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B978-3-437-56353-9.00018-9

10.1016/B978-3-437-56353-9.00018-9

978-3-437-56353-9

Schwangerschaft, Geburt, Sterilität

Thomas Quak

  • 18.1

    Schwangerschaft416

    • 18.1.1

      Tubargravidität419

    • 18.1.2

      Abort420

  • 18.2

    Geburt, Wochenbett und Stillzeit422

    • 18.2.1

      Geburt423

    • 18.2.2

      Wochenbett425

    • 18.2.3

      Stillzeit427

  • 18.3

    Sterilität428

Schwangerschaft

SchwangerschaftEine Schwangerschaft ist keine Krankheit! Die homöopathische Begleitung einer Schwangerschaft dient der Prophylaxe von Komplikationen bei der Geburt und der Gesundheit von Mutter und Kind.
Therapeutische Strategie
Die hormonelle Umstellung in der Schwangerschaft und die daraus resultierenden umfassenden Veränderungen im Organismus sind für eine gesunde Frau komplikationslos und ohne Folgeerscheinungen.
Auf dem Boden einer psorischen und insbesondere sykotischen Diathese (3.4.2) zeigt sich in der Schwangerschaft jedoch häufig eine Vielfalt von Symptomen des zugrunde liegenden Miasmas in der Latenzphase, die dem homöopathischen Arzt durch ihr Sichtbarwerden die Möglichkeit einer kausalen Therapie geben. Dadurch lassen sich Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen verhindern. Eine Schwangerschaft ist deswegen immer ein Anlass zu einer ausführlichen Anamnese, auch wenn die Patientin bereits lange in homöopathischer Behandlung ist.

Jede Schwangere zur ausführlichen Anamnese einbestellen. Durch Symptomenreichtum Auswahl des Simillimums deutlich erleichtert! Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen können verhindert werden.

Homöopathische Behandlung
Symptome, die eine werdende Mutter während der Schwangerschaft neu entwickelt, sind wichtige und führende Hinweise auf das Konstitutionsmittel. Meist sind in der Schwangerschaft die neu auftretenden Symptome sykotischer Natur (3.4.2).
Eine pauschal verordnete eugenische KurKur, eugenische ist abzulehnen, da die Wirkungsweise der großen Polychreste und Nosoden (Syphilinum, Tuberculinum, Medorrhinum) so vielschichtig ist, dass sie nur aufgrund einer genauen Analyse der Symptome gegeben werden dürfen. Falsche Mittel können den Verlauf einer Schwangerschaft komplizieren.

Cave: Keine eugenische KurKur, eugenische mit Syphilinum Tuberculinum, oder Medorrhinum pauschal verordnen.

Wahl der Symptome
Symptomenwahl Schwangerschaftsbeschwerden
  • Übelkeit, Erbrechen und Geruchsempfindlichkeit mit den genauen Differenzierungen.

  • Leukorrhoe, z. B. Farbe, Geruch, Umstände des Auftretens.

  • Metrorrhagie, z. B. Beschaffenheit, Farbe, Zeitpunkt des Auftretens.

  • Veränderungen im Appetit, Speisenverlangen und Abneigungen.

  • Begleiterkrankungen wie Ischialgien (Lage, Erstreckung), Zahnschmerzen (mit den genauen Modalitäten), Miktionsstörungen (z. B. Inkontinenz oder Harnverhalt) und Veränderungen des Urins (z. B. eiweißhaltig), Verdauungsstörungen (Obstipation, Diarrhoe).

  • Hautveränderungen, z. B. Sommersprossen, Chloasma, rote Nävi, Varizen.

  • Vorzeitige Wehen.

Miasmatische Zuordnung
In der Schwangerschaft werden häufig Symptome der Psora und der Sykosis sichtbar.
Repertorium
RepertorisationSchwangerschaftsbeschwerdenWichtige Rubriken von Schwangerschaftssymtpomen sind unten aufgeführt. Rubriken für vorzeitige Wehen in der Schwangerschaft sind z. B. Weibliche Genitalien – Schmerzen – Wehenschmerzen, falsche oder Abdomen – Schmerzen – Schwangerschaft, während der.

Gemüt // Beschwerden durch – Schwangerschaft

Schwindel // Schwangerschaft, während der

Kopf // Schmerz – Schwangerschaft, während der

Nase // Nasenbluten – Schwangerschaft

Magen – Übelkeit //Gerüche, durch // morgens

Gesicht // Verfärbung – Chloasma – Schwangerschaft, während der

Mund // Speichelfluss – Schwangerschaft, während der

Zähne // Schmerz – Schwangerschaft, während der

Magen – Appetit // fehlt – Schwangerschaft, während der // gewaltig, heißhungrig – Schwangerschaft, während der

Abdomen // Schmerz – Schwangerschaft, während der

Rektum // Diarrhoe – Schwangerschaft, während der // Fissuren, Schrunden – allgemein – Schwangerschaft, in der // Obstipation – Schwangerschaft, während der

Blase // Harnverhaltung – Schwangerschaft, während der

Urin // eiweißhaltig – Schwangerschaft, während der

Weibliche Genitalien // Ausfluss, Fluor – allgemein – Schwangerschaft, während der // Metrorrhagie, Uterusblutung – allgemein – Schwangerschaft, während der // Sexuelles Verlangen – gesteigert – Schwangerschaft, während der

Husten // Schwangerschaft, während der

Rücken // Schmerzen – Lumbalregion, Lumbago – Schwangerschaft, während der

Schlaf // Schlaflosigkeit – Schwangerschaft, in der

Allgemeines // Varizen – Schwangerschaft, in der

Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Liegen keine Organpathologien vor, soll auch in der Schwangerschaft mit hohen C-Potenzen gearbeitet werden. Q-Potenzen eignen sich dagegen nicht, da bei falscher Mittelwahl Arzneisymptome entstehen können (besondere Empfindlichkeit für Arzneimittel in der Schwangerschaft). Tiefe D- oder C-Potenzen in häufigen Gaben lösen ebenfalls Arzneireaktionen aus und sollten nicht verwendet werden.
Wichtig für die Verlaufsbeurteilung ist die Beobachtung, dass viele Schwangerschaftssymptome auch spontan verschwinden. Dies muss immer berücksichtigt werden, da es sich nicht um eine Ausheilung handelt, und im weiteren Schwangerschaftsverlauf evtl. mit neuen Problemen gerechnet werden muss. Ein Ausweg aus diesem Dilemma bietet die genaue Verlaufskontrolle aller (auch der nicht-pathologischen) Symptome der Patientin.
Unterstützende Maßnahmen
Eine Schwangere und ihr ungeborenes Kind brauchen eine unterstützende, wohlwollende und sichere Umgebung mit Perspektive.
Bei Rissen in der Bauchhaut, sie sich oft ab dem siebten Monat zeigen: Mandelöl einreiben. Keine Arnikaöle benutzen!
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Calc., Nux-v., Puls., Sep., Mag-c., Mag-m., Sulph.
!! Acon., Ars., Bry., Ferr., Ip., Lyc.
! Ant-c., Petr., Spig., Merc.

