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B978-3-437-24025-6.00009-7

10.1016/B978-3-437-24025-6.00009-7

978-3-437-24025-6

Abb. 9.1

Erythema chronicum migransErythema chronicum migrans

a: Sich zentrifugal ausbreitendes, flaches Erythem mit zentraler Abblassung

b: Kräftiges, homogenes Erythem ohne zentrale Abblassung; konzentrische Ausbreitung.

c: Lyme-Borreliose mit Daktylitis: Wurstförmig deformierte, gerötete 4. Zehe am linken Fuß (klinisch weiterhin Gonarthritis rechts; nicht abgebildet)

d: Lyme-Barreliose mit Acrodermatitis chronica atrophicans HerxheimerAcrodermatitis chronica atrophicans Herxheimer: blau-rotes, teilweise livides Erythem an Unterschenkel und Fußrücken mit ausgeprägter Hautatrophie (zigarettenpapierdünne Hautfältelung und Venentransparenz); Poikilodermie

Abb. 9.2

Erysipel

a: Schwellung des Unterschenkels, flächenhaftes Erythem; besonders am distalen Unterschenkel ödematöse Hautveränderungen mit Bläschenbildung

b: Hochrote Verfärbung mit ausgeprägter Schwellung des Unterschenkels und des Fußrückens rechts, z. T. mit Sugillationen und einer Blase prätibial; weniger ausgeprägte Veränderungen auch am linken Bein bei rezidivierendem ErysipelErysipel mit LymphödemLymphödembei Erysipel des rechten Beines

c: Gesamter rechter Oberschenkel gerötet, scharf gegen gesunde Bauchhaut abgegrenzt (rezidivierendes Erysipel mit beginnendem Lymphödem)

d: Gesichtserysipel: Rötung und Schwellung von Nasen- und Wangenregion, teilweise scharf begrenzt (Foto: Bernard A. Cohen, Pediatric Dermatology, 4. Auflage, Saunders 2003)

Abb. 9.3

ErysipeloidErysipeloid (Rotlauf): livid-rote Verfärbung besonders am 3. Finger der rechten Hand (schmerzlos), scharf abgegrenzt, leichte lokale Schwellung

Abb. 9.4

MasernMasern

a: Unregelmäßig begrenztes, konfluierendes, makulöses, rötliches Exanthem an Kopf und Hals sowie am Stamm und an den oberen Extremitäten und Lichtscheu (Foto: Frau PD Dr. Holst, Kiel)

b: Unregelmäßig begrenztes, konfluierendes Exanthem (Foto: Dr. Förster, Leipzig, aus Otto und Gruber, Poliklinische Blickdiagnostik, Gustav Fischer Verlag, Jena, 1976)

c: Makulopapulöses Exanthem, erhabene Flecken, konfluierend für 4–7 Tage, nur geringer Juckreiz (Foto: Prof. Dr. T. Dirschka, Wuppertal)

Abb. 9.5

Scharlach

a: Plötzlich aufschießendes kleinfleckiges, aber konfluierendes rotes Exanthem (Foto von Dr. Förster, Leipzig, aus Otto und Gruber, Poliklinische Blickdiagnostik, Gustav Fischer Verlag, Jena 1976)

b: Feinfleckiges, kleinpapulöses dichtstehendes blaurosa bis hellrotes Exanthem am Rücken; Beginn am Hals-Brust-Bereich bzw. Achsel-Leisten-Bereich. Gesicht ausschlagfrei, sogar periorale Blässe. Wenig oder kein Juckreiz (Foto: Prof. Dr. med. Marre, Ulm)

c: Groblamelläre Schuppung an den Händen bei ScharlachScharlach (Foto: Dr. Förster, Leipzig, aus Otto und Gruber, Poliklinische Blickdiagnostik, Gustav Fischer Verlag, Jena, 1976)

d: Rötung der Schleimhaut und Schwellung der fungiformen Papillen, HimbeerzungeHimbeerzunge (syn. ErdbeerzungeErdbeerzunge) an der vorderen Zungenpartie (nach Abstoßung des Belags am 2. bis 3. Tag) (Foto: Dr. Förster, Leipzig, aus Otto und Gruber, Poliklinische Blickdiagnostik, Gustav Fischer Verlag, Jena, 1976)

Abb. 9.6

Kleine blass-rosarote Effloreszenzen, nicht konfluierend bei Röteln (Foto von Dr. Förster, Leipzig, aus Otto und Gruber, Poliklinische Blickdiagnostik, Gustav Fischer Verlag, Jena, 1976)

Abb. 9.7

Ringelröteln

a: Erythema infectiosumRingelröteln bei Parvovirus-B19-Infektion: girlandenförmiges, netzartiges makulöses Erythem an beiden Handrücken und Erythem im Bereich der Fingergelenke (Streckseiten)

b: Unregelmäßige, randbetonte girlandenförmige Rötungen und lateral einige erhabene Effloreszenzen am Unterarm (Foto: W.D. James, T.Berger, D. Elston: Clinical Dermatology, Elsevier Saunders 2011)

Abb. 9.8

Pfeiffer-Drüsenfieber:Pfeiffer-Drüsenfieber flüchtiges, kleinfleckiges Exanthem (rubeolaähnlich) (Foto von Dr. Förster, Leipzig, aus Otto und Gruber, Poliklinische Blickdiagnostik, Gustav Fischer Verlag, Jena, 1976)

Abb. 9.9

Varizellen (WindpockenWindpocken)

a: Den gesamten Körper bedeckendes Exanthem. Neben Roseolen (hellrote Hautflecke) finden sich Papeln, vereinzelte Bläschen sowie Krusten.

b: Kleinherdiges makulopapulöses Exanthem an der Kopfhaut, z. T. mit Bläschenbildung (Foto von Frau PD Dr. Holst, Kiel)

c: Makulopapulöse, z. T. krustöse Veränderungen perioral (v. a. rechts), einzelne makulopapulöse Mundschleimhautveränderungen mit angedeuteter Bläschenbildung (Foto von Frau PD Dr. Holst, Kiel)

d: Makulopapulöses Exanthem und Krusten, insgesamt ein polymorphes Bild („Sternenhimmel“)

Abb. 9.10

Parotitis

a: Marantische Parotitis rechts mit schmerzhafter Schwellung vor und unter dem rechten Ohr bei generalisiertem Tumorleiden.

b: Mumps-Parotitis: Anschwellen der Ohrspeicheldrüsen, zunächst nur einseitig („Hamsterbacken“), Abheben des Ohrläppchens (Foto: Priv.-Doz. Dr. med. Heumann, Stuttgart)

Abb. 9.11

Typhuszunge: grau-gelblicher, etwas erhabener Belag an der Zungenoberseite unter Auslassung der Zungenränder und der Zungenspitze

Abb. 9.12

AIDS

a: HaarleukoplakieHaarleukoplakie der Zunge bei HIV-Infektion (Kategorie B). Am seitlichen Zungenrand bizarr begrenzter, weißlich-leukoplakischer Herd mit fadenförmigen Keratosen (Foto aus Rassner, Hrsg., Dermatologie, Urban & Schwarzenberg 1992)

b: Kaposi-SarkomKaposi-Sarkom bei HIV-Infektion (Kategorie C): multiple, livid-braune, ovale, weiche Knötchen im Verlauf der Hautspaltlinien am Stamm (Foto aus Rassner, Hrsg., Dermatologie, Urban & Schwarzenberg 1992)

c: Kaposi-Sarkom bei HIV-Infektion (Kategorie C): multiple, dunkle, braun-rote Hauttumoren (Papeln und Knoten), den Hautspaltlinien folgend (Foto aus Classen et al., Hrsg., Differenzialdiagnostik Innere Medizin, Urban & Schwarzenberg 1994)

Abb. 9.13

Endocarditis acuta

a: Einzeln stehende, kleine Hämorrhagien an der Großzehenkuppe (druckdolent!)Endocarditis acuta

b: Rot-schwärzliches (schmerzhaftes) Knötchen an der Fingerkuppe (sog. Osler-Knötchen) sowie kleinpunktuelle und z. T. strichförmige subunguale Blutungen im distalen Anteil des Nagelbetts (sog. Splinterblutungen) (Foto aus Classen et al., Hrsg., Differenzialdiagnostik Innere Medizin, Urban und Schwarzenberg, 1994)

Abb. 9.14

Herpesinfektion

a: Gruppiert stehende Bläschen auf gerötetem, etwas erhabenem Grund im Bereich der Lippen und perioral bei Herpes labialis et facialisHerpes labialis et facialis (Foto von Dr. Förster, Leipzig, aus Otto und Gruber, Poliklinische Blickdiagnostik, Gustav Fischer Verlag, Jena, 1976).

b: Gingivostomatitis herpeticaGingivostomatitisherpetica. Am Zungenrand mehrere gruppiert stehende Bläschen auf gerötetem Grund (schmerzhaft!), verkrustete Lippenerosionen. Schmerzbedingte Nahrungskarenz verursachte den flächenhaften, weißlich-bräunlichen Zungenbelag.

(Foto aus Rassner, Hrsg., Dermatologie, Urban und Schwarzenberg, 1992)

Abb. 9.15

Zoster haemorrhagicusZosterophthalmicus et haemorrhagicus

a: Hämorrhagien, Bläschenbildungen und kleine Hautnekrosen am Oberlid und an der Stirn rechts mit periorbitaler erythematöser Schwellung (Zoster ophthalmicus)

b: Hautrötungen, in denen Bläschen aufschießen (konfluierend), mit z. T. hämorrhagischen Inhalt, zwei schwärzliche Areale

c: Fleckige Hautrötungen, konfluierende Bläschen mit z. T. hämorrhagischem Inhalt, einzelne schwärzliche Areale (mehretagig)

d: Disseminierte, in der Axilla beginnende und sich zur Hand ausdehnende papulovesikuläre Hautveränderungen auf rotem Grund

e: Depigmentierte Haut entlang abgeheilter Zosterherde (typische Anordnung!)

