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B978-3-437-56353-9.00019-0

10.1016/B978-3-437-56353-9.00019-0

978-3-437-56353-9

Stoffwechsel und Hormonsystem

Jan Geißler

  • 19.1

    Fettstoffwechsel- störungen432

  • 19.2

    Gicht434

  • 19.3

    Diabetes mellitus440

    • 19.3.1

      Typ-1-Diabetes440

    • 19.3.2

      Typ-2-Diabetes442

  • 19.4

    Schilddrüsen- erkrankungen444

    • 19.4.1

      Struma, Struma nodosa444

    • 19.4.2

      Hyperthyreose446

    • 19.4.3

      Hypothyreose448

    • 19.4.4

      Schilddrüsenentzündung449

Fettstoffwechselstörungen

Definition: Erhöhung des Triglyzeridspiegels (Neutralfettspiegel) und/oder des Cholesterinspiegels im Blut. Begünstigung der Entstehung einer Arteriosklerose und somit einer koronaren Herzkrankheit, eines Herzinfarkts, eines Schlaganfalls und einer arteriellen Verschlusskrankheit. Cholesterin ist größter Risikofaktor für die Entstehung einer Arteriosklerose. Nach heutigem Wissensstand ist die Verteilung des Cholesterins auf die verschiedenen Gruppen von Lipoproteinen für das KHK-Risiko entscheidend: StoffwechselHormonsystemHyperlipoproteinämieHyperlipoproteinämie s. Fettstoffwechselstörungen, HyperlipidämieHyperlipidämieCholesterinspiegelFettstoffwechselstörungen

  • HDL = High density lipoproteins (Lipoprotein „mit hoher Dichte“). HDL-Cholesterin wird eine Schutzwirkung gegen die Arteriosklerose zugeschrieben.

  • LDL = Low density lipoproteins. Erhöhter Anteil an LDL-Cholesterin bedeutet ein erhöhtes Arterioskleroserisiko.

  • VLDL = Very low density lipoproteins. Wird mit der Entstehung der Arteriosklerose in Zusammenhang gebracht.

Ätiologie: Primäre Hyperlipoproteinämie genetisch bedingt, häufiger sekundäre (symptomatische) Hyperlipoproteinämie durch falsche Ernährung (fettreiche Kost, zu viel Alkohol) oder Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus, Gicht, Hypothyreose, Leberzirrhose oder Nierenerkrankungen, Medikamente (z. B. Thiaziddiuretika, Östrogene).

Symptomatik: Meist keine Beschwerden, Zufallsdiagnose. Erstsymptome sind oft bereits Zeichen arteriosklerosebedingter Komplikationen (Herzinfarkt, Schlaganfall). Blutserum u. U. bei der BSG milchig-trübe. Fettleber und Gallensteinleiden. Bei extrem hohen Blutfettspiegeln evtl. Pankreatitis. Xanthelasmen oder Arcus lipoides sind nur hinweisdiagnostisch interessant, aber kein Beweis für eine Fettstoffwechselstörung. Xanthome bilden sich nur bei sehr hohen Spiegeln.

Therapeutische Strategie
Eine dauerhafte Erhöhung der Blutfette ist korreliert mit einem erhöhten Risiko für Herz und Kreislauferkrankung, somit besteht aus homöopathischer Sicht eine Assoziation zu den chronisch-miasmatischen Erkrankungen, die einer konstitutionellen Therapie bedürfen. Da die Fettstoffwechselstörungen über viele Jahre symptomlos verlaufen und für die Prognose des Patienten noch viele andere Faktoren eine Rolle spielen (Körpergewicht, Blutdruck etc.), kann eine isolierte homöopathische Behandlung für diese Problematik im eigentlichen Sinne nicht beschrieben werden, es sollen dennoch einige wichtige Aspekte besprochen werden.
Homöopathische Behandlung
Für die homöopathische Therapie ist es sinnvoll, Patienten mit leichten bis mittleren (meist nutritiv und/oder familiär) von solchen mit starken Blutfetterhöhungen (meist Herz- und Gefäßerkrankungen in der Familienanamnese) zu unterscheiden. Im Folgenden sollen die in der täglichen Praxis häufigen, eher milden Hyperlipidämien nutritiv-toxischer Natur besprochen werden. Extreme Blutfetterhöhungen mit familiär genetischer Grundlage sollten immer von oder zumindest zusammen mit einem schulmedizinischen Spezialisten behandelt werden. Grundsätzlich gilt:
  • Die Hyperlipidämie in ihren unterschiedlichen Ausprägungen ist immer nur ein Teilaspekt der Gesundheitsstörung des Patienten und darf aus diesem Grund weder in der schulmedizinischen noch in der homöopathischen Therapie isoliert bewertet werden.

  • Da die Blutfetterhöhung einen langfristigen Effekt auf die Gesundheit des Patienten und somit auch auf die Prognose hat, muss auch die Veränderung der absoluten Blutwerte, die je nach Lebensgewohnheiten an sich schon variabel sind, langfristig betrachtet werden. Da wegen der unterschiedlich stark ausgeprägten genetischen Komponente die Ursache der Hyperlipidämie nicht immer nutritiver Natur (z. B. Fett, Alkohol) ist, kann zu Beginn der homöopathischen Therapie auf eine Diät verzichtet werden. Nach längerer und – bzgl. des Gesamtzustandes des Patienten – erfolgreicher homöopathischer Therapie ohne eine Verbesserung der Blutfettwerte kann an eine Diät unter regelmäßiger Kontrolle der Blutfettwerte gedacht werden.

  • ErnährungHyperlipidämieIst die Blutfetterhöhung eindeutig nutritiver oder alkoholtoxischer Natur, ist das erste Ziel der Therapie eine Änderung der Lebensgewohnheiten in Form von Diät oder Alkoholentzug. Je nach Ausprägung der Problematik ist ein Behandlungskonzept zu wählen, das von psychologischer Betreuung bis hin zu stationären Entwöhnungs- oder Entzugsmaßnahmen alle Möglichkeiten einschließt.

Eine Veränderung der Lebensgewohnheiten (Diät etc.) führt auch immer zu einer Veränderung der Symptomatik des Patienten und erschwert sowohl die Arzneimittelfindung als auch die korrekte Analyse der Arzneimittelwirkung.

Wahl der Symptome
Eine alleinige Erhöhung der Blutfette ist phänomenologisch symptomlos. Bei Patienten mit Fettstoffwechselstörungen sind aber sowohl die Ursachen der Problematik wie Ernährungs- und Trinkgewohnheiten, als auch die Folgen (Adipositas, vorliegende Durchblutungsstörungen etc.) anamnestisch zu erheben und homöopathisch verwertbar.
Miasmatische Zuordnung
Eine Erhöhung der Blutfette ist in der Literatur keinem Miasma zugeordnet. Die damit statistisch korrelierten Ereignisse wie Myokardinfarkt oder Apoplexie sind unter den jeweiligen Kapiteln beschrieben (25.2, 11.1.2).
Repertorium
Blutfetterhöhungen als Phänomen sind im Repertorium nicht aufgeführt. Symptome und Phänomene, die in direktem Zusammenhang stehen, finden sich im Repertorium (siehe Arzneiwahl).
  • Es sind keine homöopathischen Medikamente mit isolierter spezifischer Wirkung auf die Blutfette bekannt.

  • Bei der Auswahl des homöopathischen Arzneimittels ist der erhöhte Blutfettwert an sich nicht von Bedeutung (als Symptom nicht in der homöopathischen Literatur verzeichnet). Die Arzneimittelauswahl erfolgt immer nach den Richtlinien der konstitutionellen homöopathischen Therapie.

  • Die ursächliche Symptomatik der Blutfetterhöhung kann bei der Arzneiwahl eine Rolle spielen, falls sie eruierbar ist, z. B. das Verlangen nach Alkohol in verschiedenen Ausprägungen (Bier, Wein, Whiskey etc.), Verlangen nach fetten Speisen, Adipositas (sowohl Ursache als auch Folge).

  • Die Spätfolgen der Hyperlipidämien wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen (11) oder Leber- und Pankreaserkrankungen (14) stehen mit ihrer Symptomatik sowohl bei der Arzneiwahl als auch bei der Verlaufsbeurteilung im Vordergrund.

