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B978-3-437-56353-9.00029-3

10.1016/B978-3-437-56353-9.00029-3

978-3-437-56353-9

Notfälle

Martin Schmitz

  • 29.1

    Unfälle und Verletzungen796

    • 29.1.1

      Schlagverletzungen und Prellungen796

    • 29.1.2

      Blutende Verletzungen und Wunden798

    • 29.1.3

      Sportverletzungen802

    • 29.1.4

      Frakturen806

    • 29.1.5

      Kopf- und Wirbelsäulenverletzungen809

    • 29.1.6

      Augenverletzungen811

    • 29.1.7

      Verletzungen durch Tiere815

  • 29.2

    Hitze- und kältebedingte Notfälle819

    • 29.2.1

      Erfrierung und Unterkühlung820

    • 29.2.2

      Verbrennungen und Strahlenschäden822

    • 29.2.3

      Sonnenstich825

  • 29.3

    Lebensmittelvergiftung827

  • 29.4

    Vergiftung mit Alkohol, Drogen, Medikamenten830

    • 29.4.1

      Alkoholvergiftung831

    • 29.4.2

      Benzodiazepinvergiftung834

    • 29.4.3

      Drogenintoxikation und Entzugssymptome835

  • 29.5

    Schockzustände838

  • 29.6

    Materia medica der Verletzungsmittel841

    • Aconitum napellus (Acon.)841

    • Agaricus muscarius (Agar.)841

    • Anacardium orientale (Anac.)842

    • Apis mellifi ca (Apis)842

    • Arnica montana (Arn.)842

    • Arsenicum album (Ars.)843

    • Belladonna (Bell.)843

    • Bellis perennis (Bell-p.)844

    • Bryonia alba (Bry.)844

    • Calcarea carbonica (Calc-c.)845

    • Calcium phosphoricum (Calc-p.)845

    • Calendula (Calen.)845

    • Camphora (Camph.)846

    • Cantharis (Canth.)846

    • Carbolicum acidum (Carb-ac.)847

    • Carbo vegetabilis (Carb-v.)847

    • Causticum (Caust.)848

    • Chamomilla (Cham.)848

    • Cicuta (Cic.)848

    • Conium (Con.)849

    • Crotalus horridus (Crot-h.)849

    • Euphrasia (Euphr.)849

    • Glonoinum (Glon.)850

    • Hamamelis (Ham.)850

    • Helleborus (Hell.)850

    • Hepar sulfuris (Hep.)851

    • Hyoscyamus (Hyos.)851

    • Hypericum (Hyper.)852

    • Kreosotum (Kreos.)852

    • Lachesis (Lach.)853

    • Ledum (Led.)853

    • Lobelia (Lob.)854

    • Millefolium (Mill.)854

    • Natrium muriaticum (Nat-m.)854

    • Natrium sulfuricum (Nat-s.)855

    • Nitricum acidum (Nit-ac.)855

    • Nux vomica (Nux-v.)856

    • Opium (Op.)856

    • Oxalicum acidum (Ox-ac.)857

    • Phosphoricum acidum (Ph-ac.)857

    • Phosphorus (Phos.)858

    • Pulsatilla (Puls.)858

    • Pyrogenium (Pyrog.)859

    • Rhus toxicodendron (Rhus-t.)859

    • Ruta (Ruta)859

    • Secale cornutum (Sec.)860

    • Silicea (Sil.)860

    • Staphisagria (Staph.)861

    • Stramonium (Stram.)861

    • Sulfur (Sulph.)862

    • Sulfuricum acidum (Sul-ac.)862

    • Symphytum (Symph.)863

    • Tarentula hispanica (Tarent.)863

    • Urtica urens (Urt-u.)864

    • Veratrum album (Verat.)864

    • Vipera berus (Vip.)864

    • Zincum metallicum (Zinc.)865

Unfälle und Verletzungen

Schlagverletzungen und Prellungen

Definition: Durch direkte Gewalteinwirkung durch Stoß oder stumpfe Gewalt (z. B. Schlag gegen die Rippen) hervorgerufene Verletzung.

Symptome: Schmerz, Bewegungseinschränkung, Muskelverhärtung, Hämatom. Wichtig ist die Beurteilung des Ausmaßes einer Verletzung. Bei Verdacht auf Kontusionen innerer Organe mit möglichen Rupturen ist eine schnelle notfallmedizinische Abklärung notwendig. Diagnostik: Röntgen zum Frakturausschluss, Sonographie.

Therapeutische Strategie
Bei Prellungen direkt am Knochen (z. B. Tibia, Radius) mit Schmerz bei Bewegung evtl. Röntgenbild zum Frakturausschluss machen. Um eine massive Schwellung zu verhindern, empfiehlt sich Kälteanwendung (z. B. in ein Tuch eingewickelte Eisbeutel), Hochlagerung und Ruhigstellung. Ggf. können abschwellende Salbenverbände und Analgetika eingesetzt werden.
Homöopathische Behandlung
Bei Schlagverletzungen und Prellungen steht als Akutmittel meist Arnica#ArnicaPrellung im Vordergrund. Neben Arnica lassen sich bei speziellen Indikationen durch genaueres Differenzieren von Causa und Symptomen andere, effizientere Arzneimittel anwenden. Oft werden im Heilungsverlauf mehrere Medikamente benötigt (z. B. Bellis perennis, Rhus toxicodendron, Hypericum).
Homöopathische Arzneien können das Anschwellen verringern, Schmerzen lindern und v. a. den Heilungsprozess beschleunigen.
Wahl der Symptome
  • SymptomenwahlPrellungLokalisation: Differenzierung v. a. zwischen Weichteilen und Muskeln, nervenreichem Gewebe, Drüsen und Knochen.

  • Aussehen und Ausdehnung eines Hämatoms: z. B. violett sowie großflächig.

  • Schlagverletzungen am Auge, am Kopf oder am Steißbein erfordern spezielle homöopathische Mittel.

Miasmatische Zuordnung
Unfälle und größere Verletzungen können ein latentes Miasma in die Aktivitätsphase bringen. Daher ist die Akutversorgung mit einem homöopathischen Mittel immer auch eine Komplikationsprophylaxe.
Repertorium
Die Hauptrubrik Allgemeines – Verletzungen führt 143 Arzneimittel auf, hierzu gibt es zahlreiche Unterrubriken, von denen viele in den einzelnen Abschnitten dieses Notfallkapitels aufgeführt sind. Bei den Prellungen ist v. a. das verletzte Körpergewebe entscheidend. Als dreiwertige Mittel finden sich Conium bei Verletzungen von Drüsen und Weichteilen (auch Arnica ist hier dreiwertig), Rhus toxicodendron bei Verletzungen der Muskeln und Hypericum bei denen der Nerven. Hinzu kommen v. a. Rubriken, die den Schmerz und die Modalitäten charakterisieren.

Allgemeines – Verletzungen // Drüsen, der // Extravasaten, mit // Muskeln, der // Nerven, der – Schmerzen, mit großen // Periosts, des // Weichteile, der

Kopf – Hämatom

Dosierung, Verlaufsbeurteilung und Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Parameter für die Verlaufsbeurteilung sind Schmerz und Schwellung. Je nach Ausmaß der Verletzung ist spätestens innerhalb von 48 h ein Schmerzrückgang und ein Rückgang der Schwellung zu erwarten. Andernfalls ist ein Mittelwechsel indiziert.
Unterstützende Maßnahmen
Kühlung und Hochlagerung, um das Ausmaß der Gewebsschwellung bzw. der Hämatome zu reduzieren.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Arn.
!! Bell-p., Con., Hyper.
! Calc., Calc-f., Ham., Led., Merc., Nat-c., Nat-m., Phos., Rhus-t., Ruta, Sil., Sulph-ac., Symph.

Muskeln und Weichteile
Bei Prellungen von Muskeln und Weichteilen steht Arnica#ArnicaPrellung im Vordergrund. Differenzialdiagnostisch ist an Bellis perennis#Bellis perennisPrellung zu denken.
  • Arnica#ArnicaPrellung: kommt bei jeglichen Verletzungen in Betracht; schmerzhafte Prellung mit Bluterguss; Gefühl von Zerschlagenheit; Bett fühlt sich hart an; Schmerzen bei Bewegung agg., daher wollen die Patienten nicht angefasst werden; kalter Umschlag amel.; kommt auch bei lange zurückliegenden Unfällen mit persistierenden Beschwerden infrage.

  • Bellis perennis#Bellis perennisPrellung: Verletzungen der Muskeln, Drüsen, v. a. der weiblichen Brust, des nervenreichen Gewebes und v. a. des stark durchbluteten Gewebes mit deutlicher Schwellung und großer Schmerzempfindlichkeit bei Berührung; Verletzung mit Unterkühlung, z. B. durch Schnee oder Sturz ins Wasser; Berührung, kalter Wind und Hitze agg., lokaler Druck amel.; eher bei drahtigen Typen oder solchen mit derber Muskulatur.

Auch Rhus toxicodendron, Natrium carbonicum und Natrium muriaticum kommen hier infrage, aber eher bei anhaltenden Beschwerden oder bei starkem konstitutionellem Bezug.
Nervenreiches Gewebe
Bei Quetschung von nervenreichem Gewebe, z. B. Fingerspitzen, Mundbereich, Steißbein, sind folgende Mittel angezeigt:
  • Hypericum: als Hauptmittel bei Verletzungen nervenreicher Körperpartien, somit typisch bei Quetschungen von Fingern und Zehen oder beim Sturz aufs Steißbein, auch typisch nach Lumbalpunktion; unerträgliche Schmerzen, ausstrahlend im Nervenverlauf oder in Richtung Körpermitte.

  • Bellis perennis und Phosphorus kommen v. a. dann in Betracht, wenn sich nach Verabreichung von Hypericum keine rasche Schmerzlinderung oder Besserung einstellt.

  • Bei eingequetschten Fingern mit entsprechendem Nagelhämatom:

    • Arnica: bei kleinem Bluterguss.

    • Hypericum: bei größerem oder sehr schmerzhaftem Bluterguss.

Drüsengewebe
Bei Prellungen des Drüsengewebes (Mamma, Hoden, Schilddrüse) ist das Hauptmittel Conium#ConiumPrellung. Differenzialdiagnostisch sind Bellis perennis und Hamamelis#HamamelisPrellung in Betracht zu ziehen.
  • Conium#ConiumPrellung: Drüsengewebe schwillt an und verhärtet durch den Schlag, evtl. nur geringe Schmerzen.

  • Bellis perennis#Bellis perennisPrellung: starke Schmerzen, Kälte agg.

  • Hamamelis: v. a. bei Schlägen auf die Hoden; schmerzhafte Orchitis mit Blutandrang, evtl. auch Hämatozele.

Hämatombildung
Schlagverletzungen mit großflächigen Hämatomen, die einige Tage bis Wochen zurückliegen, sprechen, wenn Arnica#ArnicaHämatom keine Wirkung mehr zeigt, auf folgende Mittel an:
  • Conium: große, massive Hämatome durch Schlag oder Quetschung großer Muskeln oder Muskelgruppen.

  • Hamamelis#HamamelisHämatom: v. a. bei Venenprellungen mit Hämatomen und evtl. folgenden, sehr schmerzhaften Venenentzündungen; auch bei blauem Auge und Risswunde.

  • Ledum:#LedumHämatom großflächige Hämatome, wo sich die Haut kalt anfühlt; lokale Wärme agg.

  • Sulfuricum acidum#Sulfuricum acidumHämatom: lang anhaltende dunkelviolette Hämatome; Erschöpfung, Zittern; lokale Wärme amel.

Bei persistierenden Hämatomen am Kopf kommen Calcium fluoratum, Mercurius und Silicea in Betracht.
Weitere Verletzungen
  • Sturz aufs SteißbeinHypericum ist hier das Hauptmittel, auch bei Steißbeinverletzungen im Geburtsverlauf

  • Schläge auf die Knochen:

    • Ruta#RutaPrellung: Prellung von oberflächlich liegenden Knochen mit Periostschmerz, z. B. bei Schlägen aufs Schienbein, auch bei schmerzenden Überbeinen.

    • Symphytum#SymphytumAugenverletzung: v. a. bei Schlag aufs Auge oder Trauma am Auge durch einen Tennisball etc.

    • Bei konstitutionellem Bezug kommt auch Calcarea carbonica#Calcium carbonicumPrellung infrage.

Blutende Verletzungen und Wunden

Definition: Läsion der Haut, bedingt durch

Symptomatik: Je nach Tiefe der Verletzung kaum bis stark blutend. Bei jeder Wunde besteht primär Infektionsgefahr, deshalb sind sorgfältige Wundinspektion und Desinfektion notwendig. Bei allen größeren Wunden und stärkerer Blutung chirurgische Versorgung.

Therapeutische Strategie
Zunächst Erstversorgung der Wunde (Säuberung, Desinfektion und steriler Verband, ggf. Naht oder Klammerpflaster etc.), dabei sollten sterile Materialien verwendet werden, um gefährliche Infektionen bis hin zur Sepsis zu vermeiden. Bei oberflächlichen Schürfwunden ist meist kein Verband erforderlich. Versorgung von tiefen Schürfwunden durch einen Verband mit Fettgaze und Polyvidon-Jod-Salbe (z. B. Betaisodona®).
Homöopathische Behandlung
Ergänzend Gabe des passenden homöopathischen Mittels, bei Unsicherheit kann auch hier wieder Arnica als bewährtes Verletzungsmittel gegeben werden.
Homöopathische Arzneien können v. a. zur schnellen Stillung der Blutung und geringerer Hämatombildung beitragen.
Wahl der Symptome
  • SymptomenwahlWundenArt der Wunde bzw. Verletzungshergang: Schürfverletzung, Schnittwunde, Stichverletzung u. a.

  • Art der Blutung: z. B. arteriell, venös, Nasenbluten.

  • Aussehen des Blutes: z. B. hell, dunkel, klumpig.

  • Art des Schmerzes: z. B. stechend, brennend, keine Schmerzen.

Miasmatische Zuordnung
Eine Verletzung an sich stellt kein Miasma dar.
Repertorium
Hilfreich sind v. a. die Rubriken Allgemeines – Blutung (214 AM), Allgemeines – Verletzungen (143 AM) und Allgemeines – Wunden (69 AM) mit jeweils zahlreichen Unterrubriken, von denen hier, der Übersicht halber, nur einige wichtige aufgeführt werden.
Sehr gut sind die Rubriken, welche die Art der Wunde (Risswunden, Stichwunden etc.) repräsentieren und diejenigen, die unter Allgemeines – Blutung – Blut die Beschaffenheit des Blutes beschreiben (z. B. hellrot, übel riechend oder mit Klumpen). Außerdem kann man bei den jeweils blutenden Körperteilen nachschlagen (z. B. Nase oder Rektum).

Allgemeines – Blutung // Blut (mit Unterrubriken) // Blutung – Körperöffnungen, aus den

Allgemeines – Entzündung // Lymphgefäße, der (= Lymphangitis) // Verlust – Blutverlust

Allgemeines – Verletzungen // Operation – Beschwerden durch // Tetanusprophylaxe

Allgemeines – Wunden // bluten reichlich // eiternd // Fremdkörper, durch // Heilungstendenz – langsam // Risswunden // schmerzhaft // Schnittwunden // Splitter, durch // Stichwunden

Mund // Bluten – Zahnfleisch (mit Unterrubriken)

Nase // Nasenbluten (mit Unterrubriken)

Rektum // Blutung aus dem Anus – Verletzungen, durch

Dosierung, Verlaufsbeurteilung und Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Parameter für die Verlaufsbeurteilung sind zunächst das Persistieren der Blutung und der Schmerz. Normalerweise sollte eine Blutung binnen Minuten gestillt sein und der Schmerz unter homöopathischer Therapie rasch nachlassen. Im weiteren Verlauf sind evtl. auftretende Eiterungen besonders zu beachten; bei eiternden Wunden gibt es einige bewährte Homöopathika (Calendula, Hepar sulfuris, Mercurius, Silicea u. a.). Verzögerte Wundheilungen erfordern meist einen Mittelwechsel, hier kommen z. B. Calcarea carbonica, Hepar sulfuris, Silicea oder Sulfur infrage. Die Prognose ist gut, da ernsthafte Infektionen zumeist verhindert werden können. Dennoch braucht die Heilung Zeit und kann lediglich durch homöopathische Therapie beschleunigt werden.
Unterstützende Maßnahmen
Als Antiseptikum und zur TetanusTetanusprophylaxeProphylaxeTetanus Calendula (1-prozentige Lösung) auf keimfreier Gaze zur Wundreinigung einsetzen und danach den Gazeverband regelmäßig mit Calendulalösung beträufeln.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Arn.
!! Calen., Ham., Lach., Led., Phos., Staph.
! Apis, Carb-ac., Carb-v., Cic., Con., Hep., Hir., Hyper., Kreos., Merc., Mill., Nit-ac., Ph-ac., Puls., Rhus-t., Sec., Sil., Sul-ac., Sulph., Vip., Zinc.

Riss- und Schürfwunden
Bei Riss- und SchürfwundenSchürfwundenRisswunden stehen typische Verletzungsmittel im Vordergrund.
  • Arnica#ArnicaWundversorgung: Blutungsneigung, starke Schmerzen, geringste Berührung agg.

  • Calendula: äußerlich und innerlich zur Wundreinigung angewendet; bei Hautabschürfungen, sowie auch bei Muskel- und Sehnenrissen.

  • Carbolicum acidum#Carbolicum acidumWundversorgung: bei ausgeprägten Schürfwunden; bei infizierten, tiefgehenden Wunden; stechende, brennende Schmerzen.

  • Hamamelis: bei Risswunden mit großen Blutergüssen, anhaltend dunkle Blutung; typisch für venöse Blutungen; schlechte Wundheilung; Verhärtung.

  • Hypericum: bei sehr schmerzhaften Wunden, v. a. wenn Schmerzen im Nervenverlauf ausstrahlen.

Schnittwunden
Für Schnittwunden Schnittwundenist Staphisagria passend. Bei großen Schnitten oder nach Amputationen sind Calendula #CalendulaWundversorgung(nach Amputationen; zur Infektionsvorbeugung) oder Hypericum #HypericumWundversorgungangezeigt. Seltener und bei speziellen Symptomen kommen Carbo vegetabilis#Carbo vegetabilisWundversorgung, Cicuta#CicutaWundversorgung, Hamamelis#HamamelisWundversorgung, Lachesis#LachesisWundversorgung, Ledum#LedumWundversorgung, Nitricum acidum#Nitricum acidumWundversorgung und Sulfuricum acidum#Sulfuricum acidumWundversorgung infrage.
  • Calendula#CalendulaWundversorgung: nach Amputationen; zur Infektionsvorbeugung.

  • Carbo vegetabilis#Carbo vegetabilisWundversorgung: mit Kollaps.

  • Cicuta#CicutaWundversorgung: bei posttraumatischen Krämpfen und Zuckungen.

  • Hamamelis#HamamelisWundversorgung: starke Wundschmerzhaftigkeit; starke Erschöpfung durch geringe Blutung.

  • Hypericum#HypericumWundversorgung: am ehesten angezeigt nach Amputationen; v. a. bei Schnitten in nervenreichem Gewebe wie z. B. Hand und Finger; Wunde schmerzhaft und berührungsempfindlich, Schmerzen strahlen im Nervenverlauf oder zur Körpermitte hin aus.

  • Lachesis#LachesisWundversorgung: anhaltende Blutungen mit blauschwarzem Blut; gangränöse Wunden.

  • Ledum#LedumWundversorgung: Verletzungen, die sich kalt anfühlen, starke Schmerzen; lokale Wärme agg.

  • Nitricum acidum#Nitricum acidumWundversorgung: tiefgehende Wunden, starke Blutung; stechende oder splitterartige Schmerzen.

  • Staphisagria#StaphisagriaWundversorgung: Schnittwunden durch Glas, Blechränder oder durch Operationen; bei postoperativen Schmerzen und schwieriger Narbenbildung; Schmerz brennend oder wie Messerstiche.

  • Sulfuricum acidum#Sulfuricum acidumWundversorgung: große blaue Flecken; gangränöse Wunden; Erschöpfung und Ungeduld.

Stichwunden
Bei StichwundenStichwunden ist das Hauptmittel Ledum#LedumWundversorgung. Außerdem kommen Apis#ApisWundversorgung, Hypericum#HypericumWundversorgung und Staphisagria infrage.
  • Ledum#LedumWundversorgung: Stiche aller Art; kalte, geschwollene Haut; Wunden mit dunkler Färbung; Neigung zu Gangrän; Patient frostig, aber Wärme und v. a. Bettwärme agg.

  • Apis: tiefgehende Wunden, schmerzhaft ödematös geschwollen, heiß und gerötet; kalte Anwendungen amel.

  • Hypericum#HypericumWundversorgung: Wunde schmerzhaft und berührungsempfindlich, Schmerzen strahlen im Nervenverlauf aus; kalte Luft agg.

  • Staphisagria: bei glatten Wundrändern; brennender oder stechender Schmerz.

Splitterverletzungen
Bei SplitterverletzungenSplitterverletzungen ist Silicea#SiliceaVerletzungen besonders hilfreich, es fördert das Abstoßen von Fremdkörpern, hat zudem eine Neigung zu Eiterung und Keloiden. Auch Apis, Cicuta, Hepar sulfuris, Hypericum, Ledum, Nitricum acidum und Staphisagria sind mögliche Mittel.
Nasenbluten
Zu Nasenbluten gibt es eine umfangreiche Repertoriumsrubrik. Die bewährtesten Mittel sind Phosphorus und Ferrum phosphoricum. Bei speziellen Indikationen sind Lachesis und Secale vorzuziehen, bei traumatischer Ursache steht auch hier wieder Arnica an erster Stelle, aber auch Hamamelis und Millefolium kommen infrage.
  • Arnica#ArnicaNasenbluten: steht an erster Stelle bei Traumata, v. a. bei stumpfen Verletzungen.

  • Ferrum phosphoricum#Ferrum phosphoricumNasenbluten: bei Kindern, während Fieber, helles Blut.

  • Hamamelis: bei Kindern; im Klimakterium; dünnes, dunkles Blut.

  • Lachesis#LachesisNasenbluten: im Klimakterium oder vor der Menstruation; dunkles, fadenziehendes Blut.

  • Millefolium#MillefoliumNasenbluten: durch Schlag; hartnäckige Blutung, flüssiges, hellrotes Blut; typisch für arterielle Blutungen.

  • Phosphorus: bei Kindern oder jungen Frauen; periodisch, hartnäckig; helles Blut.

  • Secale#Secale cornutumNasenbluten: bei alten Menschen oder jungen Frauen, bei Alkoholikern; übel riechendes, dunkles und dünnes oder klumpiges Blut.

Blutung nach Zahnextraktion
  • Arnica#ArnicaBlutung: evtl. schon vorbeugend geben; starke Schmerzen; will nicht berührt werden.

  • Hamamelis#HamamelisBlutung: dunkle Blutung; allg. Neigung zu venösen Blutungen.

  • Kreosotum: kleine, reichlich blutende Wunden; passive, langsam sickernde Blutung; schlechte Zähne.

  • Lachesis#LachesisBlutung: dunkles Blut; Verschlimmerung während der Nacht; li. Seite.

  • Phosphorus#PhosphorusBlutung: starke, anhaltende Blutung, leuchtend rotes Blut.

Varizenblutung
Bei einer VarizenblutungVarizenBlutung (ohne Trauma ausgelöst) ist eine konstitutionelle Behandlung empfehlenswert, im Akutfall sind folgende Mittel geeignet:
  • Hamamelis#HamamelisVarizenblutung: schwer gerinnende Blutung bei dünner Haut.

  • Secale#Secale cornutumVarizenblutung: bei älteren, abgemagerten Patienten; wässrig-dunkle Blutung.

  • Vipera#Vipera berusVarizenblutung: lang anhaltende Blutung; blau-schwarzes Blut; typisch für venöse Blutungen; auch bei Nasenbluten.

Blutungen durch Blutegel
Bei Blutungen durch Blutegel ist die Gabe von Hirudo (reichliche, wässrige Blutung) zu empfehlen.
Eiternde Wunden
  • Hepar sulfuris: schlechte Wundheilung mit Eiterung sogar bei kleinen Wunden; starke Schmerzempfindlichkeit; Frostigkeit, Kälte agg.

  • Calendula: Eiterung bei Verletzungen und Wunden, kalte Luft agg.

  • Mercurius: extrem übel riechende Eiterungen, typisch auch für eitrige Otitiden; nächtliche Verschlimmerung.

  • Silicea: chron. offene, eiternde Wunden, Heilungsverzögerung; z. B. Panaritium oder Verletzungen durch Splitter.

  • Sulfur: allgemeine Neigung zu eiternden Hauterkrankungen; langsam heilende Wunden, brennende Schmerzen.

Septische Wunden
  • #Arsenicum albumWundenArsenicum album: infizierte, gangränöse Wunden; brennende Schmerzen; v. a. bei anaeroben Keimen.

  • Carbo vegetabilis#Carbo vegetabilisWundversorgung: anhaltende, passive venöse Blutungen; Kollapszustand, will Luft zugefächelt bekommen.

  • Lachesis#LachesisWundversorgung: Gangrän, Milzbrand; Zyanose der Haut mit bläulichrotem Wundrand.

Lymphangitis
  • Belladonna: plötzliche Entwicklung, deutliche Rötung, pochender Schmerz.

  • Calendula: schmutzige Risswunden; spät auftretende, aber starke Eiterung, starke Schmerzen.

  • Gunpowder: Rötung der verletzten Stelle und der dazugehörigen Lymphbahnen, wird in tiefer Potenz verabreicht.

  • Lachesis#LachesisLymphangitis: bläuliche, livide Färbung der Wunde.

Tetanusprophylaxe
Zur Tetanusprophylaxe haben sich Arnica, Hypericum und Ledum, entsprechend dem vorliegenden Verletzungsmuster, bewährt.

Sportverletzungen

Definition: Vorgänge, welche die Unversehrtheit eines Gewebes im Rahmen der Ausübung des Sports akut schädigen, durch direkten Unfallmechanismus als Krafteinwirkung von außen (z. B. Prellung durch das Knie des Gegenspielers, Jochbeinbruch durch Ballkontakt) oder durch indirekten Unfallmechanismus, wenn Beschleunigungskräfte bei gleichzeitiger Fixierung eines Bewegungselements auf den Körper einwirken.

Symptomatik: Beschwerden im Bereich des Bewegungsapparats, die sich infolge einer Gewalteinwirkungen entwickelt haben. Sportverletzungen treten v. a. bei untrainierten Personen auf, oder bei solchen, die sich zu Beginn der sportlichen Übungen nur unzureichend aufgewärmt haben. Auch bei Überanstrengung ist die Gefahr von Sportverletzungen wie Bänderrissen oder Verrenkungen groß. Daher sind ein gutes Aufwärmtraining und rechtzeitiges Aufhören oder Pausieren immer wichtig.

Bei V. a. Frakturen sollte stets zur diagnostischen Abklärung ein Röntgenbild gemacht werden, ein evtl. erforderliches Einrenken sollte Fachleuten vorbehalten bleiben.

Therapeutische Strategie
Zunächst sind Diagnosestellung und Erstversorgung wichtig. Sportverletzungen, die mit Hämatombildung und Schwellung einhergehen, sollten als Erstmaßnahme mit Ruhigstellung, Hochlagerung und kühlenden Maßnahmen (wie z. B. kühlen Umschlägen oder Eisspray) behandelt werden. Bei Sehnenverletzungen sowie bei Verdacht auf knöcherne Verletzungen ist eine Vorstellung beim Chirurgen indiziert. Generell brauchen Verletzungen Zeit und Ruhe, um auszuheilen, sodass meist eine Sportpause erforderlich ist.
Homöopathische Behandlung
Als erstes Akutmittel ohne Diagnose passt in den meisten Fällen Arnica, v. a. bei Hämatombildung und anfänglicher Schwellung. Nach weiterer Abklärung oder bei deutlicherer Symptomatik kommen zahlreiche homöopathische Arzneimittel als Akutmittel in Betracht. In einzelnen Fällen mit chron. rezidivierenden Beschwerden, wie z. B. beim Tennisarm oder bei der Neigung zu Verrenkungen, macht es Sinn, das Konstitutionsmittel zu wiederholen bzw. eine konstitutionelle Therapie einzuleiten.
Wahl der Symptome
SymptomenwahlSportverletzungDie akute körperliche Symptomatik steht im Vordergrund.
  • Ätiologie: v. a. die Überanstrengung ist relevant.

  • Modalitäten: z. B. Bewegung amel. oder agg., Kälte oder Wärme amel.

  • Art der Verletzung: z. B. Verletzungen der Muskeln, der Sehnen, Verrenkungen.

Miasmatische Zuordnung
Sportverletzungen, wie Unfälle überhaupt, treten bei manchen Patienten in bestimmten Lebensabschnitten gehäuft auf und können dann entweder ein Hinweis auf die Aktivierung eines latenten Miasmas oder eine relevante emotionale Krisensituation sein.
Repertorium
Unter Allgemeines – Verletzungen lassen sich passende Unterrubriken zu Sportverletzungen finden. Hinzu kommen unter Allgemeines – Schmerz und unter Extremitäten – Schmerz viele Unterrubriken zur genaueren Charakterisierung der Schmerzsymptomatik, wobei das Augenmerk v. a. den Modalitäten gelten sollte. Weitere Rubriken gibt es u. a. zum Verheben, Verrenken und zu Krämpfen.

