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B978-3-437-21521-6.00006-X

10.1016/B978-3-437-21521-6.00006-X

978-3-437-21521-6

Dosierungsempfehlungen für GlukokortikoideGlukokortikoideDosierungBetamethasonDosierungDexamethasonDosierungMethylprednisolonDosierungPrednisolonDosierungPrednisonDosierungHydrokortisonDosierung

Tab. 6.1
Dosisintervall Häufige Tagesdosis Einnahme zur Mahlzeit
Betamethason 12–24 h 6–15 mg Kein Einfluss
Dexamethason 12–24 h 0,75–3 mg Kein Einfluss
Methylprednisolon 12–24 h 4–20 mg Kein Einfluss
Prednisolon 12–24 h 5–20 mg Kein Einfluss
Prednison 24 h 25–50 mg Kein Einfluss
Hydrokortison 8–12 h 20–30 mg Kein Einfluss

Pharmakologische Angaben für GlukokortikoideGlukokortikoidepharmakologische AngabenBetamethasonpharmakologische AngabenDexamethasonpharmakologische AngabenMethylprednisolonpharmakologische AngabenPrednisolonpharmakologische AngabenPrednisonpharmakologische AngabenHydrokortisonpharmakologische Angaben

Tab. 6.2
Halbwertszeit im Plasma Wirkdauer im Gewebe Schwangerschaft Stillzeit
Betamethason 5 h > 48 h C II
Dexamethason 3,5–4,5 h > 36 h C III
Methylprednisolon 3 h > 36 h C III
Prednisolon 2–3 h 12–36 h C II
Prednison 4 h Keine Angaben C II
Hydrokortison 1–2 h 8–12 h C III

Pharmakologische Angaben für die Dosisumrechnung von GlukokortikoidenGlukokortikoideDosisumrechnungBetamethasonDosisumrechnungDexamethasonDosisumrechnungMethylprednisolonDosisumrechnungPrednisolonDosisumrechnungPrednisonDosisumrechnungHydrokortisonDosisumrechnung

Tab. 6.3
Kleinste verfügbare Tablettenstärke Tabletten teilbar in Prednisolon 7,5 mg entsprechen Betamethason 6 mg entsprechen
Betamethason 0,5 mg Hälften 1 mg 6 mg
Dexamethason 0,5 mg Hälften 1 mg 7,5 mg
Methylprednisolon 4 mg Viertel 6 mg 40 mg
Prednisolon 1,0 mg Hälften 7,5 mg 50 mg
Prednison 5 mg Hälften 7,5 mg (kann nicht verabreicht werden) 50 mg
Hydrokortison 10 mg Hälften 30 mg 200 mg

Ausschleichschema für Glukokortikoide nach einer kontinuierlichen Einnnahme über mind. 3 MonateGlukokortikoideAbsetzen

Tab. 6.4
Woche Betamethason [mg] Dexamethason [mg] Methylprednisolon [mg] Prednisolon [mg]
1 6 9 40 50
2 5,5 8,25 32 40
3 5 7,5 24 30
4 4,5 6,75 20 25
5 4 6 16 20
6 3,5 5,25 12 15
7 3 4,5 10 12,5
8 2,5 3,75 8 10
9 2 3 6 7,5
10 1,5 2,25 4 6,25
11 1 1,5 3 5
12 0,5 0,75 2 3,75
13 0,27 0 1 2,5
14 0 0 1,25
0

Endokrines System

Jürgen Herbers

  • 6.1

    Glukokortikoide H02AB238

    • 6.1.1

      Indikationen238

    • 6.1.2

      Wirkmechanismus238

    • 6.1.3

      Empfohlene Tagesdosen und Dosisbereiche238

    • 6.1.4

      Nebenwirkungen239

    • 6.1.5

      Wichtige Interaktionen240

    • 6.1.6

      Kontraindikationen242

    • 6.1.7

      Warnhinweise242

    • 6.1.8

      Pharmakologische Angaben243

    • 6.1.9

      Therapiekontrolle244

    • 6.1.10

      Alternative Behandlungen244

    • 6.1.11

      Beschwerden beim Absetzen244

    • 6.1.12

      Behandlung beenden245

    • 6.1.13

      Am Lebensende246

    • 6.1.14

      Sonstiges246

Glukokortikoide H02AB

Betamethason, Dexamethason, Methylprednisolon, Prednisolon, Prednison, Hydrokortison
Injektionspräparate sind in diesem Kapitel nicht aufgeführt.

