© 2019 by Elsevier GmbH

Bitte nutzen Sie das untenstehende Formular um uns Kritik, Fragen oder Anregungen zukommen zu lassen.

Willkommen

Mehr Informationen

B978-3-437-55062-1.00001-6

10.1016/B978-3-437-55062-1.00001-6

978-3-437-55062-1

Abies canadensis – Aurum sulfuratum

Abies canadensis

Essenzielle Merkmale
Dieses Mittel wurde noch nicht ausreichend geprüft, um die mental-emotionale Symptomatologie klar herauszubringen; trotzdem gibt es ein eindeutiges Mittelbild, auf welches hin es verschrieben werden kann. Es ist recht wahrscheinlich, dass Abies canadensis in Fällen angezeigt sein wird, in denen andere Mittel wie nux vomicaNUX VOMICA, sepiaSEPIA, ChelidoniumCHELIDONIUM und lycopodiumLYCOPODIUM zuvor erfolglos verschrieben wurden.
Verdauungssystem: nagender Hunger und Entkräftung
Das Verdauungssystem ist das Hauptzentrum der Beschwerden dieser Patienten, wobei zuerst die Schleimhäute des Magens angegriffen werden. Es tritt ein verstärkter Fluss von Verdauungssäften auf, der zu einem sehr ausgeprägten, nagenden Hungergefühl führt. Der Patient kann dieses Gefühl nicht ertragen; er hat das Gefühl, sein Magen werde angefressen, und er muss sofort etwas essen, um den nagenden Schmerz zu lindern. Das Leeregefühl im Magen kann durch keinerlei Nahrungsmenge gelindert werden. Als Folge davon ist es möglich, dass der Patient viel mehr isst, als er verdauen kann, was schließlich zu einer Überladung des Magens führt. Dieser rasende Appetit, dieses nagende Hungergefühl ist eines der Leitsymptome für die Wahl des Mittels und geht einher mit einem Schwächegefühl, das vom Epigastrium aufsteigt. Der Patient fühlt sich benommen und so, als würde er ohnmächtig, ihm ist schwummrig im Kopf. Oft wird dies als beschwipstes Gefühl im Kopf beschrieben.
Zusammen mit der beschriebenen Symptomatologie tritt beim Abies-canadensis-Patienten eine Tendenz auf, sich leicht müde und erschöpft zu fühlen; ein Gefühl der Entkräftung, welches dazu führt, dass er sich hinlegen will und die ganze Zeit ruhen will. Ein anderes Keynote ist, dass er mit angezogenen Beinen liegen will. Es ist, als versuche der Organismus zu verhindern, dass es zu einem abwärtsdrängenden Gefühl in den Därmen kommt – ein Schwächegefühl, das alle inneren Organe durchdringt. Bei Frauen finden wir Uterusprolaps oder Gebärmutterverlagerung (sepiaSEPIA), was als die Empfindung beschrieben wird, der Uterus sei schwach und weich.
Verdauungssystem: Leber, mangelnde Assimilation der Nahrung
Schließlich wird die Leber angegriffen, sie arbeitet träge, und der Patient hat das Gefühl, die Leber sei klein und hart. Manchmal breitet sich der Schmerz vom rechten Hypochondrium zum rechten Schulterblatt hin aus (ChelidoniumCHELIDONIUM). Oft tritt Obstipation mit einem brennenden Gefühl im Rektum auf. Es kommt zu Auftreibung des Magens mit Aufstoßen, ebenso zu Kollern und Auftreibung im Abdomen, die das Herz und die Atmung beeinträchtigen; die Auftreibung von Magen und Bauch ruft heftiges Herzklopfen und angestrengtes Atmen nach dem Essen hervor.
Die Trägheit der Leber und die allgemeine Schwäche deuten auf eine unzureichende Assimilation der Nahrung hin, eine Funktionsstörung, die durch die eigentümliche Nahrung, nach der Verlangen besteht, verschlimmert wird: derbe Speisen wie Rettich, Pickles (in Essig Eingelegtes), Steckrüben, Artischocken, Fleisch, kräftig gewürzte Speisen. Es kann jedoch auch eine Abneigung gegen solche Speisen vorhanden sein, und es besteht eindeutig eine Abneigung gegen saure Speisen (NUX VOMICA).
Reizbarkeit, geistige Erschöpfung
Im Zusammenhang mit dieser Symptomatologie treten weitere Symptome auf: Der Patient wird reizbar und schlecht gelaunt, er ist mürrisch und sauer, quengelig, nervös, bissig und schnippisch. Geistig ähnelt er dem NUX-VOMICA-Patienten, aber er ist weder so ungeduldig noch so reizbar und unbeherrscht wie dieser; der Abies-canadensis-Patient ist im Vergleich dazu quengeliger und weniger aktiv, außerdem mangelt es ihm an Durchhaltevermögen und Antrieb. Es ist eine tiefgreifende Trägheit vorhanden, der nicht wie bei NUX VOMICA durch das Essen von anregenden Speisen entgegengewirkt werden kann.
Bei Abies canadensis finden wir kein Sodbrennen, wie es so oft bei aktiven Personen vorkommt und bei nux vomicaNUX VOMICA so hervorsticht. Abies-canadensis-Patienten sind viel ruhiger, manchmal entsteht der Eindruck von Gleichgültigkeit gegenüber den Dingen des Lebens. Besonders hervorstechend ist die Tatsache, dass diese Patienten sowohl körperlich als auch geistig müde sind – sie fühlen sich geistig erschöpft, verwirrt, und sie wirken wie benommen. Abies canadensis ist ein Mittel, das bei geistiger Erschöpfung und Leere aufgrund von gestörter Leberfunktion und unzureichender Assimilation der Nahrung angezeigt sein kann. Man kann alle möglichen Auswirkungen von Leberfunktionsstörungen finden. Das Mittel hat eine konkrete physische Symptomatologie, zu welcher Krankheiten wie Zwölffingerdarmgeschwüre, Gastritis, Leber- und Gallenblasenerkrankungen, Hypoglykämie etc. gehören können.
Gefühl, Blut ist aus Eiswasser
Abies canadensis ist im Allgemeinen ein frostiges Mittel, doch besonders eigentümlich ist ein kaltes Gefühl im Blutstrom, als sei das Blut aus Eiswasser. Die Kälte wird hauptsächlich zwischen den Schulterblättern gespürt, wo eine Empfindung auftritt, als läge dort ein nasses Tuch. Dies ist ein Leitsymptom bei akuten Atmungsbeschwerden oder Grippe. Bei Grippefällen werden homöopathische Ärzte oft statt Abies canadensis gelsemiumGELSEMIUM verschreiben, denn bei beiden treten Erschöpfung und lähmungsartige Schwäche auf, doch die tiefgreifende Kälte und besonders die Empfindung eines nassen Tuchs auf dem Rücken gehören zu Abies canadensis. So sehen wir also, dass, obwohl ein vollständiges Symptomenbild erst noch entwickelt werden muss, dieses Mittel doch mit einer Reihe eigentümlicher Symptome ausgestattet ist, die zu seiner korrekten Verschreibung hinleiten können.
Allgemeinsymptome und Keynotes
  • Abies canadensis ist ein kaltes Mittel mit Kälteschauern und einem Gefühl von Kälte in den Blutgefäßen, als sei das Blut Eiswasser. Kälte in der Dorsalregion zwischen den Schulterblättern, als sei dort kaltes Wasser oder ein nasses Stück Stoff. Kalte Schauer laufen den Rücken hinab. Die Hände sind kalt, runzelig und geschrumpft. Die Haut ist klamm und klebrig.

  • Schwäche, Abgespanntheit, Hinfälligkeit mit der Neigung, sich hinzulegen und mit angezogenen Gliedmaßen zu ruhen. Er mag nicht längere Zeit stehen, und tagsüber fühlt er sich schläfrig und muss oft gähnen. Sehr schwach, als sei der Kopf im oberen Bereich kongestioniert; benommenes Gefühl, wie betrunken, mit einer Empfindung von Schwindel im Kopf. Wegen des beschwipsten Gefühls im Kopf kann dieses Mittel für die Folgen von Trunkenheit angezeigt sein.

  • Man kann Abies canadensis mit einem recht hohen Grade an Sicherheit verschreiben, wenn die Hauptbeschwerde des Patienten in einem gesteigerten Hunger, einem nagenden, rasenden, exzessiven Appetit besteht, der von einem Leere- und Schwächegefühl im Epigastrium begleitet ist.

  • Der Abies-canadensis-Patient hat ein Verlangen nach deftiger Nahrung; nach Fleisch, sauer Eingelegtem, Rettich, Steckrüben, Artischocken und unverdaulichen Speisen, wobei all dies seine Beschwerden verschlimmern kann. Darüber hinaus hat er die Tendenz, weit über seine Verdauungsfähigkeit hinaus zu essen. Als Folge davon treten Flatulenz und Auftreibung des Magens und Abdomens auf und rufen Herzklopfen und erschwerte Atmung hervor (Roemheld-Syndrom).

  • Empfindung, als sei die Leber klein und hart. Die Leber ist empfindlich und fühlt sich hart an, verbunden mit einem Schmerz unter dem rechten Schulterblatt.

  • Nach T. F. Allen ist Abies canadensis besonders nützlich bei Frauen mit Gebärmutterverlagerung, die von einem flauen Schwächegefühl im Becken und einem Hunger- und Schwächegefühl mit Verlangen nach unverdaulichen oder unbekömmlichen Speisen begleitet wird. Im Uterusbereich besteht eine Empfindung von Erweichung und Schwäche mit Empfindlichkeit des Fundus, die durch Druck gebessert wird. Wegen der Schwäche und Erschlaffung ihrer inneren Genitalien hat die Patientin das Bedürfnis, sich mit angezogenen Beinen hinzulegen.

Abies nigra

Essenzielle Merkmale
Beide Abies-Arten wirken sich auf das Verdauungssystem aus, jede in ihrer einzigartigen Weise. Während der Schwerpunkt von abies canadensisABIES CANADENSIS auf dem Leeregefühl des Magens und dem vom Epigastrium aufsteigenden Schwäche- und Ohnmachtsgefühl liegt, ist bei Abies nigra das Leitsymptom, welches ebenfalls im Magen lokalisiert ist, ein Gefühl, als sei ein hartgekochtes Ei im Bereich des Magenmundes steckengeblieben. Selbst wenn dieses Symptom nicht immer so lebendig und präzise beschrieben werden wird, ist dieses Thema für das Mittel doch zentral, wie verschieden es auch ausgedrückt wird. Es mag als ein Zusammenschnürungsgefühl in dieser Gegend beschrieben werden, als ein unverdauter Speiseklumpen, der in der Kardia feststeckt, als ein vages Unbehagen oder als ein Knoten etc. Eine Vorbedingung für eine erfolgreiche Verschreibung von Abies nigra ist eine Verdauungsstörung – ein Magen, der überlastet und leicht verstimmt ist, wie man es oft bei älteren Personen vorfindet.
Hysterische und hypochondrische Züge
Dieses Mittel ist von einer Art Hysterie durchzogen, die dazu führt, dass die Empfindung einer Zusammenschnürung, eines Klumpens oder einer harten, runden Substanz auch noch in anderen Teilen des Körpers auftritt, wie in den Lungen oder im Hals. Diese Charakteristik und das Fehlen einer bestimmbaren Pathologie bei einem Patienten, der nichtsdestoweniger bitter über seine Beschwerden klagt, werden an ignatiaIGNATIA erinnern. In der Tat gibt es einen ziemlich hypochondrischen Zug bei Abies nigra, den der Arzt an der Art erkennen kann, wie der Patient die Symptome schildert: übermäßig ins Detail gehend und mit Schwermut und Mutlosigkeit. Dieses Verhalten zeigt, dass er besorgt ist, etwas sehr Schwerwiegendes sei mit seiner Gesundheit nicht in Ordnung.
Abies nigra ist sehr häufig bei älteren Menschen angezeigt, die eine schwache Verdauung haben und ein rotes Gesicht aufweisen, eine Neigung besitzen, zuviel Tee zu trinken und zu viel Tabak zu rauchen – was beides ihre Beschwerden verschlimmert –, sowie an Schlaflosigkeit in der Nacht und Schläfrigkeit den ganzen Tag hindurch leiden.
Diese Patienten sind nie optimistisch und normalerweise niedergeschlagen und bedrückt, in variierendem Ausmaß. Sobald sie ihren gewohnten Tee trinken, befällt sie Sodbrennen und schließlich eine darauf folgende Verkrampfung oder Zusammenschnürung des Magens. Dieses Zusammenschnürungsgefühl tritt besonders nach dem Essen auf, denn hauptsächlich nach dem Füllen des Magens stellen sich bei Abies nigra die Symptome ein. Das Essen bleibt als ein großer Klumpen im Magen liegen. Nach jedem Essen treten Magenschmerzen auf, und danach häufiges saures Aufstoßen und oft auch Erbrechen, was auf das Ausmaß der Verdauungsschwäche hinweist.
Morgens möchten diese Patienten niemals etwas essen, sie haben nicht den geringsten Appetit, doch kommt der Appetit im Verlauf des Tages zurück, und sie können dann sogar ziemlich viel essen. Nachts im Bett schließlich kann ihr Appetit so groß sein, dass sie von einem lästigen Hunger wachgehalten und unruhig werden. Doch leiden Abies-nigra-Patienten nicht an dem schrecklich leeren, nagenden Gefühl im Magen, wie man es bei abies canadensisABIES CANADENSIS findet. Dieser Unterschied kann, trotz aller Ähnlichkeiten, jegliche Verwechslungsgefahr bei diesen beiden Mitteln ausschließen – sofern man es versteht, den Patienten richtig zu befragen und diese entscheidenden Informationen auch zu bekommen.
Die Symptome dieser Patienten, besonders das Gefühl eines Klumpens, erzeugen bei ihnen die Sorge, Krebs zu haben – eine verständliche Sorge, denn das Gefühl ist wirklich dem eines Tumors recht ähnlich. In der Sprechstunde werden sie keine große Angst um ihre Gesundheit zum Ausdruck bringen oder zugeben, jedoch wird die Art, wie sie ihre Symptome beschreiben, ein hypochondrisches Element ans Licht bringen. Auch ist es interessant zu beobachten, dass Abies-nigra-Patienten, wann immer sie das Gefühl eines Klumpens oder einer harten, kugelartigen Substanz in irgendeinem Teil des Körpers spüren, dazu neigen, diesen Klumpen auszuwerfen, als handle es sich um einen feststeckenden Fremdkörper; wird er z. B. in den Lungen gefühlt, so ist der Drang vorhanden, ihn auszuhusten.
Weitere Merkmale
Abies-nigra-Patienten neigen auch zu Herzbeschwerden, die mit dem Magen zusammenhängen – das Herz fühlt sich an, als arbeite es zu langsam, als liege eine Schwere des Herzens vor. Eine entsprechende Bradykardie trifft man oft an; auch eine Tachykardie kommt manchmal vor.
Darüber hinaus wird Abies nigra auch in Fällen angezeigt sein, in denen der Patient das Gefühl hat, geistig gealtert zu sein; dabei ist er sich der Abnahme seiner geistigen Agilität, seiner Fähigkeit, Gedanken aufzunehmen und zu verarbeiten, bewußt. Er hat Schwierigkeiten, eine Diskussion zu verfolgen, zu denken, seinen Geist in Bewegung zu setzen; und diese geistigen Einschränkungen verhindern jedes ernsthafte Lernen oder Nachdenken. Niedergeschlagenheit und Traurigkeit sind die Folgen.
In gewisser Weise sind bei Abies nigra die pathologischen Prozesse, die den Magen, und diejenigen, die das Gehirn angreifen, von ähnlicher Natur – es ist eine sowohl gastrische als auch geistige Verdauungsschwierigkeit vorhanden, sowohl die Verarbeitung von physischer als auch die von geistiger Nahrung, von Information, fällt bei Abies nigra schwer.
Allgemeinsymptome und Keynotes
  • Ein Großteil der Symptome, wenn nicht gar die gesamte Symptomatologie des Abies-nigra-Patienten ist eng mit gastrischen Störungen verbunden. Das Hauptthema dieses Mittels ist die Verdauungsschwäche, die Dyspepsie, wie man sie meist bei älteren Menschen findet.

  • Das große Leitsymptom ist die Empfindung, als säße ein Klumpen unverdauter Nahrung oder ein hartgekochtes Ei in der Kardia fest. (Ein ähnliches Gefühl von Enge und Zusammenschnürung kann auch im Hals auftreten.) Die andere höchst charakteristische Indikation ist ein dauerndes Zusammenschnürungsgefühl direkt über der Magengrube, als sei dort alles verknotet.

  • Alle Magensymptome sind schlimmer nach dem Essen. Heftiger Schmerz oder die Empfindung eines Steins treten sofort nach dem Essen auf, nicht wie bei nux vomicaNUX VOMICA erst nach einer Stunde.

  • Der Appetit fehlt morgens völlig, nimmt im Laufe des Tages zu und kann nachts so übermäßig werden, dass er den Patienten vom Schlaf abhält.

  • Nachts hat dieser Patient manchmal böse, unangenehme Träume, oder er ist schlaflos und ruhelos, er kann nicht schlafen und möchte etwas essen, während er den ganzen Tag über dumpf und schläfrig war. Übrigens ist Abies nigra eines der wenigen Mittel mit einem Verlangen nach Gurken.

  • Die dyspeptischen Symptome werden oft von einer schrecklichen Pein im Kopf und geröteten Wangen begleitet.

  • Die Kombination von Dyspepsie und funktionellen Herzstörungen oder Atemnot, besonders bei älteren Menschen, ist ein guter Hinweis auf Abies nigra.

  • Schwerer und langsamer Herzschlag; Bradykardie oder Tachykardie; scharfer, schneidender Schmerz im Herzen.

  • Dyspnoe verschlimmert sich beim Hinlegen; Erstickungsgefühl, als sei die Lunge zusammengedrückt und könne sich nicht richtig ausdehnen; Gefühl, als sitze ein harter Klumpen in der Brust fest, den der Patient aushusten will; Sodbrennen nach dem Husten.

  • Das Mittel hat sich auch oft bei Dyspepsie nach Tee oder Tabak als heilend erwiesen.

  • Fast alle Symptome von Abies nigra zentrieren sich um den Magen. Sogar chronisches intermittierendes Fieber wird von Magenschmerzen begleitet.

Abrotanum

Essenzielle Merkmale
Abrotanum ist das Mittel, an welches man als Erstes denken muss, wenn ein Fall ein klar umrissenes Bild von „Metastasieren“ oder Abwechseln pathologischer Zustände bietet. Eine Diarrhö z. B. hört plötzlich auf, und Rheumatismus oder eine Arthritis urica (Gichtarthritis) setzt ein. Später können sich die rheumatischen Schmerzen legen, um dann von Herzbeschwerden gefolgt zu werden. Eine Schwellung der Parotis verschwindet und wird von einer Erkrankung der Hoden oder der Mammae abgelöst. Eine Diarrhö wird unterdrückt, und im Harn erscheint Blut, oder Angst und Zittern mit Anzeichen lähmungsartiger Schwäche treten auf, oder auch eine andere Pathologie.
Absonderungen, Folgen von unterdrückten Absonderungen
Abrotanum-Patienten reagieren besonders empfindlich auf das Aufhören oder Unterdrücken von Absonderungen; es ist häufig zu beobachten, dass sogleich nach einem solchen Verschwinden ein neuer, tiefgreifender und eindeutig ernsterer innerer Krankheitszustand entsteht. Beispielsweise manifestiert sich nach der Unterdrückung von Hämorrhoiden ein Herzproblem, oder eine ulzeröse Colitis erscheint.
Der Abrotanum-Patient fühlt sich, auch wenn er an einer chronischen Diarrhö leidet, im Allgemeinen gar nicht schlecht damit; auf das plötzliche Verschwinden der Diarrhö jedoch reagiert er äußerst empfindlich, wodurch auch immer dieses Verschwinden verursacht worden ist, ob durch ein starkes Medikament oder irgendetwas anderes. Wenn eine solche Unterdrückung vorliegt, mit unmittelbar darauf folgendem Auftreten von Hämorrhoiden, Magenschmerzen, rheumatischen Zuständen oder Herzbeschwerden, und wenn die Diarrhö, zufällig oder infolge medizinischer Einwirkung, wiederhergestellt wird und das innerliche Problem sich daraufhin sofort bessert, dann ist Abrotanum das angezeigte Mittel. – In der Tat, Diarrhö führt bei diesem Patienten zu einer beträchtlichen Besserung; und solange er weiche Stühle hat, fühlt der Abrotanum-Patient sich wohl.
Dieses Mittel braucht einen Auslass, ein Ventil, braucht die Ausscheidung, und es ist eines der Hauptmittel für leicht eintretende Absonderungen und Exsudationen. Die charakteristischste Absonderung ist die aus dem Nabel, besonders bei Neugeborenen. Es kommt leicht zu einer Exsudation von Blut und manchmal auch zu einer Geschwürbildung des Nabels des Babys. Es besteht eine starke Tendenz zu Pleuraexsudaten bei Pleuritis oder zu Gelenkexsudaten bei arthritischen Zuständen.
Abmagerung von unten nach oben
Der nächste hervorstechende und eigentümliche Zustand, den man bei diesem Mittel antrifft, ist eine schnelle Abmagerung, die in den unteren Extremitäten ihren Anfang nimmt und nach oben hin fortschreitet. (Das Umgekehrte gilt für lycopodiumLYCOPODIUM und natrium muriaticumNATRIUM MURIATICUM.) Die Nahrungsassimilation ist gestört; diese Störung kann in ihrem vollen Ausmaß bei dem „Marasmus“ von Neugeborenen beobachtet werden: Der Kopf des Babys kippt um, weil der Hals so mager und schwach ist, das Gesicht sieht alt aus, schon ein kleines Kind sieht aus wie ein alter Mann. Der ganze Körper dieser Kinder ist abgemagert, ausgezehrt, sie sehen unterernährt aus, ihre Haut ist schrumpelig, und am Nabel treten Exsudate oder Geschwürbildungen auf. Abrotanum ist eines der Hauptmittel, die man bei diesem Zustand in Betracht ziehen sollte – neben sulphurSULFUR, calcarea carbonicaCALCIUM CARBONICUM, jodumJODUM, siliceaSILICEA, sarsaparillaSARSAPARILLA, natrium muriaticumNATRIUM MURIATICUM, aethusaAETHUSA, baryta carbonicaBARYTA CARBONICA und, wenn der Marasmus durch Syphilis ausgelöst ist, auch aurum muriaticumAURUM MURIATICUM. Die Abmagerung von Abrotanum vollzieht sich trotz der Tatsache, dass der Appetit übermäßig groß ist und der Patient ziemlich viel isst.
Geist und Gemüt
Der Abrotanum-Patient ist eine zornige, nicht besonders leichtlebige Person, manchmal auch boshaft, und er neigt dazu, in seinem Verhalten zu einem gewissen Grade auch Grausamkeit zu zeigen. Er verspürt wenig moralische Skrupel, anderen Schmerz zuzufügen. Er kann sehr mürrisch und schlecht gelaunt sein. Wenn ihm jemand in die Quere kommt, kann er richtig giftig, unversöhnlich und rachsüchtig, gehässig, wild und heftig werden – und manchmal, wenn er seinen Zorn nicht zurückhält, auch gewalttätig. Andere sehen in ihm eine reizbare, ständig gereizte Person, die ungesellig ist und nicht an Gesprächen teilnehmen und nicht mit anderen reden will. Ein andermal kann er sich sehr nett betragen, besonders bei Menschen, die er mag; dann kann er heiter und gesprächig sein. Es ist also ein Wechsel der Stimmungen und Launen bei diesem Mittel vorhanden. In einigen Fällen können wir auch ein Element von Hysterie antreffen.
Abrotanum-Patienten sind ängstliche, besorgte Menschen. Ihre größte Furcht ist, dass ihr Gehirn seine Kraft verliert, dass sie senil werden. Diese Furcht tritt auf, weil sie eine Tendenz zur Vergesslichkeit und zum Versagen des Gedächtnisses bemerken oder weil sie die Schwäche und Dumpfheit ihres Verstandes spüren, ihre Unfähigkeit zu denken. Sie haben das Gefühl, geistige Anstrengung nicht ertragen zu können. Die geringste geistige Tätigkeit, selbst ein Gespräch, eine Unterhaltung, ermüdet sie; sie fühlen sich zu jeglicher geistigen Arbeit unfähig.
Diese Menschen haben ängstliche Träume, die sie erschrecken können, und sie können außerdem erschreckt durch einen solchen Traum aufwachen. Schließlich kann eine Furcht oder Angst sie überwältigen und inneres Zittern hervorrufen.
Wenn diese Patienten im Bett liegen, hören sie möglicherweise ein Geräusch wie entferntes Sprechen; dies bessert sich, wenn sie genau hinhören, kommt aber zurück, wenn sie ihr Denken und Gemüt davon abwenden.
Weitere Merkmale
  • Abrotanum-Patienten können auch paralytische Zustände entwickeln, in denen der Kopf vor Schwäche nicht aufrechtgehalten werden kann und nach unten kippt oder die Hände die Kraft verlieren, einen Gegenstand festzuhalten.

  • Abrotanum-Kinder sind reizbar, widerspenstig und melancholisch. Sie können sich von anderen absondern und näheren Kontakt mit anderen Kindern vermeiden. Sie fühlen sich benommen und träge und begreifen nur langsam.

Allgemeinsymptome und Keynotes
  • Eines der bekanntesten Symptome von Abrotanum ist die Abmagerung, die sich als Marasmus bei Kindern oder als Kachexie bei Erwachsenen zeigen kann. Die Abmagerung entwickelt sich manchmal sehr schnell, und sie beginnt meist an den unteren Extremitäten und wandert allmählich aufwärts, sodass das Gesicht zuletzt betroffen ist. Dennoch ist aber oft das Abdomen vergrößert, gebläht und aufgetrieben.

  • Das nächste Keynote ist die Abmagerung mit rasendem, nagendem Heißhunger, Gewichtsverlust trotz guten Essens (calcarea carbonicaCALCIUM CARBONICUM, jodumJODUM, natrium muriaticumNATRIUM MURIATICUM, tuberculinumTUBERCULINUM etc.). Zum Beispiel schreit ein Baby den ganzen Tag nach Milch und trinkt eine Menge davon, doch die Nahrung wird nicht richtig assimiliert und geht in großen, häufigen und unverdauten Stühlen ab. In einigen Fällen kann aber auch völliger Appetitverlust vorkommen.

  • Kinder sind zuerst vorwiegend mürrisch, reizbar und schreien ständig, aber besonders wenn die Abmagerung fortschreitet, werden sie traurig, deprimiert, mutlos und verzweifelt. Ihre Haut wird schlaff, wie lose und schrumpelig und liegt in Falten. Das Gesicht wird faltig, trocken, blass und kalt, mit blauen Ringen um die stumpfen, eingesunkenen Augen und aufgetriebenen Venen an der Stirn. Es ist ein altes Gesicht – es sieht viel älter aus, als der Patient tatsächlich ist.

  • Auch die Schwäche tritt immer deutlicher hervor. Die Patienten werden unfähig, zu stehen oder – wegen der Kraftlosigkeit der Halsmuskulatur – den Kopf aufrechtzuhalten (aethusaAETHUSA, calcarea phosphoricaCALCIUM PHOSPHORUSPHOSPHORICUM).

  • Dieser gesamte Zustand, der sich natürlich nicht immer in dieser deutlichen Ausprägung zeigt, kann viele verschiedenartige Erkrankungen begleiten, z. B. eine chronische Tuberkulose oder kanzeröse Peritonitis mit vergrößerten Abdominaldrüsen. (Abrotanum hat eine besondere Beziehung zu den mesenterialen Lymphknoten.) Der Name bzw. die genaue Art der Krankheit spielt dabei keine Rolle, solange die charakteristischen Symptome vorhanden sind.

  • Die Schwäche und Erschöpfung zusammen mit einer Art auszehrenden Fiebers kann übrigens auch nach einer Influenza auftreten, besonders bei Kindern. (Man sollte in diesem Fall also nicht nur an Mittel wie gelsemiumGELSEMIUM, chinaCHINA etc. denken.)

  • Abrotanum ist nicht nur ein wichtiges Mittel bei Marasmus und Schwäche bei Kindern, sondern es ist auch bei anderen Kindererkrankungen wertvoll, wie z. B. bei Hydrozele oder Nasenbluten bei kleinen Jungen.

  • Wenn die Allgemeinsymptome zumindest teilweise vorhanden sind, ist Abrotanum fast ein Spezifikum bei Nabelabsonderungen bei Neugeborenen mit Heraussickern von seröser oder blutiger Flüssigkeit (calcarea carbonicaCALCIUM CARBONICUM, calcarea phosphoricaCALCIUM PHOSPHORICUM).

  • Ein großes Charakteristikum besteht im sogenannten „Metastasieren“ oder Alternieren zwischen verschiedenen Krankheitserscheinungen, d. h. dass ein Krankheitszustand völlig verschwindet und ein anderer seinen Platz einnimmt.

    • Entzündung der Parotis verlagert sich auf die Hoden oder die Brustdrüsen (pulsatillaPULSATILLA).

    • Hydrozele nach unterdrückten Ausschlägen.

    • Kopfschmerzen wechseln ab mit Hämorrhoiden.

    • Hämorrhoiden alternieren mit Rheumatismus.

    • Rheumatismus alterniert mit Diarrhö oder Dysenterie.

    • Diarrhö wechselt mit Verstopfung ab.

  • Ein weiteres großes Charakteristikum von Abrotanum ist, dass Beschwerden oder Erkrankungen nach der Unterdrückung von Absonderungen folgen, insbesondere nach plötzlich gestoppter Diarrhö.

    • Diese Unterdrückungen können nach medizinischer Behandlung auftreten, aber auch spontan, d. h. die Absonderung oder Diarrhö kann ohne sichtbaren Grund von selbst verschwinden.

    • Die Folgen sind unterschiedlich, z. B.: allgemeine Schwäche, Abmagerung, Nasenbluten oder Blutungen des Urogenitaltrakts, trockener Husten, gastrische Störungen, Rheumatismus etc.

  • Ein Abrotanum-Patient, der krank ist, kann es oft nicht ertragen, wenn er keinen weichen Stuhlgang hat, und eine Diarrhö bessert oft all seine anderen Beschwerden (natrium sulphuricumNATRIUM SULFURICUM, zincumZINCUM).

  • Auch nach der Unterdrückung von Hämorrhoiden, nach deren Exstirpation z. B., können andere, innere Erkrankungen auftreten. Die Hämorrhoiden selbst sind entzündet, stehen vor und brennen bei Berührung oder beim Pressen zum Stuhl, und sie sind wie bei aesculusAESCULUS und nux vomicaNUX VOMICA von Schmerzen im Sakrum begleitet. Manchmal haben diese Patienten häufigen Stuhldrang, doch außer Blut geht kaum etwas ab. Während einer „Hämorrhoidalkolik“ ist der Patient ruhelos, schlaflos, und in manchen Fällen kann man auch Hitzewallungen beobachten, verbunden mit allgemeiner Hitze und aufgetriebenen Venen an Stirn und Händen.

  • Plötzlich unterdrücktes Rheuma oder zurückgehende Gicht bilden eine andere wichtige Ursache für viele Beschwerden. Auch dies kann sowohl spontan auftreten als auch nach örtlicher unterdrückender Behandlung mit stark wirkenden Salben, Einreibungen oder Injektionen in das kranke Gelenk.

    • Eine der häufigsten Folgen sind mehr oder weniger ernste Herzbeschwerden, besonders Endokarditis mit manchmal heftigen Schmerzen. Aber auch katarrhalische Symptome wie Heiserkeit mit Halsschmerzen sowie Pleuritis, Bronchitis und viele andere Krankheiten sind möglich.

    • Hat man in dieser Situation eine hohe Potenz von Abrotanum gegeben und sieht nun, dass die inneren Beschwerden besser werden, während die Gelenkschmerzen sich verschlimmern, darf man nicht die Arznei wechseln, sondern muss abwarten. Oft wird man dann nach einigen Tagen oder Wochen feststellen, dass auch der Rheumatismus verschwindet.

    • Von den rheumatischen Beschwerden können alle Gelenke betroffen sein: Schultern, Ellenbogen, Hüften und Knie, Hände, Füße und insbesondere die Handwurzelgelenke und Fußknöchel.

    • Die Gelenke sind entzündet, schmerzhaft oder geschwollen und steif, mit einer kribbelnden Empfindung.

  • Ein anderer Aspekt dieser Arznei ist bisher nicht ausreichend in Betracht gezogen worden – ich denke hierbei an die Störungen des Nervensystems, die möglicherweise zentralen Ursprungs sind und eine Art Lähmung und Anästhesie hervorrufen.

    • Die Gliedmaßen können sehr schwach und lahm sein, wie gelähmt. Der Arm fühlt sich an wie an den Körper gezogen, und es kann beinahe unmöglich sein, die Arme oder Beine zu bewegen. (Dieses Symptom kann auch durch starke rheumatische Schmerzen hervorgerufen werden.) Gleichzeitig, zusammen mit dieser Parese, tritt eine Taubheit der Arme oder Beine auf, mit Kribbeln, Taubheit und Kälte der Finger oder Zehen.

    • Morgens beim Erwachen sind alle Glieder schmerzhaft und lahm, was sich nur bessert, wenn der Patient aufsteht und Arme und Beine bewegt.

    • Auch starke neuralgische Schmerzen, die große Unruhe hervorrufen, werden nur durch Bewegung gebessert.

    • Der Rücken ist ebenfalls schwach und lahm, und auch die plötzlichen Rückenschmerzen in der Nacht werden bei Bewegung besser.

    • Schließlich ist Abrotanum auch bei plötzlich auftretender Myelitis und Rückenmarksentzündung angewandt worden. Daran sollte man denken, wenn man einen Patienten mit spinalen Symptomen antrifft, die nach der Unterdrückung eines Gelenkrheumatismus aufgetreten sind.

  • Seit langer Zeit ist bekannt, dass Abrotanum eine deutliche Wirkung auf die Haut hat, die offenbar hauptsächlich mit den Kapillaren der Kutis zu tun hat. Phytotherapeuten haben z. B. die Tinktur innerlich und äußerlich gegen kupferfarbene Nase und Naevus flammeus angewandt und berichten davon, oft nach einigen Wochen oder Monaten Erfolge festgestellt zu haben. Auch Homöopathen haben erfolgreich Angiome des Gesichtes behandelt, insbesondere Hämangiome bei Kindern. Weiterhin ist beobachtet worden, dass die Haut purpurrot wird, wenn ein Ausschlag des Gesichts unterdrückt wurde. Schließlich scheinen auch die homöopathischen Prüfungen diese empirischen Erkenntnisse zu bestätigen. Abrotanum ruft blau-rote, fleckige, unscharf begrenzte Verfärbungen auf den Wangen hervor, mit einer feinen venösen Zeichnung (Teleangiektasie) des betroffenen Gebietes. Darüber hinaus hat dieses Mittel auch bei juckenden Frostbeulen oft seinen Wert erwiesen.

  • Abrotanum ist ein kaltes Mittel; der Patient ist empfindlich gegen kalte Luft und feucht-kaltes oder nebliges Wetter, und viele Symptome (wenn auch natürlich nicht alle) sind in der Nacht schlimmer.

  • Diese Arznei hat noch einige andere Indikationen – wie z. B. nächtliche Magenschmerzen oder Pleuritis, wenn auf der betroffenen Seite ein drückendes Gefühl bleibt, das die Atmung behindert.

  • Zum Schluss möchte ich noch ein paar Symptome herausgreifen, die so spezifisch und eigenartig sind, dass sie erwähnt werden sollten:

    • Empfindung wie von kriechendem Frost entlang der Gehirnwindungen, begleitet von Kribbeln.

    • Als ob Wind aus dem rechten Ohr rausche.

    • Empfindung, als hänge oder schwimme der Magen in Wasser, mit einer eigenartigen Kälteempfindung (…).

    • Empfindung, als könnten die Eingeweide nur am Austreten aus dem Anus gehindert werden, indem man die Beine eng zusammenhält.

Absinthium

Es ist interessant zu sehen, wie jedes unserer Mittel vorzugsweise einen bestimmten Bereich bzw. ein bestimmtes Organ oder System des Körpers angreift oder beeinträchtigt. Absinthium hat eine deutliche Wirkung auf das zentrale Nervensystem und löst fast ausschließlich dort Störungen aus, und zwar in allen möglichen Heftigkeitsgraden. Es ist ein sehr dynamisches Mittel, das ein lebhaftes Symptomenbild erzeugt, doch ist es, da es nicht in der richtigen Weise verstanden wurde, bisher vernachlässigt worden.
Absinthium ist in Fällen angezeigt, in denen das Nervensystem der schwache Punkt des Patienten ist. Diese Schwäche manifestiert sich in den im Folgenden aufgeführten vier verschiedenen Stadien: Schwindelgefühl, Konvulsionen, Delirium und schließlich Stupor oder Bewusstlosigkeit. Jedes einzelne Stadium hat seine speziellen Eigentümlichkeiten.
Stadium I: Schwindelgefühle
Geht es um die hervorstechendsten Charakteristika des ersten Stadiums, so sollte man daran denken, dass das Schwindelgefühl plötzlich einsetzt, beim Aufstehen, und dass der Patient dabei die Tendenz hat, nach hinten zu fallen. Die Betonung liegt hierbei auf der Richtung des Fallens: rückwärts, nach hinten. Oft ist das Schwindelgefühl eine Art epileptischer Schwindel oder eine vorübergehende Geistesabwesenheit.
Stadium II: Konvulsionen
Im nächsten Stadium, dem der Konvulsionen, liegt das Besondere weniger in den Konvulsionen per se als vielmehr in der Tatsache, dass diesen Konvulsionen ein nervöser Tremor und Muskelzittern oder ein Zittern einzelner Körperteile vorausgeht, etwa der Hände, der Lippen, der Zunge oder des Herzens, mit unregelmäßigem, stürmischem Herzklopfen.
Die Konvulsionen beginnen im Gesicht mit Verzerrungen und Grimassen; dann breiten sie sich zum Rumpf und zu den Gliedmaßen hin aus, die zuerst steif sind und danach von klonischen Spasmen befallen werden. Die Patienten fallen mit einem Schrei zu Boden, ihr Gesicht ist bläulich, zyanotisch verfärbt. Sie werfen sich herum, beißen sich auf die Zunge, mit blutigem Schaum vor dem Mund, fest fixierten Kiefern und unregelmäßiger, röchelnder Atmung.
Eine große Anzahl epileptischer Anfälle folgt schnell aufeinander – einer nach dem anderen – innerhalb eines kurzen Zeitraums. Zwischendurch hören die Anfälle für einige Zeit auf, nur um später in gleicher Weise wiederzukehren. So kann es ein paar Stunden weitergehen – häufige Anfälle, ohne dass der Patient dabei völlig das Bewusstsein verliert. Nach dem epileptischen Anfall wirkt der Patient ziemlich benommen. Er weiß nicht, was passiert ist; er zeigt einen dummen, blöden Gesichtsausdruck, während er versucht, wieder zur Besinnung zu kommen. Es kann sein, dass er Fragen beantwortet, doch ist es recht offensichtlich, dass er noch nicht wieder voll da ist. Für ziemlich lange Zeit ist er unfähig, sich an irgendetwas zu erinnern. Es handelt sich um einen dumpfen, stumpfen Geisteszustand mit gestörter Empfindungsfähigkeit und einem vollständigen Gedächtnisverlust.
Auch häufige hysterische Krämpfe können vorkommen, die von Steifheit der Gliedmaßen, einigen unregelmäßigen Bewegungen und manchmal sogar von Opisthotonus begleitet sind.
Stadium III: Delirium
Das Delirium ist geprägt von einer ungeheuren Ruhelosigkeit, die dem Patienten nicht erlaubt, auch nur einen Augenblick lang stillzusitzen. Er muss ständig umhergehen. Gequält läuft er herum, er hat bösartige, schreckliche Wahnvorstellungen, und Visionen von Dämonen, nackten Frauen, grotesken Tieren, Katzen und Ratten in allen Farben, die ihm große Angst einjagen, verfolgen ihn. Angesichts dieser Symptomatologie (Tremor und Delirium) ist es naheliegend, dass dieses Mittel eines der nützlichsten bei der Behandlung der letzten Stadien von Alkoholismus und auch bei manchen Pilzvergiftungen sein kann.Es ist charakteristisch für Absinthium, dass nach einem epileptischen Anfall (oder hysterischen Krämpfen) nicht nur Stupidität und Gedächtnisverlust, sondern auch ein Delirium folgen kann.
Stadium IV: Stupor oder Bewusstlosigkeit
Im vierten Stadium kommt es zu plötzlichen Anfällen von Stupor oder Bewusstlosigkeit. Aber sobald der Patient wieder zu sich kommt, wird er reizbar, extrem erregt oder gar gewalttätig und brutal. In älteren homöopathischen Werken wird dieser Zustand als geistige Betäubung, abwechselnd mit gefährlicher Gewalttätigkeit, beschrieben. Auch hier können wir sehen, wie sehr diese Symptome den Wirkungen des Alkoholrausches und dem Verhalten von Säufern ähneln.
Geist und Gemüt
Im geistig-emotionalen Bereich ist manchmal ebenfalls eine interessante Symptomatologie zu beobachten.
  • Der Absinthium-Patient ist ein Mensch, der keine Gesellschaft mag. Er möchte mit niemandem etwas zu tun haben, er hat eine Abneigung gegen jedermann, weil niemand ihm das geben kann, was er in Wirklichkeit will: Frieden und Trost. Dieser ungesellige Zustand ist besonders deutlich während der Zeit der Rekonvaleszenz. Dann ist er in einer traurigen, weinerlichen Stimmung und wünscht sich den Tod. Es kann aber auch sein, dass es ihm egal ist, ob er stirbt oder nicht.

  • In Zeiten ernster Krankheit, besonders wenn der Patient an Konvulsionen oder epileptischen Anfällen leidet, werden alle seine Emotionen intensiver. Entweder tritt in einer solchen Situation die oben beschriebene weinerliche Stimmung auf, oder der Patient gerät in einen Zustand, in dem er unfähig ist, überhaupt irgendwelche Gefühle zu empfinden. Er wird geistig stumpf und träge, geradezu schwachsinnig. Er vergisst, was er gerade getan hat, er hat Schwierigkeiten, auch nur irgendetwas zu begreifen, und er wird allem gegenüber gleichgültig. Seine Sprechweise ist zögernd, die Stimme zittert ein wenig, und hin und wieder kann er nicht deutlich sprechen, weil seine Zunge sich dick anfühlt oder aus dem Mund hervortritt. Aber in manchen Fällen wechselt diese geistige Betäubung mit außerordentlich heftigen Emotionen ab, und dann benimmt er sich gegenüber anderen Menschen unmenschlich und grausam.

Absinthium gehört auch zu den wenigen Mitteln, bei denen Kleptomanie beobachtet wurde.
Viele der bisher beschriebenen Symptome scheinen die früheren Stadien der geistigen Pathologie des Absinthium-Patienten zu prägen; diese Pathologie kann jedoch zu einem tieferen, ernsteren Zustand hin fortschreiten, bis sich schließlich eine echte Geisteskrankheit oder, genauer gesagt, ein Verfolgungswahn entwickelt. In diesem Zustand ist der Patient fest davon überzeugt, dass er verfolgt wird. Er hat große Angst, dass er einem Mordanschlag zum Opfer fallen wird. Seine Feinde sind hinter ihm her! Sie wollen ihn umbringen und haben Soldaten ausgeschickt, die ihn töten sollen. Er kann aber auch Angst davor haben, selbst jemanden zu töten. Seine Phantasien sind unterschiedlich.
Ebenso ist es möglich, dass der Patient folgende Art von verrücktem Benehmen zeigt: Er ist ständig beschäftigt, bringt aber nichts zustande. Bei anderen Gelegenheiten wiederum hat er ein Gefühl, als sei er in einem Traum, einem wunderschönen Traum, völlig von der Wirklichkeit losgelöst. Gleichzeitig fühlt er sich besänftigt und sehr ruhig, als sei sein Gehirn ganz rund und symmetrisch. Akustische Halluzinationen können ebenfalls auftreten, und höchstwahrscheinlich hört der Patient auch Stimmen. Das Ende dieser ganzen Entwicklung ist manchmal ein Zustand stark ausgeprägter Imbezillität oder geistiger Behinderung.

Acalypha indica

Essenzielle Merkmale
Acalypha ist ein ungeprüftes Mittel; nichtsdestoweniger besitzt es einige definitive Symptome, auf die hin es verschrieben werden kann. Es ist ein Mittel, welches hauptsächlich von indischen Homöopathen in Fällen von Tuberkulose benutzt wurde und das bei Atmungsbeschwerden angezeigt ist, vor allem aber bei Hämoptyse tuberkulöser Patienten. Acalypha-Patienten weisen eine große Prädisposition zu Blutungen auf, eine hämorrhagische Idiosynkrasie, die entweder die Lungen oder den Verdauungstrakt betrifft.
Wenn ein Fall erfolglos mit Mitteln wie Kalium carbonicumKALIUM CARBONICUM, phosphorusPHOSPHORUS, droseraDROSERA, bryoniaBRYONIA etc. behandelt wurde und der Patient ernsthaft krank aussieht, an heftigem, hartem, trockenem, quälendem Husten, gefolgt von blutigem Auswurf oder Hämoptyse leidet, über beständige, gleich bleibend heftige Schmerzen in der Brust klagt und hauptsächlich morgens sehr erschöpft ist, jedoch mit wenig Fieber, und wenn zudem im Laufe des Tages seine Kraft zunimmt, wird Acalypha höchstwahrscheinlich helfen. Der Puls ist meist klein, weich und leicht unterdrückbar, aber sehr beschleunigt während der Hämoptyse.
T. F. Allen schreibt in seinem Handbook of Materia medica: „Schwerer Anfall von trockenem Husten, gefolgt von Blutspucken. Dieses Symptom, zweifellos eine klinische Beobachtung, ermöglichte es Dr. Holcomb, einem Arzt aus New Orleans, einen Fall hartnäckigster Hämoptyse zu heilen, nachdem andere Maßnahmen fehlgeschlagen waren.“
Acalypha wird weiterhin bestätigt, wenn der Auswurf morgens hellrotes Blut enthält und nachmittags oder abends dunkles, klumpig-geronnenes Blut, ebenso, wenn der Husten nachts oder morgens viel schlimmer ist und der Patient, der abgemagert wirkt, fortlaufend an Gewicht verliert und an Nachtschweiß leidet. Bei Perkussion kann man eine Dämpfung der Brust feststellen. Das Hauptaugenmerk sollte hier auf den harten, trockenen, quälenden Husten, den blutigen Auswurf und die morgendliche Verschlimmerung gerichtet sein.
Im Hinblick auf den Verdauungstrakt findet man bei Acalypha Auftreibung und Kollern im Abdomen, ständigen Tenesmus und eine herausspritzende Diarrhö mit kräftigem Abgang von geräuschvollen Winden, podophyllumPODOPHYLLUM sehr ähnlich. Es treten auch Rektumblutungen auf. Dieses gastrointestinale Syndrom wird von kolikartigen oder brennenden Schmerzen im Abdomen begleitet, und es kann auch brennender Schmerz in Magen und Ösophagus vorhanden sein. Auch bei den Verdauungssymptomen sehen wir, wie schon bei den Lungenbeschwerden, die morgendliche Verschlimmerung, die für Acalypha so charakteristisch ist.
Fluor, manchmal dick, manchmal wässrig, bei einer schwindsüchtigen Patientin.
Der Acalypha-Patient hat manchmal ein gelbes, gelbsüchtiges Gesicht und ist normalerweise trübsinnig, ermattet, niedergeschlagen; jedoch hat er den Wunsch zu leben, er entwickelt keine negative Lebenshaltung.
Allgemeinsymptome und Keynotes
Da ich oben bereits alle wichtigen Symptome dieses kleinen Mittels angeführt habe, möchte ich hier einen sehr interessanten Fall berichten, den ich in dem Buch von Edward P. Anshutz New, Old and Forgotten Remedies gelesen habe: „ … Zu dieser Zeit hatte ich den Fall einer Rektumblutung, den ich schon einige Monate lang vergeblich behandelt hatte. Soweit ich sehen konnte, hatte keine Arznei den Fall auch nur im geringsten gebessert … Ich hatte alle Blutungsmittel gegeben, die ich kannte oder über die ich mir Informationen verschaffen konnte. Dennoch kam die Blutung immer noch genauso oft wie zuvor, und mit zunehmender Schwere. Jedesmal war die Patientin fest davon überzeugt, dass sie sich ‚zu Tode bluten‘ würde, und ich war mir nicht ganz sicher, ob ich sie in diesem Punkt würde enttäuschen können … Sie magerte ab, und im selben Maße schrumpfte der noch nicht probierte Vorrat an Blutungsmitteln, und wie bei den zehn kleinen Negerlein würde bald das letzte verschwunden und schließlich keines mehr übriggeblieben sein. Als ich dann Dr. Jones' Monografie über Acalypha indica gelesen hatte, entschloss ich mich sofort, es zu versuchen. Sie hatte alle diese Symptome – hellrotes Blut morgens; dunkles und klumpiges nachmittags und abends; schwach und matt vormittags, kräftiger nachmittags – bis auf eines: Das Blut kam nämlich nicht aus der Lunge, sondern aus den Blutgefäßen im Bereich des Anus. Ich beschaffte mir eine C6-Dilution und gab sie in Wasser. Es kam zu einer schnellen, beinahe unmittelbaren Besserung. Jede folgende Attacke war weniger reichlich und kam in längeren Abständen. Jetzt hat sie seit zwei Monaten keinen Anfall mehr gehabt, während sie vorher sieben … in der Woche haben konnte. Sie nimmt wieder zu, ist in jeder Hinsicht gebessert und hat Acalypha indica ständig bei sich.“

Acetanilidum (Antifebrinum)

Essenzielle Merkmale
Dieses kleine Mittel war schon bei einigen Gelegenheiten meine Rettung in schwierigen Fällen. Obwohl fast nichts über seine mental-emotionale Pathologie bekannt ist, besitzt es doch ein sehr deutliches und auch erkennbares Profil, das zur richtigen Arzneimittelwahl führen kann. Ich meine, wir müssen noch viel mehr über dieses Mittel herausfinden, denn ich glaube, dass es öfter verschrieben werden sollte, als das bislang geschieht.
Acetanilidum-Patienten werden immer den Eindruck vermitteln, dass sie sehr müde sind und dass es ihnen an Lebenskraft und Stehvermögen fehlt; es scheint kein Leben in ihnen zu stecken. Während der Anamnese werden sie in ermüdender, beschwerlicher Weise beschreiben, wie müde sie sind, wie schlapp und lustlos und wie gleichgültig dem Leben gegenüber. Sie haben keinerlei wirkliche Freude im Leben. Es handelt sich hierbei nicht um eine Depression per se, aber das Verhalten dieser Patienten und ihre Art zu sprechen, vermitteln doch den Eindruck, dass sie ziemlich niedergeschlagen und deprimiert sind.
Sie sind anämisch, blass und erschöpft, mit niedrigem Blutdruck und schwachem Puls, der unregelmäßig und unfühlbar sein kann. Die Körpertemperatur ist deutlich niedriger als normal, und insgesamt bekommt man den Eindruck, dass der ganze Organismus solcher Patienten nur sehr verlangsamt arbeitet.
Aufgrund der Anämie, der schwachen Herztätigkeit, des niedrigen Blutdrucks etc. neigen diese Patienten zu Ohnmachtsanfällen. Sie bekommen auch leicht Erkältungen und fühlen sich während dieser akuten Beschwerden völlig erschöpft.
Die Symptome dieser Patienten werden niemals auf lebhafte Art geschildert werden, sondern, wie gesagt, in einer müden und leblosen Weise.
Allgemeinsymptome und Keynotes
Um dieses Arzneimittel richtig zu verstehen, sollte man etwas über seine Herstellung und Geschichte wissen. Wie man schon am Namen erkennen kann, ist Acetanilidum eine Kombination aus aceticum acidumACETICUM ACIDUM und anilinumANILINUM, beides Mittel, die ebenfalls in der Homöopathie angewendet werden. Obwohl diese drei Arzneien – besonders ANILINUM und Acetanilidum – viele gemeinsame Symptome aufweisen, sind sie doch so unterschiedlich, dass man nicht einfach das eine durch das andere ersetzen kann.
Acetanilidum ist eine allopathische Arznei, die in der Vergangenheit nicht nur als Schmerzmittel (bei Kopfschmerzen, Migräne, Dysmenorrhö, Arthralgie, Myalgie und ähnlichen Störungen), sondern auch gegen Fieber eingesetzt wurde. Aufgrund dieser Wirkung wurde es zunächst unter der Bezeichnung „Antifebrin“ in die Medizin eingeführt. (Auch in der älteren homöopathischen Literatur wird dieses Mittel meist „Antifebrinum“ genannt.) Doch sehr schnell wurden viele Vergiftungssymptome bekannt, die hauptsächlich bei denjenigen Patienten sichtbar wurden, die diese Arznei in zu hohen Dosen oder über einen sehr langen Zeitraum eingenommen hatten. Aber abgesehen davon wurde auch eine beträchtliche individuelle Empfindlichkeit gegenüber diesem Mittel festgestellt, d. h. eine Dosis, die bei einem Patienten toxisch wirkte, konnte für einen anderen harmlos sein. Soweit mir bekannt ist, haben die Homöopathen diese Arznei nie in hoher Potenzierung geprüft. Sie haben lediglich die Beobachtungen der allopathischen Ärzte übernommen, und daher besteht das homöopathische Arzneimittelbild von Acetanilidum fast ausschließlich aus Vergiftungssymptomen. Das bedeutet, dass all die sogenannten Nebenwirkungen der allopathischen Arznei Acetanilidum exakt die Symptome darstellen, nach denen die homöopathische Arznei Acetanilidum verschrieben wird. Ich werde das an einem Beispiel zu verdeutlichen versuchen: Zyanose ist ein deutliches und auffälliges Symptom einer Acetanilid-Vergiftung. (Man sollte in der Tat zögern, eine Acetanilid-Vergiftung zu diagnostizieren, wenn dieses Symptom nicht vorhanden ist.) Nichtsdestoweniger kann – nach den Gesetzen der Homöopathie – Acetanilidum bei zyanotischen Patienten von großem Nutzen sein. Ein weiteres Beispiel: Das allopathische Medikament Acetanilidum kann Kreislaufkollaps oder einen Schock hervorrufen. Daher benutzen die Homöopathen Hochpotenzen von Acetanilidum bei Kollapspatienten, vor allem, wenn diese gleichzeitig auch zyanotisch sind.
Anämie
Acetanilidum und auch einige andere chemische Substanzen, wie z. B. Anilin und seine Derivate, können die Umwandlung von Hämoglobin in Methämoglobin (Hämiglobin) fördern, welches die Fähigkeit zur Sauerstoffübertragung eingebüßt hat. Das Ergebnis ist eine Methämoglobinämie (aus diesem Grund kann das Blut in schweren Vergiftungsfällen sogar schokoladenbraun gefärbt sein) sowie eine mehr oder weniger deutliche Zyanose. Aber diese Verfärbung der Haut und der Schleimhäute kann selbst dann vorhanden sein, wenn nur eine geringe Menge Methämoglobin im Blut festgestellt wird.
  • Die Zyanose besitzt zwei Besonderheiten, die sich in der homöopathischen Beschreibung dieses Mittels manchmal als Leitsymptome erwiesen haben:

    • Erstens ist sie meist gräulich getönt oder schattiert, schieferfarben, grau-blau oder grau-violett, obwohl sie manchmal auch nur als livide, bläulich oder blau beschrieben wird.

    • Und zweitens ist diese Verfärbung anfangs nur an den peripheren Körperteilen sichtbar, vor allem an den Fingern und Fingernägeln, an den Zehen, den Ohren und der Nase. Sie kann aber auch im Bereich der Schläfen auftreten, an den Augenlidern, den Wangen, am Kinn und an den Lippen sowie schließlich auf der ganzen Körperoberfläche.

  • Anämie ist ein weiteres sehr wichtiges Symptom. Aufgrund der Verringerung der Hämoglobinmenge, die im Blut für den Sauerstofftransport zur Verfügung steht, ruft die Methämoglobinämie eine funktionale Anämie hervor. Aber Acetanilidum hat auch einen hämolytischen Effekt. Es verkürzt die Lebensdauer der roten Blutkörperchen (hohe Konzentrationen dieses Arzneimittels können gelegentlich sogar ihre gänzliche Zerstörung auslösen), was manchmal in einer hämolytischen Anämie mit all ihren bekannten Symptomen resultiert. Man sollte sich stets dessen bewusst sein, dass viele Symptome von Acetanilidum, wie z. B. Blässe, Schwindel, Schwäche, Dyspnoe, Herzklopfen, anginöse Herzschmerzen etc., auf eine beständig fortschreitende Anämie zurückgeführt werden können.

Allgemeine Depression und Schwächung
Die Acetanilid-Vergiftung kann akut oder auch chronisch sein (letzteres ist häufiger der Fall gewesen), aber in beiden Fällen ist der Haupteffekt eine allgemeine Depression und Schwächung. Acetanilidum-Patienten sind meist sehr erschöpft, anämisch, blass oder zyanotisch und in chronischen Zuständen manchmal auch ohne Appetit, hager und abgemagert. Sie sind kälteempfindlich, und selbst ihre Körpertemperatur kann unnormal niedrig sein. Häufig klagen sie über Kurzatmigkeit mit schneller und oberflächlicher Atmung, über Atemschwierigkeiten und Beklemmungen, besonders bei Anstrengung, und die Dyspnoe kann sogar ein Gefühl des bevorstehenden Todes hervorrufen.
Herz-Kreislauf-System
Das Herz-Kreislauf-System dieser Patienten ist oft ebenfalls gestört. Die Herztätigkeit kann geschwächt sein, in einigen Fällen sind die Füße und Knöchel ödematös angeschwollen, und der Blutdruck ist meistens sehr niedrig. Zusammen mit der Anämie ist dies einer der Gründe, warumso häufig Kopfschmerzen, Schwindel mit Singen in den Ohren und Pochen in den Schläfen sowie Müdigkeit, Schwäche und Kraftlosigkeit auftreten. Der Puls ist meist schnell, schwach und oft unregelmäßig, aber besonders wenn die Erweiterung der Blutgefäße ausgeprägt ist und ein Schockzustand eintritt, ist auch ein sehr langsamer oder nicht zählbarer Puls möglich. Schwächeanfälle und besonders Kreislaufkollaps mit Kälte des Körpers, Schweiß, Blässe und der oben beschriebenen Zyanose sind typische Symptome von Acetanilidum.
Nieren
Bei einigen Fällen ist die Funktion der Nieren ernsthaft beeinträchtigt. Der Urin ist manchmal von bräunlicher Farbe und kann Methämoglobin, Albumin, Zylinder und rote Blutkörperchen enthalten; Hämaturie, Oligurie oder Anurie können auftreten. Wegen der großen Ähnlichkeit mit Phenacetin (p-Äthoxy-acetanilid) besteht vielleicht auch die Möglichkeit, dass eine langdauernde Acetanilidvergiftung eine chronische interstitielle Nephritis hervorrufen kann, mit Papillennekrose, Niereninsuffizienz und Tumoren des Nierenbeckens oder des Harntrakts.
Augen
Auch die Augen sind manchmal betroffen. Die Pupillen können verengt oder erweitert sein, obwohl Mydriasis häufiger zu sein scheint. Am Augenhintergrund kann man in manchen Fällen eine blasse Papille mit schrumpfenden retinalen Gefäßen sehen, und das Gesichtsfeld kann eingeschränkt sein. Andere mögliche Symptome sind z. B. Schlaflosigkeit, Appetitmangel, Verdauungsstörungen und Gelbsucht.
Bei schweren Vergiftungen können Erregung und Delirien, gefolgt von Depression, Stupor und Somnolenz auftreten; selbst Atemlähmung und terminale asphyktische Konvulsionen sind beobachtet worden. Dem Tode des Patienten geht meist eine Periode von Kollaps und Koma voraus, und er tritt plötzlich oder mit einigen Tagen Verzögerung ein.
Symptome akuter Vergiftungsfälle
Bis heute wird Acetanilidum nur äußerst selten angewandt. Viele seiner spezifischen Symptome sind nahezu unbekannt, und auch in der homöopathischen Literatur ist die Beschreibung dieses Mittels bisher noch sehr unvollständig. Daher ist es sicherlich nützlich, im folgenden einige akute Vergiftungsfälle zu beschreiben, die durch eine Überdosis Methylacetanilid (Exalgin), ein Derivat von Acetanilid, verursacht wurden, das nach Clarke eine nahezu identische Wirkung hat.
  • „… Die ersten wahrgenommenen Symptome waren Bläue der Lippen und Wangen und kleiner, unterdrückbarer Puls; ihr war übel und schwindlig, sie sah unscharf, und es trat ein Gefühl eines Gewichts im Epigastrium auf. Amylnitrit wurde als Inhalation gegeben, wodurch aber die Zyanose verschlimmert wurde. Nach 5 Stunden erbrach die Patientin, gefolgt von noch weiterer Zunahme der Zyanose und Delirium, dabei schaumiger Speichelfluß. Temperatur stieg auf 37,7 °C (99,8 °F), Puls auf 144, klein und unterdrückbar, aber regelmäßig …“ (Brit. Med. Journ., 1890)

  • „… Sie nahm eine 7. Dosis und hatte nach 15 Minuten das Gefühl, als stehe der Tod bevor, konnte nicht sprechen, rang nach Luft, intensive Blässe, erweiterte Pupillen; Glieder wurden ziemlich steif, Herzklopfen; sie fühlte sich vollkommen kraftlos und hatte einen reichlichen Schweißausbruch. Mit Hilfe von frischer Luft, Stimulantien etc. ging der Anfall innerhalb von 15 Minuten vorüber und hinterließ bei ihr große Entkräftung, mit klingelnden Geräuschen in den Ohren.“ (Lancet, 1891)

  • „… Sie hatte bald ein Gefühl völliger Erschöpfung, ihre Glieder wurden kraftlos, aber nicht steif, sie hatte die Empfindung, als sinke sie durch das Bett, und sie dachte, sie sterbe. Leichter Schweiß war vorhanden, die Atmung war schwach und oberflächlich, und die Patientin war fast pulslos. Senf, Hitze und Stimulantien brachten sie über den Berg, aber sie fühlte sich danach noch viele Tage lang schwach.“ (Lancet, 1891)

  • „… Ein Mediziner nahm ein Gr. Exalgin um 21:30 Uhr und eine dreiviertel Stunde später weitere zwei Gr. in etwas Whisky. Kurz danach beklagte er sich über eine leichte Schwummrigkeit und sagte mehrfach, sein Kopf fühle sich so groß an, als fülle er den ganzen Raum. Trotzdem spielte er weiter Karten bis 23 Uhr; zu diesem Zeitpunkt kollabierte er ohne Vorwarnung in seinem Lehnsessel, erschöpft, ganz unfähig, sich zu bewegen oder zu sprechen, und rang nach Luft. Er blieb länger als eine halbe Stunde in diesem Zustand, bis er sich etwas besser fühlte und zwischen einzelnen Atemzügen einige Worte hervorbringen konnte; er sagte, er sei nicht stark genug, sich zu bewegen, und jeder Atemzug sei ihm eine fürchterliche Anstrengung. In dieser Verfassung wurde er hinauf in sein Schlafzimmer getragen und hingelegt; da er sich aber nicht in der Lage fühlte, im Liegen zu atmen, wurde er wieder in seinen Lehnstuhl vor den Kamin gesetzt und gut zugedeckt. Es war geradezu schmerzhaft, sein Atmen mit anzusehen; er ergriff und drückte die Hände der Umstehenden; er ähnelte in vieler Hinsicht einem Menschen, der einen schweren Asthmaanfall erleidet. Die Atemfrequenz betrug 38 pro Minute, er rang nach Luft, die Atmung war oberflächlich; Puls recht schwach; Körperoberfläche sehr kalt, Gesicht blass, aber nicht zyanotisch. Sein Zustand wurde besser, als er nach zwei Stunden etwas Whisky erbrach, aber ihm war weiterhin übel, düselig und schwach, und eine Stunde lang litt er an häufiger und schmerzhafter Strangurie. Dann ging er ins Bett und schlief gut … Am folgenden Tage war er leicht gelbsüchtig. Während des ganzen Anfalles hatte er keine Schmerzen, sondern überall eine Taubheitsempfindung und das Gefühl, als habe sein Zwerchfell die Arbeit eingestellt, sodass er um jeden Preis aus eigener Kraft atmen müsse. Er leidet sonst überhaupt nicht an Asthma.“ (Brit. Med. Journ., 1890)

Aceticum acidum

Essenzielle Merkmale
Man muss Aceticum acidum bei Patienten in Betracht ziehen, die eine mit progressivem Gewichtsverlust verbundene, ausgeprägte Anämie aufweisen, welche zu Abmagerung, Anorexie und Kachexie führt. Ergänzt man diese Symptome noch durch Nachtschweiße, brennenden Durst, übermäßige Blässe des Gesichtes, große Schwäche, einen kurzen, trockenen, chronischen Husten, chronische Diarrhö, häufiges Erbrechen und reichliches Urinieren, so hat man schon ein recht gutes Bild dieses Mittels.
Zehrende Krankheiten
Es ist leicht ersichtlich, dass die Symptome dieses Mittels sehr gut mit denen verschiedener abzehrender Krankheiten übereinstimmen, wie Tuberkulose, Diabetes mellitus, Hypoproteinämie, perniziöse Anämie, Blutungen jeden Ursprungs, ulzeröse Colitis und Krebs. Vor allem jedoch passt dieses Bild auf das AIDS-Syndrom. Aceticum acidum ist auch ein wichtiges Mittel für Opium-Abhängige, weil es bei ihnen nicht nur die Kopfschmerzen, sondern auch den Allgemeinzustand bessern kann.
Seine Prüfungssymptome machen Aceticum acidum zu einem sehr interessanten Mittel in der heutigen Zeit. Bereits Kent schrieb vor fast 90 Jahren: „Es ist ein tiefwirkendes, konstitutionelles Mittel und wird, wenn es genau studiert wird, sehr nützlich sein.“
Unglücklicherweise gehört Aceticum acidum zu den Mitteln, die bis heute vernachlässigt und nur selten verschrieben wurden, obwohl es doch überaus gut auf Fälle wie die oben beschriebenen zu passen scheint. Allerdings muss das gesamte Mittelbild mit dem Fall übereinstimmen, damit man eine Wirkung erwarten kann.
Geist und Gemüt
Betrachten wir nun das mental-emotionale Bild von Aceticum acidum, um die Psychopathologie dieses Mittels besser verstehen zu lernen. Es ist wichtig zu wissen, dass sich viele seelisch-geistige Symptome von Aceticum acidum in erster Linie als Folge der körperlichen Beschwerden entwickeln. Das heißt: Geistige und seelische Probleme treten dann auf, wenn die Patienten feststellen, dass sie begonnen haben, an Gewicht zu verlieren, wenn sie sich schnell erschöpft fühlen und wenn sie merken, dass ihr Appetit sich verringert. Je mehr sie an Gewicht verlieren, desto besorgter sind sie, dass es sich um etwas Ernstes handeln könnte. Wenn sie irgendeine Art von Magenschmerzen bekommen, sind sie sofort davon überzeugt, Krebs zu haben. (Es ist tatsächlich so, dass sich bei Patienten mit einer Aceticum-acidum-Konstitution Magenkrebs entwickeln kann, und dieses Mittel kann helfen, die qualvollen, brennenden Magenschmerzen zu lindern, wenn die Patienten sehr geschwächt, blass und abgemagert sind.)
Aceticum-acidum-Patienten können mit der Tatsache, dass mit ihrer Gesundheit etwas nicht in Ordnung ist, einfach nicht fertigwerden, und daher machen sie sich dauernd Sorgen und beklagen sich darüber bei anderen in einer negativen und mürrischen Art und Weise. Wenn sie keine Probleme haben, so werden sie schon welche entdecken, nur um sich beklagen zu können. Sie fangen dann auch an, sich um andere, vor allem um ihre eigenen Kinder Sorgen zu machen. Ihre Besorgnis kreist darum, was aus ihren Kindern wird, wenn sie selbst einmal gestorben sind. Leicht werden sie durch alles, was um sie herum geschieht, beunruhigt. Jede emotionale Erregung bringt sie aus der Fassung, und besonders wenn sie Kopfschmerzen oder abdominale Beschwerden haben, werden sie sehr nervös oder äußerst reizbar. Ihr Nervensystem steht kurz vor einem Zusammenbruch, und es fehlt ihnen jedes emotionale Stehvermögen.
Diese Patienten sind oft auch sehr ängstlich, befürchten, dass etwas Verhängnisvolles geschehen wird, und die Furcht vor Menschen oder davor, dass sich ihnen jemand nähert, ist manchmal sehr ausgeprägt. Darüber hinaus können sie Anfälle von quälender Angst bekommen, die so schrecklich sind, dass sie fast nicht atmen können. Zu anderen Zeiten fühlen sie sich deprimiert, niedergeschlagen, und ihr Kopf ist dumpf und schwer. Sie können nichts zustande bringen, haben einen Widerwillen dagegen, ihren Geist anzustrengen, und machen Fehler bei der Arbeit oder beim Sprechen. Auch ihr Gedächtnis nimmt ab; sie vergessen, was vor kurzem geschehen ist, und sich an Personen zu erinnern, ist manchmal sehr schwierig für sie. Schließlich mangelt es ihnen nicht nur an Ideen, sondern auch ihr Verstand ist wie benebelt, und sie können sich kaum ausdrücken. Eine Art dumpfe Verwirrung und eine Gleichgültigkeit gegenüber allem haben die Oberhand gewonnen.
Dieses geistige Bild sollte im Zusammenhang gesehen werden mit der allgemein wächsern-blassen Erscheinung der Aceticum-acidum-Patienten, ihrer fortschreitenden Abzehrung, ihrer großen Schwäche
Weitere Merkmale
  • Einige Fälle können auch ein hysterisches Element aufweisen, verbunden mit großer Schwäche. Die Ursache scheint eine Anämie zu sein, und die Patienten haben häufig plötzliche Schwäche- und Ohnmachtsanfälle. Besonders diese Patienten leiden an den Folgen von Kummer und Verdruss.

  • In akuten Fällen, besonders bei Fieber, kann man manchmal eine Art Verwirrung beobachten, in der die Patienten niemanden erkennen, nicht einmal ihre eigenen Kinder. Sie befinden sich in einem stuporartigen Zustand, der nur unterbrochen wird durch deliröses Reden. Aber auch Konvulsionen sind möglich, die dermaßen heftig sein können, dass der Patient wie ein Verrückter aus dem Bett springt und, brüllend vor Schmerzen, auf dem Boden umherkriecht.

Aceticum-acidum-Kinder
Aceticum-acidum-Kinder sind (z. B. wenn sie eine Darmentzündung haben) kümmerlich, ohne Appetit, blass, leicht reizbar. Sie mögen es nicht, wenn man ihren Kopf berührt. Sie sind reizbar, beklagen sich und wollen getragen werden, wie CHAMOMILLA-Kinder. Bei stark abgemagerten Kindern mit chronischer Diarrhö sollte man an dieses Mittel denken.
Allgemeinsymptome und Keynotes
Aceticum acidum ist eine sehr tiefwirkende Arznei. Obwohl man es erfolgreich bei plötzlichen, akuten Erkrankungen wie Kollaps-Zuständen, Schock und starker Erschöpfung nach Verletzungen, Operationen, Anästhesien, Karbolsäure- oder Wurstvergiftungen anwenden kann, handelt es sich in erster Linie um ein Mittel für Patienten, deren Lebenskraft seit vielen Jahren geschwächt ist. Viele der sogenannten akuten Beschwerden scheinen nur akute Verschlimmerungen eines latenten Zustands zu sein, der schon lange Zeit besteht.
Einige Schlagwörter, die einen wichtigen Zug dieses Mittels beschreiben, sind langsam voranschreitende Schwächung, Kraftlosigkeit, Erschöpfung und Verfall. Es ist, als verlasse die ganze Lebenskraft den Körper und hinterlasse ein Wrack, einen zusammengebrochenen, erschöpften, sehr kranken Menschen. Die ganze Tendenz dieser Säure geht eindeutig in Richtung auf Sterben und Tod. Sogar Scheintod kann eine Indikation für dieses Mittel sein. Wahrscheinlich ist Aceticum acidum heutzutage sehr viel wichtiger als in früheren Zeiten, denn die langsam fortschreitenden auszehrenden Krankheiten, wie z. B. AIDS und Krebs, scheinen mehr und mehr zuzunehmen.
Äußere Erscheinung
Der Gesichtsausdruck der Aceticum-acidum-Patienten ist manchmal sehr eindrücklich. Besonders in den späteren Stadien der Krankheit sieht das Gesicht erschreckend krank und hinfällig aus. Es ist meist sehr abgemagert, wachsartig blass, mit eingesunkenen Augen, die von dunklen Ringen umgeben sind, und kalten Schweißtropfen auf der Stirn. Die Blutgefäße an den Schläfen sind aufgetrieben, die Lippen sind trocken, schälen sich in Flocken ab und haben manchmal eine tiefe Purpurfärbung. (Bei akuten Erkrankungen kann sich das Gesicht möglicherweise ändern und einen wilden Ausdruck mit hervorquellenden Augen und erweiterten Pupillen annehmen. Im Fieber ist häufig eine Wange – meist die linke – rot und die andere blass.) Die beschriebene Art des eingefallenen, hageren, abgezehrten Gesichts kann man gewöhnlich erst nach einer langen Leidensgeschichte beobachten.
Fortschreitende Schwäche mit Verlust von Körperflüssigkeiten
Anfangs empfinden die Patienten nur eine innerlich fortschreitende Schwäche; sie spüren intuitiv, dass etwas mit ihnen vorgeht. Zuerst können sie vielleicht noch mit großer Reizbarkeit reagieren, oder sie sind durch alles und jedes aufgeregt, fühlen sich schlechter durch jede Aufregung, oder sie reagieren mit quälender Angst, schrecklichen Angstanfällen, während derer sie kaum atmen können. Aber mit der Zeit werden sie mehr und mehr bedrückt, grämen sich und seufzen häufig, machen sich ständig Sorgen und beklagen sich, sind besorgt um ihren Gesundheitszustand, ihr Geschäft und ihre Kinder. Ihre geistige Kraft nimmt mehr und mehr ab, sie werden verwirrt, und ihr Intellekt kann so umwölkt werden, dass sie sich kaum noch ausdrücken können. Schließlich kann es sogar möglich sein, dass sie nicht mehr wissen, was in den vorangegangenen Stunden geschehen ist, oder dass sie niemanden mehr erkennen, nicht einmal ihre eigenen Kinder.
Die Reizbarkeit, die Angst und der Kummer können gleichzeitig bestehen oder miteinander abwechseln.
Bei akuten Verschlimmerungen können die Patienten sogar in einen Zustand ohne jede körperliche oder geistige Aktivität geraten, der nur von delirösem Reden unterbrochen wird. Der Stupor und das Delirium erscheinen manchmal in Verbindung mit aufgetriebenem Abdomen und hartnäckiger Verstopfung.
Aber nicht nur auf der geistigen, sondern auch auf der körperlichen Ebene können wir den Verfall beobachten. Die Patienten sind oft hochgradig anämisch, verlieren zunehmend ihre Kräfte und ihre Lebenswärme, leiden unter häufigen Schwäche- und Ohnmachtsanfällen und magern mehr und mehr ab. Auch die Atmung wird immer mühsamer, und besonders beim Treppensteigen müssen sie stehenbleiben, um sich auszuruhen. Alle Krankheiten haben eine kräfteraubende, auszehrende Wirkung. Es ist, als habe alles die Tendenz, nach außen zu gehen, den Körper zu verlassen:
  • Blutungen und Hämorrhagien aus beinahe jeder Körperöffnung (Nase, Lunge, Magen, Intestinum und Uterus)

  • Erbrechen nach jeder Art Nahrung

  • Wasseraufschwulken und profuser Speichelfluss, Tag und Nacht

  • Reichlicher und erschöpfender Durchfall

  • Große Mengen blassen Urins

  • Sehr schwächende nächtliche Pollutionen. Der Samen geht beim Stuhlgang ab

  • Reichliche Schweiße, kalte Schweißausbrüche, besonders nachts ist alles durchnässt.

Dieser Verlust von Körperflüssigkeiten ist wahrscheinlich der Grund für den extrem großen, brennenden Durst der Aceticum-acidum-Patienten. Ihr Durst ist unstillbar, obwohl sie große Mengen trinken. Eigenartigerweise haben sie aber oft keinen Durst bei Fieber, und häufig können sie nichts Kaltes trinken, weil es Unbehagen hervorruft und wie ein Gewicht im Magen liegt. Heftiger brennender Schmerz im Magen und in der Brust, gefolgt von Kälte der Haut und kaltem Schweiß auf der Stirn.
Ödeme, Wassersucht
Obwohl, wie gerade beschrieben, normalerweise alles die Tendenz zu haben scheint, den Körper zu verlassen, ist der Flüssigkeitshaushalt manchmal so gestört, dass sich zugleich Wassersucht und Anasarka entwickeln können. Auch ein Aszites kann vorhanden sein, wobei die Patienten manchmal nur in aufrecht sitzender Position atmen können (Aszites mit heftiger Orthopnoe), aber meistens sind es nur die Beine – von den Füßen hinauf zu den Knien –, die ödematös geschwollen sind. Diese Ödeme erscheinen in Verbindung mit vielen verschiedenen Krankheiten, wie Tuberkulose, Diabetes mellitus, Anämie, nach Scharlach, etc.
Die Patienten sind schwach, abgemagert, und ihre Haut ist wächsern-blass wie Alabaster. Häufig haben sie zusätzlich gastrointestinale Beschwerden, wie saures Aufstoßen, Wasseraufschwulken, Diarrhö etc. Es ist auffallend, dass ihre Füße und Beine ödematös geschwollen sind, während gleichzeitig ein langandauernder, reichlicher Durchfall besteht. Wassersucht mit Durchfall. Zudem würde man eigentlich erwarten, dass ein Patient, der voller Wasser ist, nicht trinken will. Aber Aceticum-acidum-Patienten haben dennoch einen sehr intensiven Durst. Wassersucht mit Durst.
Weitere Merkmale
  • In einigen Fällen kann man eine chronische Bronchitis vorfinden, mit leichtem Fieber, nicht sehr hoch, aber schleichend und auszehrend. Hektisches Fieber mit Husten, Dyspnoe, Diarrhö, Nachtschweißen, Ödemen und Abmagerung.

  • Aceticum acidum scheint einen Einfluss auf kanzeröses Gewebe zu haben, und angeblich hat es die Kraft, „Krebszellen aufzulösen“. Wie dem auch sei, jedenfalls ist dieses Mittel in Krebsfällen angewendet worden, hauptsächlich bei Magenkrebs und Szirrhus des Pylorus (mit geschwürigen nagenden oder brennenden Schmerzen), aber auch bei Leukämie, Gehirntumoren und Epitheliom. Höchstwahrscheinlich kann es die Schmerzen und den Allgemeinzustand kachektischer Krebspatienten bessern.

  • Andere Indikationen sind Kondylome, Warzen und besonders Naevi.

  • Bevor ich die Beschreibung dieses Mittels abschließe, möchte ich noch ein wichtiges Allgemeinsymptom herausstellen.

  • Einige Patienten können nicht auf dem Rücken liegen und fühlen sich besser, wenn sie auf dem Bauch liegen. Sie können nicht auf dem Rücken liegend schlafen, weil sie die Empfindung haben, das Abdomen sinke ein, was das Atmen erschwert. Sie müssen sich auf den Bauch drehen und finden nur dann Ruhe. Viele Symptome werden beim Liegen auf dem Bauch gebessert, wie z. B. die Rückenschmerzen oder die brennenden Schmerzen im Magen oder im Bauch.

Aconitum napellus

Essenzielle Merkmale
Wie die meisten Homöopathen auf der Welt habe auch ich in den ersten Jahren meiner Praxis aconitumAconitum nur bei akuten entzündlichen Zuständen angewandt. Die Annahme, dass Aconitum nur in akuten, fiebrigen Fällen angezeigt sei, ist aber völlig falsch. Es dauerte eine ganze Weile, bis ich entdeckte, dass es auch bei als chronisch zu bezeichnenden Erkrankungen sehr nützlich ist, besonders bei chronischen Phobien und Angstzuständen. Seitdem benutzen wir es am Center of Homeopathic Medicine in Athen recht häufig und mit sehr guten Erfolgen bei solchen chronischen Erkrankungen.
Folgen von kaltem Wind, Folgen von Schreck
Es gibt Mittel, bei denen der auslösende Faktor von überragender Bedeutung für die Mittelwahl ist; Aconitum ist eines davon. Das zentrale Thema, das sich durch die Symptomatologie von Aconitum hindurchzieht, ist die übermäßige Erregbarkeit des Nerven- und Gefäßsystems. Das Gleichgewicht dieser Organsysteme kann durch verschiedene Stimuli leicht gestört werden. Die moderne Zivilisation ist voll von unzähligen Belastungen – Enttäuschungen, Kummer aus Einsamkeit, Verlust des Geliebten, eines Kindes oder eines Elternteils, Ängste, Schrecken, Scheitern im Beruf oder in Prüfungen, finanzielle Unsicherheiten oder finanzieller Ruin, Belastungen durch das Wetter, chemische und medizinische Stimuli, Umweltverschmutzung etc. –, die einen Menschen in seiner Gesundheit erschüttern können, wenn sie stark genug sind. Nun wird sich nicht aus all diesen Belastungen ein Aconitum-Fall entwickeln, sondern nur durch einige ganz bestimmte. So ist Aconitum z. B. bestens dafür bekannt, dass durch die Einwirkung von kalten, trockenen Winden Entzündungen entstehen können. Und ganz offensichtlich gibt es noch einen anderen Stimulus, der einen Aconitum-Zustand hervorrufen kann, nämlich plötzlicher Schreck.
Um Aconitum zu verschreiben, ist es jedoch nicht notwendig, dass ein plötzlicher Schreck in der Krankengeschichte vorkommt; man sollte aber, wenn eine solche Causa (auslösender Faktor) in dem gerade untersuchten Fall vorliegt, dieses Mittel ernsthaft in Betracht ziehen. Die übrige Symptomatologie wird natürlich die endgültige Entscheidung beeinflussen.
Zu Kents Zeiten waren Aconitum-Patienten typischerweise vollblütig, kräftig und plethorisch, und Kent hat sie anschaulich in dieser Weise beschrieben. Die typischen Aconitum-Patienten von heute haben sich demgegenüber jedoch sehr verändert. Natürlich entsprechen einige von ihnen immer noch der Kentschen Beschreibung. Es sind gewöhnlich lebhafte, teilnahmsvolle und extrovertierte Menschen, jedoch sind sie, im Gegensatz zu der offensichtlichen Robustheit ihrer Erscheinung, ungemein empfindlich gegen seelische Erschütterungen oder plötzlichen Schreck.
Eine Aconitum-Symptomatologie wird sich aber nicht bei Erschütterungen oder Schocks entwickeln, die durch finanziellen Ruin, Nichtbestehen einer Prüfung, eine unglückliche Liebesbeziehung o. ä. ausgelöst werden. Vielmehr sind Aconitum-Patienten besonders durch plötzliche Belastungen verletzbar, die gleichzeitig eine Übererregung sowohl des Kreislauf- als auch des Nervensystems hervorrufen können. Einfacher ausgedrückt können wir sagen, dass sich ein Aconitum-Zustand dann entwickeln kann, wenn der Organismus dem Schock eines Schrecks oder eisiger Kälte, starken Frierens ausgesetzt wird. „Erschreckende“ Schocks beeinflussen oder stimulieren hierbei offensichtlich primär das Nervensystem und sekundär das Gefäßsystem, während beim „Frieren“ primär das Gefäßsystem betroffen ist – durch die Kontraktion der Gefäße – und sekundär das Nervensystem.
Wichtig ist in beiden Fällen, dass diese Organsysteme leicht übererregt werden können. Dies bedeutet, dass diejenigen Menschen, die unter solchen spezifischen Belastungen einen chronischen Aconitum-Zustand entwickeln, bestimmte inhärente Prädispositionen für diese Schwäche ihres Nerven- und Gefäßsystems haben, die vielleicht sogar in ihrer genetischen Struktur verankert und somit vererbt sein können. Nicht jeder, der ähnlichen Schocks und Erschütterungen ausgesetzt ist, wird die gleiche Symptomatologie entwickeln, und deshalb wird nicht jeder das gleiche Mittel benötigen.
Folgendes muss dabei klar verstanden werden: Wenn wir von einer „Aconitum-Konstitution“ sprechen, die „kalten Winden“ ausgesetzt gewesen ist und „plötzlich“ reagiert, so beziehen wir uns auf die Empfindung, „extrem zu frieren“; der Patient fühlt sich dann, als sei er dem Tode sehr nahe gekommen, und reagiert heftig. Umgekehrt macht ein Aconitum-Patient, wenn er dem Tod tatsächlich oder vermeintlich ins Auge sieht, eine „eisige Todeserfahrung“ durch. Es ist interessant, die darauffolgende Reaktion, die die Aconitum-Symptomatik vervollständigt, zu beachten und zu verstehen: die plötzliche Mobilisierung des Gefäßsystems – eine plötzliche, intensive Konstriktion oder Dilatation – als Resultat eines kräftigen Stimulus.
Die Schwäche von Aconitum ist bedingt durch die leichte Mobilisierung dieser Organsysteme, ihre Prädisposition zu stürmischem Aufruhr. Ein so leicht beeinflussbares Gefäßsystem trifft man, wie Kent beobachtete, oft bei plethorischen oder lebhaften, vollblütigen Individuen an; es ist jedoch, wie ich vorher schon erwähnt habe, beim heutigen Aconitum-Patienten wesentlich unwahrscheinlicher, dass er derart vital ist. Seine robuste Natur ist durch die gefährlichen Risiken unserer modernen Zivilisation schon geschädigt worden: falsche Diät, Umweltverschmutzung, ständiger Gebrauch chemischer Drogen etc. So wie der plethorische Aconitum-Patient immer seltener wird, sehen wir auch immer seltener fiebrige Aconitum-Zustände alter Menschen. Stattdessen sind wir heute häufiger mit mentalen und emotionalen Störungen konfrontiert, die für die heutzutage üblicheren chronischen Aconitum-Fälle charakteristisch sind.
Heftigkeit und Plötzlichkeit
Das Symptomenbild von Aconitum scheint sich besonders nach heftigen Ereignissen zu entwickeln, Ereignissen, in denen der Patient die Furcht vor unmittelbar bevorstehendem Tod erlebt, wie z. B., wenn er bei einem Raubüberfall mit einer Pistole bedroht wird. Autounfälle und Erdbeben stellen ebensolche Belastungen dar, die den Aconitum-Zustand in besonderer Weise hervorrufen können. Das Erdbeben in Athen 1982 lieferte uns überreichliche Beispiele für diese Beobachtung. Es gab nach diesem Erdbeben viele Aconitum-Fälle, und die Ängste der betroffenen Patienten nahmen panische Dimensionen an; diese Ängste wurden begleitet von Zittern, Ruhelosigkeit und Erschöpfung durch die ständige Furcht vor einem erneuten Erdbeben. Aconitum C 30 als Einzelgabe verschaffte diesen Personen beträchtliche Linderung.
Es gibt noch eine ganze Reihe von weiteren belastenden Situationen, die einen Aconitum-Zustand auslösen können, wie im Aufzug eingeschlossen zu werden, in einem Zug durch einen dunklen Tunnel zu fahren oder plötzlich einen Stromausfall mitzuerleben (die bloße Befürchtung, ein solches Ereignis könne stattfinden, kann schon einen ausreichenden Stimulus darstellen). Des weiteren: als Patient vor einer größeren Operation darüber informiert zu werden, dass sie tödlich enden kann; das eigene Kind in einer gefährlichen Situation zu sehen und die Nähe des Todes zu ahnen. Dieser letztgenannte Anlass wird durch den folgenden Fall veranschaulicht: „Ein kleines Mädchen wurde versehentlich durch eine Pistole verwundet. Die Mutter erlitt einen Schock, wurde blass und hatte Schwäche- und Ohnmachtsanfälle, besonders bei dem Versuch, sich im Sitzen aufzurichten; starke Besorgnis um die Folgen. Nach einer Gabe Aconitum gebessert.“ (J. C. Morgan, M. D.) Das wichtige Element in all diesen Situationen ist die plötzliche Furcht, dass der Tod die eigene Person oder einen geliebten Menschen in jedem Augenblick ereilen kann.
Aconitum besitzt in seiner Causa dieses Element in ausgeprägter Form. In Fieberzuständen ist es genau der gleiche Gedanke, der einen Aconitum-Patienten überwältigt. Das Fieber ist so heftig, so plötzlich, dass der Patient überzeugt ist, dass er nicht überleben und bald sterben wird. Verallgemeinert können wir sagen, dass, wann immer eine Person der Kälte ausgesetzt ist und darauf, gleich an welchem Organ, sofort und heftig entzündlich reagiert, wir an Aconitum denken sollten. Das Gift ist tödlich, die Wirkung tritt unmittelbar ein, und das Ergebnis ist verheerend, zerstörerisch – das sind die Charakteristika von Aconitum.
Lassen Sie uns nun die Aconitum-Symptomatik betrachten, wie wir sie beim Patienten von heute zu sehen bekommen. Weil sich heutzutage Aconitum-Fälle so selten mit den traditionellen physischen Entzündungsreaktionen präsentieren, wie sie früher typisch waren, ist es von entscheidender Bedeutung, die innere mental-emotionale Struktur des Mittels zu verstehen. Man kann die gegenwärtigen Indikationen dann besser erkennen.
Charakteristika: Ruhelosigkeit und Ängstlichkeit
In einem Aconitum-Fall wird ein Mensch, sein ganzer Körper und Geist durch die belastenden Situationen, die für diese Patienten Schocks bedeuten, heftig erschüttert und vollständig durchdrungen. Der gesamte Organismus erschaudert, und der Patient verfällt in extremes Zittern mit ungeheurer Ruhelosigkeit, die durch keinen Lagewechsel gebessert wird, und in eine qualvolle Todesfurcht. Durch den Schock können Phobien, besonders Furcht vor dem Tod, entstehen, die über Jahre Bestand haben können. Es entsteht die Furcht, der Tod werde plötzlich eintreten, wenn er am wenigsten erwartet wird; dieser krankhafte Angstzustand ist nicht ständig vorhanden, sondern tritt eher anfallsweise auf. Die Furcht lässt sich am präzisesten als eine Furcht vor drohendem, nahe bevorstehendem Tod beschreiben. Wir beobachten dieses Krankheitsbild heute bei Patienten, die an Angstneurosen leiden. Schon bei geringfügigem Anlass, oder auch ganz ohne jede Provokation, kommt es zu dieser akuten, überfallartigen Symptomatik mit den oben beschriebenen Charakteristika.
In den Prüfungen und bei Vergiftungen erzeugte Aconitum eine plötzliche, stürmische Stimulation des Gefäß- und Nervensystems, die mit Furcht, Hitze, Rotwerden, kräftigem Herzklopfen oder Arrhythmien einherging und schließlich zu Kälte und Blaufärbung, kleinem Puls und Tod führen konnte. Schwindel und oft einseitige Taubheit von Gesicht oder Körper können entstehen. Die Taubheit kann stark ausgeprägt sein oder einem Kribbeln ähneln; sie kann den ganzen Körper betreffen. Aconitum-Patienten werden an episodischen Anfällen einiger oder aller der genannten Symptome leiden; das heißt, die Pathologie nimmt die Form einzelner, getrennter Krisen an, die nur wenige Augenblicke oder auch einige Stunden andauern können.
Die Krisen treten nicht regelmäßig oder ständig auf, noch sind sie gleich bleibend; sie kommen anfallsweise, als plötzliche, akute Attacken und können zu jeder Zeit und als Folge jedweder Stimuli auftreten. Der wichtigste Punkt ist, dass wir in fast allen Fällen eine ungeheure Todesfurcht sehen, die manchmal panische Dimensionen annimmt, zusätzlich zu dem Gefühl, der Tod stehe nahe bevor. Ein Arzt, der bei einer Krise eines Aconitum-Patienten zugegen ist, bekommt möglicherweise vom Patienten zu hören, er sei „zu spät gekommen“ und er, der Patient, werde „bald sterben“, worin sich wieder einmal die Vorahnung des Todes ausdrückt. In der Literatur steht: „Sagt die Zeit seines Todes voraus.“ Wenn es auch nicht immer in exakt diesen Worten gesagt wird, so werden die Bemerkungen des Patienten doch diese Bedeutung haben. Diesem Symptom begegnet man sowohl bei akuten Entzündungen als auch während der oben geschilderten wiederkehrenden Attacken. Ähnlich kann die Todesfurcht während der Schwangerschaft oder der Wehen auftreten. Dies ist ein Keynote von Aconitum.
Der chronisch erkrankte Aconitum-Patient wird den Tod nicht derart vorhersagen; er hat einfach eine allgemeine Vorahnung, dass der Tod bald und plötzlich eintreten wird. Eine Frau, z. B., mag sich fürchten, dass sie sterben werde, bevor sie ihre Kinder großziehen kann. Dies kann u. U. eine fast hellsichtige Wahrnehmung sein, und tatsächlich ist dieses Mittel schon oft in Fällen mit Hellsichtigkeitserfahrungen angewandt worden, besonders bei hellsichtigen Träumen.
Der Angstzustand von Aconitum-Patienten kann sich in vielen Symptomen widerspiegeln. Hier einige Beispiele:
  • Er muss auf sein Herz drücken und gleichzeitig tief atmen, aus Angst, sein Herz werde explodieren.

  • Plötzlich, im Gehen oder Sitzen, überkommt ihn ein Gefühl von Ohnmacht und intensiver Schwäche, das ein oder zwei Tage lang anhalten kann.

  • Er hat ein Gefühl, als stoße ihn etwas ins Herz, und eine überwältigende Furcht steigt auf. In diesem Zustand will er nichts tun, und wenn er dazu gezwungen wird, wird er die Tendenz haben, Dinge, die er in die Hand nimmt, zu zerbrechen. Jede Art von äußerem Druck gibt ihm das Gefühl, er werde gleich einen Hirnschlag oder eine Herzattacke erleiden.

Auch in Form von Wut und Gereiztheit kann sich eine Aconitum-Symptomatologie ausdrücken: Früher liebte sie ihre Familie, ihre Kinder, ihren Ehemann etc., doch nun meidet sie sie, denn sie fühlt sich durch sie gereizt, und sie kann keinerlei Widerspruch von ihnen ertragen. Alles, was der Ehemann tut, ist falsch. Sie weiß nicht, warum sie sich so benimmt, sie kann es jedoch nicht verhindern. Sie versucht, ihren Ärger zu unterdrücken, doch fühlt sie eine solche Wut in sich, dass sie jemanden töten möchte. Obwohl sie ihren Mann liebt, möchte sie ihn töten.
Hier sollte angemerkt werden, dass Aconitum-Patienten das Verlangen haben, immer die Ersten zu sein, egal was sie tun; es fällt ihnen schwer, diese Neigung zu unterdrücken. Wenn sie dieses Verlangen nach Erfolg aber dennoch zu unterdrücken versuchen, ist oft erst recht ein großtuerisches, prahlerisches Gehabe die Folge. Zu einem ähnlichen Ergebnis führt die Unterdrückung von Absonderungen: Eine Verschlimmerung auf einer anderen, meist schwerwiegenderen Ebene der Pathologie kann dadurch hervorgerufen werden. Auch die Unterdrückung von Zorn kann nachteilige Folgen haben.
Diese Patienten geraten außer sich, wenn einer ihrer Wünsche nicht unmittelbar befriedigt wird. Große Ungeduld ist charakteristisch für dieses Mittel; beim Warten scheint die Zeit zu langsam zu vergehen.
Charakteristika: Gleichgültigkeit
Aconitum napellus kann auch ein völlig anderes Bild zeigen, das sehr viel weniger bekannt ist als das der Angst und Unruhe. Viele Homöopathen würden nie an Aconitum denken, wenn sie eine Person sehen, die sehr traurig oder apathisch und allem gegenüber gleichgültig ist. In dieser speziellen Geistesverfassung wimmert der Patient erbärmlich, er weint brüllend, heulend und ohne erkennbaren Grund. Musik ist ihm unerträglich, weil sie ihn noch trauriger macht. Er möchte allein sein, meidet andere Menschen, möchte nicht sprechen, und wenn ihm jemand eine Frage stellt, antwortet er nur mit ja oder nein. Es ist, als ob er jede Zuneigung zu irgendjemandem verloren hätte, und er wird gleichgültig gegenüber den Menschen, die ihm nahestehen, gegenüber seinen Freunden, gegenüber denen, die er eigentlich liebt. Er mag sogar darüber nachdenken, sich umzubringen, indem er von einem hochgelegenen Ort oder von einem Zug springt.
Dieser Gemütszustand entwickelt sich manchmal nach einer langen Periode mit sehr schweren Angstanfällen. Er scheint eine Art Reaktion auf diese panische Angst zu sein, die der Patient einfach nicht mehr ertragen kann, weshalb er in eine emotionale Gleichgültigkeit flüchtet oder im Selbstmord den einzigen Ausweg sieht. Hier ist es wichtig, die Polarität zu beachten, die recht oft in Aconitum-Fällen auftritt. Die meisten Patienten fürchten den Tod und leiden unter quälender Ruhelosigkeit, doch einige werden genau das entgegengesetzte Extrem zeigen und sich wirklich den Tod wünschen. Manchmal wechseln die beiden Zustände einander ab. Einen ähnlich polaren Gegensatz kann man bei Fieberpatienten sehen. Wir beobachten dann anstatt der Ruhelosigkeit und Furcht, die gewöhnlich als Begleitsymptome des hohen Fiebers auftreten, in diesen Fällen Gleichgültigkeit, Erschöpfung und Schläfrigkeit, oder auch Benommenheit, Stumpfheit und ein Gefühl von Beschwipstheit. Der Patient ist „groggy“.
Zustände und Symptome für eine Aconitum-Verordnung
Man muss nicht notwendigerweise all die oben beschriebenen Symptome bei einem Individuum antreffen, um ihm Aconitum zu verschreiben.
  • Einige Patienten werden Furcht vor dem Tod, Schwindel, Furcht vor Ohnmacht und Tachykardie haben; andere Zittern, Arrhythmie, Schweiß, einseitige Gefühllosigkeit (z. B. Taubheit einer Gesichtshälfte) etc.

  • Andere Aconitum-Patienten können eine Art extremer psychogener Dyspnoe erleiden. Dieser Zustand ähnelt lobeliaLOBELIA, ist aber noch heftiger; die Patienten haben große Angst und atmen tief und laut ein.

  • Ebenso können Hitzewallungen in einzelnen Körperregionen auftreten, insbesondere aber im Bereich des Kopfes. Nach den Hitzewallungen können allergische Ausschläge auftreten.

  • Im Allgemeinen verschlimmert sich der Zustand des Patienten nachts, z. B. von Mitternacht bis 4 Uhr morgens. Ebenso tritt allgemein eine Verschlimmerung durch plötzliche Temperaturveränderungen ein. Wenn sich der chronische Aconitum-Zustand erst einmal entwickelt und etabliert hat, können akute Verschlimmerungen oder Krisen sowohl durch plötzliche trockene Kälte als auch durch trockene Hitze, Überhitzung oder zu warme Zimmer ausgelöst werden.

  • Hält man sich einen Aconitum-Patienten mit seinen derart intensiven Ängsten, der hämmernden Tachykardie, den Arrhythmien oder seinen anderen heftigen Symptomen vor Augen, würde man vielleicht einen überaus mitteilsamen Patienten im Behandlungszimmer erwarten, aber das ist nicht der Fall. Wenn er sich nicht in einer Krisensituation befindet, wird ein Aconitum-Patient ruhig und still sein. Er wird ziemlich normal erscheinen. Selbst seine Krisen wird er nicht sehr eindringlich beschreiben. Wenn es allerdings zu einer Krise kommt, ist die Symptomatik heftig und intensiv, und in einem unglaublichen Ausmaß treten Panik und Furcht auf. Diese plötzlichen Angstanfälle sind von solcher Intensität und so überwältigend, dass sie normalerweise überhaupt nicht unter Kontrolle gehalten werden können. Sie sind wie ein Sturm, der sich im Inneren erhebt, ein Sturm, der die Psyche überwältigt und einen schrecklichen Zustand panischer Furcht hervorruft. Doch trotz ihrer Angst werden die Patienten versuchen, diese Furcht unter Kontrolle zu bringen, und wenn sie das – unter Aufbietung großer Anstrengung – schaffen, entsteht manchmal eine Art inneres Zittern und Beben, das eine andere Person zwar nicht sehen, aber dennoch deutlich fühlen kann. In dieser Situation ist es daher selbst während der Krise nicht immer notwendig, den Patienten ruhelos umhergehen oder sich herumwerfen zu sehen, sondern es genügt, wenn man diese Empfindung der Qual und Verzweiflung wahrnimmt, die von den Patienten ausstrahlt, um Aconitum zu verschreiben.

  • Chronische Aconitum-Zustände sind durch solche intensiven Verschlimmerungen mit dazwischenliegenden Intervallen, die völlig symptomfrei und normal sind, gekennzeichnet. Es ist, als ob die Aconitum-Anfälle einfach deshalb nicht die ganze Zeit auftreten, weil sie so stark, dermaßen schrecklich sind, dass der Patient sie in ständiger Aufeinanderfolge überhaupt nicht aushalten und überleben könnte.

Differenzialdiagnose: Angst um andere
Aconitum-Patienten sind sehr teilnahmsvolle, mitfühlende Menschen. Sie brauchen Gesellschaft, sind meistens extrovertiert, aber sie mögen keinen Trost. Sie zeigen ihre Gefühle. Ihre Anteilnahme führt zu einem Zustand der Angst um andere. Sie sind sehr um ihre Verwandten und Freunde besorgt, und sie reagieren übertrieben, wenn jemandem, den sie mögen, etwas passiert. Es kommt zu einem Gefühlsausbruch, wenn sie davon erfahren, dass einem Freund etwas Schlimmes zugestoßen ist. Diese Reaktion steht in keinem Verhältnis zur Bedeutung des Ereignisses. Deshalb, aufgrund ihrer großen Anteilnahme, wollen Aconitum-Patienten keine schlechten Nachrichten hören. (Man sollte Aconitum in der Rubrik „Beschwerden durch schlechte Nachrichten“ ergänzen.) Jedoch sollte man sich nicht dazu verleiten lassen, Aconitum zu verschreiben, nur weil ein Patient ein solches Symptom hat. Das ganze Bild muss gesehen werden, um die Verschreibung dieses Mittels zu rechtfertigen – die heftige, krisenhafte Situation mit Panik, Todesfurcht, Tachykardie, Schweiß etc. Allein aufgrund eines Symptoms wie „Angst um andere“ Aconitum zu verschreiben ist ein Beispiel „eindimensionalen“ Verschreibens, das nicht nur in die Irre führt, sondern schlicht verkehrt ist. Selbst wenn nur ein Symptom existiert, aufgrund dessen man verschreiben kann, so muss es in einem „dreidimensionalen“ Kontext betrachtet werden, wenn bei einer solchen Verordnung nach Keynotes überhaupt eine Hoffnung auf Erfolg bestehen soll.
Um einen Eindruck davon zu gewinnen, was mit dreidimensionaler Verschreibung gemeint ist, soll im folgenden die Differenzialdiagnose eines Symptoms, der „Angst um andere“, mit den damit korrespondierenden Mitteln betrachtet werden:
  • Die Anteilnahme von Aconitum-Patienten ist reaktiv. Sie äußert sich in einem explosiven Gefühlsausbruch, wie z. B.: „Oh, mein Gott! Was sollen wir tun?“ Zu einer solchen Reaktion kommt es insbesondere, wenn der Patient plötzlich mit einem ernsten gesundheitlichen Problem oder, noch schlimmer, mit einem Unfall eines Verwandten konfrontiert ist. Aconitum-Patienten haben besonders Angst vor Unfällen und überreagieren dementsprechend, wenn sie von ihnen hören. Die Angst um andere ist sehr stark und der realen Situation nicht angemessen. Stoizismus passt nicht in das Repertoire von Aconitum; vielmehr reagiert der Patient unmittelbar und übertrieben.

  • sulphurSULFUR-Patienten werden keine solche Angst zeigen. Sie werden sich nur in bestimmten Situationen Sorgen machen. Der SULFUR-Patient hat Angst um seine Kinder. Es ist sehr selten, dass er sich um irgendjemand sonst Sorgen macht, da er in seinem innersten Wesen recht egozentrisch, d. h. ziemlich auf sich bedacht ist. Aber wenn sein Kind sich auf dem Heimweg verspätet hat, beginnt er sich Sorgen zu machen. Er wird nicht schlafen können, wird auf und ab laufen und sich vorstellen, dass dem Kind ein Unfall oder irgendein anderes Unglück widerfahren sei. Wenn sein Sohn oder seine Tochter dann in die Einfahrt fährt, verflüchtigen sich alle Sorgen, und er schläft ein.

  • Ein phosphorusphosphorusphosphorusphosphorusPHOSPHOR-Patient wird eine vollständig andere Angst haben. Er zeigt große Anteilnahme und sorgt sich um jeden; dies gilt selbst für kürzlich gemachte Bekanntschaften. Er ist besonders besorgt und aufmerksam, wenn er von gesundheitlichen Problemen hört. Seine Betroffenheit ist echt, sein Mitgefühl groß. Der phosphorusPhosphor-Patient weist nicht die eingebildete Besorgnis des SULFUR-Patienten auf; er leidet nur, wenn er der realen Situation, dem tatsächlichen Leid eines anderen Menschen begegnet, und fühlt dann intensives Mitleid. Ein phosphorusPhosphor-Patient, der ins Krankenhaus eingewiesen wurde, wird den Schmerz seines Zimmergenossen nicht aushalten können; er wird die Schwester hartnäckig darum bitten, dessen Schmerzen zu lindern. Eine PHOSPHOR-Mutter wacht jede Nacht auf und muss nachsehen, ob mit ihren schlafenden Kindern alles in Ordnung ist, ob sie richtig atmen etc.

  • Auch causticumCAUSTICUM-Patienten können eine unglaubliche Angst um andere haben, in erster Linie ihres großen Mitgefühls wegen, aber auch wegen ihrer eingebildeten Ängste, dass etwas Schreckliches passieren wird. Wenn ihr Mann oder ihr Kind nicht zur rechten Zeit nach Hause kommt, macht sich eine causticumCAUSTICUM-Patientin große Sorgen und fürchtet das Schlimmste; sie denkt, dass ihnen etwas sehr Schlimmes widerfahren sei, ein Autounfall oder eine ähnliche Katastrophe (so wie bei sulphurSULFUR). Ist jemand in der Familie krank, dann ist das Mitgefühl dieses Menschen und seine Identifikation mit dem Kranken so groß, dass er beinahe die gleichen Symptome bekommt. (In dieser Hinsicht ist CAUSTICUM PHOSPHORUSPHOSPHOR sehr ähnlich.) Aber seine Angst und sein Mitgefühl für andere können sogar noch weiter gehen. Für ihn ist es manchmal schon genug, in der Zeitung zu lesen oder im Fernsehen zu sehen, dass Menschen in einem fremden Land hungern müssen oder von der Regierung unterdrückt werden, ins Gefängnis geworfen werden etc. Das Leiden dieser Menschen ergreift ihn so tief, dass er weinen muss und sich außerordentlich erregt über diese Ungerechtigkeit.

  • Auch der arsenicum albumARSENICUM-Patient hat Angst um andere. In diesem Fall ist es eine innere Ängstlichkeit. Die Objekte seiner Angst sind die ihm nahestehenden Personen – Vater, Mutter, Bruder usw. Diese Personen geben ihm ein Gefühl der Sicherheit; folglich fühlt er sich selbst bedroht, wenn es ihnen nicht gut geht. Es ist eine eigennützige Angst um andere; er möchte, dass es ihnen gut geht, damit sie ihm helfen können.

  • Der baryta carbonicaBARYTA-CARBONICA-Patient zeigt ein liebevolles Interesse an Menschen, die sich um ihn kümmern. Er ist sehr besorgt, dass diesen Menschen irgendetwas geschehen könne, gleichwohl fühlt er sich völlig unfähig, in irgendeiner Weise helfend einzugreifen. baryta carbonicaBaryta-carbonica-Patienten werden anderen eine stille, mitfühlende Besorgnis vermitteln, aber unterschwellig haben sie panische Angst, dass den Menschen, die für sie sorgen oder sie beschützen, etwas zustoßen könnte. Diese echte Besorgnis rührt jedoch bei BARYTA-CARBONICA-Patienten von einem Gefühl der Unsicherheit, Minderwertigkeit und Hilflosigkeit her. Diese Menschen befürchten, falls ihren Beschützern etwas zustoßen sollte, völlig unbeschützt zurückgelassen zu werden, unfähig, für sich selbst zu sorgen. Sie vermeiden es, auch nur an eine solche Möglichkeit zu denken.

  • Der cocculusCOCCULUS-Patient hat eine passive Angst um andere – eine Art Angst, die ihn die ganze Nacht, ohne einen Augenblick zu schlafen, an der Seite eines Verwandten im Krankenhaus bleiben lässt. Seine Angst, der Verwandte könne sterben, ist so groß, dass er sich keinen Augenblick der Entspannung gönnt. Der COCCULUS-Patient denkt nicht nach, er handelt stattdessen fast instinktiv, wenn jemand, den er liebt, in Gefahr ist. Er scheint keine Müdigkeit zu spüren, während er völlig von der Angst um andere und deren Wohlergehen eingenommen ist. Seine Angst beschränkt sich jedoch auf diejenigen, die er liebt.