Allgemeines // Heben, Überheben, Überanstrengen der Muskeln und Sehnen – durch

Allgemeines – Schmerz // Muskeln, der // Sehnen, in den

Allgemeines – Verletzungen // Muskeln, der // Sehnen, der (= Tendinitis) // Tennisellbogen (= Epikondylitis) // Überanstrengung, Überlastung, durch // Verrenkungen // Verstauchungen

Extremitäten – Krämpfe (mit Unterrubriken)

Extremitäten – Schmerz (mit Unterrubriken) // Sehnen – Ansatzstellen der Sehnen // Verrenkung – Hüfte – spontanes Verrenken der

Dosierung, Verlaufsbeurteilung und Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Die Verlaufsbeurteilung ist hier schwieriger, da eine Verletzung immer Zeit und Ruhe zum Heilen braucht. Unter homöopathischer Therapie sollte eine rasche Heilung ohne starke Schmerzen erfolgen. Bei verzögerter Heilung ist entsprechend der Symptomatik ein neues Mittel zu wählen. Die Prognose hängt v. a. vom Ausmaß der Verletzung ab. Bandrupturen z. B. stellen eine irreparable Läsion und evtl. eine Operationsindikation dar.
Unterstützende Maßnahmen
Bei Verstauchungen je nach Bedürfnis warme oder kalte Umschläge (⅓ Alkohol, ⅔ Wasser oder essigsaurer Tonerde).
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Rhus-t., Arn.
!! Bry., Calc., Ruta, Symph.
! Acon., Agar., Ambra., Anac., Bell-p., Calc-p., Calen., Caust., Cimic., Cupr., Lyc., Mag-p., Rhod., Stann., Staph., Stront-c., Sulph.

Muskelkater
Am ehesten kommen Arnica#ArnicaMuskelkater oder Rhus toxicodendron infrage. Seltener entspricht die Symptomatik der von Bellis perennis, Cimicifuga#CimicifugaMuskelkater oder Calcarea carbonica.
  • Arnica#ArnicaMuskelkater: lokale Schmerzen; wie zerschlagen.

  • Bellis perennis: diffuse Schmerzen.

  • Calcarea carbonica: allgemeine Folgen von Überanstrengung; macht selten Sport.

  • Cimicifuga#CimicifugaMuskelkater: Erschöpfung mit starken Schmerzen nach geringer Anstrengung.

  • Rhus toxicodendron#Rhus toxicodendronMuskelzerrung/-krampf: Folge von Überanstrengung, evtl. mit Unterkühlung; fortgesetzte Bewegung und Wärme amel.

Muskelkrampf
Hier kommen je nach Art des Krampfes zahlreiche Mittel in Betracht, wobei man diese mithilfe differenzierter Rubriken auswählen kann. Viele Parallelen weisen dabei Symptome für die beiden bewährten Mittel Rhus toxicodendron#Rhus toxicodendronMuskelzerrung/-krampf und Sulfur auf.
  • Bewährte Mittel:

    • Rhus toxicodendron: Wadenkrämpfe nachts im Bett oder beim Gehen; Krämpfe der Beine im Sitzen, Ruhelosigkeit, fortgesetzte Bewegung amel.

    • Sulfur#SulfurMuskelkrampf: Wadenkrämpfe oder Krämpfe der Fußsohle nachts im Bett oder beim Gehen.

    • Calcarea carbonica#Calcium carbonicumMuskelkrampf: ist bei bewegungsfauleren Menschen angezeigt – Krämpfe erst nachts im Schlaf nach Anstrengung am Tage oder beim Schuhanziehen; Krämpfe der Zehen.

  • Seltenere Mittel:

    • Anacardium#AnacardiumMuskelkrampf: bei sportbedingten Krämpfen; Wadenkrämpfe beim Gehen.

    • Cuprum: allg. Krampfneigung.

    • Magnesium phosphoricum#Magnesium phosphoricumMuskelkrampf: Neigung zu Schreibkrämpfen; bei Kälteeinwirkung; kurz nach Überanstrengung; immer bei der gleichen Bewegungen; Schreibkrampf der ganzen Hand, Wadenkrämpfe nachts; Wärme amel.

    • Stannum#StannumMuskelkrampf: Schreibkrampf, der Finger; weiche Knie durch Überanstrengung.

Muskelzerrungen
Neben Arnica ist in erster Linie zwischen Bryonia und Rhus toxicodendron zu differenzieren. Seltener ist Calendula bei unverhältnismäßig starken Schmerzen passend.
  • Arnica: bei größeren Traumata; nach Überanstrengung; mit deutlichem Bluterguss, berührungsempfindlich.

  • Bryonia: jede Bewegung agg.; kalte Anwendungen amel.

  • Rhus toxicodendron#Rhus toxicodendronMuskelzerrung/-krampf: durch Verheben; weiche Knie durch Überanstrengung; fortgesetzte Bewegung amel., warme Anwendungen amel.

Verrenkungen, Verstauchungen
  • Akutmittel:

    • Aconitum: Schock mit Unruhe; starke Schmerzen; betroffenes Glied wird schnell heiß und rot.

    • Arnica#ArnicaVerstauchung: jede Bewegung verursacht heftige Schmerzen, Zerschlagenheitsgefühl; verletzte Stelle wird rot und blau.

  • Im weiteren Verlauf:

    • Bryonia#BryoniaVerstauchung: Verstauchung der Zehen mit stechenden Schmerzen; heiße Schwellung; Kälte amel., jede Bewegung agg.

    • Rhus toxicodendron#Rhus toxicodendronVerstauchung: Zerrung von Gelenkkapseln, Sehnen und Bändern; reißende Schmerzen; Wärme amel., Ruhelosigkeit mit ständiger Lageveränderung.

    • Ruta#RutaVerstauchung: Lahmheit durch Verstauchung, Beine geben beim Aufstehen nach; Unruhe der Extremitäten.

  • Verrenken:

    • Rhus toxicodendron: typisch bei Verrenkungen der Hüfte; gut auch nach Einrenken eines Gelenkes.

    • Calcarea carbonica: leichtes Verrenken von Gelenken, v. a. bei Überanstrengung.

    • Causticum#CausticumVerrenkung: Gefühl, die Sehnen oder Bänder sind zu kurz.

    • Strontium carbonicum#Strontium carbonicumVerrenkung: bei Verrenkungen und/oder Prellungen von Handgelenken oder Fußknöcheln.

Sehnenscheidenentzündung
Für SehnenscheidenentzündungenSehnenscheidenentzündung (Kap. 12.2) und den TennisarmTennisarm haben sich folgende Mittel bewährt:
  • Agaricus#AgaricusSehnenentzündung: chron. Sehnenentzündung, v. a. nach Überbelastung, mit stechenden Schmerzen, wie kalte Nadelstiche; kalte Luft agg.

  • Ambra#AmbraSehnenentzündung: überbelastet sich unbewusst; chron. Sehnenverletzungen.

  • Bellis perennis#Bellis perennisSehnenentzündung: Ellenbogengelenk wund und steif; Patient fühlt sich matt.

  • Bryonia: Schmerzen in den Sehnen; jede Bewegung agg.

  • Rhododendron#RhododendronSehnenentzündung: starke Schmerzen, Schmerz an den Ansatzstellen der Sehnen; in Ruhe agg., bei fortgesetzter Bewegung amel.; vor Gewitter agg.

  • Rhus toxicodendron#Rhus toxicodendronSehnenentzündung: Hauptmittel bei Sehnenscheidenentzündungen, typisch bei Tennisarm; auch bei Sehnenverletzungen; Schmerz an den Ansatzstellen der Sehnen; in Ruhe agg., bei fortgesetzter Bewegung amel.; Wärme amel.

  • #RutaSehnenentzündungRuta: auch bei Sehnenverletzungen; krampfhaftes Drücken und Reißen; möchte sich bewegen, aber Bewegung agg.

Sehnenverletzungen
  • Anacardium#AnacardiumSehnenverletzung: typisch nach Sehnenverletzungen, v. a. solchen mit starken anhaltenden Schmerzen; oft reißende Schmerzen; Schwäche mit Zittern der Glieder.

  • Arnica: kann zunächst als allgemeines Verletzungsmittel gegeben werden.

  • Rhus toxicodendron: reißende Schmerzen; Ruhelosigkeit mit ständiger Lageveränderung.

  • Staphisagria#StaphisagriaSehnenverletzung: durchschnittene Sehne.

  • Symphytum#SymphytumSehnenverletzung: bei Bandverletzung mit Knochenausriss.

Bei Folgeerscheinungen von Verletzungen der Bänder und Sehnen mit schubweise auftretenden Schmerzen hat sich Strontium carbonicum#Strontium carbonicumVerstauchung bewährt, v. a. bei Verletzungen des Handgelenks.

Frakturen

Definition: Traumatische Frakturen (Knochenbrüche) entstehen durch direkte (z. B. Schlag, Stoß) oder indirekte (z. B. Biegung, Drehung, Abscherung) Gewalteinwirkungen. Erstmaßnahmen bei Frakturen: Ruhigstellung in einer anatomisch günstigen Stellung, Kontrolle von Durchblutung, Motorik und Sensibilität; bestehende Luxationen sollten nur vom Fachmann reponiert werden.

Symptomatik: „unsichere“ Frakturzeichen (Schwellung, Schmerzen, Bewegungseinschränkung), „sichere“ Frakturzeichen (Krepitation, abnorme Beweglichkeit, auffällige Achsenfehlstellung).

Therapeutische Strategie
An erster Stelle steht die adäquate medizinische Versorgung der Verletzung. Vor der erforderlichen Röntgendiagnostik können Frakturen der oberen Extremität z. B. mit einem Dreieckstuch oder einer gepolsterten Aluschiene ruhig gestellt werden, bei Verdacht auf Frakturen der unteren Extremität sind Gehstützen notwendig. Bei stärkeren Schmerzen sollten Analgetika gegeben werden (z. B. Ibuprofen oder Tramadol), vorher jedoch zumindest eine orientierende Untersuchung erfolgen.
Homöopathische Behandlung
Gleichzeitig zur Erstversorgung kann Arnica gegeben werden, die weiteren homöopathischen Arzneimittel können danach in Ruhe ausgewählt werden.
Wahl der Symptome
  • Unterscheidung zwischen einfachen und komplizierten bzw. offenen Frakturen.

  • Akute oder ältere, schlecht heilende Fraktur.

  • Lokalisation der Fraktur und der Schmerzen.

Miasmatische Zuordnung
Brüchige Knochen sind ein Symptom der Psora. Komplikationen nach Knochenbrüchen oder sonstige Wundheilungsstörungen haben ihre Ursache oft in der Psora, Tuberkulinie oder einer Verbindung aus Tuberkulinie und Sykosis.
Repertorium
Unter Allgemeines – Verletzungen – Knochenbrüche (35 AM) und unter Extremitäten – Knochenbrüche (6 AM) lassen sich die passenden Arzneimittel finden. Die Hauptmittel in den Rubriken sind Arnica, Calcium phosphoricum, Ruta und Symphytum. Die zutreffenden Schmerzrubriken sowie die Modalitäten dienen der Differenzierung der Mittel.

Allgemeines – Schock, Schockzustand // Verletzung, durch – Knochenbrüche, durch

Allgemeines – Verletzungen // Knochenbrüche (mit Unterrubriken) // komplizierter Bruch // langsame Heilung von Knochenbrüchen // Überanstrengung, Überlastung durch

Extremitäten // Knochenbrüche (mit Unterrubriken) // Knochenbrüche – offene Brüche // Schmerz (mit Unterrubriken)

Dosierung, Verlaufsbeurteilung und Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Zur Ausheilung der Fraktur braucht man in erster Linie eine entsprechende Ruhigstellung. Auch bei homöopathischer Therapie sollte man die jeweils empfohlene Zeit der Ruhigstellung einhalten. Als Verlaufsparameter für die homöopathische Behandlung sind v. a. ein rascher Rückgang von Schwellung und Schmerz zu erwarten. Außerdem ist von einem komplikationslosen Verlauf der Heilung bis zur späteren Restitutio ad integrum auszugehen. Bei auftretenden Komplikationen ist ein Mittelwechsel angezeigt.
Unterstützende Maßnahmen
Insbesondere bei Kindern auf ausreichende Kalziumzufuhr über die Ernährung und ggf. durch Substitution achten. Nach Immobilisation empfiehlt sich meistens eine Krankengymnastik-Behandlung, wobei die Patienten angehalten werden sollten, die Übungen auch zu Hause regelmäßig durchzuführen.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Arn., Calc-p., Ruta, Symph.
!! Calc., Hyper.
! Acon., Calc-f., Calen., Carb-ac., Led., Ph-ac., Sil.

Einfache Frakturen
Als erstes Mittel kann man in den ersten Stunden bis Tagen zunächst Arnica, dann Symphytum geben. Differenzialdiagnostisch kommen Ruta und Ledum in Betracht.
  • Arnica#ArnicaFraktur: ausgeprägtes Hämatom; Gefühl der Zerschlagenheit; schickt den Arzt weg, will nicht berührt werden.

  • Ledum#LedumFraktur: großes Hämatom, welches nur langsam zurückgeht.

  • Ruta#RutaFraktur: v. a., wenn der Knochen nur angebrochen ist, überwiegend die Knochenhaut ist betroffen; brennender Schmerz; Hängen lassen der verletzten Extremität agg.; ruheloser Patient, dessen Beschwerden zu häufigem Lagewechsel zwingen; Gehen und Kälte agg.

  • Symphytum#SymphytumFraktur: verlangsamte Knochenheilung; besonders bei Frakturen der Hand und periorbital, auch bei Marschfrakturen; heftige, stechende Schmerzen; Berührung agg., Wärme amel.

Offene Frakturen
Zunächst kann Aconitum#AconitumFraktur oder Arnica gegeben werden. Das bewährteste Mittel ist Hypericum#HypericumFraktur. Bei entsprechender Symptomatik sind Symphytum, Ruta, Ledum oder Calendula sowie Carbolicum acidum#Carbolicum acidumFraktur angezeigt.
  • Aconitum: bei traumatischem Schock; Angst und Panik mit Blässe, heftige Schmerzen.

  • Arnica: oft als erstes Verletzungsmittel, v. a. bei großem Hämatom und stumpfem Trauma.

  • Calendula: bei Muskel- und Sehnenrissen; heftige Schmerzen, evtl. mit Zerschlagenheitsgefühl; Neigung zu Eiterung; kalte Luft agg.

  • Carbolicum acidum: kleine, gesplitterte Frakturen; evtl. mit Eiterung; Gefühl der Erwärmung in den Knochen.

  • Hypericum: unerträgliche Schmerzen; v. a. bei Verletzungen der Hände, des Gesichtes oder der Wirbelsäule bzw. bei Nervenbeteiligung; Schmerz strahlt im Nervenverlauf aus.

  • Ledum: stechende oder brennende Schmerzen; starke Blutergüsse; Frostigkeit, aber Wärme agg.

  • Ruta: komplizierte Frakturen, Heilungsverzögerung, Hochlegen der betroffenen Gliedmaßen amel., Kälte agg., Ruhelosigkeit.

  • Symphytum: als primäres Mittel oder bewährtes Folgemittel von Arnica bei Heilungsverzögerung; anhaltende Knochenhautschmerzen, stechende Schmerzen; bei geringerer Nervenbeteiligung und Splitterbrüchen.

Alte Frakturen
Bei alten Frakturen mit langsamer Heilung empfiehlt sich eine Auswahl der Mittel unter konstitutionellen Gesichtspunkten. Ein großes, infrage kommendes Konstitutionsmittel ist Calcarea carbonica#Calcium carbonicumFraktur. Als weitere Kalziummittel haben Calcium phosphoricum#Calcium phosphoricumFraktur und Calcium fluoricum#Calcium fluoricumFraktur besonderen Bezug zu Frakturen.
  • Calcarea carbonica#Calcium carbonicumFraktur: Verrenkungsneigung; macht ungern Sport; phlegmatisch; Zahnen und Laufen lernen verzögert; frostig.

  • Calcium fluoricum: bei Kindern; Neigung zu Fistelbildung; besonder Bezug zu Frakturen.

  • Calcium phosphoricum#Calcium phosphoricumFraktur: Wachstumsschmerzen; schmerzhafte Frakturnähte; asthenische oder abgemagerte Patienten, v. a. bei Kindern; Zahnen und Laufenlernen verzögert.

  • Phosphoricum acidum#Phosphoricum acidumFraktur: langsame Kallusbildung; Gefühl, als würde mit einem scharfen Messer die Knochenhaut entlanggefahren.

  • Ruta#RutaFraktur: v. a., wenn der Knochen nur angebrochen ist, überwiegend die Knochenhaut ist betroffen; brennender Schmerz; Hängen lassen der verletzten Extremität agg.; ruheloser Patient, dessen Beschwerden zu häufigem Lagewechsel zwingen; Gehen und Kälte agg.

  • Silicea: Knochen- und Knochenhautentzündung; große Berührungs- und Druckempfindlichkeit; Eiterungsneigung; Wunde stößt abgestorbene Knochenfragmente ab bzw. Sequesterbildung.

  • Symphytum#SymphytumFraktur: bei komplizierten Brüchen mit starken Schmerzen, v. a. bei anhaltenden Knochenhautschmerzen; Erschütterung agg.

Kopf- und Wirbelsäulenverletzungen

  • Commotio cerebri (Gehirnerschütterung): Bewusstlosigkeit < 5 Min., Kopfschmerz, Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Amnesie. Rückbildung aller Symptome innerhalb von 5 Tagen.

  • Schädelprellung mit/ohne Platzwunde: nach Sturz oder Schlag auf den Kopf; Ausschluss einer Schädelfraktur (Röntgen oder CT); Wundversorgung, Verlaufsbeobachtung!

  • HWS-Distorsion: sog. Schleudertrauma; Nackenschmerzen, evtl. mit Ausstrahlung in die Arme, Bewegungseinschränkung, Kopfschmerzen, evtl. Parästhesien an Händen und Armen; Muskelhartspann; bei stärkeren Beschwerden radiologische Diagnostik zum Frakturausschluss; Therapie: Analgesie, Krankengymnastik, evtl. Halskrawatte für wenige Tage.

Patienten mit schweren Schädel-Hirn-Traumata und Wirbelsäulenverletzungen müssen sofort mit dem Notarzt ins Krankenhaus eingewiesen werden (vorsichtiger Transport, insbesondere Abknicken der HWS vermeiden).
Therapeutische Strategie
Am wichtigsten ist zunächst die akute Notfallversorgung inkl. der entsprechenden Diagnostik. Im weiteren Verlauf ist es wichtig, den Patienten bezüglich einer eventuellen Verschlechterung des Allgemeinzustandes zu beobachten. Die homöopathische Behandlung kommt als Akuttherapie, als begleitende Behandlung oder auch bei persistierenden Beschwerden nach lange zurückliegenden Traumata in Betracht.
Homöopathische Behandlung
Mit der homöopathischen Therapie kann man v. a. persistierenden Beschwerden bei einer HWS-Distorsion oder einer Commotio vorbeugen, außerdem lassen sich Schmerzen lindern. Bei Schädelprellung kann zumeist als erstes Mittel Arnica gegeben werden. Beim Schleudertrauma sind Hypericum und Rhus toxicodendron die Mittel der Wahl. Bei einer Commotio sollte man die Mittel nach der jeweils vorliegenden Symptomatik differenzieren.
Wahl der Symptome
SymptomenwahlKopf-/WS-VerletzungEntscheidend sind die akut durch das Trauma hervorgerufenen Symptome. Dabei ist v. a. auf Bewusstseinsveränderungen, die vegetative Symptomatik und die Gemütsverfassung zu achten.
Miasmatische Zuordnung
Eine Kopfverletzung ist eine akute Situation. Wie alle Traumata kann eine Kopfverletzung den Übergang eines Miasmas aus der Latenzphase in das nächste Stadium begünstigen (Kap. 3.4).
Repertorium
RepertorisationKopf-/WS-VerletzungDie Mittel bei Kopfverletzungen finden sich unter Kopf – Verletzungen des Kopfes – nach (21 AM), die der Wirbelsäulenverletzungen unter Rücken – Verletzungen der Wirbelsäule (16 AM). Zur Differenzierung dienen hier nur wenige Unterrubriken. Hilfreich sind diverse Gemütsrubriken, wie z. B. „Gemüt – Stumpfheit – Kopfverletzungen, nach“, die den Zustand umschreiben.
Weitere Rubriken zu Kopfverletzungen finden sich unter den Stichworten „Schwindel“, „Übelkeit“ etc.

Kopf //Gehirnblutung // Gehirnerschütterung // Verletzungen des Kopfes – nach

Rücken – Verletzungen der Wirbelsäule // Erschütterung der Wirbelsäule // Heben einer Last, durch // Steißbein

Allgemeines // Verletzungen – Nerven, der – Schmerzen, mit großen

Gemüt // Bewusstlosigkeit (mit Unterrubriken) // Stumpfheit – Kopfverletzungen, nach

Schwindel // Kopfverletzungen, nach

Dosierung, Verlaufsbeurteilung und Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Im Verlauf kann man sich am ehesten an den Symptomen Kopfschmerz, Übelkeit, Erbrechen und Schwindel orientieren, die sich bei einem gut gewählten homöopathischen Mittel rasch bessern müssen. Sollte dies nicht der Fall sein und sollte sich der Allgemeinzustand des Patienten verschlechtern, so ist eine erneute diagnostische Beurteilung zu empfehlen und ggf. das homöopathische Mittel zu wechseln. Die Prognose ist abhängig von der Schwere der Verletzung und insbesondere bei leichter Commotio und beim Schleudertrauma sehr gut.
Unterstützende Maßnahmen
Notfallmaßnahmen s. o., weitere Maßnahmen müssen individuell je nach Fall entschieden werden. Krankengymnastik empfiehlt sich bei Schleudertrauma, allgemein können zur Linderung der Schmerzen auch bewährte Akupressurpunkte eingesetzt werden (z. B. Punkt Dickdarm 4).
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Arn., Hyper., Nat-s.
!! Op.
! Bell-p., Calc., Cic., Hell., Hyos., Rhus-t., Sil.

Wunden und Schlagverletzungen am Kopf
  • Arnica#ArnicaKopfverletzung: das Mittel der Wahl, v. a. bei stumpfen Traumata; akut, auch bei Hirnblutungen; bei Prellungen, Quetschungen; Gefühl der Zerschlagenheit, v. a. im verletzten Bereich; Bett erscheint zu hart; Berührung und Erschütterung agg.

  • Anhaltende Beschwerden:

    • Hypericum#HypericumKopfverletzung: heftige, stechende, reißende Schmerzen, die ins Versorgungsgebiet des Nerven ausstrahlen; auch bei abgebrochenen Zähnen mit starken Schmerzen; Berührung und Erschütterung agg.

    • Natrium sulfuricum#Natrium sulfuricumKopfverletzung: v. a. bei anhaltenden Beschwerden oder Beschwerden längere Zeit nach einem Kopftrauma mit Kopfschmerz und geistig-seelischen Verhaltensänderungen; Depression nach Trauma; Weinen beim Hören von Musik; Feuchtigkeit agg.

  • Seltenere Mittel:

    • Cicuta#CicutaKopfverletzung: Krämpfe, Muskelkontraktionen, Zuckungen; Meningismus; geistige Verwirrung; posttraumatische Konvulsionen sowie Schwindelanfälle.

    • Helleborus#HelleborusKopfverletzung: Schädeltrauma mit Gedächtnisverlust; Benommenheit, geistige Stumpfheit; Abstumpfung der Sinnesorgane; auch als Folgen durch Gehirnerschütterung; Hirnödem; allg. Besserung durch Harnabgang.

Gehirnerschütterung
GehirnerschütterungHier lassen sich zwei Mittel akut anhand weniger Symptome differenzieren: das häufig indizierte Arnica#ArnicaGehirnerschütterung und das seltener infrage kommende Opium#OpiumGehirnerschütterung. Bei akuten oder persistierenden Beschwerden ist Hypericum#HypericumGehirnerschütterung ein bewährtes Mittel, bei anhaltenden Beschwerden ist Natrium sulfuricum#Natrium sulfuricumGehirnerschütterung davon abzugrenzen. Weitere wichtige Mittel sind Cicuta#CicutaGehirnerschütterung und Hyoscyamus#HyoscyamusGehirnerschütterung.
  • Arnica#ArnicaGehirnerschütterung: Bett erscheint zu hart, möchte weich liegen; Erschütterung sehr schmerzhaft; schickt den Arzt weg.

  • Cicuta#CicutaGehirnerschütterung: mit Zungenbiss und evtl. Krampfanfällen; Schwindelanfälle.

  • Hypericum#HypericumGehirnerschütterung: Hirntraumata von der Prellung bis zur Kontusion; Konvulsionen oder Kopfschmerzen nach Gehirnerschütterung; wird meist nach Arnica und vor Natrium sulfuricum verabreicht.

  • Hyoscyamus#HyoscyamusGehirnerschütterung: Gehirnerschütterung, evtl. begleitet von Schluckauf; bei Hirnblutungen; Nystagmus; Stupor mit Abneigung zu antworten oder Wahn und Schwatzhaftigkeit; posttraumatische Konvulsionen; wahnhafter Drang, sich zu entkleiden; misstrauisch.

  • Natrium sulfuricum#Natrium sulfuricumGehirnerschütterung: Weinen beim Hören von Musik; Kopfschmerz, bei Wetterwechsel trocken zu feucht agg.; chronische Kopfschmerzen nach Kopfverletzungen.

  • Opium#OpiumGehirnerschütterung: alles ist zu weich, möchte hart liegen; Schmerzlosigkeit; auch bei Hirnblutungen.

Verletzungen der Wirbelsäule
Während der ersten Stunden kann man Arnica geben, danach ist das Hauptmittel Hypericum#HypericumWS-Verletzung. Differenzialdiagnostisch steht Natrium sulfuricum im Vordergrund. Bei Steißbeinverletzungen sollten neben Hypericum auch Bellis perennis und Silicea in Betracht gezogen werden.
  • Arnica: v. a. bei Folge von Erschütterung oder bei Prellung.

  • Bellis perennis: Steißbeinverletzungen, kalte Bäder agg., leichte Massage und Bewegung amel.

  • Hypericum#HypericumWS-Verletzung: bei Erschütterungsfolge oder bei Nervenverletzung, sehr bewährt bei Steißbeinverletzungen; äußerst schmerzempfindlich; Wurzelreizsyndrom bei Stauchung der Wirbelsäule; nach Lumbalpunktion; auch bei Schleudertrauma.

  • Natrium sulfuricum: Depression nach Wirbelsäulentrauma; Weinen beim Hören von Musik; Feuchtigkeit agg.

  • Silicea: Steißbeinverletzungen, langsame Heilung.

Folge von Überheben
Bei Rückenbeschwerden nach Heben einer schweren Last, evtl. mit Verletzungen der Wirbelsäule, sind Calcarea carbonica#Calcium carbonicumWS-Verletzung (eher bei anhaltenden Beschwerden) und Rhus toxicodendron (eher akut, kommt auch bei Schleudertrauma als Folgemittel infrage) die Mittel der Wahl.

Augenverletzungen

(Kap. 22)

Definition: Schädeltrauma oder Fremdkörperverletzung z. B. beim Schleifen, Hämmern oder Sägen. Fremdkörper kann evtl. als schwarzer Punkt gesehen werden. Eine schwere Augenverletzung besteht auf jeden Fall bei entrundeter, reaktionsloser oder -armer Pupille. Bei jeder noch so kleinen, harmlos erscheinenden Augenverletzung oder -prellung sollte eine augenärztliche Abklärung erfolgen.

Symptomatik: Schmerzen, tränende Augen, Lidkrampf (Blepharospasmus), blutende Lider bzw. Augen. Erstmaßnahmen (je nach Ausmaß des Befunds):

  • Oberkörperhochlagerung.

  • Steriler Verband über das ganze Auge, ggf. beidseitig zur Ruhigstellung. Verband so locker anlegen, dass kein Druck auf den Augapfel entsteht (Perforationsgefahr!).

  • Bei Fremdkörper (v. a. Kalkpartikel, Verätzungsgefahr) Augenspülung mit Flüssigkeit (mit Wasser, zur Not mit Bier oder Limonade). Die möglichst rasche Entfernung der schädigenden Substanz ist entscheidend für eine günstige Prognose.

Therapeutische Strategie
Nach der Notversorgung wird der Verletzte in die nächste Augenklinik oder zum nächsten Augenarzt gebracht, wo u. a. die Augenspülung mehrmals wiederholt wird. Die homöopathische Behandlung kann begleitend erfolgen (auch Kap. 22).
Homöopathische Behandlung
Von der homöopathischen Seite her sind Akutmittel angezeigt, deren Wirkung sich innerhalb von 24 Stunden zeigen sollte. Damit sollten Schmerzen schnell gelindert werden und es kann späteren Folgeschäden vorgebeugt werden.
Wahl der Symptome
  • Lokale Symptome: z. B. Blutung, Sehstörungen, Fremdkörpergefühl.

  • Modalitäten: z. B. Wärme oder Kälte agg., Lichtempfindlichkeit.

  • Bei der Causa sind v. a. traumatische von atraumatischen Blutungen zu unterscheiden sowie stumpfe Traumata von Verletzungen durch Fremdkörper.