Dosierung Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Für die gesundheitliche Prognose eines Patienten sind die Blutfette nicht der allein maßgeblich entscheidende Faktor. Handelt es sich um eine nebenbefundliche Hyperlipidämie, so kann der Absolutwert im Blut fast bedeutungslos für die homöopathische Behandlung und die Prognose des Patienten sein – z. B. bei Behandlung von Migräne, Rheuma oder Allergien. Ist die Hyperlipidämie als Befund assoziiert mit der gesundheitlichen Problematik des Patienten, z. B. koronare Herzerkrankung, Apoplexie, Gallensteine, Gicht, ist der Blutwert ein Teilaspekt des Gesamtbildes, d. h., bei einer eindeutigen Besserung der Symptomatik des Patienten (nach homöopathischen Kriterien 7.3) kann von einer Verbesserung der Prognose ausgegangen werden, selbst wenn die Blutwerte sich nicht oder noch nicht verändert haben.
Gesunkene Blutfette sind bei fehlender Arzneiwirkung (nach homöopathischen Gesichtspunkten) als Kriterium für eine positive Arzneiwirkung nicht ausreichend.
Die Frage nach der Bedeutung von Blutwerten und deren Veränderung während einer homöopathischen Behandlung ist nicht pauschal, sondern immer individuell zu beantworten.

  • Keine Bedeutung für Arzneiwahl und Verlaufsbeurteilung haben Blutfette, Antikörpertiter bei Infektionserkrankungen und Allergien.

  • Zur Verlaufsbeurteilung brauchbar sind Entzündungswerte (BSG, CRP, Leukozyten) bei akut oder chronisch entzündlichen Erkrankungen, Nierenwerte bei Nierenerkrankungen, Leberwerte bei Lebererkrankungen, Tumormarker, Schilddrüsenwerte bei Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse, Schilddrüsenantikörper bei Entzündungen der Schilddrüse, rotes Blutbild bei Anämie, Harnsäure bei Gicht, Blut- und Urinzuckerwerte bei Diabetes mellitus Typ 1 und 2.

Unterstützende Maßnahmen
Unabhängig von jeglichem therapeutischen Konzept, ist es aus ärztlicher Sicht wichtig, den Patienten dabei zu unterstützen, ein möglichst gesundes, ausgewogenes Leben zu führen (Ernährung, Sport, Work life balance).
Wichtige homöopathische Arzneimittel
Arzneimittel, die sich bei klassisch homöopathischer Verordnung isoliert positiv auf die Blutfette auswirken, sind nicht bekannt.

Gicht

Gicht

Definition: UrikopathieUrikopathie, Arthritis uricaArthritis urica s. Gicht. Bei hoher Harnsäurekonzentration im Blut (Hyperurikämie) fallen Harnsäurekristalle (Urate) aus, lagern sich besonders in den Gelenken ab und führen zu Entzündungsreaktionen. Risikofaktoren: Übergewicht, Fettstoffwechselstörungen, Diabetes mellitus, Hypertonus. Zu 95 % Männer betroffen.

  • Primäre Hyperurikämie: Störung im Purinstoffwechsel mit Harnsäureerhöhung im Serum über 7 mg/dl (= 420 µmol/l); häufig; genetische Faktoren spielen eine Rolle.

  • Sekundäre Hyperurikämie: Harnsäureerhöhung z. B. infolge vermehrten Zelluntergangs (z. B. Zytostatikatherapie) oder Nierenfunktionsstörungen; selten.

Symptomatik: Lange symptomlos, dann überraschend, häufig in der Nacht akuter Gichtanfall. Anfangs meist nur ein Gelenk betroffen (typischerweise Großzehengrundgelenk = Podagra) mit starker Schwellung und Rötung, extrem schmerzhaft, evtl. Fieber, Frösteln. Im weiteren Verlauf Wechsel zwischen akuten Gichtanfällen und symptomfreien Intervallen. Unbehandelt nach ca. 5–15 Jahren Entwicklung der (heute sehr seltenen) chronischen Gicht, die durch Gelenkdeformierungen und Harnsäureablagerungen in Weichteilen und Knochen gekennzeichnet ist (Gichttophi), v. a. an den Ohrmuscheln, Fingern, Zehen und Ellenbogengelenken.

Therapeutische Strategie
Bei der Gicht handelt es sich um eine Erkrankung, die aus verschiedenen therapeutischen Blickwinkeln betrachtet werden muss. Einerseits verläuft sie lange Zeit symptomlos (sieht man vom erhöhten Harnsäurewert ab) und erzeugt im Beginn wenig bis keinen Behandlungsdruck beim Patienten. Andererseits kann es zu heftigsten GichtanfällenGichtanfall kommen, die den Patienten so stark beeinträchtigen, dass er nach möglichst schneller Hilfe verlangt, egal wo diese herkommt und wie diese aussieht.
Dies führt oft dazu, dass auch gut homöopathisch behandelte Patienten im akuten GichtanfallGichtanfall auf schulmedizinische Therapie zurückgreifen und im weiteren Verlauf harnsäuresenkende (= Gichtanfall vermeidende) MedikamenteBegleitmedikation, allopathischeGichtanfall einnehmen, auch wegen der Langzeitfolgen der Erkrankung – z. B. für die Niere.
Im Idealfall sollte ein Gichtpatient eine klassisch homöopathische Konstitutionstherapie erhalten:
  • Zu Beginn, bei kurzer Erkrankungsdauer, wenn bisher wenige oder keine GichtanfälleGichtanfall aufgetreten sind, darf auf Harnsäure senkende Medikamente verzichtet werden. Dabei sollte der Harnsäurewert regelmäßig kontrolliert werden (bei guter Arzneimittelwirkung wird er sinken).

  • Bei Gichtpatienten mit bereits jahrelangem Krankheitsverlauf oder bereits bestehendem oder drohendem Organschaden sollte auf schulmedizinische Begleittherapie nicht verzichtet werden. Die Harnsäure senkenden Medikamente können bei gutem Therapieverlauf und Ansprechen der Blutharnsäure später ggf. reduziert oder abgesetzt werden.

  • Im akuten GichtanfallGichtanfallAkuttherapieGichtanfall ist eine homöopathische Behandlung Erfolg versprechend. Sollte sie jedoch nicht schnell zur Linderung der Beschwerden führen, muss auf passende schmerz- und entzündungshemmende Medikamente ausgewichen werden. Die homöopathische Konstitutionstherapie soll nach einem akuten GichtanfallGichtanfall weitergeführt werden.

Homöopathische Behandlung
Es muss zwischen der Behandlung des akuten GichtanfallsGichtanfall und der chronischen Gichterkrankung mit symptomloser Hyperurikämie sowie auch der chronischen Gicht mit Gelenk- und/oder Organbeteiligung unterschieden werden.
  • Beim akuten GichtanfallGichtanfallAkuttherapieGichtanfall ist eine klassische Akutbehandlung angezeigt. Bei meist sehr deutlich ausgeprägter Lokalsymptomatik kommen einige wichtige Arzneimittel infrage, die sich gut differenzieren lassen. Die Arzneimittelwirkung bei der akuten GichtGichtanfallAkuttherapieGichtanfall muss prompt sein und zu einer schnellen Besserung führen, ansonsten können die Arzneimittel sehr schnell gewechselt werden (evtl. stündlich). Bei Patienten mit bereits durchlaufenen GichtanfällenGichtanfallAkuttherapieGichtanfall in der Anamnese empfiehlt es sich, diese möglichst genau zu studieren und den Patienten die entsprechenden Arzneimittel als Reserve mitzugeben. Bei fehlender Wirkung der homöopathischen Therapie sollte auf schulmedizinische Medikamente ausgewichen werden.

  • Die Behandlung der symptomlosen Hyperurikämie sowie der chronischen Gicht mit Gelenk- und/oder Organbeteiligung entspricht der homöopathischen Konstitutionstherapie.

In den folgenden Therapieanweisungen soll hauptsächlich auf die Behandlung des akuten GichtanfallsGichtanfallAkuttherapieGichtanfall eingegangen werden. Einige wichtige Arzneimittel kommen sowohl bei der konstitutionellen Therapie als auch im akuten Gichtanfall infrage und werden ausführlicher besprochen.
Wahl der Symptome
  • SymptomenwahlGichtanfallLokalisation des Gichtanfalls: z. B. am Großzehengrundgelenk, an den Händen oder seltener an den Schultern oder Knien. Auch die Lateralität kann Hinweise liefern.

  • Zeitpunkt des Auftretens: ist nur dann von Bedeutung, wenn es sich um eine mehrmalige Wiederholung der gleichen Zeitmodalität handelt.

  • Causa: kann wahlanzeigend sein, z. B. nach Einwirkung von Kälte, nach Anstrengung, Verletzung.

  • Lokalbefund: liefert wenig Hinweise auf das passende Arzneimittel.

  • Modalitäten: wichtig für die Arzneiwahl, Besserung oder Verschlechterung durch Bewegung, Berührung, Druck oder warme bzw. kalte Anwendungen.

  • Begleitsymptome: können Hinweise für das passende Arzneimittel liefern, z. B. Frost oder Hitze, Schweiß, Durst, Durstlosigkeit, Übelkeit.

