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B978-3-437-56353-9.00025-6

10.1016/B978-3-437-56353-9.00025-6

978-3-437-56353-9

Nervensystem

Thomas Lorz

  • 25.1

    Erkrankungen mit Kopf-und Gesichtsschmerz614

    • 25.1.1

      Migräne und Spannungskopfschmerz614

    • 25.1.2

      Trigeminusneuralgie626

    • 25.1.3

      Fazialisparese630

  • 25.2

    Schlaganfall633

  • 25.3

    Meningitis, Enzephalitis635

  • 25.4

    Degenerative und systemische Erkrankungen des Nervensystems637

    • 25.4.1

      Parkinson-Syndrom637

    • 25.4.2

      Demenz639

    • 25.4.3

      Multiple Sklerose641

  • 25.5

    Epilepsie646

  • 25.6

    Erkrankungen des peri- pheren Nervensystems650

    • 25.6.1

      Karpaltunnelsyndrom650

    • 25.6.2

      Polyneuropathie651

Erkrankungen mit Kopf- und Gesichtsschmerz

Migräne und Spannungskopfschmerz

SchmerzenKopfschmerzen/MigräneMigräneKopfschmerzenSpannungskopfschmerzDa die homöopathische Therapie sowohl der akuten wie auch der chronischen Migräne und des Spannungskopfschmerzes sehr ähnlich ist, werden beide Kopfschmerzarten im folgenden Abschnitt, nach einer getrennten theoretischen Einführung, gemeinsam abgehandelt.

Definition: Sehr häufige, periodisch auftretende Kopfschmerzart. Kommt bei fast allen untersuchten Völkern der Erde gleich häufig vor. Migräneattacken bei Frauen länger und intensiver. Manifestationsalter: junges bis mittleres Lebensalter. Ursachen: multifaktorielles Geschehen, bei dem verschiedene Faktoren eine möglicherweise individuell unterschiedliche Rolle spielen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit genetisch bedingt (Ionenkanalkrankheit), familiär gehäuftes Auftreten. Auslöser: Irritation schmerzvermittelnder Nervenzellen im Gehirn, nach Einwirkung äußerer Reize (z. B. Rotwein, bestimmte Käsesorten, Schlafrhythmusverschiebung) oder innerer Reize (z. B. Überlastung, Hormonschwankungen).

Symptomatik:

  • Migräne ohne AuraAura, Migräne: häufigste Migräneform, überwiegend einseitiger (⅔ der Patienten), pochender, langsam zunehmender und länger andauernder Schmerz (4 h bis 3 d) sowie fast immer Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Lichtscheu, Lärmempfindlichkeit oder Überempfindlichkeit gegenüber bestimmten Gerüchen, auch Durchfall und vermehrter Harndrang. Bedürfnis, sich zurückzuziehen, abzuschotten und zu schlafen. Häufigkeit der Migräneattacken: bei einigen Patienten 1–2 Attacken im ganzen Leben, bei anderen 1–2 Attacken pro Woche. Schmerzfreiheit zwischen den Attacken.

  • Migräne mit AuraAura, Migräne: seltener; Beginn vor Einsetzen der Kopfschmerzen meistens mit Flimmersehen (oder vorübergehenden Sehausfällen) vor beiden Augen (Aura). Seltener andere neurologische Ausfälle wie Sensibilitätsstörungen oder Lähmungen.

  • Menstruelle Migräne: Migräneattacken fast ausschließlich in engem zeitlichen Zusammenhang mit der Monatsblutung.

Wichtig: Zur Diagnosestellung sollten immer eine neurologische und internistische Untersuchung erfolgen. Bei typischer Anamnese und unauffälligem klinischen Befund sind keine weiteren apparativen Untersuchungen (Kernspintomographie etc.) nötig.

Therapeutische Strategie bei Migräne
Häufig sind Migräneattacken so leicht, dass die Patienten auf eine schulmedizinische medikamentöse Behandlung verzichten, bzw. keine medikamentöse Behandlung wünschen, und die Medikamente hauptsächlich für schwerer betroffene Patienten gedacht sind. Aus neurologischer Sicht ist Migräne nicht heilbar, aber sehr gut behandelbar. Bei einem homöopathischen Therapieansatz ist allerdings eine definitive Heilung möglich.
Die Kopfschmerzentstehung und -belastung lässt sich durch vier prinzipielle Behandlungsmöglichkeiten mindern:
  • 1.

    Vermeidung von Auslösern.

  • 2.

    Nicht medikamentöse Attackenbehandlung.

  • 3.

    Medikamentöse Attackenbehandlung.

  • 4.

    Vorbeugende medikamentöse Attackenvermeidung (Migräneprophylaxe).

Der Patient sollte zunächst einen KopfschmerzkalenderKopfschmerzkalender, Migräne führen, in dem er die Attackenhäufigkeit und -schwere, die Menge der benötigten Medikamente und deren Effizienz notiert. Nur dann sind der Patient und der behandelnde Arzt auch nach langjährigem Verlauf noch in der Lage, die für ihn optimale Medikation aus der Vielzahl der heute verfügbaren Möglichkeiten auszuwählen.
Begleitmedikation, allopathischeMigräneDa erfahrungsgemäß oft Fehler bei der Behandlung des Migränekopfschmerzes gemacht werden und gelegentlich auf eine schulmedizinische Medikation nicht verzichtet werden kann, wird an dieser Stelle ausnahmsweise auch detailliert auf die allopathischen Behandlungsstrategien eingegangen:
  • Attacke ausschlafen, wenn möglich.

  • Mittel gegen Übelkeit (AntiemetikaAntiemetika, Migräne) ganz zu Beginn der Attacke nehmen. Diese Mittel behandeln nicht nur die Übelkeit, sondern mobilisieren die Magen-Darm-Muskulatur. Dadurch wird die Aufnahme des eigentlichen Schmerzmittels in die Blutbahn begünstigt. Verwendet werden: DomperidonDomperidon, Migräne (Motilium®) (30–60–100 Tropfen, je nach individueller Wirkung bei vorangehenden Attacken) und MetoclopramidMetoclopramid, Migräne (Paspertin®, Duraclamid®, Gastrosil®; 30–60 Tropfen, Zäpfchen 20 mg). Wegen selten auftretenden unwillkürlichen Bewegungen im Bereich des Kopfes über mehrere Stunden nach Einnahme von Metoclopramid sollte bei Kindern und Jugendlichen Domperidon bevorzugt werden.

  • 5–30 Min. später werden Schmerzmittel wie AcetylsalicylsäureAcetylsalizylsäure, Migräne (Aspirin® 500 mg) oder Paracetamol (ben-u-ron®) oder Naproxen (Proxen®) eingenommen. Eine hohe Dosis zu Beginn (z. B. 2 Tabletten) ist bei schwereren Attacken unbedingt ratsam, da mehrere kleine Dosen oft zu geringe Wirkstoffkonzentrationen im Blut bilden. Die Höchstdosis pro Tag liegt bei etwa 4 Tabletten Acetylsalicylsäure oder Paracetamol pro Tag. Acetylsalicylsäure sollte in möglichst schnelllöslicher Form (Brausetabletten, Aspirin direkt Kautabletten®) und mit viel Wasser (ca. 200 ml) eingenommen werden, damit die Magensäure, die die Aufnahme des Aspirins in den Körper behindert, etwas abgepuffert wird und ein schnellerer Weitertransport in den Zwölffingerdarm erfolgt. Aspirin sollte nicht bei Patienten mit Magenschleimhautentzündungen und Asthma eingesetzt werden; Paracetamol führt, wie andere Schmerzmittel auch, bei chronischer Einnahme zu Nierenschäden, bei zu hoher Einmaldosierung ab etwa 6 g zu akuter Leberschädigung. Insbesondere ist von kombinierter Einnahme von Acetylsalicylsäure und Paracetamol abzuraten.

  • Nach Versagen dieser Möglichkeiten werden die neuen, sehr spezifisch wirksamen SerotoninagonistenSerotoninagonisten, Migräne (Imigran®, Ascotop®, Naramig®, Maxalt®, Allegro®, Almogran®, Relpax®) eingesetzt. Bis zu 80 % der Patienten verzeichnen eine wesentliche Besserung aller Symptome innerhalb von 30–60 Minuten. Wenn diese Tabletten, Zäpfchen oder das Nasenspray versagen, ist die Injektion von Imigran® unter die Haut durch den Patienten selbst mit einem sogenannten Autoinjektor nochmals wirksamer. Die erste Injektion muss unter Aufsicht eines Arztes vorgenommen werden, da es in sehr seltenen Fällen zu Herzmuskeldurchblutungsstörungen kommen kann. Bei bis zu 40 Prozent der erfolgreich behandelten Patienten kommt es zum Wiederaufflackern der Attacke innerhalb von 48 Stunden, wobei dann je nach Schmerzintensität eine zweite Tabletteneinnahme notwendig werden kann. Patienten mit Herzkranzgefäßverengung oder mit entsprechenden Gefäßrisikofaktoren sollten keine Triptane einnehmen. Schwangerschaft und Stillzeit, Epilepsie, eingeschränkte Leber- und Nierenfunktion sind weitere Gründe gegen eine Triptan-Einnahme.

Therapeutische Strategie bei Spannungskopfschmerz

Definition: Häufigster Kopfschmerz überhaupt. Beginn typischerweise im 3. und 4. Lebensjahrzehnt. Unterschieden werden der episodische Spannungskopfschmerz (gelegentliches Auftreten): ca. 40–60 % der Bevölkerung und der chronische Spannungskopfschmerz (Auftreten an mind. der Hälfte der Tage im Jahr): ca. 3 % der Bevölkerung. Ursache: bis heute ungeklärt.

Symptomatik: Kopfschmerzcharakter dumpf-drückend, beidseits lokalisiert, meist diffus innerhalb des Schädels. Oder wie ein „Band, das um den Kopf geschnürt ist“. Begleitsymptome (Übelkeit, Erbrechen, Licht- oder Lärmüberempfindlichkeit) im Gegensatz zur Migräne selten und gering ausgeprägt. Kopfschmerzdauer: Stunden bis viele Tage.

Wichtig: Zur Diagnosestellung sollten immer eine neurologische und internistische Untersuchung erfolgen. Bei typischer Anamnese und unauffälligem klinischen Befund sind keine weiteren apparativen Untersuchungen (Kernspintomographie etc.) nötig.

Die allopathische Behandlung des gelegentlichen Spannungskopfschmerzes erfolgt mit üblichen Kopfschmerzmitteln wie Acetylsalicylsäure (Aspirin® 500 mg), Ibuprofen (1–2 Tbl. à 400 mg) oder Naproxen (500–750 mg) oder Paracetamol à 500 mg. Auch Kombinationspräparate können eingesetzt werden, die gegenüber Monopräparaten mit nur einer Wirksubstanz die Vorteile eines breiteren Wirkprofils, des schnelleren Wirkungseintritts, der stärkeren schmerzlindernden Wirkung und der besseren Verträglichkeit bieten. Die immer wieder nachzulesende Behauptung, dass insbesondere Kombinationspräparate mit ASS, Paracetamol und Koffein ein besonderes Risiko für eine Nierenschädigung beinhalten sollen, wurde durch das von der DMKG begutachtete wissenschaftliche Datenmaterial widerlegt (Haag et al. 2004). Auch die Meinung, dass Kombinationspräparate mit Koffein den Verbrauch derartiger Schmerzmittel erhöhen, konnte nicht belegt werden.
Der chronische Spannungskopfschmerz sollte wegen des Risikos eines nachfolgenden Schmerzmittelkopfschmerzes mit sogenannten trizyklischen Antidepressiva behandelt werden. Diese Mittel erhöhen den Serotoninspiegel (Botenstoff im Nervensystem) im Gehirn, der wiederum für die Steuerung von Stimmung, Schlaf und Schmerz verantwortlich ist.
Opiate kommen nicht oder nur in Ausnahmefällen zum Einsatz. Die Heterogenität von Kopfschmerzen und deren vielfältige Ursachen bilden sich im Repertorium durch die enorme Größe der Rubriken ab, die eine Vielzahl von möglichen Arzneien für die Behandlung von Kopfschmerzen aufzeigen. Während die Modalitäten von Kopfschmerzen (Zeiten, Rhythmen, Wetter, etc.) hilfreich für die Arzneimittelwahl sind, hat sich gezeigt, dass die Kopfschmerzqualitäten (brennend, stechend, drückend, schraubstockartig etc.) wenig wahlanzeigend sind, selbst wenn sie sehr deutlich geschildert werden. Kopfschmerzpatienten scheinen diese Qualitäten mehr als Umschreibungen für die Heftigkeit ihrer Beschwerden zu benutzen, als für deren exakte Beschreibung. Sehr bedeutsam sind jedoch charakteristische Begleitsymptome, die im Kontext mit den Kopfschmerzen auftreten. Damit sind Symptome gemeint, die nichts mit dem Kopf an sich zu tun haben und keinen offensichtlich kausalen Zusammenhang mit den Kopfschmerzen haben. Beispiele wären das Auftreten von Hämorrhoiden mit den Kopfschmerzen, Heißhunger zwei Tage vor der Migräne, Nasenbluten bei, vor, nach Kopfschmerzen, nachgiebige Stimmung während der Kopfschmerzen etc. (siehe Repertorium unten).
Homöopathische Behandlung bei Migräne/Spannungskopfschmerz
Bei der Behandlung des akuten Kopfschmerzanfalls ist bei richtiger Mittelwahl mit einer Besserung der Kopfschmerzen zu rechnen. Eine anhaltende Wirkung auf die Attackenfrequenz und die Schmerzintensität ist jedoch nicht zu erwarten. Hierfür ist eine längerfristige homöopathische Therapie, eine Konstitutionsbehandlung, nötig.
Wahl der Symptome
SymptomenwahlKopfschmerzanfallBei der Arzneifindung für den akuten Kopfschmerzanfall sollten folgende Bereiche von Symptomen berücksichtigt werden:
  • Neurologische Symptome: Bei den Augensymptomen bzw. den Sehstörungen spielt die zeitliche Abfolge eine Rolle. Es wird unterschieden, ob die Sehstörung vor, während oder nach den Kopfschmerzen auftritt. Wichtig ist auch die Art der Sehstörung, nämlich z. B. Verschwommensehen, schlechter Sehen (Visusminderung), Blindheit, Gesichtsfeldausfälle, Flackern, Flimmern, Funkensehen, Doppeltsehen. Auch die Beschreibung der visuellen Phänomene kann richtungsweisend sein, wie z. B. das Farbensehen (schwarz, blau, schwarze Ringe), das Sehen von Sternen, Kreisen, Flecken, Zickzacklinien. Auch andere neurologische Auffälligkeiten wie Sprachstörungen, Taubheitsgefühle im Gesicht oder an anderen Körperstellen können, so vorhanden, hilfreich sein.

  • Vegetative Symptome: Was die vegetativen Symptome anbetrifft (Harndrang, Erbrechen, Übelkeit), wird genau unterschieden, wann diese auftreten (Kopfschmerz besser bei Beginn, schlechter bei Beginn, schlechter während, besser während).

  • Menstruationsbezogene Symptome: Gleiches gilt bei der menstruellen Migräne, bei der die zeitliche Abfolge berücksichtigt wird (Kopfschmerz besser bei Beginn, schlechter bei Beginn, schlechter während, besser während).

  • Lokalisation: Auch die Lokalisation und Lateralität der Kopfschmerzen sind wichtig. Gewisse homöopathische Mittel haben z. B. einen ausgeprägten Bezug zur linken oder zur rechten Seite oder zum Seitenwechsel, andere bessern Kopfschmerzen im Nacken oder am Hinterkopf.

  • Periodizität: An dieser Stelle sei die häufige Wochenendmigräne erwähnt, oder Kopfschmerzen, die z. B. alle 2 oder 3 Wochen auftreten, oder immer im Frühling, Herbst etc.

  • Causa: Sind klare Auslösefaktoren (Alkohol, Kaffee, Käse, Schokolade, klimatische Einflüsse, körperliche Anstrengung, Ärger) bekannt, sollten diese ebenfalls zur Arzneiwahl verwendet werden.