Miasmatische Zuordnung
Wie alle Traumata kann eine Augenverletzung den Übergang eines Miasmas aus der Latenzphase in das nächste Stadium begünstigen (Kap. 3.4).
Repertorium
Unter der Rubrik Auge – Verletzungen, durch (30 AM) finden sich viele der bei Augenverletzungen infrage kommenden Mittel. Außerdem sind die große Rubrik Auge – Bluten aus den Augen (mit Unterrubriken) mit 31 Arzneimitteln und die kleine mit Künzlipunkt versehene Rubrik Auge – Bluten aus den Augen – Netzhautblutung (11 AM) hilfreich. Rubriken zu den Modalitäten und zur Schmerzbeschreibung sowie „Als-ob-Symptome“ wie z. B. Auge – Haare – Gefühl eines Haares im Auge (12 AM) dienen der weiteren Differenzierung.

Augen – Bluten aus den Augen (mit Unterrubriken) // Netzhautblutung // Trauma, nach

Augen // Ekchymose // Entzündung – Netzhaut – Commotio retinae // Schmerz (mit Unterrubriken) // Verletzungen, durch – Fremdkörper, durch // Verletzungen, durch – Risswunden //

Allgemeines // Wunden – Fremdkörper, durch – Auge, im

Dosierung, Verlaufsbeurteilung und Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Im Verlauf sollten Schwellung und Schmerzen innerhalb kürzerer Zeit zurückgehen, sie stellen wichtige Verlaufsparameter dar. Eventuelle Einblutungen können unter homöopathischer Therapie rascher resorbiert werden, stellen aber schwerer zu beurteilende Verlaufsparameter dar.
Unterstützende Maßnahmen
Augenbäder mit 2-prozentiger Euphrasia-Lösung, v. a. nach der Entfernung von Fremdkörpern.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung
(26.12)

!!! Acon., Arn., Symph.
!! Crot-h., Euphr.
! Bell-p., Bothr., Calen., Canth., Caust., Coc-c., Ham., Hyper., Lach., Led., Phos., Seneg., Sil., Staph., Sul-ac., Symph., Zinc.

Periorbitales Hämatom
  • Arnica#ArnicaAugenverletzung: Hämatom durch Prellung bzw. blaues Auge, oft als erstes Mittel gegeben; Zerschlagenheitsgefühl, extreme Berührungsempfindlichkeit.

  • Bellis perennis#Bellis perennisAugenverletzung: v. a. bei plötzlicher Kälteeinwirkung und Traumata durch Auskühlen, z. B. durch Schneeball.

  • Ledum#LedumAugenverletzung: bei massivem Bluterguss (v. a. wenn Arnica nicht ausreicht); kalter Umschlag amel., lokale Wärme agg.

  • Symphytum: Bei stärkerer Prellung, evtl. auch mit Verletzung der Knochen der Augenhöhle das wichtigste Mittel – bei Prellung des Augapfels durch Tennis- oder Schneeball etc.; schmerzhafter Augapfel; Öffnen des Auges fällt schwer.

Blutungen
  • Pflanzliche Arzneimittel:

    • Arnica: als unspezifischeres Mittel bei Verletzungen, u. a. bei Netzhautblutung, ggf. sogar bei akutem Verlust des Sehvermögens durch Augenverletzungen.

    • Hamamelis#HamamelisAugenblutung: v. a. bei Augenblutung durch Schläge; Ekchymosen; Blutung des Glaskörpers oder Netzhautblutung; Hyphäma; brennend-stechende Schmerzen.

    • Ledum: Blutergüsse bei Verletzungen; Vorderkammerblutungen; Hyphäma.

  • Mineralische Arzneimittel:

    • Phosphorus: typisches Blutungsmittel, v. a. bei Netzhautblutung; helles Blut.

    • Sulfuricum acidum#Sulfuricum acidumNetzhautblutung: spezifisches Mittel für Blutungen im Augeninneren mit großen Ekchymosen in der Bindehaut und im umliegenden Gewebe; Blutung aus dem Auge nach Trauma, Netzhautblutung; stechende Schmerzen; Schwächegefühl.

  • Schlangengifte:

    • Crotalus horridus: Blutungen in der Netzhaut, Blut tritt aus dem Tränenkanal aus; eher re. Auge betroffen.

    • Lachesis: li. Auge von Blutung betroffen, Netzhautblutung; dunkles Blut.

    • Bothrops: bei Blutungen in der Netzhaut; bei Verlust des Sehvermögens durch Augenverletzung sollte neben Arnica an Bothrops gedacht werden.

Verletzungen
  • Verletzungen durch Fremdkörper im Auge:

    • Aconitum#AconitumAugenverletzung: auch als „Augen-Arnica“ bezeichnet; bei Verletzungen von Hornhaut, Bindehaut, Lederhaut oder des Augenlids, auch bei Verletzungen durch chirurgische Eingriffe am Auge, v. a. bei Schock mit ängstlicher Unruhe; ödematös geschwollene und gerötete Bindehaut; Gefühl von ausgetrockneten Augen; Augenbewegung und Zugluft agg.

    • Coccus cacti: mit Konjunktivitis.

    • Euphrasia#EuphrasiaAugenverletzung: nach der Entfernung von Fremdkörpern; auch bei Hornhauttrübung nach Verletzung; stechend-brennende Schmerzen; starker Tränenfluss und Photophobie.

    • Hypericum: bei starken, persistierenden Beschwerden.

    • Silicea#SiliceaAugenverletzung: allgemeines Mittel bei Fremdkörpern, das „homöopathische Skalpell“ zur Entfernung von Fremdkörpern.

  • Schnittverletzungen:

    • Staphisagria#StaphisagriaAugenverletzung: glatte Schnittverletzungen der Horn- oder Bindehaut, z. B. durch Papier, Katzenkrallen.

    • Calendula#CalendulaAugenverletzung: nach Augenoperationen, um Entzündungen vorzubeugen.

  • Postoperativ:

    • Calendula: v. a. bei Eiterungen.

    • Senega#SenegaAugenverletzung: v. a. zur Resorption nach Staroperationen.

    • Symphytum#SymphytumAugenverletzung: postoperative Schmerzen an inneren Augenpartien, besonders am Sehnerv.

    • Zincum metallicum: brennend, schmerzhafter Tränenfluss; Erschöpfung.

Bei allen Augenverletzungen kommt alternativ zu Aconitum generell Arnica infrage – v. a. bei Verletzungen ohne den ängstlich-unruhigen Schockzustand von Aconitum.
Bei Verbrennungen im Augenbereich ist Cantharis das Mittel der ersten Wahl.
Verätzungen
Bei Verätzungen (durch Säuren) oder Kolliquationsnekrosen (durch Laugen) kommen Aconitum zur Behandlung von Schock und Schmerzen oder Causticum wegen seiner Ähnlichkeitsbeziehung als Ätzstoff in Betracht.

Verletzungen durch Tiere

  • InsektenstichInsektenstich: meist nur harmlose Schwellung und Juckreiz. In Einzelfällen allergische Reaktionen (übermäßige Hautreaktion, Atemnot und evtl. Schockzeichen). Bei einem Stich in den Mund-Rachen-Raum oder beim Verschlucken eines Insekts Schluckbeschwerden, kloßige Sprache und in seltenen Fällen Atemnot und Kreislaufreaktionen.

  • ZeckenbissZeckenbiss: meist sitzt die Zecke ohne weitere Hautreizung an der Hautoberfläche. Gelegentlich Juckreiz oder Schmerzen und Entzündung. Bei Komplikationen wie Schwellung, Rötung, Infekt oder Gelenkentzündung (Lyme-Borreliose), aber auch bei Fieber und starken Kopfschmerzen (FSME) in den nachfolgenden Wochen muss rasch eine entsprechende Therapie erfolgen.

  • TierbissTierbiss: Bei Tierbissen sollte nach der Erstversorgung die Wunde von einem qualifizierten Arzt beurteilt werden. Die oft tiefen Gewebsquetschungen bei eher geringfügigen Hautverletzungen bilden den Boden für Wundinfektionen. Der Tetanusschutz sollte abgeklärt werden; beim Biss durch ein tollwütiges Tier sollte eine sofortige Tollwutimmunisierung erfolgen.

  • SchlangenbissSchlangenbiss: zwei dicht nebeneinander stehende tiefe Wunden, Umgebungsentzündung. Symptome hängen von der Art des Giftes ab (neurotoxisch, hämolytisch, thrombin- oder bradykininähnlich, esterolytisch oder enzymhemmend).

  • SkorpionstichSkorpionstich: Bei Erwachsenen meist nur heftige, brennende Schmerzen an der Einstichstelle; bei schwereren Vergiftungen Übelkeit, Erbrechen; Kreislaufkollaps, Atembeschwerden, Bewusstseinsstörungen möglich.

  • QuallenQuallenkontakt: schmerzhafte Hautrötung, Juckreiz und Schwellung, evtl. mit Blasenbildung. Selten Allgemeinsymptome wie Übelkeit, Erbrechen, Verwirrtheit oder Kollaps. An der Ostküste Australiens gibt es Quallen, wo ein einziger Kontakt lebensbedrohlich sein kann.

Therapeutische Strategie
  • BienensticheBienenstichNotfallBienenstich: Extraktion des Stachels und Desinfektion der Haut. Bei allergischer Reaktion oder bei Stich in den Mund-Rachen-Raum Antiallergika oder Adrenalin (verdünnt) einsetzen, ggf. Alarmierung des Notarztes und Einleitung einer entsprechenden Schocktherapie.

  • ZeckenbissZeckenbiss: Zecke mit einer Pinzette hautnah erfassen und vorsichtig herausziehen. Auftropfen von Öl ist zu unterlassen, da eine Zecke in diesem Fall besonders viel Speichel in die Bissstelle fließen lässt, was eine evtl. Übertragung von Borrelien begünstigt. Desinfektion der Stichstelle und Beobachtung in den Folgetagen.

  • KatzenbissKatzenbiss: V. a. Katzenbisse in die Finger sind sehr ernst zu nehmen wegen der Gefahr von Hohlhandphlegmonen (Vorstellung beim Chirurgen). Die Wunde sollte nicht nur desinfiziert, sondern auch weiter eröffnet werden.

  • Kontakt mit QuallenQuallenkontaktNotfallQuallenkontakt: Betroffene Stellen mit trockenem Sand bedecken und vorsichtig abstreichen; dann mit Essig oder Meerwasser spülen, niemals mit Süßwasser (bringt die Giftkapseln zum Platzen). Kühlung mit Eis. Später evtl. Antihistaminika oder Cortison geben.

  • SchlangenbissSchlangenbissNotfallSchlangebiss: In den ersten zehn Minuten sofortiges Aussaugen der Wunde, am besten mit einer Vakuumspritze oder direkt mit dem Mund (sofern die Mundschleimhaut keine Wunde aufweist und man den Mund anschließend mehrfach ausspült). Lokal Wärme zuführen (50–60 °C), um die Eiweißstoffe des Giftes zu zerstören. Anschließend die Wunde locker mit Verbandmull verbinden. Je nach Art der Schlange (sofern bekannt) müssen weitere therapeutische Schritte eingeleitet werden (z. B. Antiserum, Intensivmedizin).

  • SkorpionstichSkorpionstichNotfallSkorpionstich: Meistens keine besonderen Maßnahmen erforderlich, bei schwereren Vergiftungen Antiserum. Stichstelle nicht aussaugen oder aufschneiden.

Homöopathische Behandlung
Allgemeine medizinische Versorgung und homöopathische Therapie müssen parallel durchgeführt werden, da es sich oft um lebensbedrohliche Zustände handelt. Generell sind bei Verletzungen durch giftige Tiere das sofortige Absaugen des Giftes (Ausnahme Skorpionstich) und die anschließende lokale Überwärmung zu empfehlen. Von Seiten der Homöopathie sind meist mehrere Mittel erforderlich und zudem häufige Gaben indiziert. Als Erstes kommt immer Aconitum als Schockmittel infrage, danach ist Ledum als unspezifisches Mittel zur Behandlung von Biss- und Stichverletzungen durch Tiere das bewährteste Mittel. Sofern man weiß, von welchem Tier die Biss- oder Stichverletzung stammt, kann man das passende AntidotAntidotVerletzungen durch Tiere geben, sowohl schulmedizinisch als auch homöopathisch. Ansonsten entscheiden die sich rasch entwickelnden Symptome, welches Simile der Akutsituation entspricht. Homöopathische Mittel können Beschwerden lindern und Komplikationen reduzieren, jedoch gibt es z. B. bei Schlangenbissen nur wenig Erfahrungswerte.
Wahl der Symptome
SymptomenwahlVerletzungen durch TiereEs zeigen sich oftmals binnen kürzester Zeit dramatische Zustände mit ausgeprägten Symptomen, die zu raschem Handeln zwingen. Man gibt entweder zunächst Aconitum oder Ledum und dann die Homöodote, oder bei klarer Symptomatik (s. u.) ein passendes Akutmittel.
Miasmatische Zuordnung
Wie alle Traumata kann eine Verletzung durch Tiere den Übergang eines Miasmas aus der Latenzphase in das nächste Stadium begünstigen (3.4).
Repertorium
RepertorisationVerletzungen durch TiereEs gibt zwar eine Reihe hilfreicher, spezifischer Repertoriumsrubriken, doch sollten auch alle Umstände der jeweils vorliegenden Symptomatik ergänzend hinzugenommen und im Repertorium nachgeschlagen werden. Im Falle von Verletzungen durch Tiere ist zudem die Lektüre von Materia medica und Erfahrungsberichten besonders bedeutend.

Allgemeines – Schock, Schockzustand // Verletzung, durch // Verletzungen – Tetanusprophylaxe

Allgemeines – Wunden – Bisswunden // giftiger Tiere // Hunden, von // Hunden, von – tollwütigen Hunden // Schlangenbisse

Extremitäten // Verletzung – Daumen, Katzenbisse

Gesicht // Schwellung – Bienenstiche, durch

Haut // Insektenstiche

Dosierung, Verlaufsbeurteilung und Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
In der akuten und dramatisch kritischen Situation sollten gut wirkende homöopathische Arzneien innerhalb von Minuten zu ersten Anzeichen einer Besserung des Allgemeinzustandes führen. Geht es dem Patienten nicht innerhalb eines Zeitraums von ca. einer Stunde besser, sollte neben der Fortsetzung der adäquaten schulmedizinischen Therapie bei der homöopathischen Medikation ein Mittelwechsel erfolgen. Dabei orientiert man sich nur an der akut vorliegenden Symptomatik. Im weiteren Heilungsverlauf ist unter guter homöopathischer Therapie ein komplikationsarmer Verlauf zu erwarten, auch ohne größere Wundheilungsstörung.
Unterstützende Maßnahmen
Zur Vorbeugung von Insektenstichen empfiehlt sich neben entsprechender Kleidung mit langen Armen und Beinen auch die Einnahme von Vitamin B12. Schafgarben- oder Tomatenkraut sowie Geranienblätter sollen Mücken vertreiben. Nach einem Stich kann man die Stelle mit einer Zwiebel einreiben (Begleitmaßnahmen bei weiteren Bissen s. o. unter „Therapeutische Strategie“).
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Apis, Led.
!! Lach., Tarent.
! Acet-ac., Acon., Ars., Bot., Camph., Canth., Carb-ac., Carb-v., Cham., Cedr., Coff., Echin., Elaps., Gels., Hyper., Latr., Lob-p., Lyss., Medus., Mez., Mygd., Op., Ox-ac., Puls., Scorp., Staph., Urt-u., Verat., Vesp., Vip.

Insektenstich
InsektenstichDie homöopathische Therapie ist nur bei Komplikationen sinnvoll, da ein an sich unproblematischer Verlauf nicht zu verbessern oder zu beschleunigen ist. Es dominieren zwei Mittel: Ledum#LedumInsektenstich und Apis#ApisInsektenstich. Als weitere Mittel haben Cantharis#CantharisInsektenstich, Hypericum#HypericumInsektenstich, Tarentula cubensis#Tarentula cubensisInsektenstich oder Tarentula hispanica#Tarentula hispanicaInsektenstich und Urtica urens#Urtica urensInsektenstich einen hohen Stellenwert. Speziell bei Bienenstichen ist Vespa angezeigt, bei Wespenstichen evtl. Mezereum.
  • Apis#ApisInsektenstich: rasches ödematöses Anschwellen mit brennenden und juckenden Schmerzen; Wunde fühlt sich heiß an; kalte Anwendungen amel., Wärme agg., v. a. bei Wespenstichen.

  • Cantharis#CantharisInsektenstich: brennende Schmerzen; kleine Blasen nach Insektenstichen.

  • Hypericum#HypericumInsektenstich: Schmerzen erstrecken sich zur Körpermitte, übermäßige Schmerzen.

  • Ledum#LedumInsektenstich: heftig juckende Wunde, Kältegefühl trotz Entzündungszeichen an der Einstichstelle, aber lokale Wärme agg.

  • Mezereum #MezereumInsektenstich: Wespenstiche.

  • Tarentula cubensis#Tarentula cubensisInsektenstich oder Tarentula hispanica#Tarentula hispanicaInsektenstich: Wunde dunkelblau gefärbt; brennende, juckende Schmerzen; kommt auch bei Schlangen- und Spinnenbissen infrage.

  • Urtica urens#Urtica urensInsektenstich: starke Nesselsucht mit Jucken, Brennen und Stechen; v. a. bei Bienen- oder Wespenstichen sowie Flohbissen.

  • Vespa: speziell bei Bienenstichen, heftig brennende Schmerzen.

Prophylaxe
  • Ledum#LedumInsektenstich: v. a. bei Neigung zu Eiterungen durch Insektenstiche, C30 2–3-mal tgl.

  • Pulex#Pulex, Insektenstich: v. a. bei heftigem Juckreiz nach Stichen, C30 2–3-mal tgl.

  • Staphisagria: ggf. D3–D6 prophylaktisch alle 8 Stunden geben.

Allergische Reaktionen nach Insektenstichen
  • Apis: das Hauptmittel, ödematöse Schwellung, brennende oder stechende Schmerzen, evtl. Quincke-Ödem oder asthmatische Atembeschwerden, Durstlosigkeit, Wärme agg., Kälte amel.

  • Carbolicum acidum#Carbolicum acidumInsektenstich: Kollapszustand durch schwere allergische Reaktion nach Bienenstich; schwacher Puls und stark verlangsamte Atmung.

  • Carbo vegetabilis: Blässe, Kaltschweißigkeit, Kollaps, will Luft zugefächelt bekommen.

  • Camphora#CamphoraInsektenstich: Blässe, Kaltschweißigkeit; eiskalter Körper, möchte aber nicht zugedeckt werden; plötzlicher Kräfteverfall.

  • Veratrum album#Veratrum albumInsektenstich: Blässe; Kaltschweißigkeit, v. a. der Stirn; Kollaps; großer Durst auf eiskalte Getränke.

Zeckenbiss
Hier hat sich v. a. Ledum als Akutmittel bewährt. Ledum gilt ohnehin als das Hauptmittel aller Bissverletzungen, was z. B. auch für Katzen- oder Hundebisse gilt. Bei Folgeerkrankung nach Zeckenbissen ist meist die zugrunde liegende miasmatische Diathese zu behandeln. Die Gabe von Borrelien- oder FSME-Nosoden stellt auch eine Möglichkeit dar, deren Wirksamkeit konnte zumindest an einzelnen Fallbeispielen gezeigt werden.
Schlangenbiss
Bei allen Schlangenbissen kann bei auftretender Panik zur Beruhigung zunächst Aconitum notwendig sein, außerdem ist wegen seiner hemmenden Wirkung gegenüber einigen Schlangengiften Ledum sinnvoll. In jedem Falle kann man auch das potenzierte Mittel des jeweiligen Giftes geben. Günstiger ist es jedoch, das homöopathische Mittel einer verwandten Schlange der gleichen Gattung zu geben wie z. B. Vipera berus beim Biss durch eine Vipera aspis.
Für manche Schlangenbisse gibt es neben dem nahezu isopathischen Vorgehen weitere homöopathische Gegenmittel und Gegengifte in potenzierter Form.
Von Constantin Hering stammen folgende Empfehlungen:
  • Bei Bissen von Klapperschlangen (Crotalus horridus#Crotalus horridusSchlangenbiss), deren Gift sich v. a. auf die Blutgerinnung auswirkt, wobei es zu dunkel gefärbten Blutungen an den Körperöffnungen und an Hautstellen kommt, empfiehlt er je nach den vorhandenen Symptomen Lachesis, Camphora, Opium oder Coffea als homöopathisches Gegenmittel.

  • Beim Biss von Korallenschlangen (Elaps corallinus#ElapsSchlangenbiss), der sich v. a. durch neurotoxische Symptome mit Erstickungsanfällen etc. äußert, empfiehlt Hering Arsenicum album.

  • Beim Biss der Buschmeisterschlange (Lachesis muta#LachesisSchlangenbiss), der v. a. zu starken Blutungen führt und oft tödlich verläuft, können evtl. Cedron oder Tarentula hispanica als Homöopathika helfen.

Weitere Mittel, die allgemein bei Schlangenbissen positive Effekte gezeigt haben, sind:
  • Botulinum#BotulinumSchlangenbiss: bei neurotoxischen Giften mit Augen- und Schlucklähmung.

  • Carbolicum acidum#Carbolicum acidumSchlangenbiss: zur Behandlung des allergischen Schocks; Benommenheit, Lähmungserscheinungen; kalte Schweißausbrüche; Schwellung und Brennen an der Bissstelle.

  • Echinacea#EchinaceaSchlangenbiss: bei septischen Zuständen mit Gangrän; faulige Eiterungen; Ermattungsgefühl mit Schmerzen; wandernde, neuralgische Schmerzen.

  • Gelsemium#GelsemiumSchlangenbiss: bei neurotoxischen Giften, evtl. mit Bulbärparalyse oder Atemlähmung; Zittern.

  • Lobelia purpurascens#Lobelia purpurascensSchlangenbiss: bei Erschöpfung sämtlicher Vitalfunktionen bis hin zur Atemlähmung; Benommenheit; dem Patienten ist sehr kalt.

  • Oxalicum acidum#Oxalicum acidumSchlangenbiss: bei heftigsten Schmerzen an klar abgegrenzten Stellen; Kollapsneigung; marmorierte Wunden.

Skorpionstich
SkorpionstichNeben den starken lokalen stechenden Schmerzen der Einstichstelle kann es zu tetanusartigen Zuckungen, zu Herzrhythmusstörungen bis zur Bulbärparalyse kommen. Zur homöopathischen Therapie bietet sich neben Aconitum, Ledum und Scorpio hier v. a. #ApisSkorpionstichnoch Apis an.
Verletzungen durch Quallen
Quallenkontakt#MedusaQuallenkontaktBei Quallenkontakt stehen neben dem Homöodot (Kap. 9.3.1) Medusa und dem allgemeinen Bissmittel Ledum drei weitere wertvolle Arzneimittel zur Verfügung:
  • Aceticum acidum: bei anhaltenden Beschwerden.

  • Apis#ApisQuallenkontakt: ödematöse Schwellung, stechender Schmerz, Kälte amel.

  • Urtica urens#Urtica urensQuallenkontakt: Nesselsucht mit starken stechenden und brennenden Schmerzen.

Hunde- und Katzenbiss
  • Katzenbisse:

    • Lachesis#LachesisKatzenbiss: v. a. bei livider Verfärbung und Eiterung.

    • Ledum: bewährtes Mittel eher weiß-blasses Aussehen der Wunden, betroffene Körperpartien sind kühl, aber Patient empfindet sie als warm.

  • Hundebisse (zusätzlich):

    • Lyssinum#LyssinumHundebiss: Hydrophobie, Anblick von Wasser agg.; Kopfschmerz nach Hundebissen, dunkelviolette Verfärbung der Wunde, Krämpfe durch reflektiertes Licht.

    • Hypericum#HypericumHundebiss: tiefere Wunden mit Nervenverletzungen.

Tollwütige Tiere
Neben der schulmedizinischen Versorgung mit Tetanustoxin ist die Gabe von Lyssinum sinnvoll. Bei auffallend deliranter Symptomatik kommen Belladonna und Hyoscyamus infrage. Bei auffallender Ängstlichkeit und Ruhelosigkeit ist Arsenicum album eines von weiteren, infrage kommenden Mitteln. Im Übrigen ist zu bedenken, dass Tollwut auch durch Fledermäuse übertragen werden kann, deren Biss man nicht unbedingt spürt.

Hitze- und kältebedingte Notfälle

Ganz wichtig sind die allgemeinen Behandlungsmaßnahmen, wobei die im Folgenden geschilderten Vorgehensweisen durchaus dem homöopathischen Simileprinzip der Heilung entsprechen. Dazu kommen dann die entsprechenden Akutmittel, die Gabe eines konstitutionellen Mittels ist hier nicht sinnvoll.

Erfrierung und Unterkühlung

  • Erfrierung: Lokale, meist auf die Haut beschränkte Kälteschädigung ohne Absinken der Körperkerntemperatur, besonders an den Akren (Zehen, Finger, Ohrläppchen, Nasenspitze):

    • Erfrierung 1. Grades: Verfärbung der Haut, die zunächst durch den kältebedingten Gefäßkrampf weiß, kalt und gefühllos ist. Später färbt sich die Haut blau-rot und wird äußerst schmerzhaft.

    • Erfrierung 2. Grades: Typisch sind Blasenbildung (frühestens nach einem Tag) und starke Schwellungen („Frostbeulen“). Die Schmerzsensibilität ist erhalten.

    • Erfrierung 3. Grades: Es entwickelt sich eine Nekrose. Die gesamte Haut und evtl. tiefere Weichteilschichten sind durch die kältebedingte Minderdurchblutung zerstört und verfärben sich schwarz-blau (frühestens nach einer Woche).

  • Unterkühlung (HypothermieHypothermie s. Unterkühlung): Absinken der Körperkerntemperatur < 35 °C, akute Lebensgefahr besteht bei Körpertemperaturen < 27–30 °C. Verlangsamung des Stoffwechsels mit resultierender Schläfrigkeit und Bewusstseinsveränderung, Bradykardie, Nachlassen der Schmerzempfindung.

Therapeutische Strategie
Erstmaßnahmen bei Erfrierung
NotfallErfrierungBei leichter Erfrierung sind lokal langsam ansteigende Wärmebäder sinnvoll. Bei schweren Erfrierungen wird der gesamte Körper langsam erwärmt (Erwärmung von „innen nach außen“). Die Hautschäden werden dann, ähnlich wie bei Verbrennungen, steril abgedeckt.
Erstmaßnahmen bei Unterkühlung
NotfallUnterkühlungWeitere Kälteverluste verhindern:
  • Nasse Kleider entfernen sowie den Unterkühlten gut bedeckt und windgeschützt lagern.

  • Nur bei leichter Unterkühlung mit erhaltenem Bewusstsein aktive Erwärmungsmaßnahmen ergreifen (Verabreichung warmer Getränke, warme Packungen im Bereich des Körperstammes).

Bei allen schweren Fällen von Unterkühlung drohen bei der aktiven Wiedererwärmung schwerwiegende Komplikationen, z. B. Herzflimmern und Schock. In diesem Fall dann rasch kardiopulmonale Reanimation durchführen und Notarzt alarmieren.

Homöopathische Behandlung
Durch die homöopathische Therapie können Schmerzen gelindert und Folgeschäden reduziert werden. Außerdem hat die Homöopathie einen präventiven Charakter, um Frostbeulen zu verhindern, wenn eine konstitutionelle Neigung dazu besteht.
Wahl der Symptome
Symptomenwahl Erfrierung/Unterkühlung
  • Akutsymptomatik und lokale Symptome: z. B. Frostbeulen, Blasenbildung, Verfärbung der erfrorenen Körperpartien.

  • Qualität und das Ausmaß des Schmerzes.

  • Gemütszustand des Patienten: z. B. Ängstlichkeit, Unruhe, Redseligkeit, Schläfrigkeit.

  • Modalitäten: z. B. Wärme oder Kälte amel. bzw. agg., Reiben amel. oder agg.

  • Allgemeine Symptome: z. B. Durst oder Zittern.

Miasmatische Zuordnung
Wie alle Traumata kann eine Erfrierung den Übergang eines Miasmas aus der Latenzphase in das nächste Stadium begünstigen (3.4).
Repertorium
Die Rubrik Allgemeines – Erfrierung, Beschwerden durch (12 AM) repräsentiert die meisten infrage kommenden Mittel. Ansonsten gibt es kaum spezielle Rubriken, sodass man die Fälle individuell repertorisieren sollte, dabei kann u. a. die Hautfarbe behilflich sein

Allgemeines // Erfrierung, Beschwerden durch // Frostbeulen // Hypothermie

Haut – Farbe (mit Unterrubriken) // marmoriert – Frost, während

Dosierung, Verlaufsbeurteilung und Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Schmerzen sollten deutlich gelindert werden und die Heilung sollte komplikationslos verlaufen. Ist dies nicht der Fall, so ist ein Mittelwechsel indiziert. Die Prognose hängt vom Grad der Erfrierung ab, bei Erfrierungen 1. und 2. Grades ist mit einer Restitutio ad integrum zu rechnen, bei solchen 3. Grades mit dauerhaften Schäden.
Unterstützende Maßnahmen
Keine speziellen Maßnahmen neben den oben genannten.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Agar., Caust.
!! Ars., Lach.
! Apis, Carb-v., Petr., Puls., Zinc.

