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B978-3-437-57182-4.00001-7

10.1016/B978-3-437-57182-4.00001-7

978-3-437-57182-4

Wertigkeit der drei Seinsebenen untereinander (Aufsicht)

Geistige, emotionale, physische Ebene (Frontalansicht)

Dreidimensionales Schema der Seinsebenen des Menschen

Schwerpunkt-Wechsel der Krankheit zwischen physischer und emotionaler Ebene

Skala verschiedener Frequenz- oder Empfänglichkeitsbereiche (= Empfindlichkeit)

Manifestation der Lebenskraft als dynamisches Feld

Mittelfolge zum Abtragen miasmatischer Schichten

Drei miasmatische Schichten. Die miasmatische Prädisposition eines Kindes befindet sich zwischen derjenigen seiner Eltern.

Hierarchie der Symptome auf den drei Seinsebenen

Tab. 1.1
Ebene geistig emotional körperlich
Symptome in absteigender Hierarchie vollständige Geistesverwirrung Depression mit Selbstmordtendenz Gehirnleiden
destruktives Delirium Apathie, Unlust (Teilnahmslosigkeit) Herzerkrankungen
paranoide Vorstellungen und Zwänge Traurigkeit, Schwermut endokrine Störungen
Sinnestäuschungen (Wahnideen) qualvolle Angst Leberkrankheiten
Lethargie (geistesabwesend) Kummer Lungenkrankheiten
Stumpfsinn (Trägheit und Benommenheit) Phobien (Furcht) Nierenkrankheiten
Konzentrationsschwäche Angst Knochenerkrankungen
Vergesslichkeit Reizbarkeit Muskelerkrankungen
Zerstreutheit Unzufriedenheit Hautkrankheiten

Rubriken aus Kents Repertorium ( 2.5.2 )

Rangfolge der Körpersysteme und ihrer Organe

Tab. 1.2
Rang Körpersystem Organe
1. Nervensystem
  • Stammhirn

  • Großhirn

  • Kleinhirn

  • Rückenmark

  • Nervenplexus und -ganglien

  • periphere Nervenbahnen, -fasern und -knospen (einschließlich aller Sinnesorgane)

2. Kreislaufsystem
  • Herz

  • arterielle und nervöse Blutgefäße

  • Blut

  • Lymphknoten und -gefäße, Lymphe

3. Endokrines System
  • Hypophyse

  • Epiphyse

  • Schilddrüse

  • Nebenschilddrüsen

  • Nebennieren

  • Langerhanssche Inseln

  • Eierstöcke

  • Hoden

4. Verdauungssystem
  • Leber

  • Gallenblase

  • Bauchspeicheldrüse

  • Verdauungskanal und seine begleitenden Drüsen

5. Atmungssystem
  • Lungen

  • Bronchien

  • Trachea

  • Pharynx

  • Nase

6. Ausscheidungssystem
  • Nieren

  • Ureteren

  • Blase

  • Urethra

7. Fortpflanzungssystem
  • Eierstöcke, Eileiter, Uterus, Vagina, Vulva

  • Hoden, Samenblasen, Prostata, Penis, Urethra, Bulbourethraldrüsen

8. Knochensystem
  • Knochen

  • Gelenke

  • Bänder

9. Muskelsystem
  • glatte Muskulatur

  • gestreifte Muskulatur

10. Hautsystem Haut mit Anhangsgebilden:
  • Drüsen

  • Haare

  • Nägel

Rangfolge der Organe

Tab. 1.3
Rang Organ Anzahl im Körper
1. Gehirn 1
2. Herz 1
3. Hypophyse 1
4. Leber 1
5. Lungen 2
6. Nieren 2
7. Eierstöcke/Hoden 2
8. Wirbel 28
9. Muskeln viele
10. Haut gesamte Körperoberfläche

Beispielhafter Wechsel des Symptomenschwerpunkts

Tab. 1.4
Symptomatik Schwerpunkt der Störung Schweregrad der Krankheit
1 Phobien und Depression mit Selbstmordneigung ↑ (Ängste, Depressionen, Selbstmordtendenz) emotionale Ebene (oben) ernsthaft erkrankt
2 Psychose
Neurologische Symptome ↑ (Doppeltsehen, Muskelzuckungen, Schwäche, Taubheit an div. Körperpartien)
physische Ebene (oben) deutlich erkrankt
3 Neurologische Symptome
Reizbarkeit ↑
emotionale Ebene (weiter unten) erkrankt
4 Reizbarkeit
Mäßige Leberfunktionsstörung
physische Ebene (weiter unten) leichter erkrankt
5 Leberleiden
Hautleiden
physische Ebene (unten) leicht erkrankt
6 Hautausschlag langfristig gesund

Embryonale Gewebeschichten als Grundstruktur des Organismus

Tab. 1.5
Ektoderm Haut und Hautanhangsgebilde Epithel der Haut, Haar, Nägel, Epithelzellen der Schweiß-, Talg und Milchdrüsen
Epithel am Anfang und Ende des Verdauungskanals Epithel und Drüsen der Lippen, Backen, des Zahnfleisches, eines Teils des unteren und oberen Gaumens, der Schleimhäute von Nase und Nebenhöhlen, des Afters, der Enden der Urogenitalöffnungen
Gewebe des Nervensystems Zentralnervensystem einschließlich Retina, peripheres Nervensystem einschließlich sympathischer Nervenzellen und -fasern, Zellen der Nervenscheiden, sensorisches Epithel der Geruchs- und Gehörorgane, Nebennierenmark
Hypophysenvorderlappen
Linsen- und Ohrplakode Linse des Auges, vordere Epithelschicht der Hornhaut, Muskeln der Iris, äußere Schicht des Trommelfells
Endoderm Epithel des Verdauungskanals (ohne Anfangs- und Endstücke), Parenchym der dazugeh. Drüsen Leber, Pankreas, Schilddrüse, Nebenschilddrüsen, Thymusdrüse
Auskleidende Epithelschicht Eustachische Tuben, Mittelohr einschließlich innerer Schicht des Trommelfells, mastoide Luftzellen
Auskleidendes Epithel Larynx, Trachea, Bronchien, Alveolen
Epithel Epithel der Blase, des größten Teils der weibl. Urethra, eines Teils der männl. Urethra mit den dazugehörigen Drüsen (z. B. Prostata), unterer Teil der Vagina
Mesoderm Epithelabkömmlinge Viszerale und parietale Auskleidungen des Peritoneums, der Pleura, des Perikards; Nebennierenrinde
Mesenchymabkömmlinge Bindegewebe, Knorpel und Knochen einschließlich Zahnschmelz, Myokard- und Organmuskulatur einschließlich Blutgefäße, Endokard und Endothel der Blutgefäße, Lymphdrüsen und -gefäße, Milz, Blutkörperchen, Bindegewebsscheiden von Muskeln, Sehnen und Nervenenden, Synovia der Gelenkkapseln und Schleimbeutel

Definitionen physikalischer Grundbegriffe 1 Frequenz Resonanz Harmonie Interferenz

Tab. 1.6
Begriff Bedeutung Definition
Frequenz Zahlreiches Vorhandensein, Häufigkeit Anzahl der in einer bestimmten Zeit erfolgenden, periodisch sich wiederholenden Vorgänge (Schwingungen).
Resonanz Widerschall, Widerhall Mitschwingen eines schwingungsfähigen Systems bei Einwirkung von periodisch veränderlichen Kräften (Feldern), deren Frequenz gleich oder nahezu gleich einer Eigenfrequenz des Systems ist.
Harmonie Einklang, Übereinstimmung Zusammenstimmende Einheit, in der die Unterschiede bzw. Gegensätze der Teile des Ganzen aufgrund übergeordneter Gesetzmäßigkeiten miteinander ausgesöhnt sind.
Interferenz Überlagerung Gesamtheit der charakteristischen Überlagerungserscheinungen, die beim Zusammentreffen zweier oder mehrerer Wellenzüge mit fester Phasenbezeichnung untereinander am gleichen Raumpunkt beobachtbar sind.

1

Definitionen aus: Meyers Enzyklopädisches Lexikon.

Herstellung von Arzneipotenzen

Tab. 1.7
Mischung Verhältnis Verschüttelt Potenz
D-Potenzen (Dezimalpotenzen)
1 Trpf. Urtinktur mit 9 Trpf. 40-prozentiger Alkohol-Wasserlösung verdünnt 1:10 10-mal verschüttelt D 1
1 Trpf. der Potenz D 1 mit 9 Trpf. Lösung verdünnt 1:10 10-mal verschüttelt D 2
1 Trpf. der Potenz D 2 mit 9 Trpf. Lösung verdünnt 1:10 10-mal verschüttelt D 3
usw.
C-Potenzen (Centesimalpotenzen)
1 Trpf. Urtinktur mit 99 Trpf. 40-prozentiger Alkohol-Wasserlösung verdünnt 1:100 10-mal verschüttelt C 1
1 Trpf. der Potenz C 1 mit 99 Trpf. Lösung verdünnt 1:100 10-mal verschüttelt C 2
1 Trpf. der Potenz C 2 mit 99 Trpf. Lösung verdünnt 1:100 10-mal verschüttelt C 3
usw.

Urtinktur: Arzneisubstanz in Alkohol oder Wasser gelöst oder der Pflanzenpresssaft selbst.

Interaktion zweier Krankheiten im gleichen Organismus (nach Hahnemann S: Organon der Heilkunst [1999], §§ 36 ff.)

Tab. 1.8
Zusammentreffen einander unähnlicher Krankheiten
Die ältere Krankheit ist stärker oder gleich stark. Die neue Krankheit wird von ihr abgehalten. Beispiel:
Eine chronische Krankheit hält eine Herbstruhr ab, Lungensucht epidemische Fieber. (§ 36)
Die neue Krankheit ist stärker. Die alte Krankheit wird suspendiert, kommt später aber ungeheilt wieder hervor. Beispiel:
Lungensucht wird von Typhus oder einer Manie suspendiert. (§ 38)
Die neue Krankheit tritt nach langer Einwirkung auf den Organismus zur alten, ihr unähnlichen hinzu. Beider Krankheiten komplizieren sich. Beispiel:
Menschenpocken werden durch Masern kompliziert. (§ 40)
Zusammentreffen einander ähnlicher Krankheiten
Zwei der Art nach verschiedene, aber in ihren Äußerungen einander sehr ähnliche Krankheiten treffen aufeinander. Eine bestehende Krankheit wird von einer stärkeren ihr ähnlichen Krankheit vernichtet. Beispiel:
Augenentzündung, Blindheit, Taubheit etc. werden von Menschenpocken geheilt. (§§ 44–45)

Beispiele für häufig gebrauchte potenzierte Nosoden Carcinosinum Cancerinum Hydrophobinum Lyssinum Influenzinum Medorrhinum Psorinum Syphilinum Luesinum Tuberkulinum Variolinum

Tab. 1.9
Carcinosinum
(Cancerinum)
Krebsnosode. Gewonnen aus karzinösem (Mamma-)Gewebe.
Hydrophobinum (Lyssinum) „Tollwutgift“. Gewonnen aus dem Speichel eines an Rabies erkrankten Hundes.
Influenzinum Nosode aus verschiedenen Grippeviren.
Medorrhinum Aus Tripperausfluss gewonnene Nosode.
Psorinum Nosode aus dem Inhalt von Krätzebläschen.
Syphilinum
(Luesinum)
Syphilisnosode.
Tuberkulinum Aus einem tuberkulösen Abszess oder Sputum gewonnene Nosode (Tuberkulinum bovinum: aus Rindertuberkulose-Bakterien).
Variolinum Pockennosode (Variola vera).

Gesetze und Prinzipien des Heilens

  • 1.1

    Der Mensch in seiner Umwelt 10

    • 1.1.1

      Abwehrgefüge gegen krank machende Stimuli 12

    • 1.1.2

      Umweltreize und Reaktionstypen 13

    • 1.1.3

      Tätigkeiten des gesunden Organismus 16

  • 1.2

    Die drei Seinsebenen des Menschen 16

    • 1.2.1

      Geistige Ebene 19

    • 1.2.2

      Emotionale Ebene 23

    • 1.2.3

      Physische Ebene 26

  • 1.3

    Definition und Maßstab der Gesundheit 30

  • 1.4

    Der Mensch als komplexe Ganzheit 33

    • 1.4.1

      Abwehrsymptome 36

    • 1.4.2

      Einflüsse auf das Abwehrgefüge 37

    • 1.4.3

      Schwerpunkt der Störung 38

    • 1.4.4

      Verlaufsbahnen bei Krankheiten, Embryologie 40

  • 1.5

    Die Lebenskraft 42

    • 1.5.1

      Das Wirken der Lebenskraft beim Erkranken des Organismus 49

    • 1.5.2

      Das Abwehrgefüge als Aspekt der Lebenskraft 52

  • 1.6

    Das Gesetz der Heilung 57

    • 1.6.1

      Therapeutisches Agens 58

    • 1.6.2

      Gesamtheit der Symptome 60

    • 1.6.3

      Das Ähnlichkeitsgesetz 61

    • 1.6.4

      Samuel Hahnemann 63

  • 1.7

    Homöopathische Arzneimittel 65

    • 1.7.1

      Arzneimittelprüfung 65

    • 1.7.2

      Therapeutische Wirkung auf das dynamische Feld 66

    • 1.7.3

      Arzneimittelpotenzierung 68

  • 1.8

    Dynamische Wechselwirkungen von Krankheiten 71

    • 1.8.1

      Akute Krankheiten 72

    • 1.8.2

      Unterdrückende Therapien 75

    • 1.8.3

      Impfungen 78

  • 1.9

    Prädisposition für Erkrankungen 82

    • 1.9.1

      Miasmenlehre nach Hahnemann 83

    • 1.9.2

      Chronische Schwächung des Abwehrgefüges (Empfindlichkeit) 88

    • 1.9.3

      Prädispositionsschichten 89

    • 1.9.4

      Miasmatische Behandlung 91

Einleitung

Auf den ersten Blick wird der inhaltliche Anspruch dieses Buches vielleicht vermessen erscheinen. Schließlich sind Gesundheit und Krankheit – auch im Zusammenhang mit der Frage nach dem Wesen des Menschen – Themen, über die im Laufe der Jahrhunderte unzählige Bücher geschrieben wurden. Doch sind in unserer Zeit Entdeckungen gemacht worden, die in der Tat ein neues Licht auf dieses Thema werfen und klare Prinzipien und Gesetzmäßigkeiten des Heilens erkennen lassen. Das vorliegende Buch ist der Versuch, diese relativ einfachen Prinzipien und die darauf aufbauenden Methoden darzustellen – nicht nur für Fachleute, sondern auch für Laien, die sich eingehender damit befassen möchten.
Das Buch beabsichtigt dreierlei:
  • Es soll die grundlegenden Gesetze des Heilens beschreiben, die – obgleich seit jeher gültig und in Kraft – erst in neuerer Zeit entdeckt und systematisch formuliert wurden.

  • Es will die offensichtliche Beziehung zwischen der geistigen Entwicklung der Menschheit und ihrem Gesundheitszustand aufzeigen – eine Beziehung, ohne deren Verständnis der Arzt nicht in der Lage ist, tief greifend und dauerhaft zu heilen.

  • Es wird im Einzelnen auf die konkrete Heilmethode eingehen, deren Anwendung dem Menschen helfen kann, gesünder zu werden und zu bleiben.

Wenn wir einmal von den Anstrengungen in jüngster Zeit absehen, wird noch deutlicher, wie wenig der Mensch im Laufe seiner Geschichte getan hat, um seine Gesundheit wirkungsvoll sicherzustellen. Trotz der Fortschritte, die inzwischen bei der Behandlung akuter Krankheiten gemacht wurden, haben die chronischen Krankheiten geradezu krisenhafte Ausmaße angenommen und Anlass zu der Befürchtung gegeben, dass der Schaden bereits irreparabel sei. Wie schon in früheren Jahrhunderten, steht die Medizin auch jetzt noch dem Problem chronischer Krankheiten hilflos gegenüber; anstatt diese Leiden zu heilen, muss sie sich mit einer palliativen Behandlung begnügen. Kein Wunder, dass man sich inzwischen für die theoretischen Voraussetzungen zu interessieren beginnt, von denen unser traditionelles „Gesundheitswesen“ ausgeht. Angesichts des Leidens, das uns umgibt, erscheint die Hilfe, die die verschiedenen herkömmlichen Behandlungsweisen bieten, unverhältnismäßig gering.
Infolge dieses Vertrauensschwunds haben alternative Therapien erneut an Popularität gewonnen. Hier tut sich nun aber ein weiteres Dilemma auf: Aus Verzweiflung werden sie wahllos ausprobiert, ohne dass der Einzelne beurteilen könnte, welche Alternativbehandlungen wirksam und welche vielleicht sogar gefährlich sind.
Daran zeigt sich, dass weder Patienten noch allopathische Ärzte klare, umfassende Gesetze und Prinzipien des Heilens kennen. Wenn wir in der Geschichte der Medizin nachforschen, finden wir Bände voll empirischer Daten und experimenteller Ergebnisse, doch nirgends allgemeine Gesetze zur Begründung dieser Versuche oder Gesetzmäßigkeiten, die aus dem empirischen Material hervorgegangen wären. Man hat hinsichtlich der traditionellen Medizin sicherlich nicht Unrecht, wenn man behauptet, diese sei innerhalb der Naturwissenschaften wohl der einzige Zweig, der sich mehr auf Meinungen und Vermutungen als auf Gesetze und Prinzipien stützt.
Bedingt durch diese strukturelle Schwäche, ist die heutige Medizin sowohl unfähig, die Bevölkerung auf theoretischer Ebene von ihrer Wirksamkeit zu überzeugen, als auch unfähig, in der Praxis befriedigende und verlässliche Behandlungsresultate zu erzielen – vor allem in der Konfrontation mit jenem erwähnten, außerordentlich frustrierenden, ständig ernster werdenden Notstand: den chronischen Krankheiten.
In diesem Buch wird der Versuch unternommen, die allgemeingültigen Grundsätze des Heilens erneut zu formulieren, und zwar als umfassendes, in sich geschlossenes System, das durch klinische Ergebnisse überprüfbar ist und tief greifende Heilung bewirken kann, soweit das möglich ist. Unsere These lautet: Es gibt bestimmte Prinzipien des Heilens, die von jedem Arzt und Praktiker erkannt und beachtet werden müssen, gleichgültig, welche Behandlungsmethode er verwendet. Sie zu kennen, versetzt auch den Kranken in die Lage, eine Therapie auf ihre Heilwirkung hin zu prüfen, d. h. er kann dann mit Bedacht diejenige Behandlungsweise wählen, die er für die wirksamste hält.
Selbstverständlich finden sich in diesem Buch auch Gedanken, die ebenso in anderen Heilmethoden enthalten sind. Das Besondere jedoch ist das homogene Ganze, das hier in Form einer anwendbaren Methode ausführlich beschrieben werden soll.
Betrachten wir die kulturgeschichtliche Entwicklung der Menschheit im Allgemeinen und vergleichen sie mit der Geschichte der Medizin, so fällt dieser Vergleich für Letztere, wie schon erwähnt, nicht sehr rühmlich aus. Allen epochalen Vorstößen, die das abendländische Denken im Laufe seiner Entwicklung auf vielen Gebieten unternahm, hinkte die Medizin mit ihrem Gedankengut stets hinterher.
Denken wir beispielsweise an die Blütezeit Griechenlands im sechsten, fünften und vierten Jahrhundert vor Christus: Den anderen Völkern des Westens kulturell weit voraus und inmitten einer vielleicht bis heute unübertroffenen geistigen Kultur, mussten sich seine Bewohner noch nach primitiven, völlig unzuverlässigen Heilmethoden behandeln lassen. Obgleich die großen Denker der griechischen Klassik auf philosophischem und religiösem Gebiet zu außerordentlich tiefen Erkenntnissen gelangten, blieben ihnen doch die Gesetze, die Gesundheit und Krankheit steuern, weitgehend verborgen.
Auch während der darauf folgenden Epoche, in der die Ausbreitung des Christentums tief greifende neue Entwicklungen in Gang setzte, tappte die Medizin weiterhin im Dunkeln, und während die Menschheit in der byzantinischen Epoche sowie während der Renaissance erneut kulturelle Höhepunkte erreichte, war die Medizin immer noch eifrig damit zugange, Aderlass und kathartische Methoden anzuwenden.
Im 18. und 19. Jahrhundert gelangen den Naturwissenschaften unerhörte Entdeckungen – gleichzeitig wurden allenthalben Heilmethoden gutgeheißen, die man mehr als primitiv nennen muss. In dieser Zeit gelang es dem deutschen Arzt Samuel Hahnemann erstmals in der Geschichte der Medizin, die Gesetzmäßigkeiten aufzuzeigen, von denen Gesundheit und Krankheit abhängen, und dies auch klinisch nachzuweisen. Doch kaum einer hörte auf ihn. Offensichtlich überforderten seine Entdeckungen die Vorstellungskraft seiner Zeitgenossen; nur wenige konnten Hahnemanns Ideen, die dem damaligen Denken um mehr als ein Jahrhundert vorauseilten, begreifen.
Stattdessen wurden die mehr mechanistisch geprägten Theorien eines Louis Pasteur Pasteur, Louis oder Rudolf Virchow Virchow, Rudolf in weiten Kreisen begeistert aufgenommen. Sie entsprachen eher der greifbaren Anschaulichkeit des Newton'schen Weltbildes. Pasteurs Theorien und seine bakteriologischen Forschungen ließen jedermann glauben, endlich sei die Entstehungsursache der Krankheiten gefunden. Spätere Erkenntnisse auf dem Gebiet der Bakteriologie zeigten jedoch: Zur Entstehung einer Krankheit sind nicht nur Erreger, sondern ist auch eine konstitutionelle Empfänglichkeit notwendig. Die heutige Medizin trägt dieser Tatsache jedoch wenig Rechnung. Sie fährt fort, auf neue Erreger – Bakterien, Viren usw. – Jagd zu machen, und entwickelt Medikamente zu ihrer Bekämpfung.
Betrachten wir etwa die Anstrengungen, die gemacht werden, um der neu aufgetretenen Legionärskrankheit oder in jüngster Zeit der Ebola-Viruserkrankung und SARS (Schweres Akutes Respiratorisches Syndrom) zu Leibe zu rücken: Man konzentriert sich voll und ganz auf die Suche nach dem „Erreger“ – die konstitutionelle Empfindlichkeit, die Empfänglichkeit der Erkrankten für eine Krankheit dagegen wird kaum beachtet.
Dabei wäre es nicht weniger wichtig, die Widerstandsfähigkeit der Überlebenden gegen diesen angeblich virulenten Erreger zu untersuchen; möglicherweise hätte man damit sogar mehr Erfolg. Ähnliches gilt für AIDS (Acquired Immune Deficiency Syndrome), die moderne Geißel der Menschheit. 1

1

Vgl. Vithoulkas, G (1997): Die neue Dimension der Medizin, S. 151–190.

In der Tat scheint die Medizin sich nicht von der Vorstellung lösen zu können, man müsse vor allem Mikroben und sichtbare Krankheitsursachen erforschen; dabei werden die Ergebnisse – vor allem im Hinblick auf die chronischen Krankheiten – immer enttäuschender. Das wiederum hat zur Folge, dass immer neue Substanzen entwickelt werden, die in sich bereits eine ernst zu nehmende Bedrohung der Volksgesundheit darstellen. Dabei geht es in der alltäglichen medizinischen Versorgung der Bevölkerung oftmals nur in zweiter Linie um die Suche nach greifbaren Krankheitsursachen, weil die sofortige Linderung der Symptome heute den meisten Patienten wichtiger erscheint. Die Mehrzahl der Arzneimittel, die für Leiden wie Arthritis, Asthma, Colitis, Magen-Darm-Geschwüre, Herzbeschwerden, Epilepsie, Angst und Depressionen verschrieben werden, ist nicht dazu bestimmt, wirklich heilend zu wirken. Sie bekämpfen keinerlei Ursache, sondern bieten lediglich die Gewähr vordergründiger Entlastung – von der Gefahr der Nebenwirkungen ganz abgesehen. Das allein zeigt bereits, dass der modernen Medizin ein fundiertes Konzept der Krankheitsbekämpfung fehlt.
Sonst repräsentiert jede Naturwissenschaft ein System, das auf klaren theoretischen Voraussetzungen beruht, die beständig durch experimentelle Daten und Erfahrungswerte verifiziert werden. Die Universitäts- oder Schulmedizin (in diesem Buch auch als Allopathie Allopathie bezeichnet – von griech. „allos“ = anders und „pathos“ = Leiden) zählt sich selbst zu den Naturwissenschaften, doch es scheint fraglich, ob diese Selbsteinschätzung tatsächlich gerechtfertigt ist. Überlegen wir einen Augenblick, wie die optimale medizinische Behandlung aussehen müsste: Sie müsste wirksam sein, ohne den Patienten – etwa durch Nebenwirkungen – zu gefährden. Außerdem dürfte sich ihre Wirksamkeit nicht nur auf Linderung oder Beseitigung einiger Symptome erstrecken; sie müsste darüber hinaus den Kranken konstitutionell stärken und sein Wohlbefinden so umfassend steigern, dass ihm dadurch ein erfüllteres Leben möglich würde. Sie dürfte ferner nicht zu kostenintensiv, müsste allen Teilen der Bevölkerung zugänglich und allgemein verständlich sein.
Bereits im theoretischen Vorfeld müsste sie folgende Fragen eindeutig beantworten können:
  • Was ist der Mensch?

  • Was ist Gesundheit?

  • Was ist Krankheit?

Nur wenn diese Problemstellung in ihrer ganzen Tragweite begriffen und bewältigt ist, kann eine Therapie entwickelt werden, die verlässliche und verifizierbare Ergebnisse hervorbringt – nur dann haben wir auch einen Maßstab dafür, ob Heilung stattfindet.
Das vorliegende Buch besteht aus zwei Teilen. Im ersten Teil (Theoretische Grundlagen) befassen wir uns zunächst mit den drei Grundbegriffen Mensch, Gesundheit und Krankheit. Die Konzepte, die die Homöopathie hierzu entwickelt hat, besitzen für jede Behandlungsmethode Gültigkeit. Dabei werden wir sehen, aufgrund welcher Gesetze und Prinzipien diese drei Grundkomponenten miteinander in Beziehung stehen. Der zweite Teil (Praktische Grundlagen) befasst sich mit der Anwendung der Methode. Es werden die homöopathische Anamnese sowie die Symptombewertung und die Erstverordnung dargestellt. Anhand von Beispielen wird ausführlich das komplexe Thema der Langzeitbehandlung, insbesondere die Problematik des Mittelwechsels, behandelt.
Aufgabe des Arztes ist die Behandlung des ganzen Menschen, nicht nur seines Körpers. Von daher wollen auch wir uns bei all unseren Bemühungen von der Frage leiten lassen: Auf welches Ziel hin ist der Mensch als sich entwickelndes Wesen angelegt? Was ist seine Bestimmung? Wir können keine verbindlichen Maßstäbe für Gesundheit und Krankheit aufstellen, ohne uns über diese Grundfrage klar zu werden.
Auf den ersten Blick könnte man meinen: Nun, der Mensch sucht Macht, Ruhm, Genuss, Geld, Freisein von Leid, Angst und Spannungen. Wenn wir jedoch diese Bedürfnisse genauer prüfen, stellen wir bald fest, dass die Erfüllung dieser Wünsche auf etwas anderes abzielt: auf einen inneren Zustand, den wir Glück nennen – ein uneingeschränktes, unvergängliches Glück, das von äußeren Umständen und vom Auf und Ab des Lebens unberührt bleibt.
Wir wollen hier nicht zu viel vorwegnehmen. Eins steht jedenfalls fest: Körperliches, emotionelles und geistiges Wohlbefinden sind alle drei wichtig, um dieses innere Glücklichsein zu erreichen. Bei ernsten Leiden ist unser Bewusstsein in der Regel mit dem Krankheitsprozess und seinen Auswirkungen beschäftigt und steht uns daher nicht frei zur Verfügung, um innerlich zu wachsen und glücklich zu werden. Die Gesundheit des Körpers hängt mit dem Wohl von Geist und Gemüt zusammen und ist somit eine bedeutsame Voraussetzung, wenn wir als Menschen unsere Bestimmung erreichen wollen: uneingeschränktes Freisein von inneren Zwängen, das uns helfen kann, unser Menschsein voll zu entfalten.
Geist, Gemüt und Körper bilden eine untrennbare Einheit (Leib). Dies ist ein wesentlicher Gesichtspunkt, der im vorliegenden Buch immer wieder aufgegriffen wird. Die Notwendigkeit dieser ganzheitlichen Betrachtungsweise wurde von weisen Denkern aller Zeiten klar erkannt; dies zeigt z. B. das folgende Zitat eines sehr alten Sumaritextes aus der „Heiligen Schrift des Alten und Neuen Bundes“ (2010):

„Ehre deinen Körper; er repräsentiert dein Ich in dieser Welt. Seine große Schönheit ist kein Zufall. Er ist die äußere Form, durch die deine Werke kommen müssen; durch die der Geist und der Geist im Inneren des Geistes spricht.

Fleisch und Geist sind zwei Stufen deines Seins in Raum und Zeit. Wer eine von beiden nicht beachtet, wird zugrunde gehen […].“

Zusammenfassung

  • Es gibt fest umrissene Gesetzmäßigkeiten, nach denen eine Krankheit oder eine Folge von Krankheiten bei einem Menschen auftreten.

  • Ebenso gibt es bestimmte Gesetze, nach denen sich die Heilung vollzieht. Jeder Therapeut – gleich, welche Heilweise er anwendet – muss sie kennen und beachten.

  • Immerwährendes, uneingeschränktes Glücklichsein ist das letzte Ziel des Menschen. Jede Form des Heilens sollte den Menschen diesem Ziel näher bringen.

Bibliografie Einleitung

Vithoulkas, 1997

G. Vithoulkas Die neue Dimension der Medizin 1997 Wenderoth Kassel

Weiterführende Literatur

Die Bibel, 2010

Die Bibel Die Heilige Schrift des Alten und Neuen Bundes 2010 Herder Freiburg

Bloch, 1901

I. Bloch Der Ursprung der Syphilis 1901 Gustav Fischer Jena Stellt die Ausbreitung der Syphilis in der alten Welt nach der Entdeckung Amerikas dar. Stützt sich auf zeitgenössische Berichte, die u. a. berichten, dass die Bewohner der Westindischen Inseln Heilmittel (u. a. Gujak) für die Syphilis hatten

Bochalli, 1940

R. Bochalli Die Geschichte der Schwindsucht 1940 Thieme Leipzig Der Begriff der Schwindsucht taucht bereits in der Ayura-Veda (14. Jh. v. Chr.) auf

Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, 1998

Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) Behandlungsleitlinie Schizophrenie 1998

Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg (dkfz),

Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg (dkfz): Krebsatlas. Hrsg. v. Becker N, Wahrendorf J, www.dkfz.de/de/krebsatlas/index.html .

Dubos, 1987

R. Dubos J. Dubos The White Plague: Tuberculosis, Man, and Society 1987 Rutgers University Press Piscataway Verzeichnis des An- und Abstiegs der Tuberkulose: Rückgang der Sterblichkeitsziffern um 50 % schon zu der Zeit, als der Tuberkulose-Bazillus isoliert wurde, um 75 % zu der Zeit, als das erste Sanatorium in den USA eingerichtet wurde, um 90 % zur Zeit der ersten Antibiotikaentwicklung. Die Wissenschaft kann demnach nicht für sich in Anspruch nehmen, die Tuberkulose durch die Tuberculostatika besiegt zu haben

Dubos, 1984

R. Dubos Mirage of Health: Utopias, Progress and Biological Change 1984 Rutgers University Press Piscataway Widerlegt den Mythos, die allopathische Medizin habe die Gesundheit der Bevölkerung therapeutisch günstig beeinflusst

Ewig, 2001

S. Ewig Tuberkulose in Deutschland ab 2001 Pneumologie 55 2001 492 493 „Die Tuberkulose stellt im globalen Maßstab immer noch ein großes Problem dar. Etwa jeder dritte Bewohner der Erde ist mit Mykobakterium tuberculosis infiziert. Zur Zeit wird mit ca. 8–10 Millionen Neuerkrankungen an Tuberkulose und ca. 3,5 Millionen an Tuberkulose Verstorbenen pro Jahr gerechnet. Grund zur Besorgnis ist die weiter steigende Gesamtinzidenz der Tuberkulose. Besonders beunruhigend ist die Lage in Afrika (Sub-Sahara), Südostasien und in einigen osteuropäischen Staaten und in Ländern der ehemaligen Sowjetunion.“

Frobisher, 1983

M. Frobisher Frobisher & Fuerst's Microbiology in Health and Disease 15 th Ed 1983 Saunders Philadelphia Beschreibt den Anfälligkeitsfaktor. Eine Person von robuster Gesundheit kann sich leicht dem Ausgesetztsein selbst der virulentesten Mikroorganismen erwehren. Der Grad der Widerstandsfähigkeit kann sich von Stunde zu Stunde, von Tag zu Tag ändern, abhängig von Erschöpfung, Hunger, Kälte, Überarbeitung usw. Ein Standardlehrbuch der Mikrobiologie, das routinemäßig an allen Universitäten und medizinischen Fakultäten in den USA benutzt wird

Heintel, 1975

H. Heintel Quellen zur Geschichte der Epilepsie 1975 Huber Bern, Stuttgart, Wien

Henschen, 1966

F. Henschen The History of Diseases 1966 Longmans London Ausführliche und gut kommentierte Übersicht über verschiedene Krankheiten in der frühen Geschichte: Tuberkulose in Knochenfunden aus der Zeit von 5000 v. Chr., Syphilis in Nordamerika schon um 13000 v. Chr., Infektionskrankheiten wie Gonorrhö, Malaria und Lepra sind seit tausenden Jahren bekannt, ebenso Krebs.

Himwich, 1970

H.E. Himwich Biochemistry, Schizophrenias, and Affective Illness 1970 Williams and Wilkins Baltimore Schizophrenie ist eine der ältesten Krankheiten des Menschen. Schon 3000 v. Chr. gut beschrieben und abgegrenzt von anderen geistigen Störungen. Zum ersten Mal in der indischen Ayura-Veda

Illich, 1995

I. Illich Die Nemesis der Medizin: die Kritik der Medikalisierung des Lebens 1995 Beck München

Illich, 1975

I. Illich Die Enteignung der Gesundheit 1975 Rowohlt Reinbek Kampfansage an die monopolistische Rolle und den Wirksamkeitsanspruch der offiziellen Medizin. Sehr gut dokumentiert. Weist nach, dass Verbesserungen der Hygiene primäre Auswirkung auf die Gesundheit der Bevölkerung gehabt haben, während die allopathische Medizin eine geringe, oft sogar schädigende Wirkung hatte

Institut für Arzneimittelinformation,

Institut für Arzneimittelinformation (Hrsg.): arznei-telegramm (a-t). Arzneimittelinformation Berlin GmbH, www.arzneitelegramm.de . Neutrale Bewertung von Nutzen, Risiken und Kosten von Arzneimitteln und Therapieverfahren.

The Etiology of Schizophrenia, 1960

D. Jackson The Etiology of Schizophrenia 1960 Basic New York

Janssens, 1970

P.A. Janssens Paleopathology 1970 John Baker London Dokumentiert das Vorhandensein vieler chronischer Krankheiten bis in prähistorische Zeiten. Wiederhergestellte Knochen, Metastasen in Skeletten, Überreste von Mumien usw. zeigen, dass grundlegende Abwehr- und Wiederherstellungsvorgänge sich nur wenig im Laufe der Geschichte verändert haben. Man könnte erwartet haben, dass sich die schützenden Mechanismen verbessert hätten, aber das Ergebnis beweist, dass der moderne Mensch weniger wirksame Schutz- und Wiederherstellungsmechanismen besitzt als primitive Wesen

John,

E. John Fogarty International Center of the National Institutes of Health www.fic.nih.gov

Klinger, 1989

W. Klinger C. Reinicke C. Hodel Unerwünschte Arzneimittelnebenwirkungen 5. Aufl 1989 Fischer Stuttgart

Lazarou, 1998

J. Lazarou B.H. Pomeranz P.N. Corey Incidence of Adverse Drug Reactions in Hospitalized Patients: A Meta-analysis of Prospective Studies Journal of the American Medical Association 279 1998 1 200 1 205 Laut einer amerikanische Meta-Analyse leiden 6,7 Prozent der Klinikpatienten in den USA an schweren unerwünschten Arzneimittel-Nebenwirkungen (irreversibler Schaden, Krankenhausaufnahme oder Verlängerung des Krankenhausaufenthalts). Wenn diese Statistik stimmt, sind Arzneimittel-Nebenwirkungen die vierthäufigste Todesursache in den USA – hinter Koronarer Herzkrankheit, Krebs, Schlaganfall und Lungenkrankheiten, noch vor Unfällen, Diabetes mellitus und Pneumonie. Selbst bei konservativer Schätzung belegen nach Berechnung der Autoren die Nebenwirkungen immer noch Rang 6 in der Liste der Todesursachen

Lewison, 1963

E.F. Lewison An Appraisal of Long-Term Results in Surgical Treatment of Breast Cancer Journal of the American Medical Association 186 1963 975 978 1963

Lilienfeld, 1966

M. Lilienfeld J. Gifford Chronic Disease and Public Health 1966 John Hopkins Baltimore Hervorragende Dokumentation von Untersuchungen darüber, wie sich die Häufigkeit des Vorkommens und der Mortalität von chronischen Krankheiten verändert. Es wird der allgemeinen Behauptung entgegengetreten, dass sich die chronischen Krankheiten nur scheinbar erhöht hätten, nämlich aufgrund des Erfolges der Antibiotika bei der Senkung der Häufigkeit und Mortalität der Infektionskrankheiten. Statistiken von zehn Haupttodesursachen in den USA zeigen einen absoluten Anstieg an chronischen Krankheiten Verstorbener, nicht nur einen relativen Anstieg

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B. Müller-Oerlinghausen R. Wettengel H. Düppenbecker Tiegs G. Unerwünschte Arzneimittelwirkungen 1999 Urban & Fischer München

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Robert Koch Institut (RKI), 2003

Robert Koch Institut (RKI) Tuberkulose in Deutschland 2003 Epidemiologisches Bulletin, 29. Oktober 2004/Nr. 44, www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2012/12/Tabelle.html . „Auch 2003 blieb die Tuberkulose mit weltweit knapp zwei Millionen Todesfällen die am häufigsten zum Tode führende behandelbare Infektionskrankheit. Der Anteil der Stämme des Erregers Mycobacterium (M.) tuberculosis, die gegen Antituberkulotika resistent sind, nimmt gegenwärtig deutlich zu; das führt zu wachsenden Problemen bei der Therapie und Kontrolle der Krankheit. Weltweit waren etwa 3 % der 8,7 Millionen Neuerkrankungen an Tuberkulose im Jahr 2000 durch multiresistente Erreger verursacht. So genannte „hot-spots“, zu denen die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen zählen, tragen mit Anteilen von etwa 10 % multiresistenter Tuberkulose (MDR-TB) wesentlich zu dieser Entwicklung bei.“

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R.I. Shader Manual of Psychiatric Therapeutics 3 rd Ed 2002 Lippinicot Williams and Wilkins Philadelphia Ein umfangreiches Werk, das Wirkungen aller Arten von Arzneien und Arzneiverbindungen auf das Geistes- und emotionale Befinden aufführt

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Statistisches Bundesamt Erkrankungen des Kreislaufsystems sind Haupttodesursache Pressemitteilung vom 24. September 2004 Im Jahr 2002 wurde bei fast jedem zweiten Verstorbenen (160 629 Männer und 233 149 Frauen) der Tod durch eine Erkrankung des Kreislaufsystems ausgelöst. Da Frauen im Durchschnitt älter werden als Männer, sterben sie entsprechend häufiger an Kreislauferkrankungen

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World Heath Organisation (WHO) Atlas of Health in Europe 2001 S. 61 f

Der Mensch in seiner Umwelt

Wer entschlossen ist, sich von Berufs wegen vorbehaltlos dem Studium und der Anwendung einer Wissenschaft zu widmen, deren Ziel wirkliche Heilung ist, dessen Aufgabe besteht vor allem darin, die Gesundheit eines erkrankten Menschen wieder herzustellen. Hierzu muss er aber zunächst folgende Fragen klären:
  • Was ist der Mensch?

  • Wie ist er in seiner Vielschichtigkeit aufgebaut?

  • In welcher Wechselwirkung steht er zum Ganzen des Kosmos?

  • Welchen Gesetzen und Prinzipien unterliegen die Funktionszusammenhänge im gesunden und kranken Menschen?

Nur wer als Arzt die Antworten auf diese Fragen gründlich kennt, kann Kranke gesunden lassen, indem er sie wieder mit sich selbst und ihrer Umwelt in Einklang bringt. Mehr noch: Dieses Verständnis ist notwendig, um erkennen und beurteilen zu können, ob sich beim Patienten eine echte Heilung anbahnt oder ob es sich nur um eine vorübergehende Besserung handelt.
Zunächst einmal müssen wir im Auge behalten, dass der menschliche Organismus nicht isoliert und unabhängig lebt. Geburt, Leben und Tod jedes Einzelnen sind untrennbar verknüpft mit den physischen, sozialen, politischen und geistigen Einflüssen seiner Umwelt. Die Gesetze, denen das Weltall gehorcht, wirken nicht losgelöst von jenen, welchen die Vorgänge innerhalb lebendiger Organismen unterliegen. Wir müssen daher zunächst eingehend die Umwelt studieren, in der der Mensch lebt, und uns darüber klar werden, welche wechselseitigen Einflüsse zwischen ihr und ihm bestehen.
Wie alle Lebewesen ist auch der Mensch ursprünglich daraufhin angelegt, harmonisch und im Einklang mit seiner Umwelt – diese wohlgemerkt im weitesten Sinne verstanden – zu leben. Das ausgewogene Kräftespiel zwischen Mensch und Umwelt sollte beiden Teilen nützen und zugute kommen. Jede Störung dieses Gleichgewichts muss sich für Mensch und Umwelt unweigerlich zerstörerisch auswirken. Da der Mensch mit Vernunft und Entscheidungsfreiheit begabt ist, obliegt ihm die große Verantwortung, um seiner selbst und des Kosmos willen in Einklang mit den Naturgesetzen zu leben. Er sollte im Idealfall nicht nur bewusst innerhalb der vorgegebenen Ordnung der Natur leben, sondern sie darüber hinaus schöpferisch nutzen, um aufgrund der hieraus erwachsenden Freiheit zu den letzten, größten Möglichkeiten seiner Bestimmung vorzudringen.
Stattdessen finden wir uns heute inmitten von Unordnung und gesundheitlichem Niedergang. Inmitten eines Zeitalters unerhörten technologischen Fortschritts müssen wir mit ansehen, wie Atmosphäre, Wasser und Boden in nie dagewesenem Umfang geschädigt werden. Angesichts der politischen und sozialen Lage der Menschheit kann man leicht zu dem pessimistischen Schluss kommen, dass Konkurrenzkampf, Gewalt und Krieg tatsächlich zur Vernichtung der Menschheit führen können. Was aber den Einzelnen betrifft, so lässt sich seit Jahrzehnten beobachten, dass er sich durchaus nicht von Generation zu Generation einer immer blühenderen Gesundheit erfreut, sondern wir sind Zeugen eines beständigen gesundheitlichen Verfalls. 1

1

Vgl. die Hinweise in der Bibliografie zur Einleitung.

