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B978-3-437-56353-9.00031-1

10.1016/B978-3-437-56353-9.00031-1

978-3-437-56353-9

Onkologie

Jens Wurster

Philipp Lehrke

  • 31.1

    Stellenwert der Homöo- pathie bei onkologischen Erkrankungen886

  • 31.2

    Homöopathische Behandlungsstrategie886

    • 31.2.1

      Krankheitserkenntnis886

    • 31.2.2

      Bewertung der Symptome für die Arzneimittelwahl887

    • 31.2.3

      Wahl der Symptome888

  • 31.3

    Anamneseerhebung bei Tumorpatienten888

    • 31.3.1

      Zu erfragende Bereiche888

    • 31.3.2

      Wahl der speziellen Tumor-Symptome889

  • 31.4

    Konzept der homöo-pathischen Behandlung889

    • 31.4.1

      Konstitutions- oder Tumormittel890

    • 31.4.2

      Dosierung891

    • 31.4.3

      Wirkungsdauer homöopathischer Mittel bei Krebserkrankungen892

  • 31.5

    Verlaufsbeurteilung893

    • 31.5.1

      Kriterien für die Verlaufsbeurteilung893

    • 31.5.2

      Symptomenbewertung unter Q-Potenz-Gabe894

    • 31.5.3

      Bewertung des Auftretens von neuen Symptomen bei Q-Potenz-Gabe895

    • 31.5.4

      Ausscheidungsreaktion895

  • 31.6

    Homöopathie bei speziellen Tumoren895

    • 31.6.1

      Mammakarzinom896

    • 31.6.2

      Kolonkarzinom901

    • 31.6.3

      Weitere Tumoren903

  • 31.7

    Homöopathische Begleittherapien909

    • 31.7.1

      Begleittherapie bei Chemotherapie909

    • 31.7.2

      Begleittherapie bei Bestrahlung912

    • 31.7.3

      Begleittherapie bei Tumorschmerzen913

    • 31.7.4

      Begleittherapie bei Endzuständen – Sterbebegleitung915

  • 31.8

    Ambulante homöo-pathische Intensivtherapie in der Onkologie Philipp Lehrke917

    • 31.8.1

      Behandlungsstruktur917

    • 31.8.2

      Erstanamnese918

    • 31.8.3

      Zweiwöchige Intensivtherapie920

    • 31.8.4

      Ambulante Nachbetreuung922

    • 31.8.5

      Schulmedizinische und homöopathische Therapie922

    • 31.8.6

      Richtlinien zur homöopathischen Krebsbehandlung922

Stellenwert der Homöopathie bei onkologischen Erkrankungen

Die meisten Untersuchungen über die Entstehung von Tumoren geben Hinweise BehandlungTumorpatientendarauf, dass das Immunsystem Onkologiedurch verschiedenartige Einflüsse eine Regulationsstörung aufweist. So können Zellveränderungen entstehen, die ein Tumorwachstum begünstigen. Untersuchungen bei Tumorpatienten zeigen, dass das Immunsystem die Fähigkeit verloren hat, auf krankmachende Einflüsse, Tumorantigene, Viren, Noxen etc., adäquat zu reagieren. Das heißt, die Ordnungsstruktur im Organismus ist verändert. Es kommt zum Ausfall jener Faktoren, die eine Tumorentstehung bzw. -ausbreitung verhindern. Als Heilungsmöglichkeit ergeben sich folglich
  • eine Aktivierung des Immunsystems,

  • eine Wiederherstellung der Ordnungsstruktur im Organismus.

Der homöopathische Arzt versucht, die veränderte Ordnungsstruktur, die sich durch Zeichen und Symptome beim Patienten zeigen, mit den entsprechenden homöopathischen Mitteln wiederherzustellen. Auf diesem Weg wird das Immunsystem so aktiviert, dass es gegen die Tumoren kämpfen kann.

In der homöopathischen Krebsbehandlung werden meist Mittel eingesetzt, die den ganzen Organismus stärken. Aber es werden auch tumorspezifische, organotrope Mittel verwendet, die direkten Einfluss auf das Tumorgeschehen haben.

Krebsbehandlung mit Homöopathie klingt für viele befremdend und wird häufig aus Unwissenheit belächelt. Aus schulmedizinischer Sicht werden Operation, Radio- und Chemotherapie als die fast einzigen Möglichkeiten zur Tumorbehandlung angesehen.
In der klinischen Praxis hat sich gezeigt, dass in vielen Fällen eine homöopathische Therapie unter Berücksichtigung der Immunitätslage und der spezifischen Tumorart des Patienten besser helfen kann als die konventionelle Therapie. Besonderes bei der palliativen Behandlung erweist sich die homöopathische Therapie bezüglich einer Verbesserung der LebensqualitätPalliation gegenüber Radio- und Chemotherapie deutlich überlegen.
Begleitend zur schulmedizinischen Therapie erzielt man auch sehr gute Resultate in der Behandlung der Nebenwirkungen von Bestrahlung und Chemotherapie sowie bei der Schmerzbehandlung (31.5).

Homöopathische Behandlungsstrategie

Krankheitserkenntnis

Grundsätzlich ähnelt die Behandlung von Tumoren der homöopathischen Therapie anderer chronischer Krankheiten. Dabei ist es noch wichtiger, die Totalität aller Symptome eines Menschen zu erfassen, mit allen Begleitumständen, Verletzungen psychischer oder physischer Art, Infektionen, Impfbelastungen, Familienerkrankungen, miasmatischen Einflüssen etc., um Rückschlüsse auf die Ursachen der Krankheitsentstehung ziehen zu können.
Grundsätzliche Fragen
Der Ausdruck der Krankheit manifestiert sich in den Zeichen und Symptomen, die am Patienten sichtbar sind. Die Anamneseerhebung bei Tumorpatienten muss sehr ausführlich sein, um die gesamte AnamneseTumorpatientenKrankheitsentstehung zu überblicken. Schon am Anfang der Behandlung ist ein Konzept zu entwickeln, das eventuelle Folgemittel, Ausleitungsmittel, organotrope Mittel (9.3) etc. in jedem einzelnen Fall individuell berücksichtigt.
  • Um welche Tumorart handelt es sich, wie spricht dieser Tumorart auf homöopathischen Behandlung an?

  • Welches Behandlungsschema ist sinnvoll? Genau abwägen, ob Schulmedizin allein oder in Kombination mit Homöopathie oder Homöopathie allein.

  • Wie stark/schwach ist die Vitalität des Patienten?

  • Welche Vorbehandlungen gab es (Bestrahlungen, Chemotherapie etc.)?

  • Wie weit fortgeschritten ist das Tumorgeschehen, behandelt man palliativ oder kurativ?

Aufgaben des Arztes
  • Erkennen, was an jedem einzelnen Krankheitsfall insbesondere zu heilen ist (Organon, § 3).

  • Krankheitserhaltende Ursachen beseitigen (Organon, § 4).

  • Aufnahme der Gesamtheit der Symptome, die die Krankheit repräsentieren (Organon, § 7).

Nach gründlicher Anamnese zur Erhebung der Gesamtheit der Symptome erfolgt eine Analyse und Wertung der Symptome, um Hinweise für die Arzneimittelwahl zu erhalten. Hierin besteht auch die größte Schwierigkeit: Zu erkennen, welche Symptome dem Wesen der Krankheit und dem des Patienten am ehesten entsprechen.

Bewertung der Symptome für die Arzneimittelwahl

Bei der Auswahl der wichtigen Symptome in der homöopathischen Tumorbehandlung wird wie bei Behandlungen anderer chronisch Kranker vorgegangen (4.3). Dabei kann jedes Symptom wichtig sein, das einen Bezug zum Tumorgeschehen hat. Auch ein gewöhnliches Lokalsymptom kann so zu einem sehr wichtigen Symptom werden, z. B. Jucken der Brustwarzen, wenn gleichzeitig ein Mammatumor vorliegt.
Für die Arzneimittelwahl sind vor allem die „auffallenden, sonderlichen, ungewöhnlichen und eigenheitlichen (charakteristischen) Zeichen und Symptome des Krankheitsfalles, besonders und fast einzig fest ins Auge zu fassen; denn vorzüglich diesen, müssen sehr ähnliche, in der Symptomenreihe der gesuchten Arznei entsprechen, wenn sie die passendste zur Heilung sein soll.“ (Organon, § 153)
Die auffallenden Symptome können sich aus der Krankheitsgeschichte ergeben oder auch lokale Erscheinungen am Tumor wie Farbe, Form, Absonderungen, spezielle Schmerzcharakteristik etc. sein.
Des Weiteren ist der Geistes- und Gemütszustand des Kranken sehr wichtig, da sich bei jederSymptomepsychische Krankheitsmanifestation auch ein ganz eigener individueller Gemütszustand findet: „Dies geht soweit, dass bei homöopathischer Wahl eines Heilmittels, der Gemütszustand des Kranken oft am meisten den Ausschlag gibt, als Zeichen von bestimmter Eigenheit, welches dem genau beobachtenden Arzte unter allen am wenigsten verborgen bleiben kann“. (Organon, § 211)
Zur Erfassung des Geistes- und Gemütszustandes muss man den Menschen in seinem Inneren erkennen können. Da es aber schon schwierig ist, sich selbst zu erkennen, bedarf es hier einiger Hilfsmittel. Träume, Phantasien und Zauberstabwünsche können Hinweise auf unbewusste Inhalte und damit auf die Mittelwahl geben.

Es ist wichtig, alle Veränderungen im Gemütszustand genau zu erfassen. Es ist notwendig, eine exakte Analyse der Gemütssymptome vor Krankheitsbeginn zu machen, dann erfolgt die Analyse des Gemütszustandes seit der Tumorentstehung sowie des aktuellen Geistes- und Gemütszustandes.

Wahl der Symptome

  • Auffallende und sonderliche Symptome (Organon, § 153), z. B. SymptomenwahlTumorbehandlungBrustschmerz strahlt in die Finger.

  • Geistes und Gemütssymptome, z. B. Angst beim Alleinsein seit Diagnosestellung.

  • Allgemeinsymptome (Schlaf, Speisen, Menstruation etc.), z. B. Linkslage im Schlaf unmöglich, Verlangen nach eiskalten Getränken, Durchfall vor Menses.

  • Causa (Krankheitsauslöser), z. B. Verletzungen, Schlag auf die Brust, wiederholte Abszesse der Mammae, Kummer etc.

  • Lokalsymptome: gewöhnliche Symptome, wie Juckreiz etc., aber auch spezielle LokalsymptomTumorbehandlungTumorsymptome; ein gut beobachtetes Lokalsymptom kann, wenn es auffällig und ungewöhnlich ist, zu einem hochwertigen Symptom werden, das als Leitsymptom für den ganzen Fall dienen kann, z. B. juckende Bläschen nur zwischen den Fingern.

  • Miasmatische Betrachtungen, z. B. Impffolgen, Infektionen, genetische Dispositionen.

Anamneseerhebung bei Tumorpatienten

Die Anamneseerhebung bei Tumorpatienten muss sehr ausführlich und umfassend erfolgen AnamneseTumorpatientenund dauert meist mehrere Stunden! Nur wenn man möglichst viele Informationen und Symptome des Patienten gesammelt hat, kann man entscheiden, welche Symptome letztlich relevant zur Arzneimittelfindung sind.

Es ist wichtig, von Anfang an ein Behandlungskonzept zu erarbeiten, das auch schon Folgemittel und spezielle Tumormittel berücksichtigt.

Zu erfragende Bereiche

Folgende Bereiche sollten durch die Anamnese unbedingt abgeklärt werden:
  • Konstitutionsanamnese: eine gründliche Erhebung der Erstanamnese zur Erfassung der Gesamtheit der Zeichen und Symptome des Menschen und der Erkrankung.

  • Miasmatische Anamnese: Erkennen des aktiven Miasmas (3.4) und der miasmatischen Hintergründe; Erkrankungen der Familie über mehrere Generationen, Warzen, Infektionen, Impffolgen etc.

  • Unterdrückungen: z. B. unterdrückte Hautauschläge (z. B. nach Cortisonbehandlungen), Warzen, die herausgeschnitten wurden, Impfungen und Impfreaktionen etc.

  • Belastungen: Noxen, Viren, Ernährungsfehler etc.

  • Vorausgegangene Therapien und deren Folgen: Bestrahlungen, Chemotherapien, Operationen etc.

Wahl der speziellen Tumor-Symptome

Die Tumoranamnese ist in Bezug auf die Mittelfindung ein sehr SymptomenwahlTumorbehandlungwichtiger Bestandteil der TumorSymptomeGesamtbeurteilung. Auch können lokale Symptome am Tumor im Sinne des „Organon“, § 153, zu wichtigen Symptomen werden. Mittelweisende Symptome können sein:
  • Beschaffenheit des Tumors, z. B. hart, weich, zystisch, schwammig.

  • Farbe, z. B. bläuliche Brustknoten.

  • Auffällige Zeichen am Tumor, z. B. Hitze mit Rötung, streifenförmige Ausstrahlung, Venennetze, Absonderungen, Geruch.

  • Lokale Symptome am Tumor selbst, z. B. jucken, brennen, stechen, Verfärbungen.

  • Systemische Veränderungen, z. B. Angstzustände, innere Unruhe, Schwindel, Visusveränderungen.

  • Schmerzen im Tumor (wie, wo und wann):

    • Genaue Erstreckung des SchmerzesSchmerzenTumor, z. B. ziehen in Richtung Achselhöhle oder Leberschmerz erstreckt sich zur Schulter.

    • Art des Schmerzes, z. B. brennend, stechend, drückend, reißend, pulsierend, hämmernd.

    • Genauer Ort des Schmerzes, z. B. stechender Schmerz hinter dem Auge, stechender Schmerz der Brustwarze erstreckt sich zur Schulter.

    • Zeitpunkt der Schmerzen, z. B. nach Mitternacht, vor Sturm, bei Wetterwechsel.

    • Modalitäten: Was bessert oder verschlimmert die Schmerzen? Z. B. warme oder kalte Auflagen, Handauflegen, Massage, Druck, Reibung, leichteste Berührung, Bewegung und Ruhe, spezielle Tages- oder Nachtzeiten, Erregung, Ängste, Denken an die Beschwerden.

    • Verhalten des Patienten während der Schmerzen, z. B. Ruhelosigkeit, Ängstlichkeit, Weinen, Zittern, Frieren, Stöhnen.

    • Veränderungen im Appetit oder Durst, z. B. großer Durst auf eiskaltes Wasser während der Schmerzen.

    • Begleitumstände, z. B. Narbenschmerz bei Wetterwechsel.

  • Gemütsverfassung, Veränderungen seit Beginn der Tumorerkrankung, z. B. spezielle Ängste, Sorgen, Träume, Wut, Reizbarkeit.

