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B978-3-437-56353-9.00009-8

10.1016/B978-3-437-56353-9.00009-8

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Begriffe, die eine Beziehung unter Arzneimitteln ausdrückenArzneimittelbeziehungen$Bönninghausen, Clemens vonAntidotHomöodotDiadotArzneimittelkomplementäresNocentia

Tab. 9.1
Antidot Überkommener, ungenauer Überbegriff, der besser jeweils durch Diadot, Homöodot oder Nocentia ersetzt werden sollte
Diadot Substanzen, die in keiner „homöopathischen“ Beziehung zum zuvor verabreichten homöopathischen Arzneimittel stehen. Diadote dienen der palliativen Abschwächung unerwünschter Arzneimittelwirkungen, wenn kein passendes Homöodot verordnet werden soll. Bekannte Diadote sind z. B. Kampfer und Kaffee
Komplementäre
Arzneimittel
Besonders bewährte Folgemittel, die eine mit dem vorangegangenen Mittel begonnene Heilung weiter- und/oder zu Ende führen. Die Abgrenzung zwischen Komplementär- und Folgemitteln bzw. Homöodoten ist schwierig und die Übergänge sind unscharf
Nocentia (nach Bönninghausen) Arzneimittel und Lebens- bzw. Genussmittel, die eine homöopathische Heilung stören oder verhindern (9.3.2)

Studium der Materia medica, Arzneimittelbeziehungen

Andreas Grimm

  • 9.1

    Studium der Materia medica210

    • 9.1.1

      Bedeutung gründlicher Arzneimittelkenntnis210

    • 9.1.2

      Hering und Bönninghausen210

  • 9.2

    Praktisches Vorgehen beim Studium der Materia medica211

  • 9.3

    Einteilung der Materiae medicae213

    • 9.3.1

      Primäre Materiae medicae214

    • 9.3.2

      Sekundäre Materiae medicae der ersten Klasse214

    • 9.3.3

      Sekundäre Materiae medicae der zweiten und dritten Klasse214

  • 9.4

    Arzneimittelbeziehungen215

    • 9.4.1

      Antidot, Homöodot, Diadot, Folgemittel216

    • 9.4.2

      Feindliche Arzneimittelbeziehungen, schädliche Substanzen und Arzneimittel (Nocentia)218

    • 9.4.3

      Hinweise für die Praxis220

Studium der Materia medica

Bedeutung gründlicher Arzneimittelkenntnis

Materia medicaStudiumArzneimittelGesamtheit der s. Materia medicaArzneimittellehre s. Materia medicaIn der Frühzeit der Homöopathie – vor der Einführung der Repertorien (5.1) – wurde die Arzneimittelwahl allein aufgrund von Materia-medica-Kenntnissen getroffen. Die Materia medica – als Gesamtheit aller geprüften homöopathischen Arzneimittel – war quasi mit den ersten Homöopathen gewachsen und wurde von ihnen aus dem Stegreif beherrscht. Mit der später einsetzenden Verbreitung von Repertorien konnte die Praxistätigkeit wesentlich vereinfacht werden. Allerdings sahen die alten Homöopathen die Gefahr, dass sich ein „Schlendrian“ in der Praxis breitzumachen drohte, sobald die Arzneimittelwahl wegen mangelnder Arzneimittelkenntnis vorwiegend auf der Benutzung von Repertorien beruhte. Dies gilt heute mit der Verbreitung von Computerrepertorien umso mehr. Daher betonten sie eindringlich die Bedeutung guter Arzneimittelkenntnisse. Mit der weiteren Entwicklung der Homöopathie kamen mit vielen neuen geprüften Arzneimitteln auch zahlreiche neue Symptome hinzu, die die Materia medica ins Unüberschaubare wachsen ließen. Damit ergaben sich damals wie heute für angehende Homöopathen die Schwierigkeiten, die Bönninghausen$Bönninghausen, Clemens von 1844 so formulierte: „Fast jedem angehenden Homöopathen wird es zu Anfange eben so wie mir […] ergangen sein, daß er nämlich beinahe in jedem von den vollständig ausgeprüften Mitteln die Elemente zu beinahe jeder Krankheit zu finden glaubte.“ (Bönninghausen 1844)
Bereits 1837 hatte Hering$Hering, Constantin darauf die Antwort parat: „Je mehr Herrschaft über die Mittel, desto seltener werden diese Fälle, desto näher kommt der Arzt der Meisterschaft“.

Die Arzneimittelwahl soll sich aus folgenden Gründen nie allein auf Repertoriumsrubriken stützen.

  • Repertorien liefern nur grobe Hinweise, da sie PrüfungssymptomePrüfungssymptome gekürzt wiedergeben.

  • Die Herkunft der Symptome (Arzneimittelprüfung, Vergiftungssymptom, klinische Erfahrung etc.) ist häufig unklar.

  • Viele PrüfungssymptomePrüfungssymptome sind in den Repertorien in einzelne Teilsymptome zerlegt und können somit nicht die Kombination der Symptome liefern.

