Kontakt mit Schwangeren im ersten Trimenon generell meiden.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Acon., Bell., Puls., Rhus-t.
!! Bar-c., Bry., Merc., Phos., Sulph.
! Apis, Carb-v., Coff., Dulc., Zinc.

Fieber
  • Aconitum: hohes Fieber, trockene Hitze, Durst; Konjunktivitis; Unruhe.

  • Belladonna: hohes Fieber, warmer Schweiß v. a. an bedeckten Körperpartien; weite Pupillen; sehr empfindlich auf Berührung oder Licht; Bindehautentzündung; evtl. Petechien.

Komplikationen: schmerzhafte Lymphknotenschwellung
Hauptmittel sind Barium carbonicum#Barium carbonicumLymphknotenschwellung, Apis, Carbo vegetabilis, Pulsatilla und Mercurius.
  • Apis#ApisLymphknotenschwellung: Lymphknoten nuchal und retroauriculär; Konjunktivitis; durstlos.

  • Barium carbonicum#Barium carbonicumLymphknotenschwellung: harte Lymphknoten nuchal, hinter dem Ohr und am Hinterkopf.

  • Carbo vegetabilis: Schwäche; Gelenkschmerz der Fingergelenke; Kälte, insbesondere der Extremitäten.

  • Mercurius: Konjunktivitis; nachts agg.; viel Schweiß und Speichel.

  • Pulsatilla: Konjunktivitis; Gelenkschmerzen wechseln von einem Gelenk zum nächsten; durstlos; weinerlich.

Komplikationen: Petechien und Arthralgien
  • Bryonia: jede Bewegung agg.; viel Durst, trockene Haut und Schleimhäute.

  • Phosphorus: Durst auf Kaltes; Blutungsneigung.

  • Rhus toxicodendron: Ruhelosigkeit mit starkem Bewegungsdrang; Bewegung amel., Wärme amel.

  • Dulcamara: Gelenkschmerz und -steifheit, Wärme und Bewegung amel.

Weitere Mittel
Sollte der Ausschlag nur sehr schwach herauskommen und sich die Erkrankung bei schlechtem Befinden des Kindes entsprechend hinziehen, so kann Sulfur den Ausschlag vollends hervorbringen und Erleichterung schaffen. Alternativ kommt Zincum infrage.
Als weiteres Mittel bei Röteln kommt Coffea#CoffeaRöteln (Überempfindlichkeit aller Sinne; Schlaflosigkeit) in Betracht.

Streptokokkenangina, Scharlach

Definition: Streptokokkenangina. Bakterielle (Streptokokken) Entzündung der Gaumenmandeln. Scharlach ist eine Sonderform der Streptokokkenangina, Erreger sind β-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A. Übertragung durch Tröpfcheninfektion (Gesunde und Ausscheider), selten Schmierinfektion oder Übertragung durch kontaminierte Lebensmittel (Milch). Ansteckungsfähigkeit ohne Antibiotika: 1–3 Wo., nach Antibiotikagabe 1–2 d. InkubationszeitInkubationszeitScharlach: 2–5 d, abhängig von Menge und Virulenz der Erreger.

Symptomatik:

  • Innerhalb weniger Stunden hohes FieberFieberScharlach, Schüttelfrost und Angina mit feuerrotem Enanthem im Rachen, gerötetem weichem Gaumen sowie starken Halsschmerzen und Schluckbeschwerden. Häufig auch Kopf- und Gliederschmerzen, Husten oder Übelkeit; Kieferwinkellymphknoten geschwollen, Allgemeinzustand deutlich reduziert.

  • Die Zunge ist vom 3.–4. d an weißlich belegt, am 5. d wird die Zunge nach Abstoßung des Belags dunkelrot mit entzündeten Papillen (Himbeerzunge). Typisches „Scharlach-Gesicht“ (Facies scarlatinosa): schmetterlingsförmige Rötung mit blassem Munddreieck (periorale Blässe, „Milchbart“).

  • Exanthem: kleinfleckig, dicht stehend, blass-rosa und erhaben („Gänsehaut“), oft nur am Unterbauch, in der Achsel, in der seitlichen Lendengegend, den Leistenbeugen und Innenseiten der Oberarme und Oberschenkel. In der zweiten Krankheitswoche groblamelläre Schuppung der Haut, besonders an Händen und Füßen.

KomplikationenScharlachEitrige Komplikationen in der 1.–3. Wo.: Otitis media, Sinusitis, Peritonsillarabszess, Meningitis, Streptokokkensepsis. Toxische Komplikationen in der 1. Wo.: interstitielle (Früh-)Nephritis, (Früh-)Myokarditis, Frührheumatoid. Immunologische Komplikationen ab der 3. Wo.: akutes rheumatisches Fieber, rheumatische Karditis, akute Glomerulonephritis, Chorea minor.

Therapeutische Strategie
Zunächst stellt sich die Frage der AntibiotikaScharlachAntibiose, die den Patienten bzw. den Eltern als Therapieoption angeboten werden muss (gerade bei Scharlach und der „Antibiotikafrage“ wird die Kluft zwischen Allopathie und Homöopathie immer wieder besonders deutlich). Eine Diskussion der Argumente für und gegen die antibiotische Therapie soll an dieser Stelle nicht erfolgen. In den Händen eines erfahrenen homöopathischen Behandlers kann, so zeigt die Praxis, i. d. R. auf Antibiotika verzichtet werden. Letztlich muss die Vorgehensweise unter Risiko-Nutzen-Abwägung erörtert werden. Wenn eine alleinige homöopathische Therapie nicht rasch anspricht, ist eine Antibiose zu erwägen und die Behandlung mit Homöopathika begleitend fortzusetzen. Die Ansteckungsfähigkeit dauert mit Antibiose ca. zwei Tage, ohne ca. zwei Wochen. Bei Komplikationen möglichst einen Facharzt hinzuziehen.
Homöopathische Behandlung
Bei der Behandlung steht anfänglich das Fieber im Vordergrund, dann sind es die individuellen Ausprägungen der Erkrankung und schließlich die evtl. auftretenden Komplikationen.
Vor Krankheitsausbruch bzw. bei potenzieller Infektion ProphylaxeScharlachprophylaktisch Belladonna#BelladonnaScharlach C30 einmalig fünf Globuli (im Sinne einer bewährten Indikation) geben. Evtl. kommen als weitere Prophylaxemittel Ailanthus, Phytolacca oder Rhus toxicodendron infrage, am ehesten wenn der Patient schon zuvor auf diese Mittel gut angesprochen hat bzw. wenn es Komplementärmittel seines Konstitutionsmittels sind.
Auch für Folgeschäden des Scharlachs bieten sich zahlreiche homöopathische Arzneien an.
Wahl der Symptome
SymptomenwahlScharlachDie Wahl hängt von der individuellen Manifestation der Symptomatik ab. Wenn Komplikationen auftreten, ist es besonders wichtig, diese in ihrer genauen Ausprägung für die Mittelwahl heranzuziehen. Außerdem sind die Modalitäten und die Veränderungen des Gemütszustandes bedeutend. Der Hautausschlag ist auch relevant, v. a. in solchen Fällen, wo er atypisch aussieht oder nicht richtig herauskommt.
  • Manifestation: Wo zeigt sich die Erkrankung? Meist stehen die Hals- und Rachenbeschwerden im Vordergrund. Hinzu kommen evtl. Ohrenbeschwerden, Kopfschmerzen, Husten, Gliederschmerzen, Übelkeit etc.

  • Modalitäten: Wodurch wird das Kind beeinflusst, auf welche äußeren Einflüsse reagiert es empfindlich?

  • Verhalten des Kindes: Ist es ruhelos, weinerlich oder benommen; will es sich viel bewegen oder ganz ruhig liegen?

  • Komplikationen: Otitis, Sinusitis, Nephritis, Karditis, Meningitis, Symptome des rheumatischen Fiebers.

Miasmatische Zuordnung
Komplikationen bei Scharlach weisen auf das syphilitische Miasma hin.
Repertorium
Unter Haut – Hautausschläge – Scharlach (57 AM) finden sich nahezu alle infrage kommenden Arzneien. Die Manifestation und das gesamte Erscheinungsbild der Krankheitsausprägung entscheiden schließlich über die passende Arznei. Wichtig ist es, zwischen den Rubriken bei und nach Scharlach zu unterscheiden (akute Erkrankung bzw. Symptome und/oder Erkrankungen, die nach der Erkrankung persistieren oder neu aufgetreten sind).
Finden sich andere auffallende Symptome beim Patienten, die im Repertorium nicht als „scharlachassoziiert“ aufgeführt sind, können diese selbstverständlich ebenfalls für die Arzneiwahl herangezogen werden (z. B. aus den Kapiteln „Innerer Hals“, „Frost“, „Fieber“, „Schweiß“ etc.).

Haut – Hautausschläge // Exanthem, flüchtiges – scharlachrot // Scharlach (mit Unterrubriken) // Scharlach – begleitet von – Zunge – blass, braun etc.

Fieber // Ausschlagsfieber, Fieber bei Ausschlagserkrankungen – Scharlach // Scharlach (mit Unterrubriken) // Scharlach – Prophylaxe

Allgemeines – Schwellung – Drüsen, der // Scharlach, bei // Scharlach, nach

Allgemeines // Wassersucht – äußere Wassersucht – Scharlach, nach

Kopf // Schmerz – Scharlach, nach

Gesicht // Schwellung – Scharlach // Entzündung – Parotis – Scharlach, bei

Mund // Jucken – Scharlach, bei // Bluten – Scharlach, bei

Hören // Taubheit, Verlust des Gehörs – Scharlach, nach // Schwerhörig – Scharlach, nach

Ohren // Entzündung – Scharlach, nach // Scharlach, nach

Extremitäten // Schwellung – Beine – wassersüchtig – Scharlach, nach

Urin // Eiweißhaltig – Scharlach, nach // Wässrig, klar wie Wasser – Scharlach, bei // Reichlich – Fieber, während – Scharlach, bei

Schlaf // Schlaflosigkeit – Scharlach, bei // Schläfrigkeit – Scharlach, nach

Innerer Hals // Geschwüre – Scharlach nicht herauskommt, wenn

Gemüt // Stupor – Scharlach, bei // Bewusstlosigkeit – Scharlach, bei

Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Da es sich bei Scharlach bzw. Streptokokkenangina um eine Erkrankung mit der Möglichkeit erheblicher Komplikationen handelt, muss bei der Verlaufsbeurteilung besonders gewissenhaft vorgegangen werden. Folgende Punkte sind dabei besonders zu beachten:
  • Allgemeinbefinden: Bei Streptokokkeninfekten des Halses handelt es sich um Erkrankungen mit meist starker Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens. Die wichtigste Forderung an die positive Arzneiwirkung ist eine deutliche Verbesserung in diesem Bereich (z. B. mehr Energie, Schwäche lässt nach, der Schlaf wird länger und ist erholsamer, Appetit und Durst nehmen zu etc.). Zum Allgemeinbefinden zählt auch das Fieber, das bei guter Arzneiwirkung nicht plötzlich, sondern langsam aber spürbar nachlässt (z. B. über Nacht oder innerhalb von 24–48 Stunden) und nicht rezidiviert.

  • Lokalsymptome: Das häufigste und belastendste Lokalsymptom sind die Halsschmerzen (die sich über die Probleme mit der Flüssigkeitszufuhr auch auf das Allgemeinbefinden auswirken). Auch hier muss innerhalb von 24–48 Stunden eine Besserung eintreten. Bessern sich die Halsschmerzen jedoch bei einer Aggravation des Allgemeinzustands, geht der Krankheitsverlauf in eine falsche Richtung und es muss ein neues Arzneimittel ausgewählt werden.

  • Psychischer Zustand: Die psychische Alteration des Patienten (Reizbarkeit, Apathie, Delirium etc.) korreliert meist mit dem Allgemeinzustand und ist deshalb bei der Verlaufsbeurteilung sekundär.

  • Hautausschlag: Das Exanthem (bei echtem Scharlach) sollte herauskommen und alle Stadien bis zur Abschuppung durchlaufen. Ist der Ausschlag insgesamt schwach ausgeprägt, sollte er unter homöopathischer Therapie zumindest nicht zurücktreten.

  • Erkrankungsdauer: Die Dauer der Erkrankung kann durch homöopathische Therapie v. a. bei Streptokokkenangina deutlich verkürzt werden. Bei klassischem Scharlach wird auch durch suffiziente Behandlung keine Verkürzung erreicht.

  • Komplikationen: Die Mindestanforderung an die homöopathische Therapie ist der benigne Krankheitsverlauf ohne Komplikationen. Stellen sich entgegen den Erwartungen doch Probleme ein, muss aufgrund der neu aufgetretenen Symptome ein anderes Arzneimittel verordnet werden.

Prognose: Bei der Frage nach der Therapie von Scharlach bzw. Streptokokkenangina spielt v. a. das Vermeiden der Spätkomplikationen (rheumatisches Fieber, Karditis, Nephritis) eine Rolle. Gerade hier zeigt sich in der homöopathischen Praxis die Suffizienz der Therapiemethode, denn auch in ausschließlich homöopathisch geführten Praxen treten diese Komplikationen nicht gehäuft auf. Bezüglich des Verlaufs der Akuterkrankung ist die Prognose der Streptokokkeninfekte im HNO-Bereich sehr gut.
Unterstützende Maßnahmen
Bettruhe v. a. in den ersten Tagen, danach über eine Woche körperliche Schonung. Ausreichend trinken, z. B. Lindenblütentee bei Fieber. Bei Halsschmerzen mit Salbeitee gurgeln und Quarkwickel machen. Weitere Maßnahmen ggf. gemäß Komplikationen.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Apis, Bell.
!! Ail., Am-c., Calc., Lach., Merc., Rhus-t., Sulph.
! Acon., Ars., Arum-t., Bar-c., Bry., Carb-v., Crot-h., Cupr-act., Gels., Hell., Hep., Lyc., Nit-ac., Phos., Phyt., Scarl., Stram., Ter.

Fieberhaftes Anfangsstadium
  • Belladonna#BelladonnaScharlach: die Hauptarznei – hohes Fieber, heftige Schmerzen, berührungsempfindlich; Hautausschlag gleichförmig glatt, glänzend, scharlachrot; weißes Munddreieck; Rachen knallrot und trocken; rotes Gesicht, weite Pupillen; Kopfschmerz.

  • Aconitum#AconitumScharlach: Ausschlag nicht glatt; trockene Hitze, Durst; Röte des Gesichtes im Liegen mit Blässe beim Aufsetzen; eine Wange rot, eine blass; Angst und Unruhe.

Exanthemstadium
  • Ailanthus#Ailanthus, Scharlach: Ausschlag erscheint langsam; unregelmäßiger, violett, großfleckiger, fahler Ausschlag, evtl. Petechien; extreme Erschöpfung, auch Fälle von unterdrücktem Scharlach; blasse Zunge; Haut trocken, kalter Schweiß; Schnupfen; Schlaflosigkeit; Stupor; große, harte Halslymphknoten.

  • Ammonium carbonicum: schwach ausgeprägter, hirsekornartiger, dunkelroter Ausschlag; Ausschlag bleibt über die normale Zeit hinaus bestehen; Speichelfluss; Drüsenschwellung; Schnupfen; Kopfschmerz; röchelnde Atmung mit Stupor.

  • Arum triphyllum#Arum triphyllumScharlach: Ausschlag nicht gleichmäßig, sondern mehr in Flecken; beständiges Fieber; Schnupfen; Gesichtsschwellung; starker Speichelfluss; Lippen und Mundwinkel rissig bzw. roh und blutig, evtl. von Häutchen bedeckt, die abgezupft werden; Hals wund; erheblicher Juckreiz und Unruhe.

  • Phytolacca#PhytolaccaScharlach: Rötung v. a. der vorderen Gaumenbögen; raues, dunkles Exanthem; braune Zunge; Schnupfen; Schlaflosigkeit; feuchte Kälte agg., aber kalte Getränke amel.; Schlaflosigkeit oder Muskelkater bzw. Gliederschmerzen begleitend.

Bei problematischeren Fällen kommen z. B. Stramonium#StramoniumScharlach oder Nitricum acidum#Nitricum acidumScharlach zum Einsatz.
  • Nitricum acidum#Nitricum acidumScharlach: heiße Haut; eitrige Halsentzündung mit Splitterschmerz; Mundgeruch und -trockenheit; Zunge trocken-rissig; Ohrenbeschwerden.

  • Stramonium: Scharlachröte am ganzen Körper, wenig glänzend; Schwellung oder Lähmung der Zunge; Hals trocken mit Durst; Ödeme, eiweißhaltiger Urin; Delirium, Konvulsionen.

Erschöpfungsstadium
Im letzten Stadium mit Erschöpfung ist Carbo vegetabilis#Carbo vegetabilisScharlach mit folgenden Symptomen wichtig: Wundheit des Halses bleibt nach Exanthem bestehen; Ablösung einzelner Stellen im geschwollenen Rachen; übel riechender Atem; Kopfschmerz; Kaltschweißigkeit, will kalte Luft zugefächelt bekommen; Schwerhörigkeit nach Scharlach.
Komplikationen
Bei Komplikationen können zahlreiche Mittel eine Rolle spielen, besonders wichtig sind Mercurius und bei septischen Verläufen v. a. Lachesis#LachesisScharlach.
  • Lachesis#LachesisScharlach: Ausschlag purpurartig; Kopfschmerz; Ekchymosen; Halsschwellung; rotes, geschwollenes Gesicht; viel zäher Speichel; große Schluckprobleme; Schmerzerstreckung von li. nach re.; nach Schlaf agg.; evtl. septischer Verlauf; Ödeme, Schwerhörigkeit; Arthritis.

  • Mercurius#Mercurius solubilisScharlach: glattes Exanthem; Gesicht rot und geschwollen; viel Schweiß; Speichelfluss, trockene Zunge; Ödeme, Kopfschmerz oder Otitis nach Scharlach.

Komplikation: Ödeme
  • Apis#ApisScharlach: Haut heiß; große Mandeln; rissige Zunge; schmerzhaftes Stechen beim Schlucken; flüchtiger Ausschlag; Ödeme des Zäpfchens, des Gesichtes, der Unterlider, der Beine; Hydrops; durstlos; Wärme agg.; Harnverhalt, evtl. Nephritis; Otitis; Gehirnentzündung.

  • Arsenicum album#Arsenicum albumScharlach: Ausschlag verschwindet schnell; Ödeme des Zäpfchens oder Rachens, Hydrops; großer Durst, trinkt in kleinen Schlucken; Wärme amel.; Erschöpfung und Unruhe.

Weitere Mittel sind:
  • Lycopodium#LycopodiumScharlach: Gesicht blass, v. a. li.; Schmerzerstreckung von re. nach li.; warme Getränke amel.; Nierenschmerz; Urin blutig, mit Eiweiß; Stupor; Schwerhörigkeit nach Scharlach.

  • Phosphorus#PhosphorusScharlach: Exanthem verschwindet plötzlich; brennende Beschwerden; Rasseln in der Brust; Schwäche; Parotisentzündung begleitend; Ödeme, u. a. am Skrotum; Albuminurie.

  • Sulfur#SulfurScharlach: Hautausschläge vereinigen sich zu großen Flecken oder kommen nicht heraus, Exanthem heiß und juckend; entblößt sich wegen Hitze; gedunsenes, glänzend rotes Gesicht; Speichelfluss; Stupor; Schwerhörigkeit nach Scharlach.

Komplikation: Arthritiden
  • Rhus toxicodendron#Rhus toxicodendronScharlach: juckender Ausschlag, dunkelrote Hautoberfläche, ein hellroter entzündlicher Rand umgibt jeden Exanthemteil; Rachen dunkelrot, ödematös; begleitende Parotisentzündung; Kopfschmerz nach Scharlach; rheumatische Beschwerden; Ruhelosigkeit, Bewegung amel.

  • Bryonia#BryoniaScharlach: Ausschlag kommt nicht heraus, erscheint blass; Durst; Obstipation; Kopfschmerz nach Scharlach; Arthritis; geringste Bewegung agg.

Weitere Komplikationen
  • Bei Drüsenschwellungen Barium carbonicum#Barium carbonicumScharlach: blasse Halsentzündung; Ödeme; Drüsenschwellungen nach Scharlach; fauliger Atem.

  • Bei neurologischer Symptomatik:

    • Cuprum aceticum#Cuprum aceticum, Scharlach: plötzlich verschwindendes oder unterdrücktes Exanthem; Kaltschweißigkeit; Hirnhautreizungen mit Konvulsionen; Gesichtsblässe, Zuckungen im Gesicht; Ruhelosigkeit oder Delirium.

    • Gelsemium#GelsemiumScharlach: Ausschlag violett; Entkräftung; langsamer, weicher Puls; Zittern; Stupor.

  • Bei schweren Fällen mit Bewusstlosigkeit:

    • Crotalus horridus#Crotalus horridusScharlach: Bewusstlosigkeit; Ödeme, v. a. der Beine; Ohrenbeschwerden nach Scharlach.

    • Terebinthiniae#TerebinthiniaeScharlach: Ödeme, Bewusstlosigkeit bei Scharlach oder Schläfrigkeit nach Scharlach.

  • Bei Folgeschäden spielen neben den bereits oben dargestellten folgende Arzneimittel eine Rolle:

    • Helleborus#HelleborusScharlach: Mundgeruch; Ödeme, v. a. Gesicht und Beine; Nephritis, wenig dunkler Urin; Benommenheit; Kopfschmerz nach Scharlach.

    • Scarlatinum#Scarlatinum, Scharlach: Hautausschlag kommt nicht heraus; schwerer Verlauf mit ungenügender Erholung; in der Folge rezidivierende Anginen, Infektanfälligkeit.

Windpocken

Definition: Hochansteckende, virusbedingte Allgemeinerkrankung. Erreger: Varicella-Zoster-Virus (Herpesvirus varicellae). Übertragung durch Tröpfcheninfektion auch über mehrere Meter Entfernung („Wind“-Pocken), direkte Kontakt-Schmierinfektion durch Virusausscheidung über die Schleimhäute und Effloreszenzen, selten durch Kontakt mit einem an Herpes zoster Erkrankten. Ansteckungsfähigkeit: einige d vor Exanthemausbruch bis zum Verkrusten der Effloreszenzen. InkubationszeitInkubationszeitWindpocken: 10–21 d.

Symptomatik: Fieber um 38,5 °C, kleine rötliche Papeln, die sich rasch in juckende Bläschen mit erst klarem, später trübem Inhalt weiterentwickeln und von einem roten Hof umgeben sind. Ausbreitung zentripetal, vom Gesicht auf den Rumpf und die Extremitäten, der Bläscheninhalt ist hochkontagiös. Abheilung unter Borkenbildung innerhalb einer Wo. Betroffen ist die gesamte Haut (inkl. Kopf- und Schleimhaut). Es treten regionäre (Hals-Nacken-Bereich) oder generalisierte Lymphknotenschwellungen auf.

Komplikationen: Selten kommt es zu Pneumonie, Otitis media oder Meningoenzephalitis. Immungeschwächte können schwere Verläufe durchmachen. Erreger kann im Körper verbleiben und später bei Reaktivierung zu einem Herpes zoster führen. Bei Schwangeren kann die Infektion zu einer schweren Schädigung des Ungeborenen führen, jedoch sehr viel geringeres Risiko als bei Röteln.

Therapeutische Strategie
Allopathisch kann man juckreizlindernde Lotionen auftragen, was aber in vielen Fällen gar nicht nötig ist, da die homöopathische Behandlung ergänzt durch die unten genannten unterstützenden Maßnahmen ausreicht. Zudem wirken die meist Zink oder Antihistaminika enthaltenden Lotionen aus homöopathischer Sicht unterdrückend und wirken dem natürlichen Erkrankungs- bzw. Heilungsverlauf entgegen.
Homöopathische Behandlung
Die Krankheit lässt sich homöopathisch gut behandeln. Dabei ist meist die Gabe eines Akutmittels notwendig. Ist der Patient wegen anderer gesundheitlicher Probleme in homöopathisch konstitutioneller Behandlung, sollte bei leichtem Verlauf und passender Symptomatik ein Komplementärmittel verabreicht werden. Im Falle seltener, schwerer Komplikationen ist ein Facharzt hinzuzuziehen. Sollte beim Auftreten von Komplikationen zuvor bereits ein homöopathisches Mittel gegeben worden sein, ist das Mittel zu wechseln.
Wahl der Symptome
SymptomenwahlWindpockenDie Wahl hängt bei Windpocken unter anderem von der Art und dem Aussehen des Hautausschlages ab. Außerdem sind die Modalitäten und die Veränderungen des Gemütszustandes bedeutend. Hinzu kommen Begleitsymptome. Bei evtl. auftretenden Komplikationen stehen diese im Vordergrund. Es können Augen- oder Ohrenbeschwerden dominieren. Selten kommen ausgeprägte Beschwerden des Magen-Darm-Traktes wie Durchfall oder Erbrechen hinzu. Die jeweiligen Manifestationen bieten die Möglichkeit der Individualisierung zur Wahl des passenden Arzneimittels.
  • Hautausschlag: Wie genau sieht er aus? Bestehen begleitende Eiterungen etc.? Art der Schmerzen beim Hautausschlag, z. B. brennend oder juckend.

  • Begleitsymptome: z. B. Lymphknotenschwellungen, Muskel- oder Gliederschmerzen.

  • Modalitäten: Wodurch wird das Kind beeinflusst, auf welche äußeren Einflüsse reagiert es empfindlich? Z. B. Lichtempfindlichkeit, Geräuschempfindlichkeit, Verlangen nach frischer Luft oder nach kühlen Getränken.