Wie kommt das? Grundsätzlich können wir die Tatsache immer rascher fortschreitender Degeneration zwei Haltungen zuschreiben:
  • Die rücksichtslose Ausbeutung der Natur durch den Menschen führt zur Belastung seiner Umwelt, die wiederum die Funktionsfreiheit des Individuums immer weitgehender stört.

  • Der zunehmende Verlust an Einsicht in die Bedingtheit seiner Existenz, d. h. die Illusion, alles sei „machbar“, hat dem Menschen den Blick verstellt für das richtige Verständnis der Naturgesetze, die nicht ungestraft missachtet werden können.

Wir sehen also, dass sowohl der Einzelne als auch die Gesellschaft die Umwelt beeinflussen und von ihr beeinflusst werden; in dem Maße, in dem wir uns immer mehr von der Natur und ihren Gesetzen entfernen, entsteht ein Teufelskreis, den zu durchbrechen es heute großer Einsicht, Energie und Opferbereitschaft bedarf.
Nun kann es für den Einzelnen viele verschiedene Möglichkeiten geben, auf den Stress, der aus dieser Situation resultiert, zu reagieren. Einigen scheinen äußere oder innere Störungen verhältnismäßig wenig anzuhaben; ihr Organismus befindet sich in einem Zustand relativen Gleichgewichts, das sich mit relativ wenig Mühe aufrechterhalten lässt. Auf der anderen Seite reagieren die meisten Menschen heute mit Störung ihres inneren Gleichgewichts, erkennbar an leichten bis hin zu tief greifenden Veränderungen. Wir bezeichnen solche Menschen als krank. Die innere Unausgewogenheit mag sich auf jeweils ganz unterschiedliche Weise äußern, aber immer handelt es sich hier um eine Beeinträchtigung der Fähigkeit des Organismus, mit inneren und äußeren Einflüssen fertig zu werden. Darin besteht sein „Ungleichgewicht“. Wenn wir den Menschen als eine Ganzheit verstehen, so ist zu erwarten, dass sich Störungen nicht nur auf der physischen Ebene manifestieren, wie es heute die allopathische Richtung der Medizin noch weitgehend annimmt. Der ganze Mensch ist gestört, und zwar in unterschiedlichem Grade auf den verschiedenen Ebenen seiner Existenz.
Jedem ist die Beobachtung geläufig, dass die Empfindlichkeit Empfindlichkeit , mit der der Einzelne auf Umwelteinflüsse Umwelteinflüsse reagiert, sehr unterschiedlich sein kann. Es gibt ein paar Glückliche, die ihr Leben lang außergewöhnlich kreativ bleiben, obwohl sie wenig schlafen, unregelmäßig essen, erhebliche berufliche Verantwortung und familiäre Probleme tragen, ja vielleicht im Laufe ihres Lebens sogar Schockerlebnissen und großem Kummer ausgesetzt sind. Andere dagegen fühlen sich bereits durch minimalen Stress „angeschlagen“, brauchen viele Stunden Schlaf und täglich mehrere Ruhepausen; sie bekommen alle möglichen Beschwerden, wenn sie auch nur geringfügig von ihren üblichen Essgewohnheiten abweichen. Die einen spüren Hitze und Kälte kaum, während andere so empfindlich reagieren, dass sie Wetteränderungen schon einen Tag im Voraus spüren.
Wie kommt es, dass manche mühelos mit Stress fertig werden, während andere schon durch geringe Belastungen aus dem Gleichgewicht zu bringen sind? Dies ist eine grundlegende Frage, an der sich in der Geschichte des Abendlandes zwei große medizinische Traditionen geschieden haben. Die rationalistische Schule, die zur heutigen Schulmedizin geführt hat, richtet ihr Augenmerk auf die nachweisbaren Faktoren, die bei einem bestimmten Menschen eine Krankheit hervorrufen. Man hofft, dass ein therapeutisches Eingreifen gegen die Krankheit möglich wird, wenn die auslösende Ursache bekannt ist. Obgleich dieser Ansatz im Laufe der Geschichte immer wieder erprobt und angewandt wurde, sehen wir nicht nur eine stetige, alarmierende Zunahme degenerativ Erkrankter, sondern das Auftreten neuer Erkrankungen. Um nur ein Beispiel zu nennen, sei auf die immer häufiger chronisch verlaufenden Mykosen durch den weit verbreiteten Missbrauch von Antibiotika hingewiesen.
Im Gegensatz dazu beschäftigt sich die empirische Schule in erster Linie mit der Frage: Was befähigt einen Menschen, trotz vieler krank machender Einflüsse um ihn her gesund zu bleiben?

Abwehrgefüge gegen krank machende Stimuli

Denkt man über diese Frage nach, so liegt die Annahme nahe, dass jeder Organismus ein Abwehrgefüge Abwehrgefüge besitzt, das ständig bemüht ist, mit inneren und äußeren Einflüssen fertig zu werden. Dieses Abwehrgefüge ist verantwortlich für die Aufrechterhaltung einer Homöostase, d. h. eines Gleichgewichtszustandes Gleichgewichtszustand zwischen Prozessen, die die Ordnung des Organismus stören, und solchen, die versuchen, sie aufrechtzuerhalten. Es ist lebenswichtig, genau zu verstehen, wie dieses Abwehrgefüge funktioniert, denn wird es in seiner Funktionsfähigkeit wesentlich eingeschränkt, führt dies rasch zu einem Ungleichgewicht im Organismus und schließlich zum Tode. Es wird Hauptthema dieses Buches sein, zu untersuchen, wie dieses Abwehrgefüge arbeitet ( 1.5.2 ); wir wollen uns daher in diesem Kapitel auf einen kurzen Überblick beschränken.
Jeder Umwelteinfluss bedeutet für den Organismus einen bestimmten Stimulus, der durch Rezeptoren auf den drei grundlegenden Seinsebenen Seinsebenen Schema der des Menschen, der geistigen, emotionalen und physischen Ebene, wahrgenommen wird ( 1.2 ).
Die menschliche Existenz ist im Wesentlichen von der Fähigkeit des Organismus abhängig, sein dynamisches Gleichgewicht möglichst ungestört und ausgewogen aufrechtzuerhalten. Das Abwehrgefüge ist ständig bemüht, dieses Gleichgewicht zu bewahren oder wieder herzustellen, was ihm aber nicht immer vollständig gelingt. Würde er stets perfekt funktionieren, gäbe es keine Leiden, keine Beschwerden, kein Kranksein.
Bei den meisten Menschen funktioniert er jedoch nicht perfekt. Die Gründe hierfür werden wir in späteren Kapiteln eingehend besprechen ( 1.5.2 ). Sind die belastenden Stimuli stärker als die natürliche Widerstandskraft des Organismus, so wird dessen Gleichgewicht gestört; dieses Ungleichgewicht äußert sich dann in bestimmten Zeichen und Symptomen. Diese sogenannten Manifestationen (also die Zeichen und Symptome) drücken sich nun interessanterweise relativ stärker auf jeweils einer Ebene aus, nämlich entweder auf der physischen, der emotionalen oder der geistigen Ebene, je nach Veranlagung der betreffenden Person. Die weiteren Auswirkungen solcher Beschwerden können dann natürlich auch auf die nächsthöhere Ebene übergreifen und somit vom Patienten als Beschwerden in mehreren Bereichen erlebt werden. Diese Zeichen und Symptome oder Symptomgruppen werden nun irreführenderweise als „Krankheiten“ bezeichnet; in Wirklichkeit sind sie Zeichen des Kampfes, den das Abwehrgefüge gegen den krankheitserregenden Stimulus führt.

Umweltreize und Reaktionstypen

Bevor wir uns im Einzelnen mit der Funktion des Abwehrgefüges befassen, wollen wir zunächst kurz auf die Natur der verschiedenen Umwelteinflüsse Umwelteinflüsse eingehen, mit denen er sich auseinanderzusetzen hat. Einige Beispiele sollen dabei die unterschiedlichen Reaktionstypen Reaktionstypen zeigen, die sich von Mensch zu Mensch beobachten lassen. Für den Arzt ist es wichtig, die ganz spezifische Art und Weise zu erkennen, in der die unterschiedlichen Umweltbereiche den Menschen beeinflussen.

Klassifikation der Umweltreize

Umweltreize, Klassifikation
  • Kosmos mit seinen Gesetzmäßigkeiten

  • Sonnensystem

  • Volk, Nation

  • Unmittelbares gesellschaftliches Umfeld

  • Geografische Lage

  • Familie

Der Einfluss, den das Weltall außerhalb unseres Sonnensystems auf uns hat, ist bisher nur wenig bekannt. Neuerliche, sich bis in galaktische Bereiche erstreckende Forschungen über Röntgenstrahlen, kosmische Strahlungen und elektromagnetische Felder machen es wahrscheinlich, dass man Ausmaß und Bedeutung dieser Wirkungen eines Tages umfassender erkennen wird. Sowohl für die Naturwissenschaft als auch für die Philosophie und Geistesforschung wird es immer offensichtlicher, dass das Universum ein faszinierendes Ganzes bildet, dessen Energien sich alle gegenseitig beeinflussen.
Die Wirkungen des Sonnensystems sind tief greifend und wohlbekannt. Die größte Bedeutung kommt der Sonne selbst zu. Die Sonnenfleckentätigkeit beeinflusst das Wetter, das elektromagnetische Feld der Erde, die Ionisierung der Atmosphäre – und all dies wirkt sich wiederum auf das Befinden des Menschen aus. Dass natürlich auch der Mond den Menschen entscheidend beeinflusst, ist seit alters her bekannt. Das zeitliche Zusammenfallen des Monatszyklus der Frau mit den Mondphasen konnte wiederholt nachgewiesen werden. Auch finden wir bereits in der älteren Geschichte Beispiele für die Wirkung der Mondphasen auf Epileptiker und Psychotiker. Eine interessante Tatsache ist, dass inzwischen die Polizeieinheiten und Rettungsmannschaften vieler amerikanischer Großstädte bei Vollmond verstärkt werden, da sich erfahrungsgemäß Gewalttätigkeit und Unfälle während dieser Zeit häufen.
Auch die nationale Zugehörigkeit kann einen krankheitsfördernden Einfluss auf die Menschen haben. Jedes Volk hat seine bestimmte Mentalität, ein beliebtes Thema überall auf der Welt. Wir kennen den Begriff „Nationalcharakter“, eine Art „Grundstimmung“, der auch der Einzelne unterliegt. Deutsche beispielsweise, ähnlich auch die Nordamerikaner, zeichnen sich im Allgemeinen durch übertriebenen materiellen Ehrgeiz aus und möchten häufig mehr erreichen und besitzen, als für ein zufriedenes Leben notwendig wäre. Der hiermit verbundene ständige Leistungsdruck wirkt sich schließlich abträglich auf die Gesundheit aus, sodass ein verhältnismäßig großer Anteil der Bevölkerung vorzeitig altert und stirbt. Die derzeitige Verfassung eines Volkes kann also eine bedeutende Rolle spielen für die Art und Weise, in der die Krankheit eines Menschen erzeugt wird und zum Ausdruck kommt.
Arbeitsplatz und berufliche Anforderungen haben oft eklatante Auswirkungen auf die Gesundheit und sind z. T. in medizinischen Studien sehr genau erforscht. Die krank machende Wirkung etwa von Radioaktivität und chemischen Stoffen wie Asbest, Blei, Quarzstaub usw. ist wohlbekannt. Lärmbelästigung, Termindruck, eintönige, sich ständig wiederholende Arbeiten, Arbeitslosigkeit oder die Angst davor, aber auch verantwortungsvolle Planungsaufgaben sind berufliche Risikofaktoren, die schwere Krankheiten verursachen können. Selbst Defizite in der Bildung eines Menschen haben großen Einfluss auf seine emotionale Stärke oder Schwäche. Wir werden das in einem der folgenden Kapitel im Detail besprechen.
Unter die geografischen Bedingungen fallen in unserem Zusammenhang nicht nur die klimatischen Verhältnisse eines Gebietes, sondern auch dessen Ökologie (vor allem der Grad von Luft-, Wasser- und Lebensmittelverunreinigung) sowie seine sanitären Bedingungen und die Höhenlage. Diese Einflüsse liefern besonders prägnante Beispiele, wie sich ein exogener Stimulus auf einen bestimmten Menschen auswirkt. Wir werden sehen, wie verschieden die Auswirkungen sein können, je nachdem, wie stark oder schwach das Abwehrgefüge des Betreffenden ist. Dies wird als Beispiel daran deutlich, welche Wirkung ein sehr feuchtes Klima auf Menschen mit unterschiedlichem Gesundheitsgrad hat:
  • Der Organismus eines sehr gesunden Menschen verträgt hohe Luftfeuchtigkeit, auch bei unterschiedlichen Temperaturen, beinahe mühelos; sein Gleichgewicht wird nur minimal gestört, und er erholt sich rasch und ohne Konsequenzen für seine Gesundheit.

  • Ein weniger gesunder Mensch kann mit ganz unterschiedlichen Beschwerden reagieren, z. B. auf feuchte Kälte mit Muskelversteifungen, Gelenkschmerzen, Erkältungen, Sinusitis, Rhinitis oder Asthma bronchiale. In solchen Fällen konzentriert sich die Störung vorwiegend auf die physische Ebene Ebene physische .

  • Ein Mensch, um dessen Gesundheit es noch schlechter bestellt ist, wird in einem solchen Klima vielleicht reizbar, entwickelt Ängste oder sogar Depressionen. Die Störung konzentriert sich hier auf die emotionale Ebene Ebene emotionale .

  • Schließlich mag jemand in ganz schlechter gesundheitlicher Verfassung unter solchen Umständen geistige Stumpfheit, schwere Konzentrationsstörungen oder Verwirrtheit an den Tag legen. In diesem Fall tritt die Störung auf der geistigen Ebene Ebene geistige auf.

Bei jedem dieser Beispiele wird der krank machende Stimulus „feuchte Kälte“ durch physische Rezeptoren des Organismus (physische Ebene) aufgenommen. Obwohl nun die Wirkung vom gesamten Organismus auf all seinen Ebenen empfunden wird, manifestiert sich eine Störung, d. h. das Auftreten eines Ungleichgewichts, in Form von Zeichen und Symptomen hauptsächlich auf nur einer der drei Ebenen, je nachdem, welche Anlageschwächen bei dem betreffenden Menschen vorliegen.
Der Einfluss der Familie kann ein außerordentlich starker Faktor für die Gesundheit eines Menschen sein. Neben der prägenden Rolle der Veranlagung aufgrund von Erbfaktoren denken wir hier auch an die tief greifenden Auswirkungen von Erziehungsfehlern. Wieder wollen wir veranschaulichen, wie verschiedene Menschen aufgrund derselben äußeren Umstände eine Reihe ganz unterschiedlicher Krankheitszustände entwickeln können. Als Beispiel mag eine belastete Mutter-Tochter-Beziehung dienen, die auf unbewusstem Konkurrenzverhalten oder Eifersucht beruht. Wir wollen einmal nur die Wirkung auf die Tochter untersuchen. In einer solchen Situation kann es zu außerordentlich emotionalen Spannungen kommen. Worte und Handlungen der Mutter können ohne böse Absicht die Tochter zutiefst verletzen. Bleibt eine solche Situation über längere Zeit ungelöst bestehen, so wird sich bei der Tochter möglicherweise eine der folgenden Reaktionen entwickeln:
  • Ist die Tochter ganz gesund, so wird sie den Einfluss der Mutter nicht tragisch nehmen, gelassen reagieren oder ihn einfach ignorieren. Sie „versteht“ die Situation, bewahrt innere Distanz, und damit ist der anfängliche Stress leicht behoben. In diesem Fall konnte der Stimulus die natürliche Widerstandskraft des Organismus nicht überwinden und daher auch keine Störung des Gleichgewichts hervorrufen.

  • Hat die Tochter eine weniger gesunde Konstitution, so kommt es zu einer Störung, die sich vielleicht als schwere Gesichtsakne, als Ekzem, als Zwölffingerdarmgeschwür oder ähnlich äußert. In dem Fall ist der Stimulus stärker als das Abwehrgefüge. Er wird über die psychischen Rezeptoren aufgenommen, äußert sich jedoch nur auf der physischen Ebene durch Zeichen und Symptome.

  • Ist die Gesundheit der Tochter noch um einen weiteren Grad untergraben, kann sich ein schwerwiegendes Leiden entwickeln. Zu Beginn zeigt sich vielleicht ein außergewöhnlicher Mangel an Selbstbewusstsein im Umgang mit anderen; später folgt dann womöglich Apathie und schließlich ein depressiver Zustand. Auch hier wird der Stimulus von psychischen Rezeptoren aufgenommen, führt aber zu einer Störung, die sich vorwiegend auf eben dieser Ebene zeigt.

  • Ist aufgrund erheblicher Belastung und bereits durchgemachter Schwächungen der Gesundheitszustand der Tochter noch viel schlechter, so kann jene gleiche Stresssituation die Widerstandskraft des Organismus so weitgehend überwinden, dass es bis zur Geisteskrankheit kommt. Das Mädchen kann sich zunächst in der Schule nicht mehr konzentrieren, seine Zensuren verschlechtern sich drastisch, und während sie früher gut mitkam, erscheint ihr nun der Stoff immer schwieriger. Schreitet dieser Prozess fort, so kann er in einer Psychose enden. Dieser Fall zeigt, wie ein Stressfaktor, von psychischen Rezeptoren aufgenommen, bis zum Kern des Menschen, der geistigen Ebene, vordringt.

Wir können aus solchen Beispielen eine ganz entscheidende Schlussfolgerung ziehen, nämlich, dass der Mensch nicht aus unabhängigen Einzelelementen besteht, sondern ein integriertes Ganzes bildet. Die Medizin hat Unmengen von Informationen auf den verschiedensten Gebieten über den Menschen zusammengetragen – aus der Anatomie, Pathologie, Physiologie, Psychiatrie, Psychologie, Biochemie, Molekularbiologie, Biophysik usw. Leider hat jede dieser Wissenschaften den Menschen nur aus ihrer spezifischen Perspektive untersucht. Niemand wird bestreiten, dass die Ergebnisse dieser mühsamen Forschungen aufschlussreich und oft von großem Nutzen sind. Doch haben uns derartige Studien bisher keine klare, zusammenhängende Vorstellung davon geben können, was der Mensch ist, wie er in seiner Gesamtheit funktioniert – und nicht nur in molekularer oder organischer Hinsicht, sondern auch in psychischer Hinsicht. Folglich wird auch bei der medizinischen Behandlung der Mensch immer nur aus einem bestimmten beschränkten Blickwinkel betrachtet: Macht die Galle Beschwerden, gib etwas für die Galle; läuft die Nase, gib ein Medikament für die Nase; kann er nicht schlafen, gib ein Schlafmittel usw. Das Wissen ist eher zufällig und bruchstückhaft, statt sich auf systematisch verifizierte Gesetze und Prinzipien zu gründen, die durch die Beobachtung des ganzen Menschen gewonnen wurden.

Merke

Der Mensch ist eine in sich geschlossene Ganzheit; er existiert fortwährend auf drei unterschiedlichen Ebenen: der geistigen, der emotionalen und der körperlichen Ebene. Diese drei Ebenen sind, wie wir noch im Einzelnen darlegen werden, hierarchisch aufgebaut und voneinander abhängig.

Tätigkeiten des gesunden Organismus

Wir haben gesehen, wie Umwelteinflüsse auf Menschen mit unterschiedlich beeinträchtigtem Abwehrgefüge wirken. Ähnlich kann man Aufbau und Funktionsweise eines gesunden Menschen beschreiben: War „Krankheit Krankheit “ durch Reaktionen des Organismus Organismus, Reaktionen gekennzeichnet, so erweist sich Gesundheit Gesundheit als ungebrochene, autonome Kreativität Kreativität – als freie Ausdrucksmöglichkeiten von Aktionen (inneren und äußeren Handlungen) des Menschen. Kreatives Handeln ist das charakteristische Merkmal eines gesunden Organismus. 2

2

Vgl. Hahnemann S: Organon der Heilkunst (1999), §§ 7–11.

Die Handlungen können äußerlicher, praktischer oder innerlicher, geistiger Art sein. Auch die Art und Weise sowie die Vehemenz, die jemand dabei an den Tag legt, sind Ausdruck seiner besonderen Persönlichkeit. Und wieder stoßen wir hier auf jene drei Ebenen, auf denen sich nicht nur die Erkrankung, sondern auch die gesunde Aktivität eines Menschen manifestiert:
  • die geistige Ebene ( 1.2.1 ),

  • die emotionale Ebene ( 1.2.2 ),

  • die körperliche bzw. physische Ebene ( 1.2.3 ).

In jedem einzelnen Augenblick sind die Aktivitäten eines Menschen hauptsächlich in einer dieser drei Ebenen konzentriert. Das Zentrum dieser Aktivitäten kann sich, abhängig von den Absichten oder der jeweiligen Situation der Person, häufig und durchaus schnell ändern. Jedoch besteht zwischen den Ebenen immer eine dynamische Interaktion.
Ist jemand auf einer dieser Ebenen tätig, so sorgt ein fein abgestimmtes harmonisches Zusammenwirken des gesamten Organismus dafür, dass das gesteckte Ziel auf die bestmögliche Art und Weise erreicht wird. Bei einem Langstreckenläufer z. B. liegt der Schwerpunkt seiner Funktionen während des Laufens eindeutig auf der physischen Ebene. Desgleichen, wenn jemand körperlich arbeitet. Ein Mensch dagegen, der versucht, ein schwieriges Problem zu lösen, hat seine geistigen Kräfte mobilisiert, während seine Emotionen und seine physischen Funktionsabläufe im Hintergrund stehen. Wer einen geliebten Menschen nach langer Trennung wieder sieht, lässt zunächst seinen Gefühlen freien Lauf, seine körperlichen und geistigen Aktivitäten sind in diesem Moment zweitrangig.
Natürlich ist es immer der ganze Mensch, der handelt, doch der Schwerpunkt seiner Aufmerksamkeit, seiner Bewusstheit liegt auf der Ebene, auf der er aktiv sein will. Vielleicht hat es den Anschein, als sei dieses Konzept zu banal und von wenig praktischem Wert. Später werden wir jedoch sehen, dass es für die Durchführung einer Behandlung von äußerster Wichtigkeit ist ( 1.2 ).

Die drei Seinsebenen des Menschen

Im Aufbau eines menschlichen Wesens gibt es eine leicht zu identifizierende Hierarchie. Diese Hierarchie ist im Kern durch die drei „Ebenen menschlichen Seins Seinsebenen “ charakterisiert:
  • die geistige Ebene Ebene geistige ,

  • die emotionale Ebene Ebene emotionale ,

  • die körperliche oder besser – gesehen auf die Funktionen des Organismus als Ausdruck seiner Lebendigkeit – die physische Ebene Ebene physische (einschließlich Sinneswahrnehmungen, Ernährung, Schlaf und Geschlechtsleben).

Diese Ebenen sind natürlich in Wirklichkeit nicht voneinander unabhängig. Sie befinden sich vielmehr vollständig in Wechselwirkung, und nur eine Untersuchung aller drei Ebenen kann klären, inwieweit ein Mensch gesund oder krank ist. Gerade dieses komplizierte Abwägen gleichzeitiger Symptome auf mehreren Ebenen aber muss ein Arzt laufend durchführen können; nur so kann sicher festgestellt werden, ob die Heilung des Patienten Fortschritte macht.
Abb. 1.1 zeigt die Wertigkeit der drei Ebenen untereinander. Die vereinfachte ein- bzw. zweidimensionale Darstellung lässt die geistige Ebene als höchsten und zentralen Aspekt des menschlichen Handelns erkennen: Auf ihr vollziehen sich die entscheidenden Funktionen, in denen sich unser Menschsein ausdrückt. Die physische Ebene ist – trotz ihrer unbestrittenen Bedeutung – innerhalb dieser Hierarchie als äußere, d. h. am wenigsten wichtige Ebene dargestellt.
Jede dieser drei grundlegenden Seinsebenen lässt sich ihrerseits hierarchisch untergliedern. Abb. 1.2 zeigt dies, wobei die Bedrohlichkeit der Symptome für das Individuum von unten nach oben zunimmt.
Da ein Arzt vor allem mit kranken Menschen zu tun hat, beschränkt sich die Liste von Symptomen in Tab. 1.1 auf die negativen Aspekte der entsprechenden Funktionen.
Diese Aufzählung muss zunächst noch als vorläufig gelten; viel Arbeit wird für ein tieferes Verständnis der einzelnen Ebenen nötig sein. Doch auch diese vorläufige Annäherung ist von praktischem Nutzen, sie kann verifiziert und weiter verfeinert werden, indem wir chronologisch detaillierte Anamnesen erheben und unser Augenmerk immer auf den ganzen Menschen richten. In diesem Kapitel wollen wir die drei Ebenen allgemein beschreiben. Später werden wir anhand weiterer Illustrationen mehr ins Detail gehen ( 1.4 ).
Jeder Begriff in Tab. 1.1 bezeichnet ein bestimmtes Symptom, das aber in der Praxis verschiedene Grade der Intensität aufweisen kann. Die hierarchisch geordneten Symptome sagen hierüber zunächst nichts aus und erwecken so den Eindruck, als wären sie alle von gleicher Heftigkeit. Beim einzelnen Menschen ist das natürlich nicht der Fall. So ist z. B. Reizbarkeit des Intensitätsgrades A weniger gravierend für das Leben des Patienten als eine Depression gleicher Intensität. Außerordentliche Reizbarkeit der Intensität X ist jedoch schwerwiegender für ihn als eine leichte Depression der Intensität A. Verstärkt sich dagegen die Depression eines Patienten nach X, während seine Reizbarkeit nach A absinkt, verläuft seine gesundheitliche Entwicklung ungünstig.
Indem wir die hierarchische Ebene, auf der sich die Hauptstörung abspielt, mit der Intensität der Zeichen und Symptome kombinieren, können wir eine grobe Vorstellung vom Schwerpunkt der Erkrankung eines Patienten gewinnen. Je mehr sich Ebene und Intensität der Symptome nach innen und oben bewegen, d. h. in Richtung des Seinszentrums der Person, desto mehr verschlechtert sich die Gesundheit des Patienten. Je mehr sie sich nach außen und unten verlagern, also zur Peripherie hin, desto besser schreitet der Heilungsprozess voran. Dieses Konzept wird in den folgenden Kapiteln noch näher erläutert ( 1.4 , 1.5 ).

Geistige Ebene

Die höchste und wichtigste Ebene, auf der der Mensch agiert, ist die geistige Ebene Ebene geistige .

Definition

Als allgemeine Definition dieser Ebene kann man etwa sagen: Die geistige Ebene eines Menschen umfasst die bewusste Verarbeitung bzw. Umsetzung innerer und äußerer Eindrücke.

Das ist die Ebene, auf der der Mensch denkt, urteilt, vergleicht, berechnet, einordnet, schöpferisch weiterentwickelt; auf der geistigen Ebene kritisiert, klassifiziert, entwirft, verbindet, folgert, beschreibt, kommuniziert er. Sind diese Funktionen gestört, drückt sich die Störung in Symptomen geistigen Krankseins aus.
Die geistige Ebene ist für den Menschen die bedeutsamste. Denn sein eigentliches Wesen ist geistig-spiritueller Natur. Sind die inneren Werkzeuge zur Aufnahme und zum (kommunikativen) Ausdruck innerer und äußerer Erfahrung nicht intakt, werden die Möglichkeiten einer Erweiterung und Höherentwicklung des Bewusstseins und eine damit verbundene Vervollkommnung der Lebensgestaltung blockiert. Wo bleibt dann der Sinn des Lebens?
Ein Mensch kann leben, Glück empfinden und für sich und andere schöpferisch tätig sein trotz körperlichen Siechtums, Verlustes von Gliedmaßen, Blindheit oder Taubheit. Es gibt viele Beispiele hervorragender Persönlichkeiten, die auf dieser geistigen Existenzebene im höchsten Sinne gesund blieben, obwohl sie auf einer mehr peripheren Ebene in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt waren. Beethoven Beethoven, Ludwig van komponierte einige seiner tiefgründigsten und ergreifendsten Werke, nachdem er sein Gehör verloren hatte. Auch heute gibt es bedeutende Musiker, die blind sind. Schiller Schiller, Friedrich litt an Tuberkulose und Schubert Schubert, Franz an Syphilis. Einer der erfolgreichsten und genialsten Astrophysiker unserer Zeit ist an den Rollstuhl gefesselt, völlig gelähmt durch ein Nervenleiden und unfähig, Worte klar auszusprechen. Dennoch hat er auch nach Beginn seiner Erkrankung eine beispiellose Zahl weitreichender Erkenntnisse auf seinem Forschungsgebiet erbracht. Ramana Maharishi Ramana Maharishi und Ramakrishna Ramakrishna hatten Krebs, ohne dadurch an spiritueller Substanz oder an Einfluss auf ihre Schüler zu verlieren.
Liegt hingegen eine Störung auf der geistigen Ebene vor, ist die eigentliche Existenz der Person gefährdet. Dies zeigt sich bei Leiden wie Senilität, Schizophrenie oder Imbezillität. Zwar ist der physische Organismus die Grundlage, auf der sich die anderen, höheren Ebenen vollziehen und ausdrücken, doch darf seine Gesunderhaltung nicht zum Selbstzweck gemacht werden. Es ist eine zweifelhafte und oberflächliche Behauptung, wenn mancher meint, wir seien lediglich dazu geboren, um sinnliche Befriedigung zu empfinden und Geld und Besitz zu erwerben. Im Grunde kennt oder ahnt fast jeder, selbst der einfachste Mensch, ein höheres Lebensziel, das ihn dazu bringt, Vertrauen – was ein Grad von Erkenntnis ist – und Liebe als Werte zu erkennen; nimmt man ihm diese, wird er seinen Lebenswillen verlieren.
Wäre vollkommene geistige Gesundheit in diesem Sinne erreichbar, gäbe es Menschen, die – auch im Leiden – fortwährend in höchster Freude und Gelassenheit lebten; täglich würden sie neue schöpferische Geisteskraft in sich fühlen und ihren Gedanken mühelos klaren Ausdruck verleihen; ständig nähmen sie Anteil am Wohl ihrer Mitmenschen. Solche Menschen lebten unablässig in der Klarheit des Lichtes, Verwirrung und geistige Finsternis wären ihnen unbekannt. Zwischen einer solchen vollkommenen geistigen Gesundheit einerseits und totaler Geistesverwirrung andererseits können wir auf dieser Ebene verschiedene Stufen zunehmender Schwächung der geistigen Potenz unterscheiden ( Abb. 1.3 ).
Hierarchie geistiger Symptome
Die geistigen Funktionen lassen, wie gesagt, eine hierarchische Ordnung erkennen. Bei Symptomen Symptome Hierarchie gleicher Intensität bemerken wir: Eine Gedächtnisstörung ist weniger hinderlich als eine Störung der Konzentrationsfähigkeit; Konzentrationsschwäche weniger ernst als die Unfähigkeit, zu unterscheiden, und diese wiederum weniger schlimm als eine Störung der Denkfähigkeit.
Um die Tendenz einer Erkrankung zu beurteilen, brauchen wir ein klares Verständnis solcher Abstufungen. Haben wir einen Patienten mit einer leichten geistigen Verwirrung oder Denkstörung in Behandlung, und hat sich diese nun verschlimmert, so hat sich seine Gesundheit insgesamt verschlechtert, auch wenn sich bestimmte körperliche Symptome gebessert haben mögen. Es handelt sich nicht um theoretische Spekulationen, wenn ich behaupte, dass gedankenlose Therapie, die diese Zusammenhänge nicht berücksichtigt, zum allgemeinen gesundheitlichen Zusammenbruch der Menschheit führt. Offensichtlich war in früheren Zeiten das Abwehrgefüge besser imstande, Störungen auszubalancieren und eingetretene Schäden zu beheben, als heute, wo es üblich ist, sich schon in relativ jungen Jahren in ständige Behandlung zu begeben, infolge dessen große Teile unserer Bevölkerung von Jugend auf Therapien ausgesetzt sind, die lediglich die Symptome partiell unterdrücken. Dies mag sehr wohl einer der Gründe sein, warum in den letzten beiden Generationen Morbidität und Mortalität infolge chronischer Krankheiten alarmierend angestiegen sind. Selbst das geistige Chaos unserer modernen Welt mag teilweise das Ergebnis ständiger und zunehmend spezifischer Unterdrückungstherapien sein. James Tyler Kent, ein amerikanischer homöopathischer Arzt, fasst diese Tragödie in seinen Schriften mit folgenden Worten zusammen: „Heutzutage darf kein Hautausschlag mehr auftreten. Alles, was auf der Haut erscheint, wird schnellstens unterdrückt. Wenn das noch lange so weitergeht, wird die Menschheit von diesem Planeten verschwinden.“ 3

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Kent, J. T.: Lectures on Homeopathic Philosophy. North Atlantic Books, 1979, Kapitel XIX (eigene Übersetzung).

Wie können wir nun, wenn wir einen Patienten in der Praxis vor uns haben, den Grad seines Gesund- oder Krankseins auf der geistigen Ebene erkennen? Wir brauchen ein einfaches und klares Schema, um das, was den Grad geistiger Gesundheit kennzeichnet, zu beschreiben. Auf dieser wie auch auf den anderen Ebenen besteht Gesundheit nicht einfach im Fehlen von Symptomen (die sich auf bestimmte geistige Funktionen beziehen). Vielmehr verlangen wir drei grundlegende Qualitätsmerkmale. Jedes von ihnen ist für das Vorhandensein wirklicher Gesundheit Gesundheit geistige , wie wir sie verstehen, unentbehrlich. Fehlt eines, so mag der Geist zwar gut funktionieren, soweit es sich um bloße Funktionen handelt, aber dennoch krank sein. Folgende drei Eigenschaften sollten mit allen geistigen Funktionen einhergehen:
  • Klarheit des Ausdrucks,

  • Zweckmäßigkeit, Kohärenz (innerer Zusammenhang) und Logik (Folgerichtigkeit),

  • schöpferischer Einsatz der geistigen Fähigkeiten zum eigenen Wohl und zum Wohl der Mitmenschen.

Alle drei Eigenschaften müssen vorhanden sein, aber die dritte ist ganz besonders wichtig. Namentlich der anteilnehmende Einsatz zum Wohle des Mitmenschen scheint in der modernen Medizin am wenigsten verstanden zu werden. Letztlich führt aber gerade sein Fehlen zu den schlimmsten Geisteskrankheiten.
Auch hier mögen einige Beispiele zeigen, wie der klassische Homöopath anhand dieser Merkmale die geistige Gesundheit eines Patienten präzise beurteilen kann. Stellen wir uns zunächst einen Menschen vor, der seine Gedanken nicht klar ausdrücken kann. Er hat größte Mühe, die richtigen Worte zu finden. Seine Denkfähigkeit ist geschwächt; wir sehen hier den Beginn einer Störung, die schließlich zur Senilität oder Imbezillität führen kann.
Ein anderer vermag wohl klar, aber nicht zusammenhängend zu denken. Er kann seine Einfälle nicht folgerichtig ordnen und wird deshalb von anderen schwer verstanden. Er hat die Fähigkeit zur abstrakten Verknüpfung seiner Gedanken verloren und, was vielleicht noch schlimmer ist, er lässt sich jetzt auch im praktischen Leben von flüchtigen Einfällen (Impulsen) leiten; er ist irrational geworden. Solch ein Mensch ist auf geistiger Ebene schwer gestört.
Krank nennen müssen wir auch den sogenannten Intelligenzverbrecher: Kraft seines hohen Intellekts plant er einen Diebstahl oder Mord mit größter Gedankenklarheit und Rationalität. Dennoch entspricht er in seinem Innersten nicht unserer Definition geistiger Gesundheit, weil er versucht, egoistische Ziele auf Kosten anderer zu erreichen. Eine solche Mentalität hat unsere Gesellschaft in allen Bereichen tief durchdrungen und ist eine der Hauptursachen für immer rascher ausufernde Probleme: erbarmungslosen Konkurrenzkampf, Folter, Gewalt, Alkoholismus, Drogenmissbrauch, Verelendung, Terrorismus, Krieg.
Dann das Übel maßloser Selbstüberschätzung Selbstüberschätzung : Jeder von uns kennt Menschen, die so von sich eingenommen sind, dass sie abweichende Ansichten anderer nicht gelten lassen. Sie glauben, immer im Recht zu sein und über alles am besten Bescheid zu wissen; sie können daher auch neuen Ideen nicht zustimmen, selbst wenn diese richtig und für sie selbst nützlich wären. Ihre Geisteshaltung raubt ihnen das Unterscheidungsvermögen zwischen Wahrheit und Irrtum. Es fehlen ihnen die Merkmale der Rationalität und des Einsatzes für das Wohl anderer; deshalb können sie ihre geistigen Fähigkeiten nicht ausschöpfen und wahrhaft sinnvoll verwenden. Schreitet dieser Prozess fort, entwickeln sich bei solchen Menschen leicht Wahnvorstellungen – sie geraten in einen Zustand, in dem sie Fiktion für Wirklichkeit halten. Durch ihre übergroße Ich-Abgrenzung und geistige Isolation schaffen sie selbst die Grundlage für eine Verwirrung, die letztlich zum Wahnsinn führen kann.
Auch die Haltung des Habenwollens ist in ihren pathologischen Zügen gut bekannt. Der besitzgierige Mensch glaubt vor allem an materielle Werte; nichts ist so wichtig für ihn wie die Anhäufung von Besitz, seien es Sachwerte oder auch Menschen. Besitz- und Gewinnsucht können derartige Formen annehmen, dass jedes Mittel recht ist, sie zu befriedigen. Weder Ausbeutung noch Schädigung der Mitmenschen sind Hindernisse für den Besitzsüchtigen. Er hat alle idealistischen und ethischen Werte preisgegeben. Muss man es nicht eigentlich die schlimmste Form des Wahnsinns nennen, seine Mitmenschen um materieller Vorteile willen zu verletzen oder gar zu töten? – Zum andern bringt derartige Habgier den Gewinnsüchtigen schließlich in einen Zustand großer innerer Unfreiheit, Verarmung und Verunsicherung. Verliert er aus irgendeinem Grunde seinen Besitz, so ist der Schock unerträglich. Wer weniger an materiellen Gütern hängt, wird unter dem Besitzverlust zwar auch leiden, sich aber nach einiger Zeit wieder fangen, einen neuen Anfang machen und relativ harmonisch weiterleben.
Bedenkt man, dass diese Beispiele recht extrem gewählt sind, während in der Lebenswirklichkeit unzählige Abstufungen, Übergänge und Grenzfälle existieren, wird deutlich, dass die Grenzlinie zwischen Gesundheit und Krankheit oft schwer zu ziehen ist. Wann, wo wird sie überschritten? Insgesamt liegt vor uns ein kontinuierliches Fortschreiten geistiger Degeneration, die bei Selbstsucht und Habgier beginnt und zu dem führt, was wir dann eindeutig als Geisteskrankheit bezeichnen.
Fragen wir schließlich nach den wesentlichen Ursachen geistigen und seelischen Leidens. Gewiss, man kann diese Leiden einfach „psychosomatisch“ nennen. Es ist ja heute allgemein bekannt, dass vieles auf psychosomatischen Zusammenhängen beruht. Dem will auch die Homöopathie sich durchaus nicht verschließen. Quälende Gedanken oder beunruhigende Gefühle können der Gesundheit sehr schaden und auch verblüffende körperliche Reaktionen zeitigen. Ein tiefer Kummer, ein plötzlicher Schreck, eine unerwartete schlechte Nachricht können einen Menschen für sein ganzes weiteres Leben entwurzeln und aus der Bahn werfen, können Krebs, Tuberkulose, multiple Sklerose, autoaggressive Krankheiten und andere körperliche Krankheiten auslösen. Wie kommt es aber – und damit gehen wir über die Psychosomatik hinaus –, dass manche Menschen unter einem völlig gleichartigen Schock nur eine Zeit lang leiden, während jene dahinsiechen und für den Rest ihres Lebens chronisch krank werden? Welche Eigenschaften auf der geistigen Ebene bewirken diese unterschiedliche Empfänglichkeit?
Denken wir über die Ursachen geistigen und seelischen Leidens nach, dann kristallisieren sich ganz besonders zwei Gründe heraus: unerfüllte Wünsche und zerbrochene mitmenschliche Bindungen. Und eigentlich verbirgt sich dahinter wiederum nichts anderes als Habgier Habgier und Selbstsucht Selbstsucht .
Jeder, der ehrgeizige, selbst gewählte und ichbezogene Ziele verfolgt, bereitet sich selbst den Boden für viel Enttäuschung und Leid. Denn sobald er merkt, dass ein Wunsch für ihn unerfüllbar ist, bedrückt ihn der Kummer ebenso sehr, wie ihn die Hoffnung auf seine Erfüllung vorher beflügelte. Das gilt erst recht für den Habgierigen. Der Kummer, den er beim Verlust seines Besitzes empfindet, ist ebenso groß, wie seine Bindung an diesen Besitz vorher war.
Daraus folgt: Wer bittere Enttäuschungen vermeiden möchte, sollte Uneigennützigkeit, Bescheidenheit und altruistische Eigenschaften in sich entwickeln. Das heißt nun nicht, asketisch werden und auf die elementaren, lebensnotwendigen Bedürfnisse verzichten. Der beste Weg zur Gesundheit ist Maßhalten, der „goldene Mittelweg“ der alten Griechen: weder zu viel noch zu wenig, keine Exzesse und Extreme. Mäßigung hilft dem Gleichgewicht auf allen drei Ebenen menschlicher Existenz.

Zusammenfassung

Geistige Ebene

  • Die geistige Seinsebene Ebene geistige ist für die Existenz des Menschen am bedeutsamsten. Sie ist in sich hierarchisch gegliedert, was es uns ermöglicht, den gesundheitlichen Fortschritt eines Patienten leichter zu beurteilen.

  • Geistige Gesundheit zeichnet sich durch folgende Eigenschaften aus: Klarheit des Ausdrucks, Folgerichtigkeit der Gedanken und konstruktiver Gebrauch der geistigen Fähigkeiten. In dem Maße, wie eine oder alle drei Eigenschaften vermindert sind oder gar fehlen, ist der Mensch auf der geistigen Ebene erkrankt.