  • Psychischer Zustand: Sind ausgeprägte Geistes- und Gemütssymptome vorhanden, können diese herangezogen werden, z. B. Schreien bei Schmerzen, Stöhnen, Ruhelosigkeit, ausgeprägte Reizbarkeit oder Wut, Abneigung, den Arzt zu sehen.

Miasmatische Zuordnung
Die Gicht wird der Sykosis zugeordnet.
Repertorium
RepertorisationGichtHauptrubriken zum Thema Gicht im Kapitel „Extremitäten“ und „Allgemeines“ sind meist unpraktikabel groß oder zu klein und bieten nur einen Überblick über die therapeutischen Möglichkeiten. Etwa 80 weitere Rubriken betreffen die Gicht, einige von ihnen die Lokalisation der Gichtarthritis. Andere Rubriken beschreiben spezielle Umstände oder Verlaufsformen der Gicht und können, soweit beim Patienten vorhanden, großen Wert bei der Arzneifindung haben. Wichtig ist, dass bei einem Gichtanfall auch alle Rubriken des Repertoriums zum Thema Gelenkschmerzen (z. B. spezielle Modalitäten) berücksichtigt werden können (dazu siehe Kapitel „Chronische Polyarthritis“ 26.3.1).

Diagnosebezogene Rubriken

Extremitäten – Gichtknoten (65 AM) // Schmerz – Gicht (200 AM)
Allgemeines // Harnsäure – Diathese, harnsaure (30 AM) // Schmerz – gichtig (115 AM), Schmerz – gichtig – wandernd (2 AM) // Schmerz – Gelenke (119 AM) // Schmerz – Nerven (3 AM)

Lokalisation

Extremitäten – Schmerz // Zehen – große Zehe – Gelenke – gichtig // Knie – gichtig // Handgelenke – gichtig // Finger – Gelenke – gichtig
Brust // Gicht – Beschwerden des Herzens, bei
Atmung // Asthma, asthmatische Atmung, abwechselnd mit – Gicht
Rektum // Diarrhoe – gichtigen Personen, bei
Abdomen // Gicht – Metastasierung, von
Dosierung Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
GichtanfallAkuttherapieGichtanfallDas nahezu einzige Kriterium für die Arzneiwirkung im akuten Gichtanfall ist der dominierende Schmerz. Mit dem passenden Arzneimittel sollte eine Linderung – zumindest auf ein erträgliches Maß – in relativ kurzer Zeit, also in einigen Minuten bis maximal wenigen Stunden erfolgen. Bei positiver, aber nicht ausreichender oder bald nachlassender Arzneiwirkung empfiehlt sich die Wiederholung des Arzneimittels in verklepperter Form oder als Q-Potenz in kurzen Abständen (bis 10-minütlich). Ansonsten zwingt der Leidensdruck des Patienten zum kurzfristigen Wechsel des Arzneimittels. In diesem Fall ist es kein Fehler, sogar stündlich die Arzneimittel zu wechseln, so lange, bis eine positive Wirkung eintritt.
HyperurikämieBei der Verlaufsbeurteilung einer chronischen Gicht/Hyperurikämie gelten die Richtlinien der konstitutionellen Therapie. Dies gilt umso mehr, als Patienten mit chronischer Gicht/Hyperurikämie oft an verschiedenen gesundheitlichen Problemen leiden, die bei der homöopathischen Konstitutionstherapie mitberücksichtigt werden.

Bei lang anhaltender HyperurikämieHyperurikämie, hohen Harnsäurewerten, schwerer Gicht mit häufigen Gichtanfällen oder bereits bestehenden Gelenksveränderungen ist nicht sofort mit einem Ausbleiben der GichtanfälleGichtanfall zu rechnen. Bei allgemeiner Besserung des Gesundheitszustandes sollten sich die Gichtanfälle im Beginn jedoch zumindest in Häufigkeit und/oder Heftigkeit reduzieren.

Bei allgemeiner Besserung des Gesundheitszustandes ist die Blutharnsäure nicht das alleinige Kriterium einer guten Arzneimittelwirkung, da sie schon durch entsprechende Änderung der Ess- und Trinkgewohnheiten sinkt.

Prognose: Bezüglich der chronischen Gicht/Hyperurikämie ist die Prognose, auch im Zusammenhang mit einem geänderten Lebenswandel, günstig. Im Verlauf der homöopathischen Therapie kann meist auf Harnsäure senkende Medikamente verzichtet werden (nicht bei eindeutig genetisch bedingter Hyperurikämie, z. B. Hypoxanthin-Guanin-Phosphoribosyltransferase-Mangel).
Akute Gichtanfälle sind von erfahrenen Homöopathen ohne Schmerzmittel beherrschbar, ansonsten sollte zum Wohle des Patienten zum gegebenen Zeitpunkt nicht auf eine analgetische Therapie verzichtet werden.
Unterstützende Maßnahmen
Ein geänderter Lebenswandel, z. B. durch eine diätetische Maßnahme, führt bei chronischer Gicht/Hyperurikämie zwar zu Symptomfreiheit (= Vermeidung), jedoch nicht zu einer Heilung (im homöopathischen Sinn).
Bei nutritiv verursachter Hyperurikämie/Gicht empfehlen sich langfristig trotzdem die entsprechenden Veränderungen in den Gewohnheiten der Ernährung und des Trinkverhaltens.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!! Bell., Bry., Colch., Led., Lyc.
! Arn., Benz-ac, Calc., Caust., Dulc., Graph., Nux-v.

Akute Gicht
Modalitäten
Ausgehend vom Hauptsymptom – den starken Schmerzen – und der wichtigsten Modalität im akuten Gichtanfall (schlechter durch die geringste Bewegung), lassen sich folgende weitere Differenzierungen von Arzneimitteln vornehmen:
  • Schmerzen, schlechter bei Bewegung: Colchicum, Ledum, Arnica, Bryonia, Benzoicum acidum, Belladonna.

  • Colchicum: bei fehlender Individualsymptomatik das erste Medikament. Bestätigend sind Übelkeit (verschlechtert durch Gerüche), starke Auftreibung des Abdomens. #ColchicumGichtanfall

  • Ledum#LedumGichtanfall: Besserung durch lokale, kalte Anwendungen, obwohl der Patient frostig ist.

  • Arnica:#ArnicaGichtanfall Verschlechterung durch Berührung, Wundschmerzen immer an der Stelle, die auf der Unterlage aufliegt, weshalb oft die Position gewechselt wird.

  • Bryonia#BryoniaGichtanfall: Schmerzen, schlimmer sind durch die geringste Bewegung, lokaler Druck bessert, Kälte verschlechtert, schlechter gegen 21 Uhr, reizbare Stimmung.

  • Benzoicum acidum: übel riechenden Urin (wie Pferdeharn), evtl. Nierensteine oder Harngrieß in der Anamnese. #Benzoicum acidumGichtanfall

  • Belladonna: Erschütterung verschlechtert, pochende Schmerzen. #BelladonnaGichtanfall

  • Causticum: Verbesserung der Schmerzen durch warme Anwendungen.

  • Rhus toxicodendron#Rhus toxicodendronGichtanfall: fortgesetzte Bewegung und Wärme bessern.

Causa
  • Übermäßiger Alkoholgenuss: Nux vomica.

  • Überanstrengung durch Sport oder nach Verletzungen: Arnica (schlechter durch Bewegung), Rhus toxicodendron (besser durch Bewegung).

  • Gicht nach Kälteeinwirkung: Dulcamara (bei feuchter Kälte und Wetterwechsel zu kalt), Causticum (bei trockener Kälte).

Lokalisation und Lateralität
  • Hände: z. B. Lycopodium.

  • Daumen: z. B. Lycopodium.

  • Ellenbogen: z. B. Causticum.

  • Finger: z. B. Calcarea carbonica, Lycopodium. #Calcium carbonicumGichtanfall#LycopodiumGichtanfall

  • Hüfte: z. B. Belladonna, Ledum.

  • Knie: z. B. Benzoicum acidum, Calcarea carbonica, Causticum, Ledum, Nux vomica.

  • Knöchel: z. B. Ledum.

  • Füße: z. B. Ledum, Lycopodium.

  • Ferse: z. B. Calcarea carbonica, Lycopodium.

  • Gelenke der Zehen: z. B. Arnica, Calcarea carbonica, Causticum, Dulcamara, Graphites, Lycopodium.

  • Gelenke der Großzehen (Podagra): z. B. Arnica, Benzoicum acidum, Bryonia, Calcarea carbonica, Causticum, Dulcamara, Ledum, Lycopodium.

