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B978-3-437-56353-9.00013-X

10.1016/B978-3-437-56353-9.00013-X

978-3-437-56353-9

Verdauungstrakt

Thomas Quak

  • 13.1

    Erkrankungen des Mundraums und der Zähne290

    • 13.1.1

      Karies290

    • 13.1.2

      Parodontose292

    • 13.1.3

      Aphthen293

    • 13.1.4

      Stomatitis aphthosa295

  • 13.2

    Gastroösophagealer Reflux und Refluxösophagitis296

  • 13.3

    Erkrankungen des Magens299

    • 13.3.1

      Gastritis299

    • 13.3.2

      Ulcus ventriculi301

  • 13.4

    Erkrankungen des Dünn- und Dickdarms306

    • 13.4.1

      Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen306

    • 13.4.2

      Appendizitis311

    • 13.4.3

      Dickdarmdivertikulose, Dickdarmdivertikulitis314

    • 13.4.4

      Colon irritabile316

    • 13.4.5

      Dickdarmpolypen319

    • 13.4.6

      Wurmerkrankungen320

  • 13.5

    Erkrankungen der Analregion322

    • 13.5.1

      Anal- und Rektumprolaps322

    • 13.5.2

      Analabszess (periproktitischer Abszess)323

    • 13.5.3

      Analfistel324

    • 13.5.4

      Hämorrhoiden325

Erkrankungen des Mundraums und der Zähne

Die Mundhöhle ist Teil des gesamten Verdauungsapparats und muss mit diesem symptomatologisch in einem Zusammenhang gesehen werden, leitet sich doch die gesamte epitheliale Auskleidung des Verdauungskanals (Mund bis Anus) embryologisch vom Entoderm ab. Viele Symptome der Mundhöhle und der Zähne (z. B. Aphthen, Entzündungen, Karies, Abszesse) stehen in Verbindung mit Erkrankungen des restlichen Verdauungssystems (z. B. Colitis, Gastritis, Hyperazidität, Duodenalulzera).
Durch die leichte Zugänglichkeit und Inspizierbarkeit des Mund- und Rachenraumes lassen sich viele wertvolle Symptome für die akute und konstitutionelle Behandlung des Patienten gewinnen.
Erkrankungen des Mundraumes sind keine Lokalkrankheiten und sollten auch nie ausschließlich lokal unterdrückend behandelt werden.
Außer der ZahnkariesKaries (die vom Zahnarzt beseitigt werden sollte) sind alle Erkrankungen der Mundhöhle zunächst als ein allgemeinmedizinisches Problem zu sehen. Entzündungsprozesse, Aphthen, Abszesse der Zahnwurzeln, Fistelbildungen etc. im Mundbereich reagieren oft erstaunlich gut auf homöopathische Arzneimittel. Dabei sind die Lokalsymptome des Mundbereiches immer in einem Gesamtzusammenhang mit der restlichen Symptomatologie des Patienten zu sehen.

Karies

Definition: Zahnkaries ZähneKariesentsteht auf dem Boden einer multifaktoriellen Genese. Ursachen: einerseits Bakterien (Streptococcus mutans) in der Mundhöhle und in den Zahnbelägen, andererseits bakteriell abbaubare Kohlenhydrate (Haushaltszucker, Traubenzucker, Fruchtzucker oder Stärke).

Symptomatik: Durch den bakteriellen Abbau der Kohlenhydrate in der Mundhöhle entstehen den Zahnschmelz angreifende Säuren. Dies führt am Zahnschmelz zu Mineralstoffverlusten (Kalzium u. a.). Die Herauslösung von Mineralstoffen aus der Zahnoberfläche führt zur Zerstörung von Zahnschmelz und Zahnbein, greift das Zahnmark an und kann letztlich zum Zahnverlust führen.

Therapeutische Strategie
Die von Zahnärzten empfohlene Kariesprophylaxe bei Säuglingen mit D-Fluoretten® ist nicht empfehlenswert. ProphylaxeKaries, FluoridFluorid, KariesprophylaxeFluorid hat keine Wirkung auf noch nicht vorhandene Zähne, weil es sich dort natürlicherweise nicht einlagern kann. Fluorid wirkt nicht nur im Zahnschmelz, sondern leider auch im Knochen, was bei Überdosierungen zur OsteofluoroseOsteofluorose führt und die Knochenelastizität beeinträchtigen kann. Zudem ist Fluorid ein hochpotenter Enzymhemmer und wirkt dadurch als Zellgift. Die deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde sieht daher auch seit dem Jahre 2003 keine Notwendigkeit mehr für eine Fluoridprophylaxe vor dem sechsten Lebensmonat. Bei Kindern besteht aufgrund der sehr geringen therapeutischen Breite von Fluorid bei zu hohen Gaben zudem die Gefahr der Überdosierung.
Abwegig ist zudem auch die Vorstellung, dass durch Vermeiden von Küssen oder anderen oral-oralen Kontakten zwischen Kind und Eltern eine Übertragung von Karies- und Parodontosebakterien zu verhindern sei. Eine Bakterienübertragung zwischen Eltern und Kind findet in jedem Fall statt und ist auch notwendig.
Homöopathische Behandlung
Die homöopathische Behandlung von Karies ist immer konstitutionell ausgelegt, unter Einbeziehung der Gesamtheit der Symptome. Auffallende Kariessymptome können jedoch wesentliche Hinweise bei der Mittelwahl geben. Die homöopathische Behandlung richtet sich auf die Heilung der Neigung zu Karies. Die manifeste Karies gehört in die Behandlung des Zahnarztes.
Wahl der Symptome
Karies ist ein Lokalsymptom einer miasmatischen Problematik. Das Heilmittel findet man über die auffallenden und charakteristischen Symptome des ganzen Menschen.
Miasmatische Zuordnung
Der oft von der Ernährung unabhängige, vorzeitige Befall von Zähnen mit Karies bei Kindern zeigt eine syphilitische (oder pseudopsorische) Belastung an (Karies schon beim Zahndurchbruch oder enorm rasches Voranschreiten von Karies). Gleiches gilt für alle Malformationen der Zähne (Nichtanlage, zu kleine oder zu große Zähne etc.).
Die Karies und das Lockerwerden von Zähnen bei Erwachsenen ordnet man der Psora zu.
Repertorium
RepertorisationKariesDie Rubrik Karies, Zähne – Verfall, hohl – allgemein ist die Hauptrubrik. Es gibt entsprechende Unterrubriken.

Zähne – Karies, Verfall, hohl // allgemein (Hauptrubrik) // vorzeitig bei Kindern // rasch // Seiten // Wurzeln

Zähne – Karies // schwarz // gelb

Zähne // brechen ab // Entzündung – Wurzeln

Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Bereits bestehende Karies kann nicht rückgängig gemacht werden, allenfalls gelingt es, den Krankheitsprozess aufzuhalten. Eine rechtzeitig Sanierung durch den Zahnarzt ist sehr sinnvoll und verhindert größer Destruktionen.
Die Neigung zur Ausbildung von Zahnkaries hat viel mit dem allgemeinen Zustand des Organismus zu tun und verschwindet bei guter homöopathischer Behandlung nach einigen Monaten. Bei Karies infolge schwerer Grunderkrankungen ist deren Heilung Voraussetzung für Heilung der Karies. Die Behandlung erfolgt mit aufsteigenden, hohen C-Potenzen nach der Kent-Skala.
Unterstützende Maßnahmen
Regelmäßige Zahnhygiene, Vermeiden von süßen Säften bei Kleinkindern. Gesunderhaltung der Mundflora durch Vermeiden von lokalen Antiseptika und Antibiotika.
Wichtige homöopathische Arzneimittel

! Calc., Calc-f., Fl-ac., Nat-m., Phos., Sep., Staph., Syph., Tub.

Die Karieserkrankung bildet immer nur einen Teilaspekt eines größeren, konstitutionellen Krankheitsgeschehens ab. Dementsprechend würde eine Differenzierung von bestimmten Arzneimitteln zu deren Behandlung letztlich nur einen Teilaspekt der Gesamterkrankung des Patienten abdecken. Da diese Konzeption langfristig letztlich nie Erfolg versprechend ist, muss hier auf eine konkrete Differenzierung der Arzneimittel verzichtet werden. Trotzdem sollten die oben aufgeführten, häufig bei Karies indizierten Arzneimittel in der Materia medica studiert werden.

Parodontose

Parodontose Zahnfleischentzündung s. Parodontose

  • Parodontose: Rückgang des Zahnfleisches, auch ohne erkennbare Entzündungszeichen.

  • Parodontitis: Übergreifen der Zahnfleischentzündung auf das Zahnbett.

  • GingivitisGingivitis: Entzündung des Zahnfleisches. Im Rahmen einer Gingivitis können Bakterien unter das Zahnfleisch gelangen. In einer solchen Situation hängt es vom Immunsystem und seiner Fähigkeit, diesen Prozess zu begrenzen, ab, ob es zur Ausbildung von Zahnfleischtaschen kommt und ob Kieferknochen abgebaut wird und damit ein Teil des Zahnhalteapparats verloren geht.

Therapeutische Strategie
Ohne Zweifel ist eine entsprechende Mundhygiene einzufordern. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass auch trotz bester Mundhygiene und zahnärztlicher Versorgung bei vielen Patienten die parodontotischen Vorgänge nicht ausreichend aufgehalten werden können. Hier liegt eine miasmatische Störung zugrunde. Die Parodontose ist nur ein Ausdruck einer tiefer liegenden Grunderkrankung, die anhand der Gesamtheit der Symptome behandelt werden muss. Aus homöopathischer Sicht ist die derzeit gängige lokalchirurgische, zahnärztliche Behandlung mehr als problematisch, da sie, neben der Gewebetraumatisierung, zu einer Unterdrückung der Lokalsymptomatik führt.
Homöopathische Behandlung
Die Behandlung ist immer konstitutionell.
Wahl der Symptome
Die Krankheitserscheinungen der Parodontose haben bei der Arzneiwahl selten mehr als eine lokalsymptomatische Bedeutung. Selten sind sie wirklich auffallend im Sinne des „Organon“, § 153.
Miasmatische Zuordnung
Die Parodontose ist ein Lokalsymptom. Sie wird der Psora, der Syphilis oder der Pseudopsora (Tuberkulinie) zugeordnet (3.4.1).
Repertorium
Repertorisation Parodontose

Mund – Abgelöst von den Zähnen, Zahnfleisch

Mund – Hämorrhagie – Zahnfleisch // Berührung, bei // Zähneputzen, beim

Unterstützende Maßnahmen
Mundspülungen mit Calendulatinktur in warmen Wasser.
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Selten erfolgt die homöopathische Therapie allein wegen einer Parodontose. Letztlich müssen deshalb die anderen Störungen für die Entscheidung über die Potenzwahl herangezogen werden. Langfristig ist die Prognose auch ohne zahnärztliche Intervention gut, häufig klingen die Beschwerden aber erst nach einer längerfristigen homöopathischen Behandlung ab.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierungen

! Ars., Bell., Bry., Calc., Caps., Carb-v., Caust., Cham., Chin., Hep., Merc., Nat-m., Nux-v., Ph-ac., Phos., Puls., Rhus-t., Staph., Sulph.

  • Abszesse am Zahnfleisch: Belladonna, Mercurius, Nux vomica.

  • Rezidivierende Abszesse am Zahnfleisch: Causticum.

  • Ablösung des Zahnfleisches: Mercurius, Carbo vegetabilis, Phosphorus, Staphisagria, Phosphoricum acidum.

  • Leichtes Bluten des Zahnfleisches: Carbo vegetabilis, Mercurius, Natrium muriaticum, Phosphorus, Phosphoricum acidum, Calcarea carbonica, Causticum, Pulsatilla, Rhus toxicodendron.

  • Zahnfleischfisteln: Calcarea carbonica, Causticum, Sulfur.

  • Zahnfleischschwellung: Mercurius, Sulfur, Nux vomica, Belladonna, Bryonia, Staphisagria, Nux vomica, Hepar sulfuris, China, Rhus toxicodendron.

  • Entzündliche Zahnfleischschwellung: Mercurius, Nux vomica, Belladonna, Carbo vegetabilis, Capsicum, Natrium muriaticum.

  • Schmerzhaftes Zahnfleisch: Mercurius, Carbo vegetabilis, Arsenicum, Staphisagria, Calcarea carbonica, Hepar sulfuris, Pulsatilla, Chamomilla.

  • Zahnfleischbrennen: Arsenicum, Mercurius, Belladonna, Chamomilla.

  • Rötung des Zahnfleisches: Mercurius, Belladonna, Chamomilla.

  • Schwammiges Zahnfleisch: Mercurius, Carbo vegetabilis, Staphisagria, Sulfur.

Aphthen

Aphthen

Definition: Schädigung der Mundschleimhaut im Bereich des Zahnfleisches, des Gaumens, der Mundhöhle, der Zunge, oder der Mandeln unklare Genese.

Symptomatik: Einzelne oder mehrere isoliert stehende, weißliche, bis 1 cm große, meist schmerzhafte, runde bis ovale Erosionen oder Ulzerationen der Mundschleimhaut, mit schmalem rotem Randsaum.

Therapeutische Strategie
Anästhetika und sonstige Lokalbehandlung stellen Unterdrückungen dar und sollten vermieden werden.
Homöopathische Behandlung
Bei rezidivierenden Aphthen ist eine konstitutionelle Behandlung angezeigt.

Rezidivierende Aphthen sind gelegentlich Hinweis auf eine chronische Gastritis (13.3.1) oder Colitis ulcerosa (13.4.1).

Wahl der Symptome
Die Aphthen an sich stellen ein Lokalsymptom dar und sind bei der Arzneiwahl üblicherweise hinter den auffallenden, sonderlichen Symptomen sowie Allgemein- und psychischen Symptomen einzuordnen.
Miasmatische Zuordnung
Aphthen sind Lokalsymptome, die Hinweis auf eine psorische oder auch syphilitische Belastung geben können.
Repertorium
RepertorisationAphthenHauptrubrik ist die Rubrik Mund – Aphthen. Hilfreich sind auch die entsprechenden Unterrubriken.

Mund – Aphthen // Schwangerschaft, während der // stillende Mütter // blutend, leicht // Nahrung, saurer und salziger, nach // Kindern, bei

Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Zumindest zu Beginn der homöopathischen Behandlung ist das Verschwinden der Aphthen oder auch der Neigung, Aphthen zu entwickeln, nicht oberstes Heilungskriterium, besonders, wenn beim Patienten noch andere, schwerwiegendere gesundheitliche Probleme vorhanden sind. Langfristig ist die Prognose sehr gut.
Unterstützende Maßnahmen
Spülungen mit Propolistinktur in warmem Wasser.
Wichtige homöopathische Arzneimittel

Zahnfleischaphthen: Nat-m., Staph.

Ulzera und eitrige Absonderung am Zahnfleisch: Ars., Carb-v., Caust., Merc., Staph.

Die Arzneimittelbilder müssen vollständig in der Materia medica (35) studiert werden, Kurzbeschreibungen mit lokalen Indikationen sind nicht hilfreich. (16.1.4 Stomatitis aphthosa)

Stomatitis aphthosa

Stomatitis aphthosa

Definition: MundfäuleMundfäule. Häufig bei Kindern als Erstmanifestation einer Infektion mit Herpesvirus Typ 1 ausgelöste Entzündung der Mundschleimhaut.