Abb. 9.16

Erythema anulareErythema anulare: scharf begrenzter, runder Herd mit rotem Rand und hautfarbenem Zentrum

Abb. 9.17

Erythema marginatum rheumaticum: Erythema marginatum rheumaticumkreis- oder kreissegmentförmiges, wanderndes Erythem mit blassrotem Zentrum am Stamm (Foto aus Classen et al., Hrsg., Differenzialdiagnostik Innere Medizin, Urban & Schwarzenberg 1994)

Abb. 9.18

Stecknadelkopfgroße, disseminierte Petechien an beiden Handflächen bei petechialem Hand-Fuß-Syndrom

Abb. 9.19

Defektheilung im Gesicht nach Noma-Infektion; Noma-Infektionunregelmäßig geformte, z. T. wulstige Hautlappen im Bereich der rechten Gesichtshälfte

Abb. 9.20

Lepra (Fotos von Prof. Schubert, Leipzig)Lepra

a: Schwere Verstümmelung im Bereich der Hände infolge partiellen Verlusts des Phalangen 2–5 links und der 2. Phalanx rechts durch Lepra-Infektion

b: Facies leontinaFacies leontina (Löwengesicht) bei lepromatöser Lepra (Knotenlepra). Knotige Hautinfiltrationen im Gesicht (Stirn, rechte Wange), Haarausfall, Furchen an Stirn und Nasenwurzel, wulstige Augenbrauenregion rechts

c: Facies antoninaFacies antonina bei tuberkuloider Lepra. Ausdrucksloses Gesicht infolge von Muskelatrophien (schlaffe Lippen) und schwere Verstümmelung im Bereich der Hände (Verlust der Fingerendglieder)

Abb. 9.21

Bräunlich bis bräunlich-rote Hautinfiltrate am Arm bei Lupus vulgaris

Abb. 9.22

Sporothrixmykose (SporotrichoseSporotrichose, lymphokutane, granulomatöse Form): runder am Rand wallartiger, dunkelroter Primärherd, der ulzeriert und schleimig-serösen Eiter entleert. Ein zweiter, kleinerer, harter und schmerzloser Knoten in Kutis und Subkutis liegt daneben, mit wallartiger Begrenzung und unregelmäßiger Oberfläche im Zentrum.

Abb. 9.23

Papulöse Dermatitis bei Onchozerkose:Onchozerkose mehrere Papeln an Beinen und Armen (mit starkem Juckreiz!)

Abb. 9.24

Kutane LeishmanioseLeishmaniose, kutane: ulzerierender Herd mit wallartigem, gerötetem Rand. Das Ulkus hat einen krustösen Randsaum und ist gelb-schmierig belegt.

Abb. 9.25

Larva migrans cutaneaLarva migrans cutanea: bizarr strukturierte fadenförmige subkutane Gänge (Pruritus!)

Abb. 9.26

Zerkariendermatitis

a: Stark juckende, papulöse, z. T. urtikarielle, isoliert stehende, rote Effloreszenzen am Thorax und in der Axilla

b: Stark juckende, isoliert stehende Papeln am Gesäß

Abb. 9.27

Aphthe

a: Im Bereich der Mundschleimhaut gelegene, linsengroße, am Rand gerötete Erosion mit gelblich-weißlichem Fibrinbelag

b: An der Zungenunterseite gelegene weißliche Bläschen mit rotem Rand

Abb. 9.28

KonkunktivitisKonkunktivitis

a: Verstärkte konjunktivale Gefäßinjektion, reichlich seröses klares Sekret und Schwellung der Konjunktiva (Chemosis), klare Hornhaut (Foto: Krachmer, Mannis, Holland: Cornea, 3. Auflage, Mosby 2010)

b: „Rotes Auge“ und Bindehautschwellung rechts (Foto: Afzal M. Mir: Atlas of clinical diagnosis, 2. Auflage, Saunders 2003)

c: Leuchtend rote, scharf abgegrenzte einseitige Einblutung in die Sklera nach Indienaufenthalt bei epidemischer hämorrhagischer tropischer Konjunktivitis (sog. Apollo-Disease)

Abb. 9.28d: Iritis: „rotes Auge“ mit ziliaren Injektionen (Foto: Mark H. Swartz: Textbook of physical diagnosis, 6. Auflage, Elsevier Saunders 2009)

Abb. 9.28e: Keratitis (Fotos: Afzal M. Mir: Atlas of clinical diagnosis, 2. Auflage, Saunders 2003)

e1: Keratitis-Frühstadium: getrübte Kornea nasal mit ziliarer Stauung

e2: Keratitis-Spätstadium: schmerzhafte Augenröte

Abb. 9.28f: Monströse Lidödeme bds. entzündlicher Genese (Elephantiasis molle glabrata)

Abb. 9.29

Kleinmünzgroße unregelmäßig begrenzte blasse Rötung und Schwellung im Schläfenbereich mit zentraler, tastbarer und pulsierender Stichmarke

Abb. 9.30

Mehrere entzündlich gerötete (druckschmerzhafte) Hautveränderungen gluteal, z. T. mit Verkrustungen, zentral eitrigen Vorwölbungen bzw. ein Hautdefekt mit schmierig belegte Rändern bei einem Patienten nach Tropenaufenthalt

Abb. 9.31

Flächenhafte Rötung der Handflächen mit groblamellärer Schuppung bei toxischem Schocksyndrom

Abb. 9.32

a: Gesichtserythem mit Betonung der Wangen, des Nasenrückens, der Nasolabialfalte und des Kinns bei hohem Fieber infolge einer Pneumonie

Abb. 9.32

b: Differenzialdiagnostische visuelle Aspekte bei lokalisierter/generalisierter Gesichtsröte

Visuelle Aspekte bei der Differenzierung von InfektionskrankheitenInfektionskrankheiten, Differenzierung (Auswahl)

Tab. 9.1
Erkrankung Exanthem Besonderes
Scharlach
(Scarlatina)
feinfleckiges Exanthem (stecknadelkopfgroße Effloreszenzen), beginnend mit samtartiger Rötung an Innenseite der Oberschenkel, Leiste und Axilla, Ausbreitung kaudokranial
intensive Wangenröte, Aussparung von Mund-Kinn-Nasen-Region (periorale Blässe), später kleieförmige Hautschuppung, lamellöse Hautablösung an Handteller und Fußsohlen!
Himbeerzunge
Masern
(Morbilli)
unregelmäßige, konfluierende, grobe Flecken
Beginn retroaurikulär, Ausbreitung kraniokaudal, später feine Schuppung
Konjunktivitis, Rhinitis, Laryngo-Bronchitis
Lichtscheu!
gedunsenes Gesicht!
Koplik-Flecken (Kalkspritzer) gegenüber oberen Molaren
Röteln
(Rubeola)
blass-rote (schwache), nicht konfluierende kleine Flecken
Beginn Gesicht, Ausbreitung kraniokaudal, bes. Hals, Brust
nuchale Lymphknotenschwellung
milde Rötung der Mundschleimhaut
Windpocken(Varizellen) polymorphes Exanthem
(„Sternenhimmel“: Roseolen, Papeln, Bläschen, Krusten), am dichtesten am Rumpf, keine Narben
auch Schleimhautbläschen!
Pfeiffer-Drüsenfieber
(Mononucleosis infectiosa)
kleinfleckiges Exanthem an Stamm und Extremitäten (morbilli- bzw. rubeoliform), bes. unter Ampicillin! Lymphknotenschwellung, exsudative Tonsillitis
Ringelröteln
(Erythema infectiosum)
kokardenähnliche, girlandenförmige, makulopapulöse Rötung, livide Wangen; periodisches Abblassen und Neuauftreten Enanthem

Infektiologie und Tropenmedizin

Gunter Gruber

Andreas Hansch

Lyme-Borreliose

#ExtremitätenRötungErythema chronicum migransLyme-BorrelioseErythema chronicum migransDie Lyme-Borreliose ist eine durch Spirochäten (Borrelia burgdorferi) ausgelöste Systemerkrankung, die sich in Haut, Nervensystem, Herz, Muskulatur und Gelenken manifestieren kann. Überträger sind Zecken (Ixodus ricinus, Holzbock). Nur in ca. 15 % sind die Zecken von Erregern befallen. Es wird unterschieden:
  • Stadium I: < 30 Tage nach Zeckenbiss: Erythema migrans sowie Müdigkeit, Arthralgien, Myalgien, Kopfschmerzen, Fieber, Nackensteifigkeit als unspezifische Symptome

  • Stadium II: Wochen bis Monate nach Zeckenbiss: Arthritis (Daktylitis), lymphozytäre Meningoradikulitis (Bannwarth), evtl. mit Fazialisparese, Meningoenzephalitis, Myelitis sowie Myokarditis, selten zerebrale Vaskulitis mit Hemiparesen, Borrelien-Lymphom (Bäfverstedt-Syndrom), z. B. am Ohrläppchen

  • Stadium III: Monate bis Jahre nach Zeckenbiss: Acrodermatitis chronica atrophicans Herxheimer, Polyneuropathie, Enzephalomyelitis

Die Stadien I und II sind Frühstadien, Stadium III ist ein Spätstadium.

Cave

Der Krankheitsablauf muss nicht stadiengerecht geschehen. Die Krankheit kann in jedem Stadium erstmals auftreten.

Stadium I mit Erythema chronicum migrans

Visuelles Leitsymptom
Das Erythema chronicum migrans entwickelt sich im Stadium I aus der initialen Stichreaktion mit Papel und breitet sich zentrifugal, oft mit zentraler Abblassung, aus (Abb. 9.1a, b).

Cave

Das Erythema chronicum migrans und der AK-Titer sind nur in ca. 50 % nachweisbar!

Differenzialdiagnosen
  • Lokale Infektion anderer Ätiologie

  • Erysipel (Abb. 9.2)

  • Tinea

Stadium II mit Daktylitis (Entzündung eines Fingers oder einer Zehe)

Die Lyme-ArthritisLyme-Arthritis ist mit ca. 60 % eine häufige Manifestationsform der Borrelioseinfektion.
Visuelles Leitsymptom
Im Stadium II kommt es oft zur Monarthritis oder asymmetrischen Oligoarthritis besonders der großen Gelenke der unteren Extremitäten (meist Knie-, Ellenbogen-, Sprunggelenke), seltener zum asymmetrischen Befall der kleinen Gelenke oder zur Daktylitis („Wurstzehe“; Abb. 9.1c).