Gastrointestinale Beschwerden
  • Appetitlosigkeit, mit sonderbaren Gelüsten: Sulphur, Nux vomica, Veratrum, China, Calcium carbonicum, Hepar, Arnica, Lachesis, Silicea.

  • Übelkeit: Ipecacuanha, Nux vomica, seltener: Aconitum, Arsenicum album, Pulsatilla, Magnesium muriaticum.

  • Übelkeit und Erbrechen: Nux vomica und Ipecacuanha – sowie Sepia, Chamomilla, Arsenicum album, Ferrum metallicum, Aconitum, Secale, Hyoscyamus.

  • Bei schleimigem Erbrechen: Ipecacuanha, Aconitum, Arsenicum album, Pulsatilla, Sulphur.

  • Wenn das Genossene wieder erbrochen wird: Sulphur, Nux vomica, Ipecacuanha, Sepia, Ferrum metallicum, Phosphorus.

  • Erbrechen mit milchartigem Schleim: Sepia.

  • Leibschmerzen nach dem Erbrechen: Chamomilla oder Nux vomica, seltener Colocynthis, Belladonna, Pulsatilla, Sepia, Bryonia.

  • Durchfall mit Übelkeit: Chamomilla, Pulsatilla – auch häufig Sepia, Antimonium carbonicum, Phosphorus, Petroleum, Sulphur.

  • Bei hartnäckiger Verstopfung mit Übelkeit: Bryonia, Nux vomica – öfter auch Sepia, Lycopodium, Alumina, Sulphur.

  • Schmerzhafte Krampfadern an den Beinen: Pulsatilla, Carbo vegetabilis, Arnica, Lycopodium, Sulphur, Silicea.

  • Hämorrhoiden in der Schwangerschaft: Pulsatilla, Nux vomica – aber auch Arsenicum album, Carbo vegetabilis, Natrium muriaticum.

Kongestionen, Ohnmacht
  • Blutandrang zum Kopf: Aconitum, Belladonna, Nux vomica.

  • Kongestionen des Unterleibs, mit Schweregefühl und schmerzhaftem Spannen im Unterbauch, häufigem Harndrang und Mattigkeit in den Gliedern: Belladonna, Nux vomica.

  • Kongestionen zur Brust, mit Herzklopfen: Aconitum, Pulsatilla, Lycopodium, Sulphur, Sepia, China, Spigelia, Natrium muriaticum.

  • Ohnmachten mit Kreislaufschwäche: Ignatia, Ipecacuanha, Chamomilla, Nux vomica

  • Große allgemeiner Vollblütigkeit: Aconitum, Belladonna.

Schwellungen
  • Ödematöse Anschwellung der Füße und Beine, die oft bis in die Oberschenkel gehen kann: Bryonia und wenn dies nicht genügt: Sulphur.

  • Schwellung der Schamlippen: Sepia, Mercurius.

Atembeschwerden, Husten
  • Atembeschwerden, die sich besonders nach dem Essen zeigen, mit Blutandrang zum Kopf: Nux vomica.

  • Atembeschwerden mit viel Blähungen und Leibauftreibung: China, Aconitum (bei allgemeiner Vollblütigkeit, Herzklopfen mit Gesichtsröte und großer Angst).

  • Atembeschwerden mit großer Schwäche, mit bleichem, aufgedunsenem Gesicht und Beinödemen: Arsenicum album.

  • Atembeschwerden bei gleichzeitiger Magenschwäche mit bitterem Mundgeschmack und saurem Aufstoßen: Pulsatilla.

  • Atembeschwerden bei Brechneigung, Gesichtsblässe und Neigung zu Ohnmacht: Ipecacuanha.

  • Husten in der Schwangerschaft: Aconitum, Sepia – auch Belladonna, Nux vomica, Ipecacuanha, Pulsatilla oder Conium, Dulcamara, Causticum, Natrium muriaticum, Phosphorus.

Harndrang
  • Quälender, vergeblicher Harndrang in der Schwangerschaft: Pulsatilla, aber auch Cocculus, Nux vomica, Phosphoricum acidum, Sulphur, Conium.

  • Imperativer Harndrang mit Urinverlust: Pulsatilla, Sepia – auch Aconitum, Belladonna.

  • Unwillkürlicher Urinabgang: Natrium muriaticum, Causticum oder Phosphorus

Schmerzen
  • Zahnschmerzen in der Schwangerschaft: Sepia (riechen an der Arznei genügt), ebenso Chamomilla, Pulsatilla, Coffea, Nux vomica, Aconitum, Belladonna, Hyoscyamus, aber auch Staphisagria, Magnesium carbonicum.

  • Schmerzen in den Mammae: Bryonia, Belladonna, Sepia, Nux vomica, Aurum, Secale.

  • Kreuzschmerzen: Nux vomica, Pulsatilla, Belladonna, Rhus toxicodendron, Arnica.

  • Seitenstechen in den Bauchwänden: Nux vomica, Belladonna, Bryonia, Arnica, Pulsatilla.

Weitere Symptome
  • Schlaflosigkeit bei Schwangeren: Coffea, Belladonna, Magnesium carbonicum.

  • Braune oder schmutzig gelbe Flecken im Gesicht: Sepia – auch Lycopodium, Antimonium carbonicum, Sulphur.