Die deutlichste Lateralität findet man bei Lycopodium#LycopodiumGichtanfall (rechte Seite). Bei der Arzneimittelwahl spielt sie jedoch nur dann eine Rolle, wenn sie konstant ist. Im akuten Gichtanfall sollte man nach anderen Kriterien (z. B. im Erkrankungsverlauf ungewöhnlichen Symptomen) verschreiben.
Psychische Symptome
In Anbetracht der starken SchmerzenSchmerzenGicht ist eine ungehaltene, reizbare oder verzweifelte Stimmung des Patienten häufig vorhanden, was nachvollziehbar ist.
  • Ausgeprägte Gereiztheit: Arnica, Bryonia, Colchicum (Patienten, die Arnica benötigen, behaupten, kein Problem zu haben und schicken den Arzt wieder nach Hause).

  • Schreien vor Schmerzen: z. B. Belladonna, Bryonia.

  • Weinen: Belladonna, Lycopodium, Nux vomica.

  • Ruhelosigkeit bei Schmerzen: Arnica, Belladonna (Achtung, nicht verwechseln mit Besserung durch Bewegung – Rhus toxicodendron).

Begleitsymptome
Wegen der dominanten Schmerzsymptomatik finden sich eher wenige Begleitsymptome im akuten Gichtanfall.
  • Starkes Frieren: Rhus toxicodendron (besser durch Bewegung), Nux vomica (Auslöser meist Alkoholexzesse, reizbar, evtl. Hämorrhoidalbeschwerden), Ledum (frostige Patienten, deutlicher Besserung durch kalte Anwendungen).

  • Hitze: Bryonia (allgemeine Hitze, Durst auf große Mengen warmer Getränke, warme Anwendungen und Druck bessern), Belladonna (lokale oder allgemeine Hitze, dabei kalte Extremitäten, Rötung des erkrankten Körperteils, des Gesichts, pochenden Schmerzen).

  • Übelkeit durch Gerüche, starke Auftreibung: Colchicum.

  • Übelriechender Urin (wie Pferdeharn): Benzoicum acidum.

Chronische Gicht/Hyperurikämie
HyperurikämieDie Medikamente werden nach den Kriterien der konstitutionellen Therapie ausgewählt. Neben den im Folgenden erwähnten speziell wirksamen Medikamenten, kommen auch die meisten PolychrestePolychrestHyperurikämie (z. B. Calcarea carbonica, Graphites, Sulfur etc.) als Heilmittel infrage
Neben den konstitutionellen Symptomen kann auch die Lokalisation evtl. vorhandener Gichtknoten bei der Verschreibung berücksichtigt werden:
  • Fingergelenke: z. B. Benzoicum acidum, Causticum, Ledum, Lycopodium.

  • Füße: z. B. Ledum.

  • Hände: z. B. Benzoicum acidum, Ledum.

  • Handgelenke: z. B. Benzoicum acidum, Ledum, Lycopodium.

  • Knie: z. B. Causticum, Ledum.

  • Zehen: z. B. Causticum, Ledum.

Bestehen Nierenstörungen, können diese ebenfalls Hinweise geben:
  • Nierensteine: z. B. Benzoicum acidum, Lycopodium.

  • Harngrieß: z. B. Lycopodium.

Rezidivierende Gichtanfälle können Hinweise auf das passende Konstitutionsmittel geben, wenn diese immer nach einem ähnlichen Muster verlaufen. Hierbei sind der Lokalisation, der Causa und den Modalitäten besondere Beachtung zu schenken (s. o. akute Gicht).

Die labortechnisch bestimmbare Harnsäureerhöhung im Blut lässt keine Rückschlüsse auf das passende Arzneimittel zu.

Grundsätzlich kann jedes homöopathische Medikament die harnsaure Diathese günstig beeinflussen, ein besonderes Augenmerk sollte auf Lycopodium #LycopodiumHyperurikämie(eines der Hauptmittel für Gicht), Calcarea carbonica#Calcium carbonicumHyperurikämie, Benzoicum acidum#Benzoicum acidumHyperurikämie, Causticum #CausticumHyperurikämieund Graphites #GraphitesHyperurikämiegelenkt werden (Liste der Gichtknotenlokalisationen s. o.).

Diabetes mellitus

Diabetes mellitus

Definition: Chronische Störung des Glukosestoffwechsels. Zu hoher Blutzuckerspiegel durch Insulinmangel oder verminderte Reaktionsfähigkeit des Körpers auf Insulin (Insulinempfindlichkeit); zugleich Glukosemangel in den Zellen, da nicht ausreichend Glukose aus dem Blut in die Zellen aufgenommen werden kann.

Symptomatik: Ca. 4 % der Bevölkerung sind Diabetiker; erhebliche soziale Bedeutung, v. a. durch gravierende Spätkomplikationen (Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nephropathien, Neuropathien, AVK etc.).

Typ-1-Diabetes

Typ-1-Diabetes

Definition: IDDM (Insulin-dependent diabetes mellitus): insulinabhängiger Diabetes mellitus, jugendlicher Diabetes mellitus. Diabetes mellitusinsulinabhängiger (Typ 1)

Symptomatik: Meist junger schlanker Patient mit Polyurie, Polydipsie, Gewichtsverlust, Leistungsminderung, oft Ketoazidose. Bei akuten Bauchschmerzen an Pseudoperitonitis denken.

Therapeutische Strategie und homöopathische Behandlung
Typ-1-Diabetiker können über lange Strecken ein fast beschwerdefreies Leben führen. Trotzdem handelt es sich beim Insulin-abhängigen Diabetes mellitus v. a. aus zwei Gründen um eine sehr schwere Erkrankung:
  • Ohne extern zugeführtes Insulin kommt es zu erheblichen Störungen im Zuckerstoffwechsel. Der Patient ist letztlich nicht überlebensfähig.

  • Die meisten Patienten erkranken an einer der multiplen, schweren Folgeerkrankungen wie z. B. an Gefäßsklerose oder schweren Nierenstörungen.

Typ-1-Diabetiker bedürfen in jeder Hinsicht einer intensiven medizinischen Betreuung. Dies gilt auch für die homöopathische Therapie. Durch die relative Beschwerdefreiheit der Patienten – zumindest zu Beginn der Erkrankung – stellt die homöopathische Behandlung jedoch hohe Anforderungen an den Therapeuten.
Die homöopathische Therapie bei Diabetes mellitus Typ 1 ist in jeder Dimension komplex und soll deshalb im Folgenden lediglich in ihren Grundzügen geschildert werden. Da es sich bei. Typ-1-Diabetes um eine langfristig lebensbedrohende Erkrankung handelt, sollte die homöopathische Therapie dem erfahrenen Arzt überlassen bleiben. Stets ist auf kontrollierte Einstellung des BlutzuckersBlutzucker, Diabetes mellitus (durch Insulin, Diät, Zusammenarbeit mit einem Diabetologen) zu achten. Bei fortgeschrittener Erkrankung und bereits eingetretenen Komplikationen ist ein polypragmatisches Vorgehen angezeigt, was internistische und chirurgische Interventionen mit einschließt. Das Therapiekonzept zielt auf eine Verringerung der Komplikationsrate bzw. eine Verzögerung oder ein Ausbleiben von Komplikationen ab. Mit einer Reduzierung der benötigen Insulineinheiten kann nicht gerechnet werden.
Die homöopathische Basisbehandlung Typ-1-Diabetes entspricht einer langfristig konstitutionellen Therapie. Während der langen, symptomfreien Phasen der Erkrankung sollte den verabreichten Medikamenten viel Zeit zum Wirken gegeben (Wochen bis Monate) und die Wirkung genau beobachtet werden. Oft entscheiden Kleinigkeiten in der Symptomatologie des Patienten darüber, ob ein Medikament als gut wirksam erkannt wird.
Bei fortgeschrittenem, kompliziertem Typ-1-Diabetes ist je nach Art und Schwere der Komplikationen (vgl. die entsprechenden Kapitel) mit häufigeren Wechseln der homöopathischen Arznei zu rechnen. Das Therapiekonzept ist dementsprechend palliativ, wobei auch bei symptomfreien Diabetikern nicht von einem kurativen Therapieansatz gesprochen werden kann, da von einer Heilung nicht auszugehen ist.
Wahl der Symptome
Da die Symptome des Insulinmangels heute durch Substitution hervorragend verhindert werden können, ist die Unterzuckersymptomatik des Diabetes in der Praxis für den Homöopathen nicht relevant. Entsprechend der homöopathischen Konstitutionstherapie wird demnach nach passenden Symptomen auf allen Daseinsebenen des Patienten gesucht.
Miasmatische Zuordnung
Der Diabetes mellitus wird der Psora oder der Tuberkulinie bzw. in bösartigen Fällen einer Kombination aus Sykosis mit Tuberkulinie zugeordnet.
Repertorium
Diabetes mellitusinsulinabhängiger (Typ 1)Im Kapitel „Allgemeines“ findet sich eine Rubrik „Diabetes mellitus“ (170 AM). Über das ganze Repertorium verteilt, sind weitere 80 weitere Rubriken (zum Großteil Nachtragsrubriken) aufgeführt. Die Arzneiwahl sollte sich nicht allein auf diese diabetesassoziierten Rubriken stützen, da sehr wenig Arzneimittel aufgeführt sind. Die Rubriken fungieren eher als Bestätigung für die Arzneimittelwahl.

