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B978-3-437-56353-9.00010-4

10.1016/B978-3-437-56353-9.00010-4

978-3-437-56353-9

Lunge

Jan Geißler

  • 10.1

    Infektbedingte Atemwegserkrankungen224

    • 10.1.1

      Akute Bronchitis224

    • 10.1.2

      Pneumonie229

    • 10.1.3

      Pseudokrupp235

  • 10.2

    Obstruktive Atemwegserkrankungen237

    • 10.2.1

      Chronisch-obstruktive Bronchitis237

    • 10.2.2

      Asthma bronchiale240

    • 10.2.3

      Lungenemphysem247

    • 10.2.4

      Bronchiektasen248

    • 10.2.5

      Mukoviszidose250

  • 10.3

    Restriktive Lungenerkrankungen250

    • 10.3.1

      Sarkoidose250

    • 10.3.2

      Lungenfibrose251

    • 10.3.3

      Silikose251

  • 10.4

    Erkrankungen des Lungenkreislaufs252

    • 10.4.1

      Pulmonale Hypertonie und chronisches Cor pulmonale252

    • 10.4.2

      Lungenödem253

  • 10.5

    Pleuraerkrankungen254

    • 10.5.1

      Pleuritis254

    • 10.5.2

      Pleuraerguss258

    • 10.5.3

      Pleuraempyem258

Infektbedingte Atemwegserkrankungen

Akute Bronchitis

Husten Bronchitis akute

Definition: LungenerkrankungenAtemwegserkrankungenAkute Entzündung der Bronchialschleimhaut, meistens im Rahmen eines banalen Infekts, begünstigt durch Feuchtigkeit, Kälte, Rauchen, sonstige inhalative Noxen oder Smog.

Symptomatik: Husten, Auswurf, Fieber, Belastungsdyspnoe.

Therapeutische Strategie
Die akute Bronchitis lässt sich homöopathisch gut behandeln. Antitussiva und Expektoranzien sowie Antibiotika werden in der homöopathischen Praxis in den meisten Fällen nicht benötigt. Zudem führt die schulmedizinische Unterdrückung von Husten oder Auswurf zu einer Veränderung des Symptomenbildes, sodass die korrekte Auswahl eines homöopathischen Arzneimittels erschwert wird. Die praktische Erfahrung zeigt, dass Komplikationen wie beispielsweise die Entwicklung einer Pneumonie unter einer klassisch-homöopathischen Behandlung sehr selten auftreten. Eine ausreichende Befundkontrolle im Therapieverlauf ist jedoch sinnvoll.
Homöopathische Behandlung
Bei der akuten Bronchitis handelt es sich auch im homöopathischen Sinne um eine Akuterkrankung und sie wird als solche mit homöopathischen Medikamenten behandelt, die passend zum akuten Symptomenbild ausgewählt werden. Dies gilt ebenfalls bei akuten Exazerbationen von chronischen Bronchitiden, obwohl hier in infektfreien oder milden Erkrankungsphasen eine Konstitutionsbehandlung erfolgen muss.
Befindet sich der Patient wegen anderer Beschwerden bereits in konstitutioneller homöopathischer Behandlung, kann bei akuter Bronchitis ein Komplementärmittel des Konstitutionsmittels in niedriger Dosierung verabreicht werden, da hierbei der Verlauf der Konstitutionstherapie nicht gestört wird. Eine weitere Möglichkeit, v. a. bei milden Krankheitsverläufen und entsprechender Symptomatik, ist das Verabreichen des Konstitutionsmittels in niedriger Dosierung (z. B. D6, D12 oder C12, evtl. verkleppert).
Der natürliche Krankheitsverlauf erfordert, auch bei guter homöopathischer Therapie, häufiger einen Wechsel der Arzneimittel, deren Auswahl sich am jeweiligen Krankheitszustand orientiert.
Beispiel: Im Beginn der Erkrankung und mit Symptomen der oberen Atemwege (Rhinitis, Pharyngitis etc.) wird z. B. Aconitum oder Nux vomica gegeben, nach Absteigen der Erkältung und mit Eiterbildung, Fieber, Dyspnoe etc. z. B. Phosphorus oder Pulsatilla. Für evtl. Restsymptome kann dann nochmals neu verordnet werden.
Wahl der Symptome
SymptomenwahlBronchitisDie Mittelwahl stützt sich auf die Hustensymptome sowie – falls vorhanden – andere akute Krankheitssymptome (z. B. Rhinitis, Fieber, Kopfschmerzen). Besonders wichtig sind folgende Symptome und Zeichen:
  • Begleitsymptome: die sich nicht an der Lunge manifestieren, z. B. Urinverlust beim Husten, Weinen vor dem Husten, Tränenfluss beim Husten, Nasenbluten durch Husten.

  • Verhalten des Patienten: z. B. fasst er sich beim Husten an den Kopf oder den Larynx.

  • Veränderungen der Lebensgewohnheiten während der Akuterkrankung sollten immer berücksichtigt werden, z. B. Veränderungen von Appetit oder Durst, Verlangen nach kalten oder warmen Speisen oder Getränken, Verlangen nach Hitze oder Kälte.

  • Auslöser: sowohl die ursprüngliche Causa der Erkrankung als auch die Auslöser eines jeden Hustenanfalls, z. B. Husten nach Zorn oder Erregung, durch kalten Wind, bei der Zahnung, Husten durch Berührung des Gehörgangs bei der Otoskopie.

  • Temperaturabhängigkeit: z. B. Husten besser im Freien, Husten beim Betreten oder Verlassen eines warmen Zimmers, Entblößen verschlechtert.

  • Zeitliche Muster: die bei konstant wiederholtem Auftreten direkt zum Arzneimittel führen können, z. B. Husten im Schlaf, ohne dass der Patient erwacht oder auch mit Erwachen. Die genaue Uhrzeit des Hustens führt nur bei exakter, mehrmaliger Wiederholung (z. B. immer um 23:30 Uhr) zum Arzneimittel.

  • Lageabhängigkeit: z. B. Liegen bessert, der Patient muss sich bei jedem Husten aufsetzen, Husten immer beim Liegen auf der linken Seite.

  • Auswurf: ist nur dann zu berücksichtigen, wenn er sehr charakteristisch ist, z. B. fadenziehend oder einen besonderen Geruch oder Geschmack hat (z. B. bitter, salzig oder wie alter Käse).

  • Hustencharakter: z. B. bellend, kratzend, reibend, ist nicht von entscheidender Bedeutung, da die Beurteilung sehr subjektiv ist. Allerdings ist ein kruppartiger Kehlkopfhusten besonders charakteristisch für einige Arzneimittel.

Symptome, die vor dem Auftreten der Akuterkrankung bestanden, also zum chronischen Zustand des Patienten gehören, werden bei der Akutbehandlung nicht berücksichtigt.

Miasmatische Zuordnung
Die akute Bronchitis im Rahmen einer Infektion wird nach den Behandlungsregeln für akute Krankheiten behandelt (3.2). Die miasmatische Zuordnung bei wiederkehrenden Bronchitiden erfolgt über die Modalitäten und Begleitsymptome:
  • Psora: Husten beim Erwachen, nachts. Tiefes Einatmen verschlechtert den Husten. Husten im Liegen. Husten endet mit Niesen. Husten weckt vom Schlaf auf. Husten stört den Schlaf. Schleimiger/gelber/geschmackloser Auswurf.

  • Tuberkulinie (Pseudopsora): Husten morgens schlechter (auch Psora). Husten abends nach dem Hinlegen. Husten durch Kälte oder Kaltwerden. Heiserer oder hohler Husten. Blutiger Auswurf (auch Psora). Schleimig-eitriger Auswurf. Grünlich gelber Auswurf. Schimmelig/übel riechender Auswurf. Auswurf schmeckt salzig, süßlich.

  • Sykosis: Ständige Bronchitis, meist im Herbst oder Winter.

Repertorium
RepertorisationBronchitisRelevante Rubriken finden sich in den Kapiteln „Brust“, „Kehlkopf“, „Atmung“, „Husten“, „Auswurf“. Während die diagnosebezogene Rubrik Brust – Entzündung – Bronchien wegen der Vielzahl an Arzneimitteln (175 Arzneimittel) wenig praktischen Nutzen hat, haben sich die entsprechenden Unterrubriken bewährt. Hustensymptome sind auch in den Kapiteln „Kopf“ und „Gemüt“ zu finden. Bei Fieber-, Frost-, Schweiß-Symptomen sind die entsprechenden Kapitel heranzuziehen.
Unabhängig von den Lokalsymptomen ist auf sichtbare oder direkt erfassbare Symptome zu achten (35.2).

Brust – Entzündung – Bronchien // – alten Menschen, bei (20 AM) // – Kindern, bei (11 AM)

Kopf – Hände – hält den Kopf mit den Händen – Husten

Gemüt – Weinen – Husten, vor

Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Prognose: Die Symptome der Akuterkrankung sollten sich in jedem Fall nach wenigen Tagen, maximal nach einer Woche zurückgebildet haben.
Unterstützende Maßnahmen
Viel Flüssigkeit trinken. Keine Milchprodukte!
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Ant-t., Ars., Bry., Ip., Kali-c., Nux-v., Phos., Puls.
!! Acon., Bell., Carb-v., Caust., Cham., Coc-c., Cupr., Dros., Hep., Kali-bi., Lyc., Spong., Sulph.
! Arn., Calc., Calc-s., Caps., Con., Ign., Lach., Nat-s., Op., Rumx., Sang., Sil., Tub., Rhus-t.

Krankheitsverlauf
Erstes Auftreten
Beim ersten Auftreten von Hustensymptomen sind u. a. Aconitum, Belladonna, Nux vomica angezeigt.
  • Aconitum in den ersten Stunden bei Husten durch Kälte (selten bei länger bestehendem Husten nach Kälteexposition).

  • Belladonna#BelladonnaHusten: trockener, bellender, schnelle Entwicklung, rotes Gesicht (dauerhaft oder nur beim Husten), häufig heißer Kopf, kalte Extremitäten.

  • Nux vomica#Nux vomicaHusten/Bronchitis: Husten oder Bronchitis durch Kälteexposition, der Patient ist fröstelig, verlangt nach Wärme (warmer Raum, will zugedeckt sein).

  • Phosphorus: #PhosphorusBronchitisVerlagerung der Krankheit von den oberen Atemwegen zu den Bronchien. Häufig begleitende Heiserkeit, Thoraxschmerz beim Husten (z. B. hinter dem Sternum).

  • Bryonia:#BryoniaHusten alle Erkrankungsphasen, Husten mit Kopf- und/oder Brustschmerzen (auch Pleuritis), Bewegung agg., Verlangen nach Ruhe, viele Durst (selten große Mengen, warme Getränke).

Länger bestehende Erkrankungen
  • Länger bestehende Erkrankungen ohne katarrhalische Symptome (oder mit gering ausgeprägten Symptomen): Phosphorus, Causticum, Coccus cacti, Cuprum, Drosera, Spongia, Conium, Rumex.

  • Länger bestehende Erkrankungen mit bereits bestehender Eiterbildung: Pulsatilla, Calcarea carbonica, Calcium sulfuricum, Hepar sulfuris, Kalium bichromicum, Lycopodium, Sulfur, Silicea, Tuberculinum, Phosphorus.

  • Erkrankungsverlauf mit Dyspnoe: Antimonium tartaricum#Antimonium tartaricumHusten (rasselnde Atmung), Ipecacuanha (#IpecacuanhaDyspnoeÜbelkeit und Erbrechen), Carbo vegetabilis #Carbo vegetabilisDyspnoe(Schwäche, Verlangen frische Luft), Cuprum#Cuprum metallicumDyspnoe (trocken, bronchiale Spastik, Zyanose).

Kinder
  • Beginnender Husten und Bronchitis:

    • Belladonna: #BelladonnaHustentrockener, bellender Husten, rotes Gesicht, hohes Fieber, kalte Extremitäten

    • Chamomilla: #ChamomillaHustenHusten in Zahnungsperioden, sehr reizbar, Verlangen getragen werden, Husten im Schlaf, ohne zu erwachen.

  • Husten mit Erbrechen:

    • Ipecacuanha: #IpecacuanhaHustenbläuliches Gesicht beim Husten.

    • Pulsatilla: #PulsatillaHustenErbrechen von Schleim, katarrhalische Symptome, gelb-grüne, milde Absonderungen, Husten bei der geringsten körperlichen Anstrengung.

    • Antimonium tartaricum:#Antimonium tartaricumHusten ausgeprägte Dyspnoe, viel Schleim in den Bronchien, Cuprum metallicum (spastischer Husten, Erbrechen, bläuliches Gesicht, Dyspnoe).

Causa
  • Wetterbedingungen:

    • Trockenes, kaltes Wetter (z. B. im Winter in den Bergen): Aconitum, Causticum, Nux vomica, Hepar sulfuris. Nach Aconitum, (zu Beginn) sind Folgemedikamente Nux vomica (fröstelig, klares, wund machendes Nasensekret, Glieder- und/oder Rückenschmerzen), Hepar sulfuris (sehr fröstelig, kalte Luft agg., bellender Husten, eitrige Absonderungen), Causticum (Heiserkeit, schmerzhafter Husten, z. B. hinter dem Sternum).

    • Feuchtes, kaltes Wetter: Natrium sulfuricum, Dulcamara.

    • Warmes Wetter: Pulsatilla (wenig Durst, gelblich-grüne Absonderungen), Bryonia (viel Durst).

  • Physische und psychische Traumata:

    • Unfall oder Verletzung zu Beginn der Erkrankung: Arnica.

    • Psychische Traumata: Ignatia (Kummer, Verlust), Aconitum (akute Schrecksituationen), Opium (Folgen von Schreck).

  • Weiteres:

    • Ärger/Zorn: Chamomilla, Ignatia.

    • Auslöser einzelner Hustenanfälle: z. B. Husten durch Berührung des Gehörgangs (Otoskopie) oder des Larynx (Lachesis). Husten in dem Moment, in dem eine Person das Krankenzimmer betritt (Phosphorus).

Absonderung/Auswurf
  • Reichliche Absonderungen bzw. Auswurf:

    • Pulsatilla: gelbe, gelbgrüne, milde Absonderungen, Wärme agg.

    • Calcium sulfuricum, Silicea: purulente, gelbe Absonderungen, Sil. Kälte agg.

    • Kalium bichromicum: gelbe, gelb-grüne, zähe, klebrige, fadenziehende Absonderungen.

  • Übelriechender Auswurf: Capsicum (bereits übler Geruch aus dem Mund beim Husten).

  • Geruch nach altem Katarrh: Pulsatilla, Sulfur.

  • Geschmack des Auswurfs:

    • Bitter: Chamomilla, Pulsatilla.

    • Metallisch: Cuprum, Ipecacuanha.

    • Salzig: Arsenicum, Lycopodium, Phosphorus, Pulsatilla.

Zeitliche Muster
  • Nächtliche Verschlechterung: u. a. Arsenicum, Kalium carbonicum, Lachesis (agg. im Schlaf).