  • Modalitäten: Auch die jeweiligen Kopfschmerzmodalitäten können von Bedeutung sein: Besser oder schlechter durch kalte oder warme Anwendungen, kalte Luft, Bewegung, Sport, Druck, Berührung, bestimmte Körperstellungen.

Bei der konstitutionellen Migräne/Kopfschmerztherapie werden neben den oben genannten Symptomen auch alle anderen körperlichen Bereiche bzw. Symptome zur Arzneimittelwahl herangezogen.
Miasmatische Zuordnung
  • Kopfschmerzen, die durch Wärme, Ruhe oder Schlaf verschlechtert werden, sind häufig syphilitischer Natur.

  • Hartnäckige, periodisch wiederkehrende Kopfschmerzen weisen auf das tuberkulinische Miasma hin, insbesondere wenn sie durch Ruhe, Schlaf und Essen gebessert werden und mit rotem Gesicht und Blutandrang zum Kopf einhergehen.

  • Kinder, die aufgrund von Kopfschmerzen sich selbst auf den Kopf oder diesen gegen Gegenstände schlagen, zeigen häufig weitere Symptome einer syphilitischen oder tuberkulinischen Miasmatik.

Repertorium
Typische Rubriken für Spannungskopfschmerz oder Migräne existieren nicht. Die große Kopfschmerzrubrik im Repertorium enthält nahezu die gesamte Materia medica. Beispielhaft seien hier aber einige hilfreiche kleinere Rubriken mit charakteristischen Modalitäten aufgezählt.

Gemüt

Gemüt // Angst; Kopfschmerzen, bei (34) // Gedächtnis; Schwäche, Verlust des; Kopfschmerzen, bei (10) // Reden, redet; Abneigung zu, Schweigsamkeit; Kopfschmerzen, bei (8)

Sehstörungen, Augen

Sehen // Flackern, Flimmern – Kopfschmerzen; während (14) // trüb – Kopfschmerzen; vor (20) // trüb – Kopfschmerzen; während (39) // trüb – Kopfschmerzen; nach (2)
Augen // Offen, öffnen; kann nicht – Kopfschmerzen, bei (6)

Schwindel

Schwindel // Kopfschmerzen; allgemein; Schwindel; nach (14) // Gesicht; Hitzegefühl; allgemein; Kopfschmerzen, mit (53) // Brust; Herzklopfen; Kopfschmerzen; während (21)

Hörvermögen

Hören // Schwerhörigkeit; Kopfschmerzen, mit (11) // überempfindlich, scharf; Kopfschmerzen, bei (4)

Speichelfluss, Appetit, Harn

Mund // Speichelfluss; allgemein; Kopfschmerzen; bei (18)
Magen // Appetit; vermehrt, Hunger allgemein; Kopfschmerzen; während (26)
Harn // profus, erhöhte Menge; Kopfschmerzen; bei (31)

Kälte, Frost

Extremitäten // Kälte; allgemein; Beine; Füße; Kopfschmerzen; bei (40)
Frost // Frösteln; Kopfschmerzen; bei (59)

Modalitäten – Schlaf

Schlaf // Erwachen – Kopfschmerzen, mit (27) // Schlaflosigkeit – allgemein – Kopfschmerzen, mit (55)

Schwäche, Ohnmacht

Allgemeines // Schwäche, Entkräftung, Erschöpfung, Prostration, Hinfälligkeit; Kopfschmerzen; während (31) // Ohnmacht, in O. fallen; allgemein; Kopfschmerzen, bei (30)
Akuttherapie

Je heftiger und akuter die Kopfschmerzen sind, desto schneller muss auch mit einer spürbaren Arzneiwirkung gerechnet werden.

Obwohl die Kopfschmerzsymptome oft sehr klar sind, erreicht man in der Praxis nicht immer eine ausreichende Arzneimittelwirkung, sodass bei schwerer Migräne im akuten Kopfschmerzanfall häufige Arzneimittelwechsel vorkommen können, bzw. auch allopathische Medikamente gegeben werden.
Konstitutionstherapie
KonstitutionstherapieMigräneBei der Migräne muss häufig mit einer längeren Behandlungsdauer gerechnet werden. Bei einer Konstitutionsbehandlung gibt man auch im kopfschmerzfreien Intervall das Mittel. Es verringert sich bei richtiger Mittelwahl die Attackenfrequenz und/oder die Kopfschmerzstärke. Die Dynamik des Heilungsprozesses hängt dabei von der Reaktionsfähigkeit des Patienten, der bisherigen Erkrankungsdauer und Erkrankungsschwere sowie auch von der Eigendynamik des verabreichten Arzneimittels ab. Bei den meisten Kopfschmerzpatienten kann davon ausgegangen werden, dass es trotz suffizienter konstitutioneller Therapie zumindest zu Beginn der Behandlung zu weiteren Kopfschmerzattacken kommen wird. Ob diese akuten Kopfschmerzattacken im Rahmen einer Konstitutionstherapie mit homöopathischen Medikamenten oder mit allopathischer Medikation therapiert werden, hängt vom jeweiligen Einzelfall ab. Mögliche therapeutische Wege sind z. B.:
  • Der Patient bleibt im Schmerzanfall ohne Arzneimittel.

  • Gibt es ein Arzneimittel, das im akuten Migräneanfall verlässlich bessert, kann dieses immer wieder in einer niedrigeren Dosierung (D6, D12, mehrfach täglich) verabreicht werden. Der Patient kann es bei entsprechender Symptomatik schon zu Beginn des Anfalls einnehmen.

  • Der Patient nimmt während der Migräneattacken das Konstitutionsmittel in niedriger D- oder in Q-Potenz ein.

  • Gut bewährt hat sich bei chronischen Kopfschmerzen die Therapie mit Q-Potenzen in aufsteigender Folge. Dabei ist sehr auf die richtige Gabengröße (evtl. 2. oder 3. Glas) und die richtige Abfolge (nächst höhere Q-Potenz spätestens nach 14 Tagen) zu achten.

  • Bei fehlender Wirkung homöopathischer Akutmittel wird die allopathische Therapie eingesetzt. Dies bewährt sich auch, wenn zu viele homöopathische Arzneimittel für den Akutfall verabreicht werden müssten.

  • Patienten mit schweren Kopfschmerzattacken haben meist viel Erfahrung im Umgang mit Schmerzmitteln und greifen bei fehlender Arzneiwirkung selbstständig zu entsprechend hilfreichen Analgetika.

Grundsätzlich gilt, dass die allopathische Behandlung im Migräneanfall oft weniger Einfluss auf den Verlauf der homöopathischen Konstitutionstherapie hat, als die Einnahme von verschiedenen anderen homöopathischen Arzneimitteln in der gleichen Situation.

Diese Aussage gilt auch für die Planung der Konstitutionstherapie bei Migränepatienten. Sollte es dem Patienten nicht möglich erscheinen, auf bestimmte Analgetika im Migräneanfall zu verzichten (wegen zu starker Schmerzen oder z. B. aus beruflichen Gründen), kann diese Medikation vorerst belassen werden.
Dosierung Verlaufsbeurteilung, Prognose – Akuttherapie
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Bei der Beurteilung der Arzneimittelwirkung zählt nur die subjektive Besserung. Hilfreich ist dabei die genaue Kenntnis früherer Kopfschmerzattacken, da sich bei einer eventuellen Änderung der Kopfschmerzsymptomatik unter der homöopathischen Behandlung die Arzneimittelwirkung besser einschätzen lässt.
Je nach Heftigkeit der Kopfschmerzen und entsprechend dem früherem Verlauf sind der Wirkungsbeginn und die Wirkdauer unterschiedlich (etwa vier bis zwölf Stunden). In Extremfällen kann man das Medikament schon nach wenigen Minuten wechseln.
Dosierung Verlaufsbeurteilung, Prognose – Konstitutionstherapie
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Das passende Konstitutionsmittel wirkt sich auf die Häufigkeit und/oder auf die Intensität der Kopfschmerzattacken aus. Liegen noch andere Erkrankungen beim Patienten vor, können die Kopfschmerzen bei positiver Arzneiwirkung unter Umständen zu Beginn unverändert oder sogar verstärkt sein. Hieraus ergibt sich, dass zur Beurteilung der Arzneiwirkung eine genaue Kenntnis der einzelnen Kopfschmerzepisoden, des kompletten Krankheitsverlaufs und der gesamten Anamnese des Patienten unabdingbar ist. Grundsätzlich empfiehlt es sich, auch bei unveränderter Symptomatik, die jeweilige Mindestwirkzeit der entsprechenden Potenz abzuwarten, bevor über die Wirkung geurteilt wird. Die eigentliche Beurteilung der Wirkung konstitutioneller Arzneimittel über die Zeit entspricht genau den Methoden der homöopathischen Fallbeurteilung (7.2, 7.3).
Prognose: Sowohl bei Migräne als auch bei Spannungskopfschmerzen kann durch homöopathische Behandlung eine Verbesserung erzielt werden. Inwieweit diese Veränderung möglich ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab (s. o.). Bei leichten Kopfschmerzepisoden und kurzer Kopfschmerzanamnese ist immer von einer schnellen Besserung auszugehen. Je länger die Kopfschmerzen bestehen, je häufiger und schwerer sie sind, desto schlechter ist die Prognose. Eine Verbesserung der Symptomatik und somit eine Reduktion der allopathischen Begleittherapie ist aber in fast allen Fällen möglich.
Unterstützende Maßnahmen
Da Kopfschmerzen grundsätzlich individuell sehr unterschiedliche Modalitäten haben, kann hier keine generelle Empfehlung gegeben werden. Es sei angemerkt, dass sich die häufig wirksame Schläfeneinreibung mit Tigerbalsam eher ungünstig auf die homöopathischen Arzneimittel auswirkt.
Wichtig ist das Führen eines KopfschmerzkalendersKopfschmerzkalender, Migräne, um genaue Informationen über die Wirksamkeit der angewandten Therapieverfahren zu erhalten und andererseits den Verlauf über Jahre besser beurteilen zu können.
Beim Spannungskopfschmerz wird als Schmerzmechanismus eine Störung in der Muskelaktivität des Nackens/Gesichtes/Kopfes angenommen. Die am häufigsten angewandten und am besten bewährten psychologischen Verfahren zur Behandlung des Kopfschmerzes vom Spannungstyp sind die progressive Muskelentspannung und das EMG-Biofeedback. Beide Verfahren dienen sowohl dazu, Muskelverspannungen direkt zu behandeln und die Wahrnehmungsfähigkeit für muskuläre An- und Entspannungszustände zu schulen.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Ars., Bell., Ip., Caust., Cocc., Gels., Iris, Nat-m., Puls., Sang., Spig., Sulph.
!! Bry., Calc., Cham., Ferr., Hep., Ign., Lac-c., Lach., Lyc., Nux-v., Phos., Rhus-t., Sil., Verat
! Acon., Aloe, Ant-c., Arn., Borx., Cact., Calc-p., Carb-v., Chel., Cic., Coff., Coloc., Cycl., Dulc., Glon., Hyper., Kali-i., Led., Meli., Nat-c., Nat-s., Nit-ac., Plat., Psor., Rhod., Sars., Sep., Staph., Stram., Tub., Zinc.

Im Folgenden werden hauptsächlich die Arzneimittel besprochen, die eine Bedeutung bei der Behandlung von akuten Kopfschmerzen haben. Ihre Auswahl stützt sich auf die Art der Kopfschmerzen oder auf kopfschmerzassoziierte Symptome und muss wegen der Vielfalt auf einige wichtige Arzneimittel beschränkt bleiben. Des Weiteren werden Arzneimittel erwähnt, die bei Migräne oder Spannungskopfschmerzen häufig konstitutionell angezeigt sind und dazu auch spezielle Kopfschmerzsymptome bieten. Es muss aber darauf hingewiesen werden, dass gerade in der konstitutionellen Migräne und Spannungskopfschmerztherapie prinzipiell jedes tiefwirkende homöopathische Medikament infrage kommt – auch unabhängig von den jeweils vorhandenen Kopfschmerzsymptomen.

Viele Kopfschmerzpatienten kennen bestimmte Auslöser für Kopfschmerzattacken. Je definierter diese sind, desto höher ist ihre Wertigkeit.

Causa: Lebensgewohnheiten
  • Im Zusammenhang mit den Lebensgewohnheiten finden sich Kopfschmerzen nach alkoholischen Getränken bei vielen homöopathischen Medikamenten, das wichtigste ist aber Nux vomica. Gegensätzlich dazu werden die Kopfschmerzen bei Ignatia besser durch Alkohol.

  • Kopfschmerzen durch Rauchen sind typisch für Gelsemium, Ignatia, Nux vomica und Pulsatilla.

  • Bei Schlafmangel muss man v. a. an Cocculus und Nux vomica denken, ansonsten findet man diesen Auslöser auch im Arzneimittelbild von Antimonium crudum, Carbo vegetabilis und Coffea. Im Vergleich dazu sind die Kopfschmerzen von Sepia und Phosphorus besser nach einem langen Schlaf.

  • Kopfschmerz nach fettem Essen ist hauptsächlich ein Symptom von Pulsatilla, findet sich unter anderem aber auch bei Carbo vegetabilis, Ipecacuanha und Natrium muriaticum.

  • Migräne nach Fasten oder Auslassen einer oder mehrerer Mahlzeiten ist typisch für Lycopodium, Nux vomica, Phosphorus und Sulfur.

Causa: thermische Faktoren
Viele Patienten bekommen Kopfschmerzen bei bestimmten Temperaturen oder bei anderen geophysischen Gegebenheiten.
  • Kopfschmerzen durch kalte Luft finden sich z. B. bei Arsenicum album, Belladonna, Causticum, Nux vomica und Rhus toxicodendron.

  • Schmerzen durch Luftzug (beispielsweise beim Autofahren mit offenem Fenster) gibt es bei Nux vomica und vor allem bei Silicea.

  • Kopfschmerzen durch Kaltwerden der Füße kommt bei Chamomilla, Phosphorus, Pulsatilla, Silicea und anderen vor.

  • Kopfschmerzen durch Abkühlung des Kopfes finden sich unter anderem bei Belladonna, Calcarea carbonica, Hepar sulfuris, Ledum, Nux vomica, Pulsatilla, Sepia und Silicea.

  • Hat Durchnässung eine auslösende Bedeutung, kommen z. B. Belladonna, Dulcamara und Pulsatilla, besonders aber Calcarea carbonica und Rhus toxicodendron infrage.

  • Sehr selten treten Kopfschmerzen nach Haareschneiden auf. Sie werden unter anderem gebessert von Belladonna, Glonoinum, Pulsatilla und Sepia.

  • Kopfschmerzen vor Gewitter finden sich bei Bryonia, Lachesis, Phosphorus, Rhododendron, Sepia und Silicea.

  • Ist die Sonne oder die Sommerhitze der Auslöser, können unter anderem Antimonium crudum, Belladonna, Bryonia, Glonoinum, Lachesis, Natrium carbonicum und Pulsatilla als Heilmittel infrage kommen.

Causa: Anstrengung
Andere, markante Auslöser für Kopfschmerzen sind zum Beispiel körperliche Anstrengung. Hier haben sich Calcarea carbonica, Calcium phosphoricum und Natrium muriaticum bewährt. Eine Besserung der Kopfschmerzen durch körperliche Anstrengung findet sich bei Sepia.
Causa: psychische Belastungen
  • Migräne nach Kummer: Ignatia, Natrium muriaticum, Phosphoricum acidum, Pulsatilla und Staphisagria.

  • Migräne nach Ärger oder Zorn: Bryonia, Chamomilla, Nux vomica und Staphisagria.

Causa: Folge von Verletzungen und Fieber
Abgesehen vom Migränekopfschmerz oder Spannungskopfschmerz gibt es noch eine Vielzahl von anderen Kopfschmerzarten. Unter vielen anderen wichtigen Auslösern für Kopfschmerzen seien zum Schluss noch die erwähnt, die nach Kopfverletzungen oder infolge von Fieber aufgetreten sind.
  • Kopfverletzungen: Hier helfen akut wie auch längerfristig Arnica, Cicuta virosa, Hypericum, Natrium muriaticum, Natrium sulfuricum, Nitricum acidum, Phosphorus, Pulsatilla, Rhus toxicodendron und Staphisagria.

