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B978-3-437-56353-9.00014-1

10.1016/B978-3-437-56353-9.00014-1

978-3-437-56353-9

Leber, Gallenwege, Bauchspeicheldrüse

Thomas Quak

  • 14.1

    Einführung330

  • 14.2

    Akute Virushepatitis (Hepatitis A)330

  • 14.3

    Chronische Hepatitiden334

    • 14.3.1

      Toxische Hepatitiden334

    • 14.3.2

      Chronisch-infektiöse Hepatitiden336

    • 14.3.3

      Vererbte Hepatitiden339

    • 14.3.4

      Autoimmunbedingte Hepatitiden339

    • 14.3.5

      Leberzirrhose341

  • 14.4

    Erkrankungen der Gallenblase342

    • 14.4.1

      Gallensteine342

    • 14.4.2

      Gallenkolik344

  • 14.5

    Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse347

    • 14.5.1

      Akute Pankreatitis347

    • 14.5.2

      Chronische Pankreatitis348

Einführung

Die im rechten Hypochondrium lokalisierte, etwa 1,5–2 Kilogramm schwere Leber erfüllt im Organismus zahlreiche überlebenswichtige Stoffwechselfunktionen. Sie steuert den Glucose-, Fett- und Proteinstoffwechsel und übernimmt zahlreiche Auf- und Abbaufunktionen.
Sie dient unter anderem der Synthese von Glykogen, Lipoproteinen, Albumin, Prothrombin, Fibrinogen, Cholesterin, Gallensäuren und auch Antikörpern. Als Speicherorgan für Blut, Glykogen, Vitamine, Fett und Eisen ist sie ein wichtiges Vorratslager im Organismus.
Die Leistung der Leber beim Umbau chemischer Verbindungen ist enorm. Wesentlich zu nennen sind hier der Abbau von Hämoglobin zu Bilirubin, die Umwandlung von Ammoniak in Harnstoff, der Abbau zahlreicher Hormone (z. B. Östrogen, Testosteron, Kortisol) und die Verstoffwechselung toxischer Substanzen (z. B. Medikamente, Nahrungsgifte). Im Fetus übernimmt die Leber bis zum siebten Monat einen wichtigen Teil der Blutbildung.
Sie ist der chemische Dreh- und Angelpunkt im menschlichen Körper und auch das regenerationsfähigste Organ, das wir besitzen.
Es ist sicher nicht erstaunlich, dass die Repertoriumsrubrik Abdomen – Leber und Leberregion, Beschwerden von die große Zahl von 195 homöopathischen Medikamente umfasst und nahezu alle Polychreste enthält. Diese Zahl repräsentiert die Vielfalt der möglichen Erkrankungen der Leber, zeigt ihre biologische Bedeutung im Gesamtorganismus und veranschaulicht die große Zahl der möglichen Heilmittel für Lebererkrankungen.

Alle Lebererkrankungen müssen als Ausdruck einer chronisch-miasmatischen Erkrankung betrachtet werden und sollten daher immer auch konstitutionell behandelt werden (3.3).

Akute Virushepatitis (Hepatitis A)

Definition: Infektion mit dem Hepatitisvirus A. Übertragung durch Schmierinfektion, Nahrungsmittel (z. B. Muscheln), infiziertes Wasser oder ungekochte Speisen. InkubationszeitInkubationszeitHepatitis 14 d–2 Mon. Die Krankheit tritt weltweit am häufigsten in den Tropen auf. Eine durchgemachte Hepatitis A heilt folgenlos aus und hinterlässt eine lebenslange Immunität.

Symptomatik: Beginn mit unbestimmten Allgemeinsymptomen wie Übelkeit, Kreislaufschwäche, Durchfall, Prostration, subfebrile Temperaturen. Die Diagnose wird meist dann gestellt, wenn sich Skleren und Haut durch die gestörte Bilirubinausscheidung gelblich verfärben. Der Urin wird oft dunkler, der Stuhl bekommt eine grau-weiße Farbe. Ausheilung nach einigen Wochen. Labor: Anti-HAV IgG, im akuten Stadium auch Anti-HAV-IgM. Erhöhte Transaminasen und Bilirubinspiegel.

Therapeutische Strategie
Obligat sind Bettruhe, leichte Kost und völlige Alkohol und Medikamentenkarenz. Die Patienten sollten von Gesunden hygienisch isoliert werden, da die Viren über den Stuhl ausgeschieden werden. Sie sollten auf einfache Regeln wie Händewaschen und desinfizieren nach jedem Stuhlgang sowie Reinigung und Desinfektion der Toilette achten. Nur immunisierte Personen sollten die Kranken betreuen. Da die Krankheit oft auf Urlaubsreisen erworben wird, hat sich folgende einfache Regel zur Infektionsprophylaxe bewährt: „Cook – peel – or leave it“ (Kochen, Schälen oder Seinlassen).
Homöopathische Behandlung
Die Hepatitis A ist eine infektiöse, akute Erkrankung. Die Medikamentenwahl orientiert sich an den akut im Vordergrund stehenden, auffallenden, sonderlichen und eigenheitlichen Symptomen des Patienten (4.2). Auch scheinbar pathognomonische Symptome der Erkrankung können zur Mittelwahl herangezogen werden, wenn sie den Fall individuell charakterisieren.
Miasmatische Zuordnung
Die unkomplizierte Hepatitis wird der Psora zugeordnet.
Wahl der Symptome
SymptomenwahlHepatitis AWie bei der Behandlung anderer akuter Hepatitiden sind folgende Abfragebereiche wichtig:
  • Beschaffenheit, Farbe, Geruch und Konsistenz von Stuhl, Urin und anderen Ausscheidungen.

  • Verlangen und Abneigungen bezüglich Speisen und Getränken.

  • Zeiten und Modalitäten von Schweißen und Frösten, Allgemeiner Verschlechterung oder auch von Lokalsymptomen (z. B. Diarrhoe, Schmerzen).

  • Begleitsymptome und deren Modalitäten wie Übelkeit, Schwindel, Kopfschmerzen etc.

Repertorium
RepertorisationHepatitisDie Hauptrubrik für die akute Hepatitis findet man unter Abdomen – Entzündung – Leber, Hepatitis. Weitere wichtige Mittel finden sich unter der synonymen Rubrik Augen – Verfärbung – gelb, die auch die allgemeine Hauptrubrik für ikterische Erkrankungen ist.

Diagnosebezogene Rubriken

Abdomen – Entzündung – Leber, Hepatitis
Augen – Verfärbung – gelb

Stuhlsymptome

Stuhl // schaumig // lehmartig // Farbe – grau // Farbe – hell // Farbe – lehmfarben // Farbe – weiß // Farbe – weiß – Kreide, wie // Geruch – Eier, wie faule // Geruch – sauer // geruchlos

Urinsymptome

Harn – Farbe //gelb – dunkelgelb // braun // grünlich
Harn – Geruch – Ammoniak, nach
Harn – Sediment // braun // grau

Nahrungsmittelvorlieben

Allgemeines – Speisen und Getränke // erfrischende Dinge – Verlangen // fette und gehaltvolle Speisen – Abneigung // Anblick von Nahrung – Abneigung
Nase – Geruch/Geruchsinn – überempfindlicher Geruchsinn – Speisen

Schweiß und Frost

Schweiß //Nachmittags // Periodisch // Blutig // Kalter Schweiß – Durchfall, bei // Verfärbt die Wäschegelb
Frost – Mitternacht, nach
Abdomen – Schmerzen – Leber // Frost, während // Schweiß, während

Begleitsymptome

Schwindel // Aufstehen, Aufrichten – beim – agg. – Liegen, vom // Erwachen, beim // Magen // Durstlosigkeit – Fieberhitze, bei // Durst – große Mengen, auf // Durst – kleine Mengen, auf // Durst – unstillbar, ständig
Gemüt // Angst – Alleinsein, beim // Furcht – nachts
Mund // Landkartenzunge // Schmerzen – brennend, roh, beißend – Zunge – Spitze
Gesicht – Risse, Schrunden // Mundwinkel // Lippen – Unterlippe

Lebersymptome

Abdomen // Leber und Leberregion, Beschwerden von – empfindlich gegen Druck oder Berührung // Schmerzen – Husten, bei // vergrößert – Leber // Völlegefühl – Leber
Abdomen – Schmerzen – Leber //Berührung, bei // Erschütterung agg. // Hepatitis, nach // Atmen, beim
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Alle während der Erkrankung eruierbaren Symptome können für die Verlaufsbeurteilung von Bedeutung sein:
  • Lokalsymptome wie Schmerzen in der Leberregion, Schwellung der Leber, Sklerenikterus (besser als Ikterus der Haut) sowie Entzündungszeichen im Blut und die pathologisch veränderten Leberwerte.