  • Verhalten des Kindes: Ist es ruhelos, weinerlich oder benommen; will es sich viel bewegen oder ganz ruhig liegen?

Miasmatische Zuordnung
Windpocken sind ein akutes Miasma. Sie haben eine Beziehung zur Sykosis.
Repertorium
Die Hauptrubrik mit allen wichtigen Arzneimitteln findet sich im Kapitel Haut: Haut – Hautausschläge – Windpocken. Weitere Rubriken mit Bezug zu den Windpocken finden sich an verschiedenen Stellen des Repertoriums, z. B. im Kapitel „Extremitäten“ und „Husten“. Neben diesen diagnosebezogenen Rubriken sind auch alle anderen Kapitel zu berücksichtigen, die einen Bezug zur Symptomatik von fieberhaften Infekten im Allgemeinen und den Windpocken im Speziellen haben.

Haut – Hautausschläge – Windpocken

Extremitäten // Schmerz – Finger – Windpocken, bei

Husten // Windpocken, nach

Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Für die Verlaufsbeurteilung ist es wichtig zu wissen, dass die Krankheitsdauer auch durch die beste homöopathische Behandlung nicht verkürzt wird. Drei Punkte sind bei der Verlaufsbeurteilung besonders zu beachten:
  • Allgemeinzustand: Die allgemeine Beeinträchtigung sollte sich in Grenzen halten. Ist der Allgemeinzustand besonders schlecht, so ist das ein wichtiges Kriterium für die Beurteilung der Arzneimittelwirkung (z. B. Schwäche, Schläfrigkeit, Schlaflosigkeit, Appetit, Durst etc.).

  • Hautausschlag: Der Hautausschlag darf in seiner Entwicklung nicht durch das homöopathische Medikament beeinflusst werden. Sollte er jedoch in bestimmten Bereichen über das normale Maß hinausgehen (z. B. Superinfektion oder Auftreten vieler Effloreszenzen im Bereich der Körperöffnungen, so dass Nahrungsaufnahme oder Stuhlgang beeinträchtigt sind), rückt er ins Zentrum des Interesses, und es muss ggf. neu verordnet werden.

  • Der psychische Zustand ist eng an das Allgemeinbefinden gekoppelt. Leiden die Patienten zu sehr, so kann dies ein Anzeichen für eine fehlende Arzneiwirkung sein.

Die Prognose ist bei Windpocken immer gut. Auch unter Verzicht auf die äußere Anwendung von Pudern oder Lotionen kann der lästige Juckreiz kontrolliert werden, ohne dass es zur Narbenbildung kommt.
Unterstützende Maßnahmen
Hände öfters waschen, Nägel bürsten und kurz schneiden, um Narben durch Kratzen zu vermeiden. Lockere, weiche Kleidung wegen des Juckreizes. Waschungen mit Essigwasser oder Bäder mit Stiefmütterchen (Viola tricolor) bzw. mit Teebaumöl zur Juckreizlinderung.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Ant-c., Ant-t., Puls., Rhus-t., Sulph.
!! Bell., Merc., Mez., Sep., Thuj.
! Acon., Ars., Carb-v., Graph., Hep., Led.

Exanthemstadium
Im Exanthemstadium spielt die Art des Hautausschlags eine Rolle. Neben den üblichen Leitsymptomen der Mittel gibt es folgende Differenzierungen:
  • Antimonium crudum#Antimonium crudumWindpocken: Ausschlag auch an Lippen und Mundschleimhaut, Ausschlag druckschmerzhaft; Zunge dick weiß belegt; Reizbarkeit, will nicht berührt werden; Husten nach Windpocken.

  • Antimonium tartaricum#Antimonium tartaricumWindpocken: Bläschen mit bläulichem Aussehen.

  • Mercurius#Mercurius solubilisWindpocken: eitrige Bläschen und Pusteln vorherrschend; Zunge gelblich belegt, Zunge mit Zahneindrücken.

  • Mezereum#MezereumWindpocken: Bläschen mit brennendem, juckendem Schmerz, roter Hof um die Bläschen, die eitrig-gelbe Flüssigkeit enthalten; Bettwärme agg., leichteste Berührung agg.

  • Pulsatilla#PulsatillaWindpocken: Schmerzlokalisation wandert, ändert sich oft; Bettwärme agg., Verlangen nach kühler Luft.

  • Rhus toxicodendron#Rhus toxicodendronWindpocken: Haut zwischen den Bläschen rot und geschwollen, evtl. Bläschen an Genitalien, am Kopf oder Mund; starker Juckreiz; evtl. rote Zungenspitze; warme Bäder amel., Gliederschmerzen.

  • Das seltener infrage kommende Thuja#ThujaWindpocken ist als einziges Mittel in der Rubrik der Fingerschmerzen bei Windpocken aufgeführt.

  • Zum Abschluss der Behandlung bzw. bei protrahiertem Verlauf ist Sulfur#SulfurWindpocken oft hilfreich: Hautausschläge entwickeln sich zögerlich; Brennen und Juckreiz, Waschen agg.

  • Bei starken Lymphknotenschwellungen sind neben den genannten Mitteln noch Graphites, Hepar sulfuris und Sepia besonders interessant.

Komplikationen
Bei Komplikationen wie Pneumonie (10.1.2), Otitis (21.11.1), Meningitis (25.3) sollte man im Repertorium die entsprechenden Rubriken mit der Rubrik „Haut – Hautausschläge – Windpocken“ kombinieren. Als Mittel sind bei allen Komplikationen Pulsatilla (v. a. bei Otitis), Sulfur (v. a. bei Pneumonie) und Mercurius (v. a. bei Otitis und Meningitis) zu beachten; bei Lungenentzündungen spielen auch Antimonium crudum sowie Antimonium tartaricum eine wichtige Rolle.

Keuchhusten (Pertussis)

Definition: Bakteriell bedingte Allgemeinerkrankung. Erreger: Bordetella pertussis. Übertragung durch Tröpfcheninfektion und direkten Kontakt. Kontagionsindex: 90 %. Ansteckungsfähigkeit: vom Stadium catarrhale bis zum Ende des Stadium convulsivum. InkubationszeitInkubationszeitKeuchhusten: 7–14 d.

Symptomatik:

  • Stadium catarrhale (1–2 Wo.): Beginn wie ein banaler Infekt mit Schnupfen, Husten und subfebrilen Temperaturen. In dieser Zeit ist die Erkrankung am ansteckendsten.

  • Stadium convulsivum (3–6 Wo.): Hustenanfälle werden häufiger und schwerer. Stakkatoartiger Husten mit ziehendem Einatmen (inspiratorischer Stridor) durch Laryngospasmus. Die Kinder werden zyanotisch und können aufgrund der gestauten Venen im Kopfbereich und durch die heftigen Hustenstöße Einblutungen in Lider und Bindehäute bekommen. Am Ende würgen die Kinder oft glasigen Schleim aus oder erbrechen.

  • Stadium decrementi (Deferveszenzstadium, bis zu Monaten): allmähliche Abnahme der Hustenanfälle.

KomplikationenKeuchhustenKomplikationen: Lebensbedrohlich ist der Keuchhusten für Säuglinge: Er äußert sich bei ihnen oft in Atemaussetzern, die bis zum Tod führen können. Außerdem: Bronchiektasen, Bronchopneumonien, Otitis media, Enzephalopathien mit Krämpfen und Lähmungen.

Therapeutische Strategie
Keuchhusten gehört zu den sowohl schulmedizinisch als auch homöopathisch am schwersten zu behandelnden Kinderkrankheiten. Man muss mit einem Verlauf über mehrere Wochen rechnen. Die Ansteckungsfähigkeit beginnt mit den ersten Hustensymptomen und klingt erst im Stadium convulsivum langsam ab. Im frühen Stadium ist bei Säuglingen eine AntibiotikaKeuchhustenantibiotische Behandlung (v. a. mit Erythromycin) in Betracht zu ziehen, um einen lebensbedrohlichen Verlauf abzuwenden. Des Weiteren können Mukolytika oder Salbutamol als Inhalativum die Symptome lindern.
Homöopathische Behandlung
Die homöopathische Therapie kann die Krankheitsdauer verkürzen, die Symptomatik lindern und den Allgemeinzustand verbessern. Eine gewissenhafte Mittelwahl ist besonders wichtig, die Gesamtheit der vorliegenden Symptome ist relevant, häufig stehen aber die Hustensymptome im Vordergrund. Besonders relevant ist bei der Mittelwahl auch das Stadium der Erkrankung. Mittelwechsel können daher erforderlich sein.
Wahl der Symptome
SymptomenwahlKeuchhustenNeben der Gesamtheit der Symptome ist das Stadium der Krankheitsentwicklung vorrangig. Außerdem sind die Hustenmodalitäten und die Veränderungen des Gemütszustandes zu beachten.
  • Stadium des Keuchhustens: Es gibt Repertoriumsrubriken zu den Erkrankungsstadien unter „Husten – Keuchhusten“, die zwischen dem ersten Stadium, der katarrhalischen Phase, dem Krampfstadium und dem Deferveszenzstadium differenzieren.

  • Modalitäten spielen mit Blick auf die Hustensymptome eine große Rolle (z. B. Husten immer im Freien oder immer im Zimmer, Husten zu bestimmten Tages- oder Nachtzeiten etc.). Hier gibt es jedoch nur wenige spezielle Keuchhusten-Rubriken.

  • Begleitsymptomatik wie Nasenbluten, Schnupfen, Diarrhoe, Erbrechen, Speichelfluss, Konvulsionen.

  • Auch die Gemütssymptome bieten eine weitere Möglichkeit der Differenzierung.

Miasmatische Zuordnung
Der Keuchhusten kann dem tuberkulinischen Miasma zugeordnet werden.
Repertorium
RepertorisationKeuchhustenDie Hauptrubrik Husten – Keuchhusten enthält 156 Arzneimittel und demonstriert das Spektrum an therapeutischen Möglichkeiten. Zu berücksichtigen sind auch spezielle Rubriken zum Thema Keuchhusten sowie alle Symptome und Repertoriumsrubriken der Kapitel „Husten“ und „Bronchitis“ (10.1).

Husten – Keuchhusten // Deferveszenzstadium, im // ersten Stadium, entzündlicher Husten im // Folgeerscheinungen // katarrhalischen Phase, in der // Konvulsionen, mit // Krampfstadium, im // Prophylaxe // vernachlässigten Komplikationen, bei

Allgemeines // Keuchhusten, Beschwerden nach // Konvulsionen – Husten – Keuchhusten, bei

Atmung // Pfeifend – Keuchhusten, bei

Kehlkopf und Trachea // Krupp – Keuchhusten, bei

Brust // Zusammenschnürung – Keuchhusten, bei

Magen // Erbrechen – Keuchhusten, bei

Gesicht // Farbe – bläulich // Lippen – Keuchhusten // Husten, beim – Keuchhusten

Mund // Bluten – Keuchhusten, bei

Nase // Nasenbluten – Keuchhusten

Augen // Bluten aus den Augen – Keuchhusten, bei

Schlaf // Schläfrigkeit – Husten – Keuchhusten, nach // Schlaflosigkeit – Husten, durch – Keuchhusten, bei

Gemüt // Weinen – Husten, während – Keuchhusten // Reizbarkeit, Gereiztheit – Husten, durch – Keuchhusten, bei // Reizbarkeit, Gereiztheit – Erwachen, beim – Keuchhusten, durch

Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Bei Keuchhusten können wie bei allen anfallartigen Leiden im Behandlungsverlauf und bei guter Arzneiwirkung zwei Phänomene bzw. deren Kombination beobachtet werden:
  • Die Anfälle werden seltener.

  • Die Symptomatik der Anfälle nimmt in ihrer Intensität ab (kürzere Dauer, weniger heftig, weniger schwere Begleitsymptome wie Erbrechen etc.).

Den Arzneimitteln sollte im Gegensatz zu ihrem Einsatz bei einfachen Bronchitiden mehr Zeit zum Wirken gegeben werden, bevor an einen Wechsel gedacht wird (meist mehrere Tage, evtl. sogar eine Woche).
Prognose: Nur selten lassen sich Keuchhustenerkrankungen durch homöopathische Behandlung kupieren, v. a. dann nicht, wenn sie schon länger bestehen. Es kann bei guter Behandlung aber von einer deutlichen Linderung der Symptomatik und von einer Verkürzung der Erkrankungsdauer ausgegangen werden (z. B. einige Wochen anstatt mehrerer Monate).
Unterstützende Maßnahmen
Allgemein Zimmer gut lüften und Luftfeuchtigkeit bei ca. 40 Prozent halten (Luftbefeuchter). Viel trinken (z. B. Sonnentaukrauttee oder Spitzwegerichtee). Eltern sollten ihre Kinder möglichst beruhigen und die Situation durch eigene Unruhe nicht zusätzlich dramatisieren.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Coc-c., Cupr., Dros.
!! Arn., Carb-v., Corr-r., Ip., Meph.
! Acon., Ant-t., Bell., Bry., Caust., Cham., Chin-ars., Cina, Dirc., Dulc., Ferr-p., Kali-bi., Kali-c., Kali-s., Merc., Nux-v., Pert., Phos., Puls., Sang., Seneg., Sep., Spong., Verat.

Je nach Stadium stehen unterschiedliche Mittel im Vordergrund. Zur KeuchhustenprophylaxeProphylaxeKeuchhusten bei Geschwistern oder anderen, akut Ansteckungsgefährdeten kommen Belladonna, Drosera, Cuprum metallicum, Carbo vegetabilis oder die Nosode Pertussinum in Betracht. Hier ist auf eventuelle Komplementärmittel zu Konstitutionsmitteln zu achten.
Frühstadium
Im Frühstadium mit hohem Fieber stehen Aconitum#AconitumKeuchhusten und Belladonna im Vordergrund. Als weitere, im Frühstadium zu differenzierende Mittel, sind Chamomilla#ChamomillaKeuchhusten und Ferrum phosphoricum#Ferrum phosphoricumKeuchhusten wichtig.
  • Aconitum: hackender, trockener Husten; beständiges Fieber; greift beim Husten an die Kehle; Ruhelosigkeit, Todesangst; trocken-kalter Wind agg., aber Durst auf kalte Getränke; auch Stadium catarrhale.

  • Belladonna#BelladonnaKeuchhusten: trocken-bellender Husten; hohes Fieber; Gesichtsröte bei Husten; abends und nachts, insbesondere nach dem ersten Schlaf agg.; tiefes Einatmen, Bewegung oder jede Berührung agg.

  • Chamomilla#ChamomillaKeuchhusten: beständiger trockener Husten; eine Wange rot, eine blass; will getragen werden, Reizbarkeit, Unzufriedenheit; während der Zahnung; nachts agg; auch Stadium catarrhale.

  • Ferrum phosphoricum#Ferrum phosphoricumKeuchhusten: mäßiges Fieber; Gesicht abwechselnd rot und blass; Erbrechen.

Katharrhalische Phase
In der katarrhalischen Phase kommen neben Aconitum insbesondere auch Causticum#CausticumKeuchhusten, Dulcamara#DulcamaraKeuchhusten, Ipecacuanha#IpecacuanhaKeuchhusten und Nux vomica#Nux vomicaKeuchhusten infrage.
  • Aconitum: hackender, trockener Husten; beständiges Fieber; greift beim Husten an die Kehle; Ruhelosigkeit, Todesangst; trocken-kalter Wind agg., aber Durst auf kalte Getränke; im Frühstadium oder Stadium catarrhale.

  • Causticum#CausticumKeuchhusten: unaufhörlicher, kurzer, hohler Husten durch Kitzeln und Schleim im Hals oder trockener Husten über lange Zeit; tagsüber und abends mit fettig schmeckendem Schleim; ein Schluck kaltes Wasser amel.; Schlaflosigkeit oder Schläfrigkeit bei Keuchhusten.

  • Dulcamara#DulcamaraKeuchhusten: Husten durch Hinlegen oder Zimmerwärme agg., Auswurf von geschmacklosem Schleim, evtl. blutgestreift; Wetterwechsel warm zu kalt oder kalt-feuchte Luft agg.

  • Ipecacuanha#IpecacuanhaKeuchhusten: kraftloser, trockener oder rasselnder Husten; Glottiskrämpfe vor und während Husten mit Atempausen; erstickendes Würgen ohne Auswurf während des Hustens; starke Übelkeit, evtl. mit Erbrechen nach dem Anfall; bleiches, kaltschweißiges Gesicht; Zunge nicht belegt; Bluten aus Mund bzw. Nase; nur kurzzeitige Ermüdung nach den Anfällen; auch Stadium convulsivum.

  • Nux vomica#Nux vomicaKeuchhusten: harter, trockener Husten; Brechanfälle, begleitet von Bauch- und evtl. Kopfschmerzen; Bluten aus Mund bzw. Nase; nach 3 Uhr früh und nach Essen agg.; auch Stadium convulsivum.

Stadium convulsivum
Hahnemann erwähnt als Hauptmittel bei Keuchhusten Drosera#DroseraKeuchhusten. Zwei weitere typische Keuchhustenarzneien sind Coccus cacti und Cuprum sowie Pulsatilla, das in allen Phasen passend sein kann.
Speziell bei Konvulsionen sind differenzialdiagnostisch noch Cina#CinaKeuchhusten und Kalium bromatum#Kalium bromatumKeuchhusten wichtig. Zudem spielen mehrere Kaliumsalze bei Keuchhusten eine Rolle, v. a. Kalium carbonicum und als Folgemittel von Pulsatilla kann das dreiwertig in der Keuchhustenrubrik aufgeführte Kalium sulfuricum hilfreich sein. Wenn das Krampfstadium frühzeitig auftritt, denke man besonders an Sepia.
  • Cina#CinaKeuchhusten: Husten v. a. morgens oder abends, Ärger löst Anfälle aus; Reizbarkeit; Heißhunger; Schüttelkrämpfe oder Streckkrämpfe; periorale Blässe; Nasenbluten oder Niesen nach dem Anfall; erträgt keine Berührung, geringe Bewegung agg.

  • Coccus cacti#Coccus cactiKeuchhusten: rasselnder, kitzelnder Husten mit maschinengewehrartigen Salven; jeder Hustenanfall endet in Erbrechen von klarem oder weißem, fadenziehendem bis dickflüssigem Schleim; rotes Gesicht; Wärme löst einen Hustenanfall aus; um 23:30 Uhr und morgens beim Erwachen sowie bei Bewegung agg.; kalte Luft oder kaltes Trinken amel.

  • Cuprum#Cuprum metallicumKeuchhusten: Würgehusten; Schleimrasseln auf der Brust; schwere, langdauernde Anfälle mit langen Pausen dazwischen; Gesicht zyanotisch im Anfall; Hände zyanotisch; nach dem Husten Erbrechen und Erschöpfung; wenn neben dem krampfartigen Husten Konvulsionen mit krampfhaften Zuckungen auftreten; um Mitternacht agg., kalte Getränke amel.

  • Drosera: bellender, heiserer, dumpf klingender Husten, verursacht durch Kitzeln oder Trockenheit im Hals bzw. Gefühl #DroseraKeuchhusteneiner Feder im Kehlkopf, Schleimerbrechen am Ende des Hustenanfalls; Husten anfallsweise tagsüber in langen Intervallen, nachts v. a. nach Mitternacht häufiger; hält Brust oder Bauch beim Husten; morgens gelber, bitterer Auswurf; Bluten aus Mund bzw. Nase; nach dem Anfall rasche Erholung; das Kind spielt gleich wieder; nach Mitternacht, agg. typischerweise 0–3 Uhr.

  • Kalium bromatum#Kalium bromatumKeuchhusten: Husten nachts und im Liegen agg.; trockener Husten, der zu Konvulsionen führt; Erbrechen.

  • Kalium carbonicum#Kalium carbonicumKeuchhusten: Krampfhusten mit Würgen und Erbrechen, muss sich nach vorn beugen; Erschöpfung, blasses, gedunsenes Gesicht; Kälte oder Zugluft agg. und lösen Anfälle aus, 2–4 Uhr agg.

  • Kalium sulfuricum: rasselnder Husten; #Kalium sulfuricumKeuchhustenabends und im warmen Raum agg., frische Luft amel.

  • Pulsatilla: lockerer Husten mit #PulsatillaKeuchhustenSchleimerbrechen; Frischluftverlangen; Aufsetzen amel.; nachts und im warmen Raum agg; Durstlosigkeit; katharrhalische Phasen, Stadium convulsivum und decrementi oder bei Keuchhusten kurz nach Masernerkrankung.

  • Sepia: Husten Tag und Nacht #SepiaKeuchhustenin schneller Folge, dabei nachts und morgens agg., mündet dann in Brechwürgen; Auswurf v. a. morgens, grünlich oder milchweiß mit salzigem Geschmack; Hinlegen agg.; Konstriktion der Brust.

Bei großer Erschöpfung sind Carbo vegetabilis#Carbo vegetabilisKeuchhusten, Chininum arsenicosum#Chininum arsenicosumKeuchhusten sowie Veratrum album#Veratrum albumKeuchhusten besonders hilfreich.
  • Carbo vegetabilis#Carbo vegetabilisKeuchhusten: kurze, harte und seltene Hustenanfälle; abends agg.; Erschöpfung nach jedem Hustenanfall, Erbrechen am Ende des Anfalls; morgens gelb-grünliches, schleimiges Sputum; Haut livide; Gesicht blass bis zyanotisch; kaltschweißig, Zufächeln von Luft amel.; evtl. bei extremer Schwäche auch schon im Anfangsstadium angezeigt.

  • Chininum arsenicosum#Chininum arsenicosumKeuchhusten: vergleichbare Symptomatik wie Carbo vegetabilis, aber mehr Durst und kälter, v. a. eiskalte Hände; Erschöpfung nach Hustenanfall; Anämie.

  • Veratrum album#Veratrum albumKeuchhusten: kraftloser Husten, sinkt nach jedem Hustenanfall erschöpft zusammen, starkes Schlafbedürfnis nach Husten; kalter Stirnschweiß, im Anfall leichenblass; Liegen amel.

Stadium decrementi
  • Antimonium tartaricum#Antimonium tartaricumKeuchhusten: Schleimrasseln mit wenig Auswurf; Weinen während der Hustenanfälle; Gähnen nach Husten, Schläfrigkeit; Schwäche; Husten nachts agg.; selten auch im Frühstadium.

  • Phosphorus: Heiserkeit durch Husten; Durst auf Kaltes. #PhosphorusKeuchhusten

  • Pulsatilla: lockerer Husten mit Schleimerbrechen; Frischluftverlangen; Aufsetzen amel.; nachts und im warmen Raum agg; Durstlosigkeit.

Persisitierender Husten
Bei persistierendem Husten Sanguinaria#SanguinariaKeuchhusten und Kalium bichromicum#Kalium bichromicumKeuchhusten, seltener Veratrum album#Veratrum albumKeuchhusten oder die Nosode Pertussinum.
  • Kalium bichromicum#Kalium bichromicumKeuchhusten: erstickender Husten und Auswurf; Schleim äußerst klebrig und zäh, zieht lange Fäden; 2–3 Uhr agg.; evtl. über Monate anhaltender Husten nach eigentlichem Keuchhusten.

  • Pertussinum: Dyspnoe mit Husten; krampfartiger, würgender Husten, Husten endet mit Erbrechen; Schnupfen mit abgehacktem Husten, Husten durch Kitzeln im Hals. #PertussinumKeuchhusten

  • Sanguinaria: keuchhustenartige Anfälle mit hartnäckig-trockenem Husten treten nach der eigentlichen Erkrankung bei banaleren Infekten wieder auf; Gesichtsröte; Abneigung gegen und Agg. durch Fett bzw. Butter. #SanguinariaKeuchhusten

  • Veratrum album:#Veratrum albumKeuchhusten Husten beim Betreten eines warmen Zimmers und durch kalte Getränke agg., kraftloser Husten, sinkt nach jedem Hustenanfall erschöpft zusammen, starkes Schlafbedürfnis danach; Erschöpfung; Kaltschweißigkeit; Liegen amel.

Begleitsymptome
Als Begleitsymptomatik ist insbesondere das Nasenbluten zu beachten. In der entsprechenden Rubrik mit Künzlipunkt findet man neben Drosera, Ipecacuanha, Cina und Nux vomica noch folgende wichtige Mittel.
  • Arnica#ArnicaKeuchhusten: Hustenanfall kündigt sich durch Schreien oder Weinen an, Kind zieht sich vor Anfall zurück, evtl. Ärger als Auslöser; große Ermüdung nach dem Anfall; tiefrotes Gesicht; Nasenbluten, Konjunktivalblutung oder blutiger Auswurf; Gefühl, als würde das Herz nach jedem Hustenanfall zerbrechen; abends agg.

  • Bryonia#BryoniaKeuchhusten: spasmodischer Husten, durch Kitzeln im Hals; Husten nach Essen und v. a. Trinken agg. mit Erbrechen; Auswurf nur tagsüber; Niesen; Nasenbluten; Speichelfluss.

  • Corrallium rubrum#Corallium rubrumKeuchhusten: anhaltender, kurzer, hackender oder bellender Husten den ganzen Tag über, steigert sich bis zur Nacht; Hustenanfälle so dicht hintereinander, dass Patient hustet bis er erschöpft ist; Anfälle beginnen mit Schnappen nach Luft, Luftnot und Gesichtsröte bereits vor dem Anfall; nach Anfall lockerer Husten mit Erbrechen von zähem, fadenziehendem Schleim und Erschöpfung; Bluten aus Mund bzw. Nase; Einatmen kalter Luft löst Anfälle aus.

  • Mercurius#Mercurius solubilisKeuchhusten: je zwei Keuchhustenanfälle in schneller Folge, entweder nur tagsüber oder nur nachts, auf die eine lange Pause folgt; Bluten aus Mund bzw. Nase bei jedem Hustenanfall; Nachtschweiß (s. o.).