Tubargravidität

Definition: Eileiterschwangerschaft. Einnistung der befruchteten Eizelle in der Tube. Häufig nach Spiralimplantationen, rezid. Salpingitiden oder mehrfachen Schwangerschaftsabbrüchen. Extrauterine TubargraviditätEileiterschwangerschaft s. TubargraviditätEinnistung ca. bei jeder 200. Schwangerschaft.

Symptomatik: Die Beschwerden treten typischerweise in der 6–7 SSW auf: Ausbleiben der Regel oder veränderte letzte Regel, vaginale Blutung (50–80 %) und Bauchschmerzen. Selten febrile Temperaturen. Kommt es zu Einrissen im Eileiter oder zur kompletten Ruptur, entwickelt sich schnell eine gefährliche Schocksituation: rasch zunehmende Bauchschmerzen, Auftreibung des Abdomens, Blässe, Tachykardie und Volumenmangelschock durch mögliche Blutung, deutliche Abwehrspannung und Loslassschmerz des Abdomens.

Eine Eileiterschwangerschaft in fortgeschrittenem Stadium ist eine Operationsindikation. Die homöopathische Therapie beschränkt sich in der akuten Situation allenfalls auf die prä- und postoperative Begleitung. Anschließend konstitutionelle Therapie, falls weiterer Kinderwunsch besteht.
Miasmatische Zuordnung: Eine Tubargravidität entsteht meistens auf dem Boden einer Sykosis.

Abort

Abort Fehlgeburt s. Abort

Definition: Bei einem Abort bis zur 16. Woche p. m. spricht man von einem Frühabort, zwischen der 17.–28. SSW von einem Spätabort.

Symptomatik: Leitsymptom ist die je nach Situation unterschiedlich starke vaginale Blutung, bis hin zum Gewebeabgang. Die Patientinnen haben oft schon im Vorfeld wehenartige Kontraktionen (Bauch wird hart). Bei fortgeschrittener Schwangerschaft kann es zum Blasensprung mit Fruchtwasserabgang kommen. Folgende Verlaufsformen werden unterschieden:

  • Abortus imminens: meist schmerzlose Blutung bei geschlossenem Os uteri.

  • Abortus incipiens: mittelstarke bis starke Blutung, oft mit Koagel- und Gewebeabgang, mit wehenartigen Unterbauchschmerzen. Häufig liegt eine irreversible Schwangerschaftsstörung zugrunde.

  • Abortus incompletus: nach intrauterinem Fruchttod kommt es nur zu einer teilweisen Ausstoßung des Schwangerschaftsprodukts.

  • Missed abortion (verhaltener Abort): nach intrauterinem Fruchttod (in der Sonographie kein Uteruswachstum, leere Fruchthülle, fehlender Herztonnachweis und evtl. abfallende β-HCG-Titer) kommt es zu keiner Blutung oder Fruchtausstoßung.

  • Fieberhafter Abort: Abortgeschehen mit Rektaltemperaturen > 38 °C.

Cave: FruchtwasserpunktionenFruchtwasserpunktion können Aborte auslösen (und indizieren damit unter anderem die homöopathischen Verletzungsmittel Staphisagria, Ledum, Aconitum)!

Therapeutische Strategie
Die Unterscheidung zwischen Abortus imminens und incipiens ist mehr theoretisch beschreibender Natur. In der Praxis zeigen sich mehrheitlich Grenzfälle, die jeweils individuell betrachtet werden müssen. Sehr häufig kann die Schwangerschaft durch ein passendes homöopathisches Mittel erhalten werden.
Eine Blutung in der SchwangerschaftSchwangerschaftBlutung ist immer eine Notsituation. Sie verlangt die volle Aufmerksamkeit des Arztes. Nach Mittelgabe erwartet man ein sichtbares Sistieren der Blutung und/oder der Wehentätigkeit innerhalb von Minuten bis wenigen Stunden. Eine Sonographie-Kontrolle ist zwingend notwendig.
Die standardmäßige Abrasio nach Abort sollte kritisch hinterfragt werden, da sie bei bestimmten Schwangerschaften zu Problemen führen kann (Eileiterschwangerschaft, Placentaretention) und für die Frau häufig ein traumatisierendes Erlebnis darstellt. Oft sieht man nach Abrasio eine Zunahme sykotischer Symptome (3.4.2).
Einen hervorragenden Effekt hat die homöopathische Behandlung bei Frauen mit wiederholten Aborten (und Kinderwunsch). Hier löst eine konstitutionelle homöopathische Therapie die Problematik, und weitere Schwangerschaften werden ohne Probleme ausgetragen.
Homöopathische Behandlung
Die homöopathische Behandlung bei Abort richtet sich nach den akut im Vordergrund stehenden Symptomen.
Wahl der Symptome
  • Symptomenwahl Abort Farbe, Art, Qualität der Blutung.

  • Auslösende Ursache: körperliche Überanstrengung, Schreck, Beziehungskonflikt, Abdominaltrauma z. B. nach Sturz oder Autounfall, Durchnässung, Zugluft.

  • Begleitsymptome: Art der Wehen, Fieber, Ängste.

  • Zeitpunkt des Aborts: bei wiederholten Aborten in der Anamnese und erneutem Auftreten in der gleichen Schwangerschaftsphase, z. B. zweiter oder dritter Monat.

Miasmatische Zuordnung
Aborte sind überwiegend ein Symptom der Psora. Frühgeburten oder Totgeburten weisen auf eine syphilitische Belastung hin. Liegt bei der Patientin eine latente Sykosis vor, werden durch den Abort oder eine Ausschabung häufig weitere Symptome der Sykosis aktiviert.
Repertorium
RepertorisationAbortDie große Abortrubrik findet sich unter Weibliche Genitalien – Abort, Fehlgeburt – drohend. Alle Unterrubriken beinhalten wichtige Hinweise. Zahlreiche Blutungsmodalitäten findet man unter Weibliche Genitalien – Metrorrhagie.