  • Begleitsymptome wie Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen etc.

  • Allgemeinsymptome wie Fieber, Frost, Abgeschlagenheit.

Mit dem richtigen Arzneimittel sollte auf allen Ebenen eine Besserung einsetzen. Wesentlich ist hierbei, dass sich bei guter Arzneimittelwirkung auch die objektiv erfassbaren Befunde wie die Schwellung der Leber und die Blutwerte bessern. Eine alleinige Besserung des Allgemeinzustands ohne eine nachfolgende Veränderung der Lokalsymptome sollte zu einer kritischen Überprüfung der ausgewählten Arznei führen.
Die Prognose ist gut. Die Patienten sind oft nach 14 Tagen wieder gesund. Behandelt wird mit Einzelgaben der C200 oder M.
Unterstützende Maßnahmen
Ein Arzt, der den Verdacht auf oder die Erkrankung an einer akuten übertragbaren Hepatitis A feststellt, muss diese nach § 6 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) mit dem Namen der betroffenen Person an das Gesundheitsamt melden. Die Patienten werden i. d. R. isoliert, um andere nicht anzustecken.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Acon., Ars., Bry., Lyc., Nat-s., Nux-v., Merc., Phos., Sep., Sulph.
!! Acon., Bell., Calc., Carb-v., Cham., Chin., Cocc., Con., Ferr., Kali-c., Lach., Mag-m., Sil.

Bewährte Arzneimittel
  • Arsenicum#Arsenicum albumHepatitis bei großem Durst auf kleine Mengen mit nächtlicher Unruhe und Angst. Wenn Schwäche auffällig im Vordergrund steht.

  • Bryonia#BryoniaHepatitis besonders bei drückenden stechenden, durch die geringste Bewegung vermehrten Schmerzen.

  • Belladonna#BelladonnaHepatitis bei drückenden Schmerzen, mit starkem Blutdrang zum Kopf.

  • Chamomilla#ChamomillaHepatitis wenn sich große Angstanfälle einstellen, bei sehr bitterem Geschmack und der Zustand durch heftigen Ärger ausgelöst wurde.

  • Mercurius#Mercurius solubilisHepatitis bei ausgeprägtem Ikterus und bitterem Geschmack im Mund mit starkem Durst.

  • Natrium sulfuricum#Natrium sulfuricumHepatitis bei schmutziger, grün grauer Zunge, druckempfindlicher Leber und dünnflüssigen, reichlichen, herausspritzenden Stühlen, kleinen Urinmengen und Erschöpfung durch Diarrhoe.

  • Nux vomica#Nux vomicaHepatitis bei stechenden Schmerzen mit drückendem Kopfweh, wenn Kleiderdruck unter den Rippenbögen verschlimmert und bei großer Neigung zum Erbrechen.

  • Phosphorus#PhosphorusHepatitis bei Verlangen nach Eis oder eiskalten Getränken. Heißhunger nachts und Brennen und Beißen im Abdomen.

  • Sepia#SepiaHepatitis bei deutlich gelben Augen, Überempfindlichkeit gegen Gerüche von Speisen, brennender Zungenspitze. Übelkeit nachts und morgens. Reizbarkeit gegenüber Kindern und Ehemann.

Stadium der Pathologie
  • Leberschmerzen ohne Schwellung: Belladonna, Bryonia, China, Nux vomica, Sulfur.

  • Leberschmerzen mit Leberschwellung: Calcarea carbonica, China, Arsenicum, Lachesis, Magnesium muriaticum, Nux vomica, Sulfur, Conium, Lycopodium, Ferrum metallicum, Kalium carbonicum.

  • Langwierige Gelbsucht: Sulfur, Nux vomica, Belladonna, Sepia, Arsenicum.

Schmerzqualität
  • Brennende Schmerzen: Mercurius, Lachesis, Arsenicum, Bryonia, Phosphorus.

  • Drückende, dumpfe Schmerzen: Aconitum, Bryonia, Chamomilla, Carbo vegetabilis, Sulfur, Cocculus, Lycopodium, Mercurius, Nux vomica.

  • Reißende Schmerzen: Mercurius.

  • Stechende Schmerzen: Aconitum, Carbo vegetabilis, Bryonia, China, Cocculus, Lycopodium, Mercurius, Nux vomica, Sulfur, Sepia.

Begleitsymptome
  • Schwere und Völlegefühl: Carbo vegetabilis, Nux vomica, Sulfur.

  • Hepatitis:

    • Mit viel Schwindel: Belladonna, Nux vomica, Silicea.

    • Mit viel Kopfschmerz: Belladonna, Nux vomica, Sepia, Phosphorus, Silicea.

    • Mit Ekel vor Speisen: Carbo vegetabilis, Sulfur.

    • Mit Übelkeit und Würgen: Nux vomica.

    • Mit Stuhlverstopfung, hartem Stuhl: Aconitum, Bryonia, Nux vomica, Calcarea carbonica, Carbo vegetabilis, Sulfur, Magnesium muriaticum.

    • Mit Husten: China, Phosphorus, Sulfur.

    • Mit großer Mattigkeit: Nux vomica, Sepia, Sulfur, Arsenicum.

Chronische Hepatitiden

Chronische Leberentzündungen können in ihrem Wesen völlig unterschiedlicher Genese sein. Grundsätzlich lassen sich toxische, infektiöse, vererbte, durch Autoimmunstörungen bedingte und idiopathische Leberentzündungen unterscheiden:
  • Toxische Hepatitiden (14.3.1): Alkoholhepatitis, Medikamentenvergiftungen, Umwelt- und Arbeitsgifte, Nahrungsgifte (Pilzgifte).

  • Infektiöse Hepatitiden (14.3.2): Hepatitis B, Hepatitis C, Hepatitis D, sonstige Erreger.

  • Vererbte Hepatitiden (14.3.3): M. Wilson, Hämochromatose.

  • Autoimmunbedingte Hepatitiden (14.3.4): primär biliäre Zirrhose, primär sklerosierende Cholangitis (PSB), Autoimmunhepatitis.

  • Idiopathische Leberentzündungen unbekannter Genese.

Aus homöopathischer Sicht sind chronische Hepatitiden, mit Ausnahme der toxisch bedingten Hepatitiden, immer zugleich auch Lokalsymptom einer zugrunde liegenden miasmatischen Erkrankung. Dies wird bei den infektiösen Hepatitiden besonders deutlich, da sie nicht grundsätzlich chronifizieren, sondern in einem beträchtlichen Prozentsatz der Fälle vom Organismus überwunden werden können und ausheilen. Es ist anzunehmen, dass individuell angelegte Faktoren mitbestimmen, wie und in welchem Umfang der Organismus auf Krankheitserreger reagiert. Diese das Ausmaß der Erkrankung bestimmenden Bedingungen wertet der homöopathische Arzt als prädisponierendes Miasma. Lässt sich das Miasma über die Symptome des Patienten bestimmen (3.4), können die langfristigen Folgen minimiert werden.