  • Völlige Verwirrtheit, Zusammenhangslosigkeit und Zerstreutheit sind die Merkmale eines geistig vollständig erkrankten Menschen.

  • Falsche Zielsetzungen, Egoismus und Gewinnsucht sind die Hauptfaktoren, die den Geist zerrütten. Ihre Überwindung führt auf natürliche Weise zu geistiger Gesundung.

Emotionale Ebene

Der zweitwichtigste Bereich menschlichen Seins ist die emotionale Ebene Ebene emotionale . Sie umfasst die Gefühlswelt – alle Gefühlsschattierungen, banale und edle Regungen gleichermaßen. Für das Abwehrgefüge fungiert sie als Empfänger emotionaler Stimuli aus der Umwelt; daneben verleiht sie endogenen Regungen und emotionalen Störungen Ausdruck und Farbe.

Merke

Für den Arzt ist es wichtig zu wissen, dass die emotionale Ebene die Ebene menschlichen Seins ist, die Änderungen des emotionalen Befindens wahrnimmt.

Die Skala der Gefühle Gefühle Skala der umfasst z. B. Liebe/Hass, Freude/Trauer, Gelassenheit/Ängstlichkeit, Vertrauen/Ärger, Mut/Feigheit, Furcht, Depression, Lebensüberdruss usw. Die emotionale Ebene spielt im täglichen Leben jedes Menschen eine besonders große Rolle.
Gefühle können bejahender oder verneinender Art sein. Bejahende Gefühle erkennen wir daran, dass sie unser Wohl ganzheitlich, d. h. auf allen Ebenen fördern; verneinende Gefühle hingegen machen uns unglücklich. Je negativer ein Mensch empfindet, desto weniger gesund ist er auf dieser Ebene. Seine emotionalen Störungen lassen sich daran abschätzen, inwieweit er im Wachzustand von verneinenden Gefühlen beherrscht wird, von Apathie, Unlust, Antriebsschwäche, Reizbarkeit, Unausgeglichenheit, Ängstlichkeit, Kummer, Depression, Selbstmordgedanken, Eifersucht, Neid, Hass usw.
Die seelisch gesündesten Menschen erleben auch die beglückendsten Glückszustand Zustände, die es für einen Menschen geben kann: schöpferische Ekstase, reine Liebe, gläubige Hingabe und mystische Erfahrungen – erhabene Gefühle, die sich nur schwer beschreiben lassen und in unserem Zeitalter nur noch von ganz wenigen Persönlichkeiten erfahren werden. Allgemein zeigen sich Gleichgewichtsstörungen im Gefühlsbereich an einem Mangel an Selbstwertgefühl – Empfindlichkeit und Verletzbarkeit sind enorm gesteigert; der Betroffene fühlt sich zutiefst vereinsamt, abgeschnitten von der übrigen Welt. Seelische Störungen dieser Art drehen sich meist um Dinge wie persönlichen Komfort, materielle Selbstbehauptung und das Zurechtkommen mit anderen oder mit sich selbst. Eine gesunde seelische Entwicklung dagegen führt zu Gefühlen des Eins-Seins mit der Schöpfung, zu Liebe, Freude, Hingabe, Gelassenheit usw., aber auch zu Zorn und Ekel vor dem Bösen oder Hässlichen. Bejahende Emotionen schaffen ein Verbundenheitsgefühl mit der Außenwelt, verneinende Emotionen rufen ein Gefühl der Isolation hervor.
Wie ein Mensch auf der geistigen Ebene durch negative Gedanken leiden kann, so auf der emotionalen Ebene durch verneinende Gefühle Gefühle verneinende . Sie erzeugen Spannungen bei ihm selbst und – in einer Art Übertragung – Missstimmung in seiner Umgebung. Bejahende Gefühle geben stattdessen seelische Kraft und bewirken Ausgeglichenheit; sie beeinflussen auch die Umgebung in positiver Weise: Die Verständigung mit anderen fällt leichter, das Gemeinschaftsgefühl wird gestärkt. Bringt jemand einem anderen Menschen Vertrauen entgegen, gibt das beiden Auftrieb und stärkt ihr seelisches Gleichgewicht. Ärger und Misstrauen erzeugen hingegen Disharmonie und zerstören die Gemeinschaft. Innere Ruhe, Freude, Fröhlichkeit, ja Euphorie sind für einen selbst und für andere die beste Seelennahrung und stärken die seelische Gesundheit. Ständige Besorgnis, Traurigkeit oder Furcht sind Gift für die Gesundheit – für die eigene und die der Mitmenschen.
Hierarchie emotionaler Symptome
Ähnlich den beiden anderen Ebenen, gibt es auch auf der emotionalen Ebene Störungen unterschiedlichen Grades. Ihr Stellenwert innerhalb der Hierarchie hängt davon ab, ob sie tief im Gemüt wurzeln oder mehr die Oberfläche berühren. Eine vorläufige Übersicht über die Abstufungen psychischer Symptome Symptome Hierarchie gibt Tab. 1.1 . Sie fußt auf langjährigen klinischen Erfahrungen, wird aber sicher im Laufe der Zeit durch die Beobachtungen anderer Homöopathen noch verbessert und ergänzt werden können. Schon jetzt sei auf Abb. 1.3 verwiesen; dort sehen wir, dass sich die drei Ebenen teilweise überlagern. Trotzdem ist es zweckmäßig, will man den gesundheitlichen Fort- oder Rückschritt eines Patienten beurteilen, die Symptomabstufungen der emotionalen Ebene gesondert zu betrachten. Bei gleicher Intensität der Symptome sehen wir z. B.: Depressionen behindern das Leben des Patienten stärker als Ängstlichkeit, Ängstlichkeit stärker als Reizbarkeit.
Diese Abstufung der Symptome hilft dem Praktiker, den Verlauf der Therapie über längere Zeit zu beurteilen. Andererseits braucht er auch Anhaltspunkte, um sich bei der Erstuntersuchung rasch ein Bild vom Gesundheitszustand seines Patienten zu machen. Ein Mensch, der seelisch völlig gesund ist, empfindet im Kern seiner Persönlichkeit eine absolute, aber dynamische innere Ruhe, verbunden mit der Annahme seiner selbst sowie Wohlwollen gegenüber seinen Mitmenschen und seiner Umwelt. Es ist ein Zustand heiterer Gelassenheit bei gleichzeitigem aktiven Interesse an allem Geschehen um ihn her – nicht also ein Mangel an Gefühl, wie ihn manche Menschen als Selbstschutz entwickeln oder vortäuschen. Wer hingegen seelisch sehr krank ist, leidet unter lähmenden Angstzuständen und Depressionen; er verliert jegliches Interesse am Leben und wünscht sich immer mehr zu sterben. Zwischen diesen beiden Extremen gibt es viele, individuell ganz unterschiedliche Erlebnisweisen und Ausdrucksformen des Empfindens.
In unserer Zeit hat sich emotionale Labilität Labilität, emotionale , mangelnde seelische Belastbarkeit, zu einem der größten Gesundheitsprobleme ausgewachsen. Ob durch fehlende Wertempfänglichkeit oder ständige „therapeutische“ Unterdrückung relativ oberflächlicher Störungen in tiefere Bereiche – viele individuelle und soziale Probleme lassen sich auf labile, fehlgeleitete Emotionen zurückführen. Freude an der Zerstörung, rasche Bereitschaft zur Gewalt, Terrorismus, Massenmord, Rassenhass und Kindesmisshandlungen – das alles sind lauter Beispiele fehlgeleiteter Emotionen.
Emotionale Erziehung
Wir hatten bereits angedeutet, wie der Mensch seine Umwelt beeinflusst und umgekehrt. Auf der emotionalen Ebene Ebene emotionale wirkt sich ein entscheidender Umwelteinfluss besonders negativ aus: Unsere Erziehungseinrichtungen sind bei Weitem nicht ausreichend auf die emotionale Erziehung Erziehung, emotionale junger Menschen ausgerichtet. Die Folge ist: Unser Gefühlsleben bleibt unreif, „unterernährt“ und fällt leicht krank machenden Einflüssen zum Opfer. Die gesamte abendländische Geschichte hindurch und ganz besonders in unserem materialistisch-technologischen Zeitalter hat sich die Erziehung, von Ausnahmen abgesehen, weitgehend auf die Schulung des Intellekts (geistige Ebene) und Leibesertüchtigung (physische Ebene) beschränkt. Kinder und Jugendliche lassen sich vor allem von sportlich oder intellektuell erfolgreichen Mitschülern und Mitschülerinnen beeindrucken. Im Gefühlsbereich gilt es, „cool“ zu sein oder zu scheinen. Sensible, bildnerisch, musikalisch oder dichterisch begabte junge Menschen werden seltener bewundert oder ermutigt. Bedauerlicherweise scheint die Hauptquelle emotionaler Erziehung heute das Fernsehen zu sein; es weist dem Betrachter eine passive Rolle zu und stellt das Leben anhand fragwürdiger Leitbilder und dazu noch oft in entstellter und unrealistischer Weise dar.
Die Erziehung sollte dem natürlichen Rhythmus der menschlichen Entwicklung folgen und die bekannten Reifestadien Heranwachsender berücksichtigen. Demnach müsste der Schwerpunkt der Erziehung bei Kindern zwischen sieben und zwölf Jahren auf der körperlichen Entwicklung, zwischen zwölf und siebzehn Jahren auf der emotionalen und erst danach – zwischen siebzehn und zweiundzwanzig Jahren – auf der geistigen Entwicklung liegen. Leider aber beachtet man diese natürlichen Entwicklungsphasen nicht; man überlässt die Erziehung kurzlebigen Bildungsexperimenten – in der Regel mehr parteipolitisch gesteuert als dem gesellschaftlichen und persönlichen Wohlergehen verpflichtet. Nach Schulabschluss sind die Jugendlichen dann emotional unausgeglichen und unreif. Es ist gewiss nicht Zweck dieses Buches, detaillierte Empfehlungen für eine Neuregelung des Bildungssystems zu geben, aber als Arzt sollte man sich darüber im Klaren sein: Eine einseitig intellektuelle Erziehung hat tief greifende Folgen für die emotionale Gesundheit des Menschen. Bei Heranwachsenden zwischen zwölf und siebzehn Jahren erlebt der junge Mensch ein natürliches Erwachen nicht nur des Geschlechtstriebes, sondern gleichzeitig auch tiefer seelischer Empfindungen wie Liebe, der Wunsch nach Freiheit und Gerechtigkeit; sie bedeuten ihm in diesem Alter ganz besonders viel. Wenn unsere Erziehung versäumt, diese Gefühle zu fördern und weiterzubilden, führen sie oft zu bestürzenden, frustrierenden oder gar demütigenden Erfahrungen für den Jugendlichen. Versucht er, seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen und sie in die Tat umzusetzen, werden sie häufig von Lehrern und Eltern als „Träumereien“, „unreife Spinnereien“, „Rebellion“ oder einfach als „irrational“ bezeichnet. Durchaus gesunde Gefühlsäußerungen werden abgewertet, diffamiert, verurteilt und lächerlich gemacht; angepasstes, „normales“ Verhalten und Erfolg im Wettbewerb mit Gleichaltrigen werden erwartet und gelobt. Meist geschieht dann Folgendes: Für den Jugendlichen verengt sich der „akzeptable“ Gefühlsbereich auf Sexualität und unmittelbare Trieb- und Bedürfnisbefriedigung; dadurch kommt es erneut zu bitteren Erfahrungen, die mit gesellschaftlichen Normen oder eigenen Vorstellungen in Konflikt geraten.
Der junge Mensch erlebt große Enttäuschungen, seine Gefühle stumpfen ab oder schlagen ins Negative um. Das Bedürfnis nach emotionalem Ausdruck führt für sein weiteres Leben infolgedessen zu verzerrten Zielsetzungen. So entwickelt sich z. B. der hartgesottene Geschäftsmann, von rücksichtslosem Konkurrenzwillen besessen, gleichgültig gegenüber den Gefühlen und Bedürfnissen anderer. Gefühlsmäßig unreife Menschen sind auch auf die Ehe nicht vorbereitet; darin liegt einer der Gründe für die zahlreichen Scheidungen. Als Eltern sind sie der unerwartet großen Verantwortung, die eigene Kinder bedeuten, nicht gewachsen und betrachten diese eher als Besitz oder Möglichkeit, ihre eigenen, unerfüllt gebliebenen Wünsche durchzusetzen. So entsteht schließlich eine Gesellschaft von Menschen, die ihre eigenen Gefühle nicht begreifen und mit diesen Gefühlen, wenn sie zum Ausbruch kommen, auch nicht umzugehen verstehen. Kurz, in unserer heutigen Gesellschaft werden Menschen zwar 75 Jahre alt, aber emotional haben sie mit 25 eigentlich schon zu leben aufgehört. So sollte denn der Erzieher die positiven Empfindungen und Wertvorstellungen, für die das Kind im Schulalter natürlicherweise empfänglich ist, nach Kräften fördern und gebührend anerkennen. Gefühlsregungen der Freundschaft und Kameradschaft, des Mutes, der Opferbereitschaft und Liebe dürfen, wenn von Kindern und Jugendlichen zum Ausdruck gebracht, nicht ignoriert oder kritisiert, sondern müssen gelobt, in die richtigen Bahnen gelenkt und zur Reife geführt werden. Musische Begabungen (Musik und Tanz, Dichtung, Malerei und bildende Kunst) sollten ganz besonders beachtet und unter umsichtiger Leitung weiterentwickelt werden.
Häufige Ausflüge in die Schönheit der Natur können ebenfalls ästhetisches Verständnis wecken und bestärken. Auch regelmäßige Diskussionen über Herkunft, Ziel und Sinn unserer Existenz gehören teilweise in den Bereich der Gemütsbildung; interessierten Schülern kann man sogar Meditationstechniken anbieten. Zwischen zwölf und siebzehn Jahren sollten Eltern und Lehrer kreatives Verhalten höher bewerten als Konformität, ästhetische Werte für wichtiger erachten als intellektuelle und die Entwicklung der Begeisterungsfähigkeit und Bereitschaft zum Engagement höher einschätzen als eine rein praktische Ausbildung.
Würde die Erziehung so verbessert, dann gäbe es mehr reife und seelisch ausgeglichene Menschen, die für psychische Leiden weniger anfällig wären. Ehe und Familie wären nicht länger Belastung und Ursache für Erkrankungen – sie würden gefestigt und könnten Erfüllung bringen. Der Stress, dem wir heute ausgesetzt sind, könnte das Abwehrgefüge auf der emotionalen Ebene nicht so leicht stören, und moderne Epidemien wie Gereiztheit, Unbeherrschtheit, Verletzlichkeit, Skrupelhaftigkeit, Verunsicherung, Depression, Überängstlichkeit und Neigung zur Gewalt könnten zum großen Teil verhindert werden.

Zusammenfassung

Emotionale Ebene

  • Die emotionale Ebene ist nach der geistigen Ebene die nächstwichtige. Der Mensch ist hier insoweit krank, als er negative Gefühle in sich nährt, von ihnen beherrscht wird und ihnen Ausdruck verleiht – Gefühle wie Neid, Hass, Eifersucht, Angst, Fanatismus, Depressionen. Kann er sich von solchen „Leidenschaften“ befreien, wird er emotional gesund.

  • Die derzeitige Verbreitung gefühlsmäßiger Labilität und mangelnder Belastbarkeit geht nicht zuletzt darauf zurück, dass unser westliches Bildungs- und Gesellschaftssystem den emotionalen Bereich nie systematisch gefördert hat; so ist er für gewöhnlich bis ins Erwachsenenalter schwach oder falsch entwickelt und leicht verletzbar. Auch auf der emotionalen Ebene ermöglicht es die Symptomenhierarchie, den therapeutischen Erfolg zu beurteilen.

Physische Ebene

Die körperliche bzw. physische Seinsebene Ebene physische ist der Bereich des physischen Organismus, mit dem sich die Medizin seit jeher befasst hat. Durch Anatomie, Physiologie, Pathologie, Biochemie, Molekularbiologie usw. ist der Körper eingehend erforscht. Trotz all dieser Forschungen gibt es aber eine Besonderheit, die den meisten Ärzten bisher nicht aufgefallen zu sein scheint: Der menschliche Leib in seiner Komplexität zeigt eine hierarchische Ordnung von Systemen und Organen. Man kann nur Vermutungen darüber anstellen, warum dies wohl in der allopathischen Literatur bislang ignoriert wurde. Hauptgrund mag sein, dass dieser Umstand für den allopathischen Therapieansatz belanglos ist. Ein Arzt und Homöopath jedoch, der sich mit dem Menschen als Ganzem befasst, kann das nicht außer Acht lassen.
Auch bei der Gewichtung der Körpersysteme ( Tab. 1.2 ) müssen wir davon ausgehen, dass Einzelheiten des hier präsentierten Schemas durchaus noch verbesserungsbedürftig sind bzw. durch weitere Beobachtungen bestätigt werden müssen. Zwei Prinzipien können uns beim Auffinden der Hierarchie helfen:
  • Gehört zu einem System ein Organ, das zur Erhaltung des Wohlbefindens unentbehrlich ist, so sollte das System nach der Bedeutung eingestuft werden, die dieses Organ für den Gesamtorganismus hat.

  • Die Wichtigkeit eines Organs richtet sich nach der Schädigung, die der Gesamtorganismus erfährt, wenn das Organ verletzt wird. Eine Narbe im Gehirn beispielsweise ist gefährlicher als eine gleich große Narbe am Herzen oder auf der Haut.

Hierarchie der Organsysteme
Wir sehen in dieser Aufstellung, dass die vier erstgenannten Systeme je ein lebensnotwendiges Organ Organsysteme enthalten: zuerst das Stammhirn, dann das Herz, die Hypophyse und die Leber. Dieses eine Organ ist jeweils vorrangig innerhalb seines Systems, und seine Funktionen können von keinem anderen Organ übernommen werden. Es folgen in der Liste Systeme mit zwei gleich leistungsfähigen Organen, von denen jedes die Arbeit des anderen mit übernehmen kann: zwei Lungenflügel, zwei Nieren, zwei Fortpflanzungsorgane bei der Frau und auch beim Mann. Sodann sei das Knochensystem genannt, dessen Hauptelement die Wirbelsäule mit ihren zahlreichen Wirbeln ist; mehrere von ihnen können beschädigt werden, ohne dass der Tod eintritt. Das Gleiche gilt für das Muskel- und Hautsystem am Ende der Liste.
Zur Begründung dieser Hierarchie der Organsysteme Organsysteme Hierarchie lässt sich ferner fragen: Welches Ausmaß an Schaden kann einem Organ zugefügt werden, bevor das Leben des Betreffenden dadurch beeinträchtigt wird? Das Haut- oder das Muskelsystem müsste schon weitgehend betroffen sein, z. B. von einer Verbrennung, einem juckenden Ekzem oder, auf die Muskeln bezogen, von einer systemischen Myopathie, um das Leben des Kranken ernsthaft zu gefährden. Geringerer, aber immer noch umfassender Schaden müsste dem Knochensystem zugefügt werden, ehe der Patient daran stirbt. Je weiter wir in der Hierarchie hinaufgelangen, desto geringer ist das Ausmaß an Schädigung, das das Hauptorgan des jeweiligen Systems verkraften kann, ohne das Leben des Organismus zu gefährden. Bei den lebenswichtigen Organen genügt eine minimale Verletzung, um gravierende Wirkungen hervorzurufen. Eine Ischämie am Herzen ist bedrohlicher für die Gesundheit als eine ebenso ausgedehnte Ischämie in Leber oder Niere, doch ist sie weniger bedrohlich als eine solche Erkrankung im Gehirn.
Anhand dieser Beobachtungen können wir nun die Organe hierarchisch gliedern, und zwar nach ihrer jeweiligen Bedeutung für den Körper ( Tab. 1.3 ).
Diese Rangfolge der Organe Organe, Rangfolge ist keine theoretische Spielerei, sie hilft vielmehr dem klassischen Homöopathen zu beurteilen, in welche Richtung das Ungleichgewicht im Menschen tendiert. Verlagert es sich innerhalb der Hierarchie nach oben – von den Nieren über die Lungen, die endokrinen Drüsen, das Herz und schließlich zum Gehirn –, so ist klar, dass die Entwicklung negativ verläuft. Verschiebt es sich jedoch nach unten – vom Gehirn in Richtung Haut –, so zeigt das eine Besserung der Gesundheit an.
Unterdrückung von Symptomen
Gesellt sich im Krankheitsverlauf eines Patienten z. B. zu einem Ekzem auch noch Asthma, so erklärt ihm ein Schulmediziner das wahrscheinlich, indem er sagt: „Asthma tritt eben häufig bei allergischen Patienten auf“, oder: „Leider ist nun zufällig außer dem Ekzem noch eine weitere Krankheit hinzugekommen“. Hat ein Patient rheumatoide Arthritis und später einen Herzinfarkt, wird der Arzt auch dies als zufällig und unabhängig voneinander betrachten und beide Leiden getrennt behandeln. Das Schlimme dabei ist: Je wichtiger das betroffene Organ, desto stärkere Medikamente werden normalerweise gegen die Symptome verabreicht, wenn es überhaupt schon Medikamente dagegen gibt. Der Arthritis-Patient wird wahrscheinlich Amuno ® oder Diclofenac bekommen und nach dem Herzanfall noch zusätzlich Digitalis, Chinidin, Propanolol oder Antikoagulantien. Von allopathischer Seite hält man es für unmöglich, dass eine ernste Krankheit durch Symptomunterdrückung Symptomunterdrückung einer vorausgegangenen leichteren Erkrankung entstanden sein kann. Unabhängig davon, ob bei der Therapie künstliche oder sogenannte natürliche Mittel verwendet werden – wenn sich der Schwerpunkt der Erkrankung innerhalb der Hierarchie des Organismus in die falsche Richtung bewegt, müssen wir davon ausgehen, dass die Therapie dem Kranken schadet; wir sollten sie dann entweder einstellen oder ändern.

Zusammenfassung

Physische Ebene

  • Der physische Körper mit seinen Organsystemen ist die für das Menschsein am wenigsten wichtige Ebene. Auch hier gibt es eine hierarchische Gliederung gemäß der Bedeutung der einzelnen Organe und ihrer Funktionen für den Gesamtorganismus. Ein Hirninfarkt ist verhängnisvoller als ein Herzinfarkt, dieser wiederum schwerwiegender als der arterielle Verschluss eines Fingers.

  • Der Organismus versucht stets, Störungen von wichtigen Organen fernzuhalten.

  • Verlagert sich während der Behandlung eine Störung von weniger bedeutenden auf wichtigere Organe, zeigt dies eine Verschlechterung der Gesundheit an. Eine Verschiebung in entgegengesetzter Richtung weist auf eine günstige Entwicklung und eine Verbesserung der Gesundheit hin.

Definition und Maßstab der Gesundheit

Bisher haben wir uns damit befasst, wie der Mensch in Wechselwirkung mit den verschiedenen Umwelteinflüssen auf seinen drei Seinsebenen funktioniert. Wir haben dabei jede Ebene separat betrachtet, sodass das Bild des Menschen noch bruchstückhaft blieb. Es sei jedoch erneut betont, dass der Mensch eine völlig integrierte Einheit, eine komplexe Ganzheit darstellt, stets bestrebt – wenn auch mit unterschiedlichem Erfolg –, die Homöostase Homöostase (das dynamische Gleichgewicht) aufrechtzuerhalten. Wir wollen nun die Teilaspekte verknüpfen und durch Beispiele veranschaulichen, wie der Arzt dieses Konzept in der Praxis anwenden kann, um den Gesundheitszustand eines Patienten genau zu beurteilen.
Wie wir gesehen haben, zielt die hierarchische Abstufung von Funktionen und Funktionsstörungen Funktionsstörungen im menschlichen Organismus darauf ab, die Ordnung des Gesamtsystems zu erhalten. Der hierarchische Aufbau findet sich nicht etwa nur bei Lebewesen; er ist charakteristisch für Struktur und Funktion des Universums selbst, ist auch den übergeordneten komplexen Systemen eigen. So würde z. B. eine plötzliche Störung in den Gesetzen der Gravitation oder der elektromagnetischen Felder unvorstellbare Verwüstungen im gesamten Kosmos hervorrufen. Eine wesentliche Änderung der Sonnenaktivität, sei es auch nur für Sekunden, hätte für das Leben hier auf Erden die tief greifendsten Folgen. Schon geringe Temperaturschwankungen auf unserem Planeten stören ja bereits das Gleichgewicht der Lebensformen. Auch die Anziehungskraft des Mondes, Feuchtigkeit, Wind und örtliche Witterungsverhältnisse wirken sich – freilich in geringerem Maße – auf das Leben aus. All diese interagierenden Systeme sind in sich und untereinander hierarchisch gegliedert, und ihre gegenseitige Beeinflussung unterliegt festen Gesetzen. Wird ein zentraler Prozess in einem wichtigen System auch nur leicht gestört, so ist die Auswirkung auf das Gesamtsystem verhängnisvoller, als wenn ein untergeordneter Prozess gleich stark betroffen wäre. Wir sehen die Parallele zum menschlichen Organismus: Eine geringe Schädigung des Stammhirns hat verheerendere Auswirkungen für den Menschen als eine vergleichbare Schädigung der Haut.
Die Idee der Hierarchie als Funktionsprinzip komplexer Systeme führt unmittelbar zur Idee eines einheitlichen Ursprungs, aus dem heraus alles erschaffen wurde. Das hierarchische Ordnungsprinzip ist allen komplexen Systemen gemein, es verbindet das gesamte Universum; deshalb kann es als universelles Gesetz betrachtet werden. Für den klinischen Bereich ist das Konzept des hierarchischen Aufbaus, wie gesagt, von außerordentlicher praktischer Bedeutung, wenn wir den Schwerpunkt einer Funktion oder Störung im Organismus suchen. Für die westlichen Industrienationen lässt sich heute behaupten, dass praktisch jeder Mensch – als Ganzes betrachtet – jeden Moment seines Lebens bis zu einem gewissen Grade gestört, also krank ist. Wie krank er ist, zeigt sich an der Gesamtstörung, d. h. auf allen drei Ebenen. Eine feststellbare Störung auf einer Ebene berührt auch immer die beiden anderen. Trotzdem können wir sagen: Treten die meisten und stärksten Symptome auf einer bestimmten Ebene auf, liegt zu diesem Zeitpunkt auch das Schwergewicht der Störung auf dieser Ebene. Wohl handelt es sich häufig um einen außerordentlich komplizierten dynamischen Prozess; doch lässt sich nach sorgfältiger Fallaufnahme ( 2.4 ) aller drei Ebenen der Schwerpunkt der Störung für gewöhnlich erkennen.
Stellen wir uns z. B. einen Patienten vor, der körperlich in erster Linie unter Bronchialasthma und chronischer Verstopfung leidet. Bei der sorgfältigen Anamnese aller Ebenen wird deutlich, dass er auch ziemlich reizbar ist, Angst vor Dunkelheit und Krankheiten hat und sich übermäßig um seine Zukunft sorgt. Weiteres Nachforschen ergibt, dass er schon seit geraumer Zeit unter Konzentrationsschwäche leidet. Der behandelnde Arzt stellt abschließend fest: Die Intensität der Hauptbeschwerden verweist den Schwerpunkt der Symptomatik in den körperlichen Bereich. Er leitet die Therapie ein (ob nun allopathisch, psychotherapeutisch oder naturheilkundlich) und bemerkt beim nächsten Besuch des Patienten, dass Asthma und Verstopfung zurückgegangen sind, Reizbarkeit und übermäßige Besorgtheit sich hingegen verschlimmert haben. Der Patient klagt geradezu über Depressionen und sagt, er könne sich jetzt noch schlechter konzentrieren. Seine Fähigkeit, für sich selbst oder andere kreativ zu sein, hat merklich nachgelassen. Ein allopathischer Schulmediziner, der sich aufgrund seiner Ausbildung auf den körperlichen Bereich beschränkt, wäre mit dem Ergebnis seiner Behandlung durchaus zufrieden, da sich ja Asthma und Verstopfung gebessert haben. Er würde den Patienten nun wegen der „neu“ aufgetretenen psychischen Beschwerden eventuell zum Psychiater überweisen.
Ein Arzt hingegen, der den Menschen in seiner Gesamtheit sieht, würde sofort bemerken, dass der Schwerpunkt der Störung sich von der physischen auf die emotionale Ebene verlagert und sich damit der allgemeine Gesundheitszustand verschlechtert hat, auch wenn die ursprünglichen körperlichen Beschwerden jetzt wesentlich nachgelassen haben.
Bei einer wirklichen Heilung Heilung kann man erwarten, dass sie in umgekehrter Richtung verläuft. Die körperlichen Symptome bleiben zunächst möglicherweise bestehen oder verschlimmern sich sogar etwas, während sich die Konzentrationsschwäche und die emotionalen Störungen vermindern. Daran sieht man, dass sich das Schwergewicht der Störung innerhalb der Hierarchie allmählich nach unten verlagert und sich auf die physische Ebene konzentriert. Der erfahrene Homöopath greift nicht ein, sondern wartet ab. Bei den nächsten Besuchen des Patienten zeigt sich dann, dass alle Symptome, auch die körperlichen, allmählich verschwinden. Ist uns also die Rangfolge der Symptome klar ( Tab. 1.1 ) und beobachten wir, wohin sich das Schwergewicht der Störung verlagert, so haben wir eine verlässliche Methode, den Verlauf einer Heilung zu beurteilen – sie orientiert sich nämlich an den hierarchischen Funktionsabläufen unseres Abwehrgefüges.
Bis hierher haben wir in unserer Darlegung zwei Faktoren berücksichtigt:
  • den Schwerpunkt der Symptome innerhalb ihrer hierarchischen Ordnung,

  • die Intensität ihres Auftretens.

Zwei Patienten können die gleichen Symptome und den gleichen Schwerpunkt aufweisen, doch fühlt sich der eine dadurch nur leicht, der andere hingegen empfindlich beeinträchtigt. Das liegt dann an der unterschiedlichen Intensität der Symptome. Wir brauchen also zusätzliche Kriterien, anhand derer wir die Gesundheit des Patienten insgesamt sowie die Intensität seiner Symptome im Einzelnen rasch beurteilen können. Eine allgemeine Definition des Begriffs Gesundheit Gesundheit Definition liefert uns die Anhaltspunkte dazu.
Nach allem bisher Gesagten dürfte diese umfassende Definition nicht schwerfallen. Sie muss die Ganzheit des Menschen als spirituelles Wesen berücksichtigen. Verbringen die meisten Menschen nicht ihre Lebensspanne in erster Linie damit, sich gegen die Fesseln aufzubäumen, die der Schmerz dem Körper, die Leidenschaft dem Gemüt und die Selbstsucht dem Verstand auferlegen? Der Arzt, der seine Berufung zum Heilen versteht, muss versuchen, seinen Patienten aus dieser dreifachen Beschränkung heraus- und zu größerer Freiheit hinzuführen. Betrachten wir nun die drei Ebenen unter diesem Aspekt im Einzelnen.
Geistige Ebene
Wer sich von selbstsüchtigen Zielen und Besitzgier leiten lässt, hat darunter in vielfacher Weise zu leiden, wie wir gesehen haben ( 1.2.1 ). Der Egoist ist im tiefsten Inneren unfrei – umso unfreier, je größer sein Egoismus. Sehr selbstsüchtige Menschen sind leicht verletzbar, sobald etwas ihrem Willen zuwiderläuft. Je mehr jemand in seinem Denken und Handeln von selbstsüchtigem Ehrgeiz und von Gewinnsucht beherrscht wird, desto höher ist der Grad geistiger Erkrankung, die, wie beschrieben, in völliger Gemütsverwirrung enden kann.Die aus dieser Geisteshaltung entspringende kreative Tätigkeit dient dem Mitmenschen und der Natur.

Definition

Gesundheit auf der geistigen Ebene bedeutet Freiheit von egoistischen Zielsetzungen, einen Zustand alleiniger Orientierung an den wahren, unverlierbaren Werten.

Emotionale Ebene
Wer im Gemüt von Ruhe und heiterer Gelassenheit erfüllt ist, kann diese innere Freiheit uneingeschränkt für sich und seine Mitmenschen schöpferisch nutzen. Von leidenschaftlichen Bindungen an Menschen oder Dinge ergriffen, wird er hingegen ängstlich, ärgerlich, unruhig, ungeduldig, fanatisch usw. Verbohrte Besessenheit versklavt die Gefühle des Menschen und engt seine Empfänglichkeit und Entfaltung in anderen Bereichen ein. Auch auf sektiererische Leidenschaften in Politik, Wissenschaft, Philosophie und Religion, deren Unduldsamkeit und Intensität oft an Fanatismus grenzt, trifft das zu. Jede übermäßige Leidenschaft macht den Menschen zum Sklaven, hindert ihn, Herr seiner selbst zu sein. Bei aller Begeisterung und allem Engagement gilt es, innere Demut und Ergebenheit zu bewahren ( 1.2.1 ), gegründet auf unerschütterlichem Gottvertrauen.

Definition

Gesundheit auf der emotionalen Ebene ist ein Zustand der Freiheit von leidenschaftlicher Besessenheit, der sich ausdrückt in dynamischer innerer Ruhe und heiterer Gelassenheit.

Die Betonung liegt auf dem Wort „dynamisch“. Nicht die intellektuelle Disziplinierung von Gefühlen ist hier gemeint, nicht gefühlskalt soll man werden oder sein Gefühlsleben verkümmern lassen, sondern ohne einseitige Fixierung offen bleiben für das volle Spektrum emotionaler Erlebnismöglichkeiten. Dies geht nur, wenn kein einzelner Gefühlsaspekt maßlos ausufert.
Physische Ebene
Jeder Schmerz, jedes Unwohlsein, jede Schwäche mindern unvermeidlich die Freiheit, die jemand vor Auftreten der Symptome besaß. Deshalb ist das Kranksein für unseren Körper ein Joch, eine Versklavung. Fast jeder hat in seinem Leben, zumindest für kurze Augenblicke, das Gefühl völligen Freiseins von körperlichen Beschwerden an sich erlebt – einen Zustand, in dem er sich seines Leibes auf keinerlei negative Weise bewusst war.

Definition

Gesundheit des Leibes bedeutet Freisein von Unwohlsein und Schmerzen, uneingeschränktes körperliches Wohlbefinden.

Zusammenfassung

Definition von Gesundheit

  • Freiheit von falschen Zielsetzungen, insbesondere von Selbstsucht auf der Geistesebene, eine vollständige Orientierung an den wahren Werten.

  • Freiheit von übergroßen Leidenschaften auf der emotionalen Ebene, ein Zustand dynamischer Ausgeglichenheit und heiterer Gelassenheit.

  • Freisein von Unwohlsein und Schmerzen auf der physischen Ebene, ein Zustand körperlichen Wohlbefindens.

Hier erhebt sich nun die Frage: Wie lässt sich der Gesundheitsgrad eines Patienten zu einem bestimmten Zeitpunkt konkret messen? Was ist der Maßstab, um festzustellen, ob jemand mit primär chronischer Polyarthritis gesünder oder kränker ist als ein Depressiver?
Der Maßstab ist letztlich die Kreativität Kreativität dieses Menschen, seine freie Schaffenslust, die ihn und andere beglückt ( 1.1.3 ). In dem Maße, in dem seine Fähigkeiten zur Kreativität – seine schöpferische Entfaltung und Ausdrucksfähigkeit – eingeschränkt wird, können wir ihn als krank bezeichnen – vorausgesetzt freilich, dass die äußeren (sozialen) Bedingungen seiner Kreativität Raum gewähren. Ist der Polyarthritis-Patient durch seine schmerzhaften Gelenkversteifungen stärker behindert, schöpferisch tätig zu sein, als der Patient mit Depressionen, dann ist er kränker, auch wenn der Schwerpunkt seines Leidens auf einer niedrigeren Ebene der Hierarchie liegt. Mit der Kreativität als Richtschnur sind wir also stets in der Lage, den Gesundheitszustand eines Patienten zu einem gegebenen Zeitpunkt zu beurteilen.

Der Mensch als komplexe Ganzheit

In den Kapiteln 1.2 und 1.3 haben wir uns mit den drei Existenzebenen des Menschen befasst. Wir haben den hierarchischen Aufbau ihrer Funktionen beschrieben und auch die Bedeutung, die dieser Aufbau für Gesundheit und Krankheit hat. Als Nächstes wollen wir das Konzept der Ebenen daraufhin untersuchen, wie sie einander in dem komplexen System Mensch beeinflussen. Der Leser hat sich sicher schon gefragt, wie sich wohl die Interaktion der Ebenen in den Grenzbereichen abspielt. Ist z. B. ein Patient mit Gedächtnisschwäche (geistige Ebene) weniger gesund als einer mit Depressionen (emotionale Ebene)? Ist Reizbarkeit schwerwiegender als eine Hirnverletzung (physische Ebene)? Und wie steht es mit Patienten, deren Beschwerden ständig von einer Ebene zur anderen wechseln? Ist die Hierarchie, wie wir sie dargestellt haben, generell anwendbar, oder gibt es in den Grenzbereichen der Ebenen Überschneidungen?
Der Einfachheit halber haben wir die Hierarchie zunächst linear dargestellt. Später haben wir auch schon auf die unterschiedliche Gewichtigkeit zentraler und peripherer Ebenen hingewiesen. In Wirklichkeit ist die Beziehung zwischen den Ebenen komplexer. Abb. 1.3 zeigt die Ebenen als konzentrische Kegel: Der innere Kegel stellt die geistige, der äußere die physische Ebene dar. Das Bild vom Kegel lässt sich auch auf die hierarchische Gliederung jeder einzelnen Ebene anwenden: Im physischen Bereich beispielsweise zur Darstellung von Organsystemen, Organen, Geweben, der Zellhierarchie innerhalb eines Gewebes und sogar von Rangfolgen innerhalb der Zellen (DNS, RNS, Nucleus, zytoplasmatische Organellen und Zellmembran – nach Wichtigkeit abgestuft). Ferner ist zu beachten, dass in Abb. 1.3 jeder Kegel im Vergleich zum nächst peripheren etwas höher beginnt und aufhört, sodass die Kegel einander also nicht vollständig decken.
Wie Abb. 1.4 zeigt, kann sich der Schwerpunkt einer Symptomatik Symptomatik, Schwerpunkt grundsätzlich in zwei Richtungen bewegen: senkrecht (jeder Kegel hat eine eigene lineare Hierarchie) oder waagerecht (jede Ebene steht mit den beiden anderen in hierarchischer Beziehung). Bewegt sich die Symptomatik innerhalb eines Kegels nach oben, zeigt das an, dass die Krankheit weiter vordringt. Springt die Symptomatik von einer peripheren zu einer zentralen Ebene über, bedeutet dies die fortschreitende Degeneration des Gesamtzustands. Umgekehrt bedeutet ein senkrechter Verlauf von oben nach unten oder ein waagerechter Verlauf von innen nach außen eine gesundheitliche Besserung. Den für die menschliche Existenz wichtigsten Bereich bildet die Spitze des inneren, die geistige Ebene darstellenden Kegels: Hier gibt es keine Überschneidungen mit der emotionalen und physischen Ebene. Der „unwichtigste“ Bereich befindet sich am Fuße des äußeren, den Körper darstellenden Kegels: Hier gibt es keine Überschneidungen mit der emotionalen und geistigen Ebene. Wir sehen: Jede Ebene steht weitgehend mit den beiden anderen in Beziehung, und jederzeit findet eine dynamische Wechselwirkung (Interaktion) zwischen ihnen statt. Jeder Reiz, jede Veränderung auf einer Ebene beeinflusst – je nach augenblicklichem Schwerpunkt der Störung – mehr oder weniger auch immer die anderen Ebenen.
Hierzu ein Beispiel ( Abb. 1.4 , Tab. 1.4 ): Angenommen, wir haben einen psychotischen Patienten mit vielerlei Ängsten, mit Depressionen und Selbstmordtendenz vor uns; das Schwergewicht seiner Krankheit befindet sich also offensichtlich auf der emotionalen Ebene (1). Bei der Fallaufnahme finden sich auch körperliche Symptome, die den Patienten allerdings in viel geringerem Maße beeinträchtigen. Nach erfolgreicher Behandlung kommt es zu auffallender Besserung seiner Psychose. Sechs bis neun Monate später jedoch treten neurologische Symptome auf: Doppeltsehen, Muskelzuckungen, Schwäche und Taubheit an verschiedenen Körperpartien (2). Der Schwerpunkt der Störung hat sich zur Peripherie hin bewegt, nämlich zur physischen Ebene, wenn auch zu einer Stelle, die nur wenig unterhalb der vorherigen Symptomatik liegt. Nach weiteren Maßnahmen verschwinden die neurologischen Symptome; der Patient wird indessen so reizbar (3), dass sich schwer mit ihm leben lässt. Der Schwerpunkt hat sich also wieder in Richtung Zentrum verlagert, doch ist die Psychose nicht zurückgekehrt; die Störung liegt zwar wieder auf der mittleren (emotionalen) Ebene, aber diesmal weiter unten. Im Laufe der Behandlung weicht die Reizbarkeit einer mäßigen Leberfunktionsstörung (4). Die Therapie wird fortgesetzt, das Leberleiden verschwindet schließlich, und ein Hautausschlag kommt zum Durchbruch (5), der aber nach einigen Monaten wieder abklingt. Solch ein Verlauf bestätigt dem Arzt, dass der Patient langfristig geheilt ist – sofern er nicht erneut extremen Belastungen oder ungeeigneten Therapien ausgesetzt wird.
Hätten wir uns nur auf Abb. 1.1 und Abb. 1.2 gestützt ( 1.2 ), dann hätte uns bei diesem Beispiel die nach den körperlichen Symptomen auftretende Reizbarkeit leicht verwirren können: Wir hätten sie womöglich als Schritt in die falsche Richtung aufgefasst und drastische therapeutische Gegenmaßnahmen ergriffen. Mithilfe unseres erweiterten Modells ( Abb. 1.3 , Abb. 1.4 ), das die Beziehungen der Ebenen untereinander berücksichtig, wird jedoch deutlich, dass sich die Symptomatik des Patienten durchaus immer weiter zum Besseren entwickelt hat.
Zwar mag auch dieses Modell noch recht grob und roh erscheinen, und gewiss muss es noch durch weitere Erfahrungen von behandelnden Ärzten in aller Welt bestätigt und differenziert werden; bei der Beurteilung des einzelnen Falls kann es uns jedoch sehr nützen. Mit seiner Hilfe können wir die Menge scheinbar zufälliger und zusammenhangloser Symptome so weit ordnen, dass wir mit einiger Sicherheit beurteilen können, welchen Verlauf die gesundheitliche Entwicklung des Patienten nimmt. Durch sorgfältige systematische Beobachtung werden sich die Details dieses Modells noch verfeinern lassen. Dem Arzt kann es damit zum zuverlässigen Handwerkszeug bei der Beurteilung des Heilungsprozesses werden – zu einem Instrument, das die Genauigkeit von Labortests noch übertrifft, obwohl es einzig und allein auf der Bewertung der Zeichen und Symptome beruht, die der Patient zeigt und berichtet.
Physiologie und Psychosomatik bestätigen einhellig, dass die physische und die emotionale Ebene miteinander in Beziehung stehen. EEG und Biofeedback-Untersuchungen zeigen z. B.: Intensive geistige Konzentration oder Meditation steigern die Blutzufuhr zum Gehirn und bewirken gleichzeitig Entspannung der Muskeln und Absinken des Blutdrucks. Ein Angstzustand ist von Herzklopfen, einem trockenen Mund, verlangsamter oder beschleunigter Darmtätigkeit, schwitzenden Handflächen, geweiteten Pupillen usw. begleitet. Eine angenehme Empfindung – z. B. Zuneigung zwischen zwei Menschen – erweitert die peripheren Blutgefäße, führt zu Erröten, Herzklopfen, seelischer und geistiger Angeregtheit. Jeder Reiz, jedes Gefühl, jeder Gedanke erzeugt sofort auf allen Ebenen des Organismus Wirkungen, die weitgehend voneinander abhängig sind.