  • Gründliche Materia-medica-Kenntnisse erleichtern die Anamnese. („Man sieht nur, was man kennt.“)

Hering und Bönninghausen

$Hering, Constantin$Bönninghausen, Clemens vonSowohl Bönninghausen$Bönninghausen, Clemens von als auch Hering$Hering, Constantin hielten ein sorgfältiges Studium der Materia medica zur erfolgreichen Praxisausübung für unerlässlich. Bönninghausen wies außerdem darauf hin, dass die Anamnese bereits aus dem Blickwinkel der Materia medica bzw. mit deren Kenntnis erfolgen solle und dadurch wesentlich effizienter zu gestalten sei: Der „Arzt [muss] schon im Voraus mit dem individuellen Charakter und der Eigenthümlichkeit seiner Heilmittel […] bekannt sein“. Tatsächlich fällt bei den Aufzeichnungen der Krankheitsbilder in seinen Krankenjournalen die äußerste Knappheit von meist nur wenigen Zeilen auf.
Hering$Hering, Constantin war ein ausgezeichneter Kenner der Materia medica. Er hat an sich selbst mehr als 100 Arzneimittel geprüft, war Dozent für Materia medica an verschiedenen Lehrinstituten in den USA und verfasste später die „Guiding Symptoms“ (zehnbändige Materia medica 9.3). Wie er immer wieder betont hatte, war ihm die Lehre der Materia medica und deren Erweiterung ein ganz besonderes Anliegen.
Er hatte schon damals die Schwierigkeiten erkannt, die auf einen Anfänger beim Studium zukommen, weil die Symptomenzahl stark angestiegen war, und sich Gedanken darüber gemacht, wie er seinen Studenten das Studium der Arzneisymptome erleichtern kann.
Was aber gilt als der beste Weg zum erfolgreichen Studium der Materia medica? Folgende Vorgehensweisen hielt Hering$Hering, Constantin für prinzipiell möglich:
  • Studium der Arzneimittellehre in der Praxis am Patienten. Dies hielt er aber für wenig Erfolg versprechend, weil immer der Bezug zum vorliegenden Fall und dessen Symptomatologie im Vordergrund steht (9.2).

  • Auswendiglernen aller Symptome eines einzelnen Arzneimittels. Dies ist auch ungeeignet, da „wir niemals Anwendung von dem ganzen Konvolut aller Symptome“ machen, und allein die Anzahl der Symptome eines einzigen gut geprüften Arzneimittels so groß ist, dass dies von vornherein ausweglos erscheint.

  • Lernen der sogenannten Hauptzeichen eines Arzneimittels aus einer Materia medica der Auszüge „ist der kürzeste Weg zur Praxis, aber auch der beste zur bleibenden Mittelmäßigkeit“.

Einzig blieb für ihn die „diagnostische Methode“, wie er sie nannte, übrig. Diese besteht darin, in mehreren Arbeitsschritten in einer primären Arzneimittellehre
  • betroffene Organe bzw. Organsysteme,

  • Art (Empfindungen),

  • Modalitäten,

  • Verbindungen der Zeichen (Konkomitanzien) zu markieren, sich diese einzuprägen und dann das gelernte Arzneimittel mit einem neuen, bisher unbekannten, zu vergleichen. Je mehr Arzneimittel man kennt, desto leichter wird man beim Erlernen neuer zurechtkommen.

Hering$Hering, Constantin hat diese Vergleiche verschiedener Arzneimittel für sich selbst wohl in Tabellenform vorgenommen, ähnlich wie es im später von ihm herausgegebenen Werk „Comparative Materia Medica“ von Gross$Gross, R. H. verwirklicht wurde. Bönninghausen$Bönninghausen, Clemens von beschrieb eine ähnliche Vorgehensweise beim Ausarbeiten der Geniussymptome von Asa foetida#Asa foetida (9.3).

Praktisches Vorgehen beim Studium der Materia medica

Materia medicaStudiumUnter Berücksichtigung der Empfehlungen beider oben genannten Autoren eignet sich z. B. folgendes praktisches Vorgehen:
  • Man studiert eines oder wenige Arzneimittel in einer ausführlichen Arzneimittellehre in der Weise, dass man – in einem oder mehreren Arbeitsschritten – mit Farbstiften die Symptome nach Regionen, Empfindungen, Modalitäten und Begleitsymptomen markiert.

  • In einem weiteren Durchgang kann dann der SymptomeGeniusGeniussymptomeGeniuscharakter (33.2) der Symptomenelemente erfasst werden, indem diese mithilfe eines Repertoriums nach den dort angegebenen Wertigkeiten gekennzeichnet werden. Aus mehreren Gründen eignet sich hierzu das „Therapeutische Taschenbuch“ am besten: Bönninghausen$Bönninghausen, Clemens von ist die Entdeckung des GeniusSymptomeGeniusGeniussymptome zu verdanken, die Symptome sind in ihre Elemente zerlegt, und seine Gradeinteilung ist sehr zuverlässig. Es sollten nur die beiden höchsten Grade berücksichtigt werden (diese sind je nach Ausgabe im Druck unterschieden), da diese den Genius repräsentieren. So lassen sich aus der Vielzahl von PrüfungssymptomenPrüfungssymptome die charakteristischen, die dem Genius des Arzneimittels entsprechen, leicht erlernen.

  • Alle weiteren Arzneimittel werden beim Studium mit einem oder mehreren bereits durchgearbeiteten verglichen. Bönninghausen$Bönninghausen, Clemens von legte dabei auf die Modalitäten ganz besonderen Wert.

  • Eine andere Möglichkeit besteht darin, bereits beim ersten Arbeitsgang nur diejenigen Symptomenelemente zu markieren, denen nach Bönninghausen ein GeniusgradSymptomeGeniusGeniussymptome zukommt.