Konzept der homöopathischen Behandlung

Man muss sich am Anfang der Behandlung ein genaues Konzept überlegen, nach dem man vorgehen möchte. Wie geht man vor, wenn beispielsweise eine Patientin mit Mammakarzinom, die bereits operiert, bestrahlt und einige Zyklen Chemotherapie über sich ergehen lassen musste und nun ein Rezidiv aufweist, in die Praxis kommt?
Beispiel: Wenn sich nach Anamneseerhebung und genauer Analyse der Totalität der Symptome von Anfang an Phosphorus#PhosphorusTumorbehandlung als sogenanntes Konstitutionsmittel zeigt, und die Patientin auch jetzt in der aktuellen Symptomatik Phosphorus-Symptome aufweist, dann kann man mit gutem Gefühl mit diesem Mittel beginnen, weil Phosphorus gleichzeitig ein gutes Mittel bei Folgen von Bestrahlungen ist.
Oft kann aber ein Konstitutionsmittel, welches dem Patienten früher eventuell geholfen hätte, im momentanen Zustand nicht angezeigt sein, wenn die primär zu behandelnde, vorherrschende Problematik ein Folgezustand von Bestrahlung oder Chemotherapie ist. Beispiel: Ein Phosphorus-Patient, der sehr viel unter Übelkeit und Erbrechen nach einer Chemotherapie leidet, braucht eventuell erst mehrere Gaben Nux vomica zur Entgiftung bevor Phosphorus wirken kann.
Spezielle Mittel sind angezeigt, wenn die aktuell vorherrschende Symptomengruppe nicht mehr der Ursprungskonstitution entspricht und auf ein anderes Arzneimittel hinweist. Beispiel: Steht die SchmerzsymptomatikSchmerzenTumor so sehr im Vordergrund, dass der sonst immer friedliche Patient nun reizbar, ungeduldig, von einer inneren Unruhe getrieben ist, nachts aufsteht und von Todesängsten geplagt im Zimmer umhergeht; frierend am ganzen Körper, völlig verzweifelt und glaubt, gleich sterben zu müssen, dann kann diese für Arsenicum#Arsenicum albumTumorbehandlung typische Symptomenkonstellation durch eine Dosis Arsenicum gelindert werden. Der Organismus hat Symptome produziert, die das Arzneimittel Arsenicum verlangen, auch wenn das Konstitutionsmittel Sepia, Phosphorus etc. ist. Arsenicum wird in der Homöopathie nicht nur verwendet, um Schmerzen zu lindern, sondern es ist gleichzeitig ein tief wirkendes homöopathisches Tumormittel: Das Gift Arsen blockiert die Enzyme der Atmungskette in den Mitochondrien. Die Aktivierung der Zellatmung und die Regeneration zerstörter Atmungsfermente spielen eine zentrale Rolle bei der Tumorbehandlung.
Die Kunst und Schwierigkeit in der Homöopathie ist es, die Zeichen und Signale, die der Patient mit seinen Symptomen und Äußerungen aussendet, wahrzunehmen, richtig zu deuten und dann jeweils das für diesen Zustand passende homöopathische Mittel zu finden.

Konstitutions- oder Tumormittel

Das gewählte Arzneimittel sollte einen Organbezug und einen Bezug zur Pathologie Arzneimittelorganotropesaufweisen. Z. B. ist bei einem Leberparenchymschaden ein Mittel zu suchen, das auch in der toxikologischen Prüfung solche Veränderungen hervorrufen kann. Zwar kann jedes Mittel, das wegen der passenden Symptomatologie gewählt wurde, eine Besserung vollbringen, aber es hat sich gezeigt, dass ein Mittel, das keinen Organbezug hat, oft nur eine palliative Wirkung hat.
Es kann ein Fehler sein, aufgrund der Totalität der Symptome ein Mittel zu wählen, das die Konstitution des Patienten stärkt, den Tumor aber möglicherweise unbeeinflusst lässt und dieser im schlimmsten Fall weiter wächst. Es hat sich gezeigt, dass man mit homöopathischen Mitteln spezielle Symptome zum Verschwinden bringen kann. Damit aber ist noch nicht garantiert, dass das Mittel auch in der Lage ist, tiefwirkende Veränderungen am Tumor selbst hervorzurufen. Beispiel: Eine Frau (konstitutionell Sepia), bekommt einen starken Schlag auf die Brust, sie hat eine Zeit lang Schmerzen, die aber wieder vergehen. Ein Jahr später bekommt sie genau an der Stelle einen Tumor. Vorgehen: Gründliche Anamnese: Die Totalität der Symptome ergibt z. B. Sepia#SepiaTumorbehandlung. Der Schlag auf die Brust als eventueller Tumorauslöser gibt uns Hinweise auf Conium oder Bellis perennis. Wenn wir Hinweise auf eine Conium-Pathologie haben, dann ist es wichtig, genauestens zu hinterfragen, ob es seit dem Schlag auf die Brust Veränderungen im Gemüt oder auf physischer Ebene gegeben hat (manchmal zeigen sich z. B. spezielle Schwindelzustände), die auf Conium hinweisen.
Wenn die Ursache des Tumors der Schlag auf die Brust gewesen ist, und die auftretenden Symptome Conium#ConiumTumorbehandlung erfordern, dann ist dieses Mittel in der Lage, das Tumorgeschehen günstig zu beeinflussen.

Dosierung (6.2, 6.3, 6.4)

Q-Potenzen
Es hat sich bewährt, die homöopathische Behandlung bei Tumorpatienten mit Q-Potenzen zu beginnen:
  • Q-PotenzenTumorbehandlungMan erhält in kurzer Zeit Reaktionen auf die Mittelgabe und kann dadurch beurteilen, ob das Mittel richtig gewählt ist.

  • Q-Potenzen können wegen ihrer kürzeren Wirkungszeit schneller gewechselt werden.

  • Bei sehr geschwächten Patienten kann eine Hochpotenz zu starke Erstreaktionen auslösen, was mit Q-Potenzen vermieden wird.

  • Wenn Organsysteme wie Herz, Leber, Gehirn, Lunge, Nieren betroffen sind, dann sollte man (anfänglich) nicht über C200 dosieren, weil sonst der Organismus überfordert werden kann.

  • Ein weiterer Vorteil ist die bessere Wirkung der Q-Potenzen gegenüber C-Potenzen bei paralleler schulmedizinischer Medikation.

C-Potenzen
Nach einiger Zeit (Wochen bis Monate) mit Q-Potenzen kann man zu C-Potenzen wechselnC-PotenzenTumorbehandlung. C-Potenzen werden normalerweise in stabilisierten Fällen gegeben. Die Wirkungsdauer von 35–40 Tagen wird i. d. R. abgewartet. Wenn die Vitalität gut ist, und die Symptomatik nicht ständig wechselt, kann man Tumorfälle gut mit C-Potenzen führen.
Es gibt einige Fälle, in denen C-Potenzen besser wirken als Q-Potenzen, deshalb ist es wichtig, verschiedene Potenzstufen zu testen, wenn man sich des Mittels sicher ist. Es hat sich gezeigt, dass bei manchen Tumorfällen das angezeigte Mittel keine 35 Tage wirkt, sondern vom Organismus schneller verbraucht wird, und eine frühere Wiederholung notwendig ist.
D-Potenzen
Die Anwendung von D-Potenzen erfolgt meist nur bei organotroper Behandlung oder D-PotenzenTumorbehandlungwenn man ganz gezielt auf eine pathologische Veränderung einwirken möchte. Man versucht, durch spezifische Organmittel das jeweilige Organ so anzuregen und zu stärken, dass es seine Funktionen besser ausüben kann. Beispiel: ArzneimittelorganotropesCarduus marianus D3, 2 × täglich zusätzlich bei starker Leberbeteiligung. Beispiel: Ein Patient mit Rektumkarzinom und Lebermetastasen bekommt Lycopodium als Konstitutionsmittel in Q-Potenz und zusätzlich z. B. Carduus marianus D3 zweimal täglich, um die Entgiftung der Leber anzuregen.

Wirkungsdauer homöopathischer Mittel bei Krebserkrankungen

C-Potenzen
  • Grundsätzlich kann, wie auch bei der Behandlung von anderen chronischen Krankheiten, eine C-PotenzenTumorbehandlungC30-, C200-, M- oder XM-Potenz 35 Tage oder länger wirken.

  • Eine CM hat nach Kent eine Wirkungsdauer von drei Monaten, eine MM von einem Jahr.

In chronischen Fällen oder in stabilisierten Tumorfällen ist es wichtig, die Mittel auswirken zu lassen, um den Fehler zu vermeiden, in eine Verbesserung hinein zu früh zu wiederholen und dadurch eine Heilreaktion oder eventuelle Ausscheidungsreaktionen des Organismus zu unterbinden. Es gibt aber Spezialfälle, in denen manAusscheidungsreaktionTumorbehandlung C-Potenzen öfter oder sogar mehrmals täglich geben muss. Bei manchen Tumorpatienten oder bei sehr starken Schmerzzuständen wird das homöopathische Mittel unter Umständen schneller vom Schmerzbehandlung, TumorpatientenOrganismus verbraucht, sodass eine frühere Wiederholung notwendig wird.
Bei sehr starken Schmerzuständen kann es z. B. hilfreich sein, eine C200 in einem halben Glas Wasser aufzulösen und dem Patienten nach Bedarf jede Stunde einen Teelöffel einnehmen zu lassen. Wenn eine Besserung eintritt, unbedingt abwarten. Man muss die Wirkdauer eines Mittels im Zusammenhang mit den Reaktionen des Patienten auf die Mittelgabe beurteilen, um zu erkennen, wann wiederholt werden muss, wann man abwartet oder ob sich Hinweise auf ein anderes Mittel ergeben.
Wenn z. B. nach einer Mittelgabe Schmerzen und innere Unruhe besser werden, aber gleichzeitig Durchfall oder reichlicher, übel riechender Schweiß auftritt, darf man nicht den Fehler begehen, auf diese Ausscheidungsreaktionen (31.3) des Organismus ein neues Mittel zu verschreiben und AusscheidungsreaktionTumorbehandlungdamit die eingeleitete Besserung zu stoppen. Man wartet so lange, bis sich die alten Symptome – aufgrund deren das Mittel verschrieben wurde – wieder einstellen. Erst dann wird das Mittel wiederholt.
D-Potenzen
D-Potenzen wirken meist für Stunden bis Tage. Ein organotropes Mittel, das direkt D-PotenzenTumorbehandlungauf den Tumor einwirken soll, kann als D-Potenz (D3–D12) 1–2 × gegeben werden. Höhere D-Potenzen (D30, D200) können wie C-Potenzen eine Wirkungsdauer über Wochen aufweisen.
Q-Potenzen
Q-Potenzen haben normalerweise eine Wirkungsdauer von 24 Stunden und werden jeden Q-PotenzenTumorbehandlungAbend eingenommen. In manchen chronischen Fällen kann die einmalige Gabe einer Q-Potenz auch über Wochen wirken.
Bei Tumorpatienten genügt i. d. R. eine Gabe am Abend. Das Mittel kann u. U. öfter wiederholt werden, wenn nach Mitteleinnahme eine Besserung eintritt, die aber keine 24 Stunden anhält. Beispiel: Ein Patient hat starke TumorschmerzenSchmerzbehandlung, Tumorpatienten und erfährt durch Einnahme des Mittels eine Erleichterung für sechs Stunden, danach stellen sich die Schmerzen wieder ein. Das bedeutet, dass das Arzneimittel sehr schnell vom Körper verbraucht wurde. Das Mittel darf erneut wiederholt werden, sobald die Schmerzen wiederkommen.
Hält die Besserung an, können die Einnahmeabstände größer werden – das ist ein gutes Zeichen und bestätigt das Mittel. Werden die Besserungsintervalle kürzer und das Mittel muss häufiger wiederholt werden, wirkt die Arznei palliativ. Es muss ein neues Mittel nach der jetzt vorherrschenden Symptomenkonstellation gewählt werden.
Zu den Anwendungsregeln für Q-Potenzen 6.3.4.

Verlaufsbeurteilung

Bei der Behandlung chronisch Kranker wird üblicherweise die Beschwerde, unter welcher der Patient am meisten leidet, als wichtigstes Merkmal zur Verlaufsbeurteilung angesehen. Bei der Behandlung von Tumorpatienten hat sich gezeigt, dass die Parameter für die Verlaufsbeurteilung vielschichtiger und genauer sein müssen, da die Tumorentstehung meist das Resultat einer Verbindung mehrerer Miasmen ist (3.4). Es ist bei der Verlaufsbeurteilung deshalb sehr wichtig zu MiasmaTumorentstehungerkennen, auf welcher miasmatischen Ebene man sich bewegt. Z. B. kann eine juckende Warze den Hinweis geben, dass sich das Krankheitsgeschehen auf sykotischer Ebene bewegt. Das Mittel sollte in der Lage sein, tief greifende Veränderungen im Organismus auszulösen und miasmatische Symptome zum Verschwinden zu bringen. Es sollte direkten Einfluss auf das Tumorgeschehen Symptomemiasmatischehaben und das aktive Miasma treffen. Es nützt wenig, wenn das Mittel den Patienten im Allgemeinen unterstützt, aber nicht tief genug wirkt, um Veränderungen am Tumor oder an objektiv messbaren Zeichen zu bewirken (Blutdruck, Tumormarker, Tumorgröße, pathologische Laborwerte etc.).

Es empfiehlt sich, folgende Vorbereitungen zu treffen:

  • Liste mit Verlaufsparametern zu den aktuellen Beschwerden des Patienten (z. B. Schmerzen im Tumor, Schlafstörungen, Ängste, Atemnot, Herzklopfen, trockener Mund nachts etc.).

  • Liste miasmatischer Symptome des Patienten, damit im Laufe der Behandlung beurteilt werden kann, wie sich die Symptomemiasmatischemiasmatischen Symptome verändern, um dann gezielte Zwischengaben von antimiasmatischen Mitteln oder Nosoden einzusetzen (Thuja, Medorrhinum, Syphilinum, Tuberculinum Arzneimittelantimiasmatischesetc.).

Kriterien für die Verlaufsbeurteilung

Tägliche genaue Beobachtung und häufige Rückmeldung! Zur Therapie-Einleitung ist es günstig, wenn der Patient stationär behandelt wird.
  • Wie fühlt sich der Patient?

  • Wie verändern sich die Verlaufsparameter? Wichtig sind die objektiv messbaren Parameter (Blutdruck, Gewicht, Tumormarker, Tumorgröße, Absonderungen).

  • Das passende Arzneimittel sollte nach 2–3 Tagen die Schmerzen reduzieren (Q-Potenzen oder häufigere Wiederholung der C-Potenz). Bei C-Potenzen kann es zu Erstreaktionen kommen (Erstverschlimmerung), deshalb empfiehlt es sich, mit Q-Potenzen zu beginnen.

  • Verändert sich das Aussehen des Patienten? Wie ist seine Hautbeschaffenheit?

  • Die Augen sollten „schöner“ werden, d. h., sie sollten klarer, weniger gerötet sein, Verfärbungen des Augenweißes sollten zurückgehen.

  • Die Zunge kann sehr viele Hinweise auf das Arzneimittel geben und kann als Verlaufsparameter herangezogen werden, z. B. Landkartenzunge, Zahneindrücke, rote Zungenspitze, Beläge etc.

  • Der Blutdruck sollte regelmäßig gemessen werden, wenn unter einer Q-Potenz der Blutdruck stark ansteigt oder abfällt, ist das Mittel wahrscheinlich falsch.

  • Auf das Verschwinden oder Auftreten miasmatischer Symptome wie juckende Warzen, Leukorrhoe etc. achten.

  • Verbessert sich der Allgemeinzustand, wird das jeweiligen Mittel weiter gegeben.

  • Ständige Kontrollen (Ultraschall, MRT, Blutwerte, Tumormarker etc.) sind wichtig.

Symptomenbewertung unter Q-Potenz-Gabe (7.4)

Mögliche Reaktionen nach Q-Potenz-Gabe sind:
  • Fortlaufende Besserung der Krankheitssymptome

  • Verschlimmerung der Q-PotenzenTumorbehandlungKrankheitssymptome

  • Das Auftreten neuer bzw. „pseudoneuer“ Symptome

Fortlaufende Besserung der Krankheitssymptome
→ Das Mittel weiter geben (vgl. Organon § 246).
Verschlimmerung der Krankheitssymptome
Q-Potenzen Tumorbehandlung
  • Frühverschlimmerung: Die Beschwerden (weswegen der Patient gekommen ist) verschlimmern Frühverschlimmerungsich nach wenigen Gaben der Q-Potenz. Mögliche Ursachen der Frühverschlimmerung sind

    • zu starke Dosierung (zu häufige Wiederholung des Mittels),

    • das Arzneimittel ist nicht korrekt hergestellt,

    • der Patient ist überempfindlich auf Q-Potenzen (oft bei Patienten mit Asthma, Neurodermitis, Hyperthyreose, Menschen die zur Hysterie neigen) (vgl. Organon § 248/Anm. und § 281/Schlussteil).