Indikationen

  • GlukokortikoideIndikationenZustände, in denen der antiinflammatorische und immunsuppressive Effekt der Glukokortikoide erwünscht ist, v. a. als kurzzeitige Behandlung (Betamethason, Dexamethason, Methylprednisolon, Prednisolon, Prednison)

  • Hirnödem (Betamethason, Dexamethason, Methylprednisolon)

  • Substitutionstherapie bei Nebennierenrindeninsuffizienz (Hydrokortison)

Wirkmechanismus

Außer in der Substitutionstherapie einer Nebennierenrindeninsuffizienz kommt die Kortisontherapie einer Überdosierung verglichen mit dem physiologischen Zustand gleich. Dieser Effekt verursacht zusätzlich zur beabsichtigten Entzündungshemmung, Immunsuppression und Reduktion allergischer Symptome auch nicht erwünschte Nebeneffekte in verschiedenen physiologischen Prozessen. In den meisten Gewebearten finden sich Glukokortikoidrezeptoren und durch die Bindung an zytoplasmatische Rezeptoren entsteht die pharmakologische Wirkung auf zellulärer Ebene. Therapeutisch können Glukokortikoide antiinflammatorisch, antiallergisch und immunsuppressiv wirken.
BetamethasonBetamethason ist ein sehr potentes und systemisch wirksames Glukokortikoid. Da es keinen mineralokortikoiden Effekt aufweist, sind die Natriumretention und die Kaliumausscheidung unbedeutend. Aus diesem Grund ist es jedoch als einziges Glukokortikoid ungeeignet für die Substitutionstherapie. Es ist v. a. zur Initialtherapie akuter allergischer oder rheumatologischer Erkrankungen indiziert und sollte bei Langzeittherapie auf Prednison oder Prednisolon umgestellt werden.
DexamethasonDexamethason ist ein synthetisches Kortikosteroid mit hauptsächlich glukokortikoider Wirkung. Die mineralokortikoide Wirkung ist minimal, eine Natrium- oder Flüssigkeitsretention findet praktisch nicht statt. Die hypophysenhemmende Wirkung ist hingegen hoch.
MethylprednisolonMethylprednisolon ist ein Derivat aus Prednisolon. Der Wirkmechanismus ist nicht vollständig geklärt. Durch die Methylierung wurde die mineralokortikoide Aktivität fast vollständig eliminiert, weshalb nur ein geringes Risiko für Natriumretention und Ödeme besteht.
PrednisolonPrednisolon ist ein synthetisches Glukokortikoid mit mineralokortikoiden Wirkungen wie Hypokaliämie und Natriumretention. Im Körper wird Prednison in einer reversiblen Reaktion zu Prednisolon umgewandelt.
HydrokortisonHydrokortison ist ein natürlich im Körper vorkommendes Glukokortikoid mit hauptsächlich glukokortikoider und schwacher mineralokortikoider Wirkung. Es kann auch zur Substitutionstherapie verwendet werden.

Empfohlene Tagesdosen und Dosisbereiche

In Tab. 6.1 sind häufig verordnete Dosierungsbereiche für die jeweiligen Substanzen angegeben. Bei besonderem Bedarf kann jedoch auch eine höhere Tagesdosis notwendig werden. In der Langzeittherapie oder in der Ausschleichphase können auch niedrigere Dosen gegeben werden.