  • Definierte Uhrzeit des Hustens: Lycopodium (16–18 oder 20 Uhr), Rumex (23 Uhr), Coccus cacti (23:30 Uhr), Drosera (anfallsartig um 2 Uhr). Arsenicum und Drosera (nachts, besonders nach Mitternacht), Kalium carbonicum (2 oder 3 Uhr nachts).

  • Husten und Schlaf: Erwachen durch Husten (Causticum, Phosphorus, Sulfur), Husten verhindert den Schlaf (Lycopodium, Pulsatilla), Husten während des Schlafes ohne zu erwachen (Chamomilla, Lachesis), Husten nach dem Erwachen (Lachesis).

Temperatur
  • Allgemeine Temperaturmodalitäten:

    • Kälteempfindlich sind Arsenicum, Calcarea carbonicum, Hepar sulfuris, Nux vomica, Silicea, Tuberculinum.

    • Wärmeunverträglich sind Bryonia, Pulsatilla, Sulfur, Lachesis.

  • Temperaturempfindlichkeit bei Husten: agg. warmer Raum und das Hereinkommen aus dem kühlen Freien in einen warmen Raum (Bryonia, Coccus cacti, Pulsatilla). Husten sowohl beim Hereinkommen als auch beim Gehen ins Freie oder in die Kälte, hier ist der Temperaturunterschied der entscheidende Faktor (Phosphorus, Rumex).

  • Husten agg. durch Kälte: Arsenicum, Causticum, Hepar sulfuris, Nux vomica, Phosphorus, Rumex. Entblößen eines Körperteils agg. den Husten (Hepar sulfuris, Nux vomica, Rumex). Husten durch Entblößen des Kopfes oder der Füße (Silicea). Husten besser durch Zufächeln von kalter Luft oder am offenen Fenster (Carbo vegetabilis, Pulsatilla).

Hustencharakter
  • Klarer, hohler, kruppartiger Husten: Spongia (Seehundhusten), Belladonna, Hepar sulphuris#SpongiaHusten.

  • Feuchter, rasselnder Husten: Antimonium tartaricum#Antimonium tartaricumHusten, Pulsatilla: #PulsatillaHusten(Pulsatilla auch trocken, gelber, gelbgüner Auswurf, Antimonium tartaricum Schwierigkeiten den Auswurf herauszubringen).

  • Asthmatischer Husten: Ipecacuanha (Kinder), Cuprum, Antimonium tartaricum.

Lageabhängigkeit
  • Aufsetzen beim Husten: Bryonia, Phosphorus, Pulsatilla.

  • Husten, sobald der Kopf das Kissen berührt: Conium, Arsenicum, Drosera (hustet so lange, bis Auswurf kommt). #ConiumHusten

  • Liegen auf der re. Seite amel.: Phosphorus#PhosphorusHusten.

Charakteristische Modalitäten
Modalitäten, die den Husten bessern oder verschlechtern, sind sehr wichtig, um das passende Arzneimittel bestimmen zu können.
  • Spongia: Husten agg. durch Essen und warme Getränke, amel. durch kalte Getränke.

  • Cuprum#Cuprum metallicumHusten, Causticum: amel. durch kalte Getränke.

  • Chamomilla: Husten amel. durch #ChamomillaHustengetragen werden.

  • Bryonia#BryoniaHusten, Phosphorus: Husten agg. durch Lachen.

  • Phosphorus: Husten agg., wenn eine Person das Zimmer betritt.

  • Chamomilla, Ignatia: Husten durch Ärger .

  • Sanguinaria: #SanguinariaHustenHusten amel. durch Aufstoßen.

  • Hepar sulfuris: Husten #Hepar sulfurisHustenwenn ein Körperteil entblößt wird oder sich abkühlt.

  • Pulsatilla: #PulsatillaHustenHusten durch starke körperliche Anstrengung.

  • Hepar sulfuris, Ignatia: Husten agg., #IgnatiaHustenje mehr der Patient hustet (der Patient kann nicht mehr aufhören).

  • Phosphorus: Husten agg. #PhosphorusHustendurch Singen.

  • Lachesis: Husten agg. Berührung Kehlkopf oder Gehörgang.

  • Bryonia, Conium, Phosphorus, Pulsatilla: Husten agg. im Liegen, muss sich aufsetzen.

Begleitsymptome
  • Nasenbluten durch Husten (besonders bei Keuchhusten):

    • Arnica: Ekchymosen durch Husten.

    • Drosera und Ipecacuanha: (asthmatischer Husten, Zyanose, Erbrechen).

  • Tränenfluss beim Husten: Pulsatilla.

  • Schmerzen hinter dem Sternum beim Husten:

    • Bryonia: jede Bewegung verschlechtert.

    • Causticum: Heiserkeit, kalte Getränke bessern.

    • Phosphorus: muss sich aufsetzen, erwacht durch Husten.

  • Kopfschmerzen beim Husten (hält den Kopf mit beiden Händen):

    • Bryonia: jede Bewegung und Wärme verschlechtert.

    • Nux vomica: fröstelige Patienten.

  • Niesen am Ende einer Hustenattacke:

    • Belladona: trockener, bellender Husten, roter Kopf.

    • Bryonia, Carbo vegetabilis: große Schwäche, kalt, will Luft zugefächelt haben.

    • Hepar sulfuris: Kälte und Entblößen verschlechtert, bellender Husten.

    • Sulfur.

  • Erbrechen durch Husten: typisch für Ipecacuanha. DD bei Schleimerbrechen Antimonium tartaricum (viel Schleimrasseln in der Brust, der Schleim wird nur schwierig hochgebracht), Drosera, Ipecacuanha (starke Übelkeit und Dyspnoe, Zyanose), Pulsatilla (reichliche, gelb-grüne Absonderung aus der Nase, kein Durst).

  • Psychische Zustand:

    • Ein charakteristisches Gesamtbild steht deutlich im Vordergrund wie z. B. das zornige, unleidliche Chamomilla-Kind, die weinerliche Pulsatilla-Patientin oder der unruhige und ängstliche Arsenicum-Patient.

    • Möglicherweise ist außer dem Husten ein charakteristisches psychisches Einzelsymptom zu finden wie z. B. Weinen vor, während oder nach dem Husten, was auf den äußerst schmerzempfindlichen Hepar-sulfuris-Patienten hinweist.

Pneumonie

Definition: Entzündung des Lungenparenchyms Pneumoniedurch infektiöse (infektiöse Pneumonie), allergische oder physikalisch-chemische Ursachen (nicht-infektiöse Pneumonien).

Symptomatik: Innerhalb von 12–24 h schweres Krankheitsbild: plötzlich Schüttelfrost und hohes Fieber, gleichzeitig Husten. Nach kurzer Zeit wird das Sputum eitrig, gelb oder grünlich. Bei Blutbeimengungen färbt sich der Auswurf rötlich-braun. Atemnot und Schmerzen beim Atmen, süßlicher oder auch übel riechender Atemgeruch, häufig auch Nasenflügelatmung. Schonatmung auf der erkrankten Brustkorbhälfte, manchmal Zyanose.

Therapeutische Strategie
Pneumonien sind im Allgemeinen schwere Erkrankungen. In der schulmedizinischen Praxis sind sie antibiotikapflichtig und erkrankte Patienten werden häufig in die Klinik eingewiesen. Aus der homöopathischen Literatur der „Vorantibiotika-Ära“ existieren viele Berichte über erfolgreiche Behandlung bei Pneumonie. Auch in der heutigen Praxis kann der Versuch unternommen werden, eine Pneumonie ausschließlich homöopathisch zu behandeln. Voraussetzungen sind
  • fundierte Kenntnis der Behandlungsmethode,

  • ausreichend praktische Erfahrung, z. B. bei der Verlaufsbeurteilung (homöopathisch und schulmedizinisch),

  • eine realistische Einschätzung der gesundheitlichen Situation des Patienten und damit des Komplikationsrisikos.

Dabei sind Säuglinge und alte Menschen sowie Patienten mit vorgeschädigter Gesundheit als problematisch einzustufen.
Ist der Arzt (die Behandlung von Pneumonie ist dem Arzt vorbehalten) sich nicht sicher, sollte er nicht ausschließlich homöopathisch behandeln, sondern Antibiotika zur Hilfe nehmen. In jedem Fall ist eine gründliche Diagnostik (Auskultation, Lungenröntgen etc.) zur Diagnosesicherung und zur Verlaufsbeurteilung sinnvoll.
Homöopathische Behandlung
Die Behandlungsstrategie bei Pneumonie orientiert sich an der Schwere des Erkrankungsbildes. Zu Beginn steht eine genaue Untersuchung des Patienten, um ein möglichst komplettes Symptombild zu erhalten. Hierzu zählen bei Pneumonie insbesondere auch die objektiv erfassbaren Symptome wie z. B. die Lokalisation der Entzündung, Fiebersymptome etc.
Nach der ersten Verschreibung empfiehlt sich ein regelmäßiger Kontakt zum Patienten (ein- bis zweimal täglich), um den Krankheitsverlauf zu beurteilen und frühzeitig auf einen Wechsel der Symptome bzw. eine Zustandsverschlechterung reagieren zu können. Es ist im Krankheitsverlauf mit ein- oder mehrmaligem Mittelwechsel zu rechnen (z. T. mehrmals täglich) und es sollte bei entsprechender Symptomatik nicht zu lange damit gewartet werden.
Adjuvante Maßnahmen wie z. B. eine antipyretische Therapie oder Expektoranzien sind bei guter homöopathischer Behandlung häufig nicht erforderlich. Auf eine entsprechend lange Ruhephase (bis zu einer Woche und länger) in der Rekonvaleszenz ist wegen der Gefahr des Rückfalls bzw. verzögerten Heilungsverlaufs zu achten.
Auf jeden Fall empfiehlt sich nach der Genesung des Patienten eine klinische Befundkontrolle.
Wahl der Symptome
SymptomenwahlPneumonieDie Mittelwahl stützt sich bei Pneumonie auf das Symptombild der akuten Erkrankung. Neben dem Hauptsymptom Husten (10.1.1) gibt es einige spezielle Symptome zu berücksichtigen.
  • Lokalisation der Entzündung: Lateralität und Lokalisation innerhalb des Lungenflügels (links oben, rechts unten etc.), Begleitpleuritis?

  • Lebensabschnitt: Säugling, Kind, alten Menschen, Schwangerschaft.

  • Fieber-, Frost-, Schweißsymptome.

  • Schmerzsymptome und deren Modalitäten: z. B. hinter dem Sternum, unter der rechten Skapula und deren Modalitäten (z. B. besser durch Ruhe, Bewegung, eine bestimmte Lage).

  • Psychische Veränderungen: Unruhe, Delirium, Phantasieren, Angst, Verlangen nach oder Abneigung gegen Gesellschaft, Abneigung, den Arzt zu sehen, Abneigung, berührt oder angesehen zu werden etc.

  • Auslöser: meteorologische Gegebenheiten (Wetterwechsel, Extremtemperaturen etc.), Durchnässung (des Kopfes, der Füße, des ganzen Menschen), körperliche oder seelische Belastungssituationen etc.

  • Hustensymptome und Auswurf (10.1.1).

  • Bei Begleitantibiose:Begleitmedikation, allopathischePneumonie Arzneiwahl bezieht sich auf vorhandenen Krankheitssymptome. Da die Symptome jedoch verschleiert sein können, rücken die Aspekte der Erkrankung in den Vordergrund, die durch die Antibiotika keine oder wenig Änderung erfahren (beispielsweise Lokalisation und Lateralität, Causa, psychische Symptome).

Miasmatische Zuordnung
Pneumonien können sehr unterschiedlicher Genese sein. Es ist daher nur über die Modalitäten und die Gesamtheit der Symptome möglich, auf die miasmatische Beziehung zu schließen. Tuberkulöse Pneumonien sind psorischen Ursprungs oder entspringen einer hereditären Verbindung von Psora und Syphilis (= syphilitische Tuberkulinie).
Lungenentzündungen, die mit Rektalerkrankungen abwechseln, weisen auf eine Tuberkulinie hin.
Repertorium
RepertorisationPneumonieDie Hauptrubrik Brust – Entzündung – Lungen enthält (139 Arzneimittel), sie hat zahlreiche bewährte Unterrubriken (s. u.). Einzusetzen sind auch Rubriken aus den Kapiteln „Brust“, „Kehlkopf“, „Atmung“, „Husten“, „Auswurf“, „Fieber“, „Frost“, „Schweiß“. Besonders wertvoll sind auch die am Patienten direkt sichtbaren Symptome (s. u. und 3).

Brust – Entzündung – Lungen // rechts // rechts, oberer/unterer Lappen // links// links, oberer/unterer Lappen // alten Leuten, bei // Kleinkindern, bei // Pleuropneumonie // verschleppte Pneumonie //

Nase – Bewegung der Nasenflügel – Fächer wie ein – Pneumonie, bei

Schlaf – Schlaflosigkeit – Pneumonie, bei

Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Bei guter homöopathischer Betreuung sind adjuvante Maßnahmen nicht notwendig. Allgemein gilt: viel Trinken und Ruhe für den Patienten. Fiebersenkende Maßnahmen wie antipyretische Arzneimittel, Wadenwickel etc. sind manchmal unvermeidbar, wirken für den Heilungsprozess aber eher kontraproduktiv, da sie die Abwehrreaktion des Körpers behindern. Steigt das Fieber des Patienten zu hoch und ist er dadurch stark belastet, ist das ein Grund, ein anderes Arzneimittel auszuwählen. Wichtig ist eine längere Rekonvaleszenzphase zur vollständigen Ausheilung der Pneumonie.
Prognose: Die Prognose für die homöopathische Behandlung einer Pneumonie ist bei guter Sachkenntnis des Arztes und sonst gesunden Patienten sehr gut. Bei kleinen Kindern, alten und organisch kranken Menschen ist dagegen Vorsicht geboten.
Unterstützende Maßnahmen
Bei guter homöopathischer Behandlung sind adjuvante Maßnahmen meist nicht notwendig. Allgemein gilt: viel trinken und Ruhe einhalten. Fiebersenkende Maßnahmen wie Wadenwickel wirken für den Heilungsprozess eher kontraproduktiv, da sie die Abwehrreaktion des Körpers behindern. Bei sehr hohem Fieber und/oder starkem objektivem oder subjektivem Leidensdruck ist ein anderes homöopathisches Arzneimittel auszuwählen.
Greift die homöopathische Therapie nicht, sollten Antibiotika verabreicht werden.
Wichtig ist eine längere Rekonvaleszenzphase zur vollständigen Ausheilung der Pneumonie.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Ant-t., Ars., Bry., Ip., Lyc., Phos., Sulph.
!! Acon., Bell., Hep., Kali-c., Lach., Sil.
! Calc., Carb-v., Lob., Merc., Nat-s., Nux-v., Op., Puls., Rhus-t.

Neben den aufgeführten Medikamenten können auch nahezu alle Arzneimittel aus dem Kapitel „Bronchitis“ (10.1.1) angezeigt sein.
Krankheitsverlauf
  • Plötzlicher Krankheitsbeginn: Erkrankungsbeginn plötzlich, wie aus heiterem Himmel: Aconitum (Angst, Unruhe), Belladonna (große Hitze, kalte Extremitäten, roter Kopf).

