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B978-3-437-56353-9.00008-6

10.1016/B978-3-437-56353-9.00008-6

978-3-437-56353-9

Störfaktoren und Heilungshindernisse

Jan Geißler

  • 8.1

    Klassifikation196

    • 8.1.1

      Aussagen im Organon196

    • 8.1.2

      Zeitgemäße Anwendung197

  • 8.2

    Zusätzliche Therapeutika und therapeutische Maßnahmen198

    • 8.2.1

      Medikation bei chronischen Krankheiten198

    • 8.2.2

      Medikation bei akuten, intermittierenden Erkrankungen199

    • 8.2.3

      Dauerhafte Einnahme medizinischer Präparate200

    • 8.2.4

      Energetische Heilmethoden201

    • 8.2.5

      Äußerliche Anwendungen201

    • 8.2.6

      Zahnärztliche Maßnahmen202

    • 8.2.7

      Impfungen203

  • 8.3

    Diagnostik203

  • 8.4

    Nahrungs- und Genussmittel203

    • 8.4.1

      Kaffee, Tee und Alkohol203

    • 8.4.2

      Kampfer und andere „Antidote“204

    • 8.4.3

      Kräuter und Gewürze205

  • 8.5

    Handhabung der Arznei- mittel205

    • 8.5.1

      Äußere Einflüsse205

    • 8.5.2

      Arzneimittelapplikation206

    • 8.5.3

      Einnahmezeitpunkt207

    • 8.5.4

      Weitere Einflussfaktoren rund um die Einnahme des Arzneimittels207

Klassifikation

Aussagen im Organon

StörfaktorenHeilungshindernisseDie „theoretische“ Antwort auf die meisten Fragen nach HeilungshindernissenHeilungshindernisse und Störungen im Verlauf einer homöopathischen Behandlung findet sich gebündelt in Hahnemanns „Organon der Heilkunst“ (Hervorhebungen durch den Autor): „Für chronisch Kranke ist daher die sorgfältige Aufsuchung solcher Hindernisse der Heilung um so nöthiger, da ihre Krankheit durch dergleichen Schädlichkeiten und andere krankhaft wirkende, oft unerkannte Fehler in der Lebensordnung gewöhnlich verschlimmert worden war.“
(Anmerkung) Kaffee, feiner chinesischer und anderer Kräuterthee; Biere mit arzneilichen, für den Zustand des Kranken unangemessenen Gewächssubstanzen angemacht, sogenannte feine, mit arzneilichen Gewürzen bereitete Liqueure, alle Arten Punsch, gewürzte Schokolade, Riechwasser und Parfümerieen mancher Art, stark duftende Blumen im Zimmer, aus Arzneien zusammengesetzte Zahnpulver und Zahnspiritus. Riechkißchen, hochgewürzte Speisen und Saucen, gewürztes Backwerk und Gefrornes mit arzneilichen Stoffen, z. B. Kaffee, Vanille u. s. w. bereitet, rohe, arzneiliche Kräuter auf Suppen, Gemüße von Kräutern, Wurzeln und Keim-Stengeln (wie Spargel mit langen, grünen Spitzen), Hopfenkeime und alle Vegetabilien, welche Arzneikraft besitzen, Selerie, Petersilie, Sauerampfer, Dragun, alle Zwiebel-Arten, u. s. w.; alter Käse und Thierspeisen, welche faulicht sind, (Fleisch und Fett von Schweinen, Enten und Gänsen, oder allzu junges Kalbfleisch und saure Speisen; Salate aller Art), welche arzneiliche Nebenwirkungen haben, sind eben so sehr von Kranken dieser Art zu entfernen als jedes Uebermaß, selbst das des Zuckers und Kochsalzes, so wie geistige, nicht mit viel Wasser verdünnte Getränke; Stubenhitze, schafwollene Haut-Bekleidung, sitzende Lebensart in eingesperrter Stuben-Luft, oder öftere, bloß negative Bewegung (durch Reiten, Fahren, Schaukeln), übermäßiges Kind-Säugen, langer Mittagsschlaf im Liegen (in Betten), Lesen in wagerechter Lage, Nachtleben, Unreinlichkeit, unnatürliche Wohllust, Entnervung durch Lesen schlüpfriger Schriften, Onanism oder, sei es aus Aberglauben, sei es um Kinder-Erzeugung in der Ehe zu verhüten, unvollkommner, oder ganz unterdrückter Beischlaf; Gegenstände des Zornes, des Grames, des Aergernisses, leidenschaftliches Spiel, übertriebene Anstrengung des Geistes und Körpers, vorzüglich gleich nach der Mahlzeit; sumpfige Wohngegend und dumpfige Zimmer; karges Darben u. s. w. Alle diese Dinge müssen möglichst vermieden oder entfernt werden, wenn die Heilung nicht gehindert oder gar unmöglich gemacht werden soll. Einige meiner Nachahmer scheinen durch Verbieten noch weit mehrer, ziemlich gleichgültiger Dinge die Diät des Kranken unnöthig zu erschweren, was nicht zu billigen ist. (Organon, § 260)
Es gibt in der homöopathischen Praxis sowohl beim Arzt als auch beim Patienten die Tendenz, in einzelnen Fragen der Lebensführung (im weitesten Sinn) einen starken Bezug zu Hahnemanns$Hahnemann, Samuel Aussagen (s. o.) zu suchen (z. B. zum Kaffeegenuss) und nach den eigenen Wünschen und Bedürfnissen in Bezug auf diese Fragen zu urteilen. Dies ist zweifelsohne ein lohnenswerter Ansatz, da Hahnemann$Hahnemann, Samuel in seiner Genialität die homöopathischen Prinzipien gefunden und daraus ein funktionierendes, bis heute gültiges Heilsystem entwickelt hat. Von Hahnemann$Hahnemann, Samuel stammt auch die Aufforderung: „macht's nach, aber macht's genau nach!“.
Andererseits konnte Hahnemann$Hahnemann, Samuel die Homöopathie nur dank seiner stets kritischen Einstellung entwickeln: Der ChinarindenversuchChinarindenversuchSelbstversuchChinarinde, der letztlich zur Entdeckung des Ähnlichkeitsgesetzes führte (2.1.1), war nur möglich, weil er kritisch gegenüber den Thesen der damals gültigen Medizin war – und diese praktischen Überprüfungen unterzog. Außerdem stellte er auch seine eigenen Thesen immer wieder auf den Prüfstand und entwickelte sein Heilsystem dadurch immer weiter. Dies lässt sich unter anderem an der Entwicklung des „Organon“ verfolgen (Auflagen 1–6).
Viele Prinzipien der homöopathischen Behandlung sind ausgereift und haben allenfalls leichte Modifikationen erhalten, die sich als praktisch sinnvoll oder notwendig erwiesen haben (z. B. Arzneiherstellung, Arzneifindung oder Dosierung). Sie bilden das Herzstück der homöopathischen Behandlung und wurden immer wieder bestätigt.