Nebenwirkungen

Häufige Nebenwirkungen
GlukokortikoideNebenwirkungenÖdeme, Hypertonie, Schlafstörungen, Hautatrophie, Muskelatrophie, Cushing-artige Symptome, Hemmung der körpereigenen ACTH- und Kortisolausschüttung (bei längerer Behandlung), Hypokaliämie, Natriumretention mit Hypernatriämie, negativer Stickstoffhaushalt, Immunsuppression, Osteoporose und verzögerte Wundheilung.
Das Auftreten von Nebenwirkungen hängt nicht nur von der Dosierung und der Behandlungsdauer ab, sondern auch von der individuellen Empfindlichkeit. Nach einer länger andauernden Behandlung kann praktisch jeder Patient mehr oder weniger ausgeprägte Nebenwirkungen aufweisen.
Die Entwicklung einer Osteoporose mit Erhöhung des Frakturrisikos ist eine häufige und ernste Nebenwirkung. Bis zu 50 % aller Patienten mit einer Langzeitbehandlung mit Kortison (> 6 Monate mit 7,5 mg Prednisolonäquivalent) erleiden Frakturen und dies meist während des ersten Behandlungsjahres. Die Knochendichte verringert sich während des ersten Jahres um etwa 12 %, danach jährlich um 3 %. Physiologisch verringert sich die Skelettmasse ab dem 40. Lebensjahr linear um 1 % pro Jahr. Dies deutet darauf hin, dass sich der trabekuläre Knochen schneller verringert als der kortikale. Dies wiederum erklärt, warum sich Frakturen am ehesten in Wirbeln, Rippen und Beckenknochen ereignen.

Cave

Nebenwirkungen durch eine Kortisonbehandlung sind umso häufiger und mit größeren Konsequenzen verbunden, je älter der Patient ist.

Ernsthafte Nebenwirkungen
Depression, Psychose, Aktivierung einer psychischen Erkrankung, aseptische Knochennekrose, Sehnenruptur und irreversible subkapsuläre Linsenveränderungen.
Ein weiterer bedrohlicher und unerwünschter Nebeneffekt von Kortison ist eine verschlechterte Glukosetoleranz. Dies kann dazu führen, dass ein latenter Diabetes manifest wird oder sich ein bereits manifester Diabetes verschlechtert. Glukokortikoide konkurrieren mit Insulin, wodurch sich die Insulinantwort abschwächt. Durch ein Beenden einer Glukokortikoid-Therapie kann sich die metabole Stoffwechsellage deutlich verbessern. Überwiegen die positiven Effekte einer Kortisontherapie die metabolen Probleme, sollte die diabetische Stoffwechsellage durch eine Insulintherapie korrigiert werden.