  • Langsamer Krankheitsbeginn: Lycpodium (Pneumonie re.), Phosphorus (entsprechende Hustensymptome, Durst), Sulfur (Pneumonie li., viel Durst, Hitze), Bryonia (re. Seite, Durst).

  • Fehlende Heilungstendenz: Lobelia#Lobelia inflataPneumonie (Dyspnoe, Angst um die Gesundheit), Lycopodium#LycopodiumPneumonie, Phosphorus#PhosphorusPneumonie, Sanguinaria#SanguinariaPneumonie (Husten, besser durch Aufstoßen, brennend heiße Füße), Silicea (kalte Patienten, eitriger Auswurf, mangelnde Reaktion), Sulfur#SulfurPneumonie.

  • Schnelle Krankheitsdynamik: z. B. Aconitum, Belladonna.

  • Langsame Verläufe: z. B. bei Silicea (die Erkrankung entwickelt sich langsam, Schritt für Schritt über mehrere Tage).

Lokalisation
  • Linksseitige Pneumonien: Aconitum, Calcarea, Lachesis, Natrium sulfuricum, Phosphorus, Sanguinaria, Sulfur.

  • Rechtsseitige Pneumonien: Belladonna, Bryonia, Kalium carbonicum, Lycopodium, Mercurius, Phosphorus, Sanguinaria.

  • Differenzierung Ober- oder Unterlappen kann hilfreich sein (beispielsweise Calcarea bei Infektionen des rechten Oberlappens), beschränkt die Arzneimittelwahl aber sehr stark.

Begleiterkrankungen
Begleitende Pleuritis: Bryonia #BryoniaPleuritis(rechte Seite, starke Schmerzen, Patient liegt auf der schmerzhaften Seite, Bewegung verschlechtert), Kalium carbonicum #Kalium carbonicumPleuritis(kalte Patienten, stechende Schmerzen, Atmen verschlechtert, Gefühl, als sei der Lungenlappen mit den Rippen verwachsen, allgemein schlechter nachts, meist von 2–4 Uhr), Phosphorus #PhosphorusPleuritis(viel Durst, typische Hustensymptome).
Auslöser
  • Extrem kaltes, trockenes Wetter (evtl. auch mit Wind): im Beginn evtl. Aconitum (z. B. mit Angst, Unruhe und großem Durst) oder Nux vomica (frostige, reizbare Patienten), im eitrigen Stadium Hepar sulfuris (ebenso frostig wie Nux vomica, viel Schweiß).

  • Feuchtes, kaltes Wetter: Natrium sulfuricum#Natrium sulfuricumPneumonie.

  • Heiße Sommertage:

    • Bryonia: #BryoniaPneumoniePneumonie rechts mit viel Durst, Hitze und Schmerzen der Lunge, die besser sind durch das Liegen auf der entsprechenden Seite.

    • Lachesis#LachesisPneumonie: Pneumonie links, der Patient erträgt beispielsweise den Druck der Decke nicht auf der Brust.

  • Durchnässung (Regen, Baden):

    • Belladonna: #BelladonnaPneumoniedeliranter Patient, meist Kinder, roter Kopf, kalte Hände und/oder Füße.

    • Calcarea#Calcium carbonicumPneumonie: Pneumonie rechts, Schweiß im Nacken, Pulsatilla: #PulsatillaPneumoniehohes Fieber ohne Durst, reichlich grüner Auswurf.

    • Rhus toxicodendron: #Rhus toxicodendronPneumoniewegen Schmerzen unruhige Patienten, sehr frostig.

    • Nach Nasswerden des Kopfes Belladonna#BelladonnaPneumonie, nach nassen Füßen Pulsatilla, Rhus toxicodendron und Silicea #SiliceaPneumonie(sehr frostige Patienten, im eitrigen Stadium der Erkrankung, keine schnelle Krankheitsentwicklung).

  • Belastungssituationen: Schlafmangel (Sulfur), großer geschäftlicher Druck, existenzielle Sorge (Nux vomica), Erkrankungen nach durchzechten Nächten (Nux vomica).

Alter des Patienten
  • Säuglinge und Kinder:

    • Antimonium tartaricum#Antimonium tartaricumPneumonie: sehr viel Schleim in der Lunge, deshalb Dyspnoe.

    • Bryonia: #BryoniaPneumoniePneumonie rechts, Kind will sich wegen Schmerzen kaum bewegen.

    • Ipecacuanha: #IpecacuanhaPneumonieDyspnoe, Blässe, Zyanose, evtl. Schleimerbrechen durch Husten.

    • Phosphorus: #PhosphorusPneumoniegroßer Durst, typische Hustensymptome.

    • Opium#OpiumPneumonie: Kind delirant, abwesend, Augen im Schlaf halb geöffnet, roter Kopf.

  • Alte Menschen:

    • Bryonia: Pneumonie rechts, Patient liegt auf der rechten Seite, starke Schmerzen, durch jede Bewegung verschlechtert, große Hitze.

    • Nux vomica: #Nux vomicaPneumoniePatient ist missmutig, kalt, bis zum Kinn zugedeckt.

    • Opium: Bewusstseinsstörungen, Apathie.

    • Arsenicum: #Arsenicum albumPneumoniegroße, psychogene Unruhe, Angst, Kälte, Schwäche und nächtliche Verschlechterung.

Schmerzen
Typischerweise finden sich die Schmerzen auf der Seite der Pneumonie, sodass die Schmerzlokalisation alleine oft kein auffallendes Symptom ist.
  • Schmerzen hinter dem Sternum (beim Husten): Bryonia, Hepar sulfuris, Phosphorus, Sanguinaria.

  • Lungenschmerzen, die vom Patienten oberhalb der linken Brustwarze lokalisiert werden: Sulfur

  • Charakteristische Schmerzmodalitäten:

    • Liegen auf der schmerzhaften Seite amel.: Bryonia #BryoniaPneumonie(auch Pulsatilla#PulsatillaPneumonie), auch besser durch Druck der Hand oder ein hartes Kissen.

    • Liegen auf der nicht betroffenen Seite amel.: Aconitum #AconitumPneumonie(auch Hepar sulfuris#Hepar sulfurisPneumonie, Silicea #SiliceaPneumonieund andere).

  • Verschlechterung bzw. Besserung durch Bewegung:

    • Verschlechterung durch Bewegung Bryonia.

    • Besserung durch Bewegung (und als deren Folge motorische Unruhe): Rhus toxicodendron nicht verwechseln #Rhus toxicodendronPneumoniemit der psychogenen Unruhe von Arsenicum #Arsenicum albumPneumonie(beide Arzneimittel sind frostig und unruhig).

Begleitsymptome
  • Fächerartige Bewegungen der Nasenflügel: Antimonium tartaricum, Lycopodium, Phosphorus.

  • Heiserkeit: Phosphorus.

  • Rasseln der Atmung: Antimonium tartaricum, Opium (Symptome im Zusammenhang mit Husten 10.1.1 [akute Bronchitis] und 10.2. [obstruktive Atemwegserkrankungen]).

  • Fieber-, Frost- und Schweißsymptome:

    • Verfrorene Patienten: Arsenicum, Carbo vegetabilis, Kalium carbonicum, Hepar sulfuris, Nux vomica (Hepar sulfuris und Nux vomica agg. durch die kleinste Bewegung unter der Bettdecke), Carbo vegetabilis (Verlangen Luft zugefächelt zu bekommen).

    • Hitze: Bryonia, Lachesis, Belladonna, Sulphur etc.

    • Verschlechterung durch Kälte und Wärme: Mercurius (deutliche Symptome im Mundbereich, Zungenschwellung, Zahneindrücke an den Zungenrändern, Speichelfluss, Mundgeruch, Aphthen).

  • Kopfschmerzen bei Pneumonie: Bryonia, Nux vomica (Patient hält den Kopf beim Husten), Bryonia, Natrium sulfuricum, Phosphorus (Patient hält beim Husten die Brust).

  • Saubere Zunge bei Lungenerkrankungen (mit starken gastrischen Symptomen): Ipecacuanha.

Andere Begleitsymptome (z. B. Veränderungen der Hautfarbe, der Temperatur, Schweiße etc.) siehe auch „Fieber“ (31.2.11).
Psychische Veränderungen
  • Phosphorus:#PhosphorusPneumonie freundlich, Verlangen nach Gesellschaft, agg., wenn alleine (jedoch Husten an, wenn andere Personen das Zimmer betreten).

  • Arsenicum album: #Arsenicum albumPneumonieVerlangen nach Gesellschaft, ängstlich, unruhig.

  • Kalium carbonicum:#Kalium carbonicumPneumonie Wunsch nach Anwesenheit von anderen, behandelt diese unfreundlich.

  • Nux vomica#Nux vomicaPneumonie: Abneigung gegen Gesellschaft, unwirsch zu seinen Mitmenschen (wie Bryonia).

  • Antimonium tartaricum: #Antimonium tartaricumPneumonieAbneigung gegen Berührung (auch Arsenicum, Kalium carbonicum), Abneigung, angesehen zu werden (auch Arsenicum und Nux vomica).

  • Aconitum, Arsenicum album: delirante Zustände mit Unruhe, Angst.

  • Opium#OpiumPneumonie: ruhiges Delirium, rotes, gedunsenes Gesicht (Bell., eher aggitiert).

  • Lachesis#LachesisPneumonie: Delirium mit Geschwätzigkeit.

Pseudokrupp

Pseudokrupp

Definition: Meist viral bedingte Atemwegsentzündung bei Kindern mit Heiserkeit und typischem, „bellenden“ Husten durch Schwellung der Kehlkopf- und Luftröhrenschleimhaut.

Symptomatik: Trockener, bellender Husten und Heiserkeit, Beschwerden meist nachts, in schweren Fällen inspiratorischer Stridor, meist nachts aus dem Schlaf heraus, begleitet von Angst.

Therapeutische Strategie
Der Pseudokrupp der Kinder ist trotz oft scheinbar dramatischer Symptomatik letztlich eine harmlose, selbstlimitierende Erkrankung, die meist in der kalten Jahreszeit, oft im Beginn von viralen Infekten der oberen Atemwege auftritt. Die Symptome der kleinen Patienten (Stridor, Kehlkopfhusten, scheinbare Atemnot) wirken bedrohlich, sind aber harmlos und klingen meist nach weniger als einer Stunde von selbst ab, also meist, bevor der Arzt vor Ort ist. Eine Abgrenzung gegen die gefährliche EpiglottitisEpiglottitis sollte vorgenommen werden.
Entscheidend ist als primäre Maßnahme die Beruhigung der Situation, sprich speziell des Patienten und der Eltern, auch in Bezug auf eventuell spätere Rezidive. Auf schulmedizinische Medikamente wie Kortisonzäpfchen kann verzichten werden.
Homöopathische Behandlung
Homöopathische Medikamente sind aus rein medizinischer Sicht im Allgemeinen nicht erforderlich. Diese werden aber wegen der subjektiv schweren Symptome von den Eltern der Patienten oftmals gefordert und dann häufig in Eigenregie verabreicht.
Bei rezidivierendem Pseudokrupp oder protrahierten Verläufen ist eine homöopathische Behandlung angezeigt. Außerdem ist rezidivierender Pseudokrupp ein nützliches Symptom bei der Verschreibung konstitutioneller Arzneimittel. Das richtige Konstitutionsmittel sollte in jedem Fall zum Verschwinden der Neigung zu dieser Kehlkopfaffektion führen.
Wahl der Symptome
SymptomenwahlPseudokruppWenn eine Verschreibung notwendig ist, gibt der psychische Zustand des Patienten Hinweise, v. a. aber das zeitliche Auftreten der Symptome. Hilfreich sind auch die jeweils vorhandenen Witterungsbedingungen. Insgesamt handelt es sich (sogar für den Homöopathen) um ein recht einförmiges, oligosymptomatisches Krankheitsbild.
Miasmatische Zuordnung
Der typische bellende Husten bei Pseudokrupp ist ein Hinweis auf eine syphilitische oder tuberkulinische Belastung. Heiserer, hohler, tiefklingender Husten weist ebenso auf eine Tuberkulinie hin wie eine Besserung der Heiserkeit durch kalte Luft.
Repertorium
RepertorisationPseudokruppIn der Rubrik Kehlkopf – Krupp (70 AM) und Husten – kruppartig (50 AM) sind Arzneimittel für Pseudokrupp enthalten, aber auch die Arzneimittel für diphtherischen Krupp (zusätzlich zur Unterrubrik Kehlkopf – Krupp – membranös).
Wahlanzeigend sind die Unterrubriken, z. B. Husten – Krupp – kalter trockener Luft, nach Einwirkung von (Aconitum, Hepar sulfuris, Spongia etc.). In der Praxis hat sich die Unterrubrik Kehlkopf – Krupp – wiederkehrend (Synthesis: „Allgemeines – Krankengeschichte von, persönliche – Krupp, von wiederkehrendem“) mit fünf Arzneimitteln als hilfreich erwiesen.
Wenn therapeutische Intervention bei Pseudokrupp tatsächlich nötig ist und von dem unten angegebenen „Therapieschema“ abgewichen werden muss, finden sich nützliche Hinweise in den Kapiteln „Kehlkopf“, „Atmung“, „Husten“, im Kapitel „Gemüt“.
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Da die Erkrankung selbstlimitierend ist und meist nach etwa 30–60 Minuten von selbst abklingt, ist es schwierig, die Wirkung der homöopathischen Arzneimittel tatsächlich und objektiv zu beurteilen. Klingen die Symptome nach der Arzneimittelgabe wider Erwarten nicht ab, kann ein anderes Arzneimittel gewählt werden.
Prognose: Die Prognose des akuten Pseudokrupp-Anfalls ist immer gut. Rezidive sollten unter guter konstitutioneller Therapie nicht auftreten.
Unterstützende Maßnahmen
Wichtig ist ein ruhiges Handling des Patienten und der Angehörigen. Hilfreich ist es, mit dem Patienten an die frische Luft (z. B. an ein geöffnetes Fenster) zu gehen oder in einen Raum mit hoher Luftfeuchtigkeit (z. B. ins Bad und die Dusche laufen lassen).
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

Akuter Pseudokrupp: Acon., Bell., Hep., Spong.

Rezidivierender Pseudokrupp: Calc., Calc-s., Hep., Phos.

Typischer Pseudokrupp-Anfall
  • Aconitum: häufige Erstverordnung#AconitumPseudokrupp (plötzliches Auftreten, Unruhe, Angst, Panik, trockener Kehlkopfhusten).

  • Hepar sulfuris: trockener, bellender Husten, Symptome vor Mitternacht.

  • Spongia: typischer Pseudokrupp-Husten, „SeehundhustenSeehundhusten, Pseudokrupp“, Symptome nach Mitternacht.

Weitere Differenzierungen
  • Aconitum, Hepar sulfuris: #Hepar sulfurisPseudokruppSymptome durch sehr kaltes, trockenes Wetter (Aconitum im Beginn der Erkrankung, wenn diese plötzlich auftritt, Hepar sulfuris bei Krupp in fortgeschrittenen Stadien von Erkältung, evtl. mit eitrigen Absonderungen und begleitenden Ohrenschmerzen).