Zeitgemäße Anwendung

Ebenso wie die Grundsätze der homöopathischen Heilmethode müssen auch die Thesen Hahnemanns$Hahnemann, Samuel, die sich auf die Rahmenbedingungen der homöopathischen Behandlung beziehen, überprüft und auf ihre zeitgemäße Anwendung hin hinterfragt werden. Im Gegensatz zur eigentlichen Therapie, die bei erfolgreicher Anwendung eine Verbesserung der Situation des Patienten bewirkt und damit mehr Freiheit und Lebensqualität für ihn bedeutet, sind die mit der homöopathischen Therapie üblicherweise verknüpften „Dos“ und v. a. die „Don'ts“ häufig mit einer Einschränkung relevanter Bedürfnisse des Patienten verbunden. Die Bedeutung solcher Beschränkungen für die arzneiliche Therapie und die Gesundheitsentwicklung des Patienten kann sehr unterschiedlich bewertet werden. Viele Menschen setzen solchen Einschränkungen nachvollziehbarerweise Widerstand entgegen, weil sie sich durch die Begrenzungen von Bedürfnisbefriedigungen in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt fühlen. Es ist daher sinnvoll, die Notwendigkeit von Empfehlungen in Bezug auf die Lebensführung immer wieder anhand der eigenen Praxiserfahrungen und im Austausch mit homöopathisch tätigen Kollegen auf ihre Durchführbarkeit und Nützlichkeit zu überprüfen.

Im Zentrum der Behandlung steht immer die Erkrankung des Patienten.

Der Übersichtlichkeit halber wird dieses el in insgesamt vier Abschnitte gegliedert:
  • Störfaktor zusätzliche Therapeutika und therapeutische MaßnahmenBegleitmedikation, allopathische: Ein weites Feld mit großer Bedeutung für die Praxis, da das Angebot und die Möglichkeiten für verschreibungspflichtige und nicht verschreibungspflichtige Präparate fast unüberschaubar ist und diese heute leicht verfügbar sind. Die Medien (Print, TV und v. a. das Internet) haben daran großen Anteil. Außerdem haben einige der hier besprochenen Maßnahmen durch Ihren objektiven Nutzen für den Patienten eine weite Verbreitung (z. B. orale Kontrazeptiva). Die Leitfragen lauten daher: Stören andere Arzneimittel (homöopathische, allopathische) oder Nahrungsergänzungspräparate die klassisch-homöopathische Therapie? Wie ist mit der obligaten oder fakultativen Intervention anderer therapeutischer Fachgebiete umzugehen?

  • Störfaktor Diagnostik: Ein wesentliches Standbein der modernen Medizin ist die Diagnostik, sowohl bei Krankheiten als auch zur Früherkennung von Erkrankungen, sodass sowohl die Einbindung von diagnostischen Maßnahmen als auch ihre Auswirkung auf die homöopathische Behandlung diskutiert werden muss.

  • Störfaktor Nahrungs- und Genussmittel: Das wohl am häufigsten (und damit sehr zeit- und energieaufwändig) diskutierte Thema in der täglichen homöopathischen Praxis ist der KaffeeKaffee, Antidotierung. Darüber hinaus stehen auch viele andere Nahrungs- und Genussmittel (Tee, Cola, Kamille etc.) in der Diskussion, die homöopathische Behandlung zu stören oder zu unterbrechen. Woher kommen diese Vorbehalte? Welche Bedeutung haben diese Substanzen tatsächlich in der täglichen Praxis?

  • Störfaktor Handhabung der ArzneimittelArzneimittelEinnahme: Es gibt überaus unterschiedliche Meinungen, was die Arzneieinnahme betrifft, z. B. in Bezug auf den Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme, auf die Tageszeit oder die Applikationsform (z. B. Metalllöffel, Plastiklöffel). In diesem Zusammenhang ist auch die Frage zu sehen, ob homöopathische Arzneimittel durch falsche Lagerung oder andere Umstände unwirksam werden können.

Zusätzliche Therapeutika und therapeutische Maßnahmen

Die Diskussion um Therapeutika, die der Patient zusätzlich einnimmt oder anwendet, und um deren Bedeutung für die tägliche Praxis lässt sich je nach Ausgangslage aus unterschiedlichen Blickwinkeln führen.

Medikation bei chronischen Krankheiten

Heilungshindernisseallopathische MedikamenteKrankheitchronischeBegleitmedikation, allopathischeKrankheit, chronischeDie Frage, ob eine therapeutische Maßnahme bei schweren chronischen Krankheiten notwendig ist oder nicht, wird in der Praxis je nach Sachlage in der Regel meist eindeutig zu beantworten sein. Es wird niemand ernsthaft in Erwägung ziehen, einen Typ-1-Diabetiker zum Verzicht auf Insulin zu bewegen (ein extremes, aber hilfreiches Beispiel). Ebenso kann einem Krebspatienten aus heutiger Sicht nicht geraten werden, auf eine (statistisch gesehen aussichtsreiche) kurative Therapie (Chemotherapie und/oder Bestrahlung und/oder chirurgische Maßnahme) zu verzichten. Hier fügt sich die homöopathische Therapie in das Gesamtbehandlungskonzept ein. Je weiter man sich jedoch gedanklich von den unmittelbar lebenserhaltenden oder lebensrettenden Maßnahmen wegbewegt, desto schwieriger wird die Entscheidung, auf welche Therapien verzichtet werden kann und welche weiter durchgeführt werden sollten. Kann auf das Antihypertonikum verzichtet werden? Müssen die Schilddrüsenhormone bei latenter Hypothyreose weiter eingenommen werden? Diese Fragen für alle therapeutischen Maßnahmen zu klären, ist im Rahmen dieses els nicht möglich. Spezielle Hinweise dazu finden sich in den Praxiseln.
Folgende Beobachtungen aus der Praxis können bei der Entscheidung über die jeweilige therapeutische Strategie hilfreich sein:
  • Eine homöopathische Therapie wirkt auch, wenn der Patient begleitendBegleitmedikation, allopathischeKrankheit, chronische andere Medikamente einnimmt oder andere, nicht medikamentöse Therapien durchführt. Gegebenenfalls sollte die Dosierung der homöopathischen Therapie geändert/angepasst werden, um sicher zu gehen, dass eine Arzneiwirkung erzielt wird (Q-Potenzen, Verkleppern 6.6).