Toxische Hepatitiden

Definition: Unter der Einwirkung einer chronischen Noxe (Medikamente, Alkohol, Gifte) kommt es zu einer entzündlichen Veränderung der Leber, die bei jahrelangem Verlauf bis zur Leberzirrhose führen kann. Bei ca. 40 % der Hepatitis-Patienten > 50. Lj. liegt eine medikamentös-toxische Schädigung vor. Leberschädigende Gifte sind:

  • Alkohol

  • Medikamente: Halothan, Phenytoin, Carbamazepin, Paracetamol, Isoniazid, Disulfiram, Phenprocoumon, NSAID (z. B. Paracetamol), Alpha-Methyldopa, Clometacin, Nitrofurantoin, Amoxicillin/Clavulansäure, Oxacillin, Statine, Amiodaron, Nifedipin, Diltiazem, Tamoxifen, Methotrexat, Vitamin A, anabole Steroide, Kontrazeptiva, Azathioprin, Zytostatika u. v. a. m.

  • Gifte: Tetrachlorkohlenstoff, Formaldehyd, Gift des Knollenblätterpilzes (und andere Pilzgifte, z. B. Aflatoxin), Kokain-, Ecstasyintoxikation etc.

Symptomatik: Abgeschlagenheit, Reizbarkeit, Schwitzen, Libidoverlust, Übelkeit, Obstipation, Flatulenz, Fettintoleranz, Druck unter dem rechten Rippenbogen, Juckreiz, Ikterus, „Leberhautzeichen“.

Therapeutische Strategie
Die Beseitigung der auslösenden Noxe ist selbstverständlich, aber oft schwierig durchführbar (z. B. Umweltgifte). Der leberkranke Alkoholiker wird noch am ehesten unter dem Schreck der Diagnose zur Einsicht gelangen. Schwieriger ist es bei möglicherweise „nötigen“ oder wie selbstverständlich eingenommenen Medikamenten wie Schmerz-, Narkosemitteln oder Hormonen, da hier gelegentlich auch die ärztliche Einsicht fehlt oder die medizinische Notwendigkeit zunächst keine Alternative lässt.
Notwendig ist eine chronologisch detaillierte Medikamentenanamnese, um den zeitlichen Zusammenhang der Noxe mit Symptomen und Laborzeichen zu erfassen. Ferner die Bestimmung von ALAT, ASAT, AP, GGT und Bilirubin. Die differenzialdiagnostische Abklärung anderer Lebererkrankungen ist selbstverständlich.
Homöopathische Behandlung
Die enorme Zunahme von leberschädigenden Substanzen in unserem petrochemischen Zeitalter hat die Behandlung toxischer Hepatitiden enorm erschwert. Trotz des kontinuierlich wachsenden Arzneischatzes der Homöopathen stehen nicht ausreichend geprüfte Medikamente für all die neuen Herausforderungen durch chemisch-toxische Substanzen zur Verfügung, um jeder chronischen Lebervergiftung das entsprechende homöopathische Heilmittel entgegenzusetzen.
Zur Analyse des Falles muss dennoch immer die Gesamtheit der Symptome aufgenommen werden, da sonst nicht genau unterschieden werden kann, inwieweit eine Noxe oder die persönliche Empfindlichkeit des Patienten zur Erkrankung geführt haben. Bei Beseitigung der Noxe und konstitutioneller Behandlung wird man das bestmögliche Ergebnis erreichen.
Miasmatische Zuordnung
Toxische Leberschäden sind definitionsgemäß keinem Miasma zuzuordnen. Alkoholismus wird jedoch dem tuberkulinischen Miasma zugeordnet.
Wahl der Symptome, Repertorium
Neben der genauen Abklärung der toxischen Ursache, die evtl. Hinweise auf das passende Arzneimittel gibt, wird auf den Unterpunkt „chronisch-infektiöse Hepatitiden“ (14.3.2) verwiesen.
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Wirkt die Noxe noch ein, haben sich Q-Potenzen in kontinuierlichen Gaben und aufsteigender Reihenfolge (Q1, Q2, Q3 usw.) bewährt. Ansonsten aufsteigende Hochpotenzen nach der Kent-Skala. Bei fortgeschrittener Pathologie sollte man nicht über der C200 beginnen, um überschießende Erstreaktionen zu vermeiden. Niedrige D- und C-Potenzen sind nicht angezeigt.
Die Prognose ist abhängig von Dauer und Toxizität der einwirkenden Noxe und den daraus resultierenden pathologischen Veränderungen. Dennoch lassen sich auch in scheinbar aussichtlosen Fällen oft erfreuliche Besserungen erreichen.
Wichtige homöopathische Arzneimittel

! Ars., Card-m., Chel., Lyc., Nat-s., Nux-v., Phos., Sulph.

Eine genaue Differenzierung der Arzneimittel kann wegen der Komplexität der Thematik an dieser Stelle nicht erfolgen. Es sei jedoch bemerkt, dass Arsenicum album eine herausragende Rolle spielt.

Chronisch-infektiöse Hepatitiden

  • HepatitisBInfektionHepatitis Hepatitis B: Übertragung durch Geschlechtsverkehr (60–70 % aller Neuinfektionen) oder parenteralen Blutkontakt (z. B. unsterile Nadel, Bluttransfusion). In den westlichen Industriestaaten sind weniger als 1 % Virusträger. In Hochendemiegebieten wie Südostasien oder Zentral- und Südafrika bis zu 10 %. Risikogruppen: ärztliches Personal, Hämophile, Dialysepatienten, Homosexuelle, Drogenabhängige, Prostituierte.

    • InkubationszeitInkubationszeitHepatitis: 1–6 Mon. Chronische Verläufe bei ca. 10 % der Hepatis-B-Infizierten mit dem Risiko, eine Leberzirrhose oder ein Leberkarzinom zu entwickeln.

    • Seit einigen Jahren vermutet man Hepatitis-B-Mutationen, die den Impfschutz unterlaufen können. Die Diagnosestellung erfolgt über die Hepatitis-B-Serologie.

  • HepatitisC Hepatitis C: Übertragung durch Blut(produkte) und Körpersekrete. Die einzigen klinischen Symptome sind Abgeschlagenheit, Oberbauchbeschwerden, Übelkeit und Gewichtsverlust sowie gelegentlich ein auffälliger Juckreiz der Haut. In 75 % der Fälle inapparenter Verlauf. Bei Viruspersistenz (ca. 20 %) innerhalb von 20 bis 30 Jahren Entwicklung einer Leberzirrhose mit dem zusätzlichen Risiko eines Leberkarzinoms.

  • HepatitisD Hepatitis D: Parenterale Übertragung eines inkompletten RNA-VirusRNA-Virus, Hepatitis C/D, der zur Replikation die Hilfe des Hepatitis-B-Virus benötigt. Bei gleichzeitiger Infektion mit Hepatitis B entsteht das klinische Bild einer Hepatitis. Bei Superinfektion einer Hepatitis B mit Hepatitis D ist der Verlauf häufig fulminant: 70–90 % der Fälle entwickeln eine schwere chronische Hepatitis mit Übergang in eine Zirrhose.

Einige weitere Erreger sind in der Lage, chronische Hepatitiden auszulösen. Es ist davon auszugehen, dass noch nicht alle Erreger identifiziert wurden.

Therapeutische Strategie
Die Behandlung chronisch infektiöser Lebererkrankungen Bedarf der genauen Analyse des individuellen Falles und der genauen Kenntnis der Lehre der chronischen Krankheiten. Die oft jahrelangen Krankheitsverläufe erfordern ein tiefes Verständnis von den Wirkungsmöglichkeiten der homöopathischen Arzneien und die Fähigkeit den Krankheitsverlauf objektiv einzuschätzen. Wichtige Therapieziele sind die langfristige subjektive und objektive Beschwerdefreiheit des Patienten und das Verhindern von Komplikationen wie Leberzirrhose oder Leberkarzinom.
Homöopathische Behandlung
Die ikterische Phase der Hepatitis wird nach den Kriterien für akute Krankheiten behandelt, wobei nicht selten das für den weiteren Verlauf entscheidende Polychrest als entscheidende Arznei sichtbar wird. Es ist unabdingbar, die gesamte Krankheitsgeschichte des Patienten aufzunehmen, zu analysieren, zu hierarchisieren. Verordnet wird entsprechend der Gesamtheit der vorliegenden Symptome. Eine ausschließliche Herangehensweise mit Akutmitteln oder bewährten Indikationen wird den chronisch-infektiösen Hepatitiden niemals gerecht.
Miasmatische Zuordnung
Die unkomplizierte Hepatitis ordnet man der Psora zu. Folgen wie die Leberzirrhose können Symptome der Psora im Tertiärstadium oder syktotischen Ursprungs sein (3.4.1).
Wahl der Symptome
Unabhängig von der Notwendigkeit der kompletten Fallaufnahme sind folgende Abfragebereiche von besonderer Bedeutung:
  • Miasmatische Belastungen, z. B.:

    • Schwere Erkrankungen (z. B. Alkoholismus) bei Eltern, Großeltern oder Geschwistern (Familienanamnese).