  • Belladonna: typischer hochroter Kopf, große Hitze (Glühen), bellender Husten, weniger ängstliche Unruhe (DD Aconitum), weniger fortgeschrittene Entzündung (DD Hepar sulfuris).

Als „standardisiertes“ Vorgehen hat sich in der Praxis bewährt: Zu Beginn Aconitum#AconitumPseudokrupp, falls keine Besserung erfolgt Hepar sulfuris #Hepar sulfurisPseudokruppbei Pseudokrupp vor Mitternacht, Spongia#SpongiaPseudokrupp bei Pseudokrupp nach Mitternacht.

Rezidivierender Pseudokrupp
  • Calcarea carbonica#Calcium carbonicumPseudokrupp: adipöse, phlegmatische Kinder, kalte, schwitzige Hände und Füße, Kopfschweiß im Schlaf, Verlangen nach Süßigkeiten, Eiern, evtl. rezidivierende.

  • Calcium sulfuricum: Entzündungsneigung der Haut, schlechte Wundheilung, Eiter- und/oder Fistelbildung, Eifersucht gegenüber Geschwisterkindern, Krupphusten morgens schlechter, Verlangen nach grünem, unreifem Obst.

  • Hepar sulfuris#Hepar sulfurisPseudokrupp: Neigung zu eitrigen Erkrankungen, Otitis media in der Anamnese, starke Schmerzempfindlichkeit, unleidige Kinder, verfroren, Beschwerden durch kaltes, trockenes Wetter, Verlangen nach sauren Speisen.

  • Phosphorus#PhosphorusPseudokrupp: freundliche, ängstliche Kinder, Erkältungen verlagern sich nach unten und führen zu Kehlkopf- oder Lungenaffektionen, Nasenbluten in der Anamnese, viel Durst, Abneigung gegen warme Getränke, wenig Verlangen nach Süßigkeiten.

Bei rezidivierendem Pseudokrupp ist immer nach den Richtlinien der konstitutionellen Therapie zu verschreiben (4).

Obstruktive Atemwegserkrankungen

Chronisch-obstruktive Bronchitis

Definition: Gemäß WHO: „Husten und Bronchitischronisch-obstruktiveAuswurf an den meisten Tagen von mindestens drei Monaten zweier aufeinander folgender Jahre“. Ursachen: Hauptsächlich durch inhalative Noxen (Rauchen, Stäube) bedingt, aber auch durch raues Klima im Herbst und Winter, trockenes Innenraumklima und vorbestehende Lungenerkrankungen (Lungenfibrose, Bronchiektasen). Rez. Entzündungen der Bronchialschleimhaut und fortschreitende Zerstörung des Flimmerepithels begünstigen einander. Häufig bakterielle Superinfektionen.

Symptomatik: Husten, zäher Auswurf besonders morgens, Belastungsdyspnoe, rez. Infekte.

Therapeutische Strategie
Je nach Ausprägung der Erkrankung und den bereits entstandenen organischen Veränderungen gibt es unterschiedliche, therapeutische Strategien. Immer empfiehlt sich eine konstitutionelle Therapie mit homöopathischen Medikamenten. Je nach Schwere der akuten Exazerbation bzw. der schon vorhandenen, irreversiblen Gewebeschäden kann eine zusätzliche allopathische Medikation kurzzeitig oder auch dauerhaft notwendig sein. Das Ziel der homöopathischen Therapie ist Beschwerdefreiheit des Patienten bzw. maximale Linderung der Beschwerden. Hierdurch können die schulmedizinischen Medikamente reduziert oder weggelassen werden, was zu einer zusätzlichen Entlastung des Körpers führt.
Wegen der Schwere der Erkrankung und den möglichen Folgen für die Lunge und das Herz sollte die homöopathische Therapie nur vom erfahrenen Homöopathen durchgeführt werden.
Homöopathische Behandlung
Die homöopathische Therapie kann in der akuten Exazerbation beginnen, dann meist als Akuttherapie oder auch im (mehr oder weniger) beschwerdefreien Intervall als konstitutionelle Therapie. Kommt es im Verlauf zu erneuten Exazerbationen, werden diese zumindest bei schweren Verläufen im Sinne einer Akutkrankheit therapiert.
Wahl der Symptome
SymptomenwahlBronchitisKonstitutionelle Symptome führen zur Arzneimittelwahl für die konstitutionelle Therapie im beschwerdefreien Intervall, einschließlich der Krankheitssymptome anderer Erkrankungen der evtl. multimorbiden Patienten.
Bei akuter Exazerbation je nach Ausprägung der Charakteristika Bronchitis und/oder Obstruktion 10.1.1 (akute Bronchitis), 10.2.2 (Asthma bronchiale).
Bei schweren Fällen mit bereits vorliegenden Organveränderungen (z. B. Emphysem, Herzhypertrophie, Lebervergrößerung etc.) sollten diese bei der Arzneiwahl berücksichtigt werden.
Miasmatische Zuordnung
Chronische Hustenzustände entstehen oft auf dem Boden einer Tuberkulinie: Husten mit sehr geringem oder ohne Auswurf, tief klingend, hohl. Schleimig-eitriger oder grünlich gelber Auswurf mit salzigem oder süßlichem Geschmack. Blutiger Auswurf.
Ständige Bronchitis im Herbst oder Winter kann sykotischen Ursprungs sein.
Repertorium
RepertorisationBronchitisEine Rubrik zur chronisch obstruktive Bronchitis findet sich nicht im Repertorium, am ehesten kommt die große Rubrik Brust – Katarrh (92 AM) infrage. Eine brauchbare Unterrubrik ist Brust – Katarrh – alten Leuten, bei (9 AM). Je nach Ausprägung des Krankheitsbildes siehe auch alle Rubriken aus den Kapiteln Bronchitis und Asthma bronchiale benutzt werden.
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung, Behandlungssequenz, Behandlungsdauer 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Kommt der Patient mit einer floriden Bronchitis, wird diese immer erst als akute Erkrankung behandelt, bevor das tief wirkende Konstitutionsmittel verabreicht wird. Ausnahme: Akutes und konstitutionelles Mittel sind identisch. In diesem Fall das passende Arzneimittel nicht zu hoch (C30 oder C200, bei sonst guter Gesundheit evtl. M, in schweren Fällen besser als Q-Potenz) verordnen.
  • Akute Exazerbation: vgl. Bronchitis (10.1.1), Asthma (10.2.2).

  • Konstitutionelle Therapie (Beginn meist im symptomarmen/-freien Intervall): Da es sich bei der chronisch-obstruktiven Bronchitis um eine chronische Erkrankung handelt, ist nicht mit einem sofortigen Verschwinden der Symptome bzw. Exazerbationen zu rechnen. Vielmehr kommt es im Verlauf der Therapie zu einer Verringerung der Symptomintensität und/oder der Häufigkeit der Krankheitsepisoden (was je nach bisherigem Krankheitsverlauf und Krankheitsdauer Wochen bis Monate dauern kann).

Prognose: Eine konsequente homöopathische Therapie sollte bei leichten bis mittelschweren Fällen zur Symptomfreiheit führen, ohne dass zusätzlich allopathische Medikamente verabreicht werden müssen. In schweren oder langwierigen chronischen Fällen ist häufig nur eine Symptomverbesserung zu erreichen, unter Umständen kann auf Allopathika nicht verzichtet werden.
Unterstützende Maßnahmen
  • Akute Exazerbation: vgl. Asthma (10.2.2).

  • Im symptomfreien Intervall: dem Krankheitszustand entsprechend Bewegung an der frischen Luft bzw. Sport. Verzicht auf jegliche inhalative Noxen.

Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Ars., Phos., Sulph.
!! Calc., Caust., Kali-bi., Kali-c., Lach., Lyc., Nat-s., Nux-v., Puls., Sil., Tub.
! Ammc., Ant-t., Calc-s., Hep., Seneg.

  • Akute Exazerbation: vgl. Bronchitis (10.1.1), Asthma bronchiale (10.2.2)

  • Konstitutionelle Therapie: Die Auswahl der Symptome erfolgt nach den Gesichtspunkten der konstitutionellen Therapie (4.2), die Symptome der Atmungsorgane (z. B. Husten, Dyspnoe, Auswurf) haben hier den Charakter von Lokalsymptomen.

Arzneimittel, die sich in der Praxis als besonders hilfreich erwiesen haben:
  • Arsenicum#Arsenicum albumBronchitis: ängstlich, unruhig, pedantisch, verfroren, nachts schlechter, viel Durst, besonders auf warme Getränke.

  • Calcarea carbonica#Calcium carbonicumBronchitis: phlegmatisch, evtl. adipös, verfroren, schwitzige, kalte Hände und Füßen, Obstipation.

  • Calcium sulfuricum#Calcarea sulfuricaBronchitis: warm, Neigung zu eitrigen Erkrankungen der Haut, Fistelbildung, verzögerte Wundheilung, pathologische Eifersucht, Verlangen nach saurem Obst.

  • Causticum#CausticumBronchitis: mitfühlend, häufig Heiserkeit oder Stimmverlust, Kälteempfindlich, Beschwerden durch kaltes Wetter oder kalten Wind (z. B. Neuralgien), viele Symptome im Bereich der Harnorgane (z. B. Harninkontinenz) und Haut (Warzen, Auswüchse).

  • Hepar sulfuris#Hepar sulfurisBronchitis: eitrige Erkrankungen in der Anamnese, käteempfindlich, reizbar (bis zu Gewalttätigkeit), starkes Verlangen nach sauren Nahrungsmitteln.

  • Kalium bichromicum#Kalium bichromicumBronchitis: typisch sind zähe, fadenziehende Absonderung (wie Klebstoff/Patex).

  • Kalium carbonicum#Kalium carbonicumBronchitis: pedantisch, verfroren, deutliche Verschlechterung nach Mitternacht (2–4 Uhr), Beteiligung der serösen Häute (z. B. Pleuritis), bei Dyspnoe vorne übergebeugtes Sitzen mit den Ellenbogen auf den Knien und dem Kopf in den Händen, ödematöse Schwellung der medialen Oberlider.

  • Lachesis#LachesisBronchitis: warm, agil, gesprächig, Hang zur Eifersucht, Verschlechterung im Schlaf, verträgt keinen Druck am Körper (z. B. durch Kleidung, besonders am Hals), Beschwerden der linken Seite oder auf der linken Seite beginnend, Besserung aller Beschwerden durch einsetzende Absonderungen (z. B. Rhinitis, Menses).

  • Lycopodium#LycopodiumBronchitis: häufig Männer (früh ergraut), Verschlechterung nachmittags (16 und 20 Uhr), verfroren, abdominale Beschwerden (z. B. Blähungen), Auftreibung des Bauches und Abmagerung des restlichen Körpers, Unverträglichkeit von Zwiebeln, blähenden Speisen, Paprika, Gurke, Beschwerden rechts oder auf der rechten Seite beginnend.

  • Natrium sulfuricum#Natrium sulfuricumBronchitis: Chronische Atembeschwerden, bei kaltem, feuchtem Wetter (Frühling, Herbst), Diarrhoe (besonders früh morgens), häufig Kopfverletzungen mit chronischen Folgen (z. B. Migräne, Depression) in der Anamnese.

  • Nux vomica#Nux vomicaBronchitis: Maßlosigkeit (verzichtet trotz Beschwerden nicht auf schädliche Stimulanzien wie Tabak, Alkohol), reizbar, verfroren, Verlangen nach fetten Speisen, Fleisch, Süßigkeiten, Neigung zu Verdauungsstörungen, Hämorrhoiden.

  • Phosphorus#PhosphorusBronchitis: extrovertiert, mitfühlend, ängstlich, schlank mit rotblonden Haaren, Sommersprossen, jede Erkältung schlägt sich auf die Bronchien und verursacht Heiserkeit, Stimmlosigkeit und Husten, großer Durst, Verlangen nach gewürzten oder salzigen Speisen, Neigung zu starken, hellroten Blutungen (Epistaxis, Menses etc.).

  • Pulsatilla#PulsatillaBronchitis: warm, plethorisch, oft Frauen, „nah am Wasser gebaut“, grüne, milde Absonderungen, wenig Durst, besser im Freien, durch langsame Bewegung in kühler Luft, starke Abneigung gegen fette Speisen, Beschwerden nach Durchnässung (besonders der Füße).

  • Silicea#SiliceaBronchitis: starke Eiterneigung, verzögerte Wundheilung (gelbe Absonderungen), langsame Heilungstendenz von Erkrankungen, verfroren, übel riechender Fußschweiß, Zugluft agg., zurückhaltend, schüchtern, viel Angst vor dem, was kommt (z. B. Prüfungsangst).

  • Sulfur#SulfurBronchitis: warme, oft ungepflegt wirkende Patienten (unreine Haut, struppige, ungepflegte Haare), Neigung zu Hautaffektionen, übel riechenden Absonderungen (Stuhl oder Schweiß), viel Durst und Verlangen nach Fett und Süßigkeiten, Neigung zu Diarrhoe (früh morgens), heiße Füße, die nachts aus dem Bett gestreckt werden.

  • Tuberculinum#TuberculinumBronchitis: anamnestisch Infektionserkrankungen der Atemwege (Rhinitis, Bronchitis, Pneumonie) oder Tuberkulose in der Familie, verfroren, unsteter Lebenslauf mit viel Wechsel von Wohnsitz oder Arbeitsstelle bzw. wechselnden Urlaubszielen.

Alte Patienten mit chronisch-obstruktiver Bronchitis:
  • Arsenicum#Arsenicum albumBronchitis: schlechter nachts, Schwäche, verfrore, kachektisch, Sorgen um materielle Existenz/Geld.

  • Ammoniacum gummi#Ammoniacum gummi, Bronchitis: schlechte Laune, schwache, alte Menschen, verfroren, Eiter in den Bronchien, rasselnde Atmung.

  • Antimonium tartaricum#Antimonium tartaricumBronchitis: akuter Zustand, sehr starke Schleimbildung, viel Rasseln in der Brust, zäher Schleim (kann nicht oder nur ungenügend heraufgebracht werden).

  • Senega#SenegaBronchitis: viel zähflüssiger Schleim (wird hochgebracht, geht aber wieder zurück), Rasseln in der Brust.

Asthma bronchiale

Definition: Anfallsweise auftretende Asthma bronchialeAtemnot durch Atemwegsobstruktion. Auslöser: Allergene, beispielsweise Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaare, Schimmelpilze sowie Mehlstaub oder Konservierungsstoffe. 1–2 % der Erwachsenen und 2–4 % der Kinder sind betroffen.

Symptomatik: Anfallsweise Atemnot (häufig in der Nacht, insbesondere in den frühen Morgenstunden), mit erschwerter und verlängerter Ausatmung, Giemen. Oft zu Beginn eines Anfalls auch mit Husten. Erstickungs- und Todesangst. Am Ende des Anfalls wird häufig zäher, glasiger Schleim ausgehustet. Im Anfall meist „Asthmatikerstellung“,

das bedeutet eine aufrechte Sitzhaltung mit vornüber geneigtem Oberkörper.