  • Eine Veränderung der vom Patienten bisher eingenommenen, nicht homöopathischen TherapeutikaBegleitmedikation, allopathischeKrankheit, chronische kann unter Umständen zu kurz-, mittel- und langfristigen Veränderungen im Symptombild des Patienten führen, sodass die Beurteilung der Wirkung der homöopathischen Therapie erschwert wird.

  • Das Absetzen schulmedizinischer Medikamente (z. B. Cortison bei schwerer Neurodermitis oder Kolitis, Asthmaspray bei Asthma, Antihypertonika bei schwerer Hypertonie) kann zu Krisen führen, die homöopathisch nicht beherrschbar sind und so schon zu Beginn der Therapie zum Scheitern führen.

  • Wirkt das homöopathische Arzneimittel beim Patienten, werden viele Medikamente (v. a. bei anfallsartig auftretenden oder in der Intensität schwankenden Erkrankungen, z. B. Asthma, Migräne, Heuschnupfen, Neurodermitis etc.) vom Patienten oft selbstständig reduziert. Die Reduktion palliativerPalliation Medikamente ist in der Praxis ein hervorragender und eindeutiger Verlaufsparameter.

Die Sichtung und Reduktion der „notwendigerweise“ eingenommenen, nicht homöopathischen Medikamente verspricht dann am meisten Erfolg, wenn sie mit Sachverstand und Augenmaß erfolgen. Die meisten homöopathischen Therapien scheitern nicht an den zusätzlich verabreichten (nicht homöopathischen) Medikamenten, sondern an der unsachgemäß durchgeführten homöopathischen Therapie.

Medikation bei akuten, intermittierenden Erkrankungen

Heilungshindernisseallopathische MedikamenteBegleitmedikation, homöopathischeInfekt, interkurrenterBegleitmedikation, allopathischeInfekt, interkurrenterDie Erfahrung in der täglichen Praxis zeigt, dass sehr viele Patienten neben der homöopathischen Konstitutionstherapie selbstständig auch noch andere homöopathischeBegleitmedikation, homöopathische oder allopathische MedikamenteBegleitmedikation, allopathische zur Behandlung kleinerer Gesundheitsprobleme einnehmen (wollen), und seien es nur die „Hausmittelchen“. Dies sind z. B. Aconitum#AconitumInfekt, interkurrenter oder ParacetamolParacetamolParacetamolFieber bei leichtem Fieber, Aspirin® oder Nux vomica#Nux vomicaInfekt, interkurrenter gegen alkoholtoxische Verkaterung, Heparinsalbe oder Arnica bei leichteren Verletzungen, Bach-BlütenBach-Blüten-Therapie oder BaldrianBaldrian in überschaubaren Krisensituationen usw. Auch eine osteopathische Behandlung oder die Einnahme von Rhus toxicodendron#Rhus toxicodendronInfekt, interkurrenter bei intermittierenden Rückenbeschwerden ist gängige Praxis. Ob es sich bei den eingenommenen Arzneien um homöopathische oder um nicht homöopathische Medikamente handelt, hat keine allzu große Bedeutung, das Störpotenzial für die homöopathische Konstitutionstherapie ist generell als eher gering einzuschätzen.
Es ist in der Praxis wichtiger, folgende Fragen abzuklären: Wurden die zusätzlichen Medikamente auch gegen Beschwerden eingenommen, die konstitutionell behandelt werden (z. B. Schmerzmittel gegen Bauch- und Rückenschmerzen bei PMS oder Migränekopfschmerzen, Antihistaminika bei Heuschnupfen)? Oder handelt es sich tatsächlich um zusätzliche, neue, nicht chronische Beschwerdebilder, die therapiert wurden (z. B. Esberitox® bei Erkältungen, Notfalltropfen nach einem Unfall, Arsenicum album#Arsenicum albumInfekt, interkurrenter bei akutem Durchfall etc.). In diesem Fall ist das Störpotenzial gering (s. o.). Es wäre zwar wünschenswert, diese „kleineren Zwischenfälle“ in die homöopathische Konstitutionstherapie mit einzubeziehen, aber auch dann kommt es bei entsprechendem Leidensdruck zur Gabe von weiteren, homöopathischen Medikamenten, diesmal durch den Arzt verabreicht. Wesentlich bei der Einbindung von „selbstständigen“ ZusatzmedikationenZusatzmedikation durch den Patienten in die homöopathische Konstitutionstherapie ist der Informationsfluss, d. h., der Patient sollte dazu motiviert werden, genau anzugeben, was er wann und gegen welche Beschwerden eingenommen hat. Ist der Arzt über die Zusatzmedikation im Bilde, kann er beurteilen, ob die Konstitutionstherapie greift (gut konstitutionell behandelte Patienten haben seltener akut-intermittierende Gesundheitsprobleme), welche Qualität die Patientenführung hat (gut geführte Patienten sprechen häufiger vor der Einnahme anderer Medikamente mit ihrem homöopathischen Arzt darüber) und ob eventuell zusätzlich eingenommene Homöopathika eine Wirkung auf die Konstitution des Patienten hatten (auch das kann vorkommen).
Eine echte AntidotierungAntidotierung des verabreichten Konstitutionsmittels durch seltene und wegen akuter Beschwerden zusätzlich eingenommener homöopathischer Medikamente ist nicht zu befürchten, da die aus der Arzneimittellehre bekannten homöopathischen „AntidoteAntidot“ meist keine generellen Antidote sind (wie z. B. Kaffee und Kampfer 8.4.1, 8.4.2), sondern nur auf bestimmte Symptomenkomplexe der jeweiligen Arzneimittel antidotarisch wirken.

Die offene Diskussion mit dem Patienten über die Einnahme oder Anwendung anderer Therapeutika führt zu einem vertrauensvollen Arzt-Patienten-VerhältnisArzt-Patienten-Verhältnis und mit der Zeit zu einer Optimierung der Behandlungssituation. Das Störpotenzial durch eine seltene Einnahme anderer Therapeutika ist insgesamt als gering einzuschätzen.