Hering$Hering, Constantin empfahl, aus didaktischen Gründen und zur Erleichterung, verwandte Arzneimittel im Vergleich zu lernen.
Eine Art der Verwandtschaft ist die nach Naturreichen (Ausgangssubstanzen homöopathischer Arzneimittel 2.4.2), eine andere die nach Symptomen. Besser geeignet ist hier das vergleichende Studium nach SymptomenverwandtschaftSymptomeVerwandtschaft: Hering sprach von „Familien aus zeichenverwandten Mitteln“, die gleichzeitig untereinander als gute FolgemittelFolgemittel oder Homöodote Homöodotbekannt sind wie z. B. Nux vomica, Ignatia und Pulsatilla oder Arsenicum album, Veratrum und Ipecacuanha oder auch die durch Hahnemann$Hahnemann, Samuel bekannte Folge: Sulfur, Calcarea carbonica und Lycopodium.
Auch wenn das Arbeiten mit einer primären Materia medica (Arzneimittellehre, die unbearbeitete ArzneimittelprüfungssymptomePrüfungssymptome – quasi im „Rohzustand“ – enthält, zur Einteilung der Materia medica 9.3) anfangs sehr beschwerlich ist, sollten unbedingt zumindest einige wichtige Arzneimittel auf diese Weise studiert und anschließend die Symptome in verschiedenen Repertorien aufgesucht werden.
Dies ist aus didaktischen Gründen sehr wichtig, um
  • den Weg eines PrüfungssymptomsPrüfungssymptome vom ursprünglichen Wortlaut bis zur Formulierung in den Repertorien zu verfolgen und

  • Veränderungen wie sprachliche Kürzungen, Auslassungen und Zusammenfassungen ähnlicher oder auch verschiedener Symptome, z. B. unter einem Oberbegriff, zu verstehen.

Dadurch wird auch ersichtlich, wie viele Symptome in sogenannten gesichteten Arzneimittellehren eliminiert wurden. Weiterhin ist zu ersehen, wie weit sich manche zeitgenössische Autoren von der Grundlage der Homöopathie (Heilung nach Symptomenähnlichkeit von Arzneimittel und Krankheitssymptomen) entfernen, indem sie Repertoriumsrubriken – zum Teil durchaus phantasievoll – interpretieren, aber damit dem zugrunde liegenden ArzneimittelprüfungssymptomPrüfungssymptome nicht mehr gerecht werden und so zu einer Verwässerung der homöopathischen Therapiemethode beitragen.
Ein allererster Einstieg in das Materia-medica-Studium kann auch mit den „Leitsymptomen“ von Nash vorgenommen werden. Der Begriff „LeitsymptomLeitsymptom“ sollte allerdings nicht mit Bönninghausens Genius der ArzneimittelSymptomeGeniusGeniussymptome verwechselt (33.2) werden. Außerdem sollte man sich der Knappheit des Werkes bewusst sein, da es sich um stark gekürzte Auszüge handelt.

Wie sollte man die Materia medica studieren?

  • Symptome bzw. Symptomenelemente nach Ort, Empfindung, Modalität und Begleitsymptom markieren.

  • Symptomenelemente nach SymptomeGeniusGeniussymptomeGeniusgraden kennzeichnen.

  • Geniusgrade im Vergleich mit anderen Arzneimitteln nach Symptomenverwandtschaft studieren.

  • Anamnese: Ausgehend von der Arzneimitteldifferenzierung sollte man die zur Wahl stehenden Mittel ausgiebig studieren.

Einteilung der Materiae medicae

Materia medicaEinteilungEine der wichtigsten Voraussetzungen zur Ausführung der Homöopathie sind die Arzneimittelprüfungen am Gesunden (vgl. Organon, §§ 105–120). Sie sind die Basis der Materia medica homoeopathica als Gesamtheit aller geprüften Arzneien.
Diese Symtomensammlungen wurden im Laufe der Zeit von unterschiedlichen Autoren bearbeitet. Sie lassen sich in primäre Materiae medicaeMateria medicaprimäre und sekundäre Materiae medicae einteilen:
  • Primäre Materiae medicae enthalten die unbearbeiteten Prüfberichte. Jedes einzelne Symptom eines jeden Prüfers wird im Wortlaut wiedergegeben, üblicherweise nach dem Kopf-zu-Fuß-SchemaKopf-zu-Fuß-SchemaMateria medica angeordnet, mit Namenskürzel des Prüfers und meist auch mit dem Zeitpunkt des Auftretens im Verlauf der Prüfung versehen. Ein wiederholt aufgetretenes Symptom wird somit mehrmals aufgeführt.

  • Sekundäre Materiae medicae dagegen stellen Bearbeitungen unterschiedlichen Umfangs dar. Diese bearbeiteten Materiae medicae kann man wiederum in unterschiedliche Klassen unterteilen, je nach dem Umfang der Bearbeitung.

  • Sekundäre Materiae medicae Materia medicasekundäreder ersten Klasse zeichnen sich durch eine möglichst vollständige Wiedergabe der Prüfsymptome aus sowie durch geringfügige Kürzungen und Zusammenfassungen häufig aufgetretener Symptome, die im Druck hervorgehoben sind. Zusätzlich werden in der Praxis verifizierte Symptome gekennzeichnet.