  • Spongia#SpongiaKeuchhusten: trocken-bellender oder sägender Husten; pfeifende Atmung; Nasenbluten; Speichelfluss; Taubheitsgefühl der Fingerspitzen; warmer Raum agg., kalte Getränke agg., warme Getränke amel.

Drei weitere kleine Arzneimittel sind beim Vorliegen folgender charakteristischer Keuchhustensymptome noch in Betracht zu ziehen: bei Niesen Senega, bei Stimmritzenkrampf Mephitis#Mephitis, Keuchhusten und bei auffallendem Speichelfluss Dirca palustris (neben Mercurius) #Dirca palustris, Keuchhusten.#SenegaKeuchhusten
  • Dirca palustris#Dirca palustris, Keuchhusten: Erbrechen, Speichelfluss, dreiwertig in der Keuchhustenrubrik.

  • Mephitis#Mephitis, Keuchhusten: Atemnot mit ausgeprägter Zyanose, kann nicht ausatmen; Erbrechen, wenig Auswurf; tagsüber nur wenige Anfälle, nachts agg., Kälte amel.; evtl. begleitender Stimmritzenkrampf mit kreischender Stimme.

  • Senega#SenegaKeuchhusten: Niesen während der Anfälle oder sie enden mit Niesen; gedunsenes Aussehen.

Häufige Erkrankungen im Kindesalter

Icterus neonatorum

Definition: NeugeborenenikterusNeugeborenenikterus s. Icterus neonatorum.

Symptomatik: Gelbe Verfärbung von Haut, Schleimhäuten und Skleren durch Einlagerung von Bilirubin (> 5 mg/dl bzw. 85 µmol/l). Bei sehr hohen Konzentrationen gefährlich durch Einlagerung von Bilirubin in die in der Entwicklung begriffenen Kerngebiete des Gehirns (Kernikterus) mit daraus resultierenden irreversiblen Schädigungen.

Therapeutische Strategie
Gut gedeihende Stillkinder mit Ikterus bis zur sechsten Lebenswoche bedürfen i. d. R. keiner Therapie. Diese ist nur bei ausgeprägtem oder anhaltendem Ikterus notwendig und sollte dann fachärztlich abgeklärt werden. Beim Icterus praecox (innerhalb der ersten 24 Stunden) ist eine sofortige Abklärung notwendig. Allgemein ist zur Prophylaxe und Therapie des häufigeren Stillikterus der Mutter zu empfehlen, das Kind in den ersten Lebenstagen etwa acht- bis zehnmal anzulegen.
Homöopathische Behandlung
Leichtere Formen des Ikterus sind harmlos und homöopathisch gut zu behandeln und bedürfen keiner weiteren Therapie. Bei Icterus prolongatus oder gravis erfolgt meist eine Phototherapie, aber auch hier ist die Homöopathie eine gute Ergänzung.
Wahl der Symptome
SymptomenwahlIcterus neonatorumDas Verhalten des Kindes ist wichtig, auch das Trinkverhalten. Außerdem Inspektion von Stuhl und Urin und ggf. Berücksichtigung von Modalitäten oder Begleitsymptomen, soweit sie erfassbar sind. Hinzu kommt der Geburts- und Schwangerschaftsverlauf als Aspekt, manchmal können auch Symptome der Mutter auf das passende Arzneimittel beim Säugling hinweisen.
Miasmatische Zuordnung
Der Icterus neonatorum kann als Symptom der Psora oder der Sykosis verstanden werden.
Repertorium
RepertorisationIcterus neonatorumDie Rubrik Haut – Farbe – gelb – Neugeborenen, bei ist mit einem Künzlipunkt versehen, aber unvollständig. Neben den auffallenden Symptomen des Kindes kann man auffallende Symptome der Mutter im Geburtsverlauf oder aus der späten Schwangerschaft mit einbeziehen. Einige wichtige Rubriken des Repertoriums sind unten aufgeführt.

Haut // Farbe – gelb – Neugeborenen, bei – Zorn, mit // Verfärbung gelb, Gelbsucht, Ikterus – Flatulenz, mit // Verfärbung gelb, Gelbsucht, Ikterus – Schreck, durch

Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Im Allgemeinen handelt es sich beim „physiologischen“ Neugeborenenikterus um eine benigne Symptomatik, die sich mit oder ohne homöopathische Behandlung bessert. Eine Verminderung der ikterischen Symptome (sowohl der Gelbverfärbung als auch der Billirubinwerte) weist also nicht unbedingt auf eine positive Arzneiwirkung hin, ist aber in jedem Fall für den Patienten wünschenswert. Bessern sich gleichzeitig andere Probleme (Unruhezustände, Stillprobleme, Verdauungsstörungen etc.), handelt es sich um Indizien für eine positive Arzneiwirkung. Wichtiger als die positive Sicherung der Arzneiwirkung ist die Bedeutung einer weiteren Verschlechterung des Ikterus. In diesem Fall muss neu verordnet werden (ggf. hat eine weitere Diagnostik zu erfolgen).
Entsprechend dem natürlichen Verlauf ist die Prognose sehr gut. Dies betrifft jedoch nicht die seltenen Formen von symptomatischem Neugeborenenikterus bei organischen Leiden.
Unterstützende Maßnahmen
Kind warm halten und regelmäßig anlegen. Phototherapie bei anhaltendem Ikterus.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Acon., Chin., Nat-s., Phos., Sep.
!! Card-m., Chel., Lyc.
! Ars., Bov., Calc., Op., Podo., Solid.

Frühstadium
Insbesondere nach problematischer und traumatischer Geburt ist das Hauptmittel Aconitum#AconitumNeugeborenenikterus (Schockfolge, Ruhelosigkeit v. a. nachts).
Ergänzend zur Phototherapie kann Chelidonium#ChelidoniumNeugeborenenikterus D3 gegeben werden. In sehr tiefer Potenz (D1–3) haben sich außerdem Solidago#SolidagoNeugeborenenikterus (starker Ikterus) oder Carduus marianus#Carduus marianusNeugeborenenikterus als Leber-Gallen-Mittel bewährt. In höherer Potenz kommt Bovista (unreine Haut, Koliken) infrage.
Anhaltender Ikterus
Hier steht Natrium sulfuricum#Natrium sulfuricumNeugeborenenikterus im Vordergrund. Laut Dorcsi ist das bewährteste Mittel Phosphorus#PhosphorusNeugeborenenikterus. Bei Trinkschwäche ist China#ChinaNeugeborenenikterus passend, dieses Mittel geben manche Neugeborenenabteilungen auch als bewährte Indikation in der C30. Als Folgemittel von China kommt Lycopodium#LycopodiumNeugeborenenikterus in Betracht, alternativ auch Podophyllum#PodophyllumNeugeborenenikterus. Calcarea carbonica#Calcium carbonicumNeugeborenenikterus kommt infrage, wenn das Kind träge ist und entsprechende Symptome hat. Bei auffallend apathischen Kindern mit schnarchender Atmung kommt Opium#OpiumNeugeborenenikterus infrage. Wenn die Beziehung der Mutter zum Kind gestört ist, kommt Sepia#SepiaNeugeborenenikterus in Betracht, hier müsste man auch Symptome der Schwangerschaft erfragen.
  • Calcarea carbonica#Calcium carbonicumNeugeborenenikterus: Schwäche, Trägheit; kalte Füße; klebriger, kühler Schweiß.

  • China#ChinaNeugeborenenikterus: Folge von Säfteverlust mit Schwäche; unverdaute, schmerzlose Stühle; Abdomenauftreibung.

  • Lycopodium#LycopodiumNeugeborenenikterus: Icterus prolongatus; unzufriedene Säuglinge, die v. a. nachmittags viel schreien, v. a. wegen Blähungen; Stirnrunzeln.

  • Natrium sulfuricum#Natrium sulfuricumNeugeborenenikterus: anhaltende Gelbsucht, Juckreiz v. a. wenn unbekleidet; aus dem After spritzender Stuhl; evtl. Kephalhämatom.

  • Opium#OpiumNeugeborenenikterus: auffallend apathische Kindern mit schnarchender Atmung.

  • Phosphorus#PhosphorusNeugeborenenikterus: hämolytischer Ikterus; bei Narkotikagaben im Geburtsverlauf, z. B. bei Sectio.

  • Podophyllum#PodophyllumNeugeborenenikterus: anhaltende, wässrige Diarrhoe; vor dem Stuhlgang Bauchkrämpfe, blasses Gesicht.

  • Sepia: starker Bewegungsdrang; Neigung zu Verstopfung; Übelkeit beim Fahren im Wagen (bei der Mutter, in der Schwangerschaft), Hautekzeme.

Säuglingsakne

Definition: Acne neonatorumAkne neonatorum.

Symptomatik: 2–4 Wo. nach der Geburt auftretende Mitesser und Papulopusteln, v. a. bei Jungen, hervorgerufen durch Empfindlichkeit der kindlichen Talgdrüsen gegenüber mütterlichen Androgenen. Meist Spontanheilung innerhalb von Wo. bis Mon.

Therapeutische Strategie
Es handelt sich um eine unproblematische, meist selbst limitierende Erkrankung, die nur in hartnäckigeren Fällen und bei Vorliegen weiterer Beschwerden behandlungsbedürftig ist.
Homöopathische Behandlung
Diese altersentsprechende und harmlose Symptomatik lässt sich gut homöopathisch behandeln.
Wahl der Symptome
Bei Säuglingen sind häufig die Beobachtungen der Mutter ausschlaggebend. Man sollte eher kein spezielles Aknemittel geben, sondern sich möglichst an der Gesamtheit der Symptome orientieren. Hilfreich sind v. a. die Symptome des Schweißes, der Ausscheidungen und des Gemütes bzw. des Verhaltens. Auch die Lokalisation der Akne kann hilfreich sein.
Miasmatische Zuordnung
Die Säuglingsakne ist vermutlich ein Hinweis auf Psora, Sykosis oder Tuberkulinie.
Repertorium
Zur Rubrik der „Akne“ Gesicht – Hautausschläge – Akne gibt es zahlreiche Unterrubriken, die z. B. auf die Lokalisation eingehen. Wie schon erwähnt, führen die Symptome der Akne jedoch eher selten zum passenden Arzneimittel. Ansonsten soweit möglich Repertorisation aufgrund individuelle Symptome.
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Die Säuglingsakne ist eine selbstlimitierende Problematik. Eine Beurteilung der Arzneiwirkung anhand der Akne ist deshalb schwierig und hat aufgrund anderer Symptome zu erfolgen – v. a. solcher, die nicht von selbst verschwinden (Unruhezustände, Schlafstörungen, Verdauungsprobleme, Stillprobleme etc.).
Unterstützende Maßnahmen
Beim Waschen und Baden seifenfreie Waschlotionen bevorzugen.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Calc.
!! Nat-m., Sulph.
! Eug., Graph., Jug-r., Sabin., Sep., Thuj.

Häufigste Arzneimittel
Das Mittel mit dem breitesten Anwendungsspektrum und die am häufigsten eingesetzte Arznei bei Säuglingsakne ist Calcarea carbonica#Calcium carbonicumSäuglingsakne. Im Säuglingsalter manchmal schwer abzugrenzen ist Sulfur.#SulfurSäuglingsakne
  • Calcarea carbonica: Akne der Nase; Schweiß am Kopf/Hinterkopf mit saurem Geruch; wohlige Verstopfung; träge.

  • Sulfur#SulfurSäuglingsakne: Akne an Nase und Stirn; übel riechender Stuhl; gerötete Körperöffnungen; Abneigung gegen Waschen.

Lokalisation
  • Nase:

    • Graphites: frostig; übergewichtig; große Stühle, Verstopfung.

    • Calcarea carbonica: Akne der Nase; Schweiß am Kopf/Hinterkopf mit saurem Geruch; wohlige Verstopfung; träge.

  • StirnhaargrenzeNatrium muriaticum#Natrium muriaticumSäuglingsakne: Akne auch am Kinn; verschlossene, ernstere, untröstliche Kinder.

  • KinnJuglans regia#Juglans regia, Säuglingsakne: Milchschorf, v. a. um die Ohren herum; Juckreiz.

Ätiologie
  • Hatte die Mutter während der Schwangerschaft Akne, so spielen Sepia#SepiaSäuglingsakne und Sabina eine Rolle:

    • Sepia: Akne der Stirn; Café-au-lait-Flecken; Kind wird von der Mutter abgelehnt.

    • Sabina#SabinaSäuglingsakne: Abdomen aufgetrieben, Bewegung agg.; Musik agg.

  • Liegt eine Impfreaktion vor, so ist das vorrangige Mittel Thuja#ThujaSäuglingsakne (Folge von Impfung; reichlicher Schweiß, außer am Kopf; feuchtes Wetter agg.; Warzen).

Windeldermatitis

Definition: Erythema glutealeErythema gluteale.

Symptomatik: Hautreizung im Windelbereich durch Urin (Ammoniak) und Stuhl (Verdauungsenzyme), begünstigt durch Wärmestau und Luftabschluss („feuchte Kammer“) in der Windel. Nicht selten Besiedlung der Haut mit Candida albicans oder Bakterien.

Therapeutische Strategie
Es handelt sich um eine harmlose, jedoch schmerzhafte Erkrankung, die nur bei stark abwehrgeschwächten Kindern bedrohlich werden kann. Als Differentialdiagnose ist hier an Dermatophyten, das Neugeborenenpemphigoid und v. a. das atopische Ekzem zu denken, also Erkrankungen, deren Behandlung schwieriger ist. Bei Windelsoor wird allopathisch lokal meist Nystatin eingesetzt, auf das bei guter homöopathischer Therapie immer verzichtet werden kann.
Homöopathische Behandlung
Medorrhinum#MedorrhinumWindeldermatitis und Sulfur#SulfurWindeldermatitis stehen als Arzneimittel im Vordergrund (was ein Hinweis auf die chronisch miasmatische Grundursache der Erkrankung ist), doch letztlich ist die Symptomengesamtheit entscheidend für die Arzneiwahl. Eine konstitutionelle Behandlung ist sinnvoll, ist aber aufgrund des Alters (wenig Symptome, kurze Anamnese) schwierig.
Wahl der Symptome
SymptomenwahlWindeldermatitisBei Säuglingen sind v. a. die Beobachtungen der Mutter ausschlaggebend. Man sollte sich möglichst an der Gesamtheit der Symptome orientieren, wenn diese aufschlussreich ist. Hilfreich sind v. a. die Symptome des Schweißes, der Ausscheidungen und des Gemütes. Es gibt für die Windeldermatitis bewährte Mittel, wobei Aussehen und Ausbreitung der Dermatitis gute Hinweise geben.
Miasmatische Zuordnung
Die Windeldermatitis ist ein Hinweis auf die Sykosis III (3.4.2), insbesondere wenn wund fressende Durchfälle die Ursache sind oder wenn die Kinder säuerlich riechen.
Repertorium
RepertorisationWindeldermatitisEs gibt einige lokale Rubriken, die der Windeldermatitis zugeordnet werden können. Darüber hinaus sollten ergänzende individuelle Rubriken gewählt werden.

Rektum // Exkoriation – Stuhl, durch den

Rektum – Hautausschläge – Anus, um den // Exanthem, flüchtiges – Kindern, bei – Neugeborenen, bei // juckend

Rektum – Hautausschläge – Perineum

Dosierung, Verlaufsbeurteilung und Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Die Wirkung des homöopathischen Arzneimittels sollte nie ausschließlich an den Hauterscheinungen beurteilt werden, auch wenn dies für die Eltern meist der wichtigste Aspekt ist. Häufig ist die Windeldermatitis ein erstes Symptom einer chronisch miasmatischen Belastung und muss deshalb immer im Gesamtzusammenhang gesehen werden. Bessern sich z. B. allgemeine Symptome (Verdauung, Schlafverhalten, psychische Alterationen etc.), sollte das Fortbestehen der Hautproblematik noch eine ganze Zeit lang akzeptiert werden, anstatt das Arzneimittel zu wechseln.
Unterstützende Maßnahmen
Frühzeitiger Windelwechsel, betroffene Hautareale nach jedem Stuhlgang mit warmem Wasser reinigen. Kinder möglichst oft mit nacktem Po herumlaufen lassen. Außerdem haben sich Zinnkrautteebäder oder -waschungen (1 TL Tee auf 1 Liter Wasser, evtl. noch weitere Verdünnung) sowie Calendula-Umschläge bewährt. Da Puder oft zu rau und Salben zu fettig sind, bietet sich ggf. wegen seiner speziellen Konsistenz als öliger Puder Chamo Bürger® Puder (mit Kamille) an. Patienten sollen kein saures Obst verzehren.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Med., Sulph.
!! Calc., Cham.
! Euph., Merc., Mez., Petr., Rhus-t.

Miasmatische Zuordnung
Allgemein dominieren zwei Mittel, die v. a. bei miasmatischer Belastung im Vordergrund stehen: bei Sykosis Medorrhinum#MedorrhinumWindeldermatitis, bei Psora Sulfur#SulfurWindeldermatitis. Als homöosyphilitisches Mittel kann Mercurius#Mercurius solubilisWindeldermatitis notwendig sein.
  • Calcarea carbonica#Calcium carbonicumWindeldermatitis: ammoniakalischer Uringeruch; klammer Schweiß; Ekzemneigung etc.

  • Medorrhinum#MedorrhinumWindeldermatitis: hochroter Po, Ausbreitung des Hautausschlags zum Genitale; ammoniakalischer Uringeruch; Kind tagsüber unruhig, nachts ruhig; Knie-Ellenbogen-Lage im Schlaf.

  • Mercurius#Mercurius solubilisWindeldermatitis: Ekzem von Papeln begleitet, nässend und krustenbildend; übel riechende, aggressive Stühle; Nachtschweiß.

  • Sulfur#SulfurWindeldermatitis: Po sieht wie roh aus und ist heiß; scharfer, übel riechender Stuhl; Juckreiz.

Ätiologie
Tritt die Dermatitis während einer Zahnungs-Diarrhoe auf, ist das Hauptmittel Chamomilla#ChamomillaWindeldermatitis: Anus rot und geschwollen; Stuhl grünlich-schleimig; Zahnungs-Diarrhoe; Ruhelosigkeit, Reizbarkeit; Verlangen, getragen zu werden.
Ausbreitung der Ausschläge
Breiten sich die Ausschläge weiter aus, denke man auch an Petroleum#PetroleumWindeldermatitis oder Euphorbium.#Euphorbium, Windeldermatitis Seltener kommen Rhus toxicodendron#Rhus toxicodendronWindeldermatitis und Mezereum#MezereumWindeldermatitis in Betracht.
  • Euphorbium#Euphorbium, Windeldermatitis: gelblicher Ausschlag, Ausbreitung der Dermatitis auf Unterleib und Rücken, evtl. noch weiter; auffallendes Hautödem; kalte Anwendungen amel.

  • Mezereum#MezereumWindeldermatitis: stark nässendes Ekzem, scharfes, klebriges Sekret, Krustenbildung; warmes Baden agg.

  • Petroleum#PetroleumWindeldermatitis: Hautausschläge um Anus und Perineum, juckend; Bettwärme agg.

  • Rhus toxicodendron#Rhus toxicodendronWindeldermatitis: Ausbreitung aufs Genitale; entzündete Haut ist geschwollen mit kleinen Bläschen oder Papeln; Juckreiz; Ruhelosigkeit mit Bewegungsdrang; warmes Baden amel.

Milchschorf

Definition: Crusta lacteaCrusta lactea. Form der Neurodermitis im Säuglingsalter (Erkrankung aus dem atopischen Formenkreis), chronisch rezid. Entzündung der Haut.

Symptomatik: Juckreiz, Rötung, Nässen, Schuppung und Krustenbildung, v. a. am Kopf.

Therapeutische Strategie
Es ist neben der homöopathischen Therapie meistens keine weitere Therapie notwendig. Das Einölen des Kopfes mit Mandelöl oder Olivenöl, um hartnäckige trockene Schuppen zu lösen, ist aus homöopathischer Sicht kontraindiziert, da es sich bei Milchschorf um die erste Äußerung einer chronisch miasmatischen Belastung handelt und ein manuelles Lösen der Schuppen einer Unterdrückung gleichkommt.
Homöopathische Behandlung
Soweit möglich konstitutionelle Behandlung, da es sich um eine Erkrankung des atopischen (20.2) Formenkreises und somit um eine chronische Krankheit im homöopathischen Sinn handelt.
Wahl der Symptome
SymptomenwahlMilchschorfMöglichst konstitutionsorientierte bzw. individuelle Behandlung. Daneben sind das Aussehen des Ekzems und das Ausmaß des Juckreizes bei der Mittelwahl von Bedeutung. Auch die Modalitäten können bei Milchschorf wichtige Hinweise geben.
Miasmatische Zuordnung
Milchschorf ist ein Symptom der Psora.
Repertorium
RepertorisationMilchschorfDie Rubriken sollten individuell gewählt werden, z. B. zu den Modalitäten. Hier werden nur einige der empfehlenswerten Lokalrubriken erwähnt.

Kopf – Hautausschläge // Ekzem // Milchschorf // Milchschorf – Kindern, bei – Neugeborenen, bei // juckend

Kopf – Hautausschläge – Krusten, Schorfe // gelb // weiß

Dosierung, Verlaufsbeurteilung und Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Der Milchschorf stellt die möglicherweise erste Äußerung einer chronisch miasmatischen Belastung des Kindes dar. Diesem Umstand entspricht die Beobachtung, dass die Crusta lactea häufig das Erstsymptom einer atopischen Erkrankung ist. Dementsprechend muss von einer längeren Behandlungsdauer ausgegangen werden, selbst wenn die Hautsymptome anfangs gut auf die homöopathische Behandlung reagieren. Zeigt sich bei angemessener homöopathischer Behandlung keine Verbesserung bei den Hautsymptomen, wohl aber eine Besserung auf der allgemeinen Ebene, sollte das Arzneimittel auf keinen Fall verlassen werden. Kommt es umgekehrt zu einer Verbesserung der Hauterscheinungen und zu einer allgemeinen Verschlechterung bzw. zum Auftreten anderer, allgemeiner gesundheitlicher Probleme (z. B. Schlafstörungen, Koliken, Trinkstörungen), muss davon ausgegangen werden, dass eine Unterdrückung vorliegt, und es muss unter besonderer Berücksichtigung der miasmatischen Symptome neu verordnet werden.
Unterstützende Maßnahmen
Keine erforderlich.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Calc., Sulph.
!! Graph., Mez., Nat-m., Viol-t.
! Lyc., Psor.

Da es sich oft um den Beginn einer Erkrankung des atopischen Formenkreises (20.2) und somit eine chronisch miasmatische Erkrankung handelt, wird an dieser Stelle nur eine begrenzte Auswahl der infrage kommenden Mittel aufgeführt.
Hauptmittel
Zwei große Antipsorika stehen im Vordergrund: Calcarea carbonica#Calcium carbonicumMilchschorf und Sulfur.
  • Calcarea carbonica#Calcium carbonicumMilchschorf: Haut kreideartig abschilfernd oder feuchtes Ekzem, gelbe oder weiße Krusten; wenig Juckreiz; träge, frostige Kinder; klammer Schweiß, v. a. am Hinterkopf; Lymphknotenschwellungen.

  • Sulfur#Sulfur: Hautausschlag trocken oder feucht; gelbe Krusten; starker Juckreiz; übel riechende Stühle; Lymphknotenschwellungen; Wärme und Waschen agg.

Farbe der Kruste
  • Weiße Krusten:

    • Natrium muriaticum#Natrium muriaticumMilchschorf: Hautausschläge trocken oder leicht nässend; weiße Krusten; v. a. Haargrenze betroffen; Blässe; mäßiger Juckreiz; Sonne agg., Seeluft amel.

    • Mezereum#MezereumMilchschorf: weiße, schmerzhafte Krusten; Juckreiz; Berührung agg.; frostig, aber Bettwärme agg.

  • Gelbe Krusten:

    • Sulfur:#SulfurMilchschorf Hautausschlag trocken oder feucht; gelbe Krusten; starker Juckreiz; übel riechende Stühle; Lymphknotenschwellungen; Wärme und Waschen agg.

    • Viola tricolor: Ekzem mit eitriger Absonderung; Haare verfilzt; gelbe Krusten; typisch für Neugeborene; scharfer Urin.

Calcarea carbonica passt für beide Phänomene (Symptomatik s. o.).
Juckreiz
Bei stärkerem Juckreiz sind neben Sulfur, Natrium muriaticum und Mezereum Psorinum, Graphites und Lycopodium #PsorinumMilchschorfpassend.
  • Graphites: Ekzem mit gelb-klebrigem Sekret; Juckreiz; Risse hinter den Ohren; adipös; frostig; verstopft; Lymphknotenschwellungen; evtl. schon bei Neugeborenen.

  • Lycopodium#LycopodiumMilchschorf: Haut trocken, schuppend, juckend; Wärme agg., nachmittags agg.; altes Aussehen mit Stirnrunzeln.

  • Mezereum: juckend, brennende Hautausschläge; Neigung zu eitrigen und nässenden Ekzemen; nachts und im Winter agg.

  • Natrium muriaticum: Hautausschläge trocken oder leicht nässend; weiße Krusten; v. a. Haargrenze betroffen; Blässe; mäßiger Juckreiz; Sonne agg., Seeluft amel.

  • Psorinum: Ekzem trocken oder feucht; starker Juckreiz, kratzt sich blutig; muffiger Körpergeruch; Waschen agg.; frostig; Winter agg.; Wärme amel., außer Bettwärme.

  • Sulfur: starker Juckreiz, v. a. durch Bettwärme, kratzt sich blutig (Weiteres s. o.).

