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B978-3-437-56353-9.00012-8

10.1016/B978-3-437-56353-9.00012-8

978-3-437-56353-9

Kreislauf und Blutgefäße

Henning Droege

Thomas Quak

(miasmatische Zuordnung)
  • 12.1

    Blutdruckregulationsstörungen274

    • 12.1.1

      Arterielle Hypertonie274

    • 12.1.2

      Hypotonie277

    • 12.1.3

      Periphere arterielle Verschlusskrankheit (PaVK)280

  • 12.2

    Erkrankungen der Venen283

    • 12.2.1

      Varikose283

    • 12.2.2

      Thrombophlebitis285

Blutdruckregulationsstörungen

Arterielle Hypertonie

Blutdruckregulationsstörungen

Definition: BluthochdruckBluthochdruck s. Hypertonie. Dauerhafte, nicht situationsabhängige Blutdruckerhöhung über 140/90 mmHg; eine der häufigsten Erkrankungen überhaupt; hat aufgrund ihrer Spätkomplikationen große soziale Bedeutung; etwa 25 % aller Todesfälle sind Folgen einer Hypertonie. Ca. 90 % essenzielle Hypertonie; 10 % renal, medikamentös, endokrin, neurogen, vaskulär.

Symptomatik: Oft lange Zeit symptomlos. Kopfschmerzen, Schwindel, Nasenbluten; Angina pectoris, Belastungsdyspnoe, Synkopen. TIA. Nykturie.

Hypertensive KriseNotfallKrise, hypertensive bzw. hypertensiver Notfall: krisenhafte Entgleisung des Bluthochdrucks mit Blutdruckwerten über 230/120 mmHg und schweren Folgeerscheinungen wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel, Sehstörungen, Bewusstseinsstörungen, neurologische Ausfälle (z. B. Sprachstörungen), Hirnblutungen, Linksherzinsuffizienz mit Lungenödem, instabile Angina pectoris. Cave: Jede kritische Blutdrucksteigerung, bei der der Patient über Kopfschmerzen, Schwindel, Herzklopfen, Schwäche u. Ä. klagt, kann rasch zu einem hypertensiven Notfall werden. Sie muss daher sofort behandelt werden.

Therapeutische Strategie
Das Konzept des Bluthochdrucks ist der Homöopathie fremd. Das hat zum einen historische Gründe – es gab keine Messmöglichkeit als die meisten Arzneimittelprüfungen durchgeführt wurden –, zum anderen liegt es an der phänomenologischen Sichtweise der Homöopathie, die sehr wohl die Symptome der Hypertonie kennt (z. B. Blutandrang zum Kopf, Völlegefühl, Pulsieren des Kopfes, voller Puls etc.), aber eben nicht deren Zusammenfassung zu einer Diagnose. Erst seit der RR-Messung konnten durchaus positive Erfahrungen mit der homöopathischen Behandlung der Hypertonie gesammelt werden.

Cave: Mit „Hypertonie“ ist in der alten homöopathischen Literatur meist die muskuläre Hypertonie gemeint.

Die hypertone Krise ist homöopathisch gut, die essenzielle Hypertonie (da oligosymptomatisch) viel schwerer erfassbar, hier hat vielmehr das Abstellen der Ursachen Vorrang.
Die Homöopathie eignet sich nicht zur „Blutdruckeinstellung“, sondern es kann nur um Heilung gehen. Im Rahmen einer Konstitutionsbehandlung sollte sich auch der Blutdruck normalisieren.
Homöopathische Behandlung
Die nicht situative Erhöhung des Blutdruckes ist Symptom einer chronischen Grundstörung, nicht die Störung selbst. Daher wird die chronische Hypertonie konstitutionell behandelt. Dabei weist die Gesamtheit der Symptome des Patienten den Weg zur Arznei. (4.2). Eine hypertone Krise ist die hochakute Exazerbation einer lange bestehenden chronischen Grundstörung. Sie wird nach den Regeln der Akuttherapie behandelt (nur die im Vordergrund stehenden Symptome entscheiden bei der Arzneiwahl). Nach Abklingen der akuten Symptome muss eine konstitutionelle Behandlung erfolgen bzw. diese fortgesetzt werden.
Hypertensive KrisenNotfallKrise, hypertensive sind lebensbedrohliche Notsituationen, die oft stationärer oder sogar intensivmedizinischer Betreuung bedürfen. Gleichzeitig wird homöopathisch behandelt, sofern dadurch keine Zeit verloren wird.
Wahl der Symptome
SymptomenwahlHypertonieFür die konstitutionelle Behandlung werden alle individuellen Symptome herangezogen, die sich bei der Anamnese und Untersuchung eruieren lassen (4.1). Die Symptome der Hypertonie (sofern vorhanden) ordnen sich dabei ins Gesamtbild ein. Sind sie besonders auffallend oder charakteristisch, können sie zur Arzneiwahl herangezogen werden.
  • Auslöser, sofern vorhanden, z. B. Schreck, Schlafmangel, finanzielle Sorgen, freudige Erregung.

  • Klinisches Bild der Hypertonie wie Rötung, Erregung, Schweißausbruch, Hitze-, Völlegefühl, Schmerzen (Wo? Wie? Wann?).

  • Modalitäten wie Besserung oder Verschlechterung zu den Menses, tageszeitliche Schwankungen, situative Abhängigkeiten, z. B. Fahren im Wagen agg., Höhe agg.

  • Verhalten und seelisches Befinden, z. B. Unruhe, Reizbarkeit.