Allgemeines // Diabetes mellitus

Gemüt // Traurigkeit – Diabetes bei (3 AM)

Extremitäten // Gangrän – diabetisch (6 AM)

Männliche Genitalien //Erektion – fehlend – Diabetes, bei (11 AM)

Haut // Jucken – Diabetes, bei (1 AM)

Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Bei der Behandlung von bezüglich des Diabetes symptomfreien Patienten ist es grundsätzlich schwierig, die Wirkung der Arzneimittel zu beurteilen – sofern keine anderen Erkrankungen vorliegen, deren Verlauf beurteilt werden kann. Hilfreich kann z. B. die Beurteilung des Schlafverhaltens, der Essgewohnheiten, der Verdauung, des allgemeinen Energieniveaus (Leistungsfähigkeit, Müdigkeit), des Immunsystems (z. B. Infektanfälligkeit, Verhalten der Wundheilung), der Psyche und der Sexualität sein.

Von einer Verbesserung der Blutzucker, Diabetes mellitusBlutzuckerwerte oder einer Verringerung der benötigten Insulineinheiten kann auch bei positiver Arzneimittelwirkung nicht ausgegangen werden.

Prognose: Das Therapieziel der homöopathischen Behandlung des Typ-1-Diabetes ist eine Verhinderung bzw. Verzögerung des Auftretens von Komplikationen und somit langfristig eine Verbesserung der Lebensqualität und der Prognose. In fortgeschrittenen Stadien kann mit palliativer homöopathischer Therapie die Progredienz der Krankheitskomplikationen verlangsamt werden. Durch Reduktion der zusätzlich benötigten Medikamente (z. B. Antibiotika) wird der Organismus des Patienten geschont. Von der Heilung eines Diabetes mellitus Typ 1 wurde bisher nur in Einzelfällen berichtet.
Unterstützende Maßnahmen
Neben einer homöopathischen Behandlung bei Patienten mit Typ-I-Diabetes sind alle sinnvollen medizinischen und andere adjuvanten Strategien, wie sie heute praktiziert werden, durchzuführen.
Wichtige homöopathische Arzneimittel
Für die konstitutionelle Behandlung kommen grundsätzlich alle tiefwirkenden Arzneimittel infrage. Besonders bewährt haben sich in der Praxis folgende Arzneien: Phosphorus#PhosphorusDiabetes mellitus, Phosphoricum acidum,#Phosphoricum acidumDiabetes mellitusNatrium sulfuricum, Plumbum, Lycopodium, Natrium muriaticum, Sulfur. Die Nosoden sind bei dieser schweren, #Natrium sulfuricumDiabetes mellitus#Plumbum metallicumDiabetes mellitus#PhosphorusDiabetes mellitus#LycopodiumDiabetes mellituschronischen Erkrankung #SulfurDiabetes mellitusspeziell zu berücksichtigen (besonders Carcinosinum). Auch an „kleine“ Arzneimittel wie beispielsweise Uranum nitricum ist zu denken. #Uranum nitricumDiabetes mellitus
Akute, interkurrente Erkrankungen werden mit den entsprechenden Medikamenten (siehe die jeweiligen Kapitel) behandelt. Bei der Verschreibung wird dann die aktuelle Symptomatologie und nicht die der Grunderkrankung berücksichtigt.

Typ-2-Diabetes

Typ-2-Diabetes

Definition: NIDDM (Non-insulin-dependent diabetes mellitus): insulinunabhängiger Diabetes mellitus, Altersdiabetes. Diabetes mellitusinsulinunabhängiger (Typ 2)Meist älterer adipöser Patient.

Symptomatik: Ohne oder mit unspezifischen Symptomen wie verstärkte Müdigkeit, Infektanfälligkeit – z. B. Furunkulose, Mykosen, Balanitis, Pruritus vaginalis mit Begleitentzündung, HWI – allg. Pruritus, Nachlassen der Libido, Kopfschmerzen, Schwindel, vorzeitige Arteriosklerose (Angina pectoris, Claudicatio intermittens), zunehmende Sehstörungen. Cave: Spezifische Symptome (z. B. Polyurie, Polydipsie) nur gering ausgeprägt, diabetische Folgeerkrankungen können als Erstsymptome imponieren.

Therapeutische Strategie und homöopathische Behandlung
Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 sind meist multimorbid. Die Erhöhung des Blutzucker, Diabetes mellitusBlutzuckers ist häufig nur ein Teilaspekt des komplexen Krankheitsbildes. Dementsprechend orientiert sich das Behandlungskonzept für diese Patienten an den bedrohlicheren oder vordergründigeren Erkrankungen, z. B. Herzerkrankungen, Hypertonie, Durchblutungsstörungen, Demenz etc., die in den entsprechenden Kapiteln nachgelesen werden sollten. Wichtig ist auch die Berücksichtigung des meist fortgeschrittenen Alters der Patienten.
Im Folgenden werden lediglich einige grundsätzliche, für den homöopathischen Arzt wichtige Aspekte der homöopathischen Therapie des Diabetes mellitus Typ 2 erläutert.
Therapieunabhängig sollte versucht werden, den Blutzucker durch Veränderung der Lebensgewohnheiten (Ernährung, Gewicht, Bewegung) zu senken. Hier gilt es zu berücksichtigen, dass eine Verbesserung der Blutzuckerwerte im Therapieverlauf nicht allein auf die homöopathische Therapie zurückgeführt werden kann.

Ein grundsätzliches Problem bei der Behandlung von Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 stellt die Einnahme von anderen, Begleitmedikation, allopathischeDiabetes mellitusschulmedizinischen Medikamenten dar (z. B. Antihypertonika, Diuretika, Antikoagulanzien, Cholesterinsenker, psychotrope Medikamente, Schlafmittel). Sie können die Wirkung der homöopathischen Arzneimittel stören. Ist es nicht möglich, sie abzusetzen, muss die Dosierung der homöopathischen Arzneimittel angepasst werden (z. B. häufigere Einnahme oder Q-Potenzen s. u.).

  • Blutzucker, Diabetes mellitusLiegen anamnestisch deutliche Blutzuckerentgleisungen vor, sollte keine Veränderung der schulmedizinischen Medikation erfolgen.

  • Ist die Blutzuckererhöhung erst seit kurzem bekannt und/oder moderat und liegen keine schwerwiegenden Begleiterkrankungen vor, können blutzuckersenkende Medikamente evtl. reduziert oder sogar abgesetzt werden (nur vom erfahrenen homöopathischen Arzt und unter häufiger Kontrolle der Blutzuckerwerte).

Wahl der Symptome
Symptome der Blutzuckererhöhung finden sich bei Typ-2-Diabetes nicht. Entsprechend der homöopathischen Konstitutionstherapie wird nach passenden Symptomen auf allen Daseinsebenen des Patienten gesucht.
Miasmatische Zuordnung
Der Diabetes mellitus wird der Psora oder der Tuberkulinie bzw. in bösartigen Fällen einer Kombination aus Sykosis und Tuberkulinie zugeordnet.
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Bei fortgeschrittenem Typ-2-Diabetes muss das Konzept der konstitutionellen homöopathischen Behandlung verlassen werden. Es werden Arzneimittel verabreicht, die sich an der jeweils im Vordergrund stehenden Problematik orientieren (z. B. 25.6.2 Polyneuropathie, 20.3 Ulzera, 11 Herzbeschwerden).
Spezielle homöopathische Arzneimittel zur Therapie des Typ-2-Diabetes sind in der Literatur nicht explizit ausgewiesen, es kommen alle Medikamente infrage, die eine tiefere Wirkung auf den Organismus haben und/oder der Symptomatik des Patienten entsprechen.
Die Prognose bei Patienten mit Typ-2-Diabetes wird v. a. durch die Begleiterkrankungen und deren Prognose und Therapierbarkeit (schulmedizinisch und homöopathisch) bestimmt. Verbesserungen der Blutzuckerwerte sind möglich und v. a. zu Beginn der Erkrankung zu erwarten. Bei länger bestehender Erkrankung kann nicht von einer Heilung ausgegangen werden.
Unterstützende Maßnahmen
Neben einer homöopathischen Behandlung bei Patienten mit Typ-2-Diabetes sind alle sinnvollen medizinischen und andere adjuvanten Strategien, wie sie heute praktiziert werden, durchzuführen. Speziell die Ernährung, das Gewicht und Bewegung sind wichtig.
Wichtige homöopathische Arzneimittel
Zu Beginn sollte immer der Versuch unternommen werden, das passende homöopathische Konstitutionsmittel zu finden. Selbst bei begleitender schulmedizinischer Therapie lohnt es sich, dieses als Einmalgabe in hoher C-Potenz zu verabreichen. Bei fehlender Wirkung sollte dann zuerst die Dosierung verändert werden, bevor an einen Wechsel des Arzneimittels gedacht wird.