Dauerhafte Einnahme medizinischer Präparate

Zur notwendigen Dauermedikation (z. B. Insulin, Schilddrüsenhormone, Antihypertonika 8.2.1).
Die „Pille“
HeilungshindernissePillePille, BehandlungsverlaufKontrazeption, BehandlungsverlaufDas wohl am weitesten verbreitete Präparat, das dauerhaft eingenommen wird, ist die „Pille“. Es muss dabei unterschieden werden zwischen der therapeutischen Einnahme (z. B. bei Pubertätsakne, Zyklusstörungen, PMS), die immer eine unterdrückende Medikation und somit aus homöopathischer Sicht absolut unerwünscht ist (selbst wenn die Patientin wegen anderer Gesundheitsstörungen in die homöopathische Behandlung kommt), und der rein kontrazeptiven Anwendung. Die Pille ist eine der sichersten und bequemsten Arten der Verhütung und hat daher trotz der vielen bekannten Nebenwirkungen eine hohe Akzeptanz. Gerade deshalb scheint der Verzicht auf die Pille vielen Frauen inakzeptabel. In der Praxis hat sich gezeigt, dass homöopathische Medikamente auch bei Frauen wirken können, die orale Kontrazeptiva einnehmen – aber eben nicht bei allen Frauen. Wenn die Dynamik der Erkrankung es erlaubt, kann also z. B. ein Behandlungsversuch mit begleitender Einnahme der Pille unternommen werden, scheitert dieser, sollte auf die Pille verzichtet werden. Bei schweren Krankheitsfällen mit starkem Leidens- und somit auch Behandlungsdruck ist das sofortige Absetzen der Pille gerechtfertigt. Ein Intrauterinpessar (Spirale) stört die homöopathische Behandlung meist nicht. Neuere Verhütungsmethoden (z. B. die Hormonspirale oder der Scheidenring) sind aufgrund der hormonellen Wirkungsweise wie die Pille zu beurteilen.
Nahrungsergänzungsmittel
HeilungshindernisseNahrungsergänzungsmittelNahrungsergänzungsmittelVitaminpräparate, Spurenelemente, Nahrungsergänzungspräparate, Enzyme etc. werden von den Patienten meist aus „prophylaktischen“ Gründen eingenommen (Vitamin D gegen Rachitis oder bei zu niedrig gemessenem Vitamin-D-Spiegel, Vitamin C im Winter zur Stärkung des Immunsystems etc.). Sie stören die homöopathische Behandlung nicht. Trotzdem scheint es angebracht, die Patienten über die „Sinnhaftigkeit“ dieser Maßnahmen aufzuklären – wir leben in einer Gesellschaft mit nahezu perfektem nutritiven Versorgungsstatus, das weit verbreitete Postulat von Mangel und seinen Folgen ist somit äußerst fragwürdig.
Eine Ausnahme von der Unbedenklichkeit machen JodJodsubstitution und unter bestimmten Aspekten MagnesiumMagnesiumsubstitution. Jod ist aus medizinischer Sicht nicht unproblematisch (z. B. Jodallergien, unklare Negativwirkung bei Schilddrüsenentzündungen). Da bestimmte Nahrungsmittel heute per gesetzlicher Legitimation jodisiert werden dürfen, ist davon auszugehen, dass Patienten mehr als genug Jod aufnehmen, sodass auf eine zusätzliche Einnahme verzichtet werden sollte. Magnesium wird häufig zur Unterdrückung von Muskelkrämpfen eingenommen. Muskelkrämpfe sind aber – wenn sie nicht durch ungewöhnliche Muskelbelastung ausgelöst wurden – ein konstitutionelles Symptom. Eine zusätzliche Magnesiumeinnahme ist aus homöopathischer Sicht eine Symptomunterdrückung (7.2.3) und somit unerwünscht.
Komplementärmedizinische Medikamente
Heilungshindernissekomplementärmedizinsiche MedikamentePotenzierte Arzneimittel, die häufig über längere Zeiträume eingenommen werden, sind die Schüßler-SalzeSchüßler-Salze (33.14.2). Schüßler-Salze sind echte homöopathische Arzneimittel, die jedoch nach anderen Regeln als den in der klassischen Homöopathie geltenden verschrieben werden. Auf die zusätzliche Einnahme von Schüßler-Salzen sollte deshalb verzichtet werden. Eine klassisch-homöopathische Konstitutionstherapie ist für den Patienten weitaus gewinnbringender.
Bach-BlütenBach-Blüten-Therapie (33.14.3) werden von Patienten auch über längere Zeiträume zur Beeinflussung von leichten emotionalen Störungen eingenommen. Eine Störung der homöopathischen Konstitutionstherapie ist unwahrscheinlich. Aus homöopathischer Sicht ist jedoch ein lege artis verordnetes homöopathisches Medikament spezifischer und damit sinnvoller.

Energetische Heilmethoden

Heilungshindernisseenergetische HeilmethodenAkupunktur, Osteopathie, Kraniosakraltherapie, KinesiologieKinesiologie, Reflexzonenmassage etc. sind heute fester Bestandteil der Behandlungskonzepte vieler Patienten. Sie beeinflussen die energetische Ebene des Patienten und bewegen sich somit – im Gegensatz zur Schulmedizin – auf einer ähnlichen Heilebene wie die Homöopathie. Außerdem zeigen viele Kasuistiken, dass es sich um wirksame Heilmethoden handelt. In der homöopathischen Praxis stören sie die Arzneiwirkung nicht, sofern die zeitliche Einbindung in die homöopathische Konstitutionstherapie gut gewählt wird. Da diese Methoden Veränderungen (Verbesserungen) im Symptombild des Patienten erzielen, sollte die parallele Anwendung zumindest zu Beginn einer homöopathischen Konstitutionstherapie vermieden werden. Spürt der Patient eine symptombedingte Notwendigkeit, andere Heilmethoden in die homöopathische Therapie einzubinden, muss die homöopathische Therapie optimiert werden.
Im Gegensatz zur Akupunktur und den eben genannten manuellen Verfahren ist die chinesische KräutertherapieKräutertherapie, chinesische eine medikamentöse Methode, bei der über einen längeren Zeitraum wirksame Präparate eingenommen werden. Die parallele Behandlung mit Homöopathie und chinesischer Phytotherapie bei der Behandlung von chronischen Krankheiten ist deshalb aus homöopathischer Sicht nicht wünschenswert.

Äußerliche Anwendungen

Heilungshindernisseäußere AnwendungenMit Fortschreiten der pharmakotechnologischen Entwicklung kommen neben den bisher bekannten Präparaten immer mehr Externa auf den Markt (z. B. Hormonsalben, Hormonpflaster). Aus homöopathischer Sicht gibt es in der Beurteilung dieser Arzneimittel keine Unterschiede zu innerlich angewendeten Medikamenten.
Die Anwendung von schweißreduzierenden DeodorantsDeodorant, Unterdrückung ist heute weit verbreitet. Aus homöopathischer Sicht handelt es sich dabei eindeutig um die UnterdrückungUnterdrückungDeodorant von Absonderungen (3.4), also um eine gesundheitsschädigende Maßnahme. Da Deos zudem meist regelmäßig und über Jahre angewendet werden, akkumulieren deren Inhaltsstoffe (z. B. Aluminiumhydroxid) im Organismus (die gesundheitlichen Gefahren, die von aluminiumhaltigen Deodorants ausgehen sind mittlerweile allgemein bekannt, weshalb diese in Deutschland zunehmend vom Markt genommen werden).