Miasmatische Zuordnung
Die Hypertonie ist meistens sowohl für den Patienten als auch für den Arzt nicht direkt über Symptome erfahrbar. Die miasmatische Zuordnung muss daher über die Gesamtheit der Symptome erfolgen.
Repertorium
RepertorisationHypertonieIn den ursprünglichen Repertorien (z. B. Kent) sucht man den Begriff „Hypertonie“ vergeblich. In modernen Repertorien finden sich Rubriken, die den Begriff „Hypertonie“ enthalten: Allgemeines – Hypertonie (135 AM). Weitere Rubriken in speziellen Kapiteln weisen auf Erkrankungen im Zusammenhang mit Hypertonie hin, z. B. Allgemeines – Apoplexie – begleitet von – Hypertonie. Bezüglich ihres praktischen Nutzens sind diese Rubriken aber mit Vorsicht zu beurteilen, da es sich meist um Nachträge handelt, die noch ausführlicher klinischer Bestätigungen bedürfen. Da sie nicht aus Arzneimittelprüfungen stammen, können sie nicht vollständig sein.
Je nach vorhandener Symptomlage können auch folgende Begriffe im Repertorium nachgeschlagen und nach ihren Unterrubriken differenziert werden: „Plethora“, „Kongestion“, „Blutwallungen“, „Fülle“. Weitere wichtige Hinweise können z. B. den Kapiteln/Rubriken „Schwindel“, Brust – Herzklopfen und Kopf – Schmerzen entnommen werden, evtl. auch den Kapiteln „Kopf“ und „Allgemeines“ sowie Ohr – Geräusche im Ohr, „Pulsieren“ und „Puls (mit Unterrubriken)“.
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung, Verlaufsbeurteilung, 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
In der Akutsituation muss eine rasche Änderung eintreten, sonst ist das Mittel zu wechseln. Andere notwendige Maßnahmen dürfen dabei nicht versäumt werden.
Die Verlaufsbeurteilung bei chronischer Hypertonie richtet sich nach dem Gesamtbefinden, das in Bezug auf alle Beschwerden gründlich zu erfragen ist. Der Blutdruck selbst ist ein relativ ungeeigneter Parameter.
Prognose: Es geht um Heilung des ganzen Menschen, mit den der Hypertonie zugrunde liegenden Faktoren. Dafür ist ein Zeitraum von Monaten realistisch. Es kann gut passieren, dass eigentlich die Hypertonie behandelt werden sollte, aber stattdessen bessern sich zunächst andere Symptome. Meist ist dies die richtige Entwicklung.

Die Homöopathie eignet sich nicht zur Blutdruck-„Einstellung“, sondern es kann nur um Heilung gehen.

Unterstützende Maßnahmen
  • Forschungen von Lothar Wendt zeigen, dass die sog. essentielle Hypertonie eine Eiweißspeicherkrankheit ist. Der pathogenetische Faktor ist die Verdickung der Basalmembran, die durch Drucksteigerung überwunden wird. Erwartungsgemäß ist die essentielle Hypertonie durch Fasten ErnährungHypertonierecht Fasten, Hypertoniezuverlässig heilbar, sogar bei nur geringer Gewichtsabnahme. Für den weiteren Verlauf ist entscheidend, dass der Patient die bekannten Risikofaktoren meidet. Dazu gehören erneute Fehlernährung, Rauchen, Bewegungsmangel, Alkohol, Stress (wörtlich übersetzt: Druck), Feindseligkeit und Feindbildpflege. Fernsehkonsum ist ein seit Framingham nachgewiesener erheblicher Kausalfaktor, was bei genauerer Analyse nicht am Bewegungsmangel, sondern an der Werbung für die anderen Risikofaktoren liegt, gegen die sich insbesondere Minderjährigen nicht schützen können.

  • Die pflanzlichen AntihypertensivaAntihypertensiva Rauwolfia und Viscum album kommen auch in der Homöopathie und v. a. in vielen Komplexmitteln vor, spielen aber bei der klassisch homöopathischen Behandlung keine Rolle.

  • Entspannungsübungen und Meditation waren in Studien erfolgreicher als Antihypertensiva.

  • Kaltwasseranwendungen nach Kneipp helfen sowohl bei Hyper- als auch Hypotonie. Speziell bei Hypertonie wird ein Wechselarmbad verordnet.

Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Glon.
!! Aml-n., Bell., Aster., Lach., Meli.
! Acon., Cocc., Coff., Nux-v.

Bei chronischer Hypertonie ist eine Konstitutionsbehandlung erforderlich. Dabei erweisen sich häufig die großen Polychreste als hilfreich, die nach der Gesamtheit der Symptome ausgewählt werden.
Causa
Spezifische Auslöser indizieren die jeweiligen Mittel, unabhängig von der Diagnose, z. B. nach freudiger Erregung Coffea, nach Schlafmangel Nux vomica oder Cocculus, nach Schreck Aconitum usw.
Glonoinum #GlonoinumHypertoniehat Beschwerden nach Erhitzen des Kopfes und Strahlungswärme, Belladonna #BelladonnaHypertonienach Abkühlung des Kopfes (z. B. Haare schneiden oder waschen).
Kongestion
  • Das Berstgefühl besonders am Kopf führt zu den o. g. Mitteln. Weitaus am typischsten ist dabei Glonoinum#GlonoinumHypertonie. Es handelt sich um potenziertes Nitroglyzerin, sodass das Zustandsbild dem Nitratkopfschmerz entspricht.

  • Bei Amylenum nitrosum#Amylenum nitrosumHypertonie steht das Erröten im Vordergrund.

  • Asterias rubens #Asterias rubensHypertoniehat ein Gefühl von bevorstehendem Schlaganfall.

  • Bei Melilotus #MelilotusHypertonieist v. a. das Gesicht rot, Blutung (z. B. aus der Nase) bessert das Kongestionsgefühl und ggf. den Kopfschmerz.

  • Belladonna #BelladonnaHypertonieist bei hypertoniebedingten Symptomen eines der häufigsten Mittel überhaupt.