    • Hämorrhoiden, Varizen, Spider-Nävi und andere sykotische Zeichen (Hinweis auf komplizierte Hepatitis).

    • Blaue Skleren, durchscheinende Gefäße, wachsartige Haut und andere Zeichen einer tuberkulösen (pseudopsorischen) Belastung (Hinweis auf komplizierte Hepatitis).

  • Erkrankungssymptome, z. B.:

    • Schicksalsschläge als Causa.

    • Nahrungsmittelverlangen und Unverträglichkeiten.

    • Schlafsymptome (insbesondere die nächtlichen Aufwachzeiten),

    • Pathophysiologische (und pathognomonische) Symptome (Leberschwellung, Schmerzen in der Lebergegend, Stuhl- und Urinveränderungen, Übelkeit, ikterische Haut- und Augenveränderungen etc.).

Repertorium
RepertorisationHepatitisDie große Rubrik für chronische Hepatitis findet man unter Abdomen – Entzündung – Leber – chronisch. Es empfiehlt sich, diese Rubrik nicht als Ausschlusskriterium zu verwenden. Dafür besser geeignet ist die wesentlich mehr Mittel enthaltende Oberrubrik Abdomen – Entzündung – Leber, Hepatitis.

Diagnosebezogene Rubriken

Abdomen – Entzündung // Leber – chronisch // Leber, Hepatitis

Miasmatische Belastungen

Allgemeines – karzinomatöse Leiden
Gemüt – Alkoholismus, Trunksucht – ererbt
Rektum – Hämorrhoiden – chronisch
Extremitäten – Varizen // untere Gliedmaßen // untere Gliedmaßen – Schwangerschaft, während der
Haut // Nävi // Wachsartig
Augen // Verfärbung – bläulich – Skleren
Allgemeines – Blutgefäße, Beschwerden der – vernetzt

Schicksalsschläge als Causa

Gemüt – Beschwerden durch // Tod – Kindes, eines // Tod – Eltern oder Freunden, von // geschäftliche – Fehlschläge, Misserfolge // finanziellen Verlust

Psychische Symptome

Abdomen – Entzündung – Leber, Hepatitis // Kränkung, nach // Verärgerung, nach
Abdomen – Leber und Leberregion, Beschwerden von // Reizbarkeit, mit // Lernen, durch

Nahrungsmittel(-modalitäten)

Rektum – Durchfall // Essen – nach – agg. // Diätfehler, nach geringstem // Milch – agg.
Rektum – Obstipation // allgemein – Milch, kalte – amel.
Allgemeines – Speisen und Getränke // blähende Speisen agg. // Alkohol, alkoholische Getränke – agg. // Eis – Verlangen // kalte – Getränke, Wasser – Verlangen

Schlafsymptome

Schlaf // unerquicklich – aufstehen, mag nicht // verwirrt
Schlaf – Schläfrigkeit //morgens – betäubt – wie – frühmorgens
Schlaf – Schlaflosigkeit // Mitternacht – nach – 3 Uhr – nach // Mitternacht – nach – 4 Uhr – nach

Pathognomonische Symptome

Abdomen // Abszess – Leber // Atrophie – Leber // Atrophie – gelb, Leber // Empfindlich – Leberregion // Fettige Degeneration der Leber // Härte – allgemein – Leber // Karzinom – Leber // Leber und Leberregion, Beschwerden von – wachsartige Leber // Schmerzen – Leber – Berührung, bei
Haut – Verfärbung – gelb, Gelbsucht, Ikterus //Aufregung oder Emotionen, nach // Stellen, umschriebene
Stuhl – Farbe // hell // lehmfarben
Harn – Farbe – braun
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Bei kooperativen Patienten haben sich in der Anfangsphase Q-Potenzen in aufsteigender Dosierung (Q1, Q2, Q3 usw.) bewährt. Nach Stabilisierung des Patienten erfolgt der Übergang zu Einzelgaben von hohen C-Potenzen (200, M, XM etc.), gesteigert nach der Kent-Skala. Niedrige D- und C-Potenzen finden im Allgemeinen keine Verwendung.
Die Verlaufsbeurteilung orientiert sich einerseits an den erkrankungsbedingten Lokalsymptomen (Leberschwellung, ikterische Symptome, evtl. Schmerzen, Begleitsymptome wie Verdauungsstörungen), andererseits am Allgemeinzustand des Patienten. Von besonderer Bedeutung sind die Blutwertveränderungen, die im Rahmen einer suffizienten homöopathischen Behandlung eine eindeutige Verbesserung erfahren müssen. Bei einer langfristig angelegten Behandlung sind die oft durch äußere Bedingungen ausgelösten Schwankungen im Allgemeinbefinden oder des psychischen Zustandes schwer als valides Verlaufskriterium zu handhaben (7.3). Deswegen ist die Kontrolle der Laborparameter und deren Besserung ein wesentliches Kriterium zur Überprüfung der Arzneimittelwahl.
Prognose: Je nach Erkrankungsdauer und bereits vorhandenen Organschädigungen ist die Prognose sehr unterschiedlich. Sie reicht von Restitutio ad integrum bei erst kurzzeitig bestehenden Erkrankungen ohne Organschäden bis zu Unheilbarkeit bei schweren Organpathologien. Trotzdem sollte auch bei fortgeschrittenen Krankheitszuständen ein Behandlungsversuch unternommen werden, da auch Patienten in irreversiblen Krankheitsstadien von der homöopathischen Behandlung profitieren (Verbesserung des Allgemeinbefindens, verlangsamte Erkrankungsprogredienz).
Wichtige homöopathische Arzneimittel

! Ars., Calc., Iod., Kali-c., Lach., Lyc., Nat-s., Phos., Sulph., Sep.

Die Liste der angegebenen Arzneimittel zeigt eine Auswahl der häufigsten „Hepatitismittel“. Eine genaue Beschreibung der einzelnen Indikationen ist wegen der Vielzahl der differenzialdiagnostischen Möglichkeiten bei der Arzneiwahl an dieser Stelle nicht möglich.

Vererbte Hepatitiden

Morbus Wilson

Definition: Seltene, autosomal-rezessiv vererbte Lebererkrankung. Aufgrund eines genetischen Defekts ist die Kupferausscheidung über die Galle gestört. Das Kupfer reichert sich in Leber, Nieren, Gehirn, Augen und anderen Organen an.

Symptomatik: Meist zwischen dem 5. und 30. Lj., Hepatitis und nachfolgende Zirrhose können auftreten. Neurologische Ausfälle wie Schluckstörungen, Sprach- und Schreibstörungen, Zittern der Gliedmaßen, Gangstörungen sowie psychische Alterationen sind Hinweise auf die Kupfereinlagerungen im Gehirn. Spätsymptom: „Kayser-Fleischer-Kornealring“ (grünlich braune ringförmige Kupfereinlagerung um die Hornhaut des Auges).