Weibliche Genitalien – Abort, Fehlgeburt – Anstrengung, durch // Emotionen, durch // Erschütterung, Schock oder Sturz, durch // Konvulsionen, mit // schlechte Nachrichten, durch // Verletzungen, nach // Erregung – nervöser, mit hochgradiger // Monat – zweiter Monat // Monat – dritter Monat // Monat – ersten Monaten, in den

Weibliche Genitalien – Metrorrhagie, Uterusblutung – Schwangerschaft, während der // hellrot // schwarz // strömend, schwallartig // heißes Blut // anfallsartig // Anstrengung, nach // Emotionen, Gemütserregung, durch // Zorn, nach // Erschütterung, Verletzung, durch // Heben, durch // Abort, während

Metrorrhagie, Uterusblutung – Abort, drohendem, bei

Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Hohe und höchste Potenzen (C200, M, XM). Häufige Wiederholung in Minutenabständen kann in Ausnahmefällen (insbesondere bei hochfieberhaften Zuständen oder wenn sehr viel emotionale Erregung die Mittelwirkung beeinträchtigt) notwendig sein.
Einzig und allein entscheidend für die Verlaufsbeurteilung ist das Sistieren der vorhandenen Akutsymptome (meist Schmerz und Blutung). Auf die Berücksichtigung des Allgemeinzustandes oder der psychischen Symptome bezüglich einer guten Arzneimittelwirkung (v. a. bei weiter bestehenden Abortbestrebungen) kann verzichtet werden, da sich diese gerade in dieser physisch und v. a. auch psychisch hoch belastenden Situation bei Abklingen der Beschwerden automatisch bessern.
Die Prognose ist sehr gut, da sich die Symptome in dieser hochakuten Situation dem erfahrenen Arzt immer sehr deutlich darstellen, und die Mittelwahl dadurch erleichtert ist.
Auch bei der habituellen Abortneigung lassen sich mit homöopathischer Therapie sehr gute Ergebnisse erzielen.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

! Acon., Cham., Ip., Kali-c., Puls., Rhus-t., Sabin., Sec., Sep.

  • Aconitum#AconitumAbort: Hellrote, aktive Blutung. Todesangst, sagt die eigene Todesstunde voraus. Abort durch eiskalte Luft (z. B. wenn im Herbst die Frostperiode gerade beginnt). Die erregte, ängstliche Gemütssymptomatik steht im Vordergrund. Heißer Schweiß am ganzen Körper.

  • Chamomilla#ChamomillaAbort: Abort aus Wut oder nach Zorn. Schimpfen und reizbare Ärgerlichkeit. Dunkles, klumpiges oder reichlich gussweises hellrotes Blut. Bei jeder Wehe Abgang farblosen Urins.

  • Ipecacuanha#IpecacuanhaAbort: Die plötzlich einsetzende, hellrote, massive, schwallartig pulsierende Blutung bestimmt das Bild. Oft begleitet von Übelkeit (mit sauberer Zunge) und Schwäche. Zerschlagenheitsgefühl in den Knochen. Neigung zu Ohnmacht, kalter Schweiß auf kalter Haut. Scharfe, kolikartige Schmerzen um den Nabel.

  • Kalium carbonicum#Kalium carbonicumAbort: Bei Abort im zweiten oder dritten Monat, mit Schmerzen die über das Gesäß in die Oberschenkel oder die Beine hinunter ausstrahlen. Tränensäcke und schlaflos nach zwei oder drei Uhr. Die Blutung läuft profus und kontinuierlich, manchmal auch mit geronnenen Blutklumpen. Bei habitueller Abortneigung sehr häufig angezeigt.

  • Pulsatilla#PulsatillaAbort: Durstlose Patientin mit einer schwallartigen, dunklen, manchmal fast schwarzen Metrorrhagie. Vorzeitige Wehen in der Schwangerschaft. Häufiges Niesen am Morgen. Abort nach Erkältung. Die Blutung kommt und geht. Blutung mit jeder Wehe. Patientin will die Fenster offen haben.

  • Rhus toxicodendron#Rhus toxicodendronAbort: Blutung nach Überanstrengung (Sport, Heben von schweren Gegenständen z. B. beim Umzug), Verrenkung, Verstauchung, Stürze. Hellrote, intermittierende Blutung. Will ständig die Lage wechseln, findet keine bequeme Position, körperliche und geistige Ruhelosigkeit. Nach Durchnässung in einem Regenguss. Krampfhaftes Gähnen.

  • Sabina#SabinaAbort: Abort um den dritten Monat. Reichlich hellrote, klumpige Blutung die mit jeder Bewegung schlimmer wird, gefolgt von schmerzloser dunkler Blutung. Schmerz zwischen Sakrum und Os pubis. Herzklopfen bei körperlicher Betätigung, besonders beim Treppensteigen. Musik ist unerträglich.

  • Secale#Secale cornutumAbort: Abort im dritten Monat, besonders wenn die Frau schon viel Kinder geboren hat. Blutung fast schwarz (wie Pulsatilla) und übel riechend oder gussweise, hellrot und wässrig.

  • Sepia#SepiaAbort: Abortneigung besonders im fünften bis siebten Monat. Ballgefühl im Anus. Frauen mit ausgeprägtem Chloasma in der Schwangerschaft. Voller Sorgen um das Kind. Starkes Gefühl von „Abwärtsdrängen im Unterleib“.

Geburt, Wochenbett und Stillzeit

Das wichtigste für eine Schwangere während der Geburt und danach ist eine von ihr ausgesuchte, erfahrene Hebamme ihres Vertrauens. Ein Wechsel der Hebamme und anderer Bezugspersonen während der Geburt, wie es aufgrund von Schichtdiensten im Krankenhaus oft erforderlich ist, stellen manchmal Geburtshindernisse dar. Sie führen nicht selten zum Geburtsstillstand und weiteren Problemen während der Entbindung. Eine Geburt und die Wehen brauchen eine ruhige, angstfreie Atmosphäre, abgedunkelte Räume, wenige, feste Bezugspersonen (Ehemann, Hebamme und evtl. eine Freundin) und eine aufmerksame Gelassenheit beim Arzt. Der Wunsch nach einer Hausgeburt ist bei gesunden Frauen zu unterstützen.