  • Lachesis#LachesisHypertonie hat v. a. am Hals das Gefühl, sich Platz schaffen zu müssen und ist dabei erregt und logorrhoisch.

Modalitäten
  • Lachesis und Melilotus #MelilotusHypertoniewerden besser durch Blutung, Lachesis wird schlimmer im oder nach dem Schlaf.

  • Amylenum nitrosum#Amylenum nitrosumHypertonie braucht Kälte in jeder Form, Asterias rubens wird besser bei Eintritt der Menses und nach dem Essen.

Bei eindeutigen Modalitäten kann auch jedes andere dann passende Mittel indiziert sein
Stimmung
Amylenum nitrosum errötet und befürchtet ein schreckliches Ereignis, Asterias rubens#Asterias rubensHypertonie den Schlaganfall, Lachesis zu ersticken oder nicht mehr aufzuwachen.

Hypotonie

Hypotonie

Definition: Dauernde niedrige Blutdruckwerte < 100/60 mmHg bei Frauen bzw. < 110/60 mmHg bei Männern.

Symptomatik: Schwindel und Schwarzwerden vor den Augen, v. a. bei raschem Aufstehen oder nach längerem Stehen, Müdigkeit (v. a. morgens), allgemeine Leistungsschwäche; rezidivierende Bewusstlosigkeit, psychomotorische Unruhe, Blässe, Frösteln, kalte Hände und Füße.

Eine Hypotonie gilt erst als behandlungsbedürftig, wenn gleichzeitig Beschwerden durch die Minderdurchblutung der peripheren Organe bestehen, aber nicht, solange sich der Mensch bei hypotonen Blutdruckwerten wohlfühlt. Epidemiologisch wird bei Blutdruckwerten von 100/60 mmHg die geringste Mortalität und Schlaganfallrate erreicht.
Therapeutische Strategie
Behandelt wird nur die klinisch relevante Kollapsneigung mit Symptomen wie Schwindel, Schwäche- und Ohnmachtsgefühl, Schwarzwerden vor den Augen, Gedankenschwinden, Erschöpfung etc.
Wenn die Angst besteht, eine Ohnmacht zu erleiden oder dieses subjektive Erleben im Vordergrund steht, obwohl keine Hypotonie vorliegt, kann es sich differenzialdiagnostisch um Erschöpfungszustände, emotional instabile Persönlichkeitsstörungen oder Psychosen handeln. In der Homöopathie muss nicht die Diagnose festgelegt, sondern das für die Symptomengesamtheit passende Mittel verordnet werden, z. B. China, Lac caninum oder Veratrum album – diese Mittel zeigen dem Behandler an, dass es sich möglicherweise um eine der o. g. Störungen handelt.
Homöopathische Behandlung
Anamnese und Symptomenwahl gehen über die Hypotonie hinaus. (4.3). Symptome der Kollapsneigung gewinnen dann an Bedeutung, wenn sie stets unter ähnlichen Umständen oder auf eine ähnliche Art und Weise auftreten (z. B. Ohnmacht immer in der Kirche, Schwindel immer beim Aufsitzen vom Liegen etc.).
Wahl der Symptome
SymptomenwahlHypotonieFür die konstitutionelle Behandlung werden alle individuellen Symptome herangezogen, die sich aus der Anamnese und Untersuchung eruieren lassen (4.1). Für die Behandlung einer akuten Hypotonie gibt es einige bewährte Indikationen.
Sowohl für die akute Hypotonie als auch bei der habituellen, symptomatischen sollten folgende Bereiche der Symptomatik berücksichtigt werden:
  • Auslöser, sofern vorhanden, z. B. Schlafmangel, Mondphase, Wetter, bestimmte Körperhaltungen, biographische Belastungen.

  • Klinisches Bild, z. B. allgemeine Kälte oder Kälte bestimmter Körperteile, Zyanose (und deren Lokalisation), Schweiß (allgemein) oder bestimmter Regionen, Zittern (z. B. allgemein oder nur der Hände).

  • Symptomatik, z. B. Ohnmacht, Schwächezustände, Schwindel mit den genauen Modalitäten.

Miasmatische Zuordnung
Die meisten symptomatischen Hypotonien (Ohnmacht, Schwäche) sind psorischer Natur. Ohnmachten aufgrund von Herzerkrankungen sind sykotischen Ursprungs. Darüber hinaus lassen sich die zugrunde liegenden Miasmen nur über die Gesamtsymptomatik erkennen, da die Hypotonie ein sehr heterogenes Gesamtbild hat.
Repertorium
RepertorisationHypotonieWie bei der Hypertonie (12.1.1) handelt es sich auch bei der Hypotonie um das messbare Korrelat einer bestimmten Symptomenkombination. Da Blutdruckmessung in der Blütezeit der Homöopathie nicht angewendet wurde, fehlt in den alten Repertorien die passende Rubrik. Erst in den modernen Repertorien sind Einträge zu diesem Thema vorhanden: Allgemeines – Hypotonus (einschließlich der arteriellen Hypotonie). Für die praktische Anwendung sind diese Rubriken nur bedingt geeignet, da sie noch einer ausführlichen klinischen Verifikation bedürfen. Wichtiger für die Verschreibung, da vielfach klinisch bestätigt, sind die Rubriken zu den vorhandenen, individuellen Symptomen der Hypotonie, die sich hauptsächlich in den folgenden Abschnitten des Repertoriums finden:
  • Schwindel, Allgemeines – Ohnmacht, Allgemeines – Schwäche (findet sich als Lokalsymptom auch in anderen Kapiteln)

  • „Frost“ (als Lokalsymptom auch in anderen Kapiteln)

  • „Schweiß“ (als Lokalsymptom auch in anderen Kapiteln)

