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B978-3-437-42502-8.00132-7

10.1016/B978-3-437-42502-8.00132-7

978-3-437-42502-8

Akute Bronchitis

J. Niedermeyer

Zur Orientierung

Die akute Bronchitisakute BronchitisBronchitisakute ist gekennzeichnet durch eine plötzlich auftretende tracheobronchiale Entzündung tracheobronchiale Entzündungohne Ausbildung einer Pneumonie. Die häufigsten Verursacher sind Viren (90 %; Rhino-, Corona-, Parainfluenza-Viren u. a.). Bakterien (Haemophilus influenzae, Streptococcus pneumoniae u. a.) werden seltener nachgewiesen (10 %), ihre pathogenetische Rolle ist unklar. Von den oberen Atemwegsinfekten unterscheidet sich die akute Bronchitis dadurch, dass der HustenBronchitis, akuteHusten länger als 5 Tage (meist 10–20 Tage), gelegentlich sogar bis zu 8 Wochen anhalten kann, die Übergänge sind jedoch fließend. Inhalative Noxen (Gase, Stäube) können eine nichtinfektöse Bronchitis verursachen.

Anamnese und Diagnostik

Die Diagnose wird ausschließlich klinisch gestellt . Zu Beginn empfindet der Patient trockenen (unproduktiven) Husten, im weiteren Verlauf tritt u. U. gelblich bis grünlich verfärbter Bronchialschleim hinzu (kann auf eine bakterielle Superinfektion hinweisen ). Parallel können Schnupfen und Halsschmerzen bestehen. Nur selten besteht Fieber (Differenzialdiagnose: Pneumonie). Die Indikation für eine Röntgenthoraxaufnahme sollte nur gestellt werden, wenn klinisch der Verdacht auf eine akute Pneumonie besteht (Puls > 100/min, Atemfrequenz > 24/min, Fieber oder typischer Auskultationsbefund). 40 % der Erkrankten zeigen eine vorübergehende Einschränkung der Lungenfunktion. Bei Influenzaverdacht (Anamnese: akut einsetzendes hohes Fieber, Schüttelfrost, trockener Husten und Muskel-, Gelenk- oder Kopfschmerzen) mit atypischer Klinik oder bei Patienten mit erhöhtem Risiko für einen schweren Influenzaverlauf wird in den ersten 48 Stunden nach Symptombeginn ein Influenza-Schnelltest Influenza-SchnelltestBronchitis, akuteempfohlen .
Wichtige Differenzialdiagnosen der akuten Bronchitis sind Asthma bronchiale, chronische Bronchitis, Pertussis und seltener eine Bronchiektasenerkrankung oder Bronchiolitis.

Therapie

Die akute Bronchitis wird unabhängig von dem Auslöser (Viren, Bakterien) wegen der meist spontanen Ausheilung nicht typischerweise kausal therapiert. Bei starken Beschwerden können Sekretolytika, Mukolytika oder Antitussiva unterstützend zum Einsatz kommen . Nur bei vorbestehender Lungenerkrankung (COPD/Asthma/Bronchiektasen) und bakterieller Superinfektion werden Antibiotika eingesetzt. Sind Influenzaerreger nachgewiesen, können antivirale Substanzen (Zamivir, Oseltamivir), sofern sie innerhalb der ersten 48 Stunden nach Symptombeginn angewendet werden, die Symptomdauer um einen Tag verkürzen . Entgegen der landläufigen Meinung ist vermehrtes Trinken nicht geeignet, um die Sputumproduktion zu intensivieren. Zahlreiche Studien zeigen, dass Antibiotika zu unkritisch und häufig eingesetzt werden. Hinsichtlich der Dauer und Schwere der Erkrankung profitieren die Patienten wegen der meist viralen Genese nicht.
Gelegentlich werden bei anhaltendem postinfektiösen Husten inhalative Kortikosteroide und im Falle einer nachgewiesenen Atemwegsobstruktion inhalative β2-Sympathomimetika eingesetzt. Dieses Vorgehen ist allerdings nicht durch klinische Studien belegt.

Komplikationen

Bei einer sekundären bakteriellen Infektion InfektionenbakterielleBronchitis, akutebakterielle InfektionenBronchitis, akute(häufiger Erreger sind hier Haemophilus influenzae, Streptococcus pneumoniae, Staphylokokken u. a.) kommen entsprechende Antibiotika zum Einsatz (Pneumonie).PneumonieBronchitis, akute Ältere Patienten, Patienten mit kardialen Grunderkrankungen und unter Immunsuppression stehende Patienten sind vermehrt gefährdet und profitieren möglicherweise von einer frühzeitigen antibiotischen Therapie. Bei Patienten mit Asthma und COPD ist eine Intensivierung der antiobstruktiven Therapie, die sich an den entsprechenden Empfehlungen zur Behandlung der Infektexazerbation orientiert, erforderlich .

Evidenz der Diagnostik und Therapie bei akuter Bronchitis

Evidenzgrad Empfehlungsstärke
Diagnostik
Anamnese und körperliche Untersuchung i. d. R. ausreichend (Verzicht auf technische Untersuchungen) IV B
Bei Verdacht auf Influenza sollte keine routinemäßige Labordiagnostik (Serologie, Virus-Direktnachweis) erfolgen. Ia A
Therapie
antibiotische Therapie bei akutem Husten nicht erforderlich Ia A
Akuter Husten sollte nur in Ausnahmefällen mit Antitussiva behandelt werden. IIa B
Phytopharmaka (Myrtol, Thymian) bei akuter Bronchitis mit Husten Ib A
Abwägender Antibiotikaeinsatz bei Patienten mit schweren kardialen/respiratorischen Krankheiten, angeborenen oder erworbenen Immundefekten oder bei alten Patienten im Einzelfall IV C
Einsatz von kurzwirksamen β2-Mimetika bei Patienten mit akuter Bronchitis und Atemwegsobstruktion IV C

Ökonomische Aspekte

Angesichts der Häufigkeit von akuten Bronchitiden in der hausärztlichen Praxis ist ein symptomorientiertes Vorgehen angezeigt.

Der frühzeitige und breite Einsatz von Antibiotika ist zur Vermeidung von Resistenzentwicklungen und aus ökonomischen Gründen zu vermeiden.

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