Geburt

Therapeutische Strategie
GeburtJe weniger Aktionismus, je weniger Tatendrang, je weniger Medikamente (auch homöopathische), desto leichter verläuft die Geburt bei einer gesunden Frau. Normalerweise bedarf es keiner homöopathischen Intervention während der Geburt. Prophylaktische Gaben von Homöopathika zur Geburtserleichterung sind zu unterlassen. Behandelt wird ausschließlich, wenn akute Probleme auftreten. Befindet sich die Frau bereits in konstitutioneller Behandlung, kann während der Geburt ein Komplementärmittel angezeigt sein (Arzneimittelbeziehungen 9.3).
Homöopathische Behandlung
Gibt es bei einer Geburt Probleme, so zeigen sich dem Arzt i. d. R. klare und deutliche Akutsymptome, die eine Mittelwahl ermöglichen.
Wahl der Symptome
  • SymptomenwahlGeburtArt, Qualität und Richtung der Wehen bzw. anderer Schmerzen.

  • Situationsbedingtes psychisches Bild der Patientin (wie sie sich gerade verhält).

  • Begleitsymptomatik und deren Charakteristika z. B. Harnverhalt, Übelkeit.

Miasmatische Zuordnung
Bei einer Geburt behandelt man i. d. R. nach den akut im Vordergrund stehenden Symptomen. Idealerweise sollte die Patientin schon vor und während der Schwangerschaft in homöopathischer Behandlung befinden, um latente Psora oder Sykosis behandeln zu können.
Repertorium
RepertorisationGeburtDie Rubrik für die Wehen findet sich im Repertorium unter Weibliche Genitalien – Schmerzen – Wehenschmerzen, hilfreich sind auch die Unterrubriken. Zu berücksichtigen sind ferner die psychischen Zustände während der Geburt sowie die zahlreichen Begleitsymptome.

Diagnosebezogene Rubriken

Weibliche Genitalien – Schmerzen – Wehenschmerzen // Aussetzen // erfolglos // schmerzhaft, zu // Sanduhrkontraktion // Kind scheint bei jeder Wehe höher zu steigen // Stellung wechseln, muss häufig die // erstreckt sich – aufwärts // erstreckt sich – Oberschenkel in die // Verzweiflung, treiben sie zur
Weibliche Genitalien – Schmerzen – Uterus // erstreckt sich – Oberschenkel abwärts, die // erstreckt sich – Rücken, in den

Psychische Symptome

Gemüt // Streitsucht, zänkisch – Entbindung, während // Tod – Vorahnung vom – sagt die Todeszeit voraus – Entbindung, während // Ärger, Zorn, Wut – Schmerzen, über

Begleitsymptome

Augen // Gerötet, injiziert – Entbindung, während
Magen // Übelkeit – Entbindung, bei der
Abdomen // Blähung, Flatulenz – Entbindung, während
Extremitäten // Krämpfe – Entbindung, während
Blase // Harnverhalt – Entbindung, unmittelbar nach
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Hohe und höchste Potenzen (C200, M, XM) kommen zum Einsatz. Häufige Wiederholung in Minutenabständen kann in Ausnahmefällen, bei dramatischen Situationen (insbesondere wenn sehr lange und heftige Wehentätigkeit oder sehr viel emotionale Erregung die Mittelwirkung beeinträchtigt) notwendig sein.
Die Beurteilung der Arzneimittelwirkung bezieht sich ausschließlich auf das jeweils vorliegende Akutproblem. Bei guter Arzneiwirkung erfolgen eine rasche, eindeutige Besserung und nachfolgend meist ein unkomplizierter, zügiger Geburtsverlauf. Je nach Dringlichkeit der vorliegenden Problematik und wenn keine sichtbare Besserung erfolgt, können die Arzneimittel unter Umständen rasch hintereinander (schon nach Minuten) gewechselt werden.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung
Die möglichen Probleme während einer Entbindung sind in ihrer Art und Weise so vielfältig, dass eine ausführliche Erörterung die Grenzen dieses Kapitels sprengen würde. Dennoch lassen sich einige Erfahrungswerte mitteilen.

Während der Geburt: Acon., Bell., Cham., Gels., Nux-v., Sec.

Unmittelbar nach der Geburt, v. a. Verletzungs- und Blutungsmittel: Arn., Bell., Ip., Op., Phos., Rhus-t., Sec.

Während der Geburt
  • Aconitum#AconitumGeburt: große Angst, Todesangst. Muttermund und Genitalbereich extrem berührungsempfindlich, trocken und heiß. Patientin will sich deswegen nicht untersuchen lassen. Muttermund öffnet sich nicht. Stöhnen und Ruhelosigkeit nach jeder Wehe. Heißer Schweiß am ganzen Körper.

  • Belladonna#BelladonnaGeburt: heißes Gesicht, roter Kopf, pulsierende Kopfschmerzen. Wehen hören plötzlich auf, besonders bei Erstgebärenden. Der Patientin ist das Bett zu hart.

  • Nux vomica#Nux vomicaGeburt: Wehenschmerzen sind unerträglich. Patientin schimpft und flucht. Bei berufstätigen Patientinnen, die viel Kaffee trinken. Stuhldrang mit jeder Wehe. Empfindlich gegen Luftzug.

  • Gelsemium#GelsemiumGeburt: Muttermund hart, verdickt und öffnet sich nicht. Kind wandert bei jeder Wehe nach oben und nicht nach unten. Dunkelrotes Gesicht. Schmerzen im Uterus ziehen den Rücken hinauf. Jede Wehe ist wie eine Welle vom Uterus zum Hals. Doppelbilder, Kopfschmerz, der sich vom Nacken über den Kopf ausbreitet (Sepia).

  • Secale#Secale cornutumGeburt: Geschwächte, hagere Frauen. Will nicht zugedeckt werden. Alles scheint locker und offen, aber ohne jede Wehentätigkeit. Wenn die Wehen schon lange dauern, aber nichts vorwärtsgeht. Manie während der Entbindung. Muskelzuckungen im Gesicht.

Nach der Geburt
  • Arnica#ArnicaGeburt: Eigentlich sollte Arnica nach jeder Entbindung gegeben werden, wenn nicht ein anderes Medikament klar indiziert ist. Spezifische Indikationen sind lange und traumatische Entbindung, Zangen- oder Saugglockengeburt, Z. n. Kristellerung. Der Mutter verabreicht, dient es auch der Prophylaxe beim Kind (z. B. intrakranielle Blutungen). Auch sehr gut bei Nachwehen (wenn diese bei jedem Stillen kommen).

  • Belladonna#BelladonnaGeburt: hellrote, heiße, massive Nachblutung, mit Placentaretention. Will keine Licht, rotes Gesicht, rote injizierte Augen, schneller Puls.