Dellwarzen

Definition: Molluscua contagiosaMolluscua contagiosa s. Dellwarzen. Erreger: Virus der Pockengruppe.

Symptomatik: Weiche Warzen, häufig in Gruppen stehend, aus der zentralen Öffnung lässt sich eine breiartige Masse herausdrücken. Die Abheilung verläuft als entzündlicher Prozess (20.3.7).

Therapeutische Strategie
Harmlose Hauterscheinung, die nach einem Zeitraum von mehreren Wochen bis Monaten von selbst abheilt, sich jedoch beim Abheilen üblicherweise entzündet. Daher ist nur bei besonders zahlreichen Dellwarzen oder bei stärkerer Entzündung eine homöopathische Therapie angezeigt. Von einer chirurgischen Therapie der Dellwarzen (Cyretieren, Kryotherapie etc.), wie sie von Kinderärzten oder Dermatologen empfohlen wird, ist aus homöopathischer Sicht dringend abzuraten, da es sich dabei um eine klare Unterdrückung eines Lokalsymptoms handelt und die negativen Folgen für die Gesamtkonstitution der kleinen Patienten nicht einschätzbar sind.
Homöopathische Behandlung
Bei schon bestehender konstitutioneller Behandlung möglichst eine Wiederholung des Konstitutionsmittels, ansonsten eines der Mittel aus der Rubrik der Dellwarzen oder ein gut passendes Mittel aus der Rubrik für entzündeten Warzen verordnen.
Wahl der Symptome
Orientierung an der Symptomengesamtheit und den sich individuell bietenden Symptomen der Erkrankung. Die Dellwarzen an sich sind nur als Lokalsymptom zu werten.
Miasmatische Zuordnung
Dellwarzen sind ein Ausdruck der Sykosis.
Repertorium
Die passenden Lokalrubriken sind Haut – Hautausschläge – Molluscum – contagiosum und Haut – Warzen – entzündet.
Dosierung, Verlaufsbeurteilung und Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Dellwarzen heilen in den meisten Fällen nach einem mehr oder weniger langen Zeitraum (meist mehrere Monate) folgenlos ab. Im Rahmen einer homöopathischen Therapie sollte die Abheilung innerhalb mehrerer Wochen nach Mittelgabe erfolgen, zumindest sollten sich als erstes Anzeichen einer positiven Arzneiwirkung keine neuen Dellwarzen bilden. Ist dies der Fall, sollte ohne weitere Wiederholung des Arzneimittels abgewartet werden.
Unterstützende Maßnahmen
Keine; geduldig abwarten.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Calc., Sil.
!! Thuj. etc.

Sollte es nach Beurteilung der gesundheitlichen Situation überhaupt zu einer Verordnung kommen, sind häufig die genannten Arzneimittel indiziert. Ansonsten kommen aber auch alle anderen homöopathischen Arzneimittel zur Ausheilung der Dellwarzen infrage. Dabei steht häufiger die allgemeine Symptomatik im Vordergrund (weniger die Dellwarzen an sich).
Bei entsprechender Symptomatik und sofern keine konstitutionelle Behandlung erfolgt, stehen Calcarea carbonica und Silicea im Vordergrund
  • Calcarea carbonica#Calcium carbonicumDellwarzen: klammer Schweiß, v. a. am Hinterkopf; Lymphknotenschwellungen; träge, frostige, fettleibige Kinder, Neigung zu Hautekzemen.

  • Silicea#SiliceaDellwarzen: Neigung zu Eiterungen; deformierte oder brüchige Nägel; stille, zarte, frostige Kinder.

  • Thuja: kommt bei Vorliegen vieler Dellwarzen und evtl. weiterer Warzen #ThujaDellwarzenals Antisykotikum infrage.

Zahnungsbeschwerden

Definition: Der erste Zahn erscheint durchschnittlich im 6. Lebensmonat. Mit 2½ Jahren sind i. d. R. alle 20 Milchzähne vorhanden. Der Aufbau des bleibenden Gebisses mit 32 Zähnen beginnt ab dem 6. Lj.

Symptomatik: Für einen Teil der Kinder ist der Zahndurchbruch eine Leidenszeit: Das Zahnfleisch ist gerötet und geschwollen; oft ist zusätzlich der Po wund. Die Kinder haben Schmerzen, sind unruhig, fiebern eventuell, leiden an Infekten des HNO-Trakts und schlafen schlecht.

Therapeutische Strategie
Allopathisch gibt es, abgesehen von der therapeutisch umstrittenen Applikation von Lokalanästhetika auf das Zahnfleisch, keine spezielle Therapie. Es sei denn, es treten begleitend Fieber oder Durchfälle auf, die dann symptomatisch behandelt werden.
Homöopathische Behandlung
Bei konstitutioneller Therapie sollte ein situativ angepasstes Komplementärmittel gesucht oder ggf. das Konstitutionsmittel wiederholt werden. Gute Erfolge werden mit den entsprechend Akutmitteln erzielt. Homöopathische Therapie ist v. a. bei Begleitbeschwerden wie z. B. Diarrhoe, Infekten oder Schlaflosigkeit sinnvoll.
Wahl der Symptome
SymptomenwahlZahnungsbeschwerdenZwei Aspekte sind entscheidend für die Mittelwahl:
  • Begleitbeschwerden: z. B. Fieber, Diarrhoe, Husten, Kopfschmerz, Speichelfluss und deren genaue Ausprägung.

  • Gemütssymptome: z. B. Reizbarkeit, Ruhelosigkeit, Angst.

Miasmatische Zuordnung
Beschwerden beim Zahnen weisen auf die Tuberkulinie hin.
Repertorium
Die Rubrik Zähne – Zahnung – schwierig umfasst 88 Arzneimittel und ist damit sehr umfangreich. Die gute Rubrik Zähne – Zahnung – langsam (20 AM) ist nach dem achten Lebensmonat bei ausbleibender Zahnung relevant.

ZähneZahnung // langsam // schwierig

Fieber // Zahnung, während der

Husten // Zahnung, während der

Kopf // Schmerz – Zahnung, während der

Magen // Erbrechen – Zahnung, während der

Mund // Speichelfluss – Zahnung, während der

Rektum // Diarrhoe – Zahnung, während der

Allgemeines // Konvulsionen – Zahnung, während der

Schlaf // Schlaflosigkeit – Zahnung, während der

Gemüt // Reizbarkeit, Gereiztheit – Zahnung, während der // Ruhelosigkeit – Kindern, bei – Zahnung, während der

Dosierung, Verlaufsbeurteilung und Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
In der Praxis zeigt sich immer wieder, dass Kinder mit erheblichen Zahnungsproblemen auch mit der besten homöopathische Therapie weder kurzfristig noch langfristig völlig symptomfrei werden. Das therapeutische Ziel ist eine Begleitung durch diese anstrengende Lebensphase, ein Abmildern der Beschwerden und ein Vermeiden von Komplikationen. Bei der homöopathischen Therapieplanung sollte das Ziel also nicht unbedingt völlige Beschwerdefreiheit sein, auch wenn dies von den geplagten Eltern immer wieder eingefordert wird. Dementsprechend ist sowohl die Verlaufsbeurteilung als auch die Entscheidung zu eventuellen Arzneimittelwechseln (es sollten nicht zu viele verschiedene Arzneimittel in zu kurzer Zeit gegeben werden) recht komplex. Beweisend für eine positive Arzneimittelwirkung sind unter anderem das Verschwinden von bestehenden Begleiterkrankungen wie Diarrhoe, Husten, Fieber etc. Auch eine Verbesserung der Gemütslage kann auf eine positive Arzneiwirkung hinweisen (v. a., wenn man die extremen Stimmungsschwankungen von Chamomilla-Kindern bedenkt). Wichtig ist, dass nicht alle möglichen Beschwerden wie Fieber, Schreien etc. im Zahnungsalter mit der Zahnung in Verbindung stehen. Bei ausbleibendem Therapieerfolg ist es wichtig, andere mögliche Ursachen in Betracht zu ziehen und diese rechtzeitig abzuklären.
Unterstützende Maßnahmen
Beißring aus Gummi oder dergleichen anbieten.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Cham.
!! Acon., Bell., Calc., Calc-p., Phyt., Podo., Rheum.
! Cina, Coff., Ferr-p., Kreos., Merc., Sil., Sulph.

Chamomilla ist das Hauptmittel#ChamomillaZahnungsbeschwerden: Zahnfleisch rot und geschwollen, berührungsempfindlich und blutet leicht; Fieber, Konvulsionen, Kopfschmerz, Husten; heiße und wässrig-grünliche Diarrhoe während Zahnung; Wange einseitig heiß und gerötet; Schlaflosigkeit; nachts agg., Wärme agg.; Reizbarkeit und Übellaunigkeit, man kann nichts recht machen, getragen werden amel.
Entsprechend der Begleitbeschwerden lassen sich zahlreiche Mittel differenzieren, von denen hier nur eine Auswahl aufgeführt wird.
Fieber
Die charakteristischsten Mittel bei Fieber sind Aconitum, Belladonna und Ferrum phosphoricum.
  • Aconitum#AconitumZahnungsbeschwerden: hohes Fieber, Konvulsionen, Kopfschmerz, Diarrhoe, Husten während Zahnung; Schlaflosigkeit; Angst und Ruhelosigkeit.

  • Belladonna: Zahnfleisch geschwollen, gerötet, glänzend; hohes Fieber, Konvulsionen, Kopfschmerz, grünliche Diarrhoe, Husten, Chorea während Zahnung; Gesicht heiß, Extremitäten kühl; Schlaflosigkeit, vor Mitternacht agg.; reizbare Erregtheit und Überempfindlichkeit.

  • Ferrum phosphoricum#Ferrum phosphoricumZahnungsbeschwerden: leichtes Fieber; Wangen rot und brennend; harter und trockener Husten, Diarrhoe; Schlaflosigkeit; nachts agg.

Langsame Zahnung
Im Vordergrund stehen folgende Arzneimittel:
  • Calcarea carbonica#Calcium carbonicumZahnungsbeschwerden: Hautausschläge, Fieber, Konvulsionen, Husten, Erbrechen, Diarrhoe, weißer Stuhl während Zahnung; Kopfschweiß; Schwäche; Trägheit.

  • Calcium phosphoricum#Calcium phosphoricumZahnungsbeschwerden: Konvulsionen, Husten, Kopfschmerz, Diarrhoe während Zahnung; Reizbarkeit, Schwäche; „Zappelphilipp“.

  • Silicea#SiliceaZahnungsbeschwerden: Kopfschmerz, Diarrhoe, Speichelfluss während Zahnung; saurer Kopfschweiß; zartgliedrig.

Weitere infrage kommende Mittel:
  • Mercurius#Mercurius solubilisZahnungsbeschwerden: Zahnfleisch dunkelrot, Mundgeruch; Konvulsionen; Kopfschmerz; Speichelfluss sowie Nachtschweiß und grünliche, wund machende Diarrhoe während Zahnung.

  • Phytolacca#PhytolaccaZahnungsbeschwerden: Fieber, Erbrechen, Diarrhoe während Zahnung; Stöhnen, Weinen; Verlangen, auf etwas Hartes zu beißen; heiße Nahrung agg., Bewegung agg., aber Bewegungsdrang.

  • Sulfur#SulfurZahnungsbeschwerden: Fieber, Konvulsionen; übel riechende Diarrhoe bei Zahnung; gerötete Körperöffnungen.

Gemütszustand
Der Gemütszustand gibt auch bei Zahnungsbeschwerden oft den Ausschlag für die passende Arznei. Neben Chamomilla#ChamomillaZahnungsbeschwerden (s. o.) finden sich die meisten zahnungsbedingten Gemütssymptome bei folgenden Arzneimittel:
  • Cina#CinaZahnungsbeschwerden: Konvulsionen, hackender Husten, Diarrhoe bei Zahnung; Würmer; Reizbarkeit, Abneigung gegen Berührung; Hin- und Herwiegen oder Schaukeln amel.

  • Coffea#CoffeaZahnungsbeschwerden: Konvulsionen, Kopfschmerz, Diarrhoe bei Zahnung; Überempfindlichkeit aller Sinnesorgane; Schlaflosigkeit, dennoch eher gut gelaunt; Wärme agg.

  • Kreosotum#KreosotumZahnungsbeschwerden: Zahnfleisch verdickt, dunkelrot bis blau; Zähne schon beim Durchbruch dunkel-kariös; Konvulsionen, wässrig-fötide Diarrhoe, Husten während Zahnung; Reizbarkeit, Ruhelosigkeit mit Schreien, v. a. nachts agg.

  • Podophyllum#PodophyllumZahnungsbeschwerden: Wangen rot; Kiefer fest aufeinander gepresst; Konvulsionen, Husten, Katarrh; schmerzlose, übel riechende, gelbliche und reichliche Diarrhoe während Zahnung; Reizbarkeit mit Stöhnen.

  • Rheum: Fieber, Konvulsionen, saurer Körpergeruch, saure pastenartige Diarrhoe während Zahnung; Reizbarkeit v. a. nachts, Ruhelosigkeit mit Schreien.

Dreimonatskolik

Definition: Bezeichnung für schmerzhafte Blähungen in den ersten 3 Lebensmonaten nach Milchmahlzeiten. Verschluckte Luft bleibt im Milchschaum gebunden und kann nicht aufgestoßen werden. Symptome verschwinden nach der Umstellung auf Breikost.

Symptomatik: Krümmen, Anziehen der Beine oder Durchstrecken, Schreien. Hochnehmen und bäuchlings Über-die-Schulter-Legen beruhigt i. d. R., flaches Liegen lässt die Symptome erneut auftreten.

Therapeutische Strategie
Allopathisch werden zumeist Dimethicon-Tropfen (sab simplex®) als Karminativum gegeben.
Homöopathische Behandlung
Es handelt sich um harmlose, für die Säuglinge jedoch schmerzhafte und für die Eltern oftmals beunruhigende Beschwerden, die homöopathisch gut behandelt werden können. Im Allgemeinen werden Akutmittel verordnet. Diagnostisch abzugrenzen sind organische Erkrankungen (z. B. Pylorusstenose).
Wahl der Symptome
  • SymptomenwahlDreimonatskolikModalitäten: z. B. Besserung durch Druck, Wärme, Aufstoßen, Verschlechterung durch Essen

  • Begleitende Symptome: z. B. Durchfall oder Schweiß.

  • Gemütssymptomatik: z. B. Unruhe, Reizbarkeit mit lautem Schreien, Trägheit.

Miasmatische Zuordnung
Die scheinbar so schlüssige Erklärung des hastigen Trinkens als Ursache für die Dreimonatskoliken ist sicher zu kurz gegriffen. Aus homöopathischer Sicht handelt es sich dabei um ein Symptom der Sykosis.
Repertorium
RepertorisationDreimonatskolikDie Rubrik Abdomen – Schmerz – krampfartig, kneifend – Babys, Kolik bei (21 AM) umfasst alle wesentlichen Mittel. Weitere Rubriken und individuelle Beobachtungen dienen der Differenzierung.

Abdomen – Schmerz // Diarrhoe – während

Abdomen – Schmerz – krampfartig, kneifend // Aufstoßen – amel. durch // Babys, Kolik bei // Beugen – vorne amel., nach // Druck amel. // Essen, nach // Flatus, Abgang von – amel. // Liegen – Abdomen amel., auf dem // Stuhlgang, nach – amel.

Schweiß // Kolik, bei

Gemüt // Schreien – Kindern, bei – Kolik mit

Dosierung, Verlaufsbeurteilung und Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Diese Adaptionsstörung ist selbstlimitierend und hat deshalb mit und ohne homöopathische Therapie mittelfristig eine gute Prognose. In der homöopathischen Praxis zeigt sich, dass die passende Verordnung sehr schnell zum dauerhaften Abklingen der Symptome führt, oft innerhalb von 24 Stunden. Hier gilt: Je ausgeprägter die Symptomatik, desto deutlicher und schneller die Arzneiwirkung. Zeigt sich nach mehreren Tagen (max. ein bis zwei Wochen) keine Besserung der Koliken, sollte ein neues Arzneimittel gewählt werden.
Unterstützende Maßnahmen
Anis-, Fenchel- oder Kümmeltee trinken lassen. Sanfte Bauchmassage mit warmem Öl (z. B. Kümmelöl).
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Cham., Coloc., Lyc., Mag-p.
!! Acon., Bell., Calc., Carb-v., Cina, Dios., Nux-v.
! Arg-n., Jal., Mag-c., Rheum., Senn.

Hauptmittel
  • Chamomilla#ChamomillaDreimonatskolik: Folge von Zorn; Reizbarkeit mit viel Geschrei; Getragenwerden amel., aber empfindlich bei Berührung; nachts agg., warme Anwendungen agg.

  • Colocynthis#ColocynthisDreimonatskolik: Essen und Trinken agg., Wärme, Druck und Liegen auf dem Bauch sowie Krümmen, Stuhlgang und Flatusabgang amel.

  • Lycopodium#LycopodiumDreimonatskolik: kann als das Hauptmittel hervorgehoben werden; Abdomen aufgetrieben mit Blähungen; Abneigung gegen enge Kleidung; beim Trinken leicht ermüdbar; Essen agg., nachmittags agg.; warme Anwendungen amel.; Flatus amel. nur kurzfristig; mürrisch, unzufrieden.

  • Magnesium phosphoricum#Magnesium phosphoricumDreimonatskolik: plötzliches Auftreten der Symptome; Druck, Wärme und Krümmen amel.; Aufstoßen bessert nicht.

Spezifische Begleitsymptome
  • Plötzliches Auftreten:

    • Aconitum#AconitumDreimonatskolik: trocken-heiße Haut; Sommerdiarrhoe; Krümmen und Flatus amel.; Ruhelosigkeit.

    • Belladonna#BelladonnaDreimonatskolik: Schmerzen kommen und gehen plötzlich; Essen agg., Krümmen amel.

  • Gemüt (Heftigkeit):

    • Belladonna: s. o.

    • Cina#CinaDreimonatskolik: aufgetriebener Bauch; mürrisch; Bewegen amel.; spät abends agg.

    • Nux vomica#Nux vomicaDreimonatskolik: Kolik kurz nach dem Stillen oder Essen; Schweiß mit Frostigkeit; Obstipation mit erfolglosem Stuhldrang; Wärme und Stuhlgang amel.; Reizbarkeit mit Schreien; überstreckt sich nach hinten.

Weitere Arzneimittel
  • Argentum nitricum#Argentum nitricumDreimonatskolik: starke Ängste mit Ruhelosigkeit und Hast; lautes Aufstoßen; Krümmen amel.; Verlangen nach Kühlung.

  • Calcarea carbonica:#Calcium carbonicumDreimonatskolik kreideartige Stühle, Obstipation; Kopfschweiß; träge Kinder.

  • Carbo vegetabilis: #Carbo vegetabilisDreimonatskolikGesicht blass; kalte Beine bis über die Knie; starke Blähungen; Krümmen, Aufstoßen und Flatusabgang amel.; Essen und Hinlegen agg.

  • Dioscorea#Dioscorea, Dreimonatskolik: Schmerzen strahlen nach oben und unten aus; Flatulenz; belegte Zunge; Überstrecken nach hinten amel.; Liegen agg., will deshalb zur Besserung bewegt und getragen werden.

  • Jalapa#Jalapa, Dreimonatskolik: nachts agg. mit Geschrei, tagsüber geringe Beschwerden; schneidende Schmerzen vor und bei Stuhlgang.

  • Magnesium carbonicum#Magnesium carbonicumDreimonatskolik: reichlich saure Schweiße; Flatus und Stuhlgang amel.; oft grüner, flüssiger Stuhl.

  • Rheum#RheumDreimonatskolik: saure Stühle, die nicht bessern; Kind will nicht spielen.

  • Senna#Senna, Dreimonatskolik: starke Blähungen; Stuhl hart und dunkel mit Obstipation; Appetitverlust; weint und schreit, läuft dadurch sogar blau an.

Übelkeit und Erbrechen

Tritt bei fast allen gastroenterologischen Erkrankungen auf, v. a. beim akuten Abdomen sowie bei der akuten Gastritis oder Gastroenteritis (13.3), kommt begleitend auch bei zahlreichen anderen Beschwerden vor wie Schwindel, Kopfschmerz, Husten.

Therapeutische Strategie
Da es sich hier um ein einzelnes Symptom handelt, dem ganz unterschiedliche Ursachen zugrunde liegen können, ist vorrangig die Ursache der Übelkeit und des Erbrechens abzuklären und dann entsprechend des Krankheitsbildes bzw. der Gesamtsymptomatik zu behandeln. So kommen als Therapie je nach Ursache aus schulmedizinischer Sicht u. a. Diäten (z. B. bei Zöliakie), Antiemetika (z. B. bei Kinetosen), Antibiotika (Infektionen), Magenspülungen (Intoxikationen), Operationen (z. B. bei Ileus, Pylorusstenose oder Tumoren) sowie Psychotherapie (Anorexie/Bulimie) in Betracht.
Homöopathische Behandlung
Insbesondere die Abklärung der Ursache ist wichtig, um Risiken abzuschätzen und ggf. die homöopathische Therapie nur begleitend zur schulmedizinischen durchzuführen. Bei rezidivierendem Erbrechen ohne organische Ursache ist eine konstitutionelle Behandlung erforderlich, dies gilt insbesondere auch bei psychischer Genese. Bei akuter Gastroenteritis (13.3, 13.4) oder bei Reiseübelkeit bieten sich einige bewährte Akutmittel an.
Wahl der Symptome
  • SymptomenwahlÜbelkeit/ErbrechenUrsachen bzw. Auslöser des Erbrechens: z. B. Fieber, Kopfschmerz, Trauma, Husten, Seekrankheit, Nahrungsmittelvergiftung oder -unverträglichkeit.

  • Begleitbeschwerden: z. B. Durchfall oder Schluckauf.

  • Modalitäten: z. B. Essen oder Trinken agg., Wärme oder Kälte amel.

  • Art des Erbrochenen: z. B. saures, blutiges, galliges Erbrechen bzw. Erbrechen von Speisen oder Muttermilch.

  • Aussehen der Zunge: wie und wo ist der Belag?

  • Die Gemütssymptomatik kann auch eine Rolle spielen.

Miasmatische Zuordnung
Übelkeit und Erbrechen können aufgrund ihrer vielfältigen Ursachen nicht einem bestimmten Miasma zugeordnet werden.
Repertorium
RepertorisationÜbelkeit/ErbrechenEs gibt unzählige Rubriken, welche die Modalitäten und Auffälligkeiten des Erbrechens bzw. der Übelkeit widerspiegeln. Hinzu kommen bei entsprechender Symptomatik die Rubriken Rektum – Diarrhoe mit Unterrubriken. Unter Allgemeines – Speisen und Getränke kann man v. a. bei den Aggravationen und Abneigungen Hinweise bekommen. Da es hier um das bei Kindern häufige Symptom „Erbrechen“ geht, werden ausschließlich themenbezogene Beispiele aus dem Repertorium genannt.
Weitere Hinweise 16.3.1 (Gastritis), 16.4.1 (chronisch entzündliche Darmerkrankungen), 27.3 (Lebensmittelvergiftung).

Magen Erbrechen // Anstrengung, bei // Diarrhoe, während // Essen, nach // Fahren im Wagen, beim // Kindern, bei – Säuglingen, bei // Milch, nach – Muttermilch, nach // Speisen // Speisen – Geruch von, durch den // Stuhlgang – während // Trinken – kleinste Mengen // unablässig // Zahnung, während der // Zorn, nach (und weitere Unterrubriken)

Magen – Übelkeit // Fieber, während // Seekrankheit // Süßigkeiten (und weitere Unterrubriken)

Dosierung
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
In diesem Kapitel wird auf das Symptom „Erbrechen“ eingegangen. Bei Erbrechen kommen als Ursache die unterschiedlichsten Erkrankungen infrage, die im Zweifelsfall durch Diagnostik zu sichern oder auszuschließen sind. Gibt es eine organische Ursache des Erbrechens oder liegt eine Infektionen zugrunde, muss die Verlaufsbeurteilung entsprechend der vorliegenden Diagnose erfolgen. Erbrechen bzw. Bauchschmerz und/oder Übelkeit sind bei Kindern häufig Ausdruck einer Überbelastung im täglichen Leben oder der somatische Ausdruck von Konflikten (z. B. in der Familie). Hier kann das Symptom „Erbrechen“ gleichsam stellvertretend für ein seelisches Leiden stehen und lässt bei der Verlaufsbeurteilung Rückschlüsse auf das seelische Befinden des Patienten zu. Verschwindet die somatische Symptomatik durch klassisch homöopathische Behandlung, ist dies unabhängig von der Problemlösung ein klares Indiz für eine verbesserte Gesamtgesundheit, denn richtig angewandte Homöopathie bringt Symptome nur durch eine Verbesserung der gesamtgesundheitlichen Situation zum Verschwinden.
Unterstützende Maßnahmen
Regelmäßig sollten kleinen Mengen getrunken werden. Bei Säuglingen evtl. Flüssigkeit mit Klistierspritze rektal ersetzen, ggf. Infusion. Wärmflasche oder feucht-warme Bauchwickel. Aspiration von Erbrochenem durch entsprechende Lagerung verhindern.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Ars., Ip., Nux-v., Phos.
!! Aeth., Ant-c., Chin., Ferr., Puls., Verat.
! Arg-n., Bry., Calc., Cham., Cocc., Colch., Cupr., Ign., Kreos., Sep., Sil., Sulph., Tab.