  • Sekundäre Materiae medicae der zweiten und dritten Klasse: Um für die tägliche Arbeit übersichtlichere und handlichere Werke zu haben, wurden immer wieder Zusammenfassungen der oben genannten ausführlichen Werke verfasst, die mit eigenen klinischen Erfahrungen angereichert wurden. Stärkere Kürzungen führen dazu, dass längst nicht mehr alle PrüfungssymptomePrüfungssymptome aufgeführt sind. Die Auswahl und die Hervorhebung der als charakteristisch eingestuften Symptome erfolgt durch den jeweiligen Autor und ist daher subjektiv. Die Kapiteleinteilung nach Organbereichen wird hier oft nicht mehr eingehalten.

Die erste primäre Materia medica waren die von Hahnemann$Hahnemann, Samuel in lateinischer Sprache verfassten „Fragmenta de viribus medicamentorum […]“. Als erste deutsche primäre Materia medica erschien Hahnemanns „Reine Arzneimittellehre“ in drei Auflagen. Es folgten die „Chronischen Krankheiten“ in zwei Auflagen. Wiederholt aufgetretene Symptome sind durch Sperrdruck gekennzeichnet. Geheilte Symptome und Vergiftungssymptome wurden ebenfalls aufgenommen.

Primäre Materiae medicae

Materia medica primäre
  • Allen TF: The Encyclopedia of Pure Materia Medica (12 Bände). Reprint. New Delhi 1982. Die ausführlichste und umfangreichste Sammlung von Prüfungssymptomen.

  • Gypser K-H, Waldecker A, Wilbrand R (Hrsg.): Gesammelte Arzneimittelprüfungen aus Stapfs „Archiv für die homöopathische Heilkunst“ (1822–1848). Heidelberg 1997. Hier sind u. a. die Prüfungen so wichtiger Arzneimittel wie Antimonium tartaricum, Cantharis, Coffea, Kreosotum und Psorinum zu finden.

  • Hahnemann S: Reine Arzneimittellehre (6 Bände). Nachdruck. Heidelberg 1989.

  • Hahnemann S: Die Chronischen Krankheiten (Band 2–5). Nachdruck. Heidelberg 1988.

  • Hartlaub/Trinks: Reine Arzneimittellehre, Leipzig 1828 (Nachdruck Hamburg o. J.)

Sekundäre Materiae medicae der ersten Klasse

Materia medica sekundäre
  • Jahr GHG: Ausführlicher Symptomen-Kodex der homöopathischen Arzneimittellehre. Leipzig 1848 (Nachdruck Hamburg o. J.). Jahr$Jahr, Georg Heinrich Gottlieb, der Hahnemann$Hahnemann, Samuel viele Jahre begleitete, hat aus Hahnemanns und den anderen, ihm zur Verfügung stehenden primären Materiae medicae (u. a. Hartlaub/Trinks und Stapf-Archiv) nahezu vollständig alle Symptome übernommen, übersichtlicher angeordnet, Wiederholungen eliminiert, Symptome im Wortlaut leicht gekürzt, häufig aufgetretene Prüfsymptome hervorgehoben und zusätzlich klinisch verifizierte Symptome ergänzt.

  • Hering C: The Guiding Symptoms of our Homoeopathic Materia Medica (10 Bände). Reprint. New Delhi 1982. Deutsche Übersetzung: Leitsymptome unserer Materia Medica. Aachen 1991–1998. Hering$Hering, Constantin setzt die Priorität bei verifizierten Symptomen, reine Prüfsymptome sind gekürzt wiedergegeben. Zahlreiche klinische Symptome (geheilte Symptome, denen kein Prüfungssymptom zugrunde liegt) sind zusätzlich aufgenommen. Der Autor unterscheidet vier Wertigkeitsgrade, die sich an Bönninghausens$Bönninghausen, Clemens von Gradeinteilung im „Therapeutischen Taschenbuch“ anlehnen.

  • Clarke JH: A Dictionary of Practical Materia Medica (3 Bände). London 1925. Deutsche Übersetzung: Der Neue Clarke (10 Bände). Bielefeld 1990–1996, (2 Bände Nendeln 1994). Noch etwas knapper, dafür mit ausführlicher Einleitung zu jedem Mittel wie schon bei Hahnemann.

  • Seideneder A: Mitteldetails der homöopathischen Arzneimittel (3 Bände, 6 300 Seiten). Ruppichteroth 1997. Nach ca. 100-jähriger, im deutschen Sprachraum fast 150-jähriger Pause entsteht wieder eine große, umfangreiche Sammlung von Originalsymptomen mit Quellenangaben.

Sekundäre Materiae medicae der zweiten und dritten Klasse

Materia medica sekundäre
  • Allen HC: Leitsymptome wichtiger Mittel der homöopathischen Materia Medica. (18981) Göttingen 1992.

  • Boericke W: Handbuch der homöopathischen Materia Medica. (1910) Heidelberg 1996. Erwähnt 1 700 (!) Mittel einschließlich Phytotherapeutika und damaliger Allopathika.

  • Boger CM: A Synoptic Key of the Materia Medica. (1915). Deutsche Übersetzung: Synoptic Key. Ruppichteroth 2002. Dieses Werk enthält ein kompaktes Repertorium und eine kurz gefasste Arzneimittellehre mit tabellarischer Übersicht der betroffenen Organe und Gewebe und wichtiger Modalitäten.