Unabdingbar sind Ernährungsberatung und ein Verzicht auf kupferhaltige Nahrungsmittel wie Innereien, Nüsse, Pilze, Vollkorn, Kakao, Schokolade, Meeresfrüchte und in Kupfergeschirr hergestellten Nahrungsmitteln (z. B. gebrannte Mandeln).
In der homöopathischen Literatur gibt es vereinzelte Berichte der Heilung von M. Wilson mit Cuprum oder Manganum (Boericke). Die Behandlung ist konstitutionell. Spezielle homöopathisch-therapeutische Angaben können wegen der Seltenheit der Erkrankung nicht gemacht werden.
Miasmatische Zuordnung: Als hereditäre Erkrankung ordnet man den M. Wilson am ehesten dem syphilitischen Miasma zu.
Hämochromatose

Definition: Autosomal-rezessiv vererbte Eisenspeicherkrankheit. Durch erhöhte Eisenaufnahme des Darms kommt es zu Eisenablagerungen in verschiedenen Organen, u. a. in der Leber. Altersgipfel zwischen 40. und 60. Lj., bei Frauen oft erst nach der Menopause.

Symptomatik: starke Erschöpfung, Gelenkbeschwerden, Hautpigmentierungen, Müdigkeit, Reizbarkeit, depressive Verstimmung, Infektanfälligkeit und Libidoverlust.

Aufgrund der breiten Streuung der genetischen Penetranz und vielfältiger Kompensationsmöglichkeiten des Organismus kann eine homöopathische Behandlung viel versprechend sein. Diese ist konstitutionell angelegt. Es gibt in der homöopathischen Literatur allerdings bislang nur vereinzelte Erfahrungsberichte zur homöopathischen Behandlung der Hämochromatose.
Miasmatische Zuordnung: Die Hämochromatose kann zum syphilitischen Miasma gerechnet werden (3.4.3).

Autoimmunbedingte Hepatitiden

Die Zunahme an Autoimmunerkrankungen in den letzten Jahrzehnten beschäftigt die Medizin zunehmend. Der zwischenzeitliche Sieg über die bakteriellen Infektionserkrankungen durch Antibiotika, die Beseitigung lästiger Hauterscheinungen und Allergien durch Antihistaminika und Kortikosteroide, die Reduktion viraler Kinderkrankheiten durch Impfungen und die Unterdrückung von kleineren Beschwerden durch Aspirin, Paracetamol und andere Antiphlogistika, kosmetische Operationen usw. scheinen im Gesamtergebnis nicht zu weniger Krankheit bei den Menschen geführt zu haben. Im Gegenteil, die chronischen Erkrankungen komplizieren sich, entziehen sich zunehmend therapeutischen Maßnahmen, betreffen immer jüngere Menschen, wandern von außen nach innen, vom Einfachen zum Komplexen und führen zu einer ausufernden Notwendigkeit medizinischer Intervention mit immer größerem medikamentösen Aufwand und einer immer kostenintensiveren medizinischen Versorgung.
Die Homöopathie bietet hier schon in der Krankheitsprophylaxe bei der Behandlung der Kinder und Erwachsenen mit einem ihrer Hauptanliegen „primum nil nocere“ (das Wichtigste ist nicht zu schaden) einen Weg an, auf dem vielen Krankheitsentwicklungen vorgebeugt werden kann.
Aus dem oben Gesagten ergibt sich, dass Autoimmunkrankheiten (auch der Leber) nicht nur genetischer Natur sind, sondern auch Folge jahrzehntelanger unterdrückender Therapie sein können. Daher gehört es zu den wichtigen prophylaktischen Aufgaben des Arztes, die Patienten auf die Folgen dieser Entwicklung und die entsprechenden Konsequenzen für die weitere homöopathische Therapie hinzuweisen.

Primär biliäre Zirrhose

Zirrhose, primär biliäreDefinition: Chronisch destruierende, nicht eitrige Entzündung der intrahepatischen Gallengänge. Männer erkranken 9-mal häufiger als Frauen. Prävalenz 4–6/100 000, Inzidenz 0,6–1,2/100 000.
Symptomatik: Starker Pruritus. IkterusIkterus, hepatischer wird erst 1–2 Jahre nach Pruritus sichtbar. Hyperpigmentation der Haut. Xanthome, Xanthelasmen an Ober- und Unterlidern. Arthralgien, Erschöpfungszustände, Schleimhauttrockenheit. Keratoconjunctivitis sicca. Häufig autoimmunologische Begleiterkrankungen (Sicca-Syndrom, Immunthyreoiditis, Sjögren-Syndrom, rheumatoide Arthritis, Sklerodermie). Erhöhtes Mammakarzinom-Risiko.

Primär sklerosierende Cholangitis

Cholangitis, primär sklerosierendeDefinition: Häufig mit einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung (Colitis ulcerosa, M. Crohn) assoziierte chronische, cholestatische, segmentale Entzündung der intra- und extrahepatischen Gallengänge. Die resultierende Fibrosierung führt zur Sklerosierung und Obliteration der Gallengänge mit konsekutiver biliärer Zirrhose. Männer erkranken mehr als doppelt so häufig wie Frauen. Prävalenz 1–3/100 000.
Symptomatik: Ikterus, Pruritus, Erschöpfung. Vergrößerte Leber. Oft Gallenkoliken durch Gallensteine und Abflussbehinderung durch Gallengangstrikturen.

Autoimmunhepatitis

AutoimmunhepatitisDefinition: Chronisch progrediente Hepatitis immunologischer Genese. Autoantikörper sind nachweisbar. Die Histologie zeigt ein typisches Bild. Überlappungssyndrome zu anderen Hepatitiden sind häufig.
Symptomatik: Schwäche, Abgeschlagenheit, Pruritus.
Therapeutische Strategie und homöopathische Behandlung
Chronische Leberentzündungen sind schwer kurativ zu beeinflussen, da bei Behandlungsbeginn häufig bereits umfassende pathologische Veränderungen vorliegen und i. d. R. weitere Organe von den generalisierten Autoimmunphänomenen betroffen sind. Dies führt i. d. R. zu einem sehr komplexen Beschwerdebild beim Patienten. Über die Aufnahme der Gesamtheit der Symptome und die genaue Analyse aller Beschwerden lässt sich im Rahmen einer langjährigen homöopathischen Behandlung das Voranschreiten zum zirrhotischen Umbau der Leber manchmal verzögern oder gar völlig aufhalten.
Bei sehr fortgeschrittenen Pathologien und einseitiger Symptomatik ist es manchmal notwendig, zu Beginn der Behandlung organspezifische „Lebermittel“ anhand der vorliegenden Akutsymptome zu verschreiben, um überhaupt eine konstitutionelle Behandlung möglich zu machen.
Miasmatische Zuordnung: Autoimmunerkrankungen sind meist mehrmiasmatisch. Die genaue Analyse aller Symptome führt oft zu einem ersten Konstitutionsmittel. Die Erfahrung zeigt, dass meist eine Reihe von verschiedenen, in großen Abständen verabreichten Medikamenten nötig ist, um Einfluss auf das Krankheitsgeschehen nehmen zu können, ähnlich wie man dies auch bei Krebserkrankungen sieht (25). Die Kenntnis der miasmatisch bedeutsamen Symptome ist für die Beurteilung des Verlaufs und bei der Entscheidung für einen Mittelwechsel unbedingt erforderlich.
Wichtige homöopathische Arzneimittel

Bewährte organspezifische Lebermittel: Ars., Card-m., Chel., Hydr., Lyc., Nux-v., Phos.

Häufige Mittel bei chronischer Hepatitis: Ars., Lyc., Phos., Nat-s., Nit-ac.

Zu den praktischen Aspekten der homöopathischen Therapie (Wahl der Symptome, Repertorium, Dosierung, Verlaufsbeurteilung) 14.2, 14.3.

Leberzirrhose

Definition: Irreversibler, narbig-bindegewebiger Umbau der Leber mit zunehmendem Leberversagen und allen daraus resultierenden Folgen. Häufigste Ursache ist der Alkoholabusus, gefolgt von chronischem Medikamentengebrauch. An dritter Stelle stehen die oben genannten Lebererkrankungen.

Symptomatik: Durch hepatozelluläre Funktionsstörung bedingt – Allgemeinsymptome (Abgeschlagenheit, Leistungsminderung, Gewichtsabnahme)., Ikterus, Leberhautzeichen, Gynäkomastie, Hodenatrophie, Foetor hepaticus, Ödeme als Folge der Hypoalbuminämie, Zeichen der hepatischen Enzephalopathie. Durch portale Hypertension bedingt – Druck- oder Völlegefühl im Oberbauch, Aszites (dann evtl. auch Gewichtszunahme), Splenomegalie, evtl. Hypersplenismus mit Thrombozytopenie, Caput medusae, Ösophagusvarizenblutung.