Charakteristika: Furcht und Angst
Nach diesem Beispiel einer Differenzialdiagnose kehre ich nun zu der Furcht des Aconitum-Patienten zurück. Im akuten Stadium fürchten die Patienten, wie bereits erwähnt, „zu irgendeinem Zeitpunkt plötzlich zu sterben“. Im chronischen Aconitum-Zustand besteht die Furcht darin, dass der Tod näher kommt; es ist die Furcht, der Tod werde innerhalb der nächsten Monate (bis zu etwa einem Jahr) eintreten. Es kann auch vorkommen – allerdings geschieht das nur selten –, dass ein Aconitum-Patient seinen Tod zu einem bestimmten Zeitpunkt vorhersagt, etwa in der Art: „Wenn die Uhr acht schlägt, werde ich sterben.“ Diese Patienten sind sich aufgrund ihres Zustands absolut sicher, dass sie nicht mehr lange leben werden. Sie bereiten sich auf den Tod vor, schreiben z. B. ihr Testament o. ä. Wenn man nicht weiß, dass dieses Verhalten zur Pathologie von Aconitum gehört, denkt man vielleicht, dieser Mensch sei nur umsichtig, wenn er solche Vorkehrungen trifft. Aber in solchen Fällen ist es die Furcht vor dem Sterben, die den Patienten dazu treibt, eine Furcht, die durch die tatsächliche Pathologie des Falles nicht gerechtfertigt wird. Diese Überzeugung, dass der Tod nahe bevorstehe, hat mit der Wirklichkeit nichts zu tun und ist als Symptom zu betrachten.
Weitere Ängste
Aconitum kann auch Klaustrophobie hervorrufen; diese kann in einer Menschenmenge auftreten, im Zug, im Flugzeug oder im Bus. Bei düsterem oder bewölktem Himmel verschlimmert sich die Klaustrophobie und kann in einer Panikattacke enden. Furcht vor der Dunkelheit, Furcht vor dem Ersticken und besonders Furcht vor Menschenmengen sind für dieses Mittel charakteristisch. Aconitum-Patienten werden an keiner Demonstration teilnehmen, bei der sie sich gezwungenermaßen in unmittelbarer Nähe zu einer großen Menschenmenge aufhalten müssten. Ein charakteristischer Fall, den ich einmal sah, veranschaulicht die mögliche Intensität der Klaustrophobie und der Furcht vor Menschenmengen: Die Klaustrophobie war so stark, dass die Patientin schon bei Anwesenheit von nur sechs oder sieben Personen in einem Raum das Zimmer verlassen mußte. Infolgedessen konnte sie nicht mehr alle Verwandten am selben Tag zu sich nach Hause einladen.
In Theatern sitzen manche Aconitum-Patienten lieber hinten, damit sie im Notfall leichter zum Ausgang heraus können. Furcht vor dem Ersticken kommt besonders an warmen, geschlossenen Orten auf. Wenn sie in einem Verkehrsstau steckenbleiben, kann sie eine solche Panik überkommen, dass sie gezwungen sind, das Auto oder die Untergrundbahn zu verlassen. Manchmal wird man, interessanterweise, das glatte Gegenteil antreffen – eine Furcht vor freiem Raum: Diese Patienten können nicht auf einer Schnellstraße oder Autobahn fahren, während sie beim Fahren in der Stadt keine Probleme haben. In dem Moment, in dem sie auf die Autobahn oder Schnellstraße kommen, sind sie vor Angst gelähmt. Auch können sie eine Furcht davor haben, das Haus zu verlassen oder die Straße zu überqueren.
Aconitum-Patienten können oft nicht im Dunkeln schlafen. Dunkelheit verschlimmert und ruft ein Erstickungsgefühl hervor. Sie werden weder durch Tunnels fahren (dunkle und geschlossene Orte), noch werden sie den Aufzug benutzen, der Strom könnte ja ausfallen und sie in einem „dunklen, geschlossenen Ort“ einsperren, wo sie ersticken könnten; eher gehen sie fünf Stockwerke zu Fuß, als einen Aufzug zu betreten. Dieselbe Furcht hält sie auch davon ab, ein Flugzeug zu benutzen. Die Furcht vor Unfällen kann bei Aconitum-Patienten so stark sein, dass sie sich weigern, alleine Auto zu fahren; sie brauchen jemanden, der sie begleitet.
Aconitum-Patienten fürchten sich auch vor Krankheiten (dies sollte im Repertorium ergänzt werden), vor unmittelbar bevorstehender Krankheit, wie Hirnschlag und Herzerkrankungen. So fürchten sie, ihr Herz werde aufhören zu schlagen und sie würden tot zu Boden fallen, oder ihr Herz werde explodieren. Es scheint, dass diese Ängste normalerweise im Verborgenen schlummern, jedoch bei der geringsten Veranlassung mit beeindruckender Intensität zutage treten. Diese ganze Symptomatik kann in unseren modernen Städten, mit ihrer unmenschlichen Aggressivität und Gewalt, ziemlich leicht auftauchen; infolgedessen wird dieses Mittel immer häufiger benötigt werden.
Nächtliche Verschlimmerung, Verschlimmerung in der Dämmerung
Einige Aconitum-Fälle zeigen mit ihrer charakteristischen nächtlichen Verschlimmerung eine große Ähnlichkeit zu lachesisLachesis: Nachdem sie zu Bett gegangen sind und zehn bis fünfzehn Minuten geschlafen haben, erwachen diese Patienten plötzlich mit einer ungeheuren Furcht und springen in Panik auf.
  • Bei Lachesis handelt es sich aber nicht um eine Furcht vor dem Tod; der Lachesis-Patient hat eher eine Furcht vor dem Ersticken, weil er nicht atmen kann. Dies ist die Folge einer momentanen Lähmung des Vagusnervs beim Einschlafen.

  • Bei Aconitum ist es Furcht vor dem Tod, die zehn bis fünfzehn Minuten nach dem Einschlafen auftritt. Es ist wichtig, besonders auf diese Unterschiede zu achten, man bringt sonst leicht Mittel mit ähnlicher Symptomatologie durcheinander.

Beim Aconitum-Patienten tauchen die unterbewussten Ängste auf, sobald der Schlaf die Kontrolle des logischen Verstandes aufhebt. Das Unterbewusste ist mit Ängsten überfrachtet. Diese Ängste überkommen den Patienten plötzlich und mit solcher Intensität, dass er panikartig im Bett hochspringt und zitternd und ängstlich zu sterben meint. Möglicherweise hängt diese Symptomatik bei Aconitum auch mit der Verschlimmerung durch Hitze zusammen, und der Panikzustand wird hervorgerufen, sobald dem Patienten im Bett warm wird.
Manchmal tauchen diese Ängste anstatt in der gerade geschilderten Weise in Form von schrecklichen Alpträumen auf.
Ich habe Aconitum-Patienten gesehen, die jeden Abend bei Dämmerung in einen Zustand entsetzlicher Qual gerieten. Sie erlebten intensive Angst und schluchzten so heftig, dass es wie das Bellen eines Hundes klang. Eine Frau, der ich begegnete, war so verängstigt, dass sie während der Attacke vor lauter Angst unfähig war, irgendwelche Gefühle zu artikulieren; sie konnte nur schluchzen. Sie schluchzte so laut, dass man sie in den Nachbarwohnungen hören konnte. Einmal wurde ich während der Anamnese Zeuge einer solchen Attacke; es war ein schreckliches Erlebnis.
Für Aconitum-Patienten ist eine der Verschlimmerungszeiten die Dämmerung, und die Verschlimmerung kann bis Mitternacht anhalten.
Weitere Merkmale
  • Ein weiterer Zustand, den man bei Aconitum antreffen kann, ist ein Lähmungszustand beim Erwachen (phosphorusPHOSPHOR, lachesisLACHESIS, sulphurSULFUR, medorrhinumMEDORRHINUM); die Patienten sind nicht in der Lage, ihre Extremitäten zu bewegen, und geraten deshalb in extreme Panik.

  • Wie oben beschrieben wurde, reagieren Aconitum-Patienten sehr stark auf Erdbeben; und es ist ein interessantes und sehr passendes Analogon dazu, wie ein Simile, dass der innere Zustand von Aconitum-Patienten einem Erdbeben gleichkommt. Der Kreislauf ist in einem solchen Aufruhr, als fände ein Erdbeben im Inneren des Körpers statt. Manchmal ist die Empfindung eines inneren Erdbebens so stark, dass diese Patienten mit dem Gefühl aus dem Schlaf gerissen werden, es ereigne sich ein wirkliches Erdbeben und die Zimmerdecke könne auf sie herabfallen. Eine ungeheure Erschütterung geht im Inneren dieser Patienten vor sich; sie kann beim chronischen Aconitum-Patienten so stark sein, dass der Anblick für den Arzt entsetzlich ist.

  • Aconitum-Zustände können eine breitgefächerte Symptomatik beinhalten. Die Symptome können von relativ milden Tachykardien, Arrhythmien, Taubheit, Kribbeln etc. bis zu Ängsten, Phobien, ungeheurer Panik und schließlich Kälte, extremer Erschöpfung und Kollaps mit Blaufärbung und Kälte des ganzen Körpers variieren. Für den Studenten der Homöopathie ist es wichtig zu verstehen, dass ein Fall, der Aconitum braucht, in beeindruckender Weise ganz allein von diesem Mittel geheilt werden wird; kein anderes Mittel kann seinen Platz einnehmen, gleichgültig, ob es sich um einen akuten oder um einen chronischen Fall handelt. Zögern Sie nicht, es zu verschreiben, wenn die Symptome übereinstimmen, egal wie schwerwiegend die Pathologie zu sein scheint. Ich wiederhole, die Information der alten Homöopathen, dass Aconitum nur in den Anfangsstadien akuter Zustände indiziert sei, ist völlig irreführend.

Einige allgemeine Bemerkungen: Es ist wichtig, die Mittel in ihrer allgemeinen Wirkung auf den menschlichen Organismus zu verstehen und dieses Wissen auf die zu behandelnden Krankheiten anzuwenden. Man sollte die Falle vermeiden, bei kleinen Details steckenzubleiben, und stattdessen versuchen, das allgemeine Bild des Patienten wahrzunehmen und dann dementsprechend zu verschreiben. Der Student der Homöopathie sollte sichergehen, dass er eine große Anzahl homöopathischer Mittel gut kennt, bevor er versucht, eine Differenzialdiagnose zu stellen; ansonsten wird er dazu tendieren, bei allen seinen Patienten die Charakteristika der wenigen Mittel zu finden, die er kennt.
Aconitum-Kinder
Ein paar Beobachtungen an Aconitum-Kindern sind vielleicht hilfreich: Diese Kinder können zu plötzlicher Wut, zu Anfällen von Raserei und nächtlicher Enuresis neigen; hierzu kommt es, wenn ein Elternteil oder beide Eltern sich aggressiv verhalten oder wenn das Kind sich erschreckt. Das Mittel kann auch hilfreich sein bei Konvulsionen nach plötzlichen nervlichen Schocks oder bei Krämpfen zahnender Kinder mit Rucken und Zucken einzelner Muskeln, hohem Fieber, trockener und heißer Haut; das Kind knabbert an seinen Fäusten, ist unruhig und schreit.
Das Mittel wird oft bei Neugeborenen benutzt, bei Ikterus oder Harnretention aufgrund des Geburtstraumas oder der plötzlichen Kälte der neuen Umwelt.
Wenn Aconitum-Kinder schmerzhafte Erkrankungen haben, so fühlen sie die Schmerzen so heftig, dass sie dazu neigen, die schmerzhafte Stelle mit den Händen zu schützen. Bei einer Zystitis z. B. fassen die Kinder mit den Händen an die Genitalien und schreien auf.
Zusammenfassung
Folgende Symptome sind besonders wichtige Charakteristika von Aconitum:
  • Beschwerden durch Schreck.

  • Furcht vor drohendem Tod.

  • Chronisch rezidivierendes Paniksyndrom (infolge von Schreck), charakterisiert durch: Furcht vor dem Tod, Hitzewallungen, Herzklopfen, Arrhythmien, Taubheit einzelner Körperteile, Dyspnoe.

  • Phobien: Klaustrophobie, Agoraphobie, Unfälle, Dunkelheit, Menschenmengen, Flugzeuge, Herzerkrankungen, Apoplex.

  • Ängstliche Ruhelosigkeit.

  • Schlechter durch Trockenheit, Kälte (oder Überhitzung).

  • Schlechter durch Dämmerung und/oder Mitternacht bis 4 Uhr morgens.

  • Einseitige Taubheit (Gesicht).

  • Plötzliches hohes Fieber mit Ruhelosigkeit, Todesfurcht, trockener, heißer Haut; oder: hohes Fieber mit Gleichgültigkeit, Erschöpfung, Schläfrigkeit, Durstlosigkeit und benommenem Gesichtsausdruck.

Actaea spicata

Essenzielle Merkmale
Actaea spicata ist ein vernachlässigtes Mittel; häufig werden andere Mittel wie caulophyllumCAULOPHYLLUM, sabinaSABINA, viola odorataVIOLA ODORATA, bryoniaBRYONIA, stictaSTICTA etc. verschrieben, wo Actaea spicata angezeigt wäre. Es ist uns als rheumatisches Mittel überliefert worden, doch ist es ebenso indiziert bei Gesichts- oder Zahnneuralgien, Magenerkrankungen, sogar kanzerösen, ferner bei Gicht, Kopfschmerzen, Angst etc. Sein „weibliches“ Gegenstück ist actaea racemosa s. cimicifugaACTAEA RACEMOSA, das unter Homöopathen besser unter dem Namen CIMICIFUGA bekannt ist. Actaea spicata ist meistens bei Männern angezeigt, ACTAEA RACEMOSA (cimicifugaCIMICIFUGA) mehr bei Frauen.
Kleine Gelenke, Verschlimmerung durch Anstrengung
Actaea spicata greift hauptsächlich die kleinen Gelenke an, mit einer Bevorzugung der Handgelenke, wo reißende Schmerzen und plötzliche enorme Schwellungen charakteristisch sind. Auch auf Gichtarthritis kann man bei diesem Mittel treffen.
Bei Actaea spicata ist eine starke Verschlimmerung durch Anstrengung vorhanden. Ein Mann mag z. B. ein Tennismatch beginnen und sich dabei gut fühlen; schon nach vergleichsweise geringer Anstrengung beginnen jedoch die Schmerzen, und die Gelenke schwellen an. Höchstwahrscheinlich wird er gezwungen sein, aufzuhören und sich auszuruhen, da im Zuge der fortschreitenden Schwellung jegliche Bewegung unerträglich wird. Der Schmerz hat eine paralytische Qualität, besonders wenn die Hände davon betroffen sind.
Geist und Gemüt
Die mentale und emotionale Struktur von konstitutionellen Actaea-spicata-Patienten ist recht interessant. Diese Personen haben eine hohe Meinung von sich selbst; sie versuchen, in einer Gruppe immer im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen, und sie brauchen ständig jemanden, dem sie von sich erzählen können. Sie können leicht Kontakt mit anderen bekommen, besonders mit dem anderen Geschlecht. Andererseits handelt es sich jedoch um leicht einzuschüchternde und zu erschreckende Menschen, auf die der Schreck auch eine tiefgreifende Wirkung ausübt. Sie schrecken sehr leicht auf, besonders wenn sie allein sind und ein plötzliches Geräusch auftritt. Sie fühlen sich eindeutig besser, wenn sie Gesellschaft haben; dann sehen sie glücklich und zufrieden aus; doch sobald sie allein sind, beginnen ihre Probleme. Sie hassen die Einsamkeit, da sich ihre mental-emotionalen Probleme steigern, wenn sie allein sind.
Sie entwickeln einen anhaltenden Zustand der Besorgnis, der Furcht; und sie neigen nicht nur dazu, leicht zu erschrecken, sondern durch Furcht oder Schreck kann auch ihre Symptomatologie stark verschlimmert werden. Die Schwellungen und die Schmerzen können durch Schreck schlimmer werden; bei Frauen kann auch Unterdrückung der Menses durch Furcht oder Schreck vorkommen.
Actaea-spicata-Männer neigen aufgrund der Tatsache, dass sie leicht guten Kontakt zum anderen Geschlecht bekommen, recht stark zum Flirten mit vielen Frauen und zum Schürzenjäger, sie können den Frauen sogar so lebhaft nachstellen, dass es zu Ausschweifungen kommt und sie zu Wüstlingen werden. In diesem Stadium kann es dann vorkommen, dass sie eine Selbsttäuschung, eine Selbstüberschätzung entwickeln, egozentrisch und egoistisch werden.
Entsprechend ihrem Egozentrismus, ihrem kapriziösen, unbeständigen Benehmen und der Unzuverlässigkeit, die sie in ihren Beziehungen zu anderen zeigen, ist ihr Kontakt zu ihrer Umgebung meist eher oberflächlich. Sie sind leichtlebig und genießen die guten Dinge des Lebens, mit minimaler Anstrengung und ohne viel darüber nachzudenken.
In der Tat haben sie eine Abneigung gegen Denken – dagegen, sich mit Problemen auseinanderzusetzen. Durch jegliche Geistesanstrengung fühlen sie sich schlechter, und in jeder Hinsicht ermüden sie leicht: körperlich, geistig und auch emotional. Sie hassen Anstrengung jeglicher Art, und wenn Dinge nicht nach ihrer Vorstellung laufen, nicht leicht vorangehen, werden sie wütend, reizbar, starrsinnig und beklagen sich.
Ein interessantes Keynote dieses Mittels ist, dass, wenn diese Patienten nach einem gelungenen Tag nach Hause kommen, um sich auszuruhen, eine Art von Angst entsteht, sobald sie sich hinlegen, eine Angst, die sie dazu zwingt, aufzustehen und umherzugehen, um sich Linderung zu verschaffen (wie magnesia muriaticaMAGNESIA MURIATICA), weil die Bewegung die Angst bessert. Ebenso steigt während der Nacht, besonders wenn sie allein schlafen, eine Furcht zu sterben auf, die sie wachhält und den Schlaf im Keim erstickt. Und morgens nach dem Schlaf hören sie ein Murmeln in den Ohren, das durch ihre Angst entschieden verschlimmert wird.
Actaea-Zustand bei fortschreitender Pathologie
In dem Maße, wie die Pathologie fortschreitet, spüren diese Patienten, dass ihr Verstand langsamer arbeitet, dass das Denken schwer fällt. Sie fühlen sich verwirrt und unfähig, selbst kleine Entscheidungen zu treffen; ihr Gedächtnis lässt sie im Stich, und sie werden zerstreut, unaufmerksam und unkonzentriert, ihr Urteilsvermögen ist getrübt, und sie sind ganz konfus. In ihrer Verwirrung fühlen sie sich vollständig unfähig, auch nur im geringsten Grade irgendetwas geistig zu verarbeiten; an diesem Punkt kommt ihnen der Gedanke, dass sie verrückt werden könnten. Dies ist keine wirkliche Furcht vor Geisteskrankheit, sondern das Resultat der bewussten Wahrnehmung ihres geistigen Verfalls.
Schließlich gelangen diese Patienten zu der Überzeugung, dass alles, was sie unternehmen, schiefgehen wird. Infolgedessen fühlen sie sich hoffnungslos und beginnen zu seufzen. Während dieser Zeit macht jede Anstrengung, jegliche Ermüdung oder jeder Schreck ihre Lage schlechter. Schließlich können sie in einen Zustand von Niedergeschlagenheit, Schwermut, Unzufriedenheit und Verzagtheit versinken und später sogar Abscheu vor dem Leben entwickeln. Sie fühlen sich dann nicht mehr in der Lage, ihre Schwellungen und Schmerzen zu ertragen und die Beschränkungen auszuhalten, die ihre Krankheit ihnen auferlegt. Im Fieber können sie in ein rasendes Delirium geraten und schließlich das Bewusstsein verlieren.
Allgemeinsymptome und Keynotes
  • Bei Actaea-spicata-Patienten wird das Befinden im Allgemeinen durch Kälte verschlechtert, durch kalte Luft sowie auch durch Veränderung von Temperatur oder Wetter.

  • Sie fühlen sich sehr leicht erschöpft. Eine plötzliche, unvorhersehbare Schwäche oder Ermattung überkommt sie beim Gehen in der frischen Luft. Auch nach einem Wechsel der Temperatur oder des Wetters werden ihre Knie schwach, und sogar nach dem Essen oder nach vielem Reden können sie sich müde und schwach fühlen.

  • Eine leichte Anstrengung von Körper oder Geist ruft oft einen kalten, klebrig-zähen Schweiß hervor; wenn dieser Schweiß aber unterdrückt wird, können sie einen Rheumaanfall bekommen.

  • Diese Arznei hat eine besondere Affinität zu den kleinen Gelenken, vor allem zum Handgelenk und zu den Gelenken der Finger (insbesondere des Zeigefingers), aber auch zu den Knöcheln, Füßen und Zehen.

  • Die Schmerzen haben oft einen ziehenden, reißenden Charakter, und besonders die schmerzenden Gelenke werden durch Bewegung verschlimmert, ebenso durch Berührung oder Druck, und manchmal nachts. (Man beachte aber, dass die Angst durch Bewegung gebessert wird.)

  • Sehr charakteristisch für diese Arznei ist, dass schon nach der leichtesten Anstrengung oder Beanspruchung die Gelenke schmerzhaft werden und anschwellen. Der Patient geht aus und fühlt sich ganz erträglich, aber nachdem er eine Weile gegangen ist, eine kleine Arbeit ausgeführt oder sonst eine kleine Anstrengung unternommen hat, fangen seine Gelenke an, wehzutun und anzuschwellen.

    • Die Schwellung und der Schmerz im rechten Handgelenk können z. B. so unerträglich werden, dass der Patient seine Hand nicht bewegen kann, und der leichteste Druck auf die Handfläche in der Nähe des kleinen Fingers läßt ihn schon aufschreien. Diese Symptome können zusammen mit einem lahmen Gefühl des rechten Armes und lähmungsartiger Schwäche der schmerzenden Hände auftreten. Die Finger sind oft entfärbt, kalt und taub. (Actaea spicata ist auch schon bei klimakterischer deformierender Arthropathie der Fingergelenke gegeben worden.)

    • Andere Symptome, die man bei rheumatischen Patienten beobachtet hat, sind Ungeduld und Unruhe mit beschleunigtem Puls oder auch Ziegelmehlsediment im Urin.

    • Ebenfalls eine gute Kombination zweier Symptomengruppen bei diesem Mittel sind rheumatische Symptome, die zusammen mit einer ausgeprägten gastrischen Störung, wie Abneigung gegen Speisen, Übelkeit, saures Erbrechen etc. auftreten.

  • Im Bereich des Kopfes tauchen viele Symptome auf: Schwindel mit Trübsehen oder Schwarzwerden vor den Augen, Schwindeligkeit und Schwanken, besonders an der frischen Luft, zusammen mit einem Trunkenheitsgefühl oder einem Leeregefühl in der Stirn beim Bücken.

    • Die Kopfschmerzen treten oft periodisch auf und verschlimmern sich nachts oder beim Gehen. Nachdem er sich der Sonne ausgesetzt hat, oder auch einfach nur durch helles Tageslicht, fühlt dieser Patient einen Druck in der Stirn. Die Kopfschmerzen können so schlimm sein, dass er völlig verzweifelt ist, besonders bei folternden, qualvollen Schmerzen, die sich vom Scheitel bis zu den Augenbrauen erstrecken.

    • „Blutandrang zum Kopf, erregt durch Kaffee“ ist ein Symptom von Boericke, zu dem ich eine Anmerkung machen möchte: Einige erfahrene französische Homöopathen haben beobachtet, dass Actaea spicata eines der wenigen Mittel ist, die eine Besserung des Kopfschmerzes nach Kaffee aufweisen.

    • Diese Patienten können auch eine Art Rheuma oder Neuralgie des Gesichtes haben: ziehende, reißende Schmerzen, die von einem schlecht gewordenen, verfallenden Zahn ausgehen und sich zu den Schläfen erstrecken, verschlimmert durch die leichteste Berührung oder Muskelbewegung.

  • Magen: Dieselbe Kapriziosität, die wir im Charakter des Patienten sehen, können wir auch im Hinblick auf den Magen beobachten:

    • Hunger mit Abneigung gegen Nahrung, Hunger mit fehlendem Appetit, oder auch ein Leere- und Schwächegefühl im Magen ohne Hunger. Der Patient hat einen Ekel vor Nahrung, schaudert nach dem Trinken, und sein Magen gerät nach dem Genuss von gesalzenem Fleisch oder Früchten in Unordnung. Auch Rauchen und Biertrinken bekommen dem Actaea-spicata-Patienten nicht.

    • Krampfartige Magenschmerzen mit erschwerter Atmung. Stiche oder ein schmerzhafter Schlag im Epigastrium bei tiefem Einatmen. Reißende, schießende Schmerzen im Epigastrium mit Erbrechen. Übelkeit und saures Erbrechen.

    • All diese Symptome weisen darauf hin, dass Actaea spicata auch bei Magenkrebs von Nutzen sein kann.

  • Actaea spicata hat noch einige weitere eigentümliche Symptome, die ich noch nicht erwähnt habe:

    • Gefühl von Gänsehaut auf dem Kopf, auf der behaarten Kopfhaut.

    • Warmer Kopfschweiß, besonders an der Stirn.

    • Die Wange, auf der er liegt, schwitzt.

    • Gegenstände erscheinen blaugefärbt.

    • Drängendes Gefühl im Herzen zum Abdomen und zur Lebergegend hin, mit großer Angst nachts.

    • Klopfen, Pulsieren im rechten Hypochondrium oder in der Nierengegend.

    • Zerschlagenheits- oder Prellungsschmerz in der Sakralgegend beim Liegen auf der Seite.

    • Man beachte, wie viele Symptome durch Bewegung, leichte Anstrengung oder Gehen verschlechtert werden, obwohl Actaea-spicata-Patienten oft ein großes Bedürfnis haben, zu arbeiten, und sogar gerne Körperübungen machen.

Adonis

Essenzielle Merkmale
Dieses Mittel wird meist bei mittelschweren oder sogar bei ganz massiven pathologischen Zuständen des Herzens benötigt, besonders wenn die Erkrankung mit Nierenproblemen oder rheumatischen Zuständen (rheumatischen Herzleiden) verbunden ist. In die spezielle Wirkungssphäre dieses Mittels gehören Fälle von Perikarditis, Myokarditis, Endokarditis, Rückstrom des Blutes bei Mitral- und Aortenklappeninsuffizienz, Asthma cardiale, chronischer Aortitis etc.
Herzerkrankungen infolge Myokardschwäche
Adonis ist besonders dann indiziert, wenn das Myokard geschwächt ist, ihm seine normale Kontraktionskraft fehlt; als Folge davon können sich Stauungshydrops (Herzwassersucht), Asthma cardiale, Herzerweiterung etc. entwickeln. Herzkrankheiten, die nach Rheumatismus, Influenza oder der Bright Krankheit (Nierenentzündung) auftreten.
Adonis sollte in Betracht gezogen werden, wenn bei Herzerkrankungen andere Mittel versagt haben und sich das Herz in einem bedenklichen Zustand befindet, mit besorgniserregenden Zeichen und Symptomen wie Arrhythmie, schwachem und schnellem Puls, Präkordialschmerz oder einem Gefühl der Beklemmung in der Brust, das zu Dyspnoe führt, welche den Patienten zwingt, lange, tiefe Atemzüge zu tun. Schließlich kann sich Asthma cardiale (paroxysmale Dyspnoe) entwickeln. „Hale berichtet von einer wunderbaren Heilung unter der Wirkung von Adonis bei einem Arbeiter, der unter chronischer Herzklappenerkrankung mit Dilatation des Herzens litt. Der Umfang des Herzens verringerte sich, die Kongestion der Lungen verschwand, ebenso die Ödeme in den Beinen, und das Herzklopfen sowie die Dyspnoe hörten auf.“ (N. M. Choudhari) „Cash bewirkte große Erleichterung bei einem 74-jährigen wassersüchtigen Patienten mit Mitralklappeninsuffizienz durch Gaben von jeweils 1 Gran Adonidin in achtstündigen Abständen, nachdem arsenicum albumARSENICUM und digitalisDIGITALIS versagt hatten.“ (J. H. Clarke)
Erschöpfung, Ängstlichkeit
Der Allgemeinzustand des Patienten ist durch große Schwäche gekennzeichnet, und man hat allen Grund, ein Herzversagen zu befürchten. Der Patient erwacht morgens schon erschöpft und mit geschwollenen Extremitäten; in den meisten Fällen ist sein Puls schwach, kraftlos und schnell (man findet allerdings manchmal auch einen langsamen Puls vor). Die Nierenfunktion ist gestört, der spärliche Harn enthält Albumin und Zylinder, und der Organismus neigt zur Wasseransammlung. Zusätzlich zu seiner Erschöpfung ist der Patient ängstlich und ruhelos. Er ist entweder schlaflos, liegt mit umherschweifenden Gedanken wach, oder sein Schlaf wird durch schreckliche Träume gestört.
In solchen Fällen fangen diese Patienten erst an, sich besser zu fühlen, nachdem sie sich angestrengt haben. Tatsächlich fühlt sich der Adonis-vernalis-Patient schlechter in Ruhe und im Liegen; es scheint, als sei die Herzaktion in der Ruhe weniger dynamisch, als gerate das Herz dann wie in eine Sackgasse oder an einen toten Punkt und benötige einen Ansporn, eine Stimulation, um effektiver zu arbeiten.
Bei all diesen Unregelmäßigkeiten der Herzfunktionen kommt es zu Schwindel, der sich verschlimmert beim Aufstehen aus dem Bett, bei plötzlichem Drehen des Kopfes und beim Hinlegen. Der Patient fühlt sich besser, wenn er im Freien spazieren geht.
Mit der oben beschriebenen Symptomatologie verbunden ist ein flaues Gefühl, ein Schwächegefühl im Epigastrium, ein Gefühl, als verließen den Patienten seine Lebenskräfte durch den Magen hindurch. Manchmal werden Adonis-Patienten in ihrem geschwächten Zustand, bei schnellem, schwachem Puls, eine unbeschreibliche Angst empfinden, die vom Magen aufzusteigen scheint. Dieses Gefühl ist meist mit Herzfunktionsstörungen verbunden.
Wenn die Pathologie des Herzens weit fortgeschritten ist, setzen auch Niedergeschlagenheit und geistige Trägheit ein; der Verstand scheint sehr langsam zu arbeiten. Ein Gefühl von Betrunkenheit stellt sich ein.
Allgemeinsymptome und Keynotes
Obwohl Adonis vernalis schon seit längerem in der Homöopathie angewandt wird, ist es doch im Grunde eher als ein phytotherapeutisches Mittel benutzt worden. Es ist eines der vielen „Herzmittel“, die die Homöopathie zumindest teilweise von der Phytotherapie übernommen hat, wie z. B. auch apocynumAPOCYNUM, crataegusCRATAEGUS, convallariaCONVALLARIA, digitalisDIGITALIS, leonurus cardiacaLEONURUS CARDIACA, lycopus virginicusLYCOPUS VIRGINICUS, oleanderOLEANDER, scillaSCILLA, spartium scopariumSPARTIUM SCOPARIUM, strophanthusSTROPHANTHUS etc. Viele dieser Mittel – wie eben auch Adonis – werden hauptsächlich in sehr niedrigen Potenzen oder in der Urtinktur verschrieben. Dennoch hat aber jede dieser Pflanzen ihre Besonderheiten, die man sorgfältig in Betracht ziehen sollte, selbst wenn man „nur“ die Urtinktur verschreibt.
  • Eine der Hauptindikationen für Adonis ist ein schwaches Herz, eine mittelschwere Herzinsuffizienz mit beginnender kardialer Dekompensation. Aber auch in sehr schweren Fällen von Schwäche des Myokard kann Adonis große Dienste zur Besserung des Zustands des Patienten leisten, obwohl es meist nicht ausreicht, um einen so fortgeschrittenen Zustand völlig zu heilen.

  • Eiweißhaltiger Urin und ganz besonders eine sehr spärliche Urinausscheidung mit der Neigung zu Stauungshydrops (Herzwassersucht), Anasarka und Ödemen sind sehr typisch für Fälle, in denen Adonis helfen kann. Die Ödeme können überall entstehen: Schwellungen der Extremitäten, besonders der Beine, Flüssigkeitsansammlungen in der Brust (Hydrothorax), im Abdomen (Aszites) und wegen der starken Beziehung zu den Nieren wahrscheinlich auch im Gesicht.

  • Adonis stärkt nicht nur das Myokard und verbessert so die kardiale Kontraktion und den arteriellen Blutdruck, sondern hat auch einen starken diuretischen Effekt. Es ist manchmal erstaunlich, wie schnell die Wirkung einsetzt – viel schneller als z. B. bei digitalisDIGITALIS. Sie ist meist aber nicht sehr dauerhaft, und es kann nötig sein, die Arzneimittelgabe recht häufig zu wiederholen. (Adonis hat übrigens, im Gegensatz zu DIGITALIS, den großen Vorteil, dass es im Körper fast überhaupt nicht akkumuliert.)

  • Ein anderes Charakteristikum dieses Mittels ist meist ein schneller, aber schwacher Puls. Das geschwächte Herz versucht, den Blutausstoß zu erhöhen, aber wegen seiner geschwächten Kontraktionsfähigkeit kann es nur die Schlagfrequenz steigern, woraus dieser schnelle, aber schwache Puls resultiert, der zusätzlich auch oft unregelmäßig ist.

  • Im Gegensatz zu einigen anderen sogenannten „Herzmitteln“ ist Herzinsuffizienz in Verbindung mit vermindertem Urin, Ödemen, Tachykardie und Arrhythmie sehr charakteristisch für Adonis. Die Herzschwäche und die Tachykardie können viele verschiedene Ursachen haben: Herzklappendefekte mit Stenose oder Insuffizienz der Mitral- und Aortenklappen, z. B. als Folge von rheumatischem Fieber, Entzündung des Myokards oder einer Art toxischer Schädigung des Herzens nach infektiösen Krankheiten, Grippe, Pneumonie, Nephritis etc.

  • Abgesehen von diesen Indikationen hat Adonis auch in zweifacher Hinsicht einen sedativen Effekt. Es beruhigt nicht nur die nervösen Herzbeschwerden mit Tachykardie, Arrhythmie und Extrasystolen, sondern hat auch eine Wirkung auf die innere Anspannung, die Erwartungsspannung, Angst und Ruhelosigkeit, wie sie bei so vielen Patienten anzutreffen sind, die unter Herzerkrankungen leiden. Aus diesem Grunde hat man Adonis auch bei hyperthyreotischen Patienten mit nervösen Herzstörungen angewandt (leonurus cardiacaLEONURUS, lycopus virginicusLYCOPUS etc.). Daneben kann es wegen seines dilatierenden Effektes auf die Herzkranzgefäße bei Angina pectoris von Nutzen sein.

  • Fast alle anderen Symptome in den verschiedenen Körperregionen sind mehr oder weniger mit dem Herzen verbunden. Adonis weist im Bereich des Sensoriums einen Schwindel auf, der meist zusammen mit Herzklopfen erscheint und bei Bewegung schlimmer wird, etwa beim Aufstehen, bei schnellem Drehen des Kopfes oder beim Hinlegen. Weiterhin ist der Schwindel oft verbunden mit einem Schwächegefühl im Epigastrium und bessert sich an der frischen Luft.

  • Adonis hat auch einen charakteristischen Kopfschmerz, nämlich einen Schmerz vom Hinterkopf um die Schläfen herum zu den Augen.

  • Auch die respiratorischen Symptome sind meist durch Herzerkrankungen bedingt. Der Patient kann einen trockenen, kitzelnden Herzhusten haben, oder Herzasthma mit dem Gefühl eines Gewichts auf der Brust und dem häufigen Verlangen, einen tiefen Atemzug zu tun. Diese Dyspnoe, die oft in Verbindung mit präkordialen Schmerzen und Herzklopfen auftritt, ist in besonderer Weise schlimmer, wenn jemand den Rücken des Patienten berührt.

  • Im Bereich des Abdomens ist noch ein auffallendes Symptom vorhanden. Es handelt sich dabei um ein Gefühl, als ob die Eingeweide brechen würden, besonders beim Beugen nach vorne.

  • Wie oben schon erwähnt, sind die wichtigsten Symptome der Nieren ein verminderter, manchmal eiweißhaltiger Urin und die Neigung zu Ödemen. Die zunehmende Urinmenge nach der Gabe von Adonis wird nicht nur durch die Besserung der Herzschwäche, sondern auch durch eine direkte Wirkung auf die Nieren hervorgerufen. In manchen Fällen kann man außerdem ein öliges Häutchen auf der Oberfläche des Urins feststellen.

  • Zusätzliche Symptome, die vielleicht helfen können, Adonis von anderen „Herzmitteln“ zu unterscheiden, sind z. B. ein Engegefühl der Kopfhaut, eine wundschmerzende, wie verbrühte Zunge, eine Steifheit der Wirbelsäule und ein schmerzender, müder Rücken.

  • Adonis-Patienten haben manchmal kein Verlangen, etwas zu trinken. Wenn gleichzeitig Ödeme oder Wasseransammlungen im Körper vorhanden sind, kann das Symptom „Durstlosigkeit“ hilfreich sein, um Adonis von z. B. apocynumAPOCYNUM zu unterscheiden, da „Wassersucht mit großem Durst“ ein charakteristisches Symptom für APOCYNUM ist.

  • Der Allgemeinzustand ist oft schlechter im Liegen und besser bei Anstrengung. Auch Kälte kann verschlimmern.

Aesculus hippocastanum

Aesculus hat einen ausgezeichneten Ruf – und dies zu Recht – in bezug auf die Behandlung von Hämorrhoiden, die schmerzhaft sind, sehr stark hervortreten, eine Purpurfärbung zeigen, und die eine Reflex-Wirkung auf die sakrale, die lumbosakrale oder die iliosakrale Region ausüben und dabei fürchterliche, qualvolle Schmerzen hervorrufen. Diese beiden Bereiche, das Rektum und die Kreuzbeingegend, können nacheinander in Mitleidenschaft gezogen werden – entweder ist die Kreuzbeingegend zuerst angegriffen, mit nachfolgendem Auftreten von Hämorrhoiden, oder die schmerzhaften Hämorrhoiden treten zuerst hervor und werden von reflektorischen Schmerzen in der Kreuzbeingegend gefolgt. Bluten tritt normalerweise nicht auf, falls dies aber doch geschieht, so lindert es den Schmerz etwas. Diese Symptomatologie wird als ein „Keynote-Syndrom“ dieses Mittels betrachtet, ein Syndrom, auf das hin Aesculus mit großer Zuversicht verschrieben werden kann – doch es kann noch viel mehr heilen als nur dies.
Venöse Stase mit venöser Kongestion
Aesculus hat, wie jedes andere Mittel unserer Materia medica auch, eine konkrete, definitive und einzigartige Wirkung auf die Konstitution. Diese Wirkung kann beschrieben werden als eine venöse Stase mit venöser Kongestion. Das venöse System ist in einem Zustand der Erschlaffung, der Stockung und Trägheit, der den gesamten Organismus durchdringt. Man kann ohne Übertreibung sagen, dass die Patienten, die dieses Mittel benötigen, voller „hämorrhoidaler“ Venen stecken, die erschlafft und mit Blut prall gefüllt sind. Das Rektum und das Pfortadersystem sind besonders empfindlich gegenüber den Wirkungen dieses Mittels. Die Kongestion der Leber ruft ein Völlegefühl hervor; die Leber selbst ist träge und schmerzhaft, ihre Funktion ist verlangsamt.
Diese Trägheit, die Völle und Blutstockung wirken sich jedoch nicht nur auf das Rektum und das Pfortadersystem aus; die Funktion von Augen, Magen, Eingeweiden, Herz, Verstand und Emotionen ist in ähnlicher Weise betroffen – überall kann diese Stase und Trägheit spürbar sein.
  • Es ist beeindruckend, den Zustand zu beobachten, in dem sich diese Patienten nach einigen Stunden Schlaf befinden: Sie wachen in einem benommenem Zustand auf, völlig verwirrt in Bezug darauf, wo sie sind; sie erkennen weder ihre Umwelt, noch können sie Geschehnisse um sich herum genau wahrnehmen, solange nicht eine beträchtliche Zeit verstrichen ist und sie ein wenig umhergegangen sind. Sie erwachen aus Träumen und fühlen sich so verloren, dass sie sich nicht sicher sind, ob sie noch träumen oder nicht. Sie wachen mitten in der Nacht mit einem Gefühl der Furcht auf, mit einer unbeschreiblichen Angst ohne erkennbaren Grund.

  • Schlaf verschlimmert die Trägheit und Erschlaffung des Gefäßsystems bei Aesculus-Patienten, verlangsamt seine Funktion noch weiter, was noch stärkere Blutstockung verursacht, daher ist im und nach dem Schlaf eine Verschlimmerung zu verzeichnen. Diese Verschlimmerung kann sowohl bei akuten als auch bei chronischen Zuständen beobachtet werden. Bei Fieber z. B. wird der Patient in einem dumpfen, benommenen Zustand aufwachen und niemanden im Zimmer erkennen; er kann die Wahnidee haben, er sei verloren, und da er nicht weiß, wo er ist, versucht er möglicherweise, aus dem Fenster seines Zimmers zu fliehen. Diese Art der Desorientierung ist bei Aesculus sehr stark vorhanden.

  • Liegen fördert die venöse Stase, die Gefäßträgheit dieses Mittels. Es ist wirklich ein Teufelskreis: Je mehr der Patient liegt (etwas, wonach er Verlangen hat), desto phlegmatischer werden Körper, Geist und Emotionen. Er weiß, dass das Beste, was er für sich tun kann, darin besteht, seinen Körper durch energische Anstrengung und seinen Verstand durch intensives Denken anzuregen. Je heftiger die Anstrengung, desto besser fühlt er sich. Tatsächlich geht es ihm am besten, wenn er geistig angeregt wird, z. B. wenn er an einem lebhaften Gespräch in einer ihm zusagenden Atmosphäre teilnimmt. In solchen Momenten kann er feststellen, dass ihm eine Menge einfällt; sein Verstand wird klar und aktiv; und glücklich und zufrieden, wie er ist, wird er für andere zu einer angenehmen Gesellschaft.

Geist und Gemüt
In diesem Stadium kann der Aesculus-Patient als eine intelligente, nette Person mit viel Sinn für Humor erscheinen. Doch wenn das Gegenteil geschieht, wenn er vor seiner „Stase“, seiner Faulheit kapituliert, wird sein Verstand zunehmend schwerfällig, und er fühlt sich dumm, unzufrieden, elend und reizbar. Besonders mürrisch und verärgert wird er, wenn er mit etwas nicht einverstanden ist, was ein anderer gerade tut. Wenn er sehr verärgert ist, kann er auch heftig werden, und er braucht lange, um seinen Zorn zu überwinden.
Aesculus-Patienten sind sehr schwer zu irgendwelchen körperlichen Aktivitäten zu überreden, obwohl sie sich der günstigen Wirkung von Bewegung auf ihre Konstitution bewusst sind und wissen, dass sie sich danach viel besser fühlen. Meist wollen sie ihre Ruhe haben und sich einfach nicht mit körperlichen Übungen abgeben; es ist ihnen zu mühsam – sie kennen ihre eigene Faulheit! Und wenn sie körperliches Unbehagen verspüren, wenn z. B. ihr Rücken zu schmerzen beginnt, dann geben sie sehr schnell auf, wollen sich nur hinlegen und ausruhen; sie wollen nicht zur Arbeit gehen, sie haben kein Verlangen, ihren Geschäften nachzugehen, und mit dieser Trägheit beginnt der heimtückische Teufelskreis. Erfahren sie eine Enttäuschung, so werden sie schnell faul und gleichgültig gegenüber ihrer Arbeit und sogar gegenüber ihrem Aussehen, ihrer äußeren Erscheinung.
Schließlich entwickelt der Aesculus-Patient eine definitive Aversion gegen jede geistige oder körperliche Arbeit, er wird immer fauler und inaktiver und infolgedessen zunehmend niedergeschlagen und deprimiert. Er verliert die Freude am Leben, seine Ausgeglichenheit. Traurigkeit, Verzagtheit, Niedergeschlagenheit führen schließlich zu geistiger Verwirrung, dem Endstadium von Aesculus. Sie werden zerstreut, sie können sich nicht konzentrieren und sie kümmern sich um nichts. Ihr Gedächtnis wird schwächer, und sie werden stumpf, konfus und träge, aber auch zugleich reizbar und unzufrieden, vor allem deshalb, weil sie sich selbst in einem solchen Zustand nicht ausstehen können. Sie befinden sich in einem Zustand der Verwirrung, bringen die Orte durcheinander und haben Schwierigkeiten, sich zu orientieren.
Man muss sich diese Personen vorstellen, um sich das Bild von Aesculus einzuprägen: Plethorisch, mit lebhaftem Verstand und lebhaften Gedanken, aktiv und engagiert, werden sie plötzlich von Hämorrhoiden heimgesucht, mit schmerzhaften, angestauten, riesigen, purpurroten Venen; dann beginnt die Stasis, in der sich nichts mehr bewegt; und dann setzen Rückenschmerzen ein, wodurch die Patienten sich ganz elend fühlen. Jetzt verlieren sie sehr leicht die Beherrschung und geraten in Wut, besonders wenn sie sich in unangenehmer Umgebung befinden, und sie bleiben über lange Zeit in diesem verärgerten Zustand; zudem können sie sich nicht mehr konzentrieren, nicht mehr klar denken. In diesem Stadium haben sie so etwas wie ein Todesgefühl; hierbei handelt es sich aber nicht um eine Furcht vor dem Sterben, sondern eher um eine Empfindung, als sei der Tod nahe (jedoch nicht mit dem Gefühl, dass er zu einer bestimmten Zeit eintreten werde, wie bei aconitumACONITUM und argentum nitricumARGENTUM NITRICUM).

Aethusa cynapium

Essenzielle Merkmale
Leider finden wir nirgends in unserer homöopathischen Literatur eine klare Beschreibung der chronischen Zustände des Mittels Aethusa. Man zog dieses Mittel hauptsächlich bei akuten Zuständen heran. Fraglos hat Kent das akute Bild dieses Mittels wundervoll beschrieben: Aggressive, gereizte Zustände des Magens und Darms, in denen „das Kind aussieht, als sterbe es, mit blassem, hippokratischem Gesicht…“. Wie auch immer, bestimmte Hinweise, die in der Materia medica, im Repertorium und anderen Quellen auftauchen, verknüpft mit aus klinischen Fällen gewonnenen Informationen, halfen ein Bild des chronischen Zustands von Aethusa zu gewinnen.
Geistig-emotionales Bild
Wenn wir die mental-emotionalen Charakteristika betrachten, finden wir häufig, dass ein Aethusa-Patient von anderen abgesondert bleibt – ein abseits stehender Mensch, ein Einzelgänger. Er ist zurückgezogen, doch in einer sehr eigentümlichen Weise. Im Inneren erlebt er Erfahrungen sehr tief, er hat intensive Emotionen, doch teilt er diese Gefühle anderen Personen nicht mit. Er mag zu Tränen gerührt sein, doch es kommen keine Tränen. Er mag freundschaftlich empfinden, doch er erscheint distanziert.
Es scheint, dass das Aethusa-Individuum sich an einem bestimmten Punkt seiner psychopathologischen Entwicklung entschlossen hat, von der Kommunikation mit anderen Personen Abstand zu nehmen. Die emotionale Verletzung oder Enttäuschung, die diesen Rückzug auslöst, kann erstaunlich gering sein. Bei Aethusa finden wir keine langdauernde Vorgeschichte vieler bitterer Enttäuschungen und Kümmernisse, die solche Introversion oder solchen Rückzug erklären könnte. Meist ist ein zurückliegender Stress vorhanden, der aber nicht sehr bedeutend erscheint. Der Patient kann z. B. sagen: „Ich bin in keiner glücklichen Familie aufgewachsen“ oder eine ähnlich vage Aussage machen; doch scheint sich nichts Bestimmtes ereignet zu haben, was diesen entschiedenen Rückzug erklären könnte. Dieses Fehlen einer bestimmten und ausreichenden Causa und diese eigenartige Auswirkung sind eine Besonderheit von Aethusa.
In anderen Fällen finden wir stattdessen eine langsam wachsende Desillusionierung, ein Gefühl, niemand habe die intensiven Gefühle des Patienten völlig verstanden oder entsprechend auf sie reagiert. Auf diese Weise kann der Patient das Gefühl haben, dass es sich einfach nicht lohne, mit anderen Personen zu kommunizieren, dass es nicht der Mühe wert sei. Einige Patienten können dann ein Gefühl der Entfremdung erfahren. Sie spüren, dass für ihre Gefühle keinerlei Weg nach außen existiert, dass keine andere Person die starken Gefühle, die sie im Inneren spüren, wirklich verstehen kann. Dementsprechend können sie im Anamnesegespräch etwas sagen wie: „Ich bin anders als die anderen Menschen.“ Auf diese Weise wird der Aethusa-Patient zum Einzelgänger. Dabei handelt es sich nicht etwa um eine Unfähigkeit zur Kommunikation; während des Interviews kann er sogar in der Tat recht kommunikativ sein. Er ist weder unsicher in der Gegenwart anderer, noch hat er Angst davor, wie sie auf ihn reagieren könnten; es scheint eher, als habe er die grundsätzliche Überzeugung gewonnen, dass die Kommunikation mit anderen Menschen auf einer tieferen Ebene praktisch unmöglich sei.
Man sollte Aethusa nicht mit bestimmten anderen verschlossenen Persönlichkeitstypen verwechseln, wie ignatiaIGNATIA oder natrium muriaticumNATRIUM MURIATICUM.
  • Die beiden letztgenannten Typen sind höchst verfeinerte, überempfindliche, fast hysterische Personen, bei denen Verletzungen und Kümmernisse eine Art emotionelle Verkrampfung oder Verhärtung hervorrufen.

  • Der Aethusa-Typ ist nicht hypersensitiv, nicht so verfeinert, nicht hysterisch. Er hat intensive Gefühle, die eher kräftig und ursprünglich sind – wie die Gefühle eines Kindes.

Intensive Gefühle und ausgeprägte Tierliebe
Aethusa-Patienten haben zu lebendige Gefühle, um sich zu verkrampfen; Verbitterung ist unwahrscheinlich, und die fragilen, hysterischen Elemente von IGNATIA und NATRIUM MURIATICUM sind bei diesem Mittel nicht zu finden. Solch intensive Gefühle müssen jedoch ihren Ausdruck finden, und der Aethusa-Patient scheint zu einem eigentümlichen „Auslassventil“ hingezogen zu sein: zu Tieren. Diese Person, die mit anderen Menschen nicht kommunizieren will, kann eine außerordentliche Kommunikation mit Tieren unterhalten. Sie kann z. B. eine übertriebene Zuneigung zu Tieren entwickeln und ihren Haustieren alle ihre eingepferchten Gefühle mitteilen. Aus unserem früheren Vergleich der ursprünglichen Gefühle von Aethusa-Patienten mit denen eines Kindes können wir diese Tierliebe verstehen, wenn wir uns an die Liebe erinnern, die bestimmte Kinder für ihre Haustiere entwickeln. Eine Aethusa-Persönlichkeit kann evtl. Tiere mehr lieben als irgendeinen Menschen. Der Patient sagt sogar manchmal: „Mich interessiert die Liebe von Menschen nicht, nur die von Tieren.“ Er spricht mit Tieren, als seien sie Menschen, und er erfährt große emotionale Befriedigung in dieser Kommunikation. In manchen Fällen kann er sogar Dutzende von Tieren bei sich ansammeln; er wird zum Tierschützer. Sollte jemand einen Steinbrocken auf eines seiner Haustiere werfen, so würde er vor Wut erbleichen und buchstäblich das Verlangen haben, den Missetäter umzubringen. Die Verbundenheit des Patienten mit seinen Tieren kann im Extremfall so weit gehen, dass er sogar daran denkt, ihnen seinen Grundbesitz testamentarisch zu vermachen.
Es ist interessant, dass sowohl in den Prüfungen als auch in Kents Repertorium Aethusa in der Rubrik „Wahnideen von Tieren“ genannt wird. Einige Patienten sehen z. B. nichtvorhandene Katzen und Hunde, oder eine Frau hat die fixe Idee, dass eine Maus oder eine Ratte im Zimmer herumrennt. Solche Wahnideen lassen vermuten, dass, selbst wenn der logische Verstand nicht mehr arbeitet, eine tiefe unterbewusste Verbindung mit Tieren bestehen bleibt. In diesen fortgeschrittenen pathologischen Geisteszuständen oder Delirien existiert keine Angst vor den Tieren, die in den Halluzinationen gesehen werden; das Unterbewusste projiziert lediglich Tierbilder.
Man könnte einwenden, dass Tierliebe etwas Natürliches sei, und das ist sie ja wirklich, aber die Liebe von Aethusa-Patienten ist übertrieben. Nach der Behandlung mit Aethusa fangen diese Tiersammler an, ihre Tiere wegzugeben; der Grad ihrer Zuneigung reduziert sich auf ein normales Maß. Diese Verhaltensänderung demonstriert die pathologische Natur dieser Verbundenheit mit Tieren. Der Aethusa-Patient kann nach der Behandlung das Gefühl haben, als sei sein Abschied von seinem zurückgezogenen Zustand wie das Auftauchen aus einem Traum.
Intensive Gefühle und andere Menschen
Es gibt einen alternativen Weg, die emotionale Energie herauszulassen: Der Patient engagiert sich extrem in der Sozialarbeit. Hierbei besteht eine große Ähnlichkeit zu der Tendenz, sich um Tiere zu kümmern. Durch die Sozialarbeit bringt der Aethusa-Patient seine Liebe zum Ausdruck, ohne jedoch seine Gefühle anderen Personen direkt mitteilen zu müssen. Der Patient kann im Gespräch paradoxerweise sagen: „Ich bin fertig mit den Menschen.“ Und trotzdem kann er zu einem anderen Zeitpunkt auch sagen, dass er Momente hat, in denen er „die ganze Welt umarmen möchte“. Er ist fähig, große Liebe zu empfinden. Gerade diese Diskrepanz ist es, die den Aethusa-Fall charakterisiert.
Entwicklung der Aethusa-Pathologie
Nun kann man sich leicht vorstellen, dass, wenn nur ungenügende Ventile für diese intensive Emotionalität gefunden werden, wenn die Gefühle zurückgehalten bleiben, sie das Unterbewusste überladen können. Diese Überladung bestimmt den Zustand und das Entwicklungsstadium eines großen Teils der Pathologie von Aethusa.
  • Sobald das bis zum Rand gefüllte Unterbewusste überfließt, können wir oft erleben, dass der Patient anfängt, mit sich selbst zu sprechen. Er nimmt vielleicht nicht einmal die Menschen um sich herum wahr, wenn er seine Gedanken laut ausspricht. Es ist ein „Ausströmen“ – ein symbolisches Äquivalent zum Erbrechen und der Diarrhö dieses Mittels. Auch der staphisagriaSTAPHISAGRIA-Patient spricht zuweilen mit sich selbst, er ist sehr gefühlsbetont und braucht emotionalen Austausch; wenn aber etwas auch nur ein bisschen Aggressives zu ihm gesagt wird, zieht er sich sofort zurück, geht nach Hause und spricht zu seinem Spiegelbild.

  • Personen mit einer solchen Überladung des Unterbewussten wie im Fall von Aethusa tendieren dazu, eine Reihe von Symptomen nachts hervorzubringen, besonders vor dem Einschlafen. Beim Aethusa-Patienten tritt durch Dunkelheit eine Verschlimmerung ein. Die Dunkelheit scheint sein Wesen, seine Persönlichkeit zu durchdringen und dabei ein Schweregefühl in der Brust zu bewirken. Der Patient fürchtet, im Dunkeln zu ersticken, und muss infolgedessen das Licht einschalten und das Fenster öffnen.

  • Auch fürchtet er sich vor dem Tod; diese Furcht des Aethusa-Patienten ist dadurch besonders eigentümlich und erstaunlich, dass sie genau im Moment des Einschlafens auftritt. Er schrickt auf und ist wieder wach. In dem Augenblick, in dem der Patient die rationale Kontrolle über seinen Verstand loslässt, scheint sich die Kraft seines überladenen Unterbewusstseins in ihrer Gesamtheit geltend zu machen. Genau in dem Moment, in dem er einschläft, drängen unterschwellige, ungestüme Emotionen ins Bewusstsein, drohen ihn zu überwältigen, und er fährt auf, mit ausgeprägter Todesangst.

  • Im Repertorium ist Aethusa das einzige Mittel in der Rubrik „Furcht vor dem SchlafFurcht, die Augen zu schließen, er könnte vielleicht nie wieder aufwachen“ – eine sehr beeindruckende Furcht, die für dieses Mittel enorm charakteristisch ist. In vielen Fällen will der Aethusa-Patient nicht schlafen. Er hat Angst vor dem Schlafengehen, er fürchtet, er werde aus irgendeinem Grund im Schlaf sterben. Eine Folge dieser Furcht ist seine Furcht vor chirurgischen Eingriffen; der Patient fürchtet, dass er aus der Anästhesie nicht wieder aufwachen werde – ein Ausdruck der Kombination von Furcht vor dem Ersticken mit Furcht vor dem Schlafengehen. Wenn er schließlich doch einschläft, ist sein Schlaf ruhelos und oft durch häufiges Auffahren unterbrochen; er spricht im Schlaf und kann sogar zu Somnambulismus neigen.

Es gibt eine weitere eigentümliche Furcht bei Aethusa. Wie schon erwähnt, hat der Aethusa-Patient sehr tiefe Emotionen; und er kann, auch wenn er dies nicht zum Ausdruck bringt, eine starke Zuneigung zu seiner Familie empfinden. Er könnte z. B. Grauen vor dem Gedanken empfinden, dass ein Familienmitglied sterben könnte. Die Gefühle, die er in seine Familie investiert, können so intensiv sein, dass er buchstäblich fühlt, dass er mit einer solchen Eventualität nicht fertig werden könnte. Er fürchtet, ein solcher Kummer würde dazu führen, dass er die Kontrolle über seine Gefühle verlöre, dass er verrückt würde. Jedoch existiert, trotz solch einer starken Zuneigung zu seinen Verwandten, ein direkter emotionaler Kontakt zwischen ihm und seiner Familie fast gar nicht.
In ähnlicher Weise ist der Patient unfähig, andere Situationen auszuhalten, die seine Emotionen verstärken könnten. Er sagt z. B.: „Ich kann keine Arztpraxis betreten, wenn viele kranke Patienten dort sind. Ich kann es nicht ertragen, jemanden leiden zu sehen.“ Der Aethusa-Patient kann sehr wohl mitleidsvoll erscheinen, doch wird er dies niemals direkt zeigen; er wird eher distanziert bleiben und die Intensität seiner Gefühle verstecken.
Die Gemütsebene von Aethusa ist wie ein Vulkan. Die im Inneren brodelnde Aktivität verkündet einen Ausbruch, jedoch kommt es nie dazu. Stattdessen findet der Aethusa-Patient andere Ventile, Auslässe im physischen Organismus, am deutlichsten sichtbar in Erbrechen oder Diarrhö. Das Erbrechen und die Diarrhö von Aethusa besitzen eine extreme Intensität, sie grenzen an Gewaltsamkeit, eine Gewalt, die höchstwahrscheinlich proportional zu der nicht zum Ausdruck kommenden Intensität auf der Gemütsebene ist.
Es ist interessant, die Heftigkeit zu beobachten, mit der Nahrung, besonders Milch, die kurz zuvor aufgenommen wurde, kraftvoll ausgeworfen wird. Der Organismus sinkt schnell in einen fast todesartigen Zustand herab, so schlimm, so schwerwiegend ist das Erbrechen. Man hat intuitiv das Gefühl, dass ein ähnliches Abführen der Emotionen beim Patienten stattfinden könnte, eine Entleerung, die so heftig, so gewaltig sein könnte, dass Selbstauslöschung drohen würde – und damit der Tod.
Wenn die Emotionen für beträchtliche Zeit kontrolliert werden und ohne Ventile bleiben, kann eine große Reizbarkeit entstehen, eine Reizbarkeit, die bis zur Raserei führen kann.
Frauen können beim Herannahen der Menses einen ständigen Anstieg ihrer Reizbarkeit zeigen. Ungeheure Reizbarkeit kann von zwei Tagen vor bis zu zwei Tagen nach dem Einsetzen der Menses auftreten. Sobald der Menstruationsfluss allmählich zu versiegen beginnt, fängt der gesamte Organismus an, sich zu entspannen. Einige Frauen sagen, dass sie sehr starkes sexuelles Verlangen verspüren, wenn es zu dieser Entspannung kommt. Im Verlauf des Monats verringert sich das sexuelle Verlangen, bis es zu Beginn des nächsten Menstruationszyklus völlig verschwunden ist.
Sexualität
Das Leben von Aethusa-Patienten ist meist relativ frei von sexuellen Belangen. Nicht dass sie asexuell wären, sie kümmern sich einfach nicht um Sex, denken nicht mehr darüber nach. Die sexuelle Aktivität ist aus ihrem Leben ebenso allmählich verschwunden, wie die Kommunikation mit anderen Menschen allmählich nachgelassen hat. Es ist, als hätten sie ihre sexuelle Energie sublimiert und in ihre Sozialarbeit oder ihre Tierliebe umgeleitet. Solche Sublimierung geschieht nicht dramatisch; es ist im Gegenteil ein allmählicher, langsam fortschreitender, nahezu unbewusster Prozess, ein Prozess, der nach einer ernsthaften Enttäuschung in der Liebe folgen kann. Gewöhnlich scheinen sich diese Patienten nach einer Reihe von kleinen, aber sich aufstauenden Enttäuschungen eher in ein Leben ohne Sexualität zurückzuziehen, als eine unmittelbare, kräftige Reaktion auf eine erlittene Desillusionierung zu zeigen. Dieses Zurückhalten ihrer Sexualität lässt sie in den Augen anderer als ziemlich ernste und unglückliche Individuen erscheinen. Es kann sogar zu einer völligen Aversion gegen Sex kommen. Eine Frau sagte: „Anfangs hatte ich großes Verlangen nach Sex, doch mein Mann war nicht so daran interessiert, und so entwickelte ich dann schließlich eine Abneigung gegen Sex.“ Allgemein gesprochen, besteht also bei Aethusa im Grunde ein kräftiges sexuelles Verlangen; jedoch kann es, ebenso wie andere Formen der Kommunikation zurückgehalten werden, auch ein Zurückhalten der sexuellen Gefühle geben. Infolgedessen kann es passieren, dass sich diese Patienten ziemlich aufregen oder beunruhigt sind, wenn sie einen schlüpfrigen oder zweideutigen Witz hören. Sie können nichts vertragen, was ihren bereits angespannten inneren Gemütszustand erregt.
Äußere Erscheinung
Der Aethusa-Patient scheint allzu ernsthaft zu sein. Er wird den Eindruck eines Menschen vermitteln, der die ganze Zeit hindurch ernsthaft nachdenkt. Diese stark nachdenkliche Haltung zeigt sich in der Linea nasalis, die sehr tief und ausgeprägt ist und den Eindruck höheren Alters und einer Art von Weisheit vermittelt. Das Aethusa-Gesicht ist ein altes, weises Gesicht mit tiefen Falten. Ein guter Homöopath sollte alle Beobachtungen dieser Art mit in Betracht ziehen, denn manchmal werden sie ihm helfen, eine Verschreibung zu finden, auf die er sonst nicht hätte kommen können. Einmal behandelte ich einen indischen Philosophen, der die ganze Welt bereist hatte, um die besten Homöopathen seiner Zeit aufzusuchen. Seiner Einschätzung nach war nie jemand fähig gewesen, ihm wesentlich zu helfen. Ich war ein junger Homöopath, als er mich einlud, ihn zu behandeln. Er nahm damals eine große Zahl allopathischer Mittel ein. Er erzählte mir seine Krankengeschichte, und ich wurde nicht schlau daraus. Wie auch immer, ich bemerkte, dass sein Gesicht der Beschreibung von Aethusa ähnelte; dann betrachtete ich genau seine Nasenspitze. Dort sah ich einen Ausschlag, der dem typischen Nasenausschlag dieses Mittels glich. Danach war ich in der Lage, den Fall korrekt zu beginnen und erfolgreich seine chronische Bronchitis sowie eine Unzahl ziemlich lästiger Symptome zu behandeln.
Unfähigkeit zu denken, mangelnde Aufmerksamkeit
Aethusa betäubt den Verstand, sodass der Kopf, das Gedächtnis sich leer anfühlt und unfähig ist, Informationen aufzunehmen, zu behalten oder zu verarbeiten. Schüler oder Studenten können sich nicht auf ihre Arbeit konzentrieren. Es scheint ihnen schier unmöglich, sich auf eine Prüfung vorzubereiten, weil sie nicht fähig sind, irgendetwas zu lesen; sie sind unfähig zu denken oder ihre Aufmerksamkeit auf etwas zu richten. Ihr Kopf ist wirr, das Gehirn fühlt sich an wie gefesselt, und manchmal haben sie das Gefühl einer Art Betäubung, als sei eine Barriere zwischen ihren Sinnesorganen und der Außenwelt. Dieser Zustand tritt insbesondere nach Überbeanspruchung durch geistige Anstrengung ein. Früher gab ich in solchen Fällen fast immer picricum acidumPICRICUM ACIDUM, bis ich Zeuge davon wurde, welche Ergebnisse Aethusa erzielen kann. Die Anstrengung, die diese Personen bei der Bewältigung ihrer geistigen Arbeit unternehmen, während sie gleichzeitig intellektuell derart hilflos sind, lässt sie extrem müde und erschöpft aussehen.
Aethusa-Kinder
Aethusa-Kinder können calcarea phosphoricaCALCIUM PHOSPHORICUM ähneln, denn bei beiden Mitteln können Kopfschmerzen auftreten, die mit der Unfähigkeit, sich zu konzentrieren und zu lernen, verbunden sind.
Der Verstand, das Gemüt, der Geisteszustand des Aethusa-Patienten wird schwach, jede Anstrengung, effektiv zu arbeiten, scheint aufgegeben worden zu sein, und zwar in einer sehr ähnlichen Weise, wie auch die Emotionen und das sexuelle Verlangen ohne beachtenswerten Widerstand aufgegeben wurden. Die Grundidee hierbei ist die, dass der Organismus schon bei einem relativ geringfügigen Anlass resigniert. Aethusa wird z. B. mit großer Wahrscheinlichkeit angezeigt sein, wenn ein Student Ihnen mitteilt, dass er nicht weiterstudieren kann, obwohl er sich, nach eigener Einschätzung, nicht besonders überanstrengt hat.
Eine eigentümliche Angst und Ruhelosigkeit tritt auf, die einsetzt, sobald der Verstand aufzugeben scheint; dann kommt es zu einer Form der Schlaflosigkeit, die mit der eigentümlichen Furcht verbunden ist, nicht mehr aufzuwachen, falls er einschläft. Der Patient ist erschöpft, und doch kommt der Schlaf nicht. Tagsüber zeigt er manchmal reaktive Phasen extremer Raserei, die schnell kommen und gehen. Seine Erregbarkeit verschlimmert sich besonders beim Gehen im Freien; im Haus fühlt er sich besser.

Agaricus muscarius

Essenzielle Merkmale
Agaricus ist ein Mittel, das heutzutage viel öfter gebraucht wird als früher, da sein psychisches Bild eng mit den vielen Angstzuständen übereinstimmt, die man heute mit zunehmender Häufigkeit antrifft. Bei Agaricus handelt es sich um einen halluzinogenen Pilz, der als Droge benutzt werden kann; wahrscheinlich passt Agaricus deswegen zu den Ängsten unserer Gesellschaft, die doch sehr stark zu einer drogenorientierten Gesellschaft geworden ist.
Abhängige Persönlichkeit
Die psychische Pathologie von Agaricus manifestiert sich typischerweise in abhängigen, willensschwachen Individuen. Diese Personen haben von früh an ein Verhaltensmuster entwickelt, das nach der Führung und dem Beherrschtwerden durch eine stärkere Person verlangt. Dieses Verlangen nach Abhängigkeit erwächst aus einer Unfähigkeit oder einer Weigerung, die Initiative zu ergreifen, zu handeln oder Verantwortung zu übernehmen. Es ist, als sei eine Lähmung des Willens und der Denkkraft vorhanden; diese Patienten können nicht genug Willenskraft aufbringen, um sich den Situationen des Lebens zu stellen. Stattdessen werden sie, indem sie ihren Lehrer und Beschützer mit Liebe und Hingabe überschütten, versuchen, diese stärkere Person dazu zu verführen, die Verantwortung für die schwierigen Entscheidungen in ihrem Leben für sie zu übernehmen und zu tragen. So mag z. B. ein Mann mit fast absoluter Treue und Ergebenheit an seiner Mutter hängen und ihr gehorchen, und später im Leben wird seine Freundin oder Frau diese Stellung einnehmen. Es sind willensschwache Menschen, die jeden um Rat fragen: „Was soll ich tun?“
Ebenso kann man bei diesen Fällen häufig beobachten, dass wütende Gefühle gegen andere sogleich unterdrückt werden, aus Furcht davor, was passieren könnte, wenn man Stärke zeigt. Ein Agaricus-Patient kann beträchtliche Aggressivität an den Tag legen, nachdem er korrekt mit diesem Mittel behandelt worden ist. Es scheint, als ob in all den Jahren, in denen der Patient sich in diesem Agaricus-Zustand befand und nicht die Kraft oder den Willen hatte, seine Wut auszudrücken, die unterdrückte Wut tief im Unterbewussten versteckt war und schlummerte. Es ist wirklich erstaunlich zu sehen, wie viel Spott diese Personen von ihren Eltern, Frauen, Vorgesetzten, Lehrern etc. ertragen können, ohne Widerspruch oder Wut zum Ausdruck zu bringen. Ihre liebe, verhaltene, nichtaggressive Art hat Ähnlichkeit mit der von staphisagriaSTAPHISAGRIA und baryta carbonicaBARYTA CARBONICA. In der Tat wird der Arzt manchmal beim Nachsinnen über solch einen Patienten denken: „Was für ein lieber, netter Mann!“
Anstatt dass diese Patienten ihre Wut ausdrücken, zucken ihre Gesichtsmuskeln; Agaricus-Patienten entwickeln manchmal choreatische Bewegungen und unwillkürliche Muskelkrämpfe. Auch Angst in Bezug auf die Gesundheit kann daraus resultieren, ebenso Obstipation, Heuschnupfen oder auch andere Symptome.
In ihrer Schwäche suchen sie sich oft einen Sündenbock, dem sie für alle zukünftigen Schwierigkeiten, die ihnen begegnen könnten, die Schuld geben können. Ständig sind sie bemüht, Verantwortung zu vermeiden. Sie sind verzärtelte Personen, die ihr Leben so geschützt und bequem gestalten, wie ihr soziales Umfeld es nur erlaubt. Nichtsdestoweniger holen die Folgen ihrer Ablehnung von Verantwortung sie auf der einen oder anderen Ebene immer wieder ein. Obgleich das kräftige Einwirken der vielen Beanspruchungen des Lebens vielleicht ihre Psyche nicht durchdringen kann, ist es doch mehr als wahrscheinlich, dass es auf der Ebene des peripheren oder des zentralen Nervensystems zu spüren sein wird.
Angst um Gesundheit
Obwohl Agaricus-Patienten ein behütetes Leben führen, ist doch eine Beeinflussung durch Streß letztlich nicht zu vermeiden. Zu irgendeinem Zeitpunkt werden diese Personen mit dem Tod konfrontiert, entweder dem Tod einer Person aus ihrer unmittelbaren Umgebung oder eines Familienmitglieds. Auf ein solches Ereignis sind sie jedoch überhaupt nicht gefasst, und infolgedessen können sie leicht von der Furcht überwältigt werden, eine ähnliche Tragödie könnte sie selber treffen. Sie reagieren besonders empfindlich auf verfrühten, plötzlichen Tod und Krebstod. Der Gedanke an Tod und Verwesung dringt in ihr bequemes, leichtes, einfaches Leben ein. Am Ende beschäftigen sie sich laufend mit Gedanken an Tod und Krankheit, mit morbiden Gedanken. Ihnen fehlt die Willenskraft, solche Gedanken aus ihrem Kopf zu verbannen. Es ist, als sei ihr Verstand „anämisch“, blutarm geworden.
Angst um Gesundheit: Angst vor Krebs
Häufig werden Agaricus-Patienten von extremer Angst um ihre Gesundheit gequält, oder, zu anderen Zeiten, von einer übertriebenen Beschäftigung mit den Krankheiten der Menschen um sie herum. Die für Agaricus typische Angst um die Gesundheit kreist um eine ungeheure Furcht vor Krebs. Mit dem Gedanken an die Möglichkeit, Krebs zu haben, werden diese Patienten schlaflose Nächte verbringen. Die Intensität dieser Furcht kann dazu verleiten, dass man Mittel wie nitricum acidumNITRICUM ACIDUM, arsenicum albumARSENICUM ALBUM, phosphorusphosphorusPHOSPHOR oder kalium arsenicosumKALIUM ARSENICOSUM verschreibt – mit nur geringer oder gar keiner Besserung. Die Furcht ist so überwältigend, dass die Patienten das Gefühl haben, davon verrückt zu werden. Es gibt kaum einen Augenblick tagsüber oder nachts, in dem sie nicht an diese Möglichkeit denken. Diese extreme Angst wird normalerweise schon durch sehr milde Schmerzen ausgelöst und veranlasst den Patienten dazu, in einer sehr übersteigerten Weise zu klagen. Er kann vielleicht so triviale Beschwerden haben, dass es dem Arzt schwerfällt zu verstehen, warum er sich so darüber aufregt.
Noch erstaunlicher ist die Tatsache, dass manche Agaricus-Patienten, obwohl sie über ein medizinisches Fachwissen verfügen, das dem eines Arztes ebenbürtig ist, den Arzt hartnäckig mit ängstlichen Fragen plagen werden, ob ihre Symptome nun auf Krebs hindeuten oder nicht. Das Symptom, das sie haben, mag dabei so winzig sein, dass sich ein anderer überhaupt nicht darum kümmern würde. Sie klagen mit solch unglaublicher Intensität, dass der Arzt mit Sicherheit begreifen wird, für wie ernst sie ihr Problem halten. Dabei sind sie bereits zu dem Schluss gekommen, dass ihre Symptome die Folge irgendeiner Art von Krebs sind, ob sie dies nun auch so aussprechen oder nicht. Infolgedessen kann man z. B. einen Patienten vor sich haben, der leichte Lumbago hat und mitleiderregend schluchzt: „Sie wissen gar nicht, wie sehr ich leide. Warum habe ich diese Schmerzen? Warum schmerzt mein Rücken? Warum findet kein Arzt heraus, woher das kommt? Ich will einfach nicht mehr leben!“ Während des Anamnesegesprächs können Agaricus-Patienten wegen ihrer Angst ohne Unterlass weinen. Ihre Krebsangst führt dazu, dass sie bereits beim geringsten Leiden weinen. Diese Auftritte rufen sofort das Bild eines „heulenden Babys“ hervor; es sind ganz erstaunliche Vorführungen, die darauf ausgerichtet sind, einerseits den Patienten selbst darin zu bestätigen, wie ernst seine Krankheit sei, und andererseits zu erreichen, dass sich der Arzt für ihn verantwortlich fühlt. Diese Patienten fordern keine Besserung in der Weise, wie es bei kalium arsenicosumKALIUM ARSENICOSUM, nitricum acidumNITRICUM ACIDUM und arsenicum albumARSENICUM ALBUM der Fall ist, sondern sie neigen eher dazu, selbstmitleidig zu schluchzen. Sie können oft nicht aussprechen, dass sie fürchten, Krebs zu haben, aber sie zeigen eine Qual, die sich deutlich in ihrem Gesicht abzeichnet. Es ist, als hätten sie Angst, das Wort „Krebs“ auch nur auszusprechen. Zu Hause können Agaricus-Patienten durch ihre ständigen Sorgen, ihr Klagen und Stöhnen allen das Leben zur Qual machen. Oft ist sich nahezu jeder in ihrer unmittelbaren Umgebung ihres Leidens bewusst. Eine Agaricus-Frau formulierte es kurz und bündig: „Ich spüre, dass mein Mann genug von mir hat; ich habe ihm und meinen Kindern das Leben durch mein ständiges Jammern verleidet.“
Vielleicht hat ein Patient nur eine kleine Hämorrhoide, die zwei- oder dreimal eine geringe Blutung verursacht hat. Plötzlich ergreift diesen Patienten eine überwältigende Furcht, er habe Mastdarmkrebs. Der Arzt untersucht ihn und versichert ihm, dass er nur eine einfache Hämorrhoide habe, und empfiehlt häufige Sitzbäder. Trotzdem, sobald die Blutung einmal wiederkehrt, kann sich der Patient der Furcht nicht erwehren. „Jetzt bin ich verloren. Es gibt keine Hoffnung mehr; es ist sicher Krebs!“ denkt er. Er wird von einer ungeheuren Furcht vor Krebs überwältigt. Es ist eigenartig, dass sich diese Furcht bei Agaricus fast ausschließlich um Krebs dreht, im Unterschied zu anderen Mitteln, wo sich die Patienten vor einer größeren Anzahl von Krankheiten fürchten (arsenicum albumARSENICUM ALBUM, nitricum acidumNITRICUM ACIDUM). In einem anderen Fall wird eine Patientin vielleicht übermäßig über einen Schmerz in ihrer Mamma klagen. Sie drückt die Mamma wieder und wieder, und es ist offensichtlich, dass sie nicht aufhören kann, sie zu berühren oder an sie zu denken. Sie berührt sie so oft und sucht nach Knoten, dass sie das Gewebe reizt und so wirkliche Schmerzen in diesem Bereich hervorruft. Sie mag vielleicht auch schon von einem anderen Arzt untersucht worden sein, doch obwohl alle Tests und vielleicht selbst Biopsien ohne Befund waren, bleibt sie voller Furcht. Der Gedanke, sie könne Krebs entwickeln, bleibt in ihrem Kopf, in ihren Vorstellungen eingenistet. Im Verlauf der Interaktion mit einer solchen Patientin wird der Arzt eine vorherrschende Selbstsucht aufspüren können; diese Frau wird ihm den Eindruck vermitteln, dass sie sich nur um sich selbst kümmert und ständig nur an ihre eigene Verfassung, ihr eigenes Befinden denkt.
Angst um Gesundheit: Beschäftigung mit Krankheit und Tod
Ein anderes Mal werden Agaricus-Patienten vielleicht völlig von den Leiden der Menschen in ihrer Umgebung beherrscht und verfolgt sein. Sie scheinen Informationen über jegliche Art von Unfällen und Tragödien zu sammeln, besonders Krebsfälle. Entsprechend liefern diese Patienten im Anamnesegespräch endlose Berichte von solchen Ereignissen: „Ich habe einen Freund, der war in einem Autowrack und hat beide Beine amputiert bekommen… In unserer Nachbarschaft gibt es einen Jungen, bei dem gerade Dickdarmkrebs festgestellt wurde… Die Freundin meines Freundes, die erst dreißig ist, stirbt an Gebärmutterkrebs…“, usw. Es fällt schwer, nachzuvollziehen, wie diese Patienten überhaupt so viele Menschen in solch schrecklichen Zuständen kennen können, und tatsächlich: Die „Freundschaften“, auf die sie sich in diesem Zusammenhang beziehen, haben oft keine weitere Grundlage als ihre übertriebene Beschäftigung mit der Krankheit ihres „Freundes“. Nachdem man solchen Personen eine Zeitlang zugehört hat, ist man über die Tatsache schockiert, dass sie von nichts als Tragödien sprechen. Agaricus-Patienten scheinen voll und ganz von solchen schrecklichen Ereignissen in Anspruch genommen zu sein. Sie schenken solchen Tragödien eine so unangemessene Aufmerksamkeit, weil sie höchstwahrscheinlich unterbewusst fürchten, eine ähnliche Tragödie könne auch sie treffen.
Anders als es bei anderen Mitteln der Fall ist, die auch „Angst um die eigene Gesundheit“ als Symptom aufweisen, haben Agaricus-Patienten jedoch trotz ihrer Furcht keine Aversion dagegen, Menschen, die im Sterben liegen oder schwerkrank und von wirklich erschreckenden Krankheitserscheinungen entstellt sind, zu besuchen oder ihnen sogar zu helfen. Ganz im Gegenteil scheinen Agaricus-Patienten fähig zu sein, mit schrecklichen Krankheiten fertig zu werden, und sie können selbst in die Wohnung leidender Personen gehen, um bei der Pflege zu helfen. In solchen Situationen zeigen sie einen eigentümlichen Mut. Ihre Furcht richtet sich auf „Krebs“ – seine „Endgültigkeit“, nicht auf andere Erkrankungen. Sie können z. B. einen sterbenden älteren Menschen besuchen, der in einer dreckigen, ekelerregenden Umgebung oder Situation von allen anderen verlassen wurde. Sie drücken sich nicht vor Tätigkeiten wie dem Baden von Patienten mit faulenden Geschwüren, dem Wechseln verunreinigter Laken, dem Ausleeren der Bettschüssel etc.
Zugegebenerweise ist ein idealistisches Element in solcher Arbeit enthalten, ein Verlangen zu helfen und auch ein Element des Mutes; nichtsdestotrotz mag wohl doch noch ein tieferer Beweggrund beteiligt sein. Agaricus-Patienten können ein gewisses Verlangen verspüren, „gute Taten“ zu vollbringen, um eine Art von Versicherung zu erlangen, für das Leben nach dem Tode sozusagen. Die Mühe, die in das Vollbringen guter Taten gesteckt wird, mag dazu gedacht sein, einer vagen abergläubischen Furcht vor der Hölle entgegenzusteuern – eine Furcht, die man bei diesen Patienten manchmal finden kann.
Im Gespräch werden sie vielleicht diese Pflegeerfahrungen in einem ziemlich weinerlichen und angeekelten Ton bis ins kleinste Detail beschreiben. Obwohl sie Ekel empfinden, hindert dieser Ekel ihren nahezu unfehlbaren Instinkt nicht daran, die verzweifeltsten Krebspatienten im Endstadium aufzuspüren; solche Fälle scheinen ihre Ängste zu stimulieren und zum Zentrum ihrer Gedanken zu werden. Sobald ein Fall aus ihren Gedanken verschwindet, taucht ein anderer auf.
Diese ständige Beschäftigung mit Tod und Krankheit hat noch eine andere Facette, nämlich die des Versinkens in morbiden Gedanken. Der Verstand, das Gemüt von Agaricus-Patienten wendet sich schnell Themen wie dem Tod, Gespenstern, Gräbern und Friedhöfen zu. Man kann z. B. auf eine Frau treffen, die eine „gespenstische“ Qualität an sich hat. Im Urlaub kann es ihr passieren, dass sie ihr Hotelbett sieht und davon beunruhigt wird; etwas am Licht oder an der Position des Bettes regt sie auf. „Das Bett sieht aus wie ein Grab“, stellt sie fest, oder ein normales Auto sieht aus wie ein Leichenwagen. Möglicherweise spricht sie von Gespenstern oder bösen Geistern, als kenne sie diese ziemlich gut.
Manchmal drückt sich diese morbide Qualität subtiler aus. Zum Beispiel wird einer Patientin mitgeteilt, sie habe Sinusitis mit Eiter in der Stirnhöhle; das wird ihre Einbildung dazu veranlassen, sie glauben zu machen, sie habe etwas Verfaultes in ihrer Stirnhöhle, das sich zersetzt und stinkt.
Außerkörperliche Erfahrung
Ein anderer Aspekt dieser gespenstischen Qualität ist die erstaunliche Tendenz dieser Patienten, Erfahrungen „außerhalb des Körpers“ zu machen. Im Gegensatz zu anderen Mitteln, die ebenfalls diese Tendenz aufweisen und wo die Patienten eine enorme Furcht entwickeln, während eines solchen Erlebnisses zu sterben, können Agaricus-Patienten diese Zustände tatsächlich genießen und sogar versuchen, sie hervorzurufen. (cannabis indicaCANNABIS-INDICA-Patienten können zwar ebenso ihre Erfahrungen außerhalb des Körpers genießen, doch haben sie die meiste Zeit über ungeheure Angst, entweder zu sterben oder verrückt zu werden.) In der Tat finden Agaricus-Patienten oft, dass ihr allgemeiner seelischer Zustand während solcher Körperlosigkeits-Erfahrungen verbessert ist. Zu dieser Gruppe von Symptomen gehört schnelles, hysterisches Ohnmächtigwerden, zu dem es nach dem Orgasmus kommen kann, besonders bei hysterischen jungen Frauen.
Euphorie, Geschwätzigkeit, Heiterkeit
Es gibt Zeiten, in denen die Angst von Agaricus versiegt und eine extreme Euphorie und Fröhlichkeit an ihre Stelle tritt. Diese Euphorie kann eine sehr mächtige Erfahrung sein, die die Patienten selbst als anormal ansehen. Sie fühlen sich unnatürlich stark, mit einem Gefühl, alles tun zu können. Vielleicht spielen sie auch manchmal auf diese ekstatischen Momente an, als seien es Anzeichen spiritueller Erfüllung. Aber selbst während dieser Episoden bleibt das Gefühl bestehen, etwas stimme nicht, und schließlich kehrt die Angst wieder zurück. Es kann sogar sein, dass sie überzeugt sind, der Tod sei nicht mehr fern, gerade weil sie sich so glücklich und voller Kraft fühlen. Abwechselnde Zustände von Fröhlichkeit und Niedergeschlagenheit kommen ebenfalls vor.
Auf einer anderen Ebene kann es zu einer fortgeschrittenen geistigen Störung kommen, die durch übermäßige Geschwätzigkeit gekennzeichnet ist. In einem solchen Fall redet der Patient, tief in seine eigene Welt versunken, ununterbrochen; sein Geplapper ist unwillkürlich und unzusammenhängend. Es besteht kein wirklicher Kontakt zum Arzt, und wenn der Patient etwas gefragt wird, antwortet er nicht – er wird einfach weiterreden, dabei von einem Thema zum nächsten springend.
Er ist in einem Zustand alberner Heiterkeit; er tanzt, singt und lacht ohne jeden Grund. Er umarmt Menschen und küsst deren Hände in lächerlicher Weise. In diesem fröhlichen Zustand singt oder pfeift er völlig unangemessen und unangebracht; in seiner Begeisterung macht er Reime und Prophezeiungen, besonders abends und nachts.
Insgesamt gesehen ist seine Art, sich auszudrücken, eigentümlich, und zwar in dem Sinn, dass er seinen Standpunkt, seine Sache zu übertreiben scheint, sie überzieht und überstrapaziert oder die Grenzen der Vernunft überschreitet. Eine verrückte Furchtlosigkeit herrscht z. B. vor in Situationen, in denen Gefahren von ihm nicht wahrgenommen oder nicht ganz erkannt werden, was ihm ein Gefühl extremer geistiger und physischer Kraft verschafft.
Wahnideen, Delirium
Menschen, die den Agaricus-Pilz gegessen haben, können auch andere seltsame Erfahrungen haben, die an die Effekte halluzinogener Drogen erinnern. Hier einige Beispiele aus der alten Literatur: „Bildet sich ein, an der Höllenpforte zu stehen und dass der Pilz ihm befiehlt, auf die Knie zu fallen und seine Sünden zu bekennen, was er tut. Phantasie, er sähe seine tote Schwester im Himmel. Ruft nach seinem Kriegsbeil, abwechselnd mit religiöser Erregung. Berauscht, sie tragen schwere Lasten, machen lange Schritte und springen über kleine Gegenstände wie über dicke Baumstämme. Ein kleines Loch erscheint wie ein tiefer Abgrund und ein Löffel voll Wasser wie ein unvorstellbarer See. Gelächter über ihre Unfähigkeit, gerade stehen und gehen zu können.“
In Fieberzuständen beobachten wir entweder einen Zustand rasenden Deliriums oder geistiger Trägheit. Das Delirium ist voller Heftigkeit und Manie, eine Raserei, die dazu führt, dass der Patient versucht, sich zu verletzen – z. B. will er sich vielleicht die Eingeweide herausreißen. Oder er versucht aus dem Bett zu kommen, erkennt seine Angehörigen nicht und wirft seine Arznei nach der Schwester. Im Zustand geistiger Trägheit kann der Agaricus-Patient ein Stadium erreichen, in dem er fast stumpfsinnig und geistig beschränkt aussieht und seine Umgebung ihm gleichgültig ist; dieser Zustand kann leicht in ein fröhliches, geschwätziges Delirium übergehen. Diese gesamte Befindlichkeit des Patienten erweckt den Eindruck eines Rauschzustands, und daher ist Agaricus auch erfolgreich bei Delirium tremens verschrieben worden.
Wechsel von physischen und mentalen Symptomen
Diese ungewöhnlichen Charakteristika vervollständigen die eigentümliche Art der Verknüpfung von Symptomen, die viele Agaricus-Patienten kennzeichnet. Eine interessante Beobachtung ist, dass der typische ängstliche und niedergeschlagene, deprimierte Seelenzustand von Agaricus in bestimmten Augenblicken verschwinden kann. Es kommt zu diesem Wechsel, wenn ein Aspekt der physischen Pathologie mehr Gewicht bekommt. Wenn z. B. bei Lumbago der Schmerz besonders stark wird, so wird eine schon vorher existierende Angst vor Krebs minimal werden. Dieser Wechsel von physischen und mentalen Symptomen ähnelt dem bei platinumPLATINUM und cimicifugaCIMICIFUGA. (Bei CIMICIFUGA kann man z. B. erleben, wie Lumbago oder Ischialgie mit Niedergeschlagenheit abwechselt.) Die Krankheit scheint sich vorübergehend stärker zur Peripherie hin zu bewegen, indem sich der körperliche Schmerz intensiviert und der innere psychische Zustand ruhiger wird. Nach der Einnahme von Agaricus kann es vorkommen, dass verschiedene Symptome auf der körperlichen Ebene erscheinen, während sich der emotionale und geistige Zustand der Patienten bessert.
Agaricus-Kinder
Agaricus-Kinder sind zuweilen geistig etwas „zurückgeblieben“ und langsam im Gehenlernen, Sprechenlernen und Lernen überhaupt. Ihr Verstand scheint sich langsam zu entwickeln, weshalb sie beim Sprechen und später beim Schreiben leicht Fehler machen. Sie haben ein schlechtes Gedächtnis. Sie verstehen nur langsam und haben Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen. Sie fühlen sich schwach, und sie hängen sehr an ihren Eltern und sind von ihnen abhängig. Dies ist der Grund, warum sie eventuell Chorea oder Konvulsionen entwickeln können, wenn sie von ihren Eltern oder Lehrern schlimm beleidigt oder getadelt worden sind. (Den klassischen Beginn der Chorea bei Kindern beschreibt M. L. Tyler1 sehr lebendig: „Das Kind wird ausgeschimpft, weil es Grimassen schneidet, dann fängt es sich eine Ohrfeige, weil es Tasse und Untertasse zerbrochen hat, und schließlich dämmert es sogar dem Unaufmerksamsten, dass es sich nicht um Böswilligkeit handelt, sondern um den Veitstanz…“)
Diese Kinder sind plump, unbeholfen, schüchtern, und sie sehen etwas zurückgeblieben aus. Sie neigen zu roten Nasen und dazu, an Frostbeulen der Ohren und gelegentlichen Zuckungen des Gesichts zu leiden. Es besteht eine Tendenz zu Konvulsionen. Bei Meningitis rollen diese Kinder den Kopf und beißen sich selbst oder versuchen sich auf andere Weise zu verletzen.
Zusammenfassung
  • Abhängige, willensschwache Persönlichkeit.

  • Intensive Furcht vor Krebs, oft begleitet von übertriebenem, mitleiderregendem Klagen.

  • Zustände von Niedergeschlagenheit wechseln mit Erregungszuständen ab. Dies ist in gewisser Weise mit manisch-depressiven Zuständen ähnlich.

  • Physische (oft neuralgische) Beschwerden, charakterisiert durch Zuckungen, Rucke, Zittern und Konvulsionen.

  • Zucken der Lider, besonders vor Gewittern.

  • Verschlimmerung nach Koitus (Ohnmacht).

  • Lumbago und Ischialgie durch Hinlegen gebessert.

  • Diagonale Schmerzen – links oben, rechts unten.

  • Heuschnupfen mit Jucken der oberen Luftwege und der Ohren.

  • Kälte an einzelnen Körperstellen und allgemeine Kälte.

Agnus castus

Essenzielle Merkmale
Agnus castus ist ein Mittel, das, wie ich glaube, in modernen Gesellschaften in steigendem Maße benötigt werden wird, vor allem von der jungen Generation und besonders auch von Homosexuellen. Es ist ein Mittel, bei dem die sexuelle Ebene zuerst bis zum Grade der Perversion erregt und schließlich niedergedrückt wird, was zu einem Nachlassen der Potenz und sexuellen Erfüllung sowie zu einem Schwund der Körperflüssigkeiten führt. Ein solcher Mensch spürt, dass er seine „Lebenssäfte“ vergeudet hat, dass er nichts mehr zu geben hat, vertrocknet ist, innerlich völlig leer; er fühlt sich, als existiere er fast nicht mehr, und hat den Eindruck, dass der Tod schnell herannahe.
Der Agnus-Patient wird das Opfer pervertierter Verlangen und stellt später fest, dass er unfähig ist, normalen Geschlechtsverkehr zu haben. Mit dieser Unfähigkeit sind mangelnde Lebensfreude, Ermattung, Niedergeschlagenheit, Entmutigung verbunden – und obendrein noch ein Gefühl der Müdigkeit sowie das Gefühl, die besten Jahre seines Lebens verschwendet zu haben.
Folgen von Ausschweifungen
Dieses Mittel ist nach allen Arten von Ausschweifungen angezeigt, wie sie unter vielen jungen Menschen heute üblich sind, besonders unter Homosexuellen; wie z. B. sexuelle Exzesse, der Gebrauch von psychoaktiven Drogen, Schlafmangel, ständige Erregung, falsche Ernährung etc. Solche Menschen sind leicht zu erregen und geben sich vielen dieser Aktivitäten über lange Zeiträume hinweg hin. Später werden sie blaß, anämisch, verlieren Gewicht, sind schnell erschöpft und werden zerstreut; diese allgemeine Verschlechterung führt zu der Empfindung, der Tod sei nahe. Das Bild von Agnus kann oft dem von AIDS ähneln. Damit jedoch in solchen Fällen eine Verordnung gerechtfertigt ist, sollten die für Agnus bezeichnenden Eigentümlichkeiten vorhanden sein.
Schließlich beginnen diese Menschen wahrzunehmen, dass ihre gesamte Konstitution verfällt. Sie entwickeln die Furcht, dass sie in einigen Jahren oder Monaten sterben werden. Sie spüren, dass sie sich überanstrengt und ihre Lebensenergien bis zu dem Grade vergeudet haben, dass ihr ganzer Organismus ruiniert ist.
Solche jungen Menschen erreichen ein Stadium, in dem sie unfähig sind, sich auf ihre Studien oder ihre Alltagspflichten zu konzentrieren. Sie sind sehr geistesabwesend, vergesslich, können sich nicht an Dinge erinnern, und um zu verstehen, was sie gerade lesen, müssen sie es immer wieder und wieder lesen. Sie sind unfähig, ihre Aufmerksamkeit auf das zu Lesende zu richten (wie auch bei phosphoricum acidumPHOSPHORICUM ACIDUM), und gleichzeitig fühlen sie eine Art Dumpfheit im Kopf. Sie fühlen sich geistig und körperlich alt. Zusätzlich werden sie impotent, und sie sind von diesem Problem sehr in Anspruch genommen, ständig damit beschäftigt. Sie entwickeln die Überzeugung, ihre Gesundheit ruiniert zu haben, und glauben, kurz vor einem Nervenzusammenbruch zu stehen, oder dass die lebenswichtigen Organe im Begriff sind, zu versagen, ihre Funktion aufzugeben. Diese Sorge von Agnus-castus-Patienten wird so groß, dass sie die Ausmaße ernsthafter, ausgeprägter Angst um die Gesundheit annimmt und manchmal zur Hypochondrie wird. (Nach meinen Erfahrungen sollte man Agnus castus im Repertorium in den Rubriken „Angst um die Gesundheit“ und „Hypochondrische Angst“ ergänzen.) In diesem Stadium verschließen sie sich in sich selbst, sie wollen nicht sprechen, fühlen sich bei allem unsicher und entwickeln eine Art Unentschlossenheit.
Missbrauch der Sexualkraft
Der Sexualbereich ist natürlich das wichtigste Gebiet von Agnus castus. Wenn ihre Konstitution nach zahlreichen Exzessen zusammenbricht, werden diese Menschen sexuell impotent; trotzdem fahren sie fort, sehr erregende sexuelle Phantasien zu pflegen. Infolgedessen nehmen sie Zuflucht zur Masturbation, entweder als ihr einziges sexuelles Ventil oder zusammen mit anderen sexuellen Aktivitäten. Der Agnus-castus-Mann kann sexuell so schwach und gleichzeitig so übermäßig erregt sein, dass er schon allein beim Umarmen einer Frau eine Ejakulation hat. Während sich die Impotenz verstärkt, entwickelt er wollüstige Phantasien, jedoch ohne jede Erektion. In anderen Fällen kann es zu verfrühter Ejakulation ohne Erektion kommen.
  • Am Beginn ihrer Impotenz sind diese Patienten darüber so erschrocken, dass sie versuchen, zu masturbieren, um zu sehen, ob sie noch eine Erektion haben können, aber die Folgen des Masturbierens sind verheerend, sie fühlen sich total erschöpft.

  • Am Ende können solche Männer ihr sexuelles Verlangen völlig verlieren. Sie werden unfähig zu sexueller Erregung. Den letztgenannten Zustand trifft man besonders in der Ehe an; nach vielen Jahren der Ausschweifung heiratet ein solcher Mann schließlich eine schöne Frau – und stellt fest, dass er völlig impotent ist (lycopodiumLYCOPODIUM). Die Genitalien sind kalt und erschlafft, als fehle es an der natürlichen Blutzirkulation. Dies ist ein Zustand, den man nicht selten bei älteren Männern antrifft, die sich das ganze Leben lang sexuell überfüttert und verausgabt haben.

Bei Agnus castus haben wir also ein erregbares und sexuell leicht anzuregendes Individuum vor uns, das sich sexuell verausgabt und dann zusammenbricht, dabei zuerst wollüstige Phantasien entwickelt, ohne Erektion, und schließlich das sexuelle Verlangen völlig verliert. Man findet auch übermäßiges Verlangen mit wollüstigen Gedanken beim morgendlichen Aufstehen und später am Tag dann Impotenz. Dabei ist es interessant zu sehen, was der lateinische Name „Agnus castus“ bedeutet: wörtlich „keusches Lamm“, es bezeichnet also jemanden, der rein und keusch ist! Ist es möglich, dass die Menschen des Altertums, die diesen Namen geprägt haben, herausgefunden hatten, dass promiskuitive Personen, wenn sie die Beeren von Agnus castus aßen, wieder keusch wurden? Könnte es sein, dass das Mittel benutzt wurde, um sexuelles Verlangen zu unterdrücken? Vom Namen und den historischen Schilderungen dieses Mittels her ist eine solche Annahme nicht nur plausibel, sondern gut begründet. Hierzu ein Zitat nach Hughes/Dake aus Lindrows „Venusspiegel“: „Um in seiner Ehe kinderlos zu bleiben, nahm ein Mann drei Monate lang morgens und abends je zwölf Samen von Agnus castus, wovon er so geschwächt wurde, dass er nicht nur eine Behinderung der Erektion empfand, sondern auch – ganz wie er gewünscht hatte – seinen Samen völlig verlor und niemals Kinder zeugte.“
Agnus castus eignet sich also für promiskuitive junge Menschen, die durch zahlreiche entweder homo- oder heterosexuelle Kontakte ihre sexuellen Energien missbraucht und sich wiederholt Geschlechtskrankheiten zugezogen haben, besonders Gonorrhö. Schließlich verlieren sie ihre sexuelle Kraft, männliche Patienten verlieren die Fähigkeit zur Ejakulation; stattdessen tröpfelt das Sperma langsam ab, während ihr Verlangen nach Sex steigt. Diese Personen werden zerstreut und schwach; sie verzweifeln, können sich nicht konzentrieren und an Dinge erinnern; sie fühlen, dass der Tod sich ihnen mit großer Geschwindigkeit nähert. In akuten Zuständen wie Fieber wird der Patient wieder und wieder sagen, dass er bald sterben werde und dass es keinen Sinn habe, zu versuchen, irgendetwas zu tun, um ihn zu retten (argentum nitricumARGENTUM NITRICUM).
Manchmal tritt der Verlust der sexuellen Kraft langsam über eine längere Zeit hinweg ein, ohne vorhergehende sexuelle Ausschweifungen. In solchen Fällen ist die Konstitution genetisch schwach. Es handelt sich hierbei um mürrische, schwache Individuen, die traurig und leicht entmutigt sind und an einem Gefühl der Wertlosigkeit leiden. Ihrem Aussehen und ihrem Verhalten nach wirken sie älter, als sie wirklich sind, sie altern frühzeitig, woraus sich die Eignung dieses Mittels bei Beschwerden alter Menschen ergibt.
Geist und Gemüt
Agnus-castus-Patienten neigen dazu, über ihr vergeudetes Leben zu lamentieren, sind blass, anämisch, ermüdet und ängstlich, als fehle es ihnen an Mut. Sie sehen, wie gesagt, früh gealtert aus, infolge ihrer früheren sexuellen Ausschweifungen. Ihre Augen sind empfindlich gegen Licht, die Pupillen sind geweitet, und sie verderben sich den Magen leicht durch Essen, schon wenn es auch nur ein ganz klein wenig schwerverdaulich ist.
Auch Frauen können Agnus castus benötigen, jedoch in geringerem Ausmaß als Männer. In solchen Fällen sind die Frauen sehr lasziv, fast hysterisch in ihrem Verlangen nach Sex. Unfähig, durch normale Beziehungen befriedigt zu werden, flüchten sie sich in ihre Phantasien und in exzessive Masturbation. Und interessanterweise werden sie, falls sie schließlich heiraten, niedergeschlagen und frigide, und jedes sexuelle Interesse fehlt ihnen dann.
Agnus castus ist ein Mittel für junge Menschen, die schwach und impotent sind, die einen heruntergekommenen Eindruck machen, ein blasses Gesicht haben, manchmal frühzeitig gealtert aussehen und die versuchen, ihre Schwäche und Impotenz durch exzentrisches Verhalten zu verstecken – sie umgeben sich in der Anwesenheit anderer mit einem Flair von Überlegenheit und Überheblichkeit. Doch dieselben Menschen werden, sobald sie allein sind, über ihre moralische Verkommenheit nachdenken, über die Masturbation, zu der sie so extrem hingezogen sind, und sie werden verdrossen, unzufrieden werden und sich selbst verachten.
Auch kommt es, wie schon angedeutet, vor, dass der Agnus-castus-Patient auf andere Art zusammenbricht: Er fühlt sich wertlos, absolut nutzlos. Eine tiefe, passive Depression steigt auf, ein Gefühl, als existiere nichts und niemand um ihn herum. Dieses Gefühl der Nichtexistenz ist so schlimm, so intensiv, dass er wünschte, er wäre lieber tot, als dieses Gefühl länger ertragen zu müssen. Und dann, nach einer gewissen Zeit, kommt eine andere Phase – dann hat er die Wahnidee, er sei ein berühmter Mann, jemand ganz Besonderes, z. B. sehr wohlhabend. Das Gefühl seiner eigenen Wichtigkeit schwillt beträchtlich an, und seine Energie steigt in großem Maße. Diese beiden Zustände können alternieren, daher die Nützlichkeit von Agnus castus bei manisch-depressiven Zuständen.
Eine andere Variation des oben beschriebenen manisch-depressiven Zustands ist ein Stadium völliger Gleichgültigkeit, extremer Apathie (phosphoricum acidumPHOSPHORICUM ACIDUM), in dem dieser Patient ein Gefühl hat, als habe niemals irgendetwas existiert. In diesem Stadium hat er keine Entschlusskraft, keinerlei Initiative und keinen Mut, irgendetwas zu unternehmen; er bleibt daheim und tut überhaupt nichts, es fehlt ihm selbst die Energie, sich anzuziehen und einen Spaziergang zu machen (muriaticum acidumMURIATICUM ACIDUM). Schließlich taucht er aus diesem Zustand auf und gelangt in ein Stadium extremer Fröhlichkeit und Überschwänglichkeit, es ist ein ekstaseähnlicher Zustand, der durch die Umstände nicht gerechtfertigt ist.
Zusammenfassung
Zusammenfassend die hervorstechenden Charakteristika von Agnus castus:
  • Verfall des Organismus nach Ausschweifungen (Drogen, Sex, Schlafmangel, falsche Ernährung).

  • Blässe, Anämie, Entkräftung, Zerstreutheit.

  • Vorahnung frühen Todes; Angst um die Gesundheit.

  • Sexuelle Erregbarkeit in frühen Stadien, später gefolgt von verfrühter Ejakulation/sexueller Impotenz (mit Phantasien). Letztendlich vollständiger Verlust des sexuellen Interesses (bei beiden Geschlechtern).

  • Kalte, erschlaffte Genitalien.

Ailanthus

Essenzielle Merkmale
Ailanthus wurde uns mit dem Ruf überliefert, bei Fällen von malignem Scharlach zu wirken, bei denen das normale Exanthem nicht erscheint und der Scharlach stattdessen durch spärliche Hautflecke von bläulicher oder dunkelroter Farbe wie Mahagoni sowie durch zerebrale Symptome charakterisiert ist. Doch kann dieses Mittel, wie jedes andere auch, sowohl bei chronischen als auch bei akuten Zuständen angezeigt sein, solange die allgemeine Symptomatologie des Patienten mit dem Bild des Mittels übereinstimmt. Es ist sehr bedauerlich, dass viele unserer alten Meister uns so wenig von ihren persönlichen Erfahrungen bezüglich der Mittelwirkungen jenseits der wiederkehrenden Charakteristika, die schon immer in der Literatur erschienen sind, hinterlassen haben.
Nach meinem Verständnis ist Ailanthus ein Mittel, das man in akuten Fällen leicht mit baptisiaBAPTISIA und in chronischen Fällen leicht mit LACHESIS verwechseln kann. Zuerst sollen nun die chronischen Zustände von Ailanthus diskutiert werden, später dann die akuten Krankheiten.
Apoplexie, mahagoniefarbenes Gesicht
Ailanthus ist ein Mittel, an das man bei vielen Krankheitsbildern denken muss: Bluthochdruck, kongestive Kopfschmerzen, Schlaganfall, Schwindel, Schilddrüsenstörungen, Heuschnupfen, allergische Hauterkrankungen, Akne etc. Doch alle diese verschiedenen Diagnosen sind nicht so wichtig wie das charakteristische Erscheinungsbild des Ailanthus-Typus. In einigen seltenen Fällen kann der Patient zwar nervös und empfindlich sein, aber meist wird es sich um einen beleibten, robusten Menschen mit einer „apoplektischen Völle“, wie es in der Literatur genannt wird, handeln. Alles Blut scheint in den Kopf zu strömen und ruft ein Völlegefühl, eine beinahe brennende Hitze im Kopf mit stark erweiterten Pupillen und geröteten, kongestionierten Augen hervor.
Auch das Gesicht hat das gleiche Aussehen wie bei Menschen mit chronischem Bluthochdruck, die kurz vor einem Schlaganfall stehen. Es ist rot und heiß, dunkel wie Mahagoni oder purpurfarben. Manchmal ist es etwas geschwollen oder aufgedunsen und sieht aus wie bei einem Betrunkenen mit unregelmäßigen Flecken von kapillären Kongestionen, wie nach einem Trinkgelage. (Übrigens haben Ailanthus-Patienten manchmal auch ein Verlangen nach Branntwein und werden nach einem Glas Wein schläfrig.) Wegen der bläulich-roten Flecken hat das Gesicht ein scheckiges Aussehen. Diese Verfärbung kann auch noch andere Gründe haben, wie z. B. einen falsch behandelten Hautausschlag oder eine allergische Hautreaktion, und auch während akuter Krankheiten ist die Gesichtsfarbe in dieser charakteristischen Weise verändert.
Dieses sehr auffallende Gesicht ist eines der Hauptmerkmale von Ailanthus. (In einigen Krankheitszuständen können die Patienten auch blass, bleich sein, mit dunkelblauen Ringen um die Augen, aber das ist nur von Bedeutung, wenn andere Leitsymptome des Mittels ebenfalls vorhanden sind.)
Abnehmende geistige Fähigkeiten
Gleichzeitig mit den gerade beschriebenen Symptomen beklagen sich die Patienten über eine extreme Abnahme ihrer geistigen Fähigkeiten. Ihr Geist wird stumpf und träge, sie sind fast unfähig zu denken, und sie beginnen Schwierigkeiten zu haben, eine Diskussion zu verfolgen, verstehen nicht, was gesagt wird, und können nicht richtig antworten. Es fällt ihnen schwer, sich auf etwas zu konzentrieren. Sie können die einfachsten Rechenaufgaben nicht mehr lösen; es ist ihnen fast unmöglich, ein paar Zahlen zu addieren, und sie müssen einen Absatz mehrmals lesen, um wenigstens einen Schimmer davon zu bekommen, worum es geht. Jede kleine geistige Anstrengung fordert ihnen große Mühen ab, und so überrascht es nicht, dass sie eine Aversion gegen geistige Arbeit entwickeln und am liebsten überhaupt nicht denken würden.
Mit der Zeit wird die geistige Entkräftung und Erschöpfung so ausgeprägt, dass sich schließlich eine besondere Art der geistigen Verwirrung, ein Geisteszustand wie im Traum entwickelt: Sie fühlen sich schwindlig, verwirrt wie betrunken, als sei alles unwirklich, als lebten sie in einem Traum, und auch alles, was in der Vergangenheit geschehen ist, erscheint ihnen unwirklich, wie ein Traum.
Das Gedächtnis verfällt gleichzeitig ebenfalls rapide. Die Patienten vergessen beinahe alles: was sie gerade gesagt haben, was gestern geschah, sogar Dinge, von denen einen Moment vorher die Rede war. So findet man bei Hering (Guiding Symptoms): „Alle vergangenen Ereignisse sind vergessen, werden als zu jemand anderem gehörig erinnert, oder als Gelesenes.“ Es kann auch sein, dass sie nicht einmal mehr Menschen erkennen, die ihnen eigentlich seit langem bekannt sind. Man sollte an diese Arznei bei Fällen Alzheimerscher Krankheit denken, wenn man die oben beschriebene Erscheinung des Ailanthus-Typus mit hohem Blutdruck vor sich hat.
Stumpfheit, Schwermut, Apathie
In ähnlicher Weise wird auch ihre Sinneswahrnehmung stumpf, sie werden fast empfindungslos und reagieren langsam und träge. Im Gesicht dieser Patienten wird man einen ängstlichen Ausdruck wahrnehmen, eine Art offensichtlicher Qual, und besonders, wenn sie aus ihrem schläfrigen Zustand aufgerüttelt werden, sehen sie sehr erschreckt aus.
Es kann vorkommen, dass sie die ganze Zeit weinen wollen, scheinbar ohne Grund; in Wirklichkeit jedoch werden diese Anfälle durch das manchmal intensive und quälende Bewusstsein ihres geistigen Verfalls, ihrer Verwirrung ausgelöst. Schließlich werden sie sehr deprimiert, niedergeschlagen und kümmern sich weder um gegenwärtige noch zukünftige Ereignisse. Es ist ein Zustand der Schwermut, Apathie und Indifferenz mit ständigem Seufzen. Man muss sich in acht nehmen, in Fällen von Kummer zusammen mit Seufzen nicht automatisch ignatiaIGNATIA zu geben, denn auch andere Mittel, wie Ailanthus, zeigen dauerndes Seufzen nach Kummer; um jedoch die Verschreibung von Ailanthus rechtfertigen zu können, sollten seine essenziellen Charakteristika vorhanden sein – das psychisch-geistige Bild, die Benommenheit des Gehirns, die dunkle Röte des Gesichts, das Völlegefühl des Kopfes etc.
Für den Studenten der Homöopathie ist es wichtig, die eigentümliche Wirkung jedes Mittels auf die verschiedenen Systeme oder Körperorgane zu erkennen und dementsprechend zu verschreiben. Ailanthus übt eine spezifische Wirkung auf das Gehirn aus, die der Student der Homöopathie klar wahrnehmen muss, bevor er es mit einer gewissen Sicherheit und Genauigkeit dem Kranken verschreiben kann.
Weitere Merkmale
Es gibt einige eigentümliche Symptome von Ailanthus, die Erwähnung verdienen.
  • Eines davon ist die Empfindung von elektrischem Strom, der durch den Körper fließt – die Patienten können es auch als elektrische Schauder beschreiben, die im Kopf beginnen und sich bis in die Fingerspitzen erstrecken. (Obwohl in den homöopathischen Prüfungen von Ailanthus keine Konvulsionen beobachtet worden sind, legen diese Symptome nahe, dass es bei epileptischen Konvulsionen von Nutzen sein könnte. Und in der Tat hat Ailanthus einen zehn Jahre alten Jungen geheilt, der an sich ungefähr wöchentlich in den Morgenstunden zwischen etwa 4 und 6 Uhr wiederholenden epileptischen Anfällen litt. Während der Anfälle hatte er heftig zu kämpfen, seine Atmung war beeinträchtigt, sein Gesicht war aufgedunsen und livide, die Daumen eingeschlagen und er hatte Schaum vor dem Mund.)

  • Ebenso kann ein kribbelndes Gefühl auftreten, besonders an den Beinen; es ist ein Gefühl, als krieche eine Schlange oder irgendein kleines Tier nach oben. In Fieberzuständen erreicht diese Empfindung halluzinatorische Dimensionen.