Schilddrüsenerkrankungen

SchilddrüsenerkrankungenCharakteristisch bei Schilddrüsenerkrankungen verschiedenster Genese ist deren einförmige Auswirkung auf die Schilddrüse (Vergrößerung oder Verkleinerung) und auf die Symptomatik des Patienten (Überfunktion oder Unterfunktion). Diese Tatsache führt dazu, dass in der homöopathischen Therapie ähnliche Arzneimittel für die unterschiedlichen Grunderkrankungen der Schilddrüse infrage kommen (u. a. die meisten Arzneimittel, die Jod als Verbindung enthalten).
Unterschiede in der Therapie der jeweiligen Erkrankungen finden sich bei der Dosierung, der Dynamik des Heilungsprozesses, der Prognose sowie bei evtl. begleitenden schulmedizinischer Maßnahmen. Diese Unterschiede sollen im Folgenden diagnosebezogen diskutiert werden. Hierbei ist zu beachten, dass z. T. erhebliche Überschneidungen der jeweiligen Krankheitsbilder existieren.
Grundsätzlich handelt es sich aus dem homöopathischen Krankheitsverständnis heraus immer um mittelschwere bis schwere chronische Erkrankungen. Deshalb sollte ihre Behandlung dem versierten homöopathischen Arzt vorbehalten sein.

Struma, Struma nodosa

Knotenstruma Kropf Schilddrüse Struma Struma

Definition: Kropf. Jede Schilddrüsenvergrößerung, unabhängig von der Ursache und Funktionslage; häufige Erkrankung.

  • Euthyreote Struma (blande Struma): Schilddrüsenvergrößerung bei regelrechter Schilddrüsenstoffwechsellage. Häufige Erkrankung, 15 % der Bevölkerung betroffen.

  • Struma diffusa: gleichmäßige Vergrößerung des Schilddrüsengewebes.

  • Struma nodosa (Knotenstruma): Vergrößerung des Schilddrüsengewebes mit Knoten.

Symptomatik: Erst bei ausgeprägter Schilddrüsenvergrößerung bestehen Dyspnoe mit/ohne Stridor, Schluckbeschwerden. Selten Hypo- oder Hyperthyreose-Symptome Sehr selten Heiserkeit durch Rekurrensparese. Cave: Malignom ausschließen.

Therapeutische Strategie und homöopathische Behandlung
Bei der Struma diffusa handelt es sich immer um das sichtbare Korrelat einer anderen Grundproblematik (Jodmangel, floride Schilddrüsenentzündung etc.). Die Struma nodosa muss, je nach Dignität des/der Knoten unterschiedlich beurteilt werden. Folglich steht am Beginn jeder therapeutischen Überlegung eine umfassende Diagnostik.
  • Liegt eine nicht kanzeröse, nicht entzündliche Vergrößerung oder Knotenbildung der Schilddrüse und euthyreote Stoffwechsellage vor, sollte eine homöopathische Konstitutionstherapie eingeleitet werden. Auf schulmedizinische Begleittherapie kann dabei weitgehend verzichtet werden, speziell auf die JodsubstitutionJodsubstitutionStruma, da die mangelnde Assimilation von Jod aus der Nahrung in der heutigen Zeit auf eine Störung der Gesundheit und nicht auf ein mangelndes Angebot in der Nahrung zurückzuführen ist (daher auch die familiäre Häufung von Strumaerkrankungen). Das Therapiekonzept ist langfristig angelegt, regelmäßige Ultraschallkontrollen der Schilddrüse geben Aufschluss über den Therapieverlauf. Auch das Vorliegen eines kalten Knotens mit erhöhtem Entartungsrisiko stellt für den homöopathischen Arzt zunächst keine Operationsindikation dar. Das Vorgehen muss in diesem Fall aber sorgfältig mit dem Patienten besprochen werden und die Verlaufsbeurteilung hat besonders kritisch zu erfolgen.

  • Vergrößerung/Knotenbildungen mit (evtl. kompensierter) hyperthyreoter Stoffwechsellage, heiße Knoten, autonomes Adenom: Therapie 19.4.2 (Hyperthyreose).

  • Vergrößerung/Knotenbildungen mit hyperthyreoter Stoffwechsellage, Schilddrüsenentzündung: Therapie 19.4.4 (Entzündungen der Schilddrüse).

  • Vergrößerung/Knotenbildungen mit hypothyreoter Stoffwechsellage: Therapie 19.4.3 (Hypothyreose).

Im Wesentlichen wird im Folgenden die Vergrößerung bzw. Knotenbildung der Schilddrüse bei euthyreoter Stoffwechsellage abgehandelt. Hypo- und Hyperthyreose werden gesondert besprochen (19.4.2, 19.4.3).
Wahl der Symptome
Die Schilddrüse selbst bietet wenig Symptome für die SymptomenwahlStrumaArzneimittelwahl. Diese erfolgt hauptsächlich nach den Kriterien der Auswahl konstitutioneller Arzneimittel. Für die Arzneiwahl können also passende Symptome aus allen Daseinsebenen gewählt werden.
Miasmatische Zuordnung
Die Struma ist psorischen Ursprungs.
Repertorium
Die Schilddrüse selbst bietet wenig taugliche Symptome zur Arzneiwahl. Lediglich die eindeutige Lateralität der Vergrößerung oder des Knotens kann hilfreich sein. #PhosphorusStruma#CausticumStruma#IodiumStruma#LycopodiumStruma#Mercurius iodatus flavusStruma#Natrium carbonicumStruma#SepiaStruma#SpongiaStruma

Äußerer Hals – Struma – rechts: Causticum, Iodium, Lycopodium, Mercurius iodatus flavus, Natrium carbonicum, Phosphor, Sepia, Spongia

Äußerer Hals – Struma – links: Lachesis

Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung, Behandlungssequenz, Behandlungsdauer 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Da die Dynamik von Struma oder Knotenbildung der Schilddrüse oft langsam ist und eindeutige Tendenzen erst nach Monaten erkennbar sind, sollte die Beurteilung der Arzneiwirkung primär nicht aufgrund der Reaktion der Schilddrüse erfolgen, sondern an anderen Kriterien, z. B. Allgemeinbefinden, seelische Situation, parallel vorhandene Erkrankungen oder Symptomenkomplexe, bemessen werden (7.3).
Prognose: In der Praxis zeigt sich, dass die Prognose bezüglich Dignität bzw. Größenwachstum der Schilddrüse bei konsequenter homöopathischer Behandlung gut ist. Eine Zunahme der Größe oder der Anzahl von Knoten kann verhindert werden, eine Abnahme oder ein Verschwinden von Knoten nach langem Therapieverlauf ist möglich.
Unterstützende Maßnahmen
Nach heutigem Kenntnisstand sollte bei Schilddrüsenstoffwechselstörungen auf die zusätzliche Einnahme von Iod (in Medikamenten, Nahrungsergänzungsmitteln, Salz) konsequent verzichtet werden.
Wichtige homöopathische Arzneimittel
Therapeutisch besonders bewährt haben sich: Calcarea carbonica, Causticum, Iodium und andere Arzneimittel in Verbindung mit Jod (z. B. Aurum iodatum, Calcium iodatum, Natrium iodatum, Kalium iodatum etc.), Lachesis, Natrium muriaticum, Phosphorus, Sepia und Spongia.

Hyperthyreose

Hyperthyreose Schilddrüse Überfunktion

Definition: SchilddrüsenüberfunktionSchilddrüsenüberfunktion. Überproduktion von Schilddrüsenhormonen; häufige Erkrankung. Ursachen: 60 % Schilddrüsenautonomie oder M. Basedow; seltener iatrogen durch Jod- oder Schilddrüsenhormonsubstitution; gelegentlich bei Thyreoiditis oder Schilddrüsenmalignom.

Symptomatik: Nervosität, Schlafstörungen, psychische Labilität, Gewichtsverlust trotz Heißhunger, Schweißausbrüche, Diarrhoe.