  • Fieberkopfschmerz: Belladonna.

Lebensphasen
  • Chronische Kopfschmerzen bei Kindern: Calcarea carbonica, Calcium phosphoricum, Natrium muriaticum, Phosphoricum acidum, Pulsatilla und Tuberculinum.

  • Kopfschmerzen in der Schwangerschaft: Belladonna, Chamomilla, Nux vomica, Pulsatilla und Sepia.

  • Kopfschmerzsyndrome in den Wechseljahren: Carbo vegetabilis, Lachesis, Sanguinaria und Sepia.

Zeit/Periodizität
Von den vielen zeitlichen Modalitäten werden hier einige exemplarisch genannt:
  • Kopfschmerzen zu bestimmten Uhrzeiten haben z. B. Borax und Natrium muriaticum (beide 10 Uhr, Natrium muriaticum auch um 11 Uhr, also z. B. während der Schulzeit nach der Pause), Belladonna hat Kopfschmerzen um 15 oder 16 Uhr, Lycopodium die typische Verschlechterung von 16–20 Uhr. Cactus bekommt Kopfschmerzen gegen 23 Uhr, Kalium iodatum hat die typische Verschlechterung um 5 Uhr in der Früh. Hier muss gegen Lachesis differenziert werden, das eine Verschlechterung während des Schlafes hat.

  • Periodizität, wie z. B. Kopfschmerzen jeden 7. Tag (Wochenendkopfschmerzen), finden sich bei Gelsemium, Iris versicolor, Lycopodium, Phosphorus, Sanguinaria, Sepia, Silicea, Sulfur und Tuberculinum.

Begleitsymptome
  • Lichtempfindlichkeit (Photophobie): Natrium sulfuricum, Chelidonium, Ipecacuanha, Iris versicolor und Sanguinaria.

  • Gesichtsfarbe, blass – während der Kopfschmerzattacke: Arsenicum album, Carbo vegetabilis, Ignatia, Ipecacuanha, Lachesis, Phosphor, Sepia, Stramonium, Veratrum, Zincum.

  • Gesichtsfarbe, rot – während der Kopfschmerzattacke : Belladonna, Glonoinum, Nux vomica, (mit Röte nur einer Wange: Chamomilla).

  • Ptosis (Herabfallen des Augenlides) oder Doppelbilder: Gelsemium.

  • Augenflimmern:

    • Vor den Schmerzen: Graphites, Iris, Natrium muriaticum, Platinum, Psorinum, Sarsaparilla, Sepia oder Sulfur.

    • Während der Schmerzen: China, Colocynthis, Conium, Cyclamen, Graphites, Lachesis, Natrium muriaticum, Phosphor, Sarsaparilla, Silicea und Sulfur.

  • Tränenfluss: Belladonna, Ignatia, Platinum oder Pulsatilla.

  • Harnabgang, reichlicher, der Beschwerden bessert: Aconitum, Gelsemium, Ignatia, Melilotus, Sanguinaria und Silicea.

Weitere Begleitsymptome
Zu berücksichtigen sind ferner folgende begleitende Symptome:
  • Psychische Begleitsymptome:

    • Angst, Unruhe, Verzweiflung: Aconitum, Coffea, Chamomilla, Nux vomica, Veratrum album.

    • Schreckhaftigkeit: Ignatia.

    • Todesfurcht: Aconitum, Platinum.

    • Wahnsinnig und rasend machende Kopfschmerzen: Aconitum, Nux vomica, Veratrum album.

  • Körperliche Begleitsymptome:

    • Beulen auf dem Kopf: Hepar sulfuris, Silicea.

    • Haarausfall: Sulfur, Silicea.

    • Kopfschweiß: Chamomilla, Calcarea carbonica, Silicea.

    • Schwindel: Nux vomica, Pulsatilla.

    • Ohrensausen: Pulsatilla, Belladonna.

    • Augenverdunkelung: Ignatia, Pulsatilla.

    • Gesicht, aufgedunsenes: Chamomilla.

    • Nasenbluten: Aconitum, Bryonia, Pulsatilla.

    • Übelkeit ohne Erbrechen: Ignatia, Pulsatilla, Sulfur.

    • Erbrechen: Belladonna, Sepia, Nux vomica, Pulsatilla, Sulfur, Sanguinaria, Calcarea carbonica, Colocynthis (saures Erbrechen: Nux vomica, bitteres Erbrechen: Pulsatilla, Nux vomica, Sanguinaria, Calcarea carbonica, Belladonna).

    • Durchfall: Veratrum album.

    • Urinieren (spastisch) während des Kopfschmerzanfalls: Ignatia, Colocynthis.

    • Herzklopfen: Pulsatilla.

    • Frostigkeit Pulsatilla.

    • Ohnmacht, Kälte und kalten Schweißen: Veratrum album.

Modalitäten
  • Wenn der Patient während den Kopfschmerzen das Verlangen hat, den Kopf hoch zu lagern, kommen Arsenicum, Bryonia, Conium, Gelsemium, Natrium muriaticum, Phosphor, Pulsatilla oder Spigelia als Heilmittel infrage.

  • Wenn kalte Umschläge bessern, helfen unter Umständen Aconitum, Aloe, Belladonna, Bryonia, Calcarea carbonica, Glonoinum, Lachesis, Ledum, Natrium muriaticum, Phosphor, Pulsatilla, Spigelia, Stramonium oder Sulfur.

  • Lateralität oder Lokalisation:

    • Gewisse Arzneimittel haben einen bestimmten Bezug zur rechten Seite wie Lycopodium und Sanguinaria, oder zur linken Seite wie Lachesis und Spigelia.

    • Bei seitenwechselnden Schmerzen kommt Lac caninum infrage.

    • Sind die Kopfschmerzen vor allem in der Stirn lokalisiert, hilft häufig Natrium muriaticum (vor allem bei Kindern, häufig ist es auch bei Schulkopfschmerzen indiziert) oder bei Schmerzen im Nacken Gelsemium, Silicea und Sangurinaria.

Gefühl, als ob …
  • Gefühl wie von Wasserwogen im Gehirn: Belladonna, Platinum.

  • Toben und Brausen: Aurum, Belladonna.

  • Schwanken im Gehirn: Nux vomica.

  • Gehirn wie zerschlagen, zertrümmert, zerrissen: Aurum, Nux vomica, China, Veratrum album, Coffea.

  • Wühlen und Bohren: Sepia, Spigelia, Sanguinaria, Ignatia, China.

  • Kopfschmerz wie von einem Geschwür: Pulsatilla, Sepia.

  • Kopfschmerzen wie zusammengeschraubt: Pulsatilla, Veratrum album, Sulfur.

Schmerzqualität
  • Drückende Kopfschmerzen: Coffea, Ignatia, Chamomilla, Nux vomica, China.

  • Klemmende Kopfschmerzen: Aconitum, Colocynthis, Platinum.

  • Klopfen, Hämmern: Aconitum, Ignatia, Chamomilla, Sepia, Calcarea carbonica, Sulfur.

  • Leerheitsgefühl im Kopf: Cocculus, Pulsatilla.

  • Nagel, wie von einem: Ignatia, Coffea, Nux vomica.

  • Niederlegen, Kopfschmerzen die zum Niederlegen zwingen: Nux vomica, Colocynthis, Sanguinaria, Silicea.

  • Reißende Kopfschmerzen: Bryonia, Chamomilla, China, Colocynthis, Pulsatilla, Mercurius solubilis.

  • Schreien bei Kopfschmerzen: Sepia, Aconitum, Coffea, Chamomilla, Veratrum album, Silicea.

  • Stechende Kopfschmerzen: Bryonia, Chamomilla, Colocynthis, Aconitum, Sepia (Stechen von innen nach außen: Ignatia).

  • Unerträglichkeit der Kopfschmerzen: Aconitum, Coffea, Chamomilla.

  • Zersprengungsgefühl: Bryonia, China, Mercurius solubilis.

  • Gefühl wie von einem Herauspressen: Bryonia, Ignatia.

  • Der Kopf verträgt nicht die geringste Berührung: Bryonia, China, Sepia, Sulfur.

  • Der Haarkopf schmerzt: Belladonna, China, Veratrum album.

Modalitäten: Verschlimmerung
  • Aufstehen vom Liegen: Veratrum album.

  • Auftreten verschlechtert: Belladonna, China.

  • Bewegung verschlimmert: Bryonia, China, Nux vomica, Sepia, Aconitum, Sulfur.

  • Bewegung der Augen verschlimmert: Belladonna, Bryonia, Pulsatilla, Sepia, Colocynthis, Nux vomica (beim Öffnen der Augen: China, Sepia).

  • Bücken verschlimmert: Belladonna, Bryonia, Nux vomica, Colocynthis, Pulsatilla, Spigelia.

  • Essen/Kaffee verschlimmert: Ignatia, Nux vomica.

  • Im Freien verschlimmert: Nux vomica, Sulfur, Calcarea carbonica, Spigelia, Coffea, China.

  • Gehen verschlimmert: Bryonia, Nux vomica.

  • Gehen im Freien verschlimmert: Ignatia, Calcarea carbonica.

  • Geräusche verschlechtern: Aconitum, Coffea, Belladonna, Bryonia, Sepia, Spigelia.

  • Musik verschlimmert: Coffea.

  • Licht verschlimmert: Aconitum, Ignatia, Pulsatilla, Nux vomica.

  • Rückenlage verschlimmert: Colocynthis, Veratrum album.

  • Schütteln des Kopfes verschlechtert: Glonoinum, Nux vomica.

  • Sprechen anderer verschlechtert: Aconitum, Belladonna, Sepia, Spigelia.

  • Sitzen verschlimmert: Pulsatilla.

Modalitäten: Besserung
  • Schließen der Augen bessert: Sepia, Calcarea carbonica.

  • Umbinden des Kopfes oder Zusammendrücken bessert: Pulsatilla, Sepia, Calcarea carbonica, Nitricum acidum.

  • Liegen bessert: China, Sepia, Calcarea carbonica; beim Bücken: Ignatia; in Ruhe: China, Sepia, Spigelia; gebessert während des Schlafs: Sepia, Ignatia, Silicea.

Modalitäten: Zeit
  • Abends: Pulsatilla, Colocynthis, Ignatia.

  • Abends nach dem Hinlegen: Ignatia.

  • Nachts: China, Sulfur, Silicea.

  • Morgens: China, Ignatia, Nux vomica, Spigelia.

  • Nachmittags: Colocynthis.

Schmerzqualität
Der Schmerzcharakter hat bei der Arzneimittelwahl weniger Bedeutung. Es gibt jedoch Ausnahmen. Wenn die Schmerzen deutlich als pulsierend oder klopfend beschrieben werden, kommen Belladonna, China, Ferrum, Glonoinum und Natrium muriaticum in Betracht. Besonders heftige oder charakteristische Schmerzen können auf bestimmte Arzneimittel hinweisen. Sind die Kopfschmerzen so stark, dass die Patienten schreien, sollte man an Arsenicum album, Colocynthis und Sepia denken.
Lokalisation
  • Kopfschmerzen v. a. rechts: Belladonna, Sepia, Sanguinaria, Calcarea carbonica.

  • Kopfschmerzen v. a. links: Colocynthis, Aconitum, Sulfur, Spigelia, Nux vomica.

  • Über der Nasenwurzel: Aconitum, Ignatia, Platinum.

  • Über den Augenbrauen: Belladonna, Nux vomica.

  • In den Schläfen: Belladonna, Chamomilla, China, Ignatia, Nux vomica, Pulsatilla.

  • Auf dem Scheitel: China, Sulfur, Calcarea carbonica.

  • Tief im Gehirn: Bryonia, Ignatia, Sepia, Calcarea carbonica, China.

  • Im Hinterkopf: Sulfur, Pulsatilla, Sepia.

  • In der Stirn und im vorderen Bereich des Kopfes: Belladonna, Bryonia, Colocynthis, Ignatia, Nux vomica, Platinum, Sulfur, Calcarea carbonica, Sepia, Silicea.

An dieser Stelle muss auch erwähnt werden, dass ein sehr heftiges, erstmaliges Kopfschmerzereignis ein Hinweis auf eine Hirnblutung sein kann und rasch weiterer Abklärung bedarf.

Zum Schluss sei noch darauf hingewiesen, dass hier nur exemplarisch auf einige Teilbereiche der sehr umfangreichen Kopfschmerzproblematik eingegangen wurde. Zur exakten Fallbearbeitung ist deshalb immer ein Repertorium erforderlich.

Trigeminusneuralgie

Gesichtsschmerz Trigeminusneuralgie

Definition: Tic douloureux. Wichtigste Gesichtsschmerzform. Ätiologie und Pathogenese: meist vaskuläres Kompressionssyndrom mit pathologischen Kontakten zwischen einem Gefäß und der Nervenwurzel unmittelbar nach Austritt aus dem Hirnstamm. Durch ständige Pulsationen entstehen Entmarkungen der jeweiligen Nervenwurzel mit Fehlverbindungen, die als Ursache der Schmerzen angesehen werden. Es müssen jedoch differenzialdiagnostisch Tumoren und entzündliche Erkrankungen ausgeschlossen werden. Die häufigste symptomatische Ursache einer Trigeminusneuralgie ist die Multiple Sklerose (25.4.3).

Symptomatik: Extrem heftige, scharfe, elektrisierende, blitzartig einschießende, durch Kauen und Sprechen auslösbare Schmerzattacken. Dauer der Attacken: Sekunden bis zu 2 Min. Multiple Attacken können täglich über Wochen bis Monate auftreten. Zwischen den Attacken gelegentlich dumpfe, brennende oder klopfende Schmerzen. Auslöser: schon leichteste Berührung (z. B. mit einem Haar), kalte Luft, Sprechen, Kauen, mimische Bewegungen, Zähneputzen, emotionaler Stress; Triggerzonen evtl. auf nur 1–2 mm lokalisiert.

Therapeutische Strategie
Das schulmedizinische Vorgehen ist zunächst stets konservativ. Es werden Antiepileptika eingesetzt. Nur bei Versagen der medikamentösen Therapie kommen operative Verfahren in Betracht. Unwirksam, leider aber immer wieder praktiziert, sind alle operativen Maßnahmen im Gesichtsschädelbereich wie Zahnextraktionen oder Kieferhöhlenoperationen.
Homöopathische Behandlung
Bei der Behandlung der Trigeminusneuralgie ist i. d. R. eine längerfristige konstitutionelle homöopathische Therapie nötig. Die Heftigkeit der Schmerzattacken bedingt einen hohen Leidensdruck. Wenn die Schmerzattacken durch Kauen ausgelöst werden, kommt es gelegentlich zu einem erheblichen Gewichtsverlust. Es besteht rascher Handlungsbedarf und der Leidensdruck der Patienten ist groß.
Wahl der Symptome
SymptomenwahlNeuralgieEs finden sich oft nur wenige heftige Symptome, die alles andere überlagern (= einseitige Erkrankung), was die Mittelwahl bei akuter Neuralgie erschwert.
  • Schmerzqualitäten: wie reißend, stechend, schneidend haben im Allgemeinen weniger Bedeutung.

  • Schmerzauslösung: z. B. durch Bewegung, Kauen, Wind, Kälte oder emotionalen Stress (Ärger, Verdruss) ist zu repertorisieren.

  • Weitere neurologischen Auffälligkeiten wie Ameisenlaufen oder Taubheitsgefühle sind ebenfalls wichtig.

  • Sollten Begleiterscheinungen wie z. B. Tränenfluss oder Speichelfluss (die für die klassische Trigeminusneuralgie nicht typisch sind) vorhanden sein, sind diese zu berücksichtigen.

  • Lokalisation und Lateralität: Wichtiger ist die Lateralität und die Ausbreitung der Schmerzen. Einige homöopathische Mittel haben einen ausgeprägten Bezug zur linken oder rechten Seite.

  • Periodizität: Weiter spielt bei der Mittelwahl die Periodizität eine Rolle, z. B. Schmerzen, die alle 2 Wochen auftreten oder immer im Frühling etc.