Alarmsymptome: Gebrauch der Atemhilfsmuskulatur, verlangsamte, unregelmäßige Atmung, vermindertes Atemgeräusch oder Zyanose der Akren (bläulich-rote Verfärbung z. B. der Lippen, Fingerspitzen und der Nasenspitze).

Therapeutische Strategie
Asthma bronchiale ist in den meisten Fällen eine Erkrankung aus dem allergischen Formenkreis (manchmal auch psychosomatisch) und damit, wie die Neurodermitis und der Heuschnupfen, mit denen es häufig kombiniert ist, eine sehr tief sitzende Erkrankung.
Die Homöopathie kann hier mit der konstitutionellen Therapie im Gegensatz zur Schulmedizin einen kurativen Therapieansatz bieten, d. h., der Patient hat die Chance, seine Beschwerden dauerhaft und ohne jegliche adjuvante Therapie zu verlieren. Da Asthma eine für den Patienten subjektiv und objektiv sehr bedrohliche Erkrankung ist, muss bei der Therapie mit Bedacht vorgegangen werden, und häufiger ist zu Beginn eine Kombination der homöopathischen Therapie mit allopathischen Medikamenten unvermeidlich. In den meisten Fällen können diese im Laufe der Behandlung aber deutlich reduziert bzw. abgesetzt werden.
Je länger die Symptomatik anamnestisch besteht und/oder je ausgeprägter die Symptome sind, desto länger muss die Therapiedauer angesetzt werden. Grundsätzlich gilt: Je früher nach Beginn der Erkrankung mit der homöopathischen Therapie begonnen wird, desto besser sind die Heilungschancen.
Homöopathische Behandlung
Die Behandlung des Asthma bronchiale lässt sich unterteilen in die Behandlung des akuten Asthmaanfalls und die Behandlung des chronisch asthmakranken Patienten. Die Behandlung des akuten Anfalls ist immer palliativ und zielt auf die Erleichterung der Akutsymptomatik. Sie verhindert jedoch nicht das Wiederauftreten von weiteren Asthmaanfällen.
Die Neigung zu Asthma bronchiale wird durch eine konstitutionelle homöopathische Therapie beseitigt (kurativer Therapieansatz). Da es sich um eine anfallsartige Erkrankung handelt und auch bei guter konstitutioneller Therapie mit einer deutlichen Besserung nicht immer sofort zu rechnen ist, kann eine Kombination aus konstitutioneller Therapie und Akuttherapie angezeigt sein.
  • Die Behandlung des akuten AsthmaanfallsAsthmaanfall ist wegen der bedrohlichen Symptomatik oft schwierig. In schweren Fällen kann die zusätzliche Gabe von schulmedizinischen Medikamenten indiziert sein. Sollte der Patient schon ein konstitutionell wirkendes, homöopathisches Arzneimittel erhalten haben, empfiehlt es sich, das Akutmittel passend dazu auszuwählen (Komplementärmittel).

  • Bei schwersten chronischen Asthmaleiden kann auch die Homöopathie nur noch palliativ wirken, hilft hier aber, die Dosis der nebenwirkungsreichen Allopathika zu verringern. In diesem Fall kommen auch homöopathische Medikamente für akute Asthmabeschwerden über längere Zeiträume zur Verwendung.

Da es sich bei Asthma bronchiale um eine sowohl akut (Status asthmaticus) als auch chronisch (Lungenemphysem, Rechtsherzhypertrophie etc.) vital bedrohliche Erkrankung handelt, sollte die homöopathische Behandlung dem erfahrenen Praktiker vorbehalten bleiben.
Wahl der Symptome
Akuter Asthmaanfall
  • SymptomenwahlAsthmaanfallAsthmaanfallBeobachtung am Patienten: z. B. welche Gesichtsfarbe hat er (rot, blass, blau), ist er ruhig oder unruhig, welche Körperhaltung nimmt er ein (Sitzend, Liegend, vornüber gebeugt, überstreckt).

  • Zeit des Auftretens: tagsüber, nachts, spezielle Uhrzeiten.

  • Causa: Kälte, Wärme, Durchnässung, grippaler Infekt, seelische Belastungen, Heuschnupfen etc.

  • Modalitäten der Dyspnoe (bzw. Husten): amel. oder agg. durch heiße oder kalte Getränke, frische Lust, Lockern der Kleidung, Gesellschaft etc.

  • Begleitsymptome: z. B. gastrische Störungen (z. B. Übelkeit, Aufstoßen, Erbrechen)

  • Art der Atemnot: z. B. trocken oder feucht, ist bei der Arzneimittelwahl nur bedingt hilfreich.

Chronisches Asthma
Asthma bronchialeBei der Behandlung des Asthma bronchiale im anfallsfreien oder symptomarmen Intervall sollten bei der Symptomauswahl die Richtlinien der konstitutionellen Therapie befolgt werden. Symptome des akuten Asthmaanfalls sind dann wertvoll für die Auswahl eines Konstitutionsmittels, wenn sie sich immer auf die gleiche Weise wiederholen (z. B. Asthma immer nachts von 3–4 Uhr, Asthma immer bei Heuschnupfen, Asthma immer bei kaltem, nassem Wetter).
Miasmatische Zuordnung
Asthma kann Symptom aller Miasmen sein. Auffallendes Zeichen einer syphilitischen Belastung ist ein ständiges und chronisches Asthma. Typisch für die Tuberkulinie ist ein Abwechseln von Asthma mit Rektalerkrankungen. Asthma nur beim Treppensteigen ist psorisch oder tuberkulinisch.
Repertorium
RepertorisationAsthma bronchialeAtmung – Asthma, asthmatische Atmung (294 AM) und Atmung – Atemnot, Dyspnoe, erschwerte Atmung (312 AM) sind die übergeordneten Rubriken. Da nicht alle praxisrelevanten Rubriken aufgeführt werden können, folgt eine Auswahl der nützlichsten Rubriken aus dem Kapitel „Atmung“. Weitere Rubriken zu Lokalsymptomen finden sich im Kapitel „Bronchitis, Husten“.

Atmung – Asthma, asthmatische Atmung // morgens // abends // nachts – Mitternacht, nach// weitere Rubriken differenziert nach Uhrzeiten [nach – 2 Uhr/3 Uhr/4–5 Uhr/5 Uhr]

Atmung – Asthma, asthmatische Atmung // alten Menschen, bei // Heu, Pollen, durch // Erkältung, nach – Sommer, im // Hautausschläge, nach unterdrückten // hysterisch // Kindern, bei

Atmung – Asthma, asthmatische Atmung // kalter Luft, in – agg./amel. // periodisch // Luft – Zugluft agg. // Schlaf, beginnt im // Sprechen – agg. // warm – Zimmer, im warmen – Gehen aus dem Freien in ein warmes Zimmer, beim // Wetter – kaltem Wetter, bei – nasskaltem, bei // Wetter – nassem Wetter, bei // Wetter – warmem Wetter, bei – nassem, warmem, bei // Wetter – Wetterwechsel, bei // Winter, Asthmaanfälle im

Asthma – Atemnot, Dyspnoe, erschwertes Atmen // – nachts – Mitternacht – nach // weitere Rubriken differenziert nach Uhrzeiten [nach – 2 Uhr/3 Uhr/4–5 Uhr/5 Uhr]

Asthma – Atemnot, Dyspnoe, erschwertes Atmen // angefächelt werden, möchte // Aufstoßen – amel. // Auswurf – amel. // Erkältung – nach // Erkältung – Erregung agg. // Gehen, beim – schnellen, beim // Gewitter, vor // Hautausschläge, mit // Hautausschläge – unterdrückte, durch // hysterisch // Liegen – amel. // Liegen – Knie-Ellenbogen-Lage amel. // Liegen – Kopf, mit tiefliegendem // Liegen – Rücken, auf dem – Armen amel., mit ausgestreckten // Liegen – unmöglich // Luft – Freien, im – amel. // Luft – kalter Luft, in – amel. // offen – Türen und Fenster offen sind, will, dass // periodisch // Schlaf, im // Schlaf – Einschlafen, beim // Schlaf – nach // Schweiß, mit // Sitzen, beim – aufrechtes Sitzen amel. // Sitzen, beim – gebeugtem, beim – vorne, nach amel. (noch eine Ebene weiter: Ellenbogen – mit auf die Knie gestützten) // Sitzen, beim – Kopf nach vorne auf die Knie gebeugt amel. // Sprechen – beim // Sprechen – nach // warm – Zimmer, im warmen // Wetter – kaltem Wetter, bei // Wetter – nassem Wetter, bei // – Wetter – Zorn, nach

Dosierung, Verlaufsbeurteilung bei akutem Asthma bronchiale
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
AkuttherapieAsthma bronchialeAsthmaanfallDie Akuttherapie bei Asthma bronchiale bezweckt eine Verbesserung der Beschwerden bzw. ein Beenden des Asthmaanfalls. Je nach Intensität der Beschwerden gewährt man dem jeweiligen Arzneimittel dabei unterschiedlich lange bzw. kurze Zeit – unter Umständen nur wenige Minuten – bis zu einem Wechsel der Arznei.

Starke Beschwerden = kürzere Wartezeit; leichte Beschwerden = längere Wartezeit.

Dosierung, Verlaufsbeurteilung bei chronischem Asthma bronchiale
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Bei einer konstitutionellen Behandlung eines KonstitutionstherapieAsthma bronchialeAsthma bronchiale leichten bis mittelschweren Asthma bronchiale ist nach Gabe des passenden homöopathischen Konstitutionsmittels nicht sofort mit einer Heilung zu rechnen. Vielmehr kommt es im Verlauf entweder zu einer Verringerung der Anfallshäufigkeit oder aber zu einer Abschwächung der Anfallsstärke bzw. zu einer Mischung aus beidem. Es ist also auch nach Gabe des passenden Arzneimittels mit einem erneuten Auftreten von Asthmasymptomen zu rechnen.
Kommt es direkt nach Gabe des Konstitutionsmittels zu einem AsthmaanfallAsthmaanfall, kann auch dieser ein Hinweis auf eine positive Arzneimittelwirkung sein. In diesem Fall empfiehlt es sich abzuwarten bzw. nach den Richtlinien der Akuttherapie vorzugehen bzw. eine milde allopathische ZusatztherapieBegleitmedikation, allopathischeAsthmaanfall einzuleiten (z. B. β-Sympathomimetika).
Bei einem erneuten Asthmaanfall nach einem deutlich längeren Zeitintervall bzw. mit geringerer Intensität gilt:
  • Bei geringen Beschwerden kein Arzneimittel verordnen und abwarten, ob der Organismus die Restitutio ad integrum ohne Hilfe bewältigt.

  • Bei Therapiebedarf Gabe des konstitutionellen Arzneimittels in niedriger D- (z. B. 6 oder 12) oder C-Potenz (z. B. C12) (mehrmalige Wiederholung möglich), wenn dieses durch die vorliegende Symptomatologie angezeigt ist.

  • Bei Therapiebedarf Gabe eines Akutmittels (s. u.).

  • Bei Therapiebedarf Verabreichung lokal wirksamer allopathischer Medikamente, z. B. inhalative β-Sympathomimetika.

  • Von einer Wiederholung des Konstitutionsmittels in hoher C-Potenz im akuten Asthmaanfall ist abzuraten.

Grundsätzlich muss für jeden Patienten im Lauf der konstitutionellen Therapie ein individueller Modus nach den oben genannten Richtlinien gefunden werden.
Dosierung, Verlaufsbeurteilung bei schweren, unheilbaren Fällen
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Oft ist auch in solchen Fällen eine deutliche Besserung mit Homöopathie zu erreichen. Auf schulmedizinische BegleittherapieBegleitmedikation, allopathischeAsthmaanfall (z. B. Cortison inhalativ) kann häufig nicht verzichtet werden. Wichtig ist, dass zu Beginn der homöopathischen Therapie die Dosierung der allopathischen Therapie nicht verändert wird, da sonst
  • die homöopathische Mittelwirkung nicht ausreichend beurteilt werden kann,

  • der Patient durch eine evtl. Verschlechterung einem unnötigen Risiko ausgesetzt wird.

Es empfiehlt sich die Gabe von Q-Potenzen (ein- bis mehrmals täglich). Das hauptsächliche Kriterium der Arzneimittelwirkung ist die Besserung der respiratorischen Symptome. Eine Besserung des Allgemeinzustands ist erwünscht und geht meist mit einer Verbesserung der Dyspnoe einher. Es handelt sich hier um einen palliativen Therapieansatz.
Unterstützende Maßnahmen
In besonders schweren, allergischen Fällen kann Allergenkarenz (wenn dies überhaupt möglich ist) angezeigt sein. Ansonsten empfiehlt sich eine totale Allergenkarenz nicht, da bei konsekutiver Beschwerdefreiheit die Beurteilung der Arzneimittelwirkung erschwert wird.

Beschwerdefreiheit durch Vermeidung ist keine Heilung.

Prognose
In leichten bis mittelschweren Fällen von Asthma bronchiale sind die Heilungschancen gut. Es muss aber in jedem Fall mit einer Therapiedauer von mehreren Monaten bis Jahren gerechnet werden. Schwere Fälle von langer Dauer oder Fälle mit bereits vorhandenen Gewebeschäden haben bezüglich echter Heilung keine guten Aussichten.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Ant-t., Ars., Ip., Nux-v., Puls.
!! Carb-v., Cham., Cupr., Kali-c., Lach., Nat-s., Sil., Sulph., Tub.
! Acon., Apis., Ars-i., Dulc., Ign., Kali-ar., Kali-bi., Kali-i., Lyc., Nat-m., Spong., Psor.

Bei der konstitutionellen Therapie des Asthma bronchiale kommen letztlich alle tiefwirkenden Arzneimittel in Betracht. Die Differenzierung der Arzneimittel beschränkt sich dabei nicht auf die Symptome des Asthma bronchiale, sondern geschieht nach den allgemeinen Gesichtspunkten der homöopathischen Konstitutionstherapie.
Bei repetitiven Modalitäten des akuten Asthmaanfalls, können auch diese zur Wahl des konstitutionellen Arzneimittels herangezogen werden. Prinzipiell kann auch jedes andere, hier nicht genannte tiefwirkende homöopathische Arzneimittel ein chronisches Asthma bronchiale ausheilen.
Causa
  • Asthma bei Heuschnupfen:

    • Arsenicum album: Symptome mehr nachts, viel Angst, frostig, klare und wund machende Nasenabsonderung.

    • Arsenicum iodatum: ähnlich wie Arsenicum album jedoch warm.

    • Carbo vegetabilis: Dyspnoe mit Zyanose, frostig, Verlangen nach frischer Luft, begleitende gastrische Störungen wie Aufstoßen.

    • Dulcamara: Beschwerden bei Wetterwechsel von warm zu kalt, bei Gewitter, bei starken Temperaturschwankungen von Tag zur Nacht, im Herbst.