Bei der Leberzirrhose handelt es sich um den Endzustand einer lange bestehenden Lebererkrankung. Wie bei vielen Endzuständen mit eindeutigen pathologischen Veränderungen handelt es sich meist um irreversible Umbauprozesse mit einem unterschiedlichen Maß an Restfunktion des betroffenen Organs. Ein weiterer, spezieller Aspekt ist die Progredienz der Umbauvorgänge bis zum Organversagen. Die homöopathische Behandlung solch schwerer Lebererkrankungen orientiert sich an der zugrunde liegenden Erkrankung (14.2, 14.3.1, 14.3.4) und an den jeweils speziell vorliegenden Symptomen. Von einer Restitutio ad integrum kann auch bei bester homöopathischer Behandlung nicht ausgegangen werden. Das Therapieziel muss eine Verbesserung des subjektiven Befindens des Patienten und evtl. eine Verzögerung der Krankheitsprogredienz sein. Die therapeutische Strategie gleicht dabei in den wesentlichen Aspekten der Behandlung von toxischen Lebererkrankungen (14.3.1) und chronischen Leberentzündungen (14.3.2).
Miasmatische Zuordnung: Die Leberzirrhose ist sykotischer Natur.

Erkrankungen der Gallenblase

Gallensteine

Definition: CholelithiasisCholelithiasis. Häufige Erkrankung in den industrialisierten Ländern. 10–15 % aller Erwachsenen entwickeln im Laufe ihres Lebens Gallensteine, die bei 80 % symptomfrei bleiben (sonographischer Zufallsbefund).

Symptomatik: Gallensteine variieren in der Größe von einigen Millimetern (Gallengries) bis zu mehreren Zentimetern. Frauen erkranken 3 Mal häufiger als Männer. Risikofaktoren: „5 F“ (Female, Fat, Fourty, Fair, Fertilitiy = weiblich, Adipositas, über 40 Jahre alt, blond, mehrere Kinder).

  • Cholesterinsteine: gelb, bis zu kirschkerngroß.

  • Pigmentsteine: braun bis schwarz, in großen Mengen auftretende, sandkorngroße, weiche, bröckelige Steine. Bilirubin lagert sich um einen Cholesterinkern an.

  • Kombinationssteine: Mischung aus Cholesterin, Bilirubin und Kalk. Vielfarbige, harte Steine. Meist entstehen sie aufgrund von entzündlichen Prozessen in der Gallenblase aus Cholesterin- und Pigmentsteinen.

Therapeutische Strategie
Die Störung der Exkretionsfunktion der Leber und die daraus resultierende unausgewogene Zusammensetzung der Gallenflüssigkeit, die zu Gallensteinen führt, ist eine chronisch miasmatische Störung, auch wenn der Patient in Bezug auf die Galle beschwerdefrei ist. Sowohl im Akutfall als auch bei chronischen (symptomatischen und asymptomatischen) Gallensteinleiden sollte ausschließlich eine homöopathische Therapie erfolgen. Auf chirurgische Intervention bzw. medikamentöse Versuche, die Gallensteine zu beseitigen bzw. aufzulösen, sollte verzichtet werden, da sie nicht die Grundursache, sondern nur die sichtbaren bzw. spürbaren Folgen einer tiefer liegenden Erkrankung beseitigen und so letztlich unterdrückend wirken. Gallensteine, welche die Ausführungsgänge verlegen und zum Gallenstau führen, müssen selbstverständlich entfernt werden.
Homöopathische Behandlung
(Akute Gallenkolik 14.4.2)
Zur Behandlung eines chronischen Steinleidens ist eine ausführliche Anamnese zwingend erforderlich, um die Gesamtheit der Symptome zu erfassen, zu ordnen und zu hierarchisieren. Die Behandlung dient der Gesunderhaltung und der Prophylaxe von Gallenkoliken und entspricht in allen Aspekten einer homöopathischen Konstitutionstherapie.
Wahl der Symptome
Wichtige Abfragebereiche für die Hierarchisierung und Repertorisation:
  • SymptomenwahlGallensteineDie „5 F“ (Female, Fat, Fourty, Fair, Fertility).

  • Frühere Symptome (rezidivierende Mittelohrentzünden als Kind, rezidivierende Sinusitiden, rezidivierende Zystitiden, Verdauungsstörungen etc.).

  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten und -abneigungen im Allgemeinen und bezüglich des Gallensteinleidens.

  • Psychische Alterationen bzw. Reaktionen auf die Umwelt.

Miasmatische Zuordnung
Bei genauer Analyse finden sich zahlreiche Symptome latenter Psora oder Sykosis (3.4), die zur Mittelwahl herangezogen werden können.
Repertorium
RepertorisationGallensteineDie große Rubrik für Gallensteine findet man unter Abdomen – Schmerzen – allgemein – Leber – Kolik, Gallensteine. Hilfreich für die Hierarchisierung und Repertorisation können Rubriken sein, die die „5 F“ abbilden, frühere Erkrankungen, Nahrungsmittelunverträglichkeiten und -abneigungen sowie psychische Reaktionen berücksichtigen.

Diagnosebezogene Rubrik

Abdomen – Schmerzen – allgemein – Leber – Kolik, Gallensteine

Symptome der 5 F

Allgemeines // Frauenkrankheiten // Adipositas, Fettleibigkeit // Aussehen, Augen-, Gesicht-, Haarfarbe – hell, blond // Alt – Personen, Beschwerden
Weibliche Genitalien – Empfängnis – leicht

Frühere Symptome oder Erkrankungen

Blase – Entzündung // chronisch // rezidivierend
Stuhl // Farbe – hell // Farbe – weiß // Fettig
Rektum // Obstipation – abwechselnd mit Durchfall

Nahrungsmittelmodalitäten

Allgemeines – Speisen und Getränke // Alkohol, alkoholische Getränke – Verlangen // blähende Speisen agg. // Butter – Verlangen // fette und gehaltvolle Speisen – agg. // Essig – Verlangen

Psychische Reaktionen

Gemüt // Reizbarkeit, Gereiztheit – Kleinigkeiten, durch // Ärger, Zorn, Wut – Widerspruch, durch // Ärger, Zorn, Wut – Wutanfälle // Beleidigend, beschimpfend, verletzend // Beleidigt, leicht
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Bei symptomfreien Steinleiden kommen immer Einzelgaben hoher C-Potenzen (200, M, XM) in großen Abständen, gesteigert nach der Kent-Skala, zum Einsatz. Symptomatische Gallensteinleiden können zumindest initial Q-Potenzen in aufsteigender Reihenfolge (Q1, Q2, Q3 usw.) erfordern. Es sollte allerdings so bald als mögliche ein Wechsel zu hohen C-Potenzen erfolgen.
Asymptomatische Steinleiden bzw. solche mit wenigen Beschwerden sind in der Verlaufsbeurteilung oft schwierig. Die Problematik liegt dabei nicht im subjektiven Leidensdruck des Patienten, sondern gerade in dessen Fehlen. Sind keine anderen Symptome oder Symptomenkomplexe vorhanden (was in der Praxis eher selten ist), muss eine sehr differenzierte Verlaufsbeurteilung an kleinen, funktionellen Symptomen, den Allgemeinsymptomen und den psychischen Alterationen des Patienten erfolgen. Die Gallensteine an sich eignen sich bei asymptomatischen Krankheitsverläufen nicht zur praktischen Beurteilung des Behandlungsverlaufs, da ihr Verschwinden (oder auch nur ihr Rückgang) keine „Conditio sine qua non“ für einen guten homöopathischen Heilungsverlauf ist. Umgekehrt ist aber ein Steinleiden, das symptomatisch wird (Gallenkolik), ein guter Grund, die bisherige Therapie noch einmal kritisch zu überdenken.
Die Prognose ist gut. Die Gallensteine bleiben bei suffizienter homöopathischer Therapie entweder über Jahre asymptomatisch oder lösen sich langfristig sogar auf.
Wichtige homöopathische Arzneimittel
Die wichtigsten Mittel bei beschwerdefreien Gallensteinen sind die großen Polychreste, z. B. Calcarea carbonica, Sulfur, Lycopodium oder Sepia. Da sich deren Verschreibung auf die unterschiedlichsten Aspekte des jeweils vorliegenden Krankheitszustands stützt, kann hier keine Differenzierung aufgrund spezieller Aspekte der Gallensteinerkrankung erfolgen.