Manchmal verschlimmert sich die Symptomatologie von Ailanthus unmittelbar vor dem Einschlafen. Auch beim Erwachen, wenn sie etwas geschlafen haben, fühlen sich die Patienten schlechter, und morgens nach dem Aufstehen hält die Verschlechterung noch einige Zeit an. Die Verschlechterung ihres Zustands ist oft mit einer akuten Angst verbunden. Einige Patienten schlafen am besten, wenn sie auf der rechten Seite liegen. (Bei all diesen Symptomen erkennt man die Ähnlichkeit mit lachesisLACHESIS.)
Der Schlaf selbst ist meist unerfrischend, entweder tief und schwer oder unterbrochen und ruhelos. Es tritt dauerndes Stöhnen, Ächzen oder Reden im Schlaf auf. (Ich habe beobachtet, dass Patienten mit fortgeschrittener Arteriosklerose dazu neigen, im Schlaf sehr laut zu reden, als Reaktion auf die lebhaften Traumvorstellungen, denen sie ausgesetzt sind.) Während einer akuten fieberhaften Erkrankung kann es manchmal passieren, dass der Schlaf in ein Delirium oder in einen komatösen Zustand übergeht.
Akute fieberhafte Infektionskrankheiten
In Bezug auf akute Zustände ist Ailanthus ein Mittel, das besonders von Kinderärzten und Allgemeinärzten studiert werden sollte, da es Fällen bösartig verlaufender fieberhafter Infektionskrankheiten entspricht, wie sie bei Scharlach oder Diphtherie vorkommen können, ebenso bei Meningitis und follikulärer Angina; bei Typhus, infektiöser Mononukleose, Kindbettfieber etc. Man sollte Ailanthus besonders dann in Betracht ziehen, wenn ein Ausschlag zu erwarten wäre, wie bei Masern oder Scharlach, der jedoch aus dem einen oder anderen Grund partiell unterdrückt wird. Kent schreibt: „Diese Arznei paßt besonders bei zymotischen Fiebern, wie wir sie bei Diphtherie und Scharlach finden … Der Ausschlag entwickelt sich nicht, sondern stattdessen erscheinen rote, roseolenartige Flecke; die normale gleichmäßige Ausbreitung des Ausschlages hat nicht stattgefunden oder wurde unterdrückt, der Patient blutet aus Nase und Zahnfleisch, und der Hals ist stark angeschwollen … Es scheint starke Erschöpfung zu bestehen, aber in Wirklichkeit ist es eine Betäubung; er erscheint dumm und benommen. Sieht man in den Rachen, findet man ihn mit kleinen purpurfarbenen Flecken bedeckt, dazu ein ödematöses Aussehen, wie bei baptisiaBAPTISIA … Das heraussickernde Blut ist schwarz. Das Kind verfällt in ein Stadium des Stupors und kann nur schwer daraus aufgerüttelt werden. Manchmal bilden sich Bläschen an den Fingerenden oder hier und da am Körper. Aus Mund und Nase kommen fötide Gerüche. Das Kind verfällt mit großer Geschwindigkeit einer malignen Erkrankung. Manchmal beginnt sie wie ein leichter Fieberanfall, aber durch eine Erkältung und daraus resultierende Unterdrückung der natürlichen Krankheitserscheinungen nimmt der Fall eine schleichende Form an, und wo man zuerst nur einen einfachen Rückfall vor sich hatte, nimmt der Fall nun einen Zustand der Erschöpfung an, mit sehr schnellem Puls, Foetor, rötlicher oder bläulicher Verfärbung, einer passiven Kongestion mit roten Hautflecken, die die Haut unregelmäßig gescheckt erscheinen lassen. Wenn sich ein Fall so plötzlich wendet, geht die Blutvergiftung voran und ein typhusähnliches Bild entwickelt sich.“
N. M. Choudhari beschreibt ganz ausgezeichnet das akute Krankheitsbild: „Das Mittel ist sehr nützlich bei einigen dieser hartnäckigen Halsentzündungen, die Scharlach, Masern oder andere Ausschlagserkrankungen begleiten. In einem solchen Falle versuchte ich Ailanthus zum ersten Male. Das Ergebnis übertraf meine optimistischsten Erwartungen. Das Fieber war sehr hoch und der Patient in einem Zustand stuporösen Deliriums. Der ganze Körper war mit einer Art dunklen Miliarausschlags bedeckt. Der innere Hals war geschwollen und livide. Die Mandeln sahen unerhört geschwollen aus und waren dicht an dicht mit böse aussehenden Geschwüren bedeckt, die eine stinkende, eitrige Flüssigkeit absonderten. Die Zunge sah genauso übel aus – rissig, trocken und ausgedörrt. Die Zellgewebe um den Hals herum waren inflitriert. Die Zähne waren von braunen Auflagerungen bedeckt. Aus der Nase floß eine dünne eitrige, blutige Absonderung. Alle Symptome deuteten auf einen tödlichen Ausgang. Die von Anfang an sehr ausgeprägte Erschöpfung schritt rapide voran. Dieser plötzliche und ernste Verfall der Lebenskräfte, der für Ailanthus so typisch ist, ließ mich an dieses Mittel denken, und da es die meisten Symptome des Patienten deckte, gab ich es.“
Die Hauptmerkmale, die man sich für solche akuten Fälle merken sollte, sind:
  • Das Krankheitsstadium der zerebralen Intoxikation tritt sehr früh auf, entwickelt sich dann sehr schnell in einen adynamischen Zustand. Stupor oder murmelndes Delirium (baptisiaBAPTISIA) erscheinen, und schließlich sogar Bewusstlosigkeit.

    Im Delirium erkennt der Patient niemanden; er sieht sehr müde und schläfrig, völlig ausgelaugt aus, doch trotz der Erschöpfung ist manchmal große Ruhelosigkeit vorhanden. Er kann nicht schlafen, hat Wahnideen von kleinen Tieren, wie von Mäusen oder Ratten, die durch den Raum oder sein Bein herauf und über seinen Körper laufen, oder er denkt, eine Schlange krieche sein Bein herauf.

    In manchen Fällen kann man auch ein manisches, rasendes Delirium mit glänzenden Augen antreffen (belladonnaBELLADONNA).

  • Schnelle und extreme Erschöpfung bei Fieber mit kleinem, schnellem Puls, Übelkeit und Erbrechen.

  • Das Gesicht wird im Fieber rot, lila, wie berauscht (BAPTISIA, lachesisLACHESIS, OPIUM), oder es entwickeln sich lila oder blaue Flecke; die Augen sind sehr stark kongestioniert (BELLADONNA), bis zu einem Grad, dass sie manchmal tatsächlich bluten.

  • Gestank aus Mund und Nase (baptisiaBAPTISIA).

  • Ein erwarteter Ausschlag bei epidemischen Krankheiten kommt nicht heraus oder erscheint in einer anderen Form (teilweise unterdrückter Ausschlag).

    Kranke Kinder stöhnen, schreien und weinen die ganze Zeit.

Aletris farinosa

Essenzielle Merkmale
An Aletris farinosa sollte man in allen Fällen von Gebärmuttervorfall denken, wenn sepiaSEPIA zwar gut indiziert erschien, aber keine Wirkung zeigte. Die Ähnlichkeiten mit SEPIA sind allerdings noch sehr viel umfassender, sie beschränken sich nicht auf den Prolaps, wie wir bei der Darlegung des Mittels noch sehen werden.
Schwäche, Müdigkeit und Störungen im Bereich der weiblichen Fortpflanzungsorgane
Aletris ist hauptsächlich ein Frauenmittel, das sich für anämische und geschwächte Frauen eignet, die über wenig Durchhaltevermögen des Körpers sowie auch von Geist und Gemüt verfügen und bei denen die Fortpflanzungsorgane gestört, schlaff und schwer sind, sehr ähnlich wie bei SEPIA. Unfruchtbarkeit aufgrund von Gebärmutterschwäche ist bei diesem Mittel weit verbreitet. Wenn es aber zu einer Schwangerschaft kommt, so wird es eine sehr problematische Schwangerschaft sein, weil die Muskelfasern des Uterus kaum dazu in der Lage sind, das zusätzliche Gewicht des Fötus zu tragen und zu halten. Infolgedessen werden Aletris-farinosa-Patientinnen oftmals Krankengeschichten mit häufigen Fehlgeburten, Gebärmutterprolaps oder -verlagerung etc. aufweisen. Selbst wenn sich die Schwangerschaft relativ normal entwickelt und weiter fortschreitet, herrschen allgemeine Schwäche und Muskelschmerzen vor, die Senkungswehen vortäuschen können, und darüber hinaus leiden diese Patientinnen beträchtlich an hartnäckigem Erbrechen und einem quälenden, bedrückenden Gefühl im Rektum. Es ist das unangenehme Gefühl, dass das Rektum voll ist von angesammeltem Stuhl und nicht die Möglichkeit hat, sich zu entleeren.
Der Uterus fühlt sich schwer an und prolabiert leicht – eine erstaunliche Ähnlichkeit mit sepiaSEPIA, obwohl bei SEPIA das Gefühl, dass die inneren Organe nach unten drängen, viel stärker betont ist. Bei Aletris ist es die Empfindung eines Gewichts, einer Schwere, aber nicht die übermäßige abwärtsdrängende Empfindung von SEPIA.
Oft wird man bei Aletris auch Fluor beobachten, der jedoch nicht dick und gelblich sein muss, wie es oftmals bei SEPIA der Fall ist; meist ist er vielmehr weiß und fadenziehend, z. B. bei Frauen mit habituellem Abort. Bei Endometritis, Gebärmutterprolaps oder Reizung des rechten Ovars kommt es oft zu einem Schmerz in der rechten Leistengegend, der sich zum Oberschenkel hinunter ausbreitet.
Mitten in der Nacht treten bei Aletris-farinosa-Patientinnen ausgiebige, profuse Blutungen aus dem Uterus auf, wodurch sie morgens so erschöpft sind, dass sie kaum sprechen können. Auch zu häufige Menses sieht man bei diesem Mittel – oder auch, bei anämischen Patientinnen, ein völliges Fehlen der Menses.
Es scheint eine Verbindung zwischen den Störungen der Fortpflanzungsorgane und dem Magen zu bestehen. Die Aletris-Patientin wird leicht den Appetit verlieren, wenn mit ihren Geschlechtsorganen etwas nicht in Ordnung ist. In Fällen von Menstruationsunregelmäßigkeiten, wie den oben genannten, wird das geringste bisschen unbekömmlicher Speise ihr den Magen verderben; das Essen liegt wie eine schwere Last im Magen. Auch ein Ekel vor Speisen tritt bei diesem Mittel auf, und schaumiger Speichelfluss sowie schaumiges Aufstoßen sind charakteristisch für Aletris farinosa.
Geist und Gemüt
Diese Patienten verlieren leicht Gewicht, sind dünn, abgemagert und anämisch und neigen zu Schwindel und Ohnmacht. Im Falle, dass sie anämisch sind, können sie sich nicht konzentrieren, sie fühlen sich verwirrt und können nicht lernen. Der Geist, der Verstand scheint seine Kraft verloren zu haben – obwohl viele Gedanken und Ideen aufsteigen, die gewöhnlich auch angenehm sind –, denn er schweift umher, beschäftigt sich mit den verschiedensten Dingen und verweilt nur für kurze Zeit bei einer Sache. Schließlich entsteht eine Unzufriedenheit, ein Gefühl des Unbefriedigtseins.
Eine genauere Kenntnis der Geistes- und Gemütsebene ist allerdings noch nicht vorhanden, das wirkliche geistig-emotionale Bild dieses Mittels kennen wir bislang noch nicht. Am besten eignet sich der Ausdruck Adynamie zur Beschreibung des Bildes von Aletris: Es ist eine Schwäche, eine Kraftlosigkeit vorhanden, die hauptsächlich die Schwangerschaft betrifft, das Tragen und Erhalten neuen Lebens; Adynamie der Fortpflanzungsorgane und auch allgemeine Adynamie sind festzustellen.
Man kann Aletris-farinosa-Fälle auch bei langdauernder Rekonvaleszenz nach akuter Krankheit antreffen: Der Patient scheint sich nicht schnell genug zu erholen; sein Appetit kehrt nicht wieder, und schon die geringste Nahrungsmenge verursacht eine Magenverstimmung; er fühlt sich sehr geschwächt und leidet an Schwindel- und an leicht auftretenden Ohnmachtsgefühlen; er hat das Gefühl, als seien alle Muskeln und inneren Organe schlaff und schwach. Einen ähnlichen Zustand von Schwäche, Erschöpfung und schwieriger Rekonvaleszenz wird man bei Frauen nach spontanem Abort antreffen.
Allgemeinsymptome und Keynotes
Aletris farinosa ist eine Arznei, die hauptsächlich bei Frauen indiziert ist und hier vor allem bei gynäkologischen Fällen verordnet wird. Sie hat drei oder vier wesentliche Charakteristika.
  • Das erste Charakteristikum ist ständige Müdigkeit. Man kann sich unschwer vorstellen, was eine Frau tun möchte, die sich dauernd müde fühlt: nämlich gar nichts oder zumindest so wenig wie möglich. Sie möchte weder in der Küche arbeiten noch jeden Tag saubermachen oder groß einkaufen gehen. Vielmehr möchte sie zu Hause bleiben, sich hinlegen und immer nur ruhen. Schon morgens beim Erwachen kann die Aletris-Patientin Kopfschmerzen haben, und beim Aufstehen aus dem Bett hat sie ein Übelkeits- und Schwächegefühl im Magen, ein Gefühl, alles sei hin. Sie fühlt sich so müde, dumpf, schwer und verwirrt, dass sie unfähig ist, ihre Aufmerksamkeit auf irgendetwas zu richten. Fast all ihre Kraft und Energie ist dahin, und nach einer Gebärmutterblutung kann sie sogar so erschöpft sein, dass sie unfähig ist, zu sprechen. Wenn sie in der Praxis von ihrer Abgespanntheit und Schwäche erzählt, wird man sie wahrscheinlich gründlich untersuchen, meistens aber keine klare Ursache für ihre Schwäche finden – keine ernste organische Erkrankung. Führt man aber einen Bluttest durch, so wird man oft finden, dass die Hämoglobin- und Eisenwerte zu niedrig sind; diese Art der Anämie ist häufig durch uterine Hämorrhagien bedingt. Manchmal fehlt dieser Patientin die Energie auch wegen der langwierigen Rekonvaleszenz nach einer Erkrankung (oder auch z. B. nach einem Abort oder nach einer Entbindung), von der sie sich nicht erholen kann. Es kann auch sein, dass die Schwäche von unzureichender Ernährung herrührt; diese Menschen haben oft wenig Appetit, essen wenig und sind daher manchmal sehr abgemagert.

  • Das zweite Charakteristikum ist ein Gefühl der Schwere oder eines Gewichts.

    • Die Patientin fühlt sich nicht nur insgesamt müde und schwer, sondern auch in vielen Regionen des Körpers liegt diese Schwere vor: Sie hat ein Gefühl von Schwere, von Gewicht und Druck über den Augen. Gefühl, als würden die Augenlider heruntergedrückt. Auch Schweregefühl am Scheitel ist möglich.

    • Schwere, als ziehe ein Gewicht den Hinterkopf nach hinten und als habe der Nacken nicht die Kraft, das zu verhindern (zusammen mit einem Gefühl, als kontrahiere sich die Kopfhaut und ziehe so die Seiten des Hinterkopfes zusammen). Diese Empfindung tritt oft morgens auf und wird manchmal während des Frühstücks besser. Dieses Gefühl des „schweren Hinterkopfes“ ist gar nicht selten bei Frauen mit Gebärmuttererkrankungen.

    • Selbst eine kleine Nahrungsmenge liegt schwer im Magen.

    • Empfindung, als wären alle Eingeweide ins untere Abdomen herabgesunken.

    • Schwere in der Uterusregion, der Uterus fühlt sich schwer an.

    • Rückenschmerz mit Ziehen in der Sakralgegend.

  • Das dritte und wahrscheinlich wichtigste Charakteristikum ist, dass sich die Hauptbeschwerden auf die weiblichen Genitalorgane konzentrieren. Auch alle anderen Krankheiten sind mehr oder weniger mit dem Uterus verbunden.

    • Im Uterusbereich besteht eine Empfindung des Nachuntendrängens, als wollte der Inhalt des Beckens nach unten heraustreten. Diese Empfindung wird sehr stark verschlimmert durch Gehen und ist oft mit einem Ziehen in der Sakralregion verbunden. Aletris ist ein wichtiges Mittel für Prolaps oder Verlagerung des Uterus aufgrund der Schwäche und Erschlaffung der Genitalorgane. Darüber hinaus haben diese Frauen oft eine Leukorrhö, die meist farblos ist, oder weiß und fadenziehend.

    • Die schon oben erwähnte Empfindung eines schweren Uterus ist zumindest teilweise durch einen Blutandrang, eine Ansammlung von zu viel Blut im Uterus bedingt. Der Ausgang scheint oft von Klumpen verschlossen zu sein, und die Uterusblutung – Metrorrhagie oder Menorrhagie – beginnt oft mit dunklen oder schwarzen Klumpen, die von reichlichem, ausgiebigem Bluten gefolgt werden. Die Blutung kann recht lange anhalten, und sie hört auch nach dem normalen Ende der Menstruation nicht ganz auf, sondern wird zu einem wässrigen Sickern, unterbrochen von plötzlichen erneuten Güssen mit Klumpen oder geronnenem Blut. Diese Art der Blutung zusammen mit der Schwäche der Patientin kann man oft vor oder während der Menopause sehen.

    • Die Menstruation kommt zu früh und zu reichlich, mit wehenartigen Schmerzen, und ist meistens mit dem Gefühl des Herabdrängens oder mit Uterusprolaps verbunden.

    • Aber auch spärliche, fast schwarze Regelblutungen und sogar Amenorrhö können auf Aletris hinweisen, wenn sie mit allgemeiner Schwäche und Anämie verbunden sind.

    • Ein Quetschungsschmerz im rechten Ovar oder ein kneifender, wie zugreifender Schmerz in der rechten Leistengegend, der sich den Oberschenkel hinab erstreckt, kann in der Zeit der Menses auftreten. Die krampfenden Bauchschmerzen verschlimmern sich beim Nachvornebeugen, und die Patientin beugt sich nach hinten, um den Schmerz zu lindern. Diese Koliken können auch unabhängig von den Menses auftreten (z. B. bei Verstopfung) und werden oft besser durch spärlichen, diarrhöischen Stuhl. (Übrigens wird auch ein Schmerz des Trapezius-Muskels, der bei Aletris farinosa auftritt, schlimmer beim Vorwärtsbeugen des Kopfes und gebessert durch Zurückbeugen.)

    • Manchmal haben diese Frauen vor den Menses ein auffallendes Symptom: Es ist ein dauernder, trockener, harter, beinahe spasmodischer Husten, der sofort besser wird, sobald die Menstruation eintritt.

    • Ein anderes interessantes Symptom ist ein scharfer Schmerz in der linken Brust, als würde mit einem Messer hineingestochen, der sich durch den Rücken zum linken unteren Teil des rechten Schulterblattes erstreckt. (Ein scharfer Schmerz vom unteren Bereich des linken Schulterblattes aus zur linken Brust hindurch kann auch vorkommen.)

    • Eine sehr wichtige Zeit für Aletris ist die Schwangerschaft, weil sich in ihr viele Symptome entwickeln. Sehr oft können diese Frauen wegen der Atonie des Uterus nicht schwanger werden, oder sie haben eine starke Tendenz, das Kind zu verlieren. Diese Aborte treten ebenfalls aufgrund des schwachen und erschlafften Zustands des Uterus ein, und nach einem Abort wird man oft Uterusblutungen mit den oben beschriebenen Besonderheiten sehen.

    • Wenn es aber doch zu einer Schwangerschaft kommt und diese auch nicht durch einen Abort beendet wird, so stechen nicht nur die Schwäche und die Anämie hervor, sondern oft treten auch Magenstörungen auf.

    • Meistens hat die Patientin einen Ekel vor Speisen, und sie bekommt Magenprobleme, nachdem sie nur ein kleines bisschen gegessen hat. Selbst der Anblick von oder der Gedanke an Fett verursacht Brechreiz; sie fühlt sich krank, verspürt Übelkeit und beginnt zu würgen. Reichliches schaumiges Aufstoßen tritt auf, mit starker Ansammlung von schaumigem Speichel, und sie muss sich viel übergeben. Dieses hartnäckige Erbrechen schwächt sie noch zusätzlich.

    • Manchmal aber kann die Übelkeit nach einer Mahlzeit besser sein, und ebenso ist das morgendliche Schwächegefühl, ein Gefühl, dass alles hin sei, nach dem Essen manchmal gebessert.

  • Das vierte Charakteristikum von Aletris ist, dass der schwache, erschlaffte Zustand sich nicht auf den Uterus beschränkt, sondern sich auch auf die anderen Organe im unteren Abdomen erstreckt.

    • Die Blase ist schwach und kann den Urin nicht halten.

    • Jedes Mal, wenn diese Patientin sich erkältet, hat sie eine Blaseninkontinenz, und bei schnellem Gehen, beim Husten oder Niesen und sogar im Schlaf verliert sie Urin.

    • Besonders das Rektum ist so schwach, als sei es fast gelähmt. Die Verstopfung ist bei Aletris so schlimm wie bei aluminaALUMINA. Das Rektum ist mit Stuhl gefüllt und kann nur mit großer Anstrengung entleert werden, und dabei hat die Aletris-Patientin oft schreckliche Schmerzen, so als würde etwas durch das verschlossene Rektum gedrückt. Manchmal muss sie so stark drücken, dass sie Kopfschmerzen bekommt, besonders am Scheitel. Die Stühle sind gewöhnlich sehr groß und hart.

    • Diese Art der Verstopfung ist zusammen mit der allgemeinen Müdigkeit und ein oder zwei Symptomen der Genitalorgane meist schon ausreichend, um die Verschreibung von Aletris farinosa zu rechtfertigen.

Allium cepa

Essenzielle Merkmale
Allium cepa hat sich einen unbestrittenen Ruf erworben, auf die oberen Atemwege zu wirken und gewöhnliche Erkältungen zu heilen, die sich in der Nase festsetzen und nach unten wandern, mit einer wässrigen, scharfen Absonderung aus der Nase und zugleich mit Röte der Augen und mildem Tränenfluss. Es wirkt zunächst hauptsächlich auf die linke Seite der Nase, später verschiebt sich die Wirkung auf die rechte Seite. Die Symptome verschlimmern sich in warmen Räumen und am Abend; sie bessern sich im Freien. Trotz seiner unbestrittenen Effizienz bei gewöhnlichen Erkältungen ist meiner Erfahrung nach Allium cepa bei diesen Beschwerden doch missbraucht worden, indem es zu häufig verschrieben wurde, wenn andere Mittel indiziert gewesen wären.
Eine Warnung: Bei besonders empfindlichen Personen, die eine Tendenz zu allergischem Asthma zeigen, habe ich eine tiefgreifende Verschlimmerung der Atembeschwerden durch eine falsche Verschreibung von Allium cepa beobachtet. Diese Beobachtung ist leicht zu verstehen, da dieses Mittel in den Prüfungen die Tendenz hat, Entzündungen vom obersten Teil der Atemwege – der Nase – nach unten zum Kehlkopf und zu den Bronchien zu treiben. Deshalb möchte ich davor warnen, hohe Potenzen bei Patienten zu benutzen, die eine solche Empfindlichkeit vermuten lassen und wenn man sich über das Mittel nicht sicher ist.
Ich habe festgestellt, dass neben den oben genannten Lokalsymptomen eine zusätzliche Symptomatologie des Kopfes und des gesamten Organismus vorhanden sein muss, wenn dieses Mittel wirklich angezeigt ist: Der Patient wird sich richtig scheußlich fühlen, mit Benommenheit, Stumpfheit, Schwierigkeiten beim Denken und großer Schläfrigkeit. – Bei einem Patienten mit Erkältung, der nur an lokalen Nasen- oder Kehlkopfsymptomen leidet, aber einen klaren Kopf und keine allgemeine Schwäche hat, ist es dagegen relativ unwahrscheinlich, dass er auf dieses Mittel ansprechen wird.
Katarrhalische Zustände
Allium cepa gehört, ebenso wie PULSATILLA, CHAMOMILLA, BELLADONNA, MERCURIUS und nitricum acidumNITRICUM ACIDUM, zu den Hauptmitteln bei gewöhnlichen Erkältungen, die sich leicht zu den Ohren ausbreiten und viel Schmerz hervorrufen. Doch abgesehen von dieser Ausbreitungsrichtung, ist Allium cepa auch dann angezeigt, wenn sich die Erkältung nach unten zum Kehlkopf hin ausbreitet und dort eine heftige Laryngitis hervorruft, bei der der Schmerz beim Husten sich anfühlt, als ob jemand mit Haken im Hals reißen und ziehen würde. Kinder mit Keuchhusten können manchmal beim Husten einen so schrecklichen Schmerz empfinden, dass sie dazu gezwungen sind, sich an den Kehlkopf zu fassen; zugleich haben sie oft einen verdorbenen Magen, mit Erbrechen und viel Flatulenz.
Allium cepa kann bei Nasenpolypen nützlich sein und manchmal auch in Fällen von Konjunktivitis mit übermäßigem Tränenfluss, bei dem die Augen so sehr schmerzen, als ob das Brennen in den Augen von Rauch verursacht wäre.
Oft weisen die Atemwege bei Allium-cepa-Patienten einen anhaltenden Katarrh auf, der sich abends verschlimmert. Der Katarrh der Nase ist fast immer scharf und wässrig und fließt ständig. Allium cepa ist auch ein wichtiges Mittel bei Heuschnupfen, wenn dabei genau diese Art von Katarrh jedes Jahr im August (also im wärmsten Monat des Jahres) zusammen mit heftigem Niesen auftritt, mit Verschlimmerung im warmen Zimmer und abends, aber Besserung im Freien. Diese Symptome sind sehr ähnlich wie bei pulsatillaPULSATILLA, mit Ausnahme des Schnupfens, der bei Pulsatilla mild ist und nicht ätzend oder scharf.
Auch chronische, insbesondere katarrhalische Kopfschmerzen können auf Allium cepa hinweisen, wenn sie ähnliche Modalitäten haben: schlimmer abends, schlimmer in einem warmen Zimmer, besser im Freien. Die Kopfschmerzen werden hauptsächlich in der Stirn gespürt und können sich zu den Schläfen oder abwärts zu den Augen und ins Gesicht ausbreiten.
Neuralgien können ebenfalls in den Wirkungsbereich von Allium cepa fallen, Neuralgien, die „fadenartige“ Schmerzen aufweisen. Es ist besonders angezeigt bei sehr beschwerlichen Neuralgien nach Amputation, wo die Schmerzen sich so ausdehnen, dass es sich anfühlt, als sei das amputierte Glied noch vorhanden – „Stumpfneuralgie“ oder „Phantomschmerzen“. Diese Schmerzen sind unerträglich und bringen den Patienten zur Verzweiflung. Es handelt sich um eine traumatische, meist chronische Neuritis. Auch linksseitige Gesichtslähmung kann vorkommen.
Geist und Gemüt: Stumpfheit, Schläfrigkeit
Die mental-emotionale Sphäre dieses Mittels bietet ein sehr interessantes Bild. Allium cepa hat eine eindeutige Wirkung auf das Gehirn, es löst einen Zustand der Zerstreutheit mit großer Schläfrigkeit aus. Das Gehirn scheint leicht abzustumpfen, besonders unter dem Einfluss von etwas Wein oder Kaffee. Der Geist wird verwirrt – es ist eine vollständig passive Verwirrung, der Patient kümmert sich um nichts und achtet nicht darauf, was um ihn herum geschieht. Es scheint, als sei er an gar nichts interessiert.
Es ist eine große geistige Stumpfheit vorhanden, mit einer manchmal recht deutlichen Verschlimmerung am Nachmittag. Unfähig, sich zu konzentrieren, beginnt der Patient bei seiner Arbeit Fehler zu machen; er wirkt verwirrt, als stehe sein Geist unter dem Einfluss von Barbituraten. Er erscheint schläfrig und desinteressiert und gähnt ständig. Zudem macht er viele Fehler beim Buchstabieren, stellt Wörter an die falsche Stelle etc. Doch die Idee, um die es hier geht, ist die eines schläfrigen Gehirns; das ist der Hauptgedanke hinter der seelisch-geistigen Symptomatologie dieses Mittels, die sich durch Schläfrigkeit mit Gleichgültigkeit auszeichnet. Das Symptom der Schläfrigkeit steht in sehr guter Übereinstimmung mit der Pathogenese dieses Mittels im Hinblick darauf, dass die Zwiebel seit dem Altertum als Hypnagogum bekannt war und zur Behandlung von Schlaflosigkeit benutzt wurde. Es ist eigentümlich, dass diese Eigenschaft in vielen homöopathischen Werken nicht erwähnt wird, tauchen die Symptome „Schläfrigkeit“ und „Schlafsucht“ doch schon in den Prüfungen Herings auf. Wenn jemand viele Zwiebeln isst, so gehören zu den ersten Symptomen, die danach auftreten können, Lethargie und Schläfrigkeit. Wegen dieser Wirkung der Zwiebel auf das Gehirn hatte man im Altertum Angst, sie im Übermaß zu benutzen.
Geist und Gemüt: passive Geisteskrankheit
Es gibt noch einen weiteren Zustand, den Allium cepa manifestieren kann, einen Zustand ernsthafter Geisteskrankheit: Es scheint dem Patienten recht gut zu gehen, doch dann plötzlich, nachdem er eine Enttäuschung oder eine Beleidigung erlitten hat, gerät sein Gemüts- und Geisteszustand völlig aus dem Gleichgewicht und eine regelrechte Geisteskrankheit kommt zum Vorschein – eine vollkommen passive Geisteskrankheit, in der das Gehirn überhaupt nicht funktioniert. Es ist ein Zustand, der plötzlich und überraschend bei einem Menschen auftreten kann, der zuvor sehr ausgeglichen war, sehr gewissenhaft und peinlich genau in puncto Sauberkeit, bei einem Menschen mit sehr herzlicher Rücksichtnahme auf seine Verwandten, sehr anteilnehmend und sorgsam, und mit einem sehr offenen, direkten Wesen, ohne jegliche hinterhältigen Absichten. Dann verändert sich sein Verhalten plötzlich von einem Tag zum anderen.
  • Er erkennt Menschen nicht mehr, die er zuvor sehr gut gekannt hat, und er ist gegenüber den Menschen, mit denen er zusammenlebt, gegenüber seiner Frau oder seinen Eltern, völlig gleichgültig. Er versteht die Bedeutung von Dingen nicht mehr. Wenn man ihm z. B. Geld gibt, versteht er dessen Zweck nicht. Auch wiederholte Erklärungen fruchten nicht, so unzulänglich ist sein Auffassungsvermögen.

  • Er ist dann sehr müde und lethargisch, und es scheint, dass Schlafen das einzige ist, was er will. Sein Schlafbedürfnis kann so überwältigend sein, dass er augenblicklich einschläft, sobald er sich hinsetzt oder hinlegt. Er schläft und schläft, und es ist sehr schwierig, ihn aufzuwecken. Es handelt sich um einen tiefen, schweren Schlaf. Sogar Sopor ist möglich.

Wenn jemand solch eine Geschichte hören würde, ohne das seelisch-geistige Bild von Allium cepa zu kennen, würde er dazu neigen, OpiumOPIUM oder nux moschataNUX MOSCHATA zu geben, doch Allium cepa entspricht dieser mentalen Pathologie in stärkerem Maße. Es ist interessant, dass in unserer Literatur Allium cepa bei Geisteskrankheit aufgeführt wird – doch nirgends konnte ich irgendwelche Angaben über die Art der Geisteskrankheit finden.
  • Das geisteskranke Verhalten des Allium-cepa-Patienten ist auf verschiedene Weise bemerkenswert. Er schneidet nicht nur närrische Grimassen und macht närrische Gesten, sondern auch sein ganzes Verhalten wird närrisch. Er kann z. B. einen Fremden auf der Straße aufziehen, indem er irgendwelche lächerlichen Gesten vollführt, oder bei einer Zugfahrt gestikulieren, als fange er einen Vogel, usw. Er achtet wenig auf andere, alle Hemmungen hat er verloren. Es ist sogar möglich, dass er vor aller Augen uriniert, obwohl er doch früher ein sehr zaghafter und zurückhaltender Mensch war.

  • Es ist interessant, dass auch seine Art zu gehen betroffen ist: Er geht auf den Zehenspitzen, oder er tritt nur auf die Seitenkanten der Füße. Wenn er über irgendetwas oder irgendjemanden sauer wird, geht er einfach weg; er will niemanden sehen und geht spazieren, um allein zu sein. Dieses Verhalten gibt uns einen kleinen Einblick in etwas, was sich als ein starkes Element seiner Persönlichkeit herausstellen wird: Misanthropie, Menschenfeindlichkeit.

Die Angehörigen des Patienten werden ihn als sehr ernst oder niedergeschlagen beschreiben; sie werden berichten, dass er sehr wenig spricht, völlig in sich zurückgezogen zu sein scheint und misanthropisch geworden ist. Aber trotz seiner vollständigen Verwirrung und seines Rückzugs auf sich selbst ist er in der Lage, sich um seine einfachen Lebensbedürfnisse zu kümmern.
Der Patient hat vermehrten Appetit und großes Verlangen nach Zwiebeln, z. B. nach Zwiebeln mit Olivenöl. Er kann eine Menge rohe Zwiebeln essen; manchmal kann er überhaupt keine andere Nahrung als Zwiebeln zu sich nehmen. Dieses Verlangen kann viele Jahre vor dem Auftreten der Geisteskrankheit zu sehen sein und auf die Prädisposition zur Allium-cepa-Pathologie hindeuten. Gewöhnlich vermeidet er es, Gurken zu essen, da ihm davon übel wird.
Nach der obigen Beschreibung der konstitutionellen Charakteristika von Allium cepa dürfte es klar sein, dass es ein sehr tiefwirkendes Mittel sein kann, wenn es wirklich angezeigt ist.

Allium sativum

Essenzielle Merkmale
Allium sativum ist ein weiteres vernachlässigtes Mittel in unserer Materia medica. Ich halte es für eine wichtige und wertvolle Arznei bei bestimmten Fällen, in denen man heute meist Mittel wie bryoniaBRYONIA, kalium bichromicumKALIUM BICHROMICUM, sulphurSULFUR, lachesisLACHESIS, belladonnaBELLADONNA etc. gibt.
Verdauungsstörungen, Bronchialkatarrh
Dieses Mittel passt zu beleibten Personen mit riesigem, gierigem Appetit, die an chronischer spastischer Colitis mit viel Flatus leiden, der nicht herausgebracht werden kann und Schmerzen verursacht; diese Schmerzen werden verschlimmert durch Auftreten, was wahnsinnige Schmerzen hervorruft (belladonnaBELLADONNA). Um Linderung zu erreichen, müssen diese Patienten sich hinlegen oder vorgebeugt sitzen und mit beiden Händen gegen den Bauch drücken.
Es sind Menschen, die immer die gleiche Diät essen müssen; falls sie auch nur im geringsten von ihren üblichen Essgewohnheiten abweichen, werden sich sofort ihre Verdauungsstörungen verschlimmern. Sie bekommen dann Sodbrennen, abdominale Winde, Aufstoßen mit viel Speichel und stark drückende Schmerzen, die oft den Charakter von Auftreibungsschmerzen haben, d. h. von innen nach außen drücken. Diese Patienten haben ein Gefühl, als dränge im Abdomen alles abwärts (SEPIA).
Dieses Mittel wird auch bei chronischem Bronchialkatarrh mit Dyspnöe angezeigt sein – wobei es sich um einen anhaltenden Husten handelt, verbunden mit sehr stinkendem Atem während des Hustens (capsicumCAPSICUM), mit Auswurf fadenziehenden, dickflüssig-zähen Schleims (Kalium carbonicumkalium bichromicumKALIUM BICHROMICUM) und mit trockenen Lippen. In manchen Fällen können wir hier auch noch einen anderen Patiententypus vor uns haben, einen Patienten, der abgemagert und hypotonisch ist, mit einem Leeregefühl im Magen, das ihn trotz mangelnden Appetits zu essen zwingt – er hat etwas von einem tuberkulinischen Patienten.
Schwäche der unteren Extremitäten
Allium sativum kann auch bei einer besonderen Art neurologischer Symptome von Nutzen sein, die sich vorwiegend als Schlaffheit und Schwäche der unteren Extremitäten zeigt. Diese eigenartige Muskelschwäche der Beine ist manchmal so groß, dass es dem Patienten schon zu viel sein kann, auch nur ein paar Stufen hinaufzusteigen.
Auch eine Art allgemeiner Schlaffheit und Torpidität ist beobachtet worden. Besonders bei manchen Kindern wirkt fast alles langsam und schwach. Sie sind meist sehr blaß, stellenweise abgemagert (Muskelatrophie der unteren Extremitäten), der Darm arbeitet nur träge, und es scheint sogar so, als würden die Beine nicht so schnell wachsen wie der übrige Körper; darüber hinaus kann auch der Rücken so schwach sein, dass sie nicht laufen lernen. Diese Kinder sind manchmal so schläfrig und träge, dass sie wie leblos erscheinen.
Spezifische Modalitäten
  • Wenn wir dieses Mittel mit anderen vergleichen, so erkennen wir, dass Allium sativum, trotz seiner Ähnlichkeiten mit anderen Mitteln, seine eigene, einzigartige Symptomatologie besitzt. Beispielsweise hat Allium sativum, trotz der Verschlimmerung durch Auftreten, nicht die allgemeine Empfindlichkeit gegen Erschütterung von BELLADONNA. Bei Allium sativum geschieht es nur im Gehen, nur beim Auftreten, dass die Schmerzen so stark werden; der Patient hat das Gefühl, dass alles im Inneren des Abdomens auseinandergerissen wird.

  • Wenn wir Allium sativum mit lachesisLACHESIS vergleichen, so finden wir bei beiden eine allgemeine Besserung bei Einsetzen des Menstruationsflusses; jedoch stellen wir fest, dass bei Allium sativum die Symptome zurückkehren, sobald sich der Fluss verringert, während sie bei lachesisLACHESIS für einige Zeit gebessert bleiben. Bei Allium sativum ist diese Art der Besserung sehr hervorstechend in Bezug auf Kopfschmerzen und Schwindel, während diese bei LACHESIS auch die psychischen und die abdominalen Symptome betrifft.

  • Ein weiteres interessantes Symptom ist die Verschlimmerung beim Lesen. In dem Moment, in dem der Patient versucht, seinen Blick zu fixieren, um ein Buch zu lesen, treten Symptome auf, besonders der Augen und des Mundes.

Ruhelosigkeit, Reizbarkeit
Der Allium-sativum-Patient ist ruhelos und ängstlich, und seine Ruhelosigkeit wird schlimmer, wenn er allein ist. Er entwickelt manchmal regelrecht den Impuls, wegzurennen. Diese Tendenz ist analog dem seelischen Drang, vor unangenehmen Situationen zu fliehen.
Viele dieser Patienten sind empfindliche, reizbare und ungeduldige Menschen, die schwer zufriedenzustellen sind und nicht zu wissen scheinen, was sie wollen. In dieser Hinsicht ähneln sie CINA, jedoch in sehr viel milderer Form.
Misstrauen, Furcht, Medizin einzunehmen
Der charakteristischste Zug der Allium-sativum-Patienten ist ihr Misstrauen in Bezug auf Dinge, die ihre eigene Gesundheit betreffen. Sie beschäftigen sich so viel mit diesem Thema, dass sie schließlich zu einer ganz speziellen Art von Hypochondern werden. Sie gehen von Arzt zu Arzt, nehmen alle möglichen Ratschläge entgegen, aber wenn man ihnen eine Arznei anbietet, sehen sie einen voller Misstrauen an und sind sehr vorsichtig damit, die verschriebene Arznei einzunehmen, selbst wenn man ihnen erklärt, dass sie harmlos ist. Zu Hause nehmen sie dann die Tabletten oder Tropfen vielleicht ein paar Tage lang, aber das scheint ihre hypochondrische Angst und Verzweiflung nur noch zu vermehren. „Diese Pillen helfen mir überhaupt nicht. Sie sind für meinen Körper nicht gut … Kann es nicht sein, dass die Arznei mich vergiftet? … Ich kann schon fühlen, wie sie mir schadet. Ich muss damit vorsichtig sein und darf nicht zu viel davon nehmen … Nein, es ist besser, wenn ich mit diesem Gift sofort aufhöre! Ich kann keinerlei Medizin vertragen. Ich weiß das … Nichts kann mir helfen. Nichts kann für mich getan werden. Ich werde nie wieder gesund. Ich bin unheilbar. Ich kann ja nicht einmal Medizin nehmen! Was soll ich bloß tun?“
Obwohl diese Patienten manchmal wirklich sehr krank sind, nicht etwa nur eingebildet, können sie keinerlei Arznei ertragen, und deshalb entsteht schließlich die Furcht oder Überzeugung, dass ihnen nichts helfen kann und sie nie wieder gesund werden. Hauptsächlich in diesem Zustand, in dieser Situation sind sie ruhelos, traurig und niedergeschlagen, besonders wenn sie allein sind und nicht durch andere von ihren ängstlichen, wandernden Gedanken abgelenkt werden. Und dann kommt der Impuls, wegzulaufen, um all dem zu entfliehen. Sogar der Schlaf ist häufig sehr unruhig, und allem Anschein nach ist alles gestört, was damit zu tun hat. Manchmal kann es vorkommen, dass es dem Patienten unmöglich ist, zu schlafen, wegen schießender Schmerzen in der Brust oder wegen der Empfindung eines Gewichts im Magen oder einfach deshalb, weil er durstig ist. Beim Einschlafen beginnen seine Muskeln zu zucken, und er fühlt Stöße in den Füßen. Auch der Schlaf selbst ist in vielen Fällen gestört. Der Patient weint nicht nur im Schlaf, sondern er hat auch ein Druckgefühl in der Brust, oder er wacht häufig auf wegen eines Kältegefühls.
Die allgemeine Ruhelosigkeit kommt auch in den Träumen zum Ausdruck. Er hat erschreckende, ängstliche Träume, oder er träumt z. B. von schnellen Ortswechseln oder von Wasser und Sturm. Selbst nach dem Erwachen setzen sich die Träume noch fort.
Allgemeinsymptome und Keynotes
Der Knoblauch ist eine sehr alte Arznei. Schon in der alten indischen, ägyptischen, römischen und griechischen Medizin war er als ein sehr potentes Mittel gegen viele Krankheiten bekannt. Der einzige Grund, warum er in der Homöopathie nicht häufiger eingesetzt wird, scheint die ungenügende Erfahrung zu sein, die wir mit dieser Pflanze haben. Seit Allium sativum 1852 von Petroz und Teste geprüft wurde, haben es die Homöopathen hauptsächlich bei chronischer Dyspepsie und chronischen Bronchialkatarrhen angewandt. Wir können jedoch auch an anderen Körperteilen, wie z. B. im Bereich des Kopfes und im Bereich der unteren Extremitäten, interessante Symptome finden.
  • Die klassische Beschreibung von Allium sativum ist, dass es sich um eine wohlgenährte Person dunklen Hauttyps handelt, mit kräftiger Konstitution und festem Muskelgewebe, die aber dennoch eine Disposition zu Korpulenz und Fettsucht aufweisen kann. Dieser Mensch liebt das gute Leben, liebt es sehr, zu essen, was in der Tat sogar eine seiner Lieblingsbeschäftigungen ist, der er sich mit exzessiver Hingabe widmen kann. Dennoch ist er aber meistens eher ein Schlemmer als ein Vielfraß. Meist macht er sich nicht allzu viel aus vegetarischen Speisen, sondern bevorzugt Fleisch, ein gutes saftiges Steak z. B., und er hat auch ein Verlangen nach Butter. Doch zu seinem großen Bedauern kommt er irgendwann in seinem Leben an einen Punkt, wo er dieses „gute Leben“ nicht mehr vertragen kann.

    • Zuerst hat er nur Beschwerden, wenn er zu viel gegessen hat, aber schon sehr bald ist er zu einer speziellen Diät gezwungen, denn schon bei der kleinsten Abweichung davon, schon bei der geringsten Änderung in seiner gewohnten Ernährung bekommt er Magen- oder Darmstörungen. Er kann sogar Beschwerden entwickeln, wenn er Wasser trinkt, das nicht sauber genug ist.

    • Nach dem Essen muss er aufstoßen, hat Sodbrennen und brennendes Aufstoßen, das reichlichen Speichelfluss hervorruft. Der Speichel ist oft süßlich und sammelt sich in großen Mengen im Mund an, besonders nach dem Abendessen und nachts, obwohl die Zunge nachts auch trocken sein kann. Manchmal hat er auch die Empfindung, als ob etwas Kaltes und dann wieder etwas Heißes und Brennendes im Ösophagus aufsteige.

    • Der Patient fühlt ein Brennen im Magen, welcher sehr empfindlich gegen den geringsten Druck ist, aber schmerzfrei, solange der Bauch nicht berührt wird. Oder er hat drückende Schmerzen wie von einem Stein oder Gewicht im Magen.

    • Auch im Hypogastrium, im Bereich des unteren Abdomens, spürt er direkt nach dem Essen etwas wie ein Gewicht, und alles im Abdomen scheint nach unten zu ziehen.

    • Nach dem Essen ist er sehr schläfrig, klagt über Brustbeschwerden wie Herzklopfen oder trockenen Husten, die vermutlich durch Gasbildung im Abdomen bedingt sind. Diese Flatulenz ist verbunden mit dem unvollständigen Abgang übelriechender Winde, als würden die Gase im Darm zurückgehalten.

    • Die abdominalen Schmerzen können wirklich furchtbar sein, besonders die Blähungskolik. Sehr ähnlich wie Lbei YCOPODIUM Mund OMORDICA beklagt sich der Patient über Schmerzen direkt unterhalb der linken Rippen im Bereich des querverlaufenden und absteigenden Kolons. Oder er fühlt einen Druck im oberen Teil des Abdomens – im Epigastrium und querverlaufenden Kolon –, was ihn zwingt, sich nach vorne zu krümmen und mit beiden Händen darauf zu drücken, um Erleichterung zu bekommen (wie Cbei OLOCYNTHIS), und diese Schmerzen werden beim Umhergehen unerträglich. Jeder Schritt ruft einen qualvollen, peinigenden Schmerz hervor, als würde das Intestinum auseinandergerissen, und er muss sich hinlegen, damit es besser wird.

    • Sogar eine Verstopfung wird von beinahe konstant anhaltenden, dumpfen Schmerzen im Darm begleitet. Der Stuhl selbst ist zuerst mehr oder weniger normal, dann wässrig und heiß. Auch Analprolaps kann vorkommen.

    • Wie bei chronischen Magen- und Darmstörungen nicht anders zu erwarten, ist das Aussehen der Zunge meist nicht normal. Sie ist entweder weiß belegt oder blass mit roten Papillen oder glatt mit verminderten Papillen.

    • Wenn diese Art der Dyspepsie über eine lange Zeit bestanden hat und chronisch geworden ist, entwickelt der Patient die Angst, nie wieder gesund werden zu können, besonders weil jeder kleine Wechsel in seiner gewohnten Lebensweise die Beschwerden von neuem verstärkt.

    • Ist er nun allein, so fühlt er sich unwohl, deprimiert, ruhelos und wird mehr und mehr von Angst um seine Gesundheit erfüllt. Aber seltsamerweise wird er, wenn er zu einer Untersuchung beim Arzt war, die verschriebene Medizin entweder überhaupt nicht oder nur für eine kurze Zeit einnehmen, als hätte er Angst, vergiftet zu werden: „Was soll ich mit diesem Zeug? Ich kann nichts einnehmen, ich vertrage ja nicht mal meine gewohnten Speisen; umso weniger kann ich irgendwelche Arzneien ertragen.“ Er möchte der ganzen Situation entkommen, aber er sieht keinerlei Ausweg. Diese Allium-sativum-Persönlichkeit, die früher das gute Leben so sehr liebte, wird schließlich zu einem überempfindlichen, hypochondrischen Patienten, ruhelos, ängstlich, ungeduldig, mit nichts zufrieden, weder mit seiner Nahrung noch mit seiner Medizin. Natürlich können all diese psychisch-geistigen Symptome auch bei anderen chronischen Erkrankungen auftreten, aber sie scheinen besonders bei gastrointestinalen Störungen typisch zu sein.

  • Eine andere Hauptindikation für Allium sativum sind Krankheiten des Respirationstrakts. In früheren Zeiten wurde Knoblauch nicht nur als Prophylaktikum, sondern auch als keimtötendes Expektorans bei chronischer Bronchialkongestion mit Schleimabsonderung, z. B. bei Tracheitis, Bronchitis, Bronchiektasie, pulmonalem Emphysem, Asthma und sogar bei Tuberkulose angewandt. Übrigens berichten die alten Kräuterheiler, dass Knoblauch besonders nützlich sei bei allgemeinen Beschwerden wie Husten und Erkältungskrankheiten, die durch kalte Luft, Nebel, feuchtes oder feucht-kaltes Wetter und stickig-dunstige Luft hervorgerufen wurden. Unverständlicherweise aber benutzen wir den Knoblauch trotz all dieser empirischen Kenntnisse nie bei diesen Krankheiten, obwohl er auch in den homöopathischen Prüfungen sehr klare Symptome hervorgerufen hat:

    • Bei Schnupfen tritt entweder vermehrte Sekretion mit leichter Verstopfung beider Nasenlöcher auf, oder es ist ein eher trockener als fließender Schnupfen mit drückendem Schmerz von oberhalb der Nasenwurzel her; Schwere in der Stirn; von innen nach außen drückender Kopfschmerz. – Diese Symptome zeigen, dass Allium sativum höchstwahrscheinlich eine gute Arznei bei frontaler Sinusitis ist.

    • Katarrhalische Taubheit des linken Ohrs; darüber hinaus sind manchmal die Gehörgänge von verhärtetem Ohrenschmalz oder verhärteten Krusten verstopft.

    • Ansammlung von Schleim im Rachen mit Schwere des Kopfes am Morgen. Stimme rauh und heiser.

    • Chronischer Katarrh der Luftröhre ohne Fieber, aber mit erschwerter Atmung und feuchtem Husten.

    • Bei der chronischen Bronchitis mit beinahe ständigem Schleimrasseln tritt ein Auswurf von extrem reichlichem Schleim auf, besonders morgens nach dem Verlassen des Schlafzimmers. Bei diesem Auswurf kann es sich um dünnen, gelblichen, eitrig aussehenden, blutgestreiften Schleim von faulig stinkendem Geruch handeln, aber oft ist das Sputum zäh, klebrig oder sogar fadenziehend und sehr schwer heraufzubringen.

    • Auch wenn nicht viel Auswurf vorhanden ist, ruft der Husten einen wahrnehmbar üblen Geruch hervor.

    • Der Husten selbst verschlimmert sich nicht nur morgens, sondern auch beim Beugen des Kopfes, nach dem Essen und an der frischen Luft. Besonders beim Rauchen einer Zigarette hat der Patient plötzliche Anfälle eines harten, trockenen Hustens. (Auch in der Phytotherapie wird Knoblauch als eine Art Antidot gegen die Folgen chronischen Rauchens verwendet.)

  • Im Bereich des Kopfes finden sich ebenfalls einige Keynotes, z. B. dumpfer Schmerz im Hinterkopf morgens beim Liegen auf dem Rücken. Das ist interessant, weil es ein pathognomonisches Symptom des Bluthochdrucks ist. Und tatsächlich ist Knoblauch eine der wenigen Pflanzen, die für ihren Einfluss auf den Bluthochdruck bekannt sind. Aber auch niedriger Blutdruck mit vorübergehendem Schwindel beim Aufstehen aus dem Sitzen ist möglich.

  • Ein anderes wichtiges Symptom ist eine Schwere des Kopfes, besonders in der Stirn, die fast das Öffnen der Augen unmöglich macht. Bei Frauen verschwindet die Kopfschwere mit dem Beginn der Menses und kommt wieder, wenn der Menstruationsfluss aufhört.

  • Auch der Schwindel bessert sich, sobald die Menses eintreten. Ein anderes charakteristisches Symptom ist, dass der Schwindel auftritt, wenn der Patient lange und konstant irgendetwas anschaut, wenn also die Augen auf einen Punkt fixiert oder überanstrengt werden (wie bei natrium muriaticumNATRIUM MURIATICUM und phosphorusphosphorusPHOSPHOR).

  • Aber nicht nur der Schwindel, sondern auch einige katarrhalische Augensymptome mit verklebten Lidern und schmerzendem, brennendem Tränenfluss können durch Überanstrengung der Augen bei nächtlichem Lesen hervorgerufen oder zumindest verschlimmert werden.

  • Sogar einige Mundsymptome, wie Ziehen in den Zähnen, geschwollenes Zahnfleisch und die Empfindung eines Haares auf der Zunge, können durch Lesen verschlimmert werden.

  • Heutzutage ist es wahrscheinlich möglich, dass all diese Symptome auch beim dauernden Blicken auf einen Computerbildschirm oder beim Fernsehen auftreten. (Wie man sieht, ist Knoblauch also nicht nur gut gegen Graf Dracula und andere Vampire…)

  • Die Empfindung eines Haares auf der Zunge ist ein weiteres Keynote (wie bei kalium bichromicumKALIUM BICHROMICUM und SILICEA), das z. B. während der Nacht oder morgens, besonders beim Erwachen, auftreten kann.

  • Einige Symptome der Blase und der weiblichen Genitalien sind ebenfalls erwähnenswert.

    • Die Blase ist aufgetrieben, kann keinen Druck vertragen; es ist beständiger Harndrang vorhanden, doch nur einige Tropfen können gelassen werden.

    • Blasenulcera, hervorgerufen durch Steine. (Dies ist nur eines der vielen Symptome, die Eingang in das Kent Repertorium gefunden haben, obwohl sie nicht von Homöopathen beobachtet wurden, sondern aus der „Alten Schule“, d. h. von Pflanzenheilkundigen stammen.)

  • Während der Menses können sich Pusteln oder eine Wundheit an der Vulva und der Innenseite der Oberschenkel entwickeln. Auch hellrote Flecke mit schmerzendem Jucken auf der Innenseite der großen Labien und am Eingang der Vagina sind wiederholt beobachtet worden. Die Brüste können geschwollen sein und bei Berührung schmerzen.

  • Außer den schon im ersten Teil beschriebenen Symptomen der unteren Extremitäten sollte noch eine spezielle Art des Hüftschmerzes erwähnt werden, gegen die wir nicht viele Arzneien haben.

  • Allium sativum hat eine besondere Beziehung zu rheumatischen, manchmal reißenden Schmerzen in der Hüfte, vor allem wenn sie mit Schmerzen in der gemeinsamen Sehne von Musculus iliacus und Musculus psoas verbunden sind. Beim Versuch, die Beine übereinanderzuschlagen, werden die Schmerzen in der Sehne des Musculus iliopsoas so stark, dass der Patient aufschreien muss. Auch beim Liegen im Bett kann er nicht ohne Schmerzen seine Lage verändern, sich z. B. auf die andere Seite drehen. Die geringste aktive Bewegung, d. h. jede aktive Anspannung der betroffenen Muskeln, ruft den Schmerz hervor oder verschlimmert ihn. Bei passiver Bewegung hat der Patient keine Schmerzen, z. B. wenn er sein Bein sanft mit den Händen anhebt.

  • Einige Schmerzen der Beine sind schlimmer bei Temperaturwechsel und feuchter Wärme. Aber auch feucht-kaltes Wetter kann Reißen und Stechen in verschiedenen Bereichen des Körpers hervorrufen.

  • Die interessantesten Symptome der oberen Extremitäten sind vermutlich die reißenden Schmerzen in den Fingern, die sich bis unter die Nägel erstrecken, die trockene Hitze auf dem Handrücken und das Abschälen der Haut an den Händen.

  • Zum Schluss dieser Beschreibung von Allium sativum möchte ich noch auf die Bedeutung dieses Mittels für alte Menschen hinweisen. In fast jedem Land, selbst in der alten indischen Medizin, ist Knoblauch als eine verjüngende und lebensverlängernde Pflanze bekannt. Auch die modernen Phytotherapeuten bezeichnen Knoblauch oft als ein Geriatricum mit einer deutlichen Wirkung auf Arteriosklerose, hohen Blutdruck, Hypercholesterinämie, Diabetes mellitus, Magen- und Darmstörungen und andere Krankheiten alter Menschen.

Aloe

Essenzielle Merkmale
Aloe wirkt hauptsächlich auf das Verdauungssystem, besonders auf das untere Ende des Dickdarms. Die Tendenz dieses Mittels, venöse Blutstauungen hervorzurufen, führt zu einem Völlegefühl im ganzen Körper, vor allem in der Bauch- und Rektumgegend und im Bereich der Leber. Seine primäre pathologische Indikation ist eine ulzeröse oder spastische Colitis.
Es ist ein großes Charakteristikum dieses Mittels, dass sich der Patient ständig mit seinem Verdauungstrakt und allem, was damit zu tun hat, beschäftigt. Sowohl das Zusichnehmen und die Verdauung der Nahrung als auch die Ausscheidung der Abbauprodukte können den Aloe-Patienten sehr leicht beeinträchtigen.
Hypochondrische Haltung
Manchmal kann es vorkommen, dass man einen Aloe-Patienten schon eine ganze Zeit behandelt hat, ehe man die hypochondrische Haltung des Patienten in Bezug auf seinen „Stuhlgang“ und die damit verbundenen Störungen erkennt. Aber meist wird er immer wieder über seine Unfähigkeit klagen, einen normalen Stuhlgang zu haben; selbst wenn mehrmals pro Tag Stuhl abgeht, ist er immer noch nicht zufrieden.
Tatsächlich kann Aloe einen Zustand hervorrufen, in dem der Darm ein paar Tage lang so lebhaft und intensiv arbeitet, als sei er entzündet, mit mehreren Stühlen am Tag; und dann wiederum kommt es für eine bestimmte Zeit zu einer völligen Untätigkeit des Darmes. Der Stuhl ist oft nicht richtig durchfällig, aber doch ziemlich weich und ungeformt; einige Tage lang kann er mit zunehmender Häufigkeit abgehen, mit mehreren Stühlen am Morgen, in einer Art Crescendo – also z. B. drei Stuhlgänge am ersten Tag, vier am zweiten, fünf am dritten, und so fort. Danach aber kommt es für zwei oder drei Wochen zu einer Periode hartnäckiger Obstipation, in der kein Stuhl abgeht oder nur sehr wenig, und auch das nur unter großen Schwierigkeiten. In Verbindung mit der obengenannten Diarrhö-ähnlichen Phase oder anderen ähnlichen Störungen erlebt der Patient ein Gefühl der Unsicherheit des Rektums. Oft, wenn Wind abgeht, kommt unwillkürlich gleichzeitig etwas weicher Stuhl mit dem Wind heraus. Der Patient ist sich dieses Problems deutlich bewusst, dass Stuhl unwillkürlich abgehen kann, und er versucht es unter Kontrolle zu halten. Aber sein Abdomen ist sehr gebläht, voller Gas mit viel Rumoren und Gluckern, und mit dem Stuhl geht jedes Mal viel Wind ab, was aber nur wenig Linderung verschafft. Man wird dazu neigen, in solchen Fällen PODOPHYLLUM oder lycopodiumLYCOPODIUM oder ein ähnliches Mittel zu verschreiben, jedoch mit nur geringer oder auch gar keiner Wirkung.
Diese ganze Situation ist dem Patienten ungeheuer lästig. Er wird wütend über seine Krankheit und ist fast ständig mit seiner Darmtätigkeit beschäftigt: „Warum kann ich keinen normalen Stuhl haben? Wohin führt dieser Zustand? Werde ich wieder normalen Stuhl haben oder nicht? Heute hatte ich überhaupt keinen Stuhl!“ – usw. und so fort. Er beschäftigt sich so stark damit, dass er den Eindruck vermittelt, ängstlich um seine Gesundheit besorgt zu sein. Wenn man ihn direkt fragt, ob er vielleicht Angst hat, Krebs zu haben, so wird er dies abstreiten, jedoch wird er zugeben, dass ihm die ganze Situation ungeheuer lästig ist und ihn doch etwas ängstlich macht.
Störendes Gefühl im Rektum
Es scheint ein äußerst störendes Gefühl vom Rektum auszugehen – ob dieses Gefühl nun von heftigem Jucken tief im Rektum herrührt oder von einem Völlegefühl verursacht wird, z.B. infolge von Stuhl, der nicht ausgeschieden werden kann, oder von tiefgehenden Schmerzen durch Hämorrhoiden, von Schleim im Stuhl oder unwillkürlichem Abgang von Stuhl oder Schleim etc., das Resultat ist immer das gleiche: eine ungeheure Belästigung, eine Plage, die ihn zur Verzweiflung treibt, und manchmal steckt er den Finger ins Rektum, um das quälende Gefühl zu lindern.
Die wichtigste Beobachtung bei einem Aloe-Patienten wird jedoch in jedem Fall sein, dass ihn schließlich sein „Stuhl und Rektum“ ständig so beschäftigen, dass er an nichts anderes denken kann – wenigstens ist das der Eindruck, den man von ihm bekommt.
Eine großes Leitsymptom von Aloe sowohl bei akuten als auch bei chronischen Zuständen ist der Mangel an Kontrolle über den Afterschließmuskel. Kent beschreibt dies wunderbar für den akuten Zustand: „Dysenterische und Durchfallbeschwerden. Bei den Anfällen von Diarrhö kommt es zu einem Herausspritzen von dünnem, gelbem, übelriechendem, wundfressendem Kot, der wie Feuer brennt, und der Anus ist wund. Er kann den Stuhl schwer halten, wagt es nicht, seine Gedanken an den Schließmuskel loszulassen, denn sobald er dies tut, wird der Stuhl abgehen. Er kann nicht den geringsten Wind abgehen lassen, denn mit ihm wird ein Schwall von Faeces abgehen. Bei der Diarrhö von Aloe ist das Abdomen von Wind aufgetrieben, was zu einem Gefühl der Völle und Gespanntheit führt, und er muss oft auf die Toilette. Kleine Kinder werden, bald nachdem sie zu laufen beginnen, unwillkürlich über den ganzen Teppich kleine gelbe Tropfen von Schleim und Faeces fallen lassen … Es ist eine mangelnde Kontrolle des Schließmuskels vorhanden. Dieser Zustand ist nicht immer auf Diarrhö beschränkt, denn manchmal werden Kinder herumlaufen und dabei unwillkürlich kleine harte, runde, murmelartige Stücke Stuhl herausfallen lassen. Sie merken nicht einmal, dass Stuhl abgegangen ist…“
Vor einiger Zeit hatte ich einen Fall von chronischer spastischer Colitis zu behandeln. Die Patientin beklagte sich über viel Rumoren, Flatus und Auftreibung mit etwas Schmerz im Abdomen und einer Besserung am Abend. Ich verschrieb LYCOPODIUM in verschiedenen Potenzen mit sehr geringer Wirkung. Auch gambogiaGAMBOGIA und PODOPHYLLUM brachten keinen Erfolg. Ich nahm den Fall immer wieder neu auf, bis ich durch eine direkte Frage herausfand, dass der Patientin manchmal unwillkürlich etwas Stuhl abging, wobei sie dachte, es sei nur Wind. Und nicht nur das; sie gestand auch, dass ihr in den letzten paar Jahren mindestens dreimal im Schlaf unbemerkt und unwillkürlich ein kompletter Stuhl abgegangen sei. Sie war zu schüchtern, um mir dies alles gleich anfangs zu erzählen, und sie dachte, dass es nicht wichtig sei, weil es nicht so oft vorgekommen sei. Aloe bewirkte nicht nur eine Besserung der spastischen Colitis, sondern auch ihres mentalen Zustands.
Verdauungsprozess und Verschlechterung der emotionalen Symptome
Die Aloe-Patienten haben nicht nur Probleme mit ihrem Stuhlgang, sondern fühlen sich auch in der Zeit nach dem Essen eindeutig schlechter. Sofort nach dem Essen wechselt ihre Stimmung. Sie wollen allein sein, wollen still und schweigsam sein, in ihre eigenen Gedanken versunken. Oft sind sie auch in einer unbeteiligten, gleichgültigen Stimmung, nichts kann ihre Aufmerksamkeit erregen und sie sind allem abgeneigt und alles widert sie an. Ein ähnlicher Zustand kann eintreten, wenn sie keinen normalen oder ausreichenden Stuhlgang haben.
Der wichtige Punkt, den man sich einprägen sollte, ist, dass sich die Stimmung des Patienten ändert, sobald der Verdauungsprozess beginnt, und dass diese Veränderung genau so lange anhält, bis der Prozess der Verdauung abgeschlossen ist. Das ist natürlich ein bisschen übertrieben, aber das zugrundeliegende Muster, die Grundidee, ist richtig. Der Aloe-Organismus hat große Mühe, die Nahrung zu verdauen und die Abfallprodukte auszuscheiden.
Auch vor dem Stuhlgang und bei ungenügendem Stuhlgang fühlen sich die Patienten schlechter – sie sind z. B. reizbar vor dem Stuhlgang –, aber man sieht nicht die wirkliche Besserung nach Stuhl wie bei natrium sulphuricumNATRIUM SULFURICUM oder calcarea carbonicaCALCIUM CARBONICUM. Im Gegenteil kann man oft eine allgemeine Schwäche, ein Ohnmachtsgefühl nach dem Stuhl beobachten, und in akuten Fällen kann der Patient nach Stuhlgang sogar das Bewusstsein verlieren.
Geist und Gemüt
Aloe scheint für Patienten zu passen, deren Organismus leicht auf und ab schwankt; und es treten recht häufig auch einander abwechselnde Zustände auf. Beispielsweise kann der Patient leicht erregt werden, sein Gesicht rötet und erhitzt sich, sein Verstand jagt von einem Gedanken zum nächsten; aber dann – nach einiger Zeit – wird er gleichgültig, müde und matt. Er kann zunächst voller Aktivität sein, will etwas tun, will arbeiten, aber nach einer Weile fühlt er sich dann erschöpft, wird faul, träge, möchte nicht mehr arbeiten und hat besonders gegen geistige Arbeit eine große Abneigung; jede geistige Anstrengung verschlimmert nun seinen Zustand. Man könnte fast sagen, dass „der Geist wie das Rektum funktioniert“: viele aufeinanderfolgende Stuhlgänge, gefolgt von einer Periode der Obstipation.
Ein anderer sehr wichtiger Aspekt des Aloe-Patienten ist seine ausgeprägte Reizbarkeit. Er kann manchmal extrem unzufrieden, erregt und ärgerlich sein, besonders wenn er irgendwelche Schmerzen oder Verdauungsprobleme hat, wie z. B. ein von Blähungen aufgetriebenes Abdomen, kolikartige oder schneidende Bauchschmerzen, Probleme mit dem Stuhlgang, Schmerzen in der Sakralgegend etc. Wenn er in einer solch schlechten Gesundheitsverfassung ist, ist es schwierig, mit ihm auszukommen.
Alles ekelt ihn an. Er möchte niemanden sehen, und er kann es nicht ertragen, wenn andere ihn besuchen, weil er sie widerlich und abstoßend findet. Er streitet mit jedem, der ihm widerspricht; es scheint, als würde er sich eher in Stücke reißen lassen, als von seinem Standpunkt abzuweichen. Er kann sogar voller Hass sein, stößt jeden zurück, schimpft und flucht, und manchmal ist er so wütend – besonders wenn jemand eine eigene Meinung zum Ausdruck bringt – dass er an sich halten muss, um nicht gewalttätig zu werden und die andere Person zu schlagen. Am liebsten würde er das Objekt seines Zornes vernichten. Es ist ein leicht aufzubringender, zorniger, rachsüchtiger Gemütszustand.
Ein ähnlicher Zustand kann auch ohne Grund auftreten, und dann ist der Patient übellaunig und wütend auf sich selbst. Besonders bei wolkigem, kaltem und regnerischem Wetter ist er mürrisch und unzufrieden.
Sehr häufig sind diese Patienten in dieser erregten, emotional aufgewühlten Verfassung, weil sie körperliche Beschwerden und Schmerzen haben. Es kann aber auch genau umgekehrt sein, nämlich, dass Aufregung die körperlichen Symptome hervorruft. Der Patient weiß, dass er viel zu leiden haben wird, wenn er so erregt und ärgerlich wird. Dieser innere Aufruhr kann ihn tatsächlich so enorm durcheinanderbringen, dass er beinahe jede Art Schmerzen und Bauchbeschwerden bekommt, die er sich nur vorstellen kann: Schmerzen im Abdomen setzen ein, greifende, krampfhafte, schneidende Schmerzen; sein Bauch ist voller Gas, wird mehr und mehr gebläht; und dann muss er zur Toilette eilen, weil eine Diarrhö einsetzt. All das treibt ihn zur Verzweiflung, und er wird noch reizbarer und hat dann noch mehr Schmerzen, noch mehr Blähungen, noch mehr Durchfall etc. – es ist ein Teufelskreis.
Aber – und das ist wichtig zu wissen – trotz all dieser Reizbarkeit, trotz all dieser inneren Erregung, erscheint der Aloe-Patient sehr oft als ein recht ruhiger und stiller Zeitgenosse. Für andere sieht er oft ruhig und zufrieden aus und scheint eine gelassene, beinahe philosophische Haltung zu haben.
Aber darunter liegt, tiefer innen, oft ein Zustand der Gleichgültigkeit. Viele Male habe ich eine Art Resignation, eine Art Lebensmüdigkeit beobachtet – eine Haltung etwa in dem Sinne: „Ich weiß, es gibt keine Hoffnung. Ich werde bald sterben, aber das macht gar nichts.“ Es ist eine Art Lebensüberdruss, als sei der Patient am Weiterleben, daran, sein Leben fortzusetzen, nicht interessiert, obwohl die Pathologie diese Haltung nicht im geringsten rechtfertigt.
In Herings Guiding Symptoms findet sich das Symptom: „Sie wußte, sie würde innerhalb einer Woche sterben“, aber dieses Symptom in dieser Weise ausgedrückt wird man meist nur in akuten Stadien antreffen.
Die Zeit der Besserung der mentalen Symptome ist der Abend: Die Trägheit, die Abneigung gegen Arbeit, die Reizbarkeit, die Unzufriedenheit und die unglückliche Stimmung, bessern sich abends.

Alumen

Essenzielle Merkmale
Dieses Mittel sollte man in der Weise verstehen, dass es hauptsächlich zwei Phasen hat, zwei Zustände pathologischer Wirkungen auf den menschlichen Organismus.
  • In der ersten Phase bringt es Zustände hervor, in denen eine extreme Trockenheit der Schleimhäute (Koitus ist dadurch fast unmöglich) sowie auch der Haut, die rauh wird, auftritt; außerdem eine Induration, eine Verhärtung verschiedener Drüsen und Gewebe – Zunge, Rektum, Uterus, Mammae etc. – mit einer Tendenz zur Bösartigkeit, Geschwüre mit verhärteter Basis, Epitheliome, Szirrhus etc. Bei diesem Mittel ist auch eine Tendenz vorhanden, gräuliche oder schwarze Manifestationen zu produzieren – schwarze Stühle, schmutzig-graue Beläge auf dem Zahnfleisch, dunkle Pseudomembranen innen im Hals.

  • Die zweite Phase ist ein Zustand der Paralyse – eine lähmungsartige Schwäche, besonders des Rektums (starke Obstipation) und der Blase (keine Kraft, den Harn auszuscheiden, der daher senkrecht nach unten rinnt), mit Zusammenschnürungsgefühlen, als sei eine Kordel oder eine Schnur um die Extremitäten gebunden; Pare-se; träge Muskeltätigkeit; variköse Venen, die schlaff werden und bluten; Hämorrhagien verschiedener Art, besonders Rektumblutungen etc.

Manchmal sehen wir auch eine Kombination beider Phasen, wie bei der schweren Obstipation, die das Mittel hervorruft. Hierbei sind die Schleimhäute trocken, der Stuhl ist trocken und hart, und es ist keine Peristaltik vorhanden, eine Art Lähmung des Rektums tritt auf: Mehrere Tage vergehen, ohne dass der Patient Stuhldrang verspürt. Es ist unmöglich, den Stuhl auszuscheiden, der hart wie Stein ist und aus kleinen, trockenen Kugeln besteht, wie Schafkot, wobei die Kugeln aneinanderhaften und nur in großen Massen herauskommen, was einen unerträglichen, qualvollen Schmerz hervorruft, der sich vom Rektum bis zu den Oberschenkeln hinunter erstreckt.
Erregbarkeit, Nervosität, mangelnde Belastbarkeit
Alumen schwächt den Organismus, sodass der Patient sehr erregbar, sehr nervös wird, leicht weint oder lacht, wobei es sich oft um ein spasmodisches Lachen handelt. Solche Personen können keinen Stress ertragen, keiner Belastung standhalten; sobald sie etwas Schlimmes hören, etwas, was sie auch nur ein wenig erregt, bekommen sie ein nervöses Zittern. Wenn sie glauben, etwas sei mit ihrer Gesundheit nicht in Ordnung, so werden sie in einen Zustand von kräftigem Herzklopfen, Schwäche und Zittern versetzt; ähnlich ist es, wenn sie an ihre Krankheit denken: Sofort bekommen sie dann Herzklopfen.
Alumen-Patienten sind sehr ängstlich, und in ihrer Verzweiflung bringen sie ihren Unglauben an das Medikament, das sie bekommen, zum Ausdruck; sie sind sich fast sicher, dass das Medikament ihnen nicht helfen wird. Ein Beispiel: Sie haben einen Fall mit Rektumkarzinom oder sehr schmerzhaften Hämorrhoiden. Sie sind zu der Überzeugung gelangt, dass das richtige Mittel Alumen ist, und teilen Ihrem Patienten zufrieden mit, dass Sie Ihre Wahl getroffen haben; er jedoch glaubt nicht, dass er dadurch irgendeine Besserung erfährt. Durch eine solche Haltung des Patienten wird Ihre Arzneimittelwahl zusätzlich bestätigt.
Diese Menschen haben kein Stehvermögen und neigen dazu, ohne sichtbaren Grund den ganzen Tag im Bett zu bleiben. Die ganze Familie wird in Aufregung sein; sie werden wissen wollen, was los ist, warum ihr Familienmitglied sich in einem solchen Zustand befindet, doch sie werden keine zufriedenstellende Antwort erhalten. Der eigentliche Grund ist eine Angst, eine Besorgnis; der Patient hat das Gefühl, er müsse den ganzen Tag im Bett bleiben, sonst könne er sich nicht erholen, infolgedessen will er nicht aufstehen und nichts tun.
Niedergeschlagen, Abneigung gegen Arbeit
Morgens erwachen diese Patienten niedergeschlagen und deprimiert, doch ihre schlimmste Zeit ist zwischen 9 Uhr vormittags und 12 Uhr mittags; in dieser Zeit besteht eine starke Neigung zum Weinen. Abends können sie in einen Zustand geraten, in dem sie ihr Leben verabscheuen, und nachts können sie großer Angst ausgesetzt sein. Sie sind sehr bedrückt und ängstlich, mit einem Gefühl der Schwere, so als läge ein schwerer Stein auf ihrer Brust, und dem Verlangen, tief durchzuatmen. Sie haben eine Abneigung dagegen, überhaupt irgendetwas zu tun, eine Abneigung sowohl gegen körperliche als auch gegen geistige Arbeit; sie wollen einfach im Bett bleiben.
Von Zeit zu Zeit erleben Alumen-Patienten starke Ohnmachtsanfälle, die normalerweise mit Magenstörungen einhergehen.
Weitere Merkmale
  • Es treten plötzliche Hitzewallungen auf, die sehr intensiv sind und zum Kopf hinauf jagen, sowie auch plötzliche Anfälle von Herzklopfen oder Herzflattern. Nachts werden diese Patienten von einer Empfindung wachgehalten, dass das Blut stürmisch durch ihren Körper jage. Während solcher Hitzewallungen fühlen sie sich ängstlich und furchtsam. Diese besondere Art von Beschwerden kommt meist plötzlich und verschwindet schnell wieder.

  • Es ist ziemlich viel unterdrückte Aggression in diesen Menschen; sie drücken ihre Aggressionen nicht aus, sondern halten sie so lange zurück, bis sie plötzlich in rasende Wut geraten, und während dieser Zornanfälle haben sie einen wilden Gesichtsausdruck. In ihrer Wut können sie sogar andere Menschen angreifen.

  • Eine kurze Beschreibung des typischen Alumen-Syndroms könnte so aussehen: Dünne, nervöse, erregbare Personen, die sich leicht erschrecken, keinen Appetit haben, an Magenschmerzen leiden, keine Nahrung zu sich nehmen können und obstipiert sind, mit harten, schwarzen Stühlen, wie Schafkot, in großen oder kleinen Mengen, die unter allergrößter Schwierigkeit ausgeschieden werden.

Alumen-Kinder
Alumen-Kinder können ungeheuer vergrößerte und verhärtete Mandeln (baryta carbonicaBARYTA CARBONICA, baryta muriaticaBARYTA MURIATICA), eine vergrößerte Uvula und Obstipation haben; auch sie sind dünn und nervös, haben keinen Appetit und bekommen leicht und wiederholt Erkältungen.
So sehen wir also bei Alumen eine Symptomatologie, die zwar der von aluminaALUMINA ähnelt, jedoch ein ausgeprägtes eigenes Bild besitzt.
Allgemeinsymptome und Keynotes
Schon allein aufgrund der Tatsache, dass Alumen aus homöopathisch so wichtigen Elementen wie Aluminium, Kalium und Schwefel zusammengesetzt ist (Aluminiumsulfat und Pottaschensulfat), muss dieses Mittel von weitreichender und tiefer Wirkung sein. Erstaunlicherweise aber wird diese Arznei bei weitem nicht so oft verschrieben, wie dies der Fall sein sollte.
Alumen kann unter Umständen den Eindruck erwecken, als habe es zwei ganz verschiedene Seiten, die voneinander unabhängig seien.
  • Die eine ist die gefühlsmäßige Erregbarkeit, die Ruhelosigkeit, das nervöse Zittern, das Herzklopfen nach Aufregung, die plötzlichen Blutwallungen, die plötzlichen Hitzewallungen zum Kopf, plötzliche Übelkeit und Schwächegefühl. Wenn wir nur diese Seite der Arznei sehen, könnten wir denken, sie sei nur für plötzliche akute Beschwerden indiziert. Das ist aber keineswegs der Fall.

  • Alumen ist auch, oder vielmehr sogar hauptsächlich, ein sehr wichtiges Mittel für tiefsitzende chronische Krankheiten bei Patienten mit schwacher oder gar fehlender Selbstheilungskraft.

Alle obengenannten Symptome sollten daher nicht isoliert betrachtet, sondern im Zusammenhang mit diesem chronischen Zustand gesehen werden. Einige der Hauptcharakteristika der Wirkung von Alumen auf den Körper kann man in sieben Begriffen zusammenfassen:
  • Alumen hat eine adstringierende Wirkung. Es kontrahiert die Kapillaren, und wahrscheinlich deswegen ruft es eine Trockenheit, oder die Empfindung von Trockenheit, der Schleimhäute hervor – der Schleimhäute von Nase, Mund, Zunge, Hals und Rachen, Magen, Rektum, Vagina – und eine Trockenheit der Haut allgemein.

  • Diese Trockenheit geht oft einher mit einem Katarrh der Schleimhäute – von Augen, Hals und Rachen, Bronchien, Magen, Blase, Urethra, Vagina.

  • Der Katarrh hat die Tendenz, in die Tiefe zu gehen. Die Folge davon sind Ulzerationen und Ulcera – an Augen, Mund, Rachen, Magen, Darm, Rektum, Hämorrhoiden, Uterus, Zervix, Urethra, Vagina und Venen.

  • Die varikösen Venen der entzündeten Partien und der Geschwüre beginnen oft zu bluten, und so treten Blutungen auf (Hämorrhagien von Zahnfleisch, Lungen, Magen, Darm, Rektum etc.).

  • Mit der Zeit werden die Ulcera hart, und sie verhärten sich an der Basis. Aber auch an anderen Stellen, wo immer sich entzündete Gewebe befinden, können sich Infiltrationen und Verhärtungen entwickeln (Verhärtungen von Lymphknoten, Brustdrüsen, Uterus, Tonsillen, Zunge, Magen- und Darmwänden).

  • In dieser Neigung zu Verhärtungen liegt der Grund für die Prädisposition der Alumen-Menschen zu bösartigen Gewebsveränderungen, Epitheliomen und Krebs, besonders Szirrhus (davon betroffen sind Zunge, Magen, Rektum, Nase, Lungen, Brustdrüsen und Uterus).

  • Schließlich ist die ganze Verfassung des Körpers geprägt von Pare-se und paralytischer Schwäche (der Muskeln in allen Teilen des Körpers, der Arme und Beine, des Ösophagus, des Rektums und der Blase).

Diese sieben Charakteristika sollte man immer vor Augen haben, wenn man die Alumen-Wirkungen auf die verschiedenen Körpersysteme studiert. Sie erklären auch, warum Alumen ein so wichtiges Mittel für so viele chronische Krankheiten alter Menschen ist.
Alumen-Patienten sind oft dünne, hagere, trockene Personen, die empfindlich sind gegen Wetterwechsel und ganz besonders gegen Kälte. Sie erkälten sich sehr leicht. Jede Erkältung setzt sich im Hals, im Kehlkopf oder in den Bronchien fest. Sie haben kalte Hände, die Füße sind kalt bis hinauf zum Knie, selbst wenn sie warm zugedeckt sind, und die Haut wird rau und bekommt Risse, wenn sie kalter Luft ausgesetzt wird.
Lokalsymptome
SchwindelDer Schwindel, das Schwindelgefühl der Alumen-Patienten, das oft auftritt in Verbindung mit Übelkeit oder Schwäche in der Magengrube, hat einige klare Modalitäten: Es wird verschlimmert durch Liegen auf dem Rücken und gebessert durch Öffnen der Augen sowie dadurch, dass der Patient sich auf die rechte Seite dreht. Schwindel beim Nachuntensehen, als ob er nach vorne fallen würde.
KopfschmerzAlumen hat auch einen sehr charakteristischen Kopfschmerz, nämlich einen brennenden Schmerz oben auf dem Kopf, am Scheitel, begleitet von einem Gefühl, als drücke ein schweres Gewicht in den knöchernen Schädel hinein. Dieser Schmerz wird durch starken Druck und eiskalte Anwendungen gebessert, die häufig gewechselt werden müssen, um wirksam zu bleiben. Manchmal wollen die Patienten während dieser Kopfschmerzen auch sehr kaltes Wasser trinken, was den Schmerz ebenfalls zu lindern scheint. Darüber hinaus kann der pressende Kopfschmerz am Scheitel mit einer Zystitis oder Reizblase abwechseln.
Stechen am Scheitel beim Bücken. Das Blut drängt mit solcher Geschwindigkeit und Kraft zum Kopf, dass die Patientin kaum den Kopf aufrecht- oder die Augen offenhalten kann. Schießender Schmerz von einer Schläfe zur anderen.
AugenEntzündung der Augen mit einer Tendenz zur Ulzeration. Alte Menschen mit chronischen gelben, milden Absonderungen aus den Augen und varizenähnlichen Gebilden der Konjunktiven. Eitrige Ophthalmie bei Kindern. Schielen, das rechte Auge rutscht zur Nase hin. Staphyloma corneae. Prolapsus iridis nach Kataraktoperation.
OhrenEitrige Absonderung aus dem Ohr (Otorrhö). Um Mitternacht Hitze in beiden Ohren und auf der linken Seite des Gesichts, die verschwindet, wenn man zu Bett geht.
NaseGroße Trockenheit der Nase und der Choanae. Linksseitiger Nasenpolyp. Lupus oder Krebs der Nase.
MundDer Mund und die Zunge sind sehr trocken, und die Schleimhäute neigen zu Ulzerationen. Sich ausbreitende Ulcera im Mund. Reichlicher Speichelfluss mit einem trockenen Gefühl auf der Zunge. Das Zahnfleisch ist geschwollen, entzündet, schwammig-weich und mit einem grauen, schmutzigen Belag überzogen. Das Zahnfleisch blutet und zieht sich von den Zähnen zurück, die von wildem Fleisch umgeben sind und lose werden. Szirrhus der Zunge.
HalsAuch der gesamte Hals ist sehr trocken, und die Trockenheit kann sich nach unten erstrecken oder hinauf zu den hinteren Nasenöffnungen (Choanae). Die Patienten haben ein dauerndes Verlangen zu trinken, besonders eiskaltes Wasser. Später sind dann die Venen des Rachens aufgetrieben, der Hals wird wund und schmerzhaft beim Sprechen oder beim Schlucken von Flüssigkeiten, und die Schleimhäute können eine Neigung zur Ulzeration zeigen.
Es besteht eine starke Prädisposition zu chronischen Affektionen des Halses. Jede Erkältung setzt sich im Hals fest, und besonders bei Kindern entzünden sich die Tonsillen und werden enorm vergrößert und sehr hart. Das gleiche kann man auch an den Lymphknoten beobachten. Der ganze Hals kann zusätzlich noch mit Schleim bedeckt sein, der einen sehr unangenehmen Husten hervorruft.
PharynxAußer diesen Symptomen besitzt Alumen auch eine besondere Affinität zur Uvula. Es ist eine gute Arznei für die erschlaffte und verlängerte Uvula bei Halsentzündung oder nach einem Katarrh. Der untere Teil der Uvula sieht aus wie eine Beere, die an einem Faden von dem oberen Teil herabhängt.
Heiserkeit, schlimmer durch Reden. Stimme heiser und schrill, wechselhaft, manchmal hoch, manchmal tief, kann nicht laut sprechen. Auch komplette Aphonie ist möglich: Chronischer Verlust der Stimme durch eine chronische Schwäche und durch häufige Erkältungen.
ÖsophagusSchlucken ist fast unmöglich aufgrund einer spasmodischen Konstriktion des Ösophagus; selbst Flüssigkeiten können kaum geschluckt werden.
RespirationsorganeManchmal wird man alte Menschen sehen, die an einem chronischen Husten leiden, der jeden Morgen anfallsweise auftritt, mit Kratzen unter dem Sternum und reichlicher fadenziehender Expektoration, die von Zeit zu Zeit etwas Blut enthält. Es ist für sie schwierig, den Schleim auszuwerfen, aufgrund der großen Schwäche der Brust. Wenn diese alten Menschen erzählen, dass sie ihr ganzes Leben lang Verstopfung hatten, dass sie schwach und nervös sind, leicht zittern und oft Herzklopfen haben, und wenn sie zusätzlich noch in der Vergangenheit eine unterdrückte Gonorrhö hatten und jetzt Schwierigkeiten haben, Urin zu lassen, weil eine Striktur der Urethra besteht, dann haben wir einen völlig klaren Fall von Alumen vor uns.
  • Der Husten der Alumen-Patienten bei der chronischen Bronchitis scheint oft durch kleine Ulcera im Respirationstrakt bedingt zu sein.

  • Husten morgens, sofort nach dem Aufstehen, erregt durch einen Kitzel im Hals, besonders schlimm während des Frühstücks, aber danach gebessert.

  • Husten von einem Kitzel im Larynx, durch Sprechen erregt.

  • Husten mit Schmerz in der Leistengegend oder in der Ovarialregion.

  • Trockener Husten abends nach dem Hinlegen.

Abszesse der Lunge oder Lungenkrebs mit Hämoptyse. Beim Einatmen entsteht ein Schmerz unter der rechten Klavikula und in der rechten Schulter. Stechen vom oberen Teil der linken Brust hindurch zum Rücken zwischen die Schulterblätter, es verstärkt sich beim Liegen auf der linken Seite. Schmerzen in der rechten oder linken Seite der Brust, besonders beim Zusammenkrümmen oder Nachvornebeugen.
HerzEin wichtiges Charakteristikum von Alumen ist das Herzklopfen. Wenn die Umstände, die dieses Herzklopfen auslösen, mit denen des Patienten übereinstimmen, sollte man an dieses Mittel denken. Um klar zu machen, wie lebendig und eindrucksvoll die Beschreibungen der Patienten hiervon sein können, genügt es, etwas aus den Prüfungssymptomen zu zitieren:
  • Nach einer plötzlichen Erregung begann das Herz heftig zu schlagen.“

  • Wenn sie anfängt, über ihre Krankheit nachzudenken, fühlt sie, dass das Herz so klopft, dass es die ganze Brust zu bewegen scheint; und doch, wenn sie ihre Hand darauf legt, scheint es nur ein kleines bisschen stärker als sonst zu schlagen; und zu anderen Zeiten ist seine Bewegung kaum wahrnehmbar.“

  • „Herzflattern, plötzliche Anfälle, verschwinden so schnell, wie sie kamen.“

  • „Schnelles und heftiges Herzklopfen, schlimmer beim Liegen auf der rechten Seite; ebenfalls schlimmer, wenn er eine gewisse Zeit in ein und derselben Position liegt, muss sich im Bett herumwerfen.“

  • „Wahrnehmbar starkes Herzklopfen und starke Pulsation durch den ganzen Körper, wenn man eine Zeitlang am selben Fleck gestanden hat.“

  • „Gepackt von einem Pochen des Herzens, das schweren Schlägen mit einem Hammer ähnelt, mit langen Intervallen.“

MagenAlumen kann sehr hilfreich bei vielen Beschwerden des Magens sein. Hier einige Beispiele:
  • Übelkeit und Schwäche, begleitet von einem kneifenden Übelkeitsschmerz im Magen und Ekel vor Speisen.

  • Schmerz und Übelkeit im Magen mit Blutandrang zum Kopf.

  • Schwäche in der Magengrube mit Schwindel.

  • Plötzlicher ruckender Schmerz vom Magen hinauf zum Schlund, mit Zucken der Unterlippe; schlimmer beim Sitzen und besser beim Umhergehen.

  • Nausea morgens, und solche Schwäche, dass die Patientin sich nicht aufsetzen kann, mit Hitze im Magen, die gebessert wird durch das Trinken kalten Wassers.

  • Flaues Gefühl im Magen um 11 Uhr vormittags, besser nach dem Essen (sulphurSULFUR), aber heftiges Pulsieren, nachdem sie etwas gegessen hat.

  • Drückender Schmerz in der Magengrube, gefolgt von einer Empfindung von Pulsieren und Pochen, abends beim Liegen auf dem Rücken.

  • Schmerzen in der Magengrube beim Gehen, schlimmer durch jeden Schritt, gebessert durch Stillstehen, Zusammenkrümmen und Drücken mit den Händen auf die Magengrube.

  • Mittags, gerade als sie aus der Schule nach Hause gekommen war, hatte sie plötzlich einen Anfall von äußerst scharfem, stechendem Schmerz im Magen; ihre Mutter hatte den Eindruck gehabt, sie sehe völlig gesund aus, und innerhalb von weniger als fünf Minuten sah sie sie zusammengekrümmt sitzen, mit den Knien gegen die Brust gepreßt und einem Gesicht wie dem einer Toten: tödliche Blässe, Lippen blau.

  • Ungefähr um 15 Uhr 30 und 16 Uhr nachmittags, als sie in der Kirche saß, wurde sie von einem scharfen, dauerhaften Schmerz im Magen überfallen, der von einer höchst todesartigen Schwäche mit extremer Übelkeit und sofortigem Kraftverlust begleitet war, mit kaltem Schweiß, tödlich blassem Gesicht, kalten Extremitäten; und sie wurde so schwach, dass sie jeden Moment damit rechnete, von ihrem Sitz zu fallen.

Alumen hat sich auch als nützlich erwiesen bei Menschen, die infolge eines hohen Alkoholkonsums Blut erbrechen. In den klassischen Homöopathiebüchern kann man lesen: „Habituelles Bluterbrechen bei harten Trinkern“. Die dahinterstehende Idee ist, dass sich in den Schleimhäuten des Magens kleine Ulcera befinden, die unter dem Einfluss von Alkohol leicht bluten.
  • Atonisches Bluterbrechen.

  • Erbricht alles, was er isst.

  • Erbricht große Mengen klebrigen Schleim oder zähen, farblosen, sauren Schleim.

Abdomen Im Abdomen finden sich nicht so viele gute Symptome wie in der Magenregion, aber einige sind wirklich auffallend: Flatulenz und spasmodische Krämpfe der Eingeweide, mit kolikartigen Schmerzen. Während der Kolik ist das Abdomen sehr berührungsempfindlich, aber der Kolikschmerz ist besser durch Druck. Ruckende Kontraktionen der Abdominalmuskeln von beiden Seiten her zur Linea alba hin. Retraktion der harten Abdominalmuskeln und Einziehung des Nabels zum Rückgrat hin. Diese Symptome zeigen, dass Alumen auch ein sehr wichtiges Mittel bei Bleikolik sein kann (wobei die Zunge sehr trocken, faltig und schwarz sein kann). Stiche die Medianlinie hinunter in den Penis hinein, als folgten sie einem Faden.
RektumDie wichtigsten oder zumindest die bekanntesten Symptome finden wir im Bereich des Rektums. Eines der führenden Symptome ist hier eine sehr hartnäckige Verstopfung der allerschlimmsten Art.
  • Das Rektum scheint nicht die Fähigkeit zu haben, den Stuhl herauszubringen, und daher sammelt sich dieser mehr und mehr im Rektum an. Die Patienten haben entweder absolut keinen Stuhldrang, oder sie versuchen es wieder und wieder, strengen sich sehr an, haben aber viele Tage lang keinen Erfolg.

  • Wenn es schließlich gelingt, Stuhl hervorzubringen, dann kommt er als eine Ansammlung großer Mengen kleiner, harter Bälle, die alle aneinanderkleben. Diese kleinen Bälle sind ähnlich wie Schafskot, aber sie sind trocken und sehr hart, sogar steinhart und meistens schwarz – wie schwarze Steinmurmeln.

  • Doch auch nach dem Absetzen des Stuhles tritt keine große Erleichterung ein, weil immer noch die Empfindung da ist, das Rektum sei voller Stuhl.

  • Darüber hinaus ist der Abgang des Stuhles oft sehr schmerzhaft. Heftige Schmerzen können nach oben ziehen oder vom Rektum aus die Oberschenkel hinab, und nach dem Stuhlgang kann ein Klopfen, ein Pochen im Anus auftreten oder kaum erträgliche Schmerzen, die recht lange anhalten können. Diese Rektalschmerzen werden besser durch Nachvornebeugen oder durch zusammengekrümmtes Sitzen. Sie verschlimmern sich besonders beim Liegen auf der Seite und sind ein bisschen besser beim Liegen auf dem Rücken. Für diese Schmerzen gibt es verschiedene Gründe, aber alle scheinen etwas gemeinsam zu haben, nämlich Ulzerationen. Es kann sich um Ulcera im Rektum handeln, um entzündete, ulzerierte Hämorrhoiden oder um Krebs des Rektums mit Ulzerationen. Tatsächlich ist diese Arznei mehrfach erfolgreich verordnet worden bei Obstipation infolge bösartiger Tumoren des Rektums.

Aber nicht nur Obstipation kann auftreten (obwohl das oft eines der Hauptsymptome sein kann, die an Alumen denken lassen), sondern auch gelbe, schleimige oder eitrig-ichoröse, blutige Diarrhö, die große Erschöpfung hervorruft.
Ein anderes wichtiges Symptom des Rektums sind Blutungen. Bei typhoiden Hämorrhagien z. B. sind einige Homöopathen wie Nash der Meinung, dass „es eine exellente Arznei ist“, besonders wenn „die Stühle aus dunklem, verklumptem Blut bestehen, in großen Mengen“. In der Tat sind Massen von koaguliertem Blut bei Typhus abdominalis früher ein Leitsymptom für Alumen gewesen. Auch Anusblutungen nach Wein oder Whisky treten bei Patienten mit Hämorrhoiden nicht selten auf.
HarnorganeIm Bereich der Blase sehen wir beinahe die gleiche Situation wie beim Rektum. Es besteht der gleiche Zustand von Paralyse oder paralytischer Schwäche, in dem der Urin nur mit großer Schwierigkeit ausgeschieden werden kann. Der Patient kann häufigen und schmerzhaften Harndrang haben, aber dennoch muss er einige Zeit warten, bis schließlich eine kleine Menge Urin abgehen kann. Es ist manchmal schmerzhaft, diesen spärlichen Urin zu lassen, der hin und wieder auch etwas blutig sein oder sogar Blutklumpen enthalten kann. Die paralytische Schwäche der Blase wird allmählich so schlimm, dass der Urin schwach und kraftlos aus der Blase herausrinnt und senkrecht herabfällt. Nach dem Urinieren hat der Patient oft das Gefühl, dass er die Blase nur halb leeren konnte.
Diesen gesamten Zustand sieht man besonders oft bei alten Menschen mit einer chronisch schwachen Blase.
Auch der Urin selbst besitzt einige hervorstechende Merkmale: Wenn er einige Stunden in einem Gefäß steht, sieht man manchmal ein dünnes, buntscheckiges Häutchen oder einen bläulichen, irisierenden Film auf der Oberfläche. Der Urin kann auch weiß und wolkig aussehen oder so, als wäre geronnene Milch daruntergerührt worden.
GeschlechtsorganeKent gibt uns die beste Beschreibung: „Katarrhalische Zustände wiegen bei diesem Arzneimittel vor … Chronische gelbe Absonderungen aus der Vagina und bei Männern aus der Urethra; chronische schmerzlose Gonorrhö. Zusätzlich zu den katarrhalischen Absonderungen besteht eine Tendenz zur Ulzeration, sodass kleine ulzerative Flecken in der Vagina auftreten, kleine aphthöse Flecken in der Vagina und an der Zervix des Uterus. Wenn ein Patient an chronischer Gonorrhö leidet, wird die Absonderung nicht weiß, wie bei Harnröhrenausfluss, sondern bleibt gelb, und es gibt kleine Verhärtungen entlang der Urethra, welche der Patient dem Arzt als ‚Klumpen‘ beschreiben wird. Absonderung mit ‚kleinen Klümpchen‘ entlang der Urethra. Hierbei handelt es sich um kleine Ulcera, unter denen sich Verhärtungen befinden. Wenn Sie auf diesen Zustand treffen, haben Sie eine Alumen-Gonorrhö vor sich. Nach kurzer Zeit wird der Patient zwei oder drei Strikturen in der Harnröhre bekommen – es sei denn, er erhält diese Arznei –, weil jedes dieser kleinen Ulcera zu einer Striktur werden wird, die den Harnkanal verengt.“
Ulcera, Verhärtungen und Szirrhus des Uterus. Empfindliche, entzündete Brustwarzen. Brustkrebs.
Rücken und ExtremitätenEs ist auffallend, wie viele Rückenschmerzen in der Gegend der Schulterblätter auftreten. Stechen zwischen den Schulterblättern. Nachts im Bett erwacht der Patient wegen stechender Schmerzen, die sich von der oberen linken Brust hindurch zum Rücken zwischen die Schulterblätter ziehen. Schmerz am Rande des rechten Schulterblattes in der Nähe der Wirbelsäule. Bei jedem tiefen Einatmen Schmerzen auf beiden Seiten der Wirbelsäule, auf einer Linie, die durch die unteren Ecken der Schulterblätter markiert wird, den ganzen Abend über. Reißender Schmerz an den unteren Winkeln der Schulterblätter, schlimmer beim Stillsitzen, besser bei Bewegung. Große Schwäche in der Region der Schulterblätter, mit der Neigung, sich nach vorne zu beugen, was bessert.
Schwäche des Rückens. Als ob ihr Rücken brechen wollte, kann kaum aufstehen. Wahrscheinlich das beste Symptom ist das Gefühl, als ob kaltes Wasser den Rücken hinuntergegossen würde. Diese Empfindung kann zusammen mit einer Schwäche der Wirbelsäule auftreten oder z. B. auch während eines Kopfschmerzes.
Das Keynote im Bereich der Extremitäten ist eine Empfindung, als ob eine Kordel oder ein Band um die Arme oder Beine gebunden sei: Zwischen 3 und 4 Uhr fühlte ich einen Schmerz in meinem rechten Arm, gerade unter der Schulter, als ob ein Band fest um ihn herumgebunden sei, was große Völle der Blutgefäße hervorrief und eine Abnahme der Kraft. Die Schmerzen waren dumpf und schwer und erstreckten sich in verschiedene Richtungen von dieser Ligatur aus, die den Arm abzuschnüren schien. Empfindung, als wäre eine Kordel unter dem rechten Knie um das Bein gebunden; der Schmerz erstreckt sich abwärts und aufwärts, bleibt aber auf den Unterschenkel beschränkt.
Kribbeln und Prickeln der Extremitäten. Paralytische Muskelschwäche der Arme und Beine.
Während der Menses Schwäche der Hände, und die Patientin lässt leicht Dinge fallen, die sie in den Händen hat. Taubheit und Schlaffheit der unteren Extremitäten. Die Fußsohlen sind druckempfindlich und empfindlich beim Gehen. Stiche im unteren Bereich des großen Zehs beim Gehen.
SchlafSehr leichter Schlaf nachts; hört beinahe alles, was vorgeht. In der Nacht, halb wachend, halb träumend, hört sie, was um sie herum vorgeht, träumt aber von Leichen, davon, dass ihr Vater gestorben sei; empfindet dabei große Furcht; möchte sich auf die Seite drehen, schafft es aber nicht, fühlt sich so schwer in den Knochen; im Traum erscheint es ihr, als ob der Traum bald vorübergehen würde, wenn sie sich auf die rechte Seite drehen könnte, aber sie ist unfähig, das zu tun (um 4 Uhr nachts).
Wir verfügen also über eine Fülle eigenartiger und besonderer Symptome bei diesem Mittel, das bislang so sehr vernachlässigt wurde und fast schon in Vergessenheit geraten ist.

Alumina

Essenzielle Merkmale
Alumina gehört zu den schwierig zu diagnostizierenden Mitteln. Häufig sucht man bei der Aufnahme einer homöopathischen Anamnese nach positiven Symptomen, auf denen eine Diagnose aufgebaut werden kann. Bei Alumina wird jedoch, vielleicht wegen der charakteristischen Vagheit der Beschreibungen seitens des Patienten, dieser Weg oft nicht zu den benötigten Informationen führen. Stattdessen wird es nötig sein, den Patienten im ganzen zu beobachten, also sowohl die spezifische Symptomatologie als auch den damit verbundenen kontextuellen Hintergrund.
Entwicklung der Alumina-Pathologie
Man kann sagen, dass sich die Pathologie von Alumina aus zwei verschiedenen Tendenzen entwickelt: Verwirrung und Retention, Zurückhaltung.
  • Im Nervensystem finden wir eine Verwirrung der neuralen Impulse, was zu Inkoordination, Ataxie und schließlich Paralyse führt. Alumina ist eines unserer nützlichsten Mittel für tiefverwurzelte Störungen des Nervensystems wie multiple Sklerose, Myasthenia gravis, amyotrophische Lateralsklerose, Tabes dorsalis und selbst für akute Formen der Paralyse wie das Guillain-Barré-Syndrom.

  • Auf der mentalen Ebene findet man fast unweigerlich eine Trübung des Verstandes und eine Schwerfälligkeit beim Denken. Schreitet die mentale Pathologie fort, so wird die Verwirrung so tiefgreifend, dass sie zu Imbezillität oder in die Nähe psychotischer Zustände führt.

Die Alumina-Tendenz zur Zurückhaltung, zum Einbehalten ist umfassend; sowohl die Ausdrucksfähigkeit als auch die normalen Ausscheidungsprozesse scheinen zurückgehalten zu werden. Der Patient vermittelt den Eindruck, sehr verschlossen und auf Selbstschutz bedacht zu sein. Er scheint nicht gewillt oder oft auch unfähig zu sein, seine Gedanken und Emotionen zu äußern. Selbst in seiner Sexualität ist das Loslassenkönnen, das Erleben des Orgasmus verzögert oder gar nicht möglich. Auf der körperlichen Ebene ist zu sehen, dass die normalen Ausscheidungen, wie z. B. die Menses, unterdrückt werden oder spärlich sind. Schweiß und andere befeuchtende Sekretionen sind ebenso spärlich, was zu der großen Trockenheit der Schleimhäute und der Haut führt, die so charakteristisch für Alumina ist. Auch für hochgradige Obstipation ohne Stuhldrang ist Alumina natürlich bekannt. So findet man immer dasselbe Thema bei allen normalen Auslässen des Organismus wiederholt: Zurückhaltung, Schwierigkeit des Nachaußenbringens und des Vorwärtsbewegens – bis hin zur Lähmung. Es ist, als bewege sich der gesamte Organismus in Zeitlupe.
  • Die Pathologie dieses Mittels scheint sich hauptsächlich auf die geistige und körperliche Ebene zu konzentrieren und die Emotionen dabei weniger zu beeinflussen.

  • Auf der mentalen, der geistigen Ebene zeigt der Alumina-Patient fast unweigerlich eine ausgeprägte Schwerfälligkeit und ein langsames Auffassungsvermögen. Während der Anamnese macht er seine Angaben sehr langsam und in vagen, verschwommenen Formulierungen. Natürlich findet man, wie bei allen Mitteln, ein breites Spektrum sehr verschiedener dazugehöriger Patienten, das von Intellektuellen bis zu einfacheren, ursprünglicheren Persönlichkeitstypen reicht. Patienten dieser beiden Extreme werden sich recht unterschiedlich präsentieren.