    • Kalium iodatum: nächtliche Verschlechterung, um 5 Uhr, warm, Bewegung bessert, Pneumonien in der Anamnese.

    • Lachesis: schlechter durch oder nach Schlaf, Absonderungen bessern, hitzig, redselig.

    • Natrium sulfuricum: Asthma schlechter durch Feuchtigkeit, z. B. bei Regen.

    • Nux vomica: frostig, Verschlechterung durch kalte Luft, Verlangen nach Medikamenten oder Stimulanzien, reizbar.

  • Asthma durch Katzen: konstitutionell Arsenicum album, Kalium carbonicum, Pulsatilla, Sulfur und Tuberculinum. Für den akuten Asthmaanfall durch Katzen siehe Akutmittel.

  • Asthma durch Hausstaubmilben: je nach Symptomatik kommen alle Medikamente für Asthma bronchiale infrage.

  • Erkältungsasthma:

    • Aconitum: wenn das Asthma und die Erkältung ganz plötzlich kommen und durch Kälte ausgelöst werden.

    • Pulsatilla: gelbe, milde Absonderungen aus Nase und Bronchien, durstlos, warm, Verlangen nach frischer Luft.

    • Kalium bichromicum: dicke, zähe, fadenziehende Absonderungen aus Nase und Bronchien, Beschwerden eher nachts, Sinusitis.

    • Spongia: Asthma mit trockenem, krächzendem Husten, wie „Seehundbellen“ besser durch Trinken.

    • Silicea: frostig, Verschlechterung durch den geringsten Luftzug.

    • Arsenicum album, Nux vomica (s. o.).

  • Meteorologische Faktoren: Asthma durch Gewitter (Silicea, Dulcamara, Natrium sulfuricum), bei kaltfeuchtem Wetter (Dulcamara, Natrium sulfuricum), winterliche Asthmaanfälle (Carbo vegetabilis, Nux vomica).

  • Psychische Auslöser:

    • Zorn/Ärger: Arsenicum album, Chamomilla – Kinder mit heftigsten Zornanfällen, „treibt die Eltern zur Verzweiflung“, während der Zahnung, Abneigung gegen warme Speisen und Getränke.

    • Emotionale Erschütterung (Ignatia – aktueller Kummer, z. B. Tod eines Verwandten, hysterische Persönlichkeit, Abneigung gegen Trost), Natrium muriaticum (länger zurückliegender Kummer, kann nicht weinen), Pulsatilla (sehr viel weinen, Verlangen nach Zuwendung).

  • Asthma durch unterdrückte Hautausschläge (z. B. Zinklotionen, Cortison, Harnstoffsalben):

    • Apis: Asthma durch ödematöse Schwellungen innerlich und äußerlich, warm, durstlos.

    • Psorinum: frostig, Atemnot besser durch Liegen; Verschreibung hauptsächlich konstitutionell, nicht akut.

    • Sulfur: nächtliches Asthma, warm, streckt die Füße aus dem Bett, viel Durst, Arsenicum album, Carbo vegetabilis, Dulcamara (Charakteristika s. oben).

Zeiten
Beachte: Ein einmaliges Auftreten zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht ausreichend für die Arzneimittelwahl.
Asthma nachts bzw. im Schlaf
  • Antimonium tartaricum: #Antimonium tartaricumAsthma bronchialeum 3 Uhr, Verschleimung der Bronchien, starkes Schleimrasseln, besser durch Auswurf

  • Arsenicum#Arsenicum albumAsthma bronchiale: schlechter nachts, nach Mitternacht, unruhig, springt sogar aus dem Bett, verfroren, viel Durst

  • Carbo vegetabilis#Carbo vegetabilisAsthma bronchiale: kalt, offenes Fenster, frische Lut, Luftzufächeln amel.

  • Cuprum#Cuprum metallicumAsthma bronchiale: Zyanose, starke Bronchokonstriktion, Dyspnoe amel. kalte Getränke.

  • Kalium arsenicosum#Kalium arsenicosumAsthma bronchiale: schlechter 2–3 Uhr, verfroren. Achtung: kann leicht mit Arsenicum verwechselt werden (eher reservierter und weniger unruhig), Kalium bichromicum #Kalium bichromicumAsthma bronchiale(2 Uhr, zähen Absonderungen), Kalium carbonicum#Kalium carbonicumAsthma bronchiale (2–3 oder 4 Uhr), Kalium iodatum #Kalium iodatumAsthma bronchiale(5 Uhr).

  • Lachesis: schläft in seine Verschlechterung hinein, warm, Unverträglichkeit engen Kleidungsstücke um Brust oder am Hals.

  • Natrium sulfuricum: 4–5 Uhr, bei feucht-kaltem, nebligem Wetter.

  • Pulsatilla#PulsatillaAsthma bronchiale: Verschlechterung nachts, keine bestimmte Uhrzeit, gelbgrüne, milde Absonderungen, durstlos, weinerliche Stimmung, Verlangen nach frischer Luft, streckt evtl. nachts die Füße aus dem Bett.

  • Sulfur.

Verschlechterung tagsüber
  • Lycopodium: von 16–20 Uhr, frostig, Verdauungsstörungen, Verlangen nach Süßigkeiten.

  • Natrium muriaticum: 7–19 Uhr, Beschwerden durch Kummer, warm, körperliche Anstrengung bessert, großer Durst, Verlangen nach salzigen Speisen und Fisch.

Modalitäten und Begleitsymptome
  • Besserung durch Kälte oder frische Luft: Pulsatilla, Lachesis (will die Kleidung lockern), Carbo vegetabilis (will Luft zugefächelt bekommen), Sulfur (Bettwärme agg.), Kalium iodatum.

  • Verschlechterung durch Kälte: Arsenicum album (allgemein stark verfroren), Nux vomica, Psorinum, Kalium arsenicosum, Kalium carbonicum, Silicea (jeder Luftzug verschlechtert), Dulcamara, Natrium sulfuricum (feuchte Kälte verschlechtert).

  • Verschlechterung durch Bettwärme: Sulfur (Neigung zu Hauterkrankungen, schmutziger Hauttyp, viel Durst auf kalte Getränke).

  • Verbesserung der Dyspnoe durch flaches Liegen auf dem Rücken: Psorinum (auch mit seitlich ausgestreckten Armen).

  • Besserung der Atemnot durch Aufstoßen: Carbo vegetabilis, Nux vomica.

  • Erleichterung durch Auswurf:

    • Ipecacuanha#IpecacuanhaAsthma bronchiale: Asthma mit Übelkeit und Erbrechen, saubere Zunge.

    • Antimonium tartaricum: #Antimonium tartaricumAsthma bronchialefeuchtes Asthma, deutliche Verschleimung, lautes Schleimrasseln, schlechter um 3 Uhr.

  • Veränderung der Symptome durch die Körperhaltung:

    • Psorinum: Besserung durch Zurückbeugen, im Liegen.

    • Spongia: besser durch Zurückbeugen des Kopfes, durch Trinken.

    • Kalium carbonicum:#Kalium carbonicumAsthma bronchiale Verbesserung der Dyspnoe durch Sitzen mit den Ellenbogen auf den Knien und in die Hände gestütztem Kopf.

  • Zyanose:

    • Carbo vegetabilis: Verlangen nach frischer Luft.

    • Ipecacuanha: begleitend Übelkeit, evtl. Erbrechen.

    • Cuprum: starker Bronchospasmus, schlechter um 3 Uhr, Dyspnoe besser durch kalte Getränke.

Kinder
  • Chamomilla#ChamomillaAsthma bronchiale: Asthma bei der Zahnung, extrem launisch, reizbar, zornige, nur zufrieden, wenn sie permanent herumgetragen werden, Abneigung gegen warme Speisen und Getränke.

  • Ipecacuanha#IpecacuanhaAsthma bronchiale: Dyspnoe mit Übelkeit und Erbrechen von Schleim, Zunge sauber.

  • Natrium sulfuricum#Natrium sulfuricumAsthma bronchiale: bei feucht-kaltem Wetter, Diarrhoe, meist morgens.

  • Nux vomica#Nux vomicaAsthma bronchiale: reizbar, verfroren, schlechter durch kalte Luft, Verlangen nach fetten Speisen, nach Süßigkeiten.

  • Psorinum: rostig, schlechte Haut, Neigung zu Entzündungen und Hautausschlägen, Asthma besser im Liegen.

  • Pulsatilla#PulsatillaAsthma bronchiale: warm, weinerlich, durstlos, Asthma bei Erkältungen.

  • Sulfur: #SulfurAsthma bronchialewie Psorinum Neigung zu Hauterkrankungen, warm, viel Durst, Verlangen nach Süßigkeiten und fetten, reichhaltigen und gut gewürzten Speisen.

Lungenemphysem

Definition: (Griech. emphysan = hineinblasen). Ursache: LungenemphysemÜberdehnung des Lungengewebes mit unwiderruflicher Zerstörung von Alveolen und Alveolarsepten (lat. septum = Scheidewand). Dadurch Bildung immer größerer Emphysemblasen, Vergrößerung des Atemtotraums und Verminderung der Gasaustauschfläche. Unheilbares Endstadium der Erkrankung ist die respiratorische (Global-)Insuffizienz.

Symptomatik: Chronische Atemnot, die bei Belastung zunimmt, Zyanose.

Therapeutische Strategie und homöopathische Behandlung
Beim Lungenemphysem handelt es sich um einen Verlust von Lungengewebe aufgrund verschiedener Grunderkrankungen, z. B. Asthma bronchiale oder chronisch obstruktiver Bronchitis. Man findet bei Patienten mit Lungenemphysem auch andere, z. T. irreversible Organveränderungen wie Rechtsherzhypertrophie, Leberstauung etc.
Bei der Behandlung des Lungenemphysems geht es also sowohl um die Behandlung der Grunderkrankungen als auch um die Therapie der Parallel- oder Folgeschäden. Dies betrifft die schulmedizinische ebenso wie die homöopathische Therapie. Über die Art der homöopathischen Therapie und die schulmedizinische Begleittherapie sollte in jedem Fall nur der erfahrene Praktiker entscheiden.
Klinisch handelt es sich entweder um eine konstitutionelle Therapie oder um eine Akuttherapie der Symptome Atemnot, Husten, Bronchitis (10.1.1), chronisch obstruktive Bronchitis (10.2.1) oder Asthma bronchiale (10.2.2). Praktisch bewährt hat sich auch eine Kombination aus konstitutioneller und akuter Therapie. Auf schulmedizinische Begleittherapie sollte nicht verzichtet werden.
Ob ein palliatives oder ein kuratives Therapieregime gewählt wird und wie sich die Prognose des Patienten darstellt, hängt von folgenden Faktoren ab:
  • Schwere der klinischen Symptomatik des Patienten.

  • Ausdehnung des Organschadens an der Lunge.

  • Art und Schwere der bereits entstandenen Parallel- und Folgeschäden.

  • Vitalität des Patienten (d. h. seine Möglichkeiten, auf die homöopathischen Arzneimittel zu reagieren).

Wahl der Symptome
Zur Wahl der Symptome 10.1.1 (Bronchitis), 10.1.2 (Pneumonie), 10.2.2 (Asthma bronchiale).
Miasmatische Zuordnung
Das Lungenemphysem kann wie das Asthma (10.2.2) auf dem Boden aller Miasmen entstehen.
Repertorium
In moderneren Repertorien findet sich eine „Nachtragsrubrik“ Brust – Emphysem (60 AM). Für die Arzneimittelwahl wichtige Repertoriumsrubriken siehe Kapitel Husten, Bronchitis, Asthma, Herz.
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Prognose: Grundsätzlich kann davon ausgegangen werden, dass es sich beim Lungenemphysem um eine schwer therapierbare Erkrankung handelt, die nicht heilbar ist. Es ist wichtig, dass eine Ausheilen der Grunderkrankung zwar nicht zu einer Restitutio ad integrum der Lunge führt, wohl aber zu einem Krankheitsstillstand, zu einer Verbesserung der respiratorischen Situation und somit zu einer deutlichen Verbesserung der Prognose des Patienten.
Wichtige homöopathische Arzneimittel
Als wirksam haben sich besonders die folgenden homöopathischen Medikamente erwiesen: Antimonium tartaricum, Arsenicum album, Carbo vegetabilis, Hepar sulfuris, Ipecacuanha, Lachesis, Lobelia, Mercurius solubilis, Phosphorus. Es kommen aber auch alle anderen Medikamente infrage, die eine Wirkung auf die Lunge haben.

Bronchiektasen

Definition: Irreversible BronchiektaseErweiterungen der Bronchien. Ursache: Angeboren oder als Folge frühkindlicher Infektionen oder einer Tuberkulose.

Symptomatik: Husten und Auswurf, der als „maulvoll und übel riechend“ charakterisiert wird. Viele Patienten leiden unter wiederholten Atemwegsinfektionen. Auch symptomarme Verläufe sind möglich.

Therapeutische Strategie und homöopathische Behandlung
Wie in der Definition angegeben, handelt es sich bei Bronchiektasen um irreversible Veränderungen, sodass auch bei guter homöopathischer Therapie nicht von einer Restitutio ad integrum der Lunge ausgegangen werden kann. Eine homöopathische Behandlung ist trotzdem lohnenswert, da die Neigung zu Atemwegsinfektionen und damit zu symptomatischen Bronchiektasien durchaus bekämpft werden kann.
Bei der Therapie muss zwischen der akuten Therapie der symptomatischen Atemwegsinfektion und der konstitutionellen Behandlung der Grunderkrankung unterschieden werden.
  • AkuttherapieBronchiektasenLetztlich können bei der Akuttherapie im Repertorium unter Bronchitis genannten Medikamente zum Einsatz kommen (10.1.1). Bei komplizierten Verläufen vgl. Pneumonie (10.1.2) oder Asthma bronchiale (10.2.2), wenn deutliche Dyspnoe vorhanden ist.

  • KonstitutionstherapieBronchiektasenBei einer konstitutionellen Therapie sollte sich die Arzneimittelwahl an den entsprechenden Richtlinien orientieren (4.3).

Wahl der Symptome
Zur Wahl der Symptome 10.1.1 (Bronchitis), 10.1.2 (Pneumonie), 10.2.2 (Asthma bronchiale).
Miasmatische Zuordnung
Als Endzustände schwerer Grunderkrankungen sind Bronchiektasen nur über die Gesamtheit der Symptome in ihrer Miasmatik zu bewerten. Kavernöse Prozesse schon bei Kindern sind oftmals ein Hinweis auf eine syphilitische Veranlagung. Lungenabszesse sind ein Hinweis auf eine syphilitische oder tuberkulinische Belastung.
Repertorium
In modernen Repertorien findet sich eine Rubrik mit fast 40 AM. Differenzierende Symptome müssen entsprechende der Lungensymptomatik des Patienten in den Kapiteln Husten, Bronchitis, Pneumonie, Asthma bronchiale gesucht werden.
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Prognose: Grundsätzlich hängt die Prognose von der Ausdehnung des Lungenbefundes, der Art der zugrunde liegenden Erkrankung, der Anzahl und Schwere von zusätzlichen Organschäden, der Dauer der Erkrankung und der Vitalität und Reagibilität des Patienten ab. Die Behandlung sollte dem erfahrenen Praktiker vorbehalten bleiben. Auf schulmedizinische Medikamente sollte nicht verzichtet werden.
Wichtige homöopathische Mittel und ihre Differenzierung
Für die Akuttherapie werden exemplarisch einige wichtige Arzneimittel dargestellt.
  • Antimonium tartaricum#Antimonium tartaricumBronchiektasen: starkes Rasseln in der Brust, wenig oder kein Auswurf, Auswurf amel. Den Husten, Zyanose, besonders der Lippen, warmblütig.