  • Causa: Sind klare Auslösefaktoren (z. B. Essen, Kauen, Kaffee, klimatische Einflüsse, körperliche Anstrengung, Ärger) bekannt, sollten diese ebenfalls zur Arzneiwahl verwendet werden.

  • Modalitäten: Auch die jeweiligen Schmerzmodalitäten können von Bedeutung sein, z. B. besser oder schlechter durch kalte oder warme Anwendungen, kalte Luft, Bewegung, Sport, Druck, Berührung, bestimmte Körperstellungen.

Miasmatische Zuordnung
Die Trigeminusneuralgie ist meist psorischer Natur, insbesondere wenn Berührung, Kauen und Sprechen eine Verschlechterung auslösen. Hartnäckige Trigeminusneuralgien sind oft tuberkulinisch.
Konstitutionstherapie
KonstitutionstherapieTrigeminusneuralgieBei der Trigeminusneuralgie ist oft von einer längeren Behandlungsdauer auszugehen. Bei einer Konstitutionsbehandlung gibt man das Mittel im schmerzfreien Intervall. Es verringert bei richtiger Mittelwahl die Attackenfrequenz und/oder die Schmerzstärke. Die Dynamik des Heilungsprozesses hängt dabei von der Reaktionsfähigkeit des Patienten, der bisherigen Erkrankungsdauer und Erkrankungsschwere sowie auch von der Eigendynamik des verabreichten Arzneimittels ab.
Bei den meisten Gesichtsschmerzpatienten kann davon ausgegangen werden, dass es trotz suffizienter konstitutioneller Therapie zumindest zu Beginn der Behandlung zu weiteren Schmerzattacken kommen wird. Ob diese akuten Schmerzen im Rahmen einer Konstitutionstherapie mit homöopathischen Medikamenten oder mit allopathischer Medikation therapiert werden, hängt vom jeweiligen Einzelfall ab.
Repertorium
RepertorisationTrigeminusneuralgieDie Hauptrubriken für die Trigeminusneuralgie sind Gesicht – Schmerz mit 196 Arzneimitteln sowie Gesicht – Schmerz – neuralgisch (85 AM), die aber wegen des Umfangs keine praktische Bedeutung bei der Repertorisation haben. Folgende beispielhafte Unterrubriken der Rubrik Gesicht – Schmerz sind wegen der speziellen Charakterisierung des Symptoms „Gesichtsschmerz“ hilfreich für die Arzneifindung.
Zusätzlich zu den „Schmerzrubriken“ im Kapitel Gesicht sind müssen auch andere Rubriken im Kapitel „Gesicht“ berücksichtig werden, z. B. Ameisenlaufen, Gefühllosigkeit, Zucken etc.

Schmerzsymptomatik und -modalitäten

Gesicht – Schmerz // eine Seite // abwechselnde Seiten // rechts // links // tagsüber, morgens, abends, nachts (mit den Unterrubriken) // anfallsweise // Anstrengung – agg. // Ärger, Verdruss, bei // Berührung – agg. // Bett im – agg. // Bewegung – agg./amel. // Bewegung – Unterkiefers des – agg. // Gehen – Freiem im – amel. // Gehen, nach – Warmwerden // geistige Anstrengung – agg. // Geräusche – agg. // Hautausschläge nach, unterdrückten // Husten, beim // Kaffee, nach Missbrauch von // kalt – Anwendungen, kalte – agg./amel. // kalt – Einwirkung von Kälte, durch // Luft, kalte – agg./amel. // Kauen, beim // Lähmung, mit // Luft – Freiem, im – agg./amel. // Luft – Zugluft agg. // Menses, während // Öffnen, beim – Mundes des // periodisch // pulsierend // Schnäuzen der Nase agg.

Lokalisation

Gesicht – Gefühllosigkeit // eine Seite // rechts // links
Gesicht // Ameisenlaufen // Ameisenlaufen – rechts
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung sowohl bei der Akuttherapie als auch bei der Konstitutionstherapie 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Prognose: Unter allopathischer Behandlung ist der Verlauf i. d. R. progredient. In den Anfangsstadien finden sich noch schmerzfreie Intervalle von mehreren Monaten oder sogar länger als einem Jahr. 29 % der Patienten haben nur eine Episode in ihrem Leben, 28 % dagegen drei und mehr Episoden. In den ersten fünf Jahren treten jährlich bei 21 % der Patienten erneute Attacken auf. Mehr als die Hälfte der Patienten hat im weiteren Verlauf eine mindestens sechsmonatige Remission, ein Viertel eine zwölfmonatige Remission. Mit der homöopathischen Therapie ist eine deutliche Reduktion der Beschwerden bzw. unter Umständen Beschwerdefreiheit zu erreichen. Die Behandlung mit Q-Potenzen erweist sich am erfolgreichsten, eine engmaschige Patientenführung vorausgesetzt.
Unterstützende Maßnahmen
Alternativ sowie begleitend kann auch Akupunktur angewendet werden.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Acon., Ars., Bell., Caust., Cedr., Cham., Chin., Coloc., Nat-m., Nux-v., Spig., Verb.
!! Agar., Hep., Mag-p., Lach., Phos., Plat., Sang., Sep., Sil., Sulph.,
! Bry., Calc-p., Calc-s., Chel., Chinin-s., Dulc., Ferr., Kalm., Lac-c., Lyc., Mez., Puls., Staph.

Causa
Gerade bei der Trigeminusneuralgie sind auslösende Faktoren wie Kauen, Essen, Bewegung und klimatische Einflüsse wichtig.
  • Wenn die Schmerzen durch Kauen ausgelöst werden, kommen Belladonna, Bryonia, Chamomilla, Natrium muriaticum, Staphisagria, Platinum, Verbascum, Phosphorus, Colocynthis infrage.

  • Oft genügt schon die geringste Berührung, um eine Schmerzattacke zu provozieren. Häufige Mittel sind dann Belladonna, Bryonia, China, Hepar sulfuris, Nux vomica, Sanguinaria, Sepia, Lachesis, Mezereum.

Schmerzqualität
  • Brennende Schmerzen: Belladonna, Spigelia, Colocynthis, Staphisagria.

  • Blitzschnelle, zuckende Schmerzen: Sepia, Pulsatilla, Belladonna.

  • Bohrende, wühlende Schmerzen: Platinum, China, Phosphorus.

  • Drückende Schmerzen: Belladonna, Hyoscyamus, Pulsatilla, Staphisagria, Capsicum.

  • Klemmende Schmerzen: Hyoscyamus, Platinum, Veratrum album.

  • Klopfende Schmerzen: Belladonna, Pulsatilla, Phosphorus.

  • Reißende Schmerzen: Belladonna, Causticum, Colocynthis, Veratrum album, China, Staphisagria, Hepar sulfuris.

  • Schneidende Schmerzen: Belladonna, Rhus toxicodendron.

  • Stechende Schmerzen: Pulsatilla, Colocynthis, Veratrum album.

  • Ziehende Schmerzen: China, Hepar sulfuris, Phosphorus, Veratrum album.

  • Zuckende Schmerzen: Pulsatilla, Spigelia.

  • Jucken und Kribbeln: Belladonna.

Klimatische Einflüsse
  • Folge der Einwirkung von Wind : Aconitum, Causticum, Hepar sulfuris, Magnesium phosphoricum.

  • Verschlechterung durch Kälte: Arsen, Agaricus, Belladonna, Causticum, Dulcamara, Phosphorus, Silicea, Sepia und Sulfur.

  • Besserung durch kalte Anwendungen: Bryonia, Causticum, Lac caninum, Pulsatilla.

  • Besserung durch Wärme: Arsen, Hepar sulfuris, Mezereum, Silicea, Magnesium phosphoricum, Spigelia, Chamomilla.

Modalitäten
  • Zeitliche Modalitäten:

    • Nächtlich Verschlimmerung bzw. Schmerzen treten v. a. nachts auf: Belladonna, Causticum, China, Pulsatilla, Platinum.

    • Morgens/vormittags: Nux vomica, Spigelia, Belladonna.

    • Abends/nachmittags: Pulsatilla, Belladonna.

  • Berührung verschlimmert: China, Hepar sulfuris, Colocynthis, Spigelia, Staphisagria.

  • Essen verschlimmert: Phosphorus, Spigelia.

  • Sprechen und Öffnen des Mundes: Phosphorus.

  • Feuchtes Wetter: Spigelia, Rhus toxicodendron, Veratrum album.

Begleitphänomene
Gerade bei der symptomatischen Trigeminusneuralgie gibt es gelegentlich weitere neurologische Auffälligkeiten, die ebenfalls bei der Mittelwahl eine Rolle spielen. An dieser Stelle sei noch einmal erwähnt, dass die häufigste symptomatische Trigeminusneuralgie bei der Multiplen Sklerose vorkommt.
  • Taubheitsgefühle: Chamomilla, Kalmia, Platinum, Mezereum, Aconitum.

  • Gesichtsfarbe, rote: Ferrum, Belladonna.

  • Tränenfluss: Belladonna, Lachesis und Spigelia.

  • Hitze im Kopf: Aconitum, Arnica, Bryonia, Staphisagria.

  • Schwindel: Belladonna, Platinum, Phosphorus.

  • Schwellung des Gesichts: Belladonna, Spigelia, Platinum, Phosphorus, Colocynthis.

  • Nasenschleim, reichlicher: Belladonna, Spigelia, Pulsatilla.

  • Unruhe, Herzensangst: Aconitum, Arsenicum album, Spigelia.

Lokalisation, Lateralität
Auch die Lokalisation spielt eine Rolle. Der Trigeminusnerv besitzt 3 Äste von denen der 1. Ast die Stirn, der 2. Ast den Oberkiefer und der 3. Ast den Unterkiefer versorgt.
  • Schmerzen im Versorgungsbereich des 2. Astes (Oberkiefer): Calcium phosphoricum oder Calcium sulfuricum.

  • Schmerzen im Unterkieferbereich: Causticum, Arsenicum, Dulcamara, Platinum, Silicea, Spigelia, Phosphorus.

  • Rechte Seite: Lycopodium, Chelidonium, Belladonna, Causticum, Platinum, Veratrum album.

  • Linke Seite: Lachesis, Spigelia, Colocynthis, Chamomilla, Nux vomica.

  • Seitenwechselnde Schmerzen: Lac caninum.

Zeit/Periodizität
Von den vielen zeitlichen Modalitäten seien hier einige exemplarisch genannt. Gesichtsschmerzen zu bestimmten Uhrzeiten haben Lycopodium (16–20 Uhr), Cedron (19–20 Uhr). Periodizität, finden sich bei Arsenicum, Cedron, Chininum sulfuricum, Magnesium phosphoricum, Natrium muriaticum, Nux vomica, Spigelia.

Fazialisparese

Fazialisparese

Definition: Lähmung der Gesichtsmuskulatur im Versorgungsgebiet des N. facialis (7. Hirnnerv). Häufigste Form ist die idiopathische Fazialisparese (60–75 %, nur eine Gesichtshälfte betroffen), die sich in den meisten Fällen von selbst zurückbildet. Die übrigen 25–40 % lassen sich mit einer definierten Erkrankung in Zusammenhang bringen. Ursachen sind Ischämie, Schädigung des Nerven durch Druck, oft unklare Ätiologie. Auftreten von Fazialisparesen mit bekannter Ursache v. a. im Rahmen von Entzündungen (z. B. Borreliose, Zoster oticus) oder bedingt durch Verletzungen (z. B. Schädelfraktur).

Symptomatik: Lähmung der mimischen Muskulatur. Meist nur eine Gesichtshälfte betroffen (Seite der Nervenschädigung). Entwicklung der Lähmung innerhalb von 1 bis 2 d, Beginn evtl. mit Schmerzen hinter dem Ohr. Zusätzlich evtl. verminderte Tränensekretion und Geschmacks- und Gehörstörungen.

Therapeutische Strategie
Wurde eine auslösende Erkrankung gefunden, so muss diese selbstverständlich behandelt werden, z. B. Behandlung mit Virustatika bei Zoster oticus, antibiotische Therapie bei Borreliose. Wegen des unvollständigen Lidschlusses und der herabgesetzten Tränensekretion schützt man das betroffene Auge mit Augensalbe und einem sogenannten Uhrglasverband vor einem Hornhautgeschwür. Medikamentös können Kortikosteroide zum Einsatz kommen, wobei die Nebenwirkungen sowie Kontraindikationen zu berücksichtigen sind. Steroide begünstigen die vollständige Rückbildung und verringern das Risiko von Synkinesien, autonomen Störungen und Kontrakturen. Eine zusätzlich antivirale Therapie ist bei einer idiopathischen Fazialisparese nicht zu empfehlen. Bei typischer, einseitiger idiopathischer Fazialisparese kann die Behandlung ambulant erfolgen.
Homöopathische Behandlung
Es muss zwischen der Behandlung einer frischen und einer länger bestehenden Gesichtslähmung unterschieden werden. Wichtig ist in jedem Fall der rasche Behandlungsbeginn, da sich dadurch die Prognose verbessert. Bei der symptomatischen Fazialisparese muss auch die Ursache behandelt werden. So sollte bei einer Borreliose eine begleitende antibiotische Therapie erfolgen. Bei jeder Fazialisparese mit inkomplettem Lidschluss müssen neben der homöopathischen Behandlung auch Vorkehrungen zum Schutz der Hornhaut getroffen werden. Falls dies nicht geschieht, kann sich ein Hornhautgeschwür bilden, das bei ungünstigem Erkrankungsverlauf zur Erblindung führt.
Wahl der Symptome
Bei akuter Fazialisparese ist auf folgende Angaben zu achten:
  • SymptomenwahlFazialispareseLateralität: Gewisse homöopathische Mittel haben einen Bezug zur linken oder zur rechten Seite.

  • Auslösefaktoren: Richtungweisend sind z. B. Kälte oder Nasswerden.

  • Begleiterscheinungen: z. B. Schmerzen, Speichelfluss, Taubheitsgefühl, Geschmacks- und Gehörstörungen sind bei der akuten Fazialisparese ebenfalls zu berücksichtigen.

Zur Wahl der Symptome bei älterer Fazialisparese 4.3.
Miasmatische Zuordnung
Eine eindeutige miasmatische Zuordnung ist in der Literatur nicht belegt.
Repertorium
RepertorisationFazialispareseDie Hauptrubrik ist Gesicht – Lähmung (52 AM). Einige Unterrubriken (s. u.) dieses Abschnitts können für die Arzneimittelwahl von Wert sein.

GesichtLähmung // eine Seite // rechts // links // Fahren im Wind // Kälte, durch // Lähmung – Nasswerden, nach

Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Eine rasche Rückbildung einer kompletten Lähmung innerhalb von einigen Tagen ist auch unter homöopathischer Therapie unwahrscheinlich, bei sofortiger Therapie einer akuten Lähmung jedoch möglich. Mit einer Beschleunigung des Heilungsverlaufes ist bei richtiger Mittelwahl allerdings zu rechnen.
Prognose: In 80 % der Fälle bildet sich die idiopathische Fazialisparese innerhalb von sechs Wochen bis sechs Monaten von selbst zurück. Auch die traumatisch bedingte Fazialisparese hat gute Heilungschancen. Bei vielen Patienten bleiben jedoch diskrete Mitbewegungen der mimischen Muskulatur bestehen (sog. Synkinesien). In weniger als 10 % der Fälle muss mit dauerhaften entstellenden Gesichtsasymmetrien gerechnet werden. Je weniger ausgeprägt die Symptome im akuten Krankheitsstadium sind und je schneller sie sich wieder zurückbilden, desto besser sind die Aussichten. Je länger die Lähmung besteht, desto ungünstiger ist trotz guter homöopathischer Therapie die Prognose. Aufgrund der insgesamt guten Prognose kann man gelegentlich nicht differenzieren, ob die Remission durch die Arzneiwirkung erreicht wurde, oder ob sie im Rahmen des günstigen Spontanverlaufs zu sehen ist.
Unterstützende Maßnahmen
Ein wissenschaftlicher Beleg für den Nutzen einer physiotherapeutischen Übungsbehandlung liegt nicht vor, sollte aber aus psychologischen Gründen in Betracht gezogen werden. Der Nutzen einer Behandlung mittels Akupunktur ist nicht belegt.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Acon., Caust., Dulc., Nux-v.
!! Agar., All-c., Arn., Bell., Gels., Phos., Ruta
! Cur., Cadm-s., Zinc., Op., Nat-m.