  • Kent JT: Lectures on Homoeopathic Materia Medica (1905). Deutsche Übersetzung: Homöopathische Arzneimittelbilder (Band 1–3). Heidelberg 1997. Mitschriften von Vorlesungen, die Kent$Kent, James Tyler in Anlehnung an Herings$Hering, Constantin „Guiding Symptoms“ gehalten hat. Durchgehender Text, in dem aber auch einzelne Symptome genannt sind.

  • Lippe A zur: Keynotes of the Homoeopathic Materia Medica (1905). Deutsche Übersetzung: Grundzüge und Charakteristische Symptome der homöopathischen Materia Medica, Göttingen 1996.

  • Mezger J: Gesichtete Homöopathische Arzneimittellehre. (1951) Heidelberg 1997.

  • Morrison R: Handbuch der homöopathischen Leitsymptome und Bestätigungssymptome, Groß Wittensee 1995.

  • Nash EB: Leitsymptome in der homöopathischen Therapie. (1899) Neuauflage. Stuttgart 2004.

  • Phatak SR: Homöopathische Arzneimittellehre. (1977) München 2005. Ein handliches und prägnantes Werk, dem als Quellen die Materiae Medicae Bönninghausens$Bönninghausen, Clemens von, Lippes$Lippe, Adolph zur und Bogers$Boger, Cyrus Maxwell zugrunde liegen.

  • Vermeulen F: Concordant Materia Medica. Haarlem 1994. Eine Zusammenstellung von Boericke$Boericke, WIlliam, Phatak$Phatak, S. R. u. a., enthält die wörtlichen Zitate der alten Formulierungen.

  • Vermeulen F: Synoptic Materia Medica (2 Bände). Haarlem 1994. Deutsche Übersetzung: Synoptische Materia Medica. Groß Wittensee 1996 (Band 1), Haarlem 1998 (Band 2).

  • Vithoulkas G: Materia Medica Viva (unvollendet, angelegt auf 15 Bände, bislang Band 1–10). München 2015. Nach Aussage des Autors auf Kent$Kent, James Tyler aufgebaut und ähnlich strukturiert.

Arzneimittelbeziehungen

ArzneimittelbeziehungenDie seit Hahnemann$Hahnemann, Samuel durchgeführte homöopathische Arzneimittelprüfung am Gesunden führte zu einer rasch wachsenden Anzahl homöopathischer Arzneimittel und die damit verbundene Erweiterung der Materia medica machten es möglich, Beziehungen verschiedener Arzneimittel untereinander zu beobachten. Aufgrund der Erfahrung, dass diese Beziehungen unterschiedlicher Qualität sein konnten und mit dem Ziel, das Wissen um die Arzneimittelbeziehungen besser praktisch einsetzen zu können, ergab sich die Notwendigkeit, diese Verwandtschaften zu systematisieren. Mit fortschreitender Erforschung und Bekanntwerden komplexer Arten von Beziehungen wurden immer mehr Begriffe zu diesem Themenkomplex gebildet. Diese Vielzahl von Bezeichnungen löste jedoch eher Unklarheiten aus, als diese zu beseitigen. Auch die heute verwendeten Termini tragen nicht unbedingt zur Klarheit bei. Folgende Begriffe sollen anhand der historischen Entwicklung erörtert werden – Antidot, Diadot, Nocentia, Homöodot, Folgemittel, Feindliches Mittel (Tab. 9.1).
Weitere, in der Literatur nicht immer genau definierte Begriffe in Bezug auf Arzneimittel sind z. B.: konkordant, kollateral, ähnlich, vergleichbar, verwandt, komplementär.

Die Mehrheit der Homöopathen stimmt darin überein, dass im Behandlungsverlauf bei der Auswahl des nächsten Arzneimittels Arzneimittelverwandtschaften in jeglicher Form (Folgemittel, feindliche Arzneimittel usw.) nur zu berücksichtigen sind, wenn das verabreichte Arzneimittel eine kurative Wirkung zeigte.

Die vorhandenen Sammlungen von Arzneibeziehungen sind aus den Erfahrungen weniger Homöopathen entstanden. Beziehungen aller Art zwischen großen Mitteln wurden oft registriert und hervorgehoben, zwischen kleinen Mitteln dagegen äußerst selten. Deshalb sind diese Sammlungen noch mehr als die Repertorien durch die jeweilige Gängigkeit der Arzneien verfälscht und nur unter diesem Vorbehalt nützlich.