  • Spätverschlimmerung: Wiederauftreten der Krankheitssymptome die sich anfänglich mit der QSpätverschlechterung-Potenz gebessert haben: Das Mittel wurde bereits zu lange gegeben. → Das Mittel absetzen und warten. Bessern sich die Symptome in der Mittelpause bestätigt das eine Spätverschlimmerung. (vgl. Organon, §§ 280–81 und § 248/letzter Teil).

  • Das Auftreten neuer bzw. „pseudoneuer“ Symptome:

    • Tritt ein schon früher beobachtetes Symptom erneut auf, fährt man mit Symptomepseudoneuedemselben Mittel fort. Gleichzeitig sollten alle Mittel studiert werden, die dieses Symptom auch hervorbringen können (→ entsprechende Repertoriumsrubrik).

    • Neu entstandene Symptome:

      • Ist das Symptom wirklich neu entstanden oder nur ein scheinbar neues („pseudoneues“) Symptom, an das sich der Patient nicht mehr erinnert?

      • Tritt tatsächlich ein neues Symptom auf, muss geklärt werden, ob es ein Arzneimittelprüfungssymptom ist:

        Man sucht das Symptom im Repertorium und vergleicht die Arzneimittel, die dieses Symptom hervorbringen können. Ist das verabreichte Mittel in der Rubrik enthalten, kann dies ein Hinweis für eine falsche Verordnung sein – das Arzneimittel hat Prüfungssymptome beim Patienten produziert; oder das Symptom gibt Hinweise auf das richtige Arzneimittel, welches in dieser Rubrik zu suchen ist.

        Arzneimittelprüfungssymptome können auch auftreten, wenn die Flasche nicht jedes Mal vor der Einnahme geschüttelt wurde. (Arzneimittelprüfung nach Organon, § 247)

Beispiel: Eine Patientin bekommt nach Q-Potenz-Gabe das Symptom, dass sie Blitze im Auge sieht, wenn es abends dunkel ist.
  • Nachschlagen der Rubrik Sehen – Blitze – Dunkelheit, in der: Phosphorus, Stramonium, Valeriana.

  • War das verabreichte Mittel z. B. Phosphorus in Q-Potenz-Gabe, und die Patientin hat dieses Symptom vorher noch nie gehabt, dann ist Phosphorus sehr wahrscheinlich das falsche Mittel, und die Einnahme muss gestoppt werden.

  • War das verabreichte Mittel z. B. Sepia, so untersuchen wir die Rubrik nach „Augenblitzen“ und stellen fest, dass Sepia nicht darin enthalten ist. Wir erhalten damit einen Hinweis, dass das neues Mittel in dieser Rubrik zu suchen ist.

Bewertung des Auftretens von neuen Symptomen bei Q-Potenz-Gabe

Fortschreitende Besserung
  • Es könnte sich um „pseudoneue“ Symptome handeln (in 50 %, z. B. Vergessen der alten Symptome),

  • SymptomepseudoneueAusscheidungsreaktionen in Form von Hautausschlägen, Schweiß, Ausfluss oder Eiterungen.

AusscheidungsreaktionTumorbehandlung Vorsichtig weiter dosieren und sehen, ob diese Symptome verschwinden und es dem Pat weiterhin gut geht.
Verschlechterung des Zustands
In diesem Fall ist das Mittel falsch im Sinne des „Organon“ (§§ 248, 249, 167). → Die neu aufgetretenen Symptome sind hinweisend für die neue Mittelwahl.

Ausscheidungsreaktion

Es kann unter dem richtigen Mittel zu Ausscheidungsreaktionen kommen, dieAusscheidungsreaktionTumorbehandlung nicht mit einem anderen Mittel unterbrochen werden dürfen. Beispiel: Wenn bei einer Patientin mit einem Brustknoten plötzlich eine Leukorrhoe oder ein vermehrtes Schwitzen auftritt, kann es sich um einen Ausscheidungsprozess handeln. Wählt man nun ein Mittel für die Leukorrhoe, macht man den Heilungsprozess wieder rückgängig.

Homöopathie bei speziellen Tumoren

Grundsätzlich gilt, dass das Simillimum oder das aufgrund der auffallenden vorherrschenden Symptome gewählte Mittel einen Einfluss auf das SimillimumTumorgeschehen haben kann, auch wenn es nicht zu den üblichen Krebsmitteln zählt. Es gibt viele Fälle in der Literatur über Heilungen mit seltenen oder sogenannten „kleinen Mitteln“.
Es gibt jedoch einige Mittel, die sich bei bestimmten Tumoren bewährt haben. Deshalb ist es nützlich für die Anamnese diese Mittel mit Ihren Eigenheiten genau zu kennen, um die entsprechenden Symptome beim Patienten entdecken zu können.

  • Das Konzept des „Leitfadens Homöopathie“ beinhaltet zwar Informationen über homöopathische Tumorbehandlung. Es sei aber dringend vor der Selbstbehandlung gewarnt, da eine homöopathische Krebstherapie immer unter engmaschiger Beobachtung und unter Kontrolle eines in der homöopathischen Krebsbehandlung erfahrenen Arztes erfolgen sollte.

  • Die Abhandlung bestimmter Tumorarten ist bewusst sehr kurz gefasst (31.5.1, 31.5.2, 31.5.3) und soll nur Hinweise auf mögliche Mittel liefern, die sich bei Krebs häufiger bewährt haben.

  • Wenn bei einer bestimmten Tumorart z. B. drei Mittel angegeben sind, bedeutet das, dass sich diese drei Mittel schon einmal bewährt haben. Es bedeutet aber nicht, dass nur diese drei Mittel in der Lage sind, diese Tumorart zu beeinflussen.

Im Folgenden werden spezielle Tumorarten aufgeführt und häufig verwendete Mittel aufgezählt. Dieser Überblick soll helfen, auf bestimmte Leitsymptome während der Anamnese aufmerksam zu werden. Die genaue Kenntnis „typischer“ Mittel kann die Differenzierung in der Analyse erleichtern.

Mammakarzinom

Definition: Bösartiger Tumor der Brustdrüse. Die mit Abstand häufigste Krebserkrankung der Frau. Etwa jede zehnte Frau ist im Lauf ihres Lebens davon betroffen, pro Jahr werden in Deutschland 46 000 Neuerkrankungen registriert. Risikofaktoren: u. a. Strahlenexposition, fettreiche Ernährung, Östrogeneinfluss und familiäre Mammakarzinombelastung (Großmutter, Mutter oder Schwester). Etwa 5–10 % der Erkrankungen sind durch ererbte Veränderungen (Mutationen) in bestimmten Genen, BRCA1 und BRCA2 („Brustkrebsgene“), bedingt. Eine von zwei der betroffenen Frauen erkrankt bis zum 70. Lj. Frauen, bei denen die Regelblutung sehr früh oder die Wechseljahre sehr spät eintreten und die keine oder erst spät Kinder bekommen, haben ebenfalls ein etwas erhöhtes Risiko. Als risikomindernd gelten regelmäßige körperliche Aktivität und eine ausgewogene Ernährung (Vermeidung von Trans-Fettsäuren).

Symptome: Das häufigste Erstsymptom ist die tastbare Verhärtung (Knoten) in der Brust, die zunächst immer verdächtig ist und abgeklärt werden sollte. Aber auch einseitige Veränderungen in Form und Größe der Brust, Einziehungen oder Vorwölbungen der Haut oder einseitiges Austreten von Flüssigkeit aus der Brustwarze können Anzeichen sein. Die meisten Brusttumoren entstehen im oberen äußeren Quadranten der Brust. Bei einem tastbaren Knoten oder einer sonstigen äußeren Veränderung ist der Tumor meist schon relativ groß.

Diagnostik
MammaKarzinomBrustkrebs s. MammakarzinomSymptomatische Hinweise, die zur Diagnose eines Mammakarzinoms führen:
  • Diagnostik, MammakarzinomTastbare Knoten oder Verhärtungen der Brust (ca. 60 %).

  • Zyklusunabhängige Schmerzen und Spannungsgefühle der Brust (ca. 20 %).

  • Entzündungszeichen der Haut, Orangenhaut (Peau d'orange) (ca. 8 %).

  • Mammillenveränderungen (Einziehungen u. Ä.) (ca. 6 %).

  • Sekretion aus der Mamille (ca. 4 %).

  • Allgemeinsymptome (< 2 %).

Weiterführende schulmedizinisch empfohlene Untersuchungen: Mammographie (s. u.), Galaktographie, Sonographie und Feinadelpunktion (s. u.). Im Folgenden einige kritische Anmerkungenzur Mammogrphie.
Mammographie: Schaden oder Nutzen?
  • Das Brustdrüsengewebe ist sehr empfindlich und wird bei der Mammographie mit einem MammographieGewicht von bis zu 20 kg komprimiert. Es besteht deshalb erhöhte Gefahr, dass bei der Mammographie Blutgefäße bereits vorhandener Tumoren rupturieren, was zu einer Ausschwemmung von Tumorzellen in das Blut und damit in den gesamten Körper führen kann.

  • Bei der Mammographie werden i. d. R. Tumoren gefunden, die Kalkablagerungen bilden. Diese Tumoren sind meist relativ gutartiger und weisen ein langsameres Tumorwachstum auf.

  • Mammographie kann unnötigerweise eine belastende Therapie zur Folge haben in Fällen, wo Tumoren vorzeitig entdeckt wurden, die lebenslang klinisch stumm geblieben wären (bei Autopsien findet man bei jeder vierten Frau ein Mammakarzinom, das sich klinisch nicht bemerkbar gemacht hat).

  • Einige Mammakarzinome sind sogenannte Intervalltumoren, das bedeutet, dass sie plötzlich klinisch auffällig werden, obwohl ein kurz zuvor erhobener Mammographiebefund negativ war. Diese Tumoren sind meist bösartiger, weil sie aufgrund ihres schnellen Wachstums eine höhere Zellteilungsrate aufweisen.

Kritische Stimmen zur Mammographie
  • „Nach Untersuchungen der derzeitigen Studienlage gibt es keine verlässliche Grundlage, dass Früherkennung durch Mammographie das Risiko einer Frau verringert, an Brustkrebs zu sterben“ (Olsen, Götzsche).

  • Über einen Zeitraum von zehn Jahren hinweg gerechnet, sterben drei von 1 000 Frauen mit Mammographie-Screening an Brustkrebs. Ohne Mammographie-Screening sterben von 1 000 Frauen vier an Brustkrebs. 999 von 1 000 Frauen haben keinen Nutzen aus dem Mammographie-Screening, da sie ohnehin nicht an Brustkrebs gestorben wären (996 Frauen) oder weil sie trotz des Screenings an Brustkrebs sterben (3 Frauen). Von 1 000 Frauen, die sich 10 Jahre lang einem Mammographie-Screening unterziehen, müssen etwa 200 mit einem falsch positiven Ergebnis rechnen, bei etwa 60 Frauen erfolgt eine Gewebeentnahme aus der Brust, obwohl kein Brustkrebs vorliegt (Mühlhauser).

  • Hauptargument des „Sachverständigenrates für die konzertierte Aktion im Gesundheitswesen“, der sich in seinem Gutachten 2000/2001 für die Einführung eines flächendeckenden qualitätsgesicherten Mammographie-Screenings ausspricht: vermehrte Qualitätssicherung, da bisher pro Jahr in Deutschland von 200 000 „falschpositiven“ Befunden und etwa 100 000 überflüssigen Biopsien ausgegangen werden muss. Wenn man dann noch die eventuellen durch Mammographie induzierten Tumoren (Strahlenbelastung, Quetschung, Tumorzellverschleppung) hinzuaddiert, muss man von einem flächendeckenden Mammographie-Screening abraten (persönliche Meinung des Verfassers.)

Feinnadelpunktion – kritisch betrachtet
Um exakte Ergebnisse zu liefern, muss der TumorDiagnostik, Mammakarzinom bei der Feinnadelpunktion Feinnadelpunktion, Mammadiagnostikauch getroffen werden. Dies ist nicht immer der Fall und führt oft zu falsch negativen Ergebnissen. Durch die Punktion werden bei positivem Tumorbefund Millionen von Krebszellen in den Blutkreislauf verschleppt und können damit eventuell eine Metastasierung begünstigen. Manchmal gelingt es dem Immunsystem aus eigener Kraft, den Tumor abzukapseln und unter Kontrolle zu halten. Nach einer Punktion (oder Mammographie) kann diese Kapsel aufbrechen und der Tumor aktiviert werden.
Prognose
Ausschlaggebend für die Prognose, d. h. rezidivfreies und Gesamtüberleben bzw. 5- und 10-Jahres-Prognose, sind folgende Risikofaktoren:
  • Lymphknotenbefall: Die Anzahl tumorbefallener homolateraler axillärer Lymphknoten ist Lymphknotenbefall, Mammakarzinomentscheidend für die Prognose.

    • kein Lymphknotenbefall: 60–80 % 10-Jahres-Überlebensrate,

    • Befall von 1–3 Lymphknoten: 35–50 % 10-Jahres-Überlebensrate,

    • Befall von mehr als 4 Lymphknoten: 13–33 % 10-Jahres-Überlebensrate.

  • Tumorgröße (T-Stadium).

  • Hormonrezeptorstatus: Ein positiver Hormonrezeptorstatus der Primärtumorzellen (ER+ und PR+) ergibt eine verbesserte Prognose.

  • Genetische Parameter: Prognostisch ungünstig erweisen sich Onkogen-Amplifikation z. B. HER-2-neu und Verminderungen von Tumorsupressorgenen z. B. p53.

  • Histologisches Grading:

    • G1-Tumor: 80 % 5-Jahres-Überlebensrate,

    • G2-Tumor: 50 % 5-Jahres-Überlebensrate,

    • G3-Tumor: 30 % 5-Jahres-Überlebensrate.

Homöopathische Behandlung
Folgende Ätiologien können als Causa die Wahl der Symptome bestimmen:
  • Folgen von Schlag, Quetschungen.

  • Tumorentstehung in SymptomenwahlMammakarzinomder Narbe eines alten Abszesses.

  • Kummer, lang dauernder Streit oder Konflikte mit dem Partner.

  • Synorganopathie beachten: Viele Mammatumoren haben ihren ursprünglichen Sitz im Unterleib (Synorganopathie, Mammakarzinomnach Burnett), d. h., wenn einige Monate nach einer Konisation ein Knoten in der Brust entsteht, kann das ein Hinweis sein, dass es eine Verlagerung gegeben hat. Nach Unterdrückungen von Leukorrhoe durch Salben oder Injektionen oder nach Schwangerschaftsabbrüchen kann es zu einer Knotenbildung in der Brust kommen.

Beispiel: Eine Frau leidet unter starker Leukorrhoe, die medikamentös behandelt wurde. Nach verschwinden der Leukorrhoe kommt es sechs Monate später zu nervöser Unruhe mit Schlafstörungen und Herzklopfen. Nach acht Monaten ständige Reizbarkeit mit Weinkrämpfen; nach einem Jahr Brustknoten tastbar. Erst als der unterdrückte Ausfluss mit Sepia#SepiaMammatumor wiederhergestellt wurde, verschwanden alle psychischen Symptome und der Brustknoten bildete sich zurück.
  • Folgen von Brustentzündungen beim Stillen.