  • Ipecacuanha#IpecacuanhaGeburt: gussweise, hellrote Blutung oder anhaltende, reichliche hellrote Blutung. Patientin ist kraftlos und schnappt nach Luft.

  • Secale#Secale cornutumGeburt: passive, reichliche Blutung die durch Bewegung verschlimmert wird. Uterusatonie, Plazentaretention.

  • Phosphorus#PhosphorusGeburt: große, schlanke, zarte Frauen. Nach schwieriger Entbindung. Reichliche, lang anhaltende Nachblutung. Schwäche, Kälte und Leere im Abdomen. Stimmen hallen in den Ohren nach.

  • Rhus toxicodendron#Rhus toxicodendronGeburt: Nach langer, sehr anstrengender Geburt. Hellrote Blutung. Wenn starke Nachwehen da sind und die Patientin ständig die Lage ändert oder umhergehen will, was die Beschwerden kurz bessert. Patientin will das Zimmer warm haben.

  • Opium#OpiumGeburt: Schläfrigkeit, kann aber nicht schlafen. Verstopfung nach der Entbindung, Rektum wie gelähmt (Nux vomica). Bett fühlt sich zu heiß an.

Wochenbett

Als Wochenbett werden die ersten 6–8 Wo. nach derWochenbett Entbindung bezeichnet, während des Wochenbetts findet die Rückbildung von Gebärmutter, Vagina, Beckenboden und des hormonellen Systems statt.
Therapeutische Strategie
Auch im Wochenbett können die Erfahrung einer zuverlässigen Hebamme und ihre Beobachtungen bei Komplikationen hilfreich, manchmal sogar lebensrettend sein.
Wie in der Schwangerschaft zeigen sich im Wochenbett oft viele kleine Symptome, die Hinweise auf die weitere konstitutionelle Behandlung geben. Akute Komplikationen werden nach den Regeln für die Behandlung akuter Krankheiten behandelt (3.2).
Typische Komplikationen im Wochenbett: Endometritis, Lochienstau, Nachwehen, Mastitis puerperalis, Milchbildungsstörungen, Rückbildungsstörungen, Wochenbettdepression.
Homöopathische Behandlung
Nach der Entbindung hat sich die Einmalgabe von Arnica #ArnicaWochenbettC200 oder M (Wundheilung, Rückbildung, Milchentwicklung) bewährt. Besonders für Mehrgebärende, die unter starken Nachwehen leiden oder beim Anlegen des Kindes Schmerzen haben, ist Arnica oft das „Wundermittel“. Ansonsten orientiert sich die homöopathische Behandlung in allen Aspekten an den jeweils vorliegenden Störungen.
Miasmatische Zuordnung
Komplikationen nach der Entbindung können je nach Art Hinweise auf unterschiedliche miasmatische Belastungen sein.
Repertorium
Die Vielfalt der Beschwerden und deren Behandlung kann hier nicht abgebildet werden. Deshalb werden im Folgenden auszugsweise nur einige der wichtigsten Repertoriumsrubriken genannt. Besondere Beachtung verdienen auch die „Lochienrubriken“.

Weibliche Genitalien – Lochien // protrahiert, lang anhaltend // schubweise // unterdrückt // wiederkehrend // scharf, ätzend Kopf // Haare – Haarausfall, Alopecia – Wochenbett, im

Abdomen // Hernie – Leistenregion – links – Wochenbett, im

Rektum // Durchfall – Wochenbett, im // Hämorrhoiden – Entbindung – nach der, im Wochenbett

Blase // Harndrang, krankhafter – allgemein – Entbindung – nach der, im Wochenbett

Brust // Exkoriation, Wundheit – Mammae – Brustwarzen – Wochenbett, im

Schlaf // Schlaflosigkeit – Entbindung – nach der, im Wochenbett // Schlaflosigkeit – Wochenbett, im

Allgemeines // Lähmung – allgemein – Wochenbett, im

Gemüt // Traurigkeit, Trübsinn, Niedergeschlagenheit, Depression, Melancholie – Entbindung, nach

Rektum // Obstipation – Entbindung, nach // Unfreiwillige Stuhlentleerung – Entbindung, nach der

Blase // Harnretention – Entbindung – nach der, im Wochenbett

Weibliche Genitalien // Schmerzen – Allgemein – Uterus – Stillens, während des

Brust // Entzündung – Mammae, Mastitis – Entbindung, während oder nach der

Allgemeines // Konvulsionen – Entbindung, nach // Schwäche, Entkräftung, Erschöpfung, Prostration, Hinfälligkeit – Entbindung, nach // Septikämie, Blutvergiftung, Pyämie – Entbindung, nach

Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Hochpotenzen in der C200 bis XM zeigen prompte und zuverlässige Wirkungen. Tiefpotenzen sind im Wochenbett nicht angezeigt, da sie durch die häufige Wiederholung bei der Mutter und beim Säugling zu Arzneimittelsymptomen führen können. Einmalgaben sind in dieser Beziehung unproblematisch.
Unterstützende Maßnahmen
In den ersten Wochen nach der Geburt ist die Begleitung der Mutter durch eine erfahrene Hebamme wertvoll.
Wichtige homöopathische Arzneimittel

Endometritis: Bell., Lach., Pyrog., Sec., Sep., Sulph.

Lochienstau: Bry., Plat., Puls., Pyrog., Sulph.

Rückbildungsstörungen: Arn., Rhus-t., Sep.

Wochenbettdepression: Aur., Aur-m., Nat-m., Plat., Puls., Sep., Sulph., Thuj.

Eine genaue Differenzierung der oben genannten Arzneimittel erfolgt wegen der Vielzahl der möglichen Symptome aus Gründen der Übersichtlichkeit an dieser Stelle nicht. Stattdessen sei auf die Materia medica verwiesen (35).