Antidot, Homöodot, Diadot, Folgemittel

AntidotHomöodotDiadot(Hervorhebungen in Fettdruck in den folgenden Zitaten durch den Verfasser, sofern nicht anders gekennzeichnet.)
Hering$Hering, Constantin und Bönninghausen$Bönninghausen, Clemens von sind als Pioniere der Erforschung von Arzneimittelbeziehungen anzusehen (9.1). Aber auch schon bei Hahnemann$Hahnemann, Samuel findet sich eine frühe Bemerkung über die Beziehung zweier Arzneimittel untereinander (Calcarea und Lycopodium), die eine günstige Arzneimittelfolge beschreibt: „Wenn Lycopodium, nach verflossener Wirkung der Kalkerde, homöopathisch angezeigt ist, dann wirkt es vorzüglich heilbringend.“ (CK 4).
Von Bönninghausen$Bönninghausen, Clemens von stammt folgende Definition: „Wenn eine Arznei das Vermögen besitzt, die von einer Andern hervorgerufenen Arznei-Symptome, nach der Aehnlichkeit ihrer eigenen Wirkungen, heilkräftig (also in der Nachwirkung) auszulöschen, so bezeichne ich das gegenseitige Verhältnis, welches zwischen diesen beiden Arzneien besteht, mit dem Worte Verwandtschaft“ (Versuch über die Verwandtschaften der homöopathischen Arzneien). „Unser genialer Dr. Hering$Hering, Constantin hat, wenn ich nicht irre, diesen sehr angemessenen Ausdruck zuerst öffentlich gebraucht und zugleich auf den Nutzen aufmerksam gemacht, welchen eine umfassendere Kenntnis dieser Verwandtschaften in der Praxis gewähren muß“ (ebd., Fußnote).
Antidot, Homöodot, Diadot
AntidotHomöodotAuf Diadotder Suche nach Gesetzmäßigkeiten der Arzneimittelbeziehungen stellte Hering$Hering, Constantin fest: „Jedes folgende Mittel muß ein Gegenmittel des früheren sein“ (Gypser 1988). Hering definierte AntidotAntidot (heute als HomöodotHomöodot bezeichnet, s. u.) folgendermaßen: „Und niemals hat überhaupt ein Antidot, was gegen eine Arznei gegeben wurde, mehr gethan, als nur einen Theil der Arzneiwirkung beseitigt. Es sind mir zwar Homöopathen vorgekommen, die Hahnemann so sehr missverstanden, daß sie glaubten ein Antidot hebe die Wirkung eines Mittels so auf, daß dieselbe dadurch vernichtet würde = 0. Ich habe mich schon vor vielen Jahren darüber ausgesprochen: solche Antidote giebt es nicht, kann es gar nicht geben“ (ebd.).
Der Begriff des AntidotsAntidot (HomöodotsHomöodot) wird auch von manchen zeitgenössischen Homöopathen immer noch falsch interpretiert. Sie sind der Ansicht, ein Homöodot hebe die gesamte Wirkung des vorangegangenen Arzneimittels auf. Homöodote haben aber nur gegen bestimmte Symptome oder Symptomenkomplexe antidotarische Wirkung.
Über den Zusammenhang zwischen HomöodotHomöodot und FolgemittelFolgemittel schreibt Hering$Hering, Constantin: „Die Mittel, die sich folgen, müssen Antidote sein, oder: Antidote folgen sich am besten, oder: die beste Mittelfolge ist die der Antidote, die besten Gegenmittel sind auch die besten Folgemittel“ (Gypser 1988). Homöodote sind also auch immer gute Folgemittel.
Der Begriff „Antidot“ Antidotwar ursprünglich die Bezeichnung für ein Gegenmittel bei Vergiftungen. So sahen sich die alten Homöopathen häufig mit den Folgen von Arzneimittelmissbrauch konfrontiert. Diese galt es, zuerst zu beseitigen, bevor die eigentliche homöopathische Therapie beginnen konnte. Antidote waren also ursprünglich Mittel, um iatrogene Vergiftungen zu beheben. Darunter waren sowohl homöopathische als auch enantiopathische oder allopathische Mittel wie Kaffee, Essig, Kampfer und Wein zusammengefasst (8.4).
Da aber die homöopathische Antidotierung nach Symptomenähnlichkeit zu erfolgen hat und sich somit grundsätzlich von der Antidotierung mit Substanzen unterscheidet, die in enantiopathischer oder allopathischer Beziehung zur Vergiftungssymptomatik stehen, sollte nach Klunker$Klunker, Will für ein homöopathisches Antidot der von Granier$Granier, Michel geprägte Begriff „Homöodot“ Homöodotgewählt werden.
Als Diadot sollte eine Substanz bezeichnet werden, die in keiner homöopathischen Beziehung zur Symptomatik des Patienten steht.
Folgemittel
FolgemittelHomöodote Homöodotsind immer Arzneimittel, die einander ähnlich, also verwandt sind, und somit auch immer Folgemittel. Klunker$Klunker, Will trägt dem Rechnung, indem er ab der 10. überarbeiteten Auflage der „Arzneibeziehungen“ die Rubriken „Folgemittel“ und „Homöodote“ Homöodotzusammenfasst. Arzneimittelbeziehungen werden von verschiedenen Autoren sehr unterschiedlich beurteilt. Einerseits besteht allgemein eine Begriffsunklarheit der ArzneimittelbeziehungenArzneimittelbeziehungen, andererseits bestehen aber auch stark abweichende Ansichten über Beziehungen einzelner Arzneimittel untereinander. Klunker$Klunker, Will hat deshalb in der 11. Auflage der „Arzneibeziehungen“ im Vergleich zu älteren Ausgaben und der Originalausgabe von Miller eine andere Gliederung konzipiert. Folgemittel und Homödote wurden zusammengefasst, aber in zwei Spalten nach Autorengruppen getrennt. So findet sich eine Spalte: Folgemittel/Homöodote nach Hering/$Guernsey, Henry N.Guernsey/Allen und eine Spalte nach Bönninghausen/Boger. In der Spalte „Feinde“ wird nicht nach Autoren getrennt (Miller/Klunker 1998).
Farrington$Farrington, Ernest A. unterscheidet bei seiner Definition der ArzneimittelbeziehungenArzneimittelbeziehungen u. a. zwischen Familienverwandtschaften, konkordanten und komplementären Arzneimitteln.
„Ferner können wir Mittel haben, die merkliche Ähnlichkeit in der Wirkung darbieten, obgleich unähnlich nach ihrer Herkunft. Diese nennt man „konkordant“. Mittel, die konkordant sind, können gut aufeinander folgen“ (Klinische Arzneimittellehre). Konkordante ArzneimittelArzneimittelkonkordantes sind nach Farrington ebenso Folgemittel, die in keiner Verwandtschaft nach Herkunft – also in keiner Familienverwandtschaft – zueinander stehen, sondern nach Symptomen verwandt sind.
„Eine andere Verwandtschaft ist die komplementäre; das heißt, ein Mittel bringt eine Kur zu Ende, die das andere beginnt, aber nicht vollenden kann. Solche Verwandtschaft besteht zwischen Belladonna und Calcarea. […] Ferner haben wir eine antidotarische Verwandtschaft“ (ebd.). Komplementäre Arzneimittel Arzneimittelkomplementäressind demnach besonders bewährte FolgemittelFolgemittel, die eine mit dem vorangegangenen Mittel begonnene Heilung weiter bzw. zu Ende führen. In einigen Werken Bönninghausens$Bönninghausen, Clemens von und Bogers$Boger, Cyrus Maxwell sind diese Verwandtschaften in eigenen Kapiteln (Konkordanzen bzw. Concordances) ausführlich beschrieben und praxisgerecht aufbereitet (9.3.2).