Allgemeines – Ohnmacht // Knien in der Kirche, beim // Menses // Stehen, beim

Allgemeines – Schwäche // alten Menschen, bei // Aufstehen, beim // Gehen, beim – Freien, im // Hitze – Sommerhitze, in der // Schweiß – mit Schweiß // kalter Schweiß

Schwindel – Aufstehen, nach

Schweiß – kalt – Übelkeit, mit

Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung, 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Bei der momentanen Gabe einer bewährten Indikation ist eine leichte Besserung zu erwarten, in günstigen Fällen sogar für längere Zeit. Einnahme über Wochen hinweg ist möglich und statistisch gesehen sogar erfolgreich, aber nicht i. S. einer durchgreifenden Heilung, wie sie in der Homöopathie sonst erwartet wird.
Der Verlauf einer Konstitutionsbehandlung ist nach dem Gesamtzustand und den im Vordergrund stehenden Symptomen zu beurteilen. Die Hypotonie ist dabei meist nicht maßgeblich.
Unterstützende Maßnahmen
  • Kaltwasseranwendungen nach Kneipp sind die wichtigste und auf Dauer wirksamste Methode.

  • Sport und andere Formen der Aktivierung sind meist hilfreich, auch wenn es nach dem Sport zunächst zu einem Blutdruckabfall kommt.

  • Psychotherapie, wenn nach dem Hintergrund indiziert.

Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Acon., Bell., Carb-v., Chin., Coff., Mosch., Nux-v., Verat.
!! Ars., Calc., Nat-m., Cocc., Lach., Merc., Ph-ac., Rhus-t., Sulph.

Nach schweren Krankheiten
Bei Schwäche nach überstandenen schweren Krankheiten kommen folgende Mittel infrage.
  • Schwäche mit viel Nachtschweiß: China, Mercurius.

  • Schwäche mit Schlaflosigkeit: Sulfur, Coffea, Belladonna, Lachesis

  • Schwäche mit Appetitlosigkeit: Sulfur, Hepar sulfuris, Lachesis, Antimonium crudum.

  • Wenn die geringste Anstrengung sehr angreift: Natrium muriaticum, Cocculus.

Nach starker körperlicher Anstrengung
  • Nach großen Anstrengungen der Extremitäten durch Gehen, Arbeiten oder sonstige Muskeltätigkeit als Hauptmittel bei allgemeiner Erschöpfung: Arsenicum album.

  • Bei Zerschlagenheitsgefühl der Glieder und Muskeln bis auf den Knochen: Arnica.

  • Bei kitzelndem Müdigkeitsschmerz in den Gliedern, mit großer Angegriffenheit im Stehen: Natrium muriaticum.

  • Wenn sogar das Sprechen anstrengend ist: Cocculus.

  • Bei Angegriffenheit bis zur Ohnmacht: Veratrum album, Cocculus oder Calcarea carbonica.

  • Zerschlagenheit der Glieder durch mäßige Bewegung gebessert: Rhus toxicodendron.

  • Bei Stichen in der Milzgegend nach schnellem Laufen: Arnica, Bryonia.

  • Bei Kreuzschmerzen nach schwerem Tragen: Rhus toxicodendron, Bryonia, Sulfur, Calcarea carbonica.

  • Bei Kurzatmigkeit nach körperlicher Anstrengung: Arsenicum album, Aconitum, Silicea.

  • Bei Herzklopfen nach oder bei jeder neuen Anstrengung: Aconitum, Arsenicum album, Natrium muriaticum.

  • Bei Kopfschmerzen nach Anstrengung: Arnica, Bryonia, Rhus toxicodendron, Calcarea carbonica.

  • Jede Bewegung erneuert den Schmerz in den betroffenen Körperteilen: Bryonia.

  • Wenn die Glieder vor Steifheit fast nicht bewegt werden können: Arnica, Sulfur.

  • Bei großer Schwäche und Zerschlagenheit nach der geringsten erneuten Anstrengung: Lachesis, Arsenicum album, Natrium muriaticum, Petroleum.

Nach geistigen Anstrengungen, Nachtwachen
  • Hauptmittel bei Angegriffenheit durch geistige Anstrengung: Nux vomica, oft auch Sulfur, Calcarea carbonica, Silicea, Natrium carbonicum, Lachesis, Pulsatilla.

  • Bei Kopfschmerzen, die sich bei jeder Anstrengung erneuern, und wenn Nux vomica und Sulfur nicht geholfen haben: Calcarea carbonica, Natrium carbonicum, Belladonna, Pulsatilla, Silicea.

  • Gefühl von Trunkenheit und Benebelung: Nux vomica, Lachesis, Pulsatilla, Rhus toxicodendron, Silicea.

  • Bei Stubensitzern: Nux vomica, Sulfur, Cocculus.

  • Bei Angegriffenheit durch Nachtwachen: Cocculus, China, Arnica, Carbo vegetabilis, Pulsatilla, Ipecacuanha, Phosphoricum acidum, Nux vomica.

  • Bei Kopfschmerzen nach Nachtwachen: Cocculus, Nux vomica, Bryonia., Pulsatilla.

  • Übelkeit oder Magenbeschwerden nach Nachtwachen: Cocculus, Ipecacuanha, Pulsatilla, Carbo vegetabilis.

  • Bei anhaltender Schlaflosigkeit oder Schlafstörungen nach Nachtwachen: Cocculus, China, Coffea, Lachesis.

  • Nach Nachtschwärmen: Nux vomica, Carbo vegetabilis, Bryonia, Pulsatilla, Sulfur, Lachesis.

Nach Säfteverlust
  • Hauptmittel ist China, außerdem kommen Phosphoricum acidum, Sulfur, Sulfuricum acidum, Arsenicum album, Nux vomica, Carbo vegetabilis und Calcarea carbonica infrage.

  • Bei Ohnmacht nach großem Blutverlust: China, Ipecacuanha, Arsenicum album, Veratrum album.