Cave

Typisch für die chronische Lyme-Arthritis ist die schmerzhafte Gelenkschwellung ohne Rötung!

Differenzialdiagnosen
  • Reaktive Oligoarthritiden anderer Genese (Abb. 8.8)

  • Psoriasisarthropathie (Abb. 8.3b)

Stadium III mit Acrodermatitis chronica atrophicans Herxheimer

Visuelles Leitsymptom
SymmetrischeAcrodermatitis chronica atrophicans Herxheimer blau-rote Hautverfärbung an den unteren Extremitäten mit ausgeprägter Hautatrophie (zigarettenpapierdünne Hautfältelung mit Venentransparenz), Poikilodermie (Abb. 9.1d)
Differenzialdiagnosen
  • Erythrodermie (Abb. 11.9-5d, Abb. 4.11 und Abb. 4.12)

  • Hautveränderungen bei Karzinoidsyndrom (Abb. 3.6d)

Weiterführende Diagnostik
  • Anamnese: Zeckenbiss und < 30 Tage danach unspezifische Symptome (Müdigkeit, Arthralgien, Myalgien, Kopfschmerzen, Fieber, Schüttelfrost, Nackensteifigkeit)

  • Wochen bis Monate nach Zeckenbiss: Skelettmuskulatur und Nerven am häufigsten betroffen, weniger kardiologische und dermatologische Symptomatik (Stadium II)

  • Monate bis Jahre nach Zeckenbiss (Spätmanifestation – Stadium III) vor allem Gelenke und Nervensystem betroffen (chronische Lyme-Arthritis und Spastik, zunehmende Blasenschwäche)

  • Entzündungsparameter (BSG, CRP)

  • Serologie: IgM-Nachweis

    • a.

      Enzymimmunassay (EIA) oder Immunfluoreszenz-Assay (IFA)

    • b.

      Western-Blot-Test, wenn a) positiv oder nicht eindeutig ist

Info

In Endemiegebieten sollte bei Erythema migrans und aktueller Zeckenexposition die Therapie sofort begonnen werden, ohne auf die Ergebnisse der Bluttests abzuwarten.

  • Erregernachweis (Kultur, PCR) im Liquor, Synovia oder Haut

  • Gelenkpunktion zum Ausschluss anderer Arthritisursachen

  • EKG zur Identifizierung der Lyme-Karditis

Erysipel (Wundrose)

#ExtremitätenRötungErysipelErysipelDas Erysipel (Wundrose), ist eine akute oder chronisch-rezidivierende nichteitrige Hautinfektion durch β-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A (Streptococcus pyogenes), besonders an den Unterschenkeln, seltener an den Armen und im Gesicht (dann Gesichtsrose genannt). Die Infektion breitet sich flächenhaft aus. Die Erreger dringen über einen (nicht immer sichtbaren) Hautdefekt ein, erreichen die Lymphbahnen und lösen die Infektion aus. Die betroffene Hautregion ist überwärmt, lokale Lymphknotenschwellungen sind möglich. Prädispositionen sind Diabetes mellitus, chronisch-venöse Insuffizienz, chronisches Lymphödem, Stauungsekzeme sowie Patienten unter Immunsuppression.
Visuelle Leitsymptome
  • Flächenhaftes, zumeist gut abgegrenztes Erythem, z. T. mit flächenhaften Ausläufern (Abb. 9.2)

  • Blasen oder Nekrosen möglich

Differenzialdiagnosen
  • Toxische Kontaktdermatitis

  • (Arzneimittelexanthem)

  • Lokale thermische Schädigung

  • Chronisch-venöse Insuffizienz mit Stauungsekzem

  • Pyoderma gangraenosum

  • Phlegmone

  • Nekrotisierende Fasziitis

Weiterführende Diagnostik
  • Suche nach lokaler Eintrittspforte

  • Anti-DNASe-B-Titer erhöht

  • Erhöhte Werte der Entzündungsparameter (CRP, BSG)

Erysipeloid

Das #ExtremitätenRötungErysipeloidSchweinerotlaufPseudoerysipelFischroseRotlaufErysipeloidErysipeloid (syn. Rotlauf, Fischrose, Fischhändlerrotlauf, falsche Rose, Pseudoerysipel, Schweinerotlauf) ist eine schmerzlose livide Hautverfärbung, meist an den Händen, die spontan abheilt, aber auch über Monate persistieren kann. Die Entzündung wird durch gramnegative Stäbchen (Erysipelothrix rhusiopathiae) verursacht.
Visuelles Leitsymptom
Schmerzlose livide Hautverfärbung, meist an den Händen (Abb. 9.3)
Differenzialdiagnosen
Weiterführende Diagnostik
  • Berufsanamnese

  • Mikrobiologische Diagnostik

Masern

Bei den #GeneralisiertRötungMasernMasernMasern handelt es sich um eine durch das Masernvirus (Paramyxovirus) ausgelöste Infektionskrankheit mit hoher Kontagiosität.
Es erkranken überwiegend Kinder; weltweit sterben ca. 1 Million Kinder, insbesondere in Afrika, an Masern. Der Häufigkeitsgipfel liegt im 5.–7. Lebensjahr. Aber auch Erwachsene können erkranken (in Deutschland seltener).
Die Erkrankung und die zweimalige Impfung hinterlassen zu ca. 99 % eine lebenslange Immunität. Die Übertragung erfolgt durch Aerosole (Tröpfchen), die Inkubationszeit beträgt ca. 10 Tage.
Nach einem Prodromalstadium (hohes Fieber, Konjunktivitis, Rhinitis, Laryngobronchitis, Lichtscheu, aufgedunsenes Gesicht, Enanthem am Gaumen an der Wangenschleimhaut) tritt am Ende der 2. Woche das typische Exanthem (bedingt durch Immunkomplexphänomene) auf (Abb. 9.4a, b). Das makulopapulöse Exanthem, beginnend hinter dem Ohr, am Hals – Gesicht und Mundpartie sind ebenfalls betroffen (Differenzialdiagnosen Scharlach!), breitet sich dann auf Rumpf und Extremitäten aus. Am 3. Tag evtl. an Händen und Füßen kleine und leicht erhabene Flecken, konfluierend für 4–7 Tage, nur geringer Juckreiz (Abb. 9.4c). Es kommt zum Anschwellen der Lymphknoten am Hals.
Mögliche Komplikationen: Otitis media, Pneumonie, Laryngotracheitis (z. T. mit Krupp), Masernenzephalitis.
Visuelle Leitsymptome
  • Unregelmäßig konfluierendes grobfleckiges, bräunlich-rosafarbenes Exanthem, retroaurikulär beginnend mit kraniokaudaler Ausbreitung, später feine Schuppung

  • Konjunktivitis, Rhinitis, Bronchitis, gedunsenes Gesicht

  • Lichtscheu!

  • Kalkspritzer in der Mundschleimhaut gegenüber oberen Molaren (Koplik-FleckenKoplik-Flecken)

  • Visuelle Aspekte bei der Differenzierung von Infektionskrankheiten (Tab. 9.1)

Differenzialdiagnosen
  • Arzneimittelexanthem (Abb. 11.9-5)

  • Exanthem bei anderen Infektionskrankheiten, insbesondere bei Röteln

Weiterführende Diagnostik
  • Serologische Diagnostik: Nachweis von IgM-AK (AK-Titer-Verlauf nach erneuter Blutentnahme), bei frischer Infektion Virus-RNA-Nachweis möglich.

  • Virusnachweis (PCR)

  • Labor: Leukopenie, Lymphozytopenie, passagere Thrombozytopenie, Eosinozytopenie

Scharlach

#GeneralisiertRötungScharlachScharlachStreptokokkus pyogenes ist der Erreger des Scharlachs. Der Häufigkeitsgipfel liegt zwischen dem 3. und 10. Lebensjahr. Meist erfolgt die Übertragung durch Tröpfchen, selten durch Kontamination. Nach plötzlichem Beginn mit hohem Fieber, Halsschmerzen, Husten, Erbrechen, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen folgen Pharyngitis, Angina tonsillaris mit Enanthem, Schwellung der regionalen Lymphknoten und eine belegte Zunge (am 4. Tag sog. Himbeerzunge) sowie ein Exanthem ab dem 2. oder 3. Tag. Nach ca. 2–4 Wochen kommt es zur kleieförmigen Hautschuppung und zur lamellösen Hautablösung an Handflächen und Fußsohlen.
Möglich Komplikationen: eitriger oder septischer Verlauf, streptokokkenallergische Folgekrankheiten (z. B. Rheumatisches Fieber, akute Glomerulonephritis)
Visuelle Leitsymptome
  • Feinfleckiges (nur stecknadelkopfgroßes) Exanthem, beginnend mit samtartiger Rötung an der Innenseite der Oberschenkel, Leiste, Axilla und kaudokranialer Ausbreitung (Abb. 9.5a, b)

  • Intensive Wangenröte unter Aussparung der Mund-Kinn-Nasen-Partie (periorale Blässe)

  • Sog. Himbeerzunge (Abb. 9.5d)Himbeerzunge

  • Später kleieförmige Hautschuppung, lamellöse Hautablösung an Handteller und Fußsohlen (Abb. 9.5c)

  • Visuelle Aspekte bei der Differenzierung von Infektionskrankheiten (Tab. 9.1)

Differenzialdiagnosen
  • Arzneimittelexanthem (Abb. 11.9-5)

  • Exanthem bei anderen Infektionskrankheiten, bes. Masern und Röteln (Abb. 9.4, Abb. 9.6)

  • Staphylokokkenscharlach

  • Tonsillitis/Pharyngitis anderer Genese

  • Toxisches Schocksyndrom (Abb. 9.31)

  • Sehr selten Kawasaki-Syndrom (Vaskulitis-Form)

Weiterführende Diagnostik
  • Klinik (Pharyngitis, Exanthem, Enanthem)

  • Blutbild (Leukozytose, Eosinophilie)

  • ASL-Titer-Anstieg

  • Erregernachweis: Antigen-Schnelltest und aus Erregerkultur (Nasen-Rachen-Abstriche)

  • Rumpel-Leede-Test: positiv, Auftreten von Petechien am Unterarm

Röteln

#GeneralisiertRötungRötelnDurch das Rubivirus (RNA-Virus) werden RötelnRöteln mit einem Häufigkeitsgipfel bei Schulkindern hervorgerufen, seltener bei Erwachsenen, da ca. 80–90 % der über 20-Jährigen immunisiert sind. Bei Kindern ist der Verlauf oft asymptomatisch.
De Übertragung erfolgt durch Tröpfchen, aber auch diaplazentar.
Der Beginn ist leichter als bei Scharlach, oft auch ohne Fieber und Exanthem (Gefahr bei Frauen in der Frühschwangerschaft für das Kind: Rötelnembryopathie = Gregg-Syndrom). Nach 2–3 Tagen kommt es zum anhaltenden makulopapulösen, mittelfleckigen und meist nicht konfluierenden Exanthem, das hinter den Ohren und im Gesicht beginnt.