Verhalten der Patienten während der Anamnese
Der Intellektuelle wird mit sorgfältig vorbereiteten Notizen in die Praxis kommen. Er hat erkannt, dass er Schwierigkeiten hat, benötigte Informationen aus seinem Gedächtnis abzurufen, also nimmt er alles schriftlich mit. Er gibt diese Informationen sehr langsam, als sei er sehr darum besorgt, exakt zu sein. Jedoch, selbst während er seine Symptome beschreibt, scheint er nicht wirklich am Gespräch beteiligt zu sein. Er schleppt sich eher mühsam vorwärts, spricht dabei mit farbloser, monotoner Stimme, gibt nur minimale Antworten, ohne sie näher auszuführen, sogar bis zum Grade einsilbiger Erwiderungen. Dem Homöopathen kann es dabei leicht danach zumute sein, über den Schreibtisch zu langen und seinen Patienten zu schütteln, nur um irgendeine Art von Interaktion zu provozieren. Selbst wenn sich der Arzt auf den Patienten regelrecht „einschießt“ und dessen Zustand exakt beschreibt, so wird dieser Patient möglicherweise ausdruckslos antworten: „Ja, das stimmt.“ Er mag über das Wissen des Arztes über ihn vielleicht ein wenig verblüfft erscheinen, doch zeigt er nichts von der Erregung oder Erleichterung, die ein Patient normalerweise zum Ausdruck bringt, wenn er sieht, dass er so vollständig verstanden wird.
Der einfachere oder ursprünglichere Patienten-Typ am anderen Ende des Spektrums bietet sogar ein noch extremeres Bild. Die Bemühung, sich zu beschreiben, kann für ihn sichtlich zu einer geradezu quälenden Anstrengung werden. Er scheint nicht die Kraft zu haben, zu beschreiben, was er fühlt. Trotz Nachforschens und Fragens seitens des Arztes könnte ein solches Gespräch dem folgenden ähneln:
Arzt: „Können Sie mir sagen, wie Sie sich fühlen?“
Patient: „Oh… ähh… hmmm… ich… ich fühle mich nicht gut.“
Arzt: „Fühlen Sie sich ängstlich?“
Patient: „Ich… ohh… ich glaube ………… hmmm … ja.“ (Bei einer solchen Reaktion mag man sich fragen, ob die Antwort bejahend war oder nicht.)
Arzt: „Haben Sie Angst? Fühlen Sie Angst?“
Patient: „Ahh …… Angst? Hmmm ……… ähhh …… ich glaube …… ich fühle …… hmmm …. ich fühle mich nicht gut.“ (Und so weiter.)
Schaut man währenddessen in das Gesicht des Patienten, kann man möglicherweise einen tiefgreifenden Kampf und ein Gefühl der Qual beobachten. Er kämpft darum, Worte zu finden, um sich zu beschreiben, oder noch genauer: Er kämpft darum, zu verstehen, was überhaupt mit ihm geschehen ist. Er reibt sich die Stirn, muss sich anstrengen, selbst die einfachste Frage zu beantworten (als wäre der Verstand verstopft). Jedoch kommt selbst dieser Kampf nicht lebhaft zum Ausdruck. Er wirkt eher wie die Bemühung, aus einem ängstlichen Traum aufzuwachen – ein nebulöser, unergründlicher Kampf.
Langsamkeit
An dieser Stelle muss bemerkt werden, dass die Vorstellungskraft, die Denkfähigkeit eines Alumina-Patienten extrem beschränkt zu sein scheint, seine Gedanken und Vorstellungen sind sehr vage, sehr verschwommen, nebelhaft, wie unklare, unscharf abgegrenzte Schattenbilder; und deshalb hat dieser Mensch Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen, Dinge in ihrem vollen Umfang wahrzunehmen und abstrakte oder komplizierte Vorstellungen zu verstehen. Er sitzt still da und versucht angestrengt, zu verstehen, wovon die anderen alle reden, wobei sein Gesicht, für ein geschultes Auge, einen Ausdruck anhaltender Verwirrung zeigt. Seine assoziativen Fähigkeiten sind minimiert oder verloren, sein Urteilsvermögen ist lahmgelegt, verkrüppelt.
Wegen dieser geistigen Langsamkeit scheint der Alumina-Patient einen langsamen, beständigen Lebensstil nötig zu haben. Er kann keinen Druck ertragen, besonders keinen Zeitdruck. Wird ihm zugestanden, mit der ihm gewohnten geringen Geschwindigkeit zu arbeiten, dann kann er ein fleißiger, fähiger Arbeiter sein. Doch muss er alles in seiner eigenen Geschwindigkeit erledigen und nach einer ihm geläufigen Vorgehensweise. Wenn man einen solchen Menschen zur Eile antreibt, z. B. durch jemanden, der hektisch sagt: „Wir müssen in fünfzehn Minuten hier weg sein!“, wird das eine große Verwirrung bei ihm zur Folge haben. Er verliert dann jedes Gefühl für Organisation und läuft hektisch herum, fast hysterisch, rasend. Obwohl er körperlich und geistig in der Lage wäre, in der verbleibenden Zeit alle notwendigen Aufgaben zu erledigen, wird das Gefühl, unter Druck zu stehen, ihm effektiv alle Arbeitsfähigkeit nehmen. Er wird dadurch lahmgelegt und verwirrt, fast paralysiert. Es handelt sich hier um eine langsame Geistestätigkeit, eine Arbeitsfähigkeit, die nur dann richtig funktioniert, wenn die Person langsam arbeiten kann; wenn sie zu höherer Geschwindigkeit angetrieben wird, bricht die Arbeitsfähigkeit völlig zusammen.
Eine interessante Konsequenz dieser geistigen Langsamkeit und Verwirrung von Alumina-Patienten ist ihr gestörtes Zeitgefühl – die Zeit vergeht zu langsam (medorrhinumMEDORRHINUM), eine Stunde kommt ihnen vor wie ein halber Tag.
Oft erkennt der Alumina-Patient seine geistige Unzulänglichkeit. Er mag hart daran arbeiten, seine Schwäche dadurch zu überwinden, dass er sich Notizen macht und seine Aufgaben in einer organisierten, systematischen Art und Weise ausführt, doch trotzdem bleibt die Besorgnis, er könne Dinge vielleicht nicht rechtzeitig zu Ende bringen, Aufgaben nicht rechtzeitig erledigen. Es ist, als bewege sich der Patient in einem langsameren Rhythmus als der Rest der Welt. Bei der geringsten Herausforderung fühlt er sich gehetzt. Er mag über bestimmte Angelegenheiten ganz genau Bescheid wissen, doch wenn irgendjemand sagen würde: „Schnell, erzähl mir etwas über diese Sache!“, so würde ihn das schon verwirren und unfähig machen, klar zu denken.
Aus dem oben Gesagten ist leicht zu verstehen, dass der Alumina-Patient keine Überraschungen oder Aufregungen mag. Er kann dazu neigen, ziemlich ungesellig zu sein; er ist nicht gern mit vielen Menschen gleichzeitig zusammen, sondern bevorzugt kleine Gruppen von Menschen oder Interaktionen unter vier Augen. Besonders morgens beim Erwachen kann eine große Abneigung gegen Gespräche, gegen Kommunikation mit anderen vorhanden sein. Interessanterweise können Alumina-Frauen während der Menses offener sein und mehr aus sich herausgehen, als ob der Fluss ihrer Emotionen parallel zu ihrem Monatsfluss stattfände.
Manchmal, vor allem wenn sie sich unter Druck gesetzt fühlen, können Alumina-Patienten auch extrem gereizt reagieren, hartnäckig, aufsässig und widerspenstig. Dieses Verhalten scheint eine Art Selbstschutz zu sein, eine Art Abwehr gegenüber den Wünschen und Forderungen anderer. Seltsamerweise kann es vorkommen, dass ihre Ohrläppchen heiß werden, wenn sie in einer ärgerlichen und weinerlichen Stimmung sind.
Zurückhaltung der Gefühle
In der Regel schützt sich der Alumina-Patient emotional; er hält seine Gefühle zurück, bis er sicher ist, dass seine Zuneigung erwidert wird. Er unterdrückt seinen Zorn und richtet ihn möglicherweise später gegen Mitglieder seiner Familie. Auch hierin erkennt man wieder die Retention, das Zurückhalten, das für Alumina so typisch ist.
Oft wird man Alumina-Patienten antreffen, die übermäßig in ihrer Einbildung leben. Sie werden alle möglichen Arten von Tagträumen und Phantasien pflegen, aber wiederum dazu neigen, diese für sich zu behalten.
Manchmal wird der Geist dieses Patienten, wird sein Denken an einem Thema hängenbleiben, und er wird immer wieder und wieder bei diesem einen Gedanken verweilen. Sein Verstand ist schwach, und der Patient macht alberne, dumme Bemerkungen. Zu anderen Zeiten wird er auch streitsüchtig und macht dann dumme, lächerliche Einwände in einer Diskussion geltend. Über manche dieser törichten Behauptungen möchte man einfach ungläubig den Kopf schütteln.
Langsam fortschreitender geistiger Verfall
Der geistige Verfall schreitet bei Alumina sehr langsam fort und vollzieht sich stufenweise. Zu Beginn zeigt der Patient lediglich eine gewisse Langsamkeit im Denken. Dann scheint er seine Fähigkeit, sich auszudrücken und mitzuteilen, zu verlieren und die Tendenz zur Retention zu entwickeln. Sein Geist ermüdet leicht, ist unfähig, einem Gedankengang zu folgen, und schließlich wird es ihm zu einer großen Anstrengung, überhaupt noch zu denken. Der Patient wird besonders verwirrt, wenn er zu lesen versucht; sein Verstand wird schwerfällig und nimmt den Lesestoff nicht auf. In diesem Stadium beantwortet er Fragen etwas vage, reibt sich die Stirn und denkt lange nach, um eine Antwort zu finden. Manchmal macht er auch Fehler beim Sprechen, benutzt falsche Worte und verwendet andere Ausdrücke und Redewendungen, als er eigentlich wollte. Darüber hinaus verfällt seine Gedächtniskraft immer mehr, bis er sich schließlich kaum noch an seinen eigenen Namen erinnern kann.
Wenn ein Fall sich bis zu diesem Stadium entwickelt hat, wird der Arzt beträchtliche Schwierigkeiten haben, das Arzneimittel zu diagnostizieren. Häufig wird der Homöopath so sehr damit beschäftigt sein, spezifische Symptome aufzunehmen, dass es ihm vielleicht entgehen wird, wie dieser Patient zögert und sich den Kopf zerbrechen muss, bevor er es fertigbringt, auch nur eine ganz einfache Beobachtung an sich selbst mitzuteilen, ob er etwa eher warm oder eher frostig ist, etc.
In diesem Stadium bemerkt der Patient, dass etwas mit seinen geistigen Funktionen nicht stimmt: „Ich fürchte und habe Angst davor, dass ich nicht das tun werde, was ich selbst wirklich tun möchte“, oder vielleicht: „Ich bin nicht der, der ich zu sein glaube.“ Die letztere Formulierung veranschaulicht ein eigentümliches Gefühl der Unwirklichkeit, das die Verwirrung von Alumina begleiten kann, besonders in Bezug auf das Empfinden des Patienten hinsichtlich seiner eigenen Identität. Die Patientin kann z. B. sagen, dass sie, wenn sie spricht, denkt, jemand anderes spreche, oder, sogar noch eigenartiger, dass sie nicht selbst hören könne, sondern nur mit den Ohren anderer. Dazu ein Prüfungssymptom aus Hahnemann, CK II, Symptom Nr. 55: „Eine solche Eingenommenheit des Kopfes, als wenn sein Bewußtseyn außer seinem Körper wäre; wenn er etwas spricht, ist es ihm, als habe es ein Anderer gesagt, und wenn er etwas sieht, als wenn es ein Anderer sähe, oder, als wenn er sich in einen Anderen versetzen könnte, und erst dann sähe.“ Der Patient wird allerdings solche Informationen nicht einfach freiwillig geben; sie müssen, sobald man einen Alumina-Fall vermutet, durch direkte Fragen herausgelockt werden.
Als Konsequenz seiner sich entwickelnden Verwirrung kann der Alumina-Patient beginnen, sich ziemlich unsicher in Bezug auf seine geistigen Fähigkeiten zu fühlen, wobei er, manchmal etwas ängstlich, den Verdacht hat, er könne verrückt werden. Dies ist aber nicht wirklich eine Furcht vor Geisteskrankheit, wie bei anderen Mitteln, sondern es ist eher eine konkrete, begründete Furcht dieses Menschen, seinen Verstand zu verlieren, seine Denk- und Verständnisfähigkeit, seine Vernunft.
Diese Unsicherheit und Verwirrung kann auch zu einer Abhängigkeit von anderen Menschen führen; die sich entwickelnde Unsicherheit und Unentschlossenheit zwingt ihn dazu, sich abhängig an eine Person zu klammern, der er vertraut (an einen Elternteil, an den Ehepartner etc.). In dem Maße, wie der geistige Verfall fortschreitet, wird, wie schon erwähnt, der Verstand immer träger, sodass schließlich fast alle Fähigkeit zu logischem Denken verlorengeht. Alumina steht hervorgehoben im Repertorium unter der Rubrik „Geistige Erschöpfung“ („Prostration of Mind“). (Bei Frauen ist diese Erschöpfung oft nach den Menses verschlimmert.) Das Endstadium von Alumina entspricht der Imbezillität oder – was wir heute so häufig antreffen – der Alzheimerschen Krankheit. Es ist eines der am häufigsten angewandten Mittel bei Senilität (argentum nitricumARGENTUM NITRICUM, baryta carbonicaBARYTA CARBONICA, plumbumPLUMBUM, secaleSECALE).
Seitdem man bei vielen – allerdings nicht allen – verstorbenen Alzheimer-Patienten erhöhte Aluminiumkonzentrationen in den Gehirnzellen gefunden hat, vermutet man einen zumindest indirekten Zusammenhang zwischen Aluminium und dieser Erkrankung. Auch in Tierversuchen wurde nach intrazerebraler und zerebrospinaler Injektion von Aluminiumverbindungen eine Enzephalopathie und neurofibrilläre Degeneration festgestellt, die mit den histologischen Veränderungen bei der Alzheimerschen Erkrankung vergleichbar ist.
Einem Bericht des Wissenschaftsmagazins New Scientist vom 19.1.1991 zufolge injizierten Ärzte der Universität Toronto einer Gruppe von Kranken das Medikament Desferrioxamin. Diese Substanz fischt sozusagen die Aluminiumionen aus dem Blut heraus und hält sie durch eine chemische Bindung fest. Dadurch kann dieses Metall die Kerne der Nervenzellen im Gehirn nicht mehr erreichen. Nach einer Beobachtungszeit von etwa zwei Jahren stellte man fest, dass bei den unbehandelten Personen die Alzheimer-Krankheit um die Hälfte schneller fortzuschreiten scheint als bei denjenigen, denen das Desferrioxamin injiziert wurde.
Emotionale Pathologie: Ängste, Schuldgefühle
Obwohl die emotionale Ebene bei Alumina weniger angegriffen ist als die mentale und die physische, kann man dennoch auch eine signifikante emotionale Pathologie antreffen. Der Alumina-Patient entwickelt oft große Angst, am häufigsten morgens beim Erwachen. Er kann mit dem Gefühl aufwachen, etwas Schreckliches werde gleich geschehen. Er verspürt eine Furcht, eine Qual, die er sich nicht erklären kann. Häufig erwacht der Patient frühmorgens von dieser inneren Qual, besonders um 4 Uhr morgens. Während der Morgen verstreicht, verringert sich die Angst, und bis zum Abend ist sie bedeutend gebessert.
Oft kann dieser Patient auch Schuldgefühle empfinden, die zu einer Art unbeschreiblicher Angst führen – aber trotzdem wird er diese Gefühle nur mit großen Schwierigkeiten beschreiben oder schildern können (arsenicum albumARSENICUM ALBUM, aurumAURUM, ChelidoniumCHELIDONIUM, digitalisDIGITALIS, psorinumPSORINUM, sulphurSULFUR).
Emotionale Pathologie: Furcht vor Messern, Furcht vor Blut
Alumina kann sehr klar bestimmte Ängste und Phobien haben. Die vielleicht erstaunlichste Furcht ist die Furcht vor Messern (ARSENICUM, chinaCHINA, HyoscyamusHYOSCYAMUS, lyssinumLYSSINUM) oder vor spitz zulaufenden Gegenständen. Die Alumina-Furcht unterscheidet sich aber von der Furcht vor kleinen, spitzen Gegenständen, die man bei spigeliaSPIGELIA und siliceaSILICEA findet; es ist bei Alumina eher eine Furcht vor großen Messern, oder manchmal auch ein Widerwille dagegen, ein Abscheu vor solchen Gegenständen. Das Entscheidende daran, das, was den Alumina-Patienten beunruhigt, ihn in Aufruhr versetzt, ist der Gedanke, dass der betreffende Gegenstand potenziell tödlich ist. Manchmal hat der Patient den Gedanken, „jemand könnte mit diesem Instrument verletzt werden“. Dieses Symptom zeigt sich aber oft nicht so klar. Es kann auch, wie gesagt, einfach nur ein Widerwille beim Anblick eines solchen Gegenstandes vorhanden sein, eine instinktive Abneigung. Zu anderen Zeiten können momentane Impulse auftreten, ein Messer zu benutzen, oder es können dem Patienten Bilder davon durch den Kopf schießen, wie dieses Instrument dazu benutzt wird, jemand anderen oder ihn selbst zu verletzen. Es gibt also eine ganze Skala unformulierter Ängste und Impulse in Bezug auf Messer und spitze Instrumente.
Eine andere Phobie ist die Furcht beim Anblick von Blut. Der Alumina-Patient kann sogar in Ohnmacht fallen, wenn er Blut sieht (nux moschataNUX MOSCHATA, veratrum albumVERATRUM ALBUM).
Emotionale Pathologie: weitere Ängste
Die Furcht vor Geisteskrankheit oder, besser gesagt, davor, den Verstand zu verlieren, ist ziemlich stark, und es kann auch Furcht vor Krankheiten im Allgemeinen vorhanden sein, die den Patienten dazu bringt, von einem Arzt zum anderen zu gehen. Auch eine Furcht, er könne einen epileptischen Anfall bekommen, kann man antreffen (argentum nitricumARGENTUM NITRICUM, mercuriusMERCURIUS), sowie Furcht vor Unheil (calcarea carbonicaCALCIUM CARBONICUM, chininum sulphuricumCHININUM SULPHURICUM, psorinumPSORINUM, phosphorusPHOSPHORUS). Hierbei handelt es sich um eine Art Unbehagen, als stehe irgendein Unheil bevor, ohne zu wissen, worin es genau bestehen könnte. Dies ist die einzige Furcht, die bei Einbruch der Dämmerung aufkommen kann, wenn es dunkel wird (graphitesGRAPHITES, sulphurSULFUR).
Ansonsten scheinen solche Ängste hauptsächlich morgens aufzukommen, wenn der Verstand träge und schwach ist und nicht zu funktionieren scheint. (Auch vor Kakerlaken kann Alumina eine große Furcht entwickeln.)
An einem bestimmten Punkt scheint der Patient bei der vagen Erkenntnis anzulangen, dass etwas mit seinem Organismus, irgendetwas in seinem Inneren ernsthaft nicht in Ordnung ist. Er sucht nach einer Antwort und konsultiert deshalb mehrere Ärzte. Wenn er sieht, dass keiner zu verstehen scheint, was ihm fehlt, verzweifelt er und glaubt, niemals wieder zu genesen.
Emotionale Pathologie: Depression
So gelangt der Patient immer tiefer in die Depression hinein, sogar bis zu dem Punkt, dass er Selbstmordimpulse hat, besonders beim Anblick eines Messers (mercuriusMERCURIUS) oder von Blut. Es ist eher ein kurzer Impuls als eine logische, von langem und erschöpfendem Leiden herrührende Entscheidung. Der Geist, das Gemüt dieses Menschen ist so schwach, dass er diesen Selbstmordgedanken, die ihn so plötzlich überkommen, keinen Widerstand entgegensetzen kann. Sein Verstand weist den Gedanken an Selbstmord zurück, doch sobald der Patient das Messer erblickt, kommt der Impuls automatisch auf. Allerdings ist die Vorstellung, verwundet zu sein und zu bluten, für ihn ein abstoßender, abscheulicher Gedanke.
Die Depression von Alumina kann als eine „Düsterkeit“ beschrieben werden; es gibt kein Licht. Vor allem morgens beim Erwachen ist dieser Mensch sehr traurig und entmutigt, Kleinigkeiten kommen ihm unüberwindbar vor, und seine traurigen Gedanken können ihn dazu bringen, dass er gegen seinen Willen anfängt zu weinen.
Dieser Patient beklagt sich gegenüber dem Arzt, doch nicht in aufdringlicher Weise; seine Verzweiflung drückt er nicht aus. Stattdessen ist es Sache des Arztes, diese Verzweiflung im Verhalten des Patienten zu erkennen, zu beobachten. Seine Krankheit ist langsam immer weiter fortgeschritten und hat so tiefe Wurzeln geschlagen, dass der Patient keine Möglichkeit der Genesung sieht. Er will allein sein, ungestört von anderen Menschen; dieser Abneigung gegen Gesellschaft liegt seine Unfähigkeit zugrunde, mit sensorischer Stimulation, mit jeglichen Sinnesreizen fertigzuwerden und sie zu verarbeiten. Ein Gefühl der Unwirklichkeit herrscht vor, er verzweifelt und findet sich resignierend mit seinem Zustand ab.
Allgemeinsymptome und Keynotes
Alumina-Patienten sind häufig ältere, ziemlich dünne und magere Menschen, die einen irgendwie ausgetrockneten Eindruck machen. Ihre Gesichtsfarbe ist meist blass mit einem Stich ins Graue oder weißlich, als widerstehe ihre Haut den Sonnenstrahlen und werde nicht leicht braun. Die Haut ist sehr trocken, leicht gerunzelt mit sehr feinen Fältchen, und diese Menschen sehen müde und vorzeitig gealtert aus. Es kommt hin und wieder vor, dass sie eine rötliche Nase, Fissuren an der Nasenspitze haben, und auch ihre Lippen und Hände können aufgesprungen sein.
Langsamkeit im Denken und Handeln
Bei manchen Patienten scheint alles verlangsamt zu sein. Sie denken langsam, sie sprechen langsam, und sie bewegen sich langsam. Auch ihr Gang ist dementsprechend langsam, ein bisschen schwankend und zuweilen sogar eindeutig aus der Balance geraten, unkoordiniert und ataktisch. Natürlich ist dieses äußere Erscheinungsbild keine Vorbedingung für die erfolgreiche Verschreibung von Alumina, aber in einigen seltenen Fällen kann es möglich sein, den Alumina-Patienten allein an seiner äußeren Erscheinung zu erkennen, ohne dass man etwas über seine Beschwerden weiß.
Vielen dieser Patienten mangelt es an Energie und Kraft; jede körperliche oder geistige Anstrengung verschlechtert ihr Befinden. Wenn sie versuchen, ihren Zustand, ihre Beschwerden und Symptome zu beschreiben, kann die bloße Anstrengung des Redens sie so sehr ermüden, dass sie kaum sprechen können. Diese Art der Erschöpfung ist besonders ausgeprägt bei Frauen während der oder nach den Menses.
Die meiste Zeit fühlen sie sich schwach und müde. Manchmal ist es eine fast lähmungsartige Schwäche, die so massiv sein kann, dass der Patient am ganzen Körper zittert. Besonders längeres Stehen können sie nicht gut ertragen, weil es Übelkeit oder ein Schwäche- und Ohnmachtsgefühl erregt. Sie müssen sich unbedingt hinsetzen, und auch ihr unwiderstehliches Bedürfnis, sich hinzulegen, ist eine logische Folge ihrer Schwäche. (Seltsamerweise ist es aber trotzdem möglich, dass Liegen ihre Schwäche und Müdigkeit noch verstärkt.)
Obwohl sich diese Patienten nach leichter, vorsichtiger Bewegung in frischer Luft meist besser und erfrischter fühlen, kann sogar ein kurzer Spaziergang schon eine Anstrengung sein, die sie sehr erschöpft.
Verhalten während der Anamnese
Bei einigen Alumina-Patienten kann man eine sehr ungewöhnliche, wischende Handbewegung beobachten. Während der Anamnese wischen sie z. B. wieder und wieder über ihr Gesicht oder reiben sich die Stirn oder die Augen. Spricht man sie darauf an, was sie da tun, erhält man die unterschiedlichsten Antworten. Einige werden sagen, dass sie ein so unangenehmes Kribbeln und Jucken im Gesicht haben, dass sie nicht davon lassen können und sich kratzen müssen. Ein anderer Patient wird sagen, dass er ein Spannungsgefühl im Gesicht habe, als klebe eingetrocknetes Eiweiß oder eine Spinnwebe auf seinem Gesicht, die er wegwischen möchte.
Es kann auch sein, dass manche Patienten sich dauernd die Augen reiben, weil das ein unangenehmes Schwindelgefühl bessert, das sie verspüren. Oder sie haben das Gefühl, als sei eine Feder oder ein Haar vor ihren Augen, das sie entfernen möchten. Wieder ein anderer Patient wird antworten, dass er nicht klar sehen könne, dass seine Sicht trüb sei, als sehe er durch einen Nebel hindurch, und dass er deswegen seine Augen reiben müsse, um besser zu sehen. Manchmal hat man fast den Eindruck, als hätten diese Patienten auch Spinnweben oder Nebel in ihrem Gehirn, was sie daran hindert, klar zu denken. Wenn sie ihren Geist auch nur ein bisschen anstrengen müssen, wenn sie versuchen, zu denken oder sich an etwas zu erinnern, reiben sie sich reflexartig die Stirn, als wollten sie damit die Blutzirkulation in ihrem Gehirn anregen und die Stumpfheit ihres Verstandes wegwischen.
Mangel an Lebenswärme
Nahezu alle Homöopathen, z. B. Allen, Boericke, Clarke und Kent, beschreiben Alumina als ein kaltes, frostiges Mittel, mit großem Mangel an Körperwärme; der Patient muss sich warm anziehen und warmhalten, er erkältet sich ständig, es geht ihm schlechter in kalter Luft, allgemein besser durch Wärme, usw. Obwohl diese Beschreibungen zweifellos richtig sind, habe ich die Erfahrung gemacht, dass viele Alumina-Patienten auch warmblütig sein können, und besonders das Hautjucken wird durch Hitze und durch Bettwärme stark verschlimmert. Diese Verschlimmerung könnte vielleicht mit dem austrocknenden Effekt der Wärme zu erklären sein, der möglicherweise auch der Grund dafür sein könnte, dass sich einige Alumina-Patienten bei heißem Sommerwetter sehr schwach fühlen. Übrigens habe ich bei manchen Patienten auch eine Besserung durch Schnee beobachtet.
Ich denke, dass Alumina-Patienten sehr unterschiedlich auf Wärme und Kälte reagieren können. Es kann sogar möglich sein, dass ein frostiger Patient mit Mangel an Lebenswärme durch Wärme eine Verschlechterung seines Befindens erfährt.
Modalitäten, Periodizität
Was die Zeitmodalitäten betrifft, kann man meist eine allgemeine Verschlechterung morgens beim Erwachen beobachten. Zu dieser Zeit können die Patienten nicht klar denken, sind verwirrt und wissen nicht, wo sie sich befinden. Oder auch: Sie erwachen in einer traurigen, düsteren Stimmung, sind ängstlich oder mürrisch, möchten allein sein und glauben, dass sie die Anforderungen, die Arbeiten dieses Tages nicht werden bewältigen können. Es ist, als brauche der Körper einige Zeit, um seine Funktionen aufzunehmen. Die Patienten müssen eine ganze Weile pressen, ehe sie etwas Urin lassen können, der Hals und die Glieder sind steifer als tagsüber, oder die Patienten klagen über Schwindel, Kopfschmerzen, brennende oder verklebte Augen, Husten, Übelkeit etc.
Viele dieser Symptome bessern sich im Laufe des Vormittags oder des Tages, und Alumina ist eines der wenigen Mittel mit einer klaren Besserung abends oder nachts (wie auch medorrhinumMEDORRHINUM). Aber trotz dieser häufig beobachteten Besserung kann es dennoch sein, dass andere, besonders körperliche Symptome abends schlimmer sind.
16 Uhr nachmittags ist eine weitere Zeit, die in einigen Fällen von Bedeutung sein kann. Entweder verschlimmern sich die Symptome um 16 Uhr oder von 16 bis 20 Uhr, wie bei lycopodiumLYCOPODIUM, oder die Patienten fangen ab 16 Uhr an, sich besser zu fühlen.
Alumina kann eine ausgeprägte Periodizität zeigen, mit Symptomen, die jeden zweiten Tag wiederkehren; die Intervalle können jedoch auch länger sein.
Auch Verschlimmerung zu Neu- und Vollmond ist möglich. (Einige hartnäckige Ekzemfälle sind hauptsächlich aufgrund dieser Modalität geheilt worden.)
Ausgeprägte Trockenheit der Haut und Schleimhäute
Alumina ist eines der trockensten Mittel der gesamten Materia medica, und die große Trockenheit der Haut und der Schleimhäute ist eines der wichtigsten Allgemeinsymptome.
Alles ist trocken: Haare, Augen, Nase, Mund, Hals, Ösophagus, Rektum usw., sogar die inneren Organe, das Gehirn und das Rückenmark scheinen „ausgetrocknet“. Die Patienten neigen zu trockenen Schleimhautkatarrhen, die Haut hat die Fähigkeit zur Transpiration verloren, und viele Beschwerden werden durch diese Trockenheit hervorgerufen. Obwohl der ganze Körper ausgetrocknet zu sein scheint, ist aber das Trinkverlangen häufig normal und nicht auffällig erhöht; sogar Durstlosigkeit bei Fieber ist möglich.
Diese allgemeine Trockenheit erklärt auch die manchmal vorhandene Verschlechterung durch trockenes und die Besserung durch nasses, feuchtes Wetter. Auch Waschen und Befeuchten des betroffenen Körperteils kann bessern.
Wirkung auf das zerebrospinale Nervensystem
Ein sehr wichtiger allgemeiner Aspekt von Alumina ist seine Wirkung auf das zerebrospinale Nervensystem. Alumina ist bei verschiedenen Erkrankungen des Nervensystems angewandt worden, und eines seiner Hauptcharakteristika scheint eine Verlangsamung der neuralen Impulse zu sein. Dies kann diverse Folgen haben: Sensibilitätsstörungen, Hemmung der Motorik, Lähmung und lähmungsartige Zustände der verschiedensten Muskeln und Organe, Gleichgewichtsstörungen, Ataxie etc. Über die spezifischen, charakteristischen Symptome werde ich in den späteren Abschnitten sprechen.
Weder die geistige noch die körperliche Symptomatologie von Alumina treten über Nacht, von einem Tag auf den anderen auf, sondern sie entwickeln sich meist sehr langsam über viele Wochen, Monate oder sogar Jahre. Zuweilen ist diese Langsamkeit so ausgeprägt, dass der Patient sich gar nicht dessen bewusst ist, dass er kränker und kränker wird. Er kann sich an alle diese kleinen Gesundheitsstörungen eventuell derartig gewöhnen, dass er lange Zeit überhaupt nicht wahrnimmt, dass etwas nicht in Ordnung ist.
Gerade weil sich die Beschwerden so langsam entwickeln, ist auch eine lange Zeit erforderlich, um sie auszuheilen, was besonders der Fall ist, wenn bereits organische Veränderungen eingetreten sind. Aus diesem Grunde kann der Zeitraum, der nötig ist, bis man sicher weiß, dass aufgrund der homöopathischen Verschreibung positive Wirkungen eingetreten sind, länger sein als sonst (ebenso auch bei calcarea phosphoricaCALCIUM PHOSPHORUSPHOSPHORICUM und siliceaSILICEA).
Auslösende Faktoren
Es gibt viele auslösende Faktoren, die einen Alumina-Zustand hervorrufen können: eine lange Vorgeschichte allopathischer Arzneibehandlung, künstliche Babynahrung, langer Gebrauch von Aluminium-Kochgeräten, Bleivergiftung, heftiger, intensiver Ärger, langdauernde geistige Überanstrengung, eine zerebrovaskuläre Veränderung (z. B. durch einen Schlaganfall), oder einfach das Alter.
Lokalsymptome
SchwindelAlumina bringt nicht nur ein Ohnmachtsgefühl beim Stehen hervor, sondern auch einen regelrechten Schwindel, bei dem die Gegenstände herumzuwirbeln scheinen; alles, sogar das ganze Zimmer scheint sich im Kreis zu drehen, oder der Patient glaubt, er selbst drehe sich. Diese Art des Schwindels wird oft von einem Schwäche- oder Übelkeitsgefühl begleitet; es kann z. B. am frühen Morgen auftreten und bessert sich dann oft nach dem Frühstück. Während des Schwindels sieht der Patient manchmal ein Flimmern oder weiße Sterne vor den Augen, sein Kopf ist wie benebelt, berauscht, und er fürchtet, nach vorne zu fallen. Dieser Zustand verschlimmert sich beim Bücken und kann durch Wein oder andere alkoholische Getränke hervorgerufen werden.
  • Ein hervorstechendes Symptom ist, dass der Schwindel sich, wie schon erwähnt, in manchen Fällen durch Reiben oder Wischen der Augen bessert.

  • Es ist wichtig zu wissen, dass verschiedene Formen des Schwindels auftreten können, die sich entweder durch Öffnen oder Schließen der Augen bessern. Bei lokomotorischer Ataxie oder einigen spinalen Erkrankungen ist es z. B. möglich, dass der Patient nur mit geöffneten Augen und nur bei Tage gehen kann. Wenn seine Augen geschlossen sind, taumelt und schwankt der ganze Körper, und der Patient fällt hin, wenn man ihn nicht ganz fest hält. Aus diesem Grunde ist Alumina nützlich bei Fällen von gestörter Propriozeption und Störungen der Tiefensensibilität, die ein positives Rombergsches Zeichen hervorrufen, also eine Fallneigung bei geschlossenen Augen. (Alumina kann bei neurologischen Störungen des peripheren Nervensystems und der Hinterstränge des Rückenmarks angezeigt sein.)

  • Schwindel bei alten, schwachen und gebrechlichen Menschen mit steifem Hals oder Arteriosklerose der zerebralen Blutgefäße ist ebenfalls eine Indikation für Alumina.

KopfDie Kopfschmerzen treten häufig periodisch auf, z. B. jeden zweiten Tag, sind schlimmer nachts im Bett, morgens beim Erwachen oder in der Zeit von 10 bis 14 Uhr. Sie verschlimmern sich manchmal nach dem Essen und werden meist schlimmer durch Umhergehen und besser im Liegen. Einige Begleitsymptome sind z. B. Schmerzen im Genick, Übelkeit, Erbrechen oder Verstopfung. Viele Kopfschmerzen werden auch durch eine Erkältung hervorgerufen, und eine frontale Sinusitis kann sich entwickeln, sobald die dicke, gelbe Nasenabsonderung unterdrückt wird oder eine wässrige Konsistenz annimmt.
Es gibt noch viele andere Arten von Kopfschmerzen, so z. B. Schmerzen, als würde man an den Haaren gezogen; pulsierende Schmerzen am Scheitel; Empfindung, als sei der Inhalt des Kopfes in einen Schraubstock gespannt, mit einem Gewicht obenauf; heftige stechende Schmerzen im Gehirn; Druck auf die Stirn und den Hinterkopf wie von einem zu engen Hut; brennender und drückender Schmerz in der Stirn nach dem Essen, beim Stehen oder Sitzen; usw.
Das Haar ist sehr trocken und fällt aus. Taubheit der Kopfhaut oder Kribbeln und starkes Jucken, aber (außer trockenen, weißen Schuppen) ohne Ausschlag. Wie bei allen Hautzuständen von Alumina treibt das Jucken den Patienten dazu, zu kratzen, bis es blutet, und danach bilden sich Krusten.
AugenAlumina ist ein nützliches Mittel für ältere Menschen mit chronischen Augenbeschwerden, wie Blepharitis oder Konjunktivitis, aber ohne Gewebszerstörungen. (Nur die Konjunktiven können manchmal etwas ulzeriert sein.)
Die Trockenheit der Augen ist sehr ausgeprägt. Das ganze Auge kann trocken sein. Wenn überhaupt, tränen die Augen nur tagsüber, und nachts oder morgens beim Erwachen sind sie verklebt. Hauptsächlich wegen dieser Trockenheit entzünden sich die Augen, schmerzen und brennen besonders beim Öffnen und beim Aufwärtssehen, sind lichtempfindlich, und die inneren Canthi jucken heftig. Die Augenlider fühlen sich steif an, brennen und können sogar rissig werden, weil sie so trocken sind. Alumina kann auch Ausfall der Wimpern, granuläre Gebilde der Lidränder, Chalazion und vor allem Verdickung der Lider hervorrufen.
Eine andere wichtige Wirkung von Alumina auf die Augen ist eine Schwächung, oder gar eine Lähmung, der Augenmuskeln. Sind die Ziliarmuskeln betroffen, so ist die Akkommodation gestört, was zur Folge hat, dass das Sehen schwach und wechselnd ist. Wenn die Muskeln des Augapfels geschwächt sind, entwickelt sich Strabismus (z. B. bei zahnenden Kindern), wobei besonders der innere Musculus rectus betroffen ist. (Sogar beide Augen können schielen.) Außerdem können auch die Oberlider wie gelähmt herabhängen, sodass es schwierig ist, sie zu heben.
Das Sehen ist trüb, wie wenn man durch einen Nebel oder Schleier schauen würde, oder als seien Federn vor den Augen, was den Patienten dazu zwingt, sich ständig die Augen zu wischen. Manchmal sehen die Patienten einen gelben Hof um Lichter herum (z. B. wenn die Augen entzündet sind), oder feurige Flecke (z. B. bei spinalen Erkrankungen), oder kleine, weiße Sterne (z. B. bei Schwindel oder nach dem Naseputzen), oder die Gegenstände erscheinen gelb (z. B. bei Leberbeschwerden).
OhrenDie Ohrensymptome sind nicht sehr zahlreich. Das hervorstechendste Symptom sind wahrscheinlich die heißen Ohrläppchen bei mürrischer und weinerlicher Stimmung.
Ein Ohr kann rot und heiß sein. Jucken der Ohren. Stechende Ohrenschmerzen von innen nach außen. Manchmal begegnet man eitriger Otorrhö, auch Tinnitus. Knistern in den Ohren beim Schlucken oder Kauen.
NaseAlumina ist eines der Hauptmittel für häufig wiederkehrende Erkältungen. Diese Neigung scheint von der trägen neuralen und zirkulatorischen Reaktion der Schleimhäute des Nasopharynx herzurühren. (Bei den akuten Infekten reagiert der Patient oft gut auf bryoniaBRYONIA, welches als das akute Komplementärmittel zu Alumina gilt.)
  • Die Schleimhaut der Nase ist sehr trocken, die Nase ist verstopft und fühlt sich an, als sei sie voller kleiner Stöckchen, weil sich trockene, harte Krusten bilden, die oft nur durch die Choanen, die hinteren Nasenöffnungen abgesondert werden können.

  • Auch die „vordere“ Absonderung der Nase, durch die Nasenlöcher, ist trocken, hart, gelb oder grün. Der Schleim ist oft so dick und zäh, dass er schwer zu entfernen ist. Die wunden Nasenlöcher sind schorfig, und das Septum ist geschwollen, rot und schmerzhaft bei Berührung.

  • Alumina ist eine nützliche Arznei bei Rhinitis atrophica oder bei chronischem Schnupfen älterer Patienten mit vermindertem Geruchsvermögen und einer irgendwie geschwollenen und rot verfärbten Nase oder Nasenspitze.

  • Schließlich können noch Risse oder Fissuren an der Nasenspitze auftreten.

GesichtÜber das Aussehen des Gesichtes und die anderen Symptome in dieser Körperregion habe ich ausführlich im Abschnitt „Allgemeinsymptome“ gesprochen. Ich möchte nur an die Spinnweben und die Spannung der Gesichtshaut, als sei Eiweiß darauf angetrocknet, erinnern, welche zu den vielen Leitsymptomen dieses Mittels gehören.
MundMorgens beim Erwachen ist der Mund trocken, und die Zunge klebt am Gaumen. Trockenheit im Mund, obwohl genug Speichel vorhanden ist, oder Empfindung von Trockenheit im Mund, obwohl der Speichel vermehrt ist. Trockene, aufgesprungene Lippen. Kleine Geschwüre im Mund; ein Geschwür am Zahnfleisch sondert Blut mit salzigem Geschmack ab.
Kribbeln in der Zunge. Das Jucken in der Zungenspitze ist so schlimm, dass er sie in Stücke kratzen möchte.
HalsAlumina ist sehr wirksam bei chronischen Halsentzündungen – z. B. bei Menschen, die sehr viel sprechen müssen – mit großer Trockenheit der Schleimhäute, die rot, entzündet und wie ausgedörrt aussehen.
Beim Erwachen und besonders abends ist die Trockenheit des Halses sehr ausgeprägt und ruft eine ständige Neigung zum Räuspern hervor. Dieses häufige Räuspern kann auch durch einen dicken, klebrigen, sehr schwer zu lösenden Schleim erregt werden, der manchmal von den hinteren Nasenöffnungen herabläuft und sich im Halse festsetzt. Er kann nur mit großer Anstrengung ausgespuckt werden, und danach fühlt sich der Hals oft sehr schmerzhaft und wund an. Besonders beim Schlucken von Speisen kann der Patient auch eine Empfindung von Splittern haben, als sei der Hals voller kleiner Stöckchen. Alle diese Symptome sind meist vorübergehend besser, wenn man die trockenen, wunden Körperteile anfeuchtet, und durch warme Getränke.
Manche Patienten beklagen sich über ein unangenehmes Kitzeln im Hals, als hänge ein loses Stück Haut dort, oder sie haben das Gefühl, als hänge die Uvula weit herab, was Husten hervorruft.
Die Stimme kann schwach und heiser werden, oder sie versagt völlig bei Erkältung, nach vielem Reden oder Singen. Aber der wichtigste Grund scheint eine Schwäche oder sogar eine Lähmung der Stimmbänder zu sein.
AtmungsorganeAlumina ist eine nützliche Arznei bei chronischem Husten alter Menschen, der schon Monate oder Jahre andauern kann. Es ist ein beinahe ständiger, kurzer, trockener Husten, der sich gewöhnlich jeden Morgen bald nach dem Erwachen verschlimmert. Zu dieser Zeit haben die Patienten dann einen längeren Hustenanfall, der sich erst dann bessert, wenn sie schließlich eine kleine Menge fest anhaftenden, zähen Schleims ausgeworfen haben.
Der Husten wird manchmal von häufigem Niesen oder unwillkürlichem Urinabgang begleitet und kann so schwer sein, dass der Patient erbrechen muss, nicht genug Luft bekommt und beinahe zu ersticken scheint.
Zusammenschnürungsgefühl, Enge oder bedrückender Schmerz in der Brust, besonders nachts und wenn der Patient den Kopf nach vorn beugt, sich bückt oder krumm sitzt.
Trockenheitsgefühl in beiden Seiten der Brust. Empfindung bedrückender Trockenheit unter dem Sternum. Sprechen vermehrt die Wundheit der Brust, die stechenden Schmerzen unter dem Sternum und den Husten.
ÖsophagusWie überall im Körper kann Alumina auch im Ösophagus große Trockenheit und einen paralytischen Zustand hervorrufen. Der Patient kann nur mit Schwierigkeiten schlucken. Er empfindet einen krampfhaften, zusammenschnürenden, heftig drückenden Schmerz im Ösophagus, vom Pharynx hinab bis zum Magen, wenn er Flüssigkeiten oder Festes schluckt. Besonders das Schlucken von festen Speisen ist behindert oder beinahe unmöglich, und er kann die ganze Länge des Ösophagus hinab spüren, wie sich die Speise durch ihn hinunterbewegt. Aber auch wenn er nicht schluckt, kann diese zusammenschnürende Empfindung auftreten, z. B. morgens beim Erwachen.
Essen und TrinkenIn Bezug auf das Essen und die Nahrung kann der Alumina-Patient sehr unterschiedlich reagieren.
  • Einige Patienten haben einen Heißhunger und zittern und bibbern am ganzen Körper, fühlen sich sehr schwach und elend, wenn sie hungrig sind. Diese Patienten könnten immerfort essen und fühlen sich beim Essen besser.

  • Aber andere Patienten haben überhaupt keinen Hunger, keinen Geschmack an Speisen oder sogar eine Abneigung gegen Essen und bekommen Verdauungsstörungen selbst nach der einfachsten Nahrung. Diese Patienten brauchen den ganzen Tag nichts zu essen und sind schon satt, wenn sie Speisen nur ansehen.

  • Es ist auch möglich, dass Alumina-Patienten einen wechselhaften Appetit haben, d. h. einmal zu wenig und dann wieder zu viel. Oder sie können Hunger haben, aber zugleich keinen Appetit, oder auch gleichzeitig Hunger und Abneigung gegen Speisen, oder sie haben ein Leeregefühl im Magen, ohne Hunger zu haben.

Alumina kann ein ungewöhnliches Verlangen nach trockenen Speisen haben, wie trockenem Reis, Stärke etc. Dies ist umso befremdlicher, wenn man die allgemeine Trockenheit der Alumina-Konstitution in Betracht zieht. Ein anderes auffallendes Symptom, das man manchmal beobachten kann, ist ein abnormes Verlangen nach mehr oder weniger unverdaulichen Dingen, wie Gewürznelken, Kaffee- oder Teesatz, Schiefergriffeln, Kalk, Kreide, Schmutz, sogar Kohle, Holzkohle oder Lumpen. (Dieses Verlangen kann z. B. bei anämischen Frauen oder Kindern auftreten, deren Körper es an Mineralien mangelt.) Die Patienten haben oft eine Abneigung gegen Fleisch und ein Verlangen nach Obst und Gemüse.
Eines der besten bestätigenden Leitsymptome für dieses Mittel ist eine ausgeprägte Verschlimmerung durch Kartoffeln. Sie verschlechtern nicht nur den Allgemeinzustand, sondern können auch Verdauungsstörungen, Magenschmerzen, Druck im Magen, Übelkeit, Sodbrennen, bitteres Aufstoßen, Blähungen, Kolik, Diarrhö oder Husten hervorrufen. Auch Zwiebeln und alle reizenden Speisen, wie Essig, Pfeffer und Salz, verschlimmern manchmal und können z. B. sofort Husten auslösen. Daneben können viele Patienten Wein, Bier oder auch selbst die schwächsten alkoholischen Getränke nicht vertragen, weil sie sehr leicht betrunken, verwirrt und schwindlig werden.
MagenEiner der Hauptgründe für viele der im Abschnitt „Essen und Trinken“ beschriebenen Symptome scheint die Trockenheit der Magenschleimhäute und die mangelnde Sekretion der Magensäfte zu sein. Es kann vorkommen, dass Patienten ihren Magen und ihre mangelnde Magensaftsekretion stimulieren wollen, aber in seinem kranken Zustand kann der Magen diese Belastung nicht verkraften und reagiert mit einem Katarrh, Verdauungsstörungen durch die einfachste Nahrung, Sodbrennen (sogar nach Wassertrinken), Aufstoßen, Schluckauf etc. Diese Patienten haben eine Neigung zu Übelkeit und Erbrechen: ohnmachtsartige Übelkeit begleitet von Schwindel; Übelkeit morgens beim Erwachen, um 4 Uhr morgens oder abends; Übelkeit beim Sprechen, Stehen oder beim Betreten eines warmen Raums nach einem Spaziergang. Saures und bitteres Aufstoßen. Erbrechen von Speisen, Schleim oder Galle.
Empfindung von Druck oder Zusammenschnürung in der Magengegend, die sich den Ösophagus hinauf erstreckt, in Brust und Hals hinein oder zwischen die Schulterblätter.
Geschwürige Wundheit in der Magengrube, früh am Morgen beim Umdrehen im Bett. (M. Blackie schreibt in einem ihrer Bücher, dass die Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre in der englischen Marine um 50 % zurückgingen, als man Aluminiumkochgeräte aus den Kombüsen verbannte!)
AbdomenIn den Arzneimittelprüfungen hat diese Arznei eine Menge Symptome im Abdominalbereich hervorgerufen, wie Auftreibung des Abdomens, Rumpeln, Kollern und Knurren, Blähungskolik und viele verschiedene Arten von Schmerz (krampfend, kneifend, stechend, schneidend, ziehend, reißend, drückend, brennend etc.).
Alumina ist eines der Hauptmittel gegen die chronischen Folgen von Bleivergiftung, wie paralytische Schwäche, Bauchschmerzen und Kolik. Es hat auch einen deutlichen Einfluss auf die Leber und das rechte Hypochondrium. Die wichtigsten Symptome scheinen die folgenden zu sein: langanhaltendes Brennen und Stiche in der Gegend des rechten Hypochondriums, als schneide dort ein Band tief ein. Leberschmerzen wie gequetscht beim Bücken, heftige Stiche, die den Atem nehmen, wenn sich der Patient vom Bücken wieder aufrichtet. Schmerzhafte Leistenhernie; stechender, auswärts drückender Schmerz.
RektumWie schon erwähnt, ist Alumina eines der bekanntesten Mittel für Verstopfung.
  • Das Rektum ist völlig passiv und inaktiv, und seine Schleimhaut ist oft extrem trocken. Der Patient müht sich und schwitzt bei der Anstrengung, den Stuhl herauszubringen, er muss sich am Toilettensitz festhalten und ist schließlich gezwungen, den Stuhl mit den Fingern herauszuholen, obwohl der Stuhl meistens weich ist.

  • Aber trotz dieser Anstrengungen ist die Darmentleerung unbefriedigend. Selbst nach sichtbarem Erfolg bleibt das frustrierende Gefühl zurück, dass er seinen Darm nicht vollständig leeren konnte. Es ist fast, als sei das Rektum gelähmt.

  • Obwohl der Stuhl meist weich und anhaftend wie Lehm ist, kann auch ein trockener, harter und knotiger Stuhl für Alumina typisch sein. Besonders diese Art Stuhl wird häufig von Wundheit, schneidendem oder brennendem Schmerz begleitet und gefolgt von Blutungen aus dem Rektum, weil der harte Stuhl die trockene, teilweise rissige Schleimhaut verletzt. Der Stuhl kann auch mit Schleim bedeckt sein oder wie Schafkot aussehen, oder er ist lang und dünn, wie ein Bleistift.

  • Man muss sich gut merken, dass, obwohl nahezu alle Fälle der Alumina-Verstopfung keinen Stuhldrang aufweisen, es in manchen Fällen doch auch zu vergeblichem Drang kommen kann. Es kann sogar vorkommen, dass der Patient zehn bis fünfzehn Tage ohne Stuhl bleibt. In einigen Fällen ist es für den Stuhlabgang förderlich, wenn der Patient ihn während des Urinierens herbeizuführen versucht; oder er kann nur im Stehen Stuhlgang haben.

  • Alumina ist nicht nur ein wichtiges Mittel für die Verstopfung bei alten Menschen und bei Frauen während der Schwangerschaft, sondern es ist auch bekannt als eines der besten Mittel für die Verstopfung bei Flaschenkindern und kleinen Kindern, wenn einige der obengenannten Symptome vorhanden sind. (Dieses Kinder haben oft einen trockenen, chronischen Nasenkatarrh. „Mein Kind ist verstopft und hat Schnupfen.“)

Obwohl die Patienten normalerweise verstopft sind, kann Alumina auch bei chronischen Durchfällen angezeigt sein, die jeden zweiten Tag auftreten, besonders wenn die Patientin erzählt, dass der Durchfall jedesmal beim Urinieren kommt.
BlaseDer gleiche Lähmungszustand und die gleiche Neigung zur Retention wie im Rektum zeigen sich auch in der Blase. Besonders morgens nach dem Erwachen ist der Urinstrahl schwach, und der Patient muss lange pressen, bis er Wasser lassen kann. Er muss sich sehr stark anstrengen, muss pressen wie zum Stuhl, und manchmal kann er den Urin nur während des Stuhlgangs lassen. Es kann aber auch sein, dass der Urin beim Pressen zum Stuhl oder beim Husten unwillkürlich abgeht. In einigen Fällen (z. B. bei alten Menschen) ist häufiges Urinieren in kleinen Mengen möglich, z. B. nachts oder vor den und während der Menses. (Insbesondere während der Menses ist der Urin manchmal scharf und ätzend.)
Männliche GenitalienAnfangs können männliche Alumina-Patienten ein exzessives sexuelles Verlangen haben, das in einigen Fällen zu Masturbation mit sexuellen Phantasien führt. Diese Männer haben tagsüber Erektionen und Pollutionen und nachts laszive Träume. Nach einer Zeit bekommen sie aber zahlreiche Beschwerden nach den Pollutionen, die Erektionen werden schwächer und schwächer, ihre sexuelle Kraft schwindet, und schließlich vermindert sich auch das sexuelle Verlangen mehr und mehr. Am Ende scheinen ihre Genitalien beinahe wie gelähmt.
Alumina ist besonders indiziert bei sexueller Schwäche und Impotenz nach sexuellen Exzessen und bei älteren Menschen mit unwillkürlichen Emissionen beim Drücken zum Stuhl. Eine andere gute Indikation sind alte Fälle von Gonorrhö mit schmerzloser, chronischer Absonderung von gelber oder gelblicher Farbe bei müden, erschöpften Männern und Frauen. Einige weitere Symptome:
  • Jucken und Kribbeln der Genitalien. Zusammenziehender Schmerz im rechten Samenleiter, gleichzeitig ist der rechte Hoden hochgezogen, wund und schmerzhaft. (Kryptorchismus.)

  • Härte des linken Hodens mit unbeschreiblichem Schmerz bei Berührung.

  • Alumina wirkt auch auf die Prostata: Hypertrophie oder chronische Prostatitis mit einem Völlegefühl im Perineum und verzögertem Urinieren. Vorübergehender Druck im Perineum beim Naseputzen und heftiger Druck im Perineum zu Beginn einer Erektion und während des Koitus.

Weibliche GenitalienDie Patientin kann große Schwierigkeiten haben, über ihr Sexualleben zu sprechen. Sie wird meist sagen, dass ihr sexuelles Verlangen „normal“ sei; jedoch kann sie oft eine aktive sexuelle Vorstellungskraft haben, aber sie drückt ihre Wünsche nur wenig aus. Sie nimmt gern aktiv am Vorspiel teil, aber erlaubt sich selten, einen Orgasmus zu erleben. Wie eine Patientin sagte: „Ich möchte das Vorspiel in Zeitlupe, aber nicht den Orgasmus.“
Die Menstruation ist meistens blass und schwach und dauert häufig nur einen Tag; trotzdem sind die Frauen nach den Menses geistig und körperlich völlig erschöpft. Aufgrund dieser Schwäche sind sie kaum fähig, zu sprechen oder zu gehen.
Einige Patientinnen beklagen sich auch über einen sehr starken Fluor, der so reichlich sein kann, wie eigentlich die Menses sein sollten. Häufig tritt der Fluor nur tagsüber auf, ist schlimmer im Gehen oder Stehen, läuft die Beine herab bis zu den Fersen, wenn die Patientin nicht ständig eine Binde oder einen Tampon trägt. Diese vaginale Absonderung ist manchmal sehr erschöpfend, begleitet von Tremor, Schlaffheit und einer Empfindung, als wolle alles aus dem Abdomen herausfallen. Zusätzlich kann der Fluor so scharf und ätzend sein, dass sich die Teile, mit denen er in Berührung kommt, entzünden und wund werden. Daher schmerzt das Gehen, und die Patientinnen waschen die schmerzhaften Stellen mit kaltem Wasser, um das Brennen zu lindern. Die Farbe der Absonderung ist unterschiedlich. Sie kann gelb oder gelblich-weiß oder durchsichtig wie Eiweiß sein. Manchmal ist sie von dünner Konsistenz, aber oft auch dick oder zäh und fadenziehend. Selbst wenn der Schleim durchsichtig ist, kann er die Wäsche steif machen. Die Leukorrhö kann z. B. in der Schwangerschaft auftreten oder in Verbindung mit einem Uterusprolaps, der bei Alumina-Frauen häufig besteht.
Bei älteren Frauen kann man manchmal beobachten, dass eine Gruppe von Symptomen, die sich auf die Genitalorgane bezogen, nach der Menopause verschwunden ist, um von einer anderen Symptomengruppe abgelöst zu werden; wie Dyspepsie mit Blutandrang zum Gesicht nach dem Essen, flechtenartige Röte der Nasenspitze und des Kinns, saures Aufstoßen und Erbrechen mit einem Gefühl der Atemnot oder Erstickungsanfällen.
RückenDer Rücken, genauer gesagt, die Wirbelsäule spielt eine sehr wichtige Rolle bei dieser Arznei.
  • Alumina wirkt auf das Rückenmark und die Nerven, die aus ihm entspringen. Vor allem aus diesem Grund kann es eine lähmungsartige Schwäche fast aller Muskeln des Körpers hervorrufen, und viele andere Symptome sind hierdurch zu erklären. (Tierversuche haben eine Degeneration der Hirnnerven, der Seiten- und Hinterstränge des Rückenmarks, der Pyramidenbahn sowie der vorderen und hinteren Wurzeln der Spinalnerven gezeigt.)

  • Alumina und Aluminium metallicum sind erfolgreich bei vielen neurologischen Erkrankungen, besonders solchen spinalen Ursprungs, angewendet worden. Kent schreibt z. B., dass „diese Arznei bei Myelitis ein wunderbares Werk verrichtet“. Und tatsächlich hat Alumina all die Symptome, die man bei dieser Krankheit beobachtet: Rückenschmerzen, Sensibilitätsstörungen und Parästhesien der Extremitäten, auch das „Reifengefühl“ (Gefühl einer Bandage oder eines engen Bandes um den Rücken oder die Glieder), zunehmende Lähmung, Miktionsstörungen etc.

  • Zerschlagenheitsgefühl und stechende, schneidende, reißende oder nagende Schmerzen im Rücken. Blitzartige Schmerzen schießen hin und her.

  • Schmerzen das Rückgrat entlang mit lähmungsartiger Schwäche. Brennen in der Wirbelsäule. Heftiger stechender, zuckender Schmerz den ganzen Rücken entlang, kann sich nicht bücken und nichts mit den Händen aufnehmen, vermehrt beim Einatmen.

  • Schmerzhafte Steifheit des Halses, kann den Kopf nicht nach links drehen. Spannung und Steifheit des Halses im Schlaf. Die Nackenmuskeln ziehen im Schlaf den Kopf nach hinten.

  • Schmerzhafte Steifheit zwischen den Schulterblättern. Brennen am oberen Ende des linken Schulterblatts, etwas gebessert durch Reiben.

Schwäche in der Lumbalregion, Zerschlagenheitsgefühl oder reißend-stechender Schmerz. Schmerz, als würde ein heißes Eisen durch die untersten Wirbel gestoßen. Plötzliche scharfe Schmerzen wie von einem Dolchstoß im unteren Teil des Rückens.
ExtremitätenAlumina ist, wie schon erwähnt, eine wichtige Arznei bei Lähmung der Extremitäten infolge von spinalen Erkrankungen oder anderen degenerativen neurologischen Zuständen. Die unteren Gliedmaßen sind normalerweise häufiger und stärker gelähmt als die oberen. Alumina scheint eher eine Beziehung zu den Beinen zu haben, obwohl ein Lähmungsgefühl oder eine lähmungsartige Schwere auch in den Armen auftreten kann. Sowohl die Extensoren als auch die Flexoren können betroffen sein, und ein auffallendes Symptom ist in manchen Fällen auch eine Hitze im gelähmten Körperteil.
  • Alumina ist z. B. bei multipler Sklerose angezeigt, wenn die Krankheit beständig, ohne nachzulassen, in Richtung auf die Lähmung hin fortschreitet – eine langsame, allmählich zunehmende Lähmung.

  • Darüber hinaus ist Alumina eine der besten Arzneien bei lokomotorischer Ataxie.

  • Alumina (besonders Aluminium metallicum) hat oft die lanzinierenden und blitzartigen Schmerzen bei Tabes dorsalis gebessert.

Der Patient verliert leicht das Gleichgewicht, und besonders im Dunkeln oder mit geschlossenen Augen ist er unfähig zu gehen. Er muss sich an etwas festhalten, um nicht hinzufallen. Sein Gang ist unkoordiniert, langsam und schwankend, seine Knie zittern, und er hat ein Gefühl, als gehe er auf Kissen. Die Beine sind manchmal so schwer, dass er sie kaum nachziehen kann, und beim Gehen taumelt er so, dass er sich hinsetzen muss. Aber sogar im Sitzen empfindet er eine große Mattigkeit in seinen Beinen. (Einige dieser Symptome kann man auch zu Beginn einer Lähmung beobachten.) Überall in den oberen oder unteren Extremitäten können die verschiedensten Sensibilitätsstörungen auftreten.
Die Reflexe sind oft abgeschwächt, und in manchen Fällen ist die Übertragung der sensorischen Nervenimpulse zum Gehirn verlangsamt, weswegen auch die Reaktion auf einen Nadelstich verzögert ist (cocculusCOCCULUS, plumbumPLUMBUM).
Die Arme und Beine schlafen leicht ein, z. B. beim Sitzen oder wenn sie gegen etwas gedrückt werden. Empfindungen wie Kribbeln, Prickeln, Ameisenlaufen oder Taubheit und Gefühllosigkeit sind normalerweise durch Durchblutungsstörungen bedingt, aber bei Alumina haben sie oft auch neurologische Ursachen. Im Allgemeinen entwickeln sich alle diese Zustände langsam; anfangs kann eine Empfindung von Kribbeln, Taubheit und Schwere auftreten, später Inkoordination oder ataktischer Gang, und möglicherweise als letzter Schritt völlige Lähmung.
Bei Alumina finden sich so viele Arten von Schmerz, dass nur einige Erwähnung finden können: Schmerzen in den Gliedern, als würden die Knochen immer enger zusammengequetscht, mit Druck in den Gelenken. Schmerz wie von einer Verrenkung im Schultergelenk, besonders beim Heben des Armes. Brennen der Arme und Finger wie von einem glühenden Eisen. Langanhaltende Spannung, beinahe wie ein Krampf, in den Oberschenkeln und Beinen, die sich nach unten ausbreitet. Heftiger Schmerz in der Kniebeuge, der sich bis zur Ferse erstreckt. Reißen in den Knien und der Patella. Heftiges Reißen, beginnt in den Knien und geht zu den Zehen heraus.
Wenn man sich die Hände von Alumina-Patienten ansieht, kann man manchmal viele gute Hinweise bekommen. Die Durchblutung ist oft so schwach, dass die Hände und besonders die Handrücken bei kaltem Wetter dauernd kalt sind. Sie sind oft rau, aufgesprungen und rissig, besonders im Winter. Die kleinen Risse bluten manchmal und werden nach dem Waschen schlimmer. Auch die Fingernägel und die Haut an den Fingerspitzen sind brüchig und spröde, und die Fingerspitzen können darüber hinaus zur Geschwürbildung neigen. Möglicherweise beklagt sich der Patient auch über einen nagenden Schmerz unter den Fingernägeln, aber das seltsamste Symptom ist das folgende: Wenn er etwas mit den Fingern berührt, hat er das Gefühl, als würde er elektrisiert.
Auch im Bereich der Füße gibt es einige interessante Symptome: Abends sind die Zehen rot und jucken, als seien sie erfroren, was sich nach dem Kratzen sogar noch verschlimmert. Stechen, Kitzeln und Prickeln in den Fußsohlen. Taubheit der Fußsohlen und Taubheit der Fersen beim Auftreten. Schmerz in der Fußsohle beim Auftreten, als sei sie zu weich und geschwollen. Die Fußsohlen können beim Gehen auch schmerzen, weil die harte Haut der Sohlen sehr berührungsempfindlich ist. (Schmerzhaft empfindliche Hornhaut und Hühneraugen.)
SchlafBeim Einschlafen werden die Alumina-Patienten manchmal durch plötzliches Auffahren und Zuckungen der Glieder gestört. Auch der Schlaf selbst ist oft ruhelos und durch häufiges Erwachen mit Herzklopfen unterbrochen. In dieser Weise gestört ist der Schlaf besonders vor den Menses. Manchmal weinen, ächzen und wimmern die Patienten im Schlaf, oder sie sprechen laut und lachen. Ihre Träume sind häufig verworren und angsterfüllt, und Träume von Räubern und Dieben scheinen recht oft vorzukommen (magnesia carbonicaMAGNESIA CARBONICA, natrium muriaticumNATRIUM MURIATICUM). (Ein Junge wurde beobachtet, wie er – ohne sich dessen bewusst zu sein – von Zimmer zu Zimmer ging und sich dabei dauernd seine fest geschlossenen Augen rieb.)
Morgens erwachen sie unerfrischt, das Aufwachen ist schwierig, und sie fühlen sich, wie schon mehrfach beschrieben, verwirrt, traurig, ängstlich oder gereizt.
HautEines der wichtigsten Merkmale der Haut ist ihre große Trockenheit.
  • Die Alumina-Patienten sind meistens unfähig zu schwitzen. Sogar nach einer physischen Anstrengung oder wenn sie erhitzt sind, bleibt ihre Haut völlig trocken oder wird höchstens ein bisschen feucht.

  • Die Haut ist spröde, faltig und ausgetrocknet, und daher wundert es nicht, dass sie sehr leicht aufgesprungen und rissig wird und sich fast überall blutende Fissuren und Rhagaden entwickeln können. Auch kleine Verletzungen brauchen manchmal eine ganze Weile zum Abheilen, und Ulzerationen oder Verdickungen und Verhärtungen der Haut gehören ebenfalls zum Alumina-Bild.

  • Aber ein anderes Symptom ist vielleicht sogar noch wichtiger, nämlich Jucken ohne Hautausschlag. Dieses Jucken ist manchmal so unerträglich, dass es den Patienten fast verrückt macht. Er kratzt sich dauernd, immer wieder, bis die Haut rau und schmerzhaft wird und zu bluten beginnt. Erst dann findet er Erleichterung. Dieses kribbelnde Jucken ist besonders verschlimmert, wenn er warm wird, z. B. abends im Bett. Die Folgen dieses Kratzens sind oft nicht nur Schuppen, sondern auch Krusten und Ausschläge, die anfangs nicht vorhanden waren.

  • Diese Ekzeme sind meist trocken, rissig und haben die gleichen Merkmale wie das Jucken, d. h. sie jucken in der Bettwärme und bluten nach dem Kratzen. Außerdem sind sie oft schlimmer im Winter und manchmal auch schlimmer bei Voll- oder Neumond.

FieberDas Fieber ist bei Alumina-Patienten meist nicht sehr hoch. Die Temperatur ist meist nur leicht erhöht, und weder das Hitze- noch das Froststadium sind sehr ausgeprägt. Möglicherweise schwitzen die Patienten nachts oder am frühen Morgen etwas, aber meistens bleibt ihre Haut trocken. Man hat manchmal den Eindruck, als hätte der Organismus nicht die Kraft, richtig zu reagieren. Aber trotz dieser Art der „Verhaltung“ gibt es doch einige hervorstechende Symptome:
  • Innere Kälte und Frieren mit Verlangen nach dem warmen Ofen; schlimmer nach warmen Getränken.

  • Kein Durst im Fieber.

  • Frösteln des ganzen Körpers, die Hände und Füße sind kalt wie Eis, aber Hitze im Kopf mit heißen, roten Wangen.

  • Inneres Frieren mit heißen Händen und heißen Ohrläppchen.

  • Hitze manchmal nur auf der rechten Körperseite.

  • Schweiß nur auf der rechten Seite des Gesichtes.

Alumina silicata

Essenzielle Merkmale
Dies ist ein weiteres interessantes Mittel, über das wir nicht genügend Informationen haben. Der größte Teil der im folgenden dargestellten Symptomatologie stammt von Kent und aus den wenigen Fällen, in denen ich es verschrieben habe. Ich bin aber überzeugt davon, dass dieses Mittel einen sehr hohen Stellenwert erlangen wird, sobald wir mehr darüber wissen.
Hierbei handelt es sich um ein Medikament, das für die tiefsten und hartnäckigsten, zähesten Fälle benötigt wird, denen man in seiner homöopathischen Laufbahn begegnet. Die Prüfungssymptome von Alumina silicata enthalten Elemente von allen drei chemisch mit ihm verwandten Mitteln: ALUMEN, ALUMINA und SILICEA – und dennoch besitzt es seine eigene Individualität. Eine erstaunliche Beobachtung aus meiner Erfahrung ist, dass diejenigen Patienten, die dieses Mittel benötigen, Symptome aufweisen, die zwar nach außen hin nicht sehr dramatisch oder hervorstechend sind, jedoch durch ihre Tiefe und ihre Beständigkeit beunruhigen.
Sich langsam entwickelnde, hartnäckige Pathologien
Es scheint, dass die Alumina-silicata-Symptomatologie, sobald sie sich einmal festgesetzt hat, permanent bestehen bleibt, ohne irgendwelche Zeitintervalle; das Leiden dieser Patienten ist sehr beständig, Tag und Nacht gleich bleibend, ohne Unterbrechung. Der Patient wird Opfer der tiefsten und lästigsten Symptomatologie. Das daraus resultierende schleichende, aber unablässige Leiden ist ein auffallendes Element dieses Mittels. Ein Beispiel hierfür ist der Fall einer Frau, die über eine unbestimmte Mattigkeit klagte und jahrelang die meiste Zeit des Tages im Bett verbrachte.
So verlangsamt Alumina silicata die Tätigkeit des Organismus und beeinträchtigt seine Abwehrmechanismen, was den Patienten in einem elenden Zustand zurücklässt. Das Gehirn scheint überhaupt nicht oder nur sehr langsam zu arbeiten, als sei der Verstand ständig getrübt. Es gibt keinen einzigen Moment, in dem der Verstand klar zu sein scheint, und nur abends tritt eine ganz geringe Besserung ein. Der Patient klagt darüber, dass seine Gedankentätigkeit sich in solchem Maße vermindert habe, dass er sich als ein völlig nutzloses Individuum fühlt. Ein typischer Ausdruck ist: „Ich bin ein Invalide geworden.“ Er verabscheut jede geistige Arbeit, und nach und nach gibt er seine alltäglichen Aktivitäten auf, eine nach der anderen. Dieser Prozess dauert eine lange Zeit, der Alumina-silicata-Zustand braucht Jahre, um sich zu entwickeln, doch es ist ein stetiger, unbeirrbar fortschreitender Verfall des Organismus.
Eine Warnung bezüglich dieses Mittels sei an dieser Stelle angebracht: Wechseln Sie das Mittel nicht voreilig, wenn Sie innerhalb von zwei oder gar drei Monaten noch keine deutlichen Wirkungen sehen. Ebenso wie der Organismus lange braucht, um die Störung zu manifestieren, wird auch der Heilungsprozess viel Zeit benötigen. Jedoch sollten, um solch langes Warten zu rechtfertigen, in der ersten Zeit nach der Mittelgabe doch schon einige subtile, wenn auch ganz geringfügige Veränderungen beobachtet werden, besonders in Bezug auf das Energieniveau und die geistige Klarheit.
Betroffene Organe und Organsysteme
  • Dieser langsame Entwicklungsprozess der Pathologie betrifft auch das periphere Nervensystem, in dem wir ein sehr langsames, graduelles Fortschreiten von Paralyse beobachten. Die Extremitäten werden immer schwerer; der Körper fühlt sich von Tag zu Tag schwerer an, sodass der Patient schließlich seine Beine nicht mehr stark genug anheben kann, um ein paar Stufen hinaufzugehen. Seine Trägheit wird so groß, dass sie ihn ins Bett zwingt.

  • Ein ähnliches Muster gilt für die Obstipation von Alumina silicata, die so hartnäckig, so zäh und beharrlich ist, dass nichts hilft. Diese Patienten werden die Geschichte einer progressiven Obstipation beschreiben, die zu Anfang gar nicht so beschwerlich war, schließlich dann aber bis zu dem Grade fortgeschritten ist, dass Laxative keinerlei Besserung mehr bewirken. Selbst bei weichem Stuhl müssen sich die Patienten sehr anstrengen, und es wird nur eine kleine, unbefriedigende Menge hervorgebracht.

  • Verbunden mit diesen Zuständen kann man chronische hartnäckige Kopfschmerzen vorfinden, wobei der Patient über unbestimmte Kopfschmerzen klagt, die zwar nicht heftig, nicht unerträglich sind, aber seine geistigen Fähigkeiten zu lähmen scheinen, ihn eben „nutzlos“ machen. Solche Kopfschmerzen können so beharrlich und lästig sein, dass diese Menschen selbst ihren Alltagsverrichtungen nicht mehr nachkommen können; ihr Geistes- und Gemütszustand ist wie benebelt, und sie werden reizbar, jähzornig und unzufrieden. In solchen Fällen bekommt der Arzt den Eindruck, dass die Leber des Patienten nicht richtig funktioniert, dass sie träge und schwerfällig arbeitet und kongestioniert ist, sich das Blut darin angestaut hat. Auch im Zusammenhang mit Gallenbeschwerden können bei Alumina silicata Kopfschmerzen auftreten.

Der Patient kann keinerlei schwere Speisen zu sich nehmen, und die Erfahrung lehrt ihn, gut darauf zu achten, dass alles, was er zu sich nimmt, rein, einfach und leicht verdaulich ist. Oft muss er vollständig fasten, um einen erträglichen Gesundheitszustand aufrechtzuerhalten. Das Fasten scheint die Kopfschmerzen, die Obstipation, die Trägheit der Leber sowie die Benebelung von Geist und Gemüt zu bessern – es scheint generell die allgemeine Kongestion des Organismus zu lindern.
Man ist erstaunt, wie diese Menschen ihre Situation ertragen, wie sie geduldig ausharren, während sie laufend Gewicht verlieren, ausgezehrt und anämisch werden, durch jegliche zu schwere Speise sowie durch kaltes oder nasses Wetter Beeinträchtigungen hinnehmen müssen, ständig müde sind und häufige Ruhepausen brauchen. Ruhe und Wärme verschaffen diesen Patienten ihre größte Besserung, obwohl sie auch Hitze im Kopf verspüren und Verlangen nach frischer Luft haben können. Jede starke Erregung oder kräftige Bewegung wird ihren Zustand verschlimmern.
Geist und Gemüt
Alumina-silicata-Patienten sind verschlossen, und Jahr für Jahr werden sie fortschreitend verzagter, introvertierter, reservierter und immer unfähiger, sich den Anforderungen des Lebens zu stellen. Sie sind sehr empfindlich gegen Kritik und leicht beleidigt, verstecken jedoch ihre Empfindlichkeit; sie leiden im stillen und in der Tiefe und machen aus ihrem Leiden kein großes Thema. Sie suchen die Einsamkeit, die Anwesenheit anderer Menschen verschlimmert ihre Symptome. Nur wenn sie sehr niedergeschlagen sind, verschafft ihnen das Gespräch mit einem Freund über ihr Elend und ihre Niedergeschlagenheit etwas Erleichterung. Aber Menschenmengen mögen sie auch dann nicht, nur die Gesellschaft einer einzigen Person. Dieses Verlangen nach Einsamkeit ähnelt dem von SEPIA. Alumina-silicata-Patienten fühlen sich besser, wenn sie allein sind, und haben überhaupt in einigen Aspekten Ähnlichkeit mit SEPIA-Patienten, besonders was den allgemeinen Energiezustand betrifft.
Alumina-silicata-Patienten sind reizbar, kritisch und unzufrieden, niemals glücklich oder zufriedengestellt. Sie scheinen unfähig zu sein, die guten, die schönen Dinge des Lebens zu genießen; an irgendetwas nehmen sie immer Anstoß, sie sind eben einfach mit allem unzufrieden. Sie können keinen Widerspruch ertragen, und infolge ihrer leichten Verletzlichkeit weinen sie häufig. Sie mögen es nicht, in Streitgespräche verwickelt zu werden, denn sie wissen, dass sie, wenn sie wütend werden oder sich aufregen, einen hohen Preis bezahlen werden – noch mehr Kopfschmerzen, mehr Zusammenschnürungsgefühle, verschlimmerte geistige Benebelung, allgemein größeres Elend. Allmählich werden sie immer mürrischer, gereizter und schlechter gelaunt.
Weil sie nicht klar denken können, ihre geistigen Fähigkeiten abnehmen, werden diese Personen unentschlossen und entwickeln, wie schon erwähnt, eine Abneigung gegen Arbeit. Sie fühlen sich geistig ermüdet, erschöpft. Wenn sie sich zum Lernen oder zu irgendeiner geistigen Arbeit zwingen, verschlimmert sich ihr Zustand; durch geistige Arbeit können sich sogar Symptome entwickeln.
Benommenheit, Schwierigkeiten beim Denken und Verstehen, schwierige Konzentration – all dies ist charakteristisch für Alumina silicata, aber die schlimmste Zeit ist morgens beim Erwachen. Zu dieser Zeit fühlen sich die Patienten sehr verwirrt, als sei ihr Gehirn kongestioniert und schwerfällig. Sie sind zerstreut und werden von Gedächtnisschwäche und Gedankenarmut geplagt. Sie neigen dazu, beim Sprechen und Schreiben Fehler zu machen, sie benutzen falsche Worte. Als wäre dies noch nicht genug, entwickeln sie mitten in dieser geistigen Verwirrung eine Angst, als seien sie schuldig, als hätten sie ein Verbrechen begangen. Sie machen sich ständig Vorwürfe und neigen zur Reue. Sie entwickeln auch eine Angst um ihre Gesundheit, die, obwohl sie oft gar nicht wahrgenommen, nicht bewusst wird, sich doch in ihrem Verhalten zeigt. Abends, in der Nacht und nach dem Schlaf sind sie ängstlich. Schließlich werden sie von Furcht erfüllt, befinden sich in einem beständigen Zustand von Furcht, besonders morgens beim Erwachen. Sie beginnen zu befürchten, dass sie den Verstand verlieren. Diese Angst um ihre geistige Gesundheit steigt ebenfalls hauptsächlich morgens beim Erwachen herauf, wenn sie am stärksten verwirrt sind. Eine solche Patientin denkt dann z. B., sie werde kleiner und werde hinfallen, wenn sie sich auf die Füße stelle.
Bei all diesen Problemen überrascht es nicht, dass ein Alumina-silicata-Patient häufig apathisch wird und schließlich so niedergeschlagen ist, dass er das Gefühl hat, so nicht weiterleben zu können. Er möchte sterben; er verabscheut sein Leben und hegt Selbstmordgedanken.
Schließlich entwickelt sich möglicherweise eine passive Geisteskrankheit mit großer geistiger Schwäche, religiösen Neurosen oder Erregungszuständen und hysterischem Lachen.
Auswahl an Symptomen: Allgemeinsymptome und Keynotes
  • Der Alumina-silicata-Patient hat ein Verlangen nach frischer Luft, aber kalte Luft sowie Kälte im Allgemeinen verschlimmern alle Beschwerden; es geht ihm sehr viel schlechter, wenn ihm kalt wird, nach Kälteeinwirkung. Starke Kälteempfindung während der Schmerzen. Sogar Frösteln nach dem Essen oder beim Stuhlgang kann vorkommen. (Aber kalte Anwendungen bessern den Kopfschmerz und das Jucken und Kribbeln der weiblichen Genitalien.)

  • Verschlechterung durch kalte Getränke – kaltes Wasser, Milch –, aber auch durch zu heißes Essen.

  • Wärme und warme Anwendungen bessern, aber ein geschlossener warmer Raum verschlechtert, und die extreme Sommerhitze nimmt diesen Patienten die Kraft. Sie möchten am Körper warm eingepackt sein, aber den Kopf in der kalten Luft haben.

  • Alle Schmerzen werden durch Aufregung und Bewegung schlimmer und bessern sich durch vollständige Ruhe, vor allem Bettruhe. (Doch werden einige Symptome auch schlimmer durch Bettruhe oder beim Liegen auf dem Rücken.)

  • Schnelles Gehen, Heben und einfach jedwede Anstrengung verschlimmert, sogar Stehen, Aufstehen vom Stuhl oder aus dem Bett sowie Treppensteigen.

  • Das Gehirn, die Wirbelsäule und die abdominalen Gewebe sind äußerst empfindlich gegen Erschütterung, z. B. beim Fahren im Auto oder mit der Eisenbahn. Druck kann den Schmerz bessern oder auch verschlimmern.

  • Der Patient erfährt eine Besserung durch Fasten; seine allgemeine Verfassung bessert sich, wenn er nichts oder nur sehr, sehr kleine Mengen isst – und das tut er auch, ganz streng und eisern.

  • Konstriktion ist ein Allgemeinsymptom, das man in allen Teilen des Körpers finden kann; charakteristisch ist auch ein Zusammenschnürungsgefühl der Körperöffnungen oder Organmündungen. Empfindung von Völle im ganzen Körper, mit angeschwollenen, aufgetriebenen Venen und begleitet von Schwächezuständen.

  • Alumina silicata weist viele neurologische Symptome auf und ist höchstwahrscheinlich ein sehr wichtiges Mittel für chronische Erkrankungen des Gehirns, des Rückenmarks und der Nerven:

    • Epileptische und epileptiforme Konvulsionen.

    • Multiple Neuritis, Multiple Sklerose, lokomotorische Ataxie.

    • Nervenentzündungen.

    • Zittern und Zuckungen überall.

    • Paralyse der unteren Körperhälfte: schmerzhafte oder schmerzlose Lähmung der Beine, Lähmung des Rektums, paralytische Blasenschwäche.

    • Der ganze Körper ist gegen Druck und Berührung empfindlich; brennende, stechende, reißende Schmerzen wandern von einer Stelle zur anderen.

    • Schmerzen in den unteren Extremitäten durch Aufregung; brennende Schmerzen in den Armen durch Aufregung.

    • Empfindung von Krabbeln, als seien Ameisen im Gehirn; diese Empfindung zieht durch den ganzen Körper und verlässt ihn durch die Zehen.

    • Reißende Schmerzen, schmerzhaftes Jucken und Ameisenlaufen entlang der Nervenbahnen.

    • Prickeln, Kribbeln und heftiges Jucken ohne Hautausschlag. Taubheit einzelner Körperstellen und schmerzender Körperteile.

    • Taubheit aller Glieder, der Hände und Finger, Füße und Fersen. Taubheit der ersten beiden Zehen des rechten Fußes beim Liegen auf dem Rücken.

  • Schwäche und Ungeschicklichkeit der Gliedmaßen. Er ist unfähig, Treppen hochzusteigen, es scheint ihm, als könne er seinen Körper nicht auf die nächste Stufe heben. Große Schwäche und Steifheit des Rückens, die die Patientin zwingen, im Bett zu bleiben. Wehtun und Brennen der Wirbelsäule. Rückenschmerzen bei Bewegung, beim Aufstehen vom Sitzen, beim Bücken oder Gehen; besser durch völliges Stilliegen. Prickeln wie von Nadeln in der Lumbalregion bei Anstrengung, besser durch Ruhe.

  • Schwindel beim Augenschließen, mit der Tendenz, nach vorne zu fallen; beim Drehen des Kopfes Tendenz, in die Richtung zu fallen, in die der Kopf gedreht wird.

  • Blutandrang zum Kopf mit siedendem, brodelndem Gefühl und mit Kälte des Hinterkopfs.

  • Geräusche machen ihr sehr zu schaffen, wenn sie Kopfschmerzen hat, der Kopfschmerz wird dadurch pulsierend, und wenn etwas auf den Boden fällt, hat sie das Gefühl, es falle auf ihren schmerzenden Kopf.

  • Wenn ein lanzinierender, ein bohrender, stechender Schmerz im Kopf auftritt, wird der Mund so trocken, dass die Lippen zusammenkleben.

  • Dumpfer Schmerz in der Nase beim Einatmen, erstreckt sich aufwärts bis zur Mitte des Scheitels.

  • Liegen auf der rechten Seite verursacht Hustenanfälle. Husten nach dem Essen und bei Kopfschmerz.

  • Gesteigerter Appetit, aber bereits der erste Bissen verursacht Übelkeit. Der Anblick von Speisen oder auch schon der Gedanke daran ruft Übelkeit hervor. Speisen sind geschmacklos. Wasser schmeckt wie verdorben.

  • Die Nägel werden brüchig; die Hände sind ständig aufgesprungen; Kälte der Hände, Beine und Füße; die Hände sind eiskalt, die Finger blau. Ulzerationen um die Nägel herum. Wunden heilen langsam.

Der Schlaf ist ruhelos mit häufigem Erwachen, voller Alpträume, mit Sprechen oder Weinen im Schlaf.

Ambra grisea

Essenzielle Merkmale
Das Schlüsselwort, das den geistig-emotionalen Zustand des Ambra-Patienten am besten beschreibt, ist Hemmung. Der größte Teil der Symptomatologie dieses Mittels dreht sich um die Thematik der Unfähigkeit, sich in Gesellschaft anderer zu lockern, zu entspannen und mit anderen in einen Austausch zu treten – eine Unfähigkeit, sich gehen zu lassen.
Wenn wir jedoch Kents exzellente Beschreibung dieser Arznei lesen, werden wir diese Idee nicht klar dargestellt finden, weil Kent sehr nachdrücklich einen Zustand beschreibt, in dem der Patient redet und redet, ohne eigentlich zu wissen wovon. Er stellt Fragen, ohne auf die Antwort zu warten, und springt von einem Gegenstand zum anderen. Ich glaube, dass diese Beschreibung dem Lernenden einen falschen Eindruck vermitteln kann. Mir ging es jedenfalls so, bis ich einige äußerst zurückhaltende Patienten sah, die sich nicht öffnen konnten und nichts über sich erzählten und die dennoch konstitutionelle Ambra-Patienten waren. Diese Patienten haben mir geholfen, die innere Struktur dieser Arznei besser zu verstehen.
Angst zu versagen, Schüchternheit
Ein Ambra-Fall manifestiert sich, sobald eine Person mit der Idee des „Versagens“ konfrontiert wird. Diese kann Ambra-Patienten recht leicht von anderen aufgezwungen werden, besonders wenn sie mehrfach von anderen herabgesetzt werden, oder es kann sich auch um ein objektives Versagen handeln, so etwa, wenn sie einen schweren Verlust in ihren Geschäften erleiden oder bei ihrer Arbeit etwas schiefgeht. Sie scheinen beinahe sofort ihr Selbstvertrauen zu verlieren, ziehen sich auf sich selbst zurück und entwickeln schließlich eine ungeheure Scheu, eine ausgeprägte Schüchternheit, wenn sie mit anderen zusammen sind. Es ist, als seien sie gleichsam innerlich verknotet, der Geist scheint die Arbeit einzustellen, und es wird ihnen unmöglich, irgendetwas auszudrücken. Tatsächlich fließen die Gedanken einfach nicht, wenn sie sich in Gegenwart anderer befinden. Der Geist wird verkrampft, gehemmt, die Wahrnehmung hört auf, und der Ausdruck wird gegen Null reduziert. Es ist ihnen unmöglich, mit anderen in Konversation zu treten, besonders wenn sie die anderen nicht gut kennen. Bei Hering heißt es: „Gesprächen abgeneigt“, aber der wirkliche Grund dafür ist ihr Geisteszustand. Die Patienten sind unfähig, die Situation wahrzunehmen und zu reflektieren.
Aber Ambra-Patienten sind emotionale, gefühlsbetonte Menschen, und leiden daher schrecklich unter dieser Hemmung. Sie brauchen eine Möglichkeit, sich auszudrücken, aber wenn sie in Gesellschaft anderer Menschen sind, werden sie still. Sie werden dann in Phantasien ausweichen, um ihre psychischen Bedürfnisse auszugleichen. Diese Menschen sind sehr leicht erregbar und sehr leicht deprimiert. Es ist nicht schwer, die Wechselhaftigkeit ihrer Neigungen wahrzunehmen.
Empfindlich gegenüber Musik
Ambra-Patienten sind besonders empfindlich gegenüber Musik. „Die Töne schienen materielle Substanzen zu sein, die ihn ergriffen.“ Kent schrieb die Verschlechterung ihres Zustands durch Musik auch dem Umstand zu, dass ihr Gehör vermindert sei, aber von den Fällen her, die ich gesehen habe, verstehe ich diese Verschlechterung in einer anderen Weise: Da Musik eine emotionale Reaktion hervorruft und die Patienten sich nicht in der Lage fühlen, mit einer solchen Reaktion natürlich umzugehen, nämlich die Emotionen auszudrücken, die von den Tönen der Musik aufgewühlt werden, sind sie innerlich in einem tiefen Zwiespalt, und daher haben sie das Gefühl, dass sie Musik nicht ertragen können, dass ihr Zustand durch Musik extrem verschlechtert wird. Sie zittern, haben Herzklopfen und sogar Rückenschmerzen wie von Hammerschlägen, und eine Menge anderer Beschwerden entwickelt sich, wenn sie Musik hören. Manchmal sind die Emotionen auch so stark aufgewühlt, dass sie die ganze Zeit weinen könnten. Dieses letztere Symptom zeigt, wie tief Musik sie berührt.
Sexualität
Kommen wir nun zur Sexualität der Ambra-grisea-Patienten. Wenn wir ihr geistig-emotionales Bild berücksichtigen, werden wir die Probleme, denen sie in ihrem Sexualleben begegnen, gut verstehen. Da sie leicht erregbar sind (allgemein, aber auch im sexuellen Sinn) und zu Phantasien neigen, aber unfähig sind, eine echte Beziehung aufzunehmen und zu unterhalten, ist es verständlich, dass sie dazu tendieren, sich auf Masturbation zurückzuziehen. Es ist eine verzweifelte Situation, weil sie fühlen, dass sie den physischen Kontakt brauchen. Sie haben laszive Gedanken, laszive Vorstellungen sogar in ihren Träumen; dennoch sind sie so gehemmt, schüchtern und verlegen, dass es sehr schwierig für sie ist, eine Beziehung einzugehen. Aus diesem Grunde sehen wir bei ihnen dauernde Masturbation über lange Zeit mit Schuldgefühlen.
Entwicklung der Ambra-Pathologie
In der heutigen Zeit ist es wahrscheinlich, dass beinahe alle diese Patienten schon etliche Male bei einem Psychiater oder, eher noch, bei einem Psychologen waren. Am Ende kann es schließlich sein, dass sie selbst Psychologen werden. So groß ist die Qual, der sie in ihrem sozialen Leben ausgesetzt sind. Wir hatten z. B. eine Psychologin zu behandeln, für die wir die richtige Arznei nicht finden konnten, da sie weder ihre Symptome schildern konnte noch den Auslöser ihrer chronischen Colitis kannte, bis ich tiefer nachforschte und diese ungeheure Hemmung fand, die mich auf die richtige Spur führte. Sogar jetzt, wo sie etliche ihrer Ausdrucksschwierigkeiten überwunden zu haben scheint, neigt sie dazu, zu rationalisieren und nur solche Symptome darzustellen, die ihre wirklichen mentalen oder emotionalen Probleme nicht berühren.
Ambra-Patienten können in der Vergangenheit Menschen mit viel Selbstvertrauen gewesen sein, tatsächlich sogar beinahe egoistisch – und doch sind sie nach einem „Versagen“ oder nach einer Belastung durch eine verletzende Bemerkung, durch den Druck eines geschäftlichen Einbruchs oder durch den Tod einer Reihe von Menschen, auf die sie sich verlassen haben, in eine entgegengesetzte Verfassung geraten. Sie fangen an, ernstlich ihre geistigen Fähigkeiten in Frage zu stellen, sie verlieren ihr Selbstvertrauen völlig, sie verlieren ihre Selbstachtung, und ihr Geist wird geradezu gelähmt durch Gedanken über ihre Unfähigkeit. Von diesem Punkt an wird man bemerken, dass sie beginnen, das Zusammentreffen mit anderen Menschen zu meiden. Die bloße Vorstellung, einen neuen Menschen bei einer geschäftlichen Verabredung oder auf sozialer Ebene kennenzulernen, bringt sie ganz durcheinander. Die Erwartung, Leute zu treffen, ist eine Qual für sie. Sie merken, dass sie sich zu ihrer geistigen Arbeit nicht aufraffen können, werden physisch empfindungslos und schwach, nervös und zappelig, und Geräusche verschlimmern ihren Zustand. Sie können nicht in den Schlaf finden. Es ist ihnen eine schreckliche Anstrengung, ihrerseits eine Konversation aufrechtzuerhalten; sie haben tatsächlich das Gefühl, dass ihre eigene Persönlichkeit bei der Unterhaltung gar nicht anwesend sei, sie zittern, ihr Gesicht zuckt, ein träumerischer oder benommener Zustand überkommt sie, und alle Ideen, die sie vielleicht hatten, scheinen zu schwinden. Die Repertoriumsrubriken „Unterhaltung verschlimmert“ und „Abneigung gegen Unterhaltung“ sind in diesem Kontext zu verstehen.
Bei Ambra-Patienten besteht eine derartige Schwierigkeit, mit anderen auf irgendeiner Ebene zu kommunizieren, dass sie eine Abneigung empfinden, wenn sie Menschen lachen sehen – beinahe bis hin zum Abscheu. Dieses Symptom kann man nicht verstehen, ohne das ganze Bild dieser Arznei wahrzunehmen. Lachen ist ein freier Ausdruck von Emotionen und tritt auf, wenn sich jemand in einem gegebenen Moment frei fühlt, seinen emotionalen Zustand völlig offen zu zeigen. Und es ist ein Ausdruck des Inneren, der eine Teilnahme der anderen Person geradezu fordert. Doch die innere Verfassung des Ambra-Patienten erlaubt ihm nicht,loszulassen“ und zu einer Haltung zu kommen, die ihn in die Lage versetzt, sich einer solchen, völlig natürlichen Situation zu öffnen. Natürlich fühlen sich die Patienten deswegen sehr schlecht; sie sind verwirrt, und ihr Zustand ist allgemein verschlechtert.
Man darf aber nun nicht etwa annehmen, dass Ambra-Patienten niemals lachen. Sobald jedoch bei einer sozialen Zusammenkunft auch Fremde anwesend sind, ist ihr Geist so verwirrt, dass sie nicht gleich mitkriegen, wenn jemand einen Witz macht, und dass sie den Witz nicht sofort verstehen – und das ist dann die Situation, in der sie es hassen, andere lachen zu sehen. Es ist ein Zustand der Verlegenheit. In dieser Weise müssen wir das Symptom „Ekel, wenn er andere lachen sieht“ verstehen, dem wir in unserer Materia medica begegnen.
Die Schüchternheit, die Scheu und die Hemmung sind unglaublich. Ambra wird nicht selten mit baryta carbonicaBARYTA CARBONICA, gelsemiumGELSEMIUM oder aluminaALUMINA verwechselt. Wenn Ambra-Patienten sich schämen, wird ihr Gesicht rot und heiß, als koche es. Sie erröten sehr leicht.
In der Öffentlichkeit, im Kontakt mit anderen
Es ist ihnen unmöglich, in der Öffentlichkeit aufzutreten und einen Vortrag zu halten. Oft sehen wir auch eine Klaustrophobie – sie mögen nicht an Orte gehen, an denen sich viele Menschen aufhalten, und ebenso wenig mögen sie enge Räume.
In der Gegenwart anderer Menschen scheint ihre Persönlichkeit auf ein Minimum reduziert und schließlich beinahe völlig eliminiert zu sein – sie werden „nicht-existent“. Sie fühlen sich völlig gehemmt, irgendetwas auszudrücken, und daher scheint jede Konversation, die ja eine gewisse Geistesgegenwart erfordert, ihren Zustand zu verschlimmern. Während einer Unterhaltung werden sie reizbar, ruhelos und ängstlich, und wenn sie irgendwo Schmerzen haben, fühlen sie diese viel stärker. Wenn Ambra-Patienten emotional aufgewühlt sind, teilen sie diese Gefühle nicht anderen Menschen mit, sondern bekommen davon körperliche Schmerzen und Unwohlsein. Diese geistig-emotionale Schwäche ist Zeichen eines geistigen Zusammenbruchs und vorzeitiger Alterung. Dauert ein solcher Zustand an, wird man schließlich z. B. eine ältere Dame sehen, die sich ihr ganzes Leben lang bewusst darum bemüht hat, am sozialen Leben teilzunehmen, die sich aber nun allmählich von der Realität zu entfernen scheint und in einen Geisteszustand wie im Traum verfällt. In der Unterhaltung wird sie Bizarres von sich geben, von einem Gegenstand zum anderen springen, eine Frage nach der anderen stellen, ohne eine Antwort zu erwarten. Dieses Verhalten kann man als eine Art Geisteskrankheit betrachten. Die Person befindet sich in einem unausgeglichenen Geisteszustand. Sie hat sich vor dem Zusammentreffen mit anderen Menschen, die ihr fremd sind, dazu entschlossen, sich „sozial“ zu verhalten, mit jedem zu reden, die Schüchternheit zu überwinden etc. Sobald sie jedoch in der Gegenwart anderer ist, umwölkt sich der Geist, wird schwach und unklar, die Hände zittern, das Gesicht zuckt – es wird ihr unmöglich, eine richtige Unterhaltung aufrechtzuerhalten. Kent beschreibt diesen Zustand sehr schön: „Wir sehen Zittern und eine besondere Art von Gebrechlichkeit, die man nicht anders beschreiben kann als mit dem Wort ‚Senilität‘. Es handelt sich nicht um die Verwirrung, die zu einer Krankheit gehört, sondern um den besonderen Zustand, den wir bei alten Menschen gegen Ende ihres Lebens sehen – Zittern und Taumeln und eine verschwommene Geistesverfassung mit Vergesslichkeit. Er springt von einem Gegenstand zum anderen, stellt eine Frage, und ehe er eine Antwort abgewartet hat, stellt er die nächste. Und so springt er von einem Thema zum anderen. Man kann es kaum als Verwirrung bezeichnen, es ist ein verschwommener Zustand der Unklarheit, eben Senilität. Ambra ist nützlich, wenn man einen solchen Zustand bei jungen Menschen vorfindet, wenn keine Geisteskrankheit vorliegt, aber der Geist dennoch schwach ist. Es ist besonders indiziert bei Menschen, die eine vorübergehende, flüchtige Neugierde entwickeln, bei der sie von einem Gegenstand zum anderen springen.“ Dennoch wird es in der täglichen Praxis kaum vorkommen, dass ein Patient erzählt: „Ich stelle dauernd Fragen, ohne auf eine Antwort zu warten“, oder: „Ich springe von einem Gegenstand zum anderen.“ Wenn einem diese Arznei aber während des Anamnesegespräches in den Sinn gekommen ist und man dem Patienten beschreibt, was er tut, wird er es sofort zugeben.
Bei einem konstitutionellen Ambra-grisea-Fall wird man aber aus dem, was der Patient erzählt, leicht erkennen, dass das hervorstechendste Element der mental-emotionalen Symptomatologie die Schüchternheit und Hemmung ist, und der Zustand, der dadurch charakterisiert ist, tritt viel früher ein als der verschwommene Geisteszustand, dieser Zustand der Unklarheit wie im Traume.
Die Qual, mit anderen zusammen zu sein oder in der Öffentlichkeit auftreten zu müssen, ist so groß, dass viele Ambra-Patienten schließlich menschenfeindlich werden. Sie werden nur noch selten mit Fremden ausgehen und immer in Gesellschaft solcher Menschen bleiben, bei denen sie sich sicher fühlen.
Schwierigkeiten bei der Stuhlentleerung
Die Hauptidee, die wir bis jetzt beschrieben haben, insbesondere die Hemmung, tritt auch in Bezug auf den Stuhlgang auf. Wenn irgendjemand dabei anwesend ist, ist es den Ambra-Patienten unmöglich, „loszulassen“ und den Darm zu entleeren. Sind sie im Krankenhaus, können sie in Anwesenheit der Schwester nicht defäkieren; sind sie im Hause eines Freundes, können sie es wegen der bloßen Vorstellung nicht, sie könnten dabei gehört werden. Selbst wenn sie bei sich zu Hause sind und jemand in der Nähe der Toilette ist, der die Geräusche dieser natürlichen Entleerung hören könnte, können sie auf der Toilette in einen Angstzustand mit vergeblichem Stuhldrang geraten. Der Organismus scheint nicht in der Lage zu sein, sich zu entspannen und den Stuhl „gehen zu lassen“. Um einen normalen Stuhlgang zu haben, müssen sie in Ruhe und allein im Hause sein. Das gleiche gilt für das Urinieren und das Lösen von Winden.
Jeder Student der Homöopathie weiß, dass dies ein Schlüsselsymptom der Arznei ist, aber wir müssen immer das Gesamtbild der Arznei betrachten, wenn wir ein einzelnes Symptom richtig verstehen wollen. Es liegt in der Natur der Ambra-Patienten, sich schreckliche Sorgen um die Meinung zu machen, die andere von ihnen haben: „Was werden sie über mich sagen?“ oder: „Was werden sie über mich denken?“, besonders wenn etwas „Schlechtes“ herauskommt. Diese Vorstellung durchdringt alle Ebenen, und sie scheint die Patienten so tief zu betreffen, dass jeder natürliche Ausdruck, alle natürlichen Entleerungen zurückgehalten werden.
Es kann z. B. auch sein, dass Ambra-grisea-Patienten schwitzen und sich dabei ohne Grund ängstlich fühlen oder auch deshalb, weil der Schweiß ja übelriechend sein könnte und sie dadurch andere stören könnten. Sie tun alles, um andere zu erfreuen, sie nicht zu verletzen oder zu verstimmen. Sie können nie „nein“ sagen. „Manchmal beschließe ich, ‚nein‘ zu sagen, und im entscheidenden Moment kann ich es dann nicht. Einmal habe ich es doch getan, und nachher ging es mir schlecht.“ Die Vorstellung, andere könnten sie durch eine kränkende Bemerkung herabsetzen, ist ihnen unerträglich. So werden sie versuchen, es allen recht zu machen – außer sich selbst.
Abnehmende geistige Fähigkeiten
Man kann nun leicht verstehen, dass die geistigen Fähigkeiten der Patienten abnehmen werden, wenn dieser Zustand sich weiterentwickelt. Es kommt zu Vergesslichkeit, Stumpfheit, ein Torpor des Geistes stellt sich ein, in dem die Ambra-Patienten nicht verstehen, was sie lesen, und daher einen Satz zwei- oder dreimal lesen müssen, um den Sinn zu erfassen. Sie sind unfähig zu rechnen. Der Patient hat Schwierigkeiten, zu denken und zu verstehen. „Er muss mehrfach eine ungewöhnliche Anstrengung auf sich nehmen, um seine Gedanken wieder auf die Reihe zu kriegen, ehe er sich so weit konzentrieren kann, dass er über einen Gegenstand nachdenken kann.“ „Er steht morgens mit Verwirrung und Dumpfheit des Geistes auf und ist in einem Zustand der Verträumtheit, und gegen Abend zeigt er Symptome von Geisteskrankheit.“ (Kent). Die Fähigkeit zur Reflektion ist verloren und die Kraft zu geistiger Tätigkeit nur noch minimal.
Gleichgültigkeit, Depression
Schließlich fallen diese vormals erregbaren Menschen in eine Gleichgültigkeit, in der sie sich um nichts mehr kümmern; einen Zustand der Gleichgültigkeit gegenüber allen Dingen, gegenüber Kummer oder Freude, Menschen etc., und sie behandeln Dinge, die einer ausgeglichenen Person das Herz brechen würden, mit völliger Gleichgültigkeit. Der Patient wundert sich nicht einmal, warum ihn diese wunderbaren Dinge nicht begeistern, so ausgeprägt ist die Gleichgültigkeit.
Perioden der Erregbarkeit und Perioden der Gleichgültigkeit wechseln eine Zeitlang einander ab, bis Traurigkeit, Depression und Verzweiflung überwiegen und die meiste Zeit vorhanden sind. In diesem Zustand haben die Ambra-Patienten das Gefühl, verrückt zu werden, sie sind verzweifelt, weinen die ganze Zeit und möchten nicht mehr leben; es kann zu Abscheu vor dem Leben kommen. Manchmal, z. B. abends im Bett, haben sie große Angst, können nicht schlafen und haben eigentümliche Einbildungen: Zerrbilder, Fratzen, Teufelsgesichter bemächtigen sich ihrer Phantasie, und sie können sie nicht loswerden. Sie liegen wach im Bett und sind sehr verstört. Diese scheußlichen Visionen sind meist nicht die wirklichen Wahnideen von Geisteskranken, sondern eher Phantasiegebilde, die erscheinen, wenn sie müde und im Halbschlaf sind. (Der Patient denkt beim Einschlafen, es sei zuviel Licht im Zimmer. Beim Einschlafen sieht die Patientin, wie sie selbst etwas tut. Beim Erwachen sieht sie die Fenster voller Leute, sie sieht seltsame Lichter etc., und diese Visionen erschrecken sie.)
Sind Ambra-Patienten einmal in den depressiven Zustand geraten, so sitzen sie in tiefe, traurige Gedanken vergraben da und nehmen von ihrer Umgebung keine Notiz, sie brüten dauernd über ihren vergangenen Erfahrungen. Vorfälle, die sich vor langer Zeit zugetragen haben, erscheinen ihnen weiter als lebendige Realität. Alle unangenehmen Dinge der Vergangenheit drängen sich dem Geiste auf. Der Patient kann über alte Verletzungen nicht hinwegkommen, sein Geist kommt immer und immer wieder darauf zurück und wird davon gequält. Das ist ähnlich wie bei natrium muriaticumNATRIUM MURIATICUM, aber NATRIUM-MURIATICUM-Patienten lieben es, sich in solchen schmerzhaften Erfahrungen zu baden, während Ambra-Patienten „von hartnäckigen unangenehmen Dingen gejagt werden“.
Diese Niedergeschlagenheit und Traurigkeit des Ambra-Patienten wird manchmal von Reizbarkeit und Heftigkeit abgelöst. Sie sind sehr erregt, ungeduldig und streitbar, verhalten sich nahezu geisteskrank, und schließlich fürchten sie selbst, dass sie verrückt werden. Es handelt sich um einen Zustand, der der manischen Depression ähnelt.
Meine Schilderung des geistig-emotionalen Bildes von Ambra grisea möchte ich mit einer Bemerkung beenden: Einige unserer Arzneimittellehren betonen den hysterischen Aspekt dieses Mittels, den ich in den Fällen, die ich bisher gesehen habe, nicht wiederfinden konnte; vielmehr bin ich nur den Aspekten begegnet, die ich oben beschrieben habe. Ich erwähne dies, damit man daran denkt, wenn man dem typischen hysterischen Ambra-grisea-Patienten begegnet, den ich selbst noch nicht gesehen habe.

Ambrosia

Ambrosia gehört zur selben Gruppe wie ARALIA, allium cepaALLIUM CEPA, ARUNDO, arsenicum jodatumARSENICUM JODATUM, dulcamaraDULCAMARA, SABADILLA, WYETHIA etc., die alle beinahe als spezifische Heuschnupfenmittel bezeichnet werden können.
Was Ambrosia aber bei Heuschnupfen, über die gewöhnlichen Symptome dieser Krankheit hinaus, charakterisiert, ist ein unerträgliches Jucken der Augenlider und ein Gefühl, als sei der ganze Atmungstrakt verstopft und blockiert. An diese Arznei sollte man denken, wenn die obengenannten Mittel, besonders in Heuschnupfen-Fällen mit der Tendenz zu Asthma, erfolglos gegeben worden sind.
Diarrhö, besonders in den Sommermonaten bei Patienten mit Atemnot oder Heuschnupfen, allergische Patienten, bei denen DULCAMARA versagt hat.
Heuschnupfen mit wässrigem Katarrh, Niesen, brennenden Augen, Tränenfluss und unerträglichem Jucken der Augenlider. Die Reizung hat die Tendenz, abwärts zu ziehen und auch die Trachea und die Bronchien zu affizieren, wobei keuchender Husten und Atemnot hervorgerufen werden; die Atemnot kann so schlimm sein, dass der Patient sich aufsetzen muss, um bequem atmen zu können.
Ambrosia ruft im gesamten Atmungstrakt (Nase, Trachea, Bronchien) und auch im Kopf (besonders in den Stirnhöhlen) das Gefühl hervor, alles sei verstopft. Normalerweise haben Ambrosia-Patienten aber trotz dieses Gefühls in den Lungen keinen Auswurf.
In den Prüfungen von E. E. Holman trat dunkelrotes Gesicht mit rot-kongestionierten Augen und roter, geschwollener Nase auf.

Ammoniacum gummi (dorema)

Essenzielle Merkmale
Ammoniacum gummi wird häufig nicht verschrieben, wenn es angezeigt wäre, stattdessen wird oft zu ANTIMONIUM TARTARICUM gegriffen. Es ist bei Zuständen von Adynamie geeignet, bei denen der untere Atemtrakt mit betroffen ist. Das gilt z. B. für chronische Bronchitis, wenn es den Anschein hat, dass der Organismus so geschwächt ist, dass der Patient sie nicht wieder los wird. Ammoniacum gummi wird hauptsächlich bei ältere Menschen Ammc.älteren Menschen angezeigt sein, oder auch bei Patienten, deren Organismus einen Alterungsprozess durchgemacht hat und bei denen Erkrankungen der Bronchien und der Augen auftreten.
Das ganze Arzneimittelbild beschreibt einen solchen Alterungsprozess, mit geistiger Schwerfälligkeit und Schwierigkeiten beim Denken und Verstehen – eine auffallende geistige Trägheit von einer Art, wie sie vor allem bei älteren Menschen anzutreffen ist.
Diese Patienten verlieren jegliche Lebensfreude, sie werden mürrisch, schlecht gelaunt und verdrießlich, nichts, was um sie herum geschieht, gefällt ihnen, sie sind ständig unzufrieden. Schließlich werden sie apathisch, träge, sind zu keinerlei geistiger Arbeit in der Lage und gleichgültig gegenüber allem, was um sie herum passiert. Dann beginnt die Depression.
Es handelt sich bei diesen Menschen nicht in erster Linie um eine eigentliche Arteriosklerose, sondern eher um einen Zustand allgemeiner Schwäche im gesamten Organismus – eben das, was oben als Alterungsprozess bezeichnet wurde. Sie fühlen sich nicht imstande zu geistiger Arbeit. Tagsüber sind sie schläfrig, aber wenn sie abends zu Bett gehen, spüren sie eine eigenartige Erregung, ohne dass ein besonderer Grund vorliegt, und dadurch liegen sie unruhig wach. Morgens erwachen sie nur langsam, fühlen sich träge, wie benommen und schläfrig, sie wollen am liebsten gar nichts tun.
Ammoniacum gummi hat sich in akuten Fällen von Bronchopneumonie Ammc.Bronchopneumonie als nützlich erwiesen, bei denen der Patient erschöpft wirkt, hohes Fieber hat und die ganze Nacht heftig hustet. Die Verschlimmerung setzt abends gegen 21 Uhr ein und hält die ganze Nacht an, bis zum frühen Morgen gegen 5 Uhr.
Durch den Husten wird viel fadenziehender Schleim Ammc.fadenziehender Schleim, fadenziehenderSchleim ausgeworfen, der leicht und ungehindert heraufgebracht wird. In der Nacht kann sich eine ganze Schale voll ausgeworfenen Schleims ansammeln. Der Patient ist dyspnoisch, fühlt eine Beklemmung in der Brust und, besonders links, stechende Schmerzen. Kennt man den Patienten bereits, wird einem auffallen, dass er in diesem akuten Stadium tatsächlich viel älter aussieht. Sein Geist wirkt lethargisch, er ist mürrisch und launisch und scheint an nichts Interesse zu haben. Er achtet kaum auf denjenigen, der ihn behandelt, oder darauf, dass dieser ihm helfen will; man hat das Gefühl, dass ihm gar nichts daran liegt, seine Symptome mitzuteilen. Oft wird in einem solchen Fall irrtümlich BRYONIA oder ANTIMONIUM TARTARICUM verschrieben. Aus solchen Fehlern lernt man, die richtigen Mittel zur rechten Zeit einzusetzen.
Mit einer ähnlichen Situation kann man es bei Asthma humidum mit Schleimrasseln zu tun haben, wenn bei alten Menschen jeden Winter eine Bronchorrhö auftritt, die sie, wenn sie einmal angefangen hat, nicht wieder loswerden und bei der nachts viel fadenziehender Schleim ausgeworfen wird, mit heftigem Husten, beschleunigtem Puls, Beklemmung der Brust sowie Atembeschwerden mit Beängstigung. Diese Dyspnoe führt aber nicht zur völligen Unterbindung der Atmung; vielmehr gewinnt man den Eindruck, dass der Organismus einfach zu schwach ist, um den zwar nicht sehr schweren, aber doch jedes Jahr wiederkehrenden Bronchialkatarrh loszuwerden.
Allgemeinsymptome und Keynotes
  • Ammoniacum gummi wirkt auf die Schleimhäute, indem es die Sekretion zunächst vermindert und sie dann Sekretion der Schleimhäute, verstärkt Ammc.verstärkt. Es wirkt am besten bei älteren Menschen.

  • Die Symptome verschlimmern sich an kalter Luft und bei wolkigem Wetter, bei nasskaltem Wetter und im Winter, schlechter im Ammc.Winter. Auch körperliche Anstrengung verschlimmert den Zustand des Patienten. Die Zeit der Verschlimmerung ist nachts.

  • Trägheit des Körpers morgens beim Aufstehen.

  • Schwäche durch Bewegung und beim Aufstehen.

  • Die Beschwerden treten mit jährlicher Periodizität auf, wobei der Winter die schlimmste Zeit ist.

Lokalsymptome
KopfDer Patient leidet unter Kopfschmerzen, die mit Stirnhöhlenentzündung einhergehen und sehr an KALIUM BICHROMICUM erinnern. Periodische Kopfschmerzen. Schwere Kopfschmerzen, die die ganze Nacht anhalten und den Patienten am Schlaf hindern.
Verwirrung und Schläfrigkeit, mit einem Zerschlagenheitsgefühl in den Extremitäten. Kopfschmerzen in der Stirn, mit Verwirrung im ganzen Kopf und solcher Schläfrigkeit, dass jede Anstrengung oder Arbeit völlig unmöglich ist. Verwirrung in der Stirn, mit schwachem Sehvermögen und Schwere in den Leisten.
Reißende Schmerzen in der linken Kopfseite. Vorübergehende stechende Schmerzen in der Gegend der linken Schläfe. Stechende Schmerzen durch den Kopf. Häufig wiederkehrende Stiche, wie von einem Messer, in der Mitte der Kopfhaut. Pelziges Gefühl am Hinterkopf. Pusteln am Hinterkopf. Isolierte Pusteln am Haaransatz.
AugenDer Zustand der Augen ähnelt einer Kombination der Symptome von RUTA- und BELLADONNA-Patienten. Die folgenden Augensymptome kann man zusammenfassen als Symptome eines Alterungsprozesses.
  • Die Augen Ermüdung der Augen durch Anstrengung Ammc.ermüden und schmerzen stark, wenn sie beansprucht werden, wie beim Lesen.

  • Vor den Augen bewegen sich eine Menge Sterne, farbige Kreise, feurige Punkte vor den Augen Ammc.feurige Punkte, besonders abends und wenn der Patient müde ist.

  • Lichtstrahlen und Funken vor den Augen. Vor den Augen bewegt sich ständig eine Staubwolke.

  • Trübes, verdunkeltes Sehen abends, fast bis zur Blindheit. Trübes, nebliges Sehen, am Abend und vor allem morgens beim Aufstehen, mit verstärkter Wärme in den Augen.

Gefühl von Trockenheit im Auge. Gefühl, als sei ein Fremdkörper unter dem linken Oberlid. Photophobie selbst bei wolkigem Wetter.
Druck auf den Augen, mit einem dumpfen Stechen, besonders beim Bücken.
Morgens beim Erwachen eitrige Substanz in den inneren Augenwinkeln, besonders rechts.
Gefühl einer Schwellung unter dem Tarsus palpebrae.
OhrenEinzelne, vorübergehende Stiche im rechten Ohr. Summen im Ohr, so laut, dass es das Hören beeinträchtigt.
NaseStändige fächelnde Bewegung der Nasenflügel bei Pneumonie. Schnupfen mit reichlicher Schleimabsonderung und häufigem Niesen. Trockenheit in der Nase, die die Patientin nachts aufwachen lässt.
GesichtBlasses Gesicht. Trockene und brennende Lippen. Gesicht wechselt häufig die Farbe. Dunkles Gesicht, ängstliches, ausgetrocknetes Aussehen.
MundTrockenheit im Mund beim Erwachen. Gelblicher Belag auf der Zunge mit bitterem Geschmack. Fader Geschmack im Mund. Trockene Rauheit an der Zungenspitze und am Zahnfleisch. Zahnschmerzen, die bis zum Ohr ausstrahlen.
HalsTrockenheit am Morgen und beim Einatmen frischer Luft. Kratzende, brennende Empfindung in Hals und Ösophagus. Gefühl, als stecke etwas tief im Hals oder im Ösophagus, das zum Schlucken veranlasst. Nach dem Schlucken eine Empfindung wie von trockenem Husten. Leichte Rauheit im Hals.
AtmungGroße Ansammlung von eitriger Substanz, schwache Expektoration. Brustkatarrh älterer Menschen, mit rasselnder Atmung Ammc.Katarrh; rasselnde Atmung; rasselnder Husten; bei älteren Menschen. Katarrh abwechselnd mit Durchfall. Atembeschwerden durch Schleim in der Trachea. Chronische Bronchitis. Kurze Atmung, mehr im oberen Teil der Lungen, mit Ängstlichkeit und Unbehagen.
Tiefsitzender Husten. Essen bessert den Husten. Eigentümliche Empfindung im Hals, die Husten auslöst; besser nach dem Essen. Lockerer Husten ohne Auswurf. Reichlicher Auswurf. Auswerfen schwierig; bei älteren Menschen. Kitzeln im Hals, ohne Husten.
BrustBeklemmung in der Brust, mit Stichen in der linken Brusthälfte, beim Einatmen. Zusammenschnürung, mit Schmerzen. Ängstlichkeit und Beklemmung in der Brust. Schwäche wird in der Brust gespürt. Leichte, ruckende Stiche um die kurzen Rippen, links.
Herz und PulsNachts beim Liegen Pochen von Herz und Arterien, nachts beim Liegen Ammc.pochen Herz und Arterien; ungewöhnliche Erschöpfung der Augen nach Lesen; kann nicht einschlafen. Herzklopfen, wenn der Patient auf dem Rücken liegt; im Liegen auf der linken Seite. Herzschlag stärker, aber nicht schneller; breitet sich in die Magengrube aus; schlimmer abends beim Schlafengehen und beim Liegen auf dem Rücken oder der linken Seite.
Puls klein und gespannt; beschleunigt und hart.
MagenAppetitlosigkeit während der Regel. Heftiges Aufstoßen. Aufstoßen mit starkem, harzartigem, bitterem Geschmack. Hitzegefühl und leichtes Brennen in der Magengrube. Schmerzen in der Magengrube; Magenschmerzen nach dem Abendessen. Abneigung gegen Milch.
AbdomenIm Abdomen tritt ein eigentümliches Symptom auf, nämlich: Kollern im Abdomen Ammc.Kollern mit weichem Stuhl und viel Blähungen mit einem Gefühl von Verwirrung im Kopf Ammc.Blähungen, mit einem Gefühl von Verwirrung im Kopf, schlimmer nachmittags. Morgens reichlicher Abgang von sauer riechenden Winden. Viele der Schmerzen treten im Hypogastrium auf:
  • Anhaltend dumpfer Schmerz im Hypogastrium. Stechender Schmerz im Hypogastrium in der rechten Leistengegend. Schwere im Hypogastrium wie von einer Last.

  • Frösteln und wandernde Schmerzen im Abdomen.

  • Anhaltend dumpfer Schmerz in der Ileozökalregion, der schlimmer wird, wenn der Patient sich auf die rechte Seite dreht. Dumpfer, stechender, ruckender Schmerz in der Gegend des Zäkum. Einzelne, flüchtige Stiche in der Gegend des Zäkum.

  • Vorübergehende Stiche unter den Rippen und über dem Nabel, vor allem links. Schmerz und Spannung unter dem Nabel, auf der linken Seite. Vorübergehender, schneidender Schmerz um den Nabel.

  • Wiederholtes Stechen in der rechten Leiste. Heftige, schneidende Kolik. Ziehender Schmerz in der Leistengegend. Zucken und Rucken in der Leistengegend. Jucken in der Leistengegend, schlimmer rechts.

  • Schwere und Schmerzen in der Schamgegend.