  • Abszesse der Brust.

Wichtige homöopathische Mittel und ihre Differenzierung

!!! Con., Phos., Sep.
!! Bell-p., Carb-an., Lach., Phyt., Sil.
! Graph., Puls., Thuj., Tub.
Bei Entzündungen und Schmerzen als Zwischengaben: Bell., Bry.

Conium maculatum
  • Sehr bewährtes und häufiges Arzneimittel bei Mammakarzinomen. Conium gehört mit #ConiumMammakarzinomBellis perennis zu den wichtigsten Mitteln bei Traumata der Brust (Schläge, Verletzungen, auch Quetschungen durch Mammographie, lang andauernde Schmerzen danach).

  • Häufig intensives Jucken in der vom Tumor befallenen Brust. Schmerzen meist stechend. Die Brust ist wie bei Belladonna berührungsempfindlich und sehr empfindlich auf Erschütterungen beim Gehen, sodass die Brust oft mit der Hand gestützt werden muss. Tumoren sind oft steinhart.

  • Schwindel beim Drehen des Kopfes oder Schwindel, der beim Augenschließen besser wird.

  • Häufig Verschlimmerung nach Mittagschlaf oder Schweißausbruch in der Einschlafphase.

Phosphorus

Phosphorus sollte zunächst stets in Q-Potenzen getestet werden: Wenn es nicht das angezeigte Mittel ist und/oder falsch dosiert wird, kann Phosphorus zu starken Verschlimmerungen führen.

  • Es sind meist herzliche Patientinnen, die sehr nett und liebevoll mit den #PhosphorusMammakarzinomMitmenschen umgehen, aber sich selbst an die letzte Stelle stellen und nicht in der Lage sind, ihre eigenen Bedürfnisse anzumelden.

  • Die Sorge um andere und das tiefe Mitgefühl spiegeln die sensible Seite von Phosphorus. Sie sind gerne in Gesellschaft, teilen sich auch bei ihrer Krankheit gerne anderen mit und wünschen sich Trost und Nähe. Sie sind sehr ängstlich, lassen sich aber leicht beruhigen. Im dekompensierten Stadium kann starke Wut und Aggression hervorbrechen. Träume von Blut und Ermordung zeigen die tiefsitzenden Ängste vor dem Tod.

  • Im Vorfeld finden sich oft Brustentzündungen in der Stillzeit oder Abszesse. Am Tumor ist manchmal eine heiße rote Schwellung zu beobachten. Die Patientin erfährt eine Erleichterung ihrer Schmerzen durch Auflegen der Hand oder leichtes Reiben. Operationsnarben neigen zu Keloidbildungen und brechen evtl. wieder auf.

  • Oft findet sich ein trockener Reizhusten oder eine länger bestehende Räusperneigung, die auch als Folge von Bestrahlungstherapien zu beobachten ist. Es besteht ein Verlangen nach erfrischenden Lebensmitteln (Obst/Eis) und kalten Getränken. Wenn Petechien oder Blutungen auftreten, sollte man an Phosphorus denken. Augenblitze und Husten, der beim Gehen ins Freie (und umgekehrt) schlimmer wird, sind ein deutlicher Hinweis auf Phosphorus.

Sepia
  • Die Differentialdiagnose zu Phosphorus ist manchmal nicht leicht, aber wir finden bei #SepiaMammatumorSepia eine Frau, die mehr selbstbezogen ist und weiß, was sie will. Auch ist Sepia nicht so trostempfänglich wie Phosphorus. Trost verschlimmert oder löst Tränen aus. Es kann sich eine eigenartige Abneigung gegen Familienmitglieder zeigen; die Patientin wünscht sich Alleinsein, Freiheit und Ruhe.

  • Sepia weint oft beim Erzählen ihrer Symptome und bekommt aufgrund der Aufregung rote Flecken am Hals. Es sind meist sportliche Frauen, denen Bewegung für die Schmerzen und für die Psyche sehr gut tut (z. B. auch Tanzen).

  • In der Vorgeschichte des Mammatumors finden wir häufig Unterleibsprobleme:

    • Häufig Vaginalmykosen, gelbliche Leukorrhoe, Papillomavirus-Infektionen, Eileiterentzündungen und Konisationen in der Vorgeschichte. Zahlreiche Menstruationsbeschwerden, u. a. Reizbarkeit oder Durchfall vor Menses. Menstruationsschmerzen erstrecken sich die Beine herunter.

    • Die Schwächung der Unterleibsorgane zeigt sich oft an einer unreinen Haut, besonders am Kinn, vor oder während der Menstruation. Oft entstehen gelbliche Verfärbungen um den Mund oder am Kinn oder bräunliche Pigmentierungen am Körper.

    • Direkter Bezug zwischen Unterleib und weiblicher Brustdrüse. Nicht selten ist die Ursache eines Brusttumors in einer Störung des Unterleibes zu finden. Häufig treten ein bis zwei Jahre nach Konisationen oder nach unterdrückender Behandlung von Leukorrhoe Knoten in den Mammae auf.

Beispiel: Bei einer 27-jährigen Frau erfolgte wegen eines Pap III D und einer verhärteten Cervix eine Konisation. Drei Monate später ständige Schmerzen beim Koitus. Sechs Monate später völliger Verlust der Libido. Reizbarkeit und Abneigung gegenüber dem Mann. Die Brustwarzen wurden sehr schmerzhaft und empfindlich. Sie bekam Panikattacken und Herzrasen in der Nacht. Eine psychotherapeutische Hilfe brachte keinen Erfolg. Ein Jahr später schmerzhafter Brustknoten (2 × 2 cm). Sepia in Q-Potenzen normalisierte die Psyche, der Brustknoten verschwand innerhalb von sechs Monaten.
Phytolacca
  • Aus der Vorgeschichte berichten Patientinnen manchmal über einen Brustschmerz beim #PhytolaccaMammatumorStillen, der sich über den ganzen Körper erstreckte.

  • Es finden sich Abszesse in den Mammae und in alten Narben. Blutige Absonderung aus der Brustwarze mit Schmerz, der sich von der Brustwarze über den ganzen Körper erstreckt. Eingezogene und rissige Brustwarzen.

Carbo animalis
  • Bei länger bestehenden Tumoren findet man oft eine stark bläuliche Verfärbung des #Carbo animalisMammatumorTumors mit einer starken bläulichen Venenzeichnung am Tumor. Der Tumor ist manchmal empfindlich auf Kälte.

  • Die Schmerzen können in die Axilla ziehen. Die Achseldrüsen sind induriert und bläulich verfärbt. Ekzeme in der Axilla. Die Schmerzen werden meist als brennend, ziehend und stechend beschrieben.

  • Es kann zu einer sonderbaren Kälteempfindung am Herzen kommen, die bei vorliegendem Mammatumor einen wichtigen Hinweis auf Carbo animalis liefert. Carbo animalis kann auftretende bläuliche Hautmetastasen wieder zurückbilden.

Kolonkarzinom

Definition: Darmkrebs ist die zweithäufigste Krebstodesursache in Deutschland. Jährlich erkranken daran ca. 35 von 100 000 Menschen. Lokalisation v. a. in Rektum und Sigma, 50 % der Tumoren sind mit dem Finger tastbar oder können mittels einer Enddarm-Spiegelung dargestellt werden. Risikofaktoren: genetische Belastung (z. B. familiäre Polyposis), Adenome, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Adipositas, ballaststoffarme Ernährung, Alkohol und Nikotin.

Symptome: Stuhl mit Blutauflagerungen, Änderung der Stuhlgewohnheiten und Stuhlunregelmäßigkeiten werden oft als Hämorrhoiden fehlgedeutet und müssen zum Ausschluss eines Kolonkarzinoms abgeklärt werden.

Diagnostik: Koloskopie. Zusatzuntersuchungen zur Feststellung des Erkrankungsstadiums sind Ultraschall des Oberbauches, CT, MRT und die Bestimmung von Tumormarkern im Blut (CEA, CA-19.9).

Prognose: Gute Heilungschancen mit Operation und Homöopathie

Prophylaxe: mediterrane Kost, möglichst viel Gemüse, Vollkornbrot, Geflügel und Fisch.

Die folgenden ersten Warnsignale sind zu beachten:

  • Veränderungen im StuhlverhaltenStuhlverhalten, Kolonkarzinom, wechselnde Stühle (Durchfall vs. Verstopfung).

  • Schleimauflagerungen im Stuhl, Blutbeimengungen, Schmerzen vor, während und nach der Defäkation, Völlegefühl, aufgetriebener Bauch, Schwächegefühl, unklare Gewichtsabnahme, Polypen im Darm, familiäre Belastungen.

Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung
KolonkarzinomDarmkrebs s. KolonkarzinomBeim Rektumkarzinom ist es wichtig zu differenzieren, ob sich die Symptomatik des Patienten mehr auf der konstitutionellen Ebene befindet, dann sind oft Lycopodium, Sepia oder auch Phosphorus (Totalität der Symptome, 35 Materia PolychrestKolonkarzinommedica) als tiefwirkendes Mittel indiziert.
Spezifischere Mittel wie z. B. Ruta oder Aloe sind mehr aufgrund der Symptome des Erkrankungsortes indiziert.
Ruta graveolens
  • Wirkt stark auf das Rektum und verursacht Störungen wie Verstopfung, abwechselnd mit #RutaRektumkarzinomschleimiger Diarrhoe. Wenn es leicht zum Prolaps des Rektums während oder nach Stuhlgang kommt oder beim Bücken oder beim Anheben eines Gewichts, dann ist das ein wichtiger Hinweis auf Ruta.

  • Ruta hat viele Überanstrengungssymptome. Es ist wie Natrium muriaticum angezeigt bei Röte und Schwere der Augen nach Überanstrengung. Es ist auch ein Mittel welches bei Überbeanspruchung des Handgelenkes angezeigt ist. In Folge dieser Überanstrengung kann ein Ganglion am Handrücken entstehen.

Nitricum acidum
  • Bei Nitricum acidum weist die Schmerzsymptomatik häufig auf das Mittel hin.

  • Es#Nitricum acidumRektumkarzinom finden sich stechende, splitteratige Schmerzen im Rektum, beim oder nach dem Stuhlgang.

  • Die Schmerzen können nach dem Stuhlgang oft Stundenlang anhalten und den Patienten zur Verzweiflung treiben.

  • Er wird gereizt, nervös und reagiert sehr empfindlich auf alle Sinneseindrücke. Geräusche können ihn sehr reizbar machen und die Schmerzen verstärken.

  • Bei der Untersuchung erkennt man Fissuren und Ulzerationen an den Schleimhautgrenzen.

  • In der Vorgeschichte findet sich auf psychischer Ebene oft ein lang anhaltender Kummer mit Wut oder Hassgefühlen. Es sind oft reizbare Patienten die Ihre Wut aber gut kontrollieren können und sich beim Arzt als sehr freundlich und milde zeigen.

Thuja
  • Blumenkohlartige Wucherungen des Krebses ohne Ulzerationen.

  • #ThujaRektumkarzinomAnalfissuren, die sehr schmerzhaft sind. Warzen und Kondylome in der Umgebung des Afters. Brennende und stechende Schmerzen im Anus.

Sepia
  • Sepia wird meist aufgrund der konstitutionellen Symptome gewählt. Es besteht ein ständiges Völlegefühl im Rektum und Schmerzen, als ob ein Fremdkörper im Rektum wäre oder als ob man auf einem Ball sitzen würde.

  • Die Schmerzen im Rektum und Abdomen sind besser durch Anziehen der Beine.

Phosphorus
  • Wird meist aufgrund der Totalität der Symptome gewählt (konstitutionell).

  • #PhosphorusRektumkarzinomRektumkrebs mit viel Blutungen und großer Schwäche nach Stuhlgang.

  • Blutende Rektumpolypen. Vermehrte hörbare Darmgeräusche. Abgang von Schleim und unverdauertem im Stuhl. Patient hat das Gefühl, der Anus stehe offen.

  • Bestes Mittel bei Rektumkarzinom als Folge von Darmtuberkulose.

Tuberculinum
  • Wird aufgrund der Totalität der Symptome gewählt (konstitutionell).

  • Die Symptome#TuberculinumRektumkarzinom sind oft ähnlich wie Phosphorus. Es ist häufig Zwischenmittel, wenn Tuberkulose in der Vorgeschichte war oder wenn die angezeigten Mittel nicht ansprechen.

Lycopodium
  • Wird aufgrund der Totalität der Symptome gewählt (konstitutionell).

  • In der #LycopodiumRektumkarzinomVorgeschichte der Patienten finden wir Völlegefühl im Bauch und massive Blähungen.

  • Enger Gürtel und kalte Getränke verschlechtern.

  • Kontrollierte Menschen, die Ihren Stress über den Darm verarbeiten. Der erste Teil des Stuhls ist hart, der zweite dann weich.

  • Viele Leberflecken am Körper.

Alumina
  • Rektumkrebs mit starker Verstopfung. Kein Stuhldrang. Harte knotige Stühle. Sogar #AluminaRektumkarzinomweicher Stuhl wird schwer entleert.

  • Lähmungsartige Schwäche der Muskeln, der Blase und des Darms.

  • Trockenheit der Schleimhäute.

Aloe
  • Schleimige Stühle und Schleimabgang aus dem Rektum. Verliert den Stuhl beim Gehen. Keine#AloeRektumkarzinom Kontrolle über den Sphinkter ani.

  • Hämorrhoiden die vorfallen wie Trauben. Ständiges Gefühl des nach unten Drängens im Rektum.

Medorrhinum
#Medorrhinum Prostatatumor
  • Sykosis in der Vorgeschichte. Unterdrückte Gonorrhoe.

  • Folgen von sexuellen #MedorrhinumRektumkarzinomAusschweifungen. Rektumkrebs bei Homosexuellen (Phosphorus).

  • Starkes Nässen und Absonderung übel riechender (fischig) Feuchtigkeit aus dem Anus. Intensives Jucken am Anus.

  • Stuhl kann manchmal nur abgehen, wenn sich der Patient weit zurücklehnt.

  • Immer in Hast und großer Eile. Die Zeit vergeht zu langsam.

Sulfur
  • Sulfur wird aufgrund der Totalität der Symptome gewählt (konstitutionell).

  • #SulfurRektumkarzinomOptimistische Personen mit einem humorvollen Naturell, die aber meist sehr selbstbezogen sind.

  • Stuhl treibt morgens aus dem Bett. Rötung und Jucken am Anus. Hämorrhoiden durch Blutandrang im Pfortaderbereich.

  • Hitzige Personen. Rektumkrebs infolge jahrelanger Fehlernährung. Sulfur mag gerne fettes Fleisch, Geräuchertes, alkoholische Stimulanzien, was wiederum eine Ursache für Rektumkrebs ist.

Unterstützende Maßnahmen
Neben der homöopathischen Behandlung ist eine Ernährungsumstellung unbedingt notwendig. Parasitäre Belastungen überprüfen. Wenn es vertragen wird, dann täglich frisch gepresster Karottensaft. Aufnahme von Antioxidantien, Anthocyanate etc. Sauerkrautsaft vor dem Essen. Bewegung und Entspannungsübungen.

Weitere Tumoren

Tabelle 25.1 soll dem homöopathischen Praktiker eine Hilfestellung an die Hand geben, welche Mittel sich bei bestimmten Tumoren bereits bewährt haben. In diese Tabelle sind eigene Erfahrungen und Erfahrungen aus der Literatur eingeflossen. Grundsätzlich sollte man keine vorgefassten Schemata verwenden, aber der Ort des Tumors und die Tumorart liefern oftmals bereits Hinweise auf das passende Arzneimittel.