Symptomatik: Schmerzhafte Entzündung mit zahlreichen, oft ulzerierenden Aphthen. Häufig mit Fieber und Schwellung der Halslymphknoten.

Therapeutische Strategie
Die Heftigkeit der Erkrankung zwingt oft zur Intervention mit einem Akutmittel, da die betroffenen Kinder bisweilen keinerlei Nahrung oder Getränke mehr zu sich nehmen – jede Berührung der Mundschleimhaut löst starke Schmerzen aus.
Homöopathische Behandlung
Die Akutbehandlung richtet sich nach den im Vordergrund stehenden aktuellen Symptomen. Da die Mundfäule eine Äußerung der Psora ist, bietet sich oft die Möglichkeit anhand des vorliegenden Symptomenbildes ein Homöopsorikum auszuwählen (3.4.1), das die Akutsymptomatik der Stomatitis und die Gesamtsymptomatik im Sinne eines Konstitutionsmittels erfasst. Dies scheint auch sinnvoll, da Herpes-Infektionen bekanntermaßen chronische Infektionen sind.
Wahl der Symptome
Für die Akutbehandlung sind Art und Weise des FiebersFieberMundfäule (schnell, langsam, große Hitze), der Gemütszustand des Kindes und sonstige Begleitsymptome wegweisend. Mundgeruch, Speichelfluss und das Unvermögen, Nahrung zu sich zu nehmen sind dagegen sehr gewöhnlich und bei der Arzneiwahl nicht sonderlich hilfreich.
Miasmatische Zuordnung
Die Mundfäule ist psorisch.
Repertorium
RepertorisationStomatitis aphthosaFolgende Unterrubriken der großen Lokalrubrik Mund – Aphthen (167 AM) haben sich in der Praxis, zumindest als Lokalsymptome, bewährt. Zusätzlich können auch alle Rubriken des Kapitels „Mund“ Abschnitt „Schmerz“ berücksichtigt werden. Eine Annäherung an das passende Heilmittel erfolgt aber v. a. über andere auffallende Erkrankungssymptome (Fieber, psychische Alterationen etc. – siehe die entsprechenden Kapitel).

Mund – Aphthen // begleitet von Speichelfluss // blutend – leicht // brennend // gangränös // Kindern, bei (auch Rubriken für Kleinkinder und Säuglinge) // weiß // Zahnfleisch // Zunge (mit den Unterrubriken „blutend“ und „empfindlich“)

Mund – Schmerzen // Säuglingen, bei // Zahnfleisch – Berührung – agg.// Aphthen – Lippen, innen

Dosierung. Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Für die Verlaufsbeurteilung eignen sich sowohl die Lokal- als auch die Allgemeinsymptome.
  • Lokalsymptome: v. a. die Empfindlichkeit der Mundschleimhaut lässt nach, die Kinder können wieder besser essen und trinken (obwohl die Aphthen noch eine längere Zeit vorhanden sein können – deren Abheilung braucht Zeit).

  • Allgemeinzustand: Bessern sich die Fiebersymptome sowie der psychische Zustand der meist erheblich alterierten Kinder, kann davon ausgegangen werden, dass sich der Lokalbefund mit einer gewissen Verzögerung ebenfalls bessern wird.

Die Prognose einer homöopathisch behandelten Stomatitis aphthosa ist sehr gut. Die Arzneimittelwirkung setzt schnell und deutlich ein. Kommt es, aus was für Gründen auch immer, zu keiner Besserung der Symptome und Exsikkose droht, sollte zur Sicherheit des Patienten eine klinische Behandlung (Infusionen etc.) erfolgen. Es werden Einzelgaben hoher C-Potenzen verordnet.
Unterstützende Maßnahmen
Mundspülungen mit Propolistinktur in warmem Wasser.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

Bewährte Akutmittel: Ars., Bor., Mur-ac., Sul-ac., Sulph.

  • Arsenicum#Arsenicum albumStomatitis aphthosa: Aphthen im Mund, mit roten Zungenränder; oder ein roter Streifen in der Mitte der Zunge. Übel riechender Atem, Zahneindrücke am Zungenrand. Viel Durst auf kaltes Wasser. Sehr unruhige Kinder, die ständig die Hand der Mutter halten wollen.

  • Borax veneta#BoraxStomatitis aphthosa: leicht blutende Aphthen. Dunkelrotes, geschwollenes Zahnfleisch. Leitsymptom ist die Verschlimmerung durch Bewegung nach unten (Kind schreit in dem Augenblick, wenn man es hinlegt oder mit ihm die Treppen hinunter läuft).

  • Muriaticum acidum#Muriaticum acidumStomatitis aphthosa: stark ausgeprägte Schwäche. Zunge fühlt sich zu lang an. Stöhnt laut oder leidet schweigend. Blutendes, angeschwollenes Zahnfleisch. Bläuliche Ulzera. Mag nicht berührt werden.

  • Sulfuricum acidum#Sulfuricum acidumStomatitis aphthosa: Aphthen bei stillenden Müttern. Zittern und Schwäche. Verlangen nach Kaffee und anderen Stimulanzien. Mürrisch und ungeduldig. Das Zahnfleisch blutet leicht.

  • Sulfur#SulfurStomatitis aphthosa: Zunge schmerzt bei Bewegung. Salzig schmeckender Speichel. Hitzegefühl im Mund, nachts. Auffallend sind oft die trockenen und sehr roten Lippen. Zucken im Schlaf.

Gastroösophagealer Reflux und Refluxösophagitis

Refluxösophagitis

Definition: Schleimhautentzündung der unteren Speiseröhre aufgrund eines Flusses von saurem Magensaft in die Speiseröhre. Bei chronischer Entzündung (Barrett-Syndrom) ist das Risiko für Speiseröhrenkrebs erhöht. Multifaktorielle Genese.

Symptomatik: Brennende Schmerzen hinter dem Brustbein (Sodbrennen), die von unten nach oben ausstrahlen. Häufig Verschlimmerung nachts oder im Liegen. Druckgefühl hinter dem Brustbein, Schluckbeschwerden, Aufstoßen von Luft oder Speisen, ständiger Hustenreiz, Heiserkeit.

Therapeutische Strategie
Fettreiche, stark gewürzte Nahrung, Alkohol-, Kaffee- und Tabakkonsum, Bewegungsmangel und Stress fördern die Refluxkrankheit. Ernährungsberatung ist sinnvoll.
Schwedenmilch (Sauermilch) kann akute Beschwerden mildern. Milch oder andere allopathische Antazida AntazidaRefluxkrankheitsind wenig sinnvoll, das sie zwar einen akuten Säureüberschuss puffern, auf Dauer aber nur zu einer vermehrten Magensäureproduktion beitragen. Häufig werden von den Patienten Säureblocker eingenommen, da es sich um eine subjektiv recht unangenehme Symptomatik handelt, die bei individuell unterschiedlichen Speisen zur oben geschilderten Symptomatik führt und diese nicht mehr unbeschwert genossen werden können. Diese Einschränkung der persönlichen Freiheit wird von den Patienten sehr wenig toleriert.
Homöopathische Behandlung
Siehe auch 13.3.1 (Gastritis), 13.3.2 (Ulcus ventriculi).
Die Behandlung ist immer konstitutionell. Unterhaltende Ursachen (Kaffee, Rauchen, Gewürze etc.) sind abzustellen. Da von vielen Patienten immer wieder Antazida AntazidaRefluxkrankheiteingenommen werden, ist es zu Behandlungsbeginn unter Umständen kaum vermeidbar, diese noch einige Zeit gewähren zu lassen, bis die homöopathische Therapie ihre Wirkung zeigt. Sinnvoller ist hier ein Umstellen auf „natürliche“ Säureblocker wie Schwedenmilch, die aber nicht bei allen Patienten die erwünschte Wirkung zeigt (dies trifft auch viele Antazida zu). Das moderne Pantoprazol ist hochwirksam, verschleiert aber vollständig die Symptomatik, während sich unbemerkt häufig schwere chronische Erkrankungen entwickeln.
Wahl der Symptome
  • Art und Weise des Aufstoßens (Luft, Wasser, Geschmack nach Speisen, etc.).

  • Modalitäten der Verschlimmerung oder Besserung des Aufstoßens (Hitze, Kälte, bestimmte Speisen oder Getränke etc.).

Miasmatische Zuordnung
Die Refluxkrankheit wird der Psora zugeordnet.
Repertorium
RepertorisationRefluxkrankheitDie große Rubrik für den gastroösophagealen Reflux findet man unter Magen – Sodbrennen oder Magen – Aufstoßen, Rülpsen, Aufschwulken – sauer. Beide Rubriken sind wegen ihrer Größe nur als orientierende Mittelsammlung zu verstehen.
Für eine vollständige Repertorisation können auch die verschiedenen Unterrubriken des Abschnittes Magen – Schmerz hilfreich sein (13.3 Gastritis).

Magen – Aufstoßen, Rülpsen, Aufschwulken //flüssig // heiß // laut, Rülpsen // Speisen, von

Magen – Regurgitation, Zurückströmen Sodbrennen – schmecken nach // Wasser, von // gehaltvollen Speisen, nach // Fetten, nach // Milch, nach // Schweiß, bei // Trinken, nach // Frühstück, nach // Stuhl, bei

Magen – Sodbrennen // Schwangerschaft, während der // erstreckt sich zum Hals // Kindern, bei

Magen – Schmerz (mit Unterrubriken)

Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Häufig zeigt sich die erste positive Wirkung der Arzneien auch an anderen Symptomenkomplexen des Patienten. Hier sollte der Behandler dem oft erheblichen Druck der Patienten standhalten und auf die Langzeitwirkung der Arzneimittel vertrauen.
Langfristig ist die Prognose der Refluxerkrankung unter homöopathischer Behandlung gut. Im Gegensatz zu allen anderen medikamentösen Methoden bietet sie einen kurativen Therapieansatz. Um allerdings an dieses Therapieziel zu gelangen, ist häufig eine längere Behandlungsdauer einzukalkulieren, die einen erfahrenen, standhaften homöopathischen Behandler verlangt. Die Verordnung von Q-Potenzen bringt eine raschere Orientierung über die Arzneiwirkung und eine besser therapeutische Übersicht im Heilungsverlauf.
Unterstützende Maßnahmen
Beruhigung des Vegetativums über Entspannungstechniken, Meditation, Yoga oder Psychotherapie.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Nux-v., Ars., Phos., Lyc.
!! Carb-v., Nat-m., Sep., Sulph.
! Acon., Am-c., Ant-c., Arn., Bell., Bry., Calc., Caps., Caust., Cham., Chin., Cocc., Ferr., Ign., Lach., Merc., Phos., Puls., Rhus-t., Sil., Staph., Sul-ac., Verat.

  • Sodbrennen:

    • Durch zu viel Magensäure: Nux vomica#Nux vomicaSodbrennen, Pulsatilla, Calcarea carbonica, Capsicum, China, Sulfur oder Carbo vegetabilis.

    • Nach übermäßigen Geistesanstrengungen: Nux vomica, Arnica.

    • Bei sitzender Lebensweise: Bryonia, Nux vomica, Sulfur.

    • Bei Schlafmangel: Arnica, Pulsatilla.

    • Nach Alkoholmissbrauch: Nux vomica, Sulfur, Arsenicum.#Arsenicum albumSodbrennen

    • Nach Missbrauch von Kaffee: Sulfur, Ignatia, Mercurius, Nux vomica.

  • Saures Aufstoßen mit oder ohne Wiederheraufkommen der genossenen Speisen: Phosphorus, Chamomilla, Ammonium carbonicum, Lycopodium, Natrium muriaticum. #LycopodiumSodbrennen

  • Saures Aufstoßen besonders nach:

    • Milch: Calcarea carbonica, Carbo vegetabilis, Sulfur, China, Lycopodium.

    • Fettgenuss: Carbo vegetabilis, Natrium muriaticum, Nux vomica, Pulsatilla, Sepia.

  • Flüssiges Aufstoßen: Nux vomica, Bryonia, Pulsatilla, Silicea, Sulfur, Calcarea carbonica, Arsenicum, Carbo vegetabilis und Sepia.

    • Nach dem Essen: Silicea, Sulfur oder Bryonia.

    • Morgens nüchtern: Nux vomica oder Sulfur.

  • Wenn Brot nicht vertragen wird: China, Sulfur, Sepia.

  • Wenn Milch Beschwerden macht: Bryonia, Carbo vegetabilis, Lycopodium, Sulfur, Calcarea carbonica.

  • Wenn Saures nicht bekommt: Calcarea carbonica, Sepia, Causticum, Staphisagria, Belladonna, Antimonium crudum, Bryonia, Rhus toxicodendron, Lachesis.

  • Wenn jedes Trinken Beschwerden macht: Nux vomica, Sulfur, China, Arsenicum, Veratrum, Pulsatilla, Silicea, Arnica, Ferrum metallicum, Nux vomica, Ignatia.

  • Wenn Wassertrinken nicht vertragen wird: Pulsatilla, Aconitum, Cocculus, Arsenicum, Rhus toxicodendron, China, Sulfuricum acidum, Veratrum.

Erkrankungen des Magens

Gastritis

Gastritis

Definition: MagenschleimhautentzündungMagenschleimhautentzündung s. Gastritis. Entzündliche Erkrankung der Magenschleimhaut multifaktorieller Genese.

  • A-Gastritis (= autoimmun) im Rahmen von Autoimmunstörungen (oft in Verbindung mit Diabetes).

  • B-Gastritis (= bakteriell) im Zusammenhang mit einer Helicobacter-pylori-Infektion.

  • C-Gastritis (= chemisch) infolge von erhöhter Magensäureproduktion oder Gallerückfluss. Hierzu gehören auch die chemisch induzierten Gastritiden, z. B. durch Schmerzmittel wie Aspirin oder andere nichtsteroidale Antiphlogistika und die Gastritis nach Alkoholabusus.

Symptomatik:

  • Akute Gastritis: Übelkeit, Erbrechen, Druckschmerz im Oberbauch, oft Appetitlosigkeit. Die Patienten klagen über einen üblen Geschmack im Mund und haben oft Sodbrennen (Hyperazidität). Kommt es zu gastritischen Magenblutungen, führen diese häufig zu dunkelbraunem bis schwarzem Erbrechen (Kaffeesatzerbrechen) und schwarzen Stuhlgängen.

  • Chronische Gastritis: unspezifische Oberbauchbeschwerden wie Magenschmerzen, Völlegefühl und Blähungen.

Therapeutische Strategie
Die Übergänge von der Gastritis zum Magenulkus sind oft fließend. Spätestens bei Kaffeesatzerbrechen oder schwarzem Stuhlgang ist eine Magenspieglung indiziert um Ulzera, Magenlymphome oder Magenkrebs auszuschließen.
Im Allgemeinen ist eine (chronische) Gastritis eine belastende Erkrankung mit starker Beeinträchtigung der Patienten. Da gerade die Nahrungsaufnahme beeinträchtigt ist haben die Patienten eine niedrige Hemmschwelle bezüglich der Einnahme von palliativen Arzneimitteln, auch wenn deren Nutzen nur von kurzer Dauer und mit erheblichen Nebenwirkungen belastet ist. Angesichts der Möglichkeit einer kompletten Ausheilung unter homöopathischer Therapie sind die meisten Patienten jedoch bereit, gewisse Unannehmlichkeiten und Leiden für einen beschränkten Zeitraum in Kauf zu nehmen.
Homöopathische Behandlung
Siehe auch 13.2 (Refluxerkrankung), 13.3 (Ulcus ventriculi).
Selbstverständlich darf man eine Gastritis niemals als isoliertes Lokalsymptom behandeln, da sie Ausdruck einer tief liegenden psorischen Störung (Psora Stadium II) ist. Die Aufnahme der Gesamtheit der Symptome und ihre Bewertung nach den auffallenden und sonderlichen Symptomen sind unbedingt notwendig. Viele Magensymptome sind jedoch so auffallend, dass sie mittelweisend sein können.
  • Causa: Was ist der ursprüngliche Auslöser der Gastritis (beispielsweise Kummer, berufliche Belastung) und was sind die Auslöser der jeweiligen Gastritisschübe?