  • Bei Schmerzen nachfolgendem Zerschlagenheitsgefühl der Glieder: China, Arsenicum album, Arnica.

  • Bei Schwäche begleitet von großem Durst: China, Arsenicum album.

  • Bei Müttern nach langem Stillen: Carbo vegetabilis, China, Phosphoricum acidum.

Angegriffenheit durch Hitze
  • Hitzebedingte Kopfschmerzen: Bryonia, Carbo vegetabilis, Belladonna.

  • Übelkeit mit Magenbeschwerden durch Sonnenhitze: Bryonia, Carbo vegetabilis, Antimonium crudum, Silicea, Lycopodium.

  • Gegen Diarrhoe bei heißem Wetter: Bryonia, Phosphoricum acidum, Sulfur.

  • Gegen Angegriffenheit durch Gewitter Bryonia, Silicea, Sepia, Phosphorus, Petroleum, Natrium carbonicum.

Periphere arterielle Verschlusskrankheit (PaVK)

Verschlusskrankheit, periphere arterielle (PaVK)

Definition: Arteriosklerotische Verengungen und Verschlüsse der Extremitätenarterien, in über 90 % der unteren Extremitäten.

Symptomatik: Anfangs Beschwerden bei Belastung („Schaufensterkrankheit“), später Ruheschmerz. Risikofaktoren: Nikotin, Hypertonie, Diabetes mellitus, Hyperlipidämie.

Therapeutische Strategie
Auch bei schweren Verläufen sollte vor der chirurgischen Intervention eine homöopathische Therapie versucht werden, da auch in scheinbar aussichtsloser Lage Erfolge erzielt werden können.
Homöopathische Behandlung
In leichten Fällen einer PaVK muss eine homöopathische Konstitutionstherapie erfolgen, die sich am Gesamtzustand des Patienten und nicht nur an der Symptomatik der PaVK orientiert. Weiter fortgeschrittene Fälle mit dominierender Schmerzsymptomatik bedürfen zu Behandlungsbeginn evtl. homöopathischer Arzneimittel, deren Auswahl sich hauptsächlich an der Lokalsymptomatik orientiert (4.3.3, „einseitige“ Erkrankungen). Kommt es im Behandlungsverlauf zur Verbesserung der Beschwerdesymptomatik, kann zum konstitutionellen Therapiekonzept gewechselt werden.
Wahl der Symptome
SymptomenwahlPaVKJe symptomatischer die Erkrankung ist, desto weniger individuelle Symptome sind im Allgemeinen vom Patienten zu erhalten. Bei weit fortgeschrittenen Fällen zeigt sich hauptsächlich das klassische Bild der „Schaufensterkrankheit“ mit den üblichen Beschwerden. Der Endzustand ist die Gangrän. Aber auch für diese Zustände finden sich in der Arzneimittellehre passende Substanzen. Entscheidend für die Arzneiwahl in diesen schweren Fällen können unter Umständen Nuancen im Beschwerdebild sein:
  • Schmerzen: genauer Schmerzcharakter, Zeitpunkt des Auftretens, Schmerzerstreckung, evtl. Schmerzmodalitäten (was tut der Patient, wenn er die Schmerzen hat? Z. B. Kühlen oder appliziert er Wärme?) etc.

  • Lokalbefund: Aussehen der evtl. vorhandenen Gewebeveränderung (z. B. Farbe, Ulzera), Hauttemperatur etc.

Im Frühstadium einer PaVK muss mit einer ausführlichen Anamnese das Gesamtbild erfasst werden.
Miasmatische Zuordnung
Eine Zuordnung ist nur anhand der Modalitäten und der Gesamtheit der miasmatischen Symptome möglich.
Repertorium
RepertorisationPaVKIm Repertorium finden sich viele große Rubriken zu Beinschmerzen beim Gehen. Bei fortgeschrittenen Erkrankungen lässt sich die Gangrän im Kapitel „Extremitäten“ repertorisieren. Zusätzlich lassen sich spezifische Symptome der Gangrän abbilden.

Extremitäten – Gangrän // ältere Menschen // untere Gliedmaßen – Unterschenkel // untere Gliedmaßen – Füße // untere Gliedmaßen – Zehen // untere Gliedmaßen – Zehen – älteren Menschen, bei

Extremitäten – Beine // Unterschenkel // Füße etc. (mit Unterrubriken)

Extremitäten – Ulzera // Beine // Unterschenkel // Füße etc. (mit Unterrubriken)

Extremitäten – Temperatur – Beine // Unterschenkel // Füße etc. (mit Unterrubriken)

Extremitäten – Farbe – Beine // Unterschenkel // Füße etc. (mit Unterrubriken)

Extremitäten – Krämpfe – Beine // Unterschenkel // Füße etc. (mit Unterrubriken)

Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung, Verlaufsbeurteilung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
  • In der Akutsituation muss eine rasche Verbesserung der Symptome eintreten, sonst ist das Mittel zu wechseln. Andere notwendige Maßnahmen, falls indiziert, dürfen dabei nicht versäumt werden. Insgesamt lässt sich der Verlauf gut nach Ischämie und Gehstrecke beurteilen. Wenn es zu einem Rückfall kommt, wird das Mittel wiederholt, ggf. auch in höherer Potenz. Falls es keinerlei Besserung gab, muss das Mittel gewechselt werden.

  • Bei leichteren Fällen von PaVK muss die Verlaufsbeurteilung unter Berücksichtigung der Gesamtsymptomatik des Patienten erfolgen und nicht nur aufgrund der Gefäßerkrankung.