Bei der Tumorbehandlung mit Homöopathie sollte man erst dann ein Mittel verschreiben, wenn man eine gründliche Anamnese erhoben, Beurteilungskriterien und Verlaufsparameter erstellt hat und sich in den Reaktionen auf die Mittelgabe zur Verlaufsbeurteilung auskennt (7.3)! Sonst wird man keinen Erfolg mit der Therapie haben. Die Individualität des Menschen mit seinen spezifischen, charakterisierenden Symptomen weist den Weg zum Simillimum.

Überblick über wichtige Tumorerkrankungen mit einer Auswahl ihrer häufigsten Mittel (Arzneimittel nach Wichtigkeit geordnet)

Tab. 31.1
Erkrankung Arzneimittel Bemerkungen und Hinweise zu speziellen Krankheiten und Arzneimitteln
Hirntumoren Phosphorus Folgen von Strahlenexposition, elektromagnetische Felder, Mobilfunkanlagen
Natrium sulfuricum Folgen von Kopfverletzungen
Thuja Wenn es starke Reaktionen auf Impfungen gab oder SV-40-Viren im Tumor gefunden werden. Besonders bei Medulloblastomen. Veränderungen im p53-Suppressorgen
Silicea Impfschäden; konstitutionell gewählt
Sulfur Unterdrückungen von Hautausschlägen in der Vorgeschichte. Oft Konstitutionsmittel
Calcarea carbonica Konstitutionell gewählt, eisige Kälte des Kopfes
Barium carbonicum Gefühl von Lockerheit des Gehirns, welches bei Bewegung hin und her zu fallen scheint
Plumbum iodatum Rückenmarksdegeneration
Mundhöhlenkarzinome Arsenicum album Brennende Schmerzen und faulige Zersetzungsprodukte. Epitheliome der Lippen
Aurum muriaticum Kanzeröse Warzen der Zunge; ruhelos wie Arsenicum und depressiv wie Aurum (Grimmer)
Aurum metallicum Geschwollene ulzerierte Zunge mit fauligem Atem
Causticum Stark brennende Schmerzen der Ulzerationen
Conium maculatum Verhärtungen der Drüsen, Lippenkrebs durch den Druck der Pfeife ausgelöst
Crotalus horridus Zungenkrebs mit starker Blutungsneigung, blutiger Speichel
Gallium aparine Noduläres Zungenkarzinom. Kanzeröse Ulzera und indurierte Tumoren der Zunge. Bewirkt eine schnellere Granulation der ulzerierten Oberfläche
Hydrastis Harte Tumoren mit messerstichartigen Schmerzen
Lachesis Leicht blutende Aphthen. Schweres Gefühl der Zunge und schwierige Sprache
Kalium cyanatum Zungengeschwüre an den Rändern, hart und knotig
Lapis albus Wenn brennende Ulzerationen der Lippen bestehen, die den Patienten fast wahnsinnig machen vor Schmerz (in D3 geben)
Nitricum acidum Splitterartige Schmerzen
Phytolacca Besonders Tumoren der Parotis
Phosphorus Starke Blutungen; konstitutionell gewählt
Sepia Bitterer Geschmack im Mund; konstitutionell gewählt
Sempervivum tectorum Maligne Ulzerationen im Mund und an der Zunge, die leicht bluten, besonders nachts
Thuja Warzige, blumekohlartige Auswüchse der Zunge oder der Mundhöhle
Larynx- und Stimmbandkarzinome Phosphorus Ständige Heiserkeit und Kitzelhusten; kaltes Wasser lindert die Schmerzen
Thuja Polypen an den Stimmbändern
Argentum nitricum Chronische Heiserkeit oder Kehlkopfentzündung bei Sängern oder Rednern
Lachesis Flüssigkeiten sind schwierig zu schlucken; äußerer Hals sehr empfindlich
Arsenicum album Konstriktionsgefühl im Hals mit Unfähigkeit zu schlucken. Schmerzen werden durch Trinken von heißem Wasser gebessert
Kalium bichromicum Zähe, fadenziehende Absonderungen; Septumperforation
Nitricum acidum Schwieriges Schlucken mit splitterartigen Schmerzen; Knacken der Kiefer beim Kauen
Sanguinaria Trockenheit und Brennen im Kehlkopf mit Heiserkeit. Schmerzen im Kehlkopf agg. durch Süßes
Ösophaguskarzinom Causticum Folgen von Verätzungen; bei Alkoholikern
Hamamelis Bei blutenden Ösophagusvarizen
Lachesis Schmerzhafte Ulzerationen mit Schwierigkeiten beim Schlucken. Extreme Empfindlichkeit des Ösophagus. Ständiges Bedürfnis zu schlucken; agg. Leerschlucken
Argentum nitricum Blutige Ulzera mit stechenden Schmerzen, agg. durch Bewegung
Mercurius Spasmen des Ösophagus und Magens beim Versuch, kleinste Mengen zu schlucken. Brennende und zusammenziehende Schmerzen
Arsenicum Album Trockenheit, Brennen und Wundheitsgefühl im Ösophagus. Extremer Durst, trinkt kleine Schlucke
Phosphorus Brennende Schmerzen und Konstriktionsgefühl im Ösophagus
Radium bromatum Bei Schmerzen nach Radiatio
Schilddrüsenkarzinom Thuja Verletzlichkeitsgefühl, Dualitätsgefühl; fixe Ideen; hält Informationen zurück
Spongia Spongia hat sich dem Verfasser als organotropes Spezifikum bewährt, wenn konstitutionelle Mittel versagt haben
Iodium Heißblütige Patienten mit großem Appetit und gleichzeitig rascher Abmagerung
Lachesis Kloßgefühl im Hals, welches zum Leerschlucken zwingt; Kloßgefühl wird aber durch das Schlucken nicht gebessert; agg. Sonne
Lycopodium Rechtsseitige Struma, Klopfen und Zucken im Kopf. Torticollis, ständig offener Mund, gerunzelte Stirn
Natrium muriaticum Struma mit Exophthalmus; Abmagerung der Halsregion; Beschwerden durch Kummer, kann nicht weinen, ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden; Salzverlangen; hartes Bett angenehm
Schilddrüsenkarzinom Sepia Konstitutionell gewählt. Schilddrüsenunterfunktion. Bewegung und Sonne amel.
Calcium iodatum Struma beginnt bereits in der Pubertät
Magenkarzinom Arsenicum album Brennende Schmerzen, warme Auflagen und warme Getränke bessern; große nervöse Schwäche mit Unruhe und Angst
Phosphorus Magenschmerzen werden durch kalte Getränke gebessert
Cadmium sulfuratum Kaffeesatzartiges Erbrechen, Symptome ähnlich wie bei Arsenicum, nur ist Cadmium sulfuratum heißblütig
Condurango Magenkrebs begleitet von schmerzhaften Rissen in den Mundwinkeln. Speisenerbrechen und konstante krampfende und brennende Schmerzen hinter dem Sternum
Hydrastis Ulzerationen und Krebs des Magens mit pulsierendem Gefühl im Epigastrium
Bismuthum Klares wässriges Erbrechen oder Erbrechen von großen Speisemengen, die schon tagelang im Magen zu liegen scheinen
Kalium bichromicum Kreisrunde Ulzerationen der Magenschleimhaut
Conium maculatum Gefühl von Zusammenschnüren in den Hypochondrien wie von einem Band. Schwellung und Verhärtung der Mesenteriallymphknoten. Kalte Blähungen, Stuhl fühlt sich kalt an
Aceticum acidum Szirrhus des Pylorus; nagende brennende Schmerzen amel. auf dem Bauch liegend. Gefühl, als sänke das Abdomen ein, was eine angestrengte Atmung verursacht
Ornithogalum umbellatum Auftreibung von Magen und Abdomen mit häufigem, übel riechendem Aufstoßen. Schwäche und Suizidneigung. Spasmodisches Zusammenschnüren des Pylorus mit Auftreibung des Duodenums. Amel. warme Speisen; agg. kalte Getränke. (Urtinktur)
Leberkarzinom Chelidonium Leberschmerz erstreckt sich in die rechte Schulter; bierbrauner Urin
Lycopodium Konstanter Leberdruck mit viel Flatulenz; konstitutionell zu wählen
Phosphorus Fettige Degeneration der Leber begleitet von petechialen Flecken auf der Haut; grau-weiße Stühle
Arsenicum album Auftreibung des Bauches, Aszites, empfindliche Lebergegend; brennende Schmerzen, aber warme Auflagen bessern
Natrium sulfuricum Leberstörungen nach lang anhaltendem Ärger oder nach chronischer Hepatitis
Cholesterinum Primärer Leberkrebs; Leberzirrhose, Schlaflosigkeit bei Leber- und Gallenstörungen, Leber vergrößert und schmerzhaft agg. durch Erschütterungen. In Tiefpotenzen D3
Tumoren der Milz Ceanothus americanus Ein Spezifikum für die Milz, das von Burnett verwendet wurde
Phosphorus Konstitutionell gewählt. Petechien auf der Haut
Pankreaskarzinom Bei fortgeschrittenen Pankreastumoren sollte auf eine Verbesserung der Lebensqualität abgezielt werden. Die vorherrschenden Symptome liefern die Hinweise auf das angezeigte homöopathische Mittel. Die palliativen Chemotherapien zeigen keinen statistisch relevanten Überlebensvorteil und vermindern aufgrund der Nebenwirkungen die Lebensqualität enorm (Moss)
Phosphorus Phosphorus ist das bewährteste Mittel bei Pankreastumoren. Diabetes, fettige Stühle. Schwäche und Leeregefühl im Bauchraum. Hörbare Darmgeräusche. Große gelbe Flecken auf dem Abdomen. Schwindel nach dem Aufstehen, Hitzegefühl an der Wirbelsäule
Carbo animalis Brennende Schmerzen, Pankreasverhärtung, Venenzeichnungen am Abdomen
Arsenicum album Brennende Schmerzen durch Wärme gebessert, innere und äußere ängstliche Unruhe, nächtliche Verschlimmerung
Cadmium sulfuratum Kaffeesatzartiges Erbrechen sofort nach Trinken. Heißblütig und Bewegung agg. (DD zu Arsenicum)
Calcium arsenicosum Lindert brennende Karzinomschmerzen; agg. schon durch leichte Bewegung
Blasenkarzinom Thuja Blasenpappillome, blumenkohlartige Wucherungen in der Blase. HPV-Infektionen. Geteilter Urinstrahl
Lycopodium Konstitutionell gewählt. Oft wird Thuja als Zwischenmittel benötigt
Terebinthina Blasendruckschmerz erstreckt sich beim Sitzen in die Nieren, Gehen amel. Brennen in der Harnröhre beim Urinieren
Conium maculatum Stechende Schmerzen am Blasenhals durch Sitzen gebessert. Blasenlähmung. Blasenschmerzen vor dem Urinieren
Crotalus horridus Abgang von dunklem Blut aus der Harnröhre, Blut gerinnt nicht
Prostatakarzinom Lycopodium Konstitutionell gewählt. Nachtröpfeln beim Urinieren. Rückenschmerz amel. nach Urinieren
Thuja HPV-Infektionen, Warzen und Kondylome, Impfreaktionen, braune Flecken am Körper. Geteilter Urinstrahl
Conium Harte Tumoren in der Prostata. Unterbrochener Harnstrahl beim Urinieren. Unterdrückte Sexualität
Medorrhinum Frösteln nach Urinieren, wundes Gefühl in der Prostata, das sich bis ins Rektum erstreckt. Unterdrückte Gonorrhoe. Starker Sexualtrieb
Sabal serrulata Organotropes Spezifikum für die Prostata (Urtinktur oder D3)
Ovarialkarzinom Sepia Konstitutionell gewählt
Arsenicum album Brennende Schmerzen
Thuja HPV-Infektionen, Impfbelastung, Unterdrückung von Warzen und Ausfluss
Conium maculatum Verhärtung der Ovarien. Stechende Schmerzen
Ovarialkarzinom Aurum muriaticum natronatum Schmerz der Ovarien erstreckt sich bis unter das Schulterblatt
Kreosotum (s. u. Uteruskarzinom)
Medorrhinum Neuralgische Schmerzen erstrecken sich vom Ovar zum Uterus (s. a. Uteruskarzinom)
Lachesis Befällt mehr die linke Seite; Schmerzen ziehen vom linken zum rechten Ovar
Lilium tigrinum Befällt mehr die rechte Seite
Uteruskarzinom Arsenicum album Brennende Schmerzen in der Uterusregion, Wärme bessert
Aurum muriaticum natronatum Verhärtungen der Cervix. Starker organotroper Bezug (vgl. Burnett)
Conium maculatum Verhärtungen der Cervix, Jucken tief in der Vagina. Schwächende Leukorrhoe mit einem lähmungsartigen Gefühl im kleinen Becken. Stechende Schmerzen im Uterus
Phosphorus Anämie durch Blutungen. Blutungen zwischen den Menses
Lachesis Rasch zunehmende Schmerzen, die erst nach Blutabgang gebessert werden. Schmerzen, als ob ein Messer in den Unterleib gestochen würde
Carbo animalis Große Schwäche während der Menses. Brennende Schmerzen ziehen die Unterschenkel hinunter. Gelb-brauner Sattel über der Nase bei Uterusleiden
Sepia Viele Unterleibsbeschwerden in der Vorgeschichte. Schmerzen im Uterus, die bis in die Beine herunterziehen. Gelber Sattel über der Nase bei Uterusleiden, gelbliche Verfärbungen um den Mund
Thuja Blumenkohlartige Tumoren, Kondylome in der Vagina
Kreosotum Starkes Brennen in der Vagina, blutige Absonderung vermehrt im Liegen. Ausfluss wie blutiges Fleischwasser. Stichartige Schmerzen ziehen in die Scheide mit zusammenschnürendem Gefühl im Rektum. Fluor ätzend, brennend, gelb, übel riechend und juckend
Medorrhinum Gonorrhoe in der Vorgeschichte; Kältegefühl in der Nierenregion, Gefühl von Brodeln in der Nieregegend. Blutungen aus dem Uterus, gussweise, bei Bewegung
Arsenicum iodatum Uteruskrebs mit Brenngefühl und starkem Geruch. Vom Uterus ausgehender Druck auf das Rektum. Heißblütig (Arsenicum album ist verfroren)
Crotalus horridus Schwäche im Magen bei Blutungen eines Uteruskarzinoms
Graphites Gussweise Leukorrhoe, scharf, wund machend, rinnt die Beine herunter. Schmerz im Uterus beim Hochstrecken der Arme
Thlaspi bursa pastoris Reichliche periodische Blutungen; wunder Schmerz im Uterus beim Aufstehen; Verlangen nach Buttermilch
Melanom Lachesis Bläuliche Narben; abergläubisch, Redefluss, Sonne agg. deutlich, Hitzewallungen, Eifersucht
Sulfur Konstitutionell gewählt; mehrfach erfolgreich klinisch bestätigt
Thuja Viele braune Leberflecke, Warzen und Kondylome der Haut, Lipome
Lycopodium Viele braune Leberflecke; konstitutionell gewählt
Sepia/Natrium muriaticum Konstitutionell gewählt
Arsenicum album Bei fortgeschrittenem Leiden, bei aufbrechenden Melanommetastasen, übel riechende Absonderung, rascher Kräfteverfall, nervöse Unruhe und Schwäche. Kanzeröse Ulzera mit rascher Progression, die an den Rändern leicht bluten
Radium bromatum Melanom als Folge von Bestrahlungstherapien

Homöopathische Begleittherapien

Begleittherapie bei Chemotherapie

Bei der Begleitbehandlung, homöopathischeChemotherapieBehandlung von Tumoren mit Chemotherapie wird nur ein ChemotherapieBegleitbehandlung, homöopathischeTeil der Tumorzellen direkt abgetötet, ein weiterer Teil der Tumorzellen wird in der DNA geschädigt, vom intakten Immunsystem erkannt und bekämpft. Es ist also letztlich das Immunsystem, welches das Tumorgeschehen bekämpft, wenn es zu einer Heilung kommt.
Stellenwert der Homöopathie
Die Chemotherapie wird nur bei wenigen Tumorarten erfolgreich eingesetzt (Leukämien, Hodenkrebs u. a.). Die Toxizität der Chemotherapeutika und die damit verbundene langfristige Schädigung des Immunsystems birgt die Gefahr der Entstehung von Zweittumoren. In der Erfahrung hat sich gezeigt, dass eine niedrig dosierte, individuelle Chemotherapie unter Berücksichtigung der Immunitätslage und der spezifischen Tumorart des Patienten, in Verbindung mit einer homöopathischen Behandlung bei bestimmten Tumorarten, ausgezeichnete Resultate liefert. Leider werden immer noch bei vielen Patienten mit fortgeschrittenen Tumorleiden palliative Chemotherapien angewendet, die keinen großen Überlebensvorteil bewirken, die Lebensqualität aber sehr einschränken.