  • Hepar sulfuris#Hepar sulfurisBronchiektasen: Neigung zu eitrigen Prozessen, reichlich eitriger, übel riechender Auswurf, extrem verfroren, empfindlich, reizbar, chronisch unzufrieden, Verlangen nach sauren Speisen.

  • Kalium bichromicum#Kalium bichromicumBronchiektasen: zäher, fadenziehender Auswurf.

  • Phosphorus: #PhosphorusBronchiektasenjede Erkältung schlägt sich auf die Brust, viel Heiserkeit, Husten bei Temperaturwechsel, muss aufsitzen, reichlich Auswurf, mundvoll, mit ungeronnenem Blut, viel Durst, Verlangen nach salzigen Speisen.

  • Stannum#StannumBronchiektasen: große allgemeine Schwäche, besonders in der Brust, Schwäche durch die geringste Anstrengung, z. B. Husten oder Sprechen, grüner Auswurf morgens, Husten beim Liegen auf der rechten Seite.

Liegt die Causa der Bronchiektasen in einer abgelaufenen Tuberkulose, dann müssen besonders Tuberculinum und Baccilinum, aber auch Phosphorus und Stannum als Arzneimittel berücksichtigt werden.

Mukoviszidose

Fibrose, zystische Mukoviszidose

Definition: Zystische Fibrose. Ursache: Infolge eines Gendefekts produzieren alle exokrinen Drüsen, v. a. der Lunge und des Magen-Darm-Traktes, große Mengen eines abnorm zähen Sekrets; häufigste autosomal-rezessiv vererbte Stoffwechselstörung.

Symptomatik: Rezid. schwere Atemwegsinfektionen, Gedeihstörung, fettige Stühle, im Spätstadium Diabetes mellitus etc.

Die Mukoviszidose ist eine letztlich systemische Erkrankung mit unterschiedlich ausgeprägten Problemen an verschiedenen Organen. Da sich zumindest ein Teil der Hauptproblematik im Bereich der Atmungsorgane abspielt, soll sie hier erwähnt werden.
Da dieses Krankheitsbild in der homöopathischen Praxis vergleichsweise selten vorkommt, gibt es wenige Erfahrungen mit der Therapie bzw. möglichen Therapieerfolgen. Die homöopathische Behandlung bei Mukoviszidosepatienten richtet sich nach dem vorhandenen Querschnitt der Probleme (Atmungsorgane, Magen-Darm). Zum Wohl des Patienten und um keine unnötigen Risiken einzugehen, sollte keinesfalls auf schulmedizinische Begleittherapie verzichtet werden.

Die homöopathische Therapie sollte ausschließlich dem erfahrenen Arzt vorbehalten sein.

Restriktive Lungenerkrankungen

Sarkoidose

Definition: M. BoeckMorbusBoeck, M. Besnier-Boeck-Schaumann, gutartige Lymphogranulomatose. Ursache: chronische granulomatöse Systemerkrankung (mehrere Organsysteme betreffend) unbekannter Ursache. Bevorzugt befallen sind Lymphknoten (meist des Lungenhilus), Lunge, Gelenke und Haut. Altersgipfel: 20.–40. Lj. SarkoidoseMorbusBoeck s. SarkoidoseLymphogranulomatose s. Sarkoidose

Symptomatik: Im Anfangsstadium symptomlos oder symptomarm, in späteren Stadien Husten, Fieber, Atemnot bei Belastung und Gelenkbeschwerden.

Die Sarkoidose kommt in der homöopathischen Praxis selten vor, sodass hier nur Aussagen von eingeschränkter Gültigkeit gemacht werden können. Grundsätzlich liegen positive Erfahrungen, zumindest für die Sarkoidose der Lunge vor. Wie bei den meisten chronisch verlaufenden Erkrankungen gilt auch hier, dass sich mit möglichst frühem Einsetzen der Therapie die Prognose deutlich verbessert und evtl. sogar Heilung möglich ist. Je fortgeschrittener der Krankheitsprozess, die Organveränderung und die Ausdehnung der Erkrankung sind, desto schwieriger gestaltet sich auch die homöopathische Behandlung und desto zurückhaltender muss die Prognose bezüglich einer Heilung gestellt werden. In jedem Fall sollte die Behandlung nur erfahrenen homöopathischen Ärzten vorbehalten sein.
KonstitutionstherapieSarkoidoseDas Behandlungskonzept ist die konstitutionelle Therapie, und es kommen alle tief wirkenden Arzneimittel infrage, die einen Bezug zu den jeweils betroffenen Organen, also zu Lunge, Gelenke und Haut haben. Da es sich um eine Erkrankung handelt, die mit Granulombildung der Lunge, ähnlich der Tuberkulose einhergeht, sind Medikamente mit Bezug zur Tuberkulose besonders ins Auge zu fassen (z. B. Tuberculinum, Bacillinum, Phosphorus). Weiterhin kommen Medikamente in Betracht, die der jeweils vorhandenen, organspezifischen Problematik entsprechen. Bei den Symptomen der Lunge sind Husten, Bronchitis (10.1.1) und Dyspnoe (10.2.2) zu beachten.
Zur Dosierung, Behandlungssequenz, Behandlungsdauer 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Vermutlich entsteht aus miasmatischer Sicht eine Sarkoidose auf dem Boden einer hereditären Verbindung von Psora und Syphilis (= syphilitische Tuberkulinie). Ihr immer mit Eurer Miasmatik!
Über die Prognose bezüglich einer Heilung kann aus homöopathischer Sicht mangels praktischer Erfahrung keine Aussage getroffen werden.

Lungenfibrose

Definition: Erkrankungen mit bindegewebig-narbigem Umbau (Fibrosierung) des Lungengerüsts und daraus resultierender restriktiver Ventilationsstörung. Ursachen: allergische Alveolitis, toxische, chemische und physikalische Schäden, interstitielle Pneumonie, Pneumokoniosen, Granulomatosen. Neben der Bindegewebsvermehrung kommt es bei der Lungenfibrose auch zur Zerstörung von Lungenalveolen. In der Lungenfunktionsprüfung ergibt sich somit das Bild einer restriktiven Lungenerkrankung mit reduzierter Diffusionskapazität.

Symptomatik: Dyspnoe, Zyanose, unproduktiver Husten, Zunahme des Atemwiderstands.

Für praxisrelevante Aussagen bezüglich der homöopathischen Therapie bei Lungenfibrosen liegen zu wenig praktische Erfahrungen vor. Es handelt sich bei dieser Erkrankung um einen Endzustand, der durch Gewebeumbau und Gewebeverlust gekennzeichnet ist. Von einer Heilungsmöglichkeit durch homöopathische Therapie ist also nicht unbedingt auszugehen.
Eine symptomatische Therapie sollte aber möglich sein. Hier wird, entsprechend dem Leitsymptom Dyspnoe das Kapitel „Asthma bronchiale“ (10.2.2), bei begleitenden Bronchitiden das Kapitel „Bronchitis“ (10.1.1) Hinweise liefern.

Wegen der Schwere der Erkrankung sollte auch hier die Therapie nur von erfahrenen Homöopathen durchgeführt werden.

Die miasmatische Zuordnung einer Lungenfibrose kann aufgrund der Heterogenität der Entstehung nur über die Gesamtheit der Symptome getroffen werden.

Silikose

Definition: StaublungenerkrankungenStaublungenerkrankung (PneumokoniosenPneumokoniose). Ursache: Inhalation anorganischer Stäube (z. B. Kohlenstaub).

Symptomatik: Atemnot und trockener Husten. Staublunge s. SilikosePneumokonioseSilikoseZu den Staublungenerkrankungen zählen die Silikose, die durch Quarzstäube und die Asbestose, die durch Asbeststaub verursacht wird. Bei der Silikose tritt bei 10 % der Patienten eine Tuberkulose komplizierend hinzu, bei der Asbestose kann zusätzlich ein Bronchialkarzinom oder ein Pleuramesotheliom entstehen (v. a. bei Rauchern).

Pneumokoniosen sind seltene Erkrankungen und somit auch selten in der homöopathischen Praxis, es existieren also wenig Erfahrungen. Anstelle von Behandlungshinweisen folgen einige grundsätzliche Überlegungen zu diesem Thema.
Der interessante Aspekt dieser Form der Erkrankungen ist, dass sie durch definierte Noxen ausgelöst werden, z. B. Quarze, Kohlenstaub oder Asbest. Einige der auslösenden Substanzen liegen so oder in ähnlicher Form auch als homöopathische Arzneimittel vor, z. B. Silicea oder Carbo vegetabilis, und haben zudem einen deutlichen Bezug zur Lunge und deren Erkrankungen. Ein weiterer interessanter Punkt ist der statistisch deutliche Bezug der Pneumokoniosen zur Tuberkulose und zum Bronchialkarzinom sowie Pleuramesotheliom. Hier sind Rückschlüsse auf die Tiefe und die Art der miasmatischen Belastung möglich. Es ergibt sich theoretisch also eine Auswahl an infrage kommenden Arzneimitteln: Carbo vegetabilis und Silicea und Siliciumverbindungen wegen der Auslöser, Tuberculinum, Baccilinum, Phosphorus, Stannum und andere Arzneimittel mit Bezug zur Tuberkulose.
In der Literatur findet man bei Silikose (nicht: Pneumonkoniose) Hinweise u. a. auf folgende homöopathische Arzneimittel: Calcarea carbonica, Ipecacuanha, Lycopodium, Natrium carbonicum, Nitricum acidum, Phosphoricum acidum, Pulsatilla, Silicea und Sulfur.
Somit stünden also doch einige Arzneimittel mit einer möglichen, spezifischen Wirkung auf die Pneumokoniosen zur Verfügung.
Aus der statistisch erhöhten Wahrscheinlichkeit einer Krebserkrankung der Atmungsorgane folgt, dass es sich bei den Pneumokoniosen um tiefgreifende miasmatische Veränderungen handelt, die demnach auch schwer heilbar sind. Realistisch erreichbare Behandlungsziele wären also die Symptomerleichterung und das Verhindern von kanzerösen Entartungen. Die Behandlung sollte dem Spezialisten vorbehalten bleiben.
Die durch Noxen ausgelösten Bronchialerkrankungen lassen sich nur schwer miasmatisch zuordnen. Meistens findet sich jedoch ein Bezug zum tuberkulinischen Miasma.

Erkrankungen des Lungenkreislaufs

Pulmonale Hypertonie und chronisches Cor pulmonale

Definition: Erhöhung des mittleren Pulmonalarteriendrucks auf > 20 mmHg. Ursache: chronische Lungenerkrankungen, z. B. Emphysem, chronisch-obstruktive Bronchitis, Lungenfibrose, wiederholte Lungen(mikro)embolien. Chronisches Cor pulmonale: Hypertrophie der rechten Herzkammer bei chronischer Rechtsherzbelastung als Folge einer pulmonalen Hypertonie. LungenkreislaufHypertoniepulmonaleCor pulmonale

Symptomatik: Nur 20 % der Patienten haben eine voll ausgeprägte Symptomatik mit Atemnot bei Belastung, Schwindel (evtl. kurzzeitige Bewusstlosigkeit bei körperlicher Belastung oder Hustenattacken), leichter Zyanose und Beklemmungsgefühlen. Erst im fortgeschrittenen Stadium Zeichen der Rechtsherzinsuffizienz wie Halsvenenstauung, Ödeme und Leberstauung.

Bei der pulmonalen Hypertonie und dem chronischen Cor pulmonale handelt es sich letztlich um Endzustände schwer und lange verlaufender Grunderkrankungen.
Dies muss bei der Planung und Durchführung jeglicher Therapie berücksichtigt werden, da eine Verbesserung der pulmonalen Hypertonie oder des Cor pulmonale, wenn überhaupt, über eine Verbesserung der Grunderkrankung erreicht werden kann.
Da es sich (langfristig) um eine lebensbedrohliche Pathologie handelt, sollte bei der Therapie alles getan werden, was die Prognose des Patienten dauerhaft verbessert, d. h. auf suffiziente schulmedizinische Unterstützung, am besten durch einen Spezialisten, kann nicht verzichtet werden.
Die homöopathische Unterstützung zielt in erster Linie auf eine Linderung der Akutsymptomatik ab, konstitutionelle Therapie ist nur bedingt angezeigt. Meist sind die Patienten wegen der Schwere der Erkrankung und der zusätzlichen schulmedizinischen Therapie oligosymptomatisch, d. h., es sind wenig individuelle Symptome zur Arzneimittelwahl vorhanden (4.2), sodass zur korrekten Verschreibung und Fallbeurteilung viel Wissen und Erfahrung benötigt wird.
Ob und inwieweit eine Besserung der Symptome möglich ist, hängt vom Einzelfall ab, z. B. von der zugrunde liegenden Erkrankung, der Dauer der Erkrankung und der Vitalität des Patienten und kann meist erst im Therapieverlauf beurteilt werden.
Die Miasmatik der pulmonalen Hypertonie kann nur über die Gesamtheit der Symptome beurteilt werden.

Lungenödem

Definition: Ansammlung von (seröser) Flüssigkeit im Lungeninterstitium oder den Lungenbläschen mit lebensbedrohlicher Atemstörung. Häufigste Ursache: akut dekompensierte Linksherzinsuffizienz, z. B. im Rahmen eines Herzinfarkts oder einer Kardiomyopathie. Durch Pumpschwäche des linken Herzens Blutrückstau im Lungenkreislauf. Durch den erhöhten hydrostatischen Druck in den Lungengefäßen wird abnorm viel Flüssigkeit in das Gewebe und weiter in die Lungenbläschen gepresst.

Symptomatik: Hochgradige Dyspnoe, Zyanose, Unruhe, Angstgefühl, feuchte Rasselgeräusche.

Wie aus der Definition hervorgeht, handelt es sich beim Lungenödem um eine oft lebendbedrohliche Komplikation einer meist nicht minder bedrohlichen Grunderkrankung.
Die Akutbehandlung des Lungenödems und der zugrunde liegenden Erkrankung wird heute berechtigterweise im Krankenhaus, häufig unter intensivmedizinischen Bedingungen, durchgeführt, sodass letztlich keine suffizienten Erfahrungen mit der homöopathischen Akuttherapie dieses Krankheitsbildes vorliegen.
Interessant ist, dass in der homöopathischen Literatur durchaus positive Erfahrungen mit der Behandlung dieses akut bedrohlichen Zustands vorliegen. Diese stammen aus einer Zeit, in der sich die intensivmedizinische und chirurgische Therapie noch nicht auf dem heutigen Stand der Technik befanden. Zumindest eine Unterstützung der klinischen Behandlung von Lungenödemen scheint also möglich.
Ein Lungenödem kann sehr unterschiedliche Ursachen haben. Deshalb kann es nur über die Modalitäten und die Gesamtheit der Symptome einem Miasma zugeordnet werden. Bitte weglassen!