  • Modalitäten: Durch welche Nahrungsmittel werden die Symptome ausgelöst oder gebessert, wie wirken sich kalte oder warme Nahrungsmittel oder Getränke aus, welche anderen Umstände führen zu einer Verschlechterung oder Verbesserung (beispielsweise Tageszeit, Körperhaltung, akute emotionale Belastungen etc.)?

  • Schmerzcharakter: Ist der Schmerz brennend, stechend, schneidend oder werden außergewöhnliche Schmerzempfindungen beschrieben (z. B. wie eine Kugel, Völlegefühl, Schwäche, ein lebendiges Gefühl).

  • Begleitsymptome: Besteht Aufstoßen (wenn ja, wie und wann)? Gibt es andere, begleitende Symptome des Verdauungstraktes, z. B. Übelkeit, Diarrhoe, Aphthen, Hämorrhoiden?

  • Psychische Symptome: Wie reagiert der Patient auf die Schmerzen (Reizbarkeit, Zorn, Weinen etc.)?

Wahl der Symptome
Die chronische Gastritis erfordert das Erfassen der Gesamtheit aller Symptome und das Herausarbeiten der Charakteristika zu Mittelfindung. Besonders hervorstechende Symptome der akuten Symptomatik können im Einzelfall wegweisend sein.
Miasmatische Zuordnung
Die Gastritis zeigt meist das Stadium II der Psora an (3.4.1). Sie kann aber auch sykotischen Ursprungs sein.
Repertorium
RepertorisationGastritisDie übergeordnete Rubrik findet sich im Kapitel „Magen“ und ist wegen ihrer Größe (über 130 AM) unpraktikabel: Magen – Entzündung. Für die Arzneiwahl wichtige, auffallende Symptome aus dem Kapitel „Magen“ sind im Folgenden aufgeführt.

Magen – Erbrechen // schwarz // Trinkern, von

Magen – Schmerzen // periodisch // Angst, mit // Emotionen, durch // Aufstoßen – amel. // Aufstoßen, nach – agg. // Flatusabgang amel. // Gemütserregung, nach // Kindern, bei // Husten – vom // Getränke, kalte – agg. // Nüchternheit, bei

Magen – Steingefühl

Magen – Völlegefühl // Auftreibung, ohne // Rülpsen, Aufschwulken – amel.

Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Steht eine gravierende akute Symptomatik im Vordergrund, muss sich der Behandlungserfolg an deren Beseitigung bemessen lassen. Normalerweise ist es möglich bei entsprechenden diätetischen Maßnahmen eine Reduzierung der chronischen Beschwerden innerhalb einiger Wochen und eine Ausheilung innerhalb von einem Jahr zu erreichen.
Langfristig ist die Prognose sehr gut. Allerdings erfordert die Behandlung gerade in der Anfangsphase einen erfahrenen Homöopathen, da der Leidensdruck des Patienten häufig voreilige Mittelwechsel zur Folge hat, die dann zu einer beträchtlichen Fallverwirrung führen können. Die Verordnung von Q-Potenzen im symptomatischen Intervall (Schmerzen) ist hilfreich. Später Übergang zu Einzelgaben von hohen C-Potenzen nach der Kent-Reihe.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

Akute Gastritis: Ars., Acon., Carb-v., Bry., Nux-v., Puls.

Chronische Gastritis: Bry., Nux-v., Lyc., Phos., Ars., Sep., Sulph.

Akute Gastritis
  • Aconitum#AconitumGastritis: akute Gastritis nach kalten Getränken, dabei besteht die charakteristische angsterfüllte Unruhe und evtl. großer Durst.

  • Arsenicum album: #Arsenicum albumGastritisbrennende Schmerzen mit großer Empfindlichkeit der Herzgrube gegen Berührung und Erbrechen der Speisen.

  • Bryonia#BryoniaGastritis: nach Schlag oder Stoß in die Magengegend, nach übermäßigen Anstrengungen, nach kalten Getränken. Wenn die Speisen leicht wieder aufgestoßen werden und alles Gegessene die Magenschmerzen unmittelbar auslöst oder verstärkt, mit Stichen im Magen bei Bewegung.

  • Carbo vegetabilis#Carbo vegetabilisGastritis: brennender Wundheitsschmerz mit viel Magensäureproduktion und Blähungsbeschwerden.

Chronische Gastritis
  • Arsenicum (s. o.): brennende Schmerzen, oft mit quälender Angst und Furcht vor dem Alleinsein, will haber keine Gesellschaft.

  • Carbo vegetabilis (s. o.): allgemeine Schwäche und kalte Füße.

  • Lycopodium:#LycopodiumGastritis Brennen, das sich bis in den Hals und den Rücken erstreckt oder Magenschmerzen die sich in den Rücken erstrecken, mit drückender Auftreibung des Magens nach dem Essen, Verschlimmerung durch Kleiderdruck auf die Region unterhalb der Rippenbögen, mit zeitweisem Erbrechen.

  • Nux vomica#Nux vomicaGastritis: oft angezeigt bei Gastritis alter Schnapstrinker, mit heftigem Drücken im Magen nach festen Speisen, mit oder ohne Speisenerbrechen, manchmal mit tastbarer Magenverhärtung.

  • Phosphorus#PhosphorusGastritis: ebenfalls bei Verhärtung, mit drückenden Schmerzen, die bis zum Rücken hindurchgehen, mit viel saurem Aufstoßen und Wassererbrechen, Verschlimmerung nach dem Essen und Heraufkommen der Speisen bissenweise bis in den Mund.

  • Pulsatilla#PulsatillaGastritis: heftige, anhaltende, auf den Magen beschränkte Schmerzen, die mit bittersaurem Mundgeschmack und bittersaurem Speiseerbrechen einhergehen.

  • Sepia#SepiaGastritis: Verhärtung der Kardia, bei Erhöhung der Schmerzen nach den leichtesten Nahrungsmitteln, mit saurem Aufstoßen und saurem Schleimerbrechen.

  • Sulfur#SulfurGastritis ist ebenfalls oft hilfreich, wenn sich schon Verhärtungen zeigen mit viel leerem Aufstoßen sauren Geschmackes.

Ulcus ventriculi

Ulcus ventriculi

Definition: MagengeschwürMagengeschwür s. Ulcus ventriculi. Gutartige, entzündliche, destruierende Schädigung der Magenschleimhaut. Ursachen sind u. a. Nikotin und Alkoholmissbrauch, Medikamente (nichtsteroidale Antiphlogistika, Cortison), Stress, Helicobacter pylori.

Symptomatik: Meist episodisch auftretende, epigastrische oder paraumbilikale Schmerzen. Druck-, Völlegefühl, Inappetenz. Kaffeesatzerbrechen und Teerstühle sind Hinweise für eine Ulkusblutung. Die Diagnose erfolgt heute hauptsächlich durch die Gastroskopie.

Therapeutische Strategie
Ernährungsumstellung und das Verbot magenschädigender Noxen sind obligat. Da das Magengeschwür bereits eine pathologische Gewebeveränderung darstellt ist die Behandlung nur mit tiefwirkenden Homöosyphilitika Erfolg versprechend (3.4.1). Die Gabe von AntazidaAntazidaUlcus ventriculi oder Säureblockern stellt keine kausale Therapie dar, verschleiert das Symptomenbild und gibt dem Patienten das subjektive Gefühl, ihm fehle gar nichts. Langfristig führt die Unterdrückung mit Antazida und Säureblockern zu einem immer höheren Medikamentenbedarf und verzögert bei manchen Patienten die Bereitschaft auf Noxen und ungesunde Ernährung zu verzichten.
Immer ist die Genese des Magengeschwürs zu klären (Biopsie). Andere schwere Krankheiten (Lymphome, Leukämien, Colitis), die zu einem konsekutiven Ulcus ventriculi führen können, dürfen nicht übersehen werden.

Cave: AntazidaAntazidaUlcus ventriculi und Säureblocker verschleiern das Symptomenbild.

Homöopathische Behandlung
(13.3.1 Gastritis)
Beim akuten Ulcus ventriculi handelt es sich um ein meist hochdramatisches (Beschwerdebild, Komplikationen) Krankheitsbild. Häufig erfolgt die Behandlung in der Klinik und mit starken Medikamenten, sodass die Homöopathie häufig außen vor bleibt. Therapieresistente Ulzera oder Patienten mit Zustand nach Ulcus ventriculi finden sich dagegen häufig in der homöopathischen Praxis. Die Therapie ist aus vielerlei Gründen schwierig aber letztlich lohnend. Folgendes homöopathisches Vorgehen hat sich bewährt: Bei akuten Schmerzen verschreibt man nach dem aktuell im Vordergrund stehenden Beschwerdebild. Die eigentliche Therapie besteht aber in der Auswahl des passenden Homöosyphilitikums (3.4.1).

Cave: Bei Patienten mit weiteren syphilitischen StigmataStigma, miasmatisches (3.4.3) abklären, ob eine maligne Erkrankung verantwortlich für das Ulkus ist.

Wahl der Symptome
SymptomenwahlUlcus ventriculiViele Symptome, die im Rahmen eines Ulcus ventriculi sichtbar werden, sind auffallend und mittelweisend. Besonders nachfragen sollte man in folgenden Bereichen:
  • Nahrungsmittelverlangen und -abneigungen.

  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten.

  • Appetit- und Durstveränderung.

  • Art, Geschmack und Modalitäten von Sodbrennen und Aufstoßen.

  • Art und Modalitäten von Schmerzempfindungen.

  • Art und Modalitäten von Erbrechen.

  • Magen und Darmgeräusche.

  • Zeiten und Modalitäten von Übelkeiten.

Miasmatische Zuordnung
Magenulzera werden dem syphilitischen Miasma zugeordnet.
Repertorium
RepertorisationUlcus ventriculiDie große Rubrik für das Magenulkus ist Magen – Ulzera, Geschwüre. Viele bewährte Mittel findet man auch in der Rubrik Magen – Magenstörung – Entzündung, bei chronischer. Zu berücksichtigen sind auch wichtige Nahrungsmittelverlangen und -abneigungen.

Diagnosebezogene Rubriken

Magen – Ulzera, Geschwüre
Magen – Magenstörung – Entzündung, bei chronischer

Nahrungsmittelverlangen und -abneigungen

Allgemeines – Speisen und Getränke // Fleisch – Abneigung //Fleisch – Abneigung – fettes Fleisch // unverdauliche Dinge – Verlangen // Schweinefleisch – Abneigung // Stimulanzien – Verlangen // warme Speisen – Verlangen // kalte Getränke, Wasser – Verlangen // Zwiebeln – Abneigung // rohe Speisen – Verlangen // Schokolade – Verlangen // Schokolade – Abneigung

Nahrungsmittelunverträglichkeiten

Allgemeines – Speisen und Getränke //– Fleisch – agg. // fette und gehaltvolle Speisen – agg. // Fisch – agg. // kalte Speisen – agg. // kalte Getränke, Wasser – agg. // Wein – agg. // gekochte Speisen – agg. // Zwiebeln – agg.

Appetit- und Durst

Magen – Durst //kleine Mengen, auf // unstillbar, ständig // nachts
Magen – Appetit // unersättlich // fehlt – Speisen – Anblick von, beim – agg. // gewaltig, heißhungrig – Abmagerung, mit

Sodbrennen und Aufstoßen

Magen – Sodbrennen // fetten Speisen, nach // erstreckt sich zum Hals // Essen, nach – agg. // Trinkern, bei
Magen – Aufstoßen, Rülpsen, Aufschwulken //heiß // Knoblauch, wie // Eier – faule, wie // Milch, nach // Speisen, von, Regurgitation, Zurückströmen – Schwall, im

Magenschmerzen

Magen – Schmerzen // periodisch // erscheinen allmählich und verschwinden allmählich // Berührung, durch // Beugen, gebeugt – Zusammenkrümmen, beim – amel. // Erschütterung beim Gehen agg. // Erwachen, beim – agg. // Getränke – kalte – agg. // Getränke – kalte – amel. // Getränke – warme – agg. // Getränke – warme – amel. // Kleidung – agg. // Nüchternheit, bei // Stuhlentleerung, nach – agg.

Erbrechen

Magen – Erbrechen // Schwarz // Grün // Hämatemesis – blutig // Kaffeesatz, wie // Schaumig // Unaufhörlich // Bewegung, bei // Fahren in einem Wagen, beim // Trinkern, von

Darmgeräusche

Magen – Wasser – voll mit, wie
Magen – Geräusche – Gurgeln // Trinken, beim // Trinken, nach
Abdomen – Gurgelgeräusch – Stuhlentleerung, vor
Abdomen – Rumoren // Essen, nach – agg. // Stuhlentleerung, vor – agg. // Stuhlentleerung, nach – agg.

Übelkeit

Magen – Übelkeit // nachts – Erwachen, beim // Gerüche, durch // Husten, bei // Speisen – Anblick von, beim // Speisen – Denken, an // Speisen – Geruch, von // tödlich
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Bei akutem Ulkus ist die das einzige Kriterium für den Behandlungsverlauf die Besserung der Beschwerden in einem Maße, dass auf allen Ebenen eine Entspannung eintritt. Erfolgt diese Besserung nicht in einem angemessenen Zeitraum (mitunter wenige Minuten), muss neu verordnet werden.
Die Verlaufsbeurteilung rezidivierenden Magenulzera folgt im Wesentlichen den Richtlinien der Gastritisbehandlung (13.3.1).
Prognose: Die alleinige homöopathische Behandlung akuter Magenulzera ist in der homöopathischen Alltagspraxis eine Rarität. Obwohl in der Literatur Heilungsverläufe beschrieben sind, sollte aus heutiger Sicht nicht auf eine zusätzliche, schulmedizinische Versorgung verzichtet werden. Die Therapie chronischer (bisher therapieresistenter) Magenulzera ist dagegen ausschließlich homöopathisch machbar und gelingt mit guten Langzeitergebnissen. Die Gabe von Q-Potenzen im symptomatischen Intervall bringt Vorteile durch die engmaschige Kontrolle und die Möglichkeit die Arzneiwirkung besser zur verfolgen.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Ars., Carb-v., Hydr., Lyc., Kali-bi., Kreos., Nit-ac., Nux-v., Phos., Sep., Sulph.
!! Bell., Bry., Ign., Calc., Cham., Chin., Cocc., Con., Cupr., Puls., Sep., Sil.

Schmerzqualität
  • Brennende Schmerzen: Arsenicum, Carbo vegetabilis, Hydrastis, Nux vomica, Lycopodium, Phosphorus.

  • Drückende Schmerzen: Nux vomica, Ignatia, Bryonia, Chamomilla, Lycopodium, Sepia, Carbo vegetabilis, Phosphorus.