Zahnärztliche Maßnahmen

Heilungshindernissezahnärztliche MaßnahmenZahnsanierung, BehandlungsverlaufGrundsätzlich lassen sich zwei Indikationen für eine zahnärztliche Behandlung unterscheiden, die
  • akute oder chronische Gesundheitsprobleme der Zähne und des Parodontiums sowie

  • prophylaktische Maßnahmen.

Unabhängig von den Indikationen für Zahnbehandlungen stehen die vom Zahnarzt injizierten LokalanästhetikaLokalanästhetika, AntidotierungAntidotierungLokalanästhetika im Verdacht, die Wirkung homöopathischer Arzneimittel aufzuheben. Da dies in der homöopathischen Praxis gelegentlich beobachtet wird, sollten Zahnbehandlungen möglichst mit einigem zeitlichen Abstand (bei Konstitutionstherapie Tage bis Wochen) zur Einnahme des homöopathischen Arzneimittels erfolgen. In der Regel wird das homöopathische Arzneimittel jedoch nicht in der Wirkung unterbrochen, sodass nach einer Zahnbehandlung immer einige Zeit abgewartet und beobachtet werden sollte, ob die Arzneiwirkung tatsächlich aufgehoben wurde. Auch bei scheinbar nachlassender Arzneiwirkung kann es sich lediglich um eine Störung des Arzneimittels handeln, bevor die Wirkung nach einigen Tagen wiederkehrt. Substanzerhaltende (Kariestherapie) oder restaurierende Maßnahmen (Überkronung, Implantate) am Zahnapparat sind grundsätzlich wünschenswert, da sie zahnerhaltend sind. Der optimale Zeitpunkt dafür ist aus den genannten Gründen mit einigen Wochen Abstand zur Einnahme des homöopathischen Konstitutionsmittels zu wählen.
Bei der Entfernung von AmalgamAmalgamentfernung sollte streng darauf geachtet werden, dass das Quecksilber nicht in Kontakt mit der Schleimhaut kommt (z. B. mittels Kofferdam-Abdeckung). Es sei jedoch angemerkt, dass nicht jede „unsachgemäße“ Amalgamentfernung zu einer quecksilbertoxisch bedingten Erkrankung führt. Es scheint vielmehr von der zugrunde liegenden Konstitution des Patienten abhängig zu sein, ob er auf Quecksilber empfindlich reagiert (in der Praxis sehr selten). Nur wenn sich nach erfolgter Quecksilberentfernung kurz-, mittel- oder langfristig Symptome einstellen, die auf eine QuecksilberintoxikationQuecksilberintoxikation, Amalgamentfernung hinweisen, muss dieser Sachverhalt bei der homöopathischen Behandlung berücksichtigt werden. Bleibt nach einer Quecksilberentfernung das ursprüngliche Symptombild des Patienten erhalten, muss am homöopathischen Therapieregime nichts verändert werden.
ZahnwurzelentzündungenZahnwurzelentzündung sind, da sie konstitutionell bedingt sind, eine eindeutige Indikation für eine homöopathische Therapie. Nur wenn diese nicht dauerhaft greift, und der subjektive Leidensdruck des Patienten groß ist, sollte eine zahnärztliche Intervention erfolgen (die aus homöopathischer Sicht eine Unterdrückung darstellt). Eine spätere zahnärztliche Sanierung von ausgeheilten Zahnwurzelentzündungen ist aus homöopathischer Sicht unproblematisch.
Prophylaktische Maßnahmen wie z. B. eine professionelle Zahnpflege stören die homöopathische Behandlung nicht. Da es sich bei der inzwischen häufig durchgeführten Behandlung mit FluorlackenFluorlack, Zahnpflege um das Zuführen einer aus homöopathischer Sicht nicht unproblematischen Substanz in großen Mengen handelt, steht diese Maßnahme in der kontroversen und derzeit offenen Diskussion.

Impfungen

HeilungshindernisseImpfungenImpfungBehandlungsverlaufWissenswertes zu den SchutzimpfungenSchutzimpfung und zur homöopathischen Behandlung von Impffolgen (28.3, 28.4).

Diagnostik

HeilungshindernisseDiagnostikDiagnoseverfahren, invasivesDiagnostik ist wichtig. Sie liefert Informationen über den Gesundheitszustand des Patienten und objektive Verlaufsparameter für die homöopathische Therapie. Je weniger invasiv eine diagnostische Methode ist, desto unproblematischer ist sie (z. B. Blutentnahme, Ultraschall, EKG). Hat eine Untersuchungsmethode einen direkten Bezug zur Erkrankung des Patienten, gibt es aus homöopathischer Sicht keine Einwände gegen die Durchführung. Bei radiologischen Verfahren (z. B. Szintigraphie, Röntgenaufnahmen, MRT) oder Untersuchungen, die mit Narkose verbunden sind (Laparoskopie, Broncho- oder Koloskopie), muss eine zeitliche Abstimmung mit der homöopathischen Therapie erfolgen. Am besten werden die Untersuchungen in einem Abstand von einigen Tagen bis Wochen (je nach Dringlichkeit) vor oder nach der Einnahme des homöopathischen Arzneimittels durchgeführt. Alternativ kann auf die Behandlung mit regelmäßig einzunehmenden Q-PotenzenQ-Potenzen, niedrigen D- oder mittelhohen C-Potenzen (C30) umgestiegen werden, um während der Zeit der Untersuchungen eine Arzneiwirkung zu gewährleisten. Ob Röntgenuntersuchungen, Magnetfelder oder Narkosen (mit Sedierung) die homöopathische Therapie stören, kann nur im Einzelfall und nur retrospektiv entschieden werden. Häufig wirken die Homöopathika weiter oder werden in ihrer Wirkung lediglich für kurze Zeit gestört. Dass radiologische Untersuchungsverfahren (Röntgen, CT, MRT, nuklearmedizinische Untersuchungen) die Arzneimittelwirkung immer aufheben, konnte in der Praxis nicht bestätigt werden. Ultraschalluntersuchungen scheinen die Arzneiwirkung nicht zu beeinflussen.
Wie häufig Früherkennungsmaßnahmen wie MammographieMammographie oder KoloskopieKoloskopie durchgeführt werden sollten, ist primär kein Diskussionsthema der Homöopathie. Es geht dabei eher um die Frage, wie stark gesundheitsschädigend diese Untersuchungsmethoden sind, welche Nebenwirkungen auftreten und ob die Nutzen-Risiko-Analyse die jeweilige Untersuchung rechtfertigt. Dies betrifft in erster Linie radiologische, nuklearmedizinische und invasive Untersuchungsmethoden.