Das Hauptmittel bei Erfrierungen ist Agaricus, als weitere Mittel bieten sich Causticum und Apis an.
  • Agaricus#AgaricusErfrierung: Erfrierungen 1.–2. Grades; stechende, brennende Schmerzen; kalte, dunkelviolette Haut der Finger; Schmerzen und Entzündung erfrorener Zehen; manchmal kaltes Stechen am ganzen Körper, wie lauter Eisnadeln; Frostbeulen mit wenig Schmerzen; empfindlich gegenüber kalter Luft; auch Kälteempfindlichkeit wegen früherer Erfrierungen.

  • Apis: Erfrierungen mit klaren Blasen; kalte, wachsartige Haut; stechend-brennende Schmerzen, lokale Wärme agg.

  • Causticum#CausticumErfrierung: anhaltendes heftiges Stechen und Kribbeln, v. a. an den Fingern, Blasenbildung.

Erfrierungen 2.–3. Grades
  • Lachesis#LachesisErfrierung: wichtiges Mittel bei schweren Erfrierungen; dunkle, blutgefüllte Blasen; bläulich-schwarze, kalte Haut mit Schwellungen; Frostbeulen; nächtliches Brennen von Händen und Fußsohlen.

  • Zincum: bei Erfrierungen der Akren, z. B. bei Alkoholikern, die im Winter betrunken draußen gelegen haben oder nach zehrenden Erkrankungen mit Erfrierungen – Ruhelosigkeit der Beine; Frostbeulen.

  • Schmerzen beim Auftauen:

    • Arsenicum#Arsenicum albumErfrierung album: abgestorbene Glieder; Frostbeulen; brennende Schmerzen, v. a. beim Auftauen; allg. Hypothermie.

    • Carbo vegetabilis#Carbo vegetabilisErfrierung: heftige Schmerzen beim Auftauen; Frostbeulen.

Schmerzhafte Frostbeulen
  • Petroleum#PetroleumFrostbeulen: jährlich wiederkehrende Frostbeulen; auch konstitutionell als Prophylaxe; sehr schmerzhaft; v. a. entzündete Frostbeulen der Füße.

  • Pulsatilla#PulsatillaFrostbeulen: v. a. juckende Frostbeulen der Hände.

Verbrennungen und Strahlenschäden

Definition: lokaler Gewebeschaden durch Einwirken von thermischer Energie (z. B. Feuer, heißes Wasser, Wasserdampf); bei Gewebeschädigung durch heiße Flüssigkeiten spricht man auch von Verbrühung.

Symptomatik:

  • Verbrennung 1. Grades: lokale Schwellung und Rötung (Hyperämie) mit Schmerzen; der Wundgrund ist trocken. Die Schädigung ist auf die Oberhaut (Epidermis) beschränkt. Die Haut schuppt später ab; es bleiben keine Narben.

  • Verbrennung 2. Grades: Zusätzlich bilden sich Brandblasen (oberflächliche Verbrennung 2. Grades). Die Haut kann auch zerfetzt wirken, die Hautrötung nur gering ausgeprägt sein und der Wundgrund feucht (tiefe Verbrennung 2. Grades).

    Neben der Oberhaut ist auch die Lederhaut betroffen. Je nach Tiefenausdehnung erfolgt die Abheilung ohne oder mit Narbenbildung.

  • Verbrennung 3. Grades: Komplette Zerstörung (Nekrose) der Haut samt den Hautanhangsgebilden. Als Befund zeigt sich eine derbe, nicht verschiebliche Haut sowie ein weißlicher Wundgrund, Schmerzen bestehen nicht. Keine Selbstheilung mehr möglich.

Entscheidend für Verlauf und Prognose einer Verbrennung sind Flächenausdehnung (Neunerregel), Tiefenausdehnung (Schweregrad) und Patientenalter.

Therapeutische Strategie
Erstmaßnahmen bei VerbrennungenNotfallVerbrennung: Keinesfalls irgendwelche Salben, Puder oder Sprays verwenden! (Ausnahme: kleinere Verbrennung 1. Grades). In die Haut eingebrannte Kleidungsstücke oder Materialien (z. B. Teer) zunächst nicht entfernen, um dadurch keine weitere Haut wegzureißen. Bei kleineren Verbrennungen nähert man die Verbrennung langsam der Hitzequelle (z. B. Feuer) oder hält sie in warmes Wasser, welches man sukzessive erhitzt, bis der Schmerz zu stark wird. Dieser Vorgang wird 2–3 × wiederholt.
Bei tief reichenden Verbrennungen, Verbrennungen des Gesichtes oder Ausdehnung der verbrannten Körperoberfläche über 9 % (Kinder: 5 %) sofort Notarzt verständigen, Vitalfunktionen überwachen, Schockbekämpfung und ggf. kardiopulmonale Reanimation beginnen. Brennende Person mit Wasser übergießen oder in Wasser eintauchen; steht kein Wasser zur Verfügung, die Flammen mit Tüchern (keine Synthetikfasern!) ersticken oder den Brennenden in Wolldecken einhüllen (und vom Kopf zu den Füßen hin abklopfen) oder auf dem Boden wälzen; ggf. Feuerlöscher einsetzen (keinesfalls ins Gesicht sprühen).
Homöopathische Behandlung
Durch die homöopathische Therapie können Schmerzen gelindert werden und Folgeschäden reduziert werden. Außerdem kann der Heilungsprozess beschleunigt und das Risiko von Wundinfektionen verringert werden. Bei Bestrahlungen kann es zu geringerer Zerstörung von gesundem Gewebe kommen.
Wahl der Symptome
  • SymptomenwahlVerbrennungAkutsymptomatik: z. B. Sonnenbrand, Verbrühung, Bestrahlung; Blasenbildung, Eiterung, Ödeme

  • Qualität und das Ausmaß des Schmerzes.

  • Gemütszustand des Patienten: v. a. bei Sonnenstich relevant

  • Modalitäten: z. B. Kälte oder Wärme amel. bzw. agg.

Miasmatische Zuordnung
Wie alle Traumata kann eine Verletzung durch Verbrennungen oder Strahlenschäden den Übergang eines Miasmas aus der Latenzphase in das nächste Stadium begünstigen (3.4). Strahlenschäden sind möglicherweise als selbstständiges, zusätzliches Miasma zu betrachten.
Repertorium
Zu differenzieren ist zwischen Verbrennungen durch Sonne, durch Strahlen und solchen anderer Genese. Die entsprechenden Rubriken werden hier genannt. Des Weiteren gilt es, gemäß der jeweils vorhandenen Symptomatik (Schmerz, Modalitäten etc.) weiter zu individualisieren.

Allgemeines // Röntgenstrahlung oder Strahlenbehandlung, nach Verbrennungen durch // Sonne – Aufenthalt in der Sonne // Sonne – Sonnenbrand // Strahlentherapie, durch // Verbrennungen – heilen langsam

HautHautausschläge // Blasenausschlag – Sonne, durch Aufenthalt in der

Dosierung, Verlaufsbeurteilung und Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Schmerzen sollten deutlich gelindert werden und die Heilung sollte komplikationslos verlaufen. Ist dies nicht der Fall, so ist ein Mittelwechsel indiziert. Die Prognose hängt vom Grad der Verbrennung ab, bei Verbrennungen 1. und 2. Grades ist mit einer Restitutio ad integrum zu rechnen, bei solchen 3. Grades mit dauerhaften Schädigungen.
Unterstützende Maßnahmen
Auf reichliche Flüssigkeitszufuhr achten.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Canth., Caust.
!! Apis, Ars., Bell., Phos., Rad-br.
! Acon., Camph., Carb-ac., Fl-ac., Hyper., Kal-i., Kreos., Nat-c., Nat-m., Nit-ac., Puls., Rhus-t., Sol., Staph., Stram., Urt-u., X-ray, Zinc.

Bei Panikzuständen kann Aconitum als erstes Mittel passend sein. Die Hauptmittel bei Verbrennungen sind:
  • Cantharis#CantharisVerbrennung: starke brennende Schmerzen; Blasenbildung mit großen, hellen Blasen, daher besonders bei Verbrennungen 1.–2. Grades, auch bei solchen der Mund- und Halsschleimhaut.

  • Causticum: v. a. bei Verbrennungen 2.–3. Grades mit starken Schmerzen oder bei solchen der Zunge und der Mund- und Halsschleimhaut mit dem Gefühl, als läge das Fleisch bloß; Verbrennungen heilen langsam; Beschwerden durch Verbrennungen. Es kann auch extern eingesetzt werden, dafür zwei Globuli C30 in 200 ml physiologische Kochsalzlösung geben.

Ein weiteres wichtiges Mittel ist Arsenicum album: bei schweren, schmerzhaften und großflächigen Verbrennungen 2.–3. Grades; brennende Schmerzen, aber Wärme tut sehr gut; Ruhelosigkeit; nachts agg.
Verbrennungen 1. Grades
  • Verbrennungen 1. Grades:

    • Apis#ApisVerbrennung: Röte; stechendes Brennen; ödematöse Schwellung; Kälte amel.

    • Belladonna#BelladonnaVerbrennung: Verbrennungen 1. Grades, hellrot; klopfende Empfindung

    • Urtica urens#Urtica urensVerbrennung: Verbrühungen durch kochendes Wasser; v. a. Verbrennungen 1. Grades; manchmal kleinere helle Blasen; brennend-juckende Schmerzen, Kälte agg. Es kann auch als 1-prozentige Lösung extern lokal angewendet werden.

  • Verbrennungen 2. Grades – Rhus toxicodendron: brennend-juckende kleine Bläschen, die leicht eitern; körperliche Ruhelosigkeit; Kälte agg.

  • Schwere Verbrennungen:

    • Carbolicum acidum#Carbolicum acidumVerbrennung: Verbrennungen heilen langsam; Beschwerden durch Verbrennungen; brennend-stechende Schmerzen; hautreizender, fauliger Eiter wird abgesondert; Schwellung.

    • Hypericum#HypericumVerbrennung: bei starken Schmerzen, wenn Nervengewebe betroffen ist v. a. nach Causticum angezeigt.

    • Kreosotum#KreosotumVerbrennung: juckende und brennende Schmerzen; evtl. Absonderung eines wundfressenden Sekretes; nachmittags und abends agg.

  • Schmerzfreie Verbrennungen: Stramonium#StramoniumVerbrennung ist hier besonders indiziert – schmerzfrei trotz erheblicher Traumatisierung; hohes Fieber mit delirantem Zustand oder Panik.

Sonnenbrand
  • Belladonna: Hauptmittel; hochrote Haut, Körper scheint zu glühen; kalte Anwendungen agg.

  • Natrium carbonicum: Sonne agg.; Kopfschmerz durch Sonne; Erschöpfung nach geringer Anstrengung; Schwäche durch Sommerhitze.

  • Pulsatilla: Durstlosigkeit; Schmerzen wandern.

  • Sol: Sonne agg.; evtl. mit Konjunktivitis.

  • Blasenbildung:

    • Aconitum: Ängstliche Unruhe; schockartiger Zustand; trockenes Fieber.

    • Camphora: Kollaps; deckt sich ab; evtl. Sonnenstich.

    • Cantharis: Blasenbildung mit recht grioßen Blasen, starke brennende Schmerzen.

    • Kalium iodatum: allg. Hitze; Kleidung agg.; kühle, frische Luft und Bewegung amel., Kopfschmerzen, Gesicht wechselnd rot und blaß.

    • Staphisagria: Juckreiz; sehr berührungsempfindlich.

Sonnenallergie
  • Natrium muriaticum#Natrium muriaticumSonnenallergie: Kopfschmerz oder Hautausschlag durch Sonne – das Hauptmittel.

  • Pulsatilla: Durstlosigkeit, frische kühle Luft amel.

Verbrennungen der Bindehaut
Hier werden drei Mittel empfohlen: Cantharis (brennende Schmerzen), Nitricum acidum (splitterartige Schmerzen) und Sol (extrem lichtempfindlich).
Verbrennungen durch Röntgenstrahlen oder andere Bestrahlungen
  • Hauptmittel bei strahlungsbedingter Dermatitis:

    • Phosphorus#PhosphorusRadiotherapie: v. a. Schäden durch Röntgenstrahlen; brennende Schmerzen; viel Durst auf Kaltes.

    • Radium bromatum#Radium bromatumRadiotherapie: Schäden durch Röntgenstrahlen und Strahlentherapien; anhaltende Schmerzen am ganzen Körper, Jucken am ganzen Körper, Bewegung amel.

  • Weitere Mittel:

    • Fluoricum acidum#Fluoricum acidumStrahlenschäden: Schäden durch Röntgenstrahlen; Dermatitis mit Juckreiz und Verdickung der Haut sowie Erweiterung der Adern; intensive Hautrötung, Wärme agg.

    • #SolStrahlenschädenSol: Schäden durch Radio- und Kobalttherapie; sehr empfindliche Reaktion auf Sonnenstrahlung nach einer Strahlentherapie.

    • X-Ray#X-RayStrahlenschäden: Schäden durch Röntgenstrahlen; trockene, juckende Ekzeme, evtl. mit Rissen; schwer heilende Wunden.

Sonnenstich

Definition: Reizung der Hirnhaut durch direkte Sonneneinstrahlung. Besonders gefährdet sind Personen, die keinen natürlichen Schutz gegen direkte Sonneneinstrahlung haben, wie z. B. Kleinkinder und Erwachsene mit wenig Kopfhaar. Daher ist es vorbeugend besonders wichtig, viel zu trinken und eine Kopfbedeckung zu tragen.

Symptomatik: Kopfschmerz, Übelkeit und Erbrechen, hochroter/heißer Kopf, evtl. Nackensteifigkeit; bei Kleinkindern hohes Fieber, u. U. Bewusstlosigkeit oder Krampfanfälle.

Therapeutische Strategie
Erstmaßnahmen bei Sonnenstich Notfall Sonnenstich :
  • Notarzt verständigen, v. a. bei Bewusstlosigkeit oder Krämpfen Vitalzeichen kontrollieren.

  • Den Betroffenen schnell an einen kühlen Ort bringen und ihn dort mit erhöhtem Kopf lagern (bei Bewusstlosigkeit stabile Seitenlage).

  • Den Kopf mit nassen Tüchern kühlen.

Homöopathische Behandlung
Ergänzend zu den allgemeinen Notfallmaßnahmen ist die homöopathische Therapie sinnvoll, sowohl bzgl. der Kopfschmerzen als auch wegen der Gemütssymptomatik.
Wahl der Symptome
Symptomenwahl Sonnenstich
  • Die Gemütssymptomatik und der Bewusstseinszustand (Benommenheit, Ruhelosigkeit, Verwirrung etc.) sind entscheidend.

  • Modalitäten (z. B. Einfluss durch Bewegung; Durstlosigkeit in der Hitze etc.).

  • Qualität und das Ausmaß des Kopfschmerzes sind weitere Kriterien.

Miasmatische Zuordnung
Ein Sonnenstich ist eine akute Situation.
Repertorium
Es gibt zur Auswahl des passenden Mittels die beiden hilfreichen Rubriken, die durch die individuelle Symptomatik ergänzt werden sollten.

Kopf // Sonnenstich

Allgemeines // Sonne – Aufenthalt in der Sonne

Dosierung, Verlaufsbeurteilung und Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Die Kopfschmerzen sollten unter guter homöopathischer Therapie schnell deutlich gelindert werden und die Gemütssymptomatik sollte sich binnen Stunden quasi normalisieren. Ist dies nicht der Fall, so ist ein Mittelwechsel indiziert. Die Prognose ist gut, es sind keine Folgeschäden zu erwarten.
Unterstützende Maßnahmen
Als erstes die Person an einen kühlen, schattigen Ort bringen. Viel Trinken (möglichst nicht zu kühl).
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Bell., Glon.
!! Aml-ns., Nat-c., Nat-m.
! Ant-c., Cact., Gels., Sol., Ther.

  • Hauptmittel:

    • Belladonna#BelladonnaSonnenstich: v. a. bei Kindern; klopfender Kopfschmerz, starker Blutandrang im Gesicht, mit gerötetem Gesicht; weite Pupillen; heiße trockene Haut; evtl. delirante Symptomatik.

    • Glonoinum#GlonoinumSonnenstich: für schwere Fälle; starke klopfende Kopfschmerzen; Blutandrang im Gesicht oder blasses Gesicht; Fieber; Muskelversteifungen oder -kontraktionen; geistige Verwirrung bis zur Bewusstlosigkeit; Schwitzen, kalte Kompressen amel.; Wärme und leichter Druck agg.

  • Weitere besonders bewährte Mittel:

    • Amylenum nitrosum#Amylenum nitrosumSonnenstich: starke Erweiterung der Gefäße; Rötung und klopfende Kopfschmerzen; begleitende Ängstlichkeit.

    • Natrium carbonicum#Natrium carbonicumSonnenstich: Schwächegefühl durch Sommerhitze; Kopf fühlt sich groß an, als würde er platzen; ungern an der frischen Luft; Erschöpfung bei geringer Anstrengung; auch bei chron. Nachwirkungen nach Sonnenstich.

    • Natrium muriaticum:#Natrium muriaticumSonnenstich reagiert sehr empfindlich auf die Sonne, jedoch eher mit Kopfschmerz als mit der vollen Symptomatik eines Sonnenstiches.

  • Seltenere Mittel:

    • Antimonium crudum#Antimonium crudumSonnenstich: nach Anstrengung in der Sonne; Ohnmacht durch Sommerhitze; Reizbarkeit, schlechte Laune, dick weiß belegte Zunge.

    • Cactus: schwerer Sonnenstich mit einschnürenden Kopfschmerzen oder als würde der Kopf zerplatzen; begleitet von Nasenbluten.

    • Gelsemium#GelsemiumSonnenstich: Benommenheit; Schweregefühl der Extremitäten; trocken-heiße Haut, aber durstlos, Ptosis oder halb geschlossene Lider.

    • Sol: stechende Kopfschmerzen; auch bei Sonnenallergie; jeder Aufenthalt in der Sonne agg.

    • Theridion#Theridion, Sonnenstich: Nachwirkung von Sonnenstich mit heftigen Kopfschmerzen; Bewegung agg., kleinste Geräusche und Erschütterungen sowie Augenschließen agg.

Lebensmittelvergiftung

Definition: Gastroenteritis, die durch die orale Aufnahme von Toxinen mit der Nahrung entsteht.

Symptomatik: Innerhalb weniger Stunden nach dem Genuss verdorbener oder giftiger Lebensmittel Erbrechen und Durchfall wenige Stunden nach Verzehr von bakterientoxinhaltigen Nahrungsmitteln (häufig Tiefkühlkost, Fleisch, Geflügel, Eier, Milchprodukte, Speiseeis) sowie abdominelle Schmerzen.

Therapeutische Strategie
Der Patient sollte ruhen und keine feste Nahrung zu sich nehmen, jedoch ausreichend trinken. Bei leichter Symptomatik reichen Tees (z. B. Brombeerblättertee) oder Elektrolytgetränke, bei heftiger Symptomatik werden evtl. Infusionen notwendig. Bei bedrohlichen Vergiftungen (z. B. durch giftige Pilze) ist in den ersten Stunden eine Magenspülung angezeigt.
Homöopathische Behandlung
Lebensmittelvergiftungen stellen eine gute Indikation für eine homöopathische Behandlung dar, die Symptomatik sollte sich innerhalb weniger Stunden deutlich bessern. Im Zweifelsfall kann man zunächst auf Arsenicum album#Arsenicum albumLebensmittelvergiftung als das am meisten bewährte Mittel zurückgreifen.
Wahl der Symptome
SymptomenwahlLebensmittelvergiftungEntscheidend sind die Lebensmittel, die zur Vergiftung beitrugen. Bei Unklarheit stehen die Modalitäten der jeweils vorliegenden Beschwerden (Schmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Kreislaufsymptome etc.) im Vordergrund.
  • Modalitäten: z. B. Druck amel. bzw. agg. die Bauschmerzen, Trinken löst Erbrechen aus.

  • Akutsymptomatik: z. B. Durchfall, Erbrechen, Schmerzen.

  • Gemütssymptome: spielen eher eine untergeordnete Rolle.

Miasmatische Zuordnung
Eine Lebensmittelvergiftung ist eine akute Situation.
Repertorium
Es gibt eine Vielzahl von Rubriken zu den Vergiftungen mit bestimmten Lebensmitteln, die als Unterrubriken bei „Allgemeines“ und „Magen“ stehen. Nur ein Teil davon ist unten aufgeführt. Hilfreich sind auch die zahlreichen Unterrubriken unter Magen – Erbrechen und Magen – Übelkeit.

Allgemeines // Speisen und Getränke – Eier – agg. – verdorbene Eier // Fisch – agg. – verdorbener // Fleisch – agg. – verdorbenes Fleisch // Käse – agg. – verdorbener Käse // Muscheln – agg. – Vergiftung

Magen – Erbrechen (mit Unterrubriken) // Eiscreme // Speisen // Trinken – sofort nach

Magen – Erbrochenen, Art des // Galle // Speisen – Essen – nach – sofort nach

Magen – Schmerz – krampfartig // Käse, verdorbener // Würste, verdorbene

Magen – Übelkeit (mit Unterrubriken)

Magen – Verdauungsstörung – Wasser, nach verdorbenem

Magen – Verdorben // Austern, durch // fetten Speisen, nach // Milch, nach

Dosierung, Verlaufsbeurteilung und Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Übelkeit, Erbrechen sowie abdominelle Schmerzen sollten sich unter homöopathischer Therapie binnen weniger Stunden spürbar bessern. Ansonsten ist ein Mittelwechsel indiziert, wobei man sich an der akuten Symptomatik orientieren sollte. Der Durchfall beunruhigt weniger (auch wenn er zwei bis drei Tage anhält), sofern der Patient nicht sehr erschöpft und geschwächt dadurch ist. Die Prognose ist gut.
Unterstützende Maßnahmen
Auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten, ggf. ein einfaches und preiswertes „Elektrolytgetränk“ (jeweils 1 TL Traubenzucker und eine Prise Salz auf ein Glas Wasser) verabreichen. Bei Durchfall ist Brombeerblättertee zu empfehlen. Bei einer Gastroenteritis kann man unterstützend getrocknete Heidelbeeren geben (stündlich etwa 1 TL, die Beeren dabei lange und gut kauen).
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Ars.
!! Bell., Puls., Pyrog.
! Absin., All-s., Apis, Agar., Berb., Bry., Camph., Carb-an., Carb-v., Chinin-ars., Cop., Lach., Ph-ac., Podo., Rhus-t., Stram., Urt-u., Verat., Zing.

  • Arsenicum album: das bewährteste Mittel, v. a. charakteristisch bei Vergiftungen mit Fleisch oder Wurst, aber auch bei solchen mit Fisch, Käse, Pilzen, Eis, Milch oder verdorbenem Wasser etc.; Blässe; Erbrechen und Diarrhoe; brennende Magenschmerzen, aber Verl. nach Wärme; ängstliche Ruhelosigkeit und Schwäche.

  • Belladonna#BelladonnaLebensmittelvergiftung: v. a. bei Vergiftung mit Pilzen, v. a. bei halluzinogenen Pilzen oder bei Wurst, auch bei Fleisch und Fisch; rotes Gesicht, trockene Schleimhäute; weite Pupillen.

  • Pyrogenium: v. a. bei Vergiftungen durch Fleisch und Fisch, aber auch bei Pilzen; alle Absonderungen stinken fürchterlich.

Vergiftungen durch verdorbene Eier
  • Carbo vegetabilis#Carbo vegetabilisLebensmittelvergiftung: bei Eiern, auch bei verdorbenem Fleisch oder Fisch sowie Gemüse; Flatulenz mit aufgetriebenem Bauch und Durchfall mit fauligem Geruch; Kollaps mit Schwäche und bläulichem Gesicht; Kältegefühl, aber möchte Luft zugefächelt bekommen.

  • Chininum arsenicosum#Chininum arsenicosumLebensmittelvergiftung: v. a. bei Durchfall, Durchfall durch Eier oder Fisch; Kälte der Extremitäten, starke Erschöpfung; dick belegte Zunge.

Vergiftungen durch Fisch
  • Berberis: Fischvergiftung; ein Leber- und Nierenmittel; wandernde Schmerzen, schneller Symptomwechsel.

  • Copaiva (Fischvergiftung; Nahrung erscheint salzig; Urtikaria).

  • Weitere Mittel: Arsenicum album, Belladonna, Carbo animalis (nach Fisch oder verdorbenem Gemüse) und Carbo vegetabilis, Chininum arsenicosum (ein wichtiges Mittel bei Fischvergiftung, Weiteres s. o.), Lachesis (verdorbenes Fleisch bzw. Fisch oder Eier; enge Kleidung agg., schläft in Verschlimmerung hinein), Pulsatilla und Pyrogenium.

Vergiftungen durch Muscheln
  • Camphora: einziges Mittel bei Muschelvergiftungen im Repertorium #CamphoraLebensmittelvergiftung(auch bei Pilzen oder Fleischvergiftungen). Körper fühlt sich eiskalt an, möchte aber nicht zugedeckt werden; Schüttelfrost, evtl. Krämpfe; Kollaps.

  • Lycopodium#LycopodiumLebensmittelvergiftung: v. a. bei konstitutionellem Bezug, typisch für gastroenteritische Symptome nach dem Genuss von Austern.

Vergiftungen durch Fleisch
Hauptmittel ist Arsenicum album, weitere Mittel sind v. a. Belladonna, Lachesis, Pulsatilla, Pyrogenium und Veratrum album.
Vergiftungen durch Käse
  • Arsenicum album: bei zahlreichen Vergiftungen, weitere Symptomatik s. o.

  • Bryonia#BryoniaLebensmittelvergiftung: bei Vergiftungen durch Käse, Fleisch oder Wurst; viel Durst; Bauchschmerzen, bei denen jede Bewegung agg.

  • Phosphoricum acidum#Phosphoricum acidumLebensmittelvergiftung: bei Vergiftungen durch Käse, Fleisch oder Wurst; dabei ausgeprägte Schwäche.

  • Rhus toxicodendron#Rhus toxicodendronLebensmittelvergiftung: bei Vergiftungen durch Käse, Fleisch, Fisch oder Wurst; Ruhelosigkeit, Bewegung agg.; Wärme, z. B. Wärmflasche, amel.

Vergiftungen durch Kartoffeln
  • Stramonium#StramoniumLebensmittelvergiftung: Schmerzlosigkeit, aber großes Unbehagen, v. a. nächtliche Verschlimmerung.

  • Nux vomica#Nux vomicaLebensmittelvergiftung: typisch v. a. bei Überessen oder wenn zuviel durcheinander gegessen und getrunken wurde; kann nicht Erbrechen, aber Erbrechen amel.

Vergiftungen durch Obst
  • Pulsatilla#PulsatillaLebensmittelvergiftung: Obst und Fett agg.; Durstlosigkeit; Übelkeit; Durchfall.

  • China#ChinaLebensmittelvergiftung: Obst, Milch, Fleisch sowie Fisch agg.; fester Druck amel., leichte Berührung agg.

Auch Arsenicum album, Bryonia oder Lycopodium kommen häufiger infrage.
Vergiftung durch Pilze
PilzvergiftungIn der Rubrik der Pilzvergiftung werden sieben Mittel aufgeführt. Speziell für die halluzinogenen Pilze kommen v. a. Absinthium und Belladonna infrage. Bei speziellen Pilzvergiftungen sind auch andere, in der Rubrik nicht aufgeführte, quasi isopathisch gewählte Mittel angezeigt.
  • Absinthium: speziell bei halluzinogenen Pilzen; auch bei Fleisch; Schwindel; unruhige Schlaflosigkeit; Krämpfe mit Bewusstseinseintrübung; Delirium, Halluzinationen.

  • Belladonna: speziell bei halluzinogenen Pilzen; rotes Gesicht, weite Pupillen; Mundtrockenheit; rasendes Delirium.

Isopathisch gewählte Mittel sind v. a.:
  • Agaricus muscarius: Fliegenpilzvergiftung, Zustand wie bei Trunkenheit mit Irrereden und Gangunsicherheit; optische und akustische Halluzinationen.

  • Agaricus phalloides: Vergiftungen mit dem grüne Knollenblätterpilz, blutiger, übelriechender Durchfall mit Rektumkrämpfen; schmerzhaftes Erbrechen.

Vergiftungen durch verdorbenes Wasser
  • Arsenicum album: Erbrechen sowie Durchfall kurz nach dem Trinken oder Essen, brennende Magenschmerzen, Beschwerden durch kalte Getränke oder Speisen, Wärme und warme Getränke amel.

  • Podophyllum: reagiert typischerweise mit starkem, übel riechendem, geräuschvollem, explosivem, wässrigem Durchfall, die ganze Toilettenschüssel ist verspritzt; krümmt sich vor Bauchschmerzen.

  • Zingiber officinale: Beschwerden durch Melonen oder unreines Wasser; Durchfall, starke Flatulenz, kolikartige Schmerzen.

Nahrungsmittelallergien
Hier bedarf es einer individuellen Abklärung und Behandlung. Es gibt allerdings drei Mittel, die für die Akutbehandlung besonders hilfreich sein können:
  • Apis: Das bewährteste Notfallmittel. Reaktionen mit Glottisödem, Urtikaria und Lidödemen; möchte, dass Türen und Fenster geöffnet werden:

  • Urtica urens: Urtikaria am ganzen Körper, starkes Jucken und Brennen; v. a. nach Meeresfrüchten; Wärme und Anstrengung agg.

  • Copaiva: Reaktionen bei Fischvergiftungen und Fischallergien.