Wichtige Interaktionen

Antianginosa
GlukokortikoideAnxiolytikaFolgende Interaktionen vom Typ C oder D sind für Methylprednisolon allein beschrieben:
DiltiazemDiltiazemkann die Exposition von Methylprednisolon erhöhen. Eine gleichzeitige Gabe beider Substanzen muss zwar nicht vermieden, eventuelle Nebenwirkungen jedoch beobachtet werden. Eventuell muss die Dosis von Methylprednisolon um etwa 50 % gesenkt werden.
Antibiotika
GlukokortikoideInteraktionenGlukokortikoideAntibiotikaFolgende Interaktionen vom Typ C oder D sind für Methylprednisolon allein beschrieben:
ClarithromycinClarithromycinDie Plasmakonzentration von Methylprednisolon erhöht sich und die Wirkung verlängert sich. Beachte eventuelle Nebenwirkungen, besonders Cushing-Symptomatik. Bei Bedarf muss die Methylprednisolon-Dosis gesenkt werden. Um Interaktionen zu vermeiden, kann Roxithromycin oder Azithromycin anstelle von Clarithromycin gegeben werden.
TelithromycinTelithromycinDie Konzentration von Methylprednisolon erhöht sich und die Wirkdauer kann sich verlängern. Beachte eventuelle Nebenwirkungen, bei Bedarf Senkung der Methylprednisolon-Dosis. Anstelle von Telithromycin kann Azithromycin oder Roxithromycin gegeben werden.
Antiemetika
GlukokortikoideAntiemetikaFolgende Interaktionen vom Typ C oder D sind für Dexamethason beschrieben:
AprepitantAprepitantDie Dexamethason-Konzentration kann sich erhöhen. Die Dexamethason-Dosis sollte um 25–50 % gesenkt werden.
Folgende Interaktionen vom Typ C oder D sind für Methylprednisolon allein beschrieben:
AprepitantAprepitantDie Konzentration von oral verabreichtem Methylprednisolon kann ansteigen. Die Methylprednisolon-Dosis muss bei oraler Gabe ggf. um etwa 50 %, bei parenteraler Gabe um etwa 25 % gesenkt werden.
Antiepileptika
GlukokortikoideAntiepileptikaFolgende Interaktionen vom Typ C und D sind für sämtliche Glukokortikoide beschrieben:
CarbamazepinCarbamazepin, PhenobarbitalPhenobarbitalDie Wirkung von Kortikosteroiden kann sich abschwächen. Der Kortisoneffekt sollte klinisch sorgfältig kontrolliert und ggf. die Kortisondosis angepasst werden. Oxcarbazepin, Lamotrigin oder Gabapentin können Alternativen mit einem geringeren Interaktionsrisiko darstellen.
PhenytoinPhenytoinKann die Plasmakonzentration von Kortikosteroiden verringern und dadurch die Wirkung abschwächen. Sowohl erniedrigte als auch erhöhte Phenytoin-Konzentrationen sind beschrieben. Die Kortisonwirkung sollte klinisch gut beobachtet, die Dosis ggf. angepasst und die Plasmakonzentration von Phenytoin kontrolliert werden.
Antimykotika
GlukokortikoideAntimykotikaFolgende Interaktionen vom Typ C und D sind für Prednisolon und Prednison beschrieben:
FluconazolFluconazolErhöht die Plasmakonzentration von Prednisolon (Metabolit von Prednison); ggf. muss die Dosis von Prednison/Prednisolon bei gleichzeitiger Einnahme angepasst werden. Alternativ zu Fluconazol kann Terbinafin bei Haut- oder Nagelmykosen gegeben werden.
Folgende Interaktionen vom Typ C oder D sind für Dexamethason beschrieben:
CapsofunginCapsofunginDexamethason kann die Plasmakonzentration von Capsofungin senken; ggf. müssen 70 mg Capsofungin täglich gegeben werden.
ItraconazolItraconazolDie Plasmakonzentration von Dexamethason erhöht sich. Dies kann zu einer Nebennierenrindendepression führen; die Dexamethason-Dosis muss ggf. angepasst werden. Zur Behandlung von kutanen Mykosen kann Terbinafin als Alternative zu Itraconzol eingesetzt werden.
Folgende Interaktionen vom Typ C oder D sind für Methylprednisolon allein beschrieben:
ItraconazolItraconazolDie Plasmakonzentration von Methylprednisolon erhöht sich. Die Dosis von Methylprednisolon muss ggf. angepasst werden. In der Behandlung kutaner Mykosen kann anstelle von Itraconazol Terbinafin gegeben werden.
KetoconazolKetoconazolDie Plasmakonzentration von Methylprednisolon erhöht sich bei gleichzeitiger Gabe von Ketoconazol. Eventuell muss die Dosis von Methylprednisolon um etwa 50 % gesenkt werden. In der Behandlung kutaner Mykosen kann anstelle von Ketoconazol Terbinafin gegeben werden.
PosaconazolPosaconazol, VoriconazolVoriconazolDie Plasmakonzentration von Methylprednisolon erhöht sich, eine Nebennierenrindenhemmung kann auftreten. Gegebenenfalls muss die Dosis von Methylprednisolon angepasst werden.
Antithrombotische Mittel
Glukokortikoideantithrombotische MittelFolgende Interaktionen vom Typ C und D sind für sämtliche Glukokortikoide beschrieben:
WarfarinWarfarin, PhenprocoumonPhenprocoumonDas Risiko für gastrointestinale Blutungen erhöht sich, besonders bei Patienten mit GI-Blutungen in der Anamnese. Mittels INR-Messungen lässt sich das Blutungsrisiko nicht ausreichend einschätzen. Auch der Hämoglobinwert muss kontrolliert werden, um frühzeitige GI-Blutungen zu entdecken. Die zusätzliche Gabe eines PPI sollte erwogen werden.
Immunsuppressiva
GlukokortikoideImmunsuppressivaFolgende Interaktionen vom Typ C oder D sind für Methylprednisolon allein beschrieben:
CyclosporinCyclosporinDie Konzentration beider Substanzen kann sich markant erhöhen, weshalb die Blutspiegel beider Substanzen kontrolliert werden sollten. Klinisch sollten Zeichen einer zu hohen Kortisondosierung beobachtet werden; ggf. muss die Dosis beider Medikamente reduziert werden.
Folgende Interaktionen vom Typ C oder D sind für Methylprednisolon, Prednisolon und Prednison beschrieben:
TacrolimusTacrolimusDie Plasmakonzentration von Tacrolimus verringert sich bei gleichzeitiger Gabe eines Glukokortikoids und kann sich umgekehrt beim Absetzen eines Glukokortikoids erhöhen. Die Blutkonzentration von Tacrolimus sollte überwacht werden, besonders bei Dosisänderungen des Glukokortikoids.
Lipidsenker
GlukokortikoideLipidsenkerFolgende Interaktionen vom Typ C oder D sind für Hydrokortison allein beschrieben:
ColestyraminCholestyraminDie Exposition von Hydrokortison kann sich bei gleichzeitiger Gabe um etwa 40 % verringern. Hydrokortison und Colestyramin sollten mit 4 Stunden Abstand voneinander eingenommen werden. Die klinische Wirkung von Hydrokortison sollte überwacht und die Dosis von Methylprednisolon ggf. erhöht werden.
Tuberkulosemittel
GlukokortikoideTuberkulosemittelFolgende Interaktionen vom Typ C und D sind für sämtliche Glukokortikoide beschrieben:
RifampicinRifampicinDer Kortisonspiegel im Plasma kann sich verringern und dadurch kann sich die Wirkung abschwächen. Möglicherweise muss die Kortisondosis erhöht werden. Wie hoch die Dosis gesteigert werden muss, ist jedoch kaum vorherzusagen.
Folgende Interaktionen vom Typ C und D sind für Prednisolon und Prednison beschrieben:
RifabutinRifabutinKann die Konzentration und damit die Wirkung von Prednison/Prednisolon verringern. Werden diese Substanzen zusammen verabreicht, muss die Kortikosteroid-Dosis ggf. erhöht werden. Wie hoch diese Dosisänderung sein muss, ist jedoch kaum vorherzusagen.
Mineralstoffe
GlukokortikoideMineralstoffeFolgende Interaktionen vom Typ C oder D sind für Dexamethason beschrieben:
MagnesiumMagnesiumDie Aufnahme von Dexamethason kann sich bei gleichzeitiger Behandlung mit magnesiumhaltigen Antazida deutlich verringern (um bis zu 75 %). Die Einnahme beider Substanzgruppen sollte 2–4 Stunden auseinanderliegen.