Nahrungs- und Genussmittel

Kaffee, Tee und Alkohol

Kaffee, AntidotierungTee, AntidotierungAlkohol, AntidotierungViele Homöopathen untersagen ihren Patienten Kaffeegenuss während der homöopathischen Therapie. Diese Praktik geht auf Hahnemann$Hahnemann, Samuel zurück, der im Genussmittel KaffeeKaffee, AntidotierungAntidotierungKaffe generell einen Störfaktor für die Gesundheit des Patienten und damit verbunden ein HeilungshindernisHeilungshindernisseKaffee für die homöopathische Therapie sah (8.1). Neben Kaffee hatte Hahnemann noch zahlreiche andere Substanzen des täglichen Lebens auf dem „Index“, unter anderem viele gebräuchliche Küchengewürze. Die Frage, inwieweit er damit recht hatte oder wie seine Einstellung aus heutiger Sicht zu beurteilen ist, scheint allzu häufig eine Kluft aufzutun zwischen den Homöopathen, die seine Anweisungen aufs Genaueste befolgen und solchen, die bei Kaffee und verwandten Themen eine eher lockere Ansicht haben.
Wie steht es in der täglichen Praxis mit Kaffee und Tee? KaffeeKaffee, AntidotierungAntidotierungKaffe ist aus der heutigen Genusskultur nicht mehr wegzudenken. Nicht mehr nur in Ländern wie Italien ist er eine regelrechte Institution. Der Verzicht auf Kaffee fällt vielen Patienten schwer, er ist häufig nur zeitlich begrenzt möglich oder sogar unmöglich. Ein vertrauensvolles Arzt-Patienten-VerhältnisArzt-Patienten-Verhältnis erlaubt es, diese Dinge offen zu besprechen. Die Erfahrung zeigt, dass Kaffeegenuss durchaus mit einer homöopathischen Therapie vereinbar ist. Beim Vergleich der Behandlung von Kindern (die keinen Kaffee trinken) mit der von Erwachsenen (die häufig Kaffee trinken) bei ähnlichen Erkrankungen (z. B. akute Infekte) zeigen sich in der täglichen Praxis des Autors keine auffälligen Unterschiede. Dieser Sachverhalt weist darauf hin, dass Kaffee kein generelles AntidotAntidot sein kann (wenn es solche überhaupt gibt). Studiert man die Arzneimittelbeziehungen, stellt man fest, dass Kaffee häufig, aber nicht immer als Antidot angegeben ist. Die Arzneimittel in den Antidotlisten sind zudem keine generellen Antidote, sondern wirken meist bei bestimmten Arzneiwirkungen antidotarisch, insofern sie einer bestimmten Symptomatik entsprechen – also „homöopathisch“ sind (9.3.1).
Allerdings finden sich in der Praxis immer wieder Patienten, bei denen die Arzneimittelwirkung durch Kaffee aufgehoben wird. Ob man versucht, diese empfindlichen Patienten durch den Behandlungsversuch mit „Kaffee-Erlaubnis“ herauszufiltern oder sie durch ein generelles, alle betreffendes Kaffeeverbot vor einem therapeutischen Misserfolg schützt, muss der Therapeut (im Idealfall mit dem Patienten gemeinsam) vor Beginn der Behandlung entscheiden. Bei Schwerkranken mit erheblichem Behandlungsdruck ist ein Kaffeeverbot immer gerechtfertigt, um alle möglichen Störfaktoren zu eliminieren.
Grundsätzlich handelt es sich bei CoffeinCoffein um ein wirksames Toxin, mit dem, unabhängig von der homöopathischen Behandlung, maßvoll umgegangen werden sollte. Dies betrifft auch den AlkoholAlkohol, Antidotierung, der keine spezifische Wirkung auf eine homöopathische Therapie hat, aber dem Körper Energie raubt, die er zur Genesung bräuchte. Mit TeeTee, Antidotierung (Schwarztee, grüner Tee) verhält es sich ebenso wie mit Kaffee: Zu viel davon ist ungesund, die homöopathische Therapie bleibt aber bei maßvollem Genuss in den meisten Fällen unbeeinflusst.

Kampfer und andere „Antidote“

HeilungshindernisseKampferKampfer, AntidotierungAntidotAntidotierungKampferWie stark das Störpotenzial von Kampfer auf die homöopathische Arzneiwirkung ist, kann schlecht abgeschätzt werden, da es z. B. im Vergleich zu Kaffee, der als Genussmittel weite Verbreitung hat, nur wenige, meist medizinische Produkte gibt, die Kampfer enthalten (z. B. Franzbranntwein und andere Präparate zur äußeren Anwendung, medizinische Badezusätze).
Für viele homöopathische Medikamente finden sich in den Antidot- und Unverträglichkeitslisten Alltagssubstanzen, z. B. WeinWein, Antidotierung bei Zincum oder Carbo animalis, EssigsäureEssigsäure, Antidotierung bei Causticum und vielen anderen Arzneimitteln, RhabarberRhabarber, Antidotierung bei Rheum und Calendula. Betrachtet man die Verschreibungshäufigkeit dieser Medikamente in der täglichen Praxis und berücksichtigt die Fehlerquote bei der Verschreibung (auch von hervorragenden Homöopathen), ist es schwierig, die Bedeutung dieser Unverträglichkeiten für den Behandlungserfolg bzw. Misserfolg einzuschätzen. Erfahrungsgemäß ist jedoch davon auszugehen, dass die homöopathischen Medikamente trotz Verzehr/Genuss dieser „Antidote“ wirken. Bei eindeutiger Indikation der Arzneimittel und auffallender Wirkungslosigkeit, lohnt es sich trotzdem, auch diese Zusammenhänge zu hinterfragen.