Im Folgenden werden Differenzierungsmöglichkeiten angegeben, die sich direkt auf die Fazialisparese beziehen. Diese sind trotz guter Therapiemöglichkeiten spärlich. Für eine richtige homöopathische Verordnung muss deshalb auch auf allen anderen Ebenen nach verwertbaren Symptomen gesucht werden (z. B. Allgemeinsymptome, psychische Symptome etc.).
Causa
  • Durch Fahren im kalten Wind: Aconitum, Causticum, Cadmium sulfuratum, Dulcamara, Ruta.

  • Nach Nasswerden: Causticum (das Mittel der Wahl).

Lateralität
  • Linksseitige Lähmung: Allium cepa, Curare, Nux vomica.

  • Rechtsseitige Lähmung: Arnica, Belladonna, Causticum, Phosphor.

Begleitsymptome
  • Lidschluss inkomplett: Cadmium sulfuratum.

  • Speichelfluss aus dem gelähmten Mundwinkel: Agaricus, Opium, Zincum.

  • Schmerzen: Natrium muriaticum, Causticum, Gelsemium, Curare.

Schlaganfall

Schlaganfall

Definition, Ätiologie: ApoplexieApoplexie. Minderdurchblutung des Gehirns als Folge eines thrombotischen oder embolischen Gefäßverschlusses oder einer intrazerebralen Blutung. Ursache: ischämischer Hirninfarkt (90 %) bei plötzlichem Gefäßverschluss einer intra- oder extrakranialen Arterie; vorwiegend durch atheromatöse Veränderungen bedingt, durch Embolie oder auch als intrazerebraler Steal-Effekt durch stenosierende Läsionen anderer Gefäße. Ruptur eines intrazerebralen Gefäßes (10 %).

Symptomatik: Einseitige Lähmungen, Sehstörungen, Empfindungsstörungen, Sprachstörungen, Kopfschmerzen oder Bewusstlosigkeit. Je nach Ausmaß der Durchblutungsstörung können die Symptome nur kurzfristig vorhanden sein (TIA: transiente ischämische Attacke), sich über Tage oder Wochen zurückbilden (PRIND: prolongiertes reversibles ischämisches neurologisches Defizit) oder auf Dauer vorliegen (klassischer Schlaganfall).

Therapeutische Strategie

Wenn der Verdacht auf einen Schlaganfall besteht, liegt ein neurologischer Notfall vor, und es muss eine sofortige Krankenhauseinweisung erfolgen.

Wichtig ist auch die Abklärung von nur kurzfristig vorhandenen neurologischen Ausfällen (TIAs), da danach das jährliche Schlaganfallrisiko fünf bis sechs Prozent beträgt. Im Krankenhaus ergibt sich nach Diagnosesicherung mittels neurologischer Untersuchung, Computer- oder Kernspintomographie, Ultraschalluntersuchung der hirnversorgenden Gefäße, EKG etc. das weitere therapeutische Vorgehen.
Bei lebensbedrohlichem Zustand ist eine intensivmedizinische Behandlung erforderlich. Große Blutungen oder Hirnschwellungen müssen manchmal auch neurochirurgisch versorgt werden.
Meistens ist die Behandlung jedoch konservativ. Hierzu zählen unter anderem die Behandlung des Blutdrucks, der Hirnschwellung, Gabe von blutverdünnenden Medikamenten und die Überwachung der lebenswichtigen Funktionen wie Atmung etc. Bei bestimmten Patienten ist eine Thrombolyse (medikamentöse intravenöse Therapie zur Rekanalisierung des verstopften Gefäßes) oder eine mechanische Rekanalisation (endovaskuläre Thrombektomie mit speziellen Kathetersystemen) indiziert. Nach Stabilisierung des Patienten ist dann oft eine weiterführende rehabilitative Behandlung nötig.
Homöopathische Behandlung
Da in der Akutphase eines Schlaganfalls auf jeden Fall eine Krankenhauseinweisung erforderlich ist, kommt nur eine begleitende homöopathische Therapie infrage. Es sollte jedoch wenn möglich, bereits vor der Klinikeinweisung damit begonnen werden.
Wahl der Symptome
Richtungweisend können folgende Symptome sein: Gesichtsfarbe, Gemütssymptome (Angst, Unruhe), Bewusstseinslage (Apathie, Koma etc.), neurologische Symptome (Sprachstörungen, Lähmungen, Schwindel etc.), begleitende Symptome (Kopfschmerzen, Übelkeit etc.).
Miasmatische Zuordnung
Die Apoplexie durch Aneurysma- oder Gefäßruptur wird dem syphilitischen Miasma zugeordnet. Ist die Verursachung ein Gefäßverschluss liegt oft eine Sykose zugrunde.
Repertorium
RepertorisationSchlaganfallDie Hauptrubrik ist unter Allgemeines – Apoplexie zu finden. Sehr anwendungsbezogen ist auch die Rubrik Extremitäten – Lähmung – allgemein – Apoplex, nach. Die Seitenbeziehung der Hemiplegie findet sich unter: Allgemeines – Lähmung – eine Seite – Apoplexie, nach. Auffallende Symptome müssen in den Kapiteln „Gemüt“, „Augen“, „Sprechen und Stimme“ und „Extremitäten“ nachgeschlagen werden.

Diagnosebezogene Rubriken

Allgemeines //Apoplexie // Lähmung – links // Lähmung – rechts
Extremitäten – Lähmung – allgemein – Apoplex, nach

Auffallende Symptome

Gemüt // Fehler, macht – Reden – setzt Worte an der falschen Stelle ein // Murren – Apoplexie, bei // Gesund – behauptet, trotz schwerer Krankheit gesund zu sein // Vergesslichkeit – Worte beim Sprechen
Augen // Lähmung – Lider – Oberlider // offen, öffnen – Apoplexie, bei
Sprechen und Stimme // Sprechen // Insuffizient – Apoplexie, nach
Extremitäten // Lähmung – Kälte der Körperteile, mit
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
In der Akutphase werden hohe C-Potenzen (C30, C200) eingesetzt, in Einzelgaben verabreicht, auch verkleppert, durchaus oft wiederholt (bis 10-minütlich über ein bis zwei Stunden). In der Nachbehandlung ist der Stellenwert der homöopathischen Therapie größer. Richtungsweisend sind hierbei die neurologischen Symptome. Auch eine konstitutionelle Behandlung mit hohen C- oder auch Q-Potenzen ist erwägenswert.
Eine möglicherweise indizierte sekundärprophylaktische allopathische Behandlung (z. B. Aspirin®) muss weitergeführt werden. Auch die Behandlung von eventuellen Risikofaktoren wie Übergewicht, Bluthochdruck, Rauchen, erhöhte Blutfette etc. ist sehr wichtig und erfolgt ggf. parallel. Auf eine detaillierte Darstellung wird an dieser Stelle verzichtet, da jeder akute Schlaganfallpatient in einer Spezialabteilung behandelt werden sollte und die homöopathische Therapie nur begleitend erfolgen sollte.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung
Bei akutem Apoplex sind folgende Arzneimittel angezeigt.

!!! Bell., Op.
!! Nux-v., Arn., Acon., Gels., Glon., Hyos.

Zur Nachbehandlung des Apoplex kommen folgende Arzneimittel zur Anwendung.

!!! Arn., Bar-c., Crot-h., Lach., Plb., Cupr.
!! Caust, Phos., Sulph., Dig., Con., Crot-h., Lach., Cocc., Elaps., Camph., Carb-v.

  • Bei rotem Gesicht, Halbseitenlähmungen, unwillkürlichem Urin- und Stuhlabgang, starker Berührungsempfindlichkeit und Bewusstseinsverlust kommt Arnica in Frage. Rasende Kopfschmerzen mit rotem Gesicht und pulsierenden Halsschlagadern weisen auf Belladonna hin. Bewusstlosigkeit, Stupor, enge Pupillen und röchelnde Atmung sprechen für Opium. Bei Hirnblutung mit vollständiger Lähmung oder auch einer ganzen Seite: Belladonna.

  • Bei betäubtem, schnarchendem Schlaf: Opium oder Hyoscyamus.

  • Bei Bewusstseinsverlust mit vorrangiger Betroffenheit der rechten Seite: Belladonna.

  • Bei schnarchender Atmung, Steifheit und Starre des ganzen Körpers: Opium.

  • Bei Lähmung der unteren Extremitäten: Cocculus, Nux vomica oder Arnica.

  • Bei konvulsivischem Erbrechen mit oder ohne Krämpfe: Ipecacuanha.

  • Bei Bewusstlosigkeit und mit betäubtem Herumliegen: Hyoscyamus oder Stramonium.

  • Bei fadenförmigem und sehr schnellem Puls: Glonoinum.

  • Bei Bewusstlosigkeit mit unwillkürlichen Stuhl- und Urinabgang: Arnica.

  • Wenn der Patient sich ständig an den Kopf greift: Opium, Phosphorus.

  • Wenn sie die Hand ständig an die Geschlechtsteile führen: Hyoscyamus.

Meningitis, Enzephalitis

Meningitis Enzephalitis

Definition: Entzündung der Hirnhäute (Meningen). Bakterien oder Viren sind die häufigsten Verursacher der Meningitis. Kommt es begleitend zu einer Entzündung des Gehirns (Enzephalitis), spricht man von einer Meningoenzephalitis. Höchstes Erkrankungsrisiko: Kinder oder Patienten mit geschwächtem Immunsystem.

Symptomatik: Nackensteifigkeit (Meningismus), allgemeines Krankheitsgefühl, Kopfschmerzen, hohes Fieber, Erbrechen und Lichtscheu. Selten Benommenheit bis hin zum Koma. Bei kleinen Kindern können die Krankheitszeichen wenig ausgeprägt sein, im Vordergrund stehen häufig Bauchschmerzen, manchmal auch Krampfanfälle.

Therapeutische Strategie
Die bakterielle Meningitis wird schulmedizinisch mit Antibiotika behandelt. Die virale Meningitis oder Enzephalitis kann meistens nur symptomatisch behandelt werden. Gegen manche Viren existieren jedoch spezielle virenhemmende Medikamente (Virustatika).
Homöopathische Behandlung
Wegen der hohen Sterblichkeit ohne Antibiotika kann in der Akutphase einer bakteriellen Meningitis auf eine schulmedizinische Behandlung nicht verzichtet werden.
Die homöopathische Therapie sollte begleitend erfolgen. Da sich die klinische Symptomatik rasch ändern kann, ist häufig ein homöopathischer Mittelwechsel erforderlich. Die aktuellen homöopathischen Erfahrungen bei der Behandlung der Meningitis und der Enzephalitis sind gering, da i. d. R. zu Erkrankungsbeginn eine Krankenhauseinweisung erfolgt. In der Vor-Antibiotika-Ära sind allerdings gute homöopathische Heilungserfolge beschrieben. Erwähnenswert ist noch die Tatsache, dass auch banale virale Infektionen (z. B. Grippe) mit einer diskreten Nackensteifigkeit (meningeales Syndrom) einhergehen können. Bei diesen Erkrankungen hat die homöopathische Behandlung allerdings einen erheblich höheren Stellenwert.
Wahl der Symptome
Bei der Arzneifindung kommen folgende Symptome in Betracht: Fieber, Gemütssymptome, (z. B. Delirium, Unruhe, Wahnvorstellungen), Bewusstseinslage (z. B. Stupor, Koma), neurologische Auffälligkeiten (z. B. Lähmungen, Pupillenstörungen, epileptische Anfälle), Begleiterscheinungen (z. B. Hautausschläge, Schmerzen, Erbrechen, Übelkeit), auslösende Faktoren (z. B. Mittelohrentzündung, Impfung).
Miasmatische Zuordnung
Meningitiden werden dem syphilitischen Miasma zugeordnet.
Repertorium

Gemüt //Bewusstlosigkeit – Meningitis, bei // Delirium – Meningitis cerebrospinalis // Delirium – Enzephalitis, mit // Fliehen, versucht zu – Meningitis cerebrospinalis, bei // Gemüt – Qualvolle Angst – Meningitis; bei // Gemüt – Schreien – enzephalitisch // Gemüt – Schreien – Meningitis; bei // Gemüt – Stupor – Meningitis, bei

Kopf – Bewegungen des Kopfes – Rollen des Kopfes – Meningitis; bei

Kopf – Entzündung // Gehirn // Hirnhaut // Hirnhaut – spinalis; Meningitis // Hirnhaut – Ohres; durch Entzündung des // Enzephalitis // Meningitis

Auge – Pupillen – erweitert //Meningitis; bei

Sehen – Verlust des Sehvermögens //Meningitis, nach

Ohr – Entzündung //Mittelohr – gefolgt von – Meningitis

Gesicht – Entzündung // Parotis – Meningitis; drohende

Mund // Farbe – Zunge – weiß – gelblichweiß – begleitet von – Meningitis // Herausstrecken, Vorstrecken – Zunge, der – begleitet von – Meningitis // Lähmung – Zunge – begleitet von – Meningitis // Schwellung – Zunge – begleitet von – Meningitis

Magen // Reizung – Meningitis // Schluckauf – begleitet von – Meningitis

Rücken // Entzündung – Rückenmarkshaut // Meningitis spinalis

Extremitäten – Lähmung //Arme – Meningitis, bei

Fieber – intensive Hitze // Meningitis; bei

Allgemeines // Genesung, Rekonvaleszenz; Beschwerden während der – Meningitis; nach // Impfung, nach – Meningitis; gegen // Konvulsionen – Meningitis cerebrospinalis, bei // neurologische Beschwerden – Meningitis; durch // Ohnmacht – Meningitis, bei

Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Vor der Antibiotika-Ära betrug die Letalität der bakteriellen Meningitis 95–100 %. Trotz antibiotischer Therapie muss heute noch bei der häufigsten Meningitis im Erwachsenenalter, der PneumokokkenmeningitisPneumokokkenmeningitis, mit einer Sterblichkeit von 20–30 % gerechnet werden. In 10–30 % kommt es zu einer Defektheilung mit Hörstörungen, epileptischen Anfällen, Lähmungen, Sehstörungen und psychischen Auffälligkeiten. Sowohl in der Rekonvaleszenzphase wie auch bei einer Defektheilung sollte homöopathisch therapiert werden.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Ant-t., Apis., Bell., Gels., Glon., Hell., Stram., Zinc.
!! Arn., Bry., Calc., Cimic., Cina., Cocc., Cupr., Gels., Glon., Kali-br., Lach., Merc., Nat-m., Phos., Plb., Puls., Rhus-t., Sil., Sulph.

  • Aconitum#AconitumMeningitis: Gehirnreizungen vom Zahnen oder bei Würmern, mit wütenden Delirien, heftigem Erbrechen, unerträglichen Kopfschmerzen und brennendem Fieber.

  • Apis: Folgen von #ApisMeningitisunterdrückten Ausschlägen, besonders von Nesselausschlägen (Cri encéphalique: schrilles Schreien).

  • Belladonna: Das #BelladonnaMeningitispassendste und hilfreichste Mittel bei allen Arten von Reizungen und Entzündungen des Gehirns und seiner Häute, das man, mit alleiniger Ausnahme der tuberkulösen Meningitis und des Hydrozephalus, zuerst in Betracht ziehen sollte, wenn keine anderen Symptome auf Bryonia, Cuprum, Hyoscyamus oder Stramonium hinweisen.

  • Bryonia: Sehr #BryoniaMeningitisoft nach Belladonna unerlässlich, wenn noch Schmerzen zurückbleiben, die Belladonna nicht beseitigen konnte. Als Folgemittel, wenn heftig stechende Schmerzen den Kopf von einer Seite zur anderen durchfahren.

  • Calcarea carbonica: Konstitutionsmittel #Calcium carbonicumMeningitisnach tuberkulöser Hirnentzündung.

  • Cuprum: Arznei mit #Cuprum metallicumMeningitisstarkem Bezug zum Gehirn, insbesondere wenn Krämpfe in den Fingern oder Zehen, Brustbeklemmung und Kieferklemme bestehen. Nach unterdrücktem Zoster oder anderen Ausschlägen, sogar nach unterdrücktem Schnupfen.