Vergiftung mit Alkohol, Drogen, Medikamenten

Therapeutische Strategie
Bei allen Vergiftungen ist es wichtig zu ermitteln, ob eine suizidale Absicht zugrunde lag oder andere Ursachen verantwortlich waren. Bei Suizidverdacht ist neben der akuten Notfallbehandlung immer eine psychiatrische Betreuung indiziert.
Außerdem ist es entscheidend zu ermitteln, wann die toxische Substanz (zuletzt) eingenommen wurde, um entweder Gegengifte zu verabreichen oder die Notfallmaßnahmen entsprechend abzustimmen.
Homöopathische Behandlung
Die homöopathische Behandlung begleitet mit Akutmitteln die allgemeine Notfallbehandlung. Liegt ein regelmäßiger Missbrauch einer Droge vor, kann nach der akuten Therapie auch ein Konstitutionsmittel zur Anwendung kommen, falls genügend gute Indikationen für ein solches vorliegen. Generell ist hier die Gemütssymptomatik von entscheidender Bedeutung.
Zur Wahl der Symptome 29.4.1, 29.4.2, 29.4.3.
Miasmatische Zuordnung
Vergiftungen sind akute Situationen. Die Neigung zu Drogenkonsum, Medikamenten- und Alkoholabusus ist v. a. Hinweis auf eine tuberkulinische Diathese, kann aber auch syphilitischer oder sykotischer Natur sein.
Zur den Repertoriumsrubriken 29.4.1, 29.4.2, 29.4.3.
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Aufgrund der Heterogenität der verschiedenen Auslöser und Auslösesituationen sind keine pauschalen Aussagen möglich (s. jeweils unten bei den einzelnen Unterkapiteln).
Zu den „Unterstützenden Maßnahmen“ 29.4.1, 29.4.2, 29.4.3.
Homöopathische Arzneimittel

!!! Lach., Nux-v., Op.
!! Ars., Bell., Cann-i., Carb-v., Hyos., Stram.
! Agar., Am-c., Aven., Calad., Caust., Lob., Mur-ac., Passi., Staph., Sulph., Tab., Verat., Zinc-val.

Alkoholvergiftung

Definition: eine durch Ethylalkohol verursachte Vergiftung. Im Extremfall kann eine Alkoholvergiftung tödlich enden. Eine Alkoholvergiftung ist abzugrenzen von einem Kater (Alkoholintoxikation) und der Alkoholkrankheit.

Symptomatik:

  • Geruch nach Alkohol (Alkoholfoetor).

  • Bei mäßiger Vergiftung erhöhte Aktivität, die dann (bei weiterer Zufuhr von Alkohol) in eine Bewusstseinstrübung bis zum narkotischen Stadium übergehen kann.

  • Störung der motorischen Koordination, Verschlechterung der Konzentrationsfähigkeit, verlangsamte Reaktionen, Gedächtnisverlust für die zurückliegenden Stunden.

  • Erhöhte Wärmeabgabe durch Erweiterung der peripheren Gefäße (gerötetes Gesicht), häufig mit nachfolgender Unterkühlung.

  • Erbrechen, erhöhter Harnfluss (Polyurie).

Therapeutische Strategie
Erstmaßnahmen bei Alkoholvergiftung Notfall Alkoholvergiftung
  • Alarmieren des Notarztes (bei Bewusstlosigkeit) bzw. des Rettungswagens (bei Bewusstseinstrübung/Verwirrtheit).

  • Bewusstlose in stabile Seitenlage bringen, Einleitung einer Schocktherapie und Überwachung der Vitalfunktionen, evtl. bei Verdacht auf Unterzuckerung Infusion mit 5-prozentiger Glukoselösung.

Alkoholvergiftungen können unbehandelt zum Tod führen.

Homöopathische Behandlung
Die homöopathische Behandlung sollte insbesondere bei länger bestehender Abhängigkeit immer nur eine Komponente im Rahmen eines umfangreichen Therapieregimes sein. Hier sind psychiatrische und psychologische sowie oftmals auch eine sozialpädagogische Betreuung sinnvoll. Auch muss bei Drogenproblemen der Partner bzw. sogar die ganze Familie in die Therapie einbezogen werden. Sicher kann ein psychotherapeutisch versierter Homöopath solche Aufgaben teils mit übernehmen, sollte sich aber nicht überschätzen.
Bei einer Suchterkrankung ist in jedem Falle eine konstitutionelle Behandlung indiziert, wobei es hilfreich sein kann, auch bei Angehörigen eine ergänzende Fremdanamnese zu machen. Die Mittelwahl sollte sich nicht zu sehr auf die Gemütssymptomatik stützen. Bei akuten Rauschzuständen kann die Homöopathie leichter mit bewährten Mitteln helfen, jedoch ist immer abzuwägen, wie ernst der Zustand ist und inwieweit intensivmedizinische Maßnahmen notwendig sind.
Wahl der Symptome
Symptomenwahl Alkoholvergiftung
  • Handelt es sich um einen akuten Rausch oder um eine dauerhafte Abhängigkeit?

  • Verhalten und Gemütszustand: z. B. aggressives Verhalten, Eifersucht, Unruhe oder delirante Symptomatik.

  • Bewusstseinszustand: Benommenheit, Schläfrigkeit, komatös.

  • Modalitäten: z. B. Kleiderdruck agg., Zimmerwärme agg., frische Luft amel.

  • Körperliche Symptome: z. B. Kopfschmerz, Abdominalschmerz, Schmerzempfindlichkeit.

Miasmatische Zuordnung
Vergiftungen sind akute Situationen. Die Neigung zu Drogenkonsum, Medikamenten- und Alkoholabusus ist v. a. Hinweis auf eine tuberkulinische Diathese, kann aber auch syphilitischer oder sykotischer Natur sein.
Repertorium
Wichtig sind v. a. die Gemütsrubriken, von denen hier einige besonders hilfreiche ausgewählt wurden. Im „Synthesis“-Repertorium unter Gemüt – Betrunkenheit findet man Verweise auf viele weitere hilfreiche Rubriken im Gemütskapitel und auch in anderen Kapiteln. Weitere körperliche Symptome und individuelle Auffälligkeiten finden sich in nahezu allen Kapiteln des Repertoriums.

Allgemeines // Kater – Alkohol – durch übermäßigen Genuss von // Rausch, nach // Speisen und Getränke – Alkohol – agg. – betrunken, wird leicht

Gemüt // Alkoholismus // Beschwerden durch – Alkoholismus // Eifersucht – Betrunkenheit // streitsüchtig – Betrunkenheit // Suizidneigung, Neigung zum Selbstmord – Betrunkenheit, bei // Traurigkeit – Betrunkenheit // Schlaf // Schläfrigkeit – Betrunkenheit, bei

Verlaufsbeurteilung und Prognose
Von der Homöopathie ist hier v. a. eine rasche Abmilderung der Gemütssymptomatik im Verlauf zu erwarten. Eine Alkoholvergiftung stellt dennoch keine gute Indikation für die homöopathische Behandlung dar. Die Prognose ist bzgl. des Überlebens gut, wenn der Akutzustand rechtzeitig erkannt wurde und der Patient einer Therapie zugeführt werden kann. Langfristig ist die Prognose bzgl. einer Alkoholkrankheit abhängig vom Einzelfall sehr unterschiedlich einzuschätzen.
Unterstützende Maßnahmen
Psychiatrische bzw. psychologische Betreuung des Patienten. Abklärung des Hintergrundes für die Alkoholvergiftung. Aufklärungsarbeit bzgl. der Risiken einer akuten Alkoholvergiftung und der eines längeren Alkoholabusus leisten.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung
Bei den aufgeführten Arzneimitteln handelt es sich nur um eine Auswahl möglicher Arzneien, da im Rahmen der konstitutionsorientierten Therapie das Spektrum der infrage kommenden Mittel sehr groß ist.
Alkoholvergiftung
Bei Alkoholvergiftungen und Rauschzuständen durch Alkohol steht ein Mittel im Vordergrund – Nux vomica: wenn viel durcheinander getrunken und gegessen wurde oder nach Trinkexzessen; konsumiert oft mehrere leichte Drogen wie Kaffee, Zigaretten und Alkohol; Übelkeit, viel Würgen, nach Erbrechen amel.; Schüttelfrost; überempfindlich gegen alle äußeren Reize; reizbar, eifersüchtig, evtl. Suizidgedanken; Kater mit Kopfschmerz am Morgen
Chronischer Alkoholkonsum
  • Arsenicum album: Blässe; Schwäche; Unruhe; auch bei Delir mit Zittern und optischen Halluzinationen, evtl. Suizidgedanken. #Arsenicum albumAlkoholmissbrauch

  • Lachesis: dunkelrote Hautfarbe; sehr geschwätzig, eifersüchtig; auch bei Delir mit Zittern und optischen Halluzinationen; schläft in Verschlimmerung hinein. #LachesisAlkoholmissbrauch

  • Sulfur: rote und warme Haut; geschwätzig, theoretisierend; ungepflegtes Aussehen; brennende Fußsohlen. #SulfurAlkoholmissbrauch

Benommenheit
  • Belladonna#BelladonnaAlkoholmissbrauch: eher leicht benommen; Krämpfe; enthemmte Reden und Taten; gewalttätig, später schläfrig, evtl. delirant, unter Umständen Suizidgedanken.

  • Cannabis indica: eher leicht benommen; geistig aktiv; redselig, „driftet gedanklich ab“; rote Haut. #Cannabis indicaAlkoholmissbrauch

  • Opium#OpiumAlkoholmissbrauch: erst fröhlich, dann stumpfsinnig und schläfrig; benommen bis somnolent; röchelnd-schnarchende Atmung; schmerzunempfindlich, z. B. auch bei Verletzungen im Rausch; dunkelrote Haut.

Aggressives Verhalten
  • Stramonium#StramoniumAlkoholmissbrauch: gewalttätig, aber auch ängstlich und schreckhaft, v. a. nachts; Drang zu fliehen; schmerzunempfindlich bei eventuellen Verletzungen.

  • Veratrum album#Veratrum albumAlkoholmissbrauch: ruhelos; Verzweiflung um das Seelenheil, betet wahnhaft; starker Durst auf Kaltes.

Benzodiazepinvergiftung

Definition: Versehentliche (akzidentelle) oder beabsichtigte (z. B. suizidale) Einnahme von Benzodiazepinen, die dosisabhängig zu Intoxikationserscheinungen führt.

Symptomatik: Patient erscheint benommen, die Muskeln sind schlaff und entspannt, das Gangbild ist ataktisch. Bei starker Überdosierung: Bewusstlosigkeit, Atemdepression und Blutdruckabfall.

Erstmaßnahmen: Alarmieren des Notarztes, Einleiten einer Schocktherapie, Überwachung der Vitalfunktionen

Therapeutische Strategie
Hier ist es besonders wichtig zu ermitteln, ob eine suizidale Absicht dahinter steckte oder andere Ursachen verantwortlich waren. Bei Suizidverdacht ist neben der akuten Notfallbehandlung eine akute psychiatrische Betreuung (evtl. unter stationären Bedingungen) indiziert.
Homöopathische Behandlung
Die homöopathische Behandlung begleitet mit Akutmitteln die allgemeine Notfallbehandlung.

Entscheidend für die Prognose von Benzodiazepin-Vergiftungen ist das Einleiten von Notfallmaßnahmen im Rahmen einer klinischen Therapie. Die homöopathische Therapie ist immer ausschließlich adjuvant, die Frage nach der zu wählenden Potenz und die Verlaufsbeurteilung sind im Akutfall nicht entscheidend für das Outcome des Patienten. Zum Umgang mit suizidalen Patienten 30.3.3.

Wahl der Symptome
  • Verhalten und Gemütszustand: z. B. paradoxe Unruhe oder schläfrige Symptomatik.

  • Modalitäten: z. B. frische Luft oder Bewegung amel.

  • Körperliche Symptome: z. B. Kopfschmerz, Abdominalschmerz.

Miasmatische Zuordnung
Vergiftungen sind akute Situationen. Die Neigung zu Drogenkonsum, Medikamenten- und Alkoholabusus ist v. a. Hinweis auf eine tuberkulinische Diathese, kann aber auch syphilitischer oder sykotischer Natur sein.
Repertorium
Die Rubrik Allgemeines – Narkotika – agg. (67 AM) ist die umfangreichste Rubrik bei Vergiftungen durch Benzodiazepine oder andere Sedativa. Alle weiteren Rubriken zur Medikamentenintoxikation sind unvollständig.
Wichtig sind zudem Rubriken, die den Bewusstseinszustand und die Gemütssymptomatik repräsentieren.

Allgemeines // Medikamente – allopathische – Missbrauch // Narkotika – agg. // Schlafmittel, durch // Schmerzmittel, durch

Verlaufsbeurteilung und Prognose
Von der Homöopathie ist v. a. eine raschere Abmilderung der Gemütssymptomatik im Verlauf zu erwarten. Je nach Wirkstoff und eingenommener Menge kann die Bewusstseinseintrübung hier aber über Tage andauern. Die homöopathische Behandlung sollte in jedem Fall nur eine Begleittherapie sein. Die Prognose ist bzgl. des Überlebens gut, wenn der Akutzustand frühzeitig erkannt wurde und der Patient einer Therapie zugeführt werden konnte. Langfristig ist die Prognose vom Einzelfall abhängig.
Unterstützende Maßnahmen
Abklärung des Hintergrundes für die Intoxikation. Psychiatrische bzw. psychologische Betreuung des Patienten unter Einbeziehung von Familie Umfeld bei Suizidabsicht.
Homöopathische Arzneimittel
Die nachfolgend aufgeführten Arzneimittel stellen eine begrenzte Auswahl dar.
  • Ammonium carbonicum: #Ammonium carbonicumBenzodiazepinintoxikationOhnmachtsanfälle; Erschöpfung mit Kälte; Zimmerwärme agg.

  • Cannabis indica#Cannabis indicaBenzodiazepinintoxikation: Benommenheit; Zittern von Kopf und Händen; Unwirkliches Empfinden für Proportionen etc.; Furcht, die Kontrolle zu verlieren.

  • Lachesis#LachesisBenzodiazepinintoxikation: Geschwätzigkeit; jeglicher Druck der Kleidung agg.; Schlaf durch schreckliche Träume gestört, schläft in Verschlimmerung hinein.

  • Nux vomica: reizbar; Neigung zu Polytoxikomanie, nimmt diverse Drogen und Aufputschmittel; frostig.

  • Opium#OpiumBenzodiazepinintoxikation: das Hauptmittel; Schläfrigkeit, röchelnd-schnarchende Atmung; Obstipation; Schmerzunempfindlichkeit.

Drogenintoxikation und Entzugssymptome

  • Bei Drogenintoxikationen bestimmen Art und Dosis der eingenommenen Droge das Symptombild. Die große Anzahl neu entwickelter Designerdrogen bringt völlig neue Symptombilder hervor und macht die Differentialdiagnostik im Akutfall schwieriger.

  • Das EntzugssyndromEntzugssyndrom beruht auf körperlichen Störungen, die dann auftreten, wenn ein Drogensüchtiger mit körperlicher Abhängigkeit die gewohnte Droge nicht mehr zu sich nimmt oder die Einnahme verringert.

  • Bei Drogennotfällen sind zu unterscheiden:

    • Vorwiegend drogenbedingte Störungen in Form von Intoxikations- oder Entzugssyndromen.

    • Vorwiegend psychogen bedingte Fehlreaktionen. Diese können während der Drogeneinwirkung zu abnormen Rauscherlebnissen führen oder als sog. Spätrausch (Flashback) erscheinen. Erst Tage, Wochen oder gar Monate nachdem die Drogenzufuhr unterbunden wurde, stellen sich psychiatrische Symptome ein.

Therapeutische Strategie
Die Abklärung einer eventuell suizidalen Absicht ist wichtig. Bei Suizidverdacht ist neben der akuten Notfallbehandlung unter klinischen Bedingungen eine psychiatrische Betreuung indiziert.
Außerdem ist es entscheidend zu ermitteln, welche Substanzen wie oft eingenommen wurden, um entweder Gegengifte zu verabreichen oder die Notfallmaßnahmen entsprechend abzustimmen. An die Akutbehandlung muss sich eine langfristige Therapie anschließen.
Homöopathische Behandlung
Die homöopathische Behandlung begleitet mit Akutmitteln die allgemeine Notfallbehandlung. Liegt ein regelmäßiger Missbrauch einer Droge vor, so kann im Rahmen der akuten Therapie auch ein konstitutionsorientiertes Mittel zur Anwendung kommen, falls genügend gute Indikationen für ein solches vorliegen. Generell empfiehlt sich homöopathisch langfristig eine konstitutionsorientierte Therapie im Rahmen eines interdisziplinären, multimodalen Therapiekonzepts.

Wie bei der schweren Alkohol- und Benzodiazepin-IntoxikationBenzodiazepineIntoxikation ist die homöopathische Behandlung nur eine mögliche Begleittherapie zu absolut unabdingbaren, unter klinischen Bedingungen erfolgenden Notfallmaßnahmen. Dementsprechend haben Überlegungen zur Dosierung, Verlaufskontrolle und Prognose eine sehr untergeordnete Bedeutung und entsprechen im Wesentlichen denen bei Benzodiazepinvergiftung (29.4.2).

Wahl der Symptome
Symptomenwahl Drogenintoxikation
  • Handelt es sich um eine akute Entgleisung oder eine dauerhafte Abhängigkeit?

  • Verhalten und Gemütszustand: z. B. aggressives Verhalten, Eifersucht, Unruhe oder delirante Symptomatik.

  • Modalitäten allgemeiner Symptome: z. B. Kleiderdruck wird nicht ertragen, Patient will die Fenster geöffnet, starkes Wärmebedürfnis.

  • Körperliche Symptome und deren Modalitäten: z. B. Kopfschmerz, Abdominalschmerz, Erbrechen, Schwindel.

Miasmatische Zuordnung
Die Neigung zu Drogenkonsum, Medikamenten- und Alkoholabusus ist v. a. Hinweis auf eine tuberkulinische Diathese, kann aber auch syphilitischer oder sykotischer Natur sein.
Repertorium
Die hier aufgeführten Rubriken stellen eine Hilfestellung dar, um das passende Mittel zu finden, jedoch ist bei chronischer Problematik immer eine konstitutionsorientierte Therapie erforderlich. Rubriken zu Störungen aufgrund spezieller Drogen (z. B. Haschisch oder moderne Drogen) finden sich nicht im Repertorium.

Allgemeines // Medikamente – allopathische – Missbrauch // Narkotika – agg. // Schlafmittel, durch // Schmerzmittel, durch // Tabak – Verlangen nach Tabak, rauchen // Tabak – Widerwillens gegen Tabak – Arzneimittel zur Erhöhung des

Gemüt // Alkoholismus // Delirium tremens // Morphiumsucht

Verlaufsbeurteilung und Prognose
Von der Homöopathie ist v. a. eine raschere Abmilderung der Gemütssymptomatik im Verlauf zu erwarten. Je nach Wirkstoff und eingenommener Menge kann die akute Bewusstseinseintrübung hier aber über Tage andauern. Die homöopathische Behandlung sollte in jedem Fall nur eine Begleittherapie darstellen. Die Prognose ist bzgl. des Überlebens gut, wenn der Akutzustand frühzeitig erkannt wurde und der Patient einer Therapie zugeführt werden konnte. Langfristig ist die Prognose vom Einzelfall abhängig.
Bei der Drogenentwöhnung kann die Homöopathie als eine Therapiekomponente eines multimodalen Ansatzes hilfreich sein.
Unterstützende Maßnahmen
Zum Drogenentzug kann die homöopathische Therapie auch mit Akupunktur kombiniert werden, die gute Konzepte bietet, wie z. B. die Punkte des Suchtdreieckes im Ohr oder die Punkte Shenmen und Baihui (Du Mai 20) der Körperakupunktur. Generell ist aber der Erfolg von der Motivation des Patienten abhängig, denn nur wenn dieser motiviert ist, bestehen gute Erfolgschancen.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung
Nux vomica steht bei allen leichteren Fällen von Drogenintoxikation als Arzneimittel im Mittelpunkt: besser nach Erbrechen, kann aber schlecht erbrechen; Reizbarkeit, Überempfindlichkeit gegenüber allen äußeren Reizen; Neigung zu Polytoxikomanie; braucht die verschiedensten Drogen zum Aufputschen; Neigung zum Workaholic.
Notfallmittel bei drohender Bewusstlosigkeit
  • Prädelirante Symptomatik:

    • Hyoscyamus#HyoscyamusDrogenintoxikation: unfreiwilliger Harn- und Stuhlabgang; blass; geschwätzig, murmelndes Delir; deckt sich ab; neigt dazu, sich zu entblößen; lasziv; will fliehen.

    • Lachesis#LachesisDrogenintoxikation: blaurote Haut; Linksseitigkeit; Kleiderdruck agg.; geschwätziges Delir; Zunge zittert beim Herausstrecken; Starre.

    • Opium#OpiumDrogenintoxikation: dunkelrote Haut, schwitzt stärker; benommen mit Stöhnen und schnarchender Atmung; Obstipation; Schmerzlosigkeit.

  • Schwächezustände:

    • Agaricus#AgaricusDrogenintoxikation: zunächst Koordinationsstörungen beim Gehen, dann regungslos; zuckt an Händen und Füßen; jammert vor Schmerz.

    • Carbo vegetabilis: blau gedunsene Haut und Akrozyanose; schwitzt viel, Schweiß und Atem kalt; kurzatmig, will Luft zugefächelt bekommen. #Carbo vegetabilisDrogenintoxikation

    • Muriaticum acidum#Muriaticum acidumDrogenintoxikation: Blässe; trockene, bräunlich belegte Zunge; röchelnde Atmung.

Drogenentzug bzw. -entwöhnung
Es gibt einige homöopathische Mittel, die sich begleitend bei Entzugserscheinungen in tieferer Potenz – für einen Zeitraum von ein bis vier Wochen in D4 oder D6 – bewährt haben:
  • Avena sativa#Avena sativaDrogenentzug: schlaflos; hektische Nervosität, drohendes Delir.

  • Passiflora#PassifloraDrogenentzug: unerträgliche Schmerzen; ruhelos und schlaflos; beruhigt das Nervensystem.

  • Zincum valerianum#Zincum valerianumDrogenentzug: Neuralgien; Schluckauf; Schlaflosigkeit v. a. durch Kopfschmerz; Ruhelosigkeit der Beine.

RaucherentwöhnungRaucherentwöhnung (für einen Zeitraum von ein bis vier Wochen in D4 oder D6):
  • Caladium seguinum#Caladium seguinumRaucherentwöhnung: Erschöpfung, Schwindel; Kopfschmerz bei Rauchern; Gefühl, als wäre der Magen voll trockener Nahrung.

  • Lobelia#Lobelia inflataRaucherentwöhnung: v. a. zur Nikotinentwöhnung; Übelkeit, Erbrechen, Dyspepsie; reichlich Speichelfluss mit gutem Appetit; geringste Bewegung agg.

  • Tabacum#TabacumRaucherentwöhnung: starke Übelkeit; Kopfdruck; Kreislaufprobleme mit Schwindel und Blässe; Frösteln mit kaltem Schweiß.

Causticum und Staphisagria sind bei konstitutionellem Bezug oder als Komplementärmittel bei Nikotinentzug interessant.

Schockzustände

  • Schock: akuter, persistierender Sauerstoffmangel in allen Organen mit Mikrozirkulationsstörungen; je nach Ursache können zu den allgemeinen Schockzeichen noch spezifische Symptome und körperliche Befunde hinzukommen.

  • Hypovolämischer Schock: Anamnestisch Hinweise auf akutes Trauma, Organblutungen (z. B. mit Bluterbrechen, analer Blutung oder Bluthusten), Peritonitis, Ileus (Darmverschluss), akute Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung), Verbrennung, Aortenaneurysmaruptur etc.

  • Kardiogener Schock: Anamnestisch Hinweise auf Herzinfarkt, Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen, entzündliche Herzerkrankungen (z. B. Myokarditis), Herzklappenfehler oder Lungenembolie.

  • Septischer Schock: In der Anamnese bekannte Abwehrschwäche (Diabetes mellitus, Tumor, Zytostatika- oder Glukokortikoidtherapie) mit gleichzeitiger bakterieller Infektion, z. B. Infektion der ableitenden Harnwege, Gallenwegsinfektion, Peritonitis.

  • Anaphylaktischer Schock: Anamnestisch Allergieneigung, Insektenstich, Medikamenteneinnahme, Reaktion auf Nahrungsmittel.

  • Neurogener Schock: Zeichen einer Wirbelsäulen- bzw. Rückenmarksverletzung oder Hinweise auf Vergiftungen mit Schlaf- oder Beruhigungsmitteln (Suizidversuch).

Therapeutische Strategie
Für alle Schockformen gilt folgende NotfallstrategieNotfallSchockzustand:
  • Patienten beruhigen und entsprechende Schocklagerung (bei bewusstseinsklaren Patienten Hochlagerung der Beine und Tieflagerung von Kopf und Oberkörper. Nicht bei kardiogenem Schock sowie bei Verdacht auf Wirbelsäulen-/Rückenmarksverletzungen! Bei Bewusstlosigkeit stabile Seitenlagerung, um einer Aspiration von Erbrochenem vorzubeugen.).

  • Notarzt benachrichtigen (lassen).

  • Mehrere großlumige venöse Zugänge legen.

  • Wenn vorhanden, Sauerstoffgabe über Maske oder Nasensonde (4–6 l/Min.).

  • Vitalzeichen engmaschig kontrollieren, v. a. Bewusstseinszustand, RR, Puls und Atmung, aber auch Hautfarbe und Körpertemperatur.

  • Patienten warm zudecken.

  • Bei Herz-Kreislaufstillstand: Reanimation.

Homöopathische Behandlung
Neben der medizinischen Notfallversorgung, die als lebensrettende Maßnahme im Vordergrund stehen muss, sind homöopathische Akutmittel indiziert, mit denen man viel erreichen und die Prognose deutlich verbessern kann. Sowohl bzgl. der psychischen Schocksymptomatik als auch bzgl. der körperlichen Symptomatik (v. a. zur schnelleren Stillung von Blutungen oder bei Sepsis) können homöopathische Arzneien rasche Linderung bringen.
Wahl der Symptome
  • Art des Schocks: psychisch, kardiogen, neurogen, verletzungsbedingt, septisch oder anaphylaktisch.

  • Akutsymptomatik: Schmerzen, lokale Verletzungen.

  • Modalitäten: z. B. Verlangen nach Kälte oder Wärme, nach Ruhe oder Bewegung.

  • Gemütsverfassung bzw. der Bewusstseinszustand: Ohnmacht, Benommenheit, Schläfrigkeit etc., auch Angst, Ruhelosigkeit oder Überempfindlichkeit.

Miasmatische Zuordnung
Schockzustände sind akute Situationen. Sie können ein Miasma aus der Latenzphase in die manifeste Phase überführen (3.4).
Repertorium
Bei Schockzuständen steht die Materia medica im Vordergrund, wo v. a. nach Art des Schocks differenziert wird. Die Rubriken des Repertoriums helfen nur bedingt weiter. Außer den genannten Rubriken sind solche mit individuellen Auffälligkeiten ergänzend zu berücksichtigen.

Allgemeines // Kollaps // Konvulsionen – Schock, durch einen // Ohnmacht – Verletzung – Verletzungsschock, durch // Schock, Schockzustand – Verletzung, durch // Schwäche (mit Unterrubriken)

Atmung // Atemnot (mit Unterrubriken)

Gemüt // Beschwerden durch – Schock – seelischen

Verlaufsbeurteilung und Prognose
Den Verlauf zu beurteilen ist v. a. für diejenigen schwierig, die nur sehr wenig intensivmedizinische Erfahrung haben. Der wichtigste Indikator für einen positiven Behandlungsverlauf ist die Besserung des Allgemeinzustandes. Beim hypovolämischen Schock können und sollten Blutungen schneller zum Stillstand kommen, wobei auch der Hb-Wert, die Elektrolyte und weitere Laborwerte wichtige Parameter zur Verlaufsbeurteilung sind. Der Verlauf beim kardiogenen Schock ist auch ergänzend anhand von Laborparametern zu beurteilen. Gleiches gilt für den septischen Schock (die Elektrolyte und der quantitative CRP-Wert stehen dabei im Vordergrund), der eine besonders gute Indikation für eine homöopathische Begleittherapie darstellt. Auch beim anaphylaktischen Schock ist eine homöopathische Therapie sehr zu empfehlen, hier können z. B. Atemnot und ödematöse Schwellungen sehr rasch zurückgehen.
Die Prognose ist vom Einzelfall abhängig. Sie lässt sich aber sicher durch eine homöopathische Begleittherapie, auch in schweren Fällen (z. B. bei septischem Schock) verbessern.
Unterstützende Maßnahmen
Patienten unabhängig vom Ernst der Lage möglichst nicht beunruhigen, da zunehmende Panik dessen Prognose über psycho-neuro-endokrino-immunologische Reaktionen nur zusätzlich verschlechtern würde.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Acon, Arn., Lach.
!! Apis, Op., Verat.
! Ars., Camph., Carb-ac., Carb-v., Chin., Hyper.

Schockreaktionen
  • Psychischer SchockAconitum: Schock bei Verletzungen, v. a. Knochenbrüchen oder seelischer Schock, z. B. durch Schreck, evtl. Schock mit Ohnmacht; Schreck und Panik sind ins Gesicht geschrieben, Angst, Unruhe; beim Aufrichten vom Liegen wird das rote Gesicht totenblass und Schwindel tritt auf.