Feindliche Arzneimittelbeziehungen, schädliche Substanzen und Arzneimittel (Nocentia)

Feindliche Arzneimittel
NocentiaArzneimittelschädliche s. NocentiaArzneimittelfeindliche s. NocentiaVermutlich war Hering$Hering, Constantin der erste, der feindliche Arzneimittelbeziehungen entdeckte und diesen Begriff prägte. Er vermutete, dass, wenn es freundschaftliche Beziehungen der Arzneimittel untereinander gibt, es wahrscheinlich auch feindliche Arzneimittelbeziehungen geben könnte. In einem langen Beitrag („Meilenzeiger und Wegweiser zur Fortbildung der Homöopathik“) berichtete er 1844 über seine diesbezüglichen Erfahrungen mit Arzneimittelfolgen. Es wird deutlich, dass Hering aufgrund bestimmter schlechter Erfahrungen mit ungünstigen Mittelfolgen nach Gesetzmäßigkeiten suchte, wie diese vorherzusehen seien.
Bönninghausen$Bönninghausen, Clemens von drückt seine anfängliche Unsicherheit in Bezug auf dieses Thema wie folgt aus: „Von kaum geringerer Wichtigkeit für die Praxis dürfte eine ebenso genaue Kenntnis der Feindschaften der Arzneien sein und auch diese waren eben so, wie die Verwandtschaften ein ernstlicher Gegenstand meiner Forschungen. Die gewonnenen Resultate sind aber so gering und unvollständig, daß ich mich bewogen finde, sie vorläufig zurückzuhalten, und mit obiger Bitte an meine Herren Kollegen auch noch die verbinde, ihre dahin gehörigen Beobachtungen ebenfalls mitzutheilen“ (Versuch über die Verwandtschaften der homöopathischen Arzneien).
Farrington$Farrington, Ernest A. liefert folgenden Versuch einer Definition feindlicher Arzneimittel: „Schließlich haben wir die feindliche Verwandtschaft, etwas, was ich Ihnen nicht zu erklären vermag. Es ist eine Tatsache, dass gewisse Mittel, obgleich scheinbar einander ähnlich, nicht mit Nutzen aufeinanderfolgen können. Sie scheinen den Fall zu verwirren. Solche Mittel sind China und Psorinum, Apis und Rhus, Phosphor und Causticum, und Silicea und Mercur. […] Wiederum gibt es manche Mittel, die, obgleich sie eine große Ähnlichkeit zur Schau tragen, so erscheinen, als müssten sie in Konkordanz stehen; und doch sind sie sich feindlich“ (Klinische Arzneimittellehre).
Feindliche Mittel sind empirisch gefundene Arzneimittel, die vor oder nach einem anderen homöopathischen Mittel ungünstig wirken, z. B. Causticum#Causticum nach Phosphorus#Phosphorus (oder umgekehrt). Obwohl beide Mittel durchaus Symptomenähnlichkeit aufweisen, folgen sie – nach wiederholter Erfahrung – nicht gut aufeinander. Feindlichkeiten bestimmter Arzneimittel lassen sich nicht aus ihrer Symptomatik ableiten, sondern sind nach Wegener Zufallsfunde aus der Praxis. Manche Homöopathen berichten dennoch von guten Ergebnissen mit „feindlichen“ Mittelfolgen. Trotzdem sollte man Vorsicht walten lassen. Die Beurteilung, ob und in welchen Fällen tatsächlich „Feindlichkeit“ wirksam ist, oder ob es zufällige Einzelbeobachtungen ungünstiger Behandlungsverläufe sind, die unkritisch durch das homöopathische Schrifttum weitergeführt werden, bleibt der zukünftigen Homöopathieforschung überlassen. Calcarea ostrearum (Calcarea carbonica#Calcium carbonicum) und Barium carbonicum#Barium carbonicum werden in den „Arzneimittelbeziehungen“ als feindliche Mittel aufgeführt. Bei Bönninghausen$Bönninghausen, Clemens von und Boger$Boger, Cyrus Maxwell werden sie dagegen als FolgemittelFolgemittel und Homöodote Homöodotgenannt.
Sepia/Pulsatilla#Sepia: Bei Hering$Hering, Constantin und Bönninghausen$Bönninghausen, Clemens von wird Pulsatilla als Feind, gleichzeitig aber auch als Folgemittel genannt. Dies ist offensichtlich ein Widerspruch, da feindliche Arzneimittelbeziehungen eine Folge verbieten.
Ein weiteres, häufig genanntes Beispiel, ist die bekannte – als feindlich postulierte – Beziehung von Lachesis #Lachesisund Sepia#Sepia bei Hering$Hering, Constantin, Guernsey$Guernsey, Henry N. und H. C. Allen$Allen, John Henry. Zahlreiche andere Autoren aber wie Bönninghausen$Bönninghausen, Clemens von, Boger$Boger, Cyrus Maxwell, Farrington$Farrington, Ernest A. und Lippe$Lippe, Adolph zur führen diese feindliche ArzneimittelbeziehungArzneimittelBeziehungen nicht an oder relativieren sie, indem sie einzelne Symptomenkomplexe ausschließen. Einige Autoren beschreiben sogar günstige Arzneimittelbeziehungen für den gesamten Wirkungsbereich von Sepia#Sepia und Lachesis.#Lachesis Andere wiederum schränken diese ein, indem sie nur bei einzelnen Symptomenkomplexen günstige verwandtschaftliche Beziehungen zwischen Sepia und Lachesis angeben.