Stillzeit

Therapeutische Strategie und homöopathische Behandlung
Laktation s. StillenStillenDie Stillzeit ist die Phase, in der der Säugling von der Mutter an der Brust gestillt wird. Sinnvoll sind mindestens sechs Monate (bzw. bis die ersten Zähne kommen), aber auch länger, jeweils in Abhängigkeit von der Bereitschaft der Mutter und dem Bedürfnis des Kindes. In Atopikerfamilien sollten die Kinder länger (u. U. ein Jahr) gestillt werden.
Die Stillzeit ist keine Krankheitsphase, dennoch gibt es für diesen Zeitraum typische Beschwerden: Mastitis (17.6.2), entzündete, rissige Brustwarzen, versiegender Milchfluss, Abstillschwierigkeiten, Erschöpfung der Mutter in der Stillzeit, Kind verweigert die Muttermilch.
Je nach Art der Beschwerden erfolgt die Behandlung der Mutter (evtl. auch des Kindes, z. B. bei Verweigerung der Muttermilch) im Rahmen einer akuten (z. B. Mastitis, Milchbildungsstörungen) oder auch konstitutionellen Behandlung (z. B. bei Erschöpfungssyndromen). Dabei muss berücksichtigt werden, dass es sich auch bei den scheinbar akuten Krankheitsgeschehen letztlich um Symptome zugrunde liegender, chronischer Störungen handelt.
Miasmatische Zuordnung
Diese Zuordnung ist nur über die Gesamtheit der Symptome möglich.
Repertorium
RepertorisationStillbeschwerdenFür die Stillzeit sind folgende Rubriken (mit Unterrubriken) angezeigt.

Brust // Entzündung – Mammae, Mastitis // Schrunden, Fissuren – Mammae – Brustwarzen

Allgemeines // Abstillen, Beschwerden durch // Stillen – agg. // Schwäche, Entkräftung, Erschöpfung, Prostration, Hinfälligkeit – stillenden Frauen, bei

Brust // Milch bleibt aus // Abstillen – allgemein // Milch – unterdrückt

Allgemeines // Speisen und Getränke – Milch – Abneigung – // Muttermilch //Muttermilch – Kind verweigert Muttermilch

Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Alle genannten Erkrankungsbilder lassen sich gut homöopathisch beeinflussen. Die Verlaufsbeurteilung hängt dabei sehr von der jeweiligen Symptomatik und deren Dynamik ab.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

Mastitis puerperalis Mastitis : Bell., Bry., Con., Lach., Phyt., Sil.

Milchbildungsstörungen: Lac-c., Puls., Tub., Urt-u.

Mastitis puerperalis
  • Belladonna#BelladonnaMastitis: Heftige, sich schnell entwickelnde Mastitis mit hohem Fieber, Hitze des Kopfes bei kalten Extremitäten und Verschlechterung durch Erschütterung (auch Lac caninum). Insbesondere für die frühen Entzündungsstadien geeignet.

  • Bryonia#BryoniaMastitis: Allmählich sich entwickelnde Mastitis, mit starken Schmerzen bei jeder Bewegung und Besserung durch Druck (z. B. fester BH oder Festhalten). Fleckweise Rötung der Mammae oder auch im Gesicht der Patientin.

  • Conium#ConiumMastitis: harte, knotige, schmerzhafte Anschwellung einer oder mehrerer Milchdrüsen. Häufig klagt die Patientin über eine Art von Schwindel beim Bewegen des Kopfes oder beim Liegen, der besser wird, wenn sie die Augen schließt.

  • Lachesis: Alle Entzündungsformen mit bläulich livider Farbe. Häufig eine Triangulationsthema in der Familie (rivalisierende Schwiegermutter, eifersüchtiges Geschwisterkind, etc.). #LachesisMastitis

  • Phytolacca#PhytolaccaMastitis: harte, sehr schmerzhafte Knoten in der Mamma. Lymphknotenschwellung in der Axilla. Beim Stillen zieht der Schmerz von der Brustwarze durch den ganzen Körper. Risse in den Brustwarzen. Blutige Milch.

  • Silicea: Harte Knoten in den Milchdrüsen, eitrige Entzündungen die durch geringe Verkühlungen entstehen. #SiliceaMastitis

Milchbildungsstörungen
  • Lac caninum#Lac caninumStillschwäche: Milch versiegt allmählich. Jede Berührung ist unerträglich. Bei Mastitis verschlimmert jede Erschütterung (Treppensteigen). Probleme entwickeln sich, wenn Mutter und Kind im Krankenhaus eine Zeit getrennt waren.

  • Pulsatilla#PulsatillaMastitis: Die Mutter weint jedes Mal, wenn sie das Kind anlegt. Übermäßige Anschwellung der Brust nach dem Abstillen. Es besteht das Verlangen nach lokaler und allgemeiner Kühlung (z. B. offenes Fenster).

  • Tuberculinum#TuberculinumStillschwäche: Bei großen, schlanken Patientinnen, mit im Verhältnis zum sonstigen zarten Körperbau zu voluminösen Mammae, mit zu wenig Milchproduktion. Wenn die Menstruation trotz Stillens schon kurz nach der Entbindung wieder einsetzt. Eingezogene Brustwarzen.

  • Urtica urens#Urtica urensStillschwäche: Wenn die Milch nach der Entbindung nicht oder nur spärlich kommen will, insbesondere wenn eine Urtikaria oder ein ähnlicher Ausschlag vorhanden ist bzw. im Vorfeld unterdrückt wurde.

Sterilität

Infertilität Sterilität

Definition: Abortneigung. Kind kann nicht ausgetragen werden. Die Ursachen für Sterilität sind vielfältig: unbewusste Partnerschaftsprobleme und Konflikte, verdrängte Ängste, Angst vor Überforderung usw., bis hin zu organisch funktionellen Störungen bei Mann und Frau (z. B. Störungen der Spermiognese, fehlender Eisprung, Gelbkörperhormonmangel, Antikörper gegen Sperma, Eileiterverklebungen). Ebenso vielfältig sind die therapeutischen Ansätze.

Symptomatik:

  • Primäre Sterilität: Trotz Kinderwunsch kommt es innerhalb von zwölf Monaten nicht zu einer Schwangerschaft.

  • Sekundäre Sterilität: Trotz Kinderwunsch und bereits früherer Schwangerschaft kommt es zu keiner weiteren Schwangerschaft.