Cave

Mögliche Komplikationen sind Enzephalitis, Purpura, Arthritis und Embryopathie.

Visuelle Leitsymptome
  • Blass-rotes mittelfleckiges, meist nicht konfluierendes Exanthem, beginnend im Gesicht und hinter den Ohren mit kraniokaudaler Ausbreitung, besonders ausgeprägt an Hals und Brust

  • Rötung der Mundschleimhaut

  • Nuchale retroaurikuläre Lymphknotenschwellungen

Differenzialdiagnosen
  • Arzneimittelexanthem (Abb. 11.9-5)

  • Exanthem bei anderen Infektionskrankheiten, bei Masern großfleckiger, bei Scharlach feiner, stecknadelkopfgroß

  • Visuelle Aspekte bei der Differenzierung von Infektionskrankheiten (Tab. 9.1)

Weiterführende Diagnostik
  • Antikörpernachweis

  • Erregernachweis (PCR)

  • „Buntes Blutbild“ (Leukopenie, Lymphozytose, Plasmazellen)

  • Pränatale Rötelndiagnostik ab 11. Schwangerschaftswoche

Ringelröteln

Erythema infectiosumRingelröteln#GeneralisiertRötungRingelrötelnDie Ringelröteln (Erythema infectiosum) werden durch eine Parvovirus-B19-Infektion verursacht. Der Häufigkeitsgipfel liegt im Schulalter. Gelegentlich kommt es zu kleinen Epidemien, aber gehäuftes Auftreten in Gemeinschaftsunterkünften. Meist bestehen keine oder nur geringe Symptome. Die Übertragung erfolgt durch Tröpfchen, aber auch parenteral und diaplazentar. Die meisten Erwachsenen zeigen AK gegen Parvovirus B 19.
Mögliche Komplikationen sind, besonders bei immunsupprimierten Patienten, Parvovirus-B19-Arthritis, aplastische Anämie, Aborte bei Infektion im 1. Trimenon der Schwangerschaft, später z. B. Hydrops fetalis.

Cave

Erkrankte von immunsupprimierten Menschen, von Patienten mit chronischer Anämie und von Schwangeren fernhalten.

Bei fehlendem Nachweis von Parvovirus-B19-AK bei Schwangeren sollte keine Beschäftigung in Kindereinrichtungen und auf Kinderstationen erfolgen.

Visuelle Leitsymptome
  • Gesichtserythem (Erkrankungsbeginn, oft auf Nasenrücken und Wangen beschränkt, flüchtig, meist kürzer als 10 Tage)

  • Girlanden („ringel-“)förmiges, makulöses, z. T. makulopapulöses Erythem an den Extremitätenstreckseiten (Abb. 9.7); Übergreifen auf Stamm und Gesäß möglich

  • Selten petechiales Exanthem an Handflächen und Fußsohlen (sog. Handschuh-Socken-Syndrom; Abb. 9.18)

Differenzialdiagnosen
  • Arzneimittelexantheme (Abb. 11.9-5)

  • Röteln (Abb. 9.6)

  • Masern (Abb. 9.4a-c)

  • Blutbild: obligat initiale passagere Anämie mit Retikulozytopenie, evtl. auch passagere Ganulozyto- und Thrombozytopenien

Weiterführende Diagnostik
  • Serologie (IgM-AK als Nachweis einer akuten Infektion, IgG-AK als Marker der Durchseuchung)

  • Nachweis der Virus-DNA mit PCR

Mononucleosus infectiosa (Pfeiffer-Drüsenfieber)

#GeneralisiertRötungPfeiffer-DrüsenfieberInfektiöse MononukleoseMorbus PfeifferPfeiffer-DrüsenfieberDas Pfeiffer-Drüsenfieber (Morbus PfeifferMorbus Pfeiffer, infektiöse Mononukleose) wird durch das Epstein-Barr-Virus (EBV) ausgelöst, ein DNA-Virus, das zur Herpesgruppe gehört. Die Übertragung erfolgt durch Speichelkontakt („Kissing Disease“). Kissing DiseaseIm Kleinkindalter ist die Mononukleose zumeist asymptomatisch, im Erwachsenenalter weist sie eine typische Symptomatik mit Fieber, Angina tonsillaris, Pharyngitis und Lymphknotenschwellungen sowie Hepatosplenomegalie auf. Der Erkrankungsgipfel liegt in der Jugend, im Erwachsenenalter haben sich fast alle infiziert. Unterschieden werden 3 Verlaufsformen:
  • 1.

    Glandulär (mit ca. 50 % die häufigste)

  • 2.

    Exanthematisch mit petechialem Enanthem am Gaumen (nur ca. 3 %)

  • 3.

    Hepatisch mit Hepatitis (ca. 5 %)

Komplikationen sind EBV-assoziierte Malignome, EBV-Infektionen bei Immunsupprimierten u. a.

Cave

Bei Mononucleosis infectiosa sind Gaben von Aminopenicillinen kontraindiziert, da sie meist Arzneimittelexantheme auslösen (Abb. 11.9-5b).

Visuelles Leitsymptom
Flüchtiges kleinfleckiges Exanthem (rubeolaähnlich!), petechiales Enanthem am harten Gaumen (Abb. 9.8)
Differenzialdiagnosen
  • Akute Leukosen

  • Andere Infektionskrankheiten, Streptokokkenangina, HIV-Infektion, Zytomegalieinfektion, Diphtherie

  • Lymphadenopathien und Exantheme anderer Genese

  • Visuelle Aspekte bei der Differenzierung von Infektionskrankheiten (Tab. 9.1)

Weiterführende Diagnostik

Tipp

Arzneimittelanamnese bei infektiöser Mononukleose!

  • Bei akuter Infektion:

    • Blutbild: typische Veränderung: Lymphomonozytoide Leukozytose mit Nachweis von sog. Virozyten (aktivierte T-Lymphozyten) oder sog. Pfeiffer-Zellen

    • EBV-Schnelltest in 80 % bei Erwachsenen positiv, aber unspezifisch

    • Serologischer Antikörpernachweis (heterophile IgM-Antikörper)

    • Anti-Early-Antigen – diffus

    • Virusnachweis

  • Nach abgelaufener Infektion:

    • Anti-virales Capsidantigen vom Typ IgG und IgM

    • Anti-EBV-nukleäres Antigen vom IgG-Typ

    • Ausschluss: andere Infektionserkrankungen (Streptokokkenangina, HIV-Infektion, Zytomegalieinfektion, Diphtherie) sowie Lymphadenopathien, Hepatomegalie anderer Genese

    • Ausschluss akuter Leukämien (eintöniges BB, nicht so bunt wie bei Mononukleose)

Varizellen (Windpocken)

#GeneralisiertRötungVarizellenWindpockenVarizellenWindpocken (Varizellen) entstehen bei Erstinfektion mit dem Varizella-Zoster-Virus zumeist im Kindesalter mit hoher Kontagiosität (über 90 %) durch Tröpfcheninfektion. Der Krankheitsgipfel liegt im 2.–6. Lebensjahr. Nur 10 % erkranken nach dem 20. Lebensjahr. Bei Erwachsenen lassen sich in über 95 % AK nachweisen.
Bei der Erstinfektion kommt es zu Fieber, zum generalisierten vesikulären Exanthem, besonders am Rumpf, aber auch an Kopfhaut und Mundschleimhaut. Durch den schubweisen Verlauf entsteht durch die verschiedenen Entwicklungsstadien ein buntes Bild (sog. Sternenhimmel): Roseolen, Papeln, Bläschen, Krusten mit starkem Juckreiz.
Mögliche Komplikationen: bakterielle Superinfektion, Otitis media, Varizellenpneumonie, selten auch Infektion an Meningen, Zerebellum und oder Enzephalon. Nur in ca. 25 % kommt es, meist erst im höheren Alter, zur Zweitmanifestation als Herpes zoster (Kap. 9.15).
Visuelle Leitsymptome
  • Im Rahmen eines schubweisen Verlaufs kommt es zum Aufblühen von Roseolen, Papeln und Bläschen sowie nachfolgend zur Krustenbildung (Abb. 9.9). Das gleichzeitige Auftreten dieser Veränderungen wird als Sternenhimmel bezeichnet.

  • Visuelle Aspekte bei der Differenzierung von Infektionskrankheiten (Tab. 9.1)

Differenzialdiagnosen
  • Generalisierter Zoster (Kap. 9.15 und Abb. 4.15)

  • Exantheme durch andere Viren (z. B. ECHO-Viren, HI-Viren)

  • Infektion mit Orthopoviren (z. B. Katzenpocken), bes. bei immunsupprimierten Patienten

  • Hand-Fuß-Mund-Krankheit durch Coxsackie-Viren Typ A16

Weiterführende Diagnostik
  • Virusnachweis aus Bläscheninhalt: Nukleinsäurenachweis (PCR), nach Virusisolierung Antigennachweis möglich

  • Serologie: AK-Nachweis bei der hohen Durchseuchungsrate nur bei Primärinfektion aussagekräftig

Einseitige Parotitis

Bei der ParotitisParotitis, einseitige handelt es sich um eine akute (z. B. durch Staphylokokken, Streptokokken, Anaerobier) oder um eine chronisch rezidivierende Entzündung der Ohrspeicheldrüse, bedingt durch aszendierende Infektionen bzw. Abflussstörungen (z. B. Speichelsteine) oder bei einem generalisierten Tumorleiden, bzw. um die Parotitis epidemica (Mumps) mit lokaler Schwellung und Rötung der Haut. Es treten Schmerzen beim Kauen auf, als seltene Komplikation kann es zur Kieferklemme kommen.