Hauptmittel
Die Mittel mit dem breitesten Indikationsspektrum sind Arsenicum album#Arsenicum albumErbrechen und Phosphorus#PhosphorusErbrechen. Bei Erbrechen, das durch Überessen oder Unverträglichkeit bestimmter Speisen ausgelöst wurde, bieten sich gute Differenzierungsmöglichkeiten. Ein wichtiges Mittel ist hier Nux vomica#Nux vomicaErbrechen. Bei Unverträglichkeit fetter Speisen ist neben Pulsatilla#PulsatillaErbrechen auch an Ipecacuanha#IpecacuanhaErbrechen zu denken.
  • Arsenicum album#Arsenicum albumErbrechen: Übelkeit und Erbrechen durch verdorbenes Fleisch, eiskalte Getränke, Eiscreme etc., allgemein bei Lebensmittelvergiftung; nach Trinken kleinster Mengen; häufiges und heftiges Erbrechen, mit Diarrhoe und Schweiß; Erbrechen und Stuhlgang zugleich; brennende Bauchschmerzen; gelb belegte Zunge; Kälte, Schwäche; Unruhe; Wärme amel.

  • Ipecacuanha#IpecacuanhaErbrechen: durch Durcheinanderessen, zu schwere, zu fette Speisen oder Eis; durch Essensgeruch; beim Husten; Zunge bräunlich oder ohne Belag; starke Übelkeit; nach Erbrechen agg., Bücken agg.

  • Nux vomica#Nux vomicaErbrechen: durch Durcheinanderessen, scharfe Speisen, kaltes Wasser, nach Zorn; beim Autofahren, beim Räuspern; begleitend bei Kopfschmerz, Schwindel oder Schluckauf; kann nicht erbrechen, wenn doch, so erfolgt danach rasche Besserung; Magenkrämpfe; Reizbarkeit.

  • Phosphorus#PhosphorusErbrechen: Übelkeit nach Trinken kleinster Mengen, nach Milch; Übelkeit wenn man Hände in warmes Wasser steckt; Speisenerbrechen nach Essen; unablässiges und schmerzhaftes oder blutiges Erbrechen; begleitet von Kopfschmerz oder Diarrhoe.

  • Pulsatilla#PulsatillaErbrechen: durch Durcheinanderessen, zu schwere, zu fette Speisen oder Eis; Zunge schmutzig-weiß; durstlos; nach Erbrechen amel., kalte Speisen oder Getränke amel.; weinerlich.

Milchunverträglichkeit
  • Aethusa#AethusaErbrechen: Beschwerden durch Milch, Muttermilch; durch Anblick von Nahrung, bei Sommerhitze; bei Säuglingen, mit Schweiß; hungrig nach dem Erbrechen; erbricht in hohem Bogen; reine Zunge; Erschöpfung, sterbensbleich.

  • Antimonium crudum#Antimonium crudumErbrechen: durch Magenüberladung, Milch, Muttermilch, Salat, saure oder fette Speisen; durch Sommerhitze; dauerndes Aufstoßen; unablässiges Erbrechen; dick weiß belegte Zunge; Kind will nicht angesehen werden.

  • Calcarea carbonica#Calcium carbonicumErbrechen: durch Milch, Muttermilch; v. a. nachts; Erbrochenes und Stuhl sauer.

  • China#ChinaErbrechen: durch Obst, Milch; häufiges Erbrechen mit Schwäche durch Säfteverlust, auch durch Anblick oder Geruch von Speisen; Durchfall kurz nach dem Essen, Erbrechen Stunden später; starkes Luftaufstoßen ohne Erleichterung.

  • Phosphorus: Übelkeit nach Trinken kleinster Mengen, nach Milch etc. (s. o.).

  • Silicea#SiliceaErbrechen: durch Milch, Muttermilch, kalte Speisen oder Getränke; beim Autofahren.

  • Sepia: durch Milch, fette Speisen; milchiges Erbrechen; Übelkeit durch Speisegeruch oder Autofahren; beim Erwachen agg.; warme Umschläge amel.

Unverträglichkeit bestimmter Nahrungsmittel
  • Obstunverträglichkeit:

    • China: durch Obst, Milch; häufiges Erbrechen mit Schwäche durch Säfteverlust, auch durch Anblick oder Geruch von Speisen; Durchfall kurz nach dem Essen, Erbrechen Stunden später; starkes Luftaufstoßen ohne Erleichterung.

    • Veratrum album#Veratrum albumErbrechen: durch Früchte oder Gemüse; mit Diarrhoe; heftiges Erbrechen, gleichzeitig mit Stuhlgang, nach dem Erbrechen Schluckauf; Kollaps; Bewegung agg.; Wärme amel.

  • Ei-Unverträglichkeit:

    • Colchicum: erträgt den Geruch von Eiern nicht; durch Geruch von Speisen, v. a. Eier oder Fisch; beim Autofahren; galliges Erbrechen.

    • Ferrum metallicum#Ferrum metallicumErbrechen: Übelkeit v. a. nachts oder plötzlich beim Essen; beim Autofahren; saures Erbrechen; Anstrengung agg.

    • Sulfur: Abneigung gegen Eier, Milch und Fleisch; großer Durst auf kalte Getränke; Durchfall v. a. früh morgens, übelriechender Stuhl, Heißhunger um 11 Uhr mit Leeregefühl.

  • BrotBryonia#BryoniaErbrechen: Erbrechen nach Brot; durch Hitze; beim Husten; nach Trinken kleinster Mengen; hat aber Durst auf große Mengen; saures Erbrechen kurz nach dem Essen; Bewegung agg.

  • Süßigkeiten, ZuckerArgentum nitricum#Argentum nitricumErbrechen: Erbrechen beim Aufstoßen; mit Diarrhoe

Bei Ignatia#IgnatiaErbrechen erscheinen Verträglichkeit und Unverträglichkeit paradox: krampfartige Bauchschmerzen; Hunger trotz Übelkeit; Verlangen nach schwerverdaulichen Speisen und dadurch amel.; hysterisch.
Erbrechen anderer Genese
Bei Erbrechen als Begleitsymptomatik anderer Hauptbeschwerden sind folgende homöopathischen Mittel angezeigt.
  • Reiseübelkeit:

    • Cocculus#CocculusErbrechen: beim Autofahren, bei Seekrankheit; schwallartiges Erbrechen.

    • Tabacum: beim Autofahren, bei Seekrankheit; bleiches Gesicht und Schwäche; Verl. nach kühler, frischer Luft; Bewegung agg., Augenschließen amel.

  • Nach Zorn:

    • Chamomilla: Blähungen nach faulen Eiern riechend; Verlangen nach kaltem Wasser, Agg. durch warme Getränke; kolikartige Bauchschmerzen, Stuhl gelblich oder grünlich.

    • Nux vomica: Magenkrämpfe; Reizbarkeit; kann nicht erbrechen, wenn doch, so erfolgt rasche Besserung danach; Verlangen nach fetten Speisen und Gewürzen, Verstopfung und Durchfall im Wechsel.

Heftige Beschwerden
  • Cuprum#Cuprum metallicumErbrechen: Erbrechen bei Säuglingen seit Geburt; Brechdurchfall schwerster Art mit krampfartigen Beschwerden und unablässigem Erbrechen; Speisenerbrechen nach Essen; süßlich oder wie Molke; kaltes Wasser und Stuhlgang amel., evtl. Erbrechen während Stuhlgang.

  • Kreosotum#KreosotumErbrechen: Übelkeit durch Fleisch; beim Autofahren; süßliches, evtl. blutiges Erbrechen; erbricht unverdaute Speisen mehrere Stunden nach Essen; stinkende Stühle; Speisenerbrechen nach Essen; nüchtern agg., Wärme und warme Speisen amel.

Diarrhoe

Definition: DurchfallDurchfall s. Diarrhoe. Akute Vermehrung der Darmentleerungen und gesteigerter Wassergehalt des Stuhls. Dadurch bedingter Wasser- und Elektrolytverlust. Normale Stuhlfrequenz bei Säuglingen 1–4/d, bei Erwachsenen 3/d–2/Wo. Je nach zeitlichem Verlauf Unterscheidung zwischen akuter und chronischer (> 1 Monat) Diarrhoe.

Symptomatik: Typischerweise einige Stunden vorausgehende Verhaltensänderung („weinerlich“, Nahrungsverweigerung, Blässe, „Spucken“, Erbrechen, Temperaturerhöhung, Wundsein), geblähtes, hyperperistaltisches Abdomen, dann unvermittelt einsetzende dünne, wässrig-spritzende oder schleimige Stühle (in der Windel evtl. nur am Wasserhof erkennbar), ggf. grünlich verfärbt und von verändertem Geruch.

Therapeutische Strategie
Da es sich hier um ein einzelnes Symptom handelt, dem ganz unterschiedliche Ursachen zugrunde liegen können, ist vorrangig die Ursache des Durchfalls abzuklären und dann entsprechend dem Krankheitsbild zu behandeln. So kommen aus schulmedizinischer Sicht als Therapie je nach Ursache Diäten (z. B. bei Zöliakie, Colitis ulcerosa oder Kurzdarmsyndrom), Kohletabletten (Gastroenteritis), Antimykotika (Candidabefall), Operationen (Anomalien oder Tumoren) sowie Psychotherapie (Colon irritabile) in Betracht. Diarrhoeen treten aber auch häufig als Nebenwirkung von Medikamenten oder durch Malabsorptionssyndrome auf.
Homöopathische Behandlung
Die Abklärung der Ursache ist v. a. wichtig, um Risiken abzuschätzen und die homöopathische Therapie ggf. nur begleitend zur schulmedizinischen Therapie durchzuführen. Bei chronischem Durchfall ist eine konstitutionelle Behandlung erforderlich. Bei akuter Gastroenteritis als Ursache bieten sich einige bewährte Akutmittel an. Auch bei Durchfällen als Nebenwirkung allopathischer Therapie bietet sich eine homöopathische Behandlung an.
Wahl der Symptome
  • SymptomenwahlDiarrhoeUrsache des Durchfalls: z. B. Zahnung, Wettereinfluss, Erregung.

  • Lebensmittelunverträglichkeiten: z. B. Obst, Süßes, Fett, Fleisch.

  • Außerdem treten Durchfälle begleitend bei fieberhaften Infekten auf oder auch nach Antibiotikagabe.

  • Beschaffenheit des Stuhls: z. B. Farbe, Geruch, herausspritzend,

  • Des Weiteren ist die Frage entscheidend, ob der Durchfall schmerzhaft ist oder nicht.

Miasmatische Zuordnung
Eine nicht durch einen akuten Infekt ausgelöste Diarrhoe bei Kindern ist meist psorischen, syphilitischen oder tuberkulinischen Ursprungs.
Repertorium
Es gibt unzählige Rubriken zur Diarrhoe, welche die entsprechende Modalitäten und Auffälligkeiten widerspiegeln. Eine Auswahl ist hier zusammengestellt. Neben den Diarrhoe-Rubriken spielen ergänzend diejenigen zu „Erbrechen“ und „Übelkeit“ eine Rolle. Außerdem können die Symptome des Kapitels „Stuhl“ wichtig sein. Unter Allgemeines – Speisen und Getränke kann man v. a. bei den Aggravationen noch Hinweise bekommen.

Rektum – Diarrhoe // Kindern, bei // Säuglingen, bei // chronisch // Erregung des Gemütes, bei // Milch, nach // schmerzlos // Wetter – warmes Wetter // Zahnung, während der

Dosierung, Verlaufsbeurteilung und Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Je nach Ursache des Durchfalls sind verschiedene Verläufe denkbar. Wegen des Umfangs der Möglichkeiten kann an dieser Stelle keine genaue Differenzierung vorgenommen werden. Hinweise können auch den Kapiteln zu den gastrointestinalen Erkrankungen (13.3, 13.4) entnommen werden.
Unterstützende Maßnahmen
Ausreichend trinken, bei Säuglingen evtl. Flüssigkeit mit Klistierspritze rektal ersetzen, ggf. Infusion. Ergänzend können beispielsweise getrocknete Heidelbeeren, Bananen oder geriebene Äpfel helfen. Auch die lange eingekochte „Möhrensuppe nach Moro“ hat sich bewährt (1 Pfund Möhren in 1 L Wasser 1 h kochen, dann 1 TL Salz hinzugeben und auf 1 Liter auffüllen). Zudem können Kohle-Compretten® oder Saccharomyces-boulardii-Pulver (Perenterol®) ergänzend hilfreich sein.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Ars., Cham., Phos., Podo., Sulph.
!! Acon., Aeth., Arg-n., Bry., Calc., Chin., Ip., Merc., Sil.
! Aloe., Ant-c., Coloc., Croton-t., Dulc., Ferr., Gels., Mag-c., Ph-ac., Psor., Rheum., Verat.

Fieberhafter Infekt
Wenn die Diarrhoe im Rahmen eines fieberhaften Infektes auftritt, so stehen Aconitum und Phosphorus im Vordergrund.
  • Aconitum: nach Schreck, nach Verkühlung an heißen Tagen; wässriger, dunkler oder grüner Stuhl; Ruhelosigkeit.

  • Phosphorus: unwillkürlicher Stuhlabgang, Gefühl als wäre Anus offen; grüne oder weiße oder blutige, schleimbedeckte Stühle; schmerzlose, schwächende, geruchlose Durchfälle; chronische Diarrhoe; Liegen auf der li. Seite agg., kalte Speisen amel.

Nahrungsmittelabhängige Symptome
Beim Durchfall nach Genuss entsprechender Nahrungsmittel oder Getränke kommen gemäß den Rubriken zahlreiche Arzneimittel in Betracht. Besonders hilfreiche Symptome sind dabei Durchfall, der infolge bestimmter Nahrungsmittel auftritt, z. B. nach
  • FleischArsenicum#Arsenicum albumDiarrhoe album: nach Eis, Früchten, Fleisch, bei Lebensmittelvergiftungen, am Meer, nachts; Erschöpfung nach Stuhlgang; unverdauter, übel riechender Stuhl; begleitend dazu Angst und Unruhe.

  • FettPulsatilla#PulsatillaDiarrhoe: nach Eis, Fett, Früchten, Zwiebeln; im Sommer; schleimiger Stuhl, wechselhaftes Aussehen des Stuhls; Durstlosigkeit; nachts agg., kalte Getränke amel.

  • Süßigkeiten, ZuckerArgentum nitricum#Argentum nitricumDiarrhoe: Diarrhoe bei Lampenfieber, nach Süßem; saure, grünliche Stühle, wie gehackter Spinat; Diarrhoe mit Blähungen und Windabgang; Wärme agg.

  • Obst:

    • China#ChinaDiarrhoe: nach Obst oder Milch; unverdaute, gelbe, schaumige, geruchlose Stühle; meist schmerzloser Durchfall, der sich allmählich entwickelt; Schwäche durch Säfteverlust.

    • Pulsatilla: nach Eis, Fett, Früchten, Zwiebeln; im Sommer; schleimiger Stuhl, wechselhaftes Aussehen des Stuhls; Durstlosigkeit; nachts agg., kalte Getränke amel.

  • Milch:

    • Aethusa#Aethusa: bei Zahnung, im Sommer; Durchfall mit Schmerzen; gelb-grünliche Stühle; Milch agg., nachts agg.

    • Calcarea carbonica#Calcium carbonicumDiarrhoe: bei feucht-kaltem Wetter, nach Baden, bei Zahnung; saurer oder unverdauter Stuhl; chronischer, jedoch nicht schwächender Durchfall; Kälte agg.

    • Magnesium carbonicum#Magnesium carbonicumDiarrhoe: geblähter Bauch; krümmt sich vor Schmerz; saurer, wässriger, grüner, schleimig-schaumiger Stuhl.

    • Sulfur#SulfurDiarrhoe: Diarrhoe treibt morgens aus dem Bett; Heißhunger um 11 Uhr; geröteter, wunder Anus; Diarrhoe schmerzlos, schwächt nicht; Stühle gelblich, unverdaut, übel riechend; Abneigung gegen eigenen Stuhlgeruch.

Schmerzen, Schmerzlosigkeit
  • Schmerzhafter Durchfall:

    • Aloe: plötzlicher Stuhldrang, unwillkürlicher Stuhlabgang; gelblicher, wässriger Stuhl; brennender Anusschmerz; morgens agg.

    • Chamomilla#ChamomillaDiarrhoe: bei Zahnung, bei Zorn; kolikartige Schmerzen; Stuhl grün, schaumig, faulig riechend.

    • Colocynthis#ColocynthisDiarrhoe: nach Obst, durch Ärger; krümmt sich vor Schmerz; Stuhl wässrig und häufig bei geringer Menge; Essen und Trinken agg.

    • Croton tiglium#Croton tiglium, Diarrhoe: nach Trinken an der Mutterbrust; gelber, wässriger Stuhl, explosionsartig herausschießend; Diarrhoe nur tagsüber; jede Nahrungsaufnahme agg.

    • Ipecacuanha#IpecacuanhaDiarrhoe: nach Abstillen; schwere Diarrhoe mit Übelkeit; Stuhl grün oder schaumig; saubere Zunge.

    • Rheum#RheumDiarrhoe: bei Zahnung; Stühle dickflüssig, teigig, sauer; ganzer Körper riecht sauer; nachts agg.

  • Schmerzloser Durchfall:

    • Dulcamara#DulcamaraDiarrhoe: bei Wetterwechsel warm zu kalt, heiße Tage und kalte Nächte, bei Zahnung; Stuhl gelb-grünlich, wässrig.

    • Ferrum metallicum#Ferrum metallicumDiarrhoe: Brechübelkeit mit Durchfall während des Essens, bei Zahnung; unverdaute, geruchlose Stühle; nachts agg.

    • Phosphoricum acidumPhosphoricum acidumDiarrhoe: nach Orangen, nach schlechten Nachrichten; Durchfall belastet nicht; Stuhl gelb, unverdaut; apathisch.

    • Podophyllum: bei Zahnung, häufig bei Säuglingen, bei heißem Wetter, durch Obst; treibt aus dem Bett, voluminöse Stühle, weißlich entfärbt oder grün, unverdaut, übel riechend, kommen mit vielen Blähungen heraus; begleitende Flatulenz; morgens agg., evtl. nur morgens Diarrhoe.

Gemütssymptome, Erschöpfung
  • Bei Gemütserregung bzw. Lampenfieber (z. B. vor Prüfungen):

    • Argentum nitricum#Argentum nitricumDiarrhoe: Diarrhoe bei Lampenfieber, nach Süßem; saure, grünliche Stühle, wie gehackter Spinat; Diarrhoe mit Blähungen und Windabgang; Wärme agg.

    • Gelsemium: durch Angst, plötzlich; gelber Stuhl; Zittrigkeit.

    • Phosphoricum acidum#Phosphoricum acidumDiarrhoe: nach Säfteverlust; Schwäche, Apathie; Verl. nach kalten, sauren Getränken.

  • Bei Entkräftung und Erschöpfung durch schwere Durchfälle:

    • Arsenicum#Arsenicum albumDiarrhoe album: Erschöpfung nach Stuhlgang; unverdauter, übel riechender Stuhl; begleitend dazu Angst und Unruhe.

    • Phosphoricum acidum#Phosphoricum acidumDiarrhoe: s. o.

    • Veratrum album#Veratrum albumDiarrhoe: nach Früchten, v. a. Birnen, nach kalten Getränken, durch nasse Füße; explosive Entleerung; Koliken mit Erbrechen; Schwäche folgt; kaltschweißig, blass, Durst auf Kaltes; Erschöpfung nach jedem Stuhlgang, evtl. Kollaps.

Weitere Mittel
  • Antimonium crudum#Antimonium crudumDiarrhoe: nach Saurem; nach Überessen, nach Baden an heißen Tagen; harte Klumpen mit wässrigem Stuhl gemischt; dick weiß belegte Zunge; isst hastig.

  • Bryonia#BryoniaDiarrhoe: an warmen Tagen, nach Früchten, v. a. Birnen, morgens; Liegen amel.

  • Mercurius#Mercurius solubilisDiarrhoe: nach Zucker; Schmerz vor dem Stuhl, danach Erleichterung; Stühle schleimig-schaumig, dunkelgrün, übel riechend; viel Durst, viel Schweiß; nachts agg.

  • Silicea: nach kalter Luft, bei Zahnung, nach Impfung; Wärme amel.

Obstipation

Definition: Ätiologie: StuhlverstopfungStuhlverstopfung. Verzögerte Darmentleerung mit geringer Stuhlfrequenz (seltener als alle 3–4 d bei Erwachsenen) und harter Stuhlkonsistenz. Obstipation

Symptomatik: Bauchschmerzen, meist wiederkehrend und kurz anhaltend, großer Bauch, perianale Entzündungen, Einrisse des Schließmuskels, Entzündungen im Enddarmbereich, Schmerzen beim Stuhlgang, Blutauflagerungen auf dem Stuhl, oft großkalibriger Stuhl, meist hart. Die Stuhlfrequenz kann, muss aber nicht vermindert sein.

Therapeutische Strategie
Obstipation kann viele Ursachen haben, die ggf. abgeklärt werden sollten. So können z. B. Analstenosen, Analfissuren, M. Hirschsprung, Nebenwirkungen von Medikamenten (z. B. postoperativ), Exsikkose oder psychische Faktoren ursächlich sein. Wenn die Obstipation nur vorübergehend besteht und Darmgeräusche gut auskultierbar sind, reichen zunächst unterstützende Maßnahmen. Es ist wichtig, den Bauch abzuhören, um eine eventuelle Ileussymptomatik zu erfassen. Medikamentös kommen in der schulmedizinischen Praxis Einläufe (z. B. Mikroklist®), Glycerol-Zäpfchen (z. B. Glycilax®) oder osmotisch wirksame Laxantien (z. B. Bifiteral®-Sirup) zur Anwendung.

Quellmittel wie Leinsamenschrot sind erst ab dem 6. Lebensjahr empfohlen, anthrachinonhaltige Phytotherapeutika wie Aloe oder Senna erst ab dem 10. Lebensjahr.

Homöopathische Behandlung
Bei akuter Obstipation, z. B. auf Reisen oder bei beginnendem Ileus, kann die Homöopathie gut und rasch hilfreich sein. Bei chronischen Fällen ist eine konstitutionelle Behandlung erforderlich. Dabei ist zu beachten, dass die Obstipation (im Gegensatz zur Diarrhoe) meist Ausdruck einer chronisch miasmatischen Belastung ist. Der Behandlungsdruck ergibt sich für den Patienten zwar durch die jeweilige Ausprägung der Obstipation (bei leichten Formen besteht also eventuell kein akuter Handlungsbedarf), für den homöopathischen Arzt ist die Obstipation aber immer eine Indikation für eine homöopathische Behandlung, eine Normalisierung weist auf einen positiven Behandlungsverlauf hin.
Wahl der Symptome
  • SymptomenwahlObstipationMan kann zwischen einer Verstopfung ohne Stuhldrang, einer mit vergeblichem, erfolglosem Stuhldrang und einer mit schmerzhaftem Stuhlgang unterscheiden.

  • Ob die Verstopfung akut oder bereits chronisch ist, spielt eine wichtige Rolle.

  • Die Beschaffenheit des Stuhles (hart, weich, schafkotartig, klebrig etc.) ist auch zu beachten.

  • Hinzu kommt der Zeitpunkt der Obstipation (z. B. bei Neugeborenen, bei Kleinkindern, auf Reisen, bei akuten fieberhaften Erkrankungen etc.).

Miasmatische Zuordnung
Obstipation ist meist ein Symptom der Psora.
Repertorium
RepertorisationObstipationEs gibt zahlreiche Rubriken zur Obstipation, die Rubrik Rektum – Obstipation – Kindern, bei (24 AM) enthält die am häufigsten gebrauchten Arzneimittel, sie eignet sich gut zum Individualisieren. Auch unter „Stuhl“ gibt es zahlreiche Rubriken, die deskriptiv die Symptomatik wiedergeben.

Rektum – Diarrhoe – abwechselnd mit – Obstipation

Rektum – Obstipation // Kindern, bei // Kindern, bei – Neugeborenen, bei // Anwesenheit anderer wie der Krankenschwester auszuscheiden – unfähig, Stuhl in // mechanisch entfernt werden, Stuhl muss // Reisen, beim // schmerzhaft // schwieriger Stuhlgang – schlüpft zurück, der Stuhl // schwieriger Stuhlgang – weicher Stuhl // Stuhldrang, ständiger // vergeblicher Stuhldrang und vergebliches Pressen

Rektum // Untätigkeit des Rektums

Stuhl // Hart (mit Unterrubriken) // Kugeln, wie // Schafskot, wie

Abdomen // Auftreibung – Obstipation, bei // Schmerz – krampfartig, kneifend – Obstipation, bei

Kopf // Schmerz – Obstipation, bei

Gemüt // Froh – Verstopfung, bei

Dosierung, Verlaufsbeurteilung und Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Je nach vorliegender Ursache der Obstipation sind unterschiedliche Heilungsverläufe zu erwarten. Akute Verstopfungen (z. B. im Rahmen akuter Erkrankungen, erstmalig auf Reisen, nach Medikamenten etc.) sollten unabhängig von der exakten Ursache innerhalb von 24–48 Stunden behoben sein. Bei chronischen Verstopfungen muss mit einer längeren Behandlungsdauer gerechnet werden. Unter Umständen dauert es trotz passender Arzneiwahl einige Wochen, bis sich die Stuhlfrequenz bzw. die Beschwerden im Zusammenhang mit dem Stuhlgang normalisiert haben. Dabei ist zu berücksichtigen, dass auch Stuhlfrequenzen von zwei- bis dreimal wöchentlich als normal anzusehen sind, wenn keine begleitenden, krankheitswertigen Beschwerden bestehen (wie z. B. Schmerzen, Fissuren, Hartleibigkeit etc.).
Unterstützende Maßnahmen
Ballaststoffreiche Kost und Obst essen. Ausreichend trinken, bei akuter Verstopfung z. B. Pflaumensaft. Pflanzliche Quellmittel (z. B. Leinsamen, Flohsamen) bei Patienten ab 6 Jahren. Bauch im Uhrzeigersinn entsprechend dem Dickdarmverlauf massieren. Bewegung und tiefe Atmung sind auch wichtig, um die Peristaltik anzuregen.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Calc., Nux-v., Op.
!! Alum., Graph., Lyc., Nat-m., Sil., Sulph.
! Bry., Coll., Hydr., Mag-m., Med., Nit-ac., Plat., Plb., Sep.