  • VerletzungsschockArnica: Schock bei Verletzungen, z. B. bei Knochenbrüchen oder auch seelischer Schock; antwortet wenn angesprochen, fällt aber gleich wieder in Teilnahmslosigkeit zurück; Überempfindlichkeit mit Furcht vor Berührung, schickt Helfer weg.

  • BlutverlustChina: enorme Schwäche durch Säfte- bzw. Blutverlust; Schüttelfrost, zittrig; apathisch, gleichgültig.

  • Bleibende FurchtOpium: nach Arnica oder Aconitum; Schock durch Verletzungen, evtl. auch seelischer Schock; Konvulsionen bei Schock; nervöse Zuckungen; schnarchende Atmung; rot angelaufenes Gesicht mit Schweißausbrüchen; Bett wird als zu heiß empfunden, Schmerzlosigkeit, verlangt nach nichts.

Nervenverletzungen
  • Hypericum: dominierend bei Nervenverletzungen; Schock durch Nervenverletzungen; schießende Schmerzen entlang des Nervs

  • Wichtige Arzneimittel mit ähnlichen Symptomen, die sich am ehesten im Verlangen danach unterscheiden, abgedeckt oder zugedeckt sein zu wollen:

    • Camphora: Verletzungsschock mit Ohnmacht; kalter Schweiß; kalte Körperoberfläche, aber kann Zudecken nicht ertragen; Gesicht und Lippen blau.

    • Veratrum album: eisige Kälte, kalter Stirnschweiß; blasses Gesicht; Verlangen nach kalten Getränken, aber äußerliche Wärme und Zudecken amel.

    • Carbo vegetabilis: Kollaps nach venösen Blutungen; dunkelviolette Färbung bei schmerzloser Gangrän; Kopf heiß, Körper kalt; möchte Luft zugefächelt bekommen.

Septischer Schock
Lachesis passt bei septischen, kardiogenen und traumatischen Schocks; bei Scheintod von Ertrunkenen, bei Schockzuständen nach Sonnenstich, bei Glottisspasmus mit Atemnot; Blutungen mit dunklem Blut; gangränöse Wunden mit dunkelblauen Rändern; Erstickungs- und Beklemmungsgefühle, muss die Kleidung lockern; evtl. Redseligkeit; Wärme agg., morgens nach Schlaf agg.
Kardiogener Schock
  • Arsenicum album: wichtig bei kardiogenem Schock, auch bei septischem Schock, v. a. nach Verbrennungen; Angst und Ruhelosigkeit, wobei Bewegung agg.; Atemnot und Erschöpfung bei geringster Anstrengung; Misstrauen; Gewissenhaftigkeit; brennende Schmerzen, aber Wärme amel., nach Mitternacht agg.

  • Lachesis: pektanginöse Schmerzen strahlen in den li. Arm aus; Erstickungs- und Beklemmungsgefühle, muss die Kleidung lockern; Misstrauen; Wärme agg., schläft in die Verschlimmerung hinein.

Anaphylaktischer Schock
  • Apis: Anaphylaxie mit Ödemen, v. a. Glottisödemen; Urtikaria; Wärme und Berührung agg., brennende und stechende Schmerzen; Durstlosigkeit; Ruhelosigkeit.

  • Carbolicum acidum: anaphylaktischer Schock, v. a. durch Bienenstiche; bei Schlangenbissen; bei Verbrennungen mit Eiterung; Kollaps und Kräfteverfall; Stupor.

Materia medica der Verletzungsmittel

Aconitum napellus (Acon.)

AkutsymptomeBei Unfällen und Verletzungen mit ausgeprägtem Schockzustand liegt oft zu Beginn ein Aconitum-Zustand vor. Der Schock zeigt sich v. a. auf der psychischen Ebene mit Panik, Angst und Unruhe. Eines der Hauptmittel bei Augenverletzungen (Verletzungen von Hornhaut, Bindehaut, Lederhaut oder der Lider; auch nach operativen Eingriffen), dabei Gefühl ausgetrockneter Augen, Augenbewegungen und Zugluft agg. Bei Bissverletzungen (durch Schlangen, Quallen etc.) mit Schockzustand. Symptome treten plötzlich auf, z. B. plötzlich hohes, trockenes Fieber.
AllgemeinPlötzlich beginnende Beschwerden mit großer Intensität, meist mit Angst und Ruhelosigkeit. Schwindel und Blässe beim Aufstehen. Großer Durst auf kalte Getränke. Hitzegefühl der oberen Körperhälfte bei Kälte der unteren. Unerträglich heftige, brennende Schmerzen, schreit vor Schmerzen. Neuralgische Gesichtsschmerzen. Pseudokruppanfälle.
Modalitäten
  • Agg.: Abends und nachts (v. a. Mitternacht), kalter Wind, Liegen auf betroffener Seite, warmes Zimmer.

  • Amel.: Frische Luft, kalte Anwendungen, Ruhe.

PsycheRuhelos und ängstlich bis zu Todesangst; u. a. Angst vor dem Alleinsein. Schockzustand (z. B. nach Unfall, Erdbeben etc.), dabei zunächst wie erstarrt vor Schock, dann Panik und Ruhelosigkeit. Furcht vor Menschenmengen und engen Räumen.
CausaTrockenes, kaltes Wetter, v. a. kalter Wind. Folge von Schreck oder Schock.
Arzneimittelbeziehung
  • Vgl. Bell., Cham.

  • Akutmedikament zu Sulph.

  • Bry. und Sulph. sind oft gute Folgemittel.

Agaricus muscarius (Agar.)

Akutsymptome#AgaricusNotfälleErfrierungen (v. a. 1.–2. Grades), Delirium tremens oder allg. delirante Zustände.
AllgemeinSehnenscheidenentzündungen (v. a. chronisch, nach Überlastung). Stechende Schmerzen, wie kalte Nadelstiche. Kalte, dunkelviolette Haut der Finger. Frostbeulen mit wenig Schmerzen. Pilzvergiftungen oder andere Vergiftungen (mit drohender Bewusstlosigkeit); akustische oder optische Halluzinationen; Gangunsicherheit und Ungeschicklichkeit. Unwillkürliche Bewegungen, z. B. Zucken im Gesicht, diverse Tics. Periphere Nervenschädigungen.
Modalitäten
  • Agg.: Kalte Luft, vor einem Sturm oder Gewitter.

  • Amel.: Abends, langsames Umhergehen.

PsycheNervosität, Ruhelosigkeit, gesteigerte Fröhlichkeit. Geschwätzigkeit (im Delir). Gleichgültigkeit, Furchtlosigkeit.
CausaErfrierung; Alkoholabusus.
LateralitätSymptomatik ist diagonal, v. a. oben links und unten rechts.
ArzneimittelbeziehungVgl. Cann-i., Caust., Hyos., Lach., Tarent.

Anacardium orientale (Anac.)

Akutsymptome#AnacardiumNotfälleSehnenverletzungen (starke, reißende Schmerzen). Magenulzera oder Gastritiden.
AllgemeinWadenkrämpfe beim Gehen. Schwäche mit Zittern der Glieder. Empfindung eines Pflocks oder Bandes (an verschiedenen Körperpartien).
Modalitäten
  • Agg.: Morgens, zu Beginn der Bewegung.

  • Amel.: Abends, langsame Bewegung, Essen.

PsychePsychotische Krankheitsbilder, Patienten fühlen zwei Willen oder Persönlichkeiten in sich mit widersprüchlichen Impulsen. Misstrauisch; glaubt verfolgt zu werden. Zweifel bei Entscheidungen. Prüfungsangst. Gefühllosigkeit.
CausaÄrger.
LateralitätBeschwerden wandern von rechts nach links.
ArzneimittelbeziehungVgl. Hyos., Ign., Rhus-t., Ruta, Stram.

Apis mellifica (Apis)

Akutsymptome#ApisNotfälleInsektenstiche (v. a. Wespen) mit ödematöser Schwellung. Skorpionstiche. Anaphylaktische Reaktionen, Urtikaria, Glottisödem. Splitterverletzungen. Verbrennungen oder Erfrierungen, die stechende oder brennende Schmerzen verursachen und sich durch Kälte bessern. Erysipel. Meningitis.
AllgemeinBrennende oder stechende Schmerzen. Körperliche Unruhe. Durstlosigkeit. Ödemneigung (wachsartiges Ödem). Glänzende Haut. M. Sudeck.
Modalitäten
  • Agg.: Wärme, Berührung, nach Schlaf.

  • Amel.: Kälte und kalte Anwendungen, frische Luft, Bewegung.

PsycheMisstrauisch, eifersüchtig, gereizt. Neigung zum Weinen (grundlos). Ungeschicklichkeit. Geschäftig, arbeitswütig.
CausaUnterdrückte Hautausschläge, Schock.
LateralitätRechte Seite gehäuft betroffen.
ArzneimittelbeziehungVgl. Ars., Bell., Canth., Lach., Vespa.

Arnica montana (Arn.)

Akutsymptome#ArnicaNotfälleIm Vordergrund stehen Verletzungen, v. a. stumpfe Traumata mit Prellungen und Quetschungen der Weichteile (z. B. der Muskulatur, der Brust, des Hodens). Unspezifisches Verletzungsmittel bei Frakturen, Distorsionen und anderen Verletzungen mit Blutergüssen. Commotio cerebri, Meningitis, Apoplexie, Angina pectoris. Harnverhalt nach Anstrengung oder Unfall.
AllgemeinBlutungsneigung; Verletzungen aller Art. Starke Schmerzempfindlichkeit. Es kommen auch Beschwerden nach lange zurückliegenden Traumata vor, v. a. Kopfschmerz noch Jahre nach der Kopfverletzung bzw. Gehirnerschütterung. Epilepsie nach Verletzungen. Heißer Kopf mit Blutandrang (und dabei kalter Körper). Muskelkater, Muskelzerrung; Verstauchungen, Verrenkungen (mit Hämatom). Vom Empfinden her ist das Zerschlagenheitsgefühl typisch. Das Bett erscheint zu hart. Empfindlich gegen Berührung.
Modalitäten
  • Agg.: Geringste Berührung, Erschütterung, Bewegung, Überanstrengung, Hitze, abends und nachts; feuchtes, kaltes Wetter.

  • Amel.: Hinlegen (v. a. mit Kopftieflage), Liegen, Ruhe, kaltes Baden.

PsycheWill alleingelassen werden, seine Ruhe haben. Angst vor Annäherung und Berührung. Widerspenstiges Verhalten. Stur und eigensinnig. Hypochondrische Angst, z. B. Furcht vor Herzkrankheiten. Evtl. geistesabwesend und benommen, antwortet jedoch klar bei Ansprache.
CausaPhysische und psychische Traumata, v. a. Quetschungen und stumpfe Verletzungen. Folge von Gehirnerschütterung, auch lange zurückliegende Verletzungen. Überanstrengung der Muskeln. Nach Zahnextraktion.
Lateralität
ArzneimittelbeziehungVgl. Acon., Bell-p., Bry., Hyper., Lach., Led., Rhus-t., Sul-ac., Symph.

Arsenicum album (Ars.)

Akutsymptome#Arsenicum albumNotfälleVergiftungen (Lebensmittel, v. a. Fleisch oder Fisch, verdorbenes Wasser, Alkohol), Verbrennungen (2.–3. Grades, großflächig), Erfrierungen (mit brennenden Schmerzen beim Auftauen), Frostbeulen. Kardiogener oder septischer Schock. Schneeblindheit. Höhenkrankheit mit Lungenödem. Bisse von Korallenschlangen.
AllgemeinBrennende Schmerzen bei denen Wärme amel., brennende Magenschmerzen (z. B. bei Lebensmittelvergiftungen) sowie Erbrechen und Durchfall; Erbrechen nach dem Trinken. Infizierte Wunden mit Neigung zu Gangrän und Sepsis. Ruhelosigkeit, wobei Bewegung nicht lindert. Starke Erschöpfung mit Kollapsneigung. Größerer Durst, aber trinkt nur in kleinen Schlückchen. Frostiges Naturell. Blass-schweißiges Gesicht.
Modalitäten
  • Agg.: Nachts (ca. 1 Uhr am schlechtesten), kalte Speisen oder Getränke.

  • Amel.: Wärme, warme Anwendungen, frische Luft.

PsycheRuhelosigkeit, Gewissenhaftigkeit, genau und pedantisch. Ängstlichkeit (vor dem Tod, beim Alleinsein etc.). Misstrauisch. Alkoholdelir mit Suizidgedanken.
CausaVergiftung, Verbrennung, Erfrierung.
Lateralität
ArzneimittelbeziehungVgl. Acon., Chin., Lach., Nux-v., Phos., Verat.

Belladonna (Bell.)

Akutsymptome#BelladonnaNotfälleSonnenstich, Sonnenbrand oder Verbrennungen ersten Grades. Zahn- oder Gesichtsschmerzen oder allg. hochfieberhafte Infekte (mit Fieberkrämpfen). Typische Entzündungszeichen (Rubor, Dolor, Calor). Oft akut hochrotes und heißes Gesicht. Akute Alkoholvergiftung mit deliranter Symptomatik oder Benommenheit sowie Gewalttätigkeit; auch bei Pilzvergiftungen (v. a. halluzinogener Pilze) kommt es in Betracht.
AllgemeinSymptome erscheinen und verschwinden plötzlich. Überempfindlichkeit der Sinne, v. a. bzgl. Lärm, Licht, Erschütterung. Pulsierende, pochende Schmerzen. Weite Pupillen; trockene Schleimhäute. Dampfende Hitze mit Schweiß, v. a. unter der Kleidung oder Bettdecke; Hitze mit kalten Händen und Füssen. Krämpfe unterschiedlicher Art können auftreten. Neuralgien nach Amputation.
Modalitäten
  • Agg.: Geringste Berührung, Erschütterung, Bewegung, Lärm, Licht.

  • Amel.: Warmes Zimmer, Ruhe.

PsycheReizbar, wütend, wild bis hin zu Tobsuchtsanfällen mit Beißen, Kratzen, Schlagen etc. Auch bei deliranter Symptomatik zählt es zu den Hauptmitteln. (z. B. bei Fieber oder Sonnenstich).
CausaSonne, Verbrennungen, kalte Zugluft, Nasswerden des Kopfes, Ärger.
LateralitätRechtsseitiges Mittel.
Arzneimittelbeziehung
  • Vgl. Acon., Cham., Stram.

  • Oft Akutmittel von Calc.

Bellis perennis (Bell-p.)

Akutsymptome#Bellis perennisNotfällePrellungen von Muskeln, Drüsengewebe, Weichteilen (v. a. bei stark durchbluteten Geweben mit starker Schwellung und Schmerzempfindlichkeit bei Berührung oder bei Schlag auf Mamma bzw. Hoden). Quetschung von Nervengewebe.
AllgemeinMuskelkater mit diffusen Schmerzen. Tennisarm. Steißbeinverletzungen. Verletzungen tieferer Gewebe bei chirurgischen Eingriffen. Verhärtung der Drüsen nach Trauma. Schwellung geht nach Trauma nicht zurück. Verletzungen mit Unterkühlung. Beschwerden durch kalte Speisen oder Getränke, die in überhitztem Zustand eingenommen werden. Drahtige Typen mit derber Muskulatur.
Modalitäten
  • Agg.: Berührung, kalter Wind, Bettwärme.

  • Amel.: Lokaler Druck, Massagen, Bewegung.

PsycheVom Berufsleben ausgezehrte Arbeiter, evtl. mit Gedächtnisstörungen.
CausaTrauma mit Prellung.
LateralitätLinke Seite häufiger betroffen.
ArzneimittelbeziehungVgl. Arn., Bry., Ham.

Bryonia alba (Bry.)

Akutsymptome#BryoniaNotfälleVerrenkung, Verstauchung, Muskelzerrungen, Sehnenscheidenentzündungen (Schmerz in den Sehnen), Sehnenverletzungen, Tennisarm. Lebensmittelvergiftungen (durch Käse, Fleisch oder Wurst mit viel Durst und Bauchschmerzen, wo jede Bewegung agg.). Pleuritis, Appendizitis (Entzündung der Serosa). Meningitis. Lumbago.
AllgemeinStechende Schmerzen, seltener brennend. Starker Durst bei ausgetrockneten Schleimhäuten. Trinkt nur selten, dann aber große Mengen.
Modalitäten
  • Agg.: Jegliche Bewegung, Berührung, Hitze.

  • Amel.: Ruhe (körperlich und geistig), Druck, Liegen auf der schmerzhaften Seite, kalte Anwendungen.

PsycheNeigung zu Reizbarkeit und Cholerik. Will seine Ruhe haben. Bedürfnis nach Sicherheit und Beistand. Ordnungsliebend, sparsam, wortkarg.
CausaÄrger, Schreck, feuchte Kälte.
LateralitätRechte Seite gehäuft betroffen.
ArzneimittelbeziehungVgl. Bell., Cham., Rhus-t., Ruta.

Calcarea carbonica (Calc-c.)

Akutsymptome#Calcium carbonicumNotfälleLeichtes Verheben und Verrenken. Rückenschmerz nach schwerem Heben, evtl. sogar mit Verletzung der Wirbelsäule. Muskelkater und Muskelkrämpfe nach Sportaktivitäten (Krämpfe der Zehen, beim Schuhanziehen, evtl. treten sie erst nachts im Schlaf auf). Atemnot bei leichter Anstrengung.
AllgemeinSchwäche und Langsamkeit sind auffallend. Anstrengung und Hektik werden nicht gut vertragen. Die Knochenheilung bei Frakturen ist verzögert. Auch nach Knochenprellungen kommt es infrage. Die Patienten schwitzen leicht (v. a. bei Anstrengung und nachts), sind frostig veranlagt. Typisch sind gutartige Tumoren, außerdem ist oft das lymphatische System betroffen, Drüsenschwellungen betroffen. Abneigung gegen frische Luft.
Modalitäten
  • Agg.: Kälte, v. a. nasskaltes Wetter; körperliche oder geistige Anstrengung.

  • Amel.: Trockenes Klima, Berühren oder Streicheln des betroffenen Körperteils.

PsycheTräge, schwerfällig und langsam, aber bemüht. Abneigung gegen geistige und körperliche Anstrengung. Dickköpfigkeit. Viele Ängste, z. B. Höhenangst, Angst beim Alleinsein oder im Dunkeln; vorsichtig.
CausaNach Anstrengung (Überanstrengung).
LateralitätEher Rechtsseitigkeit (Ischialgie aber Linksseitigkeit).
Arzneimittelbeziehung
  • Vgl. Bar-c., Hep., Puls., Rhus-t., Sil., Sulph.

  • Folgt nach Akutkrankheiten gut auf Bell.

Calcium phosphoricum (Calc-p.)

Akutsymptome#Calcium phosphoricumNotfälleFrakturen mit verzögerter Knochenheilung (mit schmerzhaften Frakturnähten). Wachstumsschmerzen. Schulkopfschmerz.
AllgemeinGroße und schlanke Personen mit Schwäche. Sensibel und empfindlich, v. a. auf Kälte, Zugluft, Wetterwechsel und Geräusche. Marasmus oder Rachitis. Skoliose. Steifer Hals (Zugluft agg.); Steifheit der Gelenke. Verlangen nach stark gewürzten Speisen, kalten Getränke.
Modalitäten
  • Agg.: Zugluft, Wetterwechsel, Kälte, geistige Anstrengung, Denken an die Beschwerden, Trost.

  • Amel.: Sommer, trocken-warmes Wetter, Hinlegen, Reisen.

PsycheNervöse Reizbarkeit; Unzufriedenheit (mit sich und mit allem). Konzentrationsprobleme wegen Unruhe, geht von einem Ort zum anderen. Probleme bei geistiger Anstrengung. Furcht vor Gewitter und im Dunkeln. Weinerliche Stimmung, durch Trost agg. Seufzen. Verlangen zu Reisen und nach Abwechslung.
CausaBeschwerden durch geistige Arbeit, durch enttäuschte Liebe oder durch schlechte Ernährung. Zu schnelles Wachstum.
Lateralität
ArzneimittelbeziehungVgl. Sil., Sanic., Symph., Rhus-t., Tub.

Calendula (Calen.)

Akutsymptome#CalendulaNotfälleQuetschungen. Muskelfaserrisse, evtl. auch Sehnenverletzungen mit starken Schmerzen oder offene Frakturen. Dammriss nach der Geburt. Nach schwieriger Zahnextraktion, Risswunden.
AllgemeinTypisches Verletzungsmittel für Riss- oder Quetschwunden. Rötung um die Wunde; dazu außergewöhnlich heftige Schmerzen und Neigung zu Eiterungen. Augenverletzungen mit Eiterung. Blennorrhoe des Tränensackes. Oberflächliche Verbrennung (mit Eiterung und starken Schmerzen). Erysipelneigung. Gelbliche Hautfärbung.
Modalitäten
  • Agg.: Kalte Luft (an der Wunde), feuchtes Wetter.

  • Amel.: Wärme, Ruhe oder Umhergehen.

PsycheSehr schmerzempfindlich. Nervös, erschrickt leicht.
CausaVerletzung durch Riss oder Quetschung, schwierige Zahnextraktion, Verbrennung.
Lateralität
ArzneimittelbeziehungVgl. Arn., Bell-p., Ham., Hep., Hyper., Symph.

Camphora (Camph.)

Akutsymptome#CamphoraNotfälleAllergische Reaktion nach Insektenstichen oder anderen Stichen durch Tiere; v. a. bei Schockzuständen (mit Blässe und Kaltschweißigkeit). Verletzungsschock (Kalter Körper mit Zyanose, will aber nicht zugedeckt werden), postoperative Schockzustände. Lebensmittelvergiftungen (durch Muscheln, Pilze oder Fleisch). Bisse von Klapperschlangen.
AllgemeinKollapsneigung mit Blässe, Kaltschweißigkeit, Akrozyanose, Kraftlosigkeit. Eiskalte Körperoberfläche. Erbrechen und Durchfall. Neigung zu Krämpfen (Gehirn, Muskeln, Hohlorgane).
Modalitäten
  • Agg.: Kälte, nachts.

  • Amel.: Denken an die Beschwerden, Wärme (aber auch Trinken von kaltem Wasser oder Abdecken).

PsycheKörperliche und geistige Schwäche. Reizbarkeit, ängstliche Unruhe. Fühlt sich verlassen, isoliert, empfindet Gefühlskälte; „wie in der Hölle“.
CausaSchock (durch Verletzung oder Operationen u. a.).
Lateralität
ArzneimittelbeziehungVgl. Ars., Carb-v., Nux-v., Op., Phos., Verat.

Cantharis (Canth.)

Akutsymptome#CantharisNotfälleBlasenentzündungen, Verbrennungen, Enzephalitis, Meningitis. Perikarditis oder Pleuritis mit Erguss. Plötzlicher Bewusstseinsverlust mit rotem Gesicht.
AllgemeinEs ist eines der Hauptmittel zur Behandlung von Verbrennungen (1.–2. Grades). Verbrennungen oder Verbrühungen mit Blasenbildung (am ehesten große, helle Blasen); dabei stark brennende Schmerzen. Verbrennungen der Mundschleimhaut; Flüssigkeiten können schlecht geschluckt werden. Konjunktivitis nach Verbrennungen der Bindehaut. Gelbsehen. Sonnenbrand. Bläschenausschlag mit Brennen und Jucken. Bei Bissen von Ameisen oder Spinnen (Bissstelle zeigt zentrale Nekrose, ist gerötet, es zeigen sich evtl. kleine Bläschen und der Schmerz ist brennend.). Allgemein fallen brennende Schmerzen oder brennend-krampfartige auf, v. a. bei Harnwegsinfekten. Spärlicher, brennender Urin, Urin geht nur tropfenweise ab (trotz ständigem Harndrang); evtl. Harnverhalt.
Modalitäten
  • Agg.: Nachts, Hitze, während Urinieren, Anblick von Wasser, Berührung, Trinken, Kaffee.

  • Amel.: Reiben, ruhiges Liegen auf dem Rücken, kalte Anwendungen.

PsycheRuhelose, nervöse, ängstliche und reizbare Personen mit Neigung zu heftigen Wutausbrüchen. Rasendes Delir mit Schreien nach Hilfe. Ablehnung von Annäherung oder Berührung. Ekel vor Essen, Trinken oder Rauchen. Furcht vor Wasser, Spiegeln und glänzenden Gegenständen. Großes sexuelles Verlangen, evtl. sogar akute sexuelle Manie. Stimmung wechselt zwischen Fröhlichkeit und Traurigkeit.
CausaVerbrennung.
LateralitätRechte Seite gehäuft betroffen.
ArzneimittelbeziehungVgl. Apis, Ars., Bell., Nux-v., Sars., Stram.

Carbolicum acidum (Carb-ac.)

Akutsymptome#Carbolicum acidumNotfälleAnaphylaktischer Schock (nach Insektenstich, Schlangenbiss, nach Verbrennungen). Verbrennungen mit Eiterung, die langsam heilen. Schürfwunden; infizierte, tiefgehende Wunden. Offene Frakturen (kleine, gesplitterte Frakturen mit Gefühl der Erwärmung in den Knochen).
AllgemeinAllergische Reaktionen mit Kollaps und stark verlangsamter Atmung. Entzündungen der Haut mit stechenden, brennenden Schmerzen, Schwellung und Eiterungsneigung. Eitrige, jauchige Absonderungen aus den Körperöffnungen. Stinkende Absonderungen und stinkender Atem. Überempfindlicher Geruchssinn. Vermindertes Schmerzempfinden oder heftige Schmerzen, die plötzlich kommen und gehen.
Modalitäten
  • Agg.: Lesen, mentale Anstrengung, Gehen, körperliche Anstrengung.

  • Amel.: Starker Tee, Binden.

PsycheStupor. Geistige (und körperliche) Schlaffheit. Mentale Anstrengung wie z. B. Lesen oder Studieren sind unmöglich.
Causa
Lateralität
ArzneimittelbeziehungVgl. Apis, Ars., Carb-v., Kreos., Sulph.

Carbo vegetabilis (Carb-v.)

Akutsymptome#Carbo vegetabilisNotfälleKollaps durch Traumata oder den Verlust von Körperflüssigkeiten. Starkes Bluten kleiner Wunden; anhaltende venöse Blutungen. Drogenintoxikation mit drohendem Bewusstseinsverlust. Lebensmittelvergiftung (durch Eier, Fleisch, Fisch oder verdorbenes Gemüse). Höhenkrankheit.
AllgemeinEiseskälte des Körpers mit kaltem Schweiß und Atem, aber will Luft zugefächelt bekommen. Gesicht ist blass-bläulich mit kaltem Schweiß. Akrozyanose. Innerlich brennende Schmerzen (nachts agg.). Durchfall mit fauligem Geruch. Blähungen, Aufstoßen. Schmerzlose Gangrän mit dunkelvioletter Färbung.
Modalitäten
  • Agg.: Abends, Kälte, Winter, feucht-warmes Wetter, beim Gehen, fette Nahrungsmittel.

  • Amel.: Zufächeln von Luft, Aufstoßen, Flatusabgang.

PsycheGeistige Trägheit und Erschöpfung; langsames Denken. Langsamkeit. Apathie. Abneigung gegen geistige Arbeit. Reizbarkeit. Erschrickt leicht. Angst vor Dunkelheit.
CausaFolge von Schock. Nach Säfteverlust.
Lateralität
ArzneimittelbeziehungVgl. Camph., Carb-ac., China, Verat.

Causticum (Caust.)

Akutsymptome#CausticumNotfälleVerbrennungen, v. a. der Mundschleimhaut (2.–3. Grades, dabei starke Schmerzen und Gefühl, das Fleisch liege bloß). Erfrierungen. Verätzungen der Augen. Verrenkung der Hüfte.
AllgemeinLangsam heilende Verbrennungen, die wässrige Flüssigkeit abscheiden. Körperliche Unruhe, v. a. abends und nachts. Lähmungserscheinungen ausgelöst durch kalten, trockenen Wind (v. a. Fazialislähmung). Heiserkeit durch Überanstrengung der Stimme oder Zugluft. Sehnenverkürzung oder -kontraktur; Gefühl, die Sehnen und Bänder sind zu kurz. Fissuren und Rhagaden der Haut. Unwillkürlicher Harnabgang beim Husten, Niesen etc. Warzen.
Modalitäten
  • Agg.: Spät abends (23 Uhr), trockener und kalter Wind, Durchnässung, beim Schwitzen.

  • Amel.: Wärme, feuchtes Wetter, Regen, Schwitzen.

PsycheEmpfindlich bei Ungerechtigkeit, kämpft für Gerechtigkeit. Mitgefühl mit Unterdrückten. Idealistischer Anarchist. Misstrauisch, streitsüchtig, ehrgeizig. Kummer, Erschöpfung.
CausaVerbrennungen; Kalter, trockener Wind; Folge von Kummer oder Ärger.
LateralitätSowohl Rechtsseitigkeit als auch Linksseitigkeit.
ArzneimittelbeziehungVgl. Acon., Canth., Phos., Staph.

Chamomilla (Cham.)

Akutsymptome#ChamomillaNotfälleStarke Schmerzempfindlichkeit und Schockzustände nach Unfall. Zahnungsbeschwerden. Stiche durch den Schwanzstachel eines Rochens.
AllgemeinBeschwerden treten plötzlich und heftig auf. Sehr schmerzempfindlich, Schmerzen treiben zur Verzweiflung. Neigung zu Ohnmachten. Heißes Gesicht, eine Wange heiß und rot, die andere kalt und blass. Großer Durst mit Verlangen nach kaltem Wasser.
Modalitäten
  • Agg.: Wärme, warmes Essen, nach Wutanfall.