  • Glonoinum: Folgen #GlonoinumMeningitisvon Sonnenstich. Schütteln verschlimmert das schmerzhafte Vollheitsgefühl im Kopf.

  • Pulsatilla: Metastasierung #PulsatillaMeningitiszum Gehirn nach unterdrückten Schnupfen, Ohrausfluss oder anderer Schleimflüsse. Mittelwirkung muss bei Hirnhautreizung innerhalb von 24 Stunden einsetzten, sonst Mittelwechsel, da keine weitere Besserung von Pulsatilla zu erwarten ist.

  • Sulphur: Folgen von unterdrückten#SulfurMeningitis Masern, Scharlach oder anderen Hautausschlägen.

Degenerative und systemische Erkrankungen des Nervensystems

Parkinson-Syndrom

Syndrom Parkinson Morbus Parkinson Parkinson-Syndrom

Definition: Degenerative Erkrankung des Gehirns, u. a. durch BewegungsstörungenBewegungsstörungen, M. Parkinson gekennzeichnet. Betrifft ca. 1 % der Bevölkerung über 60 J. In den meisten Fällen idiopathisches oder primäres Parkinson-Syndrom, seltener symptomatische oder sekundäre Parkinson-Syndrome (z. B. nach Schlaganfall, Vergiftungen, Hirnverletzungen). Durch Absterben dopaminproduzierender Zellen in der Substantia nigra kommt es zu Dopaminmangel (Dopamin ist ein wichtiger zentraler Botenstoff für die Bewegungssteuerung).

Symptomatik:

  • TremorTremor, M. Parkinson: Zittern als auffälligstes und bekanntestes Krankheitszeichen, obwohl nur ⅔ der Patienten davon betroffen sind. Zu Beginn, wenn die betroffene Extremität entspannt ist (Ruhetremor).

  • RigorRigor, M. Parkinson: erhöhte Muskelspannung beim passiven Bewegen der Extremitäten oder des Kopfes; wird vom Patienten als Versteifung empfunden; evtl. schmerzhaft.

  • AkineseAkinese, M. Parkinson/BradykineseBradykinese, M. Parkinson: Verlangsamung der Bewegungsabläufe bis zur Unfähigkeit, Bewegungen auszuführen, wobei einer anfänglichen Verlangsamung (Bradykinese) ein vollständiger Ausfall (Akinese) folgen kann. Nicht nur Arme und Beine, sondern auch Gesicht und Zunge betroffen.

  • Haltungsinstabilität (posturale Instabilität): Verminderte Stabilität beim Aufrechthalten des Körpers durch Störung der Stellreflexe, Verzögerung der kleinen, aber schnellen reflektorischen Ausgleichsbewegungen führt zu Gang- und Standunsicherheit.

Therapeutische Strategie und homöopathische Behandlung
Die Basistherapie erfolgt durch medikamentöse Substitution des fehlenden Botenstoffs. Ein weiterer Eckpfeiler ist die physiotherapeutische Behandlung.
Wie bei allen neurodegenerativen Erkrankungen ist trotz homöopathischer Behandlung i. d. R. von einer Krankheitsprogression auszugehen. Eine adäquate schulmedizinische Behandlung ist somit erforderlich. Eine graduelle Besserung der einzelnen Symptome durch die homöopathische Therapie ist allerdings zu erwarten. Oft können dann Medikamente eingespart werden, was bei den bekannten Spätfolgen von L-Dopa (z. B. überschießende Bewegungen) von erheblicher Bedeutung ist. Bei 30–40 % aller Parkinson-Patienten treten Depressionen auf, deren Ursache nicht genau bekannt ist. Auch hier kann homöopathisch eine Besserung erreicht werden. Gelegentlich kommt es zusätzlich zu einer demenziellen Entwicklung. Von den über 75-Jährigen ist etwa die Hälfte von einer Demenz betroffen. Die oft damit einhergehenden Verhaltensstörungen sind ebenfalls einer homöopathischen Behandlung zugänglich.
Der Morbus Parkinson wird wie alle chronischen Krankheiten konstitutionell behandelt, d. h. unter Einbeziehung der Gesamtheit der Symptome und der vollständigen Krankheitsgeschichte. Wenn nur die lokalen Symptome berücksichtigt werden, ist keine Beeinflussung des Krankheitsverlaufs zu erwarten. Es ist wichtig, ein realistisches Therapieziel zu vereinbaren und es ist eine längere Behandlungsdauer erforderlich.
Wahl der Symptome
Bei der Arzneifindung sind Bewegungsarmut, Muskelsteifigkeit, Ruhetremor, Haltungsinstabilität und fakultative Begleitsymptome zu berücksichtigen. Bei den Begleitsymptomen kann es sich um Schlafstörungen (Albträume), Riechstörungen, sensorische Symptome (Missempfindungen), Gelenk- und Muskelschmerzen, vegetative Störungen (z. B. fettige Gesichtshaut durch gesteigerte Talgproduktion), Kreislaufregulationsstörungen (orthostatische Hypotonie), Blasenfunktionsstörungen (imperativer Harndrang), Sexualfunktionsstörungen (Abnahme von Libido und Potenz), Verdauungsstörungen (Obstipation, Durchfall), Temperaturregulationsstörungen und psychische Störungen (Demenz, Depression) handeln.
Miasmatische Zuordnung
Die zugrunde liegende Miasmatik muss über die individuelle Symptomatik herausgearbeitet werden.
Repertorium

Schwindel – Fallen, stürzen, Neigung zu

Auge // Schließen der Augen – schwierig, ist // Starren, Stieren

Auge – Steifheit // Augäpfel // Lider // Muskeln um die Augen

Gesicht // Ausdruck – dumm, einfältig // fettig // Steifheit – Kiefer – Unterkiefer // Steifheit – Muskeln // Zittern – Lippen

Nase – Geruch, Geruchsinn // vermindert

Mund // Bewegung – Zunge – schwierig // Schwere der Zunge // Speichelfluss

Kehlkopf und Trachea – Stimme – schwach

Rücken – Steifheit

Schlaf – Träume // mit – Albtraum

Blase – Harndrang // plötzlich

Extremitäten – Bewegung // langsame Bewegung // unwillkürlich // Beine – langsam

Extremitäten // Rucken // Schweregefühl // Steifheit // Zittern

Allgemeines // Zittern – äußerlich // Zittern – äußerlich – erkrankte Teile

Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Eine konstitutionelle Behandlung mit hohen C-Potenzen oder mit Q-Potenzen ist i. d. R. erforderlich. Je mehr allopathische Medikamente benötigt werden, desto eher sollten Q-Potenzen eingesetzt werden.
Die Patienten haben bei rechtzeitiger Behandlung eine normale Lebenserwartung. Mit einem Fortschreiten der Krankheit ist aber zu rechnen. Für die Beurteilung des homöopathischen Behandlungseinflusses auf die Langzeitprognose reicht die aktuelle Datenlage nicht aus.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Caust., Merc., Nux-v., Rhus-t., Zinc.
!! Agar., Arg-n., Ars., Aur-s., Carb-v., Cocc., Con., Gels., Hyos., Lach., Op., Phos., Plb., Puls., Tarent.

Demenz

Demenz

Definition: Fortschreitende degenerative Veränderung des Gehirns mit Verlust von früher erworbenen kognitiven Fähigkeiten. Ca. 60–70 % aller Demenzen werden durch die MorbusAlzheimerAlzheimer-Krankheit hervorgerufen, bei der in bestimmten Bereichen des Gehirns allmählich Nervenzellen absterben. Ca. 20 % sind auf Durchblutungsstörungen im Gehirn (vaskuläre Demenz) zurückzuführen. Misch- und Sonderformen machen den restlichen Anteil aus.

Symptomatik: Demenz vom Alzheimer-Typ beginnt zunächst mit diskreten Hirnleistungsstörungen (z. B. Zerstreutheit, Reizbarkeit, Störung der Merkfähigkeit, Probleme im sprachlichen Ausdruck und v. a. im Sprachverständnis), im weiteren Verlauf Abnahme der intellektuellen Fähigkeiten, Persönlichkeitsverfall, Laufdrang, zunehmender Verlust der geistigen Fähigkeiten, eingeschränkte Selbstständigkeit; im Spätstadium psychisch/neurologische Symptome mit zunehmender Immobilität; Harn- und Stuhlinkontinenz.

Die vaskuläre Demenz beginnt im Gegensatz zur Alzheimer-Demenz plötzlich mit schrittweiser Zunahme von Hirnleistungsstörungen; nächtliche Verwirrtheit. Verfall kognitiver Funktionen und der Persönlichkeit meist später als bei Alzheimer-Patienten.

Therapeutische Strategie
Wichtig ist die rechtzeitige Diagnosestellung, insbesondere um heilbare Demenzformen zu erkennen. Es gibt keinen Test, mit dem man die häufigste Form der Demenz, die Alzheimer-Erkrankung sicher diagnostizieren kann.
Die Standarddiagnostik umfasst eine sorgfältige Befragung des Betroffenen und der Angehörigen, eine körperliche Untersuchung und Tests zur Erfassung des Denkens, Verstehens und der Orientierung. Notwendig sind auch eine neurologische Untersuchung, eine bildgebende Abklärung (Computertomographie oder Kernspintomographie des Gehirns) sowie Laboruntersuchungen.
Die BasistherapieBegleitmedikation, allopathischeDemenz der häufigsten Demenzerkrankungen erfolgt medikamentös. Neuere Medikamente, die in den letzten zehn Jahren entwickelt wurden, können den Fortgang der Erkrankung verlangsamen und die Hirnleistungsfähigkeit verbessern (z. B. Cholinesterasehemmer wie Donepezil, Galantamin, Rivastigmin). Bei der vaskulären Demenz kann die Einnahme von ASS zur Verhinderung erneuter Hirninfarkte sinnvoll sein (Sekundärprophylaxe).
Homöopathische Behandlung
Wie bei allen neurodegenerativen Erkrankungen ist trotz schulmedizinischer und auch homöopathischer Behandlung i. d. R. von einer Krankheitsprogression auszugehen. Oft ist eine begleitende schulmedizinische Behandlung erforderlich. Eine graduelle Besserung der einzelnen Symptome und insbesondere der begleitenden Verhaltensstörungen durch die homöopathische Therapie ist allerdings zu erwarten.
Kasuistik: An dieser Stelle sei der Krankheitsverlauf eines 70-jährigen Alzheimer-Patienten kurz erwähnt: Der ehemalige Apotheker suchte täglich seine Apotheke auf und entkleidete sich vollkommen. Durch wiederholte Gaben von Hyoscyamus M klang dieses exhibitionistische Verhalten jedes Mal sofort ab. Dem Patienten wurden dadurch eine zusätzliche neuroleptische Behandlung und eine drohende Einweisung in eine geschlossene geronto-psychiatrische Abteilung erspart.
Wahl der Symptome
Wichtige Symptome können neurologische Symptome (z. B. Sprachstörungen, Lähmungen, epileptische Anfälle), psychiatrische Symptome (z. B. Halluzinationen, Depression), und Verhaltensstörungen (z. B. Unruhe, Aggression, Streitsüchtigkeit, Argwohn, Schlaflosigkeit, rastloses Herumlaufen) sein.
Miasmatische Zuordnung
Die zugrunde liegende Miasmatik muss über die individuelle Symptomatik herausgearbeitet werden.
Repertorium

Gemüt // Aphasie // Argwöhnisch, misstrauisch // Demenz // Gleichgültigkeit, Apathie // Gesten, Gebärden; macht // Nackt sein, möchte // Ruhelosigkeit // Sprache, verloren // Sprache, verworren // Sprache, wehleidig klagend, jammernd // Sprache – wiederholt immer dasselbe // Streitsüchtig // Wahnideen

Schlaf // gestört // ruhelos

Schlaf – Schlaflosigkeit // nachts, schläft tagsüber

Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Eine konstitutionelle Behandlung mit hohen C-Potenzen oder mit Q-Potenzen ist i. d. R. erforderlich. Häufig handelt es sich um multimorbide Patienten, deren Begleiterkrankungen einer homöopathischen Therapie unter Umständen besser zugänglich sind.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Agar., Anac., Bell., Hyos., Lil-t., Nux-v., Ph-ac., Phos., Pic-ac., Verat.
!! Alum., Arg-n. Ars., Cann-i., Carbn-s., Glon., Ign., Hyos., Lach., Lyc., Merc., Op., Plb., Puls., Sil., Stram., Tarent., Zinc.

Multiple Sklerose

MS s. Multiple Sklerose Multiple Sklerose (MS)

Definition: Chronisch-entzündliche Erkrankung des Gehirns und des Rückenmarks, bei der sowohl die Nervenhülle (MyelinMyelin, MS), als auch die Axone (Nervenzellen) erkranken. Dadurch wird unter anderem die Nervenleitung gestört.

Symptomatik: Abhängig davon, welche Bereiche des Nervensystems betroffen sind. Häufig Sehstörungen, Koordinationsstörungen, Kraftminderung, Empfindungsstörungen und Sprachstörungen. Unterschieden werden folgende Verlaufsformen:

  • Gutartiger (benigner) Verlauf: Nach ein oder zwei Schüben mit vollständiger Erholung kommt es zu keiner weiteren Verschlechterung.

  • Schubweiser Verlauf mit Remissionen (Rückbildung der Symptome): 25 % der Patienten betroffen; unvorhersehbare Schübe mit einer Zunahme schon bestehender oder dem Auftreten neuer Symptome.

  • Primär fortschreitende (progrediente) Verlaufsform: Bei dieser selteneren Form bleiben einzelne Krankheitsschübe aus. Beginn schleichend, Fortschreiten mit ständiger, gleichmäßiger Zunahme der Symptome meist über Jahre, wobei dieser Prozess irgendwann zum Stillstand kommen kann.

  • Sekundär fortschreitende (progrediente) Verlaufsform: ca. 40 % der Patienten; anfänglich schubweiser Verlauf mit Remissionen mit späterem Übergang in ein Stadium kontinuierlich fortschreitender Behinderung.

  • Schubweise progredienter Verlauf: langsame Verschlechterung der Beschwerden und zusätzlich akute Verschlechterungen.