Prognose: Ohne Intervention muss mit dem Fortschreiten der Erkrankung letztlich bis zur Amputation gerechnet werden. Mit den genannten Maßnahmen ist eine baldige Beschwerdefreiheit und ein langfristiger Rückgang der PaVK zu erreichen.
Unterstützende Maßnahmen
  • Entscheidend ist, die Ursachen abzustellen. Rauchen muss unbedingt beendet werden. Diabetes (18.3) ist nicht nur sorgfältig einzustellen. Der Typ-1-Diabetes ist ernährungstherapeutisch heilbar, sofern die Patienten kooperativ sind. Wo keine Kohlenhydrate verzehrt werden, kann auch kein Blutzucker steigen, sondern es kommt allmählich zur gewollten Ketose. Selbst beim Typ-2-Diabetes lässt sich mit frischkostbetonter Vollwertkost und Ausdauersport die Insulindosis durchaus halbieren, mit Blutzucker-Schwankungen fast wie beim Gesunden.

  • Wechselbäder nach Kneipp helfen zum Gefäßtraining. In fortgeschritteneren Fällen kann auf das ansteigende Fußbad zurückgegriffen werden.

Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!! Sec.
! Anthr., Ars., Lach.

Bei beginnender AVK ist eine Konstitutionsbehandlung erforderlich, für die alle tiefer wirkenden Arzneimittel der homöopathischen Materia medica infrage kommen. Eine ausführliche Schilderung unterbleibt deshalb an dieser Stelle und es sei auf die Materia medica verwiesen (35).
Klinisches Bild und Modalitäten
  • Insbesondere die Schwarzverfärbung führt zu den o. g. Mitteln. Bei Secale#Secale cornutumPaVK ist die Extremität kalt, aber wird als brennend heiß empfunden, Decken sind wegen der Wärme unerträglich. Der Vergleich mit der Mutterkornvergiftung ist ein anschauliches Beispiel für das Simileprinzip.

  • Bei Anthracinum#Anthracinum, PaVK bilden sich Bläschen, die Farbe der Gangrän schwankt von schwarz über bläulich bis zu rot.

  • Arsenicum album#Arsenicum albumPaVK fühlt sich kalt und ruhelos. Es ist häufig aufgrund der Gesamtheit der Symptome indiziert (nächtliche Verschlechterung, Angst, viel Durst auf kleine Mengen etc.).

  • Lachesis #LachesisPaVKhat ein Hitzegefühl, Thrombosen und Ulzera.

Befinden
Die genannten Mittel haben allesamt die typischen, brennenden Schmerzen. Lokalisierung, Erstreckung usw. müssen gegebenenfalls repertorisiert werden.
Stimmung
  • Bei Secale geht der Widerwille gegen Zudecken bis zum Exhibitionismus und obszönem Verhalten.

  • Anthracinum ahnt den Tod, Arsenicum fürchtet ihn oder wünscht Euthanasie.

  • Lachesis fürchtet, zu ersticken oder nicht mehr aufzuwachen.

Erkrankungen der Venen

Varikose

Definition: Varikose, VarizenVarizen (KrampfadernKrampfadern s. Varicosis). Erweiterung und Klappeninsuffizienz der oberflächlichen Venen und/oder der Vv. perforantes. Treten am häufigsten an den Beinen auf. Jeder Dritte entwickelt im Laufe seines Lebens Varizen. Frauen erkranken aufgrund von Schwangerschaft und Bindegewebsschwäche viermal häufiger als Männer.

Symptomatik: Je nach Stadium bestehen neben den Varizen Dysästhesien, Juckreiz, Schwere- und Spannungsgefühl, Schwellneigung, Wadenkrämpfe, Schmerzen (Stadium II), ferner zusätzlich trophische Hautveränderungen, Thrombophlebitis (Stadium III), Ulcus cruris (Stadium IV).

Therapeutische Strategie
Die Varikose schreitet chronisch fort – mit wechselnder Beschwerdeintensität. Auch bei rascher subjektiver Besserung sind die Varizen weiter zu beachten. Oft reicht eine alleinige homöopathische Behandlung aus. Da die Varikose meist nicht als Hauptbeschwerde beklagt wird, können im Lauf der Zeit verschiedene unspezifische Mittel für den Erfolg verantwortlich sein. Die Behandlung ist also i. d. R. konstitutionell.
Homöopathische Behandlung
Die Varikose ist aus homöopathischer Sicht das Symptom einer chronischen Grunderkrankung des Patienten. Häufig kommen Varikosepatienten wegen anderer Beschwerden in die Praxis, werden konstitutionell behandelt und berichten bald über ein Verschwinden auch der Varizenbeschwerden. Andererseits kann es auch sein, dass sich trotz suffizienter homöopathischer Behandlung zunächst nur die Varizenbeschwerden oder aber die anderen Krankheiten des Patienten bessern. Der jeweilige Heilungsverlauf ist abhängig von der Krankenanamnese des Patienten und sollte immer den Hering-Regeln folgen (von innen nach außen, von oben nach unten, in der umgekehrten Reihenfolge des Auftretens, 7.3.3).
Im folgenden Abschnitt werden die symptomlosen bzw. leicht symptomatischen Varizen besprochen. Die assoziierten Folgeerkrankungen wie Thrombophlebitis oder tiefe Beinvenenthrombose werden in gesonderten Kapiteln (12.3.2, 12.3.3) abgehandelt.
Wahl der Symptome
SymptomenwahlVarikosisDie folgenden Aussagen gelten für den Fall, dass die Varizen der Hauptbehandlungsgrund sind. Sollten beim Patienten weitere, behandlungsbedürftige Probleme vorliegen, können je nach Beschwerden die unterschiedlichsten Mittel indiziert sein.
  • Klinisches Bild: Lokalisation (Beine, Unterschenkel, Füße etc.) und äußerer Aspekt der Varizen (blutend, bläulich, ulzeriert etc.).