Die Symptome, die sich während einer Chemotherapie beim Patienten zeigen, können Rückschlüsse auf das konstitutionelle Heilmittel liefern.

Beispiel: Entwickelt ein Patient während der Chemotherapie starken Reizhusten, vermehrten Appetit und Nasenbluten, ist gleichzeitig sehr ängstlich und wünscht sich Gesellschaft, sind diese Symptome ein Hinweis auf Phosphorus#PhosphorusChemotherapie, das in der akuten Phase helfen wird und evtl. gleichzeitig das Konstitutionsmittel oder Heilmittel ist.
Wichtige homöopathische Mittel und ihre Differenzierung
Spezielle homöopathische Mittel bei Übelkeit und Erbrechen während einer Chemotherapie

!!! Ars., Cadm-s., Nux-v., Phos.
!! Okou.
! Ip., Sulph., Tab.

Arsenicum album
  • Die Chemotherapie ähnelt in ihrer Wirkung auf den Organismus einer #Arsenicum albumChemotherapieArsenintoxikation: Die Enzyme der Atmungskette werden blockiert, es kommt zu Symptomen der inneren Erstickung, begleitet von starker ängstlicher, nervöser, innerer Unruhe und Ruhelosigkeit, die den Patienten aus dem Bett treibt. Ebenso wichtige Leitsymptome sind starke Frostigkeit und starke Übelkeit sowie eine sehr belastende Schwäche.

  • Der gesamte Magen-Darm-Trakt ist stark betroffen mit Brennen im Magen, das von Angst und Unruhe begleitet ist. Obwohl ein Brennen verspürt wird, verlangt der Patient nach Wärme und warmen Auflagen, die ihm Linderung verschaffen. Das Abdomen ist sehr empfindlich gegen leichteste Berührung. Der Kranke ist sehr geschwächt, erbricht häufig und hat reiswasserartige schwächende Durchfälle. Erbrechen meist sofort nach der kleinsten Menge Essen oder Trinken. Das Erbrochene ist gelb wie Galle oder schwarz wie Kaffeesatz und stark riechend. Erbrechen nach dem Aufsetzen im Bett. Starke Übelkeit, die durch Gerüche und Bewegung verschlimmert wird, obwohl der Patient das Bedürfnis hat, sich ständig zu bewegen.

  • Intensiver Durst; der Patient trinkt oft in kleinen Schlucken. Er verlangt während der Chemotherapie nach kalten Getränken, die aber vom Magen nicht vertragen werden (bei Phosphorus bessern kalte Getränke die Magenschmerzen). Frost und Magenkrämpfe nach kalten Getränken (Arsenicum verlangt meist nach warmen Getränken).

  • Es kommt oft zu einer nächtlichen Verschlimmerung der Beschwerden mit Angst und Ruhelosigkeit und Anfällen von Erbrechen (1–3 Uhr).

  • Dosierung: Arsenicum als Q-Potenz oder C30 in Wasser aufgelöst nach Bedarf (wenn eine Besserung eintritt, das Mittel stoppen und abwarten).

Nux vomica
  • Nux vomica ist ein bewährtes Mittel bei Erbrechen und Übelkeit während einer #Nux vomicaChemotherapieChemotherapie. Der Nux-vomica-Patient wird während der Chemotherapie leicht ärgerlich und reizbar. Überempfindlichkeit gegen alle Sinneseindrücke (geringste Geräusche, Gerüche, helles Licht, Musik). Fehlender Appetit und fauliger oder bitterer Geschmack im Mund. Ständige Übelkeit mit dem Gefühl, dass nur Erbrechen Linderung bringen kann.

  • Die Magenregion ist schmerzhaft aufgetrieben. Immer wiederkehrende Anfälle von Frostigkeit und zusammenziehenden Magenschmerzen. Gefühl, dass bei den schneidenden und krampfenden Magenschmerzen Diarrhoe einsetzen könnte. Verstopfung durch unregelmäßige Peristaltik des Darmes mit häufigem erfolglosem Stuhldrang oder Ausscheidung kleinster Mengen Stuhl bei jedem Versuch. Übelkeit und Erbrechen von saurem Schleim.

  • Dosierung: C30 tgl. vor der Chemotherapie.

Cadmium sulfuratum
  • Hat starke Ähnlichkeit mit Arsenicum album, mit dem wichtigen Unterschied, #Cadmium sulfuratumChemotherapiedass Cadmium sulfuratum nicht frostig ist, keine so starke Ängstlichkeit aufweist, eher heißblütig ist und Bewegung eher verschlechtert. Verlangen nach kaltem Wasser, das aber sofort erbrochen wird.

  • Starke Übelkeit, die ihn zwingt, ganz still zu liegen, um Erbrechen zu vermeiden.

  • Erbricht sofort nach dem Trinken, selbst nach geringsten Mengen. Das Erbrochene sieht aus wie Kaffeesatz. Ohnmacht beim Aufstehen. Offene Augen im Schlaf.

  • Dosierung: C30 oder C200 in Wasser aufgelöst. Nicht zu häufig wiederholen.

Phosphorus
  • Sehr geschwächte Menschen, die Angst vor dem Alleinsein haben und sich die Nähe der#PhosphorusChemotherapie Familienangehörigen wünschen. Sie wünschen Trost und dass man ihre Hand hält, um ihnen die Angst vor dem Sterben zu nehmen (Arsenicum ist in der Krankheit fordernd und ruhelos).

  • Extremer Durst auf kalte Getränke. Das Wasser wird erbrochen, sobald es im Magen warm geworden ist. Schwächegefühl im Abdomen.

  • Die Magenschmerzen werden gebessert durch kalte Nahrung, kalte Getränke, Eiscreme; Handauflegen, Massage, Schlaf. Das Erbrochene ist oft gelb oder wie Galle.

  • Dosierung: Als Q-Potenz täglich.

Okoubaka
  • Ein Mittel, das bei Vergiftungssymptomen zum Einsatz kommt und sich daher begleitend #OkoubakaChemotherapiezur Chemotherapie bewährt hat.

  • Dosierung: D3 oder D6, 2 × tgl.

Sulfur
  • Sulfur ist angezeigt, wenn Erbrechen mit Hitzegefühl am ganzen Körper vorherrscht (#SulfurChemotherapieCadmium sulfuratum). Es findet sich ein vermehrter Appetit während der Chemotherapie. Es bestehen eine starke Empfindlichkeit auf Gerüche und teilweise Geruchshalluzinationen. Der Patient ist trotz objektiv schwieriger Lage oft hoffnungsvoll und optimistisch.

  • Dosierung: Als Q-Potenz tgl.

Tabacum
  • Ein gutes Mittel bei starker Übelkeit, verbunden mit Schwäche, Blässe, Erbrechen, #TabacumChemotherapieeisiger Kälte und Schweiß mit intermittierendem Puls. Schwindel beim Öffnen der Augen. Der Bauch ist stark aufgetrieben und kalt, der Patient möchte ihn aber nicht bedeckt haben.

  • Dosierung: meist D3, D6 oder C30 in Wasser.

Ipecacuanha
  • Angezeigt bei starker Übelkeit mit Erbrechen, wenn das Erbrechen unaufhörlich oder #IpecacuanhaChemotherapieschwallartig ist.

  • Erbrechen beim Riechen von Speisen, beim Husten, beim Bücken, nach Essen und Trinken, nach Stuhlgang, nach Kratzen der juckenden Haut.

  • Abneigung gegen den Geruch von Speisen. Übelkeit im Magen bei sauberer Zunge; eingesunkene Augen bei Übelkeit

  • Dosierung: C30 als Einmalgabe oder in Wasser. Bei Besserung das Mittel stoppen.

Begleittherapie bei Bestrahlung

Begleitbehandlung, homöopathischeStrahlentherapieEine Radiotherapie, homöopathische BegleitbehandlungBestrahlung hat nicht nur lokalisierte Veränderungen Strahlentherapie, homöopathische Begleitbehandlungzur Folge, sondern kann den ganzen Organismus so verändern, dass über Jahre bestimmte Beschwerden zurückbleiben, die manchmal zuerst mit spezifischen homöopathischen Bestrahlungsmitteln behandelt werden müssen, bevor ein anderes, tiefwirkendes konstitutionelles Mittel wirken kann.
Die Strahlentherapie bewirkt zwar meist eine schnelle Tumorzerstörung, schädigt aber das umliegende Gewebe, das mehr als 80 % der Strahlung absorbiert (Zabel). Die Bestrahlung führt zur Zerstörung von Millionen von Mitochondrien und Atmungsfermenten, die für das zelluläre Gleichgewicht und die Energiebereitstellung des Organismus notwendig sind (Seeger; Kuhl). Vor der Entscheidung für eine Radiotherapie muss im individuellen Krankheitsfall auch langfristig das Verhältnis von Nutzen und Risiko abgewogen werden. Beispiel: Die Bestrahlung von Mammatumoren senkt das Auftreten von Lokalrezidiven um 40 %, bringt aber statistisch keinen Überlebensvorteil. Dagegen erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, an Herz-Kreislauferkrankungen zu sterben um das Vierfache. Auch das Auftreten von Zweittumoren, besonders von Sarkomen, ist nach Bestrahlungen erhöht.
Wenn eine Chemotherapie durchgeführt wird, muss diese vor der Bestrahlung erfolgen, da die Bestrahlung die Mikrozirkulation im Tumor und in den zuführenden Gefäßen zerstört, sodass die nachfolgende Chemotherapie dort nicht mehr bzw. in sehr abgeschwächtem Maße wirken kann.
Wichtige homöopathische Mittel und ihre Differenzierung

!!! Phos., Rad-br., Sil., X-Ray.
! Cadm-i., Caust., Cob-n., Fl-ac., Stront-c.

Phosphorus
  • Sehr häufig verwendetes Mittel, wenn Beschwerden nach Radiatio #PhosphorusRadiotherapiezurückbleiben, Oft kann während der Bestrahlung ein Kitzelhusten beim Patienten beobachtet werden, dessen Reiz von der Halsgrube auszugehen scheint. Des Weiteren können sich Schwindel und das Gefühl von Blutleere im Kopf einstellen. Es wird über die bestrahlten Areale hinaus eine intensive Hitze im gesamten Körper gespürt. Hitzegefühl an der Wirbelsäule. Es besteht ein Verlangen auf kalte Getränke, Eiscreme oder Erfrischendes.

  • Wenn Phosphorus nicht wirkt, denke man an Radium bromatum oder X-Ray.

  • Dosierung: Als Q-Potenz täglich oder C-Potenzen. Die C-Potenz von Phosphorus unbedingt 35 Tage auswirken lassen. Bei häufigen Wiederholungen besteht die Gefahr von Blutungen.

Radium bromatum
  • Intensives Jucken der Haut. Feine schuppige Hautauschläge #Radium bromatumRadiotherapieerscheinen nach den Bestrahlungen. Bewegung bessert, Verschlimmerung nach Ruhe. Hautirritationen werden durch heißes Wasser erleichtert. Träume von Blut (Phosphorus).

  • Dosierung: 2 Glob. C30 einige Stunden vor der Bestrahlung eingenommen, lindert die Nebenwirkungen.

X-Ray
  • Gefühl, nicht klar im Kopf zu sein, wie im Nebel. Starke Benommenheit mit#X-RayRadiotherapie Kopfschmerz und Schläfrigkeit. Gefühl von Schwefeldampf in der Nase und teils blutige Absonderung. Geblähter Bauch mit dem Gefühl, als ob Durchfall einsetzen würde. Ziehen im Unterbauch. Missempfindungen der Extremitäten, wie magnetisiert oder unter Strom stehend. Raue, rissige oder schuppige Hautauschläge besonders der Handinnenflächen. Anämie nach Bestrahlungen. Bewegung verschlimmert. Gutes Mittel bei Verbrennungen nach Röntgenstrahlen.

  • Dosierung: C30 vor der Bestrahlung.

Causticum
  • Ein allgemein bekanntes Mittel bei Verbrennungen. Wenn Warzen an den #CausticumRadiotherapiebestrahlten Gebieten auftreten (besonders nach Röntgenstrahlen) (H. C. Allen). Zusammenziehen der Muskeln und Sehnen nach Bestrahlungen. Schmerzhafte Kontraktionen. Die Schleimhäute fühlen sich berennend und roh an.

  • Dosierung: Lokal als D1 auftragen. Oral als C- oder Q-Potenz.

Fluoricum acidum
Bei Verbrennungen nach Röntgenstrahlen.
Seltener eingesetzte homöopathische Mittel
Bei Bestrahlungsfolgen kommen folgende homöopathischen Mittel seltener zur Anwendung: Cobaltum nitricum, Strontium carbonicum, Cadmium sulfuratum, Kreosotum, Lachesis, Nux vomica und Sol (Künzli).
Unterstützende Maßnahmen
Oft bleiben nach Bestrahlungen Irritationen der Haut bestehen, die anfänglich auch mit äußerlichen Mitteln behandelt werden können:
Lokal zum Auftragen auf die bestrahlten Areale Calendula und Aloe vera:
  • Calendula verhindert Narbenbildung und regeneriert die Haut.

  • Aloe vera ist äußerlich angewendet ein hervorragendes Mittel zur Kühlung und Schmerzlinderung. Aloe lindert brennende Schmerzen im bestrahlten Areal. Es hilft, die geschädigte Haut zu regenerieren.

Begleittherapie bei Tumorschmerzen

Es gibt Schmerzustände bei SchmerzenTumorTumorpatienten, die nicht mehrTumorSchmerzen auf Schmerzbehandlung, Tumorpatientenkonventionelle Schmerzmittel oder Opiate ansprechen. Es erweist sich als günstig, den gesamten Fall und die Schmerzen genau zu analysieren und dann zuerst das entsprechende tiefwirkende homöopathische Mittel zu geben, das die Natur des Tumors beeinflusst und die aktuell vorherrschende Symptomengruppe abdeckt.
Die allopathische Medikation wird anfangs beibehalten und bei Nachlassen der Schmerzen reduziert.
Jedes Mittel kann, wenn es aufgrund der auffallenden Symptome gewählt wurde, selbst schwerste Schmerzzustände lindern.
Wichtige homöopathische Mittel und ihre Differenzierung

!!! Ars., Bell., Bry., Nux-v.
! Cham.

Arsenicum album
  • Der Patient ist sehr von den Schmerzen gequält. Der #Arsenicum albumTumorbehandlungAusdruck ist ängstlich und angespannt. Er ist nervös und ruhelos bei den Schmerzen, die ihn aus dem Bett treiben.