Merke

  • Zeichen und Symptome eines krank machenden Reizes äußern sich auf einer oder auf mehreren Existenzebenen.

  • Die drei Ebenen sind sowohl in sich als auch untereinander hierarchisch gegliedert. Ihre Relation lässt sich anhand eines dreidimensionalen Kegeldiagramms darstellen.

  • Das Abwehrgefüge sorgt für das bestmögliche Gleichgewicht, indem es ununterbrochen versucht, die Symptomatik auf die außen liegenden Bereiche zu begrenzen.

Abwehrsymptome

Abwehrsymptome In klinischer Hinsicht sind Beziehungen zwischen Körperreaktionen und Gefühlszuständen ganz besonders auffällig. Gedanken und Gefühle sind – oft individuell verschieden – vorzugsweise von Reaktionen bestimmter Körperstellen oder -funktionen begleitet und beeinflussen sie wechselseitig. So treten bei manchen Menschen Herzbeschwerden auf, wenn ihr Partner die für sie lebenswichtige Liebesbeziehung abbricht; bei anderen rufen geschäftliche Probleme ein Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür hervor. Negative Gedanken oder Gefühle schwächen die Funktionstüchtigkeit korrespondierender Organe, positive Gedanken und Gefühle stärken sie.
Einige Fallbeispiele, wie sie jeder homöopathische Arzt aus der täglichen Praxis kennt, sollen diese Wechselwirkung zwischen einander entsprechenden Bereichen der verschiedenen Ebenen verdeutlichen:

Fallbeispiel

Eine Frau, von ihren prüden Eltern dazu erzogen, Sexualität, die sie insgeheim wünscht, als verabscheuungswürdig anzusehen und aus ihren Gedanken zu verdrängen, kommt zum Arzt und klagt über starken Haarwuchs an ungewöhnlichen Körperstellen wie Brust, Bauch und Rücken, während ihr Kopfhaar so stark ausfällt, dass sie fast eine Glatze trägt. Seit der spät aufgetretenen Menarche sind ihre Menstruationen stets schmerzhaft, unregelmäßig und oft verspätet. Nach ihrer Heirat treten zusätzlich schwere Migräneanfälle auf.

Das Beispiel zeigt: Von der geistigen Ebene ausgehend, führt die verstandesmäßige Unterdrückung des Sexualtriebes bei gleichzeitiger unbewusster Bejahung zu einer Störung des Testosteron-Östrogen-Gleichgewichts und dadurch zu maskulinem Haarwuchs. Ein weiteres Symptom, das auf der emotionalen Ebene künstlich erzeugt wurde – Abneigung gegen Sexualität –, wird nach der Heirat deutlich und zieht zusätzliche Belastungen nach sich. Sie verursachen auf den korrespondierenden Ebenen neue Symptome: Die Frau empfindet Widerwillen gegen ihre Ehe; gleichzeitig setzen – anstelle des Haarausfalls – schwerste Kopfschmerzen ein.

Wir sehen: Anfänglich war das Abwehrgefüge mühsam aufrechtzuerhalten, es beschränkte die Beschwerden auf den endokrinen Bereich. Die zusätzliche Belastung durch die Ehe genügte jedoch, dieses Gleichgewicht zu stören; das Abwehrgefüge musste versuchen, unter Inkaufnahme schwerwiegenderer Symptome weiter oberhalb in der Hierarchie derselben Ebene ein neues Gleichgewicht herzustellen.

Fallbeispiel

Eine andere Frau, ebenfalls sehr prüde erzogen, bekommt Haarausfall. Mit 22 Jahren verliebt sie sich und entwickelt in der daraus resultierenden Ehe eine sehr positive emotionale Beziehung. Der Haarausfall hört auf, und die Patientin fühlt sich ausgesprochen wohl; ihr Kopfhaar ist allerdings dünn und spärlich geblieben.

Wie im vorhergehenden Fall bewirkte auch hier der massive Zwiespalt zwischen verstandesmäßiger Verdrängung und unbewussten Wünschen eine hormonelle Störung. Der spätere positive emotionale Einfluss stärkte jedoch das Abwehrgefüge so sehr, dass er ein günstigeres Gleichgewicht herstellen konnte. Die Voraussetzungen für ein unbeschwertes, glückliches und kreatives Leben waren nun weit günstiger. Zwar war ihr Haar nicht gerade voll und schön, doch sie konnte überzeugt werden, dass ihr Abwehrgefüge ein akzeptables Gleichgewicht gefunden hatte, das man durch keine weitere Behandlung stören sollte.

Fallbeispiel

Ein neunzehnjähriger junger Mann bekommt während der Vorbereitung auf das Abitur einen steifen Nacken. Wie sich herausstellt, hat er große Angst, es nicht zu bestehen. Verstand und Gefühl sind also schwer belastet.

Nun wissen wir aber, dass zwei Zentren im Körper in besonders enger Beziehung zur emotionalen und geistigen Ebene des Menschen stehen, nämlich Herz und Gehirn. Hauptverbindungsweg zwischen beiden scheint im physischen Bereich der Nacken zu sein. Daher verursachte der Konflikt zwischen Wollen und Können in diesem Fall einen steifen Nacken.

Einflüsse auf das Abwehrgefüge

Das Abwehrgefüge ist, wie wir sehen, stets bemüht, einen sich in Zeichen und Symptomen äußernden Schutzwall zu errichten, der so weit vom Zentrum entfernt und so nah an der Peripherie liegt wie möglich. Wo sich dann jedoch der Schwerpunkt der Störung tatsächlich manifestiert, dafür sind drei Faktoren verantwortlich:
Erbbedingte Stärke bzw. Schwäche des Abwehrgefüges
Dieser Hauptfaktor wird in den folgenden Kapiteln noch ausführlich besprochen ( 1.9 ). Ist das Abwehrgefüge Abwehrgefüge schwach, zeigt sich der Schwerpunkt im Diagramm rasch an den oberen und zentral gelegenen Punkten der Hierarchie; ist er stark, bleiben die Symptome meist auf die weniger wichtigen Ebenen und Organe beschränkt.
Intensität der krank machenden Einflüsse
Krank machende Faktoren werden auf der geistigen, emotionalen oder physischen Ebene wahrgenommen. Bei einem außergewöhnlich starken Schock ist bisweilen selbst das stärkste Abwehrgefüge unfähig, das Gleichgewicht so aufrechtzuerhalten, dass die Symptomatik auf einen unbedeutenderen Bereich beschränkt bleibt. Mit einem nur leicht krank machenden Reiz, z. B. einem wenig virulenten Erkältungsvirus, wird dagegen auch ein konstitutionell schwaches Abwehrgefüge ohne größere Störung fertig.
Grad der Beeinträchtigung durch Behandlungen
Behandlungen, die das Abwehrgefüge nicht in seiner Gesamtheit stärken, schaden ihm mehr als sie ihm nutzen. Hat das Abwehrgefüge in einem bestimmten Bereich ein Gleichgewicht hergestellt, treten hier Symptome von relativer Beständigkeit auf. Gibt man nun ein Komplexmittel oder ein allopathisches Mittel, um Schmerzen zu lindern oder einen Angstzustand zu dämpfen, so zwingt man durch Beseitigung der bisherigen Abwehrsymptome das Abwehrgefüge, eine neue Verteidigungslinie zu errichten. Diese findet sich dann unweigerlich in einem zentraleren, für die Gesundheit des Organismus wichtigeren Bereich, denn das bisherige Gleichgewicht war das bestmögliche, das das Abwehrgefüge hervorzubringen vermochte. Alle Therapien, die lediglich einzelne Symptome wegkurieren und dabei das Gesamtbild außer Acht lassen, schwächen das Abwehrgefüge, führen zu einer allgemeinen Degeneration der Gesundheit und schließlich zu immer ernsteren chronischen Krankheiten.

Merke

Drei Faktoren können den Schwerpunkt der Symptomatik verlagern:

  • die erbbedingte Schwäche oder Stärke des Abwehrgefüges

  • die Intensität des krank machenden Reizes

  • der Einfluss unterdrückender oder heilender Behandlung

Schwerpunkt der Störung

Die drei oben genannten Faktoren ( 1.4.2 ) beeinflussen also die jederzeit optimale Abwehrtätigkeit des Organismus und die Richtung, in die der Schwerpunkt einer Störung sich bewegt. Verbinden sich die drei Faktoren auf ungünstige Weise, und verschlechtert sich hierdurch die Gesundheit, so kann sich der Schwerpunkt nach zwei Richtungen verlagern:
  • Er kann sich innerhalb der Hierarchie linear auf einer Ebene bewegen, wobei auf den anderen Ebenen nur minimale Veränderungen entstehen. Verschieben sich z. B. die Symptome innerhalb der physischen Ebene nach oben, so bedeutet das: Das Abwehrgefüge ist im geistigen und seelischen Bereich stark genug, die Wirkung des krank machen Reizes auf die physische Ebene zu beschränken.

  • Der Schwerpunkt kann von einer peripheren auf eine zentralere Ebene springen. Dies kann geschehen bei einem schwachen Abwehrgefüge, einem tief greifenden Schock oder einer stark unterdrückenden Therapie.

Merke

Allgemeine Regel: Der Sprung zu zentraleren Ebenen ist ein ungünstigeres Zeichen für den Krankheitsverlauf als das lineare Fortschreiten auf einer Ebene.

Drei Fallbeispiele – sie handeln von Patienten mit Ekzemen Ekzem – sollen diese Konzeption veranschaulichen.

Fallbeispiel

Eine Frau leidet bereits jahrelang an einem Ekzem und bekommt seit drei Jahren Cortisonsalben verschrieben, die sie gewissenhaft anwendet. Solange sie die Salben benutzt, kann sie das Ekzem unter Kontrolle halten, doch merkt sie, wie sie allmählich immer mürrischer und reizbarer wird und eine ausnehmende Abneigung gegen soziale Kontakte verspürt.

Der Schwerpunkt hat sich hier von der physischen auf die seelische Ebene verlagert; die Therapie hat also die Störung in tiefere Bereiche verdrängt. Schließlich, nachdem sie angefangen hat zu meditieren, bessert sich das Befinden der Patientin; einige Monate später bekommt sie jedoch eine allergische Rhinitis.

Damit vollzieht sich eine Rückverlagerung der Symptomatik auf die physische Ebene. Diesmal ist allerdings nicht die Haut betroffen, sondern die Schleimhaut – also ein wichtigerer und zentralerer Bereich. Zwar haben schlechte Laune und Reizbarkeit der Patientin nachgelassen; dafür leidet sie aber jetzt an einer lästigen Rhinitis mit gelegentlicher Entzündung der Nasennebenhöhlen. Wird nun der allergische Schnupfen mit Antihistaminika, Antibiotika oder gar intranasalen Cortisonsprays unterdrückt, wird es der Patientin entweder seelisch schlechter gehen als zuvor, oder sie muss mit dem Auftreten eines Bronchialasthmas rechnen – einer Verschlimmerung im physischen Bereich.

Es kann also ein linearer Gesundheitsabfall auf der gleichen Ebene eintreten, oder der Schwerpunkt kann auf die seelische Ebene zurückspringen – für unsere Patientin ein noch ungünstigerer Verlauf.

Fallbeispiel

Eine andere Frau, seit vielen Jahren von einem Ekzem geplagt, traut der palliativen Behandlung nicht und lehnt daher die Cortisonsalben ab. Das Ekzem besteht weiter, wird jedoch nicht schlimmer. Da verliert sie plötzlich durch einen Autounfall ihren Mann. Der Schock führt zu einer Schwächung auf der emotionalen Ebene; während das Ekzem verschwindet, beginnt sie unter Ängstlichkeit, Nervosität, Phobien und Wahnvorstellungen zu leiden. Erhält sie jetzt Beruhigungsmittel, so kommt – falls die Mittel bessernd wirken – das Ekzem wieder zum Vorschein, und die psychischen Symptome gehen zurück. Falls sie jedoch unterdrückend wirken, verschlimmert sich der Zustand der Patientin.

Diese Verschlimmerung kann, je nach Stärke oder Schwäche des Abwehrgefüges, zwei Richtungen einschlagen: Hat die Frau ein starkes Abwehrgefüge, wird sie möglicherweise eine allergische Rhinitis oder ein Bronchialasthma bekommen.

Man sieht: Die Symptome kehren zwar in den physischen Bereich zurück, treten aber an einer zentraleren Stelle des Organismus auf. Sind ihre Abwehrkräfte zu schwach, um mit der unterdrückenden Wirkung der Psychopharmaka fertig zu werden, wird sie in einem zentraleren Bereich der emotionalen oder sogar der geistigen Ebene erkranken.

Fallbeispiel

Ein Patient mit langjährigem Ekzem lässt sich homöopathisch behandeln; sein Mittel wurde aufgrund der Gesamtheit seiner Symptome gewählt. Das Ekzem verlagert sich von Gesicht und Körper zu den Extremitäten hin und heilt schließlich vollkommen ab.

Diese Richtung entspricht – unsere bisherigen Darlegungen bestätigen es – dem naturgemäßen Heilverlauf; auch auf lange Sicht besteht gesundheitlich eine sehr gute Prognose.

Auch an diesen Beispielen zeigt sich, wie physischer und seelischer Bereich miteinander in Beziehung stehen; zugleich sehen wir, dass die körperlichen Symptome in vorhersehbarer Reihenfolge auftreten: vom Ekzem über die allergische Rhinitis und Sinusitis zum Bronchialasthma. Jeder Patient entwickelt sich unterschiedlich, je nach Stärke und der Art der angewandten Therapie.

Verlaufsbahnen bei Krankheiten, Embryologie

Die obigen Beobachtungen ( 1.4.3 ) bestätigen auch, dass es relativ genau vorhersehbare Verlaufsbahnen Krankheit Verlaufsbahnen gibt, die bei gesundheitlichem Rückschritt durchlaufen werden. Entlang dieser Bahnen befinden sich „Haltestationen“, die die – immer weiter innen liegenden – Verteidigungsbarrieren des Abwehrgefüges markieren. Diese Haltestationen sind von größter Bedeutung; ohne sie könnte ein krank machender Stimulus sehr schnell bis in die innersten Bereiche des Organismus vordringen und den Tod herbeiführen.
Auch der Schulmedizin Schulmedizin ist seit Langem bekannt, dass, zumindest auf der physischen Ebene, Krankheitsverläufe sich häufig nach einem bestimmten Muster abwickeln. Man weiß, dass Krebs zu ganz bestimmten Organen metastasiert: Brustkrebs zu den regionalen Lymphknoten, den Lungen, den Knochen und dem Gehirn; Prostata zum Lymphsystem, den Beckenknochen und der Wirbelsäule; Lungenkrebs zu den örtlichen Lymphknoten, zum Zentralnervensystem, den Röhrenknochen, den Nieren, Nebennieren und der Haut. Autoimmunkrankheiten Autoimmunerkrankung befallen stets nur bestimmte Gewebe: Rheumatische Erkrankungen beginnen häufig mit einer Streptokokkenpharyngitis und führen nach der fieberhaften Gelenkentzündung zur Degeneration der Herzklappen, Glomerulonephritis, rheumatoider Arthritis usw. Lupus erythematodes verursacht charakteristische Hautausschläge, Nephritis, Colitis, Arthritis, Leber- und Milzvergrößerung und Perikarditis; Morbus Reiter besteht aus Gonokokkenurethritis, monartikulärer Arthritis und Uveitis.
Darüber hinaus hat die psychosomatische Medizin psychosomatische Medizin bekanntlich unerwartete Zusammenhänge zwischen seelischen und körperlichen Leiden entdeckt: Melancholie tritt in Verbindung mit Leberfunktionsstörungen auf; unterdrückter Ärger verursacht Magen-Darm-Geschwüre; anal fixierte Persönlichkeitstypen tendieren zu Verstopfung und Hämorrhoiden; sogenannte „Typ-A“-Konstitutionen haben eine bestimmte Blutgruppe, häufig hohen Blutdruck und frühzeitige Herzinfarkte; zwanghafte Personen mit unterdrücktem Ärger sind krebsanfällig.
Solche Zusammenhänge sind bekannt. Was aber bestimmt ihre Verlaufsbahnen? Man spekuliert in einigen Fällen, ob Nerven- oder Kreislaufsystem mögliche Metastasenbahnen bilden. Auch werden in der Traditionellen Chinesischen Medizin Traditionelle Chinesische Medizin aufgrund jahrhundertelanger Beobachtung Verbindungen zwischen Akupunkturpunkten und bestimmten Organen sowie zwischen Organen und mental-emotionalen Zuständen ( 1.6.1 ) beschrieben. Die Ursprünge dieser Verbindungen werden damit aber nicht erklärt.
Eine andere Perspektive eröffnet uns die moderne Embryologie Embryologie . Vielleicht werden künftige Forschungen zeigen, dass die Verlaufsbahnen ihren Ursprung in embryonalen Geweben haben. Jeder Mensch beginnt sein Leben als einzelne Zelle, die sich allmählich durch fortlaufende Zellteilung nach vorgegebenem Muster zu einer ungemeinen Vielfalt von Zellen entwickelt. Bei diesem Prozess bilden sich drei unterschiedliche Zellschichten als Grundstruktur heraus; aus ihnen entwickelt sich der restliche Organismus. Man bezeichnet sie als Ektoderm Ektoderm , Mesoderm Mesoderm und Endoderm Endoderm . Aus einem jeden dieser Gewebe erwachsen bestimmte Organe und Organsysteme ( Tab. 1.5 ). Diese Zuordnung spricht dafür, dass die Affinität zwischen bestimmten Organen und Systemen auf ihrem gemeinsamen Ursprung in einer dieser embryonalen Gewebeschichten beruht. Vielleicht wird sich eines Tages erweisen, dass diese Verknüpfungen eine sehr wichtige Rolle spielen, indem sie uns anzeigen, in welcher Richtung die Symptome bei Krankheit und Degeneration tiefer in den Organismus vordringen.

Die Lebenskraft

In den vorangegangenen Kapiteln haben wir das Abwehrgefüge und die Dynamik seines Wirkens ausführlich besprochen. Eine präzise Definition haben wir jedoch noch nicht gefunden. Was ist es? Wie kann man es wahrnehmen? Welches sind die präzisen Eigenschaften, die seine Funktionen unter verschiedenen Umständen definieren?
Sein Wirken zeigt sich, wie wir gesehen haben, nicht nur an bekannten physiologischen Vorgängen wie etwa dem Immunsystem, dem retikuloendothelialen System, endokrinen Systemen sowie im sympathischen und parasympathischen Nervensystem oder anderen bekannten physisch-chemischen Mechanismen. Dies alles sind zwar wichtige, ihm zugehörige Funktionen, doch beschränkt sich sein Wirken nicht darauf. In ebenso geordneter und systematischer Form durchdringt es auch die emotionale und geistige Ebene.

Merke

Somit wirkt das Abwehrgefüge als komplexes System, als geschlossenes Ganzes, jederzeit bereit, den ganzen Menschen so effektiv wie möglich zu verteidigen und nach Möglichkeit zu verhindern, dass Krankheiten in die inneren und höheren Bereiche des Menschen vordringen.

Was genau ist dieser geheimnisvolle Mechanismus? Diese Frage hat Philosophen und Heiler aller Epochen beschäftigt. Vor Jahrhunderten konzentrierten sich die verschiedenen Sichtweisen auf die Philosophie des „Vitalismus Vitalismus “. Diese sah die Existenz einer Lebenskraft als gegeben an, die die Intelligenz und Kraft besitzt, die unzähligen Prozesse, die in Gesundheit und Krankheit stattfinden, zu lenken. Sie betrachteten es als offensichtlich, dass der menschliche Körper von einer Kraft belebt wird, denn der Organismus besteht aus mehr als der reinen Summe seiner physischen Bestandteile. Eine belebende Kraft oder ein grundlegendes Prinzip durchdringt ihn vom Zeitpunkt der Zeugung an, lenkt alle Lebensfunktionen und verlässt den Körper im Moment des Todes wieder. Was ereignet sich im Moment des Todes? Der Organismus ist strukturell intakt, die Zellen arbeiten, chemische Prozesse finden noch immer statt und doch hat sich plötzliche etwas verändert und der Körper beginnt zu zerfallen. Die Betrachtung dieser Tatsachen unterstreicht das Konzept der „Lebenskraft“ auf nachvollziehbare und ansprechende Weise.
Im Laufe der Geschichte wurde die Vorstellung von der Lebenskraft Lebenskraft mit bemerkenswerter Übereinstimmung von zahlreichen Gelehrten beschrieben. Die ihm zugeschriebenen Grundfunktionen kommen im folgenden Zitat von Ostrander und Schroeder zum Ausdruck:

„Die wesentliche Frage aller westlichen Menschen, die im Laufe der letzten 500 Jahre auf diese vitale oder psychometrische Energie gestoßen sind, lautet: Was macht sie? Paracelsus Paracelsus , der Alchimist und Physiker der Renaissance, berichtete, dass diese Energie von einer Person zu einer anderen ausstrahlen und auch auf Distanz wirken würde. Er glaubte, dass sie den Körper reinigen und die Gesundheit wieder herstellen oder den Körper vergiften und Krankheiten auslösen könne. Dr. van Helmont, der flämische Chemiker und Physiker aus dem 17. Jahrhundert, glaubte, diese Energie könne einen Menschen dazu befähigen, eine andere Person über eine Entfernung hinweg zu beeinträchtigen. Der berühmte deutsche Chemiker, Baron von Reichenbach, sagte, diese Energie könne gespeichert und Stoffe damit geladen werden. Reichenbach wusste zu dem Zeitpunkt nicht, dass polynesische Schamanen des Huna sich darin einig waren, dass die lebensspendende Energie von einem Menschen auf ein Objekt übertragen werden könne.“ 4

4

Ostrander S, Schroeder L: Psi. Die wissenschaftliche Erforschung und praktische Nutzung übersinnlicher Kräfte des Geistes und der Seele im Ostblock (1973).

Die Lebenskraft lenkt alle Aspekte des Lebens im Organismus. Sie passt sich den Umwelteinflüssen an, sie belebt die emotionalen Wahrnehmungen eines Individuums, sie bringt Gedanken und Kreativität hervor und sie lenkt die spirituelle Inspiration. Die vitalistische Schule glaubte in der Tat, dass die Lebenskraft ein Individuum mit dem ultimativen Einssein des Universums verbindet. Die Lebenskraft beinhaltet eine breite Vielfalt von Funktionen. Jene Ausprägung der Lebenskraft, die im Falle von Krankheit die Balance wiederherstellt, wird Abwehrgefüge genannt. Dieses ist damit ein integraler Bestandteil der Lebenskraft. Das auf allen drei Ebenen des Organismus agierende Abwehrgefüge kann man als ein Werkzeug der Lebenskraft bezeichnen, das dann aktiv wird, wenn Krankheit entstanden ist.
Während der letzten 250 Jahre hat eine materialistische Sichtweise des Universums im Denken der industrialisierten Gesellschaften stetig zugenommen und die vitalistischen Konzepte sind zunehmend in Verruf geraten. Die Naturwissenschaften stellten die Welt so dar, als ob sie ausschließlich unter mechanistischen Gesichtspunkten erklärt werden könnte. Auch die biologischen Wissenschaften haben diese Sichtweise übernommen; dementsprechend wurden große Mengen von Informationen zusammengetragen, die sich auf die physischen und chemischen Funktionen des menschlichen Körpers beziehen. Diese Daten sind wahr und korrekt. Sie widersprechen der Vorstellung von einer Lebenskraft keineswegs. Physische und chemische Mechanismen sind jedoch lediglich Werkzeuge der Lebenskraft, die auf der körperlichen Ebene des Organismus wirken.
Im letzten Jahrhundert haben sich in allen Belangen des menschlichen Lebens gewaltige Veränderungen ergeben; die dramatischste war vielleicht das Aufkommen radikal neuer Konzepte innerhalb der Physik. Vorher hatte die Newton'sche Newton, Isaac Physik reproduzierbare und vorhersehbare Erklärungen geliefert für der Mechanik zugrunde liegende Phänomene, die durch die physischen Sinne erfassbar sind. Newton'sche Gesetze, obwohl auf die wahrnehmbare Welt noch immer anwendbar, konnten für die Bereiche der atomaren und subatomaren Existenz jedoch keine Erklärungen liefern. Es mussten neue Theorien und Gesetze entwickelt werden, um Phänomene auf diesen Ebenen zu erklären. Einstein Einstein, Albert , Heisenberg und andere entwickelten in diesem Zusammenhang die Konzepte der Feldtheorie Feldtheorie , der Quantentheorie und der Relativitätstheorie. Den revolutionären Effekt, den diese Konzepte auf das heutige Denken hatten, beschreibt Fritjof Capra (1988) im „Tao der Physik“ auf großartige Weise:

„Die moderne Physik revidierte nicht nur radikal die Vorstellung von festen, unzerstörbaren Teilchen, die sich im leeren Raum bewegen, sondern auch den klassischen Begriff der Leere. Diese Wandlung erfolgte in den sogenannten Feldtheorien. Sie begann, als Einstein die Gravitationsfelder zur Geometrie des Raums in Beziehung setzte, und wurde noch deutlicher, als man die Quantentheorie mit der Relativitätstheorie kombinierte, um die Kraftfelder subatomarer Teilchen zu beschreiben. In diesen Quanten-Feldtheorien verliert die Grenze zwischen den Partikeln und dem sie umgebenden Raum ihre ursprüngliche Schärfe, und der leere Raum wird als dynamische Größe von überragender Bedeutung anerkannt.

Ein elektrisches Feld, als Begriff von Faraday Faraday, Michael und Maxwell Maxwell, James Clerk in ihrer Beschreibung der Kräfte zwischen elektrischen Ladungen und Strömen eingeführt, ist eine ‚Kondition‘ im Raum um einen geladenen Körper, die eine Kraft in jeder anderen Ladung im diesem Raum hervorruft. Elektrische Felder werden somit von geladenen Körpern erzeugt, und ihre Wirkungen können nur von geladenen Körpern wahrgenommen werden. Magnetische Felder werden durch sich bewegende Ladungen erzeugt, d. h. durch elektrische Ströme, und die daraus resultierenden magnetischen Kräfte können von anderen sich bewegenden Ladungen wahrgenommen werden. In der klassischen Elektrodynamik nach Faraday und Maxwell sind die Felder primäre physikalische Größen, die ohne Bezug auf materielle Körper untersucht werden können. Schwingende elektrische und magnetische Felder können in Form von Radiowellen, Lichtwellen oder anderen Arten elektromagnetischer Strahlung durch den Raum wandern.

Die Relativitätstheorie gab der Elektrodynamik insofern eine Eleganz, als sie die Begriffe der Ladungen und Ströme und der elektrischen und magnetischen Felder vereinigte. Da alle Bewegung relativ ist, kann jede Ladung auch als Strom auftreten – in einem Bezugssystem, wo sie sich relativ zum Beobachter bewegt –, und folglich kann ihr elektrisches Feld auch als magnetisches Feld auftreten. In der relativistischen Formulierung der Elektrodynamik sind die beiden Felder somit zu einem einzigen elektromagnetischen Feld vereinigt […]

Materie und leerer Raum – das Plenum und das Vakuum – waren die beiden grundsätzlich verschiedenen Begriffe, auf denen der Atomismus von Demokrit und Newton Newton, Isaac basierte. In der allgemeinen Relativität sind diese beiden Begriffe nicht länger zu trennen […]

So zeigt uns die moderne Physik wieder einmal, und zwar diesmal im makroskopischen Bereich, dass materielle Objekte keine selbstständigen Einheiten, sondern untrennbar mit ihrer Umgebung verkettet sind; dass ihre Eigenschaften nur als Wechselwirkung zwischen ihnen und der übrigen Welt verstanden werden können. Nach dem Machschen Prinzip reicht diese Wechselwirkung bis weit in das Universum hinaus, bis zu fernen Sternen und Spiralnebeln. Die grundsätzliche Einheit des Kosmos manifestiert sich daher nicht nur in der Welt des ganz Kleinen, sondern auch in der Welt des sehr Großen. Diese Tatsache wird in der modernen Astrophysik und Kosmologie immer mehr anerkannt.

Die Einheit und die Wechselbeziehung zwischen einem materiellen Objekt und seiner Umgebung, die sich im makroskopischen Maßstab in der allgemeinen Relativitätstheorie manifestiert, zeigt sich noch viel auffallender im subatomaren Bereich. Hier sind die Vorstellungen der klassischen Feldtheorie mit denen der Quantentheorie kombiniert, um die Wechselwirkungen zwischen subatomaren Teilchen zu beschreiben. Wegen der komplizierten mathematischen Form von Einsteins Gravitationstheorie war eine solche Kombination für die Gravitationswechselwirkungen noch nicht möglich, aber die andere klassische Feldtheorie, die Elektrodynamik, wurde mit der Quantentheorie zur ‚Quanten-Elektrodynamik‘ verschmolzen, die alle elektromagnetischen Wechselwirkungen zwischen subatomaren Teilchen beschreibt. Diese Theorie enthält die Quantentheorie und die Relativitätstheorie. Sie war das erste quanten-relativistische Modell der modernen Physik und ist immer noch das erfolgreichste.

Das auffallend Neue der Quanten-Elektrodynamik ergibt sich aus der Kombination von zwei Begriffen: dem des elektromagnetischen Feldes und dem des Photons als Teilchenaspekt elektromagnetischer Wellen. Da Photonen auch elektromagnetische Wellen und da diese Wellen vibrierende Felder sind, müssen die Photonen Manifestationen elektromagnetischer Felder sein. Daher kommt der Begriff ‚Quantenfeld‘, d. h. ein Feld, das die Form von Quanten oder Teilchen annehmen kann. Dies ist tatsächlich ein völlig neuer Begriff, der auf die Beschreibung aller subatomaren Partikel und ihrer Wechselwirkungen ausgedehnt wurde, wobei jeder Teilchentyp einem anderen Feld entspricht. In diesen Quanten-Feldtheorien ist der klassische Gegensatz zwischen festen Teilchen und dem diese umgebenden Raum völlig überwunden. Das Quantenfeld wird als die fundamentale physikalische Einheit betrachtet, ein kontinuierliches Medium, das überall im Raum vorhanden ist, Teilchen sind lediglich eine örtliche Verdichtung des Feldes, eine Konzentration von Energie, die kommt und geht und dabei ihren individuellen Charakter verliert und sich im zugrundeliegenden Feld auflöst. Mit den Worten Albert Einsteins: ‚Wir können daher Materie als den Bereich des Raumes betrachten, in dem das Feld extrem dicht ist […] in dieser neuen Physik ist kein Platz für beides, Feld und Materie, denn das Feld ist die einzige Realität.‘

Diese neuen Konzepte in der Physik haben unseren Blick auf das, was wir Realität nennen, vollständig verändert. Wenn Materie und Energie wechselseitig austauschbar sind und sich tatsächlich, im Rahmen eines Feldes variierender Intensität gegenseitig abwechseln, öffnen sich für die Menschheit völlig neue Perspektiven. Einerseits besteht die Möglichkeit, diese neuen Erkenntnisse, in bisher nicht vorstellbarer Weise, zum Nutzen der Menschen einzusetzen. Der missbräuchliche Einsatz dieser Energien könnte andererseits jedoch auch zur Zerstörung der Menschheit führen.“ 5

5

Capra F: Das Tao der Physik. Scherz, 1988.

Trotz der radikalen Fortschritte in der Physik integrieren die biologischen Wissenschaften diese Konzepte nur langsam in ihr Menschenbild. Der Körper wird immer noch unter den Gesichtspunkten der mechanistischen, physikalischen und chemischen Gesetze betrachtet, wie in der Newton'schen Ära der Physik. Seit einiger Zeit untersuchen russische und US-amerikanische Forscher jedoch verstärkt die im menschlichen Organismus aktiven elektrodynamischen Felder. Man tastet sich im Rahmen dieser Untersuchungen langsam voran und die Ergebnisse sind noch vorläufig. Dennoch haben sie genug Aussagekraft, um das Interesse und die Motivation einer zunehmenden Anzahl von hochrangigen Wissenschaftlern zu wecken, sich diesem Forschungsgebiet zu widmen. Dementsprechend findet eine Art Rückkehr zu alten vitalistischen Konzepten über lebende Organismen statt, dieses Mal jedoch mittels Technologien, mit deren Hilfe die biologischen elektrodynamischen Felder und ihre Prozesse präzise gemessen werden können. Überfliegen wir die spannenden Informationen dieser neuen Biologie und welche Einsichten in die Lebenskraft sie vielleicht zu liefern vermag.
Ein Gebiet von bedeutendem Interesse stellt die Erforschung der Wirkung elektrischer Felder auf den menschlichen Organismus dar; eine große Menge an Datenmaterial wurde darüber zusammengetragen und es entwickelt sich langsam ein genaues Verständnis über deren Wirkungen. Auch ohne sich direkt auf solche Studien zu beziehen, können wir unsere eigenen Erfahrung und die unserer Freunde und Nachbarn heranziehen, um zu erkennen, dass elektromagnetische Felder definitiv auf allen Ebenen unserer Existenz einen Einfluss auf uns haben. „Dr. A. Podshybiakin hat entdeckt, dass magnetische Stürme in Bodennähe das elektrische Potenzial der Haut steigern. Einige Menschen scheinen eine Vorahnung dieser unsichtbaren Wirbelwinde in verschiedenen Ausprägungen zu haben. Einige haben diese Empfindungen 24 Stunden vor dem Sturm, andere sogar drei bis fünf Tage bevor selbst technische Instrumente sie registrieren.“ 6

6

Capra F: a. a. O., S. 147

Solche umweltbedingten elektromagnetischen Einflüsse könnten als indirekter Beweis für das Vorhandensein eines rezeptiven elektro-dynamischen Feldes gelten, das mit dem menschlichen Organismus auf das Engste verbunden ist.
Einer der systematischsten Forscher auf dem Gebiet der Messung bioelektrischer Felder war Dr. Harold Saxton Burr von der Yale Universität. Nach 30-jährigen, akribischen Untersuchungen fasste er zusammen:

„Es kann also folgende Theorie aufgestellt werden: Das Muster oder die Organisation eines biologischen Systems wird von einem komplexen elektrodynamischen Feld gebildet; dies Feld ist einesteils durch seine atomaren physio-chemischen Komponenten bestimmt, zum anderen Teil legt es selbst Verhalten und Orientierung dieser Komponenten fest. Physikalisch gesehen ist es ein elektrisches Feld und ordnet durch seine Eigenschaften die Komponenten (Größen) des biologischen Systems zu einem charakteristischen Muster; außerdem ist es selbst teilweise ein Resultat dieser Komponenten. Es bestimmt sie und wird durch sie bestimmt. Es hat nicht nur die Aufgabe ein Muster zu bilden, sondern – was wichtiger ist – es hat dieses Muster innerhalb des physiologischen Flusses aufrechtzuerhalten. Es muss daher ordnend und kontrollierend auf Organismen einwirken. Es muss zum Mechanismus werden, aus dessen Tätigkeit ein abgerundetes Ganzes, Organisation und Kontinuität hervorgehen.“ 7

7

Burr HS: The Fields of Life, S. 29.

Während Dr. Burr auf dem Gebiet der Bio-Elektrik Bio-Elektrik forschte, entwickelte ein Forscher-Ehepaar aus Russland, Semyon und Valentina Kirlian, eine andere Technik. Das alle lebenden und nicht lebenden Objekte durchdringende und umgebende elektrodynamische Feld konnte fotografisch visualisiert werden. Diese Methode, die als „Kirlianfotografie Kirlianfotografie “ oder „Hochfrequente Hochspannungsfotografie“ bekannt ist, hat vermutlich mehr als jede andere Methode dazu beigetragen, weltweit und besonders in den USA die Erforschung bio-elektromagnetischer Felder zu entfachen.
Es wurden von Biologen also einige bemerkenswerte Beobachtungen gemacht, deren Ergebnisse so verblüffend waren, dass, davon inspiriert, weitere Wissenschaftler sich auf diesem Feld betätigten. Die bisherigen Resultate scheinen die in diesem Buch gemachten Aussagen über die Lebenskraft und das Abwehrgefüge zu bestätigen.
Mittels dieses kurzen Überblicks über einige Forschungsarbeiten soll nicht der Beweis über die Existenz und die Funktion der Lebenskraft im Detail erbracht werden, da deren Ergebnisse für klinische Zwecke zu vorläufig und zu wenig ausgereift sind. Dennoch weisen diese Beobachtungen in eine Richtung, die analog zu den Veränderungen verlaufen könnte, wie sie sich im frühen 20. Jahrhundert in der Physik zugetragen haben. Falls der Fortschritt auf diesen Gebieten weitergeht, könnte das die Entstehung einer neuen Ära der Medizin bedeuten – einer Ära der Energiemedizin.
Elementarsubstanz bei Kent
Schließen wir dieses Kapitel ab, indem wir zu den scharfsinnigen Beobachtungen eines homöopathischen Arztes des 19. Jahrhunderts, J. T. Kent Kent, James Tyler , zurückkehren. Kent beschreibt die Qualitäten der Lebenskraft, die er Elementarsubstanz Elementarsubstanz nennt, in der Tiefe. Seine Erkenntnisse werden auch in den nächsten Jahrhunderten durch die Forschung immer wieder bestätigt werden.

„A) Die Elementarsubstanz besitzt formgebende Intelligenz, d. h. sie wirkt zielgerichtet und formt den Haushalt des gesamten Tier-, Pflanzen- und Mineralreichs […]

Die Elementarsubstanz gibt allem seine eigene Lebensform, seine Bestimmung, seine Identität, durch die es sich von allem anderen unterscheidet […]

Kristall ist mit einer Elementarsubstanz ausgestattet, die ihm eine eigene Identität verleiht, die es von allem anderen im Tier- und im Mineralreich unterscheidet. Das ist Ausdruck der formgebenden Intelligenz der Elementarsubstanz […]

Pflanzen gedeihen in festgelegten Formen. Genauso verhält es sich mit Menschen, von der Geburt bis zum Tode. Da ist ein ständiger Zufluss in den Mensch aus seinem Urgrund. Folglich unterliegen Menschen und alle anderen Formen der Existenz den Gesetzen dieses Zuflusses.

B) Diese Substanz ist (in ihrer Wirkung) Veränderungen unterworfen; mit anderen Worten, sie kann sich als Ordnung oder Unordnung, Gesundheit oder Krankheit äußern […]

C) Sie durchdringt alle Körper und Stoffe, ohne sie zu desorganisieren oder zu verdrängen […]

D) Sie regiert und kontrolliert den von ihr besetzten Körper […] Durch sie werden alle Funktionen und das Fortbestehen der Formen und Proportionen aller Tiere, Pflanzen und Mineralien gewahrt. Alle Vorgänge sind Ausdruck der Elementarsubstanz und sie hält das Universum selbst im Gleichgewicht. Sie wirkt nicht allein auf jedes materielle Objekt, sondern ist auch die wahre Ursache des Zusammenwirkens aller Dinge […]

E) Die Elementarsubstanz kann sich in mehr oder weniger komplexer Form äußern … Ein Denken in den Begriffen von Zeit, Ort und Raum ist bei ihr nicht angebracht, da wir uns weder im Bereich der Mathematik befinden noch innerhalb der begrenzten Maße von Raum und Zeit. Wir befinden uns im Reich der Elementarsubstanz. Über Raum und Zeit zu sprechen, unterliegt Begrenzungen. Die Elementarsubstanz lässt sich aber nicht quantitativ, sondern nur qualitativ beschreiben, in Feinheitsgraden.

F) Die Elementarsubstanz erweist sich auch als anpassungsfähig […] Ohne Frage können sich Lebewesen ihrer Umgebung anpassen […]

Der tote Körper kann das nicht. Bei genauerem Nachdenken ist es die Elementarsubstanz, die sich anpasst … und so wird der menschliche Organismus im Zustand des Gleichgewichts erhalten bei Hitze und Kälte, Trockenheit und Feuchtigkeit und unter allen (sonstigen) Gegebenheiten.

G) Ferner sehen wir, dass diese Elementarsubstanz unter natürlichen Bedingungen konstruktiv wirkt; sie baut und erneuert den Organismus unablässig. Wenn dagegen die Lebenskraft aus irgendeinem Grund aus dem Organismus weicht, dann stellen wir fest, dass die Kräfte, die nunmehr ohne ordnendes Prinzip quasi ‚losgelassen‘ im Organismus tätig sind, zu Zerstörung und Auflösung führen.“ 8

8

Kent J. T.: Lectures on Homeopathic Philosophy. North Atlantic Books, 1979, Kapitel VIII (eigene Übersetzung).

Diese Worte eines amerikanischen Arztes, 20 Jahre vor der Veröffentlichung von Einsteins Feldtheorie niedergeschrieben, sind ein wahrhaft verblüffendes Dokument von Einsicht und Schlussfolgerung. Es ist zu bezweifeln, dass eine vollständigere und prägnantere Beschreibung der elementaren Qualitäten der Lebenskraft (und deshalb auch des Abwehrgefüges) jemals zum Ausdruck gebracht wurde.

Merke

Es lässt sich also feststellen: Es gibt eine geistartige Lebenskraft, die alle Ebenen des menschlichen Organismus belebt und durchdringt; sie äußert sich unter einem bestimmten Aspekt als Abwehrgefüge. Die Lebenskraft besitzt alle Qualitäten, die durch die Wissenschaften im Bereich biologisch-elektrodynamischer Felder bisher erforscht wurden – und mehr!

Zusammenfassung

Lebenskraft

Lebenskraft
  • Das Abwehrgefüge – eine spezifische Funktion der Lebenskraft – wirkt auf allen Ebenen des Organismus und schützt in optimaler Weise die inneren (geistigen und emotionalen) Bereiche des Menschen.

  • Das Abwehrgefüge ist derjenige Aspekt der Lebenskraft, der vor allem bei Erkrankungen in Aktion tritt.