  • Beschwerden, Schmerzen:Schmerzen mit Beschreibung und Modalitäten, z. B. Schwellungen, Schmerzen mit deren Erstreckungen.

  • Zeitpunkt des Auftretens: z. B. in der Schwangerschaft, bei jungen Menschen, während der Menses.

  • Alle sonstigen Symptome aus der Anamnese (4, 6).

Miasmatische Zuordnung
Varizen sind psorischer oder tuberkulinischer Natur (meist syphilitische Tuberkulinie).
Repertorium
RepertorisationDie Hauptrubrik lautet Allgemeines – Krampfadern (129 AM). Außerdem finden sich zu den meisten Lokalisationen Hauptrubriken im Kapitel „Extremitäten“.
Um die Symptome der Varikose korrekt zu repertorisieren, müssen u. a. die Unterrubriken der Repertoriumsabschnitte Extremitäten – Schmerz und Extremitäten – Schwellung berücksichtigt werden. Innerhalb der „Krampfader“-Kapitel (s. o.) finden sich einige wertvolle Differenzierungen, die im Folgenden ausschnittsweise dargestellt werden.

Allgemeines – Krampfadern // begleitet von – Nasenbluten // blutend – leicht, schnell // brennend // geschwollen // Geschwüre // juckend // Netzwerk von Venen in der Haut // schmerzhaft // Schwangerschaft, während der

Extremitäten – Krampfadern – Beine // schmerzhaft – Wärme agg. // Schwangerschaft, während der

Extremitäten – Krampfadern – Unterschenkel // – blutend //– entzündet //– Geschwüre // schmerzhaft // Schwangerschaft, während der // stechend, fein

Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung, Verlaufsbeurteilung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Die langfristige Konstitutionstherapie mit hohen C-Potenzen nach der Kent-Skala ist die Therapie der Wahl. Akute Krampfaderbeschwerden bessern sich fast immer sehr rasch. Die Krampfadern selbst bilden sich selten zurück, wenn Sie schon sehr lange bestehen.
Prognose: Mit den genannten Maßnahmen lässt sich eine Varikose meist innerhalb weniger Monate so weit bessern, dass kein krankheitsbedingter Leidensdruck mehr besteht. Die sichtbaren Krampfadern (als pathologischer „Endzustand“) werden jedoch nie ganz verschwinden, die optische Beeinträchtigung bleibt somit erhalten.

Das Behandlungsziel ist das Verschwinden der Beschwerden durch die Varizen, nicht das Verschwinden der Varizen.

Unterstützende Maßnahmen
  • Kaltwasseranwendungen nach Kneipp.

  • Sport ist für die Muskel/Venenpumpe ebenfalls sehr wichtig.

  • Stützstrümpfe, v. a. bei deutlichen Schwellungen.

  • Rosskastanienextrakt (Aescin) und Rutin sind auf Dauer wirksamer als Stützstrümpfe.

  • Die abdominelle Venenstauung ist die eigentliche Ursache der Varikose; sie tritt deshalb nur in Gesellschaften auf, deren Bevölkerung Zivilisationskost zu sich nimmt. Frischkost hingegen schützt sowohl vor Varizenbildung als auch vor Thrombosen.

Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

! Ars., Calc, Carb-v., Ferr., Ham., Lach., Puls., Sep.

Die Verordnung richtet sich normalerweise nach der gesamten Anamnese mit allen vorhandenen Beschwerden bzw. Symptomen. An dieser Stelle sollen jedoch einige Arzneimittel besprochen werden, die sich speziell bei Varikosis bewährt haben und bei deutlicher Dominanz der krampfaderbedingten Beschwerden unter Umständen auch eine konstitutionelle Wirkung haben können.
Diagnose und Lokalisation
Die Diagnose Varikose führt zu den o. g. Rubriken. Auffallende Lokalisationen oder Ausprägungen sind Charakteristika und können mittelweisend sein.
  • Hamamelis #HamamelisVarikosishat z. B. neben allen anderen, typischen Lokalisationen auch proximale Varizen, wogegen sie bei Pulsatilla #PulsatillaVarikosisklar distal betont sind und durch Stehen verschlimmert werden.

  • Bläuliche Krampfadern finden sich typischerweise bei Hamamelis und Pulsatilla#PulsatillaVarikosis, Geschwüre sind häufig hinweisend auf Lachesis.

Beschwerden und Modalitäten
  • Pulsatilla#PulsatillaVarikosis und Ferrum haben die deutlichste Besserung durch Umhergehen, bei beiden, v. a. Pulsatilla, können die Beschwerden durch Schwangerschaft ausgelöst werden.

  • Die Allgemeinmodalitäten der Arzneimittel gelten auch bei Varikosis und können zu jedem Mittel führen, z. B. Verschlechterung morgens und vor Menses zu Lachesis#LachesisVarikose, oder Verschlechterung 1 Uhr nachts und bei Kälte Arsenicum#Arsenicum albumVarikose.

  • Hamamelis #HamamelisVarikosiswird besser durch Blutungen und schlimmer durch Anstoßen der betroffenen Körperteile.

  • Krampfadern an den Schamlippen in der Schwangerschaft sind ein deutlicher Hinweis auf Sepia.

Thrombophlebitis

Thrombophlebitis

Definition: Entzündung oberflächlicher VenenVenenentzündung s. Thrombophlebitis. Unterschieden werden eine abakterielle und bakterielle Thrombophlebitis. Letzter ist meist Folge eines Bagatelltraumas oder von Injektionen bzw. venösen Zugängen an nicht varikös veränderten Venen. Als Komplikation droht eine Verbreitung der Bakterien auf dem Blutweg (hämatogene Aussaat).

Symptomatik: Entzündete Vene als geröteter, schmerzhafter Strang tastbar; lokale Schwellung; häufig Fieber.