Therapeutische Strategie und homöopathische Behandlung
Die Hyperthyreose mit ihren verschiedenen Ursachen (autonomes Adenom, M. BasedowMorbusBasedow, evtl. andere Entzündungen der Schilddrüse) ist trotz ihres Charakters der chronischen Erkrankung diejenige Affektion der Schilddrüse mit der heftigsten (oft scheinbar akuten) und subjektiv bedrohlichsten Symptomatik. Dies führt zu einem hohen Behandlungsdruck für den homöopathischen Arzt. Trotzdem sollte auf schilddrüsenspezifische Medikation wie Carbimazol oder Radiojodtherapie verzichtet werden, denn leichte bis mittelschwere Fälle lassen sich, unabhängig von deren Genese, gut homöopathisch behandeln. Schwere Fälle von Stoffwechselentgleisung (thyreotoxische Krise) sind der klinischen Therapie vorbehalten.

Um den Behandlungsverlauf richtig einzuschätzen, sind häufige Kontrollen der pathologischen Blutwerte (TSH, fT3, fT4, bei M. Basedow und anderen Entzündungen auch Schilddrüsenantikörper sowie Entzündungswerte) unabhängig vom subjektiven Befinden des Patienten dringend notwendig.

Wahl der Symptome
Die komplette Symptomatik einer manifesten Hyperthyreose ist meist eindrucksvoll und lässt sich gut für die Arzneiwahl verwenden. Da die Symptomatik häufig oberflächlich betrachtet uniform ist (z. B. Gewichtsabnahme, Zittern, Hitze, Herzklopfen, Diarrhoe), ist den Details der einzelnen Symptome bei der Wahl der Symptome besondere Aufmerksamkeit zu widmen (z. B. Modalitäten, Zeit).
Miasmatische Zuordnung
Die Überfunktion der Schilddrüse ist nur anhand der individuellen Symptomatik und der Modalitäten einem Miasma zuzuordnen.
Repertorium
Eine spezielle Rubrik für HyperthyreoseRepertorisationHyperthyreose (Allgemeines – Hyperthyreose) findet sich in neueren Repertorien (z. B. RADAR 16 AM). Als eine Unterform findet sich der M. Basedow sowie als Symptom des M. Basedow der Exophthalmus: Äußerer Hals – Struma – M. Basedow sowie Augen – Hervorgetreten – Exophthalmus.
Zielführend ist die Repertorisation der Akutsymptomatik des Patienten, wobei die entsprechenden Rubriken mannigfaltig sind und eine genaue Aufschlüsselung an dieser Stelle zu umfangreich wäre.
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Je heftiger die Symptomatik der Hyperthyreose, desto schneller sollte die Arzneimittelwirkung eintreten bzw. desto schneller kann bei fehlender Wirkung auf ein alternatives Medikament ausgewichen werden. In milden Fällen kann die Arzneimittelwirkung dagegen u. U. mehrere Wochen lang beobachtet werden, bevor über deren Wirkung entschieden wird. Als Indiz für eine positive Arzneiwirkung stehen das subjektive Befinden des Patienten, aber auch die jeweils veränderten Blutwerte, die sich bei positivem Therapieverlauf verbessern bzw. normalisieren müssen.
Prognose: Bei homöopathischer Behandlung ist die Prognose bei hyperthyreoter Stoffwechsellage gut. In leichten bis mittelschweren Fällen lässt sich das Krankheitsbild beherrschen. Eine Störung bzw. Zerstörung der Schilddrüse mit schulmedizinischen Maßnahmen (Carbimazol, Radiojod, Chirurgie) kann vermieden werden.
Wichtige homöopathische Arzneimittel
Grundsätzlich kommen bei Hyperthyreose alle tiefwirkenden, homöopathischen Medikamente infrage. Einige Medikamente haben in ihrem Arzneimittelbild besonders viele Symptome, die dem charakteristischen Zustand der Hyperthyreose entsprechen: Hitze, Durchfall, Pulsbeschleunigung, Alopezie, Gewichtsabnahme, Unruhe und andere psychische Störungen; bei M. Basedow auch Exophthalmus etc. An erster Stelle steht das Arzneimittel Iodium#IodiumHyperthyreose und alle anderen Arzneimittel, die Jod als Verbindung enthalten. Außerdem Natrium muriaticum#Natrium muriaticumHyperthyreose und seine Verwandten, Phosphorus #PhosphorusHyperthyreosesowie das Schlangengift Lachesis#LachesisHyperthyreose.
Hoch akute Zustände von Hyperthyreose können auch nach akut wirkenden Arzneimitteln wie Belladonna#BelladonnaHyperthyreose, Aconitum #AconitumHyperthyreoseoder Apis mellifica #ApisHyperthyreoseverlangen. In diesem Fall wird jedoch lediglich der Akutzustand kupiert, und es muss ein tiefer wirksames Arzneimittel folgen.

Hypothyreose

Hypothyreose Schilddrüse Unterfunktion

Definition: SchilddrüsenunterfunktionSchilddrüsenunterfunktion. Mangel an Schilddrüsenhormonen; häufige Erkrankung. Unterschieden werden:

  • Primäre Hypothyreose (häufig) nach Strumaresektion, Radiojod- oder thyreostatischer Therapie, Schilddrüsenentzündungen.

  • Sekundäre Hypothyreose (selten) z. B. bei Tumoren des Hypophysenvorderlappens.

Symptomatik: Falls nicht iatrogen verursacht, oft schleichender Beginn mit geringen Symptomen. Antriebsarmut, Kälteempfindlichkeit, Muskelschwäche, Kribbelparästhesien, Obstipation, depressive Stimmung, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen.

Therapeutische Strategie und homöopathische Behandlung
Das Symptom Hypothyreose ist Folge von unterschiedlichen Ursachen. Dementsprechend haben sich in der homöopathischen Praxis unterschiedliche Therapiekonzepte bewährt. Aus homöopathischer Sicht handelt es sich, wie bei den anderen Schilddrüsenerkrankungen, um konstitutionelle Erkrankungen. Das therapeutische Konzept entspricht (trotz erheblicher Unterschiede in der Therapieplanung) der langfristigen Konstitutionstherapie.
Unterschiede finden sich v. a. bei der Frage der Substitution von SchilddrüsenhormonenSchilddrüsenhormonsubstitution, HypothyreoseJodsubstitutionHypothyreose bzw. Jod.
  • Hypothyreose bei „JodmangelstrumaJodmangelstruma“: Auf Substitution von Schilddrüsenhormonen und Jod kann verzichtet werden, da das Schilddrüsengewebe prinzipiell intakt ist, der Körper durch die homöopathische Therapie dazu bewegt wird, Jod zu assimilieren und genügend Hormone zu produzieren. Außerdem durchbricht die Hormonsubstitution den natürlichen Regelkreis von Hypophyse (TSH) und Schilddrüse (T3, T4) und behindert durch diese „Entlastung“ des Körpers die Möglichkeit der homöopathisch stimulierten Selbstheilung.

  • Hypothyreose bei Entzündungen der Schilddrüse: Da bei beginnender Hypothyreose durch Entzündungen der Schilddrüse davon ausgegangen werden muss, dass noch intaktes Schilddrüsengewebe vorhanden ist und durch die homöopathische Therapie die Entzündung gestoppt werden kann, sollte zumindest im Beginn versucht werden, auf Hormonsubstitution zu verzichten. Zeigt sich im weiteren Verlauf, dass die körpereigene Hormonproduktion nicht ausreicht, muss Hormonsubstitution erfolgen.

  • Hypothyreose als Endzustand nach Entzündung der Schilddrüse oder iatrogen nach Bestrahlung, Radiojodtherapie oder Operation: Diese heterogene Gruppe von Ursachen der Hypothyreose hat gemeinsam, dass keine Hormonproduktion der Schilddrüse mehr möglich ist, Substitution ist unabdingbar. Eine Ausnahme stellt die Teilresektion der Schilddrüse dar, wenn die Hormonproduktion noch möglich ist. Hier kann zumindest der Versuch unternommen werden, ohne Hormonsubstitution auszukommen.