  • Die uns bekannten elektromagnetischen, physiologischen und chemischen Prozesse gehören – bildlich gesprochen – zum Handwerkszeug des Abwehrgefüges.

  • Der menschliche Organismus ist mehr als die Summe seiner einzelnen Teile – eine Tatsache, die sich vor allem im Augenblick der Zeugung und des Todes eindrucksvoll offenbart. Sie führt zu der Annahme, dass es eine konstruktive, ordnende Lebenskraft gibt, die den gesunden und kranken Organismus auf allen Ebenen belebt, leitet und im Gleichgewicht hält.

  • Die bio-elektromagnetische Feldforschung stützt die homöopathische Ganzheitsauffassung und bestätigt das Vorhandensein außerordentlich subtiler Wechselwirkungen zwischen Organismus und Umwelt, die möglicherweise das Wirken von Hochpotenzen erklären.

  • Nach James T. Kent lassen sich der Lebenskraft folgende spezifische Merkmale zuordnen:

    • A.

      Formgebende Intelligenz

    • B.

      Veränderliche Erscheinungsformen

    • C.

      Durchdringung der materiellen Substanz, ohne sie zu ersetzen

    • D.

      Richtunggebend, Kontrolle und Koordination aller Körperfunktionen

    • E.

      Ausschließlich qualitativ (in Feinheitsgraden), nicht quantitativ beschreibbar

    • F.

      Anpassungsfähigkeit an wechselnde Bedingungen

    • G.

      Konstruktivität

Das Wirken der Lebenskraft beim Erkranken des Organismus

Die Idee einer konstruktiven lebensspendenden Kraft, die den Organismus aufrechterhält, und diejenige, dass diese Lebenskraft möglicherweise ein Feld analog zum elektromagnetischen Feld ist, eröffnet neue Möglichkeiten der Heilung, die zu einer Ära der „Energiemedizin“ führen können. Für Ärzte und Patienten ist es von großer praktischer Bedeutung, die Gesetze und Prinzipien zu verstehen, die mit einem solchen Konzept verknüpft sind. Wir wollen im folgenden Kapitel also von der Hypothese ausgehen, dass die Lebenskraft in einem dynamischen Feld wesentlich Ausdruck findet.
Physikalische Grundbegriffe
Hierzu müssen wir einige der gebräuchlichen physikalischen Grundbegriffe erläutern. Wir werden sie hier nur kurz streifen und verweisen zur Klärung weiterer Einzelheiten auf die einschlägige Fachliteratur ( Tab. 1.6 ).
Wie im vorangegangenen Kapitel von Fritjof Capra beschrieben, sind Teilchen (Korpuskel) und Wellen im atomaren und subatomaren Bereich völlig miteinander austauschbar. Das elektromagnetische Feld manifestiert sich als Wechselwirkung von Teilchen, die sich durch ihre Ladung und Bewegung gegenseitig beeinflussen. Ihr wechselseitiges Verhältnis lässt sich anhand von Oszillationen Oszillation oder Schwingungen definieren. Die Bewegung von Elektronen um einen Atomkern stellt sich beispielsweise für den Betrachter als „Welle“ dar: Während das Elektron den Nukleus umkreist, scheint es sich in eine bestimmte Richtung zu bewegen und dann zu seinem Ausgangspunkt zurückzukehren. Bei der typischen Wellenform verläuft die Bewegung erst in die „positive“, dann ich die „negative“ Richtung. Eine vollständige Welle bezeichnet man als Periode.
Der Begriff der Welle ist uns allen bekannt. Im Wasser entsteht sie durch eine Aufwärtsbewegung der Moleküle (zum Wellenkamm), eine Abwärtsbewegung (zum Wellental) und eine erneute Aufwärtsbewegung. Ein Stück Papier, das auf dem Wasser treibt, bleibt bei Wellengang an der gleichen Stelle, während die Welle selbst sich weiterbewegt. Ein Stein, der in einen Teich geworfen wird, überträgt Energie auf das Wasser, mit dem Ergebnis, dass sie sich dann vom Punkt des Aufpralls aus in einer Welle nach außen bewegt. Das Stück Papier bleibt an der gleichen Stelle, obwohl die Energie der Welle sich über den Teich ausbreitet. Ein anderes Beispiel sind Schallwellen. Sie bringen Luftmoleküle in Form von Wellen zum Hin- und Herpendeln, wodurch die Stärke des Tones über eine bestimmte Entfernung hin übertragen wird. Auch elektromagnetische Wellen können Energie weiterleiten – sogar im luftleeren Raum und über große Entfernungen hinweg.
Die Fortpflanzungsgeschwindigkeit einer Welle hängt ab von dem Medium, in dem sie sich bewegt. Schallwellen auf Höhe des Meeresspiegels bewegen sich mit gleichbleibender Geschwindigkeit, der sogenannte Schallgeschwindigkeit. Elektromagnetische Wellen pflanzen sich mit Lichtgeschwindigkeit fort.
Die Form einer Welle wird durch drei grundlegende Faktoren bestimmt: Frequenz Frequenz (messbar in Perioden oder Sekunden), Wellenlänge Wellenlänge (messbar in mm, cm oder m) und Amplitude Amplitude (messbar in Intensitäts- oder Energieeinheiten).
Frequenz bedeute Schwingungszahl, also die Anzahl von Wellen oder Perioden pro Zeiteinheit. Es gibt beispielsweise Frequenzen von einer Periode pro Sekunde und von einer Million Perioden pro Sekunde. Da die Fortpflanzungsgeschwindigkeit gleich bleibt, hat jede Frequenz eine entsprechende Wellenlänge, nämlich die tatsächliche Länge der einzelnen Welle. Physiker oder Elektroniker benutzen – wenn sie von Wellen sprechen, die sich fortpflanzen – die Begriffe Frequenz und Wellenlänge im gleichen Sinne.
Die Vorstellung unterschiedlicher Frequenzen ist uns von der Musik her geläufig: Jede Note hat eine bestimmte Tonhöhe, die gleichzeitig die Frequenz ist; ändert sich die Frequenz, so ändert sich auch der Ton. Frequenzen erstrecken sich von sehr niedrigen Werten (wenn z. B. eine Brücke bei einem Erdbeben schwingt) bis zu sehr hohen Werten (bei Licht, Röntgenstrahlen, Mikrowellen usw.) Das menschliche Ohr nimmt einen begrenzten Frequenzbereich wahr, das Auge wieder einen anderen.
Die Höhe (Vertikale) einer Welle, die Amplitude, ist, wie erwähnt, einer der Maßstäbe für die Intensität der Welle (Wellenstärke). Je höher die Amplitude, desto mehr Energie, je niedriger die Amplitude, desto weniger Energie besitzt die Welle. Man sieht das, wenn man erst ein kleines Steinchen und dann einen Felsbrocken in einen Teich wirft: Es entstehen unterschiedliche Arten von Wellen. Der Felsbrocken überträgt mehr Energie auf das Wasser und die Wellenamplitude ist entsprechen größer. Ähnlich ist es bei zwei elektromagnetischen Wellen gleicher Frequenz: Diejenige mit der größeren Amplitude besitzt und überträgt mehr Energie.
Betrachten wir dagegen zwei elektromagnetische Wellen Wellen, elektromagnetische gleicher Amplitude, so besitzt und überträgt diejenige mit höherer Frequenz mehr Energie. Deshalb sind Radiokurzwellen stärker als Langwellen von gleicher Amplitude. Vermindert man also die Wellenfrequenz (ohne die Amplitude zu verändern), so verringert sich die Energie der Welle; vermehrt man sie, vergrößert sich die Energie.
Jeder Körper hat eine charakteristische Frequenz oder einen Frequenzbereich (wo er am leichtesten in Schwingung gerät). Ein homogener Körper, z. B. Kristall oder eine Stimmgabel, beginnt nur in einer einzigen Frequenz stark zu schwingen, nämlich in seiner Resonanzfrequenz; in seinen Harmoniefrequenzen schwingt er zwar auch, doch weniger stark. Haben wir in einem Raum zwei Stimmgabeln mit der gleichen Frequenz – z. B. c' – und schlagen wir die eine an, so beginnt die andere in Resonanz mi der ersten mitzuschwingen. Haben wir Stimmgabeln ähnlicher Frequenz – z. B. c' und c'' – und schlagen wir eine davon an, so wird die andere mitschwingen, aber in veränderter Amplitude. Wir sehen: Schwingungen wirken über Entfernungen hin und sogar in verschiedenen Tonhöhen – allerdings ist die Wirkung nur harmonisch aufgrund des Resonanzprinzips. Resonanz liegt bekanntermaßen vor, wenn ein schwingender Körper einen zweiten Körper gleicher Eigenfrequenz zum Schwingen anregt.
Ist ein Material heterogen, wie z. B. ein Felsbrocken oder ein Organ des menschlichen Körpers, dann besitzt jede seiner Komponenten ihre eigene Resonanzfrequenz. Hierdurch entsteht ein Schwingungskonglomerat, das für unsere Sinne kaum mehr wahrnehmbar ist. Doch heißt das nicht, dass von außen kommende Schwingungen wirkungslos bleiben: Ihre Wirkung ist für uns lediglich nicht erkennbar.
Wenn wir nun unter dem Gesichtspunkt elektrodynamischer Schwingungen, die dem menschlichen Organismus die belebende Lebenskraft verleihen, betrachten, so ist klar, dass wir es hier mit einem außerordentlichen Grad an Komplexität zu tun haben. Die Gesamtschwingung eines solch komplizierten Gebildes ändert sich ständig, nicht nur in bestimmten Frequenzbereichen, sondern auch in der Regelmäßigkeit der Frequenzen und in ihren Amplituden. Aus diesem Grunde bezeichnen wir das komplexe Feld, durch das sich die Lebenskraft des menschlichen Organismus manifestiert, als sein dynamisches Feld, das alle Seinsebenen gleichzeitig, allerdings mit unterschiedlicher Qualität und Stärke durchdringt und erhält. Es ist dies ein komplexer, hochkomplizierter, fließender und flexibler energetischer Prozess, der sowohl auf seine Umwelt einwirkt als auch auf sie reagiert. Doch gibt es bei aller Komplexität Gesetze und Prinzipien, welche die krank machenden und heilenden Einflüsse, denen ein derartiges System unterliegt, steuern; Gesetze und Prinzipien, die auf Resonanz, Harmonie, Verstärkung und Interferenz beruhen. Der Gesamtorganismus und jede einzelne seiner Komponenten kann – je nach Intensität, Resonanz, Harmonie oder Dissonanz eines krank machenden oder heilenden Reizes – entweder gestärkt oder geschwächt werden. Deshalb ist es für den Praktiker der „Energiemedizin Energiemedizin “ so wichtig, diese Gesetzmäßigkeiten genau zu kennen und zu verstehen.

Zusammenfassung

Physikalische Grundbegriffe

  • Es wird die Hypothese aufgestellt, dass die Lebenskraft sich primär im komplexen dynamischen Feld eines Organismus manifestiert oder sich dessen bedient und in diesem Aspekt die Prinzipien der modernen Feldtheorie auf sie angewandt werden können.

  • Materie und Energie sind im elektromagnetischen Feld austauschbar. Das Feld kann anhand seiner Wellenform, bestehend aus Frequenz, Wellenlänge und Amplitude, gemessen werden.

  • Die Kraft bzw. Energie der Welle oder des Feldes verhält sich proportional zu Amplitude und Frequenz.

  • Jeder Körper hat eine bestimmte Eigenfrequenz. Wird er von Wellen ähnlicher Frequenz (Resonanzfrequenz) angeregt, beginnt er stärker zu schwingen. Die Resonanzfrequenz lässt sich bei einem homogenen Stoff leicht wahrnehmen und bestimmen; bei einem heterogenen Gebilde jedoch, etwa dem komplexen menschlichen Organismus, ist sie nur schwer festzustellen.

  • Das elektromagnetische Feld des menschlichen Körpers ist messbarer Ausdruck seines „dynamischen Feldes“ – ein Bereich unvorstellbarer Komplexität. Es gehorcht elektromagnetischen Gesetzen, die auf den Prinzipien der Resonanz, Harmonie, Verstärkung und Interferenz beruhen. Diese Prinzipien sind daher Grundlage einer neuen „Energiemedizin“.

Das Abwehrgefüge als Aspekt der Lebenskraft

Ist der lebende Organismus einem Reiz ausgesetzt – gleichgültig, ob krank machend oder heilend –, reagiert er zunächst mit einer Frequenzänderung des dynamischen Feldes. Dies macht sich bei den meisten gewöhnlichen Reizen – wir alle sind ihnen ständig ausgesetzt – auf der geistigen, emotionalen und physischen Ebene kaum bemerkbar.
Ist der Reiz jedoch stärker, sodass er die Lebenskraft nicht mehr positiv stimuliert, wird ein bestimmter Teil oder Aspekt von ihr, nämlich das Abwehrgefüge, in Aktion gesetzt, um dem Reiz entgegenzuwirken. Ohne eine solche Möglichkeit wären wir jedem starken Reiz wehrlos ausgeliefert: Er könnte den Zustand unseres gesamten Organismus ändern und den Tod herbeiführen. Jeder Mensch besitzt eine individuelle Schwelle, bis wohin das dynamische Feld mit Reizen fertig wird, ohne dass äußerlich sichtbare Zeichen auftreten. Erst nach Überschreiten dieser Schwelle wird das Abwehrgefüge auf eine Weise in Gang gesetzt, dass wir seine Aktionen als Zeichen und Symptome auf einer oder mehreren Ebenen wahrnehmen. Dem Erscheinen dieser Symptome geht eine Latenzzeit voraus. Das Abwehrgefüge Abwehrgefüge versucht in dieser Zeit, sich dem Einfluss des Reizes anzupassen. Im dynamischen Feld ist natürlich sofort eine Veränderung eingetreten; auf der physischen, emotionalen und geistigen Ebene wird es dagegen unterschiedlich lang dauern, bis das Abwehrgefüge Symptome spürbar werden lässt. Diese Latenzzeit kann Stunden, Tage, Wochen oder sogar Monate betragen. Bei akuten Krankheiten wird sie „Inkubationszeit“ genannt. Sie dauert bei Grippe und bakteriellen Infektionen Stunden bis Tage, bei Malaria mehrere Wochen und bei Tollwut oder infektiöser Hepatitis bis zu drei Monaten. 9

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Bei Infektionskrankheiten ließe sich einwenden, die Latenzzeit entstehe nur als Folge von Wachstum und Vermehrung der Mikroorganismen. Das stimmt zwar, ist aber eine oberflächliche Erklärung des Phänomens: Die Mikroben können nämlich überhaupt nur dann im Körper gedeihen, wenn dieser empfänglich für sie ist.

Weniger bekannt ist, dass auch chronische Krankheiten ihre Latenzzeiten haben. Wer einer starken seelischen Belastung ausgesetzt ist, kann Wochen, Monate oder Jahre später beispielsweise Asthma, Tuberkulose oder Krebs bekommen.
Die Frequenzänderung des Organismus unmittelbar nach einem starken Reiz verändert auch seine Empfänglichkeit gegenüber gleichartigen Krankheitseinflüssen. Wird z. B. jemand von einem Virus infiziert, ändert sich im selben Moment der Frequenzbereich seines Organismus, und er ist nun für ähnliche Viren mit ähnlicher Virulenz nicht mehr empfänglich. Obwohl sich in der Latenzzeit noch keine Symptome zeigen, ist er nun „immun“ gegen ähnliche Infektionen. Dieses Phänomen hängt mit der Änderung der Resonanzfrequenz zusammen, die durch den Krankheitsreiz eingetreten ist. Durch die neue Resonanzfrequenz ist der Organismus lediglich für andere Arten von Krankheitseinflüssen empfänglich.
Die Empfänglichkeit eines Menschen ändert sich natürlich nicht nur durch die Infektion mit Viren oder Bakterien, sondern sie kann ebenso aufgrund seelischer Belastungen, durch Schockerlebnisse, Temperaturunterschiede, Schwankungen der Luftfeuchtigkeit und vor allem durch die Behandlung mit allopathischen Medikamenten variieren.
Resonanzprinzip
Am besten lässt sich das Resonanzprinzip Resonanzprinzip am Beispiel eines Falles klarmachen, wie man ihn in der Praxis häufig erlebt.

Fallbeispiel

Ein Patient leidet unter einer Staphylokokken-Infektion der Lungen. Sobald die Infektion stattgefunden hat, ändert sich seine Eigenfrequenz („Resonanzfrequenz“): Er ist nun für ähnliche Organismen nicht mehr empfänglich. Sein Abwehrgefüge ruft die üblichen Reaktionen hervor: Fieber, Husten, Frösteln, Schwäche usw. Der Patient geht zum Arzt, Blutuntersuchungen ergeben einen erhöhten Anteil sowohl von Leukozyten als auch von Staphylokokken-Antikörpern. Röntgenologisch ist ein Abszess erkennbar. Die angelegte Kultur zeigt Staphylokokken, die auf eine Reihe von Antibiotika ansprechen. Der Arzt verschreibt ein Antibiotikum. Prompt geht das Fieber zurück, die Schwäche lässt nach, der Auswurf normalisiert sich.

Besitzt der Patient ein starkes Abwehrgefüge, dann stellt dieses schließlich das Gleichgewicht wieder her und korrigiert die Schwingungsänderungen, die durch Bakterien und Antibiotikum entstanden sind. Ein schwaches Abwehrgefüge ist dazu jedoch nicht mehr in der Lage; die Dinge nehmen einen anderen Verlauf: Die „Eigenfrequenz“ normalisiert sich nicht, sondern ändert sich durch das Antibiotikum noch stärker. Eine Woche verstreicht, dann tritt eine Reaktion des Lungenfells mit Pleuraerguss auf. Der Arzt stellt fest: Eine „Komplikation“ ist eingetreten! Man punktiert den Erguss und entdeckt nun in dem Exsudat eine neue Art von Bakterien, einen Proteusstamm, der auf eine geringere Auswahl von Antibiotika reagiert als die Staphylokokken. Wir kennen den Grund hierfür bereits: Die neue Eigenfrequenz hat den Patienten für andere, gefährlichere Erreger empfänglich gemacht.

Wieder wird ein Antibiotikum verabreicht, wieder verändert es die „Resonanzfrequenz“ des Abwehrgefüges. Der Patient fühlt sich langsam etwas besser, die Schmerzen lassen ein wenig nach, und es scheint, als sei er nun auf dem Wege der Genesung. Doch noch immer ist nichts unternommen worden, um das Abwehrgefüge wirksam zu stärken! Im Gegenteil – er ist inzwischen durch zwei bakterielle Infektionen und zwei Antibiotikabehandlungen geschwächt. Kein Wunder also, dass der Erguss bald wieder zunimmt. Diesmal findet man im Exsudat einen noch weit gefährlicheren Erreger, den Bacillus pyocyaneus, der auf die üblichen Antibiotika nicht mehr reagiert. Für den allopathischen Arzt heißt es nun: operative Drainage und möglicherweise Entfernung eines Lungenlappens. Der Fall gilt jetzt als äußerst ernst und der Patient als kaum mehr überlebensfähig.

Jeder Arzt kennt derartige Fälle zur Genüge; sie sind keine Seltenheit. Wer solch einen Patienten zum Spezialisten überweist, macht in der Regel die Anmerkung, dass mit „Komplikationen“ zu rechnen sei. Bezeichnenderweise sprechen allopathische Ärzte von einer Konstitutionsschwäche und haben gelernt, sich auf das Schlimmste gefasst zu machen.
Ursache der „Komplikationen Komplikation “ ist die Schwäche des Abwehrgefüges – nicht irgendein Erreger. Deshalb können wir auch nicht erwarten, dass Antibiotika in solch einem Falle auf Dauer helfen. Im Gegenteil, sie sind ein zusätzlicher schädlicher Reiz, mit dem das ohnehin belastete Abwehrgefüge fertig werden muss. Dies versucht es dadurch, dass es seine Verteidigungsbarriere auf immer tiefere und wichtigere Gebiete des Organismus zurückverlagert. Daher muss statt der Antibiotika eine Behandlung durchgeführt werden, die das dynamische Feld des gesamten Organismus stärkt. Sobald das geschieht, kann das Abwehrgefüge die Verteidigung wirksam aufnehmen, und der Fall durchläuft nun die vorherigen Frequenzbereiche in umgekehrter Reihenfolge: Die Kulturen zeigen Bacillus pyocyaneus, dann Proteus staphylococcus und schließlich keine Krankheitserreger mehr. Nun fühlt der Patient sich wohl und kann aus dem Krankenhaus entlassen werden. Dies ist die Erfahrung homöopathischer Ärzte, die klug genug sind, nicht jeden neuen Erreger mit Antibiotika zu behandeln. Sie ziehen es vor, das Abwehrgefüge zu unterstützen und erlauben ihm, den naturgemäßen Heilungsprozess erfolgreich zu durchlaufen.
Wie bereits erwähnt, wird das Abwehrgefüge durch unangemessene Therapien in seinen Bemühungen ständig unterdrückt und die Gesundheit immer größerer Teile unserer Bevölkerung dadurch geschwächt. Dies ist auch der Grund, warum Herzkrankheiten, neurologische Störungen, Krebs, Psychosen und ihre destruktiven Folgen in unserer Gesellschaft ständig zunehmen. Es ist ebenfalls der Grund für das Auftreten neuer Epidemien, die – wie z. B. die Legionärskrankheit, Ebola, SARS, AIDS oder immer weiter um sich greifende Mykosen – auf herkömmliche Antibiotika und Antimykotika nicht mehr so prompt ansprechen. Die Resistenz gegen Antibiotika entsteht nicht nur aufgrund bakterieller Mutationen: Das Abwehrgefüge – durch unpassende und daher schädliche Therapien mehr und mehr geschwächt – kann seine Aufgaben nicht mehr bewältigen.
Empfänglichkeit des Organismus
Das Resonanzprinzip schränkt die Empfänglichkeit des Organismus auf ein bestimmtes Spektrum von Krankheiten ein. In Abb. 1.5 sehen wir eine vereinfachte Darstellung verschiedener Resonanzfrequenzbereiche.
Jede Stufe stellt die Empfänglichkeit für bestimmte Krankheiten dar, einen Frequenzbereich, in dem Empfänglichkeit Empfänglichkeit (Resonanz Resonanz ) für ein bestimmtes Krankheitsspektrum besteht. Die schwersten Krankheiten befinden sich am oberen Ende der Skala, die leichteren unten. Die aufgeführten Krankheitsgruppen haben hypothetischen Charakter und dienen lediglich der Veranschaulichung. Hat sich das Abwehrgefüge eines Menschen mit seiner Verteidigungsbarriere auf einer bestimmten Stufe eingependelt, so ist der Betreffende relativ immun gegenüber Krankheiten entfernterer Stufen. Innerhalb des Krankheitsspektrums einer Stufe kann die Empfänglichkeit infolge von Ermüdung, Diät, Wetter oder dergleichen leicht variieren. Ein Stufenwechsel jedoch ist für den Organismus aus eigener Kraft nicht möglich; nur ein besonders starker Reiz, z. B. eine tief greifende Behandlung oder ein schwerer seelischer Schock, kann den Sprung von einer Stufe zur anderen bewirken.
Nimmt beispielsweise ein Patient der Stufe C ein Antibiotikum gegen seine Gonorrhö zu sich, so ändert sich seine Eigenfrequenz und damit sein Resonanzbereich. Nach einer gewissen Zeit ist er nun beispielsweise empfänglich für Krankheiten der Stufe D. Solange er Symptome dieser Stufe hat, steckt er sich – selbst bei Kontakt mit Tripper – nicht an. (Auch Patienten mit langjährigen chronischen Krankheiten sind gegen eine Ansteckung gefeit.) Ließe unser Patient sich nun jedoch homöopathisch behandeln, würde sich sein Frequenzbereich auf dem Diagramm wieder nach unten verschieben, und er wäre dadurch im Kontaktfall erneut ansteckungsgefährdet. Der oberflächliche Betrachter könnte diese wiedergekehrte Empfänglichkeit für ein Zeichen gesundheitlichen Rückschritts halten, in Wirklichkeit ist sie ein Schritt auf dem Weg zur Gesundheit.
„Immunität“ gegen Krankheiten auf Stufe C kann demnach zweierlei Gründe haben: Entweder der Patient ist zu krank, um sich anzustecken, d. h. die Barriere seines Abwehrgefüges liegt mit ihrem Frequenzbereich zentraler im Organismus, also weiter oben auf der Skala; oder er ist zu gesund, d. h. seine Verteidigungsbarriere befindet sich am untersten Ende des Diagramms.
Das Empfänglichkeitsprinzip erklärt auch ein anderes Phänomen, das Kliniker häufig feststellen: Schizophrene bekommen nur selten akute Krankheiten – selbst bei Kontakt mit hochvirulenten Erregern. Je tiefer sitzend ihre Psychose, desto geringer ist die Ansteckungsgefahr. Die Verteidigungslinie ihres Abwehrgefüges befindet sich tief innen auf der geistigen Ebene, und das Abwehrgefüge hat nicht mehr die Kraft, in den Randbezirken des Organismus Barrieren aufzurichten. Patienten, die nur leicht psychotisch sind, können sich eher anstecken. Während einer akuten Erkrankung, so hat man beobachtet, gehen die psychotischen Symptome stark zurück; nach Genesung von der akuten Erkrankung kehren sie wieder. Dieses Phänomen hat die allopathische Medizin, obgleich sie es nicht erklären kann, zur Grundlage der Fieber-, der Insulinschock- und schließlich der Elektroschocktherapie von Psychosen gemacht. Erleidet ein stark psychotischer Patient ausnahmsweise einmal eine akute Infektion, ist sie in der Regel ungewöhnlich schwer und verläuft oft tödlich. Dies lässt sich, berücksichtigt man die Schwächung seines Abwehrgefüges, durch das Resonanzprinzip leicht erklären. Wird ein psychotischer Patient schließlich homöopathisch behandelt und ist die Behandlung erfolgreich, kann man beobachten, wie die Empfänglichkeit für akute Erkrankungen zurückkehrt. Zunächst kann es sein, dass diese Erkrankungen schwer verlaufen, doch wird er im Laufe der homöopathischen Behandlung immer widerstandsfähiger.
Hat eine Krankheit auf einer bestimmten Stufe Fuß gefasst, ist der Organismus relativ unempfänglich gegenüber Krankheiten anderer Stufen. Reize auf der gleichen Resonanzstufe, z. B. Medikamente, seelische Belastung und Umwelteinflüsse, können aber zu Frequenzänderungen Frequenzänderung führen; Voraussetzung hierfür ist, dass ihre Frequenz zum Frequenzbereich der Verteidigungsbarriere des Abwehrgefüges dieses Organismus in Resonanz treten kann. Nehmen wir an, ein herzkranker Patient erfährt, dass sein Kind bei einem Unfall umgekommen ist – ein seelischer Schock, der bei diesem Patienten den Frequenzbereich beeinflusst, der mit dem Herzen korrespondiert. Ein solcher Patient könnte beispielsweise eine Psychose entwickeln; dabei würden die Symptome seines Herzleidens verschwinden. Das Gleiche kann passieren, wenn der Patient mit starken, auf den Bereich des Herzens wirkenden Medikamenten behandelt wird.
Im Gegensatz hierzu verschiebt ein heilender, der Resonanzfrequenz des Patienten entsprechender Reiz den Frequenzbereich des Abwehrgefüges in Richtung größerer Gesundheit. Ein heilender Reiz kann theoretisch durch jede Behandlungsweise hervorgerufen werden. Meist geschieht das jedoch durch Zufall, denn man kennt nicht die Prinzipien, nach denen die Resonanzfrequenz des therapeutischen Agens und der Krankheit aufeinander abgestimmt werden, und man beachtet sie daher auch nicht. Die Elektroschocktherapie beispielsweise hilft bestimmten psychotischen Depressionen nur eine Zeit lang und hat auf jeden Fall ihre eigene schädigende Wirkung auf das Nervensystem; in seltenen Fällen kommt jedoch eine Dauerheilung vor: Der Frequenzbereich des Elektroschocks und der des Patienten sind einander ähnlich genug, um das Abwehrgefüge zu stärken.
Doch die Ärzte, die solche Fälle behandeln, durchschauen meist nicht, was sich abspielt, und geben, sobald nun eine korrespondierende Krankheit auf der physischen Ebene auftritt, Medikamente zur Unterdrückung dieser neuen Symptome. Allzu oft erzielen sie auf diese Weise einen Rückfall des Patienten in die Psychose.
Wohl jede Therapie kann durch Zufall gelegentlich einen Kranken heilen. Psychotherapie Psychotherapie oder Gruppendynamik Gruppendynamik z. B. wirken sich zu Zeiten, da der Patient dafür empfänglich ist, unter Umständen sehr positiv aus. Wird dann nicht störend eingegriffen, kann die Besserung lange Zeit anhalten. Leider geschieht es aber oft, dass der Psychotherapeut, anstatt sich mit den bereits erzielten Erfolgen zu begnügen, tiefer und tiefer in die Probleme einzudringen versucht. Gerät der Patient dann innerhalb seines neuen Frequenzbereichs in eine seelische Krise, schadet ihm das nicht nur, sondern er fällt vielleicht in seinen vorherigen oder gar in einen schlimmeren Zustand zurück. Ähnlich ist es auch bei Kräuterbehandlungen Kräuterbehandlung , Akupunktur Akupunktur , Polaritätsmassage Polaritätsmassage usw.: Sie alle können heilend wirken – vorausgesetzt, der therapeutische Reiz wird der Empfänglichkeit des Organismus angepasst. Auch kann die Heilwirkung dauerhaft sein, wenn man dem Heilungsprozess ungehindert seinen Lauf lässt, d. h. ihn auch dann nicht stört, wenn in mehr peripheren Bereichen neue Symptome auftauchen.
Homöopathischer Arzneimittelreiz
In der Homöopathie finden wir schließlich ein durchschaubares System, das auf klaren Prinzipien aufbaut. Es zielt darauf ab, den Organismus genau im Bereich seiner Eigenfrequenz durch einen heilenden Reiz (Resonanz) zu unterstützen. Dieser Reiz stärkt das Abwehrgefüge, das nun dafür sorgt, dass der Organismus die Stadien der Heilung Heilung gesetzmäßig durchläuft. In den folgenden Kapiteln werden wir sehen, dass jede homöopathische Mittelverordnung die Gesamtheit der Symptome und Zeichen berücksichtigen muss ( 1.6.2 , 2.5 , 2.6 ); auf diese Weise wird sie der „Resonanzfrequenz“ des Patienten angepasst. Wird in der Homöopathie irrtümlich ein falsches Mittel gegeben, das nur einen Teilaspekt der Symptomatik deckt, dann kann solch eine Verordnung die Verteidigungsbarriere des Abwehrgefüges ebenfalls tiefer nach innen verschieben und die Gesundheit des Patienten beeinträchtigen. Es kann aber nicht dauerhaft schädigen. Der Organismus kommt bei homöopathischen Mitteln immer von selbst wieder zum Ausgangspunkt zurück, wenn man ihm Zeit lässt. Ähnlich ist es, wenn das homöopathische Mittel zu früh wiederholt oder ein weiteres potenziertes Mittel gegeben wird, nachdem das Abwehrgefüge bereits erfolgreich die heilende Richtung eingeschlagen hat: Das Mittel kann zu diesem Zeitpunkt den Heilungsprozess unterbrechen und die Heilung unnötig verzögern.

Zusammenfassung

Abwehrgefüge

Abwehrgefüge
  • Das Abwehrgefüge, als ein bestimmter Aspekt der Lebenskraft, wird mit den meisten krank machenden Reizen fertig, ohne dass besondere Symptome auftreten. Ist ein Krankheitsreiz stärker als die vom Abwehrgefüge errichtete Verteidigungsbarriere, so reagiert der Organismus als Erstes mit einer Änderung seiner „Resonanzfrequenz“.

  • Dem Auftreten von Symptomen geht eine Latenzzeit voraus, obgleich die „Resonanzfrequenz“ des Organismus durch den Reiz unmittelbar verändert wird.

  • Mit der Änderung der „Resonanzfrequenz“ ändert sich gleichzeitig die Krankheitsempfänglichkeit des Organismus. Der Patient ist nun für ein neues Spektrum von Krankheiten empfänglich. Dies erklärt, warum manche Patienten mehrere Infektionen nacheinander bekommen, wobei sich die Virulenz der Erreger von Mal zu Mal vergrößert, während Antibiotika immer weniger helfen.

  • Das Resonanzprinzip bewirkt, dass der Organismus jeweils nur für das Spektrum an Krankheiten einer Resonanzstufe empfänglich ist. Ein Patient kann also aus zweierlei Gründen gegen eine Krankheit „immun“ sein: Entweder ist er für ihren Frequenzbereich zu gesund – oder zu krank.

  • Heilende Einflüsse unterliegen ebenfalls dem Resonanzprinzip. Wirkt eine Therapie heilend, so deshalb, weil sie in Resonanz mit dem Frequenzbereich des Abwehrgefüge des Organismus schwingt. Echte Heilungen sind selten und für gewöhnlich ein Produkt des Zufalls, da die Gesetze und Prinzipien des Heilens meist unerkannt bleiben. Solche Zufallsheilungen werden häufig später durch unpassende therapeutische Maßnahmen wieder zunichte gemacht.

Das Gesetz der Heilung

Heilung Gesetz der Das dynamische Feld ist substanzieller Ausdruck der Lebenskraft, essenzielle Bedingung organischen Lebens. Hier haben sowohl Krankheiten als auch das Abwehrgefüge ihren Ursprung. Man darf sich hier keineswegs eine gesonderte vierte Existenzebene vorstellen. Das dynamische Feld durchdringt vielmehr die geistige, die emotionale und die physische Ebene des Menschen ( Abb. 1.6 ) und ermöglicht eine ständige Interaktion zwischen diesen. Das dynamische Feld organisiert das Leben des Gesamtorganismus auf allen Ebenen, verbindet diese konstruktiv miteinander und ruft mithilfe des Abwehrgefüges die bestmögliche Antwort des Gesamtorganismus hervor, sobald ein Reiz von einer der drei Ebenen aufgenommen wird. Die Schattierung in Abb. 1.6 soll andeuten, wie weitgehend das dynamische Feld als „Instrument“ der Lebenskraft die drei Existenzebenen aktiviert und miteinander abstimmt.
Ist ein Organismus auf einer der drei Ebenen empfänglich für einen bestimmten Reiz, und lässt er diesen Reiz auf sich einwirken, so erfolgt zunächst eine Frequenzänderung des dynamischen Feldes. Dann wird die Wirkung – je nach Stärke des Reizes und der Widerstandskraft des Organismus – auf die drei Ebenen verteilt.
Die moderne Kybernetik zeigt ein Grundprinzip, das für den menschlichen Organismus ebenso gilt wie für andere Systeme: Jedes hochorganisierte System reagiert auf eine Belastung („Stress“) stets mit der bestmöglichen Antwort („Response“), die zu diesem Zeitpunkt verfügbar ist. Das bedeutet: Das Abwehrgefüge reagiert unter den gegebenen Voraussetzungen – Gesundheitszustand und Ausmaß der Belastung – optimal auf einen krank machenden Reiz.
Erkrankt ein Mensch, dann ist als Erstes das elektrodynamische Feld seines Körpers von der Störung betroffen; daraufhin tritt das Abwehrgefüge in Aktion. Hahnemann, der diese Erkenntnisse ahnungsvoll vorwegnahm, machte sie erstmals zur Grundlage der Therapie: „Wenn der Mensch erkrankt, so ist ursprünglich nur diese geistartige, in seinem Organismus überall anwesende, selbsttätige Lebenskraft (Lebensprinzip) durch den, dem Leben feindlichen, dynamischen Einfluß eines krank machenden Agens verstimmt […].“ 10

10

Hahnemann S: Organon der Heilkunst (1999), § 11.

Therapeutisches Agens

Soll eine Behandlung Therapie wirksam sein, so muss der Arzt offensichtlich die Aktion des Abwehrgefüges unterstützen und darf in keiner Weise dagegen arbeiten. Da das Abwehrgefüge bereits optimal reagiert, muss jedes richtungsändernde Eingreifen in seine gerichtete Tätigkeit unvermeidlich negative Folgen haben. Daher können auch Heilverfahren, die auf theoretischen Spekulationen und einem bruchstückhaften Erfassen der Symptomatik basieren, den Heilprozess behindern. Oft schaden sie dem Organismus noch zusätzlich durch Unterdrückung der Symptome.
Da die Tätigkeit des Abwehrgefüges Ausdruck der Qualität des dynamischen Feldes ist, liegt der beste therapeutische Ansatz darin, das dynamische Feld zu unterstützen und zu stärken, um auf diese Weise die Effektivität des eigenen Heilungsprozesses Heilungsprozess des Organismus zu fördern. Dafür gibt es im Allgemeinen zwei Möglichkeiten:
  • Das therapeutische Agens Agens, therapeutisches kann nur auf einer der drei Ebenen wirksam werden und beeinflusst durch Vermittlung des dynamischen Feldes indirekt auch die anderen. Diese Methode ist riskant: Sie konzentriert sich nur auf eine Teilresonanz, und ihre Resultate werden daher höchstwahrscheinlich unbefriedigend sein. Geschieht es aber durch Zufall, dass das Abwehrgefüge insgesamt gestärkt wird, dann ist auch auf diese Weise eine vollständige Heilung zu erzielen.

  • Das therapeutische Agens kann direkt auf das dynamische Feld des Gesamtorganismus einwirken und stärkt dadurch das Abwehrgefüge unmittelbar. Das Ergebnis einer solchen Behandlung wird sehr befriedigend sein, denn wir überlassen die weitere Strategie der Heilung ganz der Intelligenz des Abwehrgefüges. Wir können daher auch mit einem hohen Prozentsatz an Heilungen rechnen – Heilung nicht nur auf einer Ebene, sondern des Menschen in seiner Gesamtheit.

Merke

  • Therapeutische Maßnahmen, die das dynamische Feld beeinflussen, können entweder indirekt über eine einzelne Ebene oder unmittelbar auf das dynamische Feld selbst wirken.

  • Die Homöopathie ist imstande, unmittelbar auf das dynamische Feld einzuwirken.

Von diesen beiden therapeutischen Möglichkeiten ist die zweite sicherlich vorzuziehen – selbst wenn es schwierig genug sein mag, Agentien zu finden, die das dynamische Feld unmittelbar zu beeinflussen vermögen. Unter den allgemein bekannten Behandlungsmethoden gibt es heutzutage nur drei, die fähig sind, das dynamische Feld unmittelbar zu beeinflussen. Eine davon ist die Akupunktur Akupunktur , die auch auf einem tieferen Verständnis der Prinzipien und Gesetze des Heilens beruht. Die alte Form der Akupunktur, von erfahrenen Meistern mit ganzer Hingabe ausgeübt, ist eine hochwirksame Heilmethode. Leider sind unter dem Einfluss technologisch-rationellen Denkens solche Meister selbst in China selten geworden. So wird heute Akupunktur, wenn auch auf der ganzen Welt populär, häufig auf eine oberflächliche Weise praktiziert, die nur noch entfernt der klassischen Form entsprechend der Fünfelementenlehre Fünfelementenlehre ähnelt. Um die hervorragenden Erfolge zu erzielen, die tatsächlich möglich sind, bedarf es intensiver, langjähriger Ausbildung und reicher Erfahrung. Heutzutage jedoch wird die Akupunktur häufig schon nach ein- bis zweiwöchigen Seminaren oder bestenfalls nach zwei- bis dreijähriger Anleitung praktiziert. Die wirklichen Meister werden immer seltener, und es hat nicht den Anschein, als seien viele Praktiker bereit, die zu wirklicher Qualifikation notwendige Ausbildungszeit in Kauf zu nehmen. 11

11

Vgl. Duke M: Acupuncture, S. 12: „Seit die Regierung Chiang Kai-Shek die Prüfungsordnungen änderte, wurden die alten Traditionen verwässert. Die klassischen Lehr- und Prüfungsmethoden wurden vernichtet und demzufolge begann eine Fülle von Kurpfuschern in China zu praktizieren. Viele dieser Schulen des Halbwissens sind danach von China exportiert worden.“

Das Heilen durch „Auflegen der Hände“ – nur wenige, besonders begnadete Menschen sind dazu fähig – ist eine weitere Therapie, die offenbar unmittelbar auf das dynamische Feld einwirkt. Es ist hiermit jedoch nicht das übliche Heilen durch Energieübertragung (psychic healing) oder durch einen Glaubensakt gemeint, auch nicht bestimmte Formen der Massage; all das wirkt nur indirekt über eine der drei Ebenen auf die Lebenskraft. Das „Auflegen der Hände Auflegen der Hände “ durch eine sittlich überragende, begnadete Persönlichkeit, die zum Übermittler feiner Lebensenergien wird, kann unmittelbar stärkend auf die Lebenskraft wirken und einen Menschen dauerhaft heilen. 12

12

Vgl. Hahnemann S: a. a. O., § 288 (über den „Mesmerismus“): „Diese […] Heilkraft [ist aber] ein wundersames, unschätzbares, dem Menschen verliehenes Geschenk Gottes. Durch den kräftigen Willen eines gutmeinenden Menschen […] strömt durch Berührung […] die Lebenskraft des gesunden mit dieser Kraft begabten Mesmerierers in einen anderen Menschen dynamisch ein […].“

Der Nachteil dieser Methode ist jedoch: Es gibt immer nur ganz wenige solcher Menschen, zu wenige, als dass sie den Gesundheitsproblemen unserer Zeit abhelfen könnten.
Das dritte Behandlungsverfahren, das direkt auf das dynamische Feld einwirkt, besteht in der Verabreichung des potenzierten homöopathischen Mittels. Die homöopathische Heilmethode Heilmethode, homöopathische , das zeigt sich in der Praxis immer wieder von neuem, ist tatsächlich in der Lage, einer großen Zahl von Menschen tief greifend und dauerhaft zu helfen. Das Günstige an ihr ist: Sie basiert auf leicht verständlichen Prinzipien und kann von einem Anwärter des Arztberufes in etwa der gleichen Zeit erlernt werden, die für ein allopathisches Medizinstudium erforderlich ist. Damit ist theoretisch die Möglichkeit gegeben, genügend qualifizierte Homöopathen auszubilden, um unserer Bevölkerung wirksam zur Gesundheit zu verhelfen.