Cave

Bei einseitiger Parotitis muss neben Speichelsteinen auch an Tumoren gedacht werden.

Visuelles Leitsymptom
Schmerzhafte Schwellung vor und unter dem Ohr (Abb. 9.10a)
Differenzialdiagnosen
  • Einseitige Parotisschwellung: Speichelstein (Sialothiasis), eitrige Parotitis oder allergische Parotitis, Parotitis bei Morbus Bang oder Morbus Boeck, Parotismischtumor oder generalisiertes Tumorleiden

  • Beiderseitige Parotisschwellung: Parotitis epidemica (Mumps; Abb. 9.10b), allergische Parotitis, Sjögren-Syndrom

Weiterführende Diagnostik
  • Labor: Entzündungsparameter,

  • Suche nach Grundkrankheiten (s. Differenzialdiagnosen)

  • Erregernachweis (PCR)

  • HNO-ärztliches Konsil

Typhus abdominalis

Typhuszunge#Kopf/HalsRötungTyphuszungeDer Typhus abdominalisTyphus abdominalis ist eine systemische Infektionserkrankung, die durch Salmonella typhi ausgelöst wird. Die Erkrankung ist in den Tropen und Subtropen sehr verbreitet. Weltweit erkranken daran ca. 30 Millionen Menschen im Jahr. In Deutschland ist sie sehr selten (60–100 Fälle pro Jahr). Die Infektion erfolgt direkt über die Hände oder über das Trinkwasser. Initial tritt langsam ansteigendes Fieber auf, das zu einem Continuum ohne Schüttelfrost (mit relativer Bradykardie!) führt. Es kommt zur Splenomegalie, zu Roseolen an der Bauchhaut, Benommenheit (griech. Typhos = Nebel, Benommenheit), anfangs Enanthem an den vorderen Gaumenbögen und zur „Typhuszunge“ (graugelb belegt mit freiem Rand). Nach anfänglicher Obstipation folgen erbsbreiartige Durchfälle.

Info

In Deutschland sind meist Individualtouristen, die tropische oder subtropische Gebiete bereist haben, betroffen.

Visuelle Leitsymptome
  • Grau-weißlicher Zungenbelag unter Aussparung der Zungenränder, „Typhuszunge“ (Abb. 9.11)

  • Roseolen der Bauchhaut (septische Absiedlungen)

Differenzialdiagnosen
  • Schwarze Haarzunge (Abb. 3.1c)

  • Zungenbelag bei Nahrungskarenz über mindestens 12 Stunden (Abb. 3.1d)

  • Selten Hinweis auf eine Infektionskrankheit: Himbeerzunge bei Scharlach (Abb. 9.5d) oder auf AIDS (Abb. 9.12a)

Weiterführende Diagnostik
  • Reiseanamnese!

  • Fieber(-kurve) und Blutbild (Leukopenie, Linksverschiebung, Aneosinophilie, toxische Granulationen)

  • Serologie (AK-Nachweis mit hohem Titer oder 4-fachem Titeranstieg)

  • Erregernachweis (zuerst im Blut, später im Stuhl, Urin)

AIDS

HIV-InfektionAIDS (Acquired Immunodeficiency SyndromeAcquired Immunodeficiency Syndrome) ist ein fast immer zum Tode führendes, durch Infektion mit den Retroviren HIV-Virus Typ 1 oder 2 verursachtes „Immundefektsyndrom“ mit einem akuten Stadium (Mononukleose-ähnliche Symptomatik, Lymphadenopathie = Kategorie A), einer Vielzahl von HIV-assoziierten (Kategorie B) und AIDS-definierenden (Kategorie C) Erkrankungen.
Die Übertragung geschieht meistens sexuell, aber auch parenteral (i. v. Drogengebrauch, selten durch Behandlung mit infizierten Blutprodukten), sehr selten akzidentell (Verletzungen im medizinischen Bereich) und vertikal von der erkrankten Mutter auf das Kind.

Info

AIDS zählt weltweit zu den häufigsten Todesursachen (neben infektiösen Durchfallerkrankungen, Pneumonie, Tuberkulose und Malaria). In Deutschland gibt es ca. 88 000 HIV-Infizierte bei jährlich ca. 3 000 Neuinfektionen. Frauen sind 10-mal häufiger betroffen als Männer.#Kopf/HalsWeißverfärbungHaarleukoplakie

Visuelle Leitsymptome
  • Haarleukoplakie: weißliche, haarartige Hyperkeratose am seitlichen Zungenrand durch Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus (Abb. 9.12a)

  • Kaposi-Sarkom der Haut: bräunliche Knötchen am Unterschenkel oder disseminiert an Stamm, Kopf und Hals (Abb. 9.12b, c)

  • Exanthem bei akuter HIV-Infektion (mononukleoseartig)

  • Ulzerierend-persistierender Herpes simplex (z. B. perianal)

  • Orale Kandidose

  • Akute nekrotisierende Gingivitis

Differenzialdiagnosen
  • Orale Candidose anderer Ursache

  • Leukoplakie anderer Genese

  • Exanthem bei Varizellen oder infektiöser Mononukleose

  • Kaposi-Sarkome ohne HIV-Infektion (sporadisch/endemisch)

  • Angiodysplasien

  • Maligne kutane Lymphome

  • Weitere komplexe Differenzialdiagnostik in Abhängigkeit der vielen möglichen HIV-assoziierten bzw. AIDS-definierenden Erkrankungen

  • Multiple andere Dermatosen, z. B. Zoster, Pyodermien, Candidose, Onychomykosen

Tipp

An therapiebedingte Hautveränderungen (z. B. Arzneimittelexanthem) denken!

Weiterführende Diagnostik
  • Anamnese, Klinik

  • HIV-Serologie: Nachweis von HIV-AK und HIV1p24-Antigen, bei positivem Befund Bestätigungstest (Immunfluoreszenz oder Western-Blot)

  • Direkter Virusnachweis und Viruslast (PCR)

  • Weitere Spezialdiagnostik: Immunglobuline, Lymphozyten-Subpopulationen, CD4-Lymphozytenzahl, CD4/CD8-Ratio u. a.

  • Progressionsparameter

  • Hauthistologie

  • Symptombezogen, z. B. bei opportunistischen bakteriellen, viralen, protozonalen und mykotischen Infektionen bzw. Tumoren (Kaposi-Sarkom, Lymphome, Karzinome)

  • Hepatitis-, Lues-, Toxoplasmose-, CMV-Serologie

Endocarditis acuta

Die akute Endokarditis wird septisch verursacht. Zum u#ExtremitätenRötungEndocarditis acutaEndocarditis acutarsächlichen Erregerspektrum der infektiösen Endokarditis gehören Staphylococcus aureus (ca. 45–65 %), seltener Streptokokken (D) (ca. 30 %), Enterokokken (< 10 %), andere gramnegative Bakterien und Pilze (ca. 1 %).

Cave

Bei Fieber ohne Fokus und neu aufgetretenen oder veränderten Herzgeräuschen, insbesondere bei Risikogruppen (z. B. i. v. Drogengebrauch, abwehrgeschwächte und ältere Patienten), stets an eine Endokarditis denken!

Der Keimnachweis gelingt oft nicht, also negative Blutkulturen. Am häufigsten befallen sind Mitral- und Aortenklappe mit Insuffizienzen als Folge.
Die akute Endokarditis nimmt zu, die subakute Endocarditis lenta ab.
Eine vorbestehende Herzerkrankung prädestiniert zur Endokarditis.
Visuelle Leitsymptome
  • Petechien in ca. 30 %, auch 1–3 mm lange, linienhaft verlaufende, subunguale Blutungen (sog. Splinterblutungen; Abb. 9.13b)Splitterblutungen)

  • Wenige Stunden bis Tage bestehende (schmerzhafte) kleine, rote Knötchen an den Fingerkuppen und/oder an den Zehen (immunkomplexbedingte Vaskulitis, sog. Osler-Knötchen, Osler-Splits; Abb. 9.13a)Osler-Knötchen)

  • Nicht schmerzende infizierte MikroembolienMikroembolien der Haut an Handflächen und/oder Fußsohlen (sog. Janeway-FleckenJaneway-Flecken) bzw. der Schleimhäute (besonders Mundschleimhaut!)

  • Unspezifisch und sehr selten: Trommelschlägelfinger und Uhrglasnägel

Differenzialdiagnosen
  • Morbus Rendu-Osler (Abb. 1.20a, b)

  • Sepsis anderer Genese (z. B. Meningokokkensepsis)

  • Fingerkuppennekrosen bei akralen Durchblutungsstörungen (z. B. Kollagenosen, Vaskulitiden)

  • Splinterblutungen bei Sepsis anderer Genese, Trichinose und als Traumafolge

Weiterführende Diagnostik
  • Anamnese (kardiale Vorerkrankung, i. v. Drogenkonsum bei Fieber ohne Fokus)

  • Klinik: schlechter Allgemeinzustand, Fieber, Herzgeräusche, Milztumor, Petechien

  • Labor: Entzündungskonstellation (BSR, Blutbild, Elektrophorese, CRP) und Anämie, Mikrohämaturie, Proteinurie

  • Echokardiografie (v. a. transösophageal), Herz-CT

  • Mehrere Blutkulturen (Erregernachweis!)

Tipp

Eine normale BSR schließt eine Endokarditis nahezu aus!