  • Amel.: Getragenwerden, Fahren, kalte Anwendungen.

PsycheReizbar, zornig, streitsüchtig; man kann ihnen nichts recht machen. Verlangen nach Dingen, die sie im nächsten Moment wieder ablehnen. Bei Kindern Verlangen, getragen oder geschaukelt zu werden, nur dadurch zu beruhigen.
CausaZorn, Zahnung.
LateralitätEher Linksseitigkeit.
ArzneimittelbeziehungVgl. Cina, Coff., Coloc., Nux-v.

Cicuta (Cic.)

Akutsymptome#CicutaNotfälleKrämpfe oder Zuckungen infolge von Traumata des Gehirns oder der Wirbelsäule. Schnittverletzungen bzw. Splitterverletzungen (mit Tetanuskrämpfen). Verstauchungen. Gehirnerschütterungen (mit Zungenbiss; Schwindelanfälle). Meningismus.
AllgemeinStrabismus convergens (posttraumatisch). Opisthotonus. Kindisches Verhalten.
Modalitäten
  • Agg.: Kälte, Berührung, Kopfbewegungen, Erschütterung.

  • Amel.: Wärme, Denken an die Beschwerden.

PsycheKindisches Verhalten. Geistige Verwirrung. Über Tage anhaltender Bewusstseinsverlust. Will allein sein; ängstlich, misstrauisch. Furcht vor schrecklichen Dingen.
CausaTraumata von Gehirn oder Wirbelsäule.
Lateralität
ArzneimittelbeziehungVgl. Acon., Bell., Hyper., Ign., Op.

Conium (Con.)

AkutsymptomePrellung von Drüsengewebe oder Weichteilen (schwillt an und verhärtet sich langfristig). Nasenbluten. Seekrankheit.
AllgemeinSchwindel (bei kleinsten Bewegungen). Photophobie. Kaltschweißigkeit. Brady- oder Tachykardie. Aufsteigende Lähmung. Brustkrebs nach Prellung der Mamma.
Modalitäten
  • Agg.: Nachts, Schlaf, körperliche oder geistige Anstrengung, Alkohol.

  • Amel.: Dunkelheit, Gehen (gebeugt), Wärme.

PsycheTeilnahmslos, träge. Depressiv, verschlossen, ängstlich. Seelische „Verhärtung“.
CausaPrellung von Drüsengewebe.
Lateralität
ArzneimittelbeziehungVgl. Bell-p., Caust., Ph-ac.

Crotalus horridus (Crot-h.)

Akutsymptome#Crotalus horridusNotfälleBlutungen aus allen Körperöffnungen (dunkles, nicht gerinnendes Blut). Netzhaut- oder Glaskörperblutungen; Blut tritt aus dem Tränenkanal aus. Schlangenbiss, v. a. bei Klapperschlangen (mit Sepsis, Blutung, Schock, Delirium).
AllgemeinAbszess, Gangrän, Sepsis. Blutiger Schweiß. Lähmung der re. Körperhälfte. Gelbfieber. Schläfrigkeit, aber kann nicht schlafen.
Modalitäten
  • Agg.: Schlaf, feuchtwarmes Wetter, Liegen auf der re. Seite, Erschütterung.

  • Amel.: Licht, Bewegung.

PsycheÄngstlichkeit und Reizbarkeit. Geschwätzigkeit. Misstrauen. Gedächtnisschwäche.
Causa
LateralitätRechte Seite gehäuft betroffen.
ArzneimittelbeziehungVgl. Elaps., Lach., Naja, Pyrog., Sec.

Euphrasia (Euphr.)

Akutsymptome#EuphrasiaNotfälleKonjunktivitis; nach Entfernung von Fremdkörpern; Augenverletzungen.
AllgemeinHornhauttrübung nach Verletzung. Hornhautentzündung (nach Trauma oder Operation). Photophobie. Stechend-brennende Schmerzen. Starker Tränenfluss mit scharfen Tränen und milder Fließschnupfen. Augenränder gerötet und geschwollen (v. a. beim Erwachen). Photophobie.
Modalitäten
  • Agg.: Beim Hinlegen, abends und nachts, helles Licht, Wärme, Berührung, Südwind.

  • Amel.: Dunkelheit, frische Luft, Reiben in den Augen.

Psyche
CausaAugenverletzung.
Lateralität
ArzneimittelbeziehungVgl. Acon., Arn., Symph.

Glonoinum (Glon.)

Akutsymptome#GlonoinumNotfälle Sonnenstich, Sonnenbrand. Höhenkrankheit mit Kopfschmerz. Angina pectoris.
AllgemeinStarke, klopfende oder berstende Kopfschmerzen. Ohrenklingeln. Starker Schwindel. Herzschmerzen (in alle Körperteile ausstrahlend). Harter, voller Puls.
ModalitätenSymptome erscheinen heftig und plötzlich. Blutandrang zum Gesicht oder Blässe. Trockene Hitze, die sich wellenartig ausbreitet. Muskelversteifungen oder Kontraktionen.
  • Agg.: Sonne, Wärme, leichter Druck, leichte Erschütterung.

  • Amel.: Kalte Kompressen, starker Druck, Schwitzen.

PsycheRuhelosigkeit; nervöse Erregung. Geistige Verwirrung bis zur Bewusstlosigkeit.
CausaSonne, Schreck, traumatische Gehirnerschütterungen.
LateralitätLinke Seite häufig betroffen.
ArzneimittelbeziehungVgl. Bell., Lach.

Hamamelis (Ham.)

Akutsymptome#HamamelisNotfälleAkute, venöse Blutungen (z. B. Nasenbluten, Ösophagusvarizen, Hämorrhoiden). Augenverletzungen durch Schläge oder Verbrennungen (mit starken brennend-stechenden Schmerzen). Metrorrhagie nach Trauma.
AllgemeinEs wirkt v. a. auf das venöse System, ist typisch bei passiven venösen, dunklen Blutungen. Es wirkt speziell bei venöser Kongestion, Krampfadern und Hämorrhoiden, wenn die betroffene Köperpartie schmerzhaft und wie zerschlagen ist. Varikosis mit Venenverdickung und bläulich erscheinender Schleimhaut. Anhaltende Blutung nach Zahnextraktion. Anhaltendes Nasenbluten (mit Engegefühl am Nasenrücken). Konjunktivitis oder intraokuläre Blutung nach Trauma. Wunder Schmerz in den Augen. Gefühl, als würden die Augen herausgedrückt, blutunterlaufen. Schürfwunden der Haut. Großflächige Hämatome oder Ekchymosen. Entzündungen nach Verletzung, schlechte Wundheilung, Verhärtung an der verletzten Stelle. Vergrößerte, heiße und schmerzhafte Hoden; Orchitis nach Schlag auf den Hoden (evtl. posttraumatisch Entwicklung einer Hämatozele). Schmerzempfindliche Muskeln und Gelenke. Müdigkeitsgefühl in Armen und Beinen. Allgemein treten starke Schmerzen mit Prickeln und Stechen der betroffenen Körperstellen auf.
Modalitäten
  • Agg.: Warme, feuchte Luft; Druck, Bewegung, Berührung, Erschütterung.

  • Amel.: Ruhe (v. a. bei ruhigem Liegen), nach Stuhlgang, Beginn der Mens.

PsycheErschöpfte Patienten, v. a. bei Schwäche und Erschöpfung nach Blutverlust (auch nach geringem Blutverlust).
CausaVerletzungen (v. a. Schürfwunden), venöse Blutungen.
Lateralität
ArzneimittelbeziehungVgl. Arn., Calen., Bell-p., Con., Sul-ac., Puls.

Helleborus (Hell.)

Akutsymptome#HelleborusNotfälleContusio cerebri, Enzephalitis, Meningitis, Hirnödem.
AllgemeinUnempfindlich gegenüber Schmerzen, kälteempfindlich. Muskelschwäche bis zur Lähmung; starrt mit weit geöffneten Augen vor sich hin, geistesabwesender Gesichtsausdruck. Erweiterung der Pupillen. Cri encéphalique. Bohrt den Kopf ins Kissen; zupft an den Lippen oder am Bettzeug. Unwillkürliche Bewegungen; Ungeschicklichkeit. Schädeltrauma mit Gedächtnisverlust. Folgen von Gehirnerschütterung (mit geistiger Dumpfheit). Ödemneigung (v. a. Hirnödem, Ödeme der Beine und des Gesichtes). Wässrige Durchfälle (bei Hydrocephalus).
Modalitäten
  • Agg.: Von abends bis zum Morgen, kalte Luft, Anstrengung.

  • Amel.: Denken an die Beschwerden, Abwechslung, frische Luft, nach Urinieren.

PsycheAngst, Verzweiflung und Hilflosigkeit. Abstumpfung der Sinnesorgane, geistige Dumpfheit, Benommenheit. Schwermut, Gleichgültigkeit bzw. Teilnahmslosigkeit. Antwortet langsam. Störung der geistigen und intellektuellen Entwicklung.
CausaGehirnerschütterung, nach Kopfverletzungen, Meningitis, Apoplex.
Lateralität
ArzneimittelbeziehungVgl. Alum., Bell., Cic., Op., Ph-ac.

Hepar sulfuris (Hep.)

Akutsymptome#Hepar sulfurisNotfälleSelbst kleine Wunden neigen zu starken Eiterungen. Splitterverletzungen. Ulzera mit stinkenden, eitrigen Absonderungen.
AllgemeinAbszessneigung. Große Schmerzempfindlichkeit, kann zu Ohnmacht führen. Splitterartige Schmerzen. Profuse Schweiße. Urtikaria.
Modalitäten
  • Agg.: Zugluft, Kälte, Berührung.

  • Amel.: Wärme, feucht-warmes Wetter.

PsycheÜberempfindlichkeit. Verletzlichkeit, Unsicherheit. Jähzornig, gerät beim kleinsten Widerspruch in Rage. Pyromanie.
Causa
LateralitätRechte Seite gehäuft betroffen.
ArzneimittelbeziehungVgl. Calc-s., Merc., Nit-ac., Sil., Sulph.

Hyoscyamus (Hyos.)

Akutsymptome#HyoscyamusNotfälleTraumatische Gehirnerschütterung (evtl. mit Schluckauf als Begleitsymptom). Hirnblutungen (mit Nystagmus). Meningitis. Fieberkrämpfe, Fieber mit Stupor.
AllgemeinHyperästhesie, schreit vor Schmerzen. Kontraktionen sämtlicher Muskeln, allg. Krampfneigung; posttraumatische Konvulsionen. Drogenintoxikationen mit Prädelir (murmelndes Delir, drohende Bewusstlosigkeit, unfreiwilliger Harn- und Stuhlabgang; laszives Verhalten). Auffahren im Schlaf durch Alpträume. Enkopresis und Enuresis.
Modalitäten
  • Agg.: Kälte, Ruhe, beim Liegen, Schlaf, nachts.

  • Amel.: Wärme, Aufsitzen, Bücken.

PsycheErotische Manie mit der Neigung, sich zu entblößen, spielt mit den Genitalien; vulgäre Sprache, Neigung zum Fluchen; spricht schnell. Wahn mit Geschwätzigkeit. Eifersucht, Misstrauen. Furcht vor Vergiftungen und vor dem Alleinsein. Zwangsvorstellungen. Hydrophobie. Halluzinationen.
CausaGehirnerschütterung, Schreck, Eifersucht.
Lateralität
ArzneimittelbeziehungVgl. Arn., Cic., Bell., Hell., Hyper., Lach., Stram., Verat.

Hypericum (Hyper.)

Akutsymptome#HypericumNotfälleNervenverletzungen (Verletzungen von Fingern oder Zehen, Nagelbettverletzungen, offene Frakturen). Commotio cerebri, Schleudertrauma, Cocczygodynie, nach einer Zangengeburt.
AllgemeinHypericum hat starken Bezug zum Nervengwebe, steht bei Verletzungen von nervenreichen Körperpartien (z. B. Finger, Hand oder Zehen, besonders bei offenen Frakturen) im Vordergrund. Auch bei Erschütterung der Wirbelsäule oder nach Schädel-Hirn-Traumata entscheidendes Mittel. Nach Sturz aufs Steißbein (Schmerzen strahlen evtl. entlang der Wirbelsäule aus). Geht aufrecht und steif in der Wirbelsäule (Bücken agg.). Kopfschmerzen nach Gehirnerschütterung oder nach Lumbalpunktion. Auch bei lange zurückliegenden Schädel-Hirn-Traumata mit persistierenden Beschwerden (z. B. Konvulsionen oder Kopfschmerz) kann es noch hilfreich sein. Operationsschmerzen können gelindert werden; Neurasthenie nach Operationen oder Nervenverletzungen. Phantomschmerzen nach Amputationen. Verletzungen der Zahnnerven. Nervenschmerzen bei Herpes zoster. Neuralgien (Wetterwechsel agg.) sind typisch; es bestehen unerträgliche, lanzierende oder schießende Schmerzen, die oft entlang des Nervenverlaufs oder zur Körpermitte hin ausstrahlen. Schmerzhafte Schnitt-, Stich- oder Bissverletzungen. Augenverletzungen mit starken Schmerzen. Haarausfall nach einer Verletzung. Pulsieren im Scheitel. Schweregefühl. Schwindel (sowie Übelkeit und Erbrechen) nach Aufrichten. Gefühl als würde der Kopf länger; Gefühl als würde die Stirn von einer eiskalten Hand betastet. Schmerzhafte Narben. Evtl. bei Verbrennungen 3. Grades. Asthmatische Atmung nach Verletzung der Wirbelsäule (asthmatische Anfälle bei Wetterwechsel, Nebel oder Sturm). Überempfindlichkeit des Gehörs und des Geruchssinnes. Gelenke wie zerschlagen oder verrenkt. Schwäche mit Zittern der Glieder. Ständige Schläfrigkeit (z. B. nach Gehirnerschütterung). Großer Durst auf warme Getränke.
Modalitäten
  • Agg.: Bewegung, Berührung, Erschütterung, Druck, Anstrengung, nachts, Kälte, feucht-kaltes Wetter, Wetterwechsel.

  • Amel.: Strecken (nach hinten), ruhiges Liegen (auf dem Bauch), harte Unterlage.

PsycheFolge von Schreck und Schock. Nervöse Verstimmung oder Verwirrung nach Verletzungen. Schwermütigkeit. Weinerliches, evtl. hypochondrisches Benehmen. Gefühl, hoch in die Luft gehoben zu sein mit Angst herunterzufallen.
CausaVerletzung mit Nervenbeteiligung, Quetschungen oder Verletzung durch spitze Gegenstände bzw. Tierbisse, Erschütterung des Gehirns oder der Wirbelsäule, Geburtstrauma.
Lateralität
ArzneimittelbeziehungVgl. Arn., Calen., Coff., Led., Nat-s., Ruta, Staph.

Kreosotum (Kreos.)

Akutsymptome#KreosotumNotfälleVerbrennungen (mit scharfen Absonderungen). Herpes. Gangrän. Eitrige Ulzerationen.
AllgemeinAbsonderung ätzender, wundfressender Sekrete. Heftiges Brennen und Jucken der Haut (nachmittags agg.). Pulsationen verschiedener Körperteile. Kleine Wunden bluten reichlich (dunkle, sickernde Blutungen); z. B. nach Zahnextraktion. Rascher Zerfall der Zähne mit schwammigem, blutendem Zahnfleisch. Fauliger Geruch. Lungenabszess mit reichlich eitrigem Auswurf. Verlangen nach Fleisch.
Modalitäten
  • Agg.: nachmittags, abends, Ruhe, im Liegen.

  • Amel.: Wärme sowie warmes Essen, Bewegung.

PsycheRuhelosigkeit. Schwäche. Musik verursacht Weinen und Herzklopfen.
Causa
Lateralität
ArzneimittelbeziehungVgl. Ars., Canth., Carb-ac., Lach.

Lachesis (Lach.)

Akutsymptome#LachesisNotfälleWunden mit anhaltender Blutung. Septische, gangränöse Wunden mit dunklem, bläulichrotem Wundrand (und Zyanose der Haut). Nasenbluten mit dunklem, fadenziehendem Blut. Netzhautblutung (v. a. links). Nach Klapperschlangenbissen. Schwere Erfrierungen 2.–3. Grades (mit blutgefüllten, dunklen Blasen). Morphin-, Benzodiazepin- oder Alkoholvergiftung (Delir mit Geschwätzigkeit und optischen Halluzinationen; dunkelrote Hautfarbe). Lebensmittelvergiftung durch Fleisch oder Fisch. Kardiogener Schock mit pektanginösen Beschwerden (ausstrahlend in den li. Arm). Scheintod (mit Atemstillstand) nach Blitzschlag oder Ertrinken.
AllgemeinBlutungen mit blauschwarzem Blut. Ulzerierende Varizen. Erstickungsanfälle mit Zusammenschnürungsgefühl. Atemaussetzer oder asthmatische Atmung im Schlaf. Kleidung muss gelockert werden; allg. empfindlich gegen Berührung, aber starker Druck kann gut tun. Hitzewallungen.
Modalitäten
  • Agg.: Während und nach Schlaf, Wärme und Sonne, enge Kleidung, Klimakterium.

  • Amel.: Während Menses, Absonderungen und Ausscheidungen, Bewegung.

PsycheParanoide Psychosen mit Wahnvorstellungen. Delir. Eifersucht und Geschwätzigkeit (springt von einem Thema zum anderen). Misstrauen. Bestimmend, will alles unter Kontrolle haben. Schreckliche Träume.
CausaVerletzungen, Erfrierungen, Schlangenbiss, Blitzschlag, Kummer, nach Streitigkeiten.
LateralitätLinksseitigkeit.
ArzneimittelbeziehungVgl. Ars., Crot-h., Hep., Hyos., Phos., Sulph.

Ledum (Led.)

Akutsymptome#LedumNotfälleHauptmittel bei Biss- und Stichverletzungen (auch bei Zecken- oder Insektenstichen, Quallenbissen oder Stichen von Seeanemonen). Schmerzen brennend und stechend. Tetanie (mit Zucken der Muskeln nahe der Wunde). Betroffene Körperpartien sind weiß, geschwollen und kalt (fühlen sich für den Patienten aber warm an). Prellungen des Auges mit Blutung (blaues Auge nach Schlag). Blutunterlaufene Augen (kaltes Wasser amel.). Nasenbluten.
AllgemeinFrostig, aber Wärme und v. a. Bettwärme agg.; allgemeine Kälte mit Hitze des Gesichtes; warmer Fußschweiß. Blutergüsse (und Ekchymosen) mit anhaltender Verfärbung nach Verletzung. Abszesse und Panaritien. Akute oder chron. rheumatische Beschwerden (Gelenke geschwollen, warm und blass). Gichtige, schmerzhafte Knotenbildung in den Gelenken. Schmerzhafte Schwellungen (Knie, Unterschenkel, Füße). Leichtes Verstauchen von Knöcheln und Füßen; Gelenksteifigkeit. Schmerzhaft empfindliche Fußsohlen.
Modalitäten
  • Agg.: Wärme, Bettwärme, nachts, Bewegung.

  • Amel.: Kälte, kaltes Baden (Eintauchen der betroffenen Glieder in eiskaltes Wasser), frische und kühle Luft, Ruhe.

PsycheEinzelgänger, meidet die Gesellschaft, bei extremer Ausprägung sogar Furcht vor Menschen. Aufbrausend und reizbar. Traurige Stimmung.
CausaVerletzung (v. a. Stichverletzung oder Bissverletzung), Alkoholabusus.
LateralitätLinks oben und rechts unten.
ArzneimittelbeziehungVgl. Arn., Bell-p., Bry., Ham., Hyper., Rhus-t., Ruta, Symph.

Lobelia (Lob.)

Akutsymptome#Lobelia inflataNotfälleAsthma oder pectanginöse Beschwerden. Sodbrennen.
AllgemeinÜbelkeit, Erbrechen, Dyspepsie. Reichlich Speichelfluss bei gutem Appetit; quecksilberartiger Geschmack. Atemnot von Einschnürung der Brust (rasches Gehen amel.). Magen- und Schlundkrämpfe (Vagusreizung). Bewährtes Mittel unterstützend zur Raucherentwöhnung.
Modalitäten
  • Agg.: Tabak, Kälte (v. a. kaltes Waschen), nachmittags, geringste Bewegung.

  • Amel.: Wärme, rasches Gehen.

PsycheBenommenheit, Mattigkeit. Unruhe, Ängstlichkeit (v. a. bei Asthma).
CausaFolgen von Trunkenheit und Nikotinabusus. Unterdrückte Absonderungen.
Lateralität
Arzneimittelbeziehung
  • Vgl. Ars., Lob-p., Tab., Verat.

  • Lobelia purpurascens (als Gegenmittel bei Schlangenbissen)

Millefolium (Mill.)

Akutsymptome#MillefoliumNotfälleHartnäckiges Nasenbluten oder andere starke Blutungen. Blutende Hämorrhoiden.
AllgemeinDünnflüssige, glänzende, hellrote Blutungen (z. B. aus Nase, Darm oder Harnröhre bzw. nach Zahnextraktion). Schmerzhafte Krampfadern während der Schwangerschaft. Durchbohrende Kopfschmerzen. Anhaltend hohe Temperatur. Verrenkungsschmerz durch Verheben.
Modalitäten
  • Agg.: Kälte, Druck.

  • Amel.: Ruhe.

Psyche
CausaBlutungen nach starker Anstrengung, Heben großer Gewichte oder nach Trauma.
Lateralität
ArzneimittelbeziehungVgl. Sec., Ip., Ham.

Natrium muriaticum (Nat-m.)

Akutsymptome#Natrium muriaticumNotfälleKopfschmerz (durch Sonne, posttraumatisch). Sonnenbrand, Sonnenstich.
AllgemeinNeigung zu Verhärtung auf der Gemüts- und auf der körperlichen Ebene. Prellungen mit anhaltenden Beschwerden. Gefühl, die Muskeln und Sehnen seien verkürzt. Kopfschmerzen (durch Sonne, in der Schule). Sonne wird schlecht vertragen (Sonnenallergie, Sonnenstich und Sonnenbrand). Beschwerden durch Überanstrengung der Augen. Sensible Patienten u. a. mit Überempfindlichkeit für Geräusche. Urtikaria nach starker sportlicher Anstrengung. Neigung zu Akne und zu trockenen Ekzemen. Rissige Finger, Riss in der Mitte der Unterlippe, Mundwinkelrhagaden, Aphthen. Wiederaufbrechen alter Narben. Absonderungen oder Sekrete sind typischerweise weiß oder klar. Verlangen nach Salz, großer Durst.
Modalitäten
  • Agg.: Trost, Sonne, Sommerhitze, 10–11 Uhr.

  • Amel.: Seeluft (oder agg.), Druck, Liegen auf harter Unterlage (bei Rückenschmerz).

PsycheBeschwerden durch stillen Kummer. Durch eine emotionale Verletzung bei diesen sensiblen Menschen entwickelt sich ein Rückzug in die Isolation mit zunehmender Verhärtung. Evtl. Depressionen mit Suizidgedanken. Trost agg. und wird abgelehnt. Tränen werden verborgen; es kann aber auch zu hysterischen Ausbrüchen mit unwillkürlichem Lachen oder Weinen kommen.
CausaFolge von Kummer, Aufenthalt in der Sonne.
Lateralität
ArzneimittelbeziehungVgl. Carc., Ign., Sep., Staph.

Natrium sulfuricum (Nat-s.)

Akutsymptome#Natrium sulfuricumNotfälle(Chronische) Beschwerden nach Schädel-Hirn- oder Wirbelsäulentrauma. Akute Zustände treten plötzlich und heftig auf. Meningitis spinalis. Pneumonie (v. a. linker Unterlappen). Gallenkoliken.
AllgemeinTypisch ist die „hydrogenoide Konstitution“, also die Agg. durch Feuchtigkeit, Nebel, nasses Wetter etc. Asthma bronchiale (feuchtes Wetter agg., gegen 4 Uhr agg.). Chron. Kopfschmerzen, Schwindel, Krämpfe oder geistig-seelische Verhaltensänderungen nach Schädel-Hirn-Traumata. Berührungsempfindlichkeit am Rücken und v. a. über der Wirbelsäule. Ischiasbeschwerden. Chron. rheumatoide Arthritis. Absonderung von dickem, gelblichem Sekret oder wässrige Absonderungen. Bitterer Geschmack. Verlangen Eis oder eiskalten Getränken. Große Stuhlmengen.
Modalitäten
  • Agg.: Feuchtigkeit (feuchtes Wetter, feuchte Wohnung, am Meer), Obst.

  • Amel.: Warme, trockene Luft; nach Stuhlgang, Lagewechsel.

PsychePsychische Veränderungen oder Depressionen nach SHT oder Wirbelsäulenverletzungen. Nüchterne und verschlossene Personen. Entfremdung vom Partner oder der Familie. Die Patienten haben ein starkes Pflicht- und Verantwortungsgefühl. Sie neigen zu Depressionen mit Suizidgedanken; Traurigkeit durch Musik. Reizbarkeit.
CausaVerletzungen des Kopfs oder der Wirbelsäule, Beschwerden durch Feuchtigkeit.
LateralitätLinke Seite gehäuft betroffen.
ArzneimittelbeziehungVgl. Arn., Aur., Hyper., Merc., Nat-m., Podo., Sulph., Thuj.

Nitricum acidum (Nit-ac.)

AkutsymptomeTiefgehende Schnittwunden (durch Schnitte oder Splitter) mit starker Blutung und stechenden oder splitterartigen Schmerzen. Fissuren und Rhagaden (v. a. der Körperöffnungen). Erschütterungen bzw. Verletzungen der Wirbelsäule.
AllgemeinNeigung zu Warzen, Geschwüren und Tumoren mit schmerzhafter Eiterung. Typisch sind splitterartige Schmerzen an unterschiedlichsten Stellen. Neigung zu Keloiden und schmerzhaften Narben (v. a. bei Wetterwechsel). Schweiß übel riechend oder sauer.
Modalitäten
  • Agg.: Abends und nachts, kalte Luft, Wetterwechsel, Anstrengung, Berührung, Lärm.

  • Amel.: Warmes Zudecken oder heiße Anwendungen, Fahren im Wagen, nach Liegen.

PsycheThema Hass/Zorn, kann nicht verzeihen, hat das Gefühl, man will ihm etwas antun. Thema „Feind oder Freund“, „Alles oder Nichts“. Misstrauen. Verfolgt Ziele mit harter intellektueller Strategie, ist gefühlskalt, findet schwer Kontakt zu anderen. Neigung, zu fluchen; zynischer Humor, schnell gereizt. Schmerzüberempfindlich.
CausaGeistige oder körperliche Überanstrengung, Schlafmangel.
LateralitätLinke Seite gehäuft betroffen.
ArzneimittelbeziehungVgl. Arn., Calen., Hep., Lyc., Med., Merc., Nux-v., Thuj.

Nux vomica (Nux-v.)

Akutsymptome#Nux vomicaNotfälleAkute Alkoholvergiftung oder Alkoholrausch. Übelkeit und Erbrechen; Gastroenteritis (evtl. mit Kolik). Magen- oder Duodenalulzera. Allergische Reaktionen. Ischialgie.
AllgemeinEines der Hauptmittel bei Abusus von Drogen und Stimulanzien (Alkohol, Medikamente, Nikotin, Kaffee etc.). Neigung zu Polytoxikomanie mit Abusus mehrerer leichter Drogen. Typisches Mittel bei „Kater“ mit Übelkeit, Kopfschmerz am Morgen und Überempfindlichkeit gegen alle äußeren Reize. Beschwerden wenn vieles durcheinander gegessen und getrunken wurde. Übelkeit mit viel Würgen, kann aber schlecht Erbrechen, wobei Erbrechen amel. Schlaflosigkeit (erwacht ca. 3 Uhr), aber Schläfrigkeit nach Essen. Frostig, zugluftempfindlich.
Modalitäten
  • Agg.: Kälte, morgens, geistige Überanstrengung, Berührung.

  • Amel.: Wärme, abends, bei feuchtem Wetter, nach Stuhlgang, nach Erbrechen, kurzer Schlaf.

PsycheEhrgeizig, Patienten sind oft „Workaholics“, dabei sehr reizbar, nervös und ungeduldig. Auffallende Überempfindlichkeit (u. a. gegen Geräusche, Gerüche, Licht oder Berührung). Auffallend ist das Verlangen nach Aufputschmitteln aller Art.
CausaÜberessen, Alkoholvergiftung, Medikamentenunverträglichkeit, Narkose.
LateralitätRechtsseitigkeit.
ArzneimittelbeziehungVgl. Coloc., Lyc., Med., Sulph.

Opium (Op.)

Akutsymptome#OpiumNotfälleSchock durch Verletzungen. Konvulsionen, nervöse Zuckungen, Furcht, heiße Schweiße. Paralytischer Ileus (evtl. nach Trauma). Fieberkrämpfe; Meningitis. Erstickungsanfälle beim Einschlafen. Gehirnerschütterung oder Hirnblutungen. Drogenintoxikation (z. B. Benzodiazepine). Alkoholvergiftung (erst fröhlich, dann schläfrig-benommen; schnarchende Atmung). Schlangenbisse (von Klapperschlangen). Sonnenbrand.
AllgemeinSchläfrigkeit (beispielsweise nach Narkose oder bei Intoxikationen), schläft beim Reden oder Sitzen ein. Benommenheit und schnarchend-röchelnde Atmung. Obstipation ohne Stuhldrang (durch Schreck, auf Reisen, postoperativ), Stuhl harte, schwarze Klumpen. Schmerzlosigkeit sonst schmerzhafter Beschwerden. Dunkelrote Haut, v. a. dunkelrotes, heißes, verschwitztes Gesicht. Heiße Schweiße (außer an den unteren Extremitäten).
Modalitäten
  • Agg.: Hitze, Sonne, während und nach Schlaf, unterdrückte Absonderungen.