Verstopfung ohne Stuhldrang
  • Alumina#AluminaObstipation: bei Kleinkindern und Säuglingen, auf Reisen; enorme Anstrengung bei Stuhlentleerung; weicher Stuhl, hängt wie Kitt am After oder hart und kleinkugelig; allgemein Trockenheit; nach Mahlzeiten agg.; verlangsamt, träge.

  • Bryonia#BryoniaObstipation: keine Stuhlentleerung bei Anwesenheit anderer; dunkler, knolliger Stuhl, wie verbrannt; Schwindel bei Obstipation.

  • Graphites#GraphitesObstipation: keine Stuhlentleerung bei Anwesenheit anderer; massige, stinkende, harte schleimumhüllte und großkalibrige Stühle; evtl. Fissuren; frostig; Wechsel von Verstopfung und Hautsymptomen.

  • Opium#OpiumObstipation: bei Säuglingen und Neugeborenen, durch Schreck, postoperativ, auf Reisen; keine Stuhlentleerung bei Anwesenheit anderer; Stuhl schlüpft zurück; Stuhl wie schwarze harte Kügelchen; Patient hat Angst, auf die Toilette zu gehen; Hauptmittel bei paralytischem Ileus.

Verstopfung mit vergeblichem Stuhldrang
  • Collinsonia canadensis#Collinsonia, Obstipation: mit Diarrhoe im Wechsel; Gefühl von Zusammenschnüren des Anus, Afterjucken, schmerzhaft; Flaulenz; begleitender Kopfschmerz.

  • Hydrastis#HydrastisObstipation: keine Stuhlentleerung bei Anwesenheit anderer; Stuhl schleimüberzogen; leeres Gefühl im Magen; begleitender Nasenkatarrh; schwächliche, depressive Kinder.

  • Lycopodium#LycopodiumObstipation: auf Reisen, am Meer; Blähungen; Schmerz vor Entleerung; Sektkorkenstuhl: erst sehr fest, dann weich; Abneigung gegen enge Kleidung; dickköpfige Kinder.

  • Magnesium muriaticum#Magnesium muriaticum, Obstipation: bei Brustkindern, am Meer, bei Zahnung; keine Stuhlentleerung bei Anwesenheit anderer; Stuhl schlüpft zurück, ist hell und bröckelig bei großen Mengen; ständiger Stuhldrang, aber nur Winde gehen ab; Liegen re. agg.

  • Natrium muriaticum#Natrium muriaticumObstipation: auf Reisen, am Meer; keine Stuhlentleerung bei Anwesenheit anderer; Stuhl schlüpft zurück; weicher Stuhl, trockener Schafskot; viel Durst; introvertierte Kinder, stiller Kummer.

  • Nux vomica#Nux vomicaObstipation: bei Säuglingen, auf Reisen, nach Narkose; ständiger Stuhldrang; Gefühl, nicht fertig zu sein; Kolikschmerzen; Stuhl dunkel, hart; begleitender Schwindel; nervöse Kinder.

  • Platinum#PlatinumObstipation: auf Reisen; durch sitzende Lebensweise; weicher Stuhl, bleibt wie lehmartige Masse kleben; Stuhl muss mechanisch entfernt werden; träge Verstopfung.

  • Plumbum#Plumbum metallicumObstipation: ständiger Stuhldrang; Afterkrampf; Stuhl lang, knotig; Hitzegefühl.

  • Sepia#SepiaObstipation: Stuhl muss mechanisch entfernt werden, weicher Stuhl; Gefühl eines Balles im Rektum; reservierte Kinder.

Schmerzhafter Stuhlgang
Bei besonders schmerzhaftem Stuhlgang (meist mit Verkrampfungen) stehen folgende Mittel im Vordergrund:
  • Lycopodium: Schmerz vor Entleerung; Sektkorkenstuhl: erst sehr fest, dann weich; Abneigung gegen enge Kleidung; dickköpfige Kinder.

  • Nitricum acidum: Analfissuren; Schmerz während und nach Stuhlentleerung, auch nach weichem Stuhl; Furcht nach Stuhlgang; aggressive Kinder.

  • Nux vomica (s. o.), Opium (s. o.), Platinum (s. o.), Plumbum (s. o.).

  • Silicea: Stuhl schlüpft zurück; weicher Stuhl; ständiger Stuhldrang; Frostigkeit; zartgliedrige Kinder.

Chronische Verstopfung
  • Calcium carbonicum: das Hauptmittel; wohlige Verstopfung ohne Schmerzen; froh bei Verstopfung; vergeblicher Stuhldrang, Stuhl muss mechanisch entfernt werden; heller Stuhl; saurer oder unverdauter Stuhl; aufgeblähter Bauch; Verlangen nach Eiern.

  • Graphites (s. o.), Lycopodium (s. o.).

  • Medorrhinum: bei Säuglingen; Stuhl schlüpft zurück und muss mechanisch entfernt werden; muss sich weit zurücklehnen, damit Stuhl abgeht.

  • Sulfur: bei Säuglingen, Stuhl schlüpft zurück; ständiger Stuhldrang; stinkender Stuhl; Wundheit am After; begleitender Schwindel; Furcht nach Stuhlgang; neugierige Kinder.

Fieber und Fieberkrampf

  • Fieber: Eines der häufigsten Symptome in der Kinderheilkunde, meist durch Infektionen bedingt, kann es Ausdruck sowohl einer leichten als auch einer schweren Erkrankung sein. Jedoch können gerade beim Säugling auch schwere Erkrankungen bis hin zur Sepsis mit nur geringer Temperaturerhöhung einhergehen.

  • Fieberkrampf: Tritt bei entsprechend disponierten Kinder auf. Meist unter 3 Min. anhaltende Krampfanfälle bei Säuglingen oder Kleinkindern. Sie treten nur bei Fieber (häufig im ersten Fieberanstieg) auf, ihre Ursache ist unbekannt. Altersgipfel: 1.–4. Lj., ca. 5 % aller Kinder betroffen.

Therapeutische Strategie
Es ist entscheidend, die Ursache des Fiebers, z. B. Tonsillitiden (21.3), Otitiden (21.11, 21.12), zu ermitteln und die entsprechend passenden Mittel zu verordnen. Die häufigste Ursache sind Atemwegsinfekte (10.15), gefolgt von den Kinderkrankheiten, Gastroenteritiden (16.3) und Harnwegsinfekten (19.1). Die Therapie erfolgt entsprechend symptomatisch.
Allopathisch wird meist mit Paracetamol behandelt, ein starkes AntipyretikaAntipyretikum für Kinder ist Metamizol (z. B. Novalgin®-Tropfen). Hinzu kommen im Fall bakterieller Infektionen Antibiotika. Sollte man diese einsetzen, empfiehlt es sich vorher Abstriche zu machen oder Urin- bzw. Blutkulturen anzulegen. Fieberkrämpfe werden konventionell akut mit Diazepam (meist als Rectiole®) behandelt. Da Fieber eine natürliche und sinnvolle Reaktion des Immunsystems darstellt, ist eine Fiebersenkung v. a. in den ersten zwei Tagen meist kontraproduktiv. Eine drastische Fiebersenkung bedeutet für den Körper Stress und kann im Übrigen auch Krampfanfälle auslösen.
Homöopathische Behandlung
Im Anfangsstadium von Infekten oder bei unklarer Genese steht das Fieber im Vordergrund der Symptomatik und kann akut mit den passenden homöopathischen Mitteln behandelt werden. Ist das Fieber Teil einer akuten Erkrankung (z. B. Otitis media, Bronchitis, Tonsillitis), sollte nie das Fieber allein ausschlaggebend für die Arzneiwahl sein (Gefahr der Unterdrückung). Die Mittelwahl hat immer unter Berücksichtigung der Gesamtsymptomatik zu erfolgen. Bei rezidivierenden Fieberschüben sollte nach entsprechender diagnostischer Abklärung eine konstitutionelle Behandlung erfolgen.
Wahl der Symptome
  • SymptomenwahlFieberAuslöser des Fiebers: z. B. Trauma, Sepsis, Schmerzen, Katarrh, Infekt.

  • Gemütssymptome: z. B. Apathie, Delirium, Schreien im Fieber, Ruhelosigkeit, Ängste spielen (v. a. solange die Ursache unklar ist) eine zentrale Rolle.

  • Begleitsymptome: Fieberkrämpfe, Durst, Veränderung des Urins, Schweiß.

  • Art und Höhe des Fiebers und das Fieberstadium sind ebenfalls bedeutend.

Miasmatische Zuordnung
Fieberkrämpfe lassen sich nur über die Modalitäten einem Miasma zuordnen. Sie sind jedoch immer ein Hinweis auf eine miasmatische Störung.
Repertorium
RepertorisationFieberZum Fieber bzw. zu fieberassoziierten Symptomen gibt es in allen Kapiteln des Repertoriums zahlreiche Rubriken. Die folgende Auswahl führt einige besonders nützliche und zuverlässige auf. Zu den Fieberkrämpfen gibt es die umfangreiche Rubrik Allgemeines – Konvulsionen – Hitze, während (19 AM) und die Rubrik Fieber – intensive Hitze – Konvulsionen, mit (5 AM), welche die wichtigsten Mittel umfasst. Die individuelle Symptomatik der Konvulsionen ist unter Allgemeines – Konvulsionen (mit Unterrubriken) nachzuschlagen.

Fieber // Intensive Hitze // Intensive Hitze – Konvulsionen, mit // anfallweise erscheinendes Fieber, in Schüben // Entzündungsfieber // Schmerzen, Fieber durch // Septisches Fieber // Traumatisches Fieber // Tagsüber – fiebrige Hitze nur tagsüber

AllgemeinesKonvulsionen (mit Unterrubriken) // Konvulsionen – Hitze, während

Allgemeines // Speisen und Getränke – warme Getränke – Verlangen – Fieber, während // Zittern – äußerlich – Fieber, während

MagenDurst – extrem – Fieber, mit // durstlos – Hitze, während

Abdomen // Hitze – Fieber, während

Brust // Herzklopfen – Fieber, während

Extremitäten // Kälte – Fieber, während // Schmerz – Fieber, während

Augen // glasig – Fieber, während // Tränenfluss – Fieber, während

Blase // Harndrang – Fieber, während

Urin // Farbe – braun – Fieber, während // Geruch – übel riechend – Fieber, während // Reichlich – Fieber, während // Spärlich – Fieber, während

Gemüt // Angst – Fieber – während // Delirium – Fieber, während // Gleichgültigkeit, Apathie – Fieber, während // Redseligkeit, Geschwätzigkeit – Fieber, während

Dosierung, Verlaufsbeurteilung und Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Fieber ist niemals eine eigenständige Erkrankung, sondern immer ein Symptom anderer Krankheiten. Der Verlauf der Fieberkurve unter homöopathischer Behandlung kann also nicht ausschlaggebend für die Beurteilung der Arzneiwirkung sein. Zudem macht die Temperaturerhöhung aus physiologischer Sicht Sinn, da alle Stoffwechselprozesse (also auch die Abwehrvorgänge) durch die Temperaturerhöhung schneller ablaufen. Eine Fiebersenkung (wie sie in der Schulmedizin üblich ist) ist für die Infektbewältigung also eher kontraproduktiv. Dies muss auch bei der homöopathischen Therapie berücksichtigt werden, die nie auf eine ausschließliche Fiebersenkung ausgelegt sein darf.
Wichtig für die Verlaufsbeurteilung ist neben der absoluten Fieberhöhe v. a. die Begleitsymptomatik. Außer den typischen, erkrankungsassoziierten Symptomen (Husten, Halsschmerzen, Ohrenschmerzen etc.) ist insbesondere das Allgemeinbefinden wichtig, das durch homöopathische Arzneimittel gebessert werden sollte. Zu beachten sind hier Symptome wie Stimmung, Schwäche, Temperaturempfindlichkeit, Appetit und Durst. Bei Besserung dieser Symptomatik sollte abgewartet werden, selbst bei unveränderter oder sogar etwas gestiegener Körpertemperatur (selbstverständlich immer unter Berücksichtigung der Symptome der fieberauslösenden Erkrankung).
Wie lange eine Temperaturerhöhung bestehen darf, ist einerseits abhängig von der auslösenden Grunderkrankung, andererseits von den Grundvoraussetzungen des erkrankten Organismus. Ein sonst gesunder Organismus kann durchaus mehrere Tage mit hohem Fieber unbeschadet überstehen. Bei bestimmten Grunderkrankungen (Herzerkrankungen, Lungenleiden, Immunsuppression etc.) kann eine längere Temperaturerhöhung für den Organismus bedrohlich sein und sollte deshalb nicht zu lange toleriert werden. Problematisch ist länger bestehendes Fieber wegen des Flüssigkeitsverlustes bei Säuglingen.
Kommt es im Fieberanstieg zum unkomplizierten Fieberkrampf, muss er bei der Arzneiwahl berücksichtigt werden. Da der Fieberkrampf bei Arzneigabe meist vorüber ist, und mit einem Rezidiv bei der vorliegenden Erkrankung nicht gerechnet werden muss, eignet er sich nicht zur Verlaufsbeurteilung. Erst bei der nächsten fiebrigen Erkrankung kann ein Ausbleiben der Konvulsionen (v. a. bei zuvor mehrmaligem Auftreten) auf eine positive Arzneiwirkung hinweisen.
Unterstützende Maßnahmen
Vorübergehende Bettruhe und Reizabschirmung zur Entlastung. Regelmäßig lüften. Vermeidung von Überwärmung durch dicke Decken oder auch durch Plastikwindeln. Viel trinken, z. B. schweißtreibenden Linden- oder Holunderblütentee. Leichte Kost wie Zwieback oder Haferschleim und frisches Obst. Ggf. Wadenwickel (bei warmen Extremitäten).
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Acon., Bell.
!! Ars., Bry., Puls., Rhus-t., Stram.
! Apis, Arn., Cham., Cic., Eup-per., Ferr-p., Gels., Hep., Hyos., Lach., Merc., Nux-v., Op., Phos.

Frühes Fieberstadium, plötzlicher Beginn
  • Aconitum#AconitumFieber: Verkühlung bei trockenem Wetter, durch kalten Wind, trockene Hitze, viel Durst auf Kaltes; Gesicht rot und beim Aufsetzen blass; Unruhe, Angst mit Herzklopfen; um Mitternacht agg.

  • Apis#ApisFieber: septisches Fieber; rosafarbene Ödeme; brennend-stechende Schmerzen; durstlos; starker Harndrang, aber wenig Urin; Delir, Apathie; deckt sich ab, Wärme agg.

  • Belladonna#BelladonnaFieber: Verkühlung bei feuchtem Wetter; dampfig-warmer Schweiß v. a. an bedeckten Körperpartien; weite Pupillen, klopfender Puls, Blutandrang v. a. im Kopf, dabei kalte Extremitäten; Fieberkrämpfe; sehr empfindlich auf Berührung oder Licht, Unruhe, niedergeschlagen, delirantes Phantasieren.

  • Chamomilla#ChamomillaFieber: eine Wange rot und warm, die andere blass und kalt; will getragen oder gefahren werden, dadurch amel.; Schmerz unerträglich, unruhig, zornig.

  • Dulcamara#DulcamaraFieber: Verkühlung bei kalt-feuchtem Wetter; Temperatur nur um 38–39 °C; trockene Haut; mit Bindehautentzündung.

  • Ferrum phosphoricum#Ferrum phosphoricumFieber: plötzlicher Beginn, aber langsam steigendes Fieber, Kind bemerkt Fieber nicht, guter Allgemeinzustand, Temperatur nur um 38–39 °C; abgegrenzte Wangenröte; Nachtschweiß; wellenförmiger Schmerzverlauf; mit Nasenbluten.

  • Rhus toxicodendron#Rhus toxicodendronFieber: plötzlicher Beginn, dann konstant hohe Temperatur; Verkühlung bei feuchtem Wetter; rotes Zungenspitzendreieck; Frösteln; Ruhelosigkeit mit starkem Bewegungsdrang; Gliederschmerzen; Verlangen nach Wärme, nach Schal.

Langsamer Beginn, allmählicher Fieberanstieg
  • Arnica#ArnicaFieber: nach Trauma, Grippe, Sepsis; Zerschlagenheit mit Muskelschmerz, wo Bewegung agg.; intensive Hitze und Röte am Kopf, Kälte am Körper; Bett erscheint zu hart; kann Stuhl und Urin schlecht halten; brauner Urin; sagt bei schlechtem Zustand, es gehe gut; will nicht berührt werden; Apathie.

  • Bryonia#BryoniaFieber: Verkühlung bei trockenem Wetter; Fieber steigt und sinkt langsam; viel Durst auf große Mengen in großen Abständen, trockene Haut und Schleimhäute, jede Bewegung agg.

  • Eupatorium perfoliatum#Eupatorium perfoliatumFieber: durch Unterkühlung, bei Grippe; Fieber nur tagsüber; Muskelschmerzen, wo Bewegung agg., Zittern; spärlicher Urin; Verlangen nach warmen Getränken, bei Frost nach kalten Getränken.

  • Gelsemium#GelsemiumFieber: Verkühlung bei mildem, feuchtem Wetter, Grippe, durch schlechte Nachrichten; Temperatur nur um 38–39 °C; heißes, rotes Gesicht; durstlos, viel Schweiß mit Kälteschauern, Gliederschmerzen; Erschöpfung mit Zittern; matt, benommen, schläfrig, aber redselig.

  • Mercurius: Kälte und Hitze agg.; nachts agg., Bettwärme agg., übel riechender, klebriger oder öliger gelb färbender Schweiß, der keine Besserung bringt; Neigung zu Fieberkrämpfen, Schwellung der Lymphknoten bei jedem Infekt.

Anhaltendes Fieber und eitrig-entzündliche Prozesse
  • Hepar sulfuris#Hepar sulfurisFieber: katarrhalisches Fieber; Neigung zu Eiterung, v. a. der Tonsillen; Splitterschmerz; Überempfindlichkeit mit Reizbarkeit; extrem frostig; Kälte agg., Verlangen nach Wärme, nach Schal.

  • Mercurius#Mercurius solubilisFieber: katarrhalisches oder septisches Fieber; eitrige Tonsillitis oder Otitis rechtsseitig; ätzende gelbe Absonderungen; viel Schweiß, der nicht bessert; durstlos; Unruhe v. a. nachts.

  • Pulsatilla#PulsatillaFieber: Otitiden li.; wechselhafte Symptome; gelbe, milde Absonderungen; Weinerlichkeit; Durstlosigkeit; Verlangen nach frischer Luft, Wärme agg.

Fieberkrämpfe
Bei Fieberkrämpfen stehen Belladonna#BelladonnaFieber und Stramonium im Vordergrund. Wichtige Mittel sind:#StramoniumFieber
  • Belladonna: plötzlicher rascher Fieberanstieg; weite Pupillen, klopfender Puls, Blutandrang v. a. im Kopf, dabei kalte Extremitäten; Fieberkrämpfe; sehr empfindlich auf Berührung oder Licht, Unruhe, niedergeschlagen, delirantes Phantasieren.

  • Cicuta#CicutaFieber: Stupor; vermeidet Blickkontakt; Konvulsionen; heißer Bauch.

  • Hyoscyamus#HyoscyamusFieber: allmählich steigendes Fieber; Delir; heftige Konvulsionen, im Gesicht beginnend; ängstlich.

  • Nux vomica#Nux vomicaFieber: frostig, oft Krämpfe während frostiger Phase, nach tiefem Schlaf oder nach Erregung; nach allopathischer Medikation.

  • Opium#OpiumFieber: septisches Fieber; Kopf heiß, Körper kalt; wenig Durst, wenig Urin; Schläfrigkeit, Apathie, Schreien.

  • Stramonium: Kopf heiß, Körper kalt; viel Urin; Delirium mit Schreien; spiegelndes Licht agg., nach 3 Uhr agg.

Septisches Fieber
  • Arsenicum#Arsenicum albumFieber album: septisches, traumatisches oder durch Schmerz ausgelöstes Fieber; durstlos, trinkt kleine Schlückchen; ängstlich-ruhelos.

  • Lachesis#LachesisFieber: septisches oder traumatisches Fieber; durstlos; nach Schlaf agg.; Linksseitigkeit; Delir mit Redseligkeit, lehnt Arzneien aus Angst vor Vergiftung ab.

  • Phosphorus#PhosphorusFieber: Husten, Durst auf Kaltes; viel Urin; Apathie, Angst vor Alleinsein.

Es können aber auch andere Mittel wie Arnica, Belladonna oder Bryonia infrage kommen.

Entwicklungs- und Gedeihstörungen

  • Entwicklungsverzögerung: multifaktoriell bedingt. Besonders lang anhaltende, schädigende Einflüsse (z. B. bei allen chronischen Erkrankungen), wirken sich negativ auf die Entwicklung aus. Zu diesen Faktoren gehören auch angeborene Schädigungen (erblich oder im Verlauf der Schwangerschaft erworben). In mehr als 80 % der Fälle ist mangelhaftes Wachstum auf eine konstitutionelle, familiäre Entwicklungsverzögerung zurückzuführen.

  • Gedeihstörung: mangelhafte gesamt-körperliche Entwicklung, d. h. Beeinträchtigung des Gewichts- und des Längenwachstums; typischerweise ist bei den Gedeihstörungen zunächst die Gewichtszunahme und erst später das Längenwachstum betroffen.

  • WachstumsstörungWachstumsstörung: Abweichung von der normalen Größenentwicklung, unterteilt in Minderwuchs und Hochwuchs.

Therapeutische Strategie
Zunächst muss die medizinische Abklärung der Ursache im Vordergrund stehen. Dabei können u. a. Suchterkrankungen der Mutter, Mangelernährung, Diabetes mellitus, gastroenterologische Krankheiten oder eine Hyperkinesie eine Rolle spielen. Sinnvoll ist in vielen Fällen die Vorstellung in einem SPZ (Sozialpädiatrisches Zentrum). Bei mangelbedingten Störungen wie z. B. Schilddrüsenunterfunktion oder Kalziummangel steht natürlich die Substitutionsbehandlung an erster Stelle, die homöopathische Therapie kann unterstützend erfolgen.
Homöopathische Behandlung
Bei konstitutioneller, familiärer Entwicklungsverzögerung empfiehlt sich in jedem Falle eine konstitutionelle Behandlung. Alle anderen Ursachen für Entwicklungsstörungen sind in ihrer Beurteilung und Therapie sehr komplex und werden in diesem Kapitel, wenn überhaupt, nur am Rande erwähnt.
Wahl der Symptome
SymptomenwahlEntwicklungsstörungBei der Wahl der Symptome ist alles relevant, was im Rahmen einer konstitutionellen Anamnese erfasst werden kann. Dabei sollten familiäre Krankheitsbelastungen mit einbezogen werden, die zwar bei der Arzneiwahl eine untergeordnete, bei der Therapieplanung jedoch eine gewichtige Rolle spielen.
Besonders wertvoll für die Wahl des passendsten Arzneimittels sind absonderliche Symptome, das Gemütsbild und die Modalitäten. Zudem sollten insbesondere folgende Phänomene berücksichtigt werden:
  • Körperliche Entwicklungsstörungen: z. B. verspätete Zahnung, vermindertes Längenwachstum, späte Knochenentwicklung, spätes Laufenlernen.

  • Geistige Defizite: z. B. verzögerte Sprachentwicklung, Fehler beim Sprechen.

Im manchen Fällen können auch Einnässen oder Einkoten als Entwicklungsstörungen gelten (27.4.2).
Miasmatische Zuordnung
Die Vielfalt der möglichen Entwicklungsstörungen lässt eine genaue miasmatische Zuordnung nicht zu.
Repertorium
Es gibt Hunderte von Rubriken, die in Betracht kommen. Die unten aufgeführten repräsentieren einen Querschnitt bewährter Rubriken.