Herpes labialis et facialis

Der #Kopf/HalsFormveränderungenHerpes labialis et facialisHerpes labialis et facialisErreger ist das Herpes-simplex-Virus Typ 1. Die Erstinfektion ist meist asymptomatisch, im Erwachsenenalter handelt es sich meist um eine Rezidiverkrankung (Herpes recidivans) mit Lokalisation an den Lippen bzw. perioral. Der Infektionsmodus ist oral über Tröpfchen. Reaktivierungen nach Primärinfektion sind häufig.
Visuelle Leitsymptome
  • Gruppiert stehende Bläschen auf gerötetem, etwas erhabenem Grund (Abb. 9.14)

  • Lokalisation: Lippenbereich/perioral, seltener an der Mundschleimhaut

Differenzialdiagnosen
  • Aphthen (Abb. 9.27)

  • Nicht infektiöse fieberhafte Erkrankungen mit vesikopapulösen Effloreszenzen, z. B. Morbus Behçet (Abb. 8.17)

Weiterführende Diagnostik
  • Blickdiagnose

  • Virusnachweis aus Bläschen oder Ulzerationen

  • AK-Nachweis nur bei Primärinfektion sinnvoll (hoher Durchseuchungsgrad der Bevölkerung)

Herpes zoster (Gürtelrose)

#ExtremitätenRötungHerpes zoster#Kopf/HalsRötungHerpes zosterGürtelroseHerpes zosterZosterophthalmicus et haemorrhagicusDer Zoster (syn. Herpes zoster, Gürtelrose) ist eine neurotrope Viruskrankheit mit Reaktivierung des in den Gliazellen der Spinalganglien persistierenden Varizella-Zoster-Virus bei Resistenzminderung (Malignome, zytostatische Therapie) oder nachlassender zellulärer Immunität.
Die Zoster-Manifestation erfolgt meist erst im späteren Erwachsenenalter. Die Erkrankung ist oft begleitet von Schmerzen sowohl vor, während und nach der Bläscheneruption.
Es kommt zu einem primär segmentalen, meist einseitigen Befall der sensorischen Nerven (bes. Dermatome Th3 bis L3, ca. 50 %), aber auch in ca. 20 % kranial (Zoster ophthalmicus, Zoster oticus, evtl. mit Fazialisparese), selten zu einer Meningoenzephalitis mit entsprechend lokalen Komplikationen.
Bei schweren Verläufen, besonders bei Immunopathien, als Zoster generalisatus, können innere Organe (z. B. Hepatitis, Pneumonie) befallen sein.
Visuelle Leitsymptome
  • Meist halbseitig, seltener bilateral lokalisiertes, bandförmiges, makulopapulöses, später vesikulärpustulöses Exanthem (Abb. 9.15) im Innervationsgebiet eines (Zoster segmentalis) oder mehrerer (Zoster multiplex unilateralis oder Zoster multiplex bilateralis) sensorischer Spinalganglien oder deren Homologen im Kopf (Zoster ophthalmicus, Zoster oticus)

  • Bisweilen Hämorrhagien (Zoster haemorrhagicus) und/oder Ulzerationen bzw. Nekrosen (Zoster gangraenosus; Abb. 4.15) und dann oft Abheilung mit Depigmentierungen und Narben (Abb. 9.15e)

Differenzialdiagnosen
  • Ulzerationen durch Infiltration maligner Zellen bei Hämoblastosen

  • Eczema herpeticatum (Herpes-simplex-Virusinfektion)

Weiterführende Diagnostik
  • Typische Blickdiagnose! Allerdings sollte nach resistenzmindernden Erkrankungen wie HIV-Infektion oder Neoplasien gefahndet werden.

  • Ausschluss von Neuralgien anderer Ursache

  • Virusisolierung aus Bläscheninhalt: Nukleinsäurenachweis (PCR) und evtl. Antigennachweis

  • Serologie nur bei Primärinfektion (Varizellen)

Erythema anulare

Erythema anulare#RumpfRötungErythema anulareDas Erythema anulare (centrifugum, marginatum) ist eine polyätiologische immunologisch-entzündliche Reaktion auf Infektionen (Parasiten, Viren), Medikamente, Nahrungsmittel oder Malignome. Idiopathische Formen sind möglich.
Visuelles Leitsymptom
Runde, scharf begrenzte Hautveränderungen mit rotem Rand und hautfarbenem Zentrum (Abb. 9.16)
Differenzialdiagnosen
  • Erythema anulare rheumaticum (bei Rheumatischem Fieber, Abb. 9.17)

  • Erythema infectiosum (Parvovirusinfektion)

  • Erythema gyratum repens (paraneoplastisches Syndrom)

  • Erythema anulare centrifugum (Darier)

  • Erythema gyratum perstans

  • Erythema chronicum migrans (Abb. 9.1)

  • Erythema necroticans migrans

  • Erythema elevatum et diutinum

Weiterführende Diagnostik
Histologie: Lymphozytäre kutane Vaskulitis

Erythema marginatum rheumaticum

#RumpfRötungErythema marginatum rheumaticumErythema anulare rheumaticumErythema marginatum rheumaticumDas Erythema marginatum rheumaticum (syn. Erythema anulare rheumaticum) tritt beim Rheumatischen Fieber auf. Diese Systemerkrankung entsteht infolge einer infektallergischen Reaktion gegen Streptokokkenantigene, bevorzugt im Kindes- und frühen Jugendalter.

Info

Heute in Europa extrem selten!

Visuelles Leitsymptom
Rötliches, ringförmiges Erythem am Rumpf (seltener gluteal, am Handrücken oder im Gesicht) mit blassem Zentrum (Abb. 9.17)
Differenzialdiagnosen
Andere figurierte Erytheme:
  • Erythema gyratum repens (paraneoplastisches Syndrom)

  • Erythema anulare centrifugum (Darier)

  • Erythema gyratum perstans

  • Erythema chronicum migrans (Abb. 9.1)

  • Erythema necroticans migrans

  • Erythema elevatum et diutinum

Weiterführende Diagnostik
  • Charakterisierung der Erkrankung nach Jones-Kriterien:

    • Hauptkriterien: akute Polyarthritis (der großen Gelenke), Karditis, subkutane Rheumaknötchen, Erythema marginatum rheumaticum, Chorea minor

    • Nebenkriterien: Fieber, Arthralgien, PQ-Zeit-Verlängerung und verlängertes PR-Intervall im EKG, Erhöhung von BSG und CRP-Wert, Leukozytose, Nachweis β-hämolysierender Streptokokken der Gruppe A im Rachenabstrich nach vorausgegangener Infektion, auffälliger Antistreptolysintiter, rheumatischer Klappenfehler (inaktiv), vorausgegangenes Rheumatisches Fieber bei rezidivierender Erkrankung

  • Streptokokkenserologie

  • Rachenabstrich

  • EKG

  • Echokardiografie

Petechiales Hand-Fuß-Syndrom

Das petechiale Hand-Fuß-Syndrom (#ExtremitätenRötungPetechiales Hand-Fuß-SyndromPetechiales Hand-Fuß-Syndromsyn. papillöses purpurisches Handschuh-Socken-Syndrom) kann bei akuter Parvovirus-B19-Infektion entstehen, aber auch als Folgeerscheinung von Chemotherapien (palmoplantare Erythrodysästhesien mit isoliert stehenden Petechien oder Erythem bis Blasenbildungen an Hand- und Fußflächen und Dys-/Parästhesien, teilweise mit Schmerzen) auftreten.
Visuelle Leitsymptome
  • Isoliert stehende Petechien an Handfläche (Abb. 9.18)

  • (periphere Ödeme)

  • Pruritus

Differenzialdiagnosen
Hand-Fuß-Mund-Krankheit (kleinfleckiges Erythem palmoplantar sowie aphthoide Erscheinungen an der Mundschleimhaut bei akuter Coxsackie- oder ECHO-Viren-Infektion)
Weiterführende Diagnostik
  • Parvovirus-B19-Nachweis

  • Anamnese: Chemotherapie

Noma-Infektion

#Kopf/HalsFormveränderungenNoma-InfektionNoma-InfektionNoma (Wangenbrand, WasserkrebsWasserkrebs, Cancer aquaticus) ist eine Erkrankung, die bei unterernährten, abwehrgeschwächten Kindern (in Entwicklungsländern) auftritt. Erreger sind Fusobakterien und Borrelien, die eine Symbiose eingehen und eine nekrotisierende bzw. ulzeröse Entzündung der Mundschleimhaut bzw. der Wangen hervorrufen. Infektionserkrankungen (Masern, Scharlach, Typhus) können vorausgehen.

Info

Bei der Patientin in Abb. 9.19 war die Erkrankung im Kindesalter aufgetreten und führte zu einer Zerstörung der rechten Wangen- und Kinnpartie.