Pleuraerkrankungen

Pleuritis

Pleuritis

Definition: BrustfellentzündungBrustfellentzündung. Ursachen: Folgeerkrankung nach Infektionen der Lunge (Pneumonie, Bronchitis, Tbc), nach Lungeninfarkt oder malignen Erkrankungen (Bronchial-Ca., Pleuramesotheliom).

Symptomatik: Starke atemabhängige Thoraxschmerzen, weniger bei Erguss, evtl. mit Fieber.

Therapeutische Strategie
Bei der Pleuritis handelt es sich um eine entzündliche, oft sehr schmerzhafte Akuterkrankung, die entweder selbstständig oder aber als Komplikation einer anderen, meist ebenfalls entzündlichen Grunderkrankung (z. B. Bronchitis oder Pneumonie) auftritt.
In seltenen Fällen kommen auch schwerwiegendere Erkrankungen als Ursache in Betracht (z. B. Karzinome oder Tuberkulose). Bei entsprechendem Verdacht sollte die jeweils zielgerichtete Diagnostik durchgeführt werden.
Bei einer unkomplizierten (entzündlichen) Pleuritis handelt es sich um eine homöopathisch gut zu therapierende Erkrankung. Auf schulmedizinische Begleittherapie kann weitestgehend verzichtet werden, Rippenfellentzündungen anderer Genese sind in der therapeutischen Beurteilung komplizierter. Im Folgenden wird die Behandlung der „einfachen“, akuten Pleuritis beschrieben.
Homöopathische Behandlung
Meist leiden die Patienten unter starken Schmerzen. Die Verabreichung des passenden Arzneimittels verschafft schnelle Linderung. Bei rascher Entwicklung der Krankheitssymptome kann von dem jeweiligen Arzneimittel eine ebenso rasche Wirkung erwartet werden, tritt diese nicht ein, kann das Arzneimittel bald gewechselt werden. Ob es sich hierbei um Zeiträume von Stunden oder Tagen handelt, hängt von der bisherigen Dynamik der Erkrankung ab.

Schnelle Entwicklung der Erkrankung meist schnelle Wirkung des richtigen Arzneimittels. Langsame Entwicklung der Erkrankung meist langsame Wirkung des richtigen Arzneimittels.

Die Arzneimittelwahl gestaltet sich wegen der deutlichen Symptomatologie oft einfach. Häufig sind im Verlauf der Heilung und der Entwicklung bzw. der Veränderung der Symptomatik weitere Verordnungen notwendig. Ist die Pleuritis nur ein Teilaspekt eines komplexeren Krankheitsgeschehens (z. B. Influenza, Bronchitis, Pneumonie etc.), sollte dies bei der Arzneiwahl berücksichtigt werden. Fehlerhaft ist in diesem Fall eine Verschreibung allein für die Symptome der Pleuritis, da dies zu einer Unterdrückung der pleuritischen Teilsymptomatik und somit zu einer allgemeinen Verschlechterung des Patienten führen kann.
Wahl der Symptome
SymptomenwahlPleuritisDie Pleuritis ist häufig durch sehr klare Symptome des Patienten gekennzeichnet. Besondere Beachtung bei der Erhebung der Symptome sollte folgenden Punkten geschenkt werden:
  • Auslöser: z. B. Erkältung oder Kälte allgemein, lokale Kälte wie kalter Wind oder auch Feuchtigkeit, z. B. durchnässte Kleidung.

  • Lateralität der Erkrankung.

  • Modalitäten: Reaktion auf unterschiedliche Temperaturen (z. B. warme oder kalte Wickel, Zugluft etc.), Druck und Berührung (sind zwei verschiedene Dinge!), Lageabhängigkeit (linke Seite, rechte Seite, Rückenlage, Bauchlage), Bewegung (ist der Patient unruhig oder will er ganz ruhig liegen), Zeiten der Verschlechterung und Verbesserung (nachts, tags, vormittags, nachmittags etc.).

  • Symptome einer evtl. vorhandenen Begleiterkrankung: z. B. Husten, Dyspnoe, Fieber, Gliederschmerzen etc.

Miasmatische Zuordnung
Die multifaktorielle Genese von Pleuritiden lässt keine eindeutige miasmatische Zuordnung zu.
Repertorium
RepertorisationPleuritisDie Pleuritis ist im Repertorium unter der Rubrik Brust – Entzündung – Rippenfell (78 AM) abgebildet. Da diese Rubrik sehr groß ist und die lateralitätsbezogenen Unterrubriken recht klein sind, müssen zur Repertorisation der Lokalsymptome auch „Schmerzrubriken“ Brust – Schmerz herangezogen werden. Je nach Ursache der finden sich wahlanzeigende Rubriken auch in den Kapiteln „Bronchitis“, „Pneumonie“, „Pleuropneumonie“ („Brust – Entzündung – Lungen – Pleuropneumonie“, 20 AM) etc. Hilfreiche Rubriken zu evtl. vorhandenen Modalitäten finden sich im Kapitel „Brust“, z. B. unter Brust – Schmerz – Seiten.

Brust – Entzündung // Rippenfell – rechts/links // Rippenfell – vernachlässigt

Brust – Schmerz (mit Unterrubriken) // rechts/links // stechend – rechts/links (mit Unterrubriken)

Brust – Schmerz – Seiten // Atmen, beim – tiefem, beim // Bewegung, bei // Druck, bei – amel. // Einatmen, beim // Husten, beim // Lachen, beim // Liegen – rechten/linken Seite, auf der // Liegen – schmerzhaften Seite, auf der agg./aml.

Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Prognose: Bei einfachen Pleuritiden ist die Prognose sehr gut und die Erkrankung sollte bei richtiger Behandlung spätestens nach drei bis sieben Tagen ausgeheilt sein. Liegen der Pleuritis andere Ursachen zugrunde (z. B. Influenza, Pneumonie), entspricht die Heilungsdauer der der jeweiligen Grunderkrankung.
Unterstützende Maßnahmen
Falls es dem Patienten angenehm ist, können warme Wickel oder Rotlichtbestrahlung auf die schmerzhafte Thoraxseite appliziert werden. Bei fieberhaften Zuständen sind selbstverständlich Ruhe und ausreichende Flüssigkeitszufuhr sinnvoll.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Bry., Kali-c.
!! Acon., Apis., Ars., Bell., Hep., Lach., Lyc., Phos.
! Arn., Bor., Kali-i., Rhus-t., Seneg., Stann., Sulph.

Causa
  • Kälte, besonders trockene Kälte oder kalter Wind:

    • Aconitum: #AconitumPleuritisrasche Krankheitsentwicklung, Unruhe und Angst.

    • Kalium carbonicum: #Kalium carbonicumPleuritisrechte Seite, stechende Schmerzen beim Husten oder Atmen, die sich zum Rücken erstrecken, evtl. Besserung bei Bewegung, nächtliche Verschlechterung, 2–4 Uhr.

    • Hepar sulfuris: #Hepar sulfurisPleuritisempfindlich, reizbar, weint vor oder bei jedem Husten, verfroren.

    • Rhus toxicodendron: #Rhus toxicodendronPleuritisruhelos, Besserung durch Bewegung, frostig.

  • Sommer, Hitze:

    • Bryonia:#BryoniaPleuritis rechtsseitige Pleuritis, die kleinste Bewegung verschlechtert, Liegen auf der betroffenen Seite amel., warm, viel Durst.

    • Apis mellifica: #ApisPleuritiswarm, Wärme agg., kalte Auflagen bessern.

    • Lachesis:#LachesisPleuritis links, Patient erträgt keinen Druck auf der erkrankten Seite, kann nicht auf dieser liegen, Wärme und Schlaf verschlechtern.

  • Pleuritis nach Verletzung:

    • Arnica:#ArnicaPleuritis stumpfe Schlag- oder Quetschverletzungen, Hämatome, Bewegung, Erschütterung und Druck verschlechtern, weiches Bett wird als zu hart empfunden, kalte Umschläge bessern.

    • Rhus toxicodendron: #Rhus toxicodendronPleuritisÜberanstrengung oder Überheben, Wärme und Bewegung bessern.

  • Durchnässung:

    • Apis, Arsenicum, Belladonna: Hitze und Rötung des Gesichts, kalte Extremitäten, Fieber mit deliranten Zuständen.

    • Borax: stechende Thoraxschmerzen rechts, besser durch Druck, schlechter beim Atmen oder Husten.

    • Bryonia, Hepar sulfuris, Lachesis, Lycopodium: rechts, schlechter durch Kälte, besser durch Wärme, schlechter von 16–18 oder 20 Uhr, auch nachts.

    • Rhus toxicodendron, Sulfur (stechende Schmerzen der Thoraxseite erstrecken sich zum Rücken oder zur Skapula, Schmerzen besonders beim Einatmen, warm mit viel Durst auf kalte Getränke).

Seitenbezug
Da es viele Arzneimittel gibt, die keinen eindeutigen Seitenbezug haben, sollte die Seitenbeziehung nicht allein ausschlaggebend bei der Arzneiwahl sein.
  • Linksseitige Pleuritis:

    • Kalium iodatum: warm, nächtliche Verschlechterung. #Kalium iodatumPleuritis

    • Phosphorus: Liegen auf der rechten Seite amel.

    • Sulfur#SulfurPleuritis: warm, viel Durst, Thoraxschmerzen erstrecken sich zum Rücken oder zur Skapula.

    • Senega: #SenegaPleuritisBewegung bessert die Schmerzen, Liegen und Sitzen verschlechtern.

    • Stannum:#StannumPleuritis ausgeprägte Schwäche, Liegen auf der linken Seite verschlechtert.

  • Rechtsseitige Pleuritis:

    • Borax: #BoraxPleuritisstechende Thoraxschmerzen rechts, besser durch Druck, schlechter beim Atmen oder Husten.

    • Bryonia:#BryoniaPleuritis Schmerzen schlechter durch Bewegung und Wärme, besser durch Druck.

    • Kalium carbonicum:#Kalium carbonicumPleuritis stechende Schmerzen beim Husten oder Atmen, die sich zum Rücken erstrecken, evtl. Besserung bei Bewegung, nächtliche Verschlechterung, 2–4 Uhr.

Modalitäten
  • Besserung durch bzw. starkes Verlangen nach lokaler Wärme:

    • Kalium carbonicum: Symptome eher rechts, nächtliche Verschlechterung, 2–4 Uhr.

    • Arsenicum album: nachts, Unruhe und Angst, trinkt viel in kleinen Schlucken.

    • Hepar sulfuris: reizbar, starke Schmerzempfindlichkeit, verträgt keinerlei Kälte oder Luftzug, nicht einmal durch Bewegung der Bettdecke.

    • Lycopodium: rechts, 16–18 oder 20 Uhr.

    • Rhus toxicodendron: Pleuritis nach feuchter Nässe oder Überanstrengung, z. B. Bergwanderung im Regen oder Baden im kalten Meer, Bewegung bessert die Schmerzen.

  • Besserung durch kalte Umschläge:

    • Apis mellifica: wenig Durst bei Fieber.

    • Lachesis: links, Berührung oder Druck wird nicht ertragen.

    • Arnica: Pleuritis nach Schlag oder Quetschung, Berührung und Druck verschlechtern, das Bett wird als zu hart empfunden.

  • Besserung/Verschlechterung durch Druck:

    • Besserung durch Druck: Bryonia (Patient liegt auf der betroffenen Seite).

    • Verschlechterung durch Druck: Arnica, Lachesis.

  • Besserung durch eine bestimmte Lage:

    • Senega: Verschlechterung durch Liegen.

    • Kalium carbonicum, Lypocodium, Phosphorus, Stannum: alle linksseitige Thoraxschmerzen schlechter durch Liegen auf der linken Seite, bei Phosphorus grundsätzliche Verschlechterung in Linksseitenlage.

    • Sulfur: Verschlechterung der rechtsseitigen Schmerzen durch Liegen auf dem Rücken – Erstreckung der Schmerzen zum Rücken!

    • Kalium carbonicum: durch Liegen auf der rechten Seite.

  • Besserung durch bzw. Verlangen nach Bewegung:

    • Kalium carbonicum und Senega: lokale Besserung der Schmerzen durch Bewegung.

    • Rhus toxicodendron: allgemeine Besserung der Beschwerden durch Bewegung.

  • Zeitmodalitätennächtliche Verschlechterung: Arsenicum (nach Mitternacht, ängstliche Unruhe und Frost), Kalium carbonicum (2–4 Uhr), Kalium iodatum (gegen Morgen, 5 Uhr), Lycopodium (frostig, rechts), Sulfur (Verschlechterung durch Bettwärme, warm, viel Durst), Lycopodium (16–18 oder 20 Uhr).

Begleiterkrankung
Entscheidend für die Arzneimittelwahl können auch die Symptome einer evtl. vorhandenen Begleiterkrankung, z. B. Husten (10.1.1), Dyspnoe (10.2.2), Fieber (31.2.11), Gliederschmerzen etc. sein.

Pleuraerguss

Pleura, Erguss/Empyem

Definition: Flüssigkeitsansammlung in der Pleurahöhle, z. B. im Rahmen von entzündlichen Prozessen wie Pleuritis oder Pneumonie, bei Herzinsuffizienz, aber auch infolge von karzinomatösen Prozessen der Lunge oder des Rippenfells.

Symptomatik: Atemnot und atemabhängige Schmerzen im Brustkorb. Besonders langsam entstehende Pleuraergüsse werden oft lange nicht bemerkt.

Die Ursachen des Pleuraergusses sind ebenso mannigfaltig wie die Möglichkeiten der Therapie. Es kann an dieser Stelle deshalb keine einheitliche homöopathische Therapierichtlinie angegeben werden, sondern es wird auf die Notwendigkeit zielführender Diagnostik und auf die Lektüre der jeweiligen Kapitel verwiesen.
Miasmatische Zuordnung: Ein Pleuraerguss kann Symptom sehr unterschiedlicher Grunderkrankungen sein. Die Symptome der jeweiligen Erkrankungen sind ausschlaggebend für die Bestimmung der Miasmatik.

Pleuraempyem

Definition: Eitriger Erguss im dadurch erweiterten Pleuraspalt bei bakterieller Pneumonie, Lungenabszess, Speiseröhrendurchbruch oder nach OP im Thoraxraum. Pleura, Erguss/Empyem

Symptomatik: Meist akuter Beginn mit hohem Fieber, Atemnot, Schmerzen, Druckgefühl in der Brust.

Beim Pleuraempyem handelt es sich um eine hoch dramatische Komplikation einer schon an sich schweren Grunderkrankung. Auch wenn sich in der Literatur Hinweise auf mögliche homöopathische Therapien finden, sollte die Behandlung ausschließlich nach intensivmedizinischen Richtlinien erfolgen.

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