  • Geschwulstgefühl, Aufgetriebenheit: Bryonia, Lycopodium.

  • Klopfende Schmerzen: Bryonia, Lycopodium, Arsenicum, Pulsatilla.

  • Stechende Schmerzen: Belladonna, Bryonia, Pulsatilla, Arsenicum, Phosphorus, Nux vomica.

  • Wie bei einem Stein, so hart: Bryonia, Chamomilla, Ignatia, Calcarea carbonica, Hydrastis.

  • Zusammenschnüren wie von Krampf: Nux vomica, Bryonia, Belladonna, Phosphorus.

Erstreckungen
  • Bis in den Rücken: Lycopodium, Phosphorus, Nux vomica, Arsenicum, Carbo vegetabilis, Sepia.

  • Bis in den Rachen und Hals: Phosphorus, Lycopodium, Calcarea carbonica.

  • Bis zur Brust, mit Atemnot: Lycopodium, Cocculus, Cuprum, Nux vomica, Belladonna, Sepia, Phosphorus.

  • Durch den ganzen Bauch hindurch: Cocculus, Nux vomica, Belladonna, Lycopodium, Arsenicum.

Zeiten
  • Periodische Schmerzen: Nux vomica, Arsenicum, Sepia.

  • Morgens: Nux vomica, Arsenicum, Calcarea carbonica, Lycopodium.

  • Nachts: Arsenicum, Lycopodium, Nux vomica.

Modalitäten
  • Aufrichten und Bewegung agg: Bryonia.

  • Auftreten oder Fehltreten agg: Bryonia, Pulsatilla.

  • Bewegung der Arme agg: Nux vomica.

  • Berührung agg.: Arsenicum, Bryonia, Lycopodium, Carbo vegetabilis, China.

  • Blähende Speisen agg.: Belladonna, Lycopodium, Bryonia.

  • Druck der Kleider unterhalb der Rippenbögen agg: Nux vomica, Lycopodium.

  • Essen agg.: Nux vomica, Phosphorus, Arsenicum, Lycopodium, Belladonna, Bryonia, Kreosotum, Pulsatilla, China, Sepia, Calcarea carbonica.

  • Fette Speisen agg.: Carbo vegetabilis, Pulsatilla.

  • Heißhunger mit Nahrungsmittelabscheu: Hydrastis

  • Hinlegen agg.: Carbo vegetabilis, Lycopodium.

  • Kreisrunde Ulcera: Kalium bichromicum.

  • Ruhe agg: China.

Begleitsymptome
Kopf und Gesicht
  • Schwindel: Nux vomica, Pulsatilla, Lycopodium, Conium.

  • Kopfschmerz dabei: Nux vomica, Lycopodium, Bryonia, Sepia.

  • Röte des Gesichts: Nux vomica, Belladonna.

  • Blässe des Gesichtes: Arsenicum, Belladonna, Bryonia, Lycopodium, Pulsatilla.

  • Gelbliches Aussehen: Nux vomica, Sepia.

Verdauungstrakt
  • Wässriges Aufstoßen, Erbrechen von Wasser: Bryonia, Hydrastis, Pulsatilla, Silicea, Nux vomica, Cocculus.

  • Säure und Sodbrennen: Carbo vegetabilis, Phosphorus, Nux vomica, Bryonia, China, Arsenicum, Calcarea carbonica, Sepia.

  • Aufstoßen: Bryonia, Nux vomica, Cocculus, Kalium bichromicum, Lycopodium, Arsenicum, Calcarea carbonica, Pulsatilla, Sepia.

  • Aufstoßen von Speisen: Phosphorus, Bryonia, Nux vomica, Hydrastis.

  • Übelkeit: Nux vomica, Cocculus, Lycopodium, Sepia, Belladonna.

  • Leeres Würgen: Nux vomica, Arsenicum, Lycopodium, Belladonna, Kalium bichromicum.

  • Erbrechen: Nux vomica, Arsenicum, Lycopodium, Pulsatilla, Carbo vegetabilis, Cocculus, Phosphorus, Bryonia, Sepia.

  • Erbrechen besonders von Schleim: Kalium bichromicum.

  • Erbrechen des Genossenen: Nux vomica, Arsenicum, Lycopodium, Phosphorus, Pulsatilla, Cocculus, Calcarea carbonica.

  • Blähungsbeschwerden: Nux vomica, China, Carbo vegetabilis, Lycopodium.

  • Obstipation: Nux vomica, Bryonia, Lycopodium, Sepia, Calcarea carbonica.

  • Durchfall: Pulsatilla, Arsenicum, Calcarea carbonica.

  • Hämorrhoiden, blinde: Nux vomica, Sepia, Calcarea carbonica, Arsenicum, Pulsatilla.

Erkrankungen des Dünn- und Dickdarms

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Darmentzündung

Morbus Crohn (Enteritis regionalis, Ileitis terminalis)

MorbusCrohnDefinition: In Schüben verlaufende, chronisch-entzündliche Darmerkrankung unbekannter Ursache mit immer wieder auftretenden Durchfällen mit krampfartigen Schmerzen, oft auch im Bereich des rechten Unterbauchs. Es können alle Abschnitte des Magen-Darm-Trakts befallen sein (30 % terminales Ileum, 40 % Ileocolon, 25 % Colon und Rektum) oder mehrere Darmabschnitte gleichzeitig (segmentaler, diskontinuierlicher Befall). Der Erkrankungsgipfel liegt zwischen dem 20. und 30. Lj. und um das 60. Lj.
Symptomatik: Leitsymptom ist der flüssige und wässrige Stuhl, oft mit Blut- und Schleimbeimengungen. Zum Teil heftige krampfartige Unterbauchschmerzen, Erschöpfung und teils erheblicher Gewichtsverlust. Typisch ist der schubweise Verlauf der Erkrankung mit längeren Phasen körperlichen Wohlbefindens.

Colitis ulcerosa

Colitis ulcerosaDefinition: Schubweise auftretende, chronisch-entzündliche, vom Rektum ausgehende Durchfallerkrankung, die sich in Richtung Colon ausbreitet. Präkanzerose. Fistelbildungen, Stenosen und entzündliche Erkrankungen anderer Abdominalorgane sind häufige Komplikationen. Jede Altersgruppe kann betroffen sein, Häufigkeitsgipfel zwischen dem 20. und 40. Lj. Ätiologie unbekannt.
Symptomatik: Große Symptomenähnlichkeit mit M. Crohn. Schwere Durchfälle (bis zu 40 Stuhlgänge am Tag) mit Blut- und Schleimbeimengungen. Oft extremer Gewichtsverlust. Unspezifische Abdominalbeschwerden vor, während und nach dem Stuhlgang (Tenesmen). Die diagnostische Abgrenzung zum M. Crohn ist oft schwierig und gelingt trotz genauester medizinischer Abklärung nicht immer.
Therapeutische Strategie
Die Differenzierung zwischen M. Crohn und Colitis ulcerosa ist für die Praxis mehr akademischer Natur, dient jedoch der Beurteilung der Krankheitsprognose und möglicher Komplikationen. Es sollte daher eine klinische Diagnosestellung mit Darmspiegelung, Biopsie etc. erfolgen.
Crohn- und Colitis-Patienten sind oft durch die Erkrankung in ihrem Sozial- und Arbeitsleben deutlich eingeschränkt (die Toilette muss immer in der Nähe sein) und entwickeln vielfach Rückzugs und Vermeidungsstrategien im Alltag. Fast alle diese Patienten leben diätetisch, kennen meist ihre spezifischen Speisen und Getränkeunverträglichkeiten und führen einen verzweifelten Kampf gegen die Krankheit. Psychosomatische Zusammenhänge zwischen Krankheit und Verhalten der Patienten werden vielfach diskutiert, wobei es für den Arzt oft nicht zu unterscheiden ist, ob die Krankheit dem Patienten das Verhalten aufzwingt oder das Verhalten des Patienten ein Teil des Krankheitsbildes ist.
Die dauerhafte Heilung von Crohn- und Colitis-Patienten ausschließlich mit Homöopathie ist ganz eindeutig möglich. Wegen dieser guten Erfolgsaussichten sollten nach Möglichkeit Kortikosteroide und Salazosulfapyridin während der homöopathischen Behandlung abgesetzt werden, da sie die Symptomatologie stark verschleiern und dem Erkennen des Heilmittels oft im Weg stehen. Die entstehenden kritischen Situationen gehören in die Hand des erfahrenen Homöopathen und sind oft der Schlüssel zum Heilmittel.

Das Absetzen von Kortikosteroiden und Salazosulfapyridin ist meist notwendig, um Symptomenklarheit zu bekommen.

Homöopathische Behandlung
Die Patienten sprechen meist schnell auf das richtige homöopathische Mittel an, müssen jedoch jahrelang in regelmäßigen Abständen nachbehandelt werden.

Cave: Colitis- und Crohn-Patienten machen dem Arzt während des Schubes oft großen Druck und können sehr fordernd sein, bei Besserung melden sie sich jedoch zu lange nicht mehr oder die Wiedervorstellung erfolgt erst beim nächsten Schub (gelernte Rückzugs-/Vermeidungsstrategie). Deswegen regelmäßig einbestellen und zur Kontrolle auffordern!

Wahl der Symptome
SymptomenwahlDarmentzündungZur Behandlung chronischer Entzündungen des Dünn- und Dickdarmes sind Kenntnisse und das Verständnis der chronischen Miasmen unentbehrlich (3.4).
Viele Symptome der Krankheit (pathognomonische Symptome) sind auch wichtige Symptome zur Heilmittelfindung. So z. B.:
  • Art, Geruch und Beschaffenheit der Stuhlgänge.

  • Nahrungsmittelverlangen und Abneigungen.

  • Verschlechterung oder Verbesserung durch bestimmte Nahrungsmittel.

  • Zeiten und sonstige Modalitäten sowie Auslöser von Abdominalbeschwerden.

  • Erstmaliges Auftreten der Durchfälle (Causa occasionalis: Schreck, unterdrückte Hautausschläge, Vermögensverluste, Trauma etc.).

  • Schlafverhalten und Träume des Patienten.

  • Kontakt und Sozialverhalten des Patienten während des Krankheitsschubes.

  • Ängste, Zwänge und Tics, auch in der Kindheit.

Miasmatische Zuordnung
Colitis ulcerosa und M. Crohn lassen sich am ehesten der Psora (blutige Stühle) und Pseudopsora (schleimige Stühle) zuordnen. Besonders in den symptomfreien Intervallen zeigen sich oft zahlreiche Symptome der latenten Psora (3.4.1). Sie sind ein wichtiger Wegweiser zum Heilmittel. Falls Komplikationen auftreten, zeigen sie oft sykotische (Fistelbildung) und syphilitische (Krebs) Belastungen auf.
Repertorium
Repertorisationchronisch entzündliche DarmerkrankungenAls Hauptrubrik dient Rektum – Durchfall – allgemein – chronisch. Eine in schwierigen Fällen manchmal ideengebende Rubrik ist Rektum – Dysenterie – chronische, hartnäckige Fälle.

Diagnosebezogene Rubrik

Rektum – Durchfall – allgemein – chronisch
Rektum – Dysenterie – chronische, hartnäckige Fälle

Stuhl: Beschaffenheit, Geruch

Rektum – Stuhl – unverdaut // albuminös // spritzend // fettig // gallig // gegoren // gewaltsam, plötzlich, schwallartig // heiß // herausschießend // mukös, schleimigblutig // schaumig // scharf, fressend, wund machend
Rektum – Stuhl – Geruch // Eier, wie faule // geruchlos // Geruch – faulig // Geruch – sauer

Durchfall

Rektum – Durchfall // Diätfehler, nach geringstem // Zucker, nach // Furcht, aus // Gefühlserregung, durch // Schreck, nach // schmerzhaft // schmerzlos // Herbst, im

Nahrungsmittelbesonderheiten

Allgemeines – Speisen und Getränke //blähende Speisen agg. // Butter – agg. // Butter – Verlangen // fette und gehaltvolle Speisen – agg. // fette und gehaltvolle Speisen – Verlangen // geräucherte Nahrung – Verlangen // saure Dinge – agg. // saure Dinge – Verlangen // stärkehaltige Nahrung – Abneigung

Bauchbeschwerden

Abdomen – Geräusche // Gurgelgeräusch // Rumoren – morgens // Quaken von Fröschen, wie
Abdomen – Kleidung, empfindlich gegen
Rektum – Schmerzen // Stuhlentleerung, vor agg. // Stuhlentleerung – agg. – verlängert
Rektum // Stuhl bliebe drin, Gefühl // Unfreiwillige Stuhlentleerung // Flatusabgang, beim // Harnentleerung, während der
Rektum – Durchfall // morgens // nachmittags // Mitternacht – nach // Durchfall – Trinken agg.

Auslöser, psychogene

Gemüt – Beschwerden durch // Liebe, enttäuschte, unglückliche // Menschenmenge, Gesellschaft, in // schlechte Nachrichten // Schreck oder Furcht // Ärger, Zorn

Sozialverhalten

Gemüt – Reizbarkeit, Gereiztheit // Geräusche, durch // Kleinigkeiten, durch
Gemüt //Zweifel, voller // beleidigt, leicht // Egoismus, Selbstsucht // Ekel, Widerwillen // Erschreckt, leicht // Geiz, Habsucht // Gewissenhaft in Bezug auf Kleinigkeiten // Milde, Sanftmut, Zartheit

Ängste und Zwänge

Gemüt – Zwanghafte Verhaltensstörungen // Gesten, macht – ringt die Hände // Gesten, macht – stampft mit den Füßen // Furcht – Tieren, vor
Gemüt – Furcht // Tod, vor dem // Menschenmenge, in einer // Alleinsein, vor dem Einbrechern, vor // Gewitter, vor
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Bei hochakutem Beschwerdebild sind allein die Lokalsymptome der Kolitis (Diarrhoe, evtl. auch Blutwerte wie BKS) zur Verlaufsbeurteilung heranzuziehen. Tritt hier eine Verbesserung ein, wird sich auch das Allgemeinbefinden des Patienten substanziell bessern. Je geringer die Lokalbeschwerden werden, desto mehr müssen auch andere Kriterien zur Verlaufsbeurteilung herangezogen werden, z. B. der psychische Zustand, das Allgemeinbefinden oder andere, begleitende Symptome oder Erkrankungen. Dies gilt insbesondere für die langfristig angelegte, konstitutionelle Nachbehandlung. Q-Potenzen haben, wie bei allen schubweise verlaufenden Erkrankungen, den Vorteil, dass durch die häufigeren Konsultationen eine sich anbahnende Verschlechterung nicht übersehen und ein nötiger Arzneiwechsel leichter erkannt werden kann.
Prognose: Häufig und im Gegensatz zu anderen chronischen Erkrankungen reagieren die Patienten schon auf das erste richtige Arzneimittel mit deutlichen Beschwerdebesserung. Auch wenn die Heilreaktion nicht so prompt einsetzt, bewirkt eine geduldige homöopathische Konstitutionstherapie meist eine Heilung. Wichtig ist jedoch immer, dass auch bei Beschwerdefreiheit primär nicht von einer kompletten Ausheilung ausgegangen werden kann (Rezidivgefahr). Es ist aus diesem Grund immer eine langjährige konstitutionelle Nachbehandlung erforderlich.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

!!! Ars., Phos., Sulph.
!! Ant-c., Ant-t., Bell., Bry., Calc., Carb-v., Cham., Chin., Coloc., Dulc., Ferr., Ip., Lyc., Merc., Nux-v., Ph-ac., Puls., Rheum, Rhus-t., Sec., Verat.