  • Amel.: Kälte, kalte Speisen und Getränke, frische Luft.

PsycheStupor, Benommenheit, Trägheit und Reaktionsmangel. Tiefgehender Schreck und Schock (z. B. durch Anblick eines Unfalls) mit anhaltender, lähmender Angst, aber evtl. auch Furchtlosigkeit. Starrer Blick mit Unempfindlichkeit gegen Licht. Gleichgültigkeit. Klagt über keinerlei Beschwerden. Lebhafte Phantasie. Delirante Zustände. Wahnidee, würde ermordet.
CausaFolge von Schreck oder Schock, Operationen, Kopfverletzungen, nach Drogenabusus.
Lateralität
ArzneimittelbeziehungVgl. Acon., Bell., Gels., Nux-m.

Oxalicum acidum (Ox-ac.)

Akutsymptome#Oxalicum acidumNotfälleGiftige Bisse und Stiche (durch Schlangen, Spinnen, Rochen). Angina pectoris.
AllgemeinGastroenteritis. Schmerzen im Bereich des linken unteren Lungenlappens oder Pleuraschmerz. Pectanginöse Schmerzen mit Kälte in den Händen und Zyanose der Finger. Lähmungserscheinungen der Extremitäten. Atemnot; kurzes ruckartiges Einatmen. Kollapszustände mit kaltem Schweiß. Starke Schmerzen, die blitzartig auftreten können und typischerweise an kleinen Stellen auftreten. Verletzungsstelle ist blass, kalt und geschwollen.
Modalitäten
  • Agg.: Denken an die Beschwerden, Bewegung, Berührung, Licht.

  • Amel.: Abgang von Blähungen.

PsycheStupor. Starke Schmerzempfindlichkeit, Schmerzen agg. beim Denken daran, besser durch Ablenkung.
CausaTierbisse oder -stiche.
LateralitätLinke Seite gehäuft betroffen.
ArzneimittelbeziehungVgl. Ars., Colch., Pic-ac.

Phosphoricum acidum (Ph-ac.)

Akutsymptome#Phosphoricum acidumNotfälleLangsam heilende Frakturen mit verzögerter Kallusbildung. Wachstumsschmerzen; zu schnelles Wachstum. Rachitis. Neuralgische Amputationsschmerzen (tiefes Atmen amel.). Gefühl, als ob die Knochen mit einem Messer abgeschabt würden. Periostitis. Erschöpfender Flüssigkeitsverlust, Dehydratation. Krebsschmerzen. Anämie.
AllgemeinHauptthema ist die Schwäche; sie besteht erst geistig, dann emotional und erst danach auf körperlicher Ebene. Schulkopfschmerz ist typisch.
Modalitäten
  • Agg.: Anstrengung (v. a. geistige), Erschütterungen, Lärm, Verlust von Körperflüssigkeiten, feucht-warmes Wetter.

  • Amel.: Ruhe, (kurzer) Schlaf, frische Luft.

PsycheÜberforderung mit daraus resultierender Schwäche bis hin zur Apathie, alles wird gleichgültig. Stille, schlappe, schlacksige Typen. Sie finden beim Sprechen nicht die richtigen Worte, haben ein schlechtes Gedächtnis. Sie sind lustlos, brüten über ihren Zustand, antworten langsam.
CausaFolge von Schock, von Kummer, von geistiger Überanstrengung. Erschöpfender Flüssigkeitsverlust. Z. n. Amputation.
LateralitätRechte Seite gehäuft betroffen.
ArzneimittelbeziehungVgl. Calc-p., Carb-v., Chin., Gels., Phos., Pic-ac.

Phosphorus (Phos.)

Akutsymptome#PhosphorusNotfälleBlutungen allgemein (helles bis leuchtend rotes Blut), v. a. Nasenbluten, Zahnfleischbluten oder Netzhautblutungen sind typisch. Quetschverletzungen. Ohnmacht. Beschwerden durch Blitzschlag oder Stromschlag (mit Kribbeln und Verlust des Sehvermögens). Verbrennungen durch Röntgenstrahlen (brennende Schmerzen). Pneumonie (v. a. der rechte Unterlappen).
AllgemeinHochgewachsene, schlanke, sensible Menschen mit empfindlichen Sinnen (v. a. Geruchssinn). Brennende Schmerzen. Erbrechen, sobald Wasser im Magen warm wird. Angstbedingte Schlaflosigkeit. Verlangen Eis, Durst auf Kaltes. Verlangen gewürzte Speisen. Abneigung gegen heiße Speisen und Getränke.
Modalitäten
  • Agg.: Alleinsein, Dunkelheit, Gewitter, Anstrengung, Liegen auf der linken Seite.

  • Amel.: Trost, Streicheln, Zuwendung, nach Schlaf, Kälte.

PsycheOffene, kommunikationsbedürftige Menschen, mitfühlend; „wie ein Streichholz“: schnell begeisterungsfähig, aber wenig Durchhaltevermögen. Schnell erschöpft, apathische Schwächezustände. Furcht vor Dunkelheit, Gewitter, Krankheit etc.
CausaNach Blutungen (oder Säfteverlust), Erregung, Erwartungsspannung.
LateralitätRechtsseitigkeit.
ArzneimittelbeziehungVgl. Ars., Arn., Caust., Lach., Med., Tub.

Pulsatilla (Puls.)

Akutsymptome#PulsatillaNotfälleVerletzungen (der Weichteile, der Drüsen, mit Extravasaten; hellrotes Blut; evtl. mit Eiterungen). Frostbeulen (v. a. juckende Frostbeulen der Hände). Unverträglichkeit von Obst oder fetten Speisen (mit Durchfall und Übelkeit). Kinderkrankheiten (v. a. Masern und Mumps). Otitis media (links). Zystitis (durch Unterkühlung). Konjunktivitis.
AllgemeinSchneller Wechsel der Symptome. Wandernde Schmerzen mit wechselnder Lokalisation. Reagiert empfindlich auf alle äußere Reize. Typisch sind dicke, milde, gelbliche Absonderungen. Bei Durchfall gleichen sich keine zwei Stühle. Friert leicht, lehnt aber warme Anwendungen oder warme Räume ab. Durstlosigkeit (bei trockenem Mund).
Modalitäten
  • Agg.: Wärme (trotz Frostigkeit), Ruhe, Alleinsein, Obst, fette Speisen.

  • Amel.: frische Luft, kalte Anwendungen, langsame Bewegung, Trost.

PsycheSehr weinerlich. Naiv, milde, nachgiebig, leicht beeinflussbar. Unentschlossen und unsicher. Widersprüchlich mit wechselnder Stimmung. Häuslich veranlagt. Angst v. a. im Dunkeln und vor dem Alleinsein.
CausaBeschwerden durch Obst oder fette Speisen.
LateralitätRechtsseitigkeit (Ausnahme: linksseitige Otitis).
ArzneimittelbeziehungVgl. Calc., Kali-s., Phos., Sil.

Pyrogenium (Pyrog.)

Akutsymptome#PyrogeniumNotfälleLebensmittelvergiftungen (durch Fleisch, Fisch oder Pilze). Eiterungen und septische Zustände (mit hohem Fieber, das durch Schwitzen nicht sinkt). Schwefelwasserstoffvergiftungen (z. B. durch Faulgase).
AllgemeinAlle Absonderungen stinken fürchterlich. Heftiges Brennen eiternder Stellen. Auszehrendes, anhaltend hohes Fieber. Trockene, saubere Zunge. Herzklopfen (geringste Bewegung agg.). Obstipation bei Sepsis oder schmerzlose Diarrhoe. Tachykardie. Schmerzhaftigkeit an den Stellen, auf denen der Patient liegt. Gefühl, das Bett wäre zu hart.
Modalitäten
  • Agg.: Ruhe, Druck.

  • Amel.: Bewegung (v. a. fortgesetzte), Wärme.

PsycheRuhelosigkeit (bei Sepsis). Ängstlichkeit. Geschwätzig, evtl. verrückte oder wahnhafte Vorstellungen.
CausaIntoxikation.
LateralitätRechtsseitige Bauchschmerzen.
ArzneimittelbeziehungVgl. Ars., Lach., Rhus-t.

Rhus toxicodendron (Rhus-t.)

Akutsymptome#Rhus toxicodendronNotfälleLumbago (Bewegen oder Liegen auf harter Unterlage amel.), Ischiasbeschwerden, Hexenschuss, Tennisarm. Schleudertrauma. Beschwerden durch Verrenken oder Überheben. Torticollis.
AllgemeinStarker Bezug zum Bewegungsapparat, die Steifheit ist dabei typisch (Hals, Gelenke u. a.). Beschwerden durch Überanstrengung (Distorsionen, Zerrungen, Tennisarm etc.). Vom Gemüt und vom Körper her ist die Ruhelosigkeit typisch, Bewegung bessert (mit anfänglichem Anlaufschmerz). Hautsymptome (bläschenartige Ausschläge, z. B. bei Herpes zoster). Heiserkeit durch Überanstrengung der Stimme (beim Sprechen amel.). Entzündung mit geschwollenen Drüsen. Verlangen den Hals zu bedecken (mit Schal oder Tuch). Augenentzündung (nach Schwimmbadbesuch).
Modalitäten
  • Agg.: Nasskaltes Wetter, Zugluft, Entblößen einzelner Körperteile, zu Beginn der Bewegung.

  • Amel.: Wärme und warme Anwendungen, Bewegung und körperliche Anstrengung (evtl. anfänglicher Anlaufschmerz), Liegen auf harter Unterlage.

PsycheRuhelosigkeit (bei fast allen Beschwerden), zwingt zum Umhergehen. Neigung zu weinen. Mutlos, hoffnungslos, unglücklich. Nächtliche Ängstlichkeit. Furcht, verletzt oder vergiftet zu werden.
CausaDurchnässung, Überanstrengung, Verstauchung, Verrenkung.
LateralitätBeschwerden links oben und rechts unten.
ArzneimittelbeziehungVgl. Arn., Bry., Dulc., Rhod., Ruta, Tub., X-Ray.

Ruta (Ruta)

Akutsymptome#RutaNotfälleRückenschmerz (durch Rückenlage und durch Druck amel.). Lumbago (morgens vor dem Aufstehen agg.). Tennisarm. Prellungen, Luxationen, Frakturen (v. a. bei komplizierten Frakturen).
AllgemeinViele Parallelen zu Rhus toxicodendron, v. a. bei den Bewegungsmodalitäten, der Kälteempfindlichkeit und bzgl. der Ruhelosigkeit mit häufigem Lagewechsel. Auffallend ist bei Ruta aber das Verlangen nach kaltem Wasser. Betroffen sind v. a. das Periost, die Bänder und Gelenke, ein besonderer Bezug besteht zu den Beugesehnen. Bänderüberdehnungen, Verstauchungen, Verrenkungen. Schmerzende Sehnen und Knöchel, charakteristisch sind schmerzende Sitzknochen. Zerschlagenheitsgefühl. Lähmung nach Verstauchung. Steifheit der Gelenke. Ganglion des Handgelenkes, Sehnenentzündung (am Daumen) nach Überanstrengung. Heilungsverzögerung bei Frakturen. Starke Prellungen mit Periostschmerzen (mit begleitendem Schwächegefühl). Jede Anstrengung ist erschöpfend. Schmerzen beim Sitzen (v. a. nach Sport wie beispielsweise Reiten oder Radfahren). Kopfschmerz oder verschwommenes Sehen durch Augenüberanstrengung, beispielsweise durch Computerarbeit, Lesen etc. (Augen fühlen sich erschöpft an; Augen brennen wie Feuerbälle). Rote, heiße Augen (Konjunktivitis). Erkrankungen des Rektums (Polypen, Prolaps, Karzinom).
Modalitäten
  • Agg.: Kälte, feucht-kaltes Wetter, Beginn der Bewegung, Liegen (auf der schmerzhaften Seite), Hängenlassen der betroffenen Gliedmaßen.

  • Amel.: Wärme, fortgesetzte Bewegung, Hochlegen der betroffenen Gliedmaßen, Reiben.

PsycheSchwächegefühl, fühlt sich bedrückt, ist unzufrieden und verzweifelt. Die Patienten sind abgespannt, sie fühlen sich trotz Ruhelosigkeit kraftlos.
CausaFrakturen, Luxationen, Verstauchung, Überanstrengung (v. a. der Augen und der Beugesehnen).
Lateralität
Arzneimittelbeziehung
  • Vgl. Arn., Calc-p., Rhus-t., Symph.

  • Ruta folgt gut auf Arn. bei Verletzungen, die ein paar Tage zurückliegen.

Secale cornutum (Sec.)

Akutsymptome#Secale cornutumNotfälleVarizenblutungen oder Metrorrhagien (anhaltend wässrig-dunkle Blutung, evtl. klumpiges Blut), Nasenbluten oder kleine Blutungen, die viele Stunden anhalten. Kollaps nach passiven Blutungen. Venöse Ulzera. Verbrennungen oder Erfrierungen mit Gangrän (bei denen Hitze agg.).
AllgemeinTypisch bei älteren, abgemagerten, geschwächten Menschen. Neigung zu trockener Gangrän (z. B. nach Ekchymosen mit blutgefüllten Blasen oder bei Erfrierungen). Raynaud-Syndrom (mit Blässe und dunkelvioletten Fingern). Innerliche Hitze und Brennen, wobei sich die Haut sehr kalt anfühlt und Hitze sowie Zudecken agg. Großer Durst.
Modalitäten
  • Agg.: Hitze, durch Zudecken.

  • Amel.: Kälte, Aufdecken, Entblößen, Ausstrecken der Glieder, Reiben.

PsycheSchwäche mit Ruhelosigkeit und großer Angst.
Causa
Lateralität
ArzneimittelbeziehungVgl. Ars., Camph., Carb-v., Ham., Verat., Vip.

Silicea (Sil.)

Akutsymptome#SiliceaNotfälleEiterungen, Fisteln, Panaritien. Splitterverletzungen (fördert das Abstoßen von Fremdkörpern). Augenverletzungen durch Fremdkörper im Auge. Knochen- oder Knochenhautentzündungen.
AllgemeinGroßer Kopf bei zartgliedrigen Extremitäten. Frostigkeit. Neigung zu Eiterungen (z. B. durch Fremdkörper, Fisteln oder bei Panaritium), auch chron. Eiterungen. Frakturen mit langsamer Heilung (große Berührungs- und Druckempfindlichkeit). Keloidbildung (v. a. bei dicken, langsam entstandenen Narben, die wieder aufgehen). Nageldeformationen oder brüchige Haare.
Modalitäten
  • Agg.: Kälte, Zugluft, Druck, geistige Arbeit.

  • Amel.: Wärme (z. B. warmes Einhüllen, warmes Zimmer oder feucht-warmes Wetter).

PsycheSchüchtern und nachgiebig, aber auch eigensinnig. Unentschlossenheit. Erwartungsspannung. Sensible, feinfühlige Menschen; gewissenhaft und präzise bei der Arbeit. Furcht vor spitzen Gegenständen wie Nadeln.
CausaImpfungen, Kälteeinwirkung (v. a. bei Zugluft), Unterdrücken von Absonderungen.
LateralitätLinke Seite gehäuft betroffen.
ArzneimittelbeziehungVgl. Calc., Calc-p., Hep., Puls., Ruta.

Staphisagria (Staph.)

Akutsymptome#StaphisagriaNotfälleGlatte Schnittwunden (durch Glas, durch Operationen etc.), Stich- oder Splitterverletzungen. Sehnenverletzung mit durchschnittener Sehne.
AllgemeinPostoperative Schmerzen mit schwieriger Narbenbildung. Narbenschmerzen. Langsam heilende Frakturen. Große Schmerz- und Berührungsempfindlichkeit. Zystitis (nach Zystoskopie oder unerwünschtem Verkehr). Juckreiz (nach Kratzen verlagert sich der Juckreiz an andere Körperstelle). Nervöses Zittern (v. a. innerlich). Gerstenkörner. Kann zur Vorbeugung von allergischen Problemen bei Insektenstichen gegeben werden. Wird auch zur Prophylaxe von Mückenstichen eingesetzt.
Modalitäten
  • Agg.: Berührung (der betroffenen Stelle), nach Mittagschlaf (oder kurzem Schlaf), nach Ärger, beim Denken an die Beschwerden.

  • Amel.: Ruhe, Wärme.

PsycheLeicht verletzbar und gekränkt. Empfindlich bei Ungerechtigkeit. Unterdrückte Wut; evtl. Zornesausbrüche, wobei Gegenstände in die Ecke geworfen werden.
CausaSchnittverletzungen, Kränkung, Demütigung, Vergewaltigung.
Lateralität
ArzneimittelbeziehungVgl. Calen., Caust., Ign., Nat-c., Nux-v., Sil.

Stramonium (Stram.)

Akutsymptome#StramoniumNotfälleFieberkrämpfe; Konvulsionen. Meningitis. Asthma bronchiale. Glottisödem mit Atemnot und spastische Kontraktionen der Pharynx- und Ösophagusmuskulatur. Alkoholintoxikation oder Alkoholdelir (mit aggressivem Verhalten, zugleich aber auch ängstlich und schreckhaft). Aggressive Psychosen. Lebensmittelvergiftungen durch Kartoffeln (Schmerzlosigkeit, aber großes Unbehangen).
AllgemeinAnalgesie trotz heftiger Krankheitsverläufe. Krampfneigung ist typisch, es treten sogar schmerzfreie Krämpfe ohne Bewusstseinsverlust auf. Tremor. Schlafstörungen (mit Angst und Unruhe).
Modalitäten
  • Agg.: Dunkelheit, Alleinsein, Kälte, unterdrückte Absonderungen, nach Schlaf.

  • Amel.: Wärme, aber auch kaltes Wasser; Licht, Gesellschaft.

PsycheStarke Aggressivität, sehr brutal (schlägt, beißt, flucht etc.). Delir mit Geschwätzigkeit. Klammert sich nach Schreck an umstehende Personen. Panik und Todesangst. Furcht vor Dunkelheit und Alleinsein, vor Tunneln, vor Hunden und vor Wasser; Verlangen nach Licht.
CausaBeschwerden durch Schreck, nach Kopfverletzungen, nach Fieber.
Lateralität
ArzneimittelbeziehungVgl. Bell., Hyos., Lach.

Sulfur (Sulph.)

Akutsymptome#SulfurNotfälleEiternde Wunden; Abszesse nach eiternden Hautausschlägen. Wadenkrämpfe oder Krämpfe der Fußsohlenmuskulatur (nachts oder beim Gehen). Neigung zu Überdehnungen und Zerrungen. Alkoholintoxikation (rote, warme Haut; geschwätzig).
AllgemeinKörperöffnungen sind auffallend gerötet. Absonderungen und Ausdünstungen übel riechend und wund machend. Hautausschläge mit Juckreiz oder Brennen. Hitzige Patienten mit brennenden Schmerzen, typisch sind heiße Fußsohlen. Wundheilungsstörungen, langsam heilenden Wunden, Eiterneigung, Keloidbildung. Frühmorgendlicher Durchfall. Heißhunger um 11 Uhr.
Modalitäten
  • Agg.: Bettwärme, Hitze, Stehen, Waschen, Baden; morgens, v. a. 11 Uhr.

  • Amel.: Trockenes, warmes Wetter; frische Luft.

PsycheUnordentlichkeit und Gleichgültigkeit bzgl. des Aussehens. Überempfindlich gegenüber dem eigenen Körpergeruch. Abneigung gegen Waschen. Faulheit oder eifriger und interessierter Bastler; sehr neugierig. Theoretisiert und lamentiert gerne. „Philosoph in Lumpen“.
CausaUnterdrückte Hautausschläge, zu viele Medikamente.
LateralitätLinke Seite gehäuft betroffen.
ArzneimittelbeziehungVgl. Ant-c., Calc., Calc-s., Hep., Kali-s., Lyc.

Sulfuricum acidum (Sul-ac.)

Akutsymptome#Sulfuricum acidumNotfälleNeigung zu Ulzera und Eiterungen. Gangrän nach mechanischen Verletzungen. Nach Gehirnerschütterung (mit anschließendem Schwächegefühl und Schwitzen). Intraokulare Blutungen nach Verletzungen mit Ekchymosen der Bindehaut oder Netzhautblutungen. Dabei stechende Schmerzen oder Juckreiz und Sandgefühl im Auge. Blutende Hämorrhoiden, Analfissuren.
AllgemeinHämorrhagische Diathese mit blutenden Geschwüren. Blutungsneigung (mit schwarzem, flüssigem Blut). Neigung zu „syphilitischen“ Symptomen wie z. B. Aphthen, Magengeschwüren, Ulzera. Außerdem typisches Mittel bei Verletzungsfolgen mit Gangränneigung, mit großflächigen Ekchymosen oder Blutergüssen nach geringen Prellungen. Zerschlagenheit mit Schwere in den Knochen, wie zerbrochen, zerquetscht oder verrenkt. Übel riechende, brennende Nachtschweiße; Schweiß durch warme Speisen und Getränke. Körperliche Schwäche mit innerlichem Zittern.
Modalitäten
  • Agg.: Kälte, Bettwärme, Alkohol, Rauch, Gerüche (beispielsweise Kaffee), Verletzungen.

  • Amel.: Heiße Getränke, schnelles Gehen.

PsycheThema Hast, Eile und Zügellosigkeit, nichts geht schnell genug; Patienten reagieren ärgerlich, wenn sie selbst oder andere nicht schnell genug sind. Kurze Pausen reichen oft zur Regeneration. Kurz angebunden, einsilbig. Bei allem schnell, oft fleißig. Hinzu kommen aber Schwächegefühle und Erschöpfung.
CausaFolgen von Verletzungen. Folgen von Alkohol oder Rauchen.
LateralitätRechte Seite gehäuft betroffen.
Arzneimittelbeziehung
  • Vgl. Arn., Calen., Lach., Led., Nux-v., Sulph., Tarent., Tub.

  • Folgt gut nach Arn., Con., Ruta bei entsprechenden Verletzungen.

Symphytum (Symph.)

Akutsymptome#SymphytumNotfälleNach Schlägen aufs Auge bzw. Orbitakontusionen (z. B. durch Schnee- oder Tennisball). Evtl. Gefühl, als würde das Oberlid über eine Erhebung streichen, wenn es geschlossen wird. Frakturen (v. a. nach stumpfen Traumata). Verletzungen von Sehnen und Bändern. Knorpelschädigungen (z. B. am Knie- oder Hüftgelenk).
AllgemeinBlasses, erschöpftes Aussehen. Periostschmerz als Verletzungsfolge (v. a. als Spätfolge). Stechender Schmerz und Wundheitsgefühl des Periosts. Traumatische Periostitis. Schlecht heilende Knochenbrüche, komplizierte Knochenbrüche. Pseudarthrosen. Rückenschmerzen, die durch heftige oder ruckartige Bewegungen ausgelöst wurden. Verletzung oder Überanstrengung der Wirbelsäule. Empfindlicher Amputationsstumpf.
Modalitäten
  • Agg.: Berührung, Druck, Bewegung.

  • Amel.: Wärme.

PsycheKeine charakteristische Symptomatik bekannt.
CausaFrakturen, Schlag aufs Auge.
Lateralität
Arzneimittelbeziehung
  • Vgl. Arn., Bell-p., Calc-p., Ruta.

  • Folgt bei Frakturen gut nach Arnica, besonders bei verminderter Kallusbildung.

Tarentula hispanica (Tarent.)

Akutsymptome#Tarentula hispanicaNotfälleInsektenstiche (Wunde dunkelblau verfärbt, brennende oder juckende Schmerzen), Bisse der Buschmeisterschlange oder Spinnenbisse (Tarantel). Furunkel mit bläulicher Verfärbung und stechend-brennenden Schmerzen. Maligne Eiterung; Abszesse, Gangrän, Furunkel, Karbunkel, Sepsis.
AllgemeinStarker Bewegungsdrang (v. a. monotone, rhythmische Bewegungen). Hyperkinetisches Syndrom. Überempfindliche Sinnesorgane. Neuralgien. Erstickungsanfälle. Frostigkeit, aber Verlangen nach frischer Luft. Großer Durst auf große Mengen kalter Getränke.
Modalitäten
  • Agg.: Berührung betroffener Stellen, Ruhe, Kälte, leuchtende Farben.

  • Amel.: Rhythmische Musik und Tanz, schnelle Bewegung, Reiben betroffener Stellen.

PsycheUngeduldig, eilig, ruhelos; Zwang zu Aktivität und Geschäftigkeit, Verlangen rhythmisch zu tanzen. Starker Bewegungsdrang, Abneigung angefasst zu werden (mit Zorn). Plötzliche Stimmungswechsel. Hysterie mit Ohnmachtsanfällen. Lockere Moralvorstellungen, Nymphomanie. Zerstörerische Impulse. Furcht vor schwarzen Dingen.
CausaTierbisse.
LateralitätLinke Seite gehäuft betroffen.
ArzneimittelbeziehungVgl. Bell., Hyos., Lach., Led., Nux-v., Stram., Tub.

Urtica urens (Urt-u.)

Akutsymptome#Urtica urensNotfälleUrtikaria mit juckenden, brennenden oder stechenden Schmerzen; z. B. nach Insektenstichen, nach Quallen- oder Flohbissen. Allergische Reaktionen mit Urtikaria etc. (z. B. durch Nahrungsmittel, v. a. durch Meeresfrüchte). Leichte Verbrennungen durch kochendes Wasser.
AllgemeinAngioneurotisches Ödem. Bläschenausschlag (Windpocken, Herpes labialis). Neuritis. Ausbleibende oder stockende Milchsekretion in der Stillzeit. Körpergeruch urinartig.
Modalitäten
  • Agg.: Berührung, feucht-kalte Luft, kühles Bad.

  • Amel.: –

PsycheKeine charakteristische Symptomatik bekannt.
CausaAllergie, Insektenstiche.
Lateralität
ArzneimittelbeziehungVgl. Apis, Form., Medus., Nat-m., Rhus-t.

Veratrum album (Verat.)

AkutsymptomeKollaps und Schockzustände mit extremer Kälte des ganzen Körpers. Kalter Schweiß. Allergische Reaktion nach Insektenstichen. Alkoholvergiftung (aggressives Verhalten, wahnhaftes Delir mit Beten).
AllgemeinKollaps und Schwäche mit Erbrechen und Diarrhoe. Cholera. Blasses, kaltschweißiges Gesicht. Fällt bei geringer Anstrengung in Ohnmacht. Krämpfe, die in den Händen beginnen und sich über den ganzen Körper ausbreiten. Großer Durst auf kaltes Wasser oder saure, erfrischende Getränke.
Modalitäten
  • Agg.: Leichte Anstrengung oder Bewegung, Trinken, nach Schweiß, beim Stuhlgang, Mens.

  • Amel.: Ruhe, Wärme, warmes Wetter, Zudecken, horizontale Lagerung.

PsycheHeftige delirante Zustände. Religiöser Wahn. Ehrgeizig, hyperaktiv und ruhelos.
CausaVerletzte Ehre, Kränkung, Gefühlserregung, Schreck.
Lateralität
ArzneimittelbeziehungVgl. Ars., Camph., Carb-ac., Carb-v., Cupr., Hyos., Stram.

Vipera berus (Vip.)

Akutsymptome#Vipera berusNotfälleAnhaltende venöse Blutungen (Varizenblutung, Nasenbluten). Phlebitis und Entzündung variköser Venen mit berstenden Schmerzen. Schlangenbisse (v. a. durch Vipera aspis).
AllgemeinStarke, über den ganzen Körper ausstrahlende Schmerzen. Unerträgliche Schmerzen, wenn betroffene Extremität nach unten hängt. Furunkel, Karbunkel. Aufsteigende Lähmung. Polyneuritis.
Modalitäten
  • Agg.: Berührung, Wetterwechsel, Hängen lassen der betroffenen Extremität.

  • Amel.: Hochlagern der betroffenen Extremität.

PsycheKeine charakteristische Symptomatik bekannt.
CausaVenöse Blutung.
Lateralität
ArzneimittelbeziehungVgl. Elaps., Ham., Lach.

Zincum metallicum (Zinc.)

Akutsymptome#Zincum metallicumNotfälleErfrierungen der Akren (z. B. bei Alkoholikern). Schmerzende Frostbeulen. Reichlich blutende Wunden (mit hellrotem oder klumpigem Blut).
AllgemeinEvtl. postoperativ nach Augenoperationen. Mangelnde Vitalität, nervöse Erschöpfung. Ruhelosigkeit der Füße oder Beine. Zittern des ganzen Körpers. Empfindlich gegenüber Kälte.
Modalitäten
  • Agg.: Kälte, Berührung, geistige Anstrengung, Wein.

  • Amel.: Beginn der Mens, Absonderungen.

PsycheUnruhig, nervös, immer in Eile, sehr geräuschempfindlich.
CausaAlkoholismus, erschöpfende Erkrankungen, unterdrückte Absonderungen.
Lateralität
ArzneimittelbeziehungVgl. Agar., Cupr., Nux-v., Rhus-t.

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