Wie bei der Anwendung aller anderen Arzneimittelbeziehungen gilt auch für die „feindlichen“ Arzneimittel, dass diese Beziehungen grundsätzlich nur dann Anwendung finden können, wenn das zuletzt verabreichte und damit möglicherweise in „feindlicher“ Beziehung zum folgenden Arzneimittel stehende Arzneimittel eine Wirkung auf den Patienten erzielt hat.

Schädliche Substanzen und Arzneimittel (Nocentia)
In enger Anlehnung an die Beobachtungen Hahnemanns$Hahnemann, Samuel versteht Bönninghausen$Bönninghausen, Clemens von unter Nocentia Nocentiadie Arzneimittel sowie Lebens- und Genussmittel, welche die homöopathische Heilung durch ein passendes Arzneimittel stören oder verhindernBehandlungStörfaktoren. Nocentia sind somit während einer homöopathischen Behandlung zu meiden.
Schädliche Substanzen und Arzneimittel (nach Bönninghausen)
  • BehandlungStörfaktorenNocentiaNocentia bei der Behandlung mit Belladonna#Belladonna: „Essig erhöht die Beschwerden ungemein“ („Systemisch-alphabetisches Repertorium der homöopathischen Arzneien. Erster Theil“).

  • NocentiaNocentia bei der Behandlung mit Zincum#Zincum metallicum: „Wein, Krähenaugen und Chamille erhöhen sehr fast alle Beschwerden, (besonders die Nachtunruhe und Leibesverstopfung)“ („Versuch über die Verwandtschaften der homöopathischen Arzneien“).

Hinweise für die Praxis

Häufig ergibt sich in der Praxis die Situation, dass Mittel A Symptome wesentlich gebessert hat, aber erneut Symptome aufgetreten sind, und eine neue Mittelwahl erforderlich wird (7.2, 7.3, 7.4). Ein Folgemittel von A bietet sich als nächste Verordnung an, wobei selbstverständlich auch hier nach Symptomenähnlichkeit zu wählen ist. Für das praktische Vorgehen haben sich die Werke Bönninghausens$Bönninghausen, Clemens von und Bogers$Boger, Cyrus Maxwell bewährt. Die von Bönninghausen entdeckte Methode, den Genius eines ArzneimittelsSymptomeGeniusGeniussymptome nach Symptomenelementen zu erarbeiten (33.2), ist ebenfalls bestens geeignet, um die Verwandtschaftsbeziehungen von Arzneimitteln zu verstehen. Bönninghausen und Boger sind die einzigen Autoren, die in ihren „Konkordanzen“ diese BeziehungenArzneimittelbeziehungen exakt beschreiben. Mit deren Hilfe kann differenziert werden, in welchem Leibesbereich, in welcher Modalität oder Empfindung usw. Arzneimittel miteinander verwandt sind.
Auch einige andere Autoren (z. B. H. C. Allen, Clarke, Farrington) führen z. T. differenzierte Verwandtschaftsbeziehungen an, allerdings in ihren Materiae medicae und nicht in den Repertorien. Diese Differenzierungen erreichen aber nicht die Genauigkeit, die nach Bönninghausens$Bönninghausen, Clemens von Methode möglich wurde.
Die meisten heute erhältlichen, tabellarischen Zusammenstellungen über Arzneimittelbeziehungen sind letztlich zu undifferenziert, als dass eine Entscheidung über die passende Weiterbehandlung allein von ihnen abhängig gemacht werden sollte.

Das oberste Gebot für die Verordnung eines homöopathischen Arzneimittels ist immer die Symptomenähnlichkeit von Arzneimittel und Krankheitssymptomen des Patienten.

Literatur

1.

T. Genneper A. Wegener Lehrbuch der Homöopathie. Grundlagen und Praxis 2. Aufl. 2004 Haug Stuttgart

2.

R.G. Miller W. Klunker Arzneibeziehungen 1998 Haug Heidelberg

3.

R.G. Miller W. Klunker Beziehungen der Arzneien unter sich 1981 Haug Heidelberg

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