  • Arsenicum#Arsenicum albumDarmentzündung: bei wässerigen Entleerungen, mit Brennen und Schneiden im Bauch.

  • Ipecacuanha#IpecacuanhaDarmentzündung: wenn viel Übelkeit dabei ist, auch Erbrechen, oder dünner, hefeartiger, sehr stinkender Abgang. Häufig ist die Zunge, trotz Erkrankung des Verdauungsapparates nicht belegt.

  • Rheum#RheumDarmentzündung: bei sehr sauer riechenden Stühlen und blassem Gesicht.

  • Nux vomica#Nux vomicaDarmentzündung: Wenn nach verdorbenem Magen, bei spärlich schleimigen Entleerungen, die Bauchschmerzen von unten nach oben gehen und Übelkeit erregen, mit großer Erschöpfung nach jedem Stuhl und saurem Mundgeschmack nach Milchtrinken.

  • China#ChinaDarmentzündung: bei geschwächten Verdauungsorganen nach Säfteverlust mit unverdauten Stühlen sowie nach schlechtem Trinkwasser, wenn reichlich dünne, bräunliche Ausscheidungen bestehen, mit krampfhaften Bauchschmerzen, vielen Blähungen und Aufstoßen.

  • Sulfur#SulfurDarmentzündung: Wenn die Durchfälle schleimig und so scharf sind, dass sie die Afterregion wund machen, oder wenn jede neue Erkältung Durchfall erzeugt.

Causa
  • Nach Erkältungen und Verkühlungen: Bryonia, Mercurius, Dulcamara, China, Veratrum, Nux vomica, Chamomilla, Ipecacuanha, Antimonium tartaricum, Sulfur.

  • Nach kalten Getränken: Bryonia, China, Carbo vegetabilis, Arsenicum.

  • Nach Milch: Lycopodium, Bryonia, Sulfur.

  • Nach Obst: Pulsatilla, Bryonia, Arsenicum.

  • Nach Saurem: Bryonia, Antimonium crudum, Nux vomica.

  • Nach Völlereien: Bryonia, Antimonium crudum, Nux vomica, Ipecacuanha, Carbo vegetabilis.

  • Bei alten Leuten: Secale, Phosphorus, Sulfur, Antimonium crudum, Bryonia, Arsenicum, Nux vomica.

  • Wenn bei alten Leuten der Durchfall mit Verstopfung wechselt: Antimonium crudum, Phosphorus, Sulfur, Bryonia, Nux vomica.

  • Nach Ärger: Chamomilla, Colocynthis.

  • Nach Schreck, Furcht: Veratrum.

  • Nach Gram, Kummer: Phosphoricum acidum.

Stuhlbeschaffenheit
  • Aashaft riechend: Carbo vegetabilis, Calcarea carbonica.

  • Wie faule Eier: Chamomilla.

  • Sehr stinkende Stühle an sich: Carbo vegetabilis, Bryonia, China, Arsenicum, Ipecacuanha, Chamomilla, Mercurius, Pulsatilla, Sulfur.

  • Sauer riechend: Rheum, Calcarea carbonica, Chamomilla, Sulfur.

  • Blutig schleimig: Mercurius, Dulcamara, Ipecacuanha, Sulfur, Nux vomica, Arsenicum, Pulsatilla, Rhus toxicodendron.

  • Breiartig, musig: Pulsatilla, Rheum, Ipecacuanha, Sulfur, Phosphorus, China, Calcarea carbonica.

  • Eitrig: Belladonna, Sulfur, Calcarea carbonica, Mercurius.

  • Gallertartig: Rhus toxicodendron, Dulcamara, Calcarea carbonica.

  • Hefeartig, wie gegoren: Ipecacuanha, Rheum, Sulfur.

  • Wie gehackte Eier: Pulsatilla, Rhus toxicodendron, Mercurius, Calcarea carbonica.

  • Scharf, wund fressend: Sulfur, Arsenicum, Mercurius, Ferrum metallicum, China, Chamomilla.

  • Schleimig, breiig: Pulsatilla, Sulfur, Mercurius, Dulcamara, China, Belladonna, Chamomilla, Phosphorus.

  • Unverdaute Stühle: China, Bryonia, Dulcamara, Mercurius, Calcarea carbonica, Phosphorus, Sulfur, Ferrum metallicum, Chamomilla, Secale.

  • Wässrig: Chamomilla, Dulcamara, Ferrum metallicum, Secale, Veratrum, Antimonium crudum, Arsenicum, Calcarea carbonica, Mercurius, Phosphoricum acidum, China, Pulsatilla, Nux vomica, Phosphorus, Sulfur.

  • Braun: Arsenicum, Bryonia, China, Veratrum, Dulcamara, Ipecacuanha, Sulfur, Secale, Chamomilla, Calcarea carbonica, Ferrum metallicum, Mercurius.

  • Gelb gefärbt: Ipecacuanha, Chamomilla, Dulcamara, China, Calcarea carbonica, Arsenicum.

  • Grünlich gefärbt: Pulsatilla, Chamomilla, Mercurius, Dulcamara, Arsenicum, Veratrum, Calcarea carbonica, Secale, Sulfur.

  • Schnell, wie ein Sturz abgehend: Veratrum, Ipecacuanha, Bryonia, Dulcamara, Ferrum metallicum, Phosphorus, Secale, Sulfur, Arsenicum.

Begleitsymptome des Durchfalls
  • Viel Aufstoßen: China, Bryonia, Antimonium crudum, Chamomilla, Dulcamara, Arsenicum, Pulsatilla.

  • Übelkeit, Würgen: Ipecacuanha, Bryonia, Antimonium crudum, Veratrum, Chamomilla, Arsenicum, Mercurius, Carbo vegetabilis.

  • Erbrechen: Dulcamara, Ipecacuanha, Veratrum, Mercurius, Chamomilla, Arsenicum, Pulsatilla, Rheum, Secale, Sulfur.

  • Durst vermehrt: Dulcamara, Arsenicum, China.

  • Bauchschmerzen: Mercurius, Chamomilla., Pulsatilla, Rheum, Nux vomica, Colocynthis, Rhus toxicodendron, Bryonia, Arsenicum, Antimonium crudum, Dulcamara, Sulfur, Veratrum.

  • Bauchschmerzen nur vor dem Stuhl: Rhus toxicodendron.

  • Schmerzlosigkeit: Ferrum metallicum, Veratrum, Dulcamara, Phosphoricum acidum, China, Arsenicum, Pulsatilla, Sulfur.

  • Tenesmen: Mercurius, Nux vomica, Sulfur, Arsenicum, Rheum, Ipecacuanha, Rhus toxicodendron.

  • Brennen im After: Arsenicum, Mercurius, Chamomilla, Dulcamara, China, Pulsatilla, Sulfur.

  • Große Schwäche: Arsenicum, Calcarea carbonica, Secale, Nux vomica, Ipecacuanha, China, Ferrum metallicum, Phosphorus.

  • Abmagerung, schnelle: Arsenicum, Calcarea carbonica, Mercurius, Dulcamara, Ferrum metallicum, Rheum, Phosphorus, Phosphoricum acidum, Secale, Sulfur.

Appendizitis

Appendizitis

Definition: BlinddarmentzündungBlinddarmentzündung s. Appendizitis. Entzündung der Appendix vermiformis (Wurmfortsatz des beginnenden Colon ascendens). Der „Blinddarm“ gehört zu den lymphatischen Geweben (wie die Rachenmandeln) und hat eine nicht unerhebliche Bedeutung bei der Immunabwehr. Häufigkeitsgipfel: Kindes- und Jugendalter. Auch Schwangere sind gelegentlich betroffen.

Symptomatik: Je nach Stadium der Entzündung zeigt sich das mehr oder weniger ausgeprägte Bild eines „akuten Abdomens“ mit Abwehrspannung der Bauchdecke, Fieber, Leukozytose, kolikartigen Schmerzen und abdominellem Druck- (McBurney) und Loslassschmerz (Blumberg). Den tachykarden Patienten ist oft übel bis zum Erbrechen. Kinder sind meist völlig appetitlos und klagen über Schmerzen in der Nabelgegend. Typisch ist die Blässe um den Mund bei rotem Gesicht (allgemeines Fieberzeichen), reflektorische Obstipation.

Einfacher Test: Kinder eine Treppenstufe hinunterspringen lassen. Bei akuter Appendizitis führt die Erschütterung zu einem deutlichen Schmerz im rechten Unterbauch. Manche Kinder verweigern den Test aus Furcht vor Schmerz.

  • Bei pubertierenden Mädchen mit Schmerzen im rechten Unterbauch an Eisprung und bevorstehende Menarche denken.

  • Nicht selten sieht man einige Monate (teilweise auch Jahre) nach einer Operation der Rachenmandeln die Appendizitis als nächste Erkrankung im lymphatischen System.

Therapeutische Strategie
Als entzündlicher Vorgang ist die Appendizitis der homöopathischen Therapie genauso zugänglich wie andere fieberhafte oder entzündliche Erkrankungen. Aufgrund der möglichen Komplikationen gehört die Behandlung in die Hand eines erfahrenen Arztes. Das Beschwerdebild muss sich unter der richtigen homöopathischen Arznei rasch bessern. Der Arzt sollte in der Lage sein, die Notwendigkeit einer chirurgischen Intervention verantwortungsbewusst abzuschätzen.
Homöopathische Therapie
Ein in konstitutioneller Behandlung befindliches Kind sollte nicht an einer Appendizitis erkranken, wenn es rein homöopathisch behandelt wird und die Rachenmandeln noch nicht entfernt wurden.
Die Appendizitis wird als akute Krankheit behandelt. Die Verschreibung richtet sich nach den im Vordergrund stehenden Symptomen des aktuellen Krankheitsbildes. Eine häufige Wiederholung der Arzneigabe kann bei heftigem Verlauf notwendig sein.
Wahl der Symptome
SymptomenwahlAppendizitisDie wichtigsten Informationen die man abfragen sollte, sind:
  • Wann und unter welchen Umständen hat das Krankheitsgeschehen genau begonnen (Causa)?

  • Art, Periodizität sowie Modalitäten der abdominalen Schmerzsymptomatik?

  • Welche Körperhaltung nimmt der Patient bevorzugt ein?

  • Begleitende Allgemeinsymptome (Durst, Verlangen, Abneigungen, Ausscheidungen etc.)?

Miasmatische Zuordnung
Ein komplizierter Verlauf einer Appendizitis ist Hinweis auf eine zugrunde liegende Sykosis oder tuberkulöse Diathese (3.4). Postoperative Komplikationen kennzeichnen das syhilitische Miasma.
Repertorium
RepertorisationAppendizitisDie Hauptrubrik für die Appendizitis findet sich im Repertorium unter Abdomen – Entzündung, Peritonitis, Enteritis – Colitis – Appendizitis. Sie enthält neben den wichtigsten Akutmitteln auch viele Polychreste, die im akuten Fall angezeigt sein können. Die Appendizitis erfordert häufig tiefwirkende Medikamente, wenn das frühe Entzündungsstadium bereits überschritten wurde.
Gute Repertoriumsrubriken sind z. B. die Causa, die Rubriken, die die Schmerzsymptomatik oder Art, Periodizität und Modalitäten der abdominalen Schmerzsymptomatik näher bestimmen: Was lindert die Beschwerden? Was bessert sie? Welche Körperhaltung wird bevorzugt? Auch charakteristische Allgemeinsymptome können herangezogen werden.

Diagnosebezogene Rubrik

Abdomen – Entzündung, Peritonitis, Enteritis – Colitis – Appendizitis

Auslöser, Causa

Abdomen – Schmerzen – allgemein – Obst, nach
Gemüt – Beschwerden durch // Ärger, Zorn // Bestrafung // Kränkung, Erniedrigung, Verdruss // Vorwürfe //Ausschweifungen
Allgemeines //Durchnässung – agg. // Sonne – agg. oder Beschwerden durch // Luftzug – agg.

Schmerzsymptomatik

Abdomen – Schmerzen //Anziehen der Glieder amel. // Druck – amel. // Erbrechen, nach – amel. // Wärme – amel. // beugen, gebeugt – Zusammenkrümmen – amel. // beugen, gebeugt – Zusammenkrümmen – muss sich // erstreckt sich – Anus, in den // erstreckt sich – Genitalien, in die // erstreckt sich – Rücken, in den // erstreckt sich – unteren Extremitäten, in die // anfallsartig // ausstrahlend // wandernd

Allgemeinsymptome

Magen //Durst – nachts // Durstlosigkeit – Fieberhitze, bei // Erbrechen – periodisch
Gesicht – Schweiß – kalter Schweiß – Stirn
Gemüt – Angst – Fieber, im
Allgemeines – Speisen und Getränke // – Eis – Verlangen // kalte Getränke, Wasser – Verlangen
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Stimmt das Arzneimittel, bessern sich die Beschwerden schnell! Wie bei allen hochentzündlichen Zuständen muss allein schon wegen der Vermeidung von Lokalkomplikationen eine Verbesserung am Ort der Erkrankung gefordert werden. Die entscheidenden Kriterien sind also eine Verbesserung der Schmerzen, der Abwehrspannung und eventuell vorhandener Fiebersymptome, die bei akuten, hochentzündlichen Erkrankungen ein Teil der Lokalsymptomatik sind. Erfolgt keine Verbesserung in diesen Bereichen, muss kurzfristig und je nach Behandlungsdruck neu verordnet werden.

Cave: Dabei nicht von der Angst der Eltern oder des Patienten hetzen lassen. Immer erst die genaue Analyse, dann verordnen. „Die Appendizitis verzeiht keine Fehler!“

Prognose: In den Händen eines versierten Homöopathen ist die Prognose der akuten Appendizitis sehr gut, eine Operation kann in den meisten Fällen vermieden werden.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

Anfangsstadium der Appendizitis: Apis, Ars., Bry., Coloc., Nux-v., Op., Rhus-t.

Fortgeschrittenes Stadium: Ars., Lach., Lyc., Merc., Plb., Sulf., Thuj.

  • Apis#ApisAppendizitis: heftige, brennende, beißende Schmerzen, manchmal wie von Nadeln. Bauch eingezogen (auch Plumbum). Schrilles Schreien bei Kindern. Appendizitis nach vorausgegangener Impfung. Ödematöse Schwellung der Lider kann ein Leitsymptom sein. Kalte Nasenspitze. Durstlos oder verlangen nach Milch (wie Rhus toxicodendron).

  • Arsenicum#Arsenicum albumAppendizitis: extrem ruhelose Patienten voller Angst. Verlangen häufig schluckweise kalte Getränke. Brennende Schmerzen im Abdomen. Dünnflüssige Diarrhoe.

  • Bryonia#BryoniaAppendizitis: Die Symptomatik entwickelt sich allmählich. Jede Bewegung verschlimmert die reißenden, stechenden Schmerzen. Trockener, harter Stuhlgang. Trockene, rissige Lippen, trockene Zunge, trockener Hals. Viel Durst auf warme Getränke.