Gesamtheit der Symptome

Wenden wir uns nun der entscheidenden Frage zu: Wie finden wir in der Homöopathie als einem Heilverfahren, das unmittelbar auf das dynamische Feld wirken soll, das therapeutische Agens, dessen Frequenz mit der des Organismus so weitgehend übereinstimmt, dass Resonanz bewirkt wird? Unsere Technologie wird vermutlich noch Jahrzehnte brauchen, bevor sie imstande sein wird, diese Frequenz zu messen. Wie können wir daher vorgehen, um das Agens herauszufinden, das das dynamische Feld präzise genug anregen kann?
Erinnern wir uns: Bei relativ guter Gesundheit kommt uns die Tätigkeit des dynamischen Feldes gar nicht zu Bewusstsein; es bewirkt Ausgleich und Anpassung, ohne dass wir es merken. Bei Erkrankung hingegen tritt ab einer bestimmten Schwelle das Abwehrgefüge spürbar in Aktion und manifestiert sein Wirken durch Zeichen und Symptome.
Nur an solchen Befindensänderungen Befindensänderungen können wir das Eingreifen des Abwehrgefüges überhaupt wahrnehmen – ein Eingreifen, durch das es versucht, dem Organismus optimale Hilfestellung zu geben. Selbst die „krankhaftesten“ und unangenehmsten Zeichen und Symptome sind daher im Grunde nichts anderes als der Versuch des Organismus, sich selbst zu helfen. Diese Vorstellung mag manchem Leser zunächst paradox erscheinen; aufgrund des bisher Gesagten ist sie jedoch logisch und einleuchtend.
Fieber, Unwohlsein, Appetitlosigkeit, Schmerz, gestörte Emotionen, geistige Verwirrung sowie subtilere individuelle Reaktionen eines Menschen sind keine isolierten, unabhängigen Probleme, sondern Versuche des Abwehrgefüges, eine im dynamischen Feld gründende Störung auf die bestmögliche Art und Weise zu heilen. Wieder ist es Samuel Hahnemann, der dies als Erster klar formuliert:

„ […] so muß, mit einem Worte, die Gesamtheit der Symptome für den Heilkünstler das Hauptsächlichste, ja einzige sein, was er an jedem Krankheitsfalle zu erkennen und durch seine Kunst hinwegzunehmen hat, damit die Krankheit geheilt und in Gesundheit verwandelt werde.“ 13

13

Hahnemann S: a. a. O., § 7.

Wollen wir unmittelbar auf das dynamische Feld einwirken, müssen wir eine Substanz finden, die seiner Frequenz ähnlich genug ist, um in Resonanz mit ihr zu schwingen. Wie aber können wir einen solchen Stoff finden? Die Antwort lautet: Auf mittelbare, indirekte Weise, mithilfe der einzigen, für uns sinnlich wahrnehmbaren Äußerung des Abwehrgefüges: anhand der Zeichen und Symptome. Kann ein Stoff nämlich in einem gesunden menschlichen Organismus die gleiche oder ähnliche Zeichen- und Symptomentotalität hervorbringen wie beim Symptombild eines kranken Menschen, so schwingt der Frequenzbereich dieses Stoffes offenbar in Resonanz mit dem dynamischen Feld des Kranken. Daraus folgt: Wir können mit diesem Stoff sein Abwehrgefüge aufgrund des Resonanzprinzips ( 1.5.2 ) voraussichtlich wirksam stärken.

Das Ähnlichkeitsgesetz

Ähnlichkeitsgesetz Diese Einsicht, dass Ähnliches mit Ähnlichem geheilt werden muss, ist der Grundpfeiler der homöopathischen Wissenschaft. Hahnemann prägte daher den Lehrsatz: Similia similibus curentur.

Merke

Jeder Stoff, der eine bestimmte Symptomatik bei einem Gesunden hervorbringt, ist imstande, einen Kranken mit diesem Symptomenmuster zu heilen.

Dieser Denkansatz Hahnemanns war für viele überraschend. Seit jeher galten Symptome als ein Übel, das augenblicklich beseitigt werden muss – noch heute hat die Medizin ihr Augenmerk weitgehend darauf konzentriert, Mittel und Wege zur Bekämpfung von Symptomen und Syndromen zu finden. Schuld daran ist nicht zuletzt der ungeduldig sofortige Besserung verlangende Patient. Läuft die Nase, kauft man ein Nasenspray. Tut es irgendwo weh, muss ein Schmerzmittel her. Funktioniert die Verdauung nicht, ist ein Abführmittel die Rettung. Besteht Nervosität, wird ein Beruhigungsmittel verschrieben. Dieser Ansatz, der sich ausschließlich für das nach außen hin Sichtbare – die Symptome – interessiert, lässt die ursprüngliche und eigentliche Störung des dynamischen Feldes unbeachtet. Er erkennt im Symptom nicht einen Heilversuch des Organismus und unternimmt es folglich auch nicht, das Abwehrgefüge zu stärken.
Die klassische Homöopathie (von griech. „homoios“ = ähnlich und „pathos“ = Leiden) hingegen, die die Symptome als Versuch des Abwehrgefüges erkannt hat, den Organismus auf die bestmögliche Art und Weise zu heilen, ist bemüht, ihn aufgrund des Ähnlichkeitsgesetzes nach einer Methode zu unterstützen, die auf dem Resonanzprinzip Resonanzprinzip ( 1.5.2 ) beruht. Wie das im Einzelnen geschieht, wird im weiteren Verlauf dieses Buches behandelt ( Kap. 2 , Kap. 3 ). Wir wollen aber anhand eines vereinfachten Fallbeispiels schon kurz vorwegnehmen, was gemeint ist.

Fallbeispiel

Angenommen, ein gesundes, robustes Kind erkrankt plötzlich an hohem Fieber, sein Gesicht ist gerötet, die Augen glasig, die Pupillen erweitert, es verspürt, obwohl sein Mund trocken ist, keinen Durst, sein Hals ist trocken, roh und schmerzhaft, die submandibularen Drüsen sind geschwollen und zwar stärker auf der rechten Seite, es befindet sich schließlich im Delirium und versucht, die Wände hinaufzuklettern.

Der allopathische Arzt interpretiert diese Symptome als bakterielle oder Virusinfektion und legt nach einem Halsabstrich eine Kultur an, wobei er hofft, Bakterien zu finden, die auf Antibiotika ansprechen. Dieses Vorgehen beruht auf der Annahme, die Erreger seien die Ursache der Erkrankung.
Der Homöopath dagegen interessiert sich nur wenig für diese Erreger. Er begreift die Symptome als Ausdruck einer Störung im dynamischen Bereich; davon lässt sich natürlich keine Kultur anlegen. Deshalb studiert er sorgfältig die Symptome selbst in ihrer Gesamtheit und richtet sein Augenmerk dabei besonders auf charakteristische, unverwechselbare Zeichen – denn sie vor allem sind Ausdruck der persönlichen „Resonanzfrequenz“, die er zur Heilung nutzen kann. Dann sucht er nach einem Stoff, der in seinem Arzneimittelprüfungsbild dem Symptomengesamtbild so weit wie möglich entspricht. In unserem Beispiel ist es Belladonna. Belladonna Das Kind bekommt nun Belladonna in einer einzigen winzigen Dosis. Seine Temperatur geht darauf rasch zurück, und es fällt in einen friedlichen Schlaf. Am nächsten Morgen wacht es völlig gesund auf. Eine Kultur eines erneuten Rachenabstrichs wird häufig schon keine der anfänglichen Bakterien mehr zeigen. Diese Geschichte kann jeder Homöopath durch zahlreiche ähnliche Fälle aus seiner täglichen Praxis bestätigen. Zu beachten ist, dass die oben genannten Symptome nicht einfach allgemein „Fieber, Halsweh, Drüsenschwellung und Delirium“ lauten. Denn für den Homöopathen sind, wie gesagt, die wichtigsten Symptome diejenigen, die für den Patienten charakteristisch sind (im Fallbeispiel die fett gedruckten Symptome). Von zehn Halsweh-Patienten hat, was die charakteristischen Symptome anbelangt, wahrscheinlich jeder sein für ihn spezifisches Symptombild und benötigt deshalb ein anderes, nämlich sein homöopathisches Mittel. Die wertvollsten Symptome sind in der Praxis oft die so genannten merkwürdigen, seltenen und eigentümlichen ( 2.5.1 ), egal auf welcher Ebene sie auftreten. 14

14

Vgl. Hahnemann S: a. a. O., § 153.

Erfahrungsgemäß können wir nur anhand solch feiner Schattierungen genau bestimmen, wo die zur Heilung notwendige Resonanzfrequenz liegt.
Das Resonanzprinzip ( 1.5.2 ) ist auch der Grund, warum die klassische Homöopathie erst ein genaues Gesamtbild der Symptome verlangt, bevor sie ein Mittel wählt. Bleibt das Symptombild nämlich unvollständig, dann beschränkt sich die heilende Wirkung des Stoffes auf eine Teilfrequenz. Kommt zum Beispiel ein Patient mit Arthritis zum Homöopathen, und werden lediglich seine Gelenksymptome berücksichtigt, die übrigen Symptome der physischen, seelischen und geistigen Ebene aber unbeachtet gelassen, so wird das verordnete Mittel in der Regel nur auf die Gelenke wirken. Eine echte Heilung ist bei einem solchen Vorgehen kaum zu erwarten, im Gegenteil ist leicht eine gesundheitliche Schädigung tieferer Bereiche möglich. Wie also müssen wir vorgehen, um die spezifische Eigenfrequenz des gesamten Organismus herauszufinden und das dynamische Feld dann insgesamt zu stärken? Wir müssen alle Abweichungen von der Norm auf allen drei Ebenen und mit allen charakteristischen Einzelheiten festhalten. Hier eine kleine Auswahl der vielen Aspekte, die der Homöopath bei der Befragung des Patienten berücksichtigen muss:
  • Alle Einflüsse, die die Hauptbeschwerde des Patienten verändern,

  • die Verträglichkeit von heißem und kaltem Wetter,

  • die Wirkung von Feuchtigkeit und Wetterwechsel,

  • die Tages- oder Nachtzeit, zu der sich der Patient insgesamt am schlechtesten fühlt,

  • die Wirkung aller natürlichen Nahrungsmittel,

  • starkes Verlangen nach oder Abneigung gegen bestimmte Speisen,

  • das Befinden und die Lage während des Schlafes,

  • alle Ängste und Phobien, unter denen der Patient leidet,

  • ob Reizbarkeit besteht und bei welchen Anlässen,

  • wie die geistigen Fähigkeiten in unterschiedlichen Situationen funktionieren usw.

Diese und viele andere Fragen müssen bis ins Detail geklärt werden; nur so finden wir die Gesamtheit der individuellen Symptome und können feststellen, welche Richtung und Ausdrucksweise das Abwehrgefüge als optimal gewählt hat.
Die für den Homöopathen wichtigsten Symptomenbereiche Symptomenbereich betreffen alle Grundfunktionen des täglichen Lebens:
  • Soziales Umfeld,

  • Ernährung,

  • Schlaf,

  • Beziehungen zu geliebten Menschen,

  • Sexualität,

  • finanzielle Angelegenheiten,

  • berufliche und häusliche Probleme.

Dies sind die Bereiche, denen besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden muss. Sie sind in der Homöopathie sogar weit wichtiger als die klinischen Details eines Herzleidens, eines Lupus erythematodes, einer Migräne usw. Wohl werden diese klinischen Befunde mit berücksichtigt, doch sehr viel weniger als in der Allopathie.

Zusammenfassung

Ähnlichkeitsgesetz

  • Das Ähnlichkeitsgesetz besagt, dass, wenn die Symptome des Kranken und die Symptome, die ein Stoff in einem gesunden Menschen hervorruft, einander entsprechen, eine Resonanz zwischen Patient und Arzneistoff auftritt.

  • Das Ähnlichkeitsgesetz ist ein Naturgesetz. Es lautet: Jede Substanz, die imstande ist, eine Symptomengesamtheit bei einem gesunden Menschen hervorzurufen, vermag sie bei einem Kranken zu heilen.

  • Das Ähnlichkeitsgesetz ist die bedeutendste Entdeckung Samuel Hahnemanns, eines deutschen Arztes, der sich mit den grobschlächtigen Behandlungsmethoden seiner Zeit nicht abfinden konnte. Hahnemann schuf die Voraussetzungen für die praktische Anwendung dieses Gesetzes durch die sogenannten Arzneimittelprüfungen.

Samuel Hahnemann

An dieser Stelle wollen wir kurz auf das Leben Samuel Hahnemanns Hahnemann, Samuel eingehen, der auf so geniale Weise die grundlegenden Gesetze der Heilung entdeckt und zur systematischen Praxis entwickelt hat. Gesetze, die Gesundheit und Krankheit in eine völlig neue Perspektive rücken. Sein Leben ist eines der außergewöhnlichsten Schicksale in der Geschichte der Medizin.
Hahnemann selbst wies von Anfang an darauf hin, dass das Ähnlichkeitsgesetz Ähnlichkeitsgesetz im Laufe der abendländischen Geschichte mehrfach erwähnt wurde – zuallererst von Hippokrates selbst. Doch auch wenn sich schon vor Hahnemann immer wieder Forscher Gedanken darüber gemacht hatten – niemand hatte bis dahin die ganze Bedeutung und Tragweite dieses Gesetzes erkannt oder es gar systematisiert und zur Grundlage der therapeutischen Wissenschaft gemacht.
Samuel Hahnemann wurde am 10. April 1755 in Meißen geboren und fiel bereits in jungen Jahren durch ungewöhnliche Fähigkeiten auf. Sein Vater erkannte seine Begabung und lehrte ihn von klein auf Disziplin. Oft schloss er den jungen Samuel in ein abgedunkeltes Zimmer ein und gab ihm „Denkübungen“ – Probleme, die dieser selbstständig zu lösen hatte, denn, so sagte der Vater, „der Junge muss denken lernen“. Hahnemann war außerordentlich sprachbegabt, und schon als er 12 Jahre alt war, übertrug ihm sein Lehrer die Aufgabe, Mitschüler in der altgriechischen Sprache zu unterrichten.
Nach abgeschlossenem Medizinstudium an den Universitäten Leipzig, Wien und Erlangen promovierte Hahnemann 1799 und genoss aufgrund seiner Veröffentlichungen auf den Gebieten der Medizin und der Chemie in wissenschaftlichen Kreisen bald großes Ansehen. Die Unzulänglichkeit der damals üblichen Behandlungsmethoden – Aderlass, Schröpfköpfe, Blutegel und toxische Chemikalien – bedrückte ihn jedoch sehr. Einem Freunde schrieb er:

„Es war für mich eine Qual, im dunkeln herumzutappen, als ich Kranke heilen sollte, indem nach dieser oder jener Krankheitshypothese Substanzen zu verordnen waren, die ihren Platz in der Materia Medica einer willkürlichen Entscheidung verdankten […]. Bald nach meiner Heirat gab ich die Praxis der Medizin auf, damit ich nicht länger Gefahr lief, Unrecht zu tun; ich beschäftigte mich nun ausschließlich mit Chemie und literarischen Tätigkeiten. Dann wurde ich aber Vater, und ernste Krankheiten bedrohten meine geliebten Kinder […]. Und als ich merkte, daß ich ihnen keine Erleichterung schaffen konnte, wurde ich von noch schlimmeren Skrupeln geplagt.“ 15

15

Bradford TL: Life and Letters of Dr. Samuel Hahnemann.

Während er sich zum Lebensunterhalt seiner Familie wieder Übersetzungsarbeiten zuwandte, war sein forschender Geist ständig auf der Suche nach allgemeingültigen Prinzipien, auf die er eine brauchbare Therapie gründen könnte. Der zündende Gedanke, der zu seiner Entdeckung führte, kam ihm, als er Cullens Cullen, William Arzneimittellehre aus dem Englischen übersetzte. Cullen, Medizinprofessor an der Universität Edinburgh, hatte 20 Seiten seiner Materia Medica den therapeutischen Indikationen der Chinarinde gewidmet. Ihre Erfolge bei der Behandlung der Malaria schrieb er den Bitterstoffen der Rinde zu. Hahnemann, mit dieser Erklärung unzufrieden, entschloss sich im Herbst 1790, die Wirkung der Rinde an sich selbst auszuprobieren – ein Schritt, der für die Anschauungen der damaligen Zeit ungewöhnlich war. Er schreibt darüber:

„Ich nahm des Versuchs halber etliche Tage zweimal täglich jedes Mal vier Quentchen gute China ein; die Füße, die Fingerspitzen usw. wurden mir erst kalt, ich ward matt und schläfrig, dann fing mir das Herz an zu klopfen, mein Puls ward hart und geschwind, eine unleidliche Ängstlichkeit, ein Zittern (aber ohne Schauder), eine Abgeschlagenheit durch alle Glieder, dann Klopfen im Kopfe, Röte der Wangen, Durst, kurz alle mir sonst beim Wechselfieber gewöhnlichen Symptome erschienen nacheinander, doch ohne eigentlichen Fieberschauder. Mit kurzem: auch die mir bei Wechselfieber gewöhnlichen besonders charakteristischen Symptome, die Stumpfheit der Sinne, die Art von Steifigkeit in allen Gelenken, besonders aber die taube widrige Empfindung, welche in dem Periostium über allen Knochen des ganzen Körpers ihren Sitz zu haben scheint – alle erschienen. Dieser Paroxysmus dauerte zwei bis drei Stunden jedes Mal und erneuerte sich, wenn ich diese Gabe wiederholte, sonst nicht.“ 16

16

Hahnemanns Anmerkungen zum zweiten Band des Cullenschen Werkes, Abschnitt Chinarinde. Zitiert nach: Fritsche H: Samuel Hahnemann – Idee und Wirklichkeit der Homöopathie, S. 52. Siehe auch: Bayr G: Der Chinarindenversuch Hahnemanns von 1790.

Auf diese Weise erkannte Hahnemann das Naturgesetz der Heilung, dass nämlich eine Substanz, die bei einem gesunden Menschen Symptome hervorrufen kann, sie bei einem Kranken auch zu heilen vermag. Und, vielleicht noch wichtiger, er erkannte: Die heilenden Eigenschaften des therapeutischen Agens lassen sich nur durch Experimente am Menschen herausfinden.
Nach dieser Entdeckung begann er mit einigen ebenfalls interessierten Ärzten, systematisch eine Reihe von Stoffen einzunehmen und deren Wirkung bis ins kleinste Detail aufzuschreiben. Sechs Jahre lang dauerten diese Tests. Gleichzeitig stellte Hahnemann aus der internationalen medizinischen Literatur der Jahrhunderte einen umfangreichen Katalog sämtlicher Vergiftungen zusammen.
Dann begannen Hahnemann und seine Mitarbeiter das Ähnlichkeitsgesetz in der Praxis anzuwenden. Mit Erstaunen stellten sie fest, dass ihre Erfolge die der allopathischen Ärzte bei Weitem übertrafen. Hahnemann fasst – nach vieljähriger Erfahrung und inzwischen längst berühmt geworden – das Wesentliche seiner Entdeckung zusammen:

„Indem nun die Krankheiten nichts als Befindens-Veränderungen des Gesunden sind, die sich durch Krankheits-Zeichen ausdrücken, und die Heilung ebenfalls nur durch Befindensveränderung des Kranken in den gesunden Zustand möglich ist, so sieht man leicht, daß die Arzneien auf keine Weise Krankheiten heilen können, wenn sie nicht die Kraft besäßen, das auf Gefühlen und Tätigkeiten beruhende Menschenbefinden umzustimmen, ja, daß einzig auf dieser ihrer Kraft, Menschenbefinden umzuändern, ihre Heilkraft beruhen müsse.“ 17

17

Hahnemann S: Organon der Heilkunst (1999), § 19.

Homöopathische Arzneimittel

Nehmen gesunde Menschen vorschriftsmäßig einen Stoff ein, um durch das Auftreten von Symptomen seine Wirkung festzustellen, so spricht man von einer Arzneimittelprüfung Arzneimittelprüfung . Hahnemann entwickelte eine bestimmte Methode, um homöopathische Mittel zu prüfen. Später werden wir auch auf Prüfungsmethoden eingehen, die den heutigen Bedingungen angepasst sind. Seit Hahnemanns Zeiten hat man ständig weitere Prüfungen durchgeführt; dadurch ist es nun möglich, für jeden Patienten das richtige Mittel zu wählen. Denn wenn die Symptomatik eines Mittels genau bekannt ist, kann es gezielt mit dem Beschwerdebild eines Patienten in Deckung gebracht werden; das Abwehrgefüge erfährt dann aufgrund des Resonanzprinzips ( 1.5.2 ) durch das homöopathische Mittel die Anregung und Stärkung, deren es zur Heilung bedarf.

Arzneimittelprüfung

Bei einer Prüfung erhält der Organismus einen Stoff, der stark genug ist, eine Störung hervorzurufen und das Abwehrgefüge zu mobilisieren. Das Abwehrgefüge bringt nun auf allen drei Ebenen des Organismus Symptome hervor, die für die eigentümliche und einzigartige Wirkung des Stoffes charakteristisch sind. Ähnlich verhält es sich, wenn das dynamische Feld eines Patienten auf einen Krankheitserreger reagiert, und wir die charakteristische Art und Weise dieser Reaktion durch Aufschreiben der Symptome festhalten. In beiden Fällen treten Symptome nur dann auf, wenn der auslösende Reiz stark genug ist, um das Abwehrgefüge zu mobilisieren, oder wenn eine genügende Empfindlichkeit für den Frequenzbereich des Stoffes vorhanden ist.
Die so ermittelten Symptombilder Symptombild der Substanzen stimmen erstaunlicherweise weitgehend mit den Symptombildern der uns bekannten Krankheiten und Krankheitsvariationen überein. Inzwischen gibt es Hunderte von Mitteln, die gut geprüft sind – es gibt für nahezu jede Störung das passende Mittel.
Noch mehr Mittel sind allerdings erst unvollständig geprüft. Eine vollständige Prüfung setzt voraus, dass erstens das Mittel in toxischer, hypotoxischer und hochverdünnter, potenzierter Form (zur Potenzierung 1.7.3 ) an einem Gesunden erprobt wird. Zweitens sind die auf allen drei Ebenen hervorgerufenen Symptome schriftlich festzuhalten. Drittens muss die Kenntnis der Mittelwirkung vervollständigt werden; dazu müssen bisher unbekannte Symptome, die nach Heilung durch das Mittel verschwunden sind, in das Symptombild aufgenommen werden.
Wurden nur die körperlichen Symptome bei einer Prüfung festgehalten, dann gilt sie noch als unvollständig. Die Symptome sind in dem Falle noch, wie auch bei allen Vergiftungsprotokollen, zu allgemein, es fehlen der Prüfung die individuellen Merkmale.
In 2.1 werden wir ausführlicher darlegen, wie eine Prüfung durchzuführen ist. Wir werden auch eine der Originalprüfungen Hahnemanns im Anhang teilweise abdrucken, um zu zeigen, mit welcher Genauigkeit die Wirkung eines Stoffes aufgezeichnet werden muss.

Merke

Eine Prüfung – soll sie vollständig sein – muss mit genügend unterschiedlichen Dosierungen bzw. Potenzierungen vorgenommen werden; außerdem müssen die Symptome aller drei Ebenen Berücksichtigung finden, einschließlich derjenigen, die nach Verabreichung des Mittels bei kranken Menschen geheilt worden sind.

Therapeutische Wirkung auf das dynamische Feld

Wir kennen nun das Gesetz des dynamischen Feldes und ebenso kennen wir das Ähnlichkeitsgesetz ( 1.6.3 ), wodurch wir in die Lage versetzt werden, das dynamische Feld mithilfe des Resonanzprinzips zu stimulieren.
Als nächster Schritt liegt nahe, therapeutische Agentien zu entwickeln, die sich selbst in energetischer Form befinden und dadurch imstande sind, direkt auf das dynamische Feld einzuwirken. In diesem Kapitel werden wir sehen, wie die Homöopathie dies durch Hahnemanns Methode der Potenzierung Potenzierung ( 1.7.3 ) erreicht hat.
Jeder Stoff kann auf zweierlei Weise auf den Organismus wirken, wenn ein Mensch ihn einnimmt. Einerseits kann er eine chemische Wirkung haben, wie wir es bei Lebensmitteln, Vitaminen, Medikamenten, Tabak, Kaffee usw. sehen. Andererseits kann er unmittelbar auf das dynamische Feld Therapie und dynamisches Feld des Körpers wirken. Letzteres tritt ein, wenn die Frequenzbereiche nahe genug beieinander liegen, um in Resonanz miteinander zu schwingen. Gewöhnlich ist diese Wirkung zu schwach, als dass man sie wahrnehmen könnte, obgleich sie in manchen Fällen eine Rolle spielen kann wie z. B. bei Mineralbädern, Seebädern, Packungen usw.
Stoffe lassen sich im Zusammenhang mit dem menschlichen Organismus danach einteilen, ob sie biologisch aktiv oder inaktiv sind. Biologisch inaktive Stoffe Stoff biologisch inaktiver wie Platin, Gold, Eisen, Sand (Kieselsäure), Zellulose usw. können chemisch und energetisch mit dem Körper keine Verbindung eingehen. Sie verursachen beim Passieren des Verdauungskanals höchstens einen mechanischen Reiz. Auch ihr elektromagnetischer Einfluss auf den Organismus ist zu gering, als dass man ihn wahrnehmen könnte.
Ein biologisch aktiver Stoff Stoff biologisch aktiver dagegen besitzt chemische oder andere Kräfte, die mit dem Körper in Aktion treten können: Es besteht eine chemische Affinität zwischen beiden. Nimmt man beispielsweise ein Nahrungsmittel, eine Vitamin- oder Aspirintablette zu sich, beginnen augenblicklich komplizierte chemische Reaktionen, die sich auf viele Organe des Körpers auswirken. Biologisch aktive Stoffe – z. B. Nahrungsmittel – können heilsam wirken oder auch toxisch – wie z. B. entsprechende Mengen Arsen, Quecksilber oder allopathische Medikamente. Toxische Stoffe haben auf jeden, der sie zu sich nimmt, einen Effekt, doch ist die Giftwirkung einer bestimmten Dosis von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Wer besonders empfindlich ist oder eine „Affinität“ für eine bestimmte Substanz besitzt, kann eine starke, ja sogar tödliche Reaktion erleiden; wer nur wenig empfindlich ist, reagiert mitunter auf die gleiche Stoffmenge nur gering. Hahnemann stellte bei seinen Studien zur Vergiftungssymptomatologie fest: Gerade die Empfindlichkeit für eine bestimmte Substanz kann bedeuten, dass sich der Organismus mit der Substanz in Resonanz befindet. Diese Resonanz macht sich die Homöopathie als therapeutisches Prinzip zunutze.
Es kann sogar eine Heilung durch ein biologisch aktives Agens im Rohzustand eintreten, wenn die Resonanz oder Affinität des Frequenzbereichs eines Menschen und einer bestimmten Substanz eng genug beieinander liegen. Die Heilwirkung, die Mineralbäder auf manche Menschen haben, lässt sich wahrscheinlich so erklären. Deshalb erfährt natürlich auch nicht jeder diese Wirkung: Einigen Patienten geht es nach solch einem Bad sogar schlechter, die meisten spüren kaum etwas, und nur 15–20 Prozent merken, dass sich ihre Symptome bessern und ihre Spannkraft zunimmt. Wahrscheinlich haben diejenigen, denen es danach besser geht (aber auch die, denen es schlechter geht), einen Frequenzbereich, der dem eines Minerals der Quelle ähnlich ist. Der Heilerfolg hält unter Umständen sechs bis neun Monate an; dann kommt ein Rückfall. Wiederholt der Patient die Badekur, so zeigt sich, dass die Wirkung nun kürzere Zeit – vielleicht drei Monate – andauert. Beim dritten oder vierten Mal ist möglicherweise keine Besserung spürbar. Der Reiz, den das Rohmaterial auf das dynamische Feld des Patienten ausübt, ist inzwischen zu schwach geworden, um das Abwehrgefüge des Patienten zu beeinflussen.
Ähnliches beobachten wir gewöhnlich bei der Behandlung mit Kräutern. Befindet sich in der Kräutermischung eine Pflanze, deren Frequenz derjenigen des dynamischen Feldes des Patienten gleicht, kann für längere Zeit eine Besserung eintreten. Hat aber der Patient ein schwaches Abwehrgefüge, kommt es bald zum Rückfall. Eine weitere Verordnung der gleichen Kräuter zeigt dann eine geringere oder weniger lang anhaltende Wirkung als beim ersten Mal. Das hat folgenden Grund: Der dynamische Reiz der Pflanze wurde nicht verstärkt, während das Abwehrgefüge inzwischen vielleicht noch schwächer geworden ist. Ähnliche Beobachtungen können bei Zufallsheilungen durch allopathische Medikamente und andere Therapien gemacht werden.

Zusammenfassung

Therapeutische Wirkung auf das dynamische Feld

  • Jeder Stoff, ob biologisch aktiv oder inaktiv, besitzt ein elektromagnetisches Feld.

  • Stoffe können den menschlichen Organismus auf zweierlei Weise beeinflussen: Durch ihre chemische Wirkung oder durch Interaktion elektromagnetischer Felder, falls die Frequenzen ähnlich genug sind, um miteinander in Resonanz zu treten.

  • Biologisch inaktive Stoffe können chemisch und energetisch mit dem menschlichen Körper nicht in Wechselwirkung treten.

  • Biologisch aktive Stoffe haben eine chemische Wirkung auf die Körpergewebe. Wie der Organismus auf einen Stoff reagiert, hängt ab von seiner Affinität oder Empfindlichkeit für diesen Stoff.

  • Ist die Affinität groß, kann ein Stoff sogar im Rohzustand (in nicht potenzierter Form) heilend wirken; diese Wirkung ist jedoch meist nicht von Dauer.

Arzneimittelpotenzierung

Eine dauerhafte Heilung ist nur möglich, wenn der dynamische Reiz des therapeutischen Agens nach und nach verstärkt wird. Die in einem Stoff enthaltene spezifische Energie ist auf eine Weise freizulegen, dass sie für eine Wirkung auf das dynamische Feld des Organismus verfügbar wird. Die Methode der Potenzierung Potenzierung war Samuel Hahnemanns zweiter genialer Beitrag auf dem Gebiet der Medizin. Immer noch ist es ein Geheimnis, auf welche Art Hahnemann diese Methode entdeckte, ob aufgrund seiner chemischen Kenntnisse oder durch intuitive Eingebung. Wie dem auch sei: Er entwickelte eine einfache Methode, die Heilkraft einer Substanz freizulegen, ohne dabei deren Frequenz zu verändern. So entstand die „dynamisierte Arznei“, eine Form von intensivierter spezifischer Energie. Die Dynamisation wird ebenfalls nach dem Resonanzprinzip, entsprechend dem Ähnlichkeitsgesetz verabreicht, besitzt jedoch eine gesteigerte Fähigkeit (Kraft), auf das dynamische Feld einzuwirken, und ermöglicht deshalb eine dauerhafte Heilung des ganzen Organismus.
Hahnemanns erste große Entdeckung bestand darin, dass man die vollständige Symptomatik eines Stoffes nur dadurch erhält, dass man den Stoff am gesunden Menschen prüft ( 1.6.4 , 1.7.1 ). Nun sind aber die meisten potenziell heilkräftigen Substanzen schon in geringer Dosierung hochtoxisch in ihrer biologischen Aktivität, z. B. Arsen, Merkur, Belladonna, Schlangengifte usw. Vergiftungsfälle lieferten Hahnemann zwar gewisse Informationen, doch war ihre Symptomatik nicht detailliert genug, als dass er sie für homöopathische Verschreibungen hätte verwenden können. Die Auseinandersetzung mit diesem Problem bereitete den Weg dafür, dass er schließlich auf das Potenzieren verfiel.
Zunächst versuchte Hahnemann, die Substanzen einfach zu verdünnen. Dadurch verringerte sich natürlich ihre Giftwirkung, aber leider auch ihre Heilkraft. Zwischen 1797 und 1799 fand er in Königslutter heraus, dass es möglich war, den Verdünnungen durch Verreiben und Verschütteln kinetische Energie zuzufügen. Die Verbindung von Verschütteln Verschüttelung oder Verreiben Verreibung und fortlaufender Verdünnung Verdünnung nannte er „Dynamisieren Dynamisieren “ oder „Potenzieren Potenzierung “.

Merke

Das Wesentliche bei dieser Entdeckung war: Je mehr eine Substanz verdünnt und verschüttelt wird, desto spezifischer wird ihre Heilwirkung und desto geringer ihre toxische Wirkung.

Wie stellen nun homöopathische Arzneibetriebe ihre Mittel her? Eine ausführliche Beschreibung findet sich in 2.2 ; hier geben wir im Voraus einen kurzen Überblick, um dem Leser das Verständnis zu erleichtern. Als Erstes wird die Substanz auf die chemisch oder botanisch übliche Weise in Alkohol und Wasser aufgelöst. Ein Tropfen dieser „Urtinktur Urtinktur “ wird dann mit 9 bzw. 99 Tropfen 40-prozentiger Alkohol-Wasserlösung verdünnt. Diese Verdünnung wird 10-mal kräftig verschüttelt, wodurch die spezifische Arzneieigenschaft auf das Wasser übertragen wird. Wieder wird ein Tropfen hiervon mit 9 bzw. 99 Tropfen der Alkohol-Wasserlösung vermischt. Wieder wird 10-mal kräftig verschüttelt und dann erneut verdünnt. Dieser Vorgang kann beliebig oft wiederholt werden, wobei die Heilkraft immer mehr zunimmt, die toxischen Eigenschaften aber mehr und mehr schwinden ( Tab. 1.7 ).
In der Homöopathie gibt es eine bestimmte Nomenklatur für jede „Potenz“. Wird die fortlaufende Reihe im Verhältnis 1:10 verdünnt und verschüttelt, so spricht man von Dezimalpotenzen; die Zahl der Potenzen wird in diesem Fall mit einem D oder x gekennzeichnet. So heißt etwa die erste Potenzierung von 1:10 „D 1“ oder „1 x“, die zweite „D 2“ oder „2 x“, die dreißigste „D 30“ oder „30 x“. Wird im Verhältnis 1:100 verdünnt und verschüttelt, so spricht man von Centesimalpotenzen und kennzeichnet sie mit einem C. Die erste Potenz von 1:100 wird „C 1“ genannt, die dreißigste „C 30“ und die tausendste „C 1 000“.
Chemisch gesehen, lassen sich Verdünnungen nur bis zu einem bestimmten Punkt sinnvoll fortführen; danach ist die ursprüngliche Substanz nicht mehr nachweisbar. Diesen Grenzpunkt nennt man „Avogadro-Zahl Avogadro-Zahl “. Jede Potenz, die über D 24 oder C 12 hinausgeht, besitzt kein einziges Molekül mehr von der ursprünglichen Substanz. Man könnte also annehmen, weiteres Potenzieren sei sinnlos; in Wirklichkeit steigert sich aber die Wirksamkeit der Potenzen weit übe diese „Grenze“ hinaus. Bisher ist überhaupt noch keine Grenze bekannt – Homöopathen verabreichen oft mit Erfolg Potenzen über C 100 000! Um dem Leser eine Vorstellung von der außerordentlichen Verdünnung einer solchen Potenz zu geben, wollen wir sie im numerischen Bruch darstellen. Die Avogadro-Zahl entspricht in etwa einer Verdünnung von 1:1 X – wobei X für 24 Nullen steht. Eine Potenz von C 100 000 entspricht 1:1Y, wobei Y für 100 000 Nullen steht – eine Verdünnung, unvorstellbar weit über den Punkt hinaus, wo noch ein Molekül der ursprünglichen Substanz vorhanden ist!
Woher wissen wir aber nun mit Sicherheit, dass die Heilkraft der Potenzen tatsächlich mit zunehmender Verdünnung und Verschüttelung wächst? Wir wissen es aufgrund der klinischen Beobachtungen aller Homöopathen und Patienten, die den Erfolg immer wieder bestätigen. Ist das richtige homöopathische Mittel nach dem Ähnlichkeitsgesetz gefunden, wirkt es sogar in roher, unpotenzierter Form. Ein Patient, der unter Belladonna- Fieber leidet mit all den charakteristischen Symptomen, die aus der Prüfung von Belladonna Belladonna bekannt sind, reagiert auch auf einen Tropfen Belladonna -Urtinktur, doch hält das Resultat nicht lange an, von einer starken Erstverschlimmerung ganz abgesehen. Erhält er Belladonna in der Potenz D 12, wird die Erleichterung vermutlich deutlich sein. Verabreichen wir gar Belladonna in der Potenz C 10 000, verschwinden voraussichtlich sämtliche Symptome innerhalb weniger Stunden, ohne dass ein Rückfall eintritt.
Es gibt auch Fälle, in denen die unpotenzierte, rohe Substanz und die Potenzen unter C 30 überhaupt nicht wirken. Wird jedoch die genau passende Potenz erreicht, dann folgt, auch bei einer Hochpotenz von C 100 000, eine eindrucksvolle und dauerhafte Heilung.
Die Behauptung, man könne durch bloßes Verschütteln und reihenweise Verdünnung die Heilkraft eines Stoffes unbegrenzt vermehren und dabei zugleich seine toxische Wirkung aufheben, läuft freilich dem herkömmlichen Verständnis chemischer und physikalischer Prozesse völlig zuwider. Tatsächlich benutzen aber Homöopathen auf der ganzen Welt mit unbezweifelbarem Erfolg Potenzen, die über die Avogadro-Zahl weit hinausgehen. Was also geht beim Potenzieren eigentlich vor sich?
Wir wissen, dass die Verdünnung allein dieses Phänomen der Heilung nicht hervorbringt. Entscheidend ist das Verschütteln, das der Lösung kinetische Energie zuführt. Schüttelt man andererseits eine Lösung, ohne sie weiter zu verdünnen, steigt die Potenz nur um einen Grad, gleichgültig, wie oft man schüttelt. Schütteln und Verdünnen gehören also zusammen. Wir wissen weiterhin: Die Heilkraft wird umso größer, je mehr man verschüttelt und verdünnt –, selbst nachdem kein einziges Molekül der ursprünglichen Substanz mehr vorhanden ist.
Physik und Chemie haben bisher keine Erklärung für dieses Phänomen gefunden. Es hat den Anschein, als ob durch diese Technik eine Form von Energie freigesetzt würde. Die Energie, die in der Ursubstanz in begrenzter Form enthalten ist, wird auf irgendeine Weise freigesetzt und auf die Moleküle des Trägerstoffes übertragen. Sobald die Ursubstanz nicht mehr vorhanden ist, kann die im Trägerstoff gespeicherte Energie kontinuierlich und unbegrenzt gesteigert werden. Die Moleküle des Trägerstoffes haben die dynamische Energie der Ursubstanz übernommen. Aus klinischen Ergebnissen wissen wir, dass die therapeutische Energie die „Schwingungsfrequenz Schwingungsfrequenz “ der Ursubstanz beibehält, die enthaltene Energiemenge jedoch in einem solchen Ausmaß gesteigert wurde, dass das dynamische Feld des Patienten ausreichend stimuliert werden kann, um Heilung herbeizuführen.
Hahnemanns Entdeckungen um den Prozess der Potenzierung und um das Ähnlichkeitsgesetz haben das wissenschaftliche Potenzial von Therapeutika geradezu revolutioniert. Einerseits versetzt uns das Gesetz der Ähnlichkeit in die Lage, praktisch jede in der Natur vorkommende Substanz mit der Resonanzfrequenz des Patienten in Einklang zu bringen. Wie es in Fällen von temporären Entlastungen durch die Anwendung roher therapeutischer Stoffe beobachtet werden kann, besitzen diese rohen Stoffe oftmals lediglich eine unzureichende Intensität, um dauerhafte Heilung herbeiführen zu können. Andererseits werden wir durch Hahnemanns Entdeckung einer Technik, die die therapeutische Wirkung auf das dynamische Feld praktisch ins Unbegrenzte steigert, in die Lage versetzt, das Abwehrgefüge des Patienten in jeder notwendigen Intensität zu stimulieren, um die Stärke der Krankheit dadurch zu übertreffen.
Es wird Physikern und Chemikern überlassen bleiben, präzise zu erforschen, wie durch diese Technik Energie auf den Trägerstoff übertragen wird.
Interessant ist, dass aufgrund der Erfahrung von Homöopathen bekannt ist, dass potenzierte Mittel eine große Empfindlichkeit gegenüber Sonnenbestrahlung und Erwärmung über 45 °C besitzen. Ein Mittel, das der Sonne direkt ausgesetzt oder über 45 °C erhitzt wird, verliert seine Wirksamkeit. Einige Homöopathen berichten außerdem, dass bestimmte Mittel durch stark aromatische Substanzen, vor allem durch Kampfer, aber auch Pfefferminz und Bohnenkaffee, unwirksam werden. Warum diese Einflüsse die Wirksamkeit der Mittel zerstören, ist bisher noch nicht vollständig geklärt, doch sind diese Erfahrungen Hinweise, die eines Tages helfen können, die exakte Beschaffenheit dieses Übertragungsmechanismus weiter zu erhellen.
Die Homöopathie findet wegen ihrer erstaunlichen Erfolge bei akuten und chronischen Krankheiten aller Art zunehmende Beachtung: Wir können deshalb damit rechnen, dass sich immer mehr Wissenschaftler mit der Beschaffenheit der homöopathischen Mittel auseinandersetzen werden. Wissen wir dann mehr über ihre Eigenschaften, können wir Mittel und Potenzen noch genauer als bisher auf die einzelnen Patienten abstimmen. Das allein mag als Anreiz für Wissenschaftler dienen, sich diesem Feld zuzuwenden. Es handelt sich hierbei um ein Feld mit großen Perspektiven für weitreichende theoretische Entdeckungen und für deren praktische Anwendung zum Wohle der Menschheit.

Zusammenfassung

Arzneimittelpotenzierung

  • Für eine dauerhafte Heilung muss das elektromagnetische Feld des Stoffes verstärkt werden. Dies geschieht durch Potenzieren, d. h. durch Verdünnen in Verbindung mit Verschütteln. Weder Verschütteln noch Verdünnen allein ist wirksam.

  • Das Potenzieren kann beliebig fortgesetzt werden, selbst wenn die Avogadro-Zahl überschritten ist und sich kein Molekül des ursprünglichen Stoffes mehr im Lösungsmittel befindet.

  • Dieses Phänomen als solches – auch wenn die bisherigen Erklärungen noch nicht ausreichen – ist eine unumstößliche Tatsache. Die spezifische elektromagnetische Energie der Ausgangssubstanz wird offenbar durch das Potenzieren dem elektromagnetischen Feld des Lösungsmittels „aufgeprägt“; ihre spezifische Eigenfrequenz bleibt dabei nicht nur erhalten, sondern wird noch verstärkt.

  • Die Mittel werden durch direkte Sonneneinstrahlung, durch Hitze über 45 °C und möglicherweise auch durch aromatische Substanzen inaktiviert. Bei richtiger Lagerung sind sie „unbegrenzt“ haltbar.