Rektum und StuhlVerstopfung, zwei bis drei Tage lang kein Stuhlgang. Durchfall mit viel Schleim. Druck auf dem Rektum im Sitzen. Der Stuhl ist breiig; reichlich. Weicher, dünner, flüssiger Stuhl. Reichlicher Stuhl mit Schleim, nach Frösteln und wandernden Schmerzen im Abdomen.
HarnorganeErhöhte Absonderung von Urin und Schweiß bei verringerter Stuhlentleerung. Unterbrochenes Urinieren. Brennen in der Harnröhre beim Wasserlassen. Harntröpfeln nach dem Wasserlassen.
Männliche GenitalienMehrere flüchtige Stiche durch die Fossa navicularis. Beständiges Ziehen im rechten Samenstrang. Ziehen in der Gegend des linken Samenstrangs, das häufig wiederkehrt. Schießende Schmerzen an der Peniswurzel. Ziehende Schmerzen in den Samensträngen am Abend. Ziehende Schmerzen in den Hoden. Stechende Schmerzen im rechten Samenstrang, abends; beim Laufen.
Weibliche GenitalienRegel ausbleibend; unregelmäßig; schmerzhaft:
RückenJucken in der Zervikalregion. Schmerzen in der Lendenregion beim Atmen.
ExtremitätenAmmoniacum-gummi-Patienten haben zahlreiche rheumatische Schmerzen und Schwäche in den Extremitäten.
  • Rheumatische Schmerzen in der rechten Schulter; in der linken Schulter, im Ellbogen; im Handgelenk, im Zeigefinger, in der Hüfte, an der Innenseite des Oberschenkels, über dem Knie, im Knie, im Fuß, in den Fußsohlen.

  • Schwere in den Extremitäten, müde Glieder; abends. Die Schmerzen sind ziehend, drückend, wund, wie gequetscht oder geprellt.

  • Reißende Schmerzen in Knöcheln und Handgelenken, gefolgt von geschwollenen Zehen und Fingern. Anschwellen der Finger, des Knies, der Zehen. Empfindung von Zerschlagenheit im linken Handgelenk.

  • Stiche im rechten Hüftgelenk; Stiche über dem rechten Hüftgelenk, zwingen den Patienten zum Humpeln. Lahmheit, besonders in den Beinen, beim Laufen. Schwellungsgefühl im Knie; im Sitzen. Spannung im Knie beim Laufen. Reißende Schmerzen im Knöchel, bevor der Patient zu Bett geht. Der Fuß schläft ein, der Patient spürt ein Kribbeln und Prickeln. Jucken an der Fußsohle. Gichtige Schmerzen in den Gelenken des großen Zehs.

SchlafDer Patient ist tagsüber schläfrig und leidet nachts an Schlaflosigkeit. Schläfrigkeit morgens beim Aufstehen. Schlaflosigkeit durch Kopfschmerzen. Schlaflosigkeit durch Pulsieren; durch Schwäche.
Unerfrischender Schlaf. Häufiges Aufwachen. Häufiges Gähnen. Der Schlaf wird durch Träume gestört; Aufwachen durch erschreckende Träume. Viele verworrene Träume und unruhiger Schlaf. Angstvolle und verworrene Träume. Alpträume.
Fieber und FrostNeigung zum Schwitzen. Ein Frösteln läuft von den Füßen den Rücken hinauf.

Ammonium bromatum

Essenzielle Merkmale
Die Wirkung von Ammonium bromatum konzentriert sich hauptsächlich auf den Larynx und das Nervensystem; die Ovarien und die Augen sind ebenfalls betroffen.
Die Kombination der unten aufgeführten auffallendsten und hervorstechendsten Symptome ist es, die uns – neben der spezifischen Psychopathologie – den Weg zu der Einzigartigkeit des Mittels zeigen kann. Denn wir neigen oft dazu, uns in einer Unzahl nutzloser Symptome zu verstricken, und verlieren die über alles wichtige Einzigartigkeit des Mittels aus den Augen. Versuchen Sie in Ihren Studien immer die einmalige Individualität des Mittels zu erkennen, denn wenn Sie die begriffen haben, dann werden sich Ihre Verschreibungen unglaublich verbessern.
Laryngitis, Keuchhusten und die Furcht zu ersticken
Das Hauptcharakteristikum ist ein Gefühl des Erstickungsgefühl Am-br.Erstickens oder eine ersticken, Furcht zu Am-br.Furcht zu ersticken – ein Keynote dieses Mittels. Am häufigsten wird dieses Mittel bei Fällen von akuter oder chronischer Laryngitis, akut oder chronisch Am-br.Laryngitis und bei Keuchhusten mit plötzlichem Husten Am-br.Keuchhusten eingesetzt, wenn ein plötzliches Verlangen zu husten vorhanden ist, und zwar so plötzlich, dass es den Atem zu rauben scheint – der Patient hat das Gefühl, dass er keine Luft bekommt, nicht atmen kann; er aufspringen und umhergehen, muss, aus Angst, sonst zu ersticken Am-br.muss aufspringen und umhergehen, aus Angst, sonst zu ersticken.
Man wird wahrscheinlich so gut wie nie auf die Idee kommen, Ammonium bromatum als erstes Mittel einzusetzen. Wenn man aber einen Patienten vor sich hat, der an einem schlimmen chronischen oder einem sich lange hinziehenden Husten mit in etwa den oben genannten Charakteristika leidet, kann man dieses Mittel in Betracht ziehen. In der Vergangenheit wurde es von einigen für die „beste Hustenmedizin“ gehalten. Eine solch allgemeine Bewertung ist natürlich unhomöopathisch und unsinnig, und eine dementsprechend routinemäßige Anwendung dieses Mittels wird wohl bei vielen Fällen zu Unterdrückungen führen und nur sehr wenige wirklich heilen.
Bei Ammonium-bromatum-Patienten tritt eine Verschlimmerung ein beim Aufwachen aus dem Schlaf um 3 Uhr morgens, schlimmer um Am-br.3 Uhr morgens, der üblichen Verschlimmerungszeit bei allen Ammonium-Verbindungen. Wir müssen lernen, auch an die Ammonium- und nicht nur an die KALIUM-Verbindungen zu denken, wenn die Zeit der Verschlimmerung zwischen 3 und 4 Uhr morgens liegt.
Weitere Merkmale
  • Epilepsie Am-br.Epilepsie ist ein weiterer Zustand, bei dem man an Ammonium bromatum denken kann, wenn die Aura als ein Erstickungs- oder Ohnmachtsgefühl als Aura vor epileptischem Anfall Am-br.Erstickungs- oder Ohnmachtsgefühl beginnt, das im Epigastrium seinen Ursprung hat und auf beiden Seiten des Brustbeins zum Hals hinaufsteigt.

  • Der Magen scheint ein besonders empfindlicher Bereich von Ammonium bromatum zu sein; wenn der Patient Schmerzen in dieser Gegend spürt, steigt eine Angst in ihm auf, er könne sterben. Es handelt sich um ein Todesgefühl, das vom Magen aufsteigt, als Folge einer Magenstörung. In dieser Beziehung ähnelt dieses Mittel KALIUM CARBONICUM.

  • Die Schmerzen der Ammonium-bromatum-Patienten scheinen von tiefer, qualvoller Natur zu sein, sehr ähnlich denen von BROMIUM. Wiederum ist bei solchen Schmerzen ein Gefühl des Erstickens vorhanden.

  • Ein weiteres Keynote dieses Mittels ist ein Reizungsgefühl unter den Fingernägeln, nur besser wenn der Patient sich auf die F. beisst Am-br.Reizungsgefühl unter den Fingernägeln, das nur dann besser wird, wenn der Patient sich auf die Fingernägel beißt. Wie auch immer der pathologische Zustand sein mag, wenn man dieser Kombination von Symptomen begegnet – Erstickungsangst und Reizungsgefühl unter den Fingernägeln – sollte man sofort an dieses Mittel denken. Wenn zusätzlich eine Verschlimmerung des Zustands um etwa 3 Uhr morgens vorhanden ist, dann ist Ammonium bromatum eindeutig das angezeigte Mittel.

Geist und Gemüt
Bei Ammonium-bromatum-Patienten handelt es sich, wie bei allen Ammonium-Patienten, um furchtsam Am-br.furchtsame, schüchterne Menschen, der Patient will allein sein, zieht sich zurück. Es fehlt ihm an Selbstsicherheit, Mangel an Am-br.Selbstsicherheit, und er hat eine Abneigung gegen soziale Interaktion, eine Abneigung gegen Gesellschaft Am-br.Abneigung gegen Gesellschaft, Abneigung gegen Anac.Gesellschaft und dagegen, Fremden zu begegnen, Abneigung Am-br.Abneigung Fremden zu begegnen Am-br.Fremden zu begegnen.
Dies ist also nicht gerade der Typ Mensch, der die Gesellschaft anderer genießen könnte, sondern es handelt sich um verschlossene, leicht verletzliche Menschen, die sich leicht durch andere und deren „Schwingungen“ beeinträchtigt fühlen und die sich nicht selbst in gesellschaftliche Situationen und Positionen drängen werden. Sehr schnell sind sie verletzt und entmutigt, sobald sie kritisiert werden, und sie neigen dazu, sich zurückzuziehen und zu schmollen. Sie werden deprimiert und geistig lethargisch, ihr Gedächtnis lässt nach, und sie machen Fehler beim Schreiben.
Allgemeinsymptome und Keynotes
  • Viele Ammonium-bromatum-Patienten neigen zu Fettleibigkeit (wie es auch bei AMMONIUM CARBONICUM und AMMONIUM MURIATICUM der Fall ist), und sie sind oft empfindlich gegen kalte Luft.

  • Ihre Hauptverschlimmerungszeit ist um 3 Uhr nachts, aber einige Symptome verschlimmern sich auch abends oder morgens.

  • Ammonium bromatum ist eine nützliche Arznei bei chronischer Laryngitis oder chronischem Kehlkopfkatarrh bei Rednern. Diese Patienten haben dann einen trockenen, spasmodischen Husten, der zu fast ununterbrochenem Husten wird, besonders nachts beim Hinlegen. Sie müssen oft husten wegen eines Kitzelgefühls im Hals, direkt unter den Mandeln, und werfen einen weißen, klebrig-zähen Schleim aus. Dieser Husten tritt sehr plötzlich auf und kann sogar ein Gefühl des Erstickens oder Erdrosseltwerdens hervorrufen. Aber nicht nur im Hals oder in den Lungen, sondern auch in zwei weiteren Bereichen des Körpers können ähnliche „strangulierungsartige“ Gefühle auftreten:

    • Gefühl, als ob ein Band um den Kopf geschnürt sei, Gefühl als ob Am-br.Band um den Kopf geschnürt sei, welches am stärksten direkt über den Ohren drückt.

    • Schmerz wie von einem um die Mitte des Oberschenkels gebundenen Strick, Schmerz wie von einem, um den Oberschenkel gebundenen Am-br.Strick, der ein Humpeln verursacht.

    • Dieser Schmerz wie von einer Schnur kann auch um das Bein unterhalb des Knies gefühlt werden, um die Fußknöchel herum oder auch um den Fuß.

  • In den Prüfungen von Ammonium bromatum wurden drei ganz besonders interessante Symptomenkomplexe im Bereich des Magens hervorgerufen. Sie scheinen mir drei verschiedene Variationen ein und desselben Zustands zu sein.

    • Ein Gefühl der Schwäche oder des Erstickens beginnt im Epigastrium und steigt auf beiden Seiten des Brustbeins zum Hals auf, was den Patienten dazu veranlasst, zu seufzen und im Zimmer umherzugehen, mit der Angst, er könne sterben.

    • Er hat das Gefühl, als ob etwas von der Magengrube heraufsteige, was ihm fast den Atem nimmt und ein sehr unangenehmes Schwächegefühl hervorruft, welches sich durch Aufstoßen teilweise bessert.

    • Aufgrund eines furchtbaren, quälenden Schmerzes im oberen Bereich des Epigastriums, der bis zum Rücken und zu beiden Hypochondrien hin ausstrahlt, bekommt er kaum Luft, beginnt zu schwitzen, ist unfähig stillzusitzen und muss rülpsend im Zimmer umhergehen.

  • Abschließend möchte ich noch einige bemerkenswerte Symptome erwähnen:

    • Schmerz in der Seite des Kopfes in der Nähe des Auges, als ob ein Nagel hineingetrieben würde.

    • Vergrößerungs- oder Ausdehnungsgefühl der Augen am Abend, verbunden mit verschwommenem Sehen.

    • Jeden Abend ermüden die Augenlider und hängen kraftlos herab, und es ist schwierig und schmerzhaft, sie zu heben.

    • Niesen beim Heben der Arme, beim Umhergehen in einem kalten Raum, oder beim Betreten eines warmen Raums.

    • Stechender Schmerz in der Zunge, als ob sie verbrannt sei, am Morgen.

    • Dumpfer, anhaltender Schmerz sowie harte Schwellung im linken Eierstock.

    • Und vor allem sollte man das auffälligste Keynote dieses Mittels niemals vergessen: Reizungsgefühl unter den Fingernägeln, welches sich nur durch Daraufbeißen bessert.

Ammonium carbonicum

Essenzielle Merkmale
Dies ist ein komplexes Mittel und zugleich eines, das sehr wenig verstanden und daher selten angewandt wird. Zweifellos wird man dazu neigen, stattdessen eins der Kali-Mittel, besonders KALIUM CARBONICUM oder ANTIMONIUM TARTARICUM oder auch CARBO VEGETABILIS zu verschreiben.
In seiner Symptomatologie scheint es sehr komplex zu sein, viele Bereiche pathologischer Zustände abzudecken, und dennoch ist es in seiner Einzigartigkeit schwer zu erfassen. Kent nennt es ein „tief wirkendes, konstitutionelles Mittel, ein Antipsoricum“.
Zu dem Begriff „konstitutionelles Mittel“, den Kent hier benutzt, sind meines Erachtens einige grundsätzliche Anmerkungen nötig. Wenn dieser Begriff im unterscheidenden Sinne gebraucht wird, wenn also gemeint ist, dass dieses bestimmte Mittel, anders als andere Arzneien, ein konstitutionelles Mittel ist und daher tief wirkt, halte ich ihn für falsch. Ich bin zu der Erkenntnis gelangt, dass alle Mittel konstitutionelle Mittel mit entsprechend tiefer Wirkung sein können, wenn sie wirklich, im Sinne des Ausdrucks „Simillimum“ in unserer Terminologie, angezeigt sind und dementsprechend angemessen verordnet werden.
Alle Mittel können auf einer oberflächlichen Ebene verschrieben werden und wirken dann partiell, und entsprechend können alle Mittel auf einer tieferen Ebene verschrieben werden, gemäß der gesamten Veranlagung, und können dann als konstitutionelle Mittel bezeichnet werden. Das Merkwürdige ist, dass man oft zunächst „oberflächlich“ verschreiben muss, bevor man zum wirklich konstitutionellen Mittel durchdringen kann. Ich glaube, dass Kent die gleichen Gedankengänge hatte, wenn er von einem konstitutionellen Mittel sprach. Es sind eher seine Nachfolger, die ihn manchmal missverstanden haben und damit eine gewisse Verwirrung in Bezug auf die Bedeutung des Begriffs „konstitutionelles Mittel“ gestiftet haben.
Pathologische Herzbefunde bei ausgeprägter Fettleibigkeit
Ammonium carbonicum ist bei Patienten angezeigt, die schlaff Am-c.schlaff und fettleibig Am-c.fettleibig veranlagt sind, dem Syndrom sehr ähnlich, das wir heutzutage häufig bei den Patienten sehen, die Cortison einnehmen. Das Gesicht ist blass, aufgetrieben und gedunsen, und das Gewebe ist auffallend weich. Diese Schlaffheit und Weichheit scheinen bei Ammonium-carbonicum-Patienten zu überwiegen.
Es sind fettleibige Menschen mit schwachem Herzen Am-c.fettleibige Menschen mit schwachem Herzen und einem noch schwächeren Atemsystem. Als Folge davon werden wir Fälle von Herzleiden, Angina pectoris Am-c.Angina pectoris, Herzvergrößerung Am-c.Herzvergrößerung, Herzversagen etc. beobachten, und zudem ein Gefühl, dass das Herz ganz allgemein in einem instabilen Zustand ist. Der Patient fühlt sich entkräftet Am-c.entkräftet, und jede Bewegung erzeugt ein heftiges, beinahe hörbares Herzklopfen Am-c.heftiges, beinahe hörbares Herzklopfen, das ihn zwingt, sich hinzulegen, und mit großer Todesangst verbunden ist. Er muss die ganze Zeit ruhen, muss ständig Am-c.ruhen, um sich wohl zu fühlen; die geringste Anstrengung erzeugt dieses heftige Herzklopfen mit einem Gefühl von Entkräftung und einer Empfindung, als ob er ersticken würde.
Aber diese Symptome können mit oder ohne einen deutlich pathologischen Herzbefund auftreten. Es handelt sich einfach um eine Herzschwäche, die bei diesem Mittel frühzeitig auftaucht, doch das gleiche Mittel mit den gleichen Symptomen wird auch für schwere pathologische Zustände nützlich sein, wie z. B. in den letzten Stadien von Lungenentzündung mit Herzversagen. Es sollte bei akuten Lungenödemen in Betracht gezogen werden.
Kent schreibt: „Man beobachtet ‚Herzversagen‘, wie es in der Literatur der Alten Schule (Allopathie, G. Vithoulkas) erwähnt wird. Dort heißt es, der Patient habe gute Fortschritte gemacht, sei jedoch schließlich an Herzversagen gestorben. In sehr vielen Fällen könnte Ammonium carbonicum lebensrettend sein, wenn es rechtzeitig verabreicht würde.“ Normalerweise beobachtet man bei einer Symptomatologie dieser Art Anzeichen von Zyanose Am-c.Zyanose. Leider ist das Sterben den Menschen in unserer westlichen Medizin nur unter allopathischer Behandlung gestattet, sodass homöopathische Ärzte gar nicht die Möglichkeit haben, so schwere Pathologien mit homöopathischen Mitteln zu behandeln, vor allem da auch keine homöopathischen Kliniken verfügbar sind, die solche Fälle aufnehmen könnten. Daher können wir die Kenntnis unserer Mittel nicht wirklich voll entwickeln, und es wird sehr lange dauern, bis ihre vollständige Pathogenese erkennbar und verlässlich sein wird.
Atemnot durch Herzschwäche
Ammonium carbonicum erzeugt Atemnot, die durch eine Herzschwäche ausgelöst wird, und daher liegt es nahe, dass Herzasthma Am-c.Herzasthma auftreten kann, aber es hat sich ebenso bei Bronchialasthma Am-c.Bronchialasthma mit schwerer Pathologie, wie z. B. Emphysem, als nützlich erwiesen. Nehmen wir einen Fall mit folgendem Bild an: Der Patient ist in arger Bedrängnis, mit Erstickungsgefühl beim Atmen Am-c.Erstickungsgefühl beim Atmen und sehr geräuschvolles Luftholen Am-c.geräuschvollem Luftholen, Zyanose der Lippen Am-c.Zyanose der Lippen, der Zyanose der Nase Am-c.Nase und sogar der Zyanose der Fingerspitzen Am-c.Fingerspitzen, er sieht ängstlich aus und hat das Gefühl, etwas Schlimmes bevorstehe, Gefühl als ob Am-c.Schlimmes stehe bevor. Die Stimme sehr schwach Am-c.Stimme des Patienten ist sehr schwach, matt und heiser, die Nase ist Kälte der Nase, obwohl sich Körper und Füße warm anfühlen Am-c.kalt, obwohl Körper und Füße sich warm anfühlen, und der Puls ist extrem schnell und schwach. In einem solchen Fall sollte man an Ammonium carbonicum denken, und nicht an CARBO VEGETABILIS oder ANTIMONIUM TARTARICUM. Bei der Arbeit im Krankenhaus, wo Patienten in dem beschriebenen Zustand eintreffen können, wird Ammonium carbonicum daher nützlich sein.
Asthmatische Patienten müssen sich ungeheuer anstrengen, um auch nur ein paar Treppenstufen zu steigen, muss sich ungeheuer anstrengen um Am-c.Treppenstufen zu steigen, ihr Zustand verschlimmert sich sehr im warmes Zimmer verschlechtert Am-c.warmen Zimmer, und sie können an der frischen, sauberen Luft besser atmen. Diese Menschen sind es, die am meisten unter der Luftverschmutzung durch die Autoabgase in großen Städten leiden.
Rezidivierende Erkältungen
In diesen Fällen von Störungen der Atmungsorgane wird man Patienten mit einer langen Vorgeschichte von wiederholten Anfällen von Erkältung begegnen, wiederholtem Schnupfen mit scharfe Absonderung aus der Nase Am-c.scharfem Katarrh aus der Nase, die nachts im Bett vollkommen verstopft ist. Der Patient wacht häufig auf, weil er nicht imstande ist, zu atmen. Die Erkältungen wandern den Hals hinunter und setzen sich schließlich in den Bronchien fest, wo ein trockener, kitzelnder Husten auftritt, fast immer in Verbindung mit Heiserkeit und sehr starker Beklemmung, die auf eine Ansammlung zähen, klebrigen Schleims in der Brust zurückzuführen ist.
Diese Erkältungen treten Jahr für Jahr häufiger und stärker auf, mit der Folge, dass die Brust geschwächt wird. Dies kann dazu führen, dass die Erkältung sich schließlich in den Bronchien festsetzt und von dort nicht mehr wegzubringen ist; dann beginnt die Dyspnoe. Es besteht eine sehr schwer auszuwerfende Ansammlung von Schleim, bis zum Schluss das Emphysem so groß wird, dass man nur noch eine ausgeprägte Dyspnoe ohne Husten oder Rasselgeräusche feststellen kann.
Es ist nicht unwahrscheinlich, dass man einen Ammonium-carbonicum-Fall erst als solchen erkennt, nachdem man jahrelang andere Mittel verschrieben hat, etwa ALLIUM CEPA, ARSENICUM, DULCAMARA, ARUM TRIPHYLLUM, und später CARBO VEGETABILIS, ANTIMONIUM TARTARICUM und KALIUM CARBONICUM, jeweils mit geringem oder nur partiellem Erfolg.
Scharfe und ätzende Absonderungen
Ein bedeutendes Charakteristikum dieses Mittels ist, dass scharf und wundmachend, alle Absonderungen sind Am-c.alle Absonderungen scharf und ätzend sind. Sie verhalten sich wie Ammoniak selbst in seiner Rohform, das immer einen stechenden Geruch ausströmt. Ammonium carbonicum scheidet Säure aus, sowohl körperlich als auch geistig.
  • Der Speichel wird ätzend und macht die Lippen wund, die in den Mundwinkeln und in der Mitte rissig werden. Die Augenlider eitern und werden trocken durch die wundmachende Flüssigkeiten aus den Augen Am-c.wundmachenden Flüssigkeiten aus den Augen.

  • Der Stuhl ist ätzend, Stuhl ist Am-c.ätzend und macht den Anus wund.

  • Der Menstruationsfluss, die Leukorrhö scharf und ätzend Am-c.Leukorrhö und die Absonderungen von Geschwüren sind scharf und ätzend und lassen die weiblichen Geschlechtsorgane bzw. die Gegend um das Geschwür herum wund werden. Die psychische und geistige Pathologie, die damit in Verbindung gebracht werden kann, werden wir unten behandeln.

Blutungen
Das Zahnfleisch geht zurück, blutet und wird porös, die Zähne lockern sich und fallen aus. Die Nasenbluten beim Waschen des Gesichts und der Hände Am-c.Nase Nasenbluten beim Essen Am-c.blutet schnell beim Waschen des Gesichts und der Hände sowie beim Essen. Wegen seiner Tendenz, Blutungen auszulösen, sollte Ammonium carbonicum bei Tuberkulose in Erwägung gezogen werden.
Die Mandeln und der Hals vereitern leicht.
Wirkung auf die Haut
Ein weiteres Charakteristikum von Ammonium carbonicum besteht in seiner Wirkung auf die Haut. Es hat die Tendenz, dunkelrötliche Ausschläge hervorzurufen: Der Körper ist rot, der ganze Körper ist, wie mit Scharlach überzogen Am-c.rot, wie mit Scharlach überzogen. Maligner Scharlach, mit tiefem Schlaf, röchelnder Atmung und Aufschrecken aus dem Schlaf. Erysipel. Schlangenbisse. Kent schreibt: „Es verursacht schnelle Blutveränderungen, es bringt den gesamten Organismus durcheinander, und es erzeugt eine skorbutische Verfassung … Zu diesem Mittel gehören Blutungen von schwarzem Blut, häufig von flüssigem Blut, das nicht gerinnt … Das Blut ist dunkel und weist auf eine schwere Störung im Blutkreislauf hin … Wenn man die Erscheinung von Menschen, die von Schlangen gebissen wurden, mit der Pathogenese dieses Mittels vergleicht, so stößt man dabei auf große Ähnlichkeit. Es ist allgemein bekannt, dass dieses Mittel wiederholt bei Schlangenbissen angewandt wurde … Man sollte es nicht als ein Antidot per se geben, sondern wenn es angezeigt ist bei Blutvergiftungen und Bissen von Tieren mit Infektionen, mit einer Neigung zu schwarzen, flüssigen Blutungen, wie bei Elaps.“
Überwältigende Erschöpfung
Ein weiterer Aspekt von Ammonium carbonicum ist die Erschöpfung durch Herz- oder Atembeschwerden bedingt Am-c.Erschöpfung, die durch Herz- oder Atembeschwerden hervorgerufen wird. Es handelt sich um eine ungeheure Erschöpfung. Die Patienten versuchen aus dem Bett aufzustehen und fallen gleich wieder hinein, das Herz pumpt sehr stark, und bei Fällen von Herzbeschwerden oder Lungenemphysem besteht eine unbeschreibliche Müdigkeit, unbeschreibliche, bei Lungenemphysem oder Herzbeschwerden Am-c.Müdigkeit. Der Patient ist dyspnoisch, kann den offenbar vorhandenen Schleim nicht auswerfen, Atmen ist praktisch unmöglich.
Erschöpfung bei Beginn jeder Menstruation Am-c.Erschöpfung tritt auch mit dem Beginn jeder Menstruation auf. Sie geht einher mit Erbrechen und Durchfall, Kälte des Körpers, blauer Verfärbung der Haut und Dyspnoe.
Abneigung gegen nasskaltes Wetter
Ammonium-carbonicum-Patienten können kaltes Wetter verschlechtert Am-c.kaltes Wetter, vor allem wenn es auch nass und stürmisches Wetter verschlechtert Am-c.nasses Wetter verschlechtert Am-c.stürmisch ist, nicht ertragen. Sobald ihr Körper irgendwie nass wird, fühlen sie sich unwohl. Infolgedessen entwickeln sie eine Abneigung dagegen, ein Bad zu nehmen, und werden schließlich unreinlich. Ihre körperliche Ungepflegtheit scheint sie nicht zu stören; anscheinend ist mangelnde Sauberkeit für sie leichter zu ertragen als die Verschlimmerung ihres Zustands, unter der sie durch Wasser zu leiden haben. Wenn man sich über diese Unreinlichkeit Gedanken macht, sollte man aber nicht vergessen, dass sie mit ihren Atembeschwerden leben müssen; sie können sich leicht erkälten, und sie wissen, dass Baden ihre Probleme mit der Brust verschlimmert. Sie spüren, dass ihr Herz schwach ist und leicht versagen kann, und unter diesen Umständen haben sie das Gefühl, dass kaltes Wetter oder kaltes Wasser sie umbringt. In dieser Hinsicht ähnelt Ammonium carbonicum RHUS TOXICODENDRON; die Ähnlichkeit bezieht sich auch auf die Tatsache, dass beide Knochenschmerzen haben, die sich bei kaltem Wetter verschlimmern, sowie chronische Verstauchungen, chronische Am-c.Verstauchungen und Kontrakturen der Kniesehnen Am-c.Kontrakturen der Kniesehnen.
Geist und Gemüt
Um die geistigen und emotionalen Zustände von Ammonium carbonicum zu verstehen, muss man die körperliche Verfassung, in der die Patienten sich befinden, mit berücksichtigen. Ich würde dieses Mittel bei rein psychischen Störungen nicht verschreiben, weil wir bisher über kein klar abgegrenztes geistig-psychisches Bild dieses Mittels verfügen. Allerdings haben wir einige grundlegende Charakteristika seiner Mentalität und Psychologie.
Grundsätzlich müssen wir die Psychologie der Ammonium-carbonicum-Patienten und ihre Entwicklung unter dem Gesichtspunkt der scharfen, beißenden Absonderungen betrachten, die wir oben erwähnt haben. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir es mit einer Person zu tun haben, die unter all ihren Erkältungen, Schnupfen, Atembeschwerden, Husten usw. außerordentlich leidet, zudem ein Schwächegefühl im Herzen hat und sich zugleich wegen ihrer steifen Sehnen usw. in ihren Aktivitäten eingeschränkt fühlt. Unter diesen Umständen entwickelt der Ammonium-carbonicum-Patient einen bissiger Charakter Am-c.bissigen Charakter im Kontakt zu anderen. Er wird reizbar Am-c.reizbar, unfreundlich Am-c.unfreundlich und oftmals beleidigend Am-c.beleidigend.
Er hat schlechte Laune, eine Tendenz, „sauer zu sein“, wird verdrießlich und still und antwortet nicht auf Fragen. Wenn er andere sprechen hört, geht es ihm noch schlechter, und er ist überempfindlich gegen jede Art von Kritik, nicht nur gegen sich selbst, sondern auch gegen andere. Er wird eigensinnig Am-c.eigensinnig und befolgt ungern Anweisungen. Eine Alternative zu diesem Gemütszustand kann Gleichgültigkeit sein.
Es sind Menschen, die nicht leicht etwas mit anderen teilen können, besonders nicht ihre Emotionen. Sie sind nicht zum Reden aufgelegt und sehnen sich danach, still und schweigsam zu sein, vor allem während der Regel. Ihre Haltung scheint zu sagen: „Lassen Sie mich doch bitte in Ruhe.“ Es kommt zu übermäßiger Wut und zu Jähzorn, besonders bei Kopfschmerzen. Und die Patienten bekommen wirklich starke Kopfschmerzen, die sich auf die Stirn konzentrieren – noch spezifischer: auf die Kopfschmerzen an der Nasenwurzel Am-c.Nasenwurzel. Kopfschmerzen, die sich anfühlen, als würde der Kopf zerspringen, Kopfschmerz als würde der Kopf Am-c.zerspringen. Auch bei kaltem und nassem Wetter und während der Abendstunden sind sie reizbar.
Im Allgemeinen handelt es sich um schüchtern Am-c.schüchterne Menschen, die sich zurückhalten und Menschenansammlungen meiden. Sie können sich nur in einer Diskussion ereifern, die unter vier Augen über ein Thema geführt wird, das ihnen gefällt. Sie neigen dazu, zu glauben, dass sie kein Glück haben, dass irgendwann ein Unglück, glaubt dass bald ein U. eintritt Am-c.Unglück eintreten wird.
Ein anderer Aspekt dieses Mittels ist die hysterische, zur Ohnmacht neigende Frauen Am-c.hysterische, zur Ohnmacht neigende Frau.
Die Ammonium-carbonicum-Menschen scheinen für Eindrücke empfänglich zu sein. Ihr Unterbewusstsein ist mit dem beschäftigt, was tagsüber nicht zu Ende geführt wurde, mit Dingen, die sie hätten sagen sollen, aber nicht gesagt haben, und nachts reden sie im Schlaf ziemlich deutlich und offenbart Geheimnisse im Schlaf Am-c.offenbaren dabei Dinge, die sie eigentlich als Geheimnisse betrachtet hatten. Sie äußern tatsächlich Gedanken, die sie in wachem Zustand nie mitteilen würden. Bei vielen Gelegenheiten wachen sie mit Erwachen mit einem Schreck Am-c.Schrecken auf, entsetzt.
Das Gefühl eines drohenden Unglücks manifestiert sich vor allem morgens, während sich abends eine eigenartige Angst, morgens, vor drohendem Unglück Am-c.Angst und Furcht einschleicht, bei der ihnen zum Weinen zumute ist.
Sie werden traurig, deprimiert und fühlen sich elend, vor allem bei bedecktem und nassem Wetter.
Morgens sind sie schlecht gelaunt. Sie neigen zum Weinen, besonders morgens, bessert sich gegen Abend Am-c.Weinen, besonders morgens beim Aufstehen, und sie weinen wirklich viel. Diese weinerliche Stimmung bessert sich zum Abend hin.
Manchmal steht ihnen der Sinn nach einem Spaziergang, aber durch das Gehen verschlechtert Am-c.Laufen geht es ihnen schlechter, und all ihre traurigen Erinnerungen steigen in ihnen auf, Dinge, die sie in der Vergangenheit geärgert haben, und infolgedessen werden sie deprimiert und mutlos Am-c.mutlos.
Schließlich werden die intellektuellen Fähigkeiten der Patienten beeinträchtigt. Beim Denken verlieren sie den Faden; sie haben Konzentrationsschwierigkeiten. Sie werden missmutig, ihr Gedächtnis wird schwach, sie werden geistesabwesend. Sie machen Fehler beim Rechnen Am-c.Fehler beim Rechnen, Fehler beim Sprechen Am-c.Sprechen und Fehler beim Schreiben Am-c.Schreiben. Sie benutzen falsche Worte.
Wenn man es mit einem solchen Fall zu tun hat und ihn lange mit den falschen Mitteln behandelt, wird man diesen ganzen Degenerationsprozess beobachten und sich nicht imstande fühlen, ihn aufzuhalten. Die verabreichten Mittel wirken nur oberflächlich und lindernd, gehen aber nicht tief genug, um die erwünschte Besserung zu bringen. Plötzlich erkennt man seinen Irrtum, und sobald man es mit Ammonium carbonicum versucht, sieht man, welch erstaunliche Änderungen eintreten können. Menschen, die beinahe Invaliden waren, können nun neue Lebenszuversicht bekommen.
Ammonium-carbonicum-Menschen haben kein übermäßiges sexuelles Verlangen, sind aber sehr empfänglich für sinnliche Eindrücke. Ihre Phantasien können leicht angeregt werden. Man kann hysterische Reaktionen auf sexuelle Stimulationen beobachten, die von einer Empfindlichkeit der weiblichen Klitoris herrühren. Doch wenn die körperlichen Beschwerden wirklich lästig werden, geht jegliches Interesse am sexuellen Verkehr verloren. Frauen können sogar eine regelrechte Abneigung gegen Sex, Abneigung gegen Am-c.Sex entwickeln, während Männer zwar noch Erektionen haben können, das Verlangen jedoch verlieren. Von den älteren Männern unter meinen Ammonium-carbonicum-Fällen waren die meisten nicht verheiratet. Das kann natürlich auch Zufall sein, ich sehe es jedoch als erwähnenswert an.
Die Unreinlichkeit, die Abneigung, sich anderen auf einer emotionalen Ebene mitzuteilen, die Neigung, allein und ohne Verpflichtung zu leben (wegen ihres schlechten Gesundheitszustands), das ständige Leiden, das durch die schwache Atmung und das schwache Herz bewirkt wird – das sind einige der Gründe, die für die Entscheidung ausschlaggebend sein könnten, nicht zu heiraten.
Allgemeinsymptome und Keynotes
  • Ammonium carbonicum ist angezeigt bei Konstitutionen, die Schwierigkeiten mit der Sauerstoffversorgung des Blutes haben, und daher wird es das als erstes indizierte Mittel bei einer Asphyxie durch Kohlendunst sein. Der Kreislauf wird träge.

  • Eines der besten Mittel bei Emphysem mit Zyanose Am-c.Emphysem mit Zyanose.

  • Es ist angezeigt, wenn eine unzulängliche Reaktion, unzulängliche, in schweren fieberhaften Krankheiten Am-c.Reaktion auf schwere fieberhafte Krankheiten wie Typhus, Diphtherie, bösartigen Scharlach, Erysipel usw. besteht, wenn man verschiedene Mittel verordnet hat, der Fall aber nicht eindeutig scheint, und wenn der Patient erschöpft aussieht, mit schwachem Herzschwäche Am-c.Herzen und fast keinem Puls.

  • Man sollte das Mittel in Fällen von zerebrospinaler Meningitis in Betracht ziehen, wenn der Patient in einen semi-komatösen, reaktionslosen Zustand verfällt. Der kalt, Körper, der Puls sehr schwach, Körperoberfläche zyanotisch Am-c.Körper ist kalt, der Puls sehr schwach, die Körperoberfläche zyanotisch. Ammonium carbonicum wird helfen, eine Reaktion hervorzurufen.

  • Ein weiteres charakteristisches Merkmal dieses Mittels ist seine Tendenz zu dunkle Blutungen Am-c.dunklen, manchmal schwarze Blutungen Am-c.schwarzen Blutungen, das Blut gerinnt nicht.

  • Ammonium-carbonicum-Patienten geht es bei kaltes Wetter verschlechtert Am-c.kaltem und nasses Wetter verschlechtert Am-c.nassem Wetter wesentlich schlechter, ebenso wenn es stürmisch oder bedecktes Wetter verschlechtert Am-c.bedeckt ist, mit Ausnahme ihrer Dyspnoe, im warmen Zimmer sehr viel schlimmer Am-c.Dyspnoe, die im warmen Zimmer sehr viel schlimmer wird. Sie werden dann blass, und ihr Zustand verschlimmert sich so sehr, dass sie sich hinsetzen müssen und sich gar nicht mehr bewegen können. Durch einen Spaziergang an Luft, frische, bessert Am-c.der frischen Luft fühlen sie sich besser.

  • Wasser verschlimmert ebenfalls sehr, und sie entwickeln eine Abneigung gegen alles Nasse an ihrem Körper. Das ist auch der Grund dafür, dass sie sich nicht gerne waschen; dies kann soweit gehen, dass es für die mit ihnen Lebenden zum Problem wird.

  • Bei Frauen Menses, schlechter während Am-c.verschlimmert sich der Zustand während der Regel, und viele müssen in 3 bis 4 Uhr morgens schlechter Am-c.dieser Zeit das Bett hüten. Es gibt Symptome, die der Cholera ähneln, mit andauerndem Durchfall und Erbrechen.

  • Verschlimmerung durch Bewegung, durch Kauen oder durch Zusammenbeißen der Zähne und vom Bücken.

  • Die schlimmste Zeit ist zwischen 3 und 4 Uhr morgens. Dies ist einer der Gründe, warum Lungenfälle mit dieser Verschlimmerungszeit sehr häufig KALIUM CARBONICUM statt Ammonium carbonicum bekommen.

  • Besserung tritt ein, wenn sie sich Liegen bessert Am-c.hinlegen, vor allem auf den Bauch, und durch die Bettwärme bessert Am-c.Bettwärme. Besser durch Liegen auf der schmerzhaften Seite.

  • Außerordentliche Empfindlichkeit gegenüber frischer Luft.

  • Die rechte Körperhälfte scheint mehr betroffen zu sein als die linke.

  • Die körperlichen Beschwerden und die Kopfschmerzen verschlimmern sich durch Kälte.

  • Ohnmachtsanfälle, Angst, Unbehagen und Erschöpfung durch Bewegung.

KopfSchwindeligkeit beim Sitzen und Lesen, besonders morgens. Schwindel mit Übelkeit am Morgen. Leere und Verwirrung im Kopf. Ein Gefühl, als ob das Gehirn locker im Kopf sei und nach der Seite falle, nach der er sich beugt.
Die bezeichnendste Kopfschmerzart ist ein drückender Kopfschmerz an der Nasenwurzel, mit dem Gefühl, als würde die Stirn zerbersten. Pulsierende, klopfende, pochende Kopfschmerzen vor allem in der Stirn, die sich nach dem Essen und beim Fahren in kalter Luft verschlimmern. Kongestive Kopfschmerzen, die sich bei feuchtem Wetter und beim Spazierengehen an der frischen Luft verstärken. Kopfschmerz wie von Klopfen oder Hacken mit einem scharfen Gegenstand. Kopfschmerz, als ob Wasser oder sonst irgendetwas im Kopf wäre. Die Kopfschmerzen sind schlimmer beim Auftreten und morgens beim Erwachen; besser durch Druck und im warmen Zimmer. Morgens Kopfschmerz mit Übelkeit. Ein pulsierendes Gefühl im Kopf, das sich im warmen Raum bessert.
Beim Zusammenbeißen der Zähne oder beim Kauen geht ein Stoß durch Kopf, Ohren und Nase. Ausschlag auf der Stirn, der aussieht wie kleine Eiterbläschen. Pickel an der Stirn und auf der Nasenspitze. Starkes Jucken der behaarten Kopfhaut, besonders am Hinterkopf. Das Haar schmerzt bei Berührung. Die rechte Kopfhälfte scheint schwerer als die linke zu sein.
AugenBrennen der Augen, mit Lichtscheu. Als ob Sand in den Augen wäre. Das rechte Auge fühlt sich an, als sei es in heißem Wasser gebadet. Die Augen sind schwach; das Kind blinzelt fortwährend. Beim Lesen tränen die Augen. Nach Überbeanspruchung muskuläre Asthenopie.
Frühmorgens sind die Augen verklebt. Die Augenlider schwellen an, trocknen und werden rissig von der wundmachende Absonderung aus den Augen Am-c.wundmachenden Flüssigkeit, die aus den Augen tritt. Reichlicher Tränenfluss, besonders aus dem rechten Auge. Die Augen sind blutunterlaufen und tränen. Sehr heftiges Zucken im rechten äußeren Augenwinkel. Entzündung des rechten inneren Augenwinkels, ohne Schmerz.
Funken vor den Augen, nachts beim Aufwachen. Doppeltsehen; große schwarze Flecken schweben vor den Augen nach dem Nähen. Katarakt im rechten Auge.
OhrenHarte Schwellung der Ohrspeicheldrüsen. Zucken und Spannung um das linke Ohr herum. Häufige und schmerzhafte Stiche im rechten Ohr. Jauchige, scharfe Absonderung aus den Ohren Am-c.Jauchige, scharfe Absonderung aus den Ohren.
Verminderung des Gehörs. Schwerhörigkeit. Ein Schall in den Ohren wie von einem entfernten Schuss, mehrmals pro Stunde. Gehörtäuschung; er meint, Glockenläuten zu hören. Jeden Tag nach Mitternacht, ein Rauschen im (rechten) Ohr, auf dem er im Bett liegt. Stöße durch Ohren und Nase beim Zusammenbeißen der Zähne oder beim Kauen.
NaseSchnupfen bei hysterischen Frauen sowie bei schwächlichen oder älteren Menschen, mit Absonderung von scharfe, beißende, brennende Nasenabsonderung Am-c.scharfem, beißendem, brennendem Wasser.
Nachts verstopfte Nase, kann überhaupt nicht durch die Nase atmen, beide Nasenlöcher sind völlig verstopft. Die Nase ist sehr stark verstopft, ohne Schnupfen. Wasser tropft aus der Nase, ohne Schnupfen. Während der Regel läuft ätzendes Wasser aus der Nase, welches ein brennendes Gefühl auf der Oberlippe erregt.
Nasenbluten nach EssenNasenbluten, beim Waschen Am-c.Epistaxis, vor allem aus dem linken Nasenloch, beim Waschen von Händen und Gesicht am Morgen und nach dem Essen. Hitze im Gesicht während und nach Essen Am-c.Blutandrang in der Nasenspitze Am-c.Blutandrang in der Nasenspitze. Beim Bücken läuft das Blut in die Nasenspitze, die rot wird.
Häufiges Niesen frühmorgens im Bett. Linker Nasenflügel innerlich geschwollen und empfindlich. Trockenheit von Nase und Lippen.
GesichtBlasses, aufgedunsenes Gesicht. Hitze im Gesicht beim Reden über ein Thema, das die Patienten erregt, und auch Hitze im Gesicht während und nach Essen Am-c.während und nach dem Essen.
Ausschlag um den Mund. Harte Anschwellung der Wangen. Pusteln und Eiterbeulen während der Regel. Die Mundwinkel aufgesprungen Am-c.Mundwinkel sind wund, aufgesprungen und brennen, und gleichzeitig ist die Unterlippe in der Mitte aufgesprungen Am-c.Unterlippe in der Mitte durch ätzenden Speichel aufgesprungen. Zyanose der Lippen, der Nase und sogar der Fingerspitzen, bei Fällen von akutem Lungenödem oder Pneumonie.
MundRötung und Entzündung im Mundinneren und in der Kehle. Gefühl, als sei der Mund geschwollen. Innerliche Schwellung der Wangen.
Das Metall, Essen schmeckt nach Am-c.Essen schmeckt nach Metall, säuerlich, nach Blut, bitter am Morgen. Große Trockenheit in Mund und Hals. Bläschen an den Rändern und der Spitze der Zunge.
Knacken im Kiefergelenk beim Kauen Am-c.Knacken im Kiefergelenk beim Kauen. Ziehender Zahnschmerz während der Regel Am-c.Zahnschmerz während der Regel. Die Zähne schmerzen beim Zusammenbeißen. Zusammenbeißen der Zähne lässt einen Stoß durch Kopf, Ohren und Nase fahren. Heftiger Zahnschmerz, sobald die Patientin abends zu Bett geht. Die Zähne fühlen sich oft an, als ob sie zu lang seien.
HalsDie Mandelentzündung Am-c.Mandeln bläulich-purpurrot, Mandeln sehen aus, und sind hochgradig entzündet Am-c.sind hochgradig entzündet und sehen fast bläulich-purpurrot aus. Neigung zu gangränöser Vereiterung der Mandeln mit großer allgemeiner Erschöpfung.
Die Zustände können von einfachen Halsschmerzen bis zu schweren Entzündungen mit purpurnem Rachen reichen. Schwellung der Drüsen an der Außenseite des Halses, sie sind vergrößert und fühlen sich wie Klumpen an. Wenn bei Diphtherie die Nase verstopft ist, schreckt das Kind aus dem Schlaf auf und ringt nach Luft, und dies passiert immer wieder, sobald es einschläft. Das Bild des Halses und der Haut von Ammonium carbonicum ähnelt sehr demjenigen von LACHESIS; wegen dieser Ähnlichkeiten ist Ammonium carbonicum LACHESIS gegenüber feindlich. Aber eigentlich kann man die beiden Mittel nicht verwechseln, weil sie weit entfernt voneinander sind.
Brennen im Hals und die Speiseröhre hinunter. Schmerzen im Hals beim Schlucken, als sei die rechte Mandel geschwollen. Trockener Husten von Kitzeln im Halse nach 3 Uhr morgens.
Atmung, Brust, HerzFälle ältere Menschen mit Vorgeschichte von ständigen Erkältungen, Schnupfen, Bronchitis und schließlich Dyspnoe, Asthma und Emphysem Am-c.älterer Menschen mit einer langen Vorgeschichte von ständigen Erkältungen, Schnupfen, Bronchitis und schließlich Dyspnoe, Asthma und Emphysem. Wenn das Mittel in diesem Endstadium gegeben wird, wird es lindern, aber nicht wirklich heilen. Kent schreibt: „Das Mittel hat viele katarrhalische Symptome und Husten, mit viel Schleimrasseln in der Brust Am-c.Schleimrasseln in der Brust und den Luftwegen. Atembeklemmung, katarrhalische Dyspnoe. Wenn die Symptome übereinstimmen, ist es besonders bei hypostatischer Lungenkongestion angezeigt, wenn die Brust mit schwer auszuwerfendem Schleim gefüllt ist … Ältere Menschen, die an Katarrh in der Brust leiden, haben um 3 Uhr nachts eine Verschlimmerung mit Herzklopfen und Erschöpfung, sie erwachen um diese Zeit mit kaltem Schweiß und Dyspnoe.“ (Hervorhebungen G. Vithoulkas) Seröse Flüssigkeit sammelt sich in den Lungen an, was mit starken Rasselgeräuschen verbunden ist, und kann infolge der allgemeinen Schwäche des Patienten nicht ausgehustet werden (ANTIMONIUM TARTARICUM). Eine weitere gute Beschreibung liefert Hering: „Dünnes, schaumiges Sputum; adynamischer Zustand mit Rasseln großer Blasen in der Brust. Bei Bronchitis älterer Menschen.“ Und: „Husten mit Blutspucken, vorherigem süßlichem Geschmack und starker Dyspnoe, mit Stichen im Kreuz und in der Magengrube.“
Asthmatische Atmung besser an der frischen Luft, schlimmer im warmen Zimmer. Erschwerte Atmung erschwert im warmen Zimmer Am-c.Atmung im warmen Zimmer, wird dann leichenblass und muss sich ruhig verhalten. Asthma; wenn der Raum warm ist, steigert sich die Dyspnoe, bis es scheint, als drohe er zu ersticken, als werde er vor Luftmangel sterben.
Trockener, stoßweiser Husten, der sich nach Mitternacht und um 3 Uhr morgens verschlimmert. Husten durch Kratzen im Hals. Das Kind hustet sehr heftig, jede Nacht gegen 3 oder 4 Uhr morgens. Trockener Husten, besonders nachts, wie von Staubteilchen im Hals. Husten mit Auswurf blutigen Schleims.
Kardiale Dyspnoe infolge von Herzschwäche. Starkes Herzklopfen mit Retraktion des Epigastriums und Schwächegefühl in der Präkordialregion. Herzklopfen, hörbares Am-c.Hörbares Herzklopfen.
MagenSchmerzen im Epigastrium wie von einem ständigen Gewicht, die sich nach dem Essen, besonders von Fleisch, verschlimmern. Krampfartige, zwickende, zusammenschnürende Magenschmerzen werden durch Druck besser. Drückender Schmerz im Magen durch Kleiderdruck. Empfindlichkeit und Schmerzen in der Magengrube mit Sodbrennen. Zusammenschnürender Schmerz in der Magengrube, mit Sodbrennen, Übelkeit, Aufschwulken und Frösteln, besser durch Hinlegen und Druck. Schmerzhaftigkeit des Magens bei Berührung.
Leeres, säuerliches Aufstoßen. Großer Appetit, der aber schnell befriedigt wird. Hat keinen Geschmack an den Speisen. Sehr heftiger Hunger und Appetit. Sobald sie eine Kleinigkeit gegessen hat, ist sie satt. Bis drei Stunden nach der Mahlzeit ein Gefühl, als sei der Magen überladen. Dyspepsie mit Blähungen. Verlangen nach Zucker, Verlangen nach Am-c.Zucker; Abneigung gegen Milch.
Brechreiz ohne wirkliches Erbrechen. Übelkeit nach dem Essen. Starker Durst, besonders beim Essen.
AbdomenKrampfartige, kneifende Schmerzen in kalter Luft. Druckschmerz unter den rechten Rippen, in der Lebergegend. Geräusche und Schmerzen im Abdomen.
Elastische Schwellung linke Leistengegend wie aufgeblähte Hernie Am-c.Schwellung in der linken Leistengegend wie eine aufgeblähte Hernie, abends nach dem Niederlegen, mit Schmerz wie zerschlagen an dieser Stelle. Beim Aufwachen sind Schwellung und Schmerz verschwunden. Abends viel Blähungen.
Rektum und StuhlSchwieriger Stuhl, der hart und knotig ist. Blutabgang vor und nach dem Stuhl. Blutende Hämorrhoiden; schlimmer während der Regel. Vortretende Hämorrhoiden nach dem Stuhlgang. Schmerz im Rektum besser beim Liegen auf dem Rücken. Jucken am After. scharfer, ätzender Durchfall Am-c.Scharfer, ätzender Durchfall mit Brennen am After.
Verstopfung, Entleerung schwierig. Verzögerter und harter Stuhlgang. Schmerzhafter Tenesmus während der Regel. Weicher Stuhl, davor und danach Schneiden im Bauch. Zurückhalten des Stuhls während der ersten Tage, worauf dann weicher Stuhl folgt. Durchfall und Erbrechen zu Beginn der Regel.
HarnorganeBlasser Urin mit weißer, sandiger Ablagerung. Häufiger Harndrang; nachts unwillkürlicher Harnabgang. Starker Tenesmus mit schneidendem Schmerz. Blutiger Urin.
Männliche GenitalienDie Patienten reagieren sehr empfindlich auf sexuelle Reize, was zu Masturbation und manchmal starkem sexuellem Verlangen ohne Erektion oder auch zu Erektionen ohne Verlangen führt. Jucken und Schmerzen am Hodensack und den Samensträngen. Würgender Schmerz im Hodensack.
Weibliche GenitalienFrauen leiden besonders zu Beginn der Regel, wenn der gesamte Abwehrmechanismus seinen niedrigsten Stand erreicht. Sie werden depressiv, Menses, vor den Am-c.depressiv, ermüden leicht, erkälten sich schnell, und ihr Verdauungssystem reagiert heftig mit Erbrechen, Durchfall oder beidem.
  • choleraähnliche Symptome zu Beginn der Regel Am-c.Choleraähnliche Symptome (Durchfall und Erbrechen) zu Beginn der Regel.

  • Reizzustand der Klitoris mit Hysterie.

  • Regelblutung reichlich nach Fahren in kalter Luft. Besonders stark nachts und beim Sitzen und Fahren; vorher kneifende Kolik. Beim Stehen verstärkt sich die Blutung. Häufige und reichliche Blutungen mit klumpigem, schwarzem Blut.

  • Das Menstruationsblut ist schwärzlich, oft in Klumpen, geht mit krampfartigen Schmerzen im Bauch ab, sowie mit hartem Stuhl und Tenesmus. Das Menstruationsblut ist ätzend, macht die Oberschenkel wund.

  • Starke Erkältung während der Regel. Während der Regel große Müdigkeit während Menses Am-c.Müdigkeit, besonders in den Oberschenkeln, mit Gähnen, Zahnschmerzen, Kreuzschmerzen und Frösteln.

  • Jucken, Anschwellen und Brennen der Vulva.

  • Brennende, scharfer, ätzender Fluor Am-c.scharfe, ätzende, wässrige Leukorrhö.

  • Abneigung gegen das andere Geschlecht; Abneigung gegen Beischlaf.

RückenZiehende Schmerzen zwischen den Schulterblättern während der Regel.
ExtremitätenReißen in den Gelenken wird durch Bettwärme gelindert; Neigung, die Gelenke zu strecken. Chronische Folgen von Verstauchungen.
Krampf im rechten Arm, der den Arm nach hinten zieht. Zucken im rechten Oberarm. Der rechte Arm schien zentnerschwer und ohne Kraft zu sein. Aufgetriebene Adern und blaue Verfärbung der Hände; nach Waschen in kaltem Wasser.
Panaritium Am-c.Panaritium. Zusammen mit SULFUR, LACHESIS und MYRISTICA ist Ammonium carbonicum eines der wichtigsten Mittel, wenn bei einer Entzündung der Finger eine Blutvergiftung droht. Der Finger ist hochgradig entzündet und gerötet, mit tiefsitzendem periostalem Schmerz, wobei die Röte bis in den Arm ausstrahlt.
Unruhe in den Beinen. Waden- und Fußsohlenkrämpfe. Abends kalte Füße, besonders beim Zubettgehen. Der linke große Zeh fühlt sich heiß an und schmerzt, als wäre er verbrannt. Entzündung des großen Zehs.
SchlafSchläfrigkeit am Tage. Unruhiger, unerfrischender Schlaf jede Nacht; er wirft sich herum. Er schreckt aus dem Schlaf auf wie von Schreck, mehrmals hintereinander nach Mitternacht, kann danach lange nicht wieder einschlafen.
Fieber und FrostHäufiges Frösteln mit Kopfschmerzen. Abendliche Frostanfälle. Frühmorgens Schweiß.
HautBrennende Röte, wie Scharlach, in der rechten Kniebeuge und am Bein hinunter. Beim Auflegen kalter Hände verstärkt sich der Schmerz. Der Körper wird rot, wie mit Scharlach überzogen. Heftiges Jucken und brennende Blasen nach dem Kratzen. Jucken der behaarten Kopfhaut. Faulige, flache Geschwüre mit einem stechenden Gefühl. Bösartiger Scharlach mit Schläfrigkeit und Aufschrecken aus dem Schlaf. Erysipel bei älteren Menschen, wenn die zerebralen Symptome entwickelt sind. Ekzeme in den Beugen der Extremitäten, zwischen den Beinen, um den Anus und die Genitalien.
Ein geheilter Fall
„Es gab eine Frau in dieser Stadt, auf die eine solche Beschreibung genau zutraf. Ihr Zustand äußerte sich in einer eigentümlichen Herzschwäche mit Dyspnoe und Herzklopfen bei Bewegung. Ich hatte den Fall behandelt, aber nicht gänzlich studiert, und da sie bei meiner Behandlung keine Fortschritte machte, wurde sie zu einem unserer fähigsten Neurologen überwiesen, der ihr eine „Liegekur“ verordnete und ihr innerhalb von sechs Wochen vollständige Besserung versprach. Da es ihr nach den sechs Wochen aber schlechter als je zuvor ging, wurde ein Herzspezialist zur Untersuchung herangezogen. Dieser bestätigte zwar, dass das Herz wirklich nicht besonders kräftig sei, da aber kein organisches Leiden vorliege, gehöre der Fall nicht in seinen Tätigkeitsbereich. Danach wurde ein Lungenspezialist befragt, und später wurde sie noch verschiedenen anderen Spezialisten vorgestellt. Alle ihre Organe wurden eingehend untersucht, und es zeigte sich, dass nichts Krankhaftes an ihnen festzustellen war; aber die arme Frau konnte wegen ihrer Beschwerden und wegen des Herzklopfens gar nicht mehr laufen. Sie hatte etwas trockenen, stoßweisen Husten, der nichts Besonderes war, aber dennoch wurde eine Untersuchung der Brust durchgeführt, die ohne klinischen Befund blieb.
Aber nachdem sie etwa drei Monate in diesem Zustand gelebt hatte und es ihr immer schlechter ging, setzten sich die Familienmitglieder durch, die auf meiner Seite standen, und ich beschäftigte mich erneut mit ihr. Ich setzte die Untersuchung des Falles fort, der extrem unklar war, da ich mich nur auf diese wenigen Symptome stützen konnte, und schließlich kam ich auf Ammonium carbonicum, und dieses Mittel bekommt sie jetzt seit achtzehn Monaten. Jetzt steigt sie auf Berge, tut alles, wozu sie Lust hat, und will auch wieder ihren Haushalt führen. Von einem Fall von nervöser Erschöpfung, geistiger Ermüdung und all dem, was sonst noch bei ihr diagnostiziert wurde, hat sie sich dank dieses einen Mittels zu einer ganz gesunden Frau entwickelt. Dies macht deutlich, wie tief das Mittel wirkt. Eine Dosis wirkt bei ihr normalerweise sechs bis acht Wochen und bringt ihr jedesmal kontinuierliche Besserung.“ (Kent, Lectures on Homeopathic Materia medica)

Ammonium causticum

Essenzielle Merkmale
Auch dieses Mittel ist noch unvollständig geprüft und wird selten benutzt. Wenn es jedoch erst einmal gelungen ist, sein Bild vollständig zu erforschen, wird es sich mit Sicherheit als sehr wichtiges Mittel erweisen. Man sollte Ammonium CAUSTICUM bei Fällen von Aphonie Am-caust.Aphonie versuchen, wenn CAUSTICUM gegeben wurde und versagt hat. Es wird in solchen Fällen nicht klar sein, ob die Aphonie Folge einer Lähmung der Stimmbänder oder einer Entzündung ist, doch es wird eher so aussehen, als sei Lähmung die Ursache.
Das Mittel ist indiziert bei Patienten, deren Stimme schwach Am-c.hörbar, Stimme ist kaum, aus Schwäche Am-caust.Stimme so schwach, dass man sie kaum hören kann, und sehr undeutliche Stimme Am-caust.undeutlich ist. Die Anstrengung, die der Patient unternimmt, um zu sprechen, Sprechen ermüdet Am-caust.ermüdet ihn, und gleichzeitig kann er einen Schmerz in der Brust spüren. Diese Müdigkeit beim Sprechen ähnelt der von STANNUM; und man sollte Ammonium CAUSTICUM wegen seiner Tendenz, das Atmungssystem anzugreifen und Blutungen hervorzurufen, auch bei Tuberkulose in Betracht ziehen.
Interessanterweise scheint bei Ammonium CAUSTICUM eine Lähmung des Ösophagus vorzuliegen; der Patient hat das Gefühl, er könne kein Wasser schlucken, kann nicht Am-caust.Wasser schlucken, kann kein Am-c.Wasser schlucken, obwohl er sehr durstig ist. In dieser Beziehung ähnelt es sehr CAUSTICUM mit seiner Tendenz zu lokaler Lähmung. Es sind auch starke Erschöpfung, starke Am-caust.Erschöpfung und Muskelschwäche Am-caust.Muskelschwäche vorhanden, was dafür spricht, dass dieses Mittel bei neuromuskulären Erkrankungen in Betracht gezogen werden sollte, besonders dann, wenn zu den hervorstechendsten Symptomen Schluckbeschwerden Am-caust.Schluckbeschwerden gehören. Die Ammonium-causticum-Patienten leiden an Beklemmung in der Brust mit Angst Am-caust.Beklemmung in der Brust mit Angst, sie haben das Gefühl, dass sie keine Luft bekommen, dass sie ersticken; große Schwierigkeiten beim Atmen. Sehr ähnlich wie die Lachesis-Patienten werden sie von einem Erstickungsgefühl reisst aus dem Schlaf Am-caust.Erstickungsgefühl aus dem Schlaf gerissen. Bei beiden Mitteln scheint der Auslöser eine momentane Paralyse des Vagusnervs zu sein.
Ein weiterer wichtiger Aspekt von Ammonium causticum ist seine Tendenz, das Epithel des oberen Verdauungskanals angegriffen Am-caust.Epithel des oberen Verdauungskanals anzugreifen. Die Zunge, der Gaumen und die Speiseröhre sind weißlich und teilweise mit Bläschen bedeckt. Weiße Flecke auf der Zunge und an der Innenseite der Wangen Am-caust.Weiße Flecke treten auf der Zunge und an der Innenseite der Wangen auf und erinnern an die Symptome von AIDS. Tatsächlich weist das ganze Bild des Mittels – die extreme Erschöpfung, extrem Am-caust.Erschöpfung, die Abmagerung Am-caust.Abmagerung, die Wirkung auf das Atmungssystem und die Schleimhäute etc. – auf eine mögliche Indikation bei AIDS-Patienten hin.
Stücke weißer Haut lösen sich von Zunge und Hals ab, und die darunterliegenden Stellen sind rot. Die gesamte Mundhöhle, Mund, Zunge, Hals und wahrscheinlich ein großer Teil des Ösophagus sind vom Epithel entblößt. Die Absonderungen sind scharf, wie auch bei den anderen Ammonium-Verbindungen. Es besteht eine starke Tendenz zu Blutungen aus allen Körperöffnungen Am-caust.Blutungen aus allen Körperöffnungen, Blutungen der Schleimhäute mit Ohnmachtsneigung; infolgedessen kann sich dieses Mittel bei Colitis ulcerosa als nützlich erweisen. Auch Blutabsonderung aus dem Rektum mit starkem Tenesmus tritt auf.
Ammonium causticum wirkt auf die Nieren und ruft Albuminurie sowie hyaline Zylinder und roten Harn hervor. Es wirkt auch auf das Herz und ist als Herzstimulans bei schwachem Herzen mit langsamem, aussetzendem oder unregelmäßigem Puls eingesetzt worden.
Konvulsive Zuckungen treten auf, stärker am rechten Arm, ebenso Kontraktionen der Beugemuskeln und Zusammenziehung der Speiseröhre.
Auf der emotionalen Ebene ist – wie auch bei AMMONIUM CARBONICUM und AMMONIUM MURIATICUM – eine bemerkenswerte Furchtsamkeit Am-caust.Furchtsamkeit festzustellen, mit einer Tendenz, sich Schreckhaftgigkeit Am-caust.leicht zu erschrecken.
Abends ist der Patient sehr erregt, mit Beklemmungsgefühl, und der Gesichtsausdruck zeigt große Angst, die zu einer wirklichen Qual werden kann. Verzweiflung und Mutlosigkeit stellen sich ein.
Allgemeinsymptome und Keynotes
Um die Erinnerung an einige charakteristische Symptome und Keynotes dieses Mittels zu erleichtern, werde ich im folgenden eine (scheinbar) theoretische Fallbeschreibung geben:
Stellen Sie sich vor, Sie werden zu einem abgemagerten Patienten gerufen, der so erschöpft ist und dessen schwach, Muskeln sind so, dass bei geringster Anstrengung zittert Am-caust.Muskeln so schwach, dass bei geringster Anstrengung zittert Am-caust.Muskeln so Zittern aus muskelschwäche bei jeder anstrengung Am-caust.Beinen halten, kann sich nicht auf den, aus Muskelschwäche Am-caust.schwach sind, dass er bei der geringsten Anstrengung zittert und sich, wenn er aus dem Bett aufsteht, nicht auf den Beinen halten kann.
Dieser Patient hat einen leidender, ängstlicher Gesichtsausdruck Am-caust.leidenden, ängstlichen Gesichtsausdruck ängstlich, leidend Am-caust.Gesichtsausdruck, das Gesicht ist bedeckt mit feuchtkaltem Schweiß und im oberen Bereich rotviolettes Gesicht im oberen Bereich, im unteren Teil blass Am-caust.rotviolett, im unteren Teil dagegen blass. (Es kann jedoch auch eine Röte über der Nase und den Stirnhöhlen Am-caust.Röte über der Nase und den Stirnhöhlen vorhanden sein.)
In den entzündeten Augen kann man eine gelbliche Chemosis Am-caust.Chemosis erkennen, aber die meiste Zeit über sind sie, unter geschlossenen Lidern, spasmodisch nach oben gedreht.
Die Lippen sind geschwollen, zyanotisch und livide, mit einem schwarzer Belag auf der Mitte der Unterlippe Am-caust.schwarzen Belag auf der Mitte der Unterlippe, und auch auf der Zungenspitze befindet sich ein schwarzer Belag auf Zungenspitze Am-caust.schwarzer Belag. Wenn man tiefer in den Mund hineinschaut, sieht man, dass die Zunge weiß belegte Zunge Am-caust.weiß belegt, schmerzend und empfindlich ist, mit Stückchen abgelöster Schleimhaut der Zunge löst sich stückchenweise ab Am-caust.Schleimhaut. Der ganze Mund und der Hals sind dunkelrot und geschwollen, mit wunden Stellen und weißen Flecken auf der Innenseite der Wangen Am-caust.weißen Flecken auf der Innenseite der Wangen.
Der Patient versucht, Ihnen von den brennenden Schmerzen zu erzählen, die er im Mund, im Hals und in der Speiseröhre fühlt, so als ob alles vom Magen bis zum Mund hinauf in Flammen stehe, aber seine Stimme ist sehr schwach, undeutlich, auf ein Flüstern, Stimme auf ein F. reduziert Am-caust.Flüstern reduziert. Es ist sehr ermüdend für ihn, zu sprechen, und er spricht daher mit vielen Unterbrechungen.
Er ist sehr durstig, doch Schwierigkeiten zu schlucken wegen Würgegefühl dabei Am-caust.durstig und bittet um etwas Wasser, hat aber große Schwierigkeiten, es zu schlucken, und er scheint, wegen eines Würgegefühls beim Schlucken, fast gar nichts trinken zu können. Und bald nachdem er es geschafft hat, ein kleines bisschen zu trinken, bekommt er einen erstickungsartigen Hustenanfall, erstickungsartig, mit reichlichem Auswurf, nach Trinken Am-caust.Hustenanfall mit reichlichem Schleimauswurf. Seine Atmung ist geräuschvoll, schnell und mühsam, und man kann rauhes Schleimrasseln im Kehlkopf und in der Luftröhre hören, ebenso ein Rasseln in der Brust. Das Ringen nach Luft wird schließlich so schlimm, dass man an einen Krampf, Glottis Am-caust.Krampf (oder auch ein Ödem oder eine Lähmung) der Glottis denken muss, an dem der Patient jeden Moment zu ersticken scheint. Und als ob all dies noch nicht genug wäre, beginnt er auch noch zu erbrechen und wirft etwas Seifenlaugenähnliches aus oder zähen, blutgefärbten Schleim; dieses Erbrechen ist manchmal so heftig, dass eine brennende, weißliche Flüssigkeit aus Mund und Nase herauskommt.
Und wenn Sie ihm immer noch nicht die richtige Arznei gegeben haben, wird der Patient beginnen, aus allen Körperöffnungen zu bluten, aus Mund, Nase, Augen und Ohren, was Ohnmacht hervorruft, und schließlich fällt er in sein Bett zurück, bewusstlos und mit halbgeöffneten Augen Am-caust.bewusstlos und mit halbgeöffneten Augen.
Dieses Bild scheint sehr übertrieben, aber fast alle erwähnten Symptome können im Falle einer Ammonium-causticum-Vergiftung bei ein und derselben Person auftreten.
„Ammonium causticum ist eines der besten Mittel der gesamten Materia medica für Aphonie, mit brennender Wundheit im Hals Am-caust.Aphonie, besonders wenn das brennende Wundsein im Hals vorhanden ist.“ (E. A. Farrington; Hervorhebung G. Vithoulkas)

Ammonium muriaticum

Essenzielle Merkmale
Ammonium muriaticum hat viele Ähnlichkeiten mit Ammonium carbonicum. Die Wirkung beider Mittel auf die Schleimhäute ist fast identisch: Sie verursachen reichliche, scharfe Absonderungen der Schleimhäute Am-m.scharfe Absonderungen, scharfe, der Schleimhäute Am-m.Absonderungen. Das von ihnen hervorgerufene menstruelle Syndrom ist ebenfalls sehr ähnlich, mit Erschöpfung, Diarrhö, Erbrechen und dunklem, klumpigem Blut; allerdings hat die Ammonium-muriaticum-Patientin einen charakteristischen zusammenziehenden Schmerz in der Leiste, der sie zwingt, gebeugt gehen, muss, wegen Schmerzen in der Leiste Am-m.gebeugt zu gehen. Auch auf die Lungen wirken beide Mittel in ähnlicher Weise; bei Ammonium muriaticum ist diese Wirkung jedoch nicht so pochende Empfindung an einzelnen Stellen Am-m.heftig. Die Folgen von Verstauchungen, die zurückbleibenden Schmerzen mit einem Zusammenziehungsgefühl, „als seien die Sehnen zu kurz“, sind für beide Mittel charakteristisch.
Während das Herz bei Ammonium muriaticum nicht so stark betroffen ist wie bei AMMONIUM CARBONICUM, scheint die Wirkung auf das Gefäßsystem drastisch zu sein; es kommt leicht zu einer Erhöhung des Blutdrucks. Ammonium muriaticum hat zwei große Charakteristika:
  • Das eine ist ein pochendes Gefühl an einzelnen Stellen, wie in den Pochen, Drüsen in Am-m.Lidern oder den Drüsen etc.

  • Das andere ist ein Gefühl von Spannung und Straffheit in Muskeln und Sehnen, als seien sie zu kurz Am-m.Spannung und Straffheit in Muskeln und Sehnen, als seien sie zu kurz, Gefühl in Muskeln und Sehnen, als seien sie zu Am-m.kurz.

Wann immer eines dieser Symptome beobachtet wird, sollte man an Ammonium muriaticum denken. Es ist z. B. folgender Fall möglich: Ein Patient hat Monate nach einer Verstauchung, Beschwerden nach Am-m.Verstauchung immer noch genauso schlimme Schmerzen wie am Anfang. RHUS TOXICODENDRON, BRYONIA, ARNICA und SULFURICUM ACIDUM sind ohne große Wirkung verschrieben worden. Der Patient klagt außerdem darüber, dass er sich überall steif fühlt und häufige Anfälle von Lumbago Am-m.Lumbago und Ischialgie Am-m.Ischialgie erleidet, dass er sich nicht frei bewegen kann. Jede Liegen bessert Muskelschmerzen Am-m.Bewegung tut ihm weh, aber es geht ihm wesentlich besser, wenn er sich hinlegt; wenn er dann außerdem das Gefühl hat, als seien seine Muskeln gespannt, Empfindung als seien die Muskeln Am-m.gespannt, dann handelt es sich wahrscheinlich um einen Ammonium-muriaticum-Fall.
Äußere Erscheinung
Ammonium-muriaticum-Menschen haben eine charakteristische Erscheinung, die auf den ersten Blick zu erkennen ist, besonders wenn man die Patienten im Sitzen sieht. Ihr Körper ist korpulent Am-m.korpulent, fettleibig Am-m.fettleibig und der Bauch steht vor, was eine Erschlaffung der Bauchmuskulatur anzeigt; jedoch sind die dünn, Beine sind im Verhältnis zu Körper zu Am-m.Beine im Verhältnis viel zu dünn; auch ohne dass der Patient sich auszieht, ist diese Eigentümlichkeit deutlich zu sehen. Die Hose fällt in Falten um die sehr dünnen Beine; es scheint, als wären unter der Hose gar keine Beine vorhanden. Ein aufmerksamer Beobachter hat damit einen ersten Anhaltspunkt für Ammonium muriaticum.
Schüchternheit; Stolz und Verwundbarkeit
Wie die anderen Ammonium-Patienten sind auch Menschen, die Ammonium muriaticum benötigen, schüchtern Am-m.schüchtern, doch ich würde sagen, dass die Ammonium-muriaticum-Patienten die Intellektuellen der Ammonium-Gruppe sind. Es sind verschlossene Menschen, die sich gerne zurückziehen; sie lieben es, zu lesen und zu studieren, und erst hinterher reden sie gerne mit anderen über ihre Ideen und Ergebnisse. Ein Ammonium-muriaticum-Fall verschwendet seine Zeit nicht mit müßiger Konversation. Nur was ihm, seiner Bildung und seinem Verständnis entsprechend, wirklich wichtig und mitteilungsbedürftig erscheint, wird mit anderen besprochen.
Ammonium-muriaticum-Patienten können z. B. etwas dafür übrig haben, eine „wissenschaftliche Diskussion“ zu führen; sie führen zahlreiche Beweise für ihre Ansicht an, und es kommt zu einer lebhaften Debatte. Dann regen sie sich auf und werden rot, Gesicht, bei Erregung Am-m.rot im Gesicht. Sie sind hartnäckig und eigensinnig und nicht bereit, die Argumente ihrer Gegner unvoreingenommen anzuhören: Sie sind im rechthaberisch Am-m.Recht.
Obwohl sie öffentliche Auftritte vermeiden und es ihnen widerstrebt, zu viel Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, mögen sie es doch, wenn sie von anderen wegen ihrer hervorragenden wissenschaftlichen oder beruflichen Qualitäten bewundert werden. Sie sind gewissenhafte, ernsthafte, nachdenkliche Personen, die sich gern auf ihre eigenen Angelegenheiten konzentrieren. Dagegen sind sie keine gefühlsbetonten Menschen und werden nicht leicht ihre Gefühle zeigen, selbst gegenüber ihren engsten Verwandten nicht.
Überhaupt scheint es den Ammonium-Patienten allgemein an der emotionalen Wärme zu fehlen, die den Menschen liebenswert macht. Ammonium-muriaticum-Menschen im besonderen wollen bewundert, aber nicht geliebt werden, und sie mögen es nicht, wenn andere ihnen Gefühle entgegenbringen. Ein solcher Mensch wird als intelligent angesehen werden, aber auch als jemand von eigener Art, mit dem schwer zusammenzuleben ist. Manchmal wird er eine eigenartige Abneigung gegen bestimmte Personen entwickeln und sich weigern, sich mit diesen abzugeben. Er nennt dann keinen Grund für seine Abneigung gegen diese Personen; er scheint einfach empfindlich gegen ihre „Schwingungen“ zu sein.
Ammonium-muriaticum-Patienten können recht grob und beleidigend sein, besonders wenn sie einen schwachen Punkt in der intellektuellen Argumentation eines anderen entdecken; sie können auch boshaft sein.
Ihr Charakter – eine Kombination von Schüchternheit, Stolz auf ihre intellektuellen Errungenschaften und Verwundbarkeit gegenüber anderen – lässt sie sehr reserviert, verschlossen und unzugänglich werden.
Kummer Am-m.Kummer hat eine ungeheure Wirkung auf diese Menschen; sie reagieren dann sehr ähnlich wie NATRIUM-MURIATICUM-Patienten. Daher leiden Ammonium-muriaticum-Patienten an Beschwerden durch Kummer: Sie werden still Am-m.still, schweigsam Am-m.schweigsam und zurückgezogen und möchten mit niemandem sprechen. In Gedanken versunken können sie stundenlang auf einem Platz sitzen bleiben und kaum zum Reden bewegt werden. Sie sind voller Kummer und wollen weinen, aber es kommen keine Tränen. Eine natürliche Erleichterung durch Weinen ist ihnen versagt, sehr ähnlich wie bei NATRIUM MURIATICUM.
Ihre Gefühle und Emotionen sind nicht voll entwickelt. Sie sind schnell gereizt, haben diese Reizbarkeit jedoch meist unter Kontrolle, und nur gelegentlich bricht es aus ihnen heraus. Besonders wenn sie Kopfschmerzen haben, fühlen sie sich innerlich gereizt; dies wird, wie auch ihr allgemeiner Geistes- und Gemütszustand, nach dem Essen besser.
Ammonium-muriaticum-Patienten können eine Angst in Bezug auf ihre Arbeit, ihre Leistungen entwickeln. Schon durch Kleinigkeiten werden sie erschreckt. Es sind Menschen, die sich sozial schlecht durchsetzen können, weil sie leicht einen Schrecken bekommen und zusammenfahren. Sie wachen morgens mit Schreck auf, und abends beim Einschlafen fahren sie immer wieder auf.
Sie haben Angst in einer Menschenmenge und im Dunkeln; es muss ein Licht anbleiben. Manchmal kann sie eine Furcht beschleichen, die sie nur sehr selten zugeben werden – eine Furcht, jemanden zu töten, oder auch eine Furcht, von jemandem umgebracht zu werden.
Eine gründliche psychologische Untersuchung weist auf Angst- und Schuldgefühle im Unterbewusstsein hin. Ihre Symptomatologie zeigt, dass sie an Wahnvorstellungen leiden, es befinde sich jemand unter ihrem Bett – ein Feind oder jemand, der ihnen etwas antun will – oder ein Schwert hänge über ihrem Kopf usw.
Depressiver Zustand, Gleichgültigkeit und Apathie
Weil ihrem Charakter die Leichtigkeit fehlt und sie nicht in der Lage sind, das Leben auch einmal oberflächlich zu betrachten, kann eine Enttäuschung auf beruflicher oder emotionaler Ebene diese Menschen sehr rasch in einen Zustand der Depression führen. Von dieser werden sie jedoch nicht überwältigt, und Depressionen mit Selbstmordneigung kommen nicht vor. Sie werden von Grund auf unzufrieden, unbefriedigt und ungehalten über alles, was sie selbst tun oder was andere für sie tun. Sie haben das Gefühl, sie würden nicht genug anerkannt.
Wie gesagt, bedeuten für diese Menschen ihre intellektuellen Bestrebungen die größte Wohltat, doch wenn sie enttäuscht werden, wie es jedem von uns ab und zu passiert, trifft sie das ziemlich stark, sodass sie jegliches Interesse daran verlieren. Schließlich können sie in einen Zustand der Gleichgültigkeit Am-m.Gleichgültigkeit, der Apathie Am-m.Apathie geraten, mit einer Abneigung gegen jede Art von Kommunikation mit irgendjemandem, vor allem gegen Gespräche – Abneigung gegen Gespräche, Abneigung gegen Am-m.Gespräche. Sie werden unbeweglich; es scheint, als ziehe sie etwas nach innen und lähme gleichzeitig ihre Beweglichkeit, ihre Fähigkeit, sich mitzuteilen. Genauso wie ihre Muskeln und Sehnen im Körper angespannt und zusammengezogen werden, so fühlen sie sich auch geistig angespannt, eingeschnürt und beengt. Auf Herausforderungen reagieren sie nicht aktiv oder aggressiv, sondern passiv. Wenn sie jemanden nicht mögen, so sagen sie dies demjenigen nicht, sondern wenden sich einfach von ihm ab. Und wenn sie meinen, ungerecht behandelt worden zu sein, wehren sie sich nicht, sondern werden still und ziehen sich zurück.
Mit dem Fortschreiten des pathologischen Zustands gehen andere Veränderungen einher. Früher einmal waren die Ammonium-muriaticum-Patienten Menschen, die gerne über ihre Gedanken sprachen und dabei ein gewisses Maß an Erregung spüren ließen. Doch ganz plötzlich stellt man fest, dass sie nicht mehr gerne reden oder arbeiten. Sie werden, besonders morgens, träge und faul. Ihr Erinnerungsvermögen lässt nach, und geistige Verwirrung setzt ein. Sie beginnen beim Sprechen und Schreiben Fehler zu machen, und interessanterweise fühlen sie sich besser, wenn sie morgens für sich allein im Freien spazieren gehen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Ammonium muriaticum noch eine tiefere psychische Pathologie hat, die zu erforschen eine Aufgabe für die Zukunft bleibt.
Allgemeinsymptome und Keynotes
  • Ammonium-muriaticum-Patienten sind besonders empfindlich an den Schleimhäuten, mit profusem Katarrh, der nicht ausgeworfen werden kann.

    • Sie bekommen Schleimrasseln mit Husten, begleitet von Leberbeschwerden.

    • Sie erkälten sich schnell, mit viel ätzende Absonderungen Am-m.ätzender Absonderung. Die Erkältungen wandern abwärts, und schließlich können auch die Lungen mit betroffen werden, mit Husten, der nachts schlimmer wird, und profusem, zähem, eiweißartiger Schleim, Auswurf Am-m.eiweißartigem Schleim, der nur unter großen Schwierigkeiten herausgebracht werden kann.

    • Ihr Atmungssystem ist geschwächt. Sie müssen schon bei geringer Reizung durch Dämpfe oder austretende Gase husten.

  • Die Patienten leiden unter Kreislaufstörungen Am-m.Kreislaufstörungen, Blutwallungen, das Blut scheint in Aufruhr zu sein, mit Brennen und lokalem Pochen, und häufig ist der Blutdruck erhöht Am-m.Blutdruck erhöht.

  • Sie sind fast ständig müde, ständig Am-m.müde und am ganzen Körper empfindlich. Schmerzen an den Fingerspitzen und in den Fersen, als ob dort Geschwüre säßen. Während akuter Phasen mit Fieber ist die Erschöpfung gewaltig, sehr ähnlich wie bei MURIATICUM-ACIDUM-Patienten.

  • Die neuralgischen Schmerzen an amputierten Gliedern, Schmerzen an Am-m.amputierten Gliedern („Stumpfneuralgie“, „Phantomschmerzen“) ähneln sehr stark ALLIUM CEPA.

  • Frauen leiden sehr während der Regel. Eisige Kälte, eisige, zwischen den Schulterblättern Am-m.Kälte zwischen den Schulterblättern, die auch nicht durch noch so viel Kleidung gelindert werden kann, ist eine charakteristische Begleiterscheinung vieler Beschwerden bei diesem Mittel.

  • In Bezug auf die Verschlimmerungszeit kann man bei Ammonium muriaticum etwas Eigentümliches feststellen: Einige Symptome werden vormittags (in den Morgenstunden) schlimmer, einige nachmittags und andere abends im Bett Am-m.Einige der Symptome werden vormittags (in den Morgenstunden) schlimmer, einige nachmittags und andere abends im Bett.

  • Plötzliche Erschöpfung beim Spaziergang an der frischen Luft nach dem Abendessen.

  • Allgemeine Verschlimmerung nach dem Aufstehen.

  • Viele Symptomgruppen gehen mit Husten einher.

  • Lipome.

  • Fettleibigkeit.

Lokalsymptome
KopfKongestive Kopfschmerzen mit glühendes Gesicht bei Kopfschmerzen Am-m.glühendem Gesicht und erweiterten Blutgefäßen. Kopfschmerz mit Schwindel, der beim Spazierengehen an frischer Luft bessert Kopfschmerz Am-m.Spazierengehen an der Luft, frische, Spazierengehen in f.<2009>L. bessert Kopfschmerz Am-m.frischen Luft besser wird (PULSATILLA). Kopfschmerz am Scheitel, als ob der Kopf entzwei wäre. Der Hinterkopf schmerzt, als sei er in einen Schraubstock eingespannt. Rheumatische Kopfschmerzen mit Übelkeit.
Schmerzhaftes Zucken in die linke Schläfe hinauf. Schmerzhaftes Reißen in der rechten Schläfe und die Gesichtsseite hinunter. Gefühl von Völle und Zusammenpressung des Kopfs; schlimmer morgens. Gefühl von Hitze und Völle im Kopf, früh nach dem Aufstehen. Ein Abwärtsdrücken in der Stirn zur Nasenwurzel hin, mit einem Gefühl, als sei das Gehirn zerrissen, früh nach dem Aufstehen.
Haarausfall mit Jucken und Schuppen.
AugenHeftiges Brennen im rechten Auge, das an der frischen Luft lange anhält. Verklebte Augen, morgens beim Erwachen, mit Brennen in den Augenwinkeln nach dem Waschen.
Optische Täuschungen bei beginnendem grauem Star. Optische Täuschungen bei dunklen Farben. Gelbe Flecken überall vor den Augen. Fliegende Flecken und Punkte vor den Augen. Nebel vor den Augen. Kann im Freien, selbst bei hellem Sonnenschein, weder in die Ferne noch in die Nähe deutlich sehen; besser im Zimmer.
Herzklopfen wird in den Augenlidern empfunden Am-m.Augenlider, Herzklopfen wird in den Augenlidern empfunden Am-m. Herzklopfen wird in den Augenlidern empfunden Am-m.Herzklopfen wird in den Augenlidern gefühlt. Zucken im linken Auge. Zucken in den unteren Augenlidern. Zucken im linken Augapfel, aber nicht im Lid; vergeht durch Reiben.
Die Augen sind trübe, glasig, wässrig. Ein Bläschen im Weißen des Auges.
NaseAmmonium muriaticum sollte öfter bei Grippefällen und Erkältungen mit trockenen, wunden Lippen verschrieben werden, bei denen NATRIUM MURIATICUM nur partiell wirkt. Jede Erkältung beginnt in der Nase, wandert dann abwärts und löst ständigen Husten aus. Wässrige, scharfe Absonderung aus der Nase, die die Lippen ätzt Am-m.scharfe Absonderung aus der Nase, die die Lippen ätzt. Schnupfen bei Kindern, mit bläulicher Absonderung. Blutiger Schaum aus Mund und Nase.
Äußere Schwellung der linken Nasenseite mit Absonderung blutiger Krusten aus der Nase. Geschwürartiger Schmerz in der linken Nasenhöhle, empfindlich gegen Berührung.
Verlust des Geruchssinns mit Schnupfen und Verstopfung der Nase. Jucken der Nase und der Nasenhöhlen, mit Fremdkörpergefühl.
GesichtDas Gesicht ist normalerweise blass, errötet aber leicht und wird schnell rot, wenn die Patienten sich aufregen. Verzerrte Gesichtszüge als Ausdruck größter Angst. Sehr blasses Gesicht. Blasses und aufgedunsenes Gesicht, das sich bei einer lebhaften Diskussion leicht erhitzt.
Wiederholtes Reißen in den Gesichtsknochen, besonders in Jochbein und Unterkiefer. Schwellung der Wange und Schwellung der Unterkieferdrüse mit pochendem Schmerz. Spannungsschmerz in den Kiefergelenken beim Kauen oder Öffnen des Mundes.
Rötlicher und brennender Ausschlag im Gesicht, besser durch feuchte, kalte Anwendungen Am-m.Rötlicher und brennender, rötlicher Ausschlag im Gesicht, besser durch feuchte, kalte Anwendungen Am-m.brennender Ausschlag im Gesicht, besser durch feuchte, kalte Anwendungen.
Beide Lippen brennen wie Feuer. Mund und Lippen sind entzündet und wund. Geschwüre in den Mundwinkeln Am-m.Geschwüre in den Mundwinkeln und an der Oberlippe. Die Lippen sind trocken und zusammengeschrumpft.
MundWeiß belegte Zunge. Die Zunge ist geschwollen und pastös. Die Zunge und der Mund sind fleckenweise mit einem weißen, schleimigen Belag bedeckt, wie eine Pseudomembran, weiß, schleimig, Zunge bedeckt von Am-m.Pseudomembran. Bläschen an der Bläschen an der Zungenspitze, brennend wie Feuer Am-m.Zungenspitze, die wie Feuer brennen.
Bitterer Geschmack im Mund während der Angstzustände und Übelkeit, bitteres Aufstoßen.
HalsEines der großen Leitsymptome dieses Mittels ist, dass ein Pulsieren in einzelnen Stellen Am-m.Pulsieren in einzelnen Stellen des Körpers zu spüren ist. Wenn solche Symptome in irgendeinem Körperteil auftreten, sollte man an Ammonium muriaticum denken.
  • Pulsieren in Mandeln und Halsschlagadern Am-m.Pulsieren wird in den Mandeln und Halsschlagadern gespürt.

  • Heftiges Pochen in den Halslymphknoten, ohne dass diese entzündet oder geschwollen sind; dazu kommen Hitzewallungen und Luftmangel.

  • Folgendes Syndrom wird man in der Regel bei Halsentzündungen antreffen: allgemeine Halsschmerzen mit Brennen und Heiserkeit, zähflüssiger Speichel, Pulsieren in Halsdrüsen oder Mandeln bei Halsentzündungen Am-m.Pulsieren wird in den Halslymphknoten oder Mandeln gespürt, Schwellung der Halslymphknoten, Stiche im Hals beim Schlucken, blasses Gesicht und Entkräftung.

Schwellung der Halslymphknoten. Äußere Schwellung am Hals. Schwellung des Halses mit zähflüssigem, klebrigem Schleim. Schluckbeschwerden. Schleim steckt im Hals und kann weder herausgebracht noch hinuntergeschluckt werden. Völle und Wundheit des Halses, mit zunehmendem, eiweißartigem Schleim und Schluckbeschwerden. Trockenheit im Hals.
Atmung, Brust, HerzEin Leitsymptom in diesem Bereich ist übermäßiger Speichelfluss beim Husten Am-m.Speichelfluss beim Husten.
Heiserkeit, mit Brennen in der Gegend des Kehlkopfes, den ganzen Nachmittag. Aphonie. Raue Stimme. Ständiges Räuspern, Ächzen und krähendes Geräusch von einem Kitzeln im Hals Am-m.Kitzeln im Hals.
Täglich wiederkehrender, trockener, schneller Husten mit Erstickungsgefühl; unfähig, während der Anfälle auch nur ein Wort herauszubringen. Tiefsitzender und heftiger Husten. Heftiger Husten, abends im Bett, mit Aufschwulken von Wasser in den Mund. Husten beim tiefen Atmen, besonders beim Liegen auf der rechten Seite. trockenes Hüsteln durch Kitzeln im Halse Am-m.Trockenes Hüsteln durch Kitzeln im Halse. trockener Husten die ganze Nacht Am-m.Trockener Husten die ganze Nacht. Der Husten lockert sich nachmittags; mit profusem Auswurf und Schleimrasseln. Der Husten verschlimmert sich nach dem Essen.
Katarrhalische Pneumonie mit viel Rasseln, klebrigem und fadenziehendem Schleim, der schwer auszuhusten ist, gerötetem Gesicht, Husten mit profusem Speichelfluss, immer mit ungeheurer Erschöpfung verbunden.
Atembeschwerden bei Arbeit mit den Händen. Asthma bei kraftvollen Bewegungen der Arme und beim Bücken.
Die Lungen sind entzündet und schwach. Bei Lungenerkrankungen Kälte zwischen den Schulterblättern Am-m.Kälte zwischen den Schulterblättern. Schmerzen im Schulterblatt beim Atmen.
Schwere und Beklemmung auf der Brust mit Atembeschwerden, an frischer oder kalter Luft. Schweregefühl auf der Brust, das den Patienten nachts aufwachen lässt, mit Ruhelosigkeit, sodass er nicht wieder einschlafen kann. Brennen an kleinen Stellen der Brust. Rote, pfenniggroße Flecken auf der linken Brustseite, die brennen und jucken und unter Druck erblassen. Plötzliche, feine Stiche aus der linken Brust. Wundheitsschmerz in der linken Brust. Klopfen, wie Puls, an einer kleinen Stelle in der linken Brust Am-m.Klopfen, wie Puls, an einer kleinen Stelle in der linken Brust.
Schwacher, unregelmäßiger, schneller Puls. Aussetzender Puls. Beschleunigter Puls. Reißen in der Herzgegend, bis in den linken Arm ausstrahlend.
MagenErbrechen und Durchfall während der Regel Am-m.Erbrechen und Durchfall und Erbrechen während der Regel Am-m.Durchfall während der Regel.
Brennen und Druckgefühl im Magen. Nagen im Magen, wie von Würmern Am-m.Nagen im Magen, wie von Würmern, Nagen im Magen wie von Am-m.Würmern. Leeregefühl im Magen ohne Appetit. Leere im Magen, die durch Essen nicht besser wird.
Appetitmangel abwechselnd mit riesigem Hunger. Sehr starker Durst, der nur durch Limonade, Durst kann nur durch L. gestillt werden Am-m.Limonade gestillt werden kann. Unstillbarer Durst, nachmittags. Durstlosigkeit. Durst am Abend.
Nach dem Essen Klopfen in der Brust nahe der Speiseröhre Am-m.Klopfen in der Brust nahe der Speiseröhre, mit Hitze im Gesicht und unruhiger Stimmung. Aufschwulken des Gegessenen oder von bitterem, saurem Wasser. Bitteres, leeres Aufstoßen. Übelkeit nach jedem Essen, mit Schaudern.
Gefühl im Magen, als drehe sich alles herum. Nüchternheitsgefühl, und doch Völle im Magen. Häufiger Schluckauf. Hitze im Magen. Magenkrebs.
AbdomenVergrößerter Bauch, vergrößerter, wobei die Beine im Verhältnis viel zu dünn sind Am-m.Bauch, wobei die Beine im Verhältnis viel zu dünn sind. Übermäßige Fettablagerungen am Bauch Am-m.Fettablagerungen am Bauch. Der Bauch ist voll und aufgetrieben.
Stechende Schmerzen in der Milzgegend, meistens morgens. Stiche in der Milz, sogar im Sitzen.
Heftiges Kneifen um den Nabel herum, mit nachfolgendem Durchfall. Schneiden und Stechen um den Nabel herum. Kollern und Gären in den Seiten des Abdomens. Kneifen im Bauch bei jedem Einatmen, das beim Ausatmen wieder vergeht.
Häufiger Abgang von stinkenden Blähungen, aber ohne das Gefühl von Blähungen. Viele Blähungen.
Schwere im Unterbauch wie von einer Last, mit Ängstlichkeit, als ob der Bauch zerspringen würde, vergeht im Schlaf.
Gefühl von Auftreibung in den Leisten, mit Spannung und Wühlen in der rechten Leiste. Schmerz wie von Verrenkung, in der linken Leistengegend, zwingt den Patienten, krumm zu gehen.
Ein Gefühl wie von Anspannung, Verstauchungsgefühl in den Leisten während Menses Am-m.Verstauchung in den Leisten während der Regel, das die Patientin zwingt, gebeugt zu gehen. Blut vom Anus oder Durchfall während der Regel. Schmerzen in Bauch und Rücken während der Regel. Die Leisten fühlen sich wund an und wie geschwollen. Abdominelle Symptome während der Schwangerschaft.
Chronische Kongestion der Leber. Vergrößerung der Leber mit Husten.
Rektum und StuhlHämorrhoiden, entzündet und schmerzhaft Am-m.Hämorrhoiden sind entzündet und schmerzhaft. Hämorrhoiden nach unterdrückter Leukorrhö. Hämorrhoiden mit Brennen und Stechen im Rektum. Starkes Brennen im Rektum während und nach weichem Stuhl. Juckendes Wundsein des Rektums, mehrere Pusteln an der Seite.
Reißen im Perineum beim Laufen Am-m.Reißen im Perineum beim Laufen. Abends reißender, stechender Schmerz im Perineum.
Harte, krümelige Stühle, die nur mit größter Mühe herausgebracht werden können. Hartnäckige und extreme Verstopfung, hartnäckig Am-m.Verstopfung.
Harter Stuhl, mit Schleim überzogen. Wässriger Stuhl. Erster Teil des Stuhls fest, der Rest weich. Morgens leichter Durchfall, danach Schmerzen im Bauch, wie wund und zerschlagen. Schmerzen um den Nabel, danach normaler Stuhl. Stechen im Anus. Grüner, schleimiger Stuhl am Morgen. Glasiger, zäher Schleim im Stuhl.
HarnorganeStändiger Tenesmus der Blase, von 4 Uhr morgens an. Harndrang, bei dem nur einige Tropfen abgingen, bei dem danach folgenden Stuhlgang wieder normaler Harnabgang. Vermehrter Urin, obwohl die Patientin wenig trinkt. Nachts profuse und häufige Absonderung.
Heißer Urin. Rötlicher, heller Urin, ohne Bodensatz oder Wolken. Hochgelber Urin, mit lockerer Wolke am Grunde. Lehmiger Bodensatz im Urin. Reichlicher Urin, stark ammoniakalisch riechend, manchmal moderig oder muffig.
Männliche GenitalienPulsieren in den Samensträngen Am-m.Pulsieren in den Samensträngen. Stechen und Schlagen im linken Samenstrang. Häufige Erektionen. Hypertrophie der Prostata. Strikturen und Zusammenziehung der Harnröhre.
Weibliche GenitalienDie Menstruation, Beschwerden während Am-m.Menstruation ist eine sehr schwere Zeit für die Ammonium-muriaticum-Patientinnen, sie geht einher mit sehr starken zusammenziehenden Schmerzen in der Leistengegend, als ob diese geschwollen sei, mit Erbrechen, während Menses Am-m.Erbrechen, Durchfall während Menses Am-m.Durchfall und Blut im Stuhl während Menses Am-m.Blut im Stuhl. Die Regel setzt zu früh ein, ist profus mit Klumpen und mit Schmerzen im Bauch (Leisten) und im Rücken, sodass die Patientin gebeugt gehen muss, sowie mit viel Kollern und Blähungen. Menstruationsfluss nachts stärker. Heftige Metrorrhagie.
Eiweißartige Leukorrhoe nach Schmerzen in der Nabelgegend Am-m.Eiweißartige Leukorrhö nach Schmerzen in der Nabelgegend. Leukorrhö mit Anspannung des Unterleibes. Ständige Leukorrhö. Brauner, schleimiger, nicht schmerzhafter Fluor nach jedem Urinieren.
Die Patientin geht gebeugt, wegen Uterusprolaps. Hypertrophie des Uterus.
RückenSpannung und Steifheit im Genick Am-m.Steifheit im Genick, mit Schmerzen beim Drehen, die bis zwischen die Schultern ausstrahlen. Der Patient kann sich nicht aufrichten, sondern muss gebeugt gehen; wenn er sich hinlegt, geht es ihm viel besser, solange er nicht versucht, sich umzudrehen. Der Patient kann nicht aufrecht gehen, durch einen Verrenkung, Schmerz wie von einer, in den Leisten Am-m.Schmerz wie von einer Verrenkung in den Leisten.
Stechen im linken Schulterblatt und Gefühl von Eiseskälte zwischen den Schulterblättern, das durch warme Kleidung nicht gelindert wird.
Rückenschmerzen, wie zerschlagen. Schmerzhafte Steifheit im Kreuz Am-m.Steifheit im Kreuz, selbst im Sitzen, am meisten jedoch beim Aufrichten. Heftige Schmerzen, heftig, in der Lumbosakralregion Am-m.Schmerzen in der Lumbosakralregion. Ungeheure Kreuzschmerzen wecken sie nachts, mit Lahmheitsschmerz in beiden Hüften und Oberschenkeln. Nach dem Gähnen ein Gefühl im Kreuz, als ob etwas Elastisches, wie Luft, dort herausdrücken würde.
Nachts besonders heftige Schmerzen im Rücken, wie zerschlagen und zertrümmert; die Patientin wacht davon auf und kann dann weder auf dem Rücken noch auf der Seite liegen, sondern muss sich ständig herumdrehen (RHUS TOXICODENDRON). Diese Modalität ist völlig gegensätzlich zu der sonst vorherrschenden starken Besserung beim Hinlegen.
ExtremitätenBei den Extremitäten muss man die folgenden Charakteristika beachten:
  • das Gefühl, als seien die Sehnen oder Muskeln gespannt oder zu kurz

  • die Besserung der Beschwerden durch Hinlegen

  • die Schmerzen und Taubheit oder Kribbeln, besonders in den Finger- und Zehenspitzen Am-m.Taubheit oder Kribbeln sind besonders in den Finger- und Zehenspitzen zu spüren

  • Verschlimmerung der Schmerzen beim Sitzen

Spannungsgefühl in den Gelenken, als seien die Muskeln verkürzt- Abends reißender Schmerz in den Zehen, Zehenspitzen und Fingerspitzen. Reißen im linken Arm, wie in den Sehnen, bis in die Finger.
Stechende Schmerzen in den Fingergelenken, insbesondere des Daumens. Klopfen unter dem linken Daumennagel Am-m.Klopfen unter dem linken Daumennagel.
Reißen im letzten Glied des rechten Zeigefingers. Heftiges, lang andauerndes Jucken in der Spitze des Zeigefingers. Ameisenlaufen in den Fingerspitzen Am-m.Ameisenlaufen in den Fingerspitzen, schlimmer nachmittags.
Ischialgie, schlimmer im Sitzen Am-m.Ischialgie, die sich im Sitzen verschlimmert, Ruhelosigkeit hervorruft und zum Spazierengehen veranlasst; durch die Bewegung wird es etwas besser; völlig gebessert Ischialgie besser durch Hinlegen Am-m.durch Hinlegen. Schmerzen in der linken Hüfte, als seien die Sehnen zu kurz, sodass die Patientin beim Gehen hinken muss; im Sitzen dann nagender Schmerz im Knochen. Heftiges Jucken um die Hüfte herum, nachts und früh am Morgen.
Mattigkeit und Schwäche in den Beinen, den ganzen Tag. Reißender Schmerz im vorderen Teil der Oberschenkel, im Sitzen. Stiche in den Kniegelenken, beim Sitzen Am-m.Stiche in den Kniegelenken, beim Sitzen, abends.
Heftiges Reißen und Stechen mit Geschwürschmerz in den Fersen Am-m.Geschwürschmerz in den Fersen, manchmal durch Reiben vergehend; auch nachts im Bett. Neuralgische Schmerzen in den Stümpfen amputierter Glieder.
Stinkender Fußschweiß. Kalte Füße, besonders abends im Bett. Reißende oder stechende Schmerzen in den Zehen. Kribbeln und Taubheit in den Zehenspitzen.
SchlafFrüh am Abend große Schläfrigkeit, mit Zufallen der Augen. Die Patientin kann bis 3 Uhr morgens nicht einschlafen. Unruhiger Schlaf, nach Mitternacht, mit häufigem Erwachen.
Träume: dass sie sieht, wie ein Soldat erschossen wird; dass ein Pferd in seinen Arm beisst; ins Wasser zu fallen; ein lebendiges Kind zu finden; und andere beängstigende Träume; von Ärgernis und Furcht, dass sie sich im Wald verirrt; der ganze Körper sei mit Ausschlag bedeckt; wollüstige Träume.
Fieber und FrostFrösteln, abends nach dem Hinlegen und bei jedem Aufwachen, ohne Durst. Frost und Hitze im Wechsel. Frost und Hitze, am Schluss mit viel Schweiß. Schwitzen ohne Durst.
HautFeiner Ausschlag über den ganzen Körper, wie Masern, so stark brennend, dass die ganze Zeit nasskalte Tücher aufgelegt werden müssen.
Ständiges subkutanes Ameisenlaufen am ganzen Körper.
Erbsengroße Blasen auf der rechten Schulter, spannend und brennend. Blasen an verschiedenen Körperteilen, mit Spannung, brennender Schorfbildung. Kleine Bläschen am Handgelenk, die erst jucken und nach dem Kratzen heftig brennen. Große Blasen mit harter Basis. Große Knoten, die tief in der Haut sitzen.

Amylenum nitrosum

Essenzielle Merkmale
Die Wirkung von Amylenum nitrosum zeigt sich am deutlichsten am Gefäßsystem, vor allem in der Dilatation der Arteriolen und Kapillaren. Und so treten Hitzewallungen Aml-ns.Hitzewallungen auf; die geringste Gemütsregung verursacht starke Hitzewallungen im Gesicht Aml-ns.Hitzewallungen im Gesicht, die dann auch auf andere Körperteile übergehen, wie z. B. den ganzen Kopf, den Magen und die Brust. Ein charakteristisches Merkmal dieser Hitzewallungen besteht darin, dass sie nur den Hitzewallungen betreffen nur den oberen Teil des Körpers Aml-ns.oberen Teil des Körpers betreffen. Darauf folgt dann reichlicher, heißer Schweiß Aml-ns.heißer Schweiß, heißer Aml-ns.Schweiß. Interessanterweise beschränkt sich die das Kreislaufsystem betreffende Wirkung des Mittels allgemein auf den Oberkörper, vor allem auf den Kopf, das Gesicht, den Hals, die Brust und den Magen. Die Hitzewallungen kommen also nicht am Unterleib oder an den Extremitäten vor. Weitere wichtige Charakteristika von Amylenum nitrosum sind intensives und tiefes Gähnen, intensives und tiefes, das aber nicht befriedigt Aml-ns.Gähnen, das jedoch dem Patienten offenbar keine Befriedigung verschafft, sowie das Verlangen, sich zu strecken, Verlangen sich zu s. Aml-ns.strecken. Ständiges Strecken im Bett beim Erwachen am Morgen, oder beim Erwachen nach einigen Stunden Schlaf. Sie strecken sich immer wieder, und diese Neigung bleibt bestehen, aber die Patienten finden dabei weiterhin keine Befriedigung. Strecken und Gähnen mit Schluckauf.
Amylenum nitrosum hat zudem eine starke Neigung zum Erröten Aml-ns.Erröten. Es handelt sich bei den Betreffenden um schüchterne Menschen, die darunter leiden, bei der emotionale Erregung, geringste, führt zum Erröten Aml-ns.geringsten emotionalen Erregung zu erröten. Es ist der Gedanke geäußert worden (dem ich zustimme), dass die Wirkung von Amylenum nitrosum auf die Arteriolen und Kapillaren demjenigen ähnelt, was als Scham bezeichnet wird. Wenn man Scham empfindet, sind die Bereiche, die am ehesten rot werden oder erröten, die gleichen, auf die dieses Mittel wirkt. Diese Überlegung und die dazugehörigen Symptome erleichtern dem homöopathischen Arzt die Differenzialdiagnose. Amylenum nitrosum muss vor allem von LACHESIS, PULSATILLA und GLONOINUM unterschieden werden.
Herzklopfen, Hitzewallungen
Bei der stürmischen Blutbewegung, die sich in den genannten Symptomen von Amylenum nitrosum manifestiert, liegt es nahe, dass Herzklopfen Aml-ns.Herzklopfen auftritt, sowie Pochen in verschiedenen Körperregionen Aml-ns.Pochen im Kopf Aml-ns.Pochen in verschiedenen Körperregionen und besonders im Kopf.
Durch diese spezielle Eigenschaft ist das Mittel besonders geeignet bei Hitzewallungen während des Klimakteriums Aml-ns.Hitzewallungen während des Klimakteriums, insbesondere bei plethorischen Frauen, oder auch bei pochenden Kopfschmerzen nach der Menopause. In Fällen, bei denen LACHESIS indiziert zu sein scheint, aber dennoch versagt hat, sollte der homöopathische Arzt Amylenum nitrosum in Erwägung ziehen. Im Hinblick auf die Hitzewallungen, das Herzklopfen, die Eifersucht Aml-ns.Eifersucht und die Unverträglichkeit von Enge wird am Hals nicht vertragen Aml-ns.enger Kleidung, enge, wird am Hals nicht vertragen Aml-ns.Kleidung am Hals, die zur Pathogenese beider Mittel gehören, sind diese beiden Mittel leicht zu verwechseln. Wenn man auch keine feste Regel daraus machen kann, scheint es doch tendenziell so zu sein, dass die typischen Hitzewallungen bei Amylenum nitrosum eher lokale Hitzewallungen Aml-ns.Hitzewallungen, lokale Aml-ns.lokal sind (wobei die umgebenden Partien Hitzewallungen mit Kälte der umgebenden Teile Aml-ns.kalt sein können) und zuerst im Gesicht auftreten, während es sich bei LACHESIS meist um eine allgemeine Hitze handelt.
Amylenum nitrosum unterscheidet sich jedoch von LACHESIS in seinem psychisch-geistigen Bild, wie wir es weiter unten beschreiben, und wenn man die eigentümlichen Symptome der beiden Mittel sammelt, sollte eine Differenzialdiagnose nicht mehr allzu schwierig sein.
Geistig emotionales Bild
Psychisch und emotional sind diese Menschen Empfindlichkeit, emotionale Aml-ns.empfindlich und leicht erregbar, leicht Aml-ns.erregbar; sie erröten sehr leicht und sind sehr besorgt um Gesundheit Aml-ns.besorgt um ihre Gesundheit. Diese Sorge kreist um die Angst, einen Hirnschlag oder eine Herzattacke zu erleiden. Wenn sie Kopfschmerzen haben oder ein Pochen im Kopf verspüren, meinen sie, ihr Gehirn sei nicht in Ordnung und sie würden bald einen Hirnschlag erleiden. Diese Angst steigert sich, bis sie meinen, nicht mehr atmen zu können, Angst nicht mehr Aml-ns.atmen zu Angst, nicht mehr atmen zu können Aml-ns.können. Sie müssen zum Fenster laufen, um frische Luft einzuatmen. Mit wachsender Angst verstärken sich die Hitzewallungen, und die Patienten sind immer mehr davon überzeugt, dass ihnen ein Hirnschlag droht.
Diese Aufregung ist besonders deutlich, wenn ein Amylenum-nitrosum-Patient im Sprechzimmer des Arztes sitzt und auf dessen Diagnose wartet. Man sieht ihm dann an, dass er völlig aus der Fassung ist, mit zitternden Lippen und zitternder Stimme, das Blut scheint ihm ins Gesicht gestiegen zu sein, er ist rot und erhitzt im Gesicht. Seine Augen glänzen und blicken erregt, und der Arzt kann die Angst des Patienten um seinen Gesundheitszustand deutlich spüren.
Diese Menschen haben großes Mitgefühl für die Leiden anderer und können es nicht ertragen, zu hören, dass es irgendjemandem schlecht geht. Sie haben wenig Mut, solchen Situationen ins Gesicht zu sehen.
Sie verlieren leicht den Mut. Es besteht angstvolle Unruhe Aml-ns.angstvolle Unruhe, angstvolle Aml-ns.Unruhe, und sie haben das Gefühl, dass sie nirgendwo lange bleiben können, sondern ständig unterwegs sein müssen.
Vorahnung, dass etwas geschehen wird
Für das wichtigste Keynote bei Amylenum-nitrosum-Patienten halte ich das Gefühl einer Vorahnung, dass etwas Schreckliches unmittelbar bevorsteht Aml-ns.Vorahnung, einen Sinn dafür, dass etwas Schreckliches Schreckliches, Vorahnung, dass etwas S. unmittelbar bevorsteht Aml-ns.unmittelbar bevorsteht. Sie erleben eine plötzliche, reale Angst, dass jetzt etwas passieren wird, und sie meinen etwas unternehmen zu müssen, um dies zu verhindern. Sie werden aufgeregt und laufen hin und her, stürzen schließlich zum Fenster, um einige tiefe Atemzüge zu nehmen, weil sie das Gefühl haben, zu ersticken. Dieses Syndrom unterscheidet sich von der Angst, „dass etwas Schlimmes geschehen wird“, wie wir sie bei PHOSPHOR-Patienten beobachten; bei der PHOSPHOR-Angst handelt es sich nämlich um ein unbestimmtes Gefühl in Bezug auf den Zeitpunkt, wann etwas geschehen wird, und in Bezug auf den Gegenstand („was dies genau sein wird“).
  • Die gleiche Tendenz tritt bei Epilepsie auf, bei der der Patient zwanzigmal am Tag meint, jetzt Anfall, epileptischer, stünde bevor, meint Aml-ns.einen Anfall zu bekommen, obwohl er rein verstandesmäßig weiß, dass so ein Anfall nur etwa einmal pro Woche eintritt.

  • Amylenum nitrosum gehört auch zu den Mitteln, die man bei Angina pectoris Aml-ns.Angina pectoris und akutem Herzinfarkt, akuter Aml-ns.Herzinfarkt in Betracht ziehen sollte, wenn der Patient das Gefühl hat, das Sternum presse nach hinten gegen die Wirbelsäule, oder die Brustgegend über dem Herzen sei geschwollen. Ebenso kommt es bei dem Gefühl einer jeden Moment drohenden Herzattacke, Gefühl einer jeden Moment drohenden Aml-ns.Herzattacke in Frage.