  • Colocynthis#ColocynthisAppendizitis: Wenn die Abdominalschmerzen nach Streit oder Ärger beginnen. Patient krümmt sich zusammen, drückt die Hände auf das Abdomen, was erleichtert. Warme Anwendungen bessern. Bitterer Mundgeschmack. Quälende schneidende Schmerzen im Abdomen (Leitbild bei „Max und Moritz“, dritter Streich: der Schneider Böck).

  • Nux vomica#Nux vomicaAppendizitis: Beschwerden bei Menschen, die gerne gut essen und trinken, viel Kaffee zu sich nehmen und eine sitzende Lebensweise haben. Abdomen sehr empfindlich, kolikartige Schmerzen. Schmerzen, die in den Anus ausstrahlen. Laute Gurgelgeräusche im Darm, besonders am Morgen. Schimpfen und Fluchen wegen der Schmerzen. Verlangen nach warmen Getränken.

  • Opium#OpiumAppendizitis: bei völligem Stuhlverhalt oder Stuhl in Bällchen. Fehlende Darmgeräusche. Apathischer, gleichgültiger Patient. Bläulich-rotes, gedunsenes Gesicht. Schweiß am ganzen Körper, nur nicht an den Beinen. Will sich abdecken.

  • Rhus toxicodendron#Rhus toxicodendronAppendizitis: nach Durchnässung oder starken körperlichen Anstrengungen (Wanderung, Sport etc.). Bandgefühl um den Bauch. Laute Gurgelgeräusche im Abdomen. Urtikariaartiger Ausschlag am Bauch oder anderswo. Ruhelosigkeit, findet keine angenehme Position im Bett, wechselt ständig die Lage. Schmerzen wie von einem Pflock oder Steinen im Bauch. Muss gebeugt gehen.

  • Fortgeschritteneres Stadium: Arsenicum, Lachesis, Lycopodium, Mercurius, Plumbum, Sulfur, Thuja. Die Mittel für fortgeschrittene Stadien der Appendizitis, mit schwerem Fieber, phlegmonöser Entzündung, Sepsis etc. sind hier der Vollständigkeit halber aufgezählt, um dem Kliniker eine weitere Möglichkeit an die Hand zu geben, homöopathisch einzugreifen oder zu unterstützen. Wegen der Schwere einer solchen Situation wird zur Differenzierung der Arzneimittel an dieser Stelle auf die Materia medica (35) verwiesen.

Dickdarmdivertikulose, Dickdarmdivertikulitis

Dickdarm Divertikel

Definition: Ausstülpung der Darmwand des Dick- oder Dünndarms (Divertikel). Finden sich mehrere Divertikel, spricht man von einer Divertikulose. Am häufigsten tritt die Divertikulose im Sigma auf, seltener in anderen Abschnitten des Dickdarms, nie im Rektum. Häufige Zivilisationskrankheit, deren genaue Ursache unbekannt ist. Überwiegend ältere Patienten betroffen (ca. 30–50 % der Patienten > 60. Lj.).

Symptomatik: 80 % der Patienten sind langfristig beschwerdefrei. Erst bei einer lokalen Entzündung eines oder mehrerer Divertikel (Divertikulitis) wird der Patient symptomatisch: kolikartige Schmerzen im linken Unterbauch, Druckschmerzhaftigkeit des linken Unterbauchs („tastbare Darmwalze“), Temperaturanstieg, Obstipation, Blähungen, gelegentlich Blutbeimengungen im Stuhl, Leukozytose, BKS erhöht.

Therapeutische Strategie
Da die Divertikulose meist symptomfrei bleibt, wird sie eher zufällig entdeckt, meist im Rahmen von Koloskopien aus anderen Gründen. Empfehlenswert ist zuerst eine ausgewogene, ballaststoffreiche ErnährungErnährungDivertikulose. Alkohol und nitrathaltige Speisen (Geräuchertes) sollten möglichst reduziert werden.
Die Divertikulitis imponiert als heftige akute Erkrankung und bedarf schneller Intervention. Nahrungskarenz ist empfehlenswert. Bei chirurgischen Eingriffen ist ein minimalinvasives Vorgehen heute fast Standard.
Homöopathische Behandlung
Nach der erfolgreichen Akutbehandlung muss sich immer eine antisporische Behandlung anschließen, um die Rezidivneigung zu beseitigen. Die auffallenden, aktuellen Symptome führen im Akutfall zum Medikament.
Wahl der Symptome
SymptomenwahlDivertikuloseRepertorisationDivertikulitisBei Behandlung einer akuten Divertikulitis sollten folgende Punkte abgefragt werden:
  • Causa (auslösende Ursache).

  • Gemütszustand des Patienten während der Beschwerden.

  • Auffallende Lokalsymptome z. B. Veränderungen des Stuhlgangs oder anderer Absonderungen aus dem Enddarm (Schleim, Blut etc.), Schmerzen und deren genaue Umstände und Modalitäten.

Miasmatische Zuordnung
Die sogenannten Wohlstandskrankheiten wie die Divertikulose sind meist Ausdruck der Psora im Latenzstadium (3.4.1). Sie werden unter Einbeziehung der Gesamtheit der Symptome konstitutionell behandelt. Die Divertikulitis wird zwar als akute Krankheit behandelt, ist aber als aktivierte Form der latenten Psora zu verstehen, gelegentlich kompliziert mit Tuberkulinie oder Sykosis. Deshalb sind häufig auch im akuten Fall Antipsorika angezeigt und wirksam (ähnlich wie bei der Appendizitis).
Repertorium
RepertorisationDivertikuloseGute Rubriken im Repertorium sind z. B. die Rubriken, welche die Causa abbilden und die zu den auffallenden Lokalsymptomen.

Causa, Auslöser

Allgemeines //Ausschweifung, Völlerei, nach – agg. // Speisen und Getränke – Alkohol, alkoholische Getränke – agg.// – Sitzende Lebensweise agg.
Gemüt // Traurigkeit, Trübsinn, Niedergeschlagenheit, Depression, Melancholie – Obstipation, bei // Vorwürfe – anderen gegenüber // Störung, Abneigung gegen

Lokalsymptome

Stuhl – Blutig – streifig
Rektum // Stuhl bliebe drin, Gefühl // Obstipation – allgemein – Stuhl – weicht zurück // Schmerzen – splitterartig
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Die Behandlung der asymptomatischen (zufällig entdeckten) Divertikulose folgt den Richtlinien der klassisch homöopathischen Konstitutionstherapie (Einzelgaben, hohe C-Potenzen, lange Wirkzeiten). Die akute Divertikulitis muss, trotz der ihr zugrunde liegenden miasmatischen Ursache, wie eine Akuterkrankung behandelt werden. Wie bei allen akut imponierenden, entzündlichen Erkrankungen zählen bei der Verlaufsbeurteilung primär der Lokalbefund bzw. dessen allgemeine Auswirkungen (evtl. Fieber, Abgeschlagenheit etc.).
Prognose: Aus homöopathischer Sicht ist die Prognose der akuten Divertikulitis sehr gut, eine Operation oder pharmakologische Therapie kann fast immer umgangen werden. Das Therapieziel der Divertikulose ist das Ausbleiben von Entzündungen, Stuhlproblemen und anderen Komplikationen, nicht das Verschwinden der Divertikel.
Wichtige homöopathische Arzneimittel
Eine Differenzierung der Arzneimittel für Divertikulose soll an dieser Stelle nicht erfolgen, da die Divertikelbildung meist ein Nebenaspekt einer konstitutionell angelegten homöopathischen Therapie aus anderen Gründen ist.
Bei der akuten Divertikulitis haben sich besonders Nux vomica, Sulfur, Belladonna, Opium und Nitricum acidum bewährt.

Colon irritabile

Colon irritabile

Definition: ReizkolonReizkolon s. Colon irritabile, ReizdarmsyndromReizdarmsyndrom. Bei diagnostischen Untersuchungen können keine organisch-anatomischen Veränderungen festgestellt werden. Das Reizkolon ist somit eine funktionelle, vegetative Störung und wird den psychosomatischen Erkrankungen zugeordnet. Schätzungsweise 30–60 % aller Patienten betroffen, die wegen Bauchbeschwerden den Arzt aufsuchen, davon ⅔ Frauen. Ursachen: verstärkte Darmkontraktionen, Schleimbildung, Luftansammlungen und unkoordinierte Darmbewegungen.

Symptomatik: Krampfartige Dauerschmerzen, Blähungen, Völlegefühl, Obstipation oder Durchfall und oft ein Druckgefühl im Bauchraum.

Therapeutische Strategie
Der Darmtrakt gehört mit seinen unzähligen steuernden Neuronen und seiner unmittelbaren Verbindung zum sympathischen und parasympathischen Nervensystem zu den Ausdrucksinstrumenten innerpsychischer Vorgänge.
Erwartungsängste, unterdrückte Aggressionen, Liebeskummer, Enttäuschungen usw. werden im Verdauungstrakt somatisiert und sind in Form von Unwohlsein, Peristaltikstörungen für jeden Menschen irgendwann selbst erlebbar. Deshalb ist es sinnvoll, die emotionale Seite dieser Erkrankung wahrzunehmen und entsprechende therapeutische Hilfestellung zu gewährleisten. Da die Schulmedizin beim Colon irritabile keine sichtbare Ursache findet, hat sie keine Mittel zur Lösung des Problems und überlässt diese Krankheit i. d. R. den Psychologen.
Homöopathische Behandlung
Aus homöopathischer Sicht ist es entscheidend, die individuelle Beschwerdesymptomatik des Patienten zu erfassen und in ein Arzneimittel zu übersetzen. Sogenannte funktionelle Beschwerden sind mitunter ernstzunehmende Vorläufersymptome schwerer Erkrankungen in ihrer Latenzphase. Nicht selten folgt nach jahrelangem Verlauf einer vegetativen oder funktionellen Störung eine schwere organische Krankheit. Psychotherapie und Homöopathie können sich bei diesem Erkrankungsbild oft hervorragend ergänzen, da früh erlernte emotionale Reaktionsmuster wie Heilungshindernisse wirken können.
Es besteht die Notwendigkeit den Fall in seiner Gesamtheit aufzunehmen, die Symptome zu ordnen, zu hierarchisieren und das Mittel zu wählen, das auch für die Beschwerden außerhalb der Reizkolonsymptomatik passt. Die Kenntnis der Symptomenliste der latenten Psora ist hilfreich (3.4.1).
Wahl der Symptome
SymptomenwahlColon irritabileDas Reizkolon ist Teil einer miasmatisch-chronischen Erkrankung. Deshalb sind alle wichtigen Anamnesebereiche zu erfassen. Wichtige Abfragepunkte können sein:
  • Schicksalsschläge, Todesfälle oder andere prägende Ereignisse in der Familiengeschichte (auch der Vorfahren).

  • Berufliche oder familiäre Belastungen, die bereits über längere Zeiträume bestehen.

  • Wie geht der Patient z. B. mit Prüfungen, gesellschaftlichen Auftritten um?

  • Gibt es eine Beziehung der Symptome zu bestimmten Nahrungsmitteln?

  • Gibt es am Körper Zeichen miasmatischer Belastungen (Nävi, Chloasma, Niednägel, Nagelbildungsstörungen, Warzen, Landkartenzunge, außergewöhnliche Behaarung etc.)?

  • Allgemeine, vom Reizkolon nicht direkt abhängige Symptome wie Schlafstörungen, Schlafposition, Träume, Schweiße etc. RepertorisationColon irritabile

Miasmatische Zuordnung
Das Reizdarmsyndrom ist Ausdruck der Psora.
Repertorium
RepertorisationColon irritabileAls übergeordnete Rubrik dient die Rubrik Rektum – Diarrhoe mit über 550 AM. Diese ist natürlich aufgrund ihrer Größe nicht praktikabel. Eine passende, deskriptive Rubrik ist z. B. Rektum – Diarrhoe – Erregung des Gemüts, bei, die aber nur einen Teilaspekt des Krankheitsgeschehens beleuchtet.
Wichtige Symptome/Rubriken zur Arzneimitteldifferenzierung können z. B. sein „Schicksalsschläge“, psychische und miasmatische Belastungen, aber auch Nahrungsmodalitäten.

Diagnosebezogene Rubriken

Rektum – Diarrhoe
Rektum – Diarrhoe // Erregung des Gemüts, bei

Schicksalsschläge

Gemüt – Beschwerden durch // – Tod – Eltern oder Freunden, von // Tod – Kindes, eines // geschäftliche – Fehlschläge, Misserfolge // Liebe, enttäuschte, unglückliche

Berufliche oder familiäre Belastungen

Gemüt – Beschwerden durch // Zölibat, ledig sein // Alleinsein // Verachtung, geringschätzige Behandlung durch andere // Heimweh // Arbeit – geistige //
Gemüt – Entrüstung, Empörung – allgemein // Ambitionen, Ehrgeiz – enttäuschte // Unstimmigkeiten zwischen – Verwandten, Freunden // Unstimmigkeiten zwischen – Vorgesetzten und Untergebenen

Prüfungen, gesellschaftliches Auftreten

Gemüt – Furcht // Menschenmenge, in einer // öffentlichen Plätzen, vor // Prüfung, Untersuchung, vor einer
Gemüt – Beschwerden durch // Vorahnung, Vorgefühl, gespannte Erwartung // Vorahnung, Vorgefühl, gespannte Erwartung – Lampenfieber

Nahrungsmittelmodalitäten

Rektum – Durchfall // Milch – agg. // Mittagessen, nach // Trinken agg.
Allgemeines – Speisen und Getränke //blähende Speisen – agg. // Kalk, Bleistifte, Erde, Kreide, Lehm usw. – verlangt // Whisky – Verlangen // stärkehaltige Nahrung – agg.

Miasmatische Belastungen

Extremitäten – Nägel // Beschwerden der – brüchig // Beschwerden der – gepunktet // Beschwerden der – Niednägel
Extremitäten – Warzen – Beine – Füße – Fußsohlen
Haut // Behaarung – Stellen, an ungewöhnlichen // Nävi // Warzen – juckend // Warzen – klein
Zähne – gezackt
Äußerer Hals – Schweiß
Rücken – Schweiß – Zervikalregion
Mund – Landkartenzunge
Gesicht – Verfärbung – braun – Flecken

Schlaf-, Schweiß- und Gemütssymptome

Schlaf – Schlaflosigkeit // Mitternacht, nach – 3 Uhr, nach // Mitternacht, nach – 4 Uhr, nach
Schlaf – Lage // Sitzen // Seite, auf der – rechts
Schweiß – nachts – Erwachen, beim
Gemüt – Träume // Geschäft, Unternehmungen // Fallen
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Die Erkrankung stellt den Behandler mitunter auf die Probe, da gerade Patienten mit einem psychosomatisch mitbedingtem Leiden sehr sensibel auf Umwelteinflüsse reagieren. So kann eine Belastung im Alltag des Patienten (z. B. berufliche Probleme, familiäre Konflikte, wichtiges Ereignis) zu einer Verschlechterung der Symptome und zu imperativ geäußertem Therapiewunsch vonseiten des Patienten führen. Der Leidensdruck des Patienten verleitet den Arzt nicht selten zu unnötigen Arzneigaben, was auf Dauer die Beurteilung des Fallverlaufes extrem erschweren kann. Q-Potenzen tragen durch die regelmäßige Einnahme und die intensiveren Arzt/Patientenkontakte bei diesem Krankheitsbild wesentlich zur Compliance bei.

Der momentane Zustand der Verdauung (worauf die Patienten oft fixiert sind) kann nie die einzige Grundlage der Verlaufsbeurteilung sein.