Kräuter und Gewürze

HeilungshindernisseKräuter und GewürzeKräuter, AntidotierungGewürze, AntidotierungAntidotierungKräuter/GewürzeMinzeMinze, AntidotierungPfefferminze in jeder Zubereitung (Tee, Zahnpasta) wirkt sich auf die homöopathische Therapie nicht negativ aus. Ob stark riechende Öle oder Salben (z. B. Tigerbalsam), wenn sie z. B. unter die Nase oder auf die Schläfen appliziert werden, eine störende Wirkung haben, ist unklar.
KamilleKamille, Antidotierung ist eine stark wirksame medizinische Substanz (z. B. zur lokalen Desinfektion). Im Gegensatz zu Kaffee, Schwarztee oder Minze wird sie im Alltag hauptsächlich als Aufguss oder Tee zu therapeutischen Zwecken verwendet (Desinfektion, bei Magenverstimmungen etc.). Eine störende Wirkung auf homöopathische Arzneimittel ist immer wieder erkennbar, weswegen eine größere Zurückhaltung bei der Anwendung der Kamille als Hausmittel wünschenswert ist.
Die meisten Küchengewürze und viele Nahrungsmittel sind seit Jahrhunderten als Heilkräuter oder Hausmittel bekannt. Generell lässt sich sagen, dass ein schädlicher Einfluss von Kräutern oder Gewürzen auf die Wirkung homöopathischer Medikamente bei maßvoller Anwendung nicht erkennbar ist.

Ernährungsgewohnheiten sind Ausdruck der Individualität des Patienten. Es ist davon auszugehen, dass die individuellen Verlangen und Abneigungen bis zu einem gewissen Grad ein Ausdruck des Organismus sind, Stabilität zu erlangen oder zu erhalten. Sofern sie gesundheitlich unbedenklich sind, sollten sie also nicht einschneidend geändert werden.

Der Patient profitiert weit mehr davon, wenn der Arzt die Arzneimittel, die in der Rohsubstanz im Alltag Verwendung finden, genau kennt (Coffea, Thea, Natrium muriaticum, Capsicum, Origanum, Rheum, Allium cepa, Allium sativum, Rosmarinus, Petroselinum etc.) und sie homöopathische korrekt anwenden kann, als davon, übertriebene diätetische Einschränkungen zu befolgen, aus Furcht vor einer Störung der Arzneiwirkung einer homöopathischen Therapie.

Handhabung der Arzneimittel

Äußere Einflüsse

Alle homöopathischen Medikamente sehen in ihrer Applikationsform als Globuli oder als alkoholische Lösung gleich aus, sieht man von der unterschiedlichen Globuligröße ab. Dass die Globuli in wirksamer Weise das enthalten, was auf dem Etikett steht, wird vom Hersteller sichergestellt. Auf dem Transportweg vom Hersteller zum Verteiler (Apotheke) und von dort bis zur Einnahme sind die Arzneimittel unterschiedlichen Einflüssen ausgesetzt, die zumindest theoretisch im Verdacht stehen, deren Wirkung zu beeinträchtigen. Ob die LagerungArzneimittelLagerung an einem zu warmen, zu kühlen oder zu hellen Ort die arzneiliche Wirkung schwächen oder aufheben kann, ist unklar, jedoch sehr unwahrscheinlich. Im Zweifellsfall kann davon ausgegangen werden, dass die Arzneimittel wirken. Dies legt zumindest die Erfahrung in der Praxis nahe. Ebenso verhält es sich mit der Durchleuchtung z. B. bei Flugreisen, wenn Arzneimittel im Koffer transportiert werden, sowie mit dem Einfluss von Mikrowellen- oder HandystrahlungHandystrahlung, ArzneiwirkungMikrowellenstrahlung, Arzneiwirkung (viele Patienten transportieren ihre Arzneimittel in unmittelbarer Nähe zum Handy, z. B. in der Handtasche). Bisher konnte kein eindeutiger Wirkungsverlust durch derartige Einflussfaktoren nachgewiesen werden. Außerhalb der praktischen Erfahrung lässt sich der mögliche Wirkverlust homöopathischer Arzneimittel nach Röntgen- oder anderer StrahlenexpositionRöntgenstrahlung, Arzneiwirkung im Sinne einer Dosis-Wirkungs-Beziehung nicht wissenschaftlich untersuchen, da der Wirkungsnachweis homöopathischer Arzneimittel außerhalb des therapeutischen Bereichs nicht möglich ist.
Die Untersuchung solcher Fragestellungen ist auch deshalb schwierig, weil die fehlende Wirkung eines homöopathischen Arzneimittels erfahrungsgemäß eher auf eine Fehlverordnung zurückzuführen ist.
In der täglichen Praxis steht die fehlende Arzneiwirkung aufgrund äußerer Einflüsse eher am Ende der Liste von Gründen für einen fehlenden Therapieerfolg.

Arzneimittelapplikation

HeilungshindernisseArzneimittelapplikationAls möglicher Störfaktor der Arzneiwirkung wird das Material des Löffels diskutiert, der für die Einnahme flüssiger ArzneimittelArzneimittelEinnahme (Q-Potenzen, verklepperte Arzneimittel) verwendet wird. Die praktische Erfahrung zeigt, dass es für die Arzneiwirkung unerheblich ist, aus welchem Material der Einnahmelöffel besteht. Möglicherweise liegt dies daran, dass heute sowohl Plastik als auch Metalllegierungen in der Regel chemisch weitgehend inert sind, im Gegensatz zum Besteck früherer Tage, das aus reineren und daher chemisch aktiven Metallen hergestellt wurde (z. B. Silber, Kupfer).
Dass homöopathische Medikamente in Globuliform ihre Wirkung verlieren oder verändern, wenn sie vor Kontakt mit der MundschleimhautArzneimittelSchleimhautkontakt Berührung mit der Haut (Hand) des Patienten und/oder einer anderen Person (z. B. Therapeut) haben, ist weder theoretisch schlüssig noch in der Praxis erkennbar.
Nach dem VerkleppernVerkleppern homöopathischer Medikamente (6.4) ist es ausreichend, wenn das Gefäß (z. B. Trinkglas), in dem es gelöst war, oder der Löffel, mit dem es eingenommen wurde, zum weiteren Gebrauch nach den üblichen Hygienenormen aus- bzw. abgespült wird (z. B. mit Spülmittel und heißem Wasser oder in der Spülmaschine). Obwohl in der Literatur zum Teil sehr umfangreiche Anleitungen zum Reinigen von Gefäßen und Bestecken nach Kontakt mit homöopathischen Medikamenten zu finden sind (z. B. Ausglühen oder Auskochen), werden im häuslichen Bereich auch mit weit weniger aufwendigen Reinigungsverfahren keine negativen Auswirkungen auf das Wohlergehen von „Kontaktpersonen“ (z. B. Prüfsymptome nach Trinken aus Gläsern, die zuvor zum VerkleppernVerkleppern von Arzneimitteln verwendet wurden) beobachtet. Für die Herstellung von Arzneimitteln und ihre Handhabung in Apotheken gelten unabhängig davon selbstverständlich die dafür geschaffenen Normen (2.4).