  • Er empfindet oft einen brennenden Schmerz, der durch Wärme, ein heißes Bad oder heiße Auflagen gebessert wird. Brennender Schmerz in den Blutgefäßen oder ein inneres Stechen wie von heißen Nadeln.

  • Die Schmerzen sind meist nach Mitternacht oder nachts schlimmer.

Belladonna
  • Plötzlich einsetzende oder einschießende Schmerzzustände, die den Patienten fast#BelladonnaTumorschmerzen wahnsinnig machen. Pulsierende Schmerzen oder Kongestionen an einzelnen Körperstellen. Hitze, Rötung und Brennen. Hitze des Kopfes mit kalten Gliedern.

  • Erweiterte Pupillen und glänzende Augen. Empfindlichkeit auf Geräusche und auf Berührung. Der Patient liegt im Bett und kann es nicht ertragen, wenn man zufällig an das Bett stößt. Die kleinste Erschütterung verschlimmert.

  • Der Patient legt meist die Hände auf die schmerzhaften Stellen, was ihm Linderung verschafft, oder er drückt fest auf den schmerzhaften Bereich. Eine leichte sanfte Berührung wird als unangenehm empfunden.

Bryonia
  • Der Patient ist während der Schmerzen sehr gereizt und will seine Ruhe haben. Es #BryoniaTumorschmerzenbesteht großer Durst.

  • Er hat oft stechende oder drückende Schmerzen, die durch Bewegung verschlimmert werden. Husten oder tiefes Einatmen verursacht Schmerzen. Er hält sich die Brust oder den Kopf beim Husten.

  • Bei Leberschmerzen legt er sich auf die schmerzhafte Seite; Linkslage verschlimmert. Druck oder feste Bandagen bessern den Schmerz. Kühle Luft oder Kälte bessern. Wärme oder überhitzte Räume verschlimmern.

Nux vomica
  • Oft entwickelt sich ein Nux-vomica-Bild bei Patienten, die schon über lange Zeit #Nux vomicaTumorschmerzenSchmerzmittel einnehmen. Nux vomica ist ein gutes Antidot bei Arzneimittelmissbrauch.

  • Der Patient ist gereizt, übellaunig und ruhelos. Die Sinne sind überreizt und er ist wie Belladonna sehr empfindlich auf Geräusche.

  • Der Patient spricht im Schmerz und aus Verzweiflung davon, sich das Leben nehmen zu wollen, aber er macht es nicht.

  • Neigung zum Stirnrunzeln (Zornesfalte) und finsterer Blick. Es finden sich oft Störungen im Magen-Darmtrakt und Leberstörungen.

Chamomilla
  • Ein eher selten gebrauchtes Arzneimittel bei Tumorschmerzen, aber es kann starke #ChamomillaTumorschmerzenneuralgische Schmerzzustände lindern, die zu Ruhelosigkeit und Reizbarkeit führen. Chamomilla ist indiziert bei Tumoren der Mundhöhle, wenn Nerven angegriffen werden und einschießende, wahnsinnig machende Schmerzen auftreten (Belladonna).

Dosierung in der Schmerztherapie
  • Q-Potenzen (Q3): Bei Besserung nicht wiederholen, bis die Schmerzen wieder Q-PotenzenTumorbehandlungauftreten. Es kann sein, dass in akuten Zuständen das Mittel nur für etwa eine Stunde bessert, dann darf man wiederholen. Jedes Mal abwarten, ob eine Besserung eintritt. Optimal ist es, wenn man die Q-Potenz nur einmal in 24 Stunden geben muss. Wenn nach häufigerer Gabe der Q-Potenz die Zeitabstände des Wiederauftretens der Schmerzen kürzer werden, scheint das Mittel nicht mehr zu stimmen, und es muss gestoppt werden, damit keine Prüfungssymptome erzeugt werden. Aufgrund der aktuellen Symptome muss ein neues Mittel gewählt werden.

  • C-Potenzen: Es hat sich bewährt, die C30 oder die C200 in Wasser aufzulösen und das C-PotenzenTumorbehandlungMittel teelöffelweise ca. alle 15 Min. zu geben, bis eine Schmerzlinderung eintritt. Dann unbedingt stoppen und so lange wie möglich warten, bis sich wieder Symptome zeigen.

Begleittherapie bei Endzuständen – Sterbebegleitung

Wir sind nicht die Richter über Leben und Tod, und der Tod ist ein Teil des Lebens. Es macht allerdings einen gewaltigen Unterschied, wie ein Mensch sterben darf.
Stellenwert der Homöopathie
Wenn man erlebt, wie die Todesangst eines Menschen mit dem passenden homöopathischen Mittel aus den Gesichtszügen verschwindet, weiß man die Homöopathie als Geschenk für den Menschen zu schätzen.
Beim Sterbeprozess dürfte es das Schönste für einen Menschen sein, wenn er langsam wie eine Kerze verlöscht – seine Energie wird weniger und er kann friedlich einschlafen. Leider gibt es auch Patienten, die im Todeskampf sterben. Die folgenden Mittel haben sich bewährt, um diese Zustände und den Übergang vom Leben in den Tod zu erleichtern.
Wichtige homöopathische Mittel und ihre Differenzierung

!!! Ars., Carb-v., Op.
!! Ant-t., Lach., Phos., Rhus-t., Tarent.

Grundsätzlich gilt: Das Mittel soll das aktuell vorherrschende Symptomenbild abdecken!

Arsenicum album
Das beste Mittel in Endzuständen ist Arsenicum album#Arsenicum albumTumorpatienten/Endzustände, wenn die Symptome es anzeigen. Man kann mit dem Mittel die Todesangst nehmen. Der Patient wird innerlich ruhiger.
  • Ängstliche Ruhelosigkeit, Todesangst, besonders in der Nacht.

  • Stöhnen und schweres Atmen. Hippokratisches Gesicht. Die Augen ängstlich aufgerissen, teilweise halb offen im Schlaf. Große Angst vor dem Alleinsein, er bittet, dass man bei ihm bleibt, weil er sich völlig hilflos fühlt. Durst auf warme Getränke oft in kleinen Schlückchen. Er friert oft sehr stark und verlangt nach Wärme, warmen Decken, Wärmflaschen.

  • Kälte der Beine und des ganzem Körpers. Starke Blässe im Gesicht und der Extremitäten. Es können sich schon blaue oder schwarze Flecke auf der Haut bilden (ähnlich Totenflecken).

  • Dosierung: Wenn man „sicher“ ist, dass der Patient nicht mehr lange zu leben hat, kann man eine Dosis Arsenicum C200 in Wasser verabreichen und warten. Wenn es sich nur noch um Stunden handeln kann, und der Patient sehr ängstlich und angespannt ist, kann jede Stunde einen Teelöffel Arsenicum C200, welches in einem Glas Wasser aufgelöst ist, hilfreich sein. Bei jeder Gabe neu verrühren. Wird der Patient ruhiger, das Mittel nicht wiederholen, erst wenn es wieder zur Verschlimmerung kommt.

Carbo vegetabilis
  • Der Patient liegt ganz ruhig, hat aber Angst zu #Carbo vegetabilisTumorpatienten/Endzuständeersticken und will, dass die Fenster geöffnet sind oder dass man ihm frische Luft zufächelt. Der ganze Körper ist mit profusen kalten Schweißen bedeckt. Der Körper ist aufgetrieben und der Atem ist kalt.

  • Es findet sich oft eine bläuliche oder livide Verfärbung der Extremitäten als Zeichen, dass der Organismus zu wenig Sauerstoff aufnehmen kann. Die Unterschenkel sind oft eisig kalt.

  • Dosierung: C200 in Wasser (stdl. 1 TL).

Opium
  • Der Patient verfällt immer wieder in komatöse Zustände und #OpiumTumorpatienten/Endzuständehat eine stertoröse (puffende) Ausatmung. Er liegt mit geöffnetem Mund und rotem Gesicht und einem fast glücklichen Gesichtsausdruck im Bett. Er erwacht wie aus einem Delir, blickt um sich, antwortet auf Fragen und versinkt wieder in komatösen Schlaf.

  • Unterbrochene Atmung im Schlaf und offene Augen. Stöhnen und Weinen im Schlaf.

  • Dosierung: Opium C30 oder C200 in Wasser teelöffelweise vermindert das Stöhnen und erleichtert das Einschlafen.

Phosphorus
  • Große Angst und Schwäche, er will die Hand gehalten haben und #PhosphorusTumorpatienten/Endzuständebraucht Zuspruch. Durst auf kalte Getränke. Brennende Hitze im Körper. Er ist nicht ruhelos wie Arsenicum album. Blutiger Auswurf. Durchfall geht ab beim Husten. Gegenstände erscheinen grau oder er sieht einen grünen Hof um die Objekte.

  • Kann nicht auf der linken Seite liegen. Massage bessert die Schmerzen und beruhigt.

Phosphorus darf in Endzuständen nur selten wiederholt werden. Am besten gibt man es als Q-Potenz.

Tarentula cubensis
  • Starke Schmerzzustände und Todeskampf. Das #Tarentula cubensisTumorpatienten/EndzuständeMittel beruhigt und lindert die Schmerzen. Nervöse Ruhelosigkeit mit ständiger Bewegung der Füße.

  • Brennende stechende Schmerzen. Heiße Schweiße.

  • Dosierung: C30 in Wasser teelöffelweise.

Lachesis
  • Erstickungsanfälle, die den Patienten aus dem Schlaf #LachesisTumorpatienten/Endzuständeaufschrecken lassen. Er stößt die Decken von sich und erträgt keine Einengung am Hals und Abdomen.

  • Aus Schwäche schläft er wieder ein, um erneut aufzuschrecken. Hitzewallungen und Herzrasen. Profuse Schweiße und ein Leeregefühl im Magen. Kann Speisen und Getränke nicht mehr richtig schlucken. Es folgt Würgen und Einengungsgefühl im Hals nach Trinken.

  • Dosierung: C200 in Wasser teelöffelweise.

Antimonium tartaricum
  • Mittel bei Todesröcheln. Man hört schon #Antimonium tartaricumTumorpatienten/Endzuständeaußerhalb des Zimmers ein sehr lautes schleimiges Röcheln, dabei aber geringer Auswurf.

  • Dosierung: C30 oder C200 teelöffelweise in Wasser.

Rhus toxicodendron
  • Sehr starke Ruhelosigkeit, aber keine oder #Rhus toxicodendronTumorpatienten/Endzuständewenig Ängstlichkeit (Arsenicum album).

  • Dosierung: C200 in Wasser teelöffelweise.

Ambulante homöopathische Intensivtherapie in der Onkologie

Die Homöopathische Intensivtherapie (HIT) ist eine ambulante Therapieform zur Behandlung von schweren chronischen Erkrankungen. Das Behandlungskonzept wurde vom Autor 2010 entwickelt, um Intensivbehandlungen bei schweren Erkrankungen strukturiert und fachgerecht durchführen zu können. Abgeleitet ist das Konzept von der stationären homöopathischen Behandlung von Krebspatienten der Clinica Santa Croce in Locarno/Schweiz unter Leitung von Dr. Dario Spinedi.

Behandlungsstruktur

Bei schwer erkrankten – und hier: onkologischen – Patienten sind zeitintensive und häufigere Konsultationen erforderlich, um eine erfolgreiche homöopathische Behandlung durchführen zu können. Insbesondere bei der Erstanamnese sind zusätzlich zur detaillierten Klärung der körperlichen, geistigen und seelischen Symptome die bisherigen schulmedizinischen diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen zu dokumentieren.
Das kontinuierliche Erfassen von Symptomen und deren Veränderung in kurzen Zeitabständen gibt dem Arzt die Möglichkeit, sich auf einer gut dokumentierten Grundlage dem Krankheitsgeschehen anzupassen und schneller auf körperliche wie emotionale Veränderungen und Krisen zu reagieren und das Arzneimittel mit größerer Sicherheit bestimmen zu können. Erhöht wird auch die Compliance des Patienten.
Die speziellen Anforderungen in der homöopathischen Behandlung von Schwersterkrankten/onkologischen Patienten habe ich im Konzept der Homöopathischen Intensivtherapie (HIT) zusammengefasst.

Das Behandlungskonzept besteht aus

  • der Erstanamnese,

  • der 2-wöchigen Intensivbehandlungsphase,

  • der ambulanten Weiterbetreuung.

Erstanamnese

Während bei chronischen Erkrankungen und einer konstitutionell orientierten Anamnese die Erstanamnese meist 1,5–2 h dauert, ist der Zeitaufwand bei schwer erkrankten Patienten deutlich höher. Sie nimmt i. d. R. 2–3 h in Anspruch, zuzüglich der Aktensichtung, Ausarbeitung, Hierarchisierung sowie der Repertorisation. Krebspatienten benötigen einen sehr großen Zeitrahmen, um über ihren Erkrankungsverlauf berichten zu können: Bereits die komplexe Tumoranamnese und der Verlauf der Tumorerkrankung inklusive der bisherigen schulmedizinischen Therapie benötigen häufig ca. 1 h.
Eine Anamnese bei Krebserkrankungen besteht aus (s. Kapitel 25.3):
  • Tumoranamnese:

    • Schulmedizinische Therapie: aktueller Status, Vorbehandlungen und Reaktionen darauf (z. B. Chemotherapie/Bestrahlungen etc.). Schulmedizinische Befunde sowie Symptome aus vorliegenden Arztbriefen lassen sich gut mit in die homöopathische Mittelwahl einbinden, sodass der Patient vor der Anamnese angehalten wird, alle vorliegenden Arztbriefe und Befunde zur Erstanamnese mitzubringen.

    • Tumorspezifische Symptome: z. B. Schmerzsymptome, Aussehen des Tumors, Symptome des Tumors wie Farbe, Absonderungen, Geruch, Gefühlsveränderungen im Bereich der Tumorlokalisation, auffallende Symptome des Tumors selbst und der Tumorumgebung (z. B. bläuliche Gefäßnetze), Schmerzsymptome des Tumors.

    • Ursachen der Tumorentwicklung: z. B. Schadstoffbelastungen, vorausgegangene Operationen, seelische Belastungen, Verletzungen/Unfälle als Causa.

  • Konstitutionelle Anamnese: Totalität der Symptome mit Spontanbericht, Exploration der einzelnen Beschwerden, Vorerkrankungen.

  • Medikamentenanamnese: Aktuelle Medikation und homöopathische Vormedikation, Verlaufsbeobachtungen unter den bisherigen homöopathischen Mitteln.

  • Miasmatische Anamnese: Berücksichtigung der miasmatischen Ebenen der Symptome und der Pathologie, auch in der Familienanamnese.

  • Unterdrückungen: z. B. Hautausschläge, die äußerlich behandelt wurden, behandelte Warzen, Impfungen und Impffolgen, schulmedizinisch behandelte Vorerkrankungen.