Dynamische Wechselwirkungen von Krankheiten

Wie wir gesehen haben, ist der menschliche Organismus ein einheitliches Ganzes, das auf Krankheitsreize Krankheitsreiz von außen zunächst durch eine Eigenfrequenzänderung Eigenfrequenzänderung reagiert ( 1.5.2 ).
Bei einem schwachen Abwehrgefüge oder einem im Verhältnis zum Abwehrgefüge sehr starken Reiz bleibt die Frequenzänderung bestehen, und der Organismus ist nicht fähig, aus eigener Kraft zu seinem vorherigen Zustand zurückzukehren. In diesem Fall potenziert man einen Stoff, der stärkend auf das dynamische Feld wirken kann, und verschreibt ihn entsprechend dem Ähnlichkeitsgesetz, d. h. gemäß der Resonanz zwischen therapeutischem Agens und erkranktem Organismus ( 1.6.1 ).
Sowohl schwache Reize (z. B. Veränderungen des Luftdrucks oder der Luftfeuchtigkeit) als auch starke Reize (z. B. ein schwerer seelischer Schock oder lang andauernder Stress) können die Eigenfrequenz des Organismus ändern.
In diesem Kapitel beschäftigen wir uns mit einigen der vorrangigen Einflüsse, die eine tief greifende und nachhaltige Veränderung der Gesundheit hervorrufen können. Nach homöopathischer Erfahrung gibt es vor allem drei tief greifende negative Einflüsse auf den Gesundheitszustand:
  • schwer verlaufende akute Krankheiten

  • unterdrückende Therapien

  • Impfungen

Alle drei können bei einem schwachen Organismus und entsprechender Empfänglichkeit ( Abb. 1.5 ) eine gesundheitliche Wende im Leben eines Menschen herbeiführen.

Akute Krankheiten

In der Einleitung wurde bereits erwähnt, dass heute so gut wie jedem Menschen die Tendenz zu bestimmten chronischen Erkrankungen innewohnt und dass diese Tendenz seine Gesundheit während des ganzen Lebens beeinflusst. Der eine hat eine relativ starke, der andere eine schwache Konstitution ( 1.9 ). Ohne Heilbehandlung oder größere Schocks verändert sich die Eigenfrequenz eines Menschen nur innerhalb eines bestimmten Empfänglichkeitsspektrums. Abhängig von Ernährung, Ruhe, Schlaf, emotionalen Belastungen, Umwelteinflüssen usw. gibt es stündliche und tägliche Variationen innerhalb dieses vorgegebenen Empfänglichkeitsbereichs; bei Einwirkung eines besonders starken Reizes jedoch verschiebt sich dieser Bereich so weit, dass er größere Stufen ( Abb. 1.5 ) hinauf- oder hinabwechselt.
Die Empfänglichkeit für Erkältungen, unbedeutende Hautausschläge und vorübergehende Verstimmungen mag bei einem Patienten variieren, aber es ist sehr unwahrscheinlich, dass er plötzlich auf eine andere Stufe wechselt und z. B. psychotisch wird. Ebenso wenig ist zu erwarten, dass eine psychotische Person plötzlich geistig und seelisch gesundet und nur noch Symptome der peripheren Ebene aufweist.
Akute Krankheiten Krankheit akute sind einer der Hauptfaktoren, die die Gesundheit ungünstig beeinflussen können. Jeder erfahrene Kliniker kennt Patienten mit langjährigem Gelenkrheuma, das nach einer schweren Grippe auftrat, oder andere, die nach einer schweren Lungenentzündung chronische Bronchitis bekamen oder aber nach einer Mononukleose bzw. Hepatitis nie wieder ihre frühere Vitalität zurückerlangten. Solche größeren gesundheitlichen Veränderungen entstehen nicht durch leichte Infekte, die auf einer vorübergehenden Empfänglichkeit des Patienten beruhen; wenn jedoch der Gesamtorganismus auf einer bestimmten Empfänglichkeitsstufe systematisch geschwächt wird, kann es zu einem solch tief greifenden Stufenwechsel kommen, dass der Betreffende nicht mehr ohne Hilfestellung auf die vorherige Stufe zurückkehren kann. Dies sind Fälle, in denen die Homöopathie besonders eindrucksvolle Erfolge vorzuweisen hat.
Hahnemann beobachtete mit großem Interesse, wie unterschiedliche Krankheiten einander beeinflussen können. Angenommen, es leidet jemand an einer chronischen Krankheit und bekommt dazu noch eine weitere Krankheit, die innerhalb seiner Empfänglichkeitsspanne liegt: Wie wirkt sich das auf die Gesundheit dieses Menschen aus? Hahnemann Hahnemann, Samuel beschreibt die möglichen Auswirkungen in den im Folgenden zitierten Passagen des „Organon der Heilkunst“: 18

18

Hahnemann S: a. a. O., §§ 36–45.

„I. Entweder sind beide, sich unähnliche, im Menschen zusammentreffende Krankheiten von gleicher Stärke, oder ist etwa die ältere stärker, so wird die neue durch die alte vom Körper abgehalten. Ein schon an einer schweren chronischen Krankheit Leidender wird von einer Herbstruhr oder einer anderen mäßigen Seuche nicht angesteckt […]. Geschwürige Lungensüchtige werden von nicht allzu heftigen epidemischen Fiebern nicht angesteckt […].“ (Organon, § 36)

„II. Oder die neue unähnliche Krankheit ist stärker. Hier wird die, woran der Kranke bisher litt, als die schwächere, von der stärkeren hinzutretenden Krankheit so lange aufgeschoben und suspendiert, bis die neue wieder verflossen oder geheilt ist, dann kommt die alte ungeheilt wieder hervor. Zwei mit einer Art Fallsucht behaftete Kinder blieben nach Ansteckung mit dem Grindkopfe (Tinea) von epileptischen Anfällen frei; sobald aber der Kopfausschlag wieder verging, war die Fallsucht wieder ebenso wieder da, wie zuvor […]. So stand die geschwürige Lungensucht still, wie der Kranke von einem heftigen Typhus ergriffen ward, ging aber nach dessen Verlaufe wieder ihren Gang fort. – Tritt eine Manie zur Lungensucht, so wird diese mit allen ihren Symptomen von ersterer hinweg genommen; vergeht aber der Wahnsinn, so kehrt die Lungensucht gleich zurück und tötet […].

Und so suspendieren sich alle, einander unähnliche Krankheiten, die stärkere die schwächere (wo sie sich nicht, wie bei akuten selten geschieht, komplizieren), heilen einander aber nie .“ (Organon, § 38)

„III. Oder die neue Krankheit tritt nach langer Einwirkung auf den Organismus, endlich zu der alten, ihr unähnlichen, und bildet mit dieser eine komplizierte Krankheit, so daß jede von ihnen eine eigene Gegend im Organismus, d. i. die ihr besonders angemessenen Organe und gleichsam nur den ihr eigentümlich gehörigen Platz einnimmt, den übrigen aber, der ihr unähnlichen Krankheit überlässt […]. Als zwei sich unähnliche Krankheiten können sie aber einander nicht aufheben, nicht heilen […].

Beim Zusammentreffen einander unähnlicher akuter Ansteckungskrankheiten, z. B. der Menschenpocken und Masern, suspendiert gewöhnlich, wie vorhin angeführt worden, eine die andere; doch gab es auch heftige Epidemien, wo sich in seltenen Fällen zwei sich unähnliche akute Krankheiten dieser Art in einem und demselben Körper einfanden und so gleichsam auf kurze Zeit komplizierten.“ (Organon, § 40)

„Zwei so ähnliche Krankheiten können, (wie von den unähnlichen in I. gesagt ist) einander weder abhalten, noch (wie bei der Bedingung II. von den unähnlichen gezeigt ward) einander suspendieren, so daß die alte nach Verlauf der neuen wiederkäme, und eben so wenig können die beiden ähnlichen (wie bei III. von den unähnlichen gezeigt worden), in demselben Organismus neben einander bestehen, oder eine doppelte, komplizierte Krankheit bilden.“ (Organon, § 44)

„Nein, stets und überall vernichten sich zwei, der Art nach zwar verschiedene, aber in ihren Äußerungen und Wirkungen wie durch die, von jeder derselben verursachten Leiden und Symptomen einander sehr ähnliche Krankheiten, sobald sie im Organismus zusammentreffen nämlich die stärkere Krankheit die schwächere, und zwar aus der nicht schwer zu erratenden Ursache, weil die stärkere hinzukommende Krankheitspotenz, ihrer Wirkungs-Ähnlichkeit wegen, dieselben Teile im Organismus, und zwar vorzugsweise in Anspruch nimmt, die von dem schwächeren Krankheits-Reiz bisher affiziert waren, welcher folglich nun nicht mehr einwirken kann, sondern erlischt, oder mit anderen Worten, weil, sobald die neue ähnliche, aber stärkere Krankheitspotenz sich des Gefühls des Kranken bemeistert, das Lebensprinzip, seiner Einheit wegen, die schwächere ähnliche nicht mehr fühlen kann; sie ist erloschen, sie existiert nicht mehr; denn sie ist nie etwas Materielles, sondern nur eine dynamische (geistartige) Affektion. Nur von der neuen, ähnlichen aber stärkeren Krankheitspotenz des Arzneimittels bleibt nun das Lebensprinzip affiziert, doch nur überhingehend.“ (Organon, § 45)

Wir können Hahnemanns Ausführungen leicht verstehen anhand des Modells, wie wir es in diesem Buch entwickelt haben ( 1.5.2 , Abb. 1.5 ). Wenn er von zwei „unähnlichen Krankheiten“ spricht, meint er solche, die ungefähr dem gleichen Krankheitsspektrum (d. h. der gleichen Stufe) angehören; sie sind zwar ähnlich genug, um mit dem Organismus in Resonanz zu treten, doch nicht ähnlich genug, um einander aufzuheben. In diesem Fall ist die Stärke der Krankheit der entscheidende Faktor. Zwei Krankheiten, die einander sehr ähnlich sind, also eine beinah identische Frequenz besitzen, beeinflussen das Abwehrgefüge so, dass sie sich gegenseitig fast vollständig aufheben; in diesem Fall spielt nicht ihre Stärke, sondern ihre Ähnlichkeit die entscheidende Rolle. Wer dagegen mit einer Krankheit in Kontakt kommt, die ihm völlig unähnlich ist, also einer ganz anderen Resonanzstufe angehört, dessen Organismus reagiert überhaupt nicht. Wir alle sind täglich den verschiedensten krank machenden Reizen ausgesetzt; krank werden wir hingegen nur selten, entsprechend der Empfänglichkeit unseres Frequenzbereichs und der jeweiligen Schwäche unseres Abwehrgefüges.
Wir werden sehen, welche wichtigen Konsequenzen sich aus der gegenseitigen Beeinflussung von Krankheiten ergeben ( 1.9 ). Macht ein Mensch häufiger schwere Krankheiten durch, wird sein Abwehrgefüge im Laufe der Zeit fortschreitend „schichtweise“ geschwächt. Diese Anfälligkeiten oder Prädispositionen werden in der Homöopathie „Miasmen“ genannt ( 1.9.1 ). Sie sind für jeden Praktiker, der sich mit chronischen Krankheiten befasst, von großer Bedeutung.
Fazit
Kein Mensch kann aus eigener Kraft von einer Empfänglichkeitsstufe zur anderen wechseln ( 1.5.2 , Abb. 1.5 ). Nur starke äußere Einflüsse wie z. B. eine schwere akute Krankheit können solche Frequenzänderungen bewirken. Treffen im Organismus zwei Krankheiten aufeinander, gibt es drei mögliche Reaktionen: Unterdrückung der schwächeren Krankheit, Komplikation beider Krankheiten oder Heilung ( Tab. 1.8 ). Durch häufige schwere akute Erkrankungen können in der Konstitution eines Menschen chronische Krankheitsveranlagungen entstehen, die dann mitunter ein ganzes Leben hindurch und bis in nachfolgende Generationen hinein fortdauern ( 1.9 ).

Zusammenfassung

Akute Krankheiten

  • Fast jeder Mensch trägt heutzutage eine mehr oder weniger ausgeprägte Veranlagung zu chronischen Krankheiten in sich.

  • Niemand kann aus eigener Kraft von einer der beschriebenen Empfänglichkeitsstufen zur anderen wechseln; nur starke äußere Einflüsse wie z. B. eine schwere akute Krankheit können solche Frequenzänderungen bewirken.

  • Bei zwei einander unähnlichen Krankheiten unterdrückt die stärkere die schwächere, doch können sie einander niemals heilen.

  • In seltenen Fällen können zwei unähnliche Krankheiten sich zu einem Krankheitskomplex verbinden, ohne dass eine der beiden geheilt wird.

  • Zwei ähnliche Krankheiten heilen einander. Die Ähnlichkeit ist in diesem Fall ein wichtigerer Faktor als die Stärke der Krankheit.

  • Durch häufige schwere akute Erkrankungen können in der Konstitution eines Menschen chronische Krankheitsveranlagungen entstehen, die dann mitunter ein ganzes Leben hindurch und bis in nachfolgende Generationen hinein fortdauern.

Unterdrückende Therapien

Wir haben in diesem Buch immer wieder darauf hingewiesen, dass es gefährlich ist, Heilmittel aufgrund lokaler Symptome, d. h. ohne Berücksichtigung der Gesamtsymptomatik zu verschreiben ( 1.6.2 ). Vor allem die allopathische Medizin hat eine therapeutische Methodologie entwickelt, die auf der Auffassung beruht, man müsse einzelnen Symptomen und Syndromen entgegenwirken. Dabei können allopathische Medikamente selbst bereits ein derartiger Schock für den Organismus sein, dass das Abwehrsystem in Aktion treten muss. Die dadurch entstehenden Symptome werden in der Allopathie Allopathie „Nebenwirkungen Nebenwirkungen “ genannt. Tatsächlich aber sind sie Ausdruck der Empfindlichkeit des Organismus; sie stellen die bestmögliche Reaktion dar, mit der das Abwehrgefüge dem krank machenden Reiz der Medikamente entgegenwirkt. In diesem Sinne können medikamentöse Einflüsse selbst Krankheiten verursachen, die den gleichen Regeln gehorchen, die Hahnemann in den oben zitierten Paragraphen formuliert hat ( 1.8.1 , Tab. 1.8 ).
Hahnemann geht ausdrücklich auf die Wirkung allopathischer Medikamente ein:

„Nur gegen natürliche Krankheiten hat uns der Allgütige Hilfe durch die Homöopathie geschenkt – aber jene, durch falsche Kunst schonungslos erzwungenen, oft jahrelangen Schwächungen (durch Blut-Verschwenden, Abmergelung durch Haarseile und Fontanellen) so wie die Verhunzungen und Verkrüppelungen des menschlichen Organismus im Inneren und Äußeren durch schädliche Arzneien und zweckwidrige Behandlungen, müßte (bei übrigens zweckmäßiger Hilfe, gegen ein vielleicht noch im Hintergrund liegendes, chronisches Miasma) die Lebenskraft selbst wieder zurücknehmen, wenn sie nicht schon zu sehr durch solche Untaten geschwächt worden und mehrere Jahre auf dieses ungeheuere Geschäft ungestört verwenden könnte. Eine menschliche Heilkunst, zur Normalisierung jener unzähligen, von der allopathischen Unheilkunst so oft angerichteten Innormalitäten, gibt es nicht und kann es nicht geben.“ 19

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Hahnemann S: a. a. O., § 76.

Noch prägnanter:

„Diese, durch die allopathische Unheilkunst, (am schlimmsten in den neueren Zeiten) hervorgebrachten Verhunzungen des menschlichen Befindens, sind unter allen chronischen Krankheiten die traurigsten, die unheilbarsten und ich bedauere, daß, wenn sie zu einiger Höhe getrieben worden sind, wohl nie Heilmittel für sie scheinen erfunden oder erdacht werden zu können.“ 20

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Hahnemann S: a. a. O., § 75.

War dies bereits zu Hahnemanns Zeiten der Fall, um wie viel mehr trifft es heute zu; hat doch die pharmazeutische Industrie inzwischen noch weitaus wirksamere Chemikalien entwickelt. Medikamente sind immer mehr oder weniger schädigend, doch die unserer Erfahrung nach schädlichsten sind Antibiotika Antibiotika , Tranquilizer Tranquilizer und andere Psychopharmaka Psychopharmaka , Kontrazeptiva Kontrazeptiva , Cortison Cortison - und andere Hormonpräparate. Es kann aber jedes Medikament oder jede körperfremde Substanz Schaden anrichten, wenn der Betreffende empfänglich dafür ist. So gibt es Menschen, die an einem anaphylaktischen Schock sterben, der durch sehr geringe Dosen von Penicillin Penicillin , Aspirin Aspirin oder andere sogenannte unschädliche Medikamente ausgelöst werden kann.

Merke

Da allopathische Medikamente nie nach dem Ähnlichkeitsgesetz verordnet werden, belasten sie den Organismus mit einer zusätzlichen Arzneimittelkrankheit, gegen die er nun anzukämpfen hat.

Hinzu kommt: Nachdem ein Medikament die Symptome in den Außenbezirken des Organismus erfolgreich beseitigt hat, ist das Abwehrgefüge gezwungen, ein neues Gleichgewicht auf einer zentraleren Verteidigungslinie aufzubauen. Der Frequenzbereich des Organismus wird also zweifach gestört und geschwächt: 1. durch das Arzneimittel selbst, 2. indem die bestmögliche Verteidigungslinie des Abwehrgefüges unterbrochen wird. Durch ein stark wirkendes Medikament oder durch eine über längere Zeit durchgeführte Medikamenteneinnahme kann somit die Krankheitsempfänglichkeit auf eine ungünstigere Stufe springen, d. h. zu einer zentraleren Ebene des Organismus vordringen. Das Tragische hierbei ist: Das Abwehrgefüge kann dann aus eigener Kraft das ursprüngliche Gleichgewicht nicht mehr herstellen; und selbst bei der besten homöopathischen Behandlung dauert es manchmal Jahre, bevor die vorherige Stufe wieder erreicht ist – von einer Heilung der ursprünglichen chronischen Krankheit ganz zu schweigen.
Andererseits ist es ein bemerkenswertes Kuriosum, dass Menschen, die durch große Mengen allopathischer Medikamente geschwächt sind, vor bestimmten Infektionen und Epidemien einen gewissen „Schutz“ genießen. Das kommt daher, dass der Schwerpunkt der Empfänglichkeit in zentralere Bereiche des Organismus vorgerückt ist, die Empfänglichkeit in den Randzonen folglich zu gering ist, als dass noch Symptome hervorgerufen werden könnten. In solch einem Fall ist die „Immunität“ kein Zeichen erworbener Gesundheit, sondern fortgeschrittener Degeneration.
Nehmen wir zum Beispiel an, jemand leidet an Tonsillitis purulenta Tonsillitis purulenta . Auf seinen Mandeln erscheinen Eiterstippchen, die zehn Tage mit Penicillin behandelt werden und auch rasch verschwinden. Der Patient gilt als geheilt, sobald keine Entzündungszeichen mehr im Blut nachgewiesen werden. Solche unterdrückten Anginen wiederholen sich häufig, solange das Abwehrgefüge noch kräftig genug zu reagieren vermag. Schließlich aber bricht die Verteidigungslinie zusammen; es kommt zur bakteriellen Streuung. Eine Endocarditis lenta kann nun die Folge sein, ein akutes rheumatisches Fieber oder eine bakterielle Nephritis oder Meningitis: Ernstere Erkrankungen, die in der Schulmedizin nun hohe Dosen eines gezielten Antibiotikums erfordern. Werden dagegen die Mandeln entfernt, dann reagiert der Appendix oder die Nasennebenhöhlen in späteren Jahren. Bei weiterer suppressiver Therapie stellt sich Heuschnupfen und schließlich Asthma bronchiale oder eine andere Allergie der Schleimhäute ein. Solange sich nun der Organismus mit einer solchen Behandlung auseinandersetzt, besteht für andere Infektionen eine scheinbare „Immunität“, die natürlich kein Zeichen verbesserter Gesundheit ist. Vielmehr haben wir es hier, homöopathisch gesehen, mit einer Unterdrückung zu tun: Der Organismus in seiner Gesamtheit ist durch die Behandlung viel stärker in Mitleidenschaft gezogen als im Anfangsstadium der eitrigen Mandelentzündung, d. h. die Verteidigungsbarrieren des Abwehrgefüges mussten weiter nach zentral verlagert werden.
Da die unterdrückende Wirkung von Medikamenten derart stark sein kann, dass über Jahre symptomenarme Zustände bestehen, ist es für jeden Arzt ratsam, sich gründlich über die vorangegangenen Behandlungen seines Patienten zu informieren. Es lässt sich auf diese Weise feststellen, ob Arzneimittelkrankheiten Arzneimittelkrankheit vorliegen und welche Unterdrückungseinflüsse im Leben des Patienten am stärksten waren.
Überhaupt ist es wichtig zu erkennen, welche Wirkungen solch massive und systematische Unterdrückungstherapien auf breite Bevölkerungsschichten haben. Wie schon im vergangenen Jahrhundert Ivan Illich Illich, Ivan und Allen Klass Klass, Allen 21

21

Illich I: Die Enteignung der Gesundheit. Er weist eindeutig nach, dass Verbesserungen der sanitären Einrichtungen und öffentliche Gesundheitsmaßnahmen die primäre Auswirkung auf die Gesundheit der Bevölkerung gehabt haben, während allopathische Medizin eine geringe, oft sogar eine schädigende Wirkung hatte. Klass A: There's Gold in Them Thar Pills.

sowie die WHO in einer Ausgabe des „Atlas of Health in Europe“ 22

22

World Heath Organisation (WHO): Atlas of Health in Europe (2001).

beschrieben haben, ist die Schulmedizin aufgrund ihrer Struktur gezwungen, das derzeitige Modell von Krankheit und Therapie aufrechtzuerhalten. Statistiken zeigen deutlich: Zwar haben bedrohliche akute Krankheiten seit Beginn des 20. Jahrhunderts deutlich abgenommen – wenn auch nicht unbedingt durch wirksamere Therapien –, doch sind gleichzeitig schwere chronische Krankheiten 23

23

Lilienfeld und Gifford (Hrsg.): Chronic Disease and Public Health, John Hopkins Press, Baltimore 1966, S. 8: Haupttodesursachen und ihre Häufigkeitsverteilung zwischen 1900–1960. Eine Studie von Baltimore zeigt den Anstieg chronischer Krankheiten mit dem Alter.

entsprechend häufiger geworden, z. B. Krebs, Herzleiden und Schlaganfälle 24

24

National Center for Chronic Disease Prevention and Health Promotion/Cardiovascular Health (CVH): Heart Disease and Stroke Maps.

, neurologische Erkrankungen, Epilepsie 25

25

Hauser WA, Hesdorffer DC: Epilepsy: Frequency, Causes and Consequences. National Institute of Neurological Disorders and Stroke: „Benchmarks“ for Epilepsy Research: A Guide for the General Public.

, emotionale Störungen und Geisteskrankheiten 26

26

Jackson D (Hrsg.): The Etiology of Schizophrenia. Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN): Behandlungsleitlinie Schizophrenie.

.
Daran zeigen sich die unausweichlichen Folgen, wenn die naturgesetzlichen Prozesse außer Acht gelassen werden. Würde man versuchen, diese Prozesse zu unterstützen, so würden die Statistiken ein Absinken der erwähnten Leiden zeigen. Durch das vermehrte Interesse der Öffentlichkeit an Gewichtsabnahme, natürlicher Ernährung und sportlicher Betätigung ist beispielsweise in den letzten Jahren nicht nur in den USA zum ersten Mal seit Jahrzehnten ein leichter Rückgang an Herzleiden und Schlaganfällen zu verzeichnen. Diese positive Entwicklung wird stärker zunehmen, sobald sich mehr und mehr Menschen homöopathisch behandeln lassen.

Zusammenfassung

Unterdrückende Therapien

Symptomunterdrückung
  • Allopathische Medikamente sind für den menschlichen Körper Krankheitsreize.

  • „Nebenwirkungen“ sind in Wirklichkeit Zeichen, mit denen der Abwehrgefüge auf den krank machenden Einfluss reagiert.

  • Starker Medikamentenkonsum kann das Abwehrgefüge so sehr schädigen, dass das Leiden des Patienten unheilbar wird.

  • Da allopathische Medikamente nicht nach dem Ähnlichkeitsgesetz verschrieben werden, verursachen sie beim Organismus unweigerlich neue Arzneimittelkrankheiten. Sie können zweierlei Wirkung haben:

    • a.

      einen unmittelbar krank machenden Einfluss und

    • b.

      einen unterdrückenden Einfluss, indem sie die optimale Verteidigungsbarriere des Abwehrgefüge durchbrechen.

  • Unterdrückung durch Medikamente ist ein Hauptfaktor für die alarmierende Zunahme chronischer Krankheiten in der westlichen Zivilisation.

Impfungen

Impfungen Impfungen 27

27

Anm. d. Ü.: Vergleicht man den STIKO-Impfkalender von 1980 mit den heutigen Impfempfehlungen, ist zum einen eine ungleich höhere Anzahl an Impfungen insgesamt festzustellen, zum anderen gibt es viel mehr Mehrfachimpfstoffe. Neuere Impfstoffe haben ein denkbar anderes Nebenwirkungsprofil als die älteren. Die Summe der Impfstoffadditiva ist deutlich größer als damals, ebenso die Fremdeiweiße.

gelten häufig als Beispiel für die allopathische Anwendung des Ähnlichkeitsgesetzes; oberflächlich betrachtet mag das wohl so aussehen, denn Impfstoffe sind geringe Mengen eines Materials, das gesunde Menschen krank machen kann. Wer jedoch alle in diesem Buch behandelten Prinzipien im Blick hat, wird feststellen, dass es doch grundlegende Unterschiede gibt. Mit Impfstoffen werden ganz Bevölkerungsteile ohne Rücksicht auf individuelle Unterschiede behandelt. Die ganz spezifische Empfindlichkeit, die ein Mensch für einen bestimmten Impfstoff hat, wird dabei völlig außer Acht gelassen. Von daher steht das Konzept der Impfung sogar im Widerspruch zu den homöopathischen Prinzipien. Es stellt die wahllose Applikation einer körperfremden Substanz dar, ohne dabei auf den allgemeinen Gesundheitszustand oder die Anfälligkeit für eine bestimmte Erkrankung individuell einzugehen.
Was geschieht eigentlich im Organismus, wenn ein Impfstoff verabreicht wird? Immunologische Untersuchungen können sehr genau nachweisen, welche chemischen und zellulären Reaktionen hervorgerufen werden, doch bleibt die Frage: Was geschieht im dynamischen Feld des einzelnen Menschen, wenn ein Impfstoff gegeben wird?
Die Erfahrungen qualifizierter Homöopathen haben überzeugend nachgewiesen, dass durch Impfung nicht nur tief greifende Schäden entstehen können, sondern vor allem auch chronische Krankheiten gefördert werden. 28

28

Burnett JC: Vaccinosis.

Die Impfung kann den Frequenzbereich des Organismus auf die gleiche Weise verändern wie eine schwere akute Erkrankung ( 1.8.1 ) oder allopathische Medikamente ( 1.8.2 ). Je nach der gesundheitlichen Verfassung eines Menschen kann nach einer Impfung im Wesentlichen zweierlei passieren:
  • die Impfung erzeugt keinerlei Reaktion,

  • die Impfung „geht an“, d. h. der Organismus reagiert mit bestimmten Symptomen.

Das Fehlen eine Reaktion kann bedeuten, dass der Organismus entweder sehr gesund oder aber konstitutionell stark geschwächt ist. Diese Situation ähnelt der im Kapitel 1.5.2 geschilderten, wo es im Beispiel um die Empfänglichkeit für die Gonorrhö ging. Ist die Gesundheit eines Menschen außergewöhnlich stabil – d. h. befindet sie sich am unteren Ende der Skala ( Abb. 1.5 ) –, so ist der Organismus einfach nicht empfänglich genug für den Impfstoff; es entsteht keine Resonanz und daher auch keine Reaktion. Die Impfung war unnötig und wirkungslos. Ist der Organismus andererseits sehr geschwächt, d. h. liegt seine Verteidigungsbarriere in seinem Zentrum, dann ist das Abwehrgefüge unfähig, auf den Impfstoff zu reagieren. Natürlich bestünde dann auch bei einer Epidemie keine Ansteckungsgefahr, denn in beiden Fällen besitzt der Organismus eine Frequenz, die sich erheblich von der der Krankheit, gegen die geimpft wird, unterscheidet. Reagiert der Organismus hingegen auf die Impfung, so bedeutet dies, dass der Frequenzbereich des Impfstoffes dem des Patienten ähnlich genug ist, um eine Resonanz zu erzeugen. Die Reaktion ist dann ein Zeichen, dass das Abwehrgefüge sich mit dem krank machenden Einfluss des Impfstoffes auseinandersetzt. Es gibt nun im Wesentlichen wiederum drei Reaktionsmöglichkeiten:
  • eine leichte Reaktion,

  • eine starke Reaktion mit Fieber und anderen Abwehrsymptomen,

  • eine sehr starke Reaktion mit Komplikationen, z. B. Meningitis, Enzephalitis, Lähmungen oder dergleichen.

Wir wollen kurz der Reihe nach die Bedeutung jeder einzelnen Reaktion untersuchen.
Leichte Impfreaktion
Die am häufigsten auftretende leichte Reaktion Impfreaktion zeigt die Empfänglichkeit des Patienten für die Krankheit, gegen die er geimpft worden ist; folglich erzeugt das Abwehrgefüge eine lokale Entzündung, Jucken oder Schmerz und vielleicht ein wenig Eiter. Die leichte Reaktion bedeutet jedoch auch, dass das Abwehrgefüge nicht stark genug ist, um die Wirkung des Impfstoffes vollständig aufzuheben. So bleibt also der krank machende Einfluss im Körper, und der Frequenzbereich des gesamten Organismus wird proportional zur Stärke des Impfstoffes verändert. Bei einem sehr starken Impfstoff (z. B. bei Pockenimpfung), für dessen Frequenz der Patient empfindlich ist, besteht die Möglichkeit, dass die Eigenfrequenz des Betreffenden auf eine neue Stufe wechselt und ohne die Hilfe homöopathischer Behandlung nicht mehr auf die ursprüngliche Stufe zurückkehren kann.
Dieser Wechsel zeigt sich auch daran, dass der Patient auf spätere Impfungen mit dem gleichen Impfstoff nicht mehr reagiert.
Starke Impfreaktion
Erzeugt der Impfstoff deutliche Abwehrsymptome – Fieber, Unwohlsein, Appetitlosigkeit, Muskelschmerz und dergleichen –, dann ist das Abwehrgefüge kräftiger und kann den krank machenden Einfluss des Impfstoffes möglicherweise erfolgreich bekämpfen. Eine solche Reaktion sehen wir meist bei Kindern, deren Abwehrsystem durch äußere Krankheitseinflüsse noch nicht ernsthaft geschwächt ist. Nach einer solchen erfolgreichen Abwehrreaktion besitzt der Betreffende keinen Impfschutz gegen die Krankheit.
Im Gegensatz zu einem sehr gesunden Menschen, der weder für den Impfstoff noch für den Erreger empfänglich ist, reagiert ein Mensch, der eine starke systemische Reaktion zeigt, sowohl auf den Erreger als auch auf den Impfstoff und wird möglicherweise trotz Impfung erkranken. Diese Fälle sind jedoch relativ selten, da nur wenige Menschen in unserer modernen Gesellschaft eine derart robuste Gesundheit aufweisen. Dementsprechend zeigen die Statistiken, dass die Menge derjenigen, die nicht auf die Impfung reagieren, bei etwa 10 bis 15 Prozent liegt – abhängig von der jeweiligen Art der Immunisierung. D. h. dass 10 bis 15 Prozent der Geimpften nicht geschützt sind. 29

29

Tudor V, Strati I: Smallpox: Cholera, S. 133. Robert-Koch-Institut. Epidemiologische Bulletin: Aktuelle Daten und Informationen zu Infektionskrankheiten. Eine ältere Grundlagenarbeit zum selben Thema: Wright P et al.: Safety and Antigenicity of Influenza A/Hong Kong/68-ts-1 (E) (H3N3) Vaccine in Young Seronegative Children. Journal of Pediatrics. 1975; 87: 1 109–1 116.

Leider sind solche Statistiken in Wirklichkeit weniger ein Maßstab für die Impfeffektivität als für die schlechte Gesundheit der Bevölkerung. 30

30

Anm. d. Ü.: Warum bedeutet eine Rate von 10 bis 15 Prozent, dass der Gesundheitszustand der Bevölkerung schlecht ist? Vithoulkas betrachtet das deshalb als negativ, weil die Fähigkeit, akute Krankheiten mit Fieber zu erzeugen, etwas über die Stärke des Abwehrgefüges aussagt. Lediglich bei 10 bis 15 Prozent der Geimpften ist das Abwehrgefüge stark genug, dem krank machenden Einfluss der Impfung einerseits eine entsprechende Reaktion entgegenzusetzen und ist darüber hinaus auch nach der Impfung noch dazu in der Lage, akute Krankheiten hervorzubringen.

Impfkomplikationen
Schließlich ist eine sehr starke Reaktion möglich, verbunden mit Komplikationen Impfkomplikationen . Auch in diesem Fall besitzt der Organismus große Empfänglichkeit für die Krankheit, doch ist sein Abwehrgefüge zu schwach, um den Krankheitsreiz des Impfstoffes zu bekämpfen; es entsteht eine schwere Krankheit. Dieser Fall ist der wohl tragischste. Überlebt der Patient die Komplikationen, ist seine Gesundheit auf lange Zeit schwer geschädigt. Es sind dies die Fälle, bei denen schwere chronische Krankheiten sich bis auf den Zeitpunkt der Impfung zurückverfolgen lassen. Das Abwehrgefüge ist bei solchen Patienten unter Umständen so geschwächt, dass auch bei sorgfältiger homöopathischer Therapie eine Besserung Jahre braucht. Natürlich ist es richtig, dass jemand mit so großer Empfindlichkeit im Falle einer Epidemie die gleichen Komplikationen bekommen würde; doch wie will man wissen, ob alle die Impfgeschädigten je mit der Krankheit in Kontakt gekommen wären? Jedenfalls wären alle diese Menschen bis zu einer Ansteckung von den Impfschäden verschont geblieben.
Vaccinosis
Chronische Krankheiten, die sich auf eine Impfung zurückführen lassen, werden in der Homöopathie als Vaccinosis Vaccinosis bezeichnet. Burnett Burnett, James Compton zeigt in seinen sehr ausführlichen Fallbeschreibungen, dass Impfungen bei entsprechend empfänglichen Menschen schwere gesundheitliche Dauerschäden verursachen können. Seine Beschreibungen bezogen sich auf die Folgen von Pockenimpfungen, doch sehen Homöopathen heutzutage ähnliche Fälle von Vaccinosis auch nach Impfungen gegen Tollwut, Masern, Polio, Grippe, Typhus, Paratyphus und sogar Tetanus.
Dass die Vaccinosis tatsächlich Folge der Impfung und kein bloßer Zufall ist, zeigt sich daran, dass solchen Menschen durch Verabreichung des potenzierten Impfstoffes oft sehr wirksam geholfen werden kann. Angenommen, eine Patientin hat seit einer viele Jahre zurückliegenden Pockenimpfung, auf die sie leicht reagierte, eine chronische Sinusitis. In solch einem Fall kann Variolinum Variolinum 1M (d. h. die C 1 000 des Impfstoffes selbst; auch 2.2.3 ) die Impf-Folge-Symptomatik vollständig aufheben. Oder aber es gibt Patienten, die auch auf gut gewählte homöopathische Mittel einfach nicht reagieren. Stellt man dann fest, womit sie geimpft wurden, und gibt man ihnen den Impfstoff in potenzierter Form (Nosode Nosode ) 31

31

Nosode = potenzierter Krankheitsstoff (Sputum, Eiter, Impfserum etc.; Tab. 1.9 ).

, dann wirken die angezeigten Mittel plötzlich sehr gut.

Fallbeispiel

Ich erinnere mich an den eindrucksvollen Fall einer 50-jährigen Frau, die seit Jahren unter Heuschnupfen litt. Nach der homöopathischen Behandlung war sie für über zwei Jahre von ihrem Heuschnupfen geheilt. Dann stand eine Auslandsreise bevor, und sie wurde gegen Pocken geimpft. Obgleich sie nur mit leichter, lokaler Rötung reagierte und keine Abwehrsymptome bekam, trat ihr Heuschnupfen augenblicklich wieder auf. Diesmal war die homöopathische Behandlung jedoch sehr viel schwieriger. Obwohl die gleichen Mittel wie zuvor angezeigt waren, wirkten sie nicht mehr zufriedenstellend. Variolinum stellte die Ordnung im Organismus wieder her, und das angezeigte Mittel half der Patientin von neuem.

Jeder Homöopath, der sich die Mühe macht, seine Krankengeschichte vollständig aufzunehmen, kann viele solcher Fälle zitieren. Man sieht: Auch Praktiken, die so populär und weit verbreitet sind wie das Impfen – bekanntlich einer der großen „Erfolge“ der heutigen Medizin –, können einen wesentlichen Faktor für die gesundheitliche Degeneration der Bevölkerung bilden. Ein eindrucksvolles Beispiel aus den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts war das Bemühen der US-Regierung, die gesamte Bevölkerung gegen eine erwartete Grippeepidemie zu impfen; man nahm an, sie würde so schwer werden wie diejenige von 1918. Es stellte sich dann heraus, dass der Impfstoff nicht rasch genug produziert werden konnte; das Vorhaben ließ sich daher nur teilweise durchführen, doch trat die Grippe dann gar nicht auf. Von den 50 Millionen Amerikanern, die geimpft wurden, erkrankten 581 am Guillain-Barré-Syndrom, einem von Lähmungen begleiteten Nervenleiden. Damit wurde durch die Impfung die Häufigkeit dieser Krankheit innerhalb der Gesamtbevölkerung um das Siebenfache erhöht. Man könnte Verunreinigungen des Präparats oder andere Ursachen dafür verantwortlich machen, doch vom homöopathischen Standpunkt aus sind derartige Folgen durchaus zu erwarten, wenn eine große Zahl von Menschen ohne Rücksicht auf ihre individuelle Empfänglichkeit mit einer körperfremden Substanz infiziert wird.

Zusammenfassung

Impfungen

  • Impfungen können nicht als Beispiel für die Anwendung des Ähnlichkeitsgesetzes gesehen werden. Die Infektion eines Menschen mit einem Impfstoff erfolgt wahllos und ohne Rücksicht auf den Einzelfall. Die Impfung ist ein krank machender Reiz, der die Eigenfrequenz des Abwehrgefüges verändert. Folgende Impfreaktionen sind möglich:

    • a.

      Wer auf eine Impfung nicht reagiert, ist entweder außerordentlich gesund oder konstitutionell sehr geschwächt; in beiden Fällen erlaubt das Eigenfrequenzspektrum keine Reaktion. Kommt es zu einer Epidemie, sind solche Menschen auch ohne Impfung immun.

    • b.

      Eine leichte – lokal entzündliche – Reaktion zeigt, dass das Abwehrgefüge relativ schwach ist; die veränderte „Resonanzfrequenz“ kann lange Zeit andauern und später zu chronischer Krankheit führen. In solchen Fällen reagiert der Patient meist nicht auf weitere Impfungen, was bestätigt, dass eine Frequenzänderung eingetreten ist.

    • c.

      Eine Abwehrreaktion mit Fieber, Unwohlsein usw. zeigt, dass das Abwehrgefüge stark genug ist und den Krankheitseinfluss der Impfung erfolgreich bekämpfen, d. h. restlos beseitigen kann. Danach hat der Patient keinen Impfschutz gegen die Krankheit (ca. 10–15 Prozent der Geimpften).

    • d.

      Eine Abwehrreaktion mit Komplikationen wie Enzephalitis, neurologische Störungen o. Ä. ist die schlimmste Auswirkung, die eine Impfung hervorrufen kann; die Gesundheit wird auf lange Zeit schwer beeinträchtigt. Man spricht hier von einer Impfkomplikation.

  • In chronischen Fällen von Vaccinosis (Patienten aus Punkt b und d) ist oft die passende Nosode notwendig.

Prädisposition für Erkrankungen

Vergegenwärtigen wir uns noch einmal: Krankheit ist das Ergebnis eines schädlichen Reizes, dessen Frequenz zur jeweiligen Empfänglichkeitsstufe eines Organismus in Resonanz tritt. Ein solcher Reiz ist die auslösende Ursache Ursachen auslösende einer Krankheit; es kann dies ein Mikroorganismus, ein chemischer Fremdstoff, ein seelischer Schock, ein allopathisches Medikament, eine Impfung oder irgendein anderer Einfluss wie etwa Staub, Duftstoffe, Pollen, Nahrungsmittel, ja sogar die Muttermilch sein. Damit es zur Erkrankung kommt, ist eine deutliche Empfänglichkeit für das auslösende Agens notwendig; diese Prädisposition oder Anfälligkeit wird bestehende oder konstitutionelle Ursache Ursachen konstitutionelle genannt, denn es ist die Schwäche des Abwehrgefüges, die die schlechte Verfassung unterhält, und nicht etwa die Folge auslösender Ursachen. In diesem Kapitel wollen wir nun genauer untersuchen, was konstitutionell bedingte Anfälligkeit oder Prädisposition hauptsächlich bedeutet: Worin besteht sie, wie wird sie übertragen und welche Bedeutung kommt ihr bei der Behandlung zu?
Die Empfindlichkeit eines Menschen manifestiert sich innerhalb eines eng begrenzten Krankheitsspektrums ( 1.5 ). Während seines ganzen Lebens bleibt der Einzelne auf einer bestimmten Empfänglichkeitsstufe, es sei denn, ein besonders starker Einfluss führt zu einem Stufenwechsel ( 1.8 ); dann verbleibt der Organismus – solange er nicht homöopathisch behandelt wird – auf dieser neuen Stufe. Innerhalb des Krankheitsspektrums einer Stufe sind Variationen möglich; sie hängen ab von Faktoren wie Schlaflänge, Ernährungsart, Hygiene, Stress usw. Doch ist der Organismus unfähig, aus eigener Kraft von einer Stufe zur anderen zu wechseln.
Wie wird ein Mensch überhaupt konstitutionell anfällig und für Krankheiten prädisponiert? Wie kommt es zur Schwäche in einem bestimmten Bereich? Wir wissen, dass schwere akute Krankheiten, allopathische Medikamente und Impfungen eine entscheidende Rolle spielen ( 1.8.3 ), aber es ist auch offenkundig, dass ein beträchtlicher Teil der Anfälligkeit erblich bedingt ist. Bekanntlich liegen Veranlagungen zu bestimmten Krankheiten in der Familie: Herzleiden, Krebs, Diabetes mellitus, Huntington-Chorea, Tuberkulose, Alkoholismus, Schizophrenie und viele andere. Jeder Kliniker hat auch die Beobachtung gemacht, dass in manchen Familien eine Anfälligkeit per se für schwere Krankheiten besteht. Es kann z. B. ein Patient in jungem Alter Colitis ulcerosa bekommen, obgleich niemand in seiner Familie je genau dieses Leiden hatte; eine sorgfältige Familienanamnese zeigt jedoch, dass Eltern und Großeltern ihr Leben lang an den verschiedensten Krankheiten gelitten haben. Hingegen ist eine schwere chronische Krankheit in jungen Jahren bei einem Patienten, dessen Vorfahren bis ins hohe Alter gesund waren, sehr ungewöhnlich.
Bekanntlich spielen bei der Vererbung der Konstitution genetische Faktoren im Aufbau der DNS (Desoxyribonukleinsäure) eine Rolle. Doch das ist nicht alles. Wie wir sehen werden, kann ein Elternteil sich während seines Lebens ein Leiden zuziehen und dessen Einfluss an seine Kinder weitergeben, obgleich dieses Leiden seine genetische Struktur, soweit man das feststellen kann, in keiner Weise verändert hat. Betrachtet man dies aus dem Blickwinkel des dynamischen Feldes, kann man sich leicht vorzustellen, wie das geschehen kann: Ist die Lebenskraft der Eltern stark geschwächt, so übernimmt im Augenblick der Zeugung möglicherweise auch das elektrodynamische Feld des Kindes diese Schwäche.