Kontraindikationen

GlukokortikoideKontraindikationenSystemische Pilzinfektionen.

Warnhinweise

GlukokortikoideOsteoporoseBei latentem oder manifestem Diabetes müssen die Vorteile einer Glukokortikoid-Behandlung sorgfältig mit den Nachteilen abgewogen werden. Da Glukokortikoide auf Rezeptorebene mit Insulin konkurrieren, kann sich die metabole Situation verschlechtern. Dies lässt sich jedoch mit einer erhöhten Insulindosis und regelmäßigen Blutzuckerkontrollen kompensieren.
Bei bekannter Osteoporose verschlechtert sich die Erkrankung nach 3-monatiger kontinuierlicher Behandlung mit einem Glukokortikoid, weshalb eine solche Behandlung gut geplant werden muss. Bei bestehendem Magen- oder Duodenalulkus kann sich durch eine Glukokortikoid-Therapie leicht eine Verschlechterung einstellen, wenn nicht gleichzeitig eine Ulkusbehandlung durchgeführt wird.
Bei Herzinsuffizienz, Niereninsuffizienz und Hypertonie ist besondere Vorsicht geboten, da Kortikosteroide Flüssigkeitsretention und Elektrolytstörungen verursachen können, wodurch sich diese Erkrankungen verschlechtern können.
Glukokortikoide sollten nicht bei infektiösen Erkrankungen ohne gleichzeitige kausale Behandlung gegeben werden.
Kortikosteroide in relativ hoher Dosierung können mit einer aktiven Immunisierung interferieren. Eine Lebendimpfung sollte daher sorgfältig überwacht werden.
Eine Behandlung mit einem Glukokortikoid kann zum Ausbruch einer latent vorliegenden psychischen Erkrankung und nicht selten zu einer kognitiven Beeinträchtigung führen, besonders bei Älteren und bei dazu prädisponierten Patienten.

Pharmakologische Angaben

Die Angaben in Tab. 6.2 beruhen auf verfügbaren Daten zu den Substanzen in Tablettenform.
Tab. 6.3 zeigt die relativen Dosisäquivalente bei erhältlichen Tabletten. Muss ein Glukokortikoid durch ein anderes ersetzt werden, liefert diese Tabelle die Dosisumrechnung.

Therapiekontrolle

Da bei allen mit einem Glukokortikoid behandelten Patienten früher oder später Nebenwirkungen auftreten, muss eine solche Therapie sorgfältig und regelmäßig überwacht werden. Das Ziel hierbei ist, die Therapiedauer möglichst zu begrenzen und die geringstmögliche Tagesdosis zu wählen. Dies kann bedeuten, dass nach einer Ausschleichphase ein Absetzversuch unternommen wird und vom behandelnden Arzt die niedrigstmögliche Dosierung mit noch ausreichender Linderung angestrebt wird. Der natürliche Verlauf von behandelten Erkrankungen bietet immer wieder die Möglichkeit, die Dosis zu reduzieren oder einen Absetzversuch zu unternehmen.
Leider kommt es immer wieder vor, dass eine Kortisonbehandlung hoch dosiert über längere Zeit gegeben und nicht evaluiert wird. Hierdurch werden Patienten unnötig Risiken und Beschwerden ausgesetzt, die durch einen bereits bei Behandlungsbeginn erstellten klaren Behandlungs- und Auswertungsplan hätten vermieden werden können.

Alternative Behandlungen

Systemische Glukokortikoid-Therapien sollten wo immer möglich durch Lokalbehandlungen ersetzt werden, z. B. bei Asthma, entzündlicher Darmerkrankung, Gelenkentzündungen, allergischer Rhinitis und Hauterkrankungen. Allerdings können auch Lokalbehandlungen mit einem Glukokortikoid auf Dauer Nebenwirkungen verursachen, wenn auch in deutlich geringerem Ausmaß.
In der antiinflammatorischen Behandlung sind NSAR häufig eine gute Alternative (Kap. 7.1)
Bei allergischen Zuständen ist eine Kortisonbehandlung in den meisten Fällen nicht notwendig und kann bei Gabe über mehrere Wochen sogar ungeeignet sein. Hier sind in den meisten Situationen mit lokaler allergischer Reaktion Antihistaminika die bessere Wahl.