Allgemeines // Abmagerung, Marasmus – Kindern, Marasmus bei // Längenwachstum, zu schnelles // Zwergwuchs // Erschlaffung – Bindegewebe, Muskeln, von // Entwicklungsstillstand // Gehen – lernt spät zu gehen, spätes Laufenlernen

Extremitäten // Gehen – spätes Gehenlernen // Koordination, fehlende, gestörte // Ungeschicklichkeit (mit Unterrubriken)

Gemüt // Entwicklungsstillstand bei Kindern // Sprechen – langsam, lernt // Fehler, macht – Sprechen, beim – Worte – falsche Worte, benutzt // Fehler, macht – Unterscheiden von Gegenständen, beim // Mathematik – Unfähigkeit zur – rechnen, kann nicht // Sprache – kindisch // Ungeschicklichkeit – Kindern, bei

Weibliche Genitalien // Entwicklung der Geschlechtsteile – verzögert // Infantilismus der Genitalien // Menses – verzögerte Menarche

Brust // Milch – Kind verweigert die Muttermilch

Kopf // Halten – hochzuhalten – unfähig, den Kopf

Gesicht // Ausdruck – alt aussehend

Haut // Runzelig, geschrumpft

Zähne // Zahnung – langsam

Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Gedeihstörungen bessern sich nicht von heute auf morgen, positive Tendenzen sind unabhängig von der vorliegenden Problematik meist nur über einen längeren Behandlungszeitraum zu beobachten. Die Beurteilung der Arzneiwirkung muss deshalb kurz und mittelfristig von anderen Parametern abhängig gemacht werden. Welche Kriterien geeignet sind, eine positive Arzneiwirkung zu bestätigen, hängt vom individuellen Krankheitsfall ab, und erstreckt sich über ein weites Spektrum von Symptomen oder Erkrankungen, sodass eine detaillierte Diskussion an dieser Stelle unterbleiben muss. Grundsätzlich kann aber von einer langfristigen und positiven Beeinflussung einer Gedeihstörung nur dann ausgegangen werden, wenn das Arzneimittel eindeutig erkennbar auf die Gesamtkonstitution des Patienten wirkt.
Je nach Ursachen der Gedeihstörung ist die Prognose unterschiedlich zu beurteilen. Bei eindeutig familiärer Veranlagung zu bestimmten Entwicklungsverzögerungen ist sie meist gut. Liegen eindeutige pathologische Ursachen vor, muss die Prognose anhand der jeweiligen Diagnose gestellt werden und ist unter Umständen (z. B. bei schweren Behinderungen) auch mit bester homöopathischer Therapie schlecht.
Unterstützende Maßnahmen
Förderung durch Krankengymnastik, Ergotherapie, Musiktherapie, heilpädagogisches Reiten, Heileurhythmie, Logopädie etc. sinnvoll.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Bar-c., Calc., Calc-p., Sil.
!! Abrot., Agar., Bufo., Lyc., Phos., Sulph.
! Aeth., Ars., Bar-m., Borx., Caust., Chin., Hell., Iod., Med., Nat-m., Ph-ac., Psor., Sanic., Tub.

Beeinträchtigung der kognitiven Entwicklung
Wenn die Entwicklungsverzögerung v. a. mit einer Beeinträchtigung der geistigen und intellektuellen Entwicklung einhergeht, kommt neben dem Hauptmittel Barium carbonicum#Barium carbonicumEntwicklungsstörung auch Barium muriaticum in Betracht, das eine vergelichbare Symptomatik zeigt, aber schlechter im Repertorium vertreten ist. Weitere wichtige Arzneimittel sind Agaricus#AgaricusEntwicklungsstörung, Borax#BoraxEntwicklungsstörung und Helleborus#HelleborusEntwicklungsstörung.
  • Agaricus#AgaricusEntwicklungsstörung: fällt in den ersten Lebensmonaten durch Sitzschwäche auf, dann auch Entwicklungsverzögerung beim Stehen, Gehen, Sprechen; auffallende Ungeschicklichkeit, v. a. der Beine; Stumpfheit; Tics.

  • Barium carbonicum#Barium carbonicumEntwicklungsstörung: das Hauptmittel; Rückstand der geistigen und körperlichen Entwicklung, spätes Gehen und Sprechen; greisenhaftes Aussehen, adipös, dicke Oberlippe, offener Mund; Lymphknotenschwellungen; geringes Haarwachstum; verzögerte Menarche; Langsamkeit; Dumpfheit, kein Selbstvertrauen, schüchtern, Abneigung gegen Fremde.

  • Barium muriaticum#Barium muriaticumEntwicklungsstörung: deutlichere Muskelschwäche; offener Mund, nasale Sprache; Lymphknotenschwellungen; Stumpfheit.

  • Borax#BoraxEntwicklungsstörung: körperliche, motorische und intellektuelle Entwicklung verlangsamt; lernt v. a. langsam Sprechen; Angst bei Abwärtsbewegungen.

  • Bufo#BufoEntwicklungsstörung: v. a. geistig zurückgeblieben, Gang unkoordiniert; Konvulsionen; Stumpfheit, unsinnige Sprache, kindisches Verhalten; übermäßige Masturbation.

  • Helleborus#HelleborusEntwicklungsstörung: Ungeschicklichkeit der Hände; Langsamkeit, antwortet langsam, abgestumpfte Sinne; starrt vor sich hin; macht Gesten, zupft an der Kleidung.

Beeinträchtigung der körperlichen Entwicklung
Steht mehr die Beeinträchtigung der körperlichen Entwicklung im Vordergrund mit eventueller sekundärer geistiger Beeinträchtigung, so ist das Hauptmittel Calcarea carbonica#Calcium carbonicumEntwicklungsstörung. Als weitere Mittel kommen insbesondere Calcium phosphoricum#Calcium phosphoricumEntwicklungsstörung, Causticum#CausticumEntwicklungsstörung Medorrhinum#MedorrhinumEntwicklungsstörung und Sulfur infrage.#SulfurEntwicklungsstörung
  • Calcarea carbonica#Calcium carbonicumEntwicklungsstörung: Langsamkeit, aber bemüht sich; spätes Gehen-, Sprechenlernen, Fehler beim Sprechen; späte Zahnung, späte Menarche; Ungeschicklichkeit der Finger und Koordinationsstörungen der Beine; großer Kopf; Lymphknotenschwellungen; Abneigung gegen geistige und körperliche Anstrengung; Trägheit, Hemmung, Dickköpfigkeit.

  • Calcium phosphoricum#Calcium phosphoricumEntwicklungsstörung: späte Kopfkontrolle; spätes Gehen- und Sprechenlernen; langsame Zahnung, späte oder verfrühte Geschlechtsreife, späte Menarche; Wachstumsschmerz; schlank, groß; Marasmus, Rachitis; nervöse Reizbarkeit, Unzufriedenheit.

  • Causticum#CausticumEntwicklungsstörung: spätes Gehen- und Sprechen, verzögerte Menarche; Langsamkeit; Koordinationsstörungen, v. a. der Beine; Ruhelosigkeit nachts; trotzig, empfindsam.

  • Medorrhinum#MedorrhinumEntwicklungsstörung: spätes Sprechenlernen; Gangunsicherheit; kümmerliches Wachstum; Nägelkauen; frühe Masturbation; Knie-Ellenbogen-Lage; verausgabt sich körperlich; Ruhelosigkeit der Beine; Unkonzentriertheit.

  • Sulfur#SulfurEntwicklungsstörung: allgemein etwas verlangsamte Entwicklung; Koordinationsstörungen, diverse Sprachprobleme und -störungen; Ungeschicklichkeit der Hände; unordentlich, vergesslich, langsam, neugierig, fasst alles an, steckt alles in den Mund.

Entwicklungs- und Gedeihstörungen
  • Natrium muriaticum#Natrium muriaticumEntwicklungsstörung: Abmagerung von oben nach unten; Marasmus bei mangelnder Ernährung, v. a. dünner und eingefallener Hals; langsames Laufen- und Sprechenlernen, späte Menarche; Ungeschicklichkeit; Säugling lehnt Brust ab; Kummer.

  • Phosphorus#PhosphorusEntwicklungsstörung: Abmagerung; hochgewachsene, schlanke Kinder; spätes Gehen- und Sprechenlernen, späte Menarche; Koordinationsstörungen; Stumpfheit, kann nicht lange denken; blasses Gesicht, lange Wimpern; ruhelos, sensibel.

  • Psorinum#PsorinumEntwicklungsstörung: Abmagerung; blass, erschöpft; wollen Tag und Nacht nicht schlafen; nachts hungrig; übler Körpergeruch; extrem frostig; ständig erschöpft und müde.

  • Sanicula#Sanicula aquaEntwicklungsstörung: fortschreitende Abmagerung; trinkt oft, aber wenig; erbricht kurz nach dem Trinken, Stuhlgang beim Essen; spätes Gehen- und Sprechenlernen; sieht alt und schmutzig aus, v. a. Nackenhaut schrumpelig; plötzliche Stimmungsschwankungen.

  • Silicea#SiliceaEntwicklungsstörung: gleichmäßige Abmagerung des gesamten Körpers durch ungenügende Assimilation, Ablehnen oder Unverträglichkeit der Muttermilch; großer Kopf, sonst zart oder rachitisch, passt zu auffallend großen oder kleinen zartgliedrigen Menschen; Wachstumsschmerzen; langsame Zahnung; Wachstumsstörungen und Deformitäten der Nägel oder langsames Nagelwachstum; evtl. aufgetriebener Bauch; spätes Laufenlernen durch Schwäche dünner Beine, spätes Sprechenlernen; schüchtern, sensibel.

Im Vordergrund stehende Gedeihstörungen
Gedeihstörungen gehen oft mit Beeinträchtigungen der körperlichen, selten der geistigen Entwicklung einher. Es kommen hier zahlreiche Mittel infrage, wobei sie unterschiedliche Ursachen für die Störung aufweisen.
  • Abrotanum#AbrotanumGedeihstörung: Marasmus, Abmagerung von unten nach oben, v. a. der Unterschenkel; Haut hängt schlaff herab, Gesicht runzelig; schlechte Kopfkontrolle; schwach, aber widerspenstig.

  • Aethusa#AethusaGedeihstörung: Säuglinge erbrechen Muttermilch, Erbrochenes wie geronnen, danach erschöpft und schläfrig; hungrig nach Erbrechen; alt aussehend; Konzentrationsstörungen.

  • Arsenicum#Arsenicum albumGedeihstörung album: Marasmus; spätes Gehenlernen mit Koordinationsstörungen; blasses, wächsernes Gesicht; zwanghaft.

  • China#ChinaGedeihstörung: Atrophie und Abmagerung, v. a. der Extremitäten; nach Säfteverlust oder erschöpfender Krankheit.

  • Iodium#IodiumGedeihstörung: Heißhunger mit Abmagerung, Atrophie oder Hypertrophie der Drüsen; Nackenhaut schrumpelig; Wachstumsstörungen mit Verkrümmung der Knochen; nach Essen amel.; großer Kopf, kleiner Körper; gerunzelte Stirn; ruhelos.

  • Lycopodium#LycopodiumGedeihstörung: Abmagerung des oberen, Wassersucht des unteren Körpers; aufgetriebener Bauch; gerunzelte Stirn; Reizbarkeit.

  • Tuberculinum#TuberculinumGedeihstörung: schnelle Abmagerung, obwohl gut gegessen wird; Infektanfälligkeit; geistig aktiv und frühreif; schlank und groß; Drang zu rennen; unzufrieden.

Wachstumsstörungen
  • Wachstumsstörung Zu schnelles Längenwachstum:

    • Calcarea carbonica: langsame Zahnung, manchmal zwischenzeitliche schnelle Wachstumsphasen.

    • Calcium phosphoricum#Calcium phosphoricumWachstumsstörung: starkes Längenwachstum oder auch Kleinwuchs, meist lange Arme und Beine, dünner Nacken, Krümmung der Wirbelsäule; Demineralisierung; Wachstumsschmerzen; langsame Zahnung; verzögerte Entwicklung weiblicher Genitalien; Abmagerung; Unzufriedenheit.

    • Phosphoricum acidum#Phosphoricum acidumWachstumsstörung: Schwäche nach schnellem Wachstum; Wachstumsschmerzen; Entkräftung; Apathie.

    • Phosphorus#PhosphorusWachstumsstörung: hoch aufgeschossen, schlank, zart, gebeugter Rücken, Hängeschultern; Demineralisierung der Knochen; Wachstumsschmerzen; Abmagerung; meist sonniges Gemüt.

  • Kleinwuchs:

    • Barium carbonicum: adipös, geistige Entwicklung beeinträchtigt.

    • Calcarea carbonica: meist klein mit kurzen Extremitäten; adipös, rundlich-weiche Formen; Demineralisierung der Knochen.

    • Medorrhinum: skotisches Mittel; Unruhe (geistig und körperlich); Gelenkschmerzen, meist kleinwüchsig und schlank.

    • Natrium muriaticum: schlank, depressiv; Demineralisierung der Knochen.

    • Silicea: zartgliedrig, dünn; Demineralisierung der Knochen.

Psychosomatische Störungen

Schlafstörungen

Definition: Bei Kindern oft schwer zu objektivieren. Häufig entspricht der Schlafrhythmus der Kinder einfach nicht dem Ruhebedürfnis der Eltern oder dem vom Kind geforderten Rhythmus (Kindergarten, Schule). Schlafprobleme können je nach Alter und Entwicklungsstadium sehr unterschiedliche Formen annehmen – und müssen aufaltersgerechte Weise angegangen und gelöst werden. Im Einschulalter bestehen am häufigsten Ein- und Durchschlafstörungen (18 %), gefolgt von Alpträumen (14 %) und Schlafwandeln (3 %) sowie Pavor nocturnus (Nachtschreck, 4 %).

Symptomatik: Kinder mit wirklich zu kurzem oder gestörtem Schlaf sind tagsüber unausgeglichen, zeigen Konzentrationsschwierigkeiten und sind in ihrem gesamten Befinden stark beeinträchtigt.

Therapeutische Strategie
Häufig sind Schlafstörungen durch emotionalen Stress bedingt oder bestehen wegen fehlender Einschlafrituale. Hinzu kommen Störungen durch Lärm, Hitze oder Helligkeit. Öfters verbergen sich aber auch psychische Probleme der Kinder dahinter, die ernst genommen werden sollten. In seltenen Fällen (wenn die Schlaflosigkeit schmerzbedingt ist) können sogar lebensbedrohliche Erkrankungen wie Tumoren dahinterstecken. Wenn weitere auffallende oder unklare Symptome bestehen, sollte eine diagnostische Abklärung erfolgen.
Homöopathische Behandlung
Es empfiehlt sich hier eine konstitutionelle Behandlung. Bei akut aufgetretenen oder erst kurz bestehenden Schlafstörungen mit auffallenden auslösenden Faktoren ist auch eine Mittelauswahl, die sich primär an den entsprechenden Rubriken orientiert, möglich.
Wahl der Symptome
SymptomenwahlSchlafstörungen im KindesalterBei der Wahl der Symptome ist alles relevant, was im Rahmen einer konstitutionellen Anamnese erfasst werden kann. Absonderliche Symptome und das Gemütsbild stehen im Vordergrund. Hilfreich sind v. a. die Auslöser (z. B. Ängste, Erregung, Durst, Kummer, Zahnung).
Auch die Zeit der Schlaflosigkeit und die Schlaflage können hilfreich sein. Falls eindeutig eruierbar, sollten Ängste und Träume bei der Arzneiwahl berücksichtigt werden.
Miasmatische Zuordnung
Die meisten symptomatischen Schlafstörungen sind psorischen Ursprungs.
Repertorium
RepertorisationSchlafstörungen im KindesalterAls Unterrubriken im Kapitel „Schlaf“ finden sich u. a. „Einschlafen“, „Erwachen“, „Gestört“ und „Schlaflosigkeit“. Dazu gibt es wiederum zahlreiche Unterrubriken, von denen hier einige interessante aus dem Unterpunkt „Schlaflosigkeit“ zusammengestellt sind; hinzu kommt eine kleine Auswahl infrage kommender Gemütsrubriken.
Die Thematiken von Ängsten (Gemüt – Angst mit Unterrubriken; Gemüt – Furcht mit Unterrubriken) und Träumen (Gemüt – Träume mit Unterrubriken) sind mannigfaltig, die Anzahl der Rubriken zu diesen Themen im Repertorium ist umfangreich, ihre Bedeutung für die Arzneiwahl ist groß.

Schlaf // Einschlafen – schwierig (mit Unterrubriken) // Erwachen (mit Unterrubriken) // Erwachen – abends – Einschlafen, bald nach dem // Gestört (mit Unterrubriken) // Gestört – Visionen, Phantasiebilder, durch – schreckliche // Ruhelos – Kindern, bei

Schlaf – Schlaflosigkeit // Kindern, bei (mit Unterrubriken) // Schlaflosigkeit – Neugeborenen, bei // Angst, aus // Durst, durch // Geräusch, durch geringes // Hunger, durch // Kränkung, nach // Lebhaftigkeit, durch // Mond – Vollmond, bei // Müdigkeit – trotz Müdigkeit // Ruhelosigkeit, durch // Zahnung, während der // Zimmer, im – Dunkeln, im

Gemüt // Angst – Träume, beim Erwachen aus schrecklichen // Furcht – Entsetzen, panische Furcht – nachts

Dosierung, Verlaufsbeurteilung und Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Der Schlaf als Allgemeinsymptom ist unabhängig von der vorliegenden Erkrankung einer der wichtigsten Verlaufsparameter während einer homöopathischen Behandlung. Dies gilt umso mehr, wenn die Schlafstörung im Vordergrund steht. In der Praxis zeigt sich ein gebessertes Schlafverhalten häufig als eines der ersten Anzeichen einer positiven Arzneiwirkung. Bei isolierten Schlafstörungen lässt sich oft schon mit der ersten Arzneigabe eine erstaunlich schnelle Besserung beobachten (innerhalb weniger Wochen), selbst wenn die Problematik schon lange besteht. Im Gegensatz dazu weist eine Zunahme von Schlafproblemen meist auf eine ungünstige Arzneiwirkung hin.
Unterstützende Maßnahmen
Schlafritual einhalten (Geschichten vorlesen, Lieder vorsingen). Ruhe im Schlafzimmer, adäquate Zimmertemperatur, abends nicht fernsehen, nicht zu spät essen. Evtl. dezentes Licht einschalten.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Bell., Cham., Coff.
!! Ars., Rhus-t., Stram., Sulph.
! Acon., Ambr., Arg-n., Calc., Carc., Cina, Cypr., Hyos., Ign., Kali-br., Lach., Merc., Nat-m., Nux-v., Op., Phos., Puls., Sil.

Neugeborene und Säuglinge
  • Belladonna#BelladonnaSchlafstörungen, kindliche: schläfrig mit Schlaflosigkeit; erwacht mit Aufschrei, hat Albträume; erwacht durch Husten; geräuschempfindlich.

  • Carcinosinum#CarcinosinumSchlafstörungen, kindliche: spätes Einschlafen, erwacht durch Träume; Schlaflosigkeit mit Weinen, Kind muss gewiegt werden.

  • Chamomilla#ChamomillaSchlafstörungen, kindliche: schlaflos wegen Wut, während Zahnung, mit Schläfrigkeit; schlaflos trotz Müdigkeit; Verlangen, herumgetragen zu werden; verlangt nach den Eltern, stößt sie dann aber weg.

  • Cypripedium#Cypripedium, Schlafstörungen, kindliche: gut gelaunt, möchte nachts spielen, ist dabei hellwach; schlaflos bei Zahnung.

  • Opium#OpiumSchlafstörungen, kindliche: Angst zu ersticken; Erwachen durch Husten, durch Geräusche; Bett ist zu warm; schlaflos mit Schläfrigkeit; schläft mit halboffenen Augen.

  • Sulfur#SulfurSchlafstörungen, kindliche: kann wegen Hitze, v. a. wegen heißer Füße nicht einschlafen, spätes Einschlafen; schlaflos durch Gedankenandrang; Erwachen um 3 Uhr oder früh morgens wegen Stuhlgang, erwacht durch Träume, Hunger oder Husten; leichter Schlaf, geräuschempfindlich.

Angstbedingte Schlafstörungen
  • Aconitum: schlaflos bei Fieber, durch Ruhelosigkeit oder wegen Kälte des Körpers; erwacht durch ängstliche Träume, durch Husten.

  • Arsenicum album: Angst zu ersticken, beim Alleinsein, vor dem Tod; allgemein ängstlich-ruhelos, muss ständig die Lage wechseln; erschöpft; schwieriges Einschlafen oder Erwachen um Mitternacht, nach Mitternacht agg.; Wärme amel.

  • Mercurius: schlaflos mit Schläfrigkeit, wegen Nachtschweiß; ruhelos; fürchtet sich, schlafen zu gehen, da nachts alles agg.

  • Natrium muriaticum: Furcht vor Räubern, will deshalb, dass unter dem Bett oder im Schrank nachgesehen wird.

  • Silicea: spätes Einschlafen; Auffahren nachts; erwacht wegen Kopfschweiß; Vollmond oder Neumond agg.

Schlaflosigkeit im Dunkeln tritt insbesondere bei folgenden Arzneimitteln auf.
  • Belladonna: schläfrig mit Schlaflosigkeit; erwacht mit Aufschrei oder Auffahren, hat Albträume; Ruhelosigkeit im Schlaf; viele mögliche Wahnvorstellungen; geräuschempfindlich.

  • Calcarea carbonica: Angst beim Alleinsein, vor dem Tod; schlaflos durch Kränkung, durch Schweiß; Abneigung gegen frische Luft; Schaukeln amel.

  • Phosphorus: Angst beim Alleinsein, bei Gewitter; Verlangen nach hellem Licht; schlaflos wegen Hunger, Husten oder kalter Füße; spätes Einschlafen; schmusebedürftig.

  • Pulsatilla: Angst beim Alleinsein; kann wegen Gedankenandrang nicht schlafen; erwacht durch Husten oder Hitze; anhänglich.

  • Sulfur: kann wegen Hitze nicht einschlafen, spätes Einschlafen; schlaflos durch Gedankenandrang; erwacht durch Träume, leichter Schlaf, geräuschempfindlich.

  • Stramonium: extreme Angst und Panik im Dunkeln; Verlangen nach Licht, z. B. im Flur; erwacht mit Schreien, oft Albträume; ruhelos, wirft sich im Bett herum; schlaflos trotz Schläfrigkeit.

Erregung
Im Vordergrund stehen Ambra, Argentum nitricum, Cina, Cypripedium und Ignatia. Angezeigt sind auch Hyoscyamus, Lachesis und Nux vomica. Bei großer körperlicher Unruhe kann Rhus toxicodendron#Rhus toxicodendronSchlafstörungen, kindliche angezeigt sein.
  • Ambra#AmbraSchlafstörungen, kindliche: spätes Einschlafen trotz Müdigkeit; ruhelose Aufregung; Erregung wegen bevorstehenden Ereignisses.

  • Argentum nitricum#Argentum nitricumSchlafstörungen, kindliche: schlaflos wegen vieler Ängste oder Vorstellungen, insbesondere vor Prüfungen, aber auch aus Erwartungsspannung und Vorfreude; nervös-hastig bei allem; schlaflos wegen Husten.

  • Cina#CinaSchlafstörungen, kindliche: schreit auf, erwacht mit jämmerlichem Weinen; will nicht berührt werden; schlaflos wegen Hunger; wiegen amel.

  • Coffea: schlaflos im hellen Zimmer oder wegen Geräuschen, bei Zahnung; kann nach freudigen Ereignissen wegen schöner Gedanken nicht schlafen, stellt viele Fragen, gedankliche und körperliche Aktivität, ist überdreht, singt und spielt.

  • Cypripedium: gut gelaunt, möchte nachts spielen, ist dabei hellwach; schlaflos bei Zahnung.

  • Ignatia#IgnatiaSchlafstörungen, kindliche: schlaflos durch frischen Kummer oder Kränkung, z. B. in der Schule oder bei Konfliktsituation der Eltern; Seufzen; leichter Schlaf, v. a. geräuschempfindlich; schlaflos wegen Hunger; widersprüchlich, wechselhafte Stimmung.

  • Hyoscyamus#HyoscyamusSchlafstörungen, kindliche: Auffahren im Schlaf durch Albträume; schlaflos durch Gedankenandrang, durch Husten; entblößt sich; ruhelose Hände; redselig.

  • Lachesis#LachesisSchlafstörungen, kindliche: schlaflos im hellen Zimmer; Angst zu ersticken, Atmung kann beim Einschlafen aussetzen; Redseligkeit vor dem Einschlafen; schläft in Verschlimmerung hinein; enge Kleidung agg.

  • Nux vomica#Nux vomicaSchlafstörungen, kindliche: schlaflos nach Ärger, durch Gedankenandrang, nach zuviel Fernsehen, bei Vollmond; schlaflos im hellen Zimmer; geräusch- und geruchsempfindlich.

  • Rhus toxicodendron#Rhus toxicodendronSchlafstörungen, kindliche: schlaflos trotz Schläfrigkeit, spätes Einschlafen; muss ständig die Lage wechseln; Schlaflos wegen großer körperlicher Unruhe.

Kummer
  • Ignatia#IgnatiaSchlafstörungen, kindliche: frischer Kummer oder Kränkung, z. B. in der Schule oder bei Konfliktsituation der Eltern; Seufzen; leichter Schlaf, v. a. geräuschempfindlich; schlaflos wegen Hunger; widersprüchlich, wechselhafte Stimmung.

  • Kalium bromatum#Kalium bromatumSchlafstörungen, kindliche: schlaflos wegen Hitze oder aus Angst mit Kummer, wirft sich im Bett herum.

  • Natrium muriaticum#Natrium muriaticumSchlafstörungen, kindliche: Einschlafstörung wegen Gedanken an vergangene Ereignisse; schlaflos wegen Hitze oder Schweiß; Träume von Räubern; Abneigung gegen Trost.

Enuresis, Enkopresis

  • Enuresis (Einnässen): Einnässen häufiger als 1 × wöchentlich nach Vollendung des 4. Lj.; mit einem Vorkommen bei ca. 20 % aller Fünfjährigen häufiges Problem; keine eigenständige Erkrankung, sondern Symptom, meist durch Reifungsverzögerung oder eine funktionelle Blasenkontrollstörung bzw. psychogen bedingt. Prinzipiell liegt eine normale, vollständige Blasenentleerung vor, allerdings zur falschen Zeit am falschen Ort.

  • Enkopresis (Einkoten): Hat bei Persistenz oft eine schwerer zu behandelnde psychische Problematik zur Ursache.