Das Mittel sollte in die Rubrik „Angst um die eigene Gesundheit Aml-ns.Angst um die eigene Gesundheit, Angst um die eigene Aml-ns.Gesundheit“ aufgenommen werden (wo es im Repertorium bislang fehlt); bei Amylenum nitrosum ist diese Angst durch das Gefühl charakterisiert, dass etwas Schlimmes, was Furcht, dass etwas gesundheitlich schlimmes unmittelbar bevorsteht Aml-ns.ihre Gesundheit betrifft, unmittelbar bevorstehe.
Ferner ist an die Verschreibung dieses Mittels zu denken, wenn Kongestion Aml-ns.Kongestion, Hitzegefühl Aml-ns.Hitzegefühl, Unverträglichkeit von Hitze verschlechtert, wird nicht vertragen Aml-ns.Hitze, Sonne oder sehr warme Räume verschlechtern Aml-ns.warmen Räumen anzutreffen sind; ebenso bei Völle des Kopfes und Pochen; bei Herzflattern bei der geringsten Erregung Aml-ns.Herzflattern bei der geringsten Erregung, Hitzewallungen etc.
Man sollte aber stets bemüht sein, über die bloßen Symptome hinaus zum Gesamtbild, zur Gesamttendenz des Mittels durchzudringen und diese mit der jeweils vorliegenden Pathologie zu vergleichen. Man stelle sich diese empfindsamen, erregbaren Personen mit ihrem pathologischen Kreislaufsystem und dessen Wirkung auf ihr Gehirn einmal vor. Sie sind unruhig Aml-ns.unruhig, erregbar Aml-ns.erregbar, Gedanken fließen leichter und intensiver, sie fürchten, dass in unmittelbarer Zukunft etwas passieren wird. Wärme im Zimmer stört sie, sie bekommen Hitzewallungen und erröten, und sie sehnen Frischluft, Verlangen nach Aml-ns.sich nach frischer Luft, weil sie meinen, sonst zu sterben. In einem solchen Fall kann man Amylenum nitrosum verschreiben, ohne sich durch die jeweilige klinische Erkrankung einschränken oder irritieren zu lassen. Wenn wir hingegen nicht von einem solchen Gesamtbild ausgehen, sondern z. B. sagen, dass dieses Mittel „gut für“ Angina pectoris, epileptische Anfälle, klimakterische Störungen, Angst um die Gesundheit etc. ist, grenzen wir seinen Anwendungsbereich in einer unangemessenen Art und Weise ein.
Traumähnlicher Zustand
Ferner können wir mit Amylenum-nitrosum-Patienten zu tun haben, zu deren psychischen Symptomen ein traumähnlicher Zustand gehört; Verwirrung und Verlust des Bezugs zur Wirklichkeit. Zustand geistiger Abwesenheit. Dann treten Depressionen auf, der Verstand wird träge, aber die quälende Angst ist vergangen. Eine Melancholie ohne das Gefühl von quälender Angst. Der Geist wird als betäubt empfunden, während die Hitzewallungen andauern. Der Patient kann seiner Arbeit und seinen Geschäften nicht nachgehen.
Er kann in einen Wahnzustand verfallen und sehr erregbar werden, mit ungeheurer Ruhelosigkeit. Er kann sich nicht hinsetzen, um irgendetwas zu tun, er redet Unsinn und singt, während er gleichzeitig eine ungeheure, irrsinnige Eifersucht an den Tag legt – gerade so wie bei LACHESIS.
Arteriosklerose bei jungen Männern
Amylenum nitrosum erweist sich als sehr wirksam bei Fällen relativ junger Männer, die schon im Alter von 50 oder 55 Jahren an Arteriosklerose, auch schon vorzeitig Aml-ns.Arteriosklerose leiden, mit glühendem Gesicht und schwankendem Gang. Ihr Verstand ist nicht klar, sondern wirkt verwirrt, und wenn man mit ihnen spricht, hat man das Gefühl, sie seien gar nicht richtig an der Unterhaltung beteiligt, oder das, was man sagt, komme gar nicht richtig bei ihnen an. Sie vergessen, worüber gerade gesprochen wurde. Es besteht eine auffallende Ruhelosigkeit, die es ihnen nicht erlaubt, zu ruhen oder sich zu unterhalten. Man hat ständig das Gefühl, sie wollten nur eines: die Unterhaltung beenden und gehen. Es sind Männer, die ein sehr selbstsüchtiges Leben genossen haben, mit dem besten Essen, Delikatessen, den besten Getränken, viel Spaß am Sex mit vielen Frauen, und mit wenig Sorgen, kurz gesagt: leichtlebige Menschen. Im Alter von 50 Jahren haben sie ihren ersten Hirnschlag, vielleicht nur einen leichten, von dem sie sich durchaus wieder hätten erholen können.
Aber seit diesem Zeitpunkt geht es mit ihrer Gesundheit rapide abwärts, was dazu führt, dass sie unter entsetzlichen Angstzuständen leiden. Sie beginnen alles zu meiden, von dem sie glauben, es könne ihrem Gehirn schaden. Nach einigen Jahren beobachtet man dann eine Bewegung der Lippen, die den Eindruck erweckt, sie würden von etwas kosten, sowie eine ständige Bewegung des Unterkiefers, als ob sie kauen würden. Dies sind sichere Anzeichen einer ständig fortschreitenden Arteriosklerose.
Das Gesicht ist ungewöhnlich stark gerötet, und dies sollte ein Leitsymptom beim Verschreiben von Amylenum nitrosum in solchen Situationen sein. Eine solche Entwicklung zeigt sehr deutlich den Fehler, dessen man sich schuldig macht, wenn man den Patienten die ganze Zeit mit palliativen Arzneien behandelt, das richtige Mittel, nämlich Amylenum nitrosum, jedoch nie gegeben hat. Man kann es zwar auch in einem so späten Stadium noch verschreiben, eine wirkliche Heilung ist nun jedoch nicht mehr zu erwarten, sondern nur noch eine Linderung.
Weitere Krankheitsbilder und Behandlungsanlässe
  • Amylenum nitrosum sollte auch bei einer Gehirnaffektion bedacht werden, wenn der Patient die ganze Zeit gähnt und sich streckt und wenn man außerdem die oben bereits genannten Symptome beobachtet, also die schmatzende Bewegung der Lippen und die Kaubewegung des Unterkiefers.

  • Amylenum nitrosum kann ebenfalls bei Fällen von Kummer verwendet werden, bei denen sich das folgende Syndrom entwickelt: Die betreffende Person geht zu Bett, schläft nur eine Weile mit schrecklichen Träumen, wacht dann auf und verbringt den Rest der Nacht schlaflos, wobei sie dauernd über die verlorene Person nachdenkt.

  • Die Patienten sind sehr leicht erregbar und ruhelos, sie verspüren Blutandrang im Kopf, und viele von ihnen haben etwas Blut im Stuhl; sie haben Hitzewallungen, Frauen leiden Tag und Nacht darunter. Schließlich werden diese Menschen apathisch und entsprechen dann dem Bild, das wir zuletzt beschrieben haben.

Allgemeinsymptome und Keynotes
  • Unsichere, zittrige Empfindung am ganzen Körper.

  • Extrem unruhig, kann nicht stillsitzen, muss ständig in Bewegung sein.

  • Bei Bewegung an der frischen Luft bessert Aml-ns.Bewegung an der frischen Luft bessern sich die Symptome. Sie werden schlimmer bei Hitze und in einem warmen Zimmer. Ein warmes Zimmer löst einen dumpfen Schmerz von der Schläfe bis zum Hinterkopf aus, zwei bis drei Stunden lang, der links schlimmer ist. Der Patient braucht dann unbedingt frische Luft.

  • Blutwallungen Aml-ns.Blutwallungen, Hitzewallungen Aml-ns.Hitzewallungen und Erröten Aml-ns.Erröten.

  • Innerliches Pulsieren und Pochen.

  • Innerliches Völlegefühl. Äußerliche Konstriktion.

  • Schwanken beim Gehen.

  • Der Patient kann nicht stillsitzen.

  • Schwäche durch Schwitzen Aml-ns.Schwäche durch Schwitzen, Schwäche nach Aml-ns.Schwitzen. Schwäche nach Herzklopfen Aml-ns.Schwäche nach Herzklopfen, Schwäche nach Aml-ns.Herzklopfen.

  • Epileptiforme Konvulsionen mit vorhergehenden schrillen, durchdringenden Schreien.

  • Sonnenstich Aml-ns.Sonnenstich, bei dem das Blut zum Kopf und ins Gesicht steigt.

  • Schwindel Aml-ns.Schwindelgefühl, geistige Verwirrung und ein traumähnlicher Zustand, und Schwindelgefühl Aml-ns.traumähnlicher Zustand.

  • Schwindel, Kopfschmerz und Übelkeit beim Aufstehen. Schwindel beim Schließen der Augen Aml-ns.Schwindel beim Schließen der Augen. Schwindelgefühl mit leichter Übelkeit, schlimmer bei geschlossenen Augen. Schwindeligkeit und Völlegefühl im Kopf. Gefühl von Verwirrung nach Blutandrang im Kopf. Verwirrung im Kopf mit Schwindel und Schläfrigkeit.

Lokalsymptome
KopfDas Hauptcharakteristikum ist hier ein Aufwärtsströmen des Blutes Aml-ns.Aufwärtsströmen des Blutes – eine stürmische Aktivität des Kreislaufs, eine heftige Bewegung des Blutes, das nach oben strömt und den ganzen Kopf erröten lässt; dadurch wird eine Angst ausgelöst, dass etwas Schlimmes passieren wird, und ein dringendes Verlangen nach frischer Luft. Diese heftige Aktivität ist es, die Amylenum nitrosum auszeichnet, nicht die Einzelheiten.
  • Hitze des Kopfes mit Pochen und heftigen Hitzewallungen, die Ängstlichkeit und Furcht auslösen, der Patient muss ans Fenster stürzen, um frische Luft zu bekommen.

  • Schwere und Druck nach außen in der Stirn und den Schläfen.

  • Heftiger linksseitiger Kopfschmerz mit Erbrechen während der Regel, stärker oder schwächer je nach dem Stand der Sonne, je nach Tageszeit, morgens beginnend, mittags am schlimmsten, bis abends andauernd.

  • Heftige Bewegung, eine Minute lang, erzeugte einen dumpfen Kopfschmerz.

  • Migräne. Hemikranie, vor allem wenn die betroffene Seite blasser aussieht als die gesunde.

  • Das Blut steigt zum Kopf und ins Gesicht, mit einem berstenden Gefühl im Kopf und den Ohren.

  • Völlegefühl, Druck, Spannung und Pochen in den Schläfen Aml-ns.Völlegefühl, Druck, Spannung, Völlegefühl0 und Pochen in den Schläfen Aml-ns.Druck, Spannung und Pochen in den Schläfen. Hitze und Pochen im Kopf; Völlegefühl wie zum Bersten. Ein Gefühl von Völle und Auftreibung des Kopfes, das sich schließlich zu einem starkem Schmerz entwickelt, begleitet von intensiver Rötung des Gesichts und beginnendem Schweiß an Kopf, Gesicht und Hals. Sichtbares Pulsieren in den Schläfen.

  • Gefühl, als werde die Kopfhaut ruckweise vom Hinterkopf nach vorne zur Stirn gezogen, endet kurz bevor sie diese erreicht, mehrmals hintereinander.

  • Gefühl, als dränge etwas aufwärts und poche im Scheitel.

  • Berstendes Gefühl im Kopf und in den Ohren, als dränge das ganze Blut zum Kopf.

  • Kopf fällt erst zur einen, dann zur anderen Seite.

AugenAugenschmerzen bei Sonnenlicht mit profusem Tränenfluss, gefolgt von Niesen.
Gerötete Bindehaut mit scharfem Schmerz. Schmerzen hinter den Augen, beim Anblicken naher Gegenstände. Blutunterlaufene Bindehaut Aml-ns.Blutunterlaufene Bindehaut. Plötzlicher stechender Schmerz in der Bindehaut, mit Gefäßinjektion beider Augen, mit undeutlichem Sehen, wie durch einen Film.
Plötzlicher scharfer Schmerz unter dem linken Auge. Momentanes Zucken und Kribbeln unter dem linken Auge.
Gegenstände erscheinen grün oder gelb. Alles scheint zu zittern und zu schwanken. Vorstehende, starrende Augen, glänzende Augen, Exophthalmus.
OhrenBerstendes Gefühl, als ob das Trommelfell mit jedem Herzschlag herausgetrieben werde. Pulsieren hinter dem Ohr Aml-ns.Pulsieren hinter dem Ohr. Pochen im Ohr Aml-ns.Pochen im Ohr. Hitze im linken Ohr. Die Ohren Brennen der Ohren Aml-ns.brennen. Summende Ohrgeräusche.
NaseStändiges Verlangen zu niesen. taubes Gefühl in den Nasenknochen Aml-ns.Taubes Gefühl in den Nasenknochen, mehrere Stunden anhaltend.
Hitzewallungen zum Gesicht bei jeder Gemütsregung Aml-ns.GesichtHitzewallungen bei jeder Gemütsregung, besonders bei Herzleiden und im Klimakterium. Errötet sehr leicht. Das Gesicht glüht, das Gesicht, bei jeder Gemütserregung Aml-ns.glüht bei der geringsten Gemütsregung. Blut steigt heftig zum Kopf und ins Gesicht, mit Tränenfluss, Hitze und Röte. Chronisches Erröten in den Wechseljahren. Gesicht und sogar Handrücken sind tiefrot.
Brennendes Gefühl im Gesicht. Brennen der linken Wange, bis ins Auge und zum rechten Ohr hin ausstrahlend.
Der Patient wurde leichenblass, er fühlte sich sehr schwindlig, wurde zehn Minuten lang teilweise bewusstlos. Linke Gesichtshälfte blass und hager, bei Kopfschmerzen. Kribbeln in der linken Wange.
MundTrockenheit der Lippen. Schmatzen der Lippen, als ob der Patient von etwas kosten würde. Automatische Kaubewegung des Unterkiefers.
HalsGefühl von Zusammenschnürung, Gefühl von, im Hals Aml-ns.Zusammenschnürung. Unverträglichkeit enger Kleidung. Würgegefühl im Hals Aml-ns.Würgegefühl. Das Einschnürungsgefühl weitet sich auf die Brust aus und verursacht dort Dyspnoe und asthmatisches Gefühl im Kehlkopf und in der Luftröhre, mit dem Verlangen aufzustoßen.
Kinder können nicht schlucken, mit Bewusstlosigkeit, bei Konvulsionen.
Mandelentzündung. Die linke Mandel geschwollen und entzündet.
Als ob sich Dampf, als ob sich D. vom Hals zu Kopf ausbreitet Aml-ns.Dampf vom Hals aus zum Kopf hin ausbreiten würde, was die Patienten ein oder zwei Sekunden lang aller Kräfte beraubte. Ein Gefühl im Hals bewirkt einen Hustenreiz, ähnlich wie von Schwefeldämpfen (z. B. beim Anzünden eines Streichholzes). Würgegefühl im Hals, auf beiden Seiten der Luftröhre, an den Halsschlagadern entlang.
Hitze im Kopf und entlang der Speiseröhre, zum Magen hin, dreißig Minuten lang andauernd.
AtmungDer Patient atmet hastiger und tiefer. Beschleunigte Atmung. Gedrücktes, erschwertes und schnelles Atmen. Kardiale Dyspnoe mit sehr starker Anasarka, infolge eines erweiterten und hypertrophischen Herzens. Dyspnoe und asthmatisches Gefühl im Kehlkopf und in der Luftröhre. Dyspnoe, Zusammenschnürung von Hals und Herz; der Patient wird durch seine Furcht ans Fenster getrieben, um frische Luft zu holen.
Reizung der Bronchien, Husten. Reizung in den Luftwegen durch Husten.
Brust und HitzePräkordialangst Aml-ns.Präkordialangst. Beklemmung der Brust. Gefühl, als schwelle die Vorderseite der Brust an, dringendes Verlangen nach frischer Luft, ein zusammenschnürendes Gefühl im Hals und im Herz. Zittern.
Blutwallung wird in der Brust gespürt Aml-ns.Blutwallung wird in der Brust gespürt. Angina pectoris mit Präkordialangst Aml-ns.Angina pectoris mit Präkordialangst. Zusammenschnürung, Beklemmung in der Brust wie von einem Band, Beklemmung der Brust wie von einem Aml-ns.Band. Herzflattern bei der geringsten Erregung Aml-ns.Herzflattern bei der geringsten Erregung. Stechende Schmerzen in der Herzgegend und ein Gefühl von Zusammenschnürung. Stürmisches, heftiges Herzklopfen, heftiges, stürmisches Aml-ns.Herzklopfen und Pochen der Arterien mit einem Gefühl von Zusammenschnürung. Scharfer Schmerz in der Herzgegend, schlimmer durch Aufstoßen. Linksseitiger Schmerz, in der Herzgegend, zum Herzschmerz, ausstrahlend zu Rücken Aml-ns.Rücken hin ausstrahlend.
Plötzliches Schlagen der Karotiden, das bis in den Kopf und die Schläfen ausstrahlt, begleitet von Hitze und Röte im Gesicht und gefolgt von Schweiß, schwächend Aml-ns.Schweiß, der den Patienten schwächt. Heftiges Pulsieren der Karotiden, heftiges Aml-ns.Pulsieren der Karotiden.
Übelkeit mit Trockenheit im Hals Aml-ns.MagenÜbelkeit mit Trockenheit im Hals. Übelkeit und Hitze im Magen mit Schmerzen. Völle und Druck im Magen, mit Aufstoßen. Heißes, brennendes Gefühl im Magen, mit leerem Aufstoßen. Schluckauf mit ständigem Strecken und Gähnen. Hitze vor allem im Magen, feuchte Haut.
AbdomenKrampfartige, kolikartige Schmerzen in der Nabelgegend und im Bauch, stärker beim Hinlegen. Leichte Auftreibung des Bauches, mit dumpfem Schmerz. Rumoren in den Gedärmen.
HarnorganeHelle Wolke von Oxalat und deutliche Spuren von Zucker. Klarer, scharfer Urin.
Weibliche GenitalienKontraktion der Muskeln im unteren Teil des Abdomens, Kontraktion, Muskeln, unteres Abdomen, als über dem Uterus zusammengezogen Aml-ns.als ob sie alle über der Uterusregion zusammengezogen würden. Die Uterusregion, die Eileiter und die Eierstöcke fühlen sich auf Druck sehr hart an.
Während der Regel sehr heftiger linksseitiger Menses, Kopfschmerz während, linksseitig, heftig Aml-ns.Kopfschmerz, linksseitig, heftig, während Menses Aml-ns.Kopfschmerz, mit häufigem Erbrechen, morgens beginnend, am schlimmsten mittags, bis zum Abend andauernd. Neuralgie während der Regel. Klimakterischer Kopfschmerz und Hitzewallungen, mit Ängstlichkeit und Herzklopfen. Chronisches Erröten während der Wechseljahre. Blutung begleitet von Hitzewallungen im Gesicht bei Uterusblutung Aml-ns.Hitzewallungen im Gesicht.
RückenSchmerz und Schwäche in der unteren Lendengegend. Hitze in der Nackengegend. Stechender Schmerz in der Nähe der Rückenwirbel. Anhaltender Schmerz in der Nackengegend, zum Hinterkopf hin ausstrahlend. Anhaltender Schmerz in der Lendengegend; morgens; im Liegen; nach dem Waschen.
ExtremitätenGelegentliche Hitzewallungen, eigentümlich scharf begrenzt, bis in die Oberschenkel, Knie oder Ellbogen reichend, wobei alles oberhalb davon sich brennend anfühlt, alles unterhalb davon eiskalt. Schwäche in den Gliedern. Lahmheit und Wundheit in den Arm- und Oberschenkelmuskeln. Müdigkeit in den Gliedern. Beim Schreiben wird die Hand sehr müde. Stundenlang ständiges Strecken.
Steifheit und Schmerz in der rechten Halsseite und der rechten Schulter, den rechten Arm hinunter bis ins Handgelenk ausstrahlend, neuralgisch oder rheumatisch. Die rechte Schulter und der rechte Arm sind bei Angina pectoris mit Beteiligung des rechten Armes und der rechten Schulter Aml-ns.Angina pectoris mit betroffen. Schwerer Präkordialschmerz strahlt aus in rechte Schulter und rechten Arm Aml-ns.Präkordialschmerz, bis in den rechten Arm ausstrahlend. Schmerz und Steifheit im rechten Arm schlimmer durch Bewegung.
Die Venen der Hände sind erweitert, bis zum Doppelten der normalen Größe. Zittrige Hände. Bei Konvulsionen von Kindern zittern die Hände, es wirkt so, als versuchten sie nach etwas zu greifen. Krämpfe im Handgelenk, im Daumen beim Schreiben. Ziehender, spannender Schmerz im Handgelenk und den Fingergelenken der linken Hand. Taubheit in den Fingern. Pulsieren in den Fingerspitzen.
SchlafStändiges tiefes Gähnen, ständiges Aml-ns.Gähnen. Angstträume. Unruhiger Schlaf. Schläfrigkeit bei Kopfschmerzen. Häufiges Aufwachen, mit starkem Schmerz in Schläfen, Magen und Gedärmen.
Fieber und FrostFrösteln mit Schweiß. Kalter, klammer Schweiß. Schwitzen schon bei geringer körperlicher Belastung. Schweiß bei Kälteschauern.
Wallungen oder „Hitzen“ von verschiedenen Stellen ausgehend, wie z. B. von Gesicht, Epigastrium etc., die sich von dort über einen größeren Teil des Körpers ausbreiten. Hitze mit starkem Pochen durch den ganzen Körper hindurch, und danach große Erschöpfung, sodass die Patientin sich anscheinend kaum alleine aufraffen kann.

Anacardium orientale

Essenzielle Merkmale
Das Zentrale bei Anacardium ist der Konflikt, innerer Anac.innere Konflikt oder die Spaltung, psychische Anac.psychische Spaltung. Dieser Konflikt hat eine recht spezifische Dimension: Er kreist um das Verlangen des Individuums, sich gegenüber anderen, die ihm wichtig sind, und gegenüber der Welt zu beweisen. Der Konflikt entsteht, da dieser Mensch, trotz seines entschiedenen Willens, sich zu beweisen, an einem tiefgreifenden Minderwertigkeitskomplex, tiefgreifender Anac.Minderwertigkeitskomplex leidet.
Innerer Konflikt: Hin- und Hergerissensein
Das Widerstreben des Anacardium-Patienten, seine Gefühle von Unzulänglichkeit einzugestehen, und die Anspannung, die durch seinen Versuch hervorgerufen wird, Selbstvertrauen, versucht seinen Mangel an S. seinem Willen zum Erfolg zu unterwerfen Anac.seinen Mangel an Selbstvertrauen seinem Wille zum Erfolg, dem er seinen Mangel an Selbstvertrauen zu unterwerfen versucht Anac.Willen zum Erfolg zu unterwerfen, führen zu einem äußerst qualvollen inneren Konflikt. Und dieser Konflikt ist es, der die betreffende Person sehr leiden lässt. Ein Beispiel: Ein Mann wird bei der Arbeit von seinem Vorgesetzten in irgendeiner Weise schlecht behandelt. Dadurch sind seine Gefühle verletzt worden, und er beginnt sich bei der Arbeit unwohl zu fühlen. Dieser Konflikt mit dem Vorgesetzten dauert an und nimmt schließlich den Charakter eines inneren Konfliktes an, in dem sich der Anacardium-Patient hin- und hergerissen zwischen dem Versuch sich zu beweisen und dem Mangel an Selbstvertrauen Anac.hin- und hergerissen fühlt: Soll er seinen Job aufgeben, oder soll er bleiben, um seinen Wert zu beweisen? Während sein rationaler Verstand ihn zum Gehen auffordert, beschwört ihn ein anderer Teil seiner selbst: „Nein. Du darfst nicht gehen. Du wirst bleiben, leiden, wenn es nötig ist, und beweisen, dass dein Vorgesetzter unrecht hat. Du bist wirklich fähig, wirklich gut. Du kannst dich beweisen!“ Solch ein Konflikt kann eine sehr lange Zeit bestehen bleiben – mit furchtbaren Folgen für die Gesundheit der Person.
Ein anderes charakteristisches Beispiel: Eine Frau wird zuweilen von ihrem Mann kritisiert; er behandelt sie nicht besonders gut oder ist ungerecht. So etwas steigert sich bei einer Anacardium-Person ins Unermessliche. Sehr schnell bekommt diese Frau dann tiefgreifende Minderwertigkeitsgefühle, doch zugleich fasst sie den Entschluss, sich zu beweisen. Sie beginnt ein Programm der Weiterbildung und -entwicklung; sie fängt an, Seminare zu besuchen, zu studieren etc. Dennoch wird sie weiterhin das Gefühl haben, ihr Mann setze sie ständig herab. Daraufhin ist sie entmutigt, und ein innerer Konflikt entsteht. Sie sagt sich: „Ich muss ihn verlassen. Ich muss mich von ihm trennen und mich scheiden lassen. Ich werde verrückt; diese Situation ist unerträglich.“ Doch gleichzeitig Verlassen, kann ihren Ehemann nicht, weil sie sich beweisen will Anac.kann sie nicht weggehen, sondern fährt damit fort, sich beweisen zu wollen, um ihr Gefühl von Unzulänglichkeit loszuwerden. Sie hält an diesem konfliktgeladenen Zustand fest und findet keine innere Ruhe, bis sie schließlich einen Nervenzusammenbruch hat, in einen Zustand der Depression gerät und am Ende Selbstmordneigung, Erschießen oder Springen von einer Höhe, durch, Anac.Selbstmord begehen will, indem sie sich erschießt oder von hoch oben hinunterspringt.
Minderwertigkeitsgefühl und der Mangel an Selbstvertrauen
Zusammen mit dem Minderwertigkeitsgefühl Anac.Minderwertigkeitsgefühl besteht bei Anacardium-Patienten ein großer Mangel an Selbstvertrauen, Mangel an Anac.Selbstvertrauen. Dies kann sich auf unterschiedliche Art und Weise äußern. Ein Student, der weiß, dass er sein Fach sorgfältig studiert hat und sich gut darin auskennt, kommt dennoch auf den Gedanken, er werde seine Prüfungen nicht bestehen. Er entwickelt eine so starke Angst, dass er dann tatsächlich bei seinen Prüfungen durchfällt. Sein Verstand ist blockiert, und es tritt eine fast hysterische Reaktion ein, mit Hitzewallungen, Magenbeschwerden, Schwere im ganzen Kopf etc. Er weiß, dass er fähig ist, er spricht mit seinen Lehrern oder Eltern und ist für den Augenblick auch überzeugt davon, aber nach einer Weile wird er wieder von diesen Gedanken gequält. Er fühlt sich allmählich wie ein Feigling.
Ein weiteres Beispiel ist das eines Arztes, eines Mikrobiologen, der einen verantwortungsvollen Posten im Krankenhaus hat und dem jeder großes Vertrauen entgegenbringt; dennoch denkt er jeden Morgen auf dem Weg ins Krankenhaus, dass er für diese Stellung nicht befähigt sei, dass er einen Fehler begehen und sich vor den Kollegen lächerlich machen werde. Er betritt das Krankenhaus mit der Erwartungshaltung, jeden Moment einen Fehler zu begehen, und gerade dann wird sein Verstand wirklich blockiert und er macht tatsächlich manchmal Fehler, was ihn in seinem Glauben nur festigt und bestärkt. Schließlich wird sein Leben unerträglich, er zieht sich von anderen Menschen zurück, er grübelt, wird mürrisch und depressiv.
Interessant ist dabei die Tatsache, dass diese Menschen häufig sagen, sie wüssten rein verstandesmäßig, dass sie fähig sind und dass sie sich in ihrem Fach gut auskennen, fähig, weiß dass er ist, aber die um mangelndes Selbstbewusstsein kreisenden Gedanken überwältigen immer wieder Anac.dass aber die um ihr mangelndes Selbstbewusstsein kreisenden Gedanken immer wieder aufkommen und sie überwältigen.
Für den Schüler der Homöopathie ist es wichtig zu verstehen, dass bei dieser bestimmten Art von Anacardium-Fällen die Pathologie des Mangels an Selbstvertrauen so tiefgehend und qualvoll ist, dass alles andere weniger wichtig ist. In einem solchen Fall wird es allein die Intensität dieses einen Symptoms sein, die uns veranlasst, Anacardium zu verschreiben; ungeachtet aller anderen Symptome. Aggressivität oder Grausamkeit wird man bei dieser Art von Anacardium-Fällen kaum finden; der Organismus ist auf einer sehr tiefen Ebene von dieser Pathologie betroffen.
Der Selbstvertrauen, Mangel an Anac.Mangel an Selbstvertrauen kann sich jedoch in verschiedenen Stadien der Pathologie (vor allem wenn es sich dabei nicht um das Hauptsymptom handelt) unterschiedlich ausdrücken. Die Patienten werden nicht unbedingt sagen: „Ich habe zuwenig Selbstvertrauen“, aber ihre Äußerungen zeugen von einer zugrundeliegenden Unsicherheit oder einem Minderwertigkeitskomplex. Solche Äußerungen könnten z. B. sein:
  • Sehr schüchtern. Sie hatte das Gefühl, jeder schaue sie an, wenn sie durch die Straßen ging.

  • „Ich kann mich nicht ausdrücken.“

  • Zu Hause fühlt sie sich eigentlich sicher, aber wenn sie allein in ihrem Zimmer ist, fürchtet sie, dass jemand eindringen und sie umbringen könnte.

  • Sie hat Angst vor den Autos auf der Straße.

  • Er will mit neuen Bekannten nicht reden. Er ist jedem gegenüber feindlich gesinnt.

Anacardium ist also das Hauptmittel bei Mangel an Selbstvertrauen; das andere wichtige Mittel bei diesem Symptom ist BARYTA CARBONICA. Bei beiden Mitteln tritt ein Minderwertigkeitskomplex auf; im direkten Vergleich sind sie jedoch völlig unterschiedlich.
Bei BARYTA-CARBONICA-Patienten offenbart sich von Anfang an – von der Kindheit an – bis ans Lebensende ein Minderwertigkeitskomplex. Der BARYTA-CARBONICA-Patient möchte nicht erwachsen werden und Verantwortung übernehmen, er hat das Gefühl, das sei zu viel für ihn, er möchte behütet bleiben wie ein Kind und meint, dass er nichts unternehmen und zustandebringen kann. BARYTA CARBONICA passt häufig bei älteren Menschen, die zugleich mit ihren geistigen Fähigkeiten auch ihr Selbstvertrauen verlieren. BARYTA-CARBONICA-Menschen sind sehr sanft, schüchtern und unentschlossen.
Unentschlossenheit tritt auch bei Anacardium-Patienten auf, aber sie sind nicht sanft. Es handelt sich um harte Menschen. Sie haben eine innere Härte in sich, die verhindert, dass sie sich in ihr Leid fügen, oder dass sie in einer konfliktgeladenen Situation ihrem Fluchtbedürfnis nachgeben. Sie berichten von ungeheurem Leid – z. B. dass ihr Ehepartner sie schlägt oder beschimpft etc. –, aber sie ertragen es, weil sie sich selbst beweisen wollen. Ihr Minderwertigkeitskomplex hält sie davon ab, sich um eine Verbesserung ihrer Situation zu bemühen, eine neue Beziehung einzugehen, eine neue Arbeit zu ergreifen etc.
Eine ähnliche Dynamik kann man feststellen, wenn man Anacardium-Menschen beim Diskutieren beobachtet. Sie haben die Veranlagung, eine aussichtslose Auseinandersetzung unsinnig auszudehnen, trotz ihrer offensichtlich schwachen und kenntnislosen Position.
Dieser Kern von Härte weitet sich mit der Zeit auf den gesamten Organismus aus. Diese Menschen werden immer härter, um mit ihren Lebensumständen zurechtzukommen. Auf andere wirken sie stark, kompromisslos, unnachgiebig und hart. Die Härte kann schließlich zu Grausamkeit ausarten.
Tendenz zur Misanthropie
Wenn sich die Betreffenden in dem oben beschriebenen Schwächezustand befinden, in dem ihnen jegliches Vertrauen fehlt, können sie auch überhaupt keine Liebe oder Wärme empfinden. Sie fühlen sich isoliert und schutzlos und brauchen vielleicht jemanden, der die ganze Zeit bei ihnen ist, um ihnen Rückhalt zu geben. Und doch haben sie gleichzeitig auch eine Abneigung dagegen, mit Menschen zusammen zu sein – besonders mit Fremden: Abneigung gegen Gesellschaft Anac.Abneigung gegen Gesellschaft, Abneigung gegen Anac.Gesellschaft. Anacardium-Individuen können richtige Misanthropie, Menschenfeindlichkeit Anac.Menschenfeindlichkeit Anac.Misanthropen werden, mit einer Furcht davor, mit anderen zu verkehren.
Schließlich erreichen sie ein Stadium der Paranoia, in dem sie jeden verdächtigen und glauben, dass ihnen jemand nachgeht, dass sie von anderen verfolgt werden, die ihnen etwas antun wollen.
Härte und Grausamkeit
Anacardium ist auch eines der ersten Mittel, die bei Grausamkeit Anac.Grausamkeit in Betracht zu ziehen sind. Diese Menschen können sowohl gegenüber Menschen als auch gegenüber Tieren extrem grausam sein. Sie sind in der Lage, Tiere zu quälen, und können auch gleichgültig, gegenüber Gewalt gegen andere Anac.gleichgültig Gewalt gegen andere, gleichgültig gegen Anac.gegenüber der Folterung von Menschen sein. Sie können es unter Umständen sogar genießen, andere Gewalt erleiden zu sehen. Es ist, als Moral, ethisches Empfinden, fehlt Anac.fehlten ihnen jegliche moralischen und ethischen Empfindungen. Natürlich gibt es bei Anacardium ein Spektrum von Graden der Härte, das die ganze Bandbreite hinaufreicht bis zu Menschen, die fähig sind, Folterungen durchzuführen. Nicht alle Anacardium-Patienten zeigen tatsächlich Grausamkeit, doch das Element der Härte ist bei diesem Mittel ziemlich verbreitet.
Die meisten dieser Menschen empfinden ein tiefes Gefühl der Minderwertigkeit und Unzulänglichkeit, dem sie nicht entfliehen können. Solch ein Minderwertigkeitsgefühl kann besänftigt werden durch das Gefühl der Macht, die einem durch eine Autorität verliehen wird; aus diesem Grund könnte man die Vermutung anstellen, dass viele der grausamen und sadistischen Personen, die für repressive politische Regimes Verhöre führen, kranke Menschen sein könnten, die Anacardium als ihr konstitutionelles Mittel benötigen. Durch das Arbeiten in solch einer Funktion können sie ihren Drang, andere zu unterwerfen und zu foltern, vollständig befriedigen. Es sind Menschen, denen etwas fehlt, die unter einem Mangel leiden, ohne Moral, jedoch voller Bosheit, die nun plötzlich ein Ventil finden, um diese Bosheit zum Ausdruck bringen zu können. Es ist ein pervertierter Zustand.
Es ist faszinierend, dass diese Menschen im Anamnesegespräch nicht so wirken, als seien sie zu Grausamkeiten fähig; sie scheinen sanft und nett. Man kann sogar geneigt sein, sie im ersten Gespräch mit STAPHISAGRIA-Patienten zu verwechseln.
Wenn sie jedoch von jemand anderem Autorität verliehen bekommen, dann kann die Grausamkeit hervorbrechen. Um es noch einmal zu sagen, die Gewalttätigkeit von Anacardium wohnt im Inneren dieser Menschen; äußerlich erscheinen sie völlig friedfertig, erscheint äußerlich, innerlich boshaft und gewalttätig Anac.friedfertig.
Manchmal weicht die Härte und gibt den Weg frei für einen totalen Mangel an Selbstvertrauen, und eine Person, die für stark, hart oder sogar grausam gehalten wurde, verliert diese Charakteristika vollständig und wird zu einem „kleinen Nichts“, ohne jede Zuversicht bei allem, was sie tut, und mit ständigem Verlangen nach Ermutigung und Anerkennung.
Doppelter Wille
Die Entwicklung des Anacardium-Bildes geht stufenweise vor sich. Es ist nicht so, dass die ganze Symptomatologie dieses Mittels von Anfang an zutage tritt. Der bekannte personifizierte doppelte Wille, doppelter, personifizierter Anac.Wille von Anacardium z. B. – ein Engel sitzt auf der rechten Schulter des Patienten und sagt ihm, was er tun soll, und ein Dämon auf der anderen verlangt genau das Gegenteil – entsteht nur in den späten Stadien der Pathologie, besonders zu Beginn der Schizophrenie. Es handelt sich um eine Wahnvorstellung. Dieses bekannte Thema wird in dieser Form, wie sie auch in der Literatur beschrieben wird, in der großen Mehrheit der Anacardium-Fälle nicht anzutreffen sein. Stattdessen wird sich der Konflikt öfter in anderer Weise und in unterschiedlichen Graden manifestieren, und zwar in Äußerungen wie den folgenden:
  • „Ich hasse meine Schwester, und gleichzeitig liebe ich sie.“

  • „Ich bin zwei Personen; die eine kritisiert Menschen und die andere rechtfertigt und verteidigt sie.“

  • „Es ist ein Konflikt in mir zwischen der Liebe, die ich habe, und den Hassgefühlen, die von einer bestimmten Zeit in meinem Leben in meinem Inneren zurückgeblieben sind.“

  • Sie fürchtet, sie könne sich oder andere verletzen – was sie nicht will.

  • „Ich bin wild geworden. Ich kann nichts ertragen. Ich fluche schrecklich über ganz banale Dinge, oder ich sage sehr bittere Sachen, die andere tief verletzen.“

  • In einem Streit mit ihrem Bruder wollte sie ihn verletzen. Sie ergriff ein Messer, um damit nach ihm zu werfen; doch im gleichen Augenblick dachte sie: „Ich werde ihm etwas antun, und ich werde auch die Folgen tragen; ich werde ihn verletzen und danach mich selbst bestrafen.“

  • „Ich fühle mich, als sei mein Geist von meinem Körper getrennt.“

Neigung, über ernste Dinge zu lachen, wohingegen er ernst bleiben kann, wenn er lachen sollte. Er lacht beim Begräbnis seines Vaters; er scherzt, wenn alle anderen durch eine Szene auf der Straße oder im Kino zu Tränen gerührt sind.
All diese Beispiele porträtieren, in unterschiedlichem Grade, dasselbe Thema: die Grundproblematik einer psychischen Spaltung oder eines starken inneren Konflikts.
Angst um die Zukunft
In den ersten Stadien der Entwicklung der Pathologie ruft das Leiden eine Zukunft, Angst um die Anac.Angst um die Zukunft hervor. Die Patienten empfinden ein ständiges Unsicherheitsgefühl, ständiges Anac.Unsicherheitsgefühl. Sie erwarten, dass kleine Probleme sich zu großen ausweiten werden. Die Angst, das Leiden und die Erschöpfung, die durch den immerwährenden inneren Konflikt entstehen, führen schließlich zu einem Verfall der geistigen Vitalität. Sie beginnen zu befürchten, dass alles schiefgehen werde, und werden misstrauisch gegenüber allem um sie herum.
Beginnender Gedächtnisverlust
Gedächtnisverlust Anac.Gedächtnisverlust ist ein weiteres Charakteristikum von Anacardium. Anfangs zeigt sich die Wirkung auf das Gedächtnis als Vergesslichkeit. Diese Menschen können sich nicht an das erinnern, was sie gelesen haben. Ihr Geist wird regelrecht leer durch die Anstrengung, die sie in den Versuch investieren, sich zu beweisen. Dies ähnelt einer Art geistiger Paralyse.
Es gibt einen ganz spezifischen Lebensschauplatz, der besonders dazu geeignet ist, das Anacardium-Bild hervorzurufen: die Schule bzw. Universität, besonders um Prüfungszeiten herum. Ein Schüler oder Student, der z. B. die Demütigung erlitten hat, von seinem Lehrer kritisiert zu werden, fasst den Entschluss, sich durch herausragende Leistungen bei den Prüfungen zu beweisen. Doch mitten im Lernen wird er von einem plötzlichen tiefgreifenden Verlust seines Selbstvertrauens Selbstvertrauen, plötzlicher Verlust des S. überwältigt Anac.überwältigt. Er fühlt sich dann nicht in der Lage, diese Prüfung zu absolvieren. Sein Geist ist wie leergefegt; er kann sich nicht an das erinnern, was er gelernt hat.
Es gibt noch andere Mittel, die in ähnlicher Weise bei Schwierigkeiten vor Prüfungen in Frage kommen. Im folgenden sollen einige davon in Form einer Gegenüberstellung kurz beschrieben werden. Anacardium zeichnet sich, um es noch einmal neu zu formulieren, durch den Drang aus, der Erste, Drang zu sein Anac.Erste zu sein bzw. sich zu beweisen, will sich, angesichts von Kritik Anac.beweisen, und zwar angesichts von Äußerungen, die von diesen Menschen als Kritik empfunden werden. Ein typischer Satz eines Anacardium-Patienten wäre z. B.: „Meine Lehrer erkennen meine Fähigkeiten nicht an.“
  • GELSEMIUM dagegen bietet ein völlig anderes Bild. Menschen, die GELSEMIUM benötigen, verspüren bei dem Gedanken, zu einer Prüfung zu erscheinen, eine intensive Furcht; diese Erwartungsangst wird oft von Lähmungsgefühlen und Zittern begleitet. Anders als Anacardium-Patienten stoßen sie beim Lernen auf keine Schwierigkeiten; sie haben genügend Ausdauer und Stehvermögen und erleiden auch keinen vergleichbaren Gedächtnisverlust. Das Zentrum der Probleme von GELSEMIUM-Patienten ist die Vorstellung, vor dem Prüfer zu stehen, besonders bei einer mündlichen Prüfung; dieses Bild lähmt sie vor Furcht. Sie sagen dann: „Nein, ich kann es nicht. Es ist besser, ich gehe nicht hin. Ich gebe auf.“ GELSEMIUM-Patienten wollen aufgeben; sie sind weicher, weit weniger verhärtet und festgelegt als der Anacardium-Typus. Bei GELSEMIUM ist die Furcht ein Ausdruck der Feigheit.

    An dem Fall eines Wirtschaftsstudenten in England lässt sich das Dilemma von GELSEMIUM veranschaulichen. Er war der Sohn eines sehr reichen Mannes. Als ich ihn das erste Mal sah, war er kurz davor, sein Studium aufzugeben. Er war ziemlich faul und nicht in der Lage, seine Prüfungen zu bestehen, weil er es nicht schaffte, die Initiative zum Lernen aufzubringen. Stattdessen verbrachte er seine Zeit damit, ein sorgloses Leben zu führen, teure Autos zu fahren, Freundinnen auszuführen usw. Er hatte das Gefühl, dass er sich nicht konzentrieren könne, dass seine Gedanken umherschweiften. Er wollte im Studium Erfolg haben, wollte lernen, doch er war einfach zu faul. Eine Gabe SULFUR hatte große Wirkung auf ihn. In der Folge war er in der Lage zu lernen und bestand eine Prüfung nach der anderen – bis er den Punkt erreicht hatte, wo er sein Studium hätte abschließen müssen. Das Studium war recht schwer, stellte hohe Anforderungen. Der Professor seines Abschlusskurses hatte ihn bereits dreimal durchfallen lassen. Er bekam Angst vor diesem Lehrer. Er rief seine Eltern an und sagte ihnen: „Ich habe alles in diesem Fach gelernt. Ich beherrsche es sehr gut, doch ich werde nicht zu der Prüfung gehen. Ich kann es nicht.“ Die Eltern riefen mich an und fragten, was sie tun könnten. Dies war nun eine völlig andere Situation als zuvor; da war nicht mehr die Faulheit von SULFUR, aber es fehlte der Mut, vor dem Lehrer zu erscheinen. Eine Wiederholung von SULFUR würde in diesem Fall mehr schaden als nützen. Dies war eine GELSEMIUM-Situation. Man muss sich solcher feinen Unterschiede bewusst sein, wenn man korrekt verschreiben will. Ich empfahl also, dass er am Tag vor der Prüfung eine Gabe GELSEMIUM M einnehmen solle. Dies tat er, und er erschien zur Prüfung und bestand sie sehr gut.

  • PICRICUM ACIDUM ist ebenfalls häufig bei Schwierigkeiten vor Prüfungen angezeigt. Der auslösende Faktor bei PICRICUM ACIDUM ist Überanstrengung und Ermüdung des Verstandes. Es sind Menschen, die lange Zeit sehr eifrig und gewissenhaft gelernt und sich, als Folge davon, überanstrengt haben. Sie durchleben weder den Konflikt von Anacardium noch die Feigheit von GELSEMIUM, sondern leiden hauptsächlich an einer Müdigkeit des Geistes. Sie werden sagen: „Ich bin so müde. Ich fühle mich, als würde ich seit Ewigkeiten nachdenken.“ Das Gefühl geistiger Erschöpfung ist unerbittlich, und es wird diese Patienten dazu bringen, dass sie aufgeben und auf die Prüfung verzichten wollen. In diesem Zustand werden selbst fünf Minuten Lernen sie schon anstrengen und erschöpfen.

Man muss bei der Unterscheidung zwischen diesen Mitteln große Vorsicht walten lassen, da alle diese Patienten darüber klagen, dass sie erschöpft sind. Deshalb muss man tief in den jeweiligen Fall hineinblicken, um herauszubekommen, was wirklich zugrundeliegt. Im Anacardium-Fall wird dies höchstwahrscheinlich ein unter der Oberfläche schwelender Konflikt sein, ein starkes Verlangen, Erfolg zu haben, das von einem Gedächtnis, plötzlicher Verlust des Anac.plötzlichen Verlust des Gedächtnisses gefolgt wird. Später, wenn der Fall in das nächste Stadium fortschreitet, können Verdrießlichkeit, Reizbarkeit und auch Gewalttätigkeit auftreten. Die Pathologie entwickelt sich progressiv: Sie beginnt hauptsächlich als Angst und Unsicherheit, später treten die Aspekte des Minderwertigkeitskomplexes, der Grausamkeit und des doppelten Willens stärker hervor.
Fortschreitender Gedächtnisverlust
Im zweiten Entwicklungsstadium verfällt das Gedächtnis immer mehr. Der Gedächtnisverlust kann so weit ausarten, dass diese Patienten fürchten, ihren Verstand zu verlieren. Dies ist keine Furcht vor dem Wahnsinn als solchem, sondern eher – angesichts des tiefgreifenden Verfalls ihres Gedächtnisses – eine Furcht, dass ihre Gesundheit eine verhängnisvolle Wendung zum Schlechteren nehmen wird, dass bald etwas sehr Schlimmes passieren wird. Sie erkennen plötzlich, dass sie nicht in der Lage sind, sich an irgendetwas zu erinnern, dass sie schon nach einer Minute alles vergessen haben. Einige werden diese Erfahrung so beschreiben: Es ist, „als halte irgendjemand oder irgendetwas mein Gehirn fest“ und hindere es so daran, zu arbeiten. Der Verstand wird schwach; der Patient fühlt sich, als sei er in einem Traum und habe keinen direkten Zugang zur Wirklichkeit. Sein Verstand kommt ihm schwerfällig und benommen vor. Es ist ein Zustand, der an Imbezillität Anac.Imbezillität grenzt.
Es soll nochmals betont werden, dass dieser Gedächtnisverlust ein sehr wichtiges Charakteristikum von Anacardium ist und dass er sehr beschleunigt wird durch das Leid, das durch die Ängste und Unsicherheiten hervorgerufen wird. Ein Geschäftsmann z. B., dessen Geschäft bisher recht gut lief, beginnt plötzlich auf ein Problem nach dem anderen zu stoßen. Er wird ängstlich, und dann stellt er fest, dass er sich nichts mehr merken kann. Er muss sich Listen machen, um an bestimmte Dinge zu denken, sie nicht zu vergessen. Die Entwicklung dieser Symptomatik kann sich bei einer erst dreißigjährigen Person innerhalb einer Zeitspanne von sechs Monaten bis zu einem Jahr vollziehen. Es kommt zu Vergesslichkeit am Morgen Anac.Vergesslichkeit am Morgen, besonders beim Aufwachen.
Reizbarkeit und Gewalttätigkeit
Die Reizbarkeit Anac.Reizbarkeit von Anacardium tritt zutage, wenn diese Menschen die Kontrolle über sich zu verlieren beginnen. Das ständige Leiden, das durch ihren inneren Konflikt entsteht, ihren Kampf mit ihrem Minderwertigkeitsgefühl, zerstört langsam ihre Kontrolle und erlaubt der Reizbarkeit und der Gewalttätigkeit Anac.Gewalttätigkeit, an die Oberfläche zu treten. Die Patienten können in einem Streit alle Dinge um sich herum zerbrechen, wenn sie die beteiligte Person selbst nicht verletzen können.
Reizbarkeit und Minderwertigkeitsgefühl sind miteinander verbunden Anac.Die Reizbarkeit und das Minderwertigkeitsgefühl sind oft miteinander verbunden; z. B. neigen diese Menschen dazu, das Verhalten eines anderen als eine absichtliche persönliche Kränkung misszuverstehen und mit Gereiztheit darauf zu reagieren. Wenn z. B. der Ehemann mit einem Blumenstrauß in der Hand hereinkommt, wird die Anacardium-Frau wahrscheinlich sagen: „Oh, du bringst deiner Tochter Blumen.“ In Wirklichkeit sind die Blumen womöglich für sie gedacht, doch ihre erste Reaktion besteht darin, zu akzeptieren, die Geste sei als absichtliche Beleidigung gemeint. Ihr Minderwertigkeitsgefühl erlaubt es ihr nicht, zu akzeptieren, dass jemand bereit ist, sich um sie zu kümmern oder nett zu ihr zu sein, ihr Liebe und Zuneigung zu zeigen.
In diesem Stadium der pathologischen Entwicklung von Anacardium haben diese Menschen keinen Glauben an die Liebe, Glauben an die, fehlt Anac.Liebe; sie glauben an brutale Gewalt, glaubt an brutale Anac.Gewalt. Diejenigen Anacardium-Patienten, die eher introvertiert und zur Selbstbeobachtung fähig sind, werden sich in folgender Weise beschreiben: „Ich habe die Kontrolle über mich verloren; ich will wirklich Schaden anrichten. Nichts kümmert mich mehr, mir ist alles egal.“ Sie werden diese Symptome schildern, als seien es keine natürlichen, ihnen innewohnenden Persönlichkeitsanteile, sondern etwas von ihnen Getrenntes. Die aggressiveren Anacardium-Patienten können nicht das geringste Ärgernis ertragen, ohne sofort in Zorn auszubrechen.
Eine der ersten Ausdrucksformen ihrer Reizbarkeit ist eine große fluchen, Neigung zu Anac.Neigung zu fluchen. Diese Tendenz kann durchaus auch bei einer Person auftreten, die niemals zuvor auch nur daran dachte, zu fluchen. Beispielsweise kann es passieren, dass sich nach einem Schock ein Kopfschmerz entwickelt und mit ihm diese eigentümliche Neigung zutage tritt. Anacardium ist sogar eines der Hauptmittel für Menschen, die ein unwiderstehliches Verlangen haben, zu fluchen (zusammen mit NITRICUM ACIDUM, HYOSCYAMUS, NUX VOMICA).
Später kann, falls die Störung sich weiterentwickelt, ein zunehmender Drang zur Aggressivität auftreten, der dann immer feindseligere Aktionen heraufbeschwört; Teenager können z. B. zu jugendlichen Straftätern werden, die boshafte, gemeine Taten begehen, indem sie Autoreifen aufschlitzen, Menschen mit Ketten schlagen etc. Sie könnten sich auch randalierenden Gangs von Hooligans anschließen. Einige Anacardium-Patienten erzählen aber auch, dass sie nur gewalttätige Gedanken haben (z. B. Menschen zu erschießen oder zu erstechen), ohne aber jemals den Punkt zu erreichen, tatsächlich Gewalt auszuüben.
Als erstes verringern sich die natürlichen Empfindungen von Zärtlichkeit, Liebe und Mitgefühl, und zurück bleiben Dumpfheit, Leere und Härte der Gefühle und Gedanken Anac.Härte der Gefühle und Gedanken. Dieser Torpor der Emotionen erfolgt als eine Konsequenz aus dem oben beschriebenen Leid, und die entstehende emotionale Leere ermöglicht das Auftauchen von Grausamkeit. Nach ständigen Erschütterungen, Enttäuschungen und Nöten werden die Patienten unempfindlich; ihre Emotionen stumpfen ab, und sie stellen fest, dass die erstarrten Gefühle nur durch die Ausführung grausamer Taten in gewisser Weise wiederbelebt werden können. Ihre Grausamkeit kann für sie fast eine Quelle der Freude werden. Dieser Mangel an emotionaler Lebendigkeit, diese Härte stellt eine signifikante Pathologie dar. Man kann dies mit einem harten Tumor vergleichen – es ist wie ein Tumor auf der emotionalen Ebene des Menschen.
Man könnte hier eine gewisse Ähnlichkeit zwischen der emotionalen Trägheit von Anacardium und der von SEPIA annehmen. SEPIA-Patienten werden es jedoch niemals genießen, jemandem Schaden zuzufügen. Sie werden sagen: „Ich habe keine Gefühle, es ist mir gleichgültig.“ Manchmal können sie so reizbar werden, dass sie ihre Kinder schlagen, doch sobald sie so etwas getan haben, werden sie es bereuen und sich emotional erschöpft und ausgelaugt fühlen. Dieser Zustand ist völlig anders als der von Anacardium.
Eine weitere Ähnlichkeit liegt darin, dass bei Anacardium, sobald die Emotionen einmal abgestumpft und verhärtet sind, eine Verminderung des sexuellen Interesses eintritt, die sich bis zu einer Abneigung gegen Sex entwickeln kann.
Paranoia und Persönlichkeitsspaltung
Grausame Anacardium-Patienten, die feindselige Gefühle gegenüber der Welt in sich beherbergen, können schließlich Paranoia Anac.Paranoia entwickeln. Sie beginnen zu glauben, dass jeder Mensch ihr Feind sei und sie von Feinden verfolgt würden. Sie haben vor jedem Angst, selbst vor jemandem, der auf sie zukommt, um sie zu umarmen, und werden allem gegenüber misstrauisch.
Im fortgeschrittenen Stadium können diese Patienten in einen Wahnzustand geraten, in dem sie die Empfindung haben, Traum, Wahnidee wie in einem T. zu leben Anac.wie in Wahnidee, wie in einem Traum zu leben Anac.einem Traum zu leben, ein Gefühl, als sei alles fremd und unwirklich. Wirklichkeit und Träume vermischen sich in dem Maß, wie ihre Verwirrung anwächst. In diesem Stadium werden sie sagen: „Ich habe einen Engel auf der rechten Schulter, der mir sagt, ich soll das Richtige tun, und einen Dämon auf der linken, der sagt, ich soll das Falsche tun. Einer sagt mir, ich soll das eine tun, und jemand anders sagt mir, ich soll das Gegenteil machen.“
Diese Wahnidee ist charakteristisch für einen Patienten, der sich dem Endstadium von Anacardium nähert. Nicht alle Anacardium-Patienten werden solch eine Spaltung zum Ausdruck bringen, ob nun in dieser Art oder so, wie es in der Literatur beschrieben ist; aber ein ähnlicher Grundgedanke liegt ihrer Symptomatologie zugrunde. Die Unentschlossenheit, das Zögern und der Mangel an Vertrauen und Zuversicht sind Manifestationen dieses Themas. Das ständige Hinterfragen jeder Handlung, das Infragestellen der eigenen Fähigkeiten etc., all das führt zu einer Spaltung, die progressiv zunimmt, bis sich am Ende ein schizophrener Zustand Anac.schizophrener Zustand entwickelt. Es tauchen dann fixe Ideen auf, einschließlich des Glaubens, sie seien doppelt, fixe Idee, er sei Anac.doppelt, hätten eine dämonisch, glaubt eine d. Hälfte zu haben Anac.dämonische Hälfte. Sie sehen Teufel und Engel etc.; der Hauptgedanke dabei ist immer die Spaltung.
Religiöser Aspekt
Wenn man das Leben der meisten Anacardium-Patienten untersucht, würde man eigentlich nicht dazu neigen, sie als religiöse Menschen zu bezeichnen. Im Gegenteil, sie sind Menschen, die an menschliche Macht glauben. Mit fortschreitender Pathologie entsteht allerdings eine Tendenz zu einer religiöse Umkehr Anac.religiösen Umkehr. Diese religiöse Haltung ist allerdings nicht durch wahren religiösen Geist motiviert, vielmehr handelt es sich um Menschen, die selbst sehr grausam waren, sich um andere nicht gekümmert und ein Leben der Härte gelebt haben, bis sie schließlich einen Punkt erreichen, an dem sie sich fragen: „Habe ich richtig oder falsch gehandelt?“ Sie bekommen Angst vor Gott und den Engeln; sie fürchten die Folgen ihrer früheren Handlungen und machen sich Sorgen um ihre Erlösung. Und so können wir sehen, wie diese Menschen, die zuvor Grausamkeit, Härte und Gewalt als Teil ihrer Krankheit zur Schau gestellt haben, nun eine religiöse Haltung annehmen. Dies ist Pathologie, keine spirituelle Reife.
Man könnte nun eventuell dazu neigen, Anacardium mit LYCOPODIUM zu verwechseln. Es gibt hier aber mehrere Unterscheidungskriterien: Ein LYCOPODIUM-Patient wird keine Verantwortung übernehmen wollen; er wird versuchen, sie zu meiden. Selbst die Familie kann ihm zur Last werden, und er wird darüber nachdenken, sie zu verlassen. Dagegen bemüht sich der Anacardium-Mensch in sehr starkem Maße darum, Verantwortung zu übernehmen, weil er so versuchen kann, sich zu beweisen. Diese beiden Haltungen sind völlig verschieden.
Außerdem sind LYCOPODIUM-Personen nicht grausam, sondern feige. Sie haben Angst um ihre Gesundheit und Angst davor, Blut zu sehen. Ein Anacardium-Patient dagegen kann es sogar genießen, Blut zu sehen. Blut und Gewalt stimulieren ihn; seine verstummten Emotionen werden durch Gewalt belebt. In den späteren Stadien seiner Pathologie ist er unfähig, seine Gefühle auf andere, normalere Weise zu wecken. Er hat viel Leid erfahren, und als Folge davon sind seine Gefühle abgestumpft.
Dieses Szenario ist anders als bei LYCOPODIUM. LYCOPODIUM-Personen sind selbstsüchtig; sie wollen sich amüsieren. Sie gehören oft zu denen, die, wenn sie Seminare, Konferenzen o. ä. besuchen, keinerlei Zurückhaltung zeigen. Sie werden darauf aus sein, mit jeder Frau, von der sie sich angezogen fühlen, eine sexuelle Beziehung zu beginnen. Ihr Vergnügen hat stets Vorrang. Dies ist ein Aspekt von LYCOPODIUM, an dem man sehr gut die signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Mitteln veranschaulichen kann.
Um Anacardium-Patienten zuverlässig erkennen zu können, muss man besonders einen wichtigen Punkt im Auge behalten: Praktisch jeder Anacardium-Patient ist durch das Überwiegen eines der folgenden drei pathologischen Zustände gekennzeichnet: Minderwertigkeitskomplex, Grausamkeit oder doppelter Wille. Mindestens eine dieser Eigenschaften sollte klar ersichtlich sein, um die Verschreibung von Anacardium auf der Basis der psychischen Symptomatik zu rechtfertigen.
Allgemeinsymptome und Keynotes
  • Natürlich ist Anacardium nicht nur bei psychischen, sondern auch bei körperlichen Störungen angezeigt; z. B. bei Magenbeschwerden, rheumatischen und arthritischen Zuständen, steifem Hals, Schwangerschaftserbrechen, Verstopfung, Zittern und lähmungsartiger Schwäche, Epilepsie etc. In vielen dieser Zustände ist das Gefühl eines stumpfer Pflock, Gefühl eines Anac.stumpfen Pflock, stumpfer, Gefühl eines Anac.Pflocks in dem betroffenen Körperteil charakteristisch. Diese Empfindung kann überall auftreten – im Auge, im Kopf bei Kopfschmerzen, im Magen, im Rektum in Verbindung mit Obstipation, im Rückgrat. Dieses Pflockgefühl sollte weder mit dem ignatia-Gefühl einer eisernen Stange im Rektum verwechselt werden noch mit dem Gefühl eines Klumpens oder einer Kugel im rektalen/perinealen Bereich bei SEPIA.

  • Eine andere Empfindung von Keynote-Charakter bei Anacardium-Patienten ist die eines Band, Gefühl eines, um Organ oder Extremität Anac.Bandes um ein Organ oder ein Glied; Schmerzen in jedem Bereich können von dem Gefühl bandartiger Zusammenschnürung begleitet sein. Andere Mittel rufen eine ähnliche Empfindung hervor, doch jedes hat eine eigene, spezifische Qualität. Das Bandgefühl von Anacardium ähnelt dem Gefühl, das durch eine elastische Bandage hervorgerufen wird; diese elastische Empfindung ist sehr deutlich und ganz genau eingegrenzt. PLATINUM erzeugt ebenfalls ein Gefühl einer elastischen Bandage, doch ist das Gefühl diffuser als bei Anacardium. TUBERCULINUM ruft ein Gefühl wie von einem Reifen hervor, besonders um den Kopf herum, als schnüre ein nicht dehnbares, festes Eisenband den Kopf zusammen. CACTUS bewirkt schmerzhaftere, drahtartige Zusammenschnürungsgefühle.

  • Eine Neigung zu seufzen und Besserung dadurch ist ein Symptom, das man oft bei Anacardium antrifft, besonders bei solchen Patienten, die scheu und schüchtern sind und denen es an Selbstvertrauen mangelt.

  • Eine allgemeine Essen bessert Anac.Besserung entsteht durch Besserung durch Essen Anac.Essen. Der Patient isst, und nach ein oder zwei Stunden ist er wieder hungrig und muss etwas essen, sonst fühlt er sich sehr schlecht. Manchmal tritt nicht lange nach dem Essen eine allgemeine Schwäche ein.

  • Reiben und Schlafen in der Seitenlage verschlimmert.

  • Eine andere Modalität von Anacardium, die es mit PULSATILLA und FERRUM gemein hat, ist eine Besserung durch langsames Umhergehen Anac.Besserung durch langsames Umhergehen, langsames, bessert Anac.Umhergehen.

  • Ruhelosigkeit, die alle zwei oder drei Tage auftritt.

  • Symptome gehen von rechts nach links.

  • Der Zustand des Patienten verschlimmert sich in der Regel durch Kälte, doch manchmal verschlimmert auch Hitze.

Lokalsymptome
KopfDrückende Kopfschmerzen in verschiedenen Teilen des Kopfes, wie von einem stumpfen, eindrückenden Gegenstand, schlimmer bei Bewegung, geistiger Anstrengung, Husten und Zurückbeugen des Kopfes, besser durch Essen, durch harten Druck und durch Einschlafen. Das Gefühl eines Pflocks oder eines stumpfen Gegenstandes wird nicht immer mit den gleichen Worten beschrieben werden; es kann z. B. auch von einer Härte im Kopf oder von einem Schweregefühl an einer bestimmten Stelle die Rede sein, oder von dem Gefühl, ein Stück Metall oder Holz befinde sich dort usw. Kopfschmerzen durch starke Gerüche. Gastrische Kopfschmerzen. Periodische Kopfschmerzen.
Schwindel beim Bücken und Aufrichten, beim Laufen. Kleine Beulen auf der Kopfhaut, die sehr berührungsempfindlich sind.
AugenStumpfer Druck, wie von einem Pflock, am oberen Rand der rechten Augenhöhle. Rheumatisch reißender Schmerz im linken Auge. Gegenstände erscheinen zu weit entfernt. Undeutliches Sehen. Blaue Ringe um die Augen.
OhrGefühl, als ob jemand in ihre Ohren flüstere. Verlust des Gehörs.
Schmerz wie von einem Pflock. Schmerzhaftes Zucken im linken Gehörgang, wie elektrische Schläge. Schmerz im Ohr beim Zusammenbeißen der Zähne. Verstopfungsgefühl, wie von Baumwolle, im linken Ohr.
NaseVerlust des Geruchssinns. Der Geruchssinn scheint fast verschwunden zu sein, obwohl die Nase nicht verstopft ist. Heuschnupfen. Geruchsillusionen, z. B. von brennendem Schwamm, morgens beim Aufstehen.
GesichtBlass. Ausdrucksloses, kindliches Aussehen; Zucken von Mund und Fingern im Schlaf. Brennende Trockenheit der äußeren Lippenränder. Linke Gesichtsseite geschwollen und mit kleinen pockenartigen Bläschen übersät. Akutes Ekzem an Gesicht und Hals, mit Röte und kleinen Bläschen, intensives Jucken.
Atmung und BrustAtmung beim Husten, Schlucken oder Trinken unterbrochen (verschluckt sich). Dem Keuchhusten ähnlicher Husten, der durch Sprechen erregt wird. Husten nach Essen, mit Erbrechen des Gegessenen; Husten mit Schmerz im Hinterkopf.
Dumpfer Druck wie von einem Pflock in der rechten Brustseite. Beklemmung mit innerlicher Angst und Hitze.
HerzHerzklopfen bei älteren Menschen, das nach leichten akuten Beschwerden (wie Schnupfen) auftritt, mit qualvoller Pein. Das Herz fühlt sich plötzlich geschwollen an, mit großer Todesfurcht. Doppelte Stiche im Herzen – Stiche, die zweimal nacheinander auftreten, mit anschließender langer Pause.
MagenDie allgemeine Essen bessert, aber Symptome kehren ca. 2 Stunden später wieder Anac.Besserung durch Essen ist ein starkes Keynote, doch kehren die Symptome bald (etwa zwei Stunden nach dem Essen) wieder. Kopfschmerzen, trockener Hals, Dyspepsie, besser durch Essen Anac.Dyspepsie usw. besser durch Essen, aber nach zwei Stunden wieder zurückkehrend.
Morgens starke Übelkeit, mit Nüchternheits-Gefühl im Magen. Schwangerschaftsübelkeit schlimmer vor und nach dem Essen, besser beim Essen.
Leeregefühl im Magen um 11 Uhr vormittags, ähnlich wie bei SULFUR. Magendrücken nach geistiger Anstrengung. Beim Einatmen starke Stiche in der Magengrube. Neigt beim Essen und Trinken dazu, sich zu verschlucken. Ständiger Durst; doch beim Schlucken benimmt es ihm den Atem, und er muss absetzen. Appetitlosigkeit wechselt mit übermäßigem Hunger.
Verlangen nach Süßigkeiten und Abneigung gegen Bohnen und Erbsen.
AbdomenDrückender Schmerz um den Nabel herum. Der Schmerz fühlt sich an wie ein stumpfer Pflock, der in die Eingeweide hineingedrückt wird. Hartes Abdomen. Schmerzhafte Flatulenz. Ständiges Knurren im Unterbauch, besonders in der Nabelgegend. Völle und Auftreibung des Abdomens, nach dem Essen.
Rektum und StuhlDie Obstipation von Anacardium ähnelt der von NUX VOMICA.
Tagsüber häufiger Tenesmus, ohne irgendetwas ausscheiden zu können. Häufiger Stuhldrang nach dem Essen.
Inaktivität. Kraftloser Stuhldrang; ungenügender Stuhl. Rektum fühlt sich an wie mit einem Fremdkörper verstopft, ohne die Kraft zum Heraustreiben selbst weichen Stuhls. Heftiger und starker Stuhldrang, doch beim Pressen zum Stuhl vergeht der Stuhldrang ohne Entleerung. Jucken des Anus nach Koitus.
SexualitätAnacardium-Patienten können heftige sexuelle Leidenschaft mit sadistischen Tendenzen aufweisen und leben ihren Geschlechtstrieb manchmal extrem stark aus. Als Folge davon können sie später impotent werden, und gleichzeitig nehmen möglicherweise ihre sadistischen Neigungen zu. Es ist recht eigentümlich, dass ihr sexuelles Verlangen durch den Umstand, dass sie von ihrem Partner schlecht behandelt werden, überhaupt nicht beeinträchtigt wird; eine Frau kann weiterhin Geschlechtsverkehr mit ihrem Mann haben, obwohl dieser sie die ganze Zeit herabsetzt, sie beschimpft oder sogar schlägt. Die Frau kann ihn tatsächlich umbringen wollen, aber trotzdem wird sie den Sex mit ihm immer noch genießen.
Während der Phase der Impotenz können beim Stuhlgang oder im Schlaf (ohne dass der Patient davon träumt) Samenergüsse auftreten.
Rücken und ExtremitätenSteifheit ist ein Charakteristikum, das mit den Rückenschmerzen einhergeht, besonders in der Nackengegend. Stumpfer Druck, wie von einer schweren Last, in der linken Schulter und auf der rechten Seite des Nackens. Krankheiten, die das Rückenmark angreifen, mit lähmungsartiger Schwäche; Zittern der Gliedmaßen, die Knie sind am stärksten betroffen; Empfindung eines Bandes um den Körper oder bestimmte Körperpartien herum; Empfindung eines Pflocks, der ins Innere getrieben wird, besonders bei Bewegung. Schmerzhafte Unruhe in den Beinen beim Sitzen, beim Gehen verschwindend.
SchlafGestörter Schlaf mit Schreien und sehr lebhaften Träumen, die am nächsten Morgen real wirken. Träume von Leichen, davon, andere umzubringen oder von anderen umgebracht zu werden, verfolgt zu werden, von Feuer, von vergangenen Ereignissen.
Morgens erwacht er müde und neigt dazu, wieder einzuschlafen.
HautEs gibt verschiedene Typen von Hautausschlägen bei Anacardium:
  • Der eine ist pustulös, ein anderer ist erysipelatös, und ein dritter ist eine Form von Neurodermitis, die aus kleinen, bläschenförmigen Läsionen besteht, die mit einer farblosen oder gelblich wässrigen Flüssigkeit gefüllt sind. Diese Läsionen liegen in Gruppen nahe beieinander. Der Ausschlag ist ziemlich trocken und juckt schrecklich. Das Jucken ist schlimmer abends im Bett.

  • Brennendes Jucken, mit extremer Gereiztheit der Haut; der Patient gräbt seine Nägel in die Haut, um sich zu kratzen.

  • Ausschläge, die wie Variola aussehen.

  • Übermäßige Desquamation.

  • Hautausschläge mit erysipelatösem Aussehen, die sich schnell ausbreiten und leicht Schwellungen verursachen.

  • Warzen.

Zusammenfassung
Wichtige Aspekte von Anacardium:
  • Innerer Konflikt, mit Leiden verbunden.

  • Minderwertigkeitskomplex.

  • Gedächtnisverlust, oft plötzlich.

  • Härte und Grausamkeit.

  • Empfindung eines stumpfen Pflocks.

  • bandartige Empfindungen.

  • Besserung durch Essen.

Anagallis arvensis

Essenzielle Merkmale
Anagallis ist ein recht selten angezeigtes Mittel. Wie die anderen sogenannten „kleinen Mittel“ ist es jedoch durch kein anderes zu ersetzen, wenn es wirklich benötigt wird. Die meisten Misserfolge in der homöopathischen Praxis sind nicht auf eine unzureichende Kenntnis der großen Polychreste zurückzuführen, sondern darauf, dass die Arzneimittelbilder kleiner Mittel nicht erkannt werden und daher statt des wirklich angezeigten Mittels ein Polychrest verordnet wird. Daher sollte ein guter homöopathischer Arzt möglichst viele Arzneimittel kennen und dabei alle Informationsquellen nutzen, die verfügbar sind.
Die pathogenen Symptome bei Anagallis arvensis betreffen vor allem die Haut und das Gehirn.
Ekzeme an Hand und Fingern
Es handelt sich um ein Mittel, das trockene Hautausschläge Anag.trockene, juckende Hautausschläge Anag.juckende, kreisförmige Hautausschläge Anag.kreisförmige Hautausschläge juckend, trocken, kreisförmig Anag.Hautausschläge hervorruft, vor allem an den Händen und Handflächen; bei Unterdrückung können sie zu biliösen Kopfschmerzen, Darmbeschwerden oder gar zu einer ernsthaften psychisch-geistige Pathologie duch Unterdrückung von Hautausschlägen Anag.psychisch-geistigen Unterdrückung von Hautausschlägen ruft psychich-emotionale Störungen hervor Anag.Pathologie führen, ja selbst zu Konvulsionen nach Unterdrückung von Hautausschlägen Anag.Konvulsionen (Unterdrückung von Hautausschlägen führt zu Epilepsie Anag.Epilepsie nach Unterückung von Hautausschlägen Anag.Epilepsie).
Nach meiner Erfahrung kann Anagallis arvensis Ekzeme heilen, die vor allem an den Ekzeme der Handflächen, Finger, Handrücken Anag.Handflächen, Fingern und Handrücken auftreten. Die Haut wird zunächst trocken, und bald treten Bläschen, Ansammlung von, gefüllt mit sehr dünner Flüssigkeit Anag.Ansammlungen von Bläschen auf, gefüllt mit sehr dünner Flüssigkeit, dünner als Wasser. Rund um die ursprüngliche Kolonie entstehen immer mehr Bläschen, und die Flüssigkeit vermehrt sich so lange, bis die Bläschen platzen. An diesen Stellen reißt die Haut auf und bleibt rau, als werde ihre oberste Schicht nicht erneuert, und dann fühlt sie sich ungeschützt und schmerzhaft an. Danach entsteht eine neue Bläschenkolonie an einer anderen Stelle, und so geht es immer weiter.
Kurz bevor die Bläschen platzen, juckt es sehr heftig. Ähnliches tritt an den Nägeln auf, und es scheint, als sei die oberste Nägel, oberste Schicht zerstört und eingerissen Anag.Nagelschicht zerstört und eingerissen. Die Haut um die Nägel herum ist ebenfalls betroffen.
Heiterkeit und geistige Aktivität
Anagallis passt bei empfindsamen und zur Hysterie neigenden Menschen, die geistig und emotional sehr leicht erregbar sind. Es wirkt auf eine sehr angenehme Art und Weise auf Geist und Gemüt, denn es erzeugt einen Zustand von Heiterkeit Anag.Heiterkeit und geistige Aktivität, intensive Anag.intensiver geistiger Aktivität, geistige, vermehrt Anag.Aktivität. Dabei handelt es sich jedoch um einen pathologischen Zustand, wie er bei manisch-depressiv Anag.manisch-depressiven Patienten auftritt.
Der Betreffende fühlt sich großartig, in Bestform, voller Selbstvertrauen und geistiger Kraft. Er hat das Gefühl, dass er alles wahrnimmt, was um ihn herum geschieht, und zugleich kommen ihm viele Gedanken, ziellose Anag.Gedanken, die sich auf alles Mögliche beziehen. Er ist voller Freude, voller Anag.Freude, ausgelassen Anag.ausgelassen und übermütig Anag.übermütig und hat Spaß, hat Spaß an allem, was er tut, aber unfähig zu disziplinierter oder konstruktiver Arbeit Anag.Spaß an allem, was er tut, ist jedoch zu disziplinierter und konstruktiver geistiger Arbeit nicht in der Lage. Die Gedanken scheinen hin- und herzujagen und sich mit jedem nur denkbaren Thema zu beschäftigen, der Patient aber glaubt dennoch, geistig ganz klar und stark zu sein, und er behauptet, sich noch nie in seinem Leben so wohl gefühlt zu haben.
Einen solchen Zustand wird man nicht selten bei bestimmten jungen Menschen antreffen, die sich mit spirituellen Praktiken beschäftigen und ab einem gewissen Punkt das Gefühl haben, in einen Zustand des Überbewusstseins gelangt zu sein. Man kann zwar deutlich sehen, dass der Betreffende voller Freude zu sein scheint, aber es handelt sich dabei um einen ungesunden Zustand, der zu verantwortungslosem Verhalten führt. Es ist keine offenkundige Geisteskrankheit; dennoch ist klar zu erkennen, dass die Person aus dem Gleichgewicht geraten ist. Gewöhnlich nehmen diese Menschen für sich in Anspruch, ein hohes spirituelles Bewusstsein erreicht zu haben, weshalb es für sie nicht mehr notwendig sei, sich mit profanen „irdischen“ oder praktischen Dingen abzugeben. Sie sprechen gerne und bereitwillig mit jedem beliebigen Menschen über ihren inneren spirituellen Zustand.
Beschleunigung der psychischen und geistigen Prozesse
Anagallis-Patienten kennen keine Selbstbeschränkung oder Mäßigung, ihr Geist scheint sich in einem Zustand höchster Aufregung zu befinden, jagt umher, ist einmal hier und einmal dort, unfähig, sich auf eine Sache zu konzentrieren. Es ist wie ein leichtes inneres Delirium.
Da diese Menschen so Erregbarkeit Anag.erregbar sind, wundert es nicht, dass sie ein verstärktes sexuelles Verlangen haben und ständig nach Gelegenheiten zu sexuellen Kontakten suchen. Es besteht bei ihnen auch manchmal eine Art Erethismus in der Harnröhre, ein Kitzeln oder Brennen, das sie zwanghaft dazu treibt, den Geschlechtsakt zu vollziehen.
Der Anagallis-Zustand gleicht dem Zustand, den man bei Konsumenten von „Speed“ oder ähnlichen Drogen beobachten kann, und er hat auch genau diese Wirkung: eine Beschleunigung der psychischen und geistigen Prozesse. Ähnliche Zustände habe ich auch bei den manischen Phasen von AGARICUS beobachtet, und wohl jeder wird die Ähnlichkeit mit der Symptomatologie von COFFEA CRUDA erkennen.
Nach solch intensiver geistiger Aktivität scheint der gesamte Organismus eine Zeitlang sehr müde, fast erschöpft zu sein; allgemeine Schwäche durch geistige Anstrengung. Depression, Mutlosigkeit, Verzweiflung stellen sich ein, und es entwickelt sich eine Art Angst, die in der Brust gefühlt wird. Die Patienten zeigen eine hypochondrische Angst.
Allgemeinsymptome und Keynotes
  • Zittern am ganzen Körper abends, im Bett. Zittrige Schwäche, Abgespanntheit.

  • Was die Nervensymptome dieses Mittels betrifft, so beobachtet man ein gleichzeitiges Zittern und Frösteln; ein fröstelndes Zittern. Zittern, das im Herzen und am ganzen Körper gespürt wird, besonders abends im Bett. Klonische Konvulsionen, Epilepsie.

  • Anagallis ist bekannt für die Austreibung von Splittern aus dem Körper, ganz ähnlich wie SILICEA. Diese Eigenschaft ist sehr wahrscheinlich auf die Tatsache zurückzuführen, dass in der Pathogenese von Anagallis Schmerzen wie von Splitter, Schmerzen wie von Anag.Splittern auftreten. Es heilt Wunden von Splittern.

  • Blutiger Schweiß.

Lokalsymptome
KopfKopfschmerzen, die in Verbindung mit Verdauungsstörungen wie Aufstoßen und Rumoren im Abdomen auftreten. Heftige Kopfschmerzen mit Übelkeit und Schmerzen am ganzen Körper. Die Kopfschmerzen werden durch Kaffee gelindert.
Zusammenschnürung, Spannung in der Stirn, über den Augen. Jucken der Kopfhaut, heftiges Jucken an Scheitel und Hinterkopf. Schweiß auf der Stirn.
AugeDer Schmerz im rechten Augapfel verschlimmert sich bei Berührung des Lides. Jucken der Augenlider. Der Patient sieht bei Kerzenlicht glitzernde Gegenstände vor dem linken Auge. Gegenstände scheinen sich zu bewegen, hin- und herzutreiben.
OhrenKitzeln und Jucken im linken Ohr Anag.Jucken im linken Ohr. Summende Ohrgeräusche. Heftiges Stechen im rechten Ohr. Schmerz im rechten Ohr, als sei der Gehörgang verstopft.
NaseHäufiges Wasserlaufen aus der Nase. Reichliche Sekretion gelben Schleims. Unangenehmes Kitzeln an der Nasenspitze, mit heftigem Niesen. Nasenbluten.
GesichtHerpes circinatus. Reißender Schmerz in der rechten Gesichtsseite. Kleieartige, ringförmige Flechten im Gesicht.
MundKältegefühl auf der Zunge; auch in der Nähe des Frenulum. Zähflüssiger Speichel im Mund, durch Husten heraufgebracht. Ansammlung von Wasser im Mund, mit leichten, reißenden Schmerzen in den Backenzähnen. Schwellung des Zahnfleischs um einen hohlen Zahn herum. Dumpfe Schmerzen im Zahnfleisch, begleitet von sehr harten Stühlen.
HalsDer Hals ist übermäßig Trockenheit des Halses Anag.trocken und Kratzen im Hals Anag.kratzt. Kratzen und Schaben im Hals, vor allem nach den Mahlzeiten. Heiserkeit, von der Luftröhre ausgehend.
Atmung, Brust, HerzTrockener Husten. Angstgefühl in der Brust abends, im Bett. Jucken der linken Brustseite, hauptsächlich an der Brustwarze. Ausschlag auf der Brust. Druck auf der rechten Lunge nach dem Essen. Wundsein auf der Brust mit Fieber.
Zittern des Herzens. Herzklopfen.
HarnorganeEs besteht ein Reizzustand in der Harnröhre, der zum Beischlaf treibt.
Der Urin ist dunkel, manchmal strohfarben. Brennender Schmerz in der Harnröhre beim Harnlassen. Kribbeln im Meatus. Der Patient muss pressen, bevor er Urin lassen kann.
Männliche GenitalienZiehende Schmerzen im rechten Hoden und Samenstrang. Reißende Schmerzen in den Samensträngen. Gonorrhö. Das Brennen in der Urethra während der Erektion vergeht beim Koitus. Beißende, gonorrhoische Absonderung. Gesteigertes sexuelles Verlangen.
Weibliche GenitalienSterilität.
RückenKälte. Schmerzen auf der rechten Seite, gefolgt von heftigem Niesen. Schmerzen in der Sakralregion beim Heben. Drückender Schmerz in der Lendengegend.
ExtremitätenDie Hände der Anagallis-Patienten sind von den Ausschlägen am meisten betroffen; ganz besonders die Handfläche und die Finger.
  • Dort juckt es unerträglich, was durch Reiben bessert Hautjucken in Handflächen Anag.Reiben besser wird. Es treten trockene, kleieähnliche Ausschläge auf, Trychophytie Anag.Trichophytie (RingelflechteRingelflechte). Juckende; stechend schmerzende Ausschläge.

  • Bläschen; Ansammlungen an den Händen, zwischen den Fingern, die in ununterbrochener Reihe auftreten: Sobald die alten verschwunden sind, erscheinen schon wieder neue Ansammlungen.

  • Die Flechte an den Händen ist trocken, kleieähnlich, schuppenartig; oder in Gruppen auftretende kleine Bläschen, die stechend schmerzen und jucken und aus denen beim Kratzen eine gelbbraune Lymphe austritt, die dann schnell zu Schorf wird; darunter erscheinen neue Bläschen.

  • Trockene, kleieartige, schuppenartige Flechten an Händen und Fingern, hauptsächlich am Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand. Hände und Finger sind Trockenheit der Hände und Finger Anag.trocken, klebrig und sehen sehr schmutzig aus.

  • Gichtige Schwellung der Fingergelenke.

Wandernde Schmerzen in so gut wie allen Gelenken. Spannendes Ziehen von der linken Schulter zum Hals hinauf. Ziehende Schmerzen in den Muskeln des Oberarms, schlimmer bei Bewegung.
Hüftschmerz. Zittern der Beine bei Frösteln. Schwäche, wie Lahmheit, im rechten Bein, als wäre es zu kurz. Kribbelnde Schmerzen im rechten Bein und beim Darmbein. Schmerzen in der linken Kniekehle. Ein Gefühl wie Gespanntheit in der linken Kniekehle, als wäre dort etwas geschwollen oder wund.
SchlafErschöpft und schläfrig. Schläft spät ein; ruheloser Schlaf; wacht früh auf und fühlt sich unerfrischt. Erotische Träume; Angstträume; verworrene Träume.
Fieber und FrostNach Frösteln folgt Hitze.
HautAusgeprägte Wirkung auf die Haut; dabei ist kennzeichnend, dass es stark juckt und überall kribbelt. Trockener, kleieähnlicher Ausschlag Anag.kleieähnlicher Ausschlag, vor allem an Händen und Fingern; die Handflächen sind besonders stark betroffen. Bläschen treten in Gruppen auf.
Die Austreibung von Splittern wird begünstigt. Geschwüre und Schwellungen an den Gelenken.

Anantherum muricatum

Essenzielle Merkmale
Anantherum ist eine Arznei, die die Leidenschaften, sexuellen, stimuliert die Anan.Leidenschaften des Menschen stimuliert, insbesondere die sexuellen – in so exzessiver Weise, dass es die betreffende Person in den Wahnsinn treiben kann.
Es ruft ein unstillbares Verlangen hervor, den Sexualtrieb zu befriedigen. Die Anantherum-Menschen werden wieder und wieder zu sexuellen Kontakten und, wenn dieser Drang nicht befriedigt werden kann, zur Masturbation, getrieben zur Anan.Masturbation getrieben. Dabei handelt es sich um ein pathologisches Verlangen, als habe der Organismus völlig sein Gleichgewicht verloren und folge einem blinden Zwang zu Handlungen, die zu schneller Selbstzerstörung führen.
An dieser Stelle sollte grundsätzlich gesagt werden, dass unsere Absicht hier (wie auch sonst) die Heilung von Menschen ist, deren Freiheit durch einen zwanghaften Trieb und ein zwanghaftes Verhalten eingeschränkt ist und die selbst unter diesem Verhalten leiden. Eine Materia medica kann und will keine Kritik der Sexualmoral, der sexuellen Orientierungen und Verhaltensweisen liefern; erst recht will sie keiner Diskriminierung z. B. von Homosexuellen Vorschub leisten. Es geht uns um eine Erhöhung und nicht um eine Einschränkung der menschlichen Freiheit.
Zwanghaftes sexuelles Verhalten
Ein solches zwanghaftes sexuelles Verhalten ist heute, im Zusammenhang mit der sexuellen Liberalisierung, häufiger anzutreffen als zu Zeiten, die durch einen restriktiveren Umgang mit Sexualität geprägt waren (und dadurch andere Pathologien begünstigt haben). Deshalb hat auch das Arzneimittel Anantherum heute eine größere Bedeutung als früher.
Das gilt auch für eine bestimmte Gruppe von (meist männlichen) Homosexuellen, nämlich diejenige, die unter einem zwanghaft promiskuitiven Verhalten leidet. Die Menschen, die hier gemeint sind, lassen sich wie folgt beschreiben: Die sexuelle Befriedigung stellt für sie alle anderen Ziele in den Schatten. Sie werden völlig und ausschließlich von ihrem sexuellen Verlangen getrieben. Obwohl sie tagsüber vielleicht zwei oder drei sexuelle Kontakte hatten, ist ihr Sexualtrieb nachts immer noch so stark erregt, dass sie nicht schlafen können und wieder aufstehen müssen, um noch einmal auf die Suche nach einem Sexualpartner zu gehen. Wenn das nicht gelingt oder nicht möglich ist, müssen sie zur Masturbation Zuflucht nehmen. Es scheint, dass der Sexualtrieb jeglicher Kontrolle entglitten ist und sich das ganze Leben nur noch um die sexuelle Befriedigung dreht. Dieser Zustand wird in der Literatur wie folgt beschrieben: „Geschlechtliches Verlangen wird durch jeden Befriedigungsversuch erhöht, bis der Patient zu Masturbation und in einen Zustand von Geisteskrankheit getrieben wird.“ In solchen Fällen kann Anantherum helfen.
Das Mittel betrifft allgemein mehr Männer als Frauen. Allerdings denke ich, dass es auch für weibliche Homosexuelle angezeigt sein kann, wenn sie den beschriebenen zwanghaften, unaufhörlichen Drang nach Geschlechtsverkehr aufweisen und ihre eigenen Gefühle eher als „männlich“ bewerten. Es ist wichtig zu verstehen, dass die sexuelle Erregung, sexuelle, ungeheuer starke Anan.Erregung ungeheuer stark ist und diese Menschen regelrecht zu solcher Art sexueller Kontakte treibt. Sie werden von heftigstem Verlangen mit heftigen Erektionen, heftige Anan.Erektionen und Priapismus Anan.Priapismus getrieben, ein Zustand von Monomanie Anan.Monomanie.
Es ist interessant, dass „Andropogon“, ein anderer Name für Anantherum, im Griechischen jemanden mit einem starken männlichen Bartwuchs bezeichnet, als Folge einer Zunahme von männlichen Hormonen.
Der Verlust an Lebenskraft durch solche Praktiken ist so groß, dass diese Menschen schon in sehr jungen Jahren ausgelaugt und verbraucht sind und ein Zustand von Geisteskrankheit vorzuherrschen beginnt. Anantherum gehört zu den Hauptmitteln, die Wahnsinn nach exzessiver sexueller Aktivität und Promiskuität Anan.Wahnsinn nach exzessiver sexueller Aktivität und Promiskuität aufweisen. Es wird bei der beschriebenen Pathologie ein gewisses Gleichgewicht wiederherstellen, die sexuellen Bedürfnisse reduzieren und den Menschen insgesamt gesünder machen.
Wenn Homosexualität und überhaupt Sexualität in solch selbstzerstörerischer Weise ausgeübt wird, scheint mir dies die Folge unterdrückter Syphilis zu sein. Anantherum hat in seiner Pathogenese auch die Effekte der primären Syphilis: schankröse Geschwüre des Penis, wunde Stellen, Drüsenschwellungen und Abszesse; zudem auch das Kaposi-Sarkom. Es sollte daher bei AIDS-Fällen in Betracht gezogen werden, wenn der Patient ein ähnliches Verhalten zeigt wie oben beschrieben.
Anantherum ruft das Verlangen hervor, sich zum Ausgehen in auffallender, kleidet sich auffallend, grotesk Anan.grotesk, kleidet sich Anan.grotesker Weise zu kleiden, um durch diese schockierende Erscheinung andere zu beeindrucken. Es kann daher in bestimmten Fällen indiziert sein, wenn Menschen zugleich homosexuell sind und einen Zwang empfinden, sich auffällig, etwa wie „Punks“ zu kleiden und zu erscheinen. Selbstverständlich ist Anantherum nicht bei allen auffallend gekleideten Personen angezeigt, sondern nur bei denjenigen, die sich aus einem unwiderstehlichen inneren Drang, in grotesker Weise in der Öffentlichkeit zu erscheinen Anan.Drang, in der Öffentlichkeit grotesk zu erscheinen, so kleiden.
Charakteristisch für diese Menschen ist ebenfalls, dass sie immer wieder zu den gleichen Orten zurückkehren, um genau die gleichen Dinge zu tun.
Selbstzufriedenheit
Ein weiterer Aspekt von Anantherum ist die Tendenz, einen Zustand der Selbstzufriedenheit Anan.Selbstzufriedenheit, eine Art Narzißmus Anan.Narzissmus hervorzurufen, den wir wiederum in manchen Fällen männlicher Homosexueller recht hervorstechend beobachten können. Wie jederzeit zum Genuss aufgelegt, ohne einen Sinn für Verantwortung gegenüber sich selbst und anderen; alles auf der Welt ist nur zu ihrem eigenen Vergnügen da. Diese Menschen halten sich für intelligenter als andere, empfindsamer, fähiger in ihrer Arbeit und besser in der Lage, Sex zu genießen, als irgendjemand sonst. Sie lieben es, zu reisen, liebt zu Anan.reisen, damit sie neue sexuelle Bekanntschaften machen können. Sie sind zufrieden mit sich, sie lachen und singen; und doch leben sie fern von der Realität, und es droht ihnen die Gefahr, in den Wahnsinn abzugleiten, was ein scharfer Beobachter frühzeitig erkennen kann.
Bei den Prüfungssymptomen heißt es: „Hohe Selbsteinschätzung; große Befriedigung über sich und seine Arbeit; innerliche Selbstgefälligkeit mit Lächeln. Törichte, närrische Freude Anan.närrische Freude und absurde Selbstzufriedenheit, absurde Anan.Selbstzufriedenheit. Ausgelassene Stimmung mit der Neigung, zu lachen und zu singen. Heiter, gut aufgelegt, fröhlich.“
Eifersucht als Folge des sexuellen Verhaltensmusters
Es gibt noch ein anderes Syndrom, das bei diesen Fällen auftritt, ein unvermeidbares Resultat des beschriebenen zwanghaften sexuellen Verhaltensmusters. Diese Menschen, die so sehr an den Objekten ihres Genusses hängen, werden schrecklich eifersüchtig Anan.eifersüchtig, wenn andere etwas haben, was sie selbst nicht besitzen. In der Prüfung steht: „Unbeherrschbar eifersüchtig; alles ruft Eifersucht hervor.“ Sie hängen weniger an einem bestimmten Partner als vielmehr an der Absicht und dem Wunsch, sich zu vergnügen, und wenn jemand ihnen diese Möglichkeit nimmt, empfinden sie fürchterliche Eifersucht.
Todesfurcht und weitere Entwicklung der Pathologie
Als natürliche Folge dieses Lebensstils beobachten wir, dass sie, sobald einmal irgendeine Störung ihrer Gesundheit eintritt, von einer Furcht vor dem Tode Anan.Furcht vor dem Tode überwältigt werden. Die Furcht, dass die Lust enden und das Leiden beginnen könnte, ist unerträglich. Sie werden ruhelos und empfinden beständige Todesfurcht, beständige Anan.Todesfurcht.
In diesem Stadium können Anantherum-Patienten eine eigenartige Angst vor Wasser entwickeln und sind dann nicht in der Lage, es zu schlucken, selbst wenn sie durstig sind. Schon die Erwähnung des Wortes „Wasser“ ruft einen Spasmus und eine Enge im Hals hervor, die sie am Schlucken hindern. Tics (Tic convulsif) treten auf. Dazu kommt eine Furcht vor glänzenden Objekten, was eine Ähnlichkeit mit STRAMONIUM bewirkt; aber die zerstörerischen Impulse sind viel geringer als bei STRAMONIUM. Der Anantherum-Patient wird die Zerstörungen, die er in einem Wutanfall angerichtet hat, sehr bereuen.
Diese Arznei geht mit einer Menge Konvulsionen und Spasmen einher, und man sollte oft bei Epilepsie daran denken, besonders wenn die Moral des Kranken recht gering und das sexuelle Verlangen hoch ist.
Schließlich werden diese Menschen hypochondrisch und wollen nichts mehr hören oder sehen, sie suchen Einsamkeit und Dunkelheit. Sie haben Abneigung gegen Gesellschaft; sogar die bloße Anwesenheit anderer Menschen verschlimmert Anan.Anwesenheit anderer Menschen verschlimmert ihre Symptome. Sie verlieren vollständig ihr Selbstvertrauen und werden misstrauisch Anan.misstrauisch und reizbar Anan.reizbar.
In diesem Stadium können wir einen anderen Aspekt des Mittels erleben, wenn der Patient schrecklich ärgerlich und streitsüchtig wird, keinen Widerspruch verträgt und bereit ist, zuzuschlagen und Dinge zu zerstören. Ein Gefühl der Destruktivität wiegt in all seinem Denken und seinem Verhalten vor; es schließt auch Verlangen nach Selbstzerstörung ein.
Der Intellekt wird benommen und stumpf, das Erinnerungsvermögen lässt nach, und Depression und Selbstmordneigung treten ein; der Patient wird apathisch. Er neigt ständig zum Weinen, und Phantasien, Visionen und Halluzinationen setzen ein.
In diesem Stadium ist es möglich, dass Anantherum-Patienten versuchen, ihre rapide verfallende Gesundheit durch bestimmte Entschlüsse und Maßnahmen zu verbessern, aber die daraus resultierenden Taten haben denselben Charakter wie ihr früheres Verhalten. Sie entwickeln Monomanien für eine bestimmte Ernährungsweise, für bestimmte Übungen, an denen sie in unablässigem Bemühen ohne Rücksicht auf die tatsächlichen Ergebnisse festhalten.
Schließlich sehen wir Geistesverwirrung wie im Rausch, geistige Entfremdung und Idiotie.
Das ist die Geschichte dieser interessanten Arznei, die bisher völlig vernachlässigt wurde und die wir in unserer heutigen Zeit so dringend brauchen. Sie verlangt eine sorgfältige Differenzialdiagnose mit BUFO, PLATINUM, LACHESIS, STRAMONIUM, THUJA, CANNABIS INDICA usw.
Allgemeinsymptome und Keynotes
  • Anantherum ist als Spezifikum bei bestimmten Hautkrankheiten betrachtet worden.

    • Seine Pathogenese beinhaltet krustige, flechtenartige Hautausschläge; granuläre Ausschläge; rote, scharlachartige Ausschläge; Flechten mit Wundheit und Schuppen, die ständig wieder auftreten.

    • Syphilitische Geschwüre.

    • Warzen Anan.Warzen. Abszesse Anan.Abszesse, Vereiterungen, Drüsenentzündungen Anan.Drüsenentzündungen, Drüsenatrophie.

  • Interessant ist bei Anantherum das Gefühl harten Tumoren, Gefühl von Anan.harter Tumoren an verschiedenen Körperteilen, vor allem an den Genitalien.

  • Allgemeines Zittern.

  • Allgemeine Erschöpfung.

  • Anfälle von Stupor und Schwäche, gefolgt von einem Lähmungsgefühl der rechten Seite des Körpers, der Zunge und der oberen und unteren Extremitäten.

  • Unwohlsein und Schwäche, mit ständiger Unruhe. Große körperliche und geistige Schwäche mit Melancholie, die mit Selbstmordgedanken und reichlich Schweiß bei der geringsten Bewegung einhergeht.

  • epileptische Konvulsionen Anan.Epileptische Konvulsionen, beginnend mit Traurigkeit, Unruhe, Schluckauf, Kontraktion des Zwerchfells, Brennen im Magen und Blutandrang zum Kopf; dann folgen Verlust des Bewusstseins, Hinfallen, heftige Bewegungen der Glieder, blutiger Schaum vor dem Mund, Verlust von Samen sowie unwillkürlicher Stuhlgang und Urin.

  • Verschiedene Arten von Krämpfen und Spasmen. Spasmodische Anfälle, mit Kontraktion der Glieder, der Augen und der Gesichtszüge. Eklamptische Konvulsionen und unwillkürliche Gliederbewegungen wie bei Chorea. Kälte der Haut während der Konvulsionen.

  • Verschlimmerung nach Koitus, durch Bewegung verschlimmert Anan.Bewegung und Hitze.

Lokalsymptome
SchwindelHier kann man einen sehr stark ausgeprägten Aspekt von Anantherum beobachten, es erzeugt einen Zustand wie betrunken, berauscht, wie Anan.betrunken, berauscht. Schwindel mit Gefühl von Trunkenheit und taumelndem Gang.
Schwindel mit Schwäche und Benommenheit. Schwindel und Stumpfheit mit zerebraler Kongestion, rotem Gesicht und der Tendenz, nach hinten zu fallen. Schwindel mit Schwäche im Rücken und den unteren Extremitäten, der Patient kann sich nicht aufrecht halten. Schwindel mit Kontraktion und wühlender Empfindung in den inneren Augenwinkeln, bis ins Gehirn ausstrahlend.
KopfIn diesem Bereich gibt es mehrere Keynotes, die Anantherum in seiner Eigenart auszeichnen:
  • Gefühl, als ob das Gehirn bloßliege und kalte Luft, als ob das Gehirn bloßliege und k.<2009>L. darüberziehe Anan.kalte Luft darüberziehe.

  • Gefühl, als sei Wasser im Kopf, Gefühl als sei Anan.Wasser im Kopf, schlimmer beim Laufen.

  • Gefühl, als bewegten sich schwere Gegenstände und Kugeln im Kopf, schlimmer nachts und beim Liegen auf der rechten Seite.

  • Zitterndes Gefühl im Kopf.

Der Grundgedanke ist, dass bei Anantherum das Gefühl auftritt, es bewege sich etwas im Kopf, Gefühl als Anan.bewege sich etwas im Kopf. Als ob sich etwas im Kopf herumdrehen würde, mit Magenschmerzen, großem Appetit, Kolik, sexuellem Verlangen, Frösteln und Zittern.
Blutandrang zum Kopf, mit großer Hitze, Schwindeligkeit, Verlust des Bewusstseins und Nasenbluten. (Dieses Symptom weist ebenso wie einige Symptome, die unter Schwindel aufgeführt sind, darauf hin, dass sich Anantherum bei Bluthochdruck von sexuell übermäßig erregten Personen als nützlich erweisen kann.)
Neuralgische Schmerzen in den Schläfen, mit dem Gefühl, als ob spitze Eisen, Schmerz als ob s.<2009>E. in die Schläfen gestoßen würden Anan.spitze Eisen hineingestoßen würden, was Anfälle von Verrücktheit auslöst.
Schwere und Schwäche im Kopf, mit Druck am Hinterkopf, der Kopf fällt zur Seite.
Kopfschmerzen sind normalerweise rechtsseitig, brennend, bohrend, pulsierend, in der Stirn und der Schläfe, mit Übelkeit, Erbrechen und starkem Schweregefühl in den Augen. Kopfschmerzen allgemein schlimmer durch Licht und durch Lärm. Kopfschmerzen, als werde der Kopf zerquetscht, Kopfschmerzen als werde der Kopf Anan.zerquetscht, in Stücke zerschlagen.
Protuberanzen wie Exostosen. Geschwüre und Flechten auf der Kopfhaut, mit feuchtem Schorf und starkem Jucken. Jucken und Hitze im Kopf strahlen bis ins Gesicht aus.
Augen Auch an den Augenlidern und Augenbrauen treten charakteristische Merkmale auf:
  • Warzen in den Augenbrauen Anan.Warzen und Lupus in den Augenbrauen Anan.Lupus in den Augenbrauen. Geschwürbildung am Tränenkanal. Geschwürbildung Geschwüre an den Lidrändern Anan.an den Lidrändern, es ist dem Patienten unmöglich, die Lider zu trennen.

  • Einwärtsstülpung der Augenlider (Entropium). Gefühl eines schweren Gewichts auf den Lidern. Der Patient hat Schwierigkeiten beim Öffnen der Lider schwierig Anan.Öffnen der Lider. Zittern der Lider

  • Paralyse des Sehnervs, Amaurose.

  • Spasmodische Kontraktion der Augen, die nach oben gedreht bleiben. Zusammengezogene oder erweiterte Pupillen. Spasmodische Bewegungen der Pupillen, die die Sicht ab und zu verdunkeln

  • Photophobie Anan.Photophobie. Licht provoziert Jucken im Auge durch Lichteinfall Anan.Jucken im Auge. Von Gegenständen bleiben lästige Nachbilder zurück. Alles erscheint extrem hell und strahlend. Der Patient sieht feurige Kreise und schwarze Punkte. Mückensehen bei bemerkenswert jungen Menschen. Getrübtes Sehen, wie von Wasserdämpfen vor den Augen. Unsteter, wilder Blick.

OhrenNachdem der Patient kurze Zeit zugehört hat, ermüdet sein Gehör, und die Worte werden verworren und undeutlich. Der Patient hört häufig ein Geräusch, als ob Wellen an ein Ufer schlagen würden, mit einem betäubenden Klang, sodass er überhaupt nichts mehr verstehen kann. Feuchtes Wetter verschlimmert das schlechte Hören.
Hitze im Inneren des Ohrs, mit Pulsieren und dem Gefühl, als seien Abszesse darin. Eitrige Absonderungen. Reißende Schmerzen hinter dem Ohr. Vermehrtes Ohrenschmalz.
NaseAnantherum weist auch einige charakteristische Nasensymptome auf:
  • Stiche in der Nase mit einem Quetschungsgefühl an der Nasenwurzel Anan.Quetschungsgefühl an der Nasenwurzel. Fließschnupfen mit drückendem Schmerz in Kopf und Nasenwurzel.

  • Die Nase ist vergrößert, rot und mit vielen Äderchen bedeckt. Eine Beule oder ein kleiner Tumor an der Nasenspitze Anan.Tumor an der Nasenspitze. Geschwüre in den Nasenlöchern Anan.Geschwüre in den Nasenlöchern.

  • Reichliche grünliche, eitrige, übelriechende Absonderung.

  • Niesen an kalter Luft. Die Luft, die durch die Nasenlöcher strömt, scheint eiskalt zu sein und löst Niesen aus.

  • Beim Versuch zu schlucken, tritt Flüssigkeit durch die Nase aus.

  • Brennender, stechender Schmerz in der Nase

GesichtBei Schwindel wird das Gesicht rot, zyanotisch. Der Patient hat einen leeren Gesichtsausdruck. Zuckungen im Gesicht, konvulsive Bewegungen wie von Tic douloureux (Sicard-Syndrom) oder Trismus, mit Schmerzen in den Lippen und im Kinn. Knochenschmerzen in den Gesichtsknochen, als seien sie gequetscht oder verrenkt.
Gelbe oder rote Flecken. Miliare Ausschläge Anan.Miliare Ausschläge, Urticaria Anan.Urtikaria, Pickel, Ausschläge, die krustig sind, schorfige Ausschläge, herpetische Ausschläge. erysipelatöse Schwellungen Anan.Erysipelatöse Schwellungen. Abszesse.
Schwellung und Vereiterung der Unterkieferdrüsen. Geschwüre an den Lippen und an den Mundwinkeln.
Wenn stark ausgeprägte Haut- oder Augensymptome auftreten, ist normalerweise keine emotional-sexuelle Pathologie vorhanden.
MundBeulen am Zahnfleisch. Geschwüre am Zahnfleisch. Häutung der Schleimhäute an verschiedenen Stellen der Mundhöhle. Die Zunge ist aufgesprungen, eingerissen und fühlt sich an den Rändern an wie abgeschnitten, Zunge fühlt sich an den Rändern an wie Anan.abgeschnitten, mit reichlichem Speichelfluss und Schwäche. Zahnfleisch und Mund fühlen sich heiß an, mit Kältegefühl in den Zähnen. Schwellung des Zahnfleischs; der Zunge. Entzündung der Zunge. Gräulicher Belag auf der Zunge.
Schwierigkeiten beim Sprechen, durch Schwellung der Zunge. Stammeln. Ständige Neigung, die Zähne zusammenzubeissen, Verlangen zu Anan.Zähne zusammenzubeißen. Knirschen und Klappern mit den Zähnen, sie zerbröckeln und brechen.
Zahnschmerzen, nachmittags, abends und nachts, schlimmer durch Wetteränderung; durch Kaffee; durch irgendetwas Kaltes; bei der geringsten Berührung; durch kalte Luft; durch Getränke; beim Essen; vom Kauen. Wein verschlimmert die Zahnschmerzen. Drückende Zahnschmerzen, als wären die Zähne verkeilt. Die Zahnschmerzen fühlen sich an, als würden die Zähne gezogen.
HalsSchmerzen beim Schlucken. Häufige und hartnäckige Abszesse auf den Mandeln.
Unfähigkeit zu trinken, trotz starken Durstes, infolge von Krämpfen im Hals, der sich zusammenzieht und eng anfühlt, sobald der Patient hört, dass in irgendeiner Weise über Wasser gesprochen wird, oder sobald er glänzende Gegenstände sieht. Schwierigkeiten beim Schlucken von Flüssigkeiten. Eingenommene Flüssigkeiten werden in die Nase gedrängt.
Gefühl wie von einem Pflock oder Klumpen im Hals. Manchmal ein Gefühl von brennender Hitze, manchmal von eisiger Kälte in der Speiseröhre. Gefühl von Krabbeln, Kribbeln in der Speiseröhre. Der Patient hat das Gefühl, als stecke ihm ein brennender Stock im Hals, der durch die Speiseröhre bis in den Magen reicht. Schwellung des Halses. Kitzeln im Hals, als sei etwas Lebendes in der Speiseröhre, mit Anfällen von erstickendem Husten.
AtmungParoxysmaler Husten, spasmodisch, gefolgt von reichlichem Schleim. Grünlicher, eitriger Auswurf. Husten durch Kitzeln im Kehlkopf. Auszehrender, erstickungsähnlicher, heftiger Husten. Keuchhusten.
Brust und HerzKontraktion und Obstruktion der Brust, sodass der Patient weder atmen noch essen kann. Atrophie der Mammae. Erysipel; Entzündung der Mammae. Exkoriation der Brustwarzen. Vermehrte Milchproduktion. Stechende, pulsierende und drückende Schmerzen in den Mammae.
Das Herz scheint wie gelähmt, als könne es nicht mehr schlagen, mit todesähnlicher Schwäche. Herzklopfen bei plötzlichem Erwachen. Heftiges Herzklopfen, mit Erstickungsanfällen bei der geringsten emotionalen Regung.
MagenSehr schmerzhafter Druck, wie von einer Stange, auf dem Epigastrium, mit kurzer, angstvoller Atmung. Sehr schmerzhafte Kontraktionen in der Gegend des Epigastriums. Stechender Schmerz, der bis in die Brust ausstrahlt. Schmerzen, die ihm Tag und Nacht keine Ruhe lassen und ihn völlig in Anspruch nehmen. Zuckungen und Krämpfe im Magen behindern die Atmung.
Gefühl eines harten Tumors im Magen, der am Pylorus beginnt und sich bis zur Leber hin ausweitet. Empfindung im Magen, als sei er voller Geschwüre. Extreme Schwäche vom Magen her, die durch nichts gebessert werden kann. Brennen im Magen, wie Feuer. Die Magensymptome werden häufig von Kopfschmerzen begleitet.
Nachts verstärkter Hunger, sodass der Patient aufstehen muss, um etwas zu essen. Unstillbarer Durst. Verlangen nach kaltem Wasser, starken Likören, Apfelwein, sauren Getränken. Der Patient liebt starke Gerüche; Verlangen nach Knoblauch und Lorbeer. Verlangen nach aromatischen Getränken, Verlangen nach Anan.aromatischen Getränken.
Hartnäckiges und schmerzhaftes Aufstoßen, vor allem nach dem Verzehr von Gemüse. Fauliges Aufstoßen.
Unaufhörliche Übelkeit und Neigung zum Erbrechen. Erbrechen bei Kopfschmerzen. Erbrechen mit ständiger Todesangst. Erbrechen von Galle oder Blut. Erbrechen von Nahrung, und oft auch von Blut, nach den Mahlzeiten. Erbrechen einer scharfen, brennenden Substanz, gefolgt von Galle und Blut. Erbrechen von unverdauter Nahrung.
AbdomenTympanitische Auftreibung. Wassersucht, Ödeme.
Entzündung und Schwellung der Leber, mit pulsierender, dumpfer Schmerz in der Lebergegend Anan.pulsierendem, anhaltend dumpfem Schmerz in der Lebergegend. Entzündung und Schwellung der Leber wie von Abszessen verursacht, mit ödematöser Schwellung des Bauches und sogar des ganzen Körpers; Erschöpfung; Stuhl hart, schwierig, schwärzlich, bräunlich oder gräulich. Pulsierende, brennende, grabende Schmerzen in der Lebergegend.
Dumpfer Schmerz in der Milz. Brennender, pulsierender, lanzinierender Schmerz in der Milzgegend.
Drehende, windende, reißende Schmerzen in den Gedärmen mit Übelkeit und Erbrechen.
Pulsieren in den Hypochondrien Anan.Pulsieren in den Hypochondrien; Schwellung der Drüsen in der Leistengegend; Schwellung der Milz.
Tumoren, wie eine Hernie, oder wie Lymphknotenschwellungen (Bubo) in der Leiste.
Rektum und StuhlGroße hämorrhoidale Tumoren und Abszesse. Pilzartige Tumoren am Anus. Eitrige Hämorrhoiden.
Hartnäckige Verstopfung. Der Stuhl ist knotig, wie Schafdung, hart. Prolapsus des Anus mit großen Schmerzen. Stuhl mit blutigem Schleim. Bräunlich-gelblicher Stuhl, sehr stinkend. Bei Durchfall und Erbrechen sind Nase und Ohren sehr kalt.
HarnorganeHäufiges Ablassen von Urin, der trüb ist oder bald trüb wird. Häufiger, vergeblicher Harndrang. Tröpfelndes Urinieren. Unwillkürliches Urinieren nachts im Schlaf, beim Husten oder beim Laufen. Klarer Urin mit kreideartiger Ablagerung, der wie Milch aussieht, wenn er geschüttelt wird. Klarer, reichlicher Urin, Tag und Nacht, mit Schwäche, großem Durst und Mundtrockenheit. Urin mit schillerndem Überzug. Dicker, roter und sehr sedimentärer Urin. Gefühl, als sei die Harnröhre von Tumoren und Wucherungen verstopft.
Stechende Schmerzen in den Harnleitern. Völle und Auftreibung der Blase, mit Unfähigkeit zu urinieren. Harnbrennen (Ardor urinae).
Männliche GenitalienWie schon erwähnt, hat Anantherum eine eindeutige und starke Wirkung auf den sexuellen Bereich bei Männern, und in geringerem Maß auch bei Frauen.
  • Männliche Patienten haben ein ins Unermessliche gesteigertes sexuelles Verlangen. In der Literatur heißt es dazu: Heftige sexuelle Leidenschaft, heftige Erektionen. Priapismus. Geschlechtliches Verlangen wird durch jeden Befriedigungsversuch erhöht, bis der Patient zu Masturbation und in einen Zustand von Geisteskrankheit getrieben wird. Während des Koitus hören all seine Leiden auf, um danach in verstärktem Maße wieder aufzutreten.