Therapeutische Strategie
Bei der Behandlung der Multiplen Sklerose (MS) sollte immer ein Neurologe hinzugezogen werden. Aus schulmedizinisch-neurologischer Sicht gibt es mehrere Behandlungsstrategien.
Der akute Schub wird durch eine Entzündung der Markscheiden ausgelöst; eine Behandlung dieser Entzündung durch Kortison verkürzt die Schubdauer, beeinflusst aber nicht den Langzeitverlauf.
Begleitmedikation, allopathischeMSBei fortschreitender Erkrankung werden vor allem Immunmodulatoren eingesetzt. An erster Stelle stehen die Interferone (Rebif®, Betaferon®, Avonex®, Extavia®, Plegridy®) mit denen sich die Schubfrequenz und die Intensität der Schübe reduzieren lassen. Weitere medikamentöse Optionen sind Copaxone® (Glatirameracetat), Tecfidera® (Dimethyfumarat), Aubagio® (Teriflunomid), Gilenya® (Fingolimod), Imurek® (Azathioprin), Tysabri® (Natalizumab), intravenöse Immunglobuline (IVIG) und Mitoxantron.
Aus neurologischer Sicht wird ein möglichst früher Behandlungsbeginn empfohlen. Die Indikation für eine Kortisonstoßtherapie zur Behandlung eines akuten Schubs ist abhängig von der Schwere der neurologischen Ausfallerscheinungen. Bei nur leichten Störungen kann darauf verzichtet werden.
Homöopathische Behandlung
Da die Diagnosestellung der MS und das Erkennen als Autoimmunerkrankung, deren genaue Zusammenhänge aktuell immer noch nicht ganz geklärt sind, erst seit wenigen Jahrzehnten möglich ist, liegen keine älteren Erfahrungen mit einer homöopathischen Behandlung vor.
Der wechselhafte und zu Beginn nicht vorhersehbare Verlauf der MS muss auch bei der homöopathischen Behandlung berücksichtigt werden. Auf körperlicher Ebene ist oft nicht zwischen einer Besserung durch die homöopathische Therapie oder einer spontanen Rückbildung der neurologischen Ausfälle zu unterscheiden. Zur Beurteilung eines homöopathischen Behandlungserfolges müssen in diesen Fällen auch die Allgemein- und Gemütssymptome betrachtet werden. Eine deutliche Besserung des Allgemeinzustandes oder z. B. einer begleitenden Depression geben hierbei wichtige Hinweise. Grundsätzlich lohnt es sich immer – selbstverständlich auch im schubfreien Intervall –, so bald wie möglich mit der homöopathischen Therapie zu beginnen. Bei der Mittelfindung sind die Allgemein- und Gemütssymptome von erheblicher Bedeutung.
Als Beispiel soll an dieser Stelle eine junge Patientin erwähnt werden, bei der der erste MS-Schub nach einer erheblichen Kränkung am Arbeitsplatz auftrat. Hier war die Rubrik „Beschwerden durch Kränkung, Demütigung“ richtungweisend.
Eine Verschreibung, die sich ausschließlich auf die körperlichen pathognomonischen Symptome stützt, ist nicht Erfolg versprechend. Wichtig sind auch Begleitsymptome, die keinen offensichtlichen Bezug zur MS haben. Da der erste Schub oft mit nur einer neurologischen Störung (z. B. Sehnerventzündung) einhergeht, hat in diesem Fall das körperliche Symptom eine höhere Wertigkeit.
Wahl der Symptome
Bei der Arzneifindung sollten folgende Bereiche von Symptomen berücksichtigt werden: neurologische Ausfälle (Lähmung, Sensibilitätsstörungen, Missempfindungen, Gangstörungen, Blasenstörungen), Lokalisation der Symptome, Lateralität, evtl. mit auslösende Faktoren, begleitende psychische Veränderungen (Depression, Wesensänderung).
Miasmatische Zuordnung
Taubheitsempfindungen, Ameisenlaufen, Prickeln, lähmungsartige Schwäche von Armen oder Beinen sowie eine Sehnervenentzündung sind Symptome der Psora. Muskuläre Schwäche, Ungeschicklichkeiten, Stolpern oder das Fallenlassen von Gegenständen sind Hinweise auf das tuberkulinische Miasma.
Repertorium

Gemüt

Gemüt // Antworten – langsam // Aphasie – Lähmung, mit – eine Seite // Gleichgültigkeit, Apathie // Euphorie // Gedächtnisverlust // Hochgefühl // Konzentration – schwierig // Lachen // Langsamkeit // Mürrisch // Stumpfheit // Urteilsvermögen – Mangel an // Weinen // Zorn – Lachen – abwechseln mit – Weinen

Augen, Sehvermögen

Augen // Bewegung der Augäpfel – unwillkürlich // Entzündung – Sehnerv // Lähmung – Augäpfel // Lähmung – Lider, der – Schwindel, mit // Pupillen – erweitert // Pupillen – ungleich // Strabismus, Schielen
Sehen // Diplopie, Doppeltsehen // Hemianopsie // Nebelig // Skotom // Trübsichtigkeit, trübes Sehen // Verlust des Sehvermögens

Gesicht

Gesicht // Ameisenlaufen // Lähmung // Schmerz

Hals

Innerer Hals // Lähmung // Schlucken – unmöglich
Kehlkopf und Trachea // Lähmung – Kehlkopf // Stimme – heiser, Heiserkeit

Sprache

Mund // Sprache – schwierig // Empfindung, Empfindungslosigkeit, Gefühllosigkeit // Lähmung Zunge // Sprache schwierig // Sprache undeutlich

Schwindel

Schwindel – Drehen, Gefühl des – als würde sich alles im Kreis drehen

Harnwege

Blase // Empfindungslosigkeit // Erschlaffung // Harnverhaltung // Lähmung // Urinieren – Harndrang – abwesend – Ausdehnung der Blase, mit // Urinieren – Harndrang – plötzlich // Urinieren – schwacher Strahl // Urinieren – Unvollständig
Harnröhre – Urin – zurückbleiben, als würde etwas Urin nach dem Urinieren

Stuhl

Rektum // Lähmung // Obstipation // unwillkürlicher Stuhl

Extremitäten

Extremitäten // Ameisenlaufen // Lähmung // Abmagerung // Koordination – fehlende, gestörte // Schwankender Gang // Schweiß – gelähmtes Glied // Ungeschicklichkeit // Steifheit // Zittern

Allgemeinsymptome

Allgemeines // Hitze – erkrankter Teile // Kälte – erkrankter Teile // Lähmung – Paraplegie // Lähmung – spastische Lähmung // Reflexe – vermehrt // Rucke // Ameisenlaufen // Gefühllosigkeit, Taubheit // Lokomotorische Ataxie // Koordination – fehlende, gestörte // Schlag, Schock – elektrischer Schlag, wie ein // Schmerz – gelähmte Teile // Schmerz – Stromschlag, wie durch einen // Zittern – äußerlich // Zittern – äußerlich – erkrankte Teile // Zusammenschnürung
Dosierung, Verlaufsbeurteilung Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Prognose: Auf die Schwierigkeit einer prognostischen Einschätzung des Krankheitsverlaufes wurde bereits verwiesen. Eine komplette Rückbildung bereits bestehender neurologischer Ausfälle ist weder aus schulmedizinischer noch aus homöopathischer Sicht zu erwarten. Mit einer graduellen Besserung kann jedoch gerechnet werden. An dieser Stelle seien nur die oft begleitenden Depressionen und die vorzeitige Ermüdbarkeit erwähnt. Unabdingbar zur Einschätzung des Krankheitsverlaufes und des Therapieerfolges sind auch regelmäßige neurologische und bildgebende Untersuchungen. Prognostisch günstig ist ein möglichst früher Behandlungsbeginn. Bei länger bestehenden neurologischen Ausfällen gibt es nur noch geringe Einflussmöglichkeiten. Schulmedizinisch wie homöopathisch ist der chronisch progrediente Verlauf als prognostisch ungünstig einzuschätzen.
Begleitende schulmedizinische Behandlung
Begleitmedikation, allopathischeMSDa bei der homöopathischen Behandlung zu Beginn keine hundertprozentige Sicherheit hinsichtlich der richtigen Mittelwahl und der Prognose des Patienten besteht, muss die Thematik der begleitenden schulmedizinischen Behandlung mit dem Patienten ausführlich besprochen werden. In großen Studien ist die Wirksamkeit der Interferonbehandlung erwiesen. Mit Betainterferon kann zu Beginn die Schubfrequenz um ein Drittel und die Intensität der Schübe um die Hälfte verringert werden. Die Zeitspanne zwischen Schüben kann fast verdoppelt, die Dauer der Schübe um etwa 60 % reduziert werden. Die kernspintomographisch fassbaren Läsionen ließen sich in einer Studie um 6,2 % reduzieren, während sie in der Placebogruppe um 17 % zunahmen. Diese Zahlen sollte man mit dem Patienten diskutieren. Die Erfahrungen mit einer parallelen immunmodulatorischen und homöopathischen Therapie zeigen, dass manche Patienten von einer geringeren Wirksamkeit der homöopathischen Behandlung nach Beginn einer Interferontherapie berichten. Trotzdem kann auch in diesem Fall von einer positiven Wirkung der homöopathischen Therapie ausgegangen werden.
Unterstützende Maßnahmen
Bei bestehenden neurologischen Ausfällen sind neben einer guten homöopathischen Behandlung oft weitere therapeutische Strategien wie Physiotherapie, Logotherapie oder Ergotherapie erforderlich. Des Weiteren sollte auf eine regelmäßige abwechslungsreiche Ernährung geachtet und Überforderungen gemieden werden. Auch Hilfestellung bei der Aufklärung über die Erkrankung, bei Beantwortung von Fragen wie Kinderwunsch, Berufs- und Familienplanung etc. ist erforderlich.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Agar., Alum., Caust., Gels., Ign., Nat-m., Phos., Plb., Sep., Sulph., Zinc.
!! Ars., Arg-n., Lath., Aur., Con., Calc., Pic-ac., Palt., Sil., Stram., Phos-ac., Nux-v., Hyos., Cocc., Rhus-t., Cur., Lach.
! Anac., Carbn-s, Hell., Op., Kali-c., Stry., Cann-i., Bufo., Cic.

Konkrete Therapieempfehlungen können nicht gegeben werden. Die homöopathische Therapie der MS sollte durch einen erfahrenen und neurologisch versierten Homöopathen erfolgen. Trotzdem sollen einige Arzneimittel auszugsweise beschrieben werden, die einen besonderen Bezug zum Nervensystem haben und bei der MS öfters verordnet werden.
Causticum
  • #CausticumMSAkutsymptome: Lähmungen, Halbseitenlähmung, Taubheitsgefühle, Blasenstörungen, Gangstörungen.

  • Allgemein: Mangel an Lebenswärme, Kälte verschlechtert. Patient fühlt sich besser bei Regenwetter, Verlangen nach geräucherten Speisen, Abneigung gegen Süßigkeiten.

  • Psyche: Sehr sensible, mitfühlende, ernsthafte Patienten, Unrecht wird nicht ertragen.

Gelsemium
  • #GelsemiumMSAkutsymptome: Schwindel, Doppelbilder, Lidlähmung, Zittern der Extremitäten, Lähmungen, Koordinationsstörungen.

  • Allgemein: Zittern nach Schreck, große Erschöpfung und Schwäche, Apathie.

  • Psyche: Schüchtern, ruhig, zurückhaltend, Lampenfieber, möchte in Ruhe gelassen werden, verlangsamt.

Natrium muriaticum
  • #Natrium muriaticumMSAkutsymptome: Schwindel, Lähmungen, Doppelbilder, Blasenstörung, Inkontinenz, Zuckungen, Tremor, Kopfschmerzen.

  • Allgemein: Warmblütig, Verschlimmerung durch Sonne, empfindlich für Erkältungen, Abneigung Fett, Verlangen Salz, Fisch, viel Durst.

  • Psyche: Verschlossene, verantwortungsbewusste Menschen, traurig, doch unfähig zu weinen, Beschwerden durch Kummer und Kränkung, Trost verschlechtert, perfektionistisch.

Phosphorus
  • #PhosphorusMSAkutsymptome: Sehnerventzündung, Lähmungen, Taubheitsgefühle, Koordinationsstörungen.

  • Allgemein: Großer Durst auf kalte Getränke, Verlangen nach gewürzten und salzigen Speisen, Abneigung gegen Süßigkeiten, Blutungsneigung.

  • Psyche: Extrovertierte Menschen ohne Kontaktscheu mit Verlangen nach Gesellschaft, Verschlechterung der Symptome wenn alleine, mitfühlend, verschiedene Ängste (vor Gewitter, Dunkelheit, Tod, Krankheit etc.).

Plumbum
  • #Plumbum metallicumMSAkutsymptome: Lähmungen, Tremor, Muskelzuckungen, Spasmen, Missempfindungen der Haut.

  • Allgemein: Oft dunkles, erdiges Aussehen, starke Abmagerung, ziehende Schmerzen.

  • Psyche: Niedergeschlagenheit, stille Melancholie, langsame Wahrnehmung, Verlust des Gedächtnisses, oft materialistisch orientiert, Halluzinationen und Wahnvorstellungen, Apathie des Intellekts.

Zincum
  • #Zincum metallicumMSAkutsymptome: Zuckungen, Tics, Lähmungen, Ruhelosigkeit, Blasenstörungen.

  • Allgemein: Verschlimmerung durch unterdrückte Hautausschläge, Verschlimmerung durch Wein, erschöpft, depressive Perioden während der Erkrankung.

  • Psyche: Übererregte und empfindliche Patienten, Reizbarkeit, Unzufriedenheit, Lethargie.

Epilepsie

Epilepsie

Definition: Wiederholtes Auftreten von spontanen epileptischen Anfällen aufgrund einer plötzlichen, zeitgleichen Erregbarkeitssteigerung von Hirnzellen. Häufigste chronische Krankheit des ZNS. Unterschieden werden eine idiopathische und durch Schädigung des Hirngewebes entstandene symptomatische Epilepsie z. B. durch Hirnentzündung, Hirnblutung, Sauerstoffmangel unter der Geburt, Hirnverletzung durch Unfall, Schlaganfall, Stoffwechselstörung des Gehirns, Tumor, Fehlbildung in der Hirnentwicklung.

Symptomatik: Abhängig von der Größe der betroffenen ZNS-Region. Generalisierter Anfall (vom gesamten Hirn ausgehend): zunächst Verkrampfung, dann Zuckungen des gesamten Körpers mit Bewusstseinsverlust. Fokaler Anfall (von einer bestimmten Region des Gehirns ausgehend): diverse Symptome wie umschriebene Zuckungen eines Körperteils, Missempfindungen, Bewusstseinseinschränkung.

Wichtig ist die Unterscheidung epileptischer Anfälle von pseudoepileptischen (psychogenen) AnfällenAnfall, pseudoepileptischer, attackenförmigen Verhaltensstörungen, die epileptischen Anfällen ähneln. Ca. 10 % der Patienten mit schwer behandelbaren Anfällen haben zusätzlich auch psychogene Anfälle. 10 % der Patienten, die eine neurologische Klinik wegen Anfällen aufsuchen, haben psychogene Anfälle.

Therapeutische Strategie
Das Ziel der schulmedizinischen Behandlung ist es, Anfallsfreiheit ohne bzw. mit möglichst wenigen Nebenwirkungen zu erreichen. Manchmal gelingt es allerdings nur, die Anfallshäufigkeit zu verringern oder zumindest die Stärke der Anfälle zu vermindern.
Der Einsatz von schulmedizinischen Medikamenten ist die am häufigsten angewendete Behandlungsform. Bei der medikamentösen Behandlung wird die Übererregbarkeit der Nervenzellen herabgesetzt oder es werden Hemmmechanismen verstärkt. Dies setzt eine regelmäßige Medikamenteneinnahme und ärztliche Kontrolle voraus.
Es gibt auch nicht medikamentöse Behandlungsoptionen wie z. B. bei symptomatischen Epilepsien die operative Entfernung des Anfallsherdes, oder die Erkennung und Vermeidung von Anfallsauslösern (z. B. Alkoholgenuss, Schlafmangel) und psychotherapeutische Verfahren.
Homöopathische Behandlung
Bei der homöopathischen Behandlung der Epilepsie sind neurologische und epileptologische Kenntnisse wichtig. Falls nicht vorhanden, ist eine neurologische Begleitung nötig.
Eine konstitutionelle BehandlungKonstitutionstherapieEpilepsie mit hohen C-Potenzen oder mit Q-Potenzen ist i. d. R. erforderlich. Erfahrungsgemäß ist eher mit einer Reduktion der Anfallsfrequenz und der Schwere der Anfälle als mit kompletter Anfallsfreiheit zu rechnen. Oft ist zusätzlich eine antikonvulsive allopathische Therapie erforderlich. Bei homöopathischem Therapieerfolg sollte diese auf keinen Fall abrupt abgesetzt werden, da dadurch Entzugsanfälle auftreten können. Das Rezidivrisiko anfallsfreier Patienten nach Absetzen der antikonvulsiven Medikation hängt wesentlich vom Anfallstyp ab. Als wichtiges Kriterium zum Absetzen von Antiepileptika wird eine zweijährige Anfallsfreiheit empfohlen. Während des Absetzens sollten EEG-Kontrollen erfolgen. Da wie oben erwähnt auch durch homöopathische Behandlung nur selten Anfallsfreiheit erreicht werden kann, ist von einer längeren Behandlungsdauer auszugehen. Bei idiopathischen Anfällen ist im Vergleich zu symptomatischen Anfällen die Prognose besser.
Wahl der Symptome
Ausschlaggebend bei der Symptomwahl sind sonderliche Anfallssymptome, Geist- und Gemütssymptome und Allgemeinsymptome. Da keine Beeinflussung des Krankheitsverlaufes bei Verschreibung nach der lokalen Symptomatik zu erwarten ist, muss eine konstitutionelle Behandlung erfolgen.
Miasmatische Zuordnung
Idiopathische Epilepsien werden der Psora zugeordnet. Da jedoch auch eine Anzahl von Grunderkrankungen konsekutiv zu Epilepsien führen kann (Hirntumor, Hydrozephalus, Apoplexie, Meningitiden, Stoffwechselstörungen, Chromosomenanomalien etc.), muss eine Analyse des Einzelfalles erfolgen.
Repertorium