An sich ist die Prognose von Reizdarmsyndromen unter homöopathischer Behandlung gut, wenn es gelingt, eine homöopathische Konstitutionstherapie nach allen Regeln der Kunst durchzuführen.
Unterstützende Maßnahmen
Psychotherapie.
Wichtige homöopathische Arzneimittel
Bewährte Indikationen für das Colon irritabile können nicht ausgesprochen werden, da es sich aus homöopathischer Sicht um ein Symptom latenter Psora handelt, die in ihrer Gesamtheit behandelt werden muss. Diese Aussage gilt umso mehr, da es bestimmte Arzneimittelbilder gibt (z. B. Gelsemium, Argentum nitricum mit Diarrhoe durch Aufregung und Erwartungsspannung), welche dem Krankheitsbild des Colon irritabile oberflächlich entsprechen, bei genauerer Fallbetrachtung aber ganz andere, tief antimiasmatisch wirkende Arzneimittel nötig sind.

Dickdarmpolypen

Polypen, Dickdarm Dickdarm Polypen

Definition: Gestielte oder flache, von der Schleimhaut des Dickdarms ausgehende, gutartige Wucherung. Polypen können einzeln oder multipel auftreten. Histologisch gehören 70 % der Dickdarmpolypen zu den Adenomen, die als Krebsvorstufe betrachtet werden können.

Symptomatik: Meist unauffällig. Größere Polypen führen manchmal zu Blut- und Schleimbeimengungen im Stuhl.

Therapeutische Strategie und homöopathische Behandlung
Da Dickdarmpolypen als Präkanzerose gelten und deren Entdeckung und sofortige chirurgischer Entfernung meist im Rahmen einer einzigen Koloskopie erfolgen, wird der homöopathische Arzt i. d. R. erst nach der Polypektomie hinzugezogen. Oder die Behandlung erfolgt aus anderen Gründen und der Polyp ist ein im Verlauf entdeckter Nebenbefund.
Wahl der Symptome
Als auffallendes Lokalsymptom kann die Diagnose bei der Hierarchisierung der Gesamtheit der Symptome mit herangezogen werden.
Miasmatische Zuordnung
Gutartige Dickdarmpolypen sind psorischen Ursprungs. Dickdarmkrebs entsteht aus einer Verbindung von Sykosis und Pseudopsora (Tuberkulinie) (3.4).
Repertorium, Dosierung
Im Repertorium findet sich die Rubrik für die Dickdarmpolypen unter Rektum – Polypen. Sind die Polypen karzinomatös verändert, nimmt man die Rubrik Rektum – Karzinom.
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Homöopathische Arzneimittel
Ohne auf die genaueren Umstände der homöopathischen Behandlung von Dickdarmpolypen näher einzugehen (sie entsprechen im Wesentlichen der klassisch homöopathischen Konstitutionstherapie), haben sich einige Arzneimittel in der Praxis besonders bewährt: Nitricum acidum#Nitricum acidumDickdarmpolypen, Sepia#SepiaDickdarmpolypen, Phosphorus#PhosphorusDickdarmpolypen, Calcarea carbonica#Calcium carbonicumDickdarmpolypen, Calcium phosphoricum#Calcium phosphoricumDickdarmpolypen. Das heißt, bei Patienten mit Dickdarmpolypen (auch wenn nur anamnestisch) sind diese Arzneimittel besonders häufig als Konstitutionsmittel angezeigt. Prognosen bezüglich der homöopathischen Behandlung von Dickdarmpolypen lassen sich nur äußerst schwer stellen, da eine histologische Diagnostik nach Entdeckung meist auch eine Entfernung bedingt.

Wurmerkrankungen

Oxyuren (Madenwürmer)

OxyurenMadenwurminfektionDefinition: Erreger ist Enterobius vermicularis. 5–13 mm lange, ca. 0,5 mm Enterobius vermicularisAskaridenOxyurenWürmerdicke, weiße Fadenwürmer, die im Dickdarm des Menschen leben. Eiablage außen am After.
Symptomatik: Der durch die Eier und Würmer ausgelöste Juckreiz führt zum Kratzen. Damit gelangen die Eier an die Hände und werden über den Mund wieder aufgenommen. Die an sich harmlose Erkrankung ist im Kindesalter sehr häufig. Bei weiblichen Patienten Vulvitis und Vaginitis möglich, in Extremfällen Eileiterentzündung (Salpingitis).

Askariden (Faden- bzw. Rundwürmer)

AskaridenFadenwurminfektionRundwurminfektionDefinition: Erreger ist Ascaris lumbricoides. Bis zu 25–30 cm lange Spulwürmer, die den Dünndarm des Menschen besiedeln. Ein ausgewachsenes Weibchen legt bis zu 200 000 Eier, die mit dem Stuhl ausgeschieden werden. Diese Eier müssen 3–4 Wochen reifen, bevor sie für Menschen infektiös werden. Aufnahme über kontaminierte Lebensmittel. Die Wurmlarven dringen durch die Schleimhaut des Magens und gelangen über das Lymph- oder venöse System zu Herz, Leber und Lunge. In der Lunge wandern die Larven über die Kapillaren und Alveolen in die Bronchien. Von dort aus gelangen sie in den Pharynx (Husten) und werden wieder verschluckt. Die Larvenentwicklung dauert etwa 2 Monate.
Symptomatik: Meist asymptomatisch. Je nach Menge der aufgenommenen Larven entwickelt sich Fieber, Husten, blutiger Auswurf und Atembeschwerden. Abdominelle Beschwerden, Peritonitis und Ileus können bei enorm großen Wurmmengen als Komplikation auftreten.
Therapeutische Strategie
Für die Parasitenabwehr benutzt der menschliche Organismus einen spezifischen Zweig des Immunsystems: Die histaminvermittelte Immunreaktion über IgE-AntikörperIgE-Antikörper, Wurmerkrankungen. Dieser Teil des Immunsystems ist ebenfalls bei immunvermittelten Allergien beteiligt und mitverantwortlich für Krankheiten wie Heuschnupfen, Asthma, Neurodermitis, Nahrungsmittelallergien etc.
Bei zu hohem IgE-Spiegel ist die Abwehrlage für „Fremdeiweiße“ überschießend. Die Antikörper reagieren auf Pseudoparasiten wie Hausstaub, Hundehaare oder Blütenpollen genauso, wie auf jeden Wurm. Es ist demnach nicht erstaunlich, dass Allergiker mit hohen IgE-Spiegeln und hohen Eosinophilen meist nicht an Würmern oder anderen Parasiten erkranken. Auf der anderen Seite wird diskutiert, ob mangelnder Parasitenkontakt in der frühen Kindheit die Wahrscheinlichkeit, an einer Allergie zu erkranken, erhöht.
Der Kontakt und die Überwindung von Parasiten in der Kindheit sind also möglicherweise für die Entwicklung eines funktionsfähigen und koordinierten Immunsystems wichtig und notwendig.
Für die Theorie, dass das Auftreten von Wurminfektionen von weit mehr abhängig ist, als von einer gerade zufälligen Exposition spricht, dass manche Patienten immer wieder (auch nach allopathischer Unterdrückung und strenger Einhaltung hygienischer Maßnahmen) Wurminfektionen bekommen. Die Würmer dann aber plötzlich, auch ohne zusätzliche Therapie, einfach verschwinden und selbst bei erneuter Exposition keine Infektionen mehr auftreten. Bei der homöopathischen Behandlung von Allergikern ist eine Entwicklung von der aktiven Psora (z. B. Neurodermitis) zur latenten Psora (z. B. Madenwürmer) immer ein Besserungszeichen!

Es sollte daher nicht mit AnthelminthikaAnthelmintika eingegriffen werden und auch bei neu aufgetretenem Wurmbefall bei ansonsten gesunden Kindern mit Geduld eine antipsorische Therapie durchgeführt werden. Damit lässt sich die Entwicklung von Allergien beeinflussen.

Homöopathische Behandlung
Ein Wurmbefall ist damit nie als isoliertes Lokalsymptom zu betrachten. Eine homöopathische Behandlung darf sich nicht an der Unterdrückung des Lokalsymptoms orientieren, sondern zielt auf die Behandlung der Gesamtheit der Symptome ab. Die Liste der Symptome der latenten Psora kann Anhaltspunkte für die weitere Patientenexploration geben.
Infektionen mit Askariden sind heute sehr selten. Auf eine Darstellung der homöopathischen Therapie wird deshalb verzichtet.
Wahl der Symptome
Letztlich sind die Lokalsymptome v. a. durch die häufigen Madenwürmer (Oxyuren) sehr einförmig (starker analer Juckreiz abends). Für eine passende Verschreibung sind sie als Symptome deshalb nicht hilfreich, allenfalls der Wurmbefall an sich kann als individuelle Krankheitsäußerung in begrenztem Maß zur Arzneimittelwahl beitragen (sehr große Rubriken). Ansonsten muss die Verschreibung nach konstitutionell homöopathischen Gesichtspunkten erfolgen (6.3).
Miasmatische Zuordnung
Würmer sind Ausdruck der latenten Psora (3.4.1). Große Wurmmengen können ein Hinweis auf eine tuberkulinische Belastung sein.
Repertorium
RepertorisationWurmerkrankungenDie Rubriken für die Madenwürmer findet man im Kapitel Rektum.

Rektum – Würmer // Madenwürmer, Oxyuren // wurmähnliche Parasiten, Rundwürmer // Wurmbefall – Kindern, bei

Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Ein dramatischer Verlauf mit kontinuierlicher „Verwurmung“ oder schweren Komplikationen ist nicht zu befürchten. Auftreten und Verschwinden von Würmern sind ein wichtiger Verlaufsparameter bei der Beurteilung von Miasmenübergängen.
Prognose: Ist es für die Patienten und deren Familie möglich, dem psychosozialen Druck des Umfeldes standzuhalten, haben Wurminfektionen mit den sehr häufigen Oxyuren eine sehr gute Prognose. Dies betrifft besonders den prophylaktischen Aspekt bezüglich erneuter Wurminfektionen.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierung

Akute Mittel: Acon., Bell., Cic., Cina., Ign., Spig.

Chronische Mittel: Calc., Lyc., Merc., Sil. Sulph.

  • Konvulsionen bei Wurmerkrankungen: Cicuta, Belladonna, Cina, Ignatia.

  • Bei gestörter Gehirntätigkeit, Schlafsucht etc.: Belladonna, Cina.

  • Viel wässriges Aufstoßen: Aconitum, Lycopodium, Silicea.

  • Aufsteigen im Hals und Magen: Aconitum, Spigelia.

  • Übelkeit und Erbrechen: Aconitum, Cina, Lycopodium, Spigelia.

  • Kribbeln Magen: Lycopodium.

  • Abdominalkoliken: Aconitum, Cina, Lycopodium, Mercurius.

  • Durchfälle: Calcarea carbonica, Cina, Mercurius, Spigelia.

Erkrankungen der Analregion

Anal- und Rektumprolaps

Analprolaps Rektumprolaps

Definition: Ausstülpung der Analschleimhaut (Analprolaps) oder aller Wandschichten des Rektums (Rektumprolaps) im Rahmen starker Hämorrhoiden oder einer Bindegewebsschwäche im Bereich des Beckenbodens.

Symptomatik: Schwierigkeiten bei der Stuhlkontrolle, in der Folge ständiges Schleimen und Nässen. Es kann zu chronischen Analekzemen und Austrocknungsulzerationen kommen.

Therapeutische Strategie und homöopathische Behandlung

Ein Analprolaps bei Kindern kann Hinweis auf eine Mukoviszidose sein (12.2.5).

Meist kann der Patienten den Prolaps selbst manuell reponieren. Eine Pflege mit hamamelishaltigen Salben ist sinnvoll. Eine chirurgische Sanierung bringt oft nicht den gewünschten dauerhaften Erfolg.
Anal- und Rektumprolaps sind Ausdruck einer tiefen miasmatischen Belastung. Es ist unabdingbar, die Gesamtheit der Symptome aufzunehmen, den Fall zu hierarchisieren und eine langfristige Behandlungsstrategie zu entwickeln.
Miasmatische Zuordnung
Ein Rektumprolaps bei kleinen Kinder ist ein Symptom der Tuberkulinie (Pseudopsora).
Repertorium
RepertorisationRektumprolapsDie Hauptrubrik findet sich unter Rektum – Prolaps, Vorfall. Hilfreich sind manchmal auch die folgenden Unterrubriken.

Rektum – Prolaps, Vorfall // Durchfall, bei // Kindern, bei // Entbindung, nach // Stuhl, bei // Stuhl, nach

Analabszess (periproktitischer Abszess)

Analabszess Abszess, periproktitischer Analabszess

Definition: Entzündliche, eitrige Abkapselung im Bereich der Übergangsfalten (Krypten) zwischen Mastdarm und Analkanal.

Symptomatik: Rötung, Schwellung, Verhärtung und Temperaturerhöhung sind die typischen Abszesszeichen.

Therapeutische Strategie und homöopathische Behandlung
Bei sehr fortgeschrittener Abszedierung ist eine chirurgische Intervention manchmal nicht zu umgehen.
Die akute Phase des Analabszesses wird wie eine akute Krankheit behandelt: Die aktuellen im Vordergrund stehenden Symptome werden zur Mittelwahl herangezogen. Nach Abheilung umgehend auf die antimiasmatische Strategie wechseln.

Cave: Evtl. vorhandene Grunderkrankungen nicht übersehen (Diabetes, Colitis, HIV etc.).

Miasmatische Zuordnung
Den Analabszess ordnet man dem tuberkulinischen oder sykotischen Miasma zu (3).
Repertorium
RepertorisationRektumabszessDie passende Rubrik ist Rektum – Abszess – allgemein (21 AM). Sie hat eine überschaubare Größe und enthält viele bewährte Medikamente. Ansonsten müssen im akuten Fall auch alle Unterrubriken des Abschnitts Rektum – Schmerz berücksichtigt werden.
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Auf das passende Arzneimittel erfolgt meist eine prompte Besserung in relativ kurzer Zeit (24–48 h). Ob dabei eine Abszessentleerung oder eine Abheilung durch Resorption erfolgt, hängt vom Entwicklungszustand des Abszesses, dessen genauer Lokalisation und der individuellen Reaktionsmöglichkeit des Organismus ab. Einzelgaben hoher C-Potenzen in haben sich bewährt.
Prognose: Sowohl bei akuten Analabszessen als auch bei chronisch rezidivierenden Entzündungen der Analregion ist die Prognose mit ausschließlich homöopathischer Behandlung sehr gut.
Wichtige homöopathische Arzneimittel
Wegen der fast immer bestehenden Assoziation des Analabszesses zu anderen Grunderkrankungen wird bezüglich der praktischen Behandlung auf andere Kapitel verwiesen (13.4.1 Colitis ulcerosa, 23 Hauterkrankungen).

Analfistel

Analfistel

Definition: Die Analfistel (lat. fistula = Röhre, Pfeife) wird oft in Form eines nicht heilenden „Pickels“ in der äußeren Afterregion bemerkt, der die äußere Öffnung des Fistelgangs ist und der sich häufig bis zur Übergangsregion zwischen Mastdarm und Analkanal zieht. Dort bilden sich durch chronische Entzündungsprozesse in den Übergangsfalten (Krypten) Abszesse, die sich einen Weg nach außen gebahnt haben. Bestimmte chronische Erkrankungen wie M. Crohn, Tuberkulose oder chronische Colitis können zur Fistelbildung führen.