Beschwerden beim Absetzen

GlukokortikoideAbsetzenBereits im Jahr 1960 wurden Absetzbeschwerden nach Beenden einer Glukokortikoid-Therapie beschrieben. Da Kortison in mehrere physiologische Prozesse eingreift, bewirkt das plötzliche Absetzen einer Langzeitbehandlung große Beschwerden: Fieber, Appetitverlust, Übelkeit, Gewichtsverlust, Gelenk- und Muskelschmerzen, Stimmungsschwankungen und Herzrasen. Diese Beschwerden können immer wieder als ein Wiederauftreten der Symptomatik der ursprünglich behandelten Erkrankung fehlgedeutet werden und erzeugen so beim Patienten eine innere Ablehnung gegen eine Dosisreduktion oder ein Absetzen der Behandlung.
Eine Behandlung mit max. 10 mg/d Prednisolon über nicht mehr als 3 Wochen verursacht selten eine bleibende Hemmung der körpereigenen Kortisolproduktion. Wird jedoch ein Glukokortikoid nach einer längeren Behandlungsdauer abrupt abgesetzt, bleibt ACTH, das die körpereigene Kortisolproduktion stimuliert, über eine gewisse Zeit weiter gehemmt. Nach längerer Kortisongabe entwickelt sich außerdem eine Nebennierenrindenatrophie, die über mehrere Monate nach Absetzen von Kortison bestehen kann.

Behandlung beenden

GlukokortikoideTherapieendeGlukokortikoide sollten langsam nach einem besonderen Schema ausgeschlichen werden. Nach einer oralen Akutbehandlung über 2–3 Wochen, z. B. bei Asthma, kann Kortison jedoch direkt abgesetzt werden, ohne dass Absetzbeschwerden befürchtet werden müssen.
Bei einer Behandlungsdauer > 3 Wochen und < 3 Monate wird die Dosis wöchentlich 2–4 Wochen lang um 25–50 % reduziert. Je kürzer die Behandlungsdauer war, umso schneller kann das Ausschleichen erfolgen. Auch frühere Therapieperioden müssen mit beachtet werden, besonders Perioden aus dem Vorjahr, da diese ein etwas langsameres Ausschleichen notwendig machen können.
Das Schema in Tab. 6.4 dient als Unterstützung zum Ausschleichen einer oralen Kortisonbehandlung nach einer kontinuierlichen Einnahme über mind. 3 Monate. Dabei muss sowohl die Krankheitsaktivität als auch eine eventuell während der Reduktion entstehende Absetzsymptomatik beachtet und die Dosierung entsprechend angepasst werden. Treten Beschwerden auf, kann die Dosierung derjenigen Woche, die eine akzeptable Balance bot, erneut gegeben und danach jeder Reduktionsschritt von 1 auf 2 Wochen verlängert werden.
Beachte: Die Dosen in derselben Spalte sind nicht als äquipotent anzusehen. Die interindividuelle Variation ist beträchtlich. Und auch bei Befolgen dieses Ausschleichschemas kann eine vorübergehende Hemmung der Kortisolproduktion auftreten.

Am Lebensende

Die antiinflammatorischen Effekte der Glukokortikoide können am Lebensende von großem Nutzen sein. Dies gilt besonders bei malignen Erkrankungen und speziell bei Ödemen, die Tumoren umgeben. Um Hirntumoren entstehen häufig Hirnödeme; eine hohe Dosis Betamethason (8–32 mg) kann für eine gewisse Zeit Kopfschmerzen, Müdigkeit, Somnolenz und Übelkeit lindern, wahrscheinlich bedingt durch eine lokale Ödemreduktion. Bei abdominellen Tumoren oder Ileus-Symptomatik können Glukokortikoide lokale Schmerzen, Krämpfe und Übelkeit/Erbrechen mindern und den Allgemeinzustand für eine gewisse Zeit verbessern. Diese Möglichkeit einer kurzfristigen Verbesserung ist von großer Bedeutung, wenn in naher Zukunft liegende wichtige Ereignisse wie z. B. die Taufe eines Enkels, eine kürzere Reise oder ein Geburtstag damit noch ermöglicht werden können.
Glukokortikoide wie Betamethason oder Dexamethason lindern effektiv zytostatikabedingte Übelkeit und diffuse Übelkeit in einer palliativen Situation. Glukokortikoide mit mineralokortikoidem Effekt (auch erst bei höherer Dosierung) wie Prednisolon und Methylprednisolon sind in der palliativen Situation ungeeignet, da sich Ödeme oder Elektrolytstörungen bilden können.
Treten Schluckschwierigkeiten auf, ist es wichtig, eine bestehende oral verabreichte Glukokortikoid-Therapie nicht zu beenden, sondern parenteral in Form von täglichen Injektionen fortzusetzen. Dies verhindert Absetzreaktionen und eine plötzliche Verschlechterung des Zustands bei einem Rezidiv von Tumorödemen. Bei einem Hirnödem kann diese Verschlechterung den intrakraniellen Druck erhöhen und ernste Folgen haben.