  • Sexuelles Verlangen mit Anfällen von Impotenz. Dieses exzessive Sexualleben führt schließlich zu Impotenz; keine Erektionen, aber das Verlangen ist weiterhin stark. Dann verschwindet auch das Verlangen. Die Lust vergeht während des Koitus, und der Samenerguss ist schwierig und unvollständig.

  • Nächtliche Samenergüsse, nachts Anan.Samenergüsse; ohne Träume.

  • Geschwüre und pustulöse, flechtenartige Akne rosaceae am Penis. Flechtenartige Ausschläge. Ausschläge an der Vorhaut. Syphilitische Geschwüre am Penis.

  • Schwellung des Hodensacks, wie verursacht durch Serumakkumulation. Ein verhärtetes Geschwür, wie ein Schanker, am Penis. Entzündung und Schwellung der Hoden. Gefühl von harten Tumoren in den Hoden und Samensträngen, mit heftigen Schmerzen an diesen Stellen.

Dicke gelbe oder grüne Schleimabsonderung aus der Urethra, mit Priapismus.
Weibliche GenitalienSterilität wie von Atrophie der Eierstöcke. Prolaps und Verlagerung des Uterus. Brennender Schmerz im Uterus, bis zu den Nieren ausstrahlend, mit großer allgemeiner Schwäche. Verhärtung des Gebärmutterhalses Anan.Verhärtung der Cervix uteri. Kongestion des Uterus. Schwellung des Uterus. Harte Tumoren wie Szirrhus an der Cervix uteri.
Die Vulva ist entzündet und geschwürig. Weißliche und rötliche Ausschläge auf der Vulva. Pusteln wie zusammenfließende Pocken, wie Masern und Scharlach.
Brennende Schmerzen in den Eierstöcken. Gefühl wie von Schwellung in den Eierstöcken.
Verspätete Menstruation. Schwarzes, dickes Blut, gefolgt von übelriechender, hellgefärbter Leukorrhö. Völlige Unterdrückung der Regel. Fluor kann grünlich, milchig, stinkend, eitrig, dick, dünn, wässrig oder weiß sein. Laufen verschlimmert Fluor Anan.Laufen verschlimmert den Fluor. Hellrote Regelblutung.
RückenLanzinierender Schmerz in der Lendengegend. Steifheit in Rücken und Nacken. Kontraktion des Rumpfs mit dem Gefühl, als werde der Rücken gekrümmt. Gefühl wie von einem Stich zwischen die Rippen. Gefühl, als sei ein Nagel in die Nieren getrieben worden. Paralytische Schwäche der Wirbelsäule und der Extremitäten. Schmerzen, als seien die Schulterblätter gebrochen. Lumbago mit großer Schwäche.
ExtremitätenSchwellung der Ganglien in den Achselhöhlen und an der Brust. Abszesse und Geschwüre an den Armen und Händen. Erysipelatöse Schwellung des Ellbogens. Paralytische Schwäche der Arme. Konvulsive Bewegungen der Arme, besonders der Unterarme. Erysipelatöse Schwellungen der Unterarme. Aufgesprungene Haut an den Händen. Brennender Schmerz in den Fingern. Pulsieren in den Fingern Anan.Pulsieren in den Fingern. Erkrankte und missgebildete Nägel Anan.Erkrankte und missgebildete Nägel.
Sehr schmerzhafte Beulen an den Beinen. Exkoriation zwischen den Oberschenkeln. Ausschlag am Fuß. Stinkender Fußschweiß. Ischiasschmerz, der sich an der Ferse lokalisiert Anan.Ischiasschmerz, der sich in der Ferse lokalisiert. Rheumatische Schmerzen im Bein; in der Ferse. Beim Laufen akute Kontraktionen in den Zehenspitzen und unter den Nägeln, mit blutenden Rissen in den Füßen.
Schlaf und TräumeStändige Schläfrigkeit, mit der Neigung, zu Bett zu gehen, und mit Schwierigkeiten beim Sprechen. Der Patient wacht gegen Mitternacht auf und kann dann nicht wieder einschlafen. Unerfrischender Schlaf Anan.Unerfrischender Schlaf.
Träume von Epidemien, von ansteckenden Krankheiten und insbesondere von Tollwut. Schwelgen; von Reisen; von Diskussionen und Streitgesprächen.
HautDie Hautsymptome sind besonders auffallend; sie sind gekennzeichnet durch Abszesse Anan.Abszesse, Beulen und Geschwüre Anan.Geschwüre. Geschwüre sind gelblich, violett, geschwollen, nach außen gekehrt, syphilitisch und treten an verschiedenen Stellen auf.
Krustige, flechtenartige Ausschläge. Granulärer Ausschlag. Rote Pickel wie bei Urtikaria oder Miliaria, mit Jucken und Brennen. Die Haut ist scharlachrot und brennt ständig. Wässrige, flechtenartige, schuppige Ausschläge. Weißliche Ausschläge. Erysipel. Bläuliche, skorbutartige Flecken am ganzen Körper.
Überall extremes Jucken, besonders abends und nachts im Bett. Die Haut ist sehr empfindlich, sie bricht schnell auf, bildet Geschwüre und eitert leicht. Der Patient hat das Gefühl, als trage er ein haariges Hemd, das überall kratzt. Warzen. Kälte und Blässe der Haut.

Angustura vera

Essenzielle Merkmale
Angustura vera ist bekannt als eine Arznei für rheumatische Zustände mit Müdigkeit und Steifheit der Glieder, die an Lähmung grenzen. In Hahnemanns Reiner Arzneimittellehre (raml), Band VI, heisst es: „Kein Zutrauen zu sich selbst, die willkürlichen Bewegungen zu unternehmen und zu vollenden.“ (Eigene Beobachtungen, 95)
Im Laufe der Zeit wird man eine Tendenz zu Schwäche, paralytische Ang.paralytische Schwäche und Steifheit Ang.paralytischer Schwäche und Steifheit erkennen, die rheumatischen Beschwerden werden mehr und mehr paralytisch.
  • Es treten Steifheit, in Gelenken und Muskeln Ang.Steifheit oder Spannung oder ziehende Empfindungen in den Gelenken und Muskeln auf, mit Krachen in den Gelenken Ang.Krachen in den Gelenken.

  • Torticollis, der Kopf wird zu einer Seite gezogen. Tetanus. Tetanische Spasmen mit Berührung, Verschlimmerung durch Ang.Verschlimmerung durch Berührung.

  • „Kinnbackenverschließung mit weiter Öffnung der Lippen, sodass die vorderen Zähne ganz entblößt waren.“ (raml vi, S. 28). Zucken oder Rucken in den Muskeln, welches durch Berührung oder Geräusch schlimmer wird; wie durch elektrische Schläge.

Starke Emotionalität, Übererregbarkeit
Angustura-Patienten sind übererregbar, überlebhaft Ang.übererregbare, überlebhafte Menschen mit starker Emotionalität, die an Hysterie grenzt. Das ganze Nervensystem scheint in einem Zustand der Überempfindlichkeit und Erregbarkeit zu sein, die nicht kontrolliert werden kann. Es scheint, als sei der Wille gelähmt und nicht fähig, diese Übererregbarkeit zu kontrollieren, die bei jedem geringsten Anlass hervorbricht (NUX VOMICA). Selbst Kleinigkeiten, die jeden anderen unberührt lassen würden, führen zu einem Ausbruch, und der Patient gerät völlig außer Kontrolle, wenn jemand ihn beleidigt oder herabsetzt.
Der Angustura-Patient ist eine lebhafte Person, die angeregt an einer Konversation teilnimmt, mit vielen Ideen, ganz ähnlich wie der Coffea-Patient, und munter, froh und glücklich wirkt, doch dahinter steckt ein schwaches und weiches Naturell ohne Durchhaltevermögen, Beständigkeit, Zähigkeit und wirkliche Willenskraft. Sein Gemüt ist lebhaft, besonders nachmittags, aber ohne Ausdauer. Er ist geistig und seelisch so erregbar, dass er in ekstatische und hysterische Zustände geraten kann. Die Einbildungskraft wird lebhaft, die Erregung ist ungeheuer, aber man muss sehen, dass dahinter eine geistige Schwäche besteht. Die Gedanken wandern leicht. „Wenn er nichts Geistiges arbeitet, ist er ziemlich munter und lebhaft, doch es wird ihm düselig, wenn er etwas liest, und er schläft gleich ein.“ (raml vi, Beobachtungen anderer, 177)
Es handelt sich um eine Person, die sich für ein bestimmtes Projekt begeistern, leicht zu Ang.leicht begeistern kann und die die Entstehung dieses Projekts im Geiste bereits durchlebt, aber nicht die geistige Kraft hat, sich zu konzentrieren und fruchtbare Ergebnisse zu erzielen. Ein solcher Mensch wird denken und denken und große Dinge, die er zu tun sich befähigt fühlt, in die Zukunft projizieren, aber tatsächlich tut er dann überhaupt nichts. Statt sich wirklich an die Arbeit zu machen, neigt er mehr zum Theoretisieren.
Die Steifheit der Gelenke, die Schmerzen und die Spannung rufen eine ähnliche Unruhe hervor, wie man sie von RHUS TOXICODENDRON kennt, aber weniger stark ausgeprägt; und wenn der Patient aufgeregt ist, kann er sich nicht auf ein bestimmtes Projekt konzentrieren, und eine Menge Gedanken kommen und gehen in seinem Kopf. „… er begreift alles weit leichter als am ersten Tage und leichter als ehedem, ist aber nicht im Stande vor einem innerlichen Unruhe-Gefühle, wie bei einer bevorstehenden großen Freude Ang.Unruh-Gefühle, wie bei einer bevorstehenden großen Freude und vor projektierendem Ideendrange, bei seinem Gegenstande zu bleiben.“ (raml vi, Beobachtungen anderer, 8; Hervorhebung G. Vithoulkas)
Es ist interessant, dass dieses ganze Syndrom demjenigen von COFFEA-CRUDA-Patienten so sehr ähnelt, und in der Tat kann man bei Angustura-Patienten ein ungeheures Verlangen nach Kaffee feststellen. Wann immer der Geist dieser Patienten beginnt, träge und verwirrt zu werden, verstärkt sich dieses Verlangen nach Kaffee, um die angenehme Erregbarkeit des Geistes aufrechtzuerhalten. Kaffee wirkt auf diese Menschen stark, bringt eine angenehme Erregung hervor und wird die Mittelwirkung während der Behandlung prompt antidotieren. Der Patient reagiert generell sehr empfindlich auf Kaffee.
Auf der sexuellen Ebene finden wir leichte Erregbarkeit und großes Verlangen, aber bei Männern wenig Potenz; bei Frauen heftiges Verlangen mit unfreiwilligen Orgasmen.
Seelische Empfindlichkeit
Was den Angustura-Patienten auf der emotionalen Ebene entscheidend charakterisiert, ist die große Empfindlichkeit, seelische Ang.seelische Empfindlichkeit.
Das wichtigste Keynote in diesem Bereich ist eine so ungeheure Empfindlichkeit gegenüber jeglicher Kritik, dass der Patient jede Beleidigung, kleinste Bemerkung wird sofort als B. aufgefasst Ang.kleinste Bemerkung sofort als Beleidigung auffasst. Dem gleichen Bild ist es zuzuordnen, dass der Patient, wenn das periphere Nervensystem betroffen ist und Zuckungen oder Krämpfe auftreten, Berührung ertragen, kann keine Ang.keine Berührung ertragen kann, weil die Krämpfe dadurch verschlimmert werden. Die emotionale Empfindlichkeit ist so groß, dass es auf den Patienten verheerend wirkt, wenn jemand auch nur irgend etwas gegen ihn sagt; das kann er dann tagelang nicht vergessen. „… Beleidigungen, geringe, erfüllen mit Bitterkeit Ang.geringe Beleidigungen erfüllen ihn mit Bitterkeit.“ (raml vi, Beobachtungen anderer, 199; Hervorhebung G. Vithoulkas)
Einige Autoren sehen eine Ähnlichkeit zwischen Angustura und NUX VOMICA, weil es bei beiden Mitteln eine Neigung gibt, leicht beleidigt zu sein, und wegen einiger anderer Ähnlichkeiten; wenn wir jedoch ihre psychische und emotionale Struktur analysieren, stellen wir fest, dass sie im Grunde völlig verschieden sind. Dem Angustura-Patienten fehlt die Verwegenheit und die aggressive Reizbarkeit des nux-vomica-Patienten, im Gegenteil, er ist furchtsam und schüchtern und verteidigt sich nicht. Er hat einen Zug von Feigheit Ang.Feigheit in sich, der auf die Tatsache zurückzuführen ist, dass er kleinmütig, Weichlich und schwach Ang.weichlich und schwach ist. Die Angustura-Persönlichkeit ähnelt mehr der von STAPHISAGRIA, hat aber nicht die Tendenz, Emotionen zu unterdrücken, sondern teilt sie vielmehr gerne mit, besonders wenn sie sich unter Freunden fühlt. Die Reizbarkeit ist eher eine Art Ärgerlichkeit oder Verdruss, Ärgerlichkeit Ang.Verdruss als eine wirkliche Reizbarkeit.
Unzufriedenheit, Schwerfälligkeit
Während die Patienten in einem Stadium der Pathologie die beschriebene Überstimulation des Geistes und die damit einhergehende Übererregung aufweisen, gibt es ein anderes Stadium, in dem sie Unzufrieden Ang.unzufrieden werden und eine Art Unruhe und Missvergnügen Ang.Missvergnügen herrscht.
Später werden sie geistesabwesend und bekommen Konzentrationsschwierigkeiten. Dazu kommt eine Verwirrung, als seien sie berauscht. Wenn sie versuchen, ihren Geist z. B. zum Lernen oder auch nur zum Lesen anzustrengen, fühlen sie sich wirr.
Geistige Anstrengung verschlimmert ihren Zustand. Dumpfheit, Schwerfälligkeit, Schwierigkeiten, zu denken und zu verstehen, alles wird nachmittags schlimmer. Sie werden ernsthaft und wollen keine Witze mehr reißen oder hören. Es besteht eine regelrechte Abscheu vor dem Leben. Schließlich fühlen sie sich, als lebten sie im Traum, sie verlieren ihr Selbstvertrauen vollständig, sind leicht entmutigt, werden unentschlossen, können sich nicht entscheiden, was sie wollen, und haben vielleicht sogar Wahnvorstellungen. Sie bekommen bei jeder Kleinigkeit Angst, Erschrecken, leichtes Ang.erschrecken sich sehr leicht und werden außerordentlich misstrauisch.
Allgemeinsymptome und Keynotes
  • Allgemeine Schwäche und Steifheit, als sei das Knochenmark steif.

  • Lähmung verschiedener Körperteile. Beim Gehen ist eine Spannung in den Muskeln, als ob die Glieder gelähmt seien.

  • Knacken in allen Gelenken.

  • Tetanische Krämpfe können schon durch das Schlucken von lauwarmem Wasser ausgelöst werden; sie werden schlimmer durch Berührung irgendeines Körperteils.

  • Karies und schmerzhafte Geschwüre an den Röhrenknochen Ang.Karies und schmerzhafte Geschwüre an den Röhrenknochen, die diese perforieren.

  • Hitzewellen, mit Schweiß und Beängstigung Ang.Hitzewallungen mit Schweiß und Beängstigung.

  • Neigung zu beständigem Dehnen.

  • Empfindung wie von elektrischen Schlägen.

  • Angustura C 30 oder C 200 kann in einigen Fällen von rhus-toxicodendron-Vergiftungen eingesetzt werden, wenn zwar Symptome von RHUS TOXICODENDRON auftreten, aber keine Reaktion auf hohe Potenzen dieses Mittels zustandekommt.

  • Zucken oder Rucken der Muskeln; Empfindlichkeit gegen Geräusche und Berührung; Katalepsie.

Lokalsymptome
SchwindelDer Angustura-Patient leidet unter einem Schwindel, beim Überqueren einer Brücke Ang.Schwindel, der dem bei ARGENTUM-NITRICUM-Fällen sehr ähnelt: nämlich beim Überqueren einer Brücke und beim Anblick fließenden Wassers. Er leidet sogar unter Schwindel, in der Nähe von fließendem Wasser Ang.Schwindel, wenn er sich nur in der Nähe von fließendem Wasser befindet. Schwindel beim Lesen. Schwindel an der frischen Luft.
Kopfschmerzen immer abends, wenn es dunkel wird Ang.KopfKopfschmerzen stellen sich immer abends ein, wenn es dunkel wird, und dauern bis zum Einschlafen fort. Kopfschmerz alternierend mit Asthma Ang.Kopfschmerz alternierend mit Asthma. Drückender Schmerz im Hinterkopf, nachmittags. Ein von den Schläfen herab- und herauffahrender Stich, wie von Elektrizität. Ziehender Kopfschmerz am Morgen.
Kopfschmerzen werden beim Einschlafen gelindert. Heben des Kopfes und Luft lindern die Kopfschmerzen. Die Schmerzen in den Schläfen werden besser, wenn der Patient sich bückt. Legt der Patient den Kopf vorwärts auf den Tisch, so fühlt er außer einigem Spannen in der Stirn für den ersten Augenblick nichts, bald aber kommen die Schmerzen – allerdings weniger heftig – zurück, beim Aufrichten dagegen verschlimmern sie sich wieder bis zur vorherigen Stärke.
Muskelzucken in den Kopfseiten. Der Kopf wird zur Seite gezogen, erst nach rechts und dann nach links.
Bei Kopfschmerzen Hitzegefühl im Kopf. Hitze nachts. Spannender Schmerz in den Schläfenmuskeln beim Öffnen der Kiefer. Migräne. Druck in beiden Schläfen, als werde der Patient gleich ohnmächtig.
AugenMorgens und nachts sind die Augen verklebt. Röte der Augen. Kontraktion oder Erweiterung der Pupillen.
Brennender Schmerz in den inneren Augenwinkeln, nachmittags und abends. Drückender Schmerz am Abend. Spannung und Druck am Abend, als sei das Licht zu stark. Gefühl von Trockenheit unter den oberen Augenlidern.
OhrenSchnell vorübergehendes Ziehen, bald im rechten, bald im linken inneren Ohr, mehrmals. Empfindung, als sei etwas vor das Ohr getreten. Reißen in einer Beule über dem rechten Warzenfortsatz. Sehr schmerzhaftes, reißendes Zucken im inneren rechten Ohr, welches nach und nach in Ziehen übergeht.
Hitze an den Ohren und in beiden Wangen. Geräusche oder Klingen im rechten Ohr. Stechen und Kneifen im Ohr. Reißendes Zucken vor dem linken Ohr.
Verminderte Hörfähigkeit, aber auch scharfes Gehör.
NaseBeißende Wundheitsempfindung tief in der Nase.
GesichtSchmerz in den Kaumuskeln der Wangen, als ob er zu stark gekaut und sie ermüdet hätte.
Exostose des Unterkiefers. Gefühl von Hitze in beiden Backen, ohne äußerlich fühlbare Wärme. Krampfartiger Schmerz im Backenknochen. Krampfartiger Schmerz in der Nähe der Kiefergelenke, in der Kaumuskulatur.
Hitzegefühl der Lippen. Große Trockenheit der Lippen. Ziehen in den Gesichtsmuskeln. Scharfe Schmerzen in den Wangen, gelegentlich durch Augäpfel und Schläfen schießend; schlimmer durch Bücken, Auftreten oder geistige Erregung.
MundWeiße Verfärbung der Zunge. Trockenheit ohne Durst. Trockenheit von Mund und Lippen Ang.Trockenheit von Mund und Lippen. Trockenheit der Zunge bei Nacht. Brennen auf der linken Seite der Zunge, fast am Rand derselben, wie von Pfeffer. Rauheit des Gaumens und der Zunge.
Salziger oder saurer Speichel. Bitterer Geschmack im Mund, nach dem Rauchen und nach dem Essen. Brot schmeckt sauer.
Geschwüre am Zahnfleisch. Karies. Zahnschmerzen in den Schneidezähnen; den Backenzähnen; den oberen Zähnen; den unteren Zähnen. Das Kalten Fingers, Auflegen eines, lindert die Zahnschmerzen Ang.Auflegen eines kalten Fingers lindert die Zahnschmerzen. Pulsierende Zahnschmerzen; ziehende Zahnschmerzen.
HalsSchleim in der Trachea. Kitzeln im Larynx; in der Trachea. Heiserkeit, durch viel Schleim in der Luftröhre erregt. Matte Stimme.
Atmung, Brust, HerzUnregelmäßige, spasmodische Atmung. Aussetzen der Atmung. Asthmatische Atmung, alternierend mit Kopfschmerzen. Rasselnde Atmung beim Gehen im Freien.
Husten von kitzelndem Reiz im Larynx. Schneidendes, stechendes Gefühl im Larynx vom Husten. Keuchhusten. Husten mit Aufstoßen. Husten tagsüber; um 15 Uhr; beim Laufen an der frischen Luft. Kurzer, trockener Husten beim schnellen Laufen an der frischen Luft.
Zusammenschnürung, Spannung, Beklemmung in der Brust.
Beklemmung und Druck in der Brust beim Treppensteigen, oder bei schnellem Gehen. Drückender Schmerz in den Brustseiten beim Aushusten. Druck im oberen Teil der Brust, wie nach heftigem Laufen. Schneidender Druck in beiden Brustseiten, zuerst bloß beim Einatmen, später verstärkt zu schneidenden Stößen, welche selbst beim Anhalten des Atems fortdauern. Schmerzen in der Brust bei Bewegung der Arme. Bewegung verschlimmert das Zusammenschnürungsgefühl in der Brust. Spasmen der Brust.
Gefühl, als sei das Herz geschwollen, mit großer Todesangst Ang.Gefühl, als sei das Herz geschwollen, mit großer Todesangst; besser im Liegen auf der linken Seite. Beim Sitzen und Vorbeugen starkes Herzklopfen, mit der schmerzhaften Empfindung, das Herz ziehe sich zusammen.
MagenLeere, Schwäche, Hungergefühl nach der Mittagsruhe, mit Aufsteigen von geschmacklosem Wasser. Schmerzhaftes Spannen in der Magengrube.
Verlangen nach Kaffee Ang.Verlangen nach Kaffee, Verlangen nach Ang.Kaffee. Verlangen nach kalten Getränken; nach flüssiger Nahrung. Der Patient verlangt auch nach warmen Getränken, hat nach dem Genuss von warmer Milch aber Schmerzen. Kein Verlangen zu trinken und kein Wohlgefallen daran, und dennoch Empfindung von Durst. Gesteigerter Appetit. Mittags appetitlos. Abneigung gegen fette und gehaltvolle Nahrung; gegen Schweinefleisch; feste Nahrung; Fleisch. Beim Spazierengehen Übelkeit, als wolle er in Ohnmacht fallen.
Schmerzen bei Anstrengung. Verdauungsstörungen, durch Azidität, belegte Zunge, breiigen, unangenehmen Geschmack und Appetitlosigkeit gekennzeichnet.
AbdomenSchmerzen im Nabel, bis zum Brustbein oder zur Brust ausstrahlend. Milch ruft Schmerzen hervor, besonders wenn sie warm ist. Gären und Kollern im Abdomen, wie von einem Abführmittel, mit Blähungen. Schneidender Schmerz im Hypogastrium; in der Leber. Auftreibung des Abdomens.
Rektum und StuhlÄußerliche Hämorrhoiden. Große Hämorrhoiden. Schmerzen, Tenesmus beim Stuhlgang.
Beim Angustura-Patienten können sämtliche Stuhlarten auftreten: hart; knotig, klumpig; schleimig, weich; dünn, flüssig; wässrig; weiß; gelb. Chronische Diarrhö, mit Schwäche und Gewichtsverlust. Diarrhö, Tag und Nacht. Obstipation.
HarnorganeHäufiger Harndrang, mit wenig Urinabgang. Nach dem Harnlassen vergeblicher Drang. Dysurie. Blaß gefärbter Urin. Brennender Urin. Urin wird trüb, wenn man ihn stehen lässt.
Schwarz; dunkel; weiß; gelb; hell; orange gefärbter Urin. Farblos; reichlich; spärlich. Amorphes Sediment.
Männliche GenitalienJucken des Penis und des Hodensacks, der gesamten Genitalgegend. Ziehender Schmerz im linken Samenstrang; im linken Hoden. Ruckender Schmerz im linken Samenstrang. Wollüstiges Jucken in der Spitze der Eichel, nötigt zum Reiben, beim Gehen im Freien. Schaudern.
Weibliche GenitalienSexuelles Verlangen, heftiges, mit unwillkürlichen Orgasmen Ang.Heftiges sexuelles Verlangen mit unwillkürlichen Orgasmen. Milchige Leukorrhö. Drückender Schmerz im rechten Eierstock. Gebärmutter, Empfindung, als schlage die G. gegen den rechten Eierstock Ang.Empfindung, als schlage der Uterus gegen den rechten Eierstock.
RückenIm Rücken treten Schmerzen, Zittern, Zucken usw. auf. Das periphere Nervensystem scheint erregbar zu sein, immer schlimmer durch Berührung. Die Nackengegend ist besonders stark betroffen, mit ziehenden Schmerzen und Steifheit, schlimmer durch Heben der Arme. Kopf und Rückgrat sind stark nach hinten gezogen. Zucken wie von elektrischen Schläge, Zucken wie von Ang.elektrischen Schlägen. Der Rumpf wird von Zeit zu Zeit durch ein heftiges Zucken längs des Rückens, wie durch elektrische Schläge, erschüttert und etwas in die Höhe gehoben. Ein ziehender Stich im Nacken. Gefühl von Zittrigkeit in der Halsmuskulatur. Schmerzen in der Halsgegend, als sei alles verrenkt. Es tritt ein eigenartiges Zucken in der Zervikalregion Ang.Zucken in der Nackengegend auf. Spinale Reizung; in der Nackengegend. Ziehender Schmerz zwischen den Schulterblättern, morgens im Bett.
Kreuzschmerzen, als sei alles gebrochen, morgens im Bett. Schmerzen im Kreuzbein, nachts im Bett, bessern sich beim Aufstehen und Laufen. Lahmheit in der Lendengegend beim Bücken.
ExtremitätenBei den Extremitäten scheinen Lähmungen eher potenziell vorhanden zu sein als akut aufzutreten. Krämpfe, Schwere und Schwäche stellen sich häufig ein. Angustura vera wirkt stark auf die Gelenke und ruft leicht Entzündungen hervor. Knacken in allen Gelenken Ang.Knacken in allen Gelenken ist ebenfalls charakteristisch. Ziehende Schmerzen in allen Extremitäten. Karies der Röhrenknochen Ang.Karies der Röhrenknochen, dringt durch bis ins Knochenmark.
Schwere in den Armen. Taubheit. Beim Ausstrecken des Armes Gefühl, als habe er ein schweres Gewicht lange in der Hand gehalten – eine Art Lähmung. Steifheit in den Ellenbogen. Kälte von Fingern und Händen.
Das Hüftgelenk ist schmerzhaft wie ausgerenkt, zum Gehen fast untauglich. Wenn der Patient etwas mehr als gewöhnlich läuft, ermüdet er leicht und spürt eine Schwere in den Oberschenkeln, eine Art paralytische Schwäche. Knoten in Beinen und Füßen. Krämpfe im Knie beim Stehen und beim Laufen. Schmerzen in den Knien. Exostose am Schienbein Ang.Exostose am Schienbein. Abszess im Knöchelgelenk. Lähmung in den Fußgelenken.
SchlafViele Träume. Lebhafte, teils unangenehme, teils ängstliche Träume, mit öfterem Aufwachen aus dem Schlaf. Schläfrigkeit am Vormittag; beim Lesen; im Sitzen.
Schlaflosigkeit. Aufwachen, häufiges Ang.Häufiges Aufwachen. Spasmodisches Gähnen am Morgen.
Fieber und FrostFrösteln um 15 Uhr; um 9 Uhr morgens. Quotidianfieber. Periodizität regelmäßig und eindeutig. Schaudern morgens, beim Erwachen. Frösteln bei heißem Wetter, im Sommer. Berührung verschlimmert Frösteln Ang.Berührung verschlimmert Frösteln. Frösteln wird an der frischen Luft besser.
Fieber um 3 Uhr nachts Ang.Fieber um 3 Uhr nachts Fieber3 Uhr nachts, mit oder ohne Frost. Fieber abends nach dem Essen. Fieber, das nachts mit Frösteln alterniert. warmer Raum verschlimmert das Fieber Ang.Warmes Zimmer verschlimmert das Fieber.
Kälte, am gleichen Tag von Hitze gefolgt; kommt mal abends, mal mittags, und morgens wieder; mit Durst zu Beginn des Fiebers und mit Erbrechen von Galle; nach einer Reise durch Sümpfe in heißem Klima.

Anhalonium

Essenzielle Merkmale
Wenn es sich bei Anhalonium auch um ein bisher selten indiziertes Mittel handelt, so wird es doch in der Zukunft öfter angezeigt sein. Denn dieses Mittel ist in der Lage, ganz spezifische Bereiche des Gehirns zu aktivieren, diejenigen Bereiche nämlich, in denen die höheren und höchsten Hirnfunktionen angesiedelt sind – also das, was wir meist den spirituellen oder, genauer gesagt, den transzendenten Teil unserer Existenz nennen.
Meiner Ansicht nach werden diese Funktionen, diese Möglichkeiten, neue Dimensionen des Verstehens und des Bewusstseins zu erfahren und wahrzunehmen, heute in zunehmendem Maß aktiviert. Das geschieht entweder auf natürliche Weise, durch spirituelle Praktiken, spirituelle Erfahrungen und Bewusstheit, oder aber künstlich und manchmal gewaltsam durch starke halluzinogene Drogen wie eben Anhalonium.
Es ist ein Irrtum, zu glauben, dass Krankheit eine von uns Menschen abgetrennte, zusammenhanglose und abgetrennte Manifestation ist. Vielmehr entwickelt sie sich in einem lebendigen Kontinuum: sie wird beeinflusst und geformt durch unsere gesamte Lebensweise – und das ist die Art wie wir als Generation fühlen, denken und handeln.
Die zielgerichteten spirituellen Aktivitäten der Individuen einer ganzen Generation und höchstwahrscheinlich auch der kommenden Generationen, die Konzentration auf diese Bereiche und die dabei unternommenen Anstrengungen – all das wird schließlich das Gehirn zwingen, auf solche Stimuli zu reagieren, und zwar häufig auf eher ungesunde Weise.
Diese ungesunde Art zu reagieren wird bei unserer Erörterung der Anhalonium-Pathogenese im Mittelpunkt stehen.
Simulation transzendenter Zustände
Anhalonium ruft geistige Zustände hervor, die eine Simulation von „spirituellen“ oder „transzendenten“ oder „mystischen“ Zuständen darstellen. Man könnte sie als falsche transzendente Zustände, falsche Anh.transzendente Zustände bezeichnen.
Bei der Beschäftigung mit Anhalonium-Patienten wird man zuweilen ratlos sein in Bezug auf das, was in ihnen vor sich geht: Handelt es sich um eine wirkliche spirituelle Erfahrung, die das Individuum macht, oder um eine schwerwiegende und gefährliche Pathologie, der sofort entgegengewirkt werden muss? Man wird vorwiegend zwei Gruppen von Anhalonium-Fällen antreffen: diejenigen, die auf einem spirituellen Wege sind und sich spirituell zu entwickeln versuchen, und diejenigen, die aus der Drogenkultur kommen und buchstäblich weiter nichts versuchen, als zu überleben. In beiden Gruppen wird man pathologische Fälle antreffen, die einer Behandlung mit spezifischen Arzneien bedürfen, von denen eine eben Anhalonium ist.
Bei Anhalonium-Fällen scheint das Gehirn ohne ersichtliche Ursache in bestimmten Bereichen Stimulation des Gehirns, inadäquate, von Gehirnbereichen, die sich auf das Unterbewusstsein beziehen Anh.stimuliert zu werden, die besonders das Unterbewusstsein betreffen. Das Unterbewusstsein gewinnt Kontrolle über das Individuum und bringt so dieses einzigartige pathologische Bild hervor.
Praktisch die gesamte bekannte Pathologie von Anhalonium zentriert sich um die geistigen Manifestationen und um eine gewisse motorische Inkoordination. Über die sonstige körperliche Pathologie dieser Arznei wissen wir nicht viel.
Anhalonium greift in die mentale Sphäre ein, indem es den logischen Geist, den Willen des Patienten, logisch zu denken, lähmt. Er erfährt durch lebhafte Visionen neue Dimensionen von Raum und Zeit.
Depersonalisation, Entwicklung ekstatischer Zustände
Anscheinend setzt Anhalonium zunächst unsere gewohnten Begriffe von Raum und Zeit außer Kraft; die Person erfährt etwas völlig Neues – als sei die Zeit gedehnt und der Raum aufgelöst. Der Patient macht Fehler in bezug auf Orte; in Bezug auf Raum und Zeit; Verlust des Zeitempfindens; es scheint, dass Gegenwart und Ewigkeit verschmelzen Anh.Gegenwart und Ewigkeit und Gegenwart verschmelzen Anh.Ewigkeit verschmelzen.
Diese anfängliche Reaktion ist begleitet von einem Gefühl persönlicher Zerrissenheit der Person Anh.Zerrissenheit und Spaltung. Es kommt zu einer Empfindung von Depersonalisation, Verlust der Selbsterkenntnis, Verlust der Anh.Selbsterkenntnis und der Selbstkontrolle, Verlust der Anh.Selbstkontrolle und Dissoziation von der Umwelt Anh.Dissoziation von der Umwelt.
Mit der abnehmenden Willenskraft, abnehmende Anh.Willenskraft und dem Verlust der Selbstkontrolle geht bei den Anhalonium-Patienten eine vertiefte Einsicht, vertiefte, in die inneren Vorgänge der individuellen Seele Anh.Einsicht in die inneren Vorgänge der individuellen Seele einher, sowie ein erweitertes Bewusstsein ihrer selbst. Das Körperbewusstsein ist ebenfalls erweitert. Das Individuum entwickelt hellseherische und manchmal prophetische Verhaltensweisen. Es ist, als habe der logische Verstand aufgegeben und das Unterbewusste oder manchmal auch ein Teil des Überbewussten habe die Kontrolle übernommen.
Bei dem Betreffenden besteht erhöhte Erregung, manchmal bis zur Ekstase, ein Zustand, der an AGARICUS-Patienten erinnert. Der Verstand wird sehr aktiv und aufnahmefähig, das Individuum hat das Gefühl, dass es geistige Inhalte sehr viel leichter begreift. Der Geist ist voller Ideen und Gedanken; er scheint außerordentlich klar und in der Lage zu sein, komplexe innere Themen wahrzunehmen. Aber die Ideen und Visionen drängen sich in schneller Folge auf Anh.Ideen und Visionen strömen in schneller Abfolge durch das Bewusstsein und scheinen sich dem Patienten aufzudrängen, der keine Kontrolle verloren, hat, über den Fluss von Ideen und Visionen, die sich aufdrängen Anh.Kontrolle mehr darüber hat. Er kann sich ihnen nicht widersetzen, muss ihnen nachgeben und sogar verbal auf sie reagieren und ihnen antworten. Obwohl der Patient weiß, dass die Visionen nicht real sind, scheint er sie zu erfahren und ihnen zu folgen, als seien sie Wirklichkeit.
Es besteht eine Exaltation von Eingebungen, Phantasien Anh.Exaltation von Eingebungen, Phantasien, Exaltation von Anh.Phantasien, als ob der Kreislauf plötzlich sehr stark aktiviert worden sei, und das Individuum scheint in eine Welt von Visionen und Wahnideen, entgleitet in eine Welt von Anh.Visionen und Wahnideen abzugleiten. Der Patient hat den Eindruck, mit der Umwelt zu verschmelzen. Er ist verwirrt in Bezug auf seine eigene Identität.
Durch diese übermächtigen visuellen Wahnvorstellungen fehlt dem Patienten jegliche Handlungsfähigkeit, er braucht dann jemanden, der bei ihm ist und dem er sich mitteilen kann, und sehnt sich nach einer solchen Person. Bei diesem Verlangen, sich selbst auszudrücken, sich selbst, Verlangen zu Anh.auszudrücken, spielt eindeutig ein Gefühl von Selbstsucht Anh.Selbstsucht, von Egoismus Anh.Egoismus mit, der Betreffende besteht darauf, dass andere ihm zuhören, andere sollen dem, was über seine Visionen berichtet Anh.zuhören, was er über seine Visionen zu berichten hat. Es tritt sogar Geschwätzigkeit auf, manchmal mit hastiger oder zusammenhangloser Rede.
Visionen und Illusionen
Die Besonderheit bei Anhalonium ist, dass die farbenfrohen Visionen, die den Patienten nicht erschrecken Anh.Visionen den Patienten nicht erschrecken. Anhalonium-Patienten haben gewöhnlich „schöneWahnvorstellungen, ‚schöne‘ Anh.Wahnvorstellungen, während die grotesken Erlebnisse viel weniger ausgeprägt sind. Die Panik fehlt bei Wahnvorstellungen Anh.Panik fehlt, die bei solchen Zuständen normalerweise zu erwarten wäre. Es ist ungewöhnlich, dass ein Mensch, der so übermächtige Wahnvorstellungen hat, sich nicht fürchtet; da das aber bei den Anhalonium-Patienten der Fall ist, wird dieses Ausbleiben der Furcht zu einem charakteristischen Symptom des Mittels.
  • Der Patient hat das starke Gefühl, dass seine Persönlichkeit vom Körper abgetrennt, Persönlichkeit ist vom Körper Anh.abgetrennt ist, dass der Körper immateriell, Körper ist, und gleitet durch die Luft Anh.immateriell ist, dass er durch die Luft gleitet durch die Luft Anh.gleitet.

  • Außerdem empfindet er sich selbst, oder auch Gegenstände, als doppelt, empfindet sich als Anh.doppelt, oder er ist abgetrennt von der physischen Welt, auf die er von oben herabschaut.

  • Der Patient hat farbige Visionen, farbige Anh.Visionen, sieht leuchtend bunte Gegenstände. Gegenstände erscheinen klein und in Bewegung; oder sie erscheinen zuerst vergrößert und dann verkleinert; Buchstaben erscheinen verkleinert; die Zeit dehnt sich, sie vergeht zu langsam. Alles scheint fremd, alles ist durchsichtig.

  • Der Patient hat Wahnvorstellungen, in denen er Gestalten sieht, Gesichter von Menschen, die eine Maske tragen und ihr wahres Gesicht und ihre wahren Absichten nicht zeigen wollen, die Heuchler und Intriganten sind.

  • Manchmal sieht er grausige, groteske Formen, auch Monster, aber das ist eher die Ausnahme.

  • Wahnvorstellungen, berühmt und unsterblich zu sein; tot zu sein.

  • Auch auditive Wahnvorstellung, Musik hört Anh.Wahnvorstellungen treten auf, bei denen der Betreffende Musik hört, Wahnidee Anh.Musik hört, Geräusche und Stimmen.

  • Der Patient hat das Gefühl, zweierlei Willen, hat zweierlei Anh.Willen zu haben, oder dass sein Wille von seinem Denken getrennt ist.

  • Es ist naheliegend, dass Anhalonium ein sehr wertvolles Mittel bei der Behandlung von Schizophrenie oder Hebephrenie ist.

Ein weiterer interessanter Aspekt solcher Fälle besteht darin, dass diese Menschen auf ihre Wahnvorstellungen reagieren, indem sie darüber redet über seine Wahnvorstellungen, als seien sie Wirklichkeit Anh.reden und sie kommentiert seine Wahnvorstellungen, als seien sie Wirklichkeit Anh.kommentieren, als seien sie Wirklichkeit. Sie nehmen an der Wahnvorstellung teil, indem sie darüber sprechen. Sie scheinen keine Angst zu empfinden oder äußern sie zumindest nicht, dennoch wollen sie jemanden bei sich haben, mit dem sie während ihrer Wahnvorstellungen reden können.
Auf Musik reagieren sie enorm stark, sie haben das Gefühl, als trage die Musik sie aus ihrem Körper heraus. Schlagzeug oder Trommeln können Euphorie auslösen.
Während ihrer Wahnvorstellungen wirkt Hautkontakt sehr stark auf diese Menschen; wenn jemand sie streichelt, werden die Visionen oder Töne verstärkt.
Es ist schon darauf hingewiesen worden, dass es für den homöopathischen Arzt manchmal nicht einfach ist, festzustellen, ob es sich bei solchen Zuständen wirklich um Pathologie handelt oder ob sie das Ergebnis eines bewussten Bemühens um spirituelle Entfaltung sind.
Ein Parameter für die Entscheidung, ob der Betreffende einer Behandlung bedarf, kann meiner Ansicht nach der Umstand sein, dass er sich von diesen Visionen belästigt fühlt, auch wenn sie ihn nicht wirklich in Schrecken versetzen, und dass er daher den homöopathischen Arzt zu Hilfe ruft.
In Fällen, in denen die Visionen von spiritueller Natur und daher nützlich sind, kann man feststellen, dass die Erlebnisse für den Betreffenden einen Sinn ergeben, weil er durch sie auf tiefsitzende unbewältigte Probleme stößt. Durch diese Visionen nimmt er die notwendigen transzendenten Informationen auf, die ihn dazu bringen, sich über seine Fehler klar zu werden und Entscheidungen über etwaige Verhaltensänderungen zu treffen.
Wenn ein Individuum sich trotz einer solchen Warnung nicht ändert, ist es meines Erachtens sehr wahrscheinlich, dass solche Erlebnisse gefährlich und verwirrend und schließlich ungeheuer störend für den Betreffenden werden, und natürlich auch sehr bedrohlich für seine geistig-psychische Gesundheit.
Ein homöopathischer Arzt sollte in einem solchen Fall sehr viel bedächtiger und aufmerksamer sein als ein herkömmlicher Arzt, der den Patienten angesichts solcher Phänomene höchstwahrscheinlich abstempeln, vielleicht in eine Anstalt einweisen und mit toxischen Mitteln „behandeln“ und damit möglicherweise sein ganzes Leben ruinieren würde.
Wir dürfen nicht vergessen, dass wir in einer Zeit leben, in der die wesentlichen Bedürfnisse der Individuen spirituelle Sehnsüchte sind. Gerade wenn es um dieses Gebiet geht, müssen wir noch viel lernen und verstehen, bevor wir wirklich als Heilende für unsere Mitmenschen fungieren können.
In der heutigen Zeit verbreiten sich halluzinogene Drogen explosionsartig, und wenn wir in der Lage sein wollen, zu helfen, müssen wir versuchen, dieses Phänomen tiefgründig zu verstehen, anstatt es zu ignorieren oder die Benutzer solcher Drogen anzuklagen.
Anhalonium-Pathologie bei introspektiven Menschen
Wenn sich Anhalonium-Patienten nun gerade nicht in diesem sonderbaren Zustand von Visionen und Illusionen befinden, stellt man fest, dass sie introspektive, grübelnde und nicht sehr gesellige Menschen sind. Man könnte sie als egozentrische Personen bezeichnen, deren Stimmungen irrationalen Wechseln unterliegen.
Die Gegenwart anderer verschlimmert ihre Symptome, sie sehnen sich nach Einsamkeit. Sie verlieren ihr Selbstbewusstsein und wollen nicht sprechen oder angesprochen werden.
Angst tritt auf, Besorgnis, Furcht vor anderen Menschen und Menschenscheu, Anthropophobie. Sie fühlen sich isoliert und oftmals im Stich gelassen. Sie sind reizbar, zänkisch und oft ironisch sich selbst oder anderen gegenüber.
Die Anhalonium-Patienten gehören zu den Menschen, die sich schon in jungen Jahren nicht zur Gesellschaft zugehörig fühlen, sie stehen irgendwie abseits und entwickeln Misstrauen und Groll gegenüber der Gesellschaft. Sie sind es auch, die besonders oft unter sogenannter „existentieller Angst“ leiden. Diese jungen Menschen sind dann oft inspiriert und geneigt, sich auf den Weg der Prüfung und der selbstlosen Entsagung zu begeben. Eine solche Entscheidung kann natürlich tragische Auswirkungen nach sich ziehen, weil die Betroffenen häufig mit Drogen in Kontakt kommen und davon abhängig werden können.
Man könnte sich nun fragen, ob es eine zugrundeliegende geistig-psychische Pathologie sein kann, die jemanden dazu bringt, solche für sein Leben so folgenreichen Entscheidungen zu treffen. Aufgrund meiner Erfahrung muss ich leider sagen, dass das wirklich so sein kann, wenn auch natürlich nicht immer und in jedem Fall. Es gibt Menschen, die aus einem sehr gesunden Antrieb einen spirituellen Weg einschlagen möchten – aber ich hatte auch schon mit anderen zu tun, die geistig krank waren und sich selbst als Sucher der Wahrheit sahen, wo sie doch eigentlich Sucher ihrer verlorenen geistigen Gesundheit waren. Sie haben das Gefühl, ihr inneres Gleichgewicht verloren zu haben, und meinen, es durch eine spirituelle Befreiung wiedererlangen zu können. Meist befinden sich diese Menschen in einer ausweglosen Lage und bedürfen geradezu verzweifelt homöopathischer Behandlung.
Nehmen wir nun den Faden der Entwicklung der Anhalonium-Pathologie wieder auf: Im Endstadium werden die Patienten schließlich apathisch, geistige Ermüdung, Erschöpfung, Erlahmung setzen ein. Sie sind geistig verwirrt, haben Schwierigkeiten, Ereignisse zu rekapitulieren oder zusammenzufassen.
Es tritt Benommenheit auf, als sei das Gehirn berauscht. Der Geist wird stumpf und träge, die Patienten haben Schwierigkeiten beim Denken und Verstehen und sind oft in ihre eigenen Gedanken versunken. Sie können nicht geistig arbeiten, ihre Gedanken verlieren sich, und sie sind nicht mehr in der Lage, sich neuen Verhältnissen anpassen, kann sich neuen Verhältnissen nicht Anh.anzupassen. Monotonie der Gedanken Anh.Monotonie der Gedanken, monotone Anh.Gedanken. Mangel an Initiative, Unsicherheit, Unentschlossenheit, Unfähigkeit, sich zu entscheiden. Gedächtnisschwäche; sie können sich nicht an Wörter erinnern. Sie werden von Angst vor dem Tod gequält.
Und schließlich kommt es zu einer Art Absage an das Leben, die Patienten beginnen sich nach dem Tod zu sehnen und entwickeln eine suizidale Depression.
Im sexuellen Bereich kann es entweder zu einer Steigerung oder zu einer Verminderung des Verlangens kommen; Frauen können zudem zu lesbischer Liebe und zu Nymphomanie neigen.
Allgemeinsymptome und Keynotes
  • Kältegefühl in den Blutgefäßen der inneren Organe. Mangel an Lebenswärme. Kältegefühl am ganzen Körper. Kalter Schweiß. Allgemeines Kältegefühl und Frösteln in der Haut.

  • Hämmern, Klopfen und Hitzegefühl im ganzen Körper, Stromgefühl in den Beinen. Inneres Hitzegefühl. Anstieg der Körperwärme.

  • Mattigkeit.

  • Dunkelheit bessert, während Licht, vor allem Sonnenlicht, verschlimmert. Ruhiges Liegen bessert, Bewegung verschlimmert.

  • Taubheitsgefühl der Haut und Schleimhäute.

  • Erschlaffung der Muskeln.

  • Gefühl von großer Muskelkraft.

  • Zu den pathologischen Zuständen dieses Mittels gehören: Basedowsche Krankheit; Bluthochdruck; Paralyse, Paraplegie.

Lokalsymptome
KopfHinterkopfschmerzen mit Sehstörungen. Schwindel. Gefühl von Müdigkeit im Kopf.
AugenGegenstände werden verkleinert gesehen, und oft sehr glänzend. Optische Halluzinationen, optische Anh.Halluzinationen. Glänzende Bilder vor den geschlossenen Augen Anh.Bilder vor den geschlossenen Augen, die nur schwierig wegzubekommen sind; es bedarf einer Willensanstrengung, die Augen zu öffnen. Geräusche oder Berührungen werden als farbige Vision empfunden. Doppeltsehen. Gegenstände erscheinen durchsichtig, Gegenstände erscheinen Anh.durchsichtig.
Erweiterung der Pupillen. Ptose der Augenlider.
OhrenVerstärkter Nachhall normaler Laute. Schärfe des Gehörs.
Duftillusionen Anh.Duftillusionen. Abstumpfung des Geruchssinns.
GesichtLinksseitige Trigeminusneuralgie, pulsierender, kongestiver Schmerz. Abneigung gegen die geringste Bewegung. Die Patienten bewegen beim Artikulieren kaum die Lippen und die Kiefer, den Mund. Zungenlähmung.
Übelkeit besser beim Hinlegen Anh.MagenÜbelkeit, schlimmer durch Bewegung, völlig gebessert durch Hinlegen.
Männliche GenitalienVerminderte sexuelle Leidenschaft. Schwache erotische Sensibilität. Gesteigerte sexuelle Leidenschaft, besonders bei Homosexuellen.
Weibliche GenitalienVermindertes sexuelles Verlangen. Homosexualität.
Schlaflosigkeit durch Phantasien Anh.SchlafSchlaflosigkeit durch Phantasien, schlaflos durchPhantasien, durch Aktivität der Gedanken. Visionäre Träume.
Fallbeispiel
… Frau T., 82 Jahre alt, war eigentlich nie richtig krank gewesen. Sie fragte mich wegen eines extrem unangenehmen Symptoms um Rat, das sie als „Visionen“ beschrieb und unter dem sie seit drei oder vier Monaten litt.
Wenn sie nachts aufwacht, aber auch tagsüber, wenn sie hellwach ist, glaubt sie, plötzlich nicht existierende Personen oder Gegenstände zu sehen, die schnell wieder verschwinden. Diese Visionen sind nie erschreckend oder feindlich, sondern eher seltsam, unerwartet und scheinbar sinnlos. Allgemein sind sie durch eine rhythmische Bewegung charakterisiert. Einmal sieht Frau T. einen Anstreicher, der den Spiegel über dem Kaminsims mit einem Staubwedel reinigt; ein anderes Mal ihre Schwiegertochter, wie sie ins Zimmer kommt; wiederum ein anderes Mal, wie die Gardinenschnur Tänze in der Luft vollführt. In der Regel erscheinen ihr Menschen, die ihr unbekannt sind. Die Illusion von Realität ist immer perfekt, und obwohl sie sich über die Absurdität der Vorgänge völlig im klaren ist, kann sie nicht zwischen den Visionen und der Realität unterscheiden. Die Visionen sind nie unbeweglich und dauern auch nie lange an. Manchmal sieht die Patientin Tiere nahe an sich vorbeiziehen. Es kommen auch auditive Halluzinationen vor, dass die Menschen singend oder murmelnd an ihr vorbeiziehen, aber dies ist nicht sehr häufig. Als sehr unangenehm empfindet Frau T. das Gefühl, es befinde sich etwas hinter ihr. Neben diesen Halluzinationen klagt sie auch über einen gewissen Grad an Agoraphobie. Sie fürchtet sich, das Haus zu verlassen. Draußen glaubt sie in Gefahr zu sein und hat ein Gefühl von Fremdheit, die Dinge haben ein unerwartetes, ungewohntes Aussehen. Sie ist oft sehr reizbar und ungeduldig und klagt darüber, sich sehr schnell zu langweilen. Da sie sich im Haus aufhalten muss und nicht lesen kann, weil sie schlecht sieht, ist sie zur Untätigkeit verdammt. Sie ist nicht gern allein und freut sich über Besuch, auch wenn sie das abends ermüdet.
Auf Nachfrage hin treten auch noch andere Symptome zutage: Schwindel, mit Tendenz, nach hinten zu fallen; Geräusche in den Ohren; fortgeschrittener bilateraler grauer Star; häufige Schlaflosigkeit; Flatulenz; leichte Neigung zu Verstopfung. Eine körperliche Untersuchung ergibt keine eindeutige Anomalie; leichte Viszeroptose und einige Krampfadern in den Beinen. Für ihr fortgeschrittenes Alter ist Frau T. erstaunlich gesund. Die Halluzinationen, unter denen sie leidet, sind anscheinend hauptsächlich auf Autointoxikation zurückzuführen. Dazu ist zu bemerken, dass die lentikuläre und aurikulare Sklerose wahrscheinlich die gleiche Ursache hat.
Clarke zählt zu den für Anhalonium charakteristischen Symptomen: farbige Visionen von extremer Intensität, verbunden mit sich bewegenden Formen von phantastischer Gestalt, die Bewegung ist in ihrem Zeitablauf gewissermaßen musikalisch bestimmt.
Diese Halluzinationen, die mehrere Monate andauerten und zu jeder Tageszeit auftraten, verschwanden gänzlich nach der ersten Gabe von Anhalonium C 30. Die Indikation hing vor allem von dem intensiven visuellen Charakter der Halluzinationen ab, die variierten und keine klare, deutlich erkennbare Wirkung auf die Patientin hatten.
  • Die Halluzinationen bei ABSINTH, ARSENICUM, HYOSCYAMUS, KALIUM BROMATUM, OPIUM, PHOSPHOR, STRAMONIUM, LACHESIS, PLATINUM und ANTIPYRIN usw. sind alle von Sorge und Furcht begleitet und haben einen erschreckenden, furchterregenden Charakter.

  • Mit den Halluzinationen von AMBRA, BELLADONNA, AGARICUS, CIMICIFUGA, SULFUR u. a. geht ein ausgeprägter Erregungszustand einher, und die Patienten neigen dazu, auf die Visionen zu reagieren.

  • VALERIANA hat bis zu einem gewissen Grad variierende Halluzinationen, die den Patienten zwar in Unruhe versetzen, aber nicht besonders stark angreifen.

  • Die Halluzinationen von COCAINUM sind immer durch Verfolgung gekennzeichnet; die von CANNABIS INDICA bringen Beängstigung mit sich, der Patient spricht mit den Erscheinungen, und ein besonderes Kennzeichen dieses Mittels ist außerdem, dass die normalen Proportionen von Raum und Zeit modifiziert werden. Zu derselben Kategorie gehört auch PLATINUM, das Dinge vergrößert, mit einem Gefühl von Stolz; während SULFUR sie verschönert.

  • CIMICIFUGA und OPIUM haben Visionen von Ratten und Mäusen, ersteres mit mehr Erregung und Manie, das zweite phantastischer, mit fixen Ideen.

  • Bei AGARICUS sollte man auf die ekstatischen Tendenzen achten, bei LACHESIS auf die Schwermut, bei ACONITUM, LACHESIS und ARSENICUM auf die Angst vor dem Tod, und bei KALIUM BROMATUM ist das Schuldgefühl wichtig.

Schließlich sollte bei der Bestimmung des Mittels auch NATRIUM SALICYLICUM bedacht werden. Es spricht oft auf den Beginn einer geistigen Störung an und hätte bei dem beschriebenen Fall die Ohrgeräusche und den Schwindel abgedeckt, aber das Delirium von NATRIUM SALICYLICUM ist ein wenig düster und schwermütig, und das Mittel weist auch einen Zustand von Mattigkeit und Schläfrigkeit auf, was der Wachheit und sogar Schlaflosigkeit der Patientin in unserem Fall entschieden widerspricht. Unter diesen Umständen, und nach dem aktuellen Kenntnisstand der Materia medica, stellte Anhalonium das Simillimum dar und heilte die Patientin.
Dennoch möchte ich gerne hinzufügen, dass, was meine eigene Erfahrung angeht, die Beschwerden, die in unseren Repertorien unter der Rubrik Geistes- und Gemütssymptome aufgeführt sind, durch unsere Mittel leichter geheilt werden, wenn ein eindeutiger Zusammenhang mit einem organischen Zustand besteht (Autointoxikation oder Zönästhesie). In dem hier erörterten Fall, bei dem die Beeinträchtigung von Sicht und Gehör allgemein organisch bedingt war, verloren die Symptome an effektivem Wert. Wenn dagegen die Pathogenese vor allem durch das psychische und Wahrnehmungselement beherrscht wird, ist eine Heilung allein mit medizinischen Mitteln schwieriger und unzuverlässiger. In solchen Fällen sollte man immer eine Heilung in Übereinstimmung mit dem Ähnlichkeitsgesetz anstreben; aber mit Unterstützung durch psychologische und psychoanalytische Methoden, die ich in solchen Fällen immer anwende. So kann man, durch Beobachtung der Abfolge von Aktion und Reaktion, die Kette der Ereignisse verfolgen, die den Patienten aus einem Zustand normaler Gesundheit in den gegenwärtigen Krankheitszustand geführt hat.
Aus: The British Homoeopathic Journal, Vol. 18, No. 1, S. 68–69.

Anthemis nobilis

Essenzielle Merkmale
Dieses Mittel sollte man bei Kindern in Erwägung ziehen, die unter kolikartigen Schmerzen und Durchfall leiden, besonders wenn dieser Zustand durch Darmparasiten wie z. B. Askariden ausgelöst ist. Wenn solche Fälle unbehandelt bleiben und dann Konvulsionen, Kindern mit Durchfall und Darmparasiten Anth.Konvulsionen entwickeln, spricht das noch mehr für Anthemis nobilis, besonders wenn das Kind sehr ruhelos, Kind, nur ruhig wenn man ihm vorliest Anthunruhig und lustlos ist, sich auf nichts konzentrieren kann und nur ruhig bleibt, wenn jemand ihm etwas vorliest, Kind ist nur ruhig wenn ihm jemand etwas Anth.vorliest.
  • Allgemein sind Konvulsionen, denen gastrointestinale Störungen vorangehen Anth.Konvulsionen, denen gastrointestinale Störungen vorangehen, ein Keynote dieses Mittels.

  • Es sind einige eigentümliche Symptome anzutreffen, wie eine Kälte tief im Abdomen Anth.Kälte tief im Abdomen und eine Empfindung von Kongestion in der Blase Anth.Kongestion in der Blase mit Schmerzen, die sich zu den Samensträngen hin ausbreiten; sie gehören zu den Hauptcharakteristika von Anthemis nobilis.

  • Eine Kombination von pathologischen Zuständen, die bei dieser Arznei auftreten kann, ist Leberkongestion mit spastischer Colitis und Kopfschmerzen.

Der Geistes- und Gemütszustand eines Anthemis-nobilis-Patienten ist geprägt von Angst und Schwäche. Er fühlt, dass er keine Kontrolle über sein eigenes Denken hat, so als ob die Gedanken von selbst kommen und gehen, wie sie wollen; der Geist schweift umher. Der Patient ist geistig träge, unfähig, sich auf ein bestimmtes Thema zu konzentrieren, und kann sich nicht zu einer anstrengenden geistigen Arbeit zwingen, wie z. B. zum Lernen. Schließlich entwickelt er eine Abneigung gegen jegliche Art von ernsthafter geistiger Tätigkeit, auch wenn er sie früher sogar sehr gern mochte und leicht ausüben konnte. Es handelt sich um einen passiven Gemütszustand, in dem der Patient nur angeregt werden kann, wenn der Reiz von außen kommt, wenn ihm z. B. eben jemand vorliest.
Er hat eine Art von Besorgnis, eine Furcht, dass ihm etwas Schreckliches zustoßen werde. Diese Besorgnis ist so bedrückend, dass er in einen Raum gehen muss, wo er allein ist, um sie dort herauszuweinen Anth.Besorgnis ist so bedrückend, dass er in einen Raum gehen muss, wo er allein sein, will, um eine Besorgnis und Furcht herauszuweinen Anth.allein ist, um sie dort herauszuweinen. Weinen bessert Besorgnis Anth.Weinen bessert diese unerklärliche Besorgnis.
Auf der Straße ist der Anthemis-nobilis-Patient nervös und hat Angst, von einem Auto überfahren zu werden Anth.Angst, von einem Auto, Angst, von einem A. überfahren zu werden Anth.Auto überfahren zu werden, von einem Auto Anth.überfahren zu werden; dies ist ein weiteres Keynote dieses Mittels. Er sieht ein Auto, und sofort kommt diese Furcht auf. Nachts ist sie noch schlimmer. Sie kann manchmal ein solches Ausmaß erreichen, dass der Patient gezwungen ist, zu Hause zu bleiben. Schließlich kommt es zu Agoraphobie Anth.Agoraphobie.
Meist ist das vorherrschende Gefühl bei diesem Patienten, dass er allein zu Hause sein möchte, nicht mit der Welt verkehren will. Dabei gilt seine Abneigung nicht dem Umgang mit Menschen, sondern vielmehr all der Bewegung, der Hektik und dem Lärm, die mit dem modernen Leben verbunden sind. Es handelt sich um einen Geisteszustand, der sich in die Richtung von Demenz entwickeln kann.
Anthemis nobilis ist in Fällen angezeigt, in deren Krankengeschichte eine Colitis, Amöbiasis oder intestinale Parasitose aufgetreten ist. Wenn nun die intestinalen Beschwerden nachgelassen haben, scheinen Geist und Gemüt ermüdet und unfähig zu sein, irgendeine Anstrengung zu unternehmen; große Angst und Furcht kommen auf, und der Patient erreicht den oben erwähnten, an Demenz grenzenden Zustand. Die Eindrücke der Außenwelt sind zu stark für ihn, er wird mit ihnen nicht fertig. Er wird mürrisch und niedergeschlagen; von 15 bis 17 Uhr verschlimmert sich sein Zustand. Nächtliche Ruhelosigkeit.
Wie wir sehen, besitzt diese Arznei ihre eigene, völlig einzigartige Persönlichkeitsstruktur. Wo Anthemis nobilis angezeigt wäre, wird jedoch oft SEPIA, PICRICUM ACIDUM oder PHOSPHORICUM ACIDUM verschrieben.
Allgemeinsymptome und Keynotes
  • Allgemeines Kältegefühl, allgemeines Anth.Kältegefühl, Empfindlichkeit gegen und Verschlimmerung durch Kälte.

  • Schlimmer durch Berühren kalter Gegenstände.

  • Lokale Kälte tief in den inneren Organen, vor allem im Abdomen.

  • Allgemeine Schwäche und Entkräftung.

  • Klonische Konvulsionen, denen gastrointestinale Symptome vorangehen.

  • Puls schnell, voll und weich; Puls schnell, klein und schwach, nachmittags.

Lokalsymptome
KopfAnhaltender Schmerz am Scheitel, als ob Druck von innen ausgeübt werde, mit einer Empfindung, als werde der obere Teil des Kopfes weggesprengt, als würde der obere Teil des Kopfes, bei Kopfschmerz Anth.drückender Kopfschmerz, von innen, mit Empfindung, als würde oberer Teil des Kopfes weggesprengt Anth.weggesprengt.
Leichter Stirnkopfschmerz, wie von Kongestion, schlimmer durch Abwärtsbeugen des Kopfes.
AugenDie Augen tränen nach dem Aufstehen aus dem Bett, besonders innerhalb des Hauses; zugleich läuft klares Wasser, klares, läuft aus dem linken Nasenloch Anth.Wasser (nicht scharf oder ätzend) aus dem linken Nasenloch; Tränenfluss augenblicklich schlimmer, wenn der Patient ein Zimmer verlässt und ein kälteres betritt. Empfindlichkeit der Augäpfel gegen Druck.
GesichtBlasses Gesicht; trockene Lippen. Schwellung der Parotis.
MundWeiß belegte Zunge, mit roten Inseln.
HalsDer hintere Teil des Pharynx fühlt sich rau an. Etwas rauer Hals, mit einer Neigung, alle zwei oder drei Minuten Speichel zu schlucken, um die Rauheit zu lindern, ohne dass das den gewünschten Erfolg bringen würde. Schwierigkeiten beim Schlucken von Flüssigkeiten schwierig, nicht aber von fester Nahrung Anth.Schlucken von Flüssigkeiten, aber nicht von fester Nahrung.
Atmung und HerzTrockener Husten, anfallsweise, nachmittags, ausgelöst durch ein Kitzeln im hinteren Teil des Larynx, das durch das Husten momentan gebessert wird; der Husten schlimmer beim Betreten eines warmen Zimmers Anth.Husten wird unmittelbar schlimmer beim Betreten eines warmen Zimmers. Husten, der sich an der frischen Luft bessert.
Zusammenschnürungsgefühl des Herzens.
MagenAppetitlosigkeit. Hitzewallungen im Magen. Angenehme innere Wärme, innere, geht dem verlangen nach Essen vorher Anth.Wärme, gefolgt von Verlangen nach Essen. Übelkeit besser an der frischen Luft. Verlangen nach Fleisch.
Abdomen, Rektum, StuhlKälte tief im Abdomen Anth.Kälte tief im Abdomen. Anhaltendes Jucken im Anus, wie von Askariden. Schmerzen im rechten Hypochondrium, wie von Auftreibung durch Stuhl, gefolgt von starkem Stuhldrang, aber es kann nur Schleim entleert werden. Stuhl wie Schafdung. Periodische Verstopfung, ein paar Tage lang, dann wieder weicher Stuhl.
HarnorganeSchmerz in und über der Blase, wie von Auftreibung oder Kongestion; strahlt zu den Samensträngen hin aus. Harndrang mit Schmerzen am Blasenhals. Häufiges Wasserlassen nachts. Brennender Schmerz in der Urethra während der Miktion.
Männliche GenitalienSchmerzen die Samenstränge entlang; diese fühlen sich wie krampfadrig an. Nächtliche Samenergüsse, nach Mitternacht. Häufige Erektionen.
Kälte des Rückens beim Ankleiden Anth.RückenKälte beim Ankleiden. Schmerzen in der Lendengegend.
ExtremitätenExtreme Kälte der Hände und Füße. Kälte in den Beinen beim Ankleiden Anth.Kälte in den Beinen beim Ankleiden. Jucken der Fußsohlen, wie von Frostbeulen.
SchlafErwacht häufig und geht im Zimmer umher.
HautEkchymosen. Beulen.

Anthracinum

Essenzielle Merkmale
Anthracinum ist bei Patienten angezeigt, die chronisch an Karbunkeln, Furunkel, Karbunkel, Lymphadenopathien, extrem schmerzhafte Anthr.Furunkeln, ödematösen Lymphadenopathien, Tumoren etc. leiden, wenn diese zu Bösartigkeit und rötlich-schwarzer Färbung neigen, ein sehr starkes Brenngefühl hervorrufen und Tumoren, Furunkel, Karbunkel, Lymphadenopathien, etc., extrem schmerzhafte Anthr.Furunkel, extrem schmerzhaft Anthr.extrem schmerzhaft, extrem, Furunkel, Karbunkel, Tumoren etc. sind Anthr.schmerzhaft sind. Dabei kommt es leicht zu Vereiterungen und zur Bildung von fressenden Geschwüren mit qualvollen, brennenden Schmerzen. Das Zellgewebe ist ödematös und verhärtet. In septischen Zuständen treten erhebliche Schwellungen mit unerträglich brennenden Schmerzen auf, wobei die betreffenden Stellen dunkelrot gefärbt sind; es handelt sich um einen Prozess leicht auftretender Eiterbildung und Sepsis.
Insgesamt stellen wir fest, dass sich der Grundgedanke bei Anthracinum auf dunkelrote oder schwärzlich, Abszesse sind Anthr.schwärzliche Abszesse, schwärzliche Anthr.Abszesse konzentriert, die unerträgliche Schmerzen hervorrufen und schwer aufzulösen sind, selbst nach tagelangen Absonderungen.
Eingeschränkter freier Ausdruck an Gefühlen
Auf der psychischen und emotionalen Ebene ruft Anthracinum ein ähnliches Bild hervor: Der Patient hat eine Art Gefühlsabszeß, wie ein, tief im inneren Anthr.Gefühlsabszess tief im Inneren, der sehr schwer zu „öffnen“ ist, einen bösartigen Abszess, der keine Hoffnung auf Genesung zulässt. Er wird nicht an die Oberfläche kommen und dort seinen Inhalt freigeben. Dieser „Gefühlsabszess“ ist nach einer sehr schmerzhaften emotionalen Erfahrung entstanden.
  • In konstitutioneller Hinsicht kann Anthracinum mit NATRIUM MURIATICUM verglichen werden. Allerdings besteht auch eine ganze Reihe von Unterschieden. Wie die NATRIUM-MURIATICUM-Patienten beherbergen auch die Anthracinum-Patienten einen sehr großen Kummer tief in ihrem Inneren. Bei ihnen ist dieser Kummer so groß und so tief, dass man Anthracinum vielleicht als das Mittel mit dem größten stillen Leiden bezeichnen kann, mit der düstersten und verborgensten emotionalen Wunde, die tief in der Seele vergraben ist. Es ist, als seien alle emotionalen und seelischen Leiden dieses Menschen in einer großen schwarzen Eiterbeule eingeschlossen.

  • Ein Unterschied zu NATRIUM MURIATICUM besteht darin, dass der Anthracinum-Patient sein Leiden gar nicht wahrzunehmen scheint; es ist, als habe er sich damit abgefunden, so als ob dieses unerträgliche Leid schon zu seinem normalen Seinszustand geworden sei. Niemals würde er mit irgendjemandem darüber reden.

Das Mittel scheint den freien Ausdruck von Gefühlen dermaßen zu beschränkt, freier Ausdruck von Gefühlen Anthr.beschränken, dass der Patient viele, viele Jahre lang nicht über ein traumatisches Erlebnis, spricht nicht über ein Anthr.traumatisches Erlebnis spricht, das ihm zugestoßen ist. Das Interessante daran ist, dass der Patient sich kaum an die betreffende traumatische Erlebnisse scheinen ins Unterbewusstsein abgeschoben zu werden, untergraben aber die Gesundheit Anthr.Begebenheit zu erinnern scheint, trotz der Auswirkungen, die ein solches emotionales Trauma auf sein Leben und seine Gesundheit hatte. Es scheint, dass dieses Erlebnis sofort ins Unterbewusstsein abgeschoben wurde und dort geblieben ist, dem Bewusstsein völlig unzugänglich, dennoch aber mit einer tiefgreifenden Wirkung auf die Gesundheit, auf den gesamten Organismus dieses Menschen. Die Folge einer solch leidvollen Erfahrung ist schließlich ein „Verwelken“ der menschlichen Seele, es ist wie eine Senilität auf der Gefühlsebene Anthr.Senilität auf der Gefühlsebene: Jugendlichkeit und Freude gehen verloren, und nach kurzer Zeit überhaupt jede Ausdruckskraft. Der Patient ist dann Gefühle, unfähig, tiefe G. zu empfinden, auszudrücken Anthr.unfähig, tiefe Gefühle zu empfinden, auszudrücken oder zu teilen. Er schleppt sich so dahin, fristet sein Leben wie in einem Verwirrungszustand – besonders in Bezug auf Gefühle –, in dem nichts klar ist, nichts richtig wahrgenommen wird und der Patient selbst nicht weiß, wie er sich fühlt. Es ist erstaunlich, wie dieses Mittel den Ausdruck von Gefühlen zurückhält und gleichzeitig die verletzten Gefühle in einer abgekapselten Wunde aufbewahrt, in einem bösartigen Abszess, der, wenn er erst einmal geöffnet ist, den Patienten dazu bringt, tagelang zu weinen, manchmal ohne dass er überhaupt weiß, warum.
Es ist interessant, in solchen Fällen zu beobachten, wie nach der Verordnung von Anthracinum die eingeschlossenen verletzten Gefühle, die jahrelang unausgedrückt geblieben waren, nun herausströmen, in Form von Tränen von solcher Intensität, dass man dabei an einen bösartigen Tumor denkt, der plötzlich geöffnet wird und endlose Mengen von Eiter (Tränen) absondert. Man könnte meinen, einen perfekten Fall von PULSATILLA vor sich zu haben. In solchen Fällen sollte man aber nicht vorschnell PULSATILLA verschreiben, sondern zunächst einmal abwarten – es kann sein, dass man ein oder zwei Monate täglichen Weinens abwarten muss, bis dieser düstere, unzugängliche Gefühlsabszess sich aufgelöst hat.
Wenn wir nicht lernen, die Entwicklung eines Falles korrekt zu bewerten und sich von selbst, ohne unser Eingreifen, entfalten zu lassen, werden wir bei schwierigen und komplizierten Fällen niemals eine wirkliche Heilung erreichen.
In der Tat haben Anthracinum-Patienten sehr oft die Sanftheit von PULSATILLA in Bezug auf ihr äußerlich sichtbares Verhalten, während sie innerlich die emotionale Erstarrung von NATRIUM MURIATICUM oder PHOSPHORICUM ACIDUM aufweisen.
Folgen lang anhaltenden Leidens
Wenn man das Gesicht dieser Anthracinum-Patienten beobachtet, mit den Zeichen langanhaltenden Leidens darin, dann ist eines klar: Dieser Mensch wird einem nicht erzählen, dass er jemals ein tief traumatisches Erlebnis hatte. Es scheint, als ob diese Patienten sich damals selbst nicht voll darüber bewusst waren, dass sie von einem solchen Kummer überkommen wurden. Oder es ist, als ob nach diesem Erlebnis eine Verwirrung eingetreten sei, sodass sie sich gar nicht mehr daran erinnern können; nur das Unterbewusstsein hat es registriert und kann sich daran erinnern. Nach der Gabe von Anthracinum werden sich diese Menschen einer solchen Erfahrung dann bewusst, sie reden darüber und weinen sie aus.
Das traumatische Erlebnis hat meist mit zwischenmenschlichen Beziehungen zu tun, wie z. B. jemanden zu verlieren, den sie lieben oder dessen Hilfe oder Schutz sie sich anvertraut haben. Es ist ein Kummer durch Verlust des Geliebten, eines Elternteils, des Ehepartners; aber nicht so sehr eines Kindes.
Es ist bemerkenswert, dass diese Patienten aussehen und handeln, als seien sie alt und müde, handelt und sieht aus, als sei er Anthr.alt und müde, sieht aus und handelt als ob alt und m. sei Anthr.müde. Sie werden einem den Eindruck vermitteln (ohne dass sie das aber zugeben würden), dass sie ihr Elend und ihr Leid im Stillen ertragen, ohne zu klagen, ohne Aufhebens darum zu machen, im Inneren aber Stillem, leidet im, ist emotional regelrecht tot Anthr.emotional regelrecht tot sind.
Von Zeit zu Zeit explodieren diese Patienten vor Wut, und sie können dann ziemlich heftig sein; bei Frauen ist dies besonders vor der Regel der Fall. Schon tagelang vor der Menstruation sind sie oft sehr nervös, reizbar, ungeduldig und schreien bei der geringsten Provokation los, besonders gegenüber ihren Kindern. Reizbarkeit besteht auch während der Nacht. Sobald der Menstruationsfluss einsetzt, tritt eine Besserung ein. In der Tat bessern alle Absonderungen bessern Anthr.Absonderungen, sowohl diejenigen aus einem Abszess als auch sonstige Absonderungen, ganz beträchtlich die konstitutionellen Symptome.
Im geistig-psychischen Bereich scheinen sich diese Menschen in einem Zustand der Verwirrung zu befinden, sie wissen nicht genau, was sie wollen oder tun sollen, und sie können sich auch nicht sehr tief in ihre Gefühle hineindenken und ihre eigenen Emotionen verstehen. Oft haben sie das Gefühl, dass der Tod herannahe. Ein anderes Mal stellt sich eine unerklärliche Angst ein, dass der Ehemann einen Unfall gehabt haben könnte, wenn er nur ein paar Minuten zu spät kommt. Die Patientin kann sich dann den Tod und seine Folgen richtig vorstellen, bis hin zur Beerdigung.
Sexualität
Auch die Wirkung der Anthracinum-Störung auf den sexuellen Bereich lässt sich in einen Zusammenhang mit dem beschriebenen emotionalen Bild bringen. Weil die Emotionen dieser Menschen in ihrem schmerzhaften, traumatischen Erlebnis gefangen und eingesperrt sind, ist der Ausdruck sexuellen Verlangens dermaßen gehemmt, dass Sex ist völlig gleichgültig Anthr.Sex ihnen völlig sexuelles Verlangen fehlt Anthr.gleichgültig geworden ist, sie ihn nicht mehr genießen können. Es ist, als ob diese Patienten den Geschlechtsakt nur noch über sich ergehen lassen, ohne aktiv daran teilzuhaben. Diese Gleichgültigkeit gegenüber Sex, dieses verringerte sexuelle Verlangen kann sich bis zu einer Abneigung gegen Sex Anthr.Abneigung gegen Sex, Abneigung gegen Anthr.Sex entwickeln. Wir beobachten auf der sexuellen Ebene dasselbe Verwelken und Schwinden, wie wir es auch im emotionalen Bereich feststellen.
Dass die Patienten in gewisser Weise vorzeitig gealtert sind, sieht man auch, wie schon angedeutet, an ihrem Gesicht, das viel älter wirkt, als es ihrem tatsächlichen Alter entsprechen würde, und voller sehr feiner Fältchen ist.
Im Stadium des septischen Fiebers kann man möglicherweise auch eine Übererregung des Patienten feststellen, mit Verlangen zu beißen sowie mit Schwindelgefühl, Verwirrung und Unruhe. Schließlich kommt es zu Bewusstlosigkeit und Stupor.
Allgemeinsymptome und Keynotes
  • Anthracinum kann kleine Geschwüre und blutige Infiltrationen in allen Schleimhäuten und Drüsen hervorrufen.

  • Geschwüre sind tief und fressend und erscheinen schwärzlich. Übelriechende Abszesse mit beißendem Eiter.

  • schwarze Verfärbung äußerer Teile Anthr.Schwarze Verfärbung, schwarze, äußerer Teile Anthr.Verfärbung äußerer Teile.

  • Krebsige Affektionen, Drüsengeschwüre.

  • Patienten in septischem Zustand, die leicht und schnell erschöpft sind, mit schwachem Puls, niedergeschlagen, ängstlich und unruhig. Hitze und Frost wechseln in kurzen Abständen.

  • Ein Gefühl von Zusammenschnürung in der Präkordialregion, das mit Angst einhergeht.

  • Manche Patienten haben eine lange Vorgeschichte einer ununterbrochenen Reihe von Furunkel, ständig Anthr.Furunkeln, Karbunkel, ständig Anthr.Karbunkeln, Tumoren, Zysten, ständig Anthr.Zysten, Ekzemen usw.

  • schwarze und blaue Blasen Anthr.Schwarze und blaue und schwarze Blasen Anthr.blaue Blasen, schwarze und blaue Anthr.Blasen, Blutungen von schwarzem, dickem Blut. Die Blutungen bestehen aus dunklen Blutklumpen. Blutungen von nicht gerinnbarem Blut, Hämophilie.

  • Blutungen von zähem, klebrigem, fadenziehendem Blut.

  • Übermäßige Schwellungen der entzündeten Körperteile, übermäßige Anthr.Schwellungen der entzündeten Körperteile.

  • Man sollte bei der Anamnese dieser Patienten versuchen, herauszufinden, ob sie mit rohwollene Materialien, Umgang mit, als bestätigender Faktor der Arzneidiagnose Anthr.rohwollenen Materialien zu tun gehabt haben, was bei der Diagnose ein bestätigender Faktor sein kann.

  • Zitteranfälle. Zittern einzelner Muskeln. Epileptiforme Konvulsionen. Klonische Konvulsionen, klonische Anthr.Konvulsionen.

  • Klonische Konvulsionen bei Trinkern.

  • Beschwerden durch Unterdrückung von Schweiß.

  • Gutartige Tumoren, Atherom, Steatom.

Lokalsymptome
SchwindelSchwindel bei Kopfschmerzen.
KopfUnbeschreibliche, sehr schmerzhafte Kopfschmerzen. Kopfschmerzen mit Frost. Kopfschmerzen, als ob Rauch durch den Kopf ziehe Anthr.Kopfschmerzen, als ob Rauch – mit Hitzeschmerz – durch den Kopf ziehe.
Nach Tod durch Milzbrand wurden kleine und große Blutungen embolischer Herkunft in allen Teilen des Gehirns festgestellt. Die Hirnhäute zeigen umschriebene oder symmetrisch ausgedehnte blutige Infiltrationen. Karbunkel nahe den Ohren und Schläfen. Erysipel.
AugenStarke Erweiterung der Pupillen.
OhrenSchwellung vor dem Ohr. Gangränöse Parotitis.
NaseDie rechte Seite der Nase ist rot, die Röte breitet sich bis zur Wange aus. Schwellung und Röte der Nase, von der übler Geruch ausgeht. Eingebildete und wirkliche faulige Gerüche.
GesichtAbszesse an der Lippe. Schwarze Pusteln an den Lippen Anthr.Schwarze Pusteln, schwarze, an den Lippen Anthr.Pusteln an den Lippen. Erysipelatöse, dunkelbraune Röte und Schwellung über die ganze rechte Gesichtshälfte, die Nase und einen Teil der linken Wange.
Unterkieferdrüsenkrebs. Schwellung der Unterkieferdrüsen. Steinharte Schwellung um den rechten Unterkiefer, ohne große Schmerzen, nicht gerötet, aber mit scharf abgegrenzten Rändern. Reißender Schmerz im rechten Unterkiefer. Kiefersperre. Der Patient kann kaum den Mund öffnen, um die Zungenspitze zu zeigen. Steifheit der Unterkiefermuskeln. Schwellung der Parotis nach Exanthem.
MundDie Zunge ist mit einem dicken braunen Belag überzogen; trocken. Übler Mundgeruch. Absonderung von stinkendem braunem Ichor bei einem Schnitt in der Nähe des zweiten Backenzahns.
Ständige Blutungen, Blut gerinnt nicht. Sickern von Blut. Dunkelrote, blutige Ekchymosen im Mund. Schwierigkeiten, den Mund zu öffnen. Verstärkter Speichelfluss. Fader Geschmack im Mund.
HalsMandelentzündung. Halsschmerzen. Schwellung, Infiltrationen und Hyperämie der Unterkiefer-, Laryngeal- und Retropharyngealdrüsen. Das Schlucken bereitet sehr große Schwierigkeiten, bei großem Durst. Der Hals ist von oberhalb des Kehlkopfs bis zum Mund geschwollen. Schmerzen in der rechten Mandel.
AtmungAtmung schnell und mühsam; schnell und spasmodisch.
MagenAppetitlosigkeit. Der Patient hat eine Abneigung gegen Eier Anthr.Abneigung gegen Eier, Abneigung gegen Anthr.Eier und fühlt sich schlechter, wenn er sie trotzdem isst, besonders bei sehr weichen, schleimigen. Abneigung gegen Geruch von Eiern, Abneigung gegen Fett von Fleisch. Verlangen nach Süßigkeiten und Schokolade.
Hitzewallungen im Magen. Heftige Schmerzen; Druck und Brennen im Magen. Sehr starker Durst, kann aber kaum schlucken; Durst bei Hitze. Erbrechen mit nachfolgendem Durchfall; Erbrechen von biliösen, schleimigen Massen. Übelkeit und Erbrechen mit Frost.
AbdomenPlötzliche Erschöpfung mit starkem abdominalem Wundsein, vor allem im Epigastrium, mit Erbrechen, kalten Gliedern und Stumpfheit im Kopf.
Vergrößerung der Milz. Schwellung des Bauches. Anhaltender, dumpfer Schmerz im Bauch. Seröse und serohämorrhagische Infiltrationen der peritonealen und mesenterialen Gewebe der Magenwände und Eingeweide sowie der Schleimhäute.
Rektum und StuhlErbrechen, gefolgt von schmerzlosem, häufig blutigem Durchfall. Durchfall mit Bauchschmerzen. Bei Durchfall manchmal ein choleraartiger Kollaps. Breiiger, pastenartiger Stuhl. Weißer Stuhl.
HarnorganeSchwellung der Nieren, mit Ödemen, mit kleinen Flecken von Blutungen. Nachts reichlich klarer, wässriger Urin. Unterdrückung des Urins. Spärlicher Urin.
RückenDas wichtigste Rückensymptom von Anthracinum sind die enorm großen Karbunkel mit unerträglichem Brennen, die die typischen Merkmale dieses Mittels aufweisen: die schwärzlich-rote Färbung, die übelriechenden Absonderungen und die allgemeine Bösartigkeit. Die Karbunkel am Rücken können eine Größe von bis zu ca. 23 mal 12 cm erreichen. Karbunkel in der Nackenregion, in der Nähe der Schultern, an den Rändern des Kapuzenmuskels. Die Achsellymphknoten sind geschwollen und schmerzen.
ExtremitätenAn den Extremitäten kann man besonders viele charakteristische Wirkungen von Anthracinum auf die Oberfläche des menschlichen Organismus beobachten. Man sollte immer an die Bösartigkeit denken, an die Heftigkeit des Auftretens, die typische Färbung, die so schnell auftretende, ungeheure Schwellung, die unerträglichen Schmerzen und die fressenden Geschwüre.
  • Karbunkel. Die Extremitäten fühlen sich kalt an. Schwäche in den Gliedern. Gliederschmerzen bei Schwäche und Niedergeschlagenheit. Gangränartige Schwellungen der Extremitäten.

  • Obere Extremitäten:

    • Schwellung der Arme; schwarze Pusteln an den Armen; Schuppen an den Armen.

    • tetanische Spasmen Anthr.Tetanische Spasmen der Arme.

    • Arme und Hände bedeckt mit krustigem Ausschlag, voller Risse, mit Absonderung von Eiter und einer beißenden Flüssigkeit, mit schmerzhaftem, unerträglichem Jucken.

    • Große Blase mitten auf der Handfläche, die beim Öffnen eine gelbe, wässrige Flüssigkeit absondert.

    • Gelbe Bläschen auf der Handfläche.

    • Die ganze linke Hand (außer den Fingern) ist geschwollen, stark gerötet, sehr schmerzhaft; die Röte reicht bis über das Handgelenk, und ein roter Streifen läuft über den Unterarm.

    • Scharfe Schmerzen in den Handknochen, mit Brennen hin zu den Fingerspitzen. Reißender Schmerz an der Spitze des Ringfingers.

    • Milzbrand Anthr.Milzbrand.

    • Panaritium, beginnend im Nagel. Fressendes Panaritium, beginnend im Nagel. Bösartiges Panaritium mit Brennen (Onychie, Paronychie). Anthracinum ist in den schlimmsten Fällen von Panaritium angezeigt.

  • Untere Extremitäten:

    • Bläulich-braune Flecken an den Beinen, die aufbrechen. Gangrän der Beine. Handgroße Geschwüre an den Beinen.

    • Die unteren Gliedmaßen haben Geschwüre mit schwarzer Basis Anthr.Geschwüre mit schwarzer Basis, Geschwüre mit Anthr.schwarzer Basis.

    • Oberschenkel bis zum Gesäß livid, hart und schmerzhaft; Unterschenkel dunkelblau, Füße ödematös.

    • schwarze Bläschen an den Oberschenkeln Anthr.Schwarze Bläschen an den Oberschenkeln; große schwarze Blase an der Innenseite der Oberschenkels.

    • An der Außenseite des Knies große, fluktuierende Schwellung.

    • Brennende Geschwüre an den Unterschenkeln. gangränöses Geschwür am Bein Anthr.Gangränöse Geschwüre am Unterschenkel. Furunkel am Unterschenkel. Geschwüre am Unterschenkel mit Schmerzen nachts.

    • Füße ödematös.

SchlafKomatöser Schlaf; unruhiger Schlaf. Vor und während Frost schläft der Patient unruhig. Der Schlaf ist nicht erholsam.
Fieber und FrostAllgemeines Kältegefühl. Kriechender Frost, abwechselnd mit Hitze.
Septisches Fieber. Fieber am Abend. Anhaltendes Fieber, vom typhoiden Typ, mit schnell sinkendem Puls, Kräfteverlust, Schwächeanfällen, Delirium. Zymotisches Fieber. Schwäche während des Fiebers. Schwäche durch Schweiß. Nachtschweiß; kalter Schweiß; klebriger Schweiß Anthr.klebriger Schweiß; Beschwerden durch unterdrückten Schweiß.
HautSchwarze Pusteln auf der Haut. bösartige Pusteln Anthr.Bösartige Pusteln. Schwarze Geschwüre auf der Haut. Brennende Geschwüre auf der Haut. Bläulich-rote Flecken auf der Haut. Blaue Beulen auf der Haut.
Karbunkel. Schwarze Bläschen auf der Haut. bläuliche Bläschen auf der Haut Anthr.Bläuliche Bläschen auf der Haut. Gelbe Bläschen auf der Haut. Erysipel. Gangränöses Erysipel. Jucken. Krebsige Geschwüre. Tiefe Geschwüre. Die Geschwüre haben schwärzliche, albuminöse, blutige Absonderungen; bräunliche albuminöse Absonderungen.
faulige Geschwüre Anthr.Faulige Geschwüre, faulige Anthr.Geschwüre; gangränös; phagedänisch. Übelriechende Pusteln auf der Haut; juckende Pusteln; klumpige Pusteln.
Die Haut ist krustig und nässend. Der Patient hat ein Gefühl, als sei die Haut mit Brennesseln in Berührung gekommen.

Antimonium crudum

Essenzielle Merkmale
Antimonium crudum ist eine selten verschriebene Arznei, die in der homöopathischen Praxis häufiger gebraucht werden sollte. Im folgenden soll der konstitutionelle Antimonium-crudum-Patient beschrieben werden, der Persönlichkeitstypus, der im Laufe seines Lebens die Symptomatologie dieser Arznei entwickeln wird. Antimonium crudum affiziert vorzugsweise die emotionale Ebene.
Antimonium-crudum-Patienten sind Menschen mit einem unausgeglichenen Gefühlsleben, das zwischen Sentimentalität oder Gefühlsseligkeit, die in extremer Weise ausgedrückt wird, und einer zurückgezogenen Haltung der Verschlossenheit, Übellaunigkeit und Verdrießlichkeit hin und her schwankt.
Emotionalität und Sentimentalität
Antimonium crudum ist eines der emotionalsten und sentimentalsten Mittel der Materia medica, mit einem sanften, weichen und zuweilen melodramatischen Zug im Verhalten der Patienten. Ihre Empfindungen können überwältigend sein. Bei geringen Anlässen können diese Menschen vor Gefühlen förmlich anschwellen. (Übrigens gibt es auf der körperlichen Ebene ebenfalls einen solchen Druck „nach außen“; er zeigt sich in Kopfschmerzen und reichlichen Absonderungen sowie darin, dass schon geringer Druck die charakteristischen Verhärtungen und Wucherungen hervorbringt: Knoten, Schwielen, Warzen usw.) Ihre Emotionalität nimmt übermäßige Ausmaße an, es handelt sich um eine pathologische Sentimentalität. Und zugleich ist es eine Gefühlsseligkeit, die in den Menschen verborgen liegt. Alles scheint auf sie einen tiefen Eindruck zu machen; sie beobachten die Vorgänge in ihrer Umgebung zwar nur still, aber diese Vorgänge beeindrucken sie dennoch ganz außerordentlich.
Doch sie sind nicht extravertiert. ARGENTUM-NITRICUM-Patienten sind im Vergleich dazu zwar ebenfalls sentimental und gefühlsselig, aber auf eine impulsive und sehr expressive Art – sie sind ausgesprochen extravertiert. Bei denjenigen, die Antimonium crudum benötigen, ist die Sentimentalität dagegen innerlich, wird nur unter bestimmten Umständen zum Ausdruck gebracht und reflektiert eine schmerzhafte Empfindsamkeit gegenüber der Außenwelt.
Es handelt sich um verfeinerte, kultivierte, überempfindliche Menschen, mit großen Schwächen im emotionalen Bereich. Sie haben ein wankelmütiges Temperament, das auf der emotionalen Ebene durch einen Mangel an Stetigkeit, Mangel an, der emotionalen Ebene Ant-c.Stetigkeit und auf der körperlichen Ebene durch ein ständiges Leiden in der Magengegend, ständiges Leiden in der Ant-c.Magengegend charakterisiert ist.
Zieht man in Betracht, dass der Solarplexus der Sitz der Emotionen ist, so ist es nicht weiter überraschend, dass der Antimonium-crudum-Patient immer gerade in diesem Bereich Beschwerden bekommt – bei jeder verstimmenden Gemütsbewegung, bei jedem Streß, bei jeder gesundheitlichen Beeinträchtigung. Zuerst treten oft Krämpfe und krampfartige Schmerzen auf. Der Solarplexus scheint überempfindlich zu sein; er wird offenbar als erste Körperregion von allen Belastungen des Organismus in Mitleidenschaft gezogen.
In diesem Stadium wird der Patient vielleicht sagen, er habe eine Magenneurose Ant-c.Magenneurose, später wird er dann tatsächlich Dyspepsie Ant-c.Dyspepsie, Gastritis Ant-c.Gastritis oder Zwölffingerdarmgeschwüre Ant-c.Zwölffingerdarmgeschwüre entwickeln. Kent schreibt: „Wie auch immer die jeweiligen Beschwerden geartet sind, der Magen ist immer beteiligt.“
Der Antimonium-crudum-Patient drückt seine Sentimentalität Ant-c.Sentimentalität auf zwei verschiedene Arten aus.
  • Einerseits zeigt er in Situationen, in denen er sich frei fühlt, seine Emotionen auszudrücken, ein außerordentliches Maß an melodramatischer Rührseligkeit – sehr romantisch, aber völlig unangebracht und kaum bezogen auf die Wirklichkeit.

  • Andererseits neigt er nach solchen „romantisch Ant-c.romantischen“ Situationen dazu, schmerzhafte emotionale Erfahrungen zu machen. Das wesentliche Muster bei Antimonium crudum besteht nämlich darin, dass gerade die Umstände, die seine empfindsamen emotionalen Reaktionen hervorrufen, die ihn gefühlsmäßig berühren, sich oft als schmerzhaft erweisen.

Seine Emotionen werden leicht und stark stimuliert Ant-c.Emotionen werden so leicht und so stark stimuliert, dass er sie nicht unter Kontrolle halten kann; sie sind aber nicht gewaltsam oder brutal, sondern verfeinert und kultiviert, nehmen einen romantischen, sanften Ton an. Diese Art der Sentimentalität ist nicht einfach zu beschreiben, sie kann – bei einem konstitutionellen Antimonium-crudum-Menschen – von der Art sein, wie sie oft bei Personen auftritt, die etwas zu viel Wein getrunken haben: Sie werden ein bisschen betrunken, sprechen dann in sehr emotionaler Weise über sich selbst und ihre Gefühle und zeigen ein sanftes, sentimentales Naturell, das dem nüchternen Beobachter ein bisschen lächerlich erscheint, aber immer die Sympathien der Zuhörer erwirbt. Es ist ein Zustand, in dem der Mensch seine Schutzmechanismen außer Acht lässt und seine allerinnersten Gefühle in einer entschieden sentimentalen und oft auch lächerlichen Weise preisgibt (dabei in Versen sprechend oder Gedichte rezitiert Ant-c.Gedichte rezitierend). Ganz sicher wird ihm das später leidtun. Und hiermit kommen wir zu der zweiten Phase im Gefühlsleben eines typischen Antimonium-crudum-Menschen, wenn er nämlich schmerzhafte emotionale Erfahrungen gemacht hat, mürrisch wird und sich zurückzieht.
Emotionale Unreife
Die Betreffenden weisen eine Art emotionale Unreife Ant-c.emotionale Unreife, emotionale Ant-c.Unreife auf, wie man sie oft bei Kindern feststellt. In dieser Hinsicht ähnelt Antimonium crudum sehr BARYTA CARBONICA, und es wird dessen Wirkung auch manchmal komplementieren.
Nach meiner Erfahrung ist Antimonium crudum häufiger bei Kindern als bei Erwachsenen indiziert. Wenn man bei einem solchen unentwickelten, „unreifen“ Kind Entzündungen und Röte der Augenlider sowie Risse in den Mundwinkeln sehen kann, zusammen mit einem pustulösen Ausschlag auf Wangen oder Kinn, hat man es mit einem Antimonium-crudum-Fall zu tun.
Genau wie BARYTA CARBONICA ist es aber auch oft bei älteren Menschen angezeigt.
Das Auftreten der Antimonium-crudum-Sentimentalität bei Fieber Ant-c.Sentimentalität kann durch andere Stimuli beschleunigt werden, besonders durch Fieber oder die Sentimentalität bei Menses Ant-c.Menses. Jede Art Fieber kann bei Kindern und Erwachsenen ungeheure Sentimentalität hervorrufen. Bei Frauen wird sie vor oder während der Regel noch ausgeprägter. In solchen Fällen verdunkeln die Gefühle die Realitätswahrnehmung; die Patienten verlieben sich leicht und phantasieren unrealistische Liebesgeschichten zusammen.
Die oben beschriebene unvorsichtige, ungeschützte Äußerung von Gefühlen macht den Patienten natürlich auch sehr verletzlich, und dann verfällt er in das andere Extrem. Er verschließt sich, will mit niemandem mehr sprechen und nicht einmal mehr mit seinen engsten Freunden in Berührung kommen. In diesem zweiten Stadium wird er leicht deprimiert, denkt über Dinge nach, die ihm zugestoßen sind, und kann nicht darüber hinwegkommen. Er wird verdrießlich Ant-c.verdrießlich, mürrisch Ant-c.mürrisch, unzufrieden, reizbar – aber nie aggressiv, sondern er verhält sich eher passiv. Er möchte am liebsten von der Bildfläche verschwinden, er zieht sich zurück, brütet und wird schlechtgelaunt Ant-c.schlechtgelaunt und mürrisch.
Launenhaftigkeit, Abneigung gegen Berührung
Antimonium crudum ist das launischste, das am meisten verstimmte Mittel unserer Materia medica. Der Patient wird sozusagen „öffentlich“ launisch und griesgrämig, er zeigt es, kann es nicht verbergen. Man merkt es sofort: Er ist verletzt und will deshalb keinen Kontakt. Er zieht ein langes Gesicht und mag es nicht, dass sich ihm jemand gefühlsmäßig nähert, wenn er in einem solchen Zustand ist; und er will dann erst recht nicht berührt werden, möchte nicht Ant-c.berührt werden, es reizt ihn schon, wenn ihn jemand nur ansieht, gereizt wenn man ihn nur Ant-c.ansieht. Das sind die Menschen, von denen Ehepartner oder -partnerin erzählen werden, dass sie, wenn sie verletzt worden sind, schlechte Laune bekommen und mürrisch werden und es auch tage- und wochenlang bleiben.
Wenn der Antimonium-crudum-Patient in diesem Zustand ist, empfindet er sowohl körperliche als auch seelische Berührung als schmerzhaft. Er sieht elend und „empfindlich“ aus, eben wie ein Individuum, das in dieser brutalen Welt einfach nicht leben kann. Zumindest denkt er so, seine Umgebung wird höchstwahrscheinlich ganz anders denken: dass nämlich sie nicht mit ihm leben kann.
  • Im Repertorium erscheint Antimonium crudum als eines der vier dreiwertigen Mittel in der Rubrik „Abneigung gegen Berührung“ (die anderen sind CHAMOMILLA, KALIUM CARBONICUM und TARENTULA). Zu jedem dieser vier Mittel gehört dieses Symptom aus einem ganz unterschiedlichen Grunde und unter ganz verschiedenen Umständen. Bei Antimonium crudum zeigen sich die Sentimentalität, die Emotionalität und die Abneigung gegen Berührung in erster Linie als ein psychischer Zustand. Antimonium-crudum-Kinder können ein Stadium erreichen, wo schon der angesehen werden, will nicht Ant-c.Blick anderer für sie so unerträglich ist wie eine körperliche Berührung; daher wollen sie weder angesehen noch angefasst werden. Ist der Antimonium-crudum-Patient verstimmt, so weiß das jeder um ihn herum; er vermittelt den anderen das Gefühl: „Fass mich nicht an, komm mir nicht nahe, ich möchte nicht gestört werden.“

  • Solche Zustände treten vor allem bei Kindern manchmal ohne ersichtlichen Grund auf. Der Zustand des Nervensystems grenzt fast schon an Hysterie. Antimonium crudum ist vor allem bei Männern indiziert, die eine solche Gemütsverfassung aufweisen, und seltener bei Frauen.

Romantik
Wir müssen den Gemütszustand des Verliebtseins in Zusammenhang mit den Informationen aus der Literatur sehen, die ein Licht auf die Art der Emotionen werfen: „Sentimentale Anwandlungen bei Mondlicht“ (Kent), „Ekstase und exaltierte Liebe, … schlimmer beim Spazierengehen bei Mondschein“ (Hering), „der Ton der Glocken, wie der Anblick seiner ganzen Umgebung, rührt ihn zu Tränen“ (Hahnemann), „plötzlich ganz entzückt durch mildes Licht, das durch bunte Scheiben fällt“ (Kent).
Zwar wird man kaum von einem Patienten hören: „Mondlicht versetzt mich in Ekstase“, aber man wird mit Sicherheit die Information bekommen, dass solche Umstände ihn irgendwie berühren, ihn beeinflussen. Es ist eine Tatsache, dass in den meisten Fällen der Patient eine besondere Beeinflussung durch Mondlicht eingesteht, und ganz besonders bei Vollmond. Es werden dann bestimmte starke Gefühle bei ihm hervorgerufen, die er auch wahrnehmen kann. Wächst der Patient dann heran, so wird er irgendwann seine erste tatsächliche Liebesgeschichte erleben, und da die Realität ganz anders ist als seine Phantasien, wird er für gewöhnlich tief verletzt.
Folgen enttäuschter Liebe
Antimonium crudum ist eins der Hauptmittel für enttäuschte Liebe Ant-c.enttäuschte Liebe, enttäuschte Ant-c.Liebe. Man kann beinahe sicher sein, dass diese Menschen enttäuscht und verletzt werden; und genauso sicher ist es, dass sie dann Magenkrämpfe oder Kopfschmerzen entwickeln werden. Nach meiner Erfahrung leiden Antimonium-crudum-Patienten viel häufiger unter den Folgen von Kummer, als das Repertorium es anzeigt. Es sollte in der Rubrik „Beschwerden durch unglückliche Liebe“ eine höhere Wertigkeit erhalten. Bei Antimonium crudum ist von den Folgen des Kummers wiederum meist der Magen betroffen, wie bei NATRIUM CARBONICUM.
Nach einer Enttäuschung verfällt der Patient dann wieder in das andere Extrem, wird verschlossen und düster, redet mit niemandem mehr und hat keinen Kontakt mehr zu anderen, aber die Emotionen sind weiterhin vorhanden, und sie sind stark. Der Unterschied besteht nur darin, dass sie jetzt negativ sind. Und so gerät er mehr und mehr in diesen Zustand des seelischen Ungleichgewichts, in dem er zwischen extremer Sentimentalität und Rührseligkeit, die sich in künstlerischer oder poetischer Form ausdrückt, und extremer Zurückgezogenheit, Depression und Verdrießlichkeit hin und her schwankt.
Der Antimonium-crudum-Patient fühlt sich meist von anderen schlecht behandelt und meint, etwas Besseres verdient zu haben, aber er leidet nur passiv, er beklagt sich nicht und ist nicht geneigt, sich darüber mit anderen auszusprechen und seinen Standpunkt mitzuteilen, weil er meint, dass ihn eigentlich ohnehin niemand verstehen werde und dass das Ganze daher nur Zeitverschwendung sei.
Wenn er einer Frau erotische Avancen macht, ist er dabei so gefühlvoll und rührselig, dass die Frau vor einem solch starken Gefühlsausbruch zurückschreckt und sich so verhält, als wäre mit ihm etwas nicht ganz in Ordnung. Der Antimonium-crudum-Patient merkt das und ist tief verletzt.
Geht er nachts mit seiner Freundin aus, dann hat das Mondlicht hat großen Einfluss Ant-c.Mondlicht einen ungeheuren Einfluss auf ihn, er fühlt sich inspiriert, und seine Gefühle geraten in einen solchen Überschwang, dass er sie kaum noch beherrschen kann. Er versucht dann, sie künstlerisch oder poetisch auszudrücken. Und diese Neigung ist so stark, dass er ihr nachgibt, obwohl er sich bewusst ist, dass seine Freundin dieses Verhalten kaum verstehen wird und er sich nur lächerlich macht. In diesem Punkt werden andere ihn für „ein bisschen verrückt“ halten.
Man kann aber nicht erwarten, dass der Antimonium-crudum-Patient einem erzählt, dass eines seiner Symptome darin besteht, bei Mondlicht sentimental zu werden, denn er hält dies für eine seiner ganz normalen Eigenschaften.
Nach einem solchen Vorfall geht er dann nach Hause und muss die ganze Zeit daran denken, und wenn er sich ins Bett legt, kann er nicht einschlafen, weil er sich so viele Gedanken macht. Er ist traurig, deprimiert, fühlt sich elend und möchte in dieser Welt nicht mehr leben. Und genau dann kommen die Magenkrämpfe oder -schmerzen, Hämorrhoiden plagen ihn, oder er bekommt Kopfschmerzen, und all die körperlichen Leiden kommen zu seinem Unglück noch hinzu. Er denkt sich, dass er in die heutige Welt nicht hineinpasst und besser ein Jahrhundert früher gelebt hätte, als die Menschen noch romantischer und gefühlvoller waren; er fragt sich, was bloß aus ihm werden soll und wo er noch enden wird, und er hat Angst um seine Zukunft. Wenn ihm so etwas schon öfter passiert ist, beginnt er das Leben, verabscheut das Ant-c.Leben zu verabscheut das Leben Ant-c.verabscheuen, und ein regelrechter Todeswunsch steigt in ihm auf. Er geht zu Bett, und seine Gedanken drehen sich ständig um die Vorstellung, sich zu Selbstmord, Erschießen, durch Ant-c.erschießen, sich zu, hartnäckige Vorstellung Ant-c.erschießen, hartnäckige Vorstellung, sich zu Ant-c.erschießen. Diese Todesgedanken sind manchmal so hartnäckig und quälend, dass er aufstehen und im Zimmer auf und ab gehen muss, um sie loszuwerden.
Manchmal schlafwandelt er auch. Dieses nächtliche Wandern sollte aber nicht zu der falschen Annahme verführen, dass Antimonium-crudum-Patienten sehr unruhig sind. Sie können sehr leicht erschöpft und schwach werden, aber nicht ruhelos. Diese Schwäche ähnelt der von STANNUM-Patienten, nicht der von ARSENICUM-Patienten. Sentimentalität, überwältigt von Ant-c.ARSENICUM hat eben große Ruhelosigkeit, Antimonium crudum aber nicht.
Erinnern wir uns daran, dass der Antimonium-crudum-Patient, wenn er einmal von seinen sentimentalen Gefühlen überwältigt ist, sie nicht mehr beherrschen kann – sie sind so stark, dass sie ihn beherrschen. Große Erregung überkommt ihn nachts im Bett. So kann es vorkommen, dass er mit hohem Fieber im Bett liegt und ein unwiderstehliches Verlangen verspürt, in Versen zu sprechen; er gibt diesem Verlangen nach und macht damit einen lächerlichen Eindruck auf die Umstehenden.
Sexualität
Die sexuelle Sphäre ist beim Antimonium-crudum-Patienten ziemlich stark ausgeprägt, weil die Sexualität eng mit den Emotionen verbunden ist. Hat man jemanden mit starken Gefühlen vor sich, kann man erwarten, dass er auch ein stark ausgeprägtes Sexualleben hat. Das Sexualverhalten kann bei Antimonium-crudum-Frauen die Ausmaße von Nymphomanie annehmen. Sie engagieren sich gefühlsmäßig so sehr, dass sie unvernünftig handeln können; wenn ihnen die Emotionen außer Kontrolle geraten, machen sie sich selbst zum Narren.
Im ersten Stadium von Antimonium crudum, also im Stadium der Sentimentalität und Romantik, ist die Sexualität bei Männern gesteigert – der Patient verspürt starkes Verlangen, ist leicht zu erregen, und bekommt leicht Erektionen. Seine Sexualität ist aber niemals aggressiv. Wenn er jedoch in das Stadium der Verdrießlichkeit und Zurückgezogenheit oder Depression eintritt, scheint die Potenz ihn zu verlassen, die Erektionen verringern sich oder bleiben ganz aus, er wird impotent Ant-c.impotent, und sogar seine Genitalien werden schrumpelig und scheinen zu schrumpfen, beide Testikel und der Penis atrophiert Ant-c.Testikel und der Penis und Testikel erscheinen atrophiert Ant-c.Penis und Testikel atrophiert Ant-c.Penis erscheinen atrophiert.
Die Virilität geht verloren, und der Patient hat das Gefühl, plötzlich alt geworden zu sein. Tatsächlich kann Antimonium crudum bei ältere Menschen Ant-c.älteren Menschen angezeigt sein; ebenso auch bei Menschen, die sich aufgrund ihrer Pathologie alt fühlen.
In diesem Stadium finden wir extreme Reizbarkeit, und damit einhergehend dann möglicherweise auch einige Zeichen von Aggressivität.
Entwicklung der Antimon-crudum-Pathologie: Magenbeschwerden nach Kummer
Wir haben es also mit einem Menschen zu tun, der von einem emotionalen Extrem ins andere fällt, sehr unausgeglichen ist und dessen seelische Umwälzungen sich auf den Solarplexus, den Magen oder den ganzen Verdauungstrakt auswirken.
Das als erstes affizierte Organ ist der Magen. Arzneien, die Magenbeschwerden nach Kummer aufweisen können, sind, nach ihrer Häufigkeit geordnet: Antimonium crudum, NATRIUM CARBONICUM, NUX VOMICA, IGNATIA, COLOCYNTHIS, STAPHISAGRIA, ROBINIA etc. Die Differenzialdiagnose dieser Mittel muss man aufgrund genauer Kenntnis der Materia medica vornehmen. Haben wir z. B. einen Patienten mit einem Zwölffingerdarmgeschwür vor uns, denken wir sofort an NUX VOMICA, denn dieses Mittel hat die stärkste Tendenz, den Zwölffingerdarm in Mitleidenschaft zu ziehen. Sieht man dagegen dauerndes unerträgliches Sodbrennen, denkt man an ROBINIA.
Ebenso weist die Persönlichkeit des Patienten auf das eine oder andere Mittel hin. Weiß man in der Materia medica Bescheid, dann kann man einem Antimonium-crudum-Patienten nicht NUX VOMICA geben. NUX VOMICA ist ein Mittel, das sehr stark durch seine Reizbarkeit geprägt ist; selbst wenn sie latent ist, kann man sie deutlich wahrnehmen. Bei Antimonium crudum tritt die Reizbarkeit hingegen erst in dem oben beschriebenen Stadium auf – und insgesamt ergibt sich bei diesem Mittel ein völlig anderes Bild: Die Person ist lieb und nett, empfindsam, sentimental und darauf bedacht, andere nicht zu verletzen und nicht selbst verletzt zu werden, und sie hat Magenbeschwerden als Folge einer unglücklichen Liebesgeschichte oder eines Kummers.
Entwicklung der Antimon-crudum-Pathologie: Kontraktionen
Es gibt ein weiteres fortgeschrittenes pathologisches Stadium, in dem das Nervensystem angegriffen ist. Es treten spasmodische Kontraktionen in Extremitäten und Gesicht auf, besonders am Mund, verbunden mit Atembeschwerden, die zu Erstickungsgefühlen führen. Schließlich kommt es zu Konvulsionen und Chorea. Der Patient hat ein Rucken am ganzen Körper und jammert im Schlaf. Er kann geistig zurückgeblieben Ant-c.geistig zurückgeblieben erscheinen (Imbezillität ist hier häufiger als eigentliche Geisteskrankheit); Idiotie Ant-c.Idiotie. Dieser Zustand ähnelt der fortgeschrittenen psychisch-geistigen Verfassung von PULSATILLA-Patienten, in der diese völlig passiv sind und auf nichts mehr reagieren. Antimonium crudum kann diesem PULSATILLA-Zustand sehr nahe kommen, wird aber nicht diese extreme Passivität aufweisen.
In diesem Stadium verlässt die Antimonium-crudum-Person ihr Bett nicht, spricht ungefragt kein Wort, verlangt weder zu essen noch zu trinken, isst jedoch gerne, was man ihr gibt, wenn sie hungrig ist, und verweigert die Nahrung, wenn sie nicht hungrig ist. Sie zieht die ganze Zeit an ihrem Halstuch oder faltet ein Tuch und faltet es wieder auseinander. Sie ist physisch so empfindungslos, dass sie sich durch abgegangene Entleerungen an mehreren Stellen wundgelegen hat, ohne dies zu spüren und ohne je über Schmerzen zu klagen.
Bei Antimonium-crudum-Kindern kann eine Entwicklungsverzögerung eintreten, bei der die Fontanellen sehr lange offen bleiben.
Antimonium-crudum-Kinder
Es kann schon irritierend sein, einen vordem netten, empfindsamen Jungen in einen akuten Antimonium-crudum-Zustand – ausgelöst z. B. durch ein Fieber oder eine Erkältung – geraten zu sehen. Dies ist schlimmer als bei chamomillaCHAMOMILLA-Kindern und natürlich viel schlimmer als bei CALCIUM-PHOSPHORICUM-Kindern. Das Kind weint, schreit, wird launisch und benimmt sich unmöglich. Die Mutter sagt, dass es sie zur Verzweiflung treibt, es will weder liegen noch sitzen, nicht spielen oder sprechen oder sonst irgendetwas tun. Ohne Unterlass weint es den ganzen Tag, brüllt, schimpft und schlägt abwehrend mit den Händen, wenn man sich ihm zuwendet, es anfasst oder anspricht. Kaum ist es endlich eingeschlafen, wacht es schon wieder auf und fängt an zu weinen und zu maulen. Seine Aufmerksamkeit kann immer nur für ein paar Sekunden erregt werden, und dann steigt die innere Qual, dieser innere Aufruhr wieder in ihm hoch, und das Weinen und Brüllen geht weiter. Das Kind kann hohes Fieber haben, das sich zu allem Möglichen entwickeln kann. In einem solchen Fall kann die Frage danach, was das Kind gerne isst, den Ausschlag für das richtige Mittel geben. Wenn es nämlich andauernd nach Salatgurken, Verlangen nach Ant-c.Salatgurken verlangt, dann handelt es sich um einen Antimonium-crudum-Fall, gleichgültig ob sich das anfängliche Fieber zu Mumps, Scharlach, Masern, Windpocken, einer Lungenentzündung oder was auch immer entwickelt – dann braucht man nicht mehr zu zögern. Hat man diese Information aber nicht, wird man es wahrscheinlich erst einmal mit CHAMOMILLA, CALCIUM PHOSPHORICUM oder CINA versuchen – aber natürlich ohne Erfolg.
Ein solches Kind ist nicht aggressiv, geht nicht auf andere los oder schlägt sie, wie es beim CINA- oder noch mehr beim CURARE-Kind der Fall ist, das wie STRAMONIUM und TUBERCULINUM den Impuls hat, zu schlagen.
Es gibt jedoch auch Antimonium-crudum-Fälle, bei denen sich das Kind nicht so extrem verhält wie oben geschildert, insbesondere wenn es sich nicht um einen konstitutionellen Fall handelt, sondern das Kind das Mittel nur akut braucht. Dann sieht man nicht diese dramatische Charakterveränderung, sondern nur eine Zurückgezogenheit, eine mürrische Stimmung, eine Launenhaftigkeit und dieselbe zugrundeliegende Empfindlichkeit, aber viel weniger ausgeprägt und ausdrücklich. Der konstitutionelle Antimonium-crudum-Patient dagegen weist folgendes Bild auf: Als Junge lebt er seine romantischen Vorstellungen in der Phantasie aus. Er verliebt sich fast wie ein NATRIUM-MURIATICUM-Junge, hat dabei aber starke Gefühle, stellt sich eine Menge romantischer Szenen vor, erfindet Geschichten und lebt intensiv in diesen Phantasien. Er wagt es nicht, die Geliebte auf seine Liebe anzusprechen, aber nachts im Bett schmilzt er vor Liebe und romantischen Empfindungen nur so dahin. NATRIUM MURIATICUM, STAPHISAGRIA und Antimonium crudum sind sich in dieser Hinsicht recht ähnlich.
Allgemeinsymptome und Keynotes
  • Es ist interessant, die innere emotionale Überaktivität der Antimonium-crudum-Patienten im Zusammenhang mit ihrer Überempfindlichkeit gegenüber äußerer Wärme verschlechtert Ant-c.Wärme verschlechtert Ant-c.Hitze, äußere verschlechtert Ant-c.Hitze zu betrachten. Äußere Hitze verschlimmert, besonders Strahlungshitze verschlechtert Ant-c.Hitze, strahlende, verschlechtert Ant-c.Strahlungshitze wie von einem offenen Feuer, ebenso wie warme Räume und Sonnenhitze. Bei Kent heißt es dazu: „Offenes Feuer, offenes verschlechtert Ant-c.Feuer wirkt sich in jeder Beziehung negativ auf den Antimonium-crudum-Patienten aus. Ein Kind mit Keuchhusten hustet noch stärker, wenn es in ein offenes Feuer geblickt hat. Solche Dinge sind kurios; sie sind so eigenartig, dass sie durch keine philosophische Hypothese erklärt werden können, keine Theorie kann aufgestellt werden, die einer Erklärung nahe käme. Es handelt sich jedoch um Tatsachen, die wir eben akzeptieren müssen.“

  • Durch Alkohol tritt eine Verschlimmerung ein, besonders durch Wein verschlechtert Ant-c.Wein, und vor allem durch herben Wein, herber, verschlechtert Ant-c.Wein.