Einnahmezeitpunkt

ArzneimittelEinnahmezeitpunktAuch der Einnahmezeitpunkt wird als Einflussfaktor auf das Behandlungsergebnis diskutiert. Grundsätzlich werden homöopathische Konstitutionsmittel häufig abends vor dem Schlafengehen eingenommen (6.1.3). Eine ebenso gute Wirkung lässt sich bei Patienten erzielen, die aufgrund ihrer Lebensführung zur Arzneimitteleinnahme zu einem anderen Zeitpunkt gezwungen sind. Ob sich die zeitliche Nähe zur Nahrungsaufnahme negativ auswirkt (wenn man das Arzneimittel nicht gerade zum Essen einnimmt), ist unklar – Hahnemann favorisierte bei Säuglingen die Einnahme der Arzneien über die Muttermilch (also mit der Nahrungsaufnahme). Des Weiteren verbietet es der gesunde Menschenverstand, z. B. im akuten Notfall die Medikamenteneinnahme zu verschieben, nur weil gerade etwas gegessen wurde. Ebenso würde auch der Genuss von Alkohol oder Kaffee nicht zu einem Hinauszögern der Verabreichung des Medikaments führen, wenn ein Notfall vorliegt. Dies wird in der Praxis durch gute Arzneimittelwirkungen in allen Lebenslagen bestätigt.
Bei elektiver (also nicht im akuten Notfall) Arzneimittelgabe empfiehlt sich zur „Optimierung“ der Wirkung der Verzicht auf Alkohol und ein gehöriger Abstand zur letzten oder zur nächsten Nahrungsaufnahme.

Weitere Einflussfaktoren rund um die Einnahme des Arzneimittels

Verfallsdatum von ArzneimittelnArzneimittelVerfallsdatumVerfallsdatum, Arzneimittel: Da sich die Heilwirkung eines Arzneimittels im Globuli nicht durch technische Verfahren nachweisen lässt, sondern sich erst in der Wirkung am kranken Patienten zeigt, existieren keine Untersuchungsmethoden, die Auskunft darüber geben könnten, nach welchem Zeitraum die Heilwirkung von homöopathischen Medikamenten abgeschwächt oder aufgehoben ist. Die praktische Erfahrung legt nahe, dass homöopathische Arzneimittel wohl kein Verfallsdatum haben. Unabhängig davon muss darauf geachtet werden, dass das Trägermedium (Globuli, alkoholische Lösungen) mit der Zeit verderben kann.
Die Frage, ob man einem Patienten mitteilt, welches homöopathische Arzneimittel er zur Einnahme bekommen hat, betrifft indirekt die Handhabung der Arzneimittel. Bei der homöopathischen Behandlung ist es systemimmanent, dass die Arzneimittel wirken, sobald sie vom Patienten eingenommen wurden, unabhängig davon, ob er sie namentlich kennt oder nicht. Es scheint also mehr vom Therapiekonzept des Arztes und vom Arzt-Patienten-VerhältnisArzt-Patienten-Verhältnis abhängig zu sein, wie mit dieser Frage in der Praxis umgegangen wird.
GabengrößeArzneimittelDosierungDosierung: Die Frage, wie viele GlobuliGlobuli des passenden Arzneimittels eingenommen werden sollen, kann pauschal mit „nicht zu viele“ beantwortet werden. Schon Hahnemann$Hahnemann, Samuel favorisierte die kleinste mögliche Dosis. Eine zu kleine Gabe, also z. B. nur ein kleines Globulus (weil das andere eventuell heruntergefallen ist) gefährdet die Arzneiwirkung nicht. Ebenso verhält es sich mit durch Transport zerdrückten Globuli – sogar ein kleiner Rest Pulver ist in der Regel ausreichend, um eine Wirkung hervorzurufen. Da auf dem Markt die unterschiedlichsten Globuligrößen erhältlich sind und nur selten die Möglichkeit besteht, zwischen diesen auszuwählen, ist über die Angabe einer bestimmten Anzahl von Globuli (z. B. zwei oder drei) die Gesamtmenge an Trägermedium nur sehr ungenau zu bestimmen. Ob letztlich ein, zwei oder fünf Globuli eingenommen werden, scheint bezüglich der Arzneiwirkung keine große Rolle zu spielen, weder bei Einmalgaben von Hochpotenzen noch bei der häufigen Gabe von niedrigeren Potenzen. Die Einnahme von zu viel arzneilich wirksamer Substanz sollte dagegen vermieden werden, da die Gefahr einer ArzneimittelprüfungArzneimittelprüfung besteht. In der Praxis treten Symptome solcher unfreiwilliger Arzneimittelprüfungen allerdings erst bei Einnahmemengen auf, die weit über das empfohlene Maß hinausgehen (z. B. akzidentelle Einnahme von mehreren Gramm Globuli bei Kindern).
ApplikationsartArzneimittelApplikation: Die These, dass nicht oral applizierte homöopathische Arzneimittel (z. B. Injektion, Suppositorium oder Ohrentropfen) eine bessere oder spezifischere Wirkung zeigen, ist homöopathietheoretisch nicht schlüssig und in der Praxis nicht nachvollziehbar. Grundsätzlich sollten homöopathische Medikamente oral verabreicht werden. In seltenen Fällen (z. B. bei Husten, Erbrechen oder bei der Verabreichung an kleine Kinder) kann es unklar sein, wie lange die GlobuliGlobuli SchleimhautkontaktArzneimittelSchleimhautkontakt hatten, entweder weil sie frühzeitig verschluckt oder aber ausgespuckt wurden. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass die Wirkung des homöopathischen Arzneimittels einsetzt, sobald Schleimhautkontakt bestand, also auch dann, wenn es nur wenige Sekunden waren. In unsicheren Fällen, z. B. wenn zweifelhaft ist, ob die Globuli überhaupt mit der Mundschleimhaut Kontakt hatten, sollte die Globuligabe zeitnah wiederholt werden. Eine eventuelle zweite, zeitnahe Einnahme des homöopathischen Medikaments beeinträchtigt die Heilwirkung der ersten Gabe nicht.

Generell gilt: Die Heilwirkung eines homöopathischen Mittels ist grundsätzlich stabil. Bleibt im Einzelfall eine Wirkung aus, ist meist nicht von endogenen oder exogenen Störfaktoren auszugehen, sondern von einer falschen Arzneiwahl.

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