Erst nach der Erhebung der tumorspezifischen Aspekte wird auf die weiteren Beschwerden im Rahmen der konstitutionellen Anamnese eingegangen. Den Abschluss der Anamnese bildet die ausführliche körperliche Untersuchung mit Beachtung der körperlichen Tumorauffälligkeiten. Hilfreich ist eine Fotodokumentation von objektiven (Tumor-)Symptomen zur späteren Verlaufskontrolle – dazu gehören auch Symptome wie Hautausschläge, Warzen, der Zustand der Zunge.
Hierarchisierung der Symptome und Repertorisation
Nach der Anamnese erfolgen die Hierarchisierung der Symptome sowie deren Repertorisation. Über das Herausarbeiten des Similes für die Gesamtheit der Symptome werden Tumorsymptome, auffallende Charakteristika und miasmatische Symptome sehr fokussiert hierarchisiert. Dies bedeutet, dass zusätzlich zur Auswertung der Gesamtheit der Symptome gesondert die Tumorsymptome repertorisiert werden, ebenso die Charakteristika und eigenheitlichen sowie miasmatischen Symptome. Das Ziel ist es trotzdem in die Gesamtheit der Symptome die „eigenheitlichen“ Tumorsymptome inklusive der Charakteristika und der miasmatischen miteinzubeziehen, um ein Mittel zu finden, was die Totalität abdeckt.
Neben den herausgearbeiteten Polychresten ist es hilfreich, eine Liste infrage kommender „kleiner Mittel“ aufzustellen, für mögliche akute Komplikationen, Heilungshindernisse oder Haltepunkte im Erkrankungsgeschehen (Burnett). Beispiel: Eine Patientin mit einem ulzerierten Mammakarzinom ist konstitutionell Phosphorus. Die Tumorsymptome mit den immer wieder einhergehenden Blutungen des ulzerierten Tumors ergeben in der Totalität ebenfalls Phosphorus. Lokalsymptome des Tumors ergeben wegen der bläulichen Tumorfarbe sowie des fauligen Geruchs mit bläulichen Venenzeichnungen um den Tumor herum Carbo animalis. Aufgrund der Schmerzsymptome mit stechenden Schmerzen im Tumorbereich, teilweise direkt durchgehend bis in den Rücken, ergibt sich Conium. Unter der Behandlung mit Phosphorus Q3 geht es der Patientin besser, die Blutungen nehmen ab. Da im Verlauf stechende Schmerzen auftreten, wird Conium Q3 eingesetzt, was prompt hilft. Zwischengaben von Carbo animalis C200 – nach Symptomen indiziert und ausgewählt – lassen die Tumorprogression sowie Entzündung zurückgehen. Phosphorus bleibt das tragende Hauptmittel.
Arbeitsmittel: Patientendeckblatt
Um als homöopathischer Therapeut einen schnellen Zugriff auf die komplexe Krankengeschichte zu haben, ist es hilfreich, ein gesondertes Patientendeckblatt zu erstellen. Es enthält folgende Angaben:
  • Diagnose(n) inklusive Tumorstaging/Histologie, ggf. Rezeptorstatus und schulmedizinischer Verlauf der Tumorerkrankung.

  • Vorerkrankungen.

  • Aktuelle Medikation (schulmedizinisch/homöopathisch).

  • Objektive körperliche Zeichen.

  • Verlaufsparameter (objektiv, subjektiv).

Das Patientendeckblatt dient der eigenen schnellen Orientierung im Behandlungsverlauf, falls Schwierigkeiten auftreten und der Verlauf z. B. anhand der bisherigen (schulmedizinischen) Behandlungen neu evaluiert werden muss bzw. auch, wenn der Patient eine Beratung hinsichtlich der weiteren schulmedizinischen Optionen benötigt.
Arbeitsmittel: Verlaufsparameter

Für die zweiwöchige Intensivtherapie und nachfolgende ambulante Betreuungsphase wird eine Liste mit täglichen Verlaufsparametern auf einer Skala von 0 bis 10 (Ausgangswert: 10) erstellt, wobei bei einer Verschlechterung in der Verlaufsbeurteilung über den Wert 10 hinausgegangen werden kann. Die Verlaufsparameter enthalten aktuelle, miasmatische, sowie psychische und Schlafsymptome. Die aktuelle Energie des Patienten wird ebenfalls immer bewertet.

Beispiel: Ein Patient kommt mit einer ausgedehnten Peritonealkarzinose bei unklarem Primärtumor in die homöopathische Behandlung. Er ist unter laufender Chemotherapie mit Xeloda und Oxaliplatin. Unter der Behandlung mit Arsenicum album Q3 verbessern sich innerhalb weniger Tage wichtige Kernsymptome: Die Energie und der Schlaf sind besser geworden. Die Polyneuropathie der Fingerspitzen bildet sich nach 2–3 Tagen komplett zurück. Der Husten wird weniger, der Patient hat mehr Appetit und seine Ängste werden etwas weniger. Die Warze am Fußballen bleibt unverändert, währenddessen die Alterswarze am Kopf nach einigen Tagen größer wird. Die Zehenkrämpfe vergehen nach zwei Tagen. Arsenicum album deckt hier sowohl die Totalität als auch die Tumorsymptome ab. Insgesamt ist somit ein sehr schnelles Ansprechen auf Arsenicum album vorhanden. Die Vergrößerung der Alterswarze am Kopf ist als Hinweis auf das Folgemittel Thuja zu sehen.

Bewertung der Verlaufsparameter während der homöopathischen Behandlung mit Arsenicum album Q3

Tab. 31.2
VerlaufsparameterTag 1Tag 2Tag 3Tag 4Tag 5Tag 6
Allgemeine Energie
(0 = sehr gute Energie)
10109987
Schlaf (0 = sehr guter Schlaf)10109766
Kribbeln der Fingerspitzen10100000
Husten1053232
Verminderter Appetit1098764
Ängste, Hilflosigkeit101010988
Warze Fußballen101010101010
Zahneindrücke10101010109
Alterswarze am Kopf101010101112
Zehenkrämpfe morgens10100000

Zweiwöchige Intensivtherapie

Am Folgetag nach der Erstanamnese beginnt die eigentliche Behandlungsphase: Das gewählte homöopathische Arznei wird täglich als Q-Potenz (siehe Kapitel Q-Potenzen) verabreicht.
Die zweiwöchige Intensivtherapie besteht aus täglichen Follow-ups mit einer Dauer von 20–30 min zzgl. der Nachbearbeitung und ggf. erneuten Repertorisation. Ziel der zweiwöchigen Intensivtherapie ist es, das derzeit passende homöopathische Mittel zu bestätigen oder ein besser passendes zu finden. Die engmaschige Betreuung ist notwendig, um während des Behandlungsbeginns keine bedeutenden und auffallenden Symptome zu übersehen, die unter der Behandlung mit Q-Potenzen auftreten können. Diese Symptome sind häufig mitbestimmend für die weitere Therapie und Mittelwahl, gerade in den ersten 2–5 Behandlungstagen. Zudem lernen sich Arzt und Patient durch die täglichen Kontakte besser kennen und einschätzen. Der Patient bekommt die Möglichkeit, die Bedeutung seiner individuellen Symptome besser zu verstehen und diese so auch klarer zu formulieren (Compliance). Die ersten Tage der HIT können auch zur Beratung hinsichtlich schulmedizinischer Optionen genutzt werden. Beispiel: Eine Patientin mit einem metastasierten Bronchialkarzinom und Zustand nach Pneumektomie einer Lungenseite hat im verbliebenen Lungenflügel multiple Metastasen. Sie erhält nach einer kombinierten Chemotherapie nun ausschließlich Alimta zur Besserung der Lebensqualität, worunter es jedoch zu keinem weiteren Rückgang der Metastasen kommt. Unter der Behandlung mit Phosphorus Q3 geht es der Patientin besser, es treten keine Nebenwirkungen der Chemotherapie auf – zuvor litt sie an Müdigkeit, Reizbarkeit, Nasenbluten, Taubheit der Fingerspitzen. Schon am ersten Tag nach der Einnahme von Phosphorus Q3 zeigt sich ein neues Symptom: Brennen hinter dem Brustbein – ein Symptom, das nicht zu Phosphorus gehört, sondern als weiter infrage kommendes Mittel Carbo vegetabilis anzeigt. Carbo vegetabilis hat sich zunächst in der Ausarbeitung der Erstanamnese nicht erschlossen. In der weiteren Bildgebung zeigt sich bei Fortführung von Alimta eine Reduktion der Metastasen innerhalb von 6 Wochen, was auf ein gutes Ansprechen mit Phosphorus hinweist. Phosphorus wird bis zur Q6 fortgeführt. Nach 2 Monaten tritt ein Infekt auf mit hartem Husten und erstmals blutigem und grünem Auswurf, der sich unter Bryonia nicht wesentlich bessert. In dieser kritischen Situation (V. a. hämorrhagische Pneumonie bei nur einem Lungenflügel) wird der Patientin ein Antibiotikum verordnet, trotz bestehender Kontraindikationen, zum Schutz des verbliebenen Lungenflügels sowie niedrig dosiert ein Hustenstiller, da die Krisis trotz der täglichen Gabe des angezeigten Phosphorus auftritt. Erst der Wechsel auf Carbo vegetabilis Q3 führt zu einer raschen Besserung des Hustens und des Auswurfs. Phosphorus hat zu Beginn geholfen, es benötigte zur Überwindung des Infektes und weiteren Behandlung jedoch Carbo vegetabilis als pflanzliches Komplement zu Phosphorus.
Besondere Bedeutung kommt im Behandlungsverlauf auch dem Auftreten von interkurrenten fieberhaften Infekten zu: Die Akutsymptome des Infektes sowie des Fiebers sind daraufhin zu überprüfen, ob Tumormittel diese Symptomatik abdecken, da sich hier häufig wichtige und somit auch neue Mittel für die weitere Behandlung ergeben. Beispiel: Bei einem Patienten mit einem metastasiertem Pankreaskarzinom unter einer palliativen Chemotherapie bessert sich nach Lycopodium das Allgemeinbefinden nur teilweise, der Tumormarker ist weiter erhöht und der Tumor spricht auf die Chemotherapie nicht ausreichend an. Unter einem fieberhaften Infekt mit Beginn des Fiebers um 22 Uhr ergeben sich in der Repertorisation unter Berücksichtigung weiterer Infektsymptome Hinweise auf das Tumormittel Hydrastis. Unter Wechsel auf Hydrastis Q3 sistiert der fieberhafte Infekt rasch. Hydrastis wird in aufsteigenden Q-Potenzen fortgeführt: das Pankreaskarzinom wird kleiner, die Tumormarker sinken und das Allgemeinbefinden des Patienten bessern sich deutlich.

Ambulante Nachbetreuung

Nach der zweiwöchigen Intensivtherapie wird der Patient in die ambulante Behandlungsphase entlassen. Bei der sich anschließenden intensiven Nachbetreuung sind folgende Behandlungsfrequenzen sinnvoll.
  • Patienten vor Ort sind am besten 1–2-mal/Woche einzubestellen.

  • Patienten außerhalb des wohnortnahen Praxiseinzugsgebiets sollten 1–2-mal/Woche telefonisch betreut werden

Sobald eine klinisch stabile Situation und anhaltender Beschwerdebesserung vorliegt, orientiert sich die Behandlungsfrequenz an den allgemeinen Richtlinien für die Einnahme von Q-Potenzen und beträgt i. d. R. 2–3 Wochen.
Wegen des hohen Betreuungsaufwands können pro Arzt und Woche maximal 2 Tumorpatienten aufgenommen werden, die nach dem Konzept der HIT behandelt werden.

Schulmedizinische und homöopathische Therapie

Es gibt verschiedene Behandlungsanliegen im Rahmen der HIT, denen unterschiedlich begegnet werden muss.
  • Ausschließliche homöopathische Behandlung.

  • Kombination aus Schulmedizin und Homöopathie.

  • Homöopathische Behandlung mit Motivation zur schulmedizinischen Behandlung.

  • Kombination aus Schulmedizin und Homöopathie mit synergistischen Effekten.

Zusätzlich muss unterschieden werden zwischen kurativ zu behandelnden Patienten sowie palliativen Therapiesituationen.
Zur Unterstützung von Tumorpatienten ist eine fachgerechte homöopathische Begleitung schon vor Beginn der schulmedizinischen Behandlung von großem Wert, um die „nativen“ Tumorsymptome, d. h. diejenigen Symptome, die den Zustand vor einer Chemotherapie sowie Radiatio bzw. Operation wiedergeben, aufnehmen zu können.
Bei einer kurativen Behandlung sind mit dem Patienten häufig Gespräche notwendig, welche Chancen, aber auch welche Grenzen die homöopathische sowie schulmedizinische Behandlung bietet. Patienten mit einem homöopathischen Behandlungsanliegen wünschen häufig eine zusätzliche, d. h. komplementäre Behandlung und sind bereits von onkologischer Seite umfassend diagnostiziert, vorbehandelt bzw. bereits operiert. Einige davon möchten nun ausschließlich homöopathisch weiterbehandelt werden. In palliativen Therapiesituationen ist dies möglich, Schwierigkeiten stellt die ausschließliche homöopathische Behandlung bei Tumorerkrankungen dar, die sonst schulmedizinisch kurativ behandelt werden könnten.

Richtlinien zur homöopathischen Krebsbehandlung

  • Bei einer kurativen Intention der Tumorbehandlung ist eine Überprüfung der schulmedizinischen Behandlung hinsichtlich einer Operation und/oder Chemotherapie/Radiatio unerlässlich. Auch bei fortgeschrittenen Tumoren kann in manchen Fällen eine schulmedizinisch kurative Intention mit homöopathischer Begleitung angestrebt werden.

  • Bei einer gewünschten ausschließlichen homöopathischen Behandlung sollte bei einer Tumorprogression eine zusätzliche schulmedizinische Behandlung sehr zeitnah in Erwägung gezogen werden, damit die schulmedizinischen Behandlungsoptionen durch die Tumorprogression nicht verloren gehen bzw. unmöglich werden.

  • Die alleinige homöopathische Behandlung von Tumorschmerzen ist in beschränktem Maße möglich. Sie stößt in manchen Fällen an Grenzen, die eine zusätzliche schulmedizinisch (minimal dosierte) Schmerztherapie nötig machen. Trotzdem können häufig allopathische Schmerzmittel im Verlauf bei Ansprechen des homöopathischen Mittels abgesetzt bzw. reduziert werden.

  • Die Kombination von Q-Potenzen mit einer laufenden schulmedizinischen Behandlung wie Chemotherapie, Antikörperbehandlung und/oder Bestrahlung ist problemlos möglich, wobei sich häufig positive und synergistische Effekte ergeben.

  • Eine fachgerechte homöopathische Behandlung bietet häufig eine deutliche Lebensqualitätsverbesserung.

Exemplarisch soll anhand von zwei Karzinomen das homöopathische Vorgehen mit seinen Möglichkeiten und Grenzen dargestellt werden:
Mammakarzinom
Bei kurativen Behandlungsoptionen werden sehr gute Heilungsergebnisse in Kombination von Schulmedizin und Homöopathie erreicht. Bewährt hat sich auch die Kombination von Homöopathie mit antihormoneller Behandlung, im kurativen sowie palliativen Bereich. So können z. B. Nebenwirkungen von antihormoneller, Chemo- und Strahlentherapie minimiert und die Lebensqualität der Patienten deutlich gebessert werden. Folgeschäden durch Chemotherapie (wie z. B. Polyneuropathie, anhaltende Indurationen und Schmerzen der Brust nach Bestrahlung) verbessern sich oftmals mit homöopathischer Behandlung.
Die ausschließliche homöopathische Behandlung eines Mammakarzinoms zeigt keine befriedigenden Ergebnisse, auch wenn solche Heilungen in der Literatur beschrieben werden.
Kolonkarzinom
Bei kurativen Behandlungsoptionen ist eine homöopathische Behandlung in Kombination mit der Operation und ggf. Chemotherapie je nach Stadium des Tumors gut möglich. Dadurch kann eine Reduktion der Folgen der Operation sowie der evtl. Chemotherapie erreicht werden. Die Lebensqualität ist verbessert. Von einer ausschließlichen homöopathischen Behandlung bei kurativen Intentionen ist abzuraten. Bei metastasiertem Kolonkarzinom können auch in Kombination mit einer Chemotherapie gute Ergebnisse mit der Homöopathie erreicht werden.

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