    • Es scheint fast, als erzeuge der Alkohol eine innere Hitze, die dann wiederum den gefühlsmäßigen Zustand des Patienten verschlimmert, indem sie weinerliche Rührseligkeit, Lachen etc. hervorruft; später, d. h. am nächsten Tag oder vielleicht schon nach einer Stunde, leidet er dann unter Kopfschmerzen oder Magenbeschwerden, als Nachwirkungen des Alkohols.

    • Ein herber Wein verschlimmert deswegen besonders, weil der Betreffende überhaupt nichts Saures vertragen kann.

    • In seinem deprimierten Zustand ist es sehr wahrscheinlich, dass der Patient erschöpft ist und sich älter vorkommt, als er eigentlich ist, er fühlt sich emotional und körperlich am Ende. Dann werden seine Beschwerden noch viel schlimmer, die Kopfschmerzen, die Magenschmerzen, der Heuschnupfen, die arthritischen Zustände etc.

    • Wenn er in einem solchen Zustand auch nur ein bisschen Wein trinkt, verschlimmert sich seine gesamte Situation massiv, sowohl auf körperlicher als auch auf gefühlsmäßiger Ebene.

  • Auch wenn er häufig danach verlangt, wird alles, was Saures verschlechtert Ant-c.sauer ist, ob es sich dabei nun um Wein, Essig oder um saure Gurken handelt, seinen Organismus völlig durcheinanderbringen. Die Magenschmerzen, die Hämorrhoiden und auch die Kopfschmerzen werden schlimmer. Es gibt in der gesamten Materia medica kein weiteres Mittel, bei dem Saures den Patienten so schlecht bekommt wie bei Antimonium crudum.

  • Paradoxerweise vertragen Antimonium-crudum-Patienten nicht nur keine äußere Hitze, sondern auch keine kalte Bäder verschlechtern Ant-c.kalten Bäder. Ein kaltes Bad ruft Symptome wie Kopfschmerzen, arthritische Schmerzen, Magenschmerzen etc. hervor, ähnlich wie bei BELLADONNA. Auch Kinder wollen ihr gewohntes Bad nicht nehmen Ant-c.Kinder wollen ihr gewohntes Baden verschechtert Ant-c.Bad nicht nehmen, sie entwickeln eine Abneigung, so als ob sie verstünden, dass es ihnen nach dem Baden schlechter geht.

  • Zudem treten die Beschwerden von Antimonium-crudum-Patienten meist abends schlechter Ant-c.abends und beim Zubettgehen auf – die Depressionen, die Selbstmordgedanken, die Ängstlichkeit und die Erregung, abends Ant-c.Erregung etc. Was auch immer für den einzelnen Antimonium-crudum-Patienten charakteristisch ist, es besteht die Tendenz, dass es nachts im Bett verstärkt wird.

  • Man neigt leicht dazu, Antimonium crudum mit SULFUR, BELLADONNA oder GLONOINUM zu verwechseln.

  • Die Vorstellung, dass die Emotionen förmlich nach außen „schwellen“, kann auch auf die körperliche Ebene übertragen werden: Kopfschmerzen, Bluthochdruck oder Absonderungen aus verschiedenen Körperöffnungen (Vagina, Rektum, Nase etc.) treten auf. Es handelt sich dabei um einen katarrhalischen Zustand, also ebenfalls eine Art Schwellung „nach außen“, mit erhöhter Schleimabsonderung, der durch saure Speisen, sauren Wein oder Erkältungen ausgelöst werden kann. Man könnte hier den Eindruck haben, dass die Krankheit durch einen Überfluss an Absonderungen einen Weg nach draußen sucht. Ganz allgemein sind die Absonderungen sehr reichlich.

  • Man sollte generell an „Klumpen“ denken, wenn man Antimonium crudum als Arznei in Erwägung zieht. Es treten wässrige Stühle auf, die mit Klumpen fäkaler Substanz durchmischt sind, klumpige Leukorrhö und viele subkutane Knoten und klumpige Verhärtungen. Es besteht zudem eine starke Neigung zur Bildung von Schwielen, besonders unter den Fußsohlen, wo die Schwielen sehr empfindlich sind.

  • Laute Geräusche, laute, verschlimmern Ant-c.Geräusche verschlimmern; Lärm verschlimmert den psychischen Zustand, das Kopfweh, die Schmerzen etc.

  • Und noch ein anderer wesentlicher Faktor gehört zur Beschreibung von Antimonium crudum – metastasierende Erkrankungen Ant-c.Metastase. Damit ist die Eigentümlichkeit gemeint, dass jeweils gegebene pathologische Zustände bei Antimonium crudum eine Tendenz aufweisen, in einen anderen pathologischen Zustand überzugehen; so werden z. B. Kopfschmerzen werden durch Magenschmerzen abgelöst Ant-c.Kopfschmerzen durch Magenschmerzen ersetzt, oder sobald die Magenschmerzen vorübergehen, setzen arthritische Schmerzen ein. Kent weist darauf hin, dass der Wechsel von einer Symptomengruppe zur anderen bei Antimonium crudum sehr dramatisch vor sich gehen kann: „Die ganze gichtige Natur eines Falles scheint sich so schnell zu ändern, dass man sich wundert, wo all die äußeren Symptome geblieben sind; denn ganz plötzlich, innerhalb einer Nacht oder eines Tages, beginnt der Patient zu erbrechen, und dieses Erbrechen kann tage- oder wochenlang andauern, bis dann die Gichtsymptome in den Extremitäten wieder auftreten. Es ist erstaunlich, wie schnell diese … Metastase erfolgen kann.“

  • Wenn der Patient seine Geschichte erzählt, so wird darin oft von Kopfschmerzen die Rede sein, die eine Weile anhalten, danach Magenschmerzen, mit deren Abklingen die Kopfschmerzen wiederkehren, dann rheumatische (oft gichtartige) Schmerzen, die wiederum die Kopfschmerzen ersetzen, und so geht es immer weiter in einem wechselnden Muster von Metastase (ABROTANUM). So fällt z. B. das Reitersche Syndrom in den Wirkungsbereich dieses Mittels, denn die drei charakteristischen pathologischen Zustände dieses Syndroms, arthritische Gelenkentzündung, Konjunktivitis und Urethritis, werden in zeitlicher Aufeinanderfolge bzw., wie wir in diesem Zusammenhang sagen können, in metastatischer Form hervorgerufen.

  • Kopfschmerzen mit Magenbeschwerden Ant-c.Kopfschmerzen sind sehr häufig mit Magenbeschwerden verbunden. Der Patient kann eine chronische periodische Gastritis haben, und jedes Mal wenn sie wieder schlimmer wird, bekommt er auch Kopfschmerzen. Kopfschmerzen und gastrische Symptome können also unmittelbar miteinander verbunden sein, oder sie können alternierend, Kopfschmerzen und gastrische Symptome Ant-c.alternierend auftreten. Doch all diese Variationen von Kopf-, gastrischen und rheumatischen Symptomen lassen immer klar und deutlich erkennen, dass die primäre Störung im Magen liegt.

  • Fettleibigkeit Ant-c.Fettleibigkeit ist häufig, vor allem bei jüngeren Menschen.

  • Die Haut trocken und aufgesprungen Ant-c.Haut ist generell sehr trocken und aufgesprungen, wobei die Risse vor allem an den Nasenlöchern, am Mund und überall da auftreten, wo Schleimhäute und Haut zusammentreffen. Auch an den Fingern ist eine besondere Eigentümlichkeit festzustellen: Die Haut bekommt dort Risse, wo sie an die Fingernägel angrenzt (an den Cuticulae). An den Wangen entstehen Ausschläge mit Unwohlsein (Schmerz, Reizung, Jucken, Eiter etc.), wenn sie der Wärmestrahlung eines offenen Feuers ausgesetzt sind.

  • Periodizität; die Symptome treten nach jeweils drei Wochen erneut auf.

  • Die Symptome treten nur linksseitig auf, oder über Kreuz: rechts oben und links unten.

  • Schlimmer durch: Feuchtigkeit und Kälte; kaltes Baden; saure Nahrung, Essig verschlechtert Ant-c.Essig, Süßigkeiten, Brot, Schweinefleisch; Mondlicht; Berührung; Sommerhitze; die Hitze eines offenen Feuers, der Sonne; wenn man ihn anblickt; übermäßiges Essen und Trinken.

  • Besser an der frischen Luft und in Ruhe, durch Hinlegen.

Lokalsymptome
KopfDer Kopf reagiert sowohl auf extreme Hitze als auch auf extreme Kälte empfindlich, es scheint, als könne er starke Reizung durch innere oder äußere Temperaturwechsel nicht ertragen. Die Kopfschmerzen kommen auf, wenn der Patient Sonnenbestrahlung oder Hitze ausgesetzt ist, wenn er innerlich erhitzt ist, wie durch Alkoholeinfluss, und wenn ihm kalt wird, wenn er sich erkältet oder fröstelt. Es kann sein, dass der Patient Kopfschmerzen nach kaltem Bad Ant-c.Kopfschmerzen bekommt, nachdem er ein kaltes Bad genommen hat; genauer gesagt: Er bekommt Kopfschmerzen, nachdem er durch ein kaltes Bad fröstelt. Manchmal können die Kopfschmerzen jedoch auch durch kalte Anwendungen gelindert werden. Diese Kombination von Hitze, Alkohol und kalten Bädern als auslösende Faktoren für Kopfschmerzen ist so nur bei Antimonium crudum zu beobachten. Und wenn die Kopfschmerzen von Schmerzen in den unteren Gliedmaßen begleitet Ant-c.Kopfschmerzen dann auch noch von Schmerzen in den unteren Gliedmaßen begleitet oder gefolgt werden, dann handelt es sich definitiv um einen Antimonium-crudum-Fall.
Diesen Patienten geht es grundsätzlich besser, wenn sie an der frischen Luft spazierengehen, an der frischen Luft bessert Ant-c.spazierengehen, vor allem wenn es draußen kühl ist, und ganz speziell dann, wenn sie in der Kühle der Nacht bei Mondschein spazieren gehen. Bei Kent kann man dazu nachlesen: „Kopfneuralgien, zerschmetternde Kopfschmerzen und fürchterliche Übelkeit im Magen mit Erbrechen … durch eine Erkältung kommend, die den dicken Ausfluss aus der Nase verringert und Trockenheit auslöst … Manchmal vergehen diese Beschwerden nach einem heftigen Anfall von Erbrechen; manchmal aber auch nicht, und dann kann das Kopfweh tagelang anhalten, ohne durch Erbrechen gelindert zu werden; oder es wird nur durch lang anhaltendes Erbrechen besser.“
Man sollte sehr darauf achten, Antimonium crudum sorgfältig von PULSATILLA zu unterscheiden, dem es in diesem Punkt sehr ähnelt. Betäubender Kopfschmerz, mit ausbrechendem Angstschweiß, beim Gehen im Freien.
  • Kopfschmerzen, wenn die Absonderung aus der Nase unterdrückt wird. Kopfschmerzen nach Unterdrückung von Ausschlägen.

  • Kopfschmerz, als wollte die Stirn bersten.

  • Zwischen Kopf und Magen besteht eine Verbindung, und wann immer das eine verstimmt ist oder wehtut, ist auch das andere betroffen.

  • Bei Kopfschmerzen wird das Kind gereizt und launisch, will nichts mehr essen, steht vom Tisch auf und geht zu Bett. Völlige Appetitlosigkeit bei Kopfschmerzen Ant-c.Appetitlosigkeit bei Kopfschmerzen.

  • Blutandrang zum Kopf.

  • Blutandrang im Kopf mit Bluthochdruck und Nasenbluten bei fettleibigen Menschen mit rotem Gesicht.

  • Jucken der Kopfhaut mit Haarausfall.

AugenEs kommt zu Röte und Entzündungen der Augenlider Ant-c.Röte und Entzündungen der Augenlider Ant-c.Entzündungen der Augenlider und der Konjunktiven, besonders der lateralen Konjunktiven. Der äußere Augenwinkel ist besonders stark betroffen; er reißt ein, brennt und ist wund. Es tritt Eiterung auf, nächtliches Zusammenkleben der Lider und morgens Photophobie. Pusteln auf den Augenlidern.
Blennorrhö der Konjunktiva. Chronische Konjunktivitis bei Kindern. (Andere Mittel, die zu subakuter Entzündung der Lidränder passen, sind TUBERCULINUM, CLEMATIS, GRAPHITES, EUPHRASIA, CHRYSAROBINUM etc.)
Entzündung der Tränendrüsen und der Tränenkanäle. Gerötete Augenlider mit feinen Stichen im Augapfel. Kleine, nässende Stelle am äußeren Augenwinkel, die heftig schmerzt, wenn Schweiß daran kommt.
NaseVerstopfte Nase, schlimmer nachts im Bett, schlimmer im warmen Zimmer. Sobald der Patient ein warmes Zimmer betritt, ist die Nase verstopft. Es sind Krusten in den Nasenlöchern Ant-c.Krusten in den Nasenlöchern, die wund und aufgesprungene Nasenlöcher Ant-c.aufgesprungen sind. Beide Nasenlöcher sind aufgesprungen, mit Krustenbildung. Ekzeme der Nasenlöcher. Wundheitsgefühl in den Nasenlöchern beim Einatmen, vor allem im rechten Nasenloch, das auch etwas verstopft ist.
Nasenbluten mit Schwindel.
GesichtEin typisches Antimonium-crudum-Kind, bei dem die Störung nicht sehr tiefgreifend ist, sondern eher an der Oberfläche zutage tritt – an Haut und Schleimhäuten –, ist relativ leicht zu erkennen, wenn man ihm ins Gesicht schaut. Solche Kinder haben häufig Hautausschläge an den Augenlidern Ant-c.Hautausschläge: an den Augenlidern, die rot und entzündet sind oder Pusteln aufweisen, und an Wangen oder Kinn, wo pustulöser (gelbkrustiger) eiternder Ausschlag an Wangen oder Kinn Ant-c.eiternder Ausschlag auftritt. Die befallenen Hautregionen springen leicht auf, die Lippen sind trocken, die Mundwinkel sind eingerissen oder zeigen einen Ausschlag, die Nasenlöcher sind rissig mit Schorf und Krusten, und die äußeren Augenwinkel sind besonders stark von Rissen und Entzündungen betroffen. So sieht ein typisches Antimonium-crudum-Kind aus. Pickel, Pusteln und Beulen im Gesicht.
Bei Erwachsenen ist im Prinzip ein ähnliches Bild möglich. Man wird es aber nur selten antreffen, weil heutzutage in der westlichen Welt kaum jemand einen solchen Zustand der Gesichtshaut länger als ein paar Tage hinnehmen würde, ohne ihn mit kortisonhaltigen Cremes zu unterdrücken. Der Patient wird wahrscheinlich erst nach einer solchen Unterdrückung in die Sprechstunde kommen und dann unter arthritischen oder gichtischen Zuständen, Magenbeschwerden oder Kopfschmerzen leiden, oder gar unter psychischen Symptomen.
MundIm Mund gibt es ein großes Keynote: einen dicken weißer Belag auf der Zunge Ant-c.Belag, weißer, auf der Zunge Ant-c.weißen Belag auf der Zunge, der wie Schnee, Zunge wie von S. bedeckt Ant-c.Schnee aussieht. Kent schreibt: „Die Schleimhäute neigen dazu, eine milchige weiße Exsudation der Schleimhäute Ant-c.milchige weiße Exsudation abzusondern oder abzulagern, was sich besonders auf der Zunge bemerkbar macht.“ (Hervorhebung G. Vithoulkas). Die Zunge eines typischen Antimonium-crudum-Patienten sieht so weiß aus, als sei sie von einer dicken Lage Schnee bedeckt.
  • Gelbe Verfärbung der Zunge. Wundheitsgefühl und Röte am Zungenrand.

  • Risse oder Beulen in den Mundwinkeln.

  • Nachts Mundtrockenheit.

  • Schweres Zahnfleischbluten.

  • Speichelfluss und Mundgeruch wie bei Merkurial-Speichelfluss.

  • Der Patient muss Mengen von dickem, gelblichem Schleim von den Choanen heraufziehen und ausspucken.

HalsAphonie, schmerzlose Ant-c.Aphonie, schmerzlos, durch Überhitzung, besser nach Ausruhen. Heiserkeit oder Verlust der Stimme durch ein kaltes Bad Ant-c.Heiserkeit oder Verlust der Stimme durch ein kaltes Bad, durch Überhitzung. Bei Kent kann man dazu lesen: „Er nimmt abends, bevor er zu Bett geht, ein kaltes Bad und kann dann morgens beim Aufstehen kein Wort mehr reden. Dies ist anscheinend schmerzlos aufgetreten; er merkt nichts davon, bis er morgens versucht zu sprechen.“
Gefühl, als habe sich ein Fremdkörper im Hals festgesetzt, mit ständigen, vergeblichen Versuchen, ihn zu schlucken oder auszuwerfen.
Atmung, Brust, HerzTrockener, kurzer, spasmodischer Husten. Der Husten wird schlimmer, wenn der Patient in ein offenes Feuer schaut. Husten beim Betreten eines warmen Zimmers von draußen; mit brennendem Gefühl in der Brust. Husten in Husten, anfallsweiser Ant-c.Paroxysmen auftretend, schlimmer morgens nach dem Aufstehen. Der erste Hustenanfall ist am schlimmsten, die folgenden werden immer Hustenanfälle, der erste der H. ist der schlimmste, die folgenden werden immer schwächer Ant-c.schwächer. Kent schreibt: „Der erste Anfall kommt mit großer Heftigkeit, erschüttert den ganzen Körper und dauert eine kürzere oder längere Zeitspanne an, danach folgt ein weniger heftiger Anfall, und ein weiterer ist noch schwächer; nach vielleicht zwölf oder auch weniger Anfällen, die immer schwächer werden, endet es mit einem Hüsteln, das kein wirklicher Anfall mehr ist. Wenn dieser erste Hustenanfall, sei es nun Bronchitis oder Keuchhusten, den ganzen Körper schüttelt, die Zunge weiß ist und mehr oder weniger gastrische Symptome auftreten, dann ist Antimonium crudum das richtige Mittel. Es wird das gesamte Bild des Falles sofort ändern.“
Dyspnoe; kurze, schwere Atmung. Schweratmigkeit nach dem Essen, nach der Abendmahlzeit, verbunden mit Magenbeschwerden. Zusammenschnürung der Brust fast bis zum Ersticken. Erstickendes Asthma, erstickendes Ant-c.Asthma. Starkes, anhaltendes Jucken auf der Brust, den ganzen Tag über. Heftiges Jucken auf der Brust Ant-c.Jucken auf der Brust weckt ihn nachts, und er fühlt Pickel an verschiedenen Stellen.
Heftiges Herzklopfen. Unregelmäßiger Puls.
MagenWie schon mehrmals angemerkt wurde, ist der Magen eindeutig die Schwachstelle der Antimonium-crudum-Patienten, und Verstimmungen, Störungen oder Krämpfe werden immer zuerst dort verspürt. Ein typischer Antimonium-crudum-Patient fühlt sein ganzes Leben lang einen Krampf in der Magengegend Ant-c.Krampf oder eine Beklemmung in der Magengegend Ant-c.Beklemmung in der Magengegend. Im Magen sind alle Arten von Symptomen vorhanden, besonders Magenschmerzen, die mit Übelkeit und Kopfschmerzen verbunden sind.
  • Brennend krampfhafter Schmerz in der Magengrube, in Anfällen, die ihn zur Verzweiflung treiben und zu dem Entschluss, sich zu ertränken.

  • Der Patient kann nicht viel Nahrung aufnehmen und kann durch übermäßiges Essen, Säure, Wein etc. leicht Magenbeschwerden bekommen.

  • Krampfartige Schmerzen, Gastritis.

  • Ständige Übelkeit und die ganze Zeit ein Gefühl, er habe zu viel gegessen, obwohl er in Wirklichkeit gar nichts gegessen hat.

  • Aufstoßen mit dem Geschmack des Gegessenen.

  • Der Magen fühlt sich aufgebläht an, obwohl der Bauch flach ist. Ständiger Abgang von Winden, nach oben und nach unten.

  • Lang andauerndes Würgen, Übelkeit und Erbrechen, das aber keine Linderung bringt.

Saure Speisen und Hitze verschlimmern die Magenbeschwerden, ebenso Süßigkeiten. Und es gibt ein spezielles Nahrungsmittel, nach dem verlangt wird: Salatgurke. Es kann sein, dass ein sehr krankes Kind, das Fieber und Erbrechen hat und mürrisch und schlechtgelaunt ist, nichts anderes als Salatgurke essen will. Man könnte zunächst an CHAMOMILLA denken, aber das Verlangen nach Gurken weist eindeutig auf Antimonium crudum hin. Dieses Verlangen kann bei Fieber oder bei jeder Art gastrischer Störung vorkommen.
Der Antimonium-crudum-Patient ist ein guter Esser und nimmt leicht an Gewicht, nimmt leicht an G. zu Ant-c.Gewicht zu. Aber es kann auch das Gegenteil eintreten, besonders bei Kindern. Sie sind dann sehr dünn, essen sehr wenig und sind sehr wählerisch. Was sie nicht kennen, werden sie nicht ohne weiteres probieren; sie bestehen darauf, es nicht zu mögen, auch wenn sie es noch nie probiert haben. Diese „elende Esserei“ lässt das Kind überaus dünn werden und krank aussehen und nimmt ihm jegliche Widerstandskraft.
Es ist auch möglich, dass der Patient bei gastrischen Störungen oder Fieber schon eine Abneigung gegen den bloßen Anblick oder Geruch von Nahrung entwickelt. Nahrung kann Übelkeit hervorrufen. Brot und Gebäck können Übelkeit und kolikartige Schmerzen auslösen. Ein Antimonium-crudum-Patient kann zwar Verlangen nach sauren Speisen, nach Eingelegtem entwickeln, aber das stärkere Charakteristikum ist die Verschlimmerung durch Saures.
Das Gefühl eines Klumpens im Magen, als liege dort eine Menge unverdauter Nahrung, tritt bei Antimonium-crudum-Patienten häufig auf. Auch Erbrechen führt dann möglicherweise zu keiner Linderung. Heftiger Durst mit Trockenheit von Mund und Lippen.
AbdomenDas Abdomen ist nach reichlichem Essen aufgetrieben; manchmal ist aber auch der Bauch flach und nur der Magen aufgetrieben. Gluckern im Unterleibe, wie wenn Luftblasen im Wasser aufsteigen. Lautes Knurren, lautes, im Hypogastrium Ant-c.Knurren im Hypogastrium. Blähungen entstehen gleich nach dem Essen und bewegen sich hörbar, vor allem in der rechten Bauchseite, mit Abgang einzelner Winde.
heftige Schmerzen im Abdomen mit starker Auftreibung Ant-c.Heftige Schmerzen im Abdomen, brennend, schneidend, mit starker Auftreibung. Völle des Abdomens. Dazu steht bei Kent: „Heftige Bauchschmerzen, Brennen, starke Auftreibung; die Auftreibung scheint zuzunehmen, als ob eine Schraube sich allmählich gewaltsam in etwas hineindrehen würde, allmählich die Spannung erhöhen würde. Ein derartiges Symptom tritt beim tympanitischen Zustand von typhoiden Fiebern auf, ferner in Fällen von Flatulenz, oder bei Sommerdiarrhö. Es wird begleitet von gastrischen Symptomen und der weißen Zunge, besonders wenn solche Störungen durch sauren Wein oder ein kaltes Bad ausgelöst wurden …“
Kneifender Schmerz, und ein Gefühl, als setze Diarrhö ein. Kneifen, wie im Pulsrhythmus, an einer kleinen Stelle in der linken Bauchseite, ziemlich tief unten. Gefühl von Leere in den Eingeweiden, besser nach dem Essen. Entzündung und Verhärtung der Leber. Schmerzen in der Gallenblasenregion.
Rektum und StuhlWenn Diarrhö alternierend mit Verstopfung auftritt, sollte man Antimonium crudum in Betracht ziehen, besonders wenn dies bei Personen der Fall ist, die ziemlich erschöpft aussehen und frühzeitig gealtert erscheinen (oder tatsächlich schon älter sind). Diarrhö nach Magenverstimmung durch Überessen; nach Säuren, saurem Obst, Essig; nach kaltem Bad; nach Weingenuss; nach dem Stillen; bei alten Menschen; im Sommer, nach Überhitzung; mit Übelkeit und Erbrechen; mit Koliken; mit viel Aufstoßen, mit dem Geschmack des Gegessenen.
Wässrigen Stühlen sind kleine harte Klumpen beigemischt. Der Stuhl ist erst normal, dann folgen mehrere kleine weiche Stuhlabgänge, darauf ebenso kleine harte, mit heftigem Pressen im Rektum und Anus bis zum Ende. Es scheint sehr lange zu dauern, bis der Darm wirklich entleert ist. Sehr dünner Stuhlgang. Breiartiger, öfterer Stuhl. Ständige Schleimabsonderung vom Anus. Beim Abgang von Blähungen tritt Schleim aus. Proktitis.
Blutungen. Absonderung von schwarzem Blut. Rektumprolaps beim Stuhlgang. Lästige Hämorrhoiden.
HarnorganeIm Urogenitalsystem tritt vor allem eine Besonderheit auf – häufiges Urinieren mit spärlichem Urin und mit schmerzhaften Erektionen. Häufiges Urinieren mit viel Schleim, starkem Brennen in der Harnröhre und Rückenschmerzen bei der Ausscheidung. Schneiden in der Harnröhre beim Harnlassen. Unwillkürlicher Abgang reichlichen Harns, bei sehr erschütterndem Husten.
Männliche GenitalienGroße sexuelle Erregung mit romantischen Phantasien. Unbehaglichkeit und Unruhe im ganzen Körper durch sexuelle Erregung, sodass der Patient nicht eine Minute stillsitzen kann. Nächtliche Samenergüsse, mit oder ohne wollüstige Träume. Lüsterne Träume. Lüsterne Gedanken mit Erektionen, wenn der Patient nachts im Bett liegt, sodass er hellwach bleibt. Kleine Geschlechtsorgane, verkümmert, geschrumpft, mit Verlust des sexuellen Verlangens. Impotenz.
Weibliche GenitalienBeschwerden durch Unterdrückung der Regel. Prämenstruelles Syndrom, Zahnschmerzen mit Bohren bis in die Schläfen. Die emotionalen Zustände dieser Frauen wirken sich leicht auf die Ovarien aus; hysterische Mädchen mit viel Einbildungen, vor allem in Liebesdingen. Schmerzen in den Ovarien bei Mädchen mit Liebeskummer.
Außerordentlich starkes sexuelles Verlangen durch Unterdrückung der Regel Ant-c.sexuelles Verlangen durch Unterdrückung der Regel. Die Regel wird durch ein Menses unterdrückt, durch kaltes Bad Ant-c.kaltes Bad unterdrückte Menses durch kaltes Bad Ant-c.kaltes Bad, Mensesunterdrückung durch Ant-c.unterdrückt, mit Empfindlichkeit in der Ovarialregion. Dunkle Regelblutung.
Während der Schwangerschaft können gastrointestinale und hämorrhoidale Beschwerden auftreten. Übelkeit, Erbrechen und Diarrhö während der Schwangerschaft. Während der Schwangerschaft zeigen sich Hautausschläge.
Scharfe, wässrige Leukorrhö aus der Scheide, die an den Schenkeln herab einen beißenden Schmerz verursacht. Wässrige Leukorrhö mit Klumpen.
Im Uterus Pressen, als ob etwas herauswolle, im Uterus Ant-c.Pressen, als ob etwas herauswolle. Es scheint fast, als ob der Inhalt des Beckens herausgestoßen werde oder herausfalle.
RückenRheumatische Schmerzen im Nacken und in den Lenden. Anschwellen der Halslymphknoten. Spasmodische Stiche im rechten Schulterblatt, im Sitzen. Heftiges Jucken am Rücken.
ExtremitätenGichtartige oder arthritische Beschwerden Ant-c.Gichtartige oder arthritische Beschwerden Ant-c.arthritische Beschwerden. Arthritische Knoten an den Fingergelenken. Die Symptome ändern sich mit Wetterwechsel. Schlimmer durch kalte Bäder, durch nasses und kaltes Wetter, besser durch ein heißes Bad.
Ziehende Schmerzen in den Armen, Fingern, Knien, Fersen und in den Gelenken. Entzündung in den Ligamenten des Ellenbogens.
Paralytisches Zittern, paralytisches Ant-c.Zittern der Hände bei jeder Bewegung und beim Schreiben. Paralytischer Schmerz in den Muskeln der Oberarme beim Beugen der Arme, als würden die Muskeln zu sehr zusammengezogen oder durch diese Anstrengung geschwächt. Krampfartige Kontraktionen der Arme, der Hände und der Gesichtsmuskeln. Muskelzuckungen.
Zahlreiche hornige Warzen an Händen und Fingern Ant-c.Warzen an Händen und Fingern. Hornige Warzen unter den Nägeln. Nägel gesplittert Ant-c.Nägel langsam wachsend; verformt; dick; gesplittert; verfärbt.
Hühneraugen, Verhärtungen, schmerzhafte Schwielen, schmerzhafte, an den Sohlen Ant-c.Schwielen an den Sohlen. Große verhornte Stellen an den Sohlen, nahe an den Zehen.
Große Empfindlichkeit der Fußsohlen beim Gehen.
SchlafTagsüber Schläfrigkeit, besonders vormittags. Nachts häufiges Aufwachen, wie von Schreck. Schreckliche Träume von der Verstümmelung von Menschen. Angstträume, als sollte er verletzt werden. Träume von Streit. Wollüstige Träume mit Samenerguss. Kinder kreischen und knirschen mit den Zähnen.
HautDie Haut ist empfindlich und neigt dazu, harte Haut Ant-c.hart, verdickte Haut Ant-c.verdickt und wund zu werden, sobald sie unter ständigem Druck steht, wie an den Sohlen. Schon ein relativ leichter Druck kann Schwielen hervorrufen. Hornige Wucherungen Ant-c.Hornige Wucherungen. Bei Antimonium-crudum-Patienten besteht eine starke Neigung zu harten, verhärteten und wunden Hautstellen.
Urtikaria mit weißen Buckeln und rotem Hof, mit heftigem Brennen und feinen Stichen. Die Haut ist geschwürig. Trockene Gangrän. Pustulöse Ausschläge mit entzündeter Basis, die rot und empfindlich ist. Pickel treten plötzlich ausschlagartig auf. Ekzem mit gastrischen Störungen.
Reichliches, erschöpfendes Schwitzen bei der geringsten Anstrengung; Nachtschweiß. Auf Überhitzung reagiert die Haut mit Beulen und Schwitzen. Der Schweiß ist so reichlich, dass die Fingerspitzen weich werden und schrumpeln.

Antimonium tartaricum

Essenzielle Merkmale
Antimonium tartaricum ist vorwiegend für schwer erkrankte Menschen geeignet, man könnte sagen, für „Krankenhausfälle“. Diese lassen sich in die folgenden drei Kategorien einteilen:
  • wenn vorwiegend der Respirationstrakt betroffen ist

  • wenn vorwiegend das Verdauungssystem betroffen ist

  • wenn vorwiegend das Nervensystem betroffen ist

Am häufigsten wird diese Arznei bei Erkrankungen des Respirationssystems, Erkrankungen des Ant-t.Respirationssystems angewandt (im Unterschied zu ANTIMONIUM CRUDUM, bei dem das Zentrum der Beschwerden das Verdauungssystem ist). Die Stellen des Respirationstrakts, auf die Antimonium tartaricum am meisten wirkt, sind die Trachea, die Bronchien und die Lungen. An zweiter Stelle steht das Verdauungssystem, an dritter das Nervensystem.
Atemwege: Bronchien und Lungen
Beim Respirationstrakt ist vor allem der untere Teil betroffen, d. h. Bronchien und Lungen. Die Entzündung muss in einem solchen Fall allerdings schon recht schwer sein, damit Antimonium tartaricum wirklich angezeigt sein kann. Es erweist sich als besonders nützlich bei fortgeschrittenen Stadien von Bronchitis, fortgeschrittene Stadien der Ant-t.Bronchitis, Bronchopneumonie, fortgeschrittene Stadien der Ant-t.Bronchopneumonie oder Pneumonie, fortgeschrittene Stadien der Ant-t.Pneumonie; ebenso bei kränklichen Kindern mit leichtem bis mittleren Fieber, Übelkeit und hörbarem Schleimrasseln, hörbares Ant-t.Schleimrasseln; und bei Bronchopneumonie oder Pneumonie älterer Menschen mit verfallener Konstitution, deren Organismus seine Reaktionsfähigkeit fast völlig verloren hat und die nicht einmal die Kraft haben, Schleim auszuhusten, hat keine Kraft Ant-t.Schleim auszuhusten. Diese Patienten können nur mühsam atmen und produzieren dabei ein hörbares Rasselgeräusch. Man erkennt dann sofort, dass man einen schweren Fall von Lungenentzündung vor sich hat, und der Patient sieht aus, als ob er in kürzester Zeit sterben werde. Kent schreibt dazu: „Wenn wir genau hinhören, hören wir raues Rasseln und Blubbern in der Brust. Wer sich jemals in einem Sterbezimmer aufgehalten hat, kennt das sogenannte Todesröcheln. So rau ist auch dieses Rasseln. Hin und wieder wird ein Mundvoll hellgefärbten, weißlichen Schleims ausgeworfen. Die Brust füllt sich ständig mit Schleim, den er anfangs noch aushusten kann; aber schließlich erstickt er an dem angesammelten Schleim und an der Unfähigkeit von Brust und Lungen, ihn auszuwerfen … Antimonium tartaricum zeigt Husten, Würgen und Brechreiz, und dies in einem Zustand von großer Erschlaffung, Erschöpfung und Kälte. Es scheint, als werde der Patient sterben. Wenn man ihn husten hört, ist man sofort überzeugt davon, dass seine Lungenfunktion außerordentlich schwach ist. Es ist bekannt, dass die Kraft der Lungen ausschlaggebend dafür ist, dass beim tiefen Einatmen eine austreibende Wirkung erzeugt werden kann. Diese Kraft haben die Lungen beim Antimonium-tartaricum-Patienten nicht mehr. Die Brust ist mit Schleim gefüllt, und es rasselt … Er erstickt und schwindet buchstäblich dahin, stirbt durch Kohlendioxidvergiftung, die auf einen Mangel an ausstoßender Kraft zurückzuführen ist.“
Nash sagt, dass Antimonium tartaricum eines der besten Mittel bei Hepatisation der Lungen ist, die nach einer Pneumonie zurückbleibt.
Schläfrigkeit und Schwäche
Das Herz versucht die Schwäche der Lungen zu kompensieren, aber die Schläfrigkeit bei Pneumonie Ant-t.Schläfrigkeit ist deutlich zu erkennen, und man merkt, dass die Sauerstoffversorgung des Blutes erheblich gestört ist. Der Patient fühlt sich sehr schläfrig, wenn er die Augen schließt, meint er, das Bewusstsein zu verlieren. Es ist eine Schläfrigkeit, die an einen komatösen Zustand grenzt, und wer in einem solchen Fall mit der Verschreibung von ANTIMONIUM TARTARICUM bis zum nächsten Tag wartet, muss befürchten, dass es dann schon zu spät ist. Diese Befürchtung wird noch verstärkt, wenn man sich den Patienten genau ansieht: Das Gesicht ist sehr blass oder fahl, kränklich und abgezehrt; die Nase ist zusammengedrückt; die Augen liegen zurück, mit dunklen Ringen darum; die Lippen sind blass, trocken, verschrumpelt; die Nasenlöcher flattern, und das Innere der Nasenlöcher wirkt schwarz und rußig. Das ganze Gesicht ist mit kaltem Schweiß bedeckt. Man hört die mühsame Atmung mit den rauen Rasselgeräuschen, und man fragt sich, ob der Patient imstande sein wird, seine Brust von dem angesammelten Schleim zu befreien. Er sieht erschöpft aus und scheint kurz vor einer Ohnmacht, und während man noch versucht, sich ein Bild von der Situation zu machen, setzen Würgen und Brechreiz ein, er dreht sich herum, um zu erbrechen, und müht sich damit ab, etwas Substanz herauszubringen, und man sitzt da als hilfloser Beobachter. Man sieht den Schleim herauskommen und vermag nicht zu sagen, ob er vom Magen oder von den Lungen kommt, und nachdem der Patient es unter großer Anstrengung geschafft hat, ein bisschen Schleim herauszubringen, wirkt er so schläfrig und so erschöpft, dass man ihm gar keine Fragen stellen mag. Zu einer solchen Situation kann es bei Bronchopneumonie eines Antimonium-tartaricum-Patienten kommen.
Der Patient wird immer schwächer, sieht ängstliches Aussehen Ant-t.ängstlich und verzweifeltes Aussehen Ant-t.verzweifelt aus, das Gesicht zuckt und ist schweißgebadet, er wird immer schläfriger, und seine Reaktionsfähigkeit schwindet augenscheinlich. Dann kann plötzlich ein Delirium eintreten; ein murmelndes Delirium; Selbstgespräche. Wenn man ihn anspricht, scheint er das Bewusstsein wiederzuerlangen, er antwortet korrekt, verfällt dann aber sofort wieder ins Delirium. In manchen Fällen kommt es zu Stupor, dann und wann von Zuckungen unterbrochen. So sieht im Allgemeinen das Krankheitsbild aus, wenn man es mit einem typischen schweren Antimonium-tartaricum-Fall zu tun hat.
Aber ob es sich nun um eine akute oder um eine chronische Krankheit handelt, der Antimonium-tartaricum-Patient vermittelt immer den Eindruck, dass es ernst um ihn steht, als nahe der Tod heran. Sowohl der Patient als auch der Arzt spürt das, es ergibt sich einfach aus der Situation. Kent beschreibt seine diesbezüglichen Erfahrungen so: „Die Luft im Krankenzimmer ist stechend, eher noch stechend als stinkend oder faulig, und man hat den Eindruck, dass der Tod mit im Zimmer ist. Die Familie des Patienten läuft verstört hin und her, die Krankenschwester ist aufgeregt und übergeschäftig, und in solch einer Situation soll man nun eine homöopathische Behandlung durchführen. Es ist ein Bild der Aufregung, man kann gar nicht schnell handeln, aber man muss sehr schnell etwas verschreiben. Solche Umstände beeinflussen das Denken störend, wenn man gerade sehr präzise und sehr schnell denken muss.“
Oft wird man bei Lungenentzündungen zwischen CARBO VEGETABILIS und Antimonium tartaricum zu differenzieren haben. Der Unterschied besteht darin, dass bei CARBO VEGETABILIS das Rasseln nicht so auffällig oder so rauh ist; zudem sind der Atem und die Extremitäten bei CARBO VEGETABILIS kalt, und die Gesichtszüge wirken nicht so ausgezehrt und eingefallen. Beim Antimonium-tartaricum-Patienten kommt es außerdem zu Übelkeit oder Würgen und Brechreiz. Zwar treten bei beiden Mitteln Atemnot, Gesichtsblässe, kalter Schweiß und das Verlangen auf, Luft zugefächelt zu bekommen, aber die Differenzialdiagnose ist nicht so schwierig. Tyler schreibt: „Man sieht, von welch unschätzbarem Wert Antimonium tartaricum für verzweifelte Fälle ist und wie es zusammen mit CARBO VEGETABILIS eines der Mittel für Menschen ‚in den letzten Zügen‘ ist.“
Verdauungssystem
Wenn bei Antimonium tartaricum das gastrointestinale System betroffen ist, treten heftige Übelkeit, heftige Ant-t.Übelkeit, Erbrechen, Erschöpfung, allgemeine Kälte, kalter Schweiß und Schläfrigkeit auf. Nash bezeichnet es als ein großes Mittel für die Cholera Ant-t.Cholera, für die fortgeschrittenen Stadien dieser schweren akuten Gastroenteritis (die vor allem in warmen Ländern vorkommt), soweit die Erscheinung des Patienten ähnlich ist wie oben beschrieben.
Nervensystem
Auf das Nervensystem wirkt Antimonium tartaricum mit Zittern, innerlich und äußerlich. Zittern des Kopfes mit paralytischem Zittern der Hände bei jeder Bewegung.
  • Zittern am ganzen Körper mit großer Erschöpfung und Ohnmacht.

  • Konvulsionen mit tetanischen Krämpfen; mit Bewusstlosigkeit; epileptische Anfälle mit heftiger Übelkeit oder Erbrechen; konvulsivische Bewegungen.

  • Konvulsionen durch unterdrückten Ausschlag.

  • Zusammenziehung aller Muskeln, besonders des Abdomens und der oberen Gliedmaßen.

Geistig-emotionales Bild: Kinder
Kommen wir nun zum geistig-emotionalen Bild von Antimonium tartaricum. Es gibt hier Ähnlichkeiten mit den Symptomen von ANTIMONIUM CRUDUM, und diese beiden Mittel haben überhaupt einiges gemeinsam; aber natürlich hat jedes Mittel seine eigene Individualität, und es gibt auch wichtige Unterschiede.
Das Antimonium-tartaricum-Kind ist mürrisch, launisch, weinerlich, jammernd, lässt sich nicht berührt werden, will nicht Ant-t.berühren, hält nicht still, um sich untersuchen zu lassen. Es ist ein zorniges Kind, das schon schreit, wenn man es nur angesehen werden, will nicht Ant-t.anblickt, während es schlecht gelaunt ist. In der Tat wirkt sich der Zorn so stark auf den gesamten Organismus aus, dass es bei Hahnemann dazu heißt: „Wenn das Zorn löst Husten aus Ant-t.Kind böse wird, bekommt es Husten durch Ärger Ant-t.Husten.“ (Hervorhebungen G. Vithoulkas). Dies zeigt den nervösen Zuständ an, die Empfindlichkeit und das Leiden. Aber das Weinen dieses Kindes treibt einen nicht so zur Verzweiflung wie bei einem ANTIMONIUM-CRUDUM-Kind. „Er reibt sich die Augen mit den Händen, wie ein Schlaftrunkner, und erwacht in einer sehr bösen Laune; z. B. wenn ihn jemand ansah, fing er an zu heulen.“ (Stapfs Archiv, Hervorhebungen G. Vithoulkas).
Farrington sagt dazu: „Beharren Sie bei ihrer unwillkommenen Absicht (also das Kind zu berühren oder anzusehen, G. Vithoulkas), so können Konvulsionen eintreten.“
Wenn das Kind schon derart reagiert, wenn es nur angeblickt wird, wenn es sich von niemandem berühren lassen will, so deutet dies auf einen wirklich bedenklichen Zustand des Nervensystems hin, das Kind spürt, dass es Schutz braucht, und dann tritt ein weiteres Charakteristikum von Antimonium tartaricum auf: Es sucht den Schutz der vertrauten Menschen um sich herum. Es klammert sich an seine Mutter Ant-t.klammert sich an seine Mutter, und man denkt sofort an ein BARYTA-Kind. Aber das Antimonium-tartaricum-Kind ist sehr viel gereizter und launischer und scheint emotional gestört zu sein; das „Anklammern“ geschieht mehr aus Verzweiflung als aus Schüchternheit, wie es bei baryta carbonicaBARYTA CARBONICA der Fall ist. Das BARYTA-Kind ist ruhig und vergnügt und möchte normalerweise unbemerkt bleiben, aber es kreischt niemals, wenn man es anschaut. Doch BARYTA CARBONICA und Antimonium tartaricum haben komplementäre Wirkungen.
Ich möchte an dieser Stelle eine wichtige Beobachtung von Hahnemann anführen: „Das Kind lässt sich nicht angreifen, ohne jämmerlich zu schreien, schreit jämmerlich, Kind, wenn es angefasst wird, und zieht die Finger zusammen und die Zehen einwärts Ant-t.wobei es die Zehen berührt wird, Kind schreit jämmerlich, wenn es, und zieht die Finger zusammen und die Zehen einwärts Ant-t.krumm einwärts und die Finger der Hand zusammenzieht.“ Ich habe den letzten Teil des Satzes selbst hervorgehoben, weil er die Stärke der Reaktion anzeigt. Diese Beobachtung macht das Ausmaß der Wirkung deutlich, die Antimonium tartaricum auf das Nervensystem hat. Sie zeigt, wie die „Endteile“ des Nervensystems (Zehen und Finger, über die wir ja hauptsächlich mit der Außenwelt in Berührung kommen) fast verkrampfen, um den Organismus vor diesem Kontakt zu schützen. Hält man sich dieses Bild vor Augen, so wird es verständlich, warum das Kind nicht berührt werden möchte.
Das Antimonium-tartaricum-Kind will nicht im Bett liegen bleiben, sondern möchte aufgehoben und in aufrechter Stellung umhergetragen werden, möchte in Ant-t.aufrechter Körperhaltung getragen werden, möchte in aufrechter Stellung Ant-t.umhergetragen werden, besonders bei Asthma oder Bronchitis. Wenn es liegt, wird die Atmung schneller, unregelmäßig, ungleichmäßig, schwerer, es keucht mehr, kann das Phlegma nicht herausbringen und scheint generell zu leiden. Das Kind wirft sich hin und her, mit großer Unruhe, und schlägt die ganze Zeit mit den Armen. Bei Farrington steht: „Ein Kind, das gestillt wird, lässt plötzlich von der Brustwarze ab und schreit, als ob es keine Luft bekäme, und es scheint besser zu werden, wenn man es aufrecht hält und herumträgt.“
Zahnende Kinder mit rasselndem Husten. Gleichgültig, ob es sich um Atembeschwerden oder kolikartige Schmerzen oder Zahnschmerzen handelt, das Kind will immer aufrecht getragen werden, und in dieser Haltung geht es ihm besser.
Reizbarkeit, schlecht gelaunt, Unruhe
Ein Antimonium-tartaricum-Patient ist reizbar, streitsüchtig, mutlos, nervös und hat meistens schlechte Laune, schlechte Ant-t.Laune. Alles stört ihn. Er ist deprimiert, melancholisch und klagt über verschiedene Beschwerden. Man sieht sofort, dass das Nervensystem sich in einem Erregungszustand befindet; charakteristisch dafür sind Reizbarkeit und Verdrießlichkeit. Die Gesichtsmuskeln zucken, der ganze Organismus zittert und ist erschöpft. Zittern des Kopfes, Zittern der Hände. Das ganze Bild stimmt mit dem bei Alkoholismus überein.
Mitten in diesem nervösen Zustand kommen Besorgnis und Furcht auf, ein Völlegefühl im Herzen und ein Hitzegefühl, das von dieser Körperregion ausströmt und den Patienten noch ängstlicher werden lässt. Übelkeit führt Ängstlichkeit herbei, und je stärker die Übelkeit mit Ängstlichkeit Ant-t.Übelkeit, desto stärker ist auch die Ängstlichkeit verstärkt sich mit zunehmender Übellkeit Ant-t.Ängstlichkeit. Der Patient hat das Gefühl, dass er tatsächlich sterben wird. Die gleiche Ängstlichkeit tritt auch während der Atembeschwerden auf. Die Brust füllt sich mit Schleim, der nicht herausgebracht werden kann, und dann hat der Patient das Gefühl, dass es in diesem Zustand nicht mehr lange weitergehen kann. Es ist keine direkte Todesangst, sondern ein Gefühl, dass der Tod nicht mehr weit ist.
Er wird unruhig Ant-t.unruhig, ist nervös und ängstlich und macht sich Sorgen darum, was mit ihm geschehen wird. Er hat Angst, dass er nicht wieder gesund werden wird, dass er diesen Krankheitszustand nie wieder loswerden wird, und daran verzweifelt er.
Folgen von Ärger und Zorn
Antimonium-tartaricum-Patienten sind zornige Menschen, aber ihr Zorn neigt dazu, den eigenen Organismus zu zerstören, anstatt sich gegen andere zu richten. Es passiert sehr selten, dass sie dazu aufgelegt sind, anderen Gewalt zuzufügen. Wenn starke Emotionen in ihnen hochsteigen, wird eher ihr eigener Organismus durcheinander gebracht, und es entwickeln sich Symptome.
  • Ärger oder Verdruss, Beschwerden durch Ant-t.Beschwerden durch Ärger oder Verdruss.

  • Amblyopie nach starken Emotionen bei einer Schwangeren; Atembeschwerden und Zahnschmerzen schlimmer durch Verärgerung.

  • Husten nach Ärger, besonders bei Kindern, zählt zu den Keynotes dieser Arznei.

  • In der Literatur heißt es dazu: „Angst, auch nur einen Moment lang allein gelassen zu werden, auch nur einen Moment, Furcht Ant-t.alleine gelassen zu werden, aus Furcht, auch nur einen Moment alleingelassen zu werden Ant-t.Furcht davor, schrecklich nervös zu werden und mit sich selbst nichts anzufangen zu wissen.“

  • Bei dem Patienten kommt es zu ungeheurer seelischer Unruhe, zu einem inneren Unbehagen, das ihn erschreckt, und am meisten hat er eigentlich Angst davor, dass diese Nervosität ihn überwältigt und zu unkontrollierbarer Selbstzerstörung treibt, sodass er schließlich Selbstmord begehen wird.

  • Man kann tatsächlich feststellen, dass, wenn diese Nervosität überhandnimmt, der Patient in eine suizidale Manie Ant-t.suizidale Manie, suizidale Ant-t.Manie geraten kann.

  • Er tobt herum, weiß nicht mehr, was er tut.

  • Ein ANTIMONIUM-CRUDUM-Patient wird von dem Gedanken überwältigt, sich zu erschießen; der Antimonium-tartaricum-Patient steigert sich noch mehr in diese selbstzerstörerische Gefühlslage hinein, er entwickelt geradezu eine Sehnsucht nach Selbstzerstörung.

Der Erregungszustand kann manchmal als eine Art „wilde“, anormale Lustigkeit auftreten, die Verdrießlichkeit und Angst Platz macht.
Verwirrung im Kopf, besonders nach Schlaf. In diesem Zustand der Verwirrung ist der Patient gleichgültig allem gegenüber. Da bei diesen Menschen die Sauerstoffversorgung des Gehirns beeinträchtigt sein kann, neigen sie bei den meisten Beschwerden zu Schläfrigkeit, die an komatöse Zustände grenzt Ant-t.Schläfrigkeit, die an komatöse Zustände grenzt.
Allgemeinsymptome und Keynotes
  • Viel Schleimrasseln mit wenig Auswurf Ant-t.Schleimrasseln mit wenig Auswurf, der für gewöhnlich schaumig und weiß ist. Lungenödeme. Emphysem. Zyanose. Zyanose bei Neugeborenen.

  • Drohende Lähmung der Lungen.

  • Schläfrigkeit, Schwäche und Schweiß Ant-t.Schläfrigkeit, Schwäche und Schweiß, Schwäche und Schlärigkeit Ant-t.Schweiß.

  • Starke Übelkeit, die Beängstigung und Erbrechen hervorruft. Erbrechen unter großer Anstrengung. Nach dem Erbrechen kommt es zu großer Mattigkeit, Schläfrigkeit, Ekel vor allen gewöhnlichen Speisen und Verlangen nach etwas Kühlendem.

  • Ausschläge im Gesicht und an der Brust.

  • Verschlimmerung: allgemein bei Wärme verschlechtert Ant-t.Wärme; im warmen Zimmer, bei warmem Wetter, durch Überhitzung. Kälte und Feuchtigkeit. Die Anfälle sind im Allgemeinen nachts schlimmer Ant-t.nachts schlimmer. Beträchtliche Verschlimmerung zum Abend hin, die ganze Nacht anhaltend. Durch Hinlegen bessert Ant-t.Hinlegen. Bewegung. Saures. Durch Zorn oder Ärger. Durch Berührung und Blicke anderer.

  • Besserung: allgemeine Besserung nach häufigem Ablassen von blassem Urin. Durch Auswerfen, aufrechtes Sitzen bessert Ant-t.aufrechtes Sitzen, aufrechtes bessert Ant-t.Sitzen, Erbrechen bessert Ant-t.Erbrechen, Aufstoßen.

Lokalsymptome
Kopf und SchwindelSchwindel mit plötzlichem Flirren vor den Augen. Schwindelgefühl mit Husten. Schwindel beim Schließen der Augen. Schwindel alternierend mit Schläfrigkeit. Schwindeligkeit, wenn der Patient den Kopf vom Kissen hebt.
Der Kopf fühlt sich morgens beim Erwachen schwer und verwirrt an, als müsse der Patient noch weiter schlafen; dies verschwindet im Laufe des Tages. In der rechten Stirnhälfte den ganzen Abend ein empfindlicher Schmerz, mit dem Gefühl, als liege das Hirn dort zu einem harten, schweren Klumpen zusammengeballt. In der Nacht, wenn er erwacht, hat er immer noch denselben bösen Kopfschmerz, als wäre das Gehirn zu einem lästigen Klumpen geballt, aber bloß in der linken Stirnhälfte. Schmerzhaftes Ziehen in der rechten Schläfe, zieht zum Jochbein und zum Oberkiefer herunter. Der Patient hat das Gefühl, als werde das Gehirn zusammengedrückt, Empfindung, als würde das Ant-t.Gehirn zusammengedrückt, Empfindung, als würde das Ant-t.zusammengedrückt; benommen und schläfrig.
Die Kopfschmerzen sind schlimmer im Liegen, besser beim Aufrechtsitzen.
Kopfschmerzen, als werde die Stirn durch ein Band, Kopfschmerz, als würde die Stirn durch ein B. zusammengeschnürt Ant-t.Band zusammengeschnürt. Kopfschmerz mit Empfindlichkeit im Epigastrium. Der Kopf ist heiß und verschwitzt.
AugenZunächst soll hier noch einmal Kent zitiert werden, weil das, was er über die Augen schreibt, einen Eindruck vom gesamten Arzneimittelbild vermittelt: „Im klinischen Bereich ist die Anwendung von Antimonium tartaricum meist auf die Schleimhäute der Brust beschränkt geblieben, obwohl es für die gleichen passiven Zustände aller Schleimhäute des Körpers geeignet ist. Absonderung weißen Schleims aus den Augen. ‚Augen vorstehend, glänzend. Trübe und schwimmend. Augenentzündung bei Gonorrhö.‘ Aber die rheumatischen Beschwerden zeigen eine andere Form, eine andere Phase dieses Mittels, ähnlich wie bei ANTIMONIUM CRUDUM. Die Gelenke werden affiziert, unterliegen einer passiven, langsamen Infiltration und werden ödematös; ödematöse Schwellung aller Gelenke. Gichtige Infiltration der Gelenke, was bei nasskaltem Wetter besonders schlimm wird. Die Augensymptome sind von diesem gichtigen Charakter. Die Augen werden zugleich mit den Gelenken infiltriert Ant-t.Augen werden zugleich mit den Gelenken infiltriert, sodass ein gichtiger Zustand der Augen entsteht. Der gichtige Zustand betrifft den ganzen Körper. Die Schleimhaut ist nicht rot und entzündet, sondern blass, schlaff und scheint zu nässen; auf ihr bildet sich sehr schnell Schleim.“ (Hervorhebungen G. Vithoulkas)
Flimmern, Funken vor den Augen. Vergehen von Hören und Sehen. Schwarz vor den Augen.
Die Augen sind so müde, als sollten sie zufallen. Neigung, die Augen fest zuzudrücken, Neigung zu Ant-t.Augen fest zuzudrücken. Stechen, wie elektrische Stiche, in beiden inneren Augenwinkeln und Drücken in den Augen.
Gesichthippokratisches Gesicht Ant-t.Hippokratisches Gesicht bei schweren akuten Erkrankungen, eingefallenes Gesicht Ant-t.eingefallen, mit extremer Blässe des Gesichtes Ant-t.Blässe, kalter Schweiß im Gesicht Ant-t.kaltem Schweiß, schwarzen Ringen um die Augen, mit einem Ausdruck von größter Angst.
Trockene, schorfige, runzelige Lippen, manchmal fahl, aschgrau oder eingerissen. Das Gesicht ist hellrot und aufgedunsen. Schmutzige Gesichtsfarbe. Krampfartige Bewegung der Gesichtsmuskeln Ant-t.Krampfartige Bewegung der Gesichtsmuskeln, krampfartige Bewegungen der Ant-t.Gesichtsmuskeln. Konvulsivische Zuckungen in fast jedem Muskel des Gesichts. Gesichtszucken beim Husten Ant-t.Gesichtszucken beim Husten. Unaufhörliches Zittern des Unterkiefers.
Ausschlag um den Mund herum, besonders an den Mundwinkeln mit Pickeln, Bläschen und Schwellung. Aphthen an den Lippen. Pustulöse Ausschläge, die an Pocken erinnern und ein bläuliches Mal zurücklassen.
MundDie Zunge in Mitte sehr rot und trocken Ant-t.Zunge ist hochrot und in der Mitte trocken. Die Zunge ist mit dickem, weißer, pastöser Belag der Zunge Ant-t.weißem, pastösem Belag bedeckt. Morgens dick und gelb. Es fällt schwer und ist schmerzhaft, die Zunge zu bewegen.
Vermehrter Speichel, der häufig herausgebracht werden muss. Geschmackloses, klares Wasser fließt im Mund und läuft in großen Mengen heraus Ant-t.klares Wasser fließt im Mund und läuft in großen Mengen heraus, mit Würgen und Mühen, ohne dass mehr als ein bisschen klarer Schleim heraufgebracht wird. Reichliches Spucken, reichliches Ant-t.Spucken. Der Patient muss sogar beim Essen oft spucken.
Der gichtige Zustand wirkt sich auch auf die Zähne aus. Rheumatische Schmerzen in den Zähnen, mit Gelenkschmerzen. Die Zähne sind mit Schleim bedeckt. Zahnfleischbluten wie bei Skorbut.
Atmung, Brust, HerzEin Gesamtbild der Symptome im Respirationsbereich wurde bereits sehr ausführlich im Kapitel Essenzielle Merkmale gegeben. Hier soll noch zusätzlich auf einige detaillierte Symptome hingewiesen werden, die ebenfalls auftreten können.
  • Schwache Stimme, der Patient kann überhaupt nicht laut sprechen. Stöhnen und Jammern, mit schwacher, hohler, tonloser Stimme.

  • Die Atmung ist schnell, kurz, zitternd, schwierig. Anfälle ungleichmäßiger Atmung, ungleichmäßige Ant-t.Atmung, mal kürzer und mal länger, dies wird besser, wenn der Patient aufrecht sitzen bessert unregelmäßige Atmung Ant-t.aufrecht sitzt. Bauchatmung. Der Patient schnappt zu Beginn jedes Hustenanfalles nach Luft.

  • Lungenödem und drohende Lungenparalyse. Innerhalb von fünf Stunden waren mindestens sechs Pfund Flüssigkeit abgesondert worden, und immer noch schienen beide Lungen mit einem flüssigen Sekret gefüllt zu sein. Akutes Lungenödem. Atelektase mit Symptomen von Asphyxie; mit Ödemen in nicht hepatisierten Teilen der Lunge; mühsame Atmung, Orthopnoe; Schleimrasseln. Asphyxie bei Neugeborenen; das Neugeborene ist atemlos, blass und keucht. Das Kind springt auf, klammert sich an die Umstehenden; es ruft mit heiserer Stimme um Hilfe oder beugt sich nach hinten und greift sich an den Kehlkopf.

  • Heftiger Husten, heftiger, nach jeder Mahlzeit Ant-t.Husten nach jeder Mahlzeit, Husten nach jeder Ant-t.Mahlzeit, der mit Erbrechen der Nahrung endet. Gefühl, als verstopfe ein Blatt die Luftröhre. Husten um 2 oder 3 Uhr morgens, mit Auswurf; Aufrechtsitzen bringt Besserung. Dyspnoe besser durch Aufstoßen; Husten und Dyspnoe besser durch Liegen auf der rechten Seite. usten und Gähnen aufeinanderfolgend.

  • Samtartiges Gefühl in der Brust bei Herzerkrankungen. Ein unangenehm heißes Gefühl steigt vom Herzen auf, mit Angst und Brustbeklemmung. Schneller, schwacher, zitternder Puls. Sehr beschleunigt bei jeder Bewegung. Herzklopfen mit lockerem Stuhl. Gefühl von Kälte in den Blutgefäßen.

MagenEin anderer Name für Antimonium tartaricum ist Tartarus emeticus. Das Wort „emeticus“ stammt aus dem Griechischen und meint „etwas, das Erbrechen hervorruft“, und die Übelkeitssymptome, die Antimonium tartaricum zeigt, bestätigen diesen Ruf. Die Patienten leiden unter sehr starker Übelkeit, Würgen, Brechreiz und dann Erbrechen, auch der geringsten Menge an Nahrung oder Wasser; selbst löffelweise eingenommenes Wasser wird erbrochen. Kent schreibt: „Mit den Magensymptomen und den Darmsymptomen geht diese ständige Übelkeit, ständige Ant-t.Übelkeit (Hervorhebung im Original) einher, aber es ist nicht nur eine Übelkeit, sondern darüber hinaus eine tödlichen Widerwillen, tödlicher, gegen jede Speise Ant-t.Widerwillen (Hervorhebung G. Vithoulkas) gegen jegliche Art von Essen und Nahrung, eine Übelkeit, bei der der Patient das Gefühl hat, er werde sterben, sobald auch nur irgendetwas in seinen Magen gelangt; es handelt sich also nicht nur um eine Abneigung gegen Speisen oder um eine normale Übelkeit, die dem Erbrechen vorangeht, sondern es ist ein tödlicher Widerwille gegen Nahrung. Zu der Schwäche kommt noch eine gesteigerte Angst, und der Patient hat zunehmend Erstickungsbeschwerden, wenn ihm etwas zu essen angeboten wird. Gutherzige Menschen versuchen dann oft, ihn dazu zu bringen, dass er etwas isst, weil er womöglich den ganzen Tag oder die ganze Nacht noch nichts zu sich genommen hat; aber der Gedanke an Essen verschlimmert die Dyspnoe, die Übelkeit, den Widerwillen und das Leiden nur … Das Erbrechen ist mehr oder weniger spasmodisch … ‚Brechreiz und Würgen und Anstrengung, zu erbrechen‘ … Der Magen scheint sich in Konvulsionen zu winden, und nur unter größten Schwierigkeiten und nach vielen großen Anstrengungen kommt ein bisschen hoch, und dann noch ein bisschen, und so geht es dann weiter. ‚Alles, was in den Magen aufgenommen wurde, wird erbrochen, mit Mengen von Schleim.‘ “
Man muss sich die Bedeutung des Wortes tödlich, das Kent gebraucht, einmal ganz klar machen, um das Ausmaß dieser Übelkeit zu verstehen. Mit der Übelkeit geht eine Ängstlichkeit einher, die mit stärker werdender Übelkeit ihrerseits steigt. Angst im Magen, ein todesähnliches „Absacken“, als ob der Patient gleich sterben werde. Nachdem er erbrochen hat, fühlt der Patient sich erleichtert, aber erschöpft und möchte sich schlafen legen. Man muss sich diese ganze Situation vor Augen halten, die enorme Intensität, mit der der Organismus reagiert, um ein Gespür für Antimonium tartaricum zu bekommen und das Mittel zu erkennen.
Antimonium tartaricum ist sorgfältig von IPECACUANHA zu differenzieren, weil die beiden Mittel vieles gemeinsam haben, besonders bei Brustbeschwerden, mit rauem Rasseln und Übelkeit oder Erbrechen. Aber bei einem IPECACUANHA-Patienten ist die Übelkeit eher gleich bleibend und anhaltend, während sie beim Antimonium-tartaricum-Patienten mit Unterbrechungen, krisenartig, in Wellen aufkommt. Der Patient würgt heftig, müht sich ab, um erbrechen zu können – wenn er es dann aber schafft, etwas herauszubringen, dann fühlt er sich erleichtert, was beim IPECACUANHA-Patienten nicht der Fall ist. Bei Antimonium tartaricum ist die Übelkeit zwar heftiger, aber nicht so hartnäckig. Antimonium tartaricum ist wie IPECACUANHA ein weitgehend durstloses Mittel. Wenn einem Patienten in einem akuten Fall Wasser angeboten wird, so reagiert er eher gereizt, vor allem wenn Übelkeit besteht. Es kann auch einmal Durst auftreten, doch dies ist dann eher die Ausnahme.
Heftige Schmerzen in der Magengegend, die ständig stärker werden und bis zur Ohnmacht führen. Der Patient erbricht so lange, bis er ohnmächtig wird. Sobald er erbricht, wird er sehr erschöpft und schläfrig. Nach dem Schlaf kommt das Erbrechen wieder. Es bessert sich etwas im Liegen auf der rechten Seite. Erbrechen von dickem, weißem, klebrigen, fadenziehenden Schleim, erbricht Ant-t.klebrigem Schleim, erbricht zähen, klebrigen Ant-t.Schleim. Zäh und fadenziehend. Erbrechen von großen Mengen von Schleim. Erbrechen von Schleim mit Galle, ein zäher, wässriger Schleim, dann etwas Nahrung, dann Galle. Erbrechen von Blut. Blutende Geschwüre im Magen.
Verlangen nach Äpfeln, Obst. Der Patient verlangt nach sauren Früchten, Verlangen nach Ant-t.sauren Früchten, Buttermilch und Säuren, Verlangen nach Ant-t.Säuren, die jedoch verschlimmern. Der Magen ist sofort verstimmt, wenn Essig oder irgendetwas Saures im Essen ist. Abneigung gegen und Verschlimmerung durch Milch. Sie löst Übelkeit aus und wird in geronnenen Klumpen erbrochen.
AbdomenPassive Kongestion der Leber mit Erbrechen von Galle. Druck in den Hypochondrien mit Auftreibung, vor allem in der Lebergegend. Die Lebergegend ist berührungsempfindlich.
Das Abdomen ist aufgetrieben, tympanitisch und druckempfindlich. Die Auftreibung kann durch Serum oder durch Blähungen zustandekommen. Der Leib ist wie mit Steinen vollgestopft, Leib ist wie mit Ant-t.Steinen vollgestopft, ohne dass der Patient etwas gegessen hat und ohne dass der Bauch sich hart anfühlt; eine Empfindung, wie sie nach vielen, langanhaltenden sitzenden Arbeiten zu entstehen pflegt. Schlimmer im Sitzen, besonders wenn er vorgebeugt sitzt. Gefühl eines Klumpens im Abdomen. Kolikartige Schmerzen, schneidend wie Messer, kolikartige Schmerzen Ant-t.schneidend wie Messer. Heftige Schmerzen im Abdomen mit Erbrechen und Darmentleerung. Schwere Kolik mit Schläfrigkeit. Schmerzen im Abdomen nach Erbrechen.
Rektum und StuhlHeftiges Umherschieben von Blähungen, ohne Auftreibung des Abdomens.
Wässrige, schleimige, blutige Diarrhö. Grasgrüner, schleimiger Stuhl. Häufige, reichliche, lockere Stühle. Linderung der Schmerzen nach lockerem Stuhl. Tenesmus während und nach lockerem Stuhl. Diarrhö bei Ausschlag, besonders wenn dieser unterdrückt wird. Cholera. Diarrhö durch Alkohol, bei Trinkern.
HarnorganeStark geröteter Urin. Urin dunkelbraun-rot, trübe und von scharfem Geruch. Blasenkrampf, Urin spärlich und rot. Entzündlich rotes Aussehen des Urins, beim Stehen bilden sich blutrote Fasern. Der anfangs wasserhelle Harn macht einen mehlartigen Bodensatz, der sich durch Bewegung des Glases leicht mischt und dem Ganzen ein milchartiges Aussehen gibt.
Heftige Spannung im Perineum, vor allem im Gehen, mit starkem Harndrang.
Männliche GenitalienSchmerzen in den Hoden nach unterdrückter Gonorrhö. Orchitis. Warzen hinter der Eichel, mit Geschwüren an anderen Stellen. Pusteln an den Genitalien und Oberschenkeln. Kribbeln, Ameisenlaufen im Penis.
Weibliche GenitalienSchweres Abwärtsdrücken in der Vagina. Vor der Regel Schmerzen in den Leisten und kalte Schauder. Ausfluss von wässrigem Blut, schlimmer im Sitzen, anfallsweise auftretend.
RückenHeftige Schmerzen in der Lumbosakralregion; der geringste Versuch, sich zu bewegen, verursacht Würgen und kalten, klammen Schweiß. Rückenschmerz, wie von Ermüdung, mehrere Tage, besonders nach dem Essen und im Sitzen, Rückenschmerz besser im Ant-t.Sitzen. Kreuzschmerzen, vor dem und beim Aufstehen aus dem Bett, als habe man etwas Schweres darauf getragen; vergeht nach dem Aufstehen. Gefühl, als hänge ein schweres Gewicht am Ende des Steißbeins und ziehe ständig nach unten.
Krampf in den Halsmuskeln, Steifheit. Schmerzhafte Pusteln, wie Pocken, am Rücken. Miliarer Ausschlag am Nacken.
ExtremitätenGichtige, rheumatische und arthritische Zustände. Die Glieder sind übermüdet, ein Gefühl, das vom Rücken ausgeht. Schwäche aller Gliedmaßen, besonders der Beine. Aufzucken der Glieder im Schlaf.
Zittern der Hände. Kalte, schwitzende Hände. Kalte Hände mit eiskalte Fingerspitzen Ant-t.eiskalten Fingerspitzen. Die Fingerspitzen sterben ab, sind wie trocken und hart, ohne Gefühl, mehrere Tage.
Taubheit und Kälte der Beine. Die Füße schlafen ein, unmittelbar nach jedem Hinsetzen. Spannung in den Kniesehnen beim Laufen.
SchlafGroße Schläfrigkeit bei fast allen Beschwerden Ant-t.Schläfrigkeit bei fast allen Beschwerden. Tiefer Sopor. Koma, mit blassem, aufgedunsenem Gesicht. Schlaf komatös, mit Delirium Ant-t.Schlaf komatös, mit Delirium, Schlaf, mit komatösem Ant-t.Delirium. Tiefer, betäubender Schlaf.
Nächtliche Unruhe mit ängstlichem Umherwerfen. Erwachen mit Dyspnoe. Morgens beim Erwachen schweißgebadet und deutliche Erinnerung an schwere Angstträume. Er liegt im Schlaf auf dem Rücken, die linke Hand unter den Kopf gelegt. Aufschreien aus dem Schlaf, mit starren Augen und zitternden Gliedern.
Fieber und FrostExtreme Kälte des ganzen Körpers Ant-t.Kälte des ganzen Körpers und Schaudern Ant-t.Schaudern sind charakteristisch für Antimonium-tartaricum-Patienten.
  • Plötzliches Absinken der Körpertemperatur. Die Temperatur neigt bei vielen schweren akuten Zuständen dazu, unter den Normalwert zu sinken. 45 Minuten lang dauernder Frost, gefolgt von Erbrechen, Kopfschmerzen, Hitze und Durst; nach dem Trinken Würgen.

  • Frost breitet sich von innen aus Ant-t.Von innen ausgehender Frost, der sich von den Rückenwirbeln über Bauch und Gliedmaßen ausbreitet; mit würgendem Aufstoßen und einem ziehenden Spannungsschmerz in den Beinen.

Heftige, aber nicht lang anhaltende Hitze, die auf lang andauernden Frost folgt; schlimmer durch jede Bewegung. Lang andauernde Hitze nach kurzem Frost, mit Schlaftrunkenheit und Schweiß auf der Stirn. Brennende Hitze am ganzen Körper, vor allem in Kopf und Gesicht, durch die geringste Bewegung verstärkt.
Schweiß auf den betroffenen Körperteilen. Starker Nachtschweiß. Schweiß häufig kalt und klebrig. Die Haut ist mit einem fließenden, klebrigen Schweiß bedeckt.
HautReichlicher, pockenähnlicher Ausschlag, mit oft erbsengroßen, eitergefüllten Pusteln. Größere Pusteln, an Brust und Hals, mit rotem Umkreis (wie bei Kuhpocken), die später schorfig werden und eine tiefe Narbe hinterlassen.
bläschenförmiger Ausschlag Ant-t.Bläschenförmiger Ausschlag am Körper, schnell mit Eiter gefüllt, sehr schmerzhaft, schnell austrocknend und Krusten bildend.
Bei Pocken: Rückenschmerzen, Kopfschmerzen; Husten und zerschmetterndes Gewicht auf der Brust, vor dem Eruptionsstadium oder zu Beginn dieses Stadiums.

Antipyrinum

Essenzielle Merkmale
Dieses Mittel benötigt man bei allergischen Zuständen, in denen sich die Allergie hauptsächlich auf der Haut oder im oberen Atemtrakt manifestiert. Man sollte diese Arznei in Betracht ziehen, wenn ein Fall nach BELLADONNA aussieht, es aber doch nicht ist, oder wenn man zunächst an AILANTHUS, PULSATILLA oder CHLORALUM denkt, mit dieser Wahl dann aber doch nicht zufrieden ist.
Mit Kälte einhergehende Urtikaria
Antipyrin ist bei Fällen angezeigt, deren Krankheitsgeschichte eine Urtikaria aufweist oder ein angioneurotisches Ödem, plötzlich auftretend und verschwindend Antip.angioneurotisches Ödem, angioneurotisches, plötzlich auftretend und verschwindend Antip.Ödem, das plötzlich auftritt und ebenso plötzlich wieder verschwindet (wie bei BELLADONNA); intensives Jucken, verbunden mit innere Kälte Antip.innerer Kälte, innere Antip.Kälte, als ob sich Eis im Körper, als sei Antip.Eis im Körper befände. Dieses Mittel scheint die Körpertemperatur zu senken und auch eine Atem- und Kreislaufdepression zu bewirken, während es gleichzeitig reichlich Schweiß, reichlich Antip.Schweiß hervorbringt. Auch die Nieren können beeinträchtigt sein, und es kann zu einem allgemeinen Anschwellen des Körpers kommen. Das Gesicht ist rot und geschwollen, Gesicht Antip.rot und geschwollen, ödematös, aufgedunsen, und die Symptomatologie erinnert im Allgemeinen an die von BELLADONNA oder APIS, aber in der Differenzialdiagnose wird die innere Kälte für Antipyrin sprechen.
Heuschnupfen
Eine anderer allergischer Zustand, bei dem Antipyrin angezeigt sein kann, ist Heuschnupfen, mit heftigem und anhaltendem Niesen Antip.Heuschnupfen, bei dem wir heftiges und anhaltendes Niesen, hefiges und anhaltendes, bei Heuschnupfen Antip.Niesen beobachten, dreißig- bis fünfzigmal hintereinander, während gleichzeitig die Augen tränen und Schleim aus der Nase läuft. Die Atmung ist beeinträchtigt, und schließlich kommt es zu Dyspnoe, die sich beim Hinlegen verschlimmert, mit heftigem, schwerem Husten, heftiger und schwerer, Heuschnupfen bei Antip.Husten und Auswurf von viel Schleim sowie mit reichlichem Schweiß. Jucken und Brennen im Mund, am Gaumen. Das Gesicht ist auch hier rot und geschwollen, besonders die Augenlider, und man könnte den Eindruck bekommen, es handele sich um einen APIS-Fall; aber die für APIS typische Verschlimmerung durch Hitze ist nicht vorhanden. Im Gegenteil, es besteht eine Empfindlichkeit gegenüber Kälte, außerdem der erwähnte reichliche Schweiß, während bei APIS und BELLADONNA trockene Hitze anzutreffen ist.
Weitere Merkmale
  • Es gibt ein weiteres Keynote dieses Mittels, welches man hauptsächlich in Fällen von Gastroenteritis antreffen wird, oder auch bei Magenbeschwerden oder Colitis. Es tritt ein Gefühl auf, als würde der Inhalt von Thorax und Abdomen nach oben gedrängt, Empfindung, als würde Inhalt von Thorax und Abdomen nach Antip.nach oben gedrängt; ein entsprechendes Gefühl betrifft den rechten Hoden, der nach oben ins Abdomen gezogen wird.

  • Morgens nach dem Aufstehen tritt Fieber, morgens nach dem Aufstehen Antip.Fieber auf, welches bald danach wieder verschwindet.

  • Der Patient leidet unter einer tiefgreifenden Kongestion der Stirnhöhlen, und es kann sich ein Kopfschmerz entwickeln, der ihn schreiend im Zimmer hin- und herlaufen, Kopfschmerz lässt Antip.schreiend im Zimmer hin- und herlaufen lässt; in einer solchen Situation fürchtet er, den Verstand zu verlieren, wenn dieser Zustand noch länger anhält. Es sind Elemente von Hysterie und eine eindeutige Übererregung mit unaufhörlichem Schreien festzustellen. Durch die Kongestion fühlt sich der Patient taub und benommen im Kopf, dumm und idiotisch, kann sich an nichts erinnern und glaubt regelrecht verrückt zu werden. Er hat Furcht vor drohender Geisteskrankheit Antip.Furcht vor drohender Geisteskrankheit. Das Charakteristische daran ist, dass er nicht fürchtet, geisteskrank zu sein, sondern es in der Zukunft geisteskrank zu werden, Furcht in Zukunft Antip.zu werden. Wenn der Kopfschmerz zu stark wird, kann es zu visuellen und akustischen Halluzinationen kommen.

Differenzialdiagnose
Wir haben also auch bei diesem Mittel wieder eine Beschreibung ganz einzigartiger Krankheitszustände vorliegen, die mit anderen Arzneien nicht geheilt werden können. Dennoch bleibt die Tatsache bestehen, dass die meisten von uns die „kleinen Mittel“ nicht genügend berücksichtigen und bei einem Patienten, der Antipyrin braucht, stattdessen mehrere andere Mittel in Folge ausprobieren, wie z. B. BELLADONNA, APIS, PULSATILLA etc.
Ein Patient z. B., der morgens nach dem Aufstehen Fieber hat, kann möglicherweise CALCIUM CARBONICUM brauchen, welches dieses Symptom ebenfalls aufweist; er kann aber auch Antipyrin benötigen, wenn die Symptome passen. CALCIUM besitzt auch die Furcht vor Geisteskrankheit, aber es deckt nicht diese innere eisige Kälte ab, obwohl auch CALCIUM-Patienten ein Kältegefühl haben und durch Kälte eine Verschlimmerung erfahren.
Man kann nicht genug die Wichtigkeit und Bedeutung der kleinen Details und Nuancen in der Symptomatologie eines Mittels betonen. Zum Beispiel bestehen durchaus Unterschiede zwischen den folgenden Symptomenschilderungen: „Ich habe das Gefühl, ich bin verrückt“, „Ich habe Angst, jeden Augenblick verrückt zu werden“; „Ich fürchte, wenn dieser Zustand so weitergeht, dann werde ich verrückt“. Antipyrin-Patienten haben meist die letztgenannte Empfindung, CALCIUM-Patienten die erste.
Es ist sicherlich nicht leicht, solche Feinheiten auseinanderzuhalten; betrachtet man aber einen Fall, bei dem sie den Ausschlag für Antipyrin gegeben haben, rückblickend noch einmal als Ganzes, so wird man deutlich erkennen, dass er die charakteristische Pathologie von Antipyrin aufweist und nicht die von CALCIUM.
Eine solche Differenzialdiagnose ist zugegebenermaßen der schwierigste Bereich unserer Wissenschaft, aber jede Wissenschaft hat eben ihre Schwierigkeiten, die zu meistern man ein ganz besonderes Engagement aufbringen muss, und in unserer Wissenschaft sind größtmögliche Hingabe und Enthusiasmus nun einmal unabdingbar.
Im folgenden einige grundsätzliche Regeln für das Erkennen von kleinen Mitteln:
  • Versuchen Sie niemals, die Symptomatologie eines Patienten zu vereinfachen oder abzuflachen, um sie mit einem Mittel zur Deckung zu bringen, das Ihnen zunächst in den Sinn gekommen ist.

  • Wenn Sie mit einem bestimmten Mittel nicht so recht zufrieden sind, setzen Sie die Befragung des Patienten fort, damit vielleicht doch noch die kleinen Details herauskommen, die Sie schließlich auf die richtige Spur führen.

  • Studieren Sie mindestens einmal pro Jahr alle kleinen Mittel, um Ihr Gedächtnis aufzufrischen.

  • Versuchen Sie, von jedem Mittel ein oder zwei Keynotes im Kopf zu behalten, die selten und eigentümlich sind und Ihnen daher einen starken Eindruck vermitteln.

  • Wenn Sie einen Fall vollständig aufgenommen und repertorisiert haben und nun die Materia medica studieren, um die Symptomatologie mit dem richtigen Mittel zusammenzubringen, dann denken Sie daran, dass bei jedem Mittel immer etwas Einzigartiges existiert, das sich hinter der bloßen Auflistung einer Anzahl von Symptomen verbirgt; versuchen Sie immer, diese Einzigartigkeit des Mittels mit der Symptomatologie des Patienten zu vergleichen und schließlich in Übereinstimmung zu bringen.

Allgemeinsymptome und Keynotes
  • Reichliches Schwitzen mit Absinken der Temperatur. Innere Kälte, als sei der Körper voller Eis. Zeitweilig aussetzende Kälte. Allgemeine Erschöpfung.

  • Leukozytose.

  • Zyanose. Schläfrigkeit. Blut und Albumin im Urin.

  • Allgemeine Schwäche, Abgeschlagenheit.

  • Basedowsche Krankheit.

  • Kreislauf- und Atemdepression mit Erbrechen und schließlich Paralyse.

  • Cheyne-Stokes-Atmung.

  • Schneller, schwacher, unregelmäßiger Puls; schneller, voller Puls.

  • Klonische Konvulsionen; epileptische Konvulsionen. Muskelkontraktionen. Zittern und Krämpfe.

Lokalsymptome
KopfGefühl von Zusammenschnürung, von Spannung im Kopf. Kopfschmerzen mit Zahnschmerzen oder Ohrenschmerzen. schnappendes Gefühl im Kopf Antip.Schnappendes Gefühl im Kopf, das den Patienten dazu bringt, schreiend im Zimmer umherzulaufen. Kopfschmerz mit Schwindelgefühl.
AugenDie Augenlider sind so stark geschwollen, dass die Augen fast zu sind. Die Konjunktiva ist rot und ödematös, mit reichlichem Tränenfluss. Tränenfluss mit Schnupfen (laufender Nase und ständigem Niesen). Völliger Verlust des Sehvermögens.
NaseKribbelndes Brennen in der Nase, mit ständigem heftigem Niesen und Laufen einer wässrigen Flüssigkeit aus Augen und Nase. Nase, Augen und Gesicht geschwollen. Kupferartiger Geruch, der kommt und geht.
GesichtÖdem, Aufgedunsenheit im ganzen Gesicht, die Nase und die Augenlider sind geschwollen und rötlich wie Granatäpfel. Dunkelrotes Gesicht.
MundSchmerzen in allen Zähnen, verbunden mit Kopfschmerzen. Geschwürbildung an Lippen und Zunge. Geschwollene Zunge, blutiger Speichel. Kribbelndes Brennen in Zahnfleisch, Mund und Hals. Knoten im Mund, etwa zweieinhalb Zentimeter dick; direkt unter der Höhe der oberen Zahnreihe. Kleiner Knoten in der Wange.
HalsAbszess, weiße Pseudomembran. Trockenheit, Brennen, Schwellung der linken Halsseite, mit Aphonie; linke Mandel weiß und geschwollen. Gefühl von Enge und Zusammenschnürung.
Atmung, Brust, HerzHeiserkeit, folgend auf Aphonie. Dyspnoe, Enge in der Brust. Gefühl, als würde der Inhalt von Thorax und Abdomen kräftig zum Hals hingezogen, und der rechte Hoden zum Abdomen. Gefühl eines Tumors über dem Brustbeinpunkt (Incisura jugularis sterni). Schwacher und schneller Puls.
MagenAnfälle von Erregung mit Erbrechen. Epigastrischer Schmerz, veranlasst zum Zusammenkrümmen und Aufschreien. Empfindung von Ausdehnung, Empfindung von, vom Magen aufsteigend Antip.Ausdehnung, vom Magen aufsteigend.
HarnorganeBlaseninkontinenz. Verminderte Urinmenge.
RückenGefühl, als piekten unzählige Nadeln in beide Seiten des Halses.
ExtremitätenGliederschmerzen. Geschwollene Glieder. Erythematöse Flecken an den Armen, die schließlich den ganzen Körper übersäen, es ist kaum noch Platz zwischen den Flecken. Jucken, vor allem an den Innenseiten der Oberschenkel.
Fieber und FrostSehr starkes Schwitzen. Pochen im ganzen Körper, Kälte in Händen und Füßen, nervöses Schaudern ohne Frost. Der Puls steigt und fällt mit der Temperatur.
HautErythematöser Ausschlag, zunächst an den Armen auftretend, dann nach unten wandernd und zum Schluss an den Beinen erscheinend. Ausschlag, Erythem, Urtikaria mit lästigem Jucken, vor allem zwischen den Fingern. Unregelmäßig runde Pickel, nahe zusammenliegend, an manchen Stellen zusammenwachsend, Flecken bildend, zwischen denen die Haut normal ist, was ein marmoriertes Aussehen hervorruft. Ausschlag am dickstem am Körper und den Extremitäten, die Haut auf der Extensorseite ist stärker betroffen als die auf der Flexorseite. Scharlachroter fleckiger Ausschlag.

Apis mellifica

Essenzielle Merkmale
Apis ist ein großes Mittel, das bisher leider nur mäßig verstanden und wenig eingesetzt wird, vor allem deshalb, weil die innere Natur dieser Arznei nicht ausreichend wahrgenommen wird. Kent war höchstwahrscheinlich derselben Meinung, als er in seiner Vorlesung über Apis sagte: „Wir müssen in der Lage sein, generell schon im Anfangsstadium der Prüfungen die Krankheit zu erkennen, der sie ähnlich sind, denn wir sehen ja auch das Mittel nicht immer im fortgeschrittenen Stadium. Die Krankheit zeigt sich uns in einem Entwicklungsprozess, und wir müssen fähig sein, sie in dessen Anfängen zu erkennen. So wie die Krankheit am Anfang war, so war auch das Mittel am Anfang. Dinge, die ähnlich beginnen, können auch ein ähnliches Ende haben.“
Es sind die subtilen Veränderungen im Verhalten der Menschen zu Beginn der Krankheit, die meistens die späteren pathologischen Veränderungen schon im Voraus anzeigen und determinieren. Diese feinen, subtilen Veränderungen entschlüsseln zu lehren ist das Hauptziel dieser Materia medica.
Um die innere Pathologie und die Idiosynkrasie dieses höchst interessanten Mittels zu verstehen, müssen wir uns einmal die Wirkung eines Bienenstichs auf den menschlichen Organismus ansehen, einschließlich der Nebenwirkungen: eine plötzliche ödematöse Schwellung, plötzliche, heiß, brennend und stechend Apisödematöse Schwellung, heiß, brennend und stechend; die betreffende Person wird zu einem lauten Aufschrei bewegt, weil die Reaktion so plötzlich und intensiv ist. Es gibt wohl kaum jemanden, der von einer Biene gestochen wird und nicht im selben Moment vor Schmerz aufschreit. Manchmal tritt in sehr kurzer Zeit eine schwere, generalisierte allergische Reaktion ein, die so stark sein kann, dass sie einen Menschen, der empfindlich auf Bienengift reagiert, in Lebensgefahr bringt. Wärme schlechter ApisWärme und Berührung verschlechtert ApisBerührung verschlimmern deutlich. Es ist ja allgemein bekannt, dass auch die Biene selbst nicht berührt und gestört werden will und dass sie Hitze nicht gut verträgt.
Apis-Pathologie
Die gesamte Pathologie von Apis baut in erster Linie auf diesen äußeren Manifestationen des Bienenstichs auf; dazu kommen einige Eigenschaften der Biene selbst, auf die später eingegangen wird. Wenn wir dieses Bild im Sinn behalten und anhand dessen zu verstehen versuchen, wie die analoge Wirkung auf den Rest des menschlichen Körpers aussieht, dann werden wir in der Lage sein, die Wirkungen von Apis von den Anfängen bis hin zu den verschiedenen fortgeschrittenen pathologischen Zuständen zu erkennen.
Das brennende und stechende Ödem von Apis wird naheliegenderweise durch Wärme und Berührung verschlimmert. Wie die Biene es nicht zulässt, dass man sich ihr nähert, so will auch der Apis-Patient an schmerzhaften Stellen, physisch wie psychisch, nicht berührt werden; ebenso können Zimmerwärme verschlechtert ApisZimmerwärme, die Strahlungshitze eines Feuerhitze verschlechtert ApisFeuers oder ein warmes Bad, warmes, mit seiner Dampfentwicklung verschlimmert ApisBad mit seiner Dampfentwicklung nicht nur eine schon bestehende Pathologie verschlimmern, sondern auch erst hervorrufen. Die Verschlimmerung durch Berührung ist ein starkes Merkmal dieses Mittels. Liegt z. B. eine Entzündung im Abdomen vor, so kann eine Berührung der betreffenden Stelle Steifheit und Anspannung der Muskeln auslösen.
Ödembildung, Wasserretention
Ob Apis nun auf die Körperhaut, auf die Schleimhäute oder auf die serösen Häute wirkt, immer neigt es dazu, Ödeme hervorzubringen, Ergüsse und Wasserretention im Gewebe. Das Wasser scheint in bestimmten Bereichen eingeschlossen zu sein und kann nicht auf natürlichem Wege abgeleitet werden; das kann zu allgemeiner Anasarka führen.
„Das Gesicht ist zeitweise stark angeschwollen, die Ödem der Augenlider ApisAugenlider sehen aus wie Wasserbeutel, Augenlider sehen aus wie ein ApisWasserbeutel, auch die Ödem der Uvula ApisUvula hängt herab wie ein Wasserbeutel, Uvula hängt herab wie ein ApisWasserbeutel, die Bauchdecke ist stark verdickt, bei Druck darauf entsteht eine Delle, und sämtliche Schleimhäute sehen aus, als würden sie Wasser absondern, wenn man sie punktierte“, schreibt Kent (Hervorhebungen G. Vithoulkas).
Nach alledem ist es verständlich, warum bei diesem Mittel kein Verlangen nach Wasser besteht; es ist eines der durstlos Apisdurstlosesten Mittel der gesamten Materia medica, denn es wird ja Wasser im Gewebe zurückgehalten, und jede weitere Wasserzufuhr würde die Situation nur noch verschlimmern. In Fällen von pathologischer Entwässerung jedoch, wie bei Cholera infantum, Typhus, Diarrhö, Abszessen, Colitis ulcerosa usw., können wir genau das Gegenteil beobachten: unersättlichen Durst, unersättlicher ApisDurst. Wenn also Wasseransammlungen im Gewebe vorhanden sind, herrscht große Durstlosigkeit bei Ödemen ApisDurstlosigkeit, wenn aber ein pathologischer Flüssigkeitsverlust vorliegt, können wir auch exzessiven Durst, exzessiver, bei Flüssigkeitsverlust ApisDurst antreffen.
Die Ödeme sind hauptsächliche pathologische Manifestation ApisÖdeme oder Ergüsse sind bei diesem Mittel also nicht kleinere, nebensächliche Vorkommnisse, sondern die hauptsächliche pathognomonische Manifestation seiner Pathologie. Apis hat eine starke Präferenz, Wasser in bestimmten Körperzonen anzusammeln und zurückzuhalten. Dabei führt die Wirkung des Mittels auf das Zellgewebe von Augen, Gesicht, Hals, Uvula, Ovarien usw. zu Ödemen, die Wirkung auf die Deckmembranen des Herzens, des Gehirns oder der Lungen verursacht Ergüsse.
Kent schreibt: „Der äußere Teil des Menschen sind seine Haut und seine Schleimhäute. Wenn wir den Menschen von innen nach außen betrachten, vom Zentrum zur Peripherie hin, so denken wir beim Innersten an Gehirn und Herz sowie an die lebenswichtigen inneren Organe, während deren Umhüllungen und Deckschichten zum Äußeren gehören. Apis wirkt auf die äußeren Dinge, die Hüllen, die Deckschichten. Man bemerkt, wie häufig es die Haut und das Gewebe in der Nähe der Haut beeinträchtigt; ebenso die Umhüllungs- oder Deckschichten der Organe, z. B. das Perikard. Es ruft seröse Entzündungen mit Ergüssen hervor … So sehen wir also, dass besonders die Deckschichten durch Apis betroffen sind, d. h. die Haut, die Schleimhäute und die Deckmembranen der Organe.“ (Hervorhebungen von G. Vithoulkas) Solche Beobachtungen sind überaus wichtig, wenn man ein Arzneimittel studiert, aber man sollte sich nicht in oberflächlicher Weise daran klammern. Zum Beispiel wirkt Apis in einzigartiger Weise auf die Nieren, indem es den Wasserdurchfluss verhindert und so generalisierte Anasarka verursacht. Kann man da noch von einer äußeren Wirkung sprechen?
Die Ödeme oder Schwellungen aufgrund der Wasserretention manifestieren sich normalerweise mit großer Geschwindigkeit und Intensität. In solchen Fällen tritt die Wirkung auf die unteren Extremitäten sehr schnell ein. Ein Beispiel: Bei einem Fall von schwerer Enterocolitis geht es dem Patienten nicht gut; am nächsten Morgen besuchen Sie ihn und erfahren, dass er wenig Urin gelassen hat. Sie sehen, dass die Beine vielleicht das Doppelte des normalen Umfangs aufweisen, und Sie können praktisch dabei zuschauen, wie die Schwellung von Stunde zu Stunde aufwärts zu den Oberschenkeln wandert. Dies ist sehr wahrscheinlich ein Apis-Fall.
Man kann eine Analogie herstellen zwischen der Wasserretention und der Art, wie starke Gefühlsregungen in dem „erregbaren“ Zustand des Patienten zurückgehalten werden. Apis-Patienten sind Menschen mit intensiven Emotionen, die nicht leicht ausgedrückt werden können; Menschen mit „Leidenschaft“ und Intensität, besonders auf der sexuellen Ebene, die verlegen werden und sich unbeholfen anstellen, wenn sie sie zum Ausdruck zu bringen versuchen. Daher halten sie ihre Emotionen verborgen, was eine Art Druck erzeugt, und aufgrund dieses Drucks kann das sexuelle Verlangen bis zu einem sehr hohen Grad ansteigen, ohne dass wirkliche Befriedigung erreicht würde, was in einigen Fällen zu Nymphomanie führen kann.
An dieser Stelle sollten wir an den Drang der Biene denken, „Nektar“ aufzuspüren und sich leidenschaftlich an das Süße zu „klammern“, und an ihre aggressive Reaktion, wenn jemand versucht, ihre Aktivitäten zu stören. Mit blinder Leidenschaft attackiert sie sowohl den Nektar als auch den Eindringling, der sich ihr zu nähern oder sie zu berühren versucht. Interessanterweise kann man in der Persönlichkeit von Apis-Patienten Ähnlichkeiten mit diesem Verhalten beobachten: Auch sie können sich nicht mehr vom „Honig“ lösen, wenn sie ihn erst einmal entdeckt haben!
Das ist nicht Unmoral, das ist Leidenschaft. Eine Frau kann z. B. eine außereheliche Beziehung beginnen, mit dem Vorsatz, sie so bald wie möglich wieder zu beenden, und dann ist sie gefangen, kann diese Beziehung nicht mehr aufgeben, denn sie ist einfach sexuell zu attraktiv für sie, obwohl sie ihren Ehemann achtet und ihre Ehe nicht aufs Spiel setzen will. Sie kann tatsächlich sowohl ihren Ehemann als auch ihren Geliebten genießen. Diese Geschichte mag vielleicht ganz normal und alltäglich klingen, aber im Falle von Apis spielt ein pathologisches, zwanghaftes Verhalten eine wichtige Rolle.
Diese Patienten sind so eingebunden in das sexuelle Spiel und genießen es so sehr, dass sie in ihren sexuelle Begierden, maßlose Apissexuellen Begierden maßlos werden. Man sollte dies so verstehen, dass sie in solche Zustände deshalb geraten, weil sie unfähig sind, ihre Gefühle und erotischen Wünsche und Bedürfnisse auf natürliche, ungezwungene, zwanglose Art auszudrücken.
Arbeitswut, sexuelle Exzesse
Es gibt noch einen weiteren Punkt, an dem der Vergleich mit der Biene auffallende Ähnlichkeiten ergibt. Die Biene ist nämlich ständig beschäftigt und arbeitet die ganze Zeit: Sie sucht pausenlos nach Nektar, als sei dies eine große Freude für sie. Man könnte es als bedeutsame Parallele bezeichnen, dass wir Apis hauptsächlich bei zwei Arten von psychischen Zuständen verschreiben:
  • erstens, wenn der Patient eine Art „Arbeitswut ApisArbeitswut“ an den Tag legt, ständig mit irgend etwas beschäftigt sein muss,

  • und zweitens, wenn ein erotisch-sexueller Wahn Apiserotisch-sexueller Wahn besteht! Solche Analogien mögen vielleicht nicht „wissenschaftlich“ erscheinen, aber sie helfen, die essenziellen Merkmale und Wesenszüge dieser Arznei zu verstehen und zu behalten.

Erotischer Wahn, erotischer ApisWahn und sexuelle Manie Apissexuelle Manie, sexuelle ApisManie, besonders bei Frauen, gehören zu der psychischen Pathologie, die durch dieses Mittel abgedeckt wird. Wie bei anderen Mitteln geht es uns hier nicht um Abweichungen von einer irgendwie gearteten Norm sexuellen Verhaltens, sondern um ein unfreies, zwanghaftes Verhalten – eben um Pathologie. Apis könnte z. B. bei manisch-depressiven Zuständen benötigt werden, die im manischen Stadium die Form von Erotomanie annehmen, während sie in der depressiven Phase zu völliger Apathie hinüberwechseln. Beschwerden durch sexuelle Exzesse, Beschwerden durch Apissexuelle Exzesse. Die Apis-Frau kann sexuell sehr aktiv sein, maßlos in ihren Begierden, ihr Sexualverhalten ist fast schon als Raserei zu bezeichnen, sie braucht ständige Stimulation und scheint niemals befriedigt zu sein. Dieser Zustand ist ähnlich wie bei CANTHARIS, und Apis wird auch in der Tat die Wirkung von CANTHARIS auf das Urogenitalsystem antidotieren. Diese beiden Mittel antidotieren sich gegenseitig, wenn die Beschwerden im Urogenitalbereich lokalisiert sind.
Mit dieser Beschreibung von Apis sollte nun nicht der Eindruck erweckt werden, alle Apis-Frauen seien „Nymphomaninnen“; es ist aber wichtig zu verstehen, dass sie meist ein erhöhtes sexuelles Verlangen haben, welches manchmal auch diese Extreme erreichen kann.
Nymphomanie oder sexuelle Manie bei Frauen kann bei Apis gleichzeitig mit einer Zystitis bestehen oder mit dieser alternieren oder auch durch sie angeregt werden. Es ist zudem bemerkenswert, wie leicht es bei Apis-Patientinnen zu einer Zyste, Ovarien, der ApisZyste der Ovarien kommt bzw. dass sich bei ihnen auch der Eierstock selbst sehr stark vergrößern kann, besonders auf der rechten Seite. Eine solche Zyste ist außergewöhnlich groß und kann sich in beachtlich kurzer Zeit entwickeln. Eine sexuell frustrierte Frau mit einer Ovarialzyste, die sich innerhalb kurzer Zeit entwickelt hat, eine enorme Größe aufweist und weich ist, als sei sie voller Serum – das ist sehr wahrscheinlich ein Apis-Fall. Man sollte in diesem Zusammenhang daran denken, dass die Entwicklung dieser Zysten proportional zur Frustration der sexuellen Bedürfnisse der Patientinnen verläuft. Ich habe solche riesenhaften Zysten unter einer Hochpotenz von Apis in sehr kurzer Zeit verschwinden sehen, und zwar bei Frauen, die über lange Zeit unter „Beziehungsstress“ und sexueller Frustration gelitten hatten.
Menschen, die aufgrund von mit Liebe oder Zuneigung verknüpften Frustrationen gefühlsmäßig leiden, haben häufig ein schwaches Herz; eine ganz gewöhnliche Erkältung, die in Bronchitis übergeht, kann bei ihnen z. B. eine Perikarditis auslösen. In ganz ähnlicher Weise kann das Leiden unter sexuellen Frustrationen, wie es für Apis charakteristisch ist, von Beschwerden an den Sexual- und Fortpflanzungsorganen und den Nieren begleitet sein. Wenn der Organismus erst einmal in seiner Widerstandskraft geschwächt ist, neigt anscheinend ein tieferliegendes Organ, welches schon über lange Zeit beeinträchtigt war, eher zum Versagen. Diese Art Erklärung mag als Vereinfachung eines viel komplizierteren und feineren Prozesses im Organismus erscheinen; dennoch wird man oft eine solche offensichtliche Verbindung feststellen, wenn man bei einem Fall tiefer in den wirklichen Ursachenzusammenhang eindringt.
Eifersucht
Wir sehen bei Apis auch eine starke Tendenz zur Eifersucht ApisEifersucht, wie sie bei Frauen, die von ihrer sexuellen Leidenschaft so sehr geprägt sind, zu erwarten ist; das gilt ganz besonders für Witwen. Sie leiden an Beschwerden, die von Eifersucht herrühren.
  • Aufgrund der Eifersucht könnte man Apis mit LACHESIS verwechseln, denn die anderen allgemeinen Charakteristika, die Verschlimmerung durch Hitze und Berührung sowie die Besserung durch Kälte, haben beide Mittel gemeinsam. Doch die Eifersucht von Apis unterscheidet sich von der von LACHESIS. Die LACHESIS-Eifersucht ist viel verrückter und unfundierter, das Misstrauen dieser Patienten ist viel größer, sie werden förmlich gefoltert von ihrer Eifersucht.

  • Wie sieht dagegen die Eifersucht von Apis aus? Sie kommt meistens folgendermaßen zustande: Da diese Menschen einerseits sexuell so leidenschaftlich sind – sie kommen sich oft geradezu wie Sexbesessene vor –, andererseits aber schwerfällig im Ausdruck ihrer Gefühle und Emotionen, bleibt immer ein Gefühl der Unsicherheit hinsichtlich ihres Partners in ihnen bestehen. Sie stehen ständig unter dem Eindruck, dass sie ihn verlieren könnten, dass er ähnliche Erfahrungen wie mit ihnen auch mit anderen Frauen haben könnte. Diese Unsicherheit ist es, die sie nicht ertragen können und die sie eifersüchtig macht. Aber sie können über dieses Thema nicht sprechen.

So werden diese Menschen bestimmte Anzeichen z. B. eines Flirts ihres Partners beobachten und nichts dazu sagen, aber das Gift der Eifersucht beginnt sie aufzufressen. Schließlich wird, nach vielen solcher „Anzeichen“, ihre misstrauische Veranlagung, die sich bis dahin nicht nach außen hin manifestiert hat, in einem regelrechten Eifersuchtsanfall explodieren; sie geraten in Zorn und Wut und sagen Dinge, die den anderen tief verletzen. Anschließend bereuen sie es dann. Sie spüren ihre eigene Unbeholfenheit, ihren Mangel an Gewandtheit und Sanftheit, und bewundern es, dass andere sich so leicht und glatt und ruhig ausdrücken können, sogar was solche Themen wie Eifersucht anbetrifft. Nach mehreren solcher Explosionen ist das sexuelle Verlangen dieser Menschen unterdrückt, und der Entstehungsprozess eines Eierstocktumors oder einer Zyste beginnt. Es ist, als ob die Sexualkraft, die nicht in der Lage ist, sich Ausdruck zu verschaffen, nun auf destruktive Weise wirkt.
Seelische Gleichgewichtsstörung
In solchen Situationen versuchen die Patienten dann, auch wenn sie sich unglücklich und elend fühlen, zu lachen und glücklich auszusehen. In der Literatur heißt es dazu: „Simuliert Fröhlichkeit, während er sich erbärmlich fühlt.“ Dies ist ein großes Keynote für Apis. Diese Menschen wollen ihr Elend nicht zeigen, ja sie versuchen sogar, das Gegenteil zur Schau zu stellen. Sie geben vor, fröhlich zu sein; „überspannte Heiterkeit“, wie es in der Literatur heißt. Es ist ein eigenartiger Zustand, der an Hysterie oder seelische Gleichgewichtsstörung grenzt. Auch das Symptom „Lachen über Unglück“ sollte als eine aus dem Gleichgewicht geratene Ausdrucksweise von Emotionen verstanden werden; die Apis-Patienten fühlen sich vermutlich so unsicher, wenn ihnen ein Unglück widerfährt, dass sie, anstatt zu weinen, in Lachen ausbrechen. Es ist eindeutig ein hysterisches Element vorhanden, welches diese Menschen über ernste Angelegenheiten lachen lässt, manchmal mit einem albernen oder dummen Gesichtsausdruck. Sie wissen selbst, dass sie mit solch einem Verhalten lächerlich wirken, aber sie können nicht anders.
Es ist nicht so, dass sie nicht klagen würden; sie zeigen sich oft unzufrieden und suchen die Schuld bei allem und jedem. Zu anderen Zeiten aber verbergen sie ihr Unglück und Elend und setzen ein fröhliches Gesicht auf, besonders wenn sie an jemandem erotisch bzw. sexuell interessiert sind.
Unbeholfenheit und Ungeschicklichkeit
Um die Schwerfälligkeit ApisSchwerfälligkeit und Unbeholfenheit ApisUnbeholfenheit von Apis zu glauben, muss man sie gesehen haben. Egal wie vorsichtig diese Patienten zu sein versuchen, sie werfen bestimmt zwei oder drei Gläser um, wenn sie sich das Salz nehmen wollen, das ein bisschen weiter entfernt auf dem Tisch steht. Oder sie gehen eine völlig ebene und freie Straße entlang, und plötzlich rutschen sie aus und finden sich am Boden wieder. Fragt man sie dann, was eigentlich passiert ist und warum sie so plötzlich hingefallen sind, können sie nicht antworten, weil sie es selbst nicht wissen.
Diese Patienten fühlen sich ungeschickt Apisungeschickt und tölpelhaft Apistölpelhaft, und sie sind es auch. Nachts stoßen sie auf dem Weg zu ihrem Bett erst einmal gegen den Tisch und den Stuhl, obwohl sie genau wissen, dass Tisch und Stuhl schon lange dort stehen. Ihre Art zu gehen macht den Eindruck, als ob sie irgendwohin rennen wollten, um etwas ganz schnell zu bekommen, ohne dabei die räumlichen Gegebenheiten zu berücksichtigen. Dies ist das exakte Gegenteil zu der berühmten Orientierungsfähigkeit der Biene, zu ihrer Fähigkeit, Dinge räumlich einzuordnen und wiederzufinden. Es ist, als sei den Apis-Patienten diese Fähigkeit völlig abhanden gekommen, vor allem, wenn sie in Eile sind. Sie wirken innerlich beschäftigt, so als seien sie geistig abwesend, als registrierten sie die räumliche Anordnung der Dinge gar nicht wirklich. Kent geht so weit zu behaupten, dass diese Koordinationsstörung als eine Störung des Nervensystems zu betrachten sei.
Wenn diese Menschen versuchen, ihre Gefühle auszudrücken, legen sie die gleiche Unbeholfenheit an den Tag. Sie sind holprig in ihrer Ausdrucksweise und haben Schwierigkeiten damit, auf eine gewandte, flüssige Weise über ihre Gefühle zu reden. Obwohl sie starke Gefühle haben, können sie diese nicht auf natürliche und unbefan