Therapeutische Strategie und homöopathische Behandlung
Die Thrombophlebitis wird als Akutkrankheit behandelt, d. h., es werden zur Arzneiwahl und Verlaufsbeurteilung hauptsächlich die Symptome berücksichtigt, die durch die Thrombophlebitis erzeugt werden bzw. gleichzeitig mit ihr aufgetreten sind. Die homöopathische Behandlung kann evtl. gleichzeitig mit anderen Maßnahmen erfolgen. Die Behandlung, Mittelwahl und Verlaufsbeurteilung sind überschaubar und stellen den Behandler normalerweise vor keine größeren Probleme.
Da es sich bei der akuten Thrombophlebitis meist um ein lokales Beschwerdebild mit wenig Auswirkungen auf den Allgemeinzustand des Patienten handelt, reichen für die Arzneiwahl ggf. die lokalen Symptome.
Wahl der Symptome
  • Symptomenwahl Thrombophlebitis Lokalbefund, Lokalisierung, Erstreckung.

  • Beschwerden, Schmerzen mit Beschreibung.

  • Auslöser, insbesondere Trauma, Punktionen etc.

  • Temperaturabhängigkeit.

  • Berührungsempfindlichkeit.

  • Lageabhängigkeit.

  • Stimmung und Verhalten (z. B. abweisend, lehnt Behandlung ab, Angst vor Arznei usw.).

Miasmatische Zuordnung
Die Thrombophlebitis entsteht auf psorischem oder tuberkulinischem Boden.
Repertorium
RepertorisationThrombophlebitisDie Hauptrubrik, die sich in der Praxis besonders bewährt hat, ist Extremitäten – Phlegmasia alba dolens bzw. Extremitäten – Thrombose – untere Gliedmaßen. Weitere Rubriken umschreiben die Erkrankung bzw. beleuchten verschiedene Aspekte der Pathologie. Natürlich müssen zusätzlich zu den oben genannten Rubriken je nach vorliegender Symptomatik auch die Rubriken des Kapitels „Varikose“ (12.3.1) berücksichtigt werden.

Extremitäten – Phlegmasia alba dolens

Extremitäten – Thrombose – untere Gliedmaßen

Allgemeines // Entzündung – allgemein – Blutgefäße // Entzündung – allgemein – Lymphgefäße // Varizen – entzündet

Extremitäten // Blutgefäße // Entzündung – obere Gliedmaßen – Lymphgewebe // Thrombose – untere Gliedmaßen // Varizen – schmerzhaft – Beine – Unterschenkel

Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung, Verlaufsbeurteilung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Die Einzelgabe einer C30 oder C200 ist meist ausreichend. Bei hochentzündlichen Prozessen ist es manchmal nötig, eine Arznei häufiger in verklepperter Form zu geben.
Mit dem passenden Arzneimittel bildet sich das Krankheitsgeschehen innerhalb weniger Tage zurück. Kommt es trotz suffizienter Verordnung und anfänglich guter Arzneiwirkung nicht zur Ausheilung bzw. immer wieder zu Rückfällen, muss trotz akuter Beschwerden ein Konstitutionsmittel ausgewählt und verabreicht werden.
Die Prognose der akuten Thrombophlebitis ist unter suffizienter homöopathischer Therapie immer gut, meist kommt es zügig zur Ausheilung. Nach erfolgreicher Behandlung der Thrombophlebitis wird die Behandlung i. d. R. im Rahmen einer homöopathische Konstitutionstherapie fortgesetzt.
Unterstützende Maßnahmen
Antiphlogistische und kühlende Kompressionsverbände.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

! Ars., Bufo, Ham., Hir., Lach., Puls., Vip.

  • Lokalbefund und Lokalisation:

    • Bei Bufo #BufoThrombophlebitisfindet sich der für die Lymphangitis typische nach proximal laufende, rote Streifen.

    • Hirudo#HirudoThrombophlebitis, der Blutegel, kann lebend, potenziert oder bekanntlich als Extrakt angewendet werden. Seine Verordnung entspricht eher der einer bewährten Indikation. Ein auffallendes Symptom zur homöopathischen Verordnung kann die entzündungsuntypische Kälte der betroffenen Extremität sein.

    • Bei Lachesis #LachesisThrombophlebitisist die Extremität warm, bläulich, geschwollen, berührungsempfindlich.

    • Pulsatilla#PulsatillaThrombophlebitis hat geschwollene Handvenen, Ort und Erscheinungsbild ändern sich ständig.

    • Vipera berus#Vipera berusThrombophlebitis hat einen berstenden Schmerz mit starker Schwellung.

  • Beschwerden und Schmerzen: Bei Bufo zieht der Schmerz den Arm hoch. Bei Vipera berus ist v. a. das Bein betroffen, es besteht ein Berstgefühl. Auch Lachesis und Pulsatilla haben ein Völlegefühl.

  • Auslöser: Verletzung der Vene spricht für Lachesis.

  • Temperaturabhängigkeit: Alle genannten Mittel sind wärmeempfindlich und suchen Kühlung. Im umgekehrten Fall kann Arsenicum album #Arsenicum albumThrombophlebitisindiziert sein.

  • Berührungsempfindlichkeit: Empfindlichkeit gegen Berührung ist am stärksten bei Lachesis#LachesisThrombophlebitis ausgeprägt.

  • Lageabhängigkeit: Die Notwendigkeit die betroffene Extremität hoch zu lagern hat v. a. Vipera berus#Vipera berusThrombophlebitis, aber auch Pulsatilla#PulsatillaThrombophlebitis.

  • Stimmung und Verhalten: Bufo will allein gelassen werden, wogegen Pulsatilla gerade im Erkrankungsfall anhänglich wird. Lachesis ist misstrauisch und geschwätzig. Vipera berus hat wie Pulsatilla Angst, alleingelassen zu werden.

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