Sonstiges

In der Nebennierenrinde werden Kortikosteroide (v. a. Kortisol) und Mineralokortikoide (v. a. Aldosteron) gebildet. Die Kortisolsekretion ist während der frühen Morgenstunden am höchsten, am Abend niedriger und nach Mitternacht am niedrigsten. Nach den Mahlzeiten und nach Anstrengung kann eine leichte Erhöhung beobachtet werden. Glukokortikoide wirken sowohl auf den Glukose- als auch auf den Fettgewebsstoffwechsel. In der Muskulatur, im Knochengewebe und im Bindegewebe entstehen katabole Effekte unter dem Einfluss von Glukokortikoiden.
Eine Kortisontherapie ist die häufigste Ursache für sekundäre Osteoporose. Da die der Kortisonbehandlung zugrunde liegende Erkrankung selbst negative Auswirkungen auf den Knochenumsatz haben kann, kann dies die Situation noch verkomplizieren und das Frakturrisiko weiter erhöhen. Patienten mit Kortison haben einen geringeren Verlust an Knochenmasse, wenn sie zusätzlich mit Vitamin D und Kalzium behandelt werden.
Studien deuten darauf hin, dass die tägliche Kortisondosis von größerer Bedeutung ist als die kumulativ eingenommene. Eine Prednisolon-Dosis von mind. 5 mg/d gibt Anlass zu einer Osteoporoseprophylaxe, besonders bei einer Behandlungsdauer ≥ 3 Monaten. In diesem Fall sollten Bisphosphonate angeboten werden, besonders bei Fragilitätsfrakturen.
Während der Einnahme von Glukokortikoiden ist das Risiko von oberen gastrointestinalen Blutungen und Läsionen leicht erhöht. Dieses Risiko steigt markant an, wenn zusätzlich NSAR oder ASS gegeben werden. Eine Kortisonbehandlung allein ohne anamnestische gastrointestinale Beschwerden bedarf keiner speziellen Vorsichtsmaßnahmen. Liegen hingegen anamnestisch gastrointestinale Beschwerden vor oder wird Kortison mit einem anderen Medikament kombiniert, welches das Blutungsrisiko erhöht, sollte die Magenschleimhaut in erster Linie mit einem PPI geschützt werden.
Eine niedrig dosierte Glukokortikoid-Therapie hat keine offensichtlichen Auswirkungen auf das kardiovaskuläre Risiko. Eine Studie konnte jedoch zeigen, dass eine hoch dosierte Therapie mit kardiovaskulären Komplikationen assoziiert ist. Eine andere Studie konnte ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinsuffizienz und ischämische Herzerkrankung nach einer systemischen Glukokortikoid-Therapie nachweisen.
Ein Cochrane Review verglich die orale mit der parenteralen Gabe von Kortison bei MS-Schüben. In den vier Studien, die die geforderten Kriterien erfüllten, konnte weder in der klinischen noch in der pharmakologischen Wirkung ein Unterschied nachgewiesen werden.
Steroidbehandlung > 1 Jahr kann zu irreversiblen subkapsulären Linsenveränderungen im Auge führen. Bei hoher Tagesdosis erhöht sich das Risiko, z. B. bei Prednisolon ≥ 15 mg/d.

Referenzartikel und andere Quellen

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