Symptomatik: Eitrige Sekretion, Pruritus, selten Schmerzen beim Stuhlgang.

Therapeutische Strategie und homöopathische Behandlung
Die chirurgische Intervention liefert nicht immer befriedigende und/oder dauerhaft positive Ergebnisse. Eine homöopathische Therapie sollte aufgrund der oft guten Resultate zunächst unbedingt vorgezogen werden.
Im Gegensatz zum Analabszess ist die Fistelbildung ein weniger akutes Krankheitsbild mit Neigung zur Chronifizierung und kann deshalb als individuelle Krankheitsäußerung in die Planung und Durchführung einer homöopathischen Konstitutionstherapie mit einbezogen werden. Die Behandlung richtet sich nach der Gesamtheit der Symptome.

Cave: Oft schwere Grundkrankheiten im Hintergrund!

Miasmatische Zuordnung
Die Analfistel ordnet man dem sykotischen oder tuberkulinischen Miasma zu.
Repertorium
RepertorisationAnalfistelDie Hauptrubrik Rektum – Fistel – allgemein enthält über 50 Arzneimittel, darunter alle wichtigen Polychreste.
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Insgesamt ist die Prognose jeglicher Fistelbildung, auch der Analfistel, sehr gut. Dabei ist zu beachten, dass die Abheilung des Fistelgangs unter Umständen mehrere Wochen in Anspruch nehmen kann, auch bei lange bestehenden Fisteln ist eine Abheilung ohne chirurgische Intervention möglich. Q-Potenzen bieten eine gute Kontrolle über den Behandlungsverlauf. Hohe C-Potenzen sichern den Erfolg in der Nachbehandlung.
Wichtige homöopathische Arzneimittel
Obwohl sich einige Arzneimittel bei der Behandlung besonders bewährt haben (z. B. Silicea, Nitricum acidum, Causticum, Berberis, Calcium phosphoricum, Kalium carbonicum, Fluoricum acidum, Thuja, Hepar sulfuris), soll wegen der eindeutig chronisch miasmatischen Natur von Analfisteln keine Differenzierung der Arzneimittel erfolgen, da eine ausschnittweise Darstellung in keiner Weise zielführend bezüglich der tatsächlich zu tätigen Arzneiwahl ist.

Hämorrhoiden

Hämorrhoiden

Definition: Erweiterung des Plexus haemorrhoidalis superior.

  • I. Vorwölbung oberhalb der Linea dentata (nicht tastbar)

  • II. Prolaps beim Pressen, spontane Reposition

  • III. Prolaps nach Defäkation, manuelle Reposition möglich

  • IV. Reposition unmöglich

Symptomatik: Vorwölbung, perianale Blutung, Juckreiz, Brennen, Nässen.

Therapeutische Strategie
Hämorrhoidalleiden sind aus homöopathischer Sicht Symptome einer zugrunde liegenden, chronisch-miasmatischen Störung. Sie sind weit verbreitet, oft schon bei jungen Menschen oder Kindern. Ebenso häufig werden sie als lästiges Lokalsymptom auf die unterschiedlichsten Arten unterdrückt (Unterbindung, Laserung, Verödung etc.). Eine Komplikation von Hämorrhoidalleiden stellen die hochschmerzhaften Perianalthrombosen dar, die häufig ebenfalls durch chirurgische Intervention kupiert werden. Eine geläufige Beobachtung in der Praxis ist, dass bestimmte Patienten eine Prädisposition zu Hämorrhoidalleiden haben (ähnlich wie die Neigung zu Krampfadern), die auch nach multiplen Unterdrückungsversuchen rezidivieren. Aus homöopathischer Sicht stellt die Unterdrückung von Lokalübeln und Absonderungen (hier: Hämorrhoiden) eine große Gefahr für die gesundheitliche Integrität des Organismus dar. Auch wenn nach erfolgreicher Unterdrückung von Hämorrhoiden scheinbare Beschwerdefreiheit eintritt, muss über einen längeren Zeitraum mit dem Auftreten von neuen, prognostisch ungünstigeren Erkrankungen gerechnet werden.
Homöopathische Behandlung
Niemals sollten Hämorrhoiden, auf welche Art auch immer, unterdrückt werden. Die passende homöopathische Behandlung wird die Hämorrhoiden ebenso zuverlässig zum Verschwinden bringen, ohne sie zu unterdrücken. Dabei müssen in der Praxis zwei mögliche Konstellationen unterschieden werden.
  • PerianalthromboseAkute, symptomatische Hämorrhoiden (evtl. mit Perianalthrombose): Diese verursachen z. B. Schmerzen, stärkere Blutungen, evtl. Stuhlentleerungsstörungen und müssen primär als akute Problematik unter Berücksichtigung hauptsächlich der Lokalsymptomatik behandelt werden.

  • Chronische, subjektiv symptomatische oder asymptomatische Hämorrhoiden: Chronische Hämorrhoiden mit keinen oder wenig Beschwerden werden konstitutionell homöopathisch behandelt. Sie sind dabei als Teil der Gesamtsymptomatik des Patienten zu sehen und nehmen die Stellung eines LokalsymptomsLokalsymptomHämorrhoiden ein (u. U. auch als auffallendes Symptom, wenn sie auf irgendeine Weise ungewöhnlich sind).

Wahl der Symptome
Chronische Hämorrhoiden werden im Rahmen der Konstitutionstherapie bei der Arzneiwahl als LokalsymptomLokalsymptomHämorrhoiden gesehen und spielen für die Arzneiwahl keine allzu große Rolle. Zeigen die Hämorrhoiden aber Auffälligkeiten, welche die Reaktionsweise des Patienten individuell charakterisieren („§-153-Symptome“, vgl. Organon) können sie bei der Arzneiwahl von Bedeutung sein (s. u. „Repertorium“).
Akute Hämorrhoidalleiden sind scheinbar meist recht einförmige Krankheitsbilder, bei genauerem Hinsehen ergeben sich jedoch einige wertvolle Differenzierungen:
  • Lebensphase: z. B. Hämorrhoiden in der Kindheit, in der Schwangerschaft, während oder nach der Entbindung.

  • Modalitäten: z. B. Besserung oder Verschlechterung durch Wärme oder Kälte, durch Berührung, Hervortretend bei Stuhlgang oder beim Urinieren.

  • Lokalbefund: mit Aussehen und Absonderungen, z. B. bläuliche Hämorrhoiden, purpurne Hämorrhoiden, stark blutende Hämorrhoiden, übel riechend.

  • Begleitsymptome: z. B. Nasenbluten bei Hämorrhoiden, Rückenschmerzen.

Miasmatische Zuordnung
Hämorrhoiden sind ein Symptom der Sykosis.
Repertorium
RepertorisationHämorrhoidenDie übergeordnete Rubrik zum Thema findet sich im Kapitel Rektum unter Hämorrhoiden. Sie ist mit über 270 Medikamenten nicht praxistauglich, repräsentiert aber die Fülle an therapeutischen Möglichkeiten. Sie enthält aber auch zahlreiche Unterrubriken, welche die Modalitäten und Eigenschaften der Hämorrhoiden abbilden.
An dieser Stelle sei auch auf die wichtige Repertoriumsrubrik hingewiesen, die die Problematik der Unterdrückung von Hämorrhoiden abbildet: Allgemeines – Hämorrhoiden; Beschwerden durch unterdrückte.

Lebensphasen

Rektum – Hämorrhoiden// Kindern, bei // Schwangerschaft, während // Entbindung agg.

Modalitäten

Rektum – Hämorrhoiden //Berührung agg. // Bewegung agg. // Blähungen, durch // kalte Anwendungen amel. // kaltes Wasser amel. // treten hervor – Urinieren, beim // Wärme, äußere amel. // Wischen nach Stuhlgang agg.

Eigenschaften der Hämorrhoiden

Rektum – Hämorrhoiden //absondernd – Schleim // übel riechend // bläulich // blutgefüllt, geschwollen // geschwürig // groß // hart

Begleitsymptome

Rektum – Hämorrhoiden – begleitet von // Nasenbluten // Stuhl, blutigem, schleimigem // Rückenschmerzen
Rektum – Blutung aus dem Anus (mit Unterrubriken)
Rektum – Schmerz (mit Unterrubriken)
Dosierung, Verlaufsbeurteilung, Prognose
Zur Dosierung 6.2, 6.3, 6.4, 6.5.
Stark symptomatische Hämorrhoiden (Schmerzen, Blutung etc.) bessern sich unter dem richtigen homöopathischen Mittel innerhalb von 24 Stunden, abhängig von Intensität und bisheriger Dauer der Beschwerden. Begleitsymptome von Hämorrhoiden wie Juckreiz, reaktive lokale Entzündung oder ekzematöse Veränderungen und die Hämorrhoiden selbst erfordern eine längere konstitutionelle Behandlung unter Einbeziehung der Gesamtheit der Symptome des Patienten. In der akuten Phase sind C-Potenzen (C30 bis C200) anzeigt. Später wird mit aufsteigenden Hochpotenzen des Konstitutionsmittels weiterbehandelt.

Auf lokale medikamentöse oder chirurgische Maßnahmen kann fast immer verzichtet werden.

Unterstützende Maßnahmen
Kaffee, Alkohol, Nikotin und andere Stimulanzien vermeiden. Bewegung und Sport.
Wichtige homöopathische Arzneimittel und ihre Differenzierungen

!!! Aesc., Aloe., Ham., Mur-ac., Nux-v.
!! Acon., Bell., Calc., Caps., Chin., Ip., Sulph.
! Carb.v., Ign., Graph. Nit-ac., Puls.

Bewährte Indikationen
  • Aesculus hippocastanum#Aesculus hippocastanumHämorrhoiden: Hämorrhoidalleiden begleitet von Rückenschmerzen; venöse Stauung, Verstopfung und Völlegefühl bei Hämorrhoiden. Rektum fühlt sich an, als sei es mit Stiften gefüllt, der Anus ist rau und wund. Scharfe, schießende Schmerzen von den Hämorrhoiden den Rücken hinauf oder Frösteln den Rücken hinauf und hinunter.

  • Aloe#AloeHämorrhoiden: Folgen sitzender Lebensweise, passt für alte Menschen, oder für Probleme nach lang anhaltendem Biergenuss. Pulsieren im Rektum, Gefühl eines Pfropfens zwischen Symphyse und Steißbein, blutendes, heißes Rektum. Unsicherheitsgefühl des Rektums beim Passieren von Blähungen (weiß nicht, ob Stuhl mitgekommen ist). Wunde, traubenförmige Hämorrhoiden, sehr empfindlich. Kalte Anwendungen bessern, besonders kaltes Wasser (z. B. kalte Dusche). Patient ist gedanklich völlig fixiert auf seine Analregion und die damit verbundenen Beschwerden.

  • Hamanelis virginiana#HamamelisHämorrhoiden: Hämorrhoiden mit Prellungsschmerz und Blutung. Hämorrhoiden begleitet von Nasenbluten.

  • Muriaticum acidum#Muriaticum acidumHämorrhoiden: unwillkürliche Stuhlentleerung beim Wasserlassen, berührungsempfindliche Hämorrhoiden, sogar das Toilettenpapier ist schmerzhaft, äußere Wärme wird als angenehm empfunden. Heiße, bläuliche Hämorrhoiden, bei Kindern und in der Schwangerschaft.

  • Nux vomica#Nux vomicaHämorrhoiden: juckende Hämorrhoiden mit erfolglosem Stuhldrang, sehr schmerzhaft, hervorgerufen durch sitzende Lebensweise, viel Alkohol oder Medikamente. Charakteristisch ist der erfolglose Stuhldrang oder das Gefühl, als ob ein Teil des Stuhls im Rektum verblieben ist. Äußerliche Wärme bessert die Hämorrhoiden.

  • Hämorrhoiden ohne Blutabgang und sonstige Beschwerden: Ignatia, Capsicum, Nux vomica, Pulsatilla, Sulphur, Arsenicum.

  • Sehr starke, beschwerliche Schwellung: Belladonna, Muriaticum acidum, Thuja.

  • Hämorrhoiden, wenn sie nur feuchten und nässen: Sepia, Sulphur, Phosphor.

Juckende, schmerzhafte, eiternde Hämorrhoiden
  • Hämorrhoiden mit viel Jucken: Aconitum, Sulphur, Nux vomica, Carbo vegetabilis, Ignatia, Arsenicum.

  • Hämorrhoiden, wenn sie wie wund schmerzen: Ignatia.

  • Hämorrhoiden mit stechenden Schmerzen: Aconitum, Ignatia, Carbo vegetabilis, Nux vomica, Sulphur, Nitricum acidum.

  • Wenn die Hämorrhoiden anfangen zu eitern: Pulsatilla, Sulphur, Ignatia.

Blut- und Schleimabgang
  • Blutende Hämorrhoiden, wenn sie öfter bluten, besonders bei oder nach dem Stuhl: Aconitum, Belladonna, Carbo vegetabilis, Chamomilla, Kalium carbonicum, Nux vomica, Muriaticum acidum, Sulphur.

  • Bei massivem, sturzbachartigem Blutabgang: Aconitum, Belladonna, Calcium carbonicum, Capsicum, China, Ipecacuanha, Muriaticum acidum, Sulphur.

  • Hämorrhoiden mit viel Schleimabgang: Phosphor, Sepia, Antimonium carbonicum, Carbo vegetabilis, seltener Nux vomica, Sulphur, Capsicum.

  • Hämorrhoiden mit viel Schleimabgang, wenn dieser Schleim unter vielem Krämpfen abgeht, und blutig ist: Capsicum, Ignatia, Pulsatilla.

  • Nach unterdrücktem Blutfluss viel Blutdrang zum Kopf: Nux vomica, Calcium carbonicum, Sulphur sowie Carbo vegetabilis, Belladonna.

  • Bei Blutandrang zur Brust, mit Atembeklemmung, Herzklopfen: Sulphur, Pulsatilla, Arsenicum.

Begleitsymptome
  • Unterleibsbeschwerden, Blähungen, Übelkeit, Vollheitsgefühl im Bauch: Nux vomica, Sulphur – auch sehr oft: Carbo vegetabilis, Capsicum, Graphites, Calcium carbonicum.

  • Kolik von Hämorrhoiden: Sulphur.

    • Mit Blähungen: Nux vomica, Carbo vegetabilis.

    • Mit großer Angst und Unruhe: Arsenicum.

  • Starke Kreuzschmerzen: Nux vomica, Sulphur – aber auch: Arsenicum, Aconitum, Belladonna, Nux vomica, Chamomilla, Capsicum.

  • Nachtunruhe mit Brennen in allen Adern und großer Schwäche: Arsenicum.

  • Starke Verstopfung und träge Stühlen: Sulphur, Calcium carbonicum, Nux vomica, Graphites, Arsenicum.

  • Durchfall oder weiche Stühle: Pulsatilla, Phosphor, Sulphur, Nitricum acidum, Calcium carbonicum.

  • Blasenbeschwerden, Dysurie: Aconitum, Nux vomica, Pulsatilla – manchmal auch Sulphur.

Protrusion, Thrombose der Hämorrhoiden
  • Protrusion der Hämorrhoiden: Sulphur, Calcium carbonicum, Nitricum acidum.

  • Hämorrhoidalthrombose: Muriaticum acidum (bei Kindern!).

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