Gallenkolik

Definition: Gelangt ein Stein vor oder in den Gallenblasenausgang, versucht der Organismus, diesen Fremdkörper über Kontraktionen der glatten Gallengangmuskulatur herauszubefördern. Die wehenartigen, rhythmisch wiederkehrenden Kontraktionsbewegungen sind äußerst schmerzhaft und bestimmen das Bild der akuten Gallenkolik. In seltenen Fällen vollständiger Verschluss des Ductus choledochus mit nachfolgendem Fieber und Anstieg des Serumbilirubins durch den Rückstau von Gallensaft (ikterischer Patient). Über die gemeinsame Endstrecke von Ductus choledochus und Ductus pancreaticus kann es bei Verschluss zu einer Stauungspankreatitis kommen.

Symptomatik: Häufig nach Mahlzeiten, insbesondere fetten Speisen oder Kaffee plötzlich starke Krampfschmerzen im rechten und mittleren Oberbauch, mit Übelkeit bis zum Erbrechen. Schmerzerstreckung oft bis zum Rücken oder zur rechten Schulter (Leberzeichen). Schmerzen kehren rhythmisch wieder.

Therapeutische Strategie
Die Gallenkolik wird wie eine akute Krankheit behandelt. Unter dem richtigen homöopathischen Mittel ist innerhalb von Minuten bis Stunden eine deutliche Besserung zu erwarten. Die Heftigkeit der Beschwerden erfordert nicht selten eine häufigere Wiederholung des passenden Arzneimittels. Tritt keine rasche Besserung ein, ist das Mittel falsch und sollte schnell gewechselt werden. Trotz der heftigen Schmerzen des Patienten sollte sich der Arzt ausreichen Zeit zur Symptomaufnahme nehmen und in Ruhe analysieren. Ist der Patient wegen der starken Schmerzen nicht selbst in der Lage, seine Symptome zu schildern, sollte eine Fremdanamnese erfolgen. Bei zu großen Steinen kann eine Klinikeinweisung erforderlich sein. Tritt eine Gallenkolik erstmals auf, ist die Diagnose sonographisch zu sichern, um andere Schmerzursachen (z. B. Malignome) auszuschließen. Bei suffizienter homöopathischer Therapie kann im Allgemeinen auf die Gabe von Schmerzmitteln oder Spasmolytika verzichtet werden.
Homöopathische Behandlung
Die besondere Beachtung muss auf den im Vordergrund stehenden auffallenden und sonderlichen Symptomen liegen. Je heftiger der Zustand des Patienten, desto deutlicher treten normalerweise die auffallenden Symptome in den Vordergrund.
Wahl der Symptome
Wichtige Abfragebereiche bezüglich der akuten Gallensteinerkrankung:
  • SymptomenwahlGallenkolikAuslösende Ursache der Kolik (z. B. Zorn, Ärger, Alkohol, fettes Essen, Verkühlung)

  • Periodizität der Schmerzattacken (z. B. stündlich, täglich zu einer bestimmten Uhrzeit)

  • Schmerzerstreckungen (z. B. in den Rücken, in die Schulter, nach unten)

  • Auffallende Schmerzmodalitäten (z. B. besser durch Wärme, Zusammenkrümmen bessert, Überstrecken bessert)

Miasmatische Zuordnung
Gallenkoliken sind ein Symptom der Psora oder der Sykosis (Schmerzen besser durch Zusammenkrümmen).
Repertorium
RepertorisationGallenkolikDie große Rubrik für die Gallenkolik ist wie für die Gallensteine Abdomen – Schmerzen – allgemein – Leber – Kolik, Gallensteine. Sie ist mit über 50 Mitteln auch praktisch hilfreich bei der Arzneimittelfindung. Zur weiteren Differenzierung können zudem Rubriken herangezogen werden, welche die auslösende Ursache, die Schmerzperiodizität, die Schmerzqualität sowie die Begleitsymptome abbilden.

Diagnosebezogene Rubrik

Abdomen – Schmerzen – allgemein – Leber – Kolik, Gallensteine

Auslösende Ursachen

Abdomen – Schmerzen // Leber – Kolik, Gallensteine – Zorn, durch // Obst, nach // kalt, Kälte – Verkühlung, durch und wie durch
Allgemeines // Speisen und Getränke – Kaffee – agg. // Speisen und Getränke – fette und gehaltvolle Speisen – agg. // Luft – kalte – agg. // Durchnässung – agg. – Füße // Ausschweifung, Völlerei – agg. – nach

Periodizität

Abdomen – Schmerzen // periodisch
Allgemeines // periodisch – Stunde, zur selben // abends, 18–21 Uhr – agg. – 19 Uhr // Abends, 18–21 Uhr – agg. – 20 Uhr

Schmerzerstreckung

Abdomen // Schmerzen – Leber – erstreckt sich Schulter, in die // Schmerzen – Leber – erstreckt sich – Rücken, zum // erstreckt sich – Genitalien, in die // erstreckt sich – Leistenregion, in die // erstreckt sich – unteren Extremitäten, in die

Begleitsymptome

Abdomen – Schmerzen // Druck – amel. // beugen, gebeugt – zusammenkrümmen – muss sich // beugen, gebeugt – zusammenkrümmen – amel. // Flatus – Flatusabgang – amel. // Schmerzen – Luft – kalte – amel.
Gemüt // Ärger, Zorn, Wut – Schmerzen – über // empfindlich, überempfindlich – schmerzempfindlich
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Mittlere und hohe C-Potenzen wie die C30 oder C200 sind bei der akuten Gallenkolik vorzuziehen. Wirkt ein Mittel deutlich, aber nur kurz, kann es in Wasser aufgelöst in Minutenabständen gegeben werden, bis endgültige Besserung eintritt.
Bei der akuten Gallenkolik zählt als einziges Kriterium für den Therapieverlauf das Verschwinden bzw. die Verbesserung der Schmerzen und deren Begleitsymptome in kürzester Zeit (wenige Minuten bis Stunden). Wird dieses Ziel nicht erreicht, kann das Arzneimittel gewechselt werden. Bei akuten Gallenkoliken kann es dabei unter Umständen zu Verläufen mit mehrmaligen Mittelwechseln innerhalb einer Stunde kommen, bis das richtige Arzneimittel gefunden ist.
Prognose: Normalerweise lässt sich mit dem richtigen Akutmittel eine Gallenkolik schnell kupieren. Tritt jedoch nach 30 bis 60 Minuten und mehrmaligem Mittelwechsel keine Beschwerdefreiheit ein, muss von einem Gallengangsverschluss durch einen zu großen Stein ausgegangen werden, der klinisch behandelt werden muss.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

! Ars., Cham., Chel., Chin., Cocc., Coloc., Lyc., Nux-v., Puls., Verat.

  • Arsenicum#Arsenicum albumGallenkolik: Heftiges Krampfen und Zusammenschnüren im Unterleib mit Erbrechen von Schleim und Galle, große Schwäche mit entstelltem, leichenblassem, verzogenem Gesicht.

  • Chamomilla#ChamomillaGallenkolik: Wenn Ärger der Auslöser war, mit Reißen und Winden, als würden die Därme zu einer großen Kugel geballt, Übelkeit und bitterem Erbrechen oder grünschleimigem Durchfall. Der Patient schimpft.

  • Chelidonium#ChelidoniumGallenkolik: Krampfschmerzen, die in die rechte Schulter ausstrahlen bzw. unter das rechte Schulterblatt. Gallenkolik in der Schwangerschaft.