Die Patienten werden entsprechend den einzelnen Ursachen des Symptoms Hypothyreose und der individuellen Konstellation von Krankheitszeichen konstitutionell homöopathisch behandelt (19.4.1 Struma/Struma nodosa, 19.4.4 Schilddrüsenentzündungen).
Wahl der Symptome
Die Symptome der Schilddrüsenunterfunktion zeigen sich, entsprechend der Hormonwirkung auf den ganzen Organismus, auf allen Daseinsebenen und sind dementsprechend für die Arzneiwahl ins Auge zu fassen. Prinzipiell erfolgt die Symptomenwahl nach den Prinzipien der klassisch homöopathischen Konstitutionstherapie.
Miasmatische Zuordnung
Die Unterfunktion der Schilddrüse ist nur anhand der individuellen Symptomatik und der Modalitäten einem Miasma zuzuordnen.
Repertorium
Eine spezielle Rubrik für die Hypothyreose (Allgemeines – Hypothyreose) findet sich in neueren Repertorien (z. B. RADAR 22 AM). Auch das Myxödem (Allgemeines – Myxödem, 7 AM) als syndromartige Zusammenfassung ist aufgeführt. Wichtiger für die Repertorisation sind jedoch die am Patienten beobachtbaren, individuellen Symptomenkonstellationen.
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Bei „einfacher JodmangelstrumaJodmangelstruma“ ist die Prognose mit homöopathischer Therapie langfristig gut (19.4.1). Bei Hypothyreose nach Operation, Bestrahlung, Radiojodtherapie oder ausgebrannter Entzündung der Schilddrüse ist die Prognose bezüglich einer Erholung der Schilddrüse natürlich infaust, sodass eine dauerhafte Hormonsubstitution notwendig ist. Eine homöopathisch konstitutionelle Therapie der Grunderkrankung ist trotzdem indiziert.
Unterstützende Maßnahmen
Nach heutigem Kenntnisstand des Autors sollte bei Schilddrüsenstoffwechselstörungen auf die zusätzliche Einnahme von Iod (in Medikamenten, Nahrungsergänzungspräparaten, Salz) konsequent verzichtet werden.
Wichtige homöopathische Arzneimittel
Im Rahmen der homöopathischen Konstitutionstherapie kommen letztlich alle homöopathischen Medikamente in Frage. Besonders häufig helfen Natrium muriaticum, andere Natriumverbindungen, Calcium carbonicum und andere Calciumverbindungen, Phosphorus, Arsenicum album, Spongia, Staphisagria, Iodium und dessen chemische Verbindungen, Thyreoidinum (typische Hypothyreosesymptomatik ohne individuelle Symptome oder therapierefraktärer Hypothyreose). #PhosphorusHypothyreose#Calcium carbonicumHypothyreose#Arsenicum albumHypothyreose#SpongiaHypothyreose#StaphisagriaHypothyreose#ThyreoidinumHypothyreose

Schilddrüsenentzündung

Thyreoiditis Schilddrüse Entzündung

Definition: ThyreoiditisThyreoiditis. Unterschieden werden:

  • Akute Thyreoiditis: Infektion durch Bakterien, Pilze.

  • Subakute Thyreoiditis De Quervain: Infektion durch Viren, genetische Disposition, Riesenzell-Thyreoiditis; seltene Erkrankung.

  • Autoimmunthyreoiditiden: z. B. Hashimoto (hypertrophe Form), Riedel-Struma, atrophische Form, Post-partum-Thyreoiditis, chronisch-lymphozytäre Form.

  • Sonderformen: Strahlenthyreoiditis, granulomatöse Erkrankungen, karzinomassoziierte Formen.

Symptomatik: Je nach Akuität der Erkrankung bestehen erhebliche Lokalsymptome (Schmerzen, Druckempfindlichkeit, Schluckbeschwerden, LK-Schwellung) und Fieber. Bei subakuten Beschwerden steht die meist einseitige, derbe Schilddrüsenschwellung mit starkem Druckschmerz und eingeschränktem Allgemeinzustand im Vordergrund.

Therapeutische Strategie und homöopathische Behandlung
Im Folgenden werden die Autoimmunthyreoiditis Hashimoto Autoimmunthyreoiditis Hashimotound De Quervain Quervain-Thyreoiditisbesprochen (nicht die sehr seltenen, purulenten Entzündungen), die sich durch einen ähnlichen Verlauf, jedoch mit unterschiedlicher Krankheitsdynamik auszeichnen und letztlich in einer Zerstörung von Schilddrüsenparenchym enden. Die Folge ist eine hypothyreote Stoffwechsellage.
Die Behandlungsstrategien richten sich nach den jeweils vorhandenen Folgesymptomatiken: evtl. Hyperthyreose im Beginn, Hypothyreose als Folge beider Erkrankungen. Auf begleitende schulmedizinische Therapie kann vom versierten Homöopathen bei gutem Therapieverlauf weitgehend verzichtet werden. Substitutionstherapie kann in fortgeschrittenen Stadien nötig werden.
Der Behandlungserfolg dokumentiert sich sowohl im besseren subjektiven Befinden des Patienten als auch in den veränderten Blutwerten (Schilddrüsenwerte, Autoantikörper, Entzündungswerte).
Vorsicht ist geboten bei der Verlaufsbeurteilung und initial hyperthyreoter Stoffwechsellage, da sinkende Schilddrüsenwerte auch ein Hinweis auf eine fortgeschrittene Zerstörung und ein Ausbrennen der Schilddrüse sein können. Deshalb muss mit der Verbesserung der Schilddrüsenwerte auch immer eine Verbesserung des Allgemeinbefindens des Patienten, der Autoantikörperwerte und der Entzündungszeichen einhergehen.
Die homöopathische Therapie von Schilddrüsenentzündungen ist immer konstitutionell angelegt (Ausnahme ist die akute Hyperthyreose).
Wahl der Symptome
Siehe Hypothyreose (19.4.3), Hyperthyreose (19.4.2).
Miasmatische Zuordnung
Die Schilddrüsenentzündung ist anhand der Symptomatik und der Modalitäten einem Miasma zuzuordnen.
Repertorium
Spezielle Rubriken für Entzündungen der Schilddrüse finden sich in neueren Repertorien (Äußerer Hals – Entzündung – Schilddrüse), sind aber unvollständig (z. B. Radar 3 AM). Alternativ kann die Rubrik Äußerer Hals – Kropf berücksichtigt werden.
Als besonders wertvoll hat sich folgende Repertoriumsrubrik erwiesen, wenn die Entzündung der Schilddrüse tatsächlich mit lokalen Schmerzen einhergeht: Äußerer Hals – Kropf – schmerzhaft (Iodium, Natrium carbonicum, Platinum, Spongia u. a.).
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Die Dauer der Arzneiwirkung bzw. der Zeitraum bis zu deren Beurteilung, variiert je nach Ausprägung der subjektiven Symptomatik und der Höhe der Entzündungszeichen im Blut von wenigen Tagen bis zu vielen Wochen.
In fortgeschrittenen Erkrankungsstadien mit manifester Hypothyreose (und bereits initiierter Substitutionstherapie) verlieren sich häufig die Symptome der Schilddrüsenentzündung und andere konstitutionelle Symptome müssen für eine suffiziente Verschreibung herangezogen werden. Zum Einsatz kommen hohe C-Potenzen (C200, M, XM), denen dann eine lange Wirkzeit (Wochen bis Monate) gewährt wird.
Prognose: Bei Behandlungsbeginn im Frühstadium ist die Prognose gut und eine Restitutio ad integrum möglich. Bestehen die Erkrankungen schon länger und ist bereits eine fortgeschrittene Zerstörung der Schilddrüse eingetreten, ist die Substitution von Schilddrüsenhormonen trotz Sistieren des Entzündungsprozesses unvermeidbar.
Unterstützende Maßnahmen
Nach heutigem Kenntnisstand des Autors sollte bei Schilddrüsenstoffwechselstörungen auf die zusätzliche Einnahme von Iod (in Medikamenten, Nahrungsergänzungspräparaten, Salz) konsequent verzichtet werden.
Wichtige homöopathische Arzneimittel
Im Fall einer floriden Entzündung kommen häufig Arzneimittel zum Einsatz, die einen speziellen Bezug zur Schilddrüse haben (19.4.1, 19.4.2, 19.4.3).
Betrachtet man die Vielfalt der homöopathischen Arzneimittel, die eine Wirkung auf die Schilddrüse haben können (aus der Rubrik Äußerer Hals – Kropf), werden die therapeutischen Möglichkeiten der Homöopathie erkennbar. Grundsätzlich kommen also die meisten konstitutionell wirksamen homöopathischen Arzneimittel bei Schilddrüsenerkrankungen in Betracht. Besonders bewährt haben sich v. a. bei der häufig auftretenden Hashimoto-Thyreoiditis Natrium muriaticum#Natrium muriaticumHashimoto-Thyreoiditis, Iodium#IodiumHashimoto-Thyreoiditis sowie deren chemische Verbindungen und Spongia#SpongiaHashimoto-Thyreoiditis, deren Differenzierung den bekannten klassisch-homöopathischen Grundsätzen folgt. Ansonsten werden die Arzneimittel nach der jeweils vorhandenen individuellen Symptomatik bestimmt.

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