Therapeutische Strategie
Es ist wichtig, Enuresis oder Enkopresis nicht nur als isoliertes Symptom hinzunehmen, sondern sich mit der gesamten Problematik auseinanderzusetzen. Die Enkopresis stellt dabei die schwerer zu behandelnde Störung dar. Oft spiegelt sich in solch einer Symptomatik eine angespannte oder für das Kind als disharmonisch empfundene Problematik der ganzen Familie wider, der man auf den Grund gehen sollte. Manchmal kann auch die Geburt eines Geschwisterkindes Auslöser sein. Familiär gehäuft kommen zudem Störungen der neuromuskulären Entwicklung vor, wobei im Schlaf die bewusste Wahrnehmung der Blasenfüllung ausbleibt.
Wichtig ist dennoch der Ausschluss von Missbildungen des Urogenitaltrakts und weiterer organischer Ursachen. Daher sollten zur Diagnostik außer Anamnese und körperlicher Untersuchung noch Urinstatus, Sonographie und evtl. Uroflowmetrie bzw. Sphinktermanometrie gehören. Ist dabei nichts auffällig, so ist begleitend zur Homöopathie häufig eine psychotherapeutische Beratung sinnvoll. Eine allopathisch-medikamentöse Therapie ist nicht indiziert.
Homöopathische Behandlung
Blasenfunktionsstörungen sind immer konstitutionell-miasmatischer Natur und müssen deshalb nach den Richtlinien der homöopathischen Konstitutionstherapie behandelt werden (4.3).
Wahl der Symptome
SymptomenwahlEnuresis/EnkopresisWichtig ist das Gemütsbild des Patienten und im Zusammenhang damit die Ursache für die Symptomatik (z. B. Kummer, Eifersucht oder tiefer Schlaf). Außerdem ist der Zeitpunkt des Einnässens (z. B. tagsüber, nur nachts, kurz nach dem Einschlafen) zu berücksichtigen. Weitere Symptome bieten spezielle Modalitäten des Einnässens. Neben diesen speziellen Symptomen müssen alle anderen Symptome und Zeichen des Patienten für die Arzneiwahl berücksichtigt werden.
Miasmatische Zuordnung
Nächtliches Bettnässen kann psorischen, syphilitischen oder tuberkulinischen Ursprungs sein. Häufiges Einnässen im ersten Schlaf ist tuberkulinischer Natur. Wenn das Einnässen bis in die Pubertät andauert, kann eine hereditäre Syphilis (3.4) die Ursache sein.
Repertorium
RepertorisationEnuresis/EnkopresisRepertorien differenzieren nicht zwischen Enuresis und Inkontinenz, was die Rubriken unzuverlässiger macht. Die Symptomatik der Enuresis sollte bei der Arzneiwahl nicht überbewertet werden und auf jeden Fall nur einen Teil der ausgewählten Symptome bei einer konstitutionellen Behandlung ausmachen. Die unten aufgeführten Rubriken können für die Arzneiwahl von Bedeutung sein.

Blase // Urinieren – unwillkürlich – Kindern, bei // tagsüber – nachts, und // nachts – ersten Schlaf, im // nachts – Wecken des Kindes ist schwierig // nachts – Träumen vom Urinieren, beim // Urinieren – Dysurie – abwechselnd mit – Enuresis

Rektum – unwillkürlicher Stuhl // nachts // nachts – Bett, im – harter Stuhl // Schlaf, im

Rektum // unbemerkter Abgang von Stuhl – nachts

Gemüt // schmutzig – urinieren und defäkieren überall, Kinder

Dosierung, Verlaufsbeurteilung und Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Bei Kontinenzstörungen ohne organische Ursache muss bei passender Arzneiwahl schon bald nach der Einnahme eine positive Wirkung erkennbar sein. Dabei darf nicht erwartet werden, dass die Störung sofort und komplett verschwindet, von einer Besserung in kleinen Schritten kann aber ausgegangen werden. Um eine genaue Beurteilung zu ermöglichen, sollten die Patienten eine Zeit lang notieren, wie häufig es zu Einnässen oder Einkoten kommt. Die typische Assoziation mit psychosozialen Konflikten des Patienten mit seinem Umfeld kann eine Ausheilung evtl. behindern bzw. zu Rückfällen führen. Dies sollte bei der Verlaufsbeurteilung berücksichtigt werden. Zusätzlich zur homöopathischen Behandlung ist deshalb gegebenenfalls eine Psycho- bzw. Familientherapie anzudenken. Unter Berücksichtigung aller genannten Aspekte ist die Prognose der Kontinenzstörungen unter homöopathischer Behandlung gut.
Unterstützende Maßnahmen
Psychotherapeutische Begleitung (v. a. Verhaltenstherapie). Bei zu tiefem Schlaf ggf. härtere Matratze wählen. Evtl. zum Wasserlassen nachts den Wecker stellen. Mit positiven Verstärkern motivieren (z. B. Sonne/Regen-Kalender). Fußreflexzonenmassagen.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Bell., Caust., Gels., Rhus-t.
!! Arg-n., Ars., Hyos., Lyc., Nat-m., Ph-ac., Puls., Sep., Sulph., Tub.
! Aloe., Benz-ac., Cina, Equis., Kreos., Phos., Plan., Sil.

Enuresis diurna et nocturna
  • Argentum nitricum: spärlicher, dunkler Urin; Urin geht ohne Unterbrechung unbewusst ab; immer in Eile; Erwartungsangst; Verl. nach Süßem und Salz.

  • Arsenicum album: spärlicher Urin; trinkt häufig, aber nur kleine Mengen; Ängste, u. a. vor dem Tod.

  • Belladonna: häufig wenig heller Urin; Bettnässen im zweiten Schlaf; schwer erweckbar.

  • Causticum: Urinieren im ersten Schlaf, schwer erweckbar; schlechte Blasenkontrolle bei Husten und Lachen; unbemerkter Urinabgang tagsüber; Ängstlichkeit nachts; empfindsame Kinder.

  • Gelsemium: reichlich heller Urin; Dysurie im Wechsel mit Enuresis, Enuresis durch Erregung; zittrig, aufgeregte Kinder.

  • Hyoscyamus: Neigung, sich zu entblößen; Masturbation; großer Durst.

Enuresis nocturna
  • Benzoicum acidum: Urin riecht wie scharfer Pferdeharn, wund machend, verfärbt die Wäsche; Urinieren im ersten Schlaf oder Bettnässen mehrmals nachts.

  • Cina: reichlicher Urin, der beim Stehen schnell trüb wird; Urinieren gegen morgen oder Bettnässen mehrmals nachts; Wurmbefall.

  • Equisetum: viel wässriger oder scharfer, schleimiger Urin; Urin trübe mit viel Satz; häufiger Harndrang, Harn geht strömend ab; hat das Gefühl, seit Stunden nicht uriniert zu haben; träumt vom Urinieren; Bettnässen mehrmals nachts.

  • Kreosotum: reichlich heller Urin; träumt vom Urinieren, Urinieren im ersten Schlaf, sehr tiefer Schlaf, nicht erweckbar; plötzlicher Harndrang nachts, sodass er nicht zur Toilette kommt; Zähne faulen, sobald sie erscheinen.

  • Lycopodium: träumt vom Urinieren; Urin mit rotem Satz; Haut durch Urin gereizt und gerötet.

  • Natrium muriaticum: heller, wässriger Urin; Urinabgang beim Gehen, Husten usw.; kann in Gegenwart anderer schlecht urinieren; stiller Kummer, Abneigung gegen Trost.

  • Phosphoricum acidum: wässrig-milchiger Urin, träumt vom Urinieren, Urinieren im ersten Schlaf, große Urinmengen gehen ab; Enuresis nach akuten Erkrankungen oder wegen Schwäche.

  • Phosphorus: reichlich farbloser Urin; Urinieren im ersten Schlaf.

  • Plantago: reichlich heller Urin; tagsüber wenig Urin, Bettnässen mehrmals nachts.

  • Pulsatilla: Urinieren im ersten Schlaf; plötzlicher Harndrang, im Liegen agg.; weinerlich; eher bei Mädchen.

  • Sepia: träumt vom Urinieren, Urinieren im ersten Schlaf, schwer erweckbar; Anamnese mit rez. Zystitis; eher bei Mädchen.

  • Silicea: besonders bei Jungen.

  • Sulfur: reichlich farbloser Urin; träumt vom Urinieren; häufige Miktion; Körperöffnungen wund und gerötet; Harndrang beim Anblick von Wasser.

  • Tuberculinum: Nachtschweiß; Unbeständigkeit, Unzufriedenheit, Furcht vor Hunden, Zähneknirschen im Schlaf.

Enkopresis und Enuresis
Im Repertorium schwach vertreten und nur bei Enkopresis aufgeführt ist Aloe#AloeEnkopresis/Enuresis (viele Blähungen, die mit Stuhl und gleichzeitig mit Urin abgehen; Stuhl mit wässrigem Schleim, harter Stuhl geht nachts unbemerkt ab). Für unwillkürlichen Stuhl- und Harnverlust kommen folgende Mittel infrage: Arsenicum album, Belladonna (harter Stuhl geht nachts unbemerkt ab), Causticum#CausticumEnkopresis/Enuresis (kleinknolliger Stuhl; kann Stuhl v. a. im Stehen entleeren; Einkoten tagsüber und nachts), Hyoscyamus, Natrium muriaticum, Phosphoricum acidum, Phosphorus, Pulsatilla, Rhus toxicodendron (wenig dunkler Urin; Enuresis bei feuchtkaltem Wetter agg.; Ruhelosigkeit; eher bei Jungen), Sepia, Sulfur und Tuberculinum.

Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS)

Definition: Hyperkinetisches Syndrom (HKS), Aufmerksamkeitsdefizit Syndrom (ADHS)Hyperkinetisches Syndrom (HKS). Symptomenkomplex aus Konzentrationsstörungen, erhöhter Ablenkbarkeit und impulsivem Verhalten. Ursachen unklar, eine genetisch bedingte Entwicklungsstörung wird diskutiert. ADHS kommt bei etwa 3–5 % der Kinder vor, hauptsächlich bei Jungen.

Symptomatik:

  • Hyperaktivität: motorische Unruhe, ständiges zielloses Bewegungsbedürfnis.

  • Aufmerksamkeitsstörung: leichte Ablenkbarkeit, geringe Ausdauer und Konzentration.

  • Impulsivität: verminderte affektive Kontrolle, Neigung zu impulsivem Verhalten, deutliche Teilleistungsschwächen, Stimmungsschwankungen.

Weitere häufige Symptome wie soziale Anpassungsstörungen und Hyperaggressivität sind meist Folge der Leitsymptomatik.

Therapeutische Strategie
Zur Diagnostik dienen neben der ausführlichen Anamnese inkl. Fremdanamnesen noch psychologische Tests und standardisierte Fragebögen, deren Aussagekraft aber umstritten ist und sehr von der subjektiven Beurteilung abhängt. Vom homöopathischen Arzt Heiner Frei gibt es einen „Fragebogen ADS und Wahrnehmungsstörungen“, der die Grundlage für eine Repertorisation mithilfe des „Therapeutischen Taschenbuchs“ von Bönninghausen ist (Frei 2007).
Differentialdiagnostisch sollte bei ADHS u. a. an Angststörungen, Autismus, Deprivationsstörungen, organische Psychosyndrome oder an eine Hyperthyreose gedacht werden. Außerdem können Arzneimittelnebenwirkungen eine ursächliche Rolle spielen (z. B. bei Salbutamol in hoher Dosierung). Die Therapie des ADHS besteht v. a. in Elternarbeit oder Familientherapie, hinzu kommen Entspannungsverfahren etc. In jedem Falle ist ein multimodales Therapiekonzept sinnvoll, bei dem die homöopathische Behandlung einen Bereich darstellt. Die medikamentöse Therapie (meist mit Ritalin® oder Straterra®) sollte seltenen Einzelfällen vorbehalten bleiben.
Homöopathische Behandlung
Es empfiehlt sich in jedem Falle eine konstitutionelle Behandlung. Die unten aufgeführten Mittel sind häufig passend bei ADHS. Letztlich können aber entsprechend der individuellen Symptomatik viele andere Arzneimittel angezeigt sein.
Wahl der Symptome
SymptomenwahlADHSBei der Wahl der Symptome ist alles relevant, was im Rahmen einer konstitutionellen Anamnese erfasst werden kann. Absonderliche Symptome und das Gemütsbild (z. B. Ruhelosigkeit, Aggression, Konzentrationsstörungen, Verträumtheit etc.) stehen im Vordergrund bei der Wahl des passenden Arzneimittels. Aber auch Symptome, die nichts mit dem Geistes- und Gemütsbereich zu tun haben, sind sehr wichtig, v. a. wenn gute Modalitäten vorliegen.
Miasmatische Zuordnung
Das komplexe Krankheitsbild von ADHS lässt sich nur über die Modalitäten einem Miasma zuordnen.
Repertorium
Repertorisation ADHS

Gemüt // Aktivität, Verlangen nach // Fehler, macht – Schreiben, beim – verwechselt Buchstaben // Impuls – Laufen, zu

Gemüt – Konzentration – schwierig // Kindern, bei // Rechnen, beim // Schreiben, beim

Gemüt – Ruhelosigkeit // Kindern // Kindern, bei – rastlos, wandernd // bewegen – muss sich ständig // geistige Anstrengung, während // Sitzen, im // treibt umher

ExtremitätenRuhelosigkeit // Beine // Ruhelosigkeit – Hände // Musik amel. // Sitzen, im

Allgemeines // Bewegung – Verlangen nach // Energie – Übermaß, Überschuss an Energie

Dosierung, Verlaufsbeurteilung und Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
ADHS ist eine tiefsitzende Störung, bei deren Behandlung der Therapeut viel Erfahrung und Geduld benötigt, um zum Erfolg zu kommen. Die oft überhöhten, unrealistischen Erwartungen und Forderungen aus dem sozialen Umfeld des Patienten (meist Eltern und Schule) bezüglich einer schnellen Lösung der Problematik erschweren die Therapie zusätzlich und wirken einer entspannten Situation entgegen. Gelingt es, eine günstige Ausgangssituation für die homöopathische Therapie zu erreichen (unter Umständen durch Psycho- und/oder Familientherapie), ist die Prognose langfristig relativ günstig. Der Behandlungserfolg orientiert sich dabei nicht am Aktivitätsgrad des Patienten (aus einem aktiven wird nie ein ruhiges Kind), sondern an dessen Fähigkeit, mit den Anforderungen des täglichen Lebens fertig zu werden. Die Verlaufsbeurteilung sollte sich nicht nur an den ADHS-typischen Symptomen, sondern stets auch am Verlauf begleitender Störungen/Erkrankungen orientieren (Schlafstörungen, Verdauungsstörungen, Infektanfälligkeit etc.).
Unterstützende Maßnahmen
Entspannungsverfahren (z. B. progressive Muskelrelaxation nach Jacobson) sowie Hippotherapie, Ergotherapie, Musiktherapie sind ergänzend sinnvoll. Psychologische Beratung für die Eltern und ggf. Familientherapie sind meist erforderlich.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Bell., Calc-p., Merc., Rhus-t., Tub.
!! Ars., Med., Nux-v., Stram., Tarent.
! Agar., Coff., Hydrog., Lach., Lyc., Sulph.

Ruhelosigkeit
  • Agaricus#AgaricusADHS: Ruhelosigkeit von Armen und Beinen; auffallende Ungeschicklichkeit mit mangelnder Gefahreneinschätzung; Störung der Fein- und Grobmotorik; Tics; Redseligkeit und Erregungszustände.

  • Arsenicum#Arsenicum albumADHS album: ängstliche Ruhelosigkeit, primär geistig, sekundär körperlich; kann sich wegen der inneren Unruhe nicht lange konzentrieren, will alles perfekt machen; Ruhelosigkeit treibt ihn ohne Beruhigung umher.

  • Belladonna#BelladonnaADHS: ruhelos, evtl. aggressiv, beißt, spuckt; überempfindliche Sinne; Pyromanie.

  • Calcium phosphoricum#Calcium phosphoricumADHS: „Zappelphilipp“, v. a. Ruhelosigkeit der Beine; unzufrieden, nervöse Reizbarkeit.

  • Coffea: lebhafte Phantasie und Ideenfülle; heiter, überdreht, überempfindlich; Konzentrationsstörungen wegen Gedankenfülle.

  • Medorrhinum#MedorrhinumADHS: Ruhelosigkeit v. a. der Beine; verspielt nachts; Nägelkauen; Masturbation; wechselhafte Stimmung, oft grausam.

  • Rhus toxicodendron#Rhus toxicodendronADHS: ausgeprägte körperliche Ruhelosigkeit, Bewegung amel.

  • Stramonium#StramoniumADHS: starke Ruhelosigkeit; aggressiv, gewalttätig, Schmerzlosigkeit; Furcht vor Dunkelheit; stottert; Wahnidee, verlassen zu sein.

  • Sulfur#SulfurADHS: ruhelos, schmuddelig, unordentlich, sammelt alles, fasst alles an; Konzentrationsstörungen; heißes Naturell; Abneigung gegen Waschen.

  • Tarentula: körperliche Ruhelosigkeit; viel Energie; eilig; Zerstörungswut; rhythmische Musik amel.; Abneigung, angefasst zu werden.

  • Tuberculinum#TuberculinumADHS: kennt keine Gefahr, klettert viel; zerstörerisch; Ruhelosigkeit der Unterschenkel, Drang zu rennen; unzufrieden; Furcht vor Hunden.

Konzentrationsschwäche
  • Hydrogenium#Hydrogenium, ADHS: Konzentrationsstörungen beim Rechnen und Schreiben, mit einem Gefühl der Leere; träumerisch, Automatismen; fühlt sich von der Familie entfremdet; Ruhelosigkeit der Unterschenkel.

  • Lachesis#LachesisADHS: Konzentrationsschwäche beim Lernen; eifersüchtig; neidisch, geschwätzig.

  • Lycopodium#LycopodiumADHS: Konzentrationsstörungen beim Rechnen, verwechselt Buchstaben beim Schreiben; körperliche Ruhelosigkeit; diktatorisch, aufsässig, Mangel an Selbstvertrauen.

  • Mercurius#Mercurius solubilisADHS: Konzentrationsstörungen beim Rechnen und Schreiben; allgemeine Ruhelosigkeit, v. a. nachts; Zwang, alles zu berühren; innere Eile mit Langsamkeit der Handlungen.

  • Nux vomica#Nux vomicaADHS: Konzentrationsstörungen beim Rechnen und Lernen; überempfindliches Nervensystem; Reizbarkeit, ehrgeizig; Verlangen nach Stimulanzien.

Lernschwierigkeiten, Legasthenie

Definition: Störungen in Teilbereichen intellektueller Fähigkeiten werden auch als Teilleistungsschwächen bezeichnet. Das Kind fällt oft erst im Grundschulalter durch schlechte Schulleistungen auf, die aber auch nur einzelne Fächer betreffen können. Prävalenz der Legasthenie: ca. 4 %.

Symptomatik: Erschwertes Lesen und verzögertes Lesenlernen sowie häufige Rechtschreibfehler bei sonst normalen Schulleistungen und mindestens durchschnittlicher Intelligenz. Nicht selten ist bei Kindern ein zusätzliches Aufmerksamkeitsdefizit, das von Überaktivität und Impulsivität begleitet wird, zu beobachten.

Therapeutische Strategie
Zunächst sollten Hör- und Sehstörungen als Ursache ausgeschlossen werden. Dann dienen standardisierte Testverfahren und schulpsychologische Untersuchungen der weiteren Diagnostik. Es ist ein multimodales Therapiekonzept zu empfehlen, was lerntherapeutische Betreuung und gezielten Nachhilfeunterricht umfasst.
Homöopathische Behandlung
Bei Teilleistungsschwächen handelt es sich um Störungen, die Ausdruck einer tiefliegenden miasmatischen Belastung des Patienten sind. Ähnlich wie bei ADHS (27.4.3) übt das soziale Umfeld oft erheblichen Druck aus, was sekundäre Störungen bedingen kann. Neben einer homöopathischen Behandlung ist es deshalb wichtig, im Umfeld des Patienten für eine entspannte Therapiesituation zu sorgen (z. B. durch Aufklärung der Lehrer und Eltern, durch Nachhilfeunterricht etc.).
Aus homöopathischer Sicht empfiehlt sich in jedem Falle eine konstitutionelle Behandlung. Die unten aufgeführten Mittel sind häufiger vorkommende Arzneimittel bei Lernschwierigkeiten, je nach vorliegender Symptomatik können auch viele andere Arzneimittel angezeigt sein.
Wahl der Symptome
SymptomenwahlLernschwierigkeitenBei der Wahl der Symptome ist alles relevant, was im Rahmen einer konstitutionellen Anamnese erfasst werden kann. Absonderliche Symptome stehen für die Arzneiwahl an erster Stelle. Gemütssymptome sind zwar bedeutend, sollten aber nicht zu sehr im Vordergrund stehen, insbesondere dann nicht, wenn sie als Folge der Erkrankung auftreten (z. B. im Sinne von Frustration, Zorn, Verzweiflung oder Traurigkeit aufgrund schlechter schulischer Leistungen oder sozialer Isolation bzw. Mobbing). Hilfreich kann aber eine genaue Differenzierung der Teilleistungsschwäche sein.
Miasmatische Zuordnung
Eine Legasthenie kann sykotischen Ursprungs sein.
Repertorium
Repertorisation Lernschwierigkeiten

Gemüt – Fehler, macht // Lesen, beim // Rechnen, beim // Schreiben, beim // Fehler, Sprechen, beim – Worte – falsche Worte, benutzt

Gemüt – Gedächtnis – Gedächtnisschwäche // Rechtschreibung, für die // Worte, für

Gemüt – Konzentration – schwierig // Schreiben, beim // Sprechen, beim // Studieren

Gemüt – Langsamkeit // Rechnen, beim

Gemüt – Lesen // schwer, fällt // unfähig zu lesen

Gemüt – Mathematik //Unfähigkeit zur – rechnen, kann nicht

Gemüt – Schreiben // Schwierigkeiten, die Gedanken im Schreiben auszudrücken // Unfähigkeit zu – lernen, Kinder können nicht Schreiben

Gemüt // Studieren, Lernen – schwierig, fällt schwer // Gemüt Verwirrung, geistige – Rechnen, beim

Dosierung, Verlaufsbeurteilung und Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Selbst bei guter homöopathischer Therapie kann nicht mit einem zügigen Verschwinden der Teilleistungsstörung gerechnet werden. Dies gelingt meist langfristig und im Zusammenhang mit zusätzlichem Nachhilfeunterricht und evtl. Psycho- bzw. Familientherapie. Dementsprechend muss die Verlaufsbeurteilung an Parametern erfolgen, die schneller auf eine homöopathische Therapie reagieren (Schlafverhalten, Ängste, Verdauung, Infekthäufigkeit und Komplikationsrate etc.). Ist das passende Arzneimittel gefunden, sollte es (auch bei scheinbar ausbleibender Wirkung auf die Teilleistungsschwäche) über einen längeren Zeitraum verabreicht werden, da mit einer Besserung eher langfristig zu rechnen ist.
Unterstützende Maßnahmen
Nachhilfeunterricht bzw. gezielte Legasthenietherapie, z. B. durch die „lautgetreue Rechtschreibeförderung“. Für Nachteilsausgleich in der Schule durch „Notenschutz“ sorgen. Behutsam und geduldig mit den Kindern üben. Bei Legasthenie Bücher mit Themen auswählen, die die Kinder besonders interessieren und diese gemeinsam lesen.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Calc-p., Lyc., Nat-m.
!! Calc., Caust., Lach., Med., Nux-v., Phos., Sil., Sulph.
! Alum., Carc., Merc., Ph-ac., Staph., Syph.

Da sinnvollerweise eine konstitutionelle Behandlung erfolgen sollte, werden hier nur die auf die Lernschwierigkeiten und die Legasthenie bezogenen Aspekte der Mittel in aller Kürze genannt. Diese sind nur als ergänzende Hilfestellung zur Auswahl des Simile gedacht:
  • Bei Problemen mit Rechnen, Schreiben und Lesen:

    • Alumina: Geometrie problematisch; allgemein Langsamkeit.

    • Calcarea carbonica: Lernen fällt sehr schwer; Probleme bei Geometrie; in allem langsam, ist aber bemüht.

    • Lachesis: Gedächtnisschwäche für Rechtschreibung; geschwätzig.

    • Lycopodium: Gedächtnisschwäche für Rechtschreibung; lernt spät Schreiben.

    • Natrium muriaticum: Lernen fällt sehr schwer; lernt spät rechnen; Konzentrationsprobleme beim Sprechen.

  • Probleme mit dem RechnenRechenschwäche, kindliche: Alumina (Geometrie), Calcarea carbonica, Causticum (Rechnen, v. a. Geometrie, und Schreiben problematisch; Lernen fällt sehr schwer; Probleme beim Sprechen), Lachesis, Lycopodium, Mercurius, Natrium muriaticum, Nux vomica (Probleme beim Auswendiglernen, Schreiben und Rechnen), Phosphoricum acidum (Lernen fällt schwer), Staphisagria (Probleme mit Schreiben und Rechnen) und insbesondere Syphilinum (Probleme mit Mathematik, langsam beim Rechnen).

  • Probleme mit dem SchreibenSchreibschwäche, kindliche: Alumina, Calcarea carbonica, Calcium phosphoricum, Causticum, Lachesis, Lycopodium, Medorrhinum, Natrium muriaticum, Nux vomica, Phosphorus (Lernen fällt sehr schwer), Silicea (Probleme beim Schreiben und Lesen; Gedächtnisschwäche für Rechtschreibung), Staphisagria, Sulfur (Gedächtnisschwäche für Rechtschreibung; Probleme beim Auswendiglernen; in allem langsam, bemüht sich nicht, faul).

  • Probleme mit dem Lesen: Alumina, Calcarea carbonica, Carcinosinum, Lycopodium, Mercurius und Silicea.

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