  • China#ChinaGallenkolik: Bei bereits auftretendem Ikterus. Erbrechen unverdauter Nahrung. Nach erschöpfenden Vorerkrankungen (Durchfällen) und bei nervöser Reizbarkeit.

  • Cocculus#CocculusGallenkolik: Wenn die schneidenden Schmerzen in der Nabelgegend mit krampfhaftem Einziehen des Bauches und mit vergeblichem Brechwürgen oder Erbrechen von Schleim und Galle ohne Erleichterung verbunden sind. Häufige Ursache sind Schlafmangel, z. B. durch Nachtwachen oder Krankenpflege.

  • Colocynthis#ColocynthisGallenkolik: Nach Streit oder Ärger, mit arg klemmenden Schmerzen. Der Patient krümmt sich zusammen, Druck auf den Bauch erleichtert, Wärme bessert.

  • Lycopodium#LycopodiumGallenkolik: Kolik zwischen 16 und 20 Uhr, Stirnrunzeln, ärgerlich ohne Schmerzen, freundlich im Leid, unfreundlich wenn es ihm gut geht. Starke Auftreibung des Abdomens (Tympanie), Völlegefühl schon nach ein wenig Essen, kalte Getränke verschlimmern, laute Darmgeräusche.

  • Nux vomica#Nux vomicaGallenkolik: Bei aufgeblähtem Bauch mit stechenden und schmerzhaften Koliken. Insbesondere nach Alkoholabusus oder Kaffeemissbrauch. Zornig bei den Schmerzen, beschimpft den Arzt oder die Umstehenden.

  • Pulsatilla#PulsatillaGallenkolik: Kolik nach fetten Speisen, Kolik mit Frösteln, muss Kleidung lockern, Engegefühl, bitterer Mundgeschmack.

  • Veratrum#Veratrum albumGallenkolik: Geblähter Bauch mit quälenden Koliken, als wäre ein Knoten im Bauch. Leitsymptom ist der kalter Schweiß auf der Stirn und das Verlangen nach eiskaltem Wasser, das aber sofort wieder erbrochen wird. Patient weigert sich zu sprechen.

Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse

Akute Pankreatitis

Definition: Plötzlich einsetzende Entzündung der Bauchspeicheldrüse mit Einschränkung der exkretorischen Funktionen des Pankreas und eventuellen nekrotischen Einschmelzungen von Pankreasgewebe. Die Erkrankung ist lebensbedrohlich und bedarf i. d. R. intensivmedizinischer Überwachung, da es durch nachfolgende Peritonitis, Sepsis und Freisetzung von Pankreasenzymen zu multiplem Organversagen kommen kann. Ursache: in 80 % Alkoholexzess und Gallensteine.

Symptomatik: Zu Beginn Übelkeit, Brechreiz, Blähungen, Verstopfung und Temperatur bis 38,5 °C, dann oft in kürzester Zeit (Minuten bis Stunden) dumpfer und bohrender Dauerschmerz im Oberbauch oder linken Oberbauch, oft gürtelförmig zum Rücken ausstrahlend. Schockzeichen (Hypotonie, Tachykardie). Die Patienten sehen schwer krank aus.

Therapeutische Strategie
Aufgrund der lebensbedrohlichen Situation ist immer eine Klinikeinweisung erforderlich. Homöopathische Behandlung erfolgt allenfalls adjuvant oder, wenn möglich, parallel zu den klinischen Therapiemaßnahmen.
Homöopathische Behandlung
Bei der akuten Pankreatitis handelt es sich um die akute, oft lebensbedrohliche Exazerbation einer tiefgreifenden chronischen Erkrankung. Bei Verdacht auf akute Pankreatitis bleibt für eine homöopathische Behandlung vor Klinikeinweisung nur wenig Zeit.
Wahl der Symptome
SymptomenwahlPankreatitisDie Medikamentenwahl richtet sich nach den auffallenden, akuten Symptomen des Patienten. Besonders zu beachten sind:
  • Erstreckung der Schmerzen.

  • Verhalten des Patienten während der Schmerzen.

  • Schweiße.

Repertorium
Repertorisation Pankreatitis

Diagnosebezogene Rubrik

Abdomen – Pankreasbeschwerden

Schmerzerstreckung

Abdomen – Bandgefühl
Abdomen – Schmerzen // erstreckt sich Rücken, in den // erstreckt sich – Seite zur andern, von einer // erstreckt sich – Brust, in die // erstreckt sich – quer durch das // Hypochondrium – erstreckt sich – hinten, nach // Hypochondrium – erstreckt sich – Schulterblätter, in die

Verhalten des Patienten

Gemüt // Ruhelosigkeit, Nervosität – Schmerz, bei // Ruhelosigkeit, Nervosität – wandert // Erschreckt, leicht
Abdomen – Schmerzen // Anziehen der Glieder amel.

Schweiße

Gesicht – Schweiß – kalter Schweiß – Stirn
Schweiß // einseitig // Nahrung, warme, agg. // plötzlich // Rücken // Zervikalregion
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Die verantwortungsvolle Behandlung einer akuten Pankreatitis erfolgt immer unter klinischen Bedingungen. Sie umfasst meist auch intensivmedizinische Maßnahmen.
Obwohl sich in der Literatur Beschreibungen von Behandlungen finden lassen, existieren aktuell aus nachvollziehbaren Gründen nur sehr spärliche Erfahrungen mit diesem Krankheitsbild.
Wichtige homöopathische Arzneimittel
Auf eine ausführliche Beschreibung der detaillierten Aspekte der Therapie bei akuter Pankreatitis muss an dieser Stelle verzichtet werden.

Chronische Pankreatitis

Definition: Chronifizierter Entzündungsvorgang in der Bauchspeicheldrüse führt zu unregelmäßigen Sklerosierungen mit Zerstörung des exokrinen und später auch des endokrinen Drüsengewebes, bis hin zur völligen Pankreasinsuffizienz. Einteilung:

  • Chronische Pankreatitis mit fokaler Nekrose.

  • Chronische Pankreatitis mit diffuser oder segmentaler Fibrose.

  • Chronische Pankreatitis mit und ohne Kalzifikationen (Steine).

Symptomatik: Wiederkehrende heftige abdominelle Schmerzen, häufig abhängig von der Nahrungsaufnahme, die oft gürtelförmig ausstrahlen. Blähungen und Völlegefühl. Diarrhoe und teilweise rascher Gewichtsverlust. Die Patienten sitzen oft mit angezogenen Beinen da. Bei der Erstmanifestation einer Pankreatitis lassen sich die akute und die chronische Form nicht unterscheiden.

Die Behandlung der chronischen Pankreatitis richtet sich nach den Regeln der homöopathischen Behandlung chronischer Erkrankungen: Aufnahme der Gesamtheit der Symptome, deren Bewertung und Hierarchisierung sowie Berücksichtigung miasmatischer Hintergründe. Aufgrund der großen Bedeutung des Pankreas für den Gesamtorganismus sind seine Krankheiten als sehr tiefgreifend zu betrachten und in aller Regel mehrmiasmatischer Natur (3.4). Ziel der Behandlung ist das Aufhalten der entzündlichen, nekrotisierenden Vorgänge. Alkoholverzicht und Ernährungsumstellung sind selbstverständlicher Bestandteil der Therapie.
Besteht bereits eine Pankreasinsuffizienz, müssen notwendige Enzyme und Hormone (Insulin) substituiert werden. Durch langjährige Behandlung mit Einzelmitteln in großen Abständen kann die Komplikationshäufigkeit und die Notwendigkeit operativer Eingriffe reduziert werden. In seltenen Fällen und bei sehr kooperativen Patienten ist eine Ausheilung möglich.
Die praktische Behandlung der chronischen Pankreatitis ist äußerst komplex und kann hier nicht im Einzelnen geschildert werden. Eine deutliche Beziehung zu Pankreaserkrankungen haben die homöopathischen Arzneimittel Conium, Carbo animalis, Iodum, Phosphorus, Spongia.

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