Visuelles Leitsymptom
Ausgeprägte nekrotisierende Entzündung der Mundschleimhaut und im Wangenbereich, narbig ausgeheilt
Differenzialdiagnosen
Z. n. nach Gesichtsverletzung
Weiterführende Diagnostik
  • Anamnese: vorausgegangene Infektionserkrankungen

  • Ernährungszustand bzw. Auslandaufenthalte, besonders im Kindesalter

Lepra

#ExtremitätenFormveränderungenLepra#Kopf/HalsFormveränderungenLepraLepraLepra (Aussatz) ist eine Infektionskrankheit (durch Mycobacterium leprae) mit bevorzugtem Befall der Haut, Schleimhäute und Nerven mit Neigung zu trophischen und sensiblen Störungen, Lähmungen und Verstümmelungen.
Visuelle Leitsymptome
  • Lokalisierte plaqueförmige Infiltrate auf den vorspringenden Gesichtspartien (Augenlider, Stirn, Nase, Kinn) mit Verschwinden der feinen Gesichtsfalten (Facies leonina, Löwengesicht; Abb. 9.20b)

  • Muskelatrophien im Gesicht, Ektropium, (Herabhängen der Unterlippe) mit der Folge eines ausdruckslosen Gesichtes (Facies antonina; Abb. 9.20c)

  • Hypopigmentierungen

  • Verlust der Fingerendglieder (konsekutive Mutilationen; Abb. 9.20a)

Differenzialdiagnosen
  • Mutilationen an den Akren (Extremitäten und im Gesicht) bei:

    • Tuberculosis cutis luposa

    • Systemischer Sklerose (PSS) (Abb. 8.14)

    • Erythropoetischer Porphyrie

    • Acrodermatitis suppurativa continua

    • Psoriasis deformans

    • Peripherer arterieller Verschlusskrankheit

    • Polyneuropathien

    • Sekundärem Raynaud-Syndrom (Abb. 1.3)

    • Syringomyelie

    • Als Traumafolge

  • Facies leontina bei chronisch-lymphatischer Leukämie, Mycosis fungoides, Sézary-Syndrom, systemischer Amyloidose, Skleromyxödem, Syphylid (Spätstadium)

Weiterführende Diagnostik
  • Histologie

  • Bakteriologie (Mycobacterium leprae)

  • Lepromintest zur Differenzierung der Unterformen der Lepra (stark positiv bei tuberkulider und negativ bei lepromatöser Lepra)

Tuberculosis cutis luposa

Die Tuberculosis cutis luposaTuberculosis cutis luposa (Lupus vulgarisLupus vulgaris) kann als eine seltene Erstinfektion der Haut mit Tuberkelbakterien mit einem Primärkomplex und regionalen Lymphknotenschwellungen entstehen. Meist ist sie aber eine Streuung aus einer Organtuberkulose. Fast zu 90 % ist dabei die Gesichtshaut betroffen, mit rötlich-braunen Papeln, die konfluieren und zerfallen können und zu Ulzerationen führen, aus denen später Vernarbungen resultieren können.
Visuelles Leitsymptom
Bräunliche bis bläulich-rote Hautinfiltrate (Abb. 9.21), die unter Glasspateldruck apfelgeleeartige Farbveränderungen mit Hervortreten der stecknadelkopfgroßen Lupusknoten zeigen (charakteristisch, aber nicht spezifisch!)
Differenzialdiagnosen
  • Lepromatöse Lepra

  • Lupoide Leishmaniose

  • Chronische Sarkoidose (Morbus Boeck) (Abb. 8.7c)

  • Chronischer diskoider Lupus erythematodes

  • Tiefe Hautmykosen

Weiterführende Diagnostik
  • Hautbiopsie

  • Tuberkulintest

Sporothrixmykose (Sporotrichose)

Sporotrichose#ExtremitätenFormveränderungenSporotrichoseDie Sporotrichose ist eine tiefe Pilzinfektion nach Verletzung der Haut (z. B. Holzsplitter, Dornen) in tropischen oder subtropischen Ländern. Nach Primärherdentwicklung (sog. Sporotrichoseschanker), verursacht durch Sporothrix schenckii, kommt es durch Lymphadenitis und -angitis zur Bildung weiterer Herde. Der Verlauf ist meist chronisch.
Visuelle Leitsymptome
  • Schmerzlose, harte Knoten in Kutis und Subkutis, die ulzerieren und schleimig-serösen Eiter entleeren (Abb. 9.22)

  • Nach Primärherdentwicklung lymphogene Ausbreitung und Bildung weiterer Herde

Differenzialdiagnosen
Lichen ruber anularis
Weiterführende Diagnostik
  • Anamnese: Auslandsaufenthalte!

  • Mykologischer Erregernachweis

Onchozerkose

KnotenfilarioseDermatitis nodosa tropicaOnchozerkose#ExtremitätenFormveränderungenOnchozerkoseDie Onchozerkose (syn. Dermatitis nodosa tropica, Knotenfilariose) ist eine dermato- und ophthalmotrope Filariose durch Onchocerea volvulus. Inokulierte Mikrofilarien reifen zu adulten Filarien, diese bilden Knoten (Onchozerkome; enthalten weibliche und männliche Würmer). Weibliche Würmer produzieren Mikrofilarien, die sich im Organismus (z. B. Haut, Auge) ausbreiten. Die Übertragung geschieht von Mensch zu Mensch durch Kriebelmücken.

Cave

Bei Augenbefall Erblindungsgefahr!

Visuelle Leitsymptome
  • Derbe, nicht schmerzhafte Papeln und Knoten (Abb. 9.23)

  • Rezidivierendes, juckendes, urtikarielles Exanthem

  • Lymphknotenschwellungen

  • Postinflammatorische Hyper- oder Depigmentierungen

  • Augensymptome (Keratitis, Chorioretinitis, Neuritis des Sehnerven)

Differenzialdiagnosen
  • Pruriginöse und papulöse Exantheme

  • Lymphadenopathien anderer Genese

Weiterführende Diagnostik
  • Auslandsaufenthalte (Afrika, Süd- und Mittelamerika)

  • Fieber

  • Lymphadenopathie

  • Blutbild: Eosinophilie

  • Mikroskopie: Erregernachweis

Kutane Leishmaniose

#ExtremitätenRötungKutane LeishmanioseAleppobeuleOrientbeuleLeishmaniose, kutaneDiese Leishmaniose (syn. Orientbeule, Aleppobeule) ist eine nicht kontagiöse Hautinfektion, eine Protozoonose, die durch Leishmania tropica hervorgerufen wird. Überträger und Zwischenwirt sind Sandfliegen. Man unterscheidet die reine kutane von der mukokutanen Form. Die Leishmaniose in Deutschland wurde meist bei Aufenthalten in Spanien und der Türkei erworben.
Die an Größe zunehmende Papel entsteht erst Wochen bis Monate nach dem Stich, besonders im Gesicht und an den Extremitäten. Sie kann ulzerieren und narbig abheilen.
Die kutane Leishmaniose heilt aber oft auch spontan ab, im Gegensatz zur komplexen Form (mehr als 3 und größere Papeln, therapieresistent) und zu den mukokutanen Formen mit Schleimhautbeteiligung.
Visuelle Leitsymptome
  • Initial juckender, geröteter Fleck auf der freien, nicht bekleideten Haut

  • Papel, spät ulzerierend (Abb. 9.24)

  • Abstrich vom Ulkusrand: Erregernachweis

Differenzialdiagnosen
  • Mukokutane Leishmaniose, besonders mit nässenden Ulzerationen, Schleimhautbefall und z. T. entstellenden Zerstörungen

  • Lokale Hautinfektion, infizierte Insektenstiche

  • Ulzerierende Hauttumoren (bei Lues, Mykosen, Malignomen)

Weiterführende Diagnostik
  • Spezialisten konsultieren!

  • Anamnese: Aufenthalt in Endemiegebieten (Mittelmeerraum, Afrika, Amerika, Asien)

Larva migrans cutanea

HautmaulwurfCreeping DiseaseLarva migrans cutanea#ExtremitätenFormveränderungenLarva migrans cutaneaDie Larva migrans (syn. Creeping Disease, Hautmaulwurf) ist Sammelbezeichnung für Infektionen mit Larvenstadien von Nematoden (Fadenwürmer), für die der Mensch Fehlwirt ist. Larven verschiedener Fadenwürmer gelangen z. B. über Tierkot auf die Haut des Menschen und graben sich bizarre Gänge, in denen sie nach einigen Wochen bis Monaten versterben. Bei oraler Larvenaufnahme kommt es zur Larva migrans visceralis.
Visuelles Leitsymptom
Fadenförmig gewundene Hautvorwölbungen (Gänge; Abb. 9.25)
Differenzialdiagnosen
Entfällt
Weiterführende Diagnostik
Typischer klinischer Befund

Zerkariendermatitis

#ExtremitätenRötungZerkariendermatitisZerkariendermatitisDurch Infektion mit freischwimmenden Zerkarien (Gabelschwanzlarven aus Süßwasserschnecken) kann es, abhängig von der Pathogenität der Trematodenarten, z. B. bei verschiedenen tierpathogenen Trematodenarten (z. B. Trichobilharzia), nach Penetrieren der Haut zur relativ harmlosen „Badedermatitis“ führen. Es können aber auch die akute Bilharziose (Fieber, Eosinophilie, Kopfschmerzen u. a.), die chronische Blasenbilharziose (Hämaturie) oder Darmbilharziose (uncharakteristische Darmbeschwerden) ausgelöst werden.

Cave

Baden im Süßwasser in Endemiegebieten trotz Badeverbot!

Visuelles Leitsymptom
Stark juckende, papulöse (z. T. urtikarielle), isoliert stehende, rote Effloreszenzen nach dem Baden in Gewässern mit Zerkarienbefall (bevorzugt Tropen; Abb. 9.26)
Differenzialdiagnosen
  • Purpura Schönlein-Henoch und andere palpable Purpuraformen (Abb. 1.6-4)

  • Papulöse Dermatosen anderer Genese

Weiterführende Diagnostik
  • Anamnese – Auslandsaufendhalt (Kontakt mit Süßwasser in Endemiegebieten)

  • Serologie,

  • Mikroskopischer Einachweis in Haut, Urin, Blut

  • Evtl. Nachweis von Schistosoma-DNA aus EDTA-Blut (PCR)

Aphthe

#Kopf/HalsWeißverfärbungAphtheAphthenAphthe sind rundliche bis ovale Schleimhautdefekte. Sie sind selten größer als 5 mm und grenzen sich mit einem roten Randsaum ab. Der gelblich-weiße Fibrinbelag ist nicht abstreifbar. Aphthen treten oftmals solitär in der Mundhöhle auf. Die Pathogenese ist unklar. Oft sind Aphthen ein Begleitsymptom von Allgemeinerkrankungen (Virusinfektionen), entstehen traumatisch (Bissverletzungen) oder medikamentös.
Solitäre Aphthen bestehen meist wenige Tage und sind sehr schmerzhaft. Chronisch rezidivierende Aphthen (rezidivierende benigne Aphtose) treten meist bei Erwachsenen auf. Man unterscheidet den häufigeren Minortyp (wenige, kleine Aphthen, schnelle Abheilung) und den selteneren Majortyp (mehrere ulzerierende Aphthen, langsame Abheilung unter Narbenbildung).
Sogenannte sekundäre Aphthen werden beim Morbus Behçet (bipolare Aphthose im Mund und im Genitalbereich), bei HIV-Erkrankungen oder bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen beschrieben.
Visuelle Leitsymptome
  • Linsengroße, rundliche Erosion mit gelblich-weißem, nicht abstreifbarem Fibrinbelag und rötlichem Randsaum (Abb. 9.27)

  • Fast immer im vorderen Mundbereich bzw. an der Zunge, seltener im Genitalbereich (Morbus Behçet)

  • Selten multipel auftretend (Majortyp)

  • Bei schweren Verlaufsformen tiefe Ulzera (Majortyp)

Differenzialdiagnosen
  • Herpes-simplex-Virus-1-Infektion

  • Varizella-Zoster-Virus-Erkrankungen

  • Coxsackievirus-Erkrankungen

  • Genitalbereich: Balanitis erosiva circinata als eigenständige Erkrankung oder im Rahmen eines Morbus Reiter (Abb. 8.9)

Weiterführende Diagnostik
Ausschluss einer Abwehrschwäche

Augenerkrankungen

Bei internistischen Krankheiten können die AugenAugenerkrankungen beteiligt sein, z. B. bei Masern (Kap. 9.4), Herpes zoster (Kap. 9.15), Onchozerkosen (Kap. 9.23), Marfan-Syndrom (Kap. 10.7), Erythema exsudativum multiforme (Kap. 11.4), als Iritis bei Syphilis- oder Borrelieninfektion, beim Morbus Reiter (Kap. 8.9), rezidivierender Polychondritis (Abb. 8.18b), juveniler Arthritis (Kap. 8.2), als Uveitis anterior bei rheumatischen Erkrankungen (z. B. bei Morbus Bechterew Kap. 8.5), Morbus Behçet (Kap. 8.17), als Episkleritis bei Morbus Crohn (Abb. 3.8), bei Hyperthyreose (Kap. 2.11 und Kap. 2.12), bei Anämien (Kap. 4.1), als Arcus lipoides senilis (Abb. 2.5h), als rotes Auge bei primären Systemerkrankungen, bei Lungenkrankheiten (Kap. 7.1 und Kap. 7.2), Nierenkrankheiten (Kap. 6.1 und Kap. 6.2) sowie bei Sarkoidose (Kap. 8.7) und schweren Atopien.
Aber Augenerkrankungen treten häufiger als isolierte entzündliche (z. B. Arteriitis temporalis, Kap. 1.5), allergische oder tumoröse (z. B. Augenmelanom, Abb. 11.17c) Erkrankungen auf, z. B. oft als KonjunktivitisKonjunktivitis bzw. KeratokonjunktivitisKeratokonjunktivitis infektiöser (bakteriell, viral) oder nichtinfektiöser (Rauch, Stäube u. a.), allergischer Ursache.

Tipp

Zur Differenzialdiagnosen der geröteten Augen (stärkere Hyperämie, Gefäßektasien, -injektionen) oder roten Augen (oft Hyposphagma) sind die Befunddauer (akut < 7 Tage), die Lateralität (einseitig oder beiderseits) und die Schmerzintensität bedeutsam.

Visuelle Leitsymptome
  • Gerötetes/rotes Auge: konjunktivale Injektionen bzw. diffuse ziliäre Injektionen mit verklebten Lider am Morgen, z. T. Lidödeme (Abb. 9.28a, b)

  • Störendes Fremdkörper-/Druckgefühl

  • Evtl. wässriges bis eitriges Exsudat bei Bindehautödem (Chemosis), Epiphora (Augentränen),

  • Zusätzlicher Lidkrampf (Blepharospasmus) zeigt eine Hornhautbeteiligung an

Differenzialdiagnosen
  • Einseitig rotes Auge, akut und schmerzhaft: nach Ausschluss von Fremdkörpereinwirkung Hinweis auf Entzündung der Sklera, Uvea, Iris

  • Beiderseits rote Augen: akut, schmerzhaft, oft mit klarem Sekret (Epiphora = Augentränen) und Photophobie

  • Zusätzlicher Lidkrampf (Blepharospasmus) ist Hinweis auf virale Genese

  • Mit beiderseitigen Lidschwellung, starkem Juckreiz evtl. Hinweis auf allergische Ursache

Cave

Die Keratokonjunctivitis epidemica, eine virale Erkrankung, ist hochkontagiös! Strikte Kontaktkarenz!

  • Erosion/Ulcus corneae

  • Keratitis photoelectica (Verblitzung durch UV-C-Strahlen; Abb. 9.28e)

  • Episkleritis (konjunktivale Injektionen und meist auf einen Sektor begrenzte Rötung!)

  • Uveitis anterior (Iritis bzw. Iridozyklitis, also Entzündung der Regenbogenhaut, evtl. mit Beteiligung des Ziliarkörpers und des vorderen Glaskörpers; Abb. 9.28d)

  • Apollo-Disease (epidemische hämorrhagische tropische Konjunktivitis; Abb. 9.28c)

Weiterführende Diagnostik

Cave

Rotes und schmerzhaftes Auge mit Visusminderung sowie steinharter Bulbus bei vergleichender Palpation ist ein Notfall (Glaukomverdacht!).

  • Ausschluss der o. g. internistischen Ursachen, evtl. Reiseanamnese (s. Apollo-Disease; Abb. 9.28c)

  • Augenärztliches Konsil

Myasis

Die MyasisMyasis (syn. Myiasis), ist eine Parasitose, die durch Fliegenlarven verursacht wird. Nach Invasion der Dermatobia hominis (Drosselfliegenlarve) fängt die Drosselfliege blutsaugende Insekten und befestigt dann ihre Eier an der Unterseite der Tiere, um sie danach wieder freizulassen. Erst nach Kontakt des Insekts mit dem Menschen lösen sich die Eier und bohren sich in dessen Haut. Die Larven entwickeln sich subkutan und sind als pulsierende Resistenzen tastbar. Es resultieren Juckreiz und lokales Brennen. Sekundärinfektionen sind möglich.
Visuelle Leitsymptome
  • Lokal Rötung mit zentraler Stichmarke, pulsierend (Abb. 9.29)

  • Evtl. leichte Vorwölbung

Differenzialdiagnosen
  • Stiche durch andere Insekten (kaum pulsierend)

  • Furunkel (Abb. 9.30)

Weiterführende Diagnostik
Exzision

Furunkulose

Beim FurunkelFurunkel handelt es sich um eine Entzündung des Haarfollikels mit zentral eitriger Einschmelzung, meistens durch Staphylokokken verursacht. Er kann sich an allen behaarten Körperstellen ausbilden. Bei Einschmelzung können sich Gewebedefekte bilden, die narbig abheilen. Ursächlich spielen mangelhafte Körperhygiene, aber auch z. B. Tropenaufenthalte eine Rolle. Rezidivierende Furunkel werden FurunkuloseFurunkulose genannt, die schwere Verlaufsform KarbunkelKarbunkel.
Visuelle Leitsymptome
  • Lokale, entzündliche, gerötete und druckschmerzhafte Hautanschwellung, follikulär gebunden, mit z. T. zentraler Einschmelzung (Eiterpfropf, Hautdefekte; Abb. 9.30)

  • Regionale Lymphknotenschwellung

Differenzialdiagnosen
Pyoderma gangraenosum
Weiterführende Diagnostik
Wundabstrich, Antibiogramm

Toxisches Schocksyndrom

Das toxische Schocksyndrom ist eine fulminant verlaufende Erkrankung mit hohem Fieber, generalisiertem makulösem Exanthem, arterieller Hypotonie, Multiorganbeteiligung und einer charakteristischen Desquamation an Händen und Füßen während der Rekonvaleszenz.
Toxisches Schocksyndrom#ExtremitätenRötungToxisches SchocksyndromStaphylokokken bilden Exotoxine (Phagengruppe I) oder Enterotoxine B und C, aber auch Streptokokken können das toxische Schocksyndrom auslösen.
Visuelles Leitsymptom
Flächenhafte Rötung von Handflächen bzw. Fußsohlen mit groblamellärer Schuppung (Abb. 9.31)
Differenzialdiagnosen
  • Scharlach mit groblamellärer Hautschuppung an Händen und Füßen (Abb. 9.5c)

  • Lyell-Syndrom

  • Kawasaki-Syndrom

  • Arzneimittelexanthem (Abb. 11.9-5)

Weiterführende Diagnostik
  • Ursachenermittlung mit Erregerdiagnostik (Kulturen, PCR)

  • Bildgebende Verfahren (Herdsuche)

  • Tamponbenutzung bei menstruierenden Frauen

Febrile Gesichtsrötung

#Kopf/HalsRötungGesichtsrötung bei hohem FieberDer Status febrilisStatus febrilis wird durch Pyrogene ausgelöst. Bakterielle Endo- und Exotoxine sind dabei typische exogene Pyrogene, die Monozyten und Makrophagen zur Produktion von endogenen Pyrogenen stimulieren. Eine Gesichtsröte kann auf hohes Fieber hinweisen. Vordergründig gilt es aber die Fieberursache abzuklären.
Visuelle Leitsymptome
Gesichtsrötung beim Status febrilis (Abb. 9.32a):
  • Dyspnoe/Tachypnoe, Diarrhö, Pollakisurie/Dysurie, Schmerzen, Erkältungssymptome?

  • Starkes Schwitzen

  • Evtl. Schüttelfrost

  • Benommenheit

  • Lymphknotenschwellungen?

  • Exantheme oder Ikterus?

Differenzialdiagnosen
  • Bei akut aufgetretener Gesichtsröte und Allgemeinsymptomatik Körpertemperatur messen. Gesichtsröte kann unspezifisches Leitsymptom des Status febrilis sein.

  • Differenzialdiagnostische visuelle Aspekte bei lokalisierter/generalisierter Gesichtsröte (Abb. 9.32b)

Weiterführende Diagnostik
  • Abklärung der Fieberursache: Entzündungsparameter (BSG, CRP, Blutbild) sowie TSH, Rheumaserologie (Rheumafaktoren, ANA)

  • Serologie

  • Bildgebende Verfahren (Röntgen, CT), Endoskopien

  • Erregernachweis

  • Evtl. gynäkologische, urologische oder neurologische Konsile

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