Miasmenlehre nach Hahnemann

Hahnemann, Samuel Klinisch wird die „konstitutionelle Ursache“ der Krankheit deutlich, wenn ein Patient immer wieder wegen der gleichen oder einer ähnlichen Beschwerde zu uns kommt, obgleich ihm die homöopathischen Mittel in der akuten Krise jedes Mal helfen. Offenbar beeinflussen sie das Abwehrgefüge in solchen Fällen zu oberflächlich. Unzufrieden mit derartigen Teilerfolgen, verbrachte Hahnemann Jahrzehnte seines Lebens mit der Suche nach den Ursachen solch tiefer, konstitutionell bedingter Anfälligkeit. Diese Untersuchungen führten schließlich zu seinem dritten großen Beitrag für die Medizin: zur Psorallehre, der Theorie über die Miasmen (Miasma Miasma = griech. „Verunreinigung“):

„Die Krankheiten der Menschen, sind teils schnelle Erkrankungs-Prozesse des innormal verstimmten Lebensprinzips, welche ihren Verlauf in mäßiger, mehr oder weniger kurzer Zeit zu beendigen geeignet sind – man nennt sie akute Krankheiten –; teils sind es solche Krankheiten, welche bei kleinen, oft unbemerkten Anfängen den lebenden Organismus, jede auf ihre eigene Weise, dynamisch verstimmen und ihn allmählich so vom gesunden Zustande entfernen, daß die zur Erhaltung der Gesundheit bestimmte, automatische Lebens-Energie, Lebenskraft (Lebensprinzip) genannt, ihnen beim Anfange, wie bei ihrem Fortgange, nur unvollkommenen, unzweckmäßigen, unnützen Widerstand entgegensetzen, sie aber, durch eigene Kraft, nicht in sich selbst auslöschen kann, sondern unmächtig dieselbe fortwuchern und sich selbst immer innormaler umstimmen lassen muß, bis zur endlichen Zerstörung des Organismus; man nennt sie chronische Krankheiten. Sie entstehen von dynamischer Ansteckung durch ein chronisches Miasma.“ 32

32

Hahenmann S: Organon der Heilkunst (1999), § 72.

Zwölf Jahre dauerten Hahnemanns Nachforschungen zu dieser Thematik; mit unermüdlicher Ausdauer führte er bei jedem Patienten eine systematische Befragung durch und erkundigte sich dabei eingehend nach den Leiden der Eltern und Großeltern, um den Ursprung der Rückfälligkeiten zu klären. In der zweiten Auflage (1835–1839) der „Chronischen Krankheiten“ berichtet er über diese Nachforschungen. Seine Ausführungen sind so klar und beantworten so viele Fragen, die sich der Leser inzwischen sicherlich gestellt hat, dass hier ein längerer Auszug daraus folgen soll:

„Das chronische Siechtum selbst bei tadelloser Lebensweise des Kranken und bei pünktlicher Folgsamkeit desselben – ließ sich durch alle Erleichterungsmittel im Grunde nur wenig in seinem Fortgang vom homöopathischen Arzte aufhalten und verschlimmerte sich dennoch von Jahre zu Jahre […]. Ihr Anfang war erfreulich, die Fortsetzung minder günstig, der Ausgang hoffnungslos […].

Und dennoch war die Lehre selbst auf die unumstößlichsten Pfeiler der Wahrheit gestützt und wird es ewig sein […]. Die Homöopathie lehrte allein und zuerst wie die großen, in sich abgeschlossenen Krankheiten […] durch wenige kleine Gaben richtig homöopathisch gewählter Arznei sich sehr bald von ihr in Gesundheit verwandeln lassen.

Woher also jener weniger günstige, jener ungünstige Erfolg von fortgesetzter Behandlung der unvenerischen chronischen Krankheiten selbst durch die Homöopathie? Woran lag es bei den Tausenden fehlgeschlagener Bemühungen, die übrigen Krankheitsfälle langwieriger Art so zu heilen, daß dauerhafte Genesung davon erwüchse?

Vielleicht an der noch zu geringen Zahl der auf ihre reinen Wirkungen ausgeprüften, homöopathischen Heilwerkzeuge!

Hiermit trösteten sich bisher die Schüler der Homöopathie; aber dem Gründer derselben genügte diese Ausflucht oder dieser sogenannte Trost nie – auch schon deshalb nicht, weil auch der von Jahr zu Jahr sich mehrende, neue Zuwachs an geprüften, kräftigen Arzneimitteln die Heilung der chronischen (unvenerischen) Krankheiten um keinen Schritt weiter brachte, zumal da doch akute (nicht schon beim Beginn den unvermeidlichen, nahen Tod verheißende) Krankheiten bei richtig angebrachtem homöopathischen Arzneigebrauch nicht nur erträglich beseitigt, sondern mit Hilfe der nie ruhenden Lebenserhaltungskraft in unserem Organismus bald und völlig hergestellt zu werden pflegte!

Warum kann nun diese, durch homöopathische Arznei wirksam affizierte, zur Herstellung der Integrität des Organismus erschaffene und unermüdet zur Vollendung der Genesung bei selbst schweren akuten Krankheiten tätige, erfolgreiche Lebenskraft in jenen chronischen Übeln, selbst mit Hilfe der die gegenwärtigen Symptome bestens deckenden homöopathischen Arzneien, keine wahre, dauernde Genesung zu Stande bringen? Was hält sie davon ab? […] Den Grund also auszufinden, warum alle die von der Homöopathie gekannten Arzneien keine wahre Heilung in gedachten Krankheiten bringen … beschäftigte mich seit den Jahren 1816, 1817 bei Tag und Nacht und, siehe! der Geber alles Guten ließ mich allmählich in diesem Zeitraume durch unablässiges Nachdenken, unermüdete Forschungen, treue Beobachtung und die genauesten Versuche das erhabene Rätsel zum Wohle der Menschheit lösen.

Die durchgängig sich wiederholende Tatsache, daß die auch auf die beste Weise mit den bis dahin ausgeprüften Arzneien homöopathisch behandelten, unvenerischen chronischen Übel nach ihrer wiederholten Beseitigung dennoch, und zwar immer in einer mehr oder weniger abgeänderten Gestalt und mit neuen Symptomen ausgestattet wiederkehrten, ja alle Jahre mit einem Zuwachs an Beschwerden wiederkehrten, gab mir den ersten Aufschluß: daß der homöopathische Arzt bei dieser Art chronischer Übel, ja bei allen (unvenerischen) chronischen Krankheitsfällen es nicht allein mit der eben vor Augen liegenden Krankheitserscheinung zu tun habe, sie nicht für eine in sich abgeschlossene Krankheit anzusehen und zu heilen habe – welche sonst in kurzer Zeit und auf immer homöopathisch getilgt und geheilt sein worden sein müßte […], sondern daß er es immer nur mit einem abgesonderten Teil eines tief liegenden Urübels zu tun habe […], daß er folglich möglichst den ganzen Umfang aller der dem unbekannten Urübel eigenen Zufälle und Symptome erst kennen müsse, ehe er sich Hoffnung machen könne, eine oder mehrere, das ganze Grundübel mittels ihrer eigentümlichen Symptome homöopathisch deckenden Arzneien auszufinden […].

Daß aber das gesuchte Urübel noch überdies miasmatisch 33

33

Miasma: Dieser Begriff hat in der Homöopathie eine besondere Bedeutung; er beschreibt die eigenartige Empfindlichkeit eines Patienten für bestimmte Symptomabläufe, eine tief liegende Unordnung oder Disharmonie, die alle Reaktionen, aber auch Funktionen des Organismus beeinträchtigt oder färbt.

chronischer Natur sein müsse, zeigte sich mir klar in dem Umstande, weil es nie, sobald es bis zu einiger Höhe gediehen und entwickelt war, durch die Kraft einer robusten Konstitution aufgehoben, nie durch die gesundeste Diät und Lebensordnung besiegt wird oder von selbst erlischt […].

So weit war ich, als ich bei meinen Forschungen und Beobachtungen an solchen (unvenerischen) chronischen Kranken gleich anfänglich schon wahrnahm, daß die Verhinderung der Heilung der (täuschend als eigene und in sich abgeschlossene Krankheit erscheinenden) mancherlei Krankheitsfälle auf homöopathischem Wege mit den bis dahin ausgeprüften Arzneien, in den meisten Fällen, in einem, nicht selten geständigen, vormaligen Krätzeausschlag nur gar zu oft zu liegen schien. Auch datierte sich gewöhnlich der Anfang aller ihrer nachgängigen Leiden von dieser Zeit her. Zudem hatte sich bei ähnlich chronischen Kranken, welche eine solche Ansteckung nicht gestanden, auch wohl, was noch häufiger war, aus Unachtsamkeit nicht bemerkt hatten, oder sich derselben wenigstens nicht erinnern konnten, nach meiner sorgfältigen Nachforschung dennoch gemeiniglich ausgewiesen, daß sich kleine Spuren davon (einzelne Krätzbläschen, Flechten usw.) bei ihnen von Zeit zu Zeit, wenn auch selten, gezeigt hatten, als untrügliche Zeichen der ehemaligen Ansteckung dieser Art.

Diese Umstände, in Verbindung mit der Tatsache, daß unzählige Beobachtungen der Ärzte, so wie nicht selten meine eigenen Erfahrungen gelehrt hatten, wie auf durch böse Kunst unterdrückten oder durch andere Ereignisse von der Haut verschwundenen Krätzeausschlag chronische Leiden mit leichten oder ähnlichen Symptomen, bei sonst gesunden Menschen, augenscheinlich gefolgt waren, konnten mir keinen Zweifel übrig lassen über den inneren Feind, mit welchem ich es bei ihrer ärztlichen Behandlung zu tun hatte.“ 34

34

Hahnemann S: Die chronischen Krankheiten, ihre eigenthümliche Natur und homöopathische Heilung, S. 5–8 (Nachdruck 1995: S. 4–8).

Heutzutage mag vielen von uns dieses Konzept etwas zu vereinfachend erscheinen. Dennoch – es entspricht dem, was bisher über die Unterdrückung von Symptomen von der peripheren zu einer tieferen Ebene gesagt wurde ( 1.8.2 ). Es ist ein gutes Beispiel dafür, wie die Frequenz des Organismus verändert wird und dadurch eine Empfänglichkeit für schwerere Krankheiten entstehen kann. In den „Chronischen Krankheiten“ zitiert Hahnemann aus der alten Literatur eine lange Reihe von Fällen, die dieses Prinzip überzeugend darstellen:

„Ein dreizehnjähriger Knabe, von Kindheit an mit Kopfgrind (Tinea capitis) beladen, ließ sich ihn von seiner Mutter vertreiben, worauf er binnen acht bis zehn Tagen an Engbrüstigkeit (Asthma), heftigen Glieder-, Rücken- und Knieschmerzen sehr krank ward und nicht eher genas, als bis nach einem Monat der Krätzeausschlag über den ganzen Körper ausbrach (Pelargus, Storch, Obs. clin., Jg. 1722, S. 435–438).

Durch Purganzen und andere innere Arzneien ward ein Grindkopf bei einem kleinen Mädchen vertrieben; aber das Kind bekam Beängstigungen auf der Brust, Husten und große Mattigkeit, bloß als nach Aussetzen der Arzneien der Grindkopf wieder ausbrach, ward das Kind, und zwar schnell, wieder munter (Breslauer Sammlung vom Jahre 1727, S. 293).

Ein dreijähriges Mädchen hatte einige Wochen lang die Krätze, die durch Salbe vertrieben ward, worauf Tags darauf das Kind von einem Stickflusse ergriffen ward mit Schnarchen, Stummheit und Kälte des ganzen Körpers, wovon sie nicht eher genas, als bis die Krätze wieder zum Vorschein kam (Erstickungs-Katarrh, Ehrenfr. Hagedorn, hist. med. phys. Cent. I, hist. 8.9).

Ein fünfjähriger Knabe litt lange Zeit an Krätze, die durch eine Salbe vertrieben, eine heftige Schwermütigkeit mit Husten zurückließ (Riedlin, der Vater, Obs. Cent. II, obs. 90. Augsburg 1961).

Einem Mädchen von 12 Jahren ward ihre häufige Krätze durch eine Salbe von der Haut vertrieben, worauf sie in ein hitziges Fieber verfiel mit Stickhusten, Engbrüstigkeit und Geschwulst, nachgehends auch Seitenstechen. Sechs Tage hernach kam auf eine innere Arznei, welche Schwefel enthielt, die Krätze wieder zum Vorscheine und die Übel (die Geschwulst ausgenommen) verschwanden; aber nach 24 Tagen vertrocknete die Krätze abermals unter Entstehung einer neuen Brustentzündung mit Seitenstechen und Erbrechen (Pelargus, a. a. O., Jg. 1723, S. 15).

Von äußerlich vertriebener Krätze entstand Amaurose, die, als der Ausschlag wieder auf der Haut erschien, verging (Schwarzer Staar, Northof, Diss. de scabie, Gotting. 1792, S. 10).

Ein Mann, der einen oft wiederkehrenden Krätzeausschlag mit einer Salbe vertrieben hatte, fiel in epileptische Zuckungen, welche nach Zurückkehrung des Ausschlags auf die Haut wieder vergingen (Fallsucht, J. C. Carl in Act. Nat. Cur. VI, obs. 16).

Zwei Kinder wurden durch Ausbruch nässenden Grindkopfes von der Fallsucht befreit, welche jedoch heftig wiederkam, als man den Grindkopf unvorsichtiger Weise vertrieben hatte (Th. Thomposn, Medic. Rathpflege, Leipzig 1799, S. 107, 108).“ 35

35

Hahnemann S: a. a. O., S. 24–28 (Nachdruck S. 24–39).

Psora
Psora Schließlich kam Hahnemann zu dem Schluss, dass die zugrunde liegende Ursache der chronischen Krankheiten in drei Miasmen zu sehen ist. Jeder Patient kann ein einzelnes oder eine beliebige Kombination dieser Miasmen aufweisen. Das erste Miasma, das Hahnemann beschrieb, war das psorische Miasma Miasma psorische (griech. „Psora“ = Juckreiz). Seiner Ansicht nach ist es in der Menschheitsgeschichte am frühesten aufgetreten und daher die tiefste Schicht konstitutioneller Schwächung, über die sich später weitere Schichten gelagert haben. Die Krankheiten, die Hahnemann auf die Psora zurückführt, umfassen sowohl praktisch alle körperlichen Leiden einschließlich Krebs, Diabetes, Arthritis usw. als auch schwere neurologische und psychische Erkrankungen wie Epilepsie, Schizophrenie und Imbezillität.
Syphilinie
Syphilinie Das syphilitische Miasma Miasma syphilitisches ist laut Hahnemann das zweite, das die Menschheit befiel. In der akuten Syphilis-Erkrankung sieht er eine Manifestation dieser Konstitutionsschwäche (Prädisposition), doch gibt es deren noch vielerlei andere, die wir auch in den Spätstadien der anderen Miasmen beobachten können. Hahnemann zufolge wird das syphilitische Miasma durch direkte Ansteckung erworben – also durch die akute Erkrankung – oder von einem daran erkrankten Vorfahren ererbt. Diese Veranlagung wird dann von Generation zu Generation als syphilitische Prädisposition mit dafür typischen Symptomen weitergegeben.
Sykose
Sykose Das sykotische Miasma Miasma sykotisches (griech. „syco“ = Feige) steht an dritter Stelle. Diese konstitutionelle Schwächung fand Hahnemann bei Patienten, die selbst oder deren Vorfahren eine Gonorrhö durchgemacht hatten. Condylomata (Feigwarzen) u. a. Auswüchse sind für die Sykose typisch.

Chronische Schwächung des Abwehrgefüges (Empfindlichkeit)

Es sollte also klar sein, dass Hahnemann nicht die Erreger – Spirochäten oder Gonokokken – für die eigentliche Ursache der venerischen Miasmen Miasma venerisches hielt. Wie jedes krank machende Agens bewirken auch sie eine Frequenzänderung des dynamischen Feldes. Ein Patient, der schon ein durch das psorische Miasma geschwächtes Abwehrgefüge besitzt und sich dann durch Sexualverkehr eine Geschlechtskrankheit zuzieht, leidet nun nicht nur an der akuten Krankheit, sondern seine Konstitution kann im Sinne des entsprechenden Miasmas bleibend geschwächt werden. Doch nicht jeder, der sich einen Tripper holt, leidet danach am sykotischen Miasma; es entwickelt sich nur bei einem Teil akut Erkrankter. Ist das Abwehrgefüge nämlich nicht in der Lage, die Folgen der akuten Erkrankung zu beschränken, dann entsteht eine dauerhafte Schwächung des dynamischen Feldes, die von Generation zu Generation weitergegeben wird. Ein häufiges Missverständnis hinsichtlich der Miasmenlehre besteht darin, dass spezifische pathologische Befunde auf die Wirkung eines bestimmten Miasmas zurückzuführen seien. So hört man zum Beispiel oft, Ekzeme seien eine psorische Krankheit, Geschwüre seien syphilitisch und Krebs, Psoriasis und anderes eine Kombination der drei Miasmen. In Wirklichkeit können aber alle drei Miasmen jede Art pathologischer Veränderungen hervorrufen. Krebs, Diabetes, Geisteskrankheit, Imbezillität usw. können im Endstadium eines jeden Miasmas oder auch einer jeden Kombination von Miasmen auftreten. Inwieweit das Abwehrgefüge eines Menschen chronisch geschwächt ist, hängt von der Intensität der miasmatischen Einflüsse ab. Vergleichen wir beispielsweise zwei Patienten mit Leukämie, so ist das Alter, in dem die Leukämie auftritt, ein Anhaltspunkt für die Anzahl der vorhandenen Miasmen. Entsteht die Krankheit im Alter von 70 Jahren bei einem Patienten, der bis dahin gesund war, so ist wahrscheinlich nur das psorische Miasma vorhanden. Tritt sie dagegen schon in der Kindheit auf, so sind höchstwahrscheinlich mehrere Miasmen daran beteiligt. Bei der Beurteilung eines Falles ist es daher prognostisch wichtig, die Zahl der vorhandenen Miasmen festzustellen; je mehr miasmatische Belastungen vorliegen, desto langsamer reagiert der Organismus auf die Behandlung.
Seit Hahnemanns Zeiten ist die Miasmenlehre vielfach missverstanden und missbraucht worden. Viele Homöopathen ignorierten sie einfach. Man fand, sie sei zu kompliziert und ohne praktischen Wert. Oder aber man akzeptierte sie kritiklos im Vertrauen auf den großen Meister Samuel Hahnemann, dessen Erkenntnisse zweifellos genial sind. Leider hat aber solch blinder Glaube nicht nur ein echtes Verständnis der miasmatischen Idee verhindert, sondern auch ihre praktische Weiterentwicklung gehemmt. Innerhalb der Homöopathie gibt es somit zurzeit zwei unterschiedliche Richtungen hinsichtlich der Miasmenlehre. Die eine Richtung ignoriert sie völlig; die andere übernimmt sie gedankenlos und verschreibt routinemäßig bestimmte Mittel zur „miasmatischen Klärung“ des Falles (Eugenische Kur etc.). Angesichts dieser und anderer Missverständnisse über das miasmatische Konzept soll in diesem Buch anstatt „Miasma“ der Begriff Prädisposition verwendet werden. Auch werden wir nicht die zu jedem Miasma gehörigen vielfältigen klinischen Zeichen und Symptome aufzählen (sie können leicht im ersten Band der „Chronischen Krankheiten“ nachgeschlagen werden); sie könnten den Leser irreführen, sodass er womöglich anfängt, allein aufgrund der Miasmen zu verschreiben.
Ein weiteres seit Hahnemanns Zeiten bestehendes Missverständnis ist die Vorstellung zusammengesetzter Miasmen Miasma zusammengesetztes , Miasmen also, die sich aus einer Kombination von zwei oder mehr der ursprünglichen drei Miasmen gebildet haben. Das bekannteste Beispiel hierfür ist das sogenannte Tuberkulose-Miasma, das manche für eine Verkettung von Psora und Syphilis halten. Die geschichtliche Entwicklung der Krankheiten widerspricht dieser Theorie aber ganz eindeutig: Die Tuberkulose, eine der ältesten uns bekannten Krankheiten, wurde bereits an prähistorischen Skelettfunden festgestellt. Die Syphilis hingegen war in Europa unbekannt, bis sie von Kolumbus aus Nordamerika eingeschleppt wurde. 36

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Hensche F: The History of Diseases.

Prädispositionsschichten

Das Wesentliche an Hahnemanns Miasmenlehre ist die Erkenntnis der Veranlagungs- oder Prädispositionsschichten Prädispositionsschichten , die die Grundlage für das wiederholte Auftreten zeitlich begrenzter Krankheiten bilden. Wem es darum geht, seine Patienten wirklich zu heilen, der darf diese Schichten nicht unbeachtet lassen. Sind bei einem Patienten viele dieser Schichten vorhanden, wird die Heilung relativ viel Zeit brauchen. In dem Fall muss der Homöopath systematisch eine miasmatische Schicht nach der anderen abtragen, indem er sorgfältig jedes Mittel aufgrund der augenblicklichen Gesamtsymptomatik wählt ( Abb. 1.7 ). Der Einfluss des jeweiligen Miasmas prägt ein bestimmtes Symptombild, in dem jedes Symptom seine besondere Intensität hat. Um eine Schicht abzutragen, muss genau dasjenige Mittel verabreicht werden, dessen Frequenz mit dem von der betreffenden Schicht modulierten Abwehrgefüge Resonanz erzeugen kann. Im Laufe der Zeit kommt die nächste Schicht in Form eines neuen Symptombildes zum Vorschein; die mag ein ähnliches, aber durch charakteristische neue Symptome verändertes Bild sein. Ein neues homöopathisches Mittel wird für die nun oberste Schicht verschrieben. Dieser Prozess setzt sich fort, bis der Patient nach Beseitigung sämtlicher stärkerer miasmatischer Prädispositionsbelastungen allmählich einen Zustand dauerhafter Heilung erreicht. Auf jeden Fall muss immer die oberste Schicht als Erste entfernt werden. Wird ein Mittel gegeben, das einer tiefer liegenden Schicht entspricht, hat es keine durchgreifende Heilwirkung. Es kann hingegen die Symptombilder der darüber liegenden Schichten so verändern, dass die eigentlich angezeigten Mittel nicht mehr klar erkennbar sind.
Eine solche Schicht ist immer das Resultat von noch vorhandenen tiefer liegenden Schichten, die in einer ganz bestimmten Anordnung aufeinander folgen. Wird ein Mittel nicht aufgrund der vorliegenden Symptomatik des Patienten, sondern routinemäßig aufgrund früherer Ereignisse in der Krankengeschichte oder Familienanamnese verschrieben, so kann es den Heilverlauf stören und aufhalten. Schlimmer noch: Es kann das Abwehrgefüge so sehr in Unordnung bringen, dass das Bild des richtigen Mittels nun viel schwieriger erkennbar ist.
Großen praktischen Wert hat das Konzept der Veranlagung in Form von Prädispositionsschichten besonders bei chronisch kranken Patienten, bei denen es zu wiederholten Rückfällen kommt. Wenn beispielsweise jemand wegen chronischer, durch Unterkühlung entstandener furchtbarer Kopfschmerzen in der Praxis als sein homöopathisches Mittel Belladonna Belladonna erhält, und die Kopfschmerzen auf dramatische Weise verschwinden, so bleibt er möglicherweise lange Zeit gesund, wenn er eine starke Konstitution besitzt. Die meisten Patienten sind jedoch durch Erbeinflüsse, Medikamente oder Impfungen derart geschwächt, dass sich mehrere Prädispositionsschichten herausgebildet haben. Wenn der erwähnte Patient den homöopathischen Arzt erstmals aufsucht, zeigt seine Gesamtsymptomatik nämlich nur die oberste Schicht konstitutioneller Anlageschwäche. Im Laufe der Zeit kommt dann die nächste Schicht zum Vorschein, und der Patient weist neue Symptome auf, z. B. ständiges Frieren bei verstärkter Infektanfälligkeit, großes Verlangen nach Süßigkeiten und weich gekochten Eiern, Schwindel an hoch gelegenen Orten und Brennen der Fußsohlen im Bett. Der Homöopath stellt fest, dass die neuen Symptome weniger schwerwiegend sind, als es die Kopfschmerzen waren, aber immer noch die Entfaltungsfreiheit des Patienten einschränken. Er verschreibt aufgrund der veränderten Gesamtsymptomatik Calcium carbonicum, Calcium carbonicum und ohne dass die Kopfschmerzen wieder auftreten, bessert sich die Gesundheit des Patienten deutlich.
Diese zweite, tiefer gelegene Schicht hat nach Hahnemann ihren Ursprung im Einfluss des psorischen Miasmas.
Wir sehen also, wie sehr Hahnemann recht hat, wenn er sagt, die homöopathische Behandlung sei so lange fortzusetzen, bis alle Prädispositionsschichten getilgt sind. Geben Patient und Homöopath sich schon vorher zufrieden, so kann der unbehandelte Restzustand im Laufe der Zeit zu einem irreversiblen pathologischen Prozess ausarten – vor allem, wenn weitere auslösende Ursachen auftreten.
Jede Schicht zeigt sich zu Anfang in einigen scheinbar unbedeutenden Symptomen, die mitunter nur schwer erkennbar sind. Manchmal dauert es Jahre, bis das Bild klarer wird und das angezeigte Mittel verschrieben werden kann. Es kommt in schwierigen Fällen vor, dass bis zur völligen Heilung an die zwanzig Jahre sorgfältiger und geduldiger Behandlung notwendig sind.

Miasmatische Behandlung

miasmatische Behandlung Am nachhaltigsten wird die Veranlagungsschwäche des Abwehrgefüges – die Prädisposition – beeinflusst von drei Hauptfaktoren:
  • Erbeinflüsse,

  • schwere Infektionskrankheiten,

  • frühere Behandlungen und Impfungen.

Abgesehen von den Forschungsergebnissen Hahnemanns kann jeder Homöopath, der die fortschreitende konstitutionelle Degeneration der Patienten über eine längere Zeit verfolgt hat, das Vorhandensein einer ganzen Reihe von „Miasmen“ bezeugen. Zweifellos sind Psora, Syphilis und Sykose wesentliche Einflüsse, denen wir in der täglichen Praxis begegnen. Darüber hinaus werden jedoch durch Krebs, Tuberkulose und andere schwere Systemerkrankungen weitere charakteristische Prädispositionen von einer Generation zur nächsten weitergegeben. Die daraus entstehenden Pathologien sind nicht zwangsläufig identisch mit der vererbten Grunderkrankung.
Nosoden
Nosode Ein Kind beispielsweise, dessen Mutter oder Vater Tuberkulose hat, braucht selbst nicht etwa Tuberkulose zu bekommen, wird aber wahrscheinlich an Bronchialasthma, Heuschnupfen, Sinusitis, Gewichtsverlust, Nachtschweiß, Unruhe oder Angst vor Hunden leiden. All dies sind Symptomenbilder, die bei der Prüfung von Tuberkulinum Tuberkulinum – der aus Eiter eines Tuberkelabszesses hergestellten, potenzierten „Nosode“ – auftreten. Ein anderer Asthmapatient, in dessen Familie eine Häufung von Krebsfällen vorkommt, spricht vielleicht auf die aus karzinösem Gewebe gewonnene Nosode Carcinosinum Carcinosinum an.
Auch durch schwere Infektionskrankheiten kann man eine Prädisposition zu chronischen Krankheiten erwerben und sie sogar an nachfolgende Generationen weitervererben. So erleben wir Fälle, in denen gut gewählte Mittel nicht richtig wirken, sich dann aber herausstellt, dass der Patient oder ein Elternteil eine schwere Grippe durchgemacht hat. Man wird dann häufig feststellen, dass Influenzinum Influenzinum (die Nosode aus verschiedenen Grippeviren) die Blockade beseitigt.
Auch allopathische Medikamente oder Impfungen können im Organismus die Prädisposition für eine bestimmte individuell gefärbte Symptomatologie erzeugen. Pocken-, Tollwut- und Polioimpfungen, Cortison, Antibiotika, Beruhigungsmittel usw. – sie alle können das Abwehrgefüge so sehr schwächen, dass sich die verschiedensten chronischen Krankheiten zeigen. Bisher gibt es erst wenige Arzneimittelprüfungen von potenzierten Impfstoffen und pharmazeutisch entwickelten Medikamenten, sodass man gelegentlich gezwungen ist, eine Nosode nur auf vage Anzeichen hin zu verordnen. Dennoch haben Nosoden ( Tab. 1.9 ) – z. B. potenziertes Variolinum Variolinum (Nosode des Pockenimpfstoffes), Hydrophobinum Hydrophobinum , auch Lyssinum Lyssinum genannt (die bereits geprüfte Tollwutnosode), und die Penicillin Penicillin-Nosode - oder Cortison-Nosode Cortison-Nosode – manchmal eine ausgezeichnete Wirkung, und zwar wenn die Krankengeschichte des Patienten oder seiner Familie zeigt, dass nach einem dieser starken, krank machenden Einflüsse eine auffallende Veranlagung zu chronischer Erkrankung entstanden ist. Es sei aber nochmals darauf hingewiesen, dass man sich als verantwortungsbewusster Homöopath vor dem routinemäßigen Verordnen von Nosoden hüten sollte. Denn wer wahllos Mittel gibt, ohne dass die entsprechende Schicht ein deutlich erkennbares Symptomenbild hervorgebracht hat ( Abb. 1.7 ) oder ohne dass die auslösende Ursache offensichtlich ist, kann den Fall sehr verwirren.

Definition

Aufgrund der bisherigen Ausführungen lässt sich nun folgende Definition formulieren:

Ein Miasma ist eine Prädisposition zu chronischer Erkrankung, die dem jeweiligen akuten Erkranken zugrunde liegt.

Sie ist erstens von einer Generation zur anderen übertragbar und kann zweitens unter Umständen günstig beeinflusst werden durch die passende, d. h. homöopathisch angezeigte Nosode, die entweder aus dem erkrankten Gewebe oder dem entsprechenden Medikament bzw. Impfstoff durch Potenzierung hergestellt worden ist.

Aus dieser Definition wird deutlich, dass es vielerlei Miasmen gibt und dass ihre Zahl durch die immer ausgeklügelteren unterdrückenden Therapien ständig zunimmt.
Verordnung aufgrund der Gesamtsymptomatik
An einem klinischen Beispiel wollen wir nun zeigen, welchen Einfluss ererbte Prädispositionen haben und wie dieses Konzept in der Praxis zu verwenden ist.

Fallbeispiel

Nehmen wir an, ein junger Mann leidet seit Jahren unter Asthmaanfällen.

Bei jedem Anfall bekommt er ein homöopathisches Mittel: Bryonia, Bryonia Gelsemium Gelsemium , nochmals Bryonia, Eupatorium perfoliatum Eupatorium perfoliatum und schließlich Kalium carbonicum Kalium carbonicum . Jedes Mal geht der Anfall rasch vorüber, doch nach ein, zwei Jahren steht fest: Die Veranlagung, durch die es zu den Anfällen kommt, besteht unverändert fort.

Wir studieren nochmals die Symptome des gesamten Behandlungszeitraums, bemerken einige Zeichen, die auf Tuberkulinum Tuberkulinum hindeuten und forschen nach, ob ein Familienmitglied je Tuberkulose hatte. Tatsächlich stellt sich heraus, dass die Mutter daran litt; beim Sohn waren dergleichen Symptome jedoch nie aufgetreten. Da wir nun diesen relevanten Aspekt der Familiengeschichte kennen und Symptome des Patienten gleichzeitig der Arzneimittelprüfung von Tuberkulinum entsprechen, geben wir die Nosode in Hochpotenz ( 2.6 ). Tatsächlich lassen die Asthmaanfälle rasch an Stärke und Häufigkeit nach und verschwinden schließlich ganz. Nach einigen Jahren sucht derselbe Patient mit einer Periarthritis der rechten Schulter den Arzt auf; sie wird mit Sanguinaria Sanguinaria erfolgreich behandelt. Etwas später entwickelt sich Arthritis in der linken Schulter und dann im rechten Knie. Er erhält Rhus toxicodendron Rhus toxicodendron (bzw. Agaricus Agaricus ). Wieder zeigt sich eine zugrunde liegende Prädispositionsschicht, zwar weniger gefährlich als die erste, doch auch diesmal mit den im akuten Anfall verordneten Mitteln nicht ausheilbar.

Die Fallgeschichte des Vorjahres wird nochmals rekapituliert, und wir finden Hinweise auf Calcium carbonicum Calcium carbonicum ; der Patient bekommt das Mittel und ist daraufhin wieder mehrere Jahre beschwerdefrei.

Wir können diese zweite Prädispositionsschicht als psorisches Miasma bezeichnen. Dennoch wird hier nicht Psorinum Psorinum (potenziertes Sekret des Krätzebläschens) gegeben; die Symptome deuten nämlich auf Calcium carbonicum hin, und die klinisch nachweisbare Besserung bestätigt, dass die Frequenz des Mittels mit dem Frequenzbereich der zweiten Schicht in Resonanz getreten ist.

Das Beispiel verdeutlicht die Grundprinzipien, die es zu beachten gilt: Jedes Mal wird das Mittel verordnet aufgrund der Gesamtsymptomatik Gesamtsymptomatik , die sich zum entsprechenden Zeitpunkt ermitteln lässt, wenn auch während der akuten Attacken Symptome verhältnismäßig oberflächlich wirkende Mittel erfordern. Wie der praktische Teil dieses Buches zeigen wird ( Kap. 2 , Kap. 3 ), lässt sich nur selten ein Mittel finden, das zu jedem einzelnen Symptom eines Patienten passt. Daher gibt es immer einige weniger wichtige Symptome, die bei der Mittelwahl nicht berücksichtigt werden. Stellen wir jedoch nach einer Weile fest, dass wir die Prädispositionsschicht außer Acht gelassen haben, so überprüfen wir den ganzen Fall noch einmal. Vermutlich werden wir dann „verborgene“ Symptome entdecken, die uns zu dem tiefer wirkenden konstitutionellen Mittel führen. Es ist also wichtig, den Patienten auch dann wieder zu bestellen, wenn er nicht unter akuten Anfällen leidet; häufig werden die feinen Symptome in diesen relativ ruhigen Zeiten am leichtesten gefunden.
Hier stellt sich die Frage: Hätte Calcium carbonicum Calcium carbonicum nicht gleich zu Beginn der Behandlung gegeben werden können? Die Antwort lautet: Vermutlich wäre es gar nicht möglich gewesen, das Bild von Calcium carbonicum eingangs zu erkennen, denn die oberste Schicht war ja noch nicht entfernt. Hätte man aber auf gut Glück doch Calcium carbonicum gegeben, so wäre es höchstwahrscheinlich ohne Wirkung geblieben; seine Frequenz hätte zu dem Zeitpunkt keine Resonanz erzeugen können. Selbst wenn sie ähnlich genug gewesen wäre, um einige Änderungen zu bewirken, so hätten diese nicht zur Heilung geführt, sondern lediglich das Symptombild verfälscht und dadurch die Wahl weiterer Mittel erschwert. Derartige Fehler können einen Fall vollständig verwirren und dadurch die Heilung gefährden.
Einige Homöopathen beginnen die Behandlung, indem sie routinemäßig verschiedene Nosoden verordnen, die zur Anamnese und Familiengeschichte des Patienten passen. Sie sind der Auffassung, das chronische Mittel könne erst gegeben werden, nachdem man die Miasmen entfernt hat. Also verordnen sie die Nosoden z. B. einmal wöchentlich oder monatlich in einer bestimmten Reihenfolge. Dann erst folgt die konstitutionelle Aufnahme des Falles. Solche Routineverordnungen sind nicht nur äußerst gedankenlos, sie sind auch gefährlich. Wie will man wissen, welche der vergangenen Krankheiten ein Miasma hervorgerufen hat? Und wie will man die genaue Reihenfolge der Schichten feststellen? Natürlich kann eine Nosode gelegentlich helfen; doch wenn man sie nicht lange genug wirken lässt, wird ihre Heilwirkung durch die nachfolgenden Mittel wieder zerstört. Es ist in jedem Fall notwendig, eine Anamnese der gesamten Symptomatik aufzunehmen und erst dann zu verschreiben, wenn man aufgrund der dargelegten Prinzipien sorgfältig überlegt hat, welches das ähnlichste Mittel, die wirksamste Potenz und der richtige Einnahmezeitpunkt ist.
Prognostische Bedeutung des miasmatischen Einflusses
Die genaue Kenntnis der Miasmen kann zuweilen von großem prognostischem Wert sein und damit eine überzeugende Bestätigung unserer Theorie. Eine 20-jährige Frau wurde von ihrem Vater zur Praxis gebracht, weil sie seit Jahren unter schweren chronischen Kopfschmerzen litt. Nach der Fallaufnahme zeigte die Gesamtheit der Symptome, dass das indizierte Mittel Medorrhinum Medorrhinum war – eine sehr gut geprüfte, aus Trippersekret hergestellte Nosode. Der Vater der Patientin war ein einflussreicher und angesehener Politiker. Vom äußeren Eindruck her schien es unwahrscheinlich, dass er je Gonorrhö gehabt haben sollte. Doch in ein Nebenzimmer geführt und gefragt: „Haben Sie in Ihrer Jugend vielleicht einmal Tripper gehabt?“, war seine Antwort: „Wer hat ihn schon nicht gehabt!“ Die Patientin erhielt Medorrhinum und war bald geheilt.
Der Fall zeigt, dass es wichtig ist zu unterscheiden: Die Tochter selbst hatte keine Gonorrhö gehabt, es ist sogar möglich, dass ihr Abwehrgefüge zu schwach war, als dass sie sich zum damaligen Zeitpunkt überhaupt hätte anstecken können (obgleich ihr Abwehrgefüge nach der Behandlung vielleicht genügend gestärkt war, um sie empfänglich zu machen). Trotzdem zeigte sich der miasmatische Einfluss in einer spezifischen Symptomatologie, die nicht auf die bekannte venerische Pathologie beschränkt war. Besäßen wir wie in diesem Fall Prüfungen von den Nosoden aller bekannten Miasmen, so wäre das Verschreiben sicher viel leichter.
In Abb. 1.8 sehen wir eine schematische Darstellung mehrerer Prädispositionsschichten Prädispositionsschichten . Die Grundfläche einer Schicht bedeutet die größtmögliche Gesundheit innerhalb einer Schicht, die Deckfläche dagegen die größtmögliche Schwächung des Abwehrgefüges. Befindet sich nun die Gesundheit der Mutter und des Vaters an den im Diagramm eingezeichneten Stellen, so liegt die Prädisposition des Kindes irgendwo dazwischen; ihre genaue Lage hängt davon ab, wie sehr die Eltern miasmatisch belastet sind. Vor allem spielt eine entscheidende Rolle, in welcher gesundheitlichen Verfassung sie sich zum Zeitpunkt der Zeugung Zeugung befanden.
Im weiteren Sinne hängt die Gesundheit der Eltern natürlich ebenfalls von ihrer konstitutionellen Veranlagung ab. Innerhalb eines begrenzten Spielraums bestehen jedoch Variationsmöglichkeiten durch Faktoren wie Entspannung, psychischer Stress, Medikamente und Alkoholkonsum usw. Paare, die sich ein Kind wünschen, sollten daher alles in ihren Kräften stehende tun, um gesundheitlich auf der Höhe zu sein – nicht nur nach Beginn der Schwangerschaft, sondern auch schon vor und während der Zeugung. Die Schwankungen, denen ihre Gesundheit unterliegt, erklären das häufig zu beobachtende Phänomen, dass Kinder derselben Eltern unterschiedlich gesund sind. Paare, die während der Jahre, in denen sie Kinder zeugen, sorgfältig auf ihre Gesundheit achten, können ihre Kinder vor großen gesundheitlichen Problemen bewahren.

Zusammenfassung

Prädisposition für Erkrankungen

Prädisposition für Erkrankungen
  • Krankheit ist das Ergebnis einer „auslösenden Ursache“ und einer „konstitutionellen Ursache“. Letztere ist die ererbte chronische Krankheitsveranlagung – Prädisposition – oder das „Miasma“.

  • Die miasmatische Prädisposition wird nicht nur über die DNS weitergegeben; man kann auch den Einfluss von Krankheiten, die man sich im Laufe seines Lebens zuzieht, an nachfolgende Generationen weitergeben.

  • Chronische Krankheitsveranlagungen sind der Hauptgrund, warum es in einigen Fällen trotz der angezeigten Mittel immer wieder zu Rückfällen kommt.

  • Hahnemanns miasmatische Theorien sind weitgehend missverstanden oder ignoriert bzw. gedankenlos als Routinetherapie zur Beseitigung von Miasmen angewendet worden (Eugenische Kur etc.).

  • Prädispositionen können ausgemerzt werden, indem man eine Schicht nach der anderen abträgt. Wird ein Mittel zum falschen Zeitpunkt verabreicht, so hat es entweder keine Wirkung oder es richtet Schaden an, indem es die Heilung beeinträchtigt oder das Abwehrgefüge so sehr durcheinanderbringt, dass kein klares Symptombild mehr erkennbar ist.

  • Ererbte miasmatische Veranlagungen sind nicht nur auf einfache pathologisch definierte Konstitutionsmerkmale (Ekzeme, Geschwüre, Warzen etc.) zu begrenzen, sondern umfassen ein bestimmtes, dem Einfluss des Miasmas entsprechendes Krankheitsbild.

  • Ein Miasma ist dadurch charakterisiert, dass es über Generationen weitervererbt wird und durch die entsprechende Nosode oder ein oder mehrere chronisch-homöopathische Mittel beseitigt werden kann.

  • Die Prädisposition eines Kindes setzt sich aus den elterlichen Prädispositionen zusammen. Diese sind das Ergebnis sowohl ihrer allgemeinen konstitutionellen Veranlagung als auch ihrer besonderen gesundheitlichen Verfassung zum Zeitpunkt der Zeugung.

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