Präkonvulsive Phase

Gemüt // albernes Benehmen – Epilepsie – vor // Erregung – epileptischem Anfall – vor // geistesabwesend – epileptischer Anfall – vor einem // Furcht – Konvulsionen – epileptischen – vor // Reizbarkeit, Gereiztheit – Konvulsionen – vor // Stumpfheit – Epilepsie – vor // vergesslich – Epilepsie – vor // Zorn – epileptischer Anfall – vor

Aura-Phase

Gemüt – Lachen – epileptische Konvulsionen – vor
Sehen – Funken – epileptischem Anfall – vor einem
Gesicht – Aura – epileptische
Magen // Aura epileptica wird am Solar plexus gespürt // epileptische Aura – steigt vom Magen zum Kopf
Abdomen – Aura – epileptische

Abhängigkeit vom Alter

Allgemeines – Konvulsionen // Kindern, bei // Kindern, bei – Kleinkindern // Kindern, bei – Neugeborenen // Pubertät – in der

Motorische Symptome

Auge // Bewegung der Augäpfel – konvulsivisch // Starren, Stieren – abends – Konvulsionen, bei
Mund – beißt – Zunge // beißt sich auf die – Konvulsionen
Extremitäten – Steifheit – Konvulsionen
Allgemeines – Konvulsionen – klonisch

Vegetative Symptome

Gesicht // Farbe – blass – Konvulsionen – bei den // Farbe – rot – Konvulsionen – während // Schweiß – Konvulsionen – bei den
Mund // Schaum vor dem Mund – Konvulsionen // Speichelfluss – Konvulsionen – mit
Rektum – unwillkürlicher Stuhl – Konvulsionen – während der
Blase – urinieren – unwillkürlich – Konvulsionen – bei den

Psychische Symptome

Gemüt // Beißen – Konvulsionen – während der // Fluchen – Konvulsionen – bei den // Lachen – epileptische Konvulsionen – während
Allgemeines – Konvulsionen // Bewusstsein – mit // Bewusstsein – ohne

Auslösende Faktoren

Fieber – intensive Hitze – Konvulsionen – mit
Allgemeines – Konvulsionen // Ärger, Verdruss – nach // alkoholischen Getränken – nach // helles Licht – durch

Periodisch auftretende Anfälle

Allgemeines – Konvulsionen // epileptisch – Menses // tagsüber // nachts //nachts – Schlaf – im

Symptome nach dem Anfall

Gemüt – Stupor – Konvulsionen – nach den
Magen // Appetit – Heißhunger – Epilepsie // Übelkeit – epileptischen Konvulsionen – nach
Extremitäten – Schmerz – Konvulsionen – nach den
Allgemeines – Konvulsionen – Lähmung – gefolgt von

Epileptisches Syndrom

Gemüt // Demenz – Epileptikern, von // Idiotie – Konvulsionen, mit
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Arg-n., Bar-m., Bell., Bufo., Calc., Caust., Cham., Cina, Cupr., Hyos., Plb., Zinc., Nux-m., Nux-v., Op., Stram., Stry.
!! Agar., Art-v., Bry., Calc-p., Cic., Cocc., Con., Gels., Hell., Ign., Ip., Lyc., Lyss., Merc., Nat-m., Phos., Puls., Sil., Sulph., Tub., Verat.
! Alet., Camph., Dig., Glon., Graph., Kali-br., Kali-c., Mez., Mur-ac., Oena., Podo., Psor.

Konkrete Therapieempfehlungen können nicht gegeben werden. Die homöopathische Therapie von Epilepsien sollte durch einen erfahrenen und neurologisch versierten Homöopathen erfolgen. Trotzdem sollen einige Arzneimittel auszugsweise beschrieben werden, die einen besonderen Bezug zum Nervensystem haben und bei Epilepsie öfters verordnet werden.
Argentum nitricum
  • #Argentum nitricumEpilepsieAkutsymptome: Epileptische Anfälle, Ataxie, impulshafte Handlungen, Zwänge.

  • Allgemein: Sehr warmblütig, Verschlimmerung durch Hitze, durch süße Nahrung.

  • Psyche: Extrovertiert, fröhlich, impulsiv.

Barium muriaticum
  • #Barium muriaticumEpilepsieAkutsymptome: Epileptische Anfälle (auch im Schlaf), Zittern, Zuckungen.

  • Allgemein: Empfindung wie von einem elektrischen Schlag, Schwäche, Auszehrung, periodische Symptome.

  • Psyche: Ängstlich, beunruhigt, schreckhaft, manische Zustände.

Bufo
  • #BufoEpilepsieAkutsymptome: Konvulsionen, Reizbarkeit, sexuelle Erregung, Lymphangitis.

  • Allgemein: Hageres Gesicht, stumpfsinniger Eindruck, Heraushängen der Zunge.

  • Psyche: Entwicklungsverzögerung, Gedächtnisschwäche, Neigung zu Zorn, beißen, wütend wenn er/sie nicht verstanden wird.

Causticum
  • #CausticumEpilepsieAkutsymptome: Epilepsie, Zuckungen, Tremor, Lähmungen, Halbseitenlähmung, Taubheitsgefühle, Blasenstörungen, Gangstörungen.

  • Allgemein: Mangel an Lebenswärme, Kälte verschlechtert, Patient fühlt sich besser bei Regenwetter, Verlangen nach geräucherten Speisen, Abneigung gegen Süßigkeiten.

  • Psyche: Sehr sensible mitfühlende ernsthafte Patienten, Unrecht wird nicht ertragen.

Cuprum
  • #Cuprum metallicumEpilepsieAkutsymptome: Epilepsie, Konvulsionen, Krämpfe, Spasmen, blaues Gesicht während der Konvulsionen.

  • Allgemein: Neigung zu Krämpfen und Zuckungen.

  • Psyche: Verschlossen, träge, melancholisch, mutlos.

Hyoscyamus
  • #HyoscyamusEpilepsieAkutsymptome: Epilepsie, unwillkürlicher Urinabgang, Schaum vor dem Mund, Petit mal.

  • Allgemein: Konvulsivische Bewegungen, Ruhelosigkeit.

  • Psyche: Geschwätzigkeit, Eifersucht, Exhibitionismus, fluchen, sexuelle Erregung.

Plumbum
  • #Plumbum metallicumEpilepsieAkutsymptome: Epilepsie, Lähmungen, Tremor, Muskelzuckungen, Spasmen, Missempfindungen der Haut.

  • Allgemein: Oft dunkles, erdiges Aussehen, starke Abmagerung, ziehende Schmerzen.

  • Psyche: Niedergeschlagenheit, Furcht, ermordet zu werden, stille Melancholie, langsame Wahrnehmung, Verlust des Gedächtnisses, materialistisch orientiert, Halluzinationen und Wahnvorstellungen, Apathie des Intellekts.

Zincum
  • #Zincum metallicumEpilepsieAkutsymptome: Zuckungen, Tics, Lähmungen, Ruhelosigkeit, Blasenstörungen.

  • Allgemein: Verschlimmerung durch unterdrückte Hautausschläge, Verschlimmerung durch Wein, erschöpft, depressive Perioden während der Erkrankung.

  • Psyche: Übererregte und empfindliche Patienten, Reizbarkeit, Unzufriedenheit, Lethargie.

Erkrankungen des peripheren Nervensystems

Karpaltunnelsyndrom

Karpaltunnelsyndrom

Definition: Chronische Kompression des N. medianus im Karpalkanal (Karpaltunnel). Frauen doppelt so häufig betroffen wie Männer. Manifestationsalter meist nach dem 50. Lj., aber auch bei Schwangeren, bei Hypothyreose, Diabetes mellitus, Gicht, chronischer Polyarthritis, Amyloidose, Trauma. Arbeitshand meist zuerst betroffen, später nicht selten Übergreifen auf die andere Hand.

Symptomatik: Schmerzen und Sensibilitätsstörungen, bei ausgeprägter Schädigung auch Lähmungen der medianusversorgten Handmuskulatur. Die Finger sind steif und werden als geschwollen und gespannt empfunden. Betroffene wachen mit zunehmender Häufigkeit morgens mit eingeschlafener Hand auf, manchmal treten die Beschwerden schon nachts auf (Durchschlafstörungen).

Therapeutische Strategie
Die Diagnose des Karpaltunnelsyndroms erfolgt durch eine neurologische Untersuchung und durch die Messung der Nervenleitgeschwindigkeit des N. medianus und in manchen Fällen einem zusätzlichen EMG (Elektromyogramm).
Wenn sich eine therapierbare Ursache finden lässt (beispielsweise Schilddrüsenunterfunktion), so muss diese selbstverständlich behandelt werden. Leichte Druckschädigungen kann man mit einer gut gepolsterten Schiene, die während der Nacht das Handgelenk in neutraler Mittelstellung fixiert, behandeln. Leichte Beschwerden mit geringen Verlangsamungen der Nervenleitgeschwindigkeit bessern sich dadurch häufig. Bei schlimmeren Beschwerden und deutlicherer Verlangsamung der Nervenleitgeschwindigkeit oder wenn neurologische Ausfälle (ständige Gefühlsstörungen oder Lähmungen) erkennbar werden, erfolgt eine operative Entlastung des Nervens.
Homöopathische Behandlung
Beim Karpaltunnelsyndrom handelt es sich aus homöopathischer Sicht in den meisten Fällen um eine chronische Erkrankung. Vor jeder Behandlung müssen mögliche auslösende Ursachen berücksichtigt und gegebenenfalls therapiert werden (z. B. Hypothyreose, Polyarthritis, Tumor). Bei einer knöchernen oder tumorbedingten Nervenkompression sind der konservativen Behandlung Grenzen gesetzt. Bei richtiger homöopathischer Therapie ist oft mit einer erheblichen Besserung zu rechnen. Insbesondere beim Vorliegen einer chronischen Erkrankung sind häufig mehrere homöopathische Arzneigaben nötig.
Zur Verlaufsdokumentation sind gelegentliche neurologische Untersuchungen und eine Kontrolle der Nervenleitgeschwindigkeit empfehlenswert.
Wahl der Symptome
Bei der Arzneifindung sollten eventuelle neurologische Ausfälle (Lähmung, Sensibilitätsstörungen, Muskelatrophien), die Lateralität, das zeitliche Auftreten der Beschwerden berücksichtigt werden.
Miasmatische Zuordnung
Taubheit und Kribbeln der Hand und der Finger sind psorischer Natur.
Repertorium

Extremitäten – Karpaltunnelsyndrom // rechts // links // Haut, mit in Linien zurückgezogener

Extremitäten // Abmagerung – Daumen // Gefühllosigkeit – Daumen

Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Eine Behandlung mit hohen C-Potenzen (C30, C200) ist i. d. R. erforderlich. Auch eine konstitutionelle Behandlung ist Erfolg versprechend, insbesondere wenn entzündliche oder Stoffwechselleiden vorliegen (4.3).
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Med., Nat-m., Nux-v., Puls., Viol-t., Guaj.
!! Arn., Calc., Caust., Hyper., Lach., Lyc., Plb., Rhus-t., Ruta, Viol-o., Zinc.

Polyneuropathie

Polyneuropathie

Definition: Krankheit des peripheren Nervensystems, sowohl sensibler als auch motorischer Nerven. Folge oder Symptom verschiedener Erkrankungen. Vielfältige mögliche Ursachen, v. a. alkoholische und diabetische Polyneuropathie (ca. je ⅓ der Fälle).

Symptomatik: Beginn oft mit Missempfindungen wie Kribbeln, Brennen oder unangenehmen Temperaturempfindungen. Im weiteren Verlauf Sensibilitätsstörungen, Schmerzen und Lähmungen.

Therapeutische Strategie
Kausale Therapie der Polyneuropathie: Am häufigsten wird der Arzt wegen einer Polyneuropathie bei Diabetes mellitus (19.3) aufgesucht. Zur Stabilisierung eines möglichen Therapieerfolgs, aber auch um eine weitere Beschwerdezunahme zu verhindern, ist es sehr wichtig, die Stoffwechsellage zu optimieren.
Die häufigste Ursache für eine toxische Polyneuropathie ist der Alkoholmissbrauch. Eine Besserung ist nur bei Alkoholkarenz möglich. Begleitmedikation, allopathischePolyneuropathieGegen die Schmerzen bei einer Polyneuropathie wirken am besten Antiepileptika. Als erste Wahl gelten Gabapentin (Neurontin®), Pregabalin (Lyrica®), als zweite Wahl Carbamazepin (z. B. Tegretal®). Die mehr oder weniger hochdosierte Verabreichung von Vitaminen führt bei einer Polyneuropathie ohne Vitaminmangel in den wenigsten Fällen zu einer Verbesserung.
Homöopathische Behandlung
Vor jeder Behandlung sollten mögliche auslösende Ursachen exploriert und ggf. therapiert werden. Bei einer alkoholbedingten Polyneuropathie ist ohne Alkoholkarenz kein Therapieerfolg zu erwarten. Mehrere Arzneigaben sind i. d. R. nötig, die Therapie ist langfristig zu planen.
Zur Verlaufsdokumentation sind gelegentlich neurologische Untersuchungen und eine Kontrolle der Nervenleitgeschwindigkeit sinnvoll.
Wahl der Symptome
  • SymptomenwahlPolyneuropathieNeurologische Ausfälle: z. B. Lähmung, Sensibilitätsstörungen, Missempfindungen, Gangstörungen.

  • Lokalisation: z. B. distal, symmetrisch, beinbetont, proximal, asymmetrisch.

  • Lateralität.

  • Zeitliches Auftreten der Beschwerden: z. B. im Schlaf.

  • Begleitende Symptome: z. B. Hautveränderungen oder Schwitzen.

Repertorium

Schwindel – Fallen, stürzen; Neigung zu

Extremitäten // Ameisenlaufen // Gefühllosigkeit // Gehen – unsicher // Gehen – Hahnengang, Hahnentritt // Hitze – gelähmtes Glied // Kälte – gelähmte Glieder // Koordination – fehlende, gestörte // Schmerz – gelähmte Teile

Allgemeines – Ameisenlaufen

Allgemeines – Lähmung // aufsteigend // Atrophie, mit // absteigend // begleitet von – Urin – Zucker im // Lähmung – Landry-Paralyse // progressiv fortschreitend

Miasmatische Zuordnung
Da die Polyneuropathie i. d. R. nicht isoliert, sondern im Zusammenhang mit schweren Grunderkrankungen (z. B. Diabetes) oder Intoxikationen (Alkohol, Chemotherapie) auftritt, müssen die Symptome des Einzelfalls als Hinweise auf die miasmatische Zuordnung herangezogen werden. Es findet sich jedoch fast immer eine mehrmiasmatische Symptomatik (3.4).
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Eine Behandlung mit hohen C-Potenzen (C30, C200, C1000) ist i. d. R. erforderlich. Nur eine konstitutionelle Behandlung ist Erfolg versprechend.
Da es sich bei den Polyneuropathien meistens um die Spätfolge lange bestehender Krankheiten handelt, ist prognostisch oft nur eine Linderung der subjektiven Beschwerden wie Missempfindungen oder Schmerzen zu erzielen. Die motorischen Ausfälle (Lähmungen) haben eine geringere Rückbildungstendenz.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Acon., Arg-n., Arn., Bell., Calc., Graph., Kali-c., Lyc., Ph-ac., Phos., Plb., Puls., Sec., Sep., Spig., Tarent., Verb.
!! Agar., Alum., Ars., Carbn-s., Cedr., Cic., Coca., Coff., Gels., Hep., Hyper., Ip., Kalm., Lach., Lec., Led., Merc., Nat-m., Nux-v., Pic-ac., Psor., Rhus-t., Sec., Sil., Spong., Stann., Sulph., Thal., Zinc.
! Bar-c., Camph., Ign., Kali-ar., Laur., Mez., Rhod., Stram., Stry.

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