Therapeutische Strategie
Eltern mit Kinderwunsch stehen unter hohem Druck. In der Regel wurden bereits zahlreiche erfolglose Untersuchungen und IVF-Maßnahmen (In-vitro-Fertilisation) durchgeführt, bevor der homöopathische Arzt aufgesucht wird. Dem Arzt stellt sich nicht nur das reine Krankheitsgeschehen dar, sondern ein Komplex aus organischer Krankheit, unbewussten familiären Verstrickungen, Ängsten, Beziehungskrisen, Stress usw. Eine einfühlende und Vertrauen schaffende Atmosphäre ist Grundvoraussetzung für das Erlangen der wirklich wichtigen Themen und Symptome der Patienten. Bei Paaren sollten die Anamnesen zunächst einzeln erfolgen (oft gibt es Geheimnisse, die der Partner nicht erfahren soll wie frühere Abtreibung, frühere Geschlechtskrankheiten etc.), erst danach erfolgt die Paaranamnese.
Aus homöopathischer Sicht ist es v. a. wichtig, die sykotische Störung als Hauptursache der Sterilität (3.4.2) zu beseitigen, die familiäre Situation zu überprüfen und ggf. eine paartherapeutische Unterstützung einzuleiten.

Cave: Fallstricke bei der Behandlung steriler Paare:

  • Das Paar hat trotz Kinderwunsch keinen Koitus (Sexualanamnese).

  • Paarkonflikte werden über das Thema Kinderwunsch ausgetragen (Beziehungsanalyse).

  • Das Paar ist sich nicht über die fruchtbaren Zeiten im Klaren (→ NFP = natürliche Familienplanung. Seminare werden in ganz Deutschland angeboten).

Homöopathische Behandlung
In der Regel sollten Mann und Frau homöopathisch behandelt werden, unabhängig davon, ob aufgrund diagnostischer Erkenntnisse das Problem beim Mann oder der Frau liegt. Vordringlich ist die Aufnahme der sykotischen und psorischen Symptome (3.4), da sie meist den Hinweis auf das Heilmittel geben. Aufnahme der Gesamtheit der Symptome unter besonderer Berücksichtigung der auffallenden und sonderlichen Symptome (4.2.2).
Wahl der Symptome
SymptomenwahlSterilitätIm Folgenden werden die praktischen Aspekte der Sterilitätsbehandlung bei der Frau abgehandelt:
  • Mensessymptome.

  • Abortneigung/frühere Aborte: Welcher Monat? Abortvorgang detailliert beschreiben lassen, da hier viele wichtige Symptome zu finden sind!

  • Sexualsymptome.

  • Pathologien: Myome, Zysten, Kondylome.

Die homöopathische Behandlung des Mannes erfolgt nach den allgemeinen Grundsätzen der klassisch homöopathischen Konstitutionstherapie.
Miasmatische Zuordnung
Sterilität ist fast immer ein Symptom der Sykosis.
Repertorium
RepertorisationSterilitätDie Rubrik „Sterilität“ findet sich im Repertorium unter Weibliche Genitalien – Sterilität. Alle anderen Symptome müssen den entsprechenden Kapiteln entnommen werden, z. B. Zyklusstörungen (17.8), Abort (18.1.2).

Weibliche Genitalien – Abort, Fehlgeburt // Abortneigung // Schwangerschaftsmonat – dritten Monat, im

Weibliche Genitalien // Sterilität – Sexualtrieb, Libido – übermäßigem, mit

Gemüt // Abneigung gegen – Ehemann, den

Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Die homöopathische Behandlung bei Kinderwunsch ist nicht auf die Auslösung von Ovulationen zur Stimulation von Schwangerschaftsprozessen ausgerichtet, sondern auf eine allgemeine Gesundheitsverbesserung bei Mann und Frau. Deshalb gelten ebenso wie bei jeder anderen konstitutionellen homöopathischen Behandlung die Hering-Regeln als wesentliche Verlaufsparameter (7.3.3).
Unter dem richtigen Mittel kann der homöopathische Arzt zusätzlich eine Besserung wichtiger mit dem Zyklusgeschehen zusammenhängender Symptome erwarten:
  • Besserung von Beschwerden vor, während und nach der Mens, z. B. Dysmenorrhoe, Kopfschmerzen, depressive Verstimmtheit, Brustspannen.

  • Normalisierung des Zyklusablaufs, z. B. Mens regelmäßig ca. alle 28 Tage, keine Zwischenblutungen, normale Farbe, Geruch und Konsistenz der Mensesblutung.

  • Verschwinden organotroper Pathologien, z. B. Candidosis, Leukorrhoe, Pruritus vaginalis, funktionelle Ovarialzysten, Scheidentrockenheit, schmerzhafter Koitus, auffälliger Pap-Abstrich, Verkleinerung von Myomen.

Sieht man solche eindeutigen Besserungszeichen, tritt i. d. R. in absehbarer Zeit eine Schwangerschaft ein.
Prognose: Die Prognose bei sterilen Ehepaaren ist unter homöopathische Behandlung recht gut. Leider existieren keine größeren, aussagekräftigen Studien zu diesem Thema. Am erfolgreichsten ist die homöopathische Therapie bei habitueller Abortneigung (egal aus welchen Gründen). Hier greifen die antimiasmatischen Strategien hervorragend. Bei primärer Sterilität (wenn es also noch nie zu einer Konzeption gekommen ist) beträgt Schwangerschaftsrate zwischen 25–50 %. Im Rahmen einer kleinen vergleichenden Studie unter Ingrid Gerhard (Frauenklinik der Universität Heidelberg) mit 42 Patientinnen unterschied sich die Konzeptionshäufigkeit bei homöopathischer Behandlung (29 % Schwangerschaften) nicht signifikant von der einer rein schulmedizinischen Behandlung (14 % Schwangerschaften). Jedoch kam es in der homöopathischen Gruppe zu keinerlei Aborten und auch andere Zyklusparameter besserten sich im Rahmen der Behandlung.
Wichtige homöopathische Arzneimittel

! Kali-c., Lyc., Med., Nat-m., Sep., Sulph., Thuj., Tub.

Die Vielzahl der verschiedenen Ursachen und Probleme bei der Sterilitätsbehandlung und die dahinter liegenden chronisch miasmatischen Krankheiten lassen selbstverständlich Raum für alle verfügbaren homöopathischen Polychreste. Die o. g. Aufzählung häufiger Arzneien soll nicht davon abhalten, bei entsprechender Indikation auch jedes